Nr. 14. ffiMflnementS'Bedlman�R: tllonnnnmlS• Preis vrtnumeranS», Pierleljährl. 830 SKf, monall. 1.10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei in8 HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- munmei mit illukiri erler Sonntag?« Beilage»Die Reue Welt' 10 Pjg. Post- «bonnemem: l.10 Mark vro Monat. Einaetragea m die Pos,. Zeitung». Preisliste. UlUcr Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da? übrige Susland 8 Mark dro Monat. Poslabonnement? nebmcnvill?l Nur ein Narr»vartet erst auf Antwort! Der biedere mit der Reaktion blockbrüderlich versippte Freisinn hat die Dinge eben so genial geschoben, daß an der vorsichtigcrweise so spät von ihm und den reaktionären Helfer» ausgelvorfcnvn Angel just- nur die. vier Sozial demokratem Bvrgmann," HeiMann; Hwsch und Hoffmann hängen blieben,»vährcnd die ans Grund derselbe»„Gesetz- Widrigkeit" gewählten freisinnigen Abgeordneten Träger, Gerschel, Kopsch, Müller-Sagan, Cassel und R 0 s e n 0 w nach wie vor dem Geldsackpnrlamcnt angehören und dort dereinst mit Orden belohnte Blockhandlangerdicnste leisten dürfen! Daß dieser staunenswerte Zufall der Protestverzögcrnng der Fischbeck-Brüdcr freisinniger— konservativer Kouleur(die Farben sind ja seit den Hottentottenivahlen bedenklich in einander geflossen I) aber kein Zufall ist, dafür»vollen»vir folgende Tatsachen beibringen: Erstens: Die Freisinnigen planten ursprünglich— da sie sich doch noch nicht zu der Objektivität und dem geradezu antiken Rcchtlichkeitsfanatismns der Fischbeckianer aufzuschwingen vermochten—»vegen der Un- eichheit der Steuerveranlagung gegen sämtliche Berliner ahlen Protest einzulegen. Da machten aber kluge Politiker, wie die ja in M i t l e i d e n s ch a s t gezogenen Herren Cassel und Rosenow geltend, daß dann ja auch die sechs Berliner F r e i s i n n s m a n d a t e für ungültig er- klärt»Verden müßten. Das zog! Umsomehr, als der Trost, daß dann außer den jetzt beanstandeten vier sozial- deinokratischen Mandaten auch noch die Mandate der Gcncsscn Liebknecht und S t r ö b e l für ungültig erklärt»vürden, ein sehr magerer»var: war doch deren Wiederwahl tod- sicher, da sie ja bereits von den e r st e n beiden Klassen geivählt»vordcn»varen! Deshalb verzichtete man auf die gänzlich nutzlose Anfechtung der Wahl dieser beiden Ge- nassen, u>,i sich selbst den Verlust von sechs Mandaten zu ersparen! Ziveitens: Dr. F i s ch b e ck versucht den„großen Unbe- kannten"— ein offenbar fischbcckianisch angelogenes Preßburcau faselt ja sogar von einem sozialdemokratischen Protest!— für den perfid ans dem Hinterhalt abgefeuerten Protest verantwortlich zu machen! Dabei hat Fischbeck selbst einem Magisttatsmitglicde ins Gesicht erklärt, daß er — natürlich nach Ablauf der Sichernngsfrist für die frei- sinnigen Abgeordneten Berlins—»vegen der Anordnung des Berliner Magistrats Protest erheben»verde! Drittens: Herr F i s ch b e ck, der Wortführer des Freisinns, hat während der kritischen Zeit selbst mehrere Wochen für den beurlaubten Stadtrat Böhm— den Dezernenten für Wahlsachen— das Dezernat geführt. Er hat, ob- »vohl er von dem Verfahren des Magisttats Kenntnis hatte und dafür als stellvertretender Dezernent die Mist- Verantwortung übernahm, dies Verfahren n i cht inhibiert, wie es in seiner Macht stand«nd seine Pst? st gewesen wäre! DaS ist der Fischbcck, der Großsiegelbewahrer des Rechtt?» der Vertreter freisinnigen RechtsbcwnsttscinS! Die Komödie ist z 11 ekelhaft! Das sind die freisinnigen„WahlrechtSkämpfer"! Statt ihren Beteuerungen gemäß für das allgemeine, gleiche, dirette und geheime Wahlrecht zu kämpfen, sind sie am Werke, dem entrechteten Bolke das Wahlrecht noch»»ehr zu kürze»! Die Verttetung der st ä r k st e n Partei Preußens wollen sie von sieben Vertreten ans drei vermindern! Pfui Teufel! Nieder mit den freisinnigen Wahlrechtsränbern! Nieder mit den Hehlern und Nntznicsiern des Terrors! Nieder mit der Blockniedcrtracht! Auf die SchlUlzen für das freie, gleiche Germanifleruns in d«r Hordmarit. Tie Landräte und die ihnen ergebenen Amtsvorsteher führen 'ein unumschränktes Regiment auf dem Lande. Tas hat niemand treffender geschildert als der Husumer Bürgermeister Schücking in seinem Buche:»Die Reaktion in der inneren Bcrwaltung Preußens." StirgendS tritt jedoch daö selbstherrliche Regiment der unteren Verwaltungsbehörden schärfer hervor als in Nord- schlcswig. Hier lebt noch in dem Bewußtsein der Beamten die ijcilanb Köüersche Zwangspolitik. Daneben hetzt eine gewissenlose Presse, die unter dem Köllerschen Regime entstanden ist und noch heute durch die Regierung indirekt subventioniert wird, immer von neuem gegen den dänisch gesinnten Teil der Bevölkerung und putscht die Behörden immer wieder zu Zwangsmatzrcgeln auf. So kommt cs, das; hier und dort ein Landrat oder Amtsvorsteher auf eigene Faust Germanisationsvolitik im alten Stile betreibt, trotz- dem seit dem Amtsantritt des jetzigen Oberpräsidenten v. Bülow bedeutend mildere Seiten gegen die Dänen aufgezogen worden sind. Ein Fall, der in dieser Hinsicht typisch ist, hat sich vor einigen Tagen in der Nähe von Flensburg abgespielt. Der Dänische Vor- tragsvercin für Flensburg und Umgegend hatte eine Versammlung in Pattburg bei Flensburg einberufen. Tic Versammlung war eine geschlossene Mitgliederversammlung, die also nach dem Ver- einSgesetz nicht angemeldet werden braucht und in der auch der «slebrauch der dänischen Sprache nicht verboten werden durfte. Trotzdem erschien der Amstvorstehcr Hansen aus Bau mit einem Gendarmen, um die Versammlung zu überwachen. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Versammlung eine geschlossene Mit- gliederversammlung sei, ja, ihm wurde freigestellt, zu kontrollieren, daß nur Mitglieder des Vereins Zutritt hatten. Trotzdem bestand er auf die Uebcrwachung und ließ sich auch nicht davon abhalten, als ihm der Vorsitzende ankündigte, daß er gegen ihn Strafantrag wegen Hausfriedensbruch stellen werde. Als darauf der Land- tagöabgeordnete Nissen seinen Vortrag in dänischer Sprache begann, forderte der Amtsvorsteher den Vorsitzenden auf, den bledncr zu veranlassen, sich der deutschen Sprache zu bedienen oder ihn? das Wort zu entziehen. Das Ansinnen wurde abgelehnt, und darauf löste der Amtsvorsteher die Versammlung auf. Am nächsten Tage forderte der Vorsitzende vom Amtsvorfteher auf Grund des letzten Absatzes des§ 14 des Reichsvereinsgesetzes die schriftliche Begründung der Auflösung. Tie Antwort lautete lakonisch, die Bersammlung sei aufgelöst worden, weil sie öffentlich gewesen sei. Tatsachen wurden für diesen Auflösungsgrund nicht angeführt. Damit war die Geschichte jedoch noch nicht erledigt. Es folgte der zweite Akt der selbstherrlichen Germanisierungspolitik der unte- ren Verwaltungsbehörden. Einige Tage nach der Versammlung erhielt der stellvertretende Gemeindevorsteher Karsten Gregcr- s e n in Fröslcv nämlich ein Schreiben des Landrats, in dem eS heißt: „Da festgestellt ist, daß Sie an der Versammlung in Patt- bürg teilgenommen haben, ersuche ich Sie, ungesäumt Ihre samt- lichen Aemter niederzulegen." Der Amtsvorsteher hatte sich also nicht nur ungesetzlicherweise in eine Versammlung gedrängt, er hatte auch die Wahrnehmungen, die er dort gemacht, dazu benutzt, einen Mann zu strafen, dessen gesetzliches Recht cs war. der Versammlung beizuwohnen. Solche Maßnahmen können natürlich die Dänen NordschleSwigs itidljt mit dem preußischen Regime aussöhnen, sie müssen vielmehr die Erbitterung steigern.. Außer den direkt an dem Unterdruikungs- triege gegen die Dänen interessierten Elementen— und das sind nicht wenige—, werden solche Maßnahmen auch von den Deutschen in Nordschlesweg scharf verurteilt. Hat sich doch erst kürzlich die Stadtverordnetenversammlung in Tondern durch einen Beschluß scharf gegen die Gründung einer Ortsabtcilung des„Deutschen Vereins für das nördliche Schleswig"— des Herdes der anti- dänischen Hetze— ausgesprochen, llnd als die„Schleswigsche Grenzpost" in Hadersleben, das gehässigste der von der Regierung subventionierten deutschen Preßorgane in Nordschleswig, die Stadt- verordneten von Tondern in maßloser Weise beschimpfte, haben diese Beschwerde bei der Regierung eingelegt. Die Regierung wird jetzt zeigen müssen, ob sie ihr Doppelspiel: auf der einen Seite die Betonung dcö milderen Kurses und auf der anderen Seite Unterstützung der diesem milderen Kurse mit allen Mitteln ent- gcgenarbeitenden Preßorgane, weiter treiben will. Sie wird ferner Zeigen müssen, ob sie den Willen und die Macht hat, das selbst- herrliche Regiment der unteren Verwaltungsbehörden zu beseitigen. • Der VersammlungZauflösung in Pattburg ist eine neue Auf- lösung in Flensburg gefolgt. Eine von LR» Mitgliedern des Dänischen Vortragsvereins besuchte Versammlung protestierte durch Annahme einer in deutscher Sprache abgefaßten Resolution gegen die Auflösung der Versammlung in Pattburg. Als nach der An- nähme der Resolution die Versammelten ein dänisches Lied an- stimmten, lösch der überwachende Beamte die Bersammlung auf. Hundert Mark billiger! Afrika-PeierS hat eine gute Witterung gehabt, alö er die Berufung gegen das Münchener Schöffengerichtsurteil zurückzog, das den Genossen Gruber wegen Beleidigung Peters mit 500 M. Geldstrafe belegte. Der Ausgang der Berufungsverhandlung, die auf Grund der Berufung des Beklagten stattfinden mußte, hat's erwiesen. Um 100 M. billiger ist die Peters-Belcidigung der ..Münchener Post" bewertet worden. Daö ist für Peters nicht sehr tröstlich. Um so weniger, als das, was an neuen Momenten in der Verhandlung vorkam, daö feststehende Urteil aller gesitteten Menschen über den von der Arendtclique als großen Kulturpionier Gefeierten nur verstärken kann. Der Zeuge Bronsart von Schellendorf, dessen Aussage das ernstliche Bestreben verrät, seinem Gegner nicht zuviel zu tun— hebt er doch auch Momente hervor, die geeignet sein könnten. Einzelheiten der Vorgänge am Kilimandscharo in ein für PeterS günstigeres Licht zu setzen— hat das entsetzliche Wort bestätigt: ..Ich trinke auf daS Wohl des seligen Mabrukl" Tics Wort charakterisiert den Menschen, der cs über die Lippen brachte, zur Genüge. Nach dieser Prove Petersschcr Gesinnung ist eigentlich jedes weitere Zeugnis überflüssig. Ein Mensch, der unter den Umständen, wie sie für PeterS hier vorlagen, einen solchen Ausspruch tun kann, hat sein Urteil in den Augen aller Leute, für die der Begriff Menschlichkeit noch nicht zum Spott geworden ist. selbst gesprochen. DieS Wort ist eine Rechtfertigung aller derer, die PeterS angegriffen haben. Dies Wort ist ein Beweis. ES wirft alle Erklärungen um, die die Taten PeterS' am Kilimand- fcharo als notwendige Sicherungsmaßregeln in gefährlicher Lage hinstellen wollen? Dazu der Brief Baumanns, die Aussage des dem Peters befreundeten Zeugen von Pechmann» daß Prügel bei Petersschen Expeditionen„tägliches Brot" waren» das Urteil v. Bennigsens, und so vieles andere mehr! Das Gericht hat sich allerdings in feiner Urteilsbegründung Lehr zurückgehalten, Es will nach dem Lorbild des Schöffengerichts kein Urieil darüber abgeben, ob die Taten Peierö' durch die Lage am Kilimandscharo zur Sicherung der Europäer geboten waren oder nicht. Es beruft sich dafür auf die auseinandergehenden Urteile der Sachverständigen. Es meint, die Sache könne wegen der geschwächten Erinnerung der Zeugen nicht mehr vollständig gc- klärt werben. Allerdings ist das Bild, das die Zeugenaussagen gaben, von Prozeß zu Prozeß dlasscr geworden. Aber bestehen bleiben die Urteile, die im Disziplinarverfahren gegen Peters gefällt wurden auf Grund von Zeugnissen, die noch neu und frisch Ivaren. Jedenfalls haben alle Pctersprozeffe diese Urteile nicht um- stoßen noch erschüttern können. Peters bleibt für alle Menschen, denen die Kolonialpolitik nicht das sittliche Urteil verwirrt hat, die nicht um kapitalistischen Profits und sogenannter Machtcrweiterung des Vaterlandes willen jede Grausamkeit gegen Wilde für erlaubt halten, gerichtet. Freilich, Peters ist kein einzelner, der gerichtliche Vertreter PeterS' aber hat in seinem Plaidoyer ein Wort gesagt, das eine ins Herz treffende Kritik aller kapitalistischen Kolonialpolitik ist. Kein Land, so war der Sinn des Rosenthalschen Satzes, hat je eine Kolonie erworben, ohne daß nach Petersschen Rezepten verfahren lvurde. Herr Roscnthal hat Recht, ganz Recht, nur zu sehr Recht. Deshalb ist ja die Kolonialgeschichte jedes Volkes ein Strom von Blut und Greueln. Und schon deshalb kann das klassenbewußte Proletariat'nie etwas mit ihr gemein haben! Leichsfttordnnngzrefom. AuS Wie» wird uns vom 15. Januar geschrieben: Man schickt sich im österreichischen Abgeordnetenhausc nun allen Ernstes an, die Frage der Geschäftsordnung irgendwie zu lösen. Ter Berichterstatter des GcschäftsordnungsauSschusses, der jüngst zum Vizepräsidenten gewählte dcutsch-nationale Abge- ordnete Stcinwender, hat bereits einen Entwurf ausgearbeitet, und der Ausschuß soll nächste Woche, bevor das Haus feine Arbeiten wieder aufnehmen wird, in die Verhandlung der Sache eingehen, die zu den schwierigsten ParlamentSproblemen gehört. Mehr noch als in jedem anderen Parlament, obwohl sie cs überall ist, erweist sich die Frage der Geschäftsordnung in Oesterreich als eine Frage der Macht, in der um mehr gerungen wird, als um die simple Sache der richtigen technischen Bestimmungen für den Gang der parlamentarischen Arbeit. ES ist also gar nicht ausgemacht, obwohl das Urteil über die Unerträglichkeit der gegen- wärtigen Zustände nicht schwankt und an ihrer Verbesserung eigentlich alle Parteien interessiert sind, ob der neueste Versuch, die alte Geschäftsordnung(sie stammt unverändert aus dem Jahre 1373) zu reformieren, mehr Erfolg haben wird, als alle bisherigen, die ausnahmslos gescheitert sind. Tie Geschäftsordnung des österreichischen Abgeordnetenhauses ist heute deshalb ein parlamentarisches Unikum, weil sie die Ob- struktion geradezu kinderleicht ermöglicht. Würde man den Unter- schied zwischen der Geschäftsordnung des Deutschen Reiches und der des österreichischen Abgeordnetenhauses darzulegen haben, so müßte man sagen, daß im Reichstage überhaupt nicht obstruiert werden kann, in Oesterreich eigentlich obstruiert werden muß. Die Verhandlungen des Reichstages zu erschweren, zu hemmen oder stillzusetzen, ist einfach unmöglich; die größte Minorität ist außer- stände, der absoluten Geltung des Mehrheitsprinzips irgendwie Abbruch zu tun. Was aber vermag im österreichischen Abge- ordnetenhause heute eine selbst kleine Minorität? Zur Ein- bringung von Dringlichkeitsanträgen genügen 20 Unterschristen; diese Dringlichkeitsanträge, in der Materie ganz unbegrenzt, gehen aber jeder Tagesordnung voran, selbst einer, die nur die Fortsetzung einer Beratung wäre. Fünfzehn Abgeordnete können eine Interpellation einbringen und jede Interpellation kann so lang sein, als sie mag(es hat schon solche, die 40 Druckseiten lang waren, gegeben), und alle müssen in derselben Sitzung, in der sie eingebracht wurden, wörtlich ver- lesen werden. Vor jeder Abstimmung muß auf Verlangen von 20 Abgeordneten eine Pause von 10 Minuten eintreten. 50 Ab- geordnete können eine Abstimmung durch Namensaufruf erzwingen (und was der Namensaufruf von 516 Mitgliedern an Zeit kostet, kann man sich ausrechnen) und die Gelegenheiten zu Abstimmungen können durch die zu Beginn der Sitzung über Antrag vorzulesenden Petitionen lveit über jeden denkbaren Bedarf gesteigert werden. Alles das, und manches andere noch, gibt es im Reichstage nicht, dessen Geschäftsordnung nach den Abänderungen während des Kampfes um den Zolltarif der Minorität auch nicht die kleinste Möglichkeit gelassen hat, der Majorität auch bloß unangenehm zu werden, geschweige, sie in ihrem Beschließungshandwerk irgendwie zu stören. Daß durch dies« Wchrlosmachung der Minorität die Kraft des deutschen Reichstages außerordentlich geschwächt worden ist, steht wohl außer allem Zweifel, wie überhaupt ein Parlament mit gar zu weit getriebenem Ordnungssinn nichts weniger als ein Ideal ist. DaS österreichische Abgeordnetenhaus stellt freilich nach der anderen Seite das Extrem dar, und e» gibt sicherlich in der ganzen Welt kein Parlament, da» in ähnlich verworrener und verwirrender Weise seine Geschäfte führen würde. ES ist wirklich ein Wunder, daß cS trotzdem geht; und das Parlament des allge- meinen Wahlrechts muß aus gutem Holze gemacht sein, daß cS mit der erschrecklichen Schlamperei immer noch fertig geworden ist. Nun wäre es freilich das einfachste, alle diese Gelegenheiten zur Obstruktion zu beseitigen, und tatsächlich strebt der Vorschlag des Referenten nichts anderes an. Nur daß eben dann zweierlei zu erwägen ist. Erstens, daß die Reform, die nur im Wege der Tagesordnung beschlossen werde,: kann, praktisch nicht leicht durch- gesetzt werden kann, nachdem sie mit demselben geringen Kraft- aufwand zu verhindern ist. mit dem im österreichischen Ab- geordnctenhause alles verhindert werden kann; und zweitens, daß eine Geschäftsordnung, welche den Minoritäten die Rechte gar zu empfindlich einschränken würde, die Gefahr einer Partei- Herrschast heraufbeschwört, die in dein Nationalitätenstaate. wo die Minoritäten nicht nur Parteien und Klassen, sondern auch Nationen sind, schlechthin unerträglich wirken würde. Die Obstruktion ist ja eine Landplage geworden und ihre so leichte Er- reichbarkeit ist die Krankheit des neuen Hauses, das trotz aller Arbeitsbereitschaft der überwiegenden Mehrheit des Hauses zu keinem ruhigen Atemzug kommt. Aber die Möglichkeit der Obstruktion wirkt doch wieder als ausgleichendes, die Partei- tyrannis hemmendes, als das regulierende Prinzip des Parlamentarismus, und sie auö der Geschäfts» ordnung zu tilgen, hieße daS Parlament der schrankenlosen Herr- schast einer Mehrheit au» Deutschklerikalen und Slawen aus- liefern, deren Skrupellos, gleit und Selbstsucht durch keine Er- wägungen der Billigkeit getrübt wäre. Daß sich auch die Sozial- demokratie, die dauernde Minorität des bürgerlichen Parlamentarismus, die Waffe nicht entwinden lassen kann, die sie vor gewalttätigen Angriffen auf das Recht des Proletariats be- wahrt und ihr den der Bedeutung des Proletariats innerhalb der Wählerschaft entsprechenden Einfluß im Parlament sichert, ist da- nach einleuchtend; so hoch kann ihr der Parlamentarismus nicht stehen, daß die Rückficht auf seine Funktion das Gelvicht der prole. tarischen Interessen zurückdrängen dürste. Deshalb wird unsere Fraktion die Reform der Geschäftsordnung wohl unterstützen, aber die Aufrichtung eines Partciregiments zu hindern wissen. Der Kampf wird sich vorzugsweise um die Erhaltung der Dringlichkeitsanträge bewegen, deuen der Refercntciworschlag alle Bedeutung nehmen will. Sie. sollen künftig, statt sofort, am Schlüsse der Sitzung zur Verhandlung kommen, und die Debatte über die Dringlichkeit soll auf die bloße Begrüudungsrcde des Aniragstellers reduziert werden. Damit würde ihnen das Rüo- grat gebrochen und ihre Bedeutung als parlamentarische Ein- richtung wie als Obstruktionsmittel gleichermaßen ausgelöscht. Dem- gegenüber vertritt der Sozialdemokratische Verband die An- schauung, daß an der Einrichtung, die aus prinzipiellen Gründen notwendig, aus sachlichen nützlich ist, im Wesen nichts geändert werden darf, die Reform nur in der E i n d ä m m u n g d er Z a h l der Dringlichkeitsanträge. also der Erhöhung ihrer notwendigen Unterstützung, bestehen darf. ES wird wohl auch so geschehen, da gegen den Willen unserer Fraktion die Reform un- möglich cst. politische(leberllcht. Berlin, den 16. Januar 1369. Arbeitskammer«. AuS dem Reichstage, 16. Januar. Um die Wette bemühten sich heute zwei Vertreter der christlichsozialcü Arbeiterbewegung, der Stöckerling Behrens und der Zentrumsmann Giesbcrts, nachzuweisen, um wie viel näher sie dem Regierungsherzen stehen müßten als die klassen- kämpferischen Sozialdemokraten. Daß Legten.nicht nur als Gewerkschaftler, sondern auch als Sozialdemokrat gesprochen hatte, war dem kaplanfrommen Sinne des Herrn Giesberts unverständlich. Er versuchte sich an dem beliebten Spiel. Un- frieden zwischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften zu stiften, mit den alten abgedroschenen Mitteln, mußte aber doch zugeben, daß an den Forderungen, die die Sozialdemo kratie an den Gesetzentwurf stellt,„manches berechttgt" sei. Mit weit größerem sozialpolitischen Verständnis als diese beiden Christen trat der Pole KulerLki an die Sache heran. Genau wie Legten das auch getan, bekämpfte er die kapita- listische Legende von der Harmonie der Interessen zwischen Kapital und Arbeit. In energischer Weise wies dann Genosse Severin g die Anzapfungen Giesberts zurück. Gegenüber mißverständ lichen Auslegungen präzisierte er die Stellungnahme der Sozialdemokratte zu dem Gesetzentwurs dahin, daß die Partei für Arbeiter kammern sei. wenn diese hauptsächlich eine gutachtliche Tätigkeit ausüben sollen; wir würden uns aber auch mit Arbeits kammern einverstanden erklären können. wenn sie Exekutiv b es ugnisse erhalten würden. Da von sei aber leider in dem Gesichentwurf nichts zu spüren. Gelänge es, dem Gesetze eine für die Arbeiter wirklich er fp rießliche Gestatt zu geben, dann würde die sozialdemokra tische Partei ihre Mitwirkung nicht versagen. Der Entwurf wurde einer 28glicdrigcn Kommission über wiesen._ Grostindustricllc und Regierung. DaS schöne Dienstverhältnis der preußischen Regierung zn den rheinischen Kohlen- und Eisenmagnaten illustriert treffender, als lange Auseinandersetzungen es vermöchten, das nachfolgende Telegramm des Wolffschea Telegraphen bureaus: Mülheim(Ruhr), 16. Januar. Die Firma Math. StinneS. die größte Rcedereifinna aus dem Rhein und durch ihren Zechenbesitz einer der wichtigsten Faktoren im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier, feierte heute ihr hundertjähriges Jubiläum. Die Behörden waren vertreten durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz Freiherrn von Schorlemer-Liesor, den Re- gierungSpräsidenten von Düsseldorf Schreiber- den Berghauptmann des Oberbergamts in Dort- mund Liebrecht sowie die Oberbürgermeister von Mülheim und Essen. Femer waren anwesend Wirklicher Geheimer Rm Exzellenz Hamm, Senator Wessels-Bremen als Vertreter der Binnen- schiffahttS-BerufSgenossenschaft, sowie Deputationen aller Vereini- gungen, die mit der Schiffahrt auf dem Rhein oder dem Kohlen- bergbau in Beziehung stehen, so des rheiiiisch-westsälischen Kohlen- syndikatS, der rheinischen Kohlenhandel- und Reedereigesellschasr. der vereinigten Reeder vom Ober- und Mittelrhein, des Vereins zur Wahrung der RheinschiffahrtSinteressen u. n. Weiter nahmen an der Feier teil die Chefs aller großen HandlungShänser der Rheinprovinz. Seine Majestät der Kaiser hat einer Anzahl verdienter Beamten und Schiffer des Hauses Math. StinneS Auszeichnungen verliehen, die durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz überreicht wurden._ Die Simultanschule in Württemberg. Stuttgart, 16. Januar.(Tclegraphischcr Bericht.) In de: heutigen Sitzung der Württcmbergischen Zweiten Kammer fiel bei Beratung der Volksschulnovelle die Entscheidung über die Ein- führung der Simultanschulc. Tie Sozialdemokratie beantragte, daß es den Gemeinden gestattet fein solle, an Stelle der Kon- fcssionsschule die Simultanschule einzuführen. Tie Valfspartd beantragte dasselbe mit der Einschränkung, falls dadurch eine Ver- besserung des VolkSschulwescnS wescnttich erzielt wird. Weiter stellte die Bolkspartei den Eventualantrag, daß 15 Proz. Er- ziehungSberechtigte(Bäter) für ihre Kinder die Simultanschule ver- langen können neben der Konfessionsschule. Der RegierungScnt- wurf will das Recht für Errichtung einer Konfessionsschule bereit.- zugestehen, wenn von 66 Familienvätern 31 das verlangen. Ter Kommissionsantrag will erst 306 Vätern das Recht zugestehen, eine Simultanschulc für ihre Kinder zu verlangen, falls keine nachteilige Zersplitterung des«Schulwesens eintritt. Bei der Abstimmung stimmte die Bolkspartei und«Sozialdemokratie für den sozial- demokratischen Antrag, der abgelehnt wurde. Ebenso wurde der volkspartciliche Antrag abgelehnt mit demselben Stimmenverhältnis. Auch der Antrag, daß 15 Proz. Väter eine Simultanschule ver- langen können, wurde abgelehnt. Es blieb noch der Antrag, daß 300 Väter die Simultanschule verlangen können, und der Rc- gierungSentwurs übrig. Ter Antrag der Kommission hätte zur Folge gehabt, daß die Simultanschule neben der Konfessionsschule nur in 2 oder 3 größeren Städten möglich geworden wäre, während in kleineren Gemeinden, die am schwersten unter der Zcr- splitterung zu leiden gehabt hätten, es bei der Konfessionsschule geblieben wäre. Gegen den Antrag der Kommission stimmten das Zentrum, der Bauernbund und 8 unserer Genossen, während drei Genossen dafür stimmten und 5 Genossen sich der«Stimme enthielten. Ter Kommissionsantrag fiel somit mit 36 gegen 45 Stimmen. Die Regierungsvorlage ist angenommen worden, welche also jede Simultanschule ausschließt. WaS zur Zersplitterung der Stimmen unserer Genossen geführt, ist noch nicht bekannt. Man muß die Gründe erst abwarten. Auch eine Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung. Tas Lberlriegögericht des lt. Armeekorps in Karlsruhe Hai «un Freitag den Musketier Schmohn vom 8. badischen Infanterie- Regiment in Lahr zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er: l. An den sozialdemokratischen„Volksfrcund" in Karlsruhe Briefe geschrieben und damit eine sozialdemokratische Gesinnung betätigt. 2. in einem dieser Briefe den Hauptmann und Kompagnie- chef Kummer beleidigt hat. Der Fall dürfte in den Analen der gewiß an Seltenheiten Nicht armen Militärgerichtsbarkeit einzig dastehen. Er sei in möglichster Kürze hier wiedergegeben: Am 14. April des vorigen Jahres enthielt unser Karlsruher Parteiorgan die folgende Notiz: „Lahr, 14. April. O, welche Lust, Soldat zu sein! Am Montag vor acht Tagen versuchte ein Soldat der 1. Kom- pagnie des Jnfanterie-Regimentes Nr. 169 sich zu erhängen. Er konnte noch rechtzeitig am Selbstmord verhindert werden. Fort- gesetzte Mißhandlungen sollen ihn zu diesem Schritt getrieben haben. Wir empfehlen der Militärbehörde, diesen Fall zu unter- suchen." Schmohn geriet dadurch in den Verdacht, der Verfasser oder Vcranlasser der Notiz zu fein, daß man bei einer Schrankrevision das Konzept eines Briefes an den„Volksfreund" fand. Ter Kompagntechef, Hauptmann v. Kummer, fühlte sich durch die Notiz beleidigt. Gegen Schmohn wurde deshalb Anklage erhoben. Das .Kriegsgericht sprach ihn jedoch frei, da in der Notiz keine Bc- leidigung des Hauptmanns liege. Nun schrieb Schmohn einen zweiten Brief an den„Volks- freund" und beschwerte sich über die Leiden, welche er als Rekrut von den„Alten" durch Schimpfloorte, Stöße vor die Brust, Fuß- trittc usw. auszustehen habe. Zugleich bat er um eine Geldunter- stützung. Damit ihm diese gewährt werden könne, schickte die „Volksfreund"-Redaktion den Brief an den sozialdemokratischen Vertrauensmann in dem Garnisonorle Lahr. Auch von diesem Briefe erhielt die Militärbehörde Kenntnis. Der Gerichtsherr legte nun gegen das freisprechende kricgs- gerichtliche Urteil Berufung an das Lbcrkriegsgcricht Karlsruhe ein. Die Anklage wurde um das Delikt erweitert:„Betätigung sozialdemokratisch er Gesinnung durch das Schreiben eines Briefes an das sozialdemokra- tische Blatt." Am 1. August 1993 wurde Schmohn. obwohl der Anklagevertreter Freisprechung beantragte, zu 3 Monaten Gc- fängnis verurteilt. Die Ansicht dcS Anklagevertreters ging loyal erweise dahin: eine Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung fei in den zwei Briefen nicht zu erblicken. Von dem zweiten Briefe habe die „Volksfreund"-Redaktion nicht einmal Gebrauch gemacht. We«n Schmohn sich über die Mißhandlungen in der Kaserne beschwert habe, so sei das von seinem Standpunkt aus begreiflich gewesen. Leider drang der Anklagevertreter mit dieser Anschauung nicht durch. Schmohn wurde sofort in Haft genommen und in dieser bis Ende November festgehalten. Inzwischen hatte sich nämlich das Reichsmilitärgericht— auf Berufung von beiden Sechen— mit der Angelegenheit zu befassen. Es verwarf die Revision des Schmohn, gab aber der des Gerichtshcrrn statt, da Schjmohu in den geschriebenen Briefen eine sozialdemokratische Gesininung be- tätigt habe. Am Freitag verhandelte nun das Oberkriegsgerichtz Karlsruhe wiederum über die Sache. DaS Endergebnis war: Schmohn wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt.— DaS Gericht erblickte in den Briefen des Soldaten an eine sozialdemokratische Zeitungsredaktion eine Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung. Zugleich fand es durch die.Voltsfreund"-Notiz drn Hauptmann v. Kummer beleidigt. Von der erlittenen Antcrsuchungshast wurden Schuwhn 3 Monate angerechnet. Gegen den„Aolksfteund" ist man nicht vl»gcgangen auS begreiflichen Gründeni Den Rekruten aber steckt man 4 Monate ins Loch, obwohl er sich— darauf deuten alle Urnständc hin— der Tragweite seiner Handlungsweise durchaus rßcht bewußt war. Znr Beschießung zweier Dampfer der Woermann-Linie. Zu der französischen Meldung von der angeblichen Beschießung der beiden Woerinann-Danipfer„Maria Woenuann" und„Henriette Woermann" durch den libernchcn Kreuzer„Lark" teilt die Woermann- Linie mit: Von einer Beschießung der Dampfer kann keine Rede sein. Die Dampfer sind nur angehalten und durch einige Stunden Aufenthalt belästigt worden. Die Woermann-Linie hat sich bereits beschwerdeführend an da? Auswärtige Amt gewandt. Einer der auf- gehaltenen Dampfer ist übrigens bereits in Hamburg eingetroffen. UebrigenS liegt der Borfall schon mehrere Bochen zurück. Der Dampfer„Maria Woermann" befindet sich bereit» wieder im Hamburger Hafen._ Initiativantrag. Am Mittwoch soll der von der sozialdemokratischen Fraktion in, Reichstage gestellte Antrag auf Regelung der RechtsverhälMiffe der landwirtschaftlichen Arbeiter und deS Gesindes zur Beratung gelangen. Als Redner hat die Fraktion die Genossen Brey und Stadthagen bestellt. Graf». Hompesch» der Alterspräsident des deutschen Reichstags und Borsitzende der Zentrumsfraktion. wurde am Donnerstag abend von einem Schlaganfall getroffen. Sein Befinden soll zu ernste» Besorgnissen Anlaß geben.— Hompesch ist 82 Jahre alt; er vertritt den Wahlkreis Düren-Jülich.__ „Schinderknechte". Wie wir am Dienstag mitteilten, hatte die Lübecker Strafkammer die Urteilsverkündigung gegen den Genossen Stelling auf Sonn- abend verschoben. Ein Telegramm meldet uns. daß Stelling zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden ist. Es handelt sich um den Artikel„Schinderknechte", den der „Lübecker Voltsbote" aus dem„Vorwärts" abgedruckt hatte; um jenen Artikel, der objektiv die skandalösen Soldatenschindereien kritisierte, die im vorigen Jahre zu einer Serie sensationeller MißhandlungSprozess« führten. Aus der Kritik am System machten der Kriegsminister v. Einem und die gefügige Staats- anwaltschaft eine„Beleidigung sämtlicher Offiziere und Unter- osfiziere des deutschen HeereS"! Auf diesen Leim ist nun auch die Lübecker Strafkammer gekrochen, indem sie über Stelling die oben genannte Strafe verhängte. ES versteht sich von selbst, daß Genosse Stelling Revision ein- legen wird. Der Prozeß gegen den„Vorwärts' dürfte im Februar vor sich gehen.—_ Amtsrichterliche Auslegung des Vereiusgesetzes. Am 1. November fand in Dortmund eine Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Dortmund-Hörde statt. Zu der Versammlung hatten nur Vereinsmitglieder Zutritt. Es wurde scharfe Türkontrolle ausgeübt. Die Behörde erklärte die Versammlung trotzdem für eine öffentliche, weil an derselben nicht nur die Genossen der Stadt Dortmund, sondern auch die Genossen der Landorte teilnahmen. Der Veranstalter der Versammlung, Parteisekretär Genosse Klugsch, erhielt deshalb einen amtsrichterlichen Strafbefehl über 89 M. Das Dorimunder Schöffengericht hat diese Lesttofung unter der folgenden Begründung bestätigt: „Ms öffentliche Versammlungen sind nicht nur solche anzu- sehen, die als öffentliche veranstaltet loerdcn, sondern im Gegensatz zu den eigentlichen geschlossenen Versammlungen, entsprechend der geltenden Rechtsprechung, insbesondere auch die Versammlungen solcher Vereine, die nach räumlicher Ausdehnung des Gebietes. das sie umfassen, wie nach der Zahl ihrer Mitglieder so groß sind, deren Organisation eine so lose, be, denen der Erwerb und der Verlust der Mitgliedschaft an so geringe Voraussetzungen gebunden und so wechselnd ist, daß von ihnen nicht gesagt'werden kann, ihre Mitglieder bilden einen in sich geschlossenen, bestimmt ab- gegrcnzteu Kreis von innerlich unter sich verbundenen Personen." Es ist Berufung eingelegt._ Politik in Kriegervereinen. Weil sie bei der Stadtverordnetenwahl in Mülheim a. Rhein sozialdemokratisch gestimmt haben, wurden fünf Mitglieder auS dem dortigen Kriegerverein ausgeschlossen. Zugleich wird aus Euskirchen sRheinprobinz) berichtet, daß der dort neu gegründete„Verein der Waffenbrüder" erst dann die behörd- liche Genehmigung erhielt, nachdem, wie es der Oberste der Krieger- vereinler deS RegierungSbezirls Köln verlangt hatte, der bisherige Borsitzende sein Amt niedergelegt hatte. Diesem Manne wurde nämlich zur Last gelegt, daß er bei der jüngüen Stadtverordneten- wähl für den Kandidaten Metz gestimmt habe. Metz ist aber nicht etwa ein roter Umstürzler, sondern nur ein— Demokrat. Reichstagskandidatur in Schrimm-Schroda. In diesem Wahlkreis hat demnächst eine Nachwahl zum Reichs- tage stattzufinden.• Die Polen haben als Kandidaten den Land- tagsabgeordneten v. Nicgolcwski aufgestellt, Ter Kreis ist sicherer polnischer Besitz._ Gestorbene Politiker. In Bonn ist heute morgen der Reichstagsabgeordnete Geheime SanitätSrat Dr. Ruegenberg im Alter von 63 Jahren ge- storben. Dr. Ruegenberg gehörte dem Zentrum an und vertrat seit dein Jahre 1S03 den Wahlkreis Adenau-Zell-Kochem. Ferner starb in Bremen der frühere Vertreter Bremen? im Reichstage, der Senator und Großkaufmam, Frese im Alter von 66 Jahren. Frese hat von 1893—1903 dem Reichstage als Vertreter der Freisinnigen Vereinigung angehört.— Berichtigung. Herr Fritz Bley, Herausgeber der„Zeitfragen', ersucht unS um Aufnahme folgender Zuschrift: An die Redaktion deS„Vorwärts", Nr. 12 des„Vorivärts" enthält unter der Ueberschrift„AuS dem bürgerlichen Preßsumps' die Mitteilung, daß der Schriftsteller Hermann Dahscl früher Redakteur der„Ieitfragen" gewesen sei. Sch ersuche um Aufnahme folgender Berichtigung: s ist unwahr, daß Dahsel jemals Redakteur der„Zeit- fragen" war. Fritz Bley. Herausgeber der.Zeitftagen'. War vielleicht Herr Dahsel nur Mitarbeiter der.Zcitfragen'Z Die Balkankrise. AuS Wien wird gemeldet, daß die unterbrochenen VerHand. lungcn zwischen Bulgarien und der Türkei wieder auf- genommen werden sollen. Die Türkei wolle ihre Ansprüche auf 160 Mill. Frank reduzieren, Bulgarien sei bereit, 120 Mill. zu be- willigen. Da die Differenz so gering ist, ist eine Einigung wahrscheinlich. In Serbien hat das Kabinett Wclinoritsch angesichts dcS Zusammentritts der Skuptschina neuerlich seine. Demission gegeben, die wahrscheinlich angenommen werden würde. ES soll ein neue» Koalitionsministerium gebildet werden. In Wien sind Gerüchte verbreitet, daß Fürst Nikita von Montenegro abgedankt habe; sein Nachfolger soll nicht der Erbprinz Danilo, sondern deffen jüngerer Bruder Mirko werden. Eine Bestätigung dieser Gerüchte ist abzuwarten. frankreieb. Jaurös gegen die Marokkopolitik. In der Marokkodebatte übte JaureS scharfe Kritik an dem Vorgehen der Regierung. Er anerkannte zunächst, daß die Re- gierung trotz der Fehler Rußlands mit Erfolg an der Er- Haltung deS Friedens im Balkangebict und an dem Zustandekommen dcö östcrrcichisch-türkischen Abkommens mit- gearbeitet habe. Für die französische Marokkopolitik empfahl Jaures Klarheit und Entschiedenheit. Nachdem Frankreich den neuen Sultan anerkannt habe, müsse eS ihm seine Aufgabe erleichtern und ihn nicht bloßstellen. Man dürfe nicht eine sofortige Zahlung der Kricgskosten erwarten. Marokko müsse vollständig ge- räumt werden. JaureS sagte sodann, die Besetzung dcS östlichen Marokkos dauere, wie der Bericht des Generals Lyautev zeige, fort. Minister P i ch o n erklärte, dies verhalte sich nicht so. JaureS bestand auf M i t t c i l u n g d e L B e r i ch t ö L y a u t e y S. Ministerpräsident Elemcnceau erwiderte, die Regierung könne nicht alle Berichte ihrer Vertreter zur Kenntnis bringen.(Lärm auf der äußersten Linken.) Minister P i ch o n fügte hinzu, eS gebe diplomatische Schriftstücke die nicht veröffentlicht werden könnten. Trotz der gegenteiligen Behauptung PichonS erklärte Jaures. der Bericht LyauteyS enthalte den Plan zur Besetzung Ost- Marokkos durch Ausbau eines Bahnnetzev zur Erschließung des Gebietes bis zum Muluiaflusse und sogar noch darüber hinaus. Auch der Gesandte R e g n a u l t habe in seinem Berichte über diesen Plan geäußert, das Projekt LyauteyS werde Mulay Hafid Frankreich gegenüber argwöhnisch machen. P i ch o n erklärte, diese Note RegnaultS nicht zu kennen; solange er die Berant- wortlichkcit als Minister habe, werde der Bericht LyauteyS nicht veröffentlicht und nicht einmal der Kommission mitgeteilt werden, der er jede sonstige gewünschte Auskunft geben werde. (Lebhafter Beifall auf der Linken und im Zentrum.) Jaures wandte sich hierauf zur Besprechung der allge- nieinen politischen Lage Europas und erklärte, man habe ihm einmal vorgeworfen, daß er im Namen Deutschlands spreche, als er einige Einwendungen hervorhob, die von dort kommen könnten. Nach wie vor weise er in, Namen Frankreichs auf die Quellen hin. von denen Schwierigkeiten käme». Redner beglückwünschte dann den Minister Pichon zu der maßvolle» Hal- tung, die er in der Orientfrage eingenommen habe und sprach seine Genugtuung darüber aus, daß außer Frankreich auch Deutschland in gleicher Weise in, Interesse des Friedens tätig gewesen sei. Bas die anderen Mächte anbelange, so habe Rußland anläßlich der Balkanwirren alles versucht, sein geschwächtes Prestige bei den slavischen Völkerschaften wieder herzustellen. England habe die Orientereignissc mit ge- mischten Empfindungen angesehen, besonders sei die Haltung, welche ein Teil der englischen Prcffe beobachtet habe, zu bedauern. Jaures betonte am Schlüsse seiner Rede, daß Frankreich sich von der Marokkofrage befreien müsse, um wirksam für die Aufrechterhaltung des Friedens tätig sein zu können. Cürheu AuS dem Parlament. Konstanttnopel, 1Z. Januar.(Deputiertenkammer.) Der F i n a n z», i n i st e r beantwortete heute eine Interpellation wegen der noch nicht erfolgten Einbringung des Budgets. Er erklärte, trotz aller Mahnungen feien die Einzeibudgets noch nicht eingegangen. Das HauS beschäftigte sich sodann mit den in Hast befindlichen Würdenträgern deS alten Regimes, lieber die Frage, wie weit sie zur Verantwortung zu ziehen seien, entspann sich eine lebhafte Debatte, die schließlich aus Momag vertagt wurde. Klus der Partei. Anerkennung. Die„Rhestt. Wests. Ztg." ist ganz entzückt von einem Artikel des Genossen Karl Leuth„er in den„Sozialistischen Monatshefte»", in dem sich höchst überflüssige, zum Teil sehr mißverständliche Bemerkungen über die Auffassung des nationalen und internationalen Problems durch die Sozialdemo- kratic finden. Mißverständlich, wie Leuthncrs Problemstellungen an sich sind, provozieren sie geradezu die Gefahr, von bürgerlicher Seite ausgeschlachtet zu werden. Das Organ der alldeutschen Scharfmacherci erhebt auch bereits Leuthner zu„den geistig a», höchsten Stehenden unter seinen gesinnungsverwandten Genossen", der,„wem, auch mitunter auf falscher Fährtc, so doch im«llge- meinen mit seiner Theorie über Entwickclung des Nationalgefühls durchaus das Richtige" treffe. Und sofort mißbraucht das Scharf- machcrblatt diese Theorie zu einer Hetze gegen die Däne» und Fran- zvsen im Deutschen Reich. Man sieht. Leuthncr hat mit seinen Anhängern Pech, aber ist er daran wirklich ganz unschuldig? Unsere Toten. In Hannover(Kreis Stade) starb am Mittwoch ein verdienter Parteiveteran, der Genosse Heinrich Schulz im Alter von 80 Jahre». Das„Harb. Volksbl." widmet dem Verstorbenen folgenden ehrenden Nachruf: Der alte Kämpfer war trotz seines hohen Alters von seltener Frische und geistiger Regsamkeit. Er stand seit dem Jahre 1867 in der Bewegung und war Mitglied deS Allg. deutschen Arbeitervereins. Alte Harburger Gc- „ossen kennen ihn noch genau. Von Beruf Lehrer, machte er sich durch seine freiheitlichen Bestrebungen unmöglich. Er arbeitete ab- ivechselnd in SchleSwig-Holstein und der Probinz Hmmovcr, war seinerzeit als der beste Ballmalcr auf der großen Gümmifabrik bc- kannt und erlernte außerdem„och die Tuchweberei. Seit etwa achtzehn Jahren ernährte er sich als Weber in Horneburg, bis es nicht mehr ging. Da er infolge der niedrigen Rente, die er bezog. in Bedrängnis geriet,„ahm sich der sozialdemokratische Verein des 17. hannoverschen Wahlkreises brüderlich seiner an und er- leichterte ihm den Lebensabend nach Möglichkeit durch entsprechende Unterstützung. Er. der einst so fröhlich die Fidel strich— er war Gründer und erster Grsanglehrer des Arbeiter-Sängerbundes»n Karburg— hat nun Ruhe. Bis zuletzt stand er in enger Fühlung mit der Parteileitung, an allen politischen Ereignissen„ahm er JnNew j) de! ist Genosse Gott schal k. einer der eifrigsten und tätigsten New Yorker Parteigenossen und Mitbegründer der „New Yorker Volkszeitung". im Alter von 69 Jahren dem Magen- krebs erlegen. Genosse Hermann Gottschalk ist in Düsseldorf gc- boren und war seit 1867 in New York tätig. Ein sozialistischer Bürgermeister, der erste im Lande, wurde vom Stadtrat zu Kasankyk(Bulgarien) gewählt, nachdem d,e Liste der vereinigten Oppositionsparteien bei dm Gcmeindelvahlcn gesiegt hatte. poUielUckus,©erichtllcbea ukw* Eine billig reparierte Reichsverbändlerehre. Bor dem Schöffengericht Bayreuth hatte sich am Donnerstag Genosse Fritz Puchta von der„Fränkischen B o l kL tr ib ü n e" wegen Beleidigung des Rcichsverbandssekrctärs Dr. Main er in Bam- berg zu verantworten. Den, Angeklagten tvar ein Brief„zu- geflogen", den Dr. Mainer in seiner Eigenschaft als Leiter des Reichsvcrbandes für Oberfranken an den Landrat Weiß in Arzberg gerichtet hatte, in dem cr letzteren und dessen Sohn zum Beitritt in die ehrenwerte Organisation zu veranlassen suchte und weiter die Hoffnung aussprach, Weiß möge„dem Appell für die vaterländische Sache etwas mehr Verständnis entgegenbringen wie Fabrikbesitzer Auvera in Arzberg(Oberfranken), der eine ihm angebotene Vorstands stelle im Reichsvcrband in nicht bcson- dcrs freundlichen Worten ablehnte". Diesen Brief verösfcntlichte Genosse P u ch t a mit entsprechen- dem Kommentar. Die Anklage sah die Bcleidiguirg darin, daß in dem Artikel dem Dr. Mainer vorgeworfen tvar, daß er„Bettel- b r i e f c" schreibe, daß behauptet war, daß ihm und anderen von Auvera die Türe gewiesen sei, daß weiter von„Reichs- verbandsburschcn" die Rede war und gesagt wurde, der Reichsverband sei eine Organisation, die m o r a l i s ch m e h r u n d mehr abwirtschafte. Außerdem' enthielt i�r Artikel eine Spitze gegen die Bayreuther Liberalen, die mit dem Reichsverband paktieren. Ihnen war gesagt worden. daßpolitischesRein- lichkeitSgefühletnArtikelsci. dernichtüberall geführt wird. Ter klagende Herr Doktor hatte einen sehr bescheidenen Er- folg. Das Gericht sprach dem Beklagten den§ 193 in weitgehend- stem Maße zu und verurteilte ihn lediglich ioegen des Ausdrucks „Reichsverbandsbu Eschen" zu 10 Möe! G e l d st E a f«. Bekiimpfer deS Umstürze»— eine Beleidigung. Vor dem Schöffengericht A l t c n b u r g stand am Freitag Genosse D i k- r e i t c r von dcr„AltenburgerBolkSzeitun g". Er sollte einen ländlichen Ortöschulinspettor u. a. auch dadurch beleidigt haben, daß cr ihn einen„Bekämpfer des Umsturzes" nannte. Dazu erklärte unser Genosse, er habe bisher gemeint, es gelte in der bürgerlichen Gesellschaft als ehrenvoll, als„Bekämpfer des Um- sturzeö" angesprochen zu tverden. Sollte daS Gericht deswegen gu einer Verurteilung kommen, so müsse die bürgerliche Gesellschaft sich mit der Tatsache abfinden, daß eS nicht ehrenvoll, sondern beleidigend sei. von jemandem zu sagen, daß cr in„Bekämp- fung des Umsturzes" mache. Das Gericht erhöhte die vom Staats- anwalt beantragte Geldstrafe von 00 auf 76 Mark, mit der Ac- gründung, die Redewendungen in der unter Klage stehenden Notiz seien geeignet, den pflichtgetreuen Beamten in der Oeffentlichkei, herabzuwürdigen.— Es gilt also fürderhin im Lande Altellburg nicht mehr für chreiwoll, als Bekämpfer des Umsturzes bezeichnet zu werden. Was man sich merken soll. Die BerleumdungSsucht der Sozialisteufelnde trat in einer GerichtSverbandlung In Scheibenberg im Erzgebirge wieder einmal recht stark zutage. Der Hilfslehrer Gerhart Nestler schünpftc im September v.J. gelegentlich einer Bahnfahrt kräftig auf Genossen Göhrs. Er nannte ihn einen Heuchler und behauptete, daß Göhre sein geistliches Amt wegen eines SittlichkeitöverbrechenS niederlegen mußte. Ein Mitreisender stellte den Verleumder. Bor dem Schöffengericht in Scheibenberg wollte Nestler niclitS mehr davon wissen, doch er wurde durch Zeugenaussagen überführt. Genosse Göhre erNärte, er habe kein Interesse daran, daß Nestlcr in seinem Fortkommen geschädigt werde, deshalb wurde folgender Vergleich geschlossen: .Nestler erklärt, daß er seine durch nichts gerechtfertigte Be- leidigung bedauernd zurücknimmt. Er übernimmt die gesamten Kosten deS Rechtsstreits einschließlich der Auslagen des Privatklägers, insbesondere die Gebühren deS Rechtsanwalts. Der Angeklagte ge- stattet dem Privatkläger, aus vorstehendem Vergleich soviel als dem Privatlläger gut dünkt, in der„Erzgebirgischen Volksstimme' und „EhrenfriederSdorfer Amtsblatt" zu veröffentlichen". Die Kosten dürften über 100 M. betragen. Soziales. Erkrankung infolge Ueberanstrengung. Mit einem Fall außergewöhnlicher Ausbeutung der Arbeits. kraft eines Angestellten hatte sich gestern oie 1. Kummer des Ber- liner KaufmannSgerichtS zu befassen. Der Kläger Paul L. trat am 28. November v. I. als Verkäufer in die Dienste des Beklagten Bruno Antelmann, Inhaber deS„Deutschcn Kolonialhauses". Er hatte von morgens'�8 Uhr bis abends �8 Uhr angestrenatest tätig zu sein und verspürte, wie cr in der Verhandlung ausführte, schon nach den ersten Wochen seiner Tätigkeit infolge der fast erdrückenden Arbeitslast cigs rapide zunehmende Nervenerschlaftuna, Vom 14. Dezember an ließ ber Bellagie bis Iv Uhr abends arbeiten, ob- gleich, wie ein Beisitzer bemerkte, die verlängerte Geschäftszeit vor Weihnachten erst am 17. Dezember begann. Der Kläger hatte in diesen Tagen 17 Stunden Arbeitszeit. Er kam, da er an der Peripherie wohnt, erst gegen Mitternacht nach Hause. Cr hatte dann etwa vier Stunden Nachtruhe übrig; denn er mußte schon ganz früh zum Einkauf für das Geschäft in der Markthalle sein. Die Folge dieser Uebernnstrcngung war, daß der Kläger am 19. Dezember gänzlich zusammenbrach. Der Arzt stellte das Vorhanden- sein von Neurasthenie fest. Ter Beklagte lieh der Benachrichtigung der Erkrankung gerade zu Weihnachten Sie— sofortige Entlassung folgen. Wie die Ehefrau des Klägers als Zeugin bekundete, kam ihr Mann alle Tage völlig erschöpft und ausgehungert nach Hause, denn er durfte im Geschäft nicht einmal einen Happen in Ruhe zum Abendbrot essen. Wollte der Kläger auch nur drei Minuten die Arbeit unterbrechen, dann sagte Herr A.:„Wenn Sie mit der linken Hand das Brot halten, können Sie mit der rechten Hand arbeiten." Als die Beisitzer, auch die Prinzipale, dem Beklagten ihr Erstaunen über die dem Kläger aufgebürdete Arbeitslast zum Ausdruck brachten, erwiderte er:„Was will das für einen rüstigen Mann sagen! Ich habe auch früher so arbeiten müssen." Der Kläger ließ von seinem Anspruch von 299 M. die Summe von 85 M. ab, so daß der Beklagte leider mit einem Vergleich von 115 M. davonkam. In einer Umfatzsteuerfrage, die den Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters einer offenen Handelsgesellschaft betrifft, ist das Obervertvaltungsgericht jetzt nach einer Schwenkung zu seiner ersten Auffassung wieder zurückgekehrt, Zu den beiden Gesellschaftern einer offenen Handelsgesellschaft in Neumünster gehörte der Fabrikant Hansen. Als der zweite Gesell- schafter ausschied, gingen sämtliche Passiven und Aktiven der Gc- sellschaft einschließlich ihres Grundbesitzes auf Hansen über. Dieser wurde nun wegen des Grundstücks zur Umsatzsteuer(Grunv- crwcrbssteuer) herangezogen. Der Bezirksausschutz wies seine Klage auf Freistellung im Hinblick auf ein Urteil des 7. Senats des Oberverwaltungsgerichts ab. Durch dieses Urteil hatte der Senat im Gegensatz zu der früheren Stellung des Gerichts aus- gesprochen, auch unter den hier obwaltenden Umständen bestände die Umsatzsteuerpflicht. Das Urteil des Bezirksausschusses wurde jedoch vor kurzem vom 7. Senat des Obcrverwaltungsgerichts auf Hansens Revision aufgehoben und H. wurde von der Umsatzsteuer freigestellt. Der Senat gab seinen zuletzt vertretenen Standpunkt auf und kehrte zu seiner früheren Auffassung zurück. Diese geht dahin: In Fällen der vorliegenden Art, wo infolge des Ausscheidens des einen von zwei Gesellschaftern einer offenen Handelsgesellschaft sämtliche Passiven uno Aktiven einschließlich des Grundbesitzes auf den verbleibenden Gesellschafter übergingen, liege keine freiwillige Eigcntumsveräußernng vor. Es verfolge vielmehr gegenüber dem verbleibenden Gesellschafter nur ein Zuwachsen im Sinne des § 733 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Hinsichtlich des Grundstücks bedürfe es deshalb keiner Auflassung. Wäre, aber diese nicht er- forderlich, so könne Umsatzsteuer nicht erhoben werden. GcwerkfcbaftUcbcs* ßerUn und Umgegend Der„Unterstuhnngsverein" der Siemens-Werke, Am Freitag, den 15. Januar, fand im„Moabiter Gesellschafts- hauS" eine Betriebsversammlung für alle Arbeiter und Arbeiterinnen der Siemens-Werke statt, die überaus gut besucht war, so daß viele der Anwesenden stehen mußten. Die Versammlung diente dem Zwecke, den in den Siemens-Werken Be- schäftigten zu zeigen, wie ihre Interessen vom Vorstand des gelben Unterstützungsvereins vertreten werden. An Stelle von Adolf Cohen, der verhindert war, hatte der zweite Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, Handle, das Referat übernommen. Der Redner entrollte, gestützt auf reichliches Material, ein ebenso interessantes wie unerfreuliches Bild von den Mißständen in den Siemens-Werken und dem Treiben des Unterstützungsvereins des Betriebes. Redner kommt auf die 1999 eingeführte verschlechterte Arbeitsordnung zu sprechen. Damals wurde jeder Protest durch das Treiben der Gelben schon im Keime erstickt. Man müßte nun annehmen, daß diese von der Firma besser behandelt würoen; doch treffe dies nicht zu. Denn die in letzter Zeit verfügten Maßnahmen im Betriecb seien derart, daß auch die gelben Verbändler zu murren beginnen. Redner erinnert an das schmähliche Verhalten d-s Vorstandes des Unterstützungsvereins bei der Neuen Maschinenbauer- kasse, wo er die eigenen Mitglieder denunzierte, daß sie faulkrank und Simulanten seien. Auch konnte mit seiner Hilfe die Firma aus der Neuen Rkvschinenbauerkassc ausscheiden und eine eigene Betricbskasse gründen, obgleich jeder Arbeiter weiß, daß er in einer solchen Kasse bedeutend ungünstiger gestellt ist, als in einer frei verwalteten Kasse. So wurde denn auch an die Betriebsärzte die ' Anordnung erlassen, nur im äußersten Falle Arbeiter krank zu schreiben. Arbeiter wurden gesund geschrieben, die bestimmt noch krank und arbeitsunfähig waren. Einzelne mußten sich nachträglich auf eigene Kosten ausheilen. Gegen all diese Maßnahmen haben sich die gelben Wortführer nicht aufgelehnt. Kein Wunder, daß die Verhältnisse in dem Betriebe sich immer tveiter verschlechtern. Viel zu wünschen übrig läßt die Behandlung durch die Meister und Obermeister. Auch die wiederholten Abzüge müßten bei den Ar- beitern Verbitterung auslösen. So wurde im Autobau an Lohn und Akkord 3— 5 Pf. die Stunde abgezogen. Als der Arbeiteraus- schuh, der durchweg gelb ist, bei der Betriebsleitung um Zurück- ziehung der Abzüge bat, wurde kategorisch erklärt:„Wem es nicht paßt, der kann gehen!" Im Dhnamowerk, wo nur Gelbe beschäftigt sind, wurde der Stundenverdienst um 25 Pf. gekürzt. Auch in der Abteilung Berg und Bock, wo der Vorsitzende des Unterstützungs- Vereins, Herr Schönknecht, beschäftigt ist, wurden Abzüge ge- macht. Redner unterzieht auch das Strafsystem einer kritischen Betrachtung. Einem Obergelben im Autobau wurden 6 Mark Strafgelder abgezogen, einem anderen Arbeiter 3 M., weil ihm zwei Werkzeugmarken fehlten, einem Schleifer 19 M. usw. Das alles geschehe unter den Augen der Führer des Unterstützungs- Vereins, ohne daß diese wagten, dagegen Maßregeln zu ergreifen. Ueber den Terrorismus, wie er von feiten der Gelben in den Siemens-Werken gegen die freien Gewerkschafter geübt wird, wußte der Refernt manchen charakteristischen Fall anzuführen. Bei der Wahl der Delegierten zum Konsumverein, die per Stimmzettel bor- genommen wird, hat man, ähnlich wie in Junkerdistrikten, durch allerlei ungeeignete Wahlurnen eine Kontrolle auf die Wähler aus- geübt. Solche Kandidaten, die der freien Gewerkschaft angehörten, wurden entlassen. Redner wies auch treffend darauf hin, daß der größte Teil der gelben Mitglieder nur aus Furcht vor Entlassung im Unterstützungsverein bleibt. Ein Arbeiter wünschte in Sie Versuchsanstalt versetzt zu werden. Herr Direktor Lasscr, an den«r sich wandte, meinte, er möge warten, bis die heutige Ver- sammlung vorbei sei, dann würden jedenfalls Plätze srei werden. Umstnst, erklärt der Referent, habe die Firma Siemens nicht Mark an Den LebiuSvcrein gezahlt. Wenn die gelben Führer «vn einer Interessengemeinschaft zwischen Unternehmer und Ar- Nrirer reden, so komme ihm das so vor, als wenn die Hasen mit den Hunden ein Schutz- und Trutzbündnis schlössen. Handle schloß feinen Bortrag mit der Aufforderung an die anwesenden Mit- glicder des Unterstützungsvereins, auszutreten und sich der freien Gewerkschaft anzuschließen, die jederzeit die Interessen der Arbeiter wirksam vertreten habe.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion ergänzten mehrere Redner die Ausführungen des Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig an- genommen: „Die am 15. Januar tagende Versammlung der Arbeiter lind Arbeiterinnen der Siemens-Werke nimmt Kenntnis von dem infamen arbeiterfeindlichen Treiben des Vorstandes des Unter- stütznngsvereins und eines Lebius. Die Versammelten ver- sprechen, nicht eher zu ruhen, bis den Arbeiterverrätern das Handwerk gelegt ist. Die Versammelten geloben, Aufklärung in die Reihen der Mitglieder des Unterstuhungsöereins zu tragen, um sie den freien Gewerkschaften zuzuführen. Nur in den freien Gewerkschaften sehen die Versammelten ihre beste Jnter- essenvertrctung." Ehren-„Bürger" LebiuS. Herr LebiuS wird immer spaßiger. In der neuesten Nummer seines„Bund" erläßt er feierlich einen offenen Brief an den Ge- nossen Dr. Kurt Rosenfeld, der unseren Verantwortlichen kürzlich in einem Lebiusprozeß verteidigt hatte und daher beruflich ge- zwungen war, sich mit der Persönlichkeit d«'s Gelbestcn aller Gelben zu befassen. Das war Lebius offenbar sehr unangenehm, er scheint jetzt selbst einzusehen, daß er sich einer öffentlichen Gerichtsverhand- lung nicht aussetzen kann, ohne arg mitgenommen zu werden, und er richtet nun, um das Kampffcld zu verschieben, an den Genossen Rosenfcld als„gerissenen Parteianwalt" die Frage, ob er die Ge nossen Bebel, Singer, Mehring und andere Genossen für Ehren- männer halte, ob seine Feinfühligkeit in Ehrensachen auch Partei- genossen gegenüber standhalte, oder ob er aus Parteifanatismus gar einer doppelten Moral huldige. Nun, Genosse Rosenfeld dürfte keine Neigung haben, sich zu der selbstverständlichen Antwort herabzulassen, daß eine doppelte Ncoral nur bei Lebius zu finden ist, der sich den Arbeitern gegen- über als unabhängigen Gewerkschaftsführer aufspielt, während er sich von den Unternehmern aushalten läßt, und der konservative Politik unter nationaldemokratischer Flagge treiben will. Viele Spalten hindurch beschäftigt sich Lebius auch mit seinen Prozessen gegen den„Vorwärts". Er bestreitet immer noch, daß er gleichzeitig für Blätter verschiedener politischer Richtungen ge schrieben und daß er selbst zugestanden habe, für die Polizei Be rick'te gefertigt zu haben, während alles dies bereits erwiesen ist. Ueber seine Verdächtigung des Genossen Südekum schweigt er sich vorsichtig aus. Lebius bemängelt auch die Nichtigkeit unserer Prozeßbxrichte während er selbst so weit geht, aus dem Urteil lediglich mitzuteilen daß die Berufung unseres Verantwortlichen zurückgewiesen wurde ohne hinzuzusetzen, daß auch er Berufung eingelegt hatte, und daß auch seine Berufung erfolglos war eben weil das Gericht für eine Beleidigung des Lebius 39 M. als ausreichende Sühne ansah._ Wie Lebius flunkert. Aus Halle a. S. erhalten wir folgende Zuschrift: Herr Rudolf Lebius behauptet in der neuesten Stummer des undcS", ich hätte 1993„durch Gerichtsurteil und journalistische Gutachten meinen sozialdemokratischen Mitarbeitern bewiesen", daß für durchgeschriebene Artikel nur zwei Pfennig Zeilenhonorar ge zahlt zu werden brauchten.— Das ist echt Lebiussche Darstellungs- weise. Der Sachverhalt ist folgender: Unser Blatt hatte damals einem anderen Parteiblatt einen Bericht entnommen; ich glaube es handelte sich um eine Gewerkschaftsversammlung. Nach längerer Zeit forderte Lebius Bezahlung in einer ganz exorbitanten Höhe. Wenn ich mich recht erinnere, verlangte er über 37 M. Für der artige Berichte sind auch heute noch 5—9 M. der übliche Satz. Daß LebiuS, der damals schon aus der„Sächsischen Arbeiterzeitung geschieden war, Anspruch auf das Honorar erheben durfte, war weder einem meiner Redaktionskollegen noch mir bekannt. Um die Sache aus der Welt zu schaffen, bot ich Herrn Lebius mehr als das Doppelte des üblichen Satzes. Auch darauf ging er nicht ein, sondern klagte. In der Verhandlung wurde durck? einen vom Gericht geladenen journalistischen Sachverständigen erklärt, solche Notizen seien überhaupt nachdrucksfrei(das jetzt geltende Urheberrecht mit den verschärften Nachdrucksbcstimmungen ist erst später Gesetz geworden), höchstens sei ein Satz von Pf. pro Druckzeile angemessen. Lebius wurde auf Grund dieses Gutachtens mit seiner Klage, die schon lange Zeit spielte, kostenpflichtig abgewiesen. Ich hatte ihm nicht 2 Pf., sondern 5 Pf. oder noch etwas mehr geboten. Der Sachverständige war keiner unserer Parteigenossen, sondern ein freisinniger Chefredakteur. Und nicht ich habe Herrn Lebius das Zweipfennighonorar«bewiesen", sondern das Gericht hat das getan. Die Einzelheiten des Prozesses, der mit recht blamablen Zwischenfällen für Herrn Lebius verbünden war, sind mir im Augenblick nicht alle gegenwärtig. Herrn Lebius aber müßte sich eigent- lich die bittere Lehre, die ihm der Prozeß brachte, besser ins Ge dächtni? gegraben haben, so daß er nicht flunkern sollte. Halle, 15. Januar 1999._ A. Thiele. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Salh Roscnberg, Dircksenstr. 49, haben sämtliche Arbeiter, weil sie Lohn abzüge nicht ohne weiteres hinnehmen wollten, die Entlassung erhalten. Zirka 89 Arbeiter sind heute aufs Straßenpflaster ge- worfen. Wir ersuchen die Kollegen, dieses zu beachten. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. venbkebes Reich. Die Aussperrung in den Beleuchtungsfabriken zu Weißwasser in Schlesien, von der zirka 999 Arbeiter und Arbeiterinnen be troffen waren, ist beendet. Die Arbeiter willigten in den Abschluß eines Tarifes, der für dieses Jahr Gültigkeit hat, und wonach bis 39. Juni eine Lohnreduktion von 5 Proz. eintritt. Anfänglich 'orderten die Unternehmer eine Lohnreduktion von 15 Proz. Der Versammlung, in der die Ausgesperrten dem Tarif zustimmten, wohnten auch die Unternehmer bei. Einer von ihnen bezeichnete die Lage der Glasindustrie als eine traurige. Die Betriebe werden Montag wieder geöffnet._ StukkateurauSsperrung in Hannover. Die seit einiger Zeit drohende Aussperrung der Stukkateure ist zur Tatsache geworden. Den Anlaß dazu gab die von der Innung beschlossene Arbeitsordnung. Dieselbe sieht außer einer Verlängerung der Arbeitszeit noch eine Reihe anderer Verschlechterungen vor. So soll der auf dem Bau beschäftigte Gehilfe sich ein den Vorschriften entsprechendes Gerüst bauen und bei Nichtbefolgung die Strafen selb st zahlen. Damit ge- tehen die Jnnungsleute ein, daß die Antreibcrei bei der Arbeit eine so große war, daß die Unternehmer den Arbeitern nicht ge- nügend Zeit einräumen, um absolut sichere Gerüste herzustellen. Besser hätte es der Innung angestanden, ihre Mitglieder anzu- halten, die rückständigen Löhne auszuzahlen. Eine Versammlung der Stukkateure nahm einstimmig folgende Resolution an: „Auf keinen Fall die Arbeit aufzunehmen, ehe nicht seitens der Innung die Arbeitsordnung vom 1. Januar d. I. zurück- gezogen ist. Von diesem Beschluß wird auch gegenüber einzelnen Jnnungsmitgliedern keine Ausnahme gemacht. Die Lohnkommisswn der beiden Organisationen(freie und christliche) ist jederzeit bereit, mit der Innung in Verhandlung über einen neuen Tarif- vertrag zu treten."_ Kalte Füße. Bei der Firma Sistig in Rath bei Düsseldorf sind 22 Aormer und Gießereiarbeiter in den Streik getreten. Die nächste 1Ir,ache war die Anfertigung von Streilarbcit für die bekannte Firma F r o r i p in Rheydt. Doch hätte sich hierüber noch eine Einigung erzielen lassen, wenn auch sonst in dem Beiriebe geordnete Verhältnisse vorhanden gewesen wären. Die Firma zahlt die niedrigsten Löhne am Platze, die sie in der Krise noch kürzte. Kaum waren Streikposten ausgestellt, als auch schon die Gendarmerie an- rückte, zunächst preußisch-militärisch:„Ich weiß schon, weshalb Sie hier patroullieren, wenn Sie sich nicht entfernen, werden Sie ver- haftet," meinte einer der Gestrengen. Als diese Drohung fruchtlos blieb, versuchte es der Gendarm mit väterlichen Ermahnungen: Er habe mit.Herrn Sistig gesprochen, die Papiere lägen schon fertig. Er lder Gendarm) sei von Sistig beauftragt worden, das den Streikposten zu sagen. Es komme keiner der Streikenden wieder in den Betrieb hinein. Es sei auch besser, die Sache zu beenden, dann bekämen die Streikenden keine— kalten Füße und er(der Gen- darm) auch nicht!!— Wie rührend! Die Beendigung des Streiks im Sirebelwet? hat bekanntlich noch zu häßlichen Auseinandersetzungen zwischen den Streikenden und dem Vorstand des Metallarbcitcrverbandes ge« führt. Wir berichteten bereits über den Ausgang von zwei Ver- saimnlungen, die in Mannheim und Ludwigshafcn stattfanden. Der Vorstand des Metallarbeitcrverbandes legt nun Wert auf die Fest- stellung, daß die Versammlung in Monnbcim die Vertreter des Verbandstzorstandes Vorhölzer und Massatsch, die mit Zustimmung der Ortsverwaltung, eines Teiles der Mitglieder und der Vertrauensleute zu Referenten bestimmt waren, nicht zum Wort kommen ließ. Der Vorstand des Metallarbeitervcrbandes stellt ferner fest, daß die Resolution, die sich gegen die„Aus- führuiigen" des Referenten richtete, schon vor Eröffnung der Ver- sammlung vorlag._ Eine zweite Arbeitslosenzählung will das Gcwerkschaftskartell Karlsruhe um deswillen am 23. Januar vornehmen, weil feit Anfang Dezember— dem Zeitpunkte der stattgefundenen Zählung der Arbeitslosen durch die Stadt— die Arbeitslosigkeit sich bedeutend vermehrt hat. Die Notftandsarbeiten vermögen die schlimme Lage auf dem Arbeitsmarkte nicht zu beheben. Scharfmachergriindung im Steinmehgewerbe? Von Köln ausgehend wird die Gründung von Arbeitgeber- verbänden im Steinmctzgewerbe äußerst eifrig betrieben. Ein vom Verband der Stcinmetzgeschäfte von Köln und Umgegend ver- sandtes Rundschreiben setzt auseinander, daß der Steinarbeiter- verband agitiere,„um auch den letzten Steinmetzgehilfen in die Organisation hineinzutreiben"; dann werde dieser Verband 29 Proz. Lohnerhöhung und achtstündige Arbeitszeit fordern. Es habe sich erwiesen, daß der„Verband Deütscher Steinsetz- meister" nicht in der Lage sei,„in Arbeiterfragen mit Erfolg vor- gchen zu können. Auch das System der schwarzen Listen hat sich bei allen Verbänden als unzulänglich erwiesen." Darum sollten Lokal- und Bezirksverbände geschaffen werden nach dem Grundsatz:„Getrennt marschieren, vereint schlagen." Zwecks Gründung eines derartigen ArbeitgeberverbandcS findet Ende Januar d. I. eine Versammlung der Steinmetzmeister und Steinbruchbesitzer von Rheinland, Wesi�Men, dem Maingebiet und der Pfalz statt. Die Tarifbewegung der Münchener Brauerriarbeiter. Wie schon in letzter Nummer telegraphisch berichtet wurde, endigte die Lohnbewegung in der Müuchener Brauindustrie mit einem Erfolge der organisierten Brauereiarbeiter. Drei Wochen lang wurde vor dem Münchener Gewerbegericht hinter ver» schlossenen Türen ein hartnäckiger Kampf geführt. Vor acht Togen waren die Verhandlungen bereits schon einmal beendet. Die Brauereiarbeiter lehnten aber damals die Zugeständnisse des Brauerbundes ab und beschlossen, daß den Unternehmern erneut Vorschläge gemacht werden. Den Zugeständnissen des Ortsverbandes Müuchener Brauereien auf die neuerlichen Forderungen stimmten nun am Freitag abend die Arbeiter zu, nachdem der Verbandsbeamte Jakob im Namen der Tarifkommission die Annahme empfohlen hatte. Nach dem neuen Tarif, der vom 1. Januar 1999 bis 1. Januar 1913 gilt, wird oie Arbeitszeit(bei einer zwölfftündigen Präsenzzeit) von 19 auf 9?1 Stunden verkürzt. Bezahlt werden aber 19 Stun- dem Für das Stall- und Fuhrpersonal beträgt die Präsenzzeit 14 Stunden und bei den Biersiedcrn 13 Stunden. Die Erhöhung der Wochcnmindestlöhne beträgt 1 bis 7 M.; die ständigen Handwerker erhalten ihre Stundenlöhne um 9 Pf. erhöht. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten nach ein- bis dreijähriger Dienstzeit einen Urlaub von vier bis sechs Tage. Die Braugehilfen er« halten bereits nach einjähriger Bescbäftigung eine volle Woche Ur- laub. Ebenso die Maschinisten, Maschinenwärter, Heizer und deren Ablöser. Der Bicrgenuß während der Arbeitszeit ist vckboten. Etwaige Streitigkeiten kommen bor das Tarifamt, das für die Ein» Haltung des Tarifvertrages Sorge zu tragen hat. Wohl sind auch in dem neuen Tarif noch viele Wünsche un« erfüllt geblieben; aber trotzdem können die Münchener Brauerei. arbeitcr auf ihren Erfolg, den sie ihrer straffen Organisation zu verdanken haben, stolz sein. Letzte JVacbrichtcn und DepcFcben. Die Wünsche Wilhelms H. Berlin» 16. Januar.(W. T. B.) Aus Anlaß des bevorstehenden Besuches der Reichshauptstadt durch König Eduard von England hat der Kaiser den Oberbürgermeister Kirschner und die Herren der magistratlichen Ausschmückungskommission zu sich gebeten, um mit ihnen über die Maßnahmen zum Empfang des Königs zu sprechen. Der Kaiser hat dabei den Wunsch geäußert, daß die Ausschmückung der Einzugsstratze möglichst farbenprächtig sein möge und daß für diejenigen, die zum Empfang des Königs erscheinen, mit Rücksicht auf ihre Gesundheit ein Zelt gebaut wird. Ferner sollen die Herren nicht mehr wie früher im Frack erscheinen, sondern zum Schutze gegen die rauhe Witterung mit Neberzichern versehen sein und nicht mit entblößtem Haupte während der Rede deS Oberbürgermeisters dastehen. Endlich sollen auch die Damen mit warmen Sachen ver- sehen sein._ Die„Vertreter des sozialen Friedens" gegen den Arbeitskammem-! gesetzentwurf. Berlin, 16. Januar.(B. H) In der von Vertretern fast aller Industrien Deutschlands besuchten AuSschußsitzung deS Vereins deutscher Arbeilgebervcrbände am 16. Januar wurde eine Resolution angenommen, in der es unter anderem heißt, der neue Arbeits- kammergesetzentwurf werde nach den bisherigen Erfahrungen seine Aufgabe nicht erfüllen können. Der soziale Frieden werde dadurch nicht gefördert, sondern die Gegensätze vielmehr verschärft werden. Die Arbeitskammern als Einigungsämter seien überflüssig nnd unzweck- mäßig. Der Verein deutscher Arbeitgebervcrbände ist der Ueber» zeugung, daß die Arbeiterschaft dringend der Ruhe bedürfe und erwartet daher, daß der Reichstag dem Gesetzentwurf seine Zustimmung versagen werde._ Folgenschwere Gasexplosion. Friedberg(Oberh.), 16. Januar.(B. H.) Hier erfolgte heute rüh gegen 6 Uhr in der Gewcrbeakademie eine Gasexplosion. Türen und Fenster wurden hinausgeschlendert und die Wände nach der Vorderseite zu, die etwa 49 Zentimeter dick sind, stark beschädigt. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Man nimmt an, daß Gas aus dem Gasmotor, der zu Lehrzweck-n für die Elektrizität dient, entwichen ist. Das Leben unter den Trümmer». Rom, 16. Januar.(W. T. B.)„Corriere d'Jtalia" meldet heute aus Mcssina: Eine Abteilung Soldaten fand gestern abend unter den Trümmern eines Hauses eine siebzig Jahre alte Frau» die uvch am Leben, aber so erschöpft war. daß sie nicht sprechen konnte. Die Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo die Aerzte hoffen« ie retten zu können._ Die Opfer der Eisrnbahnkatastrophe. Denver(Colorado), 16. Januar. Bei dem Zugzusammenstoß snd nach den letzten Feststellungen 68 Personen getötet worden, (Siehe auch Vermischtes.) Berantw.Nedakt.: CarlWermuth, Berlin-Nixdorf. Inserate verantw.:ZH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Kaut Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen« irü».MW. i. Ktilsge des Lomarls" Aerliütt Msldsdlatt. Reichstag. 186. Sitzung vom Sonnabend, den 16. Januar, vormittags 11 Uhr. Am BuudeSratstische: v. Bethmann-Hollw eg. Die erste Beratung des Arbeitskammergesetze» wird fortgesetzt. Llbg. Dr. Hoeffel(Rpt.): ES war ckxrrakteristisch, daß gerade der Vertreter der Partei, die vorgibt, am meisten für den gesetzlichen Schutz der Arbeiter einzutreten, sich am schärfsten gegen das vor- liegende Gesetz gewandt hat. Wir halten den Entwurf für eine ge- eignete Grundlage. Die Handwerksgehilfen sollte man allerdings aus der Vorlage herauslassen, da für das Hanowerk ja besondere Handwerkskammern bestehen. Zu billigen ist. daß die Handlungsgehilfen, die ganz andere Interessen haben als die Arbeiter, von den Arbeitskammern aus- geschlossen bleiben sollen. Die Gründe, welche von feiten der Unter- nchmerverbänoe gegen den Gesetzentwurf vorgebracht sind, sind zum Teil beachtenswert, aber wir wollen daran mitarbeiten, die Gegen- sähe zwischen den Arbeitern und Unternehmern zu überbrücken. Auch die Sozialdemokratie sollte hieran mitarbeiten und freudig anerkennen, was auf sozialem Gebiete geleistet ist und geleistet tvird, anstati bei jedem sozialen Gesetz politische Momente in den Vordergruiso zu schieben,(Bravo! rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Bg.): Die einmütige Zustimmung, die der Entwurf hier gesunden hat. entspricht der Stimmung im Lande, daran kann weder der Widerspruch der Unternehmerverbände und Hanoelskammern etwas ändern, noch der Schwanengesang, den Legten hier öen Arbeiterkammern gewidmet hat. Di? Arbeiter sind nicht Gegner paritätischer Arbeitskammern; die Sozialdemokratie vertritt ja nur einen Teil der Arbeiterschaft, in Westdeutschland ist die christliche Arbeiterbewegung mindestens ebensostark wie die sozialdeiiiokratische, und oie christlichen Arbeiter verlangen nach wie vor paritätische Arbeitskammern, nicht Arbeiterkammern— würden ja doch Arbeiterkammern den Unternehmern willkommen fem, um die Bedeutung der Gewerkschaften herabzudrücken. Sie würden also nicht, wie Legten anninnut, die Interessen der Arbeiterschaft fördern, sondern sie geradezu auf ein totes Gleis führen Gerade im Ruhrrevier ist es von höchster Bedeuwng, gesetzlich eine Stelle zu schaffen, wo Unternehmer und Arbeiter an demselben runden Tisch zusammenkommen. Auch die Hirsch-Tunckerschxn Arbeiter treten für parirätische Arbeitstammern ein, die erzieherisch sowohl auf die Unternehmer wie auf die Arbeiter wirken werden. Legten machte gestern auf die Gefahr der Maßregelung von Mitgliedern der Arbeitskammern aufmerksam. Diese Gefahr be- sieht; aber das spricht nicht gegen die Arbeitskammern, sondern gegen die Ocffcntlichkeit ihrer Verhandlungen.— Die Unternehmer haben schon jetzt angekündigt, daß sie sich an den Arbeitskammern nicht beteiligen werden Es muß daher Vorsorge getroffen werden. die Arbeitskammern auf jeden Fall arbeitsfähig zu gestalten Mit dem Wahlrecht, das der Entwurf vorsieht, sind wir im ganzen einverstanden, aber die Interessen des Handwerks und der lleinen Unternehmer müssen besser gewahrt lverden, und ferner ist es unumgänglich notwendig, daß auch die Arbeitersekretäre für die Arbeitskammern wählbar find. Einzusehen ist nicht, warum die staatlichen Eisenbahnarbeiter sowie die der Heeres- und Marine- Verwaltung nicht auch Arbeitskammern erhalten sollen. Die Hand- lungSgehilfen befürchten, daß die für sie in Aussicht genommenen Kammern ganz fallen gelassen werden. Ich bitte den Staats- sakretär um eine beruhigende Erllärung hierüber.(Bravo! bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Abg. KulerSki(Pole): Wir begrüßen die Vorlage nur mik ge- mischten Gefühlen und werden versuchen, sie in der Kommission unseren Wünschen entsprechender zu gestalten. Wir verlangen Arbeiterkainmern, nicht Arbeitskammern. Der Herr Staatssekretär hat sich gegen den Verdacht der Parteinahme für die Arbeitgeber verwahrt, aber diese Vorlage verstärkt diesen Verdacht, sonst ist nicht einzusehen, warum man mcht den Arbeitern ebenso Arbeiter- kammcrn gibt, wie dem Handwerk, dem Handel, der Landwirtschast. Das Wort vom„sozialen Frieden" klingt sehr schön, solange aber der Arbeiter das Objekt gewissenloser Ausbeutung ist, solange er ein Lohnsklave ist, der um einen Hungerlohn arbeitet, bleibt der soziale Friede nichts als ein schönes Wort.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sorgen wir für genügenden Schutz des Arbci- terS. sorgen wir dafür, daß der Arbeiter mit seiner Familie nicht darben muß, so werden wir uns dem sozialen Frieden mehr nähern. als durch solche Vorlagen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nicht richtig ist es. wenn der Abgeordnete Legten alle bürgerlichen Parteien in einen Tops wirft. Man braucht nicht Sozialdemokrat zu sein, um zu erkennen, daß die Arbeiterschaft nicht die ihr zu- Rleines Feuilleton. Der Trompeter der Hohenzollern. Die nationale Presse ist in äcfe Trauer versenkt.„Eine tiefe SchmerzenSwolle lagert sich über uns", schreibt das„Verl. Tageblatt": Ernst v. Wildenbruch ist gestorben. Als der Sckiller von gestern und hellte wird einer ge- feiert, dessen Dramen heute schon so gut wie tot sind, obwohl sie vor 20 Jahre» Strohfeuer des Enthusiasmus entflammt haben. Ein Stück. das heute noch allein auf dem Repertoire ist:„Die Rabensteinerin", werden auch die enragiertesten Parteigänger WildenbruchS im besten Falle für nichts anderes ausgeben löimen als eine geschickte Theatermache. Die schinetlerudcn Fanfaren nationaler und hohen- zolleriscker Begeisterung aber, wo erklingen sie noch? Wo sind die Wechsclbälge der Gefchichtsklitlerung und der patriotischen Phraseo- ologie: die K a r o l i u g e r, die Q u i tz o w S. d e r n e u e H e r r, die' Heinriche und alle die anderen geblieben, in denen um die Wette die hohenzollerische Weltenherrlichkeit ge» ahnt, prophezeit, demonstriert und in bengalischer Beleuchtung vorgeführt wurde? Vielleicht berauschen sich noch einige Gymnasialjünglinge der dröhnenden Schneidigkeit und der gewaltsam bewegten Handlung. Keine tiefere Psychologie, keine lebenswahre Charakteristik, keine GestaltungSkrakt vermag irgend einem'künstlerisch empfindenden Menschen Geschmack an diesen dramatischen Sturm- länseu abzugewinnen. Von Wildenbruch als Künstler zeugen ein paar kleine Erzählungen(Kindertränen)' und die eine und andere Novelle. Die Versuche, die Wildenbruch machte, das ruhigere Fahrwasser des»nodernen realistischen DramaS zu gewinnen (Haubenlerche), sind matte Halbheiten. Die literarische Kritik hat so wenig Veranlassung, sich jetzt oder später mit Wildcnbruch zu befassen. Und viele der Trauen, die zu allen Geschälten taugliche Federn heute auf dem Papiere rinne» lassen, sind eitel Heuchelei. Wo die Kritik in bürgerlichen Blättern sich frei gebahren konnte, hat sie de» lebenden Wildenbruch bitterer verspottet, als wir eö heute noch tun mögen, da er literarisch längst tot ist. 5terr hat WildenbruchS Pathos und Heldenverebrung mit den gleichen Qualitäten der Jndianergeschichtc» verglichen'— für die heute ja die Schulbuben kaum noch schwärmen. So bleibt denn nur da? zeitgeschichtliche Interesse. Nach 70 wollte die patriotische Literatur trotz aller DüngungSversuche gar nicht gedeihen. Die berufenen Dichter am Geschäft kümmerten sich den Teufel mn das geeinte Vaterland, fie wollten wie alle Welt mitverdienen. Erst als in den L0er Jahren die Früchte der inzwischen betriibciten chauvinistischen Schulerziehmtg in die Flegeljahre gereist waren, konnte Wildcnbruch Boden gewinnen. Sohn eiticS preußischen Generals und(angeblich) Enkel des �rcusenprwzen Louis Ferdinand, hatte Wildcnbruch(geboren am l kommende Macht hat, und um zu wünschen, daß sie sie bekommt. Das allerdings verstehe ich nicht, wie ein Arbeitersekretär, Herr Behrens, sagen kann, der Unterschied zwischen der Sozialdemokratie und den christlichen Arbeitern bestehe darin, daß die christlichen Arbeiter nicht wünschen, daß oer Arbeiterschaft die ihr zukommende Macht eingeräumt wird!(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Freilich. Herr Behrens hat ja auch für den famosen Sprachenparagraphen des Reichsvereinsgesetzes gestimmt! Also noch einmal: geben Sie den Arbeitern, was Sie auch den anderen Ständen gegeben haben, schaffen Sie Arbeiterkammern! (Bravo! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Potthost(frs. Vg.): Ich freue mich über die hohe An- erkennung. die der Herr Staatssekretär den Gewerkschaften aus- gesprochen hat, und erwarte, daß er auch die Konsequenzen ziehen und auf die Beseitigung der Schikanen und Hemmnisse, die den Ge- werkschaften immer wieder in oen Weg gelegt werden, hinwirken wird.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeitskammern sollen keine Vertreter einseitiger Arbeiterinteressen sein, daher schließen sie die Schaffung von reinen Arbeiterkammern auch keines- Wegs aus. Nur sind diese heute nicht zu erreichen; auch genügen die Gewerkschaften für die Zwecke solcher Kammern.— Die Selbstverwaltung der Arbeitskammern muß erweitert, und es muß dafür gesorgt werden, daß die Mehrheit der Beteiligten selbst die Errichtung von der Landeszentralbehärde verlangen kann. Vor allem muß die einzige Verschlechterung, die der neue Entwurf dem alten gegenüber enthält, beseitigt werden, nämlich die Bestimmung, daß die Arbeitskammern Erhebungen nur auf Anregung der Behörde vornehmen dürfen. Mit lebhafter Genugtuung begrüße ich cs. daß in diesem Eni- Wurf die volle Gleichberechtigung der Frauen in der sozialen Ee- setzgebung anerkannt wird. Die Wählbarkeit mutz unbedingt auf das 25. Lebensjahr herabgesetzt werden— mit diesem Jahre beginnt ja auch die Wählbarkeit zum Reichstag. Zu bedenken möchte ich auch geben, ob man die Möglichkeit zur Schaffung von Arbeitskammern nicht auch den der Gewerbeordnung nicht unterstehenden Berufen geben will, dem Vcrsicberungsgcwerbe und vor allem den bei den Rechtsanwälten beschäftigten Bureau- angestellten. Gerade die Rechtsanwälte haben sich in unbegreiflicher Rückständigkeit ihren Angestellten gegenüber auf den Herrenstand- Punkt gestellt, und hier wäre vielleicht ein Zwang zum Verhau- deln sehr heilsam. Oder will man diese Bureauangestellten an- gliedern an die für die taufmänniseben und technischen Angestellten in Aussicht genommenen Kammern?— llnverftänolich ist im 8 7 die Herausnahme der im Handelsgewerde tätigen Handlungs- gehilscn und Arbeiter. Es handelt sich hier um 480 000 Arbeiter öder, wenn man die Handlungsgehilfen herauslassen will, um 164 000 reine Arbeiter. Will man aber die Handlungsgehilfen aus den Arbeitskammern herauslassen, so genügt nicht die Be- stimmung der Vorlage, die nur von dem Handelsgewerbe spricht; denn mindestens ebensoviele Handlungsgehilfen sind ja in den Kontoren der großen Industrie tätig. Uns scheinen einheitliche Arbeitskammern. welche auch die technischen und kaufmännischen Angestellten umfassen, gesonderten Kammern vorzuziehen zu sein. Aus alle Fälle bitte ich den Staatssekretär, uns hier oder in der Kommission Ausklärung über die Grundlage der geplanten Kam- rnern für Handlungsgehilfen zu geben.(Bravo l bei den Frei- sinnigen.) Geheimrat Caspar erklärt auf eine Anfrage der Abgg. Behrens und Potthoff, daß die Regierung über die Berufsvertretung der Werkmeister und Handlungsgehilfen vorläufig keine positive AuS- fünft geben könne. Vielleicht würde die Kommissionsberatung auch über diese Punkte Licht verbreiten. Abg. GieSbertS(Z.) weist auf die allmähliche Aenderung der ursprünglich schroff feindlichen Stellung des Staates zu der ge- werkschaftlichen Arbeiterbewegung hin und meint, daß die Wirt- schaftlichen Kämpfe längst an Schärfe verloren hätten, wenn man schon früher paritätische Arbeitskammern bewilligt hätte. Fanatischer als die Sozialdemokraten betreiben gewisse Großindustrielle den Klassenkampf. Diese Leute sind es, die diesen Entwurf bekämpfen, weil sie Krieg aus Leben und Tod, nicht aber eine Basis zur Vcr- stand igung wünschen. Wenn wir auf der einen Seite die Scharf- macheralluren des Zentralverbandes energisch zurückweisen, so müssen wir eS auf der anderen Seite bedauern und als nicht im Interesse vernünftiger Sozial-, Gewerkschafts- und Arbeiterpolitik liegend verzeichnen, daß Herr Legten, der Führer der freien Ge- werkschasten, sich hier so unbedingt als Gegner des Gegemvarts- staatcö und Anhänger des sozialistischen ZukunftSstaates hinstellt. fSehr richtig! im Zentrum und bei den Freisinnigen). Ich begreife das um so weniger, als von freigewerkschaftlicher Seite schon Klagen darüber laut geworden sind, daß der radikale Flügci der sozial- demokratischen Parteipresse systematisch die Gewerkschaftler gegen die Gewerkschaftsbeamten aufhetze.(Hört! hört! im Zeittrum). _.■ 3 Februar 1345 zu Beirut) die beiden Karrieren eines Junkers: die militärische und die juristisch- administrative versucht. Beiden konnte er wenig Geschmack abgewinnen, obwohl er schließlich im Auswärtigen Amte die Ruhe und den sickeren Gehalt eines Bureau- traten fand. Seine überschüssige Begeisterung, die im Amte nicht Befriedigung finden konnte, entlud sich nun in Dicktungen und Dramen, deren Schirnmg freilich keine» Theaterdireklor zur Aufführung verführte. Da traf sich daS BegeisterungsbcdürsniS der die Universitäten beziehenden nattonalen Jugend, der�keine anderen Ideale geblieben waren alS der lärmende hohenzollcriscke Patriotismus mit WildenbruchS Ambitionen und nun war er im Nu zun, national-prenßisch-deutschen Dichter erkoren, der die ganze Weltgeschichte mit seinem preußischen ParoxiSmus zu erfüllen imd umzudichten gesonnen und befähigt war. Wilhelm II. mußte naturgemäß diesen (im doppeltem Siiiiie geborenen) Hohenzollerndichter protegieren. Die Berliner Scküler wurden in die Ouitzows befohlen und das Opernhaus für den neuen Kultus geöffnet. Da aber Wildcnbruch kein Streber und kein Höfling war— was ja die Junker lange nicht im gleichen Maße sind wie hoffähig gewordene Bürgerliche— so gab es bei den Handlangerdienste» naturgemäß Konflikte. Der Dichter. der dem„lebenden Volk" Hoheiizollernruhm künden wollte, mochte doch nicht nach kaiserlichen Rezepten dichten. Und so war er bald in Gnade, bald in Ungnade;- bald öffneten sich ihm die Pforten der königl. Theater, bald blieben sie ihm aus dynastischen und sonstigen weltbewegenden Gründen verschlossen. Es ist nicht ohne Ironie, daß dieser freiwillige und getreucste Hohenzollerndichter wie ein Lakai behandelt wurde, wenn irgend jemand vom Hofe Anstoß an seinen Stücken nahm. Und als er vollends in Sacken des Wiederaufbaues des Heidelberger Schlosses und des Abbruchs des Berliner Opernhauses gegen die kaiserliche Privatmeinung Front machte, da wurde der Hohenzollerndichter offiziell boykottiert. Tlieater. Thalia-Thcater:„Meister Tutti' betitelt sich diese neueste Bearbeitung von„Mamsell Nitonche", zu der Wilhelm R a b und Viktor Holländer die Musik geliefert haben. Holländer speziell steuerte einige Einlagen, wie:„Amors Spritzenmann". „Multerherz— Mutterlieb".„Komm mein Schätzchen" und„MenschenS- lind" bei. die vermöge ihrer einschmeichelnden oder prickelnd-nielo- dischen Sangbarkeit zündende Wirkung erzeugen. Die für den text- lichen Part verantwortlich zeichnenden Direktoren Jean Kren und Alfred Schönseld haben ja reichlich, beinahe allzu- reichlich, siir Abwechslung und Ueberraschungen gesorgt— sogar für eine chauvinistisch gefärbte Entgleisung, mit der sie natür- lich bei einem durch Scherls BildungLttichter„emporgeläuterten" Publikum das richtige Verständnis erwarten dürfen. Im übrigen sind flotte farbenfatte Ensembleszencn und Bilder gestellt tvorde». Reine Arbeiterkammern sind keineswegs prinzipiell zu verwerfen, aber paritätische Arbeitskammern scheinen mir doch den Vorzug zu verdienen. Auch der Sozialdemokrat Paul Umbreit ist dieser Ansicht.(Hört! hört! im Zentrum.) Wenn man die große Minorität, die auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß für Ar« beitskammern war, zu den auf den christlich-nationalcn Arbeiter- kongressen vertretenen Arbeitern zuzählt, so ergibt sich über eine Million Stimmen für Arbeitskammern gegenüber zirka 700 000 Stimmen für Arbeiterkammern.(Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum). Der Staatssekretär hat gestern darüber geklagt, daß das Groß- Unternehmertum hier zu schwach vertreten sei. Wenn das der Fall ist, so liegt das an der antisozialen Haltung der Groß- industriellen, die sie beim allgemeinen Wahlrecht für das Volks- Vertreteramt unmöglich macht. Und ich sehe darin gerade einen Vorzug des allgemeinen Stimmrechts.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Hoffentlich kommt cs zu einer Einbeziehung der Armee- und Eiscubahnarbeiter. In bezug auf Wählbarkeit der Gewerkschasts- beamten ist dem Kollegen Legien zuzustimmen. Wir hoffen auf Annahme des in der Kommission zu verbessernden Entwurfs mit möglichst großer Mehrheit, vielleicht sogar mit Einschluß der Sozialdemokratie.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Severins(Soz.): Herr Giesberts hat angedeutet, als ob Kollege Legten seine Bemerkungen, daß ein Ausgleich der Interessen in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung nicht möglich sei, gemacht habe, weil die Ge- Werkschaftsbeamten sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zur sozialdemokratischen Partei befänden, die ein derartiges Bekenntnis verlange. Ich muß gegen eine derartige Unterstellung auf das nachdrücklichste protestieren. Wir sind in den Gewerkschaften sowohl wie in der Partei gewöhnt, unsere Ueberzeugung zum Ausdruck zu bringen, und das hat Legien getan. Wenn wir die Unmöglichkeit des Ausgleichs der wirtschaftlichen Interessengegensätze betonen, so stellen wir uns damit keineswegs in Gegensatz zu den gcwerkschaft- lichen Grundsätzen. Bei aller Anerkennung deS großen Wertes der Tarifverträge haben wir doch stets betont, daß sie im besten Falle Waffenstillstandsdokumente sind. Was ich am meisten bei der Polemik des Herrn Giesberts bedauert habe, war die Tatsache, daß cr auch diese ernste Beratung benutzte, um kleinliche Partei- polemische Erörterungen zu führen. Am meisten habe ich seine Bemerkungen über den Artikel eines sozialdcmokraiischen Schrift- stellers in der„Neuen Zeit" bedauert. Herr Giesberts weiß doch sehr genau, daß wir mit denselben Waffen feine Partei be- kämpfen könnten. Soll ich etwa daran erinnern, daß der Gegen- kandidat des Herrn Becker bei der Wahlbcwegung die christlich- nationalen Arbeitersekrctäre als Parteiverderber bezeichnete? Soll ich ihn daran erinnern, daß auch ein Zentrumsorgan wie die „Rheinische Volköstimme" die christlich-nationalen Arbeitersekrctäre ebenfalls mit derartigen Liebenswürdigkeiten beglückt hat? Der Herr Staatssekretär bedauerte, daß keine Vertreter der Großindustrie im Reichstag wären. In der Tat haben wir eine ganze Anzahl solcher Vertreter, ich erinnere an die Herren de Wendel, Hehl zu Herrnsheim, v. Schubert usw.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Und wenn ich an das Wort des Herrn v. Böttichcr denke: M. H., wir arbeiten ja nur für Sie! so wäre auch der ganze Bundesrat eine Vertretung der Großindustrie. Eine Erfüllung des Versprechens bei Zusammentreten dieses Reichstages� daß die Sozialpolitik kraftvoll fortgeführt werden solle, kann ich i» der Vorlage nicht erblicken. � Das sage ich, obgleich ich kein priirzipieller Gegner für Arbeitskammern bin. Ich habe auf dem Lkölncr Gewerkschaftskongreß fiir Arbeitskammern und gegen Arbeiterkammern gestimmt. Unsere Stellung ist in der bis- herigen Diskussion überhaupt nicht richtig verstanden worden. Wir machen unsere Entschließung lediglich davon abhängig, was das Gesetz gibt. Die Frage, ob Arbeiterkammern oder Arbeitskammern, ist für uns nicht entscheidend. Ist die Tätigkeit der Kammcrn in der Hauptsache eine gutachtliche, so find wir für Arbeiter- kammcrn, soll die Tätigkeit aber eine verwaltungsrechtliche sein, soll den Kammern auch Exekutivgewalt eingeräumt werden, so treten wir für Arbeitskammern ein, weil wir der Ansicht sind, daß dann in der Tat für den gewerblichen Frieden manches erreicht werden kann. Nun weist der vorliegende Entwurf aber nichts auf, was uns veranlassen könnte, uns für die Arbeits- kammern mit besonderer Lebhaftigkeit zu erwärmen. Ich er» innere an das Wort des Herrn Naumann, daß die Frage der Be- setzuug der Arbeitskammern sehr schwierig sein werde, wenn der Unterbau der Arbeiterkammern fehle. Die Notwendigkeit eines solchen Unterbaus hat, glaube ich, auch der Herr Staatssekretär anerkannt. Er meinte aber, daß alle Aufgaben, die die Arbeiter- kammern erfüllen könnten, heute von den Gewerkschaften erfüllt werden. Das wäre richtig, wenn heute die Arbeiterorganisationen In possenhafter Umrahmung erscheint Alexander Girardi denn doch als strahlender Mittelpunkt, so bedauerlich es auch ist, daß für diesen gemütvollen Meister der Menschen- darsiellung keine würdigere Stolle gefunden werden kann. Gleicknvohl gibt cr seinem Kapellmeister Holberg einen wunderechtcn allwienerischen Typ, dem das Couplet von der guten alten Zeit un- sagbar tief und rührend aus der Seele kommt— mit aller neckischen, frotzelnden Lust obendrein. Und so hat cr sich abermals die Berliner im Sturm erobert— sofern eben die nicht endenwollendcn Hervor- nife und rauschenden Beifallsspcndcn Herzenssache, aber leine Mode» fache sind. Ihm, dem bejubelten Meister, standen in erster Linie Helene Ballot und Arnold Rieck, dieser zumal als Schmieren- komödiant und köstlicher Faun lviirdig zur Seite. In gemessenem Abstand verlraten die Damen: Albertine Bella und Iah. Junker- Schatz, sowie die Herren: Kurt O l s e r S. Hugo Hummel und Theodor Stolzenberg ihren Part mit gutem Gelingen. Die unverwüstliche Lonne, mit der gespielt, getanzt und gesungen wurde, hals selbst über die allzu großen Längen des zweiten Aktes hinweg. „Meister Tutti" scheint dauernden Erfolg zu versprechen, o. K. Kunst. Eine Klinger-AuS st cllung hat die Berliner S e» zession Sonnabend in ihrem Hause am Kurfürstendamm crvsfnct. Den Mittelpunkt bildet das für die Musikhallc in Hamburg be- stimmte BrahmSd ent mal, ein umfangreiches Marmortverk, das als Ganzes wenig Eigenart und mancherlei Schwächen zeigt und nur in Einzelheiten den Geist und die Hand Max Klingers verrät. Da- neben enihätt die Ausstellung noch 8 andere Plastiken in Marmor. Bronze und Silberguß(darunter den vielbesprochenen Athleten, die Porträt« büstenvon Wilhelm Mündt und GeorgBrandeL usw.), einige Zeichnungen, zahlreiche Aquarelle(impressionistische Skizzen auS Spanien, Griechenland, Italien und der Umgegend von Naumburg), sowie fast sämiliche graphische Arbeiten KlingerS in guten Abdrücken.— Wir kommen auf die Ausstellung, die ein immer- hin interessantes Bild von der jüngsten Eiitwickeluiig KlingerS als Graphiker und Plasiiker gibt, noch mit einigen Worten zimick. J. S, Notizen. — Ernst Rchcr, der Senior der französischen Komponisten, ist im Alter von 85 Jahren(er war am 1. Dezember 1823 in Mar- seille geboren) am Freitag in Toulon gestorben. Aon seinen Opern sind„Maitre Wolfram",„Erostate",„Sigurd" und„Sa- lammbo" zu nennen; auch als Komponist von Kantaten, Balletten (»Sakuntula" 1358) und Liedern hat cr sich belaintt gemacht. Auch als Musikkritiker war Reher— als Nachfolger von Bcrlioz— lang? Jahre am»Journal des LoöatS' tätig. schon von der Regierung und den Unierncljtnern anerlanns würden. Das ist oder nicht der Fall. Wenn in der nächsten Woche der Dabakarbcitcrkongrest ,iusammcntritt, so glaube ich nicht, dast der Staatssekretär einen Vertreter hinsenden Ivird, und ebenso Ivenig wird er es beim Bcrgarbcitcrkongresj tun.(Zurufe rechts.) Glauben Sie etwa, das; die Vertreter des Handelstagc-Z den.Handel im allgemeinen repräsentierten oder die Vertreter der Land- Wirtschaft die Laudwirtsclmft im allgemeinen? 2aS ist Gott sei dank nicht der Fall.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.� Arbeiterdeputationen hat der Herr Staatssekretär empfangen, weil zufällig Abgeordnete wie Herr Behrens darunter waren. Wir haben aber keine Veranlassung, uns so anzubiedern, wie cö von anderer Seite manchmal geschieht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemorraten.) Also die Regierung mag mit der Anerkennung der Gewerkschaften vorangehen, daö würde einen heilsamen Einfluß auf die Unternehmer ausüben. Die Regierung denkt aber gar nicht daran, den gewerkschaftlichen Organisationen eine größere Aner- iennung zu verschaffen. Die Marineverwaltung hat sogar«inen besonderen Arbeitsnachweis geschaffen, um den Einfluß des Ar- beitSaachweiseö der Gewerkschaften zu verringerw Der Staatssekretär fragte, waZ Acbeiterkammern noch neben den Gewerkschaften sollen. Sie sind notwendig, um den Kund- gebungen der Unternchmerorganisation mit dem gleichen Rechte auf Beachtung entgegenzutreten. Gewiß können auch heute die Gewerkschaften und einzelne Arbeitervectreter die Angriffe, die in den Gutachten der Untcrnehmerorganisationcii enthalten sind, gurückweiseu, aber sie haben dann eben nicht dasselbe Recht auf Beachtung. Deshalb fordern wir. wenn eben die Tätigkeit der geplanten Kammern eine hauptsächlich gutachtliche sein soll, Ar b e i t e r kammern.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Staatssekretär hat gestern auf die weiter um sich greifende Differenzierung der Arbeiter hingewiesen. Mir ist trotz der sorgfältigen Beobachtung von solchen Erscheinungen nichts bekannt geworden. Es' tritt im Gegenteil eine immer größere Nivellierung hervor, die durch die größere Arbeitsteilung herbeigeführt wird. !(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.)'Wo haben wir denn noch einen Unterschied zwischen gelernten und ungelernten Ar- beiterir? In der Maschinenindustrie sind die Bohrer, die Hobler, die Schleifer, die Revolverdrehcr usw. sämtlich ungelernte Ar. Leiter. Achulich ist eS in der Holzindustrie, und dieselbe Er- scheinung tritt überall in den großen Industrien hervor; die un- gelernten Arbeiter, die im Akkord beschäftigt sind, haben meistens auch denselben Verdienst wie die gelernten. Die Begründung der fachlichen Gliederung der ArbcitSkammern mit der erhöhten Differenzierung der Arbeiter geht überdies nicht an.— Der Herr Staatssekretär meinte, die territorial gegliederten Arbeitskammern würden einzig auf dem Gegensatz zwischen Arbeitgebern und �Arbeitnehmern aufgebaut sein. Nein, sie würden vielmehr auf- gebaut sein auf den Bestrebungen, die wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu heben. Nicht, was man uns als Haß gegen die Neichen unterlegt, sondern das Bestreben der Arbeitervertretcr, die Jnter- essen der Arbeiter zu fördern, würde die Grundlage bilden. Der Staatssekretär betonte daS Zusammengehörigkeitsgefühl und das Sachverständnis, das in den Arbeitskammcrn notwendig ist. Beides aber läßt sich noch besser in territorial gegliederten Kammern erreichen. Ter Staatssekretär deutete an, eZ solle eine Arbeitskammer für die Metallindustrie in Rheinland-Westfalen errichtet werden. Schon dies eine Beispiel zeigt, daß wir territorial gegliederte Arbeiterkammern brauchen, denn wir haben in Rheinland-Westfalen in den ver- schiedenen Bezirken sehr verschiedene Zweige der Metallindustrie. so in Solingen Stahlwarenindustrie, in Bielefeld Nähmaschinen- Industrie, im Ruhrgcbiet Hütten- und Walzwerke. Ganz ebenso verhält es sich mit den anderen Berufen. Die territorial ge- gliederte Kammer hat den Borzug. daß sie bei ihren Beratungen in die einzelnen Verhältnisse ihres Bezirkes viel tiefer eindringen kann. Was aus einer paritätischen Begutachtung manchmal herauskommen kann, das beweist die Bekanntmachung der Verord- uungen des Bundesrats für die Betriebe in der Gcoßeisenindustrie. 1907 haben wir solche Verordnungen für die Arbeiter in den Hütten- und Walzwerken gefordert. Der Reichskanzler hat einer Deputation des christlich-nationalen Arbeiterkongresses zugesagt, diesem Verhältnisse seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Gelegent- lich eines Besuches in Münster hat auch der Kaiser die Arbeiter seines Schutzes versichert. Und jetzt kommen diese Verordnungen, die in keiner Weise den gewünschten Schutz bringen. Sie sind aber auch paritätisch, auch von Arbeitern begutachtet worden, freilich von Arbeitern, die ihre wahre Meinung nicht sagen können. DaS wird aber auch bei den abhängigen Arbeitern in den Arbeits- tammern der Fall sein. Warum hat der Reichskanzler zur Be- gutachtung der Verordnungen nicht die unabhängigen Gewerk- fchaftsbeainten des Metallarbeiterverbandes hinzugezogen? Hätte er das getan, so wäre bei den Verordnungen wohl etwas anderes herausgekommen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Zweckbestimmung der Vorlage ist nach den Motiven„die Pflege des gewerblichen Friedens". Diesen Zweck erreicht man aber durch die Förderung der Tarifverträge. Hat aber die Re- gierung jemals einen Gesetzentwurf in dieser Richtung ein- gebracht? Mehrmals hat das Haus in Resolutionen verlangt, daß von der Heeres- und Marincverwaltung Lieferungen nur an solche Firmen vergeben werden, welche den im Gewerbe be- stehenden tariflichen Vereinbarungen zustimmen. Die Marine- Verwaltung hat aber dieser Forderung bisher nicht nachgegeben. (HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Der Geh. Admiralitäts- rat Harms hat ausdrücklich erklärt, daß heute noch Erhebungen darüber veranstaltet werden, ob eL möglich sei, diesen Beschlüssen des Reichstags nachzukommen.(Hörtl hört! bei den Sozialdemo- traten.) Die süddeutschen Städte haben wegen des Vorgehens der Metallindustriellen gegen die technischen Beamten ähnliche Resolutionen gefaßt, aber viel energischer als der Reichstag, und sie haben dadurch mehr zur Förderung des gewerblichen Friedens beigetragen als die Regierung durch die Einbringung dieser Vor- läge.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gegen Herrn Behrens betone ich. daß weder die sozialdemokra- tische Fraktion noch der Mann, der sie nach seiner Borstellung be- wogen haben soll, für Arbeitertammcrn einzutreten, mein Partei- freund Hue, es ablehnen, daß Arbeiter und Unternehmer zu- saounenkommen. Auch wir meinen, daß dadurch manches Miß- Verständnis beseitigt werden kann, und auch wir würden für Ar- beitskamincrn eintrete», wenn ihnen vcrwaltungStechnische Auf- gaben zugewiesen werden und ihnen Erekutivgewalt eingeräumt würde. Die Ansicht aber, daß die Tätigkeit der Kammern, wie sie hier geplant sind, im Sinne des gewerblichen Friedens sein wird. ist falsch.(Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Das beweist auch das Beispiel der holländischen ArbcitSkammern, au welche der Regierungsentwurf sich anlehnt. Aus diesem Gebiete haben die holländischen ArbcitSkammern bollständig versagt, einmal, weil dort die kräftigen Organisationen der Arbeiter und Unter- nehmer fehlen, dann aber, weil eben die Befugnis der Arbeits- tammern nur eine gutachtliche ist. Daß die Arbeitskammern als Einigungsamt dem gewerblichen Frieden dienen sollen, ist auch nicht so einfach, wie die Regierung meint. Sie macht cö sich sehr leicht. Sie meint: cZ wird einfach ein Vorsitzender der Arbeits- kammer bestimmt, und dieser hat den gewerblichen Frieden her- zustellen!.Herr Giesberts hat ganz recht, daß nicht jeder Hinz und Kunz, nicht jeder Regicrungsassessor sich dazu eignet. Bczeich- nend ist eS, daß die Männer, welche die größten Erfolge als Vor- sitzende von Gcwcrbegerichten als EinigungSamt gehabt haben, wie der verstorbene Oberbürgermeister Geßner, nicht aus der Beamten- fchaft, sondern aus dem praktischen Leben hervor» gegangen find. lieber die EmzclheUcu dcS Entwurfs werden wir uns in der Kommission unterhalten, deren Mitgliedcrzahl wir auf 28 fest- zusetzen bitten. Die einzige Verschlechterung, welche der Eni- Wurf dci» früheren gegenüber enthält, muß in der Kommission wieder äüsgemerzt werden; wir können nicht für besondere Kammern für Handlungsgehilfen stimmen, vielmehr meinen wir, daß an den Arbeitskamnier» besondere Abteilungen zur Vertretung der Interessen der Handlungsgehilfen und technischen Angestellten ebenso wie besondere Abteilungen für die Hausgewerbetreibende» zu bilden sind. Ferner verlangen wir auch die Einbeziehung der Arbeiter, die der Heeres- und Manneverwaltung unterstehen— hat doch die Marincverwaltung in Kiel ihren Arbeitern untersagt,„in Verbindung zu treten", um ihre Interessen zu fördern, wenn sie das auch nur durch eine gemeinsame Eingabe an den Reichstag machen wollen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mit aller Entschiedenheit verlangen wir ferner, daß auch die VcrlrhrSarbeikr, denen man bei jeder Gelegenheit das Koalitwns- rccht zu beschränken sucht, in die Mbeitskammern einbezogen werden, ebenso die anderen Arbeiter, die von der Gewerbeordnung ausgenommen sind, das Gesinde und die Schiffer. Weiter muß ähnlich wie bei den Gewcrbcgcrichten und KaufinannSgerichten eine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werden, wonach unter ge- wissen Voraussetzungen die ArbeltSkammern einberufen werden müssen. WaS gestern Lcgien über die Wählbarkeit von Gcwerkschaftsbeamte» und anderen unabhängigen Personen gesagt hat. kann ich nur unterschreiben. In Frankreich«st heute schon ein Gesetz in Vorbereitung, welckzes den GewerkschaftLbeamten d»e Wählbarkeit einräumt. ES tväre interessant gewesen, wenn Herr Kollege Behrens den Ort genannt hätte, wo, wie er anführte, ein Gewerbegerichtsvorsitzender einen Arbeitersekretär zugelassen hat. Besonders gefreut hat es mich, daß Herr Potthoff sich im Gegensatz zu seinem Parteifreunde Goller für eine Herabsetzung Ver Altersgrenze für die Wählbarkeit ausgesprochen hat. Herr Goller schien sich gegen einen solchen„Radikalismus", wie er es nannte, zu wenden. Ich meine, daß auch die Jugendlichen ein großes Interesse daran haben, in den Arbeitskammern mitzuratcn und Mlizutaten. Weiter verlangen wir eine Beseitigung der bureaukratischen Verwaltung der Arbeitskammern, weil wir der Ansicht sind, daß sich auf die Dauer keiner der Beteiligten, tvcder die Arbeitgeber, noch die Arbeitnehmer, eine derartige Bevormundung durch die Bureau- kratie wird gefallen lassen. Wir werden mitarbeiten, um in der Kommission dem Gesetz eine Gestalt zu geben, die es wirklich er- möglicht, daß die Arbeiter eine wirksame Interessenvertretung er- halten. Wird das nicht erreicht, so werden wir dem Gesetz die Zustimmung versagen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Giesberts: Ich habe keine Parteipolemik entfesseln wollen, sondern nur meinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß gerade ein Gcwcrkschaftsbeamter derartige Ausführungen in der »Reuen Zeit" mache. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Ich bin bereit, den Namen des Ortes Herrn Sevcring persönlich zu nennen. Ocffentlich nennen will ich ihn nicht, weil sonst die Gefahr besteht, daß dann dieser ver- nünftigc Zustand der Besetzung des Gcwerbegerichts gestört wird. Das Gesetz wird hierauf an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Präsident Graf Stolberg teilt mit, daß der Abgeordnete Dr. Ruegenberg(Z.) verstorben sei. DaS Haus ehrt das An- denlen des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr.(Zweite Beratung des .I u st i z e t a t s.) Schluß 3 Uhr._ fiZenfchenschlndmlen in einem MZdchenhelrn. DaS Urteil des Gerichts ging dahin: Der Ehemann Colander wird zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, die' Ehcfran Colander wird freigesprochen. lieber die gestrige, die Kulturticfc Preußens drastisch illustrierende Verhandlung über die entsetzlichen Brutalitäten, die von dem Hausvater Colander und seiner Ehefrau an wehrlosen Fürsorgezöglingen verübt wurden, geht unL der nachstehende telegraphische Bericht zu: Der heutigen Verhandlung wohnt im Austrage des Ministers des Innern Landrat Golke(Itzehoe) bei. Nach Eröffnung der Sitzung ergreift der Staatsanwalt Dr. Richardi' das Wort zu seinem Plaidoyer: Im Gerichtssaale ist ruhig zu prüfen, was wirklich festgestellt worden ist. Dem Angeklagten und seiner Frau soll volle Gerechtig- keit widerfahren, aber Gerechtigkeit auch den von ihnen in so schwerer Weise mißhandelten Opfern. Die allgemeine Mensch. lichkeit scheint ins Gesicht geschlagen, wenn auch nur einige der den Angeklagten zur Last gelegten Verfehlungen sich als wahr erweisen. Die rechtliche Entscheidung ist schwer, da die Straf- taten schon weit zurückliegen. ES ist eine lange Zeit vergangen, seit die Angeklagten in dieser Weise gegen ihre Opfer vorgegangen sind. Man kann wohl als erwiesen annehmen, daß sie seit einem Jahre ihr Institut in Ordnung gehalten haben und auch seit einem Jahre bestrebt gewesen sind, ihre Zöglinge gut zu behandeln. Diese Tatsache geht wohl darauf zurück, daß nach der Flucht der Dunkel eine Revision vorgenommen wurde und daß bald darauf das gegenwärtige Strafverfahren einsetzte. Dieser Umstand hat auf das Verhalten der Angeklagten Einfluß gehabt� das jetzt von den Zöglingen als einwandfrei geschildert wird. Wert der Aussagen. Die Zöglinge haben durch die letzte gute Behandlung Zeit ge- habt, sich an diese zu gewöhnen und haben die zurückliegenden Dinge aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht. Die Entscheidung war auch deswillen schwer, weil das Zeugenmaterial zum Teil ein recht bedenkliches war. das seine Aussagen aus der Voruntersuchung zum Teil widerrufen hat. Sämtliche Fürsorgezöglinge haben ihre Aussagen aus der Voruntersuchung zurückgezogen und vollständig neue Angaben gemacht, und zwar in allen Fällen zugunsten der Angeklagtem Es steht fest, das, wohl noch niemals so grob ge- logen worden ist, wie in dem vorliegenden Falle. Die Herren Richter werden zu entscheiden haben, welcher Aussage sie mehr Glauben schenken wollen, der in der Voruntersuchung oder der heutigen. Ich möchte die Entscheidung dem Gerichtshofe über- lassen, muß aber feststellen, daß dir Zeuginnen überwiegend noch in der Anstalt sind und Furcht haben müssen, falls sie etwas gegen den Hausvater aussagen. ES besteht auch die Möglichkeit, daß sie einen neuen Hausvater bekommen, der sie nicht so gut behandelt wie der jetzige. Solche Furcht kann wohl geeignet sein, die Zeuginnen zu beeinflussen. Eö ist ferner zu berücksichtigen, daß die Zeuginnen feit Jahren unter den Angeklagten stehen. Natürlich brauchen sie von diesen nicht bearbeitet zu sein, aber Tatsache ist, daß sie bis zur lebten Stunde nicht getrennt gewesen sind, daß sie manches besprochen haben mögen, und diese Tatsache kann wohl veranlaßt haben, vor Gericht nicht die Wahrheit zu sagen. Sie können auch eine Vereinbarung getroffen haben, um ihre frühereu Aussagen abzuschwächen, damit sie es in der Anstalt besser haben. Es kommt hinzu, daß verschiedene Mädchen aufsälligerwcise die gleichen Redewendungen gebraucht haben. Zm gssgemeincn pflegt auch ein öorbcstraftcr Mensch Prügel als Schmach zu empfirtllfff. Die Mädchen waren aber alle überzeugt, daß sie zu Recht behandelt worden seien und zwei bis drei gebrauchten sogar dieselben charakteristischen Worte: Wir haben nur„kindliche" Strafe» er- halten, ein Ausdruck, der den Mädchen sicher nicht geläufig ist und von dem Angeklagten bei seiner Vernehmung auch gebraucht worden ist. Weiter kommt hinzu, daß die Zeuginnen behaupten, sie seien von der Schwicbe späterhin beeinflußt worden. Sie be- streiten nicht die Mißhandlungen, welche sie erduldet haben, aber sie schieben jede Schuld der Schwiebe zu. Welche Logik liegt darin! Sie lassen sich die Mißhandlungen von der Schwiebe gefallen, dann aber von der Schwiebe gegen die Angeklagten aufhetzen! Die Zeuginnen sind in der Voruntersuchung vernommen worden und haben einmütig bei allen Vernehmungen die An- geklagten schwer belastende Aussagen gemacht. Ein Mädchen hat sogar erklärt, sie habe sich Dinge rein ausgedacht, welche andere Zeuginnen mit angesehen haben! Schließlich hebe ich noch hervor, daß eine Hauptzeugin, die Bchn, nicht zu bewegen war, den Eid auf ihre jetzige Aussage zu leisten. Nach der Behauptung der Angeklagten soll alle Scheußlichkeiten und Perversitäten allein die Schwiebe verübt haben, ohne daß sie etwas davon gewußt hätten. Wäre das glaubhaft, dann wäre bei beiden Angeklagten eo ipso die vollständige Unfähigkeit für ihr Amt erwiesen. Was soll man von ihnen denken, wenn die größten Grausamkesten und Perversitäten vorgekommen sind, ohne daß sie etwas davon uemerkt haben! Ja sie haben sogar die angebliche Täterin noch mit dem größten Vertrauen beehrt und ihr eine bevorzugte Stellung ein- geräumt. Leider ist nur festgestellt, daß sie ihr Vertrauen dem Mädchen auch dann noch schenkten, als sie von den Misshandlungen erfahren hatten; sie waren also mit den Mißhandlungen ein- verstanden. Der Staatsanwalt führt weiter aus. daß auch außer- halb der Anstalt kein Komplott gegen die Angeklagten von feiten der früheren Zöglinge und etwa im Einverständnis mit den jetzigen Zöglingen geschmiedet sein könne. Die Schwiebe war auch nicht die Persönlichkeit, die den Zöglingen einen anderen Hau-- vater hätte verschaffen können. Alle diese Dinge müssen dem Gericht bei der Urteilsfällung Direktiven geben. Was die Mihhandlungeo betreffe, so bestreite Colander selbst nicht, solche in gröbster Weise begangen zu haben. Er gibt zu. die Mädchen mit einer Hundckette gefesselt und daun erbarmungslos mit einem Stock geschlagen zu haben. War der Angeklagte überhaupt berechtigt, Züchtigungen a» den Mädchen vorzunehmen? Diese Frage ist zu verneine». Es fehlte ihm hierzu jede Berechtigung. Dieses Recht steht nur Eltern, Vormündern und Lehrpersonen zu, nicht aber einem Asylvorsteher. Dem Angeklagten ist nicht die Vormundschaft über die Mädchen übertragen worden, und auch in diesem Falle hätte er nur das elterliche ZüchtigmigSrccht ausüben dürfen. Es kommt hinzu, daß dem Angeklagten jede Züchtigung durch das Protokoll vom Mai 1904 ausdrücklich untersagt war. Auch der Vater des Angeklagten hat bekundet, daß der Asylvorsteher nicht selbst Züchtigungen vor- nehmen durste. Ter Angeklagte wuhte also, das? er nicht prügeln durste, und wenn er es dennoch tat, so tat er es vorsätzlich und widerrechtlich. In keinem Falle aber konnten ihm solche Züchti- gungcn zustehen, selbst wenn er das elterliche Züchtigungsrecht ge- habt hätte, wie er sie vorgenommen hat. Wo in aller Welt gibt es einen Lehrer, einen Vormund oder eine Lehrperson, der die ihm anvertrauten Zöglinge festbindet und erbarmungslos darauf losschlägt? Der Angeklagte durfte das um so weniger, als es sich nicht um kleine Kinder, sondern erwachsene Mädchen handelte t« Zlltcr von 18 bis 21 Jahren. Wo wird ein Vater seine erwachsenen Töchter so züchtigen, wie es der Angeklagte getan hat? Die öffen!- liche Aufmerksamkeit ist auf die Vorgänge im Asyl besonders da- durch gelenkt worden, daß in kurzer Zeit fünf Mädchen hinter- einander an Tuberkulose starben, und zwar Mädchen, die ganz ge- sund in die Anstalt eingeliefert worden waren und in deren Familien keine Tuberkulose herrschte. ES ist nicht erwiesen, und ich möchte das im Interesse des Angeklagten betonen, daß die er- littenen Mißhandlungen die Ursache waren, daß die Mädchen er- krankten, aber immerhin haben die Todesfälle der noch so jungen Mädchen die allgemeinste Aufmerksamkeit erregt, und sie können bei Beurteilung der Sachlage nicht außer acht gelassen werden. Einzelheiten. Der Staatsanwalt weist auf die Zeugenaussagen hin, wonach der Angeklagte die Mädchen an den Haaren rif?, sie in der Kälte stehen lieh, mit Wasser übergost, sich mit Kot beschmieren liest usw. Der Zeugin Kruse, die ebenfalls an Schwindsucht verstorben sei, sei nachgewiesenermaßen ein Nachtgeschirr über den Kopf gcgosscn worden. Sie mußte dann in der Kälte draußen stehen, daß ihr der Inhalt am Kopfe anfror und sich dann mit kaltem Wasser reinigen. Eine Aufseherin des Krankenhauses zu Glückstadt bat sich dahin geäußert, daß, wer als krank aus dem Asyl ins Krankenhaus komme, dieses lebend nicht mehr verlasse. Die Nachbarn der Angeklagten haben Mädchen längere Zeit in der Kälte stillstehen sehen, während der Vorsteher in der Nähe herumging. Die Arrest- jelle, der jede Sitz- und Schlafgelegenheit fehlte, war immer bc- setzt. Entflohene Mädchen wurden nach der Wiedcreinliefcrnng durchgeprügelt. Wenn Zöglinge entliefen, wurde für die Wieder- ergreifung eine Belohnung von 5 M. versproche.n Helfershelfer bedrohte man mit Strafen. Der Pastor Jakobscn hat ebenfalls den Eindruck gehabt, daß die Mädchen verschüchtert waren. Dieser erklärte, daß die Anstalt mehr den Eindruck eines Gefängnisses als einer Erziehungsanstalt machte. Daß die Zöglinge Schnnchcrcien begangen haben, ist un- zweifelhaft, aber cS ist erklärlich, wenn man die Aussagen der Zeuginnen heranzieht, daß sie nur selten austreten durften. E- wurden gegen die Mädchen Arreststrafcn von S bis B Tagen verhängt und dabei nur Wasser und Brot gegeben. Das trägt nicht. dazu bei, die Mädchen gesund zu erhalten. Der Angeklagte hat ohne jede Haus- und Dienstordnung nach Willkür getan was er wollte. ES fehlte ihm jede Direktive und er hat sich auch keine gegeben. Im Falle Behn hält der Staatsanwalt für erwiesen, dast daS Mädchen Kot mit dem Munde aufnehmen mußte, daß sie gefesselt und geschlagen wurde. Ich nehme aber nur gefährliche Körper- Verletzung in drei Fällen an. Ferner in dem Fall, wo das Mädchen nach Benutzung des Nachtgeschirrs gezwungen wurde, sich das Ge- ficht mik Kot zu beschmieren und den ganzen Tag mit dem Laken über den Kops in der Kälte draußen stehen mußte, eine vollendete Nötigung und schließlich in der Tatsache, daß sie den Kot mit dem Munde aufnehmen sollte und solange geschlagen wurde, bis sie niederkniete, eine versuchte Nötigung. Im Falle Runge, die Kaffee auS dem Nachtgeschirr trinken sollte, nehme ich ebenfalls versuchte Nötigung an. Weiterhin sind erwiesen die Mißhandlungen der Dunkel, die mit einer Kette an das Fcnsterkreuz befestigt und ei- barmungLloS geschlagen wurde, so daß, wie daS ärztliche Attest auS- weist, der Körper braun und blau war. Tic Angeklagten behaupten. daß die Mädchen auf dem Bagger mißhandelt worden seien, wo sie mit Männern verkehrten. Ich habe aber noch nie gehört, dast Männer, die mit Mädchen schön tun, diese auch miß- handeln.(Heiterkeit.) Auch hier liegt gefährliche Körperverletzung vor. Im Falle Green scheine erwiesen, daß Frau Evlander dem Mädchen das Grsiih entblößt und sie mit einem Rohrstock geschlagen IJaK. Mein Per föWWe elfte Mittäterschaft der Schwicde in Frage, daher scheide er diesen Fall auS. Dagegen sei im Fall Kruse erwiesen, dah Frau Qolander daS Mädchen mit einem Schliifielbund geschlagen habe, so dag dieses kran! wurde. Hierfür sei die Angeklagte verantwortlich. Dah die Kruse auch noch vom Angeklagten mißhandelt worden sei, das? ihr daS Nachtgeschirr über den Kopf gegossen wurde, daß sie in den Arrest gesteckt wurde u. a.. sei zwar erwiesen, er lasse aber hier die Anklage fallen, weil nicht die eigenen Zeugenaussagen der Verstorbenen herangezogen werden konnten. Die vorliegenden Fälle reichten zur Verurteilung auS, er ziehe daher die anderen S bis 6 Fälle zurück. Bei da" Strafabmessung sei die ausserordentliche Roheit und Schwere der Mißhandlungen zu berücksichtigen, und daß die Mißhandlungen gegen solche Per- sonen verübt wurden, denen man mit besonderer Liebe entgegen- treten sollte. Denn es unterliege keinem Zweifel, daß derartige Mädchen nicht mit Knüttel und Kette auf den Weg des Rechtes zurückgeführt werden könnten. Dazu gehörten ganz andere Mittel. Die Neußerungen, welche der Angeklagte dem Zeugen Seemann gegenüber getan, bewiesen auch eine ouf?erordentliche Roheit und Besiialität der Gesinnung, weshalb ihm mildernde Umstände nicht zuzubilligen seien. Dagegen sei er der Meinung, daß die Strafe nicht zu hoch sein dürfe, denn eS sei zu berücksichtigen, daß der Angeklagte nicht die nötigen Fähigkeiten für sein verantwortungsvolles Amt besaß. Vom Förster weg als LSjähriger junger Mensch, ohne je ein Asyl und besten Verwaltung kennen gelernt zu haben, sei er Vorsteher geworden. Der Angeklagte hatte keinerlei ErziehnngSkenntntsse, er hatte noch kein einziges Kind erzogen und sollte nun eine so große Zahl von nicht ganz einwandsfreien Mädchen erziehen. Das ging über seine Kräfte, und wir haben auch gehört, daß die Hälfte des Direktoriums ihn nicht wollte, aber die Stimme des Direktors, seines Vaters, gab den Ausschlag. Hinzu kommt, daß der Ange- klagte keine bestimmten Direktiven hatte und nach Willkür handeln konnte, schließlich auch, daß die Mädchen aufsässig waren und der Angeklagte noch unbestraft ist. Der Frau billige er mildernde Umstände zu. Für den Ange- klagten beantrage er für einen jeden Fall ein Strafmaß von acht Monaten, zusammen ein Jahr Gefängnis, die Frau lllv M. Geld- strafe wegen der Mißhandlung mit dem Schlüstelbund. Verteidiger R.-A. Dr. Reinicke: ES ist ein grausiges Bild, das sich vor uns entrollt, aber nur insofern, als man das Gericht zu belügen versucht hat, wie eS noch kaum vorgekommen ist, und zwar gelogen hat zuungunsten der An- geklagten. Die vorgebrachten Sachen reichen zu einer Verurteilung nicht aus. Was hat die Staatsanwaltschaft überhaupt zur Erhebung der Anklage bewogen? Die Kruse lag sehr krank an Schwindsucht im Krankenhause. Sie hatte ihrer Mutter Sachen erzählt, die haarsträubend zu nennen sind, wenn sie wahr wären. Durch den Schmerz über den Tod ihre? Kindes, das angeblich zu Tode ge- prügelt wurde, ist die Frau veranlaßt worden. Anzeige zu erstatten. Tann haben sich allerlei Leute hineingemengt. Was mag noch hinter den Kulissen vorgegangen sein. Vielleicht, daß die Zeugen sich miteinander besprochen haben. Die Erfahrung lehrt auch, daß man besonders weiblichen Personen bei Aussagen mit besonderer Vorsicht entgegentreten muß. Dazu kommt die Vergangenheit der Mädchen und der Umstand, daß sie vorher andere Aussagen gemacht haben. ES ist gewiß etwas faul im Staate Dänemark, aber die Frage ist doch, inwieweit die Angeklagten schuldig sind. Ich glaube, daß die Angeklagten selbst die Ueberzeugung haben werden, daß sie nicht länger Leiter der Anstalt bleiben dürfen. Der Fehler lag um System. Im Direktorium herrschte nach Aussage des Pastor Holst ein latenter Widerspruch. Gegen die Angeklagten liegen. was die Sache selbst anlangt, nur widersprechende Aussagen vor. Auch hat sich keines der Mädchen beim Landeshauptmann beschwert. Ich meine daher, das Gericht kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß das Material zur Verurteilung ausreiche und beantrage die Freisprechung. Erklärung der Angeklagten. Der Angeklagte Eolandcr erklärt: Die Strafhandlungen habe ich nicht begangen, ich fühle mich nichtschuldig und beantrage meine Freisprechung. Frau Eolander: Ich habe die Kruse nicht mit dem Schlüssel- bund geschlagen und beantrage meine Freisprechung. Um b Uhr nachmittags verkündet der Vorsitzende nach vier« ftündiger Beratung folgendes Urteil: Der Angeklagte-ist am 1. Oktober 1203 in der milden Stiftung „Blohmösch'e Wildnis" als HauSvater angestellt worden. Die An- stalt ist eine private Unternehmung, steht aber unter staatlicher Auf- ficht. Die Aufsicht wird von einem Direktorium ausgeübt, an dessen Spitze Eolander sen., der Vater des Angeklagten, steht. Der Weg, auf dem die dort untergebrachten Mädchen wieder zu einem ordentlichen LebenZwandel angehalten werden sollen, ist der Weg der Arbeit. Eine Hausordnung bestand nicht, ebensowenig ein Dienstreglement. Das Asyl wurde wiederholt vom Direktorium und von den staatlichen Aufsichtsbehörden besichtigt. Es hat sich da »ichtS zu erinnern gegeben, da äus-erlich alles tu Ordnung war. In den letzten ö— 6 Jahren, aber auch schon früher sollen die Zöglinge eine Behandlung erfahren haben, wie sie in anderen An- stalten nicht üblich war. ES kam so weit, daß Beschwerden über vorgekonrmenc Mißhandlungen dem Direktorium Anlaß gaben, dem Angeklagten jede körperliche Züchtigung zu verbieten. Nach dem Zeugnis des Bürgermeisters Brandes ist festgestellt, daß mit dem Angeklagten ein Protokoll aufgenommen wurde, wonach daS Direktorium der Anstalt der Ansicht war, daß dem Angeklagten cm ZüchtigungSrecht nicht zustand. Dem Angeklagten wird nun zur Last gelegt, daß er nicht nur Züchtigungen, sondern auch gcfähr- liche Körperverletzungen und Nötigungen seinen Zöglingen gegen- über begangen hat. ES fragt sich nun in rechtlicher Beziehung: Hatte der Angeklogte ein Zlichtlgnngsrecht? Diese Frage ist zu verneinen. Ein solches steht nur Eltern, Vormündern, Lehrern usw. zu. Er ist aber nicht Vormund seiner Zöglinge gewesen. Im übrigen hätte ihn auch daS Amt>alz Vormund nicht befugt, solche Strafen zu verhängen. Es fragt sich ferner: War der Angeklagte über die Nichtberrchtigung zu Züchtigungen orientiert? Diese Frage ist besabt worden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der eigene Vater cbm sagte, er dürfe die Mädchen nicht züchtigen. 2 em Angeklagten wcrden nun eine Reihe Vergehen der gefährlichen Korperverlcyunz, der versuchten und vollendeten Nötigung zur Last gelegt. Er soll die Dunkel, Kruse, Dehn und andere Mädchm körperlich mißhandelt und zum Teil auch genötigt haben. Was den Fall Dunkel anlangt, so hat der Gerichtshof auf Grund der Zeugenaussagen und des ärztlichen Gutachtens als erwiesen an- genommen, daß der Angeklagte daS Mädchen an den Händen mit einer Kette gcschlosien und mit einem Stock geschlagen habe. Das sind vorsätzliche Mißhandlungen mittelst eines gefähr- lichen Werkzeuges. Ferner hat er sie an den Haaren geschleift, ihr auf der Brust gekniet und ins Gesicht geschlagen. DaS sind Mis?- Handlungen unter Verletzung der Bcrufspflicht. Bei der Kruse liegt nicht Mißhandlung, sondern ein Fall vorsätzlicher Körper- Verletzung vor. Im übrigen ist nicht festgestellt, daß der Angeklagte versätzliche Körperverletzungen begangen hat. Ferner ist im Fall Kruse Nötigung durch Gewalt und Drohung erwiesen. Im Fall Behn wäre daS HinausschickeN bor die Tür und Stehenlassen von 6 Uhr früh bis(3 Uhr abends als eine Nötigung schlimmster Art angesehen worden, wenn das Gericht nicht hätte annehmen müssen, daß der Angeklagte an jenem Tage früh fortgegangen und erst abends wiedergekommen ist und das Mädchen sofort nach seiner Rückkehr wieder in das HauS ließ. Desgleichen ist nicht festgestellt, daß der Angeklagte einem Zögling das Nachtgeschirr über de« Kopf gestülpt hat. ES kann sein, daß es sich hier um eine Mittäterschaft handelt. Im Fall Runge ist die Tatsache, daß sie sich das Gesicht mit 5tot beschmieren mußte, als versuchte Nötigung aufgefaßt worden. Ebenso die Tatsache, daß sie ihren Kot selbst aufnehmen und aus einem Nachtgeschirr Kaffee trinken mußte. Was die Frau Eolander anlangt, so wird sie beschuldigt der Mißhandlung in vier Fällen. DaS Gericht konnte aber hier ohne daS eidliche Zeugnis der verstorbenen Kruse nichts anfangen, so daß die Beweise nicht ausreichend zu einer Verurteilung sind. Was die Strafabmessung anlangt, so hat das Gericht ertvogen, daß der Angeklagte sich in einer Vertrauensstellung befand, in der er sich als barmherziger, christlicher Mensch erweisen sollte. Es ist nicht leicht, so etwas zu tun, wenn man so jung ist wie der Angeklagte und keine Vorbildung besitzt. Der Angeklagte ist auf dem unrichtigsten Wege vorgegangen. Freilich hat er mit einem schlechten Menschenmaterial zu tun gehabt, das berechtigte ihn aber noch nicht zu seinen Strafen. Auch die Jugend deS Angeklagten ist berücksichtigt worden, so daß ihm mildernde Umstünde zugc- billigt wurden. DaS Gericht hat zwei Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung und zwei Fälle von Nötigung angenommen und eine Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis ausgesprochen, die Frau Eolander wurde freigesprochen. Dem Angeklagten wurden beim Verlassen des SaaleS Schmährufe nachgerufen. «.'» Das Strafmaß ist ein auffallend niedriges. Es hat das Gericht alle Fälle, in denen Verstorbene schwer gemißhandelt wurden, ausgeschieden. Aber auch nach Ausscheidung dieser Fälle blieben eine Reihe vom Gericht für erwiesen erachteter Fälle so feiger, niedriger, ekelhafter, roher und systematisch be- triebener Brutalitäten übrig, daß als gerechte Strafe nur eine nach Jahren zu beinessende erwartet werden durfte. Das Gericht hat als Milderungsgruud vor allem die Unfähigkeit des Angeklagten erachtet. Damit ist indirekt das zum Himmel schreiende System unseres Fürsorgegesetzes verurteilt. Ein junger Mann ohne jegliche Erfahrung wird, lediglich weil sein Vater Direktor der'Anstalt ist. zum Hausvater ernannt. Hin- reichende Beaussichtignngen und Revisionen der Anstalt fanden nicht statt. Mädchen im Mter von 18 bis 21 Jahren mußten sich bis entwürdigendste, schmählichste, ihr Leben gefährdende, ihr Menschtum und den Rest von Schamgefühl vernichtende Behandlung schutzlos gefallen lassen. Durch Aushungern der Madchen spart der HauSvater. Die Revision fand, abgesehen von der Aushungerung der Mädchen, nie etwas zu erinnern, bis infolge der bestialischen Behandlung hintereinander Mädchen starben und eine Mutter Anzeige erstattete. Dann wurde endlich seitens der Behörde eingeschritten. Aber nicht etwa der Menschenschinder seines Amtes entsetzt. Er konnte ferner seine Pflegebefohlenen behandeln, ja auf ihre späteren Aussagen Einfluß ausüben! Nur die Staats- anwaltschaft schritt ein. Und auch diese erhob nicht Anklage ivegen Mordes der fünf verstorbenen Mädchen, deren Tod durch Mißhandlungen und Hunger herbei- geführt zu haben der Augeklagte nach dem Er- gebtvis der Verhandlung dringend verdächtig ist. Selbst die Anklagen wegen Mißhandlung dieser armen Opfer unseres Fürsorgesystems ließ der Staatsanwalt trotz des er- drückenden Beweismatenals fallen, weil— die Verstorbenen nicht mehr aussagen können. Nach diesem Grundsatz müßte künftighin jede Anklage wegen MordcS unterbleiben, weil ja der Ermordete Zeugnis nicht ablegen kann. Angenehme Perspektiven für Mordbuben! Wäre eine Anklage wegen Mordes gegen den ehrbaren Hallsvater und die Verweisung dieses Teils der Anklage an daS Schwurgericht nicht gerechter gewesen? Weit mehr als die Milde des Urteils und daS Fallen- laffen der Hauptauklagen gegen den HauSvater, der durch Hinweis auf seine ordnungsparteiliche Tätigkeit bei der letzten RcichStagswahl sich seinen Richtern zu empfehlen suchte, fallen durch die Verhandlungen die Schäden des preußischen Fürsorgesystems auf. Welche Erfolge hat die„Blohmösche WildniL" aufzuweisen? Fünf Mädchen sind frühzeitigem, qualvollem Leide über- antwortet und der Rest zu Huren„erzogen", die letzte Spur jeder Selbstachtung ist in den armen Kindern systematisch ertötet worden. Hierfür mitverantwortlich ist die Vcr- waltung ilnseres Fürsorgewesens und dasSystem selbst. Unser Fürsorgesystem hat nicht die Wirkung, daß es mangelnde Erziehung ersetzt, die körperlichen, geistigen und sittlichen Fähigkeiten der Fürsorgezöglinge weckt und aus- bildet, auf daß diese den schweren Kampf ums Dasein be- stehen können. vielmehr muß das preußische Fürsorge- system in dem Geiste, wie es gchandhabt wird, mit Not- wendigkeit die körperlichen, sittlichen und geistigen Fähigkeiten der der Fürsorgeobhut Anvertrauten vollends vernichten. Die Richtung, welche Prügel gestattet, muß, auch wenn nicht Scheusäligkciten in der in Itzehoe festgestellten Art dabei bc- gangen worden, zuin Austreiben alles Menschlichen aus dem Menschen, zu einer Erniedrigung des Menschen zu einer willenlosen Maschine führen. Die AuSführungsbestimmungcn zum Fürsorgegcsetz legen den Hauptwcrt darauf. Arbeitskräfte für die Landwirtschaft auS den Fürsorgckindern zu machen. Gegen die Möglichkeit, daß ähn- liche Fälle wie die in Itzehoe ans Tageslicht gebrachten, vor- kommen und sich wiederholen, ist keine Fürsorge getroffen. Wiederholt haben wir auch aus anderen Fürsorgeanstalten Fälle anführen müssen, die den heuchlerischen Charakter der Aupreiser unseres Fürsorgewesens dartun. Hier muß endlich Wandel geschaffen werden. Ein Reich, das Gesetze und Aus- fi'lhrungSbestlinmungen zu demselben duldet, welche Fälle wie die Glückstadter ermöglichen, schlägt seiner Kulturaufgabe ins Gesicht. Die Kinder sind das teuerste Gut, daS die Nation hat. Sie unter dem Vorgeben einer Fürsorgeerziehung zum Dünger für heitzhungerige Leuteschinder zu machen, ist ein zum Himmel schreiendes Unrecht. WafferftandS-Nachrtchte» Per LandeSanltalt für AewSfferkunde, mllgetekll vom Berliner Wetterburcau. ISasierstand Memel, Silill Brezel, Jnltervurg Weichsel, Thoru Oder, Natibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrinnn , Landsberg Rehe, Vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Darby , Magdeburg vasierlland Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') » Ratbenam') Spree, Sarcmberg') , BeeSlow Weser, Manien , Minden Rhein. Slari-nilianSaii , Kaub Köln Neckar. Hcilbronn Main, W'crlhcim Mosel, Trier am IS. l. ow va sa 72 72 70 -kl 10 890 120 89 175 152 253 seit 14.1 orn1) _2 + 2 —4 +2 +1 424 +27 +63 +31 +20 +122 +3.i +117 st+ bcdeulet Wuchs,— Fall.— st Unlervezet.— st EiSstand. Rosenlbaler Str. 24 ill«A««AMi*«Bvsiioftfl 1? ofv Andreas*Straß8 Ecke Gipsstraße|||||||||M| C|IJ||�|| Ecke Blumenstraße IfllVeiltttr•VorkSttf! Dircksenstraße 20, direkt am Bahnhof Alexanderplatz. tSI0S9 WOShö! n„.o. qc rinimotcnüiHo DIstinn dänasende!Venttaknahmcn aus„KkltternnckitsiiiUdciien", ,. Donnerwetter— tadellos",„Die DoIIarprlnseBBla". llfCllc Zu C1H i.y|ipCiiclllyfi rlliuSQ- HVaisertranin" etc. Nur Schlager! 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I Mehlnieste mit Holzrückwand IPorzBBan-ButtentoseÄÄ: 1 Satz Salatieren S,.F60Sig 1 Glasaufsatz mit Vase Wascbservice 2 StüCk GlaSVaSSU mit Goldrand mit Fond, 3 teilig 1 Likörservice m» oiasubic«, stecig 1 Kompottschale„Diamant" srSfer» 10 Stück Gambrinusbecher 1 HolZgamitUr bestehend ans; 1 Küchenbrett, I Wurstbrett, 1 Messerputzbrett, 3 Quirle, 2 Löffel, 1 Rührlöff.,1 Fleischklopfer, 1 Reibekeule 2 vernickelte Teeglashalter„r" t�icü 1 SalOlltiSCh nussbaumartig ! Eckbrett �"2 cS1�"' 1 Kleiderriegei Z H�n,cke1' 1 Leiter 4stut!g 1 Petrolaumkanne �.Sert 1 Rosshaarbesen sSii 6 Paar Messer und Gabeln 3 Paar Messer und Gabeln Stahlgabe!, 4 kantiges Lieft 1 Messerbrett mit I Brotmesser, 1 1 Küchenmesser. I Fleischmesser j 95p£. 1 Plättbrett bSog�es Aermelplättbrett I K.opfbörste, I Hutbörste, 1 Kleiderbürste 12 versilberte Messerbänke 6 Gläserteller ÄÄW tmd 1 Brotkorb Aluminium 6 Teelöffel im Etui 6 Alpaka-Teelöffel od» 3 Alpaka-Esslöffel 1 Emaiile-Sand-Seife-Soda-Garnitur odi:r I Emaille-Kaffekanne u. 1 Emaillemilcbtopf 1 Schv/arzwälder Uhr|ä"end 1 Brotdose Scköriel? lackiert°und 1 Rrntl/nrh Rcflochtrai, mil Majolika-' i DI UlixUrU Einlage u. vernick. Rand 1 Koblenkasien 1 lackierter Deckelhalter mit 6 Emaille-Deckeln 1 Emaille-Ascheimer auSU» Bierservice bemalt, 7teilig QC.,. Krug u. 6 Gläser w*»P£. zusammen I ca. 14 cm, fein dekoriert 1 Emaille-Schmortop? Äcm-DccktI 1 Emaille-Eimer dekoriert 1 Emaille-Eimer neublan, mit Deckel 4 Emaille-Kasserollen ä 1 Emaille-Salz- u. 1 Meh!mesteodStcuj 1 Emaille-Kaffeekanne 1 TiSChlampC mit Eisenfuss, 10" 1 Küchenlampe dekoriert, mit Splegelblende 6 Gluhstrümpfe und 6 Gaszylinder 3 Gas-Seibstzundor 1 Slraussfaderwedol 1 Pfund Kaffee 1 Flasche Kognak 1 Flasche Kümmel crau'oi" nmh]m I/2 Pfund Kakao, Vi Pfund Tee 1 Flasche Halb und Kalb 1 Flasche Stonsdorfer 2 Vi Dosen Gemischtes Gemüse Emaille-Wanne oval, ca. 40 cm, -wÄir.'iHeiaffcut; Carl WrrmutH, Berlin-Rixborf. Mr deuLnserätentei! verantw.: TH.Gl»Se, Berlin. Druck». Verlag:Lorwärtt Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hr. 14. 26. Jahrgang. 2. Kilm Sks Jormätls" Itrliiitt öolliolilalt. ZiNtag.!7. Inniiitt 1909. Zuräcls auf flrittoteles! Um den Kampf gegen die„Marx-Epigznen" mit der ganzen wuchtigen Kraft des Revisionismus zu führen, hat die„Fränkische Tagespost" nach dem Nürnberger Parteitag eine wissenschaftliche Wochenbeilage, den„V o l k s b i l d n e r". gegründet. Wie es in der im schönsten Plakat-Reklamestil gehaltenen Ankündigung heißt, soll diese Wochenbeilage„ein in der Preßwelt bisher neuart ig es Unternehmen" werden; ein Versuch,„d u r ch die Tageszeitung ohne wissenschaftliche Vor- auSsetzungen die breitesten Massen in das Reich der Wissenschaft einzuführen", so daß sich allmählich in kurzen, von hervorragenden Fachleuten geschriebenen Artikeln„die einzelnen Gebiete der Wissenschaft einheitlich" z>a. sammenschlössen. Seitdem sind 14 Nummern de?„Volksbildners" erschienen, ohne daß daS Blättchen sonderliche Beachtung in der Parteipresse ge. funden hätte; denn was es verzapft, ist wesentlich ein verdünnter Abspülicht deS gewöhnlichen liberalen AufklärichtS mit schön geistigen Paprika-Mehlklößchen. Eine Kost, die mit manchen homöopathischen Mitteln das eine gemeinsam hat, daß, wenn sie nichts nützt, sie auch nichts schadet. Dem, der in der Marxschcn Schule historisch denken gelernt hat, wird die gebotene Kost nicht munden und ihn. wenn er doch gelegentlich davon nascht, nur zum Widerspruch herausfordern; und die Armen im Geiste, die über Haupt noch nicht denken gelernt haben, werden dadurch vielleicht doch in einzelnen Fällen zum Denken angeregt und später, wenn sich der Appetit beim Essen eingestellt hat, teilweise auch zu marxistischer Literatur greifen. Zudem halten wenigstens vor läufig die hervorragenden Fachleute des„Volksbildners" mit An griffen auf Marx und die Marx-Epigonen vorsichtig zurück. Nur der nationalökonomische Gelehrte deS Blattes, Genosse Heinrich H a r p u d e r, ist etwas aggressiver. Er leistet sich schon in der letzten Nummer das Vergnügen, so nebenbei in zirka SV Zeilen die Marxsche Werttheorie gründlich abzutun. Der Ruf:„Zurück auf Kant oder Nietzsche!" gilt ihm bereits als überholt. Selbst tzume und Thomas von Aquino sind dem Genossen Heinrich Harpuder noch zu modern. Er geht bereits auf Aristoteles zurück oder vielmehr auf das dritte Kapitel deS ersten Buches der Aristotelischen„Politik", in der der alte griechische Genosse Aristoteles den Unterschied zwischen Gebrauchswert und Tauschwert definiert und die Entstehung deS Tauschhandelz aus der lediglich für den eigenen Bedarf produzierenden„Familienwirtschaft" herleitet. Diese Stufe der Aristotelischen WirtschaflScrkcnntnis genügt im wesentlichen, soweit sich nach seinen bisherigen Artikeln beurteilen läßt, den wissenschaftlichen Ansprüchen deS Genossen Heinrich Harpuder. Die Werttheorie der Adam Smith, Riccardo, Marx sowie alle nach Marx aufgestellten Werttheorien lehnt er als „mißglückt" summarisch ab— und damit natürlich auch die auf dscscn Theorien aufgebauten ökonomischen Systeme. In gewisser Hinsicht ist dem Genossen Heinrich Harpuder sogar der alte Genosse Aristoteles schon zu marxistisch angekränkelt. Zu Anfang seiner„Politik" verlangt Aristoteles, daß man bei der methodischen Betrachtung der politischen Verhältnisse diese in ihrem„Entstehungsprozesse" verfolgen, also, wie wir heute sagen würden, die historisch-gcnctische Methode anwenden müsse. Und tatsächlich versucht denn auch Aristoteles vcrschicdcnb lich die Entstehung der damaligen Verhältnisse dcL politischen LebenS aus ihrem EntwickelungSgang zyu erklären. Heinrich Harpuder ist anderer Ansicht. Seine Methode„ohne Wissenschaft liche Voraussetzungen" besteht darin, daß er vom geschichtlichen EntwickelungSverlauf absieht und wieder die Methode der Kon- struktion allgemeingültiger Grundbegriffe zu Ehren zu bringen sucht. Einer der wesentlichsten Fortschritte von Marx über die eng lische klassische politische Oekonomie hinaus besteht bekanntlich darin, daß er die heutigen wirtschaftlichen Kategorien als historische Erscheinungen auffaßt. Im Gegensatz zur englischen Schule, die die ökonomischen Gesetze der sich vor ihren Augen vollziehenden Warenproduktion als allgemein natürliche Gesetze alles Wirtschaft lichen Lebens, als abstrakte Gesetze aller Zeiten auffaßte, hat nach Marx jede EntwickelungSperiode ihre besonderen, historisch bedingten Gesetze, und demnach können diese Gesetze auch nur historisch erfaßt, d. h. aus dem Entwickelungsverlauf heraus begriffen werden. Eine populäre Einführung in die politische Oekonomie, die lebendige Anschauung erstrebt, muß deshalb notwendig dem Lernenden wenigstens in den Hauptzügen die der heutigen Warenproduktion voraus- gegangenen wirtschaftlichen Entwickelungsstufen vorführen und ihm zeigen, wie die heutige Wirtschaft geworden ist. Genosse Heinrich Harpuder ignoriert in seiner Mneigung gegen den Marxschen HistorizismuS diese Methode. Er fängt nach altem Schema wieder mit den abstrakten allgemeingültigen Grund begriffen an. In seinem ersten Artikel setzt er unS auseinander, daß der Mensch nicht nur ein.Naturwesen", sondern zugleich ein„So zialwesen" ist, daS in„Gesellschaft" lebt. Das Gebiet dieses Zusammenlebens, der gesellschaftlichen Erscheinungen, zu er- forschen, sei Aufgabe der Sozialwissenschaft, von der die National- ökonomie nur ein besonderer Teil, nämlich jener Zweig der Sozial- Wissenschaft sei, der bloß die wirtschaftlichen Erscheinungen der Ilntersuchung unterziehe. Demnach gilt cS, wie Heinrich Harpuder gegen Ende deS ersten Artikels ankündigt, die„allgemeinen" sozialen Gesetze aufzufinden. Diese jugendlich-stürmische Harpudersche Logik ist doch etwas gar zu vorschnell. Zunächst gilt eS doch wohl festzustellen, was eine Gesellschaft ist, weiter inwiefern sie etwas Gleichbleibendes oder Veränderliches ist, ob sie sich entwickelt, ob es also ver- schiedene„Gesellschaftsformen" gibt, und endlich, ob in diesem Ent- wickclungSverlauf immer die gleichen Tendenzen zum Durchbruch kommen, d. h. dieselben Gesetze sich durchsetzen, oder ob jede Ent- Wickelungsperiode auch ihre besonderen Gesetze hat. Genosse Harpuder mag jedoch, wie schon erwähnt wurde, von einer solchen Methode nichts wissen. Er nimmt lieber einfach an, daß die sozialen Gesetze„allgemein" sind. Darauf folgen im zweiten Artikel allerlei Lesefrüchte über die Wirtschaftslchrcn des Aristoteles, Plato, Cokbert, OueSnay, Smith.- Marx und Engels, und darauf im dritten Artikel endlich die gründliche systematische Untersuchung der wirtschaftlichen Er- scheinung. Zunächst was ist wirtschaften f Antwort: Das Wirtschaften ist auf Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse gerichtet. Und was ist«in Bedürfnis? Das Bedürfnis entsteht aus dem Gefühl eines Mangels. Es verändert, kompliziert, vermannigfacht sich, aber im großen und ganzen ergibt sich doch eine gewisse Gleichheit und Gleichartigkeit. Die Tätigkeit, die auf Bedürfnisbefriedigung gerichtet, so wird dann im nächsten Artikel nochmals ausgeführt, ist wirtschaftliche Tätigkeit. Aber der Mensch hat keine„wirtschaftliche Natur". Der primitive Mensch versteht nicht hauszuhalten, nicht zu wirtschaften; er lernt es erst. Es gibt also eine Wirtschafts- cntwickelung. Sie geht dahin,„daß die Hand immer mehr und mehr in immer rascherem Tempo vom Munde getrennt, immer weiter von ihm getrennt wird". Es findet, wie Genosse Harpuder sich ausdrückt,„eine Trennung der Konsumtions- und der Pro- duktionLwirtschaft" statt. Im fünften Artikel wird darauf in gleicher voraussetzungs- loser Weise auseinandergesetzt, daß jene Gegenstände, die Mittel der Bedürfnisbefriedigung sind, Güter genannt werden. Da aber der Mensch die Fähigkeit der Gegenstände, diesem Zweck zu dienen, nicht immer erkennt, so ist eigentlich nur das ein Gut, „was der Mensch für geeignet hält, ein Be- dürfnis zu befriedigen". Und wie es verschiedene Be- dürfnisse gibt, so gibt eS natürlich auch verschiedene Arten von Gütern; freie und wirtschaftliche, materielle und immaterielle, Ge- brauchs. und Verbrauchsgüter, Gcnußgüter und Produktivgüt:r (Produktionsmittel). Damit ist HarpuderS voraussetzungslofe systematische Grund legung der Nationalökonomie beendet. Der Leser ist nun befähigt, nicht nur die Marxsche Werttheorie, an der sich schon so manche Volkswirtschaftler die Zähne ausgebissen haben, zu verstehen, sondern sie auch kritisch zu würdigen. Zwar weiß der Leser noch gar nichts von der Wirtschaftsentwickelung, auch nichts von der heutigen Warenproduktion, selbst der Begriff Ware ist ihm unbekannt; und noch weniger weiß er von der Ent stehung und der Entwickelung der Wertlehre; doch das ist un- nötig; die Tatsache, daß er erfahren hat: das Wirtschaften richte sich auf die Befriedigung von Bedürfnissen und die Bedürfnisse entständen auS Mangel, genügt der voraussetzungsloscn Harpuder schen Wissenschaft zum Verständnis der schwersten ökonomischen Probleme. Genosse Harpuder beginnt also im sechsten Artikel ohne weiteres mit dem Wert: Jedes Gut, so führt er aus, spielt für unser Dasein und unsere Wohlfahrt eine verschieden wertvolle Rolle, das eine eine größere, das andere eine geringere, je nach der Dringlichkeit des Bedürfnisses, die wiederum nichts Feststehendes, sondern im Laufe der Entwickelung Veränderliches ist, und je nach der in seiner Gegenständlichkeit ruhenden Fähigkeit, das jeweilige Bedürfnis in einem höheren oder niedrigeren Matze zu befriedigen: „Wert nennen wir deshalb die Bedeutung, die der Mensch einem Gute im Hinblick auf die Bedürfnisbesriedigung beilegt. Mit anderen Worten: Wert ist der Grad, in dem ein Gegenstand Gut ist, ein zur Bedürfnisbefriedigung geeignetes Ding.„Gut" ist eine allgemeine Eigenschaft, Wert dagegen das Maß, der Grad, in dem eine Sacke diese Eigenschaft a ii f w e i st. Ebensowenig wie das Gut ist der Wert eine aus- schließlich dem Gute innewohnende Eigentümlichkeit, eine ein für allemal in der Leiblichkeit des Gegenstandes liegende, gegebene Eigenschaft. Im Gegenteil, der Wert äußert sich je nach den An schauungcn der Menschen, denn er wurzelt zu einem guten Teil in der Meinung, in der Anschauung der Menschen, also in einem subjektiven Faktor, auf den die Vescliaffenheit deS Gut keinen oder einen geringen Einfluß hat...." Das ist im wesentlichen richtig; nur ist daS, was Harpuder hier als Wert bezeichnet, nicht der Wert, mit dem sich die Wcrtlehre beschäftigt: der Tauschwert. Er spricht hier lediglich vom Gebrauchswert, dem Nutzungswert. Nun ist zwar die Eigenschaft, daß sie einen Gebrauchswert haben, eine Vorbedingung deS Austausches der Waren, denn wenn diese gar nicht zu gebrauchen und zu benutzen wären, würde niemand sie eintauschen; aber dieser Gebrauchswert ist nicht der Maß st ab deS Austausches: d. h. er bestimmt nicht auf dem Markte den Tauschwert, der bekannt- lich seinen relativen Ausdruck im jeweiligen Marktpreis findet. Doch der große Nationalökonom Harpuder weiß sich zu helfen: der Tauschwert ist, wie er erklärt, g e w i s s e r m a ß em nur eine andere Seite seines„Gutswertes", d. h. des Gebrauchswertes. „Ein Gut," sagt er,„kann nun von zwei GesickEspunkten betrachtet werden, je nach dem Zwecke, dem eS zugeführt wird. Das eine Mal kann eS als Gegenstand des menschlichen Bedürf- nisses dienen, als„Lebensmittel" zum unmittelbaren Konsum... Andcrerfeits vermag er zu Markt zu gehen und sich hier gegen andere Güter in einem bestimmten Verhältnis auszu- tauschen. Hier fungiert er als Tauschwert. ES ist klar: um Tauschwert zu sein, inuß jedes Gut zunächst Gebrauchswert sein. Denn mag es als Tauschwert auch eine ganze Reihe von Händen durchlaufen, lebten EndeS mutz es doch in seine Bestimmung münden, in den Konsum. Und um kon- sumiert werden zu können, muß es eben Gebrauchswert sein. Demgegenüber muß nicht jeder Gebrauchswert auch ein Tausch- wert sein. Gebranchswerte können hergestellt werden, ohne daß sie zum Austausch dienen müssen. Auf primitiver Kulturstufe, in unentwickelten kommunistifchen Gemeinden, ja jelbst noch in der Bauernwirtschaft des Mittelalters sind die meisten Güter nur Gebrauchswerte, sie werden, da Tausch nur als Ausnahmcerschei- nung vorkommt, für den Selbstgebrauch, für den Eigenbedarf produziert; hier haben sie ihren Tauschwcrtcharakter noch nicht entwickelt, er schlummert noch, um erst auf viel späterer Ent- Wickelungsstufe zum Leben zu erwachen." Hier kommt Harpuder selbst zu der Anerkennung, daß der Tauschwert eine historische Kategorie ist und sich erst in der warenproduzierenden Gesellschaft durchsetzt. Aber sich irgendwie auf eine Schilderung deS WirtschaftScharakterS dieser Gesellschaft einzulassen, fällt ihm nicht ein. Seine voraussetzungslose Wissen- schaft geht nun einmal von der Voraussetzung auS, daß der Tauschwer gewissermaßen nur eine bloße Neben- eigenfchaft des„Gutswertes" ist, und so wirft er denn auch hinterher beide wieder zusammen, indem er ausführt: „Der Wert ist, wie schon oben dargetan, eine labile, schwankende, elastische, teils von objektiven, teils von subjektiven und von dem Ermessen abhängigen Faktoren bedingte Größe. Nun hat man seit langem in der Wissenschaft den Versuch gemacht, diese Unsicherheit, dieses Flüssige des Begriffs zu beseitigen und den dehnbaren Gumniinwßstab durch einen solchen aus halbwegs härterem, starrcrem Material zu ersetzen. Unter diesen Ver- fuchen, die alle als mißglückt anzusehen sind, verdient in aller- erster Linie eine nähere, wenn auch gedrängte Darstellung, die interessante Theorie vom„Arbeitsmarkt", wie sie systematisch zu- erst von Adam Smith aufgestellt, von Ricardo übernommen und erweitert worden ist. um endlich in der Kart Marxschcn Werttheorie ihre genialste Formulierung zu erhalten. Deren Hauptgedanken sollen hier in gebotener Kürze wiedergegeben werden, obwohl ich persönlich nicht auf ihrem Boden st ehe und ihre Gültigkeit nicht anzu- erkennen vermag, ebensowenig allerdings wie die irgendeiner nach marxischen, modernen Werttheorie. Die Arbeitswerttheorie nimmt, wenn auch der heutigen Auffassung nach ein Irrtum, limmer noch einen breiten Raum in der wissenschaftlichen Dis- kussion ein, welcher Umstand allein schon ihre Darstellung recht- fertigt. Andererseits ist sie gerade als geistreiche, wenn auch de» Wirklichkeit nach entsprechende Hypothese, als gedankliche Kon« struktion ganz dazu angetan, einiges Licht auf das Wesen deS Tauschprozesses zu werfen, auf die Formen, in denen er sich ab« spielt. Marx�geht von dem einfachen TaufchverhältniS aus, in dem etwa fünfzehn Ellen Leinwand einem Rocke dem Wert nach gleichgesetzt sein mögen. Wenn zwei so verschiedenartige Dinge, wie Leinwand und Rock, so folgert er, einander gleichgesetzt werden können, dann muß ihnen beiden etwas Gemeinsames zugrunde liegen, auf Grund dessen sie miteinander verglichen werden können. Ein Hektoliter kann nicht mit einem Kilometer verglichen werden, wohl aber dieser mit dem Zentimeter, weil beiden der Meter als Matzeinheit zugrunde liegt. Was ist nun das Gemeinsame, das sowohl der Rock, als auch die Leinwand auszuweisen haben? Was anders, sagt Marx, als die mensch- liche Arbeit? denn beide sind Produkte eben dieser Arbeit. Hier liegt sein er st er Fehlschuß; denn das Gemein- same, was in Wahrheit allen Gütern zugrunde liegt, ist in er st er Linie ihr Gutscharakter, ist ihre Fähigkeit, menschlichen Bedürfnissen zu dienen..." Diese Ausführungen sind kennzeichnend für die Harpudersche Konfusion. Gewiß, der Tauschwert ist labil und schwankend; aber nicht, weil die Auffassung der Menschen von dem Nutzwert der Waren stetig schwankt, sondern weil erstens die zur Herstellung der einzelnen Waren gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit schwankt, und zweitens, weil sich der Wert(Tauschwert) in der waren» produzierenden Gesellschaft nur vermittelst einer ständigen Ent- Wertung und Ucberwertung der Produkte durchzusetzen vermag, die immer wieder die konkurrierenden einzelnen Warenproduzenten darauf hinweist, was die Gesellschaft von ihren Erzeugnissen braucht. Und ferner: was hat der„Gutscharakter" der Ware, ihr Gebrauchswert, mit dem Tauschwert zu tun? Sicherlich muß ein Ding, wenn es austauschfähig sein soll, irgendwie zu ge- brauchen sein; aber das Matz dieser Gebrauchs- fähigkeit bestimmt nicht seinen Tauschwert. Eisen hat einen größeren Gebrauchswert für die Gesellschaft als Gold, Wasser und Luft einen höheren als Diamanten; aber Gold und Diamanten haben einen höheren Tauschwert. Allerdings muß man auch Luft und Wasser oft bezahlen; aber was dann be- zahlt wird, ist nicht ihr Gebrauchswert, sondern die Arbeit, die die Zuführung der Luft oder des Wassers durch Ventilatoren, Röhren- leitungen, Pumpwerke usw. erfordert. Der Gebrauchswert hat damit nichts zu tun. Wenn morgen statt Wasser Milch aus der Erde flösse, würde sie auch wenig oder nicht? kosten. Nicht weil sich dadurch, daß sie aus der Erde statt auS den Kuheutern käme. ihr Gebrauchswert verändern würde, sondern weil jetzt zur Ge- winnung von Milch nicht mehr das bisherige Quantum Arbeit erforderlich wäre. Doch Genosse Heinrich Harpuder vermag daS nicht zu begreifen. In seinem Revisionismus, seiner Rückwärtskonzentration auf die Wirtsckiaftsbegriffe des Aristoteles gelangt er wieder zu jener naiv-kindlichcn Auffassung, die an der Schwelle der Waren- Produktion steht, seitdem aber von allen denkenden National- Ökonomen als Unsinn nachgewiesen ist, zu jener Auffassung, daß, weil man ein Ding kauft, um es irgendwie zu benutzen, dieser dem Ding anhaftende resp. innewohnende Nutzen auch den Tauschwert bezw. den Preis bestimmt. Er wendet deshalb auch gegen die Marxsche Werttheorie folgendes ein: „Wonach, nach welchem Maßstab läßt sich nun dieses Quantum Arbeit berechnen? Ohne Zweifel nach der Zeitdauer der im Gute vergegenständlichten Arbeit. Die„wcrtbildende Substanz", die Arbeit, wird gemessen an ihrer Dauer, ausge- drückt in Stunden.„Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße fcflgeroiinener Arbeitszeit". Wie nun? wäre da nicht die Arbeitsstunde eines faulen, untüchtigen Arbeiters dem Werte gleich der eines geschickten fleißigen? Wenn der Fleißige in einer bestimmten Zeit zwei Schuhe, der Faule bloß einen her- stellen ivürde, so wäre der Wert eines Schuhes gleich dem zweier; beide sind doch Verkörperungen einer und derselben Zeitdauer? Nein, antwortete Marx, in Anbetracht kommt nicht die wirklich, im Einzelfall stattgcfundcne Zeitdauer, sondern die allgemein gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeitszeit.„Gesellschaft- lich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt um irgend einen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-nor- malen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durch- schnittsgrad an Geschick und Intensität der Arbeit herzustellen." Mit dieser Definition verwandelt sich aber mit einem Schlaga der Wertmaßstab, die„Arbeitsstunde", die an der Hand der tlhr genau berechnet werden kann, wieder in eine unbe- st i m m t e. u n b e st i m m b a r e Größe. Der Begriff einer solchen gesellschaftlichen notwendigen Arbeitsstunde ist so weit, daß alles und jedes unter ihm Platz findet, er wird zu einem Phantom, das, sowie man es zu greifen versucht, einem aus der Hand verschwindet. Mit der Aufstellung dieser Theorie ist, wenn auch nicht viel verloren, so auch nicht viel mehr als ein neues Abstraktum, ein Gebilde gewonnen, mit dem man ebenso wenig anzufangen vermag wie mit dem theologischen Begriff der menschlichen Seele. Komplizierter wird die Sache noch weiter dadurch, daß der Theorie die gewöhnliche Durchschnittsarbcit zugrunde liegt und jede qualifizierte höhere Arbeit als ein Vielfaches dieser Einheit umgerechnet werden muß und anderes mehr." Es ist richtig, der Tauschwert ist im allgemeinen eine un« bestimmbare Größe, insofern nämlich, als man von einer Ware, die man sieht, nicht ohne weiteres genau sagen kann, das oder das ist ihr Tauschwert. Vielleicht kennt man ihren Marktpreis, und dieser Marktpreis kann ihrem genauen Tauschwert ent, sprechen, doch noch häufiger steht der Preis über oder unter dem Tauschwert. Aber weil den Produkten ihr Tauschwert nicht auf- geprägt und oft schwer bestimmbar ist, deshalb ist keineswegs der durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmte Tausch- wert ein Phantom, eine bloße Einbildung. Der Gebrauchs- wert ist noch viel weniger bestimmbar als der Tauschwert; man kann ihn weder messen, noch wägen, noch in einem Geldpreis ausdrücken. Man kann ebensowenig von einem Gebrauchswert in der Länge von 4 Meter, im Gewicht von 2 Pfund oder im Werte von 2 Mark reden, wie man von 3 Pfund Liebe oder 2 Meter Haß reden kann. Aber dennoch, trotz dieser Unbestimmtheit, ist der Gebrauchswert eine Realität. Und ebenso steht eS mit den vielen physikalischen Gesetzen. Auch bei ihnen kann man oft nicht bestimmen, wie sie jederzeit in allen einzelnen Fällen wirken werden; aber deshalb, weil wir das nicht vermögen, sind nicht etwa diese Gesetze bloße Phantome. Allerdings Genosse Harpuder ist anderer Ansicht. Weil sich die Tauschwertgröße nicht jederzeit genau bestimmen läßt, wider« spricht die Marxsche Werttheorie„aller Wirk« lichkeit". Ausgerüstet mit fast der ganzen wirtschaftlichen Er, kenntnis des alten Genossen Aristoteles verkündet er: »Die Marxsche Werttheorie ist eine geistreiche, jedoch der Wirklichkeit nicht entsprechende Hypothese, die nicht widerlegt werden braucht, noch kann, weil sie nicht be- wiesen worden ist und bewiesen werden kann. Unddamitge- Hort sie in das Reich einer ökonomischen Meta- U h Y s i k." Aber nicht nur die Marxsche Werttheorie ist Unsinn; auch die Werttheorien der klassischen englischen Schule und aller Theoretiker nach Marx sind Unsinn. Alles ist nur Spielerei, Illusion! Aber die Wert- lehre ist doch die Grundlage aller Systeme dieser Oekonomen! Negiert man sie, bricht die ganze theoretische Nationalökonomie zusammen! Macht nichts. Zurück auf Aristoteles oder besser gleich auf die klassische Wurschtigkeit des alten Ge. Nossen Diogenes!! Immer rückwärts! AittichsMicher Wochenbericht. Berlin, 16. Januar 1908. Ällgemeine Lage.— Spekulation der Kriegsmateriallieferanten.— Baumarkt.— Textil- und Eisenindustrie.— EisenbahnfiSkus alS Großkonsumcnt.— Arbeitgeber Staat. In das trübe Dunkel des Wirtschaftslebens, das uns als Erbe ves Jahres 1908 blieb, hat der Januar noch keine, Hoffnung auf baldige Besserung auslösende Lichtstrahlen fallen lassen. Im Gegen. teil! Für die Arbeiterschaft nahm der Krise Schrecken, der sich ihr in den Folgen anwachsender Arbeitslosigkeit aufdrängt, nur noch an Wucht und Bedeutung zu. Wenn hier und dort in ein. zelnen Branchen die Nachfrage am Arbeitsmarkte etwas lebhafter wurde, so wuchs an anderer Stelle in noch stärkerem Matze das Angebot. Der Druck aller in Betracht kommenden Verhältnisse läßt die Unternehmungslust nicht aufleben. Wohl lietz die Börse sich verschiedentlich etwas aufmuntern, aber die immer kurz hinter- her folgende Reaktion wirkte oft intensiver als die Anregung. Die beste und aussichtsvollste Hoffnung auf sehr gute Kon- junktur haben zurzeit die Kriegsmaterialhersteller und-Lieferanten. Ihre Hoffnung verschlechtert die Aussichten für die übrige Wirt- schaftliche Welt. Die allgemeine, der chauvinistischen Hetze hüben und drüben crivachsene Mitzstimmung und Angst vor möglichen Konflikten wirkt lähmend auf das Wirtschaftsleben. Nicht nur legen sich Verbraucher und Produzenten möglichste Zurückhaltung auf, die durch internationale Komplikationen erzeugte Hochspan. nung hat auch wirtschaftliche Boykotts hervorgerufen, die auch wieder die Unternehmungslust zurückhalten. Von der den Interessenten dienstwilligen Presse wird die Säbelrasselei kräftig unterstützt; da? schafft die für unverschämte Militärforderungen vorteilhafte Stim- mung. Und diese will man haben, selbst auf die Gefahr hin, dabei wirklich einen Konflikt heraufzubeschwören, dessen Lösung Massen» Vernichtung von Menschen und Gütern bedeutet. Solche Atmosphäre begünstigt kein wirtschaftliches Aufleben. Trotz des erhofften und vielfach bestimmt erwarteten Wieder. erwachens der Unternehmungslust im Baugewerbe, scheint hier die Stagnation doch noch länger anhalten zu wollen. Momente, die auf eine im Frühjahr beginnende lebhaftere Bautätigkeit schlietzen lassen könnten, sind kaum anzuführen, eS fei denn, man gelange zu dem erwünschten Schluß aus Anlaß einer etwas regeren Tätigkeit im Grundstücksgeschäft. Aber man weiß nicht, inwieweit hier ledig- lich das rein spekulative Motiv wirksam ist. Die Zahl der Arbeits- losen im Baugewerbe hat noch zugenommen. Leider versagte die Mehrzahl der Kommunen als Notmildenn. Bei planmäßiger Borarbeit, wozu die Arbeitslosigkeit im ver- gangenen Winter Veranlassung geben mußte, hätte ein größerer Teil in Prwatunternehmungen beschäftigungslos Gewordener bei sogenannten Notstandsarbeiten Unterschlupf finden könne. Im all- gemekmn sind die bürgerlichen Vertreter Gegner der Borbereitung und Inangriffnahme solcher Arbeiten, weil sie darin eine Schmäle- rung des Unternehmergewinns sehen, auf den sie glauben ein un- veräußerlichcs Anrecht zu besitzen. Daher erklärt sich auch die Scheu, den Umfang der Arbeitslosigkeit zu ermitteln. Uebrigens darf man nicht vergessen, daß durch eine Zählung der nach der bis- hcrigen Begriffsbestimmung als arbeitslos Geltenoen der wirkliche Umfang der Arbeitslosigkeit resp. Produktionseinschränkung nicht er. faßt wird. Früher hielt das Unternehmertum die Zahl üer Beschäf- tigten immer ziemlich im Einklang mit dem Auftragsbestand, sank dieser, wurden nach dem Relationsverhältnis Kündigungen vor- genommen. Von dieser Praxis ist man mehr und mehr abgekommen. Der einzelne Unternehmer sucht sich nach Möglichkeit einen ein- gearbeiteten Arbeiterstamm zu erhalten. Anstatt diesen bei Wirt- schaftlichem Rückgang entsprechend der Erzcugungsvcrminoerung zu verringern, hilft er sich durch Verkürzung der täglichen Arbeits- zeit, oder, indem er die Leute umschichtig aussetzen läßt, über die Krisezeit hinweg; er bezahlt die Arbeitskraft nur, soivebt er sie benutzt, hält sie aber zu seiner steten Verfügung. So gibt es tausende Arbeiter, die im Monat nur für 29 Tage oder noch weniger voll beschäftigt sind, aber sie werden nicht entlassen und gelten da- her auch nicht als arbeitslos. Das muß bei Wertung ermittelter Zahlen über Beschäftigungslose mit berücksichtigt werdem Während im Gegensatz zum Baugewerbe, in der Textilindustrie nach monatelanger schwerer Krise eine kleine Erholung eingetreten ist, haben sich die Klagen aus der Eisenindustrie über Arbeitsmangel verschärft. Das gilt besonders von der Kleineisenindustrie; aber auch die Maschinenindustrie, der es bisher noch leidlich wohl ging, hat nun stark zu leiden. So wurde aus der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung des Vereins deutscher Werkzeugmaschinen- fabriken in dem vom Vorstand erstatteten Jahresbericht scharf be- tont: die Aussichten für die nächste Zukunft seien wenig erfreulich, im ganzen genommen befinde der Werkzeugmaschinenbau sich in einer sehr ungünstigen Lage.— Teilweise macht man oie Schutz- zollpolitil für die Wendung zum Schlechten verantwortlich. Ter Vergeber des bedeutendsten Arbeitsquantums in Preußen. der EiscnbahnfiskuS, hat in seinem Etat für 1909, wenn auch nicht in ganz derselben Höhe wie im Vorjahre, doch wieder Niesensummen eingesetzt, die sowohl dem Kohlenbergbau, als auch den Stahlwerken und der Kleineisenindustrie ein beträchtliches Quantum Arbeit sichern. Es sind z. B. vorgesehen für Etat 1908 1909 in Millionen Mark Kohlen. KoakS und BrikkettS.. 132,1 129,3 Schienen......... 29,1 27,8 Schwellen......... 31,4 32.1 Kleineisenzeug....... 20,4 19,7 Baumaterialien....... 19,0 17,7 Lokomotiven........ 37,0 38.8 Waggons......... 44,0 41,3 Wasser, Gas ans fremden Werken 14,9 15,0 Insgesamt sind für Unterhaltung. Ergänzung und Erneuerung der baulichen Anlagen rund 253 Mill. Mark vorgesehen, gegen rund 209 Mill. Mark im Vorjahre. Die wirklichen Ausgaben pro 1907 haben den Voranschlag dieses Jahres nicht erreicht. Bemerk- kenswert ist, daß bei sämtlichen Positionen gegenüber dem Vor- anschlag für 1907 Erhöhungen der Einheitssätze eingetreten sind, oie sogar mit Steigerung der Löhne gerechtfertigt werden. So stellt sich der Durchschnittspreis für Schienen pro Tonne um an- nähernd 4 M. höher; für Kleineisenzeuge ergibt sich eine Steigerung von fast 14 M. pro Tonne; hölzerne Bahnschwellen sind um 16,20 Pfennig, Weichenschwellen um 21,40 Pf. pro Stück teurer geworden; der Preis für eiserne Schwellen ist um 5% M. pro Tonne hinauf- gesetzt worden. Demnach müßten ja die Arbeitslöhne über das Niveau des Jahres 1907 hinausgewachsen sein, was bestritten wird. Der FiskuS nimmt nicht nur als Konsument, sondern auch als Produzent industrieller Erzeugnisse, einen hervorragenden Platz im Wirtschaftsleben ein. Der Etat der preußischen Berg-, Hutten. und Salinenverwaltung für das Etatsjahr 1909 balanciert mit rund 268 Mill. M., bei einem nominellen Ueberschuß von.18,3 Mill. Mark. Ter vorjährige Etat schloß in Einnahme und Ausgabe, vc: einem veranschlagten Ueberschuß von rund 18 Mill. M.. mit 202 Mill. M. Der nominelle Ueberschuß ist gegen 1908 um 841 410 M. höher vor» gesehen; er bleibt aber damit gegen die Ueberschüsse in früheren Jahren doch noch zurück. In Wirklichkeit ist der Gewinn bedeuten o böber, als jetzt rechnungsmäßig ausgewiesen wird. Ter FiSkuS treibt Verschleierungspolitik. Im letzten Jahre sind allein rund 7� Mill. M. als Zuschüsse eingestellt für Gruben, die allgemein noch keinen Gewinn abwerfen. Nicht nur die Zuschußsumme, so» dern auch die Ueberschüsse, die diese Gruben aus dem jetzigen Gc- schäft erzielen, werden zu Neuanlagen und Erweiterungen ver- braucht und müßten, da es sich um werbende Anlagen handelt, als neu investiertes Kapital verrechnet werden. Auch bei den Gruben, die Reingewinn rechnungsmäßig abwerfen, werden noch erhebliche Beträge für Betriebserweitcrungen usw. verwendet, die gar nicht als erzielter Ueberschuß in Erscheinung treten. Durch solche Praxis wird der Ueberschuß künstlich vermindert. Das so gewonnene Resultat macht sich besser, gegenüber oen jämmerlichen Löhnen, mit denen der Fiskus dem Privatkapital ein unrühmliches Beispiel gibt. D. ßrfefkarten der Redaktion. it«(nrlflttifie Svrc-iiftliiide flnvei«in den ftr a h» Nr. 8, zweite» Hof. dritter Eingang, vier Trepven. SMf Fabrftnh l"TBBfJS looilieniäq(irt) abends von 7>i, bii>!)■/, Illir Hau. Eeviinel 7 Uhr Lannavends beginn» die Svrcitiäundc»n> o Nbr. Jeder«»frag» in eio «inchsiabe»nd eine.�abl als»'.ert,eia>-ii be>z»«ugen.«rictiiche iiittwor, wirb not,,-rreitl. Bis zur>vcantwort»ng im iSricftafteu töuuea 14 Tage vergeben. Eilige Jragcu rrage man in der evreNinnude vor. Erbschaft gi!». 1. New. 2. Ja. 3. Wenn bereits das Muttererbteil geteilt Ist, so läßt fich ein weiterer Anspruch nicht erheben,— BJ. R. 215. W.nn es zu einer gütlichen Vereinbarung nicht kommt, liegt eS rechtlich so, daß der Mann die Herausgabe seiner Kinder verlangen, in diesem Fall aber auch sür deren Unterhalt Sorge tragen mühte. Kommt die Einigung nicht zustande, so würde der Mann nur sür die Kosten auizukommen haben, die zum Unterbau dringend erforderlich waren,— P. 77. Der Ebemann, — E. B. itt. ES besteht ohne weiteres Ausschluß der Glltergemein- schast. Zweckmäßig ist es, vor der Verheiratung zu notariellem oder gerichtl chcm Protokoll das Eigentum der Ehesrau anzuertennen und aus Niehbiauch und Verwaltung zu verzichten,— Lasialle. Nein, —£. R. 19. 1. und 2. Beantragen Sie bei der Gemeinde Ersatz unter Schilde, ung der Sachlage. Der Ausgang eines Prozesses wäre sehr zweiseliiasi. 3. Leider ja,— H. L. 47. Tatsächlich ja. aber nicht durch (Scrichisurteil,— I. G.«0. l. Ist N'chts vereinbart, so steht dem Dienst- Mädchen eine Kündigungssrist von sechs Wochen zum Ersten des Quartals zu. 2, Ja.— E. P. 39. Ja,— A. H. Der Austritt dürste zulässig sein. Bestimmte Ausweisungsgründe gibt eS nicht.— G. ft. 22. Ja; außer Sie schließen einen Adopiionsvertrag ab. Der Vertrag ist beim Notar oder vor Gericht zu schließen mid vom Gericht zu genehmigen, DaS Amtsgericht erteilt auch Disvens von dem AllcrSersorc erniS, Die Koste» für den Adoptionsverlrag betragen 50 Mark,— A. B. 1994. Das volle Gehalt,— Waltzemar-S. 1. und 3, Ja. 2, Nein. — L». 3. 24. I. Ja und 2. Ja. 3. Nein, Durch das srüher erlassene Ur- teil ist die Verjährung unterbrocheu. Sollte das Urteil zu einer Zeit er- lassen sein, wo Sic noch minderjährig waren, so wäre eine Ansechimig deS Urteils durch eine Klage Jhrcrseils nicht ausgeschlossen.— L. 9)1. 1909. Ja,— 9)1. B. 4. Ein'Anspruch steht den Erben incht zu, wenn die No- vcmberrate bereits gezahlt ist; Erben wären die Stiesniutter zu ein Viertel, die Kinder zu drei Viertel.— Eilig 55. Wenn Sie den Lehrvcrlrag nicht unterschrieben haben, so ist er nicht güllig.— A. 3. 20. Scheidung kavn von beiden Teilen mit Aussicht aus Erfolg beantragt werden.■— K.®. 4. Sie gelten als ehelich und haben dasselbe Recht wie Ihre Schwester.— M. H. 7«. Die Möbel sind psandbar Eingegangene Druchrcbrlftei». AuSstattungZbriele von Fr. Stamtann, '"f. von VeridtcuS. 1 Kr. HaladaZ Der Geist im Hauögeftühl. PrelS kart. 50 Pf. Buchverlag der Kroatien im Jahre 1907— II Könyonhomda, Budapest. COOOOOOOOCXJOOOOOOOO R-eise teilweise bis � � billiger als früher Die größten Berliner Zeitungen berichten: Eine Verkaufsmesse veranstaltet die bekannte Herren- und Knabenbekleidungsfirma Baer Sohn in ihren drei Geschäften Chausseestr. 29/30. Brückcnstr. 11, Gr. Frankfurterstr. 20 an den Tagen bis Montag, den 25. d. Mtö. Auf dieser Mesie wird dem Publikum Gelegenheit gegeben, in vorteilhaftester Weise seinen Bedarf zu decken. Die Firma Baer Sohn bietet den Käufern ihre durch Tausende von Anerkennungsschreiben bestätigten vorzüglichen Erzeugnisse zu nicht allein sehr bedeutend, ja teilweise bis zu 70 v. H. herabgesetzten Preisen, sondern eS kommen bei dieser Gelegenheit auch auS Resten der Maßabteilung und in der eigenen Betriebs- Werkstatt angefertigte große Quantitäten Kleidungsstücke zu billigsten Preisen zum Verkauf. Besonders hervorzuheben sind Gehrock- und Jackettanzüge, PaletotS, Ulster, Joppen sowie Westen in den verschiedensten Dessins, Knabenanzüge, Filzhüte usw. Wer also seine Garderobe komplettieren will, versäume nicht, die Ver- kaufsmesse der Firma Baer Sohn zu besuchen. Amtllede Vinter-Paletots, Ulster, Joppen, Pelze n. Pelz-Joppen zu stark herabgesetzten Preisen. Spezial-Haus größten Maßstabes Chausseestraße 29/30 □ 11 Brückenstraße 11. Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt-Katalog Ko. 35 and der Livree-Katalog No. 36 kostenlos ond portofrei 30000000000000000000 Josttfj, CIGIRETTENm.D.o. liMK, erfreuen sich des besten Rufes, Sie verbinden vorzQglichste Qualitätseigenschaften mit grösster Preiswflrdigheii und bieten fßr beides volle Garantie. 10 St. fflr 30 P& ictoria* Brauerei Aktien- Oesellschaft Berlin> Stralau— Fernsprecher: Amt VII Nr. 3835— empfiehlt in Gebinden und Flaschen: 58321/" Victoria=Saazer=Bräu(Pilsener Art) VictoriasExportsBier(Münchener Art) VictorlasTafelbier(ganz hell) Bock-Bier(hochfein). Sozlaideinokratiselier Watilverein für den 8. Berliner HeieiistassvaiiH Dm Mitgliedern zur Nachricht, das; unler Parteigenosse, der Arbeiter �odsnnes krudas Norduser 1! in Beelitz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Montag, den 18, Januar, nach- mitlags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- Friedhoses, FriebrichSseldc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224>7 Ter Vorstand.! �"3 Todes- Auze o. Am 17. Januar v üb inj Beelitz nach schwerem Lc i unser! steber Kollege �oksuaes Bruhns. Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet am! I Montag, den 18, d. M,. nach. s mittags 4 Uhr, aus dem städtischen! Frledbos, Müllerstratze, Ecke See-[ siratze statt, 58472 i Die Kolleginnen und Kollegen der A. E.-Q. Abb. Af. TT und AT. IV. Am Freitag, den 15. d. M., verstarb nach längerer! Kranbheit der Vorsitzende unserer Easse und Obermeister 1 der Berliner Schlosser-Innung Herr Paul Heinrich. Seit dem Bestehen des Krantenversichernngsgesetzes, also 25 Jahre, gehörte er dem Vorstande an. Im Jahre 1892 zum ersten Versitzenden gewählt, hat| er dieses verantwortliche Amt ununterbrochen bis zum Tode verwaltet. Arbeitsfreudig, gerecht und selbstlos, hat er stets und j.uch noch in den letzten Tagen schwerer Krankheit lur das Wohl unserer Kasse gearbeitet und gestrebt Wir werden seiner stets in Ehren gedenken! Die Beerdigung erfolgt am Dlontttag, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheen- städtischen Kirchhofes in der Liesenstraße. Der Vorstand der Ortskrankenkllsse der Schlosser und verw. Gewerbe zu Berlin. I. A.: Gust Lubatsch, Vorsitzender. 561 b Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Bernialtuugsftelle Berlin. Todes- Anzelfre. Dm Kollegen zur Nachricht. datz unser Mitglied, der Arbeiter »taBmin Bruhns am 14. d M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 18. d. M,. nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Städtischen Friedhofes in der Müllerstratzc aus statt. I�ackruf. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Otto Bordiert an Lungrnleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 110/10 Ol» Ortsverwaltung. SeziaideniokratisctierWaliiverein für den Bezirk Liciitenberg. DmMitglicden zur Nachiicht, datz unser Genosse, der Möbelpoliercr Otto Oericke verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, dm 17. d. Mts., nach» mittags 3 Uhr, von der Lcichm- Halle in der Bomitzstrahe aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/2 Oer VorHtand. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, datz mir mein lieber Mann, der Schristsetzer Kurl lJnäenderx durch dm Tod entrissen wurde. Witwe Lindcnberg. Romintencr Str. 45, vorn L Die Beerdigung findet am Sonntagnachmiltag 3 Uhr von der tolle deS Paroch ial-Friedhoses, oxhagmer Strasse, aus statt. Segel-Klnb „Wendenschlotz". Am 14. Januar, srüh 7 Uhr, verstarb unser treuer Sportssreund Karl ündenberg. Ein Mitbegründer unseres Vereins, war er stets ein HUss« und opferbereiter Freund. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute, Sonntag, den 17. Januar, nach- mittags 2'U Uhr, aus dem Parockial- MM' xhageucr Strasse, statt, Der Borstand. Kirchhoi. Bo, 553b Ii. Die Beerdigung deS am 14. Januar verstorbenm Mit- gltedeS, Herrn Otto Friedrich findet statt am Sonntag, den 17. Januar, nachm. 2l/2 Uhr, von der Leichenhalle des Gc- meinde- Kirchhofes in Steglitz. Bergslratze. 544b DaS«omitee. Dr. Schünemann Svezial-Arzt für 56332» Haut- und narnleiden, Pranenkrankheiten. Friedrichsir. 203, Ecke«chützenstr- «»-». 6-7, Somit. tO-Ui Uhr. Am Freitag, den 15. d. M., verschied nach schwerem Leiden der erste Vorsitzende unserer Kasse Paul Heinrich. Herr Obermeister Wir verlieren in demselben einen stets wohlwollenden und gerechten Vorgesetzton, welcher zu jeder Zeit bereit war, mit Bat und Tat unser Wohlergehen zu fördern. Sbin Andenken wird in uns fortleben! 562b Die Beamten der Ortnkrankenkanwe der Schlosser und verw. Wewerbe zn Berlin. Am 15, Januar verstarb nach j langem Leiden unser Kollege, s der Töpser Fmii Hoffmann. Dir werden ihm ew ehrendes | Andenken bewahren I b47b Die lieliegen der nrma Paul Trucks. OranlenstraBe 87. Am Sonnabend früh verstarb 1 nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Tochter, Schwiegertochter und s Schwägerin j;?™» Margarete Jubre s& Um stille Teilnahme bitten Die trauernden ttinterbliebenen Tie Beerdigung findet Dienstag, ! den 19, Januar, nachm. 2 Uhr, > vom Trauerhanse Torjstratze 16 aus stait. 573b Allen Verwandten, Bekannten ». Genossen die traurige Nachricht, datz meine inniggeliebte Frau tirnna Hitscbke Schneider am 16. Januar, morgen» 6 Uhr, plötzlich an Schlagansall ver- storbcn ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. d. M., nachm. 31/, Uhr, vom Kraiitmhause Moabit, Birtenstratze, aus statt. Franz Xitaehke, Putzer, 58482 Beusselstr. 61. Danksagung. Allen Bekamiten und Freunden sowie dm Mitgliedern des Metall- arbeiter-VerbandeS, den Mitgliedern des Wahlvereins des VI. Kreises, den Herren Gebr. Elster sowie den Arbeits- lollegm und Kolleginnen der Firma Elster sagen wir sur die Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sodnes und BruderS unjeim innigsten Dank. Besonderen Dank für die trostreichen Worte dem Herrn Grabredner Manasse. Wwe. Hackenberg 58422 und Geschwister. Verleih-Institut: Frledrichst.l 15/1. a.Orabg. "Tot. Eleg. Frack, Gebrock 1.50Lo!e 1,00, Weste 50Pi. Dautsaguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines inniggeliebten Mannes Baar sage Ich allen Verwandte», Freunden und Bekannten und Kollegen meinen innigsten Dank. Witwe Bartha Baar 575b geb. Klilsener. Wer wäscht brauche nur Dr. Henkers Waschmittel. Millonenfaoh erprobt und bestbewährt; über 30 jährige Erfahrungen in der Branche, auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut, beliebt in der ganzen Welt. Das idealste und vollkommenste selbsttätige Waschmittel von noch nie dagewesener Wasch- und Bleiohkraft. 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Rom, Es ist Wohl mit Bestimmtheit zu behaupten, daß keine Zeitung schlechter bedient worden ist, keine weniger packende, weniger ergreifende Berichte aus dem Erdbebengebiete bringen konnte als gerade d i e Blätter, die einen Korrespondenten nach den Stätten des Schreckens gesandt haben. Die Erwägung der Unmöglichkeit, angesichts des Todeskampfes einer Stadt „Journalist" zu sein, in Worte zu übersetzen, was überhaupt nicht durch die Pforten unserer Sinne eindringen und nicht in unserem Gehirn Vorstellung werden konnte, diese Erwägung hat viele Korrespondenten zur sofortigen Abreise bewogen. Ein Telegramm von Messina bis Berlin brauchte vier Tage, ein Brief sechs Tage; da konnte man viel aktueller von Rom berichten, konnte aus den Zeitungen viel mehr Stoff nehmen und entging dabei dem Banne der Stumpfheit und Elstarrung, in den Messina alles Lebendige schlug. Und dann— man kam wohl als Journalist nach Messina, aber man blieb nicht als Journalist. Der Spezial- korrespondent der„Grasotta del Popolo" aus Turin nahm Verbandszeug und ging in die Umgegend, Venvundcte zu suchen I Ein Berichterstatter des„Mattino", des berüch- tigten„Mattino" aus Neapel, hat vier Tage und vier Nächte auf dem HilfsPlatz an der Oapitanina del porto K rankenpflegerdienste getan... Ganz so unnütz, ganz so überflüssig, wie wir den Behörden schienen, sind Ivir Jour- nalisten nicht gewesen--, aber unseren Zeitungen waren wir schlechte Korrespondenten. Und wir ließen unsere Berufsarbeit im Stiche für die geringste praktische Leistung, für die kleinste Handreichung, für ein Körnchen Nützlichkeit, das uns das Odium abnahm, Gaffer zu sein und Wortdrescher angesichts eines Geschehnisses, das von jedem Kraftleistung und Selbstverleugung forderte. Nur nicht nutzlos sein, nur sich das Wasser und Brot verdienen, das für alle so knapp war und das d» ch jeder annehmen mußte, nachdem er se im e Vorräte verteilt hatte. In dieser Stimmung ist man kein guter Korrespondent. So klein und fremd und fern kommt einem auch die Welt da draußen vor(für die man schreiben soll): in Neben- sächlichem befangen, um Geringfügiges bemüht, dieselbe Welt, aus der ein einziger Faustschlag des Schicksals, eine kurze Spanne Zeit— nicht 4Ü Sekunden waren es— Messina her- ausgerissen hat. Wo sollen wir den Mut hernehmen— physisch erschöpft und seelisch stumpf,— Schilderungen dieser Hölle zu entwerfen?. Dazu bedürfte es des Griffels unserer Größten, nicht der kleinen, in der Tagcsfron ermüdeten Feder des Journalisten. Man denke nicht, daß in Messina die„rührende Episode" ans der Straße gelegen hätte. Die Stadt war wie ein- gekapselt in eine Eiskruste der Starrheit. Wer weinte denn noch in M e s s i n a? Ich habe in vier Tagen zwei Menschen weinen sehen! Gleich nach der Landung sah ich ein junges Mädchen, das am Hafen allerhand Kleider und Tand in einen Koffer packte und dabei laut schluchzte. „Sie ist eine der wenigen, die niemand verloren haben," sagte man mir;„ihre ganze Familie lebt." S i e konnte weinen.— Tranen, die viel heißer und bitterer waren, sah ich noch in den Augen eines jungen Mannes, der auf ein am Strande liegendes Boot voll Leichen wies. Die erste Leiche am Bug war die seiner Frau: der Mutter seiner fünf Kinder. Sie war ohne äußere Verletzung in der schrecklichen Nacht am Herzschlag gestorben. Und nun weinte er, weil er nicht Ivußte, wie er die geliebte Leiche von den andern unterscheiden könnte, um sie später dem Massengrab zu entnehmen und ihr eine eigene Ruhestätte zu geben... Die Soldaten rieten ihm, mit dem Boot voll Leichen zur Begräbnisstätte zu fahren, aber ein Offizier nahm dem Weinenden die.schwere Fahrt ab und versprach, die Ruhe- statte besonders zu kennzeichnen. Sonst habe ich in Mcssina keine Tränen gesehen. Und ivir selbst konnten auch nicht weinen. Das alles ist viel zu groß, viel zu entsetzlich, als daß sich die Spannung in uns in Tränen lösen könnte. Trockenen Auges habe ich die Stadt gesehen, die gräßlich zerstampfte Stadt; trockenen Auges Taufende von Leichen, Hunderte von Verwundeten. Mein ganzes bisheriges Leben hat niir nicht den zehnten Teil der Schrecken gezeigt, wie der erste Tag in Messina— aber weinen konnte ich nicht. Als dann die Sonne herunter war, hörte ich ein kleines Kind heftig schreien..... ,Es ist Schlafenszeit für den Kleinen," sagte mir der Vater,„ich kann ihn nicht zum Schlafen bringen, und die Mutter ist tot." Da habe ich mich in eine Ecke gekauert und habe geweint.... Das war Menschenleid in menschlichen Maßen, ein Stück alltäglicher Jammer: ein kleines Kind, das nach der Mutter schreit, und die Mutter ist tot! Der gewaltige Jammer der im Todeskampfe liegenden Stadt, der hatte sich nur dumpf und betäubend über mich gesenkt. Erst in der kleinen Münze des ganz Alltäglichen konnte ich das Leid in lebendiges Gefühl umsetzen, konnte weinen um ein verwaistes Kind an dem Trümmerhaufen, der Zehntausende zu Waisen gemacht hatte. So zerlegt unser Gefühl uns das Ungeheure in menschliche Maße, das gewaltige, weltgidchichtliche Ereignis in Alltags- geschehen: nur als solches es unser eigen. Und das gilt nicht bl>»* für iden, der dies alles nur mitempfindend erlebt. Es»->uß auch für jenen gelten, auf dessen lebendiges Fleisch die Hammerschläge übermenschlichen Leides fallen. Das Gefühlsleben des Menschen ist viel schneller mit Schmerz gesättigt, als man annimmt.— Was über ein gewisses Maß hinausgeht, fällt aus, bleibt ein fremder Boden- satz, genau wie eine chemische Substanz, die man einer Lösung über ihren Sättigungsgrad hinaus zusetzt. Wenn das Erinnerungsvermögen stark ist, mag der ungelöste Bodensatz später gelöst werden, in Weh und Bitterkeit lange Jahre vernichtend; in der Mehrzahl der Fälle aber bleibt loohl jener Ueberschuß, den die Nervenkraft nicht tragen konnte, ungelöst, bleibt er außerhalb jeder organischen Beziehung zur Psyche. Wo das nicht so ist, wo sich das Empfindungs- und Fassungsvermögen ausdehnt bis zur Auf- nähme des Uebermenschlichen, da zeigt sich dies Sprengen der I psychologischen Fessel, an die die Lebenstüchtigkeit gebunden ! ist, in Wahnsinn und Selbstmord. Wenn nicht die Aufnahme- i Unfähigkeit als Schutz einträte— wie könnte mau es er- | klären, daß Huirderte, die a l l e s Ihrige unter den Trümmern lassen, ihre Eltern, ihre Frau, ihre Kinder, alles, wofür sie gearbeitet haben, alles, wofür es lohnt, zu arbeiten, wie könnte man es erklären, daß sie weiterleben?— Sie leben, weil ihnen ein erbarmender Schleier der Stunipfheit den hoff- nungslos verstümmelten Leib ihres Daseins und ihrer Zukunft verbirgt. Ich habe in diesen Tagen, in Messina und auf der Reise, mit vielen Menschen gesprochen, die an der Unterhaltung teil- nahmen, wie alle anderen:„Hatten Sie Verwandte in Messina?"„Meine Kinder waren zu den Ferien bei den Großeltern hier."„Und sie sind alle gerettet?"„Nein, sie sind alle t o t."— Die so sprechen, sind Leute, die vielleicht in normalen Zeiten auf Jahre hinaus den Namen eines verlorenen Kindes nicht ohne Tränen nennen könnten. Heute sprechen sie ruhig von der Hekatombe ihrer ganzen Familie. Noch entsetzlicher wirkt es, wenn jemand auf die Frage nach den Seinen die Achseln zuckt:„Ich weiß es nicht— das Haus ist ganz zerstört, mir fehlt jede'Nachricht." Viele scheinen auf der Erde überhaupt nur noch einen Lebenszweck zu haben: die Leichen der Ihren zu suchen, um sich zu vergewissern. ob der Tod schnell kam und erbarmend, oder grausam wie ein Folterknecht. Auch Genosse Salvemini ist ganz ruhig geworden, als die Leichen der ersten geborgenen Kinder Spuren schnellen Todes trugen. Seine einzige Hoffnung ist, daß auch die Leichen seiner drei anderen Kinder sowie seiner Frau und seiner Schwester nicht von langer Todes- qua! erzählen..... Was sollen wir mit unserem Federhandwerk, das für das Alltäglichste eingearbeitet ist, gegenüber diesem Unsag- baren? Umprägen in rührselige Geschichten mag ich es nicht; es in seiner Riesigkeit zu zeichnen, in seiner blind-brutalen Furchtbarkeit, groß wie der Tod und allmächtig wie dieser, dazu bin ich nicht imstande. Ja, wenn ich nicht in Messina gewesen wäre, dann hätte ich vielleicht Worte gefunden und Bilder und Farben. Vielleicht hätten dann meine Zeilen manchem ans Herz greifen können. Aber ich w a r in Messina, und da sind mir die Worte klein geworden, nicht dehnbar bis zu den Maßen des Gcschauten. Sie müßten in der Hölle geprägt sein, die Worte, wenn sie uns jetzt nicht in Stich ließen. Mich haben sie gründlich in Stich gelassen— ich habe nur zerfetzte Berichte aus Messina senden können, ohne Darstellungskraft und ohne Leben. Denn in Messina sind hrindcrttausend Menschen umgekommen, ist eine glorreiche Vergangenheit, eine verheißungsvolle Zukunft zu Schutt zermalmt worden. Wer das-ur fassen vermag, der schreibe darüber...... - Mcssina, 16. Januar. Der Abgeordnete Michelt führte gestern in einer Versammlung der Ueberlebenden von Messina den Vorsitz. Er befürwortete die Aufhebung des BelagerungS- zustandeS in M e s f i n a. Der Prodi nzialrat trat am Freitag zum ersten Male nach dem Erdbebcnnnglück zusammen und nahm eine Tagesordnung au, in der dem König, der Königin, der Regierung, dem Parlament, den Städten Italiens und der gesamten Welt, die einmütig zur Hilfeleistung beitrugen, der herzlichste Dank ausgesprochen wird. Auch hier Ivurde der Wunsch ausgesprochen, daß alle öffentlichen BureauS in Meffina baldigst tvieder hergestellt werden möchten. » In Reggio erfolgte Freitagmorgen kurz vor Tagesanbruch ein neuer Erdstoß, den lautes unterirdisches Rollen begleitete. Auf den freien Plätzen lief die Menge zusammen, um Sankt Georg, den Schutzpatron der Stadt, um Fürsprache zu bitten!— Mit dem Heraufdämmern des Morgens trat Beruhigung ein. Zu gleicher Zeit langten die ersten Ziegenherden sowie einige Waggons Früchte und Gemüse in der ausgehungerten Stadt an. parlamentarisches. Aus der Biidgetkommission des Reichstages. 3. Sitzung vom 15. Januar. Der Vorsitzende, Freiherr v. Gamp, machte den geradezu unglaublichen Vorschlag, die Abgeordneten sollten an die Re° gierungsvertreter nicht so viel Anfragen st e l l e n, sondern auf privatem Wege bei ihnen Jnforma- tionen einholen! Als er aber merkte, daß ihm Genosse Singer kräftig in die Parade fahren wollte, versicherte der Vorsitzende schlennigst, er wolle niemand daran hindern, sich zu betätigen. Die Fortsetzung der Beratung erfolgte bei Kap. 7b: Reichs- k o ni m i s s a r i a t e. Der Posten zu IL 000 M. für lieber- wachung des Auswauderungswesens wird vom Referenten bean- standet und über die Verwendung nähere Auskunft ver° langt. Ministerialdirektor v. Jonquieres begründet die Höhe der Ausgabe hauptsächlich mit den erforderlichen hohen Reisekosten. Der Posten wird schließlich bewilligt.— Beim Bundesamt für das Heimat Wesen werde« 1200 M. mehr angefordert. Der Berichterstatter ist der Meinung, daß die Arbeitskraft des Präsidenten nicht ausgenutzt wird und wünscht Erwägung darüber, ob der Posten nicht im Nebenamt versehen werden kann. Staats- sekretär v. Bethmann-Hollweg wendet sich gegen diese An- ficht, weil dieser oberste Richter dadurch in ein gewisses Abhängig- keitsvcrhältnis von der Hauptstelle komme. Diese Auffassung wird von dem Abgeordneten Erzberger mit dem Hinweis, daß die Nor- maleichungSkommission und das Oberseeamt auch im Ncbenamte versehen würden, bekämpft. Genosse Singer anerkennt den Eifer, mit welchem der Abg. Erzberger Sparsamkeit üben wolle, aber ihm scheine der Eifer größer zu sein als der Bedacht. Das Amt fei wichtig und erfordere bei der großen Zahl von getroffenen Entscheidungen eine volle Arbeitskraft. Der Abg. Erzberger zieht seinen Antrag zurück. Beim Statistischen Amt werden für Remuuerierung von Hilfsleistungen 270 000 M.(20 000 M. mehr) angefordert und mit der Vermehrung der laufenden Arbeiten begründet. Der Bericht- erstatter beantragt, diese Mehrforderung zu streichen, zieht seinen Antrag jedoch zurück, als die Regierungsvertretcr erklären, daß trotz der Erhöhung sich wahrscheinlich ein Fehlbetrag ergeben werde, da weitere Hilfskräfte besonders für Arbeiter- und Schiffahrts- statistik herangezogen werden müßten. Beim R e i ch s g e s u u d- h e i t s a m t wurden von den zur Unterhaltung der Dienstgcbäudc in Dahlem angeforderten 18 200 M. 2000 M. abgestrichen, weil ein erheblicher Fonds vorhanden sei. Für fachliche und vermischte Ausgaben werden statt 217 000 M. im Vorjahre 227 000 M. gefordert. Hierunter befinden sich auch die Ausgaben für die im Selbstverlag des Gesundheitsamtes her- ausgegebenen Druckschriften. Von Zentrumsseite wird augeregt, ob sich nicht die Herstellung von Drucksachen für daS Reich i n eigenen Druckereien vorteilhafter stelle. Diese Anregung wird von anderen, auch von Zeutrumsrednexu, bekämpft, weil die Arbeiter sich dann teurer stellen würden! Singer ist für Durchführung der R e g i e a r b e i t, wofür gerade die Buchdruckerei sehr geeignet erscheine. Allerdings müsse die burcaukratische Vcr- waltung fallen und müßten solche Geschäfte nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet werden, wie das ja bei den Kommunen meist bereits der Fall sei. Aber die bürgerlichen Parteien wollen der Privatindustrie keine staatliche Konkurrenz machen! Abg. Erz- berger beantragt eine Resolution, wonach die mit den einzelnen Druckereien abgeschlossenen Verträge der Kommission vorgelegt werden sollen. Ter Antrag Erzberger wird angenommen und der Posten bewilligt. Eine längere allgemeine Debatte entspann sich über die Klagen der diätarisch angestellten Herren bei den verschiedenen Reichs- ämtern. Die Anstellung erfolge speziell beim Patentamt, so wurde behauptet, erst nach fünf bis sechs Jahren, während andere Acmter sie früher vollziehen. In einer Resolution wird gefordert, daß die Diätare in allen Aemtcrn gleichmäßig behandelt und der Reihe nach in die Reichsämter versetzt werden sollen. Staatssekretär T w e l e wandte sich gegen die Tendenz der Resolution, während Genosse Singer lebhaft für die Resolution eintrat. Des weiteren nahm sich Singer verscliicdener Petitionen der Diätare an und wies nach, daß die angeblichen Schwierigkeiten bei der Versetzung eines Beamten von einem Amt in das andere nicht bestehen und wo sie vorhanden seien, leicht überwunden werden könnten. Selbstvcr- ständlich äußerten auch die anderen Redner ihre Sympathie mit den Forderungen der Diätare, wenn das bekannte„aber" auch immer auf dem Fuße folgte. So meinte der Nationalliberale Semler, daß es gar nicht besonders zlveckmäßig sei, die Diätare fest cmzu- stellen, weil die Privatbeamten auch nur in einem Kündigungsvcr- bältnis ständen; das sei vorzuziehen, weil die Beamten dann fleißiger arbeiteten! Genosse Singer forderte, daß die Regie- rung die Wünsche des Reichstages auch beachte. Seit Jahren gc- forderte Einrichtungen werden nicht geschaffen und auch sonstige Anregungen ignoriert! Das sei ein unhaltbarer Zustand. Gegen Scmler führte er an, daß die Lust zur Arbeit nicht mit schlechter Bezahlung unp unsicherer Existenz geschaffen werde. Das Gegen- teil sei der Fall. Die Resolution wurde angenommen. Nächste Sitzung DienS- tag, den 19. Januar._ AuS der Weingesehkommission. Die Weingesetzkonimission ist am Donnerstag mit ihren Ar- beiten ein gut Stück vorwärts gekommen. Sie erledigte die §§ 11 bis 10.§ 11 bestimmt, daß Getränke, welche dem Gesetz zu- wider hergestellt sind, nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen. tz 12 bezweckt eine schärfere Ueberwachung der Einfuhr aus dem Ans- lande. Namentlich soll auf einwandfreie Begleitpapiere gesehen werden. Nach Z 13 dürfen Geiränle, welche vom Verkehr ausgeschlossen sind, nicht zur Herstellung vop Schaumwein oder Kognak verwendet werden. Auch kann der Bundesrat die Verwendung be- stimmter Stoffe bei der Herstellung von weinhaltigen Getränken verbieten, lieber die Kognakbercitung wird bestimmt: Trinkbrannt- wein, dessen Alkohol nicht ausschließlich aus Wein genommen ist, darf im geschäftlichen Verkehr nicht als„Kognak" bezeichnet werden. Trinkbranntwein, der neben einer Mindestmenge von zehn Prozent des Alkogehalts an Weindestillat Alkohol anderer Art enthält, darf als K o g n a k v e r s ch n i t t bezeichnet werden. Hierzu wurden folgende Anträge angenommen: Kognak und Kognakverschnitt müssen mindestens 38 Proz. Alkohol enthalten! Am Freitag beendete die Kommission die erste Beratung des Entwurfs. Nur beim Z 23 gab eS laiige Auseinandersetzung, weil die„Juristen" an dem guten Willen, das Gesetz streng durch- zuführen, bei der preußische» Regierung nicht glauben und ihr daher durch das Gesetz besondere Direktiven erteilen wollten. Die Ne- gierungsvertreter wandten sich scharf dagegen, indem sie erklärten, daß der Antrag Baumann, welcher im ersten Absatz besage: „Zum Vollzuge des Gesetzes sind die Landes- regier ungen verpflichtet", direkt verfassungs- widrig und unlogisch sei; denn es sei selbstverständlich, daß die einzelnen Regierungen die Gesetze anwenden müffen. Ihnen wurde entgegnet, daß wir, wenn die preußische Re- gierung ihre Schuldigkeit getan und daS jetzt bestehende Gesetz richtig angewandt hätte, wir ein neues Gesetz überhaupt nicht gebraucht hätten. Sie habe keine Kontrolle geübt, und damit sei das ganze Gesetz wirkungslos gewesen.— Der Hauptantrag wird zurück- gezogen, andere Anträge(daß mit dem Inkrafttreten des Gesetzes auch die Ausfüh�iingSbestimmnngen erlassen und innerhalb von 6 Monaten die Sachverständigen ernannt werden sollen) wurden an- genommen. Das Gesetz soll am 1. September in Kraft treten, mit der zweiten Lesung am Dienstag, den 26. Januar, begonnen werden. Die 29. Kommission(Automobil-Gesetz) beriet am Freitag den K 2 der Vorlage. Der§ 2 der Regierungsvorlage lautet: „Die Vorschriften des 1 finden keine Anwendung: 1. wenn zur Zeit des Unfalls der Verletzte oder die beschädigte Sache durch das Fahrzeug befördert ivurde oder der Verletzte bei dem Betriebe des Fahrzeugs tätig war; 2. wenn der Unfall durch ein Fahrzeug verursacht wurde, da? auf ebener Bahn eine begrenzte Geschwindigkeit nicht über- schreiten kann und hierauf amtlich geprüft ist. Die Geschwindig- keitsgrenze wird durch den Bundesrat bestimmt." Von sozialdemokratischer Seite wurde beantragt, den ganzen § 2 zu streichen, und zwar im Interesse der in Autos beförderten Fahrgäste und der beim Betriebe tätigen Angestellten(Chauffeure). Bleibt der§ 2 bestehen und wird er nicht durchs Plenum des Reichs- tags beseitigt, so sind die Fahrgäste und die Betriebsführer eines Kraftfahrzeugs vorweg von der Geltendmachung der Haftpflichtan- sprüche ausgeschlossen. Es bleibt somit weiteren Kreisen das Erheben des Haftpflichtanspruchs versagt. Dagegen schützt auch nicht der Einwand, daß man ans Grund eines Schuld n ach Iveises den Anspruch geltend machen kann. Seine Schuldlosigkeit wird ein Ha.fwflichtschuldlier sehr leicht erweisen können, und dann ist mit einer VerschnldungSklage gegen ihn nicht durchzudringen, Der Absatz 2 des§ 2 wurde gestrichen. Die sozialdemokratischen Vertreter hatten die Streichung beider Ziffern beantragt. Die Kommission des Abgcordnetenhanses zur Beratung bel Gcselieiitwnrfs betr. die Heranziehung der Beamten zur Ein- lommensteuer ist am Sonnabend wieder zusammengetreten. Während von freisinniger und sozialdemokratischer Seite die völlige Aufhebung des Privilegs beantragt wurde, stellten sich die anderen Parteien im allgemeinen aus den Boden der Regierungsvorlage. Bezüglich der Verteilung der Kosten lag ein nationalliberaler An- trag vor, wonach Beamte, welche vor dem 31. März 1909 in das Amtsverhältnis eingetreten sind, am Schlüsse des Stcuerjahrcs aus der Gemeindekasse � des Betrages ersetzt bekommen sollen, den sie nach Maßgabe des neuen Gesetzes mehr gezahlt habe» gegenüber den bisherigen Besteuerungen. Die Hälfte dieser Rück- Zahlung soll den Gemeinden aus der Staatskasse vergütet werden. Mit anderen Worten: Die Beamten zahlen den Kommunalfteuer- Zuschlag, aber nur bis zu 100 Proz., und sie bekommen% davon später wieder zurück, sie selbst zahlen also nur%, Staat und Gemeinde gleichfalls! Das Wahlrecht der Beamten soll durch die Rückzahlung nicht beeinträchtigt werden, es werden ihnen also bei der Bildung der Wählerabteilungen die Steuern angerechnet, die sie nur verauslagen. Die Kommission lehnte sowohl den Antrag auf völlige Aushebung des Privilegs, als auch den national- liberalen Antrag sowie einen Antrag des Zentrums ab, der dahin geht, daß, wenn in einer Gemeinde Zuschläge über 100 Proz. er- hoben werden, der Mehrbetrag der Zuschlüge nur den auf das außerdienstliche Einkommen entfallenden Teil des Steuersatzes ganz, dagegen das Diensteinlommen nur zur Hälfte der Zuschlags- Prozente trifft. Tie Beratung über das Stcucrprivileg der Elemcntarlehrer, Geistlichen und unteren Kirchendiener wurde ausgesetzt. Für den Inhalt der Inserate «ibernimmt die Redaktton dem Pnblikiun gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcatcr. (Siehe Wochen- Spielplan.) Kreie Volksbühne. Sonntag, den 17. Januar, nach- mittags 3 Uhr: 3. Abteilung im Neuen Schauspielbause: Rabagas. Freitag, den 22. Januar, abends 8 Uhr: IS.tfV. Abend. abteilung im Neuen Schau« spielhause: Rabagas. Sonntag, den 17. Januar, nach- mittags 3 Uhr: im Herrnseldt- Theater(Nummern der Karten 10 101—11 200): Der Probekandidat. Neue Freie Volksbühne. Am Sonntag, 17. Januar: nachm. S'l, Uhr: im Deutschen Theater: Was ihr wollt; in den Kammerspielen: Des Meeres und der Liebe Wellen; im Neuen Theater: Jahrmarkt in Pulsnitz; im Neue» Operetten- Theater: Der Opernball; im Berliner Theaier: Emilia Galotti; im Hebbel-Theat.: Erde: im Friedrich« Wilhelmstüdiisch. Schauspielhaus: Die Nibelungen. I. u. II. TeU; im Schiller-Theater l): Ein Polls« feind: im Schiller-Theater Char« lottenburg: Julius Casar; abends 8 Uhr Jm Bläthnersaal: Schu- mann-Bertioz-Abend. Hebbel=Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Frau Varrens Gewerbe. Berliner Theater. Heute 8 Uhr; Einer tob nneero l-ent'. Nachm. 3 Uhr: Emilia Galotti. Neues Theater. TSglich 8 Uhr: Israel. Freitag zum Besten der in Mesllna Verunglückten: Zum erstenmal: Die fremde Fra«./, Uhr. Montag. 13. Jan.: 5. Volks- Vorstellung zu halben Preisen: idealer Gatte. Ein • VaritM-Brillant" (City-Passage) Oresdenerst. 52 3 Annonit. 42/3 D S g l i ch schnstsgürtel von Kerlin und 1500 in bar. Borh. d. großart. Spez.-Progr. Ans. 8, Beg. d. Ringk. g>/, Uhr. Entrc« SO Ps., res. Platz t(—. Urania. Wissenschaftliches Theater. XaubenstriLße 48/19. Abends 8 Ühr: Sizilien. Montag 8 ühr: Slglilen. Passage-Panoptikum. Nen! Nen! Ein Stiindeheo im Himmelreich. Gr. Ausstatt.-Feerio im Fost- saale des Zwischengeschosses Die singenden Engelsköpfchen. 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Bernhard, Ees flenrs Polonaisen. i «RPROSCTtlUT <ör. grantturler Str. 132. Abends 8 Uhr: Kruderlein fein. Ä SonniagZpreise."MB 3 Uhr halbe Preis«: vi« Händer. Montag: Di« Entgleisten. Casino-Theater Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr. Kar noch bis 81. Jannnr! Heber 70 Mal auSvcrkaust t Ole Olanadailer. Ab Freitag, den 22. Januar Ren k„Rnßlandt* Ren! Sonntag 4 Uhr: Mutter Grabert. VP.ZTosvksTkester Dii etNo»: Beb. 0i». Snumenftr.>«. Einer von unsere Feut'. PolkSstück mit Gesang und Tanz. P. Glnth mit eigenen Liebem zur Laute als G a st. Ans. d. Konzerts S, d. Porst. 7 Uhr. Eniree 4« Pf. Nach der Vorstellung: Hall. Montag und folgende Tage: Tie- selbe Vvrftellnng. Soiniilsr-VinSator. O.(Aallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Ausz. von H. Jds-lt Deutsch von SS. Lange. S a n u« a g. abenv» 8 Uhr« C'harleys Tante. Schwank in 3 Alien von Branden Thomas. Montag, abends 8 Ubr: Der Graf von Charolals. Dienstag, abend» 8 Uhr: Komtesse Gackerl. Schiller-Theater ChaHeltenbnrg. Sonntag mittag 12 Uhr: Kammermnslk. Sonniug, nawm. 3 Uhr: dnllns Eäsar. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Sonntag. adenoSSllhr: Daria Stnart. Ew Trauerspiel in 5 Aiien von Friedrich Schiller. Montag, abendss Uhr: Tater nnd 8okn. Dienstag, abends S Uhr: Charleys Tante. Jviaaf Rheinisches Karnevals•Fest (Plins Karnevals Erdenwallen) Ausstellungs« Hallen am Zoo. Sonnabend, den 30. Januart Logen 12 Mn Entree 6 M. Anfang 9 Uhr. Sonntag» den 31» Jannar» Logen 6 M., Entree 3 M. Anfang 7 Ubr. BillcHe: Ansstcllnngballen am Zoo— Invalldendank— Werthelm n.in Ben durch Plakate kenntlichen Oeschiftcn. Große Karnevals-Gesellschaft Klub der Rheinländer zu Berlin 32/17 Prisldent W. Werres. fA�XAN'e pamoptikem W A 3 1 A IT» FrledrlcbstraBe 16«, Neu! Ohne Extra-Entree! Reu! Autoren der berühmten Frsa RÖßnef. Nur noch kurz» Zeit! Schneewittchen nnd die 7 lebenden Zwerge. 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Die besten Szenen and Balletts aus der Pantomime. Abends 7'/, Uhr: Auswanderer D. Reuest. PrachiauSstati.-Pantom Stadl-Theater Moabü Größter und vornehmster Theatrr- saal Moabits. Alt-Hoabit 48.(Tel. n 2492.) Sonntag, den 17. Januar 1909: Lolos Pater. Volks stück in 4 Atten v. A. L'Arrona«. Ans. d. Borst. 7, Kassenöfsnung 6 Uhr. fionjert 6V, Uhr. Nach der Borsiclluug: Dauz. Vorverkauf von 10—1 Uhr mittags im Theater-Restaurant. Montag, 18. Januar: Soiree de» Lustigen Sänger. I3er!ir?i?r Eis-Palasi" Täglich gröstnei von morgens 10 Uhr bis nachts 12 Uhr. Konzert« Kunstlsukea fS ifamm Vanele-Thealer Weinbergsweg 19/20, Rosanth.Tor. Heule Sonntag: 2 Vorstellungen, nachmittags 3'/, Uhr kleine Preise. Jeder Besucher ein Kind frei! u. abends 8 Uhr. In beid. Vorst. die grolen Januar• Spezialitäten. Kasse währ. d. ganz. Tages geösfn. Tunnel: Regimentskapellen etc. Theaterbesucher Hab. freien Eintritt. Sanssouci, IZVV. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: Neues Progr. Elite-Soiree Äk von HoHmamis Hordt). Sättgem Rum 1. Mai«: Der Säbel d. Hrn. Major. Lustspiel in 1 Akt. U. a. neu; Das Lied von der Ehe.(Fantber.) Die Junggesellensteuer. Krause Beg. Sannt. 5, wocheni. 8 U. Moni.: Hoffm. Hd. Säng. Tan,. Dienstag: Gr. Versammlung. Geschl. Mittwoch, 20. Jan.: Theaier- Abend. Othello. Gustav Behrens- Theater. gy DaS vollständig neue WM- Karneval-Progromm! Der blutige Pnntosse! an der Kirhosluauer „Harlekin unb Puppe" und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Ansang S'l, Uhr, Sonntags 6 Uhr. i marttgrafen-Säle; 1 Markgrafendamm 34. ülmt VI14277» i Inh. Hermann Schölts.> I Jeden f*M Roll| Sonntag: Wr« 03dL« ( Säle von 100—1000 Personen zu» : Festlichkeiten und Versammlungen. : 9 Kegelbahnen.* t ( twmmmmmmmmmwmmwwwmmw' Alhambra Vallner-Theaterslraße 15. .vx- Großer Ball Großes Orchester. Anfang Sonntag» 5 Uhr. A. Zauicitnt. Jtcstanrant letverhsehafb- �hans.*k Engelufer 18.< Menu 75 Pfa Seate Sonntag: Suppe ttalienn«. Hecht grün oder gemischtes Et«ü?e mit Schnitzel. Frischer Schweineschinken oder Rehkeule mit Sahnensauce. Kompott oder Salat. X Kelcddaltlge �denakuete. X Wochentäglich! Grofter bürgerlicher DM- 2 franz. SillardS."MM Ä Kegelbahne» Meißdikr-Allsschank. StSlL_ R» Augustin. German! aoPrachtsäle. Carl Richter. Thausseeftr. 110. Lhaufleeftr. 110. Jeden Sonntag: Paol MantbeyB lastige Sänger .(ehem. O. Steibis l Tamd. Sänger) stets neues Programm. Anfang Vi, Uhr Eintritt 80 Pf. mit anschliehendem pamstieahrgarohmi Bon S Ubr ab im weißen Saale AM- Grober Ball.-MW• Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Singer und Arei-Tanz. Vorzugstarten gelten. Flvcinm Ltadeberger Alle« 40, ClJdlUllI, Est» Petersburger Str. Jeden Sonntag:* Großer Ball. Anfang 4'/, Uhr. Entree frei. Jeden Mittwoch: Harburger Singer und Familienkrlnzchen. Ans. 8 Uhr. ■■ Entree 20 Pf.. infc| April bis September ist mein K'la'aroher Garten sowie Saal an Wochentagen mit Sänger- gefellschast gratis zu ver- izeben an Vereine u. 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Werke zeitgenössischer Komponisten. L Ferra elo Banonl: Zweit« Sonst« für Riavier und Violine, opos 36 o(Amalie Radwaner-BIrnbaum und Le« Kestenberg). S. Prolog von Ludwig Lessen(gesprochen von Ella Ldrint). 8. Richard Knrsch: a) üeber die Beide, b) Schmied Schmerr, c) Ländler des Verliebten(Eugen Brleger). 1 Robert Kahn:») SteDdieheia, b) Wiegenlied, c) Der Gärtner(Paula Welnbaum). Auszug ans dem Programm: ! 5. Walther Lampe: Sonate für Piano- fort« und Violoncello, opus 4(Marli Loewensohn und Lee Kestenberg). Hugo Kann: a) Daheim, b) Aul leisesten if' Sohlen, c) Der Sieger(Eugea Brleger). 7. Richard StrauB: a) Mit deinen Dianen Augen, b) Heimkehr, o) Heimliche Aufforderung(Paula Welnbaam). 8. Camille Salnt-HaAnn: Zweites Trio für Pianino, Violine und Violoncello, opus 02 (Amalle Radwanar-Birnbaum— Maria Loewensohn— Leo Keetenberg). Nach dem Konzert: Btlll. KaaaeBerAttnans 6 Uhr. intug« nur. Anfanc 7 Chr. Billett« im Vorverkauf«tT Pf., an der Abendhasse 70 Ä inkl. Progranun. Billetts sind zu haben in sSmtlichen Zahlstellen der Schule, in der Bibliothek, Grenadier- Straße 87(Mittwoch abends zwischen 8 und 9 Uhr), bei Paul Eisner, K. SS, Gberswalder Straße 19, und an der Abendkasse. 6/3 Itojjflr* n. Dtsserweive| chemisch untersucht, la Qualitäten. liefert zu billigsten Preisen 252/7 Qeore Eckart« SüdsruchtHandlung. Hcrlln, Oranienstratze 202. Warnung! Probletn*Raucher! Die Verbreitung� daß die Marke„Problem** boykottiert sei, ist eine böswillige Erfindung und entbehrt jeder Grundlage. Ich warne daher vor jeglicher Irreführung und werde die Verbreiter, die eine Erpressung herbeiführen wollen, gerichtlich belangen. Zigarettenfabrik„Problem". Inb.: S« Rochmann. Kube� Festsäle(Fel�ai-I Empfehle meine SÄle zu Versammlungen«nd jeder Art Festlich« � ketten. AM" Sonntage im fteduiut und Mäf> noch frei.-Mg Alte Jakobstr.75. Amt I No. 867. 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. I a a a l a a a a a a a a Verband der Sattler === Ortsverwaltung Berlin.===== DsmitrStag, de» 21. Januar,, abends ä'/j Uhr: Ordentliche Generalversammlung in den Armstihallen. Kommandantenstr. SS/SS. TageS-Orhnung: t. SeschaftlicheS. 158/4 2. Bericht und Abrechnung vom 4. Quartal 1908. 2. Aufstellung her Kandidaten zum Jnnungswesen. 4. Wahl von 10 Delegierten zur VerbandS-GeneraloersaniMlUNg in Köln. 5. Anträge zur Generaldersammlung. & Verschiedenes. Achtung! Achtung! De« Mitgliedern zur Nachricht, datz zu dieser Ver- sammluug das Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne das- selbe erhält niemand Zutritt. Die Werkstatt-Vertrauens- mänuer find hiermit angewiesen, de» Mitgliedern die Bücher auszuhändigen. Die Ortsverwaltung. Sonnabend, de» S. Februar Ivo», in I.. Roller« Fcatsttleii 156/5(Inh. Vroyer), Koppenstr. 89: Wer Neuer Maskenball Stark dtsttzfes GrcheSer. Utbtrraschnngtn. Um 1 Uhr Sasseepausc. Während hersetbea Humoristische Borträge, ausgeführt von den GroieSf-Duetttsteo Gebrüder Serulf. Anfang O Fltr Billett 50 Pf. BillittS jinb im Button sowie bei den DerkstattdertraumSleuien zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Da« Roiuliee. Beutscher Kürsehner-Verbanil Li i..... Filiale Berlin,'v■ �■ Bureau und Arbeitsnachweis: Barnimstraße 21, v. PL TeL: Amt in S75S. Mittwoch, de« 80. Januar, abends 8 Uhr, im Alien SchützenhanS, Linienftraste 5: General-Versammlung. TageS-Ordnnng: 1. Kassenbericht und Bericht des BorstandeS. 2. Neuwahl des Borstandes, s. GewerNchasllicheS. 4. Verschiedenes. 102/1 Mitgliedsbuch legitimiert.——— Zahlreiches nnd pünktliches Erscheinen erwartet Die OrtSverwaltung. Verband der Tapezierer. ' Filiale Berlin.—— Mittwoch, den 20. Januar, abends 8>/z Uhr, bciWendt. Benthftr.21: öuartalS'ücrlamralung. TageS«Ordnung: 1. Bericht de» BorstandeS und des Kassierers. 2. Diskussion. B. Neuwahl der OrtSverwaltung. 4. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 5. Bericht von der Gaukonserenz. 177/2 Die Ortsverwaltong. Oeffentliebe Sflater- Versammlung am Montag, de« 18. Januar Ivvv. abends'/,0 Uhr. im GewerlschaftS- hanS, Eugel-User 15. Saal 7(Geitenflsigel). Tagesordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder des Gehilfenausschustes.— Wahlberechtigt sind die bei JnnmigSmitgliederu beschästigten volljährigen Äeditsen. Der Jnnnugsvorftaud: Der GehIlfenauSschust: F. Reisig, Obernmster. C., Joachim- W. Wendel, Allgehilse, BW. 47, ftiuße 13. Momnneiitenstr. 22. Abends«/a10 Uhr: Vtrsammlimg der Mnltt llsni. Tagesordnung: Wahl der Beisitzer zum Schiedsgericht für die Jahre IVOS und 1010.— Zur Teilnahme an den Wahlen ist de- rcchtigt, wer das 25. Lebensjahr vollendet hat.— Wiihlbar ist, wer das 30. Lebensjahr erreicht hat. Ebenfalls muh derselbe seit mindestens zwei Jahren im Bezirke des Schiedsgericht wohnen oder im Gewerbe be- schästigt sein. 5301- Der ÄehtlfenauSschutz: Wilhelm Wendel, WgeHiis«, Monmnentcnslr. 22. .« öi , W w Zur Beachtung! Das Bureau der Puber besindet sich jetzt Engelufer 15 (KewerkschastshailS), U.III, Zimmer 38.— Tel.: Amt IV, 4093. Des weiteren weisen wir ans daS am Sonnabend, den 23. Januar, statlfindcne.e Fest hin. Billetts zu demselben sind im Bureau und bei allen Obleuten zu tzaben.(Siehe Annonce am Mittwoch.) Üee Vorstaad. I. A.: E. Schulze. vi/ Iii Zweigvcrei» Berlin. Sektion der Fliesenleger. Mittwoch, de» 89. Januar, abds. 8 Uhr, bei Meyer, Oraiiiciistr. 103: Oeneral-¥ersammEung der f IlcfanUger-Sektion. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Wahl des SektionsvorstandeS. 8. Bcrussangclegenheiten. DaS Erscheinen aller Kollegen ist dringend notlvendig. 'Mri—™ Die sönmigen Kollegen sind ganz besonders geladen.—— 136/1* Oer Sektionsvorstand. I. A.: H. Waldhelm. m ..... Zahlstelle GroB-Berlin. Bureau: Linienslr. 215. Eeössnet von ll- 1 u. 4— 3. Telephon: 111,338. Krttrlls-Verfnmmlnnge» mit iio.chsolgcndcn Tagesordnungen: Sonntag, den 17. Januar, vormittags S Uhr. Für Kummölzhui'g bei Tempel, Alt-Boxhage« 5V. 1. Bencht der Bezirksleitung und Funktionäre. 2. Neuwahlen. 3. Ver- bandsangclcgeiihcitcn und Verschiedenes. Sonntag, den 17. Januar, vormittags O'/s Uhr: Gruppe der KunsifteiuarbeLter im„Roscnthaler Vereinshauö", Rosenthaler Straße 67. 1. Stellungnahme zur Generalversammlung. 2. Wahl der Delegierten. 3. Bericht der Tariskommissioii. 4. Branchenangelegenheite». Sonntag, den 17. Jannar» nachmittags Ä'/e Uhr. Für Tegel Bei Kahles, Bcrlinerstrafic. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. SIellungnahmc zur Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten. 5. Verschiedenes. Mittwoch, den 20. Jannar, abends S'/a Uhr. Für Südost bei Hahn, Lansibe? Plat! 8. 1. Vortrag des Genossen Ritter:„National und International'. 2. Diskussion. 3. Bericht der Bezirksleitung. 4. Neuwahlen. 5. Stellung- nähme zur Ecneralversaminlung. 6. Wahl der Delegierten. Mittwoch, den SO. Januar, abends 8 Uhr. Für ÜÜer-SeÜÖMVelde bei«ehnlte, WilHelminonHosstrasie. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Wahl der Delegiertem Donnerstag, den 21. Januar, abends S'/a Uhr. Für Norden bei Kramer, Hussitenstr. 40. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Gencralvcrjainmliuig. 4. Wahl der Delegierten. Für Nordwest bei Klrsohlcoevskl, Beusjelstr. v. 1. Bcr-cht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten. Für 0816» bei Zlctz, Warschauer Strafte 61. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Wahl der Delegierten. Für Cbsrlottenburg 1. Berichte: a) Der B im Volkshanse, Rosinenjtr. S. ezirksleitung, b) Der Delegierten zur Gewer!- schastSkomnnssioil, c) Bericht von der VolkshauSkommission. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Gencralversamnilung. 4. Wahl der Delegierten. Für Spiidail bei Gottwald, Schönwalder Strafte 80. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Bericht der Kartelldclcgierte». 3. Neuwahlen. 4. Unser Stistungssest. 6. GeschästlicheS. Für NÖbenieb bei Joeh, Grünauer strafte 7.1 l. Jahresbericht sämtlicher Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Neuwahlen. 4. Stellungnahme zur Generalversammlung. S. Wahl der Delegierten. 6. Vcrbandsangelegenheiten. Für WeHleilSee bei Content, Lehderstr. 5. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Generalvcrscnnmlung. 4. Wahl der Delegierten. Für OlXdOlT bei Hcnnlg, Ziethenstrafte 69. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellungnahme zur Gencralvcrlammlung. 4. Wahl der Delegierten. Für SCMneberg bei Gebhard, Gothenstr. 28. 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahlen. 3. Stellniignahme zur Gencrglversanimlung. 4. Wahl der Delegierten. Die Versammlung für Köpenick und Wcisieiiscc wird pünktlich 8 Uhr eröffnet. 63/1 pSg- JweilS Ausübung einer Kontrolle über die Teilnahme an den BezirkSversammlungeii wird daraus ausmcrlsam gemacht, dast die Mitglieder ihre Bücher mitbringen sollen, um den Besuch der Vcrsammlnng durch Stcmvel im Mitgliedsbuch eintragen zu können.— Da in den Versammlungen die Wahl der Delegierten zur nächste» Generalversammlung vor sich geht, erwarten wir bestimmt, daß die Mitglieder zahlreich und pünktlich erscheinen. Hie Bczlrksloltangcn. Cnnhion-Clilo Sophienstraße 17/18 �ylligBCIi LJmC OuerstraBe der Rosenthaler StraBe— Ja am Hackeschon Markt ===== Inhaber: Paul Baatz===== empfiehlt seine von 60—2000 Personen Menden Säle zu Versammlungen, Vortrags- u. Kunstabenden usw. Verzügl. Akustik. Kulant. Entgegenkommen. Meute kiii'(Sie Beaaitea a. Äiiiesteütefl äerKr-aMassen, Berufsgenossenschaiten sowie der Invaliditäts- und Altersversichorungs anstalten zu Berlin(E. H. 103). Am Mitttvoch, de» 27. Januar 1909, abends T'/a Uhr, findet im Schultheis«- Ausschank, Brücken- strage 6 h, die -- ordentliche== General-Versaoiinliiiig der Mitglieder statt. Tages-Ordnung: 1. JahreS- und Kassenbericht für 1303 sowie Bericht der Revisoren. 2. Bestimmung deS Pnblikations- organs für 1303. 3. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern für die Jahre 1903 und 1310. 4. Wahl von Revisoren sür 1903. S. Verschiedenes. Berlin, den 6. Januar 1303. Her Vorstand. Vkalter Sommert, Vorsitzender, Romlntener Str. 23. S48b Dritter Wahlkreis. Dienstag, den IS. Januar 1S«Z, abends 8Vz Uhr, K o m mand antenstrasz e 58/59: in den„Arminhallen". OeffentlScfte fraucnvcrfamtnlung. politischen Rechte. Tages-Ordnung: 1. Der Kampf der Frauen um die 2. Freie Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein _ Der Einberufer. August Pohl, Naunynstr. 213/1 30. Charlottenburg. Vereinigte HauFergesellen- RFanken- Biiil Sterbekasse«s.§. sb.) Sonntag, den 24. Januar, vorm. 10 Uhr, im grogeil Zimmer des Volkshauses: ßeneral- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Vierteljahr. 2. Jahresbericht. 3. Kasseimngclegenheilen. Regen Besuch erwartet Oer Vorstand. Rote Radier! Hervorragende Qnalitäts- Zigarre! Stück zu 5, 71/ä und 10 Pfg. Zu haben in Zigarrcngcsch., Destillat., Reslauranls, Gast- u.>2cha»k-Lokalcn. Vertreter sür Berlin u. Porork: Alfred Dicck, 0.17. Koppenstr.72. Telephon: Amt VU, 6178.' Sozialdetnokraliscber Wahberein des IV. Berliner Keiehstags-Wahlkreises. Dienstag, den 19. Januar, abends 8% Uhr: I W olk�vcrsiaiiiniliiiig'eii in folgenden Lokalen: Sanssouci, Kottbuser Straße 6.\ Litfin, Memeler Straße 67. Boeker, Weberstraße 17. Urania, Wrangelstraße 11.| Elysium, Landsberger Allee 10. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. 300 Millionen neue Reichsstenern, ein Raub am deutschen Volke. 2. Diskussion. Referenten sind die Reichstagsabgeordneten Genossen Brey-Hannover, Brühue- Wiesbaden, Einmel- Mühlhausen, Noske- Chemnitz, Stüiklen- Limbach- Mittweida. 215/6*_ Per Vorstand. Paul Hoffmann, Oppelner Strafte 47. y. Berliner Wahlkreis. Dienstag, den 19. Jannar, 8 Uhr abends, in den Sophien-Säten, Sophienstraße 17j18(im HMdmrkrr-Verem). TageS-Ordnung: t Die Wahlreclitsräuher von Itixclorf. Referent: Genosse Eduard BemSteiN. 8. Freie Diskussion. 3. Diverses. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einberufer. 223/2*_ Willi Frlcdlünder, Glsasser Strafte 25. EdiHlllÄ1«. Wahlkreis. Felix scheuer StrMnpder.lr.l. Sonntag. 17. Januar, abends 6 Uhr, bei R k immM Korbmacher. Sonntag, den 17. Jannar, mittags 12 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15: Oeffenttiehe Versammlung. Tagesordnung: Die Regierung als Lohndrückerin in»nserem Gewerbe. 77/14 Der Ginbcrnfer. gsffölilliedö pvIiliMliö Vöi8WmI>iiig 17. Jannar, abends 0 Uhr, bei Raabc. Kolberger Str. 23: für Manner Frauen. TageS-Ordnung: Vortrag der Genossin Wurm über:.Eiitstchung der Arbeiterklasse*. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 224/3* Ter Eiubcrufer: E. E r n st, Wöhlertstr. S. B-rwmmlung: Gemütilltits Sklslimiiiellseln mit Tanz. Kistenmacher Montag, 18. Januar» abends 8'/, Uhr. in den Zlndreas-Festfälen (oberer Saal), Andreasstr. 21: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Konimission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Her Ohmann. Donnerstag, den 21. Jannar, abendS 8 Uhr, im Lokal A, Prenß, Holzmarktstr. 65: Branchen- Versammlung der Bürsten- und Pinselmaclier. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Kommission und der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Branchen- und Verbandsangelegenheiten. Um regen Besuch dieser Versammlung ersucht Die Kommission. Stukkateure. Montag, de» 18. Jannar, abends pünktlich 8'It Uhr: General-Versammlung im groftcn Saale deS Geiverkschaftshauscs, Engel-ttfer 15 Tages-Ordnung: 1. AuSschlußantrag gegen die Tarisbrcchcr bei F. A. Krauft. 2. Ab- rcchnung vom 4. Quartal 1303. 3. Jabrcsbericht und Neuwahl der gesamten Ortövcrwaltnng. 4. Stellungnahme zur Zeitungsipedition durch die Paketsahrt, zum Versammlnngslokale und-tage und zum Winiervcrgnügen am 20. März d. I. Den Jahresbericht erhält jedes Mitglied am Eingänge. Eintritt nur gegen Vorlegung des Mitgliedsbuches. 173/4* Zahlreichen Besuch erwartet__ Die Ortsverwaltung. . Hm»lWU Dienstag, den 19. Januar 1909, abends 8'/, Uhr: General- Versammlung im»Bvlkshause�. Rosinenslrafte Nr. 3(grofter Saal). TageS-Ord-nung: 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Emil Eichhorn. 2. Diskussion. 3. Bericht deS Vorstandes und der Funkiianäre. 4. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 5. VsreinSanzclcgenheitcn. 260/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Oer Vorstand. f [tetelie tetl Sonntag. 24. Januar 1909, dorm. 10 Uhr, in Wittes Saal, Brnniienstrafte Nr. 188: General-Uersammlnng. TageS-Ordnung: 1. Bekanntgabe des Protokolls von der Generalversammlung am 26. Juli 1303 durch den Schristsührcr Herrn Bauer. 2. Kassenbericht des Rendanien Herrn Schultz über das Jahr 1303 und Bericht der Revisoren. 3. Verschiedene Kasscnangelcgcnhcitcn: Antrag deS Vorstandes bclreffcnd Erhöhung deS Sterbegeldes und Anjcrtlgiing eines technischen Gut- achtens im Jahre 1303. 4. Wahl des ersten Vorsitzenden, Wahl des Ncndantcn und deS stell- vertretenden Schrlslsührcrs. 5. Wahl von drei Ncvisorcn. 230/4* — Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Vorstand. I.A.; Otto W i n k l e r. Zentralkrankenkasse d. Tapezierer ■ Filialen Berlin.== Freitag, den 22. Jalinar, abends 81/, Uhr: Quavtals-lersammlungen. Filiale I: Orauieiistraste!03 bei Meyer. Filiale 11: Eltsabethkirchstrafte 14 bei llttwcr. Filiale III: GewcrkschaftshauS(Saal 7), Engrlufer 45. TageS-Ordnung: 177/1 Kassenbericht vom 4. Quartal 1868. BerschiedeneS. Zahlreichen Besuch erwarten Die OrtSverloaltuiigen. Kerantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Ar. 14. 26. Jahrgang. Lmörls" Krlim Z«Nkg.>7. Ja«»« MS. Sie KevtabNNÄt«ier Sieielkeläer. Dieses Dhema ist in der städtischen Verwaltung in aus- giebigem Matze erörtert worden. Namentlich in der Stadtverord- netenversammlung wurden ledhafte Klagen über die grotzen Zu- schütze erhoben, die diese Verwaltung erfordert. Dabei wird aber meist vergessen, datz die Aufgabe der Ricselwirtschaft in erster Linie die Beseitigung der Fäkalien ist, wobei der landwirtschaftliche Be- trieb nur das Mittel zum Zweck darstellt. Trotzdem mutz zuge- standen werden, datz unzweifelhaft manches zu betzern ist. Ein wesentlicher Mangel war das Fehlen einer einheitlichen Verw"l. tung des landwirtschaftlichen Betriebes. Dieser Mangel ist, nachdem der erste Versuch mitzglückt war, jetzt beseitigt. Es versteht sich von selbst, datz ein Mann, der an die Spitze einer solchen Verwaltung tritt, Zeit haben mutz, sein Ge> biet kennen zu lernen, bandelt es sich doch um ein Wirtschafts- gebiet von rund 70 000 Morgen, das nach einem System bewirt. schaftet Wird, wie es nirgends im Wesen sowohl als im Umfange wieder vorkommt. Nach dreijähriger Tätigkeit ist der Direktor Schröder jetzt mit seinen Plänen für die Zukunft an den Magistrat herangetreten. Diese gipfeln darin, die Produkte mehr als seither, jedenfalls in der Hauptsache in den eigenen Zweigen der städtischen Wirtschaft und Verwaltung zu verwerten. Ein durch- aus gesunder Gedanke, der oft als undurchführbar bezeichnet wurde, jetzt aber wohl verwirklicht werden wird. Datz dieser Ge- danke nicht zur Durchführung kommen konnte, lag eben an dem Mangel einer Zentralleitung, sowie der Steifheit und wohl auch Selbstherrlichkcit der einzelnen Verwaltungen. Soll es doch des öfteren vorgekommen fein, datz in einzelnen Verwaltungen Pro- dukte der Rieselfelder als unverwendbar zurückgewiesen wurden, die dann durch Zwischenhändler allerdings nun zu wesentlich höheren Preisen abgenommen wurden. Welche Mengen Feld- früchte in den einzelnen Anstalten gebraucht werden, ist durch Be» rcchnuna festgestellt worden. So an Roggen 20 823 Doppclzentner, um 20022 Toppclzentner Brot zu liefern. 10 221 Doppelzentner Weizen zu Weitzbrot, 2012 Doppelzentner Hülsenftüchte, 20 778 Doppelzentner Gerste und Hafer, 35 730 Doppelzentner Kartoffeln, 4390 Doppelzentner Roggenkleie. 38 180 Doppelzentner Heu, 27 283 Doppelzentner Stroh. Diese Produkte können ohne Schwierigkeiten durch die Riesel- felderverwalwng geliefert werden. Ferner: I. Rindfleisch 3173 Doppelzentner, II. 4280 Doppcl- zentner Schweinefleisch, III. 1497 Doppelzentner Hammelfleisch. Zur Lieferung zu I gehören 1300 Rinder, die heute schon vorhanden sind, zu II 4289 Schweine, wovon schon heute 2400 und zu III 2994 Hammel, wovon heute zirka 3000 gemästet werden. Zu Kalbfleisch werden 3100 Kälber, die selbst aufgezogen werden können, gebraucht. Für Milch werden 1470 Kühe für Butter 1230 Kühe gebraucht, die zusammen 9 740 000 Liter Milch geben, die 603 Doppclzentner Käse werden als Nebenproduft in der Molkerei gewonnen. Die Kühe find ohne Schwierigkeiten unterzubringen, auch die notwcn- digcn Kälber aufzuziehen ist möglich. Durch eigene Schlachtungen wird eine höhere Verwertung des Viehes von nahezu 300 000 M. erzielt. Das Grotzvieh soll im städtischen Schlachthof, das Klein- Vieh in eigenen Schlachthäusern, wie ein solches schon in Hobrechts- felde eingerichtet ist, geschlachtet werden. Zurzeit besteht der Forstbesitz in einer Fläche von 3300 Hektar; er wird sich in nächster Zeit nicht unwesentlich vergröhern. Werden die Erzeugnisse der Forstwirtschaft in der eigenen Verwaltung ver- wendet, so ist der Nutzen, wie festgestellt, um 100 Proz. grösser als sonst. Der Bauholzbedarf der Stadt Berlin beträgt pro Jahr 20 000 Festmeter, der Brennholzbedarf 3000 Raummeter. Hier würde ein ganz erheblicher Gewinn herausgewirtschaftet werden können, weit über Million Mark. Es soll daher in Hobrechts- felde ein eigenes Sägewerk erbaut werden, ebenso später in Erotz- beeren. Auf den Rieselfeldern sind eine Anzahl Kleinpächter(432) tätig, die durchschnittlich 2—3 Hektar zum Gemüsebau gepachtet haben und mit ihrer Familie bewirtschaften. Dieselben liefern nach Berlin alljährlich zirka 393 000 Doppel- zentner Gemüse aller Art, autzerdem bezieht Berlin von auswärts pro Jahr noch 1 100 000 Doppelzentner. Da die Verpachtung ren- tabel ist, sollen an dazu geeigneten Stellen Gemüsegärtnerkolonien angelegt werden, die an Gärtner verpachtet werden sollen. Der Obstbau hat fortdauernd gute Erträgnisse geliefert, derselbe ist noch sehr ausdehnungsfähig; in der städtischen Verwaltung werden allein 1233 Doppelzentner an Obst gebraucht. Mit der Schaffung von Gärtnerkolonien kann nur langsam vorgegangen werden. Die dazu notwendigen Ausgaben von 8 Mil. lioneu Mark würden sich auf 10 Jahre verteilen und 800 Pächtern Raum bieten. Zu diesem Zwecke kommt vor allem Osdorf in Frage. Von Buch über Hobrecbtsfelde nach Schmetzdorf ist eine Feldbahn gebaut, die sich beivährt hat; es sind daher auf den anderen Gütern ebenfalls Feldbahnen geplant im Gefamtkostenvetrag von 300 000 M., davon 240 000 M. im nächsten Jahre. In Hobrechtsfeldc ist ein Getreidespeicher erbaut, wobei das Getreide nur mechanisch auf- und unigcschüttet wird, wie überhaupt HobrcchtSfelde mit allen Hilfsmitteln der Technik ausgestattet ist. Der Bau eines gleichen Speichers ist am Bahnhof Blankenburg sowie für den Süden in Grotzbceren beabsichtigt; jeder derselben kostet 213 000 M. Für den Norden soll die Bäckerei in Buch verwendet werden, für den Süden eine solche in Grotzbecren erbaut werden, gleichfalls zwei Roggenmühlen, davon eine im Norden, für je 80 000 M. Da die Fischzucht gute Erträgnisse abwirft, soll eine mechu. nische Teichreinigungsvorrichtung für 10 000 M. angeschafft werden. Für Schmetzdorf wird ein Dampfflug benötigt, der 60 000 M. lostet. An dem gleiche» Orte wird eine Milchlieferungseinrichtung für die Säuglingsfürsorge in Berlin geschaffen, die 23 000 M. er» fordert. Durch Untersuchungen sind erhebliche KieS- und Bausandlager festgestellt, mit denen der gesamte Bedarf der städtischen Ver- waltung auf Jahre hinaus gedeckt werden kann, ebenso sind Ton- lager aufgedeckt, womit der gesamte Stcinbedarf in eigenen Ziege- leien gebrannt werden soll. Der landwirtschaftliche Direktor Schröder fatzt seine Dar- lcgungen in den Worten zusammen, datz wenn auch die Stadt Berlin die Ländcreien teuer bezahlen mutzte und die Aptierung und Drainierung dieselben weiter erheblich verteuerte, so stehe anderer- seits die Lage vor den Toren der Weltstadt, die grotze Finanzkraft der Stadt und der riesige Verbrauch im eigenen Hause gegenüber, der eben nur richtig organisiert werden muh. Die Möglichkeit, nicht nur eine volle Rente, sondern auch noch einen Gewinn hcrauszuwirtschaftcn, glaubt er beweisen zu können. Hoffentlich finden diese arotzzügigen Ideen im Magistrat und Stadtverord- netenversammlung das richtige Verständnis und die nötige Unter- ftützung. ES könnte nichts Kläglicheres geben, als den Bestrebungen und umfassenden Arbeiten eine? Mannes auf diesem Gebiete klein- liche, engherzige Erwägungen gegenüberzustellen, die die Schaffens- freude erlahmen lassen müssen. Soweit die KanalisationS- und Rieselfelderdeputation in Frage kommt, scheint eS an dem not- wendigen Verständnis nicht zu fehlen; namentlich der langjährige Vorsitzende der Deputation hat das grotze Verdienst, ohne jede Kleinlichkeit de« Dingen die Wege zu ebne«. Partei- Engclcgcnhdtcn. Vierter Wahlkreis. Zu den heute stattfindenden Uraniavore fiellunge« sind noch Billetts bei Paul Hoffmann, Oppelner St ratze Nr. 47, und bei N. Schöpke, Frankfurter Allee 74, zu haben. Charlottenburg. Dienstag, 19. Januar, abends 8zh Uhr, findet im grotzen Saale des Volkshauses die Generalversammlung des Wahlvercins statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des ReichStagSabgcordneten Genossen Emil Eichhorn. 2. DiS- kussion. 3. Bericht des Borstandes und der Funktionäre. 3. Neu- wähl des gesamten Vorstandes. 4. Vereinsangelegenheiten. Mit- gliedsbuch legitimiert. Lichtenberg. Dienstag, 19. Januar, abends pünktlich 8% Uhr. im„Kronprinzengarten"(H. Gürsch), Frankfurter Chaussee 123, Generalversammlung dcS Wahlvereins. Tagesordnung: Berichte jdcs Vorstandes und der Funktionäre. Neuwahlen. Mitgliedsbuch � ist vorzuzeigen. Weißensee. DienStag, 19. Januar, abends präzise Uhr. findet im„Prälaten", Lehderstr. 122, die Generalversammlung dcS Wahlvereins stat. Anlätzlich der nachstehenden wichtigen Tages. ordnung: 1. Bericht der Funktionäre, 2. Wahl der Funktionäre, 3. Vereinsangelegcnheiten, dürfte tem Genosse fehlen. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag 19. Januar, abends 8 Uhr, findet bei Hesse, Parbstr. 12/13, die Generalversammlnug des Wahlvereins statt. Tagsordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Diskusiion. 3. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 4. VcreinScngelegenheitcn. 5. Verschiedenes. Teltow. DienStag, 19. Januar, abenvS 8 Uhr, findet im Lokal deS Genossen W. Bonow die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung:: 1. Bericht des Vorstandes und der Funk- tionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Gereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Friedrichsfelde. DienStag. 19. Januar, abends pünktlich 8% Uhr, findet im Lokal von Schulze, Wilhelmstrahe, die General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Neuwahl. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Trcptow-Baumschulcnweg. Die Genossinnen werden darauf hingewiesen, datz der diesmonatliche Leseabcnd umständehalber am Montag, 13. Januar, abends 8!4 Uhr, bei Vogt, Kiefholzstr. 35, stattfindet. Franz.-Buchholz. Heute nachmittag 4 Uhr findet bei Kähne, Berliner Strohe 39, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag dcS Reichstagsabgeordneten Genossen 21. Stadthagen. Diskussion. Verschiedenes. Zehlcndorf. Die Gencrakverfammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, 19. Januar, abends 8lh Uhr, im Lokal von Benno Mickley, Potsdamer Stratze 23, statt. Neben der Berichterstattung des Vorstandes und der Funktionäre steht die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung. Nieder-Schönhausen.„Deutschland in der Welt voran!" lautete das Thema, das Genosse Reichstagsabgeordneter Arthur Stadthagen in einer am Dienstag, 19. Januar, abends 8V2 Uhr, im Lokal„Schwarzer Adler"(Jnh. Ulitz), Blanken- burgcr Stratze, stattfindenden Volksversammlung behandeln wird. Die Parteigenossen werden ersucht, für oiese Versammlung rege zu agitieren. Der WahlvereinSvorstand. Bernau. Heute nachmittag V2S Uhr: Generalversammlung bei Kunze, Bürgermetsterftrahe. Tagesordnung: 1. Berichte des Bor- standes und der Funktionäre. 3. Parteiangelegenheiten. Der Vorstand. Potsdam. Mittlvoch, den 20. Januar. Zahlabend in allen Bezirken. Ausgabe der neuen Mitgliedsbücher. Die Gemeindewählerliste. Treptow-Baumschulenwcg. Die Wählerliste für die Wahlen zur Gemeindevertretung liegt bis 30. Januar d. I. im Gemeinde- amte, Reue Krugallee 5, Zimmer 13, an den Wochentagen von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, und an den Sonntagen von 9 bis 19 Uhr vormittags öffentlich aus. Besonders haben sich die im 2. Kommunalbezirk wohnenden Gcmeindewähler wegen einer eventuell notwendig werdenden Wahl davon zu überzeugen, ob sie in der Liste verzeichnet sind. Der 2. Kommunalwahrbezirk wird begrenzt von der Mitte dcS DammivegeS ausschließlich der beiden Eiertzäuscr, der Spree, von Nieder-Schöneweid-e und der Mitte der Kiefholzstratze. Mariendorf-Stidende. Die Gemeindewählerliste liegt bis 39. Januar zu jedermanns Einsicht aus im Rathaufe, Zimmer 11. während der Dienststunden von 8— 12 und&— 6 Uhr. Diejenigen Gemeindewähler, welche verhindert sind, selbst Einsicht in die Wählerliste zu nehmen, wollen sich bei einem der nachstehend be. nannten Genossen melden, es wird dann Einficht fiir sie genommen. Diese Stellen sind die Bezirkslokale: Nieswand, Chansseestr. 261; Pieper, Bergftr. 33; Pommerenig, Chansseestr. 298; Lölvcnhagen, Chansseestr. 27; Zicrock, Knrfürstenftr. 44; Welk, Kurfürftenstr. 1, und bei H. Rcichordt, Kurfürstcnstr. 34. Parleigenossenl Ueber- zeugc sich ein jeder, ob er in der Wählerliste steht, damit er seines Wahlrechtes nicht verlustig geht. Steglitz. Tie Gemcindewählerliste liegt im hiesigen Rathause, Zimmer 21, in der Zeit von 8 bis 3 Uhr auS. Nieder-Schönhausen. Die Parteigenossen werden darauf auf- merkscnn gemacht, datz die Gemeinoewählerlistcn bis zum 80. Januar im Einwohnermeldeamt, Blankenburger Strasse 10, Hof parterre, öffentlich zur Einficht auSIiegen, und zwar an den Wochentagen von 8—3 Uhr, an den Sonntagen von 11— 1 Uhr. Adlershof. DienStag, 19. Januar, abends 8V1 Uhr, findet bei Kaul, Bismarckstr. 16, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung deS MitgliObsbuches gestattet.— Ferner werden die Parteigenossen darauf aufmerksam gemacht, datz die G« me i n de w ä h l e r l i sie n vom 13. bis 80. Januar während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im hiesigen Gemeindeamt, BiSmarckstr. 1, ?[immer 9, öffentlich auSkiegen. Folgende Genossen haben sich ereit erklärt, für die Parteigenossen, denen die Einsichtnahme nicht möglich ist, diese Arbeit zu übernehmen: G. Tempel, Kronprinzen- stratze 46; A. Beck. Hackenbergstr. 24; R. Kaul, BiSmarckstr. 16; Bartels, BiSmarckstr. 86. Schmargendorf. Die Gemeindewählerlisten liegen im hiesigen Rathaus, Zimmer 3, zur öffentlichen Einsicht aus: wochcntäglich von 10 bis 3 Uhr, SonntaaS von 10 bis 12'Ihr. und zwar vom 13. bis 31. Januar. Berliner JVadmcbten* Ordensfieber. Wenn mit Hohenzollernfonnenschein der heuftge Tag an- bricht, gibt eS im Reiche der Knechtseligkeit ein paar tausend überglückliche Menschen mehr. Die Heidenangst, die sie m den letzlen Stunden vor dem grossen festlichrn Ereignis, das leider alle Jahre nur einmal eintritt, ausgestanden haben, gönnen wir aber auch keiner Hundeseele. Die mächtige preutzische OrdenSkiste ist wieder mal umgekippt, und wie die Wilden, die für Nasenringe und Glasperlen schwärmen, haben sich die gewaltigen Helden, die mit richtiger Hand inS Räder- werk der Staalsmaschine greifen, über den glitzernden Tand gestürzt. Ein paar tausend Draufgänger, die am lautesten schrien, und am kräftigsten ihre Cllenbogenkraft erprobten, erhaschten jeder eins der bunten Dmgerchen, eilten spornstreichs ins stille Kämmerlein, pflanzten sich vor den Spiegel und bewunderten ihr geschmeicheltes Konterfei im Widerstrahl des Verdienstes um den Staat. Bitte, meine Herrschaften, lachen Sie nicht so dreckig. Ich sage Ihnen, nicht ein einziger ist darunter, der seinen Knopflochsplitter nicht verdient hat. Unsere liebe preutzische Kumkarre satz während eines einzigen Jahres so unendlich oft im dicksten Modder, datz gar viele rührige Fäuste dazu gehört haben, sie herauszuziehen. Und da wollen Sie sich aufregen, datz auf Kosten der Steuerzahler so viele Trinkgelder verteilt worden sind? ES ging diesmal noch glimpflich ab. Unendlich viele StaatSziehmänner streckten lüstern die Hand auS und mutzten wie die betrübten Lohgerber ohne modernen Naftnring ab- treten. Rund fünftausend metallene Bommeln auf Frack und Uniform au einem einzigen Tage.... Pah...'ne Lappalie für Preutzen-Deiitschlaud in der Welt voran! Wo wir so viele Köder auswerfen, um Freundschaften zu angeln, kommts auf eine Handvoll mehr oder weniger nicht an. Na ja doch, einen hübschen Groschen Geld kostet uns alljährlich der Spatz. Der schönste Harzer Kanarienvogel ist billiger als der simpelste taubstumme Piepmatz um schwarzweitzen Bändchen. Ein roter Adler dritter Güte hat ungefähr ebensoviel Wert wie ein hoch- feines Diner mit Heidsiek Monopol bei Hiller Unter den Linden, und der schwarze Aar von der glänzenden Sorte, wie ihn mehrfach ausländische Staats- und Volks- Verräter um den dem Galgen nahen Hals gehängt haben, entspricht dem Jahrcsverdienst eines höchstbezahlten Arbeiters. Mit unterschiedlichem glänzendem Klimbim daran stellt sich der Preis sogar auf ein kleines Ver- mögen. Onkel Dernburg wills freilich etwas billiger machen, wenn erst die Brillanten znm preutzischcn Adlerorden aus Süd» afrika importiert werden können. Macht also alles in allem pro Jahr mehr als zweimalhunderttausend Emmchen, eine ganz niedliche Trinkgeldrechnung für einen Staat, der vor dein Bankrott steht. Aber Bankrotteure haben bekanntlich noch niemals hauszuhalten verstanden. Die Wechsel, die sie aus- stellen, gehen a»fS Konto fremder Taschen, und mit dem Wort, datz kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, stopfen sie winzige Löcher zu, um neue grotze aufzumachen. Für die Berliner neugebackenen Ordensritter ist der heutige Tag ein„gefundenes Fressen". Sie dürfen am Schlotz- Platz Hofluft atmen und an königlicher Tafel den funkclnagel- neuen Piepmatz mit Rotspon begießen. Oder nein— funkel- nagelneu ist so mancher Orden, der auf der bürgerlichen Männerbrust prangt, doch nicht— nur aufpoliert. Von einer gewissen Klasse auswärts müssen ja die Trinkgelder nach dem Tode deS Belehnten an den Staatsschatz zurückgezahlt werden, ein alter Beweis, datz in Preußen das Bülowsche Rezept von der Sparsamkeit einen guten Boden hat. In kleinen Dingen ist ja der rückständigste Staat der Erde schon immer groß ge- wesen. Der Brauch patzt aber vortresslich zu unseren frisch- dekorierten Freisinnshelden, deren Orden die Brust gewechselt hat wie der Volksverräter seine politische Hautfarbe. Wie sie wieder da oben im KönigSschlotz aufgebläht herumstolzieren werden, die Handlanger der modernen preußischen Reaktion! Für einen Orden schon verraten sie daS Volkstum, un- bekümmert um den Fußtritt, zu dem der Lackstiefel aus der Wilhclmstratze ständig in der Luft schwebt. Schreiben wir diesen Drahtpuppen und allen anderen, die sich die Jacke an- ziehen können, als Zugabe zum Piepmatz die lebenswahren Worte des deutschen Dichters und Zynikers Bürger ins Stammbuch: Viel Klagen hör' ich oft erheben Vom Hochmut, den der Grotze übt. Der Grossen Hochmut wird sich geben« Wenn unsere Kriecherei sich gibt I Hinein in die Arbeiter-BildungSschulek Wieder richten wir diese Mahnung zum morgigen Be- ginn des neuen Schulquartals an die Arbeiterschaft Grotz-BerlinS, und wieder sind wir überzeugt, datz sie ihr im eigensten Interesse Beachtung schenken wird. Die Berliner Arbeiter-BildungSschule hat sich von jeher mit bewutzter Absicht in einen scharfen Gegensatz gestellt sowohl zu der sogenannten„Bildung", die in Volks- und Bürgerschule von Staat? und Gemeinde wegen den Arbeitern beigebracht wird, all auch zu der wissenschaftlichen Halbbildung, die von„wohl- tätigen" oder sogenannten„gemeinnützigen" Instituten deL Bürgertum? den Arbeitern dargeboten wird. Weder will sie eine Allerweltsbildung züchten und dem Kapitalismus willige Arbeits- tiere erziehen helfen. W a S sie will, ist im ausgesprochensten Gegenteil hierzu: den Arbeitern durch ganz bestimmte auS- gewählte Teile deS menschlichen Wissens zur klaren Erkenntnis ihrer Klassenlage zu verhelfen und durch eine bestimmte Be- arbeitungSmethode dieses Wissens die Arbeiter zum Wissenschaft- lichen Sozialismus und zu seiner praktischen Vertretung in Partei und Gewerkschaft zu erziehen. Die Schule beschränkt sich deshalb auf den Unterricht in Naturwissenschaft. Geschichte, National- ökonomie, Rechtswissenschaft. Gewerkschafts- wesen und auf sprachliche Uebungen dieses Wissens in Rede- Übung. Sie hat im Laufe der Jahre einen festen Stamm erprobter Lehrkräfte gewonnen, die ihrerseits wieder verstanden haben, die alten Schüler zum grotzen Teil der Schule zu erhalten und viele neue ihr zu gewinnen. Immer aber kann bei der grotzen Zahl organisierter Arbeiter in Partei und Gewerkschaft in Gross- Berlin weit mehr für die Schule getan werden. Und was steigendes Interesse, zunehmender BildungSeifer an Unterstützung und Teilnahme der Schule gibt, daS gibt die Schule hundertfältig zurück. Was einer daher für die Schule der Berliner Arbeiter tut, indem er an ihrem Unterricht teilnimmt und sie als Mitglied tatkräftig unterstützt, das tut er für sich selbst. Darum vor allem auch wiederholen wir zum morgigen Anfang des neuen LchrplanS die ernste Mahnung an alle, die es angeht? Hinein in die Arbeiter-BildungSschule« » Den alten Teilnehmen?, die auch diesmal wieder den Fortschrittskursus in«eschichte belegen wollen, diene zur Kenntnis, datz der Unterricht auch diesmal wieder im Verbandshaus der «astwirtSgehilfen, Grotze Hamburger Straße 18/19, stattfindet. Schriftliche Einladungen werden nicht versandt/da als Legitimation die Karte vom letzten Kurse gültig ist. Das Loö der Enterbte». Dieser Tage war'S. Ein grimmig kalter Wind pfiff durch die Strassen und hastig eilten die Menschen mit aufgeschlagenem Kragen vorüber, ihrem warmen Heim zu. An einer Ecke stand ei» im kräftigsten ManneSalter fteüenber Mann. Die Hände in den Taschen vergraben starrte er vor sich nieder.— Arbeitslos I Vier Wochen vor Weihnachten gab man ihm Buch und Karte. Bier Wochen lang ist er gelaufen, nach Arbeit fragend, Arbeit suchend. Ueberall ein Achselzucken, überall ein starres Nein..Alles besetzt."„Fragen Sie später wieder."„Wir müssen selbst Leute entlassen." Heute hat er es wieder versucht. Vorm Kontor hing ein Zettel mit der Aufschrift:„Gehilfen werden nicht eingestellt I" Doch er geht trotzdem hinein in dem Gedanken: Vielleicht ist doch etwas: vielleicht hat man vergessen, den Zettel wegzunehmen. Wieder nichts I Grob angefahren wurde er; ob er blind sei oder nicht lesen könne. Stumm ist er gegangen. Er ist nicht blind und er kann so- gar sehr gut lesen, aber Hunger bat er und es friert ihn doch so sehr WaS nun? Während er vor sich hinstarrt, schwirren thm allerlei Gedanken durch den Kopf. Seine Heimat, seine alte Mutter, für die er zu sorgen hat. Sie wird sich wundern, daß ihr Sohn nichts von sich hören läht. Vielleicht hungert und friert auch sie? Langsam geht er weiter. Bald ist Miete fällig. Die paar er- sparten Groschen sind zur Neige: kann er nicht zahlen, mutz er ziehen. Wohin? Ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Obdach bleibt ihm nur die Landstrotze. Ihm schaudert. Er kennt die Walze. Lange genug hat er als Handwcrksbursche die Welt durchzogen. Seine Krankheit er- innert ihn oft genug daran. Nein, niemals wieder so ein Hunde- leben. Plötzlich, er weitz nicht wie, steht er mitten unter AuSge- ftotzenen, unter Heimatslosen. Vor einer Volksspeisehalle ist es. Er hat den ganzen Tag noch nichts genossen und tritt ein. Hunderte von Arbeitslosen jeden Alters, vom bartlosen Jüngling bis zum weihhaarigen Greis, sitzen an langen Tischen und verzehren schweigend eine Suppe oder ein Gemüse. Leute, die norti ein paar Pfennige besitzen, kommen hierher, um sich etwas auf- zuwärnien. Aber allzulange dürfen sie sich nicht aufhatten, denn der Herr Jnspellor gehl auf und ab und wacht sorgsam, datz ja keiner länger im Lokal bleibt, als unbedingt zum Verzehren der bezahlten Speisen und Getränke notwendig ist. Einige hat er schon aufgefordert, hinauszugehen, und als ihm das zu lange dauert. ruft er den Hausknecht, damit dieser die Fenster aufreitzt, angeblich, damit frische Luft hereinkommt. Ei, wie schauern sie da zusammen, jene Unglücklichen, die da glauben, für ihre paar Pfennige könnten sie ihre Suppe im gewärmten Zimmer verzehren. Ein älterer Mann ruft erregt:„Da kann man ja seinen Kaffee auf dem Tenwelhofer Felde trinken." Sofort wintt der Herr Inspektor seinen allzeit getreuen und hilfsbereiten Haus- knecht, welchen das tägliche Elend bereits so abgestumpft hat. datz ihn nichts mebr rührt, und dieser nimmt dem Manne Kaffee und Stulle weg, gibt ihm die 10 Pfennige wieder mit den Worten:„Nun aber schleunigst raus." Drautzen vor der Tür dreht sich der Alte um und schreit:„Wenn ich Dich kriege, Du Lump l" Es ist der Wutschrei eines Verjagten, eines Verstotzenen. Auch unser Arbeitsloser, angeekelt von diesem Treiben, Hotz und Zorn im Herzen, verlätzt das Lokal, sich gelobend, diese sogenannte göttliche Wettordlunig so lange zu bekämpfen, bis eine neue,«ine mensctilichcre an ihre Stelle tritt. „Die freisinnigen Stadtväter und die Arbeitslosenzählung". Knter dieser Ueberschrift lesen wir in der Wochenschrift„Das Blaubuch", dem Organ der Demokratischen Vereinigung, folgende verständigen Auslassungen: „Vom Hausagrarierfreisinn der„Alten Linken" erwartet niemand große sozialpolitische Heldentaten— die einst von Theodor Barth begründete„Neue Linke" hat soziales Ver- antwortungsempfinden zu zeigen, sie hätte hier auf feiten der Wahrheitsuchenden stehen müssen. Ihr Wortführer, Herr Karl G o l d s ch m i d t. hat vor der ersten Zählung selbst für das Hauslistensystcm gestimmt, und nur auf die Zusicherung, daß man ja das System beim zweiten Male ändern könne, haben einige Stadtverordnete damals dem Versuch mit dem Meldesystcm zugestimmt. Jetzt bei der zweiten Zählung war Herr Goldschmidt unbedingt für eine Wieder- holung des Versuchs, obwohl dieser mißglückt war, weil wir uns im„Stadium des Vergleichs befänden". Wegen der leichteren Gruppierung»und Vermeidung schärferer Kontra st e muß die Wahrheit un- erforscht bleiben, einer verpfuschten Zählung eine zweite folgen! Es ist nicht zu verlangen, daß die Vertreter einer gesättigten Bourgeoisie sich in der Psyche eines Arbeitslosen, der mit zahl- reicher Familie oder ohne Obdach der Kälte und dem Hunger ausgesetzt ist, hineindenken können. Sie können die Empfindungen nicht teilen, mit denen der Arbeitslose die Zumutung aufnehmen wird, als Versuchskaninchen für„statistische Vergleiche" das amtlich festgesetzte Lokal aufzusuchen, ohne bestimmte Hoffnung auf wirkliche Hilfe. Sie machen ja Statistik um der Statistik willenl Es hat sehr weit links stehende Leute gegeben, die Herrn Goldschmidts Ausscheiden aus dem Landtag nicht ohne Be- dauern gesehen haben, weil sie ihn mit Rücksicht auf seine Tätigkeit beim Berggesetz und anderen Gelegenheiten für eine Notwendigkeit im Dreiklaffenparlament hielten. Herr Gold- schmidt scheint den Trost der Betrübten für der Christenpflichten oberste zu halten. Was will es diesem Verhalten eines Arbeiterführers gegen- über besagen, wenn Herr Ncttig eS für eine„Beleidigung der anständigen Arbeitslosen" erklärte, daß sie die Legitimierung im Zähllokal scheuten. Es gibt eben Leute, für die der„an- ständige Arbeitslose" erst beim Rentier beginnt. AuS dem Herzen der Wahrheit sprach Herr Rettig, als er die von den Gewerkschaften in dankenswerter Weise an- gebotenen 24 000 Zähler ablehnte, aus Furcht, daß sie den„Vor- wärts" verbreiten könnten. Aus dem gleichen Empfinden läßt Herr Delbrück lieber Hunderte von Bergarbeitern zerschmettern und verbrennen, ehe er die unabhängigen Grubenkontrolleure bewilligt. Warum soll Herr Rettig mehr Objektivität besitzen als der preußische Minister gegen Sozialpolitik. Das rote Tuch wirkt gleichmäßig auf alle gehörnten Block- siegfriede. Tie Arbeitslosen, die man anscheinend nicht finden will, werden den Weg zu denen finden, die bereit sind, zu ihnen zu kommen, um sie zu zählen und die ihnen auch helfen— den Gewerkschaften. Selbst der Berliner Kommunalfreisinn arbeitet zuweilen für den Fortschritt." Das sind Ausführungen eines Nichtsozialdemokraten, die sich ber Kommunalfreisinn hinter die Ohren schreiben sollte, Arbcitslosenfürsorge des Berliner Magistrats. Mit großem Tamtam wurde die Arbeitslosenfürsorge des Magistrats in der ersten Stadtverordnetensitzung dieses Jahres gefeiert. 50 000 M. wurden bewilligt, damit die Obdach, und Arbeitshausverwaltung in Verbindung mit der Rieselfelder- Verwaltung ganze 85 Mann beim Steineklopfen, bei Meliorationen, bei Anlage von Fischteichen und dergleichen beschäftigen kann. Jetzt kommt von den nördlichen Rieselfeldern die Klage, daß dort(30 Drainagcarbeitcr entlassen worden sind wegen Mangels an Arbeit. Wäre es denn nicht richtiger, daß man diese Arbeiter zur Herrichtung von Wiesenfischteichen usw. verwendet hätte; Arbeiter, die diese Arbeit gewöhnt sind, ihr Handwerkszeug haben, anstatt ungeübte Arbeiter von Berlin hinauszusenden? Was ist das für eine Arbeitslosenfürsorge, die an einer Stelle Arbeitslose einstellt und an der anderen Arbeitende aufs Pflaster wirft? Wie die Tinge auch liegen, von einer besonderen Umsicht der in Frage kommenden Verwaltungen kann keine Rede sein, sonst hätte dieses Verfahren vermieden werden müssen. Am nächsten Sonntag wollen die entlassenen Arbeiter eine Prvtestversammlung ab- halten. Tie Gcwerbedeputation des Magistrats hat in ihrer Sitzung am 13. d. M. beschlossen, dem Obrrpräsidenten eine anderweitige Festsetzung des durchschnittlichen Tagelohns in Vorschlag zu bringen. und zwar s) für männliche über 16 Jahre alte erwachsene Arbeiter ausschließlich der Lehrlinge 3,60 M.; b) für weibliche über 16 Jahre alte Arbeiter 2,40 M.; c) für jugendliche Arbeiter männlichen Ge- schlechts unter 16 Jahren 1,80 M.; ck) sür jugendliche unter 16 Jahren stehend« weibliche Arbeiter 1,50 M. Die letzte Fest- sctzung hat im Jahre 1002 stattgefunden. Tie Beschlüsse der Deputation beruhen auf Vorschlägen, die vom Statistischen Amt, den Arbeitnehmern und Arbeitgebern des Gcwcrbegerichts, sowie dem Gewerbekomm iffariat beim Polizeipräsidium gemacht wurden. Die niedrigsten Ziffern hatte merkwürdigerweise das Statistische Amt eingereicht, es sind jedoch durchweg die des Gewerbekommissariats akzeptiert worden. Ferner lag der Entwurf zu einem Fragebogen vor, wie solcher bei der Enquete wegen Erweiterung der Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe ausgegeben werden soll. Nach den Bor- schlügen der Subkommission, denen die Deputation zustinuut, werden folgeud« Fragen gestellt werden: 1. Name der Firma. 2. Geschäftslokal. 3. Branche. 4. Beschäftigen Sie Angestellt? und wieviel? 5. Halten Sie Ihr Geschäftslotal Sonntags geöffnet? 6. In welchen'Stunden? 7. Wünschen Sie vollständige Sonntags- ruhe für Ihr Geschäft? 8. Wünschen Sie eine Verkürzung der Gesckiäftszeit(Arbeitszeit) am Sonntage? Wenn ja, s) wie lange soll Ihr Geschäft geöffnet sein? b) In welchen Stunden? Außer- dem erhält der Geschäftsinhaber ein Anschreiben, in welchem er darauf hingewiesen wird, daß er nur für sein Geschäft die An- gaben machen darf, ferner daß er den Fragebogen in das bei- gegebene Kuvert legen und nach drei Tagen verschlossen und unter- schrieben dem Steucrcrheber wieder zu übergeben hat. In dem Anschreiben wird die Geheimhaltung der Entscheidung garantiert. Der Metalldreherei von Döring, Skalitzer Straße 100, soll aufgegeben werden, nur auf je einen Gesellen zwei Lehrlinge zu beschäftigen. Heute kommen auf zwei Gesellen 35 Lehrlinge. Dem Vorstand der Glaserinnung wird der Antrag gencbmigt, die Zu- stimmung des Gesellenausschusses zu ergänzen zur Kündigung deS Vertrages bezüglich deS paritätischen Arbeitsnachweises. Für die Schmiedcinnnng soll der Nachweis in Zukunft nur von 10— 12 und von 7—9 Uhr abends geöffnet sein. Sonntags darf keine Arbeit vermittelt werden. Diejenigen Gesellen, welche die ihnen an- gebotene Arbeit nicht annehmen, kommen wieder an die letzte Stelle der Bewerberliste. Freie Hebeammenwabl. Bisher konnten die Personen, für die die Armendirekiion die Kosten der Entbindung zu zahlen hatte, nur die von dem Magistrat in dem betreffenden Bezirk bestimmte Hebcamme in Anspruch nehmen. DicS ist nun geändert worden. Vom 1. April d. I. ab können auch andere Hebeammen hinzu. gezogen werden, d. h. jede Hebcamme kann dann gegen die von der Armendirektion festgesetzten üblichen Gebühren bei Eni- bindungen gerufen werden. Die Armen können sich also schon vor ihrer schweren Stunde mit irgendeiner Hebcamme, die ihr Vertrauen besitzt, in Verbindung setzen, doch kommt der Magistrat vom 1. April d. I. nur in Höhe der üblichen Gebühren für die Kosten der Entbindung auf. Die Ferien der Berliner Gemeindeschnlen sind vom Provinzial- Schulkollegium wie folgt festgesetzt worden: Das laufende Schul- jähr ist am 31. März d. I. zu schließen und der 1. April d. I. schulfrei zu lassen. Das neue Sckmljahr wird begonnen am Freitag, den 2. April d. I. Die Osterfericn beginnen: Mittwoch, den 7. April 1000. Der Schulanfang ist: Montag, den 10. April 1000. Die Pfingstferien beginnen: Freitag, den 28. Mai 1909. Der Schulanfang ist: Freitag, den 4. Juni. Die Sommerferien beginnen: Freitag, den 2. Juli 1909. Der Schulanfang ist: Dienstag, den 10. August 1909. Die Herbstferien: Schulschlutz: Mittwoch, den 29. September 1909. Schulanfang: Donnerstag, den 7. Oktober 1909. Die WcihnachtSfericn werden am Donners- ta, den 23. Dezember 1909 beginnen. Der Schulanfang ist auf: Dienstag, den 4. Januar 1910 festgesetzt. Heber dir Wochenschrift„Wahrheit" des antisemitischen Abgeordneten Brnhn und über die SensatiouSpresse im allgemeinen fällt der„Hamb. Cour." aus Anlaß des Falles D a h s e l, über den unsere Leser unterrichtet sind, folgendes Urteil:„Es muß wieder einmal klar ausgesprochen werden, daß Blätter, wie die„Wahrheit", die nur vom niedrigsten Personenklalsch leben, Pestbeulen am Körper deS Journalismus sind, und daß es gar nicht wunderbar ist, wenn die dauernde Beschäftigung bei einem solchen Blatte schließlich zur verbrecherischen Ausnutzung der ausgeschnüffelten (wirklichen oder vermeintlichen) Sensationsereignisse anregt. Nach dem Gesetz ist nur der ein Verbrecher, der seine Kenntnis von sensationellen Erlebnissen anderer dazu ausnutzt, von diesem Schweige- geld zu erpressen; moralisch aber steht der kaum höher, der sie in die Oeffentlichkeit zerrt, um Geld da- mit zu verdienen. Von solchem Gelde sollte selbst die Deutsche Reformpartei nicht mehr sagen können: uou ölet." Stimmt I Die WertzuwachSsieuer in Steglitz ist von der Gemeindever- trctung abgelehnt worden. Auch in Steglitz steht das Terrain- spekulantentum in vollster Blüte und nutzt seine Macht in vollstem Maße aus— zum Schaden der großen Masse der Bevölkerung. Ein Notschrei aus dem Osten. Ein Leser schreibt unS:„Vom Bahnhof Warschauer Straße nach der Revaler Straße führte früher auf der rechten Straßenseite ein schmaler, aber wenigstens gepflasterter Weg, der täglich von Tausenden frequentiert und erheblich stärker benutzt wurde, als die andere breitere Straßen- seite. Hinter einer Holzbarriere lag eine Böschung, die bis zur Einfriedigungsmauer der Eisenbahnwerkstätten reichte. Daß dieser schmale Weg für den starken Verkehr auf die Dauer nicht genügte, wurde endlich eingesehen und Anfang März vorigen Jahres begann die Verbreiterung des Weges durch Höher- legung der Böschung. Zu diesem Zweck wurden durch einen Zaun drei Viertel der Straße gesperrt und die Passanten mußten ent- weder die andere Straßenseite benutzen oder aber einen kleinen von der Mittelpromenade freigelassenen Pfad. Abgesehen von der Unbequemlichkeit, die der wenn auch kleine Umweg verursachte, war der Weg fast immer durch die Erdarbeiten schmutzig und schwer passierbar. Trotzdem trösteten wir„Ostberliner" uns in dem Bewußtsein, wenn die Sache fertig ist. haben wir wenigstens einen schönen, breiten Zugang zum Bahnhof I Ja, Kuchen! Seit September ist der Zaun gefallen, der Weg ist verbreitert, aber bis heute, nach vier Monaten, ist die rechte Seite noch nicht gepflastert. Bei Regenwetter oder Schnee ist die rechte Seite derartig durchweicht, dreckig und mit Pfützen bedeckt, daß sie nicht zu passieren ist, und da auch die Mittelpromenade mangels Kies- schüttung eine gleichartige Verfassung aufweist, bleibt nur der Umweg über die rechte Seite, ganz wie früher. Wir östlichen Berliner, die wir wirklich nicht verwöhnt sind, fragen in unserer angeborenen Bescheidenheit, wann wird uns das Heil erblühen und auch der Bürgcrsteig gepflastert werden? Vielleicht erleben die Enkel, was die Großväter erhofft. Ob man aber die Bewohner von Berlin W. auch so rücksichtslos behandeln würde?"_ Kontrolle der Berliner Kuhstallmilch durch das Städtische Nahrungsmittcl-UntersuchungSamt. Aus ärztlichen Kreisen wird unS geschrieben:„Mit dem 1. Januar d. I. ist in Berlin eine Einrichtung von großer hygienischer Bedeutung ins Leben getreten. DaS Städtische Nahrungsmittel-UntersuchungSamt hat die regelmäßige Kontrolle der Milch aus denjenigen Kuhställen übernommen, deren Befitzer im vorigen Jahre zu ttfler„Freiwilligen Stall- und Milchkontrolle* zusammengtürpfn sind. Diese Kuhställe werden außerdem von eigens ange'iellren Tierärzten in regelmäßigen Zwischenräumen zur Unti ri ichung der Kühe und des Futters sowie zur Ueber- wachung 0'.r einwandfreien Milchgewinnung besucht, so daß diese städtisch kontrollierte Kuhftallmilch als einwandfrei bezeichnet werden du. Der w üßte Wert dieser neuen Einrichtung besteht aber darin, daü der V..,s dieser Milch nicht höher als derjenige der gewöhn- lichen Laien- oder der Bolleschen Milch ist, er beträgt ab Stall 22 Pf., in die Wohnung gebracht 25 Pf. pro Liter. Die städtische Milchkontrulle ersi reckt sich nicht nur auf die Bestimmung des spezifischen Gewichis und des Fettgehalis, sondern auch auf den Schmutzgehalt der Milch. Wenn erforderlich, werden auch bakterio- logische Milchuntersuchunaen vorgenommen. Man braucht also jetzt nicht immer gleich 40 bis 70 Pf. auszugeben, um„Vorzugs- milcb" zu taufen Bekanntlich läßt auch diese teure, sogenannte „Kindermilch" oft noch sebr viel zu wünschen übrig. D-ese städtische ftuhstallkontrolle ist im Interesse der energischen Bekällioiang der noch immer sehr hohen Sänglingssterblichkeit m zu begrüßen, wie m Interesse der Bekämpfung der Tuberkulose. Die Bedeutung dieser neuen Einrichtung wird auch von der Sanitätspolizei vollauf gewürdigt, indem sie denjenigen Kuhstall- besitzern. welche sich— auf ihre eigenen Kosten— der Kontrolle ihrer Milch durch das Städtische Untersuchnngsamt unterwerfen. gestattet hat, ein besonderes Erkennungsschild zu führen. Auf dem- selben ist zu lesen: Molkerei. Kühe unter tierärztlicher Kontrolle. Milch wird untersucht vom Städtischen Nahrungsmittel-Unter- suchungsamt. Um für Krankenkassen, Fürsorgestellen, Wohltätigkeits- vereine usw. größere Milchmcngen liefern zu können, sind in den verschiedenen Stadtteilen Milchsammelstellen eingerichtet worden." Tie„Berliner Hausfrau", das sogenannte Familienblatt, hatte am Donnerstagnachmittag in den Jndustrie-Festsälen einen großen Kaffeeklatsch veranstaltet, um neue Abonnentinnen einzusaugen. Wie ihr Vormund, die immer schlechter werdende farblose „Deutsche Warte", berichtet, waren Hunderte von Leserinnen, die nichts weiter zu tun haben, zusammengeströmt, um einen Vortrag über Bedeutung und Nutzen der Neformkleidung zu hören, wozu Berliner Konfektionsfirmen die nötigen Reklamekostüme in Parade gestellt hatten. Für ein Familienblatt ein recht artiger Trick I Wir vermissen in dem Bericht, ob auch die Dutzende von Wahrsage- 'chwindlerinnen eingeladen waren, denen die„Berliner Hausfrau" eit langer Zeit ihre Jnscrtionsspalten zur Verfügung stellt, um die Abonnentinnen zu überzeugen, wie gering sie die Kultur ihrer Leserinnen einschätzt. Einen neuen Beitrag zu der Unkenntnis nnd schikanösen AuS- legung des Bereinsgesetzes seitens der amtlichen Organe lieferte die am Freitag durch die demokratische Vereinigung veranstaltete öffentliche Versammlung im Restaurant„Zum alten Askanier" in Maricndorf, in der Herr Dr. Brcitscheid über das Thema:„Die Not des Reiches und des Volkes" sprach. Die Versammlung, die als öffcntlichte angemeldet war, wurde von zwei Gendarmen über- wackt. Als nach der Diskussion, an der sich auch Parteigenossen beieiligten, der Referent zum Schlußwort kam, war die Zeit schon so weit vorgeschritten, daß Dr. Breitscheid mit seinen Ausführungen um 12 Uhr nicht gut zu Ende sein konnte. Es lag ja auch kein Grund vor, diesen Zeitpunkt nickit zu überschreiten— so glaubte wenigstens die Versammlung. Ganz anders dack'te die Polizei- gewalt. Kurz vor 12 Uhr machte der Gendarm durch Zeichen darauf aufmerksam, daß nun Scklutz gemacht werden müsse. Die Ver- sammlungsleitung suchte ibm verständlich zu maclicn, daß es hier keine Polizeistunde gibt. Als dann Dr. Breitscheid dem lieber- wachenden gegenüber betonte, er gebe wohl dem Vereinsgesetz eine falsche Auslegung, erhob sich dieser und erklärte die Versammlung für aufgehoben. Tödlich verunglückt ist am Sonnabendnachmittag um 3 Uhr ein Fräulein Arends in der Königgrätzer Straße 2, Ecke Lenne- stratze, durch einen Sturz in einen Fahrstuhl. Bevor Feuerwehr und Arzt zur Stelle waren, trat der Tod ein. Grossfeuer in einer Leberfabrik. Von einem großen Schaden» feuer wurde gestern früh die Glacelederfabrii von Günther Schneider in der Prinzenallee 59 heimgesucht. Die Firma hat im Seitenflügel des genannten Hauses ausgedehnte Lagerräume, in denen große Posten Glacefelle für Handschuhleder aufgestapelt waren. Der Brand entstand im ersten Steck und wurde erst be- merkt, als gegen �7 Uhr früh plötzlich helle Flammen aus den Fenstern schlugen. Wenige Minuten später brannte der ganze Lagerraum mit seinen Vorräten. Die herbeigerufene Feuerwehr griff daher sofort mit mehreren Schlauchleitungen ein. Das Haupt- augenmerk richtete Brandinspektor Julius, der die AblöschungS« arbeiten leitete, darauf, ein Ueberspringen des FeuerS auf andere Fabrikbetriebe zu verhüten. Durch unausgesetztes Wassergeben gelang eS denn auch, das Feuer auf den Lagerraum zu beschränken, der allerdings ausbrannte. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Brand durch Kurz- schluß entstanden. Umfragen wegen Erweiterung der Sonntagsruhe. In der näcbsten Woche gehen den Interessenten in Berlin— 42 000 Geschäftsinhabern aller Branchen— vom Magistrat Fragebogen zu. Diese sollen dazu dienen, festzustellen, ob die Berliner für oder gegen eine Erweiterung der Sonntagsruhe im Kleinhandel sind. Die befragten Geschäftsinhaber werden um präzise Angaben über Branche, Umfang und Betrieb des Geschäfts ersucht und um genaue Aeußerungen darüber, wie sie die Ausdehnung der Sont: tagSruhe geregelt wünschen, oder ob sie die jetzige Sonntagsruhe beibehalten möchten. Hoffentlich wird auch die Meinung der An« gestellten bei der Regelung dieser Frage berücksichtigt. Arvciter-Samariter-Kolonne. Montagabend 9 Uhr: 2. Abteilung Brunnenstr. 154. Vortrag deS Herrn Dr. Loewy über„Das Ver- schlucken von Fremdkörpern". 5. Abteilung in Rixdorf bei Thiel, Bergstr. 151/152. Vortrag deS Herr» Dr. Gebel über„Der Bau nnd die Funktionen deS AugeS und dessen Verletzungen". Praktische Uebungen. Donnerstag: Bortrag in der 3. und 4. Abteilung. Vorort- l�acknckten. Rixdorf. Der Urheber deS Nixdorfer WahlrechtSrauveS. Herr Rahmig ist Vorfitzender des Rixdorfer Haus- und Grundbesitzervereins. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung dieses Verein? hat er sein Verhalten in der Wahlrechtsftage zu ver- teidigcn gesucht und sich schließlich bescheinigen lassen, daß er recht gehandelt habe. Wir haben schon kürzlich berichtet, daß selbst zahlreiche Haus- und Grundbesitzer der Meinung sind, daß dieser Beschluß zu verurteilen sei, weil er die Stadt schwer schädige. Also nicht einmal alle Haus- und Grundbesitzer hat Herr Rahmig für sich. Eine Erhöhung der Kirchenstcuer tritt in Rixdorf am 1. Aprfl d. I. ein, indem der bisherige Steuersatz von 12 Proz. eine Er- höhung auf 15)4 Proz. erfährt. Die Erhöhung wird jedenfalls dazu beitragen, die Zahl derjenigen zu erhöhen, die die Flucht aus der Kirche ergreifen. Wilmersdorf. Zur Krankenhausmisere lesen wir in der„Wilmcrsdorfer Zeitung" folgenden Beitrag: „Wie wir erfahren, hat der Magistrat beschlossen, das Material. das gegen die mangelhafte Vertragserfüllung des Kreise» Teltow trt letzter Zeit vrrlautvarke, besonder- soweit cI Vis Schwierigkeiten betrifft, die von den Krankcnhansverwaltungen der beiden Krankenhäuser bei Einlieferungen von Kranken aus dem Stadtbezirke Wilmersdorf gemacht werden, zu sammeln und der Krcisverwaltung mit dem nachdrücklichen Ersuchen zur Punkt- liehen Erfüllung der getroffenen Vereinbarungen zu übermitteln. — Inzwischen sind uns in Ergänzung der kürzlich von uns mit- geteilten Fälle neue Mitteilungen zugegangen, die die Berechti- gung der gegen die Ärantenhausverwalhingen der beiden Kreiskrankenhäuser gerichteten Klagen nur bestätigen. So wird uns uverlässig die unglaubliche Tatsache berichtet, daß das Kreis- rankenhaus Groß-Lichtcrselde des Nachts telephonisch überhaupt nicht zu erreichen ist! Wir meinen, daß dies denn doch ein Zustand ist. der die größten Gefahren in sich birgt und der Abhilfe dringend bedarf. Tes weiteren wird uns mitgeteilt, oaß am 11. d. M. ein Verunglückter, der von einem Wagen überfahren worden war und sich einen Schädelbruch und schwere Hüftquetschungen zugezogen hatte und in bedenklichem Zustande nach dem Groß-Lichterselder Krankenhaus geschafft wurde, dort wegen veberfüllung(!) abgewieftn wurde. Der Ver- unglückte war zwar nicht Wilmersdorfer, aber der Unfall war doch in Wilmersdorf passiert. Erst nach längerem Hin und Her gelang es, die Aufnahme durchzusetzen. Der Verunglückte wurde auf Anordnung des Arztes auf eine Chaiselongue gebettet.— Das beharrliche Schweigen, in das sich die Krankenhausverwaltung gegenüber unseren kürzlich veröffentlichten Anklagen hüllt, darf man wohl für eine Bestätigung derselben hinnehmen? Bemerkt sei, daß uns auch von miderer Seite noch Material über erfolgte Abweisungen in Aussicht gestellt worden ist." Ein ncu�r Beweis, daß es mit dem Krankcnhauswesen kehr im Krgen liegt. Lichtenberg. Eine öffentliche Protestversammlimg fand am DonnerStagnvcnd im„Kroiiprinzengarten", Frankfurter Chaussee, statt, einberufen von der Gewerkichaftskomin'ssion, dem Vorstande des sozialdemokratischen Wahlvereins und dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeitcr. Der Sladtv. Brühl legte in seinem Referat die Ausgaben der Kommune zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dar. Die Kommune, so führte er aus. ist gezwungen, dazu Slellung zu nehme», wenn eine der furchtbarste» Erscheinungen der kapitalistische» Produklioneweise. die Arbeilslosigkeit, massenhaft auftritt. Ei» systematisches Vorgehen dagegen ist nolwendig. Zneist gilt eS. die Zahl der Arbeitslose» festzustellen. Dies wurde von den Vertretern der Arbeiter in der Koinmiision sofort beantragt. Die Art, wie ge- zählt wurde, fand nicht die Billigung der Arbcitervertreler, weil da- durch kein genaues Resultat erzielt werden konnte. In Lichtenberg zählte man nur V98 Arbeitslose, obgleich die Zahl weit größer sein mußte. Nur 36 weibliche Arbeitslose ließen sich in Lichtenberg feststellen. Man hat ein Recht, die Richtig- keit dieser Zahlen anznzwciseln, und nun werden am 12.. 13. und 14. Februar die Partei und die Gewerkschaften in Groß-Berlin eine eigene Zählung vornehmen, die ei» zuverlässigeres Resultat ergeben wird. Die großen Gewerkschafren. wie die jlketallarbeiter und die Holzarbeiter, erkennen den großen Umfang der Arbeitslosigkeit deutlich daran, wie ihre UnlenlützungSeinrichtungen in Anspruch genommen werden. Die Not ist da und gerade jetzt im Winter doppelt fühlbar. Was tat die Kommune Lichtenberg dagegen? So gut wie nichts! Man macht glatte Worte und sucht Entschuldigungen. Man tröstet sich damit, daß die Armen nach Berlin gehen könnten. denn Lichtenberg sei die ärmste Gemeinde. Man veriucht, sich der Pflichten gegenüber dem Problem der Arbeitslosigkeit zu entziehen. Der Redner besprach die einzelnen Forderungen der Arbeiter, die in der folgenden Resolution niedergelegt sind. Die Resolution, die nach' kurzer Diskussion einstimmig an- genomnien wurde, lautet: .Die am 14. Januar l 909 im„Kronprinzengarten" tagende Ver- sammlung von Lichtenberger Männern und Frauen stimmt den Aus- führungen des Stadtverordneten Brühl über die Frage:„Was muß die Stadtverwaltung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit tun?" vollinhaltlich zu. Die Versammlung wendet sich aufs schärfste gegen die bisherige Untätigkeit der städtischen Behörden gegenüber den Folgen der Krise. Die am 17. November vorigen Jahres festgestellte Zahl von zirka 1000 Arbeitslosen umschließt nach den bisherigen Feststellungen bei weitein nicht die ganze Summe der Arbeitslose». Eine auf Grund des Hauslislensystems vorgenommene Zählung wurde vorgenommen und festgestellt, daß etwa 10 Prozent aller Erwerbstätigen in Lichten- berg arbeitslos find. Um so bedauerlicher ist es, daß die städtischen Behörden durch umfangreiche Entlassungen von Arbeitern in städtischen Betrieben die Zahl der Arbeitslosen vermehren. Die Versammelten fordern demgegenüber: 1. Sofortige Einstellung aller entlassenen städtischen Arbeiter. L. Beschleunigung aller angefangenen Bauten sowie sofortige Inangriffnahme derjenigen Bauten, für die bereits Bauraten im Etat eingestellt sind. 3. Schleunige Ausführung derjenigen kleineren Umbauten und Reparaturen, die sich als sofort ausführbar erweisen. 4. Einrichtung von Wärmehallcn mit Verabreichung von Speisen zum Selbstkostenpreise. 5. Schleunige Einrichtung von Schulspeisungen. 6. Verkürzung der Arbeitszeit in allen städtischen Betrieben auf höchstens acht Stunden bei strenger Vermeidung von Ueber- stunden und Doppelschichten. 7. Beihilfe an die Arbeiterorganisationen(Berufsvereine), die Arbeitslosenunterstützung eingeführt haben, im Verhältnis ihrer Leistung. 8. Möglichste Nachsicht in der Beitreibung der städtischen Steuern, soweit dadurch das Wahlrecht nicht gefährdet wird." DaS Bureau der Versammlung-wurde beauftragt, die vor- stehende Resolution dem Magistrat, Stadtverordnetenkollcgium, der sozialen Kommission und der Deputation für die städtiichen Werke zu überreichen. Nach Erledigung der Tagesordnung trat eine alte 72 jährige Frau vor die Versa», mlung und brachte eine bewegte Klage vor über eine Härte, die sie von der Oriskrankeiikasse von Lichtenberg erfahren haben wollte. Genosie Kupfer gab die Erklärung ab. daß die Angelegenheit untersucht werden sollte und daß man gern der alten Fran zu ihren, Rechie verhelfen würde, wenn ein Unrecht vorgekomnicn ist. Die Versammelten waren mit dieser Erklärung zufrieden. Nieder-Tchönhausen. Gemcindediener als Hauskollektanten! Einen interessanten Beitrag zur Förderung der kirchlichen Bestrebungen durch die Bc- Hörden liefert der hiesige Gcmcindcvorstand. In der Nr. 4 des hiesigen Lokalblattes, zugleich amtl. Publikcrtionsorgans, erläßt der Bürgermeister unter der Rubrik„Amtliche Anzeigen" eine„Bekanntmachung", daß demnächst wie in den früheren Jahren, Sammellisten zur Zeichnung von Gaben für den Pro- vinzialverband Brandenburg des evangelisch- kirchlichen Hilfsvereins durch die„Gemeinde- dien er"(l) borgelegt werden würden! Man mag zu diesem Kollektenwesen, das man besser als Un- Wesen bezeichnet, stehen wie man will, das eine wird sich aber jeder Steuerzahler fragen:„Werden die von der Gemeinde be- soldetcn Gemeindedicner fürdenDienstfürdieGemeinde bezahlt, oder aber steht es im Belieben des Gemcindevorstandes, dieselben zu derartigen privaten Veranstaltungen zu verwenden?" Sind denn die sichcrheitspolizeilichen Zustände am Orte so glänzende, daß die Ecmeindedicner als Auftichtsorgane ganz nach Belieben ausgeschaltet werden können? Wie stellt sich denn die Gemeindevertretung hierzu? Ein Teil der bürgerlichen Wähler sind doch auch Geschäfts- leute. Da sind wir doch begierig, ob die durchwegs bürgerlichen Gemeindcvertrcter gegen diesen indirekten Zwang, der so auf diese von»Amts wegen" ausgeübt werden soll, Protest erHeden werden. Wir setzen als selbstverständlich voraus, daß die Herrschaften die arbeitende Bevölkerung mit dieser Bettelei verschonen, denn sonst dürfte es wohl den„Zwangskollektanten" nicht erspart bleiben, von dem einen oder anderen etwas unverblümt über die äugen- blickliche Krisis und unsere herrliche Gesellschaftsordnung eine vielleicht ungewollte Aufklärung zu bekommen I (Örofj-Lichterfeldc. Beachtet die Lokalliste. Zum Maskenball des GärinervereinS Gr.-L'chterfclde in tzennigs Festsälen wird verschiedentlich versucht, Billetts unter der organisierten Arbeiterschaft abzusetzen. Wir machen darauf aufmerksam, daß das genannte Lokal g e- sperrt ist und ersuchen, Billetts zu allen Veranstalhingen in diesem Lokal zurückzuweisen. Nikolassee. Ein grelles Licht auf die Zustände des hiesigen Feuerlöschwesens wirft e,n Brand, über den uns folgendes berichtet wird:?lm Mon- tag wurden hier in der in der Nähe des Bahnhofs liegenden Gärt- nerei der Heimstätten-Aktiengesellschast einige Schuppen uno Wirt- schastsgebäude eingeäschert. Dabei soll noch nicht einmal etwas dagegen gesagt werden, daß die Feuerwehr erst verspätet ankam, daß weder der Ortsgendarm, der sich mit seinem Notizbuch in der Nähe des Feuers postiert hatte, noch die zuerst angekommenen Feuerwehrleute eine Ahnung Haiten, wo der nächste Hydrant sich befano, und daß die allgemeine Kopflosigkeit in Verbindung mit dem geringen Wasserdruck bei einem größeren Brande die schlimmsten Folgen gehabt hätte. Aber verschiedene Beobachtungen zeigen wieder einmal, wie wenig sich größere Terraingesellschaften um Polizeivorschriften scheren. Nikolassee sst bekanntlich eine Ort- schaft, von der man nicht weiß, wozu sie kounnunalpolitijch gehört; die Heimstätten-Aktiengesellschast, die vor einigen Jahren die Kolonie gründete, sorgt nun zwar für die reickwn Villenbesitzer, aber sie hat u. a. noch nicht einmal eine Leichenhalle bauen können. Das Feuer, das am Montag in der derselben Gesellschaft gehörigen Gärtnerei ausbrach, zerstörte eine Anzahl von Holzschuppen, von denen einer als Glaserwerkstätte benutzt wurde, die anderen zur Aufbewahrung von Werkzeugen, Brettern usw., aber auch von Benzin, Teer und Petroleum dienten. Die Schuppen lagen unter den Bäumen des dicht angrenzenden Hochwalds, von denen einige mit in Flammen aufgingen. Ist es nun schon ein großer Leicht- sinn, cm Walde in einem hölzernen Schuppen eine Werkstatt einzu- richten, so ist noch viel weniger zu verstehen, wie in denselben Schuppen leichtentzündliche Gegenstände untergebracht werden konnten. Die Fässer mit Benzin ukw. wurden ja noch rechtzeitig herausgebracht. Aber das Feuer hätte nur ein paar Stunden später oder gar im Sommer auszubrechen brauchen, so wäre ein ungeheurer Waldbrand die Folge gewesen. Natürlich wird sich auch hierbei ein Sündenbock finden; man spricht von dem Glaserlehr- ling, der den Brand durch Unvorsichtigkeit verschuldet. Ob man aber auch die Heimstätten-Aktiengesellschast zur Verantwortung ziehen wird, ist noch sehr die Frage. Gruna». Der hiesige Wahlvcrei» hielt am Sonnabend, den 9. Januar, seine Generalversammlung ab. In den Vorstand wurden folgende Genossen nengcwählt: erster Vorsitzender Herrn. Bluhm; zweiter Vorsitzender Ernst Mitzner; Kassierer Karl Tantow; Schrifiiührer Paul Fritsche. Spediteur Franz Klein. Bezirksführer: Franz Müller, Kaßner, Schneider, KrenzinS. Prölß. Lokalkommission: Pietsch, Hecker, Arnoldi. Revisoren: Arnoldi, PnlS, Hoffinann, Grabowski. -lußerdcm wurde bescdlossen, die Milgliederoersammlung aus den Zahlabend von Groß-Berlin zu verlegen. Aufgenommen wurden vier neue Mitglieder, darunter zwei Frauen. Köpenick. Berhaftungen in der Kassenranbaffäre. Die in aller Stille fortgesetzten Nachforschungen der Köpenicker Polizei nach den Ein- blechern, die kürzlich aus der Steuerhebestelle II des Köpcnicker Rathauses sechshundert Mark raubten, sind von Erfolg gewesen. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft, Teilnahme und Anstiftung zu diesem und einer großen Anzahl anderer Diebstähle wurden in einem Quartier der dortigen Rosenstraße die 25 Jahre alte Witwe Emma B., deren„Bräutigam", der Arbeiter T., und ein Mädchen namens S. verhastet. Das Terzett hat sich durch auf- fallende Geldausgaben verdächtig gemacht. Die Witwe hat bereits zugegeben, an dem einen von den Einbruchsdiebstählen beteiligt gc- wcsen zu sein; die beiden anderen leugnen beharrlich. Adlershof. Der hiesig, Bildungsausschuß teilt mit, daß am Montag, den 18. Januar, der 2. Vortrag von Herrn Max Schütte gehalten wird. Das Thema für diesen Abend lautet:„Ferdinand Lassalle und der ollgemeine deutsche Arbeiterverein". Es folgen dann am 25. Januar:„Die Internationale", am 1. Februar:„Die geeinigte Partei", am 8. Februar:„Das Ausnahmegesetz", am 15. Februar: „Der Sieg über das Ausnahmegesetz" und am 22. Februar:„Das letzte Jahrzehnt". Eine kleine Anzahl Hörerkarten sind noch beim Vorsitzenden des Aussckmsses, dem Genossen Horlitz, Genossenschaft- stratze 19, zu haben. Wie weisen ferner darauf hin, daß diejenigen Genossinnen und Genossen, welche verhindert sind, alle Vorträge zu besuchen. Eintrittskarten für den Besuch eines einzelnen Vortrages zum Preise von 19 Pf. am Eingang des SaaleS erhalten können. Da jeder Vortrag ein abgeschlossenes Ganzes für sich bildet. empfiehlt es sich, daß speziell die Genossen, die auS besonderen Gründen nicht alle Vorträge besuchen können, von dieser Einrich- tung Gebrauch macbcn. Die Vorträge finden im Lokal von Kaul, Bismarckstr. 18, statt. Sie beginnen pünktlich um 9 Uhr und endigen um 18M» Uhr. Nowawes- Neuendorf. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Auslosung eines Drittels der Gemeindevcrordneten für die im März vorzunehmenden Ergänzungswahlen. Es wurden aus- gelost in der 1. Abteilung die Vertreter Vobach, Nathan und, unter allgemeiner Heiterkeit, der erst im Dezember v. I. gewählte frühere Neuendorfer Gemeindevorsteher Obst; in der 2. Abteilung die Herren Mielenz, Prillwitz und Dartsch, und in der 3. Abteilung oie Genossen Gruhl und Fesser.— Nach einer Rundverfügung der königlichen Regierung wird die Bildung einer besonderen Wohl- fahrt sdeputation, welcher die neuerdings an die Gemeinde herangetretenen Aufgaben auf dem Gebiete der Fürsorge für Säug» linge, sowie überhaupt die Förderung der kommunalen und sozialen Hygiene obliegen würde, in Anregung gebracht. Die Vertretung beschlieht, die Befugnisse der Wohlfahrtsdeputation der Armen- dcputation zu übertragen und letzterer die Doppclbezeichnung: „Armen- und Wohlfahrtsdeputation" zu geben.— Eine ausgedehnte, zum Teil sehr erregte Debatte ent- wickelte sich bei dem Punkte: Uebernahme der Heine- straße in eigene Regie. Diese Straße ist vor vier Jahren von dem Unternehmer Bleh angelegt worden. Genosse Gcnnoll gab der Befürchtung Ausdruck, daß die Straße, die sehr schlecht gepflastert ist, wahrscheinlich nach ein paar Jahren neu reguliert werden muß. Genosse Neumann erklärt, daß die Heinestratze nicht mit dem Material gepflastert worden ist, welches von der Gemeinde verwendet wird. Dem widerspricht in erregter Weise der Bürger- meister und betont, daß die Straße in Ordnung ist; man solle in der Vertretung nicht Behauptungen aufstellen, die der Wahrheit nicht entsprechen. Gegen diesen Vorwurf verwahrt sich Genosse Gomoll in energischer Weise, da der Vertretung nicht das Recht genommen werden könne, ihre Bedenken bezüglich des Zustandes der Straße zu äußern. Nach einigen weiteren Ausführungen, aus welchen hervorgeht, daß die Straße nach den Grundsätzen reguliert ist, die vor 4 Jahren maßgebend waren, wohingegen heute anderes Material verlncudct wird, wurde die Uebcrnabme beschlossen.—- Die Festsetzung des Bauslnchtlinienplancs der kleinen Sandscholle wurde in der mit der königlichen Regierung vereinbarten Fassung genehmigt. Genosse Gruhl führte hierbei aus, daß die kleine Sand- schölle das Terrain ist, welches oie Gemeinde von dem Forstfiskus für eine spätere Erkveiterrmy des Friedhofes in der Eoethestraße erwerben wollte. Da aber der Fiskus den exorbitant hohen Preis von 2 M. pro Quadratmeter forderte, trotzdem das Grundstück erst in zirka 39 Jahren gebraucht wiro, unterblieb der Ankauf. Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß man auch in Preußen nach dreißig Jahren so Iveit sein werde, daß überall die Leichenverbrennung eingeführt sei, damit die Gemeinden nicht mehr mit den hohen Kosten für Friedhosterrains belastet werden.— Von den Anliegern des schmalen Teiles der Friedrichstraße liegt ein Einspruch vor gegen die gleichmäßige Heranziehung mit den Anliegern des breiten Teiles zu den Pflasterkosten der Straße. Die Vertretung erkennt die Beschwerde als berechtigt an und beauftragt den Gcmeindcvor- stand, für beide Straßenteile besondere Kvstcnvertcilungspläne aus- zustellen.— Des weiteren gab der Bürgermeister einen vom Land- rat übermittelten Bericht über eine im vorigen Jahre ftattgefnndene Revision der freiwilligen Feuerivehr durch einen Revisor vom Pro» vinzial-Feucrwehrverband. Ter Bericht bemängelt besonders das Alarmwescn und fordert die Anschaffung von 6 Hakenleitern. Der Bürgermeister erklärt, daß sich die Feuerlöschkommission mit einer Neuregelung des Alarnrwesens beschäftigt. Für die Anschaffung der Leitern werden die Mittel im Betrage von 168 M. von der Vertretung bewilligt. Bevorstehende Gcmeindewahlen. Im März d. I. ist der hiesigen Arbeiterschaft Gelegenheit gegeben, sicd wiederum an der Gemeinde« Wahl zu beteiligen. In der letzten Gemeindevertretersitzung ist ein Drittel der Gemeindevertreter ausgelost worden und zwar aus der 1. und 2. Abteilung je 3 Gemeindevertreter und in der 3. Abteilung 2 Gcmetndevertreler, die Genossen Karl Gruhl und Paul Fester. Die Parteigenossen werden aufgefordert, die Wählerliste einzuiehen, die vom 15. bis zum 31. Januar im Rathouse in der Priesterftroße. I Treppe. Zimmer 2. in den Dienststiniden vormittags von 8 bis nachmittags 3 Uhr für jedermann öffentlich zur Einsicht auSliegt. Für diejenigen Genossen, welche keine Zeit haben, die Listen selbst einzusehen, haben sich die Genossen Karl Gruhl, Priesterstr. 69 Karl Gomoll, Priesterstr. 29 und Ernst Zöllner. Lindenstr. 36. bereit erklärt, die Einsicht zu nehmen. Die Genossen werden ersucht, an die Genannten ihre Adresse abzugeben. Wer seines Wahlrechts nicht verlustig gehen will, der versäume nicht, die Wählerliste einzusehen. Wer nicht in der Wählerliste auf- geführt ist, der hat kein Wahlrecht. Spandau. „Die Frau in der Gegenwart" ist das Thema, das Frau Lungwitz in einer am Sonntag, den 17, Januar, nachmittags 4'/z Uhr. bei Köpenik, Pichelsdorfer Str. 39, stattfindenden Versammlung behandeln wird. Nack, der Versammlung findet ein gemütliches Beisammensein mit Tanz statt. Weiter sei darauf aufmerksam gemacht, daß die letzte General- Versammlung deS Wahlvereins den Genossen Max Scior, Gatower Straße 1, zum ersten Vorsitzenden und zum ersten Kassierer den Genossen E. Kövpen, Jagowstr. 9, gewählt hat. Mitteilungen, die Geschäfte des Wahlvereins betreffend, sind an den ersteren Genossen, Angelegenheiteii, die Kasse betreffend, an den letzteren zu richten. VotSdam. AuS der Stadtverordnetenversammlung. In der am Freitag abgehaltenen Stadtverordnetensitzung, der ersten in diesem Jahre, gab der Vorsteher Bolle den Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Versammlung im Jahre 1998. Sodann wurde dem Stadtver» ordneten Böhme, welcher nunmehr seit 25 Jahren das Amt eines Stadtverordneten bekleidet, anläßlich seines Jubiläums eine Adresse überreicht. Der unbesoldete Stadtrat Plage ist jetzt ebenffills 25 Jahre in der städtischen Verwaltung tätig und zwar 18 Jahre als Stadtverordneter und 7 Jahre als Stadtrat. In der sich hieran anschließenden Neuwahl des Bureaus wurde Bolle, 1. Vorsteher; Pauli, 2. Vorsteher: Töpfer, Beisitzer und Schmüscr, Schriftführer, wiedergewählt. Zur Anschaffung eines Pro- jektionSapparatcs für Schulzwccke für die höhere Töchterschule wurden 799 M. bewilligt. Stadtv. Grell empfahl die Anschaffung dieses wichtigen Apparates für alle höheren Schulen und wir wollen an dieser Stelle seine Empfehlung auch für die Gemeinde» schulen nachholen, denn seine Verwendbarkeit dürfte da nicht minder praktisch sein. Für ein am Rhein zu errichtendes Bismarck» National-Denkmal hatte man die Summe von 399 M. übrig. Den zur Mode gewordenen Professorenaustausch will man auch in PotS» dam nachmachen. Doch begnügt man sich mit Lehramtskandidaten in Französisch und zwar sollen die Oberrealschule und das Real- ghmnasium hiermit probeweise beglückt werden. Die Summe, die hierfür vorläufig ausgegeben werden soll, beträgt 1989 M. Das alte Realgymnasialgebäude soll in Zukunft einen Teil der gewerb- lichen Fortbildungsschule bilden, da dieselbe nicht genug Raum zur Unterbringung aller Klassen hat. Bereits jetzt sind einige derselben anderweit untergebracht. Deshalb machen sich einige bauliche Ren» derungen notwendig, welche die Summe von 3999 M. fordern. Betreffs der Verfügung über das angekaufte Fvrstgelände zwischen den beiden Friedhöfen tonnte eine Einigung nicht erzielt werden. Während der Magistrat vorschlägt, diesen Streifen Land so zu lassen, wie er momentan ist, vertritt die Mehrheit der Stadtver- ordneten die Ansicht, das Land in Geld umzusetzen und damit den Kirchhof zu vergrößern. Die Finanzkommission soll sich mit der Sache erst einmal befassen und dann Vorschläge machen. Gerichte-Zeitung. Heiratsschwindel. Die fast unglaubliche Leichtgläubigkeit und Naivität Heirots- lustiger Mädchen hatte der 24jährige Maschinist Wilhelm May» f a r t h zu reckt gewissenlosen Sckwindeleien ausgebeutet. AuS der Strafanstnlt Plötzensee wurde M, gestern dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg vorgeführt, welches unter Vorsitz des Amtsrichters Dr. Schenk gegen ihn wegen Betruges in 15 Fällen und Unter- schlagung zu verhandeln hatte.— Der Angeklagte, welcher verheiratet ist, aber von seiner Frau getrennt lebt, ist bereits wegen Betrugs und versuchter Erpressung, begangen gegen ein heiratslustiges Mädchen, zu 7>/a Monaten Gefängnis verurteilt worden, die er z, Z, verbüßt. Im August v, I. lcnite M,, der nur vom Heiratsschwindel lebte, eine Verkäuferin O. kennen. Das nicht mehr ganz jung« Mädchen war höchst beglückt und geschmeichelt, als sich ihr der Angeklagte als „Rittergutsbesitzer Hennig" vorstellte. Durch das sehr sichere Ans- treten des Angeklagten, der einen sehr stattlichen Eindruck machte, wurde die O. derartig in Sicherheit gewiegt, daß sie alles tat, was ihr„nobler Bräutigam" von ihr verlangte. Sie händigte ihm ihr Erbteil in Höhe von 499 M. aus und gab ihm auch sonst noch ver- schiedene Geldbeträge. Ans Verlangen des Schwindlers gab sie sogar ihre Stellung auf und fuhr mit ihm nach Köln, wo er ihr eine Filial« leitung verschaffen wollte. Beide wohnten im Hotel als Mann und Frau, natürlich aus Kosten der Betörten. Schließlich muße sie unter allen möglichen Drohungen des Angeklagten an ihren Vater einen Brief schreiben und 299 M. verlangen. Als M, auch dieses Geld erhalten hatte, ließ er das Mädchen völlig mittellos in Köln sitzen und fuhr nach Berlin zurück. Hier betrieb er den Heiratsschwindel im großen, wobei er sich abwechselnd als Post- direktor, GutsbesitzerSsohn, Lokomotivführer. Monteur und Rittergutsbesitzer ausgab. Er bekam es fersig, zu gleicher sechs Bräute zu haben, wie er vor Gericht unter vergnüglichem Lächeln zugab. In den meisten Fällen nahm er den Mädchen nicht nur ihre sämtlichen Ersparniffe und Schmucksachen ab, sondern er verleitete sie auch noch ihre Stellung auizugeben. um mit den«Leichtgläubigen bester in intimere Beziehnngen treten zu können,— Vor Gericht legte der A n g e k l a g t e. der anfänglich zum Teil geleugnet hatte, aus die Ermahnungen des Vorsitzenden hin ein umfassendes Ge- ständnis ab.— S t a a t s a n lv a l t D r. M a y beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Das Gericht nahm nur eine fortgesetzte Betrugshandlung an und erkannte auf nm zwei Jahre Gefängnis. Der Wert der Aussage eiueZ Krimwalbeamten. Kilrzlicki teilten wir mit, das; der Gastwirt Sckncffer auS RuinmelZ- Lurg vom Schöffengericht am 7, d. M. freigesprochen wurde, weil die Bekundung des Kriminalbeamten L e m p k e, es sei ein öffentliches ungenehmigteZ Tanzvergnügen abgehalten, durch eine große Reihe von Zeugen widerlegt' war. Am Freitag sprach in einem ähnlichen Fall, der sich nach Bekundung Lempkes am 18. Ok- tober abgespielt hoben sollte, die Strafkammer den Gastwirt Schieffer frei. Schieffer hatte ein Straftnandat von 30 M. auf «ine Anzeige LempkeS hin erhalten. Das Schöffengericht hatte die Strafe auf 15 M. herabgesetzt. Die Strafkammer gelangte zu einem Freispruch, weil eine Reihe einwandfreier Zeugen die Schuldlosigkeit des Angeklagten für erwiesen hielt. Könnte der Kriminalbeamte nicht mit nützlicheren Dingen als der Kontrolle von Gastwirtschaften beschäftigt werden, nachdem in zivei kurz aufeinander folgenden Terminen das Gericht seine Ansicht über die Fähigkeit des Beamten, eine Sachlage zutreffend zu schildern, in solcher Weise kundgegeben hat? Herrscht ein so großer Mangel an Arbeit bei den Gerichten, daß ihrer Arbeitslosigkeit durch Einleitung unbegründeter Anklagen Abhilfe geschaffen werden muß? Bilanzverschleierung einer Genossenschaft. Die Bilanzen der Kunstweberei-Genosseuschaft in Scherrebeck be- schäftigten am Freitag das Reichsgericht. Im Wiederaufnahme- Verfahren ist am 22. Mai v. I. vom Landgerichte Flensburg der frühere Pastor Jacobfen wegen Vergehens gegen§ 147 des GenosienschaftSgesetzes zu 300 M. Geldstrafe verurteilt worden. Neben ihn, die Buchhalter Rabe und Petersen wegen Beihilfe zu 200 Mk. Jacobfen hatte seinerzeit die Genoffenschaft gegründet. Pastor Jacobsen hatte die künstlerische und tcch- nische Leitung. war aber auch in alle geschäftlichen Dinge eingeweiht.— Die ihm zur Last gelegte Strafttat bestand darin, daß er in die Bilanz von 1S0V und 1901, um die Einnahmen höher erscheinen zu lassen, die fertiggestellten Waren zum Verkaufspreis st att zum Selbstkostenpreis hat ein- setzen lassen.— Gegen das Urteil hatte Pastor Jacobien Revision eingelegt.— Das Reichsgericht erkannte auf Verwerfung der Revision, indem eS ausführte: Bereits in dem ersten reichsgerichtlichen Urteile in dieser Sache vom 2. März 190ö ist darauf hingewiesen worden, daß die Genossenschaften als Kaiifleute zu gelten haben, und daß bezüglich der Bilanz- ziehung usw. die Vorschriften des Handelsgesetzbuches für sie gelten. Nach Maßgabe dieser Bestimmungen dürfen die vorhandenen Be- stände nicht nach ihrem vermeintlichen Berkaufs- werte in die Bilanz aufgenommen werden: das ist aber bier ge- fchehen. Die handclSgesetzlichen Bestimmungen über die Bilanzziehung können nicht durch Bestimmungen im Gesellschaftsstatut ab- geändert werden. In den ersten Jahren des Bestehens der Ge- noffenschast sind auch die Bilanzen dem Gesetze entsprechend auf- gestellt worden. Aber 1S01 wurde das Warenkonto, um die Bilanz»günstiger abschließen" zu lasten, wissentlich um 10 000 M. höher angegeben, als es den wahren Verhältniffen einsprach. Hierdurch war der Stand der Verbäliniffe der Genoffcnschast von allen drei Angeklagten unwahr dargestellt. Die Unzuverlässigkeit dcS FingerabdnickshstemS anerkannt. Vor dem OberkriegSgericht in Dresden gelangte am Freitag «in Fall, der auf die Zuverlässigkeit des Fingerabdrucksystems ein wenig günstiges Licht warf, zur Verhandlung. Es handelte sich um Feststellung des TärerS in einem Diebstahl, der in der Verkaufs- stelle des 1. Bataillons des 2. Grenadierregiments Nr. 101 verübt wurde, und zwar durch Vergleich der Fingerabdrücke. Voin Militär- g e r i ch t war der Grenadier M. als Täter zu 0 Monaten Ge- fängniS und Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten- standes verurteilt worden. In der Verkaufsstelle befand sich eine Geldkassette mit einem Betrage von 220 Mark. Am Morgen des 12. Oktober vorigen Jahres wurde wahr- genommen, daß das Fenster in der EingnngStür oben zerbrochen, in das Lokal eingedrungen und die Kassette mit dem Getde gestohlen worden war. Die sofort eingeleiteten Erörterungen blieben xesiillat los, bis ein Verfahren eingeleitet wurde, das zur Entdeckung des Täters führen sollte, und zwar daS Vergleichen der Fingerabdrücke. Auf der zerbrochenen Fensterscheibe waren nämlich vom Kriminal- gendarm Richter Fingerabdrücke bemerkt worden, die nur von dem Täter herrühren konnten. Auf Grund der Tatsache, daß die sogenannten Kapillarlinien auf der inneren Seite der menschlichen Hand sich nicht ändert, von der Wiege bis zun. Grabe und es nickt zwei Menschen gibt, die dieselben Kapillarlinien oiisiveisen, wurden nun bei mehreren Kompagnien des Regiments Untersuchungen in dieser Richtung vorgenommen und diese führten zu der Eiildeckung, daß die Fingerabdrücke deS bereits genannten Grenadiers identisch seien mit jenen auf der zerschlagenen Feiisterscheibe, weshalb er ver- haftet und später vom Militärgericht zu der schon erwähulen Strafe verurteilt wurde. Gegen dieses Urleil legte der Grenadier Be- rufung vor dem Oberkriegsgericht ein. In der Verhandlung am Freitag hoben seine Vorgesetzten hervor, daß er ein stiller, ein- gezogener und sparsamer Mensch sei, der sich auch durch keinerlei auffällige Ausgaben verdächtig gemacht habe. Der Kriminalgendarm Richter, der die Fingerabdrucke verglichen hat, führte in, Gerichtssaale das System an der Hand von Lichrbilddarstellungen vor und erklärte eingehend das Wesen des Systems. Als Sachverständiger bekundete er, es sei ausgeschlossen, daß die Fingerabdrücke von einer anderen Person herrühren können als von dem Grenadier. Nicht weniger als 7öS Personen seien seit der Einsührnng des Systems dadurch er- inittelt worden, die den Behörden gegenüber falsche Namen an« genommen hatten, 19 Personen wurden wegen Diebstahls ermittelt, ebenso neun Tote, die aufgefunden wurden und ohne jegliche Legiti- malionspapiere waren. Der ebenfalls als Sachverständige ver- nommene Stabsarzt des Regiments erkläne, daß es wohl außer dem Bereiche der Möglichkeil stehe, daß Finger- abdrücke verschiedener Personen einander gleich oder ähnlich sein können. Wissenschaftlich sei das System vollständig begründet. Die Verteidigung stellte die Berlässigkeit des Systems der Finger- abdrücke in Zweifel. Diesem Versahren seien bereits andere voran- gegangen, die nach einigen Jahren wieder fallen gelaffen wurden. ES wäre doch möglich, daß die Fingerabdrücke zweier Personen einander gleichen könnten und es kämen hier Momente hinzu, die das System in keiner Weise unterstützen. Nach kurzer Beratung ver- kündete der Verbandlungsleiter ein freisprechendes Urteil. Es müsse, so wurde in der Begründung ausgeführt, dahulgestellt bleiben, ob das System der Fingerabdrücke wirklich so verläisig ist, daß unzweifelhaft der Täter durch dieses ermittelt werden kann. Der Verdacht, daß der Grenadier die Tat verübt habe, werde aber in keiner Weise unterstützt. Die übrigen vor- gebrachten Momente sprechen vielmehr gegen die Täterschaft. Hus der frauenben>egung. (Sie die Arbeitgeber die Arbeiterschntzbestimmungen umgehen. I» den Steinbrüchen in der Umgegend von Meißen werden vielfach, obgleich die Frauenarbeit in Steinbrüchen gesetzlich verboten ist, Frauen beschäftigt. Vor dein Meißener Schöffengericht war eine Reihe von Stein- hruckbesitzer» deswegen unter Anklage gestellt. In dem einen Falle handelt eö sich um den Transport und daS Verladen der Steine. Die Unternehmer bestritten, die Tatsache der Beschäftigung von grauen nicht, erklärten aber, die Schichtführer hätten gegen eine beftinimte Pauschale auch das Ein- und Abladen übernommen. ES erfolgte tatsächlich Frcispnlch. In einem zweiten Falle, der allerdings zur Verurteilung führte, tag die Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen noch drastischer vor Augen. Da hatten die Steinbruchbesitzer mit den Ehemännern der beschäftigten Frauen Scheinverträge geschloffen, indem sie an diese die Steine verkauften, und, nachdem diese von den Frauen verarbeitet waren, wieder zurück- kauften. Selbst dem Vorsitzenden war das zu bunt. Er meinte ironisch: Die Arbeiterfamilien kauften doch keine Steine, um ihre Wohnungen damit auszupolstern. Die Angeklagten erhielten, zunial auch schon eine oberlandesgerichtliche Eulscheidung über die Un° gültigkeit solcher Schciuverlräge vorlag, die horrende Strafe von 30 Mark. ES ist kaum anzunehmen, daß solche Freisprechungen oder so geringe Strafen die Unternehmer von der ungesetzlichen Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft abhalten werden. Die Frauen erhielten für die schwere Arbeit 20 Pfg. pro Stunde! Der Wöchnerinnenschutz in dem Gesehentwurf für Sozial- Versicherung in Oesterreich. Der energischen und zielbewußten Propaganda der sozialdemo- kratischcn Partei, besonders der sozialdemokratischen Frauen, ist eS zu verdanken, daß sich die Regierung bei Ausarbeitung des neuen Krankenversicherungsgesetzes auch an die Wöchnerinnen er- inncrte. Die Frauen bringen ihre Kinder nicht für die Familie, sondern für die Gesellschaft zur Welt und diese hat daher die Verpflichtung, für die Frauen in den Zeiten der geminderten Er- werbsfähigkeit zu sorgen, die Schwangere und die Wöchnerin zu unterstützen. Wie vieles, so ist auch der Wöchnerinnenschutz der Regierungsvorlage nur ein teilweiser Fortschritt, dem noch viele Mängel anhaften. Bisher hatten die Wöchnerinnen das Recht, 4 Wochen nach der Entbindung daS Krankengeld in gewöhnlicher Höhe zu beziehen. Dies soll nun dahin geändert werden, daß den trauen nicht mehr das einfache, sondern das anderthalbfache rankengcld gewährt wird, jedoch auch weiterhin nur durch vier Wochen. Die von den sozialdemokratischen Frauen Oesterreichs ge- forderte Verlängerung der Schutzfrist auf 6 Wochen, ist nicht vor- gesehen. Eine sehr wichtige Bestimmung enthält das neue Gesetz, denn es schreibt vor, daß nicht nur jene Kasse, bei der die Frau b«i der Entbindung versichert ist, sondern alle Krankenkassen, bei denen sie während der Schwangerschaft versichert war, die Ent- bindungS- und Unterstützungskosten tragen muffen, die �dann eventuell aufgeteilt werden. Diese Bestimmung ist vor allem deS- halb wichtig, weil heute in Betrieben, wo BetriebSkrankenkaffen sind, um die Entbindungskosten zu ersparen, schwangere Frauen in den letzten Monaten entlassen werden. Dies entbindet nach den neuen Bestimmungen die betreffende Kasse nur teilweise von den Kosten und derartige Kündigungen dürften nicht mehr vorkommen. Eine andere, ebenso wiebtige Bestimmung fehlt leider, nämlich daS Kündigungsverbot für Wöchnerinnen. In Zeiten der Wirtschaft- lichen Krisen, wenn Mangel an Arbeit herrscht, kommt es sehr häufia vor, daß der Arbeiterin, wenn sie nach 4 Wochen zur Arbeit zuruelkehren will, erklärt wird, es gäbe keine Arbeit mehr. Die Frauen fürchten sich deshalb sehr oft zu Hause zu bleiben und zieben sich durch zu frühe Arbeitsaufnahme lebenslängliche Krank» heiien zu. Das Gesetz müßte hier bestimmen, daß die Arbeiterin während dieser Zeit nicht gekündigt werden darf, damit sie in Ruhe ihre Gsnening abwarten kann.— Einen Rückschritt, der vielen Frauen schlvercn Schaden zufügen kann, enthält jene Be- stimmung, daß nur solche Frauen die Vorteile einer Wöchnerinnen- Unterstützung genießen sollen, die durch 6 Monate der Krankenver- sicherung angehören. Kerne Frau wird in den Zeiten der Schwangerschaft arbeiten, wenn sie nicht muß. Wenn der Gesetz. entwurf diese Bestimmung damit begründet, daß oft Frauen gerade in den letzten Monaten der Schwangerschaft eine Arbeit annehmen, so sind dies getviß Frauen, die die Not dazu treibt. Diesen aber die Vorteile eines Wochnerinnensckmtzes zu entziehen, wäre Barbarei. Je mehr Frauen dieser Hilfe teilhaftig werden können, um so bester. Schutz der Mutter ist Schutz des Volkes. Gerade hier dürfen kleine fiskalische Sparsamkeiten nicht den Wert der Versicherung schmälern. Die Mängel, des Gesetzentwurfes müssen von dem Parlament ausgemerzt werden und die sozialdemokratische Fraktion wird ihnen ihre Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Doch auch die Frauen müssen sich um diese Sorgen kümmern und der Oeffentlichkeit immer wieder durch eine lebhafte Propaganda, die Pflicht der Ge- sellschaft, für die Mutter zu sorgen, zum Bewußtsein zu bringen. Die Frauen müssen ihre Forderungen selbst verteidigen, nur dann werden sie dieselben durchsetzen, Sozialistische FrauenstimnirechtSpropaganda in England. Den englischen Frauenrechtleriimen ist der Gedanke, daß ein allgemeines Wahlrecht auch ihre Dienstmädchen, Scheuerfrauen und Näherinnen als gleichberechtigte Bürgerinnen an die Urne führen würde, unerträglich. Ihr Kampf gilt deshalb der Limited Bill, dem beschränkten Dameuwahlrecht, das die Vorrechte ihrer Klasse noch bcträchllich vermehren würde. Nur die Frauen sollen ans Grund der Limited Bill wählen dürfen, die einen bestimmten Besitz nachweisen lönnen. Die Arbeiterklasse hätte von einem solchen Wahlrecht nicht nur keinen Vorteil, sondern die Macht der herrschen- den Klasse würde dadurch so gestärkt, daß auf absehbare Zeit an eine Demokratisierung deS Stimmrechts nicht zu deiiken wäre. Diese einfachen und klaren Gesichtspunkte werden leider von der S. L. P., der Unabhängigen Arbeiterpartei, nicht geteilt. In einer unbegreif- lichen Verkcnnung der Tatsachen hat diese sozialistische Organisalion deren Führer Keir Hardie ist, sich für die Limited Bill der SuffragetteS einfangen lassen. In str'kteni Gegensatz zu dieser parteipolitischen Jntoiisequenz steht die Auffassung der Labour Party, der großen Arbeiterpartei und der S.D.P.. der Sozialdemokratischen Arbeiter- parrei, welche die Adnlt Suffrage Society, die allgemeine Wahlrechts- Vereinigung der englischen Parteigenossinnen, in ihrer Forderung der sofortigen Einführung des allgemeinen Wahlrechts für beide Geschlechter tatkräftig unterstützen. Die Adult Suffrage Society hielt— wie„The Woman Worker" berichtet— kürzlich ihre Jahresversammlung ab. Genossin Bondfield, die bisherige Präsidentin der Vereinigung, legte den Vorsitz nieder und an ihrer Stelle wurde Mr. I. Macpherson gewählt. Nach einer langen und sehr lebhaften Debatte einigte man sich auf folgenden Beschluß: Die Vereinigung erklärt die Befolgung konstituttoneller Methoden und eine unermüdliche Aufklärungsarbeit unter Männern und Frauen als unerläßlich für die Erringung des allgemeinen Stimmrechts. Im Hinblick auf die Erklärung des Premierministers, daß die Regierung geneigt sei. in der Frage der Einführung frei- heillicher Wahlreformen auf demokratischer Basis ihren Einfluß geltend zu machen, ist die Versammlung der Ansicht, daß für die allgemeine Wahlrcchtsvereinigung die Zeit gekommen ist, wo eine starke und rührige Propaganda im ganzen Lande unverzüglich mS Werk gesetzt werden mutz. Gelingt eS den aus dem Boden deS allgemeinen Wahlrechts stehenden sozialistische» Organisationen, eine einheitliche, machtvolle Volksbewegung zugimsten der demokratischen Wahlrechtsforderung zu entfesseln, so würde sie die Regierung zwingen, von wohl- wollenden Erwägungen zur Initiative überzugehen und allen Männern und Frauen deS englischen Volkes die polttische Gleichberechtigung zu verleihen.________ Mocden-Splelplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Das Rhewzold. Montag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Sardanapal.(Anfang 8 Uhr.) Mittwoch: L>a Iisviot«. Donnerstag: Siegitted.(Ans. 7 Uhr. Freitag: Bajazzi. Versiegelt. Sonnabend: Carmen. Sonntag: tSöiterdäminenilig. sAnsang 6'/, Uhr.) Montag: Mignon.'' (Ans. 10 Uln.) glücklichste Zeit. glücklichste Zeit. glücklichste Zeit. Die Die Ein Könkgt. Schauspielhaus. Sonniag: MrS. Dot. Montag: Die OuitzowS. Dienstag: Mrs. Dot. Mittwoch: Agnes Bermaiier. Donnerstag: Der Schlagbaum. Freitag: MrS. Dot. Sonnabend: Die Rabensteinerin. Sonntag: Mrs. Dot. Montag: Der Schlagbaum. NeneS königl. Operu-Dheater. Sonntag: Mignon.(Auf. Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Revolution in Kräh- Winkel.(Ansang 7'i, Uhr.) Dienstag: Was ihr wollt.(Anfang 8 Uhr.) Mittwoch bis Montag, 2S. Januar: Revolution in Krähwinkel.(Ansang T/t Uhr.) Deutsches Theater.(Ka m m erfp i ei e). Sonntag: Der Graf von Gleichen. Moniag: Der Arzt am Scheidewege. DIenSlag: Der Gras von Gleichen. Mittwoch: John Gabriel Bor.'nian. Donnerstag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: I-a Gioconda. Sonnabend: La donna del Karo. Sonntag: Der Graf von Gleichen. Montag: La donna dol Karo.(Ans. 8 Uhr.) Leffing-Theater. Sonnlagnnchmsttag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. AbenVS; Der König. Montag bis Donnerstag: Der Konig. Freitag: Der Bund der Jugend. Sonnabend und Sonntag: Der König. Montag: Die Stützen der Gesellschast.(Ans. 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotü. Abends: Einer von unsere Leut'. Montag bis Mittwoch: Einer von unsere Leut'. Donnerstag: Herodes und Marümme. Freitag bis Moutag: Einer von unsere Leut'.(Ans. 8 Ubr.)..... Neues Theater. Sonntag bis Donnerstag: Israel.(Ans. 8 Uhr.) Freitag: Die fremde Frau.(Aus. 7'/, Uhr.) Sonnabend bis Montag: Die fremde Frau.(Ans. 8 Uhr.) Neues Tchauiplelhaus. Sonntag: Julius Cäsar. Montag: Faust. (Ans. Tl, Uhr.) Dienstag: Rabagas. Mittwoch Weh' dem, der lügt. Donnerstag: Julius Cäiär. Freitag: Rabagas. Sonnabend: Iphigenie aus TauriS. Sonntag: Julius Cäsar. Montag: Die Sünde.(Alts. 8 Uhr.) Kleines Theater, sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2X2— 5. Abends Bis Montag: Moral(Ans. 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Tiefland. OTiendZ und Moniag: Zaza. DienSmg: Tiesland. Mittwoch und Donnerstag: Zaza. Freitag: HossinannS Erzählungen. Sonnabend»ind Sonntag: Zaza. Montag: Tiefland.(Ans. 8 Uhr.) Refldenz-Thearer. Sonntagnachmiltag 3 Uhr und Allabendlich: Kümmere dich um Amclie.(Axif. 8 Ubr.) Hebbel> Theater. Sonntag: Frau Marrens Gewerbe. Montag: Erde. Dienstag: Frau Warrens Gewerbe. Mittwoch: Der Liebhaber. Donnerstag bis"Montag: RevolulionShochheit.(Ans. 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Der Satyr.(Ans. 8 Uhr) Neues Operetten- Theater, sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Opernball. Allabendlich: Die Dollarprinzessin.(Ans. 8 Uhr.) LiistipiellmuS. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Panne, ü vends: Die glücklichste Zeit. Moniag: Die deutschen Kleinstädter. Dienstag: Redoutc. ...... Mittwoch: Die deutschen Kleinstädter. Donnerstag: Die Freitag: Die deutschen Kleinstädter. Sonnabend: Sonntag: Die deutschen Kleinstädter. Montag: W>�W(Ans. 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Walzertraum. Allabendlich: Der tapfere Soldat.(Ans. 8 Uhr.) Schiller- Theater«. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volks- seind. Abends: Charleys Tante. Montag: Der Gras von Charolais. Dienstag und Mittwoch: Komtesse Guckerl. Donnerstag: Charleys Tante. Frestag: Das Opferlamm. Sonnabend: Komtesse Guckerl. Sonntag: Charleys Tante. Montag: Komtesse Guckcrl.(Ans. 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotteuburg« Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Julius Cäsar. Abends: Maria Stuart. Montag: Vater und Sohn. Dienstag: Charleys Tante. Mittwoch: Ein VoUsseind. Donnerstag: Komtesse Guckerl. Freitag: Die Zwillmgsschwcster. Sonnabend: Charleva Tante. Sonntag: Monna Vanna. Montag: Charleys Tante.(Ans. 3 Uhr.) Frirdrich-WilhelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 8 Uhr: Der gehörnte.Siegsried. Siegstiegs Tod. Abend'. Montag und Dienstag: Husarenfieber. Mittwoch: Im weißen Röhl. Domicrstag: Husaremiebcr. Freitag und Sonnabend: König Christian U. Sonntag: tzumreusieber. Montag: König Christian II.(Ans. 8 Uhr.) Thalia-Thearer. Sounlag: Nachmittags 3 Uhr: Der Veilchenstesser. Allabendlich: Meister Tutti.(Ans.» Uhr.) Luisen-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Sonnenwendhos. Abends, Montag und Dienstag: DaS Mädchen aus Irrwegen. Mittwoch: Der fliegende Berliner. Donnerstag: Die Ehre. Freitag: Das Mädchen aus Irrwegen. Sonnabend: Der fliegende Berliner. Sonnlag: Das Mädchen aus Irrwegen. Montag: Der Mann mit den vier Frauen. (Ans. 8 Uhr.) Bürgerliches SchanlplelhaiiS. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Fräulein Doktor. Montag: Die Jüdin von Toledo. Dienstag: Fräulein Doktor. Mittwoch: Wilhelm Tell. Donnerstag: Die Goldgrube. Freitag: Der KönigSleuwant. Sonnabend.: Großes Alpensest Sonntag: Die Goldgrube. Montag: Fräulein Doktor.(Ans. 8',. Uhr.) Berliner OPeretten-Theater SW. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Die Grille. Abends und Montag: Die Tochter des Herrn Faoricius. Von Dienstag bis Montag: Das Himmelbett.(Ansang L>/„ Sonntags 8 Uhr.) Gastspiel-Thcater. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Drahtlose Tele- graphie. Abends: Der Pscnnigreiter. Montag: Zaza. Dienstag und Mittwoch: Demimonde. Donnerstag: Der Psennigreiter. Freitag: Zaza. Sonnabend und Sonntag; Der Psennigreiter. Montag: Unbestimmt. Bernhard Rose> Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Brüdciieiii sein. Montag: Die Entgleisten. DicnStag: Brnderlcin sein Mittwoch: Die Räuber. Donnerstag: Einjährig-Unfreiwillig. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Brüderlein fein. Montag: Einjährig-Unstelwillig.(Ans. 8 Uhr.) Falles Gnprice. Täglich: Scrvus Pschefina. Der lustige Ehemann. (Ans. 8'U Uhr.) Gnsino. Theater. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert. Abends und von Montag bis Donncrslag: Die Diannbäder. Freitag bis Montag: Rußland.(Ans. 3 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Theater. Allabendlich: Die beiden Bindewands. (Ans. 8 Uhr.) Meiropol> Theater. Allabendlich: Donnerwetter— tadellos. (Ans 8 Uhr) Wintergarten. Sonntagnachmiltag 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäte». Äpollo-Tbeater. Somitag: Nachmittags 8'/, Uhr: Ewr lustige Spreewaldsahrt. Allabendlich: Onkel Casimir. Spezialitäten. Paiiage-Thearer. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Watdalta-Thoaler. Allabendlich: Spezialitäten. Palast.Tdeater. Allabendlich: Spezialitäten. Reiedslialle», Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Behrens- Theater. Allabendlich: Spezialität:n. Sternwarte, Jnvaiidenitr. 57—62. Donnerstag: Geschlossen. Carl Haverland-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Spezlafl. taten. Allabendlich: Spezialitäten. Nraiila-Theater. Taiibeiijuaßc 48/49. Sonntag und Montag: Sizilien. Dienstag und Donnerstag: Eine Niliahrl bis zum zweiten Katarakt. Mittwoch: Sizilien. Freitag: Reiseerlebnisse der Zrittralasrlka-Er.vedit:on. Sonnabend und Soimlag: Von Abbazia nach Korfu. Montag: Unbestimmt -Ansang 3 Uhr.) Freie Jugendorganisation. Abteflung II. III und XIII. Henkt nachmittag'/� Uhr in ObigloS Fefssäten. Schwcdtcrstr. 23(kleiner Saal): GemcilischisUichc Versammlung mit Vortrag. Lese- und TiSkittierklnb»Moabit". Montag, den 18. Januar, abends 9 Uhr, bei Dachstein, Ealzwcdcler Straße 16: Sitzung. TagcS- Ordnung: Vortrag des Genossen Schulz über: Weltanichauung. Nebenschc Kranken, und Lterbokasse Nr. ö. gegr. 1795. Heute 2 bis 7 Uhr Zahl, und Ansnahmetag. Nachdem Generalversammlnug bei Roewer, Elijabethlirchstr. 14. Wltieruugsuversteht vom 16. Januar Isttig. morgens 8 Uhr. Stationen II KZ damtnro BerNr: Franks. a M Nüncheu W>en Wetterprognose für Sonntag, den 17. Jannar 1909. Zunächst etwas wärmer, zunehmende Bewölkung mit Niederschläge» und lebhasten südwestlichen Winden; später wieder ausklarend. Berliner Wetter bureall. tavaranda 749 SO eterSburg 754 SO Scillv 759 W Iberdeen l73KSW Barts �757SW Wetter *£ P*ß q-N % W lO 4 bedeckt i— 7 2 bedeckt— 4 6 bedeckt- 6 2 heiter—1 3 wölken! 4 Nr. 14. 26. Jahrgang. 5. Mip kt Jotmirts" Itrüntt Sfliititflg, 17. Iaimr 1909. Hua Induftric und Handel. 1 Profitmacherei auf Staatskosten. Kürzlich kam die Meldung von der Gründung eines großen EIcktrizilätZwerkes im ostfriesischen Hockimoor. Diese Gründung ist von großer Bedeutung, da sie die erste großkap>tatlsti>che Aus- beutung der riesigen deutschen Moorflachen darstellt Bon diesen entfallen g.©. aus Preußen allein L'/z Millionen Hektar, aus Baden 30 000, aus Bayern 7ö 000 Hektar. Diese riesigen Moor flächen konnten OiS jetzt mir zum geringsten Teile unrer Anwendung hoher Kosten der Landwirtschaft zugängig gemacht werden, und zwar in der Weise, daß die Torsdecke durch Sandbeschültung und Zuführung künstlicher Düngemittel urvar ge- macht wurde. Seit Jahren werden dagegen im Auslände die Moorflächen anders ausgenutzt. Nach einem besonderen System wird der oberflächlich getrocknete Torf vergast! das gewonnene Kcaftgas dient zum Betriebe von Großgasmoloren, die aus diese Art eine elektrische Energie liefern, die jede Konkurrenz gut aushält. Dazu kommt noch der Gewinn für die Düngerindustrie wertvoller Nebenprodukte. In tOOO Kilo Torsiiiaffe befinden sich 30 Kilo schwefelsaures Ammoniak und 7500 Kubikmeter Kraftgas. Mit dieser Gasmenge werden in der Großgasmaschine 600 f. S. geleistet. Der Bau eines Elektrizitätswerkes im Auricher WieSmoor. einem Teile des 25 000 Morgen großen Königsmoors, stellt den ersten Schritt Deutschlands aus dem Wege der Ausnutzung dieser günstigen Naturkräste dar. Zuerst soll damit begonnen werden, einen größeren Teil der ostfriesischen Hochmoorflächen. die den dritten Teil des ganzen Regierungsbezirks Aurich ausmachen, planvoll zur Kultur zu bringen. Die dabei notwendige Schaffmig von künstlichen Verkehrswegen. Wasierstraßen, erfolgt durch elektrisch ist der Slraßentrace vorwärts getriebene Nieienpflüge. Das so gewonnene Moor wird in zwei ebenfalls elektrisch be- triebene Torfpressen gebracht und nach oberflächlicher Trocknung als einziges FeuerungSmaterial zur Vergasung für die Großgasmotoren der Zeiilrale verwertet. Mit dieser Kraft soll nach Fertigstellung des Werkes die ganze Umgebung bis 50 Kilometer im Umkreis mit Licht und Kraft ver- sorgt werden. So alle Städte des Regierungsbezirks Aurich: Altrich. Emden. Elsen. Leer, Wilhelmshaven, Norden und Wittmund. Es bedeutet die Gründung des Werkes nicht die schon so oft geforderte planvolle Kultur der riesigen Moorflächcn durch die Regie- amg. ES sind die Siemens- u. Schuckert-Wcrke. die in der Zentrale sich nicht nur einen neue» Auftrag, sondern auch für 75 Jahre vom FiskuS die ungestörte Ausbeutung derselben gesichert haben. Wenn nicht alle Zeichen trügen, werden' die Moore schon wegen des Ge- Halts an Ammoniak und ihres hoben Wertes für die Landwirr- schaft. neben der Wasserkraflverweriung, im kommenden halben Jahrhundert ausschlaggebende Eneigielieferanten werden. Da stellt es eine drastische Beleuchtung der wirtichastlichen Weitsicht der preußischen Regierung dar. daß sie auch hier wieder der privaten Großindustrie eine neue zukuuftsreiche Industrie zm Ausbeutung überläßt, und das gleich auf dreiviertel Jahrhundert Registratur. Im inodernen Wirtschaftsleben gehört heute, selbst für wenig umfangreiche Unternehmen, eine praktische Registratur zu »dem Werkzeug, das die halbe, oft noch einen viel größeren Anteil der Arbeit bedeutet. Der redaktionelle Zeitungsbetrieb erfordert um- fassende Materialsammlung, die ohne entsprechende Registratur auch wieder nur beschränkten Wert hat. FabrikationS- und HandelSunter- nehmen bedürfen, besonders bei tveitverzweigten Geschäfts« Verbindungen, gut stmklionicrender Registraturen für ihre Korrefpon- Venz, teilweise auch für Warenproben. Mangels übersichtlicher Registratur, wenn vorausgegangene Briefe, Warenproben usw. nicht stets zur Hand oder bei eventuellem Bedarf überhaupt nicht mehr vorhanden sind, kann oftmals ein in Aussicht stehendes Geschäft nicht abgeschlossen werden, oder man geht ungünstsgere Bedtngungen ein, als notwendig gewesen wäre, hätte man sich' auf frühere Angebote und so weiter berufen können. Zweifellos dient eine gute Re- gistratur auch zur Erleichterung der Abrechnungen und schützt vor unberechtigten Ansprüchen. Aber die Frage: wie soll eine Re- gistratur eingerichtet werden? ist nicht leicht beantwortet. Aus diesem Gebiete fehlt �eS meist noch an Erfahrungen, und die An- sprüche und Bedürsnifle sind sehr mannigfaltig. Dem individuellen Geschick, daS den jeweiligen Erfordernissen sich anzupassen versteht, ist da ein weiter Spielraum gelassen. Die Beschreibung der modern eingerichteten Registratur einer Welrfirn:a. die von ihrem Schöpfer, W. SoberSki, in der Zeitschrift.Organisation' veröffentlicht wird. kann jedoch für Neueinrichtungen als Grundlage dlenen. Jedenfalls findet man hier gute Anregung, wie solche Einrichtung beschaffen sein muß, soll sie ihren Zweck erfüllen. Ueberzeichnct. Die Subskription auf nom. 10000000 Mark 4proz Teilichuldverschreibungen der Gesellschaft für clekrrische Hoch- und llnlergrundbahnen in Berlin ist wegen starker Ueberzcichnung sogleich nach Eröffnung geschloffen worden. Amerikanische Eisenbahnen. AuS Ottawa wird gemeldet: Präst- dent Shaughnesiy von der Eanadicm Pacific-Eisenbahn bezeichnet eS als zptreffend, daß die Verhandlungen mit der MinneapoltS St. Paul-Sault Ste. Marie-Eisenbahn wegen Ankaufs dieser Bahn bereits ziemlich weil vorgeschritten sind.— Man ist hier der Ansicht, daß die Canadian Pacisic-Bahngesellschaft über die Mehrzahl der Aktien der vorgenannten Bahn verfügt. Die Leidtragenden. Aus London berichtet unterm 16. Januar W. T. B.: Da die schottischen Eisenbahnen vom 1. Februar d. J. an ein Liegegeld zu erheben beabsichtigen, so sind die schottischen Stahlfabrikbesitzer, um ihre Betriebe von diesem Tage an gegebenen- falls zu schließen, übereingekommen, ihren Arbeitern»nilzuteilen, daß ihre Arbeitsverträge mit diesem Tage endigen werden. Folgen des neuen Patcntgcsclies. ReuterS Bureau meldet: London, 16. Januar. Infolge des neuen PatentgefetzeS ist eine Bmifinna beauftragt worden, Pläne für die Errichtung großer Fabrikgebäude in Flinl zur Produktion von Patcnt-Kunstfeide(Patent Luftre Silk! durch eine deutsche Firma zu errichten. Die Kosten des Baues werden auf ungefähr 50000 Pfd. Sterl- veranschlagt Die Industrie wird eventuell etwa 1000 Arbeitern Beichästigung geben Vermischtes. Ei« ueues Grubenunglück in Ungar«. Wie eine Meldung aus Budapest besagt, erfolgte im Mnascr» Schacht, der vsterreich- ungarischen Staatsbahn-Gesellschaft gehörend, Ivo erst dieser Tage durch eme Grubcnkatastrophe etwa 20 Personen, nach anderer Angabe über 60 Personen umgekommen sind, gestern nachmittag eine weitere Explosion. Bis gestern abend wurden 15 Leichen geborgen. Viele Schiver- und Leichtverivundete wurden ans Tageslicht befördert. Es sollen sich noch viele Tote im Schacht befinden. Der Grubenbrand nahm derartige Dimensionen an. daß die Behörde die Schließung des Schachtes anordnete, da die weiteren Rettungsarbeiten keine Aussicht aus Erfolg haben. Bor der Grube spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Weiter wird ans Budapest gemeldet: Der Brand in der Kohlengrube Ajka ist gelöscht. Im ganzen sind 55 Bergleute tot, die übrigen konnten gerettet werden. 13 in dem Bergwerk be- schästigte Kinder konnten sich durch einen 7 Kilometer langen Seiten« stallen retten. Eiue folgenschwere Explosion. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, fand aus bisher unaufgetkärter Ursacke in einer dortigen Mine eine Explosion von Sprenggelatine statt. Sechs Farbige wurden getötet, neun Weiße und fünfzehn Farbige verwundet. 18 Personen getötet. Nach einer Meldung aus Denver(Tolorado) wurden bei einem Zusammenstoß eines Eisenbahnzuges der Denver- und Nio-Grande-Eisenbahn mit einem anderen Zuge, der gestern abend bei GlaSwood Springs erfolgte, 18 Personen getötet und 30 verletzt. Vermißte Tonristen. Nach einer Meldung aus Innsbruck werden drei Touristen aus Feldkirch, die eine Skitour nach der Lindauerhütte unternommen haben, vermißt. Eine vorgestern zur Suche ab- gegangene Rettungsexpedition ist unter eine Lawine geraten. Zwei Teilnehmer wurden verschüttet: einer wurde gestern lebend geborgen, während der andere tot ist. Even Hedin, der bekannte Forscher Asiens ist, wie eine neue Mel« dung aus Stockholm besagt, gestem dort eingetroffen. Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marttdalleu-Direttion über dm Grogbande! in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhl schwach. Geschös! still, Vreiie unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Gelchäst ziemlich rege. Prelle wenig verändert. Geflügel: Zuiuhr reichlich, Gelchösl nicht lebhast genug. Preise nicht bestiedigend. Fische: Zusuyr dem Pcdarj entsvrechend, Gelchäst vielsach schleppend, Karpfen wenig gefragt, Preise ohne wesentliche Aenderung, Butter und Käs«: Geschajt ruhig. Prelle unverändert. Gemüse, Obll und Südsrüchtr: Zu« sub,«mügend. Geschäft sehr still. Prelle gedrückt Baste ßetlenlüllnng tmd btt vorzüglich füUmben, lehr «lo stilchen, echt chmestich«» Monspoldsunsn (gefchl gelchüpt» Pfand 3J?f. S,S». 3—4 Pwnb geniigen j. gr, ObcrbctJ. v-rs. gcg. Nochnah-ie. Verpackung frei. 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Treptow: 215/2* N. Gramenz, Kiesbolzstr. 412. Vkrantivortl. Redakteur: Carl Kcrmuth, Bcrlin-Rixdorf. Für den Injeratcnteil verantw.: Th. Glocke, Sorlin. Druck u.Vcrlaa: Vorwärts Buchdruckcrci u. VcrlagSailstalt Paul Singer L- Co., Berlin SW.