jhr. 80. 26. Jahrg. bi �..määää».. ssä'äw!.."» M J»W»» V m\m Tz BT-��f/ 5»«r.Ä"»s.ÄS: Einzeln- Nunini ei 6 Psg. Sonntags. irWm>> MW HR H» HH BB9 HB HB MW Mg s'— // und BerlammIungZ-Anzelgen 30 Psg. nummer mit illustrieiler SonMagZ- BBgSS 1 I IM SSB KM BgJ UM HH MB W) RH I //„Kleine Hnreigen", daZ erste(scU- Beilage.Die Neue Well- 10 Psg. Post. WWW MW WW IW Wl HB WM ZM Wil UM■B M WZ' iiMP gedruckte) Wort 20 Psg.. jedes weitere Momwment: l.t0 Wart vro Monat. WTMBfS. UW j|H Ml jWk ÄHv Ml\ WV Wt W» MU/ Wort 10 Psg. Elellengciuche und SSlas- tTttr ar,lnb,e JjV täiTlt H H M BB MWV M Itellep-An, eigen das erste Wort 10 Psg, T eutschland und Oesterrnch. Ungarn M 1B y/ VW jede« weitere Wort 5 Psg. Worte über 2 Wart, für das übrige Ausland sRHW�� � �rS WW\ // MM lö Puchstaben zählen für zwei Worte. » Marl pro Monat. PostabonnementS 8RBW HHV Inserate sür die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Dänemark � f&yf f �"i T> ▼/ bis s Uhr nachmittags in der Expcdilion Äw flÄ"0" 40 ««ii�..«» VerllNDV.ssä»". Zentralorgan der rozialdeinokratirchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SM. 68» Lindenatraeae 69. Fernsprecher: Amt kV. Nr. 1383. Knnere Politik und Mobilmachung. Man schreibt uns: Der geniale Reichskanzler Fürst Bülow. der nächst Luther und Goethe zweifellos der bedeutendste aller auf Deutschlands Boden geborenen Männer ist, hat kürzlich im preußischen Dreiklassenparlament von der Möglichkeit eines neuen Ausnahmegesetzes gesprochen. Und sein getreuer Famulus Rheinbaben hat diese abgeschmackte Drohung noch unterstrichen. In politischer Hinsicht haben die beiden großen Staatsmänner vom„Vorwärts" und anderen Partei- blättern den wohlverdienten Kopfguß schon erhalten. Wir wollen Herrn Bülows schöne Idee daher nur von der militärischen Seite aus beleuchten. Preußen versteht es bekanntlich nur zu gut, einen erheb- lichen Teil der deutschen Grenzbevölkerung in die schärfste Opposition zu treiben und gegen sich aufzureizen. Voran stehen hier die Polen, dann kommen die Lothringer und die Dänen. Bricht wirklich der Krieg mit zwei Fronten aus. so wird die deutsche Armee ihren strategischen Aufmarsch daher in Landstrichen vollziehen müssen, in denen das Gros dcr Be- völkerung ihr nicht freundlich gesinnt ist. Ein Teil der Bevölkerung gönnt ihr höchstwahrscheinlich eine schwere Nieder- läge von Herzen. Ob diese Gegnerschaft sich im Kriegsfalle nicht sehr unangenehm fühlbar machen und besonders die fanatische Bedrückung der Polen sich nicht schwer rächen wird. ist sehr fraglich. Auf jeden Fall hätten die Berliner Strategen trifttge Gründe, dem Reichskanzler zu erklären, daß sie schon an den Polen und Lothringern genug haben; er möge also gütigst nicht auch noch Leute, die im Innern des Reiches geboren sind, aufhetzen und ihnen den letzten R e st der im Kriege so notwendigen Liebe zum Vaterland nehmen. Graf Schliefsen, der ehemalige Chef des Großen General- stabes, hat in seinem vielgenannten Artikel die strategische Lage des Reiches bekanntlich sehr düster geschildert und das Reichsoberhaupt hat ihm zugestimmt. Wie kann Fürst Bülow unter solchen Verhältnissen ein Ausnahmegesetz gegen die stärkste politische Partei des Reiches, die bei den letzten Reickstagswahlen trotz aller Intrigen, trotz aller Machen- schäften über drei Millionen Stimmen errang, an die Wand malen? Gegen eine Partei, die so stark ist, daß die bürger- lichen Parteien an ihre Bcsiegung nur unter der Voraus- setzung glauben, daß sie alle zusammenstehen. Weiß denn der Reichskanzler nicht, daß die deutsche Armee auf der allgemeinen Wehrpflicht beruht' und daher die poli- tischen Anschauungen im mobilisierten Heere ähnlich verteilt sein werden wie im Zivilleben? Mit der akttven Armee, die selbstverständlich auch nicht wenige Sozialdemokraten in ihren Reihen zählt. kann man allein keinen großen Krieg führen. Mag cL den Herrschaften in den höheren Regionen auch sehr unangenehm sein: es müssen Millionen Zivilisten eingezogen werden. Gelangen die Reserve, die Land- lochr I. und II. Aufgebots zur Einberufung, so haben 17 Jahr- gänge einzurücken. Auf dem Papier ist der Jahrgang durch- schnittlich etwa 230 000 Mann stark. Nimmt man an, daß von jedem Jahrgang ca. 15 Prozent durch Tod, Krankheit oder Desertion für die Verwendung im Kriege nicht mehr in Betracht kommen, so bleibt ein wirklicher Bestand von ungefähr 200000 Mann pro Jahrgang. Somit können nach unserer, nebenbei bemerkt, durchaus nicht optimistischen Rech- nung— die Militärbehörden rechnen mit günstigeren Zahlen— Reserve, Landwehr ersten und zweiten Aufgebots 3400000 Mann ins Feld stellen. Viele Offiziere sind allerdings der Meinung, �daß die Reservisten und Landwehrmänner fast aus„l a u t e r S 0 z i a l- d e m 0 k r a t e n" bestehen, womit die drakonischen Disziplinar- strafen, die über Angehönge des Beurlaubtenstandes nur zu oft verhängt werden, zu erklären sind, aber wir wollen dieVerhält- nisse für die Sozialdemokratie nicht so günstig einschätzen. Auch wenn wir voraussetzen, daß von den Reservisten und Land- wchrmännern nur jeder sechste Mann Sozialdemokrat ist, sind rund 567000 Sozialdemokraten im mobilisierten Be- urlaubtenstande zu verzeichnen. Zählt die momentan 501 000 Mann starke Armee auch nur 33 000 Sozialdemokraten, s 0 rücken 60�)000 Sozialdemokraten ins Feld. In der Wirklichkeit dürfte die Zahl größer sein, denn unsere Berechnung ist gewiß nicht zum Vorteil der Sozialdemokratie gefärbt. Mtt welcher Begeisterung die 600000 Sozialdemokraten für Kaiser und Reich kämpfen werden, wenn sie während der Herrschast eines Sozialistengesetzes einberufen worden sind, kann man sich vorstellen. Die deutschen Staatsmänner, die wohl deswegen so heißen, weil man mit ihnen keinen Staat machen kann, glauben wahrscheinlich, daß sie im Falle einer Mobilisierung nur das Sozialistengesetz aufzuheben brauchen, um alles wieder ins alte Geleise zu bringen. Selbstverständlich würde eine� solche Aktion ein schallendes Hohngelächter in den Reihen der Sozialdemokraten verursachen. „Aha," würden sie sagen,„jetzt, wo Jhr unser Blut und unsere Knochen braucht, weil es Euch an den Kragen geht, wollt Jhr wieder gut sein. Jhr meint wohl, wir seien Hunde. die man heute drügelt und morgen zu seinem Schutz ver- ivendet." Freitag, den F. Februar ILWS. Trotzdem die Aufhebung des Sozialistengesetzes bei dem Ausbruch eines Kneges eine ungeheure Blamage sür die Re- gierung bedeuten würde, bliebe ihr nichts anderes übrig, als dieses Kreuz auf sich zu nehmen. Ein Krieg be- deutet ja nicht nur für die ins Feld Rückenden, sondern auch für die nicht direkt am Kampfe Beteiligten eine furchtbare Zeit. Sie wird ihnen, abgesehen von der Sorge um die vor dem Feinde stehenden Angehörigen und Freunde, abgesehen von der Trauer über die vom organisierten Massenmord Dahingerafften, auch Teuerung, Arbeitslosigkeit, kurz, bittere Not bringen. Will eine hohe Obrigkeit unter solchen Ver- Hältnissen einen großen Teil des Volkes auch noch mit einem Ausnahmegesetz traktieren? Das geduldigste zweibeinige Schaf, das die Welt hervorgebracht hat, ist bekanntlich der Deutsche. Erst der Sozialdemokratie ist es gelungen, seiner Milch der allzufrommen Denkungsart etivas gährend' Drachengift beizumischen. Aber der Versuch, ein Sozialistengesetz während eines Krieges aufrechtzuerhalten, dürfte selbst bei den geduldigen Deutschen gewagt sein. Die Drohung des Reichkanzlers mit einem neuen Sozia- listcngesetz beweist wieder, daß die herrschenden Kreise die Armee noch immer ähnlich taxieren wie ein Söldnerheer. Die Kerle haben einfach nach bestem Können draufloszustechen, zu hauen und zu schießen. Alles übrige hat ihnen egal zu sein. Nach den Lehren der Strategie ist der Krieg nur eine Fortsetzung der äußeren Politik. An die Stelle der vermittelnden Feder tritt dann die brutale Gewalt. Mögen jene, die im Falle einer Niederlage am meisten zu verlieren haben, bedenken, daß in der Gegenwart der Ausgang eines Krieges sehr viel von der inneren Politik abhängt, die vor dem Kriege eingeschlagen wurde. Das gilt nicht von einer in neuen Ausnahmegesetzen bestehenden Trutz- Politik, sondern auch von der nicht minder erbitternden Trutzpolitik, wie sie die Verweigerung des all- gemeinen und g l e i ch en W a h l r e ch ts sür das preußische Proletariat darstellt!_ nie patriotilche Opferfreudigkeit der Agrarier. D i e Finanzkomcklission des Reichstags hatte ant Donnerstag einen großen Tag. Mit dem Reichsschatzsekrctär waren die Jinanzminister sämtlicher Bundesstaaten erschienen. Zur Beratung stelst die Nachlaßsteuervorlage, deren§ 1 lautet: „Beim Tode einer Person unterliegt deren Nachlaß, sofern der reine Wert den Betrag von 20 VW Mark übersteigt, der Nachlaßsteucr." Vor Eröffnung der Gcneraldiskussion hält es der Reichs- schatzsekretär für angezeigt, denjenigen Pretzstimmen ent- gegenzutreten, die von einer Veränderung des Standpunktes des Bundesrats bezüglich der Nachlaßsteuer zu mieden wußten. Die Regierung hält die Grundlage der Finanzreform, der Besteuerung des Verbrauchs und des Besitzes, unter allen Umständen aufrecht. Die gegen den vorliegenden Entwurf vorgebrachten Gründe erkennt die Regierung für nicht stichhaltig. Auf den Grundbesitz ist in der Vorlage gebührend Rück- ficht genommen. Durch die in Vorschlag gebrachte sogenannte Veredelung der Matrikularbeiträge würde, abgesehen von den damit verbundenen erheblichen Schwierigkeiten, der Be si tz ni ch t in dem Maße getroffen werden, wie durch die Nachlaßsteuer, ebensowenig könne die von anderer Seite vergeschlagcne Vermögens- st euer in Betracht kommen, ohne die Interessen der Einzel- staaten dadurch ungünstig zu beeinflussen. Nadhbem sodann der Korreferent Dr. Müller- Meiningcn berichtet, daß die meisten der eingegangenen Petitionen gegen die Nachlaßsteuer aus l a n d- wirtschaflichen Kreisen stammen, darunter von landwirt- schaftlichen Vereinen und dem Bunde der Landwirte, wendet sich der Referent Freiherr v. Richthofen sehr entschieden gegen das Prinzip der Nachlaßsteuer. Durch die Vorlage sei in weiten Kreisen des Volkes eine feindselige Stimmung gegen die Regierung erzeugt worden. Die Regierung habe das weite Gebiet der indirekten Steuern lange nicht genügend auö- genutzt, sonst würde es sehr wohl möglich gewesen sein, die ganze Summe damit zu decken. Möge die Kommission diese Versäumnis gutmachen. An der Veredelung der Matrikularbeiträge würden er und seine Freunde sich beteiligen, den 8 1 der Nachlaßsteuervorlage ablehnen, aber deshalb gern an der Beratung der anderen Paragraphen mitwirken. Nachdem nun noch Fürst Hatzfeldt für die Reichspartei und Herold für das Zentrum sich in kurzen Erklärungen gegen die NachlMstcuervorlage geäußert, letzterer auch noch hinzugefügt hatte, daß das Zentrum für Verbrauchs- steuern, die nur die Besitzenden treffen, zu haben wäre, ergriff der preußische Finanzminister Freiherr v. Rhein- b a b e n das Wort. In einer langen, eindringlichen Rede behandelte er sämtliche gegen die Vorlage vorgebrachten Gründe sehr ein- gehend. Von vornherein erklärte er, daß an die Erhöhungder Matrikularbeiträge nicht gedacht werden kann. weil die meisten Bundesstaaten schon jetzt an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gelangt seien. Richtig sei freilich, daß das Volk noch eine Mehrbelastung an Verbrauchssteuern tragen könne, aber über das Maß de s s e n, was die Vorlagen nach dieser Richtung enthalten, sei wohl kaum noch hinauszugehen. Nun sei aber die Situation zurzeit derart, daß die Erhaltung des Ansehens und der Machtstellung des Reiches nach innen und außen es erforderlich mache, den Besitz für das patriotische Opfer in Anspruch zu nehmen. Aus einer, dieser Woche erst erschienenen Expedition: SM. 68» Lindcnatraaae 69. Ferusprecher: Amt IT, Nr. 1984. statistischen Arbeit weist Rheinbaben nach, daß von den rirnh 1 201 000 landwirtschaftlichen Betrieben des Königreichs Preußen überhaupt nur 220 VW Mark, also ein Fünftel, bei der Nachlaß- steucr in Frage kommen, da nur bei diesen ein Wert von 20 WO Mark und darüber zu konstatieren sei. Und für diese ist die Bor- sorge im Entwurf eine derartig weitgehende, daß überall nicht von einer Expropriation des landwirtschaftlichen Besitzes die Rede sein könne. So betrage nämlich die jährliche als Rente zu entrichtende Steuer bei einem Nachlaß im reinen Werte von 1VV WV Mark nur 35 Mark jährlich, bei 2 Millionen 1236 Mark. Der Minister schloß mit der„ernstlichen Bitte" an die Gegner der Vor- läge, alle ihre durchaus„ungerechtfertigten Bedenken auf den Altar des Vaterlandes zu opfern". Dr. Weber von den Nationallibcralen ist durch die Worte des Vorredners nicht von der Notwendigkeit der Nachlaßsteucr über- zeugt worden und erklärt, daß sie gegen den 8 1 stimmen, aber auch an der Weiterberatung der Vorlage nicht teilnehmen wollen. Er und seine Freunde seien dagegen, weil sie im Traucrfalle nicht vom Steuerschnüffler in der Familie gestört sein wollen. Dr. W i e m e r erklärt sich bereit, auf Grund der Vorlage an der Lösung der Finanzfrage mitwirken zu toollen, ist aber der An- ficht, daß eine Vermögenssteuer zweckmäßiger wäre. Daß es Herrn v. Rheinbaben nicht gelungen ist, den konser- vativen Widerstand durch seine schöne Rede zu brechen, bewies ihm sofort Graf Schwcrin-Löwitz, der in einer ebenfalls sehr langen Rede alle vom FinanzMinistcr vorgebrachten Gründe zu entkräften suchte und die Erklärung Richthofens wiederholte, daß die Konser- vativen gar nicht daran denken, der Regierung den Gefallen zu tun, ihre Redcnken mif dem Altar des Baterlandes zu opfern! Revue über die Sozialpolitik. Aus dem Reichstage.(4. Februar.) Alljährlich, tvenn es bei der Etatsberatung zu dem Titel„Staatssekretär fiir das ReichSamt deL Innern" kommt, ist es Brauch, daß alle Parteien ihre Auffassung über die Sozialpolitik des Reiches im ganzen Umfange vorbringen. Seit Jahren geschieht das. Der Brauch wird anerkannt von allen Parteien, bei jedermann. Das einzige Mitglied des Hauses, das dies, noch nicht begriffen hat. ist der Vizepräsident des Reichstags, Herr Johannes Kaempf; denn als heute im. Laufe des Diskussion Genosse Hoch auch darauf zu sprechen kam, daß bei der Gewerbeordnungsnovelle die Zahl der Tage für Ueberarbeit von den bürgerlichen Parteien er- höht worden sei, wurde er plötzlich von dem Präsidenten Kaempf unterbrochen, mit der Mahnung, sich an die Tagesordnung zu halten. Hoch remonstrierte gegen diese völlig unberechtigte tandhabung der Präsidialgcwalt und wurde dabei von den ozialdcmokraten kräftig unterstützt, während das Schweigen der Blockgenossen dem Herrn Kaempf bewies, daß sein ver- blüffender Gewaltstreich selbst bei denen arges Mißbehagen erzeugt hatte. Die Blockparteien sollten sich aber doch wirk- lich einmal die Frage vorlegen, ob es für sie nicht ratsam wäre, an Stelle des Herrn Kaempf irgend einen beliebigen anderen freisinnigen Abgeordneten ins Präsidium zu senden, denn ein derartig phänomenales Unverständnis für die Präsidialbcfugnis, wie es Herr Kaempf nun schon zu wieder- holten Malen bewiesen hat, diskreditiert schließlich nicht nur ihn allein, sondern die gesamten Parteien, die ihn auf seinem Posten halten. Die Redner der bürgerlichen Parteien, die zunächst zu Worte kamen, das Zentrum sowohl wie die Nationallibcralcn, Herr T r i m b 0 r n und Herr Bassermann, dann aber besonders der Konservative Herr Pauli suchten ihr warmes Mittclstandsherz in Empfehlung zu bringen. Herr Trimborn enthielt sich dabei aber wenigstens der Angriffe auf die Arbeiter, während die Kleinmeisterseele in der Brust des Herrn Pauli ihrer Arbcitcrfcindlichkcit auch bei dieser Ge- legenheit die Zügel schießen ließ. Aber auch Herr Baffer- mann konnte sich nicht enthalten, ein Scheit zur Verbrennung der Selbstverwaltung der Arbeiter in den Ortskrankenkassen beizutragen und den Betttcbskrankenkassen das Wort zu reden. Genosse Hoch entwarf ein großzügiges Programm der sozialpolitischen Forderungen der Sozialdemokratie. Besonderes Gewicht legte er darauf, daß gegenwärtig die sozialen Gesetze wesentlich unter dem Mangel leiden, daß Regierung und bürgerliche Parteien bei deren Abfassung von der Fabel vom freien Arbeitsvertrage zwischen dem einzelnen Unternehmer und dem einzelnen Arbeiter ausgehen. Statt dessen müsse davon ausgegangen werden, daß korporative Interessen- Vertretungen der Unternehmer und der Arbeiter mit einander Verträge abschließen. Bei Anerkennung dieses Grundsatzes könnte man die Einzelbestimmungen vielfach einschränken. Schließlich kam auch Herr Dr. M u g d a n(freis.) zum Wort. Er hatte sich offenbar darauf gefaßt gemacht, daß der Sozialdemokrat die Sozialpolittk des Deutschen Reiches im allgemeinen als minderwertig hinstellen würde. Das war aber Hoch gar nicht eingefallen. Herr Mugdan war der veränderten Situation nicht gewachsen. Er schnarrte seine einstudierte Antwort auf das nicht gefallene Stichwort herunter und kam so dazu. das erstaunte Sans eingehend darüber zu erleuchten, daß in den Vereinigten taaten von Amerika und in Canada mancherlei weniger gut eingerichtet sei als in Deutschland. Nach dieser ebenso deplacierten wie ungebetenen Rc- gierungskommissarsrede vertagte sich das Haus bis morgen. poUtifche Gcberlicbt. Berlin, den 4. Februar 1909. Die dritte Lesung der Besoldungsreform. In knapp zwei Stunden hat das preußische Abgeordnetenhaus am Donnerstag die Besoldungsreform in dritter Lesung beraten. Gegenüber den Beschlüssen zweiter Lesung wurde nur insofern eine Aendcrung getroffen, als die Lehrerinnen und Buchhalterinnen bei den Gefängnissen der Justizverwaltung und bei der Strafanstalts- Verwaltung eine kleine Aufbesserung erfuhren, so daß diese Be- amtinnen wenigstens nicht mehr schlechter gestellt sind als die Volks- schullehrerinnen. In der Generaldebatte ergiff namens der sozialdemokratischen Fraktion nochmals Genosse S t r ö b e l das Wort, um die Besoldungs- reform, die der Finanzminister als einen Akt weitreichender Fürsorge bezeichnet hatte, als das zu charakterisieren, was sie in Wirklichkeit ist: eine völlig belanglose Aufbesserung der Gehälter der jämmerlich entlohnten llnterbeamtcn, eine Aufbesserung, die noch nicht einmal den gesteigerten Lebensmittel- und Mietspreisen entspticht. Sein Nachweis, wie wenig Preußen im Gegensatz zu Bayern seiner sozialen Pflicht gerecht geworden ist und wie sehr die besitzenden Klassen bei der Aufbringung der Mittel es verstanden haben, sich selbst zu schonen, war der Mehrheit sichtlich unangenehm. Die Konservativen schickten daher schleunigst einen ihrer Führer, Herrn v. Pappenheim vor, der unserem Redner mangelnde Sachkenntnis und tendenziöse Entstellung vorwarf, ohne indessen auch nur den Schein eines Beweises für diese Behauptung zu erbringen. Kaum hatte Herr v. Pappen- heim seine Rede beendet, da erschien auch schon der übliche Schluß- antrag, der der Debatte ein Ende und dem Genossen Ströbel eine Erwiderung unmöglich machte. In der Gesamtabstimmung stimmten auch die Sozialdemokraten, obwohl der größte Teil ihrer Wünsche unerfüllt geblieben ist, für die Vorlage, damit die Unterbeamten wenigstens nicht ganz leer ausgehen. Nach Erledigung der Besoldungsreform beriet das Haus den Staatsvertrag mit Hamburg betr. Verbesierung des Fahrwassers der Elbe lsogen. Köhlbrand-Vertrag) nebst dem dazu gehörigen Gesetzentwurf über die Aenderung der Landesgrenze gegen Hamburg im Landkreise Harburg._ Talentvolles„Federvieh". Einer der vielseitigsten und eigenartigsten Exemplare der„Feder- 0ieh"-Gattung ist der große Schriftsteller Eduard Goldbeck, und zwar nicht nur insofern, als er gleichzeitig über Zola, Kasernen- drill, Saure Gurken, die„Lustige Witwe", die Hofkamarilla, den Fürsten Bülow und Kartoffelpüree schreibt, sondern weil er auch nach Limanschem Rezept zugleich demokratisch und konservativ, nationalliberal und nationalsozial zu räsonnieren vermag. Sein journalistisches Genie findet sich in allen Sätteln zurecht. Kein Wunder, daß diese amüsante Kapazität sich in der illustrierten Wochenschrift«Zeit im Bild", für die er nebenbei auch noch die sogenannte«Politische Rundschau" fabriziert, sich folgende Be- schimpfnng der letzten Berliner Wahlrechtsdemonstranten leistet: Auch der Berliner fängt jetzt an,„auf die Straße zu gehen" und politisch zu demonstrieren. Freilich steht ihm die neue Ge- wohnhcit noch nicht recht zu Geficht. Wenn unser Pöbel brüllt:«Nieder mit Bülow I", so durchschauert der wilde Ruf den ruhigen Bürger nicht, denn er weiß ganz genau, daß der Kanzler zu jeder Stunde des Tages in der Großen Frankfurter Straße spazieren gehen könnte, ohne daß ihm ein Härchen ge- krümmt würde. Das Temperament unseres Volkes begünsttgt Straßenszenen ebensowenig wie das Klima unseres Landes. Der Deutsche gehört in seinem öffentlichen Leben unter Dach und Fach, und hoffentlich haben wir'S nun bald erreicht, daß Monarchen, die uns mit ihrem Besuch beehren, nicht mehr im Freien von Würdenträgern empfangen werden, die vor Frost und Ehrfurcht schlottern. Der Vater der Stadt möge sie, ivie in England, im Rathause begrüßen._ Junkerliche Demagogie. Verschiedentlich haben wir nachgewiesen, daß es nichts als Heuchelei ist. wenn die Junker ihre Opposition gegen die Nachlaßsteuer damit begründen, daß diese Steuer gerade den kleinen Landwirt am härtesten trifft. Da die Nachlaßsteuer erst bei einer Erbschaft im Werte von 20000 Mark beginnt, wird der kleine und mittlere Bauer gar nicht von der Steuer getroffen: und selbst der Großbauer soll nur eine ganz mini- male Erbschaftssteuer zahlen, die seine Einnahmen und seine Lebenshaltung nicht im geringsten beeinträchtigt. Bestätigt werden diese Ausführungen durch eine Berechnung des Pwf. Julius Wolf(Breslau) im roten„Tag". Er schreibt:/ „Die besitzfeindlichen Absichten der Reichsnachlaßsteuer sind in der gegen sie ins Werk gesetzten Agitation gewaltig übertrieben worden, denn den bäuerlichen Besitz, den sie in seiner Existenz bedrohen soll, trifft sie fast überhauptnicht, nämlich nicht den Klein- und Mittelbesitz. Den Großbauer aber belegt sie mit einer Steuer, die bei der Möglichkeit einer Verteilung auf zehn Jahre, von welcher Möglich- leit, da die Stundung zinslos erfolgt, ausgiebig Gebrauch gemacht werden wird, so gering ist. daß er sie auch unter sehr viel un- günstigeren Verhältnissen als den heutigen ohne sonderliche Be« schwerde aufzubringen vermag. Nach den auch von den Vertretungskörpern der Landwirtschaft akzeptierten Ziffern der amtlichen preußischen Statistik ist der durch- schnittliche Vermögenswert kleinbäuerlichen Besitzes in Preußen SIOO, jener mittelbäuerlichen Besitzes 15 800 M. Die Nachlaß- fteuer beginnt aber erst bei einem Wert des Nachlasses von mehr als 20 000 M. Klein- und mittelbäuerlicher Besitz sälltalsoinderTatnichtuntersie. Der durchschnittliche Vermögenswert großbäuerlichen Besitzes ist in der amtlichen Statistik mit 40,700 M. angegeben. Die Nachlaßsteuer beträgt bei einem reinen Wert des Nachlasses von 40- bis 50 000 M. 0.7 Proz. Sie wird in Wahrheit für den Durchschnitt des großbäuerlichen Besitzes angesichts der für Er- Mittelung des Wertes geltenden Grundsätze nicht über 0.0 Proz. sein, bei Einstellung aber auch eines Ansatzes von 0.7 Proz. be- deutet das eine Nachlaßsteuerpflicht im Ausmaße von 285 M., sowie in zehnjährigen Ratenzahlungen abgeführt, eine jährliche Steuerlast von 23.50 Ma r k. Da dieser Steuer eine Erb- schaft im Werte von 40 700 M. gegenüber steht, sollte sie von den Erben geleistet werden können, ohne ihre„wirtschaftliche Existenz" zu gefährden, und ohne das Gefühl einer unberechtigten«Brand- fchatzung" bei ihnen auskommen zu lassen." DaS ist richttg und auch den agrarischen Agitatoren be- kannt. Sie wissen ganz genau, daß die Bauern, die sie zum Protest gegen die Ruinierung der Landwirtschaft durch die Nachlaßsteuer aufrufen, von dieser Steuer gar nicht getroffen werden: aber die Junker können doch nicht offen zugeben, daß sie wohl der Regierung die zur Reichspleite führenden enormen HeereS-, Flotten- und Kolonialausgabcn bewilligt haben, zur Deckung dieser Ausgaben jedoch nichts beitragen wollen, so haben sie denn die Mär von der ruinösen Wirkung der Nachlaßsteuer auf den Bauemstand und von der Zer- stcrung des deutschen Familiensinns erfunden. Wie man in Preußen für die Volksschule sorgt. Eine furchtbare Sprache redet eine Statistik, die in der „DeutschenSchule"(Verl. Jul. Klinkhardt; herausgegeben im Auftrage des Deutschen Lehrervereins) veröffentlicht wird. Man liest darin nachstehende Zahlen: 6 104 308 Kinder der preußischen Volksschulen find in 113 902 Klassen(d. h. Unterrichtsabteilungen) formiert; aber von diesen 110 000 Schulkompagnien haben rund 10 000 keinen Exerzierplatz, d. h. es f eh l en in Preußen rund 10000 Klassenzimmer (etwa 1000 in den Städten, 15 000: geschrieben fünfzehn- tausend Klassenzimmer auf dem Lande!) und zwar im Rheinland 750, in Pommern 1100, in Brandenburg 1000, in PosSn 1700, in Schlesien 3900 Klassenrämne. Wetter: Für diese 115 902 Unterrichtsabteilungen(Klassen) sind nur 101051 Lehrerstellen eingerichtet, von denen obendrein 3077 unbesetzt sind, sodaß für 115 902 Abteilungen(Klassen) nur 97 974 Lehrer vorhanden find. Kurz, es fehlen für 18000 Klassen die Lehr er! So fehlen beispielsweise in Brandenburg 1310 Lehrer, in Posen 1805 Lehrer, in Schlesien 3803 Lehrer usiv. Ein echt preußisches Gesicht zeigt die Statistik in Bezug aus die Belastung der Lehrkräfte kabgesehen von der Ueberlastung, denen Tausende von Volksschullehrern ausgesetzt sind), wenn man „höhere" und Volksschule vergleicht: In Preußen fallen auf eine Lehrkraft durchschnittlich: Provinz Posen Höhere Knabenschule... 19 Kinder 20 Kinder Höhere Mädchenschule... 23„ 21„ Mittelschulen...... 32„ 37„ Volksschulen.... 63„ 73 Die jährliche Ausgabe beträgt in Preußen durchschnittlich: Für einen Schüler der Volksschule 03 M, der höheren Lehranstalten 279 M., der höheren Mädchenschulen 172 M., der Mittel- schule 109 M. Ein kurzes Beispiel für die erbärmlichen BesoldungSverhältnisie: In einem hinterpommerschen Städtchen bezieht ein Gymnasiallehrer, der durchschnittlich 14 Kinder unterrichtet, im Durchschnitt 5000 M. Gehalt, ein Volksschullehrer bei 62 Kindern 1300 M. Durchschnittsgehalt. Diese Zahlen zeigen zur Genüge, wie es um die preußische Volksschule steht._ Landrätliche Versprechungen. Im kurhessischen Landtagswahlkreise Rotenburg-Heßfeld ist nach erregtem Wahlkamps zwischen zwei konservativen und einem antisemitischen Kandidaten der in ersterem Orte beamtete Landrat Türke gewählt worden. Wir haben seinerzeit bereits festgestellt, daß die Wahl dieses Landrats zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen ist. daß er in der Agitation vorgab, im Falle der Wahl im Gegensatz zu den übrigen Kandidaten für die Ab- änderung des reformbedürftigen preußischen Wahlrechts in liberalem Sinne stimmen zu wollen. Der Türke wurde gewählt. Aber die Gelegenheit, für die Ver- befferung des Wahlrechts in Preußen einzutreten, hat er auch kürz- lich wieder ungenützt vorübergehen lassen. Denn es ist nicht belannt geworden, daß der wildkonservattve Abgeordnete Türke bei den Erörterungen über das Wahlrecht das Wort ergriffen hätte, um seinem Versprechen nachzukommen. Wohl aber wurde festgestellt, daß der LandratTürke bei den wichtigen Wahlrechtsdebatten gar nicht im Landtage war, also vorsichtigerweise weit vom Schuß geblieben ist. Da aber Berufspflichten den landrätlichen„Volksvertreter" von der Ausübung seines Mandates nicht abgehalten haben— denn er hat ja znt Vertretung einen Assessor, den er freilich nicht von seinen Diäten bezahlt—, so ist anzunehmen, daß er die Abstimmung in der Wahlrechtsfrage gefürchtet haben dürfte. Denn wäre der Konservative seinen Wahlversprechungen nachgekommen, dann hätte er sich ganz gewiß die Mißachtung der Konservativen zugezogen. Und die Freundschaft der in Preußen fast allmächtigen Junkersippe geht natürlich einem königlich preußischen Landrat über alles. Der Fall beweist wieder einmal, was von konservativen Wahl- Versprechungen zu halten ist._ Ein Stucklei« vom Dr. Bienko. Der Breslauer Polizeipräsident, der den Handabhacker nicht finde» konnte, ist bei anderen Gelegenheiten ein sehr umsichtiger Herr. Am Sonntag hat er es bei den sozialdemokratischen Straße ndemon st rationen bewiesen. Dreizehn der ver- hasteten Demonstranten wurden auf besonderen Befehl des Polizei- Präsidenten bis Montag früh 9 Uhr im Polizei- gesängniS festgehalten! Die zur Feststellung des Tat- Bestandes aufmarschierten Polizeibeamten mußten wieder abtreten. Den größten Teil der verhafteten Wahlrechtsdemonstranten brachte man vorübergehend im Bezirkskommando unter, wo sie von Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett bewacht wurden. Die Vaterlandsverteidiger wurden ausdrücklich auf den W a f f e n g e b r a u ch im Falle des„geringsten Flucht- Versuches" hingewiesen. Beim Austreten wurde dem diensthabenden Offizier Meldung erstattet und unter militärischer Be- gleitung wurde dann das unaufschiebbare Geschäft erledigt. Schließlich mußten die 13 Uebeltäter, die„Nieder mit Bülow" ge- rufen hatten,«durch ein dichtes Spalier aufge» pflanzter Bajonette" in den Gefangenenwagen spazieren, um nach dem Polizeigefängnis gebracht zu werden. Nochmals Herr Mumm. Zur Siegcner Reichstagswahl veröffentlicht die„Kölnische Volkszeitung" eine Zuschrift aus Zentrumskrcisen, die er- kennen läßt, daß die ultramontane Parteileitung bei der Stichwahl völlig die Herrschaft über die Wähler verloren hatte. Man hatte allgemein angenommen, daß die Zentrumsstimmen bei der Stich- liwhl samt und sonders auf den Ehristlichsozialen fallen würden. In diesem Sinne war auch das Schreiben gehalten, das der Bor- sitzende der westfälischen Zentrumspartci, der Abgeordnete Herold, auf eine Anfrage aus dem Wahlkreis erlassen hatte. Darin erklärte sich Herold in voller Uebcreinstimmung mit dem gesamten Vor st an de der Zentrumsfrak- tion für die Kandidatur Mumm. Aber das Kreiswahl- komitee in Siegen, fand es richtig, dieses Schreiben der Partei- lcitung den Wählern vorzuenthalten und ihm auch keine Beachtung zu schenken. Die Zuschrift in der„Kölnischen Volkszeitung" schließt ihre Betrachtung: „Wer im Volke steht und in der Volksseele zu lesen versteht, kann beobachten, daß fast alle Zentrumswähler sich schon jetzt dieser Wahl schämen. Und mit Recht; denn Mrchturmspolitik, Angstmeierei und Fehler in unserem Lager haben den Nationalliberalen den Sieg zufallen lassen. Ueber ein solches Wahlresultat hätte man sich freuen können, wenn es sich bei der Reichstagsstichwahl um einen Nationalliberalen und einen Sozialdemokraten gehandelt hätte. Aber bei der hier anstehenden Entscheidung zwischen christlichsozial und nationalliberal mußte jeder christliche Sozialpolitiker und jeder echte Zcntrumsmann ein anderes Wahlergebnis anstreben." Herr Mumm ist bekanntlich der Vater'der christlichnationalen Arbciterbetvegung. die die.Aufgabe haben sollte, die nicht sozialdemo- kratische Arbeiterschaft zä einigen, und namentlich auch die parla- mentarische Macht der christlichen Arbeiterbewegung zu stärken. Die Probe, die Herr Mumm auf die Zuverlässigkeit des christlich. vgtioiialro Blockes gemacht hatf ist nicht sehr ermutigend, da ihn gerade diejenige Partei im Stiche gelassen hat, auf deren Hilfe er am sichersten gerechnet hatte: das Zentrum. Und ddr Nachfolger Stöckers im christlichsozialän Reich hatte sich doch so große Mühe gegeben, sich der frommen Bevölkerung des Siegerlandes als den Vertreter des wahren Christentums zu empfehlen. Aber es schein), daß er es gerade dadurch mit manchem Zentrumsmann verdorben hat. Denn das ultramontane«Westfälische Volksblatt" schreibt: „Die Haltung der Zentrumswählcr muß an sich auffallen. denn für einen Nationalliberalen gegen einen Ehristlichsozialen einzutreten, muß für einen Zentrumsmann enorm schwer. fast unmöglich sein. Als Grund scheint in Betracht zu kommen zunächst die Art und Weise, wie Lizentiat Mumm als chriftlichsozialcr Kandidat die Agitation führte, nämlich in aus- geprägt protestantisch-orthodox-srömmelnder Weise, die auf manchen Katholiken unappetitlich wirkte, weil sie einen starken Stich ins Scheinheilige hatte, z. B. ivenn jede Wählervcrsammlung mit Gebet er- öffnet und die christlichsoziale Sache als die Sache des Reiches Gottes hingestellt wurde, natürlich eines protestantischen Sonder. reiches Gottes."_ Ein„lästiger" Ausländer. Aus Breslau wird berichtet: Zu Weihnachten bekam hier ein österreichischer Genosse namens Jgnaz Fischer, der nie öffentlich hervorgetreten ist. ein Paket aus der Heimat, das u. a. auch eine kleine Bibliothek enthielt.' Das Zollamt sandte die Bücher, statt sie dem Besitzer ein- zuhändigen, dem Polizeipräsidenten zu. der Kautskys Broschüre über«Die soziale Revolution". Lieb- k n e ch t s„Anti- Militarismus" und Roland-Holsts„Der politische Massenstreik" zunächst«zu näherer Prüfung" zurück- behielt. Da der Besitz dieser Bücher aber auch m Preußen bisher noch kein strafbares Verbrechen ist, mußten sie dem Oesterreicher wieder ausgehändigt werden; auf dem Fuße folgte aber eine Haussuchung und ein paar Wochen später die ohne jede Begründung ausgesprochene Aus- Weisung! Innerhalb acht Tagen mußte er das preußische Staats- gebiet verlassen. Der Genosse unterbreitete diesen Akt polizeilicher Willkür seinem Konsulat und fragte, ob etlvas dagegen zu machen sei. Man zuckte vielsagend die Achseln und meinte:„Sie wissen doch. Landsmann, wie man in Preußen. gerade in Preuße», hinter den Sozialdemo- kraten her ist"._ Polizei gegen eine sozialdemokratische Interpellation. In der Stadtverordneten- Versammlung z» Remscheid interpellierten am Dienstag die sozialdemo- kralischen Stadtverordneten wegen der polizeilichen Ueber- griffe bei der Wahlrechtsdemonstration unserer Ge- nossen an Kaisers Geburtstag. Der Oberbürgermeister weigerte sich, auf die Interpellation einzugehen. Als Genosse Koch gegen diese Praxis heftigen Protest erhob, drohte der Oberbürgermeister. er werde Koch hinauswerfen lassen. Die schneidige Drohung entfesselte große Unruhe, und nun erschien in der Tat ein Polizeiinspektor in» SitzungSsaalel Nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung erklärte Koch zur Geschäftsordnung, der Oberbürgermeister selbst habe bereits eine Bemerkung zur Sache gemacht und er(Koch) verlange Abstimmung, ob die Interpellation verhandelt werden solle. Die Abstimmung erfolgte; sämtliche bürgerlichen Stadtverordneten stimmten gegen die Besprechung. Die Reinscheider Stadtverordnetenversammlung wird durch die Freisinnigen beherrscht. Die Dresdener Wahlrechtsprozefse. . Am Donnerstag wurde in Dresden ein junger Tischlergesevc zu einer Woche verurteilt, weil er„Pfui" gerufen haben soll. Militärische Nadelstiche kontra Lippe-Biesterfeld. Der Oberst der Garnison von Detmold lriegt mit dem am preußischen Hofe nicht beliebten Fürsten von Lippe. Er verbot die Mitwirkung der Militärkapelle bei den Opernaufführungen im Det- molder Hostheater. Vorher hat der Oberst schon die Promenaden- Konzerte im ftirstlichen Schloßpark untersagt und als die Regiments- kapelle der Fürstin«n Geburtstagsständchen brachte, schickte er der Hofkasse eine Rechnung dafür._ Ein deutsch-venezolanischer Handelsvertrag. Nach einer in New-Dork über Willem st ad ans Caracas eingegangenen Meldung haben der deutsche Gesandte und der Minister deS- Auswärtigen am 20. Januar einen Freund- schafts-, SchiffahrtS- und Handelsvertrag unter- zeichnet, der Deutschland daS Recht der Meist- Begünstigung in Venezuela einräumt. Der Abschluß des Vertrages sei das Ergebnis langjähriger Bemühungen. Die Balkankrisc. Der russische Vorschlag. Konstantinopel, 4. Februar.„Jeni Gazetta" schreibt, der finanzielle Vorschlag Rußlands sei derart ungenügend motiviert, daß selbst die russische Botschaft hierüber keine ge- nügendcn Informationen habe. Die russische Ententevermittelung sei eine delikate Frage und müsse von der Pforte gründlich ge- prüft werden. Nach den früheren und späteren Vorschlägen der Pforte s-i ca jedenfalls vorteilhafter, daß Bulgarien sich direkt verständige und 100 Millionen sofort und 25 Millionen tu mehreren Raten zahle. Die jungiürkische„Schurai Ummct" sagt, Rußland habe seinen Vorschlag der Pforte nicht direkt, sondern durch c n g l i sch e V c r- Mittelung gemacht. England verlange eine Abänderung dcL Vorschlags, wonach die Türkei Bargeld erhalte, das heißt, daß Ruß- land der Türkei bar 80 Millionen Frank gebe und 45 Millionen durch die türkische Kriegsentschädigung verrechne. Im Sinne dieser englischen Vermittelung werde der heutige Ministerrat den russischen Vorschlag beraten. Tie hiesigen Finanzkreise sind dem russischen Vorschlage nicht geneigt und führen auS, daß ein nur 18 Jahre dauerndes Freiwerden ider für die türkische Kriegsentschädigung verfallenen Einkünfte für eine türkische Anleihe ungenügend sei. Wien, den 4. Februar. In einem längeren inspirierten Artikel bespricht das„Frcmdenblatt" den russischen Vorschlag und erklärt, falls Bulgarien und die Türkei nicht die berechtigten Forderungen der orientalischen Eisenbahn vergessen würden, so werde Oesterreich-Ungarn dem russischen Vorschlag zustimmen, Oesterreick. Die Aufnahme der Spracheugcsetze. Wien, 4. Februar. Abgeordnetenhaus, In fortgesetzter Beratung über die gestrige Erklärung der Regierung erklärte M a- saryk(Tscheche) das Vorgehen der Regierung bei Regelung der Sprachenfrage al» Verfassungsbruch, da das Parlament nur zur Erlassung eines Rahmengesetzes zur Regelung der Sprachenfrage kompetent sei. ES gehe doch nicht an, die Sprachenfrage in Böhmen allein lösen zu wollen, ohne in Diahren und Schlesien ein Gleiches zu tun. Abg. Dr. Urban(Deutsch-böhmisch) erklärte, die deutschböhmischen Abgeordneten billigten vollkommen den Versuch der Regierung, eine Lösung der Sprachenfrage im Reichsrate durchzuführen. Von einem Berfasiungsbruch könne keine Rede sein. Dagegen hätten die Regierungsvorlagen die deutsch-böbimichen Abgeordneten schwer enttauscht; denn, während die Tlcheche» ungefähr in den Besitz dessen gelangen, was sie ja faktisch eroberten, schließe die Bilanz der Deutschen auf allen Linien mit einem Defizit ab. Die Bor- lagen seien für die Deutschen in der gegenwärtigen Form u n a n- n e h m b a r. Ei» optimistisches Urteil. Wien, 4. Februar. Trotz der furchtbaren Lärmszenen in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist die Situation des Ab- geordnetenhauseS heute als gebessert anzusehen. ES zeigt sich, daß bisher die Regierung nur durch Mangel an Aktivität gesündigt hat. DaS Sprachengesetz findet keine ungünstige Aufnahme. Sowohl Deutsche als auch Tschechen finden Bor- teile für sich darin und erklären die Vorlage als geeignet zu der Grundlage weiterer Verhandlungen. Die Situation Bienerths hat sich schon durch den endlichen Entschluß ge- bessert, die Vorlage ohne weiteren Auffchub im Abgeordnetenhause einzureichen, sie sei jedoch deshalb noch lange nichtalSgut zu bezeichnen. Cnglanck. Meinungsverschiedenheiten im Ministerium. London, 4. Februar.„Daily Chronicle" gibt heute Gerüchte wieder, denen zufolge möglicherweise eine 5iabi nettskrisis eintreten und drei Minister aus ihren Aemtern scheiden würden. Es sei, so schreibt das Blatt, un- zweifelhaft ein scharfer Gegensatz hinsichtlich der Marineforderungen vorhanden. Einige Minister, dem Vernehmen nach der Staatssekretär für Indien Viscount M o r l e y. Finanzminister Lloyd-George, Handels- minister Churchill und der Präsident der Lokal- Verwaltung B u r n s, hielten das Schiffbau- Programm der Admiralität für zu weitgehend. Die Gegner dieses Programms seien der Meinung, daß Schiffe schneller gebaut würden, als sie mit ausgebildeter Mannschaft versehen werden könnten, und daß die Ein- bringung eines umfangreichen Schiffbauprogramms gleich- zeitig mit dem Besuch des Königs in Berlin die Wirkung dieses Besuchs beeinträchtigen würde. Dagegen wollen die imperialistischen Minister, an ihrer Spitze A s q u i t h und Grey, eine starke Vermehrung der Marineausgaben vorschlagen. Offiziell werden natürlich alle Differenzen zwischen den Ministern in Abrede gestellt.— Rußland. Vertuschungsversuche. Der Fall Azew zieht immer weitere Kreise und nimmt immer mehr den Charakter eines erstklassigen politischen Ereignisses an. das auf die innere Politik Rußlands einen nachhaltigen Einfluß auszuüben verspricht. Die Verhaftung Lopuchins, des früheren Chefs der politischen Polizei, zeigt, daß die russische Regierung vor keinem Mittel zurückschreckt, um sich eines der gefährlichsten Mitwisser bei dieser Affäna zu ent- lcdigen. Es ist besonders interessant, daß Lopuchin einen Tag bor der Eröffnung der Dumasession verhaftet wurde, und daß zugleich mit dieser Verhaftung in Petersburg Gerüchte über eine A e n d e- rung des Regierungskurses und dem Eintritt einiger Oktobristenführer in das Ministerium zu zirkulieren an- singen. Deshalb hat auch dar Regierungsblock die Dringlichkeit der Azew-Jnterpellation abgelehnt und der Oktobrist v. Anrep in seiner Rede über die„moralische Niederlage" der Sozialrevolutionäre ge- zetert, die es zugelassen hätten, daß ein gemeiner Verbrecher jähre- lang an ihrer Spitze stand. Indessen ist di« Situation trotz aller Vertuschungsversuche, trotz der Hilfsbereitschaft der„Partei der letzten Regierungsverfügung", der Oktobristen, für die Regierung außerordentlich schwierig. Die Juterpellatwn wird in zehn Tagen in der Duma eingebracht und die Regierung muß binnen Monats- frist dieselbe beantworten. Auch die Verhaftung Lopuchins wird der Regierung wenig nützen, denn auch ohne ihn sind die Links- Parteien, die die Interpellation eingebracht haben, in der Lage, dokumentarisch nachzuweisen, daß alle Anklagen, die in Verbindung mit dem Fall Azew gegen dir, Regierung erhoben wurden, auf vollster Wahrheit beruhen. Der Schwerpunkt liegt in der Teilnahme Azews anderErmordungdesGroß- fürsten Sergius, des Onkels des Zaren, des allmächtigen Ministers Plehwe usw. Ueber diese Tatsachen wird sich selbst die äußerste Rechte, mit Purischkewitsch an der Spitze, nicht hin- wegsetzen können. Ja, diese Elemente, die da*. Monopol auf „Patriotismus" und„Königötreue" gepachtet haben, werden— wenn sie logisch sein wollen— mit besonderem Nachdruck darauf drängen müssen, daß die Regierung sich vom Vorwurfe reinigt, daß die„geheiligte Person" deS Oheims des Zaren einer höfischen Intrige zum Opfer gefallen ist. In der„tzumanite" faßt Burzew, dem die Entlarvung Azews zu danken ist, nochmals seine Anklage zusammen. Außer den bereits bekannten Provokationen erzählt Burzew, daß Azew im Einverständnis mit dem Polizeichcf Gerassimow und Ratschkowski. seinem unmittelbaren Vorgesetzten, ein Attentat auf den Zaren vorbereitet hatte, das nur im letzten Augenblick durch einen Zufall scheiterte. Burzew erklärt nochmals, vor jedem russischen Gericht seine Anklagen be- weisen zu können. Die Regierung könne sich leicht Klarheit verschaffen, wenn sie Gerassiinow und Ratschkowski verhaftete. Das wird Stolypin wohl unterlassen. Denn die russischen Regierungs- banditen fürchten in dieser Angelegenheit nichts so sehr als Klarheit._' Lopuchin. Petersburg, 4. Februar. Der Prozeß gegen Lopuchin wird im Mai zur Verhandlung gelangen. Di>a Anklage wegen Hochverrats wurde fallen gelassen und in eine Anklage wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente umgeändert. Ob Lopuchin nicht früher im Gefängnis vom Tode ereilt wird, ist allerdings nicht sicher.# Ein unfähiger Präsident. Petersburg, 4. Februar. Di« Reichsduma verhandelte in ihrer heutigen Sitzung die Vorlaga über die Unantastbarkeit der Person. Die Vorlage sieht die Entschädigung durch ter-' roristische Akte zu schaden gekommener Personen vor. Es ist beantragt, für diesen Zweck dem Ministerium deS Innern 1 025 000 Rubel anzuweisen. Im Laufe der Dcbatta wurde der Kadett R o d i t s ch e lv vom Vorsitzenden mchreremal wegen Ab- schweifung vom Gegenstand der Verhandlung zur Ordnung gerufen. Dies veranlasste den Kadetten Wolkow, dem Prä- sidenten Chomiakow zuzurufm: Sie verstehen nicht zu präsidiere nf Auf Antrag deS Präsidenten wurde darauf Wolkow von der heutigen Sitzung ausgeschlossen. Die K a- betten, die Sozialdemokraten und die Arbeiter- gruppe, die in dem Auftreten Chomjakows gegen Roditschew eine Vergewaltigung der Minderheit erblickten, v e r- ließen hierauf demonstrativ den Sitzungssaal und blieben während der ganzen weiteren Sitzung abwäsend. Die Vor- läge wurde angenommen, Amerika. Ei« vernünftiger Beschluß. Sacramento, 3. Februar. Die Gesetzgebende Versampikung hat mit 48 gegen 28 Stimmen die sich gegen die Japaner richtende Gesetzesvorlage, tvelche Fremden den Landerwerb in Kali- formen verbietet, abgelehnt.— Vzz Zerwürfnis. Im neuesten Heft des„März" schreibt LudwigThoma: Wir haben in den letzten Tagen ein bedeutsames, höchst unan- genehmes Zerwürfnis erlebt. Es ist unheilbar, weil es in den Naturen der zwei Männer begründet ist. weil es auf nationalen Gegensätzen— preußisch gegen deutsch— beruht, weil es seine letzten Ursachen in den tiefgewurzelten politischen Meinungsdifferenzen— altkonservativ gegen seichtliberal— hat. Und darum müssen wir uns darein finden, daß die zwei Männer sich nie mehcr versöhnen werden, und daß dieses höchst unangenehme Zerwürfnis zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Reichs- kanzler dauern wird. Der latente Zwist kam zum Ausbruch am neunzehnten Januar im preußischen Abgeordnetenhause, und die direkte Veranlassung gab die Rede, die der preußische Ministerpräsident Fürst Bülow gegen den Kanzler hielt. Es ist peinlich, daß zwei Herren, die sich äußerlich so nahe stehen, innerlich so sehr divergieren, aber es ist nun einmal so, und wir haben hier lediglich die Tatsache festzustellen, daß der Minister un- säuberlich mit dem Kanzler verfuhr, indem er ihn direkt dcsavou- ierte. Manche Leute erinnern sich vielleicht noch des seltsamen MüleS, den der liberalisterende Reichskanzler in jenen so oft zitierten No- vembertagen bewies. Er hatte was vom umgekehrten Marquis Posa, als er selbigcsmal nach Potsdam eilte und seinen König um Ein- schränkung allerhöchst Seiner Gedankenfteiheit ersuchte. Viele glaubten, daß hinter der geschlossenen Türe jener Mannes- mut vor Königsthronen in die Erscheinung getreten sei, der solange nicht.selbstverständlich.sein wird, als ihn 5knechtseelen bewundern. Nun also, mit diesen Bkarquis-Posatönen und Mannesmutiz- leiten räumte der Ministerpräsident auf. indem er die ganze auf- regende Tätigkeit des Kanzlers als stramm royalistisches Experiment bezeichnete und ihm jeden freimütigen, staatsretterischen Charaklet aberklärte. Es wird dem Kanzler nichts helfen, wenn er sich in einer spä- teren Reichstagssitzung gegen diese Auslegung wenden pnd seinen starken Blockcharakter hervorheben wird. Er hat keine Beweise, weil sich seine Offenherzigkeit hinter ver- riegelten Pforten abgespielt hat, und er muß sich die Verdächtigung seines preußischen Kollegen gefallen lassen. Auch für uns ist das schlimm, denn die Geschichte vom tapfern Kanzlerlein war schön zu lesen in allen nationalliberalen Zeitungen und. wir hätten sie um so lieber immer wieder gehört, weil ja auch sonst nichts von unsrer erhebenden Bewegung übriggeblieben ist. Wir Deutschen hängen im politischen Leben mehr an Idealen als an reellen Werten, und nun hat uns der preußische Minister Fürst Bülow die Sage von dem Recken, der in Potsdam furchtlos war. als unbegründetes Märchen hingestellt; er hat uns ein Ideal zertrümmert. Und das ist bitter._ Hus Induftrie und Handel. Rückgang der Selbständigen. In einer Sondernummer veröffentlicht die„Stattstische Kor» respondenz" die Hauptergebnisse der Berufszählung in Preußen vom Jahre 1902 in Vergkeichung mit den Ergebnissen der Zählung von 1895. Wir bringen daraus zunächst die folgende interessante Zu- sammenstellung. Es wurden gezählt Erwerbstätige im Hauptberuf: Zu--ff oder 1895 1907 Abnahme— absolut in Proz. Landwirtschaft usw.. 1392 00« 1357 590— 34416 2.47 Industrie usw.... 1127114 1 086 050— 40 064 3,5« Handel und Verlehr. 484 372 590 293>4-105 921 21.87 Zusammen..... 8003492 3 033 933+ 30441 1.01 Demnach ist die Gesaintzahl der Selbständigen im Hauptberufe wohl gestiegen, aber die Steigerung bleibt relativ hinter der Be- völkcrungszunahme sehr weit zurück. Besonders bemerlenswert jedoch ist, daß mehr noch als der Gesamtzuwachs die Selbständigen in Handel und Verlehr zugenommen haben, während in der Land- Wirtschast und in der Industrie ein verhältnismäßig erheblicher ab- soluter Rückgang zu verzeichnen ist. Für die weiblichen Selb- ständigen ergibt sich auch insgesamt eine Abnahme von 559 927 auf 650 720. Naturgemäß hat die Zahl der Gehilfen zugenommen. ES wird unterschieden zwischen b- und o- Gehilfen. DaS Wachstum dieser Gruppen illustriert die folgende Tabelle, in der gleich daS Geschlecht berücksichtigt ist: 1895 1907 1895 1907 d-Gehilfen o-Gehilfen Landwirtschaft.. m.«0 426 50 069 2 035 658 1 903 757 w. 13 466 11420 1 280 672 2 544 105 Industrie.... m. 145 770 371052 2003175 4395 510 W. 4 760 39 022 485 018 704 947 523 747 852 922 193 449 326 522 Wechselnde Lohnarbeit>n.-- 155 753 112 830 w.—— 148 377 209 508 Sandel und Verkehr m. 142 208 235 403 w. 6 964 51033 Zusammen. rn. 348 413 667 324 5 708 360 7 265 019 W. 25 199 102 375 2 112 516 3 875 082 Rechnet man die beiden Gehilsengruppen zusammen, gewinnt man dieses Resultat: Gesamtzahl der Gehilfen Zunabme 1905 1907 absolut Prozent 8 194 488 11909 810 3 715 322 4o davon m. 6 056 773 7 932 343 1 875 670 31 „». 2 137 715 3 977 457 1 889 742 86 Demnach hat das weibliche Element relativ bei weitem stärker zugenommen als das männliche. Gegen den Syndikatsterror- Ein Industrieller schreibt uns: Hn nieinem Betriebe gebrauche ich größere Mengen westfälischer Kohlen und Koks, die ich schon seit langer Zeit von Zechen kaufe. die nicht dem Sstndikat angehören, wobei ich sehr gut fahre. Ost habe ich Gelegenheit, mit den außersyndikatlichen Zechenvcrtretern zu verhandeln, und höre immer wieder die übereinstimmende Klage. daß die außersyndikatlichen Bestrebungen noch zu wenig von den Kohlenverbrauchern unterstützt werden, teils ans Angst vor dem Syndikat und teils auch in der Annahme, daß die außcrsyndikat- lichen Zechen nicht alles liefern könnten. Es kann nur im Interesse aller Kohlenverbraucher liegen. Ab- fchlüsse nur mit außersyndikatlichen Zechen zu machen. Vereine könnten gemeinsam die Kohlen einkaufen, was auch sehr gut möglich ist, wenn sich mehrere Familien eine Ladung teilen, wo- durch sich der Waggon auf 30—40 M. billiger stellt. Dadurch läßt sich etwas erreichen. Nach dem Auslände werden Kohlen zu 70 M. pro Ladung abgesetzt, die im Jnlande mit 140—150 M. bezahlt werden müssen._ Die Krise. Infolge der Krise macht sich jetzt eine sehr starke Abwanderung der Arbeiter aus dem rheinisch-weftfälischen Jndustriebezirk bemerkbar. Die Flutwelle der in der Hochkonjunktur zugeströmten Arbciler- massen ebbt wieder zurück. Doch nur wenige nehmen de» Weg in die Heimat? Was sollen sie dort? Dort, wo sie ohne Barmittel nichts beginnen können, wo die Arbeitsgelegenheit rarer ist als anderswo.' Sie ziehen auf gut Glück weiter; wohin sie gerade der Zufall führt. Am Sonntag fuhr z. B. von Recklinghausen ein Extrazug mit 250 Arbeiterfamilien nach der belgischen Grenze(Bezirk Herzogenrat), wo auf den dortigen Gruben Arbeitsgelegenheit unler den glänzendsten Bedingungen zu finden sein soll. Dergleichen Ver- sprechungen haben sich aber schon als Schwindel erwiesen. Aus dein südlichen Ruhrbezirk wandern Arbeiter nach Australien aus. Agenten aus England versprechen ihnen für dort günstige Arbeitsgelegenheit. Die Alnvanderung wird noch schärfer einsetzen, wenn die an- gekündigten Arbeiterentlassungen erfolgt sind. So werden z. B. bei der Harpener Bcrgbangesellschaft 1700 Arbeiter demnächst abgelegt. » Infolge deS Rückganges der Frachtgüterbeförderung ist man in Bayern gezwungen, sonst regelmäßig verlehrende Züge bis auf weiteres auszuschalten. « Die 400—500 Arbeiter beschäftigende Maschinenbau» gesellschaft vormals Ducommun in Mülhausen im Elsaß war am Sonnabend nicht in der Lage, den Fabrikbeamten den Lohn voll auszuzahlen; die Leute bekamen sämtlich nur die Hälfte. Gleichzeitig hat die Firma einem halben Hundert Arbeiter gekündigt. « In Frankfurt a. M. waren Ende 1907 16 350 Metallarbeiter be- schäftigt, dagegen Ende 1908 nur noch 14 310. Die Verwaltungsstelle deS Metallarbeiterverbandes gab aus: Für Arbeitslosenunterstützung 32 875 M.(5741 M. im Vorjahre), fllr Kranlenuliterstützung65 711 M. (34 562 M. im Vorjahre). In der gleichen Zeit fiel t- hauptsächlich infolge Abreise— die Mitgliederzahl um 900. Die Arbeitslosigkeit wäre noch größer, wenn nicht auf Betreiben der Organisierten— zwecks Vermeidung von Entlassungen— viel- fach verkürzte Zeit gearbeitet würde. Dadurch hatten 2934 Arbeiter in der Woche vom 14.— 20. Dezember 23 210 Stunden Ausfall. Die Rentabilität der chemischen Industrie zeigte im Gegensatz zur sonstigen schlechten wirtschaftlichen Lage im letzten Geschäftsjahre noch eine kräftige Aufwärtsentwickclung. Während der ersten zehn Monate des Vorjahres haben 89 Gesellschaften mit einem Aktien- kapital von 301,61 Millionen Mark ihre Geschäftsberichte veröffent- licht; sie zahlten für 1907/08 55,79 Millionen Mark Dividende, gegen 60.70 Millionen Mark im Vorjahre. Durchschnittlich ging also die Dividende von 16,3 Proz. auf 18,5 Proz. hinaus. Die Badische Anilin- und Sodafabrik mit 21 Millionen Mark Kapital verteilte in beiden Jahren lumpige 30 Proz. Dividende. Auch die Farbwerke vorm. Meister, LuciuS u. Brüning mußten ihre Aktionäre mit diesem kleinen„Verdienst" abstzcisen. Die Anglo-Continentalen Gtianoiverke mit 16 Millionen Mark Kapital konnten nur 7l/3 Proz. auszahlen. Die Elbcrfelder Farbenfabriken zahlten 56(!) statt 36 Proz. Dividende, die Chemische Fabrik Griesheim- Elektron 14 Proz. gegen 12 Proz., die Chemischen Werke Albert öS Proz., gegen SS'/z Proz.»sw._ Gewcrkfcbaftlicbe�« Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Auf mehrere Anfragen betreffend den Ausfall der Ausschuß- Wahlen bei der SiemenS-Gesellschaft bemerken wir, daß wir leider kein Resultat veröffentlichen können, weil uns bis heute die Zahl der abgegebenen Stimmen nicht bekannt ist. Auch nirgends diese Zahlen veröffentlicht sind. Man hat in einzelnen Werken den Ausschußmitgliedern unserer Richtung, also ausreichend legittmierten Personen, die Mitwirkung bei der Wahlhandlung, die Kontrolle der Wahlhandlung, ja sogar den Einblick in die einzelnen Wahlprotokolle verweigert. Hinterher ist uuS auch noch folgendes mitgeteilt worden: Zu einem bestimmten Termin mußten die Listen der Kandidaten der einzelnen Werke eingereicht werden. Run hatten unsere Kollegen anS vier Werken vor dem 5. Januar beschlossen, sich nicht an den Wahlen zum Ausschuß zu beteiligen. Nach dem 5. Januar. dem Tage des Zusammenbruchs der gelben Moral, hätten unsere Kollegen gern ihren früheren Beschluß rückgängig gemacht, doch jetzt war eS zu spät. Daher war in einzelnen Werken nur eine Liste, die gelbe, vorhanden und ist diese gewählt. Mit wieviel Stimmen ist, wie schon bemerkt, unS nicht bekannt und ist auch bis heute nirgends darüber etwas veröffentlicht. Der„Bund", das gellfe Organ der Direktion, bringt in seinem Bericht über die AuSschußivahlen kein Wort nberdie abgegebenen Stimmen. DaßdaL versehentlich unterblieben ist, glauben wir nicht. Im Gegenteil nehmen wir an, daß das absichtlich unterblieben ist. Hätte man nicht mit diesem Verschweigen der abgegebenen Stiimnen, mit dem Veriveigern der Konttolle usw. be- stimmte Absichten verfolgt, dann hätte man doch diese Selbst- Verständlichkeiten erfüllt. Wer nichts zu verbergen hat, der entzieht sich bei derartigen Dingen nicht der nottvendigen Kontrolle. Nun ist ober nach dieser Aufklärung der Ocffentlichkeit nicht aus- geschlossen, daß noch nachträglich Zahlen veröffentlicht werden, die hinterher niemand kontrollieren kann. Drum bemerken wir gleich, daß eine nachträgliche Kontrolle nur möglich ist. wenn nicht nur summarisch das Gesamtzahlenresultat belannt gegeben wird, sondern die einzelnen Abteilungen mit ihren Zahlen angegeben werden. Dann kann wenigstens hinterher noch konttolliert werden. Wir glauben aber, daß den Herren die Kontrolle unan- genehm ist und hoffen wir deshalb auch nicht, daß eine derartige Veröffentlichung erfolgt._ Vereitelte gelbe Gründmig. Den Steinsetzern soll eS nach Ansicht vieler Meister gar zu gut gehen, und sie geben die Schuld daran der starken Organisation, welche die Stemsetzer sich aufgebaut haben. Diese Orgamsatiou hält stramm zum Tarif und wacht sorgsam über den 8'/, Stunden- tag. Für die Meister ist der Tarif eine„Zwangsjacke", wie sie ihn schon öfter bezeichnet haben und eine Arbeitzeit von 8Vg Stunden erscheint ihnen viel zu gering. Darum verschwor sich eine Reihe von Firmen zu einem Attentat auf die Gewerkschaft durch die Gründung einer gelben Organisation. Meister G r a n z o w mietete eine» Saal in den PharuSsälen, Müllerstraße, und man erließ Ein- ladungen zu einer Bersaminlnng, die am Mittwoch stattfinden sollte. Pünktlich erschienen die folgenden Herren: Obermeister Otto, Syndikus Dr. Gebauer, Steinsetzmeister Willi Ku h lb ro d t, Wilhelm Peter, Spremberg, Granzow und Hein. Die Meister waren da. nur die sehnsüchtig erwarteten Gelben kamen nicht. Die Herren erlebten eine bittere Enttäuschung, die zit einer Blamage wurde, als rechts und links und überall die verhaßten„Roten" auf- tauchten, die man gerade jetzt und mehr denn je zum Teufel wünschte. Wenn vielleicht ein halbes Dutzend Gelbe der Ein» ladung gefolgt waren— in zehnfacher Uebermacht waren die Roten da und erwarteten lächelnd die beabsichtigte Gründung der neuen Organisation meistertreuer Gesellen. Sit Mel«m Dilemma schritt Meister Otto heroisch zur Tat; erstand auf und— vertagte die Versammlung, da die Eingeladenen nicht »schienen wären. Die Meister zogen sich schleunigst zurück, die Nichteingeladenen lachten und hielten eine Versammlung ab, in der Sie noch lange eifrig besprachen, wie die« Organisation auszubauen ei, um derartige Pläne der Meister von vornherein aussichtslos er- scheinen zu lassen. Man wunderte sich sehr, daß die Meister über- Haupt so kurzsichtig sein konnten, diesen Versuch zu machen, da unter den Steinsetzern, den Steinhauern und Rammern in Berlin gar kein Boden für gelbe Gründungen vorhanden ist. Wer treibt Terrorismus! In der Maschinenfabrik des Kommerzienrats und freisinnigen Stadtverordneten Karl Flohr besteht ein Zwangsunterstützungs- verein nach dem Muster des Herrn LebiuS. Nach dem Erscheinen der Broschüre„Der gelbe Sumpf", sowie der Artikel über die Gelben in der Presse, beschlossen die Mitglieder des Flohrschen Vereins den- selben auszulosen. Dies geschah auch mit Vierfünftel Majorität am 20. Januar d. I. Man sandte die Resolution, sowie eine Liste, welche 138 Mitglieder unterschrieben hatten, an die Firma. Darauf wurde die Kommission, welche von den Mitgliedern gewählt war, von der Betriebsleitung vorgeladen und der Vertreter der Firma, Herr Brunetti. erklärte derselben: Der Verein bleibt bestehen. Wer weiter für die Auflösung des Vereins agitiert, wird sofort entlassen. Wer seinen Austritt aus dem Verein erklärt, wird zwar nicht sofort entlassen, aber bei der ersten Gelegenheit." Ob die Firma durch solchen Zwang etwa glaubt, ihre Position zu festigen? Uns wird aus den Kreisen der Flohrschen Arbeiter versichert, daß bei der ersten Gelegenheit, wo es zu Differenzen zwischen der Firma und den Arbeitern kommen sollte, die„Gelben" mit den Roten zusammen zum Fabriktvre hinaus marschieren l Eine Verwahrung. Herr Eduard Wolf, Inhaber der Albuinfabrik Ed. Wolf u. Co.. schreibt uns: In Ihrem Komnientar(am letzten Sonntag) zu der Be- richtigung der Firma Georg Weigert, Albumfabrik, Ritterstr. 22, ist insofern ein Irrtum enthalten, als die in einer Vornummer besprochenen sittlichen Verfehlungen des erst kürzlich zum Werk- führer ernanuten früheren Zuschneiders Oskar Scheffler in das Jahr 1907 zurückdatiert werden. Ich war bis zum 17. Juli 1908— nach fast 19 jähriger Tätigkeit— in obiger Firma Geschäftsleiter und lege besonderen Wert darauf zu erklären, daß mir bis zu meinem Austritt von derartigen Sachen nichts zu Ohren gekommen ist, daß der be- treffende Arbeiter auch von mir sofort entlassen worden wäre, nicht aber noch zum Werkführer erhoben, daß also qu. Ver- fehlungen nur im Oktober 1908 passsert sein können. Indem ich Sie im Interesse der Wahrheit um gefl. Be- richtigung bitte, zeichne ich Mit vorzüglicher Hochachtung Eduard Wolf. Wir haben über die Sache noch einmal Erkundigungen ein- ? gezogen und uns Ivird bestätigt, daß die Verfehlungen des Werk- iihrers Scheffler in das Jahr 1908 fielen. Wir geben nichts- destoweniger der Verwahrung des Herrn Wolf Raum, weil er ein Anrecht darauf hat, die Möglichkeit des Verdachtes abzuweisen, als bätte er dergleichen geduldet. Daß Herr Wolf während seiner Tätigkeit bei der Finna Weigert von den Vorkommnissen nichts gewahr wurde, ist ohne weiteres begreiflich, wenn man weiß, daß ja selbst die Arbeiterschaft der Firma davon erst später erfuhr und die Angelegenheit deswegen in die jüngste Zeit datierte. Irgend eine Schuld trifft also Herrn Wolf nicht, auch wenn die Ver- fehlungen des Werkführers weiter zurückliegen. Deutsches Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung. Zwischen dem Bäckerverband und der Rheinischen Kakao-, Schokoladen- und Zuckerwaren-Fabrik von Gr über u. Co., Mannheim, ist soeben ein Tarifvertrag abgeschlossen worden, der für die Arbeiter und Arbeiterinnen zahl- reiche Verbesserungen aufweist. Die wesentlichsten Punkte des Ver- träges sind folgende: „Die Arbeitszeit dauert von morgens 7 Uhr bis abends 6 Uhr nebst üblichen Pausen. Mindestlohn für gelernte Arbeiter bis zum vollendeten 20. Jahre 3,50 M. und über 20 Jahre 4 M. pro Tag. Hilfsarbeiter von 17— 19 Jahren 2,80 M., über 19 Jahre 3,20 M., steigend alle Vierteljahr um 10 Pf., bis zum Höchstbetrag von 3,80 M. Arbeiterinnen mit 16 und unter 21 Jahren 1,40 M. An- fangslohn, nach vier Wochen 1,50 M., nach einem Vierteljahr 1,60 Mark, alle Vierteljahr 10 Pf. mehr, bis zum Höchstbetrag von 2,40 Mark pro Tag. Arbeiterinnen mit 21 und mehr Jahren 1,70 M. An- fangslohn, nach einer Woche 1,80 M., nach weiteren 4 Wochen 1,90 Mark; alle Vierteljahr 10 Pf. mehr bis zum Höchstbetrag von 2,50 Mark pro Tag. Ueberstunden 25 Proz. Zuschlag. Der Tarif tritt sofort in Kraft und hat bis zum 1. Januar 1911 Geltung."._ Ernste Differenzen in der Holzindustrie? Im Hamburger Lohngcbiet sind ernste Differenzen über Regelung der Arbeitsnachweisfrage ausge- brachen. Beim Abschluß des letzten Tarifvertrages waren die Par- teien übereingekommen, sich später mit der Regelung dieser Frage zu befassen. Während die Arbeitnehmer unter gewissen Bedin- gungen die Aufgabe ihres Arbeitsnachweises in Aussicht stellten, falls ihrem Verlangen, einen paritätischen Arbeitsnachweis zu errichten, Folge gegeben werde, erklärten die Arbeitgeber, den Arbeitnehmern einen Einfluß auf die Verwaltung des Arbeitsnach- weises der Tischlerinnung einzuräumen, wenn sie den„Ver- bandsnachwcis' aufgeben und alle Arbeitsuchenden dem JnnungS- Nachweis überwiesen. Weiter verlangen die Arbeitgeber bei Ver- Handlungen über ein neues Regulativ die Aufnahme einer Bestim- mung, wonach nur solche Arbeiter eingestellt werden dürfen, die im Besitze eines ordnungsmäßig ausgestellten Entlassungsscheines ihrer letzten Arbeitsstelle sind. Diese Zumutung lehnten die Arbeitervertreter ganz entschieden ab, da man durch Anerkennung dieser Bestimmung Maßrege- l UN gen befürchtete. Dadurch scheiterten die Verhandlungen. Eine Mitgliederversammlung des Holzarbeiterverbandes nahm hierzu Stellung. Hier gelangte folgender Antrag der Ortsverwal- tung nach Rücksprache mit den Delegierten der Vertragsbranchcn zur einstimmigen Annahme: „Das von den Arbeitgebern ausgearbeitete Regulativ für den Arbeitsnachweis lehnendie Versamme l- ten ab; dagegen soll für die Ausgestaltung des Arbeitsnachweises Sorge getragen und nach Möglichkeit die Benutzung des Jnnungs- Nachweises vermieden werden." Da auch die Unternehmer kaum eine Abänderung ihres Be- ichlusses vornehmen werden, so sind ernste Differenzen in der Holz- Industrie zu erwarten._ Ei« neuer Streich der Gelben. Der„Nationale Arbeiterfreund für Kiel und Umgegend von 1898" hat. wie die„Kreuz-Zeitung" mitteilen kann, an den Staats- fekretär v. Tirpitz eine Eingabe gerichtet, in der um Schutz gebeten wird gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie. Die Herren verlangen, der Staatssekretär möge verfügen, daß in den Reichs- marinebetrieben keine Mitglieder der freien Gewerkschaften oder Mit- gliedtr sozialdemokratischer Vereine in Arbeit genommen werden dürfen.— Zur Begriindung wird dann erzählt, daß die organi- sierten Arbeiter jeden Neueingetretenen und jeden Lehrling, der Berantw. Redakt.: CarlWermutH, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw. seine Lehrzeit beendet hat, zum Beitritt in die freien GeWerk- schaften veranlassen. Mit den Gelben weigern sich die Frei- organisierten zu sprechen, ihnen Handreichungen zu leisten oder ihnen etwa mit besonderem Werkzeuge zu helfen. Weiter sollen die fteiorganisierten Arbeiter so weit gehen, daß sie die Arbeits- Produkte der Gelben beschädigen. Einem Maschinenbauer, der sich weigerte, deni Verband beizutreten, sei der Werkzeugkasten erbrochen worden, und als er dann auf den Rat der Gelben der Gewerkschaft beitrat, erhielt er sofort das gestohlene Werkzeug wieder zurück, darunter Stücke, die ihm garnicht gehört halten.— Am Schlüsse sagen die Gelben in ihrer Eingabe, daß im Falle eines Krieges sozialdemokratische Arbeiter eine Gefahr für das Reich seien, beweise der russisch-japanische Krieg, wo die Sozialdemokraten Sand, Feil- späne und Nägel in die Lager der Schraubenwellen gebracht und dadurch die russische Flotte manövrierunfähig gemacht hatten, weil sämtliche Lager der Schiffsmaschinen warmliefen und dadurch daS Auslaufen nach Ostasien um Monate verzögert wurde. Diese niederträchtige Denunziation dürfte im Reichstage ge- bührend beleuchtet werden. Es ist ein sattsamer Kniff der Gelben, ihre notorische Leistungsunfähigkeit durch Wohldienerei ausgleichen zu wollen. Deshalb auch der Hinweis auf die Gefährlichkeit der Sozial- demokratie im Falle eines Krieges. Die Lage für die Flotte dürste aber ungleich gefährlicher werden, wenn in den Marinebetrieben vor- wiegend Gelbe beschäftigt werden, mit denen auch andere Arbeitgeber schon die schlimmsten Erfahrungen gemacht haben. Die Spitzbuben, die gegenwärtig in Kiel auf der Anklagebank sitzen, weil sie die Werst und damit den Staat bestohlen haben, sind doch ganz gewiß keine Sozialdemokraten, sondern stehen jedenfalls den Gelben weit näher._ Eine Organisation der Berufsfeuerwehrleute ist in Dortmund gegründet worden. Vorsitzender der angeblich über 1500 Mitglieder zählenden Organisasion ist der Oberfeuerwehr- mann L a e s e n in Dortmund. Nach unserer Meinung handelt es sich bei dieser Gründung um eine Zersplitterung der Kräfte. Die Feuerwehrleute sollten sich zur Wahrung ihrer Interessen dem Ge- meindearbeiterverbande anschließen. Bevorstehender Musikerstreik. Sämtliche Mitglieder der Zwickauer Stadtkapelle haben am 1. Februar ihre Kündigung eingereicht, weil der Stadtkapellmeister Schmidt der Tariftmterhandlungskommission gekündigt hatte. Alle Vermittelungsversuche blieben erfolglos. ?usl»n«l. Eine Massenaussperrung in der dänischen Eisenindustrie. Die dänische Arbeitgebervereinigung hat dem Gesamtverband der Gewerkschaften Dänemarks angekündigt, daß die Eisenindustriellen am 16. Februar eine Aussperrung sämtlicher in ihren Betrieben be- schäftigten Mitglieder des Aröeitsmannsverbandes veranstalten wollen. Die Ursache dieser Matzregel, die zunächst zirka 3000 un- gelernte Arbeiter treffen, dann aber auch 9000 Schmiede, Former, Schlosser usw. aus der Arbeit drängen soll, ist, daß der vor zwei Jahren nrit dem Arbeitsmannsverband abgeschlossene Tarifvertrag am 15. Februar abläuft und ein neuer nicht zustande gekommen ist. In diesem Vertrage war den Hilfsarbeitern der Eisenindustrie zum 1. Februar 1909 eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Oere unter der Bedingung in Aussicht gestellt, daß sie sich mit einer Verlängerung des Vertrages bis zum 1. Februar 1911 einverstanden erklärten. Die Eisenindustriellen weigern sich jetzt, die versprochene Lohnerhöhung durchzuführen, während die Arheiter unter diesen Umständen bereit sind, vorläufig zu den alten Lohnsätzen ohne Tarifvertrag weiter zu arbeiten. Die Unternehmer wollen jedoch die tariflose Zeit nicht und wollen die Wirtschaftskrise benutzen, um die Arbeit für weitere Jahre an die alten allzu niedrigen Stundenlöhne zu fesseln. Daß gegenwärtig schon sowieso über 20000 dänische Arbeiter brotlos sind und die Arbeitslosigkeit so ungeheuer ist, daß selbst aus dem Bürgertum ansehnliche Summen zur Unterstützung der Notleidenden aufgebracht werden, kann das brutale Unternehmertum nicht ab- halten, willkürlich noch weitere 12000 Arbeiter zur Arbeitslosigkeit zu verdammen. Versammlungen. Zimmerer-Verbanb. Die Zahlstelle Berlin des Zentralvcrbandes der Zimmerer hielt am Sonntag im Gewerkschaftshause ihre Dele- giertenvcrsammlung ab. Die Einnahme im 4. Quartal beträgt inkl. Bestand vom 3. Quartal 110 123,45 M., die Ausgabe 32 741,83 M. An die Zentralkasse find 18094,50 M. gesandt. Der Jahresbericht sowie difö Jahresabrechnung lagen in einer 54 Seiten starken Broschüre vor. Der Berichterstatter, Vorsitzender Witt, beschränkte sich deswegen auf einige Ergänzungen und Erläute- rungen. Besonders hob er hervor, daß auch an der Berliner Zahl- stelle des Zimmererverbandes der wirtschaftliche Niedergang nicht spurlos vorübergegangen ist, beträgt doch die Mitgliederzahl am Jahresschluß 1908 weniger als 1907. Das Jahr 1903 schließt mit einem Mitgliederbestande von 3172 ab. Der Mitgliederrückgang rekrutiert sich aus dem verminderten Zuzug, sowie aus dem den Zuzug etwas übersteigenden Wegzug. Es sind Verbandsmitglieder zugereist 1906 2307, 1907 1274, und 1908 223. Abgereist sind in den gleichen Jahren 1966, 1975 und 402 Mitglieder. Zur Mit- gliederbewegung ist noch zu bemerbp, daß bei den statistischen Er- Hebungen am 25. März 1908 4809 Zimmerer ermittelt sind, im August 1906 dagegen wurden 7525 Zimmerer ermittelt, wovon im Verbände 75 Proz. organisiert waren, während 1908 auf den Zentralverband 76 Proz. entfallen. Gesagt kann werden, daß die Zahlstelle ihren Besitzstand behauptet hat. Diese Erhebungen er- gaben aber auch, daß von 2913 bei 571 Unternehmern in Arbeit stehenden Zimmerern 35 Proz. zu einem Stundenlohn unter 75 Pf., 45 Proz. zu 75 Pf. Stundenlohn und 20 Proz. zw einem höheren Stundenlohn als 75 Pf. arbeiteten. Der Rest stand zum Teil im Wochenlohn, zum Teil war dift Lohnhöhe nicht angegeben. Dieses Resultat zeigt, daß der überwiegende Teil der Berliner Zimmerer unter den provokatorischen Lohnreduzierungen der Unter- nehmer nicht zu leiden hatte. Wie bekannt sein dürfte, kam die Lohnbewegung der Berliirar Zimmerer 1907 nicht zum Abschluß. Die Scharfmacher benutzten die durch die mißlichen Konjunktur- Verhältnisse bedingte größere Arbeitslosigkeit dazu, um gleich am Jahresanfang umfangreiche Lohnreduzierungen vorzunehmen. Der Verband der Baugeschäste beschloß am 3. Januar 1903 den Stunden- lohn für Maurer und Zimmerer auf 70 Pf. und für Bauhilfs- arbeiter auf 45— 50 Pf. festzusetzen. Am 9. Mätz wurde eine abermalige Reduzierung auf 65 Pf., bezw. 40 Pf. beschlossen. Dieser Beschluß sollte am 14. März in die Tat umgesetzt Warden, obwohl bereits unterm 5. März die Arbeitgeber die Verhandlungen zwecks Abschlusses eines Tarifvertrages durch Uebersendung des Muster- Vertrages nebst Begleitschreiben eingeleitet hatten. Gegen die Bau- geschäfte nun, die vwrsuchten, die Beschlüsse des Arbeitgeber- Verbandes in die Praxis umzusetzen, gingen die Zimmerer mit Platz- und Bausperren vor, deren in der Zeit vom 14. März bis 11. Mai 27 verhängt wurden. Die Lohnreduzierung wurde in 11 Baugeschäften rückgängig gemacht, während die übrigen 16 bis zum Abschluß des neuen Vertrages gesperrt blieben. An diesen Platzstteiks waren 294 Vprbandsmitglieder beteiligt. Die Kosten betragen 10785,35 M., wovon auf die Zentralkasse 9265,15 M. und auf die Lokalkasse 1520,20 M. entfallen. Die Lohnbewegung fand nach langwierigen Verhandlungen durch Annahme eines Schiedsspruches ihre Beendigung. Der Stundenlohn blieb auf 75 Pf.bestehen. Wenn auch daS Resultat keineswegs befriedigend ist, so haben sich dennoch d-ie Zimmerer damit abgefunden und werden die Zeit des Waffenstillstandes benutzen, ihre Organisation auszubauen und zu stärken, um im Jahre 1910 allen Eventualitäten die Spitze bieten zu können. Die Arbeitslosigkeit, die den Höchst- stand wohl kaum erreicht haben dürfte, stellte an die Verbandskasse außerordentlich hohe Anforderungen. Für Arbeitslosenunter- Th, Glocke, Berlin. Druck u.Verlaa: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt stützung würden 1908 83 060,75 M. verausgabt, davöft aus d'? Zentralkasse 61 768 M. und aus der Lokalkasse 21 292,75 M. 1907 betrug die Gesamtsumme für Arbeitslosenunterstützung 31 451,50 M. und 1906 5843,50 M. Diese Summen bewcijcn ohne weiteres ein erhebliches Anschwellen der Arbeitslosigkeit. Von dein Ausgaben sind noch zu erwähnen 13 297,80 M. für die Beiträge arbeitsloser Kameraden an die Zcntralkasse, 8542,80 M. an den Streikfonds und 7485,25 M. für die Maigcmaßrcgclten. Die Jahresabrechnung ergibt eine Gesamteinnahme von 145 076,54 M. und eine Gesamt- ausgäbe von 187 069,97 M. Es ist mithin eine Mehrausgabe von 41 993,43 M. zu verzeichnen. Der Kassenbestand beträgt am Jahres- schluß 1908 77 381,62 M. Das Versammlungswesen gestaltete sich äußerst lebhaft. Abgehalten wurden 8 Zahlstellen-(Delegierten-) Versammlungen, 11 allgemeine Mitglieder-, 404 Bezirks- und 32 Platzbcrsammlungen. Außerdem fanden 52 Sitzungen statt, Vorstandssitzungen, Bezirksführer- und Kassiererkonferenzcn. Bei Differenzen auf Bauten und Plätzen mutzte in 125 Fällen der Vorstand eingreifen. Erwähnt sei noch, daß die Konferenz der „Freien Vereinigung der Zimmerer Deutschlands" vom 1. und 2. Dezember 1907 mit 27 gegen 20 Stimmen den Anschluß an den Zentralverband beschlossen hatte. Dc!r Uebertritt sollte in Berlin nicht so glatt, wie erwartet wurde, von starten gehen. Ucber- getreten sind vom Berliner Lokalvercin 398 Zimmerer. Das am 3. August in der„Neuen Welt" abgehaltene Jubiläumsfest der Zahl- stelle Berlin gestaltete sich zu einem Verbandsfest im wahrsten Sinne des Wortes, waren doch Delegierte vieler auswärtigen Zahl- stellen anwesend. Die Diskussion über den Geschäftsbericht war ziemlich lebhaft. Alle Redner erklärten ihr Einverständnis mit der Tätigkeit des Vorstandes. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Witt, 2. Vorsitzender: Hinn- richsen, 1. Kassierer: Wellsow, 2. Kassierer: Licht, 1. Schriftführer Heinrich Schultz, 2. Schriftführer: Kubc. Zu Revisoren wurden neugewählt Golze, Klante, und zu Kon- trolleuren L e s s i n g und H a u f f et Den Bericht der Schieds- kommission erstattete Licht. Ausschlußanträge wurden nicht ge- stellt. Engelhardt gab den Bericht von der Gewerkschafts- kommission. In die Schiedskommission werden gewählt: Herzer, Hinrichsen, Klossowski, Rich. Schröder, Rich. Schulz, Wilh. Schulze und Ziege. Als Delegierte zur Berliner Gewerkschaftskommission werden Engelhardt, Theodor Fischer, Knüpfer, Kube, Rich. Schröder und Witt gewählt. Berichterstatter von der Provinzialkonfercnz, ab- gehalten am 27. Dezember 1908 im Berliner Gewerkschaftshause, war Klossowski.(Ueber diese Konferenz hat der„Vorwärts" am Jahresschluß eingehend berichtet.) Der Vorsitzende Witt weist noch auf die demnächst stattfindende Arbeitslosenzählung hin und ersucht um recht zahlreiche Beteiligung. Die Versammlung erklärte es für selbstverständlich, den auf unsere Zahlstelle cnt- fallenden Teil der Kosten zu übernehmen. Nach Erledigung einiger Verbandsangelegenheiten wurde die Versammlung ge, schlössen._ Die Qnterfclsieife auf der Kieler ülerft. Kiel, 4. Februar.(Telegraphischer Bericht.) In dem Kieler Unterschleife-Prozeß nahm heute früh der Staats- anwalt Neils das Wort zu seinem Plaidoyer. Er be» antragte, den Angeklagten Kankowski schuldig zu sprechen wegen einfacher Urkundenfälschung, dagegen die Frage, ob er die Bücher gefälscht habe, zu verneinen. Gegen die übrigen Angeklagten hat er die äußerste Milde walten lassen Die Rede des Staatsanwalt dauerte drei Stunden.— Es folgten dann die Plaidoyers der vier Verteidiger.— Mm �9 Uhr abends erging folgendes Urteil: Der Angeklagte Kankowski wird zu drei Monaten Ge- fängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Acht Monate Gefängnis werden ihm auf die Untersuchungshaft angerechnet. Außerdem wird bei ihm auf Einziehung der Bestechungsgelder erkannt. � Der Hilfsschreiber Krause wird zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Lohnschreiber Peters erhält ein Jahr sechs Monate Gefängnis, wovon ihm acht Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden. Die Angeklagten Müller und Andresen werden freigesprochen. Letzte Nachrichten und Depclchea Eine neue Unternehmervereinigung in dersTextilbranche. Frankfurt a. M., 4. Februar. lB. H.) Die Gründung einer Ber- einigung der Fabrikanten und Grossisten der Textilbranche und-der- wandter Branchen wurde am 2. Februar in einer Versammlung, in der 120 Firmen vertreten waren, beschlossen. 100 Firmen haben sieb sofort als Mitglieder eingezeichnet. Das Hochwasser. Chemnitz, 4. Februar.(SS. T. B.) Durch daS von anhaltendem Regen begleitete Tauwetter ist hier Hochwasser eingetreten, welches die Borstädte und andere Sttaßen der Stadt überschwemmt. Der Verkehr nach verschiedenen Vororten ist abgeschnitten. Die Straßen- bahn hat den Betrieb auf den unter Wasser stehenden Strecken ein- gestellt. Die Parterrewohnungen der gefährdete» Häuser werden unter Mitwirkung der Feuerwehr geräumt. Zittau i. S., 4. Februar.(B. H.) Die Kleinbahnstrecke Tauben- heim— Dürr— Hennersdorf steht infolge plötzlich eingetretenen Tau- wetterS zum größten Teil unter Wasser, der Bettieb auf dieser Linie mutzte infolgedessen heute mittag vollständig eingestellt«erden. Ems, 4. Februar.(B. H.) Hochwasser von den Berghängen des Westerwaldes überflutet weite Straßenstrecken und unterbrach die Verbindungen. Die Feuerwehr räumt die Häuser. Der Emser Berg- bahndetrieb wurde eingestellt. Es ist die stärkste Flut seit Menschen- gedenken. Limburg, 4. Februar.(B. H.) Seit heute früh'/gl Uhr ist auf der Lahn Eisgang. Mit rapider Schnelligkeit trat Hochwasser ein, wie es seit 1881 nicht erlebt wurde. Von der nahe gelegenen Steingutfabrik Staffel kommt die Nachricht, daß die Elb,' ein Neben- fluß der Lahn, das ganze Fabrikgelände nebst Umgebung unter Wasser gesetzt hat. Drei Mann sind ertrunken. Bonn, 4. Februar.aß er kein Interesse daran hat, die Arbeiter zu erbittern, aber ich muß ihm doch sagen, daß die Verordnungen, die der Bundesrat über die Arbeitsberhältnisse in der Großeisenindustrie erlassen hat, von den Arbeitern geradezu als eine Verhöhnung aufgefaßt werden. Als meine Parteifreunde Hue und Severing seinerzeit die Mißstände in der Schwerindustrie hier zur Sprache brachten, da stellten sich bürgerliche Abgeordnete hin und sagten, so schlimm könnte es doch nicht sein. Aber die Denkschrift der Regierung hat meinen Parteifteunden in jeder Beziehung recht gegeben. Diesen Arbeitern, die so schwer arbeiten, denen ständig Lebensgefahren drohen, hat man nicht einmal den Achtstundcu- tag gewährt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur die in den freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter, sondern alle Arbeiter haben sich gegen die Verordnungen gewandt. Sie schreiben eine Mindcstruhezeit von 8 Stunden vor. In dieser Zeit sollen die Arbeiter schlafen, sich reinigen, essen, den Weg von und zur Arbeitsstelle zurücklegen und leben. Für all' das sollen acht Stunden genug sein! Herr Pauli hat die armen Unternehmer beklagt, welche die Lasten der Sozialpolitik nicht tragen könnten. Hier aber dreht es sich un, Millionäre, und da gibt man den Arbeitern eine der- artige Schlitzverordnung. Wir haben Ihnen eine Resolutton vor- gelegt, in der wir die Punkte anstihren, die unbedingt verlangt werden müssen, und ersuchen Sie um Annahme dieser Resolution. Gerade diese Verordnungen, die sich auf die Berhältnisse in der Großindustrie beziehen, zeigen, daß bei uns die Regierung in erster Linie sich von der Rücksicht auf die Unternehmer leiten läßt. Wäre die Rücksicht auf die Arbeiter maßgebend, so könnten solche Verordnungen unmöglich erlassen werden. Leider ist diese Rücksicht auf die Unternehmer auch bei den Parteien maßgebend. Wenn Sie schon einmal irgend einen Anlauf nehmen, werden Sie durch diese Rücksichten zurückgehalten. Herr Baffermann hat auf die vor Weihnachten verabschiedete Novelle zur Gewerbeordnung hingewiesen. Auch fie hat unter dem Einfluß der Unten, ehmer schwer zu leiden gehabt. Schon im Jahre 1902 hat der Reichstag einstimmig eine von Herrn Hitze, von den Nationalliberalen und von Herrn Stöcker unterschriebene Resolution angenommen, in welcher ein unbedingtes Verbot des Mitgebens von Arbeit nach Hause verlangt wurde. Als wir bei der Novelle zu diesem Gegenstand kamen, sprachen und stimmten die Herren Nattonalliberalen, Konservativen und das Zentrum dagegen. Ebenso war die Zahl der Ausnahmetage der zweiten Lesung be- stimmt. Vor der dritten Lesung aber hatten die bürgerlichen Parteien sich unter der Hand verständigt unb erhöhten diese Zahl, ohne daß der geringste neue Grund dafür angegeben wurde. Ich fand das damals unverständlich. Inzwischen hat Herr Stresemanu uns seine Auskunft gegeben. Er hat im„Konfektionär" darüber ge- klagt, daß die Unternehmer nicht noch in größerer Zahl nach Berlin gelömmen wären; aber die, welche herkamen... Vizepräsident Kaenchf ruft den Redner zur Sache!(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.— Rufe: Das ist doch stark!) Abg. Hoch fortfahrend: Ich denke eben, das gehört zur Sache. (Lebhafte Zustünmuiig bei den Sozialdemokraten.) Herr Stresemanu also erzählte, daß die Unternehmer, die hier waren, doch wenigstens den Umfall der bürgerlichen Parteien erreicht haben. Verschlech- terungen werden also mit Rücksicht aus die Unternehmer gemacht. Die Herren ivollten die Verabschiedung der Novelle bis nach Weih- „achtens verschieben. Sie gaben dafür keinen Grund an. sonder:, meinten einfach: wenn wir nur mehr Zeit hätten, so würden wir schon die Herren Pachnicke usw. bearbeiten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso verhält eS sich mit der Arbeiterversicherung. Wir sollen ja die Vorlage zur Reform der Arbeiterversicherung demnächst bekommen. Herr Trimborn bat bereits geftagt, ob auch daS Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem ReichSamt des Innern und den Jnteresteitten uns mitgeteilt wird. Ich muß be- dauern, daß man auch bei der Borbereitung dieses wichtigen. Ge- setzes s o beschränkt bürokratisch vorgegangen ist. daß es äußerst er- schwert ist, etwa? Gutes zu schaffen. Ich schätze die öfter- reichische Bureaukratie gewiß nicht hoch, aber so engherzig wie die»msrige ist sie doch nicht. AlS in Oesterreich diese Materie in Angriff genommen wurde, wurden die einzelnen Fragen zur öffentlichen Diskussion gestellt. Bei unS aber wartete man. bis durch eine Indiskretion das„Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe" in der Lage war, die Grundzüge des bcab- sichligten Entwurfs zu veröffentlichen. Warum hat man nicht auch bei uns gesagt: Die und die Fragen und Forderungen kommen in Betracht— nun. Oeffentlichkeit, sprich dich auS I' Der Minister sagt, die Regierungen waren sich noch nicht einig. Ja, wenn sie einig sind, ist eS schwer, noch etwas zu ändern. Gerade im v o rb er ei t end e n Stadium sollen die Interessenten Gelegenheit haben. sich auszusprechem(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) In Oesterreich sind auch die Interessenten ver- nommen, und über die Verhandlungen mit ihnen ist ein steno- graphischer Bericht veröffentlicht. Bei uns aber geschieht das nicht: da wird Geheimniskrämerei betrieben. Dann darf sich die Regierung auch nicht beklagen, wenn ihre Absichten verkannt werden.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Wenn die Sache nachher an den Reichstag kommt, dann sollen wir, ohne daß wir vorher das Material kannten, unS schnell ein Urteil bilden m'd den Einwurf rasch verabschieden. DaS ist ja nicht möglich.(Sehr richiig I bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen ja auch, weshalb die Regierung die Geheiiimiskrämerei getrieben hat. Bei der Reform der Krankenversicherung war beabsichtigt, eine ungeheure Verschlechterung ins Gesetz zu bringen: die Arbeiter sollten nicht mehr das Recht haben, zwei Drittel der Mitglieder des Vorstandes zu wählen. Auch heute ist Herr Vassermann dafür eingetreten, und zwar im Namen der Gerechtigkeit und der Parität! Bei den Berufs- genösse n schaften aber, wo die Arbeiter überhaupt nichts zu sagen haben, spricht Herr Basserniann nicht von Parität und Gerechtigkeit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vielleicht sagt er: Ja, dort bezahlen die Arbeiter ja auch keine Beiträge. Ueber diese Frage werden wir unS kaum verständigen. Nach unserer Ansicht sind die Beiträge der Unternehmer nichts anderes, als was sie von den Arbeitern haben.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aber selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß die Arbeiter nichts zahlen, so kommt doch ihr Leben und ihre Gesundheit in Frage, und schon deshalb haben sie ein Recht, mitzureden.(Zustinmmng bei den Sozialdemokraten.) Bei den Kcaiikeukassen hat Herr Bassermann es für selbstverständlich gehalten, daß der Vorsitzende weder Arbeiter noch Unternehmer ist. Als er aber auf die Berussgenossenschaften und auf die Rentenfestsetzungs- stelle zu sprechen kam, da erklärte er sich ganz entschieden gegen einen unparteiischen Vorsitzenden I Nur die Arbeiter sollen lliiter solche Vormundschaft kommen. Ohne Mitwirkung der Arbeiter kommen wir aber bei der Arbeiterverstchernng so wenig Wetter als bei den Arbeiterschutzbestimmungeii. Die Selbstverwaltung der Kranken- lassen haben wir zur Zeit der schlimmsten Reattion bekommen, weil die Versuche, von oben herunter eine brauchbare Organisation zu schaffen, kläglich gescheitert waren.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) ES wird hier derartig in die Verhältnisse der einzelnen Arbeiter hineingegangen, daß jeder Versuch, diese Dinge vom grünen Tisch aus zu regeln, scheitern muß. (Zustimmung bei den� Sozialdemokraten.) Wohin das Fehlen der Selbstverwaltung führt, zeigen uns ja die Belricbskrankenkassen, bei denen die Arbeiter meist ohne jeden Einfluß sind und bei denen die Unzufriedenheit mit der Kasscnführung immer wieder um sich greift. Durch die BettiebSkraukeukassen drängt man die Unternehmer geradezu dazu. Arbeiter, die sich in ihrem Dienste aufgearbeitet haben, zu entlassen. Die Betriebskrankenkassen aber will Herr Bassermann beibehalten und in den OrtSkrankenkassen die Arbeiter. ihrer Rechte berauben. Das ist für ihn bezeichnend. Er hat auch' auf Mißstände in den Ortskrankenkassen hingewiesen Das ist ote alte Geschichte, die wir schon kennen. In den meisten Fällen konnten wir nach- weisen, dah die Anschuldigungen entstellt waren. Natürlich geben wir zu, daß Fehler vorkommen; wie sollte es denn anders sein, da die Arbeiter sich erst in die neuen Verhältnisse einarbeiten mugten. Aber das steht fest, dag die Arbeiter, wo sie ein wichtiges Selbstvcrwaltungsrecht haben, sich in dankenswerter Weise um das Krankenweien verdient gemacht haben. �Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Bezeichnend ist ja auch, daß die Aussprache im Reichsamt des Innern im großen und ganzen die Nichtigkeit all' jener Anschuldigungen ergeben hat. was auch die Vertreter der Arbeitgeber anerkannten. Deshalb müsien wir gegen jede Beschränkung des Selbstverwaltungsrechtes der Arbeiter auf- treten, das nicht eingeschränkt, sondern ausgebaut werden mutz. �Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Weiter habe ich vernommen, daß man auch die Zuständigkeit der Schiedsgerichte ändern will. Auch die Arbeiter würden es mit Freuden begrüßen, wenn man viele Prozesse vermeiden könnte. Das kann aber nicht dadurch geschehen, daß man dem Arbeiter die Benifung unmöglich machen will. Herr Bosscrmann meinte, daß ja nur ein geringer Teil von Berufungen, die an die Schiedsgerichte gehen, zuungunsten der Verufsgenossenschaften entschieden werden und zieht daraus den Schluß, daß die Bcrufsgenossenschaften im ganzen gut arbeiten. Aber wieviel Arbeiter sind denn überhaupt in der Lage, ihr gutes Recht vor dem Schiedsgericht sachgemäß zu vertreten?(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Bei der Witwen» und Waisenversicherung möchte ich den Staats- sekretär bitten, dafür zu sorgen, daß die Zahlung der Rente nicht davon abhängt, daß der Ernährer gerade durch einen Betriebs- Unfall ums Leben gekommen ist. Wir wisien, zu welchen Streitig- leiten und zu welcher Erbitterung die Feststellung, ob gerade ein Betriebsunfall vorliegt, oft führt.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Weiter bitte ich ihn dringend, endlich für eine Vereinheitlichung der Krankenkassen einzutreten. Leider werden jetzt die Betriebskrankenkassen von der Regierung begünstigt, obwohl sie zu einer Reihe von Mißständen führen. Ich will den Staatssekretär auf einen Vorgang aufmerksam niachen, der sich in Hamburg abgespielt hat: Eine dortige Innung gründete eine neue Jnnungskrankenkasse und verpflichtete ihre Mit- glieder, keine Gesellen einzustellen, die bei einer andern Kasse vcr- sichert sind.(Hört I börtl bei den Sozialdemokraten.) Das war eine offenbare Gesetzesverletzung, und die unmittelbare Aufsichts- behörde hob den Beschluß auch auf. Die Hamburger Deputation aber hob ihrerseits den Beschluß der Anffichtobehörde auf und be- stätigte somit den gesetzwidrigen Jnnungsbeschluß!(Hört! hört!) Die Versicberungsgesetzgebung in allen ihren Zweigen kann nur segensreich wirken, wenn Kassen und Aerzte gedeihlich zusammen arbeiten. Nun sahen wir aber die Aerzte unter der glorreichen Führung des Kollegen Mugda» mit allen Mitteln einen hartnäckigen Kampf für die freie Arztwahl führen. Der Kollege Bassermann verfiel einer irrtümlichen Auf- fasiung, wenn er meinte, es handele sich dabei um zwei gleich mächtige Faktoren, aus deren Kampfe schon von selbst eine schließ- liche Einigung hervorgehen werde. Von einer solchen Gleichheit der Kräfte kann keine Rede sein, da die Aufsichtsbehörde sich fortgesetzt zugunsten der Aerzte in den Streit mischt.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Zu geradezu skandalösen Vorgängen hat der Streit zwischen Aerzte und Kassen in Köln geführt. Die dortige Kasse war einfach nicht imstande, die freie Arztwahl einzuführen. Trotzdem wäre es möglich gewesen, mit den«erzten zur Ver- stäudigung zu gelangen, wenn diese nicht, wiederum gestützt auf die Aufsichtsbehörde, einfach erklärt hätten, überhaupt keinen Kasten- kranken behandeln zu wollen. Die Mitteilung einiger Blätter. .wonach die Kölner Aerzte sich geweigert haben sollen, überhaupt Kranke zu behandeln, halte ich denn doch für übertrieben. Ich möchte nun an die Konservativen eine Frage richten. Bei der Beratung unseres Antrages über das Äoalilionsrecht der Land- arbeiter wurden auf der rechten Seite die Folgen eine» etwaigen ErnteftrcikS ausgemalt und ein solcher Streik als ein furchtbares Unglück für das Vaterland dargestellt. Da werden die Herren Kon- servaliven hoffentlich erst recht nicht einen Aerzteftreik billigen, der so weit geht, Leben und Gesundheit der Kassenmitglieder zu gefährden. Die Mitglieder der Kölner Krankenkassen waren gern bereit, die Unbequemlichkeit, entfernlere Aerzte zu konsultieren, mit in Kauf zu nehmen. Ohne Eingreifen der Aufsichtsbehörde ivären die Aerzte aus den Boden der Verständigung gedrängt.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Noch zwei Bemerkungen: In einer Jnnungsversammlung der Drogisten wurde mitgeteilt, daß eine offizielle Liste aller der Waren aufgestellt worden ist. die die Drogisten nicht führen dürfeit. Un- glaubliche Kleinigkeiten laufen dabei unter, z. B. dürfen die Dro- giften zwar Tee in Paketen führen, aber ihn nicht gemischt verkaufen I Man befördert auf solche Weise nur den gemeingefähr- lichsten Wucher, den Wucher mit Arzneimitteln.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch erhöht man so den Profit der Apo- tbekcr und damit den Wert der Apotheken, während man doch das Apothekenmonopol beseitigen will. Schließlich möchte ich den Staatssekretär noch recht dringend auffordern, den Berichten der Arbeitersekretariate einige Auf- mcrksamkeit zu schenken. Irgend ein Geheimrat wird doch wohl noch freie Zeit für diese sehr nützliche Lektüre haben. Die Berichte enthalten unentbehrliches kritisches Material für die Beurteilung der Tätigkeit der BerufSgenostenschasten, denen der Staatssekretär und der Präsident des ReichSversicheriaigsaintcS unausgesetzt Lob zollen. Die Arbeitersekretäre machen ihre Berichte doch nicht zu ihrem Ver- gnügen, sondern zur Informierung der Oeffentlichkeit. Umsomehr sollte die Regierung diesen Berichten einige Aufmerksamkeit schenken. lLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mugda»(frs. Vp.): Wenn man den Vorredner hört, muß man glaubeit, daß die ganze deutsche Sozialpolitik in Liebesdiensten gegen die Unternehmer besteht. In Wirtlichkeit ist aber Deutschland in der Sozialpolitik allen Ländern voraus. In der Arbeiterversichernng steht eS unerreicht da; im Arbeiterschutz wird es nicht einmal von England iibertroffen.(Zuruf des Abg. Sachse: Bergarbeiterschutz!) Daraus komme ich noch. In Amerika, dem gelobten Lande der Sozialdemokraten(Lachen bei den Sozialdemokraten), gibt es überhaupt keinen Arbciterschutz, da die Gerichte alle dahin- gehenden Gesetze, weil der individuellen Freiheit zuwiderlaufend, 'für unverbindlich erklärt haben. Freilich bedarf die Sozialpolitik der Fortbildung und der Forlsetzung. Eben arbeitet die Kommission mit Fleiß und Hingabe an der Verbesserung der Gewerbeordnung. Die Sozialdemokratie aber nennt die Kommission höhnisch die „VerschleppungSkommission". Zu Unrecht hat Herr Hoch behauptet, daß die Kommission von dem beim§ 63 des Handelsgesetzbuchs eingenommenen Standpunkt abgegangen sei. Die Sozialdemokratie ist es, die die Sozialpolilik hemmt. (Lebhafter Beifall rechts). Sic verekelt den Unternehmern die Freude an der Sozialpolitik.(Stürmischer Beifall rechts.) Die Sozialdemokratie ist die eigentliche Zückiterin der gelben Gewerkschaften. (Sttirmische Heilerkeit bei den Sozialdemokraten.) Die gelben Ge- werkichaften bestebeu aus(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Raus- geworsenen 1)> nein, aus Arbeitern, die an der Sozialdemokratie -.nee geworden sind.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie(zu den Sozialdemokraten) würden die gelben Gcwerkschasten ja gar nidbt so wütend bekämpfen. wenn Sie sie für unbedeutend fiielte». UebrigenS bekämpfe ich auch die gelben Gewerk- äiaften.(Leider! rechts.) In bezng auf einige Forderungen stimme ich trotz inein��inzipielleii Geguerschast mit den Sozial- demokraten übereiitb ijch wünsche Erfüllung der Forderungen der Bergarbeiter. Nan>enmch halte ich Kontrolleure aus den Arbeiter- kreisen für erforderlich� Ferner wünsche ich Erfüllung der Forde rungen der PrivatvtSMM.�ur Sozialpolitik gehört auch die Sorge für den Mittelstand.(Bravo! bei den Antisemiten.) Die vielen neuen sozialpolitischen Gesetze, die von der Sozialdemokratie ge- fordert werden, lassen sich doch nicht aus dem Aerinel schütteln. Der Reichstag ist stark überlastet und die Hälfte seiner Mitglieder arbeitet in Kommissionen. Das Jammern des Abg. Hoch über die ungenügenden Unfall- verhütungsvorschriften ist furchtbar übertrieben. Unfälle wird es auch im Zukunftsstaate geben, weil auch im Zukunflsstaate die Ochsen stoßen und die Pferde ausschlagen werden.(Heiterkeit bei dem Block.) Ein paar Worte über die Kassenfragen.(Aha! bei den Sozial- demokraten.) Herr Hoch verglich das Verhalten der Kölner Aerzte mit dem Erntestreik der Landarbeiter. Das geht aber nicht an. Die Landarbeiter, die bei der Ernte die Arbeit niederlegen, begehen Kontraktbruch; die Kölner Aerzte aber lvaren von der Krankenkasse entlassen. Eine gesetzliche Einführung der freien Arztwahl wünsche ich nicht. Ich bin überzeugt, daß sie sich durch ihre Güte selbst durchsetzen wird. Die Aerzte haben sich übrigens keineswegs bloß über die sozialdemokratischen Kranken- lassen zu beklagen. Gegen die Aerzte hat sich ein Kassenblock ge- bildet(Große Heiterkeit.), der sich von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, von den Betriebs- und Jnnungs- bis zu den OrtS- krankeukasien erstreckt. Darin stimme ich mit dem Abg. Hoch überein, daß wir für eine gesunde Sozialpolitik ein unbedingt freies Koalitionsrecht ge- brauchen: Polizei haben wir in Deutschland genug. Die Sozial- Politik soll nicht Polizeiwirtschaft sein.(Lebhaftes Bravo l bei den Freisinnigen.) Hieraus vertagt sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg. Hoch(Soz.): Der Abg. Mugdan hat mich mehrfach miß- verstanden. In bezug auf 8 130a habe ich nicht von der Beschluß- fassung in der Kommistion gesvrochen, sondern von einem im vorigen Frühjahr von mir eingebrachten Eventualantrag. Ferner habe ich nicht behauptet, daß bei der Unfallversicherung die Arbeiter gar nicht mitzusprechen hätten, sondern nicht in genügendem Maße, nicht mit entscheidender Stimme! Endlich habe ich den Kölner Aerzteftreik nicht mit einem Erntestreik der Landarbeiter verglichen, sondern ausdrücklich betont, daß die Per- hälinisse ganz andere sind und weder als gleich noch als ähnlich hingestellt werden können. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr(Fortsetzung der zweiten Be- ratung des Etats deS Innern: vorher Rechnungssachen, unter ihnen die für die Ein- und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete für 1004, bei der über außeretatsmäßig verausgabte 2000 M. Indemnität nachgesucht wird, worüber namentliche Ab- st i m m u n g beantragl ist). Schluß'/s?»Hr._ Mgeoränetenbaus. 22. Sitzung, Donnerstag, den 4. Februar 190V. vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben. Das Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Mg. Jürgensen (natl.) durch Erheben von den Plätzen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung der BrsolduugSordnung. In der allgemeinen Besprechung erhält zunächst das Wort: Abg. W-llkowski(k.): Das Gros der Beamten wird zweifellos zu der Ueberzcugung kommen, daß es bei keinem von uns an dem nötigen Willen gefehlt hat. die Wünsche der Beamten zu erfüllen und daß eS lediglich an dem Mangel an Mitteln lag, wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden konnten. Abg. Falti»(Z.): Ich stehe dem Kompromiß mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Manche sehr berechtigten Forderungen der Beamten sind nicht erfüllt worden.(Sehr richtig! im Zentrum.) Die Gerichtssekretäre erstreben die Gleichstellung mit den RegierungS- fekretären nun seit 30 Jahren, und das Abgeordnetenhaus hat dreimal einen Beschluß nach dieser Richtung ge- faßt!(Hört! hört!) Trotzdem ist auch diesmal noch keine tat- sächliche Gleichstellung erfolgt. Ein Regierungskommissar erwidert, daß eine g r u n d- s ä tz l i ch e und nur keine mechanische Gleichstellung der Gerichts- und RcgierungSselrctäre erreicht sei. Abg. v. Schenckcndorff(natl.) bedauert, daß eS nicht ge- lungen ist, die Turnlehrer den Zeichen- und Musiklehrem gleichzustellen. Ein RegiernngSkommissar betont, daß die Vorbildung der Zeichen- und Musillehrer teurer sei als die der Turnlehrer. Abg. Ernst(frs. Vg.) geht in längeren Ausführungen auf die Verhältnisse der Seminarlehrer ein. Abg. Ströbel(Soz.): Als bei der ersten Lesung der Finanzminister erklärte, daß das Gesetz einen Akt weitreichender Fürsorge für die Beamten darstellt, mußte ich ihm widersprechen. Auch heute kann ich das nicht anerkennen, wenn auch einiges in der Kommission erreicht worden ist. Es ist daraus hingewiesen worden, daß der National- reichtum sich vermehrt hat. Das ist zweifellos richtig, und wenn er sich auch in den Händen weniger Besitzenden aufgespeichert hat, ist doch auch die nichrbesitzende Klasse davon nicht ganz unberührt ge- blieben. Freilich ist die Steigerung deS Einkommens für diese Schichten mehr als ausgeglichen durch die Berteucrung der Lebensmittel. 3 Besonders betroffen find von dieser Verteuerung auch die Schichten der Beamten, so daß die Regierung sich schon genötigt sah. Teuerungszulagen zu gewähren. Um so mehr hätte man er- warten müssen, daß die Besoldungsvorlage eine wirklich durchgreifende Erhöhung der Gehälter bringen würde. Aber die Gehaltö- ausbesserung, die die Unterbeantten erfahren haben, reicht keines- wcgS aus, um den Beamten eine wirklich bessere Lebens- f ü h r u n g zu ermöglichen, sondern ist gerade ausreichend, um die Verteuerung der Lebensmittel und Wohnungspreise usw. aus- zugleicheu. Also von einer wirklichen Besoldungsreform in dem Sinne, daß die Beamten einen höheren Anteil an den Lebens- genüsfen sich dadurch verschaffen könnten, kann nicht die Rede sein. Wie sind denn die Gehälter aufgebessert? Ich habe gefunden, daß zuzüglich der Mehrbewilligungen durch die Kommission für 10ö 000 Unterbeamte ungefähr 23 Millionen Mark mehr ver- langt werden, das sind pro Kops 225 M., also eine Aufbesserung von durchschnittlich 20 Proz. Und wahrscheinlich bedeutet eine Gehaltszulage für die unteren Beamten nicht einmal eine ausreichende Teuerungszulage, wenn man bedenkt, daß vor 10, 15 Jahren eine neue BeamtenbesoldungSrcform wahrscheinlich nicht zu erreichen ist. während doch die Lebensmittelpreise in dieser Zett zweifellos weiter st eigen werden. Es wäre die Pflicht des Staates gewesen, gerade die Klasse der Unterbeamten in viel höherem Maße aufzubessern, als es geschehen ist. Schon mein Kollege Hirsch hat darauf hingewiesen, daß man die Staatsbetriebe zu Musterbetrieben proklamiert hat, während man hier nicht daran gedacht hat, auch mustergültige BesoldungLverhält- nisse in unseren Staatsbetrieben zu schaffen. Man hat immer nur darauf geachtet, daß die Bcamtenschichte» nicht besser bezahlt werden als die Kreise, aus denen sie hervorgegangen sind. Man hat nicht nur den Vergleich mit ponimerschen Tagelöhnern herangezogen, sondern auch auf die Verhältnisse der Kleinbauern hingewiesen. Wenn übrigens unsere Kleinbauern so schlecht gestellt sind, so haben sie das den Vorfahren des heutigen Junkertums zu verdanken, die das Bauernlegen so gut verstanden haben.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte noch ein köstliches Diklum erwähnen, das für die Stellung der Regierung den Beamten gegenüber charakteristisch ist. Der Herr Finanz- minister meinte gegenüber unseren Anträgen auf Besserstellung der Unterbeamten, bei ihrer Annahme würde kein Mensch mehr Handwerker usw. werden, weil er es in der Beamtenkarriere un« endlich viel bequemer hätte. Das ist doch eine kolossale Uebcrtreibung. Wenn der Herr Minister einmal versuchen müßte, sechs Monate lang mit dem Gehalt eines Unterbeamten aus- zukommen, so würde er anders urteilen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Bei den Unterbeantten hat man angemessene Erhöhungen abgelehnt, bei den mittleren und höheren Beamten hat man eher zugelegt. So hat man zum Beispiel 79 Geistliche bei Strafanstalts- Verwaltungen im Höchstgehalt von 4800 auf 6600 M. erhöhl. Für wissenschaftliche Ledrer sind pro Kopf 1000 M. aufgewendet. Den Ersten Staatsanwätten usw. find über die Vorlage hinaus 600 M. gewährt. Ich will mich keineswegs gegen diese Verbesserung erklären, aber ich möchte konstatieren, daß die Staatsanwälte auch nach der Regierungsvorlage zuzüglich des WohnnngsgeldzuschusseS auf ein Höchftgebalt von 8100 resp. 8500 Mark gekommen wären. Mit demselben Wohlwollen und soziale» Verständnis härte man eben auch die Untcrbcamten behandeln sollen. Es ist schon wiederholt auf daS bayerische Beispiel hingewiesen worden. In Bayern ist hauptsäckilich daS Gehalt der Unter- beamten erhöht worden. Die Staatsanwälte, Rickitsr usw., lverdcn dort nur mit 6000 bis 7200 M. im Höchstgehalt bezahlt, wobei ein W o h n u n g s g e l d z u s ch u ß nicht i n F r a g e kommt. Umgekehrt sind dort die Gehälter der Unterbeamten er- heblich höher: Ein Schaffner steht sich dort um 200 M. jährlich besser als in Preußen, und ähnlich ist es bei den Weichenstellern und an- deren Beamten. Also ich imederhole, es wäre die u n a b iv e i S- bare Pflicht des preußischen Staates gewesen, die Unterbeamten wenigstens so gut zu bezahlen wie Bayern.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Geld dafür konnte und mußte auf- gebracht werden. Gewiß ist die Einkommensteuer erhöht worden. Ja man hat sogar die Leute mit 1200 M., entgegen den Absichten der Regierungen herangezogen, weil die Besitzenden nicht so viel zahlen wollten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Ergänzungsstener ist bereits, wie der konservative Ab- geordnete Wolkowski uns vorrechnete, um 25 Prozent erhöht worden. Das klingt allerdings kolossal, aber diese Erhöhung ge- winnt ein anderes Gesicht, wenn man die Sache näher betrachtet. Die Ergänzungsstener beträgt heute pro 1000 M. 50 Pf. Also diese Erhöhung um 25 Prozent bedeutet, daß für 1000 M. 12'/g Pfennig mehr bezahlt werden sollen. DaS macht für 10000 M. 1,25 M. und für 100 000 M. die Riesensumme von 12,50 M. Wenn wir auch nochmals 25 Proz. Zuschlag erheben, würden ganze 25 M. voy 100000 M. mehr zu zahlen sein. Das ist allerdings ein Betrag, der von den E d e l st e n der Nation, den Besitzenden, nicht aufgebracht werden kann, wenn es sich nämlich darum handelt, die Gehäller der Unter- beamten aufzubessern. Im Reiche, wo indirekteSteuern in Betracht kommen, bewilligt man freilich Hunderte, Tausende von Millionen für unproduktive Zwecke. Also mit der Behauptung, die Mittel wären nicht aufzubringen, dürfen Sie uns nicht kommen. Sehr bedauerlich ist es auch, daß die Frage der Wohnungsgeld- Zuschüsse noch nicht geregelt worden ist. so daß man ihre Wirkung auf die Beamtenbesoldung noch nicht kennt. Ich möchte dazu nur den Wunsch aussprechen. daß man nicht etwa den Aus- gleich hierbei dadurch zu erreiche» sucht, daß man etwa die Wohnungs- geldzuschüsse für die mittleren und kleinen Beamten von 50 Proz. auf 33>/g Proz. herabsetzt; dadurch wird den Unterbeamten nicht genützt, sondern dadurch, daß man die Erhöhung auch für die Untcrbcamten auf mindestens 50 Proz. normicrt. Abg. Wolkowski führte aus. die Sozialdemokratie bemühe sich vergeblich um die Gunst der Beamten. Nun, wir tun unscre Pflicht und Schuldigkeit, ob die Beamten sich dafür doulbar erweisen, ist für uns gleichgültig. Wenn er aber meinte, wir hätte» doch keine Anhänger unter den Beamten, meine Herren von der Rechten, sorgen Sie für Einführuug der geheimen Wahl, verzichten Sie aus den verfassungswidrigen Terror, so werden Sie erleben, daß wir auch unter den Beamten eine ganze Anzahl von Anhängem haben.(Bravo I bei den Sozial- demokraten.) Abg. v. Pappenheim(k.): ES gehört ein gewisser Mut dazu, hier vor dem Hause über einen solchen Gegenstand mit einer solchen gänzlichen Unkenntnis der Dinge zu sprechen, wie der Herr Por- redner. Er behauptet, daß die höheren Beamten gegenüber den unteren bevorzugt werden. Tatsächlich sind die Unter- beamten um 20 Prozent aufgebessert, die mittleren um 15 Prozent und_ die höheren um 7>/» Prozent. Er behauptet weiter, daß die Deckungsfrage nicht genügend unparteiisch geregelt sei. In der Tat geht die ganze Tendenz aller Mitglieder der bürgerlichen Parteien dahin, die Laste» dieser Vorlage in erster Linie auf die starken Schultern zu legen.(Sehr richtig I rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Im WohnungSgeld sind die Unterbeamten um 100 Proz. erhöht. ES ist kaum anzunehmen, daß die Ausführungen des Herrn Vorredners auf Unkenntnis be- ruhten; jedenfalls entbehren seine Zahlen jeder Wahrheit und jeden GrundeS.(Bravo rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ein Antrag aus Schluß der Debatte wird angenommen. Abg. Ströbel(Soz., persönlich): Herr v. Pappenheim hat ge- sagt, ich hätte entweder in Unkenntnis oder in Berschweigung— der mrr bekannten Talsachen gesprochen. Ich hatte nicht behauptet, die oberen Beamten wären viel mehr aufgebessert worden als die Unter- beamten. Ich habe auf ganz b e st i m m t e O b e r b e a m t e n- kategorien hingewiesen und habe die heute wie früher her- vor geh oben. Alle Obcrbeantte» aufzubessern war gar nicht nötig, da die höheren Beamten unvcrhälwiSuiäßig günstig ge- stellt sind. Ferner sollte eS meine Unkenntnis beweisen, daß ich nicht wüßte, daß die Unterbeantten in bezng auf WohnungSgeldzuschuß um 100 Proz. aufgebessert worden wären, weil sie bereits vor zwei Jahren um 50 Proz. aufgebessert wurden. DaS ist mir genau bekannt, und das habe ich auch in meiner ersten Rede ans- fllhrlich dargelegt, aber mit solchen Prozeutberechnungen kommt man nicht weiter. Man mutz wissen, wieviel Mark denn die 100 Proz. ausmachen.(Präsident v. Kröcher: Das ist nicht mehr persönlich.) In der Spezialdebatte wird die Besoldungsordnung nach den Beschlüssen zweiter Lesung unter Annahme eineö auch von den Sozialdemokraten unterschriebenen Kompromißantragcs zugunsten der Lehrerinnen an den Gefängniöanstaltcn a» g e n o m m e n. In der G e s a m t a b st i m m u n g stimmen auch die sozialdemokratischen Abgeordneten für die Vorlage. Es folgt die Beratung'deS sogenannten Köhlbrand-Ver- trages mit Hamburg, betreffend die Verbesserung des Fahr- Wassers der Eibe. Minister v. Breitcnbach: Schon seit zwei Jahrzehnten schweben Verhandlungen über die Tiefe des Köhlbrandö. Hamburg erklärte sich schließlich bereit, einer Vertiefung aus 10 Meier zuzustimmen, stellte hierfür aber eine Reihe von Forderungen, die auf ein für Preußen befriedigendes Maß zurückgeführt lverdcn mußten. Die Regierung mußte bei den Verhandlungen den nationalen Gesichts- punlt berllcksichligen, daß Hamburg die Stellung eines Welt« Hafens einnimmt. In der Kommission wird Gelegenheit sein, die Einzelheiten des Vertrages näher zu prüfen. Abg. v. Arnim-Züsedom(k.) beantragt, dm Bertrag einer Kommission von 21 Mitgliedern zu übcrweilen. Abg. J»st(natl.) und Abg. Reinhardt(Z.) wünschen ebenfalls Kommissiensberalung. Abg. Dr. Barenh-rst(frk.): Wenn eS sich hier auch um deutsche Nationalintercssen, nämlich um die Konkurrenzfähigkeit des ganzen Gebietes der Unterelbe, gegenüber den auswärtigen Häfen handelt so müssen wir hier im Landtage doch die J nteres se n PrcnßcnS wahren. Die ganze Kohlbrandfrage ist eine ununterbrochene Leidens- geschichte für Preußen. Jetzt ist Hamburg gezwungen. Preußen entgegenzukommen, weil es mit seinem Hafen zu Ende ist. Bcson- deren Wert legen wir auch darauf, daß die Interessen der Landwirt- leicht ge-I rtpn schaft der Umgegend, die durch die Vertiefung der Elbe schädigt werden könnten, genügend berücksichtigt werden. Abg. Waldstedt tfts.. Vg.) bemängelt einzelne Bestimmungen des Vertrages. Abg. Dr. Hahn(k.): Wir müssen die Nerven haben, eventuell den Vertrag abzulehnen, denn für Hamburg stehen Hunderte von Millionen auf dem Spiele, für uns nur der Verlust von elf Millionen. Preußen sollte etwas mehr von dem hanseatischen könig- lichen Kaufmamlsgeist beweisen.(Bravo I rechts.) Minister v. Breitenbach erwidert den, Vorredner, daß die be- rufenen Vertreter von Harburg, wie der Oberbürgermeister und der Landrat des Kreises, die großen Vorteile des Vertrages für Harburg anerkannt hätten. Die Regierung mutzte die Frage von großen nationalen Gesichtspunkten aus behandeln, die Ausführungen des Vorredners waren sehr partikularistisch angehaucht. Nach weiteren kurzen Bemerkungen der Abgg. B r ü t t(fl.) und Ecker(natl.) geht die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr.(Vorlage betr. Erhöhung des Kapitals der Zentralgenostenschaftskasse. Fortsetzung der zweiten Beratung des Justiz et atS.) Schluß ö'/.j Uhr._ parlamcntarilcbcö. Aus der Budgetkammission des Reichstags. (11. Sitzung vom 4. Februar.) Bei Beginn der Sitzung nahm Staatssekretär v. Schorn daZ Wort, um zu erklären, daß das angebliche zweite Interview eines englischen Journalisten mit dem deutschen Kaiser überhaupt nicht stattgefunden habe. Die Erklärung des Dr. Lehmann in der„Ger- mania" enthalte«inen Druckfehler, eS müsse heißen:„habe sie nie gehabt'; das Wort nie sei durch ein Versehen weggelassen worden... Beim Titel„Konsulate', wo insgesamt 200 500 M. mehr angefordert sind, werden 45 000 M. aus Sparsamkeitsgründen ge strichen. Bon Zentrumsseite wurde abermals hervorgehoben, daß unsere Beamten im Auslande nur O'/z bis 6 Stunden täglich arbeiteten, was, wenn nicht ein tropisches Klima in Frage käme, entschieden zu wenig sei. Als Beispiel dafür, daß wir teurer arbeiteten als die praktischen Engländer, wurde angeführt, wir hätten in Shanghai 13 Beamte, während das englische Konsulat daselbst mit 8 Beamten auskommt, obgleich der englische Geschäftsbetrieb sicherlich umfangreicher ist als der deutsche. Weiler wurde bemängelt, daß die Zahl der Attaches in Asien, namentlich im Verhältnis zu anderen Ländern, entschieden zu hoch ist und daß auch ihre Bezahlung(jährlich 12 000 M.) in keinem Verhältnis zu ihren Leistungen steht.— Ein Geheimrat verteidigte die angefochtene Position: Die bei den Konsulaten des Orients an- gestellten K a w a s s e n seien notwendig, denn die Sitte erfordere, daß, wenn der Konsul ausgehe, sie in schöner Uniform vor ihn, herliefen und ausriefen, wer komme. Was die beinängelte hohe Bezahlung anbetteffe, so dürfe man nicht den hiesigen Maßstab anlegen. Ihm sei ein Fall bekannt, wo ein Beamter in Kalkutta seiner Stellung entsprechend zwanzig Dienstboten gehalten habe, der sich hier mit zweien behelfe l Dann eien aber auch die Geschäfte sehr gewachsen. Vor 10 Jahren habe man beispielsweise die Automobile noch nicht gekannt. und unsere auswärttgen Vertretungen hätten demnach auch keine Arbeit damit gehabt, lvährend das deutsche Konsulat in Paris im vergangenen Jahre nicht weniger als 1500 Bescheinigungen an Automobilisten ausgestellt habe, damit sie die Grenze passieren können.— Von sozialdemokratischer Seite wurde ausgeführt, daß, um die Regierung zu einer Reorganisatton des Dienstes und zur Sparsam- keit zu zwingen, im Interesse der Sparsamkeit Abstriche gemacht werden müssen. In Shanghai hätten wir 47 Beamte, was zweifei- los zu viel sei. Es entstehe der Eindruck, daß man die Attaches dorthin schicke, weil man sie unterbringen wolle. Sollen Ersparnisse gemacht werden, so müssen die Reise- und Stellvertretungskosten eingeschränkt werden. Dementsprechend wurden die mehrgeforderten 20 000 M. für Tagegelder und Fuhrkosten gestrichen. Nächste Sitzung: Freitag. Fortsetzung der Beratung über das Auswärtige Anit._ Drucksache«. Aus dem Reichstag(Nr. 1164) Resolution Dr. Müller- Meiningen. Dr. H e ck s ch e r. O e s e r. Der Reichstag wolle be schließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage den Entwurf eines Reichs-Theatergesctzes vorzulegen, in Ivelchem einer- seits die Bühnenvertragsregeln, andererseits die öffentlichen Rechts- verhältniffe des Theaters einer zeitgemäßen Reform unterzogen werden. Aus dem preußischenAbgeordnetenhauS.(Nr. 57) Uebersicht der Entschließungen der kg l. Staatsregie- r u n g auf Beschlüsse des Hauses der Abgeordneten aus der 20. Legislaturperiode. (Nr. 58) Denkschrift über die Verwendung de? Fonds„Zur Förderung der inneren Kolonisation" in den Provinzen Ostpreußen und Pommern" für das Etatsjahr 1907. (Nr. 98) Besoldungsordnung(Zusammenstellung des Entwurfs mit den vom Hause der Abgeordneten in der zweiten Beratung gefaßten Beschlüffen.) (Nr. 104) Entwurf eines Abänderungsgesetzes zu dem Gesetze. betteffend die Errichtung einer Zentralaiistalt zur Förderung des genosienschaftl. Personalkredits vom 31. Juli 1895. (Nr. III, I, II, III, IV, V.) Steuergesetze: Einkommen- und Ergänzungssteuergesctz, Gesellschaftssteuergesetz, Deckungsfrage. Nr. 112, II: Anlagen zu dem Kommissionsbcricht über den Ge- setzentwurf zur Abänderung des Gesetzes, betreffend das Dienstein kommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volks schulen. Hus der partei* Die ReichstagSkommisfio» zur Borberatung des Gesetzentwurfes gegen den unlauteren Wettbewerb hielt am Donnerstag ihre erste Sitzung ab. Vorsitzender ist der Abg. Roeren, Schriftführer Genosse Dr. Frank. Zum Bericbterstatter wurde Abg. Junck bestimmt. Es soll ein schriftlicher Bericht gegeben werden. Beschlossen wurde, zwei Lesungen des Entwurfs vorzunehmen. Da die Kommission auf eine ganze Anzahl Sitzungen rechnen muß, wurde beschlossen, wöchentlich zwei Sitzungen und zwar Mttwoch und Donnerstag vormittags 10 Uhr abzuhalten. Die erste Lesung soll am nächsten Mittwoch beginnen. Von der sozialdemokratischen Partei gehören außer dem Genossen Dr. Frank noch die Genossen Brühne und Horn der Kommission an._ Die Aufstellung der Landtagskandidaten in Pforzheim, die einige Schwierigkeiten zu machen drohte, soweit Genosse Adolf G e ck in Frage kam, scheint sich nun doch glatt vollziehen zu wollen, was im Interesse der Pforzheimer und der badischen Genossen nur zu begrüßen ist. In unserem Pforzheimer Parteiorgan ist eine Vereinsversammlung zu nächstem Sonnabend ausgeschrieben, die die Kandidatenaufstellung auf der Tagesordnung hat. Freilich liegt zwischen unserer ersten Notiz ans Pforzheim(Nr. 18 des„Vorwärts") und der jetzigen Ankündigung bei Generalversammlung des sozial- demokratischen Vereins, in der die Versuche, Geck zu beseitigen, zur Sprache kamen. Es wird uns zu dieser Frage noch aus P f o r z heim geschrieben: Jetzt will's natürlich niemand gewesen sein, alle waschen ihre Hände in Unschuld, es soll überhaupt kein Mensch daran gedacht haben, Geck beiseite zu schieben. Im Gegenteil, man ist ein großer Freund der Kandidatur Geck usw.. alles andere wären Phantasien des Einsenders der„Vorwärts"- Notiz. Von mehreren Wahlkomiteemitgliedern wurde uns aber deren Richtigkeit bestätigt, und das genügt uns. Wahr ist. daß in einer Sitzung des Wahlkomitees ein Anttag gestellt wurde. Geck nicht wieder in seinem bisherigen, sondern in dem wesentlich weniger sicheren zweiten Pforzheimer Stadtkreise aufzustellen. Dieses Ver- langen wurde mit der„Zugkraft" Gecks begründet, aber das Manöver war doch dem Wahlkomitee zu plump, um darauf hinein- zufallen, der Anttag wurde abgelehnt, aber nicht einstimmig, sondern er fand eiftige Befürworter; also so ganz harmlos ist die Sache nicht. Wenn die Anhänger der 66 absolut darauf erpicht sind, ihre Freunde in den Sattel zu heben— denn darauf läuft doch die ganze Geschichte hinaus—. dann sollen sie mit offenem Visier kämpfen; dann würden sie aber auch die Er- fahrung machen, daß daZ Gros der Pforzheimer Arbeiterschaft aus dem Boden der Nürnberger Parteitagsbeschlüsse steht. In der Generalversammlung, der Schreiber dieser Zeilen leider nicht beiwohnen konnte, wurde ein Antrag gestellt, die Kandidatenftage sofort zu behandeln. Der Antragsteller begründete seinen Anttag, in den, er auf die bekannten Gerüchte verwies und unter anderem mitteilte, daß Genoffe K o l b- Karlsruhe gelegentlich einer onferenz in Klein-Steinbach(einem Orte zwischen Pforzheim und Karlsruhe und zum 9. badischen Reichstagswahlkreis gehörend) erklärt habe:„Mit dem Genossen Adolf Geck kandidiere er nicht mehr!" Diese un° glaubliche Aeußerung wurde, soviel auS dem Bericht hervorgeht, von niemand in der Versaminlung b e st r i t t e n. Soweit uns der Antragsteller bekannt ist, ist er nicht derjenige, der in einer Versammlung Behauptungen aufstellt, ohne dieselben beweisen zu können. Er behauptete außerdem, in anderen Orten sei gesagt worden, so wie es Lehmann in Mannheim gegangen sei, so ginge es auch Geck in Pforzheim. Nun, die Versammlung am nächsten Sonnabend dürste einen Sttich durch diese Rechnung machen. AuS de» Organisationen. Im Wahlkreise Hagen-Schwelm stieg die Mitgliederzahl der Parteiorganisation im vierten Quartal 1903 von 2249 auf 2360. die Zahl der weiblichen Mitglieder von 212 auf 426. Die Einnahmen bettagen einschließlich des Kassen- bestandeS vom 1. Ottober(100,34 M.) 3767,97 M., die Ausgaben 3635,40 M.. so daß am 1. Januar 132,57 M. Bestand vorhanden war. Der Wahlkreis H a m m- S o e st hat am Sonntag in dem Bergarbeiterorte Altenbögge eine außerordentliche General- Versammlung abgehalten. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Genosse König, Parteisekretär für das westliche West- falen, den auf Radbod hingemordeten Genossen einen warm- empfundenen Nachruf. Die Delegierten erhoben sich zu Ehren der Toten von ihren Sitzen. Vom Kronleuchter des Saales herab hing ein schwarzes Transparent mit der roten Inschrift„Radbod", daran erinnernd, daß seit der letzten Generalversammlung der Tod eine klaffende Lücke in die Reihen der Genossen geriffen hat. Den Geschäftsbericht über das letzte Jahr erstattete König. Die monat- liche Agitationsschrift„Die Wahrheit" ist in einer Auflage von 26 000 Exemplaren verbreitet worden. Weiter wurden zu AgitationS- zwecken 3000 Exemplare der„Kommunalen Praxis" und andere Flugschriften verteilt. Bei den Gemeinderatswahlen ist ein AchtungS- erfolg errungen worden. Die Mitgliederzahl ist bedeutend gestiegen, ebenio die Zahl der Abonnenten der„Dortmunder Arbeiterzeitung". Als Kreisvorsitzender wurde Genosse Jevventrupp-Hamm geivählt. Die Konferenz war von 65 Genossen und 15 Genossinnen beschickt. „Ein sozialdemokratischer Kirchenrat."„Bei der Wahl de? Kirchenrates und der Ergänzungswahl der Kirchenverwaltung der katholischen Kirche München-S en d ling siegten die Sozial- demokraten mit st arken Majoritäten über die liberal- klerikale Liste." Also lesen wir in der Parteipresse. Dagegen meldete die„ M ü n ch e n e r P o st", die es doch am besten wissen muß, daß die Liste der freien Bürgervereinigung ge- wählt wurde, die der Pfarrer allerdings als„die Sozialdemokratie' bezeichnet hat. Genosse Kaden ist erfreulicherweise schon so weit wieder her« gestellt, daß er seit Donnerstag wieder an den Verhandlungen des Reichstags teilnehmen kann. Genosse Goldstern ist am Dienstag nach dem Sanatorium in Kreischa bei Dresden übergesiedelt. Soziales* Unfallrcntncr der Tiefbau-Berufsgenossenschafk. Wie fürsorglich die genannte Berufsgenosscnschaft sich der Ver« letzten annimmt, möge folgendes zeigen: Im Betriebe der Firma Holzmann u. Co. in Wilhelmshaven verunglückte im November 1967«in Taucher dadurch, daß ihm von unerfahrenen Leuten un- regelmäßig Luft zugepumpt wurde. Der Betreffende erlitt auf beide Ohren Beschädigungen, so daß er seinen Beruf sofort auf- geben mußte. Mitte Dezember erinnerte der Verletzte die Berufs- genossenschaft an den Unfall, tourde jedoch bald darauf vom Kassen- arzt wieder für arbeitsfähig erklärt. Nach zweitägiger Arbeit wurde er wieder krank und war bis Mitte Februar 1908 erwerbs- unfähig. Später mußte er sich von einem Vertrauensarzt der Be- rufsgcnossenschaft untersuchen lassen. Dieser begutachtete, daß die Erwcrbsfähigkeit des Verletzten um 36 Proz. vermindert sei. Etwa sechs Wochen später mutzte sich der Verletzte einer Ohrenklinik in Kiel zur Verfügung stellen. Hier begutachtete der leitende Pro- fessor eine Erwerbsunfähigkeit von 56 Proz. Mitte Oktober ver- fchlimmerte sich das Leiden des betwtffenden Mannes und er ist seitdem völlig erwerbsunfähig. Anfangs Novamber erhielt er die Aufforderung, sich in die Heilanstalt Samun zu begeben. Als der Kranke einmal in der Badetvanne einen Schlaganfall erlitt, wobei er beinahe ertrank, erklärtg ihm der leitende Arzt, daß er für ihn bei seinen achttägigen Besuchen keine Verantwortung übernehmen könne und er eine Klinik aufsuchen müsse. Weil die Unfallversiche« rung die Behandlung des Verletzten übernommen hatte, lehnte die Ortskrankenkasse die Behandlung ab. Die angerufene Aufsichts- behörde bestätigte, daß die Bcrufsgenossenschaft eintreten müsse. Als durch die entstandene Not und Sorge die Familie des Unfall- rentners erkrankte, blieb diesem nichts weiter übrig, als die Armenunterstützung in Anspruch zu nchmen. Fernere Raklama» tionen um die Rentenfestsetzung halfen nichts� nur einigemale er- hielt der Verletzte einen kleinen Rentenvorschuß. Nach Weihnachten erhielt er ein Schreiben vom Vorstand der Ticfbau-Berufsgenojsen« schaft, in dem ihm mitgeteilt wurde, daß ihm zurzeit nichts mehr gezahlt werden könne und seine nochmalige Untersuchung veranlaßt werften würde. Das war dem Verletzten denn doch zu viel. Er sandte eine derbe Beschwerde an das Reichsversicherungsamt, das ihm bald darauf antwortete, die Angelegenheit in die Hand nehmen zu wollen. Bald darauf kam auch eine Ladung zur' nochmaligen Gestellung in der Klinik in Kiel. Dort wurde er allen möglichen Experimenten und Qualen ausgesetzt und konnte nach acht Tagen wieder zurückreisen. Bis heute ist dem Verletzten sei» Recht noch nicht geworden, obwohl seit dem Unfall bereits vierzehn Monate verflossen sind. Da der Bedauernswerte der Gemeinde Bant zur Last gefallen ist, wird sich vielleicht dw Behörde ins Mittel legen. Dieser Fall zeigt wieder klar, auf welcher Höhe die deutsche Sozialpolitik steht. Gegen ein solches Vorgehen der Berufs- genossenschaften vermag leider auch das Reichsversicherungsamt nichts auszurichten. Lassen sich nicht Mittel und Wege schafft«, solchen verunglückten Personen schneller zu ihrem Recht zu ver- helfen? Läßt sich nicht gleich eine bestimmte Höhe der Rente fest- legen, dann muß aber doch unter ollen Umständen dafür gesorgt werfte!», daß dem Verletzten eine Unterstützung zuteil wird, die ihn der öffentlichen Armenpflege enthebt. Die darauf abzielenden Anttäge der sozialdemokratischen Fraktion wurden seinerzeit ab- it. gelehnt WeisseWoche OANDORF Belle-Alliancestr.— Spittelmarkt— 6r. Frankfurterstr.— Brunnenstr.— Kottbuser Damm Schluss Sonnabend den 6. Februar Gute weisse Waren zu enorm biHigen Prei Berantwortl, Redakteur: Carl Mermuth, Berliv-Riidorf, Für drv Inseratenteil verantw.: Th, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckern u. BerlagSanstalj Paul Verl« SW, »t. so. 26.m.w 2. Keilllge des„Ponuürts" Derliner UslksblM 5 1909 flrbcitslofcn--Zäl)lung am Sonnabend, den 13. Febrnar 1909... Trotz aller Einwände seitens der Vertreter der organisierten Arbeiterschaft Groß-Berlins beschloß der Magistrat von Berlin — und die Verwaltungen der meisten Vorortgemeinden werden sich seinem Vorgehen zweifellos anschließen—, im Februar wieder eine Arbeitslosenzählung nach dem Meldeshstem vor- zunehmen. Daß dieses System auch nicht annähernd die Zahl der Arbeitslosen richtig erfaßt, ist für jeden objektiv Denkenden klar, und alle Statistiker von Ruf wenden sich auch gegen dieses System. Aber der Berliner Magistrat beharrt eigen- sinnig auf seinem Beschluß, so daß es den Eindruck erweckt, als wolle er nicht die Wahrheit über den erschreckend hohen Grad der Arbeitslosigkeit feststellen lassen, um nach wie vor seine Gleichgültigkeit gegen die Arbeitslosigkeit und sein Un- vermögen, derselben abzuhelfen, hinter nichtssagende Phrasen verbergen zu können. In Erkenntnis dieses durch das reinste Klasseninteresse diktierten Bestrebens unserer Stadtverwaltung steht die organisierte Arbeiterschaft der amtlichen Zählung nach dem Melde- systcm am 17. Februar„Gewehr bei Fuß" gegenüber. Um aber eine einigermaßen richtige Zählung vorzunehmen, be- schloß die Berliner Gewerkschaftskommission und der Zentral- vorstand des Verbandes der sozialdeniokratischen Wahlvereine, Sonnabend, den 13. Febrnar 1909, eine Zählung nach dem Hanslistensystem zu veranstalten. Dazu bedarf es in erster Linie der Unterstützung aller betätigten Kreise. Wir glauben, daß jeder organisierte Arbeiter An Wert dieser Arbeit zu schätzen weiß und sich in- folgedcssen mit voller Hingabe daran beteiligen wird. Uni auch die Mithilfe derjenigen zn erreichen, die nicht den Organisationen angehören, bedarf es aber auch der leb- haftesten Agitation. In allen gewerkschaftlichen und politischen Vcrsanimlungen muß auf die Zählung hingewiesen werden. Die Leiter und Funktionäre der Organisationen erhalten eine Broschüre, in welcher der Verlauf der Verhandlungen über diese Frage geschildert ist. Die Leiter der politischen Organi- sationcn müssen darauf hinweisen, daß es die Ehrenpflicht jedes Genossen ist, am Freitag, den 12. Februar, sich im Be- zirte einzufinden. Die Leiter der gewerkschaftlichen Organi- sationcn legen ein Verzeichnis derjenigen an, welche bei der Zählung Helsen wollen, aber nicht politisch organisiert sind, und stellen es der Berliner Gewcrkschaftskommission zur Ver- füguug. Alle politisch Organisierten sind aber an ihren Bezirk zu verweisen. Also: Die Mitglieder der Wahlvereine gehören am Frei- tag, den 12. Februar, auf ihren Zahlabend, die nicht politisch Organisierten nach den von der Berliner Gcwerkschaftskommission noch näher zn bezeichnenden Lokalen. Selbstverständlich wird der„Vorwärts" wie überhaupt die Presse in eingehender Weise aus die Frage der Arbeitslosen- zählung eingehen und für die weitestgehende Aufklärung der Genossen Sorge tragen. Ebenso ist es dringend notwendig, die Agitation in Werlstatt und Fabrik, in Bekannten- und Freundeskreisen nicht einen Augenblick ruhen zu lassen. Weiter wird es notwendig sein, auf den Arbeitsnachweisen (städtischen, gewerkschaftlichen und denen der Zeitungen), vor den Wärmehallen Und Asylen am Donnerstag Zettel zu ver- teilen, welche über den Zweck der Arbeitslosenzählung Auf- klärung schaffen. Diese Zettel sind auch vor den Arbeits- loscn-Versammlungen am Dienstag, den 9. Februar, zu ver- teilen.» Auch Plakate mit demselben Inhalt werden in den Nestau- rants ausgehängt und am Donnerstag, den 11. Februar, und Freitag, den 12. Februar, an den Säulen angeschlagen werden müssen. Die Zählung selbst wird durch die Bezirke der Wahlvereme ausgeführt. Um aber auch die Insassen von Asylen mit zu treffen. haben die sozialdemokratischen Stadtverordneten dort die Zählung übernommen. Die Herbergen läßt die Berliner Gewerkschastskommission abfragen, um auch die dort logierenden Arbeitslosen fest- zustellen. Dannt die hier im Interesse der Arbeitslosen gestellte große Aufgabe seitens der politischen Organisation in gründ- lichster Weise gelöst werden kann, ist es notwendig, die Mit- glicder zum Fcbruar-Zahlabend schriftlich z» lade». Die Bezirkssührer sind verpflichtet, ihre Mitglieder in eingehendster Weise über dli Bedeutung der Frage aufzuklären und ihnen die Beteiligung dringend ans Herz zu legen. Ist ein Bezirk zur Bewältigung der Arbeit zu schwach, so müssen innerhalb der Abteilung Mittel und Wege gefunden werden, helfend einzuspringen. Wo trotz aller Vorkehrungen doch nicht Leute genug sind, muß dem Wahlvereins aorstand Mitteilung gemacht werden, damit derselbe für Abhilfe sorgt. Zu diesem Zweck setzt sich der Vor- stand nötigenfalls mit der Berliner Gewerkschastskommission zwecks Zuweisung der polittsch nicht organisierten Mitglieder der Gcwerkschaftc' in Verbindung. Die Arbeit des Zählens wlbst muß aber der gewissenhaftesten Weise besorgt werden. Am Freitagu�nd(wer Zeit hat, kann schon am Nachmittag damit anfangen) oerden die Zählkarten ausgetragen und wird den Empfängern irzefagt, daß diese Karte» beachtet und am Sonnabend, den l. Februar ausgefüllt werde» möchten. Als 7ag der Zählung gilt also Sonnabend, 1 der 18. Febrnar. In jeder Wihlmng werden mindestens drei Karten ab- «egeben. jedoch soll sich der Zähler, wo irgend angängig. erkundigen, wieviel Arbeitslose oder bei verkürzter Arbeitszeit Arbritende sind. Die vorhanden Karten sind reichlich aus- zugeben, damit die richtige Ausftillung keine Schwierigkeit be- reitet. Jede Wohnung muß aber aufgesucht und abgefragt werden. Neber das Wie des Ausfüllens ist auf der Rückseite der Karte ein Hinweis. Trotzdem ist es aber angebracht, daß der Zähler darauf aufmerksam macht. Wenn irgend möglich, muß auch besonders darauf hingewiesen werden, daß sich auch die Frauen an der Ausfüllung beteiligen sollen, ebenso die bei verkürzter Arbeitszeit Arbeitenden. Also nochmals: als Tag der Zählung gilt der Sonnabend. Nur wer Sonnabend arbeitslos ist oder bei verkürzter Arbeitszeit arbeitet, soll die Zählkarte ausfällen. Nicht in Betracht kommt, wer etwa Sonnabend abend erst aufhört, dagegen wird mitgezählt, wer etwa am Sonnabend arbeitslos und bereits Montag früh wieder anfängt. Am Sonntag werden die Karten wieder eingeholt. Gut wird es sein, daß sich der Zähler dabei mit Tintenfaß und Federhalter(wenigstens aber Bleistift) versieht. Es wird öfter vorkommen, daß sich �der Zähler der Arbeit des Aus- füllens unterziehen muß, doch bitten wir unsere Partei- genossen, im Interesse des Zählens diese Mühe nicht zu scheuen. Um am Sonntag etwaigen Nachfragen nach Zählkarten sofort entsprechen zu können, müssen seitens des betreffenden Bezirks- führers der Wahlvereine dem Zähler noch etliche Karten zur Verfügung gestellt werden. Der Zähler muß ans jeder ausgefüllten Karte seinen Namen und feine genaue Adreffe angeben. ES muß dafür gesorgt werden, daß«uter allen Um- ständen sämtliche Karten am Sonntag zurückgeholt und an den Bezirkssührer abgeliefert werden. Der Bezirksführer hat auf einer Liste zu vermerken, wer die Häuser seines Bezirks bearbeitet hat und zwar unter An- gäbe der vollen Adresse des Zählers. Dann hat er die Zähl- karten noch einmal durchzusehen und sie an seinen Abteilungs- führer abzuliefern. Dieser hat die ausgefüllten Karten sofort (aber bestimmt im Laufe des Sonntags) nach der Buchdruckerei Vorwärts, Lindenstr. 69, 2. Hof 3 Tr.» zu schicken. Die leeren Karten werden zurückbehalten. Der Bezirksführer muß die Zähler noch dringend bitten, die Nachfragen, welche sich etwa später als notwendig herausstellen sollten, sofort zu erledigen. Parteigenossen! Vorstehende schwierige Aufgabe zu lösen wäre eigentlich heiligste Sache des Staates oder der Kommune, wenn deren Vertreter sozial empfinden und menschlich fühlen würden. Aber wie ist's? Phrasen, nichts weiter als Phrasen bringt man der Arbeiterschaft entgegen, wenn diese mahnend auf die furchtbare Not und ihre drohenden Folgen hinweist. Nirgends Verständnis für die Schrecken der Arbeits- losigkeit, ja oft der böse Wille, die Sache zu vertuschen, um den unbequemen Mahnern nicht Recht geben zu brauchen. So sind wir denn gezwungen, die Zählung selbst in die Hand zu nehmen, um„aktenmäßig" den Hunger und Jammer weiter Volkskreise belegen zu können. Eine große Aufgabe, die wir uns gestellt, die auch nur gelöst werden kann, wenn jedes einzelne Mitglied der Wahlvereine sich zur Verfügung stellt. Wir sind aber überzeugt, daß unsere Genossen gerade durch die Größe der Sache in ihrer Arbeitsfreudigkcit gestärkt und in altgewohnter Hingabe an die Partei alle Schwierig- ketten überwinden werden. Wir rufen deswegen unseren Mitgliedern zu: „Freitag, den 1%. und Sonntag» den lt. Februar, alle Mann zur Stelle l"__ Schutz vor Segen! „Die Wohltaten des Jürsorgeerziehungsgesetzes müssen bis zum letzten Hause und bis zur letzten Hütte getragen werden, Ivo immer hilfsbedürftige, verwahr- loste Kinder sind." Minister von Rheinbaben am 19. März 1991. Wenn ein Menschlein von acht Jahren nur halb so viel Unheil angerichtet hätte wie das ebenso alte Fürsorge- crziehungsgesetz, dann würde allseitig anerkannt werden, daß energische Maßregeln zum Wohle des Schreckenskindes er- griffen werden müßten. Auch wenn man annimmt, Bestialitäten, wie sie der Fall C o l a n d e r gezeigt hat, seien Ausnahmen, so bleiben noch der grauenvollen Mißstände genug, um die Frage zu stellen: Wie kann dem„Segen" Einhalt getan werden? Zunächst: Wie kann erreicht werden, daß Fürsorge- erziehung nur dort angeordnet wird, wo sie wirklich nötig, und daß sie. wo sie nötig ist, auch gegen„vornehme" Pflänz- chen angewandt wird? Ob diese Frage berechtigt ist, mögen einige Fälle aus der rauhen Wirklichkeit zeigen. Ein fünfjähriges Mädchen ruft einem anderen Kinde das bekannte Zitat aus Götz von Berlichingen zu. Feindliche Nachbarn— die in fast jedem derartigen Falle die Hand im Spiele haben— erfüllen ihre Christenpflicht, bringen noch einiges Material bei, und der„hohe Grad sittlicher Ver- wahrlasung" ist erreicht. Das Zitat spielt aber in den Akten die Hauptrolle. Ein sechzehnjähriges Mädchen ehrbarer Eltern, die sich während der Schulzeit gut geführt hat, arbeitet immer drei Wochen fleißig und beträgt sich auch sonst gut. In der vierten Woche wird es unruhig, brennt durch und bleibt eine Nacht oder mehrere aus. Es kommt von selbst zurück, bittet zerknirscht um Verzeihung, gibt sich redliche Mühe, durch die Tat Besserung zu beweisen— bis dann, immer in ganz be- stimmten Zeiträumen— die bösen Tage wiederkehren. Die Eltern gehen zum Arzt. Der erklärt bestimmt, das Mädchen sei krank und zu heilen, aber vom Spezialarzt. Die Eltern aber sind arm, der Arzt kostet Geld. Darum schließ- lieh— Fürsorgeerziehung. Ein Lehrling von 16Jahren erleidet rm kleinen Betrieb seines Vaters eine schwere Schädelverletzung und er- hält eine wohl sechzigprozentige Unfallrente. Da die Be- rufsgenossenschaft nichts verschenkt, darf man danach den Eltern wohl glauben, daß der Junge nicht mehr richtig im Kppfe sei.' Statt gierig den Rest seiner. Ärheitskraft ans- zubeuten, denken sie auf Heilung und lassen ibn viel spazieren gehen. Begleiten können sie ihn nicht. Sie müssen ja arbeiten. Er kommt in schlechte Gesellschaft, läßt sich zum Kartenspiel verleiten und verspielt einige kleine Beträge, die dem Vater gehören. Die Eltern strafen ihn nicht und haben die Fälle bald vergessen. Nicht so die Nachbarn. Die Be- Hörde erhält von den„Unterschlagungen" Kenntnis. Der Junge muß in Fürsorgeerziehung. Ein Zwölfjähriger verkroch sich im Busch am Wege, den seine Mitschülerinnen passieren mußten. Bellend kroch er auf allen Vieren hervor, um sie, wie er später dem Richter sagte, als„Hund" zu erschrecken und„in die Beine zu beißen". Der Richter glaubte nicht an das kindliche Spiel, sondern vermutete unzüchtige Absichten, obwohl nichts Der- artiges nachgewiesen war.— Fürsorgeerziehung! Dagegen verlockten um dieselbe Zeit in derselben Gegend zwei Gymnasiasten ein Schulmädchen unter falschen Vorspiegelungen zum Mitgehen. An einsamer Stelle wirft der eine das Mädchen nieder, während der andere davonläuft. Nur an dem kräftigen Widerstand des Mädchens scheiterte die verbrecherische Absicht. Trotzdem sogar die Zeitungen von der Sache berichteten, hat man von Fürsorge- erziehung nichts gehört. Hier handelte es sich wohl um ein harmloses Spiel. Bei armen Kindern aber genügt schon ein im Freien angezündetes Feuerchen, ein eingeworfenes Fenster, der„Diebstahl" von etwas Holz im Walde oder von ein paar Aepfeln, um das Maß der Verdorbenheit voll zu machen. Zweite Frage: Wie kann erreicht werden, daß Fürsorge- erziehung wirklich bessert? Eine seltsame Frage! Aber man weiß ja, daß viele Zöglinge sich aus der„Fürsorge" ins Zuchthaus flüchten. Daß ein reich fließender Quell von dort her die Prostitution ständig speist. A s ch r o t t führt in seinem Werke ein Reskript des preu- ßischen Ministers von A l t e n st e i n vom 2. Oktober 1826 an, in dem verlangt wird, daß die unglücklichen Geschöpfe „gleichsam in eine neue Welt versetzt werden, wo... allent- halben Fürsorge, Anteil, Liebe unverkennbar sind". Es gibt Anstalten und Privathäuser, in denen diese For- derung erfüllt wird. Aber sie sind Ausnahmen. Woher sollen denn die pädagogischen Fähigkeiten kommen bei den „Hausvätern",„Brüdern" und dergl., in deren Händen die Erziehung größtenteils liegt und deren Befähigungsnachweis erbracht wird durch Frömmigkeit und geringe Ansprüche? Sie erblicken im Zögling von vornherein das verdorbene Ge- schöpf, dem man nur als Vorgesetzter, nicht als Mensch gegen- übertreten darf. Kein Anteil an den so zahlreichen, großen und kleinen Sorgen des jungen Herzens. Kein Eingehen auf seine oft so leicht zu erfüllenden Wünsche. Kein Lob bei gutem Verhalten: Nichts, was geeignet wäre, ein Gefühl der Anhänglichkeit zu erwecken. Nichts als Härte und Strenge! Die Strenge ist ihre Liebe. Darin gerade lie�t die Liebe der orthodox verwirrten Köpfe, daß man sich ja in keiner Weise nachgiebig zeigt— soweit nicht auch hier die„Theorie" nur der Deckmantel für echte Roheit und Gemütsverhärtung ist. Die Sechzehnjährige, von der vorhin die Rede war, flehte eines Tages die Schwester an, ihrem Bruder zum Geburtstage eine Karte senden zu dürfen. Er war Soldat und mochte wohl auch das Herz voll haben. In unwidersteh- lichem Trieb sagt das Mädchen:«Ich muß und muß ihm eine Karte schreiben." Die Schwester aber sagte kalt:„Nein! Heute wird nicht geschrieben. Und jetzt wird auch nichts mehr gesprochen. Wenn du nicht ruhig bist, wirst du bestraft!" Die sehr braven Eltern kommen wiederholt um Er- laubnis ein, ihre Tochter besuchen zu dürfen. Vergebens. Die Anstalt weist sie an den Landeshauptmann, der sie er- teilen muß. Der wieder schiebt es an die Anstalt, die erst erklären muß. daß die„Besserung" durch den Besuch nicht gefährdet werde. Selbst der schwerste Verbrecher wird weich im Augenblick des Wiedersehens derer, die er noch liebt und die ihn noch lieben. Aber der Fürsorgezögling kann ver- darben werden, wenn ihn die alten braven Eltern besuchen, die wie so viele in ihrer Herzenseinfalt selbst in die Fürsorge- erziehung eingewilligt hatten. Das Mädchen floh— aus Sehnsucht nach den Eltern. Irgend etwas Unrechtes hat sie sich bis zu ihrer Rücklieferung nicht zuschulden kommen lassen. Erst dann konnte mit Hilfe des Oberpräsidenten die Er- laubnis zum Besuche erwirkt werden. Als dann die beiden Alten nach schriftlicher Anmeldung am Sonntag kamen, wurden sie kalt empfangen.„Kommen Sie das nächste Mal in der Woche! Wir wollen auch unseren Sonntag haben!" Sie hatten sich das Fahrgeld vom Munde absparen müssen. Nun sollte der Alte auch noch einen ganzen Wochentag versäumen, weil die Schwestern Sonntag haben müssen. Als das Mädchen in die Anstalt kam, konnte sie nicht lügen. Was sie getan hatte, gab sie dem Vormundschaftö- richter offen zu. der ohne ihx Eingestehen, abgesehen von ihrer Entfernung von Hause, ihr nichts' hätte nac�veiscn können. Die Zeugen, die sie selbst angegeben hatte, bestätigten ihre Aussage. Auch daß von Gewerbsunzucht bei ihr nicht die Rede gewesen war. Aber schon bald nach der Auf- nähme in die An st alt konnte sie lügen. Und als sie— erst nach ihrer Mündigkeit— dort freigelassen wurde, zeigte sie, daß sie auch noch Schlimmeres konnte. Sie dürfte kaum mehr zu retten sein. Dabei ist in jener Anstalt die Kost gut, und körperliche Züchtigungen �gibt es dort nicht. Oft geben Flüchtlinge, besonders jüngere, als einzigen Grund lhrer Flucht das Heimweh, Sehnsucht nach Eltern und Geschwistern, an. Trotzdem entflohene Jungen wohl aus- nahmslos nach der Rückkehr ihre Hiebe erhalten, gehen viele doch willig zurück, wenn diese Sehnsucht gestillt ist. Daß mit Anteil und Liebe tatsächlich viel erreicht werden kann, beweisen die Erfolge einer Anstalt, in der die Erzieher in den Zöglingen nicht nur Menschen, sondern sogar junge Menschen, Kinder, erblicken, die ein Recht auf Freude haben. Dort gibt es allerhand Unterhaltung. Man läßt die Jugend sich austoben, soweit es nur mit dem Ztvecke der Anstalt ver- einbar ist. Mit lautem Hallo kommen die Kinder angestürmt. wenn Angehörige zu Besuch kommen. Tort denkt keiner ans Entfliehen. Aber das sind leider nur Ausnahmen. In der Regel ist der schreckliche Stock und die fast noch schrecklichere Schablone das Allheilmittel. Die Anstalt, in der der Junge mit der Schädelverletzung kam, gehört zu den guten. Manchen tüchtigen Handwerker hat sie herangebildet. Aber schon wenige Tage nach seinem Eintritt hatte der Zögling eine Staüjt Siebe. Grund: er war„unaufmerksam" gewesen und hatte dadurch einen geringfügigen Schaden angerichtet. Wie kann nun diesem„Segen" Einhalt getan werden, solange das System des Gesetzes keine Aendcrung erfahren hat? Nur durch ständige Uebcrwachung. Durch Veröffentlichung sowohl der schlimmen als auch der nach- ahmenswerten Fälle. Besonders die Frauenbewegung sollte sich das dankbare Tätigkeitsfeld, das sich ihr hier er- schließt, nicht länger vorenthalten lassen. Die Mutter, die für ihr Kind kämpft, hat, selbst wenn sie eine Gefallene sein sollte, ein natürliches Anrecht auf die Hilfe ihrer Schwestern. Daß dabei mit größter S o r g f a l t zu Werke gegangen und jede Angabe genau nachgeprüft werden muß. ist dabei selbst- verständlich. Was aber sicher ermittelt ist, gehört an die Oefsentlichkeit. In den meisten Fällen wird die Mutter ein- verstanden sein, wenn man ihr klarmacht, daß es kein anderes Mittel mehr gibt. Jede agitatorisch tätige Frau kennt das Kinderschutz. gcsetz. Sie wird sich auch im Fllrsorgegesetz bald zurecht- finden, das ja auch ein Kinderschutzgesetz sein will. Und es kann zu einem solchen werden, wenn seine Anwendung unter die ständige Kontrolle der Oefsentlichkeit gestellt wird, wenn namentlich die organisierten Arbeiter und ihre Frauen des Elends der Aermsten sich werktätig annehmen. Stackverorckiiete»- verlammlung. 5. Sitzung vom Donnerstag, den 4. Februar, nachmittags d Uhr. Der Vorsteher Mi che! et eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Gä findet zunächst die Einführung und Verpflichtung des neu gewählten besoldeten Stadtrats Düring statt, der an Stelle des Geheimen Rats Friede! in das Magistratskollegium tritt. Nach der Einführung, die Oberbürgermeister Kirschner vollzieht, wird der Genannte auch vom Vorsteher begrüßt, der in seine Ansprache einen Dank an den ausgeschiedenen Stadtrat Friede! einflicht. Den Protest gegen die Wahl des Eanitätsrats Dr� Otto Mu g dan zum Stadtverordneten hat der Wahlprüfungsausschuß mit st gegen S Stimmen für unerheblich und die Wahl für gültig erklärt. Der Referent Stadtv. Ladewig(N. L.) hebt in seinem Bericht hervor, daß die Behauptung, daß die Stichwahl zu Unrecht angesetzt und der Gegenkandidat Professor Richert schon im ersten Wahlgang gewählt worden sei, da die drei zersplitterten Stimmen aus nicht wählbare Personen gefallen, also ungültig seien, von der Ausschuß- Mehrheit als stichhaltig nicht angesehen worden ist. Bei den städ- tischen Wahlen, auch bei denen, die die Versammlung vornehme, zähle man stets die sämtlichen abgegebenen Stimmen und lasse nicht vorweg eine Prüfung auf die Gültigkeit eintreten. Die Juoikatur habe den Fall nicht erschöpfend entschieden. Demnach war die Stichwahl mit Recht angeordnet. Auch wenn man sich aber nicht auf diesen Standpunkt stelle, komme man nicht zur Ungültig- erklärung der Wahl, sondern nur zur Beweiserhebung über die Einzelheltcn der Proteste, so auch darüber, ob verschiedene für Richert bezw. Mugdan gezählte Stimmen auch richtig abgegeben worden sind, und es würde sich dann ebenfalls ergeben, Laß eine absolute Mehrheit nicht vorhanden war. Ein Antrag Arons(Soz.) geht auf Kassierung der Wahl. Stadw. Dr. Preus? fsoz.-fortschr.): Parlamente und Stadt- Vertretungen, Versammlungen, die aus Parteien zusammengesetzt sind, eignen sich nicht zur Entscheidung von Rechtsfragen. England, das Land der Erbweisheit, hat die Wahlprüfungen längst den Ge- richten überwiesen. Aber auch hier heute wird nur ein Vorposten- gefecht geliefert, das letzte Wort werden die Verwaltungsgerichte sprechen. Im Ausschuß hat sich die Rechtsüberzeuguug streng nach Fraktionen gegliedert. Auch hinsichtlich der Tatfrage hat sich der Ausschuß einer Beweiserhebung immer und auch jetzt abgeneigt gezeigt. Ein Gerichtshof toürd« immer die objektive Wahrheit zu ermitteln suchen. Da ist eine Stimme aus einen mystischen „Richter" abgegeben worden. Der Ausschuß hätte den betreffenden Wähler vorladen und ihn fragen müssen: Welchen Richter?all eicht ein großes Unglück entstanden. Sin früherer Zugführer ist infolge des aufregenden und eiligen Betriebes auf der Hochbahn und durch das Befahren des GleiS- dreiecks nervös geworden. Zugführer Lehmann I, noch im Dienste der Hochbahn, weiß in den Jahrckn seiner Tätigkeit aus eigener Wissenschaft nichts davon, daß das Stellwerk am Gleisdreieck fortwährend in Unordnung ge- wefan fei. In einem Fall sei ihm eine Signaländeruna so spät gegeben, daß er nur durch Bremsen im letzten Augenblick einen Un- fall habe vermeiden können. Richtig sei die Behauptung deS Verteidigers, daß unter den Zugführern das Gerede ging, daß das Stellwerk nicht ordentlich funktioniere. Zugfühvc« Banführcn weiß einen Fall, in welchem durch Ver- sehen eines Weichenstellers eine falsche Fahrstraße eingestellt worden sei. Der Aufseher habe nicht gewollt, daß die Sache ge- meldet werde. Eme Anzahl anderer ehemaliger und noch im Dienst befind- licher Fahrer, Zugbegleiter und Weichensteller berichten über einige ktoinere BetricbSunregelmäßigkeiten, Einstellung einer falschen Fahrstraße und dergleichen. Ein Zugfahrer bekundet, daß ihm einmal auf der Strecke zwischen Stralauer Tor und Schlesische Brücke durch falsches Signal auch beinah- ein Unglück zugestoßen sei. Er habe den Fall • gemeldet und der Weichensteller sei dafür disziplinarisch besttaft worden. Bei den Erörterungen über die Einzelfälle kommt zur Sprache, daß die Hochbahn drei Gefahrpunkte habe, an denen die Augfahrer eine besondere Aufmerksamkeit entwickeln müssen. Einer Zeugin Marwitz hat der Angeklagte Schreiber einmal gesagt, daß das Gleisdreieck für ihn die schwierigste Stelle sei und er immer aufatme, wenn er darüber hinweg sei. Ter als Zeug« vernommene Betriebsmeister R-senseld sagt unter anderem aus. daß die kleineren Betriebsstörungen, die vor- glkommen. meist durch Nachlässigkeiten der Weichensteller veranlaßt worden seien. Ehemaliger Zugfahrer Hoffmann bekundet: er habe einen Zu- sammcnstoß verhütet, ihm sei eine Prämie dafür in HuS,M gestellt worden, er warte aber noch heute vergeblich darauf. In einem anderen Falle sei auch im letzten Äugenblick ein Zusammenprall zweier Züge vermieden svorden. In einem I dritten Fall, der de», Zeugen in seiner K�jährigen Tätigkeit passiert ist, sei eine falsche Signalisierung vorgekommen und zwei Signale gegeben worden, die unrichtig gleichzeitig auf„Fahrt' zeigten. Auf Befragen durch Rechtsanwalt Bahn erklärt der Zeuge weiter: in einem Falle sei ihm einmal die Weiche unter dem Zuge oerstellt worden. Signal- und Blockstörungen seien an der Tages- ordnung. Die Zugfahrer seien unglaublich überbürdet und würden auch noch vielfach„angeschnauzt". Am Potsdamer Platz werde von den Zugfahrcrn eine übermenschliche Fixigkeit verlangt und es ser ganz unverständlich, wie die Behörde einen solchen Fahrplan über- Haupt genehmigen konnte. Es komme oft vor, daß die Zugfahrer losfahren müssen, obgleich noch gar nicht das Signal gegeben war. Der Zugfahrer sei in steter Gefahr, daß ein Unglück passiere, er selbst sei stets mit dem Gefühl des Unbehagens über das Gleisdreieck gefahren. Schließlich berichtet der Zeuge über einen Fall, wo er eine Weiche aufgeschnitten habe. d. h. wo das Signal richtig und trotzdem die Weiche falsch stand. Ueber alle diese Be- kundungen des Zeugen erheben sich längere technische Erörterungen, wobei die Beamten der Hochbahn durch ihre Darlegungen beweisen wollen, daß diese Darstellungen, insbesondere die über das Gleis- aufschneiden an Uebertreibung leiden. Staatsanwalt Dr. Pabst betont, daß die Animosität des Zeugen offen zutage liege. Er hat nach seiner Entlassung emen Prozeß gegen die Hochbahn angestrengt, ist aber abgewiesen worden. Er ist wegen andauernd schlechten Gesundheitszustandes entlassen worden. Ueber die Führung des Zeugen Hoffmann wünscht der Staats- anwalt dem Betriebsleiter Rosenfeld und dem Oberingenieur Schulz einige Fragen vorzulegen. Rechtsanwalt Bahn protestiert aber da- gegen, da diese beiden Herren bei dem Zugpersonal sehr unbeliebt gewesen seien. Herr Roscnfeld sogar tätlich geworden sei und dieser Herr nicht geeignet sei, ein richtiges Urteil über den Zeugen abzu- geben. Zeitungskorrespondent v. Romatowski bekundet einen Vorfall, dessen Zeuge er acht Tage nach der Katastrophe gewesen sei. Auf der Strecke zwischen Kaiserhof und Leipziger Platz habe der Zug eine ganze Weile sttll gelegen, so daß das Publikum schon unruhig wurde. Das rote Lichtsignal wechselte nicht, endlich wechselte cS und als man am Leipziger Platz ankam, lief dort alles hin und her. Das auf„Halt" deutende rote Signal wechselte auch dort nicht, der Zugfahrer hielt infolgedessen still, der Vorsteher verlangte aber in barscher Form von dem Zugfahrer, daß er über das rote Signal hindurch fahre. Da» rote Signal blieb stehen, obgleich es nicht stehen bleiben durfte. Der Zeuge hat nichts davon gehört, daß etwas von einer Blockstation gesagt oder dem Zugführer ein Blockzettcl übergeben worden wäre. Der Zeuge Hoffman« tritt noch einmal vor und erklärt, daß er sich nicht aus Gehässigkeit als Zeuge gemeldet habe, sondern um offenbare Mißstände aufzudecken und auf deren Beseitigung hin< zuwirken. Regierungsbaumeister Schwerin gibt eine Reihe technischer Er> örterungen über die von Hoffmann und anderen Zeugen berührten Vorgänge. Nach seiner Ansicht ist es ganz ausgeschlossen, daß das Signal L nach allem, was hier vorgetragen worden und nach den Ergebnissen des Stellwcrkbefundes für den Schrei berfchsn Zug auf „Fahrt" gestanden haben könne. Die beiden Verteidiger richten an den Sachverständigen ver fchicdene Fragen, die sich auf die Gefährlichkeit des Gleisdreiecks für die Zugfahrer beziehen. Der Zeuge Zugführer Bering ist derjenige Beamte, der nach der am ersten Tage aufgestellten Behauptung vom Oberingenicur Schulz befragt worden fein soll, wieso er als Zeuge in dieser Sache auf- trete. Angeblich soll Herr Schulz gesagt haben:„Sie werden sehen, was Sie davon haben!" Der Zeuge kann dies nicht bestätigen. Ihm fei nur gesagt worden, er würde dem Schreiber dadurch nicht viel nützen können. Der Zeuge läßt sich über einen Vorfall aus, der fünf Tage vor der Katastrophe sich am Tunnelmund in der Nähe des Potsdamer Platzes ereignet hatte. Es handelte sich da um ein Verschen eines Weichenstellers, bei dem eS nur durch besondere Auf. merksamkeit des Zeugen gelang, ein Auffahren auf einen anderen Zug izu vermeiden. Bei diesem Zeugen, wie bei seinen Nachfolgern, die über ein- zelne Betriebsstörungen berichten, handelt es sich immer wieder um Erörterung der Frage, ob an diesen Störungen das Betriebssystem und die technischen Einrichtungen schuld haben, oder Unvorsichtig- ketten der Weichensteller und Zugsahrer. An jeden einzelnen dieser vorgetragenen Fälle knüpfen sich ausgedehnte technische Erörte- rungen. Eine Ucbereinstimmung der Ansichten der Sachverstän» digen, einzelner Zeugen und des Rechtsanwalts Bahn ist nicht zu erzielen. Letzterer bleibt dabei, daß infolge der Betriebseinrich- tungen eine Unsicherheit auf der Hochbahn herrsche, die Zugsahrer infolgedessen und infolge der Hetze, in der sie sich befinden, nervös werden und namentlich das Gleisdreieck immer nur mit Unbehagen überfahren. Der Verteidiger läßt sich noch durch den Zeugen Bering bestätigen, daß dieser dreimal hintereinander bemerkt habe, daß ein falsches Signal gezogen war. Als im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme in einem Falle sich der Weichensteller Voigt mit einem anderen Zeugen in emen gewissen Widerspruch setzt, beantragt Rechtsanwalt Bahn die Proto- kollierung der beiden Aussagen. Es handelt sich hier um eine Be- merkung>bie Voigt angeblich über die Möglichkeit einer LoSlösung der Blockplomben gemacht haben soll.— Der Gerichtshof lehnt die Prowkollierung ab. Der frühere Blocktvärter Kahler, welcher von der Gesellschaft entlassen worden ist, bekundet als Zeuge, daß von den meisten Weick>enstellern wiederholt die Plomben, welche die sogenannten Nottastcn an dem elektrischen Apparat arretieren, gelöst worden sind, wenn sie versehentlich das Signal auf„freie Fahrig gestellt hatten. Es wäre unter den Hochbahnbeamten offenes Geheimnis gewesen daß man bei jedem Schlosser alte und neue Plomben bekommen konnte, die von den Weichenstellern in der Tasche herumgetragen und als Notauslöser benutzt wurden, wenn sie etwas versehen hatten. ES sei ihm auch mitgeteilt worden, daß ein Angestellter der Firma Siemens u. Halskc das ganze Stellwerk mit einem einzigen Draht bedient habe. Dies sei von den Weichenstellern nachgemacht worden, die immer ein Stückchen Kabel zur Hand hätten. Der frühere Haltestellenaufseher, jetzige Inspektor Lappe hat auf dem Bahnhof Knie einmal einen Weichensteller abgefaßt, als dieser die Plombe von der Nottaste gelöst und dann mit einer Plombcnzanae so befestigt hatte,'daß es den Anschein hatte, als befinde sich die Plombe in ordnungsmäßigem Zustande. Der be- treffende Wärter hatte sich auch in den Besitz einer Plombenzange zu setzen gewußt, mit der er die Plomben ordnungmäßig schloß. Ein noch jetzt im Dienste stehender Zugfahrer ist von dem Ver» teidiger geladen worden, da er angeblich Kenntnis von einer Schwcigegeld-Affäre haben sollte. Wie behauptet wird, soll ein Angestellter von der Gesellschaft 1000 M. als Schweigegeld erhalten haben, damit eine durch falsche Signalstellung um ein Haar herbei- geführte Katastrophe nicht in die Oeffentlichkeit bekannt werde.— Ter Zeuge erklärt, daß ihn, nichts von einer derartigen BestechungS- affäre bekannt sei. Es stellt sich schließlich heraus, daß der Zeuge Kähler diese Erzählung weiterverbreitet habe, die er selbst von einem Weichensteller erfahren haben will. Ein Sachverständiger hält es im Interesse der Aufklärung verschiedener Punkte für er. forderlich, sich die örtlichen Verhältnisse, insbesondere das Stell- werk, näher anzusehen. DaS Gericht beschließt, den Sachverständigen zu beauftragen, das Stellwerk im Gleisdreieck näher zu besichtigen. Das Gericht beschließt, den Führer des herabgestürzten Zuges. GcselliuS, mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand zu entlassen. Rechtsanwalt Schindler stellte den Antrag, den Zeugen wegen Ver- dachts der Mittäterschaft an dem Unglück nicht zu vereidigen. DaS Gericht beschloß jedoch, den Zeugen zu vereidigen. StaatsanwaltschaftSrat Dr. Pabst stellte noch verschiedene An- träge, welche eine nähere Aufklärung der im Laufe der Beweis- aufnähme vorgebrachten angeblichen Betriebsstörungen und Un- regelmäßigkeiten herbeiführen sollen. Räch 7 Uhr abends wird nach Vernehmung von 34 Zeugen die Sitzung abgebrochen und auf Sonnabend. 0V4 Uhr. vertagt. Am Freitag soll nicht verhandelt werden, da die Strafkammer ver- schieden« Haftsachen verhandeln muß, die keine Verzögerung er- leiden dürfen- Hus der Frauenbewegung. Zentralisierung der Hauswirtschaft. Beim Anblick des vor mir liegenden vornehm ausgestatteten Buches'), das die Verwirklichung der Konzentration des Familien- Haushaltes, die Verwirklichung des Eintüchenhauses in Deutsch- land verheißt, kommt mir die Erinnerung an einen schönen Sommcrtag, einige Jahre zurückliegend, da ich von meinem nach dem Gartenhause gelegenen Ballon einen Einblick in das Leben und Treiben von 25 Küchen mit 25 Dienstboten nehmen konnte, die mit der Bereitung der Nahrungsbedürfnisse für 25 Familien sich abquälten. Hin und wieder gab es Zank und Streit zwischen Haus- ftau und Dienstbotin. heftige Worte und allerlei scharfe Ausein- andersetzungcn, dazwischen drang Kindergeschrei durch die Stille. „Wenn's nicht gar so traurig war', könnt man drüber lachen."— kam's mir in den Sinn. Meine Phantasie vereinte die 25 Küchen zu einer einzigen großen Küche mit allen notwendigen modernen Bequemlichkeiten. die, anstatt mit den 25 Krästezersplitterungen, von 5 tüchtigen ge- schulten Fachleuten besorgt wurde. Zugleich schien mir aller klein- liche Zank und Streit zwischen Hausftau und Dienstbote beseitigt. Die Frau könnte sich den Kindern ganz widmen oder anderer Tätigkeit, die kleinlichen Unstimmigkeiten, die die Haus- und Küchcnbesorgung im Haushalte für die Familie mit sich bringt, würden vermieden. Meine Phantasie ließ die vier hohen Mietshäuser zu auSge- dehnten, niedrigen, billenartigcn Gebäuden verschmelzen, ebenso die vier kleinen zusammenliegenden Gärten in einen bequemen großen, darin die Kinder sich tummeln könnten. Alles, was damals meinen Sinnen gewissermaßen nur als Fata nwrgana vorschwebte, die Umwandlung der vier lzohen Miets- Häuser mit der unrationellen Wirtschasisweise der 25 Familien, in eine rationellere, findet sich verwirklicht in den Unternehmungen der„Gesellschaft für neue Heimkultur zur Reform des Wohnungs-, Haushaltungs- und Erziehunaswesens", die uns das erwähnte Buch auf den Tisch legt'. In den Grundgedanken zu dieser Reform heißt es u. a.:„Wenn man die wirtschaftliche Entwickclung unserer Zeit mit ihren großen Zusammenhängen verfolgt, ist das Prinzip des Einküchenhauses nur ein bisher fehlendes Glied einer großen Kette. Auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens kommt die Konzentration und Vereinheitlichung der Betriebe in Verbindung mit einer immer weiter fortschreitenden Arbeitsteilung siegreich zum Durchbruch. Nur in einem der wichtigsten Zweige des Wirtschaftslebens, dem des Nahrungskonsums, stecken wir bisher noch ganz im Banne alter primitiver Zeiten." Abgesehen von der Kräftevergeudung in den Tausenden und Millionen Klcinkochbetrieben, läßt auch die Ernährung vieler Tau- sende von Familien, aus Mangel an Kenntnis der Ernährungs- Hygiene, sehr viel zu wünschen übrig. Die„Emküchcnhausgesellschaft der Berliner Vororte". E. K. B. B.. tunterschiedlich der Einkücheiihausgejellschaft" im Bereiche der Stadt-Ringbahn) verbunden mit der„Gesellschaft für neue Seimkultur" will auch in dieser Beziehung reformierend wirken. ie betrachtet die Küche nicht nur als Spciseansialt im Sinne des viel und mit Recht geschmähten RestaurationswescnS. Die„Ein- tüchcnl)auSgesellschaft will als rattoneller Großbetrieb sich nur für das vorherbestimmte und berechnete Tagesbedürfnis einrichten, und vor allem bei der Auswahl und Zubereitung der Speisen sich an die Resultate der Wissenschaft in der Ernährungshygiene halten. Sie will zur Leitung nur theoretisch und praktisch geschultes Per- sonal heranziehen und heranbilden. Auch in der Kranken- und Kleinkindcrkost sollen die Küchenlci tungen unterrichtet fein. Der Haushaltungs-Klcinkochbetrieb beruht auf der falschen Voraussetzung, daß jede Frau zum Kochen fähig sei. Im Sinne des Grundprinzips moderner Volkswirtschaft ist im Großbetrieb ge« dacht:«Jede Arbeit dem dazu Befähigten, und jeder Mensch zu der Arbeit, für die ihm besondere Begabung."— Roch einen Vorteil, der mir besonders erwähnenswert erscheint, hat der Kochgroßbctrieb vor dem kleinen Familienhaushaltsbetrieb voraus. Jedem einzelnen Familienmitglied wird hier ermöglicht, nach eigenem Geschmack die Speisen zu wählen, die jeden Abend auf der herumgehenden Speisenauswahlkarte für den nächsten Tag angegeben werden können. Im engsten Zusammenhang mit dem Prinzip der Zentralküche wird hier zugleich die Zentralisation der Familienhaushaltung weiter gefördert und verwirklicht durch die Zentralisation der Haus- reinigung. Auch hier tritt mir wieder das Bild der 25 Küchen mit den 25 oder noch mehr Dienstboten entgegen! Im Schweiße ihres Ange- sichts mühen sich die Hausgeister halbe Tage zwecks Säuberung und Instandhaltung jeder der Kleinhaushalwng. Ihr halbes Leben setzen sie an diese unproduktive Tätigkeit. Früher, als den Haus- Haltungen noch das Backen, Schlachten, Spinnen, Weben, Seife, kochen und dergleichen mehr oblag, war öie Arbeit der Hausfrau und aller Gehilfinnen noch eine rein produktive, also Nutzwerte hervorbringende. Indem wir die Kräfte- und Zeitvergeudung er- kennen, die der Klein-Koch- und-Reinigungsbetrieb im Haushall erfordert, suchen wir nun auch das„Kochen" und die„Hausreini- gung" im Sinne fortschreitender Arbeitsteilung in selbständige Be- rufe übergehen zu lassen. Wir stellen alS zeitgemäße Forderung auf, was die technischen Errungenschaften bereits in schrittweisem Bormarsch genommen haben. In den Wohnungen der Gesellschaft für neue Heimkultur ist in jedem Raum der Anschluß für Äakuumreinigung an die im Keller befindliche Zentralstaubsauganlage vorgesehen, so daß es jeder Hausftau mit Leichtigkeit ohne Dienstbotenhilfc möglich ist, in einigen Minuten aus den Räumen, aus Teppichen und allen Winkeln mittels Vakuumreiniger den Staub aufsaugen zu lassen. Nach jeder Wohnung hat der elektrisch betriebene Speisenauf- schluß, so daß jede Familie im eigenen Heim ohne Mühe die Mahlzeiten einnehmen kann. Außerdem enthalt jeder Raum ein Hanstelephon zur Verständigung mit der Zentralküche. Bequem- Bade- und Waschräume, Anlage für Sonnenbäder. Duscheräume. Gartenanlagen, und sogar eine Dachterrasse mit BelcuchtungS- anläge für somuierabendluhen Aufenthalt hat die„neue Heimkultur- gesellschaft" geschaffen! Allerdings, hier handelt eS sich nicht um Proletarierheime. AVer auch für die Lohnarbeiterschast erscheint mir das ElnküchcnhouS eine Errungenschaft nicht zu ferner Zukunft. Zu den geschilderten Einrichtungen gehörte dann noch eine Kinderverwahrung. Warum sollte die nicht möglich sein? Wenn das Arbeiter-EinküchenhauS auch der geschilderten Bequemlichkeiten teilweise entbehren würde, jedenfalls könnte eS den„Komfort" der jetzigen Hof. und Keller- wohnungn weit überholen, ohne kostspieliger zu sein. Die Frau. die erwerbstätig sein will oder mutz, wäre der Plackerei des eigenen HauShaltS enthoben, daS würde ,hre Spannkraft zur Erhöhung 'hm beruflichen Leistungen unzweifelhaft steigern. Wenn erst das „bessere" Ewküchenhaus sich eingebürgert hat. wird auch das ein- fächere seinen Siegeszug antreten. R. H. •) DaS EinküchenhauS und seine Verwirklichung als Weg zu einer neuen Heimkultur. Berlin SW., Dessauer Straße 17. KrUkKaltm der Redahtion. «t» fttclftilA*«vreipftniid« dndei Ltndenftratz» Nr. S., weitet Hot. dritter Eingang. biet Srrppeu. BV Sadrttnh l-MW w-ch-ntägllch abends von?>/, bis»>/, llbr«tot«,(«(öffnet» Übt «onnabend» beginnt die evrechfinnbe»« 0 Übt. Jeder Antrage ist«in «uchftabe nnd eine Itnfil als viert, eichen bei,n«>ige».«rietiiche Autwort wirb nicht erteilt. BtS ,»r Beautwortnng im«vrieftaften tonnen 14 Sagt vergeben,«ilige Stögen trage man in der«prechklnude bot. 65. H. P. Jährlich ISO M. und sovielmal ISPs.. alS Marken für Sie gelleSt sind. G. L. Unseres ErachlenS find Sie zur Mitnahme berechtigt, falls Sie den früheren Zustand wieder herstellen.— Minna 3V. Ja. — ThomaS 4. Rix. DaS Weiterkleben ist dringend zu empfehlen. Dadurch wird der Anspruch au» den gclleblen Marken ausrecht er- hallen. Zur Wellerversicherung genagt, daß innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marten irgend einer Klasse aezahlt werden.— H. P.»SS. 1. Ja. 2. Falls Sie einen der i» Berlin gebrSuchllchea verirZge unterschrieben haben, haben Sie zu zahlen, sonst der Wirt, — Recht 1876. Eine gesetzliche oder vautzolizeiliche Bestimmung über die von Ihnen angeregte Frage besteht nicht. Die Möglichkeit, daß der Putz ohne Draht oder Rohrjchicht hält, ist nicht ausgeschlossen.— P. St. 1. 1. Ja, 2. Wie viel bei der Lohnbcschlagnahme dem Schuldner zu belassen ist, ist von Fall zu Fall vom Gericht zu entscheiden. 3. und 4. Steht; beide Wege wären nutzlos. 5. Die Enibindungskoslen kann die Mutter einklagen. 6. Die 300 Mark brauchen Sie nicht noch mal zu zahlen, wenn der Lohn- onspruch in dieser Höhe gepsändet und einbehaltcn, aber durch Verschulden des Vormundes nicht zur»luSzahlung gelangt ist. 7. In 30 Jahren. 8, 20 bis 25 M, monatlich werden sür angemessen erachtet. 9. Die Psändung einer Forderung geschieht durch Gerichtsbeschluß, 10. Der Gläubiger kann (ich das Geld holen, und iin Fall ihm dasselbe verweigert wird, einklagen, — H. 8. Unseres Erachtens sind beide Fragen zu bejahen.— W. W. 58. Der Ehescheidungsklage mutz vorerst ein Suhnetermin bei dem Amtsgericht vorausgehen, in dessen Bezirk der Mann wohnt. Erst nach Fruchtlofigkeil des Termins k-um die Ehescheidungsklage durch einen Anwalt beim Land- gerächt eingereicht werden. In Ihrem Falle wäre die Klage wenig aus- sichtsvoll, wenn Sie keine Zeugen für, Ihre Bern anführen. Die ■ Mutungett Eideszuschiebung ist im Ehescheidungsprozetz unzulässig.— H. E. 50. Ja. — W. Ein Reichskanzler kann auch im Ausland Besitzungen haben,— Breslau 8. Leider würde Ihr Vater mit Aussicht aus Erfolg nicht klagen können,— Alter Abonnent 77. 1 und 2. Sic müssen sich durch das Polizeirevier eine Ersatzkarte sür die verloren gegangene Ouitwngs- karte beschaffen, sonst werden die geklebten Marken später nicht zugerechnet, I. Von der Freibank wird Fleisch bis zum Ge- Wichte von 5 Pfund abgegeben. Der Preis schwankt.— Z. Ja. — L. ft. 67. Wegen Ausstellung einer Ersatzkarte für die verlorene Jnvalidenkarte wenden Sie sich an das Polizeirevier,— A. S. 75. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engelujer 15. Sie niüssen da- bei angeben, welchem Berns Sie angehören,— K. SS. 1. Der Betreffende würde mit Erfolg auf Einwilligung verklagt werden können.— Schinder- hanncS 48. Beantragen Sie bei der Ortskrankenkasse sür Handlungs- gehiljen unter Darlegung des Sachverhalts, der Tochter Krankengeld usw. zu gewähren. Anerkennt die Krankenlasse, datz Ihre Tochter Handlungs- gehilfin war, so wird ihr, trotzdem sie nicht angemeldet war, Krankcnunter- stützung und Krankengeld gewährt. Anerkennt die Krankenkaffe daS nicht, so müßten Sie sich an die Gcwcrbedeputation, Stralaucr Straße 1— 3, wenden mit dem Antrage, die Krankenkasse zur Zahlung zu verurteilen. Wird die Kasse verurteilt, so hält sie sich nachher an den Arbeitgeber, Ihrer Tochter steht ein Anspruch gegen den Arbeitgeber nicht zu. Wie die Ent> scheidung des Magistrats lauten wird, ist nicht vorauszusehen, da Ihre Schilderung tmklar läßt, ob in der Tat Ihre Tochter als Verkäuserin fungiert hat oder sonst sür das Geschäst tätig gewesen ist. — F. Z. 100. So weit ein Ortsstatut' das nicht anders regelt, ja,— Schl. A. 87. Leider nein,— A. K. 87. Ein wechselseitiges Testament ist in ihrem Falle zu empfehlen. Die Kinder könnten Anspruch auf das gesetzliche Pflichtteil erbeben. Das gesetzliche Pflichtteil besteht in der Hälfte des eigentlichen Erbobjekts,—(S. H. 45. Die Schwiegermutter konnte gegen die Erben aus Herausgabe des Geldes klagen,— B. D. 101. i. Nein, Der Lohn ist nur wegen Steuerrückständen und Alimenten psänd- bar, so weit er weniger als 1500 M, jährlich betrügt. 2. Dagegen würde eine Widerspruchsklage(Jntcrventionsklage) zu erheben sein,— R. R. 100. Nein,— W. I. 55. Keineswegs. Für de» Inhalt der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Freitag. 5. Februar: Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhans. Tannhäuser. ttönigl. Schauspielhans. Die Welt in der man sich langweilt. DentscheS. Revolution in Kräh« Winkel. Kamm erspiele. Der Gras von Gleichen.(Ansang 8 Uhr.) Rertes Schauspielhaus. Die Sünde. Komische Oper. Lazuli. Ansang 8 Uhr. Berliwer. Einer von unsere Leut, Sienes. Die sremde Frau. Lessing. Ein Volksfeind. Kleines. Moral. Hebbel. RcvolutionShochzeit, Lustspielhans. Seme kleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie, Schiller 4».(Wallner- Theater.) Das Erbe. Schiller Charlottenburg. Ein Volksseind. Friedrich- Wilbelmstädt. Der Pfarrer von Kirchseld. Westen. Der tapsere Soldat. Thalia. Mein Leopold. Luisen. Der Mann mit den vier Frauen. Trianon. Der Saihr. Stencs Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theater 8«. Das Himmelbett.(Ans. 8'/, Uhr,) Bernhard Rose. Einjährig-Nnfrei- willig. Gastipiel- Theater. Ein toller Einsall._ Bürgert. Schanspielhans. Der Goldbauer, Gebrüder Herrnfeld. Die beiden BindclbnndS. Apollo. Onkel Kasimir. Spezialitäten. Mctropol. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialttätm. Pasiage. Spezialitäten, Reichsballen. Stettiner Sanger. Walhalla. Spezialttäten., Folies Caprice. Servus Pschcsma. Lustige Ehemann.(Ans. 81/, Uhr.) Kasino. Rutzlaud. Spezialitäten. Gustav Behrens. Tornas Brautfahrt. Spezialitäten. Ansang b'l« Uhr.„. Parodie. Der geschundene Raub- ritter. Ansang 8>/, Uhr. tlrania. Ta»denstr»he 18/40. Zlbcnds 8 Uhr: Bon Abbazia nach Korsu. Sternwarte. Jnvalidenstr. S7/S2 l�essinx-l'keater. Freitag 8 Uhr- JbsevzytluS, sünste Vorstellung: llm Volksfeind. Sonnabend 8 Uhr: Der K8nl|. Serliner Theater. Heute 8 Uhr; XSiner von unsere I-ent'. Morgen: Einer von unsere Leirt' Meues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Frau. (La femme X...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau.____ Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Sonnabend nachm. 4 Uhr kleine Preise: Dornröschen._ Friedricti-Wiltielmstädtisches Schauspielhaus. Freitag, 5. Februar, Ansang 8 Uhr: Der Marrer van Kirchfeld. Sonnabend: Der Pfarrer o. Kirchseld. Sonntag nachm. 3 Uhr: Madame Sans-Göne, Abends 8 Uhr: Husa- rcnfieber.____ Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. ReTolutionshoebzeit. Kencs Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Die DoIIarprlnnessla. Operelte in 3 Litten von Leo Fall. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den rier Frauen. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Jung Deutschland amtt- (jert sich. Abends: Die Ehre. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Abends: DaS Mädchen auf Irrwegen. Montag: DaS Mädchen aus Irr wegen Schiller-Theater. O.(Wallner-Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philipp!. Sonnabend, abends 8Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schiller- Theater Llisrloltenblirg. Freitag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Ausz, von H, Ibsen. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Die«fnnipfran v. Orleans. Sonnabend, abends 8 U h r: Komtesse Gnckerl. Sonntag, naihm. 3 Uhr: Jnlins CUsar. Sonntag, abends 8 Uhr: Die �»v11Ilnjxsscb»vester. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr; Seine Kieme Freundin. Meiß-IIieM. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Schwank in drei Atten(vier Bildern) von Georges Feydeau, Morgen u. folgende Tage: Xllmmere Dich um Amelie. Sonntag, 7. Februar,, nachm. 3 Uhr: Oer Floh im Ohr. Qastspiel- Theater Köpenickor Straße 68. S1/. Uhr: Ein toller Einfall. EKNWKOUTItCJira! Gr. Frankfurter Str. t32. Abends 8 Uhr: ___ Wochentagspreise.__ Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schneewittchen. Abends: Das Warenhaus- Fräulein. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 7. Februar 1303: Zum 2. Male: Berlin wie es weint iinil lacht BollSstück mit Gesang in 8 Bildern von Berg und Kaiisch. DM- Ansanq Vj, Uhr, TB Helropol-Tbeater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Kevue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul länoke. Begie Direktor Schultz. Sonnabend, den 6. Februar 1909: II. großer Metropol-Theater-Bail. llecli Herdina Herbert Lloyd, Maria Vinent, Qobert Belling, Christie Duo. Abends 8 Uhr: Onkel Casimir. Qertrude Samson Tina Clementa, Sportakt Metnettl-Trappe, Akrobaten. Elllot,{Craftproduktionen. Garcla, Schatten-Silhouettist. Simon u. Gardner, komische Szene:.Der neue Kutscher". Cleveland, Badfahrertruppe. I-ittle Pich, Komiker. Zloran n. Wlser, Jongleure. ES Sianshlne Girls, englische Gesangs- und Tanztruppo. Biograph, neueste Aufn ahmen. Sonntag, den 7. Februar: Nachmittags- Vorstellung, Kleine Preise» Anf.>'/, Uhr. Brunnen-Theater Badstraße 68. Direktion: Willi Voigt Freitag, den 5. Februar 1909: Große Benefiz-Vorstellung Curt Baumeister. Graf Waldemar oder: Stolz und Liebe. Schauspiel in 5 Akten v. Gustav Frehtag. Kassenössnung 7 Uhr. Ans. 8>/, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Gebrüder Herrnfeld- Anfang ThsäffiP Vorverk. 8 Uhr. IllCiUer. ,,.2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Freitag, 5. Februar, zum 128. Kai: >»«• SJM-daru neuer Varibttteil 5 Grebnicffs— Eyrico- Onartett— Diedrich IJlpts— Georg Schindler Ees AstrEes. W.Koaeks Theater Dtreltion: Roh. DIU. vrmmenstr. 15. Zum letztenmal; Die Klnnit der Kerge oder: Batcrfluch und Kinderliebe. Ansang 8'/, Uhr. Entree 3Q Ps. Sonnabend große Extravorstellung. Premiere: Zopf und Schwert. BOrgorliches Schauspielhaus _ Kastanien-Allee 7—9. gy Heute zum 4. Male:"WihZ Der Goldbaner. Schauspiel in 4 Sllten v, Birch-Pseiffer. Ansang 8-,. Uhr. Sonntag nachm.: Minna V.Barn- Helm. Abends: Die Jungfrau von Orleans. tage-Theater."] Danny I Gürtler. I Der R5nig| der Boheme! und das großartige{ Februar-Programm| 14 erstklassige VarltitE- p Kammern. I | Passage-Panoptikum. Neu! Xeu! Singhalesen- Gaukler-Truppe in ihren wilden Helmats treiben Salome, das blaue Weib. Alles ohne Extra-Entree. Walhalla TV Variete-Thealer Die neuen I Februar- SpezlnlltÄtcn. I Im Tunnel: Bockbierfeft. Regi- mentskap. Theaterbes. freien Einkr. s Vsslna-I'koakvn Lothrwger Str. 37. Täglich 8 Uhr. Dskar Fürst und das neue Februarprogramm. Sensationeller Erfolg! Rußland. Komödie In 4 Akten von Norden. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert, Heute Freitag, abends 7'/, Uhr: Grove Extra- Vorstellung. Nur kurzes Gastspiel: vor moderne Herkules Tiberio«us Spanien mit den eisernen Knskeln. Ringkampf Stier. Bfen! Die Wutrenschmlede der 4 Regals. Paet, d. unübertroffene Schimpanse. Das einzig existterende boxende Küngnrnb. Pracht-AusslattungS-Pantomimc Seeräuber 6olO Sonntag: 3 gr. Borstellungen. Nachm. 3>/z.Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachm. ein Kind unter 16 Jahren frei aus allen Plätzen, weitere Kinder zahlen halbe Preise,_ filast' Theater Burgstratze 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntags?>/, Uhr, Das gänzlich neue Februar- Programm. 12 Debüts 12 Neu I. Neu I Der arme Kasimir. Schwank in 1 Akt v, Schmidt-Hawkins. FamUienkarten aus allen Plätzen halbe Preise, nur an Wochentagen gültig. Neberall gratis zu haben Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Alt-noabit 48.(Tel. II 2492.) Frestag, den 5. Februar 1909: «dspiel der Millii Weiss« Hmdmger Züger. Ans, d, Vorst, 8. Kassenöffnung 7 Uhr, Nach der Vorstellung: Tanz. Reichshallen-Tlieater Stettiner Sänger. Zum Sdjkitz ilit arische Humoreske OonMeysel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonnt. 7 U. XI V. Saison! Zirkus Busch. Heute Freitag, abends 7'/. Uhr: Grove Gala- Vorstellung Um ca, 9 Uhr: Konsul Peter! NM- Die Vlevilles!"WffZ Madm, Olympia Desvall, Sportait, Ferner Austreten sämtlicher neu- engag. Künstler u, Künstlerinnen, Um 9'/. Uhr: Auswanderer. cnerl Fräulein vacta vohnko, chulreiteriu. Herr ll. Schumann, Meisterdreffuren Psrotiie-Idesler. \ DrcSdenerftr, 97. Ans,>/,3 Uhr. Täglich: vor xesekunllene Raubritter. aSnixstaUt- Kasino. Holzmarttstr. 72, Täglich: Konzert. Theater und Spezialitäten-Borftellnng. _ Auftreten erstklassiger Kräfte. DM- Frans: 8obanskl-MG Chiggi Chigetty.— Joe de Dioz. Lola Estrella.— Jim und Jam. Dlesen-Erfolg k Elebfranenrnllob. Operette in 1 Akt, Ans, d, Vorst, 8, Sonntags 6>/, Uhr, Vari6t6-BriIIant (Clty-Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich Auftreten erstklassiger 8peslalitliten. — Ansang wochentags 7 Uhr.— Sonntags 6 Uhr. EerlinerEiiS'p'slssl' Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr Konzert Knnstlanfen. und Gustaf Behrens- Theater. Das vorzügliche Februar- Programm. Schlager auf Schlager. U, a,: Neu? Tobias krautkabrt. Komische Operette «nd die übrige»«rstklasstgen. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr, Sonntag? 6 Uhr. Hrbelter-Bildungdfcbule Berlin. Sonntag, den 7. Februar, abends 7 Uhr. im Königstädt. Kafino, Holzmarktstr. 7S(Ecke Alexanderstratze): —? Vortrag mit Rccltatlonen■- üb»: Bine Revolutionärin von 1848. Ein Lebensbild auS den Beziehungen zwischen Deutschtua. und amerikanischer Literatur. Reserentin: Frau Keglaa Kuben, Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensei« und Tanz. Emtritt 20 Ps._[6]8]_ Garderobe srei l Kerren-Sioff-Ieste Wer— Stoff— hat No'V»»line Konkurrenz S'ÄÄJolD.Mndaille. Endwlg Engel, Prenzlauer. ftrasteSz.lI,(Alexanderpl,)Gegr,lS32 Spezialität:„Zssapoleon" Gchrock-Anzug. M, 48,—, Tuchkamm- m Herrenanzügen spottbillig, feinste ssabrilatc, Kammgarne. Cheviots, neueste Muster von 4 M. an per Meter, reine Wolle. 37/18 lindndg Engel, Prenzlauer- straffe 83, IL(Alexanderplatz,) garn, seidene Klappen, unerreicht, nach Matz. El« versuch führt zur dauernden Kundschaft k Verkauf nur Im Fabrlkgebttnde! 35 X I M Sie sparen Geld!«r| Äfissl � Engrospreisen? WMtSI inder Möbelfabrik von � H. Walter a Willi Maaß- � 35 % Jkeln Laden. ,'w i Tel.: A. lU, 5157'S. kaufen. 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Februar, im Mter von 41 Jahren verstorben ist. 15/2 Ehre seinem Andenken!- Der Vorstand de» eerlaldernokratisehen Wahlverein» Schöneberg. Ailgemeiiie Kranken- u. Sterbe- Kasse für Arbeiter aller Berttie Deutschlands. (E. H.-K. Sitz KelSen.) Nachruf. Am 30. Januar verstarb unser Mitglied 281/7 Wilhelm Wentk. Ehre feinem Andenke»! Die Drt»vcn*altung Berlin II. VeM der M- umi SteiDiiruekerei- Hilfsarbeiter u. ArtieiierioöEö Deutsehlaoiis. Ortsverwaltung Berlin. Todes• Anzeige. Am Dienstag, den 2, Februar, starb nach langem und schwerem Leiden unser Mitglied und Kollege frsi» Noster im Mer von 32 Jahren. Ein ehrendes Andenken bewahrl dem Verstorbenen. Die Drtsvenwallung Berlin. Die Beerdigung finde! morgen Sonnabend, den 6, Februar, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des allen Sophien-Kirchhoses in der Frcimwaldrr Stratze aus statt, 27/2 Beiilseher Ortsverwaltung Berlin 2, Berichtigung.' In der Todesanzeige, betreffend den Kohleuarbeiter Paul Stiller mutz es heißen:.tm Atter von 4S Jahren-(statt 25 Jahren). Die Verwaltung 2. Am 2. Februar entschlies nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante kMÜ Knack geb. Kiew. Manteuffelstratzc 80. Die trauernden ttinterdllehenen, Di« Beerdigung findet am 6. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jalobi- Kirchhoses w Rirdors, Hermannttratze auS statt. j8S4b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines gellebten ManneS, unseres Herzens- guten Baters, BrnderS und OnlelS August Kuhn sagen wir unseren innigsten Dank. Anna Kuhn geb. Beyer nebst Kindern, l«n._ Serantwortl. Redakteur: Carl WermutH, Kerlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWf Nr. 30. 26. Jahrgang. 3. KeilU des Jorntirte" ftrlia« NallisdlM Freitag, 5. Ftbrnar 1909. Partei- Hngelegenheiten« Schönerlinde(Bezirk Pankow). Am Sonntag, den 7. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, findet beim Genossen Szperlinski eine Volks- Versammlung statt. Die Panlower Genossen fahren 2.35 Uhr nach» mittags vom Bahnhof Pankow-Schönhausen ab bis Buch. Rieder-Schönhausen. Am Sonntag, den 7. Februar, pünktlich IV Uhr vormittags, findet die Besichtigung des Wasser» und Kanali- sattonswerkes statt. Die Parteigenossen und-Genossinnen ver- sammeln fich um'/z!0 Uhr im Lokal von Rattay, Uhlandstr. 58. WUHelmSruh-Nieder-Schönhansen-West. Sonnabend, den 13. d.M., findet im Lokal von Köllmann, Kronprinzenstt. 2, ein Lichtbilder- vorttag:„Die Freiheitskämpfe in Rufeland'' statt. Referent: Genosse Ingenieur Max Grempe. Der Vorttag beginnt Punkt 9 Uhr und find Eintrittskarten a 30 Pf bei sämtlichen Bezirisleitern zu haben. Schöneberg. Die Genossen werden hiermit noch besonders daraus hingewiesen, dafe der nächste Diskutierabend heute, Frettag, abends 8 Uhr bei Viebach, Grunewaldstr. 10, stattfindet. Lichtenrade. Dienstag, den 9. Februar, findet im Lokale von Rudolf Deter, am Bahnhos, eine Volksversammlung statt. Referent: Genosse Obst. Am Sonntag, den 7. Februar, findet von Deter auS eine Ber- breitung von Handzetteln statt. Zernsdorf. Am Sonnabend, den 6. Februar, abend? 8 Uhr, findet die Mitgliederversammlung deS sozialdemokratischen Wahl- Vereins Zernsdorf und Umgegend statt. Berliner JVacbricbten* Die Stadtverordnetenversammlung hatte gestern darüber zu beschließen, obHerrnMugdans Wahl zum Stadtverordneten für gültig zu er- klären sei oder nicht. Die Mehrheitsfraktwnen sagten: „Aber selbstverständlich!"— und in Uebereinstimmung mit der Mehrheit des Wahlprüfungsausschusses sprach sie die Gültigkeitserklärung aus. Vorher wurde noch ein paar Stunden das Für und Wider erörtert, doch es war vorauszusehen, daß durch dieses Wortgefecht nichts geändert werden würde. Das erste Wort war dem Stadtv. P r e u ß überlassen worden, dem Redner der„Sozialfortschrittlichen Gruppe", die an jener Wahl durch ihren Kandidaten Riechert interessiert gewesen war. Herr Preuß forderte Ablehnung des Ausschußantrages, der die Gültigkeitserklärung empfahl. Er sprach gut. aber„weniger wäre mehr gewesen". In einigem schoß er über das Ziel hinaus, so daß er dem Stadtv. Sonnen seid, dem Wortsührer der„Alten Linken", hierin zu einem billigen Scheinerfolg verHals. In dem frei- lich, worauf es ankam, blieb Herr Sonnenfeld vollständig den Beweis schuldig, daß der Beschluß, dem Herrn Mugdan sein Mandat zu belassen, mit den Bestimmungen der Städte- ordnung und der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts in Einklang zu bringen sei. Die Rabuli st erei, mit der dieser Redner die Sache Mugdans und des hinter ihm stehenden Freisinns versocht, läßt ihn ganz besonders ge- eignet erscheinen, betraut zu werden mit der juristischen Ver- tretung der Stadtverordnetenversammlung in dem Rechts- streit, der nunmehr um Mugdans Mandat entbrennen und vor dem Oberverwaltungsgericht entschieden werden wird. Zwischen Preuß und Sonnenfeld waren einige mehr oder minder höfliche Komplimente über den„gesunden Menschen- verstand" ausgetauscht worden. Genosse Stadthagen begann mit einer gelungenen Bemerkung über das Quantum „gesunden Menschenverstandes", das Herr Sonnenfeld auf- gewendet habe, um die Gültigkeit einer Wahl wie der des Herrn Mugdan zu beweisen. Die fadenscheinigen Argumente des Freisinnsredners wurden von Stadthagen so gründlich zerpflückt, daß kein Fetzen übrig blieb. Unser Redner forderte Verwerfung des Aus- schußantrages und Annahme des Antrages der so�ialdemo- kratischen Fraktion, die Wahl Mugdans für ungültig zu er- klären. Für die Gültigkeitserklärung sprach schließlich noch Stadtv. M o m m s e n namens der sogenannten„Freien Fraktion". Die Abstimmung ergab 82 Stimmen dafür, 34 Stimmen dagegen. Die freisinnige Mehrheit der Stadt- verordnetenversammlung behält also bis auf weiteres noch ihren Mugdan— bis das Oberverwaltungsgericht ihn hinauswirft._ Berlins BcvölkrruagSbewegimg im Jahr« 1308. Die BevölkermigSzahl Berlins stellte fich am Schlufe des Jahres 1908 nach den jetzt vorliegenden Berechnungen des Etatisti- schen AmteS der Stadt auf 2 10« 942 Personen. Für den Schlufe des Jahres 1907 war die Bevölkerungszahl 2111361 errechnet worden, mithin hat in 1908 die Bevölkerung Berlins sich nicht vermehrt, sondern vermindert. Die Be- VölkerungSzahl war gestiegen in 1905 um 54 571 Personen, in 1906 noch um 47 986 Personen, in 1907 nur noch um 20 062 Personen. in 1908 aber hat fie um 4419 Personen abgenommen. Es war hier seit mehr als einem halben Jahr- hundert nicht vorgekommen, dafe ein Jahr mit einem BevölkerungSminuS abgeschlofien hätte. DaS Jahr 1852 war das letzte, für das die Berechnungen einen Rückgang der BevölkerungS- zahl ergeben hatten. Auch nach dem Gründerkrach der siebziger Jahre und später in den Notstandsperioden zu Beginn der achtziger Jahre, der neunziger Jahre und zuletzt noch des neuen Jahrhunderts verlangsamte die Bevölkerungsmehrung sich sehr merklich, aber doch nicht soweit, dafe fie ganz zum Stillstand gekommen wäre. Einen völligen Stillstand und sogar eine BevölleningSminderung hat erst Wieder das Jahr!903 gebracht. Um uns diese Erscheinung zu erklären, müssen wir die Quellen betrachten, die Jahr für Jahr den BevölkerungS- zuwachs liefern. Der Zuwachs rührt her zu einem Teile auS dem Ueberschufe der Geburten über die Sterbefälle, zum anderen Teile aus dem Ueberschufe der Zuwandernden über dje Ab- wandernden. In Berlin hat der Geburtenüberschuß in neuerer Zeit nicht fehr geschwankt, weil wir von Epidemien, die die Sterblichkeit plötzlich und bedeutend gesteigert hätten, verschont geblieben sind. Dagegen ist hier der Wanderungsü berschufe sehr grofecn Schwan kungen unterworfen. In manchen Jahren war er mehr als doppelt so groß wie der Geburtenüberschuß, in anderen Jahren kam er dem Geburtenüberschuß noch nicht mal gleich, in einigen ergab sich aus den Wanderungen ein Defizit statt des UeberschusseS. Fällt mal das Wanderungsdefizit so bettächtlich aus, daß es den Geburtenüberschuß völlig aufzehrt, so hört die Be-� Völkerungsmehrung auf, ja es kann statt der Bevölkerungsmehruug sogar eine Bevölkerungsminderung sich ergeben. In dieser Hinsicht ist eine Bergleichung zwischen den letzten drei Jahren sehr lehrreich. In den Jahren 1908 1907 1906 wurde» geboren(einschließlich Totgeborene) 50 657 52 886 53389 Kinder und eS starben(einschließlich Totgeborene) 34 242 34 277 34 687 Personen, mithin betrug der Geburtenüberschuß -1-16 415 4-18 609 4-18 802 Personen. Wenn in 1908 der Geburtenüberschuß um reichlich 2000 geringer war als in 1907, so erklärt sich das daraus, daß diesmal die Ge- burtenzahl um so viel hinter der des vorhergehenden Jahres zurück- geblieben war. Sehr viel größer waren in dem dreijährigen Zeit- räum die Schwankungen des WanderungsergebnifleS. Für 1903 1907 1906 sind zu zählen als zugezogen 244 060 273 688 291 459 Personen. andererseits aber als weggezogen 264 894 272 235 262275 Personen. mithin betrug das Wanderungsergebnis — 20 834 4- 1 453 4- 29 184 Personen. Das Jahr 1906 hatte noch ein recht beträchtliches PluS gebracht. im Jahre 1907 sank dann infolge einer Minderung der Zuzüge und gleichzeitiger Mehrung der Wegzüge der Ueberschufe auS den Wände- rungen fast auf Stull, und jetzt hat das Jahr 1908 infolge weiterer und sehr bedeutender Minderung der Zuzüge mit einem beträchtlichen Defizit auS den Wanderungen abgeschlofien. AuS Wanderung«- ergebnis und Geburtenüberschuß berechnet sich dann daS Ergebnis der Bevölkerungsvermehrung. Hier hat«in aufeerordenUich rascher Umschwung sich vollzogen vom Jahre 1906 mit seinem noch recht erheblichen WanderungSüberschuß bis zum Jahre 1908 mit seinem stark inS Gewicht fallenden Wanderungsdefizit, daS sogar durch den Geburtenüberschufe nicht mehr ganz gedeckt werden konnte. Für 1903 1907 1906 war daS Ergebnis der Bevölkerungsvermehrung - 4 419 4- 20 062 4. 47 986 Personen. Zur weiteren Beleuchtung der Ursachen, die in 1907 ein sowenig günstiges und in 1903 ein so sehr ungünstiges Ergebnis herbei- geführt haben, wollen wir die Ergebnisse in die Anteile d e S männlichen und des weiblichen Geschlechts zerlegen. ES war beteiligt in 1908 1907 1906 am Ueberschufe aus den Geburten die männl. Bevölk. mit 4- 8 394 4- 9 347 4- 9128 die weibl. Bevölk. mit 4-3021 4- 9 262 4- 9 674 aber am Ergebnis der Wanderungen die männl. Bevölk. mit—14 551— 1574 4�3381 die weibl. Bevölk. mit— 6 283 4- 3027 4-10 803 also am Gesamtergebnis der Bevölkerungsbewegung die männl. Bevölk. mit— 6 157 4- 7 773 4-27 509 die weibl. Bevölk. mit 4- 1733 4-12 289 4-20 477 Man steht, dafe bei der weiblichen Bevölkerung in 1908 immer noch ein kleiner Zuwachs sich ergeben hat. Dafür war bei der männlichen Bevölkerung um so bedeutender die Minderung. Hier war eben in 1908 auch da» WanderungS- defizit sehr viel größer als bei der weiblichen Bevölkerung, und auch daS Jahr 1907 hatte der männlichen Bevölkerung schon ein Wanderungsdefizit gebracht, während der weiblichen damals noch ein Ueberschufe auS Wanderungen blieb. Die Verringerung des WanderungsergebnifieS und die dadurch bewirkte Schmälerung des Bevölkerungszuwachses war überhaupt in dem ganzen dreijährigen Zeitraum bei der männlichen Bevölkerung sehr viel stärker als bei der weiblichen. Dafe besonder» bei der männlichen Bevölkerung die Zuzüge sich mindern, daS ist eine Erscheinung, die in Berlin regelmäßig dann zu beobachten ist, wenn die ArbeitSlosigkei um sich greift. In der gegenwärtig herrschenden SrbeitSlosig- keit haben wir auch diesmal wieder die Hauptursache dieser un- günstigen Gestaltung der Zuzug»« und Wegzugsverhältnisse zu suchen._ Das SrbeitSlosenproblem und die Kommune. Die gemischte Deputation zur Linderung der Arbeitslosennot hielt am Mittwochmittag ihre zweite Sitzung ab. Da die Beratungen über die kommunale Arbeits- losenversicherung nicht so bald zum Abschluß kommen dürften— wurde diese zweite Sitzung doch erst nach 4 Wochen einberufen, statt, wie vorgesehen, nach 3 Wochen— hatten unsere Genossen D u p o n t und Glocke folgenden neuen Antrag der gemischten Deputation unterbreitet: Die Unterzeichneten beantragen, au» städtischen Mitteln ohne Verzug 300 000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung zu stellen: i) Den gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter für die- jenigen ihrer arbeitslosen Mitglieder, die mindestens ein halbes Jahr in Berlin wohnhaft sind und zurzeit keine laufende Unterstützung aus den Kassen ihrer Gewerkschaft beziehen, also ausgesteuert sind. b) Dem Zentralverein für Arbeitsnachweis zur Unterstützung derjenigen Arbeitslosen, die keiner gewerkschaftlichen Organi- sation angehören, mindestens 4 Wochen arbeitslos sind, ein Jahr in Berlin wohnen und sich täglich im Arbeits- Nachweis des Zentralvereins melden. Die von den Gewerkschaften und dem Zentralverein für Arbeitsnachweis aus obiger Summe zu zahlende Unterstützung darf die Höhe von 1 M. pro arbeitslosen Tag nicht übersteigen. Nach einer mehrstündigen äußerst lebhaften Debatte, in welcher bis auf zwei Jnnungsvcrtreter sich alle übrigen Redner g r u n d- s ä tz l i ch auf den Boden des Antrags stellten, da die sogenannten Notstandsarbeiten doch nicht ausreichen, um die arbeitslosen Be- rufSarbeiter unterzubringen, liefen zwei AbänderungSanträge ein: einer, der die Unorganisierten ausgeschieden wissen will, weil die Kontrolle beim Zentralverein für Arbeitsnachweis ganz unzu- länglich, und ein anderer, der eine andere VerteilungSart der Gelder in Vorschlag bringt. Ein dritter Antrag, von einem der Jnnungsmcister gestellt, verlangt 50 000 M. für kleine Handwerksmeister. die am Ruin sich befinden. Ob durch die AuSsperrungS- taktik der.Grofeen", unter der bekanntlich die kleinen Krauter nicht minder zu leiden haben wie die Arbeiter, das zu untersuchen, wäre in jedem einzelnen Falle recht interessant. Im übrigen spricht dieser Anttag nur für den Antrag unserer Genossen, ja sogar die Summe von 300 000 M. ist dann keinesfalls zu hoch, wie zuerst behauptet wurde, in Anbetracht der großen Zahl der Ausgesteuerten in den Gewerkschaften. Am nächsten DonnerStagmittag soll die Debatte über diese Anträge beendet und darüber abgestimmt werden. Dann erst erfolgt die Fortsetzung der Diskussion über die kommunale Arbeitslosen- Versicherung nach dem Genter System. Die Beerdigung der Frau Natalie Liebknecht findet heute nachmittag 3'/z Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde statt. Kapital und Presse. In einer am 2. Februar in den„Konlordja-Sälen' abgehaltenen Versammlung der Tischlermeister und Holzindusttiellen Berlins gab Herr Obermeister Rahardt folgende charakteristische, wenn auch für uns nicht überraschende Mitteilung zum besten, für deren Richtigkeit Herr Rahardt die volle Verantwortung zu übernehmen erklärte. Eine Berliner Möbelfirma Bartsch war auS bestimmten Gründen nicht zu der von den Berliner Holzindustriellen beabsichtigten Ausstellung zugelassen worden. Besagte Firma erläßt nun regelmäßig umfangreiche Reklame- annoncen im„Berliner Lokal-Anzeiger". Aus Aerger nun. dafe sie von der Ausstellung ausgeschlossen wurde, schrieb fie einen ein- geschriebenen Brief an die Firma August Scherl und drohte, sie würde nicht mehr im„Lokal-Anzeiger" inserieren, falls noch weiter Besprechungen über die Tischlerausstellung erschienen. Nach den An- gaben Herrn RahardtS wurden nun genau von diesem Zeitpunkte ab keine Hinweise auf die Ausstellung mehr von dem genannten Blatte aufgenommen. Herr Rahardt war darüber hoch empört und fordette seine Kollegen auf, die Konsequenzen aus dieser Handlungsweise gegen- über dem Scherlblatt zu ziehen. Wir waren schon längst nicht so naiv wie der Herr Obermeister, der von der kapitalistischen Presse verlangt, daß fie Unparteilichkeit und ideelle Grundsätze pflegen soll. Wir wußten und wissen, daß für die SensationSprefie die Annoncenplantage die milchende Kuh und alles andere nur lästiges, aber notwendiges Anhängsel ist. Für die Arbeiterschaft, soweit sie nicht eingeweiht ist in die korrupten Zustände, bedeutet dieser Fall eine ernste Mahnung, derartige Blätter aus dem Heime zu schaffen und die kampsbewährte, aus den Mitteln der Arbeiterschaft ge- gründete Arbeiterpreffe zu lesen. Die Lauten am Stettiner Schiffahrtskanal werden jetzt forciert. Auf der Strecke Plötzensee— Saatwinkel sind 1800 Arbeiter neu eingestellt worden. Es sind dies durchweg einheimische Arbeiter, da man in der Zeit der gegenwärtigen Krise nicht gut erneut eine Ein- fuhr von Polen, Ruthenen und Galiziem vornehmen kann. Irrende Irrenärzte. Der in ganz Deutschland unter dem Spitznamen„Einbrecher- könig" gesürchtete Franz Kirsch, welcher wegen angeblicher Geistes- krankheit in zahlreichen Irrenanstalten, so auch wiederholt in der Berliner städtischen Anstalt Herzberge, interniert war und von dort mit Hilfe seiner Freunde immer wieder ausbrach, ist soeben vom Geschworenengericht in Dessau wegen seines bekannten Einbruchs in die dortige Landeshauptkasse zu zehn Jahren Zuchthaus ver- urteilt worden. Das Urteil erregt deshalb berechtigtes Aufsehen, weil es die Gutachten derjenigen Psychiater, insbesondere auch der Berliner Irrenärzte, die sich jahrelang an Kirschs Geisteszustand die Finger wundgeschrieben haben, völlig über den Haufen wirft und einen der bisher berühmten„wilden Männer" zwar für geistig minderwertig, aber nicht für geisteskrank im Sinne des Straf- gesetzbuches erklärt. Das Interessanteste an dem Urteil ist seine neueste psychiatrische Unterlage. DaS Dessauer Geschworenengericht, ftei von dem Verdacht, etwa bloß ein Exempel statuieren zu wollen. ist zu seiner Entscheidung sicher zum grofeen Teil gelangt durch eigene Anschauungen und durch das sorgfältigste Abwägen aller in Betracht kommenden Umstände, nicht zum wenigsten auch wohl durch daS Verhalten der jetzt hinzugezogenen hervorragenden Psychiater. Es muß ein forensisches Eatyrspiel gewesen sein, als die gelehrten Herren mit ihren Ansichten scharf aufeinander- platzten. Die einen, die sich schon durch frühere Gutachten so ziemlich gebunden batten und selbstverständlich nicht widerrufen wollen, reklamieren den gefährlichen Ein- und Ausbrecher nach wie vor für das Irrenhaus,— die anderen, wohl erheblich mibe- fangeneren, erklären den Verbrecher für das Zuchthaus reif. Solche Gegensätze der Psychiater vor Gericht sind ja nun nichts Neues. Aber vorliegend ist die Schlappe doch so in die Augen stechend, dafe man sich ernstlich die Frage vorlegen muß: dürfen unsere Nichter den Gutachten moderner Psychiatjcjr fernerhin oie geradezu aus- schlaggebende Bedeutung beilegen, welche unbedingt in so außer- ordntlich zahlreichen Strafsachen hervorgetreten ist? Die psychiatrische Wissenschaft, von der schon ein Mann wie Virchow sagt, dafe sie keine exakte sei, ist noch sehr jung, aus den Kinderschuhen knapp heraus. Nicht im richtigen Verhältnis zu diesem jungen Alter wie zu dem wissenschaftlich Erreichten stehen die Anstrengungen eines gewissen Kreises von Psychiatern, sich eine Macht anzumaßen, die ihrem wirklichen Wissen einstweilen noch nicht zukommt. Selbst hervorragende, nicht durch die Wissenschaft- liche Partcibrille sehende Psychiater erklären freimütig, dafe auf diesem heiklen Gebiete noch unendlich vieles zu erforschen ist. Umso mehr sollten die Gerichte die Pflicht fühlen, nicht jedem Psychiater und auch nicht immer einem„weltberühmten Sachver- ständigen-Kollegium" unbedingt Heerfolge zu leisten. Es würde viele glückliche Menschen mehr geben, wenn die Richter den geltenden Einfluß des Psychiaters um ein Erhebliches herabsetzen und wenn die Irrenärzte an der Erkenntnis saugen, dafe die wahre Wissen- schaft keine Reklame machen soll. Durch eine große Ueberschwcmmung in der GreifSwaldcrstraße wurde am Mitiwochnachmittag der Verkehr nach Weifeeusee fast völlig unterbrochen. Die durch die plötzlich eingetretene Schneeschmelze entstandenen Wassermassen trieben von beiden Seiten der noch un- bebauten Gelände nach der Greifswaldcrftrafee, während gleichzeitig bedeutende Mengen Schmelzwassers auch von Weifeeusee her kamen. Bald waren die Kanäle überfüllt und die Fluten ergossen sich über Bürgersteige und Fahrwege, auf denen daS Wasser schließlich an manchen Stellen eine Höhe von einem Meier erreichte, so dafe der Fufegänger- und Wagcnverkehr unterbrochen wurde. Auch die Strafeenbahn mußte den Betrieb durch die Greisswaldcr Strafee einstellen und die nach Weifeeusee führenden Linien 62 und 59 wurden ebenso wie der übrige Fuhrverkchr durch die Prenzlauer Allee geleitet. Auch das Tempelhoser Feld ist durch den WitterungS- Umschlag auf ausgedehnte Strecken unter Wasser gesetzt worden. Hier haben sich in den tiefer gelegenen Teilen gewaltig« Seen ge- bildet, durch welche zum Teil die das Feld kreuzenden Wege über- schwemmt worden sind. Auf den Wasserstand der Spree hat der Witterungsumschlag ebenfalls erheblich eingewirkt. Ei» Beitrag zur Spartheorie Bülows. „Sparen!" lautet bekanntlich die Zauberformel des Fürsten Bülow, mittel« welcher er nicht nur das Reich aus seinem Dalle? zu befreien hofft, sondern auch die deutschen Staatsbürger allesamt zu reichen Leuten machen möchte und den Nationalrcichtum ins Un- ermefeliche steigern zu können glaubt. Im Reichstage und in der Presse wurde dem Reichskanzler die Mahnung zurückgegeben und gleichzeitig die verschiedensten Vorschläge gemacht, wie daS Reich selbst an vielen Stellen sparen könne, ohne seine Wohlfahrt und Sicherheit zu gefährden. Unter anderem wurden auch die un- gebeuren Kosten für Dienstreisen einer Kritik unterzogen. Wie berechtigt gerade diese Kritik war und welch ungeheure Summen gerade bei diesem Kapitel gespart werden könnten, mag an folgendem kleinen Beispiel aufS neue bewiesen Verden, bon dem nnS ge-I schrieben wird: Das Papier zu unseren Reichsbanknotcn wird in der s Papierfabrik �pechthausen bei Eberswalde, einem PrivatuMernehmcn hergestellt. Die Fabrikation dieses Papieres wird von Reichs beamten überwacht. Mit dieser Kontrolle sind dauernd vier Beamte betraut, die aber nicht etwa am Orte ihrer Tätigkeit stationiert sind sondern von Berlin aus alle 4— 6 Wochen abgelöst werden. Die Einrichtung mag nun zwar für die betreffenden Beamten sehr an- genehm und in pekuniärer Hinsicht äutzerst vorteilhaft sein, aber dem Reich entstehen hierdurch jährlich etwa 15— 2t)(XX) M. Mehr ausgaben. Die bei der Reichsbank und der Reichsdrnckerei angestellten Beamten beziehen nämlich 8—15 M. Tagegelder pro Person außer den Kilometergeldern und den Kosten(3 M.> für An- und Abfahrt zur Bahn. Damit nicht genug, mutz das Reich auch noch die Kosten für die notwendigen Stellvertretungen tragen, denn man kann doch nicht annehmen, datz diese Beamte in Berlin so wenig beschäftigt sind, datz ihre Plötze während ihrer Tätigkeit in Eberswalde unbesetzt bleiben können. Wenn schon durch diesen„Reisebetrieb" von nur vier Be amtcn 15—20 000 M. jährliche Extrakosten entstehen, dann kann man sich einen Begriff machen, welche ungeheuren Summen das Reich für Dien st reisen seiner hohen und höchsten Beamten aufwenden muh, ganz abgesehen von den Aufwendungen, die durch das bei uns übliche„Regieren im Umherziehen" erwachsen. Eine Aufsehen erregende Begnadigung. Ingenieur Wctzel. der ehemalige Direktor der Spandauer Stratzenbahn, der wegen des Unglücks bei Ruhleben zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist vom Kaiser zu vier Monaten Festungshaft begnadigt worden. Es handelte sich, wie bekannt, um das Unglück, das ein Wagen der elektrischen Spandauer Stratzenbahn anrichtete. Der Wagen durchfuhr die Bahnschranke und kollidierte mit einem Eisenbahnzug, wodurch mehrere Personen ihren Tod fanden oder schwer verletzt wurden. Papierschnitzcl statt Zigarren. Ein dreister Schwindler treibt gegenwärtig in den westlichen Bororten sein Unwesen. Der Betrüger wendet folgenden Trick an: Er spricht bei den Portiers vor und gibt an, er habe für Hausbewohner, die gerade abwesend seien, ein Paket abzugeben. Es enthalte Zigarren und er bitte den Portier, doch die drei Mark für das bestellte Paket auszulegen. Der Schwindler tritt mit solcher Sicherheit auf, datz ihm sein Manöver auch gelingt. Erst zu spät entdeckt man, daß statt der Zigarren Papierschnitzel in dem Paket enthalten sind. Der unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftete Inhaber deS C a f o„Monaco" in der Jerusalemer Stratze, Alfred Berg, und der gleichfalls verhaftete Geschäftsführer Oskar B i e r m a n n sind gestern vormittag aus der Untersuchungshaft ent- lassen worden. AuS der Gcnoffenschaftsbcwegnng. Nachdem der Dezember Umsatz der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend 265 602,09 M. betragen hat, beläuft sich der Januar-Umsatz auf 233 756,68 M., das sind 61 731,17 M. mehr als im Januar 1908. Der Umsatz in den ersten sieben Monaten dieses Geschäftsjahres beträgt 1 338 756,20 M. Die Mitgliederzahl ist auf nahezu 19 000 angewachsen. Im März tverden wiederum zwei Verkaufsstellen eröffnet und zwar im Westen: Göben- und Culmstratzen-Ecke, und im Virchow-Viertel: Torfstr. 28a. Die Genossenschaft hat dann 42 Verkaufsstellen. Von den Haus anteilen sind 25 000 M. abgesetzt und sind bisher mehr 100 M.- Anteile verkauft als 20 Dc.-Anteile. Verlegung einer chirurgischen Poliklinik. Herr Dr. K. Hirsch hat seine chirurgische Poliklinik von der Alexanderstr. 36a nach der Neuen Konigstr. 3. am Königs tor verlegt und hält dort für alle chirurgische Erkrankungen von%12 eine unentgeltliche Sprechstunde ab. Mordversuch und Selbstmord. Gestern abend gegen 10 Uhr ver- suchte der Arbeiter Donner seine Werftstratze 18 getrennt von ihn, lebende Ehefrau Franziska, die nicht zu ihm zurückkehren wollte, zu erschietzen. Er verfehlte seine Frau, traf aber ihren Schwager, den Arbeiter Sackewitz, bei dem sie wohnt, in die rechte Schulter. Ein zweiter Schutz traf niemanden. In einer Droschke schaffte ein Schutzmann den Verletzten nach dem Krankenhause Moabit. Der Täter wurde von Hausbewohnern geprügelt und nach der Wache des 4. Polizeireviers gebracht. Nach eingehender Vernehmung führte man ihn in eine Zelle, wo er bald darauf mit seinem Halsluch erhängt aufgefunden wurde. Das Taschentuch hatte man ihm aus seine Bitte belassen, damit er sich eine blutende Gestchtswunde und ein ver- schwolleneZ Auge kühlen konnte. Die„Urania" führt uns in ihrer neuesten Darbiewng an der Ostküsie der Adria entlang, von Abbazia bis Korfu. Ge wählt mag die Tour sein mit Rücksicht auf die kommende Kaiserreise ins Mittelmeer, die sich ja auch bis Korfu erstrecken soll. Der gute Patriot will den Spuren seines Kaisers nicht nur im Hosbericht des „Lokal-AnzeigerS" oder in den einfarbigen Photographien des„Tag" folgen, sondern wird gern auch seine Neugier an den farbenreichen Bildern der„Urania" befriedigen, während ein wohlgeformter, er- klärender Vortrag an seinen Ohren vorbeiplätschert. Natür lich kommt, wie immer bei der„Urania", auch der auf seine Rechnung, den solche Motive nicht leiten, den vielmehr ernster Wissensdurst und die durch den eigenen Geldbeute! nie zu stillende Sehnsucht nach fernen Naturschönheiten und alten Kulturstätten ver- anlassen, das Institut in der Taubenstratze aufzusuchen. Von Fiume bis Spalato führt uns der erste Teil der Reffe in eine Gegend, die gewisse Erinnerungen an die Riviera bringt. Namentlich der Weltbadeort Abazia zwingt zu einem solchen Ver- gleich. Aber die dolmaiische Küste der Adria ist schroffer, starrer. das Leben der Bevölkerung herber. Hoch heben sich braune, steinige Berge über die Städte und Ortschaften.� denen ihre römische oder venezianische Vergangenheit architektonisch den Stempel aufdrückt. Wie die Natur rauher ist als an der Riviera. find es auch die Menschen, die einen Vergleich mit dem faulen, bettelnden Lazzarorn sehr zu ihren Gunsten bestehen: AuS der Fülle der dalmatinischen Volkstypen heben sich durch ihre Eigenart besonders die Morlaken ab. ein Völkchen, das. in erbärmlichen Hütten häufend, dem steinigen Boden mühsam seinen Lebensunterhalt abgewinnt und trotz der eigenartigen äußeren Schale sich einen goldenen Charakter zu be- wahren vermochte. Von Spalato nach Korfu gelangen wrr an RagusaS gewaltigem Mauergürtel vorüber, dem auch die schweren Erdbeben nicht zu schaden vermochten, allmählich in die orientalische Welt. Hier be- gegnen wir auch den Söhnen der schwarzen Berge, � die mit dem Gewehr auf dem Nacken und pistolengeschmücktem Gürtel der Feld- arbeit nachgehen, aber ungereizt große Kinder sind. An die Stelle der römischen Kastelle und der venezianischen Kirchen treten immer mehr die mohammedanischen Minarets, bis wir mit dem Schiff nach Korfu hinüberschwenken und mit einein Ruck in den klassischen Hellenismus hineingeraten. Den Glanzpunkt von Korfu bildet natürlich das Achilleion, das die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich errichten ließ und da? jetzt in den Besitz des deutschen Kaisers übergegangen ist. Dem Einzug des preußischen Geistes in diesen wundervollen Besitz hat ja bekanntlich das Marmorbild Heinrich Heines weichen müssen. Noch konnte uns aber wohl als eines der schönsten Bilder die kolossale Marniorfigur des sterbenden Achilles gezeigt werden. Geht nach der„Urania", ehe sie durch das Bild eines preußischen Füsiliers aus der Bronze eroberter Kanonen ersetzt ist l Zeugen gesucht. Personen, welche am Abend des 26. Mai 1908 auf Bahnhof Beusselstratze, in der Nähe des Dienstraumes waren und die Hilferufe einer Frau hörten, insbesondere die Dame und der Herr, welcbe der Frau. Trost zusprachen, werden gebeten, sich im Restaurant Nickel, Berlin, Lütticher Stratze 4 zu melden. Vovovt-]Vacbncbtm Schöneberg. Das Kindcrerholung-Zhcim für tuberkulöse und skrophulose Kinder (für 100— 110 an der Zahl) in B o l d i x u ni a u f F ö h r ist fast fertiggestellt, so � datz die Eröffnung im Juli stattfinden kann. Das Grundstück liegt an der Südwestspitze der Insel F ö h r in aus gewählter Lage direkt am Strande der Nordsee und wird auf dem in der Gemeinde Boldixum bei Wyk auf F ö h r gelegenen städtischen Grundstück von 8 Morgen Größe errichtet. Die Baulichkeiten umfassen ein Hauptgebäude mit Wirtschafls flügel von insgesamt 900 Ouadralmeter bebauter Fläche, ein Jsoliergebäude, ein Einfamilienhaus für den Gärtner mit angebauten Stallungen, WirlschaftS- und Reserveräumen. Das Haupt gebäude besteht auS Erdgeschoß, einem Stockwerk, einem vollständig ausgebauten Dachgeschoß mir darüberliegendcm nutzbaren Boden räum. Im Erdgeschoß sind durchweg nur Räume für den Tages aufenthalt wie Spielsaal, Speisesaal, Schulsaal, ferner Garderoben räume gelegen. Außerdem befinden sich hier die Räume für die Verwaltung, Aufenthaltsräume und Speisesaal der Schwestern sowie Operations- und Untersuchungszimmer. Im ersten Stock werk befinden sich die Schlafräume und die besonders an- gelegten Waschräume. Die Schlafräume haben pro Bett eine Abmeffung von 3'/g— 5 Quadratmeter Grundfläche und 16— 22 Kubikmeter Luftraum. In dem Dachgeschoß befinden sich die massiv angelegten Badezimmer, Wohn- und Schlafzimmer der Schwestern. Laboratorium, Räume für den revidierenden Stadtarzt sowie ein zirka 150 Quadrat meter großer Turnsaal. Dem Hauptgebäude angegliedert ist der Wirtschaftsflügel, in dem die Küche, die Dampfwaschanlage, Mangel Wasch- und Desinfcktionsräume sich befinden. In diesem Teil des Dachgeschosses befinden sich weiter die Wohn- und Schlafräume des WirlschaftspersonalS mit eigener Klosett- und Bade- einrichtung, die Obstkammern und Wäschestapelboden. Das Aeußere des Gebäudes ist den alten friesischen Ziegelbauten möglichst an- gepaßt und ist das zirka 10 Meter hohe Dach mit Biberschwanz Doppeldach eingedeckt. Alle Außenwände sind mit Rücksicht auf das Klima und zum Schutz gegen durchschlagende Feuchtigkeit mit Isolier schicht gemauert unter Verwendung von verlängertem Zementmörtel. Die dem Hauptgebäude angebaute Liegehalle, welche auf jeder Seite von einen, Balkon flankiert wird, ist in geschmackvoller nordischer Holzarchitektur ausgeführt und erhält ein Drahtglasdach mit Ziegel Unterbrechung. Die Bewässerung des Gebäudes geschieht mit automatischer Ein- und Ausschaltung aus einem ungefähr 20 Meter tiefen Brunnen, der völlig einwandfreies Wasser liefert. In Ergänzung der Badeeinrichtung ist eine Stichleitung in die Nordsee geplant, welche durch ein besonderes Pumpwerk das Gebäude mit Seewasser versorgt, um auch im Winter das Baden im Seewasser zu ermöglichen. Das Heim erhält durchweg Zentral- Heizung, wodurch die Möglichkeit gegeben ist. daß Warmwasser jeder zeit zur Verfügung steht. Die Kraft für elektrische Beleuchtung wird von dem in der Stadt Wyk gelegenen Elektrizitätswerk ent- nommen. Außer den Baulichkeiten, die bereits genannt, ist am Strande eine auf besonderen Pfahljochen konstruierte Strandliegchalle geplant, die für den Winter auseinandergenommen wird. Diese Halle hat einen Badesteg, der direkt in die See führt. Neben dieser Liegehalle wird noch eine zweite von gleicher Größe auf dem Grundstück in der Nähe des Lustbades errichtet werden. Das Lust bad wird in einer Größe bon 600 Quadratmeter, mit der Kopf ront zur See, massiv hergestellt. Die Gesamtbaukosten betragen rund 183 000 M. Die Kinder, die dieses Heim bewohnen sollen, werden durch die Lehrpersonen und Schulärzte sowie von der Fürsorgestelle für Tnberkulöse ausgesucht. Streng ausgeschlossen von der Aufnahme sind Kinder mit offener Lungentuberkulose. Weistensee. Die ArbeitSlosenzählung vor dem Gcmeindeparlament. Der vor teher des Wohlfahrtsamtes begründete nochmals die Notwendigkeit der Arbeitslosenzählung, bedauerte, daß die Stadt Berlin das Haus- zähljystem abgelehnt habe und nunmehr die Vorortgemeinden nach )em Mcldesystcm zählen müssen. Genosse Taubmann betonte, daß die Gemeindevertretung sich durchaus nicht die Nückständigkeit Berlins zu eigen machen brauche, denn man habe cS doch in der Hand, zu zählen nach dem System, was man für richtig halte. Die Praxis habe ja bewiesen, daß namentlich die weiblichen Arbeitslosen aus irgend welchen Gründen nicht erschienen sind. Will Berlin das nach Hauslisten gesammelte Material nicht anerkennen, so ist eS dann nicht unsere Schuld und man kann dann die Behauptung anfftellen: Man will die Wahrheit nicht treffen. Gemeindevertreter Mewes verteidigte den Kommissionsbeschluß mit der Begründung. beide Systeme werden auf Genauigkeit keinen An- spruch haben, man tut am besten beim Meldesystem einen Aufschlag. beim Hauslistensystem einen Abzug, dann käme man so ungefähr auf das richtige Resultat. Mit dieser Weisheit war die Cerfarnnr lung zufrieden und die Abstimmung ergab die ArbeitSlosenzählung nach dem Berliner System. Nunmehr ist es Pflicht der organisierten Arbeiterschaft, sich der gewerkschaftlichen und politischen Parteileiwng zur Verfügung zu stellen, um aus eigener Kraft die Zählung nach Hauslisten vorzunehmen. Köpenick. Das Gewerkschaftskartcll nahm in der letzten kombinierten Sitzung Stellung zu einem Protest der Heizer und Maschinisten. welche den Wahlmodus bei Ausstellung der Kandidaten zu den Gewerbcgerichtswahlen anfochten. Nach eingehender lebhafter Dis kussion wird der Protest abgelehnt. Die Kollegen Kaßner und ampow legen die Kandidatur als stellvertretende Gewecbegcrichts- eisitzer aus wirtschaftlichen Gründen nieder und sind dafür die Kollegen Lobitz. Metallarbeiter, und Eduard Nieke, Transportarbeiter. mit großer Majorität vorgeschlagen. Für die am 15. Fe» r u a r stattfindenden GewerbcgerichtSwahlen wird ein Flugblatt i cht herausgegeben, dagegen sollen die Funktionäre in den Kreisen ihrer Mitglieder und in Versammlungen und Besprechungen eifrig für die Wahl wirken. Für die am 12.. 13. und 14. Februar nach dem HauSlistensystem stattfindende Arbeitslosenzählung werden eine große Anzahl Hilfskräfte notwendig sein. Sache der Gewerkschaften ist eS nunmehr, für genügende Hilfskräfte Sorge zu tragen und die genauen Adressen dem Genossen Woick, Kietzer Str. 6, oder dem Genossen Lobitz, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Straße 9, bald mit- zuteilen, damit ein einheitliches Arbeiten erfolgen kann. Wegen vorgerückter Zeit mußte der Punkt„Jugendorganisation" von der Tagesordnung abgesetzt werden. Zum Schluß ersuchte Kollege Lobitz die Vorstände, nachdem jetzt überall die Neuwahlen vollzogen ind, dem Kartell ein neues Adresjenverzeichnis der Vorstände einzureichen. ES fehlten die Musiker. Boxhagen- Rummelsburg. In der Generalversammlung des WahlvereinS gab der Vorsitzende, Genosse O. John, den Jahresbericht. Derselbe wies einleitend auf den gedruckten Bericht hin, welcher den Mitgliedern vorlag. Die Mitgliederzahl, welche am Schluffe des Vorjahres 1200 betrug, wies am 31. Dezember 1903 die Zahl von 1323 männlichen und 140 weib- lichen Mitgliedern auf. Der Außenbezirk Rüdersdorf zählt zurzeit 80 Mitglieder. Die LandtagSwahl brachte uns in Rummelsburg eine erfreulich hohe Stimmenzahl; von 4653 abgegebenen Stimmen entfielen auf unsere Kandidaten 3971. Besonders groß war der Erfolg an Wahlmänner-Mandaten; von 119 konnten wir 82 Wablmänner durchbringen. Auch bei der Gemeinde- wähl im Frühjahr vorigen Jahres erzielten wir gute Resultate. Die Wahlbeteiligung war eine bedeutend besjere wie vor zwei Jahren. Es wählten in der dritten Klasse im Durchschnitt 37 Proz. der eingeschriebenen Wähler(gegen 13 Proz. vor zwei Jahren). Die Genossen Herin. Müller und'Gorgas wurden mit überwältigender Majorität gewählt. Genosse Trinks blieb im dritten Bezirk'(Beamtenwohnhaus) in der Minderheit, welches seinen I Grund in der ungerechten und ungesetzlichen Neueinteilung der Bt zirke hat. Agitations» und Protestversanrnffungen wurden am Orte '10 und In Rüdersdorf 4 abgehalten. Mitgliederversammlungen fanden In Rummelsburg 4 und in Rüdersdorf 12 statt. Außer diesen Versammlungen und den zirka 240 stattgefundenen Zahl- abendcn fand noch zur Förderung der allgemeinen Bildung in letzten Quartal vorigen Jahres au zehn Abenden ein Gescbichts- kursus statt. Die öffentlichen Versammlungen waren im allgemeinen gut besucht. Gerügt muß werden, datz die Protestversammlungen, entsprechend ihrem Sinn und Zweck, verhältnißmäßig schwach besucht waren; mit dieser Lauheit und Gleichgültigkeit muß endlich gebrochen werden. Zur Erledigung der VorstandSgeichäfte waren 32 Sitzungen erforderlich, wozu noch mehrere Kommissionssitzungen usw. hinzu- kommen. Die Zahl der„VorwärtS"-Leser ist am Orte von 2520 am Schluffe de? Vorjahres auf gegenwärtig 2300 herunter« gegangen; dieser Rückgang ist wohl allein auf die wirtschaftliche Krise zurückzuführen. Andererseits ersieht man, daß es am Orte noch über 1000„Vorwärts"-Leser gibt, welche nicht Mitglieder unserer Organisation sind. Die Bibliothek, welche an, Schlüsse des Vor» jadrcS auS 360 Bänden bestand, hat in diesem Jabre eine um« fassende Erweiterung erfahren. Ausgeliehen wurden 593 Bände gegen 113 Bände im Borjahre. Die Steigerung ist eine erfreulich gute.— Aus dem Kassenbericht geht hervor, daß eine Gesamteinnahme von 6906,52 M. vorhanden war, der eine Ausgabe von 6629,31 M. gegenübersteht. An den Kreis wurden 3134,25 M. abgeführt.— In der Diskussion über den Vorstandsbericht beschwert sich Genosse Brüschke über eine ihm vom Vorstand erteilte Rüge; dieselbe wird von der Generalversammlung mit großer Majorität bestätigt.— Der Ansschlußantrag des Vorstandes gegen Genossen Barthel loird nach längerer erregter Diskussion abgelehnt und demselben auf Antrag des Genossen Hermann Müller einstimmig eine scharfe Rüge erteilt.— Die Neuwahl des Vorstandes ergab als 1. Vorsitzenden Otto John, 2. Vorsitzenden Baumgarten, 1. Kassierer Lenzner, 2. Kassierer Hintze, 1. Schriftführer Max Seidlitz, 2. Schrift« führer Klotz, Beisitzerin Frl. Schulz. Revisoren: Richter. Donath und Przibiller. Als Abteilungsführer: Witzke, Jünemann, Ulbrich, Wilh. Schulze und Bandlow. In die Zeiiungskommisfion wurden die Genoffcn Großkopf. Kühn und Ramm gewählt. Die gutbcsuchte Versammlung wurde hierauf wegen vorgerückter Zeit vertagt. Reinickcndorf-Ost. Ucber eine erfolgreiche Parteiarbeit konnte der Vorstand des Wahlvereins in der Generalversammlung Bericht erstatten. Nicht nur hat unsere Partei bei den im abgelaufenen Geschäftsjahr statt- gestmdenen Gemeindevertreterwahlen einen ansehnlichen Stimnien- Zuwachs erhalten, sondern die Organisation ist auch trotz der herrschenden Krise gestiegen. Dem Wahlvercin gehören gegenwärtig 452 Genossen und 45 Genossinnen an. Der Vorstand hielt zur Er- ledigung der Berwaltungsgeschäste 13 Sitzungen ab. Außerdem fanden 5 Mitgliederversammlungen und 4 öffentliche Versammlungen statt. In den der hiesigen Organisation zur Agitation überwiesenen Außenbezirken konnte leider noch nicht fester Fuß gefaßt werden. Die Gesamteinnahmen betrugen noch dem Bericht des Kassierers 2101,69 Mk., die Ausgaben 1850,70 M. ES ist ein Kaffenbestand von 250,99 M. vorhanden. Die reichhaltige Bibliothek wird, wie der Bibliothekar ausführte, bedauerlicherweise viel zu wenig benutzt. ES sei daher an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß die- selbe jeden Sonntagvormittag von 9—11 Uhr geöffnet ist und sich beim Genossen Brückner, Provinz st raße. Ecke Herbst- stratze befindet. Der Bericht der Lokalkommisfion ergab, daß uns zurzeit nur zwei Lokale noch nicht zur Verfügung stehen. Es wurde angeregt, bei Abhaltung von Versammlungen und Vergnügen darauf zu sehen, daß in dem betteffenden Lokal nur organisiertes Personal beschäftigt wird. In die Bezirksleitung wurden folgende Genossen gewählt: Schönberg als Vorsitzender, Andröe als Kassierer, Genossin Lorenz als Schriftführerin, Lorenz als Beisitzer, Schmidt und Andreas als Bibliothekare. K ö h n als Revisor, Andrse, Nöthling, Neumann. Steinkopf und Heß ins Vergnügungskomitee. Der Lokalkommission gehören an: Feh, Kolmetz und Bunke. Als Bezirksführer wurden die in den 7 Bezirken gewählten Genoffen bestätigt. Da die Zeit schon weit vorgeschritten war, wurde die Ver« sammlung auf Dienstag, den 2. Februar vertagt. In derselben referierten zunächst die Genossen Schönberg über das neue Stawt des Kreiswahlvereins Nieder-Barnim und Genosse Lorenz über die Anstellung eines Parteisekretärs für den Kreis Nieder-Barnim. Beides wurde nach längerer Diskussion genehmigt. Den Bericht aus der Gemeindevertretung erstattete Genosse Köhn. An der Hand verschiedener Beispiele zeigte er. wie rück- Itändig in sozialer Beziehung die bürgerlichen Mitglieder der Gemeindevertrelmig und des Gen, eil, devorstandeS sind. Auch die Genossen Gründer und Schiller konnten die Ausführungen an der Hand diverser Beispiele bestätigen. Die nachfolgende rege Diskussion sowie die verschiedenen Anregungen auS der Mitte der Versammlung zeigten, welch rcgeS Interesse die Mitglieder den Gemerndeangelegenheiten widmen. Die Gcmeindevertreter forderten auf, die Gemeindevertretersitzungen in Zukunft recht zahlreich zu be- 'nchen._ Die nächste findet am Freitag, den 5. Februar, abends > Uhr, im Rathaus statt. Mit dem Hiiuveis auf die Arbeitslosen- zähluna am 12. und 14. Februar und das Stiftungsfest am 20. Februar schloß der Vorsitzende die leider schwach besuchte Ber- 'ammlung. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Die au: Sonntag stattgefundcne Generalversauimlung des hiesigen Wahlvereins war von zirka 90 Genosien und 35 Genossinnen besucht. AuS dem Bericht des Vorstandes, welchen Genoffe Oertel gab, ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl von 120 auf 130. darunter 49 weibliche Mitglieder im Jahre 1903 gestiegen ist; daß im ver- losienen Jahre 19 Versamnilungen, 6 öffentliche und 11 Wahl- Vereinsversammlungen. 24 Vorslandssitzungen und 9 Flugblatt- Verteilungen stattgesunden haben. Die eingeführten Zahlabende haben eine Enttäuschung gebracht, da dieselben in manchen Bezirken sehr schwach besucht waren. und sprach Genosse Oertel den Wunsch auS. daß im neuen Jahre die Lauheit der Genossen nachlassen möge..Borwärls"-Abolmenten waren Ende des Jahres 184, ein Mehr von 26; Leser der„Gleich- heil" 18; der„Freien Stunden" 9; des„Jakob" 41. Die Spedition erforderte einen Zuschuß von zirka 159 M. Der Kassenbericht schloß mit einem Defizit von 86 Pf. ab. Weiler ist aus dem Bericht der Funktionäre erwähnenswert, daß wegen Verteilung von Boykott- zetteln gegen vier Genossen Strafmandate von je 10 M. verfügt wurden. Auf Einspruch hiergegen wurden dieselben vom Schöffen- gericht Lichtenberg zu 15 M. und Kosten verurteilt. Hiergegen wurde Berufung eingelegt und wurden die betreffenden Genossen vom Landgericht freigesprochen und die Kosten der Staats- taste auferlegt, weil für die Verteilung der Zettel je 50 Pf._ Bezahlung gegeben war. Aus der Wahl der Funktionäre gingen hervor: als Bezirksleitcr Kämming; Stellvertreter Alb. Schmidt; Kassierer Fuchs; Schriftführer Himpel; Beisitzer; Frau Buchmann, Luchs, Scheibe; Revisoren: Rob. Oertel, Reich, Herinsdorf; Spedition und Bibliothek: Scheide; Lokalkomimssion: Weihrauch; Festkomitee: Szirkowsky. Frau Weihrauch. Demnier. Als Bezirtsführer wurden bestätigt die Genosten Franz, Reich, Drageheim, Demmer, LuchS und Reich. Buch. „Freies Wahlrecht oder MandatSkassicrnng und Ausnahmegesetz?" war das Thema, über welches Genosse D ü w e l l am Sonntag vor einer gut besuchten Versammlung referierte. Dem mit großem Bei- äll aufgenommenen Vortrage folgte eine Diskussion, an welcher sich die Genossen Seile und Neumann beteiligten. Die Patienten der Heimstätte in Buch hatten eine Symparhiercsolution eingesandt, welche der Vorsitzende zur Verlesung brachte und von den Ver- 'ammelten mit großem Beifall aufgenommen wurde. In derselben wird der Unwille gegen das wahlrechtsfeindliche Junkerparlament 'owie gegen das brüske Austreten des„freffinnigeil" Fischbeck im ASaeordnetenbaus zum Ausdruck gebracht. Nach der Versammlung erklärten 7 Genossen ihren Beitritt zum Wahlverein. Der Gesang- verein„Wad) auf" von Franz. Buchholz hatte vor und nach der Versanimlung ein Lied vorgetragen. Gericbts- Leitung. Eine Blamaze der Kunstpolizei. Eine kleine Kunstsammlung wurde gestern der ersten Straf- kammer des Landgerichts II vorgeführt. Auf dem Zeugentische stand inmitten einer Anzahl von Pappschachteln, die mit Abbildun- gen bekannter Kunstwerke gefüllt toaren, eine Aronzcfigur: „Lorelei)", ein Werk des Bildhauers Limburg. Daß die„L o r e l e y" im Original dem Gericht vorgeführt wurde, das dankkt sie in letzter Linie ihrer völligen Nacktheit, die sie mit dem Ausdruck keuscher Unliefangenheit im Gesicht, offen zur Schau trägt.— Merkwürdig, daß die Züchter angesichts der nackten werblichen Figur ihre Gesichter nicht schamhaft verhüllten. Steht doch die Staatsanwaltschaft auf dem Standpunk, daß Abbildungen dieses und einer Reihe anderer erstklassiger Kunstwerke geeignet sind, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl normaler Menschen zu verletzen. Eine Ansicht, welche zunächst in dem Kopfe eines Brombcrgcr Polizeibeamten namens Kodolla auftauchte, von der Staats- anwaltschaft als berechtigt angeschen wurde und schließlich zu einer— Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Bildwerke führte. Der Polizcibeamte Kodalla ließ sich im Laden eines Fräulein Kaufmann in Bromberg Ansichtspostkarten vorlegen. Eine Anzahl von Abbildungen nackter und nur teilweiser bekleideter Figuren verletzten das Scham- und Sittlichkeitsgefühl des polizeilichen Nor- malmenschen. Er nahm diese Bilder in Beschlag, damit nicht durch deren Verkauf an andere, ebenso„normal" empfindende kaiserlich deutsche Zeitgenossen sittlicher Schaden angerichtet werden könne. Unter den Sachen, die der Polizeibeamte für unzüchtig erklärte, be- finden sich Abbildungen der weltbekannten antiken Skulpturen: «Venus vomKopitol" und„Venus von M i l o". Ferner fühlte sich das normale polizeiliche Sittlichkeitsgefühl beleidigt durch Abbildungen der„Venus" von T h o r w a l d s e n, der „Eva" von Brütt, welche seit Jahren in der Berliner National- galerie eine Freude für jeden kunstsinnigen Beschauer bildet, der schon erwähnten„Lorcleh" und mancher anderen Nachbildungen von Meisterwerken der Plastik. Tie Staatsanwaltschaft hat sich die sittlichen Cmpfin- düngen des Bromberger Normalmenschen nicht völlig zu eigen gemacht. Einige der als unzüchtig mit Beschlag belegten Bilder hat sie freigegeben, aber es blieb noch eine stattliche Kollektion übrig, deren Verbreitung die Staatsanwaltschaft für strafbar erklärt wissen wollte. Der in dem Bromberger Verkaufsladen eröffnete Feldzug gegen die angeblich unzüchtigen Meisterwerke der Kunst wurde auch auf die Berliner Firma Adolf Engel ausgedehnt, welche die betreffenden Abbildungen hergestellt und im Großhandel vertrieben hat. Unter Anklage standen der Geschäftsführer Overbeck von der Firma Adolf Engel und Frl. Kaufmann. die Händ- lerin aus Bromberg. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Firma Engel seit Jahren nach bekannten Meisterwerken der Malerei und Bild- Hauerei von der Antike bis auf die Neuzeit photographische Bromsilberkopien in Postkartenformat, sogenannte Künstlerpostkarten an- fertigt. In einem Album, welches dem Gericht vorlag, sind über 400 solcher Bilder enthalten. Wie Herr Overbeck sagte, soll durch diese Reproduktionen die Kunst in weite Volkskreise verbreitet werden. Nur ein kleiner Teil der Bilder stellt nackte Figuren dar und nur solche sind für das gegenwärtige Verfahren herausgesucht worden. Um feststellen zu lassen, daß die unter Anklage gesrellten Bilder nicht unzüchtig, sondern künstlerisch sind, hatte Overbecks Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, mehrere Künstler als Sachverständige laden lassen. Bildhauer Otto Rietsch erklarte die in Frage stehen» den Abbildungen als künstlerisch wertvolle Reproduktionen von Kunstwerken, die durchaus nicht anstößig sind. Dr. Statins, früher Betriebsleiter bei der Neuen Photo- graphischen Gesellschaft gab sein Gutachten dahin ab, daß die vor. liegenden Bilder nicht nur künstlerisch sondern auch technisch das Beste sein, was in der Art geleistet werde. Der dritte Sachverständige, Bildhauer Professor Dr. Arthur Schulz sagte, er habe im Jahre 1900 ein Sammelwerk berausgegeben, welches dem deutschen Kaiser und dem Könige von Sachsen zugegangen sei. Aus diesem Werke habe Overbeck auch eine Anzahl von Bildern reproduziert, wobei er sich mit Unter- stützung des Sachverständigen nur von künstlerischen Gesichtspunkten leiten ließ. Bildhauer Fretschner, der vierte Sachverständige: Die unter Anklage stehenden Reproduktionen seiner eigenen Werke feien in künstlerischer Hinsicht so vorzüglich, daß er beim ersten An- .'lick derselben eine lebhafte Freude empfunden habe. Zwei dieser -Werke habe er in dem katholischen Tirol verkauft, wo man in sitt- licher Hinsicht sehr strenge ist. BildhauerLimbnrg begutachtete die Reproduktion seiner .Lorcley" als vorzüglich und fügte hinzu, das Original war schon ruf mehreren Kunstausstellungen und ist auf der Großen Berliner Kunstausstellung vom Kaiser mit Wohlgefallen betrachtet worden Nach diesem Ergebnis der Beweisaufnahme hielt es der Staatsanwalt für geraten, den Rückzug anzutreten. Er bc- antragte die Freisprechung beider Angeklagten, jedoch forderte er die Einziehung einer Reproduktion der Venus von Tizian. Rechtsanwalt Wolfgang Heine sowie der Verteidi- ger der zweiten Angeklagten begründeten die Freisprechung ihrer Klienten und die Ablehnung des staatsanwaltlichen Antrages unter eingehender Würdigung der in Frage kommenden tatsächlichen und rechtlichen Momente. Das Gericht erkannte auf Freisprechung der beiden Ange- klagten, weil die Bilder nicht geeignet sind, das Scham- und Sitt- lichkeitsgcsühl normaler Menschen zu verletzen. Auch die Einziehung der Tizianischen Venus lehnte das Gericht ab. Die Sucht, jede, auch die keuscheste künstlerische Darstellung des Nackten mit dem Polizei knüppel zu bedrohen, ist durch diesen Pro- zeß wieder einmal an den Pranger gestellt worden. Vermischtes. Schnee und Hochwasser. Schnee und Hochwasser haben in den letzten Tagen erhebliche Schädigungen angerichtet. In Thüringen hat es seit sechs Tagen auf den Höhenorten des Thüringer WaldeS unaufhörlich ge- schneit. Die Schneehöhe beträgt stellenweise 2'/- Meter und die Schneepflug« auf den Gebirgsbahnen und Waldstraßen können fast nicht mehr verkehren. Tag und Nacht sind zahlreiche Arbeiter, die zu Schneeschauflcrkolonnen vereinigt wurden, bemüht, die Eisenbahn- strecken schneefrei zu halten. Trotzdem bleiben zahlreiche Züge der Strecken Ilmenau— Großbreitenbach, Stützerbach— Schmiedefeld, Gräfenroda— Oberhof— Suhl, Sonneberg— Lauscha im Schnee stecken. Die Fahr- und Botenposten kommen dort, wo sie überhaupt der- kehren können, mit stundenlangen Verspätungen an. Auswärts be- schäftigte Arbeiter auS den Höhen orten können nicht zu ihren Arbeits- statten zurückkehren. Die hochgelegenen Waldorte Lauscha, JgelS- hieb, SiegninndSburg, Scheibe. Limbach, NeuhauZ am Rennsteig haben durch mehrtägige Schneestürme am meisten zu leiden gehabt. Sie waren zeitweise vom Verkehr abgeschnitten. In Steinheid, einem Orte mit 2000 Einwohnern, die fast durchweg als Heimarbeiter in der Ehristbaumschmuckindustrie tätig sind, war trotz der von der Gemeinde errichteten Schneeschutzzäune der ganze Ort ver- weht. Das inzwischen plötzlich eingetretene Tauwetter hat auch umfang- reiche Ueberschwemmungen zur Folge gehabt, speziell der Flutzläufe Thüringens, des Harzes und des Wuppergebictcs. Hierüber liegen folgende telegraphische Meldungen vor: Erfurt, 4. Februar. Das Hochwasser in den hiesigen Flußlänfen nahm im Laufe des Vormittags einen bedrohlichen Charalter an. Von den Orten des Thüringer Waldes wurden die städlischen Behörden telegraphisch verständigt, daß die Hochwassergefahr wachse. Ans Mühlhausen wurde gemeldet, daß die Unstrut bis 4,40 Meter ge- stiegen sei und weite Strecken überschwemmt habe. Aus SonderShausen wurde berichtet, daß der Verkehr auf den Eisenbahn- strecken Nordhausen— Erfurt nnd Hohencbra— Mnhlhausen Störungen erleide. In Sonneberg ist die obere Stadt unter Wasser gesetzt. Nach den neuesten Meldungen aus Heiligenstadt ist die Hochwasser- katastrophe auf dem Eichsfelde viel gefährlicher, als zuerst an- genommen wurde. In Duderstadt steht die Bahnhofstraße unter Wasser. Eine amtliche Meldung aus Erfurt besagt: Die Strecke zwischen Greußen und Kleinfurra ist wegen Hochwasser auf etwa 48 Stunden gesperrt. Freibmg i. S., 4. Februar. Das plötzlich eingetretene Tau- weiter, in Verbindung mit anhaltenden Regengüssen, hat hier und in der Umgegend großen Schaden angerichtet. Die Mulde und die Bobritzsch führen Hochwasser. Die freiwillige Feuerwehr mußte in vielen Fällen zur Hilfeleistung aufgeboten werden. Auch die Zu- flüsse der Elbe führen infolge der Schneeschmelze gefahrdrohendes Hochwasser. Nordhausen, 4. Februar. Amtliche Meldung. Strecke Sanger- hausen— Nordhausen ist wegen Ueberschwemmung bei Heringen heute früh 10 Uhr 30 Min. gesperrt. Schnellzüge Halle— Kassel werden ab Sangerhausen über Erfurt nach Kassel, Züge Kassel— Halle ab Leinefelde über Gotha, Erfurt nach Halle geleitet. Sonderzügc fahren ab Nordhausen nach Kassel. Reisende von Nordhausen nach Berlin werden über Herzberg— Seesen befördert. Hriligenstadt, 4. Februar. Infolge starken Regen? und plötzlich eingetretenen Tauwetters führen die Geislede und die Leine seit Mitternacht Hochwasser, das die angrenzenden Stadtteile über schwemmte. Bis 8 Uhr waren die Fluten so gestiegen, daß der gesamte Geschäftsverkehr lahmgelegt war. Die Ge- schästshäuser sind infolgedessen geschlossen, die Fabriken feiern. Die Geislede fließt wie ein reißender Strom durch die Haupt- geschäftsstraße und überflutet die ganze Altstadt. Der städtische Schlachthof sowie das Elektrizitätswerk stehen unter Wasser. Der Friedhof gleicht einem See, und die Besitzer der umliegenden Mühlen schweben in Lebensgefahr. Der Materialschaden ist sehr groß. Die Behörden sind seit Mitternacht unaufhörlich mit NettungSarbeiten beschäftigt. Aus den umliegenden Dörfern wird gleichfalls Hoch- Wasser gemeldet. Aus Hannoversch- Münden wird berichtet: Durch Hochwasser infolge der plötzlich eingetretenen Schneeschmelze ist der Bahnbetrieb auf der Strecke Münden— Nordhausen— Eichenberg— Göttingen ge- stört. Die Züge erleiden mehrstündige Verspätung. Werra und Fulda führen der Weser gewaltige Eismasscn zu. Die Flüsse steigen so schnell, daß das Hochwasser gefährlich zu werden beginnt. Holzmindcn, 4. Februar. Infolge der plötzlichen Schneeschmelze und der starken Regenfälle ist hier Hochwasser eingetreten. Die Straßen stehen unter Wasser. Aus der Umgebung werden große Verkehrsstörungen gemeldet. Unter anderem ist die Eisenbahnbrückc, welche zwischen Ottbergen und Erdenwerden über die Näthe führt. umgestürzt. In der Nähe von Godelheim ist der Eiscnbahndamm unterspült und infolgedessen ei» Dammrutsch eingetreten. Die Züge müssen umgeleitet werden. Güttingen, 4. Februar. Amtliche Meldung. Strecke Göttingen— Eichenberg ist wegen Ueberschwemmungen seit heute morgen 5 Uhr unfahrbar. Störung wird mindestens bis morgen mittag 12 Uhr dauern. Durchgangsverkehr wird ab Göttingen und Eubenberg über Münden— Dransfeld geleitet. Zwischen Friedland(Hannover) und Eichenberg ist für Personenverkehr Pendelbetrieb eingerichtet. Frankfurt a. M., 4. Februar. lPrivatdepesche deö „Vorwärts".) Aus der ganzen Provinz Hessen-Nassau werden schwere durch Hochwasser entstandene Schäden gemeldet. In Bilg- hausen bei Marburg wurden zwei Bahnbrücken zerstört. Das ganze Werratal steht unter Wasser. In Escbwcge im Wahlkreise Eschwege- Schmalkalden wurden Häuser fortgerissen. Die Bahnstrecke Cassel- Bramfeld ist stark gefährdet, da an mehreren Stellen die Bahn- dämme durchbrochen sind. Der Telephonverkehr in der Umgegend von Cassel ist unterbrochen. In Cassel sind die niedriger gelegenen Straßen überschwemmt. Im Dameltal ist ebenfalls Hochwasser. Der Bahnhos Nengelburg in der Nähe von Cassel ist gänzlich ab- geschnitten. Die Postverbindung ist vollkommen unterbrochen. Es wurden Dragoner alarmiert. Bei Hofgeismar sind beide Seiten des Eisenbabndammes, so weit man blicken kann, überschwemmt. Die Bahnhofstraße in Hofgeismar steht in Höhe von 20 Zentimeter unter Wasser. Die Unstrut ist gleichfalls aus ihren Ufern getreten. Der Ver- kehr auf der Bahnstrecke Hohenebra-Mühlhausen ist unterbrochen. DaS Eichsfeld steht teilweise auch unter Wasser, desgleichen die Bahnhosstraße in Suderstadt. Ueber die Ueberschwemmungen im Wuppertale liegt folgende Meldung aus Solingen vor: Seit heute morgen führen die Wupper und ihre Nebenflüsse Hochwasser. Die Strastcnbahnzentrale für die Strecke Solingen— Burg— Wermelskirchen— Remscheid mußte de» Betrieb einstellen. Das Städtchen Burg steht unter Wasser.— Aus allen anderen Ortschaften, die an der Wupper liegen, wird ebenfalls gefährliches Steigen des Hochwassers gemeldet. Auch die Ruhr führt Hochwasser, wie auS folgender Meldung aus Hagen i. Wests, hervorgeht: Die Ruhr und ihre Nebenflüsse führen infolge des seit Montag ununterbrochen niedergehenden RegenS und der dadurch bewirkten plötzlichen Schneeschmelze gewaltige Mengen Hochwasser mit sich. Weite Strecken sind über- schwenunt. Die Brücken leichterer Bauart wurden an vielen Orten weggerissen. Unwetter in Wie» und Nicderösterreich. Seit gestern wütet, wie eine Meldung aus Wien besagt, in der Stadt ein orkanartiger Sturm mit heftigem Regen, der den ganzen Tag über anhielt. Zahlreiche Häuser wurden beschädigt. viele Personen erlitten durch hcrabfallcndr Ziegelsteine und Fensterscheiben Bcrletziingen. Auch aus anderen Orten Niederösterreichs wird großer Sturm gemeldet. Ein schauriger Fund ist in der Forst bei Fürstenwalde gemacht worden. Dort wurde in einem Dickicht das Skelett eines etwa !4— ISjährigen Knaben entdeckt, von welchem der Kopf abgerissen war. Die Ueberreste des Kopfes hingen an einer Kiefer. Allem Anschein nach handelt eS sich um den Selbstmord eines jungen Burschen, der vermutlich lediglich zur Ausführung der Tat von Berlin nach Fürstenwalde gefahren war. Das Knochengerüst steckte noch in der Kleidung, die in schwarzen Manchesterhosen, braun- grauer Joppe, schwarzer Kammgarnweste, Plüschschnallenschuhen. schwarzen Wollstrümpfen und blaugestreiftem ArbeilShemd besteht. Auf der Kopfhaut wurden noch einige Büschel braimrötlichen HaareS vorgefunden. Ein braungestreiftes Halstuch hatte der jugendliche Selbstmörder, der die Tat vielleicht schon vor einem Jahre verübt hat, in Streifen zerrissen und sich daran erhängt. Eingegangene Dmefcrdmften. Von der„Nene» Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 19. Heft des 27. Lahrgangs erschienen. ES hat folgenden Jiihalt: Die Theorie vom blauen und roten Blut.— ElitwickelungsgeschichttichiS über die Montanindusttie Von Otto Hue.— Theorie und Praxis in der Gemeindcpolitik. Von I. Simon(Nürnberg).— Abschaffung der indirekten Verbrauchssteuern in den Gemeinden. Von Hans Schiller(Fürth).— Abschaffung aller indireltc» Steuern. Von Gg. Klampser tZirndorst.— Gewerkschaftsbeamte und Partei. Eine Erwiderung. Von Hermann Pclers (Dortmund).— Das Ende des sächsischen Dreiklaffenparlamcnts. Bon Gustav Nietn.— Literarische Rundschau: Paul Hirsch, FünsundzwanM Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde. Von er?. Dr. N. Kuczhnski, Die Entwickelung der gewerblichen Löhne. Bon ad kr.— Notizen: Deutschland in der Welt voran! Von Ic.— Zcilschristenschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postanstaltcn nnd Kolporlcure zunr Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung, Von der..Gleichheit--, Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 3 des 19. Jahr» ganzes zugegangen. Sie bat folgenden Inhalt: Charles Darwin. Von Eugen und Hamiah Lcwin-Dor'ch.— Di« preußische Fürsorgeerziehung um Pranger.— Zum Arbeitskammergesch. Von gh.— DaS Ausland im Jahre 1908. l. Von II. B.— Die PromethcuSsage. Von G. G.(Fortsetzung.)— Die Gründung dcS ZentrnivcrbandcS für Hausangestellte.— Kongreß der Tahakarbeiter Deutschlands. Von W. IC— Aus der Bewegung: Zur Beachtung!— Von der Agitation.— Bericht der Kinder- schutzkoinmission sür Altona-Ottenscn.— Aus der Jugendbewegung.— Politische Rundschau. Von II. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Der Zentralverband sür Arbciisnachweis zu Berlin.— Notiz enteil: Dienstboten- srage.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Frauenstimmrccht.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Für unsere Mütter und Hausfrauen. Von Herrn. Lingg.— Die VerdauungSorgane und ihre Funktion. I.— Mein Junge. Von h. L.— Die Mutter als Erzieherin.— Feuilleton: Die Flut. Von Ada Negri.— Die Schlacht bei Sempach. Bon Philipp Langmcum. (Schluß.)— Die Frau im Kriege. Don\V. B. Für unsere Kinder: Mut. Von Wolsgang Goethe.(Gedicht.)— Darwin. Von Brand.— Kaust Quirle I Von Anna Mosegaard.— Karl. Von Wilhelm Lobsien.(Gedicht.)— Von wilden Völkern.— Die beiden kugelrunden Müller.— Ausfahrt. Von Gustav Falle.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen bewägt der Abonncmcntspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2, so SB. Pitt und Fox. Roman von F. Huch. 1,80 M. W. Langewinsche« Brandt, München. Atme». Aber wie— und warum? Von A. P. Winkelmann. 1,20 M. Priber u. LammerS, Berlin W. 8. Die Oricutwirren. Von D. Trietsch. Neuer Fran'surter Verlag, Franksurt a. M. Eine kirchliche Schwebebahn. Von P. Bernstein. 68 Seilen R. Stteller, Leipzig._ ßriefhaften der Redahtfcn. M. K. 1000, 1. Wenden Sie sich an da? dortige Ministerium ohne nähere Bezeichnung. 2. Ja, wenn nicht etwa Ihr schristlichcr Vertrag dem entgegensteht, wie das die meisten Berliner Mietsvertragc tun.— E. S. 83. 1. Ohne Kenntnis des Inhalts des Testaments und Darlegung, was Sie unter Anscchtung verstehen, ist diese Frage nicht zu bcanttvorten. 2. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament, das richtig datiert ist, ist ohne weiteres gültig.— C. St. 2. 1. Nein. 2. Ja; die Kündigungsfrist hängt davon ab, aus welche Zeit Lohn vereinbart ist. 3. Nein.— Metallarbeiter. Sie sind zur Zahluiig nicht vcrpstichtet. Ihre Freu, wenn sie großjährig ist(über 21 Jahre). Der Wert des Buche? würde mit der Hälfte des Preises bezahlt sein.— H. F. 42. Schwerlich.— S. E. 13. Nein. W. 32. Der Betreffende könnte versuchen, bei der Staatsanwalt- schast ein Verjähren gegen sich zu erwirken.— E. N. 2. Nein. — St. 32. Versuchen Sic cS mit einer Anfrage bei der Münchencr Polizei.— K. Jakob 1. 1. Die Urkunde würde genügen. 2. Die Mutter kann auf Herausgabe der Police klagen. Die Adresse des katholischen BegräbniSbundeS ist uns nicht bekannt.— F. H. 200. Im Fall eines Prozesses würden Sie voranSsichilich zur Zahlung verurteilt werden.— A. H. 21. Die Abgabe ist möglich. Wenden Sie sich direkt an daZ Waisenhaus.— 20. Ei, Küstrinchcn. 1. Leider ja. 2. General, unseres Wissens Generaloberst.— S){. St. M. 8. 1. 1 Mark haben Sic zu zahlen. 2. Die Frau könnte aus Herausgabe klagen. 3. Neiir— Merkenthi». Karl Henckell wohnt Münchcn-Bogenhauscn, Kussteinplatz 2.— B. 13. Ja. — I. L. 130. Ein Testament kann beim Gericht oder beim Notar oder auch eigenhändig errichtet werden. Das eigenhändige Testament muß selbst geschrieben und unterschrieben sein. Beispiele und Anleitung zur Errichtung deö eigenhändigen Testaments finden Sie aus den letzten Seiten des dem „Arbeiterrccht" bcigejügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— P. ll. Ol. Nein.— M. G. 18. 1. Ja. 2. Nach zutreffender Ansicht nein". 3. Ja. Aber es kann Strafaufschub gewährt werden._ Amtlicher Marktbericht der städtischen MarNballen-Dircktion über den Großhandel in den Zcntral-Marltballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft ruhig, Preise sür Schweinefleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Zusuhr genügend, Gcschäsl schleppend. Preise wenig verändert. Geflügel: Zusuhr genügend, in Puten reichlich, Geschäft ziemlich lebhast, Preise bcsriedigcnd. Fische: Zufuhr zicmtich genügend, Gcichäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Skäje: Geschäft ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Znsuhr genügend, Geschäft anhaltend still, Preise ivcnig verändert. BSasscrstandS-Nachrtchten der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vos Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M- m e l. Tilsit V r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Schorn Oder, Ratibor , Krassen . Frankiutt a r t h e, Schrimm . Landsderg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz » Dresden » Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Q a v e l, Spandau') , Rathenow') Spree, Svrcmbcrg") . Veeskuw Weser, Münden , Minden Rhein, MaxiinilianSal: , Kaub Köln N e ct ä r, Heilbronn M a i u, Wcrtheim Mosel, Trier ')-ft bedeutet Wuchs,— Fall.—') Uutervcae!.—«) Elsstand. —*) teilweise EiSstand,—°) schwaches Treibeis,—•) eisfrei,— 7) Treibeis. Nach tclegraphischcr Meldung von heute hat die K atz stach Hochwasser mit Eisgang, Wasserstand am Pegel bei Liegnitz um 9*/« Uhr vormittags: 170 cm, noch steigend. Die Berglandslüjse im oberen und mittleren Wesergeb i e t habe» ebenfalls Hochwasser, und zwar teilweise recht be- deutendes, so z. B. E d e r und Leine. «SttterungSüberstckit vom 4. Februar 1009. morgen? 8 Uhr. Stationen Swmemde. erlin Franti.aM München Wien Stationen ~ M «5 a« Detter ri» Ä W" Havarnnda 74t SW Petersburg 748 S«O Scilly 1 765 W Aberdeen i 75'. WSW Pari» s765SW 2 Schnee �—12 4 Schnee>— 11 5 bedeckt 2 wolkenl 1 Lbedcckt I 10 4 8 Wetterprognose für Freitag, de» S. Februar 1009. EiwaS kühler, zeitweise heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Rege», Schnee- oder Graupelschaumt und frischen nordwestlichen Winden. BerltnerWetterbureaid rtitiir'-'nnngr— Reue Kielt Hasenheide 108—114. Im Rlesen-Festsale: RÜM.UM« Rutschbahn. Wasserfall. feenhafte Älpendekoration. 30 bayrische Madl Baron Muckls Bauernkapelle. 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IV* Die Kollegen werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. ----------- Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt.= 133/4_ I A.: S. Schulze. �ditung! Zigarrenhändler! �clitung! Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle m Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist Max Ziegenhals, dicht am::: Alexanderplafz. BAER SOHN I Spezial- Haus größten Maßstabes Chaussee- Straße 29-30 BrQcbea- Straß« □ Gr. Frankfurter Straße 20 Dm HepWCsUlog No.SS sod da Uwwi lUtslm N..30 korfalm Zahlstelle Berlin. Freitag, b. Februar, abds. 8'/� Uhr, im GewerkschaftShause, Engeluser 14, parterre£ Sitzung des1 Ortsverwaltungs Sonntag, den 7. Februar, find« die Bezirks-Uersümiiiliiiigeü der Einseher in den betannten Lolalen statt. Montag, den 8. Februar: MsNeüsr-Verssmmlungen >> tu sämtlichen Bezirken und Branchen.■• TageS- Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Unsere Agitation. 3. Verbandsangelegenheiten, MT Di« Lokale werben in der Sonntagnummer betannt gegeben. Mittwoch, deu 17. Februar: General Nersammlung bei Freyer, Koppenstraste 29. 78/16 I» der Vezirisversammlung der MSbelpolierer am 1. Februar tm Märfischen Hos-, Admiralsir. 18 o, hat ew Kollege ein Portemonnaie mit 10,45 M. verloren. Der Verlierer wolle sich an den Kollegen Frrulut, RIxdors, Reuierstr. 66. melden. VorwürtSleser erhalten S Prozent Erlcarabatt selbst bei nachstehend aus« gesührienGelegenheilSIäusen. Teppich. ThomaS, Oranienstratze 160, Oranie» platz. 1688K» Teppiche, Jnvenlurpreis« bis 33'/, Prozent herabgesetzt_ 1689�* Gardinen. Einzelsenster, sowie un- saubere Exemplare sür halben Bert Plüschgardine». 500"8e"nfter, Im veniurpreiS 26 Prozent ermäßigt. BorwSrtsleser, stehende 4 Anzeigen. beachtet vor- t6g2K» Tamenhemden mit gestickter Passe 1,20, Herrenhemden 1,16, Ausstat. wngen sowie Normalwäsche und Arbeiierhemdm spottbillig. 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