Nr. 28. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 8,30 Rt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mari, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz 1 Ericcint täglio außer Montags. Vorwärts 26. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene ftolonel. geile oder deren Naum 50 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", bas erste( fett. gebruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Sozialdemokrat Berlin". Berliner Volksblaff.the. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Grollen in der Tiefe. Mittwoch, den 3. Februar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aut IV, Nr. 1984. zu beginnen, um den katholischen Kongreßdelegierten die Ge- In den für die preußischen, bayrischen, sächsischen, egenheit zu geben, an dem firchlichen Feiertag( Lichtmeß) dem thüringischen, elsaß- lothringischen usw. Gruben ebenfalls schon Gottesdienst beizuwohnen. Auch nicht ein Wort des Wider- vor Jahren erlassenen Bergpolizeivorschriften wird bestimmt: spruchs erhob sich dagegen! Ein Zeugnis für die kamerad- Wenn ein Betriebspunkt gestundet ist, muß das durch einen Verschlag( Holz), oder durch ein Lattenkreuz bemerkbar gemacht Bei der Worterteilung auf dem Bergarbeiter- schaftliche Toleranz der nichtkatholischen und der freireligiösen werden. Solche Betriebspunkte darf kein Arbeiter betreten. tongreß wurde auch die Organisationszugehörigkeit der Delegierten, aber auch ein Beweis für die Stärke des firchlichNun ist die betrügerische Manipulation sehr einfach. Das Redner angegeben. Dadurch kamen die mit der Bergarbeiter- religiösen Empfindens in der Bergarbeiterschaft. Und den bewegung nicht vertrauten Rongreßgäfte in die Lage, Ver- Kongreß dieser Arbeiterschaft boykottieren Regierung und die Kommen des Berginspektors ist vorher bekannt, darüber kann gleiche zwischen den Rednern auch nach der Richtung hin an- Vertreter der bekanntlich allerchriftlichsten Zentrums- und nach den Berichten der Bergarbeiter und dem Eingeständnis der Berginspektoren fein Zweifel mehr obwalten. Sobald zustellen, ob etwa die schärfste oder minder scharfe Tonart tonfervativen Partei! Uns kann's recht sein! Was die Bergarbeiter vorbrachten, blieb vielfach den die angemeldete Inspektion in Sicht ist, müssen die Mitglieder einer bestimmten Organisation charakterisierte. Wir sind sicher, alle Kongreßgäste sind überrascht gewesen von Nichtfachleuten unverständlich. Die bergmännische Terminologie die Arbeiter die polizeiwidrigen Betriebspunkte verlassen, in der Einheitlichkeit der Stimmung im Berg- unterscheidet sich wesentlich von der sonst gewerblich gebräuch- wenig Minuten ist ein„ Verschlag" hergestellt oder ein Battenarbeiterlager. Nicht der geringste Unterschied trat lichen. Darum fonnten die Zeitungsberichterstatter oft den freuz vor das Schlagwetterloch gehängt der Berginspektor in der Verurteilung des herrschenden Ausbeutungs- Rednern nicht folgen. Die ganze Furchtbarkeit der Berufs- kommt, der Betriebspunkt ist nun gestundet"! Das genügt systems hervor. Mit derselben Wucht schleuderten gefahren und die Frivolität, mit der in der Grubentiefe mit den meisten Herren Berginspektoren wohl, denn wenn sie nicht die schlesischen und mitteldeutschen, wie die westdeutschen und Menschenleben gespielt wird, kann nur erfassen, wem die so fest dem Lattenkreuz" vertrauten, würden sie dem angeblich füddeutschen Bergarbeiterdelegierten ihre Anklagen gegen die Sprechweise der Bergarbeiter verständlich ist. Dem steno- unbelegten", gestundeten" Betriebspunkt genau unterVerteidiger und die Verantwortlichen des mangelnden Berg- graphischen Kongreßprotokoll muß es daher überlassen bleiben, suchen und leicht entdecken, daß sie mystifiziert werden sollen! arbeiterschutzes. Db freier Verbändler, Hirsch- Dunckerfcher Ge- den Fachkundigen und Verantwortlichen die die von der Tages- Raum hat der Herr den Rüden gewandt, so müssen die Arwerkvereinler, polnischer Berufsvereinler oder oberschlesischer presse übergangenen technischen Einzelheiten aus der Arbeiter- beiter wieder in dem Schlagwetterloch wühlen! Sollten sich bald darauf hier die Wetter entzünden, oder sollten hier die Hilfsvereinler, ob Deutscher oder Pole: alle Delegierten ohne aussprache zur Kenntnis zu bringen. Ausnahme erklärten, wenn die Bergarbeiterstimmen wieder Nur ein paar Punkte seien hier herausgegriffen, weil sie Arbeiter vom niederstürzenden Gebirge erschlagen werden, unerhört verhallten, dann werde ein Kampf aus- mit am meisten das Erschrecken der Kongreßgäste hervorriefen. dann wird der düpierte Inspektor natürlich: es war alles brechen, wie er im deutschen Bergbau noch nicht dagewesen! Sie fragten sich immer wieder, wie es denn möglich sei, in Ordnung, ein unerklärlicher Fall!" konstatieren, oder aber Diese Uebereinstimmung wirkte auf die Zuhörer über- daß Arbeiter, des Bergbaues unkundig, an so ge- die getöteten Arbeiter werden von den eigentlichen Schuldigen fährliche Arbeiten gestellt werden konnten ohne jede obendrein bezichtigt, selbstverschuldet" zugrunde gegangen zu wältigend! Männer der Arbeit traten auf, im strengsten Sinne des Kontrolle! Aus fast allen Distrikten berichteten nämlich sein! Wer fann's widerlegen? Der Toten Mund schweigt! Schlicht und ergreifend enthüllten die BergarbeiterWortes. Als gestern mittag die vielftündige Besprechung der die Delegierten, es würde Raubbau getrieben; was sich melde internen Grubenzustände geschlossen war, teilte der Vorsitzende an Arbeitern, käme in die Grube, und bald an sehr ge- delegierten die schauerlichsten Vorgänge. Sie erleben das mit, es hätten 40 Redner gesprochen, davon seien nur drei fährliche Stellen. Spezielle Fälle wurden vorgetragen, Schredliche tagtäglich, diese Arbeiter wenigstens empfinden es Angestellte der vertretenen Drganisationen, die 37 übrigen wo ungeschulte Leute, an verantwortungsreiche noch. Aber es ist fürchterlich: zehntausende und abergehen noch täglich zur Grube! Eine Arbeiterausspra che Arbeiten gestellt, die ganze Belegschaft in große Gefahr zehntausende Grubenarbeiter empfinden gar dieser Art war noch auf keinem Kongreß zu verzeichnen. Nicht brachten. Es leuchtet ein, daß vorzüglich im Bergbau auf nicht mehr, was an Entseglichkeiten um sie die sogenannten" bezahlten Heger", nicht die Beamten der die Schulung der Hauer usw. großes Gewicht gelegt werden vorgeht! Ein unglaublicher Fatalismus hat die Armen Verbände nahmen das Wort, sondern sie hielten sich fast ganz muß. Infolgedessen sagte man, daß hierüber doch erfaßt. Das wühlt und schuftet und fördert Kohle, Erze und strenge Vorschriften bestehen müßten. Sie bestehen Salze, liegt vielstündig fern vom Sonnenlicht in der schauerzurück; unvermittelt kam durch den Mund der Gruben allerdings, wie sie aber von den Grubenbesitzern einlichen Tiefe und stirbt eines Tages unter dem brechenden proletarier das Grollen in der Tiefe zum Ausdruck! Man muß fie gesehen und gehört haben, die Bergarbeiter gehalten werden, hat die Kongreßaussprache gezeigt. Für Gestein! So geht es jahrelang. Immer rücksichtsloser wird aus allen Grübenbezirken Deutschlands, um die soziale Be- die Oberbergamtsbezirke Breslau, Dortmund und Bonn, auch inzwischen gegen das Menschentum gesündigt, immer toller deutung dieser Demonstration voll würdigen zu können. An für Bayern und Sachsen sind schon seit Jahren Bergpolizei- wird die Jagd nach der profitreichsten Förderung, immer Jahren noch verhältnismäßig jung, meistens nicht älter wie 40 vorschriften erlassen, worin es sinngemäß gleichlautend heißt: schonungsloser werden die Grubenstlaven mißhandelt. Bis Bur selbständigen Ausführung von Hauerarbeiten einschließlich die soziale Explosion eintritt. Die volkswirtschaftliche in Preußen werden die Bergknappen schon zwischen dem der zugehörigen Sicherung der Arbeitspunkte dürfen nur solche Katastrophe ist da, der Mißhandelte wirft die Zeichen seiner 40. bis 50. Lebensjahre ganz invalide!-, machten sie doch Personen zugelaffen werden, die das 21. Lebensjahr vollendet Knechtschaft dem Ausbeuter vor die Füße! schon den Eindruck von Greisen. Abgemagerte, ausgemergelte haben, mindestens 3 Jahre in der Grube gearbeitet haben und Wer dem Bergarbeiterkongreß beiwohnte, hat das Grollen Gestalten, im Gesicht die Male der Bergarbeit: blaue Flecken, während dieser Zeit wenigstens 1 Jahr als Lehrhauer unter Auf- in der Tiefe verspürt. Manchmal entflohen Worte Iciden Folgen erlebter Explosionen. Einer der Delegierten hat eine sicht eines selbständigen Hauers tätig waren. schaftlicher Anklage dem Munde der in ihrer Menschenwürde ganz blaue Gefichtsfarbe; eine böse Schlagwettererplosion hat Würde diese Vorschrift von den Grubenbefizern strenge tiefbeleidigten Proletarier, Worte voll wilder But und ihm übel mitgespielt, auf ein Haar ging ihm das Augenlicht und überall befolgt, dann wären die bezüglichen Klagen grimmigen Entschlossenheit! Daß es diese Männer nicht bei ganz verloren. Bei anderen zeugten die verkrüppelten Hände der Stongreßdelegierten gegenstandslos. Es steht aber fest, von den Gefahren des Bergarbeiterberufes. Wenige waren daß die Vorschrift in unzähligen Fällen nicht innegehalten orten belvenden lassen, wenn ihr Hilferuf wiederum nicht da, die nicht schon Körperschaden erlitten, knapp dem Berufs- wird. Leute, die vorher faum eine Grube gesehen, kommen gehört wird von denen die auf der Menschheit Höhen tode entgingen. Diese Delegiertenschar war schon eine er- in polizeiwidrig furzer Zeit an die selbständige Hauerarbeit. wandeln", daran ist nicht zu zweifeln! greifende Demonstration gegen den in unseren Gruben be- Die Grubenbesitzer erklären ja selbst die schreckliche Zunahme triebenen Raubbau an Menschenleben. der Unglücksfalle mit der starten Vermehrung der BeiegWie sie redeten? Nur wenige verrieten eine höhere geistige schaften durch ungeschulte Arbeiter. Also das Verbot Schulung. Die allermeisten brachten stockend, unbeholfen, in dieser Art der Arbeitervermehrung besteht, aber in under allerschlichtesten Weise vor, was ihnen das Herz bedrückte. zähligen Fällen nur auf dem Papier! Das hat die Paris, 1. Februar.( Eig. Ber.) Die Kammer hat heute mit Zweidrittelmehrheit Herrn Aber war auch wenig Kunst in den Reden, es lag doch rechter fürchterlichsten Folgen für die Arbeiter. Wer weiß, wie Sinn darin, proletarisches Aufschreien über die unerträgliche manches Menschenleben vernichtet wird, weil die Gruben- Clemenceau ein neues Vertrauensvotum gespendet. Es hanMißhandlung der Menschenwürde, erschütternde Tragit, die befizer vorschriftswidrig ungeschulte Arbeiter dorthin stellen, delte sich nicht um eine Frage der Politik, sondern um eine Frage den Zuhörer erschauern machte! Sie empfanden die Tragödie wo sie sich und ihre Kameraden den größten Lebensgefahren des guten Betragens. Der Ministerpräsident, der seinen Launen des Grubenproletariers! So wie diese Arbeitsmänner denten aussetzen! alle Zügel schießen läßt und oft mit viel Wit, zuweilen aber auch -man fühlte es, so denkt das Riefenheer ihrer Kameraden Erstaunt horchten die Nichtbergleute auf, als gleich reihen- nur mit 3ynismus alle Leute, die in seinen Bereich kommen, verdraußen in den raucherfüllten Industriebezirken, so sinnen die weise die Kongreßdelegierten flagten, die Strecken und Derter lebt, hat am letzten Freitag den Genossen Pressensé, einen der Snappenscharen tief im Schoße der Mutter Erde über die Er- hätten" boll Feuer gestanden", es habe die Lampe nicht Redner, die am sorgsamsten ihre Worie abwägen und jede Heftigfüllung ihres Schicksals! brennen können, betäubt seien die Kohlengräber zu Tage ge- feit der Form vermeiden, in rücksichtslosem Zorn beleidigt. Kein Regierungsvertreter ließ sich blicken! Ha bt Ver- schafft worden. Das sollte heißen: an den betreffenden Breffensé hatte sich der vier Offiziere von Laon angenommen, die trauen zu uns", bittet der Nachfolger Posadowskys, so Betriebspunkten hatten sich explosive Gase in großer gemaßregelt worden sind, weil sie einer Messe beigewohnt haben oft im Reichstage die sozialdemokratischen Redner der Re- Menge gesammelt, es fehlte an der frischen Luftzuführung. und den für Sozialisten selbstverständlichen Grundsaß der Meigierung vorhalten, sie sei unternehmerfreundlich. Mit welchen Die Schlagwetteransammlung war so start, daß die Sicher nungsfreiheit für alle vertreten. Clemenceau hatte darauf den Gefühlen für die Regierungsrepräsentanten werden die Gruben- heitslampe" überhaupt nicht brannte, deswegen weitab gehängt merkwürdigen Einfall, seinem Gegner den Vorwurf des proletarier nun an ihre Arbeit zurückkehren? Wen die Götter wurde die Arbeiter mußten in der ungehener gefährlichen nungswechsels zu machen, und als Pressensé die doch ganz anderen verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit!" Die Ent- Atmosphäre demnach schuften, ohne Lampe, im Dunkeln, bis politischen Wandlungen Clemenceaus in seiner schneidenden sendung auch nur eines einzigen Regierungsvertreters zu dem sie betäubt hinfielen!!! Eine geringe Unvorsichtigkeit mit der Apostrophe charakterisierte und dabei an ein Duell mit dem Bergarbeiterfongreß hätte wenigstens den Schein der Un- Lampe, und die schrecklichste Katastrophe war geschehen. Kommt Reaktionär Barrès erinnerte, bei dem Clemenceau fein Sekun parteilichkeit gewahrt und manche sympathische Regung in der dann noch hinzuwie von der Zeche Radbod berichtet wurde- dant gewesen war, revanchierte sich der Ministerpräsident in einem Senappenschaft geweckt. Wie erfreut waren die Delegierten daß infolge fehlenden Berieselungswassers der Zwischenruf, der etwa darauf hinauslief, daß Pressensé damals über die Teilnahme einer Anzahl bürgerlicher Parlamentarier Kohlenstaub sich trocken anhäuft, dann überträgt der ent- ausgefniffen fei. am Kongresse, wie sympathisch irarde z. B. der Abg. Gothein zündete und explodierende Staub die Katastrophe auf die Nun sind ja die Duellfaren der französischen Politiker, von begrüßt, dessen sachkundige Stellungnahme für die Bergarbeiter- ganze Betriebsabteilung oder gar auf die sämtlichen unter demen sich bekanntlich auch viele Sozialisten noch nicht emanzipiert forderungen den Gedrückten nicht unbekannt blieb. Es versteht irdischen Betriebspunkte. Auf einen Schlag können so aus haben, wirklich nicht sehr interessant, aber diesmal bot die Polemit, sich von selbst, daß die sozialdemokratischen gehend von sogenannten Kleinigkeiten" die in der Kammer begonnen hatte und die dans in„ offenen Fraktionen des Reichstages und des preußischen Landtages Menschenleben vernichtet werden! Briefen" Pressensés und Clemenceaus in der Presse weiter. start vertreten waren. Die Bergarbeiter wissen längst, wo Solche, einer gewaltigen Katastrophe vorhergehenden Be- gesponnen wurde, Gelegenheit, die Bergeßlichkeit, womit der und er kommt sie am unbedingtesten auf eine entschiedene Wahrung ihrer triebsmißstände haben, wie die Kongreßdelegierten aus eigener Ministerpräsident, wenn er in Erregung kommt Interessen zu rechnen haben. Kein Zentrumsvertreter, tein Erfahrung berichteten, manchmal wochen-, ja monatelang be- immer in Erregung mit den Tatsachen umspringt, öffentlich fonservativer Abgeordneter ließ sich auf dem Kongreß blicken! standen, und es war nur der reine Zufall, daß kein Massengrab festzustellen. Pressensé hat dem„ wütenden Greis", wie er ihn in Sie blieben fern mit den Repräsentanten der Regierung! entstand! Bestehen denn hierüber keine Schutzvorschriften?" der Kammer genannt hatte, nachgewiesen, erstens, daß der WiderUns fanns recht sein, wenn auch den Bergarbeitern, die fragten entsetzte Kongreßgäste die Knappen. Das muß doch spruch, der zivischen einer früheren Resolution der Liga der sich noch nicht zur Sozialdemokratie bekennen, immer deutlicher die Bergbehörde auch sehen." Selbstverständlich bestehen Menschenrechte und der jebigen Haltung ihres Präsidenten zum Bewußtsein gebracht wird, wohin sie gehören! über die peinlichste Wetterführung und Berieselung polizeiliche Breffensé bestehen sollte, diesen überhaupt nichts anging. Denn Es leben unfere Freunde die Feinde! Ein Zwischenfall Vorschriften, sogar recht eingehende, und für alle Bergwerks- Pressensé war damals noch nicht Präsident gewesen und dann war creignete sich, der recht deutlich zeigte, wie beispiel- bezirke Deutschlands. Wie unerhört frivol aber die Berg- die Resolution auch gar nicht von der Liga, sondern nur von einer los töricht das Verhalten der Stüßen von Thron und inspektoren getäuscht werden, und wie leicht sich die Ortsgruppe in Clermont- Ferrand beschlossen Altar" doch ist. Am Schluß des ersten Kongreßtages schlug Herren düpieren lassen, davon haben die Bergarbeiter worden. Zweitens aber war das Verhalten Pressensés in der der Vorsitzende vor, die nächste Sigung eine Stunde später eine Fülle von Material beigebracht. Duellaffäre auch nach den Regeln des„ Ehrenkoder" durchaus for. " " 252 Hunderte von Ein Vertrauensvotum. Mei tefi geivcsen und die Ausbeutung der alien Verleumdung, als ob Presstense erst den tapferen Herausforderer gespielt hätte, um sich dann auf seinen gelähmten Arm zu berufen, wurde auch durch das Zeugnis Barres in ihrer ganzen Leichtfertigkeit sichtbar. Die Majorität half Clemenceau heute in der Weise heraus, daß sie den Streit für eine persönliche Angelegenheit, die die Kammer nichts angehe, erklärte. Clemenceau selbst leistete sich den verblüffenden Ausspruch, dah man ihn jetzt wegen eines Zwischenrufes angreife, weil man das Ministerium nicht der Nichterfüllung seines politischen Programms anklagen könne. Die Radikalen mußten diesen Hohn stillschweigend hinunterschlucken, denn sie sind ja die wahren Schuldigen. Sie haben sich so rasch zur Partei der sozialen Reaktion lind der großkapitalistischen Korrup- tion entwickelt, daß sie nicht gegen den Diktator aufzumucken wagen, den sie so hassen, wie er sie verachtet. Sie lluMchkise auf der Kieler ßlerft. Kiel, 2. Februar.(Telegraphischer Bericht.) tÄroße Vcruntreungen auf der Kieler Reichswerft, die etwa die Höhe von einer Million Mark erreichen, kamen heute vor dem Kieler Schwurgericht zur Verhandlung. Acht kaiserliche Beamte stehen unter der schweren Anklage, sich der Unterschlagung in vielen Fällen schuldig gemacht zu haben. Es handelt sich vor allem um die Veruntreuung, von Material aller Art und um die Veräußerung von Alteisen, das noch lange nicht„subiiiissionsreif* war. Die ganze Affäre hat außerordentlich große Kreise gezogen. Zahlreiche Per svnen sind verhaftet wlpcdcn, unter anderem mehrere reiche Gc schäftsleute, Mteisenhändler aus Hamburg, gegen die vor dem Hamburger Gericht eine besondere Verhandlung stattfinden wird Zu den Hehlern gehörte auch der Althändler Jacöbsohn aus Hain bürg und sein Sohn Siegfried, die auf Grund einer Einsichtnahm in ihre Bücher verhaftet wurden, und zwar im letzten Moment, als sie sich schon auf der Flucht befanden. Die Voruntersuchung hat ergeben, daß bei der Vergebung von Altmaterial die tollsten Dinge vorkamen. Wenn die Abnehincr von Altmaterial eine neue Lieferung benötigten, so wurde sie von den verbrecherischen Be amten besorgt, mochte eZ gehen wie cS wollte. War gar kein Material auf unverfängliche Weise zu beschaffen, so erklärten die Beamten, daß ein Raum, wo noch gutes Material sich befand, nn bedingt geräumt werden müsse, und die Hehler bekamen ihre Lieferung. Außerdem wurden noch ganz erhebliche Summen von Schmiergeldern für tlebergewicht usw. ausgezahlt. Bei einer Lieferung von 200 000 Kilogramm Eisen war ein tlebergc wicht von 150000 Kilogramm keine Seltenheit. Natürlich mußte das Nebergewicht auf denselben Wagen Platz finden, die nur für bestimmtes Kaufgewicht vor- gesehen waren. So kam es oft vor, daß der Wagen unter der Last zusammenbrach. Die Korrcsponoenz wurde mit aller möglichen Vorsicht geführt, zum Beispiel waren für die untreuen Beamten Namen, wie Rabbi I und Rabbi II, angesetzt. Alle diese Streiche sind durch die Bücher- und Schriftprüfungen aufgedeckt worden. Die heutigen Verhandlungen wurden von dem Landgerichts- direktor Schor geleitet, die Anklage vertrat Staatsanwalt Neils. Der Hauptangeklagte von den acht heute unter Anklage stehenden Personen ist der Magazinauffehcr Kankowsii. Außerdem sind noch angeklagt der Lohnschreiber Peters, der Hilfsmagazin aufseher P e t e r c i t. der Hilfsschreibcr.Krause und die Kutscher A n d r e s e n und Müller. Kankowski wird unter anderem beschuldigt„Zylinderöl", Rüböl, in taufenden von Kilo- gramm beiseite geschafft und verkauft zu haben, ferner größere Mengen Quecksilber, 59 Körbe mit 1500 Kilogramm Oel usw. So- dann steht er unter der Anklage, die Bücher falsch geführt und Geschenke angenommen zu haben. Petercit ist angeklagt wegen der Entwendung von Wischbaumwolle, der Hilfsschreiber Krause soll bei allen Taten Beihilfe geleistet haben. Der Lohnschreiber Peters soll zu den Taten angestiftet haben. Er betrieb ein offenes Handels- geschäft, obwohl er bei der Werft angestellt lvar. Er ließ sich Ge schäftspapiere drucken mit der Aufschrift„Peters, Kiel". Die unter- schlagenen Materialien sandte er an Speditionsgeschäfte in Ham- bürg und Berlin, um sie von dort ans zu verkaufen. Bei dem Berliner Spediteur erregten die Geschäfte Verdacht und durch ihn kam die Untersuchung in Gang. Die Kutscher N tüller und Anoresen haben sich dadurch strafbar gemacht, daß sie die gestohlenen Materialien nach dem Bahnhof transportiert haben. Ein weiterer Angeklagter Niemann ist flüchtig und befindet sich in England.� Die Angeklagten Kankowski und PeterS s f n d geständig. Zunächst wurde der Angeklagte Kankowski vernommen. Er schiebt die Schuld auf die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse und erklärt, er habe nur eine sehr kleines Gehalt, aber hohe Aus- gaben gehabt. Durch das schlechte Beispiel der oberen Beamten sei er zu unnützen Geldausgaben verführt worden. Er macht dann eingehende Angaben über die einzelnen Fälle der Veruntreuungen Kankowski. der als Magazinaufseher weitgehendes Vertrauen der Behörden genoß, trieb vor allem einen schwunghaften Schwindel mit Zylinderöl und Rüböl. Er vergaß es regelmäßig, die aus- iiataiie Ciebfenecht. Der Frauen Schicksal ist beklagenswert! In seinem allgemeinen Sinne verhallt das Wort mehr und mehr in den revolutionären Kämpfen der Gegenwart, aber in dem besonderen Sinne, worin sich Goethes Iphigenie zu ihm bekennt, bleibt es wahr, gerade auch in diesen revolutionären Kämpfen. Mehr als ein Vorkämpfer des Proletariats hat den besten Teil seiner Kraft geschöpft aus dem stillen Born des Glückes, den eine hoch herzige und hochsinnige Lebensgefährtin hütete; auf ihre Schultern fällt der schwerere Teit des gemeinsamen Schicksals, aber ihre Namen kündet kein Lied, kein Heldenbuch! nur sind diese Frauen hochherzig und hochsinnig genug, niemals über ein Schicksal zu klagen, das jede weiche und zarte, wie jede starke und stolze Empfindung des weiblichen Herzens weckt.! Solch eine Frau war Jenny Marx und solch eine Frau ist auch Natalie Liebknecht gewesen, über deren Tod wir heute trauern. In manchem ähnelt sich das Leben beider Frauen, wenn auch nicht darin, daß sich die Herzen schon in ftüher Jugend fanden. Wilhelm Lieb- knecht hatte bereits die Schwelle des fünften Lebensjahrzehnts über schritten, als er Natalie Reh kennen lernte. Die Geliebte seiner Jugend war in ihrer zarten Gesundheit der schweren Drangsal er- legen, die die Heimtücke der polizeilichen Verfolgungen über ihren Gatten gebracht hatte und die Sorge für zwei heranwachsende Töchter lastete schwer auf dem Kämpfer, den eine rast- und ruhelose Propaganda immer wieder dem häuslichen Herde entriß und auf zahlreiche Fahrten durch Deutschland trieb. Auf einer dieser Fahrten, im Frühjahr 1808. schloß er den neue» Bund fürs Leben, auf einer Agitationsreise für die Wahlen zum Zollparlament. Bei diesen Wahlen ging die Sächsische Volks- Partei, deren Führer Liebknecht neben Bebel war und die wesentlich aus proletarischen Elementen bestand, noch zusammen mit der Süddeutschen Bolkspartei. in der das hessische und schwäbische Kleinbürgertum weit überwog. Was sie zusammen- hielt, war der demokratische Widerstand gegen die borussische Revolution von oben; er verkleidete noch den Gegensatz, der Klasseninteressen. Bald genug freilich brach er auf, aber unter den Sternen dieser vorübergehenden Konstellation hat Wilhelm Liebknecht das neue Glück seines Lebens gefunden. Im Hause Ludwig Büchners sah er zum ersten Male seine künftige Gattin. Sie war ihm entfernt verlvandt, die Tochter des Hofgerichtsadvokaten Reh in Darmstadt, gegebenen Posten zu buchen. �Zu Anfang Zfes�Jahres 1908 lieferte Iber einem Nachlaß don 20000 21?., sondern, soweit Kinder "' als. Erben in Betracht kommen, erst bei einer Nachlaßsumme von 40000 oder 50000 M. beginnen soll. Außerdem sollen bei der Nachlaß- und Stcucrbercchnung dem ländlichen Groß- grundbesitz einige weitere Privilegien eingeräumt werden. Dagegen ist man sich noch nicht einig, wodurch man den entstehenden Steuerausfall decken will. Ein Teil der Agrarier verlangt im Interesse der notleidenden Schnapsbrenner die Wiederherstellung des von der Kommission abgelehnten Brannt- weinhandelsmonopols; ein anderer Teil fordert die Einfüh- rung der vom preußischen Abgeordnetenhaus abgelehnten Gesellschaftssteuer als Meichssteuer— eine Forderung, von der die Nationallibcralen und Freikonservativen wenig wissen wollen— während ein dritter Teil die Er- höhung der Matriknlarbeiträge verlangt. Was schließlich aus den schönen Konferenzen Heranskommen wird, mögen die Götter wissen; in jedem Fall aber wird die Regierung, wenn alles so weit ist, Ja und Amen sagen. Denn im Grunde ist sie doch nichts als ein Jnteressenausschuß der Junker, der einen eigenen Willen nicht hat, sondern gleich Marionetten an allerlei im Zuschauerraum nicht erkennbaren Drähten zappelt. er durch Vcrmittelung des Hilfsschreibcrs Krause, der ebenfalls angeklagt ist, an den gleichfalls unter Anklage stehenden Lohn- schreiber Peters aus den Magazinen bedeutende Posten Quecksilber, Oel usw. Peters hatte damals gerade eine vierjährige Zuchthaus- strafe verbüßt, fand aber trotzdem bei der kaiserlichen Werst An- stellung. Er dirigierte die Waren unter falschen Begleitscheinen aus der Werst heraus und brachte sie in Hamburg und Berlin zum Verkauf. Der Erlös wurde dann geteilt. Ebenso wie der Magazinauffehcr Kankowski, sind auch die An- geklagten Lohnschreiber Peters und Hilfsschreibcr Krause durchweg geständig. Sie erklären ihre Verbrechen damit, daß sie in großer Not gewesen seien, dadurch seien sie zu den Unterschlagungen ver- anlaßt worden, die übrigens aus der Werft ganz gang und gäbe gewesen sein.— Der Hilfsarufseher Peterei bestreitet, an den Unter- schleifen beteiligt zu sein. Er will davon nichts gewußt haben. Auch die beiden Angeklagten Kutscher Andresen und Müller leugnen entschieden, gewußt zu haben, daß es sich bei den von ihnen voll- führten Transporten um unlautere Sachen handele. Die Verhandlungen werden erst Mittwoch zu Ende geführt werden. politische(lebertickt. Berlin, den 2. Februar 1909. Steuerschiebungen hinter den Kulissen. Die Regierung läßt verkünden, daß sie trotz der agrarischen Protestresolutionen an der mehrfach vom Reichsschatzsekretär ausgesprochenen Auffassung festbalte, die Annahme des dem Reichstage vorgelegten Nachlaßsteuer-Entwurfes sei eine conditio sine qua non für das Zustandekommen der Reichs finanzreform. Die„Köln. Volksztg." als Kanzlermoniteur veröffentlicht nämlich folgende offiziöse Drohnote: „Die in der letzten Zeit in der Presse aufgetauchte Nachricht. die Rcichsregierung sei geneigt, in der Frage der Nachlaßstcuer ihre Stellung zu ändern, wird uns an zuständiger Stelle als durchaus unzutreffend bezeichnet. Die ReicbSregicrung hält vielmehr an der Nachkaßstener fest. Sollte diese im Rahmen der Reichsfinanzreform im Reichstage keine An nähme erhalten, so wird es den Parteien, die sie ablehnen überlassen werden, einen Ersatz dafür zu finden Sie werden auch die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn es alsdann nicht gelingt, bei der jetzigen Reichs finanzreform die wirtschaftlich durchaus notwendige Scheidung zwischen den Finanzen des Reiches und der Bundesstaaten herbeizuführen, oder wenn die direkt oder indirekt in Form von Matrikularbeiträgen dem Vermögen aufgebürdeten neuen Lasten eine Verteilung bringen werden, die durchaus nicht in der sorgsamen Weise, wie es die von der Regierung vorgeschlagene Nachlaßsteuer beabsichtigt, vor- weg die stärkeren Schultern unter besonderer Schonung des Grundvermögens treffen wird." Einschüchtern tvird diese Drohnote die Konservativen sicherlich nicht, schon deshalb nicht, weil sie zum Schluß ziemlich deutlich erkennen läßt, daß. wenn es nicht anders sein kann, die Regierung sich mit stiller Resignation den Steuer- Plänen der Agrarier fiigen und diesen lediglich öffentlich die Verantwortung für die Verhunzung des Sydowschen Steuer ragouts zuschieben will. Davon, daß die Regierung gedenkt, an der Ablehnung der Nachlaßsteuer die Reichsfinanz reform scheitern zu lassen und eventuell an einen neuen Reichstag zu appellieren, steht in der Note kein Wort. Das ganze Gerede hat keinen anderen Zweck, als den Rückzug der Regierung vor den Ansprüchen der Konservativen und der landrätlicheii Büreaukratie zu ver decken. Den besten Beweis dafür liefert die bekannte, von der„Deutschen Tageszeitung" heute abend offen konstatierte Tatsache, daß die Regierung sich selbst anden geheimen Besprech»ingen beteiligt hat, die zwischen Vertretern der Blockparteien darüber stattgefunden haben, wie die Nach laß st euer derart eingeschränkt werden könnte, daß sie den Großgrundbesitz mög l i ch st wenig trifft, und welcher Ersatz sich für den da durch entstehenden Steuerausfall biete. Schon seit längerer Zeit sind solche geheimen Techtel mechteleien hinter den Kulissen im Gange, und wie es scheint ist man sich bereits in der Hauptsache darüber einig, daß der Steuersatz für die Nachlässe, die an Kinder und Ehegatten fallen, noch mehr erniäßigt und die Stcuerpflicht nicht schon Nationalversammlung gewesen war und dann lange Jahre dem hessischen Abgeordnetenhause angehört hatte. So war Natalie Reh in einem politischen, aber in keinem revolutionären Haufe aufgewachsen; das wohlbehütete Kind einer kleinstädtischen Honoratiorcnfamilie trat sie nach einem kurzen Brautstand mitten in alle Armut und alle Not des Daseins, das einem proletarischen Vorkämpfer in jenen Tagen noch beschieden war Hierin ähnelt ihr Schicksal dem Schicksal von Jenny Marx, aber es ähnelt ihm auch darin, daß sie das aufreibende Ringen, das tag- liche und stündliche Ringen mit dem unendlich Häßlichen, Kleinlichen und Niedrigen tapfer aufnahm, um die Kraft ihres Gatten frei zu halten für den großen Kampf seines Lebens. Dadurch bewährte sie sich als echt weibliche Natur in jenem höchsten Sinne, worin Goethe einmal dies Wort gebraucht. Trotz aller Kargheit der Mittel schuf sie ihrem Gatten die glückliche Häuslichkeit, worin er sich von seiner nervenzerrüttenden Tätigkeit im Dienste der Arbeiterklasse erholen konnte; es ist in erster Reihe ihr Verdienst wenn er bis ins biblische Mer hinein eine unverwüstliche Frische des Geistes und der Kraft bewahrte. In seinem glücklichen Tem perament überließ er ihr gern die Last dieser Sorgen; nicht als ob er nicht gewußt hätte, Ivas er an ihr besaß, nicht als ob er an ihr nicht mit treuester Dankbarkeit und Liebe gehangen hätte; wie sehr sein Leben mit dem ihrigen verwachsen war, zeigen die Briefe, die er ihr am Vorabend seines Todes von seiner italienischen Reise schrieb; ein Teil ist seiner Zeit im„Vorwärts" veröffentlicht worden. Wer von den Tugenden des ehrsamen Hausvaters war ihm nicht allzuviel gegeben, und was er davon besitzen mochte, hatten die Londoner Flüchtlings jähre nicht gefördert. Flitterivochen hat diese Ehe nicht gekannt, oder doch nur in einer gar absonderlichen Form. Kaum hatte sich Frau Natalie in ihr neues Leben gefunden, als die großen Schläge hereinbrachen; im Kriegswlnter von 1870 und 1371 der wilde Wirbelwind deS Hasses, der um ihren Mann und Bebel tobte, daim die qualvolle Untersuchnngshaft der hundert Tage und endlich die zweijährige Festungshaft in Hllbertusburg. Und kaum war wieder die ärgste Not gekehrt, als das Sozialistengesetz ihr den Gatten, ihren heranwachsenden Kindern den Vater auf zehn Jahre entriß; die somttäglichen Ausflüge nach Hubertusburg und dann nach Borsdorf zu dem Gefangenen oder dem Verbannten mag man wohl die Flittertage ihrer Ehe nennen. In alledem aber hielt sie das Haupt hoch und blieb ihr Herz tarl. So mnstergfiltig wie als Gattin war sie als Mutter; in den zwölf Jahren, wo sie von ihrem Gatten getrennt leben mußte, hat sie die fünf kräftigen Buben, die sie ihm gebar, meisterlich zu erziehen der ein Mitglied und zeitweise ein Vizepräsident der Frankfurter> verstanden, sie zu würdigen Erben eines großen Namens gemacht. Ein abgesägtes Stadtoberhaupt. Der seit vier Jahren in Altona amtierende Oberbürgermeistec Dr. Tettenborn, Mitglied des preußischen Herrenhauses, ist vom Stadtverordnetenkollegium wegen angeblicher— Unfähigkeit onf- gefordert worden, sich pensionieren zu lasse». Diese Aufforderung zu demissionieren, ist unter sehr merkwürdigen Umständen geschehen. Nicht unter Beobachtung der sonst üblichen Formen hat man Dr. T. nahegelegt, vom Schauplatz seiner„unfruchtbaren" Täiigleit zu ver- schwinden, sondern es handelt sich hier um einen förmlichen Ucberfall. Das Stadtoberhaupt soll die Vorlagen nickt genügend begründen, soll namentlich die Jnteresien Altonas beim Köhlbrandvertrag nicht energisch genug vertreten haben, wie er überhaupt nicht die geistigen Qualitäten besitzen soll, die zur Führung seiner Amtsgeschäfte er- forderlich sind. So lauten die Argumente, die dem„Ober" in wenig verbindlicher Form vorgetragen wurden. Es wurde dann ein Korn- promiß geschlossen, wonach Dr. T. bis zum Ablauf seiner Amts- Periode(1917) eine Pension von 15 000 M. und dann bis an sein Lebensende 10 500 M. pro Jahr erhalten soll. Der abgesägte Oberbürgermeister kann, was die pekuniäre Seite anlangt, mit dem Ausgang der Angelegenheit zufrieden sein, weniger sind es aber die Altonaer Steuerzahler, die energisch gegen den LuxuS, zwei„Ober" unterhalten zu müssen, protestieren, zumal nun auch die wahren Gründe des HerausdrängelnS allmählich durchsickern. Dr. T. hat nämlich die Flucht in die Oeffentlickkeit ge- nommen und in der Presse dargelegt, weshalb es zu„Unstimmig- leiten" gekommen ist. Da in Altona auf kommunalpolitischem Gebiete Sünden begangen worden sind, an denen das Gemeinwesen noch jahrzehntelang kranken wird, Sünden, zurück- zuführen auf das im Rathause etablierte Geldsacksregiment, das die breiten Schichten von der Mitbetätigung ausschließt, hat Dr. T. sich erlaubt, auf verschiedene Mißstände hinzuweisen und so etwas mußte„gerochen" werden. Ferner soll Herr Dr. T.— wie schreck- lich!— zip e i n f a ch gewesen sein und sich in dem Milieu des Altonaer Bürgertums nicht wohlgesühlt haben, sondern mit seiner' ebenfalls nur„einfachen" Frau die„Prominenten" gemieden haben. Der unerhört hohe WahlzensuS hat bisher den großen Masten den Zutritt zum Rathause versperrt, aber auch dieses Bollwerk der Pribilegiertenherrschast wird ans die Dauer dem Ansturm der Arbeiter- schaft weichen müssen._ /■ Die Handhabung des Ncichsvereinsgesetzes. Die„Deutsche Juristen-Zeitung" teilt mit. daß nach den ihr zugegangenen Meldungen die Auslegung des Reichsvcreinsgesetzes in der Praxis großen Schwierigkeiten begegne. Der Umstand, daß ein Eingreifen des Reichsgerichtes so gut wie ausgeschlossen ist, lege den Wunsch nahe, die Grundsätze zu sammeln, die von den einzelnen Oberlandesgerichten für die Anwendung der Vereins- gesetzlichen Bestimmungen aufgestellt werden. Die Juristenzeitunz will daher eil«: Sammelstelle ftir die Rechtsprechung zum Reichs- bcreinSgesetz vom 19. April 1908 begründen. Sie will in einer besonderen Rubrik ihrer„Spruchbeilage" die ihr zugehenden Ur- teile der Oberlandcsgerichte in Form kurzer Rechtsgrundsätze veröffentlichen. Tie„Berliner Morgenpost" läßt von einem Reporter die Ver- ordnung des preußischen Ministers des Innern über die Hand- habung deS Vcreinsgesches neuaufwärmen. Diese Verordnung, In der Erfüllung ihrer Matterpflicht wurde sie nie müde und darin fand sie ihr reinstes Glück. So wenig ihre häuslichen Pflichten je ihre Teilnahme an dem Kampfe der Arbeiterklasse lähmten, so haben sie vielleicht das litterarische Talent nicht reifen lassen, das sie in einigen Uebersetznngcn auS dem Englischen(Sybil, Kunde von Nirgendwo. Wahre Geschickte des Josua Davidsohn) und auch in einer Arbeit über die Trade-Unions im ersten Bande der.Neuen Zeit" bekundete. Mit dem Falle des Sozialistengesetzes kamen dann aber für sie die Tage, die sie reichlich entschädigten für alles, was sie über zwanzig Jahre lang durchgekämpft hatte. Das mächtige Aufblühen der deutschen Arbeiterbewegung, die in ihrem Gatten ihren ältesten Vor- kämpfer ehrte, die glückliche Entwickclung ihrer Kinder, ihr bescheidenes. aber behagliches Heim in der Kantstraße in Eharlottenburg, dessen herz- erfrischende Gastlichkeit niemand vergessen wird, der sie je genossen hat. die sonntäglichen Ausflüge nun nicht mehr in eine finstere Festung oder eine öde Dorfschenke, sondern in den Grunewald oder auf. die Mnggelberge— alles das mußte sie mit einem hohen Gefühle reich und redlich verdienten Glücks erfüllen. Und als nach schon zehn Jahren ein leichter und schneller Tod ihr den Gatten entriß, in hohen Jahren und doch noch auf der Höhe des Lebens, ehe ihn die Schrecken des Alters ergriffe», da durfte sie darin mehr daö sanft lösende Walten der Natur empfinden, als einen Schlag, der auch ihr Leben zerschmetterte, das mit dem seinigen so unlöslich verknüpft war. Ihr blieb der Stolz auf die deutsche Arbeiterklasse, die Liebe ihrer Kinder und Eickel, die Verehrung ihres weiten Freundes. kreiseö; ihr blieb das gütige Herz und der heitere Gleichmut der Seele. Noch einmal wurde dieser Gleichmut auf eine harte Probe gestellt, als sie wie einst den Gatten, so nun den Sohn auf die Festung wandern sah. auf dieselbe unfindbare Anklage des Hockverrals hin. jedoch die.Matroue bewahrte die gleiche Fassung, wie einst die junge Frau. Freilich freute sie sich sehr auf die baldige Wiederkehr des Sohnes und sprach mit aufleuchtender Freude davon, als wir sie vor Iveuigen Tagen erst in dem Konzert eines jungen Künstlers trafen, dem sie eine fteundliche Beschützerin war. Aber sie war so nsch und munter, wie wir sie seit langen Jahren stets gekannt hatten,»md nichts verriet, daß schon die Fittichs des Todes über ihr schwebten. Nun hat sie ein so. leichter und schneller Tod dahingerafft wie einst ihren Gatten, auch sie nach einem wohlvollbrachten Lebens- werke. daS sie selbst stets als glücklich empfunden hat und das glücklich vor allem war in dem Glücke, das sie selbst zu spenden wußte- F. M. die Bethmann- Hollweg unlängst im Reichstage zitierte, verlangt ihn praktisch in gewissem Maße auch ausüben. Die katholischen Antwort. Gut, fagte der Gewerkschaftler, so melden wir die Sache allerdings ohne daß danach verfahren würde, Fachabteilungen dagegen lehnen ihn auch praktisch ab, indem der Karabinieri, und zog sich in aller Ruhe mit den Seinen zurück. daß behördliches Einschreiten niemals in kleinlicher Weise erfolge, fie vom Streit nichts wissen wollen. Indessen wäre es ver- Er war wohl 15 Schritte gegangen, als ihn Creta anrief:„ So, den sondern nur dann eintreten dürfe, wenn es zum Schuße eines tehrt, anzunehmen, daß die katholischen Arbeitervereine der Berliner Karabinieri wollt Ihrs melden?" Als unser Genoffe bejahte, legte terheblichen staatlichen Interesses nötig sei. Auch auf Umwegen Richtung, in denen diese Fachabteilungen zu Hause find, nichts für ber Bächter seine Flinte auf ihn an und schoß den 60jährigen Mann soll das Vereinsrecht durch die Behörden nicht beeinträchtigt werden. Die Arbeiter täten. Ihr Organ, der Arbeiter", bringt in seiner Der Minister erinnert an die Beschwerden darüber, daß z. B. Per- legten Nummer einen Artikel über die Bedeutung ber Siege nieder! Er gab dann noch einen zweiten Schuß ab, der den Genossen sonen wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Vereinen bestimmter poli- für den Arbeiterhaushalt und die Nachricht, daß in Er- Ne vi niederstreckte, da stürzte Genoffe Bagati, ein baumstarker tischer Parteien von den Behörden in ihrem Erwerbsleben ge- fenntnis dessen im katholischen Arbeiterverein Marienwerder ein Mann, auf den Mörder los. Die Flinte entlud sich und verwundete schädigt, daß Gastwirte wegen der Hergabe von Sälen durch Ent- Vortrag über die Bedeutung, die Pflege und Bagati, der dann mit dem Messer, das er zum Holzschneiden trug, ziehung gewerblicher Vorteile bestraft wurden usw. In einem Wartung der Biege und im Anschluß daran die Gründung gleichzeitig Notwehr und Justiz geübt zu haben scheint, indem er 1 derartigen Vorgehen, erklärt er, sei ein Mißbrauch der einer Biegenzuchtgenossenschaft durch den Vorsitzenden dem Mörder die Hand abschnitt. Ob er es nun war Amtsgewa It" zu erbliden. der dortigen Fachabteilung erfolgt sei. Ueber den weiteren Verlauf oder ein anderer, jedenfalls wurde Creta der rechten Hand beraubt. Ueber die Zeitungen, in denen die der Anzeigepflicht nicht dieser für die Arbeiterbewegung wichtigen Angelegenheit berichtet Die Landarbeiter brachten dann ihre Verwundeten ins Hospital vom unterliegenden Versammlungen bekannt gemacht werden müssen, das Blatt: beißt es in der Verfügung: " Selbstverständlich dürfen nur solche Zeitungen( von der Behörde) bestimmt werden, die in dem betreffenden Bezirk verbreitet sind. Es können auch amtliche Publikationsorgane bestimmt werden, wobei allerdings zu erwägen ist, daß dieselben dann die Aufnahme von Bekanntmachungen über Versammlungen nicht verweigern dürfen, also eventl. z. B. auch Bekanntmachungen über sozialdemokratische oder polnische Versammlungen würden veröffentlichen müssen. Daß in einem Bezirk etwa lediglich amtliche Publikationsorgane bestimmt werden, entspricht nicht dem Sinn der Ausführungsverordnung. Ebensowenig darf bei der Bestimmung die politische Richtung einer Zeitung maßgebend sein. Vielmehr erscheint die Bestimmung von Zeitungen verschiedener politischer Richtung schon aus dem Grunde angezeigt, weil die nichtam lichen Blätter zur Aufnahme gegnerischer politischer Vereine nicht verpflichtet sind und vielfach auch nicht geneigt sein werden." Geschäfts- Politiker. Ein neuer Bauernmord. " Im September vorigen Jahres trat die hiesige Genossenschaft Drte, und als auch der Mörder zusammenbrach, trugen sie auch dem westpreußischen Biegenzuchtverein bei und erhielt fogleich einen ihn hin. rasseedlen Bod zugeschickt. Ein wie großes Bedürf= Die Genossen Visioni und Nevi find tot. Es erregt allgemeine, nis die Errichtung einer solchen Station für die hiefiegn Arbeiter auch in der bürgerlichen Presse zum Ausdruck kommende Entrüstung, war, zeigt flar der Erfolg. Vor einigen Tagen brachte daß Bagati auf seinem Strantenbett polizeilich überwacht wird, mir der Vorsitzende frendestrahlend die Liste der Ziegen während gerade seinem Mute die Beendigung des Blutbades zu besitzer, die die Station während während der verflossenen drei danken ist. Monate mit ihren Tieren in Anspruch genommen hatten: Es find 89( neunundachtzig) Arbeiter, Eigentümer oder Handwerker aufgeführt, ein Erfolg, an den wir kaum denken fonnten. Damit ist gleichzeitig die höchste Ziegenzahl, die für eine Mailand, 2. Februar. In der Nähe von Siena lam es Station zulässig ist, erreicht. Im nächsten Jahre werden wir uns zwischen Mitgliedern der Bauernliga und Gendarmen, noch ein weiteres Buchttier tommen lassen müssen." welche zwei Mitglieder verhaftet hatten, zu einem heftigen Bu Alle Achtung vor der Leistungsfähigkeit eines westpreußischen fammenstoß. Die Bauern umzingelten das Gendarmeriegebäude rasseechten Bodes", wie vor den Erfolgen der Ziegenzuchtgenossen- mit der Absicht, ihre Genoffen zu befreien. Die Gendarmen machten schaft einer katholischen Fachabteilung doch hegen wir einige hierauf von der Waffe Gebrauch und gaben mehrere Schüsse Zweifel, daß derartige Bemühungen, selbst wenn sie den Segen der auf die Menge ab. Hierbei wurden zwei Personen getötet. Bischöfe haben, geeignet sind, die Lage der Arbeiter wesentlich zu Eine Reihe von Verhaftungen wurden alsdann vorgenommen. bessern. Vor der Ziegenmilch der frommen Denfart fapitulieren bie Unternehmer nicht. " Berichtigung. In Nr. 22 des Vorwärts"( vom 27. Januar) brachten wir eine Notiz über die Nationalliberalen und die Großindustriellen", in der es heißt: „ Herr Aler. Tille, der Prophet des Bundes der Industriellen, liegt in Fehde mit den Nationalliberalen, die wütend darüber find, daß Tille ihnen die Wähler aus den Kreisen des Industrieund Handelskapitals entziehen will." Der Generalsekretär des Bundes der Industriellen" ersucht uns demgegenüber um die Mitteilung, daß Herr Dr. Tille mit dem Bund der Industriellen nichts zu tun hat. Gemeint ist natürlich der Zentralverband deutscher Industrieller. Die Balkankrise. Eine neue russische Intervention. Rußland. Der Fall Afew. Petersburg, 2. Februar. Die Duma beschloß, dem Antrage des Zentrums gemäß, die Interpellation der Linken über die Afew- Affäre an eine Kommission zu überweisen und diese zu beauftragen, innerhalb zehn Tagen dem Plenum Bericht zu erstatten. Die Sigung berlief ohne Zwischenfälle; am Ministertische war niemand erschienen. Hegypten. Die Verfassungsbewegung. Kairo, 2. Februar. In der heutigen Sigung der ägyptischen Nationalbersammlung legten eine Anzahl Mitglieder gedruckte Anträge vor, in denen die Errichtung einer Depu tiertentammer, entsprechend der im Dezember vom Gesetzgebenden Rat vorgeschlagenen, berlangt wird. China. Die Opiumfrage. In einigen bürgerlichen Blättern, so auch in der KreuzZeitung", wird darüber geklagt, daß die Reichstagsverhandlungen durch das Auftreten der Verbandssekretäre und Funktionäre von Berufs- und Interessenverbindungen überaus in die Länge gezogen werden. Die Zahl der Interessenverbände wird immer größer und die Direktoren und Sekretäre derselben haben dann immer das Bestreben, ein parlamentarisches Mandat zu erhalten. Wörtlich heißt es dann:" Die Verbandssekretäre treten in der Regel mit einem imperativen Mandat in den Reichstag ein; sie müssen das Mandat ausüben, wenn ihnen ihre Stellung im Verbande lieb ist." In gewissem Sinne trifft das zweifellos zu: Die bürgerlichen Parteien entfenden in der Regel Inter. essenten in die Kommission; so hatten die Konservativen zur Beratung des Branntweinmonopols in die Steuerkommission solche Abgeordnete entsendet, die selber Branntweinbrenner sind oder start an den Brennereien beteiligt sind. Die Direktoren des Die ruffische Regierung entwidelt eine fieberhafte Tätigkeit, um Bundes der Landwirte, Dr. Hahn und Dr. Roeside, entfalten eine ihren gefundenen Einfluß auf dem Balkan wieder zurückzugewinnen. fieberhafte Tätigkeit im Intereffe des von ihnen vertretenen Jetzt hat sie den bulgarisch- türkischen Konflikt benützt, um durch eine Bundes. Namentlich der Dr. Roesicke eilt vormittags von einer Intervention zu gunsten Bulgariens, das neue Königreich wieder in Kommission in die andere denn jeder Kommission, in der den Bannkreis ihrer Politik zu ziehen. Aus Petersburg wird offiziell Shanghai, 1. februar. Der internationale Opiumagrarische Interessen in Frage kommen, gehört er an hält hält gemeldet: schnell da und dort eine kurze Rede, um sich dann schleunigst wieder Die Unmöglichkeit einer unmittelbaren Verständigung zwischen fongres, auf dem England, Amerika, Deutschland, Frankzu entfernen und in einer anderen Kommission wieder aufder Türkei und Bulgarien, desgleichen die Gefahr weiterer Bere reich, Rußland, die Türkei, China, Japan, Holland, Portugal, Siam zutauchen. Einer der bekanntesten Interessenvertreter ist ferner zögerungen einsehend, beschloß die russische Regierung ihre Ber- und Persien vertreten sind, ist heute eröffnet worden. Der Generalmittelung vorzuschlagen, um beiden Seiten einen Ausweg gouverneur Tuan- fang begrüßte die Delegierten und führte aus, der nationalliberale Abg. Dr. Stresemann, der sein parlaaus der Schwierigfeit zu erleichtern. Ihr Vorschlag ist im daß die Unterdrüdung des Opiumgenusses schon mentarisches Mandat so ziemlich ausschließlich dazu benutzt, die wesentlichen folgender: Bekanntlich hat die Türkei eine ganze bemerkenswerte Fortschritte gemacht habe und betonte die Noteinseitigen Interessen der Großindustriellen zu vertreten. Es sei Reihe von Jahren Rußland laut Konvention von 1882 eine wendigkeit eines Regierungsmonopols. nur an sein Auftreten erinnert bei der Beratung der Abänderung Kriegsentschädigung zu zahlen. Da Bulgarien bereit ist, der Gewerbenovelle, wo er mit aller Entschiedenheit gegen eine der Türkei 82 Millionen Frant Entschädigung zu zahlen, tweitere Erleichterung des Roses arbeitender Frauen sich wendete. schlägt Rußland, dem die Türkei eine bedeutend höhere Summe schuldet, vor, diese Entschädigung zu liquidieren. Auf diese Weise wird Bulgarien für mäßige Prozente nebft Tilgung eine Anleihe von nicht den Generalstaatsanwalt Bareja beauftragt, Castro wegen AnCaracas, 1. Februar. Der Minister des Innern Alcantara har mehr als 82 Millionen aufnehmen, wobei Rußland weder eine stiftung aur Ermordung des Präsidenten Gomez gerichtlich Kontrolle noch besondere Garantien fordern wird, ohne welche Bulgarien unter den obwaltenden Umständen diese Summe auf zu verfolgen. europäischem Geldmarkte wohl schwerlich bekommen könnte. Andererfeits schlägt, da die Türkei den ihr zugefügten Schaden auf mehr als 82 Millionen Frant schätzt, Rußland der Türkei ein Abtommen bor zum Zwecke der bollständigen Befriedis gung ihrer Forderung durch jährliche Ratenzahlung oder mittels entsprechender Kapitalisation dieser Raten. Die Zinsen, die Bulgarien für die Anleihe von 82 Millionen an Rußland zu zahlen hätte, werden der russischen Reichsrentei die Möglichkeit geben, diese Finanzoperation ohne jeglichen materiellen Schaden für sich auszuführen. Eine Arbeitslosen- Demonstration. Mainz, 2. Februar.( Privatdepesche des Vorwärts".) Obwohl infolge des starken Schneefalls zirka 200 Arbeitslose vorübergehend beschäftigt werden, war die heute mittag stattgefundene Arbeitslosen Versammlung überfüllt. Eine Resolution wurde einstimmig angenommen, in der sofortige Inangriffnahme von Notstandsarbeiten sowie eine Arbeitslosen- Versicherung gefordert wird. Etwa 1000 ArbeitsLose zogen vor das Stadthaus, von da zum Arbeitsamt und zurück zum Stadthaus. Letzteres glich einer Polizeikaserne. Jedoch verhielt sich die Polizei ruhig. Eine Deputation erhielt den Bescheid, daß alle Arbeitslosen sich auf dem Arbeitsamt melden sollen. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle. Handwerkskammern und Arbeitskammern. Venezuela. Caftro unter Anklage des Mordes. Gegen den Stillstand der ArbeiterschuhGeschgebung und für ein einheitliches Arbeiterrecht Gegenwärtig hat die bulgarische Regierung ihre prin plädierten gestern abend 11 öffentliche Versammlungen, die in zipielle gustimmung zu dem vorgeschlagenen Weg für die Berlin und seinen Vororten stattfanden. Die Genossen Böttcher, Beilegung ihrer Differenzen mit der Türkei gegeben, und obgleich Bauer, Bartsch, Brüdner, Denger, Haß, Sch it= feitens der letzteren noch keine Antwort vorliegt, ist doch Grund mann, Dittmer, Ritter und gietsch, sowie die Genossin In ihrer legten Sizung beschäftigte sich die Handwerkskammer vorhanden zu dem Glauben, daß auch dort der ruffische Vorschlag 3ie referierten in diesen Versammlungen über die„ neue" Noin Düsseldorf mit dem Gesetzentwurf über die Arbeitstammern. Die sympatisch aufgenommen werden kann. Die russische velle zur Gewerbeordnung. Das Arbeiterrecht wird ja bekanntlich biederen Handwerksmeister ließen die Frage, ob zur Vertretung der Regierung hat gleichzeitig auch alle anderen Signatarmächte von mit einer Reihe von anderen Materien, der Schankfonzession, dem Interessen der Arbeiter und zur Herbeiführung des Friedens beihrem Vorschlag in Kenntnis gesezt. fondere Kammern notwendig und ob Arbeits- oder Arbeiterkammern Winkelfonfulententum und ähnlichen Angelegenheiten in der Gezu bevorzugen find, offen, die Meinungen darüber waren geteilt. fordert von Bulgarien 125 Millionen Frank. Nußland scheint nun neue Novellen geändert und ergänzt. Nur schade, daß dabei die Der Vorschlag ist nicht ganz llar. Die türkische Regierung werbeordnung geregelt". Von Zeit zu Zeit wird diese dann durch von Arbeitskammern entscheiden, so müsse eine Einbeziehung des der türkischen Regierung die 43 Millionen Frank ihrer Mehr- Arbeiterschaft bisher regelmäßig zu kurz kam. Zu den VersprechunHandwerts unbedingt gefordert werden. Für diese Forderung forderung in Raten bezahlen und dafür die Zinsen, die es von wurden folgende Gründe geltend gemacht: Bulgarien für die ihm von Nußland nominell zu gewährende An- gen, die der Arbeiterschaft auf sozialem Gebiete von seiten der die Zahl der Streitfälle, in denen über die Handwerks- oder Fabrik- Türkei wird dafür die ohnehin sehr säumig und nnregelmäßig gezahlte lichen Regelung der Arbeitszeit, dem Schutz der Jugendlichen und 1. Der Ausschuß des Handwerks aus der Arbeitskammer müßte leihe von 82 Millionen Frant erhält, benutzen zu wollen. Der Herrschenden in überschwenglichstem Maße gemacht werden, stehen die Taten in einem gar zu erbärmlichen Widerspruch. Einer gefeßeigenschaft eines Betriebes zu entscheiden ist, vermehren, was durch Kriegskontribution dafür zum Teil erlassen. Man sieht, Rußland aus nicht den Interessen des Handwerks entspricht. Deffen Organi tommt so sehr billig zu dem Ruhm eines Friedenstifters und Heimarbeiter, der Gewerbeaufsicht, und namentlich der Sicherfationen würden hierdurch zweifellos noch mehr gerade leistungsverpflichtet stellung des Koalitionsrechtes geht man mit einer Vorsicht aus dem fähige Betriebe entzogen werden, namentlich da auch die Arbetter Regierung. Wenn der Handel wirklich zustande kommt, hat plate wäre. Von dem Ausbau unserer Sozialgesetzgebung hört fähige Betriebe entzogen werden, namentlich da auch die Arbetter verpflichtet sich, ohne daß es ihm das Geringste kostet, die bulgarische Wege, die in weltpolitischen Angelegenheiten weit eher am rechten selbst ein Interesse daran bekommen, ihren Betrieb zum Fabritbetrieb gestempelt zu sehen, um dadurch in die Arbeitskammer schließlich Desterreich das Nachsehen, da Bulgarien, das ihm man nichts mehr; im Gegenteil, man hält dieselbe hintan. So muß durch die gemeinsame Aktion gegen die Türkei verbunden war, so also die Arbeiterschaft selbst sich regen, wie sie es in Preußen auch 2. Den Beschlüssen und Maßnahmen der Arbeitskammern würde rasch seiner Einflußsphäre entwischt. Da man auch in Son in bezug auf das Wahlrecht tut. Deswegen fanden am gestrigen sich das der in der Arbeitskammer vertretenen Industrie gleichgeartete ftantinopel dem russischen Lösungsvorschlag günstig ist, dürfte Abend die elf Versammlungen statt, in denen nach dem Referat Handwert nicht entziehen fönnen. Deshalb ist es besser, dem Hand- der Stonflikt wohl bald endgültig erledigt sein.werk in der Arbeitstammer Sitz und Stimme zu geben, damit es ohne Widerspruch folgende Resolutionen angenommen wurden: feinen Einfluß bei dem Zustandekommen der Beschlüsse und Maßnahmen geltend machen kann. zu gelangen. Bürgerliche Arbeiterfürsorge. Es Italien. Eine Bluttat. Das Ende des Boykotts. Konstantinopel, 2. Februar. Der Großwesier verständigte gestern den österreichischen Botschafter, daß nunmehr alle SchwierigVor einigen Wochen bewilligten die Stadtverordneten Erfurts feiten bezüglich des Boykotts behoben seien und daß die Lloydschiffe bem Magistrat etwa 100 000 m. für umfangreiche Erdarbeiten usw. nunmehr anstandslos Waren bringen fönnen. Die Pforte hat heute zur Erschließung eines großen, unmittelbar an der Stadt gelegenen eine diesbezügliche Erklärung veröffentlicht und die Lastträgerchefs Baugeländes. Als die Arbeiten im Gange waren, brachte unser beschlossen daraufhin die Wiederaufnahme der Arbeit. Erfurter Parteiblatt. die Tribüne", eine längere Stritit über die bei den" Notstandsarbeiten herrschenden Arbeitsverhältnisse. wurden Stundenlöhne bis zu 25 Pf. im Maximum gezahlt, eine Schutzhütte für die Arbeiter war nach zwei Wochen noch nicht benutzungsfähig, bei der Arbeit herrschte ein startes Antreibesystem und die Behandlung der Arbeiter durch die in Rom, 1. Februar.( Eig. Ber.) Der seit Jahrzehnten währende städtischen Diensten stehenden Aufseher ließ viel zu wünschen Kampf um die Gemeinberechtsame in der Provinz Nom hat am übrig; zu den Arbeiten wurden junge Leute aus den Ortschaften der 28. Januar zu einer blutigen Gewalttat geführt; in Attigliano, Umgebung mit verwendet, die natürlich billig arbeiteten. Die Stritit einem Flecken von 1000 Einwohnern, haben die Landarbeiter feit ist spurios an dem Magiftrat vorübergegangen. Am Freitag bean- Jahrhunderten das Recht, in einem Walde des Fürsten tragte er abermals 6000 M. für Beschäftigung von Arbeitslosen in Borghese Holz zu schneiden. Um dieſes ihr anerkanntes Kiesgruben mit der Bestimmung, daß 25 Pf. Stundenlohn gezahlt Recht wollte sie der Bächter des Fürsten, ein gewiffer werde. Die Stadtverordneten stimmten zu mit dem Ausdrud des Dantes, daß der Magistrat einigermaßen die Not der Arreta, bringen und nahm Tagelöhner an, die das den Arbeitern beitslosigkeit zu lindern bestrebt sei. Die Erfurter Stadtverordneten gehörige Holz schneiden sollten. Die Landarbeitergewerkschaft erhob versammlung ist vollständig fozialistenrein. Die von schriftlich Einspruch, ohne jeden Erfolg. So zogen am Morgen des ihr betriebene Kommunalpolitik entspricht völlig ihrer Zusammensetzung. 29. alle organisierten Landarbeiter nach dem betreffenden Walde, wo sie den Creta mit 5 Tagelöhnern beim Wegschaffen des den Arbeitern gehörigen Holzes fanden. Der Vorfigende der Gewert Die chriftlichen Arbeiter verwerfen bekanntlich den Klaffenkampf, fchaft, Genoffe Bisioni, forderte den Bächter in ruhigem Tone auf, die christlichen Gewerkschaften wenigstens in der Theorie, wenn sie von der Arbeit abzulassen, und erhielt in ruhigem Tone abschlägige i Ziegenzucht statt Klassenkampf. Zur Gewerbeordnungsuovelle. Die Entwicklung der Industrie hat in den letzten Jahrzehn ten so gewaltige Fortschritte gemacht und die Profite des Kapitals so gesteigert, wie nie in der Vergangenheit. Die Produktivi tät ist durch technische Verbesserungen und durch Steigerungen der Intensität der Arbeit gewachsen, in vielen Gewerbezweigen mehr als verdoppelt und die Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter vermehrt. Während in den letzten Jahrzehnfen für die Grundbefizer und Kapitalisten große Vorteile auf Kosten der Arbeiter durch die Gesetzgebung geschaffen wurden, tam die Arbeiterschußgefeßgebung völlig zum Stillstand. Die am 16. Dezember 1907 dem Reichstage vorgelegte Nobelle zur Gewerbeordnung erfüllt nicht entfernt die berechtigten Forderungen der Angestellten und Arbeiter. Demgegenüber fordern die Versammelten vom Reichstage und der Reichsregierung: Grundlagen für ein einheitliches Arbeiterrecht mit zwingendem Recht für alle zugunsten der Arbeiter und An gestellten getroffenen gefeßlichen Bestimmungen. Sicherung des Lohnes gegen Schädigungen durch das Trucksystem; desgleichen gegen das zur Umgehung des Gefeßes raffiniert ausgedachte Prämien oder Tantiemen= system, das es ermöglicht, Lohnabzüge zu machen, die sonst gesetzlich verboten wären; Sicherstellung der Beiträge für fogenannte Wohlfahrtseinrichtungen; Schutz der in Betriebswohnungen wohnenden Arbeiter vor Bedrückungen durch den Vermieter der Wohnung. Größere Rechte der Angestellten und Arbeiter bei Festfebung von Arbeitsordnungen. Die Arbeitsordnung darf nicht ein einseitig vom Unternehmer oder Unternehmer- verbänden diktiertes Gesetz sein. Die Arbeiterausschüsse müssen durch allgemeine, direkte und geheime Wahlen gewählt und deren Mitglieder in der Ausübung ihres Amtes geschützt werden. Verbot von Konkurrenzklauseln, Personalkon- ventionen und ähnlicher Abmachungen, die geeignet sind, den Angestellten oder Arbeiter in seinem ferneren Fortkommen zu hindern. X Ausdehnung der Sonntagsruhe, und für solche Är- beiter, die an Sonn- und Festtagen arbeiten müssen, eine un- unterbrochene Ruhepause von 36 Stunden, und für zwei auf- cinanderfolgende Sonn- und Festtagtz von 66 Stunden in der- selben Woche. Ausdehnung des Schutzes für jugendliche Arbeiter auf alle Beschäftigten im Alter von unter 18 Jahren. Neunstundenarbeitstag als Uebergang zum Achtstundenarbeitstag für alle in Industrie, Ge- werbe, Handel und Verkehr beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen. D r e i s ch i ch t s tz st e m für alle Arbeiter in Anlagen mit ununterbrochen arbeitenden Betrieben. Ausdehnung der Arbeiterschutzcs und der Arbeiterversiche- rung auf die Heimarbeiter. Ausdehnung der Gewerbeaufsicht auf alle Betriebe deS Gewerbes(einschließlich der Heimarbeit), der Industrie, des Bergbaues, Handels und Verkehrs auch auf die sogenann- tcn landwirtschaftlichen Nebenbetriebe unter Beteiligung der Arbeiter an der Aufsicht. Sichcrstellung des Koalitionsrechtes. Zum Ausbau der Invalidenversicherung. Die Existenz der Arbeiter ist abhängig von der Verwertung ihrer Arbeitskraft. Deren Schwächung oder Verlust bewirkt in oer Regel den wirtschaftlichen Untergang des Arbeiters und seiner Familie. Es ist deshalb eine unerläßliche Pflicht von Staat und Gesellschaft, allen Arbeitnehmern beim völligen oder teilwciscn Verlust ihrer Arbeitskraft ein Existenzminimum durch eine staatliche Zwangsversicherung zu gewähren. Die bestehende Arbeiterversicherung genügt diesen An- sprüchen heute weniger denn je, insbesondere sind die Invaliden- rcnten durchaus unzureichend. Die Arbeiterschaft fordert daher namentlich einen umfassenden Ausbau der be° stehenden Invalidenversicherung zu einer aus reichenden Alters-, Invaliden- und Hintcrblicbencnfürsorge. Die Versammelten' erklären deshalb auch das Bestreben der Privatangestellten nach einer besseren Fürsorge auf dem Wege einer staatlichen Zwangsversicherung für durchaus berechtigt, müssen sich aber mit aller Entschiedenheit gegen die m neuerer Zeit hervorgetretenen Bestrebungen wenden, die dieses Ziel durch die Schaffung einer S o n d e r v e r s i ch e r u n g für die Privat- angestellten erreichen wollen. Die Gewährung von Sonder-. vorteilen an einen Teil der Arbeitnehmer ist nicht zu recht- fertigen und bedeutet eine schwere Benachteiligung und Zurücksetzung aller übrigen Arbeitnehmer. Die Versam- melten erblicken darin eine bewußte Verletzung ihrer aus der gleichen wirtschaftlichen Notlage geborenen Rechte. Sie protc- stieren nachdrücklich gegen jede weitere Zersplitterung der Arbeiterversicherung und verlangen von den gesetzgebenden Kör- perschaftcn, daß die bessere Fürsorge für alle Arbeitnehmer in einer einheitlichen Versicherung verwirklicht wird. Der Besuch der Versammlungen entsprach den gehegten Er- Wartungen. Zahlreich waren die Arbeiter dem an sie ergangenen Rufe gefolgt, mit großer Aufmerksamkeit folgten sie den aufklären- den Vorträgen. Wer es noch nicht wußte, der begriff es durch diese Vorträge leicht, wie wichtig die Forderung eines einheitlichen Ar- beiterrechtes ist und wie notwendig ausreichende Ärbeiterschutz- gesetze sind. Der Mann der Arbeit will wissen, woran er ist, er will einen sicheren Rechtsboden unter den Füßen haben, er verlangt nach einiger Sicherheit gegen die stete, ihn von allen Seiten be- drängende Ausbeutungssucht, die ihn mit seinen Forderungen so oft ins Unrecht setzt, wo er das Recht offenbar auf seiner Seite zu haben glaubt. Das konnte jeder in den Versammlungen hören, der es hören wollte. Der H o f j ä g e r- P a l a st in der Hasenheide war schon bald nach 8 Uhr stark besetzt. Vorwiegend sah man Frauen in der Menge; unsere Genossinnen hatten unter den Frauen stark agitiert und, wie man sehen konnte, mit Erfolg. Hier sprach Luise Z i e tz und erntete mit ihren packenden Ausführungen reichen Beifall. Nach Kellers F c st s ä l e n in der Koppenstraße waren, wie immer bei solchen Gelegenheiten, wieder große Massen gezogen, um für die Rechte des Arbeitsmannes zu demonstrieren. Nach 6 Uhr füllten sich Saal und Gallerten. Genosse Bauer hielt einen recht ausführlichen Vortrag, der von den Anwesenden sehr auf- merksam verfolgt wurde. Bei Ball schmieder auf dem Gesundbrunnen war um Uhr der große Saal von Arbeitern und Arbeiterinnen gefüllt, die dem Vortrage des Genossen Brückner mit lebhaftem Interesse folgten und durch gelegentlichen lauten Beifall ihre Zustimmung zu dem Gehörten zu erkennen gaben. In Obiglos Saal. Schwedter Straße, mußten viele Be- sucher mit Stehplätzen zufrieden sein. Der Saal war überfüllt, und die Männer nicht nur, sondern auch die Frauen waren gekommen, um für die Arbeiterrechte ihre Stimme zu erheben. Freudig stimmten sie der vorgelegten Resolution zu. Hier hielt Genosse Bartsch einen Vortrag. Die Prachtsäle Moabit. Wicleffiraße, zeigten einen guten Besuch. Genosse Dittmer, der den Genossen Siering er- fetzte, hatte hier das Referat übernommen und fand mit seinen Ausführungen die ungeteilte Aufmerksanikeit der Anwesenden, unter denen viele Frauen zu sehen waren. Die vorgelegte Resolution fand die allgemeine Zustimmung. Im Urania-Saal, Wrangelstraße, sprach Genosse Haß. Um%9 Uhr Ivar der Saal stark besetzt. Auch hier waren viele Frauen erschienen, die ebenso aufmerksam wie oie Männer dem Vortrage folgten und mit ihrem Beifall nicht zurückhielten, wenn ihnen der Referenb-recht aus dem Herzen gesprochen hatte. Im Westen Berlins fand bei Zühlke in der Dennewitzstraße eine Versammlung statt; in der Umgegend von Berlin waren Versammlungen im Charlottenburger Volkshause, in Groß-Lichterfelde, in Adlershof und in NowaweS veranstaltet. Soziales. Infektion durch Kunstdünger kein Unfall. unsere Rechtsprechung„entwickelt" sich immer mehr zu un- gunsten der Arbeiter. Dies zeigt wieder folgender Fall. Die 46 Jahre alte Bauersfrau E. E. im Kreise Hünfeld wusch im Februar Iö67 ihre eigene Wäsche und im Anschluß daran ein Säetuch, in welchem künstliche Düngemittel(Kainit und Thomas- schlacke) aufbewahrt gewesen waren. Bald darauf stellten sich heftige Schmerzen in der rechten Hand ein, die über Nacht immer stärker wurden und in eine ZellengewcbSentzündung ausarteten, welche die Amputation der beiden Glieder des Zeigefingers und eine Versteifung der übrigen Finger zur Folge hatten. Der behandelnde Arzt wie auch die Aerzte des Krankenhauses sprachen sich dahin aus, daß eine Infektion stattgefunden habe. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft bestritt aber das Vor- liegen eines Betriebsunfalles. Anders urteilte das Schiedsgericht zu Kassel. Im Urteil heißt es u. a.:„Da das Einweichen eines SäetucheS, richtiger KunstdüngertucheS, am Unfalltage und dessen 'Berantw. Redakt..- Carl Wcrmuth.'BerlinÄixdorf. Inserate verantw..: Waschen glaubhaft vorgebracht ist, auch nicht bestritten wird, da'Verlust auf 36 666 M. Dies sind nur Einzelfälle, es halten aber ferner die Schmerzen und die Entzündung eine rasche Entwicke lung nach dem Unfalltage genommen haben, so erscheint es, ob- gleich eine völlige Aufklärung wie immer in solchen Fällen un- bringbar ist, im hohen Riaße als wahrscheinlich, daß der Unfall (das Eindringen von Eiterbaktcrien) durch das Waschen des Kunst- düngertuches veranlaßt ist." Die Berufsgenossenschaft beruhigte sich nicht bei dieser Eni- scheidung. Das Reichsversicherungsamt gungspflicht der Berufsgenossenschaft. viele Firmen in Rücksicht auf die drohende Besteuerung mit Auf- trägen zurück, trotzdem die Zeit geringeren Warenabsatzes sonst immer eine Verstärkung der Rcklamemittel, und damit Arbeits- gelegenheit für das graphische Gewerbe bedeutete, diesmal ist es so, daß große und sonst regelmäßig laufende Bestellungen in immer größerer Zahl rückgängig gemacht werden. Ueber die Höhe der Belastung durch die Steuer macht eine verneinte die Entschädi-■ Petition des Verbandes der Deutschen Steindruckereibesitzer an den Reichstag detaillierte Angaben. Eine besonders gangbare Im Urteile heißt es, daß die Erkrankung eine Zellengewebs-' Plakatform ist die Größe 38 X 61 Zentimeter, die einen'Flächen- citerung gewesen sei, die auf eine Verletzung der Haut entstanden � inhalt von 1938 Quadratzentimetern aufweist. Ein solches Plakat sei, wodurch Eitererreger in das Körpcrinncre gelangt seien. Soll eine Infektion als Betriebsunfall im Sinne des Gesetzes angesehen werden, so ist der Nachweis zu erbringen, daß entweder die Ver- letzung oder das Eindringen der Infektionserreger durch dieselbe sich während der Betricbstätigkeit ereignet hat. Im vorliegenden Falle habe aber der Arzt eine Verletzung nicht wahrgenommen und sei es auch wenig wahrscheinlich, daß„durch die beim Waschen des Säetuches entstandene Vcrletzungsstelle die Infektionserreger eingedrungen sind. Denn das Eindringen der Infektionserreger ist nicht schmerzhaft, die Schmerzen treten erst als Folge der durch die Infektionserreger hervorgerufenen Entzündung auf. Jede In- fektionskrankhcit hat aber eine sogenannte Inkubationszeit, d. h. es vergeht eine gewisse Zeit zwischen dem Eindringen der Jnfertions- erreger und dem Ausbruche der ersten wahrnehmbaren Krank- heitserscheinungen." Die Klägerin habe aber bereits abends nach dem Waschen heftige Schmerzen verspürt, der Finger sei ange- schwollen. Ein so kurzer Zwischenraum zwischen dem Eindringen von Infektionserregern in eine offene Hautstelle und dem Aus- bruche der ersten Krankheitserscheinungen ist mindestens unge- wöhnlich und es besteht keine überwiegende Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhanges der Erkrankung der Klägerin mit dem Waschen des Säetuches. Wegen der einengenden Auslegung des Begriffs Betriebs- unfall erhält die arme Bauersfrau keine Rente. GewefKseKaMiebes. Berlin und llmgeg-end. Di« Kostümschneider hatte der Verband der Schneider und Schneiderinnen am Montagabend nach den Arminhallen zu einer Versammlung eingeladen. Zur Besprechung stand das Thema: „Die gegenwärtige Situation in der Kostümschneiderei und unsere nächsten Aufgaben." Der Referent Kunze wies einleitend darauf hin, daß die allgemeine schlechte Wirtschaftslage nicht so ungünstig in der Kostümschneiderei gewirkt habe, wie es sonst überall zu be- merken sei. Die Damenivelt verzichtet nicht auf ihre Genüsse, auf ihren Putz, auf ihre Gesellschaften und da gibt es für die Kostüm. schneider noch immer zu tun. Der„Konfektionär" berichtete jüngst, daß die Pariser Schneider mit d«m verflossenen Jahre recht zu- frieden waren. Er erzählte auch, daß die Pariser Lebedamen mit Jahrcsbudgets von 16 666 bis 366 666 Frank rechnen. Für die Unternehmer in der Kostünischneiderei springen dabei große Pro- fite heraus, ebenso fiir die Lieferanten von Zubehör für die Schneiderei. Wie steht es aber mit den Arbeitslöhnen? Was der- dienen besonders die Schneiderinnen? Man ist. versucht anzu- nehmen, daß diese mit ihrem Verdienst sehr zufrieden sind, denn man hört wenig oder nichts davon, daß Anstrengungen gemacht tverden, um die bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Vor der Organisation scheut man geradezu. Und doch sind die Verhältnisse sehr verbesserungsbedürftig! Für viele Schneiderinnen, z. B. Töchter oder Frauen von Beamten handelt es sich nur um das„Zuverdienen" und nicht um die Erringnng eines vollwertigen Lohnes, von dem ein Mensch zu leben imstande ist. Diese aber bilden die schlimmste Konkurrenz für ihre Kolle- ginnen, die allein auf ihr Einkommen durch die Schneiderei an- gewiesen sind. Die gezahlten Löhne zeigen große Verschiedenheiten und doch wäre eine einheitliche Regelung im dringendsten Jnter- esse der Schneiderinnen. Der Verband hat sich schon vielfach be- niüht, helfend einzugreifen, aber wenn es ihm auch gelang, für die Schneider hier und da günstige Bedingungen zu schaffen, so konnte er niemals eine befriedigende Wirksamkeit für die Schneide- rinnen entfalten, weil diese in ihrer Kurzsichtigkeit, Gleich- gültigkeit und Vcrständnislosigkeit den Verbandsbestrebungen die notwendige Unterstützung versagten. Noch viel Agitations- und Erziehungsarbeit muß in den Kreisen der Schneiderinnen geleistet werden. Ein schweres Probleni bildet hier die Heimarbeit. Man hat die Frage eines festen Stücklohntarifs erwogen und versucht, die Heimarbeiterinnen, die doch das größte Interesse daran haben sollten, für eine Bewegung nach dieser Richtung zu gewinnen. Die große Masse der Schneiderinnen ist dem Unternehmertum hilflos ausgeliefert, weil die Arbeiterinnen selbst den Wert ein�ck festen Zusammenschlusses zur Erreichung von Verbesserungen noch nicht begriffen haben. Der Redner besprach zum Schluß die Kämpfe, die der Verband in letzter Zeit mit einer Reihe von Firmen geführt hat und zeigte, wie der Verband oft mit gutem Erfolge für die Ver- besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder eintritt. Der Vortrag wurde von der stark besuchten Versammlung sehr beifällig aufgenommen. In der Diskussion bekämpfte ein Redner den Stücklohn und meinte, wgpn Kostümschncider mit einem Wochenverdienst von 76 bis 86 M. prahlten, so sei dieser Lohn nur bei ausgedehnter Arbeitszeit und mit Hilfe einer ganzen Familie erzielt worden. Der Vorsitzende forderte in einer Ansprache zum Beitritt in den Verband auf, und unter den Versammelten wurden eifrig Mitglieder geworben. oentkcvea Reick. Lithographen und Steindrucker im Kampfe um ihre Existenz. Es ist nicht allein die schlechte wirtschaftliche Siwation, die die Existenz der graphischen Berufe bedroht, charakteristischerwcise ist es die deutsche Regierung, die sich mit ihren neuen Steuer- vorlagen die Mühe gemacht hat, das lithographische Gewerbe in seinem Lebensnerv zu treffen. Es ist besonders die Tabaksteuer- und die Plakatstcuervorlage, durch die der Arbeiter der schon ge- nannten Berufe doppelt und dreifach für den Staat bluten soll. Die Verwirklichung der Tabaksteuervorlage wird ein schwerer Schlag für einen ziemlichen Teil der in der graphischen Industrie Tätigen sein. Die Tabakpackungen, Zigarren- und Zigarettenkiften- bilder und Etiketten sind fast ausschließlich lithographische Arbeit. Nach erfolgten Feststellungen sind in Betrieben, die derlei Arbeiten Unfertigen, rund-2506— 3666 Lithographen und Steindrucker tätig. Es ist selbstverständlich, daß die Berufsorganisation ganz energisch arbeitet, um die bestehende Gefahr.zu beseitigen. So haben bis jetzt schon in einer ganzen Reihe Städte, wie Berlin, Köln, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hanau, Krefeld, Rheydt usw. teil- weise mieden Tabakarbeitcrn gemeinsam besuchte Protcstversamm- lungen stattgefunden. Die Wirkungen der Steuer schreiten der Gesetzgebung weit voraus, schon jetzt machen sie sich deutlich be- merkbar. So fertigt man jetzt schon dreifarbige, statt achtfarbiger Etiketten an, um billigere Produkte liefern zu können, dies be- deutet aber eine 66prozentige Verringerung der notwendigen Ar- beit. Man bereitet sich sogar schon dazu vor, an die Stelle der Steindrucketikette einfache und billige mit Stempeln eingebrannte Etikettierung zu setzen, dies bedeutete völliges Verschwinden der Arbeitsgelegenheit auf diesem Gebiet. Den Lebensnerv der graphischen Industrie wird die Gesetz- gebung des Plakat st euercntwurfes treffen. Schon die bloße Ankündigung hat dem Gewerbe Hunderttausende gekostet, und kostet noch jeden Tag mehr. So wird gemeldet, daß die Welt- forma Liebig mehrere große Plakatbestellungcn rückgängig gemacht hat, eine süddeutsche Fabrik beziffert den ihr bis jetzt entstandenen würde in einer Stadt wie Leipzig oder einer anderen über 160 666 Einwohner zählenden Stadt 6 Pf. für das Exemplar Steuer kosten. Der durchschnittliche Preis für ein solches Plakat wird un- gefähr 16 bis 16 Pf. sein. Die Steuer würde also 45 bis 60 Proz. des Herstellungswertes betragen. Noch bedeutend ungünstiger wird das Verhältnis bei den Affichen, die bei einem meist sehr großen Formate in wenig Farben gedruckt werden, die Steuer be- trägt das zwei- bis dreifache des Wertes! Auch das wirkliche Künstlerplakat würde, die übliche Größe vorausgesetzt, zirka 36 Proz. Steuer zu tragen haben. Ein einzelnes Plakat würde in mittleren Städten 16 Pf.«steuern zahlen müssen, dies bedeutet bei einer Auflage von 6606 Stück eine Steuersumme von 756 M.! Nun sieht aber der Entwurf eine Besteuerung nach anderen Grundsätzen vor, wenn die Plakate gegen Entgelt ausgehängt werden. Das- selbe Plakat, in derselben Auflagenhöhe, in denselben Orten ver- teilt, aber nach Entgelt verbreitet, würde 16 Proz. des gezahlten Entgeltes, in diesem Falle 26 M. Steuer erbringen! Der zuerst genannte Steuermodus wird die Plakatindustrie ruinieren, der zuletzt gezeigte wird dem Staate nichts einbringen. Warum dann überhaupt die Beunruhigung des Gewerbes? Auf die Ant» wort wird man vergeblich warten. Zu alldem kommt noch hinzu, daß jetzt in Amerika eine starke Bewegung vorhanden ist, die dahin strebt, die Zölle für litho- graphische Produkte fast auf das Doppelte zu erhöhen. In Amerika hat die deutsche Autochrompostkartenindustrie ihren wichtigsten und hauptsächlichsten Abnehmer. Wenn auch die Tarifrevision„drüben" auf der Tagesordnung steht, die energische und zielbewußte Propa- ganda der amerikanischen Lithographiebcsitzer und auch der Händler auf gründliche Erhöhung der Einfuhrzölle haben zum guten Teil die deutschen Unternehmer auf ihr Konto zu schreiben. Durch direkt unsaubere Geschäftspraktiken sind besonders die Händler gegen die deutschen Unternehmer sehr aufgebracht. Als bestes Agi- tationsmittcl für die Durchsetzung einer Erhöhung dient die Tat- fache, daß in Amerika die Löhne bedeutend höher sind als hier in Deutschland, der Zoll soll ein Schutz werden gegen die deutsche Schmutzkonkurrenz! So ist von verschiedenen Seiten zugleich die lithographische Industrie in ihrer Existenz bedroht, der Markt für Tabaipackungen und Plakate geht mit Gesetzwerdung der betreffenden Steuern zum großen Teil verloren. Für Tabakpackungen beweist es das Schicksal der österreichischen Lithoindustrie. Die deutsche Postkartenindustrie liegt durch die beispiellose Rivalität der deutschen Unternehmer vollständig darnieder, die Löhne stehen zum Teil unter dem Hilfs- arbeiterdurchschnitt, der amerikanische Markt gilt schon jetzt so gut wie verloren. Zum Glück kann gesagt werden, daß die Organisation trotz dieser gewaltigen Stürme sicher und gut dastebt. Wenn sie auch alle ihre Kräfte jetzt sehr stark angestrengt in Tätigkeit hat und die üblichen Depressionserscheinungen auch an ihr nicht spurlos vor- übergehen, sie steht sicher. Dies ist erst vor einigen Wochen von neuem bewiesen worden. Der Verbandsvorstand sah sich ge- zwungen, eine vorläufig fortlaufende Extrasteuer von 16 Pf. pro Woche zu erheben; dies bedeutet also einen Gesamtwochenbeitrag von 1,46 M.; einmütig hat sich die gesamte deutsche Kollegenschaft diesem Beschluß gefügt und sorgt dafür,, daß durch die großen UnterstützungSausgaben der Kampffonds nicht in Mitleidenschaft gezogen wird._ Die Arbeiter in der Schuhfabrik von Lcder u. Schwer ck in Burg stehen seit dem 2. November im Ausstand, weil sie sich einen Abzug pro Woche von 6 M. nicht gefallen lassen wollten. Die Fa- brik liefert nur an Geschäfte, welche von Arbeiterlundschaft frequcn- tiert werden. Zuzug ist fernzuhalten. ZZuslnnd. Zum Maurcrstrcik in Karlsbad. Ueber den schon seit Oktober vorigen Jahres in Karlsbad in Böhmen andauernden Streik der Maurer wird von dort berichtet: Mit dem Eintritt des milderen Wetters hat der Kampf wieder be- gönnen; feine Formen find schärfere geworden als früher, die Er- bitterung hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Unternehmer setzen nun alles daran. Streikbrecher aufzutreiben. Gemeindevorsteher und Ortspolizisten der einzelnen Dörfer machen sich eine Ehre daraus. Streikbrecheragenten zu spielen. Wo Versprechungen nichts fruchten, ersucht man mit Drohungen und mit Gewalt, die Maurer zum Streikbruch zu zwingen. So erklärte der Baumeister Zettl aus G o t t e s g a b„seinen" Maurern, daß er sie niemals mehr in Beschäftigung nehme, im Fall fie nicht als Streikbrecher nach Karls- bad gingen. Eine derbe Abfuhr holte sich ein als Streikbrecheragent bekannter Polizist aus Lichtenstadt in Teplitz. Mit Hilfe des dortigen deutschnationalen„Arbeiterführers", namens Steinböck, wurden einige Maurer als Streikbrecher angeworben. Die Sache gelangte jedoch rechtzeitig zur Kenntnis der Teplitzer Kollegen, die sofort dafür sorgten, die Streikbrecher abzuwehren, was auch bis auf einen gelang. Am wildesten gebärdet sich jedoch die in sonstiger Beziehung nicht besonders hervorragende Kaisbader Polizei; einige Beamte wollen jeden Streikenden niederhauen oder wenigstens lebenslänglich einsperren. Jedoch ist diesen Leuten die entsprechende Belehrung zu- teil geworden. Mag auch Unternehmertum und Polizei noch manchen Gewalt- akt ausüben, die Organisation niederzuringen werden fie nicht imstande sein.________ Letzte JVadmebten und Depefcben. Schneefälle und BerkehrsstSrunge«. Halberstabt, 2. Februar.�(B. H.) Der Schneefall im ganzen Harz dauert fort. viertel Meter. Die Schneehöhe im Oberharz beträgt drei- München, 2. Februar.(B. H.) AuS allen Teilen Bayerns kommen Nachrichten über ungewöhnlich starke Schneefälle» die er- hebliche Verkehrsstörungen für die Eisenbahnen wie für die Bahn- Posten herbeigeführt hoben. Im Bayerischen Wald sind besonders große Schneemassen niedergegangen. Viele Gemeinden sind dort von jeglichem Berkehr abgeschnitten und die Schulen in einzelnen Orten geschlossen, weil die Kinder nicht herbeikommen können. Gestrandeter Dampfer. Ortona, 2. Februar.(©. T. B.) Der Dampfer„Selimmta" von der Navigazione generale Jtaliena, der von Venedig nach Sizilien bestimmt war. ist infolge Zerreißens der Ankertane bei heftigem Sturme ge« scheitert. Die 31 Mann starke Besatzung ist gerettet. Ih, Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlogsanstalö Paul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu2 Beilagen u.knterhaltungSbl, Nr. 28. 26. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Der Schrei ums Wahlrecht. Mittwoch, 3. februar 1909. Vororten( zwei im Volkshause, je eine in Ehrenfeld, Deuz, Mißständen berichtet worden ist, das empfindet man bei uns gar Kalt, Lindenthal, Nippes, Braunsfeld und Vingst) statt. Sie nicht mehr als Mißstand, weil es die Regel bildet.- Ein großer nahmen durchweg einen begeisterten Verlauf, wozu ohne Teil der Mißstände im Braunkohlenbau hängt zusammen mit den Zweifel die machtvolle Ringstraßen- Demonstration vom Tage niedrigen Löhnen und der dadurch hervorgerufenen Haft bei der vorher beigetragen hatte. Die große Flut, die den Schrei nach dem gleichen Recht über Preußens dunkle Gefilde spült, sie schwillt und schwillt. Man sagt den Arbeitern Nord- und Mitteldeutschlands nach, sie seien fühl und ruhig: sie begeisterten sich für Demonstrationen nicht so leicht wie ihre französischen, ihre italienischen oder andere romanische Genossen. Nun wohl, aber haben sie im politischen Kampfe erst einmal den schärferen Zon angeschlagen, dann lassen sie sich diese alte Erfahrung bestätigt sich aufs neue durch offene oder versteckte Drohungen der staatserhaltenden Mächte von ihrem Wege nicht leicht mehr abdrängen. Und ob man, wie es hier und da geschehen ist, das Militär in den Kasernen bereit hält zum Schießen auf Mutter und Vater, und ob man, wie es natür lich auch wieder gemacht worden ist, Provokateure, Kriminalbeamte, Achtgroschenjungen in die Wahlrechtsbataillone ein schmuggelt, das preußische Proletariat fennt seinen Weg, reicht hat! es fennt sein Ziel: unbeirrt marschiert es vorwärts im ruhigen Gleichschritt und unter dem Feldgeschrei: Heraus mit dem gleichen, geheimen, direkten Wahlrecht! Die Woge schwillt und schwillt, sie wird nicht verebben, ehe dem preußischen Volke sein Recht geworden ist. Das zeigen deutlich die Berichte über die Sonntagsversammlungen, die noch nachzutragen, und über die Montagsdemonstrationen, die heute zu registrieren sind. In der Provinz Brandenburg haben am Sonntag Dugende von Versammlungen, Hunderte von Kundgebungen stattgefunden, haben viele Tausende und Abertausende von Männern und Frauen fürs freie Wahlrecht demonstriert. Im roten Luckenwalde flangen den Polizisten die donnernden Nufe des Mißfallens gegen Bülow so böse in die Ohren, daß sie auf dem Marktplatz aus dem Heere der anderthalb Tausend Demonstranten ein paar herausgriffen und sistierten. In Finsterwalde legten am Sonntagvormittag 1500, im fleinen Kirchha in am Nachmittag mehrere hundert Männer und Frauen Zeugnis ab von der Empörung, die das entrechtete preußische Proletariat durchwühlt. In Eberswalbe waren 400 Personen dem Rufe gefolgt. Die Polizei glaubte hier ohne Verhaftungen zehn an der Zahl nicht auskommen zu können. Der Sonntag hat außerdem noch Versammlungen und StraßenDemonstrationen an folgenden Orten gesehen: Brandenburg( drei Versammlungen), Spandau( zwei Versammlungen), Rathenow. Frankfurt a. D., Landsberg a. W., Potsdam, Nauen, Rottbus, Velten, Schwebt a. D., Sorau, Lychen, Werneuchen, Hennigsdorf, Viez, Kezin, Heegermühle, Aus dem Lande sind folgende Meldungen nachzutragen: Mülheim a. Rh. Eine große Wahlrechtsdemonstration fand auch hier statt. Nach einer glänzend verlaufenen Versammlung formierten sich die Teilnehmer sowie die zahlreich draußen harrenden Arbeiter zu einem imposanten Zuge, der 3000 Personen umfaßte. Die Demonstranten fangen Kampflieder und zogen die Wahlrechtsparole rufend durch die Stadt. Die Polizei beschränkte sich auf die Regelung des Verkehrs. • Die Lüge der Ohnmächtigen. " Arbeit. Aus der sächsischen Oberlausit berichtet ein Delegierter, wie eines Tages der Berginspektor in die Einen merkwürdigen Berichterstatter scheint die Kölnische genommen wurde, aber der Inspektor fich trotzdem bald im Dunkel Braunkohlengrube einfuhr, die Oellampe versagte, eine Carbidlampe Beitung" zu haben. Sie berichtet von der Riesendemonstration befand. In diesem Revier arbeiten Bergleute bei 30 bis 45 Grad der Kölner Sozialdemokratie vom legten Sonntag: Celsius, und zwar Neun- und Zehnstundenschichten, obwohl eine „ Auch hier hatten die Sozialdemokraten eine Rundgebung für fächsische Verordnung vorschreibt, daß an Orten mit so hoher Tenr das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu veranstalten geperatur die Arbeitszeit verkürzt werden soll. Von allen Rednern fucht(!). Einem größeren Bolizeiaufgebot gelang es, den Versuch( aus Braunkohlenrevieren wird hervorgehoben, daß ein furchtbarer ohne größeren Zwischenfall zu vereiteln." Saubbau getrieben wird, wodurch die Arbeiter um so mehr in In ihrem eigenen Stadt- Anzeiger aber berichtet die„ Kölnische Lebensgefahr gebracht werden. Belegschaften oder einzelne Arbeiter, Beitung" am selben Montag ausführlich über den Demonstrationszug, die sich über Mißstände beschweren, werden bestraft und gemaßder ja ohne Dazwischentreten der Polizei, die von der Veranstaltung regelt. Auf Leben und Gesundheit der Arbeiter scheinen die Grubenüberrascht worden war, sein Ziel, den Barbarossa- Blag, erbeamten entsetzlich wenig Wert zu legen. Ein Delegierter aus dem Iintsrheinischen Braunkohlenrevier, " Der Bergarbeiter- Kongreß. Zweiter Verhandlungstag. dem rentabelsten in Deutschland, teilt mit, wie ein Arbeiter verschüttet wurde, die Kameraden ihm zu Hilfe eilten, aber vom Steiger an der Hilfeleistung gehindert wurden, damit sie nur Sohlen, immer mehr Kohlen fördern sollten. Jm Braunkohlenbergbau sind die Mißstände mindestens ebenso arg oder noch ärger, als in den Steinkohlenwerken, behaupten mehrere Delegierte. Dia nirgends schlimmer bestellt sein, als just in dem Revier, über den Wahrheit ist offenbar, daß viele Delegierte glauben, es könnte der einzelne Redner zu berichten hat. Der Vorfizende Sachse eröffnete die Sizung und begrüßte den österreichischen Reichsratsabgeordneten, Genossen Cingr, der schienen ist. Bon der preußischen Landtagsfraktion sind die Genossen als zweiter Vertreter der Oesterreichischen Bergarbeiterunion erBorgmann, Ströbel und Hoffmann anwesend. Der Reichstagsabgeordnete Genosse Albrecht ist ebenfalls anwesend. Wie Er wohnte übrigens schon der gestrigen Sigung bei, was wir gestern übersehen und deshalb nicht mitgeteilt haben. Die Diskussion über die Forderung der Einführung von Arbeiter- Grubenkontrolleuren wurde fortgesetzt. Sie bot im wesentlichen dasselbe Bild, wie die geftrigen Erörterungen. So viel Redner, so viel Antläger traten auf gegen das in den Bergwerken herrschende System der rücksichtslosen Ausbeutung, des leichtfertigen Spiels mit Menschenleben, der brutalen Maßregelung von Arbeitern, welche auf Abstellung von Mißständen dringen. Ein Delegierter aus dem Sieger- und Sauerländer Revier führte aus, daß nicht nur im Kohlenbergbau Mißstände herrschen. In dem genannten Revier wird keine Kohle gewonnen, sondern Erz, Schwefelties und dergleichen. Explosionsgefahr herrscht in diesen Gruben nicht, trotzdem sind die Arbeiter nicht minder gefährdet, wie in den Kohlengruben. Die Arbeiter werden oft geradezu in Lebensgefahr hineingetrieben. Der Redner hat viele Jahre in einer Grube gearbeitet, aber in der ganzen Zeit feinen Berg inspektionsbeamten gesehen. Gin Redner aus dem Dortmunder Revier ist entlassen worden, weil er den Vorgesezten auf Mißstände aufmerksam machte. Der Vorgesetzte sagte: Die roten Brüder haben immer was zu klagen. Laßt die Bande arbeiten und wenn fie taput gehen. Aus dem Halleschen Revier Bestimmungen zum Schuke gegen Seuchengefahr mißachtet werden, dafür führte unter anderem ein Delegierter aus dem Aachener Wurmrevier Beispiele an. Abortkübel, wie sie in der Verordnung zur Bekämpfung der Wurmkrankheit vorgeschrieben sind, findet man nicht auf Grubenstreden von 2 bis 3 Kilometer. Auf einer Zeche des Reviers gibt es überhaupt feine solchen Kübel, und in anderen läßt man sie solange ungeleert stehen, bis sie überlaufen. Auf der Zeche" Nordstern" im Wurmrevier fehlt es an Wettertüren. Wegen der Härte der Kohle muß immerfort geschossen werden und die Bergleute müssen im schlimmsten Pulverdampf arbeiten. Vor zehn Jahren schon wurden drei Viertel der Grube stillgelegt, auf Anordnung der Berginspektion. Damals follie alles erneuert werden, es geschah aber nichts. Dieselbe Anordnung wurde zum giveiten Male getroffen, aber dieselben Zustände, die damals schon als gesetzwidrig erkannt wurden, bestehen heute noch. Vor zwei Monaten hat man es noch fertig gebracht, als der Berginspektor erwartet wurde, gefährliche Strecken mit dem Kreuz als außer Betrieb gesetzt zu bezeichnen, und dort gleich nach der Ja fpettion weiterarbeiten lassen. Vor kurzem sind auf" Nordstern" Arbeiterkontrolleure eingeführt worden, aber zu dem offenbaren und ausgesprochenen Zweck, die Kritik in der Bergarbeiterzeitung" zum Schweigen zu bringen. " Die meisten Redner haben so viel zu sagen, daß sie mit der auf zehn Minuten festgesetzten Redezeit nicht auskommen fönnen, und als endlich um 12 Uhr ein Antrag auf Debattenschluß gestellt wird, ist man allgemein überzeugt, daß nur ein kleiner Teil vor dem gesagt worden ist, was eigentlich zu sagen war, aber man hat keine Zeit mehr, weiter über den Punkt zu reden. Dec Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Das Schlußwort erhält der Referent Pokorny. wurde ein Fall mitgeteilt, der sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Bei einem Unfall wurden acht Arbeiter in der Grube teils durch Steinfall erschlagen, teils find sie im Wasser ertrunken. Dieser Unfall wird auf Mißstände zurüdgeführt, die schon längere Zeit be standen haben müssen, aber von dem Bergrat, der drei Tage vor Er fagte unter anderem: Wir könnten hier noch wochenlang dem Unfall die Grube revidierte, nicht bemerkt worden sind. Der Düsseldorf. In vier überfüllten Volksversammlungen pro- Rebatteur des Halleschen Volksblattes", der diese Migstände be- reden, wenn wir alle Mißstände besprechen wollten, die im Berg testierte heute die Arbeiterschaft des Stadtkreises Düsseldorf gegen Gericht Mißstände befundeten, wurden der Werksverwaltung be- entrollten, trügt nicht. So, wie es hier gezeigt worden ist, sicht es sprach, wurde angeklagt und verurteilt und die Zeugen, welche vor werksbetriebe bestehen. Das Bild, welches unsere Erörterungen die Dreiklassenschmach, die Ausnahmegesegheze sowie gegen die Unzulänglichkeit der Gewerbeordnungsnovelle. Nach Schluß der Wer- fanntgegeben und gemaßregelt. In einer Braunkohlengrube des in den Bergiverken aus. Aber so kann es im deutschen Bergbau zulänglichkeit der Gewerbeordnungsnovelle. Nach Schluß der Ver- Halleschen Reviers wurden Ausländer beschäftigt, die kein Deutsch nicht weiter gehen. Solche Zustände, wie sie hier geschildert worden fammlungen unternahmen ungefähr 1000 bis 1200 Teilnehmer einen verstanden. Man konnte sich mit ihnen nicht verständigen. Sie be- sind, dürfen nicht weiter bestehen bleiben. Das Bild, was uns dieser zwanglofen Spaziergang durch die innere Stadt. Die Polizei zu tamen einen wesentlich geringeren Lohn wie die einheimischen Ar- Kongreß vor Augen geführt hat, ist eine Bankrotterklärung der - verhielt sich passiv und be- beiter. Auch Frauen wurden auf dieser Grube beim Kohlen- Arbeiterorgane über Mißstände im Bergbau berichteten, so suchten Grubenaufsicht. Wenn die Bergarbeiterzeitung" und andere Fuß und zu Pferde stark vertreten schränkte sich darauf, die Zugangsstraßen zum Rathaus und zum gewinnen, allerdings im Tagebau, beschäftigt. die Grubenbesizer, diese Berichte als unwahr hinzustellen. Das ist Ein Delegierter aus dem Regierungsgebäude abzusperren. Zur selben Zeit fanden im Landihnen aber nie gelungen, höchstens, daß nebenfächliche Irrtümer freise vier Versammlungen statt. Die hier angenommenen Resächsischen Braunkohlenrebier berichtigt werden konnten. Ueber unsere gestrigen Verhandlungen folutionen wurden sofort dem Reichstage und dem Reichsamt des fagte unter anderem: Wenn wir auch nicht mit Schlagwettern zu hat ein Berliner Blatt geschrieben, wenn auch nur der zehnte Teil Innern zugesandt. rechnen haben, so herrschen im Braunkohlenbau doch Mißstände wahr wäre von dem, was hier berichtet wurde, so sei das eine anderer Art, die schlimmer sind, wie die Mißstände im Steinkohlen- schwere Anklage gegen die Regierung, und sie müsse Abhilfe schaffen. bau. Bei der Braunkohlengewinnung wird ein derartiger Raub- Wir wissen alle, daß das, was hier über Mißstände im Bergivertsbau betrieben, daß alle Sicherheitsmaßnahmen fast ganz vernach- betriebe vorgebracht wurde, nur ein schwacher Widerschein der lässigt werden. Was in dieser Hinsicht aus Steinkohlengruben an Wirklichkeit ist.( Sehr richtig!) Auf der Zeche Dostfeld haben Am Montag. Neun Wahlrechtsdemonstrationsversammlungen, die sämtlich überfüllt waren, fanden am Abend in Köln und den Kleines feuilleton. V Tacitus gespendete Rob wieder wahr werde:" Verderben und sich verderben lassen, wird bei ihnen nicht mit dem Wort" Beitgeist" entschuldigt!" " n Schicksal dieses jungen Mädchens an das feinige zu knüpfen, ging er nach Napoleons Rückkehr von Elba wieder zum Heere zurüd und fuchte und fand den Tod bei Waterloo. Humor und Satire. Konkurrenz. Und der Ulstein ließ den Koeppen Sausen durch Sibiriens Steppen Mit zwei andern um die Wett'. Und wohin die Autler kamen, Da berteilten sie Reklamen Für die herrliche„ B. 3." Dies jedoch war augenscheinlich Einem Manne äußerst peinlich: Diefer Mann hieß August Scherl. Und er ließ das ist der Gipfel Fliegen Monsieur Armand ZipfelDenn er ist ein ganzer Kerl. " " Und der dritte der Kolosse? Grabt den Wetna aus", rief Mosse, Und so sehen wir in Bälde Grabt ihn aus und packt ihn ein!" Trallala. Auf dem Tempelhofer Felde Einen echten Krater spein! ind so wurde die Komödie wieder einmal Wirklichkeit. Denn Dem Bolfe feine Kunft! Die allgewaltigen Ratsherren der Seestadt Wismar find den in ihren Augen offenbar törichten und bereits in Thomas lustiger Verspottung der Mucker und Heuchler überflüssigen Bestrebungen, dem Bolte die Kunst zu erschließen,( Moral") tritt ein Gymnasialprofessor auf, der seinen Tacitus gänzlich abhold. Sie machen solchen Firlefanz nicht mit, fie haben genau ebenso zu zitieren weiß wie diefer famose Verein. Leider enthüllt sich dieser Zitaterich im weiteren Verlauf als ein auch die beneidenswerten Mut, Kunst für eine Klassenangelegenheit der wohlhabenden Bürger zu erklären. Das vom Zeitgeist Angefressener. Da wir es mit dem Verein Frauenstreben" ehrlich meinen, möchten wir ihm dringend raten, solche wie Wismarer Gewerkschafts Kartell hatte, das erfreulicherweise ant vielen Drten geschieht, für seine feine Mitglieder Bitate zu meiden. Sie wirken gar zu boshaft. Literarisches. besondere Voltsvorstellungen ins Leben gerufen. Die Theaterdirektion war ihm dabei entgegengekommen und so schien zu aller Viktor Hugos, Elende und ihr Geld. Daß dem Zufriedenheit den Wismarer Arbeitern eine Gelegenheit gesichert, berühmten Romane Vittor Hugos„ Die Elenden" in höherem Maße das Theater besuchen zu können. Nur der hochlöbliche Senat war als man bisher annahm tatsächliche Ereignisse und Lebensschicksale nicht damit einverstanden. Er verbot der Theaterdirektion, für die Gewerkschaften Theaterstücke aufzuführen. Dazu fei die wiesen, die Gustav Simon in der" Revue de Paris" veröffentlicht. Dazu fei die Grunde liegen, wird durch einige interessante Mitteilungen erErlaubnis des Nates nötig und eine Preisherabsetzung der Plätze Es ist schon längst bekannt, daß zu dem in dem Roman vor wäre zudem nicht angebracht. Auch war der Senat sehr moquiert, fommenden Bischof Bienvenu Myriel, der dem gehezten Elenden" daß man ohne Benachrichtigung und gehörige Veröffentlichung der Jean Valjean freundliche Anfnahme gewährt, niemand anders gleichen unternommen habe. als der Bischof von Digne, Monseigneur Miollis, Modell Die Natsherren der guten Stadt Wismar sind also die Bürgergestanden hat. Simon hat nun aus Papieren, die er im lichen Seitenstlice zu unseren Junkern. Was braucht das Volt Kunst Nachlaß Viktor Hugos fand, festgestellt, daß auch die Hauptgestalt und Stultur, das macht nur begehrlich und verwischt die gottgewollten des Romans und seine Lebensgeschichte, sowie feine Beziehungen Klassenunterschiede. Die Kunst ist in Wismar für die feisten Börsen aum Bischof in der Hauptfache auf tatsächlicher Unterlage beruhen. und es besteht nicht der geringste Anlaß, den Arbeitern die Privilegien Der„ Elende", den der Dichter zum Helden seines Romans wählte, der besitzenden Klaffen zugänglich zu machen. Schon deshalb nicht, hieß Pierre Maurin und war wie der Romanheld im Jahre 1801 weil es sonst allzu stadibekannt würde, daß die Bürger das Theater au fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden, weil er, um Brot leer lassen und daß die Arbeiter trotz der ermäßigten Preise dem zu stehlen, in einen Bäckerladen eingedrungen war und im dabei Theater mehr Geld ins Haus tragen als die Privilegierten, die lieber entstandenen Streit den Bäcker erschlagen hatte. Nach seiner Entdraußen bleiben. Das Volk ist also bildungseifrig, tunstbegierig laffung von aller Welt gemieden, Kopfte er im Herbst 1806 eines Abends an Marées- Ausstellung erklärt haben, ist nach den" Münchener Neuesten und bereit, Opfer für die Genüsse zu bringen, die das Bürgertum der Tür des bischöflichen Hauses an und bat um Nahrung und Obdach. verschmäht. So was muß verhindert werden. Denn wo bliebe Obwohl Maurins Aussehen nichts weniger als vertrauenerweckend ſonſt das Klaſſenmonopol der gebildeten Schichten und wo ihr an- war, nahm ihn doch der Bischof mit freundlichen Worten auf. Am gemaßter Ruhm, Hüter und Träger der Kulturgüter zu sein! nächsten Morgen war Maurin wie verwandelt, der Ausdruck wilden-Eine Ehreugabe für Ernst Haede I. Haeckels letzte Tacitus und der Zeitgeist. Wer das deutsche Volf, soweit es Troyes war ganz aus seinem Gesichte gewichen und der Bischof er- Schöpfung war das phyletische Museum in Jena, das durch Präs ben Lokal- Anzeiger" liest, in seinen wahren Tiefen und Höhen fannte, daß der Ausgestoßene noch feineswegs für die menschliche parate, Modelle und Bilder dem Beschauer die Tatsachen der Enttennen lernen will, der hat da eine wahre Fundgrube in dem dort Gesellschaft verloren Er schichte ihn daher mit einem widelungslehre vor Augen führen soll. Schöne biologische Gruppen als General werden die Mannigfaltigkeit der Anpassungen erläutern, und ein alle Sonntage veröffentlichten Abschnitt:" Deffentliche Meinung". Empfehlungsschreiben zu seinem Bruder, Maurin wurde Alles was die Braven in Wallung bringt, findet da seine be- in Italien stand. aum Krankenpfleger in Archiv soll Dokumente zur Geschichte der Abstammungslehre sammeln. Heere gemacht. des ruhigende Ablagerungsstätte. Die Nadtfultur hat es begreiflicher- feinem Die Erwartungen Generals Da zur inneren Einrichtung des Museums noch 100 000 m. weise den guten Seelen neuerdings besonders angetan, und so wurden nicht getäuscht, denn Maurin tat seine Pflicht mit fehlen, erläßt ein aus Naturforschern, Schriftstellern und Künstlern schrieb denn auch der Vorstand des„ Bereins Frauenstreben zu der Hingabe des Verzweifelten, der den Tod sucht. Nach dem ersten zusammengefegtes Komitee einen Aufruf zur Stiftung einer EhrenBerlin" eine teils befümmerte, teils empörte Einsendung. Sie Sturze Napoleons fehrte Maurin wieder zum Bischof zurück, der ihn gabe, die Haedel im Anschluß an feinen 75. Geburtstag übergeben schließt, nachdem sie besonders auch die unsittliche Freibäder- mit offenen Armen aufnahm. Aber der Bischof hatte eine Ver- werden soll. Beiträge sind bis Ende Februar an die Bank für bewegung gebührend gebrandmarkt hat, mit den schönen Worten: wandte bei sich, und diese Verwandte hatte eine Nichte; die beiden Handel und Industrie in Berlin W. 56, Schinkelplatz, später an das " Frauen Deutschlands, helft, einen solchen Zeitgeist bekämpfen, der faben sich und verlieblen sich beim ersten Anblick. Da aber Maurin Universitätsamt in Jena und zwar mit der Bezeichnung„ Bugunsten derartige Auswüchse propagiert, auf daß das den Germanen von einfah, daß seine Vergangenheit es ihm unmöglich machte, das der Ebrengabe für Ernst Haeckel" au richten. war. der Notizen. - Marées Ausstellung in Berlin. Nachdem num. mehr, sämtliche Galerien und Privatbesizer, die die Münchener Marées- Ausstellung beschickt haben, ihre Teilnahme an der Berliner Nachrichten" das Unternehmen für Berlin gesichert. Die Ausstellung wird in den Räumen der Berliner Sezession stattfinden und vom 25. Februar bis zum 1. April dauern. tvlr getvisseMa�en schon einen Arbeiterkonirolleur. In diese Grube ist borige Woche der Redalteur der„Bergarbeiterzcitung" mit einem Kollegen eingefahren. Allerdings nicht an dem Tage, wo er es wünschte, sondern später. Auch wurde ihm nicht gestattet, einen Bergmann, der die Grube genau kennt, initzunehmen. Wäre dies geschehen, dann hätten vielleicht mehr Mißstände festgestellt werden tonnen, als es bei dieser Bcfahrung oer Fall war. Wenn die Aerksleitungen den Vertrauensleuten der Bergarbeiterorganisation das Befahren der Gruben gestatten würden, dann könnten wir allenfalls auf die Anstellung von Arbeitcrkontrolleuren verzichten. In Radbod sollen in nächster Woche die Arbeiten zur Bergung der Leichen begonnen werden. Wir haben ersucht, daran teilnehmen zu können. Wir halten uns dazu berechtigt, weil wir schwere Anklagen gegen die Grubenverwaltung erhoben haben und weil es gilt, unparteiisch festzustellen, ob unsere Anklagen begründet sind. Eine einwandfreie Untersuchung ist nicht möglich, wenn an den Bergungsarbeiten nur die Angeklagten, aber nicht die Ankläger teilnehmen. Es geht das Gerücht, daß noch lebende Arbeiter in der Grube waren, als diese unter Wasser gesetzt wurde. Wir wollen an der Bergung teilnehmen, damit die Wahrheit festgestellt wird. — Noch fehlt unS die volle Aufklärung über das Unglück auf der Zeche„Borussia". Wir vermuten, daß in diesem Prozeß Mineide geschworen worden sind. Es handelt sich vor allem um die Frage ob schon vor dem Unglück ein Hydrant in der Grube war. Ver- schicdene Gründe sprechen dagegen. Möge sich die Staatsanwalt- schaft mit der Untersuchung dieser Angelegenheit möglichst beeilen. Der Prozeß Gärtner, der sich kürzlich in Hildesheim ab- spielte, hat gezeigt, daß die Bergbehörde alles versuchte, um die Verfehlungen der Werksderwaltung als recht klein erscheinen zu lassen. Dadurch ermuntert man geradezu die Grubenbesitzer zu Verstößen, während die Arbeiter bei den geringsten Verfehlungen schwer bestraft werden. Die Parlamente und die öffentliche Meinung bis in die Reihen der Konservativen hinein stehen auf unserer Seite. Aber so stark ist weder das Parlament noch die öffentliche Meinung, daß sie den Willen des mit den Regierungsvertretern versippten Kapitals brechen könnten. Schwere Kämpfe stehen uns bevor. Wir müssen uns auf das äußerste gefaßt machen. Es scheint, daß das wenige, was uns die Regierung bieten will, noch verschandelt werden soll. Dagegen müssen wir mit aller Kraft ankämpfen. Mr müssen den Bergleute» sagen: Wenn ihr zum Ziele kommen wollt, setzt eure Kraft selbst ein. Ohne Kamps werden wir unsere Forderungen nicht erringen. �Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde die nachstehende Resolution einstimmig an- genommen: „Die preußisch-deutsche Berggesetzgebung hat bisher einen Gang genommen, der nicht dazu führen konnte, die Zustände im Bergbau zu bessern, vornehmlich war auch die mangelhafte Berg- aufsicht mit Schuld daran, daß die Zustände im Bergbau sich immer trostloser gestaltet haben. Wer die Unfallzahlen im Berg- bau näher betrachtet, kommt zum Ergebnis, daß kaum eine Eiw richtung in sozialwirtschaftlicher und sozialpolitischei Hinsicht so •mangelhaft ist, wie das bisherige Bergaufsichtssystem in Preußen- Deutschland. Den Hauptgrund dafür sehen die Bergarbeiter darin, daß sie als die Mitbeteiligten im Bergbau von oer Mit- bestimmung über die Werks- und Arbeitsverhältnisse sozusagen ausgeschlossen sind, daß den Bergarbeitern kein Rocht eingeräumt ist, ihr Leben und ihre Gesundheit so zu wahren, wie man es verlangen kann und muß. Der Bergbau in Deutschland hat die höchsten Unfallziffern von allen Gewerbegruppen aufzuweisen. Von den im Jahre 1907 zur Meldung gelangten WS 901 Unfällen in der deutschen In- dustrie entfallen auf den deutschen Bergbau allein 92 lob Unfälle, gleich 14 Prozent der gesaniten Unfälle. Während die in den Knappschaftsberufsgenossenschaften versicherten Personen, also die Bergleute, nur rund V„ der in den gesamten Berufsgenossen- schaften versicherten Personen ausmachen, entfallen auf sie aber rund V, der gesamte» gemeldeten Unfälle in den Berufs- genossenschaften. Die Zahl der Unfälle, für die im Jahre 1907 zum ersten Male Entschädigung gezahlt wurde, belief sich in den deutschen Berufsgenossenschaften auf 144 703. darunter 9315 mit tödlichem Ausgang und 1256 Unfälle, die mutmaßlich dauernde und völlige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten; innerhalb der KnappfchastsberufSgenossenschaft verunglückten entschädigungS- pflichtig im Jahre 1907 allein 11 360 Personen, darunter tödlich 1743. Nahezu der sechste Teil aller Getöteten entfällt auf den Bergbau allein. Nach den vorläufigen Feststellungen der Knapp- schaftsberufsgenossenschaften für das Jahr 190S sind im deutschen Bergbau für dieses Jahr insgesamt 103 582 Unfälle, darunter 1369 Tote. Diese Ziffern sind erschreckend. Seit vielen Jahren fordern die deutschen Bergarbeiter Zu ziehung von Arbeitern zur Kontrolle der Gruden. Die heutige Bergaufsicht ist nicht nur unzulänglich, sondern sie wird, wie an Hunderten von Beispielen nachgewiesen werden kann, von den Grubenbesitzern bezw. ihren Verwaltungen auch noch hinter- gangen. Andererseits wieder ist genügend Mißtrauen enstanden durch die oft offenkundige Parteinahme mancher AuffichtSbcamten für die Bergwerksbesitzer. Bestärkt stnd die Bergarbeiter in ihrem Verlangen, Arbeiter zur Mitkontrolle der Gruben heram- zuziehen, weiter durch die Feststellungen über Ursache und Wir- kungen der Massenkatastrophen im Bergbau wie: Karolinenglück, Borussia, Reeden, Radbod usw. Di« Katastrophen haben ohne weiteres die Notwendigkeit einer Arbeiterkonirolle im Bergbau zutage treten lassen. Ter Kongreß stellt sich auf den Standpunkt, daß diese Kon. trolle aber auch nur dam, eine wirksame jeiiTfann, wenn sie eine einheitliche reichsgesetzliche Regelung erfährt, worin die volle Un. abhängigkeit und Selbständigkeit der Arbeiterkontrolleurc ge sichert ist. Die Arbeitcrkontrollcure sollen ferner die Grube unter fortgesetzter Aufficht halten. Um die Unabhängikeit, die Selb- ständigkcit und die ständige Aufsicht zu ermöglichen, ist es nötig. daß die Arbeiterkontrolleure nicht im Arbeitsverhältnis zu den Zechen stehen und daß sie von den Arbeitern in direkter und ge- heimer Wahl— möglichst Kuvertwahl— gewählt werden; ferner. daß sie allein und jederzeit eine Befahrung der Grube vornehmen können. Auf je 2000 Mann der Belegschaft muß ein Arbeiter- kontrolleur entfallen, der vom Staate besoldet wird. Wahl- berechtigt soll jeder großjährige Arbeiter, wählbar jeder sein, der fünf Jahre Hauer und ein Jahr auf dem Werke tätig war, oder wo kleine Gruben in Frage kommen, im Bereich dcS Jnsprktions- bezirks auf Gruben beschäftigt war. Beschwerden und Mittet- lnngen der Arbeiterkontrolleure, soweit es sich um Mißstände auf den Zechen handelt, müssen von der Bergbehörde jederzeit berück- sichtigt werden. Wenn sich die Reform unserer Berggesetzgebung bezüglich der Bergaufsicht in dieser Richtung bewegt, dann ist ein Schritt getan worden, der zur Sicherheit der Arbeiter in den Gruben viel beitragen wird. Der Kongreß ist darum der Meinung, Vorschläge, wie sie zum Beispiel der preußische Bergwerksminister anlaßlich der Radboddebattcn im preußischen Landtag gemacht hat, abzulehnen. Er, der Kongreß, fordert die gesetzgebenden Körperschaften mif, Borlagen, wie sie der preußische Bcrgwerksminister angedeutet hat. gleichfalls abzulehnen und nur solche Gesetzesvorlagen zu unterstützen, die den oben angeführten und langjährigen Wünschen der Bergarbeiter entsprechen. Franz Pokorny." Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Einführung eines ReichsbrrggesetzeS erhalt das Wort der Referent F. Schmidt.(Hirsch-Dunckerscher Gewerkvereisis'. Der Redner verweist auf die Entwickelmig der deutschen Klein- staaterei zum Einheitsstaat. Wie wir ein Reich haben, verlangen wir auch ein Recht im Bergbau. Bei der Masse von Gesetzen und Verordnungen die jetzt für den deutschen Bergbau gelten, ist eS selbst Juristen unmöglich, sich hindurchzusinden. Die Einwendungen der Gegner eines Reichsberggesetzes wurden schon erhoben, als 1865 das preußische Berggesetz die damals geltenden verschiedenen Ver- orimvngen ablösen sollte. Die Gegner behaupten, daß wegen der Verschiedenheit der Verhältnisse in den verschiedenen Bundesstaaten ein einheitliches Bergrecht nicht möglich sei. Aber diese Verschieden- heit besteht ja schon in Preußen selbst, zwischen Ruhrbergbau, Saarbergbau, den schlesischeu Gruben usw. Die Verschiedenheit der Verhältnisse in anderen Industrien ist nicht minder groß, und doch sind sie einheitlichen RcichSgesctzen und Verordnungen unterworfen. Zudem ist es eine Fiktion, wenn man behauptet, der Bergbau Deutschlands unterliege nur den Landesgcsetzgebungen; es bestehen viele Gesetzesbestimmungen des Reiches, die für den Bergbau genau so gut gelten wie für andere Industriezweigs darunter nicht weniger als 23 Paragraphen der Gewerbeordnung. Der Schritt zu einem Reichsberggesetz ist also keineswegs so groß. Wer ein solches nicht will, der will überhaupt keinen Bcrgarbeiterschutz. Der auf dem Dreiklassenwahlrecht beruhende preußische Landtag zeigt sich in seiner Mehrheit jedes sozialen Empfindens bar und ist mit seinen Junkern und KapitalSvcrtrctern der Haupthemmschuh. Würde Preußen im Bergarbeiterschutz vorangehen, müßten die anderen Bundesstaaten folgen. Aber, daß Preußen vorangeht, ist nicht zu erwarten. Notwendig scheint auch eine internationale Vereinbarung über den Bergarbeiterschutz, aber dazu muß erst ein- mal für Deutschland ein einbcitliches Reichsberggesetz bestehen, denn nur mit dem Reich kann das Ausland solche Vereinbarungen ab- schließen.— Der Redner führt noch eine ganze Reihe von Be- weisen'für die UnHaltbarkeit der im deutschen Berabau bestehenden Zustände, wie für die Notwendigkeit der einheirliche» Regelung an und weist zum Schluß darauf hin, daß die wichtigsten Forde- rungen in der vorgeschlagenen Resolution niedergelegt sind.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zum Schluß der Vormittags sitzung gibt der Vorsitzende bekannt, daß von den 40 Diskussions- rednern, die zum ersten Punkt der Tagesordnung gesprochen haben, nur 3 Angestellte, alle anderen im Bergbau tätige Arbeiter waren. Bei Eröffnung der Nachmittagsfltzung gab der Vorfitzende S o s i n s k i ein Shmpathietekegramm deS preußischen LandtagSabgcordneten Genossen L e i n e r t- Hannover bekannt, der am persönlichen Erscheinen verhindert ist. Hierauf begann die Debatte über die Forderung eines Reichsberggesetzes. Auch bei dieser Gelegenheit kamen Mißstände über Mißstände zur Sprache. Besonders wurde das Strafsystem, die Ueberschreitung der Arbeitszeit, sowie Unzuträglichkeiten im Knappschaftswesen er- örtert. Ein Redner auS dem Dortmunder Bezirk berichtete, daß auf der Grube„Preußen" in einem Manat 872 Arbeiter mit 879 M bestraft worden sind, davon waren 418 M. Strafe für Förderung unreiner Kohle. Auf der Zeche„Minister Achenbach" hatte ein Mann in einem Monat 25 M. Strafe zu zahlen.— Ein Redner, der über die Zustünde in den hannoverschen Kaliwerken sprach, teilte unter anderem mit, daß die Arbeiter in einer Grube bei-fi 30 Grad CelsiuS 12 Stundey arbeiten müssen. In den Kaliwerken gibt es kein Wasser, weder' zum Trinken, noch zum Waschen. Ferner wurde mitgeteilt: Auf der„Kaisergrube" in Lugau wurden 14 Mitglieder des ArbeiterausschusseS, welche es mit der Vertretung der Arbeiterinteressen ernst nahmen, entlassen. Der Steiger begründete die Entlassung mit den Worten:„Wer anderer Meinung ist wie wir, der fliegt."— Von, den Arbeitern eines fiskalischen Kaliwerks in Deister ist ein Berginvalide zum Kongreß delegiert, weil keiner der beschäftigten Arbeiter aus Furcht vor Maßregelung den Kongreß zu besuchen wagt.— Aus dem Bezirk Oberhausen wurde berichtet: Die Grube„Neumühl" hat in einem Jahre 24 000 M. Strafgelder erhoben, die Grube„Westend" 17 000 Mark und die Grube„Konkordia" nur von einem Schacht 7000 M. — Aehnliche Angaben über hohe Strafen wurden von�dcrschiedenen Rednern auch auS anderen BergwcrkSbezirken gemacht.— Unter den Arbeitern im Wurmrevier herrscht eine ungewöhnlich hohe Krankcnziffer. Die Ursache der häufigen Erkrankungen wird in den schlechten Verhältnissen und der überlangen Arbeitszeit erblickt. — Ueberschreitungen der festgesetzten Schichtzeit wurden vielfach be- richtet. So von mehreren Gruben bei Äelsenkirchen. Dort ist /die Schichtzeit in der Zeit vom 13.— 23. Januar täglich um 8—25 Mi- nuten überschritten worden. In mehreren Gruben desselben Be» zirks sind in 6—12 Tagen je 700—-800 M. Strafgelder erhoben worden. Der Redner, der diese Mitteilungen machte, hat aus- gerechnet, wenn die von ihm angeführten Gruben, die zusammen 10850 Arbeiter beschäftigen, ein ganzes Jahr in derselben Weise Strafen verhängen würden, 80 750 M. an Strafgeldern züsammen- kämen. Für das ganze Ruhrbecken unter denselben Voraussetzungen würde die Strafsumme 2399099 M. im Jahre betragen. Bei Erwähnung eines Prozesses, der in Oberhausen gegen einen Bergarbeiter stattfand, wurde mitgeteilt: Ein in diesem Prozeß als Sachverständiger vernommener Bergrat sagte: Die Arbeiter behaupten, an, dem Unglück in Radbod sei die WerkSverwaktung und die Bergbehörde schuld. Das werden wir ihnen anstreichen. In der Diskussion wechseln Redner deS alten Verbandes, der polnischen Organisationen und deS Hirsch-Dunckerschen Gewcrk- Vereins einander rn bunter Reihe ab, und alle sind in gleicher Weise entrüstet über ungeheuerliche Mißstände und schreiendes Unrecht. Ein polnisch organisierter Bergarbeiter berichtet, wie in einer oberlausitzer Grube drei Mann mit je 19 M. Strafe belegt wurden, weil sie»unartig" gegen einen Grubenbeamten gewesen sein sollten. Sie wurden obendrein noch entlassen. Die Arbeits. ordnung auf der Grube bestimmt, daß die Strafen höchstens einen Tagclohn betragen dürfen. Obwohl jene drei Mann schon 30 M. Strafen gezahlt hatten, waren am Jahresschluß in der Ab- rechnung über die gesamten eingenommenen Strafgelder im ganzen nur 26 M. aufgeführt. In dieser Grube, sagte der Redner, er- laubt sich der Betriebsdirektor auch noch, mit dem Stock hinter den Arbeitern zu stehen, wie es wohl in den Zeiten der Sklaverei üblich gewesen sein mag. Nur durchgreifende reichsgesetzliche Regelung und unabhängige Arbeiterkontrolleure können hier Wandel schaffen. Ein Redner auS Lugau in Sachsen schilderte, wie die Wahlen der Knappschaftsältesten zustande kommen. Nach diesen Schilde- rungen sind die schamlosesten Wahlbeeinflussungen an der TageS- ordnung. Die Stimmzettel sind gekennzeichnet und wer einen der Werksverwaltung nicht genehmen Kandidaten wählt, ist seiner Entlassung sicher. Ja. selbst ein Bergrat beteiligte sich an der Wahlbeeinslussung. indem er einem Arbeiter, der einem ent- schiedenen Arbeitervertreter seine Stimme gab. mit den Worten drohte:„Merken Sie sich daSl" Ein Delegierter auS Lothringen schilderte die Mißstände in den dortigen Erzgruben. Da herrscht ein so raffiniertes Strafsystem, daß die Aroeiter unter ungünstigen Umständen soviel Strafe zu zahlen haben, daß sie ohne Lohn nach Hause gehen können!. Nach den lothringffchen Kuappschaftsstatuten gibt es Jnvalidcnpensionen von 3 bis 5 M. monatlich. Eine Illustration u dem bekannten Wort: Für den Arbeiter ist gesorgt bis ins .>ohe Alter. Ja, sagte der Redner, wenn die Bergarbeiter alt find, werden sie auf die Landstraße gesetzt und können verhungern. An den Mißständen im Gebiet der lothringischen drei Könige Röchling, Wendel und Stumm ist auch die Regierung nicht unschuldig. Und angesichts solcher Mißstände verlangt man. daß die lothringer Berg- arveiter gute Deutsche sein sollen. Aehnliche Zustände bestehen auch, wie an bestimmten Bei- pielen gezeigt wurde, in den fiskalischen Saargruben. Dort werden die Arbeiter nicht nur mit Geldstrafen, sondern auch mit Ablegung bis zu einer vollen Woche bestraft, was einen Lohnausfall für sechs Schichten a 5 bis 6 M. bedeutet. Dasselbe System be- tcht auch i» den Gruben d«S mit pästlichem Segen gewählten steichstagSabgeordneten Wendel. Schier unerschöpflich waren die Klagen, welche die Redner auS allen Bergbaubezirken vortrugen. Alle ohne Ausnahme ver- traten sie die Forderung: Her mit einem einheitlichen Reichs- berggesetz, welches uns schützt vor der Willkürherrschaft des über. mächtigen Grubenkapitals I Als gegen Ende der Sitzungszcit noch 16 Redner auf der Liste standen, wurde ein Antrag ans Schluß der Debatte angenommen. Zur Begründung des Antrages sagte der Vorsitzende Sachse unter anderem: Der Saal müsse um%7 Uhr geräumt werden, weil jeden Abend Militärmusik stattfinde. Deshalb sei auch die Dekoration des Saales vorhanden. DeS Kongresses wegen sei sie nicht gemacht. Das Schlußwort erhält der Referent F. S ch m i d t. Er hebt hervor, daß unter allen Rednern— es stnd 40, die zu dem Punkt der Tagesordnung gesprochen haben— keiner gegen ein Reichsberggesetz irgendwelche Einwendungen gemacht hat. Weil in den verschiedenen Landes- Parlamenten keine Mehrheit für einen irgendwie ausreichenden Schutz des Bergmannes zu haben ist, forderten alle die reichs- gesetzliche Regelung. Sie muß uns unter anderem auch die Be- seitigung des Soll- und Prämiensystems bringen. Darunter, daß die Grubenbeamten für die Förderung einer bestimmten Masse von Kohlen sorgen müssen, hat vor allem auch der Bergmann schwer zu leiden. Ein Reichsgesetz muß dieses System im Ruhrrevier weg- blasen. Weil wir wissen, daß die Grubenbeamten nicht imstande sind, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, deswegen fordern wir auch die reichsgesetzliche Festlegung der geheimen Wahl der Knappschaftsvertretung. Gegenwärtig spielt der Grubenkapitalist des einen Landes den des anderen aus. wenn es gilt, gesetzlichen Regelungen vorzubeugen oder die Verhältnisse noch zu ver- schlechter». So geht es nicht nur innerhalb des Deutschen Reiches, sondern auch im Ausland. In Oesterreich erklärten die Gruben- besitzer, daß die dort bestehende gesetzliche Schichtzeit nicht inne- gehalten werden könnte, weil in den benachbarten oberschlesischen Gruben eine weit längere Schichtzeit bestände. Welche nnübcr- brückbare Kluft zwischen dem Profitintercsse der Grubenkapitalisteu und dem Interesse der Arbeiter an der Erhaltung von Leben und Gesundheit besteht, zeigte sich deutlich bei der Beurteilung der „Borussia"-Affäre, als der eine Sachverständige erklärte:„Man betreibt doch nicht Bergbau, um Gefahren zu bekämpfen, sondern um Kohlen zu fördern."— Weil aber der Bergmann den unbedingt notwendigen Schutz für Leben und Gesundheit nicht entbehren kann, darum fordern wir ein Reichsberggesetz. Der Kongreß nahm die folgende Resolution einstimmig an: „Die Entwickclung der deutschen Bergwerksvcrhältnisse drängt zu einer einheitlichen Regelung derselben. Eine ganze Anzahl Einrichtungen im Bergwerks- und KnappschaftSwcsen der einzelnen deutschen Bundesstaaten sind von Rcichsgesetzen abhängig gemacht worden und werden von diesen beeinflußt. WaS aber fehlt, ist das Bild der Einheit, das unserer Berggesetzgebung um so mehr anhaften sollte, als es sich um tief einschneidende LebenSfvagen eines Teils der deutschen Bevölkerung, der Bergarbeiter, handelt. Die Unsallhäufigkeit im deutschen Bergbau, die hohen Kranken- Ziffern, die allzuftühe Invalidität der Bergarbeiter, ihre viel- fach noch schlimme Behandlung durch die Grubenbesitzer, wie die noch äußerst mangelhaften Knappschaftseinriclstungen für die allzufrüh aufgebrauchten Bergarbeiter und deren Familien, zeigen uns, daß in der Bergwerks- wie Bergarbeiterschutzgcsctz- gebung noch manches zu tun ist, ehe wir zu gesunden Verhält- nisten im deutschen Bergbau kommen. Nickst nur die deutschen Bergarbeiter empfinden lebhaft die Notwendigkeit einer gründ- lichen Reform der Berggesetzgebung, sondern es verlangen gleich- zeitig weitere andere Bevölkerungsschichten diese Reform und wie die Verhandlungen in den Landtagen der einzelnen Bundesstaaten und im Reichstag gezeigt haben, auch weite Kreise der parlmnen- tarischcn Vertretung der deutschen Bevölkerung. Im deutschen Reichstag hat«in Reichsberggesetz schon längst eine Mehrheit für sich gefunden und lange schon hätten wir ein solches, wenn nicht die BundeSstaatsregierungen diesem widerstrebten. Ter Kongreß ist der Meinung, daß eine reichsgesetzliche Regelung, besonders der Arbeits» und Arbeiterschutzverhaltnissc im Bergbau keine großen Schivierigleiten im Wege stehen und darum erhebt er von neuem die Forderung einer schleunigen reichsgesetzlichen Reform der Berggcsetzgebung. Der Kongreß macht die alten Forderungen der Bergarbeiter zu einem Reichs- berggesetz, soweit sie noch der Erfüllung harren, auch zu den seinigen und verlangt vor allen Dingen eine reichsgesetzliche Reform in der Rick.rung des BergarbeiterschutzcS, der Regelung des Strafwesens, der Verkürzung der Arbeitszeit und der ein» heitlichen Reform des Knappschaftswcsens hin. Sollten die Bundesregierungen dennoch die Oberhoheit über den Bergbau nicht abgeben wollen, so erklärt sich der Kongreß mit den zurzeit noch im Reichstage vorliegenden Anträgen ein- verstanden, die darauf hinausgehen, den Ackbeiterschutz aus den: Bergrecht herauszulösen und diesen allein reichsgesetzlich zu ordnen, und zwar: a) durch völlige Ausdehnung der Reichsgewerbeordnung aus den Bergbau und entsprechende Ergänzung desselben,' b) durch einheitliche Regelung deS KnappschaftSwcsenS, c) durch reichsgesetzliche Regelung der Bergpolizei. F. Schmidt." Die AuSfiihrungen von Leim peterS im gestrigen Bericht sind dahin richtig zu stellen, daß der Borfahrer nicht identisch ist mit dem Ausschußmitglied, welches als„Arbeiterkontrolleur" fungiert. Dieser darf nur einmal im Monat in Begleitung eines Werfbeamten die Grube befahren, während der Borfahrer die Grube täglich vor Beginn der Arbeitszeit kontrollieren soll, Eue der Partei. „Ardeiter-Jugcnd." Die nächste Nummer der„Arveiter-Jugend" erscheint am 10. Februar. ES ist daher wü»schenSwert, daß die SbonnemcntSbestcllungen möglichst schnell der Expedition der „Arbeiter- Jugend", der Buchhandlung Vorwärts. Berlin 81V. 68, Lindenstr. 60, übermittelt werden. DaS finanzielle Ergebnis dcS Nürnberger Parteitage? gestaltet stch nach der vorläufigen Abrechnung folgendermaßen: Einnahmen auS Eintrittsgeldern 7840,46 M., sonstige Einnahmen 917,20 M.. Summa 8767,66 M. Ausgaben: Lokalmieten, Beleuchtung, Rcini- gung 2783.04 M., Dekoration, Musik, projektiertes Feuerwerk, Theater 3678,27 M.. Materialien 2537,18 M.. persönliche Dienstleistungen 830,06 M.. Verschiedenes 397,04 M.. Summa des Ausgaben 19276.68 M.. mithin Mehrausgabe 1517,93 M. Von der Parteipresse. In die Redaktion der«Chemnitzer Bolksstimme" ist Genosse Heilmann aus Berlin als erster Po- litischer Redakteur eingetreten. Unser Bayreuther Parteiblatt, die»Fränk. BolkS- tribüne", die bisher als Unterhaltungsbeilage den»Volks- bildner' der„Fränkischen Tagespost" führte, legt an dessen Stelle seit Beginn dieses Monats die Unterhaltungsbeilage»Die neuc Welt" bei. poUzellickea, Gerichtliches ufw. Nummer 4! Die beiden Straßburger Ncichsverbändler. Rechts- anwalt Dr. g s ch w e i g e r t und Militärbauinspektor S t e g m a n n, deren Massenklagerei wir gestern beleuchteten, haben nun die vierte Attacke hinter sich. Wie uns«in Privattelegramm meldet, wurde am Dienstag Genosse PeterSson vom„Hamburger Echo" wegen Beleidigung der beiden Terroristen zu einer Geldstrafe von 399 M verurteilt. ES stehen jetzt nur noch 16 Prozesse auS l Hue Industrie und Kandel. Submisstoilsmachcuschaften. Hin und wieder macht eine sogenannte SubmisfionSblüte die Runde durch die NreNe. Die lieben Leser wundem stch, daß Preis- differenzen von 100 Prozent uns mehr Vei einer bestimmten Arbeit möglich sind. Man ahnt nicht, daß sehr oft. wenn nicht in den allermeisten Fällen, die Offertenabgabe nur Formsache ist, die Sub- mittönten über die Vergebung von Arbeiten bestimmen. Sehr selten handelt es sich bei den großen Preisunterschieden um ehrliche Angebote, das heißt: jeder Bewerber hat die Absicht, die Arbeit zu übernehmen. Dann entstehen die Differenzen entweder aus schlechter Kalkulation, oder, was meistens der Fall sein dürste, sie sind begründet in den Qualitätsunterschieden der Materialien und in Verschieden- heiten der sonstigen Selbstkosten. Manchmal ist die„Blüte" auch nur die Folge von Indiskretionen. Der Submittent, dem die näheren Bedingungen nicht bekannt sind, muß seine Kalkulation machen nach den Angaben in der Ausschreibung. Anders der Eingeweihte 1 Er weiß, daß mit der Vergebungsarbeit noch etliche so genannte Nebenarbeiten zusammenhängen, über welche Abmachungen nicht getroffen werden, die aber naturgemäß mit der Haupt- arbeit ausgeführt werden müssen. Das ist die Grundlage seiner Kalkulation. Bei den Nebenarbeiten kann er gründlich schneiden. Die ausgeschriebene Arbeit wird niedrig ver- anschlagt; der nötige Profit wird bei Festsetzung des Preises für Nebenarbeiten sicher herausgeschlagen. Zuweilen find die Differenzen in den Angebote» lediglich der Niederschlag einer Abmachung unter den Submittenten. Diese sind sich darüber einig geworden, wer von ihnen eine bestimmte Arbeit ausführen soll. Wer an die Reihe ist, gibt den anderen seine Kalktilation bekannt. Diese wird von den Milsubmittenten geschützt, indem sie alle erheblich höhere Preise fordern. Die Submissionsblüten rechtfertigen daher in der Regel den Verdacht. daß den Angaben, wenn nicht direkte Betrugsabsichten, dann Schie- bungen zugrunde liegen, die den Zweck der Ausschreibung, die Absicht der Ausschreibenden illusorisch machen. Aber auch dann, wenn eine Reihe von Submittenten in den Forderungen nur ganz minimal differiert, sind die Auftragerteiler hinters Licht geführt, wenn sie glauben, das Resultat einer steien Konkurrenz in Händen zu haben. Die Angebote erfolgen in sogenannter beschränkter Konkurrenz unter den beteiligten Bewerbern, deren Grundlage eine Mindest- kalkulation ist. die nicht nur der ausführenden Firma einen ungebührlichen Gewinn garantiert, sondern auch noch eine Entschädigung für die ausfallenden Subinittenten enthält. Die Technik der Submissionsmache ist natürlich in den verschiedenen Branchen nicht gleich; sie richtet sich nach den besonderen Bedürf- nissen, nach der Stärke und dem Einfluß der respektiven Organisation und der entsprechenden Qualifikation der Leitung. Ein minutiös ausgearbeitetes System hat der Verband Deutscher ZentralheizungS« industrieller eingeführt. Da hier ein Arbeitsgebiet in Betracht kommt, besten Be- arbeitung noch jüngeren Datums ist und das allem Anschein nach eine große Zukunft hat. rechtfertigt sick, wohl ein etwaS näheres Ein- gehen auf die von der genannten Organisation gepflegten Sub- missionSpraxiS. Sobald ein Mitglied zur Abgabe einer Offerte aufgefordert ist hat es der Anmeldestelle des Verbandes sofort Nachricht zu geben durch Ausfüllung des folgenden Formulars: V. v. C.-J. Anmeldung. Formular Ivt. V.Z.Nr.... /z Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Ahörnstr. 15». Tagesordnung: 1. Das Erfurter Programm(erster Teil). Referent: Genosse Gustav Schumann. 2. Diskussion. 3. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. 1. Sonstige Angelegenheiten. _ Der Vorstand. Berliner JVadmcbten. Die Flugversuche. Nach den Mißerfolgen der ersten Tage hatte der Pariser Aviatiker Zipfel eine mehrtägige Pause eintreten lassen, um seinen etwa? defekten Motor zu reparieren und zunächst erst noch einmal privatim zu erproben. Am Dienstag nun wurden die öffentlichen Flug- versuche wieder aufgenommen. Und wiederum strömten viele Tausende— je nach ihren sozialen Umständen per Automobil oder zu Fuß— nach dem Tempelhofcr Felde. Auch die Polizei war in einer Stärke vertteten, als handele eZ sich um eine Wahlrechts- kundgebung. Mindestens 50 Berittene waren in gleichen Abständen rings um den für die Flugversuche reservierten Teil des Feldes postiert, während etliche Vorgesetzte die Front hinauf und hinab sprengten. Ein halbes Dutzend berittener Schutzleute hätten es auch getan; immerhin war den Gäulen die Bewegung in frischer Lust zu gönnen. Die Flugversuche selbst fielen diesmal etwas besser auS. Bon vier Flügen, die wir beobachteten, gelangen zwei insofern, als sich der Aeroplan nach kurzem Anlauf in die Luft erhob und in einer Höhe von zirka 10— 15 Metern über dem Boden jedesmal eine Strecke von etwa einem Kilometer zurücklegte. Damit ist wenigstens der Beweis geliefert, daß der Apparat wirklich fliegen kann, wenn er auch noch, vermutlich des Motors wegen, seine Rücken und Tücken hat und dem Lenker nur widerstrebend gehorcht. Angesichts der Sv-Kilometer-Fernflüge der Farman und Plöriot und des letzten 1S0-Kilometer-Nundflugs Wilbur Wrights waren die Vorführungen freilich nur das. als was sie Herr Scherl trotz seiner«normen Reklame vorsichtigerweise angekündigt hatte: Flugversuche! Kurven und Wendungen führte Herr Zipfel bei seinem freien Fluge nicht aus. Hoffentlich bekommen die Berliner nach diesen Uebungen eines Schülers in der Flugkunst auch bald einmal die Meister dieses modernsten Sports zu sehen I_ Neue Postzollorduung. Im Postzollwesen werd-en eine Reihe von Erleichterungen und Vereinfachungen im Interesse des Verkehrs eingeführt. Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung eine neue Zollordnung be- schloffen, die an Stelle des bisherigen Postzollregulativs tritt und demnächst in Kraft gesetzt werden soll.>Sie bringt eine lange Reihe von Aenderungen, im ganzen 15, von denen wir das Wichtigste mitteilen. Die Zollinhaltserklärungen können künftig außer in deutscher und in französischer auch in englischer Sprache abgefaßt sein, bei Bedarf auch in einer anderen Sprache, insbesondere in der hollän- di scheu, italienischen, spanischen oder in einer der skandinavischen Sprachen. Die Vorabfertigung an der Grenze fällt weg. Es unterbleibt nicht nur die zollamtliche Vcrgleichung der Pakete mit den Inhalts- crklärungen, sondern auch die Bcklcbung der Pakete mit der roten Zollmarke und die zollamtliche Abstempelung der Jnhaltserklä- rungen. Nur Pakete, die nach der Verzollung von der Post noch weiter befördert werden, erhalten einen grünen Zettel mit der Aufschrift„zollamtlich abgefertigt" zum Zeichen, daß sie kn den freien Verkehr gesetzt sind. Die jetzt auf Verlangen des Absenders zulässige Verzollung an der Grenze fällt weg. Dafür kann der Absender künftig den Antrag stellen,„durch die Post zu verzollen". Er ist auch berechtigt, den. Ort der Abfertigung vorzuschreiben. Bei Sendungen, nach Orten mit Zollstcllen kann die Post auf Wunsch des Empfängers dessen Vertretung bei der Verzollung über- nehme». Bisher geschieht dies nur in Berlin und anders, größeren Orten. Sendungen nach Orten ohne Zollstelle werden künftig, ohne daß der Empfänger gefragt wird, durch Postbeamte verzollt, wenn der Empfänger keine Gegenerklärung abgegeben hat. Zollfreie Waren, wie frische Blätter und geschnittene Blumen, in Massensendungen können auf Grund von Stichproben, selbst in den Bahnpostwagen, abgefertigt werden. Sendungen mit Postnachnahme kann sich der Empfänger künf- tig vor der Entrichtung oes Nachnahmebetrags zur Besichtigung des Inhalts von der Zollstelle vorzeigen lassen und sich dann erst über die Annahme der Sendung entscheiden. Für verlorene Pakete wird kein Zoll mehr beansprucht. Für Postpakete und Postfrachtsiücke sind getrennte Begleitscheine auszustellen. Im Veredelungsverkehr tritt an Stelle der Begleit- scheine eine erleichterte Ausfuhrkontrolle. Durchgangssendungen unterliegen keiner zollamtlichen Behandlung mehr, w