Nr. 27. Abonnements- Bedingungen: · to bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bojt Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montage. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonal geile oder deren Raum 50 fg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Big., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big, jedes weitere Wort 5 Pfg. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Her mit einem einheitlichen Arbeiterrecht! Dienstag, den 2. Februar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Sein wesentlichster Teil, der einzige, der nach einigen mühsam haben, genügt dieser gewissenhaften und pflichteifrigen Regierung, erfämpften Verbesserungen als fleiner, freilich unzulänglicher Fort- ihre wichtigste Aufgabe sofort als vertagt zu betrachten! schritt wenigstens für einige Arbeiterinnen betrachtet werden kann, Diese Vertagung ist das einzige, was sie uns als sicher ver ist am 9. Dezember 1908 verabschiedet. Darob zeterten die Groß- heißt. Ueber den Zeitpunkt, wann diese Vertagung aufindustriellen so, daß der Staatssekretär des Innern v. Bethmann- hören soll, findet sie es nicht der Mühe wert, auch nur ein Hollweg am 15. Januar dem Reichstag die Leviten über zu Wort zu verlieren! dustrie bestanden hatte! überhaftetes Vorgehen las. Der Reichskanzler Fürst Bülow Das Erbitternste aber an dieser aufreizenden GleichgültigSeit 1890 steht die Sozialpolitik, insbesondere die Festlegung sang in seiner am 19. Januar im Abgeordnetenhause vor feit der Regierung ist, daß ihre sklavische Abhängigkeit von eines einheitlichen Arbeiterrechts und der Ausbau des Arbeiterrechts den Junkern gesungenen Gnadenarie nach derselben Melodie und den Befehlen der preußischen Stonservativen in diesem würdevöllig still, ja geht dank einer Reihe von Maßnahmen der Verschmetterte gar noch einige Fortissimi gegen den Mangel an Spar- lofen Zurückweichen so jämmerlich offenbar wird. Was sind waltung und infolge einengender Auslegungen durch Gerichte rück- famkeit in der- Sozialpolitik! Die Großinduſtrie sitzt der Ne- noch so feierliche Versprechungen einer Thronrede gegenüber wärts. Die Eisenbahnwerkstätten sind durch einen Erlaß des preußischen gierung im Nacken. Neuerdings bersteigt sich deshalb der Zentral- einem Machtwort der Junker? Ein konservativer Hauch beHandelsministers seit 1½ Jahren der Gewerbeinspektion entzogen. berband der Industriellen zu einem feierlichen Protest auch gegen rührt sie und sie sind nicht mehr. Die Rechtsverhältnisse der Eisenbahnarbeiter schweben in der Luft. Borschlag zugestimmt, daß auch für weibliche Arbeiter durch servativen Anstoß erregt. Für seine Haltung bei den Debatten den leisesten Fortschritt. Die Gewerbeordnungskommission hatte dem In vier Dingen hat Bülow in legter Zeit bei den SonDas Koalitionsrecht aller gewerblichen Arbeiter wird in wachsendem Maße durch terroristische, rechtswidrige Afte der mächtigen Ortsstatut ein Fortbildungsschulzwang bis zu ihrem 18. Jahre um das persönliche Regiment hat er in seiner Unternehmerverbände eingeengt. Auf dem Gebiete der Arbeits- angewendet werden könne. Grund genug für den die Regierung Landtagsrede um Verzeihung gebeten; seine Berufung auf den ordnung herrscht volle Willtür der Unternehmer. Zum Schutz der beherrschenden Verband und eine Reihe Einzelverbände, schärfsten Beamtenerlaß hat er privatim als unanwendbar beArbeiter gegebene Vorschriften werden durch eine gelehrte Recht- Protest einzulegen- und das, wiewohl dieselbe Bestimmung von zeichnet, sobald Stonservative in Betracht kämen; in der Frage sprechung in Vorschriften umgewandelt, die der Bereicherung großer 1878 bis 1891 ohne die geringste Beanstandung durch die In- der Nachlaß steuer wird er jedes Kompromiß mit freudigem Unternehmungen auf Kosten der Arbeiter dienen erinnert sei.an Dant hinnehmen, wenn ihn die Junker nur noch einmal parDie Großindustrie wittert Nachtluft. Gegen ihr wühlen ist ein donnieren. Und in der wichtigsten Frage, für deren die Rechtsprechung zugunsten der dem Recht und den guten Sitten Hohn sprechenden Wertspension staffen. Selbst das besonderes Rüsten der Arbeiterklasse erforderlich. Lösung er einzusetzen sich verpflichtet hat, begeht er offenen Lohnbeschlagnahmegesez bon 1869 wird nach fast vierzig Gefeß Was enthält die Gewerbeordnungsnovelle durch Ausscheidung Wortbruch. Die Konservativen dürfen ihm wieder ihre jährigem Bestehen einer bis vor wenigen Jahren noch für unmöglich des im Dezember 1908 verabschiedeten, Gesetz gewordenen Teils? Huld zuwenden:„ Der Gegenstand ist als vertagt zu bewir erachteten, den Arbeitern ungünstigen Auslegung unterworfen. Um ir rufen es unseren Lesern in Erinnerung. Der Inhalt der trachten..." gehungen des bereits vor mehr als einem Jahrhundert verpönten Novelle fordert lediglich: Für die Arbeiterklasse aber ist die Wahlrechtsfrage nicht Trudsystems durch Prämien, Zantiemensysteme und dergleichen werden von Gerichten gutgeheißen. Durch Personalfonventionen und Konkurrenzflaufeln wird ein abscheulicher Terrorismus gegen die Angestellten und Arbeiter getrieben. Ihre Arbeitsfraft, deren Gebrauch für ihre Existenz erforderlich ist, wird lahmgelegt. Die wenigen Arbeiterschutzbestimmungen werden mißachtet. Werden hier und da einmal Strafen ausgeworfen, so wirkt die Niedrigkeit derselben wie eine Prämie für Uebertretung der gefeßlichen Schutzgebote. Wie mit Leben und Gesundheit der Arbeiter gewüstet wird, zeigen die von Jahr zu Jahr steigenden Blutopfer auf dem Schlachtfeld der Arbeit. Arbeiterfon trolleure, Arbeiterausschüsse, die durch allgemeine, direkte und geheime Wahlen der Arbeiter gewählt und deren Mitglieder in ihrer Funktion geschützt werden, fehlen in Deutschland. Die Ruhe und Sonntagsruhe Vorschriften für Angestellte, Handlungsgehilfen und Arbeiter sind dringend reformbedürftig. Eine Sicherstellung des Koalitionsrechts ist unabweislich. Der Arbeitsschutz für jugendliche Personen, der in England alle Arbeiter bis zum vollendeten 18. Lebensjahre seit 1½ Jahrhunderten umfaßt, gilt in Deutschland nur für Arbeiter bis zu 16 Jahren. Die Arbeitszeit für männliche erwachsene Arbeiter ist nach wie vor in Deutschland eine unbegrenzte. = Kurz: die Verhältnisse aller Arbeiter in Deutschland sind weit von dem in dem faiserlichen Erlaß vom 4. Februar 1890 aufgestellten Grundsatz entfernt: gewahrt bleiben. 2. die gleichzeitige Umwandlung der Lohnbücher und Arbeitszettel in Abrechnungsbücher; 1. Die Feststellung, daß die Zeugnisse was heute schon vertagt und sie ist nicht gesonnen, den Frieden zwischen nach Ansicht der übergroßen Mehrzahl der Gewerbegerichte be- Junkern und der Regierung mit dem Verzicht auf ihre polistehendes Recht ist vom Tage der Kündigung, nicht erst vom tische Gleichberechtigung erkaufen zu lassen. Fürst Bülow Tage des Austritts ab gefordert werden können; und seine Minister mögen sich vielleicht einbilden, daß die Wahlreform eine Angelegenheit sei, die zwischen der Regierung 3. Ausdehnung der Möglichkeit ortsstatutarischen Fortbildungs- und dem verhaßten Unrechtsparlament allein erledigt werden unterrichts auf weibliche Arbeiter; fann. Die Sache der Arbeiter ist's, solche schädlichen 4. Aenderung des§ 120 e der Gewerbeordnung dahin, daß llusionen zu zerstören. Ihre Demonstrationen beder Bundesrat ermächtigt fein foll, Strafvorschriften weisen, daß die Zeiten auch in Preußen vorbei sind, wo die gegen Arbeiter wegen Hebertretung von Schußvorschriften Arbeiter nur die Objekte der Gesetzgebung waren. In der anzuordnen und daß Bundesrats- Schutzvorschriften im Sinne des Wahlrechtsfrage, in diefer Lebensfrage der demokratischen § 120 a bis 120 e auch nur für einzelne Landesteile erlaffen werden Entwickelung, sind sie, und sie in erster Linie, die berufenen Subjekte der Gesetzgebung, und da die Stimme ihrer fleinen Vertretung im Landtage nicht ausreicht, so müssen die Massen selbst in Aktion treten. tönnen; 5. einige Vorschriften über das Rechtsverhältnis der Werkmeister und Technifer: eine längere als achtwöchentliche Uebung foll Entlassungsgrund sein, Anrechnung des Krankengeldes auf den Lohn, Bahlung des Gehalts am Monatsschluß, Gültigkeit der Konkurrenzflausel bis zu drei Jahren; Die gestrigen Demonstrationen sind überall sehr eindrucksvoll verlaufen. In zwei Städten ist es jedoch au 6. unzureichende Borschriften über Heimarbeiter: es fehlt vor blutigen Zusammenstößen gekommen. Aber gerade allem die Erklärung der Heimarbeiter und Hausindustriellen als der ruhige und Arbeiter und ihre Unterstellung unter alle Schutzvorschriften; Demonstrationen, die ja überall den gleichen Charakter ordnungsmäßige Verlauf der meisten 7. Erhöhung der Strafvorschriften gegen Uebertretung der einer friedlichen Manifestation trugen, zeigt Schutzbestimmungen. Das ist der gesamte Juhalt des prunkend als große Gewerbe- am besten, wem die Schuld an solchen Zusammenstößen ordnungsnovelle erschienenen Machwerks. Unsere Fraktion zuzuschreiben ist. Was in Frankfurt, Köln und anderen fucht I aus dieser Flickarbeit ein einheitliches Arbeiter- Städten möglich war, wäre auch zu Stettin und Hannover recht mit wirksamen Schutzvorschriften zu gestalten. Wie möglich gewesen, wenn die Polizei dort ebenfalls jenen Grad die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu unsere Leser aus den Kommissionsberichten wissen, fällt die von Besonnenheit und Zurückhaltung gezeigt hätte, den sie in regeln, daß die Erhaltung der Gefundheit, die Gebote der Sitt Mehrheit der Kommission, das Zentrum nicht ausgeschloffen, preußischen Arbeiter nicht, die die Fähigkeiten der Polizeileiter zu den anderen Drten aufgebracht hat. Viel verlangen ja die lichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter dieser Absicht fortdauernd in den Arm und sucht die ganze und ihr Anspruch auf gefeßliche Gleichberechtigung Arbeit auf die von den Regierungsflicken erfaßten Paragraphen der überschäzen nie Veranlassung gehabt haben. Aber dieses Wenige Die Rechts unsicherheit tritt als Folge des Mangels eines den Kreisen der Arbeiterklasse überall lebhaft gegen diese Ver- Für das Uebrige forgt die hohe Disziplin und Schulung der Gewerbeordnung zu beschränken. Erfreulich ist, daß neuerdings in tann geleistet werden und muß daher auch geleistet werden. einheitlichen Arbeiterrechts hinzu. Es gilt beispiels schleppungsabsicht durch Protestversammlungen Front gemacht wird. deutschen Arbeiter, die nie die Absicht haben, ihre politischen weise für den Heizer die Seemannsordnung, wenn er auf möge diese Protestbewegung nicht erlahmen und zu einem gedeih- Manifestationen in Zusammenstöße mit Polizisten ausarten zu einem Seeschiffe, das Binnenschiffahrtsgefeß, wenn er lichen Erfolg für die Arbeiterklasse führen. lassen und daran auch keine Schuld tragen. auf einem Flußdampfer, die Gewerbeordnung, wenn er in einer Fabrit arbeitet, das Bürgerliche Gesetzbuch und unter Umständen die Ausnahmegejege gegen ländliche Arbeiter, wenn er die Dampflokomobile auf einem Gute bedient, das Berg gesez, wenn er als Arbeiter eines Bergwerts zu betrachten ist, die Gesinde ordnung, wenn er als Hausgesinde die Dampf Zur rechten Zeit haben Sonntag die Arbeiter heizung des Hauses zu beforgen hat. Ist er als Lokomotivführer Preußens den Ruf nach dem allgemeinen, gleichen, direften angestellt, so fallen für ihn nach Ansicht nach Ansicht des Handels- und geheimen Wahlrecht in den Versammlungen und auf der ministers alle Schutzvorschriften fort. Für die Bädermamfell Straße von neuem erhoben. Es war die Antwort auf die tommt das Handelsgesetzbuch in Betracht, soweit sie Anfündigung der preußischen Regierung, daß ihre Arbeit an der als Verkäuferin kaufmännische Dienste verrichtet, die Gewerbe- dringendsten und wichtigsten Forderung des Volkes in der ordnung, soweit sie auch mit dem Backen betraut wird, das Verschleppung der Reform beruht, die Antwort auch Gesinde recht, falls sie im Hause wohnt und häusliche Dienste auf die Abstimmung des Junkerparlaments, die nicht zuletzt zu berrichten hat. Nach Dutzenden und Hunderten ließen ähnliche durch die Lauheit der sogenannten bürgerlichen WahlrechtsBeispiele sich anführen, die geradezu nach Einheitlichkeit des Arbeiterrechtes und nach Arbeiterschutz schreien. Keine Vertagung! Die Demonstrationen des Sonntags haben aufs neue bewiesen, daß die Forderung des gleichen Rechts die Massen gepackt hat; haben unsere ersten Demonstrationen die Wahlrechtsforderung auf die Tagesordnung gefekt -uns ist nicht bange, daß die Arbeiter Preußens imftande sein werden, sie auf der Tagesordnung zr erhalten. Die Demonstrationen. Kiel. Die Demonstration hat einen glänzenden Verlauf genommen. Sechs Versammlungen waren bon der sozialdemo fratischen Partei einberufen worden, zwei in Siel, je eine im freunde ergebnislos geblieben ist. Die Arbeiter haben aufs neue Stadtteil Gaarden und den Vorortsgemeinden Winterbet, bewiefen, daß sie hinter ihrer Forderung stehen und daß sie llerbet und Dietrichsdorf. In Trupps zu Hunderten Der Arbeiter, gleichviel ob er im Kontor oder in der Werkstatt, nicht dulden wollen, daß das Recht des Volkes zu einem tamen die Arbeiter aus den verschiedenen Straßenzügen angerüdt in der Fabrik oder im Laden, auf dem Lande oder in den Ein- Schacherobjekt zwischen den Junkern und einem wankenden überfüllt. Als die Versammlungen geschlossen waren, ging von und zu Beginn der Versammlungen waren sämtliche Lotale geweiden der Erde, auf dem Schiff oder in häuslichen Diensten be- Stanzler werde. Mund zu Mund der Ruf: Auf die Straße! schäftigt ist, hat ein Anrecht darauf, daß seine Arbeitstraft Denn diese Gefahr ist allerdings vorhanden und die Menschenströme von je 4000 Personen nahmen von den Lokalen„ GeZwei gewaltige ihm erhalten und arbeitsfähig erhalten bleibt: Arbeiter Regierung des Fürsten Bülow scheint nicht übel Lust zu werkschaftshaus" und" Englischer Garten" in Kiel aus ihren Weg, um ichuzgesetze sind für seine Eristenz dringend erforderlich. Einen haben, das Resultat, das eine Zufallsmajorität von drei in die innere Stadt zu gelangen. Die Polizei war ängstlich bemüht, Schutz auch dagegen hat er zu verlangen, daß die von ihm Stimmen bewirkte, als Vorwand zu benutzen, um das die Demonstranten aus dem inneren Geschäftsviertel und vor allem ausgegebene Arbeitskraft nicht ohne Entgelt und nicht ohne hin- läftige Problem ganz beiseite zu schieben. Die aus der Gegend des Schlosses des Prinzen Heinrich von Preußen reichenden Entgelt bleibt. „ Nordd. Allg. Ztg." fündigt dies auch bereits ganz offen an. willen die beiden Züge zusammengeführt, und nun bewegte sich eine fernzuhalten. Durch diese ihre Taktit wurden ganz gegen ihren Und was hat die Reichsregierung seit 1890 trotz allen Drängens Die Abstimmung", sagt das Kanzlerblatt, ergab die Ab- ungeheure Menschenmenge von girta 8000 Söpfen nach dem mitten feit 1890 trob auf dem Gebiete des Arbeiterrechts wenn man von der so- lehnung aller vier Punkte des nationalliberalen Antrags; der in der Stadt liegenden Ererzierplag. Sier trafen auch die genannten völlig unzulänglichen Arbeiterversicherung abfieht Gegenstand ist mithin als vertagt zu betrachten, bis er mit Ellerbeker und Gaardener Wahlrechtsdemonstranten ein. Die Ellerbeker getan? Nichts, rein gar nichts. Rüdwärts ist ihre Parole, tatsächlicher Aussicht auf seine Förderung wieder bor waren in einem Zuge von 700 Personen nach Gaarden marschiert, weil ihr ein Rückwärts die Herren von der schweren Industrie ge- genommen werden kann." schlossen sich hier den Gaardener Wahlrechtsdemonstranten an, und Man fann wirklich nicht mit mehr wegwerfender nun zog ein Bug von 3500 Menschen um den südlichen Teil des „ Große Gewerbeordnungsnovelle"- welcher Euphemismus für das den die strone fich feierlich engagiert hat, den Hundert Bersonen, auf den Ererzierplas marschiert. Die WahlrechtsAber ist nicht die große Gewerbeordnungsnovelle vorgelegt? Gleichgültigkeit von einem Gegenstande sprechen, für Safens in die Stadt zum Ererzierplay. Hinter den Gendarmen her famen gleich die Winterbeter Versammlungsbesucher, einige stümperhafte Flidwerk, das unter dem 16. Dezember 1907 dem die Throurede als eine der wichtigsten Aufgaben demonstranten aus Dietrichsdorf fuhren 400 Mann start mit einem Reichstag, am 21. Dezember 1907 den einzelnen Abgeordneten zu der Gegenwart" bezeichnet hat. Der Umstand, daß ein Dampfer über den Hafen und stießen gleichfalls zu dem Niesenheer ging! paar Abgeordnete in der Sitzung des Landtags gefehlt von Wahlrechtstämpfern, das sich auf dem Ererzierplage versammelt bieten. " 17 halte. Zirka 12000 Persoue» hatten sich hier nachmiitagZ 4 Uhr versaminelt. Die Marseillaise und der Sozialistenmarsch erbrausten über den grossen Platz. Ein Genosse, von einigen Freunden auf die Schultern gehoben. forderte in einigen kernigen Worten zun» zähen Aushalten im WahlrechtSlmnpfe auf und brachte ein Hoch auf das freie Wahlrecht aus. Bieltacisendsiiminig brauste das Wahl- rechtshoch dreimal durch die Lüfte, dem erschreckten Spießer kündend, wie ernst es das Proletariat init seinem Wahlrechtslmnpf meint. Damit hatte die gewaltige Demonstration ihr Ende erreicht. Die Polizei hat sich im allgemeinen, trotzden» ein riesiges Schutz- »nannskontingeut autgeboten war, sehr reserviert verhalten. Nur als sie ganz unmotivierterweise, ehe sich die Meiischennienge verlaufen hotte, den Platz zu räumen begann, konnten einige Schutzleute ihren Uebereifer nickt zügeln und suchten die Menge durch Stöße und Schieben vorwärtszudrängen, wobei ungefähr 30 Personen auf die Wache sistiert, dort aber nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen wurden. Das übrige Schlcswig-Holstein. � In N e u m ü n st e r beteiligten sich an den beiden Wahlrechts- versaminlungen 2500 Personen, die nach der Versaminlung eine gelungene Straßendemonstration vollführten. Die Polizei, die bei der vorjährigen Wahlrechlsdemonstration ein blutiges Massaker ver- anstaltete, ließ diesmal die Plempe in der Scheide. 5000 Personen zogen in Flensburg vor und nach der Versammlung durch die ganze Stadt nach dem außerhalb gelegenen Versannnllingslokal, das»»ur den kleinsten Teil der Massen zu fassen vermochte. Die Polizei war sehr zurückhaltend. In Elm sh o r n protestierten ILOOPersonen, die nach der Versaminlung— unter Absingung der Marseillaise und Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht— auf den Marktplatz zogen. Rendsburg hatte 700 Wahlrechtsdemonstranten auf die Beine gebracht, die nach der Versammlung in geschlossenen Zügen durch die Stadt marschierten. In Itzehoe demonstrierten 400 Personen vor der Ver- sammlung durch einen Straßenumzug, der mehrmals in der rücksichtslose st en Weise durch die Polizei ge- sprengt wurde. Der Vorsitzende deS sozialdemokratischen Zentral- Vereins wurde verhaftet und während der Dauer der Verfainm- lung in Hast gehalten. Hannover. In H a n n o v e r ist es zu b l u t i g e n P o l i z e i t a t e n ge- kommen. In der Stadt und iin benachbarte» Linden fanden sieben WahlrechtSversammlungcn statt. Die Tagesordnung lautete überall:„Statt Erweiterung des Wahlrechts— Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter". Nach Beendigung der Versammlungen kam eS zu schweren, blutigen Zusammenstößen mit der Polizei. Die Polizei hatte die Hauptverkehrsstraße abgesperrt, und als die Teilnehmer zweier Versammlungen sich auf dem Heimwege bc- fanden, wurden sie zum Teil in eine sonst stille, verkchrslose Straße hinter dem Hoftheater abgelenkt. Ganz ruhig schlugen die Leute den Weg dorthin ein, als auf eimiial von mehreren Seiten Polizei in Uiiiform und Zivil anrückte und gegen die Menge, die nun sozusagen von allen Seiten eingekeilt war, ohne jede Veranlastimg vorging. Schntzleute schlugen auf die Leute, unter denen auch zahlreiche sonstige Passanten und Fremde, die vom nahen Bahnhof kameu, waren, mit Säbel und Knüppel ein, voran einige K«>iimissare als Anführer. Das Publikum flüchtete entsetzt nach allen Seiten, aber auf die Fliehenden und selbst a u f die am Baden Liegenden wurde erbarmungslos ein- gehmicn.—— Zahlreiche Personen wurden durch Hieb- und Stich- wunden adcr durch Fußtritte schwer verlebt. Niemand hat Wider- stand geleistet, lieber das Verhalten der Polizei herrscht in allen Kreisen die größte Mißbilligung. Es sind viele Verhaftungen vorgenommen worden. Eine Anzahl Verwundeter wurde ins Krankenhaus geschafft; es sollen erhebliche Verstümmelungen und Brrlebungcn vorgekoviuien sein. D eS näheren wird uns über die Ereignisse noch geschrieben: Im Saalbau waren etwa 5000 Menschen versammelt, die in dem Hildesheimer Stadtviertel nicht alle wohnen konnten. In einem endlosen Zuge zogen die Versammlungsteilnehmer auf beiden Seiten der Hildesheuner Straße der Stadt zu, unbehelligt gingen sie über den Acgidientorplatz, den Georgsplatz entlang. An der Ecke der Baringftraße sperrte die Polizei die Georgstraße ab. Die Hände in den Taschen standen die Schutzleute da. es kam nicht baS geringste vor. Die Menge brachte Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht aus. sang die Marseillaise und ging ohne jede Störung am Georgsplatz rechts herum und bog in die LandschaftSstraße ein. An der Sophienstraße Ivar die linke Seite abgesperrt und ohne daß sich auch nur der geringste Zwischenfall ereignete, zog der Zug die Sophienstraße rechts herunter und bog in die Prinzenstraßc ein. Bor dein Hause des StadtdireltorS, der Herrcnhausn'itglied ist, ertönten wieder begeisterte Hochrufe auf das Wahlrecht. Am Thielenplatz war nicht abgesperrt, die Menge, die inzwischen noch angewachsen war, zog deshalb in die Theatcrftraße unbehelligt ein und war im Begriff, in den Theaterplatz einzu- biegen, als im Stunnfchritt eine Kolonne Schutzleute angelaufen kam, vor dein Hotel Kasten die Straße absperrte, so daß der Zug zum Stehe» gebracht werden mußte. Die ganze Theater- straße war von Menschen angefüllt und sie befanden sich nun in einer Sackgasse. Daß die Rückkehr der Massen nicht in fünf Minuten er- folgen konnte, das war selbstverständlich. Aiischeinend dauerte eS aber dem nervös umhergehenden Kommissar zu lange; ohne sich zu überzeugen, ob eil» Zurück bei den vorderen Reihen überhaupt möglich war, stellte er sich hinter die Schutzleute und rief mit lauter heiserer Stimme irgend eine Nufforderung— anscheinend zum AuS- einandergehen— aus. Ich stand dicht neben den Schutz- leuten und habe nicht verstanden, was gesagt war. Im nächsten Augenblick aber zogen die Schntzleute schon blank und hieven auf die Leute, die zum Tode erschrocken waren, drauf, was nur möglich war. Die Kriminalbeamten schlugen mit ihren Stöcken drein und nichts wurde geschont I Frauen und Kinder, alles bekam Säbel oder Stock zu fühlen l Die Attacke wurde bis in die Mitte der Tycaterstraße fortgesetzt, biö eiii Pfiff ertönte und damit die Schlacht abgepfiffen war. Ich kan, hinter die Front der Schutzleute zu stehe», weil ich in einen Hausflur gedrängt wurde und konnte die Attacke beobachten. Während die Schutzleute einHieben, war hinter ihnen der Platz ihrer Tätigkeit mit Hüten, zerbrochenen und heilen Stöcken und Schirmen und Pelzivaren von Frauen bedeckt. Ein wüster Anblick l Blutlachen und Blutspuren bezeugten, daß die Attacke furchtbare Folgen haben mußte. Soweit ich noch erfahren konnte, sind einige schwere Verletzungen borgekommen. Sieben Mann sollen verhastet worden sein Näheres darüber habe ich nicht erfahren. War die Schlacht notwendig? Nicht im geringsten! Nicht mir nicht notwendig, sondern im höchsten Grade übcrflüsfig l Es lag nicht der mindeste Anlaß zu solchem vorgehen vor. weil niemand versuchte die Absperrangötette der Schutzleute zu durchbrechen und auch sonst kein Ereignis Anlaß zu irgendwelchem Einschreiten gegeben hatte. Hätte man seitens der Polizei die Schutzleute nicht massenhaft einquartiert, sandern, wie an der Baring- und Sophienstraße. wenn überhanpt, auch die Theaterstraße abgesperrt, um den Zug in Nebenstraßen zu lenken, so wäre alles ohne den geringsten Zwischenfall abgegangen, denn die Menge fügte sich ganz willig allen polizeilichen Anordnungen. Wer zum Absperren lag überhaupt kei» Anlaß vor. Hätte sich die Polizei gor nicht um die heiin- kebrenden Versammlungsbesucher gekümmert, dann wäre gar nichiS geschehen. So aber war die Polizei selbst mit ihren Vor- bereitungen die Ursache für die Menschenansammlung geworden. Etwas mehr ruhige Ueberlegung war ganz besonders an der Theaterstraße erforderlich. In Harburg fanden zwei von 1800 und 800 Personen besuchte Versaminlungen statt. Nack Schluß der Verhandlungen wollten die Demonstranten nach dem Nnthause ziehen, doch hatte die Polizei Absperrungsmaßregeln getroffen, so daß es nicht gelang zum Rathaufe zu kommen. Es wurden löVerhaftungen vor- genonuneii. Die WilhelmSburger Parteigenossen, welche sich mit den Harburgern zum Demonstrationszuge vereinigten, wurden bis zur Gememdegreuze von Polizisten begleitet. Dortmlmd-Hörde. Am Sonntag sind im Wahlkreiie Dortmund-Hörde 14 Deinoiistrationsversanuilluiigen abgehalten worden, die meist über- füllt waren. Es herrschte in allen eine begeisterte Stimmung. Straßeildemonstrationen fanden nicht statt. Rheinland. In Köln zogen in der Mittagsstunde an zehntausend D ein onstr an te n unter Absiugeii der Marseillaise durch die Ringstraße. Ein starkes Polizeiaufgebot stellte sich den Demon- stranten entgegen und nahm zahlreiche Berhastungen und Protolollic- rungcn vor. Die WahlrechtSversammlung in Solingen war von 2000 Personen besucht. Nach Schluy der Versammlung fand die von der Polizei genehmigte Straßendemo n st ralion statt. ES nahmen daran 5000 Personen teil. Da die Polizei sehr zurückhaltend war, verlief alles in bester Ordnung. L» Remscheid ivar die Versammliing von 2000 Personen besucht. Vorher hatten sich die Genossen auf dem Karlsplatz angesammelt. Dort demon st rierten etwa 3000 Personen. Die Polizei versuchte einzugreifen, nahm aber schließlich Abstand davon. Frankfurt a. M. Der Promenadengürtcl, der sich um die innere Stadt zieht, und der diese von Ost nach West durchschneidende Hauptstraßenzug Neue Zeil— Zeil— Kaiserstraße waren der Schauplatz einer impo- santen Wahlrechtsdemonstration. Die sozialdemokratische Partei- leitung hatte auf 11 Uhr vormittags 10 Wahlrechtsversaminlungcn einberufen, davon eine in den neuen Saal des Kaufmännischen Vereins am Eschenheimer Tor, dem nördlichsten Punkte am Prome- uadenring. Um 11 Uhr, als sich die Lokale gefüllt hatten, setzten sich die Massen aus den übrigen neun Versamm- l u n g e n in der Richtung nach dem Promenadenring in Bewegung und zogen auf diesem entlang, bis sie ans Eschenheimer Tor ge- langten. Die hier veranstaltete Versammlung, in der Redakteur Wendel das Referat hielt, war bald total überfüllt. T a u s e n d e füllten den großen Saal, die breiten Gallerten, die Nebensäle, die Treppen und den Hausflur des Gebäudes, weitere Tausende sammelten sich auf dem freien Platz vor dem Lokal sowit auf der Promenade. Im Saal sprach der Redner unter tosendem Beifall und draußen erscholl fortgesetzt der Gesang der Arbeiter Marseillaise, unterbrochen von Hochrufen auf das Wahlrecht und Verwünschungen gegen Bülow, die von Versammlungsteilnehmern, die aus dem Saal auf den äußeren Balkon getreten waren, stürmisch erwidert wurden und die Stimmung in der Versammlung erhöhten. Als die Versammlung um 12 Uhr geschlossen war, teilten sich die Massen in z w e i Z ü g e, von denen einer in der Richtung nach Osten, der andere in der Richtung nach Westen um die Promenade herummarschicrte, bis er den durch die innere Stadt führenden Haupt st raßenzug Neue Zeil— Zeil— Äaiserstratze kreuzte. An den Kreuzungspunkten schwenkten die Züge Plötz- lich in den genannten Straßenzug noch der inneren Stadt hin ein, und begegneten sich im Zentrum der Stadt auf der Zeil, unter gegenseitigem Hüteschwenken aneinander vorbei- marschierend. Unter ununterbrochene», Gesang von Arbeiter- liedern und Kundgebungen für das Wahlrecht und gegen d,c Bülow-Regierung auf der entgegengesetzten Seite der Promenade angekommen, lösten sich die beiden Züge, von denen jeder eine vollständige Schleifenbewegung ausgeführt hatte, in kleinere Gruppen auf. die in die Bezirke. auS denen sie gekommen, heim- wärts zogen. Die imposante Kundgebung, an der 12—15000 Personen teil- nahmen, verlief zum Teil bei dichtem Schneegestöber, sonst ober ohne die gcrinqfte Störung. Die Polizei war an ver» schiedenen Punkten der Stadt konzentriert. Poli- zeibeamte in Zivil begleiteten die Züge und beobachteten die Ver- anstaltungen am Eschenheimer Tor. Beide Demonftrationszüge, der eine von rechts, der andere von links, waren am Polizeipräsidium und am Hauptpostgebäude, auf dessen Hof Schutzmannschaft zu Fuß und zu Pferde bereitgehalten wurde, vorbeigezogen. Ver. st än diaerweise enthielt sich die Polizei aber jeder Beeinträchtigung der Kundgebung. DaS übrige Hrsscn-Rassau. In Wiesbaden war die Wahlrechtsversammlung von über 1000 Personen besucht. Genosse V o g t h e r r sprach unter stürmischem Beifall. Nach der Versammlung zogen Tau» sende dem Rathaus und dem Kurviertel zu, entgegen uberstarkcm Polizeiaufgebot. In Hanau waren im Gewerkschaftshause 2000 Per- sonen versammelt. Die Ausführungen der Genossen Hoch und Di tt mann fanden demonstrativen Beifall. Tann zogen die Versammelten zum Marktplatz und durch die Straßen unter dem Gesang der Marseillaise und demonstrailven Rufen. Die Polizei hielt sich diesmal verständigerweise zurück und beschränkte ihre Tätigkeit lediglich auf die Begleitung des imposanten Zuges. Her» vorzuheben ist. daß sich die Arbeiter mit ihren Frauen aus den kleinen Landgemeinden äußerst zahlreich an der Demonstration beteiligten. Breslau. In Breslau mußte die Polizei Wind von der Absicht der Arbeiterschaft bekommen haben. Sie hatte schon am frühen Morgen einen dichten Z erni e r u ng s gü r tel um die innere Stadt gezogen; besonders das Rathaus und die in der Nähe liegenden Bedürfnisanstalten waren stark von der Polizei besetzt. Gestützt auf die bisherigen Erfahrungen erwartete die Polizei lange Züge von Demonstranten. Die Genossen hatten aber einen anderen FeldzugSplan ausgearbeitet. Während die Polizei die„Außen- wälle" besetzt hielt, sammelten sich mehrere Tausend De- m onstr ante» in der inneren Stadt an und zogen— unser,. Kampfcslieder singend und„Nieder mit Bülow" rufend— durch die belebtesten Straßen. Vor dem Gebäude der konser- vativen„Schlesischen Zeitung" kam es zu besonders lebhaften De- nionstrationen. Nach etwa halbstündiger Dauer versuchte die Polizei, die Massen abzudrängen und zu zerstreuen. Einzelne Züge bewegten sich nach dem Gcwcrkschastshause, wo eine Anzahl Bran- ckxinversammlungcn einberufen waren. Genosse Loebe hielt eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die in Breslau ange- regten Straßendemonstrationeii sich erfreulicherweise nunmehr einen Platz in den Kampfmitteln der Arbeiterschaft gesichert haben. Es wurden einige DistriltSführer verhaftet, die man jedoch bald wieder entließ. t» S t r i e g a u tagte«ine imposante Versammlung. Trotz chneegestöberS, das den ganzen Tag anhielt, war der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Ungefähr 500 Personen waren anwesend. Nach der Versammlung zog der größte Teil der Teilnehmer auf den Ring und brachte zunächst dem„freisinnigen" Wahlrechtsräuber Kerber ein« Ovation dar. Nachdem die Mar- scillaise angestimmt und ein Hoch auf das Wahlrecht ausgebracht war. forderte der Polizeiinspektor zum Auseinandergehen auf. Bald darauf zerstreute sich die Menge, doch ging eS nicht ohne Protokollierungen ab, Stettin« Auch in Stettin gab es blutige Wahlrechts« deuionstrationen. In sechs überfüllten Versammlungen nahm das Proletariat von Groß-Stettin Stellung zur Wahlrechtsfrage. Ucberall herrschte die freudigste Begeisterung, so daß es nicht zu verwundern war, daß es am Schluß der imposanten Versammlungen hieß:„Auf die Straße!" Und trotz des fürchterlichsten Schnee- g e st ö b e r s strömten die Demonstranten bald von allen Seiten nach der inneren Stadt. Doch die Rechnung war ohne die Polizei gemacht, die in der Nähe der Versammlungslokale zahlreiche Schutzmannsposten untergebracht hatte. Diese ließen die De- monstranten ungehindert passieren, begaben sich aber ins Innere der Stadt, das stistcmatisch abgesperrt wurde, so daß die Demonstranten nicht zusammentreffen konnten. Trotz aller polizeilichen Vorsorge gelang es jedoch den einzelnen Trupps, sich auf dem Kaiscr-Wilhelms-Platze zu vereinigen, von wo nun ein unübersehbarer Zug von vielen Tausenden Personen in die Friedrich-Karlstraße flutete. Vor der im Hause Nr. 19 belcgeucu Wohnung des konservativen Abgeordneten Malkewitz kam cS zu einer stürmischen Demonstration.„Nieder mit der Dreiklassen- schmach!",„Hoch das allgemeine Wahlrecht!",„Nieder mit Malkewitz!",„Fort mit Bülow l" ertönte es ein über das andere Mal aus der wogenden Menge. Und ein vieltausendstimmiges „Pfui!" erklang, als man den konservativen Wahlrcchtsfeind am Fenster erscheinen sah. Inzwischen hatte sich die Polizei in größeren Trupps wieder cingefuuden, die die Menge vor sich hcrtricb. Von der Barnim- straße aus suchten die Demonstranten nach der inneren Stadt zu gelangen, was ihnen nicht gelang, da die Polizei alle Zugänge abgesperrt hatte und die Menge zurücktrieb. An der Hohenzollcru- straße hatte man schließlich den Zug von allen Seiten ein- geschlossen, gab aber endlich den Weg nach der Peripherie der Stadt frei. In diesem Augenblick sprengte eine Schutz- mannskohorte unter Anführung eines Leutnants heran, der den sich Entfernenden zurief, auseinanderzugehen. Kaum hatte er das gesagt, als die Schutzleute auch schon blank zogen und auf die wild Auseinanderstiebenden einHieben. Bald entstand eine entsetzliche Szene. Hüte, Mützen und Stöcke flogen umher und selbst auf die auf dem Boden Liegenden schlugen die Polizisten blindlings ein. Harmlose Passanten, ja selbst Kinder aus den anliegenden Häusern wurden nicht geschont. Weinend rief ein achtjähriges Mädchen, das einen Hieb über den Arm erhalten hatte, nach seiner Mutter. Ein alter Mann, der nicht laufen konnte, bekam drei Säbelhiebe, daß er hinstürzte. Nach kurzer Zeit war natürlich der ganze Platz geräumt. Nun ließen sich erst die Verwüstungen übersehen. Eine ganze Anzahl von Personen war mehr oder minder erheblich verletzt worden. Fast zu der gleichen Zeit, als die Schutzleute blank zogen, war auch schon der Krankenwagen der Feuerwehr zur Stelle, der aber nicht in Aktion zu treten brauchte. Während der ganzen Zeit hatte die Tätigkeit der Polizei darin bestanden, jeden, der ein Hoch riskierte, festzunehmen. Besonders hatte man es auf die„Führer" abgesehen. Im ganzen mögen etwa 30— 40 Verhaftungen vorgenommen sein. Die Per- hafteten wurden jedoch bald wieder freigelassen. Die Erregung über diesen ganz unnötigen Angriff ist in der hiesigen Arbeiterschaft ungeheuer. Das übrige Pommer»., In der Provinz fanden 15 Prot« st Versammlungen statt, die durchweg gut besucht waren. Königsberg. Eine glänzend verlaufene Wahlrechtsdcmonstration hat am Sonntag in Königsberg stattgefunden. Die Demonstranten, an 0000 an Zahl, zogen kurz nach 1 Uhr mittags in sechs Zügen aus den einzelnen Bezirken durch die Straßen der Stadt; das gemeinsame Ziel war das Partcietablisscment„LudwigShof" vor dem Königstor. Dazu kamen die Genossen der Vororte. Im Zeu- trum von Königsberg, zehn Minuten vom Königlichen Schloß, auf dem Roßgarter Markt, trafen die Demonstranten, in deren Reihen auch viel« Frauen und Mädchen marschierten, zusammen, und nun ging es die Königstraße hinunter durchs Tor. Während des Auf- morsches ertönten brausende Hochrufe auf das freie, ge- Heime und gleiche Wahlrecht, dann erklang die Arbeiter- Marseillaise. Alle Fenster öffneten sich und entsetzt schvute das honette Bürgertum auf die vorüberziehenden Proletarier. Die Polizei, die die Demonftrationszüge erst nach Schluß der Versamm- lungen erwartete, war total überrascht und wußte nicht, was be- ginnen. Vollständig nervös geworden, liefen die Schutzleute hin und her, und uniformierte Eilboten auf Stahlrosscn sausten durch die Straßenzügc, um in aller Eile Mcloungen zu machen, gleich- äm, als ob die Stadt brenne. In LudwigShof füllten sich in- zwischen die Räume und um 2 Uhr nachmittags war das Etablissement von Mciischcnmassen vollständig besetzt. Es fanden'drei Vor- ämmlungcn statt, darunter eine unter freiem Himmel, die von mindestens 5000 Personen besucht war. Redner waren die Genossen Haasc, Braun und S t o l t. Nachdem die Versammlungen um drei Uhr nachmittags gemein- 'am geschlossen, ging es im Zuge wieder nach der Stadt zurück, und nun gab es für die mehrere hundert Mann starke Schutzmannschaft ungemein viel zu tun. Am Tor wurden die Demonstranten nach den Wallgassen abgedrängt, nachdem man einen Teil des ZugcS durch die Königstraße abgeleitet hatte. Die berittenen Schutzleute rüsten immer wie toll in den Menschenstrom hinein, wenn irgendwo eine Stockung entstand. Die Demon- Giranten, in einzelne Züge aufgeteilt, mußten nun große Unnvege machen, um sich wieder zu vereinen, das Gros blieb aber zusammen und marschierte durch die Stadt in entgegengesetzter Richtung vom KönigStor zum Steindammer Tor, nach den Hufen hinaus; hier erst lösten sich die Demonstranten in einzelne Trupps auf. Auch auf dem Rückwege erklangen natürlich Hochrufe auf das Wahlrecht und fanden vielfach auch bei den Straßenpassantcn begeisterten Widerhall. In mehreren Stadtteilen kam es zu lcbbaften Aus- cinandersetzungen zwischen den Protestlern und der Schutzlnapn- 'chaft. Am Königswr zogen die„Schneidigsten" sogar blank und drohten drcinzuschlagen, doch kam eS nicht so weit, dagegen kam es .u zirka zwanzig Verhaftungen. Ein Teil der festgenommenen sienossen wurde aber bald wieder in Freiheit gesetzt, nachdem mau ihre Persönlichkeit ermittelt hatte. In der Provinz Ostpreußen fanden außerdem sieben Versammlungen statt, und zwar in Memel. Tilsit. Gum- binnen. Rastenburg. Osterode. Lyck und Bräua'S- berg. Alle waren gut besucht. Die Regierung der LocWteel. Als die ersten Veröffentlichungen über das verbrecherische Treiben des Lockspitzels Azcw. der so viele terroristische Attentate erfolgreich organisiert hatte, bekannt wurden, und kein Zweifel mehr bestehen konnte, daß die russische Geheimpolizei über diese Attentate im voraus unterrichtet war, da kamen auch schon die ent- schiedenen Dementis der russischen Regieruna, die natür- lich alles ableugnete. Dieser ersten Maßregel folgte sofort die andere auf dem Fuße: Die russischen Zeitungen, welche die Tatsachen zu registrieren gewagt hatten, wurden mit ■ hohen Geldstrafen belegt und jede weitere Publikation strengstens uutersagt. Jetzt foigt die dritte Maßregel, die allerdings zugleich die offizielle B c st ä t i g u n g der russischen Regierung ist, daß A z e w, der Mitglied deL Zentralkomitees der russischen sozialrevolutionären Partei, Agent Provokateur der russischen Regierung war. In Petersburg ist der frühere Chef der Geheimpolizei, Lopuchin, verhaftet worden. Er war unter Plehwe der allmächtige Leiter deS Polizeidepartements im Ministerium des Innern. Eines der Beweisstücke, die zur Entlarvung des Verräters führten, war der von Burzew dem Unter- suchungsausschuß vorgelegte, von uns bereits veröffentlichte Brief Lopuchins, den dieser an Stolhpin schrieb, um sich gegen einen Erpressungsversuch Azews und dessen Protektors G e r a s i m o w, des Chefs der Petersburger Sicherheitspolizei zu schützen. Lopuchins Verhaftung erfolgte unter aufsehenerregenden Umständen. Ein starkes Polizeiaufgebot umzingelte alle Ein- gänge des Hauses, in dem hohe Polizeibeamte eine vielstündige Hausdurchsuchung vornahmen. Lopuchin soll dabei selbst den Beamten einen Brief übergeben haben, den er erst vor kurzem von Burzew erhalten hat. Inzwischen kamen der ehemalige Gehilfe des Ministers des Innern, Fürst U r u f s o w, und das Mitglied der ersten Duma Fürst Dolgorucki zu Besuch. Sie wurden mehrere Stunden in der Wohnung interniert und unterdessen bei ihnen und zahlreichen hervorragenden Rechtsanwälten gleichfalls Haus- suchung abgehalten. Schließlich wurde Lopuchin ins Gefängnis abgeführt, wo er in strengster Einzelhaft gehalten wird. Der Zweck der Verhaftung ist klar und Lopuchin muß auch, wie sein Brief an Stolypin beweist, schon früher ähn- liche Befürchtungen vor einem Handstreich der Geheimpolizei gehabt haben. Verhastet wurden nicht diejenigen, die die Untaten Azews unterstützten und die Mitwisser der Attentate waren, sondern derjenige, der die Mithilfe der Geheimpolizei bei den Attentaten— den erfolgreichen wie den erfolglosen— kannte und der schließlich, vielleicht � aus Furcht, daß ein solches Attentat auch gegen ihn— und mit Erfolg— gemacht werden könnte, das Geheimnis des Azew enthüllen half. Seine Verhaftung bedeutet, daß sich die Geheimpolizei ihres Mitwissers unter allen Umständen entledigen will. Daher auch die gründliche und umfassende Haussuchung. Man will m erster Linie verhindern, daß der Nachweis, daß z. B. der Großfürst S e r- g i u s unter Mitwissen der Geheimpolizei seines Neffen � Nikolaus getötet wurde, je dokumentarisch ge- führt werden kann. Auch die zahlreichen anderen Haus- suchungen dienen demselben Zweck, die Spuren des Ver- räters und seiner polizeilichen Helfershelfer zu verwischen. Fürwahr, ein erbauliches Schauspiel! Azew. der Lock- spitzel, ist jetzt bei der Negierung des Zaren in hohen Ehren. Zu seinem Schutze rückt die Geheimpolizei aus und verhaftet ihren ehemaligen Chef wegen— Hochverrats. Die Eni- larvung eines Lockspitzels Hochverrat— läßt sich eine schnei- dendcre Kritik dieses infamen Blutregimes denken? Zar und Lockspitzel— sie werden einander gleich und genießen den gleichen Schutz des Hochverrats- Paragraphen von Gnaden der schurkischen russischen Polizei- bestien._ politifcbc debcrHcbt. Berlin, den 1. Februar 1909 Gin neuer Konflikt zwischen technischen Beamten und Unternehmern. Der Zusammenstoß zwischen den Angestellten- Verbänden und dem Verband bayerischer Me- t a l l i n d u st r i e l l e r hat kaum sein Ende gefunden, und schon nimmt der Großmachtskoller unserer Scharfmacher wieder Gelegenheit, die industriellen Kopfarbeiter in einen neuen Konflikt hineinzutreiben. Der Schauplatz der Handlung ist Oberschlesien. Es handelt sich um einen Zusammenstoß zwischen Gruben- kapital und Steigern(Grubenbeamte). Gerade im Hinblick auf R a d b o d, auf den gegenwärtigen Bergarbeiter- k o n g r e ß ist der jetzige Vorfall besonders aktuell. Am Sonntag fand in Berlin in den Sophiensälen eine Versammlung statt, die besonders von den Mitgliedern des technisch-industriellen Beamtenbundes sehr stark besucht war. Aus dem einleitenden Referat des Herrn Ingenieurs L ü d c m a n n ging hervor, daß auf der G i e s ch e g r u b e in � Oberschlesien der Steiger Appelt am 9. Dezember ohne Angabe irgendwelcher Gründe gekündigt wurde. Der Steiger sieht auf eine 4�>jährlge Berufstätigkeit bei der Grube zurück. Er begnügte sich infolgedessen mit dieser un° begründeten Kündigung nicht, sondern ersucht- seine Vor- gesetzten um Angabe, weshalb sie ihn so Plötzlich auf die Straße setzten. Der Grund wurde in der Unterredung mit dem Direktor ziemlich unverblümt dahin angegeben, er habe sich als Mitglied des Bundes der technisch-industriellen Be- amten als„Agitator und Hetzer" betätigt. Tie Angestellten »ahmen darauf Veranlassung, in ihrer Organisation zu der Maßregelung Stellung zu nehmen, und wurden zunächst bei der Direktion der Grube, dann beim Generaldirektor und schließlich beim Repräsentantenkollegium in Breslau, jedoch immer ohne Erfolg, vorstellig. Die Angestellten nahmen dann in einer imposanten Protestversammlung zu dieser Maßrege- lung Stellung. Tarauf zitierte der Gcneralgewaltige der Grube, U t h e m a n n, die Steiger des Bezirkes zu sich und stellte ihnen in der schroffsten Weise die Alternative, e n t- weder Bund oder Gewerkschaft, d. h. ent- weder den Austritt aus dem Bund zu er- klären, oder die S t e l l u n g auf der G r u b e, der Ge- werkschast, s o s o r t a u f z u g e b e n! Von den 13 Steigern erklärten Ii, ihrer Organisation treu zu bleiben. Sie betonten mit ruhiger Entschiedenheit, ihre Koalitionsfreiheit sich nicht .rauben lassen zu wollen. Darauf erfolgte von dem General- direktor die bezeichnende Antwort:..Koalitionsfrei- b e i t und Freiheit der Persönlichkert— eine V h r a s e." Fünf Steiger wurden sofort entlassen, sechs er- knelten ihre Kündigung. Wir haben es also hier mit einer �Maßregelung zu tun. die gegenüber dem Gewaltstreich �oer bayerischen Metallindustriellen in der denkbar schroff- st e» Weise vor sich gegangen ist.< In der Diskussion ergriff zuerst Naumann das Wort. "lest der Form wie dem Inhalt nach wieder eine Art In- oustriebürgerrede. Er legte den Angestellten dar, daß die mo- oerne Arbeitsorganisation im Großbetrieb eine nivellierende Tendenz habe, daß in den Händen von einigen wenigen Ka- pltallsten sich eine ungeheure Macht verkörpert, daß nur durch unbehmderte Koalitionsfreiheit, durch die Selbsthilfe, gewcrk- schaftl.lch organisierter Verbände die Persönlichkeitsrechte des Arbeiters und des Angestellten gewahrt werden könnest. Naumann fand manch kräftiges Wort zur Charakteristik unserer Kapitalmagnaten, schade nur, daß er in Versamm- lungen wohl derartige Reden hübsch zu halten versteht, daß aber seine praktische Tätigkeit als Politiker und Paria- mentarier sich nicht in dem gleichen Sinne manifestiert. Als Beauftragter der Regierung gab Geh. Regierungsrat Land mann folgende Erklärung ab: Im Namen des Herrn Staatssekretärs des Rcichsamts des Innern bin ich be- auftragt, Ihnen zu danken, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, Ihren Verhandlungen beizuwohnen. Der Herr Staatssekretär verfolgt Ihre Beratungen mit großem Jnter- esse. Er hat deshalb auf die Interpellation über die ober- schlesischcn Vorgänge nicht geantwortet, da er sich erst orien- tieren wollte. Ich kann Ihnen im Namen meines Chefs die Versicherung geben, daß wir Ihre Wünsche prüfen und soweit als möglich für Abhilfe sorgen werden. Von der Freisinnigen Volkspartei sprach ausg-rechnet Landtagsabgeordneter S ch e p p, von der Demokratischen Vereinigung Dr. Breit- scheid, von der Zentrumspartei der Abgeordnete W i e d e- man n. Im Auftrage des Parteivorstandes war der Landtags- abgeordnete S t r ö b e l anwesend. In der Diskussion gab er in großen Umrissen ein Bild davon, daß der jetzige Konflikt nicht als ein Ausfluß eines besonderen persönlichen Unternehmerübermuts zu betrachten sei, sondern daß diese Kämpfe, die sich jetzt auch zwischen Angestellten und Kapital entwickeln, iin ursächlichen Zusammenhang stehen mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. An der Hand von einigen drastischen Zahlen zeigte der Redner die Wirkung unserer induiinellen Entwickelung auf die Lebenslage der besitzlosen Klasse und wies auf den Zusammenhang dieser Kämpfe mit dem politischen und so-zialen Leben unseres Volkes hin. Auch Ströbels Rede fand gespannteste Aufmerksamkeit der Zuhörer, die sich am Schlüsse in lebhaftem Beifall kundgab. Ebenso erklärten die Vertreter von den anderen An- gestellten-Verbändcn sich im Namen ihrer Organisationen mit dem Bund der technisch-industriellen Beamten solidarisch. Von einem der Redner, dem Ingenieur W o l d t, wurde folgende Resolution eingebracht, die einstimmig begeisterte Annahme fand: Tie am 31. Januar 1309 in den Sophiensälen in Berlin auf Einladung des Bundes der technisch-industriellen Beamten versammelten Privataugcstellten von Groß-Bcrlin erheben ent- schicdenen Protest gegen die jüngsten Angriffe der oberschlesi. scheu Kohlenmagnaten auf das Koalitionsrecht der Angestellten. Sie sprechen den Bedrohten ihre wärmste Sympathie aus und richten gleickizeitig an die deutsche Ocffentlichleit die dringende Bitte, die Privatangestcllten bei der Verteidigung und dem Aus- bau der Koalitionsfreiheit im Interesse des Ansehens unseres Volkes als Kulturnation tatkräftig zu unterstützen. Von den gesetzgebenden Faktoren erwarten sie bestimmt, daß sie nunmehr mit größter Beschleunigung daran gehen werden, Garantien für die ungehinderte Ausübung des Grundrechtes der KoalitionS- freiheit zu schaffen. Den Angestellten ist es zu wünschen, daß sie auch diesen Anschlag auf das Koalitionsrccht mit der gleichen Entschieden- heit zurückweisen, wie sie es den bayerischen Metallindustriellen gegenüber getan haben._ Tie württembergische Volksschulnovelle. Am letzten Sonnabend beendete die württembergische Zweite Kammer die Beratung der Volksschulnovelle. Die beiden letzten Tage wurde nochmals heftig für und gegen den Einfluß der Kirche auf die Volksschule gekämpft. Der Re- gierungscntwurf sieht zwei Oberschulbehörden, eine evangelische und eine katholische vor, er will also den alten Zustand im wesentlichen belassen. Die Kommission schlägt eine Obcrschulbehörde mit zwei Abteilungen vor, für jede Konfession eine Abteilung. Gemeinschaftliche Fragen sollen von beiden Sektionen gemeinsam beraten werden. Der Kommissionsantrag wurde angenommen. Lebhafter noch wurde es am Sonnabend, als die Leitung und Beaufsichtigung des Religions- Unterrichts in den Volksschulen und Lehrer- b i l d u n g S a n st a l t e n zur Debatte stand. Der katholischen Kirche steht dieses Recht heute bereits zu, der evangelischen Kirche wird es aber bestritten. Regierungsentwurf und Kommissionsantrag wollen nicht nur der katholischen, sondern auch der evangelischen Kirche das Recht der Leitung und Beaufsichtigung zusprechen. Unser Redner Genosse Heymann charakterisierte die beiden Anträge dahin. daß nun auch die Klerikalisierung der evangelischen Volksschule in die Wege geleitet werden solle. Das Zentrum wollte sich mit dem Gebotenen nicht begnügen: es verlangt für die Kirche nickt nur die Leitung und Beaufsichtigung des Religions- Unterrichts, sondern darüber hinaus auch der„religiös- sittlichen Bildung" überhaupt. Die sozialdemo- kratische Fraktion will diese Befugnisse dem Ober- schulrat übertragen. Die Volkspartei will zwar die Schule der katholischen Kirche überlassen, bestreitet aber das Recht der evangelischen Kirche und will die Lehrer- bildnngsanstalten ausgenommen wissen. Nach heftiger Debatte wurde der Antrag der Sozialdemokratie ab- gelehnt; das gleiche Schicksal widerfuhr dem Volkspartei- lichcn Antrage, der die Lehrerbildungsanstalten dem Machtbereich der Kirche entziehen wollte. Ein Antrag der Volks- Partei, daß zu der Visitation des Religionsunterrichts durch den Geistlichen auch der Bezirksschulaufseher zu laden sei, wird jedoch angenommen. Die Zentrumsanträge wurden abgelehnt. Angenommen wurde auch ein Antrag, daß in bestimmt abgegrenzten größeren Bezirken nur je einem Pfarrer die Visitation des Religionsunterrichts übertragen werden darf. Diese beiden letzteren Anträge machten den Kommissionsantrag dem Zentrum uuschmackhaft. Der Antrag fiel mit 46 gegen 37 Stimmen. Von der Volks pari ei stimmten 12 Mitglieder mit ja, 8 mit nein. Es kam also gar kein Beschluß zu stände; der mecklenburgische Regierungsgrundsatz:„Es blifft ollet bim Ollen" kam wieder mal zu Ehren bei dieser „Reform". Eine Resolution zu dem gar nicht angenommenen Artikel wurde trotzdem angenommen. Der wesentliche Teil der Resolution will die Regierung bestimmen, in der Vollzugs- Verfügung auszusprechen, daß den kirchlichen Behörden weder Disziplinarbefugnisse gegen die Lehrer, die den Religions- Unterricht erteilen, noch eine selbständige Verfügungsgewalt gegenüber der Schule zustehen, ferner, daß die ein» gehende Prüfung deS evangelischen Religionsunterrichts des Lehrers allein dem Bezirksschulaufseher zukommt." Welch ein Unterschied zwischen der„Visitation" durch den Geistlichen und der«eingehenden Prüfung" durch den Bezirks- fchulauffeher besteht, wußte freilich keiner genau zu sagen. Beschlossen wurde noch, den Prozentsatz der Lehrerinnen im Verhältnis zu den Lehrern auf 15 Proz. festzusetzen. Visher durften bis zu 8 Proz. Lehrerinnen im Schuldienst verwendet werden. Die Novelle geht nunmehr an die Erste Kammer. Daß diese erhebliche Schwierigkeiten machen wird, erscheint ausgeschlossen. Eine eingehende Würdigung des Reformwcrkes behalten wir uns vor._ Konservative und Kanzler. Die„Deutsche Tageszeitung" bat sich den eigenartigen Witz geleistet, zu erklären, daß die Konservativen keineswegs den Fürsten Bülow zu stürzen gedächten, sondern wünschten, daß er seine Amtsgeschäfte fortführe. Die Opposition der Agrarier richte sich lediglich gegen die geplante Nachlaßsteuer, nicht gegen den Kanzler. Eine heitere Illustration zu diesen Ausführungen bietet das hyperkonservative„Deutsche Adels- blatt", indem es schreibt: „Der Herr Reichskanzler liebt es, Ereigmsie und Situationen durch Zitate zu beleuchten. Die Versuchung ist groß, auch die jüngste Rede des Fürsten Bülow durch ein Zitat zu lriti- sieren:„Ach, daß du warm oder kalt wärest!" Eine lauere und oberflächlichere Rede ist wohl selten von einem hohen Staatsbeamten gehalten worden. Von den geradezu unerträglichen Phrasen, wie„Kulturfortsckirittc hemmen",„verlehrsfeindlicker Charakter".„Pflicht, praktische Politik zu treiben",„unsere Zeit ist sozial" und vielen anderen, wollen ivir ganz absehen. Wem das Gefühl für gewisse Dinge abgeht, dem ist nicht zu helfen. Auch über die unglaublich k i n d- liche Begründung der Notwendigkeit einer Nachlaßsteuer ist nur wenig zu sagen.... Vor ivenigcn Jahren warnte derselbe Ministerpräsident vor den Gefahren des Weihrauch st reuen? vor dem König Demos. Inzwischen hat er dies Geschäft offenbar gründlich er- lernt: seine Logik i st jedenfalls beneidenswert. Die Tiradcn vom Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokrane erinnerten an das landläufige Sprich- wort vom„breügetreienen Quark".., Wenn man den„sachverständigen" Rat liberaler alter Weiber zu jeder Meinungsäußerung der Regierung einholt und befolgt, dürfte Preußen lercht dahin lominen, daß der König wieder mit einer roten Fahne über die Linden reitet." Nach der Auffaffung der„Deutschen Tagesztg." beweisen solche Aeußerungen nicht, daß die Konservativen den Kanzler zu allen Teufeln wünschen, sondern daß sie mit ihm sehr zu- frieden sind.„Oberflächliche Rede",„unerträgliche Phrasen", „unglaublich kindliche Begründung" sind lediglich Zärtlichkeits- ausdrücke konservativen Gefühlsüberschwanges. Der Reichsverband im Lichte eineS Gerichtsurteils. Die Straßburger ReichSverbändler Rechtsanwalt Dr. Zschweigert und Militärbauinspektor Stegmann fühlten sich durch eine scharfe Kritik beleidigt, die unser Straßburger Parteiblatt an die Veröffentlichung eines zun, Jnseratenboykott gegen unsere Parteipreffe auffordernden Briefes der dortigen Orts- gruppe des ReichSverbandcs geknüpft hatte. Etwa 16 Parteiblätter, welche die Notiz nachdruckten, sind durch die beiden Herren, die den Brief unterschrieben hatten, mit eitler Anklage beglückt worden. Die erste empfindliche Niederlage haben die Herren sich in München geholt. Das dortige Gericht lehnte die Privatklagc der ReichSverbändler ab und bürdete ihnen die Kosten auf, da die Bekämpfung des Reichsverbandes vom Standpunkte des Be- schuldigten aus als begreiflich, als notwendig an- zuerkennen sei. In Braunschweig passierte ihnen das Malheur, daß ihre reichsverbändlerischen Gesinnungsgenossen als Richter abgelehnt wurden, und erst jetzt sind sie durch die Straß- bürg er Richter„glänzend gerechtfertigt", denn Genosse Schneider wurde als verantwortlicher Redakteur der„Freien Presse" zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Auch hier führte das Gericht in der Urteilsbegründung auS, daß der Angeklagte zweifellos in Wahrung be- rechtigter Interessen gehandelt habe. Nicht nur als Redakteur der„Freien Presse" hatte er ein berechtigtes Jnter- esse, seinem Blatte die Annoncen zu erhalten, sondern auch als Mitglied des Deutschen Buchdruckerverbandes wie als Straßburger Bürger hatte er ein Interesse daran,„daß gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Straßburger Ein- wohner Arbeit erhalte n". daß nicht(wie in dem Briefe gleichfalls angeraten wurde!)„Gelbe" von auswärts herangezogen würden. Nur in den Ausdrücken„R e i ch s l ü g e n v e r b a n d" und„R c i ch s l ü g en g c s e l l schaf t" sei der Angeklagte über das Maß hinausgegangen. Alle übrigen Vorwürfe feien nicht beleidigend und der Angeklagte müsse straffrei bleiben. Genosse Schneider hatte dem Verbände vorgeworfen, daß er mit� unerhörter S kru p ello s i gke i t gegen die Sozialdemokratie und die Arbeiterschaft wirke, den ausge- sprochendsten Boykott gegen politisch anders- gesinnte Bev'ölkcrungsschichten proklamiere. die Hungerpeitsche über die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft schwinge und den un° verschämte st en, im geheimen betriebe nenTerro- rismus, den man sich nur denken könne, übe. Als strafmildernd wurde in Betracht gezogen, daß die AuS- drücke„Reichslügenverband" und„Reichslügeugescllschaft" st e r e o- typ angewandt werden und fast zu einem termiuus tecbnicus(Fachausdruck) geworden sind. Seien wir den beiden Reichsverbäudlern für ihr fein ent» Wickeltes Ehrgefühl dankbar und freuen wir unS auk die noch kommenden 16(!) Prozesse.— Freisinnige Parteiorganisation in Grosi-Berlin. Ein freisinniger Parteitag für Groß-Bcrlin beschloß ein Organi« sationsstatut, wonach künftig der Parteitag der Freisinnigen Volks- Partei für Groß-Berlin aus je 3 Vertretern der 6 Berliner Reichs- tagSwahlkreise, je 2 Vertretern der 12 Berliner Landtagswahlkreise und der 4 LandtagSwahllreis« Charlotttenburg, Schöneberg-Rixdorf, Teltow-Land und Ober- und Nieder-Barnim. sowie anS je einem Vertreter der auf dem Boden der Freisinnigen Volkspartei stehenden Vereine von Groß-Berlin besteht. Durch Beschluß kann der Partei- tag noch anderen in Berlin bestehenden Vereinen der Freisinnigen Volkspartei eine Vertretung durch je emen Delegierten einräumen. Der Vorstand deS Berliner Parteitages besteht aus 21 Mitgliedern. von denen S den Orgaiüsationon der Vororte angehören müssen; demnächst soll ein Parteisekretär angestellt werden. Aus den Marinebetriebe». Das Reichsmarineamt hat feine Uebersicht über die Lohn« und Arbeitsverhältnisse in den Reichsmarinebetrieben für das Jahr 1907 erscheinen lassen. Das Ergebnis wird vom Marineministcr sicherlich benutzt werden, um daran zu zeigen, wie in den Betrieben die Löhne gestiegen sind. Nach der Aufstellung stehen nämlich die TageS- Verdienste auf der kaiserlichen Werft in Kiel und der Torpedoaiistalt in FriedrichSort im Jahre 1907 höher wie 1906 für Maler und Segel- macher um 2 Pf.. Maschinenbauer 10 Pf., Handlauger 30 Pf.. Hilfs« Handwerker 36 Pf.. Klempner. Maurer. Sattler. Schiffbauer. Schmiede. Blechwinlelschnriede. Schloffer. Modelltischler. Tischler. Marokko. Das staudesgemäße Attentat. ging ein Streit in der Fabrik berloren, weil die Hirsch- Dunder schen Arbeiter sich nicht zur Arbeitsniederlegung zu entschließen vermochten. Sie nahmen den damaligen Lohnabzug ruhig hin. Jetzt sollte ein weiterer Abzug von 10 Broz. stattfinden. Das war auch den Hirsch- Dunderschen zu viel. Mit 17 Mitgliedern des Metalllingt die Fernhaltung des Zuzuges, so ist es möglich, die Lohnreduktion abzuwehren. Schiffszimmerleute, Werkzeugmacher 40 Bf., Dreher, Former, Kupferschmiede, Mechanikergehilfen, Kesselschmiede 45 Pf., Blockmacher, Böttcher, Korbmacher, Zimmerleute 64 Pf., Büchsenmacher 75 Pf., Paris, 31. Januar. Wie aus Fes vom 28. b. M. gemeldet Taller 78 Pf., Gas- und Wasserfilter, Preß- und Hammerschmiede, wird, stürzte sich in Babelboujat in dem Augenblid, wo der Sultan Schaltbrettwärter, Torpedobauer 89 Pf. Lehrlinge, Betriebsarbeiter sich mit einem Offizier der französischen Militärmission unterhielt, arbeiterverbandes legten 36 Gewerkvereinler die Arbeit nieder. Ge und Torpedoschlosser sind im Lohne gleichgeblieben. ein aftträger mit dem Messer in der Hand auf sie; der Lastträger wurde entwaffnet; er erklärte, nur aus religiösen Motiven gehandelt zu haben; er zürne dem Christen, womit er den Offizier meinte. Der Uebeltäter erhielt dann Stodschläge, bis er unter ihnen zusammenbrach. Wie aus dieser Uebersicht zu ersehen, hat die übergroße Mehrzahl der in den Kieler Betrieben beschäftigten Arbeiter nur einen Tagesmehrverdienst von 40 bis 45 Pf. zu verzeichnen, was mit Rücksicht auf die ständig steigende Lebenshaltung gering genug ist. Amerika. Die Japanerfeindschaft. Antisemitischer Schwindel. Der Gauleiter des deutsch- nationalen Handlungsgehilfen. Gegenüber den in der Uebersicht enthaltenen Lohnsägen der verbandes hat dieser Tage in Königsberg über seine Tätigkeit im Gau berichtet und dabei behauptet, daß durch sein Vorgehen die einzelnen Arbeiterkategorien muß auch in diesem Jahre wieder darauf hingewiesen werden, daß die angeführten Löhne Durchschnittslöhne Freitagslohnzahlung für 2000 Arbeiter in Königsberg eingeführt Sacramento, 1. februar. Die Vorlage betreffend das Ver- Verband hat im Gegenteil sich um die Agitation für die Freitags worden sei. Daran ist kein wahres Wort. Der deutsch- nationale find, daß darin einbezogen sind die Löhne der Vorarbeiter sowie der Verdienst durch Ueberstunden- ot von anderwerb in Kalifornien durch Ausländer lohnzahlung gar nicht bekümmert. Bei den Sikungen, die sich mit arbeit und Attordarbeit. Wenn in der Uebersicht Tages- foll am Dienstag im Repräsentantenhause wieder zur Beratung dieser Angelegenheit beschäftigten, glänzte er durch Abwesenheit. verdienste von 5 bis 6 M., ja für einige Arbeitergruppen, die aller- fommen. Der Gouverneur von Kalifornien erklärt, daß der Gesetz- und in Wirklichkeit ist die Frage der Wohnzahlung am Freitag von entwurf gegen keinen mit Japan geschlossenen Ver- den freien Gewerkschaften angeregt worden, und diese dings nur verhältnismäßig wenige Arbeiter umfassen, bis 7 Mark trag verstoße. Gleichzeitig hat er das letzte Schreiben Roose haben auch für sie die lebhafteste Propaganda gemacht, so daß jetzt angegeben sind, so muß dabei berücksichtigt werden, daß diese Löhne belts veröffentlicht, in dem der Präsident sagt, er habe gegen nicht nur für 2000, sondern für 4500 Arbeiter die Freitagslohn nur durch größte Anstrengung erreicht werden, und daß, weil es ein Gesez betreffend Verbot des Landerwerbs durch zahlung eingeführt worden ist. Durchschnittslöhne sind, sehr viele Arbeiter sie nicht verdienen. Fremde nichts einzuwenden, wenn es alle Ausländer in Dagegen gibt leider die llebersicht des Reichsmarineamts gleicher Weise behandelt. Um aber einen Konflikt mit der Staatsfeine Auskunft über die Art, wie gegenwärtig in den Marine- berfassung zu vermeiden, soll der Entwurf eine ausdrückliche Bebetrieben in Riel und Friedrichsort die Arbeitskraft der Arbeiter Stimmung enthalten, die alle Rechte von der Wirkung des Geaufs Schlimmste ausgenüßt und angespannt wird. Während sonst seges aus nimmt, die ausländischen Nationen seitens der Bereinigten Staaten zugesichert sind. die Aufsicht auf den Betrieben anscheinend viel zu wünschen übrig läßt, ist die Aufsicht über die Arbeiter außerordentlich scharf. Eine Beamtenzahl, wie sie in dem Verhältnis in keinem Privatbetrieb auch nur annähernd möglich wäre, übt die Ueberwachung aus; Diagramme, Kontrollbücher und Prämiensystem sorgen für die hochmöglichste Anspannung der Arbeitskraft. Zudem werden jezt Herabsetzungen der Affordpreise durchzusetzen versucht, und um diese Herabſegung durchzudrücken, be dient sich die Verwaltung der sonderbarsten Mittel. Lehnen die Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung! Gewerbegerichtsbeifiker! Durch ein Versehen ist der Tag für die Wahl zum AusArbeiter die lebernahme der Arbeit zu den niedrigeren Affordpreisen schuß für das Berliner Gewerbegericht falsch angegeben. Die Wahl für Arbeitnehmerbeisiger findet am Mittwoch, ab, dann wird sie einem anderen Arbeiter übergeben, der sich gerade dazu gebrauchen läßt und einen Teil der Zeit, die er zur Herstellung den 3. Februar, pünktlich 8 Uhr abends, im Bürgerder zu niedrig übernommenen Arbeit braucht, wird auf andere Arbeit faal des Rathauses, Eingang Königstraße, geschrieben. Damit ist der Beweis erbracht, daß sich die Arbeit für statt. den Preis herstellen läßt. Ueberhaupt herrscht in der Berechnung Die Wahl zum Ausschuß der Arbeitgeberbeifiter am der Arbeit in den verschiedenen Ressorts die reine Anarchie. Es Freitag, den 5. Februar, abends von 6 bis 8 Uhr, im Saale wäre interessant, festzustellen, ob durch dieses Sparsystem auf der des Gewerbegerichts, Zimmerstraße 90. Werft die gestohlenen Millionen gedeckt werden sollen, oder ob das System eine Folge der Sparrede Bülows ist. Diner- Politik. Fürst Bülow treibt wieder Politik am gedeckten Tische. Zu dem Diner, daß er am Donnerstag gegeben hat, waren nur fonservative und nationalliberale Abgeordnete eingeladen. Das Tischgespräch bildete die Reichsfinanzreform. Wenn es Bülow gelingt, zwischen den Konservativen und Nationalliberalen eine Einigung zu erzielen, dann soll auch den Freisinnigen die Ehre widerfahren, zu Bülow eingeladen und dort abgefüttert zu werden. Um bürgerliche Ehrenrechte. Eine weitgehende Wiedereinseßung in die Bürger lichen Ehrenrechte ordnete der König von Württemberg durch Erlaß vom 29. Januar an den Justizminister an. Der Erlaß lautet: „ Nachdem zu meiner Kenntnis gekommen ist, daß eine größere Anzahl von Berfouen noch jetzt an der Ausübung öffentlicher Rechte deshalb verhindert ist, weil ihnen zur Zeit der Geltung des früheren württembergischen Strafgesetzbuches durch gerichtliches Urteil die bürgerlichen Ehren- und Dienstrechte auf Lebenszeit ab. erfannt worden sind wegen Gesetzesübertretungen, die nach den milderen Vorschriften des geltenden Reichsstrafgesetzbuches nicht mit dauerndem Ehrverlust bestraft werden, so ist es mein Wille, daß die solchermaßen Verurteilten, anstatt im einzelnen auf den Weg der Geltendmachung des ihnen im Gesetz vom 26. Dezember 1871 vorbehaltenen Wiedereinsehungsanspruches berwiesen zu werden, durch einen allgemeinen Gnadenalt der ihnen entzogenen Ehrenrechte wieder teilhaftig zu werden." Eine gelbe Gründung. Die Firma Joseph Schimet, Mühlenstr. 11, betreibt einen aus. gedehnten Handel mit Lumpen, Papierabfällen usw. Sie beschäftigt beim Sortieren und Transportieren dieses Materials über 400 Arbeiter und Arbeiterinnen, von denen ein großer Teil dem Deutschen Transportarbeiterverbande als Mitglieder angehören Mit diesem Verbande stand die Firma früher in einem Tarifvertragsverhält nis, welches aber seit fast zwei Jahren nicht mehr besteht. Die Löhne, welche die Firma zahlt, sind sehr gering. In dem genannten Tarifvertrage war der Anfangslohn der Arbeiterinnen auf 9 M. wöchentlich festgesetzt. Nach dreijähriger Beschäftigung erreichte der beiter beginnen mit 18 M. und betragen im Höchftfalle 25 M. Lohn die Höchstgrenze von 12 M. Die Löhne der männlichen Arsind, ist nicht anzunehmen. Wohl aber mag die Firma angenommen Daß diese Lohnsätze in der vertragslosen Zeit besser geworden haben, daß die Arbeiter, wenigstens die organisierten, bei passender niedrigen Löhne fordern und mit Hilfe ihrer Organisation auch Gelegenheit eine Aufbesserung der in der Tat ungewöhnlich durchführen würden. Um dem vorzubeugen, verfiel Herr Schimet Arbeiterinnen seines Betriebes einen gelben" Verein zu gründen. auf das nicht mehr ungewöhnliche Mittel, für die Arbeiter und In einer Korrespondenz mit dem Transportarbeiterverband bestreitet Herr Schimet zwar, daß es sich um einen gelben Verein handele. Er sagt, es sei nur eine Unterstützungskasse gegründet worden; das sei eine interne Angelegenheit des Betriebes, die den Transportarbeiterverband nichts angehe. Ob das Ding Unterstüßungstasse oder sonstwie heißt, ist gleichgültig. Tatsächlich haben wir es hier mit einer Gründung zu tun, denselben ins Die Töpfergesellen Königsbergs sind nun ausgesperrt. Sowohl die Lokalorganisierten, als auch die Zentralorganisierten sind von diesem Geschick betroffen worden. Die Arbeitgeber haben ihr altes Personal einfach auf die Straße gesezt und mit einer Handvoll Leute, die im Hirsch- Dunderschen Gewerkverein organisiert sein wollen, einen Lohntarif abgeschlossen, der für einzelne Positionen gegenüber den alten Vereinbarungen eine Verschlechterung von 10 bis 25 Prozent aufweist. Nur Spezialarbeiten, die höchst selten borkommen, haben eine unwesentliche Erhöhung der Lohnsäße ers fahren. Die Situation ist für die Ausgesperrten nicht gerade un günstig. Nur die Arbeitsgelegenheit ist schwach und hierauf bauen die Herren Unternehmer im Töpfergewerbe. Eine Aussperrung unter der Laterne! Die Firma Windhoff in Rheine i. W.( Automobilfabrik) verlangte am Montag, den 25. Januar, von ihren Arbeitern in Zukunft unbeschränkte Leistung von Ueberstunden, ohne den Akkordarbeitern hierfür einen geringen Aufschlag gewähren zu wollen. Die Arbeiter verweigerten daraufhin berechtigterweise dic. selben, da es im Verlaufe des Vorjahres nichts Seltenes war, daß Doppelschichten ohne jede Vergütung geleistet werden mußten. Der Betriebsleiter erklärte darauf:" Es ist ja nicht notwendig, daß wir Ueberstunden machen." Am anderen Morgen wurde den Arbeitern eine eigenartige Ueberraschung zuteil. Das Fabriktor war verschlossen. Vor dem ſelben stand der Nachtwächter mit erhobener Laterne und beleuchtete folgenden Anschlag: Wegen Verweigerung der leber. stungen bleibt heute die Fabrit geschlossen. Die auf so originelle Art inszenierte Aussperrung suchten nun die Vertreter der beteiligten Verbände( Deutscher und christlicher Metallarbeiterverband) durch Verhandlungen beizulegen. Die Firma setzt sich aber aufs hohe Pfero und verlangt bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. Das vorgelegte Schriftstück der Firma lautet folgendermaßen: Die Delegierten Dreher und Mon teur...... erklären hiermit, daß die in den Ausstand getretenen Arbeiter die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen, indem sie der Firma das Vertrauen schenken, daß diese die strittigen Puntte binnen acht Tagen erledigen wird. Arbeitern Gelegenheit geben, ihre Wünsche borzutragen", sicherte Wir werden dieses Vertrauen zu würdigen wissen und den Arbeitern Gelegenheit geben, ihre Wünsche vorzutragen", sicherte die Fabrikleitung zu. Tog" neben den anderen logischen Widersprüchen aus dieser ErDie Arbeiter verlangten, daß vor allem das Wort„ bedingungss 103" neben den anderen logischen Widersprüchen aus dieser Er" lärung gestrichen würde. Die Firma tehrt aber den schroffsten Herrenstandpunkt heraus und will nicht nachgeben. Die Arbeiter, die vorläufig am Freitagmorgen die Arbeit wieder aufgenommen hatten, verließen wegen dieser Weigerung nach dreistündiger Arbeit den Betrieb. Im Ausstand stehen zirka 35 Mann. Der Zus Die Anregung zu diesem Erlaß ist vor einigen Wochen von der fozialdemokratischen Presse ausgegangen, die dabet Wert gefekt worden ist, wie die berüchtigten gelben Vereine in Maschinenarbeitern ist unter allen Umständen einen bestimmten Fall veröffentlichte. Die Balkankrise. Die Türkei und Bulgarien. Konstantinopel, 1. Februar. Jkdam" zufolge hat der gestrige Ministerrat sehr lange über die Differenzen mit Bulgarien und die gegenwärtige Lage beraten. Wie Jeni Gazetta" meldet, hat der Großwesir das Kommissariat in Sofia beauftragt, der bulgarischen Regierung mitzuteilen, sie möge nicht mit Demonstrationen und mit der Erregung der öffent lichen Meinung unnötig 3eit verlieren, sondern erflären, ob sie in Verhandlungen eintreten wolle oder nicht. Zimmereraussperrung. anderen Betrieben. Was aber das Berwerflichste an der Sache ist, von Rheine fernzuhalten. so ist auch im Betriebe des Herrn Schimet nach berüchtigten Mustern ein Druck zum Beitritt in die gelbe Unterstützungskasse und zum Austritt aus dem Transportarbeiterverbande auf Arbeiterinnen Die Ludwigshafener Zimmermeistervereinigung teilte am Sonn ausgeübt worden. Eine Arbeiterin, die sich nach einer über, abend allen dortigen Zimmereien mit, daß am Montag, den standenen Krankheit wieder zum Antritt der Arbeit meldete, wurde 1. Februar, der Stundenlohn von 60 Pf. auf 55 Pf. reduziert werde. von der Meisterin mit der Mitteilung empfangen, daß im Betriebe Wer nicht dafür arbeiten wolle, fönne aufhören. Eine Versammlung ein neuer Verband" gegründet worden sei. Daß Arbeiterinnen des Zimmererverbandes beschloß hierauf einstimmig, die Lohnreduktion ferner noch für den Transportarbeiterverband als Vertrauens nicht anzunehmen, sondern es auf einen Stampf ankommen zu lassen. Buzug ist streng fernzuhalten. nur heimlich an den Transportarbeiterverband Beiträge zahlen, Bimmereien erfolgt. perfonen tätig seien, das gebe es nicht mehr. Sollte jemand auch Die Aussperrung ist nunmehr gestern in sämtlichen Ludwigshafener dann werde er sofort entlassen. Solche Leute würden bei der Firma chimet nicht mehr beschäftigt. So sagte die Meisterin. Ob sie im Auftrage des Herrn Schimet oder im Einverständnis mit In der elektrotechnischen Abteilung der Maschinenfabrik ihm handelte, konnte nicht festgestellt werden. Eklingen- Cannstatt find sämtliche Affordpreise vom Nach dieser Unterredung schickte die Meisterin die Arbeiterin 1. Februar ab um 10 Pro3. reduziert worden. Damit find in eine gerade stattfindende Betriebsversammlung, wo Herr bulgarischen Grenze zu berschärfen, jedoch Friktionen chimet selber zugegen war und sich bereit erklärte, in die die Affordpreise im Laufe dieſes Winters dort teilweiſe ſchon um gelbe Kaffe 1000 M. aus eigenen Mitteln und 400 M. aus der mehr als 30 Proa. herabgesezt worden! Strafgelderkasse zu zahlen. Das Kriegsministerium ließ erneut Befehl an das giveite und dritte Korps ergehen, die Ueberwachung der und Provokationen zu vermeiden. Der Boykott. Konstantinopel, 81. Januar. Beim hiesigen Bohtott generalfyndikat ist eine Einlenkung bemerkbar. Das Syndikat schickte an die Provinzialsyndikate eine Depesche des Inhalts, daß der befriedigende Abschluß der österreichisch- ungarisch türkischen Entente demnächst zu erwarten sei. Man möge daher Bontottverschärfungen unterlassen. Serbische Rüstungen. Wirkungen der Krise. Die Arbeiterin, von der hier die Rede ist, bekleidet das Amt Die Krise in dor Metallindustrie einer Vertrauensperson des Transportarbeiterverbandes, was so- lassen auch die jetzt erscheinenden Jahresberichte der Geschäftsstelle wohl der Meisterin wie Herrn Schimet bekannt ist. Als die des Deutschen Metallarbeiterverbandes erkennen. Arbeiterin ihren Plab wieder einnehmen wollte, erhielt sie von der Die Karlsruher Geschäftsstelle stellt fest, daß in ihrem Bezirke am Meisterin ihre Entlassung. 1. Juli 1907 beschäftigt waren 11 052 Arbeiter, am 1. Juli 1908 9951. Also innerhalb Jahresfrist eine Abnahme der Beschäftigten von 1100. In Verbindung damit steht natürlich die starke Zunahme des Kontos Arbeitslosenunterstügung beim Metallarbeiterverbande. Aus alledem sieht man, daß es sich hier um die Gründung eines gelben Betriebsvereins handelt, und daß Arbeiterinnen in den Verein gepreßt werden mit Mitteln, die gegen den§ 153 der Gewerbeordnung verstoßen. Erklärung zur Notiz Bildhauer und Holzarbeiter". Die Nr. 26 bes„ Vorwärts" vom Sonntag, den 31. Jamuar, Letzte Nachrichten und Depeschen. " " Belgrad, 1. Februar." Politika" zufolge forderte der Striegsminister bon der Skupschtina einen neuen Rüstungskredit von dreiunddreißig Millionen Dinars. Wie ,, Stampa" meldet, stieß diese Forderung in den Kreisen der altradikalen Partei auf Widerstand. Schließlich einigte sich jedoch enthält unter Gewerkschaftliches" eine Notiz mit dem Titel„ BildIn den Flammen umgekommen. hauer und Holzarbeiter" und beschäftigt sich mit der letzten Ber der Hauptausschuß der altradikalen Partei dahin, den Kredit au fammlung hiefiger Verwaltung am Donnerstag, den 28. Januar. Frankfurt a. M., 1. Februar.( B. H.) Jm Hause Brüden bewilligen, weil es dem Volksempfinden nicht entsprechen Die darin geschilderten Verhandlungen bezüglich des Uebertritts zum straße 55 brach heute mittag zwischen 12 und 1 Uhr Fener aus, das würde, ihn zu verweigern, während man für eine bewaffnete Solzarbeiterverband find in sehr einfeitiger Weise wiedergegeben durch zwei Kinder, die mit Streichhölzern gespielt hatten, Aktion des Landes eintrete. und erklären wir dazu, daß dieser Bericht nicht vom Vorstand der Der ganze Dachstuhl wurde einOrganisation stammt, sondern nur die Mitteilung irgend eines Mit- verursacht worden war. gliedes ist. Die Frage selbst wird zu anderer Zeit in der Deffent- geäschert. Beide Kinder, zwei Mädchen im Alter von 5 und 3 Jahren, Saloniti, 1. februar. Die Meldungen aus dem Sandschat lichkeit von uns behandelt werden und stellen wir jetzt nur fest, daß verbrannten, während die Mutter, die die Kinder aus den Flammen Robibazar lauten sehr ernst. Bivischen Serben und Arnauten der Antrag zur Magdeburger Generalversammlung, den Ueber retten wollte, so schwere Brandwunden erlitt, daß fie kaum mit dem tam es zu blutigen Kämpfen. Die Ortschaften BIeblje tritt betreffend, mit 135 gegen 104 Stimmen gefaßt wurde. Dies Leben davonkommen dürfte. und Bertun wurden unter militärischen Schuß gestellt. Bahl- verschweigt der Bericht gänzlich und gewinnt es dadurch den Anreiche von Serben bewohnte Ortschaften sind von den Arnauten schein, als wenn in dieser Frage allseitiges Einverständnis vorniedergebrannt und die Einwohner grausam niedergemezelt worden. handen wäre. Auch befürchtet man den Einfall bon montenegrinischen Banden. Arnauteneinfälle. frankreich. Ein Schülerstreif. Baris, 1. Februar. Sämtliche dreihundert Schüler der Glettrotechnischen Schule beschlossen, wegen der an der Anstalt herrschenden Zustände den Schulbesuch bis auf weiteres einzustellen. Berantw. Redakt.: Carl Wermuth, Berlin- Nigdorf. Inserate verantw.: Der Borstand der Verwaltung Berlin des Zentralbereins der Bildhauer. Deutfches Reich. Lemoine, der Diamantenschwindler, zu 10 Jahren Gefängnis berurteilt. Paris, 1. Februar. Der Zuchtpolizeigerichtshof hat den ans geblichen Diamantenfabrikanten Lemoine in contumaciam au zehn Jahren Gefängnis und 3000 Frank Geldstrafe verurteilt. Sechs Arbeiter getötet. Die Schlosser, Dreher, Schmiede und Hilfsarbeiter der Maschinenwerke Gubischin in Biegnis stehen seit 14 Tagen im London, 1. Februar.( W. T. B.) Bei der Sprengung einer Streit. Leider findet die Fabrik gerade in den Großstädten Rausreißer. Es sei deswegen vor Zuzug nach Liegnitz nachdrücklichst in der Nähe von Yarmouth gesunkenen Barke wurden heute nach. gewarnt. Die Bewegung hat eine eigentümliche Borgeschichte. 1908 mittag fechs Arbeiter getötet und einer verlegt. Th, Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierzu 3 Beilagen u. Unterhaltunasbl. Hr. 27. 26. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Der Kongreß der Arbeiterpartei. Portsmouth, 29. Januar.( Eig. Ber.) Der 9. Kongreß der britischen Arbeiterpartei wurde heute abends geschlossen. Ich werde in den nächsten Tagen das Gesamtergebnis in einem besonderen Artikel besprechen. Die letzte Sizung war aber wichtig genug, um auf sie sofort einzugehen. und empfahl ihre Annahme in kurzen Worten: er wolle die 234 000 Stimmen angenommen. Dienstag, 2. februar 1909. Wochen den Parteivorstand in einer Broschüre heftig angegriffen Kongreß des Gruben kapitals gehandelt hätte. Mit hatte, trat jetzt recht versöhnlich auf. Er schlug folgende Resolu- grimmigen Spott, der unter den Delegierten stürmisches Echo fand, geißelte Genosse Sachse in seiner Begrüßungsrede das tion vor: gefordert oder gebilligt wurden. Der Kongreß instruiert den Parteivorstand, öffentliche Ver- empörende Verhalten der Regierung. Ja, wenn es sich mir sammlungen einzuberufen, so oft es nötig ist, die Interessen der um Kongresse von Proletariern handelt, die schweißArbeiter zu fördern. Parteimitgliedern oder Parteikandidaten ist es verboten, mit den Bertretern der kapitalistischen Parteien Grubenkapital die Schäße der Erde ans Tageslicht fördern, so ist es verboten, mit den Vertretern der kapitalistischen Parteien triefend und ständig von Todesgefahr umlauert, für das auf derfelben Tribüne als Redner zu erscheinen, um irgend eine bedarf die Regierung keinerlei Information! Sie darf sich nicht Maßnahme zu unterstützen." Zuerst kam die Annahme der sozialistischen Reso= Der Parteivorstand wurde nämlich beschuldigt, daß einige besser informieren, als es das Geldsadinteresse der lution, die von der Parteiorganisation in Battersea eingebracht seiner Mitglieder zusammen mit Vertretern der kapitalistischen Grubenbarone zuläßt. Mögen diese Grubenbarone das tourde. Die Begründung des Antrages wurde unmittelbar nach Barteien in Temperenz- und Freihandelsversammlungen von einer Leben Hunderttausender frivol aufs Spiel sezen, mögen sie Eröffnung der Sizung um 10 Uhr vorgenommen. Es fehlten viele und derselben Tribüne sprachen. Demgegenüber sagten die An- durch ihre Ringe das Publikum ausplündern, mögen sie selbst Delegierte, woraus sich die verhältnismäßig geringe Abstimmungs- gegriffenen, diese Versammlungen waren keine Parteiberfamm- dem Staate gegenüber die skandalösesten Wucherpreise fordernzahl erklärt. Der Delegierte Pocod brachte die Resolution vor lungen, sondern es waren neutrale Tribünen, wo Maßregeln be- die obersten Staatsdiener haben nichtsdestoweniger das beSabungen der Partei nicht ändern, sondern die Partei auf das fürwortet wurden, die auch von den Kongressen der Arbeiterpartet rüchtigte Ministerwort an den Kapitalistenklimgel wahr zu machen: Meine Herren, wir arbeiten ja nur für Ziel verweisen, nach welchem sie streben solle. William Thorne Es soll hier gleich gesagt werden, daß in dem Vorwurf, der der Sie! Den Arbeitern gegenüber glaubt sich die Regierung unterstützte die Resolution, worauf die Abstimmung vorgenommen Resolution zugrunde liegt, manches wahre vorhanden ist. Es gibt eben alles erlauben zu dürfen. Zu der Berliner Proteſtwurde. Sie ergab die Annahme mit 362 000 gegen 313 000 Stimmen. einen oder zwei Arbeiterabgeordnete, die mit ihren liberalen Tra- bersammlung der technischen Angestellten, die am Sodann wurde die Resolution über das Schulwesen vor- ditionen noch nicht ganz gebrochen haben. Leider kam der Vor- Sonntag stattfand, hatte die Regierung, wie sich das gegenommen. Die Diskussion darüber war ziemlich erschöpfend. Sie wurf von einer Seite, die als eine feindliche betrachtet wird. Die hörte und von selbst verstand, einen Vertreter drehte sich um drei Punkte: Weltlichkeit der Schule; Abschaffung überwältigende Mehrheit des Kongresses war der Ueberzeugung, entfandt. Aber den Arbeitern zeigt man unverhohlen die der Halbzeitler; staatliche Verpflegung der Schulkinder. Gegen daß Tillett, Quelch und Grayson die Partei spalten wollten. Es gröblichste Mißachtung. Man hält eben ihre Lammsgeduld die Weltlichkeit der Schule trat James Sexton, der Führer ist diese Ansicht, die die sozialdemokratische Kritik unwirksam macht. für unverwüstlich, man traut ihnen nicht zu, daß sie ebenso der Liverpooler Docker, ein, der der Ansicht war, daß diefe Forde: Tillett sprach gemäßigt und glänzend; Quelch sprach ungemein geschlossen und ebenso rücksichtslos für ihre Interrung es vielen katholischen Arbeitern unmöglich machen würde, fich logisch und wikig- aber es half nicht. Shackleton, der auf Tilletts effen eintreten fönnten, wie Agrarier oder Kapitalisten! der Partei anzuschließen. Andere Redner erklärten ihm aber, daß der Partei anzuschließen. Andere Redner erklärten ihm aber, daß Rede antwortete, las aus dessen Broschüre eine ganze Reihe hef Und wie viel hätten die Regierungsvertreter aus den sie trotz ihres katholischen Glaubens mit dieser Forderung über- tiger Invektiven vor, die gegen den Parteivorstand geschleudert Berhandlungen lernen können. Pokorny hatte durchaus cinftimmten. Die Partei wolle nicht die Religion abschaffen, son- wurden. Und der Kongreß unterstrich jede Grwiderung Shackle- recht, wenn er meinte, die Darlegungen der Vertreter dern die religiösen Bänkereien von der Schule fernhalten. Die tons mit demonstrativem Beifall, der selbstredend gegen Zillett ge- würden dem Handelsminister oder seinen Stellvertreter Verweltlichung der Schule wurde schließlich mit 739 000 gegen meint war. Das Resultat der Abstimmung konnte nicht zweifel. nicht minder in die Ohren gellen, wie die Begrüßung, die Die Frage der Halbzeitler berührt nur die Textildistrikte. In haft sein: Die Resolution wurde gegen wenige Stimmen ver. Herrn Delbrück von den Hinterbliebenen von Radbod bereitet diesen Gegenden besteht noch vielfach die Einrichtung, daß die werfen. Ebenso wurde die Resolution, die die Aufstellung eines worden. Denn nicht nur das Referat zum ersten Punkt der Kinder einen halben Tag in der Schule sind und den anderen Programms forderte und die auch von Shaw verteidigt wurde, ver- Tagesordnung, die Einführung von Grubentonaus der Mitte der Berg. halben Tag in den Textilfabriken Aushilfe leisten. Sämtliche erklärung, sondern ein sozialpolitisches Programm, aber auch mit arbeiter, worfen. Shaw wollte allerdings keine sozialistische Prinzipien- trolleuren entwarf ein entfehliches Bild von den Führer der Tertilarbeiter haben sich gegen dieses System erZuständen in den Gruben, sondern erst recht die Diskussion. flärt, aber die Tertilarbeiter sind noch nicht so weit, diese Forde- dieser bescheidenen Forderung drang er nicht durch. Von dramatischer Wirksamkeit waren die Ausführungen rung zu verstehen. Ich unterhielt mich darüber mit einem Tertil. eines Geretteten von Nadbod, der den skrupellosen arbeiter aus Lancashire, der mir erklärte: Die Forderung, die Raubbau auf Kohlen und das frevelhafte Aufsspielsetzen der Halbzeitler abzuschaffen, ist eine Frage, die nur zu lösen ist durch Menschenleben, deren ja nun auch 350 in der Tiefe ihr furchtHerabsetzung der Zahl der Webstühle, die ein Mann bedient; es bares Ende gefunden, mit der packenden Anschaulichkeit und der gibt Arbeiter, die 6 Webstühle bedienen und deshalb die Aushilfe aufpeitschenden Entrüstung des Augenzeugen schilderte. von jugendlichen Arbeitern brauchen. Solange es gestattet ist, daß das Motiv, das das Referat und die Anklagerede des ein Mann 6 Stühle übernimmt, wird sich die Einrichtung der HalbRadboder Geretteten angeschlagen, tehrte in jeder folgenden scitler nur schwer abschaffen lassen. Könnte man ein Gesez Nede wieder: kein Redner, gleichviel welchem Verbande oder schaffen, das verbieten würde, mehr als 4 Stühle zu übernehmen, welcher politischen Richtung er auch angehören mochte, der dann würde die ganze Einrichtung der Halbzeitler von selbst fallen. nicht die wuchtigsten Anklagen gegen die Grubenverwaltungen Neben dieser Forderung verlangte die Resolution die Erund die unbegreifliche Nachsicht der amtlichen Aufsichtsorgane höhung des schulpflichtigen Alters auf 16 Jahre. Beide Forde erhoben hätte! rungen wurden schließlich mit 724 000 gegen 309 000 Stimmen anWie gesagt, waren auch Vertreter bürgerlicher Parteien, genommen. Zu dem am Montag früh eröffneten Kongreß der Berg- selbst der Nationalliberalen, anwesend. Ob diese arbeiter, der nicht nur von dem auf dem Boden der modernen Vertreter ihre Parteien nun endlich dazu vermögen werden, Arbeiterbewegung stehenden alten Verband", sondern auch was die Bergarbeiter seit 25 Jahren vergeblich von dem Hirsch- Dunckerschen Gewerkverein und der polnischen forderten, zur Schaffung ausreichender gefeßlicher SchutzBerufsorganisation beschickt war nur der christliche maßregeln für das Grubenproletariat? Oder ob es die VerGewerkverein hatte unter faulen Ausreden eine Delegation tretung des Kapitals auf die Anwendung des allerDie letzten Beratungen des Kongresses, bon denen man hätte abgelehnt!- waren in Anbetracht seiner enormen Be- legten Mittels", von dem Pokorny warnend sprach, glauben können, daß sie rein formal fein würden, gestalteten fich beutung für das Leben und die Gesundheit ankommen lassen werden?! ungemein lebhaft. Ich wollte schon am Nachmittag nach London von vielen hunderttausend Grubenprolezurüdfehren, aber es wurde mir vom Vorstand gefagt, man er- tariern nicht nur zahlreiche parlamentarische Vertreter der warte den lange vorbereiteten Angriff auf die Parteileitung von Sozialdemokratie, sondern auch eine Anzahl bürgerlicher den Anhängern Graysons, die zur Frage der Parteitaktik Abgeordneter erschienen. Die Rechtsparteien hatten tagt, ist mit allerlei bunten Fahnen reichlich geschmückt; in der sprechen wollten. Als Redner sollten auftreten: Grayson, Ben Dagegen wurde die Forderung, die Kinder auf Staatskosten zu erhalten, d. h. zu ernähren, fleiden und beherbergen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Ablehnung berührt selbstredend nicht die Forderung auf Speisung der armen Schulkinder. Tillett und Quelch. Nachmittagsfihung. Der Angriff kam, aber Grayson fehlte und erschien in der Sigung überhaupt nicht, was selbstredend eine niederdrüdende Wirkung auf seine Genossen hatte. Tillett, der vor einigen " Kleines feuilleton. Nach diesen Debatten schloß der Kongreß. Ueber den Grund des Fehlens Graysons zirkulierte auf dem Rongreß ein eigenartiges Gerücht. Es wurde behauptet, ein bekannter Flottenschriftsteller und ein Flottenleutnant tannter Flottenschriftsteller und ein Flottenleutnant Fred Jane und Leutnant Wilson hätten mit Grayson eine Automobil tour unternommen, die Grayson verhinderte, im Kongreßfaale zu erscheinen und den Angriff der Sozialdemokraten auf den Parteivorstand auszuführen. Die Schlußfolgerungen, die aus dieser Meldung gezogen wurden, waren selbstverständlich für Grayson nichts weniger als schmeichelhaft. Der Bergarbeiter- Kongreß. -allerdings keine Vertretung entsandt, und ihrem Beispiel war auch die Regierung gefolgt. Trot Rehden und Radbod hatte sie es nicht für not wendig erachtet, sich über die Beschwerden und Forderungen aus erster Hand zu informieren. Ja, wenn es sich um einen Die Chinesen als Erfinder des Tagameters. Dr. Giles, Professor der chinesischen Sprache und Literatur an der Universität zu Cambridge, hat entdeckt, daß die Chinesen schon im dritten Jahrhundert der chriftlichen Zeitrechnung den Tarameter fannten, und daß sie sich seiner bedienten, um den von den Wagen zurückgelegten eg zu messen. Die ersten Anspielungen auf dieses Instrument Theater. 〃 Aber Der große Gaal der„ Neuen Philharmonie", wo der Kongreß großen Bannern mit dem preußischen Adler. Die rote Fahne der Mitte hängt ein großes Reichsbanner zwischen zwei nicht minder kämpfenden Arbeiterschaft fehlt gänzlich. Gleichwohl hat es weder die Reichsregierung noch die Regierungen der ebenfalls eingeladener mit Bergbau gesegneten Bundesstaaten für nötig erachtet, Ver. treter zu entsenden. Ja, er ist's. Doch welch ein Graus! Gott! Wie sieht der Mensch nur aus! Gleich als ging es zum Tarod, Trägt er einen Ueberrod! ,, Kinder!" ruft er. Macht mir Raum! Ja, ich bin's." Es ist kein Traum. Kirschner heißt der Mann und hier Ift des Mannes Ueberzieh'r. Und er darf ihn laßt's Euch fagen! Beim Empfang des Königs tragen Stolzen, hocherhob'nen Haupts, Seine Majestät erlaubt's. O dies Glück! D diese Gnade! Sink' in Schnee, du Männerivade! Diese Gnade! Dieses Glück! Deutschland ward zur Republik! Englands König kommt, und wir Huldigen ihm fm Ueberzieh'r!" Ueber den Stand der Cholera in Rußland veröffentlicht der Londoner Lancet" eine bis zum Ende des Jahres reichende Ueberficht, deren Hauptergebnis sich in dem Saß zusammenfassen läßt, daß in Südrußland seit dem Herbst ein fast völliges Verschwinden findet man in den chinesischen Chroniken des dritten Jahrhunderts der Seuche, in Petersburg dagegen eine auffallende Verschlimmerung und in Dokumenten aus den Jahren 1027 und 1107. Es werden eingetreten ist. Für das ganze russische Reich ist gleichfalls eine Zu- bort Einzelheiten über die Konstruktion und die Zahl der Vernahme der Erkrankungen im Dezember gegen den November zahnungen angegeben. Dr. Giles überfegte diese Angaben und gab zu verzeichnen gewefen, obgleich die Bahl von 223 Er- fie dem Professor Hopkinson, der das mechanische Laboratorium der frankungen wöchentlich neben der ven 1048 noch Anfang Universität leitet. Hopkinson hat dann nach den 900 Jahre alten Oftober gering erscheint. Für Petersburg allein find die chinesischen Angaben das Modell eines Wagens konstruiert, der die Zahlen bedeutend ungünstiger, denn dort hat die Steigerung zurückgelegten Entfernungen genau verzeichnet. Nach jeder chinesischen von November auf Dezember einen Betrag von 70 auf 154 erreicht, eile( Li) hört man Trommelflang; nach je 10 2i lautet ein Glöckchen. während Anfang Oktober allerdings noch 418 Erkrankungen in der Woche eintraten. Sollte es nicht gelingen, die Seuche während des Winters wirklich auszurotten, fo wird fich Rußland für den Eintritt Neue freie Voltsbühne( Berliner Theater): Bartel der wärmeren Jahreszeit auf eine neue schivere Epidemie gefaßt Turaser", Drama von Philipp Langmann. Die Meinungen machen müssen. Bedenklich ist nach dieser Richtung nicht nur über den soziallünstlerischen Gehalt dieses tiefgefaßten Proletarierdie Hartnäckigkeit der Petersburger Epidemie, fondern auch dramas fönnen als abgeschlossen gelten. Die von ihm ausströmende die große Verbreitung, die den sonst sehr vereinzelt gewordenen Wirkung ist groß und rein, zumal dann, wenn eine von fünft Erfrankungen zulommt. Die letzten Berichte meldeten folche aus lerischem Feingefühl erfüllte Regie mnd Darstellung obwalten. Es folgenden Gouvernements: Saratow, Twer, Tambow, Stieto, Pol- herrschte Einheitlichkeit und geschlossene Stimmung auch gerade in -Theaterchronit. Das Gastspiel Girardis im tawa, Jekaterinoslaw, Cherson, Elisabetopol und Toms sowie aus der Ensemblesene der Strelkenden im zweiten Aft. Artur Berger den Territorien der donischen Kosaken und der Flüsse Stuban und verlieh dem Titelhelden eine Schlichtheit des Wefens, die über Thalia Theater ist noch um drei Tage verlängert worden. Teret. Eine weitere Gefahr besteht darin, daß die mohammedanische zeugend wirkte und uns den Menschen sympathisch machte. Das Der Kimstler spielt noch am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Bevölkerung am Schwarzen Meer zur großen Bilgerfahrt nach Metta peafifch Desterreichische tam bei ihm nicht zulegt auch vermöge des den Schuster Weigelt in Mein Leopold". Sainz hat sein Gast zu rüften beginnt, wodurch wieder eine neue Gelegenheit geboten echten Dialekts zur Geltung. In dieser Hinsicht stand ihm Josephine spiel im Neuen Schauspielhaus abermals verlängert. Er tritt am 9, 11. mmb 14. Februar nochmals als Hamlet, am 10. im„ Galcotto", Dora als Turafers Fran sehr nahe. Die Streitigene zwifchen ihr wird, die russische Cholera auf andere Gegenden zu übertragen. Gute Vertreter fanden auch die Nebenrollen. und Stlara Gernod( Marie Belber) spitzte sich höchst dramatisch zu. und am 13. als Mephisto auf. Der Vorverkauf beginnt am Donners tag, den 4. Februar. " Rastolmitow vor Gericht. Der Verein studierender Juristen in Dorpat veranstaltete, wie er das schon öfter getan hat, unlängst eine fingierte Schwurgerichtssigung in der Aula der Universität. Die Berhandlung hatte, wie der Frankfurter Zeitung" berichtet wird, ein außerordentlich großes Publifum angelodt, das den großen Saal dicht gefüllt hielt. Viele fanden auf den Bänken und Stühlen feinen Plaz mnd mnd mußten stehend zuhören, tvas wirklich keine Kleinigkeit war. Aber alle harrten sechs Stunden ohne Unterbrechung aus, und es herrschte eine Epannung, wie sie bei einer aufregenden wirklichen Sigung nicht größer sein fann. Vor den Assisen erschien Dostojewskis Raskolnikow. Die Verhandlung war aufs peinlichste einer wirklichen Sigung nachgebildet, und die funktionierenden Personen bom Angeklagten bis zum Staatsantvalt, Berteidiger und Richter waren Studenten, die sich mit dem Gesetz und den richterlichen Bräuchen außerordentlich ver traut zeigten. Die Verhandlung begann um acht Uhr; nach neun nahmen bereits die Plaidoyers ihren Anfang. Der Staatsanwalt hielt eine etwa einstündige, der Verteidiger eine anderthalbstündige Rede. Erst um zwei Uhr wurde das Urteil gefällt, das auf Freisprechung lautete. Die Geschworenen fanden, daß Raskolnikow den Doppelfelbstmord in geistiger Unzurechnungsfähigkeit begangen habe. Dostojewski war nicht geladen und demnach auch nicht erschienen. Hmmmor and Satire. Der Ueberzieher. Vor dem Brandenburger Tor, Steht, wie ein Theaterchor, Schwarzbefradt. im Somitagsstaat Der Berliner Magistrat, Voller Sehnen und Verlangen, Englands König zu empfangen. Da die Winterſtürme blasen, Gibt es viele blaue Nasen Und, was schlimmer, in der Kühle, Kälten auch sich die Gefühle: Selbst die Königstreu' verliert Mancher Bürger, wenn ihn friert, Und ein naffer Fuß fürwahr Bringt der Monarchie Gefahr. Aber wenn die Not am höchsten, it bekanntlich Gott am nächsten Oder einer seiner Geister. Stommt dort nicht der Bürgermeister? a k Edgar Steiger im„ Simpliciffimus". Notizen. Musikchronit. Das 117. Jugendkonzert findet am Somabend, nachmittags 4 Uhr, im großen Saal des Lehrervereinshauses am Meganderplay statt. Für Gemeindeschüler kostet der Eintritt mit den Liederterten 20 Bf., für Erwachsene 50 f.- Die 382. Beranstaltung des Vereins für Volksunter. haltungen findet am Sonntag, abends 7 Uhr, in der Singakademie statt. Verein für Kunst. Am Donnerstag, abends 8 Uhr, liest im Salon Cassirer Ernst Schur aus seinen eigenen Dichtungen vor. Sven Hedin wird über seine Reise in Tibet vor den Mitgliedern der Berliner Gesellschaft für Erdkunde am 12. März berichten. Am 14. März hält er einen öffentlichen Vortrag in der Singakademie. - Das Dbfervatorium am Pic bon Teneriffa, das den gemeinsamen Zweden der internationalen Forschung auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten dienen soll, wird zunächst eine Abteilung für Luft- und eine giveite für medizinische Beobachtungen erhalten. Der für die Station in Aussicht genommene Play liegt in einer Höhe von etwa 2200 Meter. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Vergarbeiter, Reichstagsabgeordneter Sachse, teilt in scmer Begrüßungsrede mit. daß der preußische Bergwerks- und Handelsminister Delbrück und das Neichsamt des Innern schriftliche Absagen aus die Einladung zum Kongreß gesandt haben. Die Gründe, die sie für ihr Verhalten angeben, sind auf beiden Stellen ungefähr dieselben und besagen, daß die Herren von der Regierung schon Kenntnis genug von den Dingen hätten, mit denen der Kongreß sich befassen werde. Der Minister Delbrück gibt an, daß er mit Beamten und Arbeitern des Bergbaues schon eine Konferenz ge- habt habe, wo über dieselbe Frage verhandelt wurde, und die Re- gierung werde demnächst die nötigen Schritte unternehmen. Auf dieser Konferenz waren 45 Herren, Beamte und Vertreter der Bergwerksunternehmer anwesend, aber nur 4 Knappschaftsälteste, die die Bergarbeiterschaft vertreten sollten. Da glaubt der Minister nun genügend unterrichtet zu sein. Ja, wenn wir andere wären. Arbeitgeber oder der Handelstag, dann würden wir wohl die Ehre haben, zwei oder drei Minister zu sehen; aber wir sind ja nur Ar- bciter, sollen nur Vertrauen zur Regierung haben, deren Vcr- halten jedoch keineswegs geeignet ist, Vertrauen zu erwecken. Wir haben die Vertreter des Reichstags wie der Parlamente aller der Bundesstaaten, wo Bergbau betrieben wird, eingeladen; einige sind bereits anwesend, mehrere haben ihr Erscheinen zugesagt. Wir hoffen, daß sie auf unserem Kongreß die Ueberzeugung gewinnen, daß unsere Forderungen nach durchgreifendem Bergarbciterschutz, vor allem nach von der Bergarbeiterschaft gewählten Gruben- kontrolleurcn unbedingt notwendig sind. Wir haben die Freude» den Vertreter der Oesterreichischen Bergarbciterunion, I a r o l i n. unter uns zu sehen, was um so mehr zu begrüßen ist, als es gilt, alle Bergbau treibenden Länder zu veranlassen, wirksame Schutz- maßregeln für die Bergarbeiterschaft zu schaffen. Hoffen wir, daß wir auch auf diesem Wege durch diesen Kongreß weiter kommen. In diesem Sinne eröffne ich den Kongreß mit dem alten Berg- werkSgruß: Glück auf! Sofinski, Vertreter der Polnischen Berufsvereinigung der Bergarbeiter: Wenn die Regierung es nicht für nötig hielt, zu diesem Kon- areß Vertreter zu senden, so ist es ihrem ganzen bisherigen Ber- halten nach nicht anders zu erwarten gewesen. Wir müssen es be- dauern, daß der Christliche Verband nicht an unserem Kongreß teilnimmt. Die große Erbitterung ist unter der Bergarbeiterschaft allgemein. Der Redner teilt noch mit, daß die polnische Parla- nicntsfraktion ebenfalls Vertreter entsenden wird, die jedoch noch nicht eingetroffen sind. F. Schmidt. Vertreter des Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvereins: Als die Frage der Beschickung des allgemeinen Kongresses an unsere Organisation herantrat, konnte uns die Entscheidung schwierig erscheinen, denn wir mußten uns sagen: Nimmst du teil, so kriegst du deine Vorwürfe von den Christlichen, nimmst du nicht teil, geschieht dir dasselbe vom alten Verband. Wir haben jedoch der Sache mit Freude unsere Zustimmung gegeben. Der Christ- liche Verband sagt in seinem ablehnenden Schreiben, die Regierung wisse schon, was wir wollen. Ja, die Regierung weiß auch, was die Bergherren wollen. Wenn aber ein Moment günstig war, den notwendigen Forderungen der Bergarbeiter Nachdruck zu verleihen, so ist es jetzt nach dem Massenunglück von Radbod. Darum haben auch wir einmütig beschlossen, den Kongreß zu beschicken. Jarolin(Oesterreich): Als uns die Mitteilung von Ihrem Kongreß kam, zögerte unser Vorstand nicht, einen Delegierten zu entsenden, denn die Fragen, die hier auf der Tagesordnung stehen, beziehen sich nicht nur auf die deutsche, sondern auf die gesamte Bergarbeiterschaft. Wie sich hier die Regierung den Forderungen kühl gegenüberstellt, genau so 'ist es in Oesterreich. Die österreichische Regierung hat nun zwar eine Vorlage zur Verbesserung des Bergarbeiterschutzcs gemacht, aber nach dem Grundsätze: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß. Die Vorlage besteht aus 47 Paragraphen. Es sollen Sicherheitsmänner angestellt werden, Ivozu die Unternehmer drei Kandidaten vorschlagen, die von den Arbeitern dann pflichtgemäß gewählt werden sollen. Die Sicherhcitsmänner oder Gruben- kontrollcure sollen im Dienstverhältnis und der Dienstordnung unterstellt bleiben, also jederzeit von den Unternehmern entlassen werden können. Die Erfolge, die Sie hier zu erzielen trachten, werden auch Erfolge für die gesamte Bergarbeiterschaft sein. Hierauf wurde das Bureau des Kongresses gewählt und zu- sammengesctzt aus Vertretern der Organisationen, die den Kon- greß beschickt haben. Den Vorsitz führen Sachse und S o s i n s k i. Ferner wurde eine Geschäftskommission zur Prüfung der Mandate gewählt. Die vorgeschlagene Tagesordnung wurde unverändert angenommen. Das Referat zum ersten Punkt der Tagesordnung: Einführung von Grubenkvntrolleurcn, welche von den Bergarbeitern aus ihrer Mitte gewählt und vom Staate bezahlt werden, erstattet Franz Pokorny(Alter Verband): Ich begreife, daß sich das preußische Ministerium hier nicht hat vertreten lassen. Der Minister Delbrück würde hier nichts anderes hören, als was ihm bei seinem Erscheinen in Radbod von den Hinterbliebenen der Verunglückten zugerufen wurde: Gebt uns Bergarbeiterschutz I Ich glaube, der Minister Delbrück hat von dem Empfang in Radbod genug, so daß er es nicht für nötig hält, hier zu erscheinen, wo er ja doch nur dasselbe zu hören bekäme. Dem geht der Minister gern aus dem Wege. Der Redner geht zu einer Besprechung der Unfallstatistik über. Die fortgesetzte Steigerung der Unfallziffer bildet eines der traurigsten Kapitel in der Ge- schichte der deutschen Industrie. Mehr als 600 000 Unfälle im Jahre hat die deutsche Industrie zu verzeichnen. Das bedeutet einen Raubbau an der menschlichen Arbeitskraft. ES ist eine furcht- bare Anklage für die Gesellschaft, daß die Unfallzifser trotz aller technischen Fortschritte der Betriebe eine so erschreckend hohe ist. Die Unternehmer klagen über die Lasten, die ihnen durch die Un- fallversicheruug aufgelegt werden. Wenn nicht alles getan wird, um die Unfälle, welche die Arbeiter bedrohen, zu verhüten, dann haben die Herren kein Recht, sich über die Lasten der Unfallversiche- rung zu beklagen. Wir verlangen, daß Maßnahmen getroffen werden, um Unfälle zu verhüten. Erschreckend groß ist die Zahl der Unfälle im Bergbaubetriebe. Die Bergarbeiter verlangen, eS mutz verhindert werden, daß ein Drittel aller deutschen Berg- arbeiter invalide werden in einem Lebensalter, wo andere Leute im blühendsten Mannesalter stehen. Wenn sich die Unternehmer über die Lasten der sozialen Gesetzgebung beklagen, so sagen wir, abgesehen davon, daß sie ja nur auf Umwegen die Lasten tragen, ist cS ganz selbstverständlich, daß diejenigen, welche den Profit aus dem Betriebe haben, auch die Lasten tragen. Daß die Unternehmer von diesen Lasten nicht erdrückt werden, das beweist die Steuer- statistik, welche eine fortgesetzte Steigerung der großen Vermögen zeigt.— Unter den Unfällen in der deutschen Industrie nimmt der Bergbau die ungünstigste Stelle ein. Seit 1386 haben wir durch Betriebsunfälle 25 651 Bergarbeiterleichen gehabt. In einem einzigen Jahre haben wir 186S Tote gezählt. In Deutschland gibt es ungefähr 750 000 Bergarbeiter, davon sind in einem Jahre 103552 verletzt worden. Unter den bersicherungs- Pflichtigen Arbeitern der deutschen Industrie nehmen die Berg- arbeiter den 27. Teil ein, zur gesamten Unfallziffer aber stellen sie ein Siebentel, und ein Fünftel aller tödlichen Unfälle. ES ist kein Zufall, daß der Bergbau so erschreckende Unfallzahlen zeigt. Hier herrschen Mißstände, welche die Ursache der zahlreichen Unfälle sind. Diese Mißstände müssen beseitigt werden. Aufgabe dcS Staates ist eS, die körperliche und geistige Kraft der Arbeiter zu schützen und zu erhalten. Die Bergarbeiter schieben die Ursache der Unfälle zum Tell auf die mangelhafte Kontrolle der Gruben zurück. An Schutz- bestimmungen zur Verhütung von Unfällen haben wir so viele, daß die Arbeiter sie gar nicht alle lesen, geschweige denn behalten können. Aber alle diese Bestimmungen stehen nur auf dem Papier. Sie werden nicht durchgeführt und die Kontrolle durch die Berg- inspektionsbeamten genügt nicht, um eine Durchführung der Schutz- Vorschriften zu gewährleisten. In Deutschland haben wir 3223 Bergbaubetriebe. Davon sind im Jahre 1007 nur 3110, also 95 Proz., revidiert worden, und zwar 797— 25 Proz. nur einmal im Jahre.(Hört! hört!) 642— 21 Proz. wurden zweimal und nur 1671— 54 Proz. dreimal und öfter im Jahre kontrolliert. In so gefährlichen Betrieben, wie es der Bergbau ist, mutz die Kon- trolle öfter ausgeübt werden. Wenn das auch in einzelnen Be- zirken bereits geschehen ist, so genügt das nicht. Die Bergarbeiter verlangen, daß die Betriebe unter eine ständige Kontrolle gestellt werden. Aber nicht nur auf die Zahl der Kontrollen kommt es an, sondern vor allem darauf, daß sie gründlich und sachkundig ausgeführt werden. Das können die Berginspektoren selbst beim besten Willen nicht, denn sie werden bei der Revision durch die Be- triebsleitung betrogen. Wenn Arbeiter bei der Kontrolle mitwirken, die lassen sich nicht betrügen. Deshalb verlangen wir, daß Kon- trolleure aus den Reihen der Arbeiter bei der Revision mitwirken. Die furchtbare Katastrophe von Radbod liegt hinter uns. Hätten dort Arbeiter in der Grube etwas zu sagen gehabt, dann hätten nicht Mißstände einreißen können, welche einen so großen Umfang des Unglücks herbeiführten.(Sehr richtig.) Es ist Tatsache, daß die meisten Bergarbeiter den Revisionsbeamten ihres Reviers gar nicht zu Gesicht bekommen. Es wird behauptet,.Arbeiter seien nicht geeignet zur Kon- trolle. In Bayern gibt es schon seit längerer Zeit eine Mitwirkung von Arbeitern bei der Grubenkontrolle. In den Berichten der bayerischen Berginspektion finden wir keine Klage über die Arbeiterkontrollenre. Man behauptet auch, die Arbeiterkontrolleure würden die Arbeiter in der Grube aufhetzen. Die bayerischen Berginspektoren berichten nichts davon. Und die Arbeiter, welche in Bayern mit den Inspektionsbeamten die Grube befahren haben, das sind Mit- glieder des Bergarbeiterverbandes. Auch in England, wo Arbeiter- Kontrolleure vorhanden sind, wird nicht über dieselben geklagt. In anderen Ländern sind seit früheren Jahren die Unfälle im Bergbetriebe auf die Hälfte hcrabgegangen. In Deutschland ist das Umgekehrte der Fall. Wenn man sagt, die Arbeiter seien nicht fähig, die Kontrolle auszuüben, so ist das geradezu eine Be- schimpfung der Arbeiter. Nach dem Unglück in Radbod haben uns Arbeiter in wenigen Stunden einen Aufriß der Grube angefertigt. Ein Beweis, daß wir befähigte Arbeiter genug unter uns haben. Die preußische Regierung hat ja jetzt eine Mitwirkung von Arbeitern bei der Kontrolle in Aussicht gestellt. Aber das, was die preußische Regierung bietet, genügt durchaus nicht. Die Re- gierung will, daß auf jeden Steigerbczirk ein Arbeiterausschuß- Mitglied kommt. Das ist zu viel des Segens. Wir verlangen weniger Arbeiterkontrolleure, aber diese sollen so gestellt sein, daß sie eine wirksame Tätigkeit ausüben können. Der von der Regie- rung in Aussicht genommene Sicherhcitsmann soll einmal im Monat die Grube befahren und noch dazu in Begleitung der Grubcnbcamtcn, falls die Werksleitung nicht darauf verzichtet. Das wird sie natürlich nicht tun. Wir verlangen Arbeiterkontrolleure, welche nicht nur Mißstände untersuchen, sondern auch die Befugnis haben, die Mißstände beseitigen zu lassen. Wenn die Arbeiter- kontrollcure mit derartigen Befugnissen ausgestattet sind, dann genügt für jede Grube ein einziger Kontrolleur. Natürlich darf der Arbeitcrkontrolleur nicht abhängig sein von der Grubenverwal- tung. Mit den Arbeiterkontrollcuren der königlichen Gruben im Saarrevier haben wir sehr schlechte Erfahrungen ge- macht, weil sie nicht die Befugnisse haben, die ihnen zustehen müssen, um eine wirksame Kontrolle auszuüben. Im Jahre 1907 angesichts des Grubenunglücks in Reden meinte der Minister Del- brück, vielleicht würden die Grubenbesitzer freiwillig Arbeiter. kontrolleure einführen, die Arbeiter müßten sich erst das Vertrauen der Grubenbesitzer erwerben. Das heißt, wir sollen unsere Orga- nisation, unsere Selbständigkeit aufgeben, denn anders können wir das Vertrauen der Herren Stinnes usw. nicht gewinnen. Wenn wir aber unsere Organisation aufgeben, dann schurigelt man uns noch mehr als bisher. Wir hoffen, in einem Jahrzehnt so stark zu sein, daß wir uns dies Vertrauen erkämpfen können.(Zu- stimmung.) Wir ringen nach Gleichberechtigung. Wenn wir sie erst haben, dann werden wir den größten Teil der Mißstände be- seitigen können. Ueber das Verlangen der Einführung von Ar- beiterkontrolleurcn gibt es unter den Arbeitern, welcher Richtung sie auch angehören mögen, keine Meinungsverschiedenheit. Auch die christlichen Bergarbeiter sind in dieser Hinsicht mit uns einig, wenn sie auch auf diesem Kongreß nicht vertreten sind. Die wenigen, die nicht mit uns einig sind, verfolgen andere Zwecke, sie dienen nicht den Arbeiterintcressen. Damit die Arbeiterkontrolleure unabhängig sind von den Grubenbesitzern, müssen sie vom Staate besoldet werden. Sollte aber hieran unsere Forderung scheitern, dann sind wir bereit, selber die Arbeiterkontrolleure zu bezahlen. Nach der Nadbodkatastrophe sagte der Führer der christlichen Bergarbeiter, Efferts, es würde ein elementarer Kampf aus- brechen, wenn die Negierung die Forderungen der Arbeiter jetzt nicht bewilligen würde. Wenn es noch nicht zum Kampfe gekommen ist, so ist das nur der Besonnenheit der Arbeiterorganisation zu danken. Solange wir noch auf Erfüllung unserer Forderungen hoffen können, sehen wir vom Kampfe ab. Aber ioenn unsere Hoffnungen auch jetzt wieder getäuscht werden, dann bleibt uns als letztes Mittel nur der Streik. Der Kampf wird beginnen an dem Tage, wo es sicher ist, daß die Regierung und die Parteien es ab- lehnen. Arbeiterkontrolleure aus der Basis unserer Forderungen einzuführen.(Zustimmung.) Wir fürchten diesen Kampf nicht. Wir nehmen ihn auf. Dazu mahnen uns die Toten von Radbod und die unzähligen Opfer, die jedes Jahr im Bergbau fallen.(Leb- hafter Beifall.) Die Diskussion brachte Schilderungen einer großen Reihe von einzelnen Fällen, welche zur Begründung der vom Referenten vertretenen Forde- rungen überreiches Material aufhäuften. Redner aus verschie- denen Bergbaurevieren. Mitglieder aller am Kongreß beteiligten Gewerkschaftsrichtungen kamen zum Wort. Alle wußten in schlichten, aber überzeugenden Ausführungen die Mißstände zu schildern, die in den Gruben herrschen und das Leben des Bergmanns täglich und stündlich bedrohen. Delegierte von verschiedenen Gruben deS Ruhr- reviers trugen ihre Erfahrungen vor. Alle diese Darlegungen be- stätigen aufS neue, was schon so oft von praktisch erfahrenen Berg- arbeitcrn gesagt worden ist: Möglichst viel Kohle fördern. Das ist für die Bergwertsbesitzer die Hauptsache. Um dies Ziel zu er- reichen, werden alle Sicherheiismaßregeln mißachtet, wird mit dem Leben der Arbeiter in unverantwortlicher Weise gespielt. Strecken, in denen lebensgefährliche Mißstände herrschen, werden zugenagelt, wenn der Jnspcktionsbcamte erwartet wird, und sogleich wieder in Betrieb genommen, wenn der Aufsichtsbeamte die Grube ver- lassen hat. Mit besonderem Interesse wurden die Ausführungen des Delegierten ThomaS-Hamm aufgenommen, der zu den wenigen Arbeitern gehört, welche sich aus der Katastrophe auf Radbod retten konnten. An der Hand zahl- reicher Einzelheiten und technischer Erörterungen zeigte der Redner, wie leichtfertig der Betrieb auf Grube Radbod gchandhabt wurde. Arbeiter, die noch nie im Bergwerk gearbeitet hatten, wurden ein- gestellt, zunächst als Schlepper und Verbauer, aber schon nach zwei bis drei Monaten wurden sie zu Lehrhauern, ja sogar zu Hauern gemacht. Der Raubbau wurde so intensiv betrieben, daß die Vor- richtungsarbeiten weit hinter dem Abbau der Kohle zurückblieben. In den zwei Jahren, wo der Redner in der Grube Radbod arbei» Ute, hat er keinen RevisionSVeamte» gefeheK Erst nach dem Unglück lernte er ihn kennen. Kurz vor dem Un« glück arbeitete der Redner an einer Stelle, wo sich viel Staub ent- wickelte, aber Wasser zur Berieselung war nicht vorhanden.„Be- rieseln Sie doch," wurde ihm gesagt. Er griff nach dem Ventil, aber es kam kein Wasser. Nach der Katastrophe wurde der Redner und andere vom Berg- inspektor Holländer vernommen. Gleich darauf wußten es die Steiger Krämer und Rose und fragten:„Warum haben Sie das ausgesagt?" Die Antwort der Arbeiter war natürlich, daß sie doch wahrheitsgemäß ausgesagt hätten und aussagen mußten. „Dem Inspektor sage ich nichts mehr, sagte ich mir," erklärte der Redner,„aber beschwören werde ich es in Münster." Vom Juli bis November des verflossenen Jahres hat der Verband im Lippeschen Bezirk, das so sehr den Wettern ausgesetzt ist, Eingaben gemacht, aber die Behörde hat noch keinerlei Antwort gegeben. Am Anfang der Nachmittagssitznng wurde die Präsenz des Kongresses bekanntgegeben. Es sind an- wesend 108 Delegierte und Vorstandsmitglieder des Bergarbeiter- Verbandes(Alter Verband), 17 Vertreter der polnischen Berufs- Vereinigung, 7 Vertreter deS Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins, 4 Vertreter der Vereinigung zur gegenseitigen Hilfe.— Von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind zugegen die Genossen Robert Schmidt. Hengsbach. Bömelburg, Geck, Hue, Sacks e. Genosse Bock, Gothaischer Landtagsabgeord- neter. hat mitgeteilt, daß er im Landtage beantragt hat, der gothaische Vertreter im Bundesrat solle für ein Reichsberggesetz eintreten. Dieser Antrag sei angenommen worden. Die sozialdemokratischen Abgeordneten des preußischen Land- tages haben ihr Erscheinen zugesagt. Von freisinnigen Reichs- und Landtagsabgeordneten sind zu- gegen Naumann, Holler, Rosenow. Stadtv. Gold- schmidt ist als Vertreter der Hisch-Dunckerschen Gewerkberciiu anwesend. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ist durch Um breit, die Berliner Gewerkschaftslommission durch Ritter vertreten. Nach diesen Mitteilungen wurde die Diskussion fortgesetzt. Lcimpetcrs(Verband) macht Angaben über die Zustände in den Saargruben. DaL System der Vorfahrer, welches im Saarrevier besteht, soll nach Absicht der Regierung allgemein eingeführt werden. Wie unzulänglich dies System ist, das zeigte der Redner an einigen Beispielen. Nach dem Streik in Merlebach ist festgestellt worden, daß die Vorfahrer ihren Befund mit Bleistift notierten, den der Steiger dann korrigierte und etwas ganz anderes in das Buch eintrug, als was der Vor- fahrer festgestellt hatte. Nur einmal im Monat darf das Ausschuß- initglied als Vorfahrer die Grube befahren, aber nur in Begleitung des Steigers, aber nicht mit dem Aufsichtsbeamten zusammen. Der Vorfahrer darf nicht mit den Arbeitern in der Grube sprechen, kann also von ihnen nichts über bestehende Mißstände erfahren. Die betreffenden Ausschußmitglieder wissen, daß unter solchen Um- ständen ihre Tätigkeit ohne Bedeutung ist und haben deshalb eine Beteiligung an dieser Scheinkontrolle abgelehnt. Aus denselben Gründen lehnen die Bergarbeiter die Verallgemeinerung der Saarabischen„Arbeiterkontrolleure" ab. Die folgenden Diskussionsredner schilderten wieder auf Grund persönlicher Erfahrungen die Miß- stände im Vergwerksbctriebe. Ein Redner aus dem oberschlesischen Kohlenrevier teilte mit, auf der„Fuchsgrube" werde mit dem Sprengmaterial so leichtsinnig umgegangen, daß Schulkinder Dynamitpatronen mit in die Schule brachten. Die Patronen explodierten, ein Kind wurde zum Krüppel, der Schuldige an diesem Unglücksfall kam mit vier Monaten Gefängnis davon. Ein Beispiel für die Irreführung der Aufsichtsbeamten teilte ein Redner aus dem Ruhrrevier mit. Oberbetgrat Bolz revidierte eine Grube. Er wurde nur bis Ort 6 geführt. Ort 7, der nicht den Anforderungen der Sicherheit entsprach, war ver- nagelt und mit der Inschrift versehen:„Alter Bau". Nachdem sich der Bergrat entfernt hatte, wurde die Arbeit in dem vernagelten Bau wieder aufgenommen. Sehnliche Mitteilungen machten noch verschiedene Redner, so daß man annehmen kann, die Täuschung der Aufsichtsbeamten ist in den Kohlengruben etwas ganz Alltägliches. Zahlreich waren die angeführten Fälle von Mißachtung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen. Unter anderem wurde be- richtet, daß auf der Ruhrzeche„Vereinigte Hamburg" die Be- rieselung mit einer Gießkanne vorgenommen wird. Die vor- geschriebene Berieselungsleitung ist bis heute noch nicht vorhanden. Nicht besser wie in den Gruben des Ruhrreviers ist es im oberschlesischen Bergwerksbezirke, worüber auch eine Reihe von Einzelfällen angeführt wurden. Ein Redner wußte aus seiner Erinnerung zu berichten, wie vor Jahren der Handelsministcr Möller bei einem Besuch der„Königin-Luise-Grube" über den Zustand dieser Grube getäuscht wurde. Als der Minister mit einem Arbeiter der Grube sprach, stand ein Bcrgbeamter hinter dem Rücken des Ministers und beobachtete den Arbeiter, daß er dem Minister nichts sage, was der Grubenverwaltung unbequem sein könnte. Der Redner war am selben Tage im Maschinenhaus tätig, wo eine unerträgliche Temperatur herrschte. Da erhielt er Befehl, die Dämme zu öffnen, wodurch den Leuten in der Grube die Luft entzogen wurde. Der Handelsministcr kam und fand natürlich, daß recht ftische Luft im Maschinenraum sei, so daß man's aus- Kalten könne. Auf welche Weise man vorübergehend zu der guten Luft gekommen war. wurde dem Minister nicht gesagt. Ein Delegierter aus Bochum berichtete, wie mit einem kaputen Fördertau noch sechs Wochen gefördert wurde. Rcttungsapparatc und Tragbahren kennt der Bergmann nicht. Verunglückte und tote Kameraden werden im Förderwagcn wie ein Stück Vieh trans- portiert. In Bayern ist, wie ein Delegierter von dort berichtet, die Grubeninspektion ebenfalls höchst mangelhaft. Die Zweite Kammer des bayerischen Landtages hat ja beschlossen, Grubcnkontrolleurc auS der Arbeiterschaft einzuführen. Arbeiterausschußmitglieder wurden bisher schon zur Grubenkontrolle herangezogen, und es heißt in den Berichten, daß sie sich bewährt haben. Aber die bc- treffenden Arbeiter haben auch ihre Erfahrungen dabei machen müssen. Einer, der auf Mängel in der Grube aufmerksam machte, wurde an schlechtere Arbeit versetzt, wo er 30 M. im Monat weniger verdient. Der Redner selbst ist aus dem gleichen Grunde gematzrcgclt worden. Ein hannöverscher Delegierter führt aus, daß in den Braunkohlen- und Kalirevieren die Gefahr für Leben und Gesundheit dcr Bergleute nicht minder groß ist als in den Steinkohlenrevieren, und erwähnt verschiedene Unglücksfälle und Schlagwetter, bei denen eine Anzahl von Arbeitcrn ihr Leben ver- lor'cn. Auch sind gerade die Arbeiter der Kaliwerke den schwersten Krankheiten ausgesetzt, Aus Lothringen, wo es im vorigen Jahre zum Streik kam, berichtet ein Redner, wie 1500 Menschen bekundeten, daß in der Grube nicht alles in Ordnung sei. Ter Bergmeistcr behauptete das Gegenteil. Als er zur Konirolle einfuhr, wurde er bald darauf betäubt hinausgetragen. Die Arbeiter wandten sich schließ- lich an den Rcichsdircktor, um eine Kontrolle unter Hinzuziehung von Leuten aus ihrer Mitte durchzuführen) aber es war vergeblich, da es nur die Arbeiter und nicht die Bergherren waren, die das. verlangten. Dabei hätten die Bergleute festgestellt, daß es an fünf Stellen in der Grube brannte. Bald darauf wurden wieder zehn Mann, von Gasen betäubt, aus der Grube befördert. Immer von neuem erhoben die Redner die Forderung nach unabhängigen Grubenkontrolleuren aus den eigenen Reihen der Bergarbeiter. >_ Die Diskussion konnte in der gestrigen Sitzung nicht deendet werden; es sind noch gegen 40 Redner eingezeichnet. Heute soll die Sitzung des katholischen Feiertags wegen statt um 0 erst um 10 Uhr beginnen, damit den betreffenden Delegierten Gelegenheit gegeben ist, dem Gottesdienst beizuwohnen. Nutzer den bereits genannten Parlamentsmitgliedern sind noch der freisinnige Reichstagsabgeordnete G o t h e i n und der sozial- demokratische RcichstagöabgeordNete Eichhorn sowie die Land- tagsabgeordneten S t r ö b e l und Hirsch von der sozigldemo- kratischen Frgktion erschienen. kill! Söditalien. .-/ Messina, 31. Januar. Gestern abend urtl 10 Uhr brachte ietne neue st a r k e Erderschütterung einige Mauern zum Einsturz und rief dadurch eine Panik hervor. Da in der Nacht weitere Erdbeben gemeldet wurden, hat man jetzt mit dem Abbruch der baufälligen Mauern begonnen. « �» Die Ruinen Messinas. Rom, 80. Januar.(Eig. Ber.) Nach einer Meldung der..Tribuna" bedecken die Ruinen MessinaS eine Fläche von drei Quadratkilometern und haben eine mittlere Höhe von 10 Metern! Das von dem Schutt bedeckte Stratzennetz hat eine Längsausdehnung von 80—00 Kilometern, und unter den Trümmern sind noch gegen 00000 Tot begraben und mehrere 100 Mil- lioncn an Wertpapieren, Geld, Schmuckgcgenständcn und sonstigen Wertsachen. Diese Zahlen geben eine annähernde Vorstellung von den technischen, hygienischen und juristischen Schwierigkeiten, die sich der Räumung des ungeheuren Trümmerfeldes entgegenstellen. Auch jetzt, wo wohl alle Nienschenqual unter den Trümmern zur Ruhe gekommen ist, bildet die Frage ihrer Beseitigung ein geradezu riesenhaftes Problem, das erst langsam in seiner ganzen Größe zum Bewutztsein kommt. Der zu Anfang aufgetauchte Gedanke, die Stadt zu bombardieren, ist fallen gelassen worden, aber es fehlt noch an jedem ausführbaren Vorschlag über das nächste Schicksal der toten Stadt. Die Arbeiten beS Kriegsgerichts. Rom, 30. Januar 1909.(Eig. Ber.) In den ersten Tagen hat sich das Kriegsgericht in Messina r.nd in Reggio nur mit kleinen Prozessen beschäftigt und geringe Strafen verhängt. In allen Fällen hat man das Strafmah deS gemeinen StrafrcchtS zugrunde gelegt, in der richtigen Er- wägung, datz die Einrichtung des Kriegsgerichts lediglich durch/die Vernichtung der ordentlichen Gerichte, nicht durch einen Zustand des Aufruhrs in der Bevölkerung bedingt worden war. Hart waren einige Strafen insofern, als manche Fälle als Diebstahl bestraft wurden, die in normaler Zeit nur den Tatbestand der Fundunterschlagung gezeigt hätten, hart auch insofern, als das Kriegsgericht nicbt von der bedingten Verurteilung Ge- brauch machen kann, welchen Mangel hoffentlich eine ausgiebige Anwendung des königlichen Begnadigungsrechtes ausgleichen wird. Schwere Strafen wurden nur gegen zwei Soldaten verhängt: Ein Artilleriesoldat, namens Scafitti, hatte nach seiner Rückkehr aus Messina versucht, Echmuckgegenstände zu verkaufen. Da er sich über ihren Erwerb nicht ausweisen konnte, ist e» lvahrschein» lich, datz er sie unter den Trümmern gefunden hat. Er wurde zur Degradieruna und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein weit schwertter Fall ist in Reggio zur Verhandlung gekommen: Der Soldat Volenti vom 81. Infanterieregiment, das zur Hilfs- altion nach Reggio kommandiert worden war, war von einem Karabiniere getadelt worden, weil er Katzen und Hunde totschotz, in einer Weise, die die Sicherheit der Personen gefährdete. Der Getadelte hatte eine unverschämte Antwort gegeben, worauf der Karabiniere ihm drohte, ihn seinem Vorgesetzten anzuzeigen. Kaum hatte der Karabiniere den Rücken gewendet, so schätz der Soldat ihn nieder! Zwei Soldaten waren Zeugen dieses Auf- tritteS. Der Strafantrag des Staatsanwalts lautete auf Tod durch Erschießen, aber das Kriegsgericht bewilligte dem Soldaten mildernde Umstände zu und erkannte auf lebenslängliches Zucht- haus. Die Tat des Soldaten unterstand übrigens auf alle Fälle dem Kriegsgericht, da es sich um einen Soldaten im aktiven Dienst handelte. parlamcntarilcbcö* Drucksachen. Aus dem Reichstag.(Nr. 11 SS) Vortrag über den Bau ber Eisenbahn von Seeheim»ach Kalkfontein und Abkommen über die Aufstellung des ausführlichen Entwurfs und Kostenanschlags für den Bau der Eisenbahn von Lome nach Atalpame, sowie über den Bau der Teilstrecke Lome— Game. Hus der parteu Natalie Liebknecht, die treue Gefährtin unseres„Alten", die w«ckere Genossin und begabte Schriftstellerin, hat, wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, gestern— im 69. Lebensjahre— ihre Augen zum ewigen Schlummer geschlossen. Im Juli des Jahres 1868 ward der Ehebund geknüpft, den am 7. August 1900 Wilhelm Liebknechts Tod zerriß. Ter Name der Entschlafenen ist mit unserer Pärteigeschichte eng verknüpft. Natalie war unserem großen Vorkämpfer eine feste Stütze in den Nöten des Lebens, seinen Töchtern erster Ehe und den fünf Söhnen, die sie ihm gebar, eine treffliche Mutter, eine geduldige und er- folgbeglückte Erzieherin. Um achteinhalb Jahre hat sie den Gatten überlebt, den wir am 12. August 1900 zur letzten Ruhe betteten. Jetzt wird auch ihr Leib eine Stätte finden an dem Platze, den das deutsche, das internationale Proletariat in treu-dankbarem Gedenken dem .Alten" und seiner Lebensgefährtin bereitet hat. Parteikonferenz der Sozialdemokratie Rußlands. Vor kurzem hat die noch auf den Sommer 1008 festgesetzte, aber infolge verschiedener Hindernisse erst jetzt möglich gewordene Parteikonferenz der Sozialdemokratie Rußlands stattgefunden. Aus dem Bericht des Zentralkomitees über den Verlauf der Kon- fercnz geben wir folgende Schilderung lder Situation in den Organisationen wieder: "„Ueberall ist ein numerischer Rückgang der Organisationen zu verzeichnen. Das Wüten der Reaktion hat sie überall ge- zwungen, zur geheimen Arbeit zurückzukehren und alle Kräfte auf die Wiederherstellung des konspirativen Apparates zu kon- zentrieren. Mit jedem Tage wird legale Arbeit. Benutzung legaler und halblegaler Gelegenheiten zu einer breit angelegten Arbeit in den Massen unmöglicher: Gewerkschaften, Arbeiterllubs, Genossenschaften, Bildungsvereine werden von der Regierung unterdrückt und die sozialdemokratische Betätigung in ihnen bis zum Nullpunkt herabgedrückt. Die wirtschaftliche Depression, die Organisation des Kapitals in Syndikate und Trusts machen einen Angriffstampf der Arbeiter fast unmöglich und beschränken ihn beinahe ausschließlich auf Verteidigung. Die Flucht der In- tclligenz, die sich während des revolutionären Aufschwunges der Partei angeschlossen hatte, trägt zur Verschärfung der Krisis in den Organisationen bei: überall ist ein Mangel an intelligenten leitenden Kräften fühlbar." Doch sieht der Bericht diesen„toten Punkt" bereits für über- wunden an:„Die Flucht der Intelligenz führt dazu, daß die Arbeiter selbst die Leitung übernehmen.... Viele Organisationen entbehren völlig der Intelligenz; alle leitenden Funktionen werden von den vorgeschrittensten Arbeitern ausgeübt.... Ueberall, in Petersburg und Moskau, auf dem Ural, bei der Polnischen Sozial- demokratie und dem Jüdischen Arbeiterbund wird die illegale, ge- Heime Organisation wieder aufgebaut.... An vielen Orten er- scheinen Pretzorganc, die sich völlig in den Händen von Arbeitern befinden. Tie Masse der zur Verbreitung gelangenden Literatur ist zwar an sich nicht groß, aber doch im Wachsen begriffen." Von den beschlossenen Resolutionen verdient besonders die- jenige über die Organisationsfrage hervorgehoben zu werden, die die Ansichten der Fraktion der Bolschewiki wider- spiegelt:„... Der Schwerpunkt mutz jetzt in der Schaffung und Stärkung der geheimen Parteiorganisationen liegen, und nur unter ihrer fortwährenden. Einwirkung kann die Arbeit in den Massen sowie die Beeinflussung der Dumafraktion und die mit ihr verbundene Tätigkeit der ganzen Partei und auch die Aus- Nutzung legaler und halblegaler Organisationen auf eine richtige Grundlage, ohne jede Schmälerung der Klassenaufgaben der Sozial- demokratie, gestellt werden." Die Resolution über die Tätigkeit der Dumafraktion zählt eine Reihe von der Fraktion gemachter Fehler auf und stellt eine Regel auf. wonach die Sozialdemokratie in der Duma gegen die Bndgetposten für sogenannte Kulturaufgabcn stimmen mutz, da überhaupt alle mit burcaukratischcr und polizeilicher Bevor- mundung der arbeitenden Klasse verbundenen Reformen zu vcr- werfen sinK Nur in besonders wichtigen Fällen soll Stimm- enthaltung zulässig sein. Ferner wird eine schärfere Be- tonung des Klassenstandpunktes, kritische Beleuchtung der Rolle der bürgerlichen Opposition, größere Ausnutzung der Duma als Agitationstribüne in allen die Arbeiterklasse und Partei be- wegcndcn Fragen verlangt. In der Resolution über die gegenwärtige Situation und die Aufgaben der Partei verdient Aufmerksamkeit der Punkt, in dem „das allseitige Studium und breite Popularisation der Erfahrungen des Massenkampfes von 1905— 1907, die die Richtigkeit der rc- volutionärcn sozialdemokratischen Taktik betätigt haben", für not- wendig erklärt wird._ Das zchnjährige Jubiläum feierte am 1. Februar unser Ober- Lansitzer Parteiblatt: die jetzt in der Druckerei der„Volkszeitung" in Zittau hergestellte„Görlitzer VolkSzcitung". Sie erschien aus dem Anlaß als Festnummer in starker Auflage und wurde zum Sonntag als Agitationsnummer ausgetragen. Bekannt- lich bemühen sich die Genossen des Görlitzer Kreises mit großem Eifer um die Errichtung einer eigenen Druckerei, in der sie ihr Blatt künftig selbst herstellen wollen. Der angesammelte Fonds ist jetzt auf rund 50000 M. angewachsen. Wir wünschen unserem Bruder- blatl viel Glück zu weheren Erfolgen. Eine Beilage für die Schuljugend gibt, nach dem Vorbild unseres Essener Parteiorgans, jetzt auch unser Duisburger Parteiblatt, die.M> e d e r r h e i n i s ch e Arbeiter- Zeitung", seit dem 1. Februar wöchentlich einmal(Mon- tags) heraus. Die Beilage führt den Titel„Kinderfreund". Sie will der Unterhaltung und nützlichen geistigen Anregung der heranwachsenden Jugend dienen, die Liebe zur Natur pflegen und tvecken, kurzum, ein Samenkorn sein, das gute Früchte trägt im Interesse eines wahren, freien Geschlechts. NeichStagSkandidatur. Als RcichStagSkandidat für den 3. sächsi- schon ReichstagSwahlkreise Bautzen wurde an Stelle deS Genossen Höppner, welcher langjähriger Kandidat des Kreises war, der Genosse Arbeitersekretär B u ck- Dresden ausgestellt. poli-eilicbes, Oerickmlchea ukw. WahlrcchtSprozcß. Vom Dresdener Schöffengericht wurde am Montag ein WahlrechtSdemonstrant, Genosse Hippe, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, weil er in der Erregung über das Vorgehen der Gendarmen, die am 17. Januar auf Fliehende noch eingeschlagen haben,„Bluthund" gerufen hat. Der kommandierende Polizeileutnant sagte auS, daß er das Kommando zum Einhauen nicht gegeben habe, daß die Gendarmen also von selb st auf die Demonstranten loS- esch lagen haben I DaS sah daS Gericht als mildernden Um- fand an. Wie schnell doch die Jnstiz„arbeiten" kann, wenn sie mal will! Klus der fraueubewegung. Der Zentralverband der Industriellen gegen Arbeiterinnenschutz. Der unter Führung deS bekannten Herrn Bueck stehende„Zentral- verband der Industriellen" hielt in vergangener Woche eine General- Versammlung ab, in der u. a. auch die Frage deS Arbeiterinnen- schntzes, natürlich nach scharfmacherischer Manier, behandelt wurde. Nach einem Referat des LiegierungsratS Dr. BartelS-Aerlin gelangte eine Resolution zur Annahme, in der eS heißt: Die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller legt entschiedene Verwahrung gegen die überstürzte Beschlntzfaffung über hie Sondergewerbenovelle. Reichsgesetz vom 28. Dezember 1903, R.-G-Bl. S. 667, durch Reichstag und Bundesrat ein. Bei den der Regierung und dein Reichstage rechtzeitig bekanntgegebenen Bedenken gegen dieses Gesetz, durch welches namentlich die Textilindustrie in verschiedenen LandeStcilen schwer geschädigt wird, wäre zu erwarten gewesen, daß man vor der endgültigen Verabschiedung sich nochmals mit den Interessenten verständigt hätte._ Da durch daS bezeichnete Gesetz die bisher zulässige Arbeits- zeit für weibliche Arbeiter erheblich gekürzt wird, gewinnt be« sondere Bedeutung die Gefahr weiterer Einschränkimg der Arbeits- daner durch die Ausdehnung des Fortbildungsschulzwanges auf weibliche Ardeiter bis zu 18 Jahren. Es ist genügend belannt, daß die Entschließungen deS Zentral- Scharfmacherbundes in sozialen Fragen nicht von sachlichen, sondern von politischen Erwägungen, aus der Perspektive des Herrn-im-Hausc- Standpunkts, diltiert sind._ Grubenarbeiten»«««. Uebcr daS traurige LoS der Grubenarbeiterinnen im Zeitz« Weißenfelser Braunkohlenrevier schreibt eine Genossin in der„Gleichheit" u. a.: „So werden zum Beispiel die Frauen bei dem Abladen des Grubenholzes von den Loren beschäftigt, einer Arbeit, die so an- strengend ist und solche Bewegungen mit sich bringt, daß sie höchst nachteilig auf den weiblichen Organismus wirken muß. Sie schleppen die die sogenannten Kappen und Türstöcke, die oft bis 7 Ve Fuß messen, Baumstämme, die 12—14 Meter lang sind, und anderes Grubenholz. Auch das Ausstapeln der„Pfähle" wird fast anö- schließlich Frauen und Mädchen zugewiesen. Diese müssen dabei aus den Stapeln herumllettern, während unten die Arbeiter hin und hergehen. Den Unternehmern fällt es nicht ein, daß dies oft genug zu Roheiten und Bemerkungen Anlaß gibt, Ivelche das Schamgefühl, das Sittlichkeitsempfinden der Arbeiterinnen tief verletzen. In der Hölle, in welche die Ausbeutung das Leben vieler Proletarier verwandelt, haben nicht alle die Kraft, zu Engeln zu werden! Die Herren Kapitalisten aber, die doch sonst so besorgt um die Sittlichkeit der Arbeiterklasse find, nehmen an den skandalösen Zuständen keinen Anstoß, die auch beim Verladen der Briketts zutage treten. Die Arveit ist'— davon abgesehen, daß sie zu große Anforderungen an die Kräfte stellt— auch nicht ungefährlich. ES gibt keine Leitern, okt fehlen auch die Trittbretter an den Loren, so daß die Arbeiterinnen, wenn sie hinauf oder herunter wollen, wahre Seil- tänzerinnslstiickchen vollbringen müssen. Beim Versetzen der Naß- preßsteine, die in zwei Etagen in den Schuppen aufgebaut werden, klettern die Frauen wie Katzen an den Latien hin und ber. Auch die sonstigen Arbeilsvcrhättnisse sind ungemein traurige. Ost kommt es vor, daß die Mädchen, die mit dem Abnebmen der Briketts be- schäftigt sind, von 6 Uhr morgens bis 6'/z Uhr abends ununler- brochen schuften, weil die Ablösung fehlt, DaS karge Essen müssen sie dann während der Arbeir hiiiuiitcrivürgen. Von einer Pflege der Kinder kann bei den Grubenarbeiterinnen natürlich keine Rede sein. Mütter lassen sich während der Frühstücks- und Vcsperpausen ihren Säugling auf die Grube bringen, um ihm die Brust zu reichen. DeS Mittag« hasten sie nach Hanse, Ivo sie außer den Kindern noch den Haushalt zu besorgen haben. Es liegt auf der Hand, daß bei solchen Verhältnissen weder die Mütter noch die Kinder gedeihen lönncn. Ein frühes Siechtum der Frauen, eine entsetzliche Säuglingssterblichkeit sind die traurigen Folgen. Sellen erreicht die Sterblichkeit in einem ländlichen Be- zirke eine solche Höhe wie bei unö. So starben 1903 in Lnckrnan bei einer Einwohnerzahl von 5000 Personen 550 Kinder im Alter bis zu vier Jahren. Es ist schon vorgekommen, daß die Volksschule ein halbes Jahr lang ge» schlössen werden mußte, weil so viele Schüler krank waren." Als Folge der gefährlichen. Gesundheit zerrüttenden Arbeit sieht man dort verkrüppelte halbinvalide Frauen der geschilderten „Berufsarbeit" nachgehen. Daß solche Fronen geistig und körperlich gesunde Kinder zur Welt bringen, ist natürlich ausgeschlossen. So wird dem Kapital Volkskraft und Volksivohl skrupellos geopfert. Und was für Reichiiimer tragen die Frauen alS Grubenarbeiterinnen nach Hause? Im Braunkohlenrevier stellt sich der Schichtenverdiensi der Arbeiterinnen im 3. Quartal 1903 auf durchschnittlich 2,07 M. Die höchsten Löhne erzielten Arbeiterinnen im Salzbergbau in Clausthal, wo sie eS auf 2,62 M. Dnrchschnittsvcrdienst brachten. Viel schlechter werden die weiblichen Arbeitskräfte im Erzbergbau und auf den Steinkohlengruben bezahlt. Hier schwanken die Schichtverdienste zwischen 1,64 M. bis hinab zu 1,11 M. Solche Löhne werden erzielt bei Arbeitszeiten von meist 10 Stunden und mehr; teilweise gibt es gar noch 12-Stuliden-Schichtcn. In Oberschlesien, wo fast 6 Prozent der Gesamtbelegschaft Arbeiterinnen sind, betrug für die angegebene Zeit der Durchschnitlsschichtcnverdienst 1.26 M. Auch der FiskuS frönt in der Praxis erbärmlicher Be- zahlung der weiblichen Arbeitskraft. Die amtlichen Nachweise ergeben für die Jahre 1901 bis 1007 und für die drei ersten Quartale 1908 folgende Durchschnittslöhne pro Schicht: 1.14, 1,11, 1,10, 1,13, 1,17 1,24, 1,25 M. Eine nette Illustration zu der Phrase von der gott- gewollten Ordnung!_ Der Berliner Verband der Hausangestellten zählt nach seinem letzten Jahresbericht 561 Mitglieder, gegen 456 am 1. Januar 1008. 204 Neuaufnahmen stehen 178 Streichungen gegenüber. Es ist sehr wichtig, der Verbandsleitung regelmäßig jeden A d r e s s e n w c ch s e l mitzuteilen; das wird leider immer wieder vergessen. Die Ein- nahmen betrugen 2513,13 M., die Ausgaben 2798,42 M. Der Kassenbestand beträgt 1811,74 M. An tränte Mitglieder wurden 42 M. Unterstützung gezahlt. In zahlreichen Fällen wurde Rat und Hilfe gewährt. Die Monatsschrift erscheint in einer Auflage von 2000 Exemplaren und wird von elf Vereinen bezogen. Der Verband veranstaltete regelmäßig monatliche Mitgliederversammlungen mit belehrenden Vorirägcn. ferner fünf öffentliche Versammlungen, zwölf Unterhaltungssonntage, die zugleich der Agitation dienten. In dem Jahresbericht wird der Opferwilligkeit und Mithilfe der Arbeiter- franen anerkennend gedacht. Die Berliner Organisation blickt auf eine zehnjährige Tätigkeit zurück, aber erst seit dem Jahre 1906 gwgen die Hausangestellten ihre eigenen Wege, bis dahin wurden sie von bürgerlichen Damen, die den Verein gegründet hatten, geleitet. Leseabeud am Mittwoch, den 3. Februar: Lankwitz, bei E b e l, Marienfelder Straße 9. eingegangene oriichsdirltten. Zeitschrift für Sozialwiffenschaft. Hcst 1. HerauSgeqeven von Dr. I. Mols. Monatlich ei» Heist. Vierteljährlich 5 M. A. Daichert Nachf, �Die Aussichten des technischen Berufs.' Von Dipl.-Jng. W. Stil. K. Sohlich. Berlin NW. 52.— Frmienfrage und die kommende Mädchenschulrcsorm. Bon H. Nosc- brock. 1 M.— L. Simion Nchs., Berlin S\V. 48.— Die Schönheit. Hejt 9. Herausgegeben von K. Vanselow. Jährlich 12 Hcste. 5,—. M. Selbstverlag Berlin SW. 11. Metsterdilder. Blatt 181—188. a 25 Ps. Herausgegeben vom Kunst- wart. G. D. W. Callwey, München. Beim Einkauf achte man darauf, daß jeder Vürfel auf der Umhüllung den Namen HÄG Gl und die Schutzmarke �(Nreuzstern) trägt. Andere Würfel sind nicht von MAGG1. teppdecken Sozialdemokratifcher Rixdorf. Ste Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin, Oranienstr. 158 in den Farben = Wahlverein Heute, Dienstag, den 2. Februar 1909, abends 8 Uhr, im Lokal von Frik Hoppe, Hermannstraße 49: General- Versammlung. Zagesordnung: 1. Bericht des Vorstands. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Bibliothekskommission und Neuwahl derselben. 4. Neuwahl des gesamten Borstandes und der Funktionäre. 5. Die Kreisgeneralversammlung und Wahl der Delegierten. 6. Wahl der Delegierten für die Verbandsgeneralversammlung von Groß- Berlin. 7. AusschlußMitgliedsbuch legitimiert. 485 675 anträge. 8. Bereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Inventur- Extrapreise! Similiseidel Wollatlas v635 750 rot, blau, oliv Bunte NormalSchlafdecken 165 250 350 Wolldeckenextracting 300400 Inventur- Extraliste billiger Sonderangebote gratis u. franko. Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer,. nar Mariannen- Straße 2. Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. 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Mit Ihrem Cacaol bin ich sehr zu frieben. Ich habe dasselbe sehr empfohlen und werde es auch weiter tun, ich habe mich so daran gewöhnt, daß ich es gar nicht mehr entbehren kann. Jerisau bei Glauchau, den 18. Mat 1908. Frau Minna Schmiedel Partei- Speditionen: Zentrum I: Griz 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: bert a hnisch. Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, est en: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch. parterre. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes sage allen Beteiligten, insbesondere ben Stottegen der Firma E. Mittag meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Hulda Lorenz. Witwe Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Gottfried Kuhn = sage ich den Verwandten und Befannten, dem 6 Wahlkreis( Bezirk 704), dem Metallarbeiter Verbande, den Meistern, Kollegen und Kolleginnen der A. E. G., Aderstraße, meinen besten Dant 286/16 # Die trauernde Witwe Lina Kuhn geb. Kuhn Dalldorfer Straße 11/12. Möbelfabrik ,, Adler" eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Dienstag, den 16. Februar 1909, abends 7, Uhr, im Geschäftslokal, Frankfurter Allee 143: General- Versammlung. 1. Vorlegung der Bilanz. 2. Neu: wahl des Vorstandes und Aufsichtsrats. 3. Geschäftliches. 103/10 Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 415 Teil II. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unsere Genossin Anna Peters Hufelandstraße 40 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung fand am Sonnabend, 30. Januar, in Friedrichs. felde statt. 215/11 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Frankfurter Biertel. Bezirk Nr. 308. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Gustav Strauß Palisadenstr. 71 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3 Februar, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Auferstehungs- Kirchhofes Dr. Schünemann in Weißenfee aus statt. Spezial- Arzt für 56232 Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2. 5-7, Sonnt. 10-12 Ubr. Um rege Beteiligung ersucht 215/10 Der Vorstand. Deutscher Dr. Simmel Holzarbeiter- Verband Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Süden und Südwesten: Hermann Berner, Prinzenstr. 41, dicht am Gneisenaustr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. Cacaol ift in 1 Bfd.- Paketen zu 1.4. Wahlkreis: Diten: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am Süstrinerplay. Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplas 14/15 in Pfd.- Pateten zu 50 Pfennig durch alle einschläg. Handlungen zu beziehen. 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Februar, nachmit tags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Um rege Beteiligung ersucht 78/13 Die Ortsverwaltung. Dampf- Wäscherei Schneewittchen iebrichsfelbe aus ſtatt. Weißensee, Friedrichstr. 39/40. Telephon: Weißensee 203. Husten Heiserkeit, Katarrh, Keuchhusten beseit. Kaiser's Brust- Caramellen. 5500 not. begl. Zeugn. bew. den sich. Erfolg. Paket 30 Pfg. Kaiser's Brust- Extrakt Flasche 90 Pfg. Zu haben in Apotheken und Drogerien. E Hohen- Neuendorf: Wilhelm Tentscher, Berlinerstr. 8. Johannisthal: Bielide, Kaiser- Wilhelm- Blak 4. Karlshorst: Richard Küter, Rödelftr. 9, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. Köpenick: Emil Bißler, Stiegerstr. 6, Laden. Lichtenberg, Friedrichsfelde,' Wilhelmsberg: Seitel, Kronprinzenstraße 4, I. Dito Mahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdorf, Walderfeestr. 14. Mariendorf: August 2eip, Chauffeeftr. 296, Hof., Neu- Weißensee: Sturtuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Nieder- Schöneweide: Bonatowsty, Haffelwerderstr. 8. Nowawes: Wilhelm Jappe, Priesterstr. 46. Ober- Schöneweide: Auguft enjes, Laufenerstr. 2, L. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenstr. 73. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh und P. Gursch, Rameleftr. 12, I. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schönholz: Rummelsburg, Boxhagen: 2. Rosenfra n 3, At- Borhagen 56. Schmargendorf: Gustav seaminsty, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Spandau: öppen, Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenan Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Näuschstraße 10. Teltow: Wilhelm See Bler, Sobersteinweg 7. Tempelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, Stiefholzstraße 412, Laden. Wilmersdorf- Halensee: Zölle, Sigmaringenftr. 5. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte werden geliefert. Berlin SO. 16, Annahme von Inseraten für den ,, Vorwärts". H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kohlenarbeiter Paul Stiller am 30. v. s. in Ater von 25 Jahren an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, von der Leichen halle des neuen Luther- Kirchhofes in Lantwit aus statt. 65/8 Die Verwaltung 2. Todes- Anzeige. Am 30. Januar entschlief nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, der Steinfeger Leopold Herzog. Um stille Teilnahme bitten Witwe Anna Herzog geb. Manig, nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Februar, 3 Uhr, von der Halle des städtischen Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Die Beerdigung meines lieben Bruders, des Steinjehers Leopold Herzog findet am Mittwoch, den 3. Februar, 3 Uhr, von der Halle des städtischen italt. 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Die reale Grösse des Besitzes der preußischen Landwirte ergibt sich erst vollständig bei einem Vergleich zwischen Kapiralvermögen, Gesamtvennögen und Verschuldung. Allerdings mil einer Einscbränlung. Die Feststellung der Verschuldung ist ohne weiteres eine viel genauere als die des reinen Kapitalvermögens, da ja die genaue Angabe der elfteren eine Verminderung, die des letzteren eine Erhöhung der zu tragenden Steuerlasten bedeutet. Es kann aus dem Verhältnis der Sckmlden zu den eigentlichen Kapitalien auch nicht ein absoluter Rück- schluh aus die Verschuldung und die wirtschaftliche Lage der ländlichen Grundbesitzer gezogen werden. Einmal weil eine zahlenmäßig hohe Verschuldung des Grundbesitzers noch lange nicht eine traurige Lage zu bedeute»' braucht. Die Schuld ist in ihrer Form oft eine dauernde, die tatsächliche Schuldverpflichtung drückt sich dann in der Rentenform aus. In Berechnung kommt die Gesamtschuld, wirklich fühlbare Schuld ist die dauernde Verzinsungspflicht. Oder man denke sich den Fall, daß ein Landwirt für die von ihm ausgeliehenen Kapitalien einen höheren Zinsfuß erhält, als er für die ihm ge- liehenen zu zahlen hat. Die nachfolgende Zusammenstellung ergibt einen Ueberblick des Kapitalbesitzes, der Verschuldungsverhältnisie und des Gesamtvermögens für selbständige Landwirte im Haupt- und im Neben- betrieb noch Besitz- und nach Einkommensgruppen geteilt. Die Zahlen sind durchschnittlich berechnet. Grundeigentümer mit— aus der Land- oder Forstwirtschaft. Im Gesamtstaate steigt hiernach das Kapitalvermögen fZahlen- reihe ö) der selbständigen Landwirte im Hauptberufe zugleich mit der Größe des Grundbesitzes, aber weniger von der kleinbäuerlichen zur mittclbäuerlichen Besitzgruppe, als von letzterer zur großbäuer- lichen und noch viel mehr von dieser zur Großbesitzgruppe hin. Bei den selbständigen Landwirten im Nebenberufe sehen wir den weitaus bedeutendsten Kapitalbetrag in der Gruppe A sHausbesitz), ihr folgen erst in weitem Abstand die Gruppen v und 0 und nach nochmaligem weiten Abstand erst Gruppe D. Bei den haupteewerblichen Land« Wirten ist der Schuldcnbctrag(6) in allen Besitzgruppen bedeutend höher als das Kapitalvermögen. In allen Besitzgruppen zusammen find sie rund um neun Zehntel höher als das Kapitalvermögen. Beim kleinbäuerlichen Besitze stellen sich die Schulden mehr als doppelt, bei dem mittel- und großbäuerlichen Besitze dagegen rund zweieindrittel Mal so hoch als das Aktivkapital. Am günstigsten steht der Großgrundbesitz da, dessen Schulden nur etwa um% bedeutender sind als sein Kapitalvermögen. Bei den Landwirten im Nebenberufe finden wir in den Gruppen A, B und C mehr Kapitalvermögen als Schulden. Nur die Gruppe V(Handwerk oder Lohnarbeit) macht davon eine Ausnahme, die Schulden überwiegen ganz erheblich, die Gesamtzahl zeigt eine ungefähr övprozentige Verichuldung. Die Prozentzahl der überhaupt unverschuldeten Landwirte(2) im Hauptberufe fällt stark und stetig mit jeder größeren Besiyklasse. Bei den nebengewcrblicbcn Landwirten steht die Gruppe B(Beamten-, Offiziers- usw. Stellungen oder freie Berufe) am wenigsten verschuldet da, dann kommt Gruppe V und A, am meisten verschuldet ist C l Gewerbebetrieb). Das Gesamtverhältnis ist bei dem Neben- erwerb etwas günstiger als beim Haupterwerb. Schon weiter oben sagten wir, daß eine Gegenüberstellung von Kapitalvernlögen und Verschuldung nicht die richtige Wertung der wirtschaftlichen Situation der Landwirte ergeben kann. So ist ja bei den Landwirten im Haupterwerb und der Gruppe v im Neben- erwerb die Verschuldung immer bedeutend größer als das Kapital- verntögen. Ein Ueberblick über die wirkliche Verschuldung ist schon zu er- halten durch Vergleich mit der Zahlenreihe 4, sie zeigt, wievielProzent des Gesamtvermögeus das Kapitalvermögen ausmacht. Einen vollständigen Ueberblick über die eigentliche Verschuldung des Gesamt- Vermögens zeigt die Zahlenreihe 10. Wie beim Großgrundbesitz der Landwirte im Haupterwerb erreicht sie bald ein Drittel, in den drei anderen Besitzgruppen ist sie noch niedriger. Und gerade bei den erstgenannten trifft das am allerwenigsten zu. waS einleitend gesagt wurde, daß sich die Schulden am ehesten und häufigsten in Renten- Verpflichtung umbilden. Die Verschuldung des Gesamtvermögens nach Einkomniengruppen(7— 9) zeigt für die Einkommen von über 3000 M. noch bedeutend günstigere Verhältnisse, die Großgrundbesitzer mit diesem Einkommen sind mit noch nicht drei Zehntel ihres ge- samten Vermögens verschuldet. Fe tiefer in allen Besitzgruppen das Einkommen, um so höher ist die Verschuldung. Dieselbe Steigerung ergibt sich zwischen den einzelnen Besitzgruppen. Bei den Grundeigentümern mit Nebenerwerb au? der Land- oder Forstwirtschaft ist das Kapitalvennögen im Vergleich zum Ge« samtvcrmögen nur ein einhalbmal größer als beim Haupterwerb. Die Gesamiverschuldung ist insgesamt um ein Drittel geringer. Am günstigsten steht die Gruppe A(Hausbesitz) mit etwas über ein Achtel des GesamtbcsitzeS. am ungünstigsten Gruppe V(Handwerk oder Lohnarbeit). Sie steht aber immer noch besser als der Großbauern- besitz im landwirtschaftlichen Haupterwcrb. Wenn man die Gruppie- rung von A bis zu D als soziale Schichtung ansehen will, so ergibt sich insgesamt eine regelmäßige Steigerung der Verschuldung nach v. der sozial tiefsten Schicht zu. währenddem die durchschnittliche Ver- ....•-----------------— nur die höchste 1 Die Teilung erfolgte nach Grundsteuerreinertragsklaffen. Klein- bauern umfassen die Grundstenerrcinerträge von 60— 90 M.. Mittelbauern 90—300; dann 300—1500 und Großgrundbesitz über 1500. 8 A ist die Gruppe der Besitzer mit Nebenerwerb aus Land- oder Forstwirtschaft und Haupterwerb aus Hausbesitz, B aus Beamten-, Offiziers- usw. Stellungen oder freien Berufe», 0 aus Gewerbebetrieb und v aus Handwerk oder Lohnarbeit. (Gewerbebetrieb), die mit über die Hälfte des Besitzes am stärksten verschuldet ist, die in dieser Summe zusammengefaßten Existenzen stellen wohl da? Kleingewerbe dar. Auch in der näcbsten Einkommen- gruppe ist der Gewerbebetrieb am höchsten verschuldet. Eine Gegenüberstellung der Grundeigentümer im Haupt- und im Nebenerwerb ergibt für die Einkommengruppen bis 900 und 900—3000 M. für die letzteren die höhere Verschuldung, für die Einkommengruppe über 3000 M. dagegen für die ersteren. Im Gesamtdurchschnitt steht der Nebenerwerb häufiger, er steht auch ganz bedeutend besser im Verhältnis seiner Verschuldung zum Kapital- vermögen, das letztere ist nahezu noch einmal so groß. Bei dem landwirtschaftlichen Haupterwerb bleibt es um rund neun Zehntel zurück. Das die volkswirtschaftliche Situation der ersteren damit als beweglicher gekennzeichnet ist, ergibt sich von selbst. Die Kapitalvermögen und Verschuldungen im Verhältnis zu den Gesamtvennögen im Gesamtstaat für landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerb gemeinsam und mit Unterscheidung nach östlichen und westlichen Landcsteilen ergibt die folgende Zusammenstellung: Grundeigentümer mit Haupt- und Nebenerwerb aus der Land- oder Forstwirtschaft: 5 6 7 8 9 10 In den Landesteilen Umfang des Grundbesitzes in Hektar....... unverschuldet.. � verschuldet... g Kapitalververmögen ist£S- Teil vom Gesamt-« vermögen Kapitalvermögen lin M. Schuldenbetrag\ 1000 Verschuldung des Ge-.bisOOÖ samtvermögens in d. I 900 bis Eiiikommen-Gruppe I 3000 nnn M'üb. 3000 von M.. insgesamt 7—9 östlichen westlichen 44.4 8.2 91,8 16,6 9.3 19,5 44,6 40,4 29,3 Z4.7 20,6 45.7 54,3 22,1 12.1 9.0 23,3 19,3 13,3 16,3 Gesamt- staat za.z 39,4 69,6 19,8 11,0 13,3 34,2 27,2 20,3 23,9 DaS Kapitalvermögen der Landwirte ist im Westen bedeutend größer.— auch der Anteil desselben am Gesamtvennögen— als daS der östlichen Landwirte. Dagegen ist der Grundbesitz im Osten l1/® mal größer als im Westen. Dies ist mit daraus zu erklären. daß im modern entwickelten Westen der große Latifundien- und Fidcikommißbesitz fast ganz fehlt. Der Schuldenbetrag ist im Osten mehr als doppelt so hoch als im Westen. Ein noch viel schärfer aus« geprägtes analoges Verhältnis besteht in den Zahlen der Ver- schuldeten und Unverschuldeten in den beiden Landesteilen. Die Verschuldung des Gesamtvermögeus ergibt für den Gesamt- staat 23,9 v. Hundert. Auch in diesen Zahlen, nach Osten und Westen getrennt, ergibt sich für die letzteren eine bedeutend bessere wirtschaftliche Situation. Nach Einkommensgruppen geteilt, ergibt sich für die kleinsten Einkommen die größte Verschuldung, wieder mit dem krassen Unterschied zuungunsten des Ostens. Bei den 900 bis 3000 M. Einkommen ist der Gegensatz noch stärker, die Verichuldungs- höhe in beiden Landesteilen um einiges niedriger. Die höchsten Ein- kommen sind bedeutend weniger verschuldet, im Osten aber immer noch reichlich das Doppelte als im Westen. Also ganz allgemein ist der Osten, der Hort der preußischen Monarchie, die Heimat deS eigentlichen Junkertums, volkswirtschaftlich schlechter gestellt, bedeutend verschuldeter als die westlichen Landes- teile. Diese volkswirtschaftliche Tatiache entspricht ja wohl auch der im Osten gehegten politischen Anschauung. Daher auch die o st- elbischen Regierungsmaximen. Und sie kann dabei noch auf erlauchte Tradition blicken, die zurück bis auf Friedrich II, den Großen, geht. Er trachtete nach der Annexion Schlesiens und Westprenßens, die er wirklich erreichre, nach der Aneignung Sachsens und Vorpommerns, die ihm versagt blieb, aber die westlichen Besitzungen des Staates, die industriell entwickelt, über die mittelalterliche Trennung der Geburtsstände unwiderruflich fortgeschritten, die hat er immer als Last empfunden. Daß erst heute sich ein westlicher Luftzug in Preußen be- merkbar niacht, nachdem sogar schon im fernen Osten seine Tätigkeit zu spüren ist, hat der preußische Staat sicher auch nicht seinem Osten zu verdanken. Hus Induftric und Ftandcl. Streiflichter auf die Krise. Deutschland. Feierschichten im Ruhrkohlengebiet, Ansamm- lung von Vorräten in der Roheisenindustne, in den Stahl- und Walzwerken charakterisieren die Situation. Die weiterverarbeitenden Industrien haben wenig zu tun, Eisengießereien, Waggonbausabriken, Werften sind schwach beschäftigt. Das gleiche gilt von den Baum- Wollspinnereien und-tvebereien, von der chemischen Industrie (Farbenfabriken) und in der elektrischen Branche. Zwar ist beim Siegener Eisensyndikat Ende 1903 eine Ermäßigung der Einschränkung eingetreten; in, allgemeinen ist die Lage aber gedrückt und die Aussichten auf Befferung nicht groß. Auch die ungeklärte politische Situation lähmt die Unternehmungslust. Nordamerika. Wie die Dinge in den„Vereinigten Staaten" liegen, ersieht man aus den Ziffern der Ein- und Aus- Wanderung. Im verflossenen Jahre war der transatlantische Passagierverkehr kleiner als im Jahre 1904 und selbst diese Höhe wurde nur dank einer großen und sogar überwiegenden Anzahl von Rückwanderern erreicht. Südamerika. Von Argentinien und Uraguay abgesehen. liegen die geschäftlichen Verhältnisse in den meisten Staaten un- günstig. Was Brasilien anbelangt, so hatte die Emission der Kaffee- ValorisationSanleihe einen glänzenden Erfolg. Auch auf dem Kaulschukmarkt hat sich ein Umschwung vollzogen. Im Süden Brasiliens sind die Häutepreise gestiegen. Alle diese Momente heben die Kaufkraft des Landes. Zentralamerika. Mexiko hat sehr unter dem Preisrückgang seiner Ausfuhrprodukte gelitten. DaS gilt auch von Kuba, Haiti, Domingo und Kolumbien. Hier sind niehrere Eisenbahnlinien teils fertiggestellt, teils im Bau. In Venezuela wirken noch ebenso wie in Haiti die politischen Unruhen nach. Doch sind alle diese Länder nnt ihrer reichen Tabak-, Zucker-, Kakao-, Kaffeekultur Territorien, die für die Zukunft vieles verheißen. O st a f i e n. In Singapore werden die Arbeiten an dem neuen Hafen, für welchen 40 Millionen Mark ausgeworfen worden sind. mit allen Kräften gefördert. Auch in Penang werden große Auf- Wendungen für die Hafcnanlagen gemacht. In naher Zeit steht die Eröffnung der Eisenbahn zwischen diesen beiden Plätzen bevor. In China hat der Warenmarkt einen Tiefstand erreicht wie seit langer Zeit nicht. Zum Glück lauten die Nachrichten über die Seiden-, Baumwoll- und Neisernte günstig und cS ist daher die Hoffnung auf eine Steigerung der AufnahmSfähigkcit begründet. A u st r a l i e n. Das Sinken der Weltpreise hat Kapitalmangel hervorgerufen. Die neue Saison hat die Preise etwas gebessert, und auch die neue Getteideernte läßt sich befriedigend an. Das wichtigste aber ist, daß sich Australien langsam zu industriealifieren beginnt. Südafrika. Neuerdings ist mit dem Export von Natalkohle begonnen worden. Die Getreide- und Mehlprodnktion wird forciert. Von großer Bedeutung sind die Verhandlungen über den engeren Zusammenschluß der südafrikanischen Kolonien zu einem Staaten- bunde. Ein Bild des deutschen Wirtschaftsjahres 1903 enttverfen die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin in dem soeben im Verlage von G. Reimer, Berlin, erschienenen neuesten Jahrgange ihres „Berliner Jahrbuchs für Handel und Jndustie". Um für den Auf« und Abstieg des wirtschaftlichen Lebens einen fortlaufenden zahlen- mäßigen Maßstab zu gewinnen, werden wie alljährlich drei Ziffern herangezogen: die Inanspruchnahme der ReichSbank durch die In- dustrie, der Andrang an den Arbeitsnachweisen und die Verkehrs- einnähme der Eisenbahnen. Die Summen, welche die Industrie von Monat zu Monat der Reichsbank entnimmt, sind im allgemeinen ein Gradmesser für die Lebhaftigkeit) mit der neue Unternehmungen gegründet, ältere er- wettert werden; je größer die Ziffer der Inanspruchnahme ist, desto lebhafter der Geschäftsgang, je kleiner sie ist, desto sicherer kann man auf eine geschäftliche Abwärtsbewegung rechnen. Vom April ab senkt sich die Kurve der Inanspruchnahme immer tiefer unter die des Vorjahres, entsprechend der Verminderung von Tätigkeit und Geldbedarf bei der Industrie. Am gleichmäßigsten kommt der Konjunkturrückgang in dem Andrang an den deutschen Arbeitsnach- weisen zum Ausdruck. Berechnet man, wie viel industrielle Arbeit- suchende an den deutschen Arbeitsnachweisen sich um je 100 offene Stellen bewerben, so kann man folgern: Je größer die Zahl der Bewerber ist. desto matter der Geschäftsgang, je niedriger, desto lebhafter. Die Kurventafel II gewährt ein Bild, dessen Ueber- einstimmung in allen ztvölf Monaten des Jahres keinen Zweifel läßt. In jedem Monat war die Zahl der Arbeitslosen, die sich um 100 offene Stellen bewarben, höher als in dem entsprechenden Monat des Vorjahres. Daraus ergibt sich, daß während des ganzen Jahres 1903 der Bedarf der Industrie an Arbeitern und also auch ihre Beschäftigung wesentlich geringer war als im Vorjahre. "•* Gegen eine Arbeitslosenversicherung dosierte die Landwirtschafts- kammer der Provinz Schlesien in einer Resolution, in der sie mit aller Entschiedenheit sich gegen alle Bestrebungen wendet, welche dahin zielen, unter Verwendung staatlicher Mittel eine Arbeitslosen- Versicherung einzurichten._ Kündigung von Angestellte». Nach einem Gerücht, das am Montag an der Börse kolportiert wurde, sind bei Orcnstein u. Koppel am 1. Februar 12 Angestellte gekündigt worden; per 15. Februar soll eine noch weit größere Zahl die Kündigung erhalten. So werden die Verhältnisse der An- gestellten aufs beste geregelt._ Die Seife wird teurer. Eine in Liinburg abgehaltene Ver- sammlung der Seifenfabrikanten von Hessen-Nassau usw. beschloß, die Seifenpreise um vier bis sechs Mark pro 100 Kilogramm zu er- höhen. Ueber die Bautätigkeit der Schiffswerften des In- und Auslandes liegen jetzt Gesamtzahlen vor, die nur die Fahrzeuge berücksichtigen, die je mindestens 100 Tonnen faßten. Es wurden erbaut: Handelsschiffe Kriegsschiffe Großbritannien 929 669 49 560 Britische Kolonien..... 34 181— Vereinigte Staaten.... 304543 52850 Deutsches Reich...... 207 777 97 660 Frankreich........ 83 429 21 600 Japan......... 59 725 2 245 Holland........ 58 604— Norwegen........ 52 839 550 Italien......... 26 864 29 400 Oesterreich-Ungarn..... 23 502 15 613 Dänemark........ 19 172— Nußland........— 8 800 klebrige Länder...... 32 981 47 574 Das Deutsche Reich hat natürlich mit dem Bau von Panzer« kähnen den Vogel abgeschossen! Soziales. Offene oder geschlossene Damcnicinkleider? Schadenersatzklage des Arbeitgebers. In der Montagssitzung des Gewerbegerichts klagte die Firma Dienstag u. Wolff gegen die bei ihr als Zuschneiderin beschäftigt gewesene Arbeiterin K. auf Schadenersatz iu Höhe von 36 M. Die Beklagte soll einen Schaden von 72 M. verursacht haben. Die Klägerin fordert die Hälfte des Schadens. Die Beklagte habe zu geschlossenen Damenbeinkleidern Zuschnitt liefern sollen, aber solchen zu offenen geliefert. Beklagte behauptet, der Kommissionszettel sei zu undeutlich ausgeschrieben worden. Dadurch sei dieser Irrtum entstanden. Da der gelieferte Zuschnitt zu offenen Beinkleidern, die nicht bestellt waren, weiter verarbeitet ist. wird auf die Gepflogenheiten im Bc- triebe der Klägerin näher eingegangen. Es ergibt sich, daß die Finna die von den einzelnen Arbeiterinnen gemachten Arbeiten ohne jede Kontrolle und Durchsicht in die Hände der zunächst daran arbeitenden Arbeiterinnen weitergehen läßt. Die die Arbeiten begleitenden Kommissionszettel finden oft keine Beachtung. Demnach würde es. wie ein Beisitzer zutreffend sich äußerte, möglich sein, an Stelle bestellter Beinkleider Nachtjacken zu liefern. Das Gericht wies die Klägerin mit ihrem Klageanspruche ab. Zur Begründung wurde ausgeführt: Klägerin hat der Be- klagten die Arbeit abgenommen, ohne dieselbe zu bc- Mängeln, was ja auch der Umstand beweise, daß diese Arbeit weiter verarbeitet wurde. Ferner habe aber die Klägerin am Zu- standekommen des Schadens mitgewirkt, indem sie die Arbeit, ohne sie durchzusehen, von weiteren Arbeiterinnen fertigstellen ließ. In einem ordnungsgemäßen Betriebe wird aber die Arbeit regelrecht abgenommen und durchgesehen. Das hat Klägerin unterlassen: sie war deshalb mit ihrem Anspruch unter Beachtung deS Grundsatzes des§ 254 des Bürgerlichen Gesetzbuches abzuweisen, der vorschreibt: „Hat bei der Entstehung deS Schadens ein Verschulden deS Be- schädigten mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersätze sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, ins- besondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teile verursacht worden ist. Der sächfische BergfiskuS als„Wohltäter". Im kgl Stcinkohlenwerk Zauckerode wurde ein außerordentlich charakteristisches Zirkular bekannt, das wieder einmal zeigt, wie«vor- sichtig" man ist, um keinen anderen Altsdruck zu gebrauchen, wenn es sich darum handelt, den schwer schuftenden Grubensklavcn auch einige„Wohltaten" zu erweisen. Welch' eine Unmasse Kautelcn müssen da erst erfüllt werden, ehe ein kgl. sächsischer Bergarveiter in den Genuß gelangt, das zeigt der Wortlaut. Hier ist das Nassische Dokument kgl. sächsischer Unternchmer-Wohltätigkeit: Bekanntmachung. Der Arbeiterausschuß des kgl. StcinkohlenwerkeS hat am 13. März 1903 bei der Direktion ein Gesuch eingereicht, daß den Arbeitern des Werkes im Sommer jedes Jahres ein Er- holungSurlaub mit Schichtlohncntschädigung gewährt werden möchte. Darauf hat das kgl. Fiiianzministcrium durch hohen Beschluß vom 23. Dezember 1908 zu Nr. 2540 Bcrgregistrande die Direktion des kgl. Steinkohlenwerkcö und das kgl. Oberhütten- amt zu Freiberg ermächtigt, den Arbeitern der ihnen unterstellten Werke vom Jahre 1910 an alljährlich einen Erholungsurlaub unter Fortgetvährung von Lohn zu erteilen. Hierbei sind die nach- folgenden Bestimmungen zu beachten: I. Erholungsurlaub kann solchen Arbeitern gewährt werden, bei denen unter der Voraussetzung zu II nach dein Ermessen der Werksverwaltung wegen der Natur der von ihnen zu verrichtenden Arbeit �das Bedürfnis einer mehrtägigen Er- holungSzeit vorliegt. Ein Anspruch aus Er- holungsurlaub besteht nicht. _ II. Der Erholungsurlaub ist nur solchen Arbeitern zu ge- währen, die sich gut geführt haben, mindestens 86 Jahre alt und seit mindestens zehn Jahren auf staatlichen Berg- oder Hütten- werken beschäftigt sind. HI. Die Dauer des Urlaubs ist auf längstens drei Tage zu bemesjen. IV. Die Zeit des zu erteilenden Urlaubs bestimmt die Werksverwaltung, sie hat dabei, soweit möglich, den Wünschen der Arbeiter Rechnung zu tragen. V. Für jeden Urlaubstag ist dem Beurlaubten der im vorher- gehenden Kalenderjahre erzielte durchschnittliche Tagesverdienst derjenigen Arbeiterklasse zu gewähren, welcher der Beurlaubte angehört. Zauckerode, am 7. Januar 1909. Direktion des königl. SteinkohlenwerleS. G e orgi. Man sieht, der Herr„BergfiskuS' hat sich gut vorgesehen, dasj kein Unwürdiger in den Genuß der ungeheuerlichen Wohltat ge langt: 85 Jahre alt, 10 Jahre Tätigkeit in staatlichen Diensten und wenn diese Vorbedingungen erfüllt sind, dann kommt die„gute Führung" und das— Bedürfnis. WaS man unter„guter Führung" eines kgl. sächsischen Grubenarbeiters versteht, ist zu be> kannt: ES heißt soviel wie nichtorganisiert, werksfromm. rückgrat los usw. Das schönste von allem ist und bleibt das Bedürfnis. Heiliger Bimbam l Als ob dieses Bedürfnis für einen Arbeiter, der zehn Jahre im Grubenbetriebe Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt, nicht mindestens so vorhanden wäre, wie bei einem königlich sächsischen Geheimrat I——— Bom»eignen Hausstand" im Sinne der Landgemrindeorbnung. Sowohl die Landgemeindeordnung für die sieben östlichen Pro vinzen als auch die für Hessen-Nassau besagen, daß jemand die für das Gemeinderecht(Wahlrecht usw.) vorausgesetzte Selbständigkeit dann besitzt, wenn er einen eignen Hausstand führt. Dem Diamant- schleifer Stock, der in Langendiebach bei seiner Mutter wohnte, wurde die von ihm beantragte Aufnahme in die Gemeindewähler- liste versagt, weil er keinen eignen Hausstand habe und daher dem Erfordernis der Landgemeindeordnung in bezug auf die Selb- ständigkeit nicht genüge. Stock klagte im Berwaltungsstreitverfahren und machte geltend, er bewohne in dem kleinen Häuschen seiner Mutter ein besonderes Zimmer und genieße bei ihr des Morgens den Kaffee und Abends das Nachtessen, während er tagsüber in Hanau als Diamantschleifer tätig sei. Für das Logis, den Morgenkaffee und das Nachthssen zahle er der Mutter 5 M. pro Woche. Sie sei eine alte Frau und aus seine Unterstützung angewiesen; allein könne sie sich überhaupt nicht ernähren. Er dagegen sei mit einem Jahreseinkommen von SiOOO M. zur Steuer veranlagt und müßte demnach sogar in die zweite Wählerklasse hinein. Die beklagte Gemeindevertretung erwiderte, daß Kläger keinen eigenen Hausstand habe, sondern zum Hausstand der Mutter ge- höre. Er hätte keinen eigenen. Wohn- und Schlafraum, sondern wohne und esse im genicinsamen Hausstand seiner Mutter und seines Bruders, eines Schmiedemeisters. Es wäre mit Bestimmtheit anzunehmen, daß das Bett und die Bettwäsche Eigentum der Mutter seien. Der Kreisausschust und der Bezirksausschuß in Kassel wiesen die Klage ab. Es wurde angeführt, daß nach den eigenen Angaben des Klägers anzunehmen sei, daß er dem Hausstand der Mutter an- gehöre und deshalb nicht als selbständige Person gelten könne. Daß er seiner Mutter für die ihm gewährte Beköstigung und Unterkunft eine Entschädigung gewähre, ändere daran nichts. Das sei so üblich, toenn erwachsene Kinder bei ihren Eltern wohnten. Selbständig werde er auch noch nicht, wenn der Verdienst eine Höhe erreiche, welche die Gründung eine» eignen Hausstandes ermöglichen würde. Das Oberverwaltungsgericht, vor dem Rechtsanwalt Dr. E. Roscnbcrg den Kläger vertrat, hob die Urteile der Borinstanzcu am Freitag auf und entschied, daß der Kläger in die Wählerliste aufzunehmen sei. Zur Begründung wurde ausgeführt: Wenn die Landgemeindeordnung den Begriff der Selbständigkeit dahin inter- pretiere, daß man einen„eignen Hausstand" führen müsse, so sei damit nicht gesagt, daß man unter allen Umständen allein den eignen Hausstand führen müsse. Es sei sehr wohl möglich, daß ein gemeinsamer Hausstand unter Führung eine? Verwandten, zu dem man in einem Respektsverhältnis stehe, als ein eigner anzu- sehen sei. Das sei hier der Fall. Der Kläger zahle einen festen Beitrag zu dem von der Mutter geführten Haushalt und nehme daran teil. Es hanoele sich um einen solchen gemeinsamen Haus- stand, in den, Kläger selbständig sei, so daß Kläger seinen„eignen Hausstand" führe. Er sei als selbständig im Sinne der Land- gcmeindeordnung anzusehen. SericKts- Leitung. Eine heimtückische Denunziation üildete den Hintergrund einer privaten Beleidigungsklage, die von dem Rentenempfänger Richard Pietz(Urban- straße 118) gegen unseren Genossen K ö ck e r i tz, zweiten Vor- sitzenden des sozialdemokratischen Wahlvereins im Reichs- tagSwahlkre.ise Berlin II, angestrengt worden war. Dem Wahlverein gehört die Frau eines Arbeiters Braatz an, der von seinem früheren Arbeitgeber, einem Herrn Schmidt (Firma Schmidt u. Zorn, Luckauer Str. 1t) aus Anlaß eines Un« falleS eine Zeitlang eine kleine Unterstützung erhalten hat. Bei diesem Herrn Schnudt lief eines Tages ein anonymer Brief ein, der ihn belehrte, Braay sei Sozialdemokrat, auch sei er aus der Kirche ausgeschieden. Die Absicht des Briefschreibers war offenbar die. Braatz dem Herrn Schmidt zu denunzieren und darauf hinzu- loirken, daß der ihm die Unterstützung entzog. Die Zu- schrift ließ das deutlich genug durchmerken, und diese Wirkung ist denn auch erzielt worden. Genossin Braatz gehört auch dem Verein der Frauen und Mädchen der arbeitenden Klasse an. Nach- dem sie an einem der Diskussionsabende die Briefaffäre zur Sprache gebracht und auch der Wahlverein Kenntnis davon er- halten hatte, entstand dort der Verdacht, daß die Frau d e S Herrn Pietz die Verfasserin oder Absenderin des Briefes sein könnte. Da Frau Pietz gleichfalls dem Verein an- gehörte und auch an den Diskussionsabenden teilnahm, so mußte der Sache auf den Grund gegangen werden. Beide Frauen wurden vorgeladen. Frau Pietz bestritt, die Denunziation geschrieben zu haben, sie gab aber zu, daß sie den Inhalt kannte. Sie stellt auch nicht in Abrede, daß sie Ivegen des Briefes Hern, Schmidt mit ihrem Mann zusammen aufgesucht hatte. Sie habe sich, sagte sie, den Brief einmal zeigen lassen wollen, weil man sie der Verfasserschaft bezichtigte. Dabei habe sie dann dem Herrn Schmidt den Inhalt, der ihr bereits von anderer Seite mitgeteilt worden sei. als gutreffend bestätigt. In der Untersuchung wurde auch der Verdacht ans- gesprochen, daß vielleicht Herr Pietz der Verfasser sein könnte. Als Genoffe Köckeritz die Frau Pietz fragte, ob sie ihren Mann nicht von solcheit Handlungen zurückhalten würde, antwortete sie, das könne sie nicht. Schließlich sagte Köckeritz. man muffe in der Tat fast an- nehmen, daß sie selber den Brief geschrieben habe. Wegen dieser Aeußerung wurde gegen Genossen Köckeritz B e- leidigungsklage angestrengt, aber nicht von Frau Pietz. sondern von Herrn Pietz, und auch von ihm nicht etwa wegen Beleidigung seiner Frau, sondern wegen vermeintlicher Beleidigung feiner eigenen Person. Vor dem Schöffengericht Berlin- Tempelhof, daZ gestern die Klage verhandelte. erNärte der Kläger, von Köckeritz sei er als Verfasser des Briefes bezeichnet ivorden, er habe ihn aber nicht geschrieben, daher fühle er sich be- leidigt. Köckeritz, dem als Verteidiger der Rechtsanwalt Genosse Heine zur Seite stand, wies eS als unwahr zurück, daß er Pietz genannt habe, und trug den Sachverhalt vor, wie oben angegeben. In der Beweiserhebung wurde seine Darstellung unterstützt durch die Aussagen der Genossin Frl. Ottilie Baader, der Genossin Fr. Emma Simon und des Genossen S ch w e m k e. Dem- gegenüber bekundete Frau Pietz, Köckeritz habe ihren Mann der Verfasserschaft bezichtigt. Zu der Frage des Verteidigers. ob sie wisse, wer denn den Brief geschrieben habe. machte der Vorfitzende die Zeugin darauf aufmerksam, daß sie die Antwort verweigern könne, wenn sie dadurch sich oder ihren Mann preisgeben müßte. Sie erklärte, antworten zu wollen, und versicherte nun. den Verfasser kenne sie nicht. Der Vcr- Leidiger hob hervor, der vom Kläger eingereichte Schriftsatz erinnere in der Art seiner Darstellung und im Stil sehr an den Brief Herr Pietz erklärte hierzu, der Schriftsatz rühre her von einem ihm befreundeten Klempner. Nachdem Herr Pietz den Vorschlag des Vorsitzenden, seine Klage noch jetzt zurückzunehmen, abgelehnt hatte, beantragte der V e r- leidiger die Freisprechung. Köckeritz habe nicht von Herrn Pietz, sondern von Frau Pietz gesprochen. Bewiesen sei übrigens, daß auch Herr Pietz die Deimnzration zum mindesten dem Herrn Schmidt„bestätigt" habe, wie ja von seiner Frau zugegeben worden sel. Unter allen Umständen sei dem Beklagten§ 193 zuzw billigen(Wahrnehmung berechtigter Interessen), denn als Vorstands' Mitglied habe er alles tun müssen, um ein etwa unter den Mitgliedern befindliches ehrloses Subjekt, wie der Verfasser j error schmählichen Denun- ziation es sei, zu ermitteln. Das Gericht be gründete die Freisprechung des Genossen Köckeritz dahin, daß die Beweiserhebnng nicht ergeben habe, daß er den Herrn Pietz genannt hatte. Zu bedauern ist, daß dieser ganze Prozeß auch d a S nicht ergeben hat, wer jener heimtückische Denunziant war. Prozeß Riedel. Gestern begann der erneute Prozeß gegen den Dr. phrl. Viktor Riedel im kleinen Schwurgerichtssaale vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I. ES handelt sich nur noch um den Fall deS SittlichkeitsverbrechenS gegen daö Mädchen Else Kaminski. In diesem Fall hat das Reichs- gericht das auf zwei Jahre lautende Urteil der Strafkammer auf- gehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung an die Vor- instanz zurückverwiesen. Der Angeklagte, der zurzeit den rechts- kräftig gewordenen Teil deS ersten Urteils— zwei Jahre Zuchthaus— verbüßt, wird aus der Strafanstalt in der Lehrter Straße vorgeführt. Er trägt noch seine eigene Kleidung und auch der Barl ist ihm noch nicht abgenommen worden, damit seine Relognition durch die Zeugen nicht erschwert werde. Den Vorsitz im Gerichtshof fuhrt wieder Landgerichtsdirektor Dr. Lieber, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Schindler, der Angeklagte wird von den Rechtsanwälten Dr. Alsberg und Dr. H a l p e r t verteidigt. Es sind 74 Zeugen geladen, als Sachverständige wohnen der Nervenarzt Dr. P l a c z e k und Dr. med. L e p p m a n n der Verhandlung bei. Vor Verlesung des EröffnungSbeschluffeS verliest der Angeklagte einen längeren Ablehn ungS- antrag gegen die Richter, die ihn verurteilt haben, nämlich den Landgerichtsdirektor Dr. Lieber, den Landgerichtsrat N e u m a n n und Gerichtsassessor Schauenburg. Angeklagter stellt sich als Opfer falscher gegen ihn geltend gemachter Zeugen- aussagen und gehässiger Verfolgung seitens der Kriminalpolizei hin. Er sei morallich, physisch und materiell zugrunde gerichtet und länipfe nun um das letzte, um sein Leben, denn ehe er wieder in das Zuchthaus gehe, eher erdrossele er sich mit seinen eigenen Händen. Die Richter können ihm sein Leben nehmen, aber seine Seele nicht, und diese werde einst anklagen, was ihm geschehen. Ihn halte das Bewußtsein seiner Unschuld empor, sonst stände er nicht mehr vor den Richtern. Die Belastungszeugen in dem Prozeß hätten falsches Zeugnis abgelegt. Dieses und vieles andere wisse das Gericht und der Staatsanwalt und trotzdem werde die Wiederaufnahme abgelehnt. Zum Schluß bemerkt der Angeklagte mit großer Emphase:„Vielleicht ipreche ich heute zum letztenmal, und so erkläre ich nochmals, was auch geschehe, bei dem allmächtigen Gott, daß ich unschuldig bin und unschuldig verurteilt worden bin und daß ich diesen Herren Richtern in der Verhandlung wegen Befangenheit weder eine Antwort, noch Auskunft geben kann. Gott gebe, daß eS noch gerechte Richter am Kammergericht gibt, wenn nicht, dann bin ich nnwiderruflicki dem Tode verfallen und eines Tages werde ich diese Richter vor GotteS Thron wegen zn Unrecht verübten Mordes an mir anklagen. Meine Unschuld ist erwiesen und ich werde von der Justiz gemordet Staatsanw. Dr. Schindler bemerkt: Zu einer Ablehnung von Richtern gehöre doch mehr, als bewegliche Klagen darüber, daß eine dem Angeklagten unwillkommene Enrscheidung ergangen sei. Daraus lasse sich noch lange nicht eine Befangenheit der Richter herleiten. Rechtsanwalt Dr. A l s b e r g: Er halte es nicht für zulässig. über den Ablehnungsantrag zu plädieren, denn dafür seien die Richter, die hier sitzen, nicht zuständig. Er verzichte deshalb darauf, vor ihnen über diese Frage zu plädieren und dem Staatsanwalt zu erwidern. Zur Erledigung des Ablehnungsantrages verkündet der vor- sitzende hierauf eine einstündige Pause. Nachdem die Sitzung wieder eröffnet worden, verkündet der Landgerichtsrat Rimbach als Vorsitzender der mit drei Richtern besetzten Kammer, die die drei abgelehnten Richter gehört hat, daß der Ablehnungsantrag des Angeklagten unbegründet sei und die abgelehnten Richter sich in ihren Aeutzerungen für unbefangen erklärt haben. Nachdem die Mitglieder der Strafkammer unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Dr. Lieber wieder am Richtertisch Play genommen, erfolgt die Verlesung des EröffnungSbeschluffeS, durch welchen der Angeklagte beschuldigt wird, in zwei Fällen mit der«och nicht 14 Jahre alten Else KaminSki un- züchtige Handlungen vorgenommen zuhaben. Auf Antrag des Staatsanwalts beschließt das Gericht den Ausschluß der Oeffentlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung. Für die Verhandlung sind vorläufig sieben Tage angesetzt.__ Ei» nächtlicher Straßenraub ag einem Strafprozeß zugrunde, mit welchem gestern das Schwur- gericht deö LandgenchtZ III unter Vorsitz des LandgerichtSdireklors Liebenow seine erste diesjährige Tagung begann. AuS der Unter- snchnngShast wurde der Schiffer Johann Wangler vor- geführt, welcher sich wegen schweren Raubes zu verantworten hatte. Der Angeklagte ist nicht weniger als 18mal vorbestraft, darunter allein 7mal wegen Diebstahls und vmal wegen Körperverletzung.— Am Abend deS 23. Oktober v. I. hatte der Arbeiter R. aus Charlotten bürg, der in einer Fabrik in Spandau beschäftigt ist, nach Feierabend eine Dierrcise unternommen, die schließlich in einem Lokale mit Bedienung von„zarter Hand", welches den Namen„Cafä Niedlich" führte, ihr Ende fand. Der in einem sehr vorgeschrittenen Stadium der Alkoholisieruug be- sindliche R. wurde hier mit dem Angeklagten bekannt, der ihn einlud. auf fernem Kahn zu übernachten. R. lehnte dies zu seinem Glück ab, da ihm der neue Bekannte doch etwas verdächtig vorkam. Auf dem Heimwege folgte der Angeklagte dem Schwcrbczechlen. In einer menschenleeren Gegend fiel er dann plötzlich hinter- rücks über R. her. schlug ihn zu Boden und entriß ihm daS Portemonnaie, welches etwa zwölf Mark enthielt. Durch die Hilferufe des Ueberfallenen wurde eine Schutzmannspattouille ailfmerksam, die den dreisten Räuber sofort verfolgte und verhaftete» Während der An- geklagte in seiner ersten Vernehmung ein Geständnis abgelegt hatte, behauptete er jetzt vor Gericht, in sinnloser Trunkenheit gehandelt zu haben. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde der Angeklagte wegen Straßenraubes unter Zubilligung mildernder ll in st ä n d e zn 2 f/z Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust unter Anrechnung von 3 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft verurteilt._ Ein Heiratsschwindler, der in der verwerflickfften Weise die Leichtgläubigkeit heiratslustiger Mädchen ausgebeutet hatte, mußte sich in der Person des Glaser- m c i st e r s Paul August Klein aus Wilmersdorf vor der 2. Straflammer deS Landgerichts III. wegen wiederholten Betrugs verantworten. Der Angeklagte ist verheiratet, lebte aber von seiner Frau ge- trennt. Die Ehe ist erst im Juli v. I. geschieden worden. Schon lange Zeit vorher suchte Klein auf alle mögliche Weise die Bekannt- schafl heiratslustiger Mädchen zu madben, denen er die Ehe ver- sprach. So lernte er im Jahre 1904 die Krankenpflegerin H. kennen, der er viel von seinen Bauten erzählte, für die er viel Geld gebrauche. Schon nach kurzer Bekanntschaft borgte er die Leichtgläubige um 120 Mark an. Als er dann nach und nach etwa 2000 Mark, die gesamten Ersparnisse von der H. erhalten hatte, gab er dem Mädchen den Laufpaß. Noch schlimmer erging es mehreren anderen Mädchen, die nicht nur ihr Geld losgeworden sind, sondern auch noch von dem Angeklagten ein lebendiges„Andenken" erhallen haben. In der Verhandlung erschienen drei Mädchen, die von Klein in der schändlichsten Weise betrogen wurden und nun mit ihren Kindern sich mühselig durch daS Leben schlagen müssen. Irgendwelche Ansprüche gegen den Angeklagten zu erheben, hat sich als zwecklos herausgestellt, da 51. selbst nichts besitzt.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß die Mädchen nicht geschädigt seien, da er ihnen Forderungen, die er an ver- schiedene Bauunternehmer habe, zediert habe. DaS Gericht hielt den Angeklagten jedoch des Betruges für überführt. Als einziger Milderungsgrund wurde nur die bisherige Unbescholtenheit des An- geklagten angesehen. DaS Urteil lautete auf drei Monate Ge- f ä n g n i s._ Unterschlagung von Ortskrankcnkassengeldern. Der 26 Jahre alte frühere Rechnungsführer Rich. Wojciechowski hatte sich am Freitag vor der Posener Sttaskammer zu verant- Worten. Dem Angeklagten, der bis dahin S ch r e i b e r auf dem Landratsamte Posen-West war. wurde im November 1906 die Kassenführung der Ortskrankenkasse für den KreiS Posen-West übertragen. Mit dem 1 16.60 M. betragenden Einkommen vcnnochie der Angeklagte nicht auszukommen. Seinen Geldbedarf deckte er gleich nach Uebernahme der Kasse, in- dem er sich von den Einnahmen fortgesetzt Beträge von zwanzig bis fünfzig Mark aneignete. Die Fehlbeträge deckte er durch falsche Eintragungen in die Kassenbücher. Zum Teil unterließ er auch die Eintragungen. Diese Unterschlagungen setzte der Angeklagte bis zum Mai 1907 fort, wobei ihm zu statten kam, daß die monatlichen assenrevisionen n ur se h r oberflächlich vorgenommen wurden. Die Jahresaufstellungen machte der Angeklagte dadurch stimmend, daß er Rechnungen von Apothekern, Krankenhäusern und sonstigen Lieferanten, und über den Empfang der oft recht hohen Beträge die Quittungen der Empfangsberechtigten fälschte. Im Mai 1907 kamen die fortgesetzten Defraudationen ans Tageslicht. Als die telephonisch beorderten Polizeibeamte» zur Verhaftung deS Defrau- danten schreiten wollten, hatte dieser durch einen Sprung aus dem Fenster des Kassenlokals die Flucht ergriffen und gelang eS auch nicht, des Flüchligen habhaft zu werden. Erst im Oktober 1908, also nach anderthalb Jahren, wurde sein Aufenthalt ermittelt und W. in Untersuchungshaft genominen. Der Fehlbetrag in der Kasse wurde in Höhe von 2600 M. festgestellt. Im Termin war der Angeklagte in vollem Umfange geständig. Der An- klagevertreter beantragte 2l/s Jahre Gefängnis. Das G e» r i ch t erkannte auf anderthalb Jahre. Durch die Unter- schlagungen ist der K r e i S s e k r e t ä r K r e t s ch m e r in Mitleiden- schaff gezogen worden, weil dieser für den Angeklagten Bürgschaft geleistet hatte und aus dieser zur Erstattung der unterschlagenen Summe in Anspruch genommen wurde. Vermiscktes. SchiffSunfälle, bei denen eine Anzahl Menschen den Tod fanden, werden uns vom gestrigen Tage gemeldet: Melbourne, 1. Februar. Der Dampfer„Chan Ranalde", mit Weizen nach Adelaide und Durban, ist bei Edithburgh total wrack geworden. Von der Mannschaft sind 46 Personen, meist Asiaten, ertrunken. Skagen, 31. Januar. Die norwegische Brigg„Steed" ist heute nacht bei Skagen gestrandet. Nur der Steuermann konnte sich retten, während die übrigen acht Mann der Besatzung erttanken. Wegen hoher See war es den auSgesandten Rettungsbooten umnöglich, zur Brigg zu gelangen. Die Vernichtung des marokkanischen Dorfes. Hierüber wird in Ergänzung unserer Meldung noch auS Ceuta berichtet: Nach weiteren Meldungen von Eingeborenen aus Tetuan wurde der Erd- stürz, der das Dorf Ramara vernichtete, durch ein äußerst heftiges Erdbeben hervorgerufen, daö sich den Bewohnern des Distrikts durch unterirdisches Rollen angekündigt hatte. Während die Talbewohncr noch rechtzeitig flüchteten, wurde daö am AbHange liegende Ramara vom Geröll, unter dem sich mächtige Steinblöcke befanden, ver- schüttet, ehe sich die Menschen dort retten konnten. Man glaubt, daß alle Dorfbewohner den Tod gefunden haben. Eine Frueröbrunst zerstörte, wie aus Canton gemeldet wird, die Flottille der Bluinenboote. Hundertsiebzig verkohlte Leichen wurden gefunden, eine Anzahl Personen werden noch vermißt. 19 Personen ertrunken. AuS Mailand wird vom gestrigen Tage gemeldet: Eine Barke mit 19 Personen, darunter 17 Frauen, kreuzte gestern abend den Fluß Adda bei Calolzio, als das Fahrzeug kenterte. Da sich kein Boot in der Nähe befand, war jede Rettung unmöglich. Alle 19 ersonen ertranken. Die verunglückten Frauen waren Spinnerei-Arbeiterinnen._ Amtlicher Marktbericht der ftÄdtilchen MarktbaNen-DireMon über den Grogbandel in den Zentral-Marttballcn, Markilage: Fleisch: Zuluhr stark, Geschäst flau, Vreiie für Ochsenfleisch anziehend, sonst iniver- ändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Preiie fast unverändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Gefchäst lebhast, Preise bcsriedigcnd. Fische: Znsuhr gering, Geschäft lebhast, Preise im allge- meinen bcsriedigcnd. Bulter und Käse: Gelchäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obit und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, besonders in Blumenkohl, Gcschäjt ruhig, Preise wenig verändert. gÄttternngStibcrstcht vom l. Februar Ivos, morgens S Uhr. Swlnemde. 748 W Hamburg 749 W Berlin 749 NW Frantla.M 755 SSW München j 76(5 88 Wien'754S8 I heiter I halb 65. 4 bedeckt 4 bedeckt 7 Schnee 2 bedeckt —6 Havarnnda 748 SO —2 Petersburg 748 TO -3' Scillh 7K5WNW 760 NNW i 761 WSW 2 halb bd.'— 13 2 Schnee—12 4 wolkig 2 wolkig 2 bedeckt i 0'iberoetn — 4 i Parti — 3j t USetterprognole für Dienstag, de« S. Februar Ivos. Zeltweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Schneesällen frischen nordwestlichen Winden; gelinder Frost. Berliner Setterbnrea» und Briefkaften der Redaktion. Die juriftifche Evrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, DF Fahrstuhl wochentäglich abende von 7 bis 9 hr ftatt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 br. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. O. M. 30. Wird noch an anderer Stelle Verwendung finden, einen ähnlichen Fall wie den Ihrigen veröffentlichen wir. H. P. Das Buch Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 2. Februar: Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Cavelleria rusticana. Bajazzi. Königl. Schauspielhaus. Dot. Deutsches. Die Lehrerin. Stammerspiele. Elektra. ( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Ubr. Mrs. Neues Schauspielhans. Rabagas. Berliner. Einer von unsere Leut'. Neues. Die fremde Frau. Leffing. Der Stönig. Kleines. Moral. Romische Oper. Tiefland. Sebbel. Revolutions hochzeit. Lustspielhaus. Seine fleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller o. Walner oeutel.) Das fleine Heim. • Sch iter Charlottenburg. Das Erbe. Friedrich Wilhelmstädt. Pfarrer von Kirchfeld. Westen. Der tapfere Soldat. Thalia. Mein Leopold. Luisen. Der Hypochonder. Der Trianon. Der Satyr. Nenes Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Moie. Brüderlein fein. T Gastspiel Theater. Der Hüttenbefizer.( Anf. 8 Uhr.) Bürgerl. Schauspielhaus. Der liebe Dnfel. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. [ betitelt fich die Wohlfahrtseinrichtungen Berlins und feiner Bororte.|-.. 70. L. ist nicht Offizier, B. bezieht kein Gehalt. K. B. Der Verlag von Julius Springer, Berlin. Preis 1,50 2.23. S. 4. Nein. Grobe Unfugsparagraph tommt in Betracht. K. 100. Versuchen Sie 2. 23. 118. Es tann der Offenbarungseid verlangt werden, auch kann es durchzusehen, daß nur ein entsprechender Teil zu zahlen ist. Die werden, weil er für den Unterhalt troz Aufforderung durch zu zuständige der Termin nicht angejekt sein. die Bestrafung des Betreffenden bei der Staatsanwaltschaft beantragt Aussichten für den Kläger find aber günstig. Auf Sonntag fann Behörde nicht Sorge trägt. Da muß ein Irrtum bor A. K. 21. Melden Sie die Forderung bei liegen. 5. 3. 33. 1. Ja. 2. Etwa 15 Mart. A. A. Nein. dem Patentamt an. Dort erhalten Sie auch nähere Auskunft. D. K. M. S. 31. 1. Ja. 2. Leider nein. 3. Nein. 4. Sie können beim AmtsDer Ihnen von der Versicherungsanstalt erteilte Bescheid ist zutreffend. gericht Erbauseinandersetzung beantragen eventuell flagen. Wegen des 2. 1. Nein, Sie können aber weiter versichern. Das geschieht das Sostenpunttes ist aber ein Vergleich in Güte entschieden vorzuziehen. durch, daß Sie für je zwei Jahre mindestens zwanzig Marken fleben. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Das kleine Heim. Drama in 3 Aft. b. Thaddäus Rittner. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das kleine Heim. Donnerstag, abends8ubr: Das Erbe. Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Mittwoch, abends 8 Ubr: Komtesse Guckerl. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide Täglich! Großes 108-114 Täglich! Bockbier- Fest in den bayerischen Alpen. Rutschbahn. Feenhafte Riesendekoration. Wasserfall. Baron Muckl's Bauernkapelle, Max vom Heede's Meistersinger. 30 bayerische Madl. Jeden Dienstag, Mittwoch Gr. Tanz- Reunion. und Donnerstag: Dienstag, Elitetag: Heute, 2. Februar: Prämiierung des jüngsten Ehepaares. 3 Barpreise: 50 M., 30 M., 20 M. Näheres siehe Anschlagsäulen. Anfang 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. Brauerei Friedrichshain Heute sowie täglich: Große Münchener Bock- Feste Berühmtester Festwirt Schorsch Ehrengruber aus München m. sein. Truppe( 60 Mitwirkende). Schönste Alpendekoration. Tiroler Natursänger inoriginaltracht. 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Harlekin und Buppe" schatz durch germanische Funde. großer Metropol- Theater- Ball. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Parodie. Der geschundene Naub. ritter. Anfang 8%, Uhr. Urania. Tanornstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Sizilien. Hörsaal abends 8 Uhr: Prof. Dr. Göße: Der Nibelungenschatz durch germanische Funde des früheren Mittelalters erläutert. Sternmarte, 3rvalidenftt. 67/62. Lessing- Theater. Dienstag 8 Uhr: Der König. Mittwoch 8 Uhr: Der König. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. d. früheren Mittelalters erläutert. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Affen von Leo Fall. Passage- Theater. Danny Ettero Peberio der moderne Herkules. Zum Schluß: Der Ringkampf mit dem Stier. The 4 Regals 4 Die Waffenschmiede. Der Schimpanse DERNHARD ROSE THEATER Gürtler.net" als Kaufradfahrer. Sr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Brüderlein fein. Boltsstüd mit Gefang in 5 Aften von Falschholz Musik von Leo Fall. Wochentagspreise. Luisen- Theater. Benefis für Herrn Dberregisseur Georg Walb: Die fremde Frau. Der Hypochonder. ( La femme X...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Fran. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Mittwoch nachmittag 4 Uhr feine Breise: Dornröschen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 2. Februar, Anfang 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Mittwoch: Die zärtlichen Berwandten. Donnerstag: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Freitag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Mittwoch, Donnerstag: Das Mädchen auf Jerwegen. Freitag: Der Mann mit den bler Frauen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Sung Deutschland amüsiert sich. Abends: Das Mädchen auf Irrwegen. Der König der Bôheme und das großartige Februar- Programm 14 erstklassige Variété. Nummern. Passage- Panoplikum SinghalesenGaukler- Truppe Neu! in ihren wilden Heimatstreiben Die Vievilles! Madm. Olympia Desvall, Sportatt. Ferner Auftreten sämtlicher neu engag. Künstler u. Künstlerinnen. Um 9, Uhr: Auswanderer. Ferner! Herr Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Herr E. Schumann, Meisterdressuren Das boxende Känguruh. W. Noacks Theater Die Pracht- Pantomime Direftion: Rob. Dill, Brunnenitr. 16. Die Blume der Berge U. Mädchen- ober: Baterfluch und Kinderliebe. Anfang 84, Uhr. Seeräther Golo". Minder. Gebrüder händler. HerrnfeldAnfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Dienstag, 2. Februar, zum 125. Mal: das blaue Weib. Die beiden Sonntag nachm. 3 Ur: Die das blaue Weib. Räuber. Abends: Das Mädchen auf Jirwegen. Montag: Das Mädchen auf Jrrmegen. WING BARTEN Saharet Seine kleine Freundin. Gertrude Barrison Hebbel- Theater Tina Clementa, Sportakt. Alles ohne Extra- Entree. Walhalla Bindelbands Theater Die neuen Februar Spezialitäten. Im Tunnel: Bockbierfest. Regi mentstap. Theaterbef. freten Eintr. Palast. Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Metzetti- Truppe, Akrobaten. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr. Königgräßer Str. 57/58. Ant. 8 gr. Garcia, Schatten- Silhouettist Elliot, Krtproduktionen. Revolutionshochzeit. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das gänzlich neue Simon u. Gardner, komische Februar- Programm. Szene:„ Der neue Kutscher". Cleveland, Radfahrertruppe. 12 Debuts 12 Little Pich, Komiker. Moran u. Wiser, Jongleure. 12 Sunshine Giris, englische Gesangs- und Tanztruppe. Neu! Nest! dazu neuer Variététeil 5 Grebnieff's LyricoQuartett Diedrich Ulpts- Georg Schindler Les Astrées. Entree 30 Bf. Ehren- und Borzugsfarten gültig Donnerstag Benefiz für Käte Reich: Liane, die zweite Frau. Fröbels Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Oskar Fürst und das neue Februarprogramm. Sensationeller Erfolg! Rußland. Romödie in 4 Aften von Norden. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Theater- Abend. 8um 1. Male: Die deutschen Klein städter. Lustspiel in 4 Aften von Rozebue. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8u Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger Allerlei- Theater. Parodie- Theater. Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 2. Februar 1909: Gewonnene Herzen. Boltsstück mit Gesang in 3 Arten von Hugo Müller. Raffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8, 11br. Bürgerliches Schauspielhaus Kaftanien Allee 7-9. Zum Abonnement: Der liebe Onfel. Schwank in 4 Uften von Stueifel. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Der Königslentnant. Donnerstag: Die Jungfrau von Orleans. Stadt- Theater Moabit. Berliner Eis- Palast Größter was vornehmstenter Ständige Eisbahn. faal Moabits. Alt- Moabit 48.( el. II 2492.) Donnerstag, den 4. Februar 1909: Bis nachts 12 Uhr geöffnet. Konzert und Ein Trödler oder: Bete und arbeite. Kunstlaufen. Der arme Kasimir.nf. b. Borft. 8, Staffenöffnung 7 Uhr. Kümmere Dich um Amelie." Biograph, neueste Aufnahmen. Schwant in 1 Aft v. 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Berlaa: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Baul Kinderwagen neu . 17,00. Exerzierstraße 25, III lints. Bauernkrieg, Der deutsche, bon Friedrich Engels. Broschiert 1,50 Mart, gebunden 2,- Mart. Expedition, Lindenstraße 69, Laden. reizende 19 Geschäftsverkäufe. 21,50, schöne Aussicht, Gas.+ 103* Prächtige Ein- und ZweizimmerVerschiedenes. wohnungen fofort Goldinerstr. 32/34. Elsholz, Komiler, Gesellschaft, Gropiusstraße 6. Zimmer. Möbliertes Bimmer zu vermieten. Wilschinska, Petersburgerstraße 5. find gesperrt: für Klavierarbeiter, Tischler, Ma. fchinenarbeiter und Polierer bie Firma Kolski in Rigdorf, Weferstr. 107. Für Tischler und Maschinenar beiter: Boswan& Knaner, Gesellschaft für Bauausführung, Schlesischestr. 29/30. Grünberg, Luremburgerstr. 32, wegen Nichtbezahlung des Grundtarifes. Deutscher Holzarbeiterverband Ortsverwaltung Berlin. Singer& Co., Berlin SW. Nr. 27. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. Achtung! Heute, Dienstag, den 2. Februar, abends 8 Uhr, finden an nachfolgenden Stellen: Urania- Saal, Wrangelfir. 11, Kellers Festsäle, Koppenstr. 29, Obiglo's Saal, Schwedter Str. 23/24, Ballsámieders Salou, Badstr. 16, Prachtsäle Moabit, Wiclefstr. 24, Zühlte's Festsäle, Dennewigstr. 13, Sosjäger- Balaft, Hasenheide 52/53, Adlershof, Wöllstein, Bismarckstraße, Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenstr. 3, Großz- Lichterfelde, Kaiserhof, Am Kranoldplay, Nowawes, Singer, Priesterstr. 31, die Versammlungen statt, welche sich mit der beschäftigen. Novelle zur Gewerbeordnung Referenten sind die Genossen Böttcher, Bartsch, Bauer, Brückner, Denger, Haß, Schumann, Siering, Ritter, Bietsch sowie die Genossin 8ieß. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen find zum Erscheinen eingeladen. Aktions- Ausschuß. Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und lingegend. Dienstag, 2. februar 1909. eigenen Wahlvorstand zu bestellen. Soweit er von dieser Be- bahn und eine Zunahme bei der Untergrundbahn, der städtischen fugnis Gebrauch macht, hat er zugleich die für die Feststellung des Straßenbahn und den Kraftomnibussen. Gesamtergebnisses der Wahl sowie für das Verfahren bei notwendig werdenden engeren Wahlen erforderlichen Anordnungen zu beseitigung in den Straßen Berlins wurden gestern von der städtischen Arbeitslose und Schuceabfuhr in Berlin. Für die Schneetreffen. II. Im Bereiche der unter I genannten Städteordmungen be- Straßenreiniging 1700 Arbeitslofe eingestellt, so daß mit dem steht der Wahlvorstand in den einzelnen Wahl-, Abstimmungs- ständigen Personal rund 3900 Arbeiter mit der Säuberung der bezirken oder Gruppen aus dem Bürgermeister und aus zwei von Straßen beschäftigt sind. Die Säuberung der ganzen Stadt dürfte der Stadtverordnetenversammlung gewählten Beisitzern; für den noch etwa drei Tage in Anspruch nehmen. Zur Schneeabfuhr Vorsitzenden werden von dem Bürgermeister und für die Beisitzer wurden gestern 1200 Wagen in Betrieb genommen, von denen jeder von der Stadtverordnetenversammlung je ein oder mehrere Ver- etwa 28 Kubikmeter Schnee täglich wegschaffen kann. treter aus der Zahl der stimmfähigen Bürger bestellt. An Tropfsteinhöhlen erinnern die Zustände, die sich an der Man ersieht, kein Wort davon, daß die Befugnisse und Pflichten Gartenstraße, da wo Ackerstraße, Liesen- und Scheringstraße zudes Wahlvorstandes, wie sie in§ 26 der Städtcordnung festgelegt sammenstoßen und sich eine Eisenbahnüberführung der Stettiner find, ist geändert. Wenn ausdrücklich betont ist, der Magistrat habe Bahn befindet, herausgebildet haben. Der Brüdentoloß scheint die für die Feststellung des Wahlergebnisses usw. erforderlichen An- nicht darauf angelegt zu sein, das Waffer, rühre es nun von ordnungen zu treffen, so sind damit offensichtlich lediglich die tiven oder sonst wo her, irgendwie abzuführen. Und so kommt es, Regen, von feuchten Niederschlägen, von dem Dampf der LokomoReglementierungen gemeint, wie die Wahlvorstände der verschiedenen daß dieses Wasser fortgesetzt auf die Straße herunterträufelt auf Abstimmungsbezirke zufammenzutreten haben, wann sie beschlußfähig das den Weg passierende Publikum; auch die ständigen Wasserfind u. dergl. genau wie vor 1900. Platterdings unverständlich füßen auf den Bürgersteigen gehören nicht zu den Annehmlich bleibt es, wie der Magistrat auf seine dem Wortlaute des§ 26 der feiten. Im Publikum ist man der Meinung, daß solche Zustände Städteordnung ins Gesicht schlagende Deutung hat lommen und wie in Berlin W. nicht so lange bestehen könnten, wie hier in Berlin N. diese von der Mehrheit des Ausschusses hat gebilligt werden fönnen. Die zuständigen Behörden täten gut, sich die Sache emmal anzuDie Unhaltbarkeit der Magistratsauffassung erhellt insbesondere fehen und dann für schleunigste Abhilfe zu sorgen. auch aus der Entstehungsgeschichte des Gesezes vom 30. Juni 1900. Die Genossin Zetkin wird in Berlin einen Zyklus von Oberverwaltungsgericht die Einteilung in Abstimmungsbezirke, wie fünf Vorträgen über die Frauenfrage abhalten. Die Vorträge finden statt am Montag, den 8. Februar, Montag, den 15. Februar, Montag, den 22. Februar, Freitag, den 26. Februar, Montag, den 1. März, Der von der Regierung vorgelegte Gefeßentwurf enthielt lediglich die fünf ersten Paragraphen der Novelle vom 30. Juni 1900, die eine andere Art der Einteilung der Wählerklassen zulaffen. In der ersten Lesung des Gesetzes vom 23. Februar 1900 hob der Abgeordnete und Berliner Stadtverordnete Streitling hervor, daß das fie bisher unter anderen auch in Berlin üblich und für alle größeren Wahlbezirke nötig sei, für mit dem Gesez unvereinbar erklärt habe. Hier sei eine Remedur durch Gesez erforderlich. Denselben Standpunkt vertrat der Minister. In der Kommission wurden von freifinniger Seite( Abg. Ehlers) die jetzt Gesetz gewordenen Absäze I und II des§ 6( damals 5a) beantragt. Es gelangte jedoch nur der Abfaz II zur Annahme. Bei der m Kellers Festfälen( Inhaber Freyer), Koppenstr. 29. Begründung wurde, wie der Kommissionsbericht fagt, hervorDie Themata lauten: 1. Arbeit und Stellung der Frau im Altertum. 2. Arbeit und Stellung der Frau im Mittelalter. 3. Arbeit und Stellung der Frau in der kapitalistischen Gesellschaft. 4. Charakter und Konsequenzen der proletarischen Frauen5. Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung und Ausblick. Der Eintrittspreis für den Gesamtzyklus beträgt 50 Pf. Die Karten find prozentual an die Kreise verteilt und bei den Bezirksführern zu haben. arbeit. Der Zentralvorstand. Rigdorf. Heute abend 8 Uhr findet im Lokal von Hoppe, Hermannstr. 49, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. ( Siche Inserat.) gehoben, daß man nicht beabsichtigt habe, an den gefeßlichen Bestimmungen zu ändern, es sich vielmehr nur darum handle, gemäß dem bereits wiederholt zitierten Oberverwaltungsgerichts- Erkenntnis das Wahlverfahren sicher zu stellen". In der zweiten Lesung nahm der freikonservative Abgeordnete v. Jedlitz- Neukirch den gesamten in der Kommission von freisinniger Seite gestellten Antrag wieder auf Der Minister empfahl seine Annahme, damit nicht erst das Herrenhaus diese Bestimmung einzufügen habe, die lediglich die durch das Erkenntnis des Oberverwaltungsgerichts in Frage gestellte Möglichkeit sichern follte, Abstimmungsbezirke zu bilden. Auch der freisinnige Abgeordnete Ehlers trat aus denselben Gründen für den Antrag ein, der nunmehr§ 6 der Novelle vom 30. Juni 1900 geworden ist. Nicht mit einem Worte hat irgend ein Redner erklärt oder erklären tönnen, der§ 26 der Städteordnung habe durch diese Bestimmung geändert werden sollen. Auch fein Kommentator, einschließlich des Stadtrats Ledermann, der in seinem Kommentar zu§ 26 zu dem Wort Wahlvorstandes" im Jahre 1902 noch zutreffend fchreibt ( S. 101):" D Nagistrat ist in diesem Falle zur Einberufung nicht zuständig." Die Flugversuche mit dem Voisinschen Aeroplan, die von Armand Zipfel auf dem Tempelhofer Felde am gestrigen Montag wieder aufgenommen werden sollten, werden noch eine kleine Ver3ögerung erfahren. Die durch die Beschädigung des Apparates plizierter erwiesen, als ursprünglich angenommen wurde. Es war notwendig gewordenen Reparaturen am Motor haben sich als tomauch vorgesehen, daß Herr Zipfel am Sonntag einige Probeflüge machen sollte, bevor die öffentliche Fortsetzung der Flugversuche wieder beginnt. Dies war aber wegen der Schneemassen auf dem Tempelhofer Felde und wegen des anhaltenden schweren Windes nicht möglich. Voraussichtlich werden die Flugversuche aber schon heute, Dienstag, wieder öffentlich vorgeführt werden können. Bis jetzt hat Herr Bipfel mit feiner Fliegerei noch keine Lorbeeren ernten fönnen. Heiratsschwindler. Als Oberst a. D. trat ein Heiratsschwindler auf, der vorgestern, gerade an seinem 64. Geburtstage, festWildelan mußte einer Verletzung wegen den Dienst aufgeben und genommen wurde. Der frühere Unteroffizierschüler Hermann bezog eine kleine Invalidenpension. Bald geriet er auf den Weg des Schwindels. Weil der Verein zur Besserung entlassener Strafgefangener sich seiner annahm, so erhielt er immer wieder Stellung, meist als Storreftor in Druckereien, zuletzt bei einer Zeitung. Hier trat er wieder aus, sobald er eine junge Dame sich als Oberst a. D. Wildelan vor, verschwieg ihr, daß er vermit einigen Ersparnissen kennen gelernt hatte. Dieser stellte er heiratet und Familienvater ist, und versprach ihr die Ehe. Die Dame, die in einem Theater angestellt war, verlobte sich mit dem immer noch stattlichen Mann, der in Dresden eine Villa kaufen und nach der Trauung eine Reise nach dem Süden antreten wollte. Gines Tages ging der Herr Oberst mit seiner Braut nach der Reichsbank, bei der er angeblich ein Guthaben von 87 000 m. hatte, um einiges Geld abzuheben. Er sprach auch mit einem Braut, er tönne augenblicklich leider nichts bekommen, weil die Beamten, den er nach irgendetwas fragte, und sagte dann seiner Coupons nicht da seien. Auch ein Versuch auf einer anderen Bant, auf der für den Herrn Oberst 34 000., eine Erbschaft von seinem Bruder, liegen sollten, schlug fehl. Hier war der Erbschein noch nicht eingegangen. Hilfsbereit sprang die Braut mit ihren Ersparnissen ein. Nun reiste man zu ihren Eltern, die noch über 700. zulegten, weil ihnen das unerwartete Glüd ihrer Tochter sehr am Herzen lag. Mit dem Gelde der Schwiegereltern fuhr Wildelan nach Dresden und unterhandelte um den Ankauf der noch im Bau begriffenen Villa„ Zum weißen Hirsch". Natürlich wurde nichts aus dem Geschäft und Wildelan kehrte nach Berlin als Oberst Wildelan und Frau an und berübte Zechprellereien. Als diefe angezeigt wurden, stellte die Kriminalpolizei fest, daß Frau Wildelan mit ihren Kindern in einem Vorort wohnt. Sie berhaftete daher vorgestern den Pensionatsbewohner unter dem Verdacht der Bigamie. Als jeßt der Braut die Augen geöffnet wurden, löste sie sofort ihre Beziehungen zu dem vermeintlichen Oberst a. D. und stellte Strafantrag wegen Betruges. Daraufhin wurde der alte Schwindler alsbald dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Wilmersdorf- Halenfee. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet oie Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Luisenpart, Wil helmsaue 112, statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Vortrag des Genossen Fendel über: Die gegenwärtige wirtschaftliche Auch der Berliner Magistrat selbst hat weder vor noch nach der und politische Lage." Da außerdem noch eine Anzahl wichtiger Angelegenheiten zur Beratung stehen, so die Neuwahl eines Spediteurs, Mugdanschen Wahleinleitung die hiruriffige Ansicht verlautbart, daß Wahl des Delegierten zur Kreisgeneralversammlung, Arbeitslosen er an Stelle des Wahlvorstandes treten könne: bei allen Wahlen, zählung usw., ist die Anwesenheit aller Mitglieder dringend auch bei der jetzt für das Stadtverordnetenmandat des Herrn erforderlich. Der Vorstand. Fähndrich angeordneten Wahl hat der Magistrat den Wahlvorstand zurück. Hier meldete er sich mit seiner Braut in einem Pensionat Potsdam. Am Mittwoch, den 3. Februar, abends 8 Uhr, im Restaurant Glaser, Kaiser- Wilhelm- Straße: Generalversamm Iung. Tagesordnung: Vereinssachen; Staffenbericht; Stellung nahme zur Streis Generalversammlung in Staaten und Wahl der Delegierten; Verschiedenes. 0 Berliner Nachrichten. Wie der Berliner Freisinn Gesetze interpretiert. Die Protokolle über die Ausschußverhandlungen über die Wahl des Dr. Mugdan zum Stadtverordneten liegen jezt vor. Sie bilden Klassische Dokumente für die Art der Rechtsauslegung des Freisimms. Die Wahl Mugdans ist ungültig, weil auf seinen Gegenkandidaten Prof. Richert bei der Hauptwahl die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen entfallen ist und ferner deshalb, weil nicht dem Gesez entsprechend der Wahlvorstand, sondern der Magistrat ausgerechnet hat, ob eine Stichwahl erforderlich ist und die Stichwahl angeordnet hat. Wir haben seinerzeit ausführlicher den ersten Grund beleuchtet. Für heute möchten wir die gefeßlichen Vorschriften ins Gedächtnis rufen, die dartun, daß der Magistrat zu Unrecht eine Anordnung darüber getroffen hat, ob Stichwahl vorzunehmen sei. § 26 Abs. 3 und 4 der Städteordnung schreiben vor: Der Wahlvorstand stellt die Namen derjenigen Personen, welche nächst dem Gewählten die meisten Stimmen erhalten haben, so weit zusammen, daß die doppelte Bahl der noch zu wählenden Mitglieder erreicht wird. Diese Zusammenstellung gilt alsdann als die Liste der Wählbaren. feines Amtes walten lassen, nicht sich an Stelle des Wahlvorstandes gefegt. Abzuwarten bleibt, wie gegenüber dem Klaren Rechtsbruch, der bei der Mugdanschen Wahl nach mehrfachen Richtungen verübt ist, die freisinnige Presse sich stellt. Auf dem Eise. Das herrliche Winterwetter hatte am Sonntag viele Tausende von Berlinern auf die Beine gebracht. Eine wahre Völkerwanderung ergoß sich nach den Eisgefilden in der Umgebung. Der Mügelsee bildete den Hauptanziehungspunkt und wer in den be= ängstigend angefüllten Coupés eingequetscht war, tonnte sich in die schöne Jahreszeit versetzt fühlen. Selbst die zweite Wagen lasse war vollgepfropft und in Friedrichshagen knirschten und ächsten die Elektrischen unter der im höchsten Maße polizeiwidrigen Last. Standen doch auf der vorderen Plattform allein 16 Menschen, die alle noch das Glück priesen, überhaupt mitgondeln zu dürfen. Ueberall bot sich den Blicken eine prächtige Winterlandschaft dar. Die kahlen Bäume hatten sich mit weißen Spißen bedeckt, die Pfeiler und Pfosten trugen frischgestärkte Bädermüßen und die fleinen Häuschen schienen in märchenhafte Knusperhäuschen verwandelt. Manchmal aber blies der Wind mit vollen Baden über Bäume und Dächer, dann wirbelte ein feiner Zuderregen durch die sonnigklare Winterluft. Ueber die Langsamkeit der Erledigung der Einsprüche gegen unberechtigte Veranlagung oder Erhebung von Kirchensteuern durch die betreffenden Kirchengemeinden wird gleichfalls fortgesetzt Klage geführt. Eine von den vielen uns zugegangenen Klagen wollen wir hier veröffentlichen, fie lautet: Am 6. Oktober v. J. wurde mir meine Veranlagung zur Kirchensteuer mit 4,20 M.( 20 Proz. der Staatseinkommensteuer) für das Rechnungsjahr 1908( 1. April 1908 bis 31. März 1909) zugestellt. Am 9. Oktober erhob ich dagegen Einspruch und be antragte Ermäßigung auf 3,90 M., weil infolge Einspruchs die Staatseinfommensteuer auf 26 M. pro Jahr ermäßigt sei und ich im Jahre 1907 aus der Landeskirche ausgetreten und dem zufolge nur noch für das Kalenderjahr 1908( also nur dies Biertel des Steuerrechnungsjahres) steuerpflichtig sei. Ich fügte Entscheid der Einkommensteuer- Beranlagungskommission und die Kirchenaustritts- Bescheinigung des Amtsgerichts im Original bei und ersuchte um Rücksendung dieser Schriftstücke. Nun wartete ich geduldig Monat um Monat auf Antwort. Die unrechtmäßigerweise zu hoch berechnete Steuer mußte ich natürlich inzwischen zahlen, wenn ich mich nicht der Zwangsvollftredung aussehen wollte. Nach Ablauf eines Bierteljahrs erinnerte ich noch einmal an Erledigung des Einspruches und gab noch einmal die zur Begründung dienenden Tatsachen an. Nun find wieder vier Wochen vergangen und ich habe bisher weder einen Entscheid, noch die eingesandten Schriftstücke, geschweige das mir zuviel abgenommene Geld erhalten. Auf Grund der beigefügten untrüglichen Beweismittel hätte ein Entscheid auf der Stelle getroffen werden können, statt dessen vergehen bier Monate und ein solcher ist noch nicht in meinen Händen! Es muß übrigens bei den vielen Tausenden zu hohen Veran. Tagungen, die alljährlich erfolgen, ein ganz hübscher Zinsgewinn für die Kirche aus den diesergestalt den Steuerzahlern ungerechterweise abgenommenen und ungebührlich lange vorent haltenen Geldern herausspringen!" den Auf der weiten Eisfläche des Müggelsees tummelten sich unzählige Schlittschuhläufer in wirren Schlangenlinien durch einander. Mit feden, glänzenden Augen und rotglühenden Ges fichtern vergnügte sich die Jugend, während am Ufer viele Zuschauer das muntere Treiben beobachteten. Ein Teil hatte sich in die Bokale zurüdgezogen, um beim heißen Kaffee oder Grog den durchfrorenen Körper aufzutauen. Andere ließen sich durch Segelschlitten in voller Fahrt über den See jagen, und hie und da tauchten auch einzelne Stiläufer auf, die auf ihren langen Hölzern weitausgreifend vorüberflikten. Drüben grüßten ernst und Scharf zeichneten sich ihre welligen Konturen von dem klaren. stahlblauen Winterhimmel ab. Beißend strich der Wind über die Fläche und malte rote Backen auf die städtischen Bleichgesichter. Papa, hast Du schon gesehen, wie ich holländern kann?" brüstet sich ein fleiner Stöpsel mit wichtiger Miene. Und mutig schlenkert er die schlittschuhbewehrten Füße umher. Patsch, schon liegt der fleine Held auf dem Gise, die Beinchen ferzengerade gen Himmel gerichtet. Nachher schlich er tränenden Auges hinter einen Zaun lachte ganz madig. Mond und Sterne leuchteten schon am Himmel, und rieb sich berstohlen den rundlichen Körperteil und Bapa lachte, als die legten Eismänner singend den Heimweg antraten. Zu der zweiten Wahl werden die Wähler durch eine, das Ergebnis der ersten Wahl angebende Bekanntmachung des Wahlschweigend, mit einer Schneefrone geschmückt, die Müggelberge, borstandes sofort oder spätestens innerhalb acht Tagen auf gefordert. Bei der zweiten Wahl ist die absolute Stimmenmehrheit nicht erforderlich. Wiederholt hat das Oberverwaltungsgericht entschieden, daß danach nur der Wahlvorstand, nicht etwa der Magistrat das Gefamtergebnis festzustellen und die Einladung zur Stichwahl bekannt zu machen hat sowie daß eine Wahl, bei der der Magiftrat an Stelle des Wahlvorstandes tritt, ungültig ist. Wie kommt der Magistrat just bei der Mugdanschen Wahl zu einer abweichenden Auffassung? Er erklärt:§ 6 der Novelle vom 30. Juni 1900 berechtige ihn dazu.§ 6 lautet in seinen beiden Abfägen wörtlich: Erfroren; im Obdach verstorben. Auf dem Laubengelände zwischen der Grünthaler Straße und Pankow wurde vorgestern nachmittag die Leiche eines älteren Mannes auf einer Bank Aus der Berkehrsstatistik. Im Dezember v. J. wurden durch liegend aufgefunden. Die benachrichtigte Polizei beorderte cinen I. Im Bereiche der Städteordnung für die öftlichen Brovinzen Straßenbahnen in Berlin rund 41% Million Personen befördert, Arzt, nach dessen Befunde der Tod durch Erfrieren, und zwar der Monarchie vom 30. Mai 1858( Gefeßfammlung S. 261), der b. h. genau dieselbe Zahl wie im Dezember 1907, obgleich schon vor einigen Tagen, eingetreten ist. Es handelt sich, wie Städteordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1856 inzwischen mehrere neue Zinien und die städtischen Straßenbahnen schon vor einigen Tagen, eingetreten ist. Es handelt sich, wie ( Geſetzfammlung S. 287), der Städteordnung für die Rheinproving eröffnet worden sind. Die Große Berliner Straßenbahn be die Polizei bald feststellte, um den wohnungslosen Arbeiter vom 15. Mai 1856( Gefeßsammlung S. 406), der Städteordnung förderte 33% Millionen Fahrgäste oder 200 000 mehr als im Friedrich Münchow. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gefür die Provinz Hessen- Nassau vom 4. Auguft 1897( Gefetz Dezember 1907. Die Hod, und Untergrundbahn beförderte das schafft. Im städtischen Obdach ist vorgestern ein unbekannter sammlung S. 254) und des Gemeindeverfassungsgefeges für gegen 5074 277 Fahrgäste, gegen 4 150 270 im Dezember 1907, etwa 50 Jahre alter Mann vom Tode überrascht worden. Der Die Stadt Frankfurt am Main bom 25. März 1867 b. h. beinahe 1 Million mehr. Die Omnibuslinien mit Pferde- Fremde ist vermutlich einem Herzschlage erlegen. Papiere, die ( Gesezsammlung S. 401) ist der Magistrat( Bürgermeister betrieb beförderten 8 843 867 gegen 10 142 955 Personen, davon er bei sich führte, lauteten auf den Namen Albert Winkler, geboren befugt, an Stelle oder innerhalb der Wahlbezirke, in denen je 7 191 052 mit 5 Pf.- Fahrscheinen und 1652 815 au 10 Pf. Ferner am 12. November 1857 zu Sommerfeld. eine bestimmte Anzahl Stadtverordneter zu wählen ist, Bezirke wurden durch die Kraftomnibuslinien 2 343 055 gegen 1415 254 zum Ziede der Stimmenabgabe( Abstimmungsbezirke) zu bilden Personen befördert. Diese Linien haben im letzten Jahre eine Eine neue Urnenhalle in Berlin. Die Grundsteinlegung zu oder die Wähler in anderer Weise in Gruppen zu teilen und für Ausdehnung erfahren. Der Monat Januar d. 3. zeigt übrigens einer neuen Urnenhalle wird demnächst auf dem Gelände des jeden Abstimmungsbezirk beziehungsweise jede Gruppe einen dasselbe Bild; eine Abnahme bei der Großen Berliner Straßen- l alten städtischen Friedhofes in der Gerichtstraße erfolgen. Nach dem der Vertrag mit der Stadt Berlin abgeschlossen und die Bauzeichnungen der Polizeibehörde eingereicht worden sind, ist bereits mit dem Vorarbeiten zum Bau begonnen worden. Eine eigenartige Störung des Straßenbahnverkehrs nach Tempelhof wurde am Sonntag herbeigeführt. Durch den am Vormittag cinseßenden Wind wurden die auf dem Felde lagernden Schneemaffen nach der Tempelhofer Chauffee hinübergeweht und legten sich derartig auf die Straßenbahnschienen, daß gegen 11 Uhr vormittags der Betrieb in der Richtung nach Tempelhof eingestellt werden mußte. Obwohl die Verwaltung sofort durch Arbeiter die Gleise freizumachen versuchte, konnte doch nur auf einem Schienenstrang ber Betrieb aufrecht erhalten werden, der von den Bügen für beide Richtungen benutzt werden mußte. Erst um 1 Uhr nachts wurde es möglich, auch das zweite Gleis wieder dem Verkehr zu übergeben. 1. Bewilligung der Mittel zur Arbeitslosenzählung im Februar 1909; deutschen Versicherungsverein in Stuttgart 35 Broz. Rabatt ein, dafür ist: Bei der Pflasterung der verlängerten Hauptstraße wurden geräumt, so daß insgesamt 756,92. gegen 255,50 M. in den fämtliche Anlieger mit 5% die 3.-G.-T.-A. jedoch mit zu den Vorjahren als jährliche Ausgaben entstehen. Zu der durch die Krise Soften herangezogen. Bei den Berhandlungen vor Abschluß des entstandenen Arbeitslosigkeit war von unseren in der Gemeinde- Bertrages soll nun der Gesellschaft zugesagt worden sein, fie nur bertretung tätigen Genoffen folgender Antrag eingebracht und stand ebenfalls mit 5% zu belasten. Jetzt hat die Terraingesellschaft den Beweis dafür erbracht, daß tatsächlich eine derartige Vereinbarung in der heutigen Sigung zur Beratung: stattgefunden hat. Für diejenigen Herren, welche die Verhandlungen im Auftrage der Gemeinde mit der Gesellschaft geführt haben, ist 2. Bereitstellung von Mitteln zur Linderung der Notlage, das wirklich kein Beweis für die Sorgfältigkeit, mit der sie zit welche durch die bestehende Arbeitslosigkeit hervorgerufen ist." Werke gegangen sind. Beim nächsten Punkt werden 417 506. Für beide Punkte, welche getrennt verhandelt und zur Ab- zum zweiten Ausbau der Kanalisation aus Anleihemitteln gefordert. Stimmung gelangten, hatte der Genosse Hildebrandt die Begründung Es sollen jetzt zunächst die Straßen im nördlichen Ortsteil mit übernommen. In eingehender Weise ivies er die Nachteile nach, Rohrleitungen versehen werden, welche eine weniger dichte Vewelche sich bei der Arbeitslosenzählung im November aus dem bauung aufweisen aber noch im Bereich der Hauptpumpstation beMeldesystem ergeben hatten. Besonders wies er auf das Material legen sind. Die Vorlage wird nach Begründung durch den hin, welches in derselben Frage der Stadtverordnetenversammlung Gemeindebaurat bewilligt. am 7. Januar in Berlin vorgelegen hatte und auf das vorliegende Der Gemeindevertreter Boigt teilt in einem Schreiben mit, daß gedruckte Ergebnis der Arbeitslosenzählung, welches in der heutigen er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegt. Sigung den Gemeindevertretern zugestellt war. Nach Entgegennahme einiger Mitteilungen und nach dem noch eine ziemlich lebhafte Aussprache über einen noch besseren Smells verkehr mit Berlin stattgefunden hatte, erfolgte Schluß der Sigung. Weissensee. In ernster Lebensgefahr fchwebten gestern bei einem WohnungsBrande die drei kleinen Kinder des Briefträgers G. Kuttig in der Müllerstraße 24. Während der Mann im Dienst war, entfernte fich am nachmittag auch seine Frau aus der Wohnung, die im dritten In der lebhaften Debatte, welche sich hieran anschloß, wider Stock des Vorderhauses liegt und ließ die brei fleinen Kinder strebten sämtliche Redner der Zählung durch Hauslisten und stellten im Alter bon ein, givei und drei Jahren allein zurück. fich vollständig auf den Standpunkt der Berliner Stadtverordneten. Gegen 15 Uhr nachmittags machte sich auf den Treppen Selbst die Verdächtigung, welche bei den Beratungen in Berlin ausbes Vorderhauses ein intensiver Brandgeruch bemerkbar. gesprochen wurde, daß eine Hauslistenzählung unter Mitwirkung der In der heutigen Gemeindevertretersitzung wird darüber bes Als man der Ursache nachforschte, entdeckte man, daß aus Arbeiterschaft keinen Anspruch auf Richtigkeit erheben könne, sondern schlossen werden, ob im Februar eine Arbeitslosenzählung stattfinden der Kuttigschen Wohnungstür dichter Rauch hervorquoll. Da auf der Nachweis großer Arbeitslosigkeit fünstlich herbeigeführt würde, foll. In der Kommission wurde allerdings beschlossen, zu empfehlen, wiederholtes Klingeln nicht geöffnet wurde, schlugen die herbei wurde auch hier in versteckter Form vom Direktor Lindenberg eine solche stattfinden zu lassen nach dem Berliner System. Auf geeilten Hausbewohner bie torridortür ein, während andere Leute wiederholt, aber auch vom Genoffen Hildebrandt in gebührender Hauslisten zu zählen, erfenne man wohl als das wichtigste Syſtem die Feuerwehr benachrichtigten. Noch ehe diese eintraf, waren be- Weise zurückgewiesen. Der Antrag felbst fiel bei der Abstimmung an, aber unser Ort dürfe doch hierbei nicht aus der Reihe tanzen, herzte Mieter schon in die verqualmten Räume vorgedrungen und gegen die Stimmen unserer Genoffen. Bei der Beratung des das ganze Bild wird dadurch verschoben, so waren die Ausreden und hatten die drei gefährdeten Kinder, awei Knaben und ein Mädchen, zweiten Teiles unseres Antrages erklärten sämtliche bürgerlichen Ver- so werden fie auch heute sein. Es stehen noch außerdem andere aus dem Schlafzimmer herausgeholt. Die Kleinen gaben nur noch treter ihr Einverständnis mit der Bereitstellung von Mitteln zur interessante Punkte auf der Tagesordnung. schwache Lebenszeichen von sich, fodaß man taum Hoffnung hatte, Linderung der Notlage, und wurde folgender Antrag einstimmig zum Spandan. sie am Leben zu erhalten. Fast eine Stunde behandelten Samariter Beschluß erhoben: der Feuerwehr die Kinder, ehe diese wieder zu sich tamen. Das Feuer war dadurch entstanden, daß der Ofen überheizt worden war. Durch die schließlich glühend gewordene Ofentür wurden in der Nähe hängende Kleidungsstücke in Brand gesetzt. Wäre die Gefahr nur furge Beit später erst entdeckt worden, so hätten die drei Kinder sicher den Erstichungstod gefunden. Ostpreußischer Humor. In der Literatur spielen die Ostpreußen schon längst eine rühmliche Rolle. Vom humoristischen Einschlage in ihres Wesens eigentümlicher Mischung hat nun auch die weitere Welt Kunde bekommen. Ja, man darf schon sagen, daß sich der ostpreußische Humor überall, wenigstens doch in Norddeutschland, das Vortragsrecht erobert hat. Er stellt gewissermaßen Reuland" vor, insofern nämlich, als er noch gesunde" Flabben hat, also noch nicht von des Gedankens Blässe angetränkelt ist. Seine Wirkung aufs Zwerchfell ist totsicher. In dieser Meinung hat sich denn auch der Verein der Freien Volksbühne nicht getäuscht, wie der mächtige Zuftrom von Hörern bewtes, der am letten Sonntag abend den oberen Saal in den Arminhallen zum Erdrücken füllte. Und da legte Herr Adolf Petrenz, der Vortragende, los, daß es eine Lust war. Das flang nicht mehr bloß wie ein färjniechtes" Lachen; nein: ein unaufhörlich dröhnendes Gelächter wars, bei dem wohl auch die Tränen fullerten". Zwischenein sang Fräulein Lissi kurz ältere tie neuere oftpreußische Volkslieder, auch solche im plattdeutschen Dialekt. Die bewährte Sängerin vollführte ihre Wufgabe mit ebenso viel Kunstbollendung als lieblicher Schelmeret. Herr Kapellmeister Clemens Schmalstich affompagnierte schmiegsam- diskret auf Klavier. Es war gewiß einer der heitersten Abende, den man den zuweilen im bösen, oft freilich auch im guten Sinne verschrienen Aftpreißen" mit Fläd"," Schpeck" und" Aerbse" verdankte. Im Hörsaal der Urania in der Taubenstraße wird Herr Prof. Dr. Göße am Dienstagabend 8 Uhr einen Vortrag mit Lichtbildern: " Der Nibelungenschatz durch germanische Funde des frühen Mittelalters erläutert" halten. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Freie Volksbühne Charlottenburg. Die nächste Vorstellung des Vereins findet für die 1. Abteilung Donnerstag, 4. Februar, für die 2. Abteilung Freitag, 5. februar, 8 Uhr abends, im Schiller- Theater Charlottenburg statt. Gespielt wird, Ein Volks feind von Henrit bien, ein Stück, das nicht nur in künstlerischem Sinne, sondern auch in fozialer und politischer Beziehung von hoher Bedeutung ist. Die Mitgliedsmarken müssen in jeder Abteilung am Tage vor der betreffenden Vorstellung gellebt sein. Wilmersdorf. " Bur Linderung der aus der vorhandenen Arbeitslosigkeit ents standenen Notlage werden 1500 m. bewilligt. Aus diesen Mitteln foll denjenigen arbeitslosen Familienbätern eine sofort zu zahlende einmalige Unterstügung von 15 M. gewährt worden, welche feit dem 1. Januar 1909 oder länger nachweislich arbeitslos und mindestens seit dem 1. Dftober 1908 im Drte wohnhaft find. Denselben Personen ist für jedes im Haushalt befindliche Stind unter 14 Jahren oder, sofern dieselben noch schulpflichtig find, 1 M. besonders zu zahlen. In den Schulen sind sofort Erhebungen vorzunehmen, welche Kinder ohne ein warmes Frühstück und Mittagbrot die Schule besuchen und ist hinreichende Fürsorge zu treffen, daß den Kindern ein solches in der Schule verabreicht wird, auch dann, wenn nur eines von beiden fehlen sollte. Den Reftoren der Schule wird vollständige Vollmacht zum schnellen Handeln erteilt. Sollten die bewilligten Mittel zur Linderung des vorhandenen Notstandes nicht zureichen, so wird der Herr Gemeindevorsteher ersucht, umgehend die benötigten Mittel zu beantragen. Die Gewährung von Unterstützungen aus diesem Antrage gelten nicht als Armenunterstüßung aus öffentlichen Mitteln. Rotstandsarbeiten sollen, soweit die Witterung es zuläßt, fofort in Angriff genommen werden." Die hiesige Wahlrechtsdemonstration, welche vorgestern ber anstaltet wurde, verlief im großen und ganzen ziemlich ruhig. Die Genossen versammelten fich 1% Uhr mittags in den Bezirkslokalen und kamen gegen 2 Uhr in den Hauptlokalen von Gottwald, Schöns walder Straße, und Köpenick, Bichelsdorfer Straße, zusammen. Gegen 2 1hr verließen die Genossen in nicht geschlossenem Zuge die Hauptlokale. Bis an die innere Stadt ging alles ganz ruhig zu. Sier forgte aber die liebe Polizei dafür, daß etwas Leben in die Bude tam, und daß die Bewohner merkten, es finde eine Demonstration statt. An der Neuen Brücke stand einer der größten Polizeisergeanten und rief mit seiner an den Kasernenhof erinnernden Stimme:" Verteilen Sie sich mehr, Sie dürfen nicht geschlossen gehen, sonst machen Sie sich strafbar!" Am Marktplatz, wo man befürchtete, die Genossen aus beiden Vorstädten würden hier zufammentreffen, war wohl das Hauptaufgebot der Polizei. Die Genoffen aus der Neustadt wurden durch die Morihstraße nach der Ringchauffee abgeleitet, während man die Genossen aus der Wilhelmstadt in fleinen Trupps die Potsdamer Straße entlanggehen ließ. Sobald die Genossen wieder außerhalb der inneren Stadt waren, fümmerte fich die Polizei vernünftigerweise nicht mehr viel um fie, und fo war es den Genossen der Neustadt möglich, in der Eine Kommission aus 7 Mitgliedern wurde aus dem Gemeinde- Klosterstraße ein Hoch auf das freie Wahlrecht auszubringen, und borsteher, den Gemeindevertretern Kruse und Hildebrandt, dem Lehrer mit dem Gesang der Arbeitermarseillaise wurde die Pichelsdorfer Krause und den Frauen Jürgens, Winterstein und der Genoffin Lina Straße entlang marschiert. Die Versammlungslokale waren in Reimer gebildet, welche am Freitag ihre Arbeit sofort aufnahm. In einem Nu bis auf den legten Blab gefüllt. Bei Köpenick sprach Ge der Kommissionsfigung wurde beschlossen, eine Liste von Arbeits- noffe John und bei Gottwald der Genosse Dr. Bernstein. Das lofen durch unseren Genossen Hildebrandt entgegenzunehmen, aber Thema lautete gleichmäßig:" Der Wahlrechtslampf". Die Ausauch sofort durch Säulenanschlag und andere geeignete Bekannt führungen der Redner wurden mit großem Peifall aufgenommen gabe die Arbeitslosen zur Meldung aufzufordern. Dieser und an dem begeisterten Hoch auf das freie Wahlrecht, welches zum ergangen, Säulenanschlag ist auch nach welchem alle Schluß ausgebracht wurde, sowie an dem begeisterten Gefang: Arbeitslosen, welche die in dem Beschluffe festgelegten Das freie Wahlrecht ist das Zeichen" konnte man merken, wie die Bedingungen erfüllen, sich am Montag und Dienstag in der Beit Worte des Referenten Eingang in die Massen gefunden. Nach von 8 bis 8 Uhr im Gemeindeamt melden sollen. Nach den in der Schluß der Versammlung gab es noch eine kleine unbedeutende Stommission gepflogenen Verhandlungen ist zu erwarten, daß die Stockung, welche die Polizei hervorrief, indem sie die VersammGemeindeverwaltung alles tun wird, um den Beschluß schnell durch Iungsbesucher in die Seitenstraßen brängten. Die Demonftranten zuführen und um jede Härte streng zu vermeiden. focht das aber nicht an. Sie gingen ruhig ihres Weges und der Polizeijäbel bekam keine Arbeit. In der Versammlung bei Gottwalo wurde folgende Resolution angenommen: Ober- Schöneweide. Dreiklaffenwahlrecht. Der Widersinn dieses aller Gerechtigkeit Hohn sprechenden Wahlsystems kommt recht traß in der diesjährigen Aufstellung der Gemeindewählerliste zum Ausdruck. Danach wählen in der 1. Klasse 2, in der 2. Klasse 285 und in der 3. Slaffe 3646 Wähler. Die Klage unserer Genossen gegen die ungültigkeitserklärung ihrer drei Hausbesigermandate scheint bei dem bisherigen Prozeßtempo auch in diesem Jahre noch nicht zum Abschluß kommen zu sollen. Baumschulenweg. Die Leichenfammelstelle in Wilmersdorf genehmigt. Der Protest Ein jugendlicher Retter. Am 28. Januar rettete der zehnjährige der Gemeinden Wilmersdorf und Schmargendorf gegen den Bau Schüler Hans Baarmann, Schraderstr. 1, mit eigener Lebensgefahr einer Leichenfammelstelle für den Stahnsdorfer Zentralfriedhof auf auf dem offenen Gewäffer der Pumpstation den gleichaltrigen Schüler Wilmersdorfer Gelände bei Halensee ist ohne Erfolg geblieben. Das Hermann Dettmann, Wohlgemuthstraße, beim Schlittschuhlaufen vom Ministerium hat den Bau genehmigt, weil die Leichenfammelstelle Ertrinken. für den Zentralfriedhof unerläßlich ist und in einem westlichen Vorort aufgeführt werden muß. Das Gelände bei Salensee gilt als Zehlendorf. befonders geeignet, weil der Gleiskörper der Ringbahn hier fein Hindernis für die Anschlußbahn bildet. Eine Schädigung der Vororte durch den Transport der Leichen hält das Ministerium für aus geschlossen. Adlershof. Bon Zehlendorf nach Berlin oder Potsdam 9,50 M., zweispännig 14 M. " " Die Versammelten fordern bon der preußischen Regierung die schleunige Einbringung einer Wahlrechtsvorlage an das Abgeordnetenhaus zur baldigen Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts aller über 20 Jahre alten Berfonen. Sie berurteilen das verräterische Vertreten der Volksrechte durch die bürgerlichen Abgeoroneten. Die Ver sammelten erklären, daß nur die sozialdemokratischen Vertreter bie wahren Vertreter von Bolfsrechten sind, und verpflichten sich, mit allen Mitteln zur Erreichung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu kämpfen. Es wurde noch auf die am Dienstag bei Böhle stattfindende Proteftversammlung gegen die Gewerbenobelle hingewiesen und zur Organisation aufgefordert. Den Delegierten zum Unterrichtskursus des Bildungsausschusses zur Nachricht, daß der Unterricht am Dienstag ausfällt. Botsdam. Von einer Dort stellte sich ihm die Die Protestversammlung am Sonntag nahm einen großartigen Berlauf. leber 600 Personen hörten unter lautem Beifall das Referat des Genossen Wuschick- Berlin, der es in trefflicher Weise ver stand, bas ganze Unrecht des jezigen Landtagswahlrechts vor Augen zu führen. Er fennzeichnete bas Verhalten der bürgerlichen Abgeordneten dem Antrage der Arbeiterschaft gegenüber. Straßendemonstration wurde Abstand genommen. Ueber 400 Personen wollten aber den Referenten nach dem Bahnhof geleiten. Nur bis aum Luisenplatz kain der 8ug. erste Schußmannskette von zwei Dutzend Schuylenten entgegen, bie nun nur Abteilungen durchließ. Weitere Ketten wurden umgangen. Im ganzen waren über 50 Schußleute, Kriminalschutzlente, Kommissare fowie als Oberbefehlshaber der Polizeiinspektor aufgeboten. Am Bahnhof verabschiedete sich Genosse Wuschick unter Dankesworte von den Parteigenossen und der immer noch zahlreich vertretenen Bolizei. So sicher sei er noch niemals zum Bahnhof geleitet worden. Durch die Unterstützung der Polizei ist auch das geleitet worden. Durch die Unterstüßung der Polizei ist auch das Bürgertum auf die Wahlrechtsbewegung aufmerksam gemacht worden. 3wischenfälle sind nicht borgekommen. Eingegangene Druckfchriften. Abenteuerlicher Simplicius Simpliciffimus. Von H. J. Ch. Grimmelshausen. Nen an Tag geben und in unser Schriftdeutsch gesett von E. Hegaur. Umschlagszeichnung von W. Schulz. Gch. 4,50 M., geb. 6 M.. Langen, München. Aus der Gemeindevertretersizung. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellt der Vertreter Thornton den Antrag, den Butt 14 der Tagesordnung öffentlich zu verhandeln, welchem Antrage auch stattgegeben wurde. Als erster Punkt wurde eine neue Gebühren ordnung für die Benutzung des Gemeindefrankenwagens beraten. Der Referent ist der Meinung, die sehr geringe Inanspruch Aus dem Gemeindeparlament. Am 28. Januar beschäftigte sich nahme des Wagens rühre daher, daß die Gebührensäge zu hoch sind, die Gemeindevertretung wiederum mit der Bauleitung für den Er- so daß meistens auswärtige Unternehmungen dieser Art, welche weiterungsbau der II. Gemeindeschule. Da der Amtsbauinspektor billigere Tarife haben, bevorzugt werden. Der Referent schlägt mum Königsberger die Bauleitung definitiv abgelehnt hat, aber der Ge- im Namen des Sanitätsausschusses vor, die Fuhrkosten zu ermäßigen. meinde die Benutzung der bis jezt angefertigten Stizzen freistellte. Die Stoften für Desinfektion und das Reinigen des Wagens find wurde beschlossen, dem Amtsbauinspektor für die Skizzen nach den von der Gemeinde zu tragen. Diese Kosten betragen für das Sägen des Architektenvereins 1044 M. als Entschädigung anzubieten. Reinigen 2 M. und für die Desinfektion 1 M. Da der JahresDurch die Ablehnung der Bauleitung feitens des Amtsbauinspektors durchschnitt zirka 50 Transporte ausmacht, so würden die Kosten, Königsberger hatten die verschiedenen Baukommiffionen den Antrag welche die Gemeinde übernehmen soll, 150 M. betragen. Der in eingebracht, als Gemeindebaumeister einen Regierungsbaumeister Betracht kommende Fuhrunternehmer hat sich mit einer geringeren anzustellen. Als jährliches Gehalt waren dabei 5000 M. und Entschädigung für jeden Transport einverstanden erklärt. Die Ber 1000 Mt. Mietsentschädigung bei voller Benfionsberechtigung vorgefehen. tretung genehmigt den neuen Tarif, nach welchem von nun an Mit der Anstellung allein wären aber die Ausgaben für diesen Poften folgende Säße Geltung baben: noch nicht erledigt geweien, sondern durch die Mietung von Bureaus räumen und Anstellung von unteren Baubeamten wäre der Gemeindeetat so gesteigert worden, daß eine bedeutende Erhöhung der Ge- Bon Zehlendorf nach Nowawes 8 M., zweispännig 11 M. meindefteuerzuschläge herbeigeführt worden wäre. Nach längerer Von Zehlendorf nach Gr.- Lichterfelde 5 M., zweispännig 7 M. Diskussion wurde ein Antrag unferes Genossen Hildebrandt ange- In diesen Sätzen ist der Lohn für den Begleiter mit inbegriffen. nommen, nach welchem die Anstellung des Regierungsbaumeisters ab- Die Kosten für Desinfektion und Reinigung übernimmt die Gegelehnt und eine Renausschreibung der Bauleitung für den Anbau meinde. Der II. Gemeindefchule erfolgen foll. Vorläufig wird dieses Der nächste Punkt betrifft die kostenlose Desinfektion solcher Verfahren auch bei den anderen bevorstehenden Bauten einges Wohnungen, deren Inhaber an Lungen- oder Kehlkopfschwindsucht schlagen werden. Die Aufhöhung des Glienicker Weges leiden, bei event. Wohnungswechsel. Da die Desinfektion bei obigen ivurde dem Unternehmer Pförtner mit der Bedingung übertragen, Krankheiten durchaus notwendig ist, die Hausbesizer aber nicht zur nur ortsanfäffige Arbeiter zu beschäftigen. Es kommen girta 8000 Erstattung der Kosten gezwungen werden tönnen, beschließt die Ber Bafferstand bis 4000 Stubifmeter Erde in Betracht. Die Erweiterung der Ein- tretung, diese Kosten zu übernehmen in allen den Fällen, in denen Memel, Tilfit friedigung des Grundstücks der II. Gemeindeicule wurde dem Unter- die Hausbefizer Zahlung nicht leisten. Die dritte Vorlage betraf die Deckung außerordentlicher Aus Bregel, Sniterburg nehmer Lude übertragen und sollen beide Arbeiten sofort begonnen Der Referent fordert für 63 635,35 W., welche durch eichiel, Thorn werden. Entsprechend der Ausdehnung des Ortes machte sich auch gaben. eine Erweiterung der Haftpflichtversicherung notwendig und wurde Sypothekengelder, Auflassungskosten, Abzahlungsraten usw. entstanden Dder, Ratibor Strossen die dem Lehrpersonal der Gemeinde- und höheren Schulen aus ihrem find, Deckung und schlägt vor, obige Summe aus den Ueberschüssen Franfiurt Berufe sich ergebende Haftung nunmehr in die Versicherung mit auf des Rechnungsjahres 1907, welche noch mit 117 391,37 W. zu Bucharthe, Scrimm genommen. Desgleichen auch diejenigen Schäden, von welchen das stehen, zu entnehmen. Landsberg Die Vorlage findet Annahme. Das Wochenmarktstandgeld soll Nege, Bordamm Publikum auf den Bürgersteigen betroffen werden kann. Durch diese Erweiterung der Haftpflichtversicherung entstehen der Gemeinde nunmehr von 5 Bf. auf 20 Bf. pro Quadratmeter und Markttag erhöht werden. G1be, Leitmeriz Ausgaben aus der Haftung nach den§§ 31 und 89 des B. G.-B. Man will die Einnahme des Marktstandgeldes an einen Pächter und nach den Bestimmungen für Schäden aus öffentlichen Unruhen vergeben und deshalb soll die Verteuerung stattfinden. Ob aber ind für Gestellung von Pferden für die Feuerlöschgeräte 558., dadurch erreicht wird, mehr Geschäftsleute nach Zehlendorf zum 1)+ bedeutet Buchs, für die Haftung der Lehrerschaft aus ihren Berufshandlungen 119 M. Wochenmarkt zu ziehen, muß start bezweifelt werden. Weiter be 5) Grandeis.) schwaches Treibeis. und für die auf den Bürgersteigen eintretenden Schäden 510,50 m. fchließt die Vertretung, der Zehlendorf- Grunewald- Terrain- Aktienschwaches Grundeis. Auf diese Prämiensäge werden der Gemeinde von dem Allgemeinen gesellschaft die Summe von 2310,18. zurück zu zahlen. Grund startes Treibeis.-) schwaches Grunbeistreiben.) Treibeis. Verantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW. . Wafferstands.Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Betterbureau. Dresden Barby Magdeburg am feit 81. 1. 80. 1. ст cm) 2163)-1 83+-6 1343-12 114 4-12 88-10 76)+12 58 -4 62°)-2 675)+2 -28+8 -150)+72 18-10 227)-12 Fal. Wasserstand Saale, Grochliz Havel, Spandau) 544 Rathenow) Spree, Spremberg) Beeskow ejer, Münden am feit 31. 1. 30.1. cm cm³) 128-6 92 72 2 77+1 -104 -565) -18 Kaub Köln 104)+3 1029) Nedar, Heilbronn Main, Wertheim Rosel, Trier 41 60°) Unterbegel. Eisstand. Minden Rhein, Mayimiliansau 306