Nr. 23. Abonnements- Bedingungen: • Ebonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel zeile oder deren Naum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Big., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaj stellen- Anzeigen das erite Wort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Pig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5hr nachmittags in der Expedition ebgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 9 Mehr Dampf! Donnerstag, den 28. Januar 1909. 17 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Str. 1984. Regierung pathetisch zugerufen: Mehr Dampf, Herr Minister", jeder Beobachter der Arbeiterverhältnisse, daß sich die Lebensaber er hat sich gehütet, die Kessel einzuheizen! bedingungen sehr vieler Jndustriearbeiter trotz der unzweifelhaft Auch die Freisinnige Zeitung" hat sich mit einer vielfach gestiegenen Geldlöhne faum oder gar nicht gebessert haben, mehr als lendenlahmen Erklärung begnügt! Im Gegenteil, daß also die Begründung der gewerkschaftlichen Forderungen einer sie hat das schmachvolle Votum des Dreiflassenhauses mit ganz richtigen Beobachtung entspringt, wenn sie auch vielfach in bemitleidenswerter Resignation aufgenommen, indem sie be- fcheinbarem Widerspruche zu den Lohnbüchern der Unternehmer stehen merkte: mag. Aber es ist schwierig, diesen Widerspruch zu erklären. Heber , Daß der Baum nicht auf den ersten und auch nicht auf einen derartigen Versuch, der nicht aus dem sozialdemokratischen den zweiten Streich fallen werde, konnte man voraus Lager stammt, tönnen wir einiges miteilen. sehen. Für die Freisinnigen heißt es deshalb, unausgesetzt Die wirkliche Besserung der Lage der Arbeiter ist bloß festweiterarbeiten, bis das Ziel, die Einführung des all- zustellen, wenn man die Lohnhöhe in Beziehung setzt zu den je gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen, weiligen Kosten der Lebenshaltung. Dr. Rehe, ein Beamter der erreicht ist." D " " Sammelfleisch 0,5 Butter 10,0 " Kartoffeln 2,0 8,0 " Weizenbrot " Wenn man die blodfreisinnige Presse liest, begegnet man zwar allerhand Ausfällen gegen die konservativen Wahlrechtsweigerer, aber nicht der leisesten Andeutung dessen, was denn nun eigentlich der Blockfreifinn zu tun gedenkt, um den Konservativen den beißenden Hohn, den sie durch den Freiherrn v. Richthofen am Montag über den Freisinn ausschütten ließen, heim zuzahlen und eine energische Tat für das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu risfieren. Der Freifinn macht einstweilen nicht den geringsten VerDas heißt: der Freifinn will weiter hoffen und harren, preußischen Gewerbeinspektion, hat in seinem Vuche über die such, das schmachvolle Blockjoch, unter das er sich so lange nämlich seine Wähler weiter zum Narren halten lassen! Denn deutsche Schuhgroßindustrie( Jena 1908, Gustav Fischer) gebeugt, abzuwerfen. Schon allein die Rede des Polizei- daß die„ Wahlrechtsreform" schließlich nur auf ein das den interessanten Versuch gemacht, aus der Steigerung der Geldministers Moltke, die nur eine glatte Wiederholung Klassenwahlrecht nur konservierendes Iura Iwahlsystem löhne und aus der Preisentwickelung der wichtigsten Nahrungsder Bülow Rede vom 10. Januar 1908 war also eine hinauslaufen wird, wenn nicht durch rüdsichtslose sten mittel einen Schluß zu ziehen auf die Betvegung der Reallöhne Wiederholung der„ klatschenden Ohrfeigen in das Gesicht des parlamentarischen wie außerparlamentari- und somit auf die tatsächlichen Kenderungen der Lebensbedingungen Blockfreisinns!" darstellte, hätte endlich dem Freisinn zu fchen Kampf der Reaktion das Reichstagswahlrecht ab- der Arbeiter der deutschen Schuhindustrie. Er hat für die Jahre dem verspäteten Afte der Wahrung feiner politi gerungen wird, das weiß der Freisin so gut, wie wir es 1850, 1890 und 1907 berechnet, wieviel insgesamt ein Arbeiter Ichen Ehre zwingen müssen, in aller Form die Lösung wissen! ausgegeben hat für seines Blockverhältnisses zu erklären! Das ist nicht nur sozialDie Frage für den Freisinn stellt sich also so: Will der 1,0 Kilogramm Nindfleisch demokratische Auffassung, das ist die Ansicht aller ehrlich Freifinn trotz der unerhörten neuen Provokationen feiner 0,8 Schweinefleisch 0,5 Hat doch eine von der Frei feindlichen Blockbrüder durch unentwegte" Blockhandlangerfreisinnigen Elemente! sinnigen Vereinigung am Montagabend in Moabit dienste daran mitarbeiten, daß zwar die preußischen Proleabgehaltene Versammlung nach langer Diskussion schließlich tarier und der preußische Mittelstand durch eine uneine Resolution angenommen, die besagt: gerechte Erhöhung der Einkommensteuer belastet,.daß zwar alle nichtbesitzenden Reichsangehörigen durch neue ftan- und an Miete pro Woche für eine Wohnung von Stube, Kammer dalöse indirefte Steuern schamlos ausgeplündert werden, und daß und Küche. Dann stellt er fest, wie viele Prozente des jetveiligen den Entrechteten in Preußen trotz alledem das gleiche Wahl- Wochenlohnes dieser Betrag in den verschiedenen Jahren ausmacht. recht durch die vom Freifinn gefügten Reaktionäre vorenthalten Der übrigbleibende Teil soll den Betrag darstellen, den der Arbeiter bleibt? für sonstige Lebensmittel, Kleidung, Bergnügungen und Kulturgwede übrig hat; an diesem Anteil soll man sehen, ob und inwiefern das Einkommen des Arbeiters gestiegen ift. Das Ergebnis bringt das überraschende, aber wohl nur schwer zu widerlegende Resultat, daß 1850 der so niedrig scheinende Lohn bei fast allen Arbeiterkategorien relativ bedeutend höher war als 1890. Dieser Umstand läßt auch dem preußischen Gewerbeinspektionsbeamten die gewaltigen Stämpfe um Lohnerhöhung als verständlich, ja als berechtigt erfcheinen, die turz vor und vor allem nach Aufhebung des Sozialistengesetzes zu Beginn der 1890er Jahre, besonders im Jahre 1890 entbraunten. Seine zwei instruktiven Tabellen geben wir hier wieder: Menge Gegenstand 1850 1890 1907 1,0 Kilogr. Rindfleisch.. 0,60 M. 1,35 M. 1,40 M. 0,46 0,23 „ Es ist ein Verrat am Liberalismus und am preußischen Volke, wenn die Abgeordneten der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft im Reichstag auch nur einen Pfennig Steuern der Regierung bewilligen, ohne daß vorher die Einführung des Reichstagswahlrechts für den preußischen Landtag ein für allemal gesichert ist." Will sich der Freifinn dieses schmachvollen Verrats aller Volksinteressen schuldig machen? Warten wir es ab! Die Versammlung hat sich also dahin ausgesprochen, daß der Freisinn endlich einmal Ernft mit seiner Wahlrechtsforderung zu machen habe. Die politische Pflicht gebiete ihm, Diese fühle Ruhe, mit der wir die Freisinnstaten ohne Rücksicht auf die Steuerwünsche der Stonservativen und abwarten können, ziemt freilich nicht dem Freisinn! Es war der Regierung so lange jede Steuer zu verweigern, bis mindestens eine sehr zweideutige Redensart, wenn die Regierung auch einmal dem freisinnigen Blockgenossen Herr Wiemer erklärte, daß der Freifinn der Entwickelung des die Forderung erfüllt habe, die ja doch von allen Organen Block- Problems mit„ kühler Gelassenheit" entgegensche. Das des Blockfreisinns als die wichtigste politische Frage bedeutet ja doch nichts anderes, als daß der Freifinn solange nicht nur in Preußen, sondern auch im Reiche bezeichnet warten will, bis man ihn nach Haustnechtsart gewaltsam ans dem Block hinangwirft! worden ist! Der Freisinn hat nun freilich erklärt, daß er, der nicht Alle Brutalitäten, alle Verhöhnungen durch die davor zurückschreckte, den schäbigsten Wahlrechtsfeinden zu Regierung, durch die Nedner der Konservativen à la Mandaten im preußischen Junkerparlamente zu verhelfen, Richthofen will sich der Freifinn also gefallen lassen! es für„ unfittlich" halte, sich der Steuerfrage als Erpressungs Er will„ fühl" allen Hohn, alle faulen Eier, alle mittels zu bedienen. Aber diese Erklärung wurde doch abge Schmach, alle Fußtritte auf sich herabregnen lassen; er will geben zu einer Zeit, wo der Freifinn seinen Wählern noch erst dann sein Blockverhältnis lösen, wenn dem figürlichen Hoffnung gab, daß die Regierung zu liberalen Zugeständnissen Sinauswurf der handgreifliche Hinauswurf gefolgt ist! auf dem Gebiete des Wahlrechts geneigt sein werde. Da Und diese jammervolle Haltung bewahrt auch jetzt noch nun aber die Regierung die gutgläubigen Freisinnsdiplomaten die offizielle Freisinnspresse, trotzdem im Landtage Bentrum so schmählich enttäuscht hat, ist selbst für die schwachnervigsten und Stonservative fich im Zeichen antiliberaler Mnderci be" Ethiker" des Freisinns jeder Grund fortgefallen, sich immer reits die Hände gereicht haben. Erklärte doch der konserund immer nur trotz aller reaktionären Büffe und Seniffe zum vative Redner v. Richthofen: Prügelknaben der von den Junkern terrorisierten Regierung herzugeben. Nachdem die Regierung durch den Mund ausgerechnet des Polizeiministers in aller Brutalität erklärt hat, daß sie das allgemeine und gleiche Wahlrecht nicht gewähren will, will, sondern nur ein Pluralwahlrecht, vermutlich nach dem abschreckenden Muster des ultrareaktionären fächsischen Mehrstimmenund selbst das nur Roggenbrot 0,8 " 0,5 " Schweinefleifch Hammelfleisch " " 0,5 " Eßbutter 0,50 " 1,16 0,57 1,05 " 1,32 0,78 " " " 1,15 " " 10,0 " Kartoffeln 0,47 0,52 " 0,70 " 1 8,0 " 2,0 " Roggen zu Brot zu Weizen verbaden 0,23 Summa 0,54 1,43 " 1 17 1,54 " " 0,38 " " Miete pro Woche für eine Wohnung bont Stube, Kammer und Küche " Die Worte, die der Herr Abg. Herold über das Christentum gesprochen hat, sind auch einem großen Teile der konservativen Partei aus dem Herzen gesprochen. Die Zeit wird kommen, daß wir mit Bezug auf diese christlichen Fundamente immermehr das, was Arbeiterkategorie uns trennt, vergessen." Gehilfen im 111. Und da will der Freijinn noch immer hoffen, der freiwahlrechts nicht geistigen liberalen" Weltanschauung durch absehbarer Zeit wäre es die jammervollste Kriecherei sein Bündnis mit den Konservativen die Gasse bahnen zu vor der Reaktion, wenn nicht endlich auch der Freifinn zeigte, fönnen?! daß er noch ein Fünfchen von Ehrgefühl besitzt, daß er nicht Die freisinnigen Illusionen haben völlig Schiffbruch Handwerk hoffnungslos auf die Gnade der Junker und ihrer erlitten. Das muß jetzt selbst jedem Pachnide und Durchschnitt Handlanger in der Regierung angewiesen Wiemer zum Bewußtsein gekommen sein. Für den Frei. Maximum ist, daß er auch noch etwas für sich vermag! Wenn die jinn gibt es nur noch eine Rettung: heraus aus dem Block, fabrikarb. Junker den Mut befizen, die Nachlaßsteuer- dies doch von hinein in die Opposition! Das fordert sogar die Frank- b. 163. v. vornherein so agrarierfreundlich gestaltete Regierungsprojeft furter Zeitung", die über die Wahlrechtsfrage ein Buschneider fchroff abzulehnen, dann sollten die Freifsinnigen nicht schreibt: Die Aenderung des preußischen Wahlrechts ist nach Lage Maximum den Mut aufzubringen vermögen, Steuern abzulehnen, die in der Dinge nicht bloß eine preußische, sondern eine das der unerhörtesten Weise den Massenkonsum und die ganze Reich nahe berührende Frage. Soll die Reform aber Schultern der Proletarier und des Mittelstandes wirklich eine voll befriedigende sein, so muß fie ganze belasten?! Arbeit schaffen, nicht neue Verschiedenheiten des Wahlrechts auf Grund irgendwelcher Abstufungen und nach Maßgabe irgend welcher Parteiberechnungen, sondern ein böllig gleiches und freies Wahlrecht, unter dem allein alle Kräfte sich geltend machen können." " Herr Wiemer deklamierte in seiner Rede am Dienstag: mehr Dampf, Herr Minister!" Mir geben diese Mahnung dem Freisinn zurück: " Mehr Dampf, Ihr Herren Freisinnigen! Durchschnitt Bergleichswert Löhne pro Woche in Mart absolut 0,40 3,03. 6,46. 7,20 m. " " " 0,92 3,50 4,00 3,95 M. 9,96 M. 11,29 W. Für sonstige Der Vergleichs- Lebensmittel, Ves wert macht wie viel Prozent vom Lohn aus Kleidung, Bergnügungen und Kulturzwede Bleiben Brozent des Lohnes 1850 1890| 1907 1850 1890 1907 1850 1890 1907 6,00 12,50 18,00 65,8 79,6 62,7 34,2 20,4 37,3 9,00 15,00 25,00 45,0 66,4 45,2 55,0 33,6 54,8 3,50 11,00 15,00 113,0 90,6 75,3 13,0 9,4 24,7 6,00 16,00 22,00 65,8 62,3 51,3 34,2 37,7 48,7 10,00 18,00 25,00 39,5 55,3 45,2 60,5 44,7 54,8 12,00 25,00 85,00 32,9 39,0 32,3 67,1 61,0 67,7 Die Zahlen für das Jahr 1907 zeigen, wie sich der relative Lohn zwar gegenüber 1890 wesentlich gehoben hat, wie er aber nur univefentlich gegenüber 1850 gestiegen ist. Für die Gewerkschaften in ihrer Polemik gegen das Unternehmertum, für jeden Arbeiter bei der Verteidigung des Koalitionsrechtes und im Kampfe gegen Agrarier und sonstige Lebensmittelbertenerer find diese Zahlen sehr wertvoll. Der Ellenbahnfiskus als Arbeitgeber. Ohne Reichstagswahlrecht für Preußen keine ReichsFinanzreform das ist eine so flare, jedem Einsichtigen einleuchtende, eine so populäre Losung, daß der Freisinn sich freuen müßte, sich durch einen solchen Kampf die durch frühere Sünden eingebüßte Volkstümlichkeit zurückerobern zu fönnen. Aber auch die Stellung des Freisinns zu dem für Preußen geplanten Zuschlag zur Einkommensteuer, durch den schon alle Einkommen mit mehr als 1200 Mark herangezogen werden sollen, wäre einer Revision dringend bedürftig. Dem preußischen Landtag ist ein Bericht über die Ergebnisse des Gewiß böte sich dabei die Möglichkeit, daß das Zentrum Betriebes der bereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnwieder in die Anno 1907 verlorene Position einrüden würde. verwaltungen im Rechnungsjahre 1907 zugegangen. Die Druckschrift Aber würde dabei der Freisinn verlieren, würde daenthält, allerdings verklausuliert, die Bestätigung der Klagen des bei das Zentrum gewinnen? Nein: das Zentrum, Die Unternehmer halten sich sehr häufig darüber auf, baß die Bahnpersonals über zu lange Dienstzeit, geringen Lohn und Gedieser verhaßte Erzfeind der liberalen Welt- Arbeiter zur Begründung ihrer Lohnforderungen immer wieder von fährdung des Lebens. Es find im Dienst getötet worden 1907: anschauung, würde dabei erst recht an den Pranger den gesteigerten Lebensmittelpreisen, von den erhöhten Mieten 520 Bahnbeamte und Bahnarbeiter, 1906: 512; verletzt wurden gestellt, bei der Masse der Wähler diskreditiert sprechen. Wancher Fernstehende mag öfter das Gefühl gehabt haben, die Hälfte der Infälle und Tötungen sei vorgekommen infolge unvors 1907: 1044, 1906: 951. Die Eisenbahnverwaltungen geben an, weit über werden fönnen, während die Aftien des Freisinns wieder im daß die Arbeiter eigentlich recht schablonenmäßig verfahren, wenn sie sichtigen Verhaltens beim Besteigen und Verlassen in Bewegung befind Sturse steigen würden. fast bei jedem Streik in der gleichen Weise ihre Forderungen zu licher Fahrzeuge oder während des Aufenthalts in diefen", auch unt Reallohn und Geldlohn. Bisher freilich ist von der Absicht des Blockfreisinns, die begründen suchen. Hänfig werden den Arbeitern die gesteigerten Geld- zeitigem Aufenthalt auf den Gleisen, namentlich beim lleberschreiten des Retten seines schmachvollen Blockhelotentums zu sprengen, löhne vorgehalten und aus diesen der Schluß gezogen, Gleises", ferner durch sonstige unvorsichtige Handhabung des nicht das mindeste zu spüren. Herr Wiemer hat zwar der daß ihre Begründung keinen Glauben verdient. Doch weiß Dienstes", würden die Fälle von gänzlich Unbeteiligten genau nathgeprüft, so würde sich nicht selten statt Unborsichtigkeit oder p #nzeitigteit eine Dienstüberlastung der Getöteten und Vers Tegten Herausstellen. Bornehmlich die im unteren Vahndienst" tätigen Berfonen, z. B. die Strecken- und Schrankenwärter, haben eine folche Menge von Obliegenheiten zu erfüllen, daß eine vorfichtige Diensterfüllung den Beuten oft einfach unmöglich ist. Ebenso find die Zugbediensteten nicht selten viel zu lange Zeit dienstlicht Ueber die Dauer des planmäßigen tägligen Dienstes des Personals besagen nämlich die Nachweise. Es hatten von ihnen Dienstgeit: berpflichtet. bis zu 8 Stunden mehr als 8-0 Herbst 1898 Herbst 1908 34 732 33 550 44 983 " 9-10 # 19 95 031 10-11 " " 37 67 084 11-12 " 68 714 " " 12-13 13-14 11 403 " 78 166 138 359 109 343 63 340 12 377 99 7478 " " " " 14-15 15-16 " 3 082 2295 " 1 7.052 3745 " Politische Ueberficht. Berlin, den 27. Januar 1909. Großzindustrieller Vernunftmonarchismus. des Kaisers 50 jährigen Geburtstag die üblichen HuldigungsDer größte Teil der sogenannten anständigen Bresse leistet sich artifel, in denen Wilhelm II. als„ Deutschlands fühner Bar", des Reiches starter Hort", des deutschen Volkes Zukunft", als„ Friedensjonne"," Friedenshort",„ Schußbollwert" usw. gefeiert wird. Einen anderen Ton schlägt jedoch das Blatt der rheinisch- westfälischen Zechenbefizer und Hüttenbarone, die vernunftmonarchistische Rhein.Weftf. 8tg." an. Erbittert über die schwächliche" Friedenspolitik der Regierung, die einem frisch- fröhlichen Kriege aus dem Wege geht, schreibt das hyperpatriotische Blatt: Gewiß ist es ein hartes und tragisches Geschick, wenn einem Menschen, der zwanzig Jahre lang seine Kräfte einem Werke ge widmet hat, der zwei Jahrzehnte feines Lebens in einent Berufe nach bestem Wissen und Können tätig gewesen ist, bedeutet wird, feine Arbeitsmethode jei verfehlt gewesen, icin Birken ohne Erfolg geblieben, feine Erwartungen nicht in Erfüllung gegangen. Mitleid wird niemand Wilhelm II. verjagen, der dieses harte Los erfahren hat. Mitleid besonders deshalb, weil man ihn persönlich, feine Würde und feine Familie liebt und mit Bedauern ficht, wie sein hohes Streben in die Jrre ging. Mitleid verdient er auch deshalb, weil feine verantwortlichen Minister, weil der Reichs tag und die Presse das Volk ihm gegenüber ihre Pflicht, aufrichtig und freimütig zu fein, nicht erfüllt haben. Wenn einst gefagt wurde: Das ist der Fluch der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen, so kann man heute das Wort umdrehen: Das ist der Fluch der Völker, daß sie die Wahrheit nicht sagen wollen." Die Mehrzahl der Beamten und Arbeiter hatte demnach eine 10-11ständige tägliche Dienstzeit. In den Arbeitszeitklassen mit fiber 12-15 humben befand sich vorwiegend das Personal im Lokomotiv- und Zugdienst im imteren Bahnbewachungs- und Bahninterhaltungsdienst imb im unteren Bahnhofsdienst. Es handelt sich fich hier in Beamte, boz denen vorzugsweise eine angespannte Tätigkeit verlangt wird; ihrer Aufmerksamkeit ist nicht gulegt die Bermeidung von Betriebsunfällen anvertrant. Daß gerade diefe Beamten bis zu 15 Stunden täglich im Dienft fein nrüffen, macht manches Eisenbahnunglück ohne weiteres er flärlich. Wennt auch versichert wird, das Personal habe in Wirklichfeit oft viel Hirzaren wirklichen Dienst, es fame häufig in den Genns längerer Baulsen, fo ift es doch ein wesentlicher Unterfhied, ob der Beamte mach achtstümbigem Dienst fich unbesorgt der Rude hingeben fann, oder ob er nach nur 1-3 stündiger Pause währenddem außerden meistens die stete Dienstbereitschaft vor geschrieben ist abermals 6-7 Stunden tätig sein muß. Bei dem Rugbegleitungspersonal soll die tägliche Dienstbauer im monatlichen Durchschnitt nicht mehr als 11 Stunden betragen; die einzelne Dienstfchicht darf 15 Stunden nicht überschreiten." Alio bis zu 15 Stunden Der Kampf zwischen der Bülow- Clique und der agrarischen ein aufreibender Dienst: da ist es doch wahrhaftig fein Wunder, went ber abgehegte Zagführer oder Schaffner beim Auf- und Hofkamarilla, die auf seinen Sturz finnt, treibt immer widerAbspringen einen Fehltritt tut und unter die zermalmenden Räder lichere Blüten. So veröffentlicht jetzt die bülow- offiziöse Früher hat das Blatt sich ähnliche Elogen zu des Kaisers Geburtstag geleistet, wie die Presse der„ bis auf die Knochen königstreuen" Royalisten; seitdem die Schlotmagnaten sich aber in ihren Hoffnungen auf eine fog. aggressive Auslandspolitik getäuscht fühlen, machen sie in Anti- Royalismus. Um den Kanzlerposten. gerät. Bei dem Bahnbewachungspersonal foll die Dauer der täg. Gef. Storr.", um die Gegner des Reichskanzlers zu dislichen Dienstschicht 14 Stunden nicht überschreiten," ausnahmsweise kreditieren, eine Zuschrift, in der die Behauptung aufgestellt fann fie bis 15 Stunden ausgedehnt werden! Solchen Leuten bleiben wird, gewisse Artifel des Pariser Figaro", in denen der innerhalb 24 Stunden nur 7 Stunden dienstfreie Ruhezeit übrig! Wenn derart angespannte Bärter schließlich übermüdet, darum gleich- Staiser verteidigt und Fürst Bülow heftig angegriffen wird, gültig gegen die ihnen übermäßig aufgebürdeten Dienstpflichten feien vom Fürsten Philipp Eulenburg inspiriert. werden, so ist das sehr natürlich. Dem reisenden Publikum aber ist Wählerisch in der Wahl der Mittel ist man auf beiden Zu den bevorstehenden Wahlrechtsdemonftrationen in Elsaß- Lothringen es durchaus nicht gleichgültig, ob das zur Bewachung der Bahn- Seiten gerade nicht. anlagen, Uebergänge usw. bestellte Perfonal aus physischen Gründen dienstuntauglich ist oder nicht. Gerade diesem Personal und den den Zug führenden und begleitenden Beamten ist Gesundheit und Leben des reifenden Publikums vorzüglid) anvertraut. Es mnß deshalb eine größere Schonung der Kräfte diefer Bahnangestellten auch zu feiner eigenen Sicherheit fordern. wird uns aus Mülhausen i. E. geschrieben: Tugenden vorhanden sind, die ihn erst mit zu einer Voraussetzung des Familiengeistes machen. Fehlen diese, fehlen die Erziehung, die Kraft, der Fleiß und das brüderliche Verhalten, so ist das aus dem Nachlaß fliehende Rapital allein schlechterdings nicht imstande, einen voltswirtschaftlich und ethisch wertvollen Zustand zu garantieren. Die Ausstattung mit geerbtem Stapital ist dan nur ein Zufall", an welchem die Allgemeinheit nicht das geringste Interesse haben kann. Sodann ist daran zu erinnern, daß für die große Masse der Staatsbürger die ganze Frage überhaupt nicht existiert, sobald man, wie geplant ist, das fleine Kapital steuerfrei läßt. Daß aber ein Kapital von 20 000 M. feine Nachlaßsteuer von 100 M. und ein solches von 200 000. feine Nachlaßsteuer von 4000 W. verträgt, ohne die Famile und den Familiensium zu schädigen, wird man uns vergeblich einzureden ver suchen. In dem ersteren Fall gehen 4 M., im letzteren 60 M. jährliches Einkommen verloren." Das ist zweifellos richtig, aber bei den Junkern hört bekanntlich, wo das Geldinteresse in Frage kommt, die Logik auf. Sie werden dem Herrn Harnack einfach erwidern, daß er von der Sache nichts versteht und sich deshalb lieber mit der Evangelienkritik oder der Gnofis beschäftigen solle, als mit der Stenerpolitik. Katholische Arbeiter über die Reichsfinanzreform. " Der Arbeiter", das in München erscheinende Organ der katholischen Arbeitervereine Deutschlands, veröffentlicht eine Reihe von Artikeln über die Reichsfinanzreform und die Arbeiter. In dem letten dieser Artikel, der eine Kritik des Reichsfinanzreformiplanes bringt, heißt es: „ Wenn man die Regierungsvorlage auch nur ganz oberflächlich anschaut, so ist man schon berechtigt zu sagen: fie gereicht dem sozialen Denken der regierenden Kreise nicht zur Ehre. Denn der Hauptfache nach sind die neuen Steuern indirette Steuern. Obwohl nun die indirette Steuer die schlechteste Steuer ift, twenn man vom Standpunkt der sozialen Gerechtigkeit ausgeht, und obwohl die Reichsfinanzen schon bisher in indirekten Steuern, fogar auf notwendige Lebensmittel, ihre Grundlage haben, so will der neue Finanzplan von 472 Millionen neuer Einnahmen 380 Millionen, also 88,6 Prog. aus indirekten Steuern und nur 92 Millione:: oder 16,4 Proz. durch Besteuerumg, des Besizes usw. gewinnen. Eine solche Verteilung der Lasten schlägt allen modernen finanzwissenschaftlichen Grundsägen geradezu ins Gesicht. Durch die Abstufung der Steuer Bei Tabat und Wein usw. nach dem Werte kann dieses harte Urteil nicht umgestoßen werden. Es wäre wahrhaftig an der Zeit, einmal die kapitalfräftigen Schultern ordentlich zu den Lasten des Reiches heranzuziehen. Wir fonnten uns bisher nicht davon überzeugen, daß es unmöglich sein fein soll, eine Reichsvermögens- oder Reichseinkommensteuer für die besser fituierten Klassen einzuführen.... Es ginge, wollte man nur, die kleineren Vermögen oder Eintommen, vielleicht bis zu 20 000 beztv. 5000 M. freilassen und die höheren Vermögen oder Einkommen progressiv besteuern. Die Belastung des Nachlasses bei Bermögen über 20 000 M., die man vorschlägt, ist doch nicht mehr als ein Stücklein Zuder in das Glas bitterer Arznei aus sechsfacher indiretter Steuer gemischt." Die Angst vor der Wahlrechtsdemonstration figt im sozialistenIm frassen Gegensatz zu der Summe der Dienstpflichten steht freien Gemeinderat der Stadt Mülhausen so fest, daß der GemeindeDie Kritik, die das Münchener Arbeiterblatt an dem im Reiche die als Entgelt gezahlte 2ohnfum me. Die Eisenbahnverivaltungen rat seine eigenen bauamtlichen Gutachten desavouiert. Der fozial führen die Lohunachweise zurück bis 1895; die legte Rohutabelle demokratische Verein hatte zum Zwede einer Wahlrechts bestehenden Steuersystem übt, trifft in besonderem Maße das betrifft 1907. In diesem Jahre find aus Anlaß der Tenerungs- versammlung inter freiem Himmel unter anderem auch um 8entrum, das an der Schaffung indirekter Steuern in herborverhältnisse( bie sonst gern bestritten werden, wenn sie von den Neberlassung der leberdeckungsstrecke des die Stadt durch- ragender Weife beteiligt ist und sich mit Händen Sozialdemokraten zur Charakterisierung der Sollpolitik angeführt schneidenden Hochwasserfanals nachgesucht. Diese Kanaldede war und Füßen gegen die Einführung direkter Reichssteuern sträubt, ja werden) 500 000 m. an Arbeiter und Hilfsbedienstete als einmalige im November vorigen Jahres dem öffentlichen Verkehr über sich sogar gegen die recht unbedeutende Nachlaßsteuer anßerordentliche Butvendung" gezahlt worden. Es entfallen pro Wenn das Organ der katholischen Arbeiter SüdKopf nur wenige Mark; fie sind auch verwaltungsfeitig bei der geben worden, nachdem ihre Tragfähigkeit durch verschiedene Be- auflehnt. Ermittelung der Durchschnittslöhne unberüidjichtigt geblieben. Es lastungsproben einwandfrei fonstatiert worden war, unter anderem deutschlands erwartet, daß bei der Reichsfinanzreform der Grundsat haben burchschnittlich für ein Tagewerk an Lohn oder Vergütung durch eine Auflast von 885 Kilogramm pro Quadratmeter auf einem der sozialen Gerechtigkeit gewahrt werde und die Freunde der bezogen: 36 Meter langen und 3 Meter breiten Felde in der Mitte der katholischen Arbeiterschaft in diesem Sinne ihr Votum abgeben 1900 1905 1907 Kanalbede, das heißt mit dem ungefähren Gewicht von 10 Eisen- mochten so dürfte sich diese Hoffnung, so tveit das Zentrum in 7. M. M. bahnivaggons oder sieben Dampfwalzen, welche Last zwei Stunden Betracht kommt, genau so trüglich erweisen, wie sie es schon so oft liegen blieb. Das Ergebnis diefer Proben war derart zufrieden getan hat, wo die Arbeiter auf das Zentrum gerechnet haben. Mert stellend, daß das städtische Bauamt bekannt, gab, der Widerstand würdig und bedauerlich ist nur, daß die proletarischen Anhänger der Asphaltdecke sei ein erheblich größerer als er normalerweise des Sentrums trotz aller diefer Erfahrungen noch nicht flug geverlangt werden darf", die Kanaldecke sei daher durchaus betriebs- worden sind. ficher" und könne dem öffentlichen Verkehr anstandslos übergeben werden. brucker, Hausdiener usw.) Bahnunterhaltungsarbeiter 1895 22. Technische Bureaugehilfen, Bauauffeher usw. 5,3 6,73 7,23 6,90 Hilfskräfte im inneren Dienst ( Silfsfassendiener usiv.) 2,80 3,06 3,25 3,49 Hilfskräfte im unteren Bahnüberwachungs- und Bahnunterhaltungsdienst 1,64 2,12 2,21 2,50 Hilfskräfte im Lokomotive, Mafinen- und Wagenmeisterdienst 2,52 2,62 2,73 2,94 Hilfskräfte in Zugdienst( HilfsBremfer usw.) 1,92 2,21 2,43 Arbeiter im inneren Dienst( Steint 2,53 Betriebsarbeiter( stohlenlader, Wasserpumper usw.) Hilfskräfte im unteren WertstättenDienst. a) im Zagelohn. 2,99 P b) in Sticklohn. 3,95 2,69 2,70 2,85 3,21 2,32 2,59 2,84 3,15 1,99 2,27 2,41 2,66 2,71 2,94 3,18 3,63 4,00 4,19 4,41 4,56 3,44 3,79 4,12 4,20 4,23 4,00 Handwerksmäßig ausgebildete Werfitättenarbeiter: a) im Tagelohn. 2,44 b) im Stüdlohn. 2,78 3,28 3,36 3,49 3,69 3,86 4,28 2,33 2,63 2,88 3,17 3,22 3,45 3,52 3,82 2,89 2,89 3,18 Hilfswerkführer Werkstättenhandwerker: Souftige Bertstättenarbeiter: a) im Tagelohnt. b) im Stüdlohn. Tegelverflöhne sämtlicher Slajsen ber Bediensteten infl. WeriftattTehrlinge Monarchistische Republikaurr. herzog. Die„ republikanischen" Demokraten stimmten ebenfalls für die monarchische Ehrung. Die sogenannte Wirtschaftliche Vereinigung plädierte für freiwillige Sammlungen, da Karlsruhe, nur? 10 Millio näre beherbergt. Jest, angesichts des sozialdemokratischen Antrages auf Abhaltung 38 fogialdemokratische Stimmen die Summe von 300 000 M. zur Der Karlsruher Bürgerausschuß bewilligte am Montag gegen einer Berfammlung unter freiem Himmel auf diesem Plage hielt der Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen badischen GroßBürgermeister mit Zustimmung des Gemeinderates, es für geboten, der Polizeibehörde mitzuteilen, die Kanaldede fei awar für den Fußgängerverkehr eröffnet, nicht jedoch für den Fuhrverkehr und Truppenbewegungen"- worauf die Polizei die Genehmigung für die Versammlung verweigert hat. Gine Ber jammlung sozialdemokratischer Wahlrechtsdemonstranten wird also behandelt wie ein Truppenaufmarsch mit schwerster Artillerie. Schließlich fielen ihre Anhänger aber doch um, und so waren unsere Parteigenoffen die einzigen, welche durch ihre ablehnende Haltung den Blinschen weiter Streise der Karlsruher Einwohnerschaft Rechnung trugen. Nicht ganz so angsterfüllt, wie die tapferen Demokraten, Liberalen und Zentrumsmänner im Gemeinderat der elsässischen Fabrik stadt scheint indessen die Landesregierung in Straßburg zu sein, denn diese hat dem weiteren Antrage des fozial- u. demokratischen Vereines und des Gewerkschaftskartells in Mülhausen auf Genehmigung eines öffentlichen Umzuges durch die Straßen der Stadt am 7. Februar zum Zwede der Demonftration für das allgemeine Wahlrecht stattgegeben. Das ist die erste polizeiliche Genehmigung dieser Art in ElsaßLothringen. Ueber die zu benußenden Straßen und Plätze, unter denen sich auch der Rathausplatz befindet, ist eine Verständigung mit der Polizeidirektion bereits erfolgt. " Agrarisch- germanischer Familienfinn. dung der deutschen Familie und des echten germanischen Familiengefühls durch die Nachlaßsteuer folgendermaßen abfertigt: Die Gegner der Nachlaßsteuer machen geltend, daß sie geeignet sei, den Familienfium und den Zufammenhalt der Familie zu erschüttern, indem sie sie in dem Momente trifft, wo die Familie besonderer Stärkung bedarf, ferner daß das Verfügungsrecht beschränkt und damit das Eigentumsrecht angetastet wird. Auf lepteres einzugehen, muß ich mir versagen, denn für ein ernsthaftes Argument vermag ich das nicht zu halten, weil es gegen jede direkte Steuer geltend gemacht werden kann, eben dadurch aber ad absurdum geführt wird. Das Eigentumsrecht ist gewiß ein Recht, das, wie alle anderen, des Schutzes bedarf; aber es bliebe nichts übrig als feine Abschaffung in Erwägung zu ziehen, wenn es direkte Stenern überhaupt nicht vertrüge. 2,72 Salaje niedrigen Löhne zahlt der Eisenbahnfisfus, dessen Betriebsfapital fich fele anständig berzinst. Wenn auch die Entlohnung föniglichen Bibliothek in Berlin, veröffentlicht in der Stuttgarter Adolf Harnack, der bekannte Theologe und Generaldirektor der feit 1895 nennenswert aufgebeiiert wurde, so darf man nicht außer acht laffen, wie unerhört niedrig sie zu jener Zeit tvar. Mit Ausnahme Deutschen Revue" einen Artikel fiber die geplante Nachlaßsteuer, in von nur fünf batten damals fämtliche Lohnflaffen einen Durchschnitt der er das Geschwätz der agrarischen Wortführer von der Gefährvon unter 3 W. pro Tagewerk. Drei Lohnklassen standen unter 2 W., und es ift fehr bezeichnend, daß gerade die vorhin schon er wähnten Bersonalgrippen mit der längsten, täglichen Dienstzeit, die Bahr- und Schrankenwärter und das Zugpersonal, mit Löhnen bon weniger als 2 M. abgespeist wurden! Die Bahnwärter usw. famen anch 1907 nod) nicht höher wie durchschnittlich 2,50 M. pro Tagetverf. G3 fällt überhaupt auf, daß dem Bersonal, weldjes am chesten unmittelbar für Karam bolagen, Entgleisungen usw. verantwortlich geniacht wird, von denen auch verhältnismäßig die meisten in der Toten- und Verletztenliste verzeichnet stehen, der niedrigste Durchschnittslohn gezahlt wird. Keine dieser Arbeitergruppen fam 1907 an einen Durch fchnittslohn von 3 Mart pro Tagetverf. Der Eisenbahnfiskus zahlt diefen Leuten nicht einmal soviel Lohnt, als das niedrigste zur preußischen Staatsstener herangezogene Einkommen beträgt. Nicht einmal wird sehr häufig der ortsübliche Tagelohn gezahlt! An den Löhnen der unteren und mittleren Eisenbahnangestellten und der Arbeiter wird die altpreußische Sparfamleit" ganz gehörig geübt. Hier fann wirklich von einer Berschwendung keine Rede fein, vielmehr von einer unsozialen Snidrigkeit, um einen milden Ausdruc zu gebrauchen. Wenn nach oben hin" mur halbwegs diese Snidrigfeit gelibt würde in allen Zeilen der Staats- und der Neichsverwaltung, dann fäßen wir nicht in der Finanzklemme, die wieder dazu führen soll, as tverttätige Bolf mit neuen Basten zu bedrücken. Ernsthafter ist das Argument, welches von dem Zustande der Familie in den Momente des Todes des Erblaffers hergenommen wird. Soll die Familie geschützt werden und wer wollte fie nicht schüßen? fo foll man ihre Forteristenz nicht in dem Momente erschweren, in welchem sie ihren bisherigen Ernährer verloren hat. Allein so schlagend dieses sozialethische Argument in ber Theorie erscheint, so fchwach ist es, wenn man die wirk lichen Verhältnisfe ins Auge faßt. Erstlich nämlich ist der Besiz feineswegs die vornehmste, geschweige Ein Unzufriedener. In einer Zuschrift an das B. T." macht Abg. Naumann a. folgende Bemerkungen: Die Behandlung der Wahlrechtsfrage im preußischen Abgeordnetenhause hat von vornherein darunter gelitten, daß die fozialdemokratischen Volks Demonstrationen Stärke erreicht nicht denjenigen Grab von haben, durch den sie einen Eindruck herbor tufen tonnten. Man kann grundsäßlich darüber streiten, ob in dieser Frage Maffendemonstrationen am Plage find oder nicht. Wir unfererseits find immer dafür eingetreten, daß das Recht der freien Demonstration in Deutschland ebensogut fein vorhanden wie muß fiz Wenn England. aber einmal eine Partei von der gewaltigen Mitgliederzahl der Sozialdemokratie den Versuch macht, den Willen des Volkes auf der Straße öffentlich zu zeigen, dann muß auch die Wilhelm= und die Prinz Albrecht- Straße geradezu überschwemmt sein von Menschen, die nach politischer Gleichberechtigung verlangen. Es ist gar nicht zu er warten, daß die bürgerlichen Streife vom Ernst der Wahlrechtsfrage tief erfaßt und durchschüttelt werden, wenn diejenigen, die au meisten dabei zu gewinnen haben, nicht selbst mit dem Bei= fpiele warmer politischer Leidenschaft vorangehen." Herrn Naumann fann noch geholfen werden! Taktlos. Nach einem Telegramm aus Petersburg hielt der deutsche Botschafter Graf Bourtalès heute eine Festrede zur Feier des Geburtstages Wilhelms II., in der folgende Stelle vorkommt:„ Es ist eine unerfreuliche Erscheinung unserer Zeit, daß das Verständnis zwischen den Wölfern oft durch leere Phrasen und hohle Schlagwörter gestört wird." Wir meinen, folche Wendungen, die leicht zu Mißverständnisser führen könnten, würden besser unterbleiben. Eine Staatsaktion geplant? Aus Dresden wird vom 27. Januar gemeldet: Der Genosse Redakteur Dübell von der Dresdenet Boltszeitung" war heute vor den Untersuchungsrichter geladen. Er soll sich bei den Straßendemonstrationen am 17. Januar gegen denn bie einzige einzige Voraussetzung ber Er den§ 19 des Reichsvereinsgefeges, und sogar gegen die§§ 115 und haltung der Familieneinheit und leberlieferung, 125 des Reichsfirafgesetzbuches vergangen haben. Der§ 115 handelt ja er ist eine solche überhaupt nur, wenn die Kräfte und von Aufruhr, ber 125 von 2andfriedensbrugli Die Balkankrise. Die türkisch- bulgarische Spannung. 12 bative Follethingsmann Dinesen hat sich gegenüber einem Unfere mangelhafte Unfallversicherung. Mitarbeiter von„ Socialdemokraten" über diese Dinge geäußert Eine Hanauer Brauerei übertrug im Jahre 1902 cinem Landund gleichzeitig erklärt, daß er, feit er Kenntnis davon habe, wirt W. zu Salmünster ihren Bierverschleiß für die dortige Wie aus Sofia gemeldet wird, hat Bulgarien feine Petersen feines Grußes nicht mehr für würdig erachtet. Die Gegend. Auf die Dauer von 10 Jabren sollte W. den ganzen weiteren militärischen Maßnahmen getroffen, da Konservativen haben deswegen den nicht kompromittierten Vertrieb übernehmen und erhielt pro Sektoliter 2 M. zugebilligt. solche von der Stellungnahmie der Türkei abhängig find. Die Dinesen aus ihren Fraktionssigungen verwiesen, während sie den Die Brauerei errichtete auf dem Grundstück des W. cin LagerSpannung hält jedoch an, da über die Aufnahme der kompromittierten Petersen nach wie vor dulden. So viel steht gebäude mit Eisstall, stellte laut Bertrag Pferd und Wagen leihMaßnahmen Bulgariens in den Streifen der Pforte und über ihre bis jetzt fest, daß Bestechungen im Gange waren, erst um die Roll. weise" zur Verfügung, sowie als Beitrag für die Unterhaltung Haltung bisher keinerlei Nachrichten eingetroffen find. Die Mel- reform gänzlich zu hintertreiben, dann um sie für die Industrie des Pferdes noch 25 M. an Entschädigung pro Monat. dungen von verschiedenen Grenzgefechten find unbegründet, so schutzöllnerisch wie möglich zu gestalten. cbenso die Nachricht über die Bildung einer bulgarischen Studenten Legion. Das Kriegsministerium hat Befehl erlassen, jede Provofation an der Grenze zu vermeiden, eventuellen türkischen Angriffen aber energisch entgegenzutreten. Auch in Belgrad scheint man wieder sehr kriegerisch zu fein. Auch hier wurde die letzte Partie der Nefervisten des ersten Jahrganges einberufen. Eine friedliche türkische Erklärung. Sofia, 27. Januar. An hiesiger amtlicher Stelle ist aus Konstantinopel die Meldung eingegangen, daß der Großwefir erklärte, die Türkei beabsichtige keinerlei Besetzung strategischer Grenzpunkte und werde gegen die bulgarische Mobilisierung eine Gegenmaßregeln ergreifen. Oefterreich. 23. stellte einen Fahrburschen für den Bierberfand ein, der sich später bei der Betriebstätigteit eine schwere Augenverlegung zugog, die eine Erblindung des Auges zur Folge hatte. Keine Berufsgenossenschaft wollte aber die Rente zahlen. Der Verletzte erhob deshalb Berufung gegen den Bescheid der Brauerei und Mälzerei- Berufsgenossenschaft. Rußland. Der Fall Azew. Paris, 25. Januar.( Eig. Ver.) Die Darstellung des Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung wies aber die Nach anderen Meldungen hat aber die Regierung neuerlich offiziellen Berichts des sozialrevolutionären Zentralfomitees bedie Einberufung von vier Reserveflaffen der übrigen drei süd- gegnet in der Partei leidenschaftlichen Protesten. In einer fon- Berufung ab, weil die Bierniederlage fein Rebenbetrieb der bulgarischen Divisionen verfügt. Das Kriegsministerium hat nun- fpirativen Organisation, in der überhitzten Atmosphäre des re- Hanauer Brauerei sei, Weißbeder das Bier auf eigene Rechnung mehr alle strategischen Grenspunkte befehen bolutionären Emigrantentums ist für Mißtrauen, gegenseitige verkauft habe. Es wurde im Urteil auf eine aliche Entscheidung Jaffen mit dem Befehl, bei der geringsten Beranlassung sofort Berdächtigungen und Beschuldigungen immer ein günstiger Boden. des Reichs- Versicherungsamtes vom Jahre 190 in Sachen Brauerei Weiter hieß es im Urteil: Und nun gar in einem solchen Fall, wo eine der leitenden Per- Wulle- Stuttgart bezug genommen. energisch vorzugehen. Die Heranziehung der Lagerei- Berufsgenossenschaft, die etwa fonen plöglich als bezahlter Helfer der Polizei entlarbt wird. Was dem Zentralfomitee zum Vorivurf gemacht wird, läßt in Frage kommen könnte, hat die Eintragung des mit dem sich in zwei Punkten zusammenfassen. Die Opposition beschuldigt lagerungsbetriebe verbundenen Handelsgewerbebetriebes in das das Komitee, durch grobe Fahrlässigkeit dem Treiben Handelsregister zur Voraussetzung, was hier aber nicht zutrifft." Nach den getroffenen Feststellungen war der BierverlagsAzews Vorschub geleistet, zum Schluß noch seine Flucht erbetrieb des W. zu der Zeit des Unfalls nicht versicherungspflichtig, möglicht zu haben; sie beschuldigt es weiter, diese seine Schulb da er ein völlig selbständiges, auf eigene Rechnung und Gefahr durch eine tendenzios abschwächende Darstellung betriebenes Unternehmen war. Da das Geschäft zur Zeit des berbeät zu haben und so neue Gefahren heraufzubeschwören. Unfalls in das Handelsregister des zuständigen Amtsgericht SalGin von der Pariser Organisation der Nevolutionärsozialisten her- münster nach dessen Auskunft nicht eingetragen war, so kann auch ausgegebenes, in heftigster Tonart geschriebencs Flugblatt ver- die Lagereiberufsgenossenschaft zur Entschädigung nicht heranöffentlicht eine Resolution, die eine völlige Neutonstituierung gezogen werden. Es könnte allenfalls noch die zuständige landder Partei fordert, mit Ausscheidung aller Glemente, die mit wirtschaftliche und die Fuhriverksberufsgenossenschaft in Frage kommen. Indessen hatte das Reichsversicherungsamt nach der bisder unter Azems gestandenen bisherigen Leitung etwas zu herigen Attenlage feinen Anlaß, diese Berufsgenossenschaften im tun hatten. Diese Richtung, der auch der Enthüller des Azewschen vorliegenden Falle beizuladen. Denn nach den getroffenen FestWien, 27. Januar. Im Budgetausschuß des Abgeordneten Berrates, Burzew, angehört, schreibt der Azewschen Tätigkeit stellungen ist der landwirtschaftliche Betrieb des 2. gegenüber den haufes erflärte Ministerpräsident v. Bienerth, wenn eine viel größere Bedeutung zu, als der offizielle Be mit Pferd und Wagen betriebenen Bierhandel äußerst gering, so feine auf Bildung eines parlamentarischen Stabinetts richt. Sie ficht seine Sand in allen großen Verrätereien der daß dieser nicht als Nebenbetrieb der Landwirtschaft angefehen und damit auf Kräftigung der Grundlagen des bisherigen Systems letzten Jahre; sie bestreitet auch, daß die von Azew ausgeführten werden kann. Die Tätigkeit, bei der sich der Unfall ereignete, hat gerichteten Bemühungen positive Resultate bis jest nicht ergeben Kläger war auch nicht etwa hauptsächlich in der Landwirtschaft hätten, jo liege die Ursache ausschließlich in den gegebenen Ber- großen Attentate, namentlich die gegen Plehwe und Sergius, mit der Landwirtschaft des W. nicht das geringste zu tun, der hältnissen. Die Serbeiführung der Annäherung der Parteien revolutionäre Atte gewesen seien und sieht in ihnen vielmehr von beschäftigt. Andererseits stellt sich das zum Serbeischaffen und bezüglich des den Mittelpunkt der Schivierigkeiten bildenden der Polizei begünstigte Anschläge der Re- Zuführen des Bieres an die Kunden benutte Fuhrwert lediglich deutsch tschechischen Streites fei ihm als Voraussetzung gierungsclique, die Azet wahrscheinlich mit Silfe als ein Zubehör des Bierhandels dar, selbst dann, wenn etwa für für den wirksamen und ungestörten Fortgang der Tätigkeit der anderer, von ihm in die revolutionäre Organisation hinein das Zuführen eine besondere Vergütung bezahlt worden sein sollte. Legislative erschienen. Da jedoch die anfänglich vorhandene geschmuggelter Polizeiorgane unter Mißbrauch der Genossen der Eine versicherungspflichtige Lohnfuhrwerkerei liegt fonach nicht vor. günstige Stimmung für eine Sprachenenquete einen Umschwung Bartei ausgeführt habe. Diese Behauptung soll, wie wir erfahren, Bei dieser Sachlage steht dem Verletzten ein Anspruch auf Unfallerfahren habe, welche die Abhaltung derselben nicht zeitgemäß bemnächst in der Duma in einer sosialdemokratischen rente nicht zu, weshalb der Returs als unbegründet zurückzuweisen war." erschienen ließ, habe sich die Regierung entschlossen, Gese Interpellation erhärtet werden. entwürfe betreffend den Sprachgebrauch bei den landesfürstlichen Behörden in Böhmen sowie betreffend Organisation unb politische Verwaltung im Hause einzubringen. Damit werde auch der Weg gezeigt werden, um aus den gegenwärtigen politischen Schwierigkeiten herauszukommen, wobei aber das Bus fammenwirten aller politischen Parteien notwendig fei. Er rechne daher auf die Unterstüßung der Mehrheit des Hauses. Nachdem hierauf Abgeordneter Sera marca( Tscheche) ausgeführt hatte, daß die Lösung der Sprachenfrage nicht auf Böhmen be= schränkt werden dürfe, wurde die Sigung abgebrochen. Die Sprachenfrage. Frankreich. Der Hinrichtungsskandal. Zu den scheußlichen Szenen, die sich bei der Hinrichtung des Mörders d'Anvers in Carpentras abgespielt haben, schreibt die „ Sumanité":" Bir fragen die Verteidiger der Todesstrafe: Wißt Ihr, went The getötet habt? Wißt 3hr, daß d'Anvers, dessen Haupt gestern fiel, der Sohn eines Sträflings war, der ihn im Verbrechen aufwachsen ließ? Skönnt Ihr sagen, was die Gesellschaft getan hat, um ihn der Schule des Diebstahls und des Mordes zu entreißen? Ihr laßt diese Früchte durch die Berührung mit verdorbenen Früchten selbst verderben, dann werft Ihr sie in den Korb des Henkers und glaubt, daß alles in Ordnung fei. Nein, die Guillotine soll nicht versteckt, fie foll beseitigt werden." Dänemark. Eine Bestechungsaffäre. i ohimennenden Seite innerhalb der Binten", Ministerivechsel. Petersburg, 27. Januar. Handelsminister Schipow ist zum Mitglied des Reichsrats ernannt worden; die Leitung des Handelsministeriums übernimmt der ehemalige Handelsminister i mir jajews, bisher gewähltes Mitglied des Reichsrats. Perfien. Urmia konftitutionell. Urmia, 27. Januar.( Meldung der Petersburger Telegraphene Agentur.) Der Endschumen hat aus 15 gewählten Bürgern eine Bolizeiverwaltung organisiert, die den Schutz der Stadt Rebo Tutionären übertragen hat. Diese verüben zum Besten des geheimen Revolutionskomitees Expreffungen und das gleiche tut das stomitee selbst. Der Gouverneur, der sich seiner Dhnmacht bewust ist, hat seine Entlassung nachgefucht. Nach Tabris und 38pahan hat also auch Urmia jetzt eine rebolutionäre Regierung eingefegt. Daß die Petersburger Telegraphen- Agentur die Steuererhebungen der Revolutionäre Expreffungen" nennt, fagt nichts gegen die Tatsache, daß die Einfetzung der neuen Verwaltung offenbar ohne größere Ruhestörungen vor sich gegangen ist. Abellinien. Menelik. " Paris, 27. Januar. Mehrere Blätter berichten, daß der Landwirtschaftliche Arbeiter in der Unfallversicherung. Täglich gibt man den arbeitslosen Industriearbeitern jetzt den fchlauen Rat, aufs Land hinaus zu wandern und dort Arbeit aufzunehmen. Kommt aber der Industriearbeiter diefent Verlangen nach, so verzichtet er nicht allein auf alle Rechte, er kann sich auch für sein ganzes Leben schweren Schaden zuzichen. Das mußte ein armer Fahrbursche am eigenen Leibe verspüren. Arbeitslos, trat er bei einem hessischen Bauern in Arbeit, verunglüďte nach kurzer Zeit so schwer, daß ihm das rechte Bein amputiert werden mußte! Als Fahrbursche in einer Brauerei hatte er gulegt einen anrechnungsfähigen Jahresarbeitsverdienst von 1560 m., weil be= kanntlich auch das Freibier als„ Lohn" angerechnet wird. Für den Verlust des Beines erhielt er nun von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft nach dem Verlassen des Spitals eine Rente von 60 Pro3. Wäre er im Fuhrbetrieb der Brauerei noch verunglüdt, fo hätte sich seine Infallrente wie folgt gestellt: Jahresverdienst 1560 M., Vorente 1040 202., die Rente von 60 Bros. gleich fechs Behntel von 1040 M. ist 624 M. pro Jahr oder 52 M. pro Monat. Die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen teilte aber dem armen Verlegten mit, daß sich feine Rente wie folgt ftelle: Jahresverdienst 400 M., Vollrente 300., 60 Proz. gleich Zustand des Negus menelit von Abessynien hoffnungs. fecha Zehntel von 300 M. ift 180 m. pro Jahr oder 15 M. Ios fei. Die Königin Taitu habe seit einigen Tagen die Leitung der Regierungsgeschäfte übernommen. Für den Fall pro Monat. des Todes Meneliks befürchte man, namentlich für Adis Abeba, den Ausbruch ernster Unruhen, die für die dort befind- Rechenfehler" vorgekommen. Es wurde ihm aber vom Arbeiterlichen Europäer gefährlich werden könnten. Soziales. Der Verlekte wollte dies nicht glauben, meinte, c3 sei ein sekretariat zu Frankfurt a. M. die Belehrung, daß sich die Unfallrente landwirtschaftlicher Arbeiter leider nur nach den so sehr geringen Säßen der durchschnittlichen Jahresverdienste für landund forstwirtschaftliche Arbeiter" richte. Am Unfallorte, der Gemeinde D.-E., betrage aber dieser Lohnfah nur 450 M. Der Verlette tönne noch von„ Glüd" sagen, daß er nicht nach Unterfranken ober Niederbayern gereist sei, um Arbeit zu suchen. Denn dort betrage in verschiedenen Gemeinden der Jahresverdienst der Airbeiter nur 320-340 M. Hätte nun der Verleşte den Unfall in der Industrie erlitten, fo hätte er, wie oben angegeben, bei einem Lohnfaß von 1560. M. eine Unfallrente von 52 M. pro Monat erhalten. Als landwirtbegnügen. Kopenhagen, 24. Januar.( Eig. Ber.) Im Sommer 1908 brachte Socialdemokraten" die aufjeben erregende Mitteilung, daß ein konservativer Journalist, Rebatteur Asger Karstensen, im Jahre 1906 rund 30 000 Stronen ge= fammelt hatte, die dazu dienen sollten, die von der Regierung borgeschlagene Bollreform zu hintertreiben. Die Geldgeber waren einige Großindustrielle, darunter Tertilfabrikant Konful De 3sau, durch dessen Hände die Beiträge an Karstensen gelangten. Da aber Das liberale" Hessen und die Krankenversicherung. Karstenfen nachher den Geldgebern jede Rechenschaft über die BerIn dem nach außen als liberal regierten Großherzogtum wendung der 30 000 Kronen verweigerte, weil eine solche durch die Natur der Sache ausgeschlossen" sei, tam der Skandal an die Hessen kämpfen die organisierten Arbeiter seit Jahren um die GrOeffentlichkeit. Außerdem spielte auch der Umstand eine Rolle, daß richtung von Ortskrankenkassen an Stelle der rückständigen GeStarstensen im Februar 1908 in der Bollpolitit eine Schwenfung meindefrankenversicherungen. So war erst möglich, in der Invon den Konservativen zu den Freikonservativen machte und industriestadt Offenbach a. M. eine Ortstrantenfasse zu errichten, nacheinem nun an die Oeffentlichkeit gekommenen Brief an den Konsul dem die Sozialdemokraten die Mehrheit im Stadtparlament hatten, Desjau erklärte, daß unter den jebigen, geradezu verdammten bie Liberalen unterlegen waren. In Groß- Gerau kämpfen unsere schaftlicher Arbeiter muß er sich aber mit einer Stente von 15 M. Umständen" an eine Ablehnung der Zollgefekreform nicht zu denken Genoffen ebenfalls seit Jahren um eine Ortskrankenkasse. Ber- schaftlicher fei, und daß man deswegen den Bogen nicht zu straff spannen dürfe. Er wollte also jest die 30 000 Stronen nicht mehr zur Ver- sammlungen auf Versammlungen wurden abgehalten, Hunderte hinderung der ganzen Bollreform verwendet wissen, sondern nur an von Unterschriften gesammelt. Das Resultat war, daß das KreisGewerkschaftliches. Schutzöllen retten, was noch au retten war; in demselben Briefe amt neue Betriebskrankenkassen verlangte. nennt er fich selbst denjenigen Mann,„ der die stärkste Noch eigenartiger ist die Stellung der Regierung bezüglich der Scharfmacher- Unterricht im Umgehen von Gesehen. persönliche Fühlung mit einer einflußreichen, Seimarbeiter. In Breßenheim wohnen viele Schneider, die als Heimarbeiter Der ,, Vogtländische Anzeiger" in Blauen bringt einen Bedas heißt der Regierungspartei, habe. In dieser Hinsicht ist es für Firmen in Mainz usiv. arbeiten. Diese haben nun eine Gin- richt über eine Versammlung des Fabrikantenvereins der Vogtmerkwürdig, daß dann bei Beratung des Zolltarifs im Foltething gabe an das Bürgermeisteramt gerichtet, durch Ortsstatut die Berländischen Spikenindustrie. In dieser Versammlung hat der diese Bartei ihren bisherigen freihändlerisa gesinnten gleichzeitig Geschäftsführer des Wortführer der Zollreform, Ingvar Jensen, ficherungspflicht der Heimarbeiter auszusprechen, wie dics in Gewerberichter Mette durch den gemäßigt fchutzöllnerischen Reer anderen Städten auch geschehen sei und so auch den Heimarbeitern, Fabrikantenbundes folgende Ausführungen zu der Gewerbegaard erfekte. Man muß demnach annehmen, daß Karstensens Sausgewerbetreibenden die Segnungen der Krantenversicherung zuteil ordnungsnobelle von 1908, betr. das Verbot der Mitgabe von " Einfluß" auch unter den ehemals und ihrem Parteiprogramm werden zu lassen. Der Bürgermeister von Breßenheim hat Hausarbeit an Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter in den nach freihändlerischen Liberalen seine Wirkung getan hat. aber diese Eingabe dem Gemeinderat gar nicht zur Beschlußfaffung Fabriken gemacht: Neergaard, der ja inzwischen Ministerpräsident geworden ist, vorgelegt, sondern cilfertig gleich seiner borgesetzten" Behörde, Was den praktischen Wert der Vorschriften anlangt, so lassen hat nun erklärt, daß eine strafrechtliche Untersuchung dem Kreisamt zu Mainz überwiesen, mit der Bitte doch zu be= fich diese mit Leichtigkeit umgehen, indem die Arbeiterinnen fich Das Arbeit durch britte Hände holen ließen, und alles bleibe beim der ganzen Angelegenheit unbedingt notwendig sei. Ueber die alten." Verwendung der 30 000 Stronen wird noch erzählt, daß ein Haupt- stimmen, was er mit der Eingabe anfangen solle" agitator für den Schutzoll, der tonservative Abg. Dr. Fräntel, Streisamt handelte dann auch, schickte die Eingabe der Schneider usw. Wie gut für das Unternehmertum, daß alle Gesetze zum übermäßig gut honoriert worden fei; außerdem follen einige zur Begutachtung dem Borstand der Ortskrankenkasse Breßenheim Zeitungen Bestechungsgelder erhalten haben. Schließlich soll zu. Der Vorstand und auch die Generalversammlung der Kaffe Schuße der Arbeiterschaft fich auslegen" laffen. llnd weld Starstensen mit einem Teil des Geldes Aftien der von ihm selbst stimmten einmütig der Errichtung eines solchen Ortsstatutes zu ein Glück für die Stapitalistenklasse, daß sie im Klassenstaat herausgegebenen Zeitungen angefauft haben, also das Geld für und wollte den Wortlaut des Statutes der Frankfurter Orts- auf so verständnisinnige Richter stößt, wie auf diesen Gewerbedie eigene Tasche verwendet haben. frankenkasse einführen. Was tat nun das Kreisamt? richter! Aber, wie fährt die Arbeiterschaft dabei? Asgar Karstensen ist nun am Donnerstag aus der Reprä- Den Betenten wurde durch das Bürgermeisteramt die Eingabe sentantschaft der tonservativen Partei ausgeschlossen worden, der er viele Jahre angehört hatte. Außerdem ist aber auch ein wieder zurückgesandt mit dem Bemerken: die Reichsgesetzgebung anderer konservativer Führer, Holger Petersen, dadurch tom- würde in aller Stürze doch einer Revision unterzogen, das Krankenpromittiert, daß er und sein Fraktionsfollege eh als Mitglieder versicherungsgefes geändert. Solange möge man sich noch mit Der Zolltariffommission des Reichstags ihren Widerstand gegen die dieser Frage gedulden. Auch wäre ein solches Ortsftatut bis jetzt Bollreform aufgegeben haben, nachdem sie erreicht hatten, daß die noch nicht in Hessen in Geltung usw. vorgeschlagene Hevabsehung der Zölle auf Bofamentierwaren fallen Warum hat nun die Regierung erst die Ortskrankenkasse zum gelassen wurde. Dies find just die Artikel, die der reiche Gutachten aufgefordert, ba fie doch auch vorher wußte, daß in Fabrikant Solger Petersen produziert. Der famose aller Stürze" das Krankenversicherungsgeseis geändert werden foll? Bertreter von Sandwert uno Industrie in der Zolltariffommission hat sich also gerade in dem Zeitpunkt mit der Bollreform ausgeföhnt, Jedenfalls hoffte man auf eine Ablehnung feitens des Kaffenvor. als er seine eigenen Interessen gerettet hatte, und obendrein standes und hätte so eine schöne Ausrede gehabt. So mußte denn handelte es sich dabei um eine Bollpofition, deren Serabfehung fogar der Herr Kreisrat fein wahres Geficht geigen. Ja, Geffen geht. die Stonservativen für recht und billig erachteten. Der tonjer, voran... Berlin und Umgegend. Die im Brauereiarbeiterverband organisierten Bierfahrer, Mitfahrer und Reservefahrer der Brauereien Groß- Berlins sind seit dem 1. Januar 1909 mit einer schwarzen Legitimationstarte versehen und haben dieselbe auf Wunsch vorzuzeigen. Die Starte muß allwöchentlich abgestempelt sein. jenigen, welche mit unseren Stollegen in Berührung kommen, Die Leitung der Gruppe des Fahrpersonals ersucht alle dice recht oft den Wunsch zu äußern, die Legitimationsfarte prüfen Organisationszugehörigkeit zu beweisen. dürfen, damit unseren Kollegen Gelegenheit gegeben wird, ihre Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Der Obmann der Gruppe des Fahrpersonals Die Bezirksleitung Berlin des Bäder- und Konditorenverbandes| Arbeitslosigkeit gelvonnen wurde. Unser Bruderorgan Socialfagt in ihrem Jahresbericht für 1908: Angesichts der Krise ist es zu demokraten" nimmt an, daß, nach einer offenbar sehr mäßigen ernsten Differenzen mit dem Unternehmertum nicht gekommen. Wir Schäzung, mindestens 40 000 arbeitsfähige Personen arbeitslos beschränkten uns darauf, das im Jahre 1907 Erreichte zu erhalten. sind und infolgedessen an 100 000 Erwachsene und Kinder der Not Daß dies gelang, beweist die Tatsache, daß 129 neue Tarifverträge und dem Elend preisgegeben sind, so daß der Staat alle Ursache abgeschlossen wurden. Die Bewegung für Einführung eines hat, helfend einzugreifen. Die Arbeitslosigkeit hat sich übrigens wöchentlichen Ruhetages ist in fortwährendem Steigen begriffen. feit der Zählung keineswegs vermindert, sondern vielmehr noch zuTrotz der Krise sind die Löhne nicht gefunten, sondern im genommen. Durchschnitt sogar ein wenig gestiegen. Daß die Löhne nicht zurückgingen, ift neben dem Kontrolldienst der Vertrauens männer des Verbandes der Arbeitslosenunterstützung zuzuschreiben. Der paritätische Arbeitsnachweis für Bäcker befetzte 2544 fefte und 5711 Aushilfestellen 17 427 Aushilfetagen. Von den festen Stellen waren 2533 ohne Kost und Logis. Der niedrigste Wochenlohn betrug 23 M., der höchste 36 M. Mit Kost und Logis wurden 12 Stellen besetzt, der Lohn betrug durchschnittlich 15 M. Der Tagelohn für Aushilfsstellen betrug 4-6 m. Die Mitgliederzahl ist von 2681 am Jahresschluß 1907 auf 2814 am Jahresschluß 1908 gestiegen. Im Laufe des Jahres bezogen 667 Mitglieder Arbeitslosen, 192 Kranken-, 61 Reise unterstügung. An die Arbeitslosen wurden 16 548 M., an die Kranten 4753 M., an die Reisenden 448 M. Unterstützung gezahlt. Die Gesamtleistung an Unterstützungen betrug für 19 798 Tage 21 749 M. Deutfches Reien. Arbeitslosenkundgebung. Verfammlungen. Berlin durchaus verbesserungsbedürftig sind. Gehälter von 100 M. und darunter für Angestellte, die schon länger bei der Gesellschaft in Arbeit stehen, müssen bei der gegenwärtigen Teuerung der Lebensbedürfnisse als durchaus unzulänglich bezeichnet werden. Die fogenannten Wohlfahrtseinrichtungen der„ Victoria" tönnen unt so weniger als ein Ausgleich für die geringen Löhne vieler Angestellter angesehen werden, als die Angestellten darauf keinen Rechtsanspruch haben und sie dauernd mit der Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechnen müssen. Die Versammlung protestiert ferner gegen das gewerkschaftsfeindliche Verhalten der„ Victoria", welches darin zum Ausdruck kommt, daß sie die Vertretung der von den Angestellten geäußerten Wünsche durch den Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als eine Einmischung fremder Elemente zurücwies, obwohl sie früher wiederholt mit diesem Verband verhandelt hat. Die Wirkung dieses gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens hat die Victoria" schon verspürt, denn sie hat auf Anfrage ihrer Agenten mitgeteilt, daß fie die diesbezüglichen Nachrichten der Arbeiters zeitungen totschweigen möchten. Verschiedentlich haben Are beiter erklärt, daß fie ihre Versicherungen nicht eher weiter zahlen würden, bis die Bictoria" den gewerkschaftlichen Zentral verband als Vers der Handlungsgehilfen unb Gehilfinnen treter ihrer Angestellten anerkenne. Die Bersammlung freut fich dieses solidarischen Verhaltens der Arbeiterschaft, möchte den Versicherten aber empfehlen, sich durch den Vorfall nicht abhalten zu laffen, auf lange bestehende Policen weitergus zahlen. Der Verzicht auf länger bestehende Versicherungen schädigt die betreffenden Versicherten selbst, trifft aber die Gesellschaft nicht; die empfindliche Stelle der„ Victoria" wird nur dann getroffen, wenn neue Versicherungen mit ihr nicht abgeschlossen werden. Außerdem wurde die Neuwahl des gesamten Vorstandes vollzogen, die durchweg die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmit glieder ergab. Der Wahlverein für den dritten Kreis hielt am Dienstag eine zusammen außerordentliche Generalversammlung ab. Genosse Gehrmann erstattete den Bericht der Schiedskommission. Dieselbe hatte 19 Fälle zu erledigen. 5 Fälle betrafen die Nichtbeteiligung von Vereinsmitgliedern an den Stadtverordnetenwahlen. In 4 Fällen konnten die Betreffenden als genügend entschuldigt gelten, in einem Falle wurde eine Rüge erteilt. 4 Fälle von persönlichen Streitigkeiten, die der Kommission vorlagen, wurden durch Vergleich der Streitenden erledigt. Jn 10 Fällen hatte die Kommission zu entscheiden über Nichtbeteiligung von Mitgliedern an der Landtagswahl. Die Versammlung nahm zu jedem Einzelfall, der vom Genossen Gehrmann vorgetragen wurde, Stellung und be= schloß in 5 Fällen, den Betreffenden, die Behinderungsgründe für ihr Fernbleiben von der Wahl anführen fonnten, eine scharfe Rüge zu erteilen. In den anderen 5 Fällen beschloß die Versammlung die Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen die Mitglieder: Julius Meier, Gastwirt, Sebastianstr. 39; Bartuhn, Gastwirt, Ritterstr. 15; Schönknecht, Blättereibesizer, Briber Straße 10; Hoffmann, Gastwirt, Alte Jakobstr. 61; Dr. med. Paul Bernstein, Elisabethufer 22. In der Versammlung wurde angegeben, Dr. Bernstein habe sich deshalb nicht an der Wahl beteiligt, weil er ein grundsäßlicher Gegner unserer Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen sei. Uebrigens hat Dr. Bernstein, ehe die Kommission zu einem Beschluß über seine Person fam, seinen Austritt aus dem Wahlverein erklärt. Die eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der als erster Versammlung beschloß, sich nicht damit zu begnügen, sondern froß Punkt die Neuwahl des ersten Vorsitzenden auf der Tagesordnung feines Austritts das formelle Ausschlußverfahren gegen Dr. ftand. Der bisherige langjährige Vorsitzende Krebs hatte endBernstein einzuleiten. Als Schiedsrichter für das Ausschluß- gültig auf seine Wiederwahl verzichtet und stellte in der Versamm verfahren gegen die Genannten wurden die Genossen Eische, lung den Antrag, statt seiner zwei besoldete Beamte anzustellen, Budde und Möbus gewählt. da die Arbeiten im Bureau sich so gehäuft hätten, daß sie von Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit einem Antrage, einer Person nicht in genügender Weise erledigt werden könnten. der schon der vorigen Generalversammlung vorlag und inzwischen Ihm selbst wäre dies nur dadurch einigermaßen möglich geworden, von der Bezirksführerkonferenz abgelehnt worden ist. Dieser Antrag( vom Genossen Stallmann gestellt) besagt, daß bei daß seine Frau im Intereffe der Organisation mit tätig war. Die Wahlen von Parteifunktionären und Delegierten die Bezirks- ab. Sodann wurde die Wahl des ersten Vorsißenden vollzogen. Versammlung lehnte jedoch die Anstellung eines zweiten Beamten konferenz zwar das Vorschlagsrecht hat, aber sämtliche Vorschläge Gewählt wurde August Dietrich. Er übernimmt auch die auch die von der Bezirksführerkonferenz abgelehnten- der übrigen Aemter des ersten Vorsitzenden, wie das des Obmannes Generalversammlung vorzulegen sind und die Bezirksführer nicht der Schlichtungskommission. Das Bureau bleibt vorläufig in den durch Mehrheitsbeschluß ihrer Konferenz berpflichtet werden alten Räumen, Straßburger Straße 17. Die Versammlung bedürfen, nur für die von der Konferenzmehrheit angenommenen faßte sich darauf mit anderen Verbandsangelegenheiten. Es wurde Kandidaten einzutreten. Nach langer, teilweise sehr heftiger beschlossen, gegen ein Mitglied, das sich des Streifbruchs schuldig Debatte wurde dieser Antrag abgelehnt, so daß also der bisherige gemacht hatte, beim Verbandsvorstand den Ausschlußanirag zu Brauch bestehen bleibt. stellen. Einigen anderen Mitgliedern wurde eine Rüge erteilt, weil sie hinsichtlich der Arbeitszeit gegen die Grundsäße und Beschlüsse der Organisation verstoßen hatten. Eine von etwa 2300 Arbeitslosen besuchte Versammlung in Magdeburg protestierte am Dienstag vormittag gegen die kürzlich von uns mitgeteilten Beschlüsse der städtischen Körperschaften in der Frage der Arbeitslosenfürsorge, Die Versammlung verlangte u. a. eine umfangreiche Beschäftigung von Arbeitslosen bei den Notstandsarbeiten. Es wurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt, die eine Unterredung mit dem Oberbürgermeister nachsuchen und über diese in einer späteren Arbeitslosenversammlung Bericht erstatten soll. Dhne die Polizei ging die Versammlung nicht ab. Eine große Anzahl von Schuhleuten unter persönlicher Leitung des Bolizeipräsidenten Graf Lambsdorff- war aufgeboten worden, um die Arbeitslosen zu hindern, nach der Versammlung vor das Rathaus zu ziehen. Die Absicht lag aber bei den Leuten gar nicht vor, so daß es völlig überflüssig war, daß die Polizei durch Absperrungsmaßregeln die Arbeitslosen in kleine Hänschen auflöste und so die befürchtete Demonstration verhinderte. aber ohne Polizei geht so etwas in Magdeburg nun mal nicht ab. Eine Arbeitslosenzählung nahm das Gewerkschaftskartell in Görlitz auf eigene Kosten vor, da der Magistrat jede Beihilfe brüst abgelehnt hatte. Die Zähler gingen von Haus zu Haus und ermittelten 882 Arbeitslose. 627 davon sind verheiratet und haben insgesamt 887 Kinder unter 14 Jahren zu erhalten. Der Magistrat beschäftigt 40-50 Arbeitslose, die aber als solche nicht mitgezählt sind, mit Erdarbeiten bei einem Stundenlohn von 22 Pf. Der ortsübliche Stundenlohn für diese Arbeiten beträgt 28-30 Pf. Außer den Arbeitslosen gibt es dort noch sehr viele Arbeiter, die unter stark reduzierter Arbeitszeit arbeiten. Nach Angaben des Metallarbeiter- Verbandes betrifft das 1000 Arbeiter allein in der Metallindustrie. " Die Stuffateure hielten am Dienstag im Gewerkschaftshause Die Generalversammlung des Deutschen Bäcker- und Konditorenverbandes( Bahlstelle Berlin) fand am Sonntag in den Arminhallen statt. Der Verband hat nach den Berichten des Vorsitzenden und des Kassierers in den letzten Jahren sehr gute Fortschritte gemacht. Der paritätische In der Generalversammlung der Filiale Berlin des Zentrale Arbeitsnachweis, den der Verband im Jahre 1904 im Streit er- verbandes der Dachdecker wies Görnih darauf hin, daß einige richtete, vermittelte im Jahre 1908 8255 Arbeiten, darunter 5500 Aus- Stellegen für Zustellung der" Dachdecker- Zeitung" an die Post hilfen, die übrigen tvaren feste Arbeiten. Ein Beweis, wie der Ver- 12 Pf. Bestellgeld bezahlen mußten. Dies ist zu Unrecht erhoben. Christliche Streifbrecherei und ihre Folgen. band die Tarifverträge vom Streit 1907 mit Hilfe der organisierten Das Bestellgeld ist schon im voraus vom Verband bezahlt. Die Im vergangenen Jahre waren zwischen dem Wickingschen Hobel- Arbeiterschaft festgehalten hat. Die Mitgliederzahl betrug am Kollegen sollen es sich vom betreffenden Bostamt zurückzahlen lassen. werk in Düsseldorf und dem Hafenarbeiterverband Lohn- Schlusse des Jahres 1908 2814. Das sind 183 mehr als im Ebenso sind Beschwerden über Nicht- oder unpünktliches Erscheinen differenzen bei Verlängerung eines Tarifes ausgebrochen. Die Ar- Jahre 1907, trotz der Krise. Die Einnahmen der Organisation an das zuständige Postamt zu richten und nicht mehr an Görnih, beiter wollten sich eine Lohnreduktion von 10 Broz. nicht gefallen betrugen insgesamt 72 586,03 m. An die Hauptkasse gingen davon wie dies noch öfter vorkommt. Den Kassenbericht vom 4. Quartal lassen und wurden deshalb ausgesperrt. Wenige Tage darauf schloß 55 141,05 M. Das Jahr 1908 brachte gegenüber dem Jahre 1907 1908 gab Stolzenhain. Die Einnahme inklusive eines Bea die Firma mit dem christlichen Transportarbeiter ein Mehr von 8352,43 M. In den Vorstand wurden folgende Ge- standes von 1640,21 M. ergab 5208,26 M., die Ausgabe 3540,46 M., nossen gewählt: Als erster Vorsitzender Schneider( Bäcker), so daß ein Bestand von 1667,80 m. verblieb. An den Zentralverband genau denselben Tarif ab, den sie ihren alten Arbeitern zweiter Borsigender Schöbel( Stonditor), erster Raffierer Barth vorstand wurden 2410,80 M. abgeführt, an den Streiffonds 210,35 verweigert hatte. Der Verband lieferte Arbeitswillige" in( Bäcker), zweiter Kassierer Thieme( Konditor), erster Schriftführer Mark, an die Gaukasse 40,50 M. Die Abrechnung vom Streik Maffe. Die Streifbrecher genossen natürlich den besonderen Schutz 8 ipf( Stonditor), zweiter Schriftführer Höhne( Bäcker). Ats fonds gab Görniß. Inklusive eines Bestandes von 1805,15 M. der Polizei und wurden zudem mit Revolvern, Gummischläuchen usw. Ortsbeamte wurden folgende vier Personen gewählt: Piguich am 1. Januar 1908 betrug die Einnahme im vergangenen Jahre ausgerüstet. Durch provokatorisches Vorgehen der Streifbrecher( Konditor), Thieme( Konditor), Knoll( Bäcker), Bolz( Bäder). 5583,94 M., die Ausgabe 364,75 M., der Bestand am 1. Januar Görniz gab den Bericht von der fam es am 11. August 1908 zum Streit, der in eine Schlägerei aus- Als Obmann der Brotbäcker Hulitschke, der weiblichen Mit- 1909 demnach 5219,19 M. artete, an der sich 30-40 Personen beteiligten. Die Arbeits- glieder Margarete Völker. Als Revisoren Patrika, Lief- Schlichtungskommission; der Vorstandsbericht liegt noch nicht ge druckt vor. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden Görni willigen" schoffen aus Revolvern und die Ausgesperrten wehrten sich länder, Licht, Weihrauch und Grottke. 1. Vors., Althaus 2. Vorf., Stolzenhain 1. Stassierer, mit Pflastersteinen. Die Polizei hatte darauf von den frei organis Die Einkassierer der Versicherungsgesellschaft Bictoria" Irich 2. Kassierer, Weiske Schriftführer, Neubauer Beisierten Arbeitern 15 verhaftet, die aber bis auf einen wieder frei- waren am Donnerstag bei Engel, Seydelstr. 30, zahlreich ver- fizer, Schulz hatte auf eine Wiederwahl verzichtet, da seit gelassen wurden. Dieser lettere, Richart, sollte einen chriftlichen fammelt, um Stellung zu nehmen gegen das gewerkschaftsfeind- 1. Januar die Sektion der Hilfsarbeiter ein Mitglied in den Vorarbeiter mit einem Messer lebensgefährlid) verlegt haben. Bon liche Verhalten der Direktion. In einstündigen Ausführungen Borstand entsendet. Auf Antrag öppner wird der jeweilige unterzog Genoffe udow vom Transportarbeiterverband an Sektionsleiter der Hilfsarbeiter als Beisitzer dem Vorstand anden Revolverhelden wurde feiner verhaftet. Die ursprüngliche Stelle des verhinderten Referenten das Gebaren der Direktion gehören. Gegenwärtig ist dies Otto Hänsel. Als Revisoren Anklage gegen die 15 zuerst Verhafteten wegen Landfriedensbruches einer vernichtenden Kritik, die Erschienenen zum Schluffe er werden gewählt Wegner, Kirts und N. Voigt. Den Bericht wurde fallen gelassen und Anflage wegen Vergehens gegen§ 153 mahnend, endlich mit dem Schlendrian aufzuräumen und sich vom Innungsschiedsgericht erstattete Ithaus. Als Beisiger für der Gewerbeordnung, wegen Störperverletzung und Vergehen gegen vollzählig der zuständigen Organisation, dem Deutschen Trans- dasselbe wurden Kirts und Weiste, als Erfaßmänner § 366 Abs. 7( Werfen mit Steinen) erhoben. 72 Zeugen waren zu portarbeiterverband anzuschließen. Folgende Resolution wurde ein- Ulrich und Winskowski aufgestellt. Althaus scheidet aus infolge anderweitiger Beschäftigung. Görnig verwies dann noch der heutigen Verhandlung geladen. Hauptbelastungszeugen waren die ftimmig angenommen: auf einen Artikel im Fachblatt, betitelt„ Vorsicht", auf den er des christlichen Streitbrecher und die Polizisten. Die Arbeitswilligen fagten näheren eingeht. Es haben die beiden als Affordarbeiter bekannten im Sinne der Anklage aus, zum Teil gaben sie zu, selbst geschlagen zu Dachdecker Wilhelm Kohlert und Gustav Reonhardt bei haben, wollen aber in Notwehr gehandelt haben. Der Staatsanwalt der Firma Weitlich und 3örner angefangen. Kohlert ließ schließlich auch die Anklage aus§ 153 der Gewerbeordnung habe sich gemeldet, um in den Verband aufgenommen zu werden; fallen und plädierte nur auf gemeinschaftliche, vorsätzliche, schwere er( Görnik) habe ihm geantwortet, für ihn sei kein Plaz in Körperverletzung und auf Vergehen gegen§ 366,7. Er gab selbst der Organisation. Kohlert habe fofort, als er dort anfing, dafür gesorgt, daß die Hilfsarbeiter noch weiter in ihrem Verdienst zu, daß sich die Ausgesperrten in großer Erregung befunden, weil ihnen die Christlichen die Arbeitsstellen fortgenommen. Auch fei fie dies nicht akzeptierten, beforgte er Arbeiter, die für 45 Pf. geschmälert wurden, statt 55 sollten sie nun 45 Pf. erhalten. Als der Angeklagte Hülsmann zuerst bon den anfingen. Da Leonhardt seinerzeit das Versprechen abgegeben Arbeitswilligen verlegt und zu Boden ge= hatte, sich zu bessern, war er wieder in den Verband aufgenommen worfen worden, worauf sich dann seiner Begleiter große worden, aber nunmehr habe er bewiesen, daß er gar nicht daran Erregung bemächtigt habe, doch habe H. den Streit angefangen. Es denkt; denn jedesmal, wenn er mit Kohlert zusammen bei einer wurden verurteilt: der noch nicht wegen Körperverlegung vorbestrafte Firma arbeitete, habe sich nachträglich herausgestellt, daß in Afford Richark, einer der ruhigsten Arbeiter, zu drei Jahren Gegearbeitet wurde. Leonhardt wird aus dem Verband ausgefängnis, Hülsmann zu sieben, zwei Angeklagte zu je 4, Des weiteren ersuchen die Versammelten die Direktion, mit stoßen und zwar einstimmig. argel hatte bis jetzt auch noch zvei zu je 3 und einer zu einem Monat Gefängnis, ein anderer er den sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen aufzuräumen und diese bei derselben Firma gearbeitet. Er gab das Versprechen ab, sofort Summen zur Gehaltsaufbesserung zu verwenden. Sollte die die Firma Weitlich und 3örner zu meiden und die Herren hielt drei Wochen Haft, fieben wurden freigesprochen. Direktion sich diesen berechtigten Wünschen ablehnend gegenüber Affordarbeiter dort allein zu lassen. berhalten, so werden die Angestellten ihre Konsequenzen daraus ziehen. Die eigentlichen Urheber der traurigen Borkommnisse, die christa Itchen Provokateure und Streitbrecher, gingen frei aus; gegen sie war Anklage gar nicht erhoben. Husland. Die österreichischen Gewerkschaften im Jahre 1908. Die Getvertschaftskommission von Desterreich hat einen vorläufigen Bericht über den Stand der Gewerkschaften im Vorjahre erstattet. Die niedergehende Konjunktur hat auch den österreichischen Gewerkschaften große finanzielle Belastungen aufgebürdet, ein wesentlicher Rückgang von Mitgliedern ist jedoch nach dem Vericht nicht zu verzeichnen gewesen. Der Verlust an Mitgliedern infolge der Arbeitslosigkeit wird auf 25 000 geschäßt. Diesem stehen aber 17 000 Neuaufnahmen gegenüber, sodaß der Verlust nur 8000 Mitglieder betragen dürfte. An Arbeitslosenunterstützung zahlten die österreichischen Gewerkschaften rund 2 Millionen Kronen. Es ist das 1 Million mehr als im Jahre 1907 ausgegeben wurde. ( Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die Arbeitslosigkeit in Schweden. Die auf Veranlassung der schwedischen Regierung am 12. Januar veranstaltete Arbeitslosenzählung hat sich, wie der jept borliegende amtliche Bericht ergibt, auf 358 Kommunen erstredt, nämlich auf 118 Städte und Marktfleden und 240 Landgemeinden. Es meldeten sich im ganzen 20 737 Arbeitslose, unter ihnen nur 594 Frauen. In der Hauptstadt Stockholm haben sich bei der Zählung nur 146 Frauen und 2703 Männer gemeldet. Es ist selbstverständlich und wird auch von der Presse aller Parteirichtungen anerkannt, daß durch diese Zählungen nach dem Meldesystem bei weitem nicht ein zuverlässiger Maßstab für die Not der Verantw. Redakt.: Cart Wermuth, Berlin- Nigdorf. Inserate verantw.: " " Die Versammlung der Einkassierer der Versicherungsgesellichaft Victoria" nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem arbeiterfeindlichen Verhalten der Direktion gegenüber ihren Angestellten. Durch dieses brüske Auftreten modernen Organifationen gegenüber erleiden die Einfassierer empfindliche Verluste. Die Arbeiterschaft schließt neue Versicherungen mit einer der artigen Gesellschaft nicht mehr ab; infolgedessen geht dem Einkassierer die durch Neuabschlüsse erzielte Provision verloren. berechtigten Wünschen der Angestellten endlich Gehör zu Die Versammlung richtet an die Direktion das Ersuchen, den schenken und die einer Millionengesellschaft unwürdigen Gehalts- und Arbeitsverhältnisse zu regeln, sämtlichen Angestellten das Koalitionsrecht einzuräumen; die entstehenden Differenzen mit den Angestellten durch Hinzuziehung der Organisationsvertreter zu schlichten. Die anwesenden Ginkassierer verpflichten sich, fich ohne Aus- Letzte Nachrichten und Depefchen. nahme dem Deutschen Transportarbeiterverband anzuschließen, um mit Hilfe desselben obige Forderungen zur Durchführung zu bringen. An die Arbeiterschaft richtet die Versammlung das dringende Ersuchen, nur mit organisierten Einkajsierern Geschäfte abzuschließen, ganz gleichgültig, ob beim Abschluß von Versiche tungen, Kauf von Nähmaschinen oder Möbeln. Diese Kassierer müssen im Befiße einer braunen Legitimationstarte sein." Fünf Personen getötet. Mayen, 27. Januar.( Amtliche Meldung.) Gestern, den 26. d. M., um 3 Uhr 45 Minuten nachmittags wurden in Kilometer 21 im Fahrgleis Kottenham- Mahen- Ost der Strecke Andernach- Gerolstein während der Begegnung des Zuges 9147 mit einer leeren Lokomotive von der letzteren ein Rottenführer und vier Rottenarbeiter überfahren und fofort getötet. Ein anderer Rottenarbeiter wurde leicht verletzt. Der bekannte Schauspieler Der Zentralverband der Handlingsgehilfen und-Gehilfinnen, Bezirk Schauspieler Coquelin+. Groß- Berlin, hielt seine Generalversammlung am Donnerstag in den Paris, 27. Januar.( W. T. B.). Arminhallen ab. Dem Sassenbericht ist zu entnehmen, daß die Einfaffierung der Beiträge sich bewährt, und daß auch die Mitgliederzahl Coquelin der Aeltere ist gestorben. in steter Zunahme begriffen ist. Aus dem weiteren reichhaltigen Ein Schiffszufammenstoß. Quartalsbericht sei hervorgehoben: Die Einführung des Acht uhrLadenschlusses seit dem 1. November für Groß- Berlin; Lissabon, 27. Januar.( W. T. B.) Auf der Höhe von Kap für eine weitere Anzahl von Vorortgemeinden find die hierzu Roca find in vergangener Nacht ein spanischer und ein belgischer nötigen Vorarbeiten jest mit Erfolg erledigt. Bugunsten der Sonntagsruhe fand im November eine öffentliche Versamm- Dampfer zusammengestoßen. Der belgische Dampfer ist gefunken; lung statt, in der Landtagsabgeordneter Borgmann sprach. Die acht Mann seiner Befagung werden vermißt. Frage der Sonntagsruhe foll durch energische Agitation unfererseits gefördert werden. Nach eingehender Erörterung über die bekannte Victoria" Angelegenheit wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: " 0 Eine Neuerung bei Schiffsunfällen. Washington, 27. Januar.( W. T. B.) Aus Anlaß des Unter ganges des Dampfers Republic" ist im Kongreß eine Vorlage Die Versammlung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen eingebracht worden, nach welcher alle die amerikanischen Häfen und Gehilfinnen nimmt Kenntnis davon, daß die Gehalts- und verlassenden Ozeandampfer mit Apparaten für drahtlose Telegraphie Arbeitsverhältnisse bei der Versicherungsgesellschaft Victoria" in ausgerüstet sein müssen. 〃 Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Nr. 33. 36. Jahrgang. 1 KtilM des Jorniätls" Kcrlim Pollistilntt. Do«»tt»ks. 28. Jmiiiflt 1909. Der Kongreß der briMchen Arbeiterpartei. London, 25. Januar(Eig. Ber.) Am 27., 23. und 29. d. M. tagt in der Stadthalle von Portsmouth der neunte Jahreskongretz der britischen Arbeiter� Partei. A!it der Zunahme ihrer Mitgliederzahl und ihrer sozialpolitischen Bedeutung nehmen auch ihre Schwierigkeiten und ihre Aufgaben zu. Sie trat ins Leben im Jahre 1909 mit einer Mitgliedschaft von rund 367 000 Gewerkschaftlern und Sozialisten und zählt jetzt rund 1 130000, abgesehen von der halben Million Bergleute, deren Beitritt beschlossen, aber aus rein formalen Gründen noch nicht vollzogen wurde. Unter diesen 1 600 000 Parteimitgliedern gibt es höchstens 4000, die nicht zum industriellen Proletariat gerechnet werden können. Alle sind entweder gewerkschaftlich oder sozialistisch organisiert. Die Tagesordnung des Kongresses� enthält folgende Punkte: I.Arbeitslosigkeit; L.Steuerreform; 3. Schulwesen. Arbeiters chutz, Wahlrcform; 4. Parteiorganisation. Die Frage der Arbeitslosigkeit hat für England nicht nur eine proletarische und sozialpolitische Bedeutung, sondern auch eine zollpolitischc und somit eine kapitalistisch-internationalc Bedeutung. T a r i f r e f o r m(Schutzzoll) oder Sozial- refornr, Imperialismus oder Sozialismus— das sind die Bewegungen, die sich gegenwärtig in England gegenüberstehen und sich um die Frage der Arbeitslosigkeit scharen. Die Konservativen sagen dem Volke:„Schutzzoll bringt Arbeitsgelegenheit für alle". Und die letzten parla- mentarischcn Nachwahlen scheinen darauf hinzuweisen, dag diese Parole einige Zugkraft besitzt. Demgegenüber bemüht sich die Arbeiterpartei, das Irreführende dieser Parole zu beweisen und die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die wirk- lichen Uebel und Heilmittel zu lenken. Der Parteivorstand sagt hierüber: „Angesichts der Ergebnisie der letzten parlamentarischen Aach- wählen ist es nötig, die Aufmerlsmnleit der Arbeiterklasse mit allem Nachdruck darauf zu lenken, daß die Versprechen der Tarifreformer trügerisch und unehrlich sind. Die Leute und die Interessenten, die den schutzzöllnerischen Feldzug mit Geldmitteln versehen, sind die alten Arbeiterfeinde: die Grund Herren, die eine höhere Boden- reute aus dem Volke herauspressen wollen, und die K a p i t a l i st e n, die größere Macht über die Arbeiterorganisationen zu gewinnen suchen. Außerdem ist eine Aenderung der Zollpolitik ganz außer- stände, die Arbeitslosigkeit— dieses schreckliche Uebel— auS unserer Mitte zu bannen, denn auch in schutzzöllnerischen Ländern, wie Amerika, Deutschland usw., ist die Arbeitslosigkeit vorhanden. Schutzzollpolitik bedeutet nicht:„Arbeit für alle"— daS zeigt die Arbeitslosenstatistik in SIew Zjork und Berlin. Die Uebel unserer Gesellschaft liegen also nicht in der Zoll- Politik. Wo denn? Darauf gibt folgende Statistik eine Antwort: Die Summe der steuerpflichtigen Einkommen belief sich im Jahre 1001 auf 833 Milltoncii Pfund Sterling; im Jahre 1908 auf Ö80 Millionen, was eine Zunahme der hohen Einkommen um 147 Millionen Pfund Sterling bedeutet. Andererseits zeigt folgende Tabelle die Lohnänderungen, die auf Grund der Ausweise des Handelsministeriums in der gleichen Periode platzgegriffen haben: Zahl der Zunahme A b n a h m e Jahr betroffenen der Wochenlöhne Arbeiter in Pfund Sterling 1001 928 02«— 7« 287 1002 887 20«— 72 593 1003 806 508— 38 327 1904 800 658— 39 230 1005«83 889— 2 109 1906 1115160 57 897— 1007 1240 464 200912— 1003(11 Monate) 006464— 01001 Zpsannncn in Pfund Sterling 258 800 280 Das heißt: in diesen acht Jahren haben die Einkommen der Neichen um 147 Millionen Pfmid Sterling zugenommen, die Löhne der Arbeiter aber sind trotz aller Kämpfe um 31 100 Pfund Sterling kleines feuilleton. Festreben. In diesen Tagen müßte ein Apparat, der patriotische Festreden konstatieren, zählen und messen könnte, eine furchtbare Arbeit leisten. Wahrscheinlich müßte er schließlich versagen, wie die Erdbebenmesser bei der Katastrophe ig Süditalien. Schade, daß sindige Köpfe ihn noch nicht erfunden haben. Seine Diagramme wären eine denkwürdige Zierde des Hohenzollernmuseums. Schwarz auf weiß könnte jedem Nörgler in Zukunft die reichSamtlich beglaubigte Zahl der Festreden, die genaue Angabe ihrer Wörter- maffen, und auch ihre Dynamik in Gestalt von Begeisterung, Bor- chrung, Gelübden und Treuschwüren vorgehalten werden, llnbe- kannte Maße müßten vom letzten Kriegerverein bis zur UniversitätS- feier alles zu umfassen und zu wägen versuchen. Die Psychologie würde um einen neuen Forschungszweig(mit Experimenten) bereichert. Schade... Kein Gebiet des Schaffens, Denkens, SpiekenS bleibt von den Festrednern verschont. Jeder geht von dein anS, was er zu über- blicken, zu beherrschen vermeint, von den Interessen und Wünschen seiner Person, Schicht, Klasse— und alle beenden ihren Speech mit den Worten:„und darum fordere ich Sie auf. Ja. wenn man auch die unausgeglichenen Widersprüche zwischen Anfang, Alitte und Schluß der Reden feststellen könnte— welche Berge würden dort_ vor unseren Augen erstehen und welche Abgründe, die jene zwei Worte„und darum" ausfüllen sollen. Mancher, den das unerbittliche Schicksal seines Amtes, seiner Stellung zu reden zwingt, hat einen Salto mortale springen müssen, den ihin kein Artist nachmachen würde. Das Gehirn ist immer noch der unvergleichlichste Schauplatz aller Mrobatik. Aber eS gibt soviel Gratisvorstellungei!. daß— einige Konzertredner ausgenommen— lein Manager damit Geschäfte zu machen versucht. ZLtudische Kultstätten in Berlin und Umgegend. Im allgemeinen siegt über der wendischen Vorzeit noch tiefes Dunkel. Die Wenden ivären für die westlichen Eroberer heidnische Barbaren, deren Sitten und Neligion sie mit Stumpf und Stiel auszurotten strebten. Nur vereinzelt wessen wir auf die Spuren der Stätten, wo die heidnischen Wenden ihre Götter zu verehren pflegten. So ist bekannt, daß auf dem Harlunger Berg bei Brandenburg ein Tempel des dreiköpfigen Gottes Triglaff stand, den der Wendenherzog Pribislaw nach seinem llebertritt zum Christentum zerstörte. Der Name Jüterbog weist eben- falls auf eine wendische Lkultstätie; denn„Bog" bedeutet im Slawischen „Gott". Doch dürfte eS sicherlich nicht allgemein bekannt sein, daß auch Berlin und seine Umgebung mannigfache Erinnerungen an gotigeweihte Lrte der Wenden bergen._ Borhagen, ursprünglich Bogöhagen, d. i. Götterhain, deutet tu seinem Nennen aus seinen Uriprung hin. Die Chaussee- und Müllersttaße in Berlin, einst ein Teil der matte» Handelsstraße, die über Nuppin nach Mecklenburg zurückgegangen. Hier haben wir eine Grundtatsache, von der die Arbeiterpartei bei Aufstellung von Reformvorschlägen ausgehen muß. Die Arbeitslosenvorlage der Arbeiterpartei(UigM-to-IVoric KU) versucht deshalb die Sleuerkraft der Reichen schärfer heranzuziehen und die Behörden zu verpflichten, die Arbeitslosen zu beschäfligen. Unsere Vorschläge sind: Aufforstung brachliegender Ländereien; Schutz der Küsten gegen Zerstörung durch MecreSivellen; Slraßenbau; genossenschaftliche Ackerbaubetriebe; Dorfkolonien. Alle Liegierungsvorschläge, die die Arbeitslosigkeit durch eine Armengesetzgebung lindern wollen, sind zu verwerfen." Zu diesem Punkte liegt folgende Resolution vor: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß die Arbeitslosigkeit nicht durch den Freihandel verursacht wird und durch eine Äendernng der Zollpolitik nicht beseitigt werden kann. Die Arbeits- losigkeit ist ein ständiges Merkmal unserer gegenwärtigen Wirtschaft- lichen Organisation. Der Kongreß erklärt deshalb: Dieses Problem kann nur behandelt werden durch die gesetzgeberische und ver- waltende Macht der Staats- und Gemeindebehörden, sowie durch eine Verkürzung der Arbeitszeit, durch die Sicherstellung der Ar- bester gegen die Alleinbeherrscher des Grund und Badens und anderer Reichtuinsquellen, die das flache Land entvölkern, die Städte überVölkern und den Anteil der reichen Müßiggänger am Nationalprodukt vermehren. Der Kongreß fordert die Regierung auf, das Versprechen einzulösen, das der Premiernstnister am 21. Oktober 1908 gegeben hat betteffend„die Bebandlung der ständigen Ursachen und Zustände der Arbeitslosigkeit". Der Kongreß erklärt, daß. um dies tun zu können, die Grundsätze und der Apparat der von der Arbeiterpartei eingebrachten Arbeitslosen- vorläge angenommen werden müssen." Eine prinzipielle Resolution über diese Frage liegt vom Gcwerkschaftskartell von W o o l vi i ch vor: „Der Kongreß wiederholt seine Ansicht, daß eine dauernde Lösung des ArbeitslosenprobleinS nur durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel erzielt werden kann." 2. lieber die Notwendigkeit einer Steuerreform vom Standpunkte einer entschiedenen Sozialpolitik sagt der Parteivorstand: „Der Premierminister erklärte neulich, daß„die StaatSsinanzen ein Instrument von großer Macht bilden." Dies ist eine Tatsache, die von den Regieruiigcii benutzt wurde, um auf die Vottsmassen schwere Lasten zu wälzen. Die indirelten Steuern des Vereinigten Königreichs ergaben im letzten Finanzjahre 54 700000 Pfund Sterling, wovon vier Fünftel von der Arbeiterklasse gezahlt wurden. Die direkten Steuern ergaben 52 500 000 Pfund Sterling, die von den besitzenden Klassen mit einem Gesamteinkommen von nahezu einer Milliarde Pfund Sterling gezahlt wurden. Trotz dieser Un- gleichheit der Lasten verlangen die Besitzenden die Einführung von Schutzzöllen, um das Volk noch mehr zu bedrücken. „Der Betrag des gesellschaftlich erzeugten Reichtums wächst von Jahr zu Jahr. Aber d e r Anteil der Arbeiter bleibt stationär oder geht z u r ü ck." Eine ehrliche Sozialreform muß zum Ziele haben, den erzeugten Reichtum zum Wohlergehen aller zu verwenden. Die Tarifreform hat das entgegengesetzte Ziel. Eine ehr- liche Sozialreform muß mit einer Steuerreform einsetzen. Bor allem soll die Einkommensteuer abgestuft werden. Einkommen von über 5000 bis 40000 Pfund Sterling jährlich sollen eine Zusatzsteuer von 5 Proz. bis 12 Proz. entrichten, was eine StaatSeinnahme von 30 Millionen Pfund Sterling bringen dürste. Die Schanklizenzabgaben solle» aus die Höhe der amerikanischen gebracht werden, was einen Mehrbetrag von 10 Millionen Pfund Sterling erzeben wird. Eine Erhöhung der Erbschaftssteuern ist ebenfalls erforderlich. In den elf Jahren bis Ende 1903 sind im Königreiche 82 Millionäre gestorben, die Vermögen von insgesamt 202 691 000 Pfund Sterling hinter- ließen. Die Erbschaftssteuern brachten dem Staate rund 20 Millionen, so daß den Erben ein Ltiesenvermögen von über 180 Millionen gesellschaftlich erzeugten Reichtums übergeben wurde, unr den Auöbeutnngsprozeß fortsetzen zu können. Die Ein- kommen anS Bodenrente: auS Ackerbauland, WohnungS-, Fabrik- und Geschäftsland, Svortländereien, BergwerkSgerechtsamen. betragen 100 Millionen Pfund Sterling, die in ganz ungenügender Weise besteuert werden.� Hier sind ergiebige Steuerquellen, auf die die Regierung hingewiesen wird." Die hierzu eingebrachte Resolution erklärt: „Ter Kongreß verlangt eine drastische Steuerreform, um die- jenigen Klassen heranzuziehen, die in der Lage sind zu zahlen und den größten Borleu vom Staate ziehen. Die Arbeiterpartei ist entschlössen, die Tarifreform zu bekämpfen, und erklärt, daß die gegenwärtigen indirekten Steuern die Arbeiterklasse schwer be- und der Ostsee führte, heißen in einein alten Grenzprotokoll„der beilige BielbogSweg".„Bielbog" bedeutet„der weiße Gott", im Gegensatz zu dem bösen Prinzip Ezernebog, dem schwarzen Gott, an den sich die Erinnerung in dem märkischen Fluch erhalten hat: Dich soll der Tärnebog holen! Der„heilige BielbogSweg" aber führte durch die„Kirch"heide. wie damals ein Teil der Rehberge genannt wurde. Dies iveist ebenfalls auf eine alte Kultstätte in der Nähe: denn derarrige mit Kirch-, Kreuz- (Kreuzlake), Heiligen-(Heiligensee) usw. zusammengesetzte Rainen wurden von den christliche» Eroberern vielfach heiligen heidnischen Orten beigelegt, an deren Stelle mau die ersten Kirchen und Klöster erbaute in' der taltischen Absicht, hierdurch die alten, zu belehrenden Einwohner leichter an die neue Religion zu gemöhnen. Deshalb ist es auch kein Zufall, daß wir in der Nähe der verlängerten Chaussee- stratze die Jungfernheide treffen; das zirka 1250 bei Spandau ge- gründete Jungsrauenktoster, von dem der Name stammt, verdanlt leine Gründung sicher einer solchen Ursache. Dergleichen Kirchen und Klöster wurden meist ganz bestimmten Heiligen geweiht, den Lieblingöpattoncn der damaligen Zeit, Sankt Petrus, Nikolaus, Michael, Gerttud, die auch sonst in alten Legenden noch häufig ganz die Züge der alten Heidengötter tragen. Damit stimmt die in Berlin verbreitete Sage überein, daß die Petrikirckje auf dem Platz eines alten Götzentempels erbaut sei; dasselbe wird von der Gertraudtenkapelle behauptet, die früher auf dem Spittel- markt stand. Ilm die heidnische Religion mehr und mehr auszurotten, griffen die christsichei! Bekehrer auch hie und da zu dem Mittel, das Gerücht auszusprengen, daß diejenige« Orte, an denen die Heiden weiterhin ihrr religiösen Zusammenkünfte abhielten, verrufen seien und daß der Teufel und andere bösen Geister dort umgingen. Daher wahr- scheinlich die vielerlei Teufelsseen und ähnliche Namen. Vom Plötzensee geht heute noch daS Gerücht, daß eS dort spuke und daß er alljährlich seine Opfer fordere.— Solche Erinnerungen an die Vorzeit gibt cS sicher noch eine Unzahl, ein Beweis, wie sehr fest von alters her überkommene Anschauungen und Ueberlieftrungen im Volke haften. Jinrikischa. Wer eine Beschreibung von Reisen in ostasiatischen Gegenden gelesen hat, ist auf dieses seltsam klingende Wort ge- stoßen. Insbesondere ist es auf das nllerengste verknüpft mit unserer Vorstellung von Japan. In jeder japanischen� Reise- beschreibung, in jeder Schilderung Japans stoßen wir auf dieses Wort, so daß wir e? auf das engste verknüpst glauben mit dem japanischen Leben und mit einer sich in unbekanntes Dunkel ver- lierenden Geschichte deS japanischen Verkehrswesen?. Und dock) ist die Jinrikischa aus Europa von wenigen Jahrzehnten eingeführt ivorden, ven dort trat sie den SiegcSzng über das ganze Land und über die benachbarten ostasiatischen Gebiete au, um dann wieder zu uns zurückzukehren. In den Borlesungen Ferdinand v. Nicht-- Hofens über Allgemeine Eiedelungs- und Per» drücken und deshalb abzuschaffen sind. Sie ist ferner der Ansicht, daß die Kosten der Sozialresorm von denjenigen Klassen getragen werden müssen, die den gesellschaftlich erzeugten Reichtum iu Form von Rente, ZinS und Profit einheimsen. Sie schlägt deshalb vor: Zusatzsteuer ans hohe Einkommen; Sonderstener auf Schanl- lizenzei!; Erhöhung der Erbschaftssteuer; Grund- und Bodeu- stcuer." 3. lieber Schulwesen und über?l r b e i t e r s ch u tz liegen zahlreiche Resolutionen vor. In England wird seit einigen Jahren dein körperlichen Znstande der Volksschuler viel Aufmerksamkeit gewidmet. Den Anstoß hierzu gab der südafrikanische Krieg, ans dessen Verlans hervorzugehen schien, daß eine Abnahme der körperlichen Qualitäten der Engländer Platz gegriffen habe. UntersuchungStömmissionen wurden eingesetzt, um über diesen Gegenstand zu berichten. Die Berichte hierüber leiden indes an dem Fehler, daß sie die gesellschaftlichen Ursachen der körperlichen Rückständigkeit der armen Volksschüler lvenig be- rücksichtigten. Die vorgeschlagenen Maßregeln sind deshalb ein- seitig und ungeeignet. Um diesen Mängeln abzuhelfen, tvird die Ausführung folgender Resolutionen vor- geschlagen: „Da der körperliche Zustand eines großen Teiles der Kinder ernste Gefahren besittchten läßt und da cS nötig ist, die ganze Angelegenheit aus ein höheres Niveau zu heben als auf da? der Armemmterstütznng. spricht der Kongreß seine Ansicht dahin aus. daß die Ausführung des Gesetzes über Speisung der Kinder� in Zusammenhang zu bringen ist mit der ärztlichen Schulinspektion. Ob Volksschüler der Speisung bedürfen, soll einzig und allein von der Aussage der Schulärzte abhängen. Da die Befugnis des UnterrichtsministtriiunS, Gemeindestenern zu diesem Zwecke zu ge- statten, beschränkt ist, so soll das Ministerium die Pflicht haben, dem Parlamente zu berickiten, inwieweit die.wirttichen Bedürfnisse in irgend einem Schnlbczirke unbefriedigt"■>— bleiben. Der Staat soll einen Zuschuß zum Zweck der Schulspeisung leisten." (Unabhängige Arbeiterpartei.) Tic Gewerkschaften der Docker und der Gas« a r b c i t e r brachten Zusätze ein; .„Wschaffung der Haldtagschnlen; Erhöhung deZ SchulaltcrS auf 16 Jahre; die Kinder sollen bei Beendigung der Schule ärzt- lich untersucht und die Resultate veröffentlicht loerden, damit die Nation weiß,„wie es um die kleinen Lohnsklaven steht." Die Textilarbeiter bcrlaugcn absolutes Verbot aller Arbeit zwischen Sonnabend mittag und Montag f r ü l> 6 U h r. Bessere Ventilation in den Krempelsälcn.— Die Laden gehilfen erklären, daß das Gesetz über Frühschluß der Läden wirkungslos sei. Sie ver- langen von der Arbeitcrfraktion die Durchsetzung ihrer Vor- läge, die die Arbeitszeit in den Läden auf 60 Stunden die Woche beschränkt. Abschaffung des Systems von Kost und Logis.— Mehrere Gewerkschaften» darunter die der Brief- träger, verlangen den Achtstundentag. Zur W a h l r e f o r m wird von mehreren Orgamsatione» verlangt: Allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen; Uebcrnahme der Wahlkosten durch den Staat; Llbschaffung der Reste des Pluralvotnms; Abhaltung der Wahlen an einem und demselben Tag(in England dauern die Wahlen ungefähr I i Tage); Staatsdiäten für die Parlaments« abgeordneten. 4 Der Parteivorstand schlägt einige A c n d e r n n g o n in den Satzungen vor. Manche von diesen sind nur Präzisierungen, andere aber bedeuten eine Z e n t r a l i- sierung. Die Wahlkreise sollen sich nunmehr über Auf- stellung von Kandidaten mit dem Parteivorstand verständigen müssen; nur diejenigen Kandidaten erhalte)! die Unterstützung der Partei, die vom Parteivorstand bestätigt wurden. Ferner: bis jetzt dursten von der Partei auch diejenigen Kandidaten unterstützt werden, die zwar der Partei nicht angehören, aber ihrem Prinzip zustimmen. Nunmehr sollen Parteiunter« stützung und Parteizugehörigkeit zusammengehen. Tie An» nähme dieser Aenderung würde besonders die Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei treffen, insofern sie keiner der Arbeiterpartei angeschlossene» Gewerkschaft angehören. Schließlich soll bei Auswahl der Wahlkreise vorsichtiger zu Werke gegangen werden; es soll die kehrSgeographie(bearbeitet und herausgegeben von Dr. Otto Schlüter. Bersin 1908, Dietrich Reimer) finden wir in dem Kapitel „Analysische Betrachtung des Verkehrs" folgende Bemerkungen: In neuester Zeit haben einige Beförderungsmittel die Welt im Fluge erobert. In den sechziger Jahren kam nach Japan ein zweirädriger Kinderwagen für eine europäische Familie. Das Genie cmcS Japaners griff die Idee auf, cS entstand die Jinrikischa. Diese hat einen Sitz für eine bis zwei Personci!»ut einem Verdeck darüber. In einer Gabel läuft ein Mann, der den Wagen stößt. Schon 1370 gab cS in Japan Fabriken, die nur Radreifen und Speichen für dieses Gefährt herstellten. Von Japan kam dann die Jinrikischa nach China. Indien und wieder nach Europa zurück. Jetzt ist sie hier als Kinderspielzeug und für kleine Lastbefördenmaen in den Städttn mit ebenen Straßen allgemein, ebenso in Amerika und überhaupt in allen Städten. Selbst das Zweirad hat eine viel ältere Geschichte als die Jinri- kischa. Man weiy, daß, abgesehen von viel älteren Vorbilden!, der badische Forstmeister K. v. Drais im Jahre 1817 in Mannheim ein Ziveirad baute. Humor und Satire. Mahnung. Mensch, bedenke, was du sagst, Wenn du iu dein Landtag tagst, Und verschweige unbedingt, Ob der Fischbeck 5kognak trinkt. Wenn ein Volksfreund und er nippt; Oder gleich die Pulle kippt Bleibe stumm und unbeteiligt, Demi Private? ist geheiligt. Falls derselbe, wie du siehst Sich das Nasenbein begießt, Sag' eS nicht im Parlamente, Weil es ihn genieren könnte. Gläschen gibt es. hochgestielte; Frage niemals, das wievielte? Wenige verschmäh'» die Kelche; (Gibt es überhaupt wohl welche?) Rufst du:„Wegelag'rer l Strolch I" Minder schlimm ist der Ersolch; Dafür kriegst Du keinen Rüffel.—— Aber sage bloß nicht:„Süffel I" _______(Gottlieb im„Tag'.) Notizen. -»Josef Israels, der große holländische Malet deu Ein« 1 sachbeit und Schlichtheit, beging am Mittwoch den 27. Januar seinen 'SS. GebuAÄog. Er ist immer noch aibeitt'fähig und oaMtflust'g. Zahl der gewerkschaftlich und sozialistisch Organisierten, der Grad der betriebenen Agitation, die bisherigen Wahlergebnisse, untersucht werden. Die Tapete narbeiter werden auch in Portsmouth ihren Antrag, in die Satzungen der Partei das sozialistische Ziel aufzunehmen, einbringen. Auch die Parteiorganisation von Battersea(London-Südwest) hat eine sozialistische Nesolu- tion eingebracht. Der Unterschied zwischen den beiden Reso- lutionen ist der: eine Annahme des Antrages der Tapeten- arbeiter würde die Partei in eine sozialistische verwandeln und deshalb alle nichtsozialistischen Arbeiterorganisationen aus- schließen, während die Annahme der Resolution von Battersea nichts weiter als eine Synipathiekundgebung für das sozia- listische Ziel bedeuten und an der Parteiorganisation und Parteitaktik nichts ändern würde. Faßt man alle hier genannten Fragen, Vorschläge und Resolutionen zusammen, die auf die Tätigkeit der Partei Bezug haben, so kann man sich der Schlußforderung nicht entziehen, daß die britische Arbeiterpartei im sozialistischen Geiste wirkt und ein Glied der internationalen sozialistischen Arbeiter- bewegung bildet. Der Parteivorstand berichtet auch mit Genugtuung, daß das Internationale Sozialiftische Bureau auf Grund der Resolution Kautskys die Arbeiterpartei definitiv in die internationale Bewegung aufgenommen hat. Zum Schluß soll hier noch die von der U n a b- hängigen Arbeiterpartei eingebrachte Resolution erwähnt werden: „... Der Kongreß wünscht besonders, die brüderlichen Grüße und die Friedensarbeit der deutschen Sozialdemo- kratie zu erwidern und verspricht, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu gebrauchen,— sowohl durch politische wie wirtschaftliche Aktion und durch die internationale Vereinigung der Arbeiter— der Kriegspolitik Widerstand zu leisten und den Krieg unmöglich zu machen. Der Kongreß erblickt im Militarismus nicht nur ein Instruments des Krieges, sondern auch der Freiheitsunterdriickung und erklärt seine Opposition gegen alle. Versuche, de» militärischen Geist in unsere Schulen einzuführen oder dem britischen Volke die Militärpflicht aufzuerlegen". m Portsmouth, 27. Januar. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Kongreß der Arbeiterpartei eröffnete heute vormittag 10 Uhr seine Tagung. Vierhundert Delegierte sind anwesend. Keir Hardie führt den Vorsitz. Erster Gegenstand der Beratung war die Arbeits- l o s i g k e i t. Die Resolution wurde drei Stunden diskutiert und dann einstimmig angenommen. ilus Siiditalien. M e s s i n a. 27. Januar. Heute früh 8 Uhr erfolgte wiederum eine starke, 3 Sekunden anhaltende Erderschütternng, welcher ein unterirdisches Rollen vorausgegangen war. ähv Seelenverfassung der vom Erdbeben Betroffenen. Auö Rom wird uns geschrieben: Im„Figaro" hat Lombroso einen Aufsatz über die Seelen- Verfassung der vom Erdbeben Betroffenen veröffentlicht, worin u. a. gesagt ist, daß den Verschütteten jedes Zeitbewußtsein abhanden käme. Diese Beobachtung bestätigt sich aber durchaus nicht in allen Fällen. In Messina wurde nach 0 Tagen eine Frau ausgegraben, die genau wußte, wieviel Tage und Stunden sie unter den Trümmern gelegen hatte; ohne Zogern beantwortete sie die Frage nach dem Datum und dem Wochentage. Auch die Beobachtung, daß die Kinder sich besonders widerstandsfähig ge- zeigt hätten, deckt sich nicht mit dem, was wir in Messina beob- achten konnten. Wohl- wurde in Messina ein Knabe ausgegraben, ß Tage nach der Katastrophe, der, obwohl er ohne Nahrung ge. blieben war, ganz vergnügt mit einer Trommel spielte. In der Regel aber waren die wenigen geretteten Kinder auf das äußelrste erschöpft. Noch erschöpfter warew die jungen Leute. In relativ vorzüglichem Zustand hat man alte Frauen ausgegraben. Die Verwunderung der Aerzte erregte weiter der ausgezeichnete Kräftezustand, in dem mehrere sehr korpulente Frauen gefunden wurden. Was die ersten, im Zustand halber Bewußtlosigkeit borge- nommenen Rettungsversuche betrifft, so wurden dabei Kraft- Icistungcn vollbracht, die den Beteiligten selbst nachträglich un- faßlich erschienen. Mir sagte ein Ingenieur aus Reggio Kalabria, daß die Treppen seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung derart zerstört worden feien, daß es ihm heute absolut unmöglich wäre. sie herunterzusteigen, ohne sich den Hals zu brechen. Derselbe Herr behauptet, daß er heute mit Aufwand all' seiner Kraft seine Mutter, eine sehr starke Frau, nicht tragen könnte. Nun wohl: er hat in jener schrecklichen Nacht seine Mutter auf dem Rücken im Dunkeln die drei zerstörten Treppen seines Hauses her- untergebracht! Daß auf diesem Höhepunkt der Erregung jede Schmcrzensempfindung erlosch, wird uns dadurch bestätigt, daß die meisten Verwundeten keine Ahnung haben, wo und wie sie sich verletzt haben._ Automobilgdetz. Die ReichstagSkommission zur Vorberatung des Entwurfs eines Gesetze? über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen hat den ersten Ab- schnitt des Gesetzes, der die Haftpflicht behandelt, in erster Lesung beendet. Sie hat ein Mittelding zwischen dem Prinzip des Eisen- bahnhaftpflichtgesetzes und der Vorlage der Regierung geschaffen. DaS Verlangen unserer Genossen, eine Zwangsgenossen- s ch a f t einzusühren, fand lebhaften und wirksamen Widerspruch bei den Regierungen, die die Ansicht vertraten, die Voraussetzungen zur Bildung einer solchen Haftgenossenschaft lägen noch nicht vor. Der zweite Teil des Gesetzes(KZ 14— 17) behandelt die Fahr- erlaubnis, der dritte führt Strafvorschriften ein.— Die Fahrerlaubnis will die Regierungsvorlage durch die Behörde erteilen lassen. Der Führer muß seine Befähigung dargetan haben. Die Fahrerlaubnis soll entzogen werden können, wenn Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, daß der Betreffende zum Führer von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. Gegen die Entziehung fft das Verwaltungsstreitverfahren zugelassen. Ueber die Prllfungs- bedingungen und über die Voraussetzungen zur Entziehung der Fahrerlaubnis sollen die Landeszentralbehörden Anordnungen treffen können. Die sozialdemokratischen Vertreter in der Kommission, Genoffen Stolle und Stadthagen, bezeichneten diesen Teil als den vielleicht wichtigsten, aber durchaus unzureichend gestalteten Teil der Vorlage. Irrig sei die Auffassung, daß die Autoführer selbst in erster Linie die Schuld an Unglücksfällen treffe. Auch das Axiom, als ob schnelles Fahren mehr Unglück verursache als langsames, sei für den Autobetricb nicht ganz zutreffend; insbesondere in Städten mit kleinen Häuserblocks und vielen Querstraßen wie Berlin könne bei langsamer Fahrt der Führer weniger sicher lenken als bei schnellem Fahren. Notwendig sei eine Fahrordnung, die unter Berücksichtigung der Terrainverschiedeuheiten für das ganze Reich einheitliche Anordnungen treffe. Erforderlich sei ferner, daß für die Befähigung geeignete Vorschulungen, staat- liche Fachschulen eingerichtet würden. Habe jemand seine Befähigung dargetan, so müsse die Willkür bei der Fahrerlaubnis durch das Gesetz ausgeschaltet werden. Für die Sicherheit deö Betriebes sei aber ferner dringend erforderlieb, daß eine MaHimalarbeitszeit, die nötige Erholungs- zeit sowie geeignete Aufenthalts- und Ankleideränme kür Fahrer vorgeschrieben werden. Sie stellten, von diesem Gesichtspunkte aus- gehend, Anträge, die verlangten: I. Die Fahrerlaubnis darf nur denen erteilt werden, die in staatlichen Fachschulen ihre Befähigung dargetan haben, und muß denen, die ihre Befähigung nachgewiesen haben, erteilt werden, 2. nicht die Polizeibehörden, sondern der Bundesrat muß die erforderlichen Vorschriften treffen. 3. die Anordnung einer Maxi malarbeitszeit von 8 Stunden sowie einer mindestens 33 Stunden dauernden Ruhezeit in jeder Woche und die Errichtung geeigneter heizbarer Aufenthalts- und Anlleidcräume für das Fahrpersonal. Die Unzuverlässigkeit der Polizeibehörde demonstrierten die Antragsteller u. a. an dem Automobildroschkenführerstreik in Berlin, in dem die Polizei völlig ungeeigneten Leuten die Fahrerlaubnis er- teilt und so indirekt Unglücksfälle verschuldet habe. Vom Abg. Beizer(Z.) war beantragt, daß die Prüfungsvorschriflen einheitlich für das Reich zu erlaffen seien. Die Abgg. S ch w a b a ch und B ä r w i n k e l(natl.) schloffen sich dem Verlangen an, daß, wer die Befähigung dargctan hat, auch die Fahrerlaubnis erhalten müsse. Seitens der Regierung legte Geh. Oberregiernngsrat D a m m a n n dar, es sei eine für Deutschland einheitliche Prüfimgs- ordnung geplant. Nur die technischen, körperlichen Qualifikationen sollten in Betracht kommen, die moralischen nur insoweit, als Trunken- bolde und Raufboldevon derFahrerlaubnisausgeichloffenwerdensollen. Durchaus nicht beabsichtigt sei, bei der Prüfung die gewerkschaftliche oder politische Zugehörigkeit irgendwie zu beachten. Zutreffend sei es, daß bei der Oualifikaiionsverteilung hier und da Miß- griffe vorgekommen seien, der Berliner Fall sei der Regierung nicht bekannt. Fachschulen strebe man für später an; zurzeit seien sie nicht durchführbar. Dagegen, daß, wer die verlangten Ouali- fikationen habe, ein Recht auf Fahrerlaubnis erhalle, habe die Regierung nichts einzuwenden. Die Besprechung über die Festsetzung eines MaximalarbeitStagcS, der Ruhepausen usw. wurde bis zur Beratung des K 17 in der nächsten Sitzung(Freitag) ausgesetzt. Der§ 14 gelangte unter Ablehnung der sozialdemokratischen und nationalliberalen Anträge und Annahme des ZentruniSantrages in folgender Fassmig zur Annahme: „Wer ein Kraftfahrzeug führen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Die Erlaubnis gilt für das ganze Reich; sie darf nur erteilt werden, wenn der Nachsuchende seine Befähigung durch eine Prüfung, über welche der Bundesrat einheitliche Bor- schriften erläßt, dargctan hat. Den Nachweis der Erlaubnis hat der Führer durch eine Ve- scheinigung(Führerschein) zu erbringen. Die Befugnis der Ortspolizeibehörde, auf Grund des K 37 der Reichsgewerbeordnung weitergehende Anordnungen zu treffen, bleibt unberührt."_ Hus der Partei. Aus der französische» Partei. Ueber die schon kurz registrierte Sitzung deS NationalrateS wird uns noch von unserem Pariser Korrespondenten geschrieben: Die Beratungen galten besonders der Vorbereitung der Wahlaktion bei den bevorstehenden Ersatzwahlen und dem dies- jährigen Parteitage. Die Partei wird in allen Wahlkreisen ihre volle Kraft einsetzen. Auf Jaurös' Antrag wurde beschloffen, in den Wahlaufrufen die Forderung deS Proportionalwahl- rechts hervorzuheben. Breton versuchte einen Vorstoß zugunsten der„republikanischen Disziplin" im zweiten Wahlgange, indes beschloß die Versammlung, den Beschluß von Chalon hervorzuheben, der als richtunggebendes Prinzip das Interesse des Proletariats und der sozialen Republik erklärt. Der Parteitag wird zu Ostern in St. Etienne, dem Wahlkreise BriandS, stattfinden und folgende Tagesordnung haben: 1. Landpropaganda: 2. Die allgeni einen Wahlen von 1910; 3. Anträge auf Statutenänderung(auf diesen Punkt wurde auch Breton verwiesen, der zuerst die de« sondere Aufnahme eines Punktes: Abstimmung über das Budget in den öffentlichen Körperschaften, gefordert hatte) und 4. Maifeier. Dieser letzte Punkt wurde auf den Antrag Brackes aufgenommen, der auf die Notwendigkeit hinivies, der Maifeier eine systematische Pflege von Parteijvegen zu widmen. Von den Berichten verdient der von Vaillant erstattete über das internationale Bureau besondere Aufmerksamkeit. Vaillant sprach über den Schriftenwechsel zwischen der französischen und der deutschen Partei aus Anlaß des Zwischenfalles von Casa- blanca und bemerkte zu der ablehnenden Stellung der deutschen Partei gegenüber der vom internationalen Sekretär angeregten gemeinsamen Volkskundgebung:„Die deutschen Genossen hatten durch eine Reihe von Kundgebungen und Ler- sammlungen neuerlich ihre Wachsamkeit und ihre Macht im Jntereffe de? internationalen Friedens kundgegeben. Sie hatten mehr als ihre Pflicht getan und wir konnten das nur an- erkennen mit dem Bedauern, daß uns keine der ihrigen ebenbürtige Organisation zur Verfügung steht, die uns eine so wirksame Aktion im Volke erlauben würde. Die erste Regel der internationalen Be- ziehungen des Sozialismus ist, daß jedes Land in der gemeinsamen Aktion in bezug ans seine innere Politik frei bleibt und daß eS die anderen Länder nicht behindern". Der Stand der„Humanitö" ist günstig, wenngleich die Anzahl der Abonnenten etwas abgenommen hat. Die höchste Auflage betrug 78 509. der stärkste Verkauf SS 000 Nummem, d. i. eine Zu- nähme von 6000 gegen das letzte Jahr. Im Namen der Administrativkommission wendete sich der bericht- erstattende Parteisekretär Dubreuilh sehr scharf gegen die in HervüS„Gucrre Sociale" aufgenommenen Artikel und Berichte. die zur Gründung von Parteisektionen und Föderationen außerhalb der bestehenden lokalen und regionalen Organisationen auffordern. Sie bezogen sich vor allein aus die Schaffung einer neuen Föderation des Nordens. Die Administrativkommisston hat Hervü aufgefordert, diese Veröffent- lichungen einzustellen, da sie in keinem Fall die Einigkeit der Partei antasten lasten werde. Sie hat ferner die Partei- presse und ihre Mitarbeiter ersucht, sich beleidigender Poleimken zu enthalten._ Gtmcindcwahlsicge. Bei den Stadtverordneten Wahlen, die am Montag und Dienstag in Braunschtveig in 4 Bezirken stattfanden, errangen unsere Genossen über die vereinigten bürgerlichen Parteien einen schönen Sieg. Die Wahlbeteiligung war eine außerordentlich starke. Gewählt wird nach dem Dreiklassenwahlrecht; außerdem ist das Wahlrecht an die Erwerbung des Bürgerrechtes geknüpft, das ür 7,öv M. erkauft werden muß. Den 11 153 Wählern der 3. Klaffe stehen 150 der ersten und 990 Wähler der 2. Klasse gegenüber, die je 12 Stadtverordnete zu wählen haben. Die Zahl der Bürger hat seit der letzten Wahl vor 2 Jahren nur um 071 zugenommen. Unsere Fraktion war bisher 7 Mann stark, wovon 3, die Genossen Jasper. Wesen eier und Hesse, jetzt ausscheiden mußten. Trotz der wüsten Agitation der bürgerlichen Parteien wurden die 3 Genossen nicht nur wiedergewählt, unsere Partei erzielte auch 890 Stimmen niehr, als im Jahre 1907, während die bürgerlichen Parteien 345 Stimmen verloren. Es haben sich 88 Proz. der Wähler an den Wahlen beteiligt. Der nationale Dusel von 1907 ist bei vielen Wählem gründlich verraucht. Bor zwei Jahren fielen unsere Genossen noch sämtlich durch. Im 4. Bezirke, wo die Partei noch kein Mandat erobern konnte, ist sie den Gegnern scharf auf den Leib gerückt. Deren Stimmenzahl ist von 1205 auf 1032 zurückgegangen, während die Stimmen für unsere Partei von 315 aus 984 slieaeu. Auch in den Landstädtchen Schöningen und Seesen siegten unsere Genossen in der dritten Klasse mit großer Majorität. In Helmstedt, Holzminden und Blankenburg stehen unsere Genossen in der S t i ch w a h l. In den Landgeinemdeii hat die Sozialdemokratie gleichfalls eine Reihe Erfolge erzielt. In I ö h l i n g e n, Amt Dnrlach(Baden) fochten unsere Ge- nasse» den Wahlkainpf bei der Gemein de tvahl gegen die bürger- lichen Parteien, welche unter demokratischer Führung standen, in der 3. Klasse erfolgreich durch. Mit 150 gegen 100 Stimmen errang die sozialdemokratische Liste den Sieg. AuS Baden wird uns mitgeteilt, daß der sozialdemokratische B ü r g e r m e i st e r Benz in F i p r i n g e n bei Pforzheim wieder in sein Amt eingesetzt ist auf Grund des Urteils des Karlsruher Verlvaltungsgerichlshofes. Genosse Benz war der erste Sozial- demokrat Badens, der auf den kurulischen Sitz der Gemeinde erhoben wurde. Die bürgerliche Gegnerschaft wachte mit Argusaugen darüber, ob sie dem roten Maire nicht irgendwie zusetzen könne. Und da ein Proletarier nicht die Meisterschaft zu einer vollkommenen Verwaltung mitbringen kann, passierten dem„neuen Herrn" einige formelle Ungeschicklichkeiten in der Diciistführnng. Die Jspringer Bürgervereinler stürzten sich auf diese„Dienstvergehen", das Pforz- heimer Bezirksamt enthob Benz seiner Stelle. Auf den erhobenen Rekurs wurden die Ordnungsfananker belehrt, daß noch kein Ge- Ichrler vom Himmel gefallen ist, wie man hierzulande zu sagen pflegt._ Da? Befinden Bollmars. Entgegen den tendenziösen Meldungen eines liberalen Wochen- blattes kann die„Munchener Post" erfreulicherweise mitteilen, daß daS Befinden Vollmars, der in den letzten Monaten leidend war. sich ganz erheblich gebessert hat. Wollmar wird voraussichtlich bereits im März seine parlamentarische Tätigkeit wieder in vollem Umfange aufnehmen. Der„Vorwärts" hatte von der unbeglaubigten Meldung der liberalen Zeitschrift keine Notiz genommen. Die Krifis in der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands. Amsterdam, 20. Januar 1909. Infolge der in der holländischen Partei herrschenden weit- gehenden Meinungsverschiedenheiten und des aus demselben Grunde erfolgten Austrittes der Kanunerabgeordneten W. P. G. Helsdingen und I. H. Schaper aus dem Parteivorstande hatte dieser ein Parteireferendum über die Frage ausgeschrieben, ob ein außerordentlicher Parteitag stattfinden soll. Das Resultat ist jetzt zusammengestellt. Bon 5571 Stimmen sprachen sich 3263 für das Abhalten eines außerordentlichen Parteitages aus, 1719 dagegen, während 577 Genossen sich der Stimme ent- hielten. Die beiden ausgetretenen Partcivorstandsmitglieder Helsdingen und Schaper wurden mit 3416 bezw. 3447 Stimmen als Vertreter der revisionistischen Richtung wiedergewählt, während die zur marxistischen Richtung zu rechnenden Gegenkandidaten R. Kuyper und G. W. Sannes, ohne daß sie ausgesprochen als solche ausgestellt waren, 1097 bezw. 1041 Stimmen auf sich vereinigten. Ueberdies erbielt Genosse L. M. HermanS noch 1034 Stimmen und 312 Ge- nassen enthielten sich der Abstimmung. Die Snmmcnthaltungen sind wohl fast ausnahmslos den sich um das marxistische Wochenblatt „Die Tribüne" gruppierenden Genossen zuzuschreiben. Der außerordentliche Parteitag findet am 13. und 14. Februar wahrscheinlich zu Utrecht, statt. polizeilieius, fiericbtlicheo ufw, Strafkonto der Presse. AuS Halle a. S. berichtet man unS unterm 26. Januar: Der Genosse Redakteur Däumig, früher hier, jetzt in Erfurt, war heute vor dem Schöffengericht im Privat- beleidigungsverfahren wegen Beleidigung eines Würstchenhändlers angeklagt. Der Händler war früher Mitglied der Partei gewesen, dann ausgetreten und wegen nicht eiiiwandsfreier Handlungen aus dem Arbeitergesangverein ausgeschloffen worden. Wegen einer Würdigung des Verhaltens des Mannes in einem„Vollsblatt"artlkel soll Genosse Däumig 100 M. Strafe und eine Buße von 75 M. zahlen. Wegen Beleidigung des Vorsitzenden des christlichen Ge- werkschaftSkartelles wurde Genosse Ostkamp von der„Ar- b e i t e r- Z e i t u n g" in E s s e n in der Berufungsinstanz zu 150 M. Strafe verurteilt. Hus Industrie und Kandel Steigerung der Schweinepreise. DaS Jahr 1909 hat mit einer Aufwärtsbewegung der Schweine« preise eingesetzt. Die Preissteigerung im laufenden Monat ist nicht etwa eine regelmäßige Erscheinung, im vergangenen Jahre vollzog sich in der nämlichen Zeit vielmehr ein merklicher Preisrückgang. Vereinzelt stehen die Preise bis zu 20 Proz. über denen deS Januar 1908. Vor allem haben die Preise der geringeren Sorten von De- zember auf Januar eine starke Preissteigerung erfahren. In den Orten, in denen der Vorspnmg gegenüber 1908 am größten ist, stellte sich der Preis für 50 Kilo Lebendgewicht Mitte Januar dieses und des vergangenen Jahres auf Mark: 1903 1909 Dortmund.. 50— 57 58—60 Köln a. Rh.. 48—57 60—70 Elberfeld.. 50-56 55-67 Auch in Hannover ist die Preissteigerung noch sehr bedeutend) der Preis belief sich hier Mitte Januar auf 62— 72 M. gegen 50—60 M. im Vorjahr. In Hamburg ist der Vorsprung nicht ganz so stark, 50 Kilo kosteten hier aber immerhin auch 59—67 M. gegen 61—56 M. im Vorjahr. Gegenüber Dezember ergibt sich für Ham- bürg eine Preissteigerung um 3 M. In Verlin ist besonders der Preis für die geringste Qualität hinaufgegangen: 50 Kilo kosteten 60—67 M. gegen 43—57 M. im Januar 1000. Auch i» Magdeburg hat sich gerade die jüngste Sorte am meisten verteuert, ebenso in Leipzig._ Der deutsche Außenhandel 1908. Nach dem Dezemberhefte 1908 der vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenen„Monatlichen Nachioeise über den auswärtigen Handel DeuischlandS" erreichte im Spezialhaudel die Jahrcöcinfuhr 60 520 730 Tonnen, ferner 1 001 615 Siück(1 470 090 Uhren, 119 615 Pferde usw., 1230 Fahrzeuge, 4630 Stock Bienen) gegen 66 393 832 Tonnen, 1914 553 Stück(1779116 Uhren, 128 340 Pferde nstv., 1391 Fahrzeuge, 5700 Stock Bienen) im Vorjahre. Der Ausfall gegen das Vorjahr ist also recht bedeutend, namentlich bei Erzeugnissen der Landwirtschaft usw.(2,2 Millionen Tonnen), mineralischen und fossilen Rohstoffen(3,3 Millionen Tonnen), unedlen Metallen(0,2 Millionen Tonnen), Stein-, Ton- ivaren, bearbeiteten Spinnstoffen und Waren daraus. 13 von 19 Tarifabschnittcn zeigen Liückgänge. Eine bemerkenswerte Zunahme findet sich„ur bei den chemische» Erzenguissen und hierunter besonders bei künstlichen Düngemitteln. Die Jahresausfuhr ist stärker als im Vorjahr: sie verzeichnet 45 747 459 Tonnen, serner 420 000 Stück(410 057 Uhren, 6536 Pferde usw., 1398 Fahrzeuge, 1409 Stock Biene») gegen 45 1l0 8ü2 Tonnen und 453 728 Stück(444 039 Uhren, 0958 Pierde. 1667 Fahr- zeuge, 1004 Stock Bienen) im Jahre 1907. 12 von den 19 Tarif- abschnitten erfuhren eine Absatzsteigerung, die bei Erzeugnissen der Landwirtschaft(-J- 0,7 Millionen Tonnen) und unedlen Metallen -s- 0,29 Millionen Tonnen) besonders lebhaft ist. An letzterer sind besonders Elten und Waren daraus beteiligt. Die Einfuhr des abgelaufenen Jahres hatte einen vorläufigen Wert von 8,7 Milliarden Mark gegen 9 Milliarden im Jahre 1907 einschließlich und 8,3 gegen 8,7 Milliarden Mark ausschließlich des Edelmetallverkehrs. Die Ausfuhr des JahreS tS08 ergab eiuen Wert bou 6,8ti gegen 7,1 Milliarden Mark eiufdjliefjMi und 6,75 gegen 6,85 Milliarden auHschlieblich der Edelmetalle. Werlpapiere sind weder bei der Ein- noch bei der Ausfuhr be- rücksichtigt. Da im Jahre 19V3 die Werte der meisten Waren ge- fallen sind, werden Ein- und Ausfuhr bei der im nächsten Monate beginnenden endgültigen Bewertung durch den handelsstatistischcn Beirat voraussichtlich noch Ermäßigungen erfahren. Die Krise. Die Flensburger Schiffbaugcsellschaft hat am 25. und 26. Januar reichlich 100 Arbeiter, meistens Nieter und Vorhalter, entlassen. Der Grund hierfür ist in dem gänzlichen Mangel an Aufträgen zu suchen. Die dortige Posiverwaltung hilft die schon vorhandene, im» geheuere Zahl der Arbeitslosen in Flensburg vergrößern. ES tvurden heule 7 Telegraphenarbeiter entlassen, andere sollen folgen. Arbeit soll genug vorhanden sein, doch fehlen angeblich die nötigen Geldmittel. Recht schlimm sieht es für die Seeleute aus. Die Reeder ziehen fast alle Schiffe nach dem Heimathafen und lassen auflegen; die Besatzungen werden abgemustert. Gegenwärtig liegen reichlich 40 Handelsdampfer im Flensburger Hafen, während sonst nur 7—8 Dampfer im Winterlager waren. In der Glasfabrik Schalenstein bei O b e r n k i r ch e n im Kreise Rinteln wurde am Sonnabend wieder 30 Arbeitern gekündigt. Es sind alles ansässige Leute. Mit den vorige Woche gekündigten Ar- beitern beträgt die Zahl derselben jetzt 120. Da viele Millionen Flaschen lagern und der Absatz schlecht ist, sollen noch weitere Kündigungen erfolgen._ Die Lage der Bocholter Textilindustrie hat sich letzthin gebessert. Die Aufwärlsbewegung begann schon im November. Die Aufträge kamen zwar nicht gleich in großer Zahl ein und waren auch nicht besonders umfangreich, dafür aber wurde in allen Fällen ein eiliger Versand zur Bedingung gemacht. Diese Erscheinung ließ damals noch keineswegs auf eine beginnende Aufwärtsbewegung schließen, sondern viel eher nur die große Vorsicht der Engrosabnehmer in die Erscheinung treten, welche ihrerseits wieder die unsichere Wirt- schaftliche Lage illustrierte. Aber ein Gutes hatte diese Geschäfts- maxime doch. Sie gab Veranlasiung, daß die Fabrikanten nach und nach dazu übergingen, die Feierschichten immer mehr einzuschränken und schließlich ganz zu beseitigen. Zurzeit haben fast alle Fabriken der Textilbranche den vollen Betrieb wieder aufgenommen und es ge- winnt den Anschein, als ob diese Aufwärtsbewegung von Dauer sein wird. Im Interesse der Arbeiterschaft, die durch die neun Monate hindurch eingeführten wöchentlichen Feierschichten Wirt- schaftlich sehr zurückgekommen ist, wäre dies sehr zu wünschen. Die Arbeiterschaft hat durch den erheblichen Lohnausfall fast allein die Kriegskosten des wirtschaftlichen Niederganges zu zahlen. Steel-Trust. Die United State? Steel Corporation erklärte für das vierte Quartal 1003 eine Dividende von Va Proz. für die Stammaktien und von 1% Proz. für die Vorzugsaktien gegen Vz bezlv. 1% Proz. für das dritte Quartal 1907 und bezw. Proz. für das dritte Quartal 1903. Die Gesamtdividende für da? Geschäftsjahr 1908 beträgt 2 Proz. für die Stammaktien und 7 Proz. für die Vorzugsaktien wie 1907 und l'/a Proz. bezw. 7 Proz. für 1906. Als Geiamtübcrschuß für das Geschäftsjahr 1908 ergeben sich somit 91 825 761 Dollars gegen 160 434 477 Dollars für 1907 und 156 619111 Dollars für 1906. Der Reingewinn für das Geschäftsjahr 1903 beträgt 10498 000 Doll., d. i. eine Abnahme von 4 632000 Dollars gegen das Vorjahr. Die russische Pumpwirtschaft. Die neueste Niesenanleihe Rußlands lenkt wieder die allgemeine Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Zustände des Zarenreiches. DaS russische Budget weist eine rasche Steigerung auf. Seit 1903 bis 1909 sind die ordentlichen Ausgaben von 1883 auf 2472,2 Millionen Rubel gestiegen, die Einnakmen dagegen nur von 2031,8 auf 2477 Millionen Rubel. Im Ordinarinm machte also der Ein- nahmenllbcrschuß 1903 148,8, 1909 schon kaum 4.8 Millionen Rubel ans. Dabei sind aber die Steuerkräfte des Volkes bis aufs äußerste angespannt. Die indirekten Steuern betrugen in Rußland 1878 3,62 M. pro Kopf der Bevölkerung, 1906 dagegen schon 19.20 M. I Auf jede Mark direkte Steuern wurden indirekte gezahlt: Groß- britannien 1,41, Italien 1,53, Japan 1,55, Oesterreich-Ungarn 2,24, Frankreich 2,55, Deutschland 2,99, Rußland 7.14 M. So nimmt die russische Regierung der Bevölkerung alles, was sie ihr nur nehmen kann, und doch sind die Schulden in erschreckender Weise an- gewachsen, von 6644 Millionen Rubel im Jahre 1902 auf 8726 Millionen Rubel im Jahre 1907. Der Anleihedieust erforderte 1903 289,8 Millionen Rubel, jetzt 396,7 Millionen Rubel, ist also um fast 40 Proz. gestiegen. Er macht jetzt den vierten Teil oer Staats ausgaben aus!... Rußland braucht immer mehr Geld, um die Zinsen für die Anleihen zahlen zu können. Neuerdings wurden trotz der Mißernte, Cholera uiw. die Steuerrückstände rücksichtslos eingetrieben. Dennoch sinkt von Jahr zu Jahr die Ausfuhr Rußlands und speziell die Getreideausfuhr. So stellte sich der Ausifuhrüberschuß 1905 auf 442 und 1907 aus bloß 211 Millionen Rubel; die Getreideausfuhr war 1905 695,8 und 1907 schon nur 467,1 Millionen Pud... Das Jahr 1903 hat die Sachlage noch bedeutend verschlimmert. Die Ausfuhr von Getreide hat sich aber vermindert, nicht weil der russische Bauer selber immer mehr Getreide konsumiert, sonder» weil er hungert. Für den einheimischen Konsum blieben 1900/1904 140 Kilogramm auf den Kopf, 1905/1906 102 und 1906/1907 nur noch 73 Kilogramm Roggen. In Deutschland stellte sich der Konsum 1005/1906 auf 149 Kilogramm pro Kopf. Die Eisenbahnen Rußlands schließen jahraus jahrein mit Defizit ab. 1907 stellte eS sich nach den offiziellen Angaben bei allen Staats- bahnen auf rund 100 Millionen Rubel. Die„Frankfurter Zeitung" brachte kürzlich eine Zusammen- siellung der Kurse der wichtigsten Anleihen. Danach war der Kurs der Iprozentigen Anleihe von 1880 am 1. Dezember 1903 99,80, am 2. Januar 1905 89, am 16. April 1906 81,50, Ende 1906 73,50, Ende 1907 79.30 und Ende 1903 88,75. Im letzten Jahre ist der Kurs infolge der starken Geldflüssigkeit gestiegen. Wohl haben hier auch die Agenten der russischen Regierung, die sich zu der neuen Anleihe vorbereitet hatte, mitgewirkt. Tatsächlich sind die Bedingungen, unt-r denen die neue Anleihe aufgenommen wurde, keineswegs günstige. Der Emissionskurs beträgt 89'/4, der Uebernahmekurs aber nur 85'/o. 4 Proz. gehen also an die Banken ab. Von der Anleihe nominell 1400 Millionen Fr. erhält die Re- gierung tatsächlich nur 1197 Millionen. Dabei muß sie 900 Millionen für die Scbatzbons von 1904 abgeben, für die sie damals rund 760 Millionen Fr. erzielt hatte. Nußland zahlt also in der Tat nicht 4Va oder 6 Proz. sondern 7,/3 Proz., also Wucherzins enl Das internationale Kapital feiert Orgien auf Kosten der arbeitenden Volksteile._ Soziales« DaS Schiedsgericht der Berliner Innungen. Die Gerichtsstätte in der Brückenstraße bietet dem Arbeiter, ber sich die kleine Mühe macht, dort einmal den Verhandlungen beizuwohnen, reichliche Gelegenheit zum Studium einer Recht- sprechung in gewerblichen Streitigkeiten, wie sie nicht sein soll. Vor allem wird man über die Geschwindigkeit, mit der oort die Rechtsprechung zu geschehen Pflegt, nicht wenig erstaunt sein. So standen z. B. am Dienstag, den 26. Januar, nicht weniger als 4 2 K l a g e s a ch e n zur Verhandlung an, davon 21 in den Abendstunden, die auch in 8 Standen und 20 Minuten erledigt waren. Dabei ist zu bemerken, daß es sich nicht etwa um Verglcichsverhandlungen vor dem Einzelrichter handelt. Nein! Ein fünfköpfiges Richterkollegium, dessen Mitglieder, mit Aus- nähme des Vorsitzenden, fortwährend in kurzen Zwischenräumen (etwa 5 bis 20 Minuten) wechseln, sitzt dort beisammen um über die von den Arbeitern gegen die Herren Jnnungsmeister anhängig gemachten Klagen zu entscheiden. Glücklicherweise ist gegen alle Urteile, die dort gefällt werden, noch die Berufung an das zuständige Amtsgericht zulässig, denn bei dieser Eile kann von einer ordnungsgemäßen Prüfung der Sachlage in den einzelnen Fällen kaum die Rede sein. Schon einige Beispiele aus der Dienstagabendsitzung rechtfertigen den Mangel an Ver- trauen, der in der Arbeiterklasse gegenüber dem Jnnungsschieds- gericht existiert. So klagte der Tapeziercrgehilfe Rill gegen den Kaufmann Marquardt, bei dem er vom 7. bis 12. Januar mit Linoleumlegen beschäftigt war, auf Zahlung einer Lohn- entschädigung für 14 Tage in Höhe von 54,00 M. wegen un- berechtigter Entlassung. Außerdem auf Zahlung rückständigen Lohnes und gehabter Auslagen von zusammen 7,35 M. Davon erkennt der Beklagte 5,65 M. an. Bezüglich des Entschädigungö- anfpruches wendet er KündigungsauSschlutz ein: Kläger habe schon einmal bis 24. Dezember 1908 bei ihm unter Kündigungs- ausschluß gearbeitet. Beklagter gibt aber zu, daß er den Kündi- gungsausschluß bei dem am 7. Januar eingegangenen Arbeits- Verhältnis nicht ausdrücklich vereinbart hat. Trotzdem empfiehlt der Vorsitzende, Sekretär Hagemann, dem Kläger, seine Forderung fallen zu lassen, da es Judikatur aller Gerichte sei, daß aus die Arbeitsverhältnisse bei einem und demselben Arbeit- gcber in Zweifelsfällcn die Kündigungsfrist als vereinbart an- genommen wird, die bei dem ersteren Arbeitsverhältnis vereinbart wurde. Kläger befolgte leider den Rat, da er die irrtümliche Mit- teilung des Vorsitzenden über Rechtspraxis für richtig hielt. Nun hatte der Beklagte noch eine Widerklage'«angestrengt, in der 3,10 M. für Krankenkassenbeiträge, darunter 1,50 M. Ein- trittsgeld, vom Kläger gefordert werden. Das Schiedsgericht sprach Kläger 2,55 M. zu und wies ihn mit der Mehrforderung ab, indem es sich auf den Standpunkt stellte daß Kassenbeiträge und Ein- trittsgeld auf Lohnforderungen aufgerechnet werden dürfen. Dem Kläger ist das Eintrittsgeld aber zu Unrecht in Abzug gebracht worden. Da erst am 24. Dezember 1908 das vorhergehende Ar- beitsverhältnis, noch dazu beim selben Arbeitgeber, fein Ende er- reicht hatte, waren bis zum 7. Januar 1909 noch keine 26 Wochen verflossen und Kläger somit vom Eintrittsgeld befreit. Ist es den- noch an die Krankenkasse gezahlt worden, so ist eben vom Arbeit- geber ein Fehler gemacht. Für diesen hat, entgegen den Ansicht des Schiedsgerichts, der Arbeiter den Schaden nicht zu tragen. In der Klagesache des Klempners Huckstädt gegen den Klempnermeister Hermann Tschirlich erhält der Kläger nur den rückständigen Lohn zugesprochen. Kläger hatte außerdem Entschädigung für einen Tag in Höhe von 6,50 M. ge- fordert, weil er am Morgen des 21. Januar entlassen worden ist. Mit diesem Anspruch wurde er abgewiesen, und zwar wie das Schiedsgericht sagt, auf Grund einer Zeugenaussage. Der Zeuge, ein Mitarbeiter des Klägers, bekundete aber nur, daß er mit dem Kläger am 20. Januar ein Gespräch gehabt habe, in dem ihm dieser sagte, daß ein Arbeiter den ganzen Tag bezahlt verlangen kann, wenn er vor Ablauf desselben entlassen wird. Zu diesem Gespräch mag der wahrzunehmende Arbeitsmangel Veranlassung gegeben haben. Die Frage des Vorsitzenden an den Zeugen, ob er wüßte, daß Kläger am Abend des 20. Januar entlassen werden sollte, beantwortete er mit„Nein". Der Beklagte hatte sich auf diesen Zeugen berufen zum Beweis für seine Behauptung, daß Kläger gewußt habe, daß er am Abend entlassen werden sollte. Aus dieser Zeugenaussage entnahm also das Schiedsgericht als feststehend, daß Kläger tatsächlich davon gewußt habe, und wies diesen mit seinem Anspruch ab. Der Schmietze geselle Waldzus verlaugt vom Schmiedemeister Franz Bliefert wegen unberechtigter Entlassung eine Lohnentschädigung für 14 Tage in Höhe von 40,50 M. Kläger, der zugereist war, führte seine Sachen nicht bei sich. Beklagter stellte ihn aber ein. Nach drei Tagen entließ er ihn wieder, weil er ihn angeblich nicht ohne Schurzfell weiter arbeiten lassen dürfe, um nicht mit der Unfallberufsgenossenschast in Konflikt zu kommen. Kläger bietet Beweis dafür an, baß ihn der Beklagte nur deshalb entlassen habe, weil dieser glaubte, er liefe ihm nach Neujahr ja doch davon. DaS Schiedsgericht verwirft die Beweismittel des Klägers und beschließt, einen Sachverständigen darüber zu höre», ob der Kläger ohne Schurzfell weiterarbeiten konnte. Man muß es dem Schiedsgericht schon lassen, daß es sich wirk- lich bemüht, Gründe zu finden, die die Handlungen der Herren Jnnungsmeister rechtfertigen: baß die Gründe zutreffen, läßt sich freilich nicht behaupten. In Sachen des Glasergesellen Jane gegen den Glasermeister Willi Fuchs setzte der Borsitzende auf die Bemerkung des Beklagten hin, daß er den Kläger wegen Be- leidigung seiner Frau bei der Polizei angezeigt habe, einfach die Verhandlung aus, ohne bei den Beisitzern den geringsten Widerspruch zu finden. Solche Rechtsirrtümer, wie die oben geschilderte», sind bei der Eile, mit der die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht betrieben werden, durchaus nicht verwunderlich. Kamen doch am Dienstagabend auf jede der 21 Klagesachen durchschnittlich nur 10 Minuten Verhandlungszeit. Äie schnell muß es aber erst gehen, wenn, wie der Vorsitzende sagt, 60 bis 70 Klagte fachen an einem Tage zur Verhandlung kommen. Der Kölner Aerztestrcik ist nunmehr durch den Deutschen Aerztevereinsbund offiziell ver- kündet worden. Die im sogenannten„Leipziger Verbände" ver- einigten Aerzte in Köln und Vororten, in Kalk, Mülheim a. N. und Rodenkirchen sowie den Landkreisen Köln und Mülheim a. R. machen bekannt, daß sie die Krankenkassenmitglieder und deren Familienangehörige nur noch bis zum 31. Januar behandeln werden; ausgenommen sind die Mitglieder derjenigen Kranken- kassen, die die freie Arztwahl beibehalten haben. Die Bekannt- machung sagt ausdrücklich: „Eine Behandlung der Krankenkassenmitglieder und deren Familienangehörige, d. h. aller Angehörigen von Familien, gleichgültig, ob Familienversicherung besteht»der nicht, findet vom 1. Februar 1909 unter keinen Umständen, auch nicht gegen Bezahlung, statt." Also kompletter Generalstreik? Sogar die nichwersicherten Familienmitglieder der Kassenmitglieder sollen unter keinen Um- standen behandelt werden. � Wie wir bereits mitgeteilt haben, sind die Krankenkassen mit ärztlicher Hilfe reichlich versehen. Sie verfügen über mehr Aerzte, als von der Aufsichtsbehörde verlangt werden. Huö der frauenbeweefung. Staatsarbeiterinuen. Die Gerechtigkeit fordert gleiche Entlohnung für gleiche Leistung! Obwohl die Frauenarbeit und-leistung auf verschiedenen Tätigkeits- gebieten hinter der männlichen Leistung um nichts zurücksteht, praktiziert man noch immer den rückständigen Standpunkt der ge- ringeren Einschätzung der Frauenarbeit und deren Minderbezahlung. Wirtschaftlich gleichgestellt wird die Frau mit dem Manne nur bei der Belastung mit Steuern und sonstigen Pflichten. Die Forde- rnng der Gleichstellung bei der Entlohnung erfährt Ablehnung als ein empörend ungerechter Anspruch. Daß man die billigere Frauenkraft immer mehr heranzuziehen und aus- zunutzen sucht, zeigt die Zunahme der Fraueuzahl in verschiedenen Betrieben. Dies wirkt wirtschaftlich insofern schädigend, als die höher zu bezahlende Männerarbeit zurückgedrängt wird. Das heißt: die Summe des Lohnes für die gleiche Quantität Erzeugnisse vermindert sich; die Konsumkraft der Produzenten wird geschwächt. Die Regierung erkennt natürlich bei der Entlohnung ihrer Arbeits- kräfte ebenfalls keine Gleichberechtigung an. Der Staat als Arbeit- geber gibt auch auf diesem Gebiete ein sehr unrühmliches Beispiel, wie er ja überhaupt in der Frage der Frauenbewegung und de-s Arbeiterinnenschutzes des borniertesten Spießers Rückständigkeit noch zu übertrunipfen sucht. In den Nachweisen der militärfiskalischen Unternehmungen treten die Löhne der weiblichen StaatSarbciter ganz gewaltig hinter denen der männlichen zurück., Es waren z. B. beschäftigt in den Proviantämtern, Armee- Konservenfabriken, Beileidungsämtern, Garnisonverwaltungen und Garnisonlazaretten 1907 in Preußen: vollbeschäftigte Arbeitskräfte: männliche weibliche 5819 3514 Jahreslöhne erzielten unter Zugrundelegung von 300 Arbeits» tagen a 10 Stunden für eine Arbeitskraft: Mark männliche weibliche 300— 540 34 1027 600— 720 110 1711 780- 900 982 605 900—1080 1178 132 1140—1350 1541 86 über 1500 1174 3 In den Bemerkungen der statistischen Nachweise wird erkläri, daß es sich in beiden Kategorien bei den niedrigen Löhnen um wenig qualifizierte und leichte Arbeit handelt. Unverlennbar ist trotzdem die viel schlechtere Entlohnung der Frauen. Sie rangieren zum weit überwiegenden Teil in die niedrig- sten Klassen, während die männlichen Arbeiter aus die höheren Klassen sich verteilen. In den verschiedenen Artilleriedepots und Waschanstalten der Reichsmarineverwaltung waren 168 Arbeiterinneu beschäftigt, die einen Tagesdurchschnittsverdienst von 2,50 M. er- zielten, ivährcnd ungelernte männliche Arbeiter mit 3,63 bis 3,70 M. entlohnt wurden, und Handwerker 4,41 bis 4,44 M. Tagesverdienst erzielten. Neben der Nichtanerkennung der Gleichberechtigung bei der Eni- lohnung ist auch die Begrenzung der Arbeitszeit in den Staats- betrieben auf neun Stunden nicht in der Konsequenz durchgeführt. lieber neun Stunden waren insgesamt in den angezogenen preußischen Betrieben 4336 Männer und 726 Frauen beschäftigt, und über zehn Stunden 69 Männer und 55 Frauen! Da hinkt der Musierarbeitgcber Staat noch weit hinter der Privatindustrie her. Bon den in Akkordarbeit Beschäftigten in den technischen Be- trieben rangieren sämtliche Arbeiterinnen in die Lohnklassen von 2,61 bis 2,80 M., die männlichen Arbeiter in die Klassen von 4,57 bis 7,45 M. TageSdurchnittsverdienst. Eine sachliche Begründung für solche Differenzierung wird kein Gcheimrat zustande bringen. In den technischen Instituten der Infanterie erhielten von 1577 Arbeiterinnen 495 unter 2,20 M. Durchschnittslohn pro Arbeitstag, und nur 141 mehr als 2.80 M., während bei den 2046 männlichen Arbeitern der niedrigste Durchschnittsverdienst 5,80 M. betrug. So tritt uns in allen Abteilungen eine krasse Ungleichheit in der Entlohnung entgegen. Nicht nur in der preußischen Heeresverwaltung,— auch in den anderen Bundesstaaten beliebt man die geschilderte Praxis. So z. B. wird in den Betrieben der bayerischen Militärverwaltung die Arbeiterin mit einem Tagesdurchschnittsverdienst von 2,28 M. ent- lohnt, die männlichen Arbeiter dagegen erhalten 3,51—6,83 M. In den Instituten der sächsischen Militärverwaltung erzielten von den beschäftigten weiblichen Arbeitskräften nur 3.6 Prozent einen über 3,00 M. hinausgehenden Tagesverdienst; von den männlichen gehen 37,2 Proz. mit ihrem Lohn über diesen Satz hinaus. Im liberalen Württemberg sind die Lohnverhältnisse etwas besser. Hier ergibt sich folgendes Verhältnis: Von den Beschäftigten erhielten TageödurchschnittSlvhne in Prozent: männliche weibliche 1,60—2.00— 52,04 2,10—2,50— 17.35 2,60—3,00 7.86 19,90 3,10—3,50 29,30 4,60 3.60—3,90 14,53 2.55 über 4,00 48,30 3,56 Auch hier sieht die Bezahlung der weiblichen Arbeitskraft noch lveit hinter dem Lohn für niännliche Arbeiter zurück. Die Statistik sowohl der preußischen als auch der anderSstaat- lichen Verwaltungen weist ein Manko auf. Es erscheint nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig angesichts der wachsenden Gin- siellung weiblicher Arbeitskräste, die eingestellten weiblichen Arbeits- kräfte nach Beruf und Beschäftigungsart zu detaillieren, um einen klaren Einblick in die Arbeitsverhältnisse zu geben. In den technischen Instituten der preußischen und sächsische» Verwaltung werden die Alkordarbeiter in a) handwerlsmäßig oder auf Fachschulen ausgebildete, und b) nicht ausgebildete genau einzeln nach Berns bezw. Beschäfti- gungSart detalliert, während in der Rubrik b) nur Arbeiterinnen als Gesamtheit ohne irgendwelche Spezialisierung ihres Berufes oder der von ihnen in den Betrieben übernommenen Beschäftigung angegeben sind. In den preußischen Instituten ist die Zahl der Akkord- arbeiterinnen auf 913 mit Tagesverdienst von 2.20—2,90 M. angegeben, in den Nachweisen der sächsischen Institute figurieren nur 69 Akkordarbeiterinnen mit Tagesverdienst vvn 2,20—2,60 M. Nur ans den bayerischen technischen Instituten erfahren wir. daß 178 Akkordarbeiterinnen im Hauptlaboratorium tätig sind mit einem Tagesverdienst von 1,63—2,34 M. Ebenso wäre eine Detaillierung der Zeitlohnarbeiteriimen nach Berufs- und Beschäftigungsart geboten. Waren doch allein in den technischen Instituten der Infanterie und Artillerie in Preußen 1762 Zeitlohnarbeiterinncn beschäftigt. Notwendig wäre auch in der Rubrik der Lcbensaltersaiigabe für die verschiedenen Betriebe eine Auseinanderhaltung resp. Angabe des Lebensalters für männliche und weibliche Arbeiter._ Zentral-Kranken- und Begräbniskasse der Sattler und Berufs. genossen Deutschlands„Hosinnng«