Nr. 22. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pranumerando Bierteljährl. 3,30 m., monatl. 1.10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit Wuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Boft Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Eridemt täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Bfg.. für bolitische und gewerffchaftliche Vereinsund Berfammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erfte Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 511hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernfprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 27. Januar 1909. Vorwärts zu neuen Kämpfen! anuar Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. -W und das demokratie zwingt sie dazu. Welch ein Unterschied zwischen Als sich die Tabakindustrie in jener Gegend verbreitete und den Wahlrechtsdebatten vom Januar 1908 und vom infolgedessen ein Zuzug von Arbeitern stattfand, machte sich eine 1909! Vor einem Jahre fand niemand drückende Wohnungsnot bemerkbar. Eine Anzahl von Tabakim ganzen Hause die richtigen Worte auf die arbeitern bot deshalb alles auf, um ein eigenes Häuschen zu erDie erste Schlacht im Wahlrechtskampf ist vorbei. Die dreiste Provokation des Fürsten Bülow. Ja, es hätte werben. Etwa 5000 Tabatarbeiter sind Besizer Kleiner Häuser geAnhänger des allgemeinen, gleichen, diretten und geheimen nicht viel gefehlt, und die Freifinnigen hätten ihm sogar noch worden, wozu die städtischen Sparkassen von Herford, Dehnhausen, Wahlrechts sind geschlagen, aber die„ Sieger" werden ihren Dank dafür abgestattet, daß er sich huldvollst herbei- Rehme, Salzuflen, Bünde und anderer Orte Hypotheken hergaben. ihres Sieges nicht froh sein! Schon wackelt es in gelassen hatte, ihnen überhaupt zu antworten. Diesmal eine Die Sparkasse der Stadt Herford allein hat 3 Millionen Mark den Reihen der Wahlrechtsfeinde, das Häuflein derer um wuchtige Anklagerede des sozialdemokratischen Vertreters, Hypotheken auf Tabalarbeiterhäuschen stehen. Eine TabatOctavio b. Zedlig hält nicht mehr treu zur Fahne, ein Teil eines der Sieben, die die Entrechteten gleichsam als Antwort arbeiterfamilie verdient im günstigsten Falle monatlich 60 M. von ihnen hat sich bereits zum Prinzip der geheimen auf die Herausforderung der Regierung in das Junker- Wenn ihr Einkommen noch weiter herabgedrückt wird Stimmabgabe bekannt, und wenn die Regierung nach Abschluß parlament entsandt hatten. Diese Rede unseres Genossen geschieht zweifellos nach einer Erhöhung der Tabaksteuer- dann ihrer statistischen Erhebungen mit ihrer Pluralwahlrechts- Ströbel stand im Mittelpunkt der Debatte vom Dienstag, fönnen die hausbesitzenden Arbeiter natürlich ihre Hypothekenvorlage kommt, dann wird sie außer den Nationalliberalen und sogar der Nationalliberale Dr. Friedberg fonnte es sich zinsen nicht mehr bezahlen, die Häuser kommen zur Zwangsauch die Freifonservativen auf ihrer Seite haben. Die Grund- nicht versagen, die sozialdemokratische Kritik der Haltung des versteigerung, finden aber keine Käufer, weil ja die Bevölkerung lage des Dreitlassenwahlsystems, des festesten Bollwerks Zentrums eine so bernichtende" zu nennen, daß er ihr nichts der ganzen Gegend auf dem Hungeretat steht, und die betreffenden gegen den Umsturz", wackelt an allen Ecken und Enden. hinzuzufügen habe. Daß die sozialdemokratische Kritik an der Sparkassen erleiden daher schwere Verluste nicht nur an 8insen, Allerdings sind sämtliche Anträge auf Aenderung Haltung der Linken nicht minder vernichtend war, das ver- sondern auch an Kapital. Aber auch durch Steuerausfälle würden die Gemeinden schwer betroffen werden. In welchem Maße, das des Dreiklassenwahlsystems glatt unter den Tisch gefallen! schwieg der nationalliberale Redner wohlweislich. Für seinen Ersatz durch das Reichstagswahlrecht ſtimmten Was diesen Debatten im Gegensatz zu denen des Vor- zeigt die Tatsache, daß in 14 Orten des Kreises Herford die Annur Freisinnige, Sozialdemokraten, Zentrum und Polen, für jahres ihr Gepräge gab, das war der frische Kampfeston, den gehörigen der Tabatindustrie 80 bis 68 Proz., durchschnittlich das von nationalliberaler Seite beantragte Pluralwahlrecht die Redner der Linfen endlich gegen die Konservativen an- 45 Broz. der gesamten Steuersumme aufbringen. erhoben sich nur die Antragsteller, dagegen fehlten nur schlugen. Wenn ein Dr. Friedberg der Rechten vorwirft, Man sieht hieraus, daß die Mehrbelastung des Tabati wenige Stimmen und das Dreiklassenparlament hätte daß sie nur aus Parteiegoismus, nur um ihre Machtstellung neben der Bernichtung Zehntausender von Einzelegistenzen auch sich für das dirette Wahlrecht erklärt. 168 Abgeordnete zu behaupten, an dem Dreiflassenwahlsystem nicht rütteln eine Reihe von Gemeinden dem finanziellen Ruin suführen der Rechten stimmten dagegen, 165 der Linken und des wolle, wenn ein Dr. Wie mer den Druck von oben auf die würde! Zentrums dafür; lediglich die verhältnismäßig gute Besetzung abhängigen Wähler und vor allem auf die Beamten von der Das Reich braucht Geld für Heer und Flotte. Da die Geld Der Rechten brachte die direkte Wahl zu Fall. Ebenso ging es Tribüne des Landtags herab verurteilt, ein Dr. Wiemer, der säcke der Reichen fürsorglich geschont werden, so nimmt man es mit der Einführung der geheimen Stimmabgabe. Judes bisher nur immer über den Terrorismus der Sozialdemokratie von den Aermsten der Armen, und wenn sie darüber zugrunde splitterten sich hier einige Freifonservative von der jede wettern fonnte, so find das Zeichen, die man zwar nicht gehen. Reform ablehnenden Mehrheit ab, aber ihre Stimmen wurden überschäßen, aber auch nicht unterschäzen darf. Das aufgewogen durch die gleiche Anzahl von National- eine jedenfalls steht fest: Auf der Linken fängt man liberalen, die im Widerspruch zu dem von der Graftion allmählich an, einzusehen, daß es sich bei dem Wahlrechtseingebrachten Antrage für die Beibehaltung der fampfe nicht um irregeleitete, verhette Massen handelt, sondern offenen Stimmabgabe votierten. Die andere Wahl treiseinteilung endlich wurde vom Zentrum, das in dieser Frage mit den konservativen zusammenging, verworfen. Sätten sich alle Gegner des Dreiklassenwahlsystems auf einen bestimmten Antrag zu vereinigen vermocht, dann wäre bei vollständiger Besetzung des Hauses das„ elendeste aller Wahlsysteme" mit Mehrheit in den Drfus versenft worden. An eine solche Einigung ist natürlich nicht zu denken, so lange das Zentrum zwar für das gleiche" Wahlrecht schwärmt, aber eine gerechtere Einteilung der Wahlkreise, die doch die Voraussetzung der Gleichheit bildet, heftigen Widerst and leistet, solange ferner die Nationalliberalen in einem Besitz und Bildung bevorzugenden Pluralwahlrecht das Allheilmittel erblicken, und solange vor allem Freisinn und Zentrum durch ihre Wahltaktik den Konservativen, den verbiffensten Gegnern einer jeden Wahlreform, ein Mandat nach dem andern zuschanzen! " um das ganze preußische arbeitende Volt, das bereit ist, sein Alles zur Erlangung feines Naturrechts einzusehen. Auch die Herren auf der Rechten wagen nicht mehr, wie sie es im borigen Jahre getan haben, sich über die Demonstranten luftig zu machen, sie merken, daß es dem Volke heiliger Ernst ist. Der Wahlrechtsfampf der Entrechteten hat die ersten Früchte gezeitigt, und wenn auch noch nichts Posi tives erreicht ist, so sind doch die Aussichten auf den endlichen Sieg bedeutend besser geworden. Das soll uns eine Mahnung sein, auf dem bisherigen Wege weiter zu schreiten, zu neuen Kämpfen, zu nenen Siegen! Die Parifer Entlarvung. " Der Fall Azew wird bis jetzt genau wie vor furzem die Ent dedungen über die Storruption der Moskauer Polizei und der anderen dortigen Behörden, ausschließlich als sensationelle Bloßstellungen der zarischen Handlanger behandelt. Welche Schmach in der Tat für die getreuesten Diener des Baren aller Neußen, für die Hüter der„ Ordnung", wenn sie auf einem intimen geheimen Techtelmechtel mit den Feinden des Throns und des Vaterlandes", mit roten Revolutionären ertappt, wenn ihr sändchen bei dem Spiel mit Bomben, Attentaten auf allerhöchste Bersönlichkeiten, Expropriationen privater und öffentlicher Vermögen gefunden wird! Wir müssen bekennen, daß uns jenes Restchen von gutmütigem Jdealismus in bezug auf die Geheimpolizei und die übrigen Organe des ruffifchen Regierungskadavers vollständig abgeht, das nötig ist, um über die neuen Entdedungen der Schmach, womit sich diese Edlen bedeckt haben sollen, aus dem Häuschen zu Die bedrohten Cabakarbeiter. geraten. Es scheint uns vielmehr, daß die Geheimpolizei, Gendarmerie Gelegentlich des Tabatarbeiterfongresses ist be- und dergleichen Institutionen mit Schmach bedecken" wollen, fo reits erwähnt worden, daß eine ungewöhnlich große Zahl von viel heißt, wie Eulen nach Athen tragen und Waffer ins Meer Delegierten aus Westfalen und Lippe den Kongreß besuchten. ichleppen. Wer erst schlagender Beweise bedurfte, um begreifen zu Mehr als 100 Vertreter, das ist fast ein Drittel der Gesamtzahl lernen, daß das ganze Gebäude des historisch bereits zum Tode Die Front nach rechts!" rief Abg. Dr. Wiemer aller Delegierten, waren aus den genannten Landesteilen nach verurteilten Barismus in seinem jezigen fonterrevolutionären Röcheln pathetisch aus, nachdem er sich etwa eine halbe Stunde lang Berlin gekommen, um teilzunehmen an der großen Kundgebung, ein einziges großes Produkt der Fäulnis und der Korruption, eine in den wütendsten und thörichtesten Ausfällen gegen die welche bestimmt war, zur Abwendung der Steuererhöhung ihr Teil einzige Bestbeule darstellt, dem ist nicht zu helfen. Das sozialistische Sozialdemokratie ergangen war. Die Front nach rechts!" beizutragen. Die westfälischen und lippeichen Tabat- Proletariat bedarf hoffentlich solcher Entdeckungen" nicht, und der rief der Blockfreifinn, als er im Wahlkampfe in einer arbeiter find nicht deshalb in so großer Bahl nach Berlin ge- bürgerlichen sogenannten öffentlichen Meinung" ist damit nichts Reihe von Streifen den Konservativen zum Siege tommen, weil sie sich zu den klassenbewußten Arbeitern rechnen bewiesen, weil sie vorfäßlich vor diesen Schönheitsflecken auf dem verhalf! Sicht der Blockfreifinn denn wirklich nicht ein, daß und sich als solche verpflichtet fühlen, an einer Kundgebung ihrer Sonnenbilde des letzten absolutistischen Regimes die Augen schließt. cs angesichts seiner bisherigen Haltung schwer ist, an den Klassengenossen teilzunehmen. Diese Arbeiter stehen leider den Die jüngste Entlarbung des Provokateurs Azew in Paris aber, Ernst seines Kampfes für das allgemeine gleiche direkte und Bestrebungen der klassenbewußten Arbeiterschaft meist noch fern. fowie die Aufdeckung der Mostauer Korruption, enthalten ganz geheime Wahlrecht zu glauben? Der Blockfreisinn ist den Sie sind nicht Sozialdemokraten, ja nicht einmal Mitglieder ihrer andere tiefernste Lehren, die sich an die sozialistische Welt selbst Konservativen tributpflichtig, er wirft sich ihm trotz des Fuß- Berufsorganisation. Zufriedene Leute sind es meist, die jahraus, richten. Und es ist unseres Erachtens viel ratsamer und heilsamer, tritts, den ihm erst am Montag wieder der konservative jahrein vom frühen Morgen bis in die späte Nacht Bigarren im Anschluß an die genannten fenfationellen Vorkommnisse ein paar Redner versetzt hat, immer und immer wieder an den Hals. drehen, Sonntags in die Kirche gehen, den Weisungen des Bastors ernste Worte pro domo sua zu sagen. Denn im Grunde genommen In der Erkenntnis, daß er ohne den Block nichts ist, wagt er folgen und sich weder um politische noch um gewerkschaftliche Be- bedeuten diese Entdeckungen nicht einen Bankrott der russischen es nicht, seine Position aus zu nutzen. Vor die Frage ge- ftrebungen fümmern. Also eine Arbeiterschar so recht nach dem Polizei, sondern den Zusammenbruch jener verfehlten Kampfestaltik stellt, ob er seine Zustimmung zur Reichsfinanzreform ab Herzen der Regierung und des Unternehnertums. Diese bei eines Teils der russischen Revolutionäre, gegen die die Sozialhängig machen will von der Uebertragung des Reichs- langer, gesundheitsschädlicher Arbeit und äuß rst färglichem Ber- demokratie seit Jahren in Rußland wie in Bolen in energischster wahlrechts auf Preußen, antwortet er, daß er eine dienst so zufriedenen Leute hat die Regierung jekt mit rauher Weise zu Felde zieht. Es ist die unselige Taftil des Terrorismus solche„ Erpresserpolitif", wie er es nannte, nicht mitmachen Faust aus ihrer stumpfen Gleichgültigkeit aufgerüttelt. Die be- und der sogenannten Expropriationen, das heißt der räuberischen fann, bewilligt er die neuen Reichssteuern, ohne irgend absichtigte Erhöhung der Tabafsteuer droht ja den Tabalarbeitern Ueberfälle und Aneignungen von Geldern, was die ungeheuerliche eine Gegenleistung von der Regierung zu mit der Bernichtung ihrer Griftenz. Kein Wunder, wenn deshalb Berquidung der revolutionären Aftion mit polizeilichen Machenverlangen, und darf dann als artiges Kind weiter unter den zufriedenen Arbeitern der westfälisch- lippefchen Tabak- fchaften ermöglicht hat. Taub gegen die sozialdemokratische Beweis im Block bleiben. Die Front nach rechts darf der Freifinn industrie eine Erregung Blaz gegriffen hat, die einige Pastoren führung, daß solche Kampfmethoden mit der revolutionären Sache erst dann richten, wenn er aus dem Block ausgeschaltet und zu dem verwunderten Ausruf beranlaßte:„ Wir begreifen nicht, des Proletariats, mit dem Klaffenfampf nichts gemein haben, daß das Zentrum an seine Stelle getreten ist. Bis dahin führt er was in die sonst so ruhigen Tabatarbeiter gefahren ist." Als sie nur schädlich, desorganisierend wirken können, hat sich die Partei den Stampf einzig und allein nach lints, stößt er dann den Bastoren die Ursache der Erregung begreiflich gemacht der Sozialisten- Revolutionäre in Rußland und die mit ihnen verdiejenigen, auf die er bei der Erringung des allgemeinen, wurde, da beteten sie auf den Kanzeln. der Herrgott möge die Re- bündete Polnische Sozialistische Partei, Revolutionäre Frattion" in gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in erster Linie an- gierung erleuchten, daß fie auf eine Erhöhung der Tabaksteuer Bolen bis auf den heutigen Tag darauf versteift, den Terror und gewiesen wäre, von sich ab. verzichte. die Expropriationen als revolutionäre" Taten theoretisch zu ver Und genau so wenig Verlaß wie auf den Freifinn ist auf Die Arbeiter jedoch begnügten sich nicht in ber Erwartung, teidigen und praktisch auszuüben. Und die Folgen? Eine furchtbas Zentrum. Unser Genoffe Ströbel hat am Montag daß die Erleuchtung von oben über die Regierung fomme, sondern bare Korruption, die in den Reihen der beiden Parteien eingeriffen dieser Jesuitengesellschaft die Maske vom Gesicht gerissen, er fie rafften sich auf aus ihrem Indifferentismus und schloffen fich ist, eine Unzahl von Spizeln und Provokateuren, die fich hat die Herren entlarvt und sie als das hingestellt, was sie in in großer Zahl der Kundgebung an, welche einen Drud von unten unter die Stämpfer gemischt haben, eine völlige Vermischung Birklichkeit sind: als eine doppelzüngige Gesellschaft, die nur auf die Regierung und den Reichstag auszuüben bestimmt war. revolutionärer Reihen mit gemeinem Lumpenproletariat, wie Borte und nichts als Worte übrig hat für das höchste Recht Und das taten sie lediglich im Interesse ihrer Selbsterhaltung.in in Polen, wo man unter den tagtäglich wegen Raub des Volkes, die aber mit dem Augenblick versagt, wo es gilt, Wie schwer gerade die Bezirke der Tabakindustrie in Westfalen überfällen standrechtlich Hingerichteten absolut nicht mehr Opfer den Worten die Tat folgen zu lassen. und Lippe von einer Steuererhöhung betroffen werden würden, einer revolutionären Verirrung von einfachen Strolchen zu unter Ist so auch dant dem Berrat des Zentrums und das zeigen folgende Angaben: scheiden vermag, oder eine Verquickung der revolutionären Aktion dant der taktischen Fehler des Freisinns im Im östlichen Westfalen, Lippe und Walbed gibt mit schmutzigen polizeilichen Intrigen, wie in Moskau, oder endlich abitampfe die Wahlrechtsaftion vorläufig resultatlos es etwa 30000 abalarbeiter. Sie sind durchweg als die Verwandlung der Revolutionäre von hochherzigftem Jdealisverlaufen, so ist doch immerhin ein erfreulicher Fortschritt Seimarbeiter mit der Herstellung von Bigarren beschäftigt. mus und heroischem Opfermut in tragische Spielbälle infamer zu verzeichnen. Die Zeiten, in denen sich die angeblichen Natürlich kann der Arbeiter allein nicht soviel verdienen, wie Provokateure, wie der Fall Azem in Paris zeigt. Wahlrechtsfreunde mit lendenlahmen Phrasen um die Sache zum Unterhalt der Familie nötig ist. Deshalb müssen nicht nur herumbrücken tonnten, sind vorüber. Db sie wollen oder die Frauen, sondern auch bie Kinder, selbst solche, die noch nicht nicht, sie müssen Farbe betennen, die Sozial- das schulpflichtige Alter erreicht haben. mitarbeiten. Freilich, auch die sozialdemokratische Agitation hat in Rußland gegenwärtig genug unter dem Spigelwesen zu leiden, auch jede bescheidenste Arbeiterorganisation muß beständig vor Probolateuren auf der Hut sein. Wer es ist bor allem eine allgemein bekannte Tatsache, daß es vorzugsweise terroristische Organisationen sind, die auf die Lockspitzel eine magnetische Anziehungskraft ausüben,' genau so wie sich auch in Westeuropa Lockspitzel nicht den sozialdemokra- tischen Arbeitern, sondern den anarchistischen Gewaltanbetern mit Vorliebe an die Rockschöße hängen. Sodann aber sind die Früchte ihrer Wirkung hier wie dort grundverschieden. In den Anfängen der Revolutionsperiode versuchte die zarische Regierung durch Provokation großen Stils auch die Arbeiterbewegung zu verderben. Nach dem Rezept des berühmten S u b a t o w wurden von Geheim- agenten in verschiedenen Städten Arbeiterorganisationen, Gewerk- schaften ins Leben gerufen und geleitet. Proletarische Elemente kamen so unter die Leitung von Lockspitzeln verschiedenen Range?. Und was war das Ende? Die von Geheimagenten gegründeten Arbeitervereine in Odessa gaben das Signal zu jener gewaltigen Ausstandsbewegung, die im Jahre 1803 den ganzen Süden Ruß- lands wie mit einem Flammenmeer umfing. Und die Subatowschen Vereine in Petersburg, vom Popen G a p o n geleitet, gaben durch ihren Marsch zum Winterpalais am 22. Januar 1905 das Signal zum Ausbruch der russischen Revolution. Den Popen Gapon selbst muß man gleichfalls für einen Geheimagenten der Regierung halten; jedenfalls versank er zum Schluß seiner Kariere in der offenkundigsten Korruption. Aber dieser selbe Pope wurde einen Moment lang von dem revolutionären Massensturm, den er entfeffcln half, als sein Fahnenträger vorwärts geschoben, bis er nach abgespielter Rolle durch eigene Korruption zugrunde ging. Und so wie in diesem Falle ging es jedesmal: die mit der Arbeiterbewegung spielenden Rcgierungsagenten verwandelten sich wider Willen in Werkzeuge der revolutionären Sache, um von ihr nach getanem Dienst wie Unrat weggespült zu werden. Die innere historische Logik des proletarischen Klassenkampfes erweist sich eben als stärker denn die Absichten und Pläne der Reaktion, und sie macht sich jedermann dienstbar, der die Arbeiter zu organisieren und mobil zu machen versucht. Die Geheimagenten der Reaktion, die sich an die Arbeiterbewegung heranmachen, werden zu ungewollten Werk- zeugen des Klassenkampfes und fangen sich am Ende in der eigenen Schlinge—. in terroristischen Organisationen, die mit ihrer anarchistischen Taktik in der Luft hängen, werden umgekehrt die Revolutionäre zu Werkzeugen der Reaktion, die mit ihnen nach Lust spielt, um sie schließlich in der Schlinge zu erdrosseln. Der jüngste Fall— die Entlarvung bei Lockspitzels Azew— ist selbst nur ein Fragment aus der tragischen Geschichte der terra ristischen Kampfweise. Jeder Kenner der russischen Verhältnisse wird die Triumphrufe über diese glückliche Entlarvung mit sehr gemischten Gefühlen vernehmen. Es ist nämlich durchaus nicht klar, wer eigcnt- lich hinter dieser Entlarvung steht. ES ist nichts Unerhörtes bei der Verwickelung des Fangnetzes, in dem die terro- ristische Aktion umgarnt ist, daß eine solche.Entlarvung eines hervorragenden Lockspitzels bloß ein Kunstgriff der Geheim- Polizei ist, sei eS, weil daS alte Werkzeug an einem gewissen Ort abgebraucht und durch ein neues ersetzt werden soll, sei eS aus .privaten' Konkurrenzrücksichten unter diesen edlen Rittern selbst Die Leidensgeschichte der russischen sozialistisch-revolutionären Partei ist also mit dieser Entlarvung durchaus nicht zu Ende, vielmehr niuß sie sich sehr in acht nehmen, um nicht wieder in die Fangnetze zu fallen, gerade wo sie sich aus ihnen zu retten vermeint. Die Situation dieser Partei ist in der Tat eine verzweifelte, und man kann schon den heftigen Unmut begreifen, der in den Reihen der Sozialisten-Revolutionäre gegen ihr eigenes Zentralkomitee jetzt herrscht, das sich sechs Jahre lang oder so ungefähr von einem Buben hat an der Nase herum- führen und auf sein Geheiß so und so viele junge prächtige Menschen, wenn auch schlechte Politiker, in den grausigen Tod hat gehen lassen. Aber auch dieser Unmut hat seine Schranke in der Ungerechtigkeit, die darin liegt, die paar gutmeinenden, wenn auch leichtgläubigen Menschen aus dem Zentralkomitee dafür zu Sündenböcken zu machen, was an dem System, an der verfehlten Taktik selbst haftet. Gegen das weitere Verderben der Reihen dieser Partei in den Fängen des entlarvten Spitzels, der alles und alle in der Partei nun kennt, der die ganze Partei in seiner Macht hat, sowie in den Fängen seiner vermutlichen Nachfolger, gibt eS nur ein einziges Mittel, das zu ergreifen freilich den Leitem der terroristischen Partei nunmehr die politische Ehrlichkeit zur unabweisbaren Pflicht macht. Dieses Mittel besteht darin, die terroristische Organisation aufzulösen und ihre Mitglieder von sämtlichen geplanten terroristischen Akten und Expropriationen auf das entschiedenste Wstand nehmen zn lassen. Die wahrhaft schmachvollen— nämlich für die terrorissische Taktik schmachvollen— Erlebnisse der jüngsten Zeit m Polen. in Moskau, in Paris müssen endlich dazu führen, die Arbeiterbewegung in Rußland wie in Polen von dem Krebsschaden des anarchistischen Auchsozialismus zu befreien. Die künftige Auf- erstehuugSperiode der Revolution sollte bereits ein von diesen ver- wirrenden und kormmpierenden Nebenströmungen gereinigtes Kampf- lager des Sozialismus vorfinden, für das nur eine Losung gilt: Aufklärung der Arbeitermassen, Organisation der Arbeitermassen und alle Formen des Massenkampfes, die sich aus der politischen Reife des Proletariats und aus der Reife der politischen Situation mi historischer Notwendigkeit ergeben. Rosa Luxemburg. Politische(leberlicht. Berlin, den 26. Januar!909 Erhöhung der Dampfersubvention. Aus dem Reichstag(26. Januar). Als ob das Reich noch immer heidenmäßig viel.Geld verwirtschaften könnte, kommt ungeniert die Reichsregierung mit der Zu- mutung an das Haus, 276 666 M. mehr für die Unter- stützung des Norddeutschen Lloyd zur Fortführung der Dampferverbindung mit Neu-Guinea zu bewilligen. So wird die Bülowsche Sparsamkeitstheorie in die Praxis umgesetzt I Als Grund dafür wird angegeben, der Norddeutsche Lloyd wolle sich mit der Erhöhung der früheren Subvention von 566666 auf 736 666 M.. die der Reichstag voriges Jahr zugestanden hatte, nicht begnügen. Er verlangt noch 276 666 Mark mehr, sonst werde er die Linien nach Sydney und Hong- kong eingehen lassen und sich auf die Linie nach Singapore beschränken. Dadurch würde aber die Dampferverbindung mit Neu-Guinea von 26- auf 6maliges Anlaufen im Jahre beschränkt und entsprechend das Interesse der Kolonie ge- schädiat werden Ter Staatssekretär v. Beth mann- Holl weg quälte sich sichtlich mit der unangenehmen Pflicht einer Per- teidigung dieser Forderung in der Zeit einer Reichsgeldnot ab. Die Vertreter der Blockparteien erleichterten ihm aber seine Aufgabe durch unentwegten Bewilligungseifer. Vor allem tat'sich Herr H o r m a ii n(fcs.). der Vertreter Bremens, hervor. In dieser Hansastadt ist nämlich der Norddeutsche Lloyd daheim. Aber selbst der Agrarier D i/ d e r i ch H a h n war für Bewilligung dieser Gelder für Kähne. In seinem Wahlkreise liegt nämlich Geestemünde, auch ein Lloydhafm. Für das Zentrum trat Herr Erzbcrger als Opponent in die Schranken. Er wies darauf hin, daß in dieser Sparära die Bndgetkommission noch nicht einmal so viel Geld gestrichen habe, wie hier fortgeworfen werden solle. Genosse N o s k e vertrat den grundsätzlich ablehnenden Standpunkt der Sozial demokratie. Er wies darauf hin, daß wir um so weniger Grund hätten, den Lloyd zu unterstützen, als diese große Dampferreederei mit ihren glänzenden Dividenden systematisch die Gewerkschaften bekämpfe. Sie gründe„gelbe" Vereine und beraube ihre Seeleute des Koo.litionsrechts. Aber auch an sich könnten wir uns auf die Subvention nicht einlassen. Es sei das weggeworfenes Geld, da der wirtschaftliche Nutzen der Unternehmungen in Neu-Guinea für Teutschland der schwindend klein sei. Der Handel gehe fast ausschließlich nach Australien und Ostasien. Nachdem noch der Kolonial minister Deruburg sich für die Vorlage ins Zeug gelegt hatte, wurde sie der Budgetkommission überwiesen. Nächste Sitzimg Donnerstag. Tagesordnung: Der sczialdemokratische Antrag betr. Landarbeiter und Gesinde._ Royalisten und Kamarillisten. Es war vorauszusehen, daß die konservative Presse den Geburtstag des Kaisers benutzen würde, um sich Wilhelm II. als strenge prinzipielle Monarchisten zu empfehlen, deren Royalismus von weit besserer Dauerfähigkeit sei als die äußerliche Königstreue des Kanzlers und anderer„Vernunfl Monarchisten". Und tatsächlich spielt denn auch die„Deutsche Tageszeitung" sich in ihrem„Unser Kaiser" über schriebenen Festartikel als bäuerlichen Chouan, als preußischen Epigonen des kuriosen Laroche- Jaquelin auf— wobei sie sich jedoch die günstige Gelegenheit nicht entgehen läßt, dem in Ungnade gefallenen Reichskanzler nebenbei einige kleine Peitschenhiebe zu verabfolgen. Sie schreibt nämlich: „Was des Kaisers ist. das soll des Kaisers bleiben. Eine einfache, vernünftige Ueberlcgenheit sogt, daß des Reiches und des Volkes Zukunft durch eine starke Monarchie am besten gesichert ist. Wir brauchen keine papierenen Aenoe- rungen, sondern nur Männer auf den Thronen und neben den Thronen, die durchdrungen sind von der Verantwortlichkeit ihrer Stellung und banden verpflichtenden Höhe ihres Berufes. Daß dem Kaiser immer so mannhafte, freimütige, aufrechte, ernste und treue Ratgeber beschieden sein mögen, das ist unser herzlicher und tiefgefühlter Wunsch an seinem Geburtstage. Abbr wir feiern diesen Tag nicht nur als Vernunft- Monarchisten, sondern als lünigStreue Männer. Für uns ist die KönigStreue kein Gewand, das wir nach Befinden anlegen und ausziehen können; sie ist uns vielmehr angeboren, ein Stück unseres Herzens, das wir nicht herausreißen können, wenn wir nicht den besten Teil de? Herzens verletzen wollen.... Für die sogenannten BernunstSmonarchisten ist'dos Königstum ledig. lich eine Einrichtung; für uns ist der König eine lebendige Person und soll eS bleiben. Die Königstreue verpflichtet aber nicht nur zum Dienen und Gehorchen, sondern auch zur Wahrhcft. Des. halb wird sie auch an den Stufen deS Thrones nicht schweigen, sondern freimütig und ehrerbietig das sagen, wozu sie verpflichtet zu fem glaubt. Solche Pflicht haben wir, so weit wir konnten, immer und auch im vergangenen Jahre erfüllt. Wir sind überzeugt, daß wir nicht mißverstanden worden find. Freimütige und ehrerbietige Kritik tut aber der echten, eingewurzelten KönigStreue keinen Abbruch. Wer die Kraft des Freimutes hat, der wird auch die Kraft haben, dem Könige die Treue zu halten, wenn fein Thron bedroht wird, und wenn eS gilt, für die Treue alles zu opfern. Solcher Treue kann und soll unser Kaiser sicher sein. Zwischen ihn und das Volt soll sich nichts drängen. Wir gehören zusammen und wollen zusammen bleiben, je ernster die Zeit wird, um so fester. Wer weiß, was die Zukunft im Schöße birgt I Sollte eS zu schweren Kämpfen kommen, so würde der Kaiser auf uns zählen können als auf die Triarier in seiner Schlacht- reihe, auf das letzte, bis zum Tode getreue Auf- gebot." Zugleich wird in der konservativen Presse offen ausge- sprochen. daß man des Paaruirgsverhältilisses zum Freisinn überdrüssig ist. so meint die„Kreuzztg." in einer Polemik nnt der Königsberger„Hartungfchen Ztg.", die konservative Politik gehe jetzt darauf aus.„das Blockvcrhältnis zu läutern und von den hineingetragenen liberalen Herrschaftsgelüsten zu befreie n". Die Konservativen sehen also ein, daß, wenn der vierte Kanzler fällt und an dessen Stelle eine ihnen genehme Per- sönlichkeit tritt, auch der Block nachpurzeln wird, und s« ziehen daraus von vornherein die nötigen Konsequenzen, danz un- bekümmert um die nationalliberalen Drohungen und An- deutungen, daß doch auch noch andere politische Konstellationen denkbar seien, als nur eine konservativ-klerikal-national- liberale Reichstagsmehrhcit.— Die Burleske des Biermandatsraubcs. Wir meldeten kürzlich, daß der Leutnant Pohl, der in seinem gegen die Wahl im 12 Berliner Landtagswahlkreis eingelegten Protest zugleich die Ungültigkeitserklärung der 11 übrigen Berliner Wahlkreise beantragt hatte. seinen Protest gegen diese 11 Wahllreise nach den sozialdemokra- tischen Enthüllungen über die Machenschaften des bürgerlichen Referenten in dem Ausschuß und der Wahlprüfungs- kommission selbst zurückgezogen habe. Offenbar war diese Zurücknahme des Protestes durch Leutnant Pohl auf von uns gleich- falls gemeldete vertrauliche Verhandlungeu zwischen Konservativen und Freisinnigen zurückzuführen. Die Possenhaftigkeit dieser letzten Schiebung haben wir bereits hinlänglich gekennzeichnet. Aber dieDienStagSsitzung der Wahlprüfungskommission hat die unglaubliche Posse des ViermandatSraubversuchS noch um einen neuen, besonders possenhaften Akt bereichert. Es kam dort nämlich zur Sprache, daß Leutnant Pohl den gegen die übrigen elf Berliner Wahlen frist- und form- gerecht gestellten Protest nicht.zurückgezogen" habe, sondern daß er seinen Protest nachträglich— nach der Festnagelung der un- glaublichen Manöver der liberalen und konservativen Fischbcckianrr!— nun dabin.interpretiert" habe, daß sein Protest nur der Wahl im 12. Berliner LandtazSwahlbezirk gelte! Welch eine Komödie der Irrungen: Erst die rätselhafte Ber- heimlichung deS vollen Protestes des Leutnants Pohl durch die Abgeordneten«ronfohn und Malkewitz, den freisinnigen Bolksparteiler und kouservativen Scharfmacher. Dann die Ber- schweigung deS wirklichen Inhalts dieses Protestes durch wiederum einen freisinnigen Volksparteiler und einem Stock- konservativen, durch die Herren F i s ch b e ck und S t r o s s e r! Dann die Unstimmigkeit der offiziellen Freisinnspresse, woher denn eigentlich der Protest gegen die vier sozialdemokratischen Wahlen stamme! Dann die faulen Ausreden, baß ber Protest des SeatnantS Pohl vom Bureau des Landtags übersehen worden seil Dann die Entdeckung, daß besagter Protest gar keinen formgerechten Protest gegen alle Berliner Wahlen enthalte. Und endlich— nach Zerstörung all dieser kindischen Ausflüchte— der neueste Rettungsversuch mit dem Rückzieher des Leutnants Pohl durch eine ganz gleichgültige und verspätete„Interpretation" dieses Protestlers! Die Geschichte ist wirklich zu abgeschmackt! Mit kläg- sicherem Ungeschick hat man noch nie eine oberfaule Sache zu der- teidigen versucht! Bemerkt doch zu dem neuesten Geniestreich der Viermandats- Möchtegern-Räuber das„Berk. T a g e b l.": „Dieses Schreiben des Herrn Pohl kann die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß er in seinem Protest gegen die Wahl in Berlin 12 tatsächlich von der Notwendigkeit gesprochen hat, auch die Wahlen in den anderen Berliner Wahlkreisen für ungültig zu erklären. Schließlich kommt eS doch nicht darauf an, wie Herr Pohl feinen Protest nach- träglich interpretiert, sondern was tatsächlich in dem Protest schreiben gestanden hat." Die Wahlprüfungskommission beschloß übrigens, in einem Antrag zu dem demnächst an das Plenum zu erstattenden Bericht sowohl den O r i g i n a l p r o t e st des Leutnants Pohl, wie auch seine spätere Interpretation" im Wortlaut zu veröffentlichen. Der Vergleich dieser beiden Dokumente dürfte zu lustigen Bewachtungen führen. Uebcrhaupt verspricht die Erörterung der ganzen Affäre ungebeuer heiter als auch ungeheuer blamabel für gewisse Leute zu werden I_ Eine Wahlrechtsdemonstratio» in Hildesheim. H i l d e s h e i m, 25. Januar. Eine wohlgelungene Wahlrechtskundgebung fand hier heute abend statt, ohne Erlaubnis, aber unter Mit- Wirkung der königlich preußischen Polizei. Durch ein nachmittags verbreitetes Flugblatt waren die Arbeiter eingeladen worden, sich abends präzise 8 Uhr beim Dom einzufinden, von wo dann der Zug durch die Stadt nach dem Versammln ng.S- lokal stattfinden sollte. Eine Viertelstunde vor der festgesetzten Zeit war der Platz noch fast völlig menschenleer; nur hier und da sah man im Mondenschein bezw. trüben Schimmer der Laternen die Wahrzeichen des Rechtsstaates blitzen: die Polizei war auf dem Posten und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Wie auS dem Erdboden gestampft, waren Punkt 8 Uhr wohl gegen 2000 Demonstranten, Männer und Frauen anwesend. Unter Hochrufen auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht setzt sich die Masse in Bewegung. In den Straßen, die der Zug passierte, standen hunderte staunend Spalier. Die Fenster der hochgiebeligen malerischen Häuser wurden klirrend aufgerissen und Kopf an Kopf drängte sich heraus, um Zeuge d>:S ungewohnten Vorganges zu sein. Immer wieder erschallen brausende Hochs, trotz des Diensteifers einiger Polizeibcamten, die, obgleich sie das Hochrufen nicht verhindern konnten, immer wieder„Ruhe!" geboten. Nach halbstündiger Wanderung mitten durch die Stadt trafen die Demonstranten am Ziele ein. Genosse Nauen hielt dort eine kernige Ansprache. Eine entsprechende Reso- lutwn fand einstimmige Annahme. Mit einem begeistert aufgc- nommenen Hoch auf das gleiche Wahlrecht schloß die würdige Kundgebung. Bemerkt sei noch, daß die Mehrzahl der Polizeibeamten, die den Zug bis an den Eingang zum GewerkschastShause begleitet- und hier zu beiden Seiten sich postierte, sich durchaus taktvoll bc- nahm und ruhig geschehen ließ, was sie nicht verhindern konnte. Einige Beamte dahingegen schlugen die Kragen hoch, legten die Schuppenketten herunter und die Hand an den Degen, als wenn eS zur Attacke gehen sollte. Immer wieder stürmten sie in den Zug hinein, geboten im Kasernenton„Ruhe!" oder hielten einigen Hvcheufern den Mund zu bezw. nahmen Sistierungen vor. Die Disziplin der Massen litt durch diese hochkomisch wirkenden Unter- brechungen nicht im geringsten. Abgelehnte Reichsverbandsmitglieder als Richter. Als verantwortlicher Redakteur unseres Draunschweiger Bruder- blatteS sollte si-b am Montagmorgen Genosse Brenner vor dem zu- tändigen Schöffengericht wegen Beleidigung verantworten. Zwei reichsländische ReichSverbändler, Rechtsanwalt Dr. Zschweigert und Militärbauinspektor Sregmann, beide auS Straßburg i. E., fühlten ich durch eine Notiz im.Volksfreund" beleidigt Bor Eintritt in die Verhandlungen lehnte der Vertreter unseres Genossen. Genosse Dr. Jasper, die Richter als befangen ab, denn eS stellte ich heraus, daß der Ri-Stcr. Oberamtsrichter Dr. Huch und die beiden Schöffen Mitglieder des Reichsverbands sind. Zwar erklärten sich die ReichSverbändler für nicht befangen, die Verhandlung mußte aber doch ausgesetzt werden; das Landgericht wird erst darüber die Entscheidung treffen, ob die Richter als ReichSverbändler bei angeblicher Beleidigung deS Reichsverbandes Recht" sprechen können. Besser ist eS unserem Genossen Grub er als Verantwortlichen der.Münchener Post" ergangen. Das Amtsgericht München I lehnte die Privatklage derselben beiden ReichSverbändler ab und bürdete ihnen die Kosten auf. Dem Genossen Gruber wurde»Wahrung bc- rechsigter Interessen" zugute gehalten. ES wurde ausgesprochen. .daß daS Gericht daS Aufgreifen jeder Gelegenheit, diesem(Reichs-) Verbände in dem gegenseitigen Kampfe beizutommen, als begreiflich und vom Standpunkte des Beschuldigren aus als notwendig anerkennt". Hoffen wir. daß die«ichtreichsverbändlerilchen Richter in Hannover zu demselben Resultat, einer Ablehnung der Privatklage der Herren, kommen._____ Eime ReichsverbandsgrShe. ES bleibt bei der Verurteilung des Chemnitzer Reichsverbandshäuptlings Dr. Boesserl Wegen Bei- Hilfe zur versuchten Nötigung ist bekanntlich Dr. Boeffer. der Bor- itzende der Ortsgruppe des Reichsverbands zu 200 Mark Geld- träfe verurteilt worden, weit er da» Konzept eines Briefes ge- chrieben hatte, den der Komplice des Amandus Schubert, Rabe• an den Vertrauensarzt der von ihnen verleumdeten Ortskasse' Dr. Kroeber geschickt hat. Rabe ist deshalb mit verurteilt worden. Dr. Doeffer legte Berufung gegen daS schöffengerichtliche Urteil ein. Doch wurde diese nach längerer Verhandlung verworfen. Auch daS Landgericht erachtete Dr. Boeffer schuldig und trat im wesentlichen der Vorinstanz bei. ES bleibt also bei der Geldstrafe von 200 M.— In der Verhandlung wurde wieder das Bild de! dreckigen Verhältnisses enthüllt, in dem Dr. Boeffer zu dem wegen Erpressung zu hoher Gefängnisstrafe verurleisitm Broschürenherausgeber Amandus Schubert stand. DeS weiteren wurde von neuem bestätigt, daß auch der»Verttauens'arzt der gemeinsamen OrtS- krankenkasse, Dr. Kroeber. ebenso hinter dem Rücken deS Kassen- Vorstandes gegen diesen mit Eingaben an die Oberbehördea intrigiert hat wie Dr. Boeffer.__ Wahlreform in Sachsen-Weimar. Der Eisenacher Korrespondent der.Franlfurter Zeitung" erfährt au» zuverlässiger Quelle, daß dem weimarischeu Landtag be- stimmt noch in diefer Seffion ein neues Landtags- 1 wahlgefeb mit dem allgemeinen, gleichen und in direkten Wahlverfahren zugehen wird. Das neue Gesch Tiegt dem Ministerium des Innern bereits fertig vor, es bedarf nur noch der Durchberatung durch das Gesamtministerium. Zurzeit besteht der weimarische Landtag aus 33 Mitgliedern, bon denen 5 vom größeren Grundbesik, 5 von den Höchstbesteuerten und 23 aus allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehen, Moloch Disziplin. Darmstadt, 26. Januar. ( Privatdepesche des„ Vorwärts"). Darauf antwortet der kapitalistische Gründer der neuen Partei| richter berufen waren, es im Intereffe ihrer Klasse gegen den der Südwestdeutschen Wirtschaftszeitung": proletarischen Feind" anzuwenden. Im vorigen Jahre versuchte " Paasche und Stresemann als Vertreter des Gewerbelebens die Arbeiterschaft das ihr berhaßte Ausnahmegeseb auf dem dürfte die überwältigende Mehrheit der deutschen Gewerbe- Wege der Iniative abzuschaffen, allein ohne Erfolg, da die Retreibenden denn doch mit Entschiedenheit ablehnen. Paasche ist ein gierung bereits im Begriff stand, die betreffende Strafbestimmung Doktrinär und Stresemann ein Demagog." zu mildern, und aus diesem Grunde viele Stimmberechtigte nicht für die Initiative stimmten, die anderenfalls mit ihr einverstanden gewesen wären. Ernst oder Scherz? Die Milderung besteht in der Einführung der Geld. tra fe neben der Gefängnisstrafe, und die nicht beide zugleich, sondern nur alternativ verhängt werden dürfen. Mit dieser Abänderung lautet der§ 164: Die Kaiserfeier der Karlsruher Patriotenschaft wurde bereits am Sonnabend als Probevorstellung für das ganze badische Land abgehalten. Es handelte sich um ein Thema für den heutigen Kaisertoast, der nach den Kundgebungen wider das persönliche ReWer andere durch Zwang, Drohung, Ehrbeleidigung oder giment etwas schwierig schien. Ein rechter Blockbrüder bersteht Verrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht, an VerAm Tage vor dem Geburtstage Wilhelms II. hat das Kriegs- jedoch aus allen Blüten füßen Honig zu faugen. So verstieg sich abredungen zum Behuf Erlangung günstigerer Lohn- und Argericht der 25. Division zu Darmstadt ein furchtbares denn der Festredner, Stadtrat Schlehbach, nach dem Bericht der„ Bad. beitsbedingungen, besonders durch Einstellung der Arbeit oder Schreden surteil gefällt. Neun Dragoner vom 24. Regiment Landesztg." dazu, den Kaiser Wilhelm als den Besieger Entlassung von Arbeitern, teilzunehmen oder von solchen Vere wurden mit wahrhaft drakonischen Strafen belegt. Wegen feines Inneren zu feiern: Wilhelm II. habe nach den unerfreulichen abredungen zurückzutreten, ebenso wer durch solche Mittel andere hindert oder zu hindern versucht, von solchen Verbindungen militärischen Aufruhrs und Achtungsverlegung Vorgängen des letzten Novembermonats die Worte suprema lex zurüdzutreten, wird mit Geldbuße oder Haft bestraft." verurteilte das Kriegsgericht den Dragoner Becker zu 5 Jahren regis voluntas( Des Kaisers Wille ist das oberste Gesez) ausEs gab darüber eine sehr lebhafte Debatte, an der sich auch 3 Monaten, den Dragoner Krumb zu 5 Jahren 1 Monat, die gelöscht und sich dem Willen des Voltes gefügt; sozialdemokratische Redner rege beteiligten. Aufallend erschien, daß Dragoner Böcher und Baube zu je 5 Jahren Gefängnis, wegen ein Sieg über sich selbst, der bedeutender ist, als viele gewonnene von teiner Seite auf den Anarchronismus des Artikels aufmerksam Fahrlässigkeit und Gehorsamsverletzung die Schlachten". gemacht wurde, der im Hinblick auf die auch in Basel start bers Dragoner Burkhäuser und Wahl zu je 1 Jahr Gefängnis, den Dem Kaiser übersendet die Festversammlung den Dank für die tretenen Tarifverträge besteht, die ja gerade auf der Ber Dragoner Traub zu 10 Monaten Gefängnis, die Dragoner Blato Ueberwindung des persönlichen Regiments; aber nicht direkt an die tragstrene, also im Gegensatz zu dem Gefeß darauf beruhen, daß und Linch zu je 6 Monaten Gefängnis. Das Vergehen des Auf- Majestät, auch nicht an Bülow; es wurde vielmehr der badische kein Beteiligter zurücktrete. War man schon einmal bei der Reruhrs hatte das Gericht darin gesehen, daß die neun Dragoner, Großherzog darum ersucht, gnädigst die Uebermittelung zu über- bision des Gesetzes, so hätte man auch in dieser Beziehung das gedie nach 9 Uhr abends noch auf der Kasernenstube Karten spielten, nehmen. Der wird sich's überlegen! den Befehl des diensttuenden Unteroffiziers, damit aufzuhören, nicht beachteten. Der fächsische Landtag ist am Dienstag geschlossen worden. Der König verlas dabei eine Thronrede, in der es u. a. heißt:" Für die Vertretung des Volkes die rechten Wege zu finden, ist eine überaus schwierige Aufgabe gewesen, und wenn der Verlauf der Verhandlungen mich zeitweise von den Sorgen erfüllt werden ließ, daß eine wichtige und das Land tief: bewegende Borlage in der zu Ende gehenden Session unerledigt bleiben werde, so hoffe ich nun, nachdem allfeitige Uebereinstimmung erzielt worden ist, um so zuversichtlicher, bag meine bei der Eröffnung des Landtages ausgesprochenen Abfichten durch Ihre Beschlüsse sich verwirklichen und in meinem Volte alles Verständnis und Vertrauen finden werden." Die Hoffnung wird nicht erfüllt werden. Ueber die Reichsfinansreform enthält die Rede folgenden Passus: Schutz vor Schuhleuten. Vor der Dortmunder Straffammer hatten sich am Sonnabend ein Polizeiwachtmeister und zwei Polizeisergeanten wegen unglaub lich roher Mißhandlung zu verantworten. Anläßlich eines Schützenfestes hieben die Angeklagten ohne jeden ersichtlichen Grund auf einen Teil der Festteilnehmer mit blanker Waffe ein. 10 Personen wurden erheblich verwundet. Ein Bergmann erhielt etwa 30 Säbelhiebe. Zuerst ließ man ihn liegen, später wurde er verhaftet. Man feffelte den Mißhandelten, und da er nicht laufen konnte, schleiften ihn die Beamten eine Strede Weges mit. Schließlich luden die Gesetzeshüter den Schwerverletzten auf einen Wagen, ihn mit Fauftschlägen traftierend. Der Mann ivar vier Wochen arbeitsunfähig. Das Urteil gegen den Polizeiwachtmeister Mertin lautete auf sieben und gegen den Polizeisergeanten Hennig auf vier Monate Gefängnis. Der dritte Angeklagte wurde frei gesprochen, weil er auf Befehl des Wachtmeisters gehandelt hat und fich im Moment nicht über die Situation orientieren tonnte. Spionageprozeß. Vor dem bereinigten zweiten und dritten Straffenat des Reichsgerichts begann heute die Hauptverhandlung gegen den Kaufmann Jofeph Herrmann aus Metz wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse. Die Deffentlichkeit ist für die ganze Dauer der Verhandlung Die Ordnung der Finanzen des Reiches ist nachgerade eine Lebensfrage für unser ganzes Vaterland geworden. Bundesrat und Reichstag sind in ernster Arbeit von neuem dabei, eine endgültige Regelung herbeizuführen. Ein Scheitern des Reforma iveries wäre ein Unglüd von unübersehbarer Tragweite. Ich halte mit meiner Regierung an der Hoffnung fest, daß es trotz der außerordentlichen Widerstände, die sich der Erreichung des an gestrebten Bieles entgegenstellen, gelingen wird, zu einer Ver. ftändigung zu gelangen, welche die Deckung des Reichsbedarfs auf die Dauer sicherstellt, ohne durch die Wahl der Dedungsausgeschlossen. mittel die Stellung zu beeinträchtigen, welche mir und meiner Regierung, meinen Ständen und meinem Lande innerhalb des Reiches nach den Grundsäten der Reichsverfassung zukommt. Die fächsische Regierung erklärt sich also nochmals gegen direkte Reichssteuern. Etwas anderes war von der Regierung des realtionären Musterländchens nicht zu erwarten. • Die christlichen Tabakarbeiter und die Tabakstener. Der Verband christlicher Tabak- und Zigarrenarbeiter Deutschlands hat an den deutschen Reichstag eine Petition mit 88 002 Unterfdriften gerichtet, in welcher derfelbe nicht nur um Ablehnung der Banderolensteuer ersucht, sondern sich auch gegen jede andere steuerliche Mehrbelastung des Tabats wendet. In der Begründung erklären die Betenten, daß sie nach ein gehender Nachprüfung der feinerzeit von Herrn Reichsschapsekretär Sydow veröffentlichten Zahlen und derjenigen des ehemaligen Reichstagsabgeordneten v. Elm, die sich direkt gegenüberstanden, zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß die von dem letzteren durch seine Methode gewonnenen Resultate den Wirkungen am nächsten tommen, welche die Boll- und Steuererhöhung von 1879 für die Arbeiter aus löfte". Nach einem Vergleich derjenigen Zahlen der Gewerbeftatistik bon 1875 und 1882, welche annähernd vergleichbar sind, stehe fest, daß durch die Bollerhöhung von 1879 mindestens 18 787 Arbeiter aus der Industrie verdrängt worden seien. Aus mehreren Orten werden dann aus dem dem Vorstande des chriftlichen Verbandes zur Verfügung gestellten einwandfreien Material Einzelergebnisse mitgeteilt, durch welche die allgemeinen Zahlen nicht nur bestätigt, sondern nur verschärft werden. Eine ganze Reihe größerer Firmen gerieten in Stonfurs, fleine Fabrikanten stellten den Betrieb ganz ein. In allen Orten zahlreiche Arbeiterentlassungen, Lohnherabsetzungen und Beschränkung der weiter beschäftigten Arbeiter auf einen geringen Verdienst! Verheiratete Arbeiter verdienen mur bis 5,50 M. pro Woche, ledige nur 5 bis 6 M. Die Sterblichkeit bei den Tabakarbeitern sei größer als in allen anderen Berufen; die verstorbenen Mitglieder des chriftlichen Berbandes erreichten nur ein Durchschnittsalter von 37,9 Jahren, über 56 Broz. starben an Tuberkulose. Die Ursache sei: die durch die schlechte Entlohnung verursachte mangelhafte Ernährungsweise." Die Erfahrungen haben gelehrt, daß durch die Zollerhöhung von 1879 ein beträchtlicher Teil des Arbeiterperfonals in die billigere Hausindustrie gedrängt wurde. In dem dem Reichstag vorliegenden Entwurf über die Hausindustrie betone die Regierung, daß gerade in dieser die Gesundheitsschädigungen bei der Herstellung von Bigarren die schlimmsten seien; es sei doch ein großer Widerspruch, wenn die Regierung, einmal die Wißstände in der Zabatindustrie belämpfen wolle, dann aber wiederum durch Boll- und Steuer erhöhungen dazu beitrage, daß sie in der schlimmsten Weise gestärkt würden. Zum Branntweinmonopol. Der Frankf. 8tg." wird aus Berlin von gut informierter Seite gemeldet: Man soll sich nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen laffen über das Scheitern des Monopols. Es ist burdans nicht ausgeschlossen, daß diefes den Agrariern so sympathische Projekt immer noch realisiert wird. Sehr eigentümlich ist es befonders, daß die Regierung in legter Beit gar nicht mehr zu der Sache Stellung ges nommen hat. Sie hofft offenbar, daß die Agrarier aus eigener Kraft die Sache zum Besten führen werden. Reichstagserfahwahl im Wahlkreise WittgensteinSiegen- Biedenkopf. Die Balkankrise. Die bulgarische Mobilisierung. Wie offiziell versichert wird, wurde die Einberufung der Reservisten bisher auf weitere Grenzdivisionen nicht ausgedehnt, jedoch feien alle Vorkehrungen getroffen, um eine eventuell notwendig werdende allgemeine Mobilisierung schleunigst durch zuführen. Auf der Pforte haben die kriegerischen Meldungen aus Sofia feinerlei Beunruhigung hervorgerufen. Es ist die Ansicht vorherrschend, daß die bulgarische Regierung mit ihren militärischen Weaßnahmen lediglich den Zwed verfolgt, in Angelegenheit der rascheren Erledigung der Geldentschädigungsfrage eine Intervention der Mächte herbeizuführen. Andererseits wird in Konstantinopel auf das entschiedenste in Abrede gestellt, daß die Absicht bestünde, irgendwelche strategische Punkte im türkisch- bulgarischen Grenzgebiete zu besetzen. Serbische Rüstungen. schriebene Recht mit dem wirklichen Leben in Einklang bringen sollen. Bemerkt sei noch, daß Vergehen nach dem§ 164 mit Geldbuße bis zu 300 Fr. oder Gefängnis bis zu 40 Tagen bestraft werden können, Es ist das eine wie das andere Strafmagimum biel zu hoch, frankreich. Ein neuer Hinrichtungsskandal. Paris, 26. Januar. In Carpentras fand heute morgen die Enthauptung des Mörders Danvers statt. Aus diesem Anlaß fam es zu standalösen Auftritten. Eine nach Tausenden zählende Volksmenge erging sich in lauten Protestrufen gegen die Absperrungsmaßregeln, welche von den Behörden getroffen worden waren und welche die Mehrzahl der anwesenden Neugierigen verhinderte, die Hinrichtung zu sehen. Mehrere Personen versuchten gewaltfam die Truppenabsperrungen zu sprengen. Verschiedene. Berhaftungen mußten borgenommen werden. Bereits vor Mitternacht durchzogen Demonstranten die Straßen und brachten o chrufe auf den Scharfrichter aus. Die Hinrichtung erfolgte alsdann ohne jeden Zwischenfall. Schweden. Der Malmöer Prozeß. Stockholm, 26. Januar. Das höchste Gericht hat in Sachen des Bombenanschlages, der am 12. Juli vorigen Jahres gegen arbeitswillige englische Arbeiter auf dem als Logis schiff verwendeten Dampfer Amalthea" in Malmö berübt wurde, sein Urteil gefällt. Es hat das von dem Malmöer Hofgericht berhängte odesurteil gegen Nilsson und die lebenslängliche Zuchthausstrafe gegen Stern bestätigt und die gegen Rosberg verhängte Todesstrafe in lebenslängliche Buchtausstrafe umgewandelt. Perlien. Bevorstehende russische Intervention. Petersburg, 26. Januar. Njetsch" erfährt aus vollkommen autoritativer Quelle: Das Memorandum der ruffischen Regierung über die persische Frage beginnt mit der Erklärung, der Schah und der bisherige Medschlis feien unfähig, die gegenwärtige Anarchie in Persien beizulegen. Die Anarchie bedrohe gleichmäßig die ruffifchen Interessen und Bersten selbst. Das veranlaffe die russische Regierung auf der Durchführung einer Reihe bon Reformen in Berfien zu bestehen. Der erste Medschlis habe den Interessen des Landes widersprochen. Der neue Medschlis Belgrad, 26. Januar. Kriegsminister Biblovitsch wird der fei auf Grundlage des genius und Prinzips ber Stupfchtina eine Gesetzesvorlage unterbreiten, in der die Bewilligung 3nteressenvertretung einzuberufen, seine Kompetenz auf eines neuen Rüstungstredits gefordert wird. Wie in Abbie einer gefegberatenden Bersammlung einzuschränken. Auf geordnetenkreisen verlautet, soll dieser 3 Millionen betragende Kredit allen Verwaltungsgebieten seien dem Schab Angehörige fleinerer zu Vorbereitungen für eine Mobilisierung auf- europäischer Staaten als Ratgeber anzuempfehlen. Nach Ansicht der gewendet werden. Seit Oftober vorigen Jahres hat das Striegs- russischen Regierung müßten diese Reformen auf dringende Natministerium von der Stupsahtina 33 Millionen für außer- fchläge Rußlands und Englands hin durchgeführt werden. ordentliche Heereszwede gefordert. Oefterreich. Eine Regierungsdummheit. Rußland will also den Parlamentarismus in Persien endgültig vernichten und an feine Stelle eine bloß beratende Versammlung setzen, die zudem aus einem urreaktionären Wahlrecht Außerdem soll die Verwaltung in fremde Hände hervorgehen soll. Eine alte Forderung der österreichischen Italiener ist gelegt werden, so daß zugleich mit der Freiheit auch die SelbDies gerade in dem Moment, die Errichtung einer eigenen Universität. Natürlich wünschen sie ständigkeit Berfiens ein Ende hätte. wo die revolutionäre Regierung in Täbris und in Jspahan die diese in der größten italienischen Stadt, in Triest. Man erinnert sich noch der blutigen Demonstrationen, durch die italienische Ordnung wiederherzustellen bemüht ist. Die„ Anarchie", die Rußland Studenten an der Wiener Universität dieser durchaus berechtigten den Vorwand zu dem Einschreiten bieten soll, hat es zudem selbst erForderung Nachdruck zu geben suchten. Die österreichische Re- zeugt, als es den Schah durch den Kosalenobersten Biatoff zur gierung feht aber dieser Forderung von altersher hartnädigen Bombardierung des Parlament& verleitete. Man darf Widerstand entgegen. Namentlich will sie von Triest als Sib übrigens neugierig sein, wie sich die liberale englische Re. der Universität nichts wissen, da sie davon ganz lächerlicherweise gierung zu dem Anfinnen, die persische Freiheit zu vernichten, eine Stärkung des italienischen Irredentismus, der nationalen Losreißungsbewegung fürchtet. Aus demselben Grunde begünstigt sie auch in Triest die Slowenen, die ebenfalls Gegner der italienischen Universität sind. Vor kurzem hat die Regierung nun den Antrag auf Errichtung einer italienischen Uni- richten, daß die Regierungstruppen, welche gegen die aufständischen versität in Wien eingebracht. Das hat natürlich bei den Italienern die stärkste Entrüstung hervorgerufen, da sie ihre Universität nur in süblichen Provinzen entfandt wurden, von den Revolutio= einer italienischen Stadt haben wollen. Aber auch ber nären in einen interhalt gelodt wurden. Die Mehrzahl Italiener im Königreich hat sich große Aufregung bemächtigt, der Soldaten ist niedergemacht worden. Die Kommandoführer entund die gesamte Presse schreibt aufs heftigste gegen den Bundes- flohen und ließen ihre Truppen im Stidy. genossen". Daß der Dreibund dadurch nicht gerade befestigt wird, ist selbstverständlich. verhalten wird. Ein Erfolg der Revolutionäre. Petersburg, 26. Januar. Meldungen aus Teheran bes Hus der Partei. " Die Sozialdemokraten für den nationalen Frieden. Die Pforzheimer Kandidatenfrage ist durch die im Vorwärts" Wien, 25. Januar.( Abgeordnetenhaus.) In der Ver- erfolgte Erklärung aus dortigen Parteitreisen in einen anderen Handlung der Dringlichkeitsanträge über die nationalen Fragen Gefichtswinkel gerüdt worden. Die Voltsstimme"( Mannin Böhmen betonten die sozialdemokratischen Abgeordneten heim) muß nun selber sagen, daß es Pflicht der Pforzheimer GeSoukup und Dr. Renner die Notwendigkeit der Schaffung nossen ist, ihrem bisherigen Vertreter im Landtage das Vertrauen des nationalen Friedens, mindestens aber eines Waffen nicht zu entziehen, falls nicht außerordentliche Gründe vorAmtliches Wahlresultat. Bei der Stichwahl zum Reichstag im tilstandes, zur Durchführung bringender wirtschaft liegen. Den Parteitag mit der Sache zu befchäftigen, gehe nicht an. Bahltreife Bittgenstein- Siegen- Biedenkopf am 22. v. 8. findlicher und sozialpolitischer Reformen. Alle Nationen stonflitte der Aktionskraft der badischen Sozialdemokratie im Die Vollsstimme" kommt zu dem richtigen Schluß, daß derartige b. Mts. 38 622 Stimmen abgegeben worden; hiervon entfielen auf den Berg- und alle Parteien feien verpflichtet, für den nationalen Frieden zu kommenden Wahlkampf nur schaden fönnten. Im einige Monate hauptmann a. D. Vogel( natl.) 17 922 und auf den Licentiat Mumm arbeiten, nicht in geheimen Konventikeln, sondern offen im früher hätte dieser Meinung schon Ausdruck gegeben werden sollen, ( christlich- sozial) 15 700 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Abgeordnetenhause. Freitag wird die Verhandlung fortgesetzt. als man in Mannheim glaubte, mit außerordentlichen Gründen" operieren zu können. Schweiz. Milderung des Streifparagraphen. Die Nationalliberalen und die Großzindustriellen. Zur badischen Presseangelegenheit nahm die Konferenz des Serr Aler. Tille, der Prophet des Bundes der Industriellen, 4. Reichstagswahlkreises( Lörrach) Stellung, in welcher der Freis liegt in Fehde mit den Nationalliberalen, die wütend darüber sind, Basel, 21. Januar.( Eig. Ber.) Der große Rat des Kantons burger Parteifetretär, Genoffe Engler, fein Rundschreiben ver daß Tille ihnen die Wähler aus den Kreisen des Industrie- und Basel beschäftigte sich in seiner lebten Sizung mit der Milderung teidigte. Nach zweistündiger Diskussion sprach sich die Konferenz Handelstapitals entziehen will. In einem Streit über die bürger- des berüchtigten Streitartikels 164 des Strafgefeßes, der aus dem namens der vertretenen politischen und gewerkschaftlichen Organiliche Stellung der nationalliberalen Fraktionsmitglieder behauptete Jahre 1870 stammt und die glorreiche Nachaffung des§ 153 ber fationen nahezu einstimmig gegen die Haltung und Agitation die Nation. Parteiforrespondenz" gegen Tille: deutschen Gewerbeordnung, also ein importiertes fremdes Ge- Englers aus, die mit den lokalen Interessen des Wahlkreises sich daß Baasche doch sehr stark im praktischen Leben wurzele" und wächs", ist. Hunderte streifender Arbeiter sind dem infamen Aus- nicht vereinbaren lasse. Ein täglich erscheinendes Parteiorgan fönne baß Strefemann als Barlamentarier aus den Kreisen der Innahmegesetz schon zum Opfer gefallen, viele ganz unschuldiger nur im Zentrum des Wiesentäler Industriegebietes in Betracht duftrie gewertet zu werden beanspruchen dürfe." weise, da immer ausgeprägte fapitalistische und bürgerliche Klaffen- tommen, also in Lörrach. Die Barteigenoffenschaften in Triberg unb Sornbergt ( 2. Reichstagswahlkreis) sprachen sich gegen jede Neugründung aus und befürworteten die Herausgabe eines Kopfblattes des„ Boltsfreund" für Freiburg. In Meissenheim bei Lahr sprach sich eine Parteiversamm Tung einstimmig für die Beibehaltung des Voltsblatt" aus. # Bon der franzöfifchen Sozialdemokratie. Der Nationalrat der französischen Partei hielt am vergangenen Sonntag in Paris eine Vollfizung ab. Der Sekretär Genosse Dubreuilh gab den Rechenschaftsbericht. Die legten Wahlen in Villefranche und Carolles berechtigen zu den besten Hoffnungen für die noch in diesem Jahre stattfindenden Ergänzungswahlen, die in 19 Departements borzunehmen sind. Die Partei werde sich hier überall beteiligen, und sei es auch nur, um ihre Stimmen zu zählen. Es wurde beschlossen, durch Substription einen Wahlfonds zu gründen, damit es möglich sei, jedem Wahlkreise von der Zentralstelle aus einen Zuschuß zu den Wahllosten überweisen zu können. Die Abgeordneten und die übrigen Redner der Partei sollen fich für die Zeit der Wahlagitation für die betreffenden Streife zur Verfügung halten. Der Borstand, erklärte Dubreuilh in feinem Bericht weiter, fei stets bemüht geweien, die Einigkeit der Partei aufrecht zu ers halten. Bei den verschiedenen Strömungen innerhalb des franzöfischen Sozialismus wurde ihm das nicht immer leicht gemacht. Nach den Beschlüssen von Toulouse sei ja innerhalb der Partei die volle Meinungsfreiheit in bezug auf die Fragen der Theorie und der Methoden gewahrt, aber die Parteiorgane sollten doch Artikel vermeiden, die geeignet sind, die Einigkeit und die Einheit der Organiſation zu zerstören. Das ist aber in Hervés Blatt geschehen. Dort wurde wiederholt für Gründung von Organisationen gewirkt, die zu den offiziellen Parteiorganisationen in Opposition stehen. Der Vorstand hat an Hervé das Ersuchen gerichtet, derartigen Artikeln feinen Raum zu gewähren. Darauf hat Hervé noch keine Antwort gegeben. Ueber den finanziellen Stand der Humanité" berichtet Genosse Brade. Danach ist der tägliche Verkauf auf 58 190 Exemplare gestiegen. Die Humanité" hat darum einen so schweren Stand, weil sie alle Ankündigungen von Finanzoperationen usw. zurückweist. Sie hat jetzt auch das„ Bulletin Financier" entfernt, obgleich dies durchaus einwandfrei ist, um jedes Mißtrauen in feinen Lesertreisen zu beseitigen. Der Rücktritt Macdonalds. London, den 22. Januar. Wie die Blätter heute berichten, tritt J. R. Macdonald, der Sekretär der Arbeiterpartei, von seinem Amte zurüd, um mehr Zeit für parlamentarische und sozialistisch- theoretische Arbeiten zu ge winnen. Er war Sekretär seit der Gründung der Arbeiterpartei im Jahre 1900. Gewerkschaftliches. Juni 1907 1908 Januar Februar 7,0 20,1 9 12,1 23,5 März April 2,2 17,5 0,4 11,7 Mai 1,2 7,4 1,4 3,9 1,5 7,0 1,1 2,9 0,7 10,9 0,7 9,1 1,5 7,0 8,0 29,0 Juli Auguft September Ditober November. Dezember. Bon 710 Mitgliedern, die die Zahlstelle im Jahresdurchschnitt Zentrum direkt vor der Nafe weggeschnappt wird. Der Abgeordnete Napieralski aber wird sein Geschäftchen weiter machen. Denn der pelnische Bergknappe", der im Februar von Essen nach Oberschlesien übersiedelt, wird in der„ Katolik"-Druckerei( Eigentum des Herrn Napieralski) gedruckt werden. Die Groschen der polnischen Arbeiter werden also in Zukunft nach Essen und München- Gladbach wandern, wenn eben diese Arbeiter nicht anderen Sinnes werden und zu den freien Gewerkschaften übertreten. Man darf nun gespannt sein, ob der Bissen in letter Stunde noch den Nationalpolen zufällt oder an die schwarze Garde" übergeht. Ausland. Maschinensegerstreik in Paris. Die Maschinenseger am„ Matin"," Petit Parifien"," Petit Journal", 1908 hatte, feierten 486 Mitglieder 3459 Wochen. An Arbeitslosen-„ Eclair", der„ Autorité" und noch fünf oder sechs anderen Pariser unterstügung wurden im Jahre 1907 2235 M. ausbezahlt, im Beitungen sind am Montagabend in den Streit eingetreten. Die Jahre 1908 dagegen 12 085,25 m. Hierzu kommen noch 4139 M. Ausständigen verlangten eine Erhöhung ihres Lohnes von 12 Fr. auf Lokalzufchlag, so daß insgesamt 1908 16 224,25. zur Auszahlung 14 Fr. pro Nacht. Da es jedoch seit ungefähr 10 Tagen bekannt war, gelangten. Diese gewaltige Summe, die nur eine einzige Gewerks fchaft am Drte für ihre Arbeitslosen aufgewandt hat, bedeutet eine daß ein Streit geplant war, hatten die Zeitungen ihre Voransehnliche Entlastung der Stadt in ihrem Armenbudget. Trozdem bereitungen getroffen. Sie hatten nichtorganisierte Seger engagiert, lehnte die bürgerliche Mehrheit in der Stadtvertretung den sozial- die nur auf den Befehl warteten, an die Arbeit zu gehen. Nur demokratischen Antrag auf kommunalen Zuschuß für die Arbeits- wenige Minuten, nachdem die Streifenden ihre Maschinen verlofenunterstützung zahlenden Gewerkschaften glatt ab. Arbeitslosenzählung in Dortmund. Das Kartell der freien Gewerkschaften hat für Dortmund eine Arbeitslosengählung vorgenommen. Es wurden, soweit die Zähler Auskunft erlangen konnten, 1748 Arbeitslose gezählt. Von diesen find 741 verheiratet, die zusammen 1812 fchulpflichtige Kinder zu ernähren haben. Die Zahl der Tage, an denen die Arbeiter ohne Beschäftigung waren, beträgt 68 060. Die Summe des Lohnausfalles für die Zeit der Arbeitslosigkeit beträgt 265 227 Mt. Von den Arbeitslosen sind 647 organisiert. Die Zahlen haben auf Vollständigkeit insofern leinen Anspruch, als die Bolen und Ausländer, weil sie behördliche Maßnahmen fürchteten, jede Auskunft verweigerten. Der einfichtsvolle" Magistrat Dortmunds, der fortgesetzt behauptet, in Dortmund arbeiteten nur Bummler nicht, beschäftigt mit Notstandsarbeiten ganze 188 Mann. Auf eine Resolution einer großen Arbeitslosenbersammlung, die von 1200 Mann besucht war, hat der Magistrat heute -nach 3 Wochen noch nicht geantwortet. Eine Arbeitslosenzählung nach schlechtem Berliner Muster. Der Stadtrat in Dresden hat auf eine Eingabe des Gewerkschaftskartells hin, hier im Februar dieses Jahres eine Arbeitslosenzählung vorzunehmen, eine solche beschlossen, und zwar in der Weise, daß die Arbeitslosen sich an ganz bestimmten Stellen selbst melden follen, ein System, das natürlich abfolut feinen richtigen Ueberblick über die Arbeitslosigkeit gibt, weil viele Arbeitslosen sich aus berschiedenen Gründen nicht melden werden. Zu diesem Zwede find feitens des Stadtrates 1500 m. bewilligt worden. Die Krife. Eine neue„ gelbe" Unternehmergründung! Der Verband der Metallindustriellen in Württemberg leistet sich ebenfalls eine gelbe Gewerkschaft. Er hat seine Mitglieder„ vertraulich" aufgefordert, Nach dem soeben erschienenen Bericht des Statistischen Amtes bei ihren Arbeitern Nachfrage über eine eventuelle Beteili- der Stadt Köln haben die Kölner Zwangstranfenfaffen am gung derselben an dem zu gründenden Unterstüßungsverein 1. Januar 4105 Mitglieder weniger als am gleichen Tage des des Verbandes der Metallindustriellen in Württemberg" Um- borigen Jahres, das doch auch schon im Zeichen des Niederganges frage zu halten. Dem Unterstüßungsverein dürfen nur solche stand. Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg von 244 pro 100 offene Arbeiter und Arbeiterinnen angehören, die Stellen auf 312. Die Zahl der bei dem Arbeitsnachweis vermittelten Stellen sank von 36 pro Hundert auf 29. Die Zahl der beschäftigten weiblichen Arbeitskräfte ist jedoch höher als zur selben Zeit der beiden Vorjahre. weder einer mit einer Kranken- Hilfs- oder Unterstüßungskasse versehenen Arbeiterorganisation, noch einer sozialdemokratischen Arbeiterorganisation angehören, mag lettere eine solche Stasse besitzen oder nicht". Zum Dank dafür sollen die Arbeiter, die durch ihren Beitritt zu der gelben Unternehmergründung bewußt oder unbewußt zu Verrätern an ihren Klassengenossen werden, nicht etwa gar nicht, sondern nur später entlassen werden als ehrliche Arbeiter. Auch ausgesperrt können sie wie die übrigen Arbeiter werden; es soll dies jedoch nur in den Betrieben geschehen, wo ihre Zahl zur Fortsetzung des Betriebes nicht ausreicht. Lassen hatten, waren die„ nüglichen Elemente" bereits tätig. Die Gewerkschaften hatten zwar Streifposten an den Druckereien aufgestellt, um die zur Arbeit tommenden Streifbrecher abzufangen, die Polizei und die Garde Munici pale waren jedoch bon den Zeitungen verständigt worden und schütten die Arbeitswilligen". Viele von den Segern waren feit langen Jahren im Dienste der betreffenden Zeitungen, fie waren jedoch davon in Kenntnis gesetzt worden, daß sie nicht zurüc genommen werden würden, falls sie ihre Arbeit verlassen würden. Die„ Autorité" und die täglich erscheinende Theaterzeitung„ Comödia" hatten zu einem eigenartigen Auskunftsmittel gegriffen, da fie feine geübten Maschinenfeger erhalten fonnten. Sie ließen die Manuskripte auf photographischem Wege flischieren, so daß die gesamte Zeitung heute in der Handschrift der Mitarbeiter in getreuen Faffimiles erschienen ist. Dian befürchtet, daß sich noch neue Komplikationen ergeben werden, da wahrscheinlich die Maschinenmeister und Drucker sich mit ihren Kollegen von der Sehmaschine solidarisch erklären werden. Bergarbeiterstreiks in Australasien. London, 25. Jan.( Eig. Ber.) Vor einiger Zeit wiesen wir an dieser Stelle darauf hin, daß das obligatorische Schiedsgerichtswesen in Australien und Neusee land immer mehr versagt und daß die Zahl der Arbeitseinstellungen im Wachsen begriffen ist. In den letzten Wochen sind Streits aus gebrochen in den Bergwerken von Broken Hill( Neusüdwales, Australien) und Audland( Neuseeland). Der Streik in Broken Hill ist ein Abwehrversuch gegen Lohnherabseßungen. Er hat bereits zu Gewalttätigkeiten, Dynamite explosionen und Verhaftungen von Streifenden und ihren Führern ben Anlaß gegeben. Bei Aufstellung von Biketts tam es zu einem fenden mit der dort aufgestellten Polizeimacht. Tom Mann und Zusammenstoß der vom Genossen Tom Mann geführten Strei20 Streifende wurden verhaftet, aber gegen Raution auf freien Fuß gesetzt. leuten ein merkwürdiger Konflikt ausgebrochen, der zu Streifs In Neuseeland ist zwischen den Grubenbesißern und den Berga führte. Als Vorbedingung der Versicherung der Bergleute gegen Arbeitsunfälle verlangten die Unternehmer, daß sich die Arbeiter einer ärztlichen Untersuchung unterziehen sollten. Die Bergleute widersetzten sich und stellten die Arbeit ein. Die Regierung war zuerst für die Durchführung der Forderung der Unternehmer. Erst der Streit der Kohlenbergleute, der die Schiffahrt und die Jna dustrie des Landes erheblich beeinträchtigte, veranlaßte fie, die Vor. und die Versicherungsgesellschaften find über die Nachgiebigkeit der bebingung der Unfallversicherung aufzugeben. Die Unternehmer Regierung entrüstet. Versammlungen. Zum drohenden Kampfe in der Südwestdeutschen Holzindustrie. fündigte die in Baden und der Pfalz bestehenden Tarifverträge und Der Südwestdeutsche Arbeitgeberverband für das Holzgewerbe" erklärte dabei, neue Tarifverträge würden nur mit dem Ablaufstermin auf den 11. Februar 1911 abgefchloffen. Dieser einheitliche Bertragsablauf wird gewählt, weil die Unternehmer hoffen, die Kampfesführung auf breitester Grundlage würde die Gewerkschaftsfaffe derart mitnehmen, daß die Arbeiter von vornherein aufs Streifen Neben dieser Unterstüßungseinrichtung" für willfährige verzichten. Bemerkenswert ist der folgende Bufaß zum KünArbeiter schafft der Verband württembergischer Industrieller vertraglichen Berpflichtungen gemäß haben wir das Einigung Donnerstag ihre Generalversammlung ab. Den Geschäftsberich digungsschreiben, welches den Pforzheimer Tarif betrifft: Den Berband der Sattler. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Ginigungs- Donnerstag Da die Arbeiterschaft durch vorzeitige Veröffentlichung daß wir uns den Entscheidungen des Einigungslerberuf hat bis jetzt nicht ab-, sondern noch zugenommen, woran amt Pforzheim angerufen, bemerken jedoch schon jest, für das 4. Quartal gab Staffierer Weyler. Die Krise im Sattdieser Pläne gewarnt ist, dürften auch in Württemberg die amts nicht unterwerfen werden! Bäume der Scharfmacher und Gelben nicht in den Himmel wachsen. noch eine Auskunftsstelle für Unbotmäßige. Cie lautet: Berlin und Umgegend. fie zählte ist heute auf 5000 zusammen auch die Lieferungen für die Heeresverwaltung nichts zu ändern vermochten. Allein die Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche hat 110 Arbeitslose zu verzeichnen, dabei haben aus dieser Branche Ein christlich- polnisches Gewerkschaftsbündnis? biele Arbeiter sich anderen Zweigen des Sattlergewerbes zu Der Streik in der Schuhfabrik von Saly Rosenberg beschäftigte Verband Zur gegenseitigen Hilfe" in Oberschlesien sich mit der zugenommen hat. Der Kassenbestand betrug am 1. Oktober 1908 Von polnischer Seite ist dieser Tage berichtet worden, daß der gewendet. Die Militärbranche ist die einzige, die an Mitgliedern am Montag eine stark besuchte öffentliche Schuhmacherversammlung. polnischen Berufsvereinigung zusammenschließt. Die Meldung foll 1138,09 M. Von der Hauptkasse erhalten 3700 M. Dieſe Summe Seit dem 15. d. M. befinden sich die Arbeiter der Rosenbergschen voreilig sein. Von polnisch- sozialistischer Seite ist unserem Ge- fam zur Auszahlung an streifende Mitglieder. An GesamteinFabrit, 86 an der Zahl, im Streit. Es ist dem Fabrikanten ge- währsmann folgendes mitgeteilt worden: Seit der Zeit, als der nahme find 15 361,79 M. zu verzeichnen. Dem stehen folgende lungen, einige Streifbrecher zu bekommen, Leute aus allen mög- polnische Verband in Poſen(" Swionsek Polski") in ber polnischen Ausgaben zu Unterſtüßungszwecken gegenüber: Für Streit 3433,50 lichen Berufen, die erſt angelernt werden müſſen, also nicht im ge- Berufsvereinigung aufgelöst wurde, sieht sich die polnische Organi- M., Maßregelung 99,60 M., Reise und Aufenthalt 103 M., Arbeitsringſten die Streifenden ersetzen können. Die Verſammlung hatte fation in Oberschlesien, die den Namen„ Chriftlicher Verband zur losen 3594,75 M., Kranken 1925,50 M., Beerdigung 290 M., Dert besonders den Zweck, die zahlreichen Heimarbeiter der Firma Roſen gegenseitigen Silfe" trägt, au schwach, um den mächtigen Gegner liche Verwaltungskosten 2104,69 M., an die Hauptkasse gesandt berg über die unseren Lesern ja bekannten Ursachen des Streits Sjednoczenie Sawodowe"( Bolnische Berufsvereinigung) die Stirn 1908 810,75 M. Die Einnahme der Lokaltasse ergab 19 012,11 W., 3000 M. Summa: 14 551,04 m. Bestand am 31. Dezember rufzuklären und sie zur Solidarität aufzurufen. Nach reger Diskussion wurde eine Resolution angenommen. noch von dem polnischen Abgeordneten Korfanty gerupft, der sich Mart. Einnahme der Berliner Verwaltung 3405,26 M., Ausgabe zu bieten. Die„ Gegenseitige Hilfe" in Oberschlesien wird immer die Ausgabe 4030,50 M. Bestand am 31. Dezember 1908 14 981,61 auf der Organisation seine Operationsbasis einzurichten gedenkt. " Die Versammlung weist mit Entrüstung die muturg zurüd, fich bei der herrschenden Teuerung Lohn- sprengen, aber er hat ihr durch Mitgliederabtreibung sicher tiefe Gingeschriebene Arbeitslose waren 502, davon 30 nichtorganisiert. mit Entrüstung die zu Bis jetzt ist es ihm zwar nicht gelungen, die Organisation zu 2279,76 M. Beſtand am 31. Dezember 1908 1125,50 M. Die Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises zeigen folgende Ziffern: abzüge machen zu lassen. Sie erklärt den Streikenden Wunden geschlagen. Die einst starte Organisation ihre volle Sympathie, verspricht ihnen moralische und 1898 gegen 30 000 Mitglieder Oktober 239, November 133, Dezember 130. Arbeitskräfte wurden auszuhalten, bis der Konflikt eine befriedigende Lösung gefunden des polnischen Abgeoroneten Napieralski, der mehr dem Zentrum übergetreten usw. 220, verstorben, abgereist usw. 190 Mitglieder. materielle Unterstübung und fordert fie auf im Stampfe geschmolzen. Die Gegenseitige Hilfe" steht unter dem Brotektorat berlangt 221. Der Mitgliederbestand betrug am 1. Januar 1908 1910, darunter 79 weibliche. Während des Quartals sind zugereist, bat. Ferner fordert die Versammlung die Heimarbeiter der als den Nationalpolen zuneigt. Er hat die Organisation wenn Firma Saly Rosenberg auf, sich den fämpfenden Kollegen anzus auch nicht immer direkt, so doch indirekt geleitet. Es gab eine 88 weibliche au verzeichnen. In den Gesellenausschuß wurden ge Demnach waren am 31. Dezember 1908 1940 Mitglieder, darunter schließen, damit der Sieg um so schneller herbeigeführt wird." Zeitung, die„ Praza"( Arbeit) heraus, deren ganzen Profit sich der wählt: Döhnert, Habermann, Fr. Langer und Deutfches Reich. Herr Abgeordnete aneignete. Die" Praza", die bis in die letzte Bippich; als Erfahleute: Winfler, Sahn. Für das Her Zeit hinein Privateigentum des Napieralski war, wurde als Organ bergswesen: Fr. Hermann, O. Tietsch. Für das Innungs. der Gegenseitigen Hilfe" bezeichnet. Nun ist diese Zeit für den schiedsgericht: Pippich, Pinkowski; als Der Verband der Bäcker und Berufsgenossen hat sich an den Herrn Abgeordneten jedoch vorüber. Das Organisationsgebäude Teichmann, Lohse. Die Beratung über den Statutenents Ersableute: Reichstag gewendet mit der Bitte um Einführung der 86 stündigen fracht in allen Fugen und droht zusammenzustürzen. Dazu kommt wurf mußte infolge der vorgerüdten Zeit abgebrochen werden. Sonntagsruhe. noch die Forderung der verschmolzenen polnischen Organisationen, Die Fortsetzung wird in der am 8. Februar stattfindenden Ver Gegen diese Eingabe ist ein Protest beim Reichstag eingegangen, die die Gegenseitige Hilfe" aufgelöst wissen wollen. Im ent- sammlung erfolgen. Als Delegierte zum diesjährigen Verbandsund zwar vom„ gelben" Bund der Bädergefellen Deutschlands, gegengesezten Falle würden sie ihre Agitatoren nach Oberschlesien tag wurden gewählt: E. Schulze, Riedel, Bok, Döhert, fenden, die die Gegenseitige Hilfe" beseitigen sollen. Der Ab- Krause, Geyer, Seidel, Sase, anger, Pinunterzeichnet Gustav Bischnewsti, Präsident. Der Herr Präsident" geordnete Napieralati ist jedoch nicht geneigt, mir nichts dir nichts obsti. Als Erfahleute: Hahn, Brenzel. der„ Gelben" bestreitet, daß der Verband der Bäcker und Berufs- das Szepter, das er so lange gehandhabt hat, aus der Hand zu genossen die Vertretung der Bäckergesellen darstelle und ersucht, geben. Die Gegenseitige Hilfe" tann noch immer eine melkende die 36 stündige Ruhezeit abzulehnen, weil es den Bädermeistern Stub für ihn werden. Er will immer noch aus der Arbeiterfache nicht möglich sei, die nötigen Aushilfskräfte zu erlangen und weil Geld verdienen, wenn auch nicht mehr so viel wie früher. Er weiß in diesem Falle soviel Bädergefellen angelernt werden müßten, daß ganz gut, daß, wenn die Gegenseitige Hilfe" mit der polnischen es dem einzelnen Gesellen noch schwerer werde, fich felbständig Berufsvereinigung verschmolzen ist, auch fein Einfluß auf die Organisation für immer verschwindet. Soweit läßt er es darum nicht kommen. Man wandte sich darum an den Verband christlicher Gewerkvereine, der sich auch bereit erklärte, in die Verhandlungen mit dem Abgeordneten Napieralski zweds Angliederung der „ Gegenseitigen Hilfe" an die christlichen Gewerkschaften einzutreten. Die Verhandlungen fanden Anfang Dezember in Berlin statt. Sie Der Borstand der Bahlstelle Kiel des Zentralverbandes Deutscher werben zwar bis jebt noch geheim gehalten, sicher ist jedoch, daß in Bimmerer hat über das Geschäftsjahr 1908 einen fleinen Jahres- naher Zukunft die Gegenseitige Hilfe" in Oberschlesien als Filiale bericht zufammengestellt, der sehr intereffante Zahlen über die der christlichen Gewerkschaften proflamiert wird. Schon am 1. FeArbeitslosigkeit enthält. Diese Zahlen zeigen, wie einschneidend die bruar soll der Bergknappe"( polnische Auflage) von Effen nach Bittsburg, 26. Januar.( W. T. 2.) Dem Vernehmen nach find Strife auf das Arbeitsverhältnis der Zimmerer gewirkt hat. Bon je Oberschlesien gebracht werben. Die Nationalpolen werden vor Wut von der ins Boswell- Kohlenbergwert eingedrungenen Rettungs100 Mitgliedern waren arbeitslos in die Fäuste spuden, weil ihnen der schmackhafte Happen vom mannschaft 22 Personen umgekommen. Berantw. Rebatt.: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Inserate verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsantals Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl zu machen. Eine gelbe" Musterleistung. Jedenfalls verdient es registriert zu werden, daß die Gelben" sogar gegen den minimalſten Arbeiterschutz ankämpfen. Die Arbeitslosigkeit. " 21 " Letzte Nachrichten und Depeschen. Eine verunglückte Rettungskolonne. Pittsburg,( Pennsylvanien), 25. Januar.( W. T. B.) Bei einer Explosion, die sich in dem Boswell- Kohlenbergwerk in Somersetcounty ereignete, wurden drei Personen getötet. Eine Rettungsfolonne von fünfzig Mann, welche in das Bergwert eine drang, wurde durch Erdrutschungen abgeschnitten und eingeschlossen. Ar. 22. 36. ZahrMg. i StilM des Joriiiarlf$ti\m öollislilatl. Reichstag« die Subvention daher aus die ziehen, während und Australien Schlag gegen lS4. Sitzung vom Dienstag, den 26. Januar. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: v. Bethmann-Hollweg.Dern- bürg, Krätke. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung deS Gesetz entwurfeS zur Ergänzung der Gesetze betr. Postdampfschiffs- Verbindungen mit überseeischen Ländern. Nach dem Entwurf soll der Reichskanzler ermächtigt werden, dem Norddeutschen Lloyd für die vierwöchentliche Verbindung zwischen dem Schutzgebiete Neu-Guinea ei»erseirs und Hongkong und dem australischen Festland andererseits und für die wieder- einzurichtende Aufchlußlime von Singapora nach dem Schutzgebiet Neu-Guinea vom 1. April 1909 ab eine Reichsbeihilfe von bOOOOO M. statt der bisherigen von 230 000 M. zu bewilligen. Staatssekretär v. Bcthmann-Hollwcg: Im vorigen Jahre lehnte der Reichstag die von uns geforderte Erhöhung der Sub- vention auf 700 000 M. ab. Mir schien es. als ob die Mehrheit deS Reichstages die wirtschaftliche Notwendigkeit der Erhöhung des Zuschusses anerkannte, aber glaubte, daß der Norddeutsche Lloyd sich zur Fortführung der Linien auch bei einer Subvention von bOOOOO M. würde bereit finden. In erneuten Verhandlungen hat der Lloyd den zahlenmäßigen Nachweis geführt, daß er den Betrieb der von ihm über feine vertragsmäßige Pflicht hinaus eingerichteten Linien ohne die erhöhte Subvention nicht aufrecht erhalten kann; wird nicht bewilligt, so wird der Lloyd sich Vertragslinie Singapore— Neu- Guinea zurück� die Verbindung von Neu-Guinea mit Japan aufhören würde. Das wäre ein schwerer das im Aufblühen begriffene Schutzgebiet Neu-Guinea und würde dazu führen, die Reichsbeihilfe für dieses Schutzgebiet zu perpetuieren und womöglich noch zu steigern. Es wäre also Sparsamkeit am unrechten Fleck. Abg. Dr. Srmler lnatl.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde zu der Vorlage, die er an die Budgetkoinmisfion zu verweilen be- antragt. Abg. Dr. Hahn fk.) erzählt mit behaglicher Breite, wie er„die Ehre gehabt',„Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bülow" in persönlicher Unterredung auf Helgoland(Jronitches Hörtl hört! auf ver- schiedenen Seiten.— Heiterkeit) Forderungen der deutschen Küsten- schiffahrt vorzutragen. die auf Beschränkung der holländischen Konkurrenz gehen. Außerdem schilt Redner, weil er nebenbei preußischer Abgeordneter sei lJronische Rufe: Nebenbei? Heiter- keit) auf den Partikularismus Hamburgs und gibt eine ziemlich aus- führliche Geschichte seiner eigenen parlamentarischen Tätigkeit. Abg. Erzberger(Z.): Das Solldefizit von löO Millronen Mark hat sich in ein Jstdesizit von 270 Millionen Mark verwandelt.(Leb- Haftes hörtl hört!) Wenn also im vorigen Jahre die Vorlage aus finanziellen Gründen abgelehnt wurde, so sind diese finanziellen Gründe heute im verstärkten Maße vorhanden. Ich wundere mich daher über die Haltung der Konservativen. Predigt nicht der Reichskanzler fortgesetzt Sparsamkeit? Hat er nicht selbst eben erst am 19. Januar im Abgeordnetenhause sZnrus: In der sattsam bekannten Rede!) den ganz richtigen Grundsatz ausgestellt: keine neuen Ausgaben ohne entsprechende Einnahmen? Subventionen als Unterstützungen einzelner ErwerbSgefellschasten oder Erwerbszweige haben wir stets prinzipiell abgelehnt. Es ist aber falsch, hier von Subventionen zu sprechen, denn vom Lloyd werden Gegenleistungen verlangt, und wir haben lediglich zu unter- suchen, ob Leistung und Gegenleistung im richtigen Verhältnis stehen. Die Begründung der Notwendigkeit, die Linie nach Hongkong und Yokohama aufrechtzuerhalten, ist sehr mager. In der Kommission werden wir auch zu prüfen haben, ob der Reichszuschuß vouSbOOOO Mark, den Neu-Guinea trotz der Subvention noch erhalten soll, ge- rechtfertigt ist. sZustimmung im Zentrum.) Abg. Hormann sfrs. Vp.): Daß bei der Subvention lediglich das Reichsinteresse, nicht das des Lloyd, in Frage kommt, geht am besten daraus hervor, daß der Lloyd auf den subventionierten Linien in den letzten 8 Jahren trotz der Subvention 4'/z Millionen Mark zugesetzt hat; der Lloyd wurde also der Vorlage, falls sie scheitert, keine Träne nachweinen. Staatssekretär Dernburg: Würde Neu-Guinea vom Welwerkehr abgeschnitten werden, so würde das verderblich für dieses Schutz- gebier sein; ebenso schlimm oder noch schlimmer wäre eS, wenn Neu-Guinea, welches Artikel des Weltmarkts exportiert, auf die Tarife fremder Schiffahrtsgesellschaften angewiesen wäre. Deshalb freue ich mich über die Stellungnahme der Vorredner. Der Etat für Kleines feullleton. Richard Straußens„Elektro". Der KlavierauSzug der neuen EenfationSoper von Richard Strauß, die am 2ö. Januar ihre Ur- auffllhrung am Dresdener Hostheater erlebt hat und als ein Weltereignis ersten RangeS gefeiert wird, ist soeben im Berliner Verlag A. Fürstner erschienen. Er weist ganz monströse Verhältnisse in harmonischer und klanglicher Hinsicht aus und stellt die gute „Salome' im Verhältnis zur rasenden Rachefurie„Elektra" als ein schier harmloses Geschöpf hin. Die Partitur weist folgende, ganz ungeheuerliche Orchesterbesetzung auf: 1 kleine Flöte. 3 große Flöten, 2 Oboen. 1 Englisch Horn. 1 Heckelphon. 1 Ls-Klarinette. 4 v-Klarinetten. 2 Basfethörner. 1 Baßklarinetre, 3 Fagotte, 1 Kontra- fagott. 4 Hörnet, 4 Tuben. 6 Trompeten. 3 Posaunen. 2 Baßluben. 3 Harfen. 1 Celeste. 6 Pauken, 4 Schlagzeugspieler, je 8 erste, zweite, dritte Biolinen, je 6 erste, zweite, dritte Bralschen. 12 Celli. 8 Kontra- bässe. Im ganzen III Musiker im Orchester I Strauß hat seinen Münchener Freunden übrigens die immerhin tröstliche Versicherung gegeben, daß.Elektra' die letzte Oper mit solch monströsen Texten und Formen sein soll. Von jetzt an wolle er a la Mozart leicht und einfach komponieren. Seine nächste Oper werde voraussichtlich MoliöreS.Tartüffe' sein. WaS für ein Geschäft Strauß mit„Elektra' macht, dafür einige Ziffern. Für den Buchvertrieb der Oper allein erbält er von seinem Berliner Verleger 110 000 M.. wozu selbstverständlich noch die nach Millionen zählenden Tantiemen für die verschiedenen Aufführungen hinzutreten. Die Hammerstein- Oper in New Dork zahlt ein Ein- reichungShonorar von 20 000 M., garantiert für 30 Vorstellungen 72 000 M. und zahlt 24 000 M. Leihgebühr für die Musikalien.— In Berlin wird die neue Oper Anfang Februar aufgeführt. Wie das Reich die Künste fördert. In dem Wettbewerbe für ein 25 Pfennigstück, den der Reichsschatzsekretär Sydow ausgeschrieben hatte, find über 500 Entwürfe eingeliefert worden. Diese außer- ordentlich starke Beteiligung steht, wieZ der.Künstlerverband Deut- scher Bildhauer' in der„Werkstatt der Kunst' schreibt, in keinem Verhältnis zu der künstlerischen Aufgabe. Der künstlerischen Be- tängung war nur ein sehr geringer Spielraum gelassen, da die An- bringung des Adlers usw. bis ins Detail genau vorgeschrieben wurde. Insbesondere war eS eine Bedingung, die den Wettbewerb nicht für eine allgemeine Ausschreibung geeignet erscheinen ließ. Es wurde nämlich verlangt, die Entwürfe gleich in der Münzgröße von 23 Millimeter Durchmeffer einzuliefern. Die Befähigung, in so kleinen Dimensionen zu modellieren, besitzen nur ganz wenig deutsche Künstler und nur diese hätte man zu einem engeren Wettbewerb einladen dürfen. Alle übrigen Bewerber waren genötigt. ihre Entwürfe in größeren Dimensionen anzufertigen und dann erst auf mechanischem Wege auf die Münzgröße verkleinern zu lassen. Diese Verkleinerung kostet für jede Münzseite 100 M.. so daß weitaus der größte Teil der Bewerber für jeden Entwurf 200 M. bare Selbstkosten Neu-Guinea bettägt im ganzen nur l 108 000 M.; dabei wird es also kaum möglich sein, Abstriche in Höhe von 270 000 M., welche der Erhöhung der Subvention entsprechen, zu machen, zumal da eine Reibe einmaliger Ausgaben dabei ist. Ter Gesichtspunkt, daß die deutsche Flagge aus der Südsee nicht verschwinden soll, ist ebenfalls beachtenswert; es handelt sich dabei nicht nur um den Lloyd, sondern um die Interessen der Deutsche» in jenen Gegenden. Seit dem Bestehen des Vertrages ist die japanische Schiffahrt entstanden, die stark subventioniert wird: auch die australische Schiffahrt bemüht sich um jene Inseln; da haben wir. denen die Inseln gehören, allen Anlaß, dafür zu sorgen, daß unsere Flagge aus jenen Gewässern nicht verschwindet.(Bravo! rechts und bei den Nattonalliberalen.) Abg. NoSke(Goz.): Es wird behauptet, man müsse der Vorlage aus Gründen der nationalen Ehre zustimmen. Da scheint eS mir angebracht, auch auf die nationalen Interessen der Arbeiter einzugehen. Im vorigen Jahre hat der Reichstag bei der Beratung des Etats zweimal Resolutionen angenommen, in denen verlangt wird, daß das Reich Arbeiten nur an solche Firmen vergibt, die bezüglich der Arbeits- bedingungen sich an die gesetzlichen Vorschriften und an die bestehendei, Tarife halten. Wenn die Resolutionen auch nur Aufforderungen an die Heeres- und Marineverwaltungen enthielten, so meinte der Reichstag doch wohl, daß diese Grundsätze allgemein bei Vergebung von Arbeiten durch das Reich gellen sollten. Ist dieS aber der Fall, so sollte das Reich überhaupt nicht in der Lage sein, mit dem Norddeutschen Lloyd Verträge abzuichließen. Denn der Norddeutsche Lloyd mißachtet die Reichsgesetze, soweit sie sich auf seine Ardeiter beziehen. Er tritt das Koalitionsrecht seiner Arbeiter geradezu mit Füßen, dieses wichtigste Recht, das die Arbeiter neben dem Wahlrecht haben.(Zustimmung bei den Sozialdeniokraten.) In der unerhörtesten Weise hat er gegen das KoolilionSrecht seiner Arbeiter Stellung ge- nommen, während gerade seine Arbeiter alle Veranlassung haben, wegen der außerordentlich ungünstigen Arbeitsbedingungen vom Koalitionsrecht Gebrauch zu machen.(Sehr wahr! bei den So,ialdemokraten.> DaS Maschinenpersonal des Lloyd muß sich ver- pflichten, nicht Mitglied des Seemannsverbandeö oder eines Ver- bandes mit ähnlichen Besttebungen zu sein. Das ist ein grober Verstoß gegen die guten Sitten,(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) eine direkte Herausforderung gegen die Gesetzgeber des Reiches. Der Norddeutsche Lloyd hat gelbe Vereine gegründet. Ich glaube nicht, daß hier viele Abgeordnete sich für die Gründung solcher Streikbrecherorganisationen aussprechen werden. Gegen den Raub d«S KoalilionsrechtS der Seeleute durch den Norddeutschen Lloyd muß der Reichstag entschieden Stellung nehmen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch um andere Gesetze zun Schutze der Arbeiter kümmert sich der Lloyd nicht. Nach der Seemannsordnnng kann kein Seemann ge- zwungen werden, auf einem anderen Schiffe seiner Reederei Dienste zu leisten. In den Verträgen des Lloyd müsse» dir Seeleute eine ent- sprechende, der Scemannsordiiung zuwiderlaufende Bestimmung unter- schreiben!(Hört! hört! bei den Sozialdemokr.) In erheblichem Maße be- ichäftigt der Lloyd auch farbige Mannschaft zum Zweck der Ersparnis und um die Lebenshaltung der deutschen Mannschaft herunlerzu- drücken.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Frage der farbigen Besatzung auf deutschen Schiffen ist für die Seeleute geradezu eine brennende geworden. Beständig nimmt die Zahl der Farbigen zu. Gegenwärtig beträgt sie ungefähr 5000 bei ins-, gesamt 45 000 Seeleuten. In der deutschen Kauffahrtei- flotte ist also immer der ueuntt Mann ei» Farbiger. Vor acht bis neun Monaten, als damals die SubventtonSvorlage beraten wurde, haben wir beantragt, dafür zu sorgen, daß wenigstens bei der Ausfahrt die Schiffe des Lloyd mit weißer Besatzung aus den AusfahrtShäfen herausgehen. Der Reicdstag hat das abgelehnt. Die Debatte darüber hat die größte Aufmerksamkeit der deutschen Seeleute erregt und die Ablehnung unserer Reso- luiion ihr höchstes Befremden; denn sie sind der Meinung. daß sie ihren Interessen entsprach. Mangel an See- leuten ist es nicht, der zu Farbigen greifen läßt. Bei genügender Bezahlung und bei genügender Beköstigung würden reichlich deutsche Seeleute zu haben sein. Die Zunahme der Farbigen beruht lediglich aus der Profitsucht der Unternehmer.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Man spricht so viel davon, daß das Reich Mittel aufwenden soll, um einen seemännischen Nachwuchs für die Marine heranzuziehen, und dabei zwingt man die deutschen organisierten Seeleule, auf ausländischen Schiffen zu fahren. DaS ist eine sehr eigentümliche nationale Politik. In dem vor- liegenden Vertrage ist auf die Interessen des deutschen Kapitals lede Rücksicht genommen. Der Lloyd soll die Schiffe nur auf hat. Rechnet man die Aufwendung an Arbeitskraft und Zeit überhaupt nicht, sondern nur diese 200 M. bare Auslagen, so kommt man schon zu dem Resultat, daß die deutsche Künstlerschaft für diesen Wettbewerb 500 mal 200 M. verauslagen mußte, damit drei Bewerber insgesamt 4000 M, gewönnen. Bei einem so ungeheueren Mißverhältnis von Preisen und Wettbewerbungskosten sollte eS sich besonders eine Reichsbehörde dreimal überlegen, bevor sie einen allgemeinen Wettbewerb ausschreibt. Zu allem Ueberflutz scheint bei dem Wettbewerb, der auf Kosten der Künstler inszeniert wurde, auch nichts Brauchbares heraus- gekommen zu fein! Ein neuentdecktes Urvolk. Auf der Mornington» Insel, die zu dem im Golf von Carpentaria gelegenen Wellesley-Archipel gehört, entdeckte der mit dem Schutz der Eingeborenen in Oueensland be- traute Beanite Howard einen Urstamm, der noch niemals mit Weißen in Berührung gekommen war. Nachdem er ein paar Tage vergeb- lich nach Einwohnern der Insel gesucht hatte, begegnete er zunächst einzelnen Angehörigen des Stammes und schließlich einer größeren Anzahl. Sie erwiesen sich als ein vollkomme» im Urzustand lebendes Volk. Der Tabakgenuß war ihnen völlig fremd, auch die Nahrungsmittel der Europäer, wie Brot, Fleisch und Zucker, widerstrebten ihrem Gaumen augenscheinlich aus das entschiedenste, obgleich sie voll Neugier die ihnen ungewohnten Dinge zu kosten suchten. Nach der in der Wochenschrift„English Mechanie' gegebenen Beschreibung sind die Bewohner der Mornington-Jnsel anscheinend heruntergekonunene und abgemagerte, tatsächlich aber äußerst behende und kräftige Leute, denen jede Krankheit unbekannt ist. Die bisher fast gar nicht bekannte Insel ist über 200 Kilometer lang, mißt jedoch an der breitesten Stelle nur etwa 14 Kilometer. Die Lebensweise der Bewohner ist ganz und gar die eines Urvolks. Sie bauen keine Häuser, sondeni begnügen sich damit, ihre Lager- stätten durch eine Art Windfang zu schützen. Sie nähren sich ledig- lich von den Nüssen des Pandanus-Bauines, von Fischen und einer Art Knollenfrucht. Die Botschaft vom Nordpol. DaS Meteorologische Institut in Christiania hat einen Brief von der Insel Sörö aus Finmarkcn er- halten, wonach dort am 3. November eine Boje angetrieben wurde, die in ihrem Innern einen Brief enthielt. Aus dem Inhalt des Schreibens geht hervor, daß die Boje am 24. Juli des Jahies 1900 in der Nähe des ÄapS Balhurst(westlich der Franklin- Bucht) ins Polarmeer geworfen wurde. Sie bat also rund S1/« Jahre im Meere getrieben und ihre Reife wahrscheinlich durch das Polarmeer in der Nähe des Nordpols vorbei nach der Grönland-See gemacht, wo sie zwischen Grönland und Spitzbergen in die Nordsee gelangt sein mag. Unter diesen Umständen würde das Schicksal der Boje eine günstige Bor- bedeutung für das Gelingen der Ammundschen Expedition haben. Humor und Satire. Wunder. Bei der Inventur der Kirchengüter in Frankreich, zu denen auch die Reliquien gehören, sind unter anderem gefunden deutschen Werften bauen dürfen, er soll nur deutsches Material verwenden, die Bunker sollen nur mit deutschen Kohlen gefüllt werden. Nur auf die deutschen Arbeiter wird keine Rück» ficht genommen. Chinesen und andere Farbige soll der Lloyd ruhig verwenden dürfen statt deutscher Arbeiter, weil sie billiger find. Freilich will man die Zunahme des farbigen Personals mit der humanitären Rücksicht auf die deutschen Seeleute be- gründen...(Lachen bei den Sozialdemokraten). Man meint, sie wäre» zu schade, die schwere Arbeit in den Tropen zu verrichten. Die angeblich Geschützten wollen aber von einem solchen Schutz nichts wissen. Es ist ja auch ein eigentümlicher Schutz, der sie dem Hungertode überantwortet, indem man ihnen die Arbeitsgelegenhett nimmt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die farbigen Arbeiter leiden unter der schwe 1 Arbeit in gesundheitswidrigen Räumen nicht weniger als die tt�en. Sie sind keineswegs wider- standssähiger. Ihre Widerstandskraft ist sogar geringer. Das beweist der Umstand, daß bei ihnen mehr Selbstmorde vor- kommen und daß man mehr farbige als weiße Arbeiter zur selben A>beit braucht. Trotzdem sind die ersteren noch billiger! So be- trägt die durchschnittliche Heuer für einen weißen Heizer 80 M. monatlich, für den chinesischen dagegen nur 40 M. Obwohl nun 38 bis 39 chinesische Heizer statt 24 deutscher notwendig sind, werden immer noch monatlich 400 M., also jährlich 4800 M. aus diese Weise allein bei dem Maschinenpersonal erspart.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Sonst spricht man immer von dem Schutz der nationalen Arbeit, und Herr Dr. Spahn hat eben erst über die holländische Konkurrenz bei der Küsten- schiffahrt geklagt. Da sollte man sich denn doch auch gegen die Verwendung farbiger Heizer als Lohndrücker wenden.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Eine von uns in diesem Sinne be- anttagte Resolution wird dem Hause Gelegenheit geben, einmal etwas für den wirklichen Schutz der deutschen Arbeiter zu tun. Hoffentlich wird diese Resolution nicht wieder einmal ab- gelehnt. Ich habe mit Vergnügen die Erklärungen des Staatssekretärs in der Kommission über die vorzugsweise Verwendung einheimischer Arbeiter bei dem Nordostseekanal gehört. Mag man nach diesen Grundsätzen auch in der Südsee verfahren. Der Lloyd behauptet, die Neuguinealinie ohne Subvention nicht ausrecht erhalten zu können. Der Kollege Hormann spricht sogar von einem Verlust von 4 Millionen, die der Lloyd bei diefer Linie erleide. Im übrigen holt der Lloyd aus anderen Linien hetaus, was er etwa bei einer Linie aussetzt. Und sein eigener Generaldirektor Wigand hat öffentlich erklärt, man müsse den diesjährigen Rückgang nicht tragisch nehmen, auf die Ebbe folge die Flut. Natürlich kommt diese Flut ausschließlich den Aktionären zu gute.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ich will übrigens gar nicht behaupten, daß diese Subventionierung von besonderem Wert für den Lloyd ist. Die Vorlage muß nach den Motiven als eine kolonialpolitische betrachtet und beurteilt werden. Die starken Farben, die in den Motiven aufgettagen werden, weisen übrigens auf Herrn Dernburg als Verfasser hin. Da sollen große deutsche Interessen in Neu-Guinea vorhanden sein. In der Tat sind nur 40 deutsche Unternehmungen da. Von den 110 europäischen Angestellten fallen 78 auf die Neu-Guinea-Kompagnie(Hört! hörtl), der u. a. die Hälfte der Kokospalmen in Karser-Wilhelmsland ge- hört.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man sollte die Bor» läge ganz ungeschminkt „Srsetzetttwmf zur Subventisuierong der Neu-Guinea-Kempaguit" nennen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ganz unverhohlen stellen die Motive der Vorlage das Interesse der Neu-Guinea» Kompagnie in den Vordergrund. Es heißt darin, daß in den Gumnuplantagen Papuas wegen ihrer geringen Anstelligkeit nicht zu gebrauchen find, daß dagegen Malayen den chinesischen KuliS vorzuziehen sind, weil sie das Klima besser vertragen und außerdem erheblich billiger arbeiten als die Chinesen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Vorlage bezweckt, die Transportkosten für die billigen Malayen auf daS Reick zu übernehmen, lediglich im Interesse der Plantagenbesitzer.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Herr Dernburg hat in diesen Tagen über die Förderung der südafrikanischen Kolonien gesprochen und gemeint, sie werden mit der Zeit dazu kommen, Lebensmittel nach Deutschland zu exportieren. Aber gegen eine solche Kolonialpolitik werden sich die Agrarier wohl wehren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit der Ver- Weisung der Vorlage an eine Kommission sind wir einverstanden. Würden wir nicht aus prinzipiellen Gründen gegen sie stimmen müssen, so müßten wir es aus finanziellen tun. Mit aller Entschiedenheit aber müssen wir unS auch dagegen wenden, daß es worden: 5 Körper, 6 Köpfe, 17 Arme, Beine und Hände deS heiligen Andreas, 5 Körper und 2 Köpfe der heiligen Barbara, 4 Körper und 5 Köpfe des heiligen Basilius, 30 Körper de» heiligen Georg, 20 Körper und 26 Köpft der heiligen Juliane und 30 Körper deS heiligen Pankratius. Die liberalen Nörgler und Gottesleugner spotten darüber und glauben in ihrer Gehirnerweichung, dadurch sei dft Unechtheit der Reliquien erwiesen. Die Toren I Ist eS nicht der beste Beweis für die Wunderkraft der Verstorbenen, daß sie ihren Körper und ihre einzelnen Glieder vervielfachen können? Kann jetzt noch jemand an ihrer gottähnlichen Heiligkeit zweifeln? Patriotisches Roßfleisch. Im„General- Anzeiger für den Stadt- und Landkreis Mülheiin a. d. Ruhr' vom 14. Januar findet sich folgendes Inserat: „Das Reitpferd des früheren Generaladjutanten Sr. Maj. des Kaisers, des Grafen Hülfen-Häftler, habe ich zum Schlachten an- gekauft und gelangt das Fleisch hiervon am Freitag, den 15. d. M., aus dem hiesigen Wochenmarkte zu Mülheim- Ruhr zum Verkaufe a Pfund 30 Pfennig. Herz, Roßschlächterei.' Wir finden eS bedauerlich, daß die heiligsten Güter der Nation daS Pfund zu nur 30 Pfennig verschleudert werden; dringend hoffen wir, daß der gesinnungstüchtige Roßschlächter das Fleisch nicht etwa an Sozialdemokraten und ähnliches Gelichter abgibt! _(.Jugend'� Notizen. — Im Lessingtheater wurde am Montag der Ibsen» Zyklus fortgesetzt.„Die Stützen der Gesellschaft', eins der wirksamsten Dramen Ibsens und sein stärkstes Anklagestück gegen die Lcbenslüge kapitalistischer Moral, erlebte an diesem Abend zu- gleich die 100. Aufführung im Lessingtheater. Wenn man bedenkt, daß irgendein französisches AuS- und Anziehungsstück in einem Winter ebenso viele Aufführungen erziel� ist dos immer noch nicht genug. Die Darstellung, die im ganzen dieselbe Besetzung zeigte wie bei der Neueinstudierung vor zwei Jahren, bot wieder kräftigste Wirkung und tiefe Seelenanalyse. — Eine Schadow-AuSstellltng, die Zeichnungen, Büsten. Denkmäler enthält, wurde am Dienstag in der Akademie der Künste für die sog. Gesellschaft eröffnet; vom Mittwoch an ist sie jedem Entreezahler zugänglich. — Im Ballon über dieAkpen. Zwei österreichischen Erz» herzogen gelang eS am Montag als ersten, die Nordkette der Zentral- alpen, das Karwendelgebirge, im Luftballon z» überqueren. Nach ihrem Aufstieg in Innsbruck mit dem Ballon„Salzburg' flogen sie zu- nächst im Jnntal bis nach Schwaz, dann in einer Höhe von 2700 Meter über den Betrelwurf und landeteil nachmittags bei Scharnitz an der bagerischeu Grenze. ''ational sei. für die deutschen Kapitalisten billige Kulis heranzu- «ühren.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Raab(lvirtsch. Vg.) stimmt dem Vorredner in bezug auf Berwendung farbiger Arbeiter als Lohndrücker bei und verlangt, datz man den Seeleuten das Konlitionsrecht, das allerdings aus dem Schiffe zu ruhen habe, im übrigen nicht verkümmere. Von den Kapitänen und den Schiffsoffizieren könne man doch nicht sagen, dafi sie unter sozialdemokratischer Führung stehen. Angesichts der trost- losen Finanzlage des Reiches sei die Wiedereinbringung der im vorigen Jahre abgelehnten Forderung nicht gerade erfreulich. Die Gewinn-- und Verlustrcchnungen des„Nordd. Lloyd" sind etwas sehr sonderbar und müssen in der Kommission gründlich unter die Lupe genommen werden. Auch bei Ablehnung der Vorlage wird der Lloyd es sich sehr überlegen, ob er als guter Kaufmann die Llnie Sydney— Hongkong— Aokohama eingehen lassen wird. Aber selbst wenn er es tut und lediglich nach dem alten Bertrage wieder die Linie von Neu-Guinen nach Singapvre einrichtet, so schreckt mich daS durchaus nicht. Wir wollen die Vorlage nicht grundsätzlich ab- lehnen, sondern weitere zahlenmäßige Aufklärungen in der Kom- Mission abwarten.(Bravo! bei der Wirtsch. Vereinigung.) Abg. v. Dirksen(Rp.): Neu-- Guinea ist im erfreulichen Auf- blühe» begriffe». Die Einwände der Herren Noske und Raab mögen in der Kommission sorgfällig geprüft werden; aber eine halbe Million für eine blühende Kolonie muß das Reich auch in dieser Zeit der Finanznot übrig haben.(Bravo I rechts.) Abg. Erzberger1$ Uhr. Mbgeordnetcnbaus, IS. Sitzung, Dienstag, den 2S. Januar isos, mittags 12 Uhr. Am Ministertische: v. M o l t k e. Die Beratung der Anträge der Freisinnigen und Polen auf Einführung deS allgemeinen. gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts und Aenderung der Wahlkreiseinteilung wird fortgesetzt. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Die Schaffung einer ausgiebigen Statistik halten auch wir für durchaus notwendig. Es müsien zahlen» mähige Grundlagen geschaffen werden, wenn man die Wirkung dieses oder jenes Systems beurteilen will. Allerdings sind wir der Ansicht, daß die Statistik möglichst beschleunigt werden möchte. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Daß unser Antrag im ersten Teile sehr allgemein gehalten ist, will ich nicht ableugnen. Wir wollten auch nur andeuten, daß eine gewisse Ab- stufung des Wahlrechts festgehalten werden soll und daß wir der Uedertragung de? Reichstagswahlrecht« auf Preuße» durchaus abgeneigt find. Für die geheime Abstimmung tritt die große Mehrheit meiner Freunde geschlossen ein. Die ablehnende Haltung der Minderheit ist keine programmatische, sie will aber erst abwarten, wie das Wahl- recht denn nun in Zukunft eigentlich gestaltet werden soll. Wir sind für die geheime Wahl, weil wir den heuligen TerroriSmuS für einen moralischen Krebsschaden halten. Die Herren, die für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten, hätten am wenigsten Ursache, einen solchen Tecroric'-muS zu treiben.(Sehr gut! bei den Nattonallibcralen.) Aber auch der Druck von oben ist noch vorhanden.(Sehr wahr! link*) Die Sozialdemokraten betreiben den Terrorismus engroS- geschäftsmäßig.(Lachen bei den Sozialdemokraten, Zu- Kimmung bei der Mehrheit.) Die Ausführungen des Herrn Ministerpräsidenten über die politischen Beamten billigen wir durchaus. Man sollte meinen, daß daS auch die Auffassung konservativer Männer wäre. Denn in früheren Zeiten haben sie die DiSziplinierung der liberalen Beamten aus politischen Gründen stets bejubelt. Das politische Verhalten der Be- amten ist lediglich Sache des Taktes. So halte ich es auch für eine Sache des Taktes, wenn in einer westpreußiichen Versammlung, wo außerordentlich scharf gegen die Regierung Stellung genommen wurde, der Oberprästdent anwesend war. ohne dagegen das Wort zu ergreifen. (Sehr gut! bei den Nationalliberalen.) Bei der Wahlkreiseinteilung wollen auch wir nicht allein nach der Bevölkerungszahl gehen, wir stimmen da vollkommen überein mit den Herren der Rechten und des Zentrum«. Herrn Siröbel möchte ich erwidern, daß nicht nur die Millionäre an Zahl ge- wachsen sind, sondern daß die Zunahme deö Wohlstandes von unten eingesetzt hat. Die Ausführungen des Herrn«otröbel in dieser Beziehung waren sehr einseitig. Er übersieht ganz, daß die hohen Kommunalsteuern die Millionäre leicht veranlassen, ihren Wohnsiy zu ändern, was für die betreffenden Kommunen eine enorme Schädigung bedeutet. An der Haltung des Zentrums hat Herr Ströbel eine so vernichtende Kritik geübt, daß mir in dieser Beziehung nichts zu sagen übrig bleibt. Das Zentrum hat sich zwar theoretisch sür das allgemeine Wahlrecht erklärt, aber niemals wnrde ein energischer Schritt getan, um diese Forderung wirtlich durchzu- führen. Ich erwarte, daß das Zentrum wenigstens für unfern An- trag eintritt. Die Rede des Herrn v. Richthofen ist allgemein aufgefaßt worden als Rücktritt vom Block und wohlüberlegter scharfer Borstotz gegen die Regierung. (Zuruf bei den Sozialdemokraten). Bei Ihnen, Herr Hoffmann, werden wir uns am letzten Rats erholen, mit welchen Parteien wir Kompromitzpolitit treiben. Herr v. Richthofen hat sich auf eine Reihe nationalliberaler Führer berufen. Ist es ihm ganz unbekannt, daß sich inzwischen große wirtschaftliche Veränderungen vollzogen haben?(Widerspruch bei den Konservativen.) Diesen Widerspruch kann ich nur als Ausfluß Ihres Parteifanatismus erllären. Sie wollen offenbar nicht sehen, daß Ihnen noch die Grundsteuer angerechnet wird, trotzdem Sie sie nicht mehr zahlen. (Sehr gut! links.) Auch die Erfahrungen mit dem Terrorismus unter dem jetzigen Wahlrecht schrecken Sie nicht. Sie sagen: pereat munclus(Möge die Welt untergehen!) wenn nur die konservative Machtstellung erhalten wird.(Sehr gut! bei den Nationalliberalen.) Und wie eS Herr v. Richthofen gerade bei dieser Gelegenheit fertig bringen konnte, sich dem Zentrum zu emp- fehlen, das doch wenigstens theoretisch für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eintritt, verstehe ich am wenigsten. Gerade in dieser Frage stehen doch wir Nationalliberalen den Konscr- valivcn näher als dem Zentrum!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten�) Ich bin sehr dagegen, die Religion in die Politik hineinzuziehen. Das sind zwei verschiedene Gebiete. Wenn ich aber die Wahl habe zwischen dem Christentum des Herrn Herold und dem Christentum des Herrn v. Richthofen, so ziehe ich das Christentum des Herrn Herold bedeutend vor, denn das Christentum der Rechten ist doch nur ein Mäntelchen zur Aufrechterhaltung ihrer Machtstellung. (Große Unruhe rechts.) Herr v. Richthofen hat auch von unserer Haltung bei den Wahlen gesprochen. Wir haben bei diesen Wahlen ungefähr gegen sämtliche Fronten ehrlich gekämpft. Wenn die terren Konservativen trotz des Blocks sich überall mit dem entrum gegen uns verbündet haben, so war es nicht sehr loval — mit demselben Zentrum, das im Westen im Bunde mit der Sozialdemokratie gegen uns gekämpft hat.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum.) Wir bestreiten, daß die Herrschaft der Konser- vativen durchaus notwendig ist, und daß sie zu identifizieren ist mit dem StaatSwohl. Herr v. Pappenheim hat sogar gesagt, die Schwächung der konservativen Machtstellung bedeute auch eine Schwächung der Krone. Sind Sie denn die einzig berufenen Schützer der Krone?(Sehr gut! bei den Nationalliberalen.) Auch wir legen Wert auf eine starke Krone, eine selbständige Initiative der Krone. Wenn man das anerkennt, muß man aber auch der Willensmeinung der Krone eine grundlegende Bedeutung bei- legen, die ganzen Ausführungen deö Herrn v. Richthofen aber waren«ine durchaus scharfe Kritik der Willensmeinung der Krone, wie sie in der Thronrede niedergelegt ist. Sie schützen also die Krone sozusagen gegen sich selber. Das nennt man aber nicht mehr Schutz, sondern das nennt man Bevormundung.(Sehr gut! links.) Ich lasse es dahingestellt, ob Sie der Krone klar machen werden, daß Ihre eigenen Interessen mit denen der Krone identisch sind. Ich glaube, es wäre vernünftiger, wenn Sie sich mit uns auk den Standpunkt einer„maßvollen Wahlreform" stellten. ES hat sich immer gezeigt, daß die großen Staatsmänner fähig waren, neue Gedanken aus der Opposition in ihr Programm aufzunehmen. Ich erinnere daran, wie Bismarck den Gedanken der deutschen Einheit ans dem Liberalismus übernahm und mit der Krone durchführte. Ich weiß nicht, ob Sie einen solchen Staatsmann unter sich haben. Herr v. Richthofen scheint mir nicht der geeignete Mann.(Heiterkeit links.) Beteiligen Sie sich nicht an der Wahlreform, so werden Sie vor der Zukunft nicht als weitblickende, sondern als selbstsüchtige Partei stehen, die es verhindert hat. dem Vaterland zur rechten Zeit einen großen Dienst zu erweisen.(Lebhafter Bestall bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.)(Bei Beginn seiner Rede verlädt die große Mehrheit der Rechten den Saal.): Sehr bezeichnend für die Stellung der Konservativen zur Krone sind die neuesten Aeuhe- rungen des Herrn Podbielski: Wenn der Kaiser über die Nachlatz- steuer anders denkt als die Konservativen, dann wird ihm sofort die Freundschaft gekündigt!(Sehr gut! links.) Der Wahlausfall beweist nichts dafür, daß Sie die Mehrheit des Volkes hinter sich haben, sondern nur, daß die jetzige Karikatur eines Wahlrechts kein richtiges Spiegelbild der Vollsstimmung wiedergibt.(Sehr richtig! links.) Charakteristisch war, daß Herr Ströbel sich gestern zum Terror. b. h. zur Gesinnungsknechtung abhängiger Wähler, bekannt hat. (Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Er hat uns vorgeworfen, baß wir Beamte denunziert hätten, hat aber auch nicht den Schatten eines Beweises für diese unerhörte Behauptung vorgebracht. Er hat sich dabei ja auch auf die„VolkSzeitung" gestützt, die er mit Un- recht als freisinniges Blatt bezeichnet hat. In der von Herrn Ströbel erwähnten kurzen Mitteilung der„Freisinnigen Zeitung" war einfach darauf hingewiesen, daß das Gros der Beamten sich nicht an der Wahl beteiligt hätte. Aus dieser harmlosen Notiz, die noch dazu nach der Wahl (Zuruf: Aber vor der Stichwahl!!) erschien, machen die Herren den unerhörten Vorwurf des Wahl- terrorismus. DaS geschieht natürlich nur, um die Aufmerksam. leit abzulenken von dem sozialdemokratischen, planmäßig betriebenen Wahlterrorismus.(Sehr wahr! bei den Freisinnigem) Mit dem abgedroschenen Argument, daß eS sich hier um eine Notwehr bandelt, ist nichts zu erreichen. Eine Notwehr kann man doch nur ausüben gegen eine Stelle, von der ein Druck ausgeht. Aber was haben Ihnen die kleinen Geschäftsleute getan? Die sind froh. wenn sie Sie loS sind.(Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Der sojjialdemokratische TerroriSmuS steht genau auf demselben Boden wie irgendein WahlterroriSmuS von anderer Seite. Wenn die Sozialdemokratie einen derartigen Terrorismus hier noch ver- teidigt. beweist sie nur, wie heruntergekommen sie ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich habe diese Ausführungen nur in der Abwehr gemacht, weil Herr Ströbel es für notwendig gehalten hat, auch in dieser Si- t nation uns mit Angriffen zu überschütten, obgleich Herr Traeger ihm dazu wirklich keine Veranlassung gegeben hatte. Es ist ja überhaupt das Ungeschick der sozialdemokratischen Partei, bei solchen Gelegenheiten den Parteien, die mit ihr zusammenkämpfen sollen. in den Rücken zu fallen.(Sehr wahr! bei den Freisinnigem) lieber- Haupt hat die Rede des Herrn Ströbel der Wahlreform wenig ge- nützt. Für wenig geschickt halte ich auch das frivole Spiel mit provokatorischen Gedanken, das er am Schlüsse trieb. Ich weise die Unterstellung, als ob die bürgerlichen Parteien sich in dem Kampf um die Wahlreform auf die Bajonette stützen würden, ent- schieden zurück.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Trotz des Ver- laufS der Verhandlungen hoffe ich, daß schließlich sich hier eine Mehrheit wenigstens für die geheime Wahl finden und daß dann die Regierung auch ihren Widerstand dagegen aufgeben wird. Herr v. Richthosen hat uns mit der Sozialdemokratie schrecken wollen. Im Reiche aber, wo wir das allgemeine Wahlrecht haben, haben wir an Einfluß durchaus nicht verloren, ja. die freisinnige Fraktionsgemeinschaft umfaßt mehr Abgeordnete als die Sozial- demotraten. Die Konservativen� wenigstens in diesem Hause, scheinen nach seiner Rede die Zeit für gekommen zu halten, um vom Block abzurücken. Das Liebeswerben um das Zentrum in demselben Augenblick, wo der Zentrumsvertreter erklärte, wir treten auch ein für daS allgemeine, geheime Wahlrecht, war wirklich komisch. Aber im Zentrum wird freilich die Freude über einen räudigen Konservativen größer sein als über hundert gerechte Zentrumsleute.(Heiterkeit.) Die Rede des Herrn v. Richthofen hat zweifellos zur Klärung der politischen Situation beigetragen. Eine selbstbewußte, geschlossene Regierung müßte gerade nach dieser Rede unverzüglich eine Wahlrefvrm einbringen und, falls sie in- folge des Widerstandes der Konservativen abgelehnt wird, an das Land appellieren. Wenn die Wahlreform dann wirklick den Forde- rungen der Gerechtigkeit entspricht, bin ich überzeugt, daß vor dem VolkSwillen die Macht der Konservativen zerstäuben würde, wie die Spreu vor dem Winde.(Lebhafter Beifall links.) Das Ueber- gewicht der Konservativen im Abgeordnetenhause ist um so un- gerechtfertigter, als die Konservativen Aon im Herrenhause, dessen ganze Struktur nicht in das moderne TtaatSleben hineinpaßt, und im ganzen Beamtenapparat eins feste Stütze ihrer Anschauung haben.(Sehr wahr! links.) Wir verlangen ein gerechtes, freiheit- ltche- Wahlrecht für Preußen.(Lebhafter Beifall links.) Ein Schlußantrag wird hierauf mit großer Mehrheit angenommen. Es folgen die Schlußworte. Abg. Hoff(frs. Vg.): Das ganze Wahlverfahren bei der Dreiklassenwahl ist dazu angetan, den Wählern das Wählen zu verleiden. Die Notwendigkeit der Aenderung der Wahlkreisein- teilung ist sonnenklar. Das preußische Volk hat sich seit Bestehen der jetzigen Einteilung um 15 Millionen vermehrt. Diese 15 Millionen haben sozusagen keine politischen Rechte erhalten. (Sehr wahr! links.) Die Vorherrschaft Ostelbiens in Preußen mutz gebrochen werden. Das fürchten die Konservativen eben, denn ihre große Mehrheit ist in Ostelbien gewählt worden. Die Konser- vativen treiben die reine Vogel Strcnitz-Politik, wenn sie der Sozialdemokratie den Eintritt in dieses Haus vcrivchren wollen. Wer den inneren Frieden in Preußen und Deutschland will, wer den Ritz in unserem Volke schließen will, mutz mit uns für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung auch bei den Wahlen stimmen. (Beifall links.) Abg. S w i t a l a(Pole) verzichtet auf ein Schlußwort. In der Abstimmung werden die Anträge der Freisinnigen und Polen, soweit sie sich aus die Einführung des allgemeinen, gleichen. direkten und geheimen Wahlrechts beziehen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen, Polen und des Zentrums, im übrigen gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Der Antrag Hob recht(natl.) wird in seinem ersten Teil, der auf ein Pluralwahlrccht abzielt, gegen die Stimmen der Nationalliberalen abgelehnt. Für den zweiten Teil, der die direkte Wahl fordert, stimmen außerdem auch das Zentrum, die Freisinnigen und Sozialdeuwkraten. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, erfolgt der Hammelsprung, welcher die Ablehnung deS Antrages mit 168 gegen 165 Stimmen ergibt. (Andauernde große Bewegung.) Die geheime Wahl wird mit derselben Mehrheit abgelehnt. Ebenso der letzte Teil des Antrages in bezug auf die Wahlkreiseinteilung. Es folgt die Beratung des folgenden Antrages Schiffer (natl.): „Die Regierung möge bei der bevorstehenden Umgestaltung des Gerichtsverfassungsgesetzes dahin wirken, daß der Ausschluß der Volksschullehrer von der Berufung zum Schöffenamt be- s e i t i g t oder erheblich eingeschränkt wird." Nach kurzer Debatte geht der Antrag an die Unterrichts» k o m m i s s i o n. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Donnerstag 12 Uhr(Zweite Lesung der Beamtenbesoloungsvorlage). Schluß 4)4 Uhr._ Die lorisIckemotziÄMchei» fUrändcrungs- aoträge zu dem Entwürfe eines Arbeitskammergesetzes. Die Kommission wolle beschließen cm Stelle der ZZ 1 bis 45 der Vorlage folgende Paragraphen zu setzen: Z 1. Zur Förderung der sozialpolitischen Aufgaben und zur Wahrnehmung der gemeinsamen gewerblichen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden errichtet: 1. ein Reichs- Arbeitsamt, 2. für den Bezirk jeder oberen Verwaltungsbehörde ein Arbeitsamt, 3. für den Bezirk jedes Arbeitsamtes eine Arbeiter- k a m m e r zur Wahrnehmung der besonderen Interessen der be- teiligten Arbeitnehmer. ReichS-ArbeitSamt. § 2. Das ReichS-ArbeitSamt steht unter der Leitung eines Präsidenten und dreier Direktoren, die vom Reichskanzler ernannt werden. § 3. Zu den beratenden und beschließenden Sitzungen des ReichS-ArbeitSamtes sind die nichtständigen Mitglieder heranzuziehen, die in gleicher Zahl vom Bundesrat, dem Reichstag, den Arbeitgebern und den Arbeitern zu wählen sind. Die Zahl der Vertreter bestimmt der Reichskanzler. Für die Wahlen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer erläßt der Reichskanzler die Wahlordnung. Die Wahlen sind unmittelbar und gcbeim und finden nach den Grundsätzen der Verhältniswahl statt. Die Wahlen sind in der Industrie nach BerufSgrnppen, für Handel und Landwirtschaft besonders, zu gliedern. Die Wahlen leitet das ReichSrnnt deS Innern. Wahlberechtigt und wählbar sind alle großjährigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Das Mandat der Vertreter erlischt nach drei Jahren. Z 4. Das ReichS-ArbeitSamt bildet für die Berufsgruppen Landwirtschaft. Industrie und Handwerk. Handels- und Verkehrs- gewerbe je eine Abteilung. Jede dieser Abteilungen steht unter Leitung eines Direktors. Die Abteilungen haben die ihre Berufsgruppe angehenden Fragen zu beraten und sind befugt, besondere Ausschüsse einzusetzen, Die für das Reichs-Arbeitsamt verbindlichen Beschlüsse müssen in einer vom Präsidenten einzuberufenden Sitzung, zu der alle Mitglieder eingeladen sind, erfolgen. Die oem ReichS-ArbeitSamt überwiesenen Beschwerden au? den: Titel VlI der Gewerbeordnung und diesem Gesetz werden von einer Spruchkammer entschieden, die unter Vorsitz des Präsidenten deS ReichS-ArbeitSamtes oder seines Stellvertreters tagt. Jede Abteilung bildet eine Spruchkammer, die aus acht Mit- gliedern besteht und unter Berücksichtigung der in§ 3 bezeichneten Vertretungen vom Präsidenten ernannt wird. Die Geschäftsordnung gibt sich das ReichS-ArbeitSamt selbst. § 5. Das ReichS»A rdeitsamt hat das Kaiserliche Statistische Amt bei Bearbeitung der auf dem Gebiete der Arbeiterstatistik vor- genommenen Erhebungen zu unterstützen. JnSbesonoere liegt ihm ob: 1. auf Anordnung des Bundesrates. deS Reichstages oder auf Ansuchen der Arbeitsämter avbeiterstatistische Erhebungen vorzunehmen und die Ergebnisse zu begutachten, eventuell zu gesetzgeberischen Vorschlägen zu gestalten; 2. in Fällen, in denen es zur Ergänzung deS statistischen Materials erforderlich erscheint. Auskunstspersonen zu ver- nehmen; 3. dem Reichstag Vorschläge für die Vornahme oder Durchführung arbeiterstatistischer Erhebungen zu machen; 4. der Erlaß von Verordnungen auf Grund d�r Bestimmungen des Titel VII der Gewerbeordnung sowie der Erlaß von Verordnungen zum Schutze für Gesundheit und Leben der in der Heimarbeit, der Hausindustrie, der Landwirtschast, des Handels und Verkehrs, der Fischerei und der Schiffahrt beschäftigten Per- sonen; 5. der Erlaß von bergpolizeilichen Vorschriften; 6. internationale Verständigung auf dem Gebiete des ArbciterschutzeS anzubahnen. In den Fällen der Ziffer 1. 4 und 5 ist den HanRverks., Gc- werbe-, Handels-, Landwirtschafts- und Arbeiterkammern Gelegen- heit zu einer gutachtlichen Aeußerung zu geben. Bei Vernehmung von Auskunftspersonen(Ziffer 2) sollen, soweit eS möglich ist. Borschläge der Berufsorganisationen der Arbeitnehmer und Arbeit- geber berücksichtigt werden. § 6. Publikationsorgan des Reichs-Ark-ff�mteS ist daS Reichs« ArbeitSblatt. Arbeitsämter. §7. Für den Bezirk jeder oberen Verwaltungsbehörde wird ein Arbeitsamt errichtet, das zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer besteht. Die Zahl der Vertreter soll in der Regel 20 betragen, den Vorsitz führt der erste Gewerbeaufsichtsbeamte(Gewerberat) des Bezirks oder sein Stellvertreter. § 8. Die Mitglieder des Arbeitsamtes werden auf drei Jahre gewählt. Auf das Wahlveriahren finden die Borschriften der 15, 17 und 18 dieses Gesetzes entsprechende Anwendung. Die Äahlordnunq erlätzt das Reichs-Arbeitsamt. Die Wahl der Vertreter soll so erfolgen, dah möglichst alle im Bezirk des Arbeitsamtes vorhandenen Berufe vertreten sind. Für die Betricbsbeamten. Techniker. Werkmeister, Bureauangestcll- ten und Handlungsgehilfen sollen besondere Wahlabteilungen er- richtet werden. Die hierfür nötigen Anordnungen crlätzt das Rcichs-Arbettsamt. Das Wahlrecht und die Wählbarkeit haben alle grotzjährigcn Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Bezirk des Arbeitsamts. Nicht »vählbar sind Personen, die sich nicht im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. § 9. Das Arbeitsamt unterstützt das Reichs-Arbeitsamt in den diesem obliegenden Aufgaben; insbesondere gehört zu den Aufgaben des Arbeitsamtes: 1. Mitwirkung beim Abschluß von Tarifverträgen. 2. Errichtung und Förderung von paritätischen Arbeits- nachweisen, 3. die Leitung der Wahlen zu den Arbeitskammern, 4. der Erlaß besonderer Ausführungsbestimmungen über Verordnungen des Reichs-Arbeitsamtes und des Bundesrates, b. die Festsetzung von Ordnungsstrafen, um die Jnnehaltung der zum Schuhe der Arbeiter erlassenen Vorschriften und Ver- ordnungen herbeizuführen. § 19. Für den Bezirk eines Arbeitsamtes wird eine Gewerbe- aufsichtsbehorde gebildet, die sich dem Arbeitsamt angliedert. Zur Leitung und Erledigung der Geschäfte werden Reichsbeamte be- rufen. Der Vorsitz ist dem Gewerberat zu �übertragen. Sind im Bezirk der Gewcrbeaufsichtsbehörde Betriebe vorhanden, die in er- heblicher Zahl weibliche Arbeitskräfte beschästigen, so sind Gr- werbe-Jnspektorinnen anzustellen. Die Zahl der Beamten ist so zu bemessen, daß die Betriebe im Bezirk der GewerbeaufsichtS- deHörde genügend kontrolliert werden können. Den Gewerbeaufsichtsbehörden werden zur Ausübung de: Kontrolle über die Jnnehaltung der im tz 5 Ziffer 4 und 5 und der im§ 11 Ziffer 1 bis 4 benannten Verordnungen Hilfskontrolleure beigegeben, die von den Arbeitskammern aus den Reihen der Ar- beiter gewählt werden. § 11. Di« Gewerbeaufsichtsbehörden haben in der nach diesem Gesetz gegebenen Abgrenzung die Befugnisse der Landespolizei- bchorden. Zu den Aufgabe» der Gewerbeaufsichtsbchörde gehören: 1. Die Fabrikinspektion(§ 139b der Gewerbeordnung), 2. die Tampfkesselrevision, 3. Ucberwachung aller vom Bundesrat und vom Reichs- Arbeitsamt erlassenen Verordnungen. 4. lleberwachung der bcrgpolizeilichen Verordnungen, 5. die Wahrnehmung der aus Titel Vll der Gewerbeordnung sich ergebenden Befugnisse. § 12. Di« Kontrolle über die Jnnehaltung der im 6 ll ift Ziffer 3 und 4 benannten Verordnungen und Vorschriften soll eine regelmäßige, oft sich wiederholende sein. 8 13. Die Bergpolizeibehörden und Oberbergämter gliedern sich den Gewerbeaufsichtsbehörden an und sind dem Gewerberat unterstellt. Arbeiterkammer». Ä 14. Für die Wahrnehmung der Interessen der Versonen, die in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Industrie, im Handels- und Berkehrsgewerbe gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt sind, sowie zur Unterstützung der Aufgaden des Arbeitsamtes wird für den Bezirk eines Arbeitsamtes eine Arbeiterkammer errichtet. deren Mitgliederzahl vom Reichs-Arbeitsamte nach der Größe des Bezirks und der Zahl der Betriebe bestimmt wird, jedoch soll die Zahl der Mitglieder nicht weniger als 19 betragen. 8 Ib. Die Mitglieder der Ärbeiterkammer werden auf Grund der Proportionalwahl nach einem gleichen, unmittelbaren und ge- Heimen Stimmrecht gewählt. Gleichzeitig sind eine entsprechende Anzahl Stellvertreter zu wählen. Ist die Reihe der Stellvertreter erschöpft, so hat das ReichS-ArbeitSamt eine Ergänzungswahl anzuordnen. 8 16. Das Wahlrecht und die Wählbarkeit haben alle groß- jährigen Personen, die in den im§ 14 benannten Berufsgruvpen gegen Loh» oder Gehalt im Bezirke der Arbeiterkammer beschäftigt sind. Nicht wählbar sind Personen, die sich nicht im Besitze der bürgert chen Ehrenrechte befinden. Die Mandatsdauer der Mitglieder der Arbeitskammer be- ziehungsweise ihrer Stellvertreter währt drei Jahre; sie beginnt mit dem Kalenderjahre. Wählbar sind auch die für die beruflichen Organisationen der Arbeiter und Angestellten tätigen Beamten �und Vorstandsmitglieder. 8 17. Die Wahl findet an einem Sonntag statt, und zwar im Laufe des MonatS Oktober desjenigen Jahres, in dem das Mandat der Mitglieder der Arbeiterkammeru zu Ende geht. Den Wahltag destimmt das Reichs-Arbeitsamt, ebenso die Art und Form der Legitimation für die Wähler und die Normen. unter welchen die Wahlhandlung stattzufinden hat. L18. Die Wahlzeit ist so festzusetzen, daß auch die am Wahl- schäftigten Personen ohne Rücksicht auf Tag- oder Nacht- schlicht sich an der Wahl beteiligen können. Die Betriebsleiter sind verpflichtet, den von ihnen beschäftigten wahlberechtigten Personen auskömmlich Zeit für die Ausübung des Wahlrechts zu gewähren. Die Verletzung dieser Vorschrift ist mit Geldstrafe von 29 bis 199 M. für jeden Wähler, der an der Aus- Übung feines Wahlrechts gehindert wird, zu ahnden. Die Strafe setzt das Arbeitsamt des Bezirks, für den gewählt wurde, fest. Das Arbeitsamt bestimmt sie Abgrenzung der Wahlbezirke in der Weise, daß allen Beteiligten die Ausübung deL Wahlrechts leicht ermöglicht wird. 8 19. Die Wahl leitet das Arbeitsamt, es ernennt die Vor- sitzenden des Wahlbezirks sowie die Beisitzer aus dem Kreise der Wähler. 8 29. Ein Einspruch der Wahlberechtigten gegen die Gültig- keit der Wahl ist binnen vier Wochen nach der Wahl an die Ar- beiterkammer zu richten. Diese prüft den erhobenen Einspruch und entscheidet über die Gültigkeit der Wahl. Gegen die Eni- scheidung ist binnen zwei Wochen Beschwerde beim Reichsarbeits- amt zulässig. Die Entscheidung des Reichsarbeitsamts ist endgültig. 8 21. Die Ärbeiterkammer gibt sich ihre Geschäftsordnung selbst; ihre Sitzungen sind öffentlich. Die Tagesordnung wird in den von der Ärbeiterkammer zu PublikatwnSorganen bestimmten Zeitungen bckanntgemacht. tz 22. Den Vorsitz in der Arbeiterkammer führt der Gewerbe- rat oder dessen Stellvertreter. Der Vorsitzende setzt die Tages- ordnung für die Sitzungen fest, soweit nicht die Arbeiterkammer selbst darüber beschließt. 8 23. Der Vorsitzende ist verpflichtet, die Arbeiterkammer mindestens alle drei Monate einmal zu einer Sitzung zusammen- zuberufen; er muß dieselbe zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, sobald mindestens ein Drittel der Mitglieder der Ar- beiterkammer mit Angabe des Gegenstandes, über den verhandelt werden soll, darauf anträgt. Dem Antrage ist innerhalb vierzehn Tagen, nachdem er in die Hände des Vorsitzenden gelangte, stattzugeben. 8 24. Die Arbeiterkammer faßt ihre Beschlüsse mit einfacher Mehrheit; Stimmengleichheit gilt als Ablehnung; sie ist beschluß- fähig, sobald mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend sind. Mitglieder, die ohne genügende Entschuldigung in der Sitzung fehlen, kann der Vorsitzende mit einer Geldstrafe von fünf bis zwanzig Mark belegen. 8 25. Tic Ardeiterkammcrn unterstützen die Arbeitsämter in den diesen obliegenden Aufgaben; insbesondere gehören zu dc» Aufgaben der Arbeiterkauimexni 1. dem Reichsarbeitsamt Anträge über Vornahme von En- queten oder statistischen Erhebungen zu unterbreiten; 2. Beschwerden über Mißstände im gewerblichen Leben ihres Bezirkes dem Gewerbeamt zu übermitteln; 3. an die gesetzgebenden Körperschaften in Staat und Reich sowie an die Verwaltungsbehörden der Gemeinden mit Bor- schlagen darüber heranzutreten, wie Uebelstände des Wirtschaft- lichen Lebens beseitigt werden können; 4. sich über Gesetzesentwürfe sowie gesetzgeberische Vor- schlage und Verordnungen des Reichsarbeitsamtes gutachtlich zu äußern; b. die Wahl der Hilfskontrolleure(§ 19 Abs. 2); Ii. Mitwirkung an dem Erlaß von Ausführungsbcstim- mungen des Arbeitsamtes(8 9 Ziffer 4). Die Arbeiterkammern können dem Reichsarbeitsamte Anträge unterbreiten über die Bornahme von Enqueten, statistischen Er- Hebungen betreffend die Gehälter, die Löhne, die Arbeitsart und die Arbeitsdauer, die Tätigkeit der Unternehmervcrdände und der Arbeitergewerkschaften, die Lebensmittel und Mietpreise, die Wirkung von Verordnungen und Gesetzen, insbesondere von Handelsverträgen. Zöllen, Steuern und Abgaben. Werden bestimmt formulierte Anträge dieser Art von drei Viertel aller Arbeiterkammern gestellt, so ist diesen Anträgen seitens des Reichsarbeitsamtes stattzugeben. 8 26. Die Mitglieder des Reichsarbeitsamtes, der Arbeits- ämter und der Arbeiterkammern erhalten für die Sitzungen, welchen sie beiwohnen, eine Entschädigung und Ersatz der Reise- kosten. Die Höhe dieser Entschädigungen setzt das Reichsarbeits- amt fest. Schlußbestimmungen. § 27. Die Kosten, die aus der Durchführung dieses Gesetzes entstehen, trägt daS Reich. Sie sind alljährlich in den ReichLetat einzustellen._ parlamcntanfcbeö, Die Kommission zur Beratung deS Arbeitskammergeseiz-EntwurfS begann am Dienstag unter dem Vorsitze des Abg. Legten ihre Ar- beit. Die Sozialdemokraten hatten einen vollständig ausgearbeite- ten Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Errichtung eines Reichs- Arbeitsamts, eines Arbeitsamis für den Bezirk jeder oberen Ver- waltungsbehörde und einer Arbeiterkammer für den Bezirk jedes Arbeitsamtes, vorgelegt.(Wir bringen den vollen Wortlaut dieses Entwurfs in der heutigen Nummer zum Abdruck.) Die Koni- Mission mutzte daher zunächst entscheiden, ob sie ihren Beratungen den Entwurf der Regierung oder den Entwurf der Sozialdemo- traten zugrunde legen soll. Die Genossen S e v e r i n g und Böme Iburg traten für den sozialdemokratischen Entwurf ein. mit dem Hinweis darauf, daß die Arbeiterkammern die Grundlag? der geplanten Interessenvertretung bilden müssen. Dem stimmten auch einige der bürgerlichen Abgeordneten zu. Daraus sei aber später zurückzukommen. Gegenwärtig handele es sich nur um Arbeitskammern, die zunächst unter Dach und Fach zu bringen seien.... So kam es, daß die Kommission mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten und der Polen den§ 1 des sozial- demokratischen Antrags ablehnte. Im übrigen wurde anerkannt, daß der sozialdemokratische Antrag eine folgerichtig und zweckmäßig aufgebaute Organisation enthalte, die nicht nur Gutachten ob- zugeben, sondern auch bei der Durchführung des gesetzlichen Ar- bettcrschutzeS mitzuwirken habe. Nur ein konservativer Abgeord- neter glaubte sicff die geistreiche Bemerkung le,sten zu dürfen, in Konsequenz des Entwurfs fehle nur noch, daß der Bundesrat die Beamten des ReichS-Arbeitsamts auf Vorschlag der sozialdemokra- tischen Partei anstellen müsse! Dem ostelbischen Junker ant. wartete Genosse Bömelburg: ES sei bedauerlich, daß mit solchen Kindereien eine so ernste und für die Arbeiter so wichtige An- regung bekämpft werde. Darauf wurde mit der Beratung des Z 1 der Regierungsvorlage begonnen. Nach diesem Paragraphen sollen Arbeitskammern für einenGewerbezweig oder mehrere verwandte Gewcrbezweige aus fachlicher Grundlage errichtet werden, soweit nach dem Stande der gewerblichen EntWickelung ein Be> dürfnis besteht. Hierzu will Abg. Manz hinzugefügt haben: „In besonderen Fällen kann die Errichtung von Arbeitskammern auch für verschiedene Gewcrbezweige erfolgen".— Der Staatssekretär des Innern, Herr v. Bcthmann-Hollweg, bat dringend, den Antrag abzulehnen. Er versicherte, daß bei Er- richtung der Arbcitskammern der Kreis der„verwandten" Gewerbe- zweige so Iveit gezogen würde, daß allen Bedürfnissen Rechnung getragen iverdcn könne. Der Antrag Manz wolle eine gemein- samc ArbcitSkammcr für solche Gewerbezweige� die gar nichts Ge» meinsames haben. Solche Arbeitskammern würden zu politischen Diskutierklubs werden. Demgegenüber wiesen mehrere Redner nach, daß verschiedene Gewerbezweige oft aufs engste zusammen- hingen, ohne daß sie als„verwandte Gewerbezweige" zusammen- gefaßt werden können. Herr v. Bethmann-Hollweg erkannte schließlich an, daß in dieser Beziehung der Wortlaut der Vorlage ungenügend sei. Er versprach, daß die Geheimräte im Reichsami des Innern versuchen werden, diese Lücke zu beseitigen. Infolge dieser Erklärung zog Herr Manz seinen Antrag zurück. GcschöftsordnungZreform. Die GeschästSordnungskommisston setzte am Dienstag ihre Ve- rawngen fort. Es handelte sich um die Frage, ob bei Interpellationen Anträge gestellt und ob die Stellung von Anträgen an gewisse Bedingungen geknüpft werden sollten. Gegen daS Recht auf die Stellung oon Anträgen überhaupt sind die Konservativen und Freikonservativen. Da sie damit nicht durchdringen würden, suchen sie ihr Ziel auf Umwegen zu erreichen. So ist es nur zu verstehen. daß sie dreißig Mitgliedern das Recht geben wollen, durch Einspruch die Srellung jedes von anderer Seite gestellten Antrages zu vereiteln. Tatsächlich würde daS darauf hinauskommen, der konservativen Partei die Macht in die Hand zu geben, die Stellung von Anträgen überhaupt zu vereiteln. Die anderen bürgerlichen Parteien wollen die Zu- lässigkeit der Stellung vo» Anträgen bei Interpellationen von der Genehmigung der Mehrheit abhängig machen. Die Sozialdemokratie will die Stellung von Anträgen bei Interpellationen nur den nämlichen Bedingungen unter- werfen, die bei anderen jetzt schon vorgeschrieben sind: die Unter- stützung von 89 Personen soll geniigen. Dinger(Soz.) vertritt den sozialdemokratischen Antrag mit dem Hinweise daraus, daß andere Kautelen, als sie von der Sozial- demokratie bei Jnterpellationsanträgen gefordert werden, selbst dann nicht nötig find, wenn es sich um Anträge von größter Bedeutung. um VersassungSaniräge z. B. oder um die Bewilligung von Hunderten von Millionen Mark handelt, v. D» r k s e n(ftk.) sieht die größten Gefahren für Deutschland heraufziehen, wenn fortgesetzt Mitzlrauens- Voten gegen die Regierung beantragt werden können. Er ivarnt vor diesem Schritt aus dem Wege zum Parlamentarismus. Es wäre ja möglich, daß schließlich ein Reichskanzler„die Nerven verlieren" könne, wenn ihm fortgesetzt Mißtrauensvoten ausgestellt würden. Linck(natl.) und Gr äs(Aniisemit) meinen, das Recht der Mehrheit würde beeinträchtigt, wenn Minderheiten bei Interpellationen Anträge stellen könnten. Zehnter und Kirsch(Z.) weisen darauf hin, daß gegen Mßvrauch des Rechts auf Stellung von Anträgen dadurch Bürgschaften geschaffen werden könnten, daß nur solche Anträge zulässig sein dürften, die keine Gesetzentwürfe enthalten und die den Gegenstand der Interpellation unmittelbar betreffen. Ledebour(Soz.) erklärt, daß die Sozialdemokraten gegen die letztere Anregung nichts einzuwenden hätten, da der Natur der Sache nach die Anträge aus dem sachlichen Inhalt der JnterpellationL- besprechuug hervorgehen müßte. Wenn sich also, über eine materielle Begrenzung des AutragsrechtS sprechen lasse, so sei doch für die Sozialdemokratie die llnterwerimig des Antrag. rccht< der Minderheit unter die Vormundschaft der Mehrheit absolut unannehmbar. Würde nach dem Wunsche der National- liberalen verfahren, so würde z.B. im englischen Parlament während der ganzen Dauer der Legislaturperiode bei einer ausgesprochenen Mehrheit der Regierung die Einbringung von Mißtrauensvoten über- Haupt unmöglich. Schon dieses Beispiel zeige die volle Absurdität des Gedankeus der Mehrbeitsvornrundschaft. AuS den AuSführlingcn des Herrn v. Dirlien gehe hervor, daß die Äonservativen die Herr- schafr einer Minderheit, einer kleinen Clique, die sich um Parlaments- beichliisse überhaupt nicht zu kümmern brauche, tu Deutschland ver- ewigen wollten.— J u n ck(»all.) erwidert gegenüber dem auS England gewählten Beispiel, daß ja die Minderheit, wenn sie allmählich durch Gesinnungswandel von MehrheitSelementeu sich so verstärkt habe, daß sie zur Mehrheit geworden sei, zur' Eiubringung von Mißtrauensvoten kommen könne.— Kret h(k.) sucht in breit augelegten Ausführungen alle die Mög- lichkeiten auszumalen, die zur Schädigung der Rcichsiiitereffen aus der Erweiterung der Parlamentörechte hervorgehen könnten. Er meinte, ohne Znstinimimg des Bundesrats sollten nicht einmal Aenderungen der Geschäftsordnung durch den Reichstag vorgenommen werden. Singer weist nach, daß diese Kreihsche Auffassung sogar gegen die bestehende Veriassung verstoße, da gegenwärtig das Recht des Reichstags auf selbständige Äenderung seiner Geschäftsordnung un- bestritte» sei. Alle Krclhschen und Dirkienschen Schreckgespenstcr hietleu einer ernsthaften Erwägung nicht Stich. Die Entivickelung zum Parlamentarismus, gegen den die Sozialdemokratie selbstredend nichts einzuwenden habe, hänge schließlich ab von der Verschiebung des KraftverbältiiisseS der Machifaktoren. Daß die Konservativen den gegkinvnrlige» Zlistand aufrechterhalten wollten, sei ganz begreif- lich, da ihre Parteiinreresse» dadurch gefördert würden. Hierauf wurde die Debatte vertagt. Bei Festsetzung der nächsten Sitzung beantragte Ledebour, sie am Donnerstag abzu- halten und dann fortlaufend an jedem Morgen zu tagen, wenn nachmittags Plenarsitzmigen stattfinden, da sonst die Verhandlungen sich wochenlang, ja monatelang hinziehen würden. Der Antrag wird von M ü l l e r- Meiniiigen(frets. Vp.) und Junck(natl.j unterstützt; die Mehrheit(Konservative und Zentrum) entschied sich aber für Beibehaltung der Sitzungen am Freitag und Dienstag._ Aus der Vudgetkommission des Reichstags. (8. Sitzung vom 26. Januar.) Zu Beginn der Sitzung wurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß in einem auswärtigen Blatte ein Bericht über die Verhandlungen der Kommission erschienen sei, die als vertraulich angesehen werden sollten. Nachdem der betreffende Abgeordnete erklärt hatte, daß er bedauere, sich über die Nalur der gemachten Mitteilungen im Irrtum befunden zu haben, wird die Angelegenheit für erledigt erklärt. Um späteren Irrtümern zuvorzukommen, soll bei vertraulichen Mit- teilungen lewetls an der Eittgangslür ein entsprechendes Plakat au- gebracht werden, damit auch später kommende Abgeordnete über den Charakter der Verhandlungen informiert sind. Hierauf setzte Staatssekretär v. S ch o e n seine vertraulichen Dar- leguiigen über unsere auswärtige Politik aus der vorhergegaugeneu Sitzung fort, wobei er unter anderem betonte, daß die Nachrichten in der Presse über das Anhalten zweier deutscher Dampfer der Wör- manntinie an der liberischen Küste ungenau seien. Die Behörden der Republik Liberia hätten übrigens ihr Bedauern über den Porfall ausgedrückt. Ein Mitglied der Kommission beschwerte sich darüber, daß die Reichsregieruug für die FnedenSbestrebuitgen, wie solche durch die interparlameutarischen Konferenzen zum Ausdruck gelangen, keine Ausioendungen mache. Staatssekretär Sydow erklärte, daß es sich hier nicht um die eventuell in Betracht kommenden geringen Summen, sondern um ein Prinzip handele: der erste Schritt tühre unter Umständen zu weitgehenden Konsequenzen. Staats- sekretär v. S ch o e u bringt den FriedenSbestrebuttgen große Sympathie entgegen und hält die Schlichtung von Streitig- leiten durch internationale Schiedsgerichte im allgemeinen für vorteilhast; dabei sei aber nicht zu verkennen, daß es Fälle geben könne, wo die Wichtigkeit deS Gegenstandes in keinem Perhältnis zu den nicht geringen Kosten stehen würde.— Sodann veibrettele sich der Staatssekretär über die für die Zulassuitg zum viplotnatischen Dienst geltenden Grundsätze. In der Presse sei nach- drücklichst behauptet worden, daß bei Anstellung zum diplomatischen Dienst aus eine gewisse Exklusivität des Korps gesehen werde. Eine größere Zeitung habe, um die Bettachteiliguttg de» Bürgerrums durch adelige Bewerber darzutun, eine Liste aufgestellt, die bei 199 Namen 45 Uurichtigleiten enthielt. Aber der Herr Staatssekretär mußte zugeden, was er erst zu bestreiten versuchte: daß die bürger- lichen Elemente im diplomatischen Dienst nicht allzu stark vertreten sind. Durch die nachstehenden, von ihm selber mitgeteilten Zahlen bewies er zur Genüge, wie im Reich gerade wie in Preußen die A d e l s k a st e die Leitung auch unserer auswärtigen Politik völlig in Händen hat. Von 137 im höheren diplomattschen Dienst stehenden Beamten gehören an: dem allen Adel 79, dein„älteren neuen Adel" 23, dem neuen Adel 35. zusammen 128. Diesen stehen ganze 9 Beamte bürgerlicher Herlunft gegenüber I Diese ver- vlüffende Tatsache suchte Herr v. Seimen damit zu rechtfertigen, daß sich auS dem Adelsstande mehr Anwärter melden als aus den bürgerlichen Kressen. Ein UnterichieS, erklärte er, würde nicht ge- macht, denn er selber sei der lebende Beweis dafür: er entstamme auch einer bürgerlichen Familie.... Nächste Sitzung: DonnerSrag. In der Rechnungskommission des Reichstags kam es am Dienstag zu interessanten Erörterungen. Es ergab sich, daß der Bau der Bahn Swakopmund— Karibib—Windhuk, für den ursprünglich 5 Millionen Mark vorgesehen waren, auf über 15 Millionen Mark zu stehen kommt und wirtschaftlich fast völlig ailssichtslos ist! Bezüglich der Hasenmolenkaianlagen in Swakopmund wurde zugegeben, daß die ganzen Arbeiten, die zirka 3 Mil- lionen Mark gekostet haben, gänzlich wertlos geworden sind, daß man in der Mole zur Zeit der Ebbe trockenen Fußes spazieren gehen kann! Dazu kommt, daß festgestellt wurde, daß der Molenkaibau ohne Genehmigung des Reichstages ausgeführt wurde. Die Beschlußfassung darüber wurde aus- gesetzt, weil der Referent S ch w a r z e- Lippstadt, vom Kolonialamt erst Auskunft über verschiedene Sachen einholen wird. Von unserer Seite sprachen Hengsbach und Ulrich: sie vertraten die Ansicht, daß derjenige, der die Schuld daran trägt, daß der Hafenmolenkaibau ohne Genehmigung des Reichstages ausgeführt worden ist, zur B e r a u t w o r« t u n g g e z o g e n werden müsse. Die Reichstagskommission für die Reform des ZivilprozeffeS hat am Dienstag über einen Antrag der Genossen Frank und F r o h m e beraten, wonach die Amtsgerichte künftig Arbeitersekretäre und GewerkschastSbeamte nicht mehr als Vertreter zurückweisen dürfen. Sämtliche bürgerlichen Parteien redeten und stimmten gegen unseren Antrag, nur ein kleiner Teil deS Zentrums unterstützte unsere Genossen. Tritlksachcn. AusdempreußischenAbgeordnetenhauS.(Nr. v> Nachweisuna der Kommissionen und deren Mitglieder. (Nr. 45) Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- und Salinen verw altung stehenden Staatswerke während des EtatSsahres 1997. (Nr. 48, V) Alphabetisches Verzeichnis der in der Besoldung»« ordnung... aufgeführteu Beamten. Gerichts- Zeitung. Beleidigungen durch die Breffe. nehmung berechtigter Interessen) önne dem Bellagten Nebakteur nicht zugebilligt werden, Davidsohn habe nur im öffentlichen Intereffe Angelegenheiten besprochen, für die er sich von seinem Parteistandpunkt aus besonders interessierte. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub. Heute, Mittwoch, abends 9 Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. 8: Gigung. Gäste willkommen. Lese: und Diskutierklub" Südost". Heute, Mittwoch, abends 8 Uhr: Generalversammlung. tommen! ○ Eingegangene Druckfchriften. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin Das im Schöffengerichtsurteil festgefeßte Strafmaß gebe zu und Bororte. Donnerstag. den 28. d. M., abends 9, Uhr: Bersammlung, Bedenken feinen Anlaß. Steinberg habe allerdings durch sein Vor- Charlottenburg, Krumme Str. 42; Rigdorf, Berliner Str. 14; Tegel, leben zu einer gewissen Kritik herausgefordert. Auch habe er min- Berliner Str. 92; Köpenid, Grünauer Str. 8. destens in einem Punkte durch seine Prospette eine Zusage gemacht, Sparverein der Freidenker zur Ausführung der Feuerbestattung. die nicht von ihm gehalten worden sei: Er habe individuellen Unter- Am Donnerstag, den 28. d. M., abends 8½ Uhr: Versammlung im richt versprochen, es seien aber mehrere Schülerinnen zusammen, Reftaurant H. Sachse, Greifswalder Str. 37. Freunde und Gönner willbis zu sechszehn Personen, unterrichtet worden. Diese Umstände scien als strafmildernd in Betracht zu ziehen. Als strafschärfend falle aber ins Gewicht, daß die Angriffe sehr schwer waren und öffentlich in der Prese erhoben wurden. Within sei eine Geldstrafe von 150 m. nicht zu hoch. Auch eine Buße sei dem Kläger mit Recht zugesprochen worden. Es komme hier nicht darauf an, daß Steinberg, wie vor Gericht festgestellt worden sei, schon den Offenbarungseid geleistet habe. Auf Buße sei zu erkennen, wenn die Angriffe geeignet gewesen seien, den Angegriffenen in seinem Fortkommen zu schädigen. Es liege aber auf der Hand, daß ein Mann, der den Offenbarungseid geleistet habe, geschädigt werden müsse durch Angriffe, wie jener" Vorwärts"-Artitel fie enthalten Fortkommen bedingt, denn auf ihm beruhe jetzt sein Erwerb. Eine habe. Durch Unterricht in Krawattennäherei werde ja Steinbergs Buße von 300 M. jei nicht zuviel. Vor dem Landgericht I, Etraftammer 2, hatte sich Dr. Rudolf Lautenbach, Redakteur der" Tribüne" in Berlin, wegen Beleidigungen, begangen durch die Bresse, zu verantworten. In einem Artikel der„ Tribüne" war ein Kontrolleur der Spandauer Armee: konservenfabrik dadurch beleidigt worden, daß von ihm behauptet wurde, er habe sich einer Arbeiterin gegenüber unanständig betragen. Die Arbeiterinnen müssen sich in jener Fabrit wöchentlich einer Kontrolle unterwerfen, indem ihnen die Taschen usw. untersucht werden, angeblich, um Diebstähle zu verhindern. Bei dieser Kontrolle follte der Beamte einmal zu weit gegangen fein und seine Handlung wurde in dem inkriminierten Artikel scharf gerügt. Die Behauptung erwies sich später als unbegründet und Lautenbach nahm seine Kritik öffentlich zurück. Der Staatsanwalt sprach von der ungeheuren Schwere" der Beleidigung; er meinte, es hätte dem Angeklagten genügt, zu wissen, daß es sich um einen föniglichen Beamten handelte, und da wäre seine Barole gewesen: " Nu man feste drauf!" Von dem Verteidiger Dr. Halpert wurde die Annahme des Staatsanwalts, daß der Angeklagte am Blaufoller" litte, zurückgewiesen und betont, wie schwer es für einen Publizisten sei, in allen Fällen einer Mystifikation zu entgehen. Der Angeklagte habe im besten Glauben gehandelt und nicht gezögert, öffentlich zu erklären, daß er sich geirrt habe, sobald er seinen Frrtum erkannt hatte. Der Staatsanwalt hatte 300 m. Geldstrafe beantragt. Das Gericht ging darüber hinaus, da der Angeklagte die Pflicht gehabt habe, sich in diesem Falle, wo es fich um einen Beamten handelte, vorher genaue Information einzuholen. Ferner nahm das Gericht an, daß der Artikel der Sen- fehenerregende Mitteilung, daß in dem vor zwei Jahren verhan= fation und nicht der Feststellung der Wahrheit dienen sollte. Der Angeklagte wurde zu 500 M. Geldstrafe verurteilt und dem preußischen Kriegsminister die Befugnis zugesprochen, das Urteil in der " Tribüne" bekanntzumachen. Eine zweite Beleidigungsflage tam darauf gegen Dr. Lauten bach zur Verhandlung. Dieser hatte in derselben Zeitung eine Begebenheit, von dem Stettiner Volfeboten" erzählt, wiedergegeben und damit einen Pastor in Heringsdorf beleidigt. Das Konsistorium von Pommern stellte den Strafantrag. Der Angetlagte hatte den Pastor, der als sozialistenfeindlich bekannt ist, scharf getadelt, weil dieser in einer Grabrede auf einen organifierten Maurer die Kinder des Verstorbenen vor dem Lebenswandel ihres Vaters gewarnt hatte. Die Verhandlung wurde auf Antrag des Verteidigers Dr. Halpert vertagt, weil die Verteidigung noch keine Kenntnis von den letzten kommissarisch aufgenommenen Zeugenaussagen erlangt hatte. Wegen Aufreizung, begangen durch einen Artikel in der Zeit. fchrift Der freie Arbeiter", hatte sich der Redakteur Lübeck vor demselben Gericht zu verantworten. Hier gelangte das Gericht zu einem Freispruch. Obgleich man es unzweifelhaft mit einem heherischen" Artikel zu tun habe, sei doch nicht festgestellt, was die Leute an Gewalttätigkeiten begehen sollten, wurde in der Begründung ausgeführt. Herr Steinberg, der Krawattenakademie- ,, Direktor". Die Beleidigungsflage, die Herr Adolf Steinberg, Direktor" der„ Ersten Berliner Krawattenatademie", gegen den" Borwärts" Redakteur Genossen Davidsohn angestrengt hatte, war am Dienstag voriger Woche vor der Berufungsinstanz, der 9. Etraftammer des Landgerichts I, in fiebenstündiger Sizung verhandelt worden.( Vergleiche Bericht im Vorwärts", Nr. 16.) Die Urteilsverkündung war ausgesetzt worden, erst am gestrigen Dienstag wurde das Urteil gesprochen. Es lautet auf Verwerfung der von unserem Genossen Daviblohn eingelegten Berufung gegen das Schöffengerichtsurteil, das ihm eine Gelostrafe von 150 20. fomte eine an Steinberg zu zahlende Buße von 300 M. auferlegt hatte. Wird Herr Steinberg mit all' dem zufrieden sein? Ein Nachspiel zum Boruffia- Brozeß? F. Wilting. 2,50 M. D. Coblenz, Berlin W. 30. Elektro Ingenieur Kalender 1909. Von A. H. Hirsch und Leipzig. Der Weg zur Wahrheit. Von A. Dmten. 141 Seiten. D. Reusche, Deutsche Rundschau für Geographie und Statistil. Heft 5. A. Hartlebens Berlag in Wien. Jährlich 12 Hefte. 1,15 M. Plan Groß Berlin. Neuer Plan mit Bororten. 50 Pf. Julius Straube, Berlin SW. 13, Das Wohl und Wehe von 200 000 Zabalarbeitern! 39 Seiten 30 und 23 „ Bergarbeiter." Schauspiel in einem Aft von 2. Märten. 1 M. J. H. W. Diez Nhf., Stuttgart. Beduinen- Lieder der libyschen Wüste von J. C. E. Falls. 240 Seiten. F. Diemer, Find u. Baylaender, Succ. Kairo. Vom deutschen hohen Adel. Bon D. Haering. 5 Pf. Selbstverlag Berlin, Gneisenaustr. 15. jährlich 4 M. Briefkaften der Redaktion. Darwin. Seine Bedeutung. Bon W. Bölsche, B. Wille, E. David, Die Bergarbeiter- Beitung" machte vor einiger Zeit die aufm. Apel, R. Penzig, F. Naumann. Hilfe". Berlin- Schöneberg. 1 M. Der Kunstwart. Heft 8. G. D. B. Callweh, München. Vierteldelten Prozeß gegen den Petriebsführer Rüter von Zeche Borussia bei Dortmund dem der Schachtbrand auf genannter Beche, bei dem eine Anzahl Bergleute ums Leben tamen, zur Laft gelegt tourbe einige Meineide zugunsten des Angeklagten geleistet worden seien. Die Mitteilung der Bergarbeiter- Zeitung" wurde seinerzeit in der bürgerlichen Bresse eifrig bestritten. Jebt wird bekannt, daß in den lezten Wochen bei dieser Angelegenheit Beugenbernehmungen vor dem Untersuchungsrichter in Dortmund stattgefunden haben. Der Betriebsführer Rüter ist derselbe, der in den letzten Tagen durch Maßregelung seiner Steiger von sich reden machte. Wegen 40 Bf. 1 Jahr Gefängnis. Für 40 Pf. Holz hatte eine Arbeiterfrau aus einem Keller gestohlen, weil sie tein Stüdchen Holz hatte, um ihrem erst drei Tage alten Kindchen Milch zu fochen. Das Landgericht München hatte für dieses Verbrechen am 21. Oktober eine Gefängnisstrafe von einem Jahre verhängt, obgleich die Frau beteuert hatte, sie sei durch den großen Blutverlust bei der Geburt des Kindes, drei Tage vor der Tat, unzurechnungsfähig gewesen, sie sei sich vor allem infolge ihrer Niedergeschlagenheit nicht bewußt gewesen, daß fie härter bestraft werde, wenn sie einen fremden Keller öffne, um Holz zu erlangen. Die Strafe wurde so hoch bemessen, weil fie rüdfällige Diebin" ist. Die Frau legte Revision ein. Der Reichsanwalt machte geltend, daß hier doch die Frau in einer Notlage gewesen sei, der sie möglicherweise nicht anders abhelfen fonnte, und dann sei ihre Tat nicht strafbar gewesen. Er bes antragte deshalb die Aufhebung des Urteils. Dennoch bestätigte bas Reichsgericht das Urteil! Der Fall zeigt deutlich, daß die Reichsgerichtsrichter in wachsendem Maße noch weltfrember als selbst die Reichsanwälte ( bie Staatsanwälte beim Reichsgericht) werden.-Und für diese Weltfremdheit müssen die Angeklagten büßen. Offizier und Schuhmann. Die furiftifche Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, sweiter bier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abende von 7 bis 9%, br ftatt. Geöffnet 7 1hr zu richten. Die Sof, dritter Eingang, Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 br. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Wertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 3. H. 88. 1400 bis 1900 m. und 360 M. D. S. 10. 1. Untiefe flache Stelle. 2. Ein Lot bis zu 300 Meter Tiefe wiegt 20 Milo, ein Mittellot 7, Kilo, ein Handlot 3 bis 4 Stilo. Charlottenburg. Ja. $. S. 27. Wir müssen es ablehnen, für Sie die Lotterielisten nachzusehen. Friedenshalle 67. Die Anfrage ist an die tönigliche Münze thalerstr. 3 in Charlottenburg, würde Ihnen behilflich sein. Wettende 100. F. D. Litthauerstraße. Herr Apotheker Staller, JoachimErde hat etwa 1 Milliarden Menschen; bielleicht rechnen J. S. 7071. 1. 49 378. 2. 188 278. Sie es sich jezt aus. D. R. 3. Die Meldung ist an das Bezirkskommando Berlin zu richten. W. H., Reichenberger Straße. Die fönigl. Charité, Luisenstr. 8. Sprechzeit 10-11 Uhr. 3. K. 200. Ihre Anfrage läßt nicht ersehen, welche Anstalt Sie meinen. Vielleicht richten Sie Ihre anfrage deutlicher an unser Magdeburger Parteiblatt. Albert Seeger, Nixdorf. Melden Sie sich zur Aufnahme in Nigdorf, Nedarstraße 4. A. R. 27. Außerdem Artilleriedepot und Bezirkskommando. .. 7. Jawohl F. G. 2. Grundfäßlich lehnen wir ab, Geschäftsleute, Anwälte usw. zu empfehlen. Wenden Sie sich an einen dortigen Rechtsanwalt. Der übernimmt die Ueberweisung. D. D. 130. Meteorologisches Institut, Berlin W. 56, Schinfelplay 6. Direktor: Geheimer Regierungsrat Dr. Hellmann. O. B. 99. Nein. J. B. 94. Der 17. Februar K. W. 62. Das Gewicht allein ist Rhederei. Bitten Sie dort um Beschreibung des Schiffes. E. Sch. 49. 1. und 2. Eine Aufwärterin im Haushalt ist nicht trantenversicherungspflichtig, aber invalidenversicherungspflichtig. 3. Versuchen Sie es. nicht entscheidend. Kalt. 103. Norddeutscher Lloyd Bremen ist die Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den 8entral- Markthallen. Marktlage: Fletic: Zufuhr genügend, Geschäft still, Breise unverändert. Bild: Zufuhr mäßig, Geschäft rege, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Ge fchäft etwas lebhaft, Breise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Gefchäft ruhig, Preise angemessen. Butter und Rafe: Geschäft ruhig, Gemüse, Dbft und Südfrüchte: 8ufuhr Breile unverändert. genügend, Geschäft sehr still, Preise gedrückt Bafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewäfferfunde, mitgeteilt som Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tüft am fett 25. 1. 24. 1. cm Bafferstand am feit 25. 1. 24.1. oln cm) 146+8 In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, das Gericht könne den Wahrheitsbeweis, den der Beklagte zu führen gesucht habe, nicht als gelungen ansehen. Bewiesen worden sei nur, daß von Wegen Widerstandes und gefährlicher Körperberlegung ist am verschiedenen Personen, die bei Steinberg Unterricht genommen 11. Februar v. J. vom Landgerichte Hannover der Kaufmann und hatten, manche das Gelernte nicht weiter verwertet haben, weil Beutnant a. D. Kurt v. Bobenhausen im Wiederaufnahmeberfahren ihnen das nicht einträglich genug schien. Es habe sich aber auch au sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, außerdem zu 30 m. ergeben, daß diejenigen, die das Gelernte nicht verwerteten, nicht Geldstrafe wegen Erregung ruheftörenden Lärmes. Am 31. Mai tie nötigen Vorfenntnisse mitgebracht hatten. Bon anderen sei be- 1903 tam er mit einem Major, einem Hauptmann und anderen fundet worden, daß sie aus der Krawattennäherei erhebliche Ein- Herren aus einem Weinrestaurant. Die Herren hatten etwas nahmen hatten. Eine Zeugin habe 18 M. pro Woche verdient, eine über den Durst getrunken und riefen laut Kommandoworte usw. andere die adlige Dame 2,50 M. pro Tag. Nicht bewiesen fei, Ein Schuhmann untersagte dies. Später traf er die Herren wieder, cak pro Tag nur 90 Pf. verdient worden seien, nicht bewiesen die im Parademarsch einherzogen. Es tam zu einem Wortwechsel ferner, daß Steinberg auch noch den Lohn gekürzt habe. Zu der und B. wurde schließlich berhaftet, weil er sich nicht legitimieren Behauptung, daß Schülerinnen Steinbergs nach Beendigung der wollte. Nunmehr schlug er mit dem Stode auf den Schußmann G. Lehrzeit keine Arbeit bekommen haben, sei von einigen Beuginnen les. Als diesem sein Kollege M. zu Hilfe tam, schlug B. noch befundet worden, daß in großen Fabriken erklärt worden sei, wer ärger. Die Polizisten mußten schließlich blant ziehen und sich Fei Steinberg gelernt habe, dem gebe man teine Arbeit. Es sei wehren. B. erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Auf der aber nicht belviesen, daß Steinberg hiervon gewußt und dessen- Wache leistete er später ebenfalls Widerstand. Das Gericht hat an ungeachtet den Schülerinnen Zusicherungen gemacht habe. Stamm- erkannt, daß der Leutnant v. B. als geistig minderwertig anzusehen gaft auf dem Gewerbegericht sei Steinberg zu der Zeit, wo der fei, hat aber doch angenommen, daß er sich der Rechtswidrigkeit Vorwärts"-Artifel veröffentlicht wurde, nicht gewesen. Früher feiner Handlungsweise bewußt gewesen sei. Die Revision des habe er dort eine größere Bahl Progeffe gehabt, doch lasse sich hieraus Angeklagten wurde heute vom Reichsgericht verworfen. für einen so großen Betrieb, wie den seinigen, nichts folgern. Die In dem Spionageprozeß Herrmann wurde, wie aus Leipzig Angabe, daß auch die Gerichte sich schon mit dem Herrn zu befassen gehabt hätten, fönne nur auf die Beit bezogen werden, in der der telegraphiert wird, der Angeklagte freigesprochen, da der GerichtsArtikel erschien. Da sei es nun erwiesen, daß mehrfach gerichtliche hof nicht die Ueberzeugung gewonnen hat, daß Herrmann Spion Untersuchungen gegen ihn schwebten, aber einen für ihn günstigen der französischen Regierung sei, auch nicht, daß er sich Sachen habe Ausgang hatten. Alle diese Behauptungen feien geeignet gewesen, verschaffen wollen, die im Interesse der Reichssicherheit geheimzu Brundets. Treibeis.ftarkes Treibeis. startes GrundeisSteinberg verächtlich zu machen. Der Schutz des§ 193( Wahr- halten waren. Rauchen Sie Phänomen Cigaretten! Devise: Qualität ist die beste Empfehlung. Garantiert feinste Handarbeit. 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Dresden Barby Magdeburg -76-10 -1905)-14 606)-10 56)-14 1715)-27 Nedar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier 50-16 185)-10 + bedeutet Buchs, Fall. 5) Unterpegel. treiben. Landsberg Köln Auf Grund einer vor der Handelskammer Hannover zwischen Kathreiners Malzkaffee- Fabriken und der Kaffee- Handels- Aktiengesellschaft über die zwischen diesen Firmen bestehenden Differenzen erzielten Verständigung hat Herr Johannes Surmann folgende abgegeben: Erklärung Unter Bezugnahme auf meine gegen die Firma Kathreiners Malzkaffee- Fabriken, G. m. b. H., München, veröffentlichte Broschüre erkläre ich hiermit, daß ich die in derselben gegen die persönliche und geschäftliche Ehrenhaftigkeit des Herrn Kommerzienrat Aust und des Herrn Richard Sichler erhobenen Angriffe als auf einem Irrtum beruhend zurücknehme. Hannover, 20. Januar 1909. Johannes Surmann, Direktor der Kaffee- Handels- Aktiengesellschaft, Bremen. Die Handelskammer Hannover: Werner, Wolpers, Dr. Rode. 885)-8 Eisstand. Berantwortl. Nedakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. " Nr. 22. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 27. Januar 1909. Industrielle Konzentration. Verkehrs- und Gastwirtsgewerbe. Die Ursachen für die erwähnte giffer. Wesentlich trägt dazu der Frachtenmangel bei, der bewirkte, Erscheinung mögen mannigfacher Art sein. Die Geschäfts- daß Ende 1908 in den britischen Häfen Schiffe mit dem Gesamtgründungen als Nebenerwerb, wobei die Ehefrau oft als Selbst- tonnengehalt von 11%, Millionen still lagen. Auch die französischen ständige im Hauptberuf auftritt, Filialgründungen und vor allem: Wersten haben 1908 nur wenig Aufträge gehabt, während eine starke Veränderung des Charakters vieler als selbständig ge- es in der amerikanischen und der deutschen Schiffsbauinduſtrie nicht ganz so schlimm bestellt war. In den übrigen Ländern zählter Betriebe tragen dazu bei. Manche selbständige Handels- war die Industrie etwa in demselben Maße beschäftigt wie im Vors gewerbebetriebe find eigentlich nur Verkaufsstellen großer Unter- jahre. Auch das neue Jahr hat bisher feine Besserung in England nehmen oder von Fabrikationsbetrieben; viele Gastwirte sind gebracht. Von den 418 im Bau befindlichen Schiffen mit zusammen taum noch mehr als Zapfer, die zu bestimmten Bedingungen das 983 791 Tonnen Gehalt waren dabei noch 58 Kriegsschiffe Bier der Brauerei ausschenken, die die Wirtshäuser hypothefarisch( 219 271 Tonnen), und die meisten der Schiffe waren schon nahezu beliehen haben. Eine große Zahl Betriebe des Bekleidungs- fertig. Auch die außerbritischen Aufträge für britische Werften waren gewerbes stellt anders nichts dar als ein Affordarbeitertum für gering und gehen immer mehr zurück. Jam: ar dieses Jahres waren einer Reihe anderer Gewerbe, so daß die Zählungsergebnisse gar betrug. Günstig wirkt dabei noch der Umstand mit, daß eine Reihe große Konfektionsgeschäfte. Und so liegen die Verhältnisse in noch nur 23 Proz. aller im Bau begriffenen Fahrzeuge fremde Aufträge, während Januar vor einem Jahre der entsprechende Wert 38 Proz. nicht sagen, was die Entwickelung neues geschaffen hat. Daß die kleinerer Seemächte größere Aufträge nach Großbritannien gegeben Konzentration in den Gewerben, die von der erwähnten Um- haben. Eine Besserung der Lage ist nach Meinung des Engineering" bildung weniger betroffen sind, schon viel weitere und schnellere gar nicht abzusehen. Fortschritte gemacht hat, als die Entwickelungslinie für alle Gewerbe anzeigt, illustriert die folgende Aufmachung, die nur die Waren produzierenden Gewerbe umfaßt. Für diese ergeben fich folgende prozentuale Anteile: In einem Artikel über Modernität im Kampf" in den Sozialistischen Monatsheften" hält Genosse Bernstein den Margisten unter anderem folgende Standrede: Man hat das jetzt wieder gesehen, als die ersten Ergebnisse der Betriebs- und Gewerbezählung vom Juni 1907 bekannt wurden. Nicht danach wurden sie untersucht, was sie uns über die Entwickelung der Betriebe etwa Neues sagen, sondern einfach danach, ob sie das Schema der Marrschen Lehre von der Konzentration der Betriebe bestätigen. Dabei wurde dann natürlich wieder übersehen, daß dies Schema so wenig die Ehre hat bon Marr herzustammen wie etwa das Einmaleins, und daß, wer die bloße Tatsache, daß wieder Konzentration stattgefunden hat, als einen Beweis für die Marrsche Theorie ausruft, sich auf die felbe geistige Höhe stellt wie jemand, der den Saz 6 mal 6 36 als Beweis für die Richtigkeit irgendeiner Zahlentheorie ausgibt. Und zweitens wurde übersehen, daß, was im speziellen als Marrsche Konzentrationstheorie ausgegeben zu werden pflegt, der Satz vom Verschwinden der Klein- und Mittelbetriebe, durch jene Ergebnisse gerade nicht bestätigt worden ist. Sie zeigen nämlich, daß lediglich die Zwerg- resp. Alleinbetriebe zurüdgehen, die Klein- und Mittelbetriebe aber immer noch beträchtlich Alleinbetriebe zunehmen. In Preußen z. B. haben von 1895 auf 1907 die Kleinund Mittelbetriebe in Handel und Gewerbe, sowohl als solche wie nach der Zahl der in ihnen beschäftigten Personen, immer noch stärker zugenommen als die Bevölkerung. Die Zuwachsrate der Bevölkerung war 19 Proz., die des Personals der Betriebe mit 2 bis 5 Personen dagegen 24,5 Proz., des Personals der Betriebe mit 6 bis 10 Personen 33 Proz. und die des Personals der Betriebe mit 11 bis 50 Personen 61 Proz. Alles in allem absorbierten die Betriebe mit unter 50 Personen fast genau die Hälfte des ganzen Zuwachses der Beschäftigten. Das illustriert die Zähigkeit der Klein- und Mittelbetriebe als soziale Gruppen aufgefaßt." Wir wissen nicht, gegen wen die Polemik sich richtet; das aber fönnen wir sagen: uns ist kein Urteil von radikaler Seite bekannt, das so abschließend Folgerungen gezogen hätte aus den vorläufigen Zählergebniffen, als das vorstehende. Die Jronie will es, daß die schärfste Betonung der Konzentrationsbewegung in diesem Falle bon revisionistischer Seite erfolgt ist. Doch das nur nebenbei. Das wichtigste ist, daß es sich bei den bekanntgegebenen Zählergebnissen nur um Betriebe, nicht um Unternehmungen handelt. Das weiß allerdings auch der Genosse Bernstein; er schreibt: .. auch ist nicht zu übersehen, daß ein erheblicher Bro. Prozentsatz der gezählten Betriebe nur Teile größerer Unternehmungen sind. Wie sich das Verhältnis der Personenzahl und Betriebe zu Ben Unternehmungen gestaltet hat, das tann Genoffe Bernstein noch nicht übersehen, aber fertig hat er dieses Urteil: „ Aber all das selbst berücksichtigt sieht das Gesamtbild der Betriebsentwidelung doch erheblich anders aus als jenes, das Marg im Stapital" als Schema der geschichtlichen Tendenz der tapitalistischen Akkumulation aufgestellt hat." e 1895 15,6 Betriebe mit 2 Person. 8.4 1907 9,1 7,4 m. 3-5 " " P 14,8 45,9 62,1 11,8 34,9 52,9 6-10 " " 7,1 " 6,6 11-50 17 " 16,2 " 18,0 51-100 " " " 8,4 9,8 101-200 " " " 7 8,0 9,6 201-500 " " 17 8,7 501-1000 " IF " 5,51 " 12,921,5 5,33} 12,8 87,9 10,5 " 17 47,1 27,7 17.2) 27; 6,41 über 1000 10,8 Obwohl auch hier noch ein großer Teil der nur nominellen selbständigen Betriebe eingeschlossen ist, hat sich der Anteil der Kleinbetriebe an der Gesamtzahl der gewerblich Tätigen auf fast ein Drittel reduziert, und der Anteil der Großbetriebe ist auf nahe die Hälfte hinaufgegangen. Noch ganz andere Verhältniffe werden sich ergeben, wenn eingehende Angaben über das Verhältnis zwischen Unternehmen und Personenanteil vorliegen. Welche Kurve z. B. die Entwickelung in der Montanindustrie genommen hat, illustrieren die folgenden Ziffern, die wir nach Angaben im Jahrbuch für den Oberbergamtsbezirk Dortmund er mitteln. Im Stohlenbergbau des Oberbegamtsbezirks Dortmund entfielen auf einen Betrieb im Durchschnitt Personen: 10 " " in der vorigen Nummer des Vorwärts" hat der Druckfehlerteufel Druckfehler- Berichtigung. In der Notiz Industrielle Ungetüme" mit Erfolg gehaust. So hat er sinnverwirrend aus" PS"( Pferdes stärken) Perionen" gemacht. Es muß nämlich heißen: In die Kohlenproduktion des lezten Jahres teilen sich 161 Werke, die 6293 Maschinen mit 894 998 PS" anstatt mit 894 998 Perfonen". Und weiter:" Jm Jahre 1851 verfügte der Ruhrberg bau über 142 Dampfmaschinen mit insgesamt 9845 PS" anstatt mit 9845 Personen". Soziales. Müssen Barbier- und Friseur- Polizeiverordnungen ausgehängt werden? Eine im Gesundheitsinteresse des Publikums erlaffene Polizei. berordnung vom 8. Oktober 1904, betreffend den Geschäftsbetrieb der Barbiere und Friseure, bestimmt unter anderem auch, daß in jedem Barbiergeschäft ein Abdrud der Verordnung auszuhängen hat. Der Barbier Hochstätten zu Bochum hatte einen solchen Aushang unterlassen und war deshalb angeflagt worden. Das Landgericht sprach ihn wegen üngültigkeit der fraglichen Bestimmung frei. wies darauf, daß das Kammergericht fchon folche Vorschriften für Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Sie vers gültig erachtet habe, wonach in Gast- und Schankwirtschaften Abdrucke von Polizeivorschriften, Trunkenbolde betreffend, auszuhängen feien. bei dem Das Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Irgend ein Zusammenhang zwischen den Eruntenboldverordnungen und der Friseurverordnung bestehe nicht. Die Staatsanwaltschaft übersehe, daß die Aushangsvorschrift der Trunkenboldsverordnungen eine befondere Stüße finden im§ 6d des PolizeiverwaltungsGesezes, wonach zu den Gegenständen polizeilicher Vor schriften Ordnung und Gefeßlichkeit öffentlichen Busammensein einer größeren Anzahl von Personen gehöre. Danach hätte die Polizei innerhalb gewiffer Grenzen die Berechtigung, ihre Meinung auch in den Gastlokalen äußerlich fundzugeben. Daß des aller Art anzuschlagen, was ihr beliebe, das müffe verneint werden. halb aber die Polizei das Recht haben sollte, in Geschäftslokalen Denn sonst könnte sie ja selbständig den Aushang aller möglichen gesetzlichen Bestimmungen, die einen Nutzen für das Publikum haben, beſtimmen. Das gehe nicht. Es frage sich, ob die hier ftrittige Vorschrift der Friseurverordnung fich im Rahmen des§ 10 II 17 gemeinen Landrechts halte, das heißt, ob der geforderte Aushang der Abwendung von bevorstehenden Gefahren diene. Das sei nicht der Fall. Zuzugeben fei allerdings, daß nachlässige Barbiera lehrlinge und Barbiere fauberer fein würden, wenn sie die Verda, die Barbierlehrlinge zu erziehen oder die Barbiergäste zu be wegen, mehr auf sich zu halten. Wenn die Polizei sine weitere Verbreitung ihrer Vorschriften wünsche, dann möge fie sie in ihren Blättern veröffentlichen, nicht aber die Wände des Geschäftslokales in Anspruch nehmen. Die angewendete Bestimmung sei vom Landgericht mit Recht für ungültig erachtet worden. 1800 1850 1860 1870 1880 1890 1900 1906 1907 64 104 233 400 722 1354 1600 1889 In seinem Buche„ Die gemischten Werke in Deutschland" weist G. Hehmann schon nach, daß in Deutschland die durchschnittlich auf einen Betrieb entfallende Arbeitzahl gestiegen ist: im Bergbau von rund 8 im Jahre 1848 auf 76 im Jahre 1900, in der Roheisenerzeugung von 106 im Jahre 1869 auf 322 im Jahre 1900 und in der Flußzeisenherstellung von 380 im Jahre 1880 auf 659 im Jahre 1900. Das erwähnte Jahrbuch gibt für Deutschland Die fortschreitende Konzentration läßt sich nicht leugnen, da einschließlich Luxemburg noch folgende Angaben: Die durch muß denn ein konstruiertes Schema herhalten, das vermöbelt werden schnittliche Arbeiterzahl der Hochofenwerke in Deutschland stieg tann. Und das allein genügt nicht! Die Alleinbetriebe haben von 358 im Jahre 1903 auf 401 im Jahre 1906, und für dieselbe beträchtlich abgenommen, teilweise durch Aufstieg in die Gruppen Beit ergibt sich eine Steigerung der Beschäftigten der Flußeisenmit zwei und drei bis fünf Personen. Diese Gruppen erhielten werte von 652 auf 801. Diese Zahlen demonstrieren zweifellos dadurch wieder etwas Zuwachs. Bernstein läßt die Alleinbetriebe eine starke Konzentrationsbewegung, obwohl auch sie gar nicht die einfach verschwinden und es wird ihm möglich, zu konstatieren: Affumulation durch Betriebsvereinigung erkennen lassen. die Klein- und Mittelbetriebe zeigen eine zähe Widerstandskraft! In welch riesenhafter Weise einzelne Unternehmen gewachsen Wenn diese Methode wissenschaftlich ist, dann aber auch trügerisch sind, dafür noch folgende Angaben. Es erhöhte sich für die nach- ordnung immer vor Augen hätten. Die Polizei sei aber nicht dazu Berdunkelt wird das Bild durch die von Bernstein gewählte benannten Unternehmen in der angegebenen Zeit die Zahl der Berechnungsweise. Um zu zeigen, daß schon allein die Zählung, durchschnittlich beschäftigten Arbeitskräfte: Arenberg 1860-1907 ohne Rücksicht auf das Verhältnis der Betriebe zu der Zahl der von 61 auf 6297, Konkordia 1892-1907 von 2191 auf 5586, SonUnternehmungen, eine recht träftige Konzentrationsbewegung fest- solidation 1865-1905 von 131 auf 6000, Deutscher Kaiser 1872 stellen läßt, machen wir die folgenden Zusammenstellungen. Es bis 1907 von 51 auf 10 697, Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft wurden gezählt: Allein betriebe I Betriebe Betriebe mit mehr mit mehr als 10 als 1000 Perionen Personen 54 597 191 87 114 371 180 1895 1907 • 1 029 954 955 707 + Betriebe Betriebe mit 2-10 I u. II Berfonen zusammen II 658 785 1 688 739 852 676 1808 383 193.891 119 644 + + 29,4 7,1 32 517 57,7 +94,2 Bunahme- abj.- 74247 Abnahme- fi.Proz. 7,4 Die Gruppen mit dem stärksten Personal zeigen die größte zu nahme. Das ergibt sich auch bei Berücksichtigung des Personals, wie diese Aufstellung dartut: Zahl der Personen in Betrieben mit Perſonen 1-50 1895 1-10 3144 117 4 058 904 über 10 über 1000 2731 966 338 585 710 253 371-668 109,8 4 706 387 1974 421 72,3 1907 3 626 525 5 103 107 Bunahme+ abi. 482 408 1044 203 in Proz. 15,3 25,7 Da die Zunahme der Bevölkerung 19 Proz. und die der gewerblich Tätigen 42.3 Bros. ausmacht, ist die Personalvermehrung in den Kleinbetrieben sogar ganz beträchtlich hinter der Be= völkerungsvermehrung zurückgeblieben. Zählt man die Klein und Mittelbetriebe zusammen, ergibt sich für sie wohl ein etwas stärteres Wachstum als bei der Bevölkerung, aber, worauf es an. tommt: sie sind mit ihrer Personalvermehrung ganz enorm hinter der Zunahme der gewerblich Tätigen zurüdgeblieben. Das tritt noch deutlicher in Erscheinung durch die folgende Tabelle, die den prozentualen Anteil der einzelnen Gruppen an der Gesamtpersonenzahl darstellt. Von dieser entfallen in Prozent auf: 1895 175 Alleinbetriebe Betriebe mit 2 Person. 10,4 3-5 6-10 11-50 1907 11,5 TEE " 17 51-100 101-200 201-500 501-1000 über 1000. 15,6 53,5 17,5 69,1 8,1 10,5 14,0 7,6 43,6 61,3 17,7 8,4 8,1 30,9 8,6 5,11 7,0 6,6 7,1 4,41 5,8 10,2 17,3 8,18,6 38,7 22,2 1894-1905 bon 10 892 auf 30 043, Gute- Hoffnungs- Hütte 1899 bis 1907 von 13 365 auf 21 657, Harpener Bergbau 1893-1907 von 11 262 auf 19 275, Hibernia 1899-1907 von 10 919 auf 19 212, Hösch, Stahlwert 1892-1907 bon 761 auf 4288, Strupp 1873 bis 1907 bon 17 000 auf 64 354, Matthias Stinnes 1891-1907 von 788 auf 3692, Neumühl 1893-1907 von 28 auf 4600, Phönig 1872 bis 1907 von 4312 auf 32 475. Unverkennbar tritt überall ein starker Zug zur Kapitalskonzentration und Betriebszusammenfassung hervor. Und dieser Bug treibt über die individuellen Unternehmen hinaus, vereinigt diese zu Kartellen und Syndikaten, wodurch ein großer Teil ihrer ehemaligen Selbständigkeit verloren geht. Jedenfalls: Wenn von einem voreiligen schematischen Urteil gesprochen werden kann, dann von dem, das der Genosse Bernstein fich zur Belehrung der Radikalen glaubte gestatten zu müssen. Aus Induftrie und Handel. Patriotismus. Eine wider die guten Sitten verstoßende Vertragsbestimmung. Der Kellner K. war beim Hotelbesizer Janke, Neustädtische 25. November beschäftigt. Durch den Vertrag war vorgesehen, daß Kirchstr. 11, als Zimmerteliner vom 5. September bis er von den Trinkgeldeinnahmen täglich 1,50 M., also monatlich 45 M., abgeben muß, und zwar je 10 M. für drei Zimmermädchen und 15 M. für Bruch, das heißt zerbrochenes Geschirr. St. verlangt jetzt den Betrag, den er für Bruch zahlen mußte, zurück, da er in den 50 Tagen seiner Tätigkeit noch nicht für 5 M. Bruch verfchuldet habe. Der Beklagte gab in der gestrigen Sigung der Kaminer 6 des Berliner Gewerbegerichts zu, daß von den Trinkgeldern, die der Kellner vereinnahmt, auch der durch die Zimmermädchen und in der Süche verschuldete Bruch gedeckt werden soll. Tas Gericht erachtete eine darauf hinausgehende Vertragsbestimmung als wider die guten Sitten verstoßend, und deshalb für ungültig. Der Kellner sei nicht als Versicherungsanstalt zu betrachten und könne nicht für durch andere Personen verschuldeten Bruch erfaßpflichtig gemacht werden. Ein Ve trag von 5 M. für Bruch würde allermeist genug und als angemessen zu betrachten sein. Der Beklagte wurde deshalb verurteilt, an den Stläger 28,80 M. Ju zahlen. Zum Kölner Aerztestreit, Kürzlich machten wir auf den Chauvinismus der Hamburger der zum 1. Februar bevorsteht, berichtete Krankenkassenrendant Nachrichten" aufmerksam, die mit dem Kohlenboykott im Striegsfalle Stüpper, daß im Gegensatz zum Aerztestreit vor fünf Jahren der drohte, wenn die Neichsmarineverwaltung englische Kohle faufe. Aerzteverein die Kölner Krankenkassen gerüstet finden werde. Mit Stürzlich lasen wir in dem Blatte folgendes: einer Anzahl von Aerzten, die über das von der Regierung geWie fremd der deutsche Reeder im allgemeinen dem forderte Quantum hinausgehe, habe der Krankenkassenverband feste nationalen Chauvinismus gegenübersteht, zeigt das Verhalten Berträge abgefchlofien. Diese feien von der Regierung gutder Firma Sartori u. Berger in Kiel, die für die Zwecke geheizen worden. Die außer den aus dem Kölner Aerzteverein der Kohlenversorgung der Kaiserlichen Marine englische Trampdampfer ausgetretenen nach Köln engagierten Aerzte hätten in den vergechartert hat. Wenn man die sonstige Geschäftslage der deutschen schiedenen Stadtgebieten Wohnung genommen und beginnen mit Ditfee- Reederei in Betracht zieht, so möchte man aber auch in diesem dem 1. Februar an Stelle der jezigen Mitglieder des Leipziger Falle einige Erziehung zu nationalem Selbstbewußtsein fordern." Verbandes ihre Tätigkeit. Damit habe dann die für die KrankenZu verwundern wird es nicht sein, wenn nächstens nur noch faffen so verhängnisvolle sogenannte freie Arzuwwahl ihr Ende teutsche Trampdampfer teutsche Stohle transportieren. Wie die hohen erreicht und die Kölner Stassen sehen einer besseren Zukunft Cliquen pfeifen, so muß ja der Staat tanzen. Merkwürdig oder entgegen. auch nicht: der Patriotismus unserer Staatsstüßen hat seinen Siz doch immer im Portemonnaie. Lage verschlechtert. Bedeutet der Verlust eines Auges dauernde Erwerbsbeschränkung Die Berufsgenossenschaften, diese durch Arbeiterversicherungsgesetz gefchaffene Organisation der Unternehmer, find unermüdlich bestrebt, In ihrem legten Situationsbericht über die Eifenindustrie zeichnet die Entschädigungspflicht der Unternehmer gegenüber den verlegten die Rh.- Westf. Rtg." die Lage wieder düsterer. Die im Dezember Arbeitern zu mindern oder gar aufzuheben. Bislang ist der Verlust einfegende lebhaftere Staufluft habe nicht standgebalten, sondern eines Auges immer als eine erhebliche Erwerbsbeschränkung an wieder einer allgemeinen Zurücbaltung Blaz gemacht. Ueber den gesehen worden, die dem verlegten Arbeiter einen dauernden Hier kommt der Rückgang der Klein- und Mittelbetriebe, und Quartalsbedarf hinaus bestehe im allgemeinen feine Deckungs- Anspruch auf Unfallrente verleiht. Mit diesem Grundsay wollte die die fortschreitende Aufsaugung der Zuströmenden durch Groß- neigung. Die Beschäftigung sei weiter ungenügend und auf eine Steinbruchsberufsgenossenschaft brechen. Der Bildhauer V. in Frankbetriebe, ganz unverkennbar in Erscheinung. Aber wer das tut, durchgreifende Besserung bestehe in industriellen Streifen noch keine furt a. M., der seit dem Jahre 1890 für den völligen Verlust des rechten was Bernstein verurteilt und nicht unterläßt nämlich Hoffnung. Befonders unangenehm mache sich der schleppende Ein- Auges von der genannten Berufsgenossenschaft eine Rente von 33% Proz. übersieht, was von der Entwickelung neues zu sagen ist, wer sich gang von Spezifikationen bemerkbar. bezog, sollte sich nach Ansicht der Berufsgenossenschaft in den ver fflabisch nur an diese Zahlen hält, nimmt immer noch ein ges floffenen 18 Jahren so sehr an den Verlust des Auges trübtes Bild in sich auf. Ein Blid auf die Zählungsergebnisse Die Krise in der englischen Schiffsbauindustrie erfährt durch die gewöhnt haben, daß er in seiner Erwerbsfäbigkeit nicht mehr bes läßt die auffällige Tatsache erkennen, daß in einzelnen Berufs- iegt veröffentlichte Uebersicht über die Bautätigkeit der britischen ihränkt iei! Dr. Pfalz, Direktor der städtischen Augenheilanstalt in gruppen die Klein- und Mittelbetriebe, relativ und absolut der Schiffswerften im Jahre 1908 eine scharfe Beleuchtung. Danach hat Tüffeldorf, hatte die Berufsgenossenschaft in ihrem Bestreben unterdiese Industrie feit langer Zeit feine derartig schlechten Zeiten durchſtügt. Sein Gutachten ging dahin, daß der Verlust eines Auges Zahl und dem Personal nach, eine ganz bedeutende Zunahme er- gemacht wie jetzt. Die Jahreserzeugung von 1077 200 Tonnen an nur folange eine Erwerbsbeschränkung bedinge, bis sich das erfahren haben. Es sind das die nichtproduzierenden Gewerbe. Schiffen bleibt hinter dem Vorjahre um 42 Proz. zurüd. Seit haltene Auge( oder beffer, der Verletzte) an die veränderten VerhältDarunter fallen: tünstlerische Gewerbe, Handels, Versicherungs, 20 Jahren unterschritt nur das Jahr 1883 mit 900 000 Zonnen diese niffe gewöhnt habe. Diefe Gewöhnung sollte bei dem Bildhauer V. " Die Organisationen, die sich während des Generalftreiks ge- tischer Lehre hat sie flar erkennen lassen, durch welche Maßnahmen bildet, wurden weiter entwickelt und zahlreiche neue ins Leben Wandel zu schaffen sei. Und daß sie das wissen, das haben sie gerufen. Man begann sofort fich auf einen neuen Generalstreit sowohl von der Rednertribine aus, wie auch in den Spezialausborzubereiten für den Fall eines ungünstigen Wahlgesetzes. Im schüssen fundgetan. Die Bürgerlichen müssen sich ehrlich sagen, ganzen Lande wurden Versammlungen abgehalten und Resolutionen daß die sozialdemokratischen Frauen ihnen nicht weniger gefürchtete auf Verfassungsänderung im demokratischen Sinne gefaßt. Sehr Gegner find, als die männlichen Abgeordneten dieser Partei. lebhaft betätigten sich dabei die proletarischen Frauen. Sie gründeten eigene Organisationen, um die Agitation unter den Arbeiterinnen erfolgreicher führen zu können. Diese Organisationen waren Parteigebilde und standen mit der Zentralleitung durch Vertrauenspersonen in Verbindung. nach 18 Jahren eingetreten fein. Die Steinbruchs- Berufs-| Schulen, Auditorien, Laboratorien usw. Ternten die Männer, dies Die Arbeiterinnen verlangten nicht, daß unbedingt Frauen genoffenschaft stellte deshalb bei dem Schiedsgericht für Fähigkeiten der Frauen als ebenbürtig kennen. Es ist ja sehr be- gewählt werden sollten. Man fand es als natürlich, daß man in Arbeiterversicherung zu Koblenz den Antrag, dem V. greiflich, daß die Frau in solcher Lage viel eher dazu fam, ihre erster Linie nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Fähigkeit sah. die Rente zu entziehen. Das Schiedsgericht politischen und bürgerlichen Rechte den Männern gleichgestellt au 1907 wurden 9 Genofsinnen, 1908 13 Genofsinnen gewählt, bei insgab auch sonderbarerweise dem Verlangen sehen. Und auch das ist ganz natürlich, daß die bürgerliche Frau gesamt 83 sozialdemokratischen Abgeordneten. Mit den bürgerlichen Der Berufsgenossenschaft nach. Es begründete die Ent- nicht um eine Erweiterung der Rechte im demokratischen Sinne Frauen zusammen ist die Zahl der weiblichen Abgeordneten 25 ziehung der Nente damit, daß der Verletzte das Tiefenschägungs- rang, sondern hauptsächlich um die Gleichstellung mit dem Manne unter 200. Wenn die Gegner des gleichen Rechts für die Frau damit bermögen wiedergewonnen, in seinen Arbeiten absolut nicht behindert ihrer Klasse. Anders natürlich die proletarische Frau. fei und den gleichen Lohn erzielen könne faktisch auch erziele- Die vermögensrechtlichen Vorteile einer Gleichstellung mit argumentierten, daß möglicherweise ungebildete" Wäscherinnen twie unverletzte Arbeiter. dem Manne sind gewiß erstrebensiverte Dinge, aber für die und Fabritarbeiterinnen ins Parlament fämen, die der gesetzDieser Standpunkt hat die Billigung des Reichsproletarische Frau sind sie ebenso belanglos, wie die persönlichen geberischen Arbeit doch nur hinderlich sein würden, so hatten sie Es verurteilte die Rechte zur Advokatur, zum Staatsdienst, Richteramt usw. insofern recht, als die Arbeiterinnen wirklich nur ganz mäßige bersicherungsamts nicht gefunden. Berufsgenossenschaft zur Weiterzahlung einer Rente bon In dem revolutionären Generalstreif 1905, als der Ver- Schulbildung haben genießen können. Das ist der Bourgeoisie aufs 25 Pro. Aus den Gründen seien die wesentlichsten Säze wieder- fassungstampf durch die indirekte Hilfe der russischen Revolution Konto zu schreiben. Aber wenn man glaubte, daß die Arbeiter gegeben: Die Gründe des Schiedsgerichts sind aber nicht über in ein günstiges Stadium gehoben war, erkämpfte das Proletariat wirklich ihrer Aufgabe nicht gewachsene Frauen in die Volksvertretung senden würden, haben sie sich sehr geirrt. Unsere Gezeugend. Eine unabhängig von der Verlegung oder dem völligen sich das allgemeine Wahlrecht. Verlust eines Auges eintretende spätere Beschädigung des gefunden Der Generalftreik entriß dem Zaren das Zugeftändnis zur nosfinnen haben in den Organisationen eine praktische Schule Auges fönnte nicht dazu führen, dem Berlegten, dessen Rente für Einberufung des Ständelandtages und der Verfassungsänderung durchgemacht. Mit Hingebung wirkten sie in allen Stellungen für das zuerst verlegte Auge wegen Nichtmehrvorliegens von Unfall- im Sinne des allgemeinen Wahlrechts, aber damit war noch nichts die Arbeiterfache. Das alltägliche Leben mit seinen Nöten und folgen einmal aufgehoben worden ist, für dieses Auge erneut wieder Positives erreicht. Es galt auf die Ständevertretung ebenso einen dem Elend ist ihnen kein Geheimnis, sondern eine durch und durch bekannte Erscheinung. Die allgemeine Parteipragis nebst theore eine Rente zuzubilligen. Denn es würde der ursächliche Zus Druck auszuüben, wie auf den Zaren im November 1905. fammenhang zwischen der Beschädigung des zweiten Auges und dem auf das erste Auge beschränkten Unfall fehlen Es tann daher, da der Verletzte die Sehkraft auf dem rechten Auge infolge der unheilbaren Netzhautablösung unabänderlich verloren hat, bon einer völligen Aufhebung der Rente feine Rede sein; auch wenn er inzwischen sich zum Steinbildhauer ausgebildet hat Die parlamentarische Arbeit teilt sich auf Männer und Frauen und mehr verdient als früher als Steinmez. Eine absolute Ausgleichung der Erblindung des Auges gibt es nicht. Die relative in gleicher Weise. Die Frauen sind ebenso in die Kommissionen ist auch keine vollkommene. Dr. Pfalz, welcher geltend macht, daß gewählt wie die Männer. Und sie arbeiten dort ebenso gewissender Verlegte fich ein ganz vorzügliches Tiefenschäßungsvermögen mit haft, wie ihre männlichen Genossen. Die theoretische Spezialbildung ist bei vielen Männern gewiß in manchen Fragen tiefer dem unverlegten Auge erworben habe, gibt andererseits selbst zu, daß nur ganz minimale Fehler dem erfahrenen Untersucher den ein- Als der Ständelandtag in Helsingfors zusammentrat, sandten und umfassender, jedoch nicht bei allen. In manchen, namentlich äugigen Charakter anzeigen. Daß er fie als ganz minimale" be auch die Arbeiterorganisationen ihre Delegierten dorthin, um mit die Frauenarbeit, Frauen und Kinderschutz, Erziehung usw. bes zeichnet, ist unerheblich; die Hauptsache ist, daß er Fehler als vor den dortigen Arbeitern gemeinsam den Ständevertretern den Volks- treffenden Gebieten finden sich die Frauen meist beffer aus. Nach dem Vorausgeschickten ist es selbstverständlich, daß die handen anerkennen muß. Von einer Gleichwertigkeit des Tiefen- willen einzuprägen. Imposante Versammlungen und Demonschäßungsvermögens des Verletzten mit dem Tiefenfchäßungs- ftrationen wurden auf den öffentlichen Bläben abgehalten, während Vertreterinnen der Arbeiterschaft mit den bürgerlichen Frauen auch vermögen mit zwei Augen auch nur im Sinne praktischer Gleich das Ständehaus von einer zahllosen Volksmenge förmlich belagert im Parlament hart zusammenstoßen. Nicht das Geschlecht, sondern wertigkeit kann daher ohne Verstoß gegen die Folgerichtigkeit nicht wurde. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht Stlaffeninteressen sind bestimmend. So z. B. find die bürgerlichen gesprochen werden. Bei dem Verluft eines Auges ist eben von für beide Geschlechter, Einfammerparlament und Proporzwahlen Frauen entschiedene Gegnerinnen fommunaler Erziehungsheime für arme und schußlose Kinder, wie auch einer staatlichen Mutterbornherein und dauernd mit einer gewiffen unabänderlichen wurden gefordert. Beeinträchtigung in der Erwerbsfähigkeit zu rechnen. Es braucht Lange Zeit schien es zweifelhaft, ob, oder in welcher Form die schaftsversicherung. Als die Vertreterinnen der Sozialdemokratie im vorliegenden Falle nur darauf hingewiefen zu werden, Frau das Wahlrecht erhalten werde. Gegen das gleiche Wahl- diesbezügliche Projekte einbrachten, wurden diese von den bürgerdaß der Verlegte auch jetzt nur in handwerksmäßiger recht wurde viel agitiert. Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen lichen Damen bekämpft! Die eigentliche Arbeit der proletarischen Frauen des AbgeordTätigkeit sich befindet; er kann seine Beschäftigung als Stein- machten jest förmlich dafür Propaganda, die Frau soll nicht zu Bildhauer jederzeit wieder verlieren und genötigt sein, wieber bie! verlangen! Es wäre genug und für die Frau jogar netenhauses besteht nach wie vor in der Oraanisierung und Auf als Steinmetz oder anderweit zu arbeiten. Er ist auf dem wünschenswert, wenn sie nur das attive Wahlrecht erhalte. flärung der Massen. allgemeinen Arbeitsmarkt durch den Verlust der Seh- Beitweilig schien sogar im sozialdemokratischen Lager der Gedanke Leseabend am 28. Januar. fraft auf dem Auge dauernd beeinträchtigt. Allerdings ist, aufgekommen zu sein, daß es sich nicht lohne, wegen Kürzung des da ein gewisser Ausgleich durch Uebung und Gewöhnung eingetreten Frauenstimmrechts den Generalstreif in Anwendung zu bringen. Steglis: bei Wahrendorf. Schloßstr. 117. ist und für den Verletzten als früheren Steinmez nur die Eigen- Dem traten die Frauen entgegen. Sie erklärten, eventuell ohne schaft eines gewöhnlichen Arbeiters in Betracht kommt, für diese die proletarischen Männer den Generalstreit zu erklären und ihn auch hierdurch bedingte. Beschränkung der allgemeinen Erwerbsfähigkeit gegen die Männer der eigenen. Klasse au richten. Es ist sehr wahr. jegt eine Teilrente von 25 Proz. ausreichend." fcheinlich, daß dieser mutige Beschluß nicht nur die Bevölkerung überhaupt, sondern auch die Genoffen antreibend beeinflußte und das Proletariat zu energischem Vorgehen veranlaßte. Aus der Frauenbewegung. Frauenstimmrecht und weibliche parlamentarische Tätigkeit in Finnland. Witterungsübersicht vom 26. Januar 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Der Ständelandtag mußte gefügig werden. Die Nachwehen des Generalstreits wirkten noch fort und die Kraft des Prole tariats war im Anwachsen. Die„ Rote Garde", eine Schöpfung des Generalftreiks, verdichtete ihre Reihen, die gelegentlichen Auf- Swinembe. 776 züge und Marschübungen der rot bemüßten Männer- und Frauen- pamburg reihen hielten bei der Bourgeoisie das Bewußtsein wach, daß die Arbeiterschaft ihrer Stimme gewaltsam Gehör verschaffen könnte. Franti.a M. München Und der Bar war mit seinen Ratgebern auch der Meinung, daß es Wien das beste sei, das neue Wahlgefeß schnell zu fanttionieren. In Finnland ist die öffentliche Tätigkeit der Frau ziemlich ausgedehnt. Die Frau als billigere Arbeiterin hat ihren männTichen Kollegen nicht nur in Handelsgeschäften, sondern auch in Banten, Bureaus aller Art Konkurrenz gemacht. Da in vielen Mittelschulen der Unterricht für beide Geschlechter gemeinsam erteilt wird und das Studium an der Universität, im Polytechni fum und allen anderen höheren Bildungsanstalten auch den Frauen ungehindert zugänglich ist, hat die Frau in den meisten liberalen, Berufen Fuß gefaßt. In den Geschäften, Bureaus, befanden. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 27. Januar. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Iphigente in Aulis.( Aufang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Duizows. Die Deutsches. Revolution in Strähwinkel. Kammerspiele. Der Graf von Gleichen.( Anfang 8 Uhr.) Lessing- Theater. Mittwoch 8 Uhr: Der König. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Freitag 8 Uhr: Nora. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau. Berliner Theater. Heute 72 Uhr: Der Bogen des Philoktet. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Schauspielhaus. Spigente Theater des Westens. auf Tauris. Berliner. Der Bogen des Philoftet. Anfang 8 Uhr. Neues. Die fremde Frau. Leffing. Der König. Kleines. Moral. Komische Oper. Baza. Sebbel. Der Liebhaber. Lustspielhaus. Die glüdlichste Beit. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Wallner beater.) Das Kleine Heim. Schlle Charlottenburg. Romteffe Guderl. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Sonnabend nachmittag 4 Uhr feine Preise: Dornröschen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Berlin WindBumpa Windstärke Wetter 1 heiter 776 DSD 3 bederft 1 Nebel 2 heiter 776D Temp. n. E. 5° C. 4° R. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. E 15°.409. 2 beiter -14 1 Schnee 9? 772 772 S 772 NND 3 woltig 5 1 halb bd. 3 2 wollent- 6 -6 Havaranda 774 N. -5 Betersburg 771 ND -6 Scilly -6 berdeen 8 wolkenl-12 Baris bebedt-13 774 N 774 NO 777 Stil Nun ging es in den Wahlkampf. Die Frauen aller Klassen Wetterprognose für Mittwoch, den 27. Januar 1909. beteiligten fich daran. Es tam vor, daß ganze Familien, Vater, Teilweise nebelig, sonst meist heiter und troden bei normalen Winden Mutter und die erwachsenen Kinder, sich auf Agitationstouren aus teftlicher Nichtung, gelinder Frost. Berliner Wetterbureau. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Das kleine Heim. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Komtesse Guckerl. Luftspiel in 3 Aften von Franz bon Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, abends 7: Das sensationelle Programm. Drama in 3 Urt. v. Thaddäus Rittner. Schönthan und Franz Koppel- Eufeld. Das Beste was je gezeigt wurde bleibt: Donnerstag, abends8Uhr: Komtesse Guckerl. Freitag, abends 8 br: Das kleine Heim. Donnerstag, abends8 Uhr: Charleys Tante. Freitag, abends 8 br: Zum erstenmal: Das Erbe. Grand- Hotel- Festsäle Am Alexanderplatz. Täglich B. Jehmlich. Bier- Kabarett. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Sizilien. Mittwoch, 27. Januar, Anf. 8 Uhr: Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Bum 26. Male: Husarenfieber. Donnerstag: Husarenfieber. Freitag: Husarenfieber Friedrich Wilhelmstädt. Qufaren Lustspielhaus. fieber. Westen. Der tapfere Soldat Thalia. Meister Tutti. Luijen. Das Mädchen auf Jrrwegen. Trianon.. Der Satyr. Menes Operetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Roie. Brüderlein fein. Gastspiel Theater. Der Hüttenbefizer. Bürgert. Schauspielhaus. Militärstaat. Der Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Ontel Kafimir. Spezialitäten. Metropol. 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Größter und vornehmster Theater faal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Donnerstag, den 28. Januar 1909: Othello, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Anf. d. Vorst. 8, Staffenöffnung 7 Uhr. Stonzert 7, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Freitag, 29. Januar: Gastspiel der Will. Wolffs Hamburger Sänger. Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10.15, Bier, hell u. dunt. 10 Pf. ca. 50 Zeitungen; 2 Billards Std. 40 f. Zahlstelle der Freien Volksbühne. Passage- Panoptikum. Heute großer Volkstag. Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk!: Geschenke bis zum Werte bon 10 Mark pro Stüd. Alle Schaustellungen, Sehend würdigkeiten, Vorstellungen frei! W.Noacks Theater) Direktion: Rob. Dill. Brunnenitr. 16. Großer Klassiker- Abend. Uriel Acosta. Drama in 5 Aufzügen v. S. Guztom. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend, 30. Jan.: Gr. Extra. vorstellung: Die Blume der Berge oder: Baterfluch und Kindesliebe. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. 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Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger hut, vorgeführt von Lily Kowala. Im Tunnel: Regimentskapelle. Theater besucher hab. freien Eintritt. Sonnabend, 30. San: Eine Ballnacht auf dem Weinbergsweg. Gustav Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3. 1987. Donnerstag, den 28. Januar 1909, abends 8 Uhr: Allgemeine Klempnerverfammlung in den Musiker- Festfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 18m. Tages- Ordnung: 1. Die Ründigung des Tarifs burch die Arbeitgeber." Referent Kollege Cohen. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen notwendig. Behrens- Donnerstag, den 28. Januar 1909, abends 8%, Uhr: Theater. Versammlung Goltzstr. 9. der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Das vollständig neue Karneval Programm! 11. Tanzkränzchen. Der blutige Pantoffel Einakter, Ensembleszenen. Aktuelle Vorträge in Wort und Lied usw. Beg. Somnt. 5, wochent. 8u. Königstadt- Kasino. Holzmartist. 72. Zaglich: Konzert, Theater und 1 Spezialitäten Vorstellung. Auftreten erftflaffiger Kräfte. Franz Sobanski Joe de Diaz. Lola Estrella. Jim und Jam. Chiggi Chigetty. Riesen- Erfolg! Liebfrauenmilch. Operette in 1 Aft. Anf. d. Vorst. 8, Sonntags 6%, Uhr. an der Kirchhofsmaner. „ Harlekin und Puppe" und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 8% Uhr, Sonntags 6 Uhr. Variété- Brillant ( City- Passage) Dresdenerst. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich Intern. Ringkampf- Konkurrenz umden goldenen MeisterBerliner Eis- Palast fdjaftsgürtel von Berlin Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr Konzert und Kunstlaufen. Freitag, 29. Januar, abends 8 Uhr: Großes Karneval- Eisfeft " zum Besten des Vereins Paulinenhaus vom Roten Kreuz für Kranten und Kinderpflege". und Berufsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Straße Nr 45. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Davidsohn über: Heinrich Heine". NB. Die Stollegen, welche noch Fragebogen in Händen haben, werben ersucht, dieselben in der Versammlung abzugeben. Donnerstag, den 28. Januar 1909, abends 8% Uhr: Branchen- Versammlung der Elektromonteure und Helfer Berlins und Umgegend in Meyers Festfälen, Sebastianstraße Nr. 39. Tages Drdnung: 1. Bortrag des Kollegen Waschick: Das moderne Proletariat". 2. Disfuffion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Donnerstag, den 28. Januar 1909, abends 8% Uhr: Versammlung M. 1500 in bar. aller in den Eisengießereien beschäftigten Borh. b. großart. Spez- Progr. Anf. 8, Beg. d. Ning!. 9 Uhr. Entree 50 Pf., res. Blaz 1,-. Reichshallen Theater Hallunke" Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnieball Militär. Humoreste von Meyjel. Anfang wodjent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Teue Welt Hasenheide 108-114. 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Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Maschinenarbeiter Albert Perlewitz am 25. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 78/6 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. 1. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Max Sellin am 23. Januar an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Elifabeth- Stirchhofes in der Aderstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/18 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 353a. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Holzbildhauer Friedrich Buchholz Boghagener Str. 31, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Januar. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Ahrensfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Turnverein ,, Fichte" ( Mitglied des A.-T.-B.). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Turngenoffe Fritz Buchholz, Mitglied der 1. Männer- Abteilung, am Montag nach langem, schwerem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28 d. mts. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in Ahrensfelde aus statt. Abfahrt 2,32, Briezener Bahn, Fruchtstraße. Um rege Beteiligung bittet 280/19 Der Vorstand. Sänger- Chor III. ( M. d. A.-S.-B.) Am 24. Januar verschied plötz lich unser lieber Sangesbruder Friedrich Küster. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 27. d. M., nachmittags 3 Uhr, auf dem Gethsemane- Kirchhof in Nordend statt. 7415 Der Vorstand. Dantjagung. Für die vielen Beweise herlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Baters Hermann Haase jagen wir allen Freunden, Bekannten, Berwandten und Vereinen sowie dem Herrn hef und dem Personal der Firma Zung unseren herzlichen Dank. Frau Klara Haase 7405 und Sohn. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Mertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhof Börse. 264/ 11* Federbetten, Stand 11,00. große 16,00, Gardinen, Wäsche, Deden, Kleidungsstüde, Uhren, Schmudsachen fpottbillig. Pfandleighaus Ktrebber, Stüftrinerplag 7. 15778* Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schankwirt Karl Klar ( 1. Bezirk) verstorben ist. 234/3 Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, bon der Halle des Simeonskirchhofes ( am Tempelhofer Weg) aus statt. Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rigdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolege, der Gastwirt Karl Klar am 24. Januar im Alter bon 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Lukas- und Simeonstapelle in Briz, Tempelhoferweg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 74/3 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Britz. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 24. d. Mts., der Buzer Gustav Müller im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. d. Mts., der nachmittags 3 Ubr, von Leichenhalle des Brizer GemeindeFriedhofes aus statt. am Um zahlreiche Beteiligung bittet 202/3 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem Hinscheiden meines geliebten Mannes, unferes guten Vaters sagen allen Verwandten, Freunden und Befannten unseren innigsten Dank. Adelheid Frank geb. König 7426 und Söhne. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenades, II.( Stdtb.Börse). Westman vestmen barensy 22230 Wesimen Westmea Mohren Mouren 37. Str.31 WEST Todes Anzeige. g Am 24. Januar entschlief nach langem, schwerem Leiden unsere gute Mutter, Großmutter und Schwiegermutter 7445 Luise Burger geb. Köhler im Alter von 52 Jahren. Dies zeigt tiefbetrübt an Augast Burger nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 27. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der LeichenDankes- Friedhofes, hale des Blankestraße, aus statt. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts 1630st* Jm Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Südwesten: 8. Werner, Gneisenaustr. 72. Daehu, Hagelbergerstr. 27. Süden: St. Fritz, Prinzenstr. 31. lich. Schmidt, Rottbuser Damm 8 Südosten: V. Horich, Engel- Ufer 15. Kurbelftepper u. Steppe- Pant Böhm, Lausitzer Blat 14/15. rinnen, rinnen verlangt Pauferinnen, Hefte. Charlottenburg: Arbeitsnachweis Tegtilarbeiter, G. Scharuberg, Sejenheimerstr. 1 Andreasstraße 17. Zentralverband der 197/1 Friedrichsberg: D. Seitel, Stronprinzenstr. 4 Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstr. 7. Glasarbeiter und-Arbeiterinnen Conrad, Hermannstr. 50. Deutschlands. Achtung! Achtung! 16418 Glasbläfer- und 6695* Rummelsburg: A. Rosenkranz, Alt- Boghagen 56. Schöneberg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51 Weißensee: Glasbläferinnen. K. Fuhrmann, Sedanstr. 105. In den Allgemeinen Elektrizi Jul. 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Die für heute abend bei Bohle angesetzte Versamm- lung, in der zur Gewerbeordnungsnovelle Stellung genoinmen werden sollte, findet aus triftigen Gründen nicht statt. berliner IVadmcbtcn. Die ungültige Wahl des Stadtverordneten Mugdau für gültig erklärt. Der Wahlprüfungsausschuß der Berliner Stadwerordneten- Versammlung beschäftigte sich in zwei Sitzungen mit der Prüfung de« Gültigkeit der Wahl Dr. Mugdan» und dem gegen die Wahl eingelaufenen Protest. Die Hauptwahl erfolgte am 11. No- vember 1908. Für Professor Riechert wurden 474. ftir Dr. Mugdan 472 Stimmen abgegeben. 2 Stimmen ent- fielen auf den Berliner Bolksschullehrer Heidenreich, 1 Stimme war ungültig, weil keine bestimmt erkennbare Person als gewählt bezeichnet war. Es hätte mithin, da ein Volks schullehrer in der Gemeinde, in der er wohnt, nicht wählbar ist, mithin nur 946 gültige Stimmen abgegeben waren, Professor Riechert als gewählt vom Wahlvorstand proklamiert werden müssen. Das geschah aber nicht. Der Wahlvorstand proNainierte überhaupt nicht, der M a g i st r a t proklamierte an seiner Stelle Stichwahl. In der Stichwahl fiegte am 3. Dezember Dr. Mugdan. Gegen die Wahl war Protest eingelaufen, der betonte, eS hätte Profeffor Riechert als gewählt proklamiert werden müffen, auch hätte ein ün Konkurs Befindlicher für Mugdan gestimmt. eine Reihe auf Professor sowie auf Justizrat Mugdan abgegebenen Stimmen seien dem SanitätS« rat Dr. Mugdan zugezählt. Mulden und dergleichen als Mugdan gezählt. In fteifinnigen Kreisen war nach der Auffehen erregenden Anordnung die Ansicht vertreten. der Bolksschullehrer hätte ja vor dem 1. Januar sein Amt niederlegen können, er sei also wähl- berechtigt gewesen. DaS Irrige dieser Anficht haben wir seinerzeit an der Hand von OberverwaltungSgerichtSentscheiden dar- gelegt. Sie wurde im Ausschuß von niemand mehr auftecht erhalten. Desto wunderlichere andere Ansichten wurden für die Gültigkeit der Wahl ins Feld geführt. Der Referent. Stadwerordneter Ladewig, wollte den Protest für verspätet erachtet wiffen, well die Frist von 14 Tagen vom 11. No- vember ab zu berechnen gewesen sei. Diese ungeheuerliche Ansicht wurde gegenüber der klaren Borschrist, des§ 27 der Städte- ordnung, daß gegen daSstattgehabteWahlverfahrenzu protestieren sei. von niemand gutgeheißen. Ferner quälte sich der Referent damit ab. einige Stimmen herauszusuchen, bei denen Richard U. dgl. statt Riechert geschrieben war. Der Stadw. M a r g- g r a f f betonte demgegenüber, daß statt Mugdan in etwa VI Fällen Menigdan, Mukdan. Megdan u. dergl. geschrieben sei und demnach erst recht Mugdan« Wahl für ungülttg zu erklären wäre. wenn man das im Prozeß Kerfin betättgte orthographische System billigen wollte. Der Magistratsvertreter Stadttat Böhm legte dar, der Magistrat habe sich auf Grund der Novelle von 1900 für befugt erachtet, an Stelle des WahworfwndeS zu entscheiden. Er habe geglaubt, so schwierige Fragen wie die, ob ein Gemeindeschul- lehrer besoldeter Gemeindebeamter und daher nicht wähl- fähig sei. habe der Gesetzgeber nicht dem Wahlvorstand übertragen wollen. Der Magistrat habe geglaubt, da er gewiffermaßcn nur stellvertretender Wahlvorstand sei, die Befugniffe hierzu auch nicht zu haben. Er habe alle Stimmen mitgerechnet, nicht geprüft, ob Stinunen ungülttg seien. Danach sei die Stichwahl anzuordnen ge- Wesen. Die Stadtverordneten Cassel, Sonnenfeld. M o m m s e n verttaten die Ansicht, nach ß 26 der Städteordnung seien alle Stimmen, auch die ungültigen, zu zählen ge- wesen und wollten die Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts hierfür ins Feld führen. Stadtverordneter Marggraff und unsere Genosien Borgmann, Dupont, Glocke und Stadt- Hagen führten demgegenüber folgendes auS: Nach§ 26 sind lediglich bei solchen Wahlen, bei denen ein Wähler mehrere Stadtverordnete zu wählen hat, nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts alle Sttmmen zu zählen. Ander» liegt es nach derselben Rechtsprechung bezüglich aller anderen Wahlen. Der Wortlaut und Zweck des ß 26 zwinge alle gültigen, nicht aber die ungültigen Stimmen, wie für Titelipentili oder den Kaiser von China oder sonst nicht wähl- fähige Personen abgegebene Stimmen zu zählen. Mithin sei Riechert gewählt und zu Unrecht Stichwahl angeordnet. Eventuell sei Beweisaufnahme über die Behauptung des Protestes zu er- heben, daß nicht SanitätSrat Dr. Mugdan. sondern andere Personen gewählt, vom Wahlvorstand und Magistrat als SanitätSrat Dr. Mugdan aber gezählt feien. Es wurde auf das ErkennwiS des Ober- Verwaltungsgerichts verwiesen, daS von uns unter dem 8. Dezember 1908 abgedruckt ist und klar zu erkennen gibt, daß nur die auf Wahlfähige entfallenen Stimmen berücksichtigt werden dursten. Die Herren Cassel usw. erklärten trotz dieser Entscheidung, an ihrer irrigen Aus- legung des§ 26 festhalten zu müssen. Ferner wurde von unseren Genossen geltend gemacht: zu Unrecht hat derMagistrat sich als Wahlvorstand ernannt. DaS ist ein vom Ober- Verwaltungsgericht zum Beispiel in der Entscheidung Bd. 40 S. 33 als grober Verstoß gegen§ 26 St.-O. erachteter Verstoß. Wenn der Magistrat die Novelle vom 30. Juni 1900 für seine Anschauung ins Feld führe, so stehe der Wortlaut und Zweck dieser Novelle dem durchaus entgegen. Die Novelle gestattet, mehrere AbstimmungS- bezirke in einem Wahlkreise zu errichten, hält aber die Vorschrift, saß der Wahlvorstand über Stichwahl oder Nichtsttchwahl zu emscheiden hat, aufrecht. Gründe gegen diese Aus- Fassung wurden weder vom Magistrat noch von skommissionsmitgliedern geltend gemacht. ES müffe mithin erst der Wahlvorstand endlich in Funktion treten. Bei der Abstimmung fiel der Antrag Marggraff, Beweiserhebung vor- zunehmen, mit neun gegen fünf Stimmen. Mit demselben Sttmmen- Verhältnis wurden die Anträge abgelehnt, den Magisttat zu ersuchen, den Wahlvorstand zur Feststellung des Wahlergebnisses vom 11. November einzuberufen, sowie der Antrag, die Wahl deö Dr. Mugdan für ungültig zu erkläreir. Mi 9 gegen 5 Stimmen wurde die Wahl vielmehr für gülttg erklärt und so ein offenbarer KrchtSbruch der Versammlung vorgeschlagen» den daS Ober- Verwaltungsgericht schwerlich gutheißen wird. Inzwischen aber übt Dr. Mugdan an Stelle des tatsächlich gewählten Professors Riechert das Stadtverordnetenmandat aus. Mit der Berstadtlichnng des Aquariums, die die Sozialdemo- kraten beantragt haben, beschäftigte sich gestern der von der Stadt- verordnetenversammlung für die Angelegenheit eingesetzte Ausschuß. Nach längeren Erörterungen wurde beschlossen, zur nächsten Sitzung den Leiter des Instituts, Herrn Direktor HcnneS, zwecks näherer Auskunflserteilung zu laden. Die Markthallen-Deputatio« beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung unter anderem mit dem Projekt, die Markthalle IV in der Dorolheenstratze zu einem Konzert-Etablissement um- zugesialten. Bekanntlich ist die Benutzung unserer städtischen Markt- hallen in den letzten Jahren bedeutend zurückgegangen, so daß die Verwaltung vor die Frage gestellt wurde, eventuell die schlechtest gehenden zu schließen. Die Herren B u s e k o tv und Sonnemann, ersterer langjähriger Besitzer des be- kannten Treptower Lokals„Abtei", sind an die Stadt mit dem Ersuchen herangetreten, ihnen ans die Dauer von 15 Jahren gegen einen jährlichen Pachtzins von 30 000 M. diese Halle als Konzertsaal mit RestauralionSbetrieb zu überlassen. Die Deputation mußte diesem Angebot schon aus dem Grunde die Zustimmung ver- sagen, weil die auf Kosten der Stadt zu erfolgenden baulichen Ver- Änderungen ziemlich erhebliche sind und auch die Pachtsumme nur dem vierten Teil des wirklichen PachtpreiseS entspricht. Ein ErprrffungSmanöver, welches in gewisser Hinsicht an die Dahsel-Affäre erinnert, beschäftigte gestern unter Vorsitz dcS Land- gerichtSdirektorS Unger die 10. Strafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der 26jährige Anstreicher Paul Werdermann vorgeführt, um sich wegen versuchter Erpressung zu verantworten. Der schon vorbestrafte Angeklagte ist vennutlich durch die Lektüre gewisser Blättchen, die sich nicht scheuen die intimsten Privatangelegenheiten allgemein bekannter Persönlichkeiten in die breiteste Oeffemlichkeit zu zerren, auf den Gedanken gekonimen, sich aus eine äbnliche Weise in den Besitz einer größeren Summe zu setzen.— Am 25. November v. I. erhielt die Gattin eines hiesigen Waren- hausinhabcrs, über welche kurz vorher in einem Skandalblättchen ein Artikel erschienen war, einen aus herausgeschnittenen ZeitungSdruck- buchstaben mühselig zusammengesetzten Brief, in welchem der Betrag von 500 M. verlangt wurde. Der Briefschreiber teilte mit, daß er zufällig Zeuge eines telephonischen Gesprächs geworden sei, welches die Dame m»t ihrem Geliebten gehabt habe. Er drohte, falls das Geld nicht gezahlt würde, einen Artikel über seine Wahrnehmungen zu veröffeutlichen, der einen großen Skandal zur Folge haben würde. Die betreffende Dame wendete sich sofort an die Kriminalpolizei. Der Kriminalkommiffar Dr. Kopp antwortete dem verwegenen Erpresser im Ramen jener Dame und bekam es auch fertig, den Bricfschreiber zu einem Rendezvous zu bestellen, bei welchem er die ihm zugesagte Abschlagszahlung von 150 M. in Empfang nebmen sollte. Der Er« presser entpuppte sich als der jetzige Angeklagte Werdermann, er wurde sofort verhaftet und nach Moabit übergeführt.— Der Angeklagte behauptete schon in seiner ersten Vernehmung, er habe sich mit dem Bnef nur einen„Scherz" machen wollen, an die Erlangung des Geldes habe er nicht im entferntesten gedacht. Diese höchst törichtt Ausrede gebrauchtt der Angeklagte auch vor Gericht und hatte sogar durch seinen Verteidiger R.-A. Bahn den Beweis antteten lasten, daß es sich tatsächlich nur um einen Scherz gehandelt habe.— Staats- anwalt Jonas beanttagte in Anbetracht der überaus gemeinen und niedrigen Gefinnung. die der Angeklagte durch seine direkt geniein- gefährliche Tot an den Tag gelegt habe, eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Der Verteidiger stellte, um zu beweisen, daß der An- geklagte sich nicht die von ihm behaupteten Dinge aus den Fingern gesogen habe, den Antrag, die Inhaberin eines Blumengeschäfts m der Tiergartensttuße als Zeugin zu vernehmen, daß die in Frage kommende Dame eines Tages an einen Herrn telephomert habe:„ihr Mann fei dahinter gekommen, er solle alle Briefe verbrennen". Das Gericht lehnte dielen Antrag ab. erkannte vielmehr dem Antrage des Staatsanwalts gemäß aus 1 I a h r Gefängnis. Bei Abmeffung der Strafe zog da« Gericht in Berückfichttgung, daß gegen Erpreffer mit aller Strenge des Gesetzes vorgegangen werden müsie, da derartige Vergehen in letzter Zeit sehr überhand genommen haben und gewisie Blätter existieren, die derartige Intimitäten aus dem Privatleben anderer Personen unter einer sehr niedrigen Spekulation auf die Sensations- lüsternheit mit besonderer Vorliebe an die breiteste Oeffentlichkeit zerren. Eine Generalmodilmachnng der Freisinnigen in Moabit war am Montagabend von dem Moabiter Freisinnigen Verem durch Maner- und Litfaßsäulenanschläge ins Werk gesetzt worden. In großen Trupps rückten sie auch an, die Freisinnigen, und füllten bald den großen Saal der ArminiuShallen. Leider hatte sich der Verein etwas ver- rechnet, denn insgesamt— 30 Personen waren dem Freisinnigen Lockruf gefolgt! Natürlich wurde viel leeres Sttoh gedroschen und daS Maul weit aufgerissen. Von den Verhandlungen war das Interessanteste, daß der Verein aus der letzten LandtagSwahl- kampagne noch 1000 M. Schulden habe und schwer knabbere, diese zu bezahlen. Es erfolgte ein Appell an die Gesinnungsgenossen, durch Skatspielcn und dergleichen für die Tilgung der Schulden zu sorgen. Pfarrer Runze will sich nun alle Mühe geben, durch ge- eignete Agitatton im Falle der Kassierung der LandtagSmandate den „vaterlandslosen Herrn Hoffmann" ein für allemal abzutun, denn er habe in Moabit sowieso keine Anhänger und Freunde mehr. So verdreht und fälscht der Freisinn die bekanntesten Tatsachen! Als Erfinder scheint der Kronprinz kein besonderes Glück zu haben. Patriotische Leute mögen sich schon darauf gefteut haben, den zerlegbaren Manschettenknopf, die zum Patent angemeldete Er- findung des Kronprinzen, ttagen zu dürfen. Ein Berliner Juwelier mit sehr zahlungsfähiger Kundsitiafl sollte die Neuheit bald auf den Markt brmgen. Aber einige Bijouteriesabrikanten hatten noch im letzten Augenblick gegen das Patent Einspruch erhoben, da die Erfindung nicht original wäre. Der Kronprinz hat nun- mehr sein Patent zurückgezogen. Unter dem Verdacht der Brandstiftung wurden gestern der Gast- Wirt Adolf Berg und der Kausinann Oskar Bicrniann auS der Zimmerstr. 97 verhaftet. ES handelt sich um das Feuer in dem Ver- gnügungsetablissement„Monaco" in der Jerusalenier Str. 19/20, über das am Mittwoch voriger Woche berichtet wurde und das in den Caforäumen und in einem Lagerkeller darunter bedeutenden Schaden angerichtet hat. Der Verdacht der Brandstiftung tauchte schon während der Löscharbeiten der Feuerwehr auf. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei gaben ihnen weitere Nahrung. Berg und Bierinann wurden eingehend vernommen und wollten zur Zeit des Brandes nicht in dem von ihnen bettiebenen Etablissement gewesen sein. Ihre Angaben hielten jedoch der Nachprüfung nicht stich. Insbesondere wurde Berg nachgewiesen, daß er erst kurz nach Ausbruch des Feuers morgens um 8 Uhr die Räume verlassen hatte. Dazu kam ein sehr verwerfliches Manöver dieses Mannes gegen einen anderen. In einem Schreiben ohne Ramen. das der Kriminalpolizei zuging, wurde ein angesehener Kaufmann, der in dem Hause wohnt, der Brandstiftung beschuldigt. ES ergab sich, daß dieses Schreiben von Berg herrührt. Endlich wurde festgestellt, daß die beiden Betriebs- unttrnehiner schlechte Geschäfte machten, die in gar keinem Verhältnis u ihren Aufwendungen standen. Mehrere Gläubiger hatten schon >ie Hand aus die Einnahmen gelegt. Die Unternehmer schlugen ihnen jedoch ein Schnippchen, indem bald der eine, bald der andere die Kasse auf die Seite brachte. Um sich auf anderem Wege aus ihrer Bedrängnis zu retten, versicherten die Unternehmer ihre Ein- richtung am 14. d. M. bei einer hiesigen Gesellschaft für 50 000 M., obleich sie nicht die Hälfte wert ist. Gleich nach dem Brande er- hielten sie die Versicherungssinnme. Alle diese Ermittelungen führten dazu, daß die Kriminalpolizei Berg und Biermann gestern in ihrer gemeinsamen Junggesellenwohnung in der Zimmerstr. 97 festnahm und heule nach Moabit zum Untersuchungsrichter brachte. Grober Unftig wurde in den letzten Tagen wieder zweimal gegen die Krankenbesörderungsanstalt von Kopp in der Elsasserstr. 95 verübt. Am Freitagabend wurde durch den Fernsprecher ein Wagen nach der Grcisswalder Stt. 46, gesterir abend um 73/4 Uhr nach dem Wriezener Bahnhof bestellt. Von beiden Stellen sollten angcb- lich kranke Frauen nach der Klinik gebracht werden, alle Angaben eriviesen sich aber als Schwindel. Auf die Ermittelung des Unfug- stifters hat Herr Kopp eine Belohnung von 50 M. ausgesetzt. Bei der Ausübung seines Berufes vom Tode überrascht wurde gestern abend der 60 Jahre alte Handelsmann Friedrich Schlegel auS der Carmen-Sylva-Str. 154. Während er in der Gastwirtschaft von Linge in der Behmstr. 40 Apfelsinen anbot, brach er plötzlich vom Schlage gerührt zusamnien und starb auf der Stelle. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Recht ttaurige Bcrkehrsverhältnisse herrschen ans dem Wege, der von den Siemenswerken am Nonnendamm nach dem Bahnhof Fürstenbrunn führt. Die Brücke, die den Verkehr vermittelt, gehört dem genannten Werke, soll aber in keiner Weise dem Bedürfnis ent- sprechen. Sie ist so schmal, daß zwei Wagen zugleich nicht fahren können, es ist nicht möglich, den Weg mit einem Rade zu passieren, wenn ein Auto daherkommt. Und dieser schmale Weg dient Tausenden von Angestellten und Arbeitern als Passage nach dem Bahnhofe: kommt ein Fuhrwerk daher, ist er für Passanten geradezu lebensgefährlich. Gestern mittag ttat das wieder einmal deutlich in Erscheinung. Kurz nach 12 Uhr wurde von einem Schnellzuge ein Monteur über- fahren, ein Arm und ein Bein wurde dem Unglücklichen vom Körper getrennt. Der Krankenwagen, der zur Forlschaffung des Verun- glückten requiriert wurde, traf Va2 Uhr ein, konnte aber nicht zur Unfallstelle, weil ein Lastwagen vor ihm fuhr und obendrein aus bestimmten Gründen auf der Fahrstraße warten mußte. Dadurch entstand eine halbe Stunde Verzögenmg, bevor der Krankenwagen die Brücke paisieren konnte. Um so viel länger mußte der der Hilke dringend bedürftige Ueberfahrene auf der UnglückSstelle liegen. Allgemein wird eS für dringend notwendig empfunden, daß die Verkehrsverhältuisie so geregelt werden, daß sie wenigstens einiger- maßen erträglich sind. 38 Unglücksfälle auf der Eisbahn des Müggelsee? machten am vergangenen Sonntqg das Eingreifen der freiwilligen Sanitätskolonne erforderlich. Bei nicht weniger als 27 Verunglückten mußten so- genannte schwere Verbände angelegt werden. ES bandelte sich um Personen, die beim Eislaufen gestürzt waren und sich dabei mehr oder minder erhebliche Kontusionen, teils auch Knochenbrnche, zugezogen hatten. Ein junger Kaufmann aus Berlin, der mit einem anderen Schlittschuhläufer zusammengerannt und gestürzt war, hatte so schwere Verletzungen davongettagen, daß er mittels Krankenwagens fortgeschafft werden inußte. Trotz der großen Anzahl von Verletzungen erscheint die Personen- zahl der Verunglückten klein, wenn in Bettacht gezogen wird, daß sich nicht weniger als 30000 Personen auf dem Müggelsee getummelt hatten. Es ist dies der größte Besuch, den die Müggelbahn bisher aufzuweisen hatte. Die Eisenbahn beförderte nicht weniger als 25 000 Personen, eine Frequenz, wie sie an einem Wintersonntage auf der Sttecke noch niemals festgestellt worden ist. Von einem Kohlenwage« überfahren und schwer verletzt wurde gestern vor dem Hause Alt- Stralau 71 ein Arbeiter der Firma Weigel, der auf seinem Rade nach Hause fuhr. Man brachte den Schwerverletzten in das Krankenhau« am Friedrichshain, doch hat der Arzt keine Hoffnung, ihn am Leben zu erhielten. Wer ist der Tote? In der Spandauer Stadtforst im Jagen 60 wurde in der Nähe des Kilometersteins 5.4 ein unbekannter Mann an einem Baume hängend tot aufgefunden. Die Leiche war schon stark verwest, das Gesicht von Vögeln angeftessen. In der Brust- tascbe des Toten fand man ein Notizbuch mit der Auszeichnung: „Hier auf dieser Stelle am 16. 12. 08, vormittags 9 Uhr, meinem Leben ein Ende gemacht." Die Strümpfe und daS weiße Taschentuch des Mannes sind H. K. gezeichnet. Der Unbekannte ist etwa 28 bis 32 Jahre alt und 1,75 Meter groß. Er hat blondes Haar und einen blonden Schnurrbart und trug einen dunklen Ueberzieher und Jackettanzug, Schnallenschuhe und einen grünen Schläpphut init hellgrünem seidenen Bande. In den Taschen fand man noch eine silberne Remontoiruhr mit Goldrand und gelber Kette und eine rote Zigarrentasche. Die„Freie Volksbühne" veranstaltet am Soimtag. den 31. Januar, abends 7 Uhr. in den«Arminhallen", Kommandanten- straße 58/59, im oberen Saal ihren 30. Vortragsabend mit anscbließcndem Tanz. DaS abwechslungsreiche Programm ist dem „o st p r e u ß i s ch e n Humor" gewidmet. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Die Konzertsängerin Fräulein Liffi Kürz, Herr Kapell- mcistcr Clemens Schmalstich. Die Rezitation hat Herr Schrift- steller Adolf Petrenz übernommen. Einlaßkarten a 50 Pfennige inklusive Programm und Tanz sind in den Zahlstellen zu haben, soweit bei dem beschränkten Raum solche� noch vorhanden sind. Es empfiehlt sich daher die rechtzeitige Abnahme derselben.(Siehe DonnerStagsinserat im„Vorwärts".) Die Generalversammlung dieses OuartalS wird am kommenden Donnerstag im GcwerkschaflShause abgehalten. Aus der Tages- ordnung stehen nach einem Vortrage des Gcnoffen Heinrich Schulz über Fichte: der Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes, der Revisionsberichr sowie ein Antrag der Vereinsleitung, den Jahresbeitrag im nächsten Spicljahre 1909/10 um 40 Pf. zu erhöhen. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird erbeten. Zu den Abendabteilungen können sich noch einige neue Mit- glieder melden, Der Borsland. I. V.: G. Winkler. Eine Panik entstand bei einem Brande in der Forster Straße 6. Kleider waren dort auf einem Korridor in Brand geraten und hatten enormen Qualm verursacht, der durch Offenlaffen der Türen sich im Treppeuhause festgesetzt hatte und nicht avzog. Die HauS- bewohner riefen bei Ankunft der Feuerwehr schon laut aus den Fenstern um Hilfe. Sofort wurden Feuermänner über einen Haken- leitergang in die Wohnungen entsandt. Bon außen stiegen die Feuerwehrmänner in die Fenster ein und beruhigten die geängstigten Frauen und Kinder. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Am Sonntag sind am Rosenthaler Thor zwei Schlüffel gefunden worden. Dieselben sind abzuholen in der Zeitungsipedition„Vor- wärts" Nazarethkirchstr. 49 bei Weiße.— Gleichfalls am Sonntag gefunden wurde eine Nickelbrille in der Prinz-Handjery-Straße, Ecke Leffingstraße. Dieselbe ist in der N>xdvrser Parteispedilion Neckar- straße 2 abzuholen. Die Fundgcgenstände sind anscheinend Eigentum von demonstrierenden Parteigenossen. Feucrwchrbericht. Der 3. Zug hatte Montag abend in der Zehdenicker Str. 21 zu tun, wo Teer in einem Trockenofen brannte. Die Feuerwehr hatte tüchtig zu löschen, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Nachts um 11 Uhr standen in der Oranien- straße 2a Kcllerverschläge mit Inhalt von Hausrat in Flammen. Der 8. Zug löschte diese mit einer Schlauchleitung. Böswilligerweise wurde die Wehr nachts um 4 Uhr nach dem Brunnenplatz alarnriert. Der Täter ist unerkannt entkommen. Der 11. Zug wurde nach der Gitschiner Str. 70 gerufen. Dort brannten Lattenverschläge auf dem Boden, ein Klosettraum u. a. Bor dem Hause Jerusalenier Straße 52 brannte ein Automobildreirad und in der Leipziger Sttaße ein Automobil. Ferner liefen Feuermeldungen aus der Turiner Str. 5, wo Gardinen und MöBel Brannten, aus der Horn- straße 18, Stettiner Str. 5, Nrndtstr. 21 und anderen Stellen ein. Fleisch, Werg. Fußböden. Balken usw. waren dort in Brand geraten._ Vorort- JVachncbtem Kixdorf. Der Magistrat und der WahlrechtSraub. Die gegen den Erlaß eines Ortsstatuts über die Ein- führung des qualifizierten Durchschnittsprinzips eingegangenen Proteste wurden in der gestrigen Magistratssitzung durch Vcr- lesung zur Kenntnis der Mitglieder des Magistrats gebracht. Der Magistrat genehmigte das von der Stadtverordneten- Versammlung in der Sitzung vom 17. Dezember v. I. be- schlossene Ortsstatut betr. die Anwendung des qualifizierten Durchschnittsprinzips bei Bildung der Wählerabteilungen für die Sladtverordnetenwahlen. Mit diesem Beschluß hat der Magistrat nun auch seiner- scits dem Wahlrechtsraub endgültig seine Zustimmung erteilt und der Entrechtung zahlreicher Bürger Rixoorfs seinen Segen gegeben. Einen schivereren Fehler hat der Magistrat von Rixdorf seit Jahren nicht gemacht. Die Rotstandsarbeiten, welche die Stadt gegenwärtig in eigener Regie ausführt, erhalten, wenn man näher hinsieht, ein recht eigen- artiges Gepräge. Es mutz allgemein Verwunderung hervorrufen, datz eine Stadt Arbeiten ausführen lätzt und die dabei beschäftigten Arbeiter nicht einmal gegen Krankheit versichert. Die Tatsache besteht jedoch, die Arbeiter werden nur fünf Tage lang beschäftigt, und das Krankenversicherungsgesetz wird von der Stadtverwaltung auf diese Weise umgangen. Das ist um so bedauerlicher, als gerade bei dieser Arbeit(Kanalbau) ein Teil der Arbeiter im morastigen Boden balb im Wasser steht. Viele dieser Notstandsarbeiter sind, da sie nicht die Mittel haben, nicht mit zweckentsprechenden Stiefeln versehen� viele tragen halbzcrrissenes Schuhwerk. Datz unter solchen Umständen gerade für diese Arbeiter eine äutzerst grotze Krankhcitsgefahr besteht, wird jedem einleuchten. Der Arbeiter, der sich in bitterster Not befindet und diesen Rettungsanker er- greift, um für sich und die Seinen Brot heranzuschaffen, läuft hier Gefahr, krank zu werden und dadurch in noch grötzere Not zu ge- raten, da er nicht gegen Krankheit versichert ist. In der Tiefbau. deputation soll auch diese Frage schon einmal angeschnitten worden sein. Da soll es jedoch einer der bekanntesten WaHlrechtSräuber gewesen sein, der mit aller Brutalität eine Aenderung des Zu- standes bekämpfte. Der Magistrat scheint sich hinter einen Be- schlutz zu verschanzen, der dahin geht, datz die Arbeiter nur eine Zeitlang beschäftigt und dann entlassen werden, um an deren Stelle andere Arbeitslose treten zu lassen. In der Notstands- kommission hat man sich vor einiger Zeit mit einer solchen Praktik einverstanden erklärt, um möglichst vielen Notleidenden wenigstens etwas Verdienst zu schaffen, niemand wird jedoch damals daran ge- dacht haben, datz dieser Beschlutz in der oben gerügten Weise aus- gelegt werden würde. Aus der letzten Magistratssitzung. Der Magistrat ist damit ein- verstanden, datz die Kosten für die Unterbringung der Rixdorfer Polizeigefangenen in einem Berliner städlischen Gebäude nach den vom Polizeipräsidenten zu treffenden Vereinbarungen erhöht werden und datz der nach dem Polizeikostengesey sich bestimmende Anteil von der Stadtgemeinde getragen wird.— lieber die Frage, in welcher Weise die für den 16. Februar dieses Jahres geplante Ar- beitslosenzählung stattfinden soll, soll eine gutachtliche Aeutzerung der gemischten Deputation zur Bekäntpfung der ArbertSlosigkeit eingeholt werden.— Das der Stadt- gemeinde gehörige Grundstück an der Strasse 4b in Britz soll der Gartenverwaltung zur Anlegung einer Baum« schule und eines Anzuchlgartens überwiesen werden.— ES wird eine sechegliedrige Magistratskommission eingesetzt, die darüber Beraten soll, welche Massnahmen gegen Verunstaltungen deS Strassen- Bildes innerhalb des Stadlbezirks zu treffen sind.— Der Magistrat nimmt Kenntnis von den eingegangenen Bewerbungsgesuchen um die Direktorstelle am Kaiser-Friedrich-Realgymnasinm. Die Vor- Bereitung der Wahl soll durch etne fünfgliedrige Magistratskommission erfolgen, der das Recht zustehen soll, Sachverständige zu kooptieren.— In der Angelegenheit Betr. Erweiterung der Waisenableilung innerhalb des jetzigen Armenhauses ist der Magistrat damit eiiiverstauden, dah das vom StadtBaurat Kiehl auf Grund der Vorschläge der hierfür eingesetzten Kommission ausgearbeitete Projekt, das mit einem Kostenvetrage von 900 M. abschliesst, zur Ausführung kommt. Der Magistrat Beschliesst, der Stadtverordnetenversammlung die Einsetzung einer gemeinschaftlichen aus 1b Mitgliedern(9 Stadtverordneten. 6 MagistratSinitgliedern) Bestehenden Kommission vor- zuschlagen, die mit den BorBereitungen für den im Herbst dieses Jahres hier' stattfindenden brandenburgischen Städteiag Betraut werden soll. Schöneberg. Eine„Demonstration" im Schöneberger Gtadtparlament. Eine schon seit langem vorbereitete lächerliche Komödie führte fn der letzten Sitzung der Schöneberger Stadlverordneten-Bersamm- lung einen frühzeitigen Schluss herbei. Der Magistrat hatte der Versammlung eine Vorlage Betreffend den Erweiterungsbau des städtischen Kranken- Hauses unterbreitet und beantragte zu diesem Zweck die Be- willigung von 1711 000 M. Die sozialdemokratische Fraktion stellte den Antrag, die Arbeiten so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen und soweit als möglich in eigener Regie anSführen zu lassen. Während von feiten der„Himbhängigen Bereinigung" beantragt wurde, die ganze Vorlage zunächst einem Ausschuss zu überweisen, stellte Sladtv. Kutznitzky(liberale Fraktion) im Namen der Krankenhausban-Deputation de» Antrag, die beiden in der Vorlage geforderten JsolierpavillonS sofort zu bewilligen und zu veranlassen, datz dieselben möglichst bis zum 1. Oktober 1909 fertiggestellt sind. Auch Sladtv. O b st(Soz.) stimmte diesem Vor- schlage zu. indem er auf die dringende Notwendigkeit der Errichtung dieser beiden Pavillon? hinwies. � Die Sradtvv. Heyne(Unabh. Vereinig.) und Bandmann(lib. Vereinig.) hielten die Angelegen- heit jedoch nicht für so dringend und wandten stch gegen die so- fortige Bewilligung der beiden JsolierpavillonS. Oberbürgermeister Wilde empfahl den Vorschlag des Stadtverordneten Kutznitzky und wies daraus hin, dah das Schöneberger Krankenhaus sehr viel in Anspruch genommen werde und seit langer Zeit stets belegt ist. Weiter machte er darauf aufmerksam, datz man es doch nicht so tocil kommen lassen sollte, datz erst wieder die Aufsichtsbehörde die Stadt Schöneberg zwingen müsse, die JsolierpavillonS zu errichten. Im Anschluß an die Ausführungen des Oberbürgermeisters kam eS nun zu den gewohnten persönlichen Auseinandersetzungen, die von dem Stadtv. Band mann(lib. Bg.) veranlasst wurden. Stadtv. Zobel(lib. Frakt.) rief einem seiner FraklionSgenossen. der von dem Stadtv. Bandman» lingerechterweise persönlich an- gegriffen wurde, die Worte zu:„Geben Sie ihm doch eins drauf I" Der Vorsteher rief den Stadtv. Zobel zur Orduuitg. aber erst nach- dem vom Stadtv. Bandmann darauf aufmerksam gemacht worden war. Stadtv. Zobel hielt den gemachten Zuruf aufrecht und erklärte, daß der Stadtv. Baitdmann kein Talent besitze, um seine Worte zu verstehen. Hierauf begann in den Reihen der„Unab- häitgigen Vereinigung" und der„Liberalen Vereinigung" ein grosser Tumult, und die Herren dieser beiden Fraktionen verliehen bis auf den letzten Mann den Saal. Die zurückgebliebenen Mitglieder der liberalen Fraktion und der sozialdemokratiichen Fraktion reichte» zur Vcrantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rirdorf. Für den! Beschlussfähigkelt nicht aus, und somit mutzte die Sitzung geschloffen werden. Die Herren der„Unabhängigen Vereinigung' mid der„Liberalen Vereinigung" haben nun einmal ihrem verärgerten Herzen Lust ge- macht. Der Plan dazu scheint bereits zu Beginn des Jahres von den Mitgliedern gefaßt zu sein, denn schon in der vorigen Sitzung unternahmen die Herren einen Anlauf zu einem derartigen Vorgehen. Für die sozialdemokratische Fraktion besteht keine Ursache, sich in diesen persönlichen Zwist einzumischen; sollten jedoch darunter die städtischen Interessen leiden, so werden unsere Genoffen selbstver- ständlich diesem Treiben energisch entgegentreten. Steuer» der Stadt Schöneberg für lg<19. Es werden erhoben 90 Prozent zur staatlich veranlagten Einkommensteuer! 2. an Gemeindegrtlndsteuer 24/,() pro Mille des gemeinen Wertes der bebauten Grundstücke und is/i0 pro Mille deS gemeinen Wertes der u n bebauten Grundstücke: 3. als G e w e r b e st e u e r 150 Prozent der staatlich veranlagten Betrage der Klassen 1 und 2 und 100 Prozent der staatlich veranlagten Beträge der Älasien 3 und 4; 4. als B e t r i e b s st e u e r. neben der Rormalbetriebssteuer des Stadtkreises, SO Prozent Zuschlag der Stadtgemeinde. Von der Heranziehung der staatlich veranlagten Einkommensteuer- s ä tz e von 2.40 und 4 Mark ist a b g e s e h e n; ö. U«n s a tz st e u e r wird wie bisher 1 Prozent des Wertes der bebauten Grund- stücke und 2 Prozent der u n bebauten Grundstücke erhoben. Friedrichshagen. Ter zweite Lichtbildervortrag deS ZistluS..Vom Urtier zum Mensche n", den der hiesige Arbeiter-Bildungsausschuss veranstaltet hat, findet Freitag, den 29. Januar 1908, abends 8 Uhr in LcrcheS Bürgersälen, Friedrichstr. 112(Rundtcil) statt. Als Vortragender für den ganzen vierteiligen Zyklus wurde be- tanntlich Herr M. H. Baege, Dozent an der freien Hochschule Berlin, gewonnen. Der erste Vortrag, der die„Entstehungs- geschichtc der Erde" behandelte, erstellte sich eines regen Besuchs. Im zweiten Vortrag wird Herr Baege über das Thema:„Sind die Lebewesen geschaffen oder geworden?" sprechen. Die Be- teiligung an dem Vortrage kostet 30 Pf. Karten für alle drei noch stattfindenden Vorträge stellen sich billiger: sie sind zum Preise von 7ö Pf. in Lerches Bürgersälen und in den bekannten Bezirks- lokalen zu haben. Wir laden zu regster Beteiligung ein. Jeder Vortrag ist in sich abgeschlossen, so datz auch jeder, der den vor- hergehenden Bortrag nicht hörte, daran teilnehmen kann. Nieder-Schöneweide. Mit der Erhöhung der Zahl der Gemeindevertreter von 12 auf 18 beschäitigte sich neben anderen Dingen die letzte Gemeinde- vertrelersitzung. Nachdem der Referent die Notwendigkeit der Er- höbnng begründet halte, wnrde der Antrag einer dreigliedrigen Koin- Mission zur Durchberatung überwiesen. Die Kreisstener wird in diesem Jahre um 1—2 Proz. niedriger in den Etat eingesetzt. Für die Gemeindefeuerwehr wurden 300 M. bewilligt. Die von der Ge- meinde beabsichtigte und notwendig werdende Herrichtung eines Friedhofes kann noch nicht geschehen, da der Forstfiskus das hierzu erforderliche Land noch nicht hergegeben hat; letzteres kann erst dann geschehen, wenn für das zur Eingemeilidung bestimmte Land der Bebauungsplan vorliegt. ES wird die höchste Zeit, datz in dieser Frage ein lebhafteres Tempo einsetzt. Bekanntlich länst in anderthalb Jahren der Ver- trag mit Köpenick, wohin die hiesige Gemeinde bisher ihre Toten gebracht hat. ab. Ober-Schöueweide. Im Polizeigemahrsmn erhängte stch der 66 Jahre alte Stratzen» reiniger Etsner. dessen Verhaftung wegen Sittlichkeitsverbrechens er- folgt war. E. wurde in Ober-Schöneweide überrascht, als er ein neunjähriges Mädchen nach einem unbebauten Grundstück verschleppt hatte und sich dort an demselben vergehen wollte. Der Täter wurde nach der Polezeiwache gebracht und dort in vorläufigen Gewahriam genommen. Als später seine Ueberführung nach dem Untersuchungö- geiängnis erfolgen sollte, wurde ElSner am Ofenrohr erhängt vor- gefunden. Den Bindfaden, den der Mann zu dem Selbstmord be« nutzte, hatte er jedenfalls bei sich gehabt. Wie das Mädchen später angab, hatte der Stratzenreiniger sich schon häufiger in strafbarer Weise vergangen. Bestencrung deS Wertzuwachses. Recht unverständlich ist die ablehnende Haltung der Mehrheit in der hiesigen Gemeindever- tretung zu dieser Frage. Wenn in Erwägung gezogen wird, in welche finanziell schlechte Lage die Gemeinde gebracht ist durch die ungeheuer schnelle Entwickelung deS Ortes und der damit zu- sammenhängenden Anleihepolitik zur Bestreitung der in so kurzer Zeitfolge an die Gemeinde herantretenden Bedürfnisse— so ist der ablehnende Standpunkt der Gemeindevertreter doppelt ver- werflich. In letzter Zeit sind der Gemeinde 88 Hektar Forstland eingemeindet, für welches Areal schon ungeheure Summen aufge- wendet sind, um es der Bebauung zu erschlietzen. Nützt die Ge- meinde nicht die Zeit aus, so werden die Terraingesellschaften mühelos die ohne Zweifel eintretende Wertsteigerung des Bodens einstreichen, wohingegen der Gemeinde in absehbarer Zeit immense Lasten für Stratzenunterhaltung, Schulbauten usw. zufallen werden. Von unseren Genossen ist auch jetzt bei der Vorberatung des Etats auf diese für die Gemeinde überaus lohnende Einnahmequelle— leider vergeblich hingewiesen worden. Friedenau. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung findet bereits Anfang nächsten MonalS statt. Im bürgerlichen Lager beschäftigt man sich schon rege mit der Aufstellung der Kandidaten. Bis jetzt kommen nicht weniger denn fünf in Betracht. Der Verein für Handel und Geiverbe hat einen Kaufmann Herrn Hans Berger aus den Schild erhoben, während der Gastwirteverein einen Herrn Kiebiz präsentiert. Im evangelischen Arbeiterverein ist man sich bei der Auswahl der Kandidaten in die Haare geraten. Da von feiten des Borstandes ein Herr Oberlehrer vorgeschlagen war, wurde in der letzten Mit- gliederversammlung dieses Vereins gegen diesen Vorschlag protestiert und die Ausstellung eines Aucharbeiters verlangt. Die Angelegenheit wurde einer Kommission überwiesen, welche die Sache ordnen soll. Das Friedenauer Blättchen beschwört sein« Leser, sich ja auf einen Kandidaten zu einigen, da sonst der Sozi in das bisher ach so gemütlich« Dorsparlainent einziehen würde. Interessant ist das Verhalten einer Anzahl Geschäftsleute. Vor ein paar Wochen wurden die Arbeiten zum Bau eines Ober- realgymnasiumS in Submission ausgeschrieben. Sämtliche Arbeiten mit zwei Ausnahmen wurden an die Mindestsordeniden nach aus- wärts vergeben. Damals entrüsteten sich die Geschäftsleute von Friedenau und wandten sich einzeln an unsere Genossen mit dem Ersuchen. die Sache im„Vorwärts" zu veröffentlichen. Diese lehnten es böslich ab und ersuchten die Herren, sich an die von ihnen gewählten Gemeindevertreter zu wenden oder bei der jetzt stattfindenden Ersatzwahl für die Wahl eines Sozialdemokraten zu wirken. Es ist nun abzuwarten, ob die Leute eine Lehre daraus gezogen haben. Der Kandidat unserer Partei ist der Genosse Paul Richter. Kaufmantt Reinickendorf- West. Ein Wachstum der politischen Organisation konnte auch im ver- flossenen halben Geschäftsjahr verzeichnet werden. Wie der Vor- sitzende des Wahlvereins, Genosse Bahr, in der Generatversanimlung mitteilte, find in den sechs Monaten 45 neue Mitglieder aufgenommen worden, so datz die Mitgliederzahl gegenwärtig 896 inkl. 26 weib- liche Mitglieder beträgt. Einer Einnahme von 647,96 M. steht eine Ausgabe von 497 M. gegenüber. In der Berichtszeit wurden 1 öffentliche Versammlung. 2 Mitgliederversammlungen, ein kombinierter Zahlabend und 7 VorstandSsitzungen abgehalten; ausser- dem wurden drei Flugblatwerbreitungen und eine Kalender- Verbreitung vorgenommen. AuS der Neuwahl für den Vorstand gingen hervor: 1. Borsitzender Bahr, 2. Vorsitzender Kuschminder, jnseratenteil veremtw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Kassierer Neuhof, Schriftführer Schilf, Beisitzer Genossin Röder, Revisoren Teihl. Fiebig und Kleemann. Bibliothekare Schiller und PrzerwaschinSft. In die ZeitungSkommisfion wurden Hamann und Klingberg und in die Lokalkommission Henschelt und Demelt ge- wählt. Eine lebhaste Diskussion rief die Frage der Beschäftigung Nichtorganisierter Kellner in freien Lokalen hervor. Ein Antrag, in welchem es den in freien Lokalen beschäftigten Kellnern zur Pflicht gemacht wird, sich dem Zentralverband der Gastwirtsgehilfe» anzu- schlietzen, fand einstimmige Annahme. Mariendorf-Südende. Ans der Organisation. In der am Dienstag bon etwa 120 Mitgliedern besuchten Generalversammlung des sozialdemo- kratischcn Wahlveroins erstattete der Vorsitzende. Genosse Sucker, den VorstaNdsbcricht. Aus dem Bericht fit folgendes zu ent- nehmen: Die Mitgliederzahl ist von 182 auf 217 männliche und 39 weibliche Mitglieder gestiegen. Nach den Feststellungen der Bezirksführer sind hiervon 165 Mitglieder gewerkschaftlich organi- siert; aus der Landeskirche sind 58 männliche und 16 weibliche Mit- alieder ausgeschieden. Im verflossenen halben Jahre haben drei Mitgliederversammlungen und eine Volksversammlung stattgefunden; Flugblattverbrcitungen fanden drei statt, bei denen 7600 Exemplare zur Verteilung gelangten. Zur Erledigung der Vereinsgeschäste waren 12 Vorstands, itzuugen erforderlich.— Aus dem Kassenbericht des Genossen Bleck ist folgendes zu entnehmen: 8. Quartal: Ein- nähme 804,00 M.. Ausgabe 244,00 M.; 4. Quartal: Einnahme 260,79 M., Ausgabe 236,22 M., bleibt mithin ein Äasienbestand von 24,57 M. Es folgten nach diesem die Berichte der übrigen Funktionäre des Wahlvereins. Hierbei wird von den Bezirks- sührern Klage darüber geführt, daß bei den Flugblattverbreitungeu die Genossen in ganz geringer Zahl sich beteiligen. Die vor- genommene Neulvahl ergab folgendes Resultat:!. Vorsitzender Genosse Jeserich; 2. Vorsitzender Genosse Deinert; Kassierer Gc- nosse Bleck: Schriftführer Genosse Leip; Beisitzerin Genossin Reichardt; Revisoren und Zeitungskommission die Genossen Sucker, Singer und Huhn. Als Vertreter der Lokalkommission kommen die Genossen Bösel und Haendel in Betracht. Als Bibliothekare wurden die Genossen Wegner und Gröseling gewählt. Die Bezirksführer, bestehend aus den Genossen Schwarz. M. Lehmann, Kassner, Teinert, Lix und Herzog wurden von der Generalversammlung be- stätigt.— Nach den Wahlen beschäftigte sich die Generalversamut- lung mit der Arbeitslosenzählung. Da ancb der hiesige Gemeinde- Vorsteher, Herr Westphal, für eine Arbeitslosenzählung nach dem Hauslistensystem nicht zu haben ist. werden die Gemeindevertreter von den Versammelten beauftragt, in der nächsten Gemeinde- Vertretersitzung entsprechende Anträge zu stellen.(Ist inzwisckien geschehen.)— Zur Kreis-Generalversammlung wurden die Ge- nossen Sucker und Jeserick, zur Verbands-Generalversammlung von Groß-Berlin die Genossen Jeserich, Bethge und Spannbcrg delegiert. Mühlenbeck. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde zunächst der Gc- meindevorsteher bevollmächtigt, die Parzelle 72/35 an die Berliner Stadtsynode aufzulassen. Eine Armensache, in welcher die Gc- meinde Niederschonhausen 20 M. Unterstützung von hiesiger Ge- meinde fordert, da die Familie noch hier ansässig ist. wird dem Vorstand zur Erledigung überwiesen. Der Antrag des Steuer- erHebers O. Sonntag um Erhöhung seines Gehalts um 100 M. jährlich wurde abgelehnt. Beschlossen wurde, die Bürgersteige zu regulieren. Auf Antrag deö Genossen Barsch soll die Berliner Stadtsynode ersucht werden, bei Ausführung von Kirchhoksarbeiten zunächst die hiesigen Arbeiter zu berücksichtigen. Auch soll die Ge- meinde Pankow veranlasst werden, die Lampen, lvelche die Strasse ihres Rittergutes beleuchten, regelmässig anstecken zu lassen, damit nicht fortgesetzt Beschwerden einlaufen. Att-Glienicke. Die Generalversammlung des Wahlvereins nahm am Sonnabend den Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr 1908 entgegen. Wie überall, so konnte auch hier von einer innfongreichen Parteiarbeit berichtet werden. Es fanden statt: 6 Mitglieder- Versammlungen, 9 öffentliche Versammlungen, 3 AgitotionStouren und eine Anzahl Flugblattverbreitungen. Die Mitgliederzahl betrug am Anfang des Geschäftsjahres l68 und am Ende desselben 141. Hierbei ist zu bemalen, datz die Bobnsdo rfer Genoffen, die bisher dem hiesigen Wahlverein angegliedert waren, einen eigenen Wahl- verein gegründet haben. Der Kassenbericht weist für das 4. Onartal eine Einnahme von 142,69 M. und eine Ausgabe von 180,25 M. auf. ES ist mithin ein Defizit von 37.56 M. zu verzeichnen. Die Zahl der„Varwärts"-Aboitiienlen fft infolge der sich auch hier fühlbar machenden Arbeitslosigkeit von 184 auf 169 zurückgegangen. AnS dem Bericht des Bibliothekars ist hervorzuheben, daß die Bibliothek nicht ge- nügend in Anipruch genommen wurde. Dieselbe siebt bekanntlich auch den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zur Verfügung. Aus der Wohl für den Vorstand gingen folgende Genossen hervor: Süsske erster, Dürre zweiter Vorsitzender. König Kassierer. Winniewski Schriftführer. Georg Settett und Wilhetmine Dürre Beisitzer. Als Revisoren wurden Winkelmann. Belau und Rein und in dt« Lokal- kommission Rein, Dürre und Henschel gewählt. Al« Zeitungö- ipediteure fungieren Wilh. Dürre. Kaulbaum. Mitglieder der ZeitnngS« kommission sind Seifert. Schröder und Rühle. Als BezirkSiüdrer fungieren für Bezirk 1: Dürre. Bezirk II: Rühle, Bezirk III: Henschel, Bezirk IV: Knispel. Bezirk V: Bayer und Heinrich Schulz. Als Bibliothekar wurden Winkelmann und Grau gewählt. Zur Kreis- generalversammlnng wurden Hauptmann und Schneider delegiert. Zossen. In der gut besuchten Generalversammlung gab Genosse Gieske den Jahresbericht. Aus demselben ist zu entnehmen, daß am 17. Januar 1909 121 männliche und 17 weibliche Mitglieder vorhanden waren. Es fanden statt: 12 Mitgliederversammlungen. 3 Bolksversammlungen, ausserdem 2 Agitationsversammlungen in Dabendorf und Nächst-Neuendorf. Der Jahresbericht des Kassievers Genossen Saupe ergab folgendes: Die Gesamteinnahme betrug 486.02 M.. die Ausgabe 409,31 M.. mithin blieb ein Bestand von 25,71 M. An den Zentralvorstand wurden 243,93 W. abgeführt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Genosse Saupe; 2. Vorsitzender Genosse Budeus; Kassierer Genosse Witzmann! Schriftführer Genosse Tschersich; als Bei- sitzerin Genossin Tschersich: Lokalkommission Genosse Wischendorf und Genosse Robert Scholz; Revisoren Genosse Rakow und Genosse Rönnebeck; Parteispediteur Genosse Matuschek; Berichterstatter und Bibliothekar Genosse GieSie. Bezirks- führer: 1. Bezirk Genosse E. Lehmann; 2. Bezirk Genosse Piesnack; 8. Bezirk Genosse Börnicke; 4. Bezirk Genosse Wiesen; 6. Bezirk(Tabendorf) Genosse Wendorf. Zur KreiSgeneral- versammlung wurden die Genossen Tschersich und Witzmann sowie Genossin Tschersich delegiert. Unter Verschiedenem wurde noch eine fünfgliedrige Kommission gewählt, welche die Vorbereitung den in diesem Jahre stattfindenden Stadtverordnetcnwahlen zu erledigen hat. In die Kommission wurden gewählt die Genossen O. Rakow. E. Rönnebeck. W. GieSke, K. Grobe und Jul PieSnack. Bernau. LanbendirbsiShle. Schon seit längerer Zeit wurden von den Kolonisten, grösstenteils Berliner Arbeitern, welche sich in der Gegend von Schwanebeck, Zepernick usw. bei Bernau angesiedelt baben, laute Klagen über fortgesetzte Einbrüche in ihren dortigen Lauben usw. geführt. Die Dieb« nahmen was sie fanden. Anzüge, Betten. Eartengerätschaften. kurzum alles, was ihnen ln den Weg kam. selbst Wirtschaftsgeräte wie Töpfe. Kannen usw. mit. Nach. dem die Polizei schon tängere Zeit Spuren verfolgte, gelang eS derselben endlich am Montag, die Diebe in der Person der Ar- beiter Brüllke und Rodkowsky. Weinbergstratzc h,er,elbst wohnhast. zu ermitteln. Eine Haussuchung förderte tin ganzes Lager von obengenannten Gegenständen ans Tageslicht, welches von der Polizei beschlagnahmt wurde. Brüllte und RodkowSky wurden in Untersuchungshaft genommen._ Buchdruckerei u. Verlags anstatt Paul Singer&(5v„ Berlin SW,