Nr. 32. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Breis pränumerando Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Numuner 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Gidrint tiglie außer Sontags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 26. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel. zeile oder deren Naun 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Bort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big.. jedes meitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition bgegeben werden. Die Expedition ist Bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 7. Februar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Bernsprecher: mt IV. Nr. 1984. Das österreichische Parlament en arminſtrumente extra anfertigen laſſen und fich noch zu wehren. gesperrt! schamlosen Nichtsnukigkeiten, die sich da im Abgeordnetenhause§ 14 des Regimes ist vorläufig keine Rede; dazu hat das ein paar Sie hatten sich die unglaub- Parlament noch zu viel Lebensfraft und dagegen wüßte es lichsten Uebrigens wird von der Sozialin die Sigung gebracht, darunter einen Apparat, mit dem demokratie gegen den schleichenden Absolutismus sofort der auf der Bühne Donner und Sturm produziert wird, dann nachdrücklichste Widerstand organisiert werden. Aber das eiferne Ratschen, Sirenenpfeifen, Automobilglocken, Feuerwehr- ändert nichts an der schmerzhaften Erkenntnis, daß dem Aus Wien wird uns vom 5. Februar geschrieben: trompeten; und so ausgerüstet lärmten sie ohne größere per- Parlament des allgemeinen Wahlrechts, in dem sich unsere Ein trauriger Tag war es heute für das österreichische sönliche Anstrengung und Ermüdung durch einige Stunden, Sehnsucht konzentrierte und das unser Stolz war, eine Wunde Abgeordnetenhaus, das die erste wirkliche Voltsvertretung bis die Sigung resultatlos abgebrochen wurde. Daß man geschlagen worden ist, die jeder, der das Volk liebt, empfinden dieses Staates ist und mit dessen Wirken die Hoffnungen von das nicht Obstruktion nennen kann, daß das nur efle Büberei wird als ein eigenes, persönliches Leid. Millionen verknüpft sind. Wohl bedeutet die plötzliche Schließung ist, braucht wohl nicht bewiesen zu werden. Besonders der Seſſion noch nicht das Ende, und lange kann die Aus- abstoßend ist der kalte Zynismus, mit dem der schändliche Hochmals das ,, Agrarische Handbuch". " " 1 P Die schaltung des Parlaments in dem sorgendurchwühlten Staate Unfug vorbereitet ward und durchgeführt wurde; diese sonicht währen. Aber sie bleibt doch die Unterbindung genannte Obstruktion hat keine Ursache, fein Ziel, sie ist sich, Die Korrespondenz des Bundes der Landwirte" kapriziert sich seines Daseins, die ihm gerade das nimmt, was vorzugsweise als Reklame für die traurigen Urheber, Selbst- darauf, fich absolut lächerlich zu machen. Auf unseren man dem österreichischen Verfassungsleben durch die zweck. Selbstverständlich wäre es dem Präsidenten möglich Agrarier und die Erbschaftssteuer" überschriebenen Wahlreform verschafft und verbürgt wähnte: die Stetig- gewesen, das Schandtreiben, das überdies für die Gehörs- Artikel in Nr. 24 des Vorwärts" antwortete sie zunächst gar nicht, feit und Sicherheit, die Sicherheit, die das Parlament von allen nerben der Anwesenden geradezu gefährlich war, hintan- obgleich verschiedene liberale Blätter diesen Artikel nachdruckten. Zufällen unabhängig macht und es als den unerschütterlichen zuhalten; denn daß zu dieser Verhinderung keine geschäfts- Nochmals von uns angezapft, verstand sie sich endlich zu einer AntMittelpunkt des Staates begründet und verankert. Daß die ordnungsmäßigen Bestimmungen nötig sind, dagegen auch in wort und erklärte nun, daß der von uns zitierte Artikel des Hoffnung getrogen hat und das Parlament des allgemeinen feiner Geschäftsordnung Vorkehrungen getroffen werden" Agrarischen Handbuchs" über die Erbschaftssteuer gewissermaßen und gleichen Wahlrechts derselben Entwürdigung und Ver- tönnen, ist selbstverständlich; zu einem anderen Lärm nur aus Versehen, ohne eingehende Prüfung in das wüstung unterlag wie einstmal das Privilegienhaus: das ist als mit dem der Stimme ist keiner berechtigt. Aber man„ Handbuch" gekommen sei, daß aber dieser Artikel nicht als die bittere Erfahrung der letzten Tage und das macht diese ließ die Leute ruhig gewähren und war noch herzlich froh, eine Stellungnahme des Bundes zur ErbschaftsSchließung der Session so bedeutungsvoll. Die Schließung als sie versprachen, in der nächsten Sitzung, in der in der steuerfrage aufgefaßt werden könne, denn er gebe nur refe der Session ist in Desterreich eine ganz ungewöhnliche Maß- Debatte über die Erklärung des Ministerpräsidenten derrierend die Meinungen des In- und Auslandes wieder. regel und sie erfolgt nur, wenn das Parlament arbeits- tschechische Abgeordnete Masaryk als erster Redner zum Die liberale Preffe spottete über die naiv- alberne Verlegenheitsunfähig wird; in normalen Zeiten wird das Parlament in Worte kommen sollte, mit dem Spektakel gnädigst einhalten ausrede, und wir wiesen darauf in Nr. 29 des ,, Vorwärts" wiederum Ferien geschickt oder vertagt. Mit der Schließung wurde zu wollen. nach, daß die„ Korrespondenz des Bundes der Landwirte" unber erst unter Badeni begonnen, als die deutsche Obstruktion In dieser gestrigen Sitzung, die ganz ruhig begann und schämt schwindelt, denn der Text sei bei der zweiten Herausgabe des gegen die Sprachenverordnungen jede Möglichkeit der parla- eine sachgemäße Debatte ermöglichte, ereignete sich zum Schluß Agrarischen Handbuchs" revidiert und ergänzt worden. Von einer mentarischen Arbeit abschnitt; seit dem Jahre 1900, wo die nun ein neuer Zwischenfall. Es wird nicht leicht sein, ihn den Aufnahme des Artikels ohne eingehende Prüfung" könne also nicht Schließung der Session unter Körber der Vorläufer der Auf- Begriffen vernünftiger Menschen erklärlich zu machen. Die die Rede sein. Lösung war, hat man zu dieser Strafmaßregel nicht mehr ge- Regierung hat vor furzem zur Regelung des Sprachengebrauchs Doch nun entdeckt die Korrespondenz, daß sie zuviel zugegeben griffen. Wenn nun das Abgeordnetenhaus, das inmitten bei der Prager Postdirektion, wo unter den tschechischen hat. Sie läßt ihre Behauptung fallen, daß der Artikel nur ein uneiner Fülle der dringendsten Aufgaben steht, auseinander Handelsministern die tschechische Sprache in den inneren verbindliches Referat und ohne Prüfung in das Handbuch aufgejagt wird, so bedeutet das nicht weniger, als daß die Dienst gewissermaßen eingeschmuggelt worden ist, einen Erlaß genommen sei, und behauptet jetzt, daß erstens der Artikel des Hoffnung, auf normale Weise der vielen Schwierigkeiten herausgegeben, in dem auch verfügt wurde, daß an die Handbuchs nur rein theoretisch" gemeint sei, und daß Herr zu werden, aufgegeben worden ist. Es ist noch fleinsten Postämter von der Direktion tschechisch geschrieben zweitens das gitat des Bortvärts" nicht den richtigen Sinn des nicht der Bankerott, und die Hoffnung ist nicht aus werden dürfe, oder, wie es in dem Erlasse heißt, daß diese betreffenden Artikels wiedergäbe, denn in diesem Zitat fehlten verdie Gefahr, vor der das Parlament Ausnahme zulässig" sein soll. geschlossen, daß man Nun hatte das schiedene Stellen des Artikels. Ohne in ihrer köstlichen Naivetät zu steht, die nationalen Parteien im letzten Augenblicke zur Be- allgemein, auch auf deutscher Seite, so aufgefaßt, daß merken, daß sie sich dadurch nur noch tiefer in die Patsche hineinfinnung führen kann, aber das große moralische Ansehen, das dadurch für diese Bostämter in ihrer Gesamtheit reitet, schreibt nämlich die Korrespondenz der Laubbändler: der neuen Volksvertretung in dem Empfinden und Wollen der eine Ausnahme geschaffen wird. Die Regierung hat" Zunächst handelt es sich um einen schon im Jahrgang 1898 Völker gezollt ward, ist bitter geschädigt worden. Es ist ein jedoch, wie man gestern erfuhr, in einer mündlichen In- aufgenommenen Artikel über die Erbschaftssteuer, der diese Frage rein theoretisch behandelt und als Quellenmaterial am Fußende unglücklicher Staat, dieses Desterreich, und mancher wird heute struktion dem Prager Postdirektor nahegelegt", diese„ Ausdas„ Handwörterbuch der Staatswissenschaften" und eine Arbeit dem Geschick fluchen, das ihn zur Arbeit in diesem unentwirr- nahme" nur in den Fällen zu gestatten, wo der Dienst in von Wilhelm Hausmann Die Schädigungen der preußischen baren Chaos verdammt. diesen fleinen Bostämtern nicht von Dffizianten versehen wird, Staatseinnahmen durch Erbschaftssteuer" ausdrücklich angeben." Boraus ist die Strafmaßregel der Schließung der Seffion die, weil sie eine Prüfung abgelegt haben, auch Deutsch verDas ist wieder recht gedankenlos geschwindelt. Erstens habent entstanden? Wenn die außerösterreichische Welt vernehmen stehen und also tschechische Zuschriften nicht brauchen. Sinn wir nicht den Artikel aus dem Jahrgang 1898 zitiert, sondern aus wird, aus welchen jämmerlichen Bagatellen heraus die reich oder notwendig oder nur torrett war diese dem Jahrgang 1903, und zweitens wird in dem Artikel aus dem Sprengung des Zentralparlaments, der mit so viel Opfern mündliche Instruktion sicherlich nicht; der Brager Post- Jahrgang 1898 nicht auf das Buch von Hausmann Bezug geerarbeiteten und mit so viel Mühsal erkämpften neuen Bolts- direktor, ein enragierter Tscheche, scheint sie dafür gleich nommen, sondern es heißt dort nur zum Schluß furzweg in einer vertretung geschehen ist, so wird sie über dieses Maß von Un- falls nicht gehalten zu haben, und er flüchtete sich, nommen, sondern es heißt dort nur zum Schluß furzweg in einer vernunft die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Daß was für die Bersetzung der österreichischen Bureaukratie ganz Artikel: Erbschaftssteuer. Bd. 8 u. Supl. 1". Fußnote: Literatur: Handwörterbuch der Staatswissenschaften. die Stimmung durch den nationalen Kleinkrieg, der in bezeichnend ist, mit der Beschwerde gegen seinen Vorgesetzten Desterreich niemals rastet, zur Unerträglichkeit überreizt ist zu den tschechischen Abgeordneten, was das Ergebnis hatte, Korrespondenz nicht einlassen, sondern nur kurz feststellen, daß sie und das Gift des chauvinistischen Hasses in allen Boren daß der Abgeordnete Stramarsch die Sache gestern im Hause aus der Anführung von Quell- und Nachschlagwerken gefolgert nistet, ist freilich wahr; aber der allgemeine Zustand des als Betrug" und" Gaunerei" bezeichnete. Der derzeitige Staates, der ja unendlich jämmerlicher ist, als das Ausland Leiter des Handelsministeriums, der auch im Auslande be- wissen will, der Artikel des Handbuchs über die Erbschaftssteuer fei rein theoretisch" und tomme daher praktisch für ahnt, erklärt noch lange nicht die schändlichen Wirrnisse tannte Gelehrte Mataja, erhob sich sofort zur Abwehr, legte bie Stellungnahme der Agrarier zur Steuerdiefer letzten drei Sigungen, deren Ausgang der Sessions den Sachverhalt dar und bemerkte zum Schluß, daß für die die Stellungnahme der Agrarier zur Steuer. schluß ist. Wie man weiß, hat sich die Regierung Bienerth Bostämter ohne Dffizianten die Korrespondenz der Postämter frage night in Betracht. Nun wird aber im Agrarischen Handbuch nicht nur in diesem nach langem, gefährlichem und verderblichem Baudern an sie in tschechischer Sprache ohne weiteres als entschlossen, dem Abgeordnetenhause die schon seit einem zulässig" erklärt worden sei. Ile ber dieses zulässig" alle auf die einschlägige Literatur hingewiesen, sondern auch bei anderen größeren und wichtigen Artikeln. Jahre versprochenen nationalen Gesetze für Böhmen vorzu- gerieten nun die Tschechen in wütende Demnach kommen nach der Logik der Korrespondenz auch legen. Durch die zwei Gefeßentwürfe sollte einer der Haupt- Aufregung, und das war der Grund der diese Artikel als rein theoretische" für die praktische politische punkte der böhmischen Frage, der Frage des erträglichen Skandalszenen der heutigen Sigung, die mit Stellungnahme der Agrarier nicht in Betracht. Stellungnahme der Agrarier nicht in Betracht. Nebeneinanderlebens der zwei Nationen, die gegeneinander in der Schließung der Session beantwortet grammatische Agrarische Handbuch" enthält also größtenteils erbittertsten Wettbewerb stehen, geschlichtet werden, sollte die wurden! Ist das nicht schon der nackte Wahnsinn? Sie Artikel, die für die praktische Politik der Agrarier nicht maßgebend rechtliche Stellung und Machtgeltung der Sprache der beiden gebärden sich, obwohl Mataja nur die Worte des zwei Wochen find. Man braucht nur diese Konsequenzen zu ziehen, um fofort Nationen bei den staatlichen Behörden und Gerichten durch alten Erlasses gebraucht hatte, wie verrückt, daß ihre Sprache zu erkennen, daß die ganze Verlegenheitsausrede der Korrespondenz Gesetz festgesetzt werden. Nun wurden gegen die Regierungs- in Böhmen nur zulässig" sein solle, verlangten eine genug geradezu blödsinnig ist. vorschläge zwar von beiden Seiten heftige Einwendungen tuende Erklärung, gegen die wieder die nicht geistreicheren geradezu blödsinnig ist. was weiter nicht überraschend war, da sie Deutschen, als eine Stonzession" an den tschechischen leberals ein Kompromiß der beiden einander entgegengesetzten mut", mit den leidenschaftlichsten Worten Einspruch einStandpunkte von jeder Partei auch Verzichte fordern; aber legten, und das Resultat war, daß die heutige Sigung sofort dennoch war auf beiden Seiten das Bestreben unverkennbar, mit demselben Skandal einsetzte, der die vorgestrige erfüllt hatte; die Aktion nicht zum Scheitern zu bringen, ja sogar die Bereit- als neue Ausstattungsrequisiten hatten die lebensfreudigen willigkeit, den Verfuch einer Auseinandersetzung ernstlich zu Radikalen heute eine große Trommel und Tschinellen mitunternehmen. Also würde man meinen, daß sich die gebracht. Allerdings beteiligten sich mehr oder minder aktiv Stimmung allmählich beruhigt habe und friedlichere Verhält- an dem schamlosen Gelärm auch die übrigen Tschechen, und nisse eingetreten sind. Aber wer das Natürliche erwartet, das scheint dem Faß den Boden ausgeschlagen zu haben. tennt dieses Desterreich mit seinen verdammten nationalen Nach etwa zehn Minuten überreichte der Ministerpräsident Demagogen nicht. Auf den tschechischen Bänken sigt eine kleine dem Vorsitzenden ein Blatt Papier, und als es verlesen war, Truppe sogenannter ,, Radikaler", die den Typus des gewissenlosen wußte man, daß das Parlament des allgemeinen und gleichen Chauvinismus am unverfrorenſten verkörpern, sich von jedem Wahlrechts an einer bitteren Leidensstation angelangt ist. Verantwortlichkeitsgefühl entbunden fühlen, weder Scham noch Was wird nun werden? Das ist schwer zu sagen, da in Anstand kennen und vor allem auf ausgiebige Reflame für sich Desterreich schon lange überhaupt nicht regiert wird, wenn bedacht sind. Womit macht man sich nun bei einer so auf Irr man unter Regieren noch etwas anderes versteht als der wege geratenen Wählerschaft, wie es die tschechisch- bürgerliche Stuecht der Ereignisse zu sein. Daß es so weit gekommen ist, zu sein scheint, am sichersten populär? Durch Skandale; ist nicht zum wenigsten die Schuld einer unfähigen Regierung, um so populärer, je größer der Skandal ist. Also haben die, weil sie nichts zuwege brächte, die Untätigkeit( wie sie für die Mittwochsizung, in der die Sprachenvorlagen Bienerth noch gestern meinte:„ die Dinge ihre natürliche Enteingebracht wurden, einen ganz ungewöhnlichen Standal wickelung nehmen lassen") schon vorweg als Staatskunst ausgibt. vorbereitet. Der telegraphische Bericht, überhaupt kein Be- Lange wird das Intermezzo wohl nicht währen können und von richt gibt auch nur ein annäherndes Bild von den einer Beiseiteschiebung des Parlaments durch eine Neuauflage des erhoben, was " " den Doch wir wollen uns auf derartige fleine Täuschungen der " Das proAber außerdem sollen wir auch noch verschiedene Stellen des Sandbuchartikels unterschlagen haben. Daran ist nur soviel richtig, Handbuchartikels unterschlagen haben. Daran ist nur soviel richtig, haben, sondern nur die für unsere Beweisführung in Betracht daß wir nicht den ganzen, mehrere Seiten langen Artikel zitiert tommenden Stellen; die Tabelle und mehrere Abfäge fehlen, doch sind diese Auslassungen durch Bünlichen markiert. Unter diesen Auslassungen befindet sich auch der Absatz: n " Das Erbschaftssteuersystem ist in den einzelnen Ländern sehr verschieden entwickelt. In England, Desterreich, Italien und Frankreich wird grundsäglich jeder Vermögensverkehr von Todes wegen ohne Rüdsicht auf den Grad der Verwandtschaft besteuert und bezeichnet man dieses System der Besteuerung als„ Allgemeine Erbschaftssteuer". Im Gegensas hierzu ist die in Deutschland herrschende Form„ Beschränkte Erbschaftssteuer" zu nennen. Es wird hier auf die Besteuerung des Erbganges in gerader Linie verzichtet, und wenn auch hierunter die Ergiebigkeit der Staatseinnahmen leidet, so entspricht das in Deutschland herrschende System der deutschen Auffassung über Familiengemeinschaft." Und ferner zum Schluß der Satz: " Wenn somit jemand zur Zeit seines Todes feinen Wohnsiz außerhalb Preußens, fein ganzes, vielleicht aus Millionen bes stehendes bewegliches Vermögen aber in Preußen niedergelegt hatte, so bleibt sein Nachlaß in der Regel in Preußen steuerfrei." Diese nichtssagenden Säße sollen dem ganzen Artikel einen anderen Sinn geben, so behauptet wenigstens die Korrespondena. Leider können wir des RauinmangelS wegen nicht nochinals das lange Zitat aus der Nr. 24 des„Vorwärts" abdrucken Wir müssen es dem Leser überlassen, obige Sätze an den markierten Stellenein- zufügen. Er wird dann sehen, dajj diese Behauptung der Kor- rcspondenz genau so einfältig und albern ist, wie ihre übrigen. Cngliich-Äeutich! Beziehungen. London, 4. Februar.(Eig. Ber.) Der bevorstehende Besuch des Königs von England beim deutschen Kaiser bringt für den Augenblick die englisch- deutschen Beziehungen wiederum in den Mittelpunkt des politischen Interesses. Neues lästt sich über diese Frage nicht sagen und sie wird durch die Monarchen- bcgegnung nicht im geringsten beeinflußt werden. Der Verlauf der cnglisch-deutschen Beziehungen hängt von den Flotte netatS ab und die kapitalistischen Parteien beider Länder betrachten Flotten, Armeen und deren Mordinstrumente als die sichersten Förderer ihrer Interessen. Die deutsche Regierung ist entschlossen, neben einer Armee ersten Ranges auch eine Flotte ersten Ranges zu schaffen, während England wohl eine Flotte ersten Ranges besitzt, aber im besten Falle nur eine Armee von 150000 Mann in einen kontinentalen Krieg schicken könnte. Das ist in kurzen Worten das Problem der cnglisch-deutschen Beziehungen. ES könnte nur gelöst werden durch ein freundschastliches Ueberein kommen zwischen den beiden Mächten, mit den Rüstungen einzuhalten und ein gewisses Gleichgewicht zwischen ihren KricgSkräften herzustellen. An ein derartiges Ucbereinkommen ist indes nicht zu denken, wenigstens nicht in den nächsten Jahren. Wie wenig die KönigSreise nach Berlin die Politik beeinflußt, zeigen die Unstimmigkeiten im englischen Kabinett, über die gegenwärtig allerlei Gerüchte verbreitet werden. Die„Daily Ehronicle" teilt heute, wie eS scheint, auS offiziösen Quellen folgende Nachricht hierüber mit: „Die innere politische Welt beschäftigte sich gestern lebhaft mit Gerüchten über eine ernste Kabinettskrise, die zum Rücktritt von drei Ministern führen könnte. Glücklicherweise ist die Lage nicht so schlimm. Aber eS ist ohne Zlveifel eine scharfe Meinungö- Verschiedenheit inr Kabinett vorhanden betreffend den Flottenctat für daS Finanzjahr 1909/10. Das Kabinett ist einstinunig in seinem Enffchluß, die Flottenübermacht aufrechtzuerhalten, allein eS herrscht keine Ucbereinstimmung in bezug auf daS neue Bauprogramm. DaS Marincministerium(Adrniralty) verlangt ein Bauprogramm, daS — nach Ansicht einiger Minister— übermäßig hoch ist.... ES würde allerdings im kommenden Finmizjahre nur eine Mehrausgabe von 2,5 Millionen Pfund Sterling erfordern, dafür aber in den folgenden Jahren Mehrausgaben von 5 Millionen und 0 Millionen Pflmd Sterling nötig machen. Die Meinungsverschiedenheit im Kabinette dreht sich um die Frage, ob Bauprogramme von solcher Größe wirklich erforderlich sind. Einige der Mächte, besonders Deutschland, geben sehr bedeutende Summen für ihre Flotten- Programme aus. Im gegenwärtigen Augenblick ist unsere Flotten- Übermacht unbestritten. In Linienschiffen und Kreuzern sind wir über den Zwei-Mächte-Standard hinaus. Aber es ist jetzt Gebrauch, die Flottenstärke in DreadnoughtS auszudrücken. Aber auch nach diesem Maßstabe gemessen, steht unsere Flotte an der Spitze. Der Flottenbund fürchtet indes, daß, wenn wir uns nicht beeilen, wir im Jahre ISIS nur 14 DreadnoughtS gegen 13 deutsche haben werden. Im selben Jahre wird Japan 10, die Vereinigten Staaten von Amerika 6 und Frankreich 4 Dread- nougths besitzen." Wie man sieht, dreht sich das unmittelbare Problem der englisch- deutschen Beziehungen um Flottenrüstimgen. Monarchen gehen und lommen, halten Reden und erteilen Interviews; Minister orakeln und gackern, allein das Problem bleibt und die wachsenden Flottcnetats verschärfen die Lage. Und nicht nur die der änßcren Politik. Auch die innerpolitische Lage wirb tief dadurch beeinflußt. Hier äußert eS sich auf dem Gebiete der Steuerpolitik. Deutschland führt schon seit Jahren eine Defizitwirtschaft; in England beginnt sie sich erst in diesem Jahre bemerkbar zu machen. Wie aber England seine Defizite decken wird, geht auch Deutschland an. Denn die englischen Defizite bedrohen den englischen Freihandel aufs ernsteste.— poUtifche ücber ficht. Berlin, den 6. Februar 1909. Fortsetzung der sozialpolitischen Debatte. Aus dem Reichstage.(6. Februar.) Wie die Agrarier bei jeder Gelegenheit jetzt forsch auftrumpfen, so machen sie es auch im Reichstage. Dem Grafen K a n i tz tvar diese, ihm nicht ungewohnte Aufgabe zugefallen. Neues brachte er nicht vor, tvenigstcns nichts aus seinem Spezial- gebiete, der Befiirwortung agrarischer Forderungen, mit denen er auch stets eine Polemik gegen das Kohlenshndtkat verbindet. Neu tvar nur sein Argument gegen die sozialdemokratische Forderung eines ReichSbcrggesetzcS. Er unterstellte der Sozialdemokratie die aberwitzige Idee, durch ein Rcichsberggesetz ließen sich alle Unfälle im Berg- bau verhüten. Da das nun doch unmöglich sei, glaubte er die Nutzlosigkeit eines Neichsberggesetzcs hinreichend bewiesen zu haben. Man kann an diesem Beispiel Kanitzischer Argu- mcntation den geistigen Tiefstand des ostelbischen Junkertums ermessen; denn dieser ostpreußische Graf gilt als dessen her- vorragendster Theoretiker. Als gemilderter Agrarier, gemilderter Schutzzöllner und gemilderter Vertreter der Fertigindustrio stellte sich dann der nationalliberale Herr Stresemann vor. Ans den ölig geglätteten Wogen� seiner pastoralgefärbten Suada hielt er den Kurs der mittleren Linie, um weder einerseits noch anderer- seits anzustoßen, aber er vergaß doch nie, daß er als Wort- führcr der Fertigindnstrie in den Reichstag geschickt wurde. Genosse Zu b eil hatte es übernommen, eine Anzahl Spezialbeschwerden der Arbeiter besonders gefährlicher Be- triebe«n der Hand von zahlreichen Beispielen vorzubringen Besonders zeigte er, daß trotz wiederholter Nachweise über die Entbehrlichkeit von Blciwetß von der Neichsregierung noch keine Maßregeln ergriffen seien, um die Verwendung dieses giftigen Stoffes im Malergeloerbe zu inhibieren. Des Staatssekretärs mehr und mehr unternehmcrfreundlich ge- wordene Haltung unterzog er einer scharfen Kritik. Als er schließlich auch auf die Zustände im Betriebe der Firma Carstens in Elmshorn, die von dem freisinnigen Abgeordneten Carstens selbst vor einiger Zeit im Reichstage angeschnitten waren, einging, wurde er vom Vizepräsidenten Paasche daran gehindert. Herr Carstens(Freis.) der darauf zum Wort kam. forderte Zubeil zu einem Rededuell in Elmshorn heraus. welche Herausforderung unser Gcnosie auf der Stelle mit Freuden" akzeptierte. Zur Verteidigung deS Herrn v. Beth- mann-Hollweg stimmte dann Herr Carstens seinen so glühendeil Lobgesang an, daß selbst das entzückte Jünglingsherz des Herrn Siegfried Heckscher darob hätte neidisch werden können. Mit schönem Pathos versicherte Herr Carstens, es sei doch noch sehr fraglich, ob Zubeil oder Herr v. Bcthmann-Hollweg dein deutschen Volke größere Dienste geleistet hätte. Das schien einen so wohltuenden Eindruck auf den Herrn Staatssekretär zu machen, daß wir demnächst sicher eine Denkschrift aus dem Reichsamt des Innern über diese Carstenssche Preisfrage zu erwarten haben. Die Debatte wurde auf Montag vertagt. Klassenjustiz. Endlich einmal hat die Klaffenjustiz, die von der Tribüne des Reichstags herab so oft kritisiert ist, auch im preußischen Drei- llassenparlament, dem Parlament des Staates, in dem die Klaffen- justiz in voller Blüte steht, die ihr gebührende Würdigung erfahren. Schonungslos hat Genosse L e i n e r t als Fraktionsredncr zum Justizetat am Sonnabend das Märchen zerstört, als ob es im Klassenstaat eine Justiz gäbe, die ohne Ansehen der Person und des Standes urteilt. Ausgerüstet mit einein reichhaltigen Material wieS er die unterschiedliche Behandlung von Arbeitern und An- gehörigen der Bourgeoisie vor Gericht nach, zeigte er, wie wenig die sozialen Verhältnisse von den Richtern berücksichtigt werden, wie die ganze soziale Gesetzgebung den Staatsanwälten ein Buch mit sieben Siegeln ist, wie Staatsanwälte und Gerichte bemüht sind, durch eine kühne Interpretation des Z 133 der Gewerbeordnung streikende Arbeiter zu verurteilen, und wie eS allmählich dahin gekommen ist, daß„Arbeitswillige", weil sie wissen, daß die Gerichte sie schützen, organisierte Arbeiter geradezu zu povroziercn suchen. Die fortgesetzten Zwischenrufe, die auf feiten der Konser- vativen ertönten, waren ein deutlicher Beweis dafür, wie unan» genehm den Stützen von Thron und Altar die Worte unseres Redners waren. Noch mehr steigerte sich ihr Aerger, als L e i n e r t im zweiten Teil seiner Rede Kritik daran übte, daß Schutzleuten vor Gericht immer mehr Glauben beigemessen wird, als Privat- Personen, und als er weiter den Minister aufforderte, dafür zu sorgen, daß die Polizei, die am letzten Sonntag in Hannover unter Mißbrauch ihrer Amtsgewalt unter friedlichen Passanten ein Blut- bad angerichtet hat, zur Rechenschaft gezogen wird. Mit allem Nachdruck betonte der sozialdemokratische Ztedner, daß die Justiz das furchtbarste Werkzeug der besitzenden Klaffe ist, die von diesem Werkzeug den rücksichtslosesten Gebrauch macht. Ter Justizminister Dr. B c s e l e r machte sich seine Erwidc- rung ungeheuer bequem; er erging sich in einigen Allgemeinplätzen und persönlichen Ausfällen; von Einzelfällen aber berührte er nur den von Leincrt vorgebrachten Fall Markwald in Königsberg, und zwar bezeichnete er die Verurteilung Markwalds zu li4jähriger Gefängnisstrafe als eine„glückliche Lösung". Wenn solche Auffassungen an der höchsten Stelle Platz greifen, dann sind aller- dings die B l u t u r t e i l e, die Leinert angezogen halte, kein Wunder! Da Herr Beseler nichts weiter zu sagen mußte, wiederholte er seine vorjährige Aufforderung an die„Veranlasscr" der Slraßendemonstrationen, sich zu melden, damit sie abgeurteilt werden können. Ein naiver Herr, diese Exzellenz Beseler l Statt sich des hilflosen Mannes in christlicher Nächstenliebe anzunchmen, ließen die Konservativen Herrn Strosser loS, der gegen die Sozialdemokratie tobte, die Todesstrafe und die Prügelstrafe empfahl, aber schließlich wie ein begossener Pudel abzog, als Adolf Hoffmann laut durch den Saal rief, der Befürworter der Prügelstrafe müßte die erste Portion bekommen. Zwar versuchte Herr Strosser noch eine Erwiderung aber er erreichte dadurch nur, daß H o f f m a n n Gc- legenheit zu einer neuen Bemerkung fand, durch die er die Lacher auS allen Parteien auf seine Seite zog. Die Weitcrbcratung des Justizetats soll erst nach Erledigung des LehrerbesoldungsgesetzcS, der Pfarrerbesoldungsgesetze und der Steuerüorkagen erfolgen, deren zweite Lesung am Montag beginnt. Eine volle Million wird ün Etat für den G e h eim fand S des Auswärtigen Amts gefordert. Eine Erläuterung ist dazu nichts gegeben; die Regierung nimmt eben an, daß der Reichstag diese Summe wie immer glatt bewilligen werde, denn den bürgerlichen Parteien ist dreimal heilig, was die Regierung mit dem Schleier deS Geheimnisses zu umgeben beliebt. Angesichts der namentlich vom Zentrum zuerst als eine Art Allheilmittel gegen den Finanzdalles empfohlenen und von den übrigen bürgerlichen Parteien akzeptierten Sparsam- keit im kleinen sollte man jedoch annehmen, daß die Budget- kommission, die beim Auswärtigen Amt um des SparsamkcitS- Prinzips willen die Lächerlichkeit auf sich nahm, statt der für Heizung und Beleuchtung, Schreibgebührcn. Dienst- anziige usw. angeforderten 250 000 Vi. nur 24S 000 M. zu bewilligen, von der vollen Million erst recht einen erheb- l i ch e n Teil a b st r e i ch t. Das darf man wohl um so eher er- warten, als die Herren ganz genau wissen, daß dieser Fonds wohl zum größten Teil, wenn nicht ganz. Korruptionözwecken dient. Herr Erzbcrger, der doch sonst so mancherlei zu fragen hat, und dem die Sorge wegen der Abstriche die Nachtruhe raubt, sollte hier um so energischer— zugreifen und auftrumpscn, da er als Parlamentarier weiß, daß der größere Teil des Geldes zur Unterstützung— besser gesagt zur Bestechung— der Presse dient. Als Journalist dürsten ihm sicherlich mehrere dieser auS dem genannten Fonds ge- speisten Stcptilienblätter im In- und Auslande und vielleicht auch einige ihrer unsauberen Vertreter bekannt sein. Daß Herr Erzberger sich etwa dazu ausschwingt, mit unS die Abschaffung dieses KorrupttonS- fondS auS ReinlichleitSgründen zu fordern, erwarten wir weder von ihm noch von einem anderen bürgerlichen Abgeordneten. Aber wenn lediglich auS Sparsamkeit Abstriche an Positionen gemacht werden, wo es sogar zweifelhaft ist, ob die bewilligte Summe nicht über- schritten werden muß, dann darf man nicht einer hohen Forderung zustimmen, wenn ihre Ablehnung neben der geniachten Ersparnis einen hohen sittlichen Wert in sich schließt. Und daß eö etwas Unsittliches ist, den ZeitungSleser zu täuschen. der glaubt, in seinem Blatte die Meinung einer un- abhängigen Redaktion zu finden, während er in Wirklichkeit Artikel der Regierung vor sich hat, unterliegt doch keinem Zweifel. Es ist daS direkt ein Betrug an den Leser, der mit Recht im höchsten Grade entrüstet sein würde, wenn er wüßte, daß der Artikel, in dem die Weisheit und Gerechtigkeit der Regierung marktschreierisch gelobt wird, von eben dieser Regierung selber herstammt.— „Altpreuszische Sparsamkeit". Das Wort B ü I o w s von der altprenßischen Sparsamkeit— desselben Bülow, der einstens Millionen für einen Palast in R o m ausgegeben hat— wird zurzeit von Junkern und Junkergenosscn in allen Variationen wiederholt. Ueberall da, wo die Herrschasten möglicherweise zu einem, sei es auch nur minimalen Beitrage zu den Staatslasten herangezogen werden könnten, verschanzen sie sich hinter dies anekdotische Wort. Wie es mit der altpreußischen Sparsamkeit bei unseren» Militarismus aussieht, schildert nun drastisch folgende Geschichte, die die nationalliberale» M a g d e b. Ztg." erzählt: „Im Jahre 1884 trat der Fahnenjunker v. K- in ein Berliner Garde-Jnsmtterieregiment ein und wurde dort Offizier— Equi« pierung Nr. 1, die dank der Stickerei, weißem Büffelhaarbusch usw. nicht eben billig war. Das Jahr 1837 brachte die Vettetzung des jungen LentnautS in das Seebataillon— völlige Equipierung Nr. 2, denn nur Handschuhe und Stiefel blieben die gleichen, während Waffcnrock, Ueberrock, Beinkleider, Tschako, Mütze, Degen andere- Farbe und Form zeigten. Nach vier Jahren kam die Rückversetzung in das Regiment Hamburg— Neu- cquipierung Nr. 3. 1802 trat der Offizier zur Kavallerie über und kam zu einem lllanenregiment am Rhein— Equipierung Nr. 4; nur die langen Beinkleider waren weiterzutragen. 1889 bekommt unser Freund eine Schwadron und zwar bei den 12. Dragonern in Gnescn— also(hellblaue) Equipierung Nr. 5. Ein Jahr später fällt die Chinaexpedition; v. K. wird Eskadron- chef im Ostasiatischen Nciterregiment— gänzliche llmequipierung in Khaki und braunes Schuh- und Lederzeug: Nr. 0. Nach wiederum einem Jahr wird das Expedittonskorps aufgelöst; der mit einem Schwerterordcn geschmückte Chinese lehrt heim und wird blauer Husar in Mainz. Sein Schneider freut sich, equipicrt ihm von der Pelzmütze bis auf die silberbcsetzten Stiefel zum siebenten Male neu und verspricht ihm, an dem er nun genug vcr- dient zu haben meint, eine Gratisansriistung, sollte er nochmals versetzt werden. DaS aber kommt bald genug. Schon 1901 wird ans dem hellblauen Husar(mit Silberbesatz) ein Stendalcc grüner Husar(mit goldenen Dlstinktionen) ergo— Equipierung Nr. 8, denn nur die Hosen und Stiefel(aber nicht einmal ihr Tressenbcsatz) blieben die gleichen. Jetzt nun, am 27. Januar, ist auS dem grünen Stcndaler Hutarenrittmeister ein Krc- felder Husar geworden, mit silbernen Abzeichen, anderer Säbeltasche und Schabracke usw.— also die neunte voll- ständige N e u a u s r i> st u n g in 25 Dien st jähren! Eine Kavallericcquipierung ist durchschnittlich nicht unter 3—4000 M. zu beschaffen. Der hier beschriebene neunmalige Ilniformwechscl stellt also eine private Kapitalsauswendung des betroffenen Offiziers bereits über 30 000 M. dar." Diese 30 000 M. mußte allerdings der betreffende Offizier aus eigenen Mitteln aufbringen. Aber sein Herr Papa oder auch Schwiegerpapa mußte sich für diese überflüssigen Luxusausgaben seines Söhnchens oder SchwicgersöhnchenS wieder an seinen Arbeitern schadlos halten! Am letzten Ende ist es stets die lohn- arbeitende Klasse in Stadt oder Land, die für solche Extravaganzen aufzukommen hatl Der Bund der Industriellen und das Gastrecht. Der Bund der Industriellen, deffen Syndikus der national- liberale Abgeordnete S t r e s e m a n n ist, hat am Donnerstagabend im Hotel Adlon, Unter den Linden, getagt, wozu auch eine Anzahl Parlamentarier eingeladen und erschienen waren. Es handelte sich um den Gesetzentwurf über die Arbeitskammern, über den. so heißt es in der Einladung, die Vertreter der deutschen Industrie mit den Mitgliedern des Reichstags über die Grundgedanken und Einzelheiten derselben Rücksprache nehmen wollen. Weiter heißt es wörtlich: „Für die Industrie, die doch von dem geplanten Gesetze sehr eng berührt wird, wäre eS jedenfalls in hohem Maße erwünscht, wenn an dieser Besprechung möglichst zahlreich Herren aus dem Parlament reilnehmen und wenn ein gründlicher MeinnngS- anSlausch zustande kommt. Deshalb hoffen wir, Sic bei unserer Besprechung begrüßen zu dürfen." Diese Einladungen waren auch einigen wenigen Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion wohl in der Annahme zugesandt worden, daß von ihnen wohl doch niemand kommen werde. Doch siehe, eö kam etwas anders. Einer unserer Genossen hatte nach längerer Ueberlcgung eS doch über sich gc- wonnen, der Wiffenschast wegen und als höflicher Mann, der eine erhaltene Einladung zu schätzen weiß, ferne Schritte nach dem erstklassigen Hotel zu lenken. Doch der Empfang war nicht besonders herzlich. Die zahlreich anwesenden ReichSverbändler schnitten Grimassen, als fie einen leibhastigen Sozialdemokraten in den Saal treten und sich seelenruhig in die ausgelegte Liste ein- zeichnen sahen. Bald aber steckten die Herren die Köpfe zusammen. Von einer Gruppe löste sich dann eine Gestalt los, um unseren Gr- Nossen einem Verhör zu unterziehen. DaS Resultat war. daß der Vertreter deS Bundes der Industriellen er- klärte: die sozialdemokratischen Mitglieder deS Reich?- tagS hätten keine Einladimgen erhalten sollen, wären ihnen aber solche doch zugegangen, so sei daS ein Irrtum seitens deS ReichstagSbureaus, durch daS der Bund die Einladungen habe besorgen lassen. Froh, einer vermeintlichen und unangenehnicn Pflicht überhoben zu sein, verließ unser Genosse die in diesem Falle ungastlichen Räume dcS Adlon-Hotels.— Azetv und die Berliner Polizei. Das Pariser„Journal" erzählt heute, daß sich A z e w. als er ohne Wissen der revolutionären Partei nach Peters- bürg fuhr, um Lopuchin aufzusuchen, in Berlin bei einein Zimmervermietcr namens Tschernomordik auf- gehalten habe, der nichts anderes sei als ein B e a m t e r d e r preußischen Polizei. Es werde angenommen, daß dieser Besuch außer dem Zweck, ein Alibi zur Verheimlichung der Petersburger Reise zu schaffen, nochandereZwecke hatte. Daran fügt das Blatt die Mitteilung, unsere F r a k- t i o n wolle den Fall in einer Interpellation im Reichstag zur Sprache bringen und feststellen, daß zwischen der deutschen Polizei und den Angestellten der russischen politischen Polizei nahe Beziehungen bestehen. Es würde bewiesen werden, daß die russische und deutsche Polizei be- ständig Verbindungen unterhalten. So hätte sie in diesem Falle den Lockspitzel Azew schützen wollen. Es sei nicht unmöglich, daß die Dokumente, die in der Duma nicht verlesen werden können, im deutschen Reichstag zur Sprache kämen. In diesen Mitteilungen mischt sich sehr viel Falsches mit sehr wenig Wahrem. Es ist falsch, daß die sozial- demokratische Fraktion über den Fall Azew eine Interpellation eingebracht hat oder demnächst ein- bringen wird. Daß die russische und preußische Polizei in intimen Bezieh» ngen zueinauderstehcn, ist richtig. aber nicht neu. Das dieses freundschaftliche Verhältnis auch im Fall Azew sich bewährt hat, ist richtig, aber die von dem Pariser Blatt gegebene Darstellung entspricht dem Sachverhalt nicht. Auf die Einzelheiten des angeblichen Berliner Aufenthalts des Azew einzugehen, halten wir heute noch nicht für angezeigt._ Neichsvereinsgesetzliches. Die Verordnungen über daö Halten von Laien» reden aus Kirchhöfen sind durch das Reichs- vereinsgesetz außer Kraft gesetzt. So entschied am Donnerstag der 1. Strafsenat des Kammergerichts. Eine Polizeiverordung vom 24. September 1896, die auf Grund des Z 6 des preußischen PolizeiverwaltungS-Gcsetzes erlassen ist, verbietet den Laien das Halten von Grabreden auf oen Kirchhöfen und läßt Ausnahmen nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde zu. Wegen Uebcrtretung dieser Polizeiverordnung war der Ge-- nosse Etasch vom Landgericht Breslau zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auf die Ztedision des Angeklagten hob daS Kammergericht, im wesentlichen den Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. F. Be hrend folgend, das Urteil auf. In der Begründung hieß es: Der§ 9 des RcichS-Vereinsgesehcs, der im Absatz 1 von den nach js 7 genehmigungspflichtigen öffentlichen Aufzügen und öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel spreche, handle auch von den Leichenbegängnissen. Der Z 1 untersage aber, die Materie Oes Versammlungs- und Vercinsgesetzcs durch n i ch t reichsgesetzliche Bestimmungen zu stören. Daraus folge, daß die auf Grund des K 6 des Polizcivcrwaltungsgesetzcs erlassenen Polizeiverordnungen der hier fraglichen Art nicht mehr anwendbar seien. Das bedeute jedoch noch nicht, daß der Angeklagte freigesprochen werden müsse. Es müsse geprüft werden, ob nicht das Ncichsvercinsgesetz anzuwenden sei. Allerdings bestrafe§ 19 Absatz 1 nur den, der ohne die vorgeschriebene Genehmigung(§§ 7, 9)«ine Versammlung unter freiein Himmel oder einen öffentlichen Aufzug beziehungs- weise ein außergewöhnliches Leichenbegängnis veran- staltet oder leitet. Der Angeklagte(der 3 Minuten am Grabe geredet hat), wäre danach als Redner nicht strafbar. Es wäre jedoch möglich, daß er als Veranstalter eines außergewöhn- lichen Leichenbegängnisses in Frage käme. Das Kammergericht vertrete den Standpunkt, daß ein an sich gelvöhnliches Leichen- begängnis durch besondere Umstände, besonders durch die Rede eines Laien am Grabe, zu einem ungewöhnlichen werden könne, das genehmigungspflichtig sei. Der«Senat sei weiter der Meinung, daß derjenige, der wissentlich oder absichtlich die ganze Form eines Leick-.nbegä.rgnisses umgestalte, so daß es ein außergewöhnliches wert. s' r wohl als Veran st alter dieses anders gearteten 2*'.'"nisses angesehen werden könne. Aufgabe des Land- ..er rch- n dt: neuen Verhandlung fei es nun, nachzuprüfen, ob ttf hie der Fall fei und ob nicht der Angeklagte als Veranstalter e>.:s»..'gewöhnlichen Leichenbegängnisses bestraft werden könne. Zu dem Attentat sauf das oldenburger Landtags- Wahlrecht wird uns geschrieben, daß Montag, den 8. Februar, die Be- ratung des Wahlrechts im Landtage fortgesetzt werden soll. Trotz der Annahme der Pluralwahlrechtsanträge werde die endgültige Entscheidung doch erst in der zweiten Lesung fallen. Leider sei die Befürchtung nicht abzuweisen, daß der Ausgang der eingeleiteten Wahlrechtsreform ein durch das Plural- Wahlrecht kompliziert gestaltetes reaktionäres Machwerk sein werde. Der Kampf um das gleiche Wahlrecht ist damit aller- dings nicht zu Ende; er hat nunmehr erst recht begonnen I Folgen des Brotzolles. Seltsame Zustände werden in den badisch-schweizerischen Grenzorten durch den deutschen Zolltarif geschaffen. AnS der Schweiz dürfen täglich gewiffe Mengen von Mehl und Brot— jedoch nicht mehr als v Pfund— zollfrei nach Baden gebracht werden. Die Bewohner der badischen Grenzorte lassen sich vom Bürgermeister eine Brotkarte ausstellen und flugS geht? nach der Schweiz, um das billigere Brot herüberzubefördenr. In Kleinlaufenburg war bis zetzt der Bäcker an, Orte der einzige, der noch keine Brotkarte gelöst hatte— aus sehr naheliegenden Gründen. Jetzt hat auch der entdeckt, daß sich das Schweizer Brot noch billiger einführen als selbst backen läßt, und er holte sich vom Bürgermeister auch eine Brotkarte. Die Schweizer Bäcker sind ob dieses Schutzes der .einheimischen deutschen Produkte" gar nicht schlecht auf den deutschen Zolltarif zu sprechen._ „Messina und der Gottesglaube." ' Ueber dieses Thema redete in Aachen, der frommen Zentrumsstadt, ein gotteskundiger Mann, Herr Dr. Loenartz, vor katholischen Männern und Jünglingen. Nach dem Be- richt des ultramontanen„VolksfreundS" sieht der Redner in der gewaltigen Katastrophe in Unteritalien„eigentlich etwas ganz Alltägliche s", denn jeden Tag sterben 90 000—100 000 Menschen und ebensoviel verlieren täglich Hab und Gut. Außerdem: „Gerade die Gegend von Messina ist so oft von Erdbeben heimgesucht. Gott gab hierin den Menschen das Zeichen, solche gefährliche Gegenden zu erkennen und sich danach einzurichten, aber man hat der Gefahr stets gespottet und hohe Paläste gebaut." r Für den gläubigen Christen ist also an dem Unter- 'gang Messinas nichts weiter zu verwundern. Die Menschen sind schuld, daß es ihnen übel ergangen ist. Und schließlich, was liegt un einigen hunderttausend Menschen, wenn ihnen nur das Himmelreich sicher ist!„Denn," so meinte der Redner, „es gibt ein Gut, das keinen Schatten werfe, und dieses sei der Besitz Gottes, die ewige Seligkeit. Und das Gegenteil, das Schlechte, ist der Verlust Gottes, das Entsetzliche, die Hölle. Alles, was zum Himmel führe fei gut, und alles, was zur Hölle führe, sei schlecht. Ein neues Glück auf Erden gäbe es nicht. Die Krankheit und die Armut ist ein Unglück und wie vielen hilft sie doch zum wahren Glück. Und der Rcichtiun und die Gesundheit, wie vielen ist dieser Besitz zum Unglück ge° worden. Krieg. Erdbeben, große Unglücke usw. haben viele Menschen in den, Himmel gebracht und viele in die Hölle. An wem lag es nun bei Messina? Jeder ist seines Glückes Schmied. Und wenn wir das Ziel nicht er- reichen wollen, dann haben wir selbst die Schuld. Gott gibt Glück und Unglück. Und er gibt es dazu, damit die Menschen es richtig gebrauchen sollen. Logisch gedacht, gibt eS für die Menschen kein Unglück. Und nun zurück nach Sizilien. Gott gab allen noch Ze it zur Bekehrun g. Wer dieses nicht verstanden, der hatte selbst Schuld. Gott wollte noch seine Gnade spenden im letzten Augenblick. Gott ließ das Unglück auZ Liebe zu." Derartige Reden beweisen, daß gerade die f r ö m rn st c n Leute die ärgsten Gotteslästerer sind!— AuS dem Bereich der Militärjustiz. Welche Ergebnisse die sogenannten„Erziehungsanstalten" zeitigen, zeigte sich in aller Deutlichkeit in einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 3. Division zu Stettin. Wegen„tätlichen SichvergreifenS" an einem Vorgesetzten war der Füsilier Zander angellagt. Der junge Mensch kam in seinem sechsten Lebensjahre in eine dieser„ErziehungS"anstalten. wo er indeß weder Schreiben noch Lesen lernte. Auch in moralischer Be- ziehung scheint jene Erziehung völlig versagt zu haben, denn als er ins Heer eintreten mußte, hatte er bereits eine nichtunerheb» liche Zeit im Gefängnis zubringen müssen. Diesen in geistiger Beziehung so arg vernachlässigten, bedauernswerte» Menschen zu ärgern und zu peinigen, scheint beim Kommis das erstrebenswerte Ziel vieler seiner Kameraden gewesen zu sein. Am 8. Januar hatte er die Tür seines Spindes offen gelassen, was einigen„Spaßvögeln" Anlaß gab. das ganze Spind in schweinischer Weise zu verunreinigen, indem man ihm Kohlen zwischen die Sachen und sogar in dort befindliche Eßwaren warf. Zander vermutete als Täter einen Unterosfizier, den er zur Rede stellte. Bon diesem unsanft zur Seite gestoßen, ließ er sich in der Erregung dazu hinreißen, einen Besen zu nehmen und zweimal nach dem Unteroffizier zu schlagen. Der eine Schlag ging fehl, der andere wurde mit der Hand abgewehrt. Diese aus den Umständen heraus ganz begreifliche Beleidigung ahndete das Kriegs- gericht„nur" mit der Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis, weil die„miserable und spottschlechte Erziehung" des Angeklagten strafmildernd in Erwägung gezogen werden müsse.— „Gerechtigkeit muß sein und sollte die Werl darüber zugrunde gehen", sagte die Hallesche Justiz und klagte die bisher unbestrafte bvjährige Arbeiterfrau Götze an, die dem Magistrat der Stadt Halle einen Sack Pferdeäpfel vom einem Kehrichthaufen„entwendet" hat. Die arme Pröletaricrin versucht sich mit ihren Kindern, so be- richtet man uns unterm S. Februar aus Halle a. S., mit dem Erlös aus dem Sammeln und Verkaufen von Pferdemist zu ernähren. Da die Frau zur Zeit der Tat ein schwer krankes Kind gehabt, das in- zwischen verstorben ist. ihr Mann keine Arbeit bekommen toiinle und die Familie in bitterer Not lebte. ging sie an den Stadtkehrichthaufen und nahm sich dort einen Sack Pferdemist, um diesen als Dung zu verkaufen. Ein gewissenhafter Magistrats- beamter enideckte die Tat und zeigte die Frau an. weil sie, so ver- sicherte er vor Gericht, schon öfter von der Straße Pferdeäpfel, die doch dem Halleschen Magistrat gehörten,„entwendet" hätte. Der Gerichisvorsitzende richtete die originelle Frage an den Magistrats- beamten, ob es in Halle dem, eine Polizeiverordnung gebe, nach der nur der Magistrot an dem in den Straßen Halles lagernde» Pferde- mist das Besitzrccht geltend machen könne. Die Frage wurde ver- neint. Der Magistrat läßt aber den Unrat in den Straßen zu- sammenkehren, ihn auf einen Haufen bringen und verkauft ihn dann pro zweispännige Fuhre mit 75 Pf. Danach kann man ermessen, wieviel Pfennige Wert der Sack Dung gehabt haben mutz. Der Amtsanwalt beantragte gegen die Frau einen Tag Gefängnis. Das Gericht zog sich zu einer sehr langen Beratung zurück und verurteilte die Frau zu der niedrigst zulässigen Strafe von einem Tage Gefängnis mit der Be- griindung, daß das Gericht eingehende Erwägiingen darüber an- gestellt habe, ob sich nicht eine Konstruktion zur Freisprechung finden lasse. Nach Lage der Sache sei dies ober nicht möglich gewesen. Dann heißt eS in der juristisch scharfsinnigen Urteilsbegründung weiter: Der Pferdemist, der auf der Straße liege, sei zwar eine „herrenlose Sache, die sich jeder aneignen könne", von dein magistratlichen Misthaufen dürfe sich aber niemand etwas nehmen._• Die Balkankrise. Ein türkischer Gegenvorschlag. Die Türkei hat den russischen Vorschlag insoweit akzeptiert, als sie bereit ist, die Entschädigung, die sie von B u l g a r i e n zu fordern hat, von Rußland anzunehmen. Sie will aber die Ge- legenheit benützen, um die sofortige Erledigung der türkischen Kriegs- entschädigung an Rußland vorzunehmen. ES soll also die Entschädi- guugssumme gegen die Kriegsschuld aufgerechnet werden und der Rest der Kriegsschuld durch Aufnahme einer Anleihe an Rußland bezahlt werden. Die russische Entschädigungssumme beträgt 129 Mill. Frank. Fortdauernde Rüstungen. Saloniki, 0. Februar. Das Ministerium ordnete Vorkehrungen zur Einberufung von R c s e r v e t r u p p e n an, die beim Ein- treffen des ersten Befehls marschfertig sein sollen. Konstantinopel, 6. Februar. Amtlichen Berichten zufolge setzt Bulgarien seine militärischen Vorkehrungen an der türkischen Grenze in verstärktem Maße fort. Auch erhält die bul- garische Grenzbevvlkerung W a f f e n und Munition aus Bul- garicn._ Oesterreick. Ein Rechtfertigungsversuch der Regierung. Wien, b. Februar. Eine Kundgebung der Regierung führt folgendes aus: Nur unter dem äußersten Zwange der Ver- Hältnisse entschloß sich die Regierung, von der erteilten Vollmacht Gebrauch zu machen. Sie ließ vorher nichts unversucht, das Wge- ordnetenhaus in normale Bahnen zurückzuleiten und bot der Volksvertretung reiches Material zu ersprießlicher, schöpfe- rischer Tätigkeit im Jntcresie großer BevölkerungSschichten. wie dcö Staates selbst. Wissend, wie schwer der nationale Zwist in Böhmen auf allen Völkern und dem Reiche lastet, gab die Regierung in sorgfältig vorbereiteten Gesetzentwürfen einen kräftigen Antrieb zur Anschleifung der Schärfen und zur Ausgleichung der Gegensätze. Alle diese i'lnregungen blieben unbeachtet oder wurden verkannt. Durch müßige Dringlichkeitsanträge, welche geflissentlich eine Hemmung der Arbeitsfähigkeit des Volkshauses bezweckten, wurde die Zeit vergeudet. Auch die Einbringung der Sprachenvor- läge tat diesem Beginnen keinen Einhalt, obwohl sie in der ge- samten Oeffentlichkeit als eine brauchbare Verhandlungsgrundlage anerkannt wurde. Die Abneigung gegen die sachliche Behandlung all dieser wichtigen Fragen schien nur noch gesteigert zu werden. Denn auf die'wahrhaft nicht dringlichen Dringlichkeitsanträge folgten so unerquickliche Sturmszencn mit grundlosen Angriffen auf die Regierung, daß dem ein jähes Ziel gefetzt werden mußte, sollte das Ansehen des Parlaments im In- und Auslände nicht vollständig untergraben werden. Erst in diesem Augenblick entschloß sich die Regierung zur Schließung. Der Schritt war un- erläßlich. um das Parlament selbst vor arger Gefährdung zu be- hüten und von ihm daS Acußerste abzuwenden. Nur das volle Be- wußtscin der mit Notwendigkeit eintretenden Folgen eines Rückfalles kann Rettung bewirken. Nicht gegen, sondern für das Abgeordnetenhaus erwirkte die Regierung den Schluß dev Session. In absehbarer Zeit wird dem Wgeordnetenhause Gelegen. heit gegeben, seine Einsicht zu bekunden und sein Interesse an sich selbst zu betätigen. Die Regierung will mit ihren Maßnahmen die Umkehr vorbereiten und fördern. An den Parteien ist es, durch ausnahmslose Rückkehr zur Pflicht den Bestand des Volks- Hauses zu sichern, dessen weiteres Schicksal in ihre Hände gegeben ist. ' j' Der böhmische Landtag ist am 9. Februar gleichfalls geschlossen worden. Italien. Neuwahle«. Rom, 6. Februar. Der Ministerrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, den Belagerungszustand in den Bezirken Messina und Neggio di Calabria aufzuheben. Ferner faßte er den Beschlutz, dem Könige die Auflösung der Kammer vorzuschlagen, und dem Ministerpräsidenten die Ermächtigung zu erteilen, den Zeitpunkt für die Neuwahlen und für den Wiederzusammentritt der Kammer festzusetzen. SckwecUn. Ein Begnadigungsgesuch für Anton Nilsso». 94 Abgeordnete der Zweiten Kammer, unter ihnen 34 Sozial- demokraten, haben für den zum Tode verurteilten Bombenattentäter Anton Nilsson ein Begnadigungsgesuch an den König gerichtet, in dem hervorgehoben wird, daß schon bei der Annahme des jetzt geltenden Strafgesetzes die Erwartung auf baldige Abschaffung der Todesstrafe ausgesprochen wurde, daß das Begnadigungsrecht des Königs seitdem wesentlich in der Richtung auf dieses Ziel änge- wandt worden sei und daß sich jetzt in weiten Volkskreisen ein« bestimmte Meinung gegen die Todesstrafe geltend mache. Außer- dem wird in dem Gesuch selbstverständlich auch auf die besonderen Milderungsgründe hingewiesen, wie auf den heftigen sozialen Kampf, der den Hintergrund der Tat bildete, und auf den Umstand, daß nach dem Urteil hervorragender Sachverständiger die volle Zurechnungsfähigkeit des ja noch sehr jungen Attentäters ange- zweifelt werden muß. Rolland. Die Arbeitslosigkeit. Rotterdam, 0. Februar. Etwa tausend Arbeitslose durch- zogen nach einer Versammlung die Stadt. Als die Polizei eine Verhaftung vornehmen wollte, wurde sie mit Steinen beworfen. Die Demonstranten verwundeten zwei Polizeibeamte und schlugen mehrere Fensterscheiben ein. Die Polizei zerstreute sie mit b I a n! e r W a f f e.— Rußland. Der russische Galgen. Aus Petersburg meldet man uns: Der bekannte Arzt S ch b a n k o w veröffentlicht auf Grund ge- »auerer Daten eine grauenerregende Statistik über die Entwickelung der Todesstrafe in Rußland. Im Jahre 1995 hatte es 96 Todesurteile gegeben, 199S zählte man 1333, 1997 waren es schon 1619, das Jahr 1998 aber schlug den Rekord mit 2889, wobei nur 323 Begnadigungen bekannt geworden sind. Die Eni- Wickelung der Todesstrafe steht im umgekehrten Verhältnis zur Volksbewegung und ist lediglich ein Ausdruck sinn- und maßloser Reaktion. Die demoralisierende Wirkung der Henkersurteile äußert sich in der Ausbreitung grausamer Lynchjustiz, die im Jahre l993 339 Fälle zählte, und im Wachsen der Bluttaten gegen Angehörige(723 Morde und Verwundungen). Der Einfluß dieicr Zustände ans die Volks- seele drückt sich sodann in der unheimlichen Vermehrung von Selbstmorden, deren es im Jahre 1993 in Petersburg 3792 gab(gegen 1893 im Jahre 1097), aus. Hfnha. Die Vereinigten Staate« von Südafrika. In den letzten zwei Monaten berieten die Delegierten der siko- afrikanischen Kolonien Englands über die Herstellung und die Ver- fassung eines südafrikanischen Bundesstaates. Die schwierigste, aber keineswegs wichtigste Frage bestand in der Wahl einer Bundes- Hauptstadt. Um diese Ehre stritten Kapstadt und Pretoria. Schließ- lich kam folgender Ausgleich zustande: Kapstadt soll das Bundes- Parlament beherbergen. P r e t o r i a die Bundesverwaltung, B l o«m- fontein daS Bundesgericht. Amerika. Die Japaner-Gesetze. Sacramento, 6. Februar, Gouverneur Gillette wandte sich an den Senat mit der Aufforderung, die vom Unterhaus angenommene Bill, wonach die japanischen Kinder von den öffent- lichen Schulen ausgeschlossen werden, aufzuheben. Er er- klärte, das Gesetz verletze die Vertragsrechte der Japaner. Die japanische Regierung würde ein derartiges Gesetz als ein u n- freundliches Vorgehen ansehen. Salem(Oregon), 5. Februar. In dem Senat des Staate» wurde eine Resolution eingebracht, in welcher der Kongreß er)c.cht wird, das Gesetz betreffend den Ausschluß der Chinese n auch aus I a p a n e r und Hindus auszudehnen. pariamentarilekes. Die Finanzkommissio» des Reichstages kam auch in der Sonnabcndsitzung noch nicht über die GeneraldiZ- kussion des ß 1 der Nachlaßsteuervorlage hinaus. Der Finanz- minister von Württemberg erklärte heute— genau so wiö gestern seine Kollegen au» Preußen, Bayern, Sachsen und Weimar— das Einverständnis seiner Regierung mit der Nachlaßsteuervorlage und polemisierte scharf gegen die vorliegenden Anträge. Ihm schloß sich der Retchsschatzselretär mit der Versicherung an, daß der Bundesrat nicht aus Eigensinn an der Nachlaßsteuer festhalte, sondern weil durch die Airnahm« des Entwurfs alle Schlvicrigkeitcn beseitigt, durch Annahme eines der auf Vermögenssteuer De zw. Erhöhung der Matrikularbciträge lautenden Anträge nur neue Schwierig- leiten geschaffen würden.> Genosse Ulrich erklärte gegenüber Gamp, der behauptet hat, daß die Vorlage einzig bei den Sozialdemokraten Freude erregt habe, daß diese Freude doch nur eine sehr mäßige sei, weil sie ihm und seinen Freunden nicht weit genug gehe. Warum bleibe die ohnehin ungenügende Progression bei 3 Proz. bei einem Nachlaß von 1 Million und mehr stehen und steige nicht, wie in England, bis zu 15 Proz. oder wenigstens lvie in Frankreich bis zu 7 Proz. Hierzu komme noch die gänzlich unmotivierte Begünstigung des Großgrundbesitzes. Vor dessen Heranziehung nach Gebühr aber sei die Regierung ängstlich zurückgewichen, freilich, wie die Debatte zeige, ohne vor den Herren Agrariern Gnade gefunden zu haben. Wenn unsere Forderungen bezüglich der Nachlaßsteuer angenommen tvcrden würden, so seien mit einem Schlage alle Schwierigkeiten gehoben, ja man könne dann das schwere Unrecht, das durch die indirekten Steuern den Aermsten der Armen zugefügt werde, be- seittgen. Gefreut habe er sich aufrichtig über die Reden der Finanz. minister, die erkennen lassen, daß es auch in Regierungskrcisen zu tagen anfange. Wenn von feiten der Konservativen geäußert war- den sei, daß die Aufbringung der ganzen Summe durch indirekte Steuern ctlva 8 M auf den Kopf der Bevölkerung ausmache, so komme in Betracht, daß dies für eine fünfköpfige Familie 49 M., d. h. für Arbeiterfamilien im Durchschnitt zwei volle Wochenlöhne nmche. Gegenüber den mehrfach gebrauchten Schlagwörtern von der„Zerstörung des Familiensinns",„Lockerung der Familien- bände" usw. weist Ulvich auf die Tatsache hin, daß die Nachlaßsteuer. wie sie in der Vorlage gefordert wird, seit Jahren in Hamburg und Bremen erhoben»erde, und da sei doch der Nachweis not- wendig, daß die Familienbande und der Familiensinn in den Junker- und Agrarierfamilicn anders geartet seien, als in denen der Reeder und Kaufleute in den Hansestädten. Mit aller Eni- schiedenhc.it erklärte sich der Redner gegen die mit der Nachlaßsteuer verkuppelte W e h r st e u e r, die er und seine Freunde g r u n d- s ä tz l i ch ablehnen, da sie in ihr nur den Versuch erblicken, die Krüppelsteuer auf Umwegen durchzuführen. Was ihm und seinen Freunden ferner an der Vorlage nicht gefalle, sei die gänz- liche Ausschließung landesväter- und mütterlicher Nachlässe, bei denen sichs doch fast immer um Millionen handle. Die verschiedenen Landesfürsten mühten eS eigentlich als eine Beleidigung empfinden. daß man sie von dem patriotischen Opfer der Sanierung 3er Reichs- finanzen ausschließen wolle. Jedenfalls würden es die Sozialdemokraten sich angelegen sein lassen, alle Mängel im Gesetz auszu- gleichen. Außer der Nächlaßsteue raber sei ihm auch der Antrag auf eine Reichsvermögenssteuer sympathisch, und seine Freunde würden auch diesem zustimmen, den Antrag Gamp und Genossen aber ablehnen, da er den Zweck, die großen Vermögen entspreche, ld zu treffen, verfehle.. Der Antisemit Naabe verteidigt den Gedanken der Wehr» steuer, ist ober gegen die Verkuppelung mit der Nachlaßsteuer. Dietrich rüffelt seinen freisinnigen Blockbruder wegen der Ver» suche, die Interessen der kleinen Grundbesitzer als mit denen der großen in Widerspruch stehend hingustellen. Er ist Gegner der Nacklaßsteuer wie der ganzen Erbsthafts- und Vermögenssteuer. Den Klagen der Finanzminister legt er nicht das gangste Gewicht bei und erklärt, daß die Konservativen trotzalledcm auf den ab- lehnenden Standpunkt verharren. Herold bekämpft die Anschauung, daß das Zentrum aus der augenblicklichen politischen Situation heraus gegen die Nachlaß» steuer sei. Durch Verlesung der R h« i n b a b e n s ch e n Rede gegen den sozialdemokratischen Nachlaß st euer» Antrag bei der Finanzreform von 199ö bereitete er diesen Herren eine sehr unangenehme Viertelstunde. Die Rede enthält nämlich sämtliche Schlagworte, die von den Gegnern gegen die jetzige Vorlage gebraucht werden, und schließt mit der dieser Tage auch wieder benutzten Phrase:„Meine Herren, das ist der Weg. der in den Zukunftsstaat führt!" So denke daS Zentrum auch heute noch wie damals der preußische Finanz» minister, und es erblicke auch heute noch in einem Gesetz im Sinne des Entwurfs ein Gesetz für Konfiskation des Eigen» tu ms! Wenn die Finanzminister sämtlich mit den Sozialdemo, kraten Arm in Arm gingen, so soll man künftig dem Zentrum keinen Vorwurf daraus machen, wenn es wieder einmal mit den Sozialdemokraten übereinstimme. Herr v. Rheinbaben fühlte sich veranlaßt, auf die Am zapfungen Herolds zu erklären, daß er aus patriotischem Pflichb gefühl seine Bedenken von vor drei Jahren geopfert und übrigens getan habe, was in seinen Kräften stand, um die Gt fährdung und drückende Belastung des ländlichen Grundbesitzes. die er damals hauptsächlich im Auge hatte, aus der Vorlage fern- zuhalten. Von konservativer Seite wird beantragt, die Abstimmung über den§ 1 auszusetzen bis nach der Durchberatung der ganzen Erbschaftsstcuervorlagen._ Die Konkurrcnzklauscl in der GewerbeordnungSkommisfion. Stach zweitägiger lebhafter Debatte wurde in der Gewerbe- ordnungskoniinission die Frage deS Konkurrenzklauselverbotes in erster Lesung erledigt. Die Regierungsvorlage will den§ 133 f, Abs. 1 der besagt: „Eine Vereinbarung zwischen den Gewerbeunternehmern und einem der im§ 133 a bezeichneten Angestellten, durch die der Angestellte für die Zeit nach der Beendigung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird, ist für den An- gestellten nur insoweit verbindlich, als die Beschränkung nach Zeit. Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreitet, durch welche eine unbillige Erschwerung seines Fortkommens ausgeschlossen wird." beibehalten und ihm als Absatz II zufügen: „Die Beschränkung kann auf einen Zeitraum von mehr als drei Jahren von der Beendigung des Dienstverhältnisses an nur dann erstreckt werden, wenn vereinbart wird, daß während der Dauer der Beschränkung dem Angestellten das zuletzt von ihm be- zogene Gehalt bezahlt lvird." Demgegenüber beantragten unsere Genossen Molkenbuhr Robert Schmidt und Stadthagen: die Konkurrenzklausel strikt zu verbieten, eventuell dem Absatz 1 des geltenden § 133 k zuzufügen: „Die Beschränkung ist nur bei solchen Angestellten zulässtg, deren Gehalt 3(K)l) M. übersteigt. Sie kann ferner auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahre, von der Beendigung des Dienstverhältnisses an gerechnet, nicht erstreckt werden. Für die Zeit der nach diesem Paragraphen zulässigen Beschränkung der gewerblichen Tätigkeit des Angestellten ist das Gehalt fortzu zahlen." Endlich verlangten unsere Genossen unter Darlegung der im- geheueren Ausdehnung der Konkurrenzklausel auf Verträge mit einfachen Arbeitern das Verbot oder die Beschränkung der Kom kurrcnzklauscl, wie immer sie für Werkmeister festgelegt werden würde, auf alle Arbeiter auszudehnen. Von den bürgerlichen Parteien beantragten die Abgg. Schock und Behrens(wirtsch. Vg.) gleichfalls das Verbot, eventuell einen ähnlichen Eventual- antrag. Das Zentrum wünschte eine Beschränkung der Kon kurrenzklauselverträge auf Fälle, in denen der Angestellte eine Vertrauensstellung einnimmt oder in denen die Verträge zur Verhütung des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen dienen könnten. Das Zentrum wünschte noch fernere Einengungen der Konkurrenzklausel, hielt aber ein Verbot zurzeit für zu weit« gehend. Abg. M a n z(stf.) will Konkurrenzklanselverträge auf zwei Jahre und auf die Fälle beschränkt wissen, in denen mehr als 1500 M. Gehalt gezahlt wird. Von nationalliberaler und kon servativer Seite wird die Regierungsvorlage als das weitgehendste Zugeständnis gegen den durch die Konkurrenzklausel getriebenen Terrorismus Arbeitswilliger erachtet. Schließlich gelangte mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten, der Polen sowie der Abgg. Schock und Behrens folgende Fassung deS§ 133 f zur Annahme: „Eine Vereinbarung zwischen dem Gelverbeunternehmer und einem der im§ 133 a bezeichneten Angestellten, durch die der An- gestellte für die Zeit nach der Beendigung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird, ist für den An- gestellten nur verbindlich, wenn die Vereinbarung bezweckt und geeignet ist, den Gcwerbeuntcrnchmer vor solchen Schäden zu bc- wahren, welche durch die Bekanntgabe von Betriebs- oder Geschäfts- geheimnissen entstehen können. Die Vereinbarung ist ferner nur insoweit verbindlich, als die Beschränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand nicht die Grenzen überschreitet, durch ivelche eine un- billige Erschwerung seines Fortkommens ausgeschlossen wird. Die Beschränkung kann auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahre von der Becudigung deS Dienstverhältnisses an nur dann erstreckt werden, wenn vereinbart wird, daß während der Dauer der Beschränkung der Angestellte die zuletzt ihm gewährten vertragsmäßigen Leistungen des Gcwerbennternehmers weiter erhält und diese mindestens 3000 M. betragen. Die Vereinbarung ist nichtig, wenn der Angestellte zur Zeit deS Abschlusses minderjährig ist oder wenn sei» Arbeitsverdienst die Summe von 1500 M. für das Jahr nicht übersteigt." Die durch Fettdruck ausgezeichneten Stellen heben die Aende- rungen gegenüber dem heutigen Zustande hervor. Der Anregung unserer Genossen, diese Bestimmung auch auf alle Arbeiter auszudehnen, die heute gegen Konkurrenzklauselvsrträge durch kein Sonderverbot geschützt sind, wurde zugestimmt. Drucksachen. AuS dem preuß. Abg.-HauS.(Nr. 112, l und Hl.) Bericht der XI. Kommission über den Gesetzentwurf zur Abänderung des Gesetzes, betreffend das Dienfteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen vom 3. März 1897 nebst Zusammenstellung der endgültigen KommisfionSbeschlüsse. GevyerklcdaMdK�. Die Gewerkschaften im Zeichen der Krisis. Es ist Pflicht der Gesellschaft, des Staates, der Kommunen, die schuldlosen Opfer der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit zu schützen. Wie aber die herrschende Gesellschaft dieser Pflicht nachkommt— oder besser nicht nachkommt, ist zu bekannt, um in diesem Rahmen ausführlich erörtert zu werden. Die Kommunen lassen in größerem oder klei- nerem Maße Notstandsarbeitcn verrichten und glauben damit ihrer sozialen Verpflichtung nachgekommen zu sein. Schließlich wird auch, wie in Frankfurt a. M., eine Kommission zur Prüfung der Arbeitslosenfürsorgenfrage eingesetzt— die aber seit ihrer Wahl vor bald zwei Monaten noch keine einzige Sitzung hatte!— oder, werden gar in Ausnahmefällen, wie in Stratzbnrg, an die gewerk- schaftlichcn Arbeitslosenkassen Zuschüsse bezahlt. Aber im Grunde sind diese Mahnahmen, um die durch Arbeitslosigkeit verursachte Rot zu lindern, so gering, daß nur ein kleiner Bruchteil der Ar- bcitSlosen wirkliche Vorteile davon verspürt. Und der Staat, das Reich, tat bisher noch gar nichts in dieser Frage. Demgegenüber ist es von Jnbcresse, zu vergleichen, in welchem Maße die Gewerkschaften die Pflichten der Gesellschaft übernehmen und die Opfer des Kapitalismus unterstützen. Und da ist zu kon- statiercn, daß die gegenwärtige Wirtschaftskrisis in finanzieller Hinsicht ungeheuer hohe Anforderungen an die Gewerkschaften stellt. Räch einer bei 14 der größten Verbände in Frankfurt a. M. aufgenommenen Statistik stiegen die Ausgaben für Arbeits- loscnunterstützung bei 11 dieser Organisationen(drei da- von haben keine Arbeitslosenunterstützung) von 19 076,21 M. im 4. Quartal 1906 auf 17 407,81 M. im 4. Quartal 1907 und auf 29 945,97 M. im 4. Quartal 1903. Das ist eine Steigerung der Ausgaben im 4. Quartal 1968 um 72 Proz. gegenüber den Ausgaben im gleichen Quartal 1907 und gar um 196 Proz. der Ausgaben von 1906. Dabei ist die Unterstützungssumme für 1903 durch den Um- stand herabgedrückt, weil viele arbeitslose Mitglieder vor Ende des 4. Quartals schon ausgesteuert waren.— Die Anforderungen für Krankenunterstützung, die ja mit der Arbeitslosenunterstützung sehr verwandt ist, waren in den gleichen Zeitabschnitten noch höher als die für Arbeitslosenunterstützung. Sie betrugen pro 4. Quartal bei den 14 Gewerkschaften 1906 19 820,72 M., 1907 28 448.61 M. und 1903 46 966,71 M. Roch gravierender wirken die Zahlen, wenn wir eine der von der Krisis am meisten betroffenen Organisation herausgreifen. Der Metallarbeiterverband(Verwaltung Frankfurt a. M.) zahlte beispielsweise aus: Arbeitslosenunterstützung: im Jahre 1907 5741,71 M., tm Jahre 1903 32 875,20 M. Krankenunterstützung: im Jahre 1907 34 552,79 M., im Jahre 1908 65 711,10 M. Hier beträgt die Steigerung der gesamten Ausgaben für Ar- beitslosenunterstützung im Jahre 1908 gegenüber dem Jahre 1907 27133,49 M., was einem Prozentsatz von 472 gleichkommt! Die Steigerung bei der Krankenunterstützung beträgt 31 158,31 M. — 96 Proz. Während nun die Ausgaben für diese Unterstützungen gewaltig in die Höhe gingen, sanken die Einnahmen an Mitglieder- beitragen der Haupt- und Lokalkassen dieser Gewerkschaften vom 4. Quartal 1907 gegenüber demselben Ouartal 1903 um 27 333,06 M. Dies ist freilich erklärlich, denn die Mitgliederzahl der Organisationen ging von 30 011 am Ende des Jahres 1907(die Mitglicderzahl sämtlicher Frankfurter Gewerkschaften betrug um diese Zeit 85 646) auf 26 272 Ende 1903. also um 3739 zurück. Dieser Rückgang der Miigliederzahl in einer Zeit derartigen starken wirtschaftlichen Niederganges kann allerdings nicht als Rück schritt bezeichnet werden. Man muß berücksichtigen, daß die Zahl der Beschäftigten in den einzelnen Industriezweigen erheblich zurück- gegangen ist— in der Frankfurter Metallindustrie allein um 1566 — und wenn man noch die Krisis in Betracht zieht, dann kann man sagen, daß die Gewerkschaften die Belastungsprobe bestanden haben. Und in finanzieller Hinsicht haben sie ungeheuerlich viel zur Linderung der durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Not beigetragen. Berlin unck Umgegend. Achtung! Buchbinder! In der Buchbinderei und Kartoimagen- fabrik von Markus M a i e r in Krefeld ist ein Streik ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten._ Der Verbandsvorstand. Lebius drückt sich. Nach dem Muster seiner Brotgeber, der Unternehmerverbände, versuchte Lebius durch Beleidigungsilagen seinen Gegnern un- bequem zu werden, wenn sie sein arbeiterfeindliches Treiben in gc» bührender Weise kennzeichneten. Das hat er bekanntlich dem„Vor- wärts" gegenüber versucht und damit einen„Erfolg" erzielt, der ihm gewiß recht unangenehm ist. Auch den Redakteur Scherm von der„Metallarbeiter-Zeitung" hatte Lebius verklagt. Er fühlte sich dadurch beleidigt, daß Scherm schrieb, Lebius habe an Unternehmer Bettelbriefe geschickt, seine Broschüren seien Schmähschriften, er betrachte es als sein Privilegium, die Arbeiter- bewegung anzuschmutzen. Am Sonnabend sollte die Beleidigungsklage vor dem Schöffen- gericht Charlottenburg verhandelt werden. Rechtsanwalt Wolfgang Heine war als Vertreter des Beklagten Scherm zur Stelle. Lebius wurde vergebens aufgerufen. Er sowohl wie sein An- walt glänzten durch Abwesenheit. Auf Ersuchen des Rechtsanwalts 'eine wartete das Gericht noch fast eine Viertelstunde auf den läger. Der ließ sich jedoch nicht blicken. Länger wollte der Richter nicht mehr warten. Das Gericht wies nunmehr die Klage auf Koswn des Klägers ab. Daß der klagelustige LebiuS mitsamt seinem Anwalt aus Versehen den Termin versäumt hat, ist nicht anzunehmen. In höchstem Grade wahrscheinlich ist dagegen, daß Lebius sich gedrückt hat. Rechtsanwalt Heine wollte nämlich den Beweis führen. daß Lebius Bettelbriefe an Unternehmer geschrieben hat, daß die Broschüren des Lebius Schmähschriften sind, und daß Lebius die Arbeiterbewegung anschmutzt.— Dem Lebius mag sein„Sieg", den er in seiner Beleidigungsklage gegen den„Vorwärts" vor einigen Wochen davongetragen hat, noch schwer genug im Magen liegen. Er hat deshalb alle Ursache, jeder Gelegenheit aus dem Wege zu gehen, wo sein Treiben vor Gericht beleuchtet werden kann. Eine solche Ursache aber bot auch die Klage gegen Scherm. Das hat sich L e b i u s, als er die Klage einreichte, freilich nicht edacht. Er glaubte, wenn er nur wegen„formaler" Beleidigung läge, so würde jeder Beweis über sein Treiben und seine per- 'önliche Qualität unterbleiben. Tarin aber hat er sich geirrt. Das Gericht hätte den angebotenen Wahrheitsbeweis auch in diesem Falle zulassen müssen. Lebius hatte natürlich Grund genug, dem aus dem Wege zu gehen. Deshalb ließ er das von ihm ein- geleitete Klagevcrfahren im Sande verlaufen. Achtung, Schuhmacher! Die Differenzen bei der Firma Tally Rosenberg. Dirkseustr. 47, sind beendet. Der Lohnabzug wurde zurückgenommen und wird die Arbeit im Laufe der Woche wieder aufgenommen. Verband der Schuhmacher(Ortsverwaltung Verlin). Oeiitlches Reich. Zum Kampf der Grubenbeamten um das Koalitionsrecht wird aus Oberschlesien weiter berichtet, daß Geheimrat Uthemann neuerdings eine Verfügung erlassen hat, in der die Einstellung von Stciger-Stellvcrtretecn angeordnet wird. In dieser Verfügung heißt es u. a.: „Zur Bedingung für die Anlegung mache ich auf jeden Fall, daß die Steigerstellvertreter nicht Mitglied des Bundes der technisch-industriellen Beamten sind, und daß sie, falls sie mit dem Bunde verkehrten, entlassen werden würden. Das ist den Leuten bei der Einstellung zu eröffnen." Man ersieht daraus, daß Herr Gehcimrat Uthemann es auf einen planmäßigen Vernichtungskamps gegen die Organisation der Angestellten abgesehen hat. Die alten erfahrenen Grubenbeamtcn werden„ausgemerzt" und durch Herren ersetzt, denen, so tüchtig sie auch an sich sein mögen, doch noch die nötige Erfahrung im Steiger- dienst fehlt. So wird u. a. auch behauptet, daß z. B. auf den Giesche-Gruben in den letzten Tagen ein Oberhäuer die Qualifi- kation erhalten hat, dem sie früher mehrmals aus berechtigten Gründen verweigert worden war. Tatifkündignng im Töpfergewerbe Breslaus. Der Verband der BreSlaner Ofenfabrikanten und Osenvalimeistcr sowie die TLpferinuung zu Bbcslau haben den bestehenden Tarif- vertrag gekündigt. In einem Schreiben an den Zentralverband der Töpfer(Zahl- stelle Breslau) erklären die Unternehmer,„daß sie sich gezwungen lehen, den am 31. März dieses Jahres ablaufenden Lohntarif in Anbetracht der von der Gesellenschaft auf alle Positionen des alten Lohntarifs gewünschten Lohnerhöhung zu kündigen. denn die heutige Lage im Baugeschäft und im besonderen in der Ofcnbranche ist derart ungünstig, daß auch die geringste Erhöhung nicht denkbar ist". Eine Mitgliederversammlung des ZeiltralvcrbandeS die hierzu Stellung nahm, beschloß nach eingehender Diskussion, vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen, bis daß sich die Fabrikanten noch weiter zu dieser Maßnahme geäußert haben. Erfolgreiche Lohnbewegung. Zwischen der Bäcker(Zwangs)-Innung in Feuerbach (Württemberg) und dem Gchilfenausschuß ist soeben ein Tarifver- trag abgeschlossen worden, der in der Hauptsache folgendes festsetzt: „Die Arbeitszeit ist»ach der Bundcsratsverordnung eine zwölf- stündige, einschließlich der notwendigen Essenspausen.� An«sonn- tagen ist die Arbeitszeit eine solche nach den gesetzlichen Be- stimmungem � r Der Mindestlohn beträgt für Schießer 12 Mk. dw Woche; für Te i g m a ch e r 10 Mk.; für einen Dritten 8 Mk. nebst Kost und Logis. Jeder Gehilfe, der ein halbes Jahr bei seinem Meister m Arbeit steht, erhält eine wöchentliche Lohnzulage von 50 Pf. Nach einjähriger Tätigkeit irreitere 50 Pf. wöchentlich. � Höhere Löhne als im Tarif vorgesehen, dürfen nicht gekürzt werden._, � Tie Lohnzahlung findet wöchentlich und zwar Sonnabends statt. Lohneinbehaltungen sind nicht zulässig. Ueberstunven sind zu vermeiden. Kranken- und Jnvalidenversicherungsbeiträge werden vom Ar» beitgeber bezahlt. Als Ersatz für die Sonntagsarbeit erhält leder Gehilfe nach einjähriger Beschäftigungsdauer drei Tage Ferien unter Fort- zahlung des Lohnes, jedoch sind Freinächte an den drei hohen Fest» tagen nicht in Anrechnung zu bringen. Die Wohnräume der Gehilfen und Lehrlinge müssen genügend groß sein und sich stets in reinlichem Zustande befinden. Die Kost muß gut und ausreichens sein. Wo ein Frühstück vormittags nicht verabreicht wird, ist dasselbe mit 30 Pf. zu ent- schädigen. Die Kündigung bleibt den gegenseitigen Abmachungen der Meister und Gehilfen überlassen. An den hohen Festtagen Ostern, Pfingsten und Weihnachten ruht die Arbeit für Gehilfen und Lehrlinge vollständig. Der Tarif tritt am 1. Februar 1909 in Kraft und hat ein Jahr Geltung. Mit dem Abschluß dieses Tarifes haben die Gehilfen einen großen und schnellen Erfolg errungen; noch vor wenigen Monaten hatten sie keine Berechtigung zu der Hoffnung auf einen Lohntarif wegen der damals schwachen Organisation Ausland. Ein Einheitstarif für die Maschinensetzer in der Schweiz. Zwischen den Vertretern des Typographenbundes und der Prin» zipalsvereinigung ist kürzlich ein Einheitstarif für die Maschinen- setzet vereinbart worden, mit dem aber diese in ihrer Mehrzahl sehr unzufrieden sind, und den eine in Zürich abgehaltene Tele- giertenversammlung der Maschinensetzer mit 17 gegen 8 Stimmen abgelehnt hat. Das Zentralkomitee des Typographenbundes und die Redaktion seines Organs, der„Helvetischen Typographia", empfehlen aber die Annahme des Einheitstarifes und man darf daher um so mehr auf das Resultat der im Gange befindlichen Urabstimmung in den Sektionen gespannt sein. Der Tarif umfaßt 14 Paragraphen, die im wesentlichen fol- gendes bestimmen: An den Setzmaschinen sollen nur Gehilfen be- schäftigt werden, die die Lehre als!pandsetzer bestanden haben: von ieser Bestimmung sollen jedoch die Familienangehörigen des Prin- zipats ausgenommen sein; die Lehrzeit der Maschinensetzer dauert 12 Wochen; die durchschnittliche Stundenleistung(exkl. Putzzeit, Störungen usw.) ist mit 6090 für Linotype, 5900 für Monoline und 4200 für Typograph festgesetzt; die tägliche Arbeitszeit beträgt 8 Stunden einschließlich der notwendigen Putzzeit; die Entlohnung erfolgt im Gewißgeld und beträgt das Lohnminimum 25 Proz. Zuschlag zu dem Minimum der Handsetzer; für Ueberzeitarbeit bis abends 10 Uhr ist ein Lohnzuschlag von 40 Proz., bis 12 Uhr von 50 Proz., bis morgens 5 Uhr von 60 Proz. zu bezahlen. Der Tarif soll dem bestehenden einheitlichen Buchdruckertarif angefügt werden und bis Ende 1912 Gültigkeit haben. Die zwei hauptsächlichsten Angriffspunkte bilden die Zulassung von Familienmitgliedern des Prinzipals zur Setzmaschine und der Mangel einer Lohnerhöhung. Die Anhänger des Tarifs würdigen besonders den Achtstundentag, der in städtischen Druckereien aller- dings schon besteht und nun für alle Maschinensetzer allgemein eingeführt werden soll. Wird der Tarif verworfen, so wird es auf längere Zeit hinaus beim bestehenden Zustande bleiben. Der Lohnkampf in der Metallindustrie von HelsingforS. Die An- kündigung der finnischen Metalliudustriellen über die Aufhebung der allgemeinen Aussperrung in HelsingforS hat nicht zur Wiever» aufnohmever Arbeit geführt. Sämtliche an dem Kampf beteiligte Gewerkschaften der verschiedenen Berufe haben beschlossen, nun ihrerseits auf der Forderung nach Abschluß von Tarifverträgen zu beharren. Bekanntlich hatten die Unternehmer die Aussperrung veranstaltet, weil sie selbst die Tarifverträge unter Lohnreduzie» rungen abschließen wollten, während die Arbeiter bereit waren. ohne Tarifverträge weiterzuarbeiten. Nachdem nun den Unter» nehmern die Aussperrung zu lange dauert, so daß sie selbst eine tariflose Zeit wünschen, ist es den Arbeitern sicherlich nicht zu verdenken, daß sie ihre alten Forderungen wieder aufgenommen haben und Garantien gegen willkürliche Lohnherabsetzungen ver» langen._ Das Hochwasser. Berantw. Redakt.: CarlWermuth, Berlin-Nixdorf. Inserate verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Kaul Singer& Co., Berlin SW. Dresden, 6. Februar.(W. T. B.) Das Hochwasser der Elb« hat bis zum Abend einen Stand von nahezu 3 Meter erreicht und steigt beständig weiter. Rat und Wasserbaudirektion haben infolge- dessen einen Nachtdienst eingerichtet, um jeder Gefahr begegnen zu können. Auö West- und Nordböhmen. Prag, 6. Februar. Aus ganz West, und Nordböhmen laufen fortgesetzt Meldungen über Hochwasser ein. Hier ist der Straßen- lmhnverkehr eingeschränkt. Letzte JVachncbten und Dcpcfcben. Zugzusammciistoß. Frankfurt o. M., 6. Februar.(B. H.) Auf der Kleinbahn Hanau- Langenselbold, die ihren Betrieb durch das Hochwasser einstellte und denselben heute wieder eröffnete, stießen heute früh zwei Züge zu- sammen. Der Zugführer Röhn von hier wurde schwer verletzt iuS KrankruhauS transportirrt._ Bier Bergleute getötet. Dortmund, S. Februar.(B. H.) Auf Zeche„Maximilian" bei Hamm wurden durch eine Schlagwetterexplosion vier Bergleute getötet und drei verletzt._ Deutscher Dampfer gestrandet. Brüssel, 6. Februar.(B. H.) Infolge des hier herrschenden starken SturmrS ist der mit Holz beladene deutsche Dampfer„Lad or' aus Hamburg vor Ostende gestrandet. Vom Orkan zerstört. Atlanta(Georgia), S. Februar.(W. T. B.) Ein Orkan zer- störte gestern zahlreiche Häuser. Zwölf Persone» sind dabei getötet und viele verletzt worden. Hierzu 5 Beilage». Mr. 32. 26. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 200. Sigung vom Sonnabend, den 6. februar, nachmittags 1 Uhr. Sonntag, 7. Februar 1909. Buddelwerke und über die Möglichkeit von staatlichen Maßnahmen| Ich wende mich nun zu Herrn Mugdan, der hier ja stets als zu ihrer Erhaltung und gedeihlichen Fortentwickelung verlangt. freiwilliger Regierungskommissar auftritt. Nachdem er aber für Bei der Vorbereitung der Pensionsversicherung der Privat- würdig befunden wurde, von der kaiserlichen Gunstsonne bestrahlt beamten arbeiten erfreulicherweise Unternehmer und Angestellte zu werden, ist er noch regierungsfreundlicher geworden als selbst zusammen. Diese Versicherung sowie die Witwen- und Waisen- die Regierungskommissare.( Heiterkeit und Sehr richtig! bei den Am Bundesratstisch: v. Bethmann- hollweg. versicherung wird die Krönung des großen, für die ganze Welt Soz.) Herr Mugdan meinte, die gelben Gewerkschaften feien Der Präsidententisch ist mit einem Blumenstrauß aus Rosen aber ist es Zeit, daß eine Periode der Ruhe, eine Gelegenheit zu burg entstanden sie bereits zu einer Zeit, wo weder von Sozialvorbildlichen Gebäudes unserer Arbeiterversicherung sein. Dann durch den Terror der Sozialdemokratie entstanden. Aber in Augsund Flieder geschmückt. Bräsident Graf Stolberg: Die Herren Schriftführer haben, tiefem Atemholen für unsere Industrie eintritt.( Lebhafte Bu- demokratie noch von freien Gewerkschaften die Rede sein konnie. Dann führte Herr Mugdan aus, daß von uns Amerika stets als liebenswürdig, wie sie immer sind, meinen Platz mit einem ſtimmung rechts und bei den Nationalliberalen.) Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sucht Redner das Land der Sehnsucht, der Wünsche und Hoffnungen für die ArBlumenstrauß geschmückt. Ich danke Ihnen dafür. Selt dem Marg zu überwinden. Die Katastrophentheorie ist zur Kata- beiterschaft hingestellt worden ist. Den Beweis dafür wird er wohl 13. Februar vorigen Jahres ist heute der 100. Sizungstag; wir strophe der sozialistischen Theorie geworden. Die Heim- schuldig bleiben müssen. Zu teiner Zeit hat die Sozialdemokratie fönnen also wohl sagen, daß der Reichstag fleißig gearbeitet hat. arbeit wird von den Arbeitern, die in ihr beschäftigt sind, durch die Arbeiter aufgefordert nach Amerika auszuwandern, vielmehr Soweit es sich dabei überhaupt um ein Verdienst handeln kann, ist aus nicht als Uebel empfunden. Die Einkommenstatistik darf hat fie oft die Arbeiter gewarnt, den Weg über das Meer ancs nicht mein Verdienst, sondern unser aller gemeinsames. Wenn nicht mechanisch ausgelegt werden. In Leipzig macht der Mittel zutreten. Aber gemein haben die Arbeiter aller kapitalistischen diese Arbeit auch bisweilen nicht ganz leicht ist, so glaube ich doch, stand 63 Proz. der Bevölkerung aus. Neuer Mittel- und Arbeiter- Ränder die Ausbeutung. Bei einer großen Krise hungern daß wir sie ganz gern tun, in der Hoffnung, daß sie dem Vater- stand find im Aufstieg begriffen.( Bravo! bei den National- die Arbeiter in Amerika gerade so wie die in Deutschland. Aber lande zum Segen gereichen wird.( Bravo!) liberalen.) Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern. " Abg. Zubeil( Soz.): Jch wende mich nun zu der Amerika unternimmt jeßt die ersten Schritte, seine Arbeiter durch eine Arbeiterschutzgesetzgebung sicherzustellen. Der amerikanische Dem Grafen Kanis möchte ich den guten Rat geben, sich an Songreß hat ein Stomitee eingesetzt, das die Arbeiterschußgeseb die eigene Brust zu schlagen. Auch die Großgrundbesißer benutzen gebungen aller Länder studieren und dann Bericht erstatten soll. Abg. Becker- Arnsberg( 3.): Nicht nur die sozialdemokratischen, die famose Zollpolitit, um ihr Getreide im Auslande billiger los- Kommt dieser Stein in Amerika einmal ins Rollen, so wird es sondern auch die christlichen und Hirsch- Dunderschen Arbeiter, ja, zuschlagen als im Inland. Also ganz wie die Kohlenmagnaten. bort schneller vorwärts gehen als bei uns, wo in der Sozialpolitik auch zahlreiche Arbeitgeberbeifiber haben sich gegen die Halbierung Die einen sind der anderen würdig.( Sehr richtig! bei den Soz.) auf einen Schritt vorwärts gewöhnlich zwei nach rückwärts erder Beiträge und der Stimmen bei den Krankenkassen gewandt. Wir stimmen mit dem Staatssekretär darin überein, daß die ge- folgen.( Zustimmung bei den Soz.) Noch in einer anderen BeIch stelle ausdrücklich fest, daß das Zentrum nicht mit dieser vom jehliche Regelung der Tarifverträge eine sehr schwierige Aufgabe ziehung können die deutschen Arbeiter die amerikanischen beneiden. Staatssekretär geplanten Halbierung einverstanden ist.( Hört! ist. Aber unmöglich ist sie feineswegs. In allen Staaten Amerikas werden den Kindern der Arbeiter die hört!) Redner empfiehlt seine Resolution auf Einführung von Der Herr Staatssekretär meinte, was mein Freund Hoch ehrmittel bis zum Bleistift unentgeltlich von der Kommune geEinfuhrscheinen für reine Walzwerke behufs freier Einfuhr des über die gegen die Sozialdemokratie geplanten Ausnahmegesetze Arbeiterfamilie der Arzt von der Kommune bezahlt. Die ameri liefert. Wenn anstedende Krankheiten ausbrechen, so wird der für ihre Auslandsproduktion notwendigen Roheisens. Es sei gesagt habe, sei schon vor 8 Tagen im Vorwärts" zu lesen gewesen. kanischen Arbeiter sind auch nicht mit den ungeheuren Zöllen auf bringend geboten, der Preistreiberei des Roheisensyndikats ent- Weder der Vorwärts" noch mein Freund Hoch konnten annehmen, Lebensmittel belastet, dagegen hat Amerika große Luruszölle. Ist gegenzutreten und die kleinen Walzwerke, die zumeist einen an- daß die Rede, die der Kanzler im preußischen Abgeordnetenhause erst in Amerika die Krise überstanden, dann ernähren sich die fäffigen Arbeiterstamm haben und eine gesunde Dezentralisation gehalten hat, nicht ernst zu nehmen war.( Sehr gut! bei den Soz.) amerikanischen Arbeiter nicht von Kartoffeln und Fleisch, sondern in der Metallindustrie herbeiführen, vor der übermächtigen Kon- Im übrigen regt uns die Rede nicht weiter auf.( Sehr wahr! von Fleisch und Kartoffeln. Das ist der große Unterschied. Bei furrenz der gemischten Werke, die zugleich Eisenhütten befißen, bei den Soz.) Wenn die Regierung den Weg der Ausnahmegeseb- uns ist die Hauptnahrung die Kartoffel, und in zweiter Linie zu schüßen. Aber nicht nur im Interesse der kleinen Werke, gebung gegen unsere Partei beschreiten will, so wünschen wir ihr fommt das Fleisch. Die amerikanischen Arbeiter ernähren sich sondern auch im Interesse der Arbeiterschaft müsse gegen die Bolifit viel Glück. Sie wird dann eine große innere Blamage zu der hauptsächlich von Fleisch und die Kartoffel kommt erst in zweiter des Stahlwerktrustes, durch welche die Arbeiter von der alten weltberühmten Blamage in der auswärtigen Politik hinzufügen. ginie. Scholle vertrieben werden, Front gemacht werden. ( Sehr gut! bei den Soz.) In das Lob, das dem Staatssekretär so freigebig von den verAbg. Graf v. Kanis( fons.): Auffällig ist, daß der Vorreder über die Praris des Kohlensynditats gar nicht gesprochen schiedensten Seiten gespendet wurde, können wir leider nicht ein- Bundesratsverordnung zum Schuhe für die Gesundheit der Steinhat, obwohl doch dieses Syndikat nicht weniger zur Notlage der stimmen. Seinen Befähigungsnachweis für Arbeiterpolitik hat hauer und Steinmegen. Walzwerte beiträgt; das Kohlensyndikat verschleudert die Kohlen der Staatssekretär noch nicht erbracht.( Sehr wahr! bei den Soz.) nach dem Auslande und verkauft sie an den inländischen Konfu- Durch seine gestrige Rede sind den Arbeitern die Augen geöffnet uebertretungen seitens der Unternehmer so niedrig, daß sie sich Wie bei allen derartigen Verordnungen sind die Strafen für menten, auch an die Eisen- und Stahlwerke, um mehr als das darüber, was sie in Zukunft von der neuen Reichsversicherungs- unausgesetzt Verfehlungen gegen die Verordnung zuschulben komDoppelte. Auch finanziell wäre die zollfreie Einfuhr des Roh- ordnung zu erwarten haben. Der Herr Staatssekretär mußte zueifens nicht unbedenklich; es handelt sich um so große Mengen, geben, daß er in der Konferenz mit den Arbeitgebern und Arbeit- men lassen. In diesem Klageliede stimmen die Berichte aller daß dies einer völligen Aufhebung der Eisenzölle gleichfäme, und nehmern ausgiebige Antwort erhalten hat, daß auch nicht der Gewerbeaufsichtsbeamten überein. Selbst in Berlin wird in eine solche Maßregel wünschen wir nicht.( Bustimmung rechts.) zehnte Teil von dem sich als wahr erwiesen hat, was über Miz- vielen Betrieben trotz der Verordnung nur einmal in der Woche Redner polemisiert gegen den Abg. Gothein und verteidigt die stände bei den Krankenkassen durch die Presse gegangen ist und gereinigt, vielfach liegt der Abbruch direkt beim Arbeitsraum, die Schutzölle, die den Arbeitern vor allem zugute tamen.( Sehr auch hier im Hause vorgebracht wurde. Selbst die Arbeitgeber Erfrischungsräume haben Fenster, die nach dem Abort gehen. richtig! rechts, Lachen links.) Unsere Bollfäße sind noch viel zu haben zugeben müssen, daß die Kassen in ihrem großen Durch( Hört! hört! bei den Soz.) Noch viel trauriger sind natürlich die niedrig; unsere Schuhmacher leiden erheblich unter der Einfuhr schnitt ausgezeichnet berwaltet werden. Troßdem fündigte der Verhältnisse in größerer Entfernung von Berlin. Nicht einmal billiger amerikanischer Schuhe. Amerika und Frankreich werden Staatssekretär mit dem angeblich warmen Herzen für die Ar- die Bestimmung über die Nichtbeschäftigung weiblicher Arbeiter in ihre Zölle erhöhen, während wir uns durch unsere Handelsver- beiter an, daß den Arbeitern das letzte Stückchen Selbstverwaltung Steinbrüchen, Kaltgruben usw. wird ernsthaft durchgeführt. Und träge die Hände gebunden haben. durch die neue Ordnung genommen werden soll. Es scheint, daß doch sollte schon im Interesse des Militarismus zu Wasser und zu Redner wendet sich dann unter dem Beifall der Rechten gegen die Konferenz nur eine Komödie gewesen ist, um die Arbeiter Bande wenigstens auf Durchführung der paar Schutzmaßregeln zuein Reichsberggefes; der Bergbau liegt jetzt in den besten Händen, einzulullen und ihnen Sand in die Augen zu streuen.( Sehr gunsten der weiblichen Arbeit gesehen werden. Denn ohne gesunde Minister Delbrück hat noch feinem Bergmann Gelegenheit zur richtig! bei den Soz.) Anstatt daran zu denken, die Selbstverwal- Mütter gibt es auch keine gesunden Soldaten.( Sehr richtig! bei Selage gegeben.( Zustimmung rechts, Widerspruch links.) Das tung für die Arbeiter auszubauen, soll ihnen das Selbstverwal- den Goz.) Aber nirgends wird ganze, überall nur halbe Arbeit beste Mittel zur Verhütung von Unfällen im Bergbau ist eine tungsrecht genommen werden, und zwar nur aus Rüdsicht für die geleistet. Die Strafbestimmungen und vollends die verhängten straffe Disziplin.( Bravo! rechts.) Herren Arbeitgeber und Großunternehmer. Auf diese Herren Strafen sind so geringfügig, daß fie geradezu Prämien auf NeverAbg. Stresemann( natl.): Wir müssen uns unsern Auslands- toird ja immer Rüdficht genommen. Auf dem Kongreß der Berg- tretungen darstellen. Dazu läßt die Inspektion außerordentlich arbeiter war die Regierung nicht vertreten. Als aber am 2. No- viel zu wünschen übrig. Im ganzen Regierungsbezirk Gumbinnen markt erhalten, das ist gewiß. Ich bin aber nicht der Meinung, vember 1908 das Festessen der Industriellen bei Adlon stattfand, ist nur ein einziger Betrieb inspiziert worden!( Hört! hört! bei wie Herr Naumann, daß die Bewegung zum Industriestaat nur durch den Freihandel geht. Wir sind nicht in dem gleichen Maße waren nicht weniger als zwei Minister und 3 Unterstaatssekretäre den Goz.) In Berlin von 54 nur 12. Eine genaue Inspektion ein Exportland wie England. Unsere wirtschaftliche folierung zugegen, und der Herr Minister v. Rheinbaben hat dort das Band würde noch viel mehr Verstöße zutage fördern, als jetzt, bekannt wäre mindestens so gefährlich wie unsere politische Entwickelung, der Brüderschaft zwischen der Regierung und den Großindustriellen werden. Die Statistit des Steinseherverbandes zeigt geradezu und Bestrebungen zu unserer wirtschaftlichen Isolierung sind vorgefeiert und gefestigt. Interessant war auch, was der Staats- erschreckende Unfallziffern. In Straßburg sterben von 15 Berufsgenossen 13 an der Schwindsucht, in manchen Orten sogar 100 handen. Wir dürfen deshalb unsere Zukunft nicht nur auf eine sekretär über die Prozent!( Hört! hört! bei den Soz.) Das Streben nach AkfordKarte, auf die industrielle, setzen. Witwen- und Waisenversicherung löhnen führt zu borschriftswidriger und leichtsinniger Arbeit, wodurch denn auch die Mitarbeiter mitgefährdet werden. Dazu kommt die zahlreiche Verwendung ungelernter und ungeübter Arbeiter. Gs find nicht nur die sozialdemokratischen Verbände, die auf Abschaffung der Affordarbeit in diesen Berufen dringen. Mörde= risch wirkt auch die lange Arbeitszeit. Nur für Steinmeßen ist einen fleinen Zusammenstoß mit einem Kometen erlitte. Man präsident Brisson und der Geldschneider Millerand, der hyperweiß nicht nur durch theoretische Klügeleien, sondern durch reformerische Buchdrucker Neufer und der Bulgarölonom Molinari, tatsächliche Erfahrung, daß dabei nichts daß dabei nichts anderes zustande ber selbsthilflerische Professor Gide und der Brüsseler Soziologe tommt als ein großartiges Brillantfeuertvert bon Stern- de Greef, der belgische Demokrat Janson usw., kurz Krethi und schnuppen, bei dem doch nur sehr beschränkte Sinne etwas Blethi. Die Gemeinde gibt 10 000 Fr. her und zum Enthüllungsanderes als erhabensten Genuß verspüren können. Auch wenn der flimbim soll Herr Fallières eingeladen werden. Die Gasthofbefizer, Zufall es wollte, daß in den Kometen giftige Gafe enthalten wären, Tingeltangelbirektoren usw. von Besançon interessieren sich jetzt für würden sie wahrscheinlich nicht weit in die Atmosphäre der Erde den toten Landsmann ganz ausnehmend. eindringen. Man vergißt eben nur zu leicht, was für ein wunderbar ficherer und von außen her schwer durchdringlicher Panzer das uns so dünn und durchsichtig erscheinende Luftmeer für die Erde bedeutet. Der Redner wendet sich zu dem Konkurrenzkampf der Walz- fagte. Wir haben bereits bei der Beratung der Lex Trimborn werke, die gegen den Stahlwerksverband geschützt werden müßten. gefagt, fie fei nur ein Verlegenheitsgesetz, um den Arbeitern den Er bittet, einer Resolution zuzustimmen, welche möglichst noch in Bolltarif schmachaft zu machen. Die geftrigen Ausführungen des dieser Session eine Denkschrift über die Lage der reinen Walz- Staatssekretärs haben das vollauf bestätigt.( Sehr richtig! bei werke, Eisen- und Stahlgießereien, Martin- Stahlwerke und den Soz.) Kleines feuilleton. Humor und Satire. Gesundheitsschädigung durch feuchtes Wetter. Die Feuchtigkeit wird von dem Menschen nach seinem Gefühl als eine der schlimmsten Gefundheitsfeinde betrachtet, und die Wissenschaft bestätigt diesen Argwohn durchaus. Wenn auch der bei trodener Witterung entstehende Staub gleichfalls Gefahren mit sich bringt, und zwar so wohl durch den mechanischen Reiz der Schleimhäute wie durch den Batteriengehalt, so ist er doch infofern noch vorzuziehen, als bei Ausverkaufte Borstellungen. Wie in Bethune, so trockenem Wetter, und namentlich bei hellem Licht, die Bakterien war in Carpentras( Frankr.) zu der Vorstellung des Scharfrichters weniger fortkommen. Die Feuchtigkeit ist dagegen ihr wahres Element Der Giftkomet Morehouse, für die Astronomen eins der Deibler kein Plak mehr zu haben. Deibler, der gefeierte Gast, und wenn sie sich gar mit mangelhaftem Licht und schlechter Luft vereinigt, intereffantesten Objekte, wie sie es seit langem nicht im Fernrohr wurde bei seinem Erscheinen mit Beifallsstürmen empfangen, die wird sie für das Befinden des Menschen in höchstem Grade verhängnisvoll. gehabt haben, scheint sich jetzt bereits aus unserer Nähe zu empfehlen, sich bei seinen Abtreten verdoppelten und verdreifachten. Leider Man braucht ja nur daran zu erinnern, daß diesem Rezept die ohne anderswo als in der Wissenschaft merkliche Nachwehen hinter verbot ihm das Hausgeseh den Hervorrufen und Dacaporufen schaurigen Kerker früherer Zeiten entsprachen. Warum die Wider lassen zu haben. Dagegen wirft schon wieder ein anderer Komet Folge zu leisten. Freilich fehlt es auch hier an Nörglern nicht: standsfähigkeit des menschlichen Körpers gegen Krankheit durch seinen Schatten voraus, wenn man auf ein so zartes Gebilde diesen Die Damen von Carpentras haben sich über die Art und Weise feuchtes Wetter herabgesetzt wird, ist nicht schwer zu verstehen. Es Ausdruck anwenden dürfte. Die Aftronomen rüsten sich nämlich zum beschwert, in der die Oeffentlichkeit der Hinrichtung arrangiert erklärt fich ganz einfach daraus, daß die Verdunstung des Körpers würdigen Empfang des berühmten Hallenschen Kometen, feit worden sei. Die rohesten Instinkte seien durch den blutigen Anselbst behindert und außerdem durch die Verdunstung der auf den langem der Stolz und gleichzeitig ein Prüfftein ihres Scharf- blid gereizt worden, weil die Zuschauer größtenteils aus den Störper niedergeschlagenen Feuchtigkeit eine unzuträgliche Abkühlung finnes. War doch der Halleysche Komet der erste, deffen Wiederkehr niedrigsten Elementen bestanden hätten. Das müsse anders der Haut veranlaßt wird. Einen flaffischen Versuch könnte jeder, auf Grund der Berechnung seiner Bahn und anderer Anzeichen werden. Sie bitten deshalb im Interesse der Humanität dringend der es etwa nicht glaubt, dadurch machen, daß er in einem feuchten vorausgesagt werden konnte. Der große englische Astronom Halley darum, daß die Hinrichtungen fünftig zu einer späteren Stunde als Bett schläft. Weniger offenbar ist, wie ein Mitarbeiter prophezeite die Wiederkehr des Kometen, den er im Jahre 1682 ent- 7 Uhr vormittags stattfinden, damit die Damen, die um diese Zeit des„ Lancet hervorhebt, der Zusammenhang, wie feuchtes deckt und zunächst vermutungsweise mit dem Keplerschen von 1607 noch schlafen, daran teilnehmen fönnen; auf diese Weise würden Wetter und gerade folche Krankheiten wie die der Atmungsorgane, in Beziehung gefegt hatte, für das Jahr 1758. Der Franzose die Hinrichtungen von einem besseren Publikum als jetzt besucht Rheumatismus und Neuralgie sollte befördern können. Vielleicht sind Clairaut berechnete dann auf Grund einer Riesenarbeit genauer werden. Gleichzeitig bitten die Damen, die zu der letzten Vorsie nur eine Folge der vermehrten Erkältungsgefahr. Die bedent- die Störungen, die der Komet vermutlich bis zu seiner Wieder- ftellung feinen Platz mehr bekommen konnten, diese recht bald zu lichen Eigenschaften der Feuchtigkeit liegen hauptsächlich darin, daß fehr in die Sonnennähe erleiden würde, und fündigte diesen wiederholen. man sich vor ihr nicht schüßen kann. Gegen Stälte fann man den erst für das Jahr 1759 an. Beide Astronomen behielten glänzend Berliner Diamantenhallen. Die Zeitungen melStörper durch geeignete Kleidungsstücke bewahren, die sich dem Zutritt recht, denn der Komet wurde Ende 1758 wieder entdeckt und ging den, man wolle in Berlin einen Diamantenmarkt einrichten. Man der Außenluft widerlegen. Die Feuchtigkeit aber schlägt schließlich im Frühjahr 1759 durch die Sonnenmähe. Da er rücksichtslos genug wird vor allen Dingen dafür Sorge tragen müffen, daß die Verüberall hindurch, und es handelt sich dabei nicht nur um die der war, eine Umlaufszeit von über 76 Jahren zu haben, fonnte Halley anstaltungen sich nicht nach wenigen Jahren als zu klein erweisen. Luft, sondern auch um die des Bodens. leider den Triumph seiner Prophezeiung nicht mehr erleben. Jezt sind Zwischen dem Lehrter Bahnhof und der Spree follen riesige DiDie Wiederkehr des Halleyschen Kometen. An gewiffen ein- wir noch weiter mit der Wissenschaft gekommen. Für das Jahr 1885 fonnte amantenspeicher erbaut werden, die auf der Landfeite von Nebengelvurzelten Borstellungen läßt sich erkennen, daß die Natur- die neue Erscheinung des Kometen schon mit viel größerer Sicherheit gleifen der Lehrterbahn berührt werden, während auf der Spreewissenschaft noch immer nicht in alle Streife gedrungen ist. Manche angezeigt werden, und die Bestimmtheit ist für seinen nächsten Besuch feite die aus Afrika kommenden großen Diamantendampfer anAuf dem Diamantenspeicher werden wöchentlich Erscheinungen und Möglichkeiten in der Natur werden noch immer ber„ Astronomischen Nachrichten" wird der Ort dieses von Menschen Diamantenauttionen abgehalten, auf denen die größten Diamanten mit fabelhaften Ideen verknüpft, und Prophezeiungen des Weltunter- so ausgezeichnet verfolgten Kometen für das ganze Jahr 1909 in literweise, die kleinsten hektoliterweise versteigert werden. Was bei gangs fönnen stets auf eine ziemlich große gläubige Gemeinde rechnen. Zwischenräumen von je zehn Tagen und für 1910 in Zwischenräumen diejen Diamantenauktionen auf den Boden fällt, wird gesammelt Besonders ausgezeichnet durch menschliche Hochachtung sind in dieser ( Jugend".) und täglich im Ashl für Obdachlose verteilt. Hinsicht die Kometen. Es hilft der Mutter Natur durchaus nichts, von je vier Tagen angegeben. daß sie diese Weltförper aus den unvorstellbar feinsten Stoffen Ein Denkmal für Proudhon. In Besançon soll in diesem geschaffen hat; der furchtsame Mensch dichtet ihr trotzdem mörderische Jahr ein Denkmal Proudhons errichtet werden, dessen hundertAnschläge auf die Erde an. Es genügt, daß, wie es jüngst geschehen jähriger Geburtstag fürzlich von den bürgerlichen und sozialistischen Notizen. ist, ein Astrophysiker an seinem mit dem Spektralapparat und vielleicht Blättern Frankreichs in Gedenkartikeln gefeiert worden ist. Bekannt- Vorträge. Im Institut für Meerestunde, außerdem mit der photographischen Platte ausgerüsteten Fernrohr in lich fann man aus den Werken dieses von Karl Mary so meisterlich Georgenstr. 34/36, spricht am Dienstag, den 9., Kustos Baschin über dem Spektrum eines Kometen einige winzige Linien wahrnimmt, die auf abgefertigten Schriftstellers so ziemlich alles herauslesen. Der Bassante und Monsune, Donnerstag, den 11., Dr. v. Zahn über das Vorhandensein von Chanverbindungen deuten, um aus diesem Vater des Anarchismus“ ist gleichzeitig der Schuppatron spieß- Der Pazifische Ozean im allgemeinen, Freitag, den 12., Prof. Bolte Kometen eine Art von blausäureschwangerem Giftgeschoß zu machen, bürgerlicher Vorschußvereine. Und so hat sich denn auch über Die Hilfsmittel und Methoden der Segelschiffahrt im Weltdurch das die Erde und ihre Bewohner bedroht sind. Wenn der im Denkmalstomitee eine Bunte Gesellschaft zusammen verkehr. Ginlaßkarten sind von 12 bis 2 1hr und an den VortragsMensch mehr zur Dankbarkeit als zur Furcht geneigt wäre, hätte er gefunden: der Unterrichtsminister Doumergue und der Mi- abenden von 6 Uhr ab zu 25 Bf. in der Geschäftsstelle des Instituts alle Ursache, sich darüber zu freuen, wenn die Erde mal wieder nister des Aeußeren Bichon, der lederne puritanische Kammer- zu haben. fffte Sstündige ArbsitZzeit festgesetzt, alle anderen Kategorien ar- bciten t» Stunden und darüber. Man bedenke, daß es sich um Arbeiten handelt, die Zur Lungenschwindsucht führen und die fort während von Unfällen bedroht sind. Notwendig ist es, eine acht. stündige Arbeitszeit der in Betracvt kommenden Berufe einzu führen und als Uebergang den Ncunstundentag für sämtliche Kate- goricn einzuführen. Statt dessen sind die wichtigen Kategorien der Granit- und Marmorarbeiter in der Bundcsratsverordnung ganz ausgelassen.(Hört! hört!) Und dabei steben diese Berufs in der Unfallstatistik an dritter Stelle. Die allereinfachsten Schutz. maßregeln werden in sträflichster Weise verabsäumt. Die Werk. statten haben meist nicht einmal gepflasterten Fussboden. Jetzt stehen die Arbeiter in einer wahren Schlacke, die, zumal da übel- riechende Flüssigkeiten zum Polieren benutzt werden, im Sommer einen schauderhasten Geruch verbreitet. Häufig bringen die Ar- bester Krankheitsstoffe aus solchen Werkstätten in ihre Fannlie mit. Die Technik in diesem Berufe ist in bewundernswerter Weise fortgeschritten. Der dort hergestellte Kunststein gleicht täuschend dem Marmor. Aber die furchtbare Staubentwickelung, die bei dieser Fabrikation herrscht, wirkt geradezu mörderisch. Hunderte von Arbeitern gehen elend zugrunde. Ein gewisser Steinbruch- besiher Schrödter in Sachsen hat einen sehr findigen Ausweg aus. geklügelt, um die Bestimmungen über Frauenarbeit zu umgehen Er„verkaufte" die Steine an Arbeiterinnen, ließ sie durch diese zerkleinern und„kaufte" sie dann von ihnen zurück I(Lcbh. Hört! hört! bei den Soz.) Die Ortsorganisation erhob Beschwerde gegen diesen findigen Steinbruchbesitzer. Die Sache kam zur ge- richtlichen Verhandlung und das Gericht gab dem Beschwerde- führer recht. Dieses Mal ist es dem Herrn also mit seiner Findig- keit nicht gelungen, aber er wird schon etwas anderes austifteln. In den Granit- und Marmorbc trieben werden über 10 000 Arbeiter beschäftigt, wozu noch mindestens cbensoviele in den ver- wandten Berufen treten. Es sollte sich doch wirklich lohnen, zu- guusten dieser 20 000 Menschen Massnahmen zu treffen. Steigen doch die Unfallzisfcrn in diesen Berufen auf 20 bis 30 Proz. der Gesamtzahl der in ihnen beschäftigten Arbeiter,(Hört? hört! bei den Sozialdemokraten.) Schon im vorigen Jahre habe ich auf die Gefahr bei der Verarbeitung des Bleiweihes hingewiesen. Die Statthalterei in Niederösterreich hat bereits am 27. August vorigen Jahres ein Bleiweissverbot erlassen. Der Stadt- rat von Wien hat bereits am 5. März ISO? verboten, daß auf städtischen Bauten Blcdwciss verwendet wird. In Preußen und Berlin denkt man an so etwas nicht. Hier will man Leben und Gesundheit der Arbeiter nicht schützen. Aber nicht genug damit, daß man an kein Bleiweissverbot denkt, nicht einmal die minimalen Bestimmungen der bestehenden Bundesratsverordnungen werden von den Einzelstaaten, von Preußen und von den Konimunen be- achtet. Ter Verband der Maler und Anstreicher hat im vorigen Jahre eine Enquete darüber veranstaltet, die geradezu nieder- schmetternde Ergebnisse zeittgte. In 84 Proz. der Betriebe tverden die Schutzbcsttmmungen der Verordnung mißachtet, die Arbeiter bekommen weder Wasser noch Bürste zum Reimgen der Hände, ebensowenig Seife nnd Handtücher. Statt einer Nagelbürste gab ein Arbeitgeber einfach eine Scheuerbürste, in mehreren Fällen wurden von den Arbeitern für Seife und Handtuch noch extra 00 Pf. verlangt. Die Verordnung verlangt die Lieferung von Arbeitskitteln, aber der preußische Handelsminister erklärt, bei den Kleinmeistern könne man daS nicht so streng handhaben! Auf staat- lichen und städtischen Bauten werden die Arbeiten aber nicht Klein- meistern übertragen, sondern den größten Firmen, welche ebenfalls die Schutzbestimmungen nicht anwenden. Auf staatlichen und städ- tischen Bauten herrscht auch überall noch Akkordarbeit, diese Mord- arbeit, welche die Arbeiter geradezu zwingt, alle Vorsicht außer acht zu lassen, um das wenige zu schakfen, was unbedingt zur Er- Haltung der Familie notwendig ist.'(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Nicht nur bei der Bearbeitung bringt Bleiweiß Ge- fahren mit sich, sondern die Gefahren greifen viel weiter. So berichtet der Medizinalrat aus Hildesheim von typischer Erkrankung von 3 Personen an Bleiweitzvergiftung. Der Grund war. wie sich schließlich herausstellte, daß von den Zimmern, welche die Familie bewohnte, eines eine neue Tapete bekommen hatte, die einen hohen lßrozentsatz von Bleiweiß enthielt. Der Lieferant konnte nicht ge- fatzt werden, weil ein Verbot für die Verarbeitung dieser Stoffe bei den Tapeten nicht besteht! Dr. Richter teilt die Berufe, die mit Bleiweiß arbeiten, in drei Gruppen: solche, bei denen durch einfache Reinlichkeitsvorschriften und Verkürzung-der Arbeitszeit Bleivergiftung völlig verschwinden kann; zweitens solche, in denen sie durch diese Mittel stark vermindert werden kann, und drittens solche, bei denen ohne gewaltsames Ein- greifen der Gesetzgebung die Gefahren, ivelche der Beruf mit sich dringt, auch nicht einmal vermindert werden können. Für diese Berufe schlägt auch er ein vollkommenes Verbot von Blciweiß vor. Sogar Arbeitgeber verlangen dieses Verbot. wie z. B. der Obermeister der Malerinnung in Hamburg. Es gibt ja auch vollständigen Ersah für daS Äleiweitz, z. B. das so- genannte„D i a m a n t w e i ß". Das hat auch der Generaldirektor der badischen Staatsbahnen anerkannt: in Baden darf schon seit Anfang des Jahres 1907 Bleiweiß in keinem Staatsbetrieb ver- wendet werden. In Preußen kann man sich hierzu natürlich nicht aufraffen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein durch Bleivergiftung invalide gewordener Arbeiter hat keinen Anspruch auf Unfallrente, weil die Bleivergiftung als Betriebsunfall nicht angesehen wird. Stirbt er an der Vergiftung, so sind seine Frau und Kinder von vornherein auf die Mildtätigkeit der Kommunal- behörden angewiesen. Wenn die Regierungen und der Reichstag sich nicht zu einem völligen Bleiiveißverbot aufschwingen können, so müßte doch mindestens dafür gesorgt werden, daß die Arbeiter, welche mit diesem Gift arbeiten müssen, dem„Segen" der Unfall- Versicherung unterliegen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch ia anderen Gewerben zeigen die Berichte der Gewerbe- inspektorew schlimme Zustände. In den Ziegeleien haben wir 14- und löstündige, selbst löstündige Arbeitszeit. Manche Ziegeleien haben überhaupt keine Aborte, sondern in primitivster Weise müssen die Arbeiter ihre Notdurft verrichten; daS schlimmste Ausbeutungssystem, das Trucksystem, steht in den Ziegeleien in voller Blüte. Noch schlimmer steht es in den sogenannten Thomasschlackenmühlen. Die Zahl der Erkrankungen bei dieser mörderischen Arbeit über- steigt 50 Proz. Kein Arbeiter ist langer als 5 Jahre bei dieser mörderischen Arbeit beschäftigt. Denn alle kehren wegen der Ge- fährlichkeit der Arbeit den Betrieben den Rücken. Herr Mugdan macht die Arbeiter vielfach für daS Fehlen von Schutzvorrichtungen verantwortlich. Da mache ich ihn und den Staatssekvetär aus einen Betrieb in Schöneberg, also vor den Toren Berlms, aufmerksam, wo für 80 Personen nur zwei Klosetts existieren. Der Gewerbe, nspektor ist trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Arbeiter noch nicht dazu gekommen, den Betrieb zu re° vidieren. Schließlich sind die Ardeiter jetzt in einen Streik ein- getreten, um eine Besserung der Verhältnisse zu erreichen. Bor kurzem hatten wir hier die Arbeitslosendebatte. Aber trotz-des Ernstes der Lage, der von allen Seiten anerkannt wurde, tst bis heute noch nicht das geringste geschehen, um die Lage der Arbeitslosen zu verbessern. Auch für dee arbeitslosen Eisenbahn- arbeiter hat der preußische Staat nichts getan. Was kümmert das auch den preußischen Eisenbahnminister mit seinem nach Zehn- taufenden zählenden Gehalt, das er von den Steuerzahlerg erhält? Wie der preußische Staat mit semen Arbeitern umspringt, beweist das Verhalten einer königlichen Bauverwaltung m Ostpreußen. wo ein Arbeiter, der 35 Jahre im Staatsdienst tätig war, einfach auf die Straße geworfen wurde.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- krat-n.) Nicht einmal ein Stück Brot kann sich dieser Mann nun kaufen, der ein Lebensalter und mehr für den preußischen Staat tätig gewesen ist. Ich könnt« hier noch eine große Reihe von anderen Fällen mitteilen, tPß der Kskus bei KanMMen ausländische Ar- beiter herangezogen hak, während die einheimischen Arbeiter zu Hunderten und Tausenden auf der Straße liegen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von dem engherzigsten fiskalischen Stand- Punkt geht die preußische Regierung aus, die die ausländischen Arbeiter nur deshalb beschäftigt, weil sie billiger sind. Anstatt CaS Menschenmöglichste zu tun, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, trägt der Staat noch dazu bei, die Not zu vermehren!(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bei den Verhandlungen über die Handhabung des BereinSgesctzes hat der sächsische Bundesratsbevollmächttgte Dr. Fischer gesagt, daß das neue Vereinsgesetz auch in Sachsen in liberalem Sinne und ohne Schikane gehandhabt werde. Zur Illustration dieser Aus- führungen verweise ich auf daS Vorgehen der Leipziger Polizei- behörde, die eine Vereinsversammlung des sozialdemokratischen Vereins, auf deren Tagesordnung die Wahl von Delegierten stand, für eine öffentliche politische Versammlung erklärte, trotzdem die genaueste und peinlichste Kontrolle über die Versammlungsbesucher ausgeübt-wurde!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)" Die Kreishauptmannschaft stellte sich auf den Standpunkt, daß die Zahl der Mitglieder dieses Vereins eine so große sei, daß auch bei Ver- einsversammlungen schon der Begriff der Oeffentlichkeit gegeben sei. Auf die Beschwerde ans Ministerium wurde den Beschwerde- sührern folgende Antwort zuteil: „Da das Reichsvereinsgcsetz selbst keine Bestimmungen darüber enthält, wenn eine politische Versammlung eines Vereins als geschlossen oder als öffentlich zu gelten hat, da ferner bei den Verhandlungen im Bundesrat ausdrücklich ausgesprochen worden ist, daß eine Vereinsversammlung nicht schon deswegen, weil sie von den Veranstaltern als ge- schlössen bezeichnet wird, auch unbedingt als solche anzusehen ist, da ferner der Staatssekretär des Innern bei der Beratung des Gesetzes namens der Reichsregierung aus- drücklich erklärt hat, daß die Feststellung des Begriffs„Oeffent- lichkeit" nicht dem Gesetz, sondern der Rechtsprechung überlassen bleiben müsse, kann das Ministerium des Innern bei vieser Sach und Rechtslage der Beschwerde nicht beipflichten." (Hört! hört!) Wenn diese Anschauung allgemein Geltung be- kommen sollte, dann sind die Versammlungen aller Vereine, die diel Mitglieder haben, öftentlichc Versammlungen. Wir hatten in der Kommission einen Antrag gestellt, der verlangte, daß die Ver- ämmlungcn von Vereinen, zu welchen nur Mitglieder Zuttitt haben, auch dann nicht als öffentliche Versammlungen zu gelten haben, wenn sie in öffentlichen Lokalen stattfinden. Aber diesem Antrag hat die Regierung widersprochen, und so erleben wir hier dasselbe Schauspiel wie beim Sprachenparagraph, daß sich die Kom- Mission und der Reichstag durch die Ausführungen des Staats- sekretärs haben täuschen lassen.(Sehr richtig! bei den Sozial- Demokraten.) Im übrigen geht es uns gar nichts an, was im Schöße des Bundesrats gesprochen ist. Der Reichstag hat die Pflicht, dafür einzutreten, daß hier eine Aenderung einttitt.(Lebhafte Zu- stimm ung bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun zur Abrechnung mit Herrn Carstens. Herr Carstens hat hier im Reichstage behauptet: „Die Arbeiter meiner Fabrik, die dem Porzellanarbeiter- verbände angehören, haben beschlossen, daß jeder, der über 33 M. pro Woche verdient, den Ueberschuß an die Streikkasse abführen soll. Das muß doch die Unternehmer abhalten, Lohn- erhöhungen eintreten zu lassen, da man ihnen doch nicht zumuten kann, die Streikkassen zu füllen. Zum mindesten werden dadurch die Unternehmer veranlaßt, zu erwägen, ob sie nicht bei nieder- gehender Konjunktur Lohnreduktionen eintteten lassen sollen." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Carstens scheint ür beabfichtigte Lohnreduktionen in der ihm und seinem Bruder gehörenden Fabrik Stimmung machen zu wollen. Dabei stellt sich hier derselbe Herr Carstens als eiftiger Verehrer des Achtstunden- tages vor und scheint beinahe noch lieber den Sechsstundentag be- willigen zu wollen.(Heiterkeit.) Der Bruder des Herrn Carstens hat einen Ukas erlassen, wonach die Arbeiter in Versammlungen den Namen des Rcichstagsabgeordneten Carstens nicht nennen dürfen, der ein ganz bedeutungsloser Mitbesitzer sei.(Heiterkeit.— Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Paasch«: Es ist hier nicht Sitte, die Privat- Verhältnisse eines Abgeordneten zu besprechen.(Lebhafter Beifall beim Block.) Abg. Zubell: Ich antworte nur auf das, was Herr Carstens elbst hier im Reichstage ausgeführt hat.(Lebhafte Zustimmung !iei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Paasch«: Ich muß wiederholen, daß es der parlamentarischen Sitte widerspricht, hier im Reichstage Privat- Verhältnisse eines Abgeordneten zu besprechen.(Erneuter Beifall beim Block.) Abg. Zubeil: Wie kommt Herr Carstens dazu, sich danach zu erkundigen, was die Arbeiter mit ihrem sauer verdienten Lohn anfangen? Erkundigen sich die Arbeiter danach, was Herr Carstens mit seinem Mehrwert anfängt?(Sehr gut! bei den Sozialdeino- kraten.) Ich habe es nicht mit dem Abgeordneten Carstens, sondern mit der Firma Carstens zu tun. In der Fabrik dieser Firma geht eS zu wie in einem Taubenschlag. Um zum Maximallohn zu gelangen, müssen die Arbeiter die Frühstücks-, Mittags- und Vesper» pause durcharbeiten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.— Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Paasch«: Die Lohnverhältnisse der Firma Carstens stehen doch nur in einem sehr losen Zusammenhang mit dem Gehalt des Staatssekretärs.(Heiterkeit und tosender Beifall im Block.) Abg. Zubeil: Ich antworte nur auf das, was der Abg. Carstens hier im November vorigen Jahres ausgeführt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Paasch«: Aber doch nicht beim Gehalt des Staatssekretärs. Ich ersuche Sie nochmals, nicht mit dieser Breite Dinge zu behandeln, die in keinen: Zusammenhang mit dem vor- liegenden Etat stehen.(Erneuter Blockbeisall. Ein konservatwer Abgeordneter ruft: Aufhören!— Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Zubeil: Ich spreche(nach rechts) nicht Ihretwegen. Wenn es mir beliebt, werde ich noch eine Stunde sprechen.(Heiter- keit.) Ich werde noch Gelegenheit finden, mit Herrn Carstens Ab- rechnung zu halten. Vizepräsident Paasch«: Aber nicht an diesem Ort. Abg. Zubeil: Ich werde auch hier Gelegenheit dazu finden. Hier wird sicher noch die Arbeitslosigkeit zur Sprache kommen. Die Arbeitslosigkeit herrscht auch in Schleswig-Holstein(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), z. B. auch in Elmshorn.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und befördert wird die Arbeitslosig- keit durch die fortwährenden Maßregelungen seitens der Unter- nehmer, z. B. seitens der Firma Carstens.(Sehr gut! und leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Carstens(frs. Vp.): Mein Betrieb ist durchaus nicht, wie Herr Zubeil behauptet,«in Taubenschlag. Es herrschen in ihm absolut ruhige Verhältnksse, obwohl die Verhetzung der Sozial- demokratie einen geregelten Betrieb schwer zuläßt.(Heiteres Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Zubeil hat die haltlose Behaup- tung aufgestellt, daß Reich, Staat und Kommunen geflissentlich die Arbeitslosigkeit vermehrten. Min. die Sozialdemokratie ist es, die die Arbeitslosigkeit vermehrt.(Heiteres Lachen bei den Sozial- demokraten.) Ich bin im kommunalen Leben seit Jahren bemüht. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit durchzusetzen. Gerade des- halb werde ich von den Sozialdemokraten angegriffen, die alles daran setzen, die Durchführung der von mir vorgeschlagenen Maß- nahmen zu verhindern. So sind wir zur Errichtung von Volks- küchen geschritten, um den Arbeitslosen gesunde und billige Nahrung zu verschaffen. Was war die Antwort der Sozialdemokraten? Sie mnke ftir solche Bettelsuppen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo. kraten.) Für meinen Betrieb konnte ich keine Maler mehr be» kommen, tveil die Mqlxrei vom sozialdempkrgjischen JOerbgnd ge, sperrt war. Erst als ich daraufhin gezkvungen Sa?, die Entlassung aller meiner Arbeiter anzudrohen, wenn die Sperre nicht aus- gehoben würde, entschloß man sich dazu. So vermehrt die Sozial- demokratie durch unerhörtes Hetzen die Arbeitslosigkeit.(Heiteres Lachen bei den Sozialdemokraten.) Auf die persönlichen Angriffe des Herrn Zubeil gegen unseren Betrieb gehe ich nicht ein. Er soll sie nur in der Oeffentlichkeit wiederholen, dann wird er sich wundern, was ihm passiert.(Großer Beifall beim Block.) Herr Mugdan wird von der Sozialdemokratie besonders heftig befehdet. Dabei ist er gerade für den Ausbau der Unfallversicherung wieder- holt eingetreten. Er wird ein freiwilliger Regierungskommissar genannt. Dies Beiwort ist weder neu noch geistreich. Wir sind eben gewohnt, objektiv zu urteilen. Wir lehnen es ab, Regierungs- maßregeln mit so fanatischem Haß wie die Sozialdemokratie zu kritisieren.(Heiteres Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die gestrige Rede des Staatssekretärs muß den Sozialdemokraten doch schwere Beklemmungen verursachen.(Heiteres Lachen bei den So- zialdemokraten.) Der Staatssekretär hat ehrliche Arbeit geleistet, und wenn seine Worte unter den Arbeitern Mißtrauen gegen die verhetzenden Tendenzen der Sozialdemokratie erwecken, dann find wir sehr zufrieden.(Großer Beifall beim Block, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Zubeil meint, der Staatssekretär hätte den Befähigungsnachweis für Sozialpolitik noch nicht erbracht. Herr Zubeil glaubt wohl, daß er diesen Nachweis durch seine Wahl erbracht habe?(Heiteres Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Frage, wer segensreicher für das Volk wirkt, der Staatssekretär oder Herr Zubeiß überlasse ich getrost der Oeffentlichkeit.(Heiteres Lachen bei den Sozialdemokraten. Großer Beifall im Block.) Hieraus vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag, 2 Uhr. Schluß 6 Uhr._ Mgeoränetenbaus. 24. Sitzung, Sonnabend. 6. Februar» mittags 1 Uhr. Am Ministertisch: Beseler. Die zweite Beratung des Justizetats wird beim Titel Minister fortgesetzt. Abg. Cassel(freis. Vp.): Zur Sparsamkeit sehen wir bei der Justizverlvaltung keinen Anlaß, im Gegenteil fehlt es noch häufig an den notwendigen Einrichtungen. Eine Vermehrung der Richter- stellen wird auf keinen Fall zu vermeiden sein, wenn ich auch allen Anregungen auf Verminderung des Schreibwerks usw. zustimme. Mit dem Krebsschaden des Hilfsrichtertums muß im Interesse einer ordnungsmäßigen Rechtspflege aufgeräumt werden. Was die in der Diskussion bereits erwähnten Prozesse anlangt, so mißbilligen auch wir die bekannte Verteidigungsrede eines Staatsanwalts für einen Zeugen. Wenn wir auch diese betreffende Rede für deplaziert halten, so kann es aber doch in anderen Fällen sehr wohl vor» kommen, daß ein Staatsanwalt einen Zeugen gegen unberechtigte Angriffe in Schutz nehmen muß. Was den Ausschluß der Oeffent- lichkeit anlangt, so gebe ich zu, daß es Fälle gegeben hat, rn welchen der Ausschluß besser erfolgt wäre. Aber dieser Ausschluß darf nicht weiter gehen, als es die Zwecke der Sittlichkeit und die anderen im Gesetze erwähnten Gesichtspunkte unbedingt erfordern. Im übrigen wird daS Vertrauen in die Gerichte nur erhalten bleiben, wenn in vollster Oeffentlichkeit verhandelt wird.(Sehr richtigl links.) Abg. Peltasohn(freis. Vg.) bestreitet, daß mit dem Fürsten Eulenburg anders verfahren sei, als mit anderen Angeklagten. Die Länge der Verhandlung war in der Menge der Beweisanträge und in der mangelnden VerHandlungsfähigkeit des Angeklagten begründet. Mit solchen Vorwürfen sollte man. zumal in der jetzigen Zeit des Schlagworts der Klassenjustiz, vorsichtiger sein.(Bravo rechts.) Die Erfolge der Jugendgerichte müssen abgewartet werden; die hier an ihnen geübte Kritik war jedenfalls verfrüht. Abg. Dr. MizerSti(Pole) kritisiert einzelne Gerichtsurteile gegen Polenz seine Ausführungen bleiben auf der Tribüne fast ganz unverstandlich. Wg. Leinert(Soz.): I Es ist hervorgehoben worden, daß eine ganze Reihe von Neu- bauten im Justizetat vom Finanzminister gestrichen sei. Das ist besonders bedauerlich in der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Krise. Ich habe weiter eine Beschwerde vorzutragen von Bauarbeitern in Magdeburg. Dort sind zum Bau eines Justizgebäudes, weil im Gerichtsgefängnis in Magdeburg nicht genug gefangene Bauarbeiter vorhanden waren, Gefangene aus anderen Verwaltungen heran. gezogen worden. Die Organisation der Bauarbeiter hat dem Justizminister den Eachverhali mitgeteilt, es ist aber nicht Abhilfe geschaffen worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Abgeordnete Rosenow hat darauf hingewiesen, daß eS notwendig sei, durch die Gefängnisarbeit nicht die wirtschaftliche Lage der Handwerker zu schädigen. Ich möchte an den Herrn Justizminister doch den dringenden Wunsch richten, die Gefangenen auch nicht zu benutzen zu Arbeiten, die den reien Arbeitern unbedingt zustehen. Es ist gesagt worden, daß die JtugendgerichtshSfe dazu dienen könnten, die Justiz zu verwässern. Wir haben die Ein- richtung solcher Jugendgerichtshöfe deshalb begrüßt, weil sie die einzige Möglichkeit bieten, die in den letzten Jahren öffentlich be- 'prochenen Schreckensurteile gegen die Kinder endlich einmal völlig aufhören zu lassen. In einer Verfügung des Justizministers sind die Staatsanwälte angewiesen, wie sie bei den Jugendlichen sich verhalten sollen. Es sollen möglichst frühzeitig die Lebensverhält- nisse erforscht werden und alle sonstigen Umstände, die zur Be- nrtcilung der zur Straftat erforderlichen Einsicht erheblich sind. Auch sollten die Staatsanwälte sich mit den Eltern und den Or- ganen der Jugendfürsorge in Verbindung setzen. Eine solche An- ordnung sollte aber auch für Erwachsene an die Staatsanwälte er- gehen. Es unterliegt keinem Zweifel: Wer das nötige Geld hat, ist immer in der Lage. Irrenärzte über seine geistige Zurechnungs- fähigkeit zu beftagen, wäbrend das dem Armen unmöglich ist. Wir wollen nur wünschen, daß die Jugendgerichte auch wirklich ihren Zweck erfüllen, denn wir haben Urteile, die über das hinausgehess, was der gesunde Menschenverstand begreisen kann. In einem Falle wurde ein l2jähriger Junge und seine 13jährige Schwester ver- urteilt» weil sie auf ein Stratzenbahngleis Steine geworfen hatten, und zwar jeder zu einem Jahr Gefängnis!(Hört! hört!) Die erforderliche Einsicht hat das Gericht angenommen, weil die Bedeutung des Straßenbahnbetriebes einem jttnde zum Bewußt- sein gekommen sein müsse! ES stellte sich aber nachher heraus, daß das Mädchen schwachsinnig gewesen war!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein I4jährigeS Mädchen wurde in Dortmund wegen Brandstiftung zu 6 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Es war ein in der Entwicklung sehr zurückgebliebenes Kind. Freilich konnte es den zweiten Artikel des sogenannten Glaubens- bekenntnifleS am Schnürchen hersagen.(Unruhe rechts.) Meist handelt es sich bei solchen Bergehen um Kinder mit sehr mangel- hafter Schulbildung. Solange der heutige Klassenstaat besteht, können wir nicht erwarten, daß es eine Gleichheit ohne Unterschied des Standes bor Gericht gibt. Die herrische Sprache gegen Ange- hörige der Arbeiterklasse steigert sich zur besonderen Liebenswürdig- keit. wenn irgend ein Fürst als Verbrecher vor die Schranken des Gerichts kommt. Das hat insbesondere der Prozeß Eulenburg be- wiesen. Er durfte seine Familtenongehörige» im Gerichtösaal haben, trotzdem sie nachher als Zeugen vernommen wurden. Ihm wurden Vergünstigungen gestattet, die nie ein Arbeiter bekommen hätte. Er wurde als «Herr Angeklagter" angesprochen, während es bekanntlich in einem Schriftstück gegen ein Mitglied dieses Hauses hieß:»dem Liebknecht". Ein Arbeiter wurde zu 7 Jahren ZnäithauS verurteilt, die Strafe wurde verbüßt, und erst ggchhcr stellte sich heraus, daß er bei Begehung der Straf« lal«och nicht 18 Fahre alt war und deshalb gar nicht zu Zuchthaus verurteilt werde» konnte!(Hört! hörtl) Weiter erinnere ich an die Verurteilung des Redakteurs der„Königsberger Volks- Zeitung", unseres Parteigenossen Markwaldt, zu 13 Monaten Ge- fängnis wegen angeblicher Majestätsbeleidigung. Diese Verur- teilung ist bei den Haaren herbeigezogen. Erst auf die Tenun- ziation eines freisinnigen Blattes hin wurde eine Haus- suchung vorgenommen, und auch dann wusstc man noch gar nicht, auf Grund welcher Bestimmungen eigentlich ein Strafverfahren einzuleiten war. Erst später hat man eine Majestätsbeleidigung konstruiert. Die Strafe von 15 Monaten hat Markwaldt bekommen, weil er Sozialdemokrat ist!(Lachen rechts.) Es han- delt sich hier um ein offcubares politisches Trndenzurteil.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die soziale Gesetzgebung ist unseren Richtern und Staatsanwälten vielfach ein Buch mit 7 Siegeln. An Vergehen gegen die Gewerbeordung sind in einem Jahre 22 100 Fälle mit 15 755 Anlagen von den Gewerbeinspektoren festgestellt worden, aber nur 1837 Personen sind bestraft worden I Wegen Verletzung der Arbeiterinnenschutzbcstimmungen sind nur 867 von 9000 Fällen zur Bestrafung gelangt. Auch beim Jugend- schütz sind die Verhältnisse nicht anders. Bei Vergehen, für die eine Strafe von 2000 Mk. im Maximum angedroht ist, werden Ur- teile in Höhe von 5— 10 M.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten) gefällt. Das ist auch den Gewerbeinspektoren sehr unliebsam auf- gefallen. Der Gcwerbeinspektor von Hildesheim berichtet, dah ein Ziegeleibesitzer wegen unzulässiger Beschäftigung eines Jugendlichen mit Transport von Ziegelsteinen mit 5 M. bestraft wurde, während derselbe Unternehmer im Jahre vorher wegen zu langer Beschäfti- gung eines Jugendlichen von demselben Schöffengericht mit 10 M. bestraft war. Also im Wiederholungsfalle wurde hier die Strafe geringerl(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Arbeiter aus Not gebettelt hat, so erhält er 3—4 Tage Haft und im Wiederholungsfalle Gefängnis, obgleich die Straf- androhung hier nicht eine so hohe ist. Ein Ziegeleibesitzer hatte einen jugendlichen Arbeiter vor Mj6 Uhr morgens beschäftigt und ihn außerdem ohne Arbeitsbuch angenommen. Er wurde bestraft wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung zu 15 M., wegen Uebertretung der Bestimmungen über das Arbeitsbuch zu 40 M. Also die formale Gesetzesübertretung wurde schwerer bestraft, als dab Vergehen gegen die jugendliche Arbeitskraft.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Auch das Kammergericht hat sich gegen die zu milde Bestrafung von Arbeitgebern, die die Gewerbeordnung verletzen, ausgesprochen. Der erste Senat hat in einem Falle ent- schieden: von einer dreimonatlichen Verjährungsfrist könne keine Rede sein, da bei Nichtachtung der verletzten Bestimmung bis 2000 Mark Geldstrafe angedroht sei. Dast der Angeklagte die Strafe von 5 M. zu hoch finde, komme wohl daher, daß so merkwürdig geringe Strafen bei Vergehen gegen die sozialen Gesetze verhängt lvürden. Wenn ein Angeklagter deshalb einmal mit 300 M. be- straft würde, würde er schon merken, daß es sich um ein ganz ge- höriges Vergehen handelt und daß der Schutz der Arbeiter mit Energie verlangt werde. Auch dies Urteil des Kammergerichts sollte der Justizminister den Staatsanwälten �mitteilen.— Ein Glasermeister wurde mit 9 M. Strafe belegt, weil er 35 M. Krankenkaffenbciträge den Arbeitern vom Lohn abgezogen und für sich behalten hatte.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ein Arbeiter, der eine solche Summe veruntreuen würde, käme nicht so gelinde davon. Der Regierungsrat Dittmann berichtet folgenden Fall, der die Unkenntnis der Justiz in sozialen Dingen beleuchtet:„Ein Arbeiter hatte sich durch einen Fall eine Wunde zugezogen. Er hatte nur wenige Tage gearbeitet und war deshalb nicht krankenversicherungspflichtig. Er geht zu seinem Arbeitgeber und bittet ihn um eine Unterstützung. Dieser zeigt ihn wegen B e t t e l n s an, und vor Gericht wird der Arbeiter zu 14 Tagen Haft verurteilt! DaS war gesetzlich unzulässig; denn er konnte das, was er verlangte, rechtmäßig auf Grund des Unfallver- sicherungsgesetzes verlangen! Ein städtischer Beamter machte ihn darauf aufmerksam, und mit einer Eingabe bei dem Amtsgericht hatte er Erfolg. Also bei 5 Personen, die alS Nächst« beteiligte oder amtlich mit der Sache befaßt waren, hatte die Ge- fctzeskenntnis versagt. Erst der sechste, der lediglich aus freien Stücken sich des Falles annahm, verhalf dem Manne zu seinem Recht."(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Auch die Zivil- gerichte kümmern sich oft sehr wenig um die Gesetzesbestimmungen, soweit es sich um Arbeiter handelt. Häufig wird der Arbeitslohn unzulässigerweise für Gerichts- und Anwaltskosten gepfändet. Bei Prozessen auf Grund des Ärankenversicherungsgesetzes verlangen die Gerichte oft bei der Vernehmung von Zeugen einen Kostenvor- schuh, obgleich das nach dem Gesetz ausgeschlossen ist. Eine Reihe solcher Prozesse sind nicht durchgeführt worden, weil der Vorschutz nicht bezahlt werden konnte. Beim Amtsgericht im Kreise Osna- brück trat ein Dienstherr in einer Klage gegen sein Dienstmädchen selbst als Amtsanwalt auf.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) So gering die Strafen wegen Verletzung der sozialen Gesetze sind, so hart werden Arbeiter bestraft, die sich in den Kämpfen mit den Arbeitgebern gegen § 153 der Gewerbeordnung vergehen. Arbeitgebern wird in solchen Fällen stets Notwehr zu- gebilligt, den Arbeitern nie. Beim Kamps der Holzarbeiter in Berlin hatte ein Arbeiter den andern Streikbrecher genannt. Er konnte nur bestraft werden auf Grund des Z 153, wenn es sich um die Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen handelte. Nun lag die Sache aber so. datz nach Ablauf des Tarifvertrages der Arbeitgeberverband die Arbeiter aussperrte, um sie zu einem neuen Vertrag zu zwingen. Die Arbeiter zogen die vertraglose Zeit vor, in der Hoffnung, es werde ihnen später gelingen, einen besseren als den angebotenen Vertrag durchzusetzen. Das Kammergericht entschied, die Bestrafting auf Grund des§ 153 wäre zulässig, weil oben die Arbeiter diese Hoffnung, bei einem späteren Vertrage mehr zu erreichen, gehabt hätten.— Jede kleine Rauferei zwischen Arbeitern wird als AuLflutz des sogenannten gewerkschaftlichen oder sozialdemokratischen Terrorismus verurteilt. In Hannover hat der erste Staatsanwalt die Anordnung getroffen, daß die Amtsanwälte gegen j e des Urteil Berufung einlegen müssen, auch dann, wenn sie selbst Freisprechung beantragt haben I(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.). Das kann nicht zur Einschränkung der Pro- zcsse beitragen. Es ist hier das Word Klassenjustiz gefallen. Ein Schlaglvort ist es nur für diejenigen, die von dieser Justiz nicht getroffen werden, die Arbeiter aber fühlen die Klassen- justiz am eigenen Leibe.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In Düsseldorf kam es aus Anlatz eines FliesenlegerauSstandcs zu einer Prügelei. Zwei Arbeitswillige kamen dem Unternehmer zu Hilfe. ES wurden von ihnen acht scharfe Schüsse abgegeben. Der Angeschossene hat Strafanzeige erstattet, der Staatsanwalt aber hat das Verfahren eingestellt: ES steh« hier nicht genügend fest, wer geschossen babc, auch sei anzunehmen, datz der Betreffende in Notwehr gehandelt habe. Bei Schädigung organisierter Ar- beitc� wird eben immer Notwehr angenommen. Auch das Vor- gehen der Bäckermeister in Berlin, die sich zweifellos gegen 8 153 der Gewerbeordnung vergangen haben, wurde vom Staatsanwalt mit Notwehr entschuldigt. Ein anderes ungeheuerliches Urteil ist neulich ergangen. Der Vorstand eine! christlichen Maürerverbandcs hotte hinter dem Rücken der anderen Arbeitnehmerverbände mit den Arbeitgebern einen Vertrag abgeschlossen, dah nur Angehörige des christlichen Arbeiterverbandes von den Arbeitgebern an- genommen, diejenigen Arbeiter aber, die sich von anderen Ar- beiterverbänden meldeten, zurückgewiesen werden sollten. Auf diese Weise ist es gckonimen, datz die Arbeiter aus anderen Ver- bänden keine Arbeit bekommen konnten. Da haben einige Mit- glieder des MaurerverbandeS Verbandsbücher der christlichen Lrga- nisation genommen und einen anderen Umschlag darum gelegt. Auf �5) rund dieses Buches sind sie in Arbeit genommen. Da hat der Staatsanwalt Anklage wegen—„Urkundenfälschung" «hoben und zusammen IM Jahre Zuchthgus beantragt l � Hörtl hortl bei den Sozialdemokrateü.V Verurteilt sind diese Maurer nachher wegen schwerer Urkundenfälschung, einer zu einem Jahre und einer zu zwei Monaten Gefängnis.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Derjenige, der zu einem Jahr verurteilt ist, ist sofort in Untersuchungshaft genommen.(Erneutes Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Diese Arbeiter haben in Notwehr gehandelt I(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie mutzten das tun, um Arbeit zu erhalten!(Gelächter rechts.) Diese Not- wehr wird von Ihnen aber nicht anerkannt.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Solche Urteile steigern nicht die Achtung bor Ihrer angeblich unparteiischen Justiz. Man kennt nicht das soziale Empfinden der breiten Schichten der Bevölkerung. Die Richter können sich gar nicht in die Lage eines Arbeiters versetzen, sie wissen nicht, dah der Arbeiter seine ganze Organisationstätigkcit ledig- lich deshalb ausübt, um ein besseres Dasein zu erkämpfen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Sie als„Patrioten" nennen gewiß denjenigen einen Schurken, der Hochverrat begeht oder das Vaterland verrät. Wenn Sie aber diejenigen, die Streikbrecher werden, als solche hinstellen, die Interesse verdienten, dann begehen Sie und mit Ihnen die Staatsanwälte und Richter, welche das tun, eine tief bedauerliche Handlung.(Sehr wabrl bei den Sozial- demokraten.) Diese Leute wissen ganz genau, daß sie den Schutz der Richter hinter sich haben,(Sehr richtig! bei den Sozialdemo-- kraten.) In diesem Bewußtsein begehen sie dann alle möglichen Provokationen gegen die organisierten Arbeiter.(Die Rechte sucht den Rodner fortgesetzt durch Zwischenrufe zu unterbrechen.) Dceser Schutz, den die Gerichte den Streikbrechern und Provokateuren des Reichsverbandes zukommen lassen, erzieht diese Leute zur Eharakterlosigkeit.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Die Gerichte glauben immer nur den Schutzleuten. (Widerspruch rechts.) Ich will Ihnen dafür ein Beispiel auS Hannover vortragen. Dieser Fall zeigt, ivie wenig angebracht es ist, den Zeugnissen der Schutzleute mehr zu glauben, als denen der Zivilisten: Mehrere Arbeiter sind nachts von einer Festlichkeit ge- kommen und haben gesungen. Die Schutzleute haben sie arretiert und auf der Wache blutig geschlagen.(Hörtl hörtl bei den Sozial- demokraten.) Einer von diesen Personen, ein Musiker, hat gegen die Schutzleute Strafantrag gestellt. Der Staatsanwalt hat das Einschreiten abgelehnt mit der Begründung, die Schutzleute be- kündeten glaubhaft, datz der Antragsteller seinerseits tätlich ge- worden sei und die Schutzleute sich nur gewehrt hätten; die Bekundungen seiner Begleiter wären nicht glaubhast, weil sie sich selbst offenbar einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hätten. Der Staatsanwalt sagt also: Alle Zeugen, die Sie angeben, sind ver- dächtig. Der Staatsanwalt hätte doch die Verpflicbtung gehabt, zunächst einmal eine Untersuchung einzuleiten, um festzustellen, ob denn diese Zeugen wirklich verdächtig sind. Ter Antragsteller hat darauf Beschwerde beim Oberstaatsanwalt erhoben, auch dieser hat abgelehnt und gleichzeitig mitgeteilt, daß gegen den Antragsteller Anklage erhoben werden sollte.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemo- kraten.) Jetzt hat der Staatsanwalt also den Spieß— wie ge- wö�lich— umgedreht und Anklage gegen denjenigen erhoben, der die Strafanzeige eingereicht hat. In der Anklage Ijeitzt es noch. der Beschuldigte bestreitet zivar, sich schuldig gemacht au haben, das Gegenteil wäre aber durch die glaubwürdigen Angaben der Schutzleute bewiesen. Die übrigen Zeugen seien nicht glaubwürdig. Tie Anklage bemerkt schliehlich, der- Antragsteller habe wahrschcin- lich, um den Verdacht von sich abzuwälzen, eine Anzeige erstattet. Diese„glaubhaften Aussagen" der Schutzleute kamen nun auch vor die Strafkammer. Die Strafkammer sprach den Angeklagten aber frei.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Schutzleute haben auch als Zeugen wieder erklärt:„Wir haben nicht miß- handelt." Als dann aber zwölf bis fünfzehn Zeugen aufmarschierten, die Mißhandlungen bekundeten und der Vorsitzende den Schutz- leuten sagte, wenn sie sich strafbar gemacht hätten, könnten sie die Aussage verweigern, da sagten sie:„dannverweigernwirl" (Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Das sind die„glaubhaften Aussagen"! Das Interessanteste ist, dah dies« Schichleute noch in Dienst sind und wahrscheinlich auch am Sonntag wieder mitgeschlagen hoben.(Bewegung.) In einem anderen Prozeß hatten sie einen Arrestanten ganz gehörig verprügelt. Es waren Zeugen da, die dieö beschworen, die Schutzleute schworen es ab. Auf Grund ihrer Aussagen ist der Arbeiter zu IM Jahren verurteilt worden. Er sitzt im Gefängnis, obgleich die Schutzleute später zu 100 M. Geldstrafe wegen Mißhandlung verurteilt find! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie ganz anders man darüber in anderen Ländern denkt, zeigt eine Auslassung des „Hannoverschen Couriers". Dort ist ausdrücklich festgestellt, datz das englische Gericht keinen Unterschied zwischen dem Eid eines Schutzmannes und dem eines Zivilisten kennt. Dieser Unterschied sei nur dem deutschen Untertanenverstande verständlich. Weit eher sei der englische Richter geneigt, dem Zeugnis des Schutz- manneS zu mißtrauen, weil er F ä l l e zu bekommen suche.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister hat früher erklärt, daß diejenigen, die sich bei Straßendemonftrationen beteiligt hätten, bestraft werden sollten. Strafbar ist bei solchen Anlässen aber nicht das Publikum, sondern die Polizei.(Wider- spruch rechts.) Gegen diese müßte der Staatsanwalt wegen Miß- brauch der Amtsgewalt vorgehen.(Lcbh. Zustimmung bei den Soz.) Aber diejenigen, die geschlagen sind, werden ausfindig gemacht und müssen nun noch eine Gerichtsverhandlung über sick> ergehen lassen. In Hannover ist nur eine Stimme darüber, daß an den neuesten Vorgängen nichts schuld ist als die Nervosität der Polizei.(Sehr richtig! bei den Soz.) Dort ist man— ein Gegenstück zum Eulen- burg-Prozeß— rücksichtslos vorgegangen. Einen Mann, der Wundfiebcr hatte, bat man aus dem Bett gerissen und ins Ge- fängnis gebracht. Der Staatsanwalt sollte Anlatz nehmen, sich diejenigen anzusehen, die das Blutbad in Hannover angerichtet haben.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die Justiz ist noch immer das furchtbarste Werkzeug der besitzenden Klassen, und die besitzenden Klassen ergreifen dieses Werkzeug rücksichtslos. DaS bat auch ein konservativer Politiker, Richard Rordhausen, ancr- kannt. Der Ausspruch wird Sie interessieren, weil die Möglich- lest besteht, daß auch Sie einmal sich zu vernünftigen Anschauungen bekehren.(Rufe rechts: Unmöglich!) Ich konstatiere, daß Sie eine Bekehrung zu vernünftigen Anschauungen für unmöglich halten. (Heiterkeit.) Rordhausen erklärt, daß man bei Arbeitern vor Ge- richt kürzeren Prozeß mache. Das ist die Anerkennung der Klassen- justiz, die die Arbeiterschaft fühlt. Es gibt in Deutschland eine Anzahl von„Blutrichtern" in den Strafkammern, vor denen sich jeder graut. Gewöhnlich sind das auch die Richter, die von sozialem Verständnis keine Spur haben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Gäbe der Minister Anweisung, daß die sozialen Verhält- Nisse in der Rechtsprechung berücksichtigt werden, dann würden Sie auch die Behauptung los, daß wir in Deutschland Klassenjustiz haben.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Justizminister Besrler: Herr Leinert hat eine Reihe von Einzelfällen vorgebracht in einer Form, die eS mir zweifelhaft macht, ob er sich mit der Rechtspflege eingehend beschäftigt hat. (Heiterkeit rechts.) Wir sind hier keine Berufungsinstanz.(Sehr richtig! rechts.) Weder ich noch das Haus können sich hier als Gerichtshof etablieren und Entscheidungen über gefällte Urteile treffen. Höchstens kann es darauf hinauslaufen, daß Herr Lei, nert für seine Person eine solche Instanz bildet.(Heiterkeit rechts.) Herr Leinert wird die einzelnen Fälle nur vorgebracht haben. weil wir sie gar nicht nachprüfen können. WaS er vorgetragen hat. sind lauter einseitige Behauptungen und Ansichten. Kein Richter der Welt würde danach sein Urteil fällen können. Die Hannoverschen Prozesse schweben in der Hauptsache noch, so daß wir noch gar nichts darüber sagen können. Zu dem dort vorgekom- menen Umzug Wächte ich nur betonen, daß Straßendemonftrationen das Allerunglucklichste sind, was vorgenommen werden kann.(Zu- stimmuna rechts.) ES ist im höchsten Grade zu bedauern, daß eine große Anzahl urtcilSloser Leute sich so verführen lassen. Straßendemonstrationen sind ganz nutzlos und erfolglos.(!) (Erneute Zustimmung rechts.) Leider gelingt es fast nie, die zu ergreifest, welche die Ugizüge hervorrufe«.(Sehr wahrl rechts,} Es können nur die bor Gericht gebracht werden, die auf de« Straße sind, und diese sind bestraft worden, wenn ihre Schuld festgestellt war. So wird auch in Hannover vorgegangen werden. Wer das aber veranlaßt hat, das wissen wir nicht; er hat sich bisher auch noch nicht gemeldet.(Heiterkeit rechts.) Der Vorgang in Königsberg, der zur Bestrafung wegen Maje- stätsbeleivigung geführt hat, hat das patriotische Empfinden aller aufs schmerzlichste verletzt.(Lebhafte Zustimmung rechts; Lachen bei den Soz.) Es war der Versuch gemacht worden, in sehr vor- sichtiger Form diese kränkende, tief schmerzende Äeutzcrung zu tun, ohne datz eine Strafe erfolgen könnte. Aber der Betreffende hat sich geirrt. Er war nicht vorsichtig genug, und auch das Reichsgericht hat anerkannt, daß eine Verurteilung mit vollem Recht erfolgte. Ich sehe das als eine durchaus glückliche Lösung dieses hoch st unerfreulichen Vorganges an!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Strosser(kons.): Von den Jugendgerichten sind wir nicht }o begeistert wie Herr' Leinert. Von einer Klassenjustiz ist keine iede. Die Behandlung der Strafgefangenen ist, von einzelnen Mißgriffen abgesehen, eher zu gut als zu schlecht!(Abg. Hoff- mann(Soz.): Versuchen Sie es doch einmal! Heiterkeit) Den Tcrrorismus der organisierten Arbeiter nennen die Sozialdemo- kraten immer Notwehr, wenn aber ein Arbeitswilliger srch gegen die Terroristen kehrt, so erkennen Sie keine Notwehr an.(Wider- spruch bei den Soz.) Es ist nicht richtig, wenn Herr Leinert sagte. der Eid der Schutzleute gelte vor Gericht mehr als der der Bürgerlichen. Freilich sollte er mehr gelten als der� eines Sozialdemokraten, denn die sozialdemokratische Presse ist es, die die Heiligkeit des Eides untergräbt.(Lebhafter Widerspruch bei den Soz.) In der„Leipziger Volkszeitung habe ich selbst gelesen, über die Zwirnsfäden des Eides brauchten die Sozialdemokraten nicht zu stolpern.(Zuruf bei den Soz.: Wann lvar das?) Als es sich um die Frage handelte, ob die Sozialdemokraten den Treueid als Landtagsabgeordneter leisten dürften.(Zuruf des Abg. Hoff- mann: Wir wären Narren, wenn wir den Eid nicht leisteten!) Dieses Zugeständnis, Herr Hoffmann, ist mir sehr willkommen; es beweist, wie Sie den Eid bewerten.(Lachen bei den Soz.) Gegen Roheitsvergehen ist die Prügelstrafe die einzig richtige. lBeifall rechts. Abg. Hoffmann: Sie müßten dann die erste Portion bekommen! Große Heiterkeit.) Hierauf vertagt sich das Haus. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Leinert: Herr Strosser meinte, ich sei für Jugend- gerichte eingetreten, weil den Amtsrichtern dadurch wieder ein Teil ihrer Tätigkeit genommen werde. Das habe ich deshalb nickt gesagt, weil ich weiß, daß die Amtsrichter Vorsitzende der Jugend- gerichte sind.während das Herr Strosser nicht weiß.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Soz.) Abg. Strosser stons.): Herr tzofsmann hat mit seinem ge- schmackvollen Zuruf, ich müßte die ersten Prügel haben, dokumen- tiert, daß er ein eifriger Vertreter der Prügelstrafe ist.(Heiter- leit rechts.) Abg. H-ffmann(Soz.): Wenn Herr Strosser sagt, ich hätte mich durch meinen Zuruf als Anhänger der Prügelstrafe entpuppt, so ist das nicht ganz richtig, weil ich die Ueberzeugung habe: Wenn er die erste Portion bekommt, wird er zum Gegner der Prügel- strafe loerden.(Große Heiterkeit.) Nächste Sitzung: Montag 1t Uhr.(Zweite Beratung der B e- soldun gsgesetze der Lehrer und Lehrerinnen und Geistlichen.) � Schluß 5M Uhr. Hud Induftnc und Kandel. DeruburgS Märchen. ES war schon eine respektable Leistung, auS einer verloren» gegangenen Dattelkiste Dattelwäldsr erstehen zu lassen. Aber dieses Dernburgsche Phantasieprodukt hatte für die Interessenten wenig materiellen Erfolg. Die kritiklose, staunende Bewunderung, die daS Dattelkistenmärchen bei den als Zuhörer begnadeten Professoren auslöste, nützt den Gründern und Börsenmännern nichts I Der Kurs der Kolonialwerte muß steigen, anders hat der ganze Krempcl keinen Wert. Da kamen die Diamantfund-Geschichten. Das war eine andere Sache l DaS Publikum spitzte die Ohren, wurde neu- gierig und spiellusiig. DaS gab die rechte Stimmung für eine an- ständige Kolonialhausse. Dernburg war ganz Enthusiast. Fast sah er Diamauten an seinen erträumten Dattelbäumen hängen. Bor seinem geistigen Auge wandelten die Sandwüsten sich in ein Märchenland. Und er erzählte l Erzählte von unermeßlichen Mineralschätzen, von Reichtümern, die aus den Kolonien zu holen seien. DaS Publikum war für eine Hausse präpariert. Sprunghaft schnellten die Kurse der Otavi- Anteilscheine in die Höhe. Ein Bombengeschäft für die Verkäufer. Und die Käufer? ES werde» keine freundlichen Gefühle sein, die sie für Dernburg hegen. Der Katzenjamer nach dem Rausch ist schon da. Wie eine kalte Dusche muß die Feststellung wirken, daß DcrnburgS sackliche Angaben, die den KiirSaufstieg veranlaßten. falsch waren; objektiv komplett falsch! Nach dem Bericht im.Reichsanzeiger"(30. Januar) erzählte Herr Dernburg folgendes: „Als die Otavi- Anteilscheine vor ill3 Jahren in Hamburg zu 160 M. oder so etwa eingeführt sind, war Kupfer 100; wie sie ,m vorigen Jahre aus 9S'/z heruntergegangen sind, war Kupfer 40. und jetzt ist eS wieder auf 60 gestiegen, und ich nehme an, daß dadurch ein erhebliche: Teil der Kliröerhöhung zustande ge- kommen ist." Die Behauptungen sind alle so wahr wie die— Datteln- geschichte wahr ist. Wie die„Bank- u. H.-Ztg." feststellt, notierte Kupfer damals, als die Otavi-Anteilschcine eingeführt wurden, nicht 100, sondern 107. Es ist auch nicht wahr, daß Kupfer 40 stand, als die Otavi- Anteile auf 98Vz an der Hamburger Börse heruntergegangen waren. sondern der Stand für Kupfer war damals(Ende Januar 1003) öl'/z Pfd. Sterl. in London. Augenblicklich steht Kupfer in London 58 Pfd. Sterl. pro Tonne. ES ist also nicht wahr, daß der KupferpreiS jetzt gestiegen sei, sondern im Gegenteil, er ist niedriger als zu der Zeit, als die Otavi-Anteile S8'/z standen. Ein Preis von 40 ist überhaupt nur einmal, nämlich im Jahre 1894, vorgekommen. Wäre Dernburg noch Bankdirektor und hätte er alz solcher durch seine Erzählungen Papierchen mit guten Profitchen an den Mann gebracht, würde er wohl deS Betruges und de? Schwindels angeklagt werden. Als unverantwortlicher, kolonialberauschter Staats- sekretär, dessen lebhaste Phantasie eine Hausse inszenierte. ist er jedoch der Anerkennung der Kolonialgründer sicher, Auch ein Erfolg! Große Berliner Straßenbahn. Der Aufsichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn beschloß der zum 6. März d. I. einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 8-/4 Proz. nach angemessenen Abschreibungen und Rückstellungen in Borschlag zu bringen.___ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zenwal-Marltballen, Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert, Wild: Zufuhr g:- »ügcnd, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nachgebend, Geslügel: Anfuhr in Sübnern und Pute» reichlich, sonst nichl genügend, Geschäft schleppend. Preise behauptet. Fischet Zustchr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft lebhastcr, Preise für Butter anziehend. Gemüse, Obst und Süds rüchte: Anjuhr genügend, Gejchäft schleppend, Preise kaum zu behaupten. Jeden Donnerstag Restetag Reste. Kupons Abschnitte Enorm billig A.JANDORF& C Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Wirtschaftsartikel DelftHaarbesen 48, 75, 90 PL| Handfeger. 30, 38, 48PL. Rosshaarbesen... 95, 1.35, 1.65 Rosshaarhandfeger 55,65,85PE Schrubber rund, 18, 25, 30P. Staubwedel... 20, 30, 42PL. 20, 30, 42P. Staubwedel( Straussfedern)..... 95PE. 95PE Ledertücher Stahlspäne........ Paket 15Pf. Waschständer..... 75, 95, 1.10 Waschtische viereck, 1.95, 2.45, 2.75 Vorratsbüchsen 18, 25PL. Stahlpfannen 48, 52, 58Pf. Fleischhackmaschinen....... 2.75, 3.95 Messerputzmaschinen m. muster 5.75 mit 2 Rädern, auf Brett 95P. Kleiderbürsten........... 95, 1.25 Haarbürsten Messerputzschmirgel Dose 20PL Strahlregler..... 95, 1.25 Fussbänke.. 42, 75PL Selten günstige Gelegenheit 5 Pf. Traillenstühle gestrichen und lackiert.... 2.95 Kohlenkasten Holz mit Deckel... 95, 1.85, 2.45, 2.95 Küchentische mit Muschelaufsatz, 5.95 gestrichen Handtuchhalter... 95, 1.25, 1.65 Presskohlenschränke...... 4.95 Putzschränke... 2.45, 3.75, 4.95 Marktnetze......... 10 Pf. Marktkörbe mit emailliert. Einsatz 1.45 Hammer oder Zangen.. Stück 35, 45 Pf. Kottbuser Damm Montag, Dienstag, Mittwoch Soweit Vorrat Brotkorb Korbgeflecht, mit Nickelrand u. Majolika- Einlage 95PL. Teeeier vernickelt, mit Kette 20PÅ. vernickelt Teeglashalter ca 45, 75, 95Pf. Tablett vernickelt, mit 2 Griffen 95 Pf. Bestecke Stahl vernickelt... Paar 42 Pf. Teelöffel Britannia 6, 8, Alpaka 16 Pf. Esslöffel Britannia 10, 12, 15 Pf. Esslöffel Alpaka.. Brotmesser. ****. 32 Pf. 42 PÅ. Büchsenöffner......... 8, 25Pf. 2 Waggon Emaille braun, neublau, weiss oder grau Bratpfannen 15, 20, 25, 28, 35PL Schmortöpfe 25, 33, 48, 60, 70 PL Kasserollen 15, 20, 25, 30, 38 PL mit Maschinentöpfe Griffen 45, 60, 75 PL Nudelpfannen...... 18, 25, 35, 45 PL. Teller....... Kummen.... Porzellan weiss flach, glatt Speiseteller der gerippt 15, tief18Pf. verschiedene 5, 8, 10Pf. Dessertteller Formen Kompotteller verschiedene Formen 4Pt. Bratenplatten oval 18,25,30,38 PL ca. 40 cm 95, 50m 1.45 Bratenplatten oval, mit ca. cm Gemüseschüsseln rund....... 25PL Saucieren .38,45 PL Kartoffelschüsseln Deckel 48,65 PL Suppenterrinen.........95PL Salatschüsseln...... 28, 35, 58PL. Fruchtschalen auf Fuss... 38, 55 Pf. Kaffeetassen mit Untertassen..8, 10P. Milchtöpfe.......... 7, 10, 15, 18PL. 7, 10, 15, 18PL. Kaffeekannen............. 38, 45 PL Zuckerdosen mit Deckel..........8pt 6, 10, 12 Pt. 5, 6, 8, 10, 12Pf. Küchenschüsseln... 20, 22, 28, 32Pt. Becher................. 8, 10, 12 Pt. Kaffeekannen.............. 38, 48, 60 Pf. Wasserkannen, Porzellanform. 75, 85 PÅ. Topfdeckel 10, 12, 14, 16, 18, 20 PL. Füllöffel...... 10, 12, 15Pf. Schaumlöffel 10, 12 PÅ. Kessel für Feuerung...... 1.25, 1.45, 1.65 Durchschläge Durchschläge.......... 48, 60, 75 Pf. Müllschippen.............. Ascheimer........ Eimer ca. 28 cm henkel. 35, 45 Pf. 1.05, 1.20, 1.35 68, 78Pf. Toilette Eimer mit Einsatz u. Korb- 2.75 ff. dekoriert, mit Deckel, 2.45, 2.95 Eimer 30,000 GLAS- ARTIKEL Besonders preiswertes Angebot Weinblätter...... 5, 8, 25 Pf.| Brotkörbe rund... Dessertteller...... 5, 6, 10P. Kompottschalen 5, 6, 10Pt. Salatschüsseln Satz 6 Stück 98 Pf. Messingbügel und Knopf 25 Pf. Käseglocken mit Teller.... 28PL Likörsätze m. Goldrand, 8 Teile 1.20 Aufsätze mit Vase........... 1.20 Sturzflaschen m. Glas, farb. 20PL m. Glas, farb. 20PL| Käseglocken Olivenschliff.. 58PL Teebecher mit Bordüre..... 12PL Dessertteller 20, 25PL. schliff Steingut OlivenSpeiseteller flach oder tief........ 9 PL| Wasserkannen... Dessertteller......... 7, 8Pt. Milchtöpfe mit Schrift 15, 22, 38PL Salatschüsseln.... Satz 7 Stück 98PL 4 Bügel .......... 48 P. Toilette- Eimer mit Einlage und 2.45 Seifen- oder Zahnbürstenschalen........ 5,8PL 5 Teile Porzellan dekoriert Kaffeekannen mit Goldrand Teekannen Milchtöpfe 48, 60, 75 bis 1.35 mit Goldrand 85, 1.05, 1.65 mit Goldrand. 15, 22, 28 bis 55pt. Kaffeetassen Goldrand 18, 20 Pf. Dessertteller m. Untertassen mit Frucht- oder Zweig dekor... 18PL. Salatschüsseln rund.......... 25 PL ca. 3/4 Liter Inhalt Milchtöpfe Satztöpfe.... *** 20 PL .Satz 6 Stück 98Pt. Butterglocken.... 48, 68PL. Kuchenteller mit Henkel....... 28Pf. Tafel- Service 12.50 f. 6 Pers., 23 Teile, m. Goldrand 5 Teile, 38,45 Waschgarnituren The 1.65, T 2.45, 2.90, 3.85, 4.25, 5.25 For Teile Kaffeeservice ff. dekoriert 8 Teile 2.25, 9 Teile Sophien- Säle. Sophienstraße 17/18 Querstraße der Rosenthaler Straße Iam Hackeschen Markt Inhaber: Paul Baatz empfiehlt seine von 60-2000 Personen fassenden Säle zu Bersammlungen, Vortrags- u. Kunstabenden usw. Borzügl. Akustit. Kulant. Entgegenkommen. 6.Strahlendorffs handelsfchule Berlin SW19, Beuthstr. 11, am Spittelmarkt, 1.11.III.Etage Die neuen Schulkurse zur Ausbildung für den kaufmännischen Beruf beginnen am 5. April. Herren und Damen getrennt. Man verlange ausführlichen, illustrierten Lehrplan unentgeltlich. frühere S. 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Auch die veibohrtesten Ideologen, die in dieser Revolution nur eine Folge philosophischer kehren sahen, konnten nicht umhin, den Kampf der Stände zu be merken, der in ihr zum AuStrag kam. Tiefer blickende Historiker sahen bald, daß die Kämpfe widerstreitender Interessen die eigent- liche Triebkrast der Revolution bildeten. Es war nicht schwer, sobald man auf Grund dieser Emsicht andere Perioden der Weltgeschichte untersuchte, auch dort unter der Hülle gegensätzlicher Ideen die Gegen sätze ihre« materiellen Inhalts zu entdecken. So wurde schon vor Marx die Erkenntnis geboren, die Geschichte der Menschheit sei eine Geschichte von Klassenkäinpfen. Aber diese Erkenntnis nahm nur zu leicht den Charakter einer beguemen Schablone an, als sei die Gesellichast stets bloß in zwe Lager geteilt, die sich bekämpften, etwa Adel und Boll, oder Reiche und Arme, und als genüge eS, diese Tatsache zu konstatieren, um den Schlnsiel zu der gesamten Geschichte der Menschheit und auch zu un'erer Politik in der Tasche zu haben. Diese Auffasiung eines Vulgärmarxismus, die von der vulgär ökonomischen Marxkritik als die marxistische hingestellt wurde, ging vom ersten Augenschein aus, erwies sich aber als trügerisch, wie so mancher Augenschein. Sie ist nicht marxistisch, sondern vormarxistisch gerade Marx war eS. der sie überwand, indem er uns durch seine ökonomische Kritik eine tiefere Erkenntnis des Wesens der Klasse» und damit deS Klassenkampfes erschloß. Für den ersten Augenschein find die Unterschiede der Klasse» Unterschiede entweder in der rechtlichen Stellung oder in der Ein kommenshöhe der verschiedenen Bevölkerungsschichten. Aber diese Unterschiede reichen nicht auS. die Klassengegensätze und Klassenkämpfe zu erklären, ja, sie können sehr oft irreführen. So fühlen sich z. B die kleinen Unternehmer mit den größten Industriellen den Lohn- arbeiten, gegenüber sehr oft solidarisch, auch wenn sie diesen im Einkommen weit näher stehen als jenen. Andererseits können bei gleicher Einkommenshöhe zwischen den Kapitaliste» selbst erhebliche Differenzen bestehen, z. B. zwischen den Geldverleihern und den Kredit brauchenden Industriellen; den schutzzöllnerischen Industriellen und den freihändlerischen Kaufleulen, ja selbst innerhalb der Im duslriellen etwa zwischen den Metallindustriellen und den Textil industriellen usw. Nicht die Einkommens h b h« und auch nicht die rechtliche Stellung im Staate entscheidet in letzter Linie über die Stellung der Klassen zu einander, sondern die Einkommens quelle, die ihrerseits wieder abhängt von der Stellung der Klasse im ProduktionS« Prozeß. Diesen gilt eS in allen seinen Einzelheiten für eine ge gebene Zeit aufzudecken, will man die gesellschaftliche Entwickelung und die gesellschaftlichen Kämpfe jener Periode verstehen, eine keines- wegS einfache Aufgabe mtd durchaus nicht jene bequeme Schablone, als die unsere GeschichtSauffaffung jenen weisen Kritikern erscheint, die nie versucht oder nie vermocht haben, sie richtig anzuwenden. Gerade weil die materialistische GeschichtSauffaffung keine ein fache Schablone ist, die beliebiges Konstruieren ins Blaue hinein ge stattet; weil sie ein tieferes Eindringen in die Verhältnisse einer Zeit erfordert, deshalb ist die Zahl von Geschichtswerlen aus dieser Grundlage noch so gering und ist die so viel verlangte materia listische Universalgeschichte immer noch ein bloßer Traum. Die französische Revolution bot den Anstoß zur materialistischen Auffasiung der Geschichte. In dieser Revolution entfalteten sich zuerst in voller Deutlichkeit ohne religiöse Verbrämung die Klaffen gegensätze der bürgerlichen Gesellschaft, die heute noch in ihr im vollsten Maße fortwirken. Schon vor sechs Jahrzehnten war die materialistische Geschichtsauffassung in meisterhaften Darstellungen entwickelt worden— so von Engels in seiner»Lage der arbeitenden Klaffe in England" 184S, von Marx in seiner„Revolution und Konterrevolution in Deutschland", t85l und 1852, seinem„Achtzehnten Brumaire", 1852. Trotzdem fehlte unS bis jetzt eine Geschichte der französischen Revolution auf der Grundlage der materialistischen Geschichtsauffassung. Eine kurze Skizze davon gab ich in meinem Schriftchen über „Die Klaffengegensätze im Zeitalter der französischen Revolution". einer Gelegenheitsarbeit, die 1889 zur Jahrhundertfeier des Beginns der Revolution erschien. Gerade zwei Jahrzehnte dauerte eS, bis der zweite Schritt auf diesem Gebiete gemacht wurde. Allerdings ist dieser Schritt ein gewaltiger, der uns erheblich weiter bringt. WaS uns Genosse C u n o w in seinem jüngsten Buche bietet, ist weit mehr, als der Titel verspricht:„Die revolutionäre Zcitungs- literatur Frankreichs während der Jahre 1789—1794, ein Beitrag zur Geschichte der französischen Klassen« und Parteikämpfe am Ende des 18. Jahrhunderts". ES ist kein„Beitrag", sondern eine grundlegende Arbeit, und nicht bloß die ZeitungSliteratur der Revolution wird hier behandelt, sondern eS wird gezeigt, wie sich die wichtigsten Parteiungen, die entscheidendsten Kämpfe der Revolution in ihrer Zeitungsliteratur spiegeln, wie aber ihre letzten Gründe in den Klassengegensätzen wurzeln, die auS den damaligen ProdultionSverhältniffen und ihren Wandlungen entspringen. Dieser„Beitrag" verbrettet weit mehr Klarheit über daS Wesen jener gewaltigen Umwälzung, als irgend eines der her« kömmlickien Geschichtswerke, die keine Beiträge sein, sondern all- umfassende Darstellungen geben wollen. Allerdings kann man den Wunsch nicht unterdrücken, Genoffe Cunaw möge bald Gelegenheit finden, sein Buch zu einer Gesamt- darstellung der Revolutian zu erweitern. Wohl ist eS für jeden Leser verständlich, aber vollen Nutzen wird nur derjenige auS ihm schöpfen, der scho» die Ercigntffe der Revolution kennt. Wem es möglich ist. der sollte, bevor er an Cunow herangeht, eine oder die andere Schrift über die Revolution vorher lesen, etwa Bios' „Geschichte der französischen Revolution", oder den noch immer recht braucbbaren M i g n« t. Er wird dann daS Cunowsche Werk erst vollständig zu würdigen vermögen. Nicht minder fruchtbar, wie der Standpunkt des historischen Materialismus, der den Berfafier treibt, überall den bewegenden •) Heinrich Cunow; Dke revolutionäre ZeitungSliteratur Frankreichs während der Jahre 1789—94. Ein Beitrag zur Geschichte der französischen Klassen- und Partei- kämpfe gegen Ende deS 18. Jahrhunderts. Mit IS ZeitungSfakumileS und 11 Porträts. Berlin 1908, Buchhandlung SonvärtS. 828 Seiten GroßokM». Preis broschiert 6,50 M., gebunden 7.89 Bl Produktionsverhältnissen nachzuforschen, erweist sich für ihn sein Ouellenmaterial, die Zeitungen und Zeilschriften des revo- lutionären Frankreichs. Für die herkömmliche Geschichtschreibung der Revolution lonzentriert sich ihr ganzes Interesse auf die parla- meutarischen Verhandlungen und Jmrigen. Auch da herrscht eine Act parlamentarischen Kretinismus. Nun ist ja die Staatsgewalt im Leben der Völker unter den vielen einzelnen Faktoren, die eS bestimmen, sicher der stärkste, aber doch nur einer unter den vielen. Und gerade in den Organen der Staatsgewalt, den Regierungen und Parlamenten, kommen alle die unzähligen Schattierungen der Klassengegensätze, die das gl,„llschaft liche Leben bestimmen, verwaschener und unbestimmter, oft auch ver- logener zum Ausdruck, als sonst wo. Wohl sind die Regierungen nur die Kommis der herrschenden Klasien, aber sie bleiben in ihrem Handeln abhängig von ihrem Regierungsapparat, der Bureaukratie die oft ein recht selbständiges Leben entwickelt; und sie sind daran angewiesen, nach einer breiten Basis zu streben; wo sie mit Parlamenten zu tun haben, noch einer großen und sicheren Majorität die sie nur dadurch erlangen, daß sie möglichst verschiedenartige Interessen unter einen Hui bringen, die verschiedenen Gegensätze innerhalb der herrschenden Klassen möglichst ausgleichen. Andererseits muß auch die Opposition nach möglichster Ge schlossenheit trachten, will sie der Regierung imponieren. Wie die Regierung, muß auch jeder Parteiführer danach streben, alle Nuancen Verschiedenheiten und Gegensätze innerhalb seiner Fraktionsgenossen im Parlament möglichst auszugleichen. Aber schon der Modus der Erwählung des Parlamentariers treibt diesen oft, dem Standpunkt der Klasse, die er verlritt, seine Schroffheit zu nehmen. Die Wähler rekrutieren sich ja aus allen Klassen. Freilich bezeugt die Wahl, welche Klasse unter de» Wählern die Mehrheit besitzt oder beherrscht, aber die Klassen sind in Wirllichleit nicht streng von einander geschieden, es gibt zahlreiche Zwischenstufen und Uebcrgänge, die talsächlich den Ausgang der Wahl in vielen Wahlkreisen entscheiden. Je mehr der Kandidat von ihnen gewinnt, desto besser seine Aussichten. Um diese Zwischen� schichten wird in den Wahlgängen hauptsächlich gekämpft. DaS treibt viele als Kandidaten und später als Parlamentarier. von jeder schroffen Betonung besonderer Klasseninteressen ab- zusehen. Namentlich gilt das für Zeilen und Länder, wo keine geschlossenen Parteiorganisationen mit bestimmten Programmen bestehen. Für die Preffe sind diese Gründe der VerWaschung und Vertuschung der Klassenunterschiede und Gegensätze weit weniger wirksam, ausgenommen die großen Tagesblälter, die es aber zur Zeit der großen Revolution noch nicht gab. Jede Schattierung der Klasseninteressen, die bedeutend genug ist. eine historische Wirkung zu entsalten. findet auch ein Blatt, daö sie vertritt. In der Presse kommt das innere Leben der Parteien, kommen die Verschiedenheiten und Wandlungen innerhalb der großen Massen, die für das politische Leben so wichtig sind, viel klarer zum Ausdruck, als in den Parla- mentcn. Man braucht dabei nur an unsere eigene Partei zu denken Wer vermöchte ihre Geschichte zu schreiben, bloß auf die Reichstags Verhandlungen hin? Ohne Kenntnis der Zeitungen der Partei und der Gewerkschaften wird man ganz schiefe Vorstellungen von der Entwickelung der Sozialdemokratie bekommen. Weit mehr noch aber gilt das für die Parteien der französischen Revolution. Die deutsche Sozialdemokratie betont die Klaffen intereffen sehr stark, dank ihrer marxistischen Bildung und den Jahr zehnten politischen Lebens, die Deutschland durchgemacht, che sie zur Kraft gelangte. Zur Zeil der französischen Revolution boten weder Erfahrung noch Theorie Anhaltspuulte zur bewußten Hervor kehrung der Klossenintereffcn, geschah deren Vertretung fast nur instinltiv. Da kamen sie in den Parlamenten noch weniger offen zum Ausdruck als heutzutage, da wird die Preffe für das Ver ständnis der Parteien noch wichtiger. Durch seinen Standpunkt und sein Ouellenmaterial wird Cunow in Stand gesetzt, vieles klar zu sehen, woran sich die herkömmliche Geschichtsschreibung hilflos abmühte. Sie erkannte gerade noch die Gegensätze zwischen Adel und Geistlichkeit-auf der einen Seite und dem dritten Stand aus der andern, so wie dann innerhalb des letzteren die Gegensätze zwischen der Gironde und der äußersten Linken, dem„Berg Aber selbst diese Gegensätze erscheinen bei ihr sehr schief, namentlich erhält der Berg meist eine proletarische Färbung, die ihm gar nicht eigen war— ganz abgesehen von gutgesinnten deutschen GeschichtS schreibern wie Sybel, der im Polizeisinne schreibt und die Jakobiner einfach zu Anarchisten stempelt. Jedoch auch ernsthafteren und un- befangeneren Historikern blieben die Kämpfe innerhalb der äußersten Linken deS Konvents, zwischen Danlonisten. Hebertisten, Robespierristen, ein Rätsel. Hier sah man nichts als persön liche Unverträglichkeit, Herrschsucht, sinnlosen Blutdurst. Meines Wissens ist Cunow der erste, der diese Gegensätze klar und ei» wandfrei als Klassengegensätze zur Darstellung gebracht hat. Aber auch die anderen, früher schon erkannten Klassengegensätze kommen bei ihm klarer und bestimmter zum Ausdruck als sonst. Und nicht bloß die einzelnen Parteien und Partetungen werden uns bei Cunow völlig begreiflich, auch die einzelnen Per onen werden unS nun nähergerückt und leichter verständlich. Sie schweben nicht mehr in der Luft allgemeiner, abstralter Ideen, die sie repräsentieren, sondern geivinncn festen Boden unter den Füßen, den Boden bestimmter Klassen, aus denen sie hervorgehen oder denen sie sich zugesellen, weil sie sich mit ihnen verwandt fühlen. Ihre Eigenart, soweit sie historische Wirkung hat— und nur insofern braucht sie uns zu beschäftigen— wird jetzt durch die Eigenart der Klasse erklärt, die sie bildete oder anzog. Als Sozialist und historischer Materialist gewinnt Cunow aber auch eine Unbefangenheit gegenüber diesen Personen, die den auf dem Boden der bürgerlichen Wissenschaft stehenden Historikern völlig mangelt, nicht bloß den Reaktionären, sondern auch den Revolutionären. Die einen wie die anderen sehen' in den Kämpfen von heute, an denen sie selbst teilnehmen, bloße Fortsetzungen der Kämpfe der Revolution, sehen dort aus der einen oder der anderen Seite ihre Parteigenossen und fühlen sich gedrängt, diese zu preisen und deren Gegner zu brandmarken. Aber wenn es auch richtig ist, daß in der französischen Revolution schon die Keime zu allen Parteien auftraten, die heute noch im Staate um die Macht ringen, so gilt das noch nicht für eine: die Partei des klassenbewußten Proletariats, die Sozialdemokratie; und ebenso findet man in der Revolution allerdings schon alle Klaffen, die heute in der Gesellschaft um möglichst großen Anteil am gesellschaftlichen Produkt kämpfen, nur eine nicht: das großindustrielle Proletariat. Ein Sozialdemokrat kann daher unbefangen die Kämpfe der Parteien und Klaffen jener Zeit untersuchen, die Partei und Klaffe, für die er eintritt, sind dabei nicht beteiligt. Seine Unbefangenheit ist umso größer, wenn er als Marxist iu dem Einzelnen nur das Produkt der Verhältnisse sieht, so daß er ihn zu begreifen, nicht zu beurteilen sucht. Als Kämpfer können freilich auch wir Marxisten nicht umhin, Urteile zu fällen. Aber sie gelten nur der Gegenwart und der Zukunft, nicht der Vergangenheit. Hier sehen wir nur Notwendigkeit, die wir zu begreifen, von der wir zu lerneit haben. Dank dem ist es Cunow gelungen, den Männern der Revolution mit einer Unbefangenheit entgegenzutreten, zugleich aber auch mit einem Verständnis wie kaum ein anderer Geschichtsschreiber der Revolution. Auch hier wieder erscheinen besonders bemerkenswert seine Darstellungen von Männern der äußersten Linken, die uns ohne jede Gehässigkeit, aber auch ohne verschönernde Schminke vor- geführt werden. Die Charakterisierungen Cnmille DesmoulinS, Marats, HebcrtS sind unübertrefflich durch ihre Bestimmtheit und Schärfe und durch ihre Verknüpfung mit den Klaffen, denen sie dienen. Dank dieser Verknüpfung wird uns ebenso der Mann wie die Bewegung, in der er wirkt, anschaulich näher gebracht. Das Buch Cnnows bedeutet eine wertvolle Bereicherung nnserer h i st o r i s ch e n Literatur, aber nicht minder unserer politischen. Er verfolgt mit ihm wohl den gleichen Zweck, wie ich vor zwanzig Jahren mit meiner schon erwähnten Schrift über die französische Revolution, in deren Vorwort szur 2. Auflage) ich sage: „Sie wollte nicht bloß der Verflachnng der Theorie, sondern auch der der Praxis des Klassenkampfes entgegen- wirken, indem sie zeigte, daß die sozialistische Politik sich nicht damit begnügen darf, den Klassengegensatz zwischen Kapita! und Arbeit im allgememen zu konstatieren, daß sie den ganzen sozialen Organismus in allen seinen Details durchforschen muß, da unter diesem großen Gegensatz»och zahllose andere in der Gesellschaft bestehen von geringerer Bedeutung, die aber nicht übersehen werden dürfen und deren Verständnis und Ausnutzung die prole- tarische Politik bedeutend erleichtern und viel fruchtbarer machen kann." Schon Marx und Engels legten auf daS Verständnis und die Ausnutzung aller dieser Unterschiede den größten Wert. Darum bekämpften sie auch das Laffallesche Wort von der„einen reaktionären Masse", weil sie fürchtete», daß dadurch die schablonenhafte Auf- faslung deS Klassenkampfes gefördert würde, als träten in ihm von vorneherein zwei geschlossene Massen einander gegenüber. AuS Cuuows Buch können wir in dieser Beziehung sehr viel lernen, was die Auffassung unserer eigenen Kämpfe zu verliefen vermag. ES ist schon darauf hingewiesen worden, daß, abgesehen von der Sozialdemokratie und vom großindnslriellen Proletariat, es die« selben Parteien und Klassen waren, die sich heute in Staat und Gesellschaft rühren, die während der großen Revolution in der schärfsten Weise miteinander kämpften. Unerwartet, ohne lange Vorbereitung, einander zu einem Ringen auf Leben und Tod gegenüber gestellt, enthüllten sie ihre Tendenzen mehr, als sie eS in normalen Zeiten zu tu» pflegen. Nirgends kann man sie besser studieren wie zur Zeit der französischen Revolution. Freilich gehört dazu ein Führer wie Cunow, der unter den hocktönenden Phrasen der Schönredner die wirklichen Handlungen der Parteien und Klassen aufzeigt. Jene sonderbaren Käuze unter uns Sozialisten, die noch immer von einem dein Proletariat entgegenkommenden Bürgertum träumen, möge» bei Cunow nachlesen, wie sich schon vor mehr als hundert Jahren das revolutionäre vollkräftige Bürgertum nicht etwa einem politisch selbständigen Proletariat, sondern einem ganz in bürgerlichen Anschauungen befangenen Klein- bürgert» m gegenüber angstvoll ablehnend oder brutal nieder- schlagend verhielt. Das geschah damals, Ivo die Bourgeoisie noch radikal und revo« lutionär dachte. Zum BerständniS unserer Gegner ist daS Verständnis der französischen Revolution unentbehrlich. Aber auch zum Verständnis des proletarischen Klassenkampfes wird das Buch CunowS viel beitragen, freilich nicht durch die Tatsachen, die eS berichtet, sondern durch seine Methode und seine allgemeinen Schlüsse. Da eS zur Zeit der französischen Revolution noch kein klaffen« bewußtes Proletariat gab, können auch die Erscheinungen, die den proletarischen Klassenkampf besonders kennzeichnen, in ihr nicht direkt beobachtet werden. Nur Aualogieschlüffe sind von ihr für heute möglich, bei denen man aber immer sehr vorsichtig sein, die Aenderungen der Verhältnisse stets im Auge behalten muß. Wie sehr aber auch die Berhältuiffe sich gewandelt haben mögen, eins ist sich gleich geblieben: die Abhängigkeit der Politik der einzelucn Schickten der Bevölkerung von ihrer Stellung im Produktionsprozeß. Wenn wir, von diesem Grundsatz ausgehend, die Methode, die Cunow zur Untersuchung der revoluiiouären Schichten des alten Frankreich anwendet, auf das moderne Proletariat übertragen, werden wir finden, daß auch dieses nicht jene einheitliche Klasse ist, als die es anfänglich erscheint. Es zerfällt in verschiedene Schichten, deren Klassenlage insofern die gleiche ist, als sie alle vom Kapital aus- gebeutet werden, alle ihre Befreiung nur durch Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln erlangen können. Aber diese Schichten sind untereinander sehr verschieden in ihren nächsten Jnteressen und den Kampfesmcthoden, wodurch sie diese zur Geltung zu bringen vermöge». Diese Verschiedenheiten berühren nicht da? Endziel des proletarischen 5klasselikampfeS. wohl aber seine jeweilige T a kti k. Niemand wird die taktische» Verschiedenheiten, nicht nur innerhalb unserer Partei, sondern die »och weit größeren innerhalb deS gesamten Proletariats unserer Zeit richtig begreifen und sein eigenes Verhalten in den taktischen Streitfragen zweckmäßig gestalten, der nicht in gleicher Weise, wie eS Cunow für die Klassen der großen Revolution tut, das Proletariat von heute untersucht und in seine verschiedenen Bestandteile zerlegt. Die Schablone, wonach man die taltischen Differenzen einfach zu einem Werk von Stänkern macht, ist sehr bequem, aber schlimmer als unzureichend. Freilich werden wir bei dieser Untersuchung nicht immer zu Ergebnissen kommen, die uns angenehm sind. Inner« halb der verschiedenen Klassen kreuzen sich die verschiedenartigsten Tendenzen, differenzierende und zusammenschließende. Bald über- wiegen die einen, bald die anderen. So werden z. B. die Gegen- ätze zwischen industriellem Kapital. Handelskapital. Geldkapital heute immer mehr durch das Mtienwesen überwunden, da? dem Finanzkapital die Möglichkeit gibt, das industrielle wie das Handels- kapital aufzusaugen. Und auch der Gegensatz zwischen Grundbesitz und Kapital verschwindet immer mebr. je mehr die groben Grund« babon. Befizer auch Attienbefizer, die großen Geldkapitalisten auch Grund- überwinden. Statt uns den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir| Größe und Kraft des Proletariats; es wappnet gegen alle Ber befizer werden. Vor allem aber ist es gerade das Anwachsen ihres Bauern und Kleinbürger gewinnen und zu einem Blod mit einer lodungen falscher Freunde aus der Bourgeoisie, und überwindet alle gemeinsamen Feindes, des Proletariats und seiner Kraft, was sie nur in Illusionen vorhandenen bürgerlichen Demokratie gelangen, Differenzen, die aus den Verschiedenheiten der ökonomischen Situation zusammenschweißt. Die Blodpolitik ist das äußerliche Anzeichen heißt es, dahin zu wirken, daß der Blod des Proletariats innerhalb des Proletariats erstehen können. zur Wahrheit werde, daß das gesamte Proletariat in einer Es gibt eine wichtigere Aufgabe wirklich Jm Proletariat dagegen treten neben den Tendenzen, die es Klassenpartei vereinigt ist. , praktischer, positiver" Politit, als die Stärkung immer einheitlicher zu gestalten suchen, immer mehr auch solche nach Unsere Gegner dagegen haben nur noch eine Hoffnung: Die und Verbreitung revolutionären Empfindens steigender Differenzierung und Mannigfaltigkeit zutage. Das Ver- Spaltung des Proletariats, das Ausspielen der einen seiner und Denkens im Proletariat. fehrswesen mischt immer mehr Nationalitäten durcheinander, ver- Schichten gegen die andere. Das hat die englische Bourgeoisie sehr Auch dieser Aufgabe dient das Buch Cunows. Wohl bietet er einigt Deutsche, Polen, Italiener an einem Drte. Es ertveitert gut verstanden, dadurch hat sie den Chartismus getötet. Das Ver- feine kritiklose Verherrlichung, sondern eine kritische Untersuchung der immer mehr den Kreis der kapitalistischen Ausbeutung, fegt neben suchen auch heute die bürgerlichen Arbeiterfreunde, die in Wirklichkeit Revolution. Aber gerade je nüchterner diese, je mehr sie sich von großindustrielle Proletarier solche in entlegenen Industriedörfern, weit gefährlichere Feinde des Proletariats find, als die Scharf den überkommenen Phrasenschwall der bürgerlichen Demokratie fernderen Arbeiterschaft von den rüdständigsten bäuerlichen Elementen macher. hält, um so tiefer der Eindruck, den wir von der Kraft erhalten, die geliefert wird. Gleichzeitig proletarisiert die ökonomische Entwidelung die Volksmasse in einer Revolution zu entfalten, von der Höhe, die immer mehr Elemente, die ehedem auf Selbständigkeit rechneten, sich fie in ihr rasch und unaufhaltsam zu erklimmen bermag. zur Bourgeoisie zählten. Zum Proletariat gehören ebensogut wie die Tagelöhner die Angehörigen des„ neuen Mittelstandes". Die Vereinigung des gesamten Proletariats tann aber nur geschehen unter dem Banner unferes großen Endziels, das allen proletarischen Schichten gemein ist, nicht im Zeichen der positiven, praktischen Kleinarbeit, die für jede Proletarierfchicht eine andere ist. Wäre das Proletariat eine einheitliche Masse, es müßte bei feiner So unentbehrlich diese Kleinarbeit ist, für sich allein fördert sie nicht großen Zahl, seiner ökonomischen Unentbehrlichkeit, der theoretischen die Vereinigung, sondern die Isolierung der verschiedenen Proletarier Klarheit seiner führenden Schichten bereits zu einer herrschenden schichten. Sie wird nur dann ein Mittel ficheren Fortschritts, wenn Stellung im Staate gelangt sein. Die wichtigste Aufgabe, die wir sie sich vereinigt mit dem Kampfe für das Endziel, mit einem starken zu erfüllen haben, ist die, alle diese verschiedenen Elemente zu ein- revolutionären Empfinden. Dies Empfinden, das ist die Wurzel der Einheit und damit der heitlichem Wirken zu vereinigen, die differenzierenden Tendenzen zu So ist Cunows Revolutionsbuch nicht bloß wissenschaftlich, sondern auch politisch und pädagogisch, oder wenn man lieber will, agitatorisch eine dankenswerte Leistung. Es sollte in feiner Bibliothek eines Arbeitervereins fehlen. Und nicht blos den Alten, sondern auch den Jungen sollte es zugänglich werden. Denn sie sind es, die die Schlachten der kommenden Revolutionen zu schlagen haben. Das werden sie um so besser vermögen, je mehr sie die Revolutionen der Bergangenheit verstehen gelernt haben. R. Rautsty. SchutzFr. Hahn Berlin C.25 Marke. FR. HAHN Schwarze Kleiderstoffe. Glatte Kammgarnstoffe, reine Wolle per Meter 1.35, 1.50, 1.75-3.00 M. Glatte Lastings und Satintuche, reine Wolle • per Meter 1.50, 1.80, 2.00-4.50 M. Glatte Elsasser Cheviots, reine Wolle per Meter 0.90, 1.20, 1.50, 1.80-3.00 M. Glatte a gemusterte Alpakas m. elegantem Seidenglanz.. 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Februar 1909, nachmittags 2½ Uhr, in Kellers Feßfälen, Die soziale Bedeutung und Bekämpfung der Tuberkulose. Referent: Dr. Richard Roeder. Säfte willkommen. ( 55/3) Der Vorstand. ( Amt VI 17723) errichtet. Dr. Bakofen, Frauenarzt. Kantstr. 158( 5-6). Zentral- Krankenkasse der Maurer ,, Grundstein zur Einigkeit" Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 14. Februar, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk, Inselstraße 10: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Raffenbericht vom 4. Quartal und Jahresbericht. 2. Die Antwort des Vorstandes zum lehten Versammlungsbeschluß. 3. Wahl des ersten Bevollmächtigten, zweiten Kajfierers, ersten Schriftführers und eines Revisors. 149/ 3* Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die örtliche Verwaltung. Große Koppenstraße 29( Inhaber Freyer): Jugendversammlung. Tages Drbnung: Bortrag des Redakteurs Heinrich Ströbel aber: ,, Jugend und Bildung". Nach dem Vortrage: Frete Aussprache. Zu dieser Bersammlung find alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen herzlichst eingeladen Der Jugendausschuß. 281/ 6* Möbelfabrik Perband der Maler, Lackierer, Auftreicher c Hoffnung ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) BERLIN O., Krautstr. 52. Sonntag, den 21. Februar er., vormittags 9 Uhr, : Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. General- Versammlung Bureau: Amt III, 1474. Berlin N. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Ortsverwaltung I für Kellner, Köche, Köchinnen, Büfettiers usw. Ortsverwaltung II Abteilung für das Hilfspersonal: Zapfer, Hausdiener, Kupferputer usw. Arbeitsnachweis: Amit III, 1813. Ortsverwaltung III Abteilung für Bierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes find mit einer Mitgliedskarte zur Regitimation versehen, die jedes Duartal erneuert wird und die Farbe wechselt. 281/9 Die für das laufende Quartal gültige Karte ist von hellbrauner Farbe mit schwarzem Aufdruc and legt dieselbe am nächsten Zahlabend zur Ansicht auf. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß der Verband deutscher Gaftwirtsgehilfen und der Gastronomische Gehilfenverband nicht identisch sind. Tages Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Auffichtsrats. 2. Bericht des gerichtlichen Bücher revisors. 3. Genehmigung der Bilanz 1908. 4. Neuwahl des gesamten Borstandes und Aufsichtsrates. 5. Statutenänderung. 8995 6. Anträge, welche 14 Tage vor der Generalversammlung eingereicht worden sind. Die Bilanz liegt zur Einsichtnahme in unseren Geschäftsräumen aus. Der Vorstand: H. Fengler. K. Schmidt. Joh. Snudat. Melchiorstraße 28, part. Filiale Berlin. 2C. Fernspr.: Amt 4, 4787. Dienstag, den 9. Februar 1909, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im ,, Gewerkschaftshans", Engelufer 15. Zages Ordnung: 128/5 Jahresbericht. Neuwahl des Obmanns. Wahl der Branchenkommission. Branchenangelegenheiten. Bahlreichen Besuch erwartet Der Obmann. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Montag, den 8. Februar, abends 8, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße Nr. 58/59: Außerord. General- Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bekanntgabe des Wahlrefultats. 3. Fort fehung der Beratung über den Statutenentwurf des Zentral156/10 Der Vorstand. Sparrstr.1333mm. Bohn vorstandes. 4. Verschiedenes. Kamm., Balt., fof.o.fp. bill Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Montag, den 8. Februar 1909: Mitglieder- Versammlungen in sämtlichen Branchen und Bezirken. Σages Drdnung: Achtung! Bertrauensleute find hiermit Achtung! Die angewiesen, den Kollegen die Bücher auszuhändigen. Die Ortsverwaltung. Achtung! Stukkateure. Atung! Montag, den 8. Februar er., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15: Regelmäßige Mitglieder- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Der außerordentliche Verbandstag. 2. Aufstellung der Kandidaten. 3. Berfchiedenes. Am Donnerstag, den 11. Febr., finden in allen Zahlstellen Besprechungen fatt, die sich mit dem Tarifablauf beschäftigen. Sonntag, den 14. Februar cr., mittags 1 Uhr: bei Meier, Sebastianstr. 39. 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Unsere Agitation. Außerordenti. Mitgliederversammlung 3. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bersammlungen finden statt: 19% Die Tischler. Um 5% Uhr: Süd- Westen in den Kreuzberg- Festsälen, Krensbergftr. 48. Süden bei Grumbach, Schönleinstr. 6. Südosten I in ben Naunyn- Festsälen, Naunynftr. 6. Südosten Osten bei Lowak, Staliter Strake 99. bei Walter, Andreasstr. 21. Osten II bet Litfin, Memeler Straße 67. Chauffee 6/7. Tagesordnung: 1. Unsere Stellungnahme zum Tarifablauf. 2. Wahl der Kandidaten zum Verbandstag. 3. Verschiedenes. Es hat jeder Kollege die Pflicht, die ihm zugeteilte Arbeit bei der Arbeitslosenzählung so pünktlich zu leisten, daß er unbedingt in der Versammlung anwesend ift. Die Ortsverwaltung. 78/17 173/7 Musikinstrumenten- Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Arbeiter um 8% Uhr im ,, Englischen Garten", Alexanderstraße 27c, oberer Saal. Kammacher Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Gruppe: Rabitzspanner. Montag, den 8. Februar, abends 8 Uhr, im Lokale von Jannascht, Jufelstraße 10. um 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 8). Gruppe: Zementierer,& insehaler u. Milfsarbeiter. Bodenleger Arbeitslosenraum. Oestliche Vororte im Schwarzen Adler, Frankfurter um 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Eugelufer 14, parterre, Nordosten bet Boeker, Weberftr. 17. Norden in ben Berolina- Festsälen, Schönhauser Allee 28. Um 6 Uhr: Nordwesten in Schölzels Gesellschaftshaus, Bohenftr.12. Bautischler. Um 6 Uhr: Bez. 1( Süden) im ,, Märkischen Hof", Admiralstrake 18c. Bez. 2( Osten) bel Zieta, Warschauer Str. 61. Bez. 8( Norden) bet Obiglo, Schwebter Strake 23. Bez. 4( Nordwesten) bei Trapp, Müllerstroke 7. 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Einsetzer um 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7. ( Im 2. Bezirk findet die Sonntagsversammlung bei Dobrohlaw, Schliemannstraße 39 ftatt). Neu! Rabatt- System. Bitte lesen! Achtung! Vereine und Gewerkschaften! es find Alexanderstr. 27c, Englischer Garten, Sonnabende und Sonntage im März sowie im April( Osterfeler. tage) noch zu vergeben. Ich komme den verehrten Vereinen entgegen, indem das Glas Bier 10 Bf. toftet, Staffee und Kuchen 40 f. und besonders billige Speisenkarte. Garderobe 15 Pf. Karl Hoffmann. 120 Hochachtungsvoll HERMANN TIETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDER- PLATZ Diese Woche: FRANKFURTER ALLEE Grosser Lebensmittel- Verkauf Gemüseund FruchtSoweit der Vorrat reicht- Versand nach Ausserhalb prompt! RiesenDose a Dose Konserven DD. Stangenspargel.... 165 Stangenspargel 160 85 20/2 20/24 Dose, Dose Brechspargel 68,-Pf. Sauerkirschen 90,50 Pt. ohne Köpfe.. mittelfeln.. ohne Stein ohne Junge Schoten 55, 33 P. Kaiserkirschen 110 60 Pf. Gemüse- Schoten.. 36, P. 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Der Verteidgier will beweisen, daß die Zugführer durch die Ueber- bürduug des Dienstes und die Hitze so angestrengt waren, dag eS gar nicht zu verwundern sei, wenn Schreiber wirklich ein Signal überfahren haben sollte. Ferner beantragt der Verteidiger die Vor- ladung eines Zugführers Eichelbaum, der bekunden werde, dag erst jetzt wieder, am 3. Februar,iter Schwerin. Die»r lle. ob über das Gleisdreieck mit voller Sicherheit gefahren werden kann, bejahe er mit voller Bestimmtheit. Wenn nur emige Auf- merksamkeit d«S Fahr- und �irnun�pers�als Mubt wird, kann man über das Gleisdreieck ebenso fahren, wie aus jeder anderen Strecke. Die Sicherheit beruht auch hier, wie überall aus der Aus- merksamkeit des Personals. Wenn diese nicht vorhanden ist, dann aibt es überhaupt keine Möglichkeit. Unfälle zu verhüten. Es werden dann einige Zugführer und Weichensteller darüber vernommen, ob ihnen etwas davon bekannt ist, daß— wie der Zeuge Köhler behauptete- die Direktion der Hochbahn mnem Herrn der Zeuge gewesen, daß beinahe ein größerer Unsall beweist, daß Herr Köhler alles angewandt hat. um der Hochbahn eins auszuwischen... r. ,, Hierauf finden längere Erörterungen über einzelne Falle statt. in denen nach der Behauptung der Verteidigung von Blockwartern verdächtige Manipulationen mit den Plomben der Nottaster vor- genommen sein sollen. Einen solchen Fall hatte der Haltestellen- vorstchcr Lappe bekundet und behauptet, daß der Weichen stiller Domke an der Station„Knie" einmal eine solche Manipulation vorgenommen habe. Zeuge Domke bestreitet dies und gibt den Vorwurf gerade auf Lappe zurück. Er selbst se, ausgetreten und Lappe habe ihn vertreten. Irrtümlich sei das Signal zu früh eingeschlagen gewesen und da habe Lappe eine Zange gefaßt und etwas an der Plombe vorgenommen. Rechtsanwalt Bahn weist darauf hin, datz Kohler tn einer Meldung an das Polizeipräsidium schon 4 Wochen vor der Katastrophe darauf hingewiesen habe, daß ein Unglück eintreten müsse. Der Verteidiger beantragt Beweisaufnahme darüber, was aus dieser Meldung bei der Eiscnbahndirektion geworden ist. Auf Befragen gibt Regierungs- und Banrat Schreiber noch- mal? genaue Auskunft über die Art, wie er nach der Katastrophe das Stellwerk am Gleisdreieck untersucht hat und begründet seine eigene Fach- und Sachkenntnis in längerer Darlegung. Der Sach- verständige hat das Stellwerk ganz genau untersucht. eS war ord- nungSmätzig gebaut und ordnungsmäßig unterhalten. Es liege kein Grund vor, nach dem objektiven Ergebnis des Befundes an- zunehmen, daß bei Stellung des Signals O auf„Fahrt" auch das Signal 1. aus„Fahrt" gestellt gewesen sein kann. Ein Fall, in welchem von einem Zeugen Kaufmann Leisner bekundet wird, daß am Gleisdreieck ein Zug das Hauptsignal überfahre» habe und im letzten Augenblick ein Unglück verhütet worden sei, erregt wieder längere technische Erörterungen, in welchen mehrere Sachverständige den Fall dahin erörtern, daß daraus ein Bor- Wurf gegen die technischen Einrichtungen der Hochbahn nicht ge- macht werden könne. Längere Beweiserhebungen knüpfen sich an die Frage, ob es richtig ist» daß die Stellwerksweichensteller sehr leicht an die Plom- bcnzangcn herankommen und den Zugfahrern der Bequemlichkeit wegen Plomben mitgegeben zu werden pflegen. Stellwerkschlosser Stenzke bekundet, daß das Handwerkszeug immer unter Verschluß gehalten werden mutz.— Monteur Kunze erklärt auf Befragen: Es sei gänzlich ausgeschlossen, daß die am Stellwerk des Gleis- dreiecks zur Zeit der Katastrophe beschäftigt gewesenen Weichen- steller Voigt und Langfeld an den Plomben unberechtigte Eingriffe gemacht haben können. Das Plombenzeug sei in seiner Verwah- rung gewesen: von der Verwaltung sei auch stets kontrolliert worden, ob das Handwerkszeug verschloffen aufbewahrt werde. Eine große Rolle in der Beweisaufnahme spielte der vom Zeugen Köhler behauptete Fall. Auf den Weichensteller Melke hatte sich der Zeuge Köhler be- rufen. Melke soll gesehen haben, daß Langfeldt dem Köhler ein- mal Plomben, die er im Besitz hatte gezeigt habe. Der Zeuge Melke erklärt, datz ihm hiervon absolut nichts bekannt sei. Zeuge Köhler bleibt bei seiner Angabe und behauptet, daß es durchaus möglich sei, eine losgelöste Plombe wieder anzubringen, ohne daß es bemerkbar ist. Der Zeuge versucht an einer von ihm mitge- brachten Plombe ad oculos zu demonstrieren. Da dies nicht gleich gelingt, wird ihm aufgegeben, in ruhiger Weise und ungestört einmal das Experiment zu machen. Professor Caucr, Lehrer an der technischen Hochschule erklärt unter anderem: Man kann nicht sagen, daß die Gleisanlagen des Gleisdreiecks verfehlt sind. Gleiche Anlagen befinden sich auch an manchen Stellen der Staatsbahnen. Wenn hier gesagt worden, daß das Gleisdreieck doch auch als großartige Leistung der Technik gepriesen sei, so ist darauf hinzuweisen, daß diese Ober- und Unter- führung aus dem Gleisdreieck in erster Reihe im Interesse der er- höhten Leistungsfähigkeit angelegt worden ist. Dabei konnte man aber gewisse Punkte, wo die Gleise zusammenlaufen, nicht ver- meiden. Solange auf Eisenbahnen gefahren wird, wird es auch Eisenbahnunfälle geben. Man kann nicht sagen, daß das Gleis- dreieck besonders gefährlich wäre und es kann nicht als Pflicht- Widrigkeit der Verwaltung erachtet werden, datz sie das Gleisdreieck nicht schon längst beseitigt hat. Eine Gefahr läßt sich nicht immer ganz vermeiden, man kann nur bestrebt sein, die größten Gefähr- lichkeitspunkte zu beseitigen. Der Sachverständige hat. wie er auf Befragen weiter bekundet, aus der Beweisaufnahme nicht den Ein- druck gewonnen, daß bei der Hochbahn besonders zahlreiche Stö- rungen vorgekommen seien. Wenn alles Material von einem siebew jährigen Betriebe zusammengetragen wird, so erscheint es natür lich größer, als es in Wirklichkeit ist. Einzelne Sachen, die hier vorgebracht worden, sind grobe Verstöße, wie sie überall vorkommen; sie sind als solche auch von der Gesellschaft geahndet worden. Man kann der Verwaltung nicht nachsagen, daß sie in dieser Beziehung zu lax gewesen sei. Verspätungen sind bei dem Schnellbahnverkehr nicht zu vermeiden, sie kommen auch auf der Stadtbahn vor. Was die hier von der Verteidigung mehrfach herangezogenen selbst tätigen Sicherhcitscinrichtungcn betrifft, so sei man, wie der Sach verständige de3 weiteren ausführt in Teutschland und überhaupt in Europa im allgemeinen für diese selbsttätigen Einrichtungen nicht sehr eingenommen, sie haben auch in Amerika die Betriebs- sicherheit nicht besonders vermehrt. Nach einem über diese Frage handelnden Werk kommt in Amerika auf 4800 Signalbewegungen eine Störung. Nach einer statistischen Aufnahme des Regierungs- baumeisters Schwerin, die dieser vorträgt, kam bei der Hochbahn im Mpnat Dezember bei Frostwetter auf 658 000 Signalbewegungen »ad auf 420 000 Blcckbewcgungen je eine Störung.— Rechtsanwalt Bahn verliest dem gegenüber einige Artikel, die nach der Kata- strophe von einer ganzen Reihe Sachverständiger deröffentlicht worden seien. Darin sei die Anlage des Gleisdreiecks als eine verfehlte bezeichnet worden. Privatdozent Baumeister Braun läßt sich als Sachverständiger über die Lage der Signale und deren Handhabung auf dem Gleis- dreieck eingehend aus. Er schließt sich im allgemeinen in bezug auf das Gleisdreieck selbst dem Bor-Sachverständiqen an. Die Signale seien durchaus übersichtlich. Bei einigermaßen genügender Auf- merksamkeit der Fahrer würde ein solcher Zusammenstoß, wie er hier passiert ist, sich immer vermeiden lassen. Daß auf dem Gleis. dreieck eine Betriebssicherheit vorhanden ist, gehe aus folgender Berechnung hervor. Es gehen in der Stunde 70 Züge hin und her, zusammen also 140. Bei 20 Stunden Betrieb ergibt dies pro Tag 2800 oder rund 1 Million Fahrten pro Jahr. Da in der ersten Zeit der Betrieb nicht so intensiv war, so kann man durchschnittlich 700 000 Fahrten pro Jahr oder in den 7 Jahren des Betriebes 5 Millionen Fahrten annehmen. Und bei diesem Betrieb sei auf dem Gleisdreieck nur eine einfache Entgleisung, die auch auf jeder freien Strecke borkommen kann, und dieses große Unglück vor- gekommen. Wenn gesagt wird, es müsse ein stärkeres Geländer angelegt werden, so müsse man doch fragen, wie stark ein Geländer sein mitsste, um einen in voller Fahrt befindlichen Zug aufzuhalten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird der Zeuge Voigt ver- eidigt. Aus einem sehr guten Leumundszeugnis, welches Pastor Lehm pfuhl dem Angeklagten Schreiber ausgestellt hat. geht hervor, daß die Frau des Angeklagten, der jetzt 3 Kinder hat, kurz vor dem Unglück entbunden worden ist und die Ereignisse des 26. Septem� ber auf sie besonders niederdrückend gewirkt haben. Nach Schluß der Beweisaufnahme bleibt der Angeklagte Schreiber auf Vorhalt dabei, datz er das Signal nicht überfahren, das Signal vielmehr auf„Fahrt" gestanden habe. Staatsanwalt Dr. Pabst erachtet die Einwände, die Schreiber gegen seine Schuld erhoben hat, durch die Beweisaufnahme für völlig widerlegt. Voigt habe seine Schuldigkeit im vollen Maße getan. Auch das Stelllverk habe erwiesenermaßen richtig funktio- niert. Das Unglück sei dadurch herbeigeführt, daß Schreiber seine Schuldigkeit nicht getan, sondern das Haltsignal überfahren hat. Aber auch Wende hat pflichtwidrig die Signale nicht beobachtet, sondern Eintragungen in sein Fahrbuch gemacht. Nun habe sich aber in der Hauptverhandlung herausgestellt, daß Wende in der kurzen Zeit, die ihm gelassen war. nicht im Stande gewesen wäre, das Unglück noch zu verhüten. Mangels Kausalität müsse deshalb Wendcs Freisprechung beantragt werden. Anders liege die Sache bei Schreiber. Er habe die Signale deutlich erkennen können, ebenso die Weiche 3, vor der er nach Ueberfahrung der Signale unbedingt noch hätte halten können und müssen. Durch seine Fahrlässigkeit allein sei der grausige Unfall verursacht worden. Mit Rücksicht auf die furchtbaren Folgen, die der Unfall gehabt, und den hohen Grad der unentschuldbaren und frevelhaften Fahrlässigkeit bran- tragt der Staatsanwalt gegen Schreiber 3 Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Bah» hält es nicht für angängig, dem unglück- lichen Schreiber alle Schuld für das furchtbare Unglück allein auf- zuhalsen. Die Zustände auf der Hochbahn und die Betriebssicher- heit auf derselben seien keineswegs so einwandfrei, wie der Staats» anwalt behaupte. Selbst wenn Schreiber das Signal überfahren haben sollte, so liege doch die Hauptschuld bei der Hochbahn und der Aussichtsbehördc. Es sei keineswegs ausgeschlossen, daß es richtig sei, wenn Schreiber nach wie vor behaupte, das Signal habe aus„Fahrt" gestanden. Ob das Stellwerk ganz richtig funktioniert habe, sei doch noch immerhin zweifelhaft, andererseits liege auch die Möglichkeit vor. daß der Angeklagte, der infolge des Fahrplans, bei welchem die Züge in V/j Minuten aufeinanderfolgten und in- folge der anstrengenden, hastigen Tätigkeit, ermüdet und nervös ge- Vörden sei, sich in den Signalen geirrt habe. Ks sei ja xig tra» gisches Geschick, daß der Angeklagte lediglich infolge des Umstandes, daß er austreten mußte, zum Führer des Unglückszuges an jenem Tage geworden ist. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß doch im Betriebe der Hochbahn manche Mißstände herrschten, die die Verwaltung schon längst hätte abstellen müssen. Das Fortbestehen dieser Mißstände und namentlich die ganze Anlage des Gleis- dreiecks, sowie die drei Gefahrpunkte auf demselben mußten die Zugführer nervös machen, und wenn dann ein solcher Zugführer über ein Signal vorbeifährt, so kann man ihn doch nicht in so um- fassender Weise dafür verantwortlich machen. Das beantragte Strafmaß sei viel zu hoch. Schreiber sei schon schwer genug be. straft, seine Gesundheit sei untergraben, er sei auf alle Fälle ein ruinierter Mann und es sei angebracht, ihm eine viel mildere Strafe aufzuerlegen, ihm aber auch die ganze Untersuchungshaft anzurechnen. Rechtsanwalt Dr. Schindler plädiert kurz für Freisprechung des Wende und führt aus, daß diesem weder eine schuldhafte Hand- lung nachzuweisen sei, noch ein Kausalzusammenhang zwischen seinem Verhalten und dem Unglück vorliege. Dem Urteil des Gerichts, welches nach dreiviertelstündiger Beratung gegen 8 Uhr abends verkündet wurde, schickte der Vorsitzende, Landgerichts- dircktor Schneider, folgende Begründung voraus: Das Gericht hat durch die dreitägige Beweisaufnahme den Sachverhalt als voll- ständig klargestellt angesehen. Die Verteidigung des Angeklagten hat hauptsächlich darin bestanden, daß er behauptet, sein Signal habe auf„Freie Fahrt" gestanden. Das Gericht hält dies durch die Beweisaufnahme für völlig widerlegt. Dagegen hält es für fest- gestellt, daß das Signal des Bülowstraßen-Zuges auf„Fahrt" ge- standen und der Angeklagte Schreiber dieses überfahren hat. Dies hat sich auch aus der nachträglichen Stellung der Weiche und der übrigen Signalvorrichtungen positiv feststellen lassen. Bezüglich der übrigen Anschuldigungen gegen die Hochbahngesellschaft hat sich so gut wie nichts ergeben. Unterstützt ist diese Ansicht des Gerichts durch die kompetentesten Gutachten der ersten Sachverständigen auf diesem Gebiete. Die Fahrlässigkeit des Angeklagten, der bis dahin seine Pflicht vielleicht gewissenhaft erfüllt haben mag, hat zahlreiche Familien in tiefes Unglück gestürzt. Dem Angeklagten mag auch eine gewisse Teilnahme nicht zu versagen sein, auch mag ihn das Bewußtsein, den Tod so vieler Menschen verursacht zu haben, schwer bedrücken. Immerhin könne die Strafe, die den Angeklagten treffen muß, keine geringe sein. Das Gericht bat deshalb eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten als eine angemessene Sühne angesehen. Da sich der Angeklagte zirka 4 Monate ln Untersuchungshaft befindet, sind ihm drei Monate als verbüßt an- gerechnet worden. Bezüglich des Wende hat sich das Gericht der Ansicht des Staatsanwalts und der Verteidigung angeschlossen und auf Freisprechung erkannt. Sie in llieiiios umgekommene» Sozialisten. Rom, 3. Februar.(Eig. Ber.) Während in Reggio-Calabria nur wenige unserer Partei- genossen das Leben eingebüßt haben, sind in Messina nur ganz wenige dem Verderben entronnen. Partei und Gewerkschafts- bewegung dieser Stadt waren gut entwickelt. In der Stadt- Verwaltung hatten die Sozialisten 4 Vertreter, aber die Parteiorganisation von Messina krankte an innerer Uneinig- keit und zerfiel in zwei Gruppen, deren eine' eine Anlehnung an die bürgerlichen Radikalen verfocht. Einiger war die Gewerkschaftsbewegung, und die Arbeitskammer von Mcsfina zählte 8 bis 9000 Mitglieder. Die Hafenarbeiten lagen in Händen der Arbeiterorganisationen. Roch im vorigen Herbst hat ein allgemeiner Ausstand die Stadtver- waltung gezwungen, den städtischen Straßenkehrern den Tagelohn um 25 Cents zu erhöhen, und letzten Dezember war ein Streik der Jutcspinncrei Aines siegreich zu Ende geführt worden, weil die Hafenarbeiter alle von dieser Firma kommenden oder für sie bestimmten Waren boykottiert hatten. Fast alle, die für unsere Sache kämpften. hat der 28. Dezember unter den Trümmern begraben. Rur von wenigen kennt man näheres über das Ende und über ihre letzte Ruhestätte. Wir wollen hier kurz derer gedenken, die durch ihr Wirken oder ihre Schriften über Sizilien hinaus bekannt waren. Da ist zuerst Nicola Petrina, einer der Anführer der Fasci. der sizilianischen Landarbeiterverbände, die die brutale crispische Reaktion ver- nichtet hat. Damals, es war im Jahre 1894, wurde der Be- lagerungszustand über Sizilien verhängt, und Genosse Pe- trina wurde mit De Felice, Barbato, Vosco und Verro vom Kriegsgericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach meh- reren Jahren gab ihnen die allgemeine Amnestie die Freiheit wieder. Petrina, von Beruf Ingenieur, war ein Mann von großem persönlichem Mute. Als der Ausbruch des Aetna Vernichtung und Tod über Catania brachte, war er unter den ersten, die zu Hilfe eilten. Als im Jahre 1887 die Cholera in Messina und Catania unzählige Opfer heischte, hat unser Ge- nosse allen anderen zum Vorbild gearbeitet, und viele er- innern sich, wie er auf seinen Schultern die Leichen fort» schaffte. Er hat mit seiner Frau und seinen drei Söhnen de» Tod gefunden. Die Leiche ruht noch unter den Trümmern. Weiter sei des Genossen Giovanni Noe gedacht, der bis 1904 Abgeordneter des ersten Wahlkreises von Messina war. Als Mitglied des Stadtrats hat er sich große Verdienste durch seinen Kampf gegen die städtische Mißverwaltung er- worden. Er war ein Redner von großer elementarer Gewalt und eine Bekennerseele voll Glauben und Begeisterung. Ver- gebens haben Genossen an seinem Hause gegraben. Man hat Korrekturbogen der„Provincia sozialista" vom 1. Januar 1909 gefunden, keine Spur von Noe und von seiner Gattin. Einer unserer tätigsten Genossen in Mcssina und viel- leicht in ganz Sizilien war Professor C. Scuderi, Dozent der Frauenheilkunde an der Universität. Er war Stadtver- ordneter von Taormina und hat am Abend des 27. Dezember dort einer Stadtratssitzung beigewohnt. Vergebens baten die Genossen ihn, doch mit seiner Frau in Taormina zu über- nachten, aber Scuderi hatte am nächsten Morgen Dienst in der Klinik. So kam er um 1 Uhr in Messina an. um 5 Uhr 20 Minuten den Tod zu finden. Er und seine Frau, die auch Parteigenossin war, stürzten mit dem Bett, Kopf nach unten, aus der zweiten Etage. Die Unterschenkel der beiden Leichen waren bis vor kurzem noch in dem Trümmerhaufen zu sehen. Wahrscheinlich ist der Tod schnell eingetreten. Drei Brüder Scuderis, die gleichfalls Parteigenossen waren, haben auch den Tod gefunden. Scuderi war Redakteur des lokalen Partciblattes. An einer Wand seiner Wohnung sieht man noch ein Bild von Marx. Weiter hat die Partei den Genossen Cammareri ver- loren, den Verteidiger in allen Parteiprozessen, den Rechts- anwalt aller Armen Messinas. Auch seine Leiche ist noch nicht geborgen. Er veröffentlichte Jahre hindurch mit dem Aus der Partei. 營 olts st i m me" haben gegen den Tabel, den die Konferenz dem Der Karlsruher Boltsfreund" und die Mannheimer Karlsruher Parteiorgan aussprach, protestiert. Der„ Volksfreund" habe in feiner Weise um jeden Preis den Großblod wieder zustande au bringen getrachtet noch die Liberalen angebettelt, sondern er habe genau das Gegenteil getan. N Profeffor der Rechte, Genossen di Dino, die sozialistische Bei- Messina ist nicht tot. Ihr Sekretär, Genosse Lo Sardo, 1 Die auf eine Beseitigung des Karlsruher Parteisekretariats Hinttung Die Fackel". Auch di Dino ist tot nebst seiner jungen hat schon in einer Barade einen Arbeitsnachweis eingerichtet, sielenden Unterströmungen seien zu bekämpfen. Frau, die man mit dem Kopf auf der Brust des Gatten fand. der von den Behörden anerkannt wurde. So greifen Kampf Lot ist weiter Professor Sicuro, Sadtverordneter von und Leben langsam wieder Fuß, und langsam erſteht neben Messina, ein unermüdlicher Propagandist. Tot ist Genosse dem riesigen Trümmerfelde ein neues kleines Gemeinwesen. Mottola, dem man nachsagte, daß er als Snabe in einem Erziehungsinstitut der Jesuiten seinem Lehrer ins Geficht spuckte, weil dieser Garibaldi einen Seeräuber und Mazzini einen Mörder genannt hatte. Tot ist der Rechtsanwalt Granata, seit 20 Jahren Parteimitglied und Aus den Organisationen. Der 9. badische ReichstagsHerausgeber einer bedeutenden juristischen Zeitschrift, der wahlkreis( Pforzheim- Durlach) hielt dieser Lage seine KonReforma juridica". Tot ist der Korrespondent des Avanti", ferenz( 60 Delegierte) ab. Der Bericht des Kreisvorstandes läßt tot sind Tausende, die für die Ideale unserer Sache fämpften, die Lage der Partei als eine befriedigende erkennen; mit der Ver. und deren Namen nur die Nächsten kennen. Die Lokale mehrung der Abonnenten der Parteipreffe hatte es im Jahre 1908 unferer Organisationen sind zerstört. Ueber der Tür der Ar- einige Schwierigkeiten. In diesem Kreise sind 450 Genoffen in beitskammer ist die steinerne Inschrift erhalten Camera di 25 Orten im Bürgerausschuß, 32 im Stabt oder Gemeinderat, Lavora". Von den Wänden des Versammlungssaales steht 2 als Bürgermeister und 3 als andere Gemeindebeamte tätig. Die Konferenz tadelte das Bestreben des Karlsruher Parteinur noch eine Seite. Aus dem Trümmerhaufen ragt noch organs Bollsfreund", um jeden Preis wieder einen Groß ein Stück der Rednerbühne heraus. Auf einem Streifen an blod mit den Nationalliberalen zu schmieden, teilweise durch ein der Wand sieht man noch in bronzenen Lettern die Worte förmliches Anbetteln der Gegner. Auch müsse der Zwiespalt Bereinigt Euch!" das Proletarier aller Länder" ist der zwischen den Revisionisten und anderen Genossen, der persönliche Vernichtung anheimgefallen. Aber die Arbeitskammer von 3wist zwischen Kolb und Ged, durch den Parteitag beseitigt werden. 4 " 5 6 8 P # " " Billige Sonder- Messe Dauer bis Montag, den 15. Februar. Wir offerieren, soweit die Vorräte reichen: Jackett- Anzüge 39-24.50 15.- 12.30.- 24.- 750 8| Winter- Paletots 15-22Rock- Anzüge-12% 21.- 15.- 12 Gebrock- Anzüge 30-4-21 */ Regen- Mäntel 24-20-9 15.- 12.911 Kaiser- Mäntel-10 21.- 15.- 10% 12.- 10.Winter- Joppen 1450 8.M Feine Anzüge- Hosen- Westen aus Resten unser. 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Der Satz, der Druck und die Expedition unferes Parteiblattes wird von nun an von der neuen Genossenschaft besorgt werden. aber ihre Tätigkeit nicht allein auf unser Zentralorgan beschränken, sondern wird jede Art von Drudarbeiten übernehmen. Diefe wird Eingegangene Druckfchriften. von St. Guglow.- 5052/5055. Das Siebengeftirn. Roman vom Grafen Reclams Universal- Bibliothek. 5051. Uriel Acosta. Trauerspiel bont. Gutkow Gobineau. 5056. Der Kurmärker und die Pifarde von 2. Schneider. 5057/5058. Cine dunkle Tat. Roman von 2. Schüding. 5059. Die Bulgarin und andere Novellen. Bon J. Basow. 5060. König Saul. Bon P. Heyse. Einzelnummer 20 Pf. Ph. Reclam, Leipzig. Räumungs- Verkauf zu herabgesetzten Preisen Berliner Eisenmobel Fabrik Carl Seiffert Grosse Frankfurter Str. No 135 -Kein Laden! Verkauf Quergebäude Treppe Pfg. 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Sonntag, nadm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Aufz. von H. Jösen. Deutsch von W. Lange. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Montag, abends 8 Ubr: Die Braut von Messina. Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nath m. 3 Uhr: Julius Casar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonntag, abends 8 U br: Die Zwillingsschwester. Lustspiel in 4 Aufz. von Ludwig Fulda. Montag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Dienstag, abends 8 Uhr: Das Erbe. mittags 3 Uhr: im Serinfeldt: Eingang Schadow- Straße No. 14. Hrbeiter- Bildungsfchule Berlin. Theater( Nummern der Karten Heute Sonntag Eintrittspreis: 3201-4000): Der Brobeľanbibat. 50 Pf. Neue Freie Volksbühne. Am Reichhaltigste Ausstellung der an lebenden Seetieren, Sonntag, 7. Februar, nachm. Welt 22 Uhr: im Deutschen Theater: Reptilien etc. Rettenglieder; in den Kammer: spielen: Medea; im Neuen Sonntag, den 7. Februar, abends 7 Uhr, im Königstädt. Kasino. Holzmarktstr. 72( Ede Meranderstraße): Vortrag mit Rezitationen TYPOGRAPHIA. Dienstag, den 9. Februar: Gesangsstunde. Wegen der Arbeitslosen- Zählung am Freitag, 12. Februar, ist diese Verlegung notwendig. XIV. Saison. Zirkus Busch Sonntag, 7. Februar 1909: Gr. außerordentl. 2 Gala- Vorstellungen 2 Nachm. 4 und abds. 7, Uhr. 38/ ber: Eine Revolutionärin von 1848. um 4 Uhr hat jeder Erwachsene Ein Lebensbild aus den Beziehungen zwischen Deutschtum und Theater: Jahrmarkt in Bulsnit Passage- Panoptikum. im Neuen Operetten Theater: Das verwunschene Schloß; im Berliner Theater: Bartel Turafer; im Hebbel- Theater: Erde; im Friedrich- Wilhelmstädtisch. Schauspielhaus: Madame Sans- Gene; im Schiller- Theater O: Ein Bolts. feind; im Schiller- Theater Char lottenburg: Julius Cäsar. Lessing- Theater. Sonntag 3 Uhr: Der Raub der Sabine innen, 8 Uhr: Der König. Montag 72 Uhr: Die Wildente. Hebbel- Theater Königgräßer Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Nachm. 3 Uhr: Bartel Turaser. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X...) Morgen und folgende Lage: Die fremde Frau. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. 3 Uhr: Das verwunschene Schloß. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Neu! Neu! SinghalesenGaukler- Truppe in ihr. wilden Heimatstreiben Salome, das blaue Weib. Alles ohne Extra- Entree. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Robert Koppel Boston Quartett Maiss Sisters amerikanischer Literatur. Referentin: Frau Regina Ruben. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 20 Pf. Garderobe frei! [ 6] 6] Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Sonntag, den 7. Februar: Mendelssohn- Abend zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Mendelssohns arrangiert von Margarete Walkotte unter Mitwirkung der Trio- Vereinigung des Herrn Richard Kursch, Felix Gutdeutsch, Willi Deckert, sodann Frau Margarete Brieger Palm( Altistin), Herrn Hans Haron( Tenor) und Margarete Walkotte. Entree 50 Pf. Beginn 8 Uhr. Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Engelufer 15. Vortragsfolge: 1. Duette. 2. Lieder. und das großartige 3. Lieder. Februar- Programm 14 erstklassige VariétéAttraktionen. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Theater des Westens. Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Heute nach. 34 Uhr halbe Breife: Ein Walzertraum. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: ,, Kümmere Dich um Amelie." Schwank in dret Aften( vier Bildern) bon Georges Feydeau. Morgen u. folgende Tage: Kümmere Dich um Amelie. Sonntag, 7. Februar., nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Sonntag, 14. Februar, nachm. 3 Uhr: Ferreol. Schauspiel in 4 aften von Sardon. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Die glücklichste Zeit. Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Perry Holden Bender Giampietro Kettner Pfann Thielscher. WING TORTEN Saharet Gertrude Barrison Simon u. Gardner in ihrer amerikanisch. Burleske: Der neue Kutscher und das drollige Luisen- Theater. FaschingsNachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends 8 Uhr: Das Mädchen auf Irrwegen. Montag: Das Mädchen auf Irr wegen. Dienstag: Der llegende Berliner. Mittwoch Baftspiel Anna Schramm: Der Störenfried und: Die Dienst boten. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Das Mädchen a. 3rrwegen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rotfäpchen. Abends: Die Ehre. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 10. Februar 1909: Hedda Gabler. Schauspiel in 4 Aften v. Henrif Jbsen. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, 7. Februar, nadm. 3 Uhr: Madame Sans- Gene. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Montag: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Cpollo Cheater Nachm. 3, Uhr. Kleine Preise. Familien Vorstellung mit Eine lustige Spreewaldfahrt. Mufit von Baul Linde. Dazu: Hedi Herdina, Gobert Belling, Herbert Lloyd, Christie Duo, Du Groß Trio Die Obersteirer. Abends 8 Uhr: Onkel Casimir und das groke urtomische Programm. Programm! Heute Sonntag: Nachmittags- Vorstellung. Kleine Preise. Ant. 3, Uhr. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends Uhr: Das Warenhaus- Fräulein Sonntagspreise. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Räuber. Montag: Einjährig- Unfreiwillig. Folies Caprice. 8um 59. Male: Ein lediger Ehemann. Anfang 8, Uhr. Gastspiel- Theater. Köpenicker Straße 68. 8 Uhr: Gastspiel Hedwig Lange, Der Hüttenbesitzer. Kottbuser Sanssouci, Straße 8. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: Neues Programm. Elite- Soiree Tanzkränzchon bott Hoffmanns Nordd. Sängern Auf allgem. Wünsche: Am Brunnen v. d. Tore. Großer Erfolg! Ferner u. a. neu: Erinnerung an Theodor Körner ( anther). Verloren. Glück ( Engelmann). Dienstbotenkantate( Schmidt). Beg. Sonnt. 5, wochent 81. Morgen Montag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger. Tanz. Dienstag: Theaterabend: Dorf und Stadt. Margarete Walkotte und Hans Baron: a) Graß. b) Abschied der Zugvögel. c) Ich wollt', meine Liebe ergösse sich. Frau Margarete Brieger- Palm: a) Winterlied. b) Bei der Wiege. c) Frühlingslied. Hans Baron: a) Lieblingsplätzchen. b) Nachtlied. c) Ich hör ein Vöglein. 4. Trio D- moll Rich. Kursch, F. Gutdeutsch, W. Deckert. 5. Lieder. Frau Margarete Brieger- Palm: a) Suleika. b) Gruß. c) Venezianisches Gondellied. d) Auf Flügeln des Gesanges. 6. Andante aus dem Violinkonzert: Felix Gutdeutsch. 7. Duette. Margarete Walkotte und Hans Baron: a) Volkslied. b) Herbstlied. c) Im Aehrenfeld. Sämtliche Kompositionen sind von Felix Mendelssohn- Bartholdy. für Klavier, Violine und Violincello. CASTAN's Ohne Extra- Entree! PANOPTIKUMI Friedrichstr. 165( Pschorrpalast). Neu! Lebend! Der Mann mit den 3 Beinen! 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Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. Heute Sonntag, den 7. Februar 1909, Großer Ball. In den hinteren Sälen: Voranzeige: Dienstag, 9. Februar, Elitetag: Prämiierung der modernsten Damenfrisur. Drei Barpreise. Schwarzer Friedrichsberg Stadtbahnstation Inh.: Gebr. Arnhold. Frankfurter Allee. Jeden Sonntag: Adler Frankfurter Chaussee 5 ( früher 120). Fernsprecher Friedrichsberg No 8 Große Tanz- Reunion. ein angehöriges Kind unter 10 Jahren auf allen Sigplägen frei, jebes weitere Sind unt. 10 Jahren halbe Breife.( Galerie volle Breise.) In beiden Vorstellungen: Konsul Peter Der weltberümte Menschen- Affe! In beiden Vorstellungen: Madame Desvall! In beiden Vorstellungen: Die Vicvilles! In beiden Vorstellungen: Borführen u. Reiten d. bestdressiert. Schul, Freiheits- u. Springpferde. In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtl. Clowns mit den neuesten Wigen und Späßen. Nachmittags 4 Uhr: Barbarossa! Die besten Szenen und Balletts aus der Pantomime. Abends 7, Uhr: Auswanderer D. neuest. 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Abends 8 Uhr: Zirkus Schumann Heute Sonntag 3, Uhr u. 7, Uhr: 2 Große ExtraVorstellungen Nachmittag hat jeder Erwachsene weitere Kinder 1 Kind frei, zahlen halbe Preiſe. Mädchenhändler. Nachmittag und abends ungekürzt: Golo der Seeräuber u. Tiberio moderne Herkules. ber Münzenbrecher u. Ringkampf mit dem Stier. Paet berradfahrende Schimpanse. boxende Känguruh. Die Waffenschmiede. 4 Regals. Frl. Dora Schumann, Schulreiterin sowie das Riefenprogramm. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationell! Rußland. Aktuell! Rußland. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr geöffnet Konzert und Kunstlaufen. W. Noacks Theater Direftion: Rob. Dill. Brumenitr. 16. Zopf und Schwert. Historisches Lustspiel von Gupkom. Unfang 7 Uhr. Konzert 6 Uhr. Entree 40 Pf. Montag: Zopf und Schwert. Donnerstag: Liane, die 2. Frau. Variété- Brillant ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich Auftreten erstklassiger Spezialitäten. Anfang wochentags 7 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theaterfaal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Sonntag, den 7. Februar 1909: Ein Trödler oder: Bete und arbeite. Schauspiel in 5 Art. v. A. F. Brachvogel. Anf. d. Borst. 7, Stassenöffnung 6 Uhr. Konzert 6, Uhr. Nach der Borstellung: Tanz. Borbertauf von 10-1 Uhr mittags im Theater- Restaurant. Montag, 8. Februar: Soiree der Luftigen Sänger. Brunnen- Theater Die Jungfrau von Orleans. Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt Trauerspiel in 5 Aften von Schiller. Montag: Der liebe Onkel. Gebrüder Sonntag, den 7. Februar 1909, nachmittags 3 Uhr: Die Zauberin am Stein. Volksstück in 6 Bildern v. F. Nissel Uhr: Herrnfeld- Gewonnene Herzen. Anfang Theater. Vorverk. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Sonntag, 7. Februar, zum 130. Mal: Die beiden Bindelbands dazu neuer Variététeil 5 Grebnieffs LyricoQuartett Diedrich Ulpts- Georg Schindler Les Astrées. Bollsstüd mit Gesang in 3 Alten von Hugo Müller. last- Theater Palas Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7% Uhr Das gänzlich neue Februar- Programm. 12 Debüts 12 Neu! Men! Der arme Kasimir. Schwank in 1 Att v. Schmidt- Hawkins. Familienfarten, auf allen Blägen halbe reife, nur an Wochentagen gültig, überall gratis zu haben. Reichshallen Theater Walhalla Stettiner Sänger. Bum Schluß: Der Kompagnieball. Militärische humoreste bon Meysel. Anjang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 7 U. Varicle Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute 2 Vorstellungen. Nachm. 3, Uhr fleine Breife. Jed. Besuch. 1 Sind frei, und abends 8 Uhr: Das neue SpezialitätenProgramm. Kaffe während des ganzen Tages geöffnet. Im Tunnel: Bockbierfest. Negimentslap. Theaterbes. freien Eintr. G Restaurant ewerkschaftshaus. Engelufer 15. Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Legierte Kalbfleischsuppe Lachs in Butter oder Bayerisch- Kraut mit Schnitzel. Glafierte Kalbsbruft oder Nindersaftbraten. Kompott oder Salat. X Reichhaltige Abendkarte. X Wochentäglich: Großer bürgerlicher Mittagstisch Couv. 60 Pt. 2 franz. Billards. 2 Kegelbahnen Weißbier- Ausschank. R. Augustin. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Das vorzügliche Februar: Programm. Schlager auf Schlager. 11. a.: Neu! Tobias Brautfahrt. Komische Operette und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 8, Uhr, Sonntags 6 Uhr. Germania- Prachtsäle. Carl Richter. Chausseestr. 110. Chausseestr. 110. Jeden Sonntag: Paul Mantheys lustige Sänger ( ehem. D. Steidls Hamb. Sänger) stets neues Programm. Anfang 6 Uhr Eintritt 50 Pf. mit anschließendem Familienkränzchen Bon 5 Uhr ab im weißen Saale Großer Ball. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger und Frei- Tanz. Vorzugskarten gelten. Markgrafen- Säle Markgrafendamm 34. Amt VII 4277 Jnh. Hermann Scholtz. Jeden Gr. Ball. Sonntag: Säle von 100-1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen. 2 Kegelbahnen. * Alhambra Wallner- Theaterstraße 15. 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Fehruar 1909. Für die Hinterbliebenen: Theodor Liebknecht. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, des Paders Wilhelm Vogelsänger fagen wir allen Freunden, Ver wandten und Bekannten sowie der „ Borwärts". Buchdruckerei Paul Singer u. Co. und dem Bersonal der Vorwärts"-Buchdruckerei Paul Singer u. Co., dem Deutschen Transportarbeiterverbande, Ortsverwaltung Berlin I und dem dritten Berliner Wahlkreise sowie seinen Jugendfreunden unseren herzlichen Dank. Die trauernde Mutter nebst Geschwistern. 8935 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Seranzspenden bei der Beerdigung meines innigftgeliebten Mannes und Baters, des Steindruders August Koschwald sagen wir allen Berwandten, Bekannten und Freunden sowie im besonderen den Herren Heinrich Friedewald und Dstar Frid, ferner dein Personal der Firma Friedewald u. Frid, dem Berbande der Steindruder u. Lithographen ( Deutscher Senefelder- Bund) und der Drts- und Invalidenkasse der Steindruder und Lithographen unseren herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen: Bitwe Marie Koschwald geb. Gabel. Alfred Koschwald. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes Anzeige. Am 6. Februar verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Karl Glaser Soldiner Str. 6. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. Februar, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des neuen Pauls- Kirchhofes, Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/13 Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rummelsburg. Am 4. Februar, mittags 1%, Uhr, starb unser Mitglied, der Monteur Reinhold Hilgert Bezirk 18. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittag 2 Uhr, vom Trauerhause Wühlischstraße 31, aus statt. 3/3 Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur traurigen Nachricht, daß am 2. Februar, morgens 17 Uhr, plößlich auf dem Wege zur Ar beitsstätte mein lieber Mann, uns fer herzensguter, treuforgender Bater, auch Bruder, Onkel und Schwager, der Eigentümer und Mechaniter 8816 Otto Griebe im 51. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt an im Namen der trauernden Hinter bliebenen Anna Griebe geb. Steller nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. 5. Mts., nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee aus statt." Sonnabend früh verstarb metn lieber guter Mann, der Restaurateur August Bahlmann im 59. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an Die tranernde Witwe Dr. Schünemann Anna Bahlmann geb. Lemke Spezial- Arzt für 56232 Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Bekanntmachung. D Orts- Krankenkasse Weißensee. Außerordentliche General- Versammlung der Vertreter am Donnerstag, b. 18. Februar, abends 8 Uhr, im Restaurant Bum Prälaten", hier, Lehder Straße 122. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über Abänderung des Sagungsentwurfs. 2. Verschiedenes. Eventuelle Beschwerden gegen die Geschäftsführung werden in der Generalversammlung nur beantwortet, wenn diese mindestens drei Tage vor derselben im Kaffenlofal schriftlich abgegeben werden. Zum Eintritt berechtigt find nur die mit Einladung versehenen Ber treter. 270/14 Weißensee, den 1. Februar 1909. Der Vorstand. der Orts Krankenkasse für den Gemeindebezirk Weißensee. Fuhrmann, Borfigender. Rasend schnell werden während der letzten Tage des totalen Inventur-. Räumungs- Ausverkaufs Spezia! Konfektionshause Westmann Ivon der Jerusalemer Str. Ivon der Andreasstraße, Hauptgeschäst: Berlin W., Mohrenstr. 37a kein Eckhaus, 2. Haus and Berlin NO., Gr. Frankfurter Straße 115 kein Eckhaus, 2. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3, Uhr, bon der Reichenhalle des ThomasKirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger Ludwig Rekitt am 5. Februar an Brustsell entzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. Februar, nachmittags 2, 1hr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Ferner starb unfet Mitglied, ber Schloffer Willi Sieroslawski. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Februar, nachmittags 12, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses im Friedrichshain aus auf dem Bentral- Friedhof in Friedrichsfelde ſtatt. Rege Beteiligung erwartet 111/9 Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenhauer. Ortsverwaltung Berlin 8 ( Gesundbrunnen). Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Steinme Theodor Märtins am 5. Februar, früh 5%, Uhr, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Februar, nachmittags 3, Uhr, von der Halle des Elisabeth- Kirchhofes, PrinzenAllee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. 9005 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner Frau sage ich den Kollegen und Kolleginnen der Deutschen Barte" sowie dem Buchbinderverbande herz. lichsten Dank. 9015 Otto Nagora. Berantwortl. Nebatteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf, Für den Inseratenteil verantw.; Zh. Glode, Berlin, Drud u Verlag: Vorwärts Buchdruderei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Dr. 32. 26. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 7. februar 1909. Parteigenossen! Macht überall auf die am Dienstag, vormittags 10 Uhr, stattfindenden Versammlungen der Arbeitslosen aufmerksam. Am Mittwoch, den 10. if Jahlabend in Groß- Berlin, Parteigenoffen! zu welchem alle Organisierten erscheinen müssen. Im Einverständnis mit den Vorständen der Verbände sozialdemokratischer Wahlvereine Groß- Berlins sowie der Provinz Brandenburg beruft der unterzeichnete Ausschuß eine Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter Groß- Berlins und der Proving Brandenburg zu Sonntag und Montag, den 14. und 15. Februar 1909 in Saal 4 des Gemertschaftshauses Berlin SO., Engelufer 15, ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Die Rechte der Gemeinden. Referent: Genosse Hirsch. 2. Das Finanzwesen der Gemeinden. a) Etat und Steuern. Referent: Genoffe eimann. b) Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden. Referent: Genoffe Borgmann. 3. Unser Kommunalprogramm. Referent: Genosse Hirsch. Wir ersuchen die Genossen, die Vorarbeiten für die Kon. Wahl von Delegierten, Stellung ebent. Anträge ferenzbaldigst zu bewirken. Die Parteigenoffen Groß- Berlins, welche zur Stonferenz tommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Bureau des Verbandes der Wahlvereine, Lindenstr. 69, Mitteilung zu machen. Ebenso wollen die Genossen der Provinzfreise dies dem Brandenburger Provinzialsekretariat, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, mitteilen, damit eventuell Vorlagen und Mitteilungen zugefandt werden können sorte für Logis Sorge getragen werden kann. Mandats formulare sind von denselben Stellen einzufordern. Im Anschluß an die Konferenz ist für Dienstag, den 16. Februar eine Besichtigung hervorragender städtischer Einrichtungen Bumpstation, Rieselgut, Krankenhaus, Schlachthof geplant. Wir ersuchen die Delegierten, bei Anmeldung mitzuteilen, ob sie an dieser Veranstaltung teilzunehmen wünschen. Der Ausschuß der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. J. A.: Emil Basner. Die Verwüstungen durch Hochwaffer. Käbnen den Bewohnern der oberen Stockwerke Lebensmittel zu. In Regensburg ziemlich hohe Stände eintreten werden. Die Zuflüffe den Vororten Plagiig und Lindenau haben verschiedene Fabriken aus dem Alpenvorlande sind fast ganz ruhig verblieben, eine abnorm wegen des eindringenden Waffers den Betrieb eingeschränkt. In hohe Wasserwelle ist daher in der Donau nicht zu befürchten. berichiedenen Fällen wurde die Feuerwehr zum Auspumpen zu Hilfe gerufen. Erfurt, 6. Februar. Amtliche Meldung. Die Strede Nordhausen- Erfurt wird heute abend wieder betriebsfähig. Greiz, 6. Februar. In Niedertroffen bei Drlamünde baben die Wassermassen, der Greizer Zeitung" aufolge, einen Erdrutsch ver. ursacht, der auch den Friedhof berührte. Grabdenkmäler wurden umgeworfen und Gräber blokgelegt. Die Friedhofsmauer droht einzustürzen. Das Hochwasser in Defterreich. Wien, 6. Februar. Noch immer laufen aus Böhmen und Dber österreich alarmierende Weldungen über das Hochwaffer ein. Ueberaus ernst ist die Lage in den Gebieten von Brüg, Eger, Pilsen und Karlsbad. Es herrscht fortdauernd regnerische Witterung. " Marktbreit, 6. Februar. Im Hochwasser sind hier zwei Kinder ertrunten. Drei Männer und zwei Kinder ertrunken. Stuttgart, 6. Februar. In Altbach bei Blochingen ist heute Deffan, 6. Februar. Um 10 Uhr famen plöglich gewaltige nachmittag, dem Schwäbischen Merkur" zufolge, im hochgehenden Die ganze Gegend ist meilenweit überflutet, die unteren Stadtteile worden. Die Jusaffen sind ertrunken. Wasser und Eismaisen von der oberen Mulde. Neckar ein Nachen mit drei Männern von den Fluten umgeriffen find bedroht. Die reichen herzoglichen Wildstände sind dezimiert. Hannover, 6. Februar. Das Hochwasser der Leine und Ihne hat hier bereits verschiedene Verkehrshemmungen hervorgerufen. Einzelne Straßenbahnstreden mußten den Betrieb einstellen. Der Verkehr mit der Nachbarstadt Linden ist teilweise gehemmt, da die Ihne brüde, der Hauptverbindungsweg zwischen Hannover und Linden, heute vormittag von der Polizei gesperrt wurde. In Hameln hatte die Weser heute vormittag ihren höchsten Stand erreicht und ist jegt in langfamem Fallen begriffen. Da jedoch von Hannoversch- Münden erneutes Steigen des Wasserspiegels gemeldet wird, so dürfte wieder Hochwasser auf der Weser zu befürchten sein. in dot Hannoversch Münden, 6. Februar. Seit Mitternacht ist der Wasserspiegel der Wefer bis auf 6 Meter gestiegen. Aus vielen Säusern flüchten die Bewohner; vicle find obdachlos. Das Wasser fteigt weiter. Hannoversch- Münden, 6. Februar. Heute nachmittag ist ein Pionierkommando von 80 Wann nach dem Ueberschwemmungsgebiet bei Heiligenstadt und Uder abgegangen. Frankfurt a. M., 6. Februar. Der Wafferstand des Mains er reichte um 11 Uhr nachts fünf Wieter. Der Strom überschritt überall die Ufer. Die städtische Verbindungsbahn ftellte den Betrieb ein. Der nach Sachsenhausen führende eiserne Steg wurde für den Berlehr gesperrt. Marburg, 6. Februar. Die neue Lahnbrüde bei Moth ist durch das Hochwasser start beschädigt worden. Betzdorf, 6. Februar. Amtliche Meldung. Die Strede KölnGießen ist zwischen den Bahnhöfen Au und Herchen durch Einsturz einer Brüde im Kilometer 50,2 und Beschädigung der Eulenbruchbrüde in Kilometer 61,8 für den gesamten Verkehr gesperrt. Der Personenverkehr für Richtung Köln und lebergang erfolgt ab Betz dorf über Hagen. Partei- Angelegenheiten. Vorträge über Frauenfrage. Am nächsten Montagabend 8 Uhr beginnen die Vorträge der Genossin Zetkin über die Frauenfrage in Kellers Salon, Stoppenstraße 29. und im Botal vor Beginn der Vorträge zu haben. Einige Eintrittskarten sind noch bei den Bezirksführern Der Aktionsausschuh. Mainz, 6 Februar. Amtliche Meldung. Begen Sperrung der Bahnstiede Niederlahnstein- Oberlahnstein und Unterwaschung des einen Gleises zwischen Oberlahnstein- Blod Hohenrhein werden bis Versammlungen Sorge zu tragen. auf weiteres die D- und Schnellzüge Frankfurt- Rüdesheim- NiederLahnstein- Köln über Frankfurt- Mainz- Bingerbrüd- Koblenz, die Eilzüge über Frankfurt- Wiesbaden- Mainz- Mombach- Binger brüd- Koblenz geleitet. Der Personenzugverfehr wird durch ein gleifigen Betrieb über Oberlahnstein- Block Hohenrhein- Riederlahn ftein aufrechterhalten. Zwischen Wiesbaden und Oberlahnstein fowie umgekehrt verkehren die Gilzüge 47, 44, 55, 52, 56, 48 und die D- Büge 171 und 68 für den Lokalverkehr. Achtung, Arbeitslosen- Versammlungen! In den Vororten haben die Vorsitzenden der Wahlvereine für Anmeldung der Die Einberufer. Köln, 6. Februar.( Amtliche Meldung.) Auf der rechten Rheinfeite findet der Bendelverkehr auf der Teilstrede Wilhelmshütte- Fahr nicht mehr bis Friedrich- Wilhelmsbütte, sondern nur bis Beuel statt. Neuwied, 6. Februar. Das Wiedtal hat durch Ueberschwemmungen sehr gelitten. Die Wied hat sich, der„ Neuwieder Beitung" zufolge, einen Weg mitten durch das Dorf Dazeroth gebahnt. Bier Häuser find dort eingestürzt, vierzehn stehen unter Waffer. Bei Hausen sind zwei Feuerwehrleute bei den Rettungsarbeiten ertrunken. Das Raffelsteiner Eisenwert, das über tausend Arbeiter beschäftigte, hat den Betrieb eingestellt. Essen a. d. R., 6. Februar.( Amtliche Meldung.) Infolge Bruchs des Emscherdeichs ist Station Gelsenkirchen- Bismard überflutet und außer Betrieb. Der Personenverkehr wird über Oberhausen um geleitet. " Zur Lofallifte. In Charlottenburg beranſtaltet am 13. d. M. Wastenball; ein gleiches eft feiert an bemielben Tage der der Lotterieverein, Glid auf" im Türkischen Belt" einen Athletit- Sportflub Siegfried" im Lotal„ Schwarzer Adler"( Inh. Haat) in Mariendorf. Beide Lofale stehen der Arbeiterfchaft zu Bersammlungen nicht zur Verfügung und ersuchen wir daher, alle etwa angebotenen Billetts zu obigen Vergnügungen entschieden zurückzuweisen. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 7. Fe. bruar, mittags 1 resp. 2 Uhr, in der Urania, Taubenstr. 48: werden um 1 Uhr geöffnet, die Borstellung beginnt pünktlich 2 Uhr. Lichtbildervortrag:" Bon Abbazia nach Korfu". Die Physiksäle Die Verlosung findet im Theater bon 1 Uhr ab statt. Der Vorstand. Charlottenburg. Wegen des am Freitag, ben 12, Februar, statt. findenden Extrazahlabends fällt der ordentliche Zahlabend am Mittwoch aus. Die Genossen werden ersucht, dafür pünktlich am Freitag zu erscheinen. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß am Dienstag, den 9. Februar, vormittags 8% Uhr, im„ Boltshaus" eine öffentliche politische Versammlung stattfindet. Der Vorstand. Rigdorf. Vortragsturfus. Der 5. Vortragsabend des Genossen Heinrich Schulz findet am Montag, den 8. Februar, 8½ Nürnberg, 6. Februar. Das Hochwasser geht start zurüd, doch Uhr, bei Hoppe, großer Saal, statt. Das Thema lautet:„ Das find die Brüden der inneren Stadt noch unpaffierbar. Ein fünfzehntigen Themas weisen wir besonders auf diesen Vortragsabend hin. geistige Leben im vormärzlichen Deutschland." Wegen des wichjähriger Schneiderlehrling ift ertrunten. Das Haus Kleinweidenmühle 4 ist eingestürzt. In Vogtendorf bei Kronach ist der Mühlenbefizer Der Bildungsausschuß. Buschmann ertrunken, in Hummendorf ertranten zwei Kinder. Die Freitag, den 12. Februar statt. Tempelhof. Der Bahlabend findet nicht Mittwoch, sondern Hauptbahn Nürnberg- Schwandorf ist durch Brückeneinsturz bei Hartmannshof unterbrochen. wird startes Fallen des Waffers gemeldet. Bei Eltersdorf wurde Nürnberg, 6. Februar. Aus Mittelfranken und der Oberpfalz auf der Begniß eine weibliche Leiche angetrieben. Erfner. Mittwoch, den 10. Februar, findet die Mitgliederber tommissionsmitgliedes, 3. Aufnahme neuer Mitglieder, 4. Verfammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Arbeitslosenzählung, 2. Wahl eines zweiten Lokale schiedenes. 8 " Uhr, findet im Schweizerhaus" in Baidmannslust eine öffentWaidmannsluft- Hermsdorf. wtontag, den 8. Februar, abends liche Versammlung statt, in welcher Genosse A. Stadthagen über: Deutschland in der Welt voran?" referieren wird. Noch immer trostlos lauten die Meldungen, die aus den vers schiedensten Teilen des Reiches über das Hochwasser eintreffen. Wie gestern so sind auch heute Vernichtungen von Menschenleben zu be flagen. Allein in Thüringen auf dem Eichsfeld und im Harz zählt man bisher 21 Opfer. Der Schaden, der durch das Hochwasser angerichtet ist, sowie die dadurch erfolgten Betriebseinstellungen sind noch nicht zu übersehen. Nur vereinzelt wird von einem Rüdgang des Wassers berichtet. Es liegen heute folgende Meldungen vor: Dresden, 6. Februar. Seit 8 Uhr morgens herrscht auf der böhmischen Elbe Eisgang. 30 Zentimeter starke Schollen reißen alle Gerüste der im Bau befindlichen Augustus brüde ab. Die Interimsbrüde wurde gesperrt, da der zweite Schutzpfeiler weg geriffen ist. Der Wasserstand beträgt jest 70 Zentimeter über Null. Die Bauleitung fündigt für den Abend brei Meter über Null an. Tausende beobachten das grandiose Echauspiel auf der Elbe. Kran und Lokomobile werden eilig abmontiert. Der große Stran stürzte um 10 Uhr vormittags ein und riß vier Arbeiter mit, die wunderbarerweise ohne ernstliche Verlegungen davonkamen. Regensburg, 6. Februar. Der Direktor der Farbenfabrik in Aus allen Gegenden Sachfens laufen noch fortgefegt Unglüds. Singing bei Regensburg, der die Sicherungsarbeiten bei der durch nachrichten über Hochwasser ein. In Hammel- Unterwiesenthal das Hochwasser der Laber star! gefährdeten Fabrit leitete, stürzte in find ihm ihm zwei Erwachsene und ein Kind zum Opfer die hochgehenden Wellen und wurde bis zur Donau hinaus gefallen, die von einem zufammenstürzenden Haufe erschlagen getrieben, wo er bewußtlos aufgefischt wurde. Er starb einige wurden. Bis jetzt find in Sachsen fieben Personen in den Fluten Stunden später. Die Donau ist seit gestern um mehr als einen Arbeitslosenzählung helfen wollen, werden ersucht, sich morgen, Weißensee. Die Hilfskräfte und alle diejenigen, welche bei der umgelommen. Bahlreiche andere find verlegt. Sämtliche Städte und halben Meter gestiegen und noch ständig im Steigen begriffen. Montag, den 8. Februar, pünktlich abends 8 Uhr, im Prälaten", Dörfer des Bochantales und des Sehmatales stehen heute unter Besonders gefahrdrobend ist die Lage in Stadtamhof und Steinach. Lehderstr. 122, einzufinden. Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit Waffer. In verschiedenen Fabriken mußte der Betrieb eingeftellt Die Verbindung nach beiden Orten ist vollständig unterbrochen. darf kein Genosse oder Interessent fehlen. tverden. Fast überall find die Schulen geschlossen, die Bahnverbin München, 6. februar. Ueber den Hochwasserstand in Bayern Nowawes. Mittwoch, den 10. Februar, findet die Verjammung bungen find jedoch meist wieder hergestellt. wird von mittags 12 Uhr amtlich gemeldet: Das Hochwasser im bes Wahlvereins im Zotal des Herrn Ernst Schmidt, abends Leipzig, 6. Februar. Infolge des Hochtvaffers find die nörd- Maingebiet verursacht durch sehr starken Regen, der in frisch ge- Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die bevorstehende lichen und westlichen Bororte teilweise überschwemmt. In Gohlis fallenen Schnee fiel und überall gefrorenen Boden vorfand in der Pegnitz und Referent: Gemeindevertreter Genosse Gruhl. mußte heute früh der elektrische Straßenbahnbetrieb zum Teil ein namentlich der Saale abnorm hohe 2. Aufstellung von Kandidaten. 3. Wahl von Delegierten zur gestellt werden. Das ganze Rofenthal steht unter Wasser. In Wasserstände erzengt. Der immer noch, auch nur Streisgeneralversammlung. 4. Fortsetzung der Tagesordnung von Schleußig mußte die Feuerwehr alarmiert werden, um die Bewohner schwach anhaltende Regen wird wird ein rasches Fallen der der vorigen Versammlung. Gäste haben Zutritt, auch werden neue aus mehreren bedrohten Häusern in Sicherheit zu bringen. Die Bäche und Flüffe verzögern. Der Main hat nun die Mitglieder aufgenommen. Wassermassen, die große Eisschollen führen, find im Steigen begriffen. Wasser bes Gebietes oberhalb der Regnißmündung aufEine spätere Meldung aus Leipzig besagt: Das Hochwasser ist genommen und wird rasch sehr hohe Stände erreichen. Die Flut stattfindende Flugblattverbreitung zur Gemeindewahl Friedenau. Wir machen nochmals auf die heute morgen hier noch immer im Steigen begriffen. In der Antoinettenstraße welle braucht von der Regnizmündung bis Aschaffenburg etwa aufmerksam. Heute, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, im Rheinund in der Rödelstraße rettete heute vormittag die Feuerwehr mit 60 Stunden. Vom Donaugebiet ist zu melden, daß nur die links- schloßz" öffentliche Gemeindewählerversammlung: Kähnen die Bewohner der unteren Stoffwerke. Die auf dem Wasser feitigen Zuflüsse, Wernis, Altmühl, Raab und Regen, Hochwasser Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde." Referent: treibenden Möbel wurden ebenfalls geborgen. Fischer führten mit gebracht haben, allerdings so bedeutend, daß in der Donau ab Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein- Berlin. " 8 hat Gemeindewahl. " " yriedrichSselde. Heute, Sonnt»?, srüt» S Uhr, findet v'on den Dezirkslokalcn aus eine wichtige Flugblattverbreituug statt, zu der unbedingt alle Mann zur Stelle sein müssen. In Mariendors ist das Lokal»Zum alten Sskanier" lPurscbke), Chausseestr. 82, durch Besitzwechsel in die Hände eines Herrn Graß übergegangen. Genannter Herr hat sofort nach seiner Usbernahme der Arbeiterschaft das Lokal entzogen. Wir ersuchen deshalb die Parteigenossen, speziell die K i r ch h o f s- besucher obiges Lokal zu meiden. Die Lokalkommission. Berliner JVachnchten. Schutzmann und Bibel. Ju Preußen geschehen noch Zeichen und Wunder. Ein solches Gotteswunder ist der fromme Wisch, den uns Freund Satyr auf den Arbeitstisch weht. Außer Rand und Band ist er. der liebe Kerl mit dem süßen Teufelslachen. Hat er den seltsamen Papierfetzen aus der vierten Dimension geholt? Oder ists ein bissiger Karnevalsscherz? Aber nein, da stehts deutlich und untrüglich mit fetten Buchstaben:„Christliche Versammlungen für Polizeibeamte". Uff... ich kann nicht mehr, ich sticke vor Lachen. Unsere herrlichen Blaukittels mit Gesangbuch und Bibel bewaffnet, Hände faltend und Choräle plärrend... es ist zum Totschreien! Eigentlich zwar hats Sinn. Wo in Preußen alles mit Gewalt per- frommt werden soll, müssen diejenigen, so auf andere auf- passen sollen, mit gutem Beispiel vorangehen. Der schnurrige Pfaff', der auf diese köstliche Idee kam, muß allerschleunigst Konsistorialrat werden. Er stellt die angedrillte Kniebeuge vom Kasernenhof in Parallele mit dem Kniefall in der Kirche und sieht in ehemaligen Rekrutenlehrern, die das ABC der Bildung mit Löffeln gegessen haben, treffliche Volkser- zieher. Ja, Wenns mit Säbelhieben und Fußtritten allein getan wäre! Aber unsere lieben Schutzleute, denen für ge- wohnlich nur die schwarze Amtstinte um die ungeschlachten Finger oder der Straßendreck um die Ohren spritzt, sollen noch weit„gebildeter" werden. Was sie in der Jugend auf einer hinterpommerschen Dorfschule versäumt haben, sollen sie nach- holen im kräftigen Mannesalter, wo andere Sterbliche schon selbständig denken können, durch kindliche Bibelstunden. Mancher freilich wird auch da noch nichts lernen. Doch wir wollen unseren Genossen den Mund nicht länger wässerig machen auf dieses wahrhaft klassische Do- kument modernen Kirchentums. Auf der Vorderseite des gedruckten Tertes wird angekündigt, wann und wo die famose Schutzmannsverfrommung stattfindet. Nach Dienstschluß natürlich und nur in den dunklen Abendstunden. Solche verschlungenen Wege des heiligen Geistes vertragen ja auch nicht das helle Tageslicht. In Rixdorf stellt ein frommer Fridolin seine Räume zur Verfügung und in Moabit ein adliger Generalleutnant vom Stabe des Vereins christlicher junger Männer. Auch der gottesfürchtige„Klingel- bolle" leistet den sündigen Polizeiern Schrittmacherdienste zum Seelenheil, und im hohen Norden, im Gemeindehause der Schönhauser Allee 142. waltet bekanntlich das gläubige Herz des braven Expastors, Häuserspekulanten und Krieger- Heimgründers Diestelkamp. Das Beste jedoch ist die„Er- klärung" auf der Rückseite des frumbden Zettels. Da wird auseinandergesetzt, daß diese christlichen Versammlungen von der Behörde genehmigt und durch Plakate in den Revier- wachen bekanntgegeben sind. Wohlgemerkt, in denselben Revierwachen, die so oft der Schauplatz recht häßlicher Auf- tritte gewesen sind. Die Behörde gibt also nett und rund zu, daß ihren Beamten die geistliche Besserungskunde ein drin- gendes Erziehungsbedürfnis ist. Propaganda für irgend- welche religiöse Gemeinschaften darf nicht gemacht werden. Das ist sehr weise, sonst könnte vielleicht das halbe Schutz- mannsheer zur Heilsarmee desertieren. Geld kostet der Spaß angeblich nicht, wie es vorbeugend weiter heißt. Vielmehr vereinige man sich lediglich zu dem Zweck,„die Bibel gemein- fam zu betrachten und sich Aufschluß über Fragen daraus zu verschaffen, die das tägliche Leben und unsere ewige Zukunft betreffen". Ist dieser Nachsatz nicht der blutigste Hohn auf die Methode, wie dieselben Schutzleute von ihren Vorgesetzten ver- anlaßt werden, auf anständige Arbeiter, die singend die Straßen durchziehen und für ihr gutes Recht demonstrieren, init blanker Waffe dreinzuschlagen? Ist es nicht eine Blasphemie sondergleichen, daß eine Polizei, die im Dienste der Menschenentrechtung steht, mit frommem Augenaufschlag ihre Angestellten zum Gebet ruft? Und da will man sich noch entrüsten über Sozialdemokraten, denen Religion Privatsache ist! Wahrlich— Berliner Schutzleute mit dem auf friedliche Menschen gezückten Säbel in der Rechten und mit der Bibel in der Linken... es ist eine prächtige Satire auf das praktische Polizeileben, ein köstliches Titelbild für den „Simplizissimus"_ Ucber die Viehzählung von 13V8 ist jetzt für B e r! i n ein vorläufiges Ergebnis vom Statistischen Amt be- kanntgegeben worden. Die Zählung erstreckte sich diesmal nur auf Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, wäh- rcnd im vorhergehenden Jahr auch Maultiere, Esel, Ziegen. Federvieh, Bienenstöcke gezählt worden waren. Unter 28 913 Grundstücken waren 6856, auf denen Tiere der diesmal berück- sichtigten Art gehalten wurden. Wird bezüglich der Rinder, Schafe, Schweine der Vieh- und Schlachthof ausgeschaltet, so waren in Berlin 51 647 Pferde, 11 284 Rinder, nur 56 Schafe und 1557 Schweine vorhanden. Gegenüber dem vorher» gehenden Jahr hat sich verringert die Zahl der Pferde wieder um 1530, die der Rinder um 79, der Schafe um 56, während die Zahl der Schweine sich noch um. 45 erhöht hat. Auf dem Vieh- und Schlachthof wurden diesmal 1261 Rinder. 3339 Schafe, 4039 Schweine gezählt, die den oben ange- gebenen Zahlen des übrigen Berlin hinzuzufügen sind. Der Viehbestand des Vieh- und Schlachthofes war so mäßig, weil der Zähltag(1. Dezember) ein Dienstag war. Von den ein- zclnen Stadtteilen sind begreiflicherweise die äußeren am stärksten, die inneren am schwächsten an der Viehhaltung beteiligt, wobei bezüglich der Pferde von den mit Kasernen gesegneten Stadtteilen abgesehen werden muß. Zur Kenn- zeichnung der Gegensätze, die zwischen der Innenstadt und den Außenbezirken bestehen, seien hier nur zwei Beispiele an- geführt. Gezählt wurden auf dem Gesundbrunnen noch 3261 Pferde. 853 Rinder. 462 Schweine. 2 Schafe, aber in der Friedrichstadt nur noch 686 Pferde, 49 Rinder, kein Schwein, kein Schaf._' Das Rcalienbuch des Bcrliuer Lchrervereins.__ »Auf Allerhöchsten Befehl Er. Maj. Wilhelms II.* hat der Geschichtsunterricht in den preußischen Schulen der Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen entgegenzuwirken und durch Pflege der Gottesfurcht und der Liebe zum Vaterlande die Gnmd- läge für eine gesunde Auffassung auch der staatlichen und gesellschaft- lichen Verhältnisse zu legen. Nach den Aussührungsbestimmungen, die der kaiserliche Unterbefehlshaber. der Kultusminister v. Goßler, zu diesem Programm erlassen hat, soll das dadurch geschehen, daß die fast ein halbes Jahrtausend erfüllende ununterbrochene Arbeit der Hohenzolleru für ihr Land und Volk besonders hervorgehoben wird, und daß sämtliche preußischen Könige in dem Unterrichte der Jugend eine hervor- ragende Stelle erhalten. Also nicht das soll gelehrt werden, was die wissenschaftliche Geschichtsforschung für wahr erkannt hat. sondern Verherrlichung der Hohenzollern und ihrer Trabanten, der junker- lichen Bureaukraten mrd Säbelhelden. Daß auch in den Berliner Gemeindeschulen in dieser Beziehung etwas Tüchtige« geleistet wird, weiß jeder, der sie besuchen mußte oder Kinder in dieselbe schickt. Seit dem t. Oktober v. I. hat nun der Geschichtsunterricht an unseren Gemeindeschulen durch Einführung von Realienbüchern ein neues Hilfsmittel erhalten. Dabei ist einem der drei Schulbücherbezirke, in die Berlin bekanntlich geteilt ist, das vom Berliner Lehrerverein herausgegebene Realienbuch über- wiesen. Daß die privaten Schulbücherfabrikanten, die ja nur im Interesse ihres Geldbeutels abschreiben, der maßgebenden Geschmacks- richtung Rechnung tragen und in der BeweihräuÄerung der Hohen- zollern leisten, was irgend möglich ist, damit ihr Traktätchen vor den Behörden Gnade findet, ist menschlich verständlich. Weniger verständlich ist eS schon, daß eine so großeKorporation wie der Berliner Lehrerverein, der doch zuweilen in liberalem Fahrwasser segelt, ja sogar manchmal demokratisch schillert, in ihrem Realienbuche die Hohenzollernlegende mit ganz besonderem Eifer gepflegt hat. Oder sollte das vielleicht die neueste Form des modernen deutschen FreifinnS fein? Gänzlich unverständlich bleibt unS aber, daß sich in dem erwähnten Buche Tatsachen finden, die selbst den Berliner Gemeindeschullindern als widerfinnig und falsch erscheinen müssen. Wir möchten hier bloß ein Beispiel herausgreifen, den Abschnitt über Wilhelm II. Selbstverständlich macht nach der Meinung eines Berliner Volksschullehrers S. M. alles. Da sichert er zunächst den Frieden und stärkt die deutsche Wehrkraft. Da wahrt er Deutsch- lands Ehre und sorgt für die arbeitenden Klassen. Das letzte Thema wird dann mit besonderer Liebe behandelt: wir finden da wörtlich folgendes: »Unser Kaiser hat wie sein Großvater ein warmes Herz für die arbeitenden Klassen. Am 1. Januar 1900 trat das Gesetz der Jnvaliditäts- und Altersversicherung in Kraft. Es gewährt dem Arbeiter, der in seinem Berufe Invalide wird, die Mittel zum Lebensunterhalt. Der 70 Jahre alte Arbeiter braucht nicht mehr zu arbeiten; er erhält eine Rente, so daß er einen sorgenfreien Lebensabend hat." Wenn wir nicht irren, wird in den Berliner Gemeindeschulen im Rechenunterricht auch die Jnvaliditäts- und Altersversicherung berücksichtigt. Es dürste also den Verfassern nicht ganz unbekannt sein, welche feudalen Renten im Deutschen Reiche gezahlt werden. Auch die heutigen Lebensmittelpreise scheinen der Berliner Lehrer- schast nicht ganz unbekannt zu sein, da sie in ihren Versammlungen und ihrer Presse oft behauptet, daß bei den jetzigen teuren Zeiten mit monatlichen Gehältern von 200 bis 400 Mark nicht auszukommen sei. Daß demgegenüber eine monatliche Rente von 10—20 M. dem Invaliden die Mittel zum Lebensunterhalt ge- währen und dem alten Arbeiter einen sorgenfteien Lebensabend sichern soll, ist denn doch ein starkes Stück. Am wenigsten sollte das in einem Buche stehen, das für Berliner Arbeiterkinder be- stimmt ist, die doch größtenteils schon wissen, was zum»sorgenfteien" Leben gehört._ Die Zentralkonimisfion der Krankenkassen Berlins und der Bor- orte veranstaltet in kommender Woche wiederum hygienische Bor- tragskurse. welche wie nachstehend aufgeführt, stattfinden. Der Zu- tritt zu diesen Vorträgen ist für jedermann unentgeltlich. Am Donnerstag, den 11. Februar, sprechen in den Aulen der nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema:»Verdauung beim Gesunden und Kranken", Herr Dr. RatlowSki in der 247 /252. Gcmeindeschule, Rigaer Straße 81/82: Herr Dr. H. Hirschfeld in der 240./254. Gemeindeschule, Waldenser Straße 25/26; Herr Dr. G. Sandberg in der 1t7./178. Geineindeschule, EberSwalder Straße 10; Herr Dr. G. Glücksmann in der 11ö./237. Geiueiilde- schule. Stalitzer Straße 55. Am Freitag, den 12. Februar, sprechen über das Thema: „Ursachen und Verhütung der Schwindsucht" Herr Dr. I. Friede- berg in der 91./l0l. Gemeindeschule, Gneisenausiraße 7; Herr Dr. R. Rosen in der 81-/109. Gemeindeschule, Tilfiter Straße 4/5; Herr Professor Dr. Th. Sominerfeld in der 1t8./l27. Gemeindeschule, Pankstraße 8; Herr Dr. H. Wehl in der 228./279. Geineindeschule. Pasteurstraße 5. In Borhagen-RummelSburg in der neuen Schule, Marklslraße, spricht am Dienstags den 9. Februar. Herr Dr. B Hirsch- feld über das Thema:»Hals-, Nasen- und Ohrenleiven". In C h a r l o t t e n b u r g in der 12. Gemeindeschule, Sophie- Charlotten- Straße 69. spricht am Mittwoch, den 10. Februar er., Herr Prof. Dr. Mackenrodt über das Thema:„Frauenleiden und ihre Verhütung".(Rur für Frauen.) In L i ch t e n b e r g, in der Gemeindeschule Kronprinzenstr. 10, spricht am Donnerstag, den II. Februar er., Herr Dr. Steiner über das Thema:»Unfälle des täglichen Lebens". In P a n k o w. in der 2. Gemeindeschule in der Gnmowstraße, spricht am Donnerstag, den 11. Februar er.. Herr Dr. F. Mendel. über das Thema:„Augenpflege i» Schule und Haus". In R i x d o r f, in der 9./10. Gemeindeschule, Kaiser-Friedrich- Straße 4. am Hern, annplatz, spricht am Freilag, den 12. Februar ct., Herr Dr. Berger über das Thema:»Augenverletzungen". In Schöne berg, in der Iv./U. Gemeindetchule, Feurigstraße 61/62, spricht am Dienstag, den 9. Februar er.. Herr Dr. H. Cnron über das Thema:.Ernährungsslönmgen". In Tempelhof, Kaiserin Augustastr. 1, bei Herrn Wunder, spricht am Freitag, den 12. Februar 1909, Herr Dr. A. Sachs über das Thema:»Knochen- und Gelenkleiden." In Weisjenser, in der Gemeindeschule LanghanSstr. 120. spricht am Freilag, den 12. Febraar 1909. Herr Dr. N. Braun über das Themas„Krampiadcrleiden und Beingeschwüre." Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr abends. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat Januar nächtigten im Männerasyl 21 594 Personen, wovon 10 305 badeten, im Frauenasyl 4649 Personen, wovon 2348 badeten. Arbeitsnach. weis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Kolberger Straße 30. In den Haaren liegen fich beide. Zu stürmischen Austritten kam eZ Freitagabend in einer Versammlung der Wähler der II. Klasse im 12. Kommunalwahlbezirk, wo der Stadtverordnete Fähndrich sein Amt niedergelegt hat. Es sind zwei liberale Kandidaten aufgestellt worden; vom Wahlausschuß der freisinnigen Partei der Hutmacher Lucht, von dem Grundbesitzerverein der Rektor Dr. Knaucr. Beide Kandidaten hielten in der Versainmlung Ansprachen und beteuerten ihren Liberalismus. In der Diskussion aber kam eS dann zu großen Lärmszenen. Der Stadtv. Max Schulz sprach von einem Cliquenwesen im Grundbesitzerverein Frankfurtertorbezirk. defien Leiter, Grundbesitzer Wege, konservativer Reichsragskandidat war und sich heute »liberal" nenne. Wenn die Grundbesitzer im 12. Bezirk noch An- spruch erheben, als liberal angesehen zu werden, so müßten 6e für den Kandidaten der fteisiimigen Partei. Lucht, eintreten.>>? ein anderer Redner bedauerte, daß der Rektor Knauer sich von den antisemitisch-konservativen Hintermännern des Gnindbesitzervercins habe aufstellen lassen und der tzoffnimg Ansdnick gab, daß er zunlcktreien werde, nachdem er darüber aufgeklärt ist, wer die Macher im Grundbesitzerverein sind, erhob sich großer Lärm, so daß die Rufe„RauS, Raus! Jude!" die weiteren Aus- führungen deS Redners unverständlich machten. Rechtsanwalt Fried- mann, der ebenfalls für Lucht eintrat, wurde von dem Vertreter deS Grundbesitzervereins Franlfurtertorbezirk, Wege, heftig angegriffen, und als er gegen diesen sprach, niedergeschrien.— Dann wiesen einige Diskussionsredner darauf hin, daß es sich im 12. Bezirk lediglich um Personenfragen handle. Die Grundbesitzer seien konservativ und wollten keinen liberale» Mann wählen. Nachdem Schluß der Debatte eingetreten war, wollte ein Vertreter de? ftei- sinnigen Wahlvereins eine vorher angemeldete Erklärung abgeben, wurde aber nicht zum Worte gelassen. Mit dem Rufe: »Alle Liberalen raus!" erhoben sich die Freisinnigen und verließen die Versammlung, welche nun den Rektor Knauer alz Kandidaten nominierte. Auf dem Wege zur Arbeit überfahre« und getötet wurde gestern morgen der 21 Jahre alte Fensterputzer Friedrich Bebroneck aus der Parochialstraße 29. Mit der Leiter auf der Schulter und dem Eimer in der Hand ging der junge Mann um 7 Uhr durch die Wallstraße, um die Kundichast aufzusuchen. Als er bor dem Märkischen Muieum an einem Geschäftswagcn vorüberging, sah er nicht, daß aus der anderen Richtung ein Lastwagen gefahren kam. Dieser ging ihm über den Unterleib und verletzte ihn so schwer, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde von einem Schutzinanii des 27. Reviers nach der Unfallstation V am Spittelmarft gebracht, starb aber schon auf dem Wege dorthin. Die Leiche wurde dem Schau- hause überwiesen. Not und BrbeitSlofigkcit haben den 36 Jahre alten Bau« handwerler Ferdinand Halbert aus der Lothringer- Straße in Weißensee in den Tod getrieben. H. war lange Zeit arbeitslos und da alle seine Bemühmigen, wieder Beschäftigung zu erhalten, vergeblich waren, nahm er sich in der Verzweiflung das Leben; der Unglückliche erhängte sich in seiner Wohnung. Masstttverhafttmg wegen Notzucht. Eine 17 Jahre alte Arbeiterin K. auS Weißensee wurde gestern auf freiem Felde von sechs Männern vergewaltigt, so daß sie daS Bewußtsein verlor. Kaum wieder zu sich gekommen, wurde sie von anderen Scheusalen, die noch dazu gekommen waren, ebenfalls miß- braucht, bis sie abermals besinnungslos wurde.. In diesem Zustande wurde sie aufgefunden. Diejenigen der Unholde, die die Wtißhandelte kannte, die Arbeiter Franz Schipper und Paul Thielsche und der Tischler Felix Greber, wurden sofort verhaftet und der Berliner Kriminalpolizei zugeführt. Den anderen ist man auf der Spur, ihre Verhaftung steht bevor. Die Festgenonmienen gaben die Untat zu. Tie ftouimc Hchleri«. Ein lange gesuchter schwerer Einbrecher wurde gestern in der Utrechlerstraßc in der Wohnung seiner Geliebten festgenommen. Es ist dies der Arbeiter Karl Siebke, der sich unter dem Namen Emil Schroeder zwei Jahre lang verborgen gehalten hatte. Siebke war auf einen Besuch der Kriminalpolizei immer gefaßt und entschloffen, seine Freiheit teuer zu verkaufen. Ans jedem Tisch und Spinde lag ein schuß- fertiger Revolver. Gestern wurde S. überrumpelt, so daß er zum Ee- brauch seiner Waffen nicht mehr kam. In seiner Behausung fand man zwei große Koffer mit den allerbesten Einbruchswerkzeugen und eine Menge DiebeSbcute, darunter für 10 000 M. Wertpapiere und seidene Stoffe und Blusen. Tie Wertpapiere stammen aus einem Ein- bruch in der Poststraße. Eine Verletzung, die sich Siebke damals. als er durch einen Keller in ein Kontor einbrach, zuzog, und die eine starke Bluttpur hinterließ, ist heute noch nicht geheilt. Die Seide stammt auS einem Einbruch in der Potsdamer Straße, bei dem die Verbrecher kür 8000 M. erbeuteten. Für 1000 M. fand man davon noch bei der Hehlerin in der ZionSkirchstraße. Dieier hätte niemand etwas Böses zugetraut. Sie wirkte in einer Sonntags- schule mit und war auch sonst sehr»fromm". Siebtes Braut trug ein Persianerjackett für etwa 1000 M. Wo es gestohlen ist, weiß man noch nicht._ Arbeitcr-BildungSschnle Berlin. Der heute im König st ädti- scheu Kasino(Holzmarktstr. 72) stattfindende Vortrag von Frau Regine Rüben ist dem Andenken einer tapferen Frau aus der 1848er RevolntionSbcweaung gewidmet. Frau Mathilde Franziska A n n e k e, wie auch ihr Mann, der Artillerieoffizier Fritz Anneke, haben in hervorragender Weise an den Kämpfen des Revoluttons- jahres in Baden teilgenommen. Frau Anneke flü.vtete nach dem mißlungenen Aufstände nach Amerika, und hier ist sie, die eine der ersten deutschen Verfechterinnen des Frauen st immrechts war, zu einer der bedeutendsten Erscheinungen in der deutsch-ameritanischcn Literatur geworden. Die Rezitationen werden dazu beitragen, das Bild dieser außerordentlich begabten Frau in bester Weise zu ver- vollständigen. Die Oranienburger Revolvcrgcschichte beschäftigt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft. Das Amtsgericht Oranienburg hat die Akten den, Landgericht Hl übergeben Referendar v. Igel soll wieder ver- Haftel worden sein. Wie noch erzählt wird, waren vor dem blutigen Ereignis die beiden anderen Referendare bei v. Igel zum Abend- effen gewesen. Bei dieser Gelegenheit halte v. Igel aus dem Fenster geschossen, obwohl er gebeten wurde, das Schießen zu unterlassen. Wer ist die Tote? Dm 4. Februar wurde aus dem Luisen- städtischen Kanal gegenüber dem Hauie Engelufer 15 die Leiche einer etwa 20—25 Jahre alten Frauensperson gelandet. Die Tote war etwa 1,55 bis 1,60 Meter groß und hat zirka sechs Wochen im Wasser gelegen, sie hatte braunes Haar und braune Äugen und war be- kleidet mit langein, schwarzem Winterjackett, schwarzer Bluse mit weißem Einsatz, schwarzem Cheviotrock, mit einem weißen und einem blauen durchbrochenen Unterrock, weißen Beinkleidern, schwarzen Strümpfen, Schnürschuhen mit Lackspitzen, weißen wollenen Hand- schuhen, blauem Gürtel mit länglichem Stahlichlotz und einer läng- lichen Doublö-Brosche in der Mitte mit drei Perlen. Die Leiche befindet sich im Leichenschauhause Hannoveriche Straße 6. Etwaige RekognoSzenten wollen sich dorthin wenden oder zu 407. 4. 59. 09. dem Polizeipräsidtum Zimmer 249 Mitteilung machen. Auf seine Frau geschossen und fie schwer verletzt hat gestern gegen 7 Uhr der Arbeiter Pokorny in der Choriner Straße. Frau P. lebte mil ihrem Mann in Scheidung und wohnte in der Choriner Straße, wo ihr Mann dieselbe auslauerle. Frau P wurde nach der Uitfallstalioti und von da nach der Klinik gebracht, während Pokorny nach der Polizeiwache transportiert wurde. Urania. Dr. M. Gruner wird am Dienstag im Hörsaale der Urania in der Taubenstraße einen mit zahlreichen Bildern nach eigenen Ausnahmen illustrierten Vortrag»Island. Bilder von einer naiurwissenschaftltchen Studienreise" hallen. Weiter finden noch nach- stehende Vorträge»m Hörsaale statt: Mittwoch: Dr. W. Bcrndl:»Dte Einteilung de» Tierreiches"; Donnerstag: Prof Dr Röthgen:.Talcinm- (Glasfabrikation): Sonnabend: Prof. Dr. B. Donath:»Wellen und Sirahlen". Im wissenschaftlichen Theater der Urania findet in dieser Woche allabendlich die Wiederholung des neuen Vortrags von „Abazzia bis Korfu" statt mit Ausnahme von Mittwoch, an welchem Tage der 11. Vortragsabend des Wissenschaftlichen Vereins ist und zwar wird sprechen Professor Dr. Plate:„Darwin als Mensch und Forscher und der jetzige Stand seiner Lehre". Außerdem finden am Mittwoch und Sonnabend Nachntittagsvorstellnngen zu kleinen Preisen statt«nd zwar am Mittwoch der Vortrag»Ueder den Brenner nach Venedig" und am Sonnabend der Vortrag»Eine Nil- fahrt bis zum zweiten Katarakt". Ju, Walhalla- Bariötö- Theater am WeinbergSweg gastiert in diefein Monat eine russische Truppe, die WolkowskyS, die nicht nur aus dem Gebiete der russischen Tanzkunst Ansehnliches leistet, sondern sich auch als getoandte Balalaika-Spieler produziert. Die Komik ist vertreten durch die Ward Brothers als CaScadeure, The BalfonrS in ihrem Akt:„Die Ausfahrt einer Milchbäuerin", und nicht zuletzt Diefe surd ben Romttes Meftrum, der durch seine Gaffenhauer auch den| Beteiligung derfelben an der Wahlbewegung als eine Mache zu behandeln. Dieser Beschluß ist das Werk fanatischer Scharfernstesten Zuhörer zum Lachen zwingt. Das Auge kommt durch die gegen die Person bes Direktors Hannemann bon der macher, ein wahres Schulbeispiel rücksichtsloser, brutaler KampfesPhantasietänge La Pagnita zu feinem Recht. Gut dressierte Hunde höheren Mädchenschule. Die Gegenpartei quittierte über weise. Wie der Ritter von der traurigen Gestalt kämpft man gegen führt Immans dar; ihnen das Tanzen so beizubringen, wie es hier diese Ausführungen mit einem furchtbaren Indianergeheul. Personen, die mit der Sache gar nichts zu tun haben. bon einigen Vierfüßlern gezeigt wird, mag große Mühe gekostet Die weitere Diskussion artete in eine wüfte Schimpferei Kampfesweise tit auf einem Tiefstand angelangt, der ein weiteres haben. aus und liefen die Teilnehmer unter lautem Lärm aus Sinken nicht mehr zuläßt. Jm Balaft Theater an der Burgstraße wechselt ein immer einander. Bemerkenswert ist noch, daß der unparteiische" Vor- Die Kaffenarztfrage ist für den Leipziger Aerzteverband feine hin sehenswertes Spezialitätenprogramm ab mit einem infolge seiner figende eine Abstimmung über Aufstellung des Kandidaten ber- Eristenz-, sondern eine Machtfrage. Professor Stier- Somlo schreibt: zahlreichen Verwechselungen viel belachten Schwant:„ Der arme hinderte. Böse Zungen behaupten nun, das sei darauf zurück- Jch habe der Ueberzeugung des öfteren Ausdruck gegeben, daß Casimir". zuführen, daß die Opposition ohne Zweifel in der Mehrheit geblieben die wirtschaftliche Eristenzfrage der Aerzte nicht in den VorderFeuerwehrbericht. Gestern früh um 8½ Uhr tam am Belle- wäre. Die Arbeiterschaft aber wird es sich zur Pflicht machen, grund der Diskussion gestellt werden darf, sondern daß es sich um Allianceplay 12 ein Kellerbrand zum Ausbruch. Gleichzeitig wurde dieser Gesellschaft den Weg ins Dorfparlament zu verlegen. Sie die öffentlich- rechtliche Aufgabe der Krankenkassen handelt." die Wehr nach der Oranienstr. 70 alarmiert. Der 19. Zug hatte in wird für die Wahl eines Mannes Sorge tragen, welcher rüdsichtslos der Leipzigerstr. 120 zu tun, wo Schmieröl, Bugwolle u. a. in einem ihre Interessen, d. H. die Interessen der Allgemeinheit vertritt. Ausgugrohr eines Gasmotors in der dortigen elektrischen Blocks Groß- Lichterfelde. station brannten. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr mit einer Schlauchleitung. Außerdem hatte die Wehr in der Siegmundstr. 8 zu tun. Arbeiter- Samariter- Kolonne. Heute vormittag 11 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Kaiserling im Hörsaale des Pathologischen Museums der Charité, Eingang Alexander- Ufer, über:" Die Methoden der medizinischen Forschungen" mit Projektion. Gäste tönnen eingeführt werden. Montag abend 9 Uhr: 1. Abteilung, Dresdener Straße 45, spricht Frl. Dr. Profé über:" Gefahrdrohende Krankheitszustände" Daran anschließend praktische Uebungen. In demselben Lokal findet Sonntag, den 14. Februar, abends 6 Uhr, ein Lichtbilderbortrag über:" Eine Reise um die Welt" statt. Die Sigung des Vorstandes und der diensttuenden Abteilung findet am 12. Februar der Arbeitslosenzählung wegen nicht statt. Lichtenberg. Vorort- Nachrichten. Der Streit der Aerzte, die ihre Hilfeleistungen gegenüber der leidenden Menschheit einstellen, erinnert an einen Menschen, der seinen Nächsten in dringender Lebensgefahr sieht und die Rettung an bestimmte egoistische Bedingungen knüpft. Aufgabe der GesetzZur Arbeitslosenzählung. Der Gemeindevorstand hat die Ge- gebung ist es, dem frivolen Treiben des Leipziger Verbandes, der antragte Bählung der Arbeitslofen nach dem Hauslistensystem ab- feine Forderungen-um jeden Preis stellt, Einhalt au gebieten. gelehnt. Es wird daher die Zählung seitens der Arbeiterorganis Leben und Gesundheit des Volkes darf nicht der Willtür einer fationen vorgenommen werden. Zu diesem Zwede finden am einzelnen Berufsgruppe preisgegeben werden. Der Leipziger VerMittwoch, den 10. februar, abends 8 Uhr, in Verbindung band bildet heute durch seine Kampfesweise eine nationale Gefahr. mit dem Zablabend Bersammlungen statt und zwar für den Westen in Wahrendorfs Gesellschaftshaus, Bäfestr. 22, für den Osten im Kaiserhof". Alle organisierten Arbeiter sind verpflichtet in diesen Bersamm lungen zu erscheinen und sich an den Arbeiten für die Zählung zu beteiligen. Bugleich wird bekannt gegeben, daß der Zahlabend bei Lafogga in der Chausseestraße aufgehoben ist und fünftig bei Wahrendorf, Bäfestraße, stattfindet. Wahlverein und Gewerkschaftskartell. Neuenhagen( Ostbahn). Die Forderungen der Aerzte gegen die Kranken-, die Unfallund die Invalidenversicherung sind seit Inkrafttreten der Arbeiterbersicherung immer gestiegen und haben ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht. Es besteht die Gefahr eines fortwährenden Kampfes, wenn nicht endlich Wandel geschaffen wird. Bei der Krankenber ficherung hat in der Zeit, wo die Mitgliederbeiträge sich verdoppelten, das Arzthonorar sich versechsfacht. Die Blicke der Angehörigen der gesamten deutschen Arbeiters versicherung sind nach Köln gerichtet; aber die deutsche Arbeiterbersicherung wird sich auf Köln verlassen können. Die Kölner Kassen werden für ihre Interessen unerschütterlich kämpfen.( Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Gemeindevertretung- Interessenvertretung der Grundbesitzer. In der Diskussion stellten sich sämtliche Redner auf den StandWie wenig die Mehrzahl der Gemeindevertreter das Wohl der punkt des Referenten. Ein Vorstandsmitglied, Herr Büs, teilte Gefamtheit im Auge haben, zeigte die Verhandlung über den von mit, daß die Aerzte zunächst sogar den Plan erwogen hätten, auch einem bürgerlichen Bertreter gestellten Antrag auf Einführung einer feine Privatpatienten zu behandeln und so einen derartigen NotAuf der Tagesordnung der am Dienstag, den 9. Februar, nachtragsteller, wonach die Steuer doch nur einen Teil des dem Ver- in wenigen Tagen die Kassen auslieferte. Wertzuwachssteuer. Nach der fachlichen Begründung durch den An- stand in Köln und Umgebung hervorzurufen, daß die Regierung mittags 5 Uhr, stattfindenden Stadtverordnetenfibung stehen unter fäufer mühelos in den Schoß gefallenen Reingewinns darstellt und anderem nicht weniger als drei Jnterpellationen. Als erste wird zur Dedung der großen uns bevorstehenden Ausgaben, wie Schul- das Vorgehen des Vorstandes des Krankenkassenverbandes boll Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, die die Anfrage unferer Genoffen über die Diphtheritisepidemie in der neubau usw. dringend notwendig fei, wurde der Antrag nach ständig gutheißt und sich aufs schärffte gegen die Kampfesweise der Gemeindeschule in der Dorfstraße zur Verhandlung kommen, deren einigen Worten des Gemeindevorstehers, die feinen ablehnenden Aerzte wendet. Besprechung die Majorität in der lebten Versammlung verhinderte. Standpunkt enthielten, mit 3 gegen 3 Stimmen und 5 StimmentDann soll die Interpellation unserer Genossen über die Vergebung haltungen abgelehnt. der Arbeiten beim Elektrizitätswerk endlich ihre Erledigung finden. Des weiteren hat ein Teil der Bürgerlichen an die Stadtverordnetenbersammlung die Frage gerichtet, wie es mit dem Krankenhausbau steht. Unsere Genossen werden bei der ersten Interpellation auch den Versuch machen, den Magistrat zu veranlassen, über die Ginrichtungen, die für erste Silfeleistung bei Unglüdsfällen in der Gemeinde getroffen find, Auskunft zu geben. Da auch sonst recht bedeutungsbolle Fragen auf der Tagesordnung stehen, dürfte diese Sigung, die eine öffentliche ist, auch für weitere Kreise Interesse haben. Röpenid. Bu der am Dienstag, den 9. Februar, stattfindenden Stadtver orbnetenersaswahl der zweiten Abteilung ist von unserer Seite Genoffe Otto Nidel aufgestellt worden. Wie eine im Kaiserhof" bon den Bezirksvereinen einberufene Versammlung bewiesen hat, fteht der bürgerliche Kandidat, Buchdruckereibesiber Ernst Aubin, Ropenider Tageblatt", wohl auf dem Boden des Programms der liberalen Schöneberger Fraftion, ist im Brinzip für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht auch für Kommunen, hält es aber für die Stadt Köpenid für unannehmbar, weil sonst 36 Sozialdemokraten gewählt werden tönnten. Der zweite bürgerliche Kandidat, Herr Adolf Rohrbed, befizi gar tein Programim. Um die Frage der Demokraten, wie er sich ebentuell zu dem genannten Brogramm ftelle, ging Herr Rohrbed herum wie die Kabe um den heißen Brei. Die Versammlung der Bezirksvereine ging aus wie das Hornberger Schießen. Unsere Barteigenossen wollen alles aufbieten, auch bei dieser Wahl der zweiten Abteilung das bestmöglichste für sich herauszu schlagen. Es werden deshalb alle in dieser Abteilung wahlberechtigte Genossen aufgefordert zur Wahl unseres Genossen Nidel am Diens tag, den 9. februar. Weißensee. andere Interssen als die der Haus- und Grundbefizer vertreten. Es ist an der Zeit wirkliche Gemeindevertreter zu wählen, die Potsdam. Zum Lehniner Raubmord. Der jugendliche Amtsschreiber Otto Schulze hat jetzt eingestanden, die eigene Mutter, die Poſtſchaffnersfrau Schulze in Lehnin, und deren Mutter, welche sich auf Besuch in Lehnin aufhielt, erschlagen zu haben. Ebenso gibt Schulze zu, daß er das unter einem Holzstoß vorgefundene Geld entwendet und verborgen hat. Soziales. Der Kölner Aerzteftrekk. Ginige bürgerliche Blätter versuchen das vom Standpunkte eines jeden, der einen Rest von Gerechtigkeitsgefühl und sozialem Empfinden sich bewahrt hat, böllig ungerechtfertigte Vorgehen der Aerzte in Köln durch Verdrehung des Tatbestandes zu entschuldigen. Demgegenüber sei nachfolgend ein objektiver Bericht des Sachverhalts wiedergegeben, den am vergangenen Sonntag in Köln vor einer überfüllten Bersammlung der Vorstände und General versammlungsvertreter von 44 Kölner Orts, Betriebs und Jnnungsfranfenfassen der zweite Borfißende des Krankenkassenverbandes des Aufsichtsbezirks Stadt Köln, Herr Brachel, über die Entwidelung der Dinge erstattete: Gerichts- Zeitung. Gewerkschaftsführer find doch nicht vogelfrei! Wir berichteten fürzlich unter der entgegengesetzten Stichmarke über ein Befremden erregendes Urteil des Amtsgerichts Oberstein an der Nahe, das am 16. Dezember 1908 in einer Privat beleidigungstlage des Geschäftsführers Faber vom dortigen Metallerbeiterverband gegen den Fabrikanten Robert Klein( Firma Quenzer und Klein) entschieden hatte, daß der Fabritant nicht der ftrafbaren Beleidigung schuldig sei. Der Fabrikant Klein hatte dem Kläger zur Zeit der Obersteiner Aussperrung durch das Herumzeigen eines Briefes nachgeredet, daß er ein Mensch sei, der, wenn er Streikgelder in die Hände bekäme, eines schönes Tages damit verduften würde. Der Verfasser dieses Briefes, ein Fabrikant Hasenmayer aus Pforzheim, der deswegen auch vom Pforzheimer Amtsgericht au 100 M.Geldstrafe und in die Kosten verurteilt worden war, hatte in diefem Brief den Obersteiner Fabrikanten Klein auch aufgefordert, diese Dinge über den Geschäftsführer Faber in Oberstein recht bekannt werden zu lassen. Dieser Aufforderung war der Beschuldigte, ein Sohn des früheren Bürger meisters von Oberstein, auch nachgekommen. Trotzdem aber die böse Absicht, zu beleidigen, durch die eigenen Zeugen des Bea schuldigten vor dem Amtsgericht zu Oberstein bewiesen wurde, erNachdem die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz 1908 die folgte dennoch Freisprechung unter der eigenartigen Begründung: Wünsche des Deutschen Aerztevereinsbundes nicht erfüllt hatte, be- daß dem Beschuldigten als Mitglied des Obersteiner Arbeitgeberschloß diefer, den Krantentafsen seine Bedingungen aufzuzwingen. verbandes der Schutz des§ 198 zur Seite stehe. Denn mit der Die Stölner Aerzte hielten fich 1904 für berufen, in Köln die Probe Verbreitung dieses an sich zweifellos beleidigenden Briefes habe zu machen. Der Verlauf des Kampfes, der mit der vertrags- er seine berechtigten Intereffen als organisierter Arbeitgeber gegen widrigen Einstellung der ärztlichen Tätigkeit begann und mit der ben Leiter der ausgesperrten, organisierten Arbeiter wahren wollen. gewaltsamen Einführung der vom Aerzteverein zur Bedingung geAus der Gemeindevertretung. Der am 31. Dezember v. J. für ftellten fogenannten freien Arstwahl durch die Aufsichtsbehörde Gegen dies Urteil, nach dem in Zukunft jeder Berleumder nur zu Aus der Gemeindevertretung. Der am 31. Dezember v. J. für endete, ist bekannt. Durch die freie Arztwahl" wurde die vorher behaupten braucht, daß er als Mitglied einer Unternehmerorga die erste Abteilung gewählte Bäckermeister Nauber wurde in fein blühende Entvidelung der Kölner Kassen vollständig lahmgelegt, nisation, die sich im Kampfe mit den Arbeitern befindet, berechtigte Amt eingeführt. Die Jahresrechnung für das Jahr 1906 wurde fest- obwohl die Kassenbeiträge gewaltig erhöht, zum Teil verdoppelt Intereffen gewahrt habe, um straffrei zu werden, legte der Kläger gefeßt. Sie schließt ab in Einnahme mit 4887 788.92., in wurden. Die so sehr gepriesene Selbstkontrolle der Aerzte hat Berufung beim Landgericht Saarbrücken ein, die am 1. Februar Ausgabe mit 3 557 072,97 9., so daß ein Bestand bon vollständig versagt gegenüber dem Treiben derjenigen Aerzte, die dieses Jahres vor der dortigen Straffammer I berhandelt wurde. 1 330 665,95 m. verblieben ist. Der Etat für das Rechnungsjahr durch Patientenfang ihr Einkommen aus der Kaffenpraris erhöhen Diese entschied nun, im Gegensatz zum Amtsgericht Oberstein, daß 1907 ist verschiedentlich überschritten, und zwar verursache die bau- wollten. Man kann den Führern der Aerzteorganisation den besten der Fabrikant Robert Klein der strafbaren Beleidigung schuldig liche Unterhaltung des Grundstücks Parkstr. 11/12 und des Pferde Willen zutrauen, aber die Verhältnisse in großen Städten wachsen sei und nach§ 185 des Strafgesetzbuchs zu einer Geldstrafe von 40 marftgrundstüdes eine Mehrausgabe bon 257,10 M., durch über sie hinweg. Für Köln hat sich in den fünf Jahren ihrer Wirk Mart eventuell acht Tagen Haft und zu den Kosten verurteilt Inabgangstellung von Gemeindesteuern aus Vorjahren die Sumine von 1858,56 M., infolge der sehr trodenen ersten Hälfte des ſamkeit die freie Arztwahl als unmöglich erwiesen; ihr Verschwinden werde. Die Straftammer ging von dem durchaus zutreffenden ist eine Existenzfrage für die Krankenfassen. Bei der freien ArztSommers 1907 war der Wasserverbrauchung für die Straßen wahl hat sich die Weißwirtschaft, daß manche Aerzte mit allerlei, Grundsatz aus, daß der Angeklagte Klein nur dann den Schuh besprengung ein erheblich größerer, als veranichlagt war, ferner die auch unlauteren Witteln auf Kosten der Kassen die Batienten an des§ 193 für sich in Anspruch nehmen konnte, wenn er den Teil Bermehrung der Straßenlaternen und die Einführung der Investdes Briefes, der das Stärkeverhältnis der Arbeiterorganisation in Lampen, sowie die vermehrte Ergänzung und Neuanpflanzung von fich locten, start herausgebildet. Die Krantentassen sind zur Einigung mit den Aerzten stets Pforzheim betraf, wo der Kläger früher tätig war, interessierten Straßenbäumen verurfachte die Etatsüberschreitung von 5747,62 M., bereit gewesen; aber der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Beigeord- Unternehmern zeigte. Gowie er aber weiter ging und anderen die Wasserrohrverlegung in der Gartenstraße und in der Pistorius- neter Dr. Fuchs, legte nach sechsmonatigem Verhandeln den Vorfis Arbeitgebern und auch dem Redakteur der Neuesten Nachrichten" straße( Verwaltungsgebäude und Turnhalle) war im Voranschlag nicht vorgesehen und verursachte eine Ausgabe von 2502,94 nicht vorgesehen und verursachte eine Ausgabe von 2502,94 W nieder mit den Worten:" Ich kann vom Standpunkt der Aufsichts-( Sprachorgan des Obersteiner Arbeitgeberverbandes) Kenntnis Sämtliche Summen wurden nach kurzer Debatte nachbewilligt. Vom behörde die Forderungen der Aerzte nicht befürworten; ich gerate von den im Briefe enthaltenen Verdächtigungen und Beleidigungen Borsteher des Fleischschauamtes wurde empfohlen, die mit der Frei- in den von mir befürchteten Konflikt mit meinen Pflichten." bank verbundene Kühlanlage zu vergrößern, da diese den Zwecken Weiter gepflogene Verhandlungen unter dem Vorsiz eines gegen den Kläger gab, überschritt er die Grenzen, die der§ 193 nicht genügt. Für einen eventuellen Neubau einer folden Aulage Regierungskommissars, Regierungsrat Neinbothe, mußten abgezogen habe. Da aber ferner aus den durch die Zeugen er und für die Feststellung der Rentabilität soll ein Gutachten ein- gebrochen werden, da der Aerzteverein während der Verhandlungen wiesenen Tatsachen die Absicht zu beleidigen hervorgehe, so mußte geholt werden und werden zu diesem Zwede 350 M. bewilligt. Der(!!!) die Sperre über die Kölner Kaffen verhängte. Später unter der Angeschuldigte nach§ 185 des Strafgesetzbuchs bestraft werden. Damit ist, was wir seinerzeit als wahrscheinlich voraussagten, von der Gemeinde geführte Schullastenprozeß gegen die Stadt dem Vorsitz des Gewerbegerichtspräsidenten Decker auf Veranlaffung Berlin wurde vom Justizrat Bürkner geführt und verlangte diefer des Regierungspräsidenten erneut aufgenommene Verhandlungen die wohl einzig dastehende Auslegung des§ 193 durch das Amtsfür seine Tätigkeit den Betrag von 2687,45 M., durch Vergleich scheiterten an der Erklärung der Aerzte, sie seien an die Beschlüffe gericht Oberstein vom Landgericht Saarbrüden torrigiert worden. wurde diese Forderung auf 2400 M. herabgefegt und nachbewilligt. der Aerztetage gebunden, Beschlüsse, die den Zwedgedanten der Der Tot unter dem Auto. Der Gemeindehaus- Bauverein hatte bereits wieder ein Anliegen Strankenversicherung vollständig vernichten; sie bedeuten die Rückan die Gemeinde. Es hat sich herausgestellt, daß der Bau nicht versehung in die Zeiten vor Inkrafttreten der Krankenversicherung. Noch während diefer Berhandlungen sammelten die Leiter der der Kraftwagenführer Hermann Hoffmann wegen fahrlässiger Vom Bandgericht III in Berlin ist am 12. September b. J. weitergeführt werden kann, da zirka 18 000 M. Baukosten fehlten. Eine Brinzessin habe bereits 8000 M. gespendet und nun tue die Aerate unter Benußung von Automobilen Unterschriften zu einem Tötung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er fuhr mit Gemeinde wieder ein übriges und spende noch 5000 M. Ein zins Revers, wonach die Kölner Aerzte sich ehrenwörtlich verpflichteten, feinem Bier- Automobil am 8. April v. J. in mäßigem Tempo durch freies Darlehen à fonds perdu bon 50 000 m. hat die Gemeinde auf Anruf die mit den Krankenkassen bestehenden. Verträge zu die Wißmannstraße in Charlottenburg. Dort wurde von drei Arbereits zugefchoffen. Unsere Genossen wehrten sich ganz entschieden brechen. Durch die so fünstlich erzeugte Notlage wollte man, genau beitern ein mit Werkzeug beladener Handwagen geschoben. Als gegen die ewige Anpumperei auf Rimmerwiedersehen, aber was half wie bor fünf Jahren, den Kaffen abermals die Bedingungen auf die drei das Automobil hörten, fuhren sie dicht an die Bordkante. es, die meiſten Herren find Mitglieder dieses Vereins und da ist es zwingen. Nun ging der Vorstand des Krankenkassenverbandes fo- Das Auto fuhr aber so dicht am Wagen vorbei, daß der Arbeiter leicht, mit den Mitteln der Allgemeinheit zu wirtschaften. Die Jort daran, mit den dazu bereiten Kölner und auswärtigen Aerzten Biller von den an der Seite hängenden Fässern erfaßt wurde, langjährige Verträge abzuschließen. Auch ein nachdem noch von hinfiel und von dem Hinterrade des Auto überfahren wurde. Der nötigen Drben werden ja auch nicht ausbleiben. dem Kölner Oberbürgermeister Wallraf gemachter Vorschlag, ein Tod trat nach furzer Zeit ein. Der Angeklagte behauptete, er schließlich der schon engagierten, 150 Stölner Aerzte anzustellen, habe nicht weiter nach lints ausbiegen können, da ihm ein anderes Zu turbulenten Szenen fam es in einer am Mittwoch im wurde wieder unter Hinweis auf die Beschlüsse der Aerztetage Geschirr entgegenkam. Das Gericht erblickte die Fahrlässigkeit Restaurant Hohenzollern" abgehaltenen öffentlichen Wähler- abgelehnt. Insgesamt hat der Krankenkassenverband bis jeht darin, daß er dann nicht hinter dem Handwagen gewartet hat, bis versammlung, zu welcher, wie in großen Lettern auf dem Plakat 68 Aerzte vertraglich verpflichtet, zu denen noch einige hinzukommen er freie Bahn hatte. Erschwerend tam in Betracht, daß er als zu lesen war, nur Wähler der bürgerlichen Parteien Zutritt hatten. werden. Chauffeur besondere Vorsicht hätte üben müssen. Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Friedenau. Gutsverwalter und Arbeiter. In zwei Lager getrennt standen sich die Ordnungsmannen gegenüber. Seit Jahren fämpft der Leipziger Berband der Aerzte mit Auf der einen Seite der Verein für Handel und Gewerbe und das Mitteln, die das Reichsgericht wiederholt mit dem Makel, wider die am Orte aniäifige Zünftlertum, andererseits die Schullehrer und guten Sitten zu verstoßen, belegt hat. Der Leipziger Verband Gemeindebeamten. Die ersteren präsentierten einen Kaufmann fämpft gegen das Recht, gegen die Heiligkeit der Verträge mit unEbers, während Lehrer und Beamten einen Oberlehrer Weber bor- erlaubten, unmoralischen Mitteln. Der bekannte Sozialpolitiker Von der Strafkammer in Sensburg ist am 25. September schlugen. Dies legtere erregte bei unseren Spießern, welche Profeffor Stier- Somlo( Bonn) schreibt:" Der Leipziger Verband vorigen Jahres der Gutsverwalter Ostar Buch wegen gefährlicher int ben erstgenannten Vereinen organisiert find, böies der Aerzte terrorisiert eine große Anzahl von Aerzten; er arbeitet Körperverlegung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er war Blut, da man sich das bisher innegehabte Recht der Er- mit allen Mitteln, mit denen ein Interessenverband nur arbeiten mit dem( ebenfalls verurteilten) Schweizer K., der sich geweigert nennung der Kandidaten nicht streitig machen lassen wollte. tann. Er hat der Bann der sozialen und beruflichen Aechtung zu hatte, das Bieh auf die Weide zu treiben, in Streit geraten. Er Die Lehrer haben, wie sie selbst feierlich erklärten, jetzt entdeckt, daß vergeben und macht davon rücksichtslos Gebrauch." stieß ihn gegen einen Zaun, daß er hinfiel, und schlug ihn mit auch der Lehrer in Deutschland ein freier Mann sei und seine Auch in Köln arbeitet man jetzt schon wieder mit den ver- einem Stock über den Kopf. Nun wehrte sich K., indem er B. Intereffen selbst vertreten tönne. Dem trat ein Herr Kunkel, werflichsten Mitteln. Allem aber wird die Krone aufgefeßt durch mit einem Messer stach. Notwehr ist bei B. nicht angenommen Hausfattotum des Friedenauer Lokalblättchens entgegen, er sprach den Beschluß des Aerzteverbandes, auch die nichtversicherten worden. Seine Revision gegen die geringe Strafe wurde am von einer Infamie der Lehrer und Oberlehrer und bezeichnete die Familienangehörigen der Kassenmitglieder unter teinen Umständen Freitag vom Reichsgericht verworfen. Aus der Frauenbewegung. Leseabende. Tegel, Dienstag, den 9. Februar, bei Halfes, Brunowftr. 28. Charlottenburg, Donnerstag, den 11. Februar, für die 4.- 8. Gruppe bei Thunad, Wielandstr. 4. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Jpbigente in Aults. Coppella. Montag: Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Fibelio. Mittwoch: Carmen. Donnerstag: Sardanapal, infang 8%, Uhr.) Freitag: Sinfoniekonzert der tönigl. Kapelle. Sonnabend: La Traviata. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Elettra.( Anfang 8 Ubr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Die Rabensteinerin. Dienstag: Mrs. Dot. Mittwoch: Die Jungfrau von Drleans. Donnerstag: Mrs. Dot. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Ein Fallissement. Sonntag: Die Quizons. Montag: König Heinrich V. Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Revolution in Strab wintel. Dienstag: Die Lehrerin. Mittwoch: Revolution in Strähwinkel. Donnerstag: Revolution in Krähwint L. Freitag: Die Lehrerin. Somm abend, Sonntag und Montag: Revolution in Strähwinkel. Deutsches Theater.( Sam meripiele). Sonntag: Der Graf von Gleichen. Montag: Der Arzt am Scheldewege. Dienstag: Der Graf von Gleichen. Mittwoch: Der Arzt am Scheidewege. Donnerstag: Elektra. Freitag: Der Graf von Gleichen. Sonnabend: Der Arzt am Scheidemege. Sonntag: Der Graf von Gleichen. Montag: Der Arzt am Scheidemege. Leffing Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Abends: Der König. Montag: Die Wildente.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag bis Donnerstag: Der König. Freitag: Rosmersholm ( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Der König. Montag: Die Frau vom Meere. Neues Theater. Allabendlich: Die fremde Frau.( Anf. 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 8 Uhr: Bartel Zurafer. Abends: Einer von unsere Leut'. Montag bis Freitag: Einer pon unsere Reut'. Sonnabend: Herodes und Mariamne. Sonntag und Montag: Einer von unsere Leut'. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Hamlet.( Anfang 7, Uhr.) Montag: Die Sünde. Dienstag: Hamlet.( Anfang 7, Uhr.) Mittwoch: Galeotto. Donnerstag: Hamlet.( Anfang 7%, Ubr.) Freitag und Sonn abend: Fauft.( Anfang 7%, Uhr.) Sonntag: Hamlet.( Anfang 7%, Uhr.) Montag: Die Sünde. Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 3X2= 5. Abends bis Montag: Moral( Anf. 8 Uhr.) Refidenz Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Flob im Dhr. Allabendlich: Kümmere dich um Amelie.( Unf. 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Baza. Abends: Lazuli Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Lazulli. Donnerstag: Belleas und Melisande. Freitag: Tosca. Sonn abend und Sonntag: Lazuli Montag: 8aza. Hebbel Theater. Sonntag bis Dienstag: Revolutionshochzeit. Mittwoch: Der Liebhaber. Donnerstag bis Montag: Revolutionshochzeit. Trianon Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Fräulein Josettemeine Frau. Allabendlich: Der Satyr.( Anf. 8 Uhr.) Menes Operetten Theater. Sonntag: Rachmittags 3 Uhr: Das berwunschene Schloß. Allabendlich: Die Dollarprinzessin.( Anf. 8 Uhr.) Luftspielbaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die glüdlichste Bett. Alabenblich: Seine fleine Freundin.( Unf. 8 Uhr.), " Sonnabend und Sonntag: Husarenfileber. Montag: Lumpacivagabundus. ( Anf. 8 Uhr.) Bier Bergleute getötet. Nach einer Meldung aus Hamm find Thalia Theater. Sonntag: Nachmittags 8 Uhr: Immer oben auf. infolge Ausströmens großer Gasmengen auf dem Schacht Maximilian Abends und Montag: Mein Leopold. Dienstag: Mitternachtsmädchen. bier Bergleute getötet und ein Bergmann schwer verletzt worden. Mittwoch: Charleys Tante. Donnerstag: Geschlossen. Bon Freitag bis Montag: Bo wohnt sie denn?( Anj. 8 Uhr.) Bom Fener zerstört. Wie aus Santiago di Chile( auf deutsch Qulien- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends atlantischem Kabel) berichtet wird, find die Geschäftsräume der und Montag: Das Mädchen auf Irrwegen. Dienstag: Fliegende Berliner. dortigen deutschen Gesandtschaft durch Feuer bonfommen zerstört Mittwoch: Störenfried. Dienstboten. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: worden. Unter den Trümmern des Gebäudes ist der verkohlte Das Mädchen auf Irrwegen Sonnabend: Die Ehre. Sonntag: Das Leichnam des Sekretärs Bedert gefunden worden. Mädchen auf Irrwegen. Montag: Der hypochonder.( Anfang 8 Uhr.) Eingegangene Druckfchriften. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Der liebe Dntel. Dienstag: Der Goldbauer. Mittwoch: Opern- Abend. Donnerstag: Deborah. Freitag: Narzig. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Narzis.( Anf. 8 Uhr.) Montag: Der Goldbauer.( Anf. 84 Uhr.)" In freien Stunden". Heft 4 ist erschienen und bringt ble Fort Berliner Operetten Theater SW. Sonntag: Nachmittags fegung des spannenden Romans Kenilworth von Walter Scott sowie der 3, Uhr: Das Ratchen von Heilbronn. Allabendlich: Das Himmelbett. Erzählung aus der russischen Revolution Summerjahre. Jede Woche er ( Anfang 8, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) fcheint ein Heft zum Preise von 10 f. Gastspiel- Theater. Sonntag bis Mittwoch: Der Hüttenbefizer. Donnerstag bis Sonnabend: Ein toller Einfall. Sonntag: Der Hütten. befizer. Montag: Unbestimmt.( Anfang 8 Uhr.) G Bernhard Rose Theater. Sonntag: Nachmittags 8 Uhr: Die Räuber. Abends: Das Warenhausfräulein. Montag: Einjährig Unfrei willig. Dienstag: Das Warenhausfräulein. Mittwoch: Die Räuber. Donnerstag: Einjährig- Unfreiwillig. Freitag: Das Warenhausfräulein. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag: Das Barenhausfräulein. Montag: Unbestimmt.( Un). 8 Uhr.) Folies Caprice. Täglich: Servus Bichefina. Der luftige Ehemann. ( Anf. 8, Uhr.) Casino Theater. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert, Alabendlich: Rußland.( Anf. 8 Uhr.) Gebr. Serrufeld Theater. Alabendlich: Die beiden Bindelbands. ( Anf. 8 Uhr.) Metropol Theater. Ullabendlich: Donnerwetter tabellos. ( Unf. 8 Uhr) Wintergarten. Spezialitäten. Spezialitäten. Sonntagnachmittag 8 Uhr und allabendlich: Apollo Theater. Sonntag: Nachmittags 3%, Uhr: Familien borstellung. Allabendlich: Dutel Cafimir. Spezialitäten. Passage Theater. Sonntagnachmittag 3 llhr und allabendlich: Walhalla Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Balast- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Beichsballen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Behrens Theater. Alabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr und allabend. lich: Spezialitäten. Urania Theater. Zaubenstraße 48/49. Sonntag bis Dienstag: Bon Abbazia nach Korfu. Mittwoch: Darwin. Donnerstag bis Sonntag: Bon Abbazia nad Korfu. Montag: Unbestimmt.( Anfang 8 Uhr.) Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Donnerstag: Geschlossen. Vermischtes. Kommunale Pragis". Die Nummern 5 und 6 find erschienen. Straubes Karte von Berlin und seinen Nachbarpoftorten( Briefporto 5 Bj.). 50 Pf. Selbstverlag. Berlin SW. 13. foeben erschienen: Arbeitszeit und Löhne in der Holzindustrie. Im Kommissionsverlag von 3. H. W. Die Nachf. in Stuttgart ist Ergebnisse einer Statistit des Deutschen Holzarbeiter Verbandes vom November 1906. Herausgegeben vom Verbandsvorstand. Preis 3 M. Aus Natur und Geisteswelt. Nr. 201-204. R. v. Barbeleben. 1. Die Anatomie des Menschen. II. Das Stelett. IIL Das Mustele und Gefäßfystem. IV. Die Eingeweide. Einzelheft: geh. 1 W., geb. 1,25 M. B. 6. Teubner, Leipzig. Witterungsübersicht vom 6. Februar 1909. morgens 8 br. Stationen Barometer stand mm Wind. Витфр Windstäcke Better ન 6°. 4° R. Zemp. n. E. Il Stationen Baromeler Wind -0 aparanda 753 Bunupia Windſtärke Better Zemp. n. Eminembe 757 NND Samburg 759 NNW Berlin 756 N Franfi.a 763 S München 764 Bien 755 33 4 bededi 4 8 Schnee 3 beded! 2 better -20 3 bedeckt 1 Scilly 4 bedeckt 3 berbeen -1 Petersburg 746 S 768 W 765 WNW 1 Schnee -11 1 moltig 8 2 heiter 2 5 wollig 1 Barts 767 6 2 wollen!-1 Wetterprognose für Sonntag, den 7. Februar 1909. Ein wenig fälter, langsam aufflarend bei mäßigen nordwestlichen Winden, teine erheblichen Niederschläge. Berliner Betterbureau Wafferstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tüft Bregel, Sniterburg eichfel, Thorn Ober, Ratibor . Kroffen Frankfurt Bartbe, Schrimm Landsberg am lett 5. 2. 4.2. cm cm) 205)-3 -23-1 968)-6 266+164 863)+14 203)+1 Basserstand Saale, Grochlig Havel, Spandau) Rathenow) Spree, Spremberg) Beeskow Beser. Münden Minden am feit 5. 2. 4.2. om em¹) 284)+128 75-1 99-1 86+14 80+2 5047)+266 Rhein, Maximiliansau 342+37 Bisartige Drudfehler. Ein tomischer Drudfehler steht in einem badischen Berlagswerkchen, im Starlsruher Hochschultaschen. falender für 1908/09". Da ist unter den Professoren für Archi teftur zu lesen:.b. Dechelhäuser, Dr. Adolf, Gemeiner Hofrat." In einem von dem badischen Ministerialrat Antoni herausgegebenen Theater des Westens. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Bericht über das Hochbauwesen ist vom Meistertitel die Rebe, und Balzertraum. Allabendlich: Der tapfere Solbat.( Anf. 8 Uhr.) Schiller Theater O. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Bolls. ein Gaz foll lauten:" Der Meistertitel gibt feine Gewähr für Tüchtigkeit und Brauchbarkeit." Nun hat ein fataler Drudfehler feind. Abends: Das Erbe. Montag: Die Braut von Messina. Dienstag: Ein Boltsfeind. Mittwoch: Romtesse Gudert. Donnerstag: Ein Bollsjeind. aus dem„ Meister" einen Minister" gemacht, und ein großherzog Freitag: Romteffe Gudert. Sonnabend: Serr Ministerialbirettor. Sonn- lider Ministerialrat ftellt nunmehr bie tühne Behauptung auf: lag: Der Familientag. Montag: Ein Boltsfeind. " Der Ministertitel gibt feine Gewähr für Tüchtigteit und Brauch Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr:| barkeit." Julius Cafar. Abends: Die Zwillingsschivefter. Montag: Ein Boltsseind. Dienstag: Das Erbe. Mittwoch: Das leine Heim. Donnerstag: Das Bom Sturm umgeriffen. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Heute Erbe Freitag: Charleys Zante. Sonnabend: Ein Bollsfeind. Sonntag: nacht gegen 12 Uhr ist die im Bau befindliche Maschinenhalle der Bilhelm Tell. Montag: Das Erbe.( Unf. 8 Uhr.) Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhans. Sonntag: Nach. Gewerbe- Ausstellung 1909 infolge eines orfanartigen Sturmes zu mittags 8 Uhr: Madame Gans Gêne. Abends: Hufarenfieber. Montag fammengestürzt. Berlegt ist niemand. Auch andere Gebäude, welche 242 cm am 4. um 5 hr nachmittags. Borwiegend eisfrei.bis Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Freitag: Rumpacivagabundus. fich im Bau befinden, haben Schaden gelitten. Nee, Bordamm 15e. Leitmerig Dresden Barby Magdeburg 40+4 55) 0 1135-83 16+26 -2+ 176 20+ 10 18+8 Raub Roln 402)+76 148)+52 475+338 Redar, Heilbronn 252+182 470+260 211+116 Main, Wertheim Mosel, Trier Elsstand. Unterbegel Treibels; höchster afferstand: + bedeutet Buchs, fall. Starfer Eisgang. 7) Schwacher Eisgang.) Eisfrei. Oeffentliche politische Versammlungen Dienstag, den 9. Februar, 10 Uhr vormittags in den Lokalen: Hofjäger- Palast, Hasenheide 52-53. Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenstr. 3. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Schöneberg, Rathausfäle, Meininger Str. 8. Drachenburg, Vor dem Schlesischen Tor. Rixdorf, Hoppe, Hermannstraße 48/49. Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. Lichtenberg, Schwarzer Adler, frankfurt.Chanfe 5/6. Obiglos Saal, Schwedter Straße 23-24. Ballschmieders Salon, Badstraße 16. Weißensee, Prälaten, tehder- Straße. Bockbrauerei, Abt. II, Chauffeeftr. 64. Köpenick, Kaiserhof, Grünstraße. Moabiter Prachtsäle, Wiclefftr. 24. Spandau, Böhle, Havelstraße. Tages- Ordnung: Die Arbeitslofen und das Verhalten der Kommunen. Referenten: die Stadtverordneten Dr. Bernstein, Bruns, Dupont, Ewald, Theodor Fischer, Glocke, Koblenzer, Manasse, Ritter, Sassenbach, Schubert, Gottfried Schulz, Dr. Weyl, Wurm und Zubeil Arbeitslose! Erscheint in Massen! Parteigenossen! Sorgt, daß alle Arbeitslosen die Versammlungen besuchen. Der Aktions- Ausschuß. Eugen Eruft, Wöhlertstr. 9. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommiffion. Allwin Körsten, Engelufer 15. Berantwork. Rebatteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchbruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Br. 32. 26. Jahrgang. 5. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Verfammlungen. Sonntag, 7. februar 1909. zahlstellen folgend, ebenfalls der Verwaltung Groß- Berlin ange- 14. Februar aufmerksam. Im Anschluß an den Bericht wies fchloffen hat. Die allgemeine Agitation für den Verband hat trotz Rehbein auf die Tätigkeit des Berliner Arbeitersekretariats hin der ungünstigen Zeit der Wirtschaftskrise ziemlich gute Erfolge ge- und forderte die Anwesenden auf, dafür zu sorgen, daß die Mitbracht. Den ausgesteuerten arbeitslosen Mitgliedern wurde im glieder des Verbandes sich dieses aus Mitteln der organisierten Berband der Fabrikarbeiter. Die Verwaltungsstelle Berlin berflossenen Quartal für weitere 14 Tage Unterstützung aus der Arbeiterschaft erhaltene Institut mehr als bisher zunuze machen. dieses Verbandes hielt am Sonntag im Englischen Garten" ihre nisationsgebiete hat mit dem Lederarbeiterverband stattgefunden Vorschlage der Ortsverwaltung entsprechend, beschlossen, daß den Lokaltasse gewährt. Eine Konferenz zweds Abgrenzung der Orga- Im dritten Punkt der Tagesordnung: Anträge, wurde, einem Generalversammlung ab. Jm Vorstandsbericht führte der Bevollmächtigte C. Bruns aus, daß das verflossene Quartal, ob und zu dem Ergebnis geführt, daß der Fabritarbeiterverband aus Delegierten zu den Generalversammlungen, die es wünschen, das wohl es in die tote Saison fiel, recht viel Arbeit zur Wahrung der medmäßigkeitsgründen auf die Agitation in den Lederfabriken Fahrgeld zurüderstattet wird. Die Neuwahlen der Ortsverwal verzichtet und Neuaufnahmen von Lederfabrikarbeitern ablehnt; tung hatten folgendes Ergebnis: Bevollmächtigter Bruns, Interessen der Mitglieder mit sich brachte. Der Redner berichtete benen, die bereits Mitglieder des Fabritarbeiterverbandes, darf Staffierer Rühle, Revisoren Madaus, Wittstock und dann über eine lange Reihe von Differenzen, die in den verschie selbstverständlich nichts in den Weg gelegt werden, ihrer alten ampe; als Beifiber wurden Rücker und Opik gewählt, wahdenen Betrieben Verhandlungen notwendig machten. Daß zu den Vorarbeiten für einen allgemeinen Tarif der Kunststeinarbeit eine Organisation treu zu bleiben. Eine andere Konferenz, mit dem rend im übrigen für die Vorortsbezirke die dort gewählten Be Kommission gewählt wurde, hat in einer Kunststeinfabrik, Borg- Metallarbeiterverband, bei der es sich um die Gummi- und Schall- zirksleiter als Beisiger der Ortsverwaltung fungieren. mann u. Ko., zu Maßregelungen von Kommissionsmitgliedern führt; die Frage ist den Gewerkschaftsvorständen überwiesen sammlung am Donnerstag einen Vortrag des Genossen Welz plattenarbeiter handelte, hat zu feinem endgültigen Ergebnis geDie Lackiererfektion des Malerverbandes nahm in ihrer Ver geführt. Merkwürdigerweise waren es gerade Arbeiter, die zu den worden. Zwischen den Vertretern des Holzarbeiter, des Buch- entgegen, der über den gelben Sumpf sprach. Der Redner zeigte, ältesten in der Fabrit gehörten und nun plöblich aussehen sollten binder- und des Fabritarbeiterverbandes fand eine Besprechung daß es Organisationen, die zwar nicht als gelb bezeichnet wurden, vegen Raummangel", wie die Firma erklärte. Die offenbare Abficht der Firma, die Organisation in der Fabrit lahmzulegen, ist zur Herbeiführung beſſerer Schußvorschriften gegen die Brand- aber dieselbe Tendenz haben wie die heutigen gelben Vereine, in selbstverständlich nicht erreicht worden, vielmehr das gerade Gegen- gefahren in den Zelluloidwarenfabriten statt. Um wirksamen Resag, bisher Dresdener Straße, in eine Attiengesellschaft über- herbeizuführen, soll am 30. und 31. Mai d. J. in Frankfurt a. M. ins Leben gerufenen Vereine bekämpft werden sollen. Dann kennteil. Dann erwähnte der Redner u. a., daß die Zichorienfabrik von Schuß gegen die Gesundheitsgefahren in den chemischen Betrieben Deutschland schon so lange gibt, wie wir eine klassenbewußte Arbeiterbewegung haben, die eben durch jene von den Unternehmern gegangen und nach Köpenick verlegt ist, womit den Arbeitern auch eine allgemeine Konferenz der Arbeiter dieser Betriebe abgehalten zeichnete der Redner die forrupten Erscheinungen in den heutigen die seinerzeit zugebilligten zehnprozentigen Arbeitsprämien ent gelben Vereinen, welche durch die Veröffentlichung der Lebiuszogen wurden. Um so mehr sollten jetzt die Arbeiter einsehen, daß Die Abrechnung vom 4. Quartal, die gedruckt vorlag, schließt Briefe vor aller Welt an den Pranger gestellt worden sind. fie von dem Wohlwollen des Unternehmertums wirkliche Verbesse- für die Hauptkasse mit der Bilanzsumme von 27 398,05 Mt. Unter In der Diskussion zeigte sich, daß die Lackierer ein besonderes rung ihrer elenden Lohnverhältnisse nicht zu erwarten haben. In den Ausgaben der Hauptkasse sind für Erwerbslosenunterstüßung an Interesse haben, das verwerfliche Treiben der Gelben kennen zu den Berliner Rapidonwerten zu Friedenau ist es, wie arbeitslose Mitglieder 4383,90 M., an frante 6488,30., für lernen, denn in einigen Betrieben, namentlich bei der Großen schon in Nr. 26 des Vorwärts" mitgeteilt, am Sonnabend zu einer Streifunterstütung 526,50 M., für Gemaßregeltenunterstützung Berliner Straßenbahn, wo die Organisation der Lackierer sonst allgemeinen Arbeitsniederlegung gekommen. Dort hat seit un- 541,70 M. An die Verbandskasse wurden 9373,81 M. gesandt. Aus stark vertreten war, sind die Mitglieder entweder in den gelben gefähr sechs Monaten die Organisation immer mehr Eingang ge- der Lokalkaffe, deren Bilanz mit der Summe von 25 251,66 M. ab- Verein gepreßt oder gemaßregelt worden. funden. Die Firma suchte dem zunächst durch Maßregelungen ent- schließt, wurden u. a. 619,30 M. für Arbeitslosenunterstützung aus- Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt war, nahm gegenzuwirken, erreichte aber damit offenbar nur, daß die Arbeiter gegeben. Die Mitgliederzahl war am Quartalsschlusse 6525, unter die Versammlung die Wahl der Agitationskommission vor. Damit um so mehr die Notwendigkeit der Oro isation erkannten. Als ihnen 330 weibliche. Adlershof ist hierbei noch nicht mitgezählt, da die Agitation noch besser als bisher betrieben werden kann, ist nun den Arbeitern dieser Tage Herabse angen der Akkordlöhne zu- der Uebertritt dieser Zahlstelle erst mit dem 1. Januar 1909 erfolgt Berlin in sechs Bezirke eingeteilt worden, und auf jeden Bezirk gemutet wurden, die ihnen unmöglich annehmbar erschienen, be- ist. An den Vorstandsbericht schloß sich eine rege Diskussion, die fommt ein Mitglied der Agitationstommission. Gewählt wurden schlossen sie einstimmig, die Arbeit niederzulegen, und zwar im Ein- hauptsächlich zur Besprechung von Organisations- und Agitations- für den Osten: Drendel, Westen: Rendorf, Norden: verständnis mit der Organisationsleitung. Hinsichtlich der inneren angelegenheiten diente. Sodann berichtete Mensel über die Serum mnom, Nordwesten: Haase, Südosten: Fechner. Verhältnisse der Organisation ist vor allem bemerkenswert, daß die Sizungen und Beschlüsse der Gewerkschaftskommission und machte Bahlstelle Adlershof sich nun, dem Beispiele der anderen Vororts- besonders auf die bevorstehende Arbeitslosenzählung am 12. und BERLIN 0= Gr. Frankfurter Str. 126 werden. S. WEISSENBERG = BERLIN 0Gr. Frankfurter Str. 126 Größtes Spezial- Geschäft des Ostens für Damen- Kleiderstoffe. Sonderangebot zur Einsegnung! 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