Nr. Tl. mwnnrmtntS'Btdlmninisea: ncnncinrntS■ Preis prftnumrranfte» vierleljübrl. 830 Ml. monatl. t.10 Ml. wSchenUich 28 Pig. frei inS Hau». Einzelne Nummer 6 Sfg. SonniagJ. nummer mil Mullricrler Sonmagg. Beilage.Die Neue Seli'>0 Plg� Post, iltonnemenl: l.lv Marl dro Monat. Eingerragen in die Poll. Zeitung»» Brersliiie. llnler Kreuzband iür Deurichlant und velierreich. Ungarn 2 Marl, iiir da! übrige Ausland 8 Marl vro Munal Posladonnemenls nehnien an: Belgien. Dünen, art, Holland. Italien Luxemburg Buriugal, Rulnllnien. Kchweden and die Schwei» Vicht!» ltgllch»aller»diu». Jahrg« Verlinev VolkSblakt. �entralorgan der rozialdcmokrat» fehen parte» Dcutfchlanda. Ol«!nIertIons*G(baiir belrSgl für die fechsgelvallene Kolon«!- gelle oder deren Raum SO Pfg.. für poUttlche und gewerlichafMche LeretnS- und LeriammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Snzeigen", das etile(fett- gedruckte! Wort 20 Pfg., jedes weirere «ort 10«Ig. Stellengesuche und Schlaf- »tellen-Anzeigen das erste Surr tO Pfg, jedes weitere Wort 6«fg. Sorte Über 16 Buchslaben zählen für zwei Surre. Inserate Iür die nächste Nummer müssen bis aUbr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioa ift »i» 7 Uhr abendS geöffnet. Telegramm-Adrefs«: aSMUMcaslMt Btrlli". Redaktion: SD. 68, Lindenstrassc 69. Kernivreriier: Amt IT. Sir. 1983. 1 Dienstag, den �0. Januar 1909« I Expedition: ÖCd. 68, Lindenetraee« 69« Aerutvrechrr: Amt IT. 91t. 1984. Unser Mich! rechts Itinnpf. Der Wahlrechtsdebatte erster Tag. Noch imnier ist die Feste der Reaktion ungebrochen, die Macht der Junker ist unversehrt. Aber diese Macht wird nicht mehr ruhig ertragen und so oft ihre Grundlagen in Frage stehen. so oft die frechen Usurpatoren gezivungen sind, das Recht des Lölkes zu diskutieren. erhebt sich in verstärktem Ansturm die Entrüstung der Massen gegen diese Zwingburg des preußischen Volkes. Dann erscheint dieses Parlament als das, was es ist: nicht als eine Volksvertretung, die fest und unerschütterlich im Rechtsbcwußtsein des Volkes verankert ist, sondern als die parlamentarische Verhüllung einer Gewalt- Herrschaft, die längst zusammengebrochen wäre, wenn ihre Nutznießer nicht über alle Machtmittel des Staates ver» fügten. An solchen Tagen fällt dann die Verhüllung, und offenbar wird die nackte, brutale Gewalt, die einzige Stütze dieses verhaßten Parlamentes. Die Herren, die sich so gerne als Volksvertreter ausgeben, müssen durch die Polizei vor den lkundgebungen des Volkes sich sckützen lassen. Das ist der erste Erfolg unserer Wahlrechtsbewegung: Den obersten Grundsatz aller Reaktion, das Ruhende nicht zu bewegen, hat sie rasch durchbrochen. Und was 60 Jahre unerschüttert gelassen, hat unsere Wahlrechtsbewegung in kurzer Frist ins Wanken gebracht. Sind wir auch heute noch von der Ueberwindung der politischen Ver- gewaliigung weit entfernt, so ist doch das Bewußtsein, daß das Unrecht endlich fallen muß, so tief in die Massen gedrungen, daß auch die Nutznießer der Volksentrechtung deren Form nicht mehr zu verteidigen wagen und sich auf die Hoffnung zurückziehen, diese Form preiszugeben, um den Inhalt, die Ungleichheit des politischen Rechts, zu retten. Eine neue Form desVolksbetruges: Das ist derJnhalt auch der neuesten Regierungserklärung, die diesmal von Herrn v. M 0 l t k e. dem preußischen Polizeiminister. abgegeben lvurde. Der Herr Ministerpräsident hatte in der prekären Situation, in der er sich augenblicklich befindet, der Tapferkeit besseren Teil erivählt und war nicht erschienen. Er wollte die Junker nicht noch mehr reizen. Die Regierungserklärung zeigt, wie West in Preußen der Weg vom Versprechen zum Halten ist. wenn es sich um die Beseitigung von Junkerprivilegien handelt. Die Fort- entwickelung des Wahlrechts hatte die Thronrede als eine der „wichtig st en Aufgaben der Gegenwart" bezeich- net. Herrn v. Moltkes dringendste Sorge ist, sie zu einer Attfgabe der Z u k u n f t zu gestalten. Wenn es überhaupt einen Unterschied zwischen der alten und der letzten Er- klärung gibt, so besteht er in dem Nachdruck, mit dem der Herr Mirnster die Verschleppungsabsichten der Regierung in den Vordergrund rückte. Tie Regierung ist plötzlich von einer unbezähmbaren Liebes- leidenschast zur Statistik ersaßt worden. Die Liebe macht sie blind; sie sieht nichts von der Ungeduld des Volkes, von seiner Erbitterimg und seinem Drängen. Sie hat nur mehr Sinn für die Statistik und das Regieren erschöpft sich in der Aufhäufung von Zahlen. Da ist zunächst die Wahlstatistik. Die Statistik der 60 Jahre des Dreiklassenunrechts genügt ihren Bedürfnissen nicht. Sie ist plötzlich modern geworden, sie muß die allerneueste Statistik haben. Glücklicherweise steht die„Fertigstellung der Spezial- Übersichten der Wahlergebnisse unmittelbar bevor". Aber der Leidenschaft der Regierung ist noch lange nicht genug getan. Ihr besorgtes Interesse für die entrechteten Wähler geht noch viel weiter. Sie ivill deren Besitz, Steuerkraft und Alter statistlsch erfassen. Damit schlägt die Regierung zwei Fliegen mit einer Klappe. Neben der Verschleppung schafft sie sich damit das Material zu dem ge- planten Pluralwahlrecht nach berüchtigtem belgischen und dem noch berüchtigteren sächsi- s ch e n M u st e r Dann aber kommt die dritte Periode der Verschleppung durch Stattstik:„spezielle Er- Hebungen in Mnsterbezirken. welche die Wirkung der in Bettacht kommenden Aenderungen der Wahlvorschriftelt" ver- anschaulichen. Schwierige Arbeiten nennt sie Herr v. Moltke, und wer begriffe nicht, daß zu solchen Arbeiten viel Zeit gehört, zumal da Neberarbeit bei der Bureaukratie nicht gerade beliebt ist. All diese Statistik ist aber notwendig, um Herrn v. Moltke vor einem„Sprung ins D u n k l e" zu beivahren. Alle Wirkungen des neuen Wahlunrechts sollen vorher genau ausgerechnet werden, damit es ja kein Ueberschen gäbe, damit die Wirkung deS neuen die Wirkung des alten Unrechts nicht verringere. Wir fürchten nur, daß all diese Berechnungen ängstliche Gemüter noch immer nicht mit Sicherheit erfüllen würden und da auch wir den Sprung ins Dunkle der Tapferkeit der preußischen Regierung nicht zu- muten wollen, so möchten wir doch einen Ausweg empfehlen. Seit 40 Jahren bald besteht im Deutschen Reich ein Wahlsystem, dessen Wirkungen in dieser langen Zeit ge- nügend bekannt geworden. War die alte Phrase von dem „Sprung ins Dunkle" schon in anderen Ländern nichts als ein erbärmlicher Vorwand der reaktionären Volksfeinde, wie erbitternd wirkt dieser Hohn erst in diesem Reiche, dessen Grundlage, dessen festeste Klammer das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht im Reiche bildet, dieses Wahlrechts, das heute im glücklicheren Süden auch im Lande errungen ist. Nur weil die preußische Regierung entschlossen ist, das gleiche Recht dem Volke zu versagen, braucht sie die Statistik. Und nur weil sie den konservativen Unmut, den die bloße Ankündigung einer Formänderung des Unrechts erweckt hat, noch zu beschwichtigen hofft, mißbraucht sie die Statistik zu endloser Verschleppung und hüllt sich unter- dessen in geheimnisvolles Schweigen über den Inhalt ihres Entwurfes wie über den Zeitpunkt der Einbringung. Die Beratung der Anträge, an der nach Abgabe der Erklärung weiter teilzunehmen der Minister im Namen der Regierung abgelehnt hatte, war von hohem politischen Interesse. Nachdem der alte Träger für die Freisinnigen und Dr. S w i t a l a für die Polen die Notwendigkeit des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts begründet hatten, sprach für das Zentrum Dr. H e r 0 l d. Das Zentrum ist pri nzipiell für das gleiche Wahlrecht: es schlägt aber zugleich eine Taktik ein. die es verhindert, daß der Antrag auf Einführung des gleichen Wahlrechts je eine Majorität in diesem Hause finden kann. In demselben Augen- blick, indem es das Unrecht deS W a h l s y st e m 3 angreift, verteidigt es leidenschaftlich das Unrecht der Wahlkreis e i n- t e i l u n g, aus dem es allerdings den größten Nutzen zieht. Es verlangt das gleiche Recht, weil eS weiß, daß die National- liberalen bei der Abstimmung den Konservativen zur Majori- tat für die Ablehnung verhelfen werden. Die Forderung auf Aenderung der Wahlkreiseinteilung aber, die sonst ange- nommen würde, verwirft es selbst im Bunde mit den Konservativen. So sorgt das Zentrum dafür, daß jede Wahlrechtsdebatte mit der Ablehnung der Anträge endet. Und wie es parlamentarisch jedes positive R e- sultat mit voller Absicht- vereitelt, so hütet es sich, die sozialdemokratische Wahlrcchtsbewe- gung in» Lande zu unterstützen, sondern sucht diese viel- mehr nach Möglichkeit zu verkleinern. Es gibt keine bessere Kritik für dieses Verhalten, als die Tatsache, daß Herr v. R i ch t h 0 f e n. der Wortführer der Konservativen, unmittelbar nach dieser„Wahlrechtsrede" Dr. Herolds die bevorstehende Erneuerung des Bundes mit dem Zentrum ankündigte. Derselbe Junker, der nicht nur den Freisinn blutig verhöhnte, sondern auch die Nationalliberalcn auf das eindringlichste wegen ihres Strebens nach dem Pluralwahlrecht verwarnte, hat sitr das Z e n t r u m nur Worte des Einver st änd nisse s. Kann es eine vernichtendere Kritik der Komödie geben, die das Zen- trum im preußischen Landtage mit dem wichtigsten Recht des Volkes spielt, als diese Haltung der Konservativen, der un- versöhnlichsten Feinde einer jeden Aenderung des Dreiklassen- Wahlrechts? Hat doch Herr v. Rheinbaben rund heraus erklärt, daß für seine Partei das bestehende Unrecht unan- t a st b a r ist. daß die Regierung mit einer völligenAen- derung des Verhaltens der Konservativen rechnen müsse, sobald sie sich erlaube, an den Grundlägen des bestehenden Wahlrechts zu rütteln. Kein Zweifel, daß es den Konservattven, die um die Unversehrtheit ihrer Macht mit allen Mitteln kämpfen werden, mit der Ankündigung der Opposition voller Ernst ist. Fürst B ü l 0 w irird diesen Ernst wohl bald zu spüren bekommen. Hat doch Herr v. NichtHofen den B l 0 ck bereits alsabgetaneSache behandelt und Genosse H 0 f f m a n n hat den Nagel auf den freisinnigen Tummkopf getroffen, wenn er nach der Liebes- erklärung Richthofens an das Zentrum den verdatterten Liberalen spottend zurief: Da habt Ihr Eure Kündigung! Richthofen hatte' mit dem ganzen Machtbewußtsein des preußischen Junkers gesprochen. Als Vertreter der neuen Macht, die die alte schon in dieDevensive gedrängt hat, sprach Genosse S t r ö b e t. Sie brachte endlich die Abrechnung mit den Wahlrechtsfeinden, den offenen und den versteckten. Es war eine vernichtende Kritik des Systems der Volkscntrcchtung, eine flammende Anklage gegen die Regierung und die herrschenden Klassen, die, um ihre Macht aufrechtzuerhalten, vor den gewagtesten Mitteln nicht zurückschrecken und ihre letzte Hilfe auf die Bajonette setzen. Aber auch die Bajonette würden eines schönen Tages versagen, denn die, die sie tragen, seien die S ö h n e des Volkes, die sich hüten würden, die Waffen gegen ihre Brüder zu gebrauchen. Die Rede des Sozialdemokraten, das war auch ein neues. Moment dieser Wahlrechtsdebatte in diesem Hause, das sonst die Arbeiter nur als Objekte seiner Gesetz- gebung betrachtete. Sie kündet den Fortschritt, der trotz alledem und alledem in dem letzten Jahre gemacht wurde. Bor dem Dreiklassen-Parlament. Wie im Staate dcS DreiklaffenunrechtS nicht anders zu erwarten war, hatte die Polizei gestern vonnittag alles aufgeboten, um das Zartgefühl der Herren»Volksvertreter" und RegierungSmänner vor dem gellenden Aufschrei deS Volles nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht zu schuyen. Der preußische Landtag hat diesen Schutz nicht als überflüssig abgelehnt. Im Gegenteil. Bereits am Sonntag war an die Abgeordneten folgendes für sie beschämende Schreiben versandt worden: Morgen(Montag)vormitttagsoll d i e P r i n z» Albrecht-Straße polizeilich abgesperrt werden. Ich empfehle deshalb den Herren Abgeordneten ergebenst, sich mit ihrer Ausweiskarte zu versehen oder den Eintritt durch die Pfotte Leipziger Straße 4 zu nehmen. Der Direktor' beini Hause der Abgeordneten. Plate. Die Mahnung, hinten herum zu gehen, ist offenbar von den meisten Abgeordneten befolgt worden, und auch B ü l 0 w S Vertreter, Herr von Moltke. wählte den Weg durch das Herrenhaus. Mau glaubte eben, so das Volk am besten umgehen zu können, was ja der Gewohnheit der preußischen Gesetzgeber von Geldsacks Gnaden entspricht. Wirkliche und ehrliche Vettreter deS Volkes mußten ihre Freude haben an der Menge der Frauen und Männer, die herbeigeströmt kamen, um ihr Interesse für ein» vernünftige Entwicklung deS preußi- scheu Staatswesens. so lebhaft wie nur möglich kundzutun. Vor allem waren die politisch gereisten Fraueu'der Arbeiterklasse früh« zeitig aus dem Plan. Manche waren schon um V Uhr angetreten, um auch ja zur Stelle zu sein, wenn eS galt, die Herren Gesetzgeber nach Gebühr zu begrüßen oder diesen und jenen sanft zu mahnen, doch daS Recht des Volkes nicht allzusehr mit Füßen zu trete» und nicht zu vergessen, haß auch die Frauen Preußens das allgemeine, gleiche und direkt- Wahlrecht fordern und nicht Ruhe geben werden, bis sie eS erreicht haben. Bald sah man in der Gegend deS Abgeordnetenhauses wie mich des Herrenhauses Tausende von Leuten aus der Arbeiterklasse, Männer und Frauen, alt und jung, aber meist in gereisteren Jahren, auf und ab spazieren. Auch in der Prinz-Albrecht-Straße ging an beiden Seiten ein Strom von Menschen immer auf und ab oder bewegte sich von dort im Umkreis durch die Wilhelmstraße. Leipziger Straße usw. Zwischen der Menge wimmelte es von Schutzleuten mit ihren Borgesetzten. Alle Zugänge zum Abgeordnetenhause waren mit doppelten und dreifachen SchutzutannSposten besetzt. In dem großen Hofe neben dem Kunstgewerbemuseum konnte man ein Auf- gebot von ungesähr 100 Schutzleuten beobachten, die bald darauf in Reih und Glied antraten, sich scheinbar bereit machen mußten zu kriegerischen Heldentaten. Ihre Revolver waren natürlich schütz- bereit, um, wenn'S den Herren nötig erscheinen sollte, daS Volk mit samt seinem guten Recht niederzuknallen. Einzeln und in Gruppen kamen Männer und Frauen und ver« langten Einlatzkarten zur Tribüne deS HaufeS der Abgeordneten. ES wurde ihnen von Schutzleuten(1) gesagt, daß eS die Karten erst von 11 Uhr ab gäbe. Als sie nun um 11 Uhr wiederkamen. da hieß eS. daß Triklünenkarten nicht mehr zu haben feien, und dies wurde auch gleich darauf durch Plakate an den Tafeln vor dem Hause bekanntgemacht. Aber im selben Augenblicke kam die Polizei- macht im Sturmschritt herangeeilt und trieb, in zwei Angriffs- fronten geteilt, die Massen nach beiden Seiten die Straße hinunter. sparte auch, namentlich nach der Königgrätzer Straße zu. nicht mit Püflen und Stößen und verschonte selbst die zahlreichen Frauen nicht. Widerstand leistete die Menge selbstverständlich nicht, aber das dämpfte nicht gerade den Eifer der Polizei, schien sie im Gegenteil anzufeuern. In wenigen Minuten war die Prinz-Albrecht-Sttaße frei von den unliebsamen Spaziergängern und wurde nun an beiden Enden durch doppelte SchntzmannSketten streng bewacht. Keiner wurde durchgelassen, der nicht zweifellos nachweisen konnte, daß er nicht zu den Wahlrechtsforderern gehörte. Gleichwohl erschienen nach und nach wieder einzelne Personen in der Straße, die der Polizei verdächtig vorkamen. Man ließ sie eine Zeitlang ruhig auf und ab spazieren. Bald aber, gegen 12 llhr, wurden auch sie vertrieben. Selbst ein Vettreter der Presse konnte sich nicht mehr dort auf- halten, ohne Gefahr zu laufen, verhastet und für diesen Tag seinem Beruf entzogen zu werden. Ein Hauptmann kam herbei und sagte zu dem Schutzmann an seiner Seite:»Bringen Sie diesen Herrn da aus der Straße hinaus und sorgen Sie dafür, daß er sich hier nicht mehr blicken läßt I' Es nützte nichts, baß der also Behandelte sich als Vertteter der Presse legitimieren wollte und erllärte, daß er hier auf einen der Herren Abgeordneten warten müffe— der Herr Hauptmann ließ sich auf n i ch t S ein und tat, als ob er der Herr über Gesetz und Recht wäre, als ob Presse und Abgeordnete ihn rein gar nichts angingen und einzig und allein die Polizeidespotie maßgebend sein müsse. Der Schutzmann geleitete den unliebsamen Zeitungsschreiber bis an die Wilhelmstraße durch die doppelten Polizeiketten und überbrachte ihnen den Befehl seines Haiiptinanns, daß dieser Herr auf keinen Fall mehr durchgelassen werden dürfe. Wir konnten bald darauf feststellen, daß die polizeiliche „Säuberung" der Straße nun ziemlich vollständig gelungen war. Zu diesem Wer! der Polizei war ja auch weder großer Mut noch desondere Geschicklichkeit notwendig gewesen. An deid» Enden der Straße, in der Wilhelm- wie in der Königgrätzer Stoße, konnten sich größere Gruppen von Männern und Frauen noch, einige Zeit aufhalten, wurden aber auch bald von der Polizei vertrieben. Inzwischen waren Gruppen und Schoren von Wahlrcchtsforderern, soweit eS die Polizei zuließ, nach verschiedenen Richtungen abgezogen. Auch die Wilhelmstraße war nach der Richtung zur Leipziger durch dichte Schutz- mannSketten abgesperrt und wurde auch bald nach der entgegen- gesetzten Richtung gesperrt. AuS diesem Ende der Wilhelmstraße tönte plötzlich vielstimmiger Gesaug der Arbeitermarseillaise und Hochrufe auf daS Wahlrecht. Jni selben Augenblick sprengt eine Truppe reitender Polizeileute hinterher, so scharf und schneidig, als gelte es. das ruhmreiche Vaterland wieder einmal vor dem nahen Untergang zu reiten. Noch stundenlang wurde die außerordentliche Polizeibewachung und, wenn auch nach und nach in etwas milderer Form, die Ab- sperrung der nach Polizeiai.sicht gefährdeten Straßenzüge aufrecht- erhalten. Aber auch große Massen von Wahlrechtsdemonstranten wanderten in kleinen Gruppen in der Gegend, so weit eS möglich tvar, noch immer hin undcher, um wenigstens sonach besten Kräften aller Welt begreiflich zu machen, daß das arbeitende Voll Preußens sich, trotz aller offenen und verkappten Reaktionsmächte, auf die Dauer sicherlich nicht mehr als Heloten behandeln läßt. Die Schlacht in der Siegesallee. Ein beängstigendes Gedränge bewerkstelligte die Schutzmannschaft auf dem schmalen Vürgersteige gegenüber Ecke der Albrechtstraße und gegenüber dem Museum für Völkerkunde. Die zurückgedrängte Menge geriet daselbst nahezu unter die Pferde der dort haltenden Droschken. Auf die lauten Angstrufe der Frauen sahen wir den Genossen Wurm herbeieilen, der energisch auf die Schutzleute einsprach, was für den Augenblick bewirkte, daß die Attacke etwas mäßigere Formen an- nahm. Da das Polizeiaufgebot die Menge in zwei Teile gespalten hatte, rückte der eine Teil unter liebevoller Unterstützung der Schutzmannsfäuste im Zuge der Königgrätzer Straße über den Potsdamer Platz. Lorbeeren erntete die Polizei durch die Art ihres Vorgehens nicht. Wir haben aus dem Munde zahlreicher Ausländer, die gerade an diesem bewegten Punkte sich aufhielten. Urteile gehhrt, die alles andere als schmeichelhaft waren. Langsam zog von hier aus der gewaltige Menschenstrom durch die Bellevue- straße. Am Rolaudbrunnen sprang bei ihrem Herannahen ein Schutzmann in eine Droschke, vermutlich, um die staatserschütternde Gefahr an zuständiger Stelle zu melden. Im gemütlichen Schlenderschritt ging eS nun durch die Puppenallee der Siegessäule zu. Es war ein geradezu unverantwortlicher Frevel von diesen Arbeitslosen und Wahlrechtsdemonstranten, an diesem prächtigen Wintertag die friedliche Ruhe des Tiergartens, in dem gerade die obere Gesellschaft ihren gewohnten Morgenspaziergang unternahm, zu stören. Die promenierenden Herren und Damen warfen erstaunte und miß- -billigende Blicke auf die Vorüberziehenden. Und da im preußischen Staate eine solche Insubordination nicht ungeahndet bleiben kann, so erschien auch plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, die strafende Nemesis in Gestalt einer Abteilung berittener Schutzleute, die in der Kunst des„Säuberns' eine erstaunliche Routine bewiesen. Mit heruntergezogenem Sturmband, in der Faust den Säbel, so trieb die Polizei die Demonstranten, unter denen sich viele Frauen befanden, weiter. Hageldicht fielen die Schläge. Zirka 30 Reitet ritten wehrlose Spaziergänger nieder und traktierten sie mit dem Säbel. Trotzdem gelangten die zersprengten Demonstranten an das Reichstagsgebäude und brausender klangen die Hochrufe auf das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu den Fenstern des Parlaments enrpor. Sofort kamen auch auf schnaubenden Raffen die Retter und Schützer de? Staates, unterstützt von zahlreichen Fußmannschasten, um ihr nützliches Werk zu vollenden. Einer der Berittenen, der mit be- sonderer Bravour vorging und gerade einen Spaziergänger greifen wollte, kam auf ziemlich unsanfte Weise mit dem Boden in Be- rührnng. Wo sich eine Gruppe von einigen Personen bildete, griffen die Schutzleute sofort ein. Doch zogen eS die Demonstranten vor. sich nach dem Stadtinnern zu wenden. Bald lag wieder friedliche Ruhe über dem weiten Platze. Ein eigenartiger Demonstrant bewegte sich gestern auf dem Wege von der Prinz-Albrecht-Straße nach dem Potsdamer Bahnhof hin und her. Leute, die den Mann kannten,»nachten sich die sonderbarsten Gedanken. Sollte der etwa auch sür's freie Wahlrecht demonstrieren wollen? Aber nein. eine solche Insinuation würde der Herr wohl weit von sich weisen und als beleidigend empfinden. Aber was wollte der Herr. der doch sonst nur auf dem Richterstuhle thront mid Recht spricht. Wollte er die Stimmung der breiten Masse kennen lernen oder wollte er einmal mit eigenen Augen sehen, wie die Polizei gegen friedliche. nur ihr Recht fordernde Bürger vorgeht? Wer weiß! Vielleicht hören wir einmal etwas davon. welche Studien der Herr Land- gerichtsrat Dr. L i e b e r— als solcher wurde der eigenartige De- monstrant erkannt— gesammelt hat. Nach dem NathauS. In der Zimmerstraße wurde ein gegen S00 Demonstranten zählender Zug durch ein starkes Aufgebot der Schutzleute abgedrängt. Unter Hochrufen und Gesang bewegte sich dann der Zug im Marsch- tcmpo über die Leipziger Straße durch die Friedrichstraße nach dem Velleallianceplatz, um von da durch die Linde», siraße hinter der Jerusalemer Kirche vorbei durch die Konunandantenstratze, Dönhoff- platz die Richtuirg nach dem Rathause einzuschlagen. Ein am Spittelmarkt postierter Radfahrer eilte dort dem Zuge voran nach der Breitestraße zu und wenige Minuten darauf wollten sich von dort au? eine Anzahl Schutz- leute den- Arbeitslosen entgegen stürzen. Rechtzeitig diese Absicht erkennend, schivenkten diese jedoch ab, die Wallstraße entlang, von da aus versuchend, das RalhauS zu erreichen. Den Versuch, über die Fischerbrücke den Mühlendamm enrlang nach der Spandauer Straße zu kommen, vereitelte abermals eine zirka 40 Mann starke Abteilung Schutzleute, die den Mühlendamm vor der Sparkasse aus einige Zeit für den Fußvertehr gänzlich sperrten. Alle nach dem Schloßbezirke führenden Zugänge waren durch die überaus besorgte Polizei abgeschlossen. Selbstoerständlich staute sich an der Sparkaffe eine große Menge Passanren. die kopfschüttelnd dem Treiben der mit dem Browning bewaffneten Mannschaften zusah. Die Wahlrechtsdemonstranten gaben schließlich ihren Versuch, vor das Rathaus zu kommen auf, und zer- streuten sich unter lebhaften Hochrufen auf das Wahlrecht. Wir überzeugten uuS, wie auch das Rathaus, in dem ein stärkeres Poliz-idepartement Quartier bezogen hatte, von alle« Seiten mit Doppelposten umstellt war. und kehrten dann nach dem Ab- geordnetcnhause zurück. Ueberflüsfige Mühe. Die Polizei hat augenscheinlich am Montag irgend eine unbekannte Gefabr befürchtet, vor der sie das KönigSfchloß schützen mußte. Wie am Sonntag, so ivaren mich am Montag fliegende Polizeiivachen in verschiedenen öffentlichen Gebäuden in der Nähe des Schlosses errichtet. Im iveilen Umkreise um dasselbe waren die Zugangsstraßen durch starke Polizeiposten besetzt. Je»ach der„strategischen" Bedeutung des be- treffenden Punktes standen zwei, vier, sechs und noch mehr Schutzleute an den Straßenecken. Berittene standen an mehreren Stellen in Bereit- schaff, Radfahrerpattouillen und Ordonnanzen sausten hin und her, Polizeioffiziere musterten mit wichtiger Miene ihre Mannschaften. Die Straßenpassanten schauten verwundert auf die geschäftige Eilfertig- keit der Offiziere und die überall heruinstehendeit Schutzleute, die irgend etwas zu erioarten schienen, was nicht kam.— So weit ww sehen koimten, durfte das Publikum die zahlreichen Polizeiposten ungehindert passieren. Unbehelligt durch die Polizei ging das Stratzenleben seinen gewohnten Gaitg, nur daß man angesichts dieser nutzlosen polizeilichen Machtentfalmng den Kopf schüttelte. lieber die Demonstration am Sonntag gibt die Polizei folgenden offiziellen Bericht: Während der gestrigen sozialdemokratischen Demon- strattonen sind größere Exzesse nicht zu verzeichnen gewesen. Es sind insgesamt elf Personen festgenommen worden; zehn davon wegen groben Unfugs und Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen und eine Person wegen Beamtenbeleidigung. Da es sich um Straßenexzesse und Verkehrsstörungen handelt, werden die Exedenten wahrscheinlich nicht mehr nur mit Polizeistrafen davonkommen, sondern sie iverden— wie das auch bei den Ruhestörern in der Neujahrsnacht geschieht— den ordentlichen Gerichten übergeben werden. Die Zahl der Demonstranten vom Sonntag schätzt die Polizei auf 85 000. Nach unseren Informationen betrug die Zahl nicht unter 40000. lieber 25 000 Demonstranten stellten allein der vierte und der sechste Wahlkreis. Ashlrechttckemontti'stioven in Preußen. Zu umfangreichen Straßendemonstrationen kam es am Sonntag gegen Abend in Magdeburg. Am Vor- mittag fand eine von mehreren tausend Personen besuchte, poli- zeilich abgesperrte Versammlung statt, in der Reichstagsabgeordnetex Molkenbuhr über„Arbeiterrecht und Gewerbeordnung" sprach. Die Polizei hatte erwartet, daß es nach der Versammlung zu Straßendemonstrattonen kommen würde und infolgedeffen um- fangreiche Vorkehrungen getroffen», Auch Militär wurde in Bereitschaft gehalten. Die Versammlungsbesucher begaben sich indessen sofort nach Hause, so daß sich die Polizei umsonst bemüht hatte. Nur hier und da trieb sie einige, ihr zu groß erscheinende Trppps ausein- ander oder veranlaßte sie, in Nebenstraßen einzubiegen. Um zwei Uhr war alles wieder ruhig— die Polizei auch. Da plötzlich, um fünf Uhr. war mit einem Schlage eine Riefcnmenge von Menschen wie aus der Erde gestampft auf der Hauptstraße der Stadt, dem Breitcnweg. Hochrufe auf das freie Wahl- recht schallten durch die Luft. Die überraschte Polizei traf schleunigst Vorbereitungen, um die Demonstranten„auseinander- zutreiben". Dutzende von Schutzleuten wurden aus dem in der Nähe liegenden Hauptquartier der Polizei auf die Menschenmenge losgelassen. Zahlreiche Berittene drängten mit ihren Gäulen die Massen von den Dämmen auf die Trottoir». Zeitweilig schien eS. als ob die Nervosität der Polizei überhand nehmen wollte.' Z u Zusammenstößen kam eS jedoch nicht, doch nahm die Polizei zahlreiche Verhaftungen vor. Um Uhr zer- streuten sich die Demonstranten. In Halle a. S. durchzogen am Sonntag 2000 Demonstranten die Straßen. Ein starkes Polizeiaufgebot geleitete sie zum Ver- sammlungslokal. Di« Polizei forderte zum„Auseinandergehen" auf, bekam aber sonst nichts zu tun. Wie verlautet, war auch Militär konsigniert. Die im großen Saale des Volkspark tagende Versammlung, in der Reichstagsabgeord»teter Genosse A l b r e ch t unter stürmischem Beifall referierte, war überfüllt. Eine Protestresolution fand einstimmige Annahme. Im Wahlkreis Hamm-Soest fanden cm Sonntag vier überfüllte Demonstrationsversammlungen statte politische debersickt. Berlin, den 25. Januar 1909. Unlauterer Wettbewerb. AuS dem Reichstag, 25. Januar. Seit dem Jahre 1896 hat Deutschland ein Gesetz zur Einschränkung des un- lauteren Wettbewerbes. Es war erlassen, um tatsächlichen Schwindeleien, die von Geschäftsleuten zur Förderung ihres Geschäfts gegenüber der Konkurrenz inszeniert werden, nach Möglichkeit die Spitze abzubrechen. Betrieben war es Haupt- sächlich durch die Mittelstandsinteressenten in dem Glauben. daß auch mit seiner Hilfe der Mittelstand vor dem Untergange bewahrt werden könne. Tatsächlich hat das Gesetz denn auch mancherlei Auswüchsen im GeschästSleben des Fortwuchern erschwert. Ganz aus- rotten läßt sich der unlautere Wettbewerb aber nie, da der Wettbewerb an sich die Seele des kapitalisttschen Geschäfts- bettiebes ist, und, was man auch tun mag. betrügerische Mani- pulattonen nie rcstloS vom Gesetz erfaßt werden, well bei Vermauerung der einen Eingangspforte findige Leute bald einen neuen Zugang zum Einschlüpfen zu finden wissen. Eine „Rettung des Mittelstandes" kann dieses Gesetz aber auch deshalb nie bewirken, weil die Erdrückung des Mittelstandes durch den Großbetrieb schon durch die unanstößigcn Mittel der Konkurrenz herbeigeführt wird. Die anstößigen und ab- stellbaren Mittel spielen dabei nur eine unbeträchtliche Nebenrolle. Weil nun aber das Gesetz von 1396 keineswegs die von den Mittelständlern erhoffte Wirkung gehabt hat. drängten sie seit Jahren auf Verschärfung deS Gesetzes. Da aber im Reichstag die bürgerlichen Parteien unter einander einen keineswegs immer lauteren Wettbewerb um die Gunst des Mittelstandes trieben. hat denn auch der Reichstag schon mehreremal Resolutionen in dieser Richtung angenommen. Da ist denn auch die Regierung bald mit einer Neugestaltung deS Gesetzes bei der Hand gewesen. Die Vorlage lag in erster Lestmg der heutigen Beratung zu Grunde. 4 Der Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg er» läuterte daS Gesetz dahin, daß man versuchen wolle, wenigstens durch Strafverschärfung und durch einzelne Neubesümmungen dem unlauteren Wettbewerb mehr Fesseln aufzuerlegen. Alle Wünsche könnten aber auch jetzt nicht erfüllt werden; inS- besondere sei eS darauf abgesehen, das Ausverkaufs- Wesen schärfer anzirpacken. Nachdem die Vertreter bürgerlicher Parteien um die Wette nach rigorosen Maßregeln gerufen hatten. wieS Genosse Frank nach, daß auch jetzt die Kleinen bedroht würden, während die Großen frei ausgehen. So könne auch nach der neuen Fassung deS Gesetzes jemand nicht bestraft werden, der etwa durch übertriebene Reklame über Kolonial Produkte die Kolonialaktien künstlich in die Höhe treiben würde. Die Einzel- bestimmungen einer Kritik unterziehend, wies er insbesondere auf das schwindelhafte Treiben im A u s st e l l u n g s w e s e n hin, gegen das die Regierung noch kein Mittel wisse. An Einzelvorgängen zeigte er, wie gerade für ganz schwindelhaste Ausstellungen sehr hochgestellte Personen als Protektoren ein- gefangen seien und dadurch unwissentlich zur Förderung des unlauteren Wettbewerbes beitrügen. Vom Ergebnis der Be- ratungen müßten wir es abhängig machen, welche Stellung wir schließlich zu dem Gesetzentwurf einnehmen. Das Gesetz wurde dann einer Kommission von 21 Mit- gliedern überwiesen._ Die Wahlrechtsdemonstration als„grober Unfug". In Dresden erhielt eine Anzahl von Genossen, die bei der großen Demonstration des 17. Januar verhaftet, aber bald wieder freigelassen wurden, polizeiliche Strafmandate, die aus 3 bis 14 Tage Haft lauten. Als Missetaten werden cn- gegeben: Beteiligung an einem nicht genehmigten Umzug, Hoch- rufen, Singen und grober Unfug; auf einigen Strafbcfehlen stand auch:„Pfeifen bei der Durchfahrt des Königs." Genosse Stadtverordneter Kühn, der auf dem Altmarkt die Massen zu ruhigem Verhalten aufgefordert hatte, deswegen ver- haftet, aber sofort wieder freigelassen wurde, soll bv M. Strafe zahlen wegen— Abhaltung einer nicht angemelde- ten und nicht genehmigten Versammlung unter freiem Himmel! Erledigt! Die Konservativen wenden sich mit immer größerer Schärfe gegen den Fürsten Bülow. Er ist bereits für sie. obgleich er noch an seinem Posten klebt, eine abgetane Größe. Im„Tag" erschien am Sonnabend eine Auslassung, in der behauptet wurde, die konservative Partei als solche identifi- ziere sich mtt den von Herrn v. Oldenburg zum Ausdruck gc- brachten extremen Anschauungen nicht, und der Reichskanzler habe von dieser Stellungnahme Kenntnis erhallen. Darauf antwortet die„Konserv. Korresp." mit folgender offiziellen Erklärung: „In Nr. 58 de?„Tag" findet sich unter der„Politischen Rundschau" eine Mitteilung über die Stellungnah, ne der lou- servativen Parte» als solcher zu der Danziger Rede des Herrn v. Oldenburg, welche den Anschein erweckt, als ob die Partei- leitung mit den Hauptgedanken des Herrn v. Oldenburg, in- sonderheit auch bezüglich der Nachlaßsteuer. nicht ein ver- standen sei: Eine solche Auffassung liegt der konservativen Parteileitung fern." Die konservative Parteileitung erklärt sich also ostentativ mit dem Angriff des Herrn v. Oldenburg-Januschau auf den Kanzler einverstanden. Noch schöner als diese geringschätzige Abfertigung des „agrarischsten" aller Reichskanzler ist jedoch der Kommentar der„Kreuzztg." zu der Notiz der„Konserv. Korresp.". Das Blatt der Hannnersteinclique fügt nämlich erläuternd hinzu: „Offiziöse und liberale Preßstimmen worPt in den letzten Tagen eifrig bemüht, den befremdlichen Eindruck, den die Rede des Fürsten Bülow im Abgeordnetenhause auf die Kon- servativen gemacht hat, möglichst zu verwischen. Sie suchten die Proteste, die aus dem konservativen Lager gegen einzelne Stellen dieser Rede erhoben wurden, als ganz bedeutungslos hinzustellen und schilderten die konservative Partei als eine zur Bußfertigkeit geneigte Sünderin, der gegenüber es nur noch der Festigkeit bedürfe, um sie völlig zur Reue und zur Umkehr zu bewegen. Sollte hierdurch nicht die öffentliche Meinung verwirrt und die Regierung in trügerische Erwar- tungcn gewiegt werden, so n, ußte eine baldige und authentische Klarstellung erfolgen." Also eine„authentische Klarstellung". Wann folgt Rheinbabens Berufung zum fünften Kanzler? Rekchstagsersatzwahl in Bingen-Mzey. Obgleich der Wahltermin für die durch den Tod deS Abge- ordneten Keller(wildliberal) notwendig gewordene Ersatzwahl zum Reichstag bereits aus den IS. Februar anberaumt ist, hat sich der Aufmarsch der Parteien immer noch nicht vollzogen. Der Wahl- kreis war seit Jahrzehnten freisinnig; er wurde früher von Bau»- berger rmd zuletzt von Schmidt-Elberfeld vertreten. Im Jahre 1907 gelang es den Baucrnbündlern und den Nationalliberalen mit Hilfe des Zentrums, den Wahlkreis zu erobern. Das Zentrum, das im Wahlkreis die stärkste Partei ist, hatte 1SV7, um nicht selbst in die Stichwahl zu kommen, aus der es erfahrungsgemäß doch kaum als Sieger hervorgegangen wäre, zwei Kandidaten auf- gestellt. Es wollte den Ausschlag in der Stichwahl geben. Aus die beiden Kandidaten des Jentrums entfielen in der Hauptwahl insgesamt 3280 Stimmen, der Freisinn erhielt 6285, der dauern- bündlerische Nationalliberale 6583 und der Sozialdemokrat 1019 Stimmen. In der Stichwahl siegte dann Keller mit 11859 Stimmen gegen Schmidt-Elberfeld(fveis.), auf den 9020 Stimmen entfielen. Die Freisinnigen geben sich der sicheren Erwartung hin. den Wahlkreis wieder zu erobern. Ihre Bemühungen, unter der Parole des Blocks sich mit den Nationalliberalen auf eine gemeinsame Kandidatur zu einigen, sind am Widerstand des letzteren gescheitert. Die Freisinnigen haben nun den bekannten Pfarrer K o r e l l aus Kör.igstetten aufgestellt. Herr Korell. der bekanntlich als eines der linksstehenden Mitglieder der Freisirmigen Vereinigung seiner» zeit feierlichst öffentlich erklärte, sich von jeder politischen Betäti- gung solang« zurückhalten zu wollen, solange der Block bestehe, hat ich mit diesem Block bereits soweit ausgesöhnt, daß er für den Fall seiner Wahl der Fraktion der freisinnige» BolkSpartei bei. treten will. Im Wahlkampf sucht dieser Naumann Nr. 2 die Stimmen der ländlichen Wähler dadurch zu ergattern, daß er nicht nur die be- stehenden Schutzzölle als notwendig hinstellt, sondern sich auch be- reit erklärt, gegebenenfalls für weitere Zölle eintreten zu wollen. Die Nationalliberalen und Bauernbündler haben den ehe- maligen ReichStagSubgeordneten für Offenbach, den Bater der uir- glückseligen Fahrkartensteuer. Dr. B e ck e r» Sprendlingen, aus. gestellt. Becker hofft auf die Unterstützung des Zentrums im ersten Wahlgang. Hierzu besteht bei einem Teil der Ultramontancn, die den Sprendlinger Steuerdoktor für mindestens ebenso ultra- montan, wie nationalliberal halten, auch Neigung, während ein anderer Teil für eine eigene Kandidatur eintritt. End« der Woche soll eine ultramontane Vertrauensmännerversammlung über die Kandidatenfrage entscheiden. Die sozialdemokratische Partei betreibt bereits fleißige Werbe- arbeit. Ihr Kandidat ist Genope Adelung-Mainz. Der Kampf ist bereits recht erbittert, und es steht zu erwarten, daß er sich noch mehr zuspitzt, da sich ohne Zweifel der SieichsverbandShäuptling Dr. Becker der Söldlinge des NeichsverbandeS bedienen wird," Z?r>nttj«n?er-Aesthettk. Die„Deutsche TageSztg.', das Jntelligenzblatt der Landbündler, schreibt über die heutige WahlrechtSdemonstration vor dem preußische» Abgeordnetenhanse: „Die von manchen Seiten erwartete Demonstration vor dein LandtagShause kam über das bescheidenste Versuchsstadium nicht hinaus, da die Polizei diesmal auf dem Posten war und die paar Hundert Bummlergestalten, denen man die Lust, auf politische Art blau zu machen, von weitem ansehen konnte, mit milder B e st i m n, t h e i t nötigte, aus einem anderen Wege wieder die S t a m m d e st i l l e zu erreichen." Sehr schön gesagt und tief empfunden. Dem BildungZstand der Kapazitäten der Landbündler völlig angepastt l Heißt es doch schon in einem bekannten Knittelvers: Es wühlt das Schwein gern in der Jauche; Denn Dreck, das ist sein Element. Kamarillen-Tcharmiitzel. Den industriellen Scharfmachern ist es offenbar nicht an- genehm, daß dem Fürsten Vülow von verschiedenen Seiten scharf zu Leibe gegangen wird. Seine versteckte Ankündigung eines neuen Ausnahmegesetzes scheint ihm in diesen Kreisen neue Freunde geschaffen zrl haben. Daraus erklärt es sich wohl, daß das Organ der Scharfmacher, die„Post", sich ganz energisch für Bülow ins Zeug legt. Sie läßt sich von„wohl- informierter" Seite schreiben, daß es kaum noch einem Ziveifel unterliegen könne, daß es sich bei den Angriffen gegen den Reichskanzler um ein wohlvorbcreitetcs, planmäßiges Vor- gehen handele. Hier sei kein Dilettant, sondern ein Meister der Intrige am Werke, den Reichskanzler zu stürzen und an seine Stelle einen bestimmten, den Wünschen einer besonderen Clique gefügigen Mann an die Spitze der Geschäfte zu bringen. Daß Hofkreise an diesem Treiben beteiligt seien, sei nicht anzunehmen.— Den Konservativen wird dann in unvcrhüllten Worten Vaterlandsverrat vorgeworfen. In dem Artikel findet sich nämlich folgender Satz: „Wenn sich deutsche Parlamentarier an dieser Hetze beteiligen, so machen sie damit lediglich die Geschäfte de» Auslandes. Das sollten sich die Herren v. Oldenburg. Graf Dohua-Finkenstein und v. TreuenfelS gesagt sein lassen." Dann folgt die Behauptung, daß die politische Lage über- aus ernst sei, ernster als man denke, und daß man gerade in diesem Moment die geschickte Hand des Fürsten Bülow nicht entbehren könne. Dem Reichskanzler jetzt in den Rücken zu fallen, sei weder patriotisch noch konservativ.— Der Artikel schließt damit, daß man der Hetze gegen den Kaiser, die in Witzblättern zum Ausdruck gelange. scharf entgegentreten müsse._ Zur bayerischen �Steuerreform. Der Stenerauöschuß hat das Kapitalrentengeietz in namentlicher Abstimmung im wesentlichen nach der Regierungsvorlage einstimmig angenommen. Wie alle ErtragSstcuern ist auch die Kapitalrentensteuer als eine Ergänzungssteuer zur allgemeinen Einkommensleuer vor- gesehen, hat aber mehr einen vermögenssteuerlichen Charakter feS ist z. B. der Schuldenabzug zugelassen), weshalb auch unsere Partei- genossen dem Gesetzentwürfe zustimmen konnten. Die Steuer beträgt bei steuerbaren Kapitalrenten von 70 iR. bis 100 M.... 1 Proz. von mehr als 100„, 400„,.. 1'/«, ..„ 400„„ 700.... IVa. „„„ 700„„ 1000..... l»/4„ „ um 1000„....... 2 y der steuerbaren Kapitalrente. Ein Steuerpflichtiger, dessen steuerbare Kapitalrente nicht mehr als 1000 M. und dessen struerbarcs Einkommen nicht mehr als 2000 M. beträgt, hat. wenn er von der Steuer nicht befreit ist, die Hälfte der Steuer zu entrichten. Ein Steuerpflichtiger, dessen steuerbare Kapitalrente nicht mehr als 2000 M. und dessen steuerbares Einkommen nicht mehr als 8000 M. beträgt, hat drei Viertel der Steuer zu entrichten. Der Mindestbetrag der Steuer ist SO Pf. Die Höchstbelastung des Kapitals durch Kapitalrentensteucr und Einkommensteuer ist 6,61 Proz. Das ist um 2,01 Proz. höher als in Elsaß-Lothringen, um 1,19.„,„ Preußen und um 0,26—0,68 Proz. höher als in Sachsen. Als einen Fortschritt des Gesetzes darf man die wesentlich «chärfere Heranziehung deS Kapitalvermögens beim Erbgang be- zeichnen.—_. Die Ersatzwahl in Verden«Hoya. In dem bisher von dem Abgeordneten Hejd vertretenen Wahlkreise Verden-Hoya scheint die Blockpolitik Schiffbruch zu leiden. Die Bündlcr haben ihr Mitglied Harries aus Uenzen auf- gestellt. Die Nationallibcralen lvandten sich darauf an die Bündler mit dem Ersuchen, gemeinsame Sache zu machen. Sie stellten die Bedingung, daß sich der Kandidat deS Bundes der Landwirte ver. pflichren solle, zunächst nur für die Tauer der Wahlperiode der nationalliberalen Fraktion als ordentliches Mitglied beizutreten; dem Bunde könne er weiter angehören! Man wollte ein gemein- samcs Wahlkomitee bilden und die Kosten gemeinsam tragen. Der Vorsitzende des Wahlkomitecs sollte von diesem selbst gewählt werden. Die Nationallibcralen gingen also in ihrer Sclbstver- leugnung so weit, daß sie auch noch die Wahlleitung dem Bunde der Landwirte überlassen wollten. Der Bund wies das Anerbieten hochmütig zurück. Jetzt wollen die Nationalliberalen eine eigene Kandidatur auf. stellen, und zwar den Präsidenten der Seehandlung in Berlin, H e i l i g e n st a d t. Am Sonntag soll dieser Akt vollzogen werden. Außer diesen beiden Blockbrüdcrn krebsen auch die Freisinnigen mit einer Kandidatur, sie sind aber noch nicht zum Schluß ge- kommen. Unsere Partei und auch die Welsen haben ihre Kandi- baten bereits aufgestellt. Bevor der„Held" der Nationallibcralen den Wahlkreis eroberte, war dieser lvelfisch vertreten, und bei der gegenwärtigen Lage ist es nicht ausgeschlossen, daß der Wahlkreis dem Block wieder verloren geht. Viel mehr als die einzelnen Blockparteien fft die Regierung an dem Ausfall der Wahl interessiert, denn um das Renommee der Regierung geht es. Deshalb ist auch der eigentliche Wahlleiter die Regierung selbst. Auf besonderen Wunsch der Regierung haben die Nationalliberalen den Bittgang bei den Bündlern gemacht. Als diese ablehnten, hat silb der Kandidat des Bundes auf Wunsch der Regierung für die freikonservative Fraktion entschieden, um den Natioiialliberalen den Verzicht auf den eigenen Kandidaten, der noch vor dem Wahltage erfolgen soll, nicht zu erschweren. Jetzt ist man am Werke, um dem nationalliberalen Kandidaten Heiligen- stadt nahezulegen, von der Kandidatur Abstand zu nehmen. Andererseits finden Verhandlungen des Beauftragten der Regie- rung im Wahlkreise selbst mit den Wahlkomitees statt, um doch noch eine gemeinsame Blocklandidatur zustande zu bringen. Den Freisinnigen ist nahegelegt, auf eine Kandidatur ganz zu ver- zichten, worauf sie auch bedingungslos eingegangen sind. Sic haben sich nur vorbehalten, für den Fall, daß die Blocklandidatur nicht zustand: kommen sollte, doch no» einen Beschluß über eine eigene Kandidatur fassen zu dürfen. Selbstverständlich sind diese Verhandlungen vertraulich geführt, sie sind aber Tatsache und können durch kein Dementi aus der Welt geschafft werden. Die Ersatzwahl in Verden ist also keine Wahl, die von den Parteien zur Stärkung ihrer Partei betrieben wird, sondern eine Wahl, bei der die Blockparteien Handlanger für die Regierung spielen. Der Block hat zu einer bejammernswerten Versumpfung der bürgerlichen Parteien geführt. Man versucht sogar die Block- einigkcit mit dem Hinweis auf die Rede Bülows im Abgeordnetenhause zu kräftigen und behauptet, daß der PassuS von Einigkcit des Bürgertums an das nationalliberale Wahlkomitee in Verden gerichtet gewesen ist. Talles auch im Ncichslande. Bis vor ganz kurzer Zeit gehörte Elsaß-Lothringen zu den Staaten, deren Finanzen vom technischen Standpunkt aus zu Ein- Wendungen wenig Veranlassung gaben. Jetzt ist es anders geworden. Zusehends verschlechtert sich auch in Elsaß-Lothringen die Finanz- läge, und die soeben veröffentlichten Schlußzahlen des reichs- ländischen Etats offenbaren, daß auch hier der Dalles Trumpf ist. Der Etat schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 66 894137 Mark ab. Davon entfallen auf den ordentlichen Etat an Ausgaben 61 307 209 M. Der außerordentliche Etat verzeichnet an Aus- gaben 4 741 933 M., an Einnahmen 4 686 923 M. Um bilanzieren zu können, mußte die Regierung zu dem verzweifelten Aushilf- mittel greifen, zu den tarifmäßigen Sätzen der Verlehrssteuern einen Zuschlag von einem Zehntel zu erheben. Die Regierung will diese verwerfliche finanzpolitische Maß- nähme nur vorübergehend anwenden; schon aber jubeln bürgerliche Blätter, das sei ein Fingerzeig dafür, wie im Reichsland die Finanzreform gemacht werden könne. Durch die Erhöhung der Verlehrssteuern will man um die Einführung der progressiven Ein- kommensteucr herumkommen. Eine Ersatzwahl im Neichstaßswahlkreis Stade- Bremervörde. Der nationalliberale ReichStagSabgeordnete Reese ist, wie wir bereits meldeten, Sonntag früh im Alter von 64 Jahren verstorben. Er hatte schon monatelang krank gelegen. Der Wahlkreis Stade ge- hörte früher zum sicheren Besitz der nationalliberaten Partei. Er war lange Zeit von Bennigsen und später von Sattler bis zu dessen Tode vertreten. Jetzt ist die Sozialdemokratie den Nationalliberalen stark ans den Leib gerückt, und auch der Bund der Landwirte macht große Anstrengung. Der Bündlerführer Hahn stammt aus dem Kreise. Bei der letzten Wahl erhielt Reese 9701. Genosse Rhein 6442, der Bündler 4891 und der Welse 1471. In der Stichwahl siegte Reese mit 14 996 gegen 6661 sozialdemokratische Stimmen. Ein Minister-Anklagegesetz besteht im Großherzogtum Sachsen bereits seit dem Jahre 1860. Schon in der Verfassung dieses Landes, vom 6. Mai 1816, wurde dem Landtags das Recht gewährt,«bei dem Fürsien Be- schwerde und Klage zu erheben gegen die Minister und gegen andere Staatsbehörden über derselben Willkür und über deren Ein- griffe in die Freiheit, die Ehre und das Eigentum der Staatsbürger, sowie in die Verfassung des Landes." Obwohl von Willkür und Eingriffen in die Freiheit der Bürger de« öfteren berichtet werden konnte, ist daS Gesetz doch nie zur An- Wendung gekommen. DaS halte seinen Grund. Da« Gesetz nimint sich zwar auf dem Papier wunderschön aus, aber praktisch ist eS ganz wertlos. Zunächst wird bestimmt, daß ein Antrag auf Klage- erhebung gegen einen oder mehrere Departementschefs(so werden im weimarischen Regieningsdeutsch heute noch die Minister benannt) nur eingebrockt werden kann, wenn er von mindestens 16 Abgeordneten unterstützt ist. Der Landtag zählt jetzt aber nur 33 Abgeordnete, bei Erlaß deS Gesetzes kamen 40 Abgeordnete in Betracht.— Sobald ein solcher Antrag beim Präsidenten des Landtag? eingeht, hat dieser, wenn der Landtag versammelt ist, die Wahl eines Ausschusses zu veranlassen, welcher aus deu drei Mit- gliedern des Landtagsvorstandes und nock vier Abgeordneten besteht. Ist der Landtag aber nicht versammelt, dann vertritt der Landtags« vorstand die Stelle dieses Ausschusses. Dieser Ausschuß hat die erforderlichen Aufklärungen über die in dem Anklageantrage enthaltenen Anklagepunkte zu beschaffen. Dann erst ist an den Landtag Bericht zu erstatten. Dieser be- schließt, ob die beantragte Klage erhoben werden soll.— Ist der Landtag nicht versammelt oder auf länger wie dreißig Tage vertagt, dann hat der Präsident, sobald der Ausschuß seine Arbeiten beendet hat, die sofortige Einberufung deS Landtages bei der Regierung zu be- antragen. Sollte inzwischen die Auslösung des Landtages erfolgt sein, dann bleiben trotzdem die Mitglieder des Ausschusses bis zum Zusamnientritt des nächsten Landtages in ihren Funktionen.— Hat der Lnndtag einen Beschluß auf Klageerhebung gefaßt, so hat der Ausschuß einen oder mehrere, aber nicht über drei Aktoren zu be« stimmen, welchen die weitere Fortführung der Sache über- wagen wird. Die Aktoren haben beim Präsidenten des StaatsgerichtS- h ofes die Anzeige einzureichen. in der die Anklagepunkte kurz aber bestimmt zu bezeichnen sind. Der Staatsgericklshof besteht auS dem Präsidenten deS Oberlandgerichts und zwölf Räten. Wenn der SlaatSgerichtShof die Anklage nicht sofort als un- begründet zurückweist, hat er eine aus drei Mitgliedern in- ländischer Justizkollegien, die nicht Mitglieder deS StaatsgerichtS- Hofes sind, bestehende Kommission zu bestellen, die die weitere Untersuchung zu führen bat. Nach Abschluß dieser Voruntersuchung tritt erst daS ordentliche Verfahren nach den Bestimmungen der Strafprozeßordnung gemäß Artikel 193 bis 199 in Kraft. Wird vom StaatSgerichtshofe gegen einen Angeschuldigten wirklick der Anklage- stand erkannt, so wird nach den Artikeln der Strafprozeßordimng weiter entschieden. Also ein so umständliches Verfahren, daß dabei sicherlich nie etwas herauskommt. Zu alledem kommt noch in Betracht, daß in- folge des Wahlgesetzes die Zusammensetzung des Landtages schon dafür bürgt, daß dos Gesetz nur auf dem Papier steht und aiick bei den größten Willküralren und sonstigen Verfehlungen niemals in Anwendung kommen würde.— Jnimerhin ist eS ein Beweis dafür, wie solche Gesetze nicht beschaffen sein dürfen.— WnhlrechtSjesuiten. In M.- G l a d b a ch hat das Zentrum im Stadtverordneten- kollegium den Antrag auf Herabsetzung des Wahlzensuö eingebracht. In Köln hat dagegen das Zentrum gegen einen vom sozialdemokratischen Verein gestellten Antrag deS nämlichen Inhalts gestimmt, und in Aachen brachten Zentrumsleute mit Hilfe der nationallibcralen Stadtverordneten den gleichen An- trag zu Fall. DeS Rätsels Lösung ist einfach: In Köln und Aachen hat das Zentrum im Rathause die Mehrheit; in M.- G l a d b a ch ist es in der Minderheit. In Köln und Aachen fürchtete das Zentrum von der Herabsetzung des Wahlzensus eine Verminderung seiner Macht; in M.-Gladbach erwartet es von der Annahme des Antrages eine Stärkung seiner Position gegenüber den Liberalen. Zur Handhabung des NeichSvereinsgcseyeS. Am 31. Mai v. I. fand in Jnsterburg eine öffentliche Land- tagSwählcrvcrsammluüg statt, zu der ausdrücklich die Landtags- Wähler eingeladen waren. Außer zirka 160 Wählern waren auch 6 bis 7 Frauen mit ihren Männern mitgekommen. Deshalb glaubte die Jnsterburger Polizei, die diese Versammlung, die nicht ange- meldet war« bewachen ließ, der Vorsitzende Hab« gegen§ b des Reichs-Vereinsgesetzes verstoßen, als er die Versammlung nicht an- meldete. Er erhielt einen Strafbefehl über 16 Mk. Der dagegen eingelegte Einspruch wurde vom Schöffengericht verworfen mit der Begründung, daß die Versammlung durch die Anwesenheit der 6 Frauen ihren Charakter als Wählerversauunlung verloren hatte und daher anmeldepflichtig war. Entgegengesetzter Ansicht war jedoch die Strafkammer zu Jnsterburg als Berufungsinstanz. In ihrer Sitzung vom 20. Ja- uunr d. I. hob sie das SchöffengerichtSurtcil vom 20. November auf und sprach den Angeklagten frei. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende auS, daß die Beteiligung einiger nicht wahlbcrccktigtqr oder minderjähriger Personen an der Wählerversammlung den Charakter einer anmeldepflichtigen Ver- sammlung nicht verleihen könne. Bei seiner Verteidigung hatte sich der Angeklagte, Genosse Jung, auch auf ein Urteil der Breslauer Strafkammer vom 3. No- vember 1903 berufen. Diesem Urteil schloß sich das Gericht an. In der diesem Prozeß zugrunde liegenden Versammlung hatte der Referent, Genosse Lmde aus Königsberg, der Polizeivcrwaltung Unkenntnis des Vereinsgesetzes vorgeworfen. Dafür wurde er von derselben Strafkammer zu 60 M, Geldstrafe verurteilt. Hochschullehrer und Sozialdemokratie. ES ist schon oft, auck von bürgerlicher Seite, gesagt worden, daß der Durchscknittsarbeit« mehr von politischen Dingen verstehe, als mancher Gelehrte. Eine abermalige Bestinigung diews Satzes lieferte dieser Tage Professor Dr. A s ch a f f e n b u r g in einem Vortrage an der Kölner Handelshochschule. Er leistete sich bei der Besprechung de? Thema?.Alkohol und Ver« brechen" diesen Satz:„Für die wirtschaftliche Not gibt eS kein Rezept, auch im Z u k n n f t S st a a t nicht; bei einer Vermögens- tcilung wäre in zehn Jahren alles beim alten." Der Psychiater Aichaffenburg genießt in Fachkreisen einen ge- wissen Ruf. In politische» Dingen ist er ein Kind, sonst hätte er nicht mit dem schon seit Jahrzehnten abgetanen Mätzchen vom Teilen kommen können. Der Mann hat also nie etwas davon ge- hört, daß die Sozialdemokratie die ProdukttonSmittel vergesellsckaftcn will. Er redet vom Katheder einer Hochschule herab über eine Kulturerscheinmig, ohne sich jemals die Mühe ge- macht zu haben, mich nur durch einen Blick in eine sozialdemokratftche Zehnpfennig-Broschüre sich über die von ihm zitierte Partei zu unterrichten._ Die Balkankrise. Eine nene Komplikation ist eingetreten. Bulgarien hat plötzlich, angeblich zur Abwehr bedrohlicher türkischer Truppenbewegungen, einen Teil seiner Armee mobilisiert. Die 8. Grenzdivision ist am Sonntag durch tele- graphische Einberufung von 13 Reservcjahrgängcn auf volle Krieg?- stärke, am Montag ist die 2. Division mobilisiert und sind die Grenz- truppen verstärkt worden. Die Regierung will die Nachricht erhalten haben, daß im Grenzgebiet bei Adrianopel große Truppenbewegungen statisinden und die Türkei die Besetzung zweier strategisch wichtiger Grenz- punkte beabsichtige. In der Sobranje wurde am Montag eine Interpellation über diese Maßnahmen verhandelt. Das- Mitglied der Regierung?- Partei Statanow sagte in der Begründung, die Nation werde alle schnellen und entschiedenen Maßnahmen der Regierung zur Verteidigung der Unabhängigkeit und der nationalen Interessen mit Freuden begrüßen. Der Minister d e S A e u ß e r n Paprikow erklärte, baß die Einberuftmg der Reserven nur eine Vorsichtsmaßregel sei und daß Bulgarien nicht die Absicht habe, den Frieden zu stören. Dies sei am besten durch die Verhandlung bewiesen, die Minister Ljaptschew in Konstantinopel geführt hat und an deren Schluß ein bulgarisches. Angebot formuliert worden fei. Ohne von dem Grundsatz abzuweichen, die zwischen uns und der Türkei schwebenden Fragen friedlich zu erledigen, haben wir die Mobilisierung angeordnet, welche auch nicht die Bedeutung hat, die man ihr beilegt. Die Kammer votierte zum Schluß der Regierung ein st im m ig ihr Vertrauen. Die Mobilisierung erregt in der Bevölkerung Aufsehen, ebenso in diplomatischen Kreisen, wo man befürchtet, daß bei der gc» reizten Stimmung der Grenzbevölkerung leicht Konflikte entstehen könnten. AuS Ostrumelien liegen Nachrichten vor, nach denen die dortige Bevölkerung die militätischen Maßnahmen freudig begrüßt. In den diplomatischen Kreisen Konstantinopels haben die Meldungen aus Sofia überrascht und Besorgnisse erregt. Von einer besonderen militärischen Vorbereitung türkischerseits oder irgendwelchen türkischen Spezialpläncn auf strategisch wichtige Punkte des bulgaischen Gebiets ist in den diplo- matischen Kreisen nichts bekannt. Allerdings herrscht seit einigen Monaten im zweiten Korpsbereiche unter dem Kam- Mandanten Nazim Pascha reg« Tätigkeit, auch ist der Kam- Mandant des vierten Korps, Abdullah Pascha, vor zwei Tagen mit einem Auftrage nach Adrianopcl abgereist. Die österreichisch-türkischeu Verhandlunge»,. Wien, 24. Januar. Der„Politischen Korrespondenz" zufolge. hat sich bei Prüfung des Protokolles über die österreichisch» türkische Verständigung im Ministerium des Aeußern kein Anlaß zu wesentlichen Einwendungen er- geben. ES sei daher vorauszusehen, daß es möglich sein werde, Ende nächster Woche die Antwort deS Wiener Kabinetts nach Kon- stantinopel zu übermitteln. Oesterreich.Ungarn hat zwei Noten an die Pforte gerichtet, worin es Beschwerde über zwei Fälle von Beleidigung österreichi» scher Konsuln in Tripolis und Mersina erhebt. Die Vor. gange mit dein Boykott zusammen. Die Beleidiger sind nicht bestraft worden. Die Noten fordern, daß die Pforte sofort täte- gorischen Befehl für«ine exemplarisch« Bestrafung der Schuldigen und eine entsprechende Genugtuung gebe. OeNemicK. Neue«ationalistische Ausschreitungen in Prag. Prag, 24. Januar. AuS Anlaß deS Bummels der deutschen Couleurstudeuteu kam eS heute wieder auf dem Graben zu Ausschreitungen. Gegen Mittag wurde der Graben durch berittene Polizei geräumt. Es wurden zahl« reiche Verhaftungen vorgenommen. Da die Polizei nicht ausreichte, wurde Gendarmerie mit auf» gepflanztem Bajonett zur Verstärkung herangezogen. Die Menge leistete Widerstand und unternahm einen Sturm auf daS Deutsche Haus, worauf die Gendarmerie im Lauf- schritt vorrückte. Es entstand eine große Verwirrung, wobei zahlreiche Personen verwundet wurden. frankreick. Ein Handelsabkommen mit Kanada. Paris, 24. Januar. Tie Minister Pichon, Caillaux, Cruppi, Riian sowie der hiesige englische Botschafter Bcrtie und der kana- dische Finanzministcr Fieldingi unterzeichneten ein Zusatz- abkommen zu der im Januar 1907 abgeschlossenen f r a n z ö» s i s ch- k a n a d i s ch e n H a n d e l s t o n v e n t i o n. Der Wort- laut wird erst veröffentlicht werden, nachdem die Vorlage dem Senat amtlich unterbreitet sein wirb. ES bestätigt sich, daß Kanada in vicsem Zusatzabkommen Zugeständnisse betreffend dir Viehaussuhr bewilligt, Rußland. Die Korruption. Perfien. Antrag, die Regierung folle ein Rotbuch über die aus- Imals Herr Timm das Wort und erklärte unter anderem, daß wärtige Politit ausarbeiten, wurde abgelehnt, da die man der Verwaltung der Gieschegrube für die Maßregelung des Anregung hierzu von der Regierung ausgehen müsse. Ebenso Steigers dankbar sei. Wie in Bayern der Angriff der Industriellen Petersburg, 23. Januar. General Iegejet wurde vom wurde ein Antrag auf Einführung der diretten Ab- auf das Koalitionsrecht der Angestellten einen Marlstein bildete, Marinegericht nach fünfftündiger Beratung heute abend von der geordnetenwahl abgelehnt. so wird die Maßregelung des Steigers Appelt durch die Ver Anklage der Erpressung freigesprochen, aber für waltung der Giefdegrube einen Martstein für die Organisation in schuldig befunden, als Marinestabsoffizier während des Oberschlesien bilden. Krieges mit Japan au der englischen Firma Hotchlig Beziehungen unterhalten und von ihr 9500 Rubel erhalten zu haben. Das Urteil lautete auf Dienstent Laffung und die gefeßmäßigen Folgen sowie auf eine Geld ftrafe bon 10 000 Rubel ober im Falle der Zahlungsunfähigkeit ein Jahr Gefängnis. Türkei. Die politische Lage. Englisch- russische Ratschläge. Petersburg, 24. Januar. In der russischen und ausländischen Presse war die Meldung verbreitet, daß Rußland und Englano gegenwärtig über die persischen Angelegenheiten verHandeln. Hierzu erfährt die Petersburger Telegraphenagentur aus zuverlässiger Quelle, daß Rußland und England gar nicht daran denken, von dem Prinzip, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Persiens einzu. mischen, abzuweichen. Gleichzeitig sind beide Regierungen der Ansicht, daß die Sachlage in Persien dringend eine prat= tische Verwaltungsform fordert, die die Verwirklichung der nötigen wirtschaftlichen, finanziellen und administrativen Reformen fördern würde. Die gegenwärtigen Wirren in Persien scheinen die zahlreichen wirtschaftlichen Interessen Rußlands und Englands in Persien zu bedrohen. Beide Regierungen segen daher den Meinungsaustausch über diesen Gegenstand fort, um dem Schah und seiner Regierung in diesem Sinne Ratschläge zu erteilen. Die Täbriser Revolutionäre an den Schah. Teheran, 25. Januar. Die Endsdjumen von Tabris haben ein Telegramm an den Schah gerichtet, worin sie 15 Bunfte aufführen, welche zu erfüllen find, bevor sie die Waffen streden. Unter diesen Bedingungen befinden sich u. a. bie sofortige Einberufung des Parlaments sowie die Anerkennung der Endschumen. Amerika. Abstriche an Rüstungsausgaben. Konstantinopel, 19. Januar.( Eig. Ber.) Das politische Leben der konstitutionellen Türkei macht, wie neulich sich der Nationalist Hussein Dschahid ausdrückte, den Eindrud eines Chaos. Das Parlament zeigt noch nicht den leisesten Ansatz zu einer Partcibildung. Bevor Miamil Pascha seinen Rechenschaftsbericht im Parlament gegeben hatte, sprach man von einem jungtürkischen Block", der das Aufkommen anderer Parteien mit allen Mitteln verhindern sollte. Es stellte sich aber heraus, daß dieser angebliche Block auf das aus einigen 12 Personen bestehende Konftantinopler Bentralfomitee zu beschränken war, das in den letzten Wochen unter bedenklicher Hineigung zu dem Jildis eine ziemlich thrannische Herrschaft geführt hatte. In seinem hiesigen Organe hatte es unter der Leitung des Dr. Behaeddin eine überaus heftige Stampagne gegen Kiamil Bascha geführt, mit der ausgesprochenen Absicht, das Ministerium zu Falle zu bringen. Der Frontwechsel, den das Komitee angeblich unter englischem Einfluß vorgenommen hatte, zeigte, daß inzwischen der Saloniker Flügel des Komitees, der eine konsequente englandfreundliche Politik betrieb, die Macht der konstantinopler Oligarchen erfolgreich bekämpft und schließlich untergraben hatte. Einige bekannte freisinnige Mitglieder des Komitees, wie der Dr. Nisa Nur, hatten schon seit längerer Zeit in der Presse gegen die Autorität des immer mehr hoffähig gewerdenen Komitecs sich aufgelehnt. Die Kammer fand allmählich ihre Selbständigkeit wieder; hatten ja doch nicht alle ihre Mitglieder an dem lächerlichen Gastmahl im Jildis teilgenommen, bei dem ein angeblich unabhängiger Patriot wie Hussein Dschahid sich die Mühe genommen hatte, festzustellen, wie oft der Sultan gehustet hatte. Zu diesen gesinnungstüchtigen Liberalen, die es verschmäht hatten, sich an der Komödie der großen Versöhnung zu beteiligen, gehörte u. a. Ebu Sia Tewfit, Ismail Kemal und biele der armenischen Abgeordneten. Infolge dieses Machtverlustes des Komitees gelang es Niamil Bascha, das Vertrauensvotum der Kammer zu gewinnen. Dem Delirium des Enthusiasmus im Jildis folgte das Delirium in der Kammer, dem natürlich die Ernüchterung auf dem Fuße folgte. Man fand, daß trotzdem sich Stiamil Bascha in seinem Exposé auf den Boden der Verfassung nischen Ottupationsazmke hat gestern die Rüdfahrt Habana, 24. Januar. Die letzte Abteilung der amerika gestellt hatte und sogar eine Abänderung der Verfassung berheißen nach den Vereinigten Staaten angetreten. hat, dadurch genügende Garantien für einen wirklich freiheitlichen Ausbau der Konstitution nicht gegeben waren. Die Kammer scheint aber doch nach dem vorübergehenden Ausbruch überschwenglicher füdlicher Leidenschaft sich ihrer Emanzipation aus den Ban den des Komitees zu erfreuen und selbständiger aufzutreten. Die Sizung vom 16. Januar bewies das. Der Finanzminister, der Achtung, Glasbläfer! In der A. E.-G. in der Sickingenstraße das Budget nicht hatte fertigstellen fönnen und sich mit der Saume haben die Kollegen wegen Lohnabzug die Arbeit niedergelegt. Buzug feligkeit seiner Kollegen entschuldigte, die die Einzelbudgets nicht ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. eingeschickt hätten, berlebte eine unangenehme Stunde. Es wurde ihm unter anderem borgeworfen, daß er die Nobotauflage in den östlichen Wilajets für den Bau der Forts von Erserum, die im Prinzip abgeschafft war, immer noch hatte fortbestehen lassen. In dieser Eizung wurde schonungslos die alte böse Wunde der alten Türkei am Leibe der neuen Türkei wiederaufgefunden und aufgedeckt die grenzenlofe Sorglofigfett und Faulheit der Bentralregierung. Suffein elmi Pascha hat bei seinem ersten Auftreten ini Parlament wichtige Verwaltungsreformen angezeigt. Der Minister des Innern wendet feine Aufmerksamkeit besonders der Provinzialbertvaltung zu. Er geht damit um, die alte Wila jetsordnung, die niemals ausgeführt worden ist, in Kraft treten zu lassen und, als ersten Schritt dazu, die Provinziallandtage ( Generalräte) und die Munizipalräte einzuberufen. Die Zustände im Bilajet idin( Smyrna), wo das Räuberunwesen immer mehr um sich greift, wurden von den Abgeordneten dieser Provinz mit düstren Farben geschildert. Das türkische Parlament hat auf diese Weise einen guten Anlauf genommen, es ist arbeits. freudig, aber vor der Sand ohne alle leitenden Grundsätze und in wirklich chaotischem Zustande. " Die bloße Vermutung, die der inzwischen in ein Organ des neuen„ unpolitischen" Komitees Jitchab we Terali umgewandelte Schura- i- llem met"; äußerte, daß sich in der Kammer Anfänge zur Bildung nationalistischer Parteien zeigten, wurde von den Deputierten als eine so schwere Beleidigung aufgefaßt, daß Ahmed Risa Bej im Namen der Kammer Verwahrung einlegte. Und doch wird sich der Nationalismus, der die Türkei in einen Föderativstaat umwandeln will, auf die Dauer nicht fernhalten lassen. gibt, angelockt. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die in großer Zahl in Königshütte versammelten Industrie. beamten Oberschlesiens erheben hierdurch schärfsten Pro.est gegen die jüngst erfolgte Beamtenmaßregelung auf der Gieschegrube in Schoppiniz. Sie sehen in der Entlassung eines Steigers wegen seiner Zugehörigkeit zum Bund der technisch- industriellen Beamten einen Angrif auf die allen Staatsbürgern gesetzlich gewähr leistete Koalitionsfreiheit und weisen die Ceffentlichkeit sowie die gesetzgebenden Faktoren auf die Gefahr hin, die dann besteht, wenn durch eine derartige unwürdige Bevormundung Ansehen und Charakter der technischen Bergbeamten erschüttert wird, von deren technischen und moralischen Fähigkeiten das Wohl Zehntausender von Bergleuten abhängt. Mit Entrüstung weisen sie es zurück, daß von sozialpolitisch rückständigen Arbeitgebern und Angestellten immer wieder dem Bund der technisch- industriellen Beamten verheßende und sozialdemokratische Tendenzen unterstellt werden. Sie sind der festen Ueberzeugung, eine hervorragend nationale Arbeit zu leisten, wenn sie auf dem Boden strengster parteipolitischer Neutralität den für die deutsche Voltswirtschaft so wichtigen Stand der technischen Privatbeamten in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung fördern, wozu straffe und leistungsfähige Organisationen, wie der Bund der technischpindustriellen Beamten, unerläßlich sind. Die Versammlung spricht daher die Erwartung aus, daß die Arbeitgeber des oberschlesischen Industriebezirks sich dieser Ertenntnis nicht verschließen und in Zukunft weder direkt noch indirekt die Koalitionsfreiheit ihrer Angestellten antajten werden." " Washington, 22. Januar. Das Repräsentantenhaus Ob das deutliche Abrüden der Beamten von der Sozialhat mit 158 gegen 108 Stimmen den von der Marine fommission demokratie ihnen nußen wird? Die Unternehmer nennen von empfohlenen Gesetzentwurf angenommen, der zwei neue vornherein jede Ausnutzung des Koalitionsrecytes sozialdemo Schlachtschiffe vorsicht. Die Regierung hatte vier Schiffe kratisch" und behandeln sie mit dem Haß, den sie dieser Partei gefordert. In der Debatte erklärten die Republikaner Towney entgegenbringen. Ihnen kann man nur durch starke Organisation und Barthold auch die zwei Schlachtschiffe für überflüssig, imponieren, nicht sie mit Entschuldigungen versöhnen. da Amerika mit allen Nationen in Frieden leben wolle. Tows neh sagte, die japanische Frage sei wahrscheinlich zur Durchbringung der Flottenforderungen heraufbeschworen Aus Schoppiniz( Regierungsbezirk Oppeln) wird gemeldet: worden. Die Budgetkommission hat die für Befestigungs- Auf der Gische- Grube wurden elf Steiger entlassen. Man nimmt wede in Aussicht genommenen Voranschläge, die sich ursprüng- an, daß dies wegen ihrer Bugebörigkeit zum Bunde der technischlich auf nahezu 10 Millionen Dollars bezifferten, auf 7920 111 industriellen Beamten geschehen ist. Dollars reduziert, unter denen sich als größter Posten eine Million für Küstenbatterien auf den Philippinen befindet. Kuba. Abzug der Amerikaner. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Herrenmaßschneider! Ueber die Firma B. Kirchner, Zimmerftr. 88, wird hiermit wegen Tarifbruch und Maßregelung einiger Kollegen die Sperre verhängt. Verband der Schneider. Die Ortsverwaltung. Achtung, Friseurgehilfen! Für Mitglieder wegen Tarifbruch gesperrt find: Brüdner, Wilhelm- Stolze- Straße 16; Kroll, Wisbyerftr. 74. Geregelt sind die Verhältnisse bei Budwig, Romintener Straße 29b und Rosente, Emdener Straße 4. Verband der Friseurgehilfen. Zweigverein Berlin. Deutfches Reich. Terrorismus gegen technische Beamte. Maßregelung? Kommunale Arbeitslosenfürsorge. Las Stadtverordnetenkollegium in Altenburg, S.-A., hat, auf Antrag der sozialdemokratischen Vertretung im Kollegium, 10 000 M. zur Barunterstübung von Arbeitslosen und zur Vornahme von Notstandsarbeiten bewilligt. Außerdem ist eine amt Altenburg bestimmt worden unter Zuzichung von Zählern, die liche Zählung über den Umfang der Arbeitslosigkeit in der Stadt von den Gewerkschaften gestellt werden. Nach einer vom Gewerkschaftskartell in der Zeit rom 1.- 10. Januar aufgenommenen Arbeitslosenstatistik befanden sich in Altenburg unter 5200 organifierten Arbeitern 400 gänzlich Arbeitslose, außerdem 38, die feiner Organisation angehörten, sowie 663, die allwöchentlich 1-3 Tage mit der Arbeit aussehen müssen. 185 Tagen. In der Hauptsache sind die Organisationen der HolzDie Dauer der Arbeitslosigkeit schwankt zwischen 12 und und der Metallarbeiter von der Krise betroffen. Husland. Der Kampf um den Arbeitsvertrag in Holland. Das holländische Unternehmertum strebt mit aller Macht das nach, der Arbeiterschaft in den verschiedensten Gewerben individu elle Arbeitsverträge aufzunötigen, um jest, in der Zeit der Wirt schaftstrije, die Tätigkeit der Gewerkschaften auch für die Zu funft lahmzulegen, den Arbeitern das Streifrecht zu entreißen. An Orten und in Berufen, wo die Unternehnter sich besonders start fühlen, muten sie den Arbeitern Bedingungen zu, die dem Begriff eines freien Arbeitsvertrages Hohn sprechen und auch mit dem Gesetz in Widerspruch stehen. So wollen z. B. die vereinigten Glasfabrikanten einen Sulitontrakt einführen, in dem die Küns der technisch- industriellen Beamten veranstaltete am Sonntag in vorgesehen ist, wenn der Arbeiter einmal nicht zur rechten Zeit Der Verband der Ortsgruppen Oberschlesiens des Bundes bigungsfrist auf 6 Wochen festgesetzt ist, unmittelbare Entlassung önigshütte eine Protestversammlung gegen die Beschränkung des in der Fabrit ist oder sich an einem Streit beteiligt usw. Die Stoalitionsrechts durch die Industriellen Oberschlesiens und gegen Arbeitszeit soll nach diesem Kontratt von jedem Unternehmer nach die Maßregelung des Steigers Appelt von der kons. Giesche- seinem persönlichen Gutdünten geregelt werden, und schließlich grube in Schoppinik, Kreis Kattowi. soll der Arbeiter von vornherein auf jeden Entschädigungsanspruch, An dieser Versammlung nahmen über 200 Beamte aller ber einen Wochenverdienst übersteigt, verzichten. Die Arbeiter Branchen aus dem Industriebezirk teil. Die Stimmung der Ver- weigern sich selbstverständlich, den gesezwidrigen Kontrakt zu sammelten war eine sehr begeisterte. Nach Eröffnung der Ver- unterzeichnen. wurde, unterbreitete der Vorstand der Versammlung die Tatsache, Anduſtrien bereits zu offenem Kampf gekommen. So find schon fammlung, die vom Vorstand des obengenannten Verbandes geleitet Wegen ähnlicher Kontrakte ist es in einigen Betrieben anderer baß der Steiger Appelt von der Gieschegrube gemaßregelt feit Weihnachten die Arbeiter der großen Eisengießerei worden sei, weil er sich nicht darauf beschränkte, ein zahlendes bon Klep in Breda ausgesperrt. Dort suchte der Mitglied des Bundes zu sein, sondern den Bosten eines Vertrauens- Bürgermeister dieser Tage wieder einmal zu vermitteln, wurde mannes bekleidete und für den Bund eifrig agitierte. Die Ver- Bürgermeister dieser Tage wieder einmal zu vermitteln, wurde aber vom Unternehmer abgewiesen. Die Arbeiterschaft veran= waltung kündigte dem Steiger Appelt am 15. Dezember per staltet allgemeine Sammlungen, um die Ausgesperrten hinreichend 31. Dezember 1908. Appelt fei 4% Jahre auf der Gieschegrube staltet allgemeine Sammlungen, um die Ausgesperrten hinreichend au unterstügen. gegen Tagegelder beschäftigt gewesen und nach vierzehntägiger Neben manchen anderen Berufsarbeitern, wie den Malern, Stündigung entlassen. Es ist besonders bezeichnend, daß ein ist und eine große Verantwortung hat, gegen vierzehntägige Stün- Metallarbeitern usw., sind neuerdings auch die Bergarbeiter Grubenbeamter, dem eine große Bahl von Arbeitern unterstellt Bigarrenmachern, Metallarbeitern, baugewerblichen Arbeitern, digung beschäftigt wird. Als die Kündigung durch den Bergwerks- von der Sucht des Unternehmertums nach Sklavenkontrakten be direktor Beffer ausgesprochen war, begab sich Appelt zu demselben, treffen. Die Direktionen der privaten Bergwerksbetriebe in der um die Gründe zu erfahren, die zu der Kündigung geführt haben. Probing Zimburg verlangten von den Arbeitern, daß sie den ihnen Auf die Frage, ob er sich irgendwelche dienstliche Verfehlungen am 6. Januar vorgelegten Kontrakt bis zum 11. Januar unterhätte aufchulben kommen lassen, wurde ihm geantwortet, daß sein zeichnet haben sollten, obwohl vorläufig noch die Bestimmung gilt, außerdienstliches Berhalten für die Kündigung maßgebend fein baß Aenderungen des Arbeitsreglements erst eingeführt werden können, nachdem sie drei Wochen vorher durch Anschlag bekanntfann und es könne nicht geduldet werden, daß unter den Beamten eine heberische Agitation be gegeben waren. Die Arbeiter weigern sich einmütig, den Nontratt zu unterzeichnen, was bis jetzt dazu geführt hat, daß die Frist bis zum 1. Februar berlängert wurde. trieben wird. In Syrien regen sich schon die Autonomisten, trotz der von den Loyalisten veranstalteten Demonstrationen. Die Alba nefen haben sich der Partei der türkischen Freiheitsfreunde ( Achrar firkassi) des Prinzen Seba heddin bedeutend genähert, von dem Gedanken der Dezentralisation, die jene als Parole aus. Das Komitee in feiner jebigen Verfassung wird der Ausbreitung jener Partei teinen ernsten Widerstand entgegenseßen fönnen. Man ist der Geheimbünde jetzt satt. Das Komitce scheint sich durch sein Vorgehen gegen den Bund der früheren Verbannten ( Febaljaran- i- milet, eigentlich nationale Märthrer) felbft eine feiner Organisation, welcher eine Eingabe an den Bergwerts Apppelt unterbreitete diese Angelegenheit dem Vorstande Jm allgemeinen hat das Streben des Unternehmertums, die Grube gegraben haben. Ge hat den Anschein, daß es die be- direktor fandte und um Berhandlung in dieser Angelegenheit nach Arbeiterschaft durch persönliche Kontrafte zu Sörigen zu machen, lastenden Dokumente, welche in dem Klub der verhafteten und suchte. Herr Besser beschied den Vorstand dahin, daß er jede feineswegs den gewünschten Erfolg gehabt, bielmehr das Gegenaufgelösten Gesellschaft gefunden wurden, gefälscht hat. Es wurde inmischung Dritter in die Angelegenheit des teil bewirkt. Die Werbekraft der Gewerkschaften, die durch die festgestellt, daß ein Mitglied des Bundes, ein gewisser Fetchi Bej, Betriebes zurüdweisen müsse. Nun wandte sich der schtvere Wirtschaftskrise geschwächt war, ist stark gewachsen. In der den Verräter gespielt hat, gleich nachdem er sich mit den Ver- Vorstand an den Generaldirektor themann in Balenze, Berufen und an Orten, wo die Arbeiter bisher nicht das nötige tretern des ttchad in Berbindung gesetzt hatte, in Freiheit welcher den Vorstand nicht einmal einer Antwort Interesse für die Organisation zeigten, werden sie jetzt durch das gesetzt wurde. Der Bund der Verbannten" war nichts als eine würdigte. Demselben Schicksal verfiel eine weitere Gingabe Unternehmertum förmlich dazu getrieben, fich zum Stampf um Intereffenvertretung der erbittertsten Feinde des alten Regimes. an das Repräsentantenkollegium der Bergwerksgesellschaft von ihre Menschenrechte zusammenzuschließen und eine anständige Giesche's Erben in Breslau. tarifliche Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu forDaß es darunter viele Desperados gab, ist sicher. Aber sein größtes Da alle Mittel versagten, die Sache auf gütlichem Wege bei- bern. Uebrigens hat auch der Verband der niederländischen Gea Berbrechen war, daß er dem Komitee entgegentrat. Schon aber zulegen, so blieb nur noch die Flucht in die Oeffentlichkeit und zu werkschaften in großen Massen ein Flugblatt berbreitet, um im regen sich Stimmen, welche ein ähnliches Vorgehen gegen den Siesem Zweck sei die heutige Versammlung einberufen. ganzen Lande und in allen Perufen die Arbeiterschaft zum 3ttchad fordern. Die Parole wird bald lauten: Weg mit Widerstand gegen die individuellen Kontrakte anzuspornen. den Komitee@! Aus dem Parlament. Sierauf hielt Ingenieur Timm aus Berlin einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag, der dahin ausflang, daß die Argestellten der Industrie durch die Maßregelung des Kollegen Ein Streit der Droschkenkutscher in New York. Appelt nicht die Flinte ins Korn werfen sollen, sondern mit um so größerem Eifer sich für die gute Sache der Organisation hin- Wie aus New York gemeldet wird, haben sämtliche Droschkens Stonstantinopel, 25. Januar. Die Stammer erledigte heute zugeben, bis auch für die Jndustrieangestellten ein soziales Gleich futscher und Automobilfahrer der Stadt, das heißt Groß- New Yorks", eine große Bahl von Anträgen, insbesondere bezüglich ber Son gewicht geschaffen ist gegen die große llebermacht des Kapitals, die Abficht, als Protest gegen die den Verkehr äußerst erschwerenden geffionen öffentlicher Arbeiten unter dem alten Regime. Es welches rüdjichtslos die geistigen Arbeiter ausbeutet und sie der Maßregeln der Polizei in einen Waffenstreit einzutreten. wurde beschlossen, sämtliche Aften über die unter dem alten Regime gefeßlich garantierten Staatsbürgerrechte beraubt, wofür Redner Die Führer der Straßenbahnwagen, ebenso wie die Schaffner ber jugestandenen Kongeffionen zur Prüfung vom Handelsminister eine Anzahl Beispiel anführte. elektrischen Cars, beschlossen, sich ihren Kollegen, falls es zu einem inzufordern und künftig Konzessionserteilungen von der Nach einer lebhaften Diskussion, in der sich alle Redner mit Streit fommen sollte, anzuschließen, um diese Protestmaßregel wirksam Zustimmung der Kammer abhängig zu machen. Ein dent gemaßregelten Steiger solidarisch erklärten, ergriff noch durch ihre Beihilfe zu unterstüßen. Berantww.Redalt.: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Inferate verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Bucher. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Dierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. " it. 21 26. Jahrgang. 1. Jtilfljt i>ts Joraärts" Jirtlintt Holliülilatl. iltustllg. 26. Ilmmr 1909. Reichstag» 193. Sitzung vom Montag, den 25. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische t v. Bethmann-Hollweg. Vizepräsident Dr. Pausche teilt dos Ableben des Abg. Reese rcillasscnwahlsystcm, das im Laufe der Zeit zu einer reinen Karikatur geworden ist. Zum mindesten vcrlangeu wir das geheime Wahlrecht.(Bravo I im Zentrum.) Was die Wahltreis- e i» l e i l u n g anlaugt, io muß die EntWickelung der Bevölkerung alleidings einen gewissen Einsluß aus sie habe», aber die Bevölkerungszahl allein kann nicht ausschlaggebend sein.umdieWohlkreiSeinteilung danach zu vollziehen. Das wäre eine große Be- vorzugung der Großstädte und eine Benoch- teiligung der ländlichen Kreise.(Sehr richtig I im Zentrum.) Daher werden wir gegen den zweiten Teil der Anträge iliiiiinen. Dem nationalliberalen Aulrage können wir nicht zustimmen. da er in seinen, ersten Teile viel zu allgemein gehalle» ist. Früher hat uns die Linke vorgehalten, wir hätien unseren Einfluß in der Frage des Wahlrechts nicht gebraucht. Heute haben Sie(zu der Linke») die Macht. Nun gebrauchen Sie sie zur Durchsühiung des von Ihnen gewünschten Wahlrechts.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. v. Richthofco(k.): Wir halten an der bewährten Grundlag« des preußischen Wahlrecht? fest, wie schon vor einem Jahre Herr Mallewitz erklärt hat. Ich halte es aber doch für nolwendiger, etwas ausführlicher auf die Sache einzugehen, erstens weil in- zwischen Neuwahlen gewesen sind, und zweitens weil wir den Eindruck nicht unterdrücken können, als wären die Intentionen der königlichen Staatsregierung gegenüber der im vorigen Jahre uns kundgegebenen Stellung ein wenig verändert. Wir sind bei unserem Zusaiiiinentritt mit Worten begrüßt worden, aus denen wir Schlüsse auf ein gewisses Pro- gram m der Regierung ziehen müffen. Auch der Herr Minister des Innern hat gesagt, daß er den heutigen Verhandlungen mit Interesse tolge. Der Herr Minislerpräsident hat im vorigen Jahre mit Recht gesagt, daß Demonstrationen einer irregeleiteten Maffc einer pflichtbewußten Regierung nichts abtrotzen könnte». Ich nehme dasselbe für ein pflichtbewußtes Parlament in Anspruch. Wir werden uns weder durch ruhige, noch durch stürmische Ttraßendemonstrationen irgendwie beeinflusse» lassen.(Bravo l rechts.) Wenn die Sozialdemokratie infolge eines neuen Wahlrechts in ver- mehrter Anzahl in das Abgeordnetenhaus komme» würde, würde sie natürlich auch Anträge stellen und würde das allgemeine Wahlrecht stir alle Deutschen über 29 Jahren ohne Unter- schied des Geschlechts nach dem Proporz fordern. Ich weiß nicht, ob es das Proporz oder der Proporz heißt.(Heiterkeit rechts.) Wie eS in einem Parlament nach ihrem Ideal zugeben würde, beweisen ihre Parteitage. Wie der Kommunismus unter den Jakobinern bei vorzüglicher Ernte zu einer Verarmung des Volkes geführt hat, so würde sich auch zeigen, daß Ihre utopistischen Pläne bezüglich des Wahlrechts in der Praxis undurch- führbar sind.— Was die Freisinnigen anbelangt, so wollen Sie mit Ihrem Antrage offenbar die konservative Mehrheit in diesem Hause vernichten.(Zuruf bei den Freisinnigen.) Sie sagen. daS wäre kein Fehler. Herr Herold hat Ihnen ja schon Ihre jetzige große parlamentarische Bedeutung vor Augen geführt.(Heiterkeit rechts.) Wenn der Block zerfliegt, wo sind Sie? Da iverden Sie Ihre Be- deutung doch wieder etwas zurückstecken müffen. Wir sollen eine sooisUs leonina(Löwenvertrag) mit Ihnen abschließen.(Sehr gut I rechts.) Sie wollen uns unseren Einfluß nehmen und scheinen zu erwarten, daß wir eine höfliche Verbeugung vor Ihnen machen und dabei mitwirken werden.(Sehr gut und Heiterkeit rechte.) Herr Bebel hat Ihnen ja früher schon gesagt: „Wenn Sie in Preußen das allgemeine Wahlrecht einführen, so graben Sie sich damit Ihr eigenes Grab", und Herr David hat in den„Sozialistischen Monatshesten" geschrieben:„Es kommt uns daraus an, in Preußen den festesten Pfeiler deö preußischen Regiments zu brechen(Hörtl hörtl rechts.), daS übrige wird sich dann finde»." Das„Uebrige" sind dann die bürgerlichen demokratischen Parteien, die ja lediglich noch in, Dreiklasscuwahlrecht der Kommunen die Wurzel ihrer Ärast haben. (Sehr gut I rechts.) Ein eigentümliches Schlaglicht auf die jetzige Situation wirft doch der Wahliechtskonflikt in Rixdorf. Kommen dort vielleicht Agrarier und Reaktionäre in Frage?(Sehr gut I rechts.) Nein, die Herren Freisinnigen gleichendem Falstaff, sie stechen mutig los— wenn siesich genügend geschützt sehen.(Große Heiterkeit rechts.) Run komme ich zu den Nationalliberaten.(Heiterkeit.) Alle ihre großen Männer— ich brauche wohl dabei nicht zu sagen: die Anwesenden sind ausgenommen(Große Heiterkeit)�— wie Gneist, Sybel uiw. haben mit großer Schärfe für das Dreillaffenwahlrecht gekämpft. Auch der verstorbene Führer der süddeutschen Nationalliberaleu, Prof. Meyer in Heidel- berg, hat in einem Buche, dessen Lektüre ich dem Herrn Minister als Material zur Wahlreform dringend eiiipfeblen möchte(Heiterleil rechts), scharf gegen daS geheime Wahlrecht Stellung genommen. Aber die Herren sind auf der schiefen Ebene immer weiter herab- gerückt. Man merkt den zunehmenden Einfluß der Jungen.(Heiterkeit rechts.) Die Herren haben ja die- selben Grundsätze wie in ihrem heutigen Autrage auch ini letzten Wahlkainpf vertrete», in den sie mit großen Hoffnungen ge- gangen sind. Die Erfolge waren freilich recht kläglich. Auch da? Wort Kulturdlock hat nicht gezogen.(Heiterkeit rechts.) Die Mehr- heit de» Volkes will von einem Kulturkamps nichlS wiffea(Bravo! im Zentrum.) Die Ausführungen des Herrn Herold über die Bedeutung des Christentums für den Staat sind unS ans dem Herzen gesprochen. (Bravo I rechts.) Ich denke, daß die Elemente, die mit uns auf demselben ethischenBoden stehen. unS unter- stützen werden. DieZeit wird kommen, wo wir immer mehr das, was uns trennt, vergessen und aus dem gemeinsamen Boden derchristlichenWelt« an schauung unS begegnen.(Lebhaftes Bravo! rechts und im Zentrum.)(Abg. H o f f m a n n(Soz.) ruft den F r e i s i n n i g en zu: Da haben Sie die Kündigung! Große Heilerieit.) Auch die Regierung hat leider mit der Zeit Konzeisionen in der Wahlrechtsfrage gemacht. In der Erklärung des Reichskanzlers vor einem Jahre war von der organischen Entwickelung des Wahl- rechts die Rede, die der wirtschaftlichen Entwickelung, der Ausbreitung der Bildung und des politischen.Verständnisses entspreche. Was be- deutet orgaiiijche Fortentwickelnng? Man könnte an ein orga« n i s ch e s Wahlrecht denken. das sich auf B e r u f S st ä n d e und Korporationen gründet, oder man kann sagen: die Organe, die Grundlage des jetzigen Wahlrechts, sollen bestehen bleiben.(Lebhafter Widerspruch links.) Man denk! vielleicht an ein plutokratischeS Wahlrecht. Hat man etwa in Sachsen, wo man allen etwas geben wollte, damit die Freude an den StaatScinrich- tungen vermehrt? Ich erinnere nur an die Vorgänge in Dresden vom vorigen Sonntag. Will die Regierung etlva die geheime Wahl einführen? Ich erinnere sie daran, daß Fürst Bismarck erklärte, das geheime Wahlrecht widerspreche den Grund- begriffen des deutschen Boltsharatters. ( Sehr effen dabei nicht vertreten feien. Inzwischen ist es fa anders ge- das allgemeine, gleidhje, geheime und direkte Wahlrecht tämpfen richtig! rechts; Lachen links.) Das Beispiel Ameritas und worden. Die liberale Hochflut ist zerronnen, die Herren Liberalen wollten, würden Sie sich über dieses Angebot freuen, wie wir uns Frankreichs sollte Ihnen beweisen, daß auch eine demo- find mehr und mehr reaktionär geworden.( Sehr wahr bei den über Ihre Haltung. Wenn wir Ihnen aber nachweisen müssen, fratische Staatsform nicht gegen die Blutokratie schützt. Sozialdemokraten.) Seinerzeit wollten die Vorfahren der heutigen daß diese Ehrlichkeit bei Ihnen nicht vorhanden ist, dann mögen Oder meint man, die Arbeiter feien noch nicht Rechten das preußische Abgeordnetenhaus unter Kuratel" stellen. Sie sich ärgern und diesen Ihren Aerger, wie Sie es tun, durch genügend bertreten? Infolge der zunehmenden Einkommens( hört! hört! bei den Soz.) Hätten die Freifinnigen ihre Schuldigkeit Ihre charakteristischen Zwischenrufe fundgeben. Wir haben Beweise berhältnisse der Arbeiter haben in Berlin Arbeiter sogar in der getan, so bestünde das Dreitlassenwahlsystem längst nicht mehr. genug dafür, was von der Wahlrechtsfreundlichkeit des Zentrums zweiten Klasse gewählt.( hört! hört! rechts.) Ich hätte gewünscht, Bereits 1867 erklärten die Nationalliberalen es für über zu halten ist. Am 7. August 1906 erklärte ein großes ultramon daß die Herren Sozialdemokraten uns hier wirklich Arbeiter lebt. tanes Provinzblatt, das Wort von der Entrechtung der präsentiert hätten.( Sehr richtig! rechts.) Im übrigen wissen die Besonders intereffant ist die Haltung des Zentrums. 1873 ber- Arbeiterklasse in Preußen sei völlig ungerechtfertigt, Handwerksmeister und Bauernhofbefizer in unserer Frattion doch langte ein Antrag Windthorst die Einführung des Reichstagswahlrechts weil doch im Reiche die auch, was Arbeit heißt.( Bravo rechts.) Gerade diese Kreise sehen im in Breußen. Dieser Antrag wurde damals abgelehnt reip. auf sechs rohe Maffe der Stimmen Dreit lassenwahlrecht einen Hort des befizenden Mittel- Monate, d. h. bis auf den Santt Nimmerleinstag, verlegt. den Ausschlag gebe.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten. standes.( Sehr wahr rechts.) Wir können uns der ernsten Für diese Bertagung stimmten unter anderen auch die Frei- Sehr wahr! rechts.) Die ölnische Voltszeitung" Warnung, die neulich Herr v. Pappenheim ausgesprochen hat, sinnigen Parifius und Eugen Richter.( Hört! hört! bei den Sozial- schrieb unter dem frischen Eindruck der Reichstagswahlen von 1903: nur anschließen. Die Leidenschaften der Boltsfeele werden durch die demokraten). Ich will nicht auf die ganze Entwickelung eingehen, Hätte man die heutigen Erfahrungen vor Einführung Wahlrechtsreform aufs höchste angeftachelt. Herr Traeger hat gesagt, sondern nur noch feststellen, daß das Zentrum am 10. Januar 1908 des Reichstagswahlrechts gehabt, so hätte man sich was geht das die Krone an, welches Wahlrecht beschlossen wird. So zwar für das gleiche, geheime Wahlrecht, aber nicht für eine fragen müssen, ob man von seiner Einführung nicht besser a b liegt die Sache nicht. Man will doch eine weitere Entwickelung Neueinteilung der Wahlkreise stimmte. Auch heute nach links.( Sehr richtig! rechts.) Sind etwa die Bestrebungen im ist es dafür nicht zu haben. Damals erklärte das Zentrum seine gesehen hätte!" Wenn die Regierung die jebigen Konsequenzen Reichstag auf Verfassungsänderung eingeleitet, um die Rechte der Handlung als eine Art Racheaft den Nationalliberalen gegenüber. Und da wollen Sie uns glauben machen, daß Sie nach solchen vorausgesehen hätte, dann hätte sie es jedenfalls nicht eingeführt. Krone zu stärken? Sie sollen doch die Rechte des Parlaments Seine Politik richtet sich aber nicht nur gegen die Nationalliberalen, Erfahrungen die Probe auf das Grempel in Breußen noch einmal bermehren!( Sehr wahr! rechts.) DieKonservativen wollen sondern an den bisherigen Verhältnissen nichts gerüttelt fehen und wollen den Pfeiler, den der Sozialdemokrat Dr. David als fe fteften feiler des preußischen Re giments bezeichnet hat, nicht um stürzen lassen. Deshalb habe ich seitens meiner Fraktion " = gegen das ganze arbeitende Volk. machen würden? Für so naiv halten wir Sie micht, und ich glaube, für so naib brauchen Sie auch die deutschen Arbeiter nicht ( Sehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten. Unruhe im Zentrum.) zu halten. Nach dem Bericht der Pfälzischen Landeszeitung", auch Das Zentrum pfeift auf das gleiche Recht der Wähler, wenn es eines Zentrumsblattes, hat der Abg. Trimborn am 22. Oftober aus der Ungleichheit der Wahlkreise für sich und seine 1906 auf dem Parteitag des Zentrums gesagt, es sei die höchst e fonservativen Freunde Vorteile erzielen kann. Jm Beit, das Dreiklassenwahlrecht endlich zu beseitigen. Also vor der königlichen Staatsregierung die Erklärung Jahre 1908 bermochte das Zentrum in 12 Wahlbezirken mit drei Jahren war es nach Ansicht des Abg. Trimborn die höchst e abzugeben, daß wir an den Grundlagen des be 26 870 Urwählerstimmen 23 Abgeordnete durchzubringen, während Beit, endlich einmal mit der Rückständigkeit des Wahlrechts aufwährten preußischen Wahlrechts nicht gerüttelt die Sozialdemokratie mit 800 000 Urwählerstimmen noch nicht zuräumen, daß die Arbeiterschaft von jeder Vertretung ausschlösse, sehen wollen.( Bravo! rechts.) Wenn die Regierung uns eine einen einzigen Abgeordneten durchbrachte.( Buruf rechts: und ein Hemmschuh jeder vernünftigen SozialVorlage bringt, die an der Grundlage dieses Wahlrechts rüttelt, so würde Gott sei Dank!) Ja, Sie wollen ja auch jetzt die gewählten Sozial- politit fei. Serr Trimborn schloß mit dem Rufe: Weg mit das für das Verhältnis der Regierung zu uns und auch für das Berhältnis demokraten wieder hinauswerfen. Aber wir tommen wieder, wir biefem Dreiklaffenwahlrecht! Wer aber die Rede des Abg. Herold der Konservativen im Reich zu der Regierung von der einschneidendsten kommen stärter wieder als vorher.( Buruf rechts: Warten wir es ab.) gehört hat, wird zugestehen, daß sie auf einen anderen Ton Bedeutung sein. Ich schließe mit den Worten, die der verstorbene Die Folge dieser unerhörten, standalöjen, ungerechten Wahlkreis- gestimmt war. Herr Trimborn hat Fanfaren. geblasen und zum Profeffor Dernburg gefagt bat: er wünschte, daß in Preußen die einteilung zeigt sich an den folgenden interefianten Zahlen. Im Sturm aufgerufen gegen das Dreiklassenwahlrecht, und Herr Grundzüge des preußischen, historisch bewährten Wahlrechts erhalten Verhältnis zur Zahl der Urwäblerstimmen hätte das Zentrum im Herold hat dem reisinn heute höhnisch zugerufen: Stämpft bleiben. Geschieht das", sagte er, dann ist zu hoffen, daß an Jabre 1903 65 Mandate erhalten müssen, es erhielt 97.( hört! Ihr doch dafür! Das ist tein Kampf mehr, das ist diefem Felsen Preußens die Wellen des Umsturzes hört! bei den Sozialdemokraten). Die Konservativen er die Travestie eines Kampfes. gerichellen".( Lebhaftes Bravo! rechts. Bifchen links und auf hielten 148 und hätten erhalten müssen nur 84. Die Aber nach der Rede des Herrn Trimborn hat am 13. April 1908 ben Tribünen. Erneutes Bravo! rechts.) Freifonfervativen erhielten 60 und hätten erhalten müssen 12. die Kölnische Boltszeitung" auf unser Verlangen, das Zentrum und Lachen rechts.) Bei einer gerechten, ber möge das Wahlrecht in den Mittelpunkt seiner Agitation stellen, Abg. Dr. Friedberg( natl.)( zur Geschäftsordnung) teilt mit, daß( Oho! die Ihnen allerdings höllisch geantwortet, daß wichtiger als diese aussichtslose De. die Nationalliberalen ihren Antrag in Biffer 2 dabin abgeändert nünftigen Wahlkreiseinteilung, dann erführe, wie wenig monstration für das Wahlrecht der Kampf gegen die haben, daß es statt in dieses Wahlrecht" heißt: in das unangenehm wäre, weil man Wahlrecht zum Abgeordnetenhause". Die Aenderung Bolt hinter Ihnen stände, hätten also im Jahre 1903 allein nahe, brohende Gefahr einer liberalen Mehrheit des Abgeordnetensoll dem Mißverständnis des Abg. Herold gegenüber bedeuten, daß die Freikonservativen und Konservativen nicht weniger als bauses zur Leitung des Stultusministeriums nach ihren Wünschen 107 Mandate weniger erhalten.( Große Unruhe und anhaltendes fei.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Schulfie für jedes Wahlrecht, wie es auch ausfallen möge, die geheime Gelächter links.) Natürlich würde bei einer solchen Wahlkreis verpfaffung war also dem Zentrum ungeheuer viel wichtiger als und direkte Wahl fördern. Abg. Freiherr v. Bedlin( ft.): Wir find gegen die Anträge, find einteilung die tonfervative Partei außerordentlich viel von ihrem die Erringung des geheimen und gleichen Wahl. rechts.( Sehr wahr! rechts) Die Rheinische Volts. aber nicht der Meinung, daß das jetzige Wahlrecht nicht verbeffe- Einfluß berlieren. Aber das 8entrum wirft sich zum stimme", das Organ der Zentrumsbauern, schrieb am 24. April rungsbedürftig ist und werden die kommende Vorlage forgfältig und Schirmherrn der Konservativen ehrlich prüfen.( Beifall bei den Freikonservativen.) 1908, daß von einer Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Breußen nie und nimmer die Rede sein könne. Und schließlich betonte am 2. Mai 1908 die Germania" in einer Bolemi! gegen die treuz- Zeitung":" Wann und wo hat die Zentrums. fraktion bekundet, daß sie beabsichtigt, zur Demokratie überzugehen? Oder ist es vielleicht Demokratie, wenn die Konservativen gegen die Freifinnigen unterſtükt hat?" Bentrumspartei in Preußen in so und sovielen Wahlkreisen die Das führende Zentrumsorgan wehrt sich mit Recht gegen die Ver dächtigung, daß das Bentrum eine bemotratifche Bartei fei. Es wäre eine Berleumdung, das Zentrum demokratischer Grundsäge zu bezichtigen, es wäre eine Berleumdung, zu behaupten, daß das Zentrum für die Uebertragung des Vereinsrechts auf Preußen eintritt, und einer solchen Verleumdung will ich mich nicht schuldig machen.( Sehr gut! bei den Sozialdemo Das Zentrum und die Konfraten; Unruhe im Zentrum. fervativen rufen von jetzt ab im Tatte:" Lauter! Lauter!", um Die Stimme des Redners zu übertönen.) Abg: Ströbel( S03.): und würde auf, mit denen es ja durch die gleichen Brotwuchers Schulverpfaffungsintereffen verbunden ist.( Lantes Lachen und große Ich kann Ihnen tros der vorgerückten Stunde nicht versprechen, Unruhe im Zentrum.) Aber das ist doch in der Tat ein höchst mich furz zu fassen. Sie werden es aber verstehen, daß der Ver- eigentümlicher Standpunkt: das Zentrum erflärt einzutreten treter einer Partei, die bisher aus dem preußischen Abgeordneten- für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht und unterhause vollständig ausgeschlossen war, bei der Beratung der süßt dann systematisch die schlimmsten Wahlrechts Wahlrechtsfrage die Gelegenheit wahrnimmt, ein wenig näher die feinde, um denen die Mehrheit im Abgeordnetenhausen ( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Haltung der einzelnen Parteien und der Regierung zur Wahlrechtsfrage verfchaffen. diese Wahlkreiseinteilung Wenn beseitigt würde, zu beleuchten. Daß die Regierung mit ihren statistischen Erhebungen auf ein Pluralwahlrecht hinaus will, haben wir ja gewußt, und die die Konftellation der Parteien in diesem Hause selbst unter dem Dreillaffenwahlsystem eine ganz andere fein.( Sehr Herren Freisinnigen müßten sich ebenso sagen, daß die Regierung auf ihren Antrag mit einer Kriegserklärung antworten würde. Ich wahr links.) Die Leute draußen im Lande, die die Taten des habe aber sowohl in der Nede des Herrn Träger wie in der des Zentrums mit seinen schönen eden vergleichen, werden, wenn Herrn Herold je de Erklärung darüber vermißt, was sie hier von der Haltung des Zentrums erfahren, genau wissen, was fie noch von seiner Wahlrechtsfreundlichkeit zu die Freisinnigen und das Zentrum tun wollen, um trotz der Erflärung ber Regierung bem Bolte das Wahlrecht zu erkämpfen, balten haben.( Sehr richtig! bei den Soz.) Wir verfügen das erkämpfen zu wollen Sie doch stets in der Oeffentlichkeit vorgeben. noch über zahlreiche andere Proben, die die Wahlrechtsfreundlich feit des Zentrums in bengalischem Lichte erscheinen laffen. ( Buruf.) 8u Straßendemonstrationen haben die Herren ja Die Haltung der Freisinnigen ist nicht flarer und nicht weder Lust noch Courage.( Unruhe rechts.) Sie selbst ziehen Brofeffor Size, die sozialpolitische Leuchte des Zentrums, hat in den Demonstranten ja nicht entgegen, dazu haben Sie Schußleute feinem Buche Kapital und Arbeit" erklärt, daß das vom Libe- folgerichtiger als die des Zentrums. Um die Mitte des Jahres 1907 beröffentlichte Naumann einen Aufruf, jetzt endlich mit Säbeln und Pistolen bewaffnet. ralismus verfündete Recht der Volksmehrheit die dauernde RevoWenn Sie sich ebenso unbewaffnet, wie die Demonstranten mit ihnen messen sollten, lution bedeute; wir müßten wiederum konservativ werden. Das müssen die Wahlrechtsfanfaren geblafen werden, die Wahlrechtswollen wir einmal sehen, wer die größere Courage allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht führe mit der Beit notwendig frage sei die Lebensfrage des Blocks, die Lebensfrage der Kanzlerhat.( Sehr gut! bei den Sozialdem. Lachen rechts.) Herr Herold zur Majorisierung des Voltes durch das Proletariat. fchaft Bülows. Auch Herr v. Bayer meinte, es sei die Hauptmachte den etwas boshaften Wig, daß jetzt die Freifinnigen einfluß( Lebhafte Bustimmung rechts.) Ich finde es sehr natürlich, daß Sie fache, daß endlich einmal der Sampf um das preußische Wahlreicher im Block feien, als das Zentrum seinerzeit. So leicht, meine( nach rechts) bei einer folchen Stimme aus dem Zentrum, recht begonnen werde, mit oder ohne Bülow, mit oder gegen die Regierung. außmann, Schrader, Träger und Herren vom Zentrum, fönnen Sie fich die Sache nicht machen.( Sehr wahr! das vorgibt, für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte 28ahl, selbst Mug dan erklärten ihr vollständiges Einverständnis mit Sehr richtig!" rufen. Aber das Volk draußen bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur Sache des Freisinns sondern recht zu sein, Naumann. Selbst die Freisinnige Beitung" schrieb auch Ihre Sache wird es sein, Ihren Versprechungen auch wird Sehr unrichtig!" rufen. Der bekannte Zentrumsabgeordnete Eaten folgen zu laffen, wenn Sie nicht draußen im Lande den Gröber erklärte sich am 30. Juni 1905 in der Württembergischen damals, man könne fich nicht mehr mit einer generellen Erklärung Eindruck erwecken wollen, als ob alle Ihre schönen Worte Ständekammer für berufsständische Vertreter, um die Mängel des begnügen, wie es z. B. die heutige Ministerrede wieder nur heuchlerische Phrasen find.( Sehr wahr bei den allgemeinen Wahlrechts auszugleichen". So fchwere Mängel war, sondern die Regierung müsse flipp und klar Auskunft geben, Sozialdemokraten. Unruhe im Zentrum.) hat also nach Ansicht des Abg. Gröber das Reichstagswahl wie sie das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht in Preußen recht.( Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Herr Gröber wünschte ja einzuführen gedenke. Aber ach, die freisinnigen Tagen entsprachen eine berufsständische Vertretung nur deshalb, um der nicht den schönen freisinnigen Worten vom Juni 1907. Auch die heutige Rede des Abg. Träger war alles andere eher wie die Anfündigung eines energischen Kampfes. Am 10. Januar 1908 erteilte Bülow gerade wie heute Herr v. Moltke die schärfste Absage an alle Wahlrechtsforderungen. Da schrieb die Frankfurter Beitung", daß der Kanzlerschaft Bülows, die in der allerbedeutsamsten Frage versagt habe, das Urteil gesprochen sei. Der Freifinn habe nicht den mindesten Anlaß, eine Bolitit zu unterstüßen, die systematisch die Herrschaft der konservativen Partei fördere. So verkündete die„ Frankfurter Beitung" das Ende der Blockherrlichkeit. " Der Herr Minister sagte, es miffe erft Material gesammelt werden. Aber das Material für die Unsinnigkeit, die schreiende Ungerechtigkeit des Dreiflaffenwahlrechts ist so bergeboch aufgetürmt, Minorität die Möglichkeit zu erhalten, daß neues Material überflüssig ist.( Sehr wahr! lints.) Ein Wahlrecht, bei dem der Wähler erster Klasse 25 Mal soviel Recht hat, wie der Wähler dritter Klasse, und der Wähler zweiter Klaffe noch 7 Mal so viel, wie der Wähler dritter Klaffe, ist aller dings die Wähler hat also Auch das Berliner Tageblatt" erklärte, daß der Blod einen tödlichen Streich erhalten habe. Ach, diese liberalen Blätter hatten die unempfindlichkeit der die Majorität zu vergewaltigen Warum berufen Sie sich überhaupt fortwährend auf den Mittelit a n d, warum wollen Sie diesen verhältnismäßig Leinen Zeil des Volkes bevorzugen? Sie preisen doch sonst die Arbeit, preisen den Arbeiterstand als einen verdienstvollen Stand. Wenn Sie vom Raritatur eines vernünftigen Wahlrechts. „ Segen der Arbeit" sprechen, müssen Sie doch auch dem Für die bevorrechtigten Teile des Volfes, die Nuznießer dieses Wahl- Arbeiter selbst das gleiche Wahlrecht einräumen, wie allen übrigen rechts, besteht natürlich das Bedürfnis, es mit seinen Schönheiten lassen, müssen Sie den Arbeitern dieselben politischen Rechte zu möglichst zu erhalten. Deshalb will man ja auch durch die Statistik billigen, wie den Angehörigen des Mittelstandes.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber das Zentrum folgt in dieser Be heraustüfteln, wie man seine Schönheiten möglichst konservieren fann. Darauf läuft auch der Antrag Hobrecht hinaus, der dem Zentrum ziehung dem Spruch: Glaubt meinen Worten und sehet nicht auf fogar noch zu radikal ist. Der Schönheiten des jetzigen Wahlrechts hat der Zentrumsabgeordnete Graf Strachwiz( Lachen im unterschäst! Trotzdem der Blockfreisinn nach dem Zeugnis der meine Taten!( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Weiter neugebadenen freisinnigen Ordensritter 4. Klaffe find so viele, daß man tagelang darüber reden müßte, um fie zu freisinnig- demokratischen Berliner Boltszeitung" flats Agrariertum auf den geib geschnitten. 4258 Urwähler Grklärung veröffentlicht, daß nach seiner Ansicht und nach der schende Ohrfeigen rechts und links ins Gesicht" erhalten hatte, blieb erschöpfen. Es ist nicht nur plutokratisch, sondern es ist auch dem Bentrum) vor zwei Jahren in der Deutschen Tageszeitung" die unterschäßt! Troßdem der Blockfreifinn nach dem Zeugnis der auf dem platten Lande in 3700 Urwahlbezirken haben ebenso viel leberzeugung vieler Mitglieder der Zentrums er geduldig Blockhelot. Der Freifinn vergaß alle großsprecherischen Wahlrecht wie 660 000 Urwähler in der dritten Klaffe. Jeder diefer partei die Worte allgemein und gleich" einen großen Mangel des Drohungen, pfiff auf das Wahlrecht und schatte sich glücklich, Graf Strachwiz ist auch nach den Neuwahlen wie der Mitglied politischer Würdelosigkeit oder aber politischer Unehrlichkeit ist bei150 mal so viel Wahlrecht. der Zentrumsfraktion dieses Hauses. In der RheiniSind denn diefe 4200 Wähler 150 mal fobiel liger, fobiel schen Boltsstimme" hat der Zentrumsabgeordnete Graf Spee piellos in der politischen Geschichte.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und bei den Wahlen leistete der Freifinn den moralischer, soviel nüglicher für den Staat? Die Frage aufwerfen, erklärt, er habe mit Absicht den Zentrumsantrag auf Einführung fonservativen Wahlrechtsräubern je ben elfersdienst. Er heißt sie beantworten.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) bes allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts nicht selbst half die Reaktion, half die Wahlrechtsfeinde stärken, die Ganz falsch ist es auch, daß das jezige Wahlrecht dem Mittelunterschrieben. Auch Graf Spee ist heute wiederum er jetzt angeblich bekämpfen will. stande nüße. In den großen Städten ist die Durchschnitts Mitglied der Landtagsfraktion des Zentrums. Aber der Freifinn sank dadurch vollends auf das fittliche Niveau Steueriumme für die Wähler zur zweiten Slaffe 320 2. Das find Noch mehr! Graf Spee hat behauptet, daß er in der Zentrums- der Reaktion herab, daß er gleich den schlimmsten Ostelbiern die teine Leute des Mittelstandes.( Sehr wahr bei den Sozialdemokr.) fraftion eine öffentliche Abstimmung dazu mißbrauchte, den unerhörtesten Die empörenden Tatsachen dieses Wahlrechts erfüllen das Bolt mit der große Anzahl von Gesinnungsgenossen e Terror auszuüben. Die Freisinnige Zeitung" hatte schon bor ber maßloiesten Erbitterung.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gerade die Herren von der Rechten sollten ein Ver- hätte, und hat genannt die Abgeordneten: Graf Ballestrem, Geheim- Wahl die Beamten darauf aufmerksam gemacht, daß sie keine rat Koenig, Graf Braschma usw.( Große Unruhe im Zentrum, Sozialdemokraten wählen dürften. Das geschah ständnis dafür haben, daß das Volk in seinem namenlosen Ingrimm die bei jedem weiteren Namen wächst, sodaß die letzten Namen von nicht, um Protest zu erheben gegen diesen behördlichen Ver beginnt, dem Beispiel der Junker zu folgen und ebenfalls zu bem Lärm vollständig übertönt werden), Brinz- Arenberg, Becker, faffungsbruch. Nein, es geschah, um den reaktionären Terror dazu schreien, zu schreien, daß Ihnen die Dhren gellen. ie fchreien Rügenberg, Bingen, Guler.( Anhaltender großer Lärm im genau benutzen, sich selbst die Beamten als Stimmbieh zuzutreiben! denn die Junter jest wieder, weil sie die paar Groschen trum.) Aber ich tann doch wirtlich nicht dafür, daß Selbst Erzreaktionäre haben erklärt, daß das freie WahlErbschaftssteuer zahlen sollen.( Sehr gut! bei den Soz.) Wie würden Sie Sie fo viele Wahlrechtsfeinde unter sich haben. 14 von den ge- recht der Beamten respektiert werden müsse. So erklärte Biserst schreien, wenn Sie an der Stelle des Volkes stünden.( Sehr gut! nannten Abgeordneten gehören auch jetzt noch der Zentrums mard 1882, daß ein Beamter bei der Wahl sich seines Be. bei den Sozialdemokraten.) Als Sie von dem befizenden Bürgertum frattion des Abgeordnetenhauses an.( 3uruf im amteneides nicht zu entfinnen brauche, so daß er in der in den sechziger Jahren verdrängt waren, liefen auch Sie Sturm Bentrum: Und die anderen 90?!) Die anderen 90 beweisen durch Ausübung feines Wahlrechts vollständig frei sei. Und der gegen das Dreiflaffenwahlrecht, nicht aus Anstand und Ge- ihren Mangel an Tatkraft, daß fie nicht gewillt sind, den nicht minder reaktionäre Minister von Butttamer erklärte rechtigkeitsgefühl, sondern aus Standpuntt dieser 14 ernsthaft zu betämpfen, daß fie über gar die behördliche Wahlbeeinflussung für nicht nur diszipli wirtschaftlichem Klaffenegoismus. haupt die ganze Wahlrechtsfrage nicht ernst nehmen.( Sehr gut! narisch, sondern auch darüber hinaus strafbar". Der Freisinn ( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Damals nannte ber bei den Sozialdemokraten.) Wir würden uns ja ungeheuer freuen, übte also ärgeren Terrorismus, als wie selbst die Bis= Redakteur der Kreuzzeitung" das Dreillaffenparlament verächtlich wenn das Zentrum mit uns für das allgemeine, gleiche, geheime mard und Buttkamer für erlaubt gehalten haben.( Sehr richtig! das Geldsacksparlament.( hört! hört! bei den Sozialdemo- und direkte Wahlrecht kämpfen wollte. Ich kann im Namen meiner bei den Sozialdemokraten.) Aber die Freisinnige Zeitung" ging traten.) Auch an das Wort Bismards muß, immer wieder gesamten Partei, auch draußen im Lande, die Erklärung abgeben, noch weiter. Sie denunzierte die Beamten im 12. Wahlkreise, erinnert werden, daß es kein elenderes und widerfinuigeres Wahlrecht daß wir Schulter an Schulter mit ihm gemeinsam für die Gr- weil sie sich nicht zum Stimmbich des Freisinns hergegeben hatten. gebe, als das Dreiflaffenwahlrecht. So urteilten die Junter über ringung des geheimen Wahlrechts tämpfen wollen.( Lautes Lachen( Lärm bei den Freisinnigen.) Die Volkszeitung" brandSiefes Wahlrecht als fie der Meinung waren, daß ihre Klasseninter- im Bentrum und rechts.), Wenn Sie ernst und ehrlich für markte diefe Niedertracht gebührend. Auf die Erklärung der Frei " finnigen Zeitung", daß die Deftukzkatlon ihr gutes Recht sei, daI sie sich nicht streitig machen lasse, entgegnete sie:„Das Recht, diese Beamten, die nicht zur Wahl gegangen sind und die demgemäß die Sozialdemokratie nicht haben niederstimmen helfen, das Recht, diese Beamten öffentlich zu denunzieren» wird hier also ausdrücklich als das gute Recht des Blockfreisinns in Anspruch genommen. Das Recht auf Denunziation, das bisher den Beamten gegenüber nur von reaktionärer Seite ausgeübt wurde, hat der Blocksreisinn in sei» Aktionsprogramm aufgenommen. Pfui Teufel.' fHört! hört! bei den Sozialdemokraten, lautes Lachen und Unruhe bei den Freisinnigen und rechts.) Was bedeutet diesem frei- sinnigen Terror gegenüber der sozialdemokratische Terror, auf den Sie bisher bei jeder�Gelegenheit herumgeritten haben. Daß von sozialdemokratischer Seite Terror geübt worden ist, wird von uns nicht bestritten.(Vielfacher Hört! hört!) Aber das Ivar notwendig, gegenüber dem Terror von anderer Seite, und wir lassen uns dieses Notwehrrecht nicht nehmen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir handeln da nach einem bc- liebten Worte von hoher Stelle:„Wer nur auf Gott vertraut und feste UM sich haut." Wir sagen mit dem Schweizer Dichter: Und schlägst du mich auf die linke Wang', So schlage ich dich aus die rechte, So will ich's halten mein Leben lang Im irdischen Gefechte. tSchr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie aber so sehr über den Terror klagen, will ich Ihnen noch einige Stichproben über den Terror liefern, der von Ihrer Seite verübt worden ist. (Die Anführungen des Redners über Terrorismus gegen Arbeiter bei den Wahlen sind bei der großen Unruhe des Hauses auf der Tribüne nicht zu verstehen.) Wenn ich Ihnen derartige Fälle Ihres Terrorismus anführe, dann werden Sie unruhig, dann interessiert es Sie nicht. Aber der sozialdemokratische Terror ist für Sie von Interesse. Das ist auch ein Kennzeichen dessen, was Sie für Recht halten. Wie unsinnig es ist, wenn Sie die sozialdemokratischen Wahlerfolge dem Terror zuschreibe», erkannte auch die„Kölnische V o l k s z c i t u n g" an. sie schrieb am 9. Juni:„Für jeoen, der die Verhältnisse kennt, ist diese Aus- rede sehr durchsichtig. Gewiß kommen einzelne Fälle von Terror vor, es ist aber albern, die Wahlniederlage des Freisinns darauf zurückzuführen." Die Heuchclei, die in der Entriistung über den sozialdemokratischen Terror sich zeigt, ist um so größer, wenn Sie das geheime Wahlrecht verweigern, da ja die öffentliche Wahl keinen anderen Zweck hat, als den Terror auszumerzen. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und aus der Zusck)auertribüne� Sie mögen sich ausreden, wie Sie wollen, das öffentliche Wahlrecht ist nichts anderes, als das Wahlrecht des Terrors. Die ganze abhängige Bevölkerung soll dadurch gezwungen werden, nicht frei nach ihr-r Ueberzeugung zu stimmen.(Lebhaste Zu- stimmung bei den Sozialoemokraten.) Ich gebe.zu, daß es vor- kommt, daß auch mal auf einen Bäcker- und Fleischcrmeistcr von Arbeitern eingewirkt wird. Was bedeutet das aber gegenüber dem Terror, den Sie gegen die Landarbeiter ausüben?(Lebhafteo'Sehr richtig!) Ich erinnere nur an den Terror, der auf dem Lanoe gegen die kleinen Geschäftsleute geübt wird. Ich er- innere an den kolossalen Terror, der gegen die Lokalinhaber geübt wird, sowohl von Behörden, wie von Privaten. Ich erinnere daran, daß das große Heer der Beamten verhindert wird, nach seiner Ueberzeugung zu stimmen. Ich erinnere an die Erklärung, di� Fürst Bülow abgegeben hat, daß Beamte selbst« verständlich sich nicht sozialdemokratisch be- tätigen dürfen.(Sehr richtig! rechts.) Fürst Bülow ist also Oberterrorist! Mit ihrer maßlosen Heuchelei Sie sich also nur v or a l l e r' unserem Terror machen elt lächerlich.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Mögen doch die Fret sinnigen, wenn sie später zu Worte kommen, einmal mit dem Terror der Konservativen abrechnen, statt auf dem sozialdemo- kratischen Terror herumzureiten, den wir ja zugeben. Aber wir wollen abwarten, ob sie mit ihren Blockbrüdern wagen werden. wegen des Terror ins Gericht zu gehen. Wenn sie Ehrgefühl hätten, müßten sie es und müßten ihnen sagen, wir wollen ihnen beweisen, daß wir auch ohne den Block weiterkommen. Wie es bei den Wahlen auf dem Lande zugeht, hat der freisinnige Bürgermeister Schücking geschildert.(Rufe rechts.) Er hat treffend die Beeinflussung der Wahlmämier durch den Land. rat geschildert und sagt:„Wäre es nicht besser, auf dem Lanoe die preußischen Abgeordneten k urch den königlichen Landrat ernennen zu lassen, statt diese unwürdige Wahlkomödie weiterzu- führen." Freilich, dieser freisinnige Bürgermeister ist«m weißer Rabe, er ist gemäß regelt worden, und wir warten bisher ver- gcbltch auf die Interpellation Schücking.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe hier einen Aufruf Treitschkes aus dem Fahre 1878.(Lebhafte Unruhe rechts.) Darin heißt eS: „Warum erklären unsere Großunternehmer nicht, daß sie keinen Arbeiter beschäfligen wollen, der an sozialdemokratischen Wühle- rcien teilnimmt." Dieser Aufruf wurde in einer Reihe groxer Zeitungen, z. B. auch der„Nationalzeitung", abgedruckt. und auch der H a n o e l s m i n i st e r erließ eine Anfrage an vie preußische Gewerbekammer, ob auch in dem Sinne des Ausrufs gehandelt würde. Könnten Sie heute noch dieselbe Gewalt über die Industriearbeiter ausüben, so würden Sie auch heute noch solche Aufrufe erlassen. Aber heute hängen Ihnen die Trauben zu hoch.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie können wohl noch die ländlichen Arbeiter terrorisieren; die Industriearbeiter haben sich großenteils dem Terror glücklicherweise entzogen.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der konservative Herr Maltewitz erklärte am 10. Januar 1903, die Antragsteller, damals die Freisinnigen, wären den Nachweis schuldig ge- blieben, daß der Antrag im S t a a t si n t e r e s s e läge.(Sehr richtig! rechts.) Was aber ist das Staatsinteresse anderes, als das Interesse der großen Mehrheit der Staatsbürger.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun, mehr als bO Proz. der Staatsbürger bestehen aus Leuten, die weniger als 900 Mark Ein- kommen haben, und mindestens 80 Proz. haben unter 1800 Mark Einkomme», und die Interessen dieser 80 Proz. werden durch das Dreiklasscnwahlrecht nicht gewahrt.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Freilich sagen Sie. 5 Proz. der Bevölkerung bringen öS Proz. der Steuern auf. Sollen etwa auch die direkten Steuern aufgebracht werden von den SO Proz., die ein Einkommen unter 900 Mark haben, oder von den 80 Proz., deren Einkommen unter 1800 Mark beträgt? Das ist nicht möglich, und wir kämpfen ja für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, das diesen- kulturwidrigen Zuständen ein Ende macht. (Lachen rechts.) Sie lachen darüber, daß man es als kultur- widrig bezeichnet, daß mehr als SO Proz. der Bevölkerung ein Ein- kommen unter 900 M. haben. Die Leute, welche auf ein solches Einkommen angewiesen sind, finden es empörend!�(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Und deshalb kämpfen wir für das allgemeine, gleiche Wahlrecht, �damit im Interesse dieser Nichtbesitzenden, dem wohlverstandenen Staatsinteresse, die Staats- macht anders gehandhabt wird. Sie erklären, daß S Proz. so viel Steuern zahlen, aber dabei werden diese S Proz. immer reicher. Im Jahre 1895 versteuerten die Personen mit mehr als 100 000 Mark Einkommen, also die Millionäre, ein Vermögen von 4 Mil- liarden und 67 Millionen. Im Jahre 1905 versteuerte diese selbe Gruppe von Millionären ein Vermögen von 12 Milliarden und 234 Millionen.�(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sehen also, daß die Steuern diese Herren nicht drückten, daß sie ganz anders zu Steuern herangezogen werden könnten. Aber das Vermögen der Zensiten mit weniger als KOOO M. Vermögen ist von 45 aus 40,1 Proz. gesunken. Das alles sind Beweise dafür, daß endlich das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eingeführt werden muß, damit hier Volksbertreter hineinkommen, die rücksichtslos die Interessen der großen Masse des Volkes ver- treten, und die damit das wirtliche Staatsinteresse vertreten.(Zu- rufe rechts: Etwa Herr Hoffmann?) Der Abgeordnete Hoff- mann vertritt das Volksinteresse. Wenn ein Arbeiter die Jnter- essen des Volkes wahrnimmt, so kann er nicht länger an der Hobelbank stehen, dann muß er sich politisch schulen und die Politik zu seinem Hauptberuf machen. Freilich, wenn man Groß g r u n d- besitzcr ist, dann findet man auch neben der Politik so viel Zeit, das Gewerbe des Großgrundbesitzers zu betreiben. Wenn man aber Journalist oder Arbeiter ist, so muß man die Politik schon zu seinem Hauptgcwerbe machen, und dies Gewerbe ist bei weitem nicht so lohnend, wie das agrarische.(Lebhaftes Sehr ricktig! bei den Sozialdemokraten.) Und da wagte es ein Mann, wie Herr v. Dirksen, von 30 Millionen, den Vertretern der Arbeiter, vorzu- werfen, daß sie sich von den Groschen der Arbeiter nähren.(Große Unruhe rechts, Glocke des Präsidenten.) Werden denn nicht auch die Beamten von ihren Auftraggebern bezahlt, und gehören dazu nicht auch die oberen Verwaltungsbeamten? Da ist es bedauerlich, daß man hier feststellen muß, daß gerade die»f""-9en Beamten der Regierung durch Abwesentielt glänzen. Auch ein Belveis dafür, wie sehr es ihnen gleichgültig ist, was von den Vertretern der großen Masse hier gesagt wird! lSehr richtig bei den Sozialdemokraten) Es ist auch ganz interessant, daß von den preußischen Rea'ernnasreferendaren 40 Proz. adlig sind... Präs. v. Kröcher: Herr Abgeordneter, das hängt mit der Frage, die zur Per- Handlung steht, nicht zusammen. Abg. Ströbel(fortfahrend): Ich bin freUlch vollständig anderer Meinung.(Heiterkeit.) Auch bin ich überzeugt, daß die Logik auf meiner Seite liegt. Aber die ist hier ja nicht maß- gebend.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen. daß endlich das direkte, allgemeine, gleiche Wahlrecht in Preußen eingeführt wird, und dieses Wahlrecht muß erkämpft werden. Denn die Erklärungen des Vertreters der Konservativen, der NationaUibe- ralen und selbst des Zentrums beweisen, daß man es freiwillig n i cki t gewährt. Da muß also der Kampf organisiert werden. Da müssen die Wahlrechtsfanfaren ertönen,»nd da müssen auch die Herren vom Freisinn und Zentrum sich erklären. Freiwillig geben die Herren vom Junkertum nichts. Aber der Freisinn ist ja nichts vbne den Block, und auch das Zentrum wird nichts tun, um seinen schönen Worten die Tat folgen �u lassen. Tann wird aber das arbeitende Boll diesen Kampf allein führen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dieser Kampf wird täglich erbitterter und täglich erfolgreicher werden. Sie werden von Position zu Position herausgedrängt werden.(Lachen rechts.) Und wenn Sie jetzt auch lachen und sich wohl verschanzt glauben hinter dem Boll- werk, das Sie in dem neuen Vereinsgesetz errichtet haben. wenn Sie glauben, weil keine öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel abgehalten werden können, so werde die Sozialdemokratie in Ihre Wahlkreise auf dem Lande nicht ein- dringen— nun, allmählich wird die sozialdemokratische Auf klärung noch weitergreifen, und die Sozialdemokratie wird immer mehr Mittel der Agitation finden, um in die weitesten Kreise hineinzudringen. Und auch auf ein anderes Boft werk, auf die Bajonette, werden Sie sich auf die Dauer nicht verlassen können.(Große Un ruhe rechts.) Es sind Söhne des Bolkes, die die Bajonette führen.(Zurufe rechts: Blaue Bohnen!) Das sind ja sehr schmackhaft« Gerichte, aber ich glaube nicht, daß Sie es wagen werden, das arbeitende Volk mit diesen schmackhaften Gerichten zu repalieren. Sie werden sich das wohl zehnmal überlegen, denn Sie wissen nicht, was danach kommen wird. Je stärker die Sozialdemokratie wird, um so mehr gehören auch die zu ihr. die die Bajonette führen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Infolgedessen werden auch Sie schließlich Vernunft annehmen, wie auch die Polizei schon Vernunft angenommen hat. Was in«inen Schutzmannsschädel hineingeht, wird ja schließlich auch in Ihren Schädel hineingehen. Sie werden eS sich überlegen, ob Sie das Volk maftlos erbittern wollen, zumal auch bei Ihrer so genial verfahrenen auswärtigen Position. Von hoher Stelle ist das Wort gefallen, die einzige Sicherheit Deutschlands liege in einer starken Armee. Nun, diese Armee setzt sich aus den Söhnen des Volkes zusammen.(Zurufe rechts: Hetze!) Nickt wir hetzen, sondern S i e hetzen durch die Art, wie Sie das Wahlrecht dem Volke verweigern. Hetzen Sie nur so weiter, Sie werden dadurch die beste Agitation entfalten für das allge meine, gleiche Wahlrecht!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten, Zischen rechts.) Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag, 12 Uhr. Vorher Antrag Schiffer wegen Zulassung der Lehrer zum Schöffenamt. Schluß bV* Uhr._ Soziales« Gewerbegericht. Aus der Sitzung der ersten Kammer vom 25. b. M., Borfitzender Magistratsassessor Dr. Maguhn. 1. Der Arbeitgeber mtt dem üblen Ruf. Die sechzehnjährige Näherin Frl. Käte H. klagt im Beistand ihrer Mutter gegen den Inhaber einer Arbeits st übe für Damenkonfektion Israel Rotholz, Georgenkirch- st r a ß e 6. Die Klägerin wurde am Sonnabend, den 19. Dezember früh morgens plötzlich entlassen. Im Koiitor erhielt sie ihre Papiere ausgehändigt. Gleichzeitig wurde ihr ein Revers zur Unterschrist vorgelegt, in dem eS hieß, sie habe Krankenkasienbuch und Invaliden- karte erhalten und keine Lohnforderungen mehr. Die Klägerin unterschrieb, ohne, wie sie sagt, den Revers durchgelelen zu haben. Nach Leistung der Unterschrift soll der Beklagte das Ersuchen, ihr den rückständigen Lohn zu zahlen, mit der Aufforderung beantwortet haben, daS Geld am Montag zu holen. Am Montag erklärte jedoch der Beklagte der Klägerin, er habe nichts mehr mit ihr zu tun, wenn sie etwas wolle, solle sie ihn beim Gewerbeejericht verklagen. Der B e- klagte wendet ein, daß er der Klägenn den ihr zustehenden Lohn von 9,44 M. am 19. Dezember tatsächlich bezahlt habe, und be- streitet die Behauptungen der Klägerin. Ueber das Geschäfts- gebahren deS Beklagten machen eine Reihe Zeugen Bekundungen. Eine Zeugin sagt, daß sie zuvor gewarnt worden sei. sie habe deshalb die Unterschrist erst geleistet als ihr der BeNagte aus ihr Ersuchen den Lohn gezahlt hatte. Eine andere Zeugin be> kündet, daß ihr der Beklagte, nachdem sie die Unterschrift geleistet hatte, einen Tag vom Lohn für vermeintliche Gegenansprüche ab- ziehen wollte. Einer anderen Zeugin habe er auf ihr Fragen nach dem Lohn geantwortet. Geld habe sie überhaupt nicht von ihm zu bekommen. DaS Gericht kam nach längerer Beratung zu dem Beschluß, dem Beklagten, den ihm von der Klägerin zngeichobenen Eid abzunehmen. Eme Einigung lehnte der Beklagte wiederholt mit dem Bemerken ab, er wolle schlvören, um mit dem erwirkten Urteil gegen die Klägerin und sämtliche Zeugen strastechtlich vorgehen zu können! Als sich daS Gericht zur Abnahme des EideS anschickte, verlangte der Beklagte, um sich sammeln zu können, eine Pause. Diese Pause benutzten zwei der Beisitzer, um den Beklagten zu einem Vergleich zu bewegen. Nach Wiederausnahme der Ver- Handlung erklärte er sich auch zum Vergleich auf 5 M. bereit. Doch der der Sammlung bedürstlge Herr Rotholz, der dem Vorsitzenden nur dadurch bekannt ist, daß er oft auf dem Gewerbe- gericht prozessiert, hatte einige Stunden später noch einen Prozeß anzustehen. Diesmal war er der Kläger. Er fordert von der Näherin R. 35,70 M. Schadenersatz für ein Kleid, welches ihm die Beklagte beim Bügeln versengt haben soll, und zwar beim Bügeln der Nähte. Beklagte bestreitet, die Nähte gebügelt zu haben, sie habe das Kleid nur am Schlitz bei den Druckknöpfen gebügelt. während die Frau des Klägers die Nähte gebügelt habe. Durch Zeugenaussagen wird festgestellt, daß die Frau des Klägers an dem Kleide gebügelt hat. Nach dieser Feslstellüng erachtet daS Gericht die Möglichkeit für gegeben, daß das Versengen des Kleides durch die Frau des Klägers geschehen sein kann, zumal der gerügte Fehler nicht bei Abnahme der Arbeit von der Beklagten, sondern erst bei Lieferung an das Konfeklionsgeschäst bemerkt worden ist. Die Klage wurde deshalb abgewiesen. 2. Sind in der KonfektioirSbranche die Arbeitsstunden an de» Sonntagen vor dem Weihnachtsfestc zu bezahlen? Die Näberin Frau B. fordert von der Finna Rosenthal, Werderschcr Markt 10, 6.50 M. für geleistete U e b e r it u» d e n a n den Sonntagen vor Weihnachten, 13. und 20. Dezember. Die Beklagte wendet ein, es sei in der Branche üblich, daß die Arbeiterinnen an den beiden letzten Somnagen vor Weih- nackten ohne Vergüttnig tätig seien. Dafür bekämen sie auch die Feierlage bezahlt. Das Gericht stellte sich dem Gesetz entsprechend auf den Standpunkt, daß den im Wockenlohn stehenden Ar- bcitern die Feiertage zu bezablen seien, auch ohne daß die durch die Feiertage verloren gehende Arbeilszeit mit irgend welcher Uebrrzeit» arbeit kompensiert werden dürfte. Der Wochcnlohn stelle ein Pansch« quantiim an Loh» dar, für in der Woche geleistete Arbeit. Diei'eS Pauschqnantum hängt weder von einer geioissen Tage- oder Sruudenznbl der Aroeitszeil, noch von einer Siückzahl der Arbeit ab. Bei Wochenlob n leiste der Arbeiter soviel eben möglich ist; leistet er mehr, so bekommt er da'ür keine Entschädigung, leistet er weniger, noch zumal aus einem Grunde, für den er nick» verant- wörtlich zu machen ist, darf ihm auch nichts abgezogen werden. Nach dieser Belehrung veiglichen sich die Parteien aus 5 R. 3. Ungesetzliche Strafe für„Undankbarkeit". Der Hansdiener T. klagt gegen Julius Kausmann, Blusen- geschäst, Schmidstr. 24- 25, aus Zahlung von 15,35 M. an rück- ständigem Lohn. Der Kläger hat eine Weihnachtsgrati» sikalion von 20 M. erhalten, die die'er als eine billige Eni- schädignng iür die in großer Zahl gelenietei, Ueberslunden hält. Der Be- klagte ist jedoch der Ansicht, daß das Weihnachtsgeschenk nicht für lieber» stunden gegeben wird, den» für dieie stände dem Kläger kein An- ipruch ani Enlschädignng zu. Da§ Gcichenk werde vielmehr gegeben, um ArbeitSirendigkeit und Eifer für künftig z» erhöhen. Der Kläger sei aber so„undankbar" gewesen, am 31. Dezember seine Enllarnmg zu fordern; deshalb Halle sich Beklagter für berechtigt, dieses Ge- schenk zurückzufordern und gegen den Lohn aufzurechnen. Das Gericht belehne den Beklagten, daß eine Aufrechnung nach§ 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs unznlässig sei. Hierauf zahlte der Be- klagte im Bergleichswege die geforderte» 15,35 M. 4. Verwirkter Entschädigungsanspruch. Der Schneider Z. klagte gegen die Firma Haake, Inhaber Jacoby, aus Zahlung einer vierzedntägigen Lobnentschädigung. Die Beklagte wendete ein. daß der Kläger, der schon vordem zweimal bei ihr gearbeitet habe, von früher wisse, daß Kündigungsfnst ausgeschlossen sei. Außerdem habe er seinen Anspruch nicht bei der Entlassung, sondern erst vier Tage später geltend gemacht. DaS Gerich l wies den Kläger mit der erhobenen Klage ab, da an- genommen werden muß, daß er bei der Einlassung mit dem Aus- ichluß der Kluidigungsflist einverstanden war. Er könne deshalb nicht mehrere Tage später einen Entschädigungsanspruch gellend machen._ Zur Pleite der Milchzentrale. Die von der Milchzentrale nach Eintritt ihrer Liquidation gefaßten Generalversammlungsbeschlüsse, gegen die seinerzeit Rechts- anwalt Dr. F l a t a u zusammen mit verschiedenen bäuerlichen Ge- nossenschaften und Untergenosscnschasten der Milchzentrale Protest eingelegt hatte, wurden gestern durch Urteil deS Land» gerichtS I für nichtig erklärt. Die Nichtigkeitserklärung bezieht sich im besonderen auf den Beschluß, der die Fortsetzung deS Geschäftsbetriebes der Milchzenlrale trotz der Liquidation gestattete, sowie aus Genehmigung der Liquidationsbilanz, in der ein kleiner Ueberschutz der Aktiven über die Passiven herausgerechnet war. Tie Gegner hatten die Ansicht vertreten, daß in Wahrheit eine Ueber« s ch u l d u n g vorliege, die zur sofortigen Konkurseröffnung und damit zur Einleitung der Rcgrcßklagen gegen die bisherigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder nötige. Wann wird endlich strafrechtlich gegen die Konkursifexe vor» gegongen werden, die so viele Kleinbauern geschädigt haben? Was alles zu den Ausgaben der Polizei gehört. Wie alljährlich, zu Beginn der Karnevalszeit, sucht auch in diesem Jahre der Pvlizeipräsident in bürgerlichen Zeitungen Dienst» mädche», die sich verheiraten möchten, um ihnen eine Ausstattung im Betrage von 600 M., die aus einer Stiftung stammen, zuwenden zu können. Drei solcher Prämien sind in diesem Jahre zu vergeben. Natürlich müssen eS ganz hervorragende Musterexemplare sein, diese Dienstmädchen, die zur Prämiierung würdig befunden werden wollen. Folgende Bedingungen werden gestellt: Die Dienstniädchen müssen bei einer und derselben Herrschaft in Königsberg 10 Jahre gedient haben und sich dann verheiraten. Sie müssen sich treu und gehorsam gegen die Herrschast gezeigt, sich der Wohrhafligkeit beflissen haben und auch von keuichen Sitten und frommer züchtiger Führung gewesen sei» und sich über die angegebenen Erfordernisse durch Zeugnisse: 1. der Dienst- Herrschaft, 2. des zuständigen Geistlichen und 3. des zuständigen Polizeitommissars ausweisen können. Die Polizei, bei der die Meldungen zu erfolgen haben, hat auch die Würdigkeit des Bräutigams, von dem ähnliche Tugenden verlangt werden, zu prüfen._ Karfreitag ein allgemeiner Feiertag? Das sogenannte Karfreitagsgesetz vom 2. September 1899 be» stimmt im Absatz 2 seines einzigen Paragraphen, daß in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung die bestehende hertömm- liche Werktagstätigkeit(auch gewerbliche) am Karfreitag nicht verboten werden soll«, es sei denn, daß es sich um öffentlich bemerk- bare oder geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handele. Auf dies Gesetz berief sich der Landwirt Latvjowsky in Groß-Gutschin, der wegen Inbetriebnahme eines Göpelwerks am Karfreitag auf Grund der Verfrommungs- Verordnung für die Provinz Posen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Nach dem Gesetz hatte er, wie er annahm, in Groß» Gutschin das Recht gehabt, am Karfreitag arbeiten zu lassen.— Das Kammergericht verwarf aber dieser Tage daz Rechtsmittel. Es ging von folgenden Erwägungen aus: Wie der Eingang des Karfreitagsgesetzes ergebe, sei das Gesetz nur für diejenigen Landes- teile erlassen, in welchen der Karfreitag nach den bestehenden Ge- setzen nicht die Eigenschaft eines allgemeinen Feiertags habe. Hier komme ihm aber diese Bedeutung zu. Es sei das Edikt vom 28. Januar 1773 maßgebend, da das fragliche Gebiet des jetzigen Landkreises Bromberg damals schon zu Preußen gehörte. DaS noch rechtsgültige Edikt ordne an. daß der Karfreitag mit Eni- Haltung der Arbeit zu feiern sei. Das Edikt sei ausweislich der Ueberschrift allerdings zwecks Einschränkung der Feiertage in den cvangelisch-reformierten und lutherischen Kirchen ergangen. Es sei aber nicht etwa nur auf die Angehörigen dieser Kirchen be- schränkt. Vielmehr habe eS ganz allgemeine Gültigkeit und beziehe sich auf die sämtlichen Angehörigen derjenigen preußischen Lanoe, für die es seinerzeit erlassen sei. Unter anderem ergebe sich daS auch aus dem Inhalt. Im 8 8 werde es beispielsweise„jeder» männiglich" befohlen, die Borschrist des Edikts zu beachten. DaS Edikt gebe orm Karfreitag den Charakter eines allgemeinen bürger- lichen Feiertags. Da es im hier fraglichen Gebiet gilt, so kmnme es nicht darauf an, ob in des Angeklagten Wohnort die Bevölkerung überwiegend katholisch sei. Er hätte die Vorschriften über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage auch am Karfreitag beachten müssen. Verantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Lerlin-Rixdorf. Für deaJnseratentcilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 21. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 26. Januar 1909. Teuer Schrecken in Süd- Italien. Neue, zum Teil starte Erdstöße werden aus Sizilien und Calabrien gemeldet. Die Nachrichten lauten im einzelnen: Mesfina, 23. Januar. Heute abend 7 Uhr 30 Min. wurde eine febr starte Erderschütterung wahrgenommen, die acht Sekunden anhielt und auch an Bord der Schiffe gefühlt wurde. Die Baradenbauten am Lande gerieten ins Wanten. Die Bevölkerung ist lebhaft beunruhigt. Messina, 24. Januar. Um 5 und 6 Uhr nachmittags wurden wieder turze Erdstöße wahrgenommen, die mit dumpfem, donnerähnlichem Geräusch verbunden waren. Ebenso wurde in Milazzo eine starke Erderichütterung verspürt, die große Verwirrung unter den Einwohnern hervorrief. Regnio, 28. Januar. Um 7 Uhr 20 Min. abends ereignete sich ein leichter Eidstoß, dem 7 Uhr 24 Min. ein febr heftiger Stoß bon furzer Dauer folgte, der an Stärke dem vom 28. De zember gleichfam. Mehrere bereits beschädigte Mauern stürzten ein. Der Bevölkerung hat sich großer Schreden bemächtigt. Reggio, 23. Januar. Auch in Balmi, Bagnara, Scilla und Billa San Giovanni wurde ein sehr heftiger Erdstoß berspürt. Menschen find nicht zu Schaden gekommen. Reggio, 24. Januar. Infolge der Erdstöße, die sich gestern abend ereigneten, ist der Tunnel zwischen Villa San Giovanni und Scilla eingestürzt. Die Eisenbahnverbindung war bis heute nachmittag unterbrochen. Die Zahl der Opfer. Nachdem die Zivilregister in der fizilianischen Erdbebengegend wieder errichtet worden sind, ist es den italienischen Behörden möglich, die Anzahl der fehlenden und vermißten Personen genau festzustellen. Man tommt zu dem Schluß, daß aus Meifina, Reggio und den anderen durch das Erdbeben zerstörten Städten und Ort schaften 198 000 Menschen verschwunden sind, wobei von denjenigen, welche sich in die Umgegend geflüchtet haben, gänglich abgesehen wird. Die Verlustgiffer, welche unsprünglich auf 200 000 Opfer geschätzt wurde, war also feineswegs übertrieben hoch angenommen worden. Seit Freitag scheint die Sonne in Messina. Die Stimmung der Einwohner hat sich gebeffert, neue Baradenläden wurden ers öffnet. Die Ausgrabungen der Trümmer durch Privatpersonen unter polizeilicher Kontrolle nehmen zu. Infolgedessen wurden neue Leichen gefunden, bis jetzt neunzig. Ueber einen heftigen Ausbruch des Aetna werden am Montag nach Meldungen italienischer Blätter alarmierende Nachrichten verbreitet. Ein Wolff- Telegramm aus on Rom vom 25. Januar berichtet dagegen: Die Meldungen verschiedener Blätter über einen Ausbruch des Aetna sind der" Agenzia Stefanie" zufolge unbegründet Aus der Partei. Großindustrie mit ihren Ungetümen, die alle Individualität erstiden, alles zu ihren willenlosen Stlaven machte. Zu einer Pyramide formen sich die Linien, die der Entwickelung Gang im rheinisch westfälischen Industriegebiet markieren. Hier das Bild in einigen groben Strichen: 1878 1890 1900 1907 In die Sohlenbergbau. Produktion 230 558 0. 1800 1850 1900 1907 1 665 662 . n . $ 59 618 900 " 80 182 647 " Belegschaft 1546 12 741 226902 303 475 Rots und Brikett Herstellung. 1836 1850 1882 1900 1907 Erzeugung in Tonnen Kots 1130 73 228 1.926 640 Briketts 22 158 8.809 864 1571-39 15 862 566 2933 401 Roheisenerzeugung( Deutschland) Tonnen überhaupt 2 147 641 4 658 451 8 520 540 18 063 316 pro Kopf der Bevölkerung 1861-64 1876-80 1900 1907 21,8 kilo 51,2" 151.47" 209,87, Gerichts- Zeitung. Ein Pädagoge, der allzu eifrig zugehauen hatte, stand gestern in der Person des Gemeindeschutrektors Neumann Il von der 43. Stnaben- Gemeindeschule( Grünthaler Straße) am Montag vor dem Amtsgericht Berlin- Wedding. Er trat auf als Beuge gegen die Mutter eines von ihm sehr nachdrücklich gezüchtigten Schülers, gegen eine Frau K., die dem Herrn Reftor infolge der von ihm an ihrem Sohn vollzogenen Brügelegetution gefagt haben follte, er sei ein Schuft. Es handelt sich hier um ein Vorkommnis, das schon um reichlich ein halbes Jahr zurückliegt; im Vorwärts" wurde im Juni vorigen Jahres darüber berichtet. Herr Neumann hatte über den lärmenden Auftritt, den er mit der Mutter scines Schülers gehabt hatte, der Schuldeputation Bericht erstattet, und diese war dann gegen Frau K. mit einem Strafantrag wegen Beleidigung des Rektors vorgegangen. Vor Gericht bestritt Frau K., die zur Anklage stehende Neuße rung getan zu haben. Sie wurde aber belastet durch die Aussagen des Reflors Neumann sowie des Fortbildungsschuldirektors Frauendienst, der zufällig den Schluß des Streites mitangehört hatte. Frau A. sei, so bekundete Herr Neumann, zu ihm gekommen, um ihm wegen der Abstrafung des Knaben Vorwürfe zu machen. Er habe ihr gefagt, nun wundere er sich nicht, daß der Junge so sei. Darauf habe sie die Behauptung aufgestellt, daß er den Sohn Hund" ge Kohlenproduktion des letzten Jahres teilen sich schimpft und mit dem Fuß gestoßen habe. Er habe sie aufgefordert, 161 Werke, die 6293 Maschinen mit 894 998 Personen in Betrieb mit ihm in die Klasse zu gehen, damit der Sachverhalt durch Verhatten. Im Jahre 1851 berfügte der Ruhrbergbau über nehmung anderer Schüler festgestellt werde, fie aber habe das 142 Dampfmaschinen mit insgesamt 9845 Personen. Und während nicht gewollt. Schließlich sei sie weggegangen und habe dabei die er im Jahre 1881 zur Abfuhr der gehobenen Schäße 1967 900 Tür hinter sich zugeworfen. Als er hinter ihr her gerufen habe, Eisenbahnwagen benötigen, stellte sich die Wagenzahl für 1907 auf daß er sich das verbitte, habe sie zuletzt nochmal die Haustür auf6 768 700 Wagen. Hochofenwerke waren im letzten Jahre 104 in gerissen und hineingeschrien: Sie sind ein ganz großer Schuft!" Betrieb; Eisengießereien 288, Schweißeifenwerte 123 und Fluß- Die Angeklagte brachte zu ihrer Verteidigung nichts vor. Dagegen eisenwerte 221. Von der rapiden Produktionszunahme der fühlte offensichtlich der Herr Rektor das Bedürfnis, vor Gericht deutschen Eisenwerke geben folgende Augaben eine Vorstellung. Es sich von vornherein gegen den Verdacht zu wehren, daß er den wurden z. B. gewonnen: Gußeisen 1. Schmelzung To. 2. Flußeisen- Blöde zum Verkauf To.. " Blooms, Knüppel, Plas tinen usw. To. Fabrikate To. Eisenberarbeitung zusammen To.. 1898 45 440 1572 975 441 601 996 572 4 352 831 8 559 693 1907 71 377 2 499 355 670 882 1969 074 8728 551 14 583 837 Jungen reichlicher gezüchtigt habe, als vielleicht nötig gewesen sei. Begonnen hatte er seine Zeugenaussage mit der Bitte, die Ursache des ganzen Streites mit Frau R. vortragen zu dürfen, und der Vorsitzende forderte ihn dann ausdrücklich hierzu auf. So erfuhr man, welche Vorstellung Herr Neumann selber sich von jener Brügelegetution macht. Der Zeuge gab an, der Schüler K. sei ihm schon von früher her bekannt gewesen als ein Junge, der sich Verfehlungen habe zuschulden kommen lassen. Er erwähne dies, um Diese Produktion ist fast vollständig im Deutschen Stahlwerks- zu zeigen, daß er Grund genug gehabt habe, desi Schüler mal berband organisiert. Die diefen angeschloffenen 382 Unternehmer energisch abzustrafen. Sodann schilderte er den Anlaß, bei dem er find mit rund 6,2 Millionen Tonnen Produkten A Halbzeug, das habe tun müssen. In der Schule sei die Wiederimpfung der Eisenbahnmaterial, Formeisen und mit rund 6 Millionen Tonnen Zwölfjährigen ausgeführt worden, später habe der Jmpferfolg konStabeifen, Walzdraht, Bleche, Röhren, Guß- und trolliert werden sollen, und er habe die Geimpften dringend erProdukten B Schmiedestücke beteiligt. Und im Stahlwerksverband find es mahnt, die Stontrolle nicht zu versäumen. A. aber, ber gleichwieder neun ganz große, die rund die Hälfte der Gesamtbeteiligung falls geimpft worden war, sei nicht zur Zeit nach dem Schulhaus auf sich vereinigen und dazu auch noch einen erheblichen Bruchteil an der Grünthaler Straße gekommen, wo die Geimpften sich verder Kohlen- uod Koksproduktion. In welchem Umfange diese Werke sammeln sollten, und habe sich auch nicht im Schulhaus an der an den Produktionsmengen beteiligt find, zeigt diese Tabelle: Christianiastraße eingefunden, wohin die Versammelten sich zu be Beteiligung beim geben hatten. Das sei dem Rektor am anderen Tage gemeldet Stahlverband worden. Wir wollen hier einschalten, daß behauptet wird, S.set Der 1. württembergische Reichstagswahlkreis Produkte seinen Kameraden nachgelaufen und sei in der Christianiastraße ( Stuttgart- Altstadt und Land) hielt am Sonntag, den 24. Januar, B noch so rechtzeitig eingetroffen, daß auch er vom Impfarzt kone in Degerloch seine diesjährige Generalversammlung ab. Die To. trolliert wurde. Dem Lehrer, der in der Grünthaler Straße dic Zahl der organisierten Barteigenoffen ift 5828 in 28 Vereinen. 450 090 Jungen antreten ließ, sei das entgangen, weil der sie nicht nach Die Zunahme im bergangenen Jahr beträgt 379. Die wirtschaftliche Arise erschwerte die Gewinnung neuer Mitglieder, eine nicht der Christianiastraße begleitet habe. Auch in jenem Vorwärts geringe Anzahl mußte anderswo ihr Brot suchen. Die Einnahmie Artikel war das gesagt worden, aber vor Gericht wurde es in der pro 1908 beträgt 10 466 M., die Ausgabe 8666 M., das Vermögen Aussage des Nettors nicht erwähnt. Dieser bekundete, er habe 2631 M. Die Urabstimmung zur Aufstellung der Kandidaten aum 283 517 nun den Jungen verhört, St. aber habe mit einer Ausrede geant Reichstag, zum Landtag, zu den Parteitagen und Internationalen 164 177 wortet. Er habe dem Jungen zunächst eine Backpfeife gegeben, Stongressen hat sich im allgemeinen bewährt und wird beibehalten. 130 454 sodann habe er sich den Stock reichen lassen und K. aufgefordert, In den Rathausern ist die Partei durch 87 Genossen bertreten, 296 419 fich zu bücken. Da der das nicht tat, so habe er energisch ein. bon denen 28 dem Gemeinderat, 59 dem Bürgerausschuß angehören. Gute Hoffnungs- Hütte Eine rege Debatte entstand über die Abstimmung der Land28 895 707 4 866 562 2 807 582 3 084 159 greifen zu sollen geglaubt. Er bitte, zu berücksichtigen, daß anderen. tagsfrattion zum Simultanschulantrag der Schul- Zum Schluß sei mun noch illustriert, in welchem Verhältnis die falls die ganze Disziplin gefährdet gewesen wäre. Schließlich habe kommission des Landtags, bei der die Frattion in drei Teile zer- neun Werte an der Gesamterzeugung beteiligt sind. Aus den er K. über den Rücken geschlagen, und dann habe der Junge sich ficl. Bekanntlich stimmten 7 Genoffen gegen den Antrag, 3 dafür, diversen Angaben gewinnen wir folgende Uebersicht. Es betrug: fofort hingefeßt. Ueber die Bahl der Schläge fagte der Beuge nichts, Krupp Deutscher Kaiser. Gelsenkirchen. Phönig Rhein. Stahlwerke Höich. Union Bochumer Verein a Kote Kohlen förderung erzeu gung A To. 2160 527 2 524 557 To. 617 263 732 282 8 395 890 1 719 287 4 016 438 542 325 1112.802 343 026 1 130 261 884 337 849 554 2 821 841 160 143 299 551 109 276 348 409 To. 526 827 355 000 283 604 430 454 273 305 170 990 272 319 205 503 289 580 in Deutschland Zonnen der Shnbitats der neun zechen Unternehmen Zonnen Tonnen 148 222 886 21 938 038 im Stahlverband Beteiligung in: Produkten A.. 80 156 283 14 407 350 23 895 707 4866 562 225 000 699 177 216.000 Auf d. neun und auch darüber machte er keine Angabe, welche Wirkung sie Unternehm. hatten. Er schloß seine Selbstverteidigung mit den Worten: Also entfallen v. das war die Züchtigung!"- und ging dann über zu der schon oben der Gesamt wiedergegebenen Schilderung des Streites mit der Mutter. Der produktion Proz. Amtsanwalt beantragte gegen Frau K. eine Woche Gefängnis. 16,7 Frau K. wagte nur die Einwendung, es habe sich doch um ihr Kind 22,2 gehandelt, und übrigens sei doch der Junge zum Abimpfen gegangen. Das Gericht entschied, es liege eine sehr grove Beleidi gung vor, dafür sei die Angeklagte obwohl sie bisher unbestraft 5 verließen den Saal. Von den vier Landtagsabgeordneten der Stadt und des Oberamts, Hildenbrand, Heymann, Fischer und Reichel, wurde folgende Erklärung abgegeben: Die Abgeordneten für Stuttgart Stadt und Amt, Fischer, Heymann, Hildenbrand und Reichel, erklären: Die Bersplitterung der Landtagsfraktion bei der Abstimmung über den Kommissionsantrag betr. die fakultative Simultanschule war von Kohlenförderung feinem Mitgliede der Fraktion beabsichtigt, sondern wird vielmehr Kotsherstellung. von der gesamten Fraktion lebhaft bedauert. In der Beurteilung des sachlichen Werts der in Frage kommenden Gefeßesbestimmung waren und sind sich die Fraktionsmitglieder einig. Eine taktische Meinungsverschiedenheit bestand nur über die politische Wirkung der beabsichtigten Ablehnung dieser Bestim Gine gewaltige foziale, wirtschaftliche und politische Macht ist mung. Sierüber ist die Aussprache in der voraufgegangenen da in wenigen Händen konzentriert. Die Großindustrie ist auch die Fraktionsfißung nicht in ausreichendem Maße erfolgt, zumal an ihr nicht alle Mitglieder der Fraktion hatten teilnehmen Quelle der brutalsten Scharfmacherei. Alle antisosialen und ausfönnen. Somit erklärt sich die Verschiedenartigkeit der Abstim- nahmegesetzlichen Bestrebungen sind mindestens zu großem Teile mung aus mehr äußerlichen zufälligen Umständen, der Niederschlag großindustrieller Willenshundgebung. deren Wiederkehr, angesichts des einmütigen Bebauerne der Fraktion über den Vorfall selbst als ausgeschlossen gelten fann." Eine von zwei Mitgliedern der Konferenz dazu gestellte ResoIution besagt: Die Kreisgeneralversammlung nimmt von der Erklärung der bier Abgeordneten Stenntnis und erklärt sich mit den darin enthaltenen Zusicherungen für die zukünftigen Abstimmungen einverstanden." Diese Resolution tourde angenommen. Abgelehnt wurde eine von der Vertrauensmännerversammlung des Bezirks Heslach gestellte Resolution, die folgenden Wortlaut hat: " Die heute, den 24. Januar, in Degerloch tagende Wahlkreisfonferenz erblickt in der zersplitterten Abstimmung und Nichtabstimmung eines Teiles der sozialdemokratischen Landtagsfraktion beim fakultativen Simultanschulantrag eine bedauerliche Schädigung des Ansehens der Partei. Sie spricht die bestimmte Erwartung aus, daß im Jnteresse der Würde und des Ansehens derselben sich solche Vorgänge nicht mehr wiederholen und daß fich die Fraktion einer Geschlossenheit befleißigt, die allein Erfolge nach außen und gedeihlichen inneren Frieden verspricht." Aus Induftrie und Handel. Industrielle Ungetüme. " B 6 203 498 5 975 119 2 807 582 3 084 159 45,3 51,6 Folgen der agrarischen Beutepolitik. Die Handelskammer Stuttgart schreibt in ihrem Jahresbericht unter anderen: Als erschwerende Hauptmomente, die dazu beitrugen, das Ende der Hochkonjunktur herbeizuführen, sind noch die zunehmende Verteuerung wichtiger Lebensmittel und die durch die Lebensmittelverteuerung zum großen Teil veranlaßte oder doch berstärkte Berteuerung der Arbeitskraft in Gestalt von Lohnerhöhungen hervorzuheben. Unter den Lebensmitteln gingen zwar die Vieh und Fleischpreise, zumal die Schweinepreise, etwas zurüd; der Kleinhandel schloß sich diesen Preisermäßigungen aber nicht in entsprechendem Umfange an. Verschlimmernd wirkte, daß die Preise auch anderer unentbehrlicher Lebensmittel, insbesondere die Getreides preise sich nicht nur auf der bereits beträchtlichen Höhe des Vorjahres hielten, sondern zum Teil noch bedeutend stiegen. In welchem Maße die neuen Handelsverträge an der Befchleunigung des Rüdganges mitschuldig waren, läßt sich noch nicht mit Sicherheit feststellen. Außer Zweifel aber steht gerade nach den Erfahrungen des Jahres 1907, daß fie zur Erfchwerung und Verschärfung der wirtschaftlichen Lage von Industrie und Handel beigetragen haben. Die Anstrengungen der deutschen Industrie, das Abflauen des Absatzes im Julande durch eine gesteigerte Ausfuhr auszugleichen, find, wie zahlreiche Klagen auch innerhalb des Stuttgarter Kammerbezirtes erweifen, vielfach mißlungen. Namentlich gegenüber der Schweiz, Rußland und DesterreichUngarn wurde die Ausfuhr durch die neue Handelspolitik zum Teil erheblich erschwert, zeitweise fogar für gewiffe Artikel ganz unterbunden. Deutschlands industrielle Entwidelung hat in den letzten Jahrgehnten eine für den Gegentvartsblid faum faßbare Entwidelung genommen. Um zu erkennen, wie schnell, fast toie über Nacht, aus Milliardenfegen für die Junker, Arbeitslosigkeit und Berbefcheidenen Anfängen eine Maffenfabrikation sich herausgewachsen teuerung der Lebenshaltung für die Arbeiter, das ist der Segen hat, muß man rüdwärts schauen. Wie der, vielleicht von eines agrarischer Wirtschaftspolitit. Und damit die Bollwucherer ihre Beute flüchtigen Tieres Huf auf dem Gipfel des schneebedeckten Berges ge- ungestört genießen können, bedrohen sie das Bolt mit neuen AusLöfte Stein im Hinunterrollen zur Riefenlavine anwächst, so aus nahmegefeßen. Modernisierte Schnapphahnpolitik! der primitiven Kohlengewinnung und Eisendarstellung die moderne! ift! mit fünf Tagen Gefängnis zu bestrafen! Auf Gefängnis sei erkannt worden, um die Rektoren vor derartigen Beleidigungen zu schützen, man habe aber auf eine jo geringe" Gefängnisstrafe erkannt, weil auf die sehr große Erregung der Frau K. Rücksicht genommen wurde. Wir wollen diesem Urteil nichts weiter hinzufügen als das Attest des Arztes, dem am Tage nach jener Brügelegekution der geprügelte Junge vorgestellt wurde. Das Attest lautet: Es erscheint heute nachmittag der Knabe..., 12 Jahre alt( folgt Wohnungsangabe), mit dem Vater, der mir persönlich bekannt ist, zur Untersuchung. Der Vater gibt an, daß der Junge. in der Schule gestern förperlich durch Schläge mit einem Rohrstoď über Kopf, Arm, Rüden und Bein mißhandelt sei und mit einem Fußtritt in die linke Bauchseite. Die Untersuchung ergibt: Auf dem linken Arm zeigen sich vier Impfstellen, von denen die oberste inmitten einer fünfmartstüdgroßen blaugelben Verfärbung der Haut liegt; auf der linken Schulter zeigen sich mehrere dunkelblaugefärbte Hautstellen, von denen eine zirka zehnpfennigftüd groß ist, zwei andere streifenförmige zirka 5 Bentimeter lang find. Auf dem Rüden, längs des inneren Randes de& Schulterblatts, laufen zwei dunkelblaue Hautstreifen parallel zueinander in der Länge von 20 Bentimetern, in der Breite von 1 Bentimeter. Im spitzen Winkel davon gehen von oben ab zwei andere Hautverfärbungen, 4 Zentimeter lang, 1 Zentimeter breit, dann wird die Haut wieder natürlich gefärbt, um später in der Entfernung von 5 Zentimetern in der direkten Verlängerung der obigen 4 Zentimeter langen Hautverfärbungen zwei zirta 8 Zentimeter lange Hautverfärbungen zu zeigen. Auf dem rechten Schulterblatt zeigen sich zwei 4- Zentimeter lange hellrote Streifen der Haut. Der linke Unterarm zeigt in der Mitte eine querberlaufende Hautverfärbung, 3 Zentimeter lang, 2 Zentimeter breit. Der Kopf zeigt in der Gegend der Stirn und Scheitelbeingrenze rechts und links eine Beule von geringer Höhe. Der Knabe lahmt auf dem linken Bein infolge einer Verlegung in früher Kindheit. Das Bein zeigt auf der Außenseite in der Mitte der Wade eine Durchtrennung der Haut, in der Länge 1% 8entimeter, in der Breite ½ Benti meter, darunter in der Gegend des Fußgelenks eine hellrote Hautverfärbung von zirka 2½ Zentimeter Bänge, darüber in der Gegend des Kniegelenks eine 7 Bentimeter lange, dunkelrole Hautverfärbung. Auf dem Oberschenkel an der Außenseite, sirka in der Mitte, zeigen sich zwei parallel laufende livide Haute terfärbungen von 4 refp. 3 Zentimeter Länge. Auf dem rechten Bein eine livide Hautverfärbung von Zweimartftüdgröße auf ber anerkennen, Innenseite gleich oberhalb des Kniegelents. Die linte Bauch| U. a. hat er sich einmal als Kriminalfommissarius ausgegeben und| später erfolgt, so ist das Gegenteil der Fall. Sie müßten aber möglichst gegend ist schmerzhaft bei Berührungen. Innere Verlegungen sich entsprechende Bisitenkarten bruden lassen. Ein anderes Mal umgehend dem Birt mitteilen, daß Sie die Gültigkeit der Kündigung nicht sind nicht nachweisbar. Die Angaben erscheinen durch den Be- ftahl er Geld und taufte sich einen Revolver, dann wieder hat er Krüger. Das Mädchen müßte sich zunächst an die Polizei fung bestätigt, man tann heute noch von der Haut die Schläge einmal fogar 1000 m. gestohlen. Der Angeklagte sei ein minder- mit dem Antrag wenden, die Herrschaft anzuhalten, sie wieder in Dienst zu nehmen. ablesen, ich zähle mindestens fünfzehn. Es ist anzunehmen, wertiger Mensch, der eher erzogen als bestraft werden müßte. Der mit Aussicht auf Erfolg beim Amtsgericht erhoben werden. Erst wenn die Herrschaft das ablehnt, kann die Klage daß die Beulen am Kopf bereits durch die fühlenden Umschläge§ 51 St.-St.-B. finde auf ihn keine Anwendung. Der Ange- P. K. 29. 1. Nein. 2. Ja. 3. Der Wirt könnte die Miete für die gefallen sind, und daß die Hautverlegungen nicht mehr im ganzen flagte gab an sich seine Missetat zu, blieb aber babei, daß er nur Restdauer einklagen und die nicht umentbehrlichen Sachen einbehalten. Umfang zu konstatieren sind." die Absicht gehabt habe zu stehlen. Daß Mutter und Bruder durch Fahrrad 1908. Ja. Rigdorf 12. E. 1. bis 3. a. 4. Der Bater das Ginatmen des Gases hätten zu Tode kommen fönnen, fei ihm kann die Austrittserklärung für die Kinder abgeben. 5. Für die Austritts. gar nicht zum Bewußtsein gekommen. Medizinalrat Dr. Soff, erflärung wird pro Person 3 M. angefekt. Müller 100. 1. Die Cin mann hatte fich auch darüber zu äußern, inwieweit etwa der§ 229 lösung muß bei der Vorzeigung erfolgen. 2. Im bürgerlichen Gesetzbuch und in dem Anhang zum Arbeiterrecht finden Sie die einschlägigen Be ( Beibringung von Gift) vorliege. Der Sachverständige äußerte sich ftimmungen. Die Bücher liegen in den öffentlichen Resehallen aus. dahin: Beuchtgas fei ein schweres Gift, deſſen Ginatmen bei fehlen hat Recht? 100. 1. Ohne Einsicht in die Bestimmungen des Versiche der Hilfe zum Tode führt. Im vorliegenden Falle sei aber die rungsvertrages und der Police ist die Frage nicht zu beantworten. Menge des einzuatmenden Gases zu gering gewesen, außerdem 2. Je nach Anlaß der Sperre ist aufgebot des Sparkassenbuchs zu habe es sich, da es sich um zwei miteinander in Verbindung stehende veranlassen oder auf Aufhebung der Sperre zu flagen. 2. Ja. Frau K. hat auf der Anklagebant in unbegreiflicher Kopflofigkeit es leider unterlassen, dieses Attest dem Gericht vorzulegen. Hätte sie das getan, so wäre daran zweifeln wir nicht bas Gericht zu einer anderen Meinung über Herrn Nettor Neumann und zu einem minder harten Urteil gegen die Angeklagte gelangt. Ein Jugendlicher unter Morbanklage. Auf das Konto der Lettüre von Werken der Schundliteratur ist die verbrecherische Tat zu sehen, die gestern den 18jährigen Kellner Bruno Wiesner aus Rigdorf unter der Anklage des versuchten Mordes und Diebstahls vor das Schwurgericht des Landgerichts II führte. In der Nacht zum 1. Oktober erwachte die Mutter des Angeklagten aus dem Schlafe und bemerkte, daß fie taumelte. In der Küche fand sie ihren Sohn Bruno, der seine Stirn mit Effiglappen fühlte, weil er angeblich Kopfschmerzen hatte. Neben ihm fand sie ihr Portemonnaie, ferner Uhr und Stette und die Manschettenknöpfe ihres Sohnes Alfred. Sie medte den Sohn Alfred; dieser nahm zunächst Gasgeruch wahr und stellte fest, daß die Gashähne geöffnet waren. Außerdem fanden sich mit Spiritus getränkte Lappen, mit denen sie und ihr Sohn Alfred wohl hatten betäubt werden sollen. Der Angeklagte hat zugegeben, daß er die Gashähne und dann die nach der Schlafftube führende Tür geöffnet habe, um den Zutritt des Gases nach den Schlafräumen der Mutter und des Bruders zu ermöglichen. Er gab zu, daß er die bei ihm gefundenen Gegenstände habe stehlen wollen, bestritt aber, die Absicht gehabt zu haben, Bruder und Mutter 34 töten, will vielmehr nur geplant haben, beide zu betäuben, damit er den Diebstahl ausführen fönnte. Er will erst versucht haben, die Betäubung durch mit Spiritus getränkte Rappen zu bewerk. stelligen, er habe dann aber befürchtet, daß durch Serabfallen des Spirituspfropfens Mutter und Bruder aus dem Schlafe gewedt werden könnten. Der Angeklagte ist durch Medizinalrat Dr. Hoffmann auf seinen Geisteszustand untersucht worden. Dabei ist festgestellt worden, daß der Angeklagte mit Vorliebe Räuberromane, Buffalo Bill, Nid Carter und ähnliche Bücher gelesen hat. Seine Phantasie ist durch Hintertreppenromane aller Art lebhaft erregt worden und er hat schon verschiedene Dummheiten begangen. Urania. Für den Inhalt der Inserate übernimmt bie Redaktion dem Wissenschaftliches Theater. Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Theater. Dienstag, ben 26. Januar. Anfang 7%, Uhr. Königl. Opernhaus. Fra Diavolo. Königl. Schauspielhaus. Mrs. Dot. Deutsches. Revolution in Sträh winkel. Stammeriptele. La Gioconda. Anfang 8 Uhr. Nenes Schauspielhans. Faust. Anfang 8 Ibr. Neues. Die fremde Frau. Leffing. Der König. Berliner. Einer von unsere Leut'. Kleines. Moral. Komische Oper. Tiefland, Bebbel. Die Revolution hochzeit. Lustspielhaus. Die deutschen Stlein. städter. Residenz. Kümmere dich um Amelte, Schiller 0.( Wallner Romteffe Guderl. Stealer.) Schne Charlottenburg. Boltsfeind, Ein Brieriilhelmstädt. Hufaren fieber. Weften. Der tapfere Goldat. Thalia. Mein Leopold. Luifen. Das Mädchen auf Jrrwegen. Trianon. Der Satyr. Nenes Overetten. prinzessin. Die Dollar Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Unf. 8%, Uhr) Bernhard Roie. Die Räuber. Taubenstraße 48/49, Abends 8 Uhr: Sizilien. Briefkaften der Redaktion. 1 Wer Stuben handelte, zu sehr verdünnt und die Zeit, die zur Ginatmung Detmold. 1. Nein. Es sei denn, Subhastation liegt vor. Jda 1000. Nein. M. 2. 27. Auch ein Dissident muß den Eid Gebote ſtand, ſei zu kurz gewesen, um einen tödlichen Erfolg Telften, Walter 11. 1. Der Anspruch verjährt erst in 30 Jahren. Schuldfrage nach Diebstahl. Der Staatsanwalt beantragte sechs herbeiführen zu können. Die Geschworenen bejahten nur die 2. Das von Ihnen Borgetragene ist auf die Zahlungspflicht ohne Einfluß. Monate Gefängnis. Das Gericht entsprach diesem Antrage, rech Bild verzichtet, wenn sie dies nicht innerhalb brei Tagen erhält. Nach Ab8. 2. 157. Ihre Mutter müßte zunächst mitteilen, daß fie auf das nete aber dem Angeklagten zwei Monate. Untersuchungshaft auf lauf der Frist kann sie auf Rückgabe und auf Schadenersaz klagen. Wieber. die Strafe an. holt haben wir gewarnt, derartige Bestellungen nicht zu machen, wenn man fich nicht von der Neellität vorher genau überzeugt hat. R. 8. 14. Leider steht Ihrem Vater nur die Invalidenrente zu. F. B. 90. Ja. W. W., Wrangelstr. 91. Ein außerehelicher Erzeuger wird von feiner Pflicht zur Mimentenzahlung keineswegs dadurch befreit, daß das des Kindes hat der außereheliche Bater nicht. Mädchen in eine Heirat mit ihm nicht willigt. Gin Recht auf Herausgabe August G. Da Sie die Unterschrift geleistet haben, sind Sie leider an die Abmachung gebunden. M. S. 34. Nein. Es kann nur auf Herstellung des ehelichen Lebens geflagt werden. 02. 3. 49. 1. Leider ja. 2. Nein. Krankenkasse. Der Betreffende könnte mit Aussicht auf Erfolg auf Nachzahlung bei der Aufsichtsbehörde klagen. Metallarbeiter. Sie müssen sich direkt an den Vorstand des Verbandes wenden. Abonnent W., Britzerstraße. Ja. Zentrale für Auswanderer, W., Schellingstr. 4 . S. 29. Schiller, Band I., Kenien Pflicht für jeden".- M. S. 43. Gilig 1886. 1. Durch die Gewerkschaftskommission, Engelufer 15. 2. Diffident iſt, wer feiner staat. lich anerkannten oder unterstützten Kirchengemeinschaft angehört. 3. Auf Grund von Dienstbefehl, ja. 1789. Beide Bücher dienen geschäft lichen Unternehmungen, über die wir ein Urteil grundsäglich nicht abgeben. Briefkaften der Expedition. Ste juriftliche Sprechstunde Andet Lindenkrake Nr. 3, weiter Sof, britter Gingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9½ lbr ſtatt. Geöffnet 7 1hr Buchstabe und eine Bahl als werkzeichen beizufügen. Brieflime Antwort Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage vergeben. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. der in Gegenwart des Angeklagten( oder bei Beleidigungssachen der B. K. In Strafsachen ist die Berufung innerhalb einer Woche nach Barteien) erfolgten Berkündung des Urteils einzulegen. t das Urteil nicht in Gegenwart des Angeklagten verkündet, so rechnet die Frist vom Tage der Zustellung des Urteils ab. Im ersten Fall wird erst nach Einlegung der Berujung das. Urteil( ohne besonderen Antrag) zugestellt. Hierauf tann bie betreffende Bartet eine schriftliche Berufungsrechtfertigung einreichen, in der sie angibt, aus welchen Gründen fie das Urteil angreift, welche Beugen fie geladen wissen will und was die Zeugen bekunden sollen. Alsdann erfolgt feitens des Landgerichts Bescheid auf die Beweisanträge und Anberaumung eines Termins. Sie tönnten, freilich mit wenig Aussicht auf Erfolg, Beschwerde beim Vormundschaftsgericht führen. 8wedmäßig wäre es, falls die großjährige Mutter den Austritt ihres Kindes aus der Stirche bewirtt. 23. 13. Ja. J. 2. Ist der Zuschlag des Hauses im dritten Quartal und bie Kündigung bis zum 3. Dftober erfolgt, so ist sie rechtmäßig. 3ft fie erft Eberswalde. Die Mutter und Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Komtesse Guckerl. Luftspiel in 3 Aften von Franz von Schönthan und Franz Koppel- Elfeld. Hörsaal 8 Uhr: Konstruktions- Dittwoch, abends 8 1 br: ingenieur A. Keßner: Moderne Bum erftenmal: Das kleine Heim. 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Januar, nach mittags 2 Uhr, vom Trauerhause Greifenhagener Str. 77 aus nach Gethsemane Friedhof in Nieder- Schönhausen statt. dem . Um rege Beteiligung ersucht 224/9 Der Baritanb. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Bernhard Krieg am 22. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 26. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Zions- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen Nordend aus statt. 18/4 a Die Ortsverwaltung. Am Sonnabend starb nach längerem Leiden unser Steber Sollege 7385 Johannes Buck Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. d. W., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmausfirchhofs in Briz aus statt. Die Kollegen der Pianofabrik von R. Jörs u. Kallmann. Todes- Anzeige. Gestern starb nach langem, schwerem Leiden meine Frau Anna Moshage geb. Weber. Beerdigung: Dienstagnachmitt. 4 Uhr auf dem Bentral- Friedhof Friedrichsfelde. 7280 Der trauernde Batte W. Hoshage, Siechenhaus 3, Zimmer 5. Statt besonderer Anzeige! Am 23. Januar entschlies nach furzem, schwerem Leiden mein lieber Mann und herzensguter Bater, Schrotegervater, Bruder, Schwager und Dntel Max Sellin im 56. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an 7326 Frau Pauline Sellin geb. Herms, Ernst Keiler Frau Emilie 1. geb. Sellin. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 28. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des ElisabethKirchhofes, Aderstraße, aus statt. Allen Freunden und Bekannten bie traurige Mitteilung, daß mein licher Mann August Miseer nach langen Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bittet Luise Mifeer. Die Beerdigung findet am Mitt woch nachmittags 1, Uhr von der Halle des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde aus statt. Sage hiermit allen Teilnehmern an der Beerdigung meines geliebten Mannes und für die zahlreichen Blumenfpenden meinen herzlichsten Dant Witwe Luise Ismer. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz. 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Dr. Schünemann 56232 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. 3. Wahlkreis! Dienstag, den 26. Januar, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Außerordentliche General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Schiedskommission. 2. Vereinsangelegenheiten. Es ist Pflicht aller Mitglieder, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. 218/ 3* Deutscher Metallarheiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3. 1987. Mittwoch, den 27. Jannar, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 10: Branchen- Verfammlung der Drahtarbeiter Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Rehbein. 3. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Wegen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Mittwoch, den 27. Jannar, abends 6 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12: Versammlung der Chirurgischen Branche. Zages Drdnung: 1. Die Sozialpolitik des Neiches." Referent: Reichstagsabgeordneter Karl Severing. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht des aufterft wichtigen und lehrreichen Bortrages werden die Kollegen ersucht, zahlreich zu erscheinen. Graveure! Ziseleure! Mittwoch, den 27. Jannar, abends 8%, Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45: 110/16 Versammlung. 1. Bortrag. 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 28. Januar 1909, abends 8, Uhr: Branchen- Versammlung der Stellmacher im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Kommission. 2. Bericht und Reutvahl der Bentrallommiffion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Wegen der Bichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kommission. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. WollePlüsch- Reste! Moquetts. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Berlin, 158. Emil Lefevre, Oranienstr. Schutzmarke & Jetzt Bockbier überall zu haben in Flaschen, Kannen und Syphons. BOHMISCHES BRAUHAUS Husten Heiserkeit, Katarrh, Krampfhuften beseitigen die ärztlich erprobten Kaiser's BruftKaramellen 5500 not. begl. Beun. bem. den fich. Erfolg. Paket 30 Pf.. Kaiser's Bruft- Extrakt, Flasche 90 Pf. Zu haben in Apotheken u. Drogerien Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 10038* Runithopferei von Frau Kotosty, Schlachteniee, Sturstraße 8, II. Schlafstellen. Schlafitelle, feparat, 2 Herren, Manteuffelstraße 54, Gorfe. 7366 für Klavierarbeiter, Tischler, Maschinenarbeiter und Polierer die Firma Bogs& Voigt, Warschauer Str. 70 und Boyhagener Str. 16a. Kolski in Rigdorf, Weserstr. 107. Für Tischler und Waschinenar: beiter: Boswan& Knauer, Gesellschaft für Bauausführung, Schlesischestr. 29/30. Grünberg, Luxemburgerstr. 32, wegen Nichtbezahlung des Grundtarifes. Deutscher Holzarbeiterverband Ortsverwaltung Berlin. Nr. 21. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 26. Januar 1909. Partei- Angelegenheiten. Fünfter Wahlkreis. 1. Abteilung. Gemeinsame Sigung aller Beztrte der Abteilung heute Dienstag, den 26. Januar. 8 Uhr abends, in den Union- Sälen, Greifswalder Str. 221/222. Adseitigen Besuch der Genossen und Genoffinnen erwartet Der Abteilungsführer. I " nadten Oberarm mit einem Bläuling bezahlen lassen, dies Verbündeten spüren müssen. Auch ist es nicht das erstemal, daß aus gutem Herzen, aus Mitleid für die Armut tun, der fennt der Staat das Interesse der Städte durchaus mißachtet. Jedoch die bersumpfte Moral dieser Kreise noch lange nicht. Es darf es wohl noch nicht dagewesen sein, daß der Fiskus in inniger Verschwisterung mit Privatkapitalisten deren Vorteile gibt da eine ganze Anzahl bildschöner, majestätisch gewachsener höher einschäkt als seinen eigenen und dem privaten Anreißerinnen", die in ewiger Geldklemme sind und zum Gelofack zuliebe direkt zum Schaden des Staatssädels Zwecke des Männerfangs die Wohltätigkeitsverkäufe mit Ber- handelt. Bielleicht bietet sich unseren Parteigenossen im Ab. gnügen gewerbsmäßig betreiben. Obwohl nur selten etwas geordnetenhause Gelegenheit, den preußischen FinanzGenaueres darüber bekannt wird, ist es doch ein offenes Ge- minister wegen dieser kompromittierenden Allianz einmal gehöria Schöneberg. Heute, Dienstag, den 26. b. Mts., abends 8 Uhr, heimnis, daß solche Damen, die oft selbst sieggewohnte Prinzen- vor das Brett zu nehmen. findet die Generalversammlung des fozialdemokratischen Wahlvereins herzen höher schlagen lassen, für ihr Animieren glänzend be Polizei und Hausbesiber. statt in den neuen Rathausfälen, Meininger Straße 8. Die Tages zahlt werden. Man raunt auch von gewissen anderen Gesellordmung lautet: 1. Bericht des Borstandes und der Funktionäre. fchaftslöwinnen, die es durchaus nicht verschmähen sollen, die fannt; die Polizei braucht die Hausbesitzer und die Hausbesitzer Daß Polizei und Hausbesiger eng liiert sind, ist allgemein be 2. Disfuffion. 3. Neuwahlen. 4. Vereinsangelegenheiten. Um zahl Bilanz ihrer speziellen Wohltätigkeitskaffe etwas sehr egoistisch die Polizei. Haben die Hausbesizer besondere Wünsche, so kommt reiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. zu verschieben. Gelegentlich berechnen auch die Macher an ihnen die Polizei, wenn irgend möglich, weit entgegen. Das bes Groß- Lichterfelde. Die Mitgliederversammlung des sozialdemo- der Spike so gewaltige Spesen, daß für die eigentliche Wohl- weist ein Bericht über eine Versammlung des Haus- und Grundfratischen Wahlvereins findet heute abend 8 Uhr im Kaiserhof tätigkeit herzlich wenig übrig bleibt. Der Düpierte ist dann befizervereins Gesundbrunnen, den wir im Grundeigentum" statt. Tagesordnung: 1. Anträge zur Kreisgeneralversammlung. der hohe Protektor, der mit seinem Namen ein paar ganz lesen. In diesem Bericht heißt es: 2. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralverjaminlung. 3. Vereins- gerissenen und charakterlofen Salonhelden, nur nicht der Herr Anflam teilte noch mit, daß ein lange gehegter angelegenheiten. Der Borstand. Wunsch des Vereins in Erfüllung gehen werde, es sei nämlich Armut die Tasche gefüllt hat. Aussicht vorhanden, daß die Polizeibeamten des Gesundbrunnen Wie diese Kreise mit der frisierten Herzensbildung sich vermehrt, der östlich des Bahngleises liegende Teil vom 9. Polizeigegenseitig übers Ohr hauen, das fann uns genau genommen Revier abgetrennt und auch ständige Schußmannsposten in der höchst gleichgültig sein. Das Beschämendste bleibt, daß die Badstraße aufgestellt würden, allerdings schwerlich vor Oktober „ ftolze" bürgerliche Clique und die noch beffere" Gesellschaft 1910. Wegen des in der letzten Sigung geäußerten Wunsches, überhaupt erst des Anreizes eines flangvollen, möglichst ge- einen Polizeihund hierher zu bekommen, habe er sich mit dem fürsteten Namens bedarf, um für wohltätige Zwecke in die Reviervorstand des 9. Polizei- Reviers in Verbindung gesetzt. eigene Hosentasche zu greifen. Denn es ist eine Tatsache, Der Herr habe vorgeschlagen, noch zu warten, er wolle sich bei daß Wohltätigkeitsveranstaltungen und Wohltätigkeitseinseinem Kollegen in einem Nachbarrevier erkundigen, welche Erfahrungen dieser mit seinem Polizeihunde gemacht habe, dann Nieder- Schönhausen. Heute, abends 8 Uhr, findet im Lofal richtungen, selbst solche, deren Kernpunkt auch uns Sozialwerde er uns Nachricht geben, und wenn diese Auskunft Neu- Carlshof", Beuthstraße, Ede Charlottenstraße, die General demokraten ein nicht geringes Interesse abnötigt, nicht auf günftig lautet, möchten wir die Eingabe machen. Die Anwesenden bersammlung des Wahlvereins statt. Tages einen grünen Zweig kommen und feinen nennenswerten finan- waren damit einverstanden, daß so verfahren würde." ordnung: 1. Geschäfts- und Staffenbericht. 2. Neuwahl des geziellen Erfolg haben, sobald es nicht gelingt, eine hochgestellte Ob die Wünsche anderer Staatsbürger auch so freundlich von famten Borstandes sowie der Kommissionen. 3. Vereinsangelegen Person zur Uebernahme des Protektorats zu bewegen. Ob der Polizei berücksichtigt werden? Und die Polizei foll doch für heiten. 4. Berichiedenes. Zutritt nur gegen Mitgliedsbuch. sich wohl mal die meist doch bürgerlichen Veranstalter des alle Steuerzahler da sein! Ober- Schöneweide. Die Generalversammlung des Wablvereins, modernen Wohltätigkeitsrummels auf das Jämmerliche und die ursprünglich am Sonntag stattfinden sollte, aber wegen der Unwürdige ihrer Selbstdegradation vor gezadten Kronen beWahlrechtsversammlungen ausfiel, findet nunmehr heute abend finnen werden? Sicher nicht, solange der Protektor gerade wurde uns gestern von einem Manne überbracht mit der Bitte, die 8 Uhr im Wilhelminenhof statt. gut genug ist, um den Machern vom Ganzen ein Titelchen felbe dem Verlierer wieder zuzustellen. Die Schußwaffe war mit oder Piepvögelchen zu besorgen. Auf diese Waschlappen past fieben Batronen geladen und ist anscheinend auf der Jagd nach vortrefflich der Spottvers, den wir unlängst in einer fönigs- zurichten, haben wir uns erlaubt, die Waffe zu entsichern und die Wahlrechtsdemonstranten berloren gegangen. Um fein Unheil antreuen Zeitung lasen: Stralau. Heute abend 8 Uhr in den Markgrafenfälen, Mark grafendamm 84, öffentliche Veriammlung. Tagesordnung: Deutich land nach außen hui, nach innen?" Referent: Reichstagsabgeordneter Artur Stadthagen. Distuision. Eichwalde. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Mittwoch, den 27., abends 8 Uhr, bei Witte, Eichwalde, statt. Tagesordnung: Vortrag über die politische Bewegung und Kom munalwahlen. Berliner Nachrichten. Unter hohem Protektorat. Serenissimus sitt behaglich am Rofoffoschreibtisch, die langen Bedale weit in das Eisbärfell gewühlt, die wohlgepflegten fleischigen Daumen über der weißen Weste drehend und mit höchst intelligentem Gesichtsausdruck die blauen laffen. Am Golde hängt und niedrigen Begierden Das einst so stolze, freie Bürgertum; Der äußere Glanz und die erkauften Würden Sind leider heute noch sein einziger Ruhm. Fiskus und Terrainspekulanten. Die Poft am 27. Januar. Aus Anlaß des Geburtstages Ringeln feiner Upmann berfolgend. Auch eine Lebens- des Staisers wird am Mittwoch, den 27. Januar in Berlin beschäftigung, die ihm nicht jeder nachmacht. Durchläuchting nur zweimal früh und zwar die erste und zweite Post befind trotz des eben verdrückten, sehr reichlichen Dejeuners stellt. Wir machen insbesondere Inserenten auf diesen Ummit dem zugehörigen flüssigen Stoff etwas ungnädig heute. stand aufmerksam und bitten, Aufträge und Mitteilungen Sind ihm da seit gestern nicht weniger als drei untertänigste für die Donnerstagsnummer uns rechtzeitig zugehen zu Bittgesuche plebejischer Zivilschlote um Uebernahme Allerhöchst Seines Protektorats zwischen die Finger gelaufen. Sein Protektorat! Serenissimus, in geschäftlichen Dingen äußerst gewißt, lacht ironisch hell auf. Er braucht den Weihrauch der Menge, so man Volt nennt, ist gewöhnt daran wie an Cham steuern allmählich den mühelos erworbenen Gewinn zu fassen Während die Gemeinden durch Einführung von Wertzuwache vagner und Trüffeln, und doch verachtet er gründlich dasselbe suchen, scheint der preußische Fiskus sich seiner boltsfeindlichen Bolf. Nervös tippt Serenissimus auf den elektrischen Knopf: Natur gemäß zum Schuppatton und Verbündeten der " Aeh, mein lieber Baron, was ist denn das mit den drei Terraingesellschaften aufwerfen zu wollen. Wir beWischen da? Volt belästigt und ennuyiert mich wieder... richteten fürzlich schon aus der Wilmersdorfer Stadt. Verein zur Verbreitung von Kunst und Wissenschaft unter berordnetenversammlung, daß es der Gemeinde nicht geheilten dioten! Aeh... Idioten, famoses Wort möglich gewesen sei, von den Anliegern mehr als 30 Mart pro find das auch Menschen?" Der Diensttuende mit dem Zwei- Quadratrute Beitrag zum Bau der Untergrundbahn zu erlangen. spitz unter dem Arm knickt noch ein paar Grade tiefer mit als Anlieger kommen fast ausschließlich jene großen Terraingesellschaften in Betracht, die, wie anderswo, so auch in Wilmersdorf, dem feudalen Hinterteil zusammen, stammelt hilflos eine alles noch unbebaute Land in Besitz haben. Nun hatte ein Mann, Erklärung, aus der so etwas wie Halbmenschen herausflingt. von dem alles andere eher als eine Hebe gegen den Besitz zu er ,, Aeh. Halbmenschen, famoses Wort... richtig, hat ja warten ist, der frühere Geschäftsführer des Zentralverbandes deutauch mal Halbgötter jejeben, da oben in Dingsda... Olymp! scher Industrieller, Prof. Dr. Leidig, in der Stadtverordneten Kirchliche Gesellschaft zur fittenreinen Erziehung versammlung die Ansicht ausgesprochen, daß die Stadt Wilmers unehelicher Kinder der besten Kreise. Meh, ausgezeichnet dorf durch geschicktere Heranziehung der Terraingesellschaften beim hat entschieden jefehlt. Also, lieber Baron, ich nehme an, selbstverständlich, auch das dritte Protektorat über die Ausstellung patriotische Lieder singender Kanarienvögel und hurraschreiender Papageien. Gott, man muß doch wieder mal was tun für seine lieben Landeskinder. Wenn doch dieser Plebs wüßte, wie unsäglich schwer das Regieren ist!" Serenissimus winkt gnädigst zum Abgang. Er hat die gute Laune wiedergefunden, freut sich seines landesväterlichen Herzens. Eine Browningpiftole fieben Patronen herauszunehmen, die aber der Verlierer bei der Abholung natürlich mit zurückerhält. Das Schießeifen trägt den Stempel K. P. P. B. Ob das heißen kann: Königliches PolizeiPräsidium Berlin, wissen wir nicht ganz genau. Wir haben aber pflichtschuldigst dem hiesigen Polizeipräsidium von dem Fund bee sonders Mitteilung gemacht, um uns nicht einer Anflage wegen Fundunterschlagung auszuseßen. Wer also auf den Fund Anspruch erhebt, kann sich denselben im Sekretariat der Redaktion abholen. Eine Automobilverkehrs- und lebungsstraße, G. m. b. H." ist begründet worden. Es handelt sich dabei um die Herstellung einer etwa 80 Kilometer langen, staubfreien und vom allgemeinen Berkehr nicht zu ſehr in Anspruch genommenen breiten Straße für Automobilversuchszwede. In Vorschlag gebracht ist die 85 Kilometer lange Chaussee von Potsdam nach Treuenbriegen. Ferner sind vorgeschlagen: eine Straße zwischen Dranienburg- Bernau und Werneuchen und dann zwischen Potsdam- Trebbin- Boffen. Rettungshauses Siloah" haben eine günstige Gelegenheit dazu Die Flucht aus dem Rettungshaus. Vier Insassen des benutzt, um bei Nacht und Nebel aus der Anstalt zu flüchten. Bei benutzt, um bei Nacht und Nebel aus der Anstalt zu flüchten. Bei den Flüchtigen handelt es sich um junge Mädchen. Als Retter in der Not spielte sich vorgestern abend ein alter Fledderer auf. In später Stunde wurde einem Mann auf der Straße so unwohl, daß er zusammenbrach und hilflos liegen blieb. Während ein Unbekannter sich um ihn bemühte, tam auch der Zimmermann Rudolf Kerling dazu. Dieser betonte laut, daß es Menschenpflicht sei, dem Kranten zu helfen, und brachte ihn dann auch mit Hilfe des anderen Herrn nach der Wohnung seiner Meutter in der Alvenslebenstraße, die er mit schwacher Stimme noch angeben konnte. Beide Männer halfen der Frau auch noch beim Entkleiden des Kranken. Während der Unbekannte ihm die Schnürstiefel abzog, entledigte ihn Kerling des Rodes und der Bau der Untergrundbahn eine halbe bis eine ganze Million Mark Weste. Die Mutter bedankte sich bei den Samaritern und bot diese Möglichkeit vor Zeiten bestanden hat und ob die städtische ab, Sterling dagegen nahm es an. Er versicherte zwar, daß er auch billiger davongekommen wäre. Wir können nicht unterfuchen, ob beiden ein Trinkgeld für ihre Bemühungen an. Der eine lehnte es Berwaltung sich schlimmer Verfehlungen hat zuschulden fommen ohne Aussicht auf Lohn seiner Menschenpflicht stets genügen werde, lassen. Jedenfalls hat aber eine Auseinandersetzung im Bürger- aber immerhin nehme er eine Kleinigkeit dankbar an, weil er auch verein Nord zu Wilmersdorf über das Verhalten der preußischen nicht gerade im Ueberfluß lebe. Gleich nach dem Weggange der Regierung in der Untergrundbahnfrage eine ganz charakteristische Samariter entdeckte die Frau, daß ihrem Sohne Uhr mit Kette und Aufklärung gebracht. Damit die bei den fiskalischen Waldschlächte. das Portemonnaie fehlten. Die Uhrkette war an der Weste abveien gegründete Kolonie Dahlem fich stärker entwidele, will geschnitten, nur noch ein fleines Stüdchen hing im Knopfloch. Die der Fiskus bekanntlich 2½ Millionen Mark zum Bau der Unter- Frau eilte jett hinaus und fand Kerling noch auf der Straße. Na, so leicht wie damals, zu Sereniffimus glücklichen tation berichtete nun der Stadtverordnete Rösler in der Ver- gemacht hatte, so sagte sie ihm den Diebstahl auf den Kopf zu. grundbahn beisteuern. Als Mitglied der städtischen Verkehrsdepu- Weil er sich besonders an den oberen Kleidungsstüden zu schaffen Seiten, ist's mit dem sogenannten Protektorat heute nicht sammlung des Bürgervereins, in den Verhandlungen mit dem Der Samariter" war sehr entrüstet und verschwor sich hoch und mehr. Was versteht man denn im gewöhnlichen Sinne dar- Finanzminister und dem anderen Vertreter des Fiskus heilig, daß er nach solchen Erfahrungen nie in seinem Leben wieder unter? Irgendeine hohe Persönlichkeit, je höher und fürst- sei der Umstand erschwerend ins Gewicht gefallen, daß die könig einem fremden Menschen helfen werde. Die Frau aber ließ sich licher, desto besser, soll ihren Namen hergeben, um einer liche Aufteilungskommission der Domäne Dahlem sich nicht täuschen, sondern übergab den Menschenfreund einem Schußgemeinnüßigen dauernden Einrichtung, einer Lotterie, einer bon bornherein mit den Terraingesellschaften mann, der ihn nach der Wache brachte. Hier fand man bei ihm Ausstellung oder sonst einer öffentlichen Veranstaltung die solidarisch erklärt habe. Als man den Interessenten sowohl die Uhr mit der Kette als auch das Portemonnaie mit Lebensfähigkeit und das finanzielle Ergebnis zu sichern. In apei( verschiedene) Berträge vorlegte, habe der Vertreter des Inhalt. Die Kriminalpolizei erkannte in dem Samariter" einen unserer fazzbudelnden Zeit, die an derartigen goldmachenden iskus jede Verhandlung abgelehnt; auch die der alten Fledderer und ließ ihn gestern vormittag dem Untersuchungs Aufteilungskommission gestellten günstigeren Bedingungen richter vorführen. Veranstaltungen wahrhaftig nicht arm ist, läßt es sich be- habe diese nicht zu einem gesonderten Vorgehen bewegen greifen, daß die gefürsteten Namensgrößen aller Schat tönnen. Diese Mitteilungen wurden bestätigt von einem anderen straße berichtet wurde, scheint sich aufklären zu wollen. Aus der Die rätselhafte Revolverschießerei, über die aus der Borsig tierungen seit Jahren mit Protektoratsgesuchen überschwemmt Mitgliede der Verkehrsdeputation, dem Stadtv. Droese. Herr Wohnung des erschossenen Pförtners Johann Scheiters wurde, wie worden sind. Es wurde selbst diesen begnadeten Ausnahme- Droese fagte in der Versammlung:" Gs habe überhaupt keinen wir mitteilten, von Einbrechern allerhand Diebesbeute wegmenschen, die in Liebedienerei eine Riefenportion berdauen anderen Weg gegeben, als den Vertrag gemeinsam mit dem geschleppt. während der Verwundete in der Klinit lag, u. a. Eisenum d den Terraingefellschaften fönnen, mit der Zeit zuviel. Dazu kam, daß Glücksjäger istus waren, die bei Müller in der Neuen Königstraße gestohlen worden oft recht anrüchiger Vergangenheit, die sich in der Gesell- hließen. In einer der offiziellen Unterredungen habe der waren. Nur einen fleinen Teil dieser Beute hatten die Einbrecher schaft" eingenistet hatten, oder strupellose Geschäftsleute den lich erklärt: Ich bin solidarisch verpflichtet, mit den nommen, bei denen man einen Gepädschein über einen auf dem Vertreter des Fistus, Geheimer Oberregierungsrat Ramm wörtzurüdgelaſſen. Jekt wurden in Breslau zwei Männer feſtgeNamen des Protektors mißbrauchten, um das eigene Schäfchen Terraingefellschaften aufammenzugehen; und dortigen Bahnhof aufgegebenen großen Stoffer fand. Der beschlagnommen, bei benen man einen Gepäckschein über einen auf dem ins Trodene zu bringen. Wiederholt hat man unterderhand wenn fie damit nicht einverstanden sind, flappe ich nahmte Koffer enthielt einen Bosten der bei Müller gestohlenen bon recht eigenartigen Transaktionen gehört, die den auf den meine Alten zusammen und gehe nach Hause!" Eisenwaren. Leim gegangenen Protektor in eine nicht beneidenswerte Es mag unter diesen Umständen ja richtig sein, daß die Stadt Lage brachten. So fam denn vor einiger Zeit die Ordre Wilmersdorf wohl oder übel sich die vom Fiskus und den Terrain- Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Montag entstand in der zustande, daß die föniglichen Prinzen bei Uebernahme von gesellschaften gemeinsam geftellten Bedingungen gefallen lassen Sophienstr. 16 in einer Bäderei Feuer. Als der 13. Bug erschien, Brotektoraten eine stärkere Zurückhaltung zu beobachten haben mußte, und daß der Stadtv. Leidig, den man wegen seiner brannten Mehl und alte Badwaren usw. Die Flammen konnten und daß vorher genau geprüft werden soll, wer die Draht. Aeußerungen sehr scharf in der Versammlung angriff, im Unrecht mit einer Schlauchleitung auf die Badstube beschränkt werden. zieher vor und hinter den Kulissen sind. Weniger blaublütige wichtig ist, daß Mitglieder der städtischen Berkehrsdeputation in Brenzlauer Allee 198, Flemmingstr. 11, Brüdenstr. 1 und anderen ift. Aber das interessiert die Oeffentlichkeit erst in zweiter Reihe. Betten, Wäsche, Körbe, Möbeln und anderes brannten in der Brinzen geht diefe Ordre natürlich nichts an, und so finden wir Wilmersdorf, von denen der eine, nebenher bemerkt, föniglich Säufern. Wegen einer Gasausströmung wurde der 12. Zug nach namentlich bei Wohltätigkeitsfesten als Protektoren nicht preußischer Beamter und ein Mann von erztonservativer Gesinnung der Sturfürstenstr. 139 gerufen. Die Gefahr einer Gasexplosion felten Namen, die sonst ein ziemlich stilles Dasein führen, ist, über den Fistus außerordentlich niedliche Enthüllungen wurde beseitigt. Um einen Defett an einer Wasserleitung zu beaber nun gegen die Deffentlichkeit, die sich ja von flangvollen zum besten gaben. Nach den Ausführungen der beiden Herren heben, wurden Feuermänner nach der Starlstr. 1 entsandt. Um Namen noch immer breitschlagen läßt, ausgespielt werden. steht fest, daß der Fiskus sich in dieser Angelegenheit nicht allein Grünen Weg 87 war eine Holzwand in Brand geraten. Weitere Apropos Wohltätigkeitsfeste! Welche Schleichwege gerade gang als Terrainbefizer fühlte, fondern mit den privaten Terrain Feuermeldungen liefen aus der Tegeler Straße 14, Badstr. 22 und anderen Stellen ein. hier gewandelt werden, das beweist die wenig bekannte gesellschaften derartig Solidarität übte, daß er Die Rigdorfer Feuerwehr hatte am Sonntag einen Existenz der honorierten Wohltätigkeitsfeen. Wer da näm- größeren Vorteile, die die Stadt Wilmersdorf ihm bot, in feiner Interessensolidarität mit den Terraingesellschaften ver- Brand zu löschen, der vormittags durch einen schadhaften Ofen lich glaubt, daß alle jene Damen, die in Samt und Seide, schmähte, also zum Schaden der Staatsbürger han- in dem Warenhause von Hirsch in der Hermannftr. 66 ausgekommen mit Schmuck überladen, hinter den Verkaufstischen stehen und belte. Für uns Sozialdemokraten sind derartige Fälle gemein- war und sich schnell verbreitet hatte. Es gelang indes den Brand für schweres Geld billigen Schund verschachern oder sich ein famen Handelns von Staat und Privatkapital ja nichts Neues; innerhalb einer Stunde au lokalisieren. Der Schaden ist voll. Glas Seft mit einem Doppelfuchs und einen Ruß auf den die Arbeiterschaft hat ja oft genug die gemeinsame Macht ber beiden ständig gededt " zu die .0001 Vorort- Nachrichten. " etnem Arzte untersucht und während ihrer ganzen Schulzeit unter| feligen Abtreibungsparagraphen. Von nationalen Gefichtspunkten schulärztlicher Ueberwachung gestanden haben. Von den während aus gelangte die Dame zu zu einer ausdrücklichen Billigung der Berichtszeit eingeschulten 244 Kindern standen 45( 26 Snaben der Polenentrechtung, durch den jeder Schifanierung Tür und Für freies Wahlrecht und 19 Mädchen) unter ständiger schulärztlicher Kontrolle. Von den Tor öffnenden Sprachenparagraphen des neuen Vereinsgesetzes. wurde auch in einer Reihe von Vororten demonstriert. In unserer Neuaufgenommenen litten an: Blutarmut 4,91 Pro 3., uns ist nichts davon bekannt, daß gegen diefe offenbare Ver Extraausgabe haben wir bereits über den Verlauf der Veranstaltungen Augenertranfungen 4,87 Pro 3., Strophulose 1,09 Bros., höhnung des Prinzips der Internationalität in in Schöneberg, Charlottenburg, Nigdorf und Treptow- Baumschulen Mund-, Nasen- und Halskrankheiten 1,09 Bros., Unterleibsbrüche der bürgerlichen Frauenbewegung bisher irgend ein Protest laut 2,18 Proz., Ohrenleiden 1,09 Bros. Die Ursache der Blut geworden wäre. Sollen die Polinnen ausgeschlossen sein, wenn es weg berichtet. Aus Köpenick wird uns heute mitgeteilt: Der große Saal armut ist besonders bei Kindern ärmerer& a- den Kampf für die Bürgerrechte der Frau gilt? Es fieht ganz so des Stadttheaters war überfüllt, das Referat des Stadtv. Bruns milien in mangelhafter Ernährung zu suchen. aus, denn der schönen Seele des Frl. Lischnewska hat sich neuerwurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Nach Schluß zogen Ginen sehr hohen Prozentsaz weisen auch die Augenerkrankungen dings die von Dr. Käthe Schirrmacher zugefellt, die ganz ungeniert die Versammelten durch die Jägerstraße, Grünstraße, Schloßplaß und auf. Der Schularzt empfiehlt daher die Aufhebung des Nach eine geradezu flandalöse hatatistische Propaganda treibt. Nach einer Schloßstraße nach dem Rathaus. Hier wurde ein Hoch auf das all- mittagsunterrichts, damit die Kinder noch bei Tageslicht ihre Schul- Mitteilung der Berliner Volkszeitung" vom 22. Januar reist diese gemeine, gleiche Wahlrecht ausgebracht und ein Kampflied an- arbeiten machen können, dann aber auch noch genügend Zeit haben, Führerin der deutschen Frauenbewegung nicht nur von Ort zu Ort und gestimmt. Während bisher von der Polizei nicht viel zu sehen war, zur Stärkung ihres Körpers und Geistes frohem Spiel sich hin- ruft die Frauen auf zum Kampfe gegen den polnischen Erbfeind", stürmten nunmehr unter Führung des Bolizeileutnants Hoerau über zugeben. Epidemische Krankheiten( Masern, Scharlach, Diphthe fondern sie will auch die bürgerliche Frauenbewegung direkt in den ein Dutzend Polizeibeamte aus dem Rathaus und versuchten die ritis) zeigten sich nur vereinzelt, dagegen hatte der Keuchhusten Dienst der Satatisten( fo genannt nach den Anfangsbuchstaben Demonstranten auseinander zu treiben. Hierbei rief der Anführer während des letzten Winterhalbjahres sehr viel Kinder ergriffen. der drei Polenfresser Hansemann, Kennemann, Tiedemann) stellen. der Polizeimannschaft:" Nun könnt Ihr Dresche friegen!" Die Während des Berichtsjahres waren 2227 Schüler vorhanden: Im Wenn ein Frauenverein ihren Hezereien nicht folgt und neutral Demonstranten ließen sich hierdurch nicht aus der Ruhe bringen und Gymnasium 303, in der höheren Mädchenschule 222, in der Ge- bleibt, wenn er mit der reaktionären Ditmarkenpolitit nichts zu tun zogen weiter durch die Freiheit, Friedrichstraße und zurück zur meindeknabenschule 831, in der Gemeindemädchenschule 871. Bon haben will, so greift ihn Dr. Käthe Schirrmacher öffentlich an als Jägerstraße. Hier wurden sie durch ein startes Polizeiaufgebot durch den 2227 Schülern standen 243( 133 Knaben und 110 Mädchen) einen Verein, der seine nationalen Pflichten nicht erfüllt. die Kirchstraße nach der Schloßstraße zurückgedrängt und gelangten ständig unter ärztlicher Kontrolle. Das Verhältnis zwischen dem Bei Gott und der bürgerlichen Frauenbewegung scheint kein dadurch nochmals am Rathaus vorbei bis zum Schloßplay. Schularzt und den Eltern war durchweg ein gutes. Lebhaft begrotestes Schauspiel, indem wir eine einflußreiche Führerin Hier wurden fie durch ein starkes Bolizei und Gendarmerieaufgebot flagt der Schularzt, daß die Gemeindevertretung noch immer nicht Ding unmöglich zu fein. So erleben wir denn ein neues, über die lange Brücke zur Köllnischen Vorstadt hingeschoben. Die der Grrichtung einer silfstlaffe für schwache des radikalen Flügels in trautem Bunde mit Bride selbst wurde dann abgefperrt. Jeder Versuch, in die Altstadt begabte und geistig zurüdgebliebene in der näher verbandsgeneral v. Liebert, der in der Sonnabendfizung des Reichszurüdzugelangen, scheiterte. Die Polizei ging felbst gegen ganz getreten fei, trotzdem er seit vielen Jahren dieselbe warm tages den furor teutonicus über die Polen heraufbeschwor, vom unbeteiligte Personen, welche die Brücke paffieren wollten, mit aller empfohlen habe. In recht dringenden Worten weist der Schularzt nationalen Raptus erfaßt sehen. Rüdsichtslosigkeit vor. Der Verkehr zwischen Köllnischer Vorstadt die Notwendigkeit einer Hilfsklasse nach:" Ich muß wiederum in und Altmarkt war längere Zeit vollständig unterbunden. Erst durch meinem Bericht pflichtgemäß sagen, man tut hierorts an einer den energischen Einspruch einzelner Parteigenossen an zuständiger Anzahl armer, trauriger Kinder großes Unrecht... Stelle wurde die Polizei zurückgezogen und der Verkehr wieder her- meinde möge auf der Wacht sein, damit diesen Kindern körperlich gestellt. Es find verschiedene Verhaftungen von Parteigenossen er- und geistig nicht Schaden erwachse.... Die Normalschule tann folgt. Einzelnen wurde sogar mit Anlegung von Handfesseln ge- nicht früh genug von den schwachbegabten Kindern befreit werden. .. Die Schule bereitet auf den harten Kampf ums Dasein vor, droht. Die Verhafteten wurden nach einer Stunde wieber freies ist daher nicht zu verstehen, warum die Fürsorge für die Schwach begabten fehlen soll." Friedrichshagen. In der am Sonntag bei Witwe Berche, Rundtell, abgehaltenen Bersammlung referierte Genofie Bietsch CharLottenburg in recht wirkungsvoller Weife. Sein Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Versammlung wurde mit Gefang des Friedrichshagener Männerchors" eröffnet und gefchloffen. Mit braufendem Hoch auf die Sozialdemokratie verließen die Teilnehmer das Lotal. gelaffen. Königs- Wusterhausen. Die von über 600 Personen befuchte Protestversammlung spendete dem Genossen Lehmann- Wiesbaden während und nach seinem Vortrage reichen Beifall. Eine Resolution im Sinne des Referats wurde angenommen. Die Beteiligung am Demonstrationszug, der sich bis nach dem Bahnhof bewegte, war eine starte. Tegel. Hier sprach vor impofanter Versammlung Genoffe Stadthagen. Die wirkungsvollen Ausführungen des Referenten wurden von den Versammelten mit Begeisterung aufgenommen. Pautow. Bei der gestern stattgehabten Stichwahl zur Gemeindevertretung find unfere Genossen Großfurt und Schmidt mit 636 bezw. 634 Stimmen gegen 708 bezo. 700 bürgerliche Stimmen unterlegen. Bei der Hauptwahl erhielten Großfurt 550 und Schmidt 549 St., Das Mandat des auf die Gegner entfielen 531 bezw. 528 St. Nichteingefessenen währt nur ein Jahr, während das Mandat des Eingesessenen noch drei Jahre läuft. Köpenid. Die Ge: dem ReichsWie wir bereits in Zu zwei Monaten Gefängnis und 25 Kronen Geldbuße ver urteilt wurde unsere schwedische Genoffin Kata Dahlström vom Rathausgericht zu Ronneby. Ins Gefängnis soll sie wegen Beleidigung des schwedischen Reichstages. Nummer 12 des„ Vorwärts" mitteilten, handelte es sich dabei um eine Stritik historischer Vorgänge aus dem Jahre 1892 und nur um eine bestimmte Partei des Reichstages. Die Geldbuße ist dafür, Im Anschluß an den Bericht teilte der Gemeindevorsteher mit, daß fie, wie das Gericht annahm, fhren Vortrag fortgefegt habe, daß, da die Zahl der geistig schwachen Kinder auf 18 gestiegen ist, nachdem der Bürgermeister die Verfammlung für aufgelöst erklärt hatte. nach erfolgter Rüdsprache mit der Schulbehörde der Gemeinde. Uebrigens fungierte derfelbe Bürgermeister, Flensburg mit Namen, vorstand nunmehr zum 1. April die Errichtung einer Hilfsklasse der die Verfammlung auflöfte und der Urheber der Anklage war, empfehle. als Borfizender des Rathausgerichte. Wegen unbefugter Auflösung Bertreter Sonnenburg( Soz.) spricht seine Genugtuung der Versammlung ist Beschwerde gegen ihn erhoben. Gleichwohl aus, daß nun endlich die von ihm und seinen Freunden jahrelang berwarf das Gericht einen Antrag der Angeklagten und ihres wer Die teidigers auf Ablehnung dieses doch offenbar parteiiichen Vorgeforderte Errichtung der Hilfsklasse verwirklicht wird. fozialdemokratischen Vertreter nehmen daher für sich in Anspruch, fizenden. Gegen das Urteil ist selbstverständlich Berufung eingelegt und man darf wohl erwarten, daß sie Erfolg haben wird. Sollte hier wieder einmal die treibende Kraft gewesen zu sein. Ginstimmig wird der Grrichtung der Hilfs. das Urteil wirklich bestätigt werden, so würde das bedeuten, daß im freien" Schweden die Kritik gewiffer geschichtlicher Vorgänge, ja Iaffe zugestimmt. selbst auch ihre objektive Schilderung strafbar wäre, sofern irgend ein ehemaliger Reichstag des Landes dadurch in ein schlechtes Anfehen kommen könnte. Leseabend, Dienstag, 26. Januar. Bertreter Sonnenburg beantragt, den vom Schularat als blutarm bezeichneten Kindern morgens warme Milch und Semmel, mittags eine Suppe zu berabreichen; die Gemeinde hat die Pflicht, helfend einzugreifen. Bei der jetzt herrschenden Arbeitslosigkeit find biele Arbeiterfamilien nicht in der Lage, ihre Kinder genügend zu sättigen, geschweige denn mit kräftiger Nahrung zu versorgen. Selbst. Tegel: Bei Halfes, Brunowstr. 23. verständlich darf die Speisung der Kinder nicht deren Eltern als Strafe für ihre Armut als Armenunterstübung angerechnet wer- tachtergesellen! Heute, Dienstag, abend 8%, Uhr im Elysium, Lands Zentralverband der Fleischer Ortsverwaltung Berlin). Engros. ben. Vertreter Direktor Gloede schloß sich diesen berger Allee 40-44: Deffentliche Bersammlung. 1. Vortrag des Reichstagsführungen an. abgeordneten Emil Eichhorn über Boltswirtschaft, Sozialpolitik und Ge mertschaften. 2. Die genasführten Brüderschaftler und Engrosschlächtervereinler. Referent: Sollege B. Bergmann. 3. Die Lage der Helfer. Gegen die Stimmen des Gemeindeborstehers, des Schöffen Dr. Wallburg und des Vertreters arde wurden zur fofortigen Verabreichung von Milch, Semmel und Suppen an leibende Kinder 800 m. bewilligt. Bei der im März stattfindenden Etatsberatung wird dann festgestellt werden können, welche Summe dauernd in den Etat eingestellt werden muß. 0 " Eingegangene Druckfchriften. Nr. 3 des Süddeutschen Postillon( Verlag M. Ernst, München) gibt uns in seinem farbigen Titelbild eine gut verständliche Parodie auf den europäischen Frieden, im zwelten Farbenbild zeigt Vanjelow den Aller weltsfünftler Bülow als Reichspalier, ben dann im dritten Bilde derselbe Rünstler als Diplomatenjongleur zeichnet. Das Schlußbild von M. E. stellt die gewaltige Macht der Erdbeben den einfältigen Menschlein gegenüber, die fich da die Großen der Erde dünten. Der Text dieser Nummer ist be fonders altuell, die Gedichte padend, so das Leitgedicht„ Das englische Fest", Stöders Bauernschlaubeit( Geb.) Sittenrettung im preußischen Ab Französische Kultur( Ged.). geordnetenhause. Peters legte Rettung, ein Bierstrophler von F. H. Abgeblizt. Sonntagsstimmung, Gedicht von Ludwig Bratsch, und viele interessante Schnitzel, Bize, Gloffen. Auch der Abderit ruft auf: D' Schuach g'nagelt, ter a Schneid zu aram Landler hat. D' Fastnacht soll net umaſunſt ſei.. Vertreter Sonnenburg weist dann auf den hohen Prozent. In der letten Sigung des Gewerkschaftskartells, zu welcher satz der Augenerkrankungen hin, dem Gemeindevorstand empfehlend, außer den Delegierten auch die Gewerkschaftsvorstände geladen der Forderung des Schularztes auf Fortfall des Nachmittagsunterwaren, gab Genoffe Nickel den Jahresbericht, aus dem zu entnehmen richts näherzutreten. Der Gemeindevorsteher erklärt sich bereit, ist, daß es hier am Orte trop der wirtschaftlichen Krise vorwärts diese Frage dem Schulborstand zu unterbreiten. geht. 15 dem Kartell angeschlossene Gewerkschaften mit 2005 Mits Die Desinfektions- Gebührenordnung wird dahingehend abs gliebern zahlten im Jahre 1908 für Unterstützungen 21 144,47. geändert, daß für Ortseingesessene die Desinfektion unentgelt. An Streits und Aussperrungen waren 6 Verbände mit 134 Rolich ist, wenn dieselbe auf ärztliche Anordnung stattfinden muß. legen beteiligt. Lohnbewegungen waren zu verzeichnen bei 9 Ver- Das abgeänderte Ortsstatut für Straßenpflasterung ist bom bänden mit 114 Beteiligten. Diese Bewegungen waren teilweise Preisausschuß genehmigt. Einstimmig wird beschlossen, die erfolgreich. Ginzelne Berufe haben einen Mitgliederrüdgang zu Kastanien- Allee und den Mylius- Garten zu pflaftern. Die Adberzeichnen, welcher durch Zugang bei anderen Verbänden sich jazenten haben 75 Broz. und die Gemeinde 25 Proz. der Kosten zu ausgleicht. Redner streift sodann die Tätigkeit des Kartells im tragen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen Direktion über allgemeinen, die Wahlen zur Ortstrankenkasse, die Maifeier, den Großhandel in den 8entral- Marttballen. Warktlage: Fleisch: angelegenheit, die Wahl des Bildungsausschusses sowie die Ar- Königs- Wusterhausen und Umgegend. Zufuhr stark, Geschäft flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr mäßig, beitslosenzählung eingehend erörternd. Insgesamt fanden für die Eine umfangreiche und mühevolle Parteiarbeit ist im vorigen Gefchäft ziemlich rege, Breise feft. Geflügel: Bufuhr genügend, Ge im Kartell angeschlossenen Berufe 193 Versammlungen und Jahre von den biefigen Genoffen geleistet worden. Zum Glüd nicht schäft ftill, Breise behauptet. ife: Bufuhr ziemlich genügend, Gefchäft 250 Sigungen statt. Nach kurzer Diskussion wurde zu den vergeblich. Die im Jahre 1908 vorgenommenen Gemeinde- und ziemlich belebt, Preise angemessen. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Wahlen geschritten. Diese ergaben folgendes Resultat: Obmann: Landtagswahlen haben mit einem für die Sozialdemokratie be- Breise unverändert. Gemuie, Obft und Südfrüchte: Bufuhr Lobib; Schriftführer: Richard Schulz; Kassierer: Reutert. Der friedigenden Resultat geendet. In der Generalversammlung des genügend, Geschäft schleppend, Brelle unverändert. Bibliothektommission gehören folgende Genossen an: Lefevre, Wahlvereins rekapitulierte der Vorfißende Genosse Kaiser nochmals Schubert, Laaser, Schulz, Schütt, Zimmer. Die Frauen delegieren eine Genoffin. Als Kandidaten für die am 15. Februar statt findenden Gewerbegerichtswahlen sind folgende Genossen vor geschlagen: Holzarbeiter: Lustig; Maurer: Ratsch; Fabritarbeiter: Schubert; Tertilarbeiter: Semrow. Als stellvertretende Beisiger tommen noch nachstehende Genossen in Betracht: Metallarbeiter: Kaßner; Transportarbeiter: Nidel; Bimmerer: Schön; Gemeinde arbeiter: Riemer. Mit einem Appell des Obmannes, daß ein jeder Genosse am 18. und 14. Februar, den Tagen der Arbeitslofengählung, feine Pflicht und Schuldigkeit tue, erfolgte Schluß der anregenden Sizung. Grünau. Die Gemeindevertretung berhandelte in ihrer lebten Sibung über die Einführung einer Pflichtfeuerwehr. Die Vertretung steht auf dem Standpunkt, daß die bestehende freiwillige Feuerwehr den örtlichen Zweden genügt und eine Zwangswehr hauptsächlich aus den Geschäftsleuten und Grundbesitzern zusammengesett wäre, da fast alle Arbeiter außerhalb Grünaus beschäftigt find. Der Landrat fordert seit einem Jahre beharrlich die Einführung. So tam es zum Konflikt. Die Vertretung lehnte einmütig die Zwangswehr ab mit dem Bemerken, die Statuten in Kraft treten zu laffen, wenn die freiwillige Wehr versagen sollte. Interessant ist ferner, daß die längst geplante elektrische Bahn Köpenid- Grünauer Bahnhof zum Frühjahr bestimmt in Angriff genommen wird. Die Linienführung ist etwas abweichend bom alten Projett, indem die Bahn jest zweckmäßiger eingleisig durch die Köpenicker und zweigleisig durch die Wilhelmstraße zum Bahnhof geführt wird. Friedrichshagen. Witterungsübericht vom 25. Januar 1909. morgens 8 br. Stationen Werlin Barometer stand mm Wind richtung Windstärke Better 6° C.= 4° N Temp. n. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Bindtärke Better Lemp. n. 280 Do 2 bebedt- 1 4 bedeckt 4 1 die Vorgänge bei den Wahlen des vergangenen Jahres. Außer der Eroberung von drei Mandaten in Hoberlebme- Wildau und Niederlebme find auch in der Wahl von Bahlmännern für die Landtagswahlen überraschende Erfolge zu verzeichnen. Die Agitation ist auch für das Wachstum der Organisation nicht ohne Einfluß geweien. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins ist von 230 im Januar 1908 auf 285 im Januar 1909 gestiegen. Vorwärts" Leser waren am " Anfang des bergangenen Jahres 810 borhanden, jegt wird der Swmembe 775 SD 2 molten!-5 Haparanda 765 NNW 4 heiter Vorwärts" in 380 Eremplaren gelefen. Es fanden im Berichtsjahre hamburg 773DED 3 wolten!-6 Petersburg 767 23 774 DSD 1 wolfent- 5 Scilit 768 SD statt 14 Boltsveriammlungen, 11 Wahlvereinsversammlungen und ranfa 771 M 3 beiter-6 berbeen 769 8 2 bedeckt. 26 Vorstandssigungen. Auch wurden 7 Flugblattverbreitungen vormünden 7720 2 wolteni-13 Baris 769 NND 1 wollent- 5 genommen. Der Kassenbericht des Gen. Dieze weist eine Gesamteinnahme Bien 775 Still bedeckt-10 bon 1271,11 M. und eine Gesamtausgabe von 1134,51 M. auf. Die Wetterprognofe für Dienstag, den 26. Januar 1909. Neuwahl des Vorstandes ergab als 1. Vorfizenden Franz Kaiser, Bunächst melst heiter und troden bei ziemlich strengem Frost und 2. Borsigenden Andreas Haug, 1. Schriftführer Otto Bofte, 2. Schriftsmäßigen füdöstlichen Winden; fpäter langsam zunehmende Bewöltung und führer Wilhelm Sommer, Staffierer Heinrich Diege, Beifißer Karl Erwärmung. Reinide und Klara Gefing. Als Bezirksführer für Königs- Wufterhausen 1. und 2. Bezirk Karl Steinide, 8. und 4. Bezirk Otto Krause; für Hoberlehme- Wildau Adolf Tänzer, für Niederlehme Sarl Freitag, für Deutsch- Wusterhausen Hermann Ludwig. In die Lokalkommiffion wurden Harnau, Wörliger, Hensel und Frud, als Revisoren Pleitis, Franz und Kraft gewählt. Als Spediteur fungiert Friz Baumann. Bum Schluß wurden die Genossen noch ersucht, das Riedelsche Lokal in Neu- Mühle zu meiden, da derfelbe auf Befuch aus Arbeiterkreisen nicht reflektiert. Aus der Frauenbewegung. Nationaler Raptus und Frauenrechtelei. Wafferftands- Nachrichten ber Bandesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tuft am fett 24. 1. 23. 1. cm or 2363)-1 83)+-6 1583) 0 91-3 53+1 am feit Bafferstand Saale, Grochliz Havel, Spandau 24. 1. 23.1. om om¹) 188+58 63 Rathenow³) Spree, Spremberg) 70 159+23 934)-5 110 Beeskow 729) Bejer, Münden -107 -6 Minden -18) Rhein, Marimiliansau 845 Kaub 158 -20 Roln 198 -86 Redar, Heilbrom 66-8 145) -5 Bregel, Infterburg Weichsel, Thorn Dber, Ratibor Stroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg 1029)-2 nee, Bordamm 11+6 Ibe, Leitmerig Dresden -66-11 -1765)-19 70)-13 -10 Barby Magdeburg 70°) Aus der Gemeindevertretung. Einen wichtigen Punkt der Mit dem politischen Radikalismus der sich fortschrittlich nennenden Tagesordnung in der letten Sitzung bildete der Bericht des Frauenbewegung war es von jeher schwach bestellt. Die wirklichen Schularztes Dr. König über seine Tätigkeit vom 1. April Demokratinnen unter den Führerinnen laffen sich an den Fingern 1907 bis zum 31. März 1908. Der Schularzt weist eingangs feines einer Hand aufzählen. Daneben macht sich eine Anzahl von führenden Berichtes darauf hin, daß mit dem abgelaufenen Schuljahr die Ge- Frauen breit, die jede Frage aus der nationalen Froschperspektive meinde auf eine achtjährige Tätigkeit des Schularstes zurüttblide betrachten. Allen voran Frl. Lifahnewsta. Nationale Gesichtsund daß solche Kinder zur Entlassung gekommen sind, die vor acht punkte" beranlassen fie, nicht nur für Heer, Flotte und Kolonien bes) Grundeis.) Treibels. Jahren als Lernanfänger zum ersten Male in der Schule bon geistert einzutreten, sondern auch für die Beibehaltung des unglüd treiben. Schutzmarke " Leiftet )+ bedeutet Buchs, Rall Main, Wertheim Mosel, Trier Unterpegel. ) ftarles Treibets. + hohen Fleischpreisen MAGGI Warze Kreuzstera mit dem Kreuzstern 96-19 Eisstand. - starkes Grundeis. ber Hausfrau unschätzbare Dienste, um auf billige Art gute, fchmackhafte Gerichte zu bereiten. Man verlange ausdrücklich MAGGIS Würze u. weiße Nachahmungen zurück! Probefläschchen 10 Pfg. MAGGIS gute, sparsame Küche Berantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u, Verlag: Vorwärts Buchbruderci u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW.