Kr. 20» ibomwmente'Bedlngnnsen: SksnntmeiüS- Preis ttbamnanbo? Werieljähii. 3�0 Mi„ monotL 1,10 Mk, wilbentlich 28 Psz. frei WS Haus, »wjewe Nummer S Pfg. ErnmlagZ.' «Ummer mil illuftriericr EomuagS» Vellage.Die Neue Well' 10 Pfg. PasI» «ionnemenl: 1,10 Mari pro Monat. «mgerrageo w die Poft.geitungS» vreiSItfle. Unter Kreuzband für Deutlchland und vesierreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige UuSIand 3 Mark pro Monat. vostabonnementZ nehmen Selgien. Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, «iMünien. Schweden und die Schwei» «cht,««KV»«i» iditaat. 20. Jahrg. Vevlinev Volksblatt. 2entralorgan der Poz» aldcm okrati fchen partci DeutPchlands. Die InfertlonS'GebQbr belrSgl für die lechSgespaltciie liolone!« geile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerlichaflliche Vereins- und VersammlungS-Unzeigen 30 Pfg. �Kleine Snoeigen", das erste sfett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellcngefuche und Schlaf- itellen-Anicigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Won S Pfg. Worte über 10 Buchstaben zählen iür zwei Worte. Fnlcrate für die nächste Nummer müssen bis S Udr nachmittags in der Expedition �gegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr-dendS gcvfsnet. Telegramm> Adresse: „SgziaHUmokrit Rtrlln". Redaktion: SM. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Aernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. iiiiiiMH iwiiiiiMiiniiiiiiiiiini'ftfim'jaaag entrechtete! Huf zum Protest! Segen tflaodatsraub! Legen DreiMaHeoschmach! Steuern zahlen und(Raul halten! „Unsere Zeit ist s o z i a 1 und fordert mit Recht, daß die Minderbemittelten tunlich st geschont und bei Verteilung der Lasten die Leistungsfähigkeit möglichst berück- �sichtigt wird." So Fürst V ü l o w am 19. Januar 1999 im preußischen Abgeordnetenhause. Zwei Tage später hatte die verstärkte Budgetkommission Gelegenheit, zu zeigen, ob es ihr ernst mit der tunlichsten Schonung der Minderbemittelten sei: sie ließ diese Gelegenheit nicht nur ungenutzt vorübergehen, sondern im Gegenteil, nachdem sie sich der Zustimniung der Re° gierung versichert hatte, belastete sie die minderbemittelten Schichten der Bevölkerung mit Steuerzuschlägen, die angesichts des wirtschaftlichen Niederganges und angesichts der vom Reiche geplanten Steuerschröpfung des Volkes doppelt schwer empfunden werden müssen. Mit 27 gegen die eine Stimme des sozialdemokratischen Mit- gliedes wurden die Steuerzuschläge auf alle Einkommen von mehr als 1200 M. an gut- geheißen! Der Beschluß der Budgetkommission bedeutet einen völligen Umsall der bürgerlichen Parteien, vor allem der Linken und des Zentrums. Ursprünglich hatte die Regierung eine Erhöhung des Steuertarifs nur für Ein- kommen von mehr als 7000 M. beantragt. Den: Zentrum und der Linken war diese Grenze zu niedrig, sie wollten die Mehrbelastung im Interesse des Mittelstandes erst bei noch größeren Einkommen beginnen lassen. In besonders scharfer Weise betonte Abg. Dr. W i e m e r diesen Stand- Punkt, als er sich am 31. Oktober vorigen Jahres gegen die von konservativer Seite befürwortete Herabsetzung der pro- zentualen. Besteuerung auf Einkommen bis zu 3000 M. wandte. „Wir glauben," so erklärte er wörtlich,„daß auch bei einer Grenze von 7000 M. solche Kreise des Mittelstandes in Bc- tracht kommen, denen eine Steuererhöhung in diesem Augen- blick außerordentlich schwer fallen würde, und für uns ist die Frage wohl erwägenswert, ob man nicht die Grenze herauf- setzen soll. Gegen eine Herabsetzung würden wir uns entschieden aussprechen müssen." In striktem Widerspruch zu diesen stolzen Worten stehen die Taten des Freisinns, dessen Vertreter in der Kommission für eine Herabsetzung der Grenze sogar bis auf 1200 M. ge° stimmt und damit in gleicher Weise dieJntcressen des Mittelstandes wie die der Arbeiterklasse verraten haben. Ebenso schmählichen Verrat hat das Zentrum geübt, und was das skandalöseste ist, sowohl die Linke als das Zentrum haben sich für ihren Verrat mit einem Judaslohn abspeisen lasten! Für die Linke war die Vorbedingung ihrer Zustim- mung der Verzicht der Konservativen und der Regierung auf die G e s e l l s ch a f t s st e u e r! Tie Aktiengesellschaften und andere großkapitalistische Assoziationen werden geschont, die Arbeiter und der Mittelstand mästen blnten! Etwas höher war der Preis, den sich das Zentrum zahlen ließ. Für diese schlauen Geschäftsleute war die Voraussetzung ihrer Zustim- mung die Annahme eines Antrages auf Aonderung des s 11 des Ergänzungssteuergesetzes, der dahin geht, daß bei der Ein- schätzung von Grundstücken, die dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt find, einschließlich der dazu gehörenden, denselben Zwecken dienenden Gebäude und des Zubehörs der Ertragswert zu- gründe gelegt wird, und zwar gilt als Ertragswert das fünf- undzwanzigfache des Reinertrages, den die Grundstücke als solche nach ihrer wirtschaftlichen Bestimmung bei gemein- üblicher Bitwirtschaftung im Durchschnitt nachhaltig gewähren können. Bei der ersten Beratung hatten selbst die Konscr- tzativen diesen Antrag, der eine Liebesgabe an gewisse agra- rische Grundbesitzer bedeutet, energisch bekämpft, und auch der Finanzminister hatte vor seiner Annahme gewarnt. Infolge- dessen wurde er abgelehnt, aber als das Zentrum ihn zur zweiten Lesung wieder einbrachte und durchblicken ließ, daß eS im Falle seiner Annahme für eine Be- lastung der Arbeiter und des Mittelstandes zu haben sei. da fielen sowohl die Konservativen als auch der Finanzminister um! Schon bei der Generaldebatte zum Etat im Plenum des Abgeordnetenhauses hatte der Finanzminister für das Zu- standekommen des Kompromisses in der Budgetkommission vorgearbeitet. In seiner Erwiderung auf die Rede unseres Genossen Heimann hatte er darauf hingewiesen, daß 8.5 Proz. der preußischen Bevölkerung 66 Proz. der gesamten Einkommensteuer aufbringen, während 52 Proz. steuerfrei und von dem Rest 42 Proz. nur zu Steuern von Einkommen zwischen 900 und 3000 M. veranlagt seien. Der Minister erwähnte jedock) die Belastung des Volkes durch indirekte Steuern überhaupt nicht! Auch einem preußischen Finanzminister sollte es doch nicht ganz unbekannt sein, daß die unteren Einkommen prozentual um ein vielfach Höheres mit indirekten Steuern belastetsindalsdieoberen. So beträgt z. B. nach den Berechnungen von G e r l o f f im Januarheft der Conrad- fchen Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik der Pro- zentsatz. der für Salz, Zucker und Kaffee bezahlt wird, bei den Wohlhabenden nur 0,33 Proz., bei den Annen dagegen 1,47 Proz. des Einkommens, und noch schwerer fällt ins Ge- wicht, daß der Prozentsatz gegen früher bei den Wohlhabenden von 0,47 auf 0,33 Proz. gefallen, bei den Armen dagegen von 0,93 auf 1,47 Proz. gestiegen ist. Aehnlich ist es bei P e t r o- leum. Fleisch, Fett, Schmalz. Ganz besonders kratz aber tritt dies Mißverhältnis bei dem Getreide in Er- scheinung. Selbst tvenn man den Steuerbetrag, durch den die Getreidezölle die Steuerzahler belasten, nur mit 80 bis 100 Proz. des Zollsatzes annimmt, so beträgt er bei einem Einkommen von 4000 bis 6000 M. nur 0,25 bis 0,80 Proz., bei Einkommen von 800 bis 1200 dagegen 1,07 bis 2,14 Proz. des Einkommens, und bei noch geringeren Einkommen erhöht er sich in demselben Maße weiter. Man kann eben in Ländern, in denen das indirekte Steuersystem so ausgebaut ist wie in Deutschland, die Leistungen nicht mechanisch nach den in den Bundesstaaten zu entrichtenden direkten Steuern berechnen. Und noch eins hat der Minister vergessen anzuführen. Mährend 8,5 Proz. der Besitzenden etwa zwei Drittel der Steuern ausbringen, haben noch nicht einmal 8,5 Proz. allein oder doch so gut wie allein das Recht, die gesetzgebenden Körperschaften Preußens nach ihrem Willen zu formen und ihren Zwecken dienstbar zu machen! Fürwahr, ein trauriges Zeichen politischer Einsicht, wenn man es wagt, der rechtlosen Masse, derselben Masse, der man auch in Zukunft ihr höchstes Recht, ihr Wahlrecht, vorenthalten will, immer und immer neue Lasten aufzubürden. Mit Ausnahmegesetzen droht man dem Volke, das seinen Anteil an der Gefetzgcbung fordert daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht verweigert man ihm, niit Hilfe der Polizei und der Gerichte sucht man das freie Worte zu verbieten, und in demselben Atemzuge dekretiert man höhere Steuern! Das ist die Politik der preußischen Gesetzgeber, die Politik, die sich zusammenfassen läßt in die Worte: Stenern zahlen und Maul halten! Charakteristisch ist es, daß es ausgerechnet wieder ein Organ desBlockf reist uns ist, das sich zum wärmsten Verteidiger der Beschlüsse der Budgetkommission auf- wirft. Die„Freisinnige Z t g.", das Organ desselben Herrn W i e m e r, der sich am 31. Oktober entschieden gegen eine Herabsetzung der Grenze für die Zuschläge aus- sprechen zu müssen glaubte, spricht sich heute ebenso ent- fchieden f ü r eine Herabsetzung der Grenze bis auf 1200 M. aus! Das ist der„entschiedene" Liberalismus! Die„Freisinnige Ztg." rechnet aus, daß ein Zuschlag von 8 Proz. bei 1200 M. Einkonimen ja doch nur 60 Pf. ausmacht. Gewiß, aber es fragt sich doch, ob die Zeusiten mit so geringen Ein- kommen nicht bester ü b e r h a u p t steuerfrei blieben. Davon. daß der Zufchlag von 1908 völlig beseitigt ist, haben die Zen- siten keinen Vorteil, denn dieser Zuschlag sollte nur von Ein- kommen über 7000 M. erhoben werden. Wenn also das Frei- sinnsblatt entschuldigend hinzufügt, daß der Zuschlag für 1908 gefallen ist. so begeht es wieder einmal eine absichtliche Irre- führung der Leser. Und wenn es weiter sagt, daß die Zu- fchläge sa nur für drei Jahre gelten, so verschweigt es, daß die Kommission die Regierung ausdrücklich aufgefordert hat, innerhalb dreier Jahre eine organische Neu- ordnung der direkten Staats steuern in Preußen in die Wege zu leiten. Daß eine solche Neuordnung in einer Steuerermäßigung besteht, wird die „Freis. Ztg." wohl selbst nicht glauben. Doch das nur nebenbei. Die Hauptsache ist und bleibt, datz die Regierung und die LandtagSinehrheit ihre Aus- bcutungs- und Unterdrückungspoliti! immer schamloser betreiben und daß sie nicht davor zurückschrecken, selbst von dem armstcu Proletarier Mittel einzufordern znr Aufrechterhaltnng deS KlassenstaatcS und der Klassenherrschaft. Die Beschlüsse der Kommission werden uns eine gute Waffe sein in der bevorstehenden Agitation für die Erringung des allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts, sie werden auch weite Schichten des Mittelstandes, die bis- her den bürgerlichen Parteien HeereLfolgc geleistet haben, in unser Lager hinüberführen, sie werden unö neue Kämpfer gctvinnen helfen. Für die Arbeiterklasse aber kann es nur eine Parole geben: Keinen Pfennig Steuern dieser Regierung, die das Volk bis aufs Blut aus- beutet, die daS Volk um fein heiligstes Recht betrügt, die dem Volke mit neuen Ausnahme- gesehen zu drohen wagt! Hrbeitslos. Arbeitslos 1 Für manchen Lohnsklaven enthält das Wort den Inbegriff maßloser Not. unfaßbaren Elends. Wer am eigenen Leibe verspürte, was es bedeutet, trotz freudiger Schaffenskraft erwerbslos zu sein; wer neben deS eigenen Hungers Qualen auch noch den Schmerz erlitt, Fran und Kinder darben zu sehen» der weiß, welche Schrecken hinter jenem Wort sich bergen. Und Haß gegen diese Gesellschaft?'- ordnung, gegen die Brutalität des Kapitalismus quillt in seinem Herzen auf I Ist solche Gefühlstvallung berechtigt? Ja! Sind die periodisch hereinbrechenden Krisen mit ihren Folgeorscheinungen: Arbeits- losigkeit«nd Massenelend nicht der Ausfluß eines unabänder- lichen, menschlicher Beeinflussung entrückten wirtschaftlichen Gesetzes? Nein! ES sind die Folgen einer widerfmnigcn, kulturfeindlichen Wirtschaftsordnung l Die Quellen der Massen- armut öffnen sich jedesmal nach einer Periode der Hochkon- junktur, einer überspannten Gütererzeugung. Wir werden arm, weil wir zu reich geworden sind I Das klingt paradox, doch es ist die Wahrheit. Die große Masse der arbeitenden Bevölkerung erhielt nicht Lohn genug, um die von ihr erzeugte Gütcnncnge zurückkaufen zu können. Die Konsumkraft ist hinter der Produktivität zurückgeblieben, und darum Armut und Entbehrung bei gefüllten Lägern und gehäuftem Reichtum! Tausende und Abertausende Männer und Frauen irren, vergeblich Arbeit heischend, von Fabriktor zu Fabnktor. Der Kapitalismus, der sonst Kinder, Krüppel und Halbinvalide in den Dienst der Profitmachcrei spannt, wirft nun arbeitsfähige und arbeitswillige Männer und Frauen auf die Landstraße. Er setzt Maschinen füll und läßt Nohmatcrialien unverarbeitet lagern! Welcher Wahnsinn I Millionen Menschen haben nicht genügend Kleidung, um ihre Blöße zu bedecken, und Tausende rüstiger arbcitsfreudiger Proletarier verlangen nach Arbeit. Sie möchten die unge- deckten Bedürfnisse befriedigen, aber der Kapitalismus der- urteilt sie zur Arbeitslosigkeit. In dumpfen, unfreundlichen Behausungen verbringen Millionen Proletarier ihr elendes Dasein. Unter ihren Kindern herrscht ein großes Sterben. In den nassen, dunklen, engen Räumen können die jungen Menschcnpflanzen nicht zur Entfaltung kommen. Die Summe des Wohnungsclends verdichtet sich zu einem Protest, zu einem anklagenden Auf- schrei nach gesunden, Licht und Luft durchfluteten Räumen. Vergebens l Gerade jetzt hält der Sensenmann reiche Ernte. Zu den ungesunden Wohnungsverhältnissen treten in vielen Prolctarierfamilicn die Krankheit und Tod heischenden Wir- kungcn verschlechterter Lebenshaltung: eine Folge der Ein- komniensschmälerung bei gleichzeitiger Nahrungsmittel- teuerung! Und Taufende Bauarbeiter. gern bereit, die fehlenden Wohnungen zu erbauen, schreien vergeblich nach Be- schäftigung l Der Kapitalismus hindert sie, aus den lagernden Materialien auf den freien Plätzen nienschenwmdige Be- hausungen zu errichten. Der Kapitalismus zwingt das arbeitende Volk, in etenden, dumpfen Löchern sein freudloses Dasein früh zu beenden. So will eS die kapitalistische Welt- ordnung l Mit den geschilderten, der Menschlichkeit hohnsprechenden Zuständen ist dieser GesellschaftS- und Wirtschaftsordnung Widersinn nicht erschöpfend gezeichnet. Das zu tun ist über- Haupt im Nahmen eincS Artikels nicht möglich. Aber eine markante Erscheinung muß hier im Zusammenhang doch noch erwähnt werden. Wir haben eine offizielle Sozialpolitik: die Folge sozial- demokratischer Kritik. Nur daS Verdienst der Initiative und der treibenden Kraft reklamiert die Sozialdemokratie. Die Verantwortung für den materiellen Inhalt der Sozialgcsetze muß sie ablehnen, denn gegen ihren Willen haben die bnrgcr- lichen Parteien in Verbindung mit der Regierung mis den Anträgen der sozialdemokratischen Abgeordneten ein im- zureichendes Reformstück ziisammengeschustert. Doch kommt hier weniger die Qualität als die xpendenz der Sozialgesetze in Betracht. Sie zerfallen in zwei Gruppen: Die eine Gruppe umfaßt die vorbeugenden Schutzmaßnahmen, d. h. solche Ein- richtungcn, die die Erkrankungsgcfahr und Unfallhäufigkeit ver- mindern sollen: zu der andern Gruppe gehören die Schutz- Gesetze, bis den Zweck verfolgen, den zeitlich oder dauernd ÄrbeitSunfShtgen. den Kranken und Unfallverletzten, HUfe zu keiften. Daß selbst auf dem letzteren Gebiete unsere Sozial- Politik noch weit zurück ist, beweisen die sozialdemokratischen Forderungen in bezug auf die Kranken-, Unfall- und Jnvalidi- tätsversicherung. Wo nicht gänzliches Fehlen gebieterisch nach Reformen schreit, da klagt Unzulänglichkeit die Gesellschaft an. Geradezu trostlos aber sieht es auf dem Gebiete der vorbeugenden Schuchnmßnahmen aus. Große Arbeiterkategorien entbehren der Schutzgesetze noch vollständig. Die ungehemmte Aus- beutunz der Arbeitskraft von Männern, Frauen und Kindern läßt dse Krankenziffer immer höher anschwellen, und der Mangel ausreichender Unfallverhütungsvorrichtungen sowie gründlicher, umfassender Gewerbeinspektion ist die Ursache einer unheimlichen Vermehrung der Unfallverletzten. Der größte Widersinn der kapitalistischen„Ordnung" liegt jedoch im Fehlen aller sozialen Gesetze, die dem un- freiwillig beschäftigungslos gewordenen Arbeitsfähigen ein Existenzu-ünimum garantiereu. Die bürgerliche Gesellschaft proklamiert für den Proletarier wohl die Pflicht zur Arbeit, aber das Recht auf Arbeit verneint sie und er- klärt sich außerstande, die aufs Pflaster Geworfene» in die soziale Fürsorge einzubezieheu. Der arme Teufel, der, arbeitsfähig und arbeitswillig, vergeblich nm Be- schäftigung bettelt, muß darben. Wenn der Hunger seinen Leib durchwühlt, seine Leistungsfähigkeit und seine Wider- standSkraft gegen moralische und physische Gebrechen rapid yerobmindert, gewährt ihm die Gesellschaft nichts zur Linderung der Not und Qual. Höchstens als Almosen, das die Menschenwürde verletzt, ein paar Pfennige auS der-- Armenkasse l Erst dann, wenn im Kampfe der ausgemergelte Körper des Proletariers aufS Krankenlager sinkt, hat er einen Rechtsanspruch auf Unterstützung. Staat und Gesellschaft erklären sich außerstande, die durch die Krise hervorgerufene Not zu bannen. In den Parlamenten, in den Kommunalverwaltungen führen unsere Genossen einen erbitterten Kampf mit den bürgerlichen Majoritäten, die fast überall mit stoischer, aus dem Sattsein geborener Ruhe alle Anträge, die auf Fürsorge für die Arbeitslosen hinzielen, zu Fall bringen. Man verweist die Arbeitslosen an die Armen- lasse oder geht über die Notschilderungen mit zynischem Lachen hinweg. Mancher Arbeiter macht jetzt am eigenen Leibe alle die bitteren Erfahrungen, die eine Arbeitslosigkeit mit sich bringt. Doppelt bitter, wenn bisher der Ruf der Organisation vcr- geblich sein Ohr erreichte. Denn wa3 die kapitalistische Ge- sellschaft versagt, baS hat teilweise in Selbsthilfe die organi- sicrte Arbeiterschaft mit der Erwerbslosenunterstützung ge- schaffen. Sie bringt den Arbeiter, den das Kapital erbarnnmgslos auf die Straße warf, wenigstens über das Allerschlimmste hinweg. Den Unorganisierten, der aus sträflicher Gleichgültigkeit den An- schluß an die Organisation unterließ, peinigen dagegen Selbst- «orwürfe, weil er sich und den Seinen nicht die Unterstützung ails der Organisation gesichert hat. Aber auch den Verbandsmit- gliedern wird zu Gemüte geführt, daß sie durch Lauheit in der Agitation für die Organisation gegen ihre direkten Jnter- essen sündigen. Erklärlicherweise bilden die den ArbcitSmarkt bevölkernden Beschäftigungslosen, die. unorganisiert, jeder Unterstützung entbehren, für die noch in Arbeit stehenden Be- rufSgenoisen eine ernstliche Gefahr, indem sie diese durch Silliges Angebot von ihren Plätzen verdrängen oder deren Lohn herabdrücken. Je mehr der Schrecken der Krise durch Erweiterung des Kreises der Unterstützungsberechtigten vermindert nnrd. desto weniger kommen die Arbeitslosen als Lohndrücker in Betracht. Cine„ündienz". Aus Dien wird uns vom 22. Januar geschrieben: In der Hofburg wurden gestern dem Kaiser vom Präsidenten KS Abgeordnetenhauses die neuen Vizepräsidenten vorgestellt, und unter ihnen befand sich auch der Abgeordnete Per n er st orfer. der sozialdemokratische Vizepräsident. Daß Genosse Perncrstorfer >,„ dieser Vorstellung teilnahm, beruht auf einem Beschlüsse des sozialdemokratischen Verbandes, der allerdings in schlecht besuchter Sitzung, mit einer nur bescheidenen Majorität und gegen den ernsten Rat deö verantwortlichsten unserer Parteigenossen gefaßt wurde, der aber trotzdem als ein Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion anzusehen ist und beurteilt werden muß. Daß er, wie immer man sich zu ihm stellen möge, aus dem Bereich- des sozial- demokratischen Herkomniens fällt, wird niemand bestreiten wollen, und so ist es natürlich, daß die Empfindungen, die er erweckt. durchaus nücht die der ungeteilten Befriedigung sein können, zumal man in Oesterreich, wo man sich mit der Sozialdemokratie des Reiches so untrennbar verbunden fühlt, die schweren Zerwürf- nisse noch in lebhafter Erinnerung hat, die ihr im Jahre 19md eine Provokator- rolle gespielt hat. Für die spätere Zeit bestehen nur Ver- m u t n n g e n. Azew«vor ein Agent R a t s ch k o w S k y S, der früher Chef der Polizei im Ausland war und dann zum Chef der an die Person deS Zaren attachierten Geheimpolizei ernannt wurde. Hat er fixe Bezüge gehabt? Man weiß es nicht. Der Bericht führt an. daß RatschkowSky einmal � im Juni 1002— vom Polizridepartement 5 00 Rubel für die Kasse der sozialrevolutionären Part ei verlangt hat, die dieser durch einen„Freund GerschuniS" übermittelt werden sollten. WaS der Verräter für fich persönlich gefordert und erhalten hat, ist nicht ermittekt. Die nachgelaiesenen Serrätereien vzew» find sehr zahlreich, in viclcii Fällen hat er aber bewußt falsche Angaben gemacht, Leute, die der rebosiiHonären Bewegung fernstanden, kerroristikch-r Akte bezichtigt, mitunter auch die Polizei asif eine falsche Fährte gelockt. Daß er beider Vereitelung des letzten Attentats gegenden garen(Affäre Stifter-GronSky) seine Hand im Spiel gehabt hat. ist nicht erwiesen. Wenn Behauptet ivorden ist. Azew habe das Amt gehabt, durch seine Tätigkeit bei anderen Altentaten den nötigen Einfluß zu gewinnen, um Attentate gegen den Zaren verhindern zu können, so ist das phantastisches Gerede. Die Entlarvung AzewS ist, wie schon berichtet wurde, de» Bemühungen Burz'ews zu danken. Die Aufgabe war überaus schwierig und auch gefährlich. In einer Partei, die mit Verschwörertakti! operiert, wird der Verdacht oft gegen die Redlichsten rege. Gegen Azew waren schon vier« oder fünf- mal Anzeigen eingelaufen, aber die Untersuchungen gaben kein Resultat. Und dann sprach scheinbar die ganze LebenSgeschichte des Mannes gegen diese Beschuldigungen. Roch als Student auf einer technischen Hochschule Deutschlands war er 1805 in die revolutionäre Bewegung eingetreten, hatte in propagandistischer, organisatorischer, terroristischer Tätigkeit Außerordentliches geleistet. Mit Gers chuni und noch einem anderen Genoffen hat er. 1001 die regionalen revolutionären Gruppen zur Partei geeinigt. Gerschilin selbst setzte ein felsenfestes Vertrauen in ihn. verteidigte ihn gegen den Verdacht und hat sich noch auf dem Sterbebette für seine Ehrenhaftigkeit verbürgt. Und dann waren die tätigen Mit- glieder der Kampforganisation selbst da, die Azew so ost mit stahl- harter, unbeugsamer Energie in der Aktion leitend, ausführend und rettend gesehen hatten. Woraus aber konnte sich Burzew stützen? Zunächst auf seinen Zeugen B a k a i. Einen Menschen, der 1001 aus seinem sozialdemo- tratischen Zirkel ausgestoßen, 1003 vom sozialrevolutionären Komitee von EkatcrinoSlaw als provocateur an den Pranger gestellt worden war und der zwei Jahre später Polizeifunktionär in Warschau war. 1900. während der„liberalen" Aera, war Bakai mit Burzew, dem damaligen Herausgeber des historischen Journals„Bhlolc" (Vergangenheit) in Verbindung getreten und hatte ibm Dokumente verkauft. Er wurde dann administrativ verschickt. Burzew verhalf ihm, mit pekuniärer Hilfe der Partei, zur Flucht.— Konnten die Informationen eines Bakai gegen die offenbaren Taten AzewS in die Wagschale fallen? Obendrein waren sie unbestimmt, unsicher, widerspruchsvoll. Nach der Londoner Parteilonferenz im August v.J. ernannte daS Zentralkomitee ein Tribunal. Wie wir aus unserer oben erwähnten besonderen Quelle erfahren, bestand eS aus drei Personen: Vera Figner, Hermann L o p a t i n, dem alten Freund von Karl Marx, der 22 Jahre in. der Festung Schlnsselburg verbracht hat. und Krapotkin. j Vor dieses Tribunal wurde Burzetv zitiert. Er sollte Beweise vorlegen. Wieder kam er mit Bakai. Seine Situation schien schwierig. Da produzierte er ein entscheidendes Faktum. Er erklärkc, von einem ehemaligen hohen Beamten des Polizei- departements erfahren zu haben, daß Azew ein Agent provocateur sei. Was Lopuchin— denn dieser war der Beamte veranlaßt hat. die Rolle AzewS den Revolutionären zu enthüllen, ist nicht aufgeklärt. ES scheint, daß sentimentale Motive dabei eine Rolle spielen, die Angst der Frau LopuchinS um das Leben ihre;- Mannes. Der Bericht des Zentralkomitees erwähnt übrigens, daß Azew seinerzeit— noch vor der Hinrichtung PlehweS— ein Attentat gegen Lopuchin vorgeschlagen hat. wie päter eines gegen seinen Brotgeber RatschkowSky. Vielleicht hat er sich so der Milwister seiner. Geheimmission entledigen wollen. Nach der Erklärung BurzewS unterbrach das Gericht sofort sein: Beratungen. DaS Zentralkomitee verlangte die Autorisation, eine Untersuchung anzustellen und sandte eincS feiner Mitglieder nach Petersburg. Dieses stellte den Besuch AzewS und den späteren des Polizeichess Gerast mow bei Lopuchin fest, der den Gegen- stand deS von uns schon veröffentlichten Briefes bildet. Das Zentralkomitee fordert nun Azew auf, Rechenschaft über seinen Verbleib in der kritischen Zeit zu geben. Er behauptet, iu Berlin gewesen zu sein, wo er in einem kleinen russischen Hotel, da? einem gewissen Tschornomordit gehört, gewohnt habe. DaS Alibi mißlingt— Azew ist damaSkiert. Man hat ihm e i n e F ri st v o n 12 S t u n d en für ein Geständnis gelassen. Er hat sie benutzt, um, trotz der organisierten Ueberwachung zu flüchten. Drei Tage später brachte seine Frau. die mit zwei Kindern i» Paris fitzt und an die Infamie ihres Gatten nicht glauben will, einen Brief, worin er sich unschuldig er- klärt und sagt, daß man bald weiteres von ihm hören werde. ES ist natürlich, daß die Aufdeckung dieses Falles in der sozialrevolutionären Partei ungeheure Aufregung herbor- gerufen und in höchstem Maße desorganisierend gewirkt hat. Unternehmungen sind im Gange, um die der Verräter gewußt hat. Sind sie— und sind die daran beteiligten Genossen zu retten? Die dringendste Aufgabe des Komitee. ist, zu retten, was zu retten möglich ist. Vor allem aus diesen: Grunde hat es beschloslen, zu demissionieren, aber seine s ch ä f t e bis zum Kongreß, der möglichst bald zusammen- treten soll, fortzuführen. Bei der Ucbergabe seines Mandats wird eS gleichzeitig eine Untersuchung seines ganzen Gebahrens beantragen. Es sind leidenschaftliche Anklagen erhoben worden. Bcschnldigungei', daß daS Zentralkomitee es an der nötigen Wachsamkeit habe fehle:: lassen, daß es nicht schon früher die gründliche Uniersuchnng an geordnet hat-e. DaS Komitee übernimmt die Verantworlnng. t' will genaue Rechenschaft ablegen. Aber unterdcS beschwört eS die Parteimitglieder, die Pflichten zu erfüllen, die die jetzige Krise ihnen auferlegt und die erschütterten Reihen wieder zu schließen. «.» Soweit unser Pariser Korrespondent. Wir möchten bemerken, daß die Tarstellung deS Zentralkomitees uns nicht alle Punkte er- schöpfend aufzuklären scheint. Eine kritische Würdigung deS Vorfalles ist uns bereits zugesagt. politische(leberlicht. Verliii, den 23. Januar lflvst. Doppelbesteuernttg und Vereiusgesctz. AuS dem Reichstag, 23. Jannar. Ein Gesetz über die Beseitigung der Doppelbesteuerung kam heute im Reichstag zur ersten Lesiing. Es handelt sich dabei um die Beseitigung des Uekirlstandcs, daß Personen, die in mehrere» BmideSstaaten gleichzeitig domiziliert sind, in vollem Umfange doppelt besteuert werden können und häufig so besteuert worden sind. Mit der Beseitigung dieserHärten erklärten sich alle Parteien einverstanden. Namens der Sozialdemokratie sprach Genosse Binder(Lndlvigshafcn), dem die unmittelbare Nachbarschaft seiner bayrischen Heimat Ludwigshafen zu dem an der andere» Rhrinseitc gelegenen Mannheim besonders reichlichen Anlaß zur Beibringung von Beweismaterial für diese.Reform gegeben hat. Die von konservativer Seite beantragte Uebenveisung der Vorlage an eine Kommission wurde abgelehnt. Diezweite Lesung wird in wenigen Tagen stattfinden. Die Besprechung der Interpellation wegen Hand- habung deS LereinSgesetzeS gab zunächst dein polnischen Fürsten R a d z i w i l l Gelegenheit, gegen die aus- nahmegesetzliche Verfolgung der Polen zu protestieren. Herr V. Bethmann-Hollweg suchte diese Darlegungen zu entkräften, indem er abermals behauptete, sein Material von Zeitungsausschnitten liefere ausreichende Beweise dafür, dast die polnischen Gewerkschaften sich vorzugsweise mit Politik be- faßten. Dann erwiderte Genosse L c d e b o u r auf die Aus- fuhrungen der Vertreter der Regierungsparteien. Er wies zu- nächst scharf den Vorwurf des Abss. I u n ck zurück, daß die Zahl der vorgebrachten Beschwerden beschämend gering sei. AlS er aussührte, daß eS vielmehr beschämend für den deutschen Reichstag sei, wenn ein Abgeordneter so sehr das Ehrgefühl des freien Mannes vermissen lasse, erteilte der Vizepräsident K a e m p f einen Ordnungsruf. Als später der Präsident Graf Stolberg das Präsidium übernahm, bemühte sich Herr Kaempf verschiedentlich, den Präsidenten zu weiterem Einschreiten gegen den sozialdemokratischen Redner zu veranlassen. Seine Bemühungen erzielten allerdings nicht den erstrebten vollen Erfolg. Im ferneren Verlauf seiner Ausführungen betonte Ledcbour, daß die sozialdemokratische Partei durchaus einzelne Vorzüge des neuen Gesetzes anerkenne, ihre Zu- stimnmng zu dem ganzen Gesetz sei ihr aber insbesondere durch den Sprachenparaphen unmöglich gemacht, der das Gesetz als ein gehässiges Ausnahmegesetz gegen die Polen qualifiziere. Unser Bestreben. daS wir auch bei dieser Interpellation verfolgen, sei eS. auf„Beseitigung dieser Ausnahniebestiminung" hinzuarbeiten. Nachdem er dann mit den erkünstelten Aus- legungSversuchen deS Herrn Müller-Meiningen abgerechnet hätte, wies Ledebour darauf hin. daß der Sprachenparagraph im Deutschen Reiche gerade das Gegenteil von dem erziele. was die Regierung und die herrschenden Parteien damit be- zwecken, der�außerdem die schädlichsten Folgen für die deutsch- sprechende Bevölkerung in anderen Ländern habe. Der Abg. Schirmer unterstützte namenS der Zentrums- Partei die Kritik an dem Gesetz und verwahrte sich insbesondere dagegen, daß die christlichen Gewerkschaften von dem Herrn Staatssekretär für die Bekämpfung der polnischen Berufsvereine in Anspruch genommen werden. Herr Müller-Meiningen suchte sich an dem sozialdemokratischen Redner durch persönliche Angriffe zu rächen. Der Pole S t y ch e l widerlegte die Angriffe des Herrn v. Bethmann-Hollweg auf die polnischen Vereine und sprach seine ivesentliche Uebercinstimmung mit den Aus- führungen der Redner des Zentrums und der Sozialdemokratie aus. Schließlich ritt der Verbandsgeneral v. Liebert noch eine Attacke auf die Polen, bei der er zu der Behauptung kam: „Jeder Pole ist ein Politiker, und deshalb ist jeder polnische Verein ein politischer V e r e i n." Solche gesetzgeberische Einsicht ist allerdings nicht mehr zu übertreffen. Da kann selbst der Denker Müller- Meiningen nicht mit._ Vergiftete Pfeile. Der Gegensatz zwischen Kaiser und Kanzler wird von den höfischen Feinden Bülows immer mehr zu vertiefen ge- sucht. So schreibt heute der aus solchen Kreisen informierte .Figaro": „Man hat allgemein erkannt, daß man gegen den Kaiser n n- gerecht und grausam gewesen ist. Man hat vor allem fest- gestellt, daß man betrogen worden ist. Bon freisinnigen Reformen, von VersassungSbürgschasten ist keine Rede mehr. An M i n i st e r v e r a n t w o r t l i ch ke ijt hat der Reichskanzler nie gedacht. Er ist der letzte, der sie verlangen würde. Denn er wäre der erste, der sie zu spüren hätte. DaS Maß der Demütigungen war voll, als die Kanzlerpresie dem Kaiser daS vertraute Geipräch mit seinen Generalen beim Ordensfeste vorwarf.... Die Stimmung schlug zuguusten des Kaisers um. uird B ü l o w. der sich b e- droht fühlte, schwenkte ein. Er verteidigte die Monarchie. nachdem er sie untergraben hatte. Wird die neue Kanzler- rede dem Kaiser das notwendige Uebergewicht wiedergeben, nachdem der Kanzler ihm geschickt die besten Freunde, das Selbstvertrauen, das Ansehen beim Volk und Offizierskorps zum Vorteil der sozialistischen Feinde des Throns und der Armee genommen? DaS weiß niemand. Wir halten uns in den inneren politischen Hader Deutschlands nicht einzumischen, »venu wir nnS nicht erinnerten, welche Ueberrumpelnngcn, DemütigimgSversuche. Nörgeleien der Reichskanzler in leine aus- wärtige Politik eingewoben und die der besser unterrichtete Kaiser durch rigeiie» Willen manchmal von nnS abgewendet hat. Für den Frieden Europas können wir nur wünschen, daß der wirkliche Herrscher seine frühere Macht wieder- gewinne." Natürlich soll dieses Gemisch von Hetzerei und Schmeichelei auf Wilhelm II. Eindruck machen und die Mittel, die da an- gewendet werden, sind gewiß charakteristisch sowohl zur Be- urteilung derjenigen, die sie benützen, als desjenigen, auf den sie wirken sollen. Ob sich die Phrase von dem besser unterrichteten Kaiser darauf beziehen soll, daß Fürst Eulenburg während einer Phase des Marokkokouflikts den Kaiser zu einer Frankreich freundlichen Haltung veranlaßt hat. können wir nicht entscheiden. In ähnlicher Weise geht in einem anderen französischen Blatt der klerikale elsässische ReichStagSabgeordneto Wetterlö dem Kanzler zu Leibe und erzählt: „Prinz Heinrich sagte einige Tage nach den November- reden zu einem freisinnigen Abgeordneten, daS eine Mal, daS der Kaiser verfassungsmäßig gehandelt hat, ist ihm übel gelohnt Ivorden. Bülow hat äußerst geschickt aus seinen Herrn den Zorn abgelenkt, dessen erstes Opfer er selbst hätte sein sollen. Denn die Veröffentlichung deS Interviews war nur durch seine Nachlässigkeit möglich geworden, eine derartig un- gehenerliche Nachlässigkeit, daß man fic für absichtlich hielt. Deutschland beklagt sich über Vereinsamung. Ist fie des Kaisers Schuld, der in zahlreichen Monarcheiibesuchen seinen unzweifcl- hasten persönlichen Zauber geübt hat? Ein vereinsamtes Reich, zerrüttete Finanzen, lockere ParlamentSmehrheilen, daS ist das Werk nicht Wilhelms, sondern B ll l o w s." Sehr appetitlich ivird dieser Kampf der Hoskamarilla, wie man sieht, nicht geführt, und Bülows Gegner stehen noch auf tieferem Niveau als der Mann, den sie bekämpfen. Und in die Hände dieser Gesellschaft ist die Eni- sch ei d u n g über wichtige politische Angelegen- Helten des deutschen Volkes gelegt! Siege» verloren. Wie wir bereits gestern unter„Letzte Nachrichten' mitgeteilt haben, bat die Ersotzstichwahl im früheren Stöckerschen Wahlkreise Siegen-Wittgenstein-Biedenkopf mit einem Siege Vogels, des nationallibcralen Kandidaten, geendet. Vogel erhielt 17 WS, Mumm, der christlichsozlal-antisemitiiche Kandidat, trotz gewaltiger Anstrengungen nur 1b Söll Stinniten. Bei der Hanpiwahl waren aus Mumm 13 4M. auf Vogel nur 7824 Stimmen gefallen. Wenn trotzdem in der Stichwahl Bogel gesiegt hat, so er- klärt sich das daraus, daß bei der Stichwahl über 2000 Stimmen mehr abgegeben worden find als im ersten Wahlgang, und daß ferner nur em Teil des Zentrnms für Mumm eintrat, während ew anderer Teil mit den Freisinnigen und der Minorität unserer Ge- nosien � die Mehrheit hat sich der Wahl enthalten— für Bogel stimmte. Damit geht den Stöckerianern ihr sicherster Besitz verloren; denn mit Ausnahme der Reichstagsperiode von 18S3— V3 ist seit 1891 dieser Wahlkreis stets im Reichstag durch Slöcker vertreten geworden. Der Hofbericht. 4leber die politische Tätigkeit des Kaisers soll künftig nur noch zweimal wöchentlich im„NcichSanzeiger" berichtet werden. Der seitherige Hofbericht kommt in Wegfall. Scherl tröstet aber sein Publikum bereits damit, daß er nach wie vor über höfische Borgänge privater Natur zu berichten bestrebt sein werde. Bergarbeiterschutz. Gotha, 23. Januar.(P r i v a t d e p e s ch e deS„Vorwärts".) Der gemeiuschaftliche Landtag für die Herzogtümer Koburg-Gotha beschäftigte sich heute vormittag mit einem An- trage unseres Genossen Bock auf reichsgesetzliche Regelung der bergbaulichen Verhältnisse. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Parade des„Bundes der Landwirte". Im Zirkus Busch in Berlin stellt der EisenbahnfiskuS den oft- elbischen Jmiker» auch in diesem Jahre einen Eztrazug von Königs- berg aus zu einem sehr billigen Preise zur Verfügung. Diese günstige Gelegenheit,„standesgemäß' und doch sehr billig nach Berlin zu sahre», wollen die konservativen Herren, die unausgesetzt darauf dringen, daß die ermäßigten Preise für Arbciter-Eisenbahufahrkarten abgeschafft werden, auch solchen StandeSgcnossen zugute kommen lassen, die gar nicht an den Ver- anslaltungcn deS Bundes in Berlin vom 20. bis 24. Februar teilnehmen. In einer Bekaiuttniachung der konservativen Blätter des Ostens heißt eS: „Die Reisebedingringen sind außerordentlich günstige, rmd wer einmal Mute Februar nach Berlin fahren muß oder Berlin gern einmal besuchen möchte, der wird gut tun, diesen Exlrazug mit zu benutzen, er wird dadurch keineswegs verpflichtet, a.n irgendeiner der Versa nimlungen teilzunehmen." Viel Vergnügen in Berlin! Ein wichtiger Militärprozeh wurde vor dem Würzburger Kriegsgericht verhandelt. Bekanntlich besteht die Anschauung, daß Reservisten und Landwehrkeute an den Kontrollversammlungstagen während deS ganzen Tages der Militärgerichtsbarkeit unterworfen seien. Da? Kriegsgericht Würz. bürg stellte sich auf einen anderen Standpunkt. Im November vorigen JahreS war in Aschaffenburg für die Mannschaften deS Beurlaubtenstandes der umliegenden Orte Kontrollversammlung. Die von Stockstadt kennen abends in einer dortigen Wirtschaft zu- sammen, um nach altem Brauch den Tag ordentlich zu begießen. Dabei entstrmo ein Streit, in dessen Verlauf der Reservist Depp einem Rcserveunteroffizicr einige Schläge ins Gesicht versetzte, während der Unteroffizier einem Reservisten einen Stuhl an den Kopf schlug. Beide kamen vor das Kriegsgericht, der Reservist wegen tätlichen Vergreifens, der Unteroffizier wegen Mißhandlung eines Untergebenen. In der Verhandlung stellte der Verteidiger Depps, Oberleutnant Zinuner, den Antrag, das Gericht möge sich für unzuständig erklären und die Sache vor die bürgerlichon Ge- richte verweisen. Er führte zur Begründung aiiS:..Ein Darier, der Reservist ist, hat einen Knecht, der Reservcunteroffizier ist.-Arn Tage der Kontrollversammlung weckt der Bauer den Knecht früh 3 Uhr; diesem ist«S noch zu früh, es entspinnt sich ein Wortwechsel, und der Bauer gibt dem Knecht eine Ohrfeige. Er müßte dann also Ivegen tätlichen VergrcifenS vor dos Kriegsgericht kommen. Das Kriegsgericht erklärte sich dam Antrage gemäß für unzu» ständig mit der Begründung, die Militärgesetze könnten nur auf Verfehlungen, die bei der Kontrollversammlung selbst, nicht aber während deS ganzen TageS begangen tvcrden, angewendet wevsen. Die wiirttembcrgische VolksschnlnoveNe. Stuttgart, 23. Januar.(Depesche.) Die Zweite Kammer hat heute in der fortgesetzte» Beratung der Volksschulnovclle einen Antrag des Zentrum» auf Beibehaltung der geistlichen OrtSichulanssicht mit SS gegen 2S Stimmen abgelehnt und diese Aussicht auf dem Gebiete der Schulpflege einem Volköschulrat übertragen, der bei ein- und zweiklassigcn Schulen seine» Mit- Vorsitzenden(den Geistlichen) oder einen seiner Mitglieder beauftragen kann, Schulbesuche zu machen, ohne daß sie befugt sind, Anordnungen zu treffen. Bei drei- und mcbrklassigen Schulen wird die Orts- schiilaufsicht von den Schulvorständen, den Oberlehrern bezw. Rektoren ausgeübt._ Mehr Arbeiterschlttz und Auöban der Invaliden- Versicherung. Am Freitagabend nahmen in Hamburg und Umgegend 22 Volksversammlungen Stellung zur Gewerbcord nungö. Novelle. In den durchweg stark besuchten zum Teil überfüllten Versammlungen wurde von allen Rednern die gänzliche Unzuläng- lichkeit der im Dezember 1007 deni Reichstage vorgelegten Novelle zur Gewerbeordnung dargelegt, die weder der EntWickelung der Industrie Rechnung trag«, noch die berechtigten Forderungen der Arbeiter auch nur annähernd erfülle. Ueberall wurde eine Resolution angenommen, welche vom Reichstage und der Reichsrrgierung fordert: Grundlagen für ein einheitliches Arbeiterrecht mit ztoin« gendem Recht für alle zugunsten der Arbeiter und Angestellten getroffenen gesetzlichen Bestimmungen. Sicherungen des Lohne» gegen Schädigungen durch- da" Trucksystem; desgleichen gegen das zur Umgehung des G'esetzez raffiniert ausgedacht e Prämien- ooer Tantiemensystem, daS eS er- möglicht, Lohnabzüge zu machen, die sonst gesetzlich verboten wären; Sichcrstellung der Beiträge für sogenannte WohlfahrtS- Einrichtungen; Schutz der in Betriebswvhnungen wohnenden Ar- beiter vor Bedrückungen durch de» Vermieter der Wohnung. Größere Rechte der Angestellten und Arbeiter bei Festsetzung von Arbeitsordnungen. Tie Arbeitsordnung darf nicKt ein einseitig vom Unternehmer oder von Unternehmerverbanden dik- tiertes Gesetz sein. Die ArbeiterauSschüsse müssen durch allgemeine, direffi? und geheime Wahlen gewählt und deren Mitglieder in der Ausübung ihres Amtes geschützt werden. Verbot von Konkurrcnzklauseln, Pcrsonalkouventionen und ähnlichen Abmachungen, die geeignet sind, den Angestellten oder Arbeiter in seinem ferneren Fortkommen zu hindern. Ausdehnung der Sonntagsruhe, und für solche Arbeiter, die an Sonn- und Festtagen arbeiten müssen, eine ununter- brochenc Ruhepause von 86 Stunden und für zwei aufeinander- folge noe Sonn, und Festtage von 60 Stunden in derselben Woche. Ausdehnung des Schutzes für jugendliche Arbeiter auf alle Beschäftigten im Alter von unter 18 Jahren. NeunstundenarbeitStag als Nebcrgäng zum Achtstunden- arbeitstag für alle in Industrie. Gewerbe, Handel und Verkehr beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Dreischichtsystem für alle Arbeiter in Anlagen mit ununtrr- brechen arbeitenden Betmeben. AnSdehirana des ArbeitrrschutzeS und der Arbeiterverfiche- rung auf die Heimarbeiter. Ausdehnung der Siewerbcaussicht auf alle Betriebe des Gewerbes(einschließlich Oer Heimarbeit), der Industrie, des Berg- baue», Handels und Verkehrs, auch auf die sogenannten land- wirtschaftlichen Nebcnbctricbe, unter Beteiligung der Arbeiter an der Aufsicht. Sicherstellung deS Koalitionsrechts und Ausdehnung desselben auf alle Arbeiter. Ferner forderten die Versammelten einen umfassenden Ausbau der bestehenden Invalidenversicherung zu einer ausreichenden Alters-, Invaliden, uns Hinterbliebenenfürsorge auf einheitlicher Grundlage für Arbeiter und Privatange stellte. Eine nitparteiische Stavtvcrwalknng. In Kalk bei Köln hatte der Arbeiterturnverein die Heber- lassung der Städtischen Turnhalle zu seinen Hebungen beantragt. Der Antrag wurde mit der„Begründung" abgelehnt, daß nur Ver- eine, die Mitglied der„Deutschen Turnerscbaft" sind, ein Anrecht auf Benutzung hätten. Inzwischen aber erfuhr der Arbcitcr-Turn- verein, daß dennoch andere Vereine, so der katholische und der evan- gelische JünglingSverein die Halle erhielten. Die Arbcitertnrner wandten sich unter Hinweis auf diese Tatsache erneut an die Stadt, die aber bei ihrer Weigerung blieb und damit zugab, daß die zu- erst herangezogene Begründung nur ein V o r w a n d war, um die Arbeiterturner für ihre Unabhängigkeit zu strafen. Die Balkankrise. Montenegrinische Aufregung. In der montenegrinischen Skuptschina hat der Minister- Präsident Dr. Tomanowitsch eine recht kriegerische Rede ge- halten. Er forderte, daß die Mächte daS österreichisch-türkische Uebereinkommen verwerfen und verlangte die Vereinigung Bosniens mit Serbien und Montenegro oder wenigstens die vollständige Autonomie. Für die Serben gäbe eS keine Möglichkeit mehr, zurückzuweichen.— In Wien wird die Rede sehr kaltblütig beurteilt. Man erklärt sie aus der inneren Situation Montenegros und findet sie daher eher beruhigend als bedrohlich._ Oeftermd). Sozialdemokratische Antrage. Wien, 23. Januar. Die Sozialdemokraten brachten Dringlichkcitsanträge ein, betr. Einsetzung eines AusschnsseS zur Beratung des Gesetzentwurfs über die R e g c- lung der nationalen Verhältnisse und betr. die Linderung der durch die herrschende Arbeitslosig- k e i t entstandenen Notlage. ftoiihmck. Ein Narrcnstrcich. Paris, 23. Januar. Bencdetti, der am Zt. Dezember auf den Minister des Innern einige Revolverschüsse abfeuerte, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. England. Zur innerpolitischcn Lage. London, 21. Januar.(Eig. Ber.) Die Erstarkung der schütz- zöllncrffchn Richtung einerseits und der sozialistischen Arbeiter- bewegung andererseits hat eine gewisse Unryhe ins parteipolitische Leben Englands gebracht. Gerüchte von Parteineubildungen sind fortgesetzt im Umlauf; manche Blätter melden von der Gründung einer liberal-indimduaUstjschcn Partei, andere wieder von der Gründung einer agrarischen Partei. Derartige Gerüchte ver- dienen � keine besondere Beachtung. Viel ernster sind die Nach- richten zu nehmen, die von einer Reinigung der konservativen Partei von allen frcihändlerischen Elementen erzählen. ES ist kein Zweifel, daß die Schutzzöllner die Oberhand in der kon- servativen Partei haben und ihre Macht dazu benutzen, eine ein- heitlichr schntzzöllnerische Partei zu schaffen. Konservative Parle- mentöabgeordnete oder Kandidaten werden aus der Partei ver- drängt; jedenfalls werden sie bei den nächsten ParkamentLwahlcn keine offizielle Unterstützung von der Partei habm. Die Zahl der freihändlerischen Abgeordneten und Kandidaten der konservativen Partei ist zwar gering, aber sie kann doch von Bedeutung werden, da die Konservativen im besten Falle nur auf eine kleine Majorität bei den nächsten Wablen rechnen dürfen. Innerhalb der liberalen Partei gibt eS verschiedene Ansichten über ihre Stellung zur Arbeiterpartei.„Daily Chronicle" nimmt eine feindliche Stellung ein, während„Daily News' unentwegt für eine weitgehende Sozialpolitik eintreten. Beide Richtungen haben ohne Zweifel ihre Vertreter im liberalen Kabinett. ES ist jedoch sicher, daß die nächste Session eine ganze Reihe sozial- politischer Vorschläge bringen wird. DaS AlterSpensionSgesetz- ist verbesserungsbedürftig und die Arbeitslosenfrage kann nicht länger aufgeschoben werden. Auf Grund cincS Kommissionsberichts über die Notwendigkeit der Aufforstung brachliegender Ländereien ist die Regierung bereit, etwa 60 000 Hektar Landes jährlich auf- zuforsten, um bei diesen Arbeiten die Arbeitslosen zu be- fchäftigen. Ebenso dürfte die Regierung die Eindämmung und den Schutz der Küstengebiete in Angriff zu nehmen. Diese beiden Maßregeln wurden von den Sozialisten vorgeschlagen. Andererseits wird von beiden kapitalistischen Parteien ein starker Druck auf die Regierung ausgeübt, die Flottcnrüstungcn fortzusetzen. Wir gehen einer heftigen Flottenagitation entgegen. ES ist überflüssig hervorzuheben, daß diese Agitation sich auf die deutschen Flottenrüstungen beruft.— Eine Rede des Ministers deS AnSwiirtigen. London, 22. Januar. Staatssekretär Gr'ey hielt heute abend in Cokdstream eine Rede, in welcher er ausführte: In der a u S- wärtigcn Politik haben wir einige Monate voll düsterer Besorgnis hinter uns. Jetzt aber kann ich meiner Erleich- t e r u n g und Befriedigung darüber Ausdruck zu geben, daß prinzipiell zwischen Oesterreich Und der Türkei ein Ueber- ein kommen erzielt worden ist. Ich glaube zuversichtlich, daß das Beispiel von Versöhnlichkeit, das Oesterreich sowohl wie die Türkei gaben, dazu beitragen wird, die noch vorhandenen Streit- punkte zu schlichten. Auf jeden Fall hat das österreichisch-tür- kische Abkommen die Aussichten der Konferenz wescnt- lich verbessert. Gern sähe ich den Krieg vermieden zwischen irgendwelchen der großen oder kleinen Mächte, die speziell im nahen Osten interessiert sind. In diesen den nahen Osten be- treffenden Fragen haben wir mit Frankreich und Rußland Unterhandlungen gepflogen. Sie standen im Zeichen deS Vertrauens. der Freundschaft und des Friedens, wie dies auch weiter- hin in anderen Fragen der Fall sein wird. Dies und auch die Erfahrung, dqß in diesen jüngsten Schwierigketten auch Deutschland und I t a l l e n, Oesterreich-UngarnS Bundes- genossen, ehrlich für den Frieden gearbeitet haben, haben jede Gefahr einer Reibung beseitigt. Ich hoffe bestimmt, daß der nahe bevorstehende Besuch d?S Königs bei dem Deutschen Kaiser in Berlin baK Vertrauen zu unseren guten Absichten und unserm guten Willen fördern wird.(Beifall.) Gern möchte ich auch die Tatsache hervorheben. daß dir starke allgemeine Sympathie in unserm Lerche für die Reformen der Türkai nngeschwächt fortdauert. Diese Ansichten und der ZtvaNg der Ereignisse Huben uns zivtsfel loS in eine Haltung gebracht, die mit dem Vorgehen Oester> reich- Ungarns im verflossenen Herbste nicht fhmpathi- s i e r e n konnte. Wenn die schwebenden Fragen im nahen Osten beigelegt sein werden, erwarte ich sicher, daß der Mangel an Sympathie wieder verschwinden wird. Das ist unser Wunsch.(Beifall.) Aber in Oesterreich wurden wir ungcbühr- lich in der Oefsentlichkeit einer entschieden böswilligen Politik beschuldigt. Ich lege diesen Anklagen keine große Bedeutung bei. Ich kann jedoch nicht zulassen, daß so grobe Beschuldigungen gegen uns erhoben werden, ohne zu erklären, daß es verfehlt wäre, diese groben Beschuldigungen, deren wir bezichtigt wurden, falsche Darstellungen zu nennen. Es sind pure E r f i n° düngen und der Schaden, den sie anrichten, liegt nicht so sehr in dem Unwillen, den sie hier hervorrufen, als in der Tatsache, daß sie, solange sie in dem Lande, wo sie entstanden find, fortgesetzt und geglaubt werden, eine Empfindung schassen, die eine Schranke bildet für herzliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern. «Beifall.) Die Beseitigung dieser Schranke steht nicht in unserer Macht, sondern nur in jener der Oesterreicher. Sobald sie ent° fernt sein wird, wird man sehen, daß hier keine entsprechende Gegenschranke aufgerichtet worden ist. Ich stimme durchaus dafür, daß die Marine auf dem nötigen Standard erhalten werden mutz, um uns vor der Gefahr einer Invasion zu schützen. Die Armee mutz inner- halb vernünftiger Grenzen gehalten werden, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Marine zu konzentrieren wünschen. In Erwiderung auf eine Anfrage, ob er Anhänger der all- gemeinen Wehrpflicht sei, sagte Grch: Solange wir die Flotte auf ihrem gegenwärtigen Standard erhalten, wird die allge- meine Wehrpflicht, die dem Volke eine schwere Last auferlegen würde, nicht nötig sein.(Beifall.) OrKei. Gegen die Korruption. Konslantinopel, 23. Januar. Deputiertenkammer. In der heutigen Sitzung wurde über einige Interpellationen ver- handelt, von denen die erste die Verwaltung der geistlichen Güter betraf. Der Bakufminister gab zu, daß in der Verwaltung tatsäch- lich große Mängel beständen, die aber Jahrhunderte alt und nicht so schnell zu beseitigen seien. Der Vakufminisder schloß mit einem langen arabischen Gebet und erregte dadurch die Opposition, die nur die türkische Sprache in der Kammer hören will. Die zweite Interpellation betraf die Protektionswirt- schaft bei Ernennungen zum Staatsrat. Der Prä- sidcnt des Staatsrats Hassan F e h m i. der Präsident der ersten Kammer gewesen war, wurde heftig angegriffen, besonders weil er ein Recht der Kammer bezüglicki der Ernennungen zum Staatsrat nicht anerkannte. Cbfaa. Der Nachfolger Nuanschikms. »eking, 23. Januar. Durch eine heute erlassenes Edikt wird Liangtunyen zum Präsidenten des Waipupu er- nannt.« GewerhfcbaftUcbe� Eine moralische Ohrfeige. In den Prozessen des Herrn Rudolf L e b l u S gegen den „Vorwärts" und die„Sächsische Arbeiterzeitung" war unserer- seitS auch der bekannte Schriftsteller Karl May als Zeuge angegeben. Diesen sonders. Er wußte, daß die jeugen fürchtete Lebius de- lussage dieses Herrn für ihn eine völlige Entlarvung bedeuten würde. Mit welchen Mitteln LebiuS arbeitet, um unbequeme Gegner zu vernichten, mag daraus hervorgehen, daß er von Herrn May be- hauptete, derselbe sei„nach Amerika ansgerüÄ", während der Herr— der allerdings seines Berufes wegen viel reist—- in Wirklichkeit in Radcbeul bei Dresden wohnt. Um Herrn May nun moralisch zu vernichten und als Zeugen unmöglich zu machen, gab LebiuS eine Broschüre heraus: „Karl May. ein Verderber der deutschen Jugend". Diese Broschüre sollte einige Tage vor dem betreffenden Termine fertig sein und den Richtern übergeben werden. Herr May stellte Strafantraa sowohl gegen Lebius als auch gegen Herrn Friedrich Bechly, den Vertreter der Vcrlagsfirma Hermann Walter in Berlin, bei der die Broschüre erschien. Am 19. Januar hat nun Herr Bechly ein Protokoll unterzeichnet, das folgende für Herm Lebius geradezu vernichtende Stellen enthält: Herr FriedriÄ Bechly. der Geschäftsführer der Verlags- buchhandlung Hermann Waller, G. m. b. H. zu Berlin, weickie die Broschüre.Karl May. ein Verderber der oeulschen Jugend, von F. W. Kahl, Basel" verlegt hat. erklärt folgendes: I. Nudolj LebiuS hat mich zur Eingehung de» VerlagSgeschäfteS durch Vorsiihnmg falscher Tatsachen, sowie durch Bcrhciinlichung seiner eigentlichen, mir jetzt verwerflich erscheinenden Absichten und durch die Vorspiegelung bestimmt, daß ein gewisser Kahl der Verfasser sei. Ich habe mich im Laufe des Prozesses und der VergleichSve» Hand- lungen, insbesondere an der Hand eines eigenhändigen Briefes desHerrn Kabl vom 10. Sept. 1908 davon überzeugt, das) LebiuS mit wissentlich gefälschten Tatsache» operiert hat, indem er nach der schriftlichen Angabe des Herrn Kahl dessen Namen in bczng auf die Broschüre gemitzbrauchl hat. Dieser Brief befindet sich in den Akten des Rechtsanwalts Bahn. � Herr Bechly bedauert noch, auf das LebiuSsche Ansinnen ein- gegangen zu sein, weist eine weitere Beziehung zu diesem Herrn energisch zurück und versichert Herrn May seiner vollsten Hoch- achtung. m. Tie oben unter I gedachte Broschüre verpflichtet sich Herr Bechly, soweit sie in seinem Besitze ist, Herrn May bimwn einer Woche zur Vernichtung ziizilkenden, und gestattet Herrn May, von seiner Erklärung offeiülich Gebrauch zu machen." Ein Kommentar würde die Wirkung dieser Erklärung ab- schwächen._ Berlin und Umgegend. Niedriger hängen. In der neuesten Nummer des„Bund" rempelt mich LebiuS aufS neue an. In einer mit seinem Namen unterzeichneten Brief- kastennotiz nennt er mich einen gewerbsmäßigen Ehrabschneider. WaS LebiuS durch diese neue Rüpelei erreichen will, weiß ich nicht, ist mir auch sehr gleichgültig. Seine Schimpfereien berühren mich eben so wenig, als ob ein Betrunkener oder ein aus anderen Gründen Unzurechnungsfähiger mich anrempeln würde. Tie angeführte Briefkastennotiz beweist, daß der Wutanfall, den Lebius am 17. d. M. hatte, immer noch anhält. Mag er meinet- wegen weiter schimpfen. Ich denke: WaS kümmert eS den Mond, wenn ihn der Mops anbellt._ G. R e i n k e. die gelben Gewerkschaften. Herr Dr. Barth erläuterte die Enk- Wickelung der sogenannten gelben Gewerkschaften und bewies den Anwesenden, daß diese Bereine ihre Entstehung keine Sfalls dem Willen der Arbeiter verdanken, sondern nur auf Betreiben der Unternehmer gegründet wären, um den Gewerkschaften in den Rücken zu fallen und das Koalitionsrccht für die eigenen Arbeiter unmöglich zu machen. Zum Schluß be- tonte der Referent, daß die Gründer und Mitglieder der gelben Gewerkschaften äußerste Verachtung verdienen, weil sie unter falscher Flagge die Interessen der Unternehmer vertreten und den Arbeitern und Angestellten ihre so schwer crivorbenen Rechte wieder streitig zu machen suchen. In der Diskusfion wurde eine Blütenlese aus dem Sdxn der Vereine des„Bürgers Lebius" vorgetragen und den Angestellten anempfohlen, jede Unter- stützung derartiger gemeingefährlicher Unter- nehmnngen strikte abzulehnen. Für die Agitation gegen die Gelben wurde auf die bekannte Broschüre„Der gelbe Sumpf" hingewiesen, von denen der Vorstand des Bundes der technisch-industriellen Beamten eine grötzere Anzahl für seine Mit- glieder beschaffen wird._ Sei den Gelben geht es nicht ohne Fälschung. Der Brief, den wir vorgestern im„Vorwärts" veröffentlicht haben, worin Cohen den Gelben mitteilt, daß er und die übrigen Referenten der 7 Versammlungen nicht zu der am 22. D.. M. statt. findenden Versammlung dcS gellen Vereins der Firma Siemens kommen werden, scheint den Gelben recht unanaenehm zu sein. Mit der ersten Post am 22. früh erhielt Cohen folgendes Schreiben: Unterstützungsverein Charlottenburg, 20. 1. 09. der Siemenswerke. Werner-Werk. Herrn Adolf Cohen Berlin N�V. 6, Charitestr. 3. Bezugnehmend auf mein Schreiben von, 14. o. M. teile ich Ihnen mit, datz wir auf Ihr Referat verzichten. I. A.: gichtner. Schriftführer des UnterstützungSvercinS Abteilung Werner-Werk. Das Kouvert trägk den Poststempel„Nonnendamm, 21. I. 09, 8— 9 Nachm." Der Brief trägt am Kopf das Datum 20. I. 09. Der Brief des Genossen Cohen»st am 21. 1. mittags 1 Uhr zur Post gegeben und deshalb spätestens um 4 Uhr in den Händen des Empfängers gewesen. Mit der falschen Datierung des Briefes will man sich den Anschein geben, als ob man schon vor dem Empfang des Briefes von Cohen den absagenden Brief geschrieben hat. um so der Gefahr zu entgehen, in einer Versammlung der gesamten Arbeiter der SiemenS-Werke sich mit den Referenten der 7 Versammlungen auseinander setzen zu müssen. Wenn nun auch kein Mensch glaubt, datz ein Brief von Charlottenbura nach Berlin vom 20. 1 bis 22. 1. unterwegs ist, so hätten die Gelben immer noch streiten können, wenn nur der leidige Auflieferungsstempel nicht wäre. Man mutz beinahe Mitleid mit den Gelben haben. Es gelingt ihnen keine Fälschung und Täuschung mehr. Dazu noch vie un- geheure Blamage, daß die Gelben selbst bei Siemens sich nicht her. vortrauen dürfen, wo sie. wie im„Bund" immer behauptet wurde, „den Metallarbeiter-Verband vollständig ausgeschaltet" haben. Deutfcste» Reich« Unternehmer- TerroriSmu». Nachstehende, aus der letzten Zeit stammende DerrufSerUärungen des GesaintverbandeS Deutscher Metallinbustrieller können wir wieder veröffentlichen: t pro 1909 (04/1908.) Gesamtverband Deutscher Metallinbustrieller. Journ.-Nr. 120/7. Berlin, den 12. Januar 1909. Rundschreiben N r. 1 pro 1909. Bei der Firma E. AlberS u. v. Drathen in Meldorf sind die in der Anlage verzeichneten Tischler usw. in den Streik getreten. Wir bitten, diese sowie alle von genannter Firma konunenden Arbeiter bis auf weiteres nicht e i n z u st e l l e n. Gleichzeitig bitten wir Sie, davon Kenntnis zu nehmen, datz sich unser Rundschreiben Nr. 04 vom 4. April 1903 erledigt. Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. Die diesem Rundschreiben beigefügte Anlage enthält die Namen, Geburtstage und»orte der streikenden Arbeiter. ES werden bierdnrch 24 Tischler, 1 Drechfler, t Bildhauer, 9 Maschinenarbener und 1 Arbeiter an anderlveiter freiwilliger Arbeit gehindert. 2 3»rnd 4 (225 und 231.08)(218.08) Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. I o u r n.- N r. 39. Berlin, den 16. Januar 1909. Rundschreiben N r. 2 pro 1 909. Bei der Firma Nbeinische GlaShütten-Aktiengesellschast in Köln- Ehrenfeld haben die Arbeiter Lohnfordermigcn erhoben, die nicht be- willigt werden konnten. Wir bitten, alle Arbeiter der genannten Firma bis auf weiteres nicht einzustellen. Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. I.-Nr. 3 9. Berlin, den 10. Januar 1909. Rundschreiben Nr. S pro 1909. Die Differenzen bei den Firmen der Glasindustrie in Weiß- Wasser O.-L. find beendet, es erledigen sich somit unsere Rund» schreiben Nr. 225 voin 14. und 231 vom 30. Dezember 1908. Gesamtverband Deutscher Mctalliirdustrieller. Journ.-Nr. 39. Berlin, den 10. Januar 1909. Rundschreiben Nr. 4 pro 1909. Bezugnehmend auf unser Rundschreiben Nr. 213 vom 10. No- vember 1903 betreffend die Bewegung bei der Firma Otto Froriep in Rheydt, teilen wir Ihnen nnt, daß nur noch die in der Anlage unter I aufgeführten Gletzereiardeiter als auSständiich zu betrachten sind. Die GewerkschaftSpresse hat die Sperre über die genannte Firma verhängt und es werden auch diejenigen Werke, die von dein ge- nannten Betriebe Guß übernehme», mir Streik bedroht. So haben die Gictzereiarbeiter der Rheinischen Bergbau- und üttenwesen-Aktiengesellschaft(Niederrheinische . ütte zu Duisburg) sich geweigert, Modelleder Firma Froriep zu gießen. Die genannte Hütte sah fich deshalb veranlaßt, den in der Anlage unter II aufgeführten Gießereiarbeitern zu kündigen. Wir bitten Sie deshalb, die tn der Anlage aufgeführten Arbeiter big aus weiteres nichteinzu st eilen. Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. Die Zersplitterung der gewerkschaftlichen Organisatione» wirkt gerade in KampfeSzeiten außerordentlich schädlich. Dag er- weist wieder einmal ein Kampf, der sich zurzeit im Töpfergewerbe in Königsberg i. Pr. abspielt. Hier hatten die Unternehmer zum 1. Januar dieses Jahres den Tarif gekündigt. Sie wollen die flaue Kcnjunktur zu Lohnavzügen ausnützen, und legten zu diesem Zwecke den Gehilfen einen in einzelnen Positionen um b— 30 Proz. gekürzten Tarif vor. Nun sind in Königsberg drei verschiedene nennenswerte!! Anzahl vertreten ist. Zunächst haperke � es tnifl an einer Verständigung zwischen Lc-kalisten und Zentralisten über die einzuschlagende Taktik bei dieser Abwchrbewcgung. Soviel aber war zu erkennen, keine von beiden Richtungen wollte sich Lohnabzüge gefallen lassen. Da aber die Unternehmer um jeden Preis auf Abzügen beharrten, zerschlugen sich auch die VerHand- lungen, und so schlössen denn die Unternehmer kurzerhand mit der stets harmoniebereiten Hirsch-Dunckerschen Rausreitzertruppe einen Vertrag ab. der die ol'enerwähnten Lohnkürzungen enthält. Außerdem errichteten die beiden Verbünocten noch eine Arbeits» nachweisfalle, durch die jeder, der Arbeit haben will, hindurch muß. Bedingung ist selbstverständlich: Anerlenrmtrg deS reduzierten Lohntarifs und Bekehrung zum Hirsch-Dunckerschen Harmonie- glauben. Ein solches Verfahren ist aber beileibe kein Terrorismus, es sind ja„StaatSerhaltende", die sich solcher Handlungsweise schuldig machen. Lokalisten und Verbändler blieben bisher aber fest: sie nahmen die Aussperrung auf sich, und so befinden sich über 100 Töpfer in Königsberg in der Abwehr. Die flaue Kon» junktur ermöglicht es aber den Unternehmern, nnt den zirka 1b Mann starken Schutztnrpplern aus dem gelben Hirschenlager die notwendigen Arbeiten fertigzustellen. So steht nun den Töpfern Königsbergs ein langwieriger Ablvchrkampf bevor, da sie bis zu der günstigeren FrühjahrSkonj>»nktur tvarten müssen, ehe ein nach- haltigerer Druck auf die Position der Gegner zu erwarten ist. Die Hirsch-Dunckersche„Richtung" aber tut noch ein übriges und sucht durch Ruiidschreibcn an ihre Gesinnungsgenossen draußen im Lande die Rausreitzertruppe zu verstärken. So ist denn die Position der Unternehmer eine gar nicht so schlechte, in der Haupt- sackie gestützt auf die jammervolle Zerspl,tterung der gewerkschaft. lichen Kräfte der Arbeiter. Hätten diese eine einige Organisation. dann wäre jedenfalls zu erwarten gewesen, datz die Unternehmer es gar nicht erst zur Tarifkündigung hätten kommen lassen. So aber erkannten sie die«Schwäche der Arbeiter. Und diese Zersplitte- rung der Kräfte legt nun den Arbeitern ganz ungeheure Opfer auf, und dies, um nur die bisher innegehabten Positionen zu be- haupten.— Am schmählichsten und schöbigslen ist hier allerdings wieder einmal das Verhalten der Hirsche, die hier nach altem Rezept heimtückischen Arbriterverrat begehen und zeigen, datz zwischen ihnen und der gelben LebiuSgardo in praxi ein Unter- schied nicht besteht._ DaS KoalitionSrecht der Schutzleute. Der Stadtrat der Stadt Nürnberg verbietet eS seinen Schuhleuten, sich zur Vertrehrng ihrer Berufsinteressen zusammenzuschließen. Ms vor einigen Jahren bestand ein Verein der Schutz- leute; als er jedoch anfing, sich mit wirtschaftlichen Fragen zu bc» schäftigen, wurde den Schutzleuten der Beitritt verboten. Nachdem jetzt Sozialdemokraten in die StaMbertretung eingezogen stirb, nahmen sie im Gemeinvekollegium Stellung zu der Angelegenheit und beantragten, den Magistrat zu ersuchen, den Schutzleuten uneingeschränktes Kvalitionsrecht einzuräumen, und entgegenstehende Beschlüsse aufzuheben. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen, nur die Nationalliberalen stimmten dagegen._ Busland. Ein Arbeitslosenstreik in Amsterdam. DaS Amsterdamer Bürgerkomitee, das den Zweck hat, Arbeitslose zu unterstützen und ihnen tvcnn möglich Arbeit zu verschaffen, hat unter anderem etwa 100 Arbeitslose bei städtischen Erdarbeiten untergebracht, die in der Regel mit Hilfe von auf Schienen laufenden Karren aus. geführt Iverden, nun aber, mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit, ohire solche Einrichtung mit der Schippe bewerkstelligt werden sollen. Die däourch entsteheirde Verteuerung der Arbeit soll der Stadt aus den Mitteln des BürgrrkomiteeS, die durch Sainm- lungen aufgebracht werden, ersetzt werden. Die Arbeiter sollen sich jedoch für den achtstündigen Arbeitstag mit 1,25 Gulden begnügen, obwohl es meist organisierte Erdarbeiter find, die ihrer Gelverk» schast gegenüber verpflichtet sind, nicht unter 25 Cent die Stunde zu arbeiten. Es ist deswegen am Donnerstag bei jenen Nor- standsarbeiten zur Arbeitsmederlegurrg gekommen. Dre Gewerk- schastSvertreter machten den Vorschlag, die Arbeitszeit, dem Tage- lohn entsprechend, aus 5 Stunden festzusetzen, aber das Bürger. komitee mein» offenbar, daß die Arbeitslosen mit jedem Lohn zufrieden sein müssen, loenn man ihnen aus Mildtätigkeit einmal einen Brocken Arbeit zukommen läßt. Töpferorganifationen vorhanden: Lokalisten," Verbändler und Hirsch-Dunckersche. Die an Mitgliedern stärlste Organisation ist Die technischen Angestellten gegen die gelben Gewerkschaften! In einer vom Bund der technisch-industriellen Beamten ein, �lv.uw... miun berufenen Versammlung, welche am letzten Freitag in den Pracht-! pie der Lokalisten. Königsberg ist nutzer Berlin noch" der einzige salen des Westens tagte, referierte Herr Dr. Th. Barth über j Ort, in dem diese Sonderrichtrmg ,m Topfergewerbe noch in LZerantw.Nedakt.: CarlWermnth, Beriin-RiLdorf. Jifferateverantw,:DH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtSBuchdr.u.Ver!aaSanstall PmilSistgerLeCo,. Berlin SV/. Letzte JVachncbtcn und Depefeben. In die Luft geflogen. Siegen, 23. Januar.(W. T. B.) In der Dhnamitfabrik zu Würgendorf explodierte heute früh eine in der Fabrikation befind- liche Masse Dynamit. Das Gebäude flog mit zwei in demselben beschäftigten Arbeitern in die Luft. Beide Arbeiter wurden ge- tötet und entsetzlich verstümmelt. Die Leichenteile wurden noch nicht ausgesunden. ES ist das zweite Unglück, daS die Fabrik be- troffen hat. Vor einigen Wochen erst war der Waschraum in die Lust geflogen und der Betrieb war eben erst wieder aufgenoinmen. Aus dem Erdbebengebiet. Reggio, 23. Januar.(W. T. B.) Heute nachinittag um 2 Uhr wurde hier eine Erderschüttrrung verspürt. Um 4 Uhr 25 trat eine starke Erderschlltterung ein, die mit dumpfem donnrrähnlichen Ge- rausch verbunden war. Messina, 23. Januar.(W. T. B.) Heute abend 7 Uhr 30 Mi- nuten wurde eine sehr starke Erderschütterung»vahrgenommen, die acht Sekunden anhielt und auch an Bord der Schisse gefühlt wurde. Die Barackenbauten am Lai»dc gerieten in? Wai»kc>». Die Bevölke» rung ist lebhaft beunruhigt. Reggio, 23. Januar.(W. T. B.) Um 7 Uhr 20 Minuten abends ereignete sich ein leichter Erdstoß, dem 7 Uhr 24 ein sehr heftiger Stoh von kurzer Dauer folgte, der an Stärke dem vom 28. De- zember gleichkam. Mehrere bereits beschädigte Mauern stürzten ein. Der Bevölkerung hat sich großer Schrecken bemächtigt. Eine SchiffSkatastrophe. Boston, 23. Januar.(B. H.) Der Dampfer„Republic" der White Star Line ist heute morgen bei dichtem Nebel auf der Höhe von Nantucket von einem unbekannten Fahrzeug angerannt worden. Der Dampfer berichtet durch drahtloses Telegramm, daß er schnell sinke. An Bord befänden sich 220 Passagiere erster Klasse, weickie sich auf einer Vergnügungsreise nach dem Mittelmeer be- fänden. Der Maschinenraum dcS Schiffes stehe bereit» unter Wasser. Sosiwt nach Eintreffen dieser Nachricht sij»b mehrere Schiffe, darunter der„Baltic" von der Red Star Line und der französische Dampfer„Lorraine" der Atlantic Compagnie, sowie ein Küstendampfer und ein Zollkutter nach der Unfallstätte ab» gegangen, um dem sinkenden Dampfer Hilfe zu icisteu.— Den letzten Meldungen zufolge»st der Zollkutter bereits an Ort und Stelle eingetroffen, und hat das RcttungSwerk begonnen. Man hofft, datz sämtliche Passaglere und die Besatzung gerettet werden wird.— Die Nachricht hat in New Dork ungeheures Aufsehen er- regt. Unter den Passagieren befinden sich zahlreiche Millionäre, deren Angehörige jeden Auaenblick Nachrichten über die Katastrophe erwarten. HierzudBrilagrn, Kr. 20. 26. Ishtgavs- t. KcilM!>es.Armrls" KerliM PslksdlM. . IMgr lW. k�eicdstag. 192, Sitzung. Sonnabend, den 23. Januar, vormittags 11 Uhr. Am Bun'ocsratZlisch: v. Bethmann-Hollweg. In dritter Beratung wird der Gesetzentwurf betr. Aenderung des Wechselslempelsleuergcsetzcö deliattrlos angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung des Gesetzentwurfs zur Wanderung des Reichsgesetzes wegen Beseitigung der Doppelbesteuerung. �!er Entwurf will im wesentlichen die Bestimmung streichen, daß das Gehalt von Zivilbramten nur von dem Staate besteuert werden darf, der die Zahlung zu leisten hat. Wa. Dr. Brunsternmnn(Rp.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit dem Entwurf, der ein bundesfreundliches Ent- gegenkommen Preußens gegen die kleineren Staaten'darstelle, da namentlich viele preußische Eisenbahnbeamte in anderen Staaten Wehnen, die also in Zukunft deren Gehalt besteuern dürfen. Abg. v. Brockhausen(k.) schließt sich dem Vorredner im wesent- lichen an und bittet, den Entwurf an die itommission zur Bc- ratung der Reichsfinanzreform zu verweisen. Hag. Quarck-Koburg(nail.) Legrutzt den Gesetzentwurf im Interesse der thüringischen Kleinstaaten. Abg. Binder(Soz.): Auf allen Gebieten der Gesetzgebung kommt'die Tendenz nach Einheitlicksteit zum Durchbruch, nur auf dem Gebiete der Steuer- gesetzgebuna nicht. T,e Finanznot zwingt die Staaten zu den unglaublichsten Steuergesetzen(sehr richtig), und die Gemeinden irrten geradezu in unlauteren Wettbewerb, um steuerkräftige Be° triebe und Personen heranzuziehen oder zu halten. Das Gesetz zur Beseitigung der Doppelbesteuerung stammt aus dem �Jahrs 1570; seitdem aber haben sich die Verhältnisse vollständig geändert. Wir haben eine außerordentliche Entwickelung des Verkehrs, und im Geschästsleben macht sich eine Eity-Bewegung geltend. Beson- derS in Grcnzorten machen sich die Nachteile und die Unsicherheit Zufolge der gegenwärtigen Gesetzgebung geltend. So haben diele Firmen, die ihre Betriebsstätten in L'.ldimgshafen baben. ihren Firmensitz in Mannheim, und die betreffenden Firmen lue r den sowohl in Bayern wie in Baden zur Steuer herangezogen. Auch für die Arbeiter ist der gegenwärtige Zu- stand oft von Schade». Wenn z. B. ein Arbeiter, der 20 Jahre in LudwigShafen gearbeitet und ein kleines Anwesen erworben hat. arbeitslos wird und im benachbarten Mannheim Arbeit findet und dort ein« Schlafftelle mietet, so wird er auch dort zur Steuer herangezogen, und sein Einspruch hindert die Einziehung der Steuern keineswegs, selbst wenn er nachweist, daß er in Ludwigs- Hafen bereits die Steuer bezahlt hat! Ter K 5 des Entwurfes bestimmt, daß Beschwerden wegen Doppelbesteuerung innerhalb eines JahreS anzubringen sind. Ein Jahr ist ja allerdings eine ziemlich lange Zeit. Aver ich möchte doch, daß dem Gesetz noch ein weiterer Paragraph eingefügt wird, wonach eine Steuerbehörde zur Einziehung der Steuer nicht be- •rechtigt ist. wenn ihr der Nachweis geführt wird, daß eine andere Steuerbebörde die Steuer bereits eingezogen hat. TaL würde im Interesse der kleinen Leute liegen.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.f Im großen und ganzen� können wir uns mst oem Entwurf einverstanden erklären, der immerhin einen Fortschritt darstellt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Sl% EndcrS(frf. Vp.) ist fürjsie Vorlage, die aber keines- loeaS cm besonderes bundesfreundliches Entgegenkommen Preußens, sondern die einfache Erfüllung einer eigentlich selbst- verständlichen Pflicht bedeute. Oldenburgischrr Bundesratsvertreter Dr. v. Cucken-Abden- Hansen scheint sich über das Interesse Oldenburgs an der Annahme der Vorlage zu verbreiten.. � �.. ,T,. Abg. v. Damm iWirtsch. Vg.) empfiehlt die Annahme der Vorlage ohne Kommissionsberatung.. � �, Abg. Dr. Neumann-Hofer(freis. Vg.) rügt, daß die Ziegel- mcister als selbständige Gewerbetreibende betrachtet und besteuert werden, während sie doch als Werkmeister anzusehen sind. Ungerecht sei es ferner, daß mündige, aber unverheiratete lippische fi-gelarbeiter, obwohl sie ihren Wohnsitz in Lippe bei ihren Eltern laben, in Preußen zur Staatssteuer herangezogen werden. Abg. v. Strombcck(ZA ist für Annahme ohne Kom- m i s s i o n s b e r a t u n g. Er spreche jedoch nur für seine Person, nicht im Namen seiner Fraktion. kleines f cuillcton. fifben Hedin's Entdeckungen. Sven Iedin hielt am Freitag auf Einladung der Anthropologisch-Geographischen Gesellschaft in 'Stockholm einen zweieinhalbstündigen Vortrag über seine For- schungsrcise in Tibet. Der Präsident der Gesellschaft, Monteliuö, teilte mit, daß dem Forscher die Wahlbcrgmedaille verliehen und ein Fonds von vorläufig zehntausend Kronen gestiftet worden sei, der H-dinS Namen führen und für die geographische Forschung verwendet werden solle. In dem nun folgenden Vortrag hob wedin als wichtigstes Ergebnis seiner letzten Reise hervor, daß er die Quellen des Indus entdeckt und eine genaue Karte dieser Gegend aufgenommen habe. Ferner habe er nordwestlich von Schigatse den Transhimalal)a überschritten und sei bis zu den heiligen Seen von Manfarova vorgedrungen, wo er mehrere bisher unbelannte Gebirge und einen großen See. den größten des ganzen Systems, entdeckte. Er habe ferner den wirklichen Lauf der Quellen des Bcahulaputra festgestellt und dargelegt, daß der Flußarm, welcher bisher als Quelle anziehen worden sei, nur ein Nebenfluß sei. Endlich habe er sowohl den östtlichen wie den westlichen Teil des Transhimalaya erforscht, deren Zusammenhang bisher völlig unbekannt war. Es sei ihm gelungen, eine genaue Kenntnis dieses Gebirgssystcms zu erwerben, das in seinem Cha- rakter so sehr vom Himalaya abweiche. Habe» die Tiere ein Vorgefühl des Erdbebens? Von unserm rchnischen Korresvondenten, der das Erdbebengcbiet besucht hat, wird uns geschrieben: Tic Frage, ob die Tiere ein Vorgefühl des Erdbebens haben, ist wiederholt bejaht worden, ohne daß bis heute einwandfreies Material darüber vorliegt. Wir haben versucht, im Erdbebengcbiet und unter den Flüchtlingen Erkundigungen dar- über einzuziehen, ob in dem Benehmen der Haustiere vor dem letzten großen Erdbeben Besonderheiten bemerkt worden sind oder nicht. Durch ganz zuverlässige Zeugen haben wir folgendes er- fahren können: Äfehrere Stunden vor dem Erdstoß vom 25. De- zembcr waren die Esel und Maultiere in den Ställen außer- ordentlich unruhig und störten durch ihr ununterbrochenes Schreien. Eine Hündin, die zwei Junge säugte, blieb in der Nacht des Erdbebens gegen ihre Gewohnheit von Hause weg, scheint also wohl ein Vorgefühl von etwas Ungewöhnlichem gehabt zu haben. Ihre Jungen wurden übrigens gerettet und in einem Zelt untergebracht, doch schläft die Hündin bis jetzt nicht im Zelte, sondern auf den Trümmern ihres Hauses, auf denen sie kläglich die ganze Nacht weint, obwohl keiner von der Familie ihres Herrn umgekommen ist und unter den Trümmern teine Leiche ruht. Beachtenswert ist auS. daß in der Umgebung von Rcggio am Tage vor dem Erdbeben eine geradezu ungeheure Zahl" von Vögeln gesehen wurde, wlc sie kein Jäger in der Gegend je gesehen hat. Schon am Rachmittag d?v 25. sah mdatz man von der Meinung ausgeht, man könne die Befugnisse der Behörden nicht scharf und genau umgrenzen und müsse ihnen deshalb Befugnisse in allgemeinen Ausdrücken geben und es der Praxis und der Entscheidung der Gerichte Überlassen, aus diesen allgemeinen Befugnissen heraus das wirkliche Recht zu schassen. Das führt notwendig zu einem willtürlichen Regiment der Bureankratie innerhalb des Spielraums, den die gesetzgebenden Körperschaften den Beamten gelassen haben. Natürlich getvöhnen die Verwa.ltungs- beamtcn sich die möglichst schärfste, möglichst weitgehende und die freien Rechte dcö Volkes möglichst beeinträchtigende Auslegung an, und sie werden darin von den oberen VerwaltungS- behördcn bestärkt. Denn wenn ein Verwaltungsbeamter einmal gegen die Gesetze verstotzen hat. z. B. unbcrechtigterweise eine Versammlung aufgelöst, einen Verein belästigt hat. so erhält er allenfalls eine„Rektifikation". Der Minister stellt sich oann hierher und sagt: ES ist ja Remedur geschaffen l Die besteht aber darin, datz der Beamte, der zuweilen ganz frivol gegen die Gesetze ver- stotzen hat. die„Rektifikation" einfach hinter den Spiegel steckt, wenn er ihr noch soviel Ehre erweist, und datz alles beim alten bleibt. Der Beamte übt dieselbe Praxis weiter aus; er weih ja ganz genau, datz für sein Fortkommen nichts vorteil- hafter ist, als wenn er die Gesetze in schroffster Form anwenoet. (Lebhoste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bei milder Anwendung läuft er Gefahr, im Avancement übergangen zu werden. Aber die schneidigsten Beamten rücken in die oberen Stellen auf. Das ist die Meinung, die sich im Volke festgesetzt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich will nicht noch einmal auf alle einzelnen Falle eingehen, sondern zur Erhärtung dessen, was ich gesagt habe, nur auf drei Einzelsalle Bezug nehmen. Zunächst will ich. dem Wunsch- einer Dame ent- sprechend, die Ausführungen des Herrn Staatssekretärs in bezug auf eine Beschwerde berichtigen. Es handelt sich um den Fall der Frauenversammlung, den mein Freund Brey angeführt hat Der Herr Staatssekretär hat das Verleiten des Beamten. der in rigoroser Weise die Entfernung von Kindern und Jugend- lichen aus der Versammlung verlangt hatte, damit zu rechtfertigen gesucht, datz er sagte. eS habe sich im Laufe des Vortrags um die Besprechung geschlechtlick»er Dinge gehandelt. Demgegenüber schreibt die Dame:.Erst am Dckstutz meiner Ausführungen kam ich. u n t e r Hinweis darauf, datz nun die ho ch w oh l l ö bl i ch e Polizei schon einmal die Jugendlichen entfernt habe, auch auf die Hamburger Bordellverhältnisse und die Ziele der abolitionistischen Föderation zu sprechen." Also nicht das Borbringen dieser Dinge hat den Beamten zu seinem Vorgehen ver- anlatzt. sondern die Dame hat diese Dinge erst besprochen, nachdem die Versammlung eine ganz andere Zusammensetzung hatte als vorher! Ich habe mich für verpflichtet gehalten, diese Sache im Interesse der Dame, die zu Unrecht beschuldigt worden ,st, hier vorzubringen. Ferner hat mein Freund Brey eine Beschwerde aus Thorn vorgebracht, die sich darauf bezog, datz die Polizei „aus somtätS- und sicherheitSpolizeilichen Gründen" einen Wirt aufgefordert hatte, 24 Stunden vor Beginn jeder Ver- sammlung eine schriftliche Anzeige zu erstatten! Diesen zweifellosen polizeilichen Mitzgriff suchte der Herr Staatssekretär dadurch aus der Welt zu sckiaffcn, die Verfügung sei durch den Rcgierungspräsi- deuten zurückgenommen. Nun kommt aber die sehr inter- essante weitere Eutwickelung des Falles, die beweist, was unsere Beamten, selbst wenn sie.rektifiziert" worden sind, auf Grund ihrer bisherigen Erfahrungen glauben, von solchen Rektifikationen der oberen Behörden halten zu dürfen: Dem Gastwirt ist inztvischcn eine neue Polizeiverfügung zugegangen, wonach ihm die Abhaltung einer Bersammlung au» baupolizeilichen Gründen verboten wird!!(Hört! hört! b-i den Eljzialdemokraten.) Dieses Lorgehen ist ebenso charakteristisch für die Stellung der unteren Verwaltungsbehörden zu �solchen Ver- fügungcn der vorgesetzten Behörde, als für die schikanöse Umgehung des Gesetzes, durch welche man die Abhaltung von Versammlungen unmöglich zu machen sucht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Ferner ist mir ein Fall mitgeteilt worden, der wirklich das Erstaunlichste ist, waL ich in bezug auf die Handhabung von Polizei- lichen Machtbefugnissen bis jetzt zu Gesicht bekommen habe. Ich würde ihn den übrige», hier unbesprockencn Akten beilegen, wenn er nicht so ftberaliS charakteristisch wäre. Dem AmtSborstehor von Alvensleben war es unangenehm, datz in Falkenberg in einem Lokale fernes Amtsbezirks eine Versammlung angekündigt war. in der über die Amtsführung des früheren Gemeindevorstehers von Falkenberg gesprochen werden sollte. Er setzte sich also hin und perfatzte ein amtliches Schriftstück, welches wörtlich lautet: „Amtsvorstand Falkenberg. IS. September 1908. Hiermit untersage ich, datz in Ihrem Lokal eine öffentliche Versammlung bktr. Amtsführung dxs früheren Amtsvorsiehers an? IT, d. M. stattfindet.(Hört! hört! beiden Sozialdemokraten.) Sollte dies trotzdem der Fall fein, so werde ich Sie in eine Strafe von 100 Mark nehmen." (Hört! hört! links und Heiterkeit.) Das ist die reine Paschawirtschast. d. h. pardon, damit beleidige ich wohl die h-utc amtierenden riir- tischen Pascha?.(Heiterkeit.) Immerhin würde so etwas unter der früheren Wirtschaft in der Türkei nicht aufgefallen sein. Waö ist nun geschehen? Unsere Parteigenossen haben dem Mann ge- raten, gegen diese Verfügung nicht etwa Beschwerde einzulegen, sondern sie einfach in die Tasche zu stecken und sich gar nicht darum zu kümmern. Der Mann ist auch so vernünftig gewesen; die Ver- sammlung ist abgehalten worden, und bis heute hat der Pascha von Alvensleben noch nichts weiter von sich hören lassen. Möglich, datz er mittlerweile von irgendeinem rechtskundigen Manne informiert worden ist, datz so etwas selbst in Preutzen nicht geduldet werden kann. Aber ich möchte den Herrn Staatssekretär fragen: Was geschiebt mit einem Beamten, der sich eines derartig unglaub- lichen UebergriffS schuldig macht? DaS ist doch offenbarer Amts- mißbrauch.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich sollte meinen, da könnte einmal ein Exempel statuiert werden. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ordensfest! Heiterkeit.) Ja, das ist nun leider schon vorüber!(Heiterkeit.) Jedenfalls sollte dafür gesorgt werden, datz dieser AnitSvorsteher von Alvensleben fortan nickt mehr irgendwelche amtlichen Befugnisse ausübt, da er dazu absolut nicht qualifiziert ist.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ich habe also gesagt, datz die ausführenden Organe der Bureaukratie bei dem großen Spielraum, den sie in bezug auf die Anwendung der Gesetze haben, im allgemeinen dazu neigen, diese Gesetze in schroffster Form zur Ausführung zu bringen. Zuweilen stehen ihnen dabei auch noch Kommentare zur Seite, wie z. B. die neue Berichtigung im Kommentar des Herrn Müller-Meiningen!(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Diese Praxis schwankt nun je nach dem Wind, der in den höheren Regionen herrscht. Die Mehrheit dieses Hauses hat bei diesem Gesetze nicktS getan, um diesen Spielraum ernstlich ein- zuschränken. Sie hat sich geweigert, den Begriff der„öffentlichen Versammlung" und deS„politischen Vereins" klar und präzise zu definieren, und gerade aus diesem Mangel an Definitionen ent- stehen eine Anzahl solcher Uebergriffe der Beamten. Wenn Sie sagen, daS läßt sich eben nicht definieren, dann hätten Sie nicht mit solchen Kautschukbcgriffen im Gesetz operieren dürfen. Nun ist neuerdings wieder etwas geschehen, was trotz der Erklärungen deS Herrn Staatssekretärs dazu beitragen wird, die Ver- waltungsbcamten zu ermutigen, die Gesetze in möglichst schroffer Weise anzuwenden: Als neulich Fürst Bülow im Abgeordneten- hause den Versuch machte, seinem wackelnden Kanzlersessel eine neue Stütze zu geben, indem er die llnterstützung der konservativen Partei mit allerlei Schmeichelkünsten und durch die Zusicherung von eventuellen neuen Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemo- kratie zu gewinnen suchte, meinte er: bevor man zu neuen AuS- nahmegesetzen komme, müßte der Beweis erbracht sein,.daß die vorhandenen Mittel selbst bei einer starken. f u r ch t l o s e n A n w e n d u n g nicht mehr ausreichten." (Hört! hört! bei den Sozialdemokratcn.s Wenn der preußische Ministerpräsident, selbst ein wackelnder(Heiterkeit), im preußischen Abgeordnetenhause zur rücksichtslosen Handhabung der Gesetze seitens der Beamten auffordert, was ist das anderes als em Appell an die bureaukratifche Sclbstherrlichkeit, an die Schikanierung der Sozialdemokratie, an die mife- bräuchliche Anwendung des BereinsgesetzeS! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und es ist kein Zweifel, datz dieser Appell auf einen fruchtbaren Boden fallen wird. Die Polen werden dabei natürlich auch nicht leer aus» gehen.(Sehr wahr! bei den Polen.) Alles Oppositionelle wird in einen Topf geworfen werden. Das alles schließt natürlich auch nicht aus, datz eventuell wieder mit Ausnahmegesetzen vorgegangen wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und damit komme ich zu dem Ausnahmegesetz, das man in daS Vereinsgesetz hineingeschrieben hat. Der Staatssekretär wartete mit einer Fülle von Zitaten auf, die den nationalpolnischen Charakter der polnischen Gewerkschaften beweisen und die An- Wendung des Sprachenparagraphen rechtfertigen sollen. Die Abge° ordneten Roeren und Fürst Radziwill haben bereits die Schluß- fclgerungen dcS Staatssekretärs genügend widerlegt. Man kann im Interesse der gewerkschaftlichen Bestrebungen bedauern, datz sich die polnischen Berufsvereine auf nationalpolnischen Boden stellen. DaS rechtfertigt aber in keiner Weise, fi� unter ein AuS- nahmegesch zu stellen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat Aeutzerungen von sozialdemokratischer Seite zitiert, die sich gegen die polnischen Berufßpereine wenden. Ich habe namens meiner Fraktion ausdrücklichst zu erklären: „Wir wünschen die polnischen Gewerkschaften nicht anders behandelt zu wissen, als wir uns selbst behandelt wissen wollen. (Sehr lebhaftes Bravo! bei den Polen und im Zentrum.) Wir bekämpfen jede» Ausnahmegesetz, es kehre sich gegen wen es wolle!(Erneute» Bravo! bei den Polen.) Wir lassen unS gewiß da? Recht nicht nehmen, andere GeWerk» schaftSrichtungen, die sich nach unserer Meinung nicht aus dem rechten Wege befinden, darauf aufmerksam zu machen, aber unter keinen Umständen werden wir die Hand dazu bieten, diese Richtun- gen unter ein Ausnahmegesetz zu stellen. EL gibt Leute genug. die, wie Herr v. Liebert, den Staatssekretär mit Mktcrial ver- sorgen können, das nach ihrer Meinung es rechtfertigt, auch die freien Gcwerkfckiaften unter Ausnahmerecht zu stellen. Wir be- zweifeln, ob das gute Herz des Staatssekretärs(Große Heiterkeit) der Versuchung widerstehen würde. Herr Dr. Müller-Meiningen wird dann einen Kommentar schreiben und betveisen, daß§ 11 sich auch auf die freien Gewerkschaften bezieht.(Sehr gut! im Zcn- trum und bei den Sozialdemokraten.) Damit komme ich zu den Versuchen, diese erstaunliche AuS- legung des Gesetzes zu rechtfertigen. Ich habe schon bei früherer Gelegenheit durchgreifend nachgewiesen, datz weder im Gesetz noch in oer Verhandlung im Plenum ein Wort gesagt worden ist, datz die Anwendung des Sprachenparagraphen aus die polnifckjen Berufsvereine rechtfertigen könnte. Neuerdings hat der Abgeordnete Roeren diesen Nachweis noch ergänzt. Die Herren von der Mehrheit bestreiten zivar unsere Behauptungen, kommen aber mit wirklichen Gegengründen nicht heraus. Deshalb will ich zunächst daS Folgende feststellen: Der Abgeordnete Gothein hat gestern aber. malS erklärt, datz hoffentlich nun von niemandem mehr bestritten werden wird, auch nicht vom Abgeordneten Heckscher(Heiterkeit), datz eine ganze Anzahl seiner Parteifreunde nicht für das Gesetz gestimmt hätten, wenn sie die Auslegung gekannt hätten, die jetzt Herr Bethmann-Hollweg und Herr Müller-Meiningen geben.(Zu- ruf des Abg. Dr. Müller-Meiningen: Namen nennen!) Wenden Sie sich damit an Ihren Parteifreund Gothein, der kennt die Namen, nicht ich. Oder glauben Sie, datz Herr Gothein hier wieder- holt die Unwahrheit gesagt hat? Dann setzen Sie sich mit ihm nur innerhalb Ihrer Fraktionsgcmeinsckzaft auseinander.(Sehr gut! bei oen Sozialdemokraten.) Es steht demnach aktenmiisiig fest, daß einzelne Freisinnige für das Gesetz nur gestimmt heben, weil sie dem Gesetz eine andere Auslegung gegeben haben, a!S ihm jetzt gegeben werden soll. Wahrscheinlich hätten diese Dissidenten genügt, das ganze Gesetz zu Fall zu bruujen.(Sehr wahr! bei der Minderheit.) DaS ist ein sehr wesentliches Moment für die Be. urteilung dcS Vorgehens der Herren Bethmann-Hollweg und Müller-Meiningen. Ick? stelle weiter fest, bah im Plenum des HauscS weder von einem Vertreter der Rehrheitsparteien noch von einem Vertreter der Regierung jemals eine unzweideutige Auskunft darüber ge� geben worden ist, datz WS Gefetz gegen dk polnischen Bernftperewi- gunHS» angz�ndet werden sollte. Der Abgeordnete Roeren hat ge- meint, die Antwort dcö Staatssekretärs fei vollkommen klar ge- Wesen. Leider war sie das nicht, sondern ließ auch eine andere Auslegung zu.(Abgeordneter Roeren ruft: Eine ehrlich« Aul- lcgung und eine unehrliche!) Allerdings gebe ich zu, datz rdyal, vernunftgemäß und dem Sprachgebrauch entsprechens nur d i e Auslegung ist: datz alle Gewerkschaften ohne AuS- nähme von der Wirksamkeit des Sprachenparagraphen befreit sein sollen.(Sehr wahrl bei der Minderheit.) Der Abgeordnete Müller-Meiningen bat sich demgegenüber darauf berufen datz in Ser Kommission Aeutzerungen gefallen seien: daß die Reichsregio- rung unter keinen Umständen darein willigen werde, die polnischen Berufsvercinigungen auszunehmen. Was geht aber mich, wenn ich mich im Plenum als Abgeordneter über ein Gesetz schlüssig zu machen habe, daS an. was in Privatgekprächen a.f Hintertreppen oder meinetwegen auch in KommissionSverhandcu.igen zwischen dem Staatssekretär und Herrn Müller-Meiningen verhandelt worden ist, wenn das Resultat der Verhandlungen rncht im Plenum amtlich festgestellt wird? Im Plenum ist der Staatssekretär aus- drücklich wiederholt über diesen Gegenstand befragt worden. Aber er hat keine klare Antwort gegeben. Man wollte eben die Un- klarheit!(Sehr wahr! bei der Minderheit.) Nachdem der Staats- sckretär aus die Anfragen der Abgg. Gräf und Müller-Meiningen unklar geantwortet hatte, hat ihn mein Parteifreund Hue zu einer bestimmten Erklärung zu provozieren gesucht, und er hat g e- schwiegen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Danach mutzte man, wenn es sich um einen ehrlichen und anständigen Mann hanoelte, in der Annahme bestärkt»verden, datz alle Gewerkschaften ohne jede Ausnahme befreit sein sollten. Dann habe ich in der dritten Lesung noch einmal auf die Toppeldeutigkeit und die Lücke der zweiten Lesung hingewiesen, habe den Staatssekretär wiederum zu einer offenen Erklärung ge- drängt, weil der Reichstag, ganz abgesehen von ver Parteistellung, Klarheit über die Gesetze haben mutz, die er beschließt, und habe vorausgesagt, datz er nachher Ausreden machen könnte. Es war einfach seine Pflicht, nach so oft wiederholten Provokationen in einer so wichtigen Frage Auskunft zu geben. Da hat der Staats- sekretär das Wort ergriffen, und er ist auf andere Punkte meiner Rede eingegangen, aber über diese Frage hat er geschwiegen. Ich appelliere an alle Richter hier im Hause, wie sie mit einem Mann verfahren würden, der unter solchen Bedingungen wie Herr v. Beth- mann-Hollweg einen Vertrag zustande bringt und die Gegenpartei m dem Glauben läßt, datz er etwas Bestimmtes zugesagt habe und sich nachher auf eine andere Auslegung beruft. Ich bin fest über- zeugt, die Richter würden einen solchen Mann unbedingt verurteilen und den Kontrakt zerreißen. Dieser Kontrakt über das Reichs- Vereinsgesetz ist in einer Weise zustande gekommen, die sich nicht verträgt mit der Offenheit, Ehrlichkeit und Klarheit, die im Ver- kehr zwischen Parlament und Regierung unbedingt erforderlich ist. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Müller-Meiningen hat dann versucht, das Verhalten de? Staatssekretärs zu decken. Auch in seinem Kommentar hat sich der Abgeordnete Dr. Müller-Meiningen so ausgedrückt, daß es den Glauben erwecken mutzte, datz a l l e Gewerkschaften vom Sprachen- Paragraphen ausgenommen seien. Er schreibt: »Die ganze GewerktchaftSbeweaung, gleichviel wetchrr politischen Richtung.. �werspruch deS Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen.) Wer, Herr Muller-Mcmingen. ich verlese ja nur Ihren Kommentar.(Ab- geordneter Dr. Muller-Mciningen: Das ist falsch!) Sind Sie wirk- lich schon so konfuse, oatz Sic vergessen haben, was Sie gescliriebeir haben?(Grotze Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Abgeordneter T-r. Müller-Meiningen ruft: Sie lesen falsch!) Aber ich verleie Ihnen ja wörtlich Ihren eigenen Kommentar, Sie haben tatsächlich schon vergessen, was Sie geschrieben haben.(Allgemeine grotze Heiterkeit.) Auch die freisinnige Presse hat eS so aufgefaßt, als sollten auch die polnischen BcrufSvereine nicht unter den Sprachen- Paragraphen fallen, und wenn Die eS ander» meinten, so hätten Sie eS in Ihren Kommentar hineinschrcibcn müssen.(Wgeord- neter Dr. Müller-Meiningen ruft: Wenn Sie lesen könnten, stebr es ja drin! Aber Die können nicht lesen! Lachen bei den Sozial- demokraten.) WaL verstehen Sie eigentlich unter einem Kommen- tar, Herr Müller-Meiningen?(Sehr gut! bei den Dozialdemo- kratcn. Zuruf: Ein Kommentar ist eine Erklärung zu seinem Kommentar!— Heiterkeit.) Reizen Di« den Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen mir nicht, neue Kommentare zu schrcibdn: klar wird die Sache in seinem Kopfe doch nicht.(Grotze Heiterkeit und lebhafte Zustimmung bei der Minderheit.) Der Abgeordnete Roeren hat von einem logischen Soltomortole Müller-MeiningenS gesprochen. und Herr Müller-Meiningen als geistvoller Mensch hat eö ihm als Retourkutsche zurückgegeben. Er hat gesucht, zu beweisen, datz er die polnischen Berussvereine nicht gemeint habe, sondern nur die deutsche Gewerkschaftsbewegung. Der Staatssekretär bat sich die größte Mühe gegeben, nachzuweisen, daß die polnischen DernfSvereine politis ch stich, und Herr Müller-Reintngen hat jubelnd dieser Beweisführung zugestimmt, entzückt, wie gut sie dein Staatssekretär gelungen sei. Wa» aber sagt Herr Müller- Meiningen in seinem Kommentar gu seinem Kommentar in der „Frankfurter Zeitung"?„Ich hatte somit alle poli« tischen, d.h. sozialpolitischen und parteipoli. tischen. Bestrebungen im Auge, aber nicht die nationalpolitischen, d. h. polnischen Organisa. tionen."(Große Heiterkeit.) Hier erk'ärt der CtaalZsckrctär. die polnischen BerufSvereine seien politisch und fielen deshalb unter den Sprachenparagraphen. Herr Müller-Meiningen spricht von Gcwerkvereinen jeder politischen Richtung und erklärt nachher. er habe die nattonalpolitischen nicht gemeint. DaZ ist doch wieder ein logischer Saltomortale unglauvtichster?irt, und man mutz eS wirklich mehrmals lesen, um zu glauben, datz ein deutscher Reichstagsabgeordneter, der alle Oualisikationen zur EesetzeSauSlegung durch Prüfungen erworben hat(Heiterkeit), wirk- lich diese Auslegung fertigbringt. Die„Frankfurter Zeitung" hat ihm vorgehalten, datz. wenn er von allen Gctrnkschaften spricht, er nicht alle meint, und wenn er von politischen Gewerkschaften spricht, meint er die polnischen Gewerkschaften nicht, deren ganzes Verbrechen nach dem Staatssekretär gerade darin besteht, datz sie Politik treiben!(Anhaltende große.Heiterkeit.) In die ganzen Gehirnwindungen deS Herrn Müller-Meiningen sich hinein. zudenken, ist einem gesunden Geiste wirklich nicht möglich.(Er- neute Heiterkeit.) Nackdem Herr Müller-Meiningen so einen Kommentar zu seinem Kommentar geschrieben hat. hat er dann noch einen Vize. kommentar geschrieben und gesagt, um ganz klar zu sein, will ich das Wort„deutsch" eingeschaltet haben. Ach, Herr Müller-Mei- ningen, klar sind Sie deshalb nicht geworden. Auch das Wort „deutsch" hat in diesem Zusammenhange eine mehrfache Dedeu- tung, und wenn eS in Ihrem Blockinteresse liegt, haben Si« eS später noch immer in der Hand, zu sagen:„Wenn ich von der ge- samten deutschen Gewerkschaftsbewegung rede, so meine ich nicht die sozialdemokratische(Heiterkeit), denn die Sozialdemokraten sind antinational(Grotze Heiterkeit), sind Leute, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen!"(Stürmische Heiterkeit.) Sie sehen also. Sic können eS immer noch versuchen, einen neuen Kommentar zu den dielen Kommentare» Ihres Kommentars zu schreib„u.(Erneute Heiterkeit.) Wenn man mit Herrn Müller-Meiningen z» tun hat, ist eS schwer, das lateinische Wort nicht anzuwenden: Öilsicile e�t satirom non soriber-,(ES ist schwer, keine Satire zu schreiben.) Anders als satirisch kann man Herrn Müller-Meiniugc» nicht be- handeln. AIS er gestern wie der Fuchs im Eisen herumtanzte (Heiterkeit), fing er nach dem alten bewährte» Rezept des Herrn Liebert an, aus die Sozialdemokratie zu schimpfen. Er glaubte, durch diese skurrilen Witzchen verständlich zu macheil.... Präsident Gras Stolberg: Sie dürfen eine« Abgeordneten nicht vorwerfen, datz er fkürrsts Mtzchen gemM hat.(Mgeweine Per- tTOndenntg) vo zu! DW. WWW» WWW........ andersetzungen war.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdcmo- kratcn, Polen und im Zentrum.) Und nun zum Schluh ein kurzes Wort übet die Wirlung Sstjrer Mahnahmen. Was versprechen Sie sich denn von dieser Ver- fvlgungswut gegen die Polen durch das Gesetz überhaupt und waS insbesondere von der Anwendung des Gesetzes zur Verfolgung der polnischen BcrufSvcreine? Man verlangt von Ihnen ja nicht, daß Sie Staatsmänner sind, aber ein bihchcn Menschenkenntnis sollte man Ihnen doch zutrauen, wenn Ihre Psychologie nicht völlig der- blockt ist.(Sehr richtig!) Können Sie denn glauben, mit diesen neuen Drangsalierungcn der Polen irgend etwas zu erreichen? Glauben Sie vielleicht, die Polen werden geringer werden an Zahl? Der Kanzler Bülow hat ja einmal über die Vermehrung der Polen grllagt. Ich weih nicht, ob ein ähnlicher Gedankengang auch bei Ihnen besteht. Aber erreichen werden Sie es nicht. Die Polen werden sich nach wie vor vermehren, und zwar aus ganz bestimmten wirtschaftlichen Gründen stärker vermehren als die Deutschen. Auswandern werden sie auch nicht, sie werden vielmehr hier bleiben und auf das Gesetz pfeifen, weil sie sich eben als Männer, ebenso wie wir Sozialdemokraten, durch Ausnahmegesetze nicht in? DlockShorn(Grohe Heiterkeit) jagen lassen (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Polenh weil sie wissen, dah an ihrem tatkräftigen Widerstand die ganze Willkür der Polizei zerschellen wird, und zu den ungeheuren unsäglichen Blamagen der deutschen und der preußischen Politik unter dem gegenwärtigen Kurse, namentlich seit Bülow Reichskanzler ist, wird so noch eine neue hinzukommen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Polen.) Präsident Graf Stolberg(mit erregter Stimme): Sie dürfen nicht sagen, dah die ReichSpolitik und die preußische Politik sich un- säglichc Blamagen zugezogen hat.(Lebhafter Widerspruch und Un- ruhe im Zentrum und bei den Sozialdemokraten. Der Präsident schwingt erregt die Glocke und ruft: Ich bitte um Ruhe! Abg. Ledebour(fortfahrend): Das also werden Sie nicht er- reichen. Sie werden vielmehr die polnische Bewegung stärken und kräftigen. Sie werden die Polen mit Gewalt in die polnische Agitation hineintreiben und dem Deutschtum entfremden. Tat- sächlich sind wir Sozialdemokraten in dieser Beziehung ausge» sprochene deutsche Patrioten, indem wir durch die Gleichberechtigung den Polen die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich erträglich machen wollen und auf ihr Zusammenarbeiten mit den Deutschen hin- wirken.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Uebri- gcnS erkenne ich an, dah auch das Zentrum und die Elsässer aus Gründen der Selbsterhaltung diese Taktik verfolgen. Erreichen werden Die durch die wachsende Unzufriedenheit, durch die künstlich erzeugte RcichSseindschaft der Polen eine schwere Schädigung des Reiches. Sie behandeln die Leute als Reichsfcinde. wie sollen sie da irgend ein Interesse am Reich haben?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und Polen.) Fürst Radziwill hat mit Recht auf die Wirlung im Ausland hingi-wics-n. und daran können die larmoyanten Ausführungen deS Staatssekretärs nichts ändern. Präsident Graf Stolberg springt erregt auf und ruft mit lauter S.imme: Sie dürfen nicht sagen, der Staatssekretär habe larmoyante Ausführungen gemacht.(Allgemeine Verwunderung im ganzen Hause. Lebhafte Unruhe bei den Sozialdemokraten. Pole» und im Zentrum.) Ich rufe Sie zur Ordnung.(Erneute große Unruhe, Glocke des Präsidenten.) Abg. Ledebour(fortfahrend): Im Auslände wird man. ab- gcseh-m von den bureaukratilchen Kreisen RuhlandS, in dem kulturell weiter entwickelten Westeuropa und Amerika wird man Ihr Verhalten als R ü ck ftä n d i g k e i t des Deutschen Reiches und Volkes erkennen, und dadurch wird daS Ansehen deS Deutschen Reiches und Volkes im Auslände schwinden. DaS hat sich ja jetzt schon gezeigt, und auch eine andere Voraussage, die ich bei der dritten Lesung deS Gesetzes gemacht habe, hat sich bewahrheitet. Ich warnte Sic damals, daß. wenn Sie sich auf eine derartige Der. fvlgung der Polen in Deutschland einlassen, Sie dadurch die anderen Staaten, wo Deutsche in der Diaspora(Vereinzelung) leben, zur selben Unterdrückung gegen die Deutschen ausreizen. Bei unö kommen s— t'ch Millionen Fremdsprachliche in Betracht gegen!d Millionen Deutsche, die allerdings für Sie zum Glück meist in kulturell weiter entwickelten Staaten leben. Aber die Deutschen in Ruhland und in Ungarn werden zu büßen haben, waS Sie hier tun. An ihnen wird sich in schärftter Weise das Wort bestätigen:„Delirsnt reges, plectumur Achivi."(Wenn die Könige rasen, haben es die Völker zu büßen.) Bor wenigen Taaen fand an einem Oertchen Ungarns«ine sozialdemokratische Versammlung statt. An diesem Orte war eS seit langem Gebrauch, daß abwechselnd magyarisch und deutsch gesprochen wurde. AIS nun der deutschsprechende Referent sich erhob, erklärte der über- wachende Gendarm. er dulde die deutsche Sprache nicht! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf da» Gesetz hin- gewiesen, erklärte er:.WaS geht mich das Gesetz an? Jetzt machen wir e» so. und ich lasse eben nicht deutsch sprechen!"(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ganz wie bei unS!) Ja, stellenweise steht die preußische Bureaukratie noch hinter der ungarischen zurück. DaS ist daS Spiegelbild Ihres Ausnahmegesetzes. Erkennen Sie daraus, daß Tie sich in? eigene Fleisch schneiden, wenn Sie diese unglückliche Politik weiter treiben. Der deutsche Name im Ausland wird bis- kreditiert. Die Deutschen im Ausland werden der Verfolgung aus- � �Der Zweck unserer Interpellation ist, nachzuweisen, dah daS Gesetz geändert werden muß, und wenn Sie glauben, dah sie der- früht ist. so versichere ich Ihnen, wir werden noch öfter kommen und Ihnen nachweisen, welchen Schaden daS Vereins- gesetz, das dltrch die Polenverfolgungen ein hafsenSwürdigeS Aus- nahmcgesetz ist, dem Reiche zufügt. Dieses Gesey mus; weggr:,?gt werden und es w i r d weggefegt werden, sobald die jetzige Block-, Bülow- und Bureaukratenhcrrlichkeit weggefegt wird.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten und Polen.) sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Dr. Fischer bestreitet, daß in Sachsen bei Annahme von Beschwerden Kaution verlangt wird. Es ist auch nicht richtig, daß man in Sachsen die Lust zu Beschwerden verloren habe. Es werden auch jetzt noch häufig Bc- schwerden eingelegt; daS beweist, daß die Parteigenossen des Herrn Ledebour das Vertrauen zu den sächsischen Behörden nicht vcr- loren haben, und ihr Vertrauen ist auch gerechtfertigt worden. Abg. Schirmer(Z.): Wer es bisher noch nicht gewußt hat. weiß jetzt, daß das Vereinsgesetz ein Ausnahmegesetz gegen die Polen ist. Man kann es den Polen aber nicht übel nehmen, wenn sie sich dagegen wehren. Wir muffen verlangen, daß die GeWerk» schaftSbewegung von dem 8 12 des Vereinsgesetzes, dem Sprachen- Paragraphen, ausgenommen wird. In bezug auf die Publikation sollte man dem Beispiel Bay-rnS folgen. Dort kann die Publi- kation der Versammlung in jeder Zeitung erfolgen, die im Amts- bezirke erscheint.— Herr Miiller-Mnmngen, der gestern in hohen Tonen das VorcinSgesetz pries, sprach dabei alS „kaiserlich Teutsch-Freisinniger". (yeitertelt; Uimche bei den Freisinnigen.) Nachher mußte er aber selbst scharfe Kritik an dem Gesetz üben. Also es scheint doch nicht so ganz zu stimmen. Dringend warnen möchte ich die Regierung vor einem neuen Sozialistengesetz. Als Arbeiter habe ich eS ct. fahren, wie Taufende von Arbeitern, die nicht an Sozialismus dachten, durch die Bedrückungen unter dem AuSnahmegeseY. die alle Arbeiter trafen, zu Sozialisten geworden sind.(Hört! hört!) Freihert und gleiches Recht ist die Grundlage der Ruhe und Zu- friedenbeit im Innern und macht deshalb das Vaterland nach außen stark.(Bravo! im Zentrum.) Direktor im ReichSamt des Innern Just: Die Behauptung deS Herrn Vorredners, daß bei der Bestimmung der PublikationS- organe für Versammlungen die Amtsblätter in unzulässiger Weise bevorzugt würden, läßt sich nicht aufrechterhalten. Der Minister deS Innern in Preußen hat allgemein angeordnet— durch Erlaß vom 8. Mai 1208, der allen Regierungspräsidenten zugegangen ist: „Selbstverständlich dürfen nur solche Zeitungen bestäügt werden, die in dem betr. Amtsbezirk verbreitet sind. ES können auch amt- liche Blätter zu Publikationsorganen bestimmt werden, wobei allerdings zu erwägen ist, daß dieselben dann die Aufnahme von Bekanntmachungen nicht verweigern dürfen, also auch Bekannt- maÄungcn sozialdemokratischer oder polnischer Versammlungen veröffentlichen müssen. Daß etwa lediglich amtliche Organe zur Publikation bestimmt sind, entspricht nicht dem Sinne des Gesetzes." Ter Minister hat auch in allen Fällen dieser seiner Anschauung Geltung verschafft Abg. Dr. Müller-Meiningen(freis. Vp.): Für ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie sind wir unter keinen Umständen zu haben.(Laute Zweiselsrufe bei den Mindcrheitsgruppcn. Rufe: In der Blockära ist alles möglich!). Im„Vorwärts" werde ich täglich mit Schmutz unö Unrat beworfen. Aber ich kann mich trösten: Mit Ihren(zu den Sozialdemokraten) revisionistischen Parteigenossen«n Bayern ver- fahren Sie noch unglimpsltchcr. Mir gegenüber ist wenigstens noch nicht von dem„verdummenden Einfluß deS Münchener Bieres" gesprochen worden.(Heiterkeit.) Tie unfreiwillige Komik Ihrer Ausführungen liegt darin, daß Sie sich selbst ernst nehmen. Herr Ledebour hat sich wiederholt auf meinen Freund Gothein berufen, obwohl dieser wiederholt erklärt hat, daß seine angezogenen Anführungen aus einem Irrtum beruhten(Hört! hört! beim Block), und er hat wieder Sätze aus meinem Kommentar cr.lS dcm Zusammenhang gerissen.— Redner wirft Ledebour weiter Nichtlesen der KommissionSberichte, Selbstüberhebung, Ouerulanteie- tum, zitiert das Buch Jesus Sirach zum Teil im griechischen Urtext unv erklärt schließlich, mit solchen Schmähern(Vize- Präsident Kämpf rührt sich nicht) nicht weiter diskutieren zu wollen,(Beifall beim Block, besonders rechts.) Abg. Sthche!(Pole): Das die Vorlesungen deS Herrn Staatssekretärs aus polnischen Blättern anlangt, so muffen wir erst nachprüfen, ob die Uebersctzung richtig ist.(Unruhe rechts.) Ter Polenbund und die polrnsche DerufSvercinigung sind absolut nicht mit einander zu verquicken. Beide stehen vielmehr in einem gewissen Gegensatz. Daß Sie polnische Berufsvereinigung auf christlichem, polnisch-nationalcm Boden steht, ist richtig, aber daö ist nur der Rahmen.— Die scharfen Worte, die gefallen sind, sind durch den Kamps erklärlich, in den die Polen gedrangt sind; auch si.no von der Gegenseite nicht minder scharfe Worte gefallen. Der Staatssekretär berief sich daraus, daß der Sekretär der polnischen Lerufsvereine sich politisch betätigt hat; aber verschwiegen hat er. daß dieser Beamte deshalb von seinem Amte zurückgetreten ist. (Hört! hört!) Aber eZ handelt sich gar nicht darum, was dre polnischen BerufSvcreinigungen früher getan haben, sondern waS sie jetzt tun.(Sehr richtig!) Daß sie jetzt, seit Bestehen deS neuen VereinSgesetzcS. irgend etwas getan haben, was ihre Unter» stellung unter den Sprachenparagraphen rechtfertigen könnte, hat der Staatssekretär nicht einmal versucht zu beweisen(Lebhaftes Sehr rickitigl bei den Polen und Sozialdemokraten), und feine auch für die Vergangenheit mißglückte Beweisführung ist daher, selbst Nkitn sie richtig wäre, völlig belanglos.(Lebhafte Zustimmung bei den Polen und Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär nannte vorgestern selber den Sprachenparagraphen einen„Stein des An- stoßes". Er selbst aber war eS. der diesen Stein des Anstoßes in den Weg eines großen Teiles der Bevölkerung gewälzt hat! Herr v. Vethmann-Hollweg sagte, den Ursache n des Verhaltens der Polen wolle er nicht nachgehen. Hätte er das getan. so wäre eS ihm auch schwer geworden, den Polen die Schuld bei- zumessen! Die Ursachen de? Verhallens der Polen liegen in der unerhörten AiiSnahmebchandlung der Polen.(Sehr richtig! bei den Polen.) Sie sind nicht die Angreifer, gegen dies» Unterstellung protestiere ich, sie find bielmehr die Angegriffenen, und sie wenden sich keineswegs gegen alle Deutschen, sondern gegen die Regierungen, die sie verurteilen, und gegen die Hakatistcn, welche neue Ausnahmegesetze gegen die Polen verlangen.(Widerspruch rechts.) Wir verlangen eine grundsätzliche Revision des Vereins- gesetzes. Abg. v. Lievcrt(Rp.) entrüstet sich darüber, daß eine„vcr» schwindende Minderheit"(Lachen bei den Sozialdemokraten, Polen und Zentrum) trotz der allerungünstigsten Geschäftslage das Haus drei Tage lang mit völlig nichtigen Beschwerden heimgesucht' hat. Ich hätte gewünscht, daß der Staatssekretär statt deS verbindlichen Tones, in dem er gesprochen, eine andere Tonart angeschlagen hätte: etwa die, die neulich der Herr Neichßkanzlet im preußischen Abgeordnetenhause angeschlagen hat.(Lautes Lachen und Unruhe bei den Polen und Sozialdemokraten.) Der Fürst Radziwill hat die Katastrophe von Messina heran- gezogen. Hier haben wir eS doch nicht mit einer Vernichtung von Menschenleben, sondern mit einer ganz ungeheuerlichen Volts- Vermehrung zu tun!(Schallendes Gelächter im ganzen Hause, wodurch die folgenden Sätze tos Redners verloren gehen.) Ick behaupte kühn und dreist lSehr wahr! bei den Polen und Sozialdemokraten. Große Heiter- kut): jeder erwachsene Pole ist ein Politiker, jede polnische Vcr- sammlung ist eine politische!(Minutenlanges Gelächter.) Von Schikanen kann höchstens aus polnischer Seite die Rede sein.(Er- neuteS Gelächter.) Wir Deutsche sind sehr langmütig. Aber eS könnte der Moment kommen, wo das deutsche Volk sich aufrafft und der kuror teutomens über die Polen kommt.(Schallende, lana- anhaltende Heiterkeit und Hu! huI-Rufe.) Hierauf wird ein VcrtagungSantrag angenommen. Es folgen persönliche Bemerkungen, Abg. Ledebsue(Soz.): Herr Müller-Meiningen hat mir vor» geworfen, ich hätte seinen Parteifreund Gothein nicht richtig zitiert. Herr Gothein hat aber tatsächlich seine Behauptung aufrecht- erhalten, daß eine Anzahl freisinniger Abgeordneter ihm erklärt hätten, daß sie nicht dem Sprachenparagraphen zugestimmt hätten, wenn sie die Auslegung gekannt hätten, die ihm nachträglich ge- geben wird. Herr Gothein hat seine frühere Bemerkung nur dahin emgefchränkt, daß die Zahl der diffcntiercnden Mitglieder feiner Partei nicht ausgereicht hätte. daS VereinSgcsetz zu Fall zu bringen. Dann hat Herr Müller-Meiningen in seiner Verlegenheit mich persönlich auf daö heftigste angegriffen. Ich habe mit großem Ver- g, lügen konstatiert, daß der Herr Präsident ihn dabei nicht unter- brocken hat und hoffe, daß er mir gegenüber ebenso verfahren wird. Herr Müller hat dadurch zugegeben, daß er vollkommen im Unrecht war und nur durch derartige Schimpfereien diese Tatsache zu ver- schieiern suchen konte. Vizepräs. Kaempf weist die Kritik bcö Vorredners an seiner Geschäftsführung als unpassend zurück. Abg. v. EzarlinSki(Pole) bedauert, daß es ihm durch die Vcr- tagung unmöglich gemacht sei, auf die Angriffe deS Staatssekretärs zu anttvorten. AlP. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Herr Ledebour hat seiner Koniik dadurch die Krone aufgesetzt, dah er sich als gekränkte Unschuld hinstellte. Nächste Sitzung: Montag, 1 Uhr.(Erste Beratung des Eni- wv.rfS betr. die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs.) Schluß iM Uhr. Vermilcktes. Neue Erdbeben. Wie dem„Bogtländischen Anzeiger" auZ Un!er> sachsenberq gemeldet wird, verzeichneten die dortigen SeiSmometer gestern früh 3 Uhr 54 Minuten ein heftiges, 2V Minuten aiidaiierndcS Erdbeben, das wellenförmig verlief und noch innerhalb der Grenzen Europas erfolgt sein muß. Der Ausschlag ist größer als bei dem Erdbeben in Mesiina. DaS Geodätische Institut in Potsdam teilt mit, daß auch die dortigen seismischen Instrumente um 8 Uhr 54 Minuten 55 Tekmiden ein Erdbeben in 8222 bis 4222 Kilometer Enkfernung registriert haben, dessen Stärke dem Beben in Mcisina fast gleichkam, sich indes nickt genau feststellen lieh, weil der Seismograph infolge der heftig«? Erschütterung zerstört wurde. Sien», 28. Januar. Hier sind heute früh 8 Uhr 55 Minuten die Ausläufer eines wellenförmigen Erdbebens ersten Grades, das fein Zentrum in größerer Entfenumg haben muß, verspürt worden. Sielen HandwerkSlurschcn erstickt. Nach einer Meldung anS Peine erstickten in der dortigen Herberge zur Heimat gestern nacht sieben HandwerkSlurschen, die sich wegen der herrschenden Kälte im Stall ein Kohlcnfeuer angemacht hatten. Obdachlose verbrannt. Aus Mannheim wird vom gestrigen Tage gemeldet: Ein schrecklicher Fund wurde heute früh bei den Auf» läumungSorbeiten in einer abgebrannten Scheuer gemacht. Mail fmid dort lmtcr den Trümmern die Leichen zweier Männer und einer Frau, welche wahrscheinlich obdachlos waren und in der Scheune übernachteten. ?�M?�„£™,mkN.Ster»ekaffe. ZaN- und Aiifnalmekag 3— ö Uhr bei Diesenthal. Ackerflr. 123, und bei Liebeheiischel, Mariumien- von ftraße 48. Bouillon-Würfel Marke„KRONE" haben wirklich kräftigen Fleisch-Geschmack der nicht durch Gewöne und sonstige lnlrredi»nzien eneiigt Ist, sondern d> rch dieoe ben Zu aten, die die Hausbau für eine leriltige und schmackhafte FLEISCHBRÜHE wrwendet U'-MK•■•A. tu-' r Kronen- 1 Würfe]= 1 Tissa 3?l Bouillon überall zu haben. Vorßcljf Mm Ginkauf v- Eine neidische Konkurrenz versucht, die Zwischenhändler gegen unser bewahrtes Fabrikat dadurch einzunehmen, dass sie diesen einen etwas höheren Nutzen zubilligt. Wir können bei der Güte unserer Ware die Preise nicht ermässigen. 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Diese Abrechnung schließt mit der Bilanzsumme von 3713,07 M. An die Hauptkasse wurden 4998,30 M. gesandt. Für Streikunterstützung wurden 123 M., für Kranlenunterstützung 223,30 M. ausgegeben. Die Zahl der mann- lichen Mitglieder ist im Laufe des letzten Quartals von 230 auf 291, die der weiblichen von 382 auf 422 gestiegen. Die Filiale hatte am Jahresschluß 713 Mitglieder, die ihre Beiträge regelrecht bc- Zahlten. Hierauf gab der Vorsitzende Regge erst den Bericht vom Arbeitsnachweis. Im Laufe der acht Monate, die im Jahre 1903 seit der gewerkschaftlichen Einigung im Kürschnerverband ver- flosien sind, meldeten sich 351 männliche Arbeitslose, Stellen wurden 235 gemeldet, besetzt davon 114; weibliche Arbeitslose meldeten sich 395, Stellen wurden 503 gemeldet, besetzt davon 222. Aus den Zahlen über die einzelnen Monate, die der Redner verlas, ging hervor, daß das Stellenangebot sehr stark von der Saison ab- hängig ist: so wurden z. B. in der Pelzbranche im Monat Okwber 50 Arbeitskräfte verlangt, im November 27 und im Dezember nur 3.— Dem Vorstandsbericht ist im übrigen zu entnehmen, daß eine rege Agitation für den Verband entfaltet und besonders auch für den Ausbau des Vcrtrauensmännersystcms gesorgt wurde. Wenn die Erfolge nicht so groß waren, wie man zu Beginn des Jahres erwartet hatte, so ist vor allem die wirtschaftliche Krise daran schuld. Der Vorsitzende forderte am Schlüsse seines Berichts zu eifriger Tätigkeit für die Organisation auf. Nach kurzer Diskussion er- teilte die Versammlung dem Kassierer einstimmig Decharge und ebenso dem gesamten Vorstand.— Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Regge, 2. Thun ig; I. Schriftführer. B a x, 2. B eier; 1. Kassierer M u nd'i an, 2. Mertins; Beisitzer Bitter, Fritze und Wenskc. Als Revisoren wurden Stockmann, Keller und Raußnitz ge- wählt; in die GcwcrkschaftSkommission Grandel. Beschlossen wurde, daß die nächste Versammlung der Pelz- brauche am 2. Februar, die der Mützenbranche am 3. Februar statt- findet. Die näckste Generalversammlung, die sich mit dem bevor- stehenden Verbandstag besagen wird, ist auf den 9. Februar fest- \ gesetzt. Die Fliesenleger hielten am Mittwoch ihre Jahres-General- Versammlung ab. Die Zahl der Fliesenleger Deutschlands ergibt folgende Aufstellung: Zentralverband 1300—1400, Lokale 500, Christliche 250—300. Steinarbeiter, Töpfer 100, Unorganisierte 100. Berlin weist folgendes Organisationsverhältnis auf: Zentralverband 202, Lokale 200, Christliche 30. Unorganisierte 70. Der Vorsitzende W a l d h e i in besprach sodann noch die Frage der Verschmelzung und die Versuche des Vorstandes, eine solche mit der Freien Ver- einigung herbeizuführen, die aber alle durch daZ brüske Ablehnen seitens der letzteren vollständig gescheitert sind. Trotzdem müsse der Gedanke einer einheitlichen, geschlossenen Arbeiterbewegung in der Kollegenschaft immer mehr Fuß fassen. In dieser Hinsicht solle sich die Arbeiterschaft das Unternehmertum, das keinen Unterschied religiöser und politischer Natur macht, als Beispiel nehmen.— Bezüglich der Maifeier hatte der Vorstand einen Antrag eingebracht, nach dem die Kollegen dort, wo sie keine Wirt- schaftlichc Schädigung zu erlvarten haben, feiern sollten. Der Antrag sei angesichts der mißlichen Konjunktur eingebracht worden, doch wurde er nicht angenommen. An die Christlichen wurde das Ersuchen gestellt, sich zu äußern, wie sie sich verhalten würden, falls die Zenwalverbandskollegen entlassen werden sollten. Darauf lautete die Antwort:„Für uns ist der 1. Mai ein gewöhnlicher Tag. Wir werden uns den geschäftlichen Anordnungen fügen." Von der Freien Vereinigung feierten von 230 Kollegen 30, vom Zentralvcrband von 127 in Arbeit stehenden 103. Was die von der Freien Vereinigung über das Rixdorfer Krankenhaus verhängte und in der„Einigkeit" publi- zierte Sperre betrifft, so sei diese Maßregel aus folgenden Gründen für den Zentralverband nicht verbindlich. Dieser Bau sei von einem Zwischemneister von der Hauptfirma zu tarifwidrigen Bedingungen übernommen worden. Der Zwischemneister erhalte 2.50 M. für den Meter Wandarbeit, während der Tarifpreis 3 M. beträgt. Da nun die Fliesenleger auf dem Bau in Lohn arbeiten, komme der Zwischenmcisler bei seiner Kosienaufstellung nicht zurecht. Das sei aber dessen eigene Angelegenheit, die Arbeiter hätten keine Ver- aulaffung, auf ihre Kosten den Rechenfehler eines Zwischen- Unternehmers wieder gut zu machen. Auch liegen noch Differenzen bezüglich der Laufzeit und Fahrgeldeutschädiguug vor. Der Unter- nehmer rechnet nur eine Stunde Laufzeit, während dieselbe ändert- halb Stunden beträgt. An den letzteren Fall schloß sich eine leb- haste Debatte. Die Regelung dieser Differenz wird dem Vorstand übertragen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Wald heim als erster Vorsitzender, Rudolf als zweiter Vorsitzender wieder- und B r e i s k e als Schriftsiihrer neugewählt. Buchbiudcrvcrbanb. Die Luxuspapierbranche hielt am Donnerstag ihre Jahresversammlung im„Fürstenhof", Köpenicker Straße ab. Den Bericht gab der Obmand der Branche Lip- p o l d. Die Branche gehört zu der grüßten der Papierindustrie hicrselbst und dürfte bei etwa 350 Betrieben zirka 15 000 Berufs- angchörige zählen. Genaue Zahlen konnten trotz aller Äc- mühungen noch nicht festgestellt werden und wird durch das immer stärker umsichgrcifende Zwischenmeistcrwescn und die Heimarbeit wesentlich erschwert. Die Organisationsverhaltnisse lassen noch sehr zu wünschen übrig und sind bedingt einesteils durch das rigorose Vorgehen der Arbeitgeber, andererseits durch die weit überwiegende Anzahl der weiblichen Arbeitskräfte. Da der sonst als Hauptfaktor in Betracht kommende Export nach Amerika und England im Berichtsjahre stark daniederlag, vielfach Entlassungen stattfanden und verkürzt gearbeitet werden mußte, so war die Haupttätigkeit der Agitationskommifsion darauf gerichtet, den ohnehin schwachen Mitgliederbestand erhalten; sowie Verschlechterungen in den Arbeitsverhältnissen der einzelnen Betriebe abzuwehren, was jedoch infolge der schlechten OrganisationSver- Hältnisse nicht immer gelang. zelnen Betrieben die Männerarbeit noch mehr durch Frauen zu Besonders versuchte man in ein- vcrdrängen, in welchem Vorgehen sich die Firma A l b r e ch t u. Meister in einer Weise hervortat, welche die schärfste Kritik herausfordert. So brachte sie es beispielsweise fertig, vier Präger, die 14— 19 Jahre zur Zufriedenheit der Direktion gearbeitet hatten, am WeihnachtShciligabend mit der kurzen Motivierung auf das Stratzenpflaster zu werfen,„die Maschinen sollen in Zu- kunft nur noch von Mädchen bedient werden". Daß die Tätigkeit der Kommission eine recht rege war, geht daraus hervor, daß sie insgesamt 451 Sitzungen und Versammlungen abgehalten hat resp. sich beteiligte und rund 25 000 Flugblätter, Zirkulare usw. ver- teilen ließ. Leider läßt aber das Interesse der Organisierten recht viel zu wünschen übrig, was unter anderem daraus hervor- gin.g daß es nicht einmal möglich war, in der Versammlung die geplante Verstärkung der Agitationskommission auf 9 Per- soncn durchzuführen, sondern nur mit Mühe 7 Personen sich hierzu bereit erklärten. In die Kommission wurden gewählt: L i p p o l d, Rose u zweig, Kcmpke, Jahn und Kaufmann sowie Frau R e s e tz ich und Frau Z entz. Zu Mitgliedern der Orts- Verwaltung wurden Würzberge r und Dähne gewählt. Eingegangene Vruckfckriften. Kinderschilch gegen Unfälle. Von A. Fleck. Vrosch. 30 Ps. I. Springer, Berlin, Monbijom'Iatz 3. Salem Aleikum- Zigaretten ::-:t:: keine Ausstattung, nur Qualität.:: u:: s Preis; No. 3 4 5 6 8 10_ äVä 4 5 6 8 10 Pf d. 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Rene Frei« Volksbühne. Am Sonntag, 24. Januar: nachm. L'i, Uhr i im Deutschen Theater: Kettenglieder; in den Kammer» stielen: DeS Meeres und der Liebe Dellen; im Neuen Theater: Jahrmarkt in Pulsnitz; im Neuen Operetten-Theater: Das oernmnschene Ichlog: im Berliner Theater: Mcrcadet; im Hebdcl.Tdeat.: Erde; im Friedrich- Wildelmstädtisch. Schauspielhaus: Madame KanS Gbne; im Schtller-Theater 0: Ein Volks» feind; im Schtller-Theater Chor- lotteuburg: Julius Cäsar; ubendS S Uhr im GewerljchaftShause: Heiterer Abe>ch. I- vnslnir- llklivwtvr». S Uhr: vor Kaub ose Ladlneelnvoi». 8 Uhr: vse Kfinla. Montag 8 Uhr: Jbsen-ZytlnS, zum 100. Mal: DI« SiGtton der ISesallschafL Hebbel-Theater Zdöiliggrätzer Jtr. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revoiutionsliociizeü. Serlrner Theater. Hento 8 Uhr: F.lner von uuser« I-cnt'. Nachm. 3 Uhr: Mcrcadet. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Frau, (La lsmmo X., Morgen und{olgende Tags: Die fremde Frau. chiciic» Operetten-Theater. Stbifsbanerdamm 25, a, d. 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Januar, nachm. 3 Uhr: Xlndame San«-Gßae. Abend» 8 Uhr; Husarenfieber. Wontag: König Ehrisiian 17. %id!d-B7illan} (City-PassiBgc) Oresdenersi 52/3 Annenst. 42/3 Täglich {Meni.Bio9)(aip!-i[ooimz| zumhengoldtNknMkisttr. ifdjitffcpitd oen Kerlm! und IM. 15®© in bar.j Borh. d. grohor».«öpez.-Hrogr. Ans. 8.»es d. Ringl.»»/, Uhr. vutre, M tti. Metz lr-. Crania. Wisaenschaftliches Theater. TanbenstraBe 48/(9. Sizilien. Montag 8 Uhr: Sizilien. HOrsoal 8 Uhr: Prol Dr. F. Rathge«: Das Leaolrt- gas nud die Flammen. Berliner iparium Unter den Linden 68a Eingang Snhadow-Strnße No.lt. Heute Sonntag Eintrittspreis; MT S0 Pf. TB| Reichhaltigste Aasstcllung der Welt an lebenden Seetieien, Reptilien etc._ Passage-Panopiikum. Hc-n! Nea! Ein StiiniiciieD im Hitninelreicli. Gr. Ausstatt.-Peerie im Festsaal« des Zwisehengesohossea Die sisgentien Engelsköpleiten. Mysteriöse Illnstrationsvorst. Das Bärenweib, lebend. Alles ohne Extra-Entree. Schiller-Tlteatei*. O.(Dalner-Tdeater.) 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Heute Sonntag: Extra-Vsrstollun,, Konzert, Tpezialitöten und Theater° Vorstellimg. «bend« 8 Uhr: Hinterm Herd* Lustspiel in 2 Auszügen. Qß last-theafer vurgslrnh« 34, 3 Minuten vo» vahnhss Vörie. vss I�ottslre-lgttuer-k'rogrzmm. Mthtims|| unter anderem: Sign. Milano Prima Ballerina vom Seala-Theater in Mailand. Am Krumifn vor drm lütt. BolkSslnck mit Gesang in 1 Akt. Familieiikarten, halbe Preise, wochcniagS überall gratis. Stsltt-Thsztöl Moabit. Größter und vonichmster Theater« saal Moabits. Alt-Noablt 4H.(Tel. II 2402.) Sonnlag, den 24. Januar 1909: Das Lörle miS den, Tehloarzwald. Schauspiel in 5 Alien vo» Charlotte Birch Pstisscr. Ans. d. Vorst. 7, Nassenöstnnng 6 Uhr. Konzert 6'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. vor»e,kaus oon 10— 1 Uhr mittags im Theatrt.NestauranL Montag. 25. Januar: Soiree der Lusttgen Säuger.__ . larkgrafen-Säle| 4 Markgr«t«*damm84.?1mlun42T7 Int). Ilennann Seholtx. Qr. Bali. •Ale von 124—10« Personen gu Feststchkeit»» m,d Hersammllmgen. 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Neu» Wahlen, i. vereiusaitgelegendelten. 15/1 Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Vorstand. Btrbeitsnactinieis: Aerwaltnngsftelle Berlin. Hauvedurcan: Hof I. Slml 3. 1239. Charitdstrabe 8. Hof HL Amt 3. 1987. Montag, den 2». Jannar 190!): Bezirks- Versammlungen für die gesamte Vermaliungsstelle Serlin in folgenden Lokalen: i. Vsteo-Ucktendsrg u. Slratsu-Kummelsdurg: DrnehtsNfe des Dstens, Frankiurtrr«!Iee. abends 8'/, Uhr. -. WeiBeusee:"■ o Ciirlan• Urania, Wrangelitrahe II, ö. dUUCll. abends«'/, Uhr. * Rivtlnpf* Bergstrafte 152, »- nliUUI I. adendS 8',. Uhr. sBeilcht der Bezirksleitung und Neuwahl derselben.) °. Veslsp-Zcliöiisberg; e. cdselslleiidiirg:' t Eflnahit* Praclitottle«fonl wet, Wiclefftrastr 2t» 7. rflUaUil. abends«st, Uhr. (Bericht der BezlikSleitung und Neuwahl derfewen.) o Dnedon» Dooki»ra»erei, Evansteeftrahe vt, o. livLUVIl. abends 8'/, Uhe. r. nnpHan• Oblslos FestHttlr, Schwedter Straste SS, 3. NvI Uöll. abends 8',.«Hr. in Klnrrlan* Frankes FcstHikle, Badstrasse 10. 10- Huroeu. abends 8st, Uhr. ii. Gderseköneveide: to Fünaninl,• DescilschattMhnns, l'rledrlclisliageii, i«- KOpciliLK« ssriedrlifiltralse 09. abend» 8st, Uhr, 13. lleoll-Uclilerlelilc.: � >«. SpaDäan;«•"''TS' <- Tnnal» Treboscb(früher Trapp), vahnhosstrast« 10. i cy C1. abcudS 6 Uhr. SngtSsrtnnng in allen Ptrfammlungni: Beratung der Anträge zum Berbandstag in Hamburg. ARM- Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt. fM Zahlietchen Besuch erwartet 110/15 Di« Di'tswertrnltnngs. Stakkateare! DtcnStag, de» 20. Januar 1000. abends püttttlich 8 Uhtt Asßklsrdkllllicht Grllrrsl-Krlsiiiililillliig im Saal f deS EewerkschaftShauses. Kngelufe» IS. TageS-Ordnnng: 1. Neuwahl des 1. vorstßeiiden. S. Au'schlnßantrag gegen einige Kollegen. 8. vcrschlrdenrö. Segen der Wichtigkeit deS ersten Punkte» wird zahlreicher und pllnkt> licher Besuch erwinteL Eintritt nur gegru yorzesgnng de» Mitgliedsbuches Rnvhiiudigung deS Jahresberichts und eine« Stimmzettel» am Saaleingang. 173/0» vi« Ortsvorrraltnug. Zentralvetad der Sdiuhmacher Zalilstelle Berlin. Montag, 23. Januar, abends 8'/, Uhr. bei Boeker, Weberstr. 17: Otjstlltl. SihsIjiusdjtlirrsWmlglls Tage«. Ordnung: 1. Der Streif bei der Firma Sali? Itosonberff und seine Ursache. 2. Diskussion. S. Berschiedene«. 169/1__ Die Orte Verwaltung. � r �-f rJcrn� ' Ür MMtunil Neue Kurse in der deutschen Volkskurz chrifi für Damen und Herren beflinnen am 26. Januar 1906, abends 8'/, Uhr. in folgenden Lokalen: Cbarfottenbnrg;: Dienstag, 20. Januar, Rostnenstr. B,„Volk! hau«'. Berlin N.: Donnerstag, 23. Januar. Plantagenstr. 5 Bei Wlnkelsiseer. „*W.:.. Siromftr. 30 Bei Babevlloe. „ BJ. s Freitag, 99. Jtmuar, Brunnen stt. 79 bei Döhllng. SO.:... vdalbrrtstr. 50 bei Biedaralein. G.: Montag, 8. Febniar, Sirulauer Siraßt 12/14: Inge«»- organisatlon. Biudorl t DonuerSiag. 98. Januar, Hermaemstr. 05 bei Uleleb. ...»lesen str. 2«»ei Freies. Wildau s Sonntag. T. Frbn-ar, t» Wildau«ei Bcdumaim. UnterrichtSdaner 10 Abende f.ekrmitte! 2,80 /Nark. Noch assSwArtS briesltch»« Unterricht»nach DM W. Haback, Berlin O, Koppenirtr. 81, vorn IT. Verein f Ur frauen u. Mäckeben der Arbeiterklasse. Montag, den»3. Januar, abend» Ost, Uhr. im dfcnvn Klnbfaause, Rommandantenstr. 72: „Die Arbeiterin als Hansfran u. Mutter." Reserenstn: Lnise Biet«. Gäste willkommen.(55/20)»er Tuest und. Teitvaltnng Berlin. Sonntag» den 21. Januar, findet in den»iNrminhallcn'(kleiner Saal), Komniandanlenstr. 58/59, -in Vortragsabend Je EntslehDög lies dentseben?o!l(slie!les" mit Erläulerungen am Fistgel von Herrn Br. I-eopnId Uirsobbers. Ansang« Uhr.[20/9] Enir-e 20 Pf. Nach dem vorirage- GkskÜMS KklsUMMtNstM Mit TUUZ. ttr Zahlstelle Berlin. Krancht her iUnlikinsltiiiiifiifciiiitlititi't. Montag, den 25. Januar 1000, abend» 8st. Uhr. im Gcwcrk- schastshauS(grvficr Gant), Engelufer 13: Hrancheu-Uersammlung. TageS-vrdnungt 1. Tätigkeitsbericht drr Brancheistommission vom Jahre I9V8.— L. Neu- wähl der Lranchcnlommtssion.— 3. Vranchen-Angelegenheilen.-- 4. Per» schirdenr». idci der wichtigen Tagesordnung wird da« Erscheinen sämtlicher Ver» bmidStollegen der Berliner MusitliiftrumenteN'Jnduslrle erwartet. AM- Mitgtiedöbuch legitimiert:-« Die Brancbcnleitanc. Süderrahmenmacher. Montag, den 23. Januar, abend» v Uhr(gleich nach Feierabend)» Kranchen- D ersammlnng im BerrorkstibaBtslian»«, Vngelufer 13(Saal 3)- Tages« Ordnung: i Bericht der Nommlsfion. 2. Neuwahl der Kommisflo». 3. Branche»- angelegenhciten. 4. verschiedene«. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist da« Erscheinen sämillchet Kollegen notwendig. Die Kommission. Korbmacher. Mo»t»g. Ben 25. Januar, abend« Sst, Uhr, im GewertschnftShaufe, Engeiuser 15(Saal 7): Branchen»Versammlung» Tage»> Ordmmg: i. Bericht ber Kommission vom 4. Ouarial. S. Bericht und Neuwahl der ZentraUommiision. 3. Branchenaiig.tcgcnhtiteit. 4. Verschieden««. Di« Kommission. Maschinenarbeiter. Montag, den 26. Januar, abendö 8'/, Uhr, im GcwerkschaftShause, Gugeluser tSt Branchen» VertammUing. Tagesordnung wird In der Versammlung bekannt gemacht. SV Mitgliedsbuch legitimirrt."TESO Di« Uranchonkouimisslon. fertanlter-, Käu-, Steinnnß-Knopf- arheiter und jlrbeitmnnen. Mittwoch, den 27. Januar, abends kst» Uhr. im GewertschastSHaus«» «ugelufer 15(Saal 6): Branchen- Verfammlungo Tage«- Ordnung i 1. Bericht der vranchenkommlsfion. 2. Neuwahl der Branchenkemmissto». 3. Vraitchenangelegendellrn. 4. B-ischlcdeiie». Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist e« Pflicht eine« ted» Kollegen, w der Versammlung zu erscheinen. DM- Mitgltedöbnch legitimiert.-Mm Di« BranciionkonunlsBlon. IWSbelpolierer. Pounerbtag. de« 28. Januar, adend« 8«Hr. imKöntgstadt-Kafin». Holzmariistr. 72: � Branchen- Versammlung_ der Möbel- und Stuhlpolierer sowie Beizer und Magazin» arbeitet?. Tages, Ordnung: i.»�ie Lage der Berliner Möbelpolierer und die DilttgreU der Brancheuleitnug im Jahre 1008". 2. Diskussion. 3. Wahi d« Bianchenleitung und der BezirlSodleuie. 4. verband«- und Branchen» angelegenhciten. «IS. Di« MitgstedSbllcher sind betreff« Abstempelung der Kontrollkarw mstzubringen. Die Dennebonkommlssion. �BlousissnbviKsD. DonaerStag, den 2«. Januar, abends S Uhr. in BoeterS FefisSke». Wederstr. 17- Branchen-Bersammlnng. Tage««Ordnung: t Bericht deS Obmanns kchiedent«. L. Brauchcnangelegenhelken. S. ver» Die Branchenhomnilsslttu. Modoll- mt Fabriklischlorsmit Modelldrechsfor, TonncrStag, den 28. Januar, abend» 8 Uhr. im veebaiidSdnreau der GaftwirtSgehitfe«.«roste Hamburger Str. 18/10: Branchen- Versammlung. ZageS.ordnnng: I. JaheeSberichi der Kommifkion. S. Neuwahl»?« ivbvrmns und dir chonbriUommkstan. S.»«chand»- und Pranchsnangslegenheiten. 4. Br» fchieben««. 78/8 DK KoZez»»n LOwe find hierzu besonder» elngeladm. Dl« Dronebenkommisvion. ?» SozialöeiiiokratiscIiErWalilYErelD für den 2. Berliner Beiciisiags-Walirels. Ocjirt 150.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Luxus- Papierarbeiter Paoi Biedermann am 2L Januar verstorben ist. Ehre seiuem Nudcuteu l Die Beerdigung findet am Manag, den 25. Januar, nach» mittags S'/, llhr, von der Leichen- Halle dcS Zentral- KriedhoseS Kriedrlchsscldc) aus stall. lim zahlreiche Beteiligung sucht 21014 Der Vorstand er» Zentral-Mnil der Maurer DeBtseblasiis. Zweigverein Berlin. Selitlon der Gips- and Zementbranche. Kachmf. 130/5 Unseren Kollegen zur Nachricht, dast unser Kollege Xuxust Lonrsä am 17. Januar verstorben ist. Ehre seinem Nndenkenl Der SeltionS-B erstand. Ortsverwattuiig Berlin 2. Den Mitgliedern zur Nachricht, das! unser Kollege, der Rollkutscher Ulbert �ertiaeit am 22. d. MtS. im Mier von 20 Jahren an Lungenlciden ge- starben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 25. d. MtS., nachmittags L'/g Uhr, von der Leichen- Halle der Heiiig-Kreuz< Kirchen- gemeinde. Wariendors, Eiscnacher istrasze auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 05/5 Die Verwaltung S. irxez Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Ortiiverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser langsäiirigeS Mit' glled, der Brauer FtfcKard Ismer zuletzt in der Löwcnbraucrel be- schSstigt, am 20. Januar cr. ver- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung ersolgt am Sonnlag, 24. Januar, nachmittags '/,4 Uhr, Bon der Leichenhalle des GuISsriedhoseS in dcrOrankcstratze in Hohcn-Schönhausen auS statt. Zahlreiche Beteiligung«nvartet 42/4 Die Ortoverwaltung. lodes-�nzeize. Am 19. Januar verstarb im- 1 erwartet der Dreher, srühere ; Gastwirt Ernst Hauptmann. Die Beerdigung findet am ! Dienstag, den 20. d. M., nach. miltagS U/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentrai-FriedhoseS in j ZriedrichSselde auS statt. 055b Bio trauernden»Interdllebenen. Allen Parteigenefsen, Freunden »nd Bekannten die traurige Nach- richt, dag am Dienstag, den 10. Januar, nach kurzem aber schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere guie Mutter Lmma Neumami geb. Gliesing verstorben ist. 028b Dies zeigt tlesbetrÄbt an Albert Neummin nebst Kindern Tilsiter Straße 70. Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Jannar, nach. mittags 1-/, Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes w Friedrichsselde aus statt. vankssxunx. Für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank, insonderheit dem Genossen Wakdeck Manasse für die trostreichen Worte, den Genossen und Genossinnen der 29.'Abteilung deS SchwinmiklubS „VormärtS", den Mitgliedern der Verwallung Berlin I der Zentral- Ükrankenkafse der Tischler(Hamburg) und den geehrten Eh-sS und Kollegen der Firma Marquardt u. Comp., Pianosabrik. Karl Lnckers nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und unserer guten Mutter Auguste Donath sagen wir allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie dem Gesang- verein Rote Nelke I unseren herz- tichstcn Dank. 5S13L Wilhelm Donath, Gastwirt nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcunahme beim Hinscheiden meines inniggellebten Mannes Gustav Hodorf sag« ich allen Freunden und Be» rannten, den Kollegen auS der Anifin- sabrik-Lmiengrselllchaft Rummelsbnrg, sowie den Genossen des 851d Be» zirks meinen tumgsten Dank. Witwe lllarle Uedorf 59142 nebst Kindern._ Hiermit sage ich allen Teilnehmern an der Beerdigung meiner lieben. Frau, insbesondere Herrn Manasse und dem Säagerquartett meinen herzlichsten Dank. 59122 Im Nameu der Hinterbliebenen Franz Kornek. Or. Simmel Spezlal-Arrt für Haut- und Harnleiden. PrinzenslMU'SÄ, 10—-2, 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Dr. Schunemann Svezinl-Arzt für 50232* Bant- und llarnlolden, Fraaonkraiikkcitcn. Friedricbstr. 203. Ecke Schuyenstr. 10-«. 5-7, Somit. lO-IÄ Uhr. D/e Harnleiden Ibre Oeiahren, Verdatung and Beseitigung von Dr. med. Sehn per, BERLIN- Preis 1 Mark. > lies tausend 9 ferla; Mss Richter frantrfurKOder) ßu8ciiDiühI--LUaußBe» Cl(iiRETTEHm.D.O. Haotfsl s-*5 etfreaen sieh des besten Rufes. 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Dluetrationon u. zerlegbarem Modell des Frauenkörpers in der ßntwickelungsperiode) ist von der mediz. Wissenschaft rückhaltlos anerkannt.— Es enthält Tatsachen, die für das Wohibefindon undLobensglüok beider Gatten von unsohätebarem Wort sind.— Preis nur 3 M.— Versand(verschlossen) geg. Nachn. v. F. I»lnncr, Soziahn odizin. Vorlag. Berlin-Pankow 414. 295,'20* llDbesFestsäle|Ä.IA"ejBkob,,r" i nj Amt 1 No. 867. /Fmpfehlc meine Sttle zu Versammlungen und jeder Art Festlich- ketten. SfiST" Sonntage im Februar und März noch srei."VE KInnakme-SteUen für„kleine Kn�eigen". Zentrum i rit» Zinke, Waucrstr. 39. Hahnisch, Auguststr. 50. Wrateu: Schmidt. Kirchbochstr. 11 Osten s: W. Mann, PelcrSburgerpIatz 4. R. WriigelS, RüderSdorserstr. gl Gustav Bogel, lioppeustr. 83. Nordosten: L. Zucht. Jmmalmeikirchstr. 12. I. Neul. Barilimktr. 42. Nordvn: H. Maschke. Ackerstv. 30. A. Trapp, Sleltinerstr. 10. Karl Mars. Lhcheneritr. 123. Karl BSetsie, Nazarcthlirchstr. 49. 8. Dcchaub. Ruhepiahftr. 24. H. Vogel, Lortzingstr. 37. Ä. Zieif, Juvalidcustr. 124» Nordn-cston: Karl NnderS, Salzmedclcrstr. 3. Weckert. Gotzkowskyslr. 29. SiidrvQSton: H. Werner. Gneisenauitr. 72. Daehu, Hagcwergerjtr. 27. Slidvn: St. flriti, Prinzcnslr. 31. glich. Schmidt, Koitbuser Damm 8 Südosten: Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch. Engel-User 15. Cliurlottenburg: G. Scharuberg. sesenheimerstr. 1. Frlcdrlclnsdiirjj: O. Seikel. Kronprinzenstr. 4. ltlxdork: M. Heinrich, Neckarslr. 7. Conrad. Hermaimstr. 59. Rnnunelsbnrs: A. Noseukrauz. All-Boxhagen 50. Scliünebcrg: Wilh.BäilMler.MartinLutherstr.Sl. WelBcnsee: K. Fuhrmann. Sedanstr. 195. Jul. Schillert. Rönig-Chaussee 39» ltvinlelerndork: P. Gursch. Kamekestr. 12. Drojetorv: 245/2� R. Gramcuz. Kieibolzstr. 412. Bon unleren vorjährigen Weih- s' nackitsprämlcn haben wir noch einen Rest am Lager, den wir i weiter zu den allen Preisen ob- « geben: ! Goethes Werke 2 Bande, Illustvterl, 3,69 M. SchlUers Werke 2 Bände, illustriert, 3,59 M. 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Iava-8nnintra Nr. 0105E o 2�0 M. verzollt. Zollblätter mit guten Farbm und� fielnem Brande. Verleib-I»»tltat: Fricdrlchsl.l 1 5/1, a.Cra6g. 'Tor. Eleg. Frack, Gchrock l. 50, Hose 1.00. Weste 50Ps. Teilzahlung monatlich 10 M. licscre lierren-Gar- dorobe nach Maß(billigste Preise). J. Tontporowskl 81 2.e&"0' Nähe Belleallianceplatz. _ Kasse 10°/, dilliger. � sMenburg rttmsfmann Wsilslrl Uhren aOoldwaren Ich habe eine Privat-Franenklinik u. Entbindungsanstalt W., Lützowstraße 106 (Amt VI 17723) errichtet. Dr. Bakofen, FrauenarzA Kantstr. 158(5—6). Bar gutgehende(Fricdrichftadt) krankheitS. er vorlauflich. Offerten unter S»71 an Berk» W. 64. Jnvalidcndauk. LZerantwortl. Redakteur: darl Wermuth, Berlin-Rixdorf. gut denInferatenteil verantw,: Th. Glocke, Berltm Druck u« Verlag tVorwürtz Buchdruckerei u.Verlc>gscnstalt Paul Singer ü- Co., Berlin SW, Nr. 20. 26. Ichrgang. 3. Knlm des Jütrairts" Kerlim UxllisdlÄ Smiitflg, 24. In««« 1909. Aus Süd'Italien. Parts, 23. Jauuar. Ter„Eclair" meltict aus Rom, Gcaeral Lariiti, Staatskommissar in Palini, berichtet in einem Telegramm an den Ministerprästdentc», daß einer seiner Sekretäre in der Röhe von Patmi einen Vulkan entdeckt habe. Die Temperatur deS Bodens sei stark gestiegen und die Anwohner flüchteten. New D o r k, 23. Januar. Der Leiter der geologischen Ab- tcilung des technologischen Instituts in Boston, Prof. Jaggar, kündigte a», daß, wie aus seinen Bcodachtungeu hervorgehe, infolge der jlingstcn Ereignisse in Süd-Jtalien ein großer Ausbruch des Aetna zu erwarten sei. 9 Rom, 23. Januar. General Mazza bat dem Miitisierprässdenten Giolitti nachfolgendes Telegramm aus Messina vom gestrigen Tage übersandt: Die Ärbetten zur Bergung der Leichen schreiten rüstig fort: aber. da ma» immer mehr Leichname aus den Trümmern hervorholt, ersuchte ich die städtische Verwaltung, einen AuSgrabungs- dicnst in größerem Umfange zu organisieren. Das Wetter hat sich gebessert und gestattet, daß alle Arbeiten, auch der Barackenbau. energischer vorgenommen werden. Der Gesundheitszustand der Truppen und der Bevölkerung ist vortrefflich. Die Spenden für die Opfer der Erdbeben. Rom, M. Januar 1903.(Eig. Bet.) Tie Banca d'Jtalia veröffentlicht unter dem Dalum des 20. Januar den ersten Ausweis über die bei ihr eingelaufenen Gelder für den Hilfsfonds. Wir ersehen daraus, dag schon zwei Tage nach dem Erdbeben onS Buenos Aires 100 000 Lire als erste Rate der öffentlichen Sammlungen eingetroffen waren. Am 1., 3.. 6. Januar kehren diese Raten von 100 000 Lire wieder, und bis zur Stunde hat Buenos Aires durch öffentliche Sammlungen 700 000 Lire für die Opfer aufgebracht. Es handelt sich hier in erster Linie um Spenden ausgewanderter Italiener. Die erste Rate des Lord Mayor von London ist am t. Januar eingezahlt und beträgt 251 700 Lire; die zweite Rate vom 5. Januar belauft sich ans 530 000 Lire. Es folgen weitere 125 800 und 25! 000 Lire als Gaben derselben Stadt. Auch die bei den italienische» Gesandtschaften und Konsulaten eingegangenen Summen sind zum Teil bei der Banca d'Jtalia eingezahlt; so 190 000 Lire von der Gesandischaft in Paris, 7000 Lire vom Konsulat in Marseille, 40 000 Lire von dem in Liverpool. 17 000 Lire vom Konsulat in Chicago. 1000 Lire vom Konsulat in Mannheim. 3000 von dem in Stettin. 30 000 als Gabe der„frankfurter Zeitung", 10 000 vom„Piccolo" aus Trieft, 29 572 als Rate der Sammlungen der- selben Zeitung. Die Bürgerschaft von Honolulu schickt 14 400 Lire. die türtische Regierung 200000 Lire. Als persönliche Gabe des Kaisers von Oesterretch-Ungarn sind 50 000 Kronen eingezahlt worden, der Ingenieur Moleschott, der einzige überlebende Sohn des Physiologen,' hat 10000 Lire gegeben. Maxim Gorki 1000 Lire. Aber auch die kleinen und kleinsten Gaben fehlen nicht; so hat die Landarbeitergewerlschaft von Beletri 65 Lire gespendet, der Arbeiter- verein von' Manziana 50 Lire, die Gefongcnwärter von Alexandria 97.25. die Gefangenen deS dortigen ZellengefängnisieS 17,99 Lire. Es handelt sich hier nur um einen kleinen Teil der auf- gebrachten Summen. Die 1200 000 Lire, die der König von Italien gegeben hat, sind hier nur zur Hälfte verrechnet; die 147 000 Lire. die der Kaiser von China telegraphilch gesandt hat, fehlen noch. Manche Spenden gehen direkt an den König oder die Kömgin. Auch der Bürgermeister von Kösen sandte 37t) Lire als Ertrag einer öffentlichen Sammlung direkt an den König. Nicht einbegnsfen sind ferner die Sammlungen der grösseren Städte, die in Mailand schon zwei Millionen, in Neapel. Genua. Turin schon eme Million über- schritten haben. Der„Corriere della Sera" ollein hat bis heute 1 659 593 Lire gesammelt: die höchste Summe, die wohl in so kurzer Zeit je von einer Zeitung gesammelt worden ist. Dem Papst sind bis jetzt für die Opfer über l'/a Millionen zur Verfügung gestellt worden. Und daS alles ungerechnet der ungeheuren Matemlsen- düngen, die aus Deutschland, Oesterreich und den Bereinigten Staaten. Frankreich und Norwegen gekommen sind und noch koininen. Die Arbeiter der Tabaksabrik in Modena haben 3000 Lire gegeben, die Angestellten der Trambahngesellschast in Rom 1450 Lire, alle Be- amren der Stadt Rom die Einnahme eines Arbeitstages. Die Mann- schatten zweier Torpedoboote haben 1000 Lire, die man ihnen als Gratifikation überwiesen hatte, dem UmerstützungSfondS überlassen. ES ist ein Wettstreit des Erbarmens, an dem alle Notionen und alle Klassen teilnehmen und der vielleicht in der Geschichte der Mensch- heit ebensowenig seinesgleichen hat wie das masslose Unglück. daS »nan zu lindem bestrebt ist. Das föauunglücü auf der„Barnag". Ein schwerer Unfall, welcher sich auf dem Grundstück der Berlin-Anhaltinischen Maschinenfabrik in der Reuchlinftr. 10—17 zugetragen hatte, lag einer umfangreichen Anklage wegen fahr- lässiger Körperverlevung zugrunde, mit welcher sich gestern die 2. Straftcmrmer des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. An- geklagt sind der Ob-ringenicur Franz Burlefinger aus Köln, der Schachtmeister Johann Michua aus Gelfcnkirchen und der Werk- Deister Hermann Rothe aus Berlin.— Den Borsch im Gerichts- bof führt LandgcrichtSdirektor Westennann, die Anklage vertritt Staatsanwalt Muth, als Verteidiger fungieren die Rechtsanwälte Juftizrat Wronker, Dr. Davidsohn und Dr. Grvnspach. Da es sich in der Verhandlung um die Erörterung technischer Fragen bandelt, so ist von der Anklagebörde wie auch von der Verteidigung ein kleines Sachverständigenkollegium für Eisen- konstruktionen und die Baubranchcn geladen worden. Die Berlin- Anhaltinische Maschinenfabrik-Akticn-Gcsellschast oder kurzweg gc- nannt die„Bamag". hatte End? 1907 und Ansang vorigen JahrcS auf ihren Grundstücken. Reuchlinstratze 10—17,«n neues Fabrikgebäude errichten lassen, welches von den übrigen Gebäuden bezw. nach dem Hofe zu durch eine schwere Doppel-Schiebetür aus starkem Wellblech abgeschlossen wird. Diese war von der Kölnischen Maschinenbau-Aktiengesellschast in Köln-Baycnthal im Auftrage der„Tamag" errichtet worden. Die Tür bestand aus zwei auf grossen Rollen lausenden Flügeln aus Wellblech, die unten in esner Laufschiene liefen. Jeder Türflügel war etwa fünf Meter bech und fünf Meter breit, über den beiden Flügeln befand sich eine Klappe, die an den Türpfosten mit Scharnieren befestigt und etwa zwei Meter hoch war. An dieser Klappe befand sich an der unteren Seite wiederum eine Laufschiene für die Türflügel, die ebenso wie unten auch oben mit vier Rollen versehen war. Die Tür konnte also nur zugeschoben werden, wenn diese Klappe her- untergelassen war. War diese nicht heruntergelassen, so fehlte den Türflügeln oben jeder Salt, so dass sie naturgemäß um- stürzen mussien. Auf der genehmigten Zeichming für diese Schiebe- türeinrichtung mar eine Sicherheitsvorrichtung für den Fall vor- gesehen, dass die Klappe nicht heruntergelassen war. Diese Bor» richtnng war so getroffen, dass die Türflügel nicht verschoben werden konnten, bevor die Klappe heruntergelassen war. Diese Sicherheitevorrichtung war aber an dem Tage der Ge- braucksabnabnu.' durch die zuständigen Behörde« noch nicht«u- gebracht, ca erst noch eine Krqnanlage in der Nähe diese« Tür fertiggestellt werden mussto. Am 29. April, vormittags gegen 11 Uhr, sollte die GcbrauchSabnahme durch die Baukommiffion er- folgen. Zu diesem Zwecke hatten sich der RegrerungSrat Brauer als Vertreter des Charlottenburger Polizeipräsidenten, der Baurat Schneider vom Berliner PcflfzBpräsOftlNl Lstd der Polizeilevftwnt Hcnz vom 12. Polizeirevier und der Baurat Lüdtke nach der Fabrik begeben, wo der Direktor Blum der„Bamag" die Führung über- nahm. Letzterer gab zwei Arbeitern den Auftrag, die Schiebetür zu schließen. Ohne die Klappe erst herunterzulassen, rückten die beiden Leute die Türflügel rar die Oesfnung, wodurch diese oben keinen Halt hatten und umstürzten. Unter den etwa 50 Zentner schweren Türflügeln wurden der Baurat Lüdtke, der Polizei- leuwant Henz und der Direktor Blum begraben. Die drei Vor- unglückten wurde sofort durch eine Anzahl Angestellte aus ihrer gefährlichen Situation befreit. Alle drei hatten schwere Per- letzunaen erlitten und wurden nach dem Krankenhaus? Westend geschafft. Der Baurat Lüdtke hatte einen mehrfachen Bruch deL rechten Beines erlitten, der Polizeileuwant Heuz einen Schädel- hruch und eine Quetschung des Rückens. Der Direktor Blum hatte einen llntorschenkelbruch und innere Verletzungen davon- getragen. Für diesen Unfall machte die Anklagebehörde in erster Linie den Angeklagten Michna verantwortlich, der die Montage der Tür anögesührt und dann der„Bamag" mitgeteilt hatte, die Tür sei in Ordnung. Nach der Abreise des M. übernahm der ebenfalls bei der Kölnischen Mafchinenbau-Aktiengesellschast angestellte Ober- mgenieur Burlefinger die weitere Verantwortlichkeit. Auch er, ebenso wie Rothe, übersah das Fehlen der Sicherhensvorrichhing. Die Verhandlung, in der unter anderen als Sachverständige Eewerbcinspektor v. Gizyki, Gewerbcrat Schmidt, RegierungS- und Baurat Schueider, Obcrregierungsrat Brunesti, Ingenieur West- phal und Ingenieur Bellewsky vernommen wurden, erstreckte sich im wesentlichen aus eine Erörterung technischer Fragen au der Hand eines Modells. Die Beweisaufnahme zog sich bis in die späte Abendstunde hin. Das Gericht gelangte gegen 9 Uhr abends zllr Freisprechung der drei Angeklagten.___ Hus der Partei. Einen schweren Verlust beklagen unsere Liegnitzer Parteigenossen. Dort starb am 20. d. M. Genosse Paul H e i d e r, Lagerhalter des Konsumvereins, an den Folgen einer Blindarmoperation. Genosse Heider hat lange Jahre im Dienste der Liegnitzer Parteibcwegimg als Vorstandsmitglied gestanden, und auch die Holzarbeiter haben ihm als dem bewährten Führer ihrer Liegnitzer Mitgliedschaft viel zu danken. Erst in der Woche vor seinem Tode war er wieder in den Vorstand deS WahlvereiuS und zum Vorsitzenden seiner Gewerk- schaft gewählt ivorden. „Redlich" verdieatt Rüge. Die Stuttgarter„Tagwacht" meldet: „Der Schriftsetzer Wilhelm Müller, Augustenftr. 29 IV, hat aus geschlossener Parteiversammlung an die bürger- liche Presse gegen Bezahlung berichtet. DaS Schiedsgericht hat dem Genannten eine ernste Rüge erteilt. Auf Beichluss des städt. Komitees wird daS den Parteigenossen hienmt bekanntgegeben. Der Lorstand." Soziales« Apotheker und Krankenkasse. Bon der Anklage des Betruges ist am 1. Oktober v. I. vom Landgerichte G l o g a u der frühers Besitzer der privittgierten Adlerapotheke tn Neusalz. Georg Seelenbinder. freigesprochen worden. Er hatte Verträge mit drei Fabrik- kranlenkaffen und rechnete teils halb-, teils vierteljährlich ab. Er schickte den Kassen die Rechnungen, die mit den Rezepten verglichen wurden. Preise für die Arzneien waren nicht vereinbart. Der Angeklagte hat jenen Krankenkassen in vielen Fällen höhere Preise berechnet, als die Arzneitaxe festsetzt. Er hat so den Kassen 91 M.. 212 M. und 252 M. mehr berechnet. Nach Ansicht des Ge- richts hatte niemand Anspruch daraus, dass der Sitgeklagte die Taxpreise anrechnete: er habe wie jeder Gewerbetreibende die Preise"bemessen köimen lvie er wollte. Er habe nicht den Glauben erweckt, dass er nur die Tarpreis« berechne. Allerding« habe er den Kassen mündlich 10 Proz. Rabatt versprochen, diese seien aber von den berechneten Preisen zu berechnen.— Die Revision deS Staatsanwalts betonte, dass der Angeklagte die Taxpreis« ver- schwiegen habe.— DaS Reichsgericht hob am Freitag das Urteil auf und verwies die Sache an das Lmidgericht zurück. Die Feststellungen, insbesondere über die Vorspiegelung falscher Tatsachen wurden nicht als ausreichend erachtet. Woher kommt die Leutenot aus dem Lande? Einen wertvollen Beitrag zur Beantwortung dieser� Frage lieferte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht DinkelSoühl, die entsetzliche, gegen einen noch im Knabenalter stehenden Dienstboten verübte Roheiten enthüllte. Der Altsiyer Wilhelm sen. und dessen Soh», der Bauer und Gastwirt Wilhelm jun. von Tietvrstettrn, waren wegen fortgesetzter Mißhandlungen iu 13 Fällen, begangen au dem Ibjährigen Dienstbuben Schwarzbauer, Armenhäuslersohn von Mönchsroth, angeklagt. Der Junge trat Anfang deS vorigen Jahres bei den Angeklagten in Dienst und hatte bald unter den Roheiten der beiden Wilhelm zu leiden. Aus dem Ergebnis der Beweisausnahme seien einige der krassesten Fälle hier angeführt. Die Arbeitszeit oauerte für den Knaben von früh 4 Nhr bis abends 9 Uhr. Beim Einjochen eines Ochsen, welcher Arbeit der schwächliche Junge nicht gewachsen war, wurde er von Wilhelm jun. mit dem Joche ind Geficht gestoßen, dass er rücklings über«inen Düngerkarren fiel. Beim Tränten des Viehes im Hosraum hatte er die Tiere, mit einem 80 Zentimeter langen Prügel bewaffnet, zu beaufsichtigen. Einige Stücke Kleinvieh rissen dabei aus und übcrranten Wilhelm, der darüber m Zorn geriet, dem Jungen den Prügel entriß und ihn damit zu Bode» schlug. Beim Mähen auf dem Acker lvurdc der Junge von Wilhelm sen. mit dem Peitschenstiel zu Boden geschlagen. daß er unter das Vieh zu liegen kam. Weil er beim Dreschen den Takt nicht enthalten konnte, wurde er von den beiden Wilhelm öfters mit dem Trelchflegelstiel traktiert. In Gemeinschaft mit Wilhelm sen. auf dem Acker beim Rübensommeln beschäftigt, mußte der Jung? austreten, zu welchem Zwecke er tn den anstoßenden Wald gmg. Weil er angeblich etwas lange ausblieb, warf der Bauer ihn zwischen die Furcdcn hinein und schlug ihn derart, daß das Blut zn den Ohren hinauslief. Wegen angeblich nicht genügender Arbeit beim Getreidesammeln nahm der alte Wilhelm den Buben an beiden Ohren, hob in die Höhe und warf ihn auf den Scheunenboden; zum Uebcrslutz gab er ihm noch Stöße in den Rücken. Diese Mißhgnd- lungen trieben den Fungen endlich dazn. aus dem Hause seiner Peiniger zu entssieften und seinen Vater im Armenhaus aufzu- suchen, ddm er erklärte, daß er lieber in den Tod gehe, als in diesen Dienst zurück. Für diese empörende« Roheiten erhielt Wilhelm seit. gonge 30 Ud, Wilhelm jun. 12 M. Geldstrafe! ES lebe die Vav?- rische Gerechtigkeit!__ 10 M. MeitttkSgehaN— 3000 M. Konveiltionalstrasek Daß mit der KonkurrcnzNausel im HandrkSgewerbe seitens der Prinzipale ein förmlicher Unfug getrieben wrrd, dürfte all- gemein bekannt sein. Die Spitze der Unver— srorenheit nach dieser Richtung dürste aber eine Münchener Firma— eine Stuhlfabrik— erklommen haben. Ein Angestellter dieser Firma tlaglr beim Gewerbegericht wegen außerordentlicher Kündigung. Hierbei kam folgendes zur Sprache: Der Kläger hat erst em anderes Geschäft erlernt, absolvierte dann einen dreimonatigen Handelökursus und trat dann bei der betreffenden Stuhlfabrik a!S Volontär ein. Sein Gehalt betrug nach drei Monaten— bis dahin bekam er keinen roten Heller— sage und schreibe zehn Mark pro Monat! Dabei intrßch der Kläger n?H eine Pewrogkbestwmimtg unterschreibe�� wonach er sich bei Vermeidung einer Konventionalstrafe von 3000 Mark verpflichten mußte, innerhalb zwei Jahren nach seinem Aus- tritt in Bayern, Württemberg und Baden weder als Teilhaber noch als Angestellter in einem Konkurrenzgeschäft einzutreten. Wir unterstreichen nochmals, daß der Monatsgehalt 10 Alt. betrug. Der Beklagte will den Kläger nicht als Volontär, fondern als Lehrling betrachtet wissen— der„Lehrling" ist aber bereits 26 Jahre alt. Der Vorsitzenoe GerichtSrat Dr. Prenn.er meinte, der Fall fei ein lehrreiches Material zur gegenwärtigen Beratung der Anträge im Reichstage bezüglich Beseitigung� der Kankurrenzklausel. Hub Induftrie und Handel Liebeßaaben. Die Krise macht viele taufende Menschen arbeitslos. Voll frühester Jugend auf haben die vom Mißgeschick Betroffenen gesellschaftlich nützliche Arbeit geleistet. Arbeit, die der Gesamtheit Wohl bedingt, den Privilegierten sorgloses Genietzen gewährleistet. den raffiniertesten Luxus, das Höchstmatz der Daseinsfreude gc- stattet. Und die Schaffendon selbst? Während Faulenzer und Nichtstuer protzten und schlemmten, erwarben sie in harter Fron kaum daS zur Lebensexistenz unbedingt Erforderliche. Nun aber zuckt ihr arbeitsreicher Körper unter den Hammerschlägen male- rieller Not. Und aus gequältem Herzen lätzt die Sorge um die Angehörigen Seufzer um Seufzer auffteigen. Vergrämte Frauen, hungrige Kinder treiben die unfreiwillig Beschäftigungslosen zur Armenverwaltung. AuS der Reichtum Fülle, die sie schaffen halfen, fällt ihnen hier ein winziges Teilchen als Gnadeubröckchen zu. Armenunterstützungl Wer gebeugt von dem eisernen Zwange der Verhältnisse, wer getrieben von Hungers Ovalen sie annimmt, wird alS Staatsbürger bestraft. Er gilt als minderwertig! Hoch- geehrt, mit Würden und Aemtern beladen aber werden die„Edlen" und„Erlauchten", die mit keckem Griff in den Staatssäckel hinein- langen und Millionen erraffen. Liebesgaben sind Armenuntcr- stützungen für Wohlhabende. Ihre Quelle ist die Arbeit anderer, auch jener, die als arbeitslose Almenunterstützungsempfänger geächtet, verspottet, verhöhnt werden. Und die Liebesgabenempfänger verstehen daS Schöpfen aus der StaatSquelle. Nach Milliarden zählen die Summen, die den Agrariern durch die Zollschrauöe, Zuckerprämien, Brcmntweinliebesgaben, Steuervergünstigungen usw. iu die Taschen praktiziert tvurden. Aber unstillbar ist die Liebes- gabengier dieser Stützen der Gesellschaft. Und ihre Raffsucht finde! iimner neue Gelegenh-sit, erfolgreich fti den Staatssäckel hineinzu- greifen. So hat sich für sie daö System der Getreideeinfuhrscheine als Mittel erwiesen, die RcichSlasse shstematisch zu plündern. Unserer Junker Vorfahren hatten ein hervorragendes Geschick in der Selbstbereicherung auf Kosten anderer. Gewerbsmäßig vertauschten sie„mein" und„dein". Das hat sie berühmt gemacht für alle Zeiten. Stolz können ihre Nachfahren erklären: Der Väter Ruhm wird überstrahlt durch unsere Taten! Im Jahresbericht der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft wird ihnen das also be- stätigt: „Im Jahre 1908 hat Deutschland in Roggen eine vorzügliche, in Weizen eine sehr gute Ernte gemacht. Wenn trotzdem die Preise beider Fruchtgattungen entsprechende Rückgänge nicht er-- fahren haben, so ist das die Folge unserer AusfuhrvergüttgungS- scheine und der billigen Tarife aus dem Innern nach den Hafen- Plätzen. Die Ausfuhr hat unter diesen Umständen einen so er- yeblichen Umfang angenommen, daß das Deutsche Reich in dar Zeit vom 1. August bis 30. November an Zöllen für Roggen und Rog�ernnehl zwar 4kh Millionen Mark vereinnahmt, dagegen in Ausftlhrscheinen 23 Millionen Mark ausgegeben hat zum bedcu- tendcn Schaden feiner Finanzen." Waö ists mit den erwähnten Scheinen? Durch die Zollast wurde die Existenz der inländischen Müller bedroht, die aus- kändisches Getreide importierten, um eö später als Mehl wieder über die deutsche Grenze zu bringen. VeredekungSvcrkchr! Um diesen nicht zu stören, sollte für eingeführtes Getreide, das alS Mehl wieder exportiert wird, der EingangSzoll erlassen werden. Zu diesem Zwecke wurde bei Ausfuhr dcS RehleS dcr Zoll zurückvergütet. Um Benachteiligungen der ReichLkasse zu per- hindern, mutzte bei der Ausfuhr nachgewiesen werden, daß das Mehl tatsächlich eingeführtem Getreide entstamme. Jdcntttäts- Nachweis! Die Grundlage zu einer großzügigen Plünderung der Reichskasse war gegeben. Dem Drängen der Junker nachgebend, ließ die Regierung vor und nach alle den junkerlichen Spitzbube- reien hinderlichen Bestimmungen fallen. Zunächst wurde da? Prinzip des Identitätsnachweises durchbrochen, dann der Grund- sah des Derrdelungsverkehrs preisgegeben, später der JdentitSts- Nachweis vollständig ausgehoben und das System der Einsuhrschclne angenommen. Bei Ausfuhr von Getreide erhält der Exporteur Scheine, die ihm das Recht geben, binnen einer Frist von 6 Monaten eine entsprechende Meng- Waren der gleichen Gattung zollfrei ein- zuführen. Um den Junkerwünschen noch mehr entgegenzukommen, werden die Emfuhrschcinc aber auch bei der Einfuhr anderer Artikel aks Zollsistung angenommen. So hat sich aus der Zollbefreiung für den VoreMungLverkehr eine GetrcideauSfuhrprämte entwickelt. Um den hohen Inlandspreis nicht abbröckeln gu lassen, ver- hindert der Junker die Steigerung des Angebots durch starke Aus- fuhr. Und an daö Ausland verkauft cr die Tonne Getreide, die sein deutscher Volksgenosse mit vielleicht 150 Dt. bezahlen mutz, um 50— 53 M. billiger, denn er bekommt diesen Betrag ja aus der Reichskasse vergütet. So kommt cS, daß das Reich viel mehr an Getreidezöllen zurückzahlt als es einnimmt. 41i Millionen Mark Einnahme, 23 Millionen Mark Ausgabe, das ist ein feines Geschäft— für die Junker. Ja sie verstehenS besser als ihre gottselig entschlafenen Väter. Es ist jedoch auch noch ein anderer Unterschied gu konstatieren. Tie verflossenen Sttauchritker plünderten und brandschatzten nur gewerl�mätzig, die heutigen mache nö systematisch und geben dem Handwerk Gesetze"- formen. Dafür wurden die Edlen von ehemals aber auch auf» geknüpft, lietzen sie sich erwischen. Die Beuteschiuder von heute dagegen lassen die von ihnen Geplünderten mit PolrzeisSbelhieben und blauen Bohnen regalieren, wenn sie, von Hunger gepeinigt, nach Arbeit und Brot schreien. Das ist dcr Fortschritt unter Junkerherrschaft!_ Steigende Lchensmiiielpreist. In einer Denkschrift des Rat?« der Stadt Leipzig zu den Be» saldungsvorlagen wird mitgeteilt, das statistisch? Amt für die Stadt Leipzig Hobe über die Brvlprcisc ermittelt: Vd Kilo volles Gewicht Schwarzbrot w Laiben Von 2 Kilo testetet, 1900... ,1.6« P'. 1.903... 10,07„ KSK... 12, Ol„ 1907... lZ.44„ flr 10 Pf. erhielt man ichwarzbro» rn Laibe» do» 2 Kilo 480,63 Gramni 433,46„ «6.07 371,00 HandelsvertrSge mit den erhöhten Brot�öllen in Kraft ,md im selSs» Jahre schnellte sckoii der Brotpreis erheblich in die Höhe. Die Ver- teuenmg setzte sich 1907 in dem Matze fort, daß für 10 Pf. dann <3.56 Gramm Brot weniger eingekauft werden konnten als 1005 Der Brolprei« stand 1907 um rund 16 Proz. hßfitc sogar wie in dem TeueriingSjahr 10001 Wie sich die Fleischpreise entwickelt haben, geht ungefähr an? den auf dem städtischen Viehhof ermittelten Grotzhandelspreisen her- vor. Da die Masse der arbeitenden Bevölkerung vorzüglich die ae- ringwertigen Fleischsorten konsumiert, seien die Preise nur dafür hier mitgeteilt. EZ wurden für 80 Kilo gezahlt: Anfang 1001 Anfang 1008 Ochsen..... 86 M. 60 M. Kälber und Kühe. 40„ 48„ vullen..... 62„ 60„ Schafe..... 80„ 41„ Schwein.'.... 47, SS„ Knda 1008 und Anfang 1907 standen die Viehpreise noch höher Wie Anfang 1908. Damals versicherten die Agrarier, die Preise würden bald wieder auf den früheren„mätzigen Stand" zurückgehen. Aber gegen Ende 1907 begannen die Preise abermals zu steigen und standen 1908 schon wieder, mit Ausnahme der Kälber, bedeutend Höver wie 1901. Die Agrarzölle sind es. welche die Lasten noch weiter in« Angemessene steigern und«s damit dem deutschen Volke so lmgehener erschiveren, sie zn tragen. Das hindert das moderne Ranbriltertum aber nicht, sich selbst von Steuerlasten zu befreien. diese restlos auf die Opfer der Zöllnern abzuwälzen. Bus der frauenbewegimcf* Staatliche Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft. Die prcutzischen BolkSschullehrerinncn, zirka 18000 an der Zahl, ringen seit langem schwer um ihre wirtschaftliche Besser- stellung. Sie haben in diesem Kampfe von jeher allein gestanden, da ihre männlichen BerufSgenosscn sie in kurzsichtiger Verblendung lediglich als Eindringlinge, als Konkurrentinnen betrachteten und jede Kampfgenossenschaft mit ihnen zum eigenen Schaden ablehnten. Tatsächlich haben Staat und Gemeinde sich die organisatorische Schwäch? der Lehrerinnen zunutze gemacht und ihre willige und billige Arbeitskraft— genau so wie der erste beste kapitalistische Ausbeuter— systematisch in lohndrückerischer Absicht gegen die drS Lehrers ausgespielt. ES waren Hungergehälier, mit denen die ungemein anstren- gcnde Berufstätigkeit der Lehrerin bezahlt wurde. 700 M. betrug bis vor kurzem das AnfangSgehalt, und es stand ganz im Belieben der Gemeinde, eine Aufbesserung dieser Besoldung eintreten zu lassen. 700 M. im Jahre, d. h. 1,00 M. pro Tag, erachtete man für ausreichend, die Kosten für alle Lebensbedürfniff« einer quali- fizierten geistigen Arbeiterin, die staatlich geprüft wurde und ein drei- bis vierjähriges kostspieliges Fachstudium absolviert hatte, zu decken. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, datz die Lehre- rinnen erst nach 2— vierjähriger, oft aber auch sechsjähriger Wartezeit, in der sie auf schmalen ZufallSverdienst angewiesen waren, in den Eenutz deS Gehalts von 700 M. gelangten. Lehrerinnen, welche noch für Familienangehörige zu sorgen hatten. führten dabei ein Leben voll der schwersten Entbehrungen, in dem die Kräfte oft lange vor der Zeit aufgerieben wurden. Gewiß war auch die Besoldung des Lehrers völlig unzulänglich und eines KulturstaateS unwürdig. Aber die Lehrerin bezahlte der Staat, auch wenn von ihr dieselben Leistungen wie von dem Lehrer verlangt wurden und obgleich die Ancntbehrlichkeit ihrer Tätigkeit längst anerkannt war, grundsätzlich um 20—28 Proz. niedriger als ihren männlichen Kollegen. Ein Steigen der Gehälter in den größeren Städten über ein gewisses Maß hinaus verbot der be- rüchtigte Studtschc BrcmSerlaß gerade in der Zeit, als die im- erhörte Teuerung aller Lebensmittel einsetzte. Eine Reform dieser unerträglichen Verhältnisse wurde immer dringender gefordert. Der zu einer chronischen Kalamität gc- wordene Mangel an Lehrkräften— in Preußen sind zurzeit IS 000 Klassen ohne Lehrer und 13 400 Klassen sind überfüllt— zwang endlich die Regierung, dem Abgrordnctenhause ein neues Besoldungsgesetz vorzulegen, dem die Lehrerinnen mit großen Hoff- nungen entgegensahen. Aber welche Enttäuschung sollten sie er- leben! Wohl erhöht die Regierungsvorlage das Grundgehalt auf 1050 M.. aber was will das sagen, wenn die Lehrerinnen mit diesem Grundgehalt noch unter den gewiß elend bezahlten De- amtenkategoricn der Bremser, Schaffner, Landbriefträger und Bahnwärter ranzieren! Die auf Grund eines Kompromisses zwischen der Regierung und den Parteien zustande gekommenen Beschlüsse der Kommission, deren Annahm- im Abgeordnetenhaus? so gut wie sicher erscheint, erhöhte das Grundgehalt um 150 M., machte aber dafür bei den AltcrSzulagen Abzüge von 100 M. Di-S würde immerhin eine Verbesserung des EndgehalteS um M M. bedeuten, wenn ein erheblicher Prozentsatz der Lehrerinnen in den Genuß der letzten AlterSzulage von 280 M. gelangte! Das ist aber nicht der Fall. Nur der zehnte Teil etwa erreicht nach 31 Dienstjahren das Endgehalt von 2450 M. So bringt das neue Gesetz den Lehrerinnen im allgemeinen nicht nur keine Verbesse- mng ihrer ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern ein beträchtlicher Prozentsatz verschlechtert sich künftig direkt. In vielen größeren Städten, besonders im Westen Deutschlands, hatten cinsichtige und opferwillige Stadtverwaltungen die Gehälter der weiblichen Lehrkräfte bisher vielfach über die regierungsseitig fest- gesetzten Beträge erhöht. Hier büßen die Lehrerinnen künftig im Laufe ihrer Lehrtätigkeit oft Tausende von Mark ein. wenn die neuen Bestimmungen Gesetz werden. Zwar gesteht daS neue Be. scldungSgesetz den Lehrerinnen in größeren Orten mit teuren Lebensverhältnissen Ortszulagen von 100. 200 und 300 M.. je nach der Größe der Kommunen, zu. Aber eine Verpflichtung zur Zahlung dieser Summen besteht für die Gemeinden nicht, und die Lehrerinnen sind darin ganz auf den guten Willen der Stadt. väter angewiesen. Große Erbitterung ruft in Lehrerinnenkreisen die Tatsache hervor, daß die Bewertung ihrer Arbeit im Ver- gleich zu der des Lehrers, dem das neue Gesetz eine wirkliche Verbesserung bringt, künftig eine weitere Verschlechterung erfahren soll. Die gleiche ungerechte Behandlung wird ihnen bei der Normierung der Mietsentschädigung zuteil. Den unverheirateten Lehrern, die einen eigenen Hausstand führen, steht die volle MietS- Entschädigung der verheirateten Lehrer zu. Ton Lehrerinnen aber soll stets, auch wenn sie einen eigenen Hausstand haben, eine vm em Drittel gekürzte Mietsenischädigung gezahlt werden. TaS ist in großen Zügen der gegenwärtige Stand der Lehre- rinnenbesoldungsfrage. so wird er voraussichtlich trotz Einspruch der Sozialdemokratie in den nächsten Wochen von den Feinden der Volksbildung im Junkerparlament auf lange hinaus gesetzlich festgelegt werden.— �# Nachdem der Landesoerei n preußischer Volks- schul! ehrerinnen bereits gegen die in der Vorlage zum Lehrerbesoldungsgesetz zum Ausdruck kommende Geringschätzung der iveivlichen Lehrtätigkeit in einer Versammlung protestiert hatte, nahmen hierzu auch die unorganisierten Lehre- rinnen Grvß-BerlinS in einer in den Festsälen Alt- Berlin tagenden sehr gut besuchten Versammlung Stellung. Die Referentin, Fräulein Marie LifchnetvSta, wies eingehend dls zahl- selchen Ungerechtigkeiten in dem Gesetzentwurf nach, in denen die Lehrerinnen eine unverdienis Zurücksetzung gegenüber den Lehrern erblicken. Diese unwürdige Behandlung der Lehrerinnen, bemerkte die Referentin febr richtig, sei auch eine Falge der politischen Rechtlosigkeit der Frau. Vor Nichtwahlern brauche man sich eben nicht zu genieren. Man seh« hieraus, wie sehr uns statt deS Männerparlaments ein Parlament von Männern und Frauen not tue. In einer einstimmig angenommenen Resolution protestierte die Versammlung dagegen, daß in den Kommissionsberatungen des Abgeordnetenhauses eine Verschlechterung gegenüber den Be- schlüsfen der ersten Lesung der Vorlage beantragt worden ist. Sie forderte ferner gleicbes Grundgehalt für Lehrer und Lehrerinnen� da die Bedürfnisse deS jungen Lehrers und der Lehrerin die gleichen feien, ferner Wiederherstellung der von der Kommission in der Regierungsvorlage gekürzten Alterszulagen in Höhe von 0 mal tKO M. sowie die volle Mietsentschädigung des verheirateten Lehrers für die Lehrerin mit eigenem Haushalt, Serickrs-Telwng. Der Fraueumor's bei Grönau. Die Aufsehen erregende Aufhebung des WahrsstnichZ der Geschivoreuen durch die drei gelehrten Richter des Schwur- gerichtS in der Anklage gegen Woldenberg ist von uns bereits gestern gewürdigt worden. Eine Reihe namhafter Juristen haben unS erklärt, daß auch ihnen ein ähnlicher Fall, in dem ein auf Bejahung der Mordfrage gerichtetes Berdikt von dem Kollegium aufgehoben ist. nicht bekannt ist. Der Spruch der Geschworenen war ein Fehlsprnch. Von drei Möglich- keiten nahm er ohne ausreichende Beweise die dem Ängc- klagten migünstigste als erwiesen an, in Frage konnte Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit tödlichem Ausgange kommen. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ist nachjj 211 St.-G.-B. wegen Mordes zu bestrafen,„wenn er die Tötung mit Ueberlegung ausgeführt hat". Als Strafe kennt das Gesetz nur die Todesstrafe. Die Strafe für Totschlag ist 5 bis 13 Jahre Zuchthaus. Totschlag liegt vor, wenn der Täter vorsätzlich getötet, aber die Tötung n i ch t m i t Ueberlegung ausgeführt hat. War der Totschläger ohne eigene Smuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem Getöteten zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden oder sind mildernde Um- stände vorhanden, so beträgt die Strafe 6 Monate bis 5 Jahre Gefängnis. War der Tod die Folge einer vorsätz- lichen Körperverletzung, so betragt die Strafe Ge° fängniS oder Zuchthaus von einem bis 5 �Jahren und falls der Tod durch die Körperverletzung verursacht war, Gefängnis von 3 bis 5 oder Zuchthaus von 3 bis 15 Jahren. Die Geschworenen sind zu der irrtümlichen Auffassung, daß nicht der volle Beweis für die Tatsragen erbracht werden muß. sondern eine Wahrscheinlichkeit genüge. wohl durch das Plaidoyer des Staatsanwalts für solchen Jrrtuni gelangt. Auffällig ist die staats- anwaltliche Ansicht insbesondere, wenn man ihr die Auffassung des Jtzehoer Staatsanwalts gegenüberstellte, der für Nichtverfolgung des Hausvaters der Blohmöschen Wildnis in den Fällen eintrat, in denen gemißhandelte Mädchen wohl infolge der erlittenen Grausamkeiten verstorben waren und deshalb Aussagen nicht mehr machen konnten. In beiden Fällen haben die Staatsanwälte die Rechtswage mit Gewichtsstücken beschwert, die bei Eichung durch gesundes Rechtsempfinden als unecht— in Berlin als zu schwor, in Itzehoe als zu leicht— bestmden werden müssen. Wiesenthal 0*0«« Handl«. Die im vorigen Jahre geführte Lohnbewegung der Rohrleger Berlins hat bekanntlich zu heftigen Polemiken zwischen dem Deut- schen Metallarbeitrrverband und dem Wiesenthalschen Allgemeinen Merallarbeitervcrband Anlaß gegeben. Wegen einiger scharfer AuÄ- drücke, die Handle als Vertreter deS Deutschen Mrtaklarbeitervrr- bandeS gegen Wiesenthal gebrauchte, hat dieser gegen Handle wegen Beleidigung geklagt und dann hat Handle Widerklaoe erhoben, weil auch Wiesenthal gegen ihn mit äußerst scharfen Worten nicht ge- spart hat. DaS Schöffengericht hat Handle Ende Oktober vorigen Jahres wegen formeller Beleidigung zu eine: Geldstrafe von 190 Mark verurteilt, den Widerbrllaoten Wiescnthal aber freigesprochen. Räch den Feststellungen des Schöffengerichts liegt der Klage folgender Tatbestand zugrunde: Die Unternehmer hatten den Rohr- legertarif gelündigt. Sie wollten wegen Abschluß eines neuen Tarifs mit den beiden genannten Metallarbeiterverbändcn ver» handeln. Der Deutsche Ätetallarbeiierverband war an sich bereit, mit den Unternehmern zu verhandeln, er lehnte eS aber ab, gemeinsam mit den Vertretern des Allgemeinen Mctallarbeitervcr- bandeS diese Verhandlungen zu führen, weil dieser verband nicht als eine berufene Vertretung der organisierten Arbeiterschaft gelren kann. Der Allgemeine verband verhandelte dann allein mit den Unternehmern vor dem EinigungSamt. Der Deutsche Metall- arbeitcrverband dagegen reichte den Unternehmern Forderungen auf Verbesserung deL Arbeitsverhältnisses ein. In diesem Stadium der Bewegung verbreitete Wiesenthal in seiner Zeitung und in einem Flugblatt die Behauptung, die Leitung deö Deutschen Me° tallarbeiterverbandeS habe sich in einem Briest an einen Vertreter der Unternehmer dahin ausgeivrochen: Sie bedauere die Kündi- gung deö Tarifs, sie halte die Sätze desselben für angemessen hoch genug, sie würde den Tarif nicht gekündigt und auch keine Lohn- erhöhung gefordert haben. Diese von Wiesenthal verbreitete Behauptung bezeichnete Handle in einer Versammlung und in einem Flugblatt mit scharfen Worten als eine Unwahrheit. Obermeister Grün, an den der von Wiesenthal zitierte Brief angeblich geschrieben sein soll, bekundete als Zeuge vor dem Schöffengericht, daß ein Brief mit dem von Wiesenthal angegebenen Inhalt nicht existiert. Der Zeuge hat zwar in der Verhandlung des EinigungSamtes einen Brief vom Deutschen Metallarbeiter- verband verlesen,� der jedoch nichts anderes enthielt, als die Ab- lehnung, gemeinsam mit dem Wiesenthalschen Verbände an den Verhandlungen teilzunehmen. Im Anschluß an die Verlesung deS Briefes hat Obermeister Grün mündliche Ausführungen ge- macht, von denen Wiesenthal angenommen haben lon«, daß diese ebenfalls im Briest stünden. Aber diese Ausführungen des Herrn Grün waren keinesfalls derart, daß sie sich auch nur annähernd mit dem decken konnten, was Wiescnthal als Inhalt des Briests angegeben hat!?. Diese Ausführungen deS Herrn Grün bezogen sich auf ein Gespräch, welches er mit Handke hatte. Wie Herr Grün als Zeuge bekundete, hat Handke kein Wort davon gesprochen, daß der Deutsche Wetallarbeiterverband mit den Löhnen des alten Tarifs zufrieden war«nd keine Lohnerhöhung fordern würbe. Hierdurch war die Vehrniptiing Wiesenthals als eine tatsäch- lich unwahr? Angabe erwiesen. Er hat sie aber— wie gleichfalls vor dem Schöffenaericht festgestellt wurde— nochmals verbreitet, nachdem er durch Mitteilungen des Obermeisters Grün den wahren Sachverhalt erfahren hatte und demnach wissen mußte, daß seine Angaben nicht wahr sind. In der allerdings sehr scharfen Kennzeichnung des Wiesen- iljalfdkn Verhaltens durch Handle hat das Schöffenoericht eine formelle Beleidigung erblickt, sonderbarerweise aber nicht in den mindestens ebenso scharfen Worten, die Wicsenthai gegen Handke auS diesem Anlaß gebrauchte. Handke hat gegen dieses lleteil Ben, s, mg cingesi'gk. über bis gestern die 0. Strafkammer verhandelte. Im Verkauf de« angelegenilichen DecgleichSversuche des Vor- sitzenden hielt Handle, dem Rechtsanwalt Dr. Heinemann als Ver» teidiger zur Seite stand, die Berufung nur soweit aufrecht, als sie sich auf die Widerklage bezieht. Damit handelte ed sich nur noch um die Frage, ,d auch Wiesenthal wegen Belridignng verurteilt werden soll. DaS Gericht bejahte diese Frage. SSiesenthal wurde wegru formeller Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt, auch soll er das Urteil auf feine Kosten im„Bor- wärts" veröffentlichen lassen._ Ein ISjätzrigee vom Jagendgericht z« 8K; Mouaken GtfängmS verurteilt! Vor der Jugendkammer des Chemnitzer Landgerichts hatte sich ein eben erst 18 Jahre alt gewordener Angeklagter wegen einfachen, vollendeten und versuchten schweren Diebstahls zu ver- antworten. Der junge Angeklagte hat schon als Schulknabe mit dem Innern deS Gefängnisses Bekanntschaft gemacht; als Drei- zehnjähriger wurde er mit drei Monaten Gefängnis bestraft, mit 16 Jahren erhielt er eine sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrug». Am 4. Januar 1900 hatte er die dritte Strafe, 16 Tage Gefängnis verbüßt und wurde nun sofort wegen der im November 1906 verübten Straftaten in Untersuchungshaft genommen. Wie es gekommen, welche Ver- hältniffe daS dreizehnjährige Kind damals vor den Strafrichtrr gebracht hatten, wurde in der Verhandlung nicht erörtert. ES wurde nur festgestellt, datz der Vater, ein HauSweber, noch lebte. Der Angeklagte war beschuldigt und geständig, von einem Bau weg 15 Messingschrauben im Werte von 90 Psennioen gestohlen, sich stchlenshalber zweimal in die Knechtckammer eineL Gutes eingeschlichen und in einem Falle zwei Mark gestohlen zu haben, die einem Knechte gehörten; im zweiten Falle hatte er sich wieder entfernt, ohne daß er etwas gestohlen hatte. Ohne Lohn war der Angeklagte von seinem letzten Arbeitgeber wegen Unredlich- keiten entlassen worden und stand mittellos da. Der Staatsanwalt beantragte strenge Strafe, denn nur durch solche sei der Angeklagte auf den Weg zur Besserung zu bringen. Dem schloß sich das Gericht an, daS gegen den Angeklagten auf 8 Monate und 2 Wache» Gefängnis erkannte. Zur Begründung des harten Urteils wurde ausgeführt, daß der Angeklagte im Vollbesitz der Strafbarkeiis- einstcht gehandelt habe. Weil er in Bedrängnis gewesen, seien ihm mildernde Umstände zugebilligt worden. Die Beharrlichkeit deö bösen Willens und die Verkommenheit, die der Angeklagte gezeigt, erfordern eine strenge.ErziehungS''strafe. Eine schwere Strafe als Erziehungsmittel, Wer diesen Irrtum komemn die Gerichte nicht hinaus, auch wenn ihnen der Name Ju- gcndgerichtShof zugelegt wird. Wiederholt haben wir darauf ver- wiesen, daß der Name deL Gerichts absolut nichts an der beklagens- werten Tatsache ändert, daß Kinder und junge Leute zu Freiheit»- strafen verurteilt und dadurch zu Verbrechern erzogen werden können. Ein Jugendgerichtöhof, der nicht den Ursachen, ins- besondere den sozialen Ursachen der Straftaten nachforscht, ver- kennt seine Aufgabe. Die sozialen Ursachen aufdecken ur.d zu ihrer Beseitigung beizutragen, sollte die Hauptaufgabe der Jugend- gcrichte sein. Di«„Gesundbeterei" betrifft ein interessantes Urteil der 3. Zivilkammer des Landgerichts III. welches in den„Bl. f. Rechtöpfl." veröffentlicht wird. Gin Mann, der sich, feine Ehefrau und feine kleine Tochter bei einer Anhängerin der„Christian Science' in Behandlung gegeben hatte, hatte dafür in Raten 60 M. gezahlt, war aber dann de Meinung, daß die Heilmethode nicht viel geholfen habe und Magie uns Rückgabe der 60 M. Die Klage behauptete: Die Beklagte babe infolge der vielen Mißerfolge ihrer Methode gewußt, daß durch Gebete Krankheiten nicht beseitigt werden können und deshalb dem Kläger zum Zwecke deL Gelderwerbs unwahre Tatsache:! mit- geteilt. Der Kläger behauptete ferner, der ganze' zwischen ihm und der Beklagten abgeschlossene Vertrag sei nichtig, da er gegen die guten Sitten verstoße. Das Amtsgericht Charlottenburg bat den Kläger abgewiesen. Seine hiergegen eingelegte Berufung rit aber von der Zivilkammer für begründet erachtet worden. Außer em- deren durchgreifenden rechtlichen Gesichtspunkten hat die Zivil- kammer anerkannt, daß die ganze Bereinbarvng gegen die guten Sitten verstoße. Es heißt in dieser Beziehung u. a.:„Es würde mit gesunden sozialen Zuständen völlig unvereinbar fein, wenn der gewerbsmäßige Abschluß von Verträgen rechtliche Anerkennung fände, bei denen der vertragSwille der Parteien darauf gcrick'tet ist, daß die eine Partei gegen feste Bezahlung ihr angeblich bewnderS enges Verhältnis zu Gott benuden soll, um einen angeblichen Eingriff übersinnlicher Kräfte in daS Leben der anderen Partei herbei- zuführen. Der Glaube, daß jemand kraft besonderer göttlickcr Gnade in der Lage sei. die Kranken zu heilen, mag m mehr oder minder weiten Kreisen k-estehcn. Die Anmaßung einer solche!- Heilkraft aber in Verbindung mit der Ausübung eines auf diese Heilkraft sich gründenden, den Gelderwerb bezweckenden Gewerbe- betriebb. widerstreitet dem allgemeinen Sittlichkeitscmpfinden. zum mindesten der gebildeten Kreise, als der Kulturträze-- und kann daher rechtlichen Schutz nicht genießen. Außerdem crsckeint das öffentliche Jntercss- an einer geregelten Gesundheitspflege im Volke dadurch gefährdet, daß durch den Einfluß der Christian Scici,« Kranke der sachgemäßen und rechtzeitigen Behandlung durch den Arzt, dem berufenen Hüter der Gesundheit deS Volkes entzogen werden. Demnach muß Verträgen,' wie dem zwischen Klager und der Beklagten abgeschlossenen, die rechtliche Anerken- nung versagt werden und daraus folgt die Nückzahlungöpflicht der P�Tlagten. Den Gründen wird man bis auf den völlig fehlgehenden Passuö bcistimnien. daß die„gebildeten Kreise die Kulturträger" seien. Die Klientel gerade der Gesundbeter setzt sich zum großen Teil aus Angehörigen der sogenannten„gebildeten Kreise" zu- sanimen, von denen einzelne ebenso wie zur Wahrsagerin und zur Kirche in elegantem Fuhrwerk fahren. Die Kultur beruht auf der geistigen und körperlichen Arbeit der Arbeiterklasse, die das llrteil wohl nicht zu den„gebildeten Kreisen" rechnet, lind wiederum sogenannte„gebildete Kreise" sind cö. die auch in Arbeiterkreisen den Aberglauben an dir Heilkraft eineS Gebets zu nähren suchen. Ode: sind eS wicht„gebildete Kreise", die Gesundbeterei in Kirchen für erkrankte Mitglieder deS Herrscherhauses und für Erhaliun; der Gesundheit de: körperlich gesunden Mitglieder deL Herrscherhauses anordnen?__ W«n» ist ein« Lustbarkeft sieuerftcl? Ter Fußballklub in München-Gladbach sollte wegen cincS vou ihm veranstalteten Wettspiels Lustbarkeitsstauer zahlen. Der BezirkSunsschntz erkannte jedoch gemäß dem Kkagvantrag deö Kluis auf FreifteSnns und führte aus: Wenn das Wettspiel zur Er- gützung und Uiiterhaltulig deö Publikums veranstaltet Uwrdcn wäre, dann wäre eS als Lustbarkeit steuerpflichtig. Das sei aber hur nicht der Zweck gewesen. Vielmehr sei cS veranstaltet worden, um für daS Fußballspiel als Kraft und Gewandtheit förderndes Sport'piel Propaganda zu machen. Die Heranziehuna zur Lust- torkeitSstciier sei daher nicht gerechtfertigt.— DaS Oberverwal- tiinaSaericht verwarf dieser Tage die gegen das Urteil eingelegte Revision als unbegründet. Sie scheitere cm den Feststellungen de? Vorinstanz. Cingcgsngem Drudtrcbriften. Platrn, Die neue Heilmethode. Lieferuns 21—28. 60 LicstruliZcu fl 48 Bs. Long ll. Co.. verlin V/. 57. Reue Weltankchauuug. Heft 1. 1988. Rcd. Dr.'S. Vrriwn?ach. Jährl. 12 Heft», i M, F. Lkhtncim, Sluwgari. LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Diese Woche— soweit Vorrat; FRANKFURTER ALLEE Glaswaren ßaccarat-Schliff-Imitation Pressglasservice„DIAMANT" PorzelL-Serien-Geschirre „LEIPZIG" mit blauem Banddaeor. „BAYERN" mit apartsr Traubenbort» Komp.-Schalen tun* 10,1 8, 28, 43 Pf- Kompott-ÄÄl 2,23,32,55 � Kuchenteller rund... 42, 68, 90 pt Kompotteller.............. 10 p». Zuckerteller................ 8?». 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Doppelbilletts 80 Pf. berechtigen zum Besuch beider Veranstaltungen; eS kann auch— nur für den Vortrag— 1 Doppelbillett für 2 Perjoncn benutzt werden. Treffpunkt nachmittags SVb Uhr im Restaurant Knape (früher Zenner), Treptow, Treptower Chaussee 21/22. Der Vortrag findet im selben Lokale statt. Billetts sind noch beim Kassierer G. Schmidt, eventuell an der Kasse zu haben. Fünfter Wahlkreis, l. Abteilung. Gemeinsame Sitzung aller Bezirke der Abteilung am Dienstag, den 2K. Januar, 8lh abends, in den„Nnion-Sälcn", GreifSwaldcr Straße 221/222. Allseitigen Besuch der Genossen und Genossinnen erwartet. Der Abteilungsführer. SchSneberg. Die Generalversammlung des sozialdemokrati» scheu Wahlvereins findet Dienstag, den 26. d. M., abends 8 Uhr, in den..Neuen Rathaussälcn", Meininger Strohe 8. statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vorstandes und der Funk- tionäre. 2. Diskussion. 3. Neuwahlen. 4. Vereinsangelegenheiten. Die Mitglieder wollen pünktlich und zahlreich erscheinen. Mit- gliedöbuch legitimiert. Der Vorstand. Wilmersdorf. Die Genossen von Wilmersdorf beteiligen sich an der Protcstversammlung in Schönebcrg. Die fällige Mitgliederversammlung für WilmerZdorf-Halensec am Dienstag, den 26. Januar, fällt aus. FriedrichShagcn. Dienstag, den 26. Januar, abends 8}h Uhr, im Saale der Witwe Lerche. Rundteil: Generalversammm. lung des Wahlverein ö. Tagesordnung: Bericht des Vor- standcs. der Revisoren, der Bibliotheks- und Lokalkommission. Neu- wähl des Vorstandes, der Revisoren, der Bibliotheks- und Lokal- kommission. Bericht des ParleispeditcurS. KreiSangelcgenheiten. Vereinsangelcgenheitcn. Verschiedenes. Lankwitz. Am Mittwoch, den 27. d. M. findet im Lokal Ebel. Marienfeldcr Stratze. die regelmäßige Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über..Heinrich Heine". 2. Ver- cinSangelegenhciten. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung und Wahl der Delegierten. 3. Verschiedene?.— Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Der Vorstand. Karlshorst. Die Parteigenossen treffen fich um 11 Uhr vorm. bei Fr. Bartels.»Zum Fürstenbad". �12 Uhr Abmarsch nach Oberschöneweide. Der Vorstand. Biesdorf. Achtung! Genossenl Am Dienstag, den 26. Januar: Zahlabend bei Gustav Berlin. Marzahner Straße. Die öffentliche Versammlung findet am Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr, im gleichen Lokale statt. Der Vorstand. Rieder-Schönhausen. Dienstag, den 26. Januar, abends 8Vi Uhr, findet im Lokal„Ncu-Carlshof", Beuthstrahe, Ecke Char- lottenstrahe. die Generalversammmlung des Wahl. Vereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassen- bericht. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes sowie der Kom. Missionen. 3. Vcreinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Zutritt nur gegen Mitgliedsbuch. Nowawcs. Den Parteigenossen zur Kenntnis, dah die Wähler- liste nur noch bis zum 36. Januar in den Dienslstunden im Rat- Hause in der Priesterstrahe. Zimmer 21.von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, öffentlich zur Einsicht für jedermann aus- liegt. Außerdem ist die Liste bei dem Genossen Gruhl, Priester- straße 6S. einzusehen. Versäum« niemand, sich zu vergewissern. ob er in die Wählerliste eingetragen ist._ ' Friedenau. Auf unteren Antrag liegt die Gcmcindcwähler- liste auch am heutigen Sonntag, vormittags von 9— 12 Uhr im hiesigen Gemeindeamt. Feurigstr. 8. Zimmer 2. zur öffentlichen Einsicht aus. Wir bitten um rege Inanspruchnahme. Der Vorstand. Bdlershof. Die in letzter Generalversammlung bekannt ge- aebene öffentliche Volksversammlung, welche am Dienstag, den 26. Januar bei Wöllstein stattfinden sollte, findet niäit statt. Rummelsbvrg. Die Parteigenossen werden geben, sich heute, Sonntag, vormittags pünktlich u m 1 1 U h r. in den bekannten Be- zirkslolalen einzufinden. Es wird erwartet, daß ohne zwin. genden Grund kein Genosse fernbleibt. Gleichzeit, g sei darauf hingewiesen, daß am Sonnlag. den 31. Januar, mittags 1 Uhr. im Weigelschcn Lolal die JahreSgeneralversammlung des Wahl. Vereins stattfindet. Echmargcudorf. Am DienStag, den 26. Januar, abends 8� Uhr. findet im„Wirtshaus", Warnemünder Straße 6, die Gene- ralversammlung de? Wahlvereins statt, wozu sich jeder Genosse mit seiner Frau einfinden möge. Gäste willkommen.— An den heutigen Protestversammlungen nehmen die Schmargendorfer Ar- bciter in Charlottenburg teil und haben sich alle Genossen in dem dortigen Versammlungslokal einzufinden. Treptow-Banmschulcnweg. Am Dienstag, den 26. d. M.. findet in Baumschulenweg in Speers Festsälen. Baumschulenstr. 78. die diesjährige Generalversammlung des Wahlvereins mit fol- gendcr Tagesordnung statt: 1. Bericht« dcS Vorstandes— Kassenbericht. 2. Wahl des Gcsamtvorstandcs. 3. Vereinsangelegen- heiten. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Neinicke»dorf-Osi. Am Dienstag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Falk, Hausotterstr. 43. die General- Versammlung deS W-hlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Neuwahl der Funktionäre. 3. Vereinsange. legenheiten. eventuelle Anträge. 4. Bericht auS der Gemeindcver- tretung. ö. Verschiedenes. Der Vorstand. berliner I�admcbteu. Eine Extraausgabe unsere« BlatteS erscheint am Montag früh. Dieselbe wird unseren Abonnenten zugestellt werden, wie jede andere Nummer. Eine seltsame Tagung im RcichStagSsaal. (Dernburg der Diamantcnflnder.) In bunter Reihe saßen am Dienstagabend dicht gedrangt Herren im Straßenrock, Gesellschaflsanzug oder glänzender militärischer Uniform und Damen in zum Teil erträglich ein- fachen, zum Teil aufdringlich eleganten Toiletten und mit Hüten in den verschiedensten Farben und den unglaublichsten Formen. Das hier gesagte bezieht sich nicht etwa nur auf das Tribünenpublikum, sondern in erster Linie sogar auf die Besucher und Besucherinnen im Plenarsaal und der Bundes- ratstribüne. denn auch hier saßen Herren und Damen in bunter Reihe durcheinander, so daß ein Uneingeweihter glauben mußte, wir hätten im Reich das Frauen- oder doch zum mindesten das Damenstimmrecht eingeführt. Dieser unge- wohnte Anblick steigerte sich fast bis zur Verblüffung durch die Beobachtung, daß alle Anwesende, mit Ausnahme des Redners natürlich, wie m der Kirche ruhig auf ihren Plätzen saßen und nicht nur ruhig, sondern auch aufmerksam der Rede zuhörten. Nur hier und da richtete jemand verstohlen sein Opernglas nach der Hofloge, allwo der Kaiser mit der Kaiserin und Prinz Heinrich nebst Gemahlin Platz genommen hatten, oder nach dem hochlehnigen Präsidentenstuhl, auf welchem es sich ein Herr in Uniform, Herzog Albrecht von Mecklenburg, wie mir mein sehr distinguiert aussehender Nachbar zur Linken auf meine Frage sehr verwundert zu- rannte, bequem gemacht hatte. Ein Musterparlament, das nicht einmal durch das türkische übertroffen werden dürfte,. Schade nur, daß die Versammlung gar kein Parlament bildete, sondern daß es sich um eine im Sitzungssaal des Reichstages abgehaltene allgemeine Versammlung des Kolonialvereins handelte. Die Anwesenheit des Kaisers galt also der Kolonialgesellschaft, wie der fürstliche Vorsitzende bei der feierlichen Begrüßung der kaiserlichen Gäste besonders hervorhob und nicht etwa dem Reichstag, dem sehr zum Leidwesen namentlich der freisinnigen Blockbrüder der Kaiser seinen ersten Besuch noch zu machen hat. Den Anlaß zu dieser Versammlung dürften die ,.D i a m a n t e n f u n d e" unseres deutschen Kolonialhelden Dernburg gegeben haben, der sich gern hatte bewegen lassen, einer auserwählten Gesell- schaft seinen neuesten Kolonialtrick vorzuführen. Die Geschichte mit der D a t t e l k i st e ist zu verbraucht, weshalb er eine neue Kolonialattraktion schaffen mußte. Um die Nummer zug kräftig zu machen, trat er selber als Akteur auf. Nicht ohue Erfolg, wie das„kräftige Anziehen der Kurse" der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft am folgenden Tage an der Börse bekvies. Kein Wunder: die Gesichter der Damen glänzten vor innerfreudiger Erregung, als„Bern- h a r d ch e n II." begeisterungsvoll von den herrlichen Dia- manten sprach, die er entdeckt habe und die eine neue Aera in der Kunst sich zu schmücken bringen würden. Ein Herr- licher Mann, sagte meine Nachbarin zu sich selber und warf einen glühenden Blick nach dem schwarzbärtigen Manne am Rednerpult...,_ Doppelte Steuerzahlung. Von verschiedenen Seiten gehen uns Mitteilungen zu, nach denen Personen, die von Verlin nach Vororten oder von Vororlen nach Berlin gezogen sind, doppelt Steuern zahlen sollen. In der Praxis gestaltet sich die Sache so: Schulze zieht von Verlin nach— sagen wir Treptow. Dort meldet er sich pflichtgemäß sofort an, während sein Hauswirt in Berlin die Abmeldung des Schulze, der am 1. Oktober aus- gezogen ist, erst am 6. oder 7. Oktober bei der Polizei einreicht. In solchen Fällen muß der Betreffende am neuen Wohnort den Oktober mitbezahlen, aber auch die Berliner Steuerbehörde verlangt von Schulze für den Oktober noch Steuern, indem sie sich darauf beruft, daß die Abmeldung Schulzes nicht am 1.. sondern erst am 7. Oktober erfolgt ist. Dabei stützt sich die Steuerbehörde auf das Gesetz und ist nach dem Buchstaben im Recht. Will man sich also vor Doppelbesteuerung schützen und man ist froh, wenn man einmal bezahlt hat—, so mache jeder, der seinen Wohnort wechselt, hiervon auch der Steuerbehörde und zwar vor dem Ersten, Mitteilung; in den Vororten ist dies der Genieindevorstand, in Berlin die Steuerdeputation des Magistrats. SerteljrsdcschrSnkilng«» am 27. Januar,«m 27. dtese? Monats werden solgende Vertehrsbelchränkungen cisorderlich: I. Von S Uhi vormitwgS ab bis gegen 1>/, llhr nachmittaas wird der gesamte Berkehr über die Kaiser- Mlhclm-Brücke, den Lust- garten, die Schlvßfreiheit. die Scbloßbriicke, die Plätze am Opern« und am Zeughause nach Bedarf abgelenkt werden. II. Bon b Uhr nachniiltagS ab erleidet der Fahrverkehr folgende Einschränkungen: 1. Das Befahren der Straße Unter den Linde» wird auf der Südleite nur in der Richtung nach Osten, auf der Nordfcite nur in der Richtung nach Westen gestattet. 2. Soweit die Breitestraße freigegeben werden kann, wird ihr Besahren nur in der Richtung nach der Gertraudtenslraße und dem Muhten- dämm gestaltet. 3. Die Schloßsreiheit dars nur von der Schloß- brücke her nach dem Schloßplätze hin, nicht aber entgegengesetzt be- fahren werden. 4. Die Kurfürstenbrück« und die Kvncgstraß« von der ersteren bis zur Jüdcustraße werden nur für Wagen in der Richtung nach dem Alexanderplay hin freigegeben. Entgegengesetzt fahrende Wagen werden nach Bedarf an der Kloster-, spärestens aber an der Jiidenstraße und dem Hohen Steiuweg abgelenkt. 5. Nur einseitig dürfen befahren werden: Die Spandouer Straße zwischen Molkenmarlt und Königstraße nach der Königstraße hin. die RalbauSstraße von der Spandauer nach der Jüden« straße hin, die Heiligegeiststraße zwischen Kaiser-Wilbelm- und König- straße noch der Kaiser-Wilhelm-Straße hin und die Poststraß« von der Königstraße nach dem Mühlendamm hin. 6. Die Burgstraßr vom Mühlendamm bis zur Kaiser-Wilhelm-Straße wird nach Bedarf gesperrt werden. 7. Die von Norden und Süden die Königgrätzer Straße in der Richtung nach dem Potsdamer Platz befahrenden Wage» werden nach Bedarf am Brandenburger Tor, an der Prinz« Albrrchl- und Dessauer Straße nach Osten und Westen abgelenkt werden. Eine Protrftversammlung der Droschken- und Kraftwagen- führe» fand am Freitagabend in den Musikersälen statt. August Becker referierte über das Thema:„Die Bedrohung unserer Existenz durch exorbitante Strafmandate und die Praxi? der Fahr« scheinentziehung seitens der Polizei." Die Polizeiverordnungen für die Fahrer sind nach Darstellung des Redners so mannigfaltig und so zahlreich, zum Teil so veraltet, dah eS mehr dem Zufall gleich- kommt, wenn ein Fahrer straffrei bleibt. Oft genug find die Fahrer der Willkür der Beamten preisgegeben. Eine Reihe von Beamten sind wegen ihres rigorosen Porgehcns geradezu verhaßt geworden bei den Kutschern. Der Redner brachte viele Beispiele vor. Da hatte ein Schutzmann 66 Anzeigen an einem Tage gemacht, einem anderen ist nachgewiesen worden, daß er unter seinem Eide viermal unrichtige Aussagen gegen Fahrer gemacht hatte; sein Bergehen wurde als„Irrtum" entschuldigt. Manch« Polizeiverordnuny da. tiert noch von 1847 her und zahlreiche Verordnungen sind settdem noch erlassen worden. Die Droschkenordnung, die Stroßenordnung und die vielen anderen Verordnungen nebst besonderen Vorschriften, die sogar daS Strafgesetzbuch für die Fahrer enthält, bilden ein Netz von Bestimmungen, dem die Kutscher nirgends entgehen können. Sie haben schon öfter versucht, sich dagegen aufzulehnen, aber eS hat nichts genützt. Im Jahre 1906 war die Protestbewegung so stark, daß sogar einmal zur Arbeitsniederlegung geschritten wurde. Diese Demonstration war eindrucksvoll, eS schien eine kurze Zeit lang, als hätte sie ihre Wirkung nicht verfehlt, aber bald war eS wieder wie früher. Die Strafen wurden von nun an sogar außerordent- lich hoch bemessen: gegen die Autofahrer ging man mit großer Härte vor. Sehr schnell schreitet die Polizei zur Entziehung des Fahr- scheinS und ist darin nach Ansicht der Fahrer oft ungerecht. Die Fahrer verlangen, daß daS Gericht nach einer vorausgegangenen Beweisaufnahme nur eine so schwere Maßregel wie die Entziehung deS Fahrscheins verhängen darf. ES fei auch nicht mehr als recht und billig, so verlangte der Redner, wenn die Fahrer sosoxt von einer Uebertretung der Bestimmungen in Kenntnis gesetzt werden und nicht erst nach 6 bis 8 Wochen, wie es manchmal geschieht. Der Redner erkannte die Berechtigung von Bestimmungen im Interesse der Sicherheit des Verkehrs durchaus an, aber er verlangte auch von der Polizei eine verständige Handhabung der Gesetze, die unter den jetzigen Verhältnissen des Wirrwarrs von Bestimm ungen um so notwendiger ist.— In der Diskussion wurden die Ausführungen deS Referenten noch durch zahlreiche Beispiele illustriert. Man empfahl die passive Resistenz als Hilfsmittel, wenn die Behörde den Beschwerden der Fahrer kein Gehör schenkt. Eine Protestresolution gelangte zur Annahme, in der erklärt wurde, daß verschiedene Bestimmungen in den Verordnungen für die Fahrer unhaltbar und unausführbar sind. Die Strafmandate sind oft so hoch bemessen, daß die Fahrer nicht in der Lage sind, aus ihrem Verdienst die Strafen zu bezahlen und dadurch Wirt- schastlich ruiniert werden. Das Verhalten einzelner Polizei- beamter in bezug auf die vielen Anzeigen und die schnelle Eni- ziehung des Fahrscheins, die oft schon nach wenigen Strafen er- folgt, wird weiter scharf gerügt. Auch wird bedauert, daß die Polizei den Kutschern nicht den nötigen Schutz gegenüber Fahrgeld- prellern gewährt. Die Behörden werden aufgefordert, den schon oft geäußerten Beschwerden der Fahrer die nötige Beachtung zu- teil werden zu lassen. Nene Stadtteile. Das Gelände zwischen Grcifswaldcr Straße und Prenzlauer Allee wird der Bebauung erschlossen. Inzwischen ist mit der Regulierung der riesigen Terrains zwischen Prenzlauer Allee und Lycvener Straße begonnen worden, woselbst jetzt die Ausichüctungsarbeiten für neunzehn Straßcnzüge und Plätze statt- finden. Zum Teil sind bereits die Straßen reguliert und ist in diesen mit den Hochbauten begonnen. Hunderte von Fuhrwerken führen Erde und Baumaterialien herbei und über 36 Neubauten sind schon zum Teil bis zum dritten Stock hocbgefiihrt. Die bereits fertig- gestellten Straßenzüge find allerdings noch für den öffentlichen Ver- kehr gesperrt, weil auf den Fahrdämmen Millionen von Mauersteinen für den zu errichtenden neuen Stadtteil aufgeschichtet lagern. DaS neue Viertel, welches zwei Terraingesellschaften gehört, dehnt sich bis zu dem Weißenseer Weichbilde auS und in kurzer Zeit wird im Nord- osten die Grenze zwischen Berlin und dem genannten Vororte durch Gebäudereihen vereinigt sein. Ueber eincn Raubanfall in der Ackerstraße wird berichtet: Zu der zu Berlin in der Ackerstr. 116 wohnhaften Hausbesitzerin Witwe Wels kam Freitag früh ein Mann, um eine vermietbare Wohnung auszumessen, nachdem er sie sich vorher schon angesehen hatte. Als die Frau mit ihm in der betreffenden Wohnung war, zog der Mann plötzlich ein stilettarliges Meffer und bedrohte die Wicwe mit Erstechen, wenn sie ihm kein Geld gebe. Hierdurch eingeschüchtert, gab die Frau dem Manne 36 Mark, worauf dieser unter fürchterlichen Drohungen fortging. Die Frau hat eine derartige Angst gehabt, daß sie erst Freitag abend zur Polizei ging und Airzeige machte. Die Frau wurde eingehend vernommen und die Kriminalpolizei ist mit der Ermittelung des Täters beschäftigt. Es handeltMh um ei»en großen Mann mit schwarzem, nach oben ge- drehten Schnurrbart, hoher Stirn, schwarzen, stechenden Bugen, spitzem Kinn und frischem Gesicht. Er hatte feine Hände und war bekleidet mit einem schwarze» Wintcrüberzieher mit Samilragen und einem schwarzen steifen Hut. Auf die Ergreifung ist eine Belohnung ausgesetzt. Wie der Mann angab, ist er in der Fabrik der A. E. G. in der Brunnen- straße beichämgt.— Der Polizeibericht ergänzt diese Stachricht wie folgt: Der Räuber ist ohne Zweifel planmäßig zu Werke gegangen. Er war vor dem Ucberfall schon dreimal bei Frau Wels gewesen. Das erste Mal fragte er nach dem Preise der Wohnung. Dann kam er, um sich diese genauer anzusehen. DaS dritte Mal er« zählte er, er müsse sich überlegen, ob er seine Schwägerin. deren Mann gestorben sei, zu sich nehmen könne. Freitag endlich mietete er. Bei den ersten Besuchen mißlang sein Plan, weil die Hausbesitzerin nicht allein war. Die Friieurin, ein Gasarbeiter und andere Leute waren zufällig da. Er hinterließ einen Zettel mit der Adresse Ernst Schnndl, Metalldreher bei der A. E. G. in der Brunnen- straße. Diesen Zettel nahm er gestern nach Verübung deS Raubes wieder mit. Bei der Tat ging der Räuber sehr kaltblütig vor. Während Frau Wels die Quittung über eine Anzahlung von 16 M. schrieb, packte er sie mit einer Hand und hielt ihr mit der anderen ein Mesier vor, mit dem er ihr den Tod androhte. Um das Porte- monnaie leeren und den Inhalt einstecken zu können, ließ er die Ueberfallene loS. Sie muhte ihm dann selbst auch die Behältnisse öffnen. Eine alte Uhr. die ihn vielleicht ver- raten hätte, gab der Räuber zurück. Auch Schmucksachen ver- schmähte er. Nur bares Geld, etwas über 36 M., nahm er mit Als eS während der Ausführung der Tat einmal klingelte, sagte Frau WelS: So öffnen Sie doch! Der Räuber erivcdcrte: Ach was, der kann warten! Nachdem er alles durchstöbert hatte, führte er die Frau ans Fdnster und zeigte ihr eincn Mo im, der auf der gegenüberliegenden Scraßenseite stand. Dieser werde sie, erklärte er, als fein Komplize, von unten aus sofort niederschießen, wenn sie, eS wagen sollte. daS Fenster zu öffnen und lim Hilfe zu rufen, während er das HauS verlasse. Die Frau ließ sich dann auch so einschüchtern, daß sie erst abends zur Polizei ging. Von dem Ver« bleib deS Räubers ist noch keine Spur gefunden. Die neue Bauart der erhöhten Bahnsteige bildet fortgesetzt Quellen für Unfälle, und zahlreiche Personen haben schon dadurch, daß sie zwischen Trittbretter und Perronkante gerieten. Verletzungen erlitten. Erst vor wenigen Tagen konnten wir zwei derartige Falle melden und schon wieder wird ein solcher Unglücksfall auf dein Bahnhof Stralau-RummelSburg mitgeteilt. Der Gastwirt Pohl auS Rummelsburg wollte einen Stadlbohiizug benutzen, glitt jedoch beim Besteigen deS haltenden Trains auS und geriet mit dem rechten Fuß zwischen Trittbrett und Perronwand. Glücklicherweise harte der Stationsvorsteher den Unfall bemerkt und verhinderte die Abfahrt des Zuges, bis der Gastwirt befreit wurde, der mit einer Sehnenzerrung davonkam, durch die er allerdings einige Zeit am Gehen verhindert sein wird. Ein schwerer«irutzrildahnunfall ereignete fich gestern abend vor dem Hause Ackerstr. 116. Als der Arbeiter Gottfried Kuhn aus der Dalldorfer Straße 11/12 dort vor einem Straßenbahnwagen der Linie 31 das Gleis überschreiten wosste, kam er zu Fall und wurde von dem Motorwagen zur Seite geschleudert. Mit einem schweren Schädelbruch und mehreren linksseitigen Rippenbrüchen blieb der Verunglückte auf der Straße liegen. Er wurde nach dem Lazarus« Krankenhaus geschafft, wo er bald nach der Einlieferung verstarb. Eine geheimnisvolle Revolveraffäre, die ein Menschenleben ge- forder» hat. beschäfttgt die hiesig« Kriminalpolizei. In der lönigl. Klinik in der Ziegelstraße starb gestern der Portter Johannes SchciberS aus der Boifigstr. IIa. Am vergangenen Donnerstag suchte ScheiberS die tönigl. Klinik auf. Er hatte eine Schußwunde in der Bauchhöhle und komite infolge des außerordentlich starken Blut- Verlustes nicht mehr gerettet werden. Ueber den Ursprung der tödlichen Verletzung hat ScheiberS vor seinem Tode verschiedene Angaben gemacht Das eine Mal sagte er auS, ein Freund habe in seiner Gegenwart mit einem Revolver gespielt und ihn dabei unglücklicher« weiie in den Unterleib getroffen. DaS andere Mal wieder be- hanptete er, ein Einbrecher, der in seine Wohnung eindringen wollte, sei von ihm überrascht worden und habe, um nicht festgenommen zu werden, einen Revolvcrschuß auf ihn abgeieuert. Das letztere scheint nach den bisherigen Ermittelungen der Kriminalpolizei eher zuzutreffen, als die ersteren Angaben. Den Namen deS mutmaßlichen Freundes vermochte Sch. nicht anzugeben. Seltsam berührt eS allerdings, daß Sch. die Sache mit dem Einbrecher anfangs verschwiegen und einen Freund herangezogen hat. Die Ermittelungen in der eigenartigen Affäre dauern fort. Die Leiche de-Z Sch. ist bon der Behörde Sc schlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht worden. tffir Kutscher von Interesse ist folgende Bekanntmachung vom 20. Januar lbOS, die An- und Abfahrt am Zirkus Busch be- treffen: Unter Aufhebung der Bekanntmachung vom 16. September 1866 wird behufs Regelung des WagcnverkehrS zum Besuche der Vor- stellungcn im Zirkus Busch nachstehendes bestimmt: 1. Die Anfahrt zum Zirkus erfolgt nur durch den an der Burg. strahe belegenen Zugang, die Abfahrt der leeren Wagen durch den Torweg Kleine Präsidcntenstratze 7 nur nach dem Monbijouplatz oder nach der Neuen Promenade zu. 2. Die zur Abholung der ZirkuSbcsucher anfahrenden Wagen nehmen folgende Aufstellung: a) Privatcquipagcn und bestellte Droschken auf dem Fahr- Wege(Wasserseite) deS Zirkusgrundstüctes zwischen dem ZirkuS- geböude und der Gittertür an der Burgstraste, Spitze nach letzterer gerichtet; bei Bedarf auch an der nördlichen Front des Hauses Kleine Präsidcntenstraste 7; b) unbestellte Pfcrdcdroschken(FahrpreiSanzeigerdroschken und Droschken 2. Klasse) auf dem Monbijouplatze gegenüber den Häusern 10— 12, neben den Anlagen in der Ueberfahrtgassc und auf dem Fahrwege südlich von der Stadtbahn, Spitze vor Stadt- bahnbogen Nr. 153. die kurz vor Beendigung der Vorstellung bis in Höhe des HaupteingangcS zum Zirkus vorgezogen werden wird. Einfahrt nur von der Ueberfahrtgassc her; c) unbestellte Kraftdroschken auf dem Monbijouplatze vor den Häusern Nr. 1— 4 und in der Kleinen Präsidcnlenstrahe vor Nr. 4—7, die Einfahrt vor Nr. 4 freilastcnd, sowie in der Burgstraste, Spitze am Haupteingange zum Zirkus. 3. Die Abfahrt nach beeideter Vorstellung erfolgt für alle auf dem Zirkusgrundstücke angefahrenen Wagen nur durch das Gitter- tor an der Burgstraste. 4. Den Anordnungen der Aufsichtsbeamten behufs Ausführung dieser Bestimmungen ist zur Vermeidung der Bestrafung gemäst § 132 der Strastenordnung vom 31. Dezember 1399 Folge zu geben. Für 5600 Mark Handschuhe gestohlen. Gestern nacht ist bei dem Handschuhfabrikanten Dirlien in Karlshorst, Prinz-Heinrich- Straste 11, eingebrochen worden. Handschuhe aller Art im Werte von rund 5600 Mark fielen den Dieben als Beute zu. Die Täler sind noch unbekannt. Bor Ankauf der Handschuhe wird gewarnt. Der Zoologische Garten besitzt seit kurzem eine bisher noch nicht lebend eingeführte Siugvogelari aus Südostchina, welche von den Zoologen ihrer Heimat nach als Droobnloptsrum ningpoonso be- teichnet wird und ihrer eigenartigen Gesichtszeichnung wegen llaSkenheherling heistt Die Heherlinge sind in zahlreichen Arten, von denen daS neue Logelhaus bereits ein Dutzend be- herbergt, über Afrika und das südlichere Asien verbreitet; eS sind meist bunt gezeichnete, kurzflüglige und langschwänzige Tiere, die in eigentünilich wagcrechter Körperhaltung hurtig und gewandt durch das dichte Geäst eilen. Der bekannteste Verwandte ist der als Stubenvogel sehr beliebte Sonnenvogel, der fälschlich auch mit dem Händlernamen.chinesische Nachtigall" bezeichnet wird. Die im Berliner Aquarium zuletzt eingetroffenen Sendungen Von Meeresbewohnern brachten ebenso zierliche und anmutende wie andererseits barock und abenteuerlich ausschauende Erscheinungen. Gleich bei den Fischen drängt sich diese Perschicdetcheit auf. In einem der oberen Becken erblickt man einige schmucke, auf braun- rötlichem Grunde fünffach dunkel quergel.. nder:e und durch ein himmelblaues Auge ausfallende Flosienträxer, die durch die Bil- dung der Rückenflosse als barscharrige Fische sich zu erkennen geben und den Namen Zwerg-Sägebarsch führen; sie stammen ebenso wie die eleganten, wegen der an Schristzüge erinnernden bläulichen Kopfseitenlinien als Schriftbarsche bezeichneten Stachelflosser aus dem Mittelmeer. Ihnen gegenüber nehmen sich ernige durch die Station Rovigno eingelieferte, als Wegelagerer am Sandboden auf Beute lauernde Fische ganz absonderlich aus. indem der graste gepanzerte Kopf mit kräftigen Stacheln bewehrt und austerden, wie auch der Rumpf, mit lappigen Anhängen verschen ist. so dast der Fisch den Namen..Drachenfisch" nicht zu Unrecht beigelegt erhielt. DaS Kaflnotheater brachte am Freitag die vieraktige Komödie Rustland von Norden zur Aufführung, die eigen« fürs Kasmotheater bearbeitet war. Dank der guten Aufführung durch die Herren Direktor Timm, Zimmermann und die Damen Hinzer und Lübke hatte die Direktion Erfolg. m. Im bunten Teil leisteten die Li Hong Pao et MajiniS Vorzügliches, die reinsten Schlangenmenschen. Feuerwehrbericht. Wegen eines KüchenbrandeS wurde der l. Zug nach der Grenadierstraste 42 gerufen. Dort brannten Möbel, der Fustboden samt dem Zwischengebalk, so dast die Wehr kräftig löschen mustte. Derselbe Zug hatte in der Prenzlauer Straste 15 längere Zeit zu tun. wo Wergballen auf dem Hofe in Flammen standen. Ein grötzerer Kellerbrand beschäftigte den 20. Zug in der Roststraste 20. Der 13. Zug wurde nach der Chaussee- straste alarmiert. Vor dem Hause 113 stand ein Automobil in Flammen. Benzin und Oelrückstande hatten sich im Chassis ent- zündet. Auf einem Neubau in der Straste S0c Nr. 6 brannten �chaldecken u. a.. die durch Kokskörbe in Brand geraten waren. Ein Tannenbaum ging gestern abend in der Novalisstrahe 5 in Flammen auf. In der Alexandrinenstrahe 56 wurden Kle,der. ein Spind u. a. ein Raub der Flammen. Ferner liefen noch Alarme aus der Leipziger Straste 1l3, Lothringer Straste 34/35, Boyen- straste 14 und verschiedenen anderen Stellen ein. Fustböden, Müll usw. brannten dort. Lrbeiter-Samariterkolonue. Die zu heute angesetzte außerordent- »che Generalversammlung findet erst nach der Beendigung der Bolls- Versammlungen statt, etwa gegen 4 Uhr. Morgen. Montagabend 9 Uhr. 1. Abteilung Dresdener Straste 4o: Vortrog des Herrn Morgenstern über: Eine Wanderung durch daS Gebiet des Sauerstoffes vom l8. bis 20. Jahrhundert, mit Demon- strationen. Die Mitglieder auch der übrigen Abteilungen find dazu eingeladen. Donnerstag Monatssitzung der diensttuenden Abteilung. Vorort-]Vadmcbtem 83 Jahre Organisationsarbeit in Velten. Auf ein schönes Jubiläum, aber auch auf eine Zeit rastloser Arbeit blickt in diesen Tagen der durch seine Wichtigkeit in der Tonofenindustrie bekannte Nachbarort Velten zurück. Es sind jetzt rund 25 Jahre verflossen, seit in diesem Orte die Organi. sation der Töpfer festen Just gefastt hat. In jener Zeit sozio. listcngesetzlichen Angedenkens begannen sich auch nach lieber- Windung verschiedener Schwierigkeiten die Töpfer in den ver- schiedenen Orten Deutschlands zu rühren und so entstand auch damals in Velten ein Töpfcrsachverem, dem sofort 156 Mann beitraten. Schon im April des folgenden Jahres zählte diese Organisation bereits zirka 400 Mitglieder, so dast sie glaubten, zur Aufbesserung der damals miserablen Lage der Arbeiter einen Kampf mit dem Unternehmertum aufnehmen zu können. Es kam denn auch schon im Mai 1535 zu einem langwierigen zirka 5 Monat dauernden Streik, Her aber mit einer Niederlage der Arbeiter endete. Im darauffolgenden Jahre jedoch bewilligten die Aettener Fabrikanten die Forderungen der Töpfer vom Jahre vorher ohne grohe Widerrede, sie hatten die Schaden eines Streiks kennen gelernt und zeigten keine Lust, nochmals„siegen" zu wollen. Auch in den nächstfolgenden Jahren gelang eS den.Veltener Töpsern, ihre Lage m guter Weise zu verbessern, bis die Krise der 90er Jahre in der Organisation sowohl wie im Arbeitsverhältnis einige Rückschläge brachte. Nach Ueberwindung dieser Krise hat aber die Organisation der Veltener Töpfer, die seit Begründung deS Töpfer» Verbandes im Jahre 1892 Verbandsfiliale ist, einen solchen Auf, schwung genommen, dast sie seit dem erfolgreichen Streik im Jahre 1800 einfach mu st ergültig genannt werden kann. Sic hat auch seit dem letztgenannten Jahre manch harten Straust mit dem jetzt gleichfalls organisierten Unternehmertum durchzufechten gehabt, aber stets ist eS ihr gelungen, dabei Erfolge an ihre Fahnen zu heften und mit Ehren aus diesen Kämpfen hervorzugehen. Erst kürzlich konnten wir melden, dast es der Veltcner Töpferorganisation gelungen ist, trotz ungeheurer Krise und trotz. dem diesmal die Uiitcrnehmcrorganisation den Tarif gekündigt hatte, ihre alten Positionen zu behaupten.— Aber nicht nur auf eine 25jährige gewerkschaftliche, auch auf eine 25jährigc politische Vergangenheit blicken heute die Veltcner Arbeiter, vornehmlich aber die Töpfer dieses Ortes zurück. Im Jahre 1884 war der Anfang allerdings recht winzig: Eine einzige Stimme fiel bei der damaligen Reichstagswahl auf den sozialdemokratischen Kandidaten. Mit Einzug der Gewert- schaftsorganisation aber besserte sich auch hier das Verbältuis zusehends. Gewerkschaft und Partei gingen hier von vornherein und stets Hand in Hand. Die Führer der Töpferbewcgung waren zugleich die Führer der politischen Bewegung. Im Jahre 1885 schon wurde in den Töpfervcrsammlungen versucht, für den Sozia- liemus Propaganda zu machen. Genossen aus den Reihen der Töpfer, wie Gustav Paul, R. Bräuer, Koch. Warttig, Abel traten eifrig für die Ziele deS Sozialismus ein. Mit dem Erfolge, dast bereits bei den FaschinaSwablen 1887 neben 221 freisinnigen und 136 konservativen 421 sozialdemokratische Stimmen zum Entsetzen aller Gutgesinnten aus der Wahlurne hervorquollen. Sclbslver- ständlich erfreuten sich nun auch die führenden Genossen in Velten der besonderen Aufmerksamkeit durch die OrdnungSwäckter. Warttig wurde ausgewiesen und mustte ausgerechnet am 2. Oster» tage 1888 seine zahlreiche Familie Verlasien. Ungeachtet aller Schikane frah jedoch das rote.Gift" in Velten weiter um sich. Die rote Flut schwoll in diesem Ort im Jahre 1390 auf 669, 1893 auf 831, 1893 aus 939 und 1903 und 1908 aus 1183 bezw. 1182 Stimmen! Die arbeitende Bevölkerung dieses Ortes ist eben durchgängig rot geworden.... Die Tätigkeit der Vcliener Genossen für unsere Partei be- schränkte und beschränkt sich aber nicht nur aus Velten allein. Ihnen liegt auch noch ob, die Hälfte des KreifpS Ostbavelland zu beackern, was bisher gleichfalls mit gutem Erfolg geschehen ist. Tie Leitung deS Kreisvereins für den Wahlkreis Poisdam-Span- dau-Osthavelland hat seit 1898 ihren Sitz gleichfalls in Velten. Die sieben Mitglieder des Kreisvorstandes sind gelernte Töpfer, wenn auch heute einige davon nicht mehr im Berufe tätig sind. Von den zirka 2000 Mitgliedern des KrciswahlvereinS zählt das gegen die Städte Potsdam und Spandau klein zu nennenoe Velten allein 482 Mitglieder. Und das, trotzdem heute die Zahl der Veltener Töpfer durch die ungeheure Krise aus die Hälfte zurückgegangen ist. T«st in Velten auch die Konsumvereinsbewegung blüht und gedeiht, sei gleichfalls erwähnt. Ueber 1100 Arbeiter haben sich dem Verein, der schon seit Jahren auch eine modern eingerichtete Bäckerei unterhält, angeschlossen. So können denn heute die Vcltener Arbeiter, voran die Töpfer, auf die Erfolge 25jähriger rastloser OrgonisationSarbeit zurück- schauen. Sie sind so guter Qualität, dast wir sie manchen anderen Or- ten zur Nacheiferung anempfehlen können. Und wir beglückwünschen unsere Veltener Genossen zu ihren guten Fortschritten und wün- schen, dast sie auch fernerhin im Kampfe für die Emanzipation der arbeitenden Klassen eine gute Kerntruppe bleiben mögen!-» Rixdorf. Der Magistrat erlästt infolge des am Donnerstag von den Stadtverordneten gefastten Beschlusses folgende Bekanntmachung. Zur Gewährung von einmaligen Beihilfen an bilfsbedürftige Arbeitslose beiderlei Geschlechts, welche feil länger als einem Jahre hier wohnhaft und die alleinigen Er- nährcr von Angehörigen sind, habe» die städtischen Körpertchaften einen Bettag von 10 000 M. zur Verfügung gestellt. In erster Linie sollen solche Arbeitslose berückstckuigt werden, welche mindestens 3 Wochen ohne Beschäftigung sind.— Anmeldungen für die Beihilfe werden am 23., 25., 26., 27. und 28. Januar d. I. in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis t Uhr nachmittags im Rathause. Eingang Schönstedtstr., Part., Zimmer Nr. 4, entgegen- genommen. Bei der Anmeldung ist die Jnvalidenkarte vorzulegen. Rixdorf, den 22. Januar 1909. Der Magistrat. Nach einer Verständigung zwischen dem Magistrat und der Not- standskommission besteht jedoch auch für diejenigen, die sich in äusterst bedrängter Lage befinden, aber noch kein ganzes Jahr am Ort wohnen oder noch nicht ganze acht Wochen arbeitslos sind, die Möglichkeit, eine geringe Beihilfe zu erhalten. Nur hat sich in diesen Fällen der Magistrat die Entscheidung vorbehalten. Die Beamte» un Zimmer 4(Schönstedtstr.) sind jedoch angewiesen, auch mit diesen Arbeitslosen das notwendige Protokoll aufzunehmen. Die Abholung des Geldes kann erst erfolgen, wenn der Arbeits- lose hierzu eine«uffordening vom Magistrat erhalten hat. Chart ottendnrg. Die Generalversammlung de» WahlvereinS, die am Mittwoch im Vollshanse stattfand, war von 500—600 Personen, darunter einer grasten Anzahl von Frauen, besucht. Erster Gegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Eichhorn über.Praktische Arbeit im Parlament". Der Redner führte auS, dast die sozialdemokratische Partei bereits seit Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Not- wendigkeit des parlamentarischen MitarbeitenS erkannt habe. Nicht eine Einschränkung des Parlaments ist notwendig, sondern seine Stärkung. Gewist kann die parlamentarische Arbeit mit ocm Prinzip ,n Konflikt kommen, wenn man um jeden Preis etwas Positives schaffen will und z. B. dem Reichsvereins- gesetz wegen der kleinen Fortschritte, die es namentlich für Preußen bringt, zustimmen wollte. Nicht immer ist die Ent- scheidung so leicht wie in diesem Falle; die klare Anwendung unseres Prinzips ist aber ein sicherer Leitstern in jedem Falle. Für eine Minderheitspartei im Parlament liegt die Gefahr nahe, dast sie versucht, mit anderen Parteien zu paktieren, um parlamentarischen Einfluß zu gewinnen. Aber das Paktieren mit bürgerlichen Parteien, bloß um praktische Arbeit zu leisten, muß entschieden verworfen werden, das würde uns von unserem prinzipiellen Standpunkt abführen und uns daS traurige Schicksal der liberalen Parteien bereiten, die vollkommen grundsatzlos ge» worden sind. Auch in der Kritik steckt eine immense praktische Arbeit. Fürst Bülow spielt mit dem Gedanken neuer Ausnahme- gesetze--- als ob Sozialdemokraten bei uns nicht stets unter einem Ausnahmerecht stehen und anders behandelt werden wie Angehörige anderer Parteien. Weniger wie je haben wir Anlaß, von unserer bisherigen parlamentarischen Praxis abzugehen; wir halten vielmehr an ihr fest, das wird der Sozialdemokratie nicht zum Schaden sein. An den mit lebhaften Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskukswn nicht. Ter Vorsitzende Genosse Ztetsch teilte dann mit. dast das ehemalige Mitglied Schurke, gegen welches daS AuSschlust- verfahren beantragt war, eS unterlassen hat. Schiedsrichter zu ernennen, und daher ohne weiteres als aus der Partei aus- geschlossen gilt. Ferner teilte der Vorsitzende mit. dast der Vor- stand sich mit dem Einspruch beschäftigt hat, der in der letzten Versammlung gegen die Aufnahme deS Gastwirts K r o h n i k. Ecke Bismarck- und Sescnheimer Straße, erhoben wurde; der Vorstand hat den Einspruch für berechtigt gehalten und die Auf- nahm« deS Krostnik abgelehnt; derselbe ist also nicht als Partei- genösse zu betrachten. Alsdann verlas der Schriftführer R e i n f ch die Namen von 30 Neumeldungen, darunter von 6 Frauen. Einspruch wurde gegen keine Anmeldung erhoben und die Betreffenden daher für auf- genommen erklärt. Ztetsch erstattete nunmehr den Bericht des Vorstandes. Wir entnehmen demselben, dast die Mitgliederzahl von 8132 auf 2886 zurückgegangen, also um 246 gesunken ist. Dieser Rückgang er- scheint noch erheblicher, wenn man bedenkt, dast seit dem Jnkrast- treten des neuen Vereinsgesetzes 148 Frauen dem Verein bei» getreten sind. Im ganzen sind im Laufe des Jahre» 1051 Mit- glieder ausgeschieden, 805 neu eingetreten. An dem Rückgang ist zu einem großen Teil die schlechte wirtschaftliche Lage schuld, durch welche zahlreiche Arbeiter, namentlich Bauarbeiter, gezwungen wurden, Charlottcnburg zu verlassen. Außerdem ist der Vorstaich niit der Streichung von Restanten strenger vorgeganacn als in früheren Jahren üblich war. Die Versammlung gab deutlich ihr Einverständnis zu diesem Vorgehen zu erkennen. Es folgte der Kassenbericht des Kassierers Müller. Die Einnahmen betrugen im 3. Oartal 1908 einschließlich eines Bestandes von 396,08 M. 2540,63 M. Die Ausgaben am Ort betrugen 605,14 M.. an den Kreis wurden 1693,76 M. abgeliefert. Die gesamten Ausgaben betrugen soniit 2298.90 M., so daß ein Bestand von 241,73 M. zu Ansang deS 4. Quartals verblieb. Einschließlich dieses Bestandes betrugen die Einnahmen deS 4. Quartals 1869,08 M.. die Ausgaben am Ort 602,39 M., die Ablieferung an den Kreis 1246.02 M.. also die gesamte Ausgaben 1848,41 M., so dost ein Bestand von 20,62 M. verblieb. AuS dem Bericht deS Bibliothekars Genossen Schiemann ist hervorzuheben, dast die Benutzung der Bibliothek in erfreulicher Zunahme begriffen ist. Als letzter Punkt der Tagesordnung folgte die Neuwahl des Vorstandes. Zu Vorsitzenden wurden wiedergrwöblt Z i e t s ch und Will, zu Kassierern wurden, da Genosse Müller nicht wieder kandidierte, Reinsch und G ehrte gewählt, zu Schriftführern M i ch a l s k i und Krüger, zum Beisitzer Kley, zur Beisitzerin wurde, dem Vorschlage einer Frauenversammlung cnt- sprechend, die Genossin Marie L i e d t k e gewählt. Zu Revisoren wurden powäblt die Genossen Habicht, Rosenthal und U ck o, in die Lokalkommission die Genossen Dermitzel. Linde und Emil Müller. Zu Gruppenfübrern wurden vorgeschlagen und gewählt im l, Bezirk: Griesch, im 2, Bezirk: Wilh. Müller, im 3. Bezirk: Scheel und Kreft, im 4. Bezirk: Prenzlau, im 5, Bezirk: Lehmann, im 6. Bezirk: Isfeld. im 7. Bezirk: Dickmann, im 8. Bezirk: Weisheit. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, dast am 26. Januar eine Prolcstvcrsammlnng gegen die Gewerbeordnung stattfindet, ebenso, daß am 13. und 14. Februar eine Arbeits- losenzählung in Grost-Berlin nach dem Hausliitensnstem von der Partei und den Gewerkschaften veranstaltet wird-, die Parteigenossen und»Genossinnen haben die Pflicht, sich in den Dienst dieser Arbeit zu stellen. In Frage kommt der Freitag- und Sonnabend- abend sowie der Sonntagvormittag. Schönederg. AuS der Gewerkschastskommifsion. In der letzten Sitzung legte der Obman» den Rechnungsbericht für 1908 vor. Nach Besprechung einiger Posten wurde dem AuSichust einsliiiimig Decharge erteilt. Sodann fand die Neuwahl des Ausschusses statt. ES wurden gewählt die Genossen Karl Henkel, Schöneberg. Obmann; Ernst Kosanke, Schöneberg. Stellvertreter; Oskar Hagen, Friedenau, Schrift- führer. Hiernach wurde die bevorstehende erneute Arbeits- losenzählung besprochen. ES wurde wieder zum Ausdruck gebracht. oast da« Ergebnis der ersten Zählung infolge de« angewandten System« völlig wertlos gewesen und daher diese zweite Zählung notwendig geworden sei. Diese Zählung soll mittels HauSliften erfolgen, da nur dieses System ein annähernd richtige« Ergebnis zeitigen könnte. Alle Versuche, die Behörden zu veranlassen, die amtliche Zählung diesmal nach diesem System auS- führen zu lasten, find ge'cheiterl. Es ist daher beschlosien worden, dast die Partei und die Gewerkschaften die Zählung am 12., 13. und 14. Februar selbständig vor der amtlichen Zählung vornehmen sollen. Die sozialdemokratische Fraktion hat in der Stadtverordneten- Versammlung einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, nach dem der Magistrat ersticht wird, für diese von der Arbeiterschaft selbst veranstaltete Zählung nach dem HauSlisteniystem dem Schöneberger Gewerkschaslskartell eine Beihilfe von 1000 M. zu gewähren. Zu der Zählung werden alle Arbeitskräfte, die aufzubringen möglich find, gebraucht und jeder Genosse hat daher die Pflicht, sich der Partei zur Verfügung zu stellen. Dast die spätere amtliche Zählung überhaupt zustande kommt oder auch nur das geringste Material liefern wird, wird allgemein bezweifelt. Am Schlust der Sitzung richtete der Obmann noch an alle Delegierte das Ersuchen, dast sie ihm möglichst umgehend die Zahl ihrer Gewerkschaftsmitglieder am Orte angeben mochten. In der Sitzung fehlten die Vertreter der Gärtner und der Tapezierer. Paukow. „ Mit der Stichwahl im ersten Bezirk, die morgen statiflnbet. schästigte sich am 21. Januar eine von ungefähr 250 Personen besuchte öffentliche Wählerversammlimg. in der an Stelle des ver- binderten Genoffen Ad. Hoffmann Genosse F e n d e l- Weistcnsee übe Klassenkamps und Gemeindewahlen referierte. Der Referent nahm am Schlust seines Vortrages Veranlassung, auf die Bedeutung unserer Presse hinzuweisen. Es sei notwendig, auch im eigenen Lager für den Frieden zu wirken, wenn wir dem Gegner gegenüber stark sein wolle». In der Diskusston war man allseitig der Meinung, dast. so wünschenswert eine baldige Regelung resp. Beilegung der bedauerlichen Differenzen auch sei. dieselben doch nicht vor da« Forum einer öffentlichen Wählerversammlung gehörten und hier auch nicht ausgetragen werden könnten. Das sei Sache der organisierten Parteimitglieder. Im übrigen hätte angesichts des niederzuringenden Gegners der Bruderzwist zu schweigen und ein Eingehen hierauf sei im Augenblick nicht am Platz. Vielmehr werde jeder ehrliche Parteigenosse eS als seine Pflicht bettachten, seine ganze Kraft, wie schon bei der Haupt- wähl, im Stichwahlkampf in den Dienst unserer Sache zu stellen und damit unseren Gegnern zeigen, dast ihre Spekulation auf unsere Uneinigkeit eine falsche war.— Schliestlich mag noch erwähnt werden, dast auch ein Vertreter der demokratischen Richtung das Wort nahm und die Unterstützung der Sozialdemokratie bei der Stichwahl durch seine Parteiangehörigen zusicherte. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetenversammlung ivurden zunächst die neu- bezw. wiedergewählten Stadtverordneten Müblenberg. Noack, R. Martin. Gunborn, Ohnsorge. Schubert. Wollgast. Jakobig. Pfitzner, Dalbritz und die Genoffen Hein und Weber eingesührt. Bei den Wahlen zum Bureau wurden gewählt als erster Borsteher Dr. Göring mit 23. als Stellvertreter Lucht mit 15 Stimmen, als Schriftführer Gunborn mit 24 Stimmen. Untere Genossen sind in folgenden Kommissionen vertreten: Baukommission: Licr und Weber; Strasteubau: Nieke. Gabriel, Hein; Slrasteiibahn: Nicke. Stippekohl, Woick; Kassenkuratorium: Taiichert. Weber; Armen- komnnssion: Nieke. Herbst. Woick; Forstkommiision: Zeidler. Nwke. Tauchert; AeuersicberheitSkoniniissioii: Stippekohl, Hein, Wistler; ElektrizitatSkommisston: Nieke, Tauchert; GefundheitS- kommiffion: Herbst. Woick; gewerbliche FortdildungSschnle: Woick. VerichöuerungSkommiision: Kichl; Gaswerke: Zeidler, Wistler. Hein. Gabriel; KrankenbauSbaukommissto»: Herbst, Woick, Lier; Etat«- ausilbust: Herbst. Lier; Städtische Sparkasse: Woick; Ausschust für Beanitenaniprüche: Herbst; Steuerausschust: Hein. Tauchest- Bureau für Stadtverordiietenwahlen: Tauchert. Gabriel.— Die Anregung unserer Genossen aus Einführung eines eiuhcillicheit Preises für Gas wurde abgelehnt. Für die Verlängerung der Straßenbahn- strecke nach Grünau bis zum Bahnhof wurden die vom Magistrat geforderten 160 000 M. genehmigt. Die Inbetriebnahme soll noch rm Juni erfolgen. I« der Gencralverfammlnng de» WahlvereinS erstattete Woick den Jahresbericht des übe, aus arbeitsreichen GeichästsjahreS. Auster der allgemeinen Wahlrechtsbcwegung und Landtagswahl fanden noch zwei Stadwerordiietcmvahlen statt, welche uns einen ansehnlichen Stimmenzuwachs brachten. Der Mitglicderaufnabme von 454 steht ein Abgang von 364 gegenüber; gegenwärtig zählt der Wahlvcrein 1146 Mitglieder, darunter 99 Frauen. Einer Jahrcseimiabiire von 3880,89 M. steht eine Ausgabe von 8738,90 M. gegenüber. Der Uvonnmtenstand des„Vorwärts� ist bon 10S0 auf 970 zurückgegangen. DaS erste Geschäftsjahr der Bibliothek in der Spedition des.Vorwärts" gestaltete sich sehr günstig. Es wurden entliehen 1208 Bände an 744 Leser. Die Geiamtzahl der Bände beträgt 667. Aus den Wahlen gingen hervor: Woick erster Vorsitzender, Wistler zweiter Vorsitzender. Heinze Kassierer. Liegner Stellvertreter, Lefävre Schrislsiihrer, Gustav Müller und Frau Rebe Beisitzer. Als Bezirlsfüdrer fungieren: Gustav Heidbcck für die Cöllniiche Vorstadt, Guddert Kieyvoruadt. Schubert Dannnvvrstadt. Reinhardt Allstadt. Der Antrag der Cöllnischen Vorstadt aus Hauskassierung wurde ab- fielchin. Die Klage, dag im lokalen Teil des.Vorwärts" zu wenig ür Köpenick geschieht, wies der Vorsitzende mit dem Bemerken zurück, den politischen Teil mehr zu bculblcn. Die Ausschnhaniräge anläßlich des Spindlcrche» StrerkS wurden aus Anraten de« Vorstandes für erledigt betrachtet. Ausgenoinnlen wurden 18 neue Mitglieder. Marienfelde. In der gut besuchten Generalversammlung dcS Wahlvereins für Marienfelde und Umgegend gab der Vorsitzende Genosse Aug. Hampel den Vorstandsbericht. Es haben im Laufe des Jahres 8 Vottsversammlungen, 7 Vereinsversammlungen. 18 Vorstands- jitzungcn, 8 Flugblattverbreitungcn. darunter 3 zur Landtagswahl. 1 zur Gemeindewahl. 2.Vorwärts"-Agitationen und 3 Landtagsagitationstouren stattgefunden. Auch brachte Redner die gegen eine Anzahl von Genossen im Laufe des Jahres verhängten Strafen in Erinnerung. Nach dem vom Genossen Schuster er- statteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen 459,82 M., die Ausgaben 384.89 M.; an den Zcntralvorstand wurden 306,54 M. abgeliefert. Die Mitglicderzahl betrug zu Beginn des Jahres 72. am Schlüsse des Jahres 86, und zwar entfielen aus Marienfelde 50 und Lichtenrade 36. Nach den Berichten der einzelnen Funktionäre stellten die Lichtcnrader Genossen den Antrag, sich von Marien- felde zu trennen und einen selbständigen Wohlverein zu gründen. Genosse Wollcrmann, der vom Zentralvorstand erschienen war. schilderte in tresjeuder Weise den EntwickelungSgang der Wahl- vereine von Tempelhof. Mariendorf und Marienielde und empfahl den Genossen, dem Antrage der Lichtcnrader Genossen zuzustimmen. was auch einstimmig geschah. In den Vorstand von Lichtenrade wurden folgende Genossen gewählt: 1. Vorsitzender Fritz Wöpke. 2. Vorsitzender Otto Luck. 1. Kassierer Paul Müller, 2. Kassierer Liehr; als Revisoren Wilh. Spitzkatz, Massow. Seidel; als Beisitzer Herzog und Detschlag; als Lokalkommissionsmitglied Karl Stowig. Genosse Greulich rügte es. daß so wenig Lichtcnrader Genossen erschienen waren. Er meinte, dah es bei einer so wichtigen Frage doch Pflicht eineS jeden Genossen gewesen wäre, zu erscheinen. Hierauf wurden folgende Genossen in den Vorstand von Marien- felde gewählt: 1. Vorsitzender Fritz Greulich. 2. Vorsitzender Otto Fischer, Schriftführer Richard Kreutzberg. Kassierer Ernst Schuster; als Lokalkommissionsmitglied Aug. Soltmann; als Revisoren terold, Harz und Höck; Zeitungsspedition Seiler und Liepe; als pediteur und Bibliothekar Adolf Verger; als LandagitationS- leiter Otto Fischer; als Beisitzerin die Genossin Liepe. Das Ab- leben deS Genossen Fischer ehrte die Versammlung in der üblichen Weise. Genosse Hampel forderte zum Schlüsse noch die Genossen zur regen Mitarbeit für die Partei auf. M«riendorf. Gcmcindcverteeterfitzuug, Neben der Beschluß fafstmg über die Pflichtsonbildungsschule und über den Südender Wochenmarkt, der nunniehr endgültig nach der Kurzen Straße verlegt werden soll. war eine Debatte über unsere Verkehrsverhältnisse nicht un- interessant. Bon unseren beiden Genossen sowohl wie von den bürgerliwen Vertretern wurde berechtigte Kritik an der schlechten Verbindung noch Mariendorf geübt Die Schuld daran trägt lediglich die Große Berliner Straßenbahn, die sich nicht herbeilassen will, Linien zu verlängern, geschweige denn Wagen einzulegen. So wurde dem Bürgermeister bei wiederholte» Verhandlungen darüber von der Straßenbahngesellschast die lakonische Antwort gegeben, dah fie vollständig ihre vertragsmäßige Pflicht er- fülle; im übrigen sei unsere Linie eine von den Linien, die sich noch garnicht rentieren.— Und das jedenfalls, weil die verkehrenden Wagen oft überfüllt sind. Der wichtigste Punkt der Tagsordnung war der Antrag des Magistrats von Berlin, am 17. Februar nochmals eine Arbeitslosenzählung nach dem schon ein- mal versuchten Meldesystem in Groß-Berlin vorzniiehmen. Hierzu wurde von unseren Genossen folgender Antrag gestellt: Die Gemeindevertretung hält eine Zählung der Arbeitslosen nach dem Meldesystem nicht für geeignet, ein vollständiges Resultat über den Umfang der Arbeitslosigkeit zu erzielen; sie ist vielmehr de» Meinung, daß eine Zählung der Arbeitslosen nach dem Hauslistensystem vor- zunehmen ist. AuS diesem Grunde richtet die Geineindevertretung an den Gemeindevorsteher daS Ersuchen, für die am 13. Februar von der Arbeiterschaft selbst veranstaltete Zählung nach dem Haus listensystem der Mariendorfer Arbeiterfchaft eine Beihilfe zu ge loähren. Genosse Reichardt und Weber charakterisierten die Unzuverlässig keit des MeldesystemS, ihre Darlegungen durch eine Reihe von Ber- spielen erhärtend. In der Diskussion zeigte sich die Arbeiterfreundlichkeit der bürger lichen Vertreter im hellsten Lichte. Ihre Einwcndnngen gingen dahin. daß es eine gemeinschaftliche Aktion der Kommunalbehörden Groß- Berlins sei, die vom Berliner Magistrat ausgehe und dem man schlecht widersprechen lönne. Im übrigen verfolgten Wohl die Arbeitervertreter mit ihrem Antrage lediglich politische und agitatorische Zwecke. Unsere Genossen blieben die gebührende Antwort nicht schuldig. Trotz alledem blieb die bürgerliche Mehr heil fest und lehnte unseren Antrag glatt ab. Johannisthal. Dir iu der letzten Generalversammlung vcs WahlvereinS erfolgte Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender C. Schmidt. 2. Vorsitzender Paschke. Kassierer Pusich; Schrifl'ührer Schersling; Beisitzer Merlin«; Revisoren: Dühring. Frost. Winkeltbau. Als Bezirksfübrer fungieren für den ersten Bezirk Karras, zweiten Bezirk Hildcbrandt. Das Amt dcS Bibliothekars verwallet Alb. Gobin; in die Lokalkommission wurden Ganimisch und Klein gewählt. Zu der im Monat Februar stallfindenden Kreisgeneral- versanimlung wird Genosse Krieg delegiert Die Provinzialkonscrenz bon sozialdemokratischen Gemeindcverlretern wird durch zwei Dele- gierte beschickt. Wie aus dem Vorstandsbericht hervorgeht, ist die Mitglieder« zahl etwas zurückgegangen. Zur Agitation wurden els Flugblatt- und Handzettelverbreitungen vorgenonimcn. Die Geschäfte deS Wahl- Vereins wurden in 23 Vorstandsfitzungen und 11 Mitgliederverjamm- lungen erledigt Wilhelmsruh-Niederschönhausen-West. WahlvrrrinSversammluiig. Am Sonntag, den 17. Januar, fand im Lokal von Kollmann. Kronprinzensiraße. die Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins statt Genosse Junker gab den Vorstands- berichr, welcher sich auf die Zeit vom 7. Juli 1908 bis 17. Januar 1908 erstreckte. Er konstatierte ein erfreuliches Anwachsen des Wahl- verein» von 152 aus 200 Mitglieder. Zur Landagitation lainen zirka 5000 FlugblSiter zur Verbreitung. Am Orte wurde durch zahlreiche öffentliche Bersaminlungen, Lichtbildervorträge, Frauen- Versammlungen sowie durch Verbreitung von insgesamt 9000 Flugblättern und Handzeiteln Ausklärung in die Massen hinein- getragen. Nachdem der Kassierer seine» Ber, cht gegeben hatte, der auch ein erfreuliches Bild zeigte, wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. ES wurden gewählt als 1. Vorsitzender: Otto Junker. 2. Vorsitzender: Fritz Kossat 1. Kassierer t HanS Patch, 1. Schrift- führer: Max Kretke. Nach einer lebhaften Diskussson, die»nit der Annahme einiger Anträge bezüglich intensiverer Agitation u. a. befaßten, schloß der Vorsitzende die gut besuchte Generalversammlung mit der Mahnung an die Genossen, noch eine regere Agitation in dieser kritischen Zeit zu betreiben, unter anderem auch für die Ausbreitung des„Vor- wärts" zu sorgen. Französisch-Bnchholz. lieber eine rege Tätigkeit deS WahkvereinS im verflossenen Jahre konnte der Vorstand in der letzten Generalversammlung De- richt erstatten. Danach fanden im Berichtsjahr 6 öffentliche, 11 Wahivereinsversammlungcn und 27 Borstandssitzungen statt. Für die Agitation wurden des weiteren eine große Anzahl Fing- blättcr, Kalender und Agiiationsbroschüren verbreitet. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 488,40 M. und eine Ausgabe von 354,90 M. auf. Die Mitgliederzahl betrug 151. Von diesen wohnen 12 in Buch, 9 in Blankenburg und 130 in Franz. Buchholz. Aus der Vorstandswahl gingen hervor: Albert Neu- mann: 1. Vorsitzender, Genossin Bertha Neumann: 2. Vorsitzende, Friedrich Seidcmann: Kassierer. Ernst Ncumann: Schristsührer. Als Bczirksführer fungieren Ritter für den 1., Berndt für den 2., Mahle für den 3., Wartig für den 4. Bezirk; außerdem Hölzer für Buch und Sclke für Blankenbuig. Lokalkommissionsmitglied ist Radzicr. Zu Revisoren wählte die Versammlung die Genossen Kaps. Rückcr und Maaß. Als Delegierter für die KreiSgeneral- Versammlung und für die Generalversammlung Groß-Berlins fungiert Genosse Ernst Neumann.— Besonders darauf hingewiesen wurde, daß die nächsten Zahlabende in den Bczirkslokalen abgc- halten werden. Eine neue Leichenhalle soll laut Beschluß der letzten Gemeinde- Vertretung erbaut werden. Die Kosten hierfür betragen 1l>00 M. Außerdem hatte sich die Vertretung mit mehreren Grundstücks- ankäufen zu beichämge», so u. a. mit dem Artiaus der den Kerkow- schen Erben gehörigen Parzelle zu Slraßeiiland und dem Ankauf von l4 Ouadralmcter Vorgarten, dem Maurer Otzdors gehörig, zum Preise von 500 M. Die Gemeindevertretung beschloß demgemäß. Ein» gntbrsuchte Volksversammlung fand vor einigen Tagen am hiessgen Orte statt, in welcher Genosse Stadthagen referieren iollie. Die Versammelten waren jedoch aufs höchste überrascht, als der Referent durch ein Telegiamm aus Herzselde mitteilte, daß er am Erscheinen verhindert sei. Die Genossen Reumann und Seile uiilernahmen es hieraus, soweit ihnen dies möglich war, die dem Referenten gestellte Aufgabe zu behandeln. Bohnsdorf. Im schwarze» Winkel de» Kreise? Teltow geht eZ vorwärts. Nicht nur, daß die Sozialdemokratie bei Wahlen sich einer immer größeren Anhängerschar erfreut, auch die politische Organisation blickt aus ein WachMum zurück. Ist doch selbst die Mitgliederzadl des vor nicht langer Zeit gegründeten WahlvereinS von 33 auf 77 gestiegen. Hierunter befinden sich 2t weibliche Mitglieder. Die Generalversammlung des WahlvereinS wählte als Funktiouäre solgcude Genossen: Oswald Krekich, 1. Vorsitzender; Heinrich Beiler. 2. Vorsitzender; Ferdinand Keusch. Kassierer; Otto Marlint Schrift- führer; Alois Lans. Beisitzer; Frau Wcißcusee. Vertreterin der Frauen. Revisoren: Georg Dorner. Albert Langer und Wollschläger. Spediteur: Gustav Pfeiffer. Bibliothekar: Karl Salzmann. Lokal- kominission: Heinrich Beiler und Alois Lauf. Nieder-Schönhaufen. Volksversammlung. Die zum Dienstag, den 19. Januar, nach dem.Schwarzen Adler' eiubeiufene Vollsversanimlung war sehr zahlreich besucht Genosse Stadlhaaen referierte über daS Thema: .Deutschland in der Welt voran!' Er führte aus: Bei Armee. Marine und Flotte soll jetzt, nachdem dieselben die Schuldenlast des Deutschen Reichs bald bis ins unendliche getrieben haben, zu sparen angefangen werden. Wie diese Sorte EriparmS aussteht, wies der Redner an der Hand der dem Reichstage zugegangenen Etats- Veranschlagung nach. Daraus geht hervor, daß die Ausgaben nicht etwa herabgesetzt werden tollen, sondern daß sie etwaS langsamer. darum aber um so sicherer steigen werden. Da diese Gelder durch d i re kte Stenern nicht auszubringen sind, belastet man die breite Masse des Volkes mit indirekten Steuern. Die Nachlaß- und Vermögenssteuer» werden von den Besitzenden aufs energiichste bekämpft, dafür erklären sie sich aber für die Tabak- und Branntweinsteuer, ohne Rücksicht daraus. daß durch Annahme der Tabaksteuer wieder ein ganzes Heer. von Arbeitern und Arbeiterinnen brotlos gemacht wird I Trotz der großen Arbeitslosigkeit wagt eS die Regierung, zur Beschäftigung auS- ländiscker Arbeiter bei den Kanalbautcn aufzufordern I Die Miß- Wirtschaft unserer Wirtschaftspolitik ist eS, die die Schuld au der Krise und der ungeheueren Arbeitslosigkeit trägt! Zum Ueberfluß hat eS die deutsche Diplomatie mit ihrer Zickzackpolilir nun noch zur völligen Isolierung Deutschlands gebracht so daß Deutschland nunmehr nur noch in seiner Mißwirtschaft in der Weit voran steht! Langai, haltender Beifall folgte dem Vortrage.— Trotzdem der Reichsverband vom Referenten verschiedentlich angegriffen worden war, konnte der anwesende Vorsitzende der örtlichen Reichsverbandsfiliale durchaus nicht zum DiSkulicren veranlaßt werden! Der Bolsitzende Genosse Vesper wie auch Genosse Stadlhagen gaben sich alle erdenk- ticke Müde, dem Herr» die Zunge zu lö'cn. Nach langem Zögern ließ er sich wirklich auch herbei, das Wort zu nehmen!— Leider waren es aber nur sehr, sehr wenige Worte. Zunächst glaubte er eine Aeußerung dcS Referriiten berichtigen zu müssen, die, wie ihm die Versanimlung zu verstehen gab. nur von»hm ollein so aufgefaßt war und dann--- lehnte er eS ab, weiter zu diskutieren,.da er ja doch nur tauben Ohren predigen würde II"— Anhaltendes Gelächter folgte dieser„Rede'. Nach einem an- feuernde» Schlußwort des Referenten wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Partei geschlossen. AuS der Grmrindevertretung. Der Dienstvertrag mit dem Landmesser Schulze wurde verlesen und angenommen. Aus Antrag des GcmeindcvertreterS A. Kuhlmann wurde noch eingefügt, daß der Landmesser Nebenarbeiten gegen Entgelt nur mit Genehmigung der Gemeindevertretung ausführen darf. Betreffs des Punktes: Ab änderung der GelckiäftSordiiung für die Gemeindevertretung be zügltch der Einladungen zu den Sitzungen, wurde beschlossen. die Einladungen in dem hiesigen„Amtsblatt" rechtsverbindlich bekannt zu machen, außerdem sollen aber noch die Gemeindeverlrcter eine besondere scbnstlilhe Einladung erhalten. DaS Wasserwerk Kaualisationswcrk, die beiden Volksschulen sowie die Turnhalle sollen mit 115 000 M. versichert werden gegen Explafionsgefahr. Die hierzu notwendige Summe von 46 M. wurde bewilligt DeS weiteren wurde der Kindergärtnerin Fräulein Ruhen eine Beihilfe von 150 M. pro 1909 gewährt zur Unterhaltung deS Kindergartens. Die Kosten der nach dem Mcldcsystcm im Februar vorzunehmenden Arbeitslosenzählung werden bewilligt Bei der im November statt- gefundenen Zählung sind der Gemeinde im ganzen 8,80 M. Unkosten einstanden. 218 M. Armenpsicgctoslen wurden niedergeschlagen. Hleraus fand eine nichtöffentliche Sitzung statt. Lichtenrade. Ans dem D-rfparlamcnt von Lichtenrade. In der Sitzung vom 21. Januar stand die Anstellung elner Lehrerin auf der Tages- ordnnng. Der Geineindcvorsleher machte die Mitteilung, daß die Lehrerin jedenfalls 1200 M. erhalten müsse. Dem Bcrtreler der 3. Klasse, ein Bürgerlicher, Herr Sckiniedemeistcr Sameitsky. war das zu viel Geld und warf er die Frage auf, ob man der Lehrerin nicht weniger geben könne. Derselbe Herr beantragte bei der Grüildung der Pflichtfeuerwehr, die Maunichaften nicht erst auSzu- losen, sondern jeden Pflichtigen mit S M. pro Jahr heranzuziehen. und sollten dann noch Kräfte geinig vorhanden sein, dann könne man ja zur Auslosung schreiten. Selbstverständlich wurde dieser Antrag angenommen. Die Sozialdemokratie hat nach alledem alle Ursache. Mittel und Wege misfiiidig z» machen, diese Sorte Der- tretet aus dem Dorfparlament hinauSzuwähle» und eigene Vertreter zu entsenden. Oranienliurg. Nach dem Jahresbericht den Genosse Emil Schumann in ber letzten Generalversammlung des WahlvereinS gab, haben im laufenden Jahre 10 WahlvereinSversammlimgen. 18 VorstandS- sitzuilgen und drei öffentliche Versammlungen stattgefunden. In der darauf folgenden Neuwahl'(fei Vorstandes wurde zum ersten Vor- sitzenden Genosse E. Schumann. Genosse Maß zum Kassierer und zun» Schriftführer der Genosse Gentz gewählt Spandau. Versammlung der Staatsarbeiier. Am Somiiag, dm 17. Ja- nuatt waren die hiesigen Staatsarbeiter durch Handzettel zu einer Versammlung nach dem„Roten Adler' einberufen worden. Die Einberufung war vom Deutschen Militärarbeiterverband erfolgt und hatten etwa 400 Staatsarbciter ihr Folge geleistet. DaS Thema» über welches em Mitglied des Deutschen MilitärarbeiterverbandeS aus München, namens Uschold, referierte, lautete:„Wie stelle» wir uns zu der von den übrigen Militärarbeitern ganz Deutsch» lands eingereichten Denkschrift an die königlichen Kricgsministerien und Reick?stag unb dem Deutschen Militärarbcitcrverband." Es handelt sich im Wesentlichen um folgendes: Schon seit einiger Zeit besteht in SiiVdrnitfchland ein folchet Verband. Nachdem durch den angekündigten Geletzentwurf betreffs Einrichtung von Arbeiter- �Arbeits-) Kammern die Arbeiter der militärischen Institute von diesen Karnmern ausgeschlossen sein sollten, hielt es der süddeutsche Verband für angebracht, sich mit den übrigen Staatsarbeitern w Deutschland in Verbindung zu setzen, zwecks Gründung eineS Verbandes der deutschen Militärarbeiter. Gleichzeitig wurde de» absichngt, eine Denkschrift an die Ministerien und den Reichstag zu senden, in welcher folgende Bitte gestellt wurde: 1. Um gütige Unterstellung sämtlicher Arbeiter und Arbeiterinnen der deutschen Heeresverwaltung unter die zu schaffenden Arbeiter-(Arbeits-) Kammern, eventuell Errichtung von obligatorischen Schieds- gerichten. 2. Ausbauung der Alters-, Witwen- und Waisenversor- guna, und Ausdehnung der Kinder-ErziehungSbeihilfen bis zum 16. Lebensjahr(statt,»sie bisher, bis zum 14. Lebensjahr). 8. Ge» Währung eines bezahlten Urlaubes an alle Arbeiter und Arbeite» rinuen der deutschen Militärbetriebe in der Höhe des der Steuer- Veranlagung zugrunde gelegten Lohnsatzes. 4. Endgültige Durch- sührung der Bezahlung der Wockzenseiertage.— Im Oktober vcrigen Jahres, nachdem dem Zentralvorstand eine schriftliche In- vcrbindungsetzung mit den Arbeiterausschüssen der StaatSwerk- statten dadurch unmöglich gemacht worden war, daß die betreffenden Briefe teils nicht beantwortet, teils uncrösfnet zurückgesandt wurden, verhandelten einige süddeutsche Vertreter des Verbandes persönlich mit den ArbeiterauSschüssen der hiesigen Staatswerk- stätten wegen dieser Tenlschrist und wegen der Statuten deS Tevtschcn MilitärarbciterverbaudcS. Die hiesigen Arbeiter» au-sschüsse waren sowohl mit der Denkschrift wie mit den Statuten einverstanden. Die Statuten wurden der Feldzcugnteisterci ein- gereicht, aber die Denkschrift weigerten sich die Ausschüsse zu unter- schreiben. Die einberufene Versammlung sollte nun zunächst Stellung zu der Verweigerung der Unterschriften der Arbeiter- auSschüsse nehmen. Inzwischen war aber in dem Spandauer Schleifstein, genannt„Spandauer Tageblatt", eine Notiz er» schienen, des Inhalts, daß den Sozialdemokraten auf Umwegen Eingang in die hiesigen StaatSwcrkstätten verschafft werden solle und wurde hierbei auf den Verband angespielt. Die beiden Münchener Staatsarbeiter, von denen der eine die Versammlung leitete, der andere über das Thema referierte, hatten nun zunächst olle Hände voll zu tun, um sich von dem Verdacht zu reinigen, daß sie verkappte Sozialdemokraten seien. Interessant waren za dann die Ausführungen des Referenten über die Lage der Staatsaxbeitcr im allgemeinen. Da wurde aus berufenem Munde bestätigt, daß die Staatswerkstätten Deutschlands noch weit davon entfernt sind, Musteranstalten zu sein, daß die über den grünen Klee gelobten Wohlfahrtseinrichtungen völlig unzureichend sind, daß die Staats- arbeitet keine Stelle haben, wo sie Beschwerden über ungerecht« und roher Behandlung direkter Vorgesetzter erfolgreich anbringen können, und daß sie vor allen Dingen kein Koalitionsrecht haben. ES wurde der Versammlung folgende Resolution vorgelegt:„Die heute im„Roten Adler" versammelten Arbeiter der Milttärwcrk- stätten Spandaus sprechen ihr Bedauern darüber aus, baß die ArbeiterauSschüsse die Denkschrift, welche von den Staatswerkstätten anderer Orte an die Ministerien und an den Reichstag geschickt wurde, nicht unterschrieben haben. Sie sprechen die Erwartung aus, daß von den Arbeiterausschüssen daS Versäumte binnen acht Tagen nachgeholt wird, anderenfalls die Resolution an dle Ministerien und den Reichstag abgesandt ivürde. Die Ver- sammelten sind mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und erklären, mit den ihnen erlaubten gesetz- lichen Mitteln für die Verbreitung des Deutschen Militärarbeiter» Verbandes sorgen zu wollen." Diese Resolution wurde gegen ein« Stimme angenommen. Dieser Arbeiter, der dagegen stimmte, gibt die Erklärung ab, daß er Mitglied eines ArbeiterausschusseS sei und gegen die Resolution gestimmt habe weil den Ausschuß- Mitgliedern nach den Satzungen verboten ist, außerhalb des De» trieoes solche Sachen zu besprechen. Der Verband soll doch die Denk» schrist selber unterschreiben und abschicken. Der ArbeiterauSschuß habe die Skatuten des Verbandes eingereicht und es sei von der Behörde die Antwort eingegangen, daß die Sache in Eriväguna ge- zogen würde. Vorläufig wisse man also nicht, wie sich die Behörde zu dem Verband stelle. Erkenne die Behörde den Verband an, daim müsse sie auch anerkennen, was der Verband einreicht Wenn er die Denkschrift unterschreibe, könne das üble Folgen für ihn haben. In durchaus zutreffender Weise widerlegten ote beiden bayerischen Staatsarbeiter diese Ausführungen. Bei ihnen scheint etwas mehr Verständnis über die Rechte und Pflichten der ArbeiteraussckLisse vorhanden zu sein. Ein anderer Redner greift die hiesigen Arbeiterausschüsse kräftig an, indem er ihnen vorwirft, sie arbeiten nur für sich allein und fragen den Arbeiter gar nicht Gegen 4�» Uhr wurde die Versammlung mit einer Aufforderung zum Bei» tritt in den Verband geschlossen. Es wird den Staatsarbeitern mib diesem Verband so gehen, wie mit ihren Vereinen. Wenn sich der Verband wirklich ernstlich mit der Verbesserung der Lage der: Staatearbeiter beschäftigt, dann kommt ein Wink von oben, einige Maßregelungen und der Verband ist in alle Winde verflogen. Anderenfalls wird er. wenn er sein Dasein fristen will, sich zum Schleppenträger der Regierung und vor allem der konservativen Wahlvereine machen müssen. Mocken-Spielplan der VerUner Chcatcr. KSntgl. OperndauS. Sonntag: Götterdämmerung.(Ans CH, Uhr) Montag: Mignon. DienStag: Fra Diavolo. Miltwocb; Iphigenie In Stulls.(Ansang 8 Uhr) Donnerstag: Der fliegende Holländer. Freitag: Verlicgeu. Hansel und(Bretel. Sonnabend: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Die Zauberflöte. Montag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Köntgl. Schauspielhaus. Sonntag: Mrs. Dot. Montag: Der Schlagbanm Dienstag: Mrs. Dot. Mtttivoch: Die OuitzowS. Donners« tag: MrS. Dot Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Schlogbaum. Sonntag: MrS. Dot Montag: Die Rabcnstciiicrin. Neues käntal. Opern-Tveater. Sonntag: Faust.(Anfang 7 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag dt« Donnerstag: Revolution in Krähwinkel Freitag f Die Lehrerin.(Anfang 7 Uhr) Sonnabend: Revo- lutlon in Krahwinkel Sonntag: Die Lehrerin. Montag: Revolution tu Krähwinkel Deutsches Theater,(kammersptele). Sonntag: Der Gras von Gleichen. Montag: Da ckonna dol Mare. Dienstag: La Oioconda. Mittwoch: Der Grat von Gleichen. Donnerstag: Elettra. Freitag und Sonnabend: Der Arzt am Scheidewege. Sonntag: Der Gras von Gleichen. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Lessing> Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinncn. AbendS: Der König. Montag: Die Stützen der Gesell» schast. DienStag bis Donnerstag: Der König. Freitag: Nora. Soim» abend und Sonntag: Der König. Montag: Gespenster. Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Merradct Adends bis Dienstag: Einer von unsere LeM'. Mtttwoch: Der Bogen deS PHiwlM.(Ansang 7'/, Uhr.) Donnerstag: Einer von unsere Leut'. Freitag: Der Bogen deS Phlloktel Sonnabend und Sonntag: Einer von unsere Leut'. Montag: Der Bogen des Philoktet(Ans. 8 Ubr.) Neues Theater. Allabendlich: Die fremde Frau.(Ans. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Julius Cäsar. Montag: DI« Sünde. DienStag: gausl(Ans. 7'/, Uhr.) Mittwoch: Iphigenie aus TauriS. Donnerstag: piabagas. Freitagt Hamlet(Ans. 7'/, Uhr.) Sonnabend: Rabagg». Sonvwg: Hamlet Rontag: Unbestimmt (Ansang 8 Uhr.) Meines ZHeater. Sonnwg: Nachmittags» Uhr:» X 2-- S. MendS bis Montag: Moral. s?lnf. S Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Die Flederv'au». MendS; Zaza. Montag lind Diensiag: Tiefland. Mittwoch: yaja Donnerstag: HofsmannS Erzählmige». Freitag: Zaza. Sonnabend Tiefland. Sonntag und Montag: Zaza(Ans. 8 Uhr.) Residenz< Tlleater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Allabendlich: Kümmcrc dich um Anielie.(Ans. 8 Uhr.) t ebbet- Theater. Allabendlich: Revolutiontbochzeit.(Ans. 8 Uhr.) rtanon-Thearer. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Der Satyr.(Ans. 8 Uhr�) Neues Operetten- Theater, sonntag: Nachmittag» 2 Uhr: Der Opemball. Allabendlich: Die Dovarprlnzcsfin.(Ans. 8 Uhr.) Lustspielltmis. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Die blaue Man». Abend»: Die deutsche» Kleinstädter. Montag: Die glücklichste Zeit. Dienstag: Die deutschen Kleinstädter. M'ttwoch und Donnerstag: Die glücklichste Zeit. Freitag bi» Montag: Seine lieine Freundin.(Ans. 8 Uhr.) Tdcatrr des Westens. Sonntag: Nachmittag» 3*1, Uhr: Sin Walzertraum. Allabendlich: Der tapsere Soldat.(Ans. 8 Uhr.) Schiller- Theater t>. Sonnlag: Nachmittag» 3 Uhr: Ehr Volk». (find. Abends: Charley» Tante. Montag und Dienstag: Komtesse WuckerL Mittwoch: Das flcine Heim Donnerstag: Komtesse Guckerl. Freitag bis Sonntag: Da» Nein- Heim. Montag: Komtesse Guckerl. filnsang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag: Nackaniilags 3 Uhr: Julius Cäsar. Abend»: Monna Vnnna. Montag: CharleyS Tante. .Dienstag: Ein VollSseind. Mittwoch: Komtesse Guckerl. DonncrSlag Cba.icys Tante. Freitag bi» Sonntag: Da» Erbe. Montag: Charley» Tante.(Ans. 8 Uhr.) Frtedrich.Wilhelmstädtische» Schauspielhaus. Sonntag: Nach. mittag» 3 Uhr: Madame Sans(Lüne. Abend»: Husarensteber. Montag: König Christian II. Dienstag bis Montag: Husarensteber.(Ans. 8 Uhr.) Thalia-Theater. Sonnlag: Nachmittag» 3 Uhr: Narzth. Abend»: Meister Tutti. Montag und Dienstag: Mein Leopold. Mittwoch: Meister Tutti. Donnerstag: Mein Leopold. Freitag: Meister Tullt. Sonnabend bi» Montag: Mein Leopold.(Ans. 8 llbr.) LniieixTheater. Sonnlag: NachniiltagS S Uhr: Dt» Kinder de» Kaptlän Graut. Abend»: Da» Mädchen aus Irrwegen. Montag> Der Mann mit den vier Frauen. Dicnslaa bi» Freitag: Da» Mädchen aus Irrwegen. Sonnabend: Der fliegende Berliner. Sonntag: Da» Rädchen aus Irrwegen. Montag: Unbestimmt.(Ans. 8 Uhr.) Bürgerliches Schauspielhaus» Sonntag: Nachmittag« 3 Uhr: Da» Käthchen von Heilbronn. Abends: Die Goldgrube.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Die Jüdin von Toledo. Dienstag: Der KünigSIeutnant. Mittwoch: Der Militärstaat. Donnerstag: Der/KönigSlcutnant. Freitag: Der liebe Onlei. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Der Konigstcutnaltt.(Ans. S Uhr.) Montag: Fräulein Dottor.(Ans. 8't. Uhr.) Berliner Operetten. Theater«HV. Sonntag: Nachmittag« 8'/, Uhr: Anne-Lteje. Allabendlich: Da» Himmelbett.(Ansang 8'/, Uhr, Sounlags 8 Uhr.) (Saslsptet-Theater. Sonntag und Montag: Zaza. Dienstag bi» Sonnlag: Der Hütteichefitzer. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8'/, llbr.) Bernhard Rose> Theater. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Der Glöckner von Notre-Dam«. Abend» und Montag: Sinjahrig-Unsreiwillig. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch> Brüderletn sein Donnerstag: Stn. tähttg-Unfretwillig. Freitag: Die Räuber. Sonnabend und Sonntag: Einjährtg.Unsreiwtlllg. Montag: Di» Räuber.(Ans. 3 Uhr.) Nolles Caprice. Täglich: Servu» Pschestna. Der lustige Ehemann. (Ans. H'l, Uhr.) Casino-Theater. Sonntag: Nachmittag««Uhr: Mutter Gräbert. Allabendlich: Ruhland.(Ans 8 Uhr) Gebr. Herrnfetd-Tyrater. Allabendlich i Die beiden vindelband». (Ans. 8 Uhr.) Metropol< Theater. Allabendlich: Donnerwetter (Ans. 8 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 8 Uhr und Spezialitäten. Apollo-Theater. Sonntag: Nachmittag» g>/, Uhr: Spreewaldsahlt. Allabendlich: Ome! Cafimir. Speiialltäten. Pasi»ge-Tliea:cr. Sonntag: Nachmittag» 3 Uhr: Allabendlich: Spezialitäten. WalI,alla>Thea:er. Allabendlich: Spezialitäten. Palast-Tbenter. Allabendlich: Speziaiitälen. Reichshollen- Theater. Allabendlich: Stettwer Sänger. Gustav Beiireus- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland-Theater. Sonntag: Nachmittag» 8 Uhr: Spczlafl. täten. Allabendlich: Spezialitäten. Urania■»deater. Taubeuftrafle 48/49. Alladeudllch: Sizilien. Montag: Unbestimmt. Montag im Hörsaal: Pros. Dr. F. Röthgen: Da» Leuchtga» und die Flammen.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, gnvalidenftr. 67—62. Donnerstag: Seschloge». — tadellos. allad endlich: Eine lustige Speztalltäten. ßn�fkaltcii der Redaktion. Dt« surtttttch« Sprrchftund» tlnde« Ltadenttraste Nr. N. zweiter Hos, dritter Gingang, vier Treppen, ttf Aadettupl IM »o>pe»tä«lta> avrnds von T'/i bi? tt'/i»lir statt. Weöffnci?»br Nonaobrnv? degt»»» dt» Sprechstand« um tt Ubr. siebe»»lnsrage ist ein Auchstab« and«tae Zastl als Viertzeichen beizntüoen. Artetttch» jlntworl Wir»»ich» eririli. Bis zur Braattvortnng tm Brtctkaften tönneu 44 Tage »eraehen.«tttltae Krage» trage«an in der«vrechtniude vor. V. S. A. I. Sie können gegen die Schwägerin, und wenn deren Mutter mst Wissen der Sachlage da» Geld an s>ch genommen hat, auch rl»n diese klagen. Wenden Sie sich an das Arbeitersekretartat Engeluser tb. Liegt dte Sache wie Sie schildern so kann Ihr Bruder aus Zurückgabe der Sachen llageu. Ihnen steht ein Recht an den Sachen nicht zu.— F. Ar. ZV. 1. Wenn keine besondere Verabredung getrotsen ist, nein. 2. Rein. 8. Die Zahl der Personen und dte Höhe des Lohnes ist mag. gebend. Die verschiedenen BcrusSgcnossenschaslen erheben verschieden bobe Beiträge. 4. Wenn kein grösicre« Einkommen vorliegt, nein.— Herrn K. 8. Der Antrag ist verspätet.— O. K. IL. l. Wenn Bestimmungen de» MietSvertrageS nicht entgegenstehen, ja. g. Nein. 8 Die Benuch- richtlgung genügt.— F. G. Iva.!. Sie find zur Zahlung verpflichtet. 2. Nachteile entstehen nicht.— X. 0. Z. Nein. — E. M. Die Mutter Ist zur Zahlung verpflichtet.— H. H. 1. 1. Spezifizierte Rechnung können Sie verlangen. 2. Die Betrestcndcn mühten als Ihre Begleiter in dem Wandergewerbeschew ausgesührt werden. Zuständig Ist die Polizeibehörde.— G.®. 42. 1. und 2. Die Klage mühte in Dresden angestrengt werdcn. 3. Nein. 4. Wenden Sie sich an den Magistrat, Steuerdcpulatton.— P. M. 1. Ohne Kenntnis des Ver« trage» und der Police ist die Frage nicht zu beantworten. 2. Die Aus- geböte müssen tm Rathause ausgehängt werdcn.— Streitsache Vit. Sie tönnten aus Auszablung Nagen, Voraussetzung ist aber, bah tn der Tat der Nachiah vorhanden war. Geerbt wird nur der Nachiah. Darüber, bah der- selbe noch vorhanden war, können Sie dem Vater den Eid zuschieben. — R. G. 104. Teilen Sie den sachocrhali dem Amtsgericht schnjtlich mit, geben Sie an, wa» die Zeugen bekunden sollen, und beanliagen Sie Ladung derselben. Sic können als Zeuge-n dem eigenrn Prozeh nicht austreten. Liegt wissenilich salsch« Anschuldigung vor, so können Sie ipäier aus Schadenersatz Nagen.— C. S. lt. Eine Klag« mi! dem Antrag, Vorkehrungen zu treflen, durch welche die Störung descuigi wird, eventuell Ihnen Aujbcbung des Vertrages zu bewilligen, erscheint nicht ganz aussichtslos. Indessen ist solch« Klag« schwer durckzuiübren.— 427. S. 1. Ja. 2. New— A B. 1000. Nein.— Pgatdmounölust. Da» ist irrig! e» lann die Herstellung und Uuterhatlung de« ganzen Grenzhause» ver- langt werden.— K. M. 75. 1. Di« Zahiuna des Pflichtteil» lönnte verlangt werden. 2. Rein. 8. Zum Amisgcricht.— C. New. — H. R. Leider ist nur der Beschwerdeweg möglich.— 1898. 1909. Ein schrtstltcheS Ersuchen an da» Gericht, die Strasen nicht zur Perlrsung zu bringen, ivtrd vorauSsichtltch Ersolghaben.— I. Nt. 112. Leider fino Sie zur Zahlung verpflichtet.— nügend, Geschäft lebbast, Preise fest. Geslügel: Zufuhr in Hühnen: reichlich, sonst knapp, Geschäft lebhast. Preise gut. Fische: Zusuhr ge- nügeno, Geschäft ziemlich belebt, Preise im allgemeinen befriedigend. Bulter und Käse: Geichäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geichäst ruhig, Preise gedrückt. «ttterungsüberstch»»am 23 Januar 1909. morgens 8 Ubr. £§ s- a H= 6= II I 8| K Seta Swmemde>774 OSO: 3 heiter Hamburg{ 772 ONO Berllv 17730 Franks.« M. 766 NO Münche» 1768 SW Wien i 774 SO 3 bedickt 2 bedeckt 3 bedeckt 2 Nebel 1 wollenl u« ti% H» m« «tattonen IS L —6 —5 —6 —5 —8 —8 Haparanda 758 W Pclkrsburg 768» Sctlly tlberdee» Part» 767 O 763 S 765 NNO i Setter WS» 2 wottent—3 2beseckt 2 wollig 2 heiter 3 bedeckt 0 3 8 —3 Wetterprognose für Sonntag, de» 24. Januar 1909. Zeitweise etwa» nebelig, sonst meist Heller und trocken bei mähigen südöstlichen Winden: nacht» ziemlich strenger, am Tage gelinder Frost. SerlinerVetterbNreatt. WaflerftandS.Rachrtchten der Laniesauftoll sür Gewäsierkunde, mllgetev Berliner Wetterbureau. Wasserstand R e m« 1. Tllstt P r e g« l, Jnfterbirrg Weichsel, Thon» Oder, Ratibor , Krassen , Frantturt Warthe, Schrimm . LandSberg Netz«, vordamm Elb«, Lciimeritz , Dresden , varby » Magdeburg am s seil 22. 1.�21. l. am») -S 4-2 -—6 -13 0 -1 -10 4-1 —2 —11 -1 4-32 4-2 £>') 162') 100 132 101«) 122 95«) 7 -37 -146') 86') 71') Wasserstand Saale, Kroch lltz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree. Tvremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Mari miltans au , Kaub Köln Neckar, Heildrom» Main, Verth«» Mssel, Trier am 22 l. «Ul 82 68 70 72 'Ä 362 207 270 83 V seit 21.1. orn1) —1 0 4-2 0 Co —20 —18 —26 —42 —9 —24 -18 1 4- dedeutet Wuchs.— Fall.—•) Uniervegel.— P SiSftand. •) Treidel».—•) schwache» TreldeiS.—•) mäßiger Eisgang.—*) schwaches GrundetS.—•) schwache« Grundeistreiben WM- llvfsontlioko pMzeiie Verzsnimimigen Sonntag» de» 24. Jannar IVOS, mittags lÄ Uhr: Usnlins Kliems Festfäle» Hasenhcide 13— 15. x Sanssouci» Kottbuser Straße 6. Gewerkschaftohaus, Engelufer 15. Keller, Koppenstraße 29. Grand Hotel, Alexanderplatz. Srauerei Königstadt» Schönhauser Allee 1V. Dor«sfia-Säle, Ackerstraße 6/7. Moabiter Gesellschastshaus» Wiclefstt. 24. Vwor�si Cliftrloftcuburg. gulhuljaus�ofmcU' sttaße 3. Schöneberg. Kchloßbranerei» Hauptstraße 122. Rlxdorf. Koppe» Festsale, Hermannstraße 48/49. IZ»nn>«ehn1enn'eg» VreptnHV. Speers Festsäle, Vauuischuleustraße 78. Tages' Ordnung: ICihiKgswii-'iterhniisen. Wedhor», Altes Schützcnhaus. L�Spenleli. Stadt- Theater, Friedrich- sttaße. Ober�ehSneHrellÄe.Wiltzelminenhof. �rleÄr1ch«hngen. Lerche, Nuudteil. Vegel. Trapps F»stsä!e, BaHnHossttaße. lXnHVttHve». Singers Kolkogarte«. freies Ashlrechl ocler lllsntlatskassierung ulul llusnshmegesetüe. Referenten: Voeshs, BepRihard Bruns y Eichhorn-Mannheim, Emmel- Mühlhausen, Richard Fischer 9 Adolf Hoff mann 1 Hugo Heimann, Paul Hirsch, Lehmann-Wiesbaden, Ledebour, Pfannkuch, Robert Schmidt, Singer, Stadthagen, Ströbel, Wels, Zietsch, Zubeil» sssssssssssssz Männer und Frauen! Erscheint in Muffen! sW__•__ Für die Einberufer: Luxen Lrnst, Wöhlcrtftraße 9. Uerantwortl. Rebatteur: Carl Wermulh, Berliu-Rixdorf. Für den Inseratettleil vsrant».: Dt. Sldcke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärts Buchdrucker« a.«erlagSanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW.