Ztr. 33. IHoimeiMDte'BcdliwniseB: ■BstmementS- Breis ptimnnrtmtfc», Sieneljährl. 3,80 MI. monafl. l.!0 ÜRf, wöchentlich 28 Lsg, frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Lsg, EonniagS- nunimcr mii tlluirrierter SonnlagS- Beilage.Die Reue«-»* 10 Big,«oft» Abonnement: LIO Mark pro Monat. Eingetragen in die Loil.zeitungS. Prel-lilie. Unter Kreuzband tür Deunchland und Oeslerreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark bro Monat,«ostabonnemems nebmen an: Lelgien. Dänemark, Holland, Italien. Luzemburg. Lonugal, kumänten. Schweden und die Schweig. vtchst« a«Ni» nie» Braaat. 26. Jahrg. Verlinev Volksblatk. VIe fasertlonz-Ledill»» beträgt kür die icchsgelpaliene Kolonel» zeile oder deren Raum SO Lsg., für volitilche und gewerklchasiliche Vereins« und Lerlammlungs-Anzeigen 30 Lsg. „Aleine Snreigen". das erste(seil- gedruckte l Wort 20 Lsg,, ledeS weitere Wort l0 Lsg, Stellengeillche und Echlas« stellemAnzelgen das erste Wort l0 Lsg» scdeS weitere Wort S Lsg, Worte über lb Buchilaben züdlen für zwei Worte. Inierate iür die nächste Nummer müssen bis ii Uhr nachmittags in der Ervediston abgegeben werden. Die Srredinon ist biS? Uhr abends gedssnet. Delegramm. Adresse: „SOZUIdtniolint sseeitn". Zentralorgan der rozialdemohratirchen Partei Deutrcblands. fUdahtiom SA. 68. Lindcnetrasec 69. Aernsvrcctter: Am» IT. Nr. 1983. Gegen das flusnaljmegefetz. Im Reichstage hat der Staatssekretär des Innern, Herr v. Bethmann-Hollweg sich entschieden gegen den Verdacht ge- wehrt, daß die Regierungen an„Ausnahmebestimmungen gegen die Sozialdernokratle" dächten, �zn derselben Rede aber hat Herr v. Bethmann-Hollweg ein Ausnahme- gesetzschlimm st erundgehässig st erArtange» kündigt. Darauf kommt in Wahrheit die Vorlage zur Reform der Arbeiterversicherung nach den eigenen Angaben des Ministers hinaus. Soll doch das Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter in den Ortskrankenkassen beseitigt, das Selbstver- waltungsrecht der U n t er n e h m e r dagegen in den Berufs- genossenschaften im wesentlichen beibehalten werden. Der arbeiterfreundliche Herr kündigte mit der freundlichsten Miene von der Welt an. daß den Arbeitern der entscheidende Einfluß auf die Verwaltung der Qrtskrankenkassen entrissen werden soll, daß die Arbeiter in Zukunft nur noch die Hälfte der Mitglieder in den Generalversammlungen und in den Kassenvorständen entsenden und unter die Vormundschaft eines angeblich unparteiischen Vorsitzenden gestellt werden sollen. Dagegen ging der Herr mit überaus vorsichtigen all- gemeinen Redewendungen um die Frage herum, ob das neue Gesetz auch nicht auch einigen Wünschen der Arbeiter in bezug auf die Festsetzung der Unfallrenten„gerecht werden kann." Davon, daß die Arbeiter zur Mitarbeit bei der Leitung der Berufsgenossenschasten herangezogen werden sollen, sprach er überhaupt nicht. Das kommt für die Regierungen gar nicht in Frage. In den Berufsgenossenschaften sollen die Unter- nehmer die allein maßgebenden Herren bleiben. Die freien Hilfskafsen, auch die, die sich aufs beste be- währt haben, sollen nicht mehr als voll berechtigte Kassen gellen und zu Zuschußkassen unter der Aufsicht des Reichs- amtes für Privatversicherung degradiert werden. Die Betriebs- und Jnnungskrankenkassen dagegen. die nur zu oft zu den bittersten Beschwerden der Arbeiter Anlaß gegeben haben, sollen erhalten bleiben. � Mit diesem schmählichen Ausnahmegesetz sollen dte Ar- heiter dadurch möglichst versöhnt werden, daß die Zwangs- beitrüge der Arbeiter von% auf% der Gesaintbeiträge herabgesetzt werden. So töricht sind jedoch die Arbeiter im Zeitalter des Zollwuchers nicht, daß sie sich durch einen solchen Schwindel irreführen lassen. Sie haben nachdrücklichst er- klärt, daß sie gar nicht daran denken, für das Linsengericht das Selbstverwaltungsrecht zu verkaufen. Dennoch soll ihnen dieser Verkauf aufgezwungen werden. Bezeichnend ist es, daß der Minister auch nicht ein ein- ziges Wort fand, um die geplante Entrechtung der Arbeiter zu rechtfertigen. Offenbar schämte er sich, die alten Schauer- geschichten von den fürchterlichen Mißständen in den«sozial- demokratischen" Krankenkassen von neuem vorzutragen. Denn die Verhandlungen im Reichsamt des Innern haben ja auch ihm gezeigt, wie unbegründet ein solches Geschwätz gegen die jetzige Verwaltung der Ortskrankenkassen ist. Wie kommt er aber nach diesem Ergebnis der Verhandlungen im Reichs- amt des Innern dazu, die Entrechtung der Arbeiter in bezug auf die Verwaltung der Ortskrankenkassen zu fordern? Ueber die arbeiterfeindliche Praxis der Berufs- genossenschaften haben die Vertreter der Arbeiter in jenen Verhandlungen„in sehr ausführlicher Weise", wie der Minister selbst aus der Schule plauderte, berichtet. Das hat aber die Regierungen durchaus nicht veranlaßt, gegen das Selbstverwaltungsrecht der Unternehmer in den Be- rufsgenossenschaften vorzugehen, �m Gegenteil entrüstete sich der Staatssekretär gar gewaltig über die„ganz unge- heuerliche Verallgemeinerung", die darin liege, daß die Sozialdemokraten„darum, weil Beschwerden vorkommen", die Alleinherrschaft der Unternehmer in den Berufs- genossenschaften bekämpfen. Also hier, wo es sich um das Selbstvcrwaltungsrecht der Unternehmer handelt, dieser große Eifer gegen eine gründliche Aenderung, obgleich nur zu viele und nur zu gut begründete Beschwerden vorliegen— in den Krankenkassen aber soll unbedingt ein Ende mit der Selbstverwaltung der Arbeiter gemacht werden, die sich als das beste Mittel zur Förderung der Fürsorge für die kranken Arbeiter bewahrt hat. Kann es ein schlimmeres Ausnahme- gesetz geben als dieses, das, um nur die Arbeiter zu entrechten, nich k einmal Rück- ficht auf die Fürsorge für die erkrankten Arbeiter nimmt? Aber noch mehr! Gerade jetzt treten dte Regierungen mit einer solchen Vorlage an die Oeffentlichkeit— gerade jetzt, da die bürgerlichen Parteien im Begriff sind, dem arbeitenden Volke trotz seiner schlimmen Notlage infolge der wirtschaftlichen Krise neue indirekte Steuern aufzuerlegen. Die Arbeiter sollen immer mehr ausgebeutet werden und sich zum Lohne dafür immer tiefer unter daS Joch der �Achtlosigkeit beugen. Kann es eine schmählichere Pro- vokation der Arbeiter geben? Diese schwere Schädigung, diese Schmach und Schande mutz die Arbeiterschaft unter allen Umständen von sich Expedition! SM. 68, Landenstrasse 6g, Fernsprecher: Amt IT Kr. 1984. fernhalten. Ein einstimmiger Protest der g e- samten Arbeiterschaft muß die Antwort auf die Vorlage der Regierungen sein. Mit gemeinsamen Kräften muß die gesamte Arbeiterschaft den Kamps gegen das neue Ausnahmegesetz aufnehmen und ihn mit immer größerem Nachdruck führen, bis die Regierungen mit ihrem neuesten Attentats auf eins der wichtigsten Arbeiterrechte ebenso kläg- lich scheitern, wie es bei der Zuchthausvorlage der Fall ge- Wesen ist._ £)d Besuch. Heute kommt der König von England als Gast des deutschen Kaisers nach Berlin. König Eduard reist seltener zum Vergnügen als in Geschäften. Aber diesmal dürften Geschäfte eine geringere Rolle spielen, wenn damit auch gewiß nicht gesagt sein soll, daß diese Reise deshalb für den englischen König ein Vergnügen ist. Die Stimmen, die sonst bei jeder monarchischen Begegnung nicht laut genug die historische Bedeutung des Augenblicks anpreisen können, sind diesmal um vieles stiller und iin Gegensatz zu den gewöhnlichen Ueberschwenglichleiten des KanzlerblattcS klingt eS auffallend lühl, wenn die»Nordd. Allg. Zeitung" in einer kurzen Bcgrüßungsnotiz schreibt: .Die Kundgebungen freundwilliger Gesinnung und verwandtschaftlicher Zuneigung, zu denen der Besuch willkommenen Anlaß gibt, werden eine Ermutigung für alle sein, die in Deutschland und in England bemüht sind, einer Entfremdnng zwischen den beiden Reichen eulgegenzuwirken und die deulsch-engtischen Beziehungen in sichere Bahnen zu lenken. Mehr als je werden sich die Freunde eines guten EiiiveriiehmenS diesseits wie jenseits deö Kanals überzeugen, daß auS dem persönlichen Ber- hältniS des Monarchen ihren Bestrebnugen keine Schwierig» keit erwächst. Freilich wird eS noch unverdrossener Aufklärungsarbeit bedürfen, um das Ziel zu erreichen, das in der Sichening einer auf gegenseitige Werlschätzung begründeten Freundschaft zwischen den beiden großen Kulturvölkern vor- gezeichnet ist. Aber auf dem Wege dorthin möge der Besuch des britischen KönigSpaareS und der Empfang, den Deutschland Ihren Majestäten bereitet, einen Fortschritt bringen." Ein offiziöses Blatt kann bei solchem Anlaß wohl kaum weniger sagen. Es konstatiert die.Entfremdung zwischen den beiden Reichen", der entgegenzuwirken eS der„Ermutigung" bedarf. Die deutsch-englischen Beziehungen sind in.sichere Bahnen" zu lenken, sind also vorläufig noch unsicher. Das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht, bedarf vielmehr.unverdrossener Aufklärungsarbeit". für die das persönliche Verhältnis der Monarchen.keine Schwierig- keit" bietet; eine Hervorhebung, die fast vermuten lasten könnte, daß an solche auS dem persönlichen Verhältnis entsprungene Schwierigkeiten früherer Tage erinnert werden sollte. Nun läßt sich ja diese auffallende Sprache gewiß zum Teil auS innerpolitischen Gründen erklären. Für die Erledigung der Finanzreform ist ein bißchen Pessimismus in der Beurteilung der auswärtigen Lage ganz nützlich. Das.Nachlaufen hinter England" hat gewiffe einflußreiche Kreise— besonders seitdem durch daS .Daily Telegraph"-Jnterview die Einzelheiten der kaiserlichen Politik so grell beleuchtet wurden— sehr verstimmt und nach dem Debacle unserer auswärtigen Politik in den Novembertagen hat Fürst Bülow um so lieber die Gelegenheit benützt, um zu beweisen, daß er die Würde Deutschlands zu wahren wisse. Aber trotzdem bleibt der Pessimismus deö KanzlerblatteS sehr beachtenswert, der im auffallenden Gegensatz steht zu jenem optimistischen und unwahrhaftigen Gerede, das Bülow im Reichstag über auswärtige Politik zu produzieren pflegt. Freilich ist auch hier daS Wichtigste nicht gesagt. Denn daß an den Schwierigkeiten der deutschen auswärtigen Politik vor allem die deutsche Regierung die Schuld trägt, wird nalür- lich verschwiegen. Als die letzten Wahlen den englischen Liberalen den Sieg brachten und Campbell-Bannerman an die Spitze der Regierung trat, suchte dieser alte Gegner des JmperialiSinus daS Versprechen seiner Partei, die Rüstungen einzuschränken, wahr zu machen. Auf dem internationalen Friedenskongreß im Haag schlug er ein Uebereinkommen über die Beschränkung deS Flottenbaues vor. Er scheiterte vor allem an der brüsken Ablehnung der deutschen Regierung. Noch zweimal suchten die eng- tischen Liberalen, für die ein Erfolg in der AbrüstungSfrage eine Lebensnotwendigkeit war. zu einer Verständigung mit Deutschland zu gelangen. Bei dem letzten' Zusammen- treffen Eduards mit Wilhelm II. in Cronberg suchte Sir Hardinge. der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, daS Abrüstungsproblem zu erörtern. Er wurde von Wilhelm II. abschlägig beschieden. Und zum dritten Male versuchte der englische Minister Lloyd George in diesem Sommer mit der deutschen Regierung eine neue Verhandlung anzubahnen und wieder wurde jede Auseinandersetzung zurückgewiesen. Und Bülow hat sich noch in seiner aufgeblasenen Selbstgefälligkeit dieser Politik im Reichstage gerühmt. Vergeblich haben die So- zialdemokraten. die auch in diesem Fall die wahren Anwälte der Jntereffen der überwältigenden Mehrheit der deutschen Nation waren, gegen diese aberwitzige Politik protestiert, vergeblich haben sie immer wieder gewarnt. � Die Folgen aber, die die Sozialdemokratie dieser Politik vorausgesagt hat. haben sich rascher erfüllt, als man ahnen konnte. Das Scheitern der AbrüstungSpolitik brachte innerhalb der liberalen Partei den imperialistische» Flügel ans Ruder und stärkte die Agitation der Konservativen im höchsten Maße. Die Abweisung Deutschlands festigte das Bündnis Englands und Frankreich, das die törichte Marolkopolitck sicher unzerreißbar gemacht hat; Eduard ging nach Reval. und Rußland gehört heute zum englischen Konzern, dem Spanien und Portugal angehören, der die Sympathien der Nord- staaten, wie die Hollands und Belgiens genießt, und unter dessen Einfluß die Türkei und die kleinen Balkanstaatcn stehen, während Italien den Dreibundvertrag nur als Mittel betrachtet, beim Ueber- tritt zu den Wcstmächlen günstigere Bedingungen zu erhalten. Es istdieVerblendungderdeutschenRegierungspolitik, der Größenwahn, zur stärksten Armee die stärkste Flotte hinzufügen zu können, der Deutschland in die gefährliche Isolierung hineingetrieben hat, in der eS sich befindet. Und das Unheil dieser Politik ist noch nicht abzusehen. Die Stellung der Liberalen in England ist schwer erschüttert. Die deutschen Flottenbauten haben in England die chauvinistische Agitation entflammt, die ganz noch dem Muster des deutschen Flottenvereins organisiert ist. Kaum nützt es noch den Liberalen, daß sie in Wirklichkeit imperialistische Politik machen. daß sie das Programm der RüstungS- einschränkung aufgeben; die Aussichten der Konservativen, der konsequenten und rücksichtslosen Vertreter deS kapitalistischen Imperialismus, wachsen immer mehr, und waS vor einigen Jahren den meisten noch undenkbar schien, ist heute nahe Gefahr: Der U ebergang Englands zum Schutzzoll und zur allgemeinen Wehrpflicht steht vor der Türe. Die schlechte Führung unserer auswärtigen Politik endet so in einer kolossalen Machtverstärlung Englands, das durch die Schuld unserer Regierung fast ganz Europa um sich vereinigt hat. und be- reitet in England eine Handelspolitik vor, die über die deutsche Industrie und damit über die deulsche Arbeiterklaffe eine schwere Gefahr heraufbeschwört. Fürwahr erbärmlich� Resultate einer erbärmlichen Politik! Die Unfähigkeit der deutschen auswärtigen Politik hat neben ihrer offen zutage liegenden, auch ihre Geheimgeschichte. Im„V.T." enthüllt heute Herr Theodor Wolfs aus dieser einige Abschnitte. Er erzält, daß Chamberlain, damals der eigentliche Leiter der englischen Politik, kurz nach Beginn des Burenkrieges, Ende 1899, der deutschen Regierung bestimmte Vorschläge zur Herbeiführung einer dauernden Einigung gemacht hat. Der Vorschlag scheiterte, aber Chamberlain bor 1901 der deutschen Re- gierung ein formelles Bündnis an. England müsse sich zur Sicherung seiner Kolonien einer der beiden Festlandsgruppen an- schließen. Chamberlain sagte voraus, daß ein Scheitern der deutsch- englischen Verhandlungen zu einer Entente mit Frankreich und Ruß- land führen werde. Er offerierte den Beitritt Englands zum Dreibund, mit Ratifizierung durch das Parlament, und erklärte, daß der oasus foederis eintreten sollte, sobald eine der vertrag- schließenden Parteien von zwei Seiten angegriffen würde. Die deutsche Regierung aber ließ den Plan an einem Streit um die— Erhöhung der chinesischen Seezölle scheitern! Wenn König Eduard, auch diesmal von Sir Hardinge be- gleitet, nach Berlin kommt, so wird er die Verhandlungen über die Einschränkung des Flottenbaues, die dreimal gescheitert sind, nicht zum vierten Male aufnehmen. Mit Befriedigung können die imperialistischen und deutschfeindlichen„Times" konstalicren, daß eS zwischen Deutichland und England nichts zu verhandeln gäbe. Ganz andere Zeichen gehen diesem Besuche voraus. England verstärkt seine Flottenmacht in der Nordsee, schafft an der Deutsch- land zugekehrten Küste eine neue Flottenbasis und die Forderungen der Admiralität, die sechs neue DreadnoughtS verlangt, sind vom liberalen Ministerium genehmigt. Bülow hat gesiegt: dem Wettrüsten ist keine Schranke gesetzt, Moloch verschlingt hüben und drüben alle Mittel, das Defizit wird verewigt, die Isolierung Deutschlands bleibt bestehen, die Gegensätze spitzen sich zu und bald werden die Konservativen, die lachenden Erben des englischen Liberalismus, die deutsche Regierung preisen dürfen, die ihnen den Sieg bereitet. Leidtragender dieser Politik ist aber vor allem daS deutsche Proletariat, das diese Unfähigkeit mit der Gefährdung des Friedens, mit immer steigender Steuerlast zu bezahlen hat. Die deutsche Arbeiterschaft weiß, daß das englische Volk ebenso- wenig feindliche Gefühle gegen das deutsche hegt, wie dieses gegen jenes. Wir wissen, daß das deutsche Volk auch in der aus- wärtigen Politik nur einen gefährlichen Feind hat. der besiegt werden muß: Es ist die U n f ä h i g k e i t d e r d e u t s ch e n R e g i e r u n g. iigrariiche Avverschämthelt! Die„Deutsche Tages-Ztg." nennt die Ergebnisse der letzten Benisszähliing vom 12. Juni 1907„warnende Zahlen". DaS Vündlerblatt wehklagt darüber, daß der Anteil der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung an der Gesamt- bevölkerung seit dem Jahre 1895 wiederum erheblich geringer geworden, nämlich von annähernd 42 Proz.(1882 waren es sogar noch beinahe 50 Proz.) auf 33,83 Proz. zurückgegangen ist. Daß die landwirtschaftliche Bevölkerung heute in Deutsch- land nur noch ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus- macht, läßt das Organ der Brot- und Fleischivucherer die furchtbarsten Schreckbilder für die nationale Zukunft Deutsch- lands an die Wand malen. Die landwirtschaftliche Bevötke- rung sei der Kern der deutschen Bevölkerung. Ohne eins zahlreiche kaufkräftige Landwirtschaft keine gedeihliche Industrie» entivickelung; ohne starken Bauernstands keine starke Wehrkraft. Der Rückgang der Landwirtschaft bedeute tatsächlich einen „Rückgang des Gesamtvolkes, des Reiches, des Staates, der Volksgesundheit, der Volksseele". Dauere der Rückgang der Landwirtschaft (will heißen der Kopfzahl der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung) an.„dann steht für daS Gesamtvolk alles auf dem Spiele". Folglich sei ein Verstärker„Schutz der Landwirtschaft", eine erhöhte AnZtvuchernng dcö BolkeS durch Agrarzölle, durch Grcuz- sperre» usw. notwendig! Es gehört die ganze Unverfrorenheit unserer Krautjunker dazu, solch dreisten Unsinn und solche Provokationen der großen Mehrheit des deutschen Volkes zu Papier zu bringen I Die Entivickelung der deutschen Industrie, die ganz naturgemäß eine Verschiebung der Bevölkerung zuungunsten der Land- bevölkerung mit sich bringt, soll einen„Rückgang des Geiamtnolkes" bedeuten! Die Zahlen der Statistik' be- weisen gerade das Gegenteil I Als die deutsche Industrie noch in den Kinderschuhen steckte, war es um die Volksvermehrung viel schlechter bestellt. In den 3<.> Jahren 1849—1878 vermehrte sich innerhalb der heutigen Rcichsgrenzen die Bevölkerung von 35 auf 44 Millionen, also um 9 Millionen, d. h. um 26 Proz. Infolge der EntWickelung der Technik und der Ent- faltung der Industrie vermehrte sich die Bevölkerung des Deutschen Reiches in den 30 Jahren 1879—1908 von 44 auf 63 Millionen, also um 19 Millioue» oder 44 Proz. Erst die EntWickelung der deutschen Industrie hat die gewaltige Vermehrung des deutschen Volkes ermöglicht. Zum Teil dadurch, daß sie die Auswanderung, die zur Zeit des überwiegend agrarischen Charakters Deutschlands Un- massen Deutscher über das Meer führte, gewaltig ein- zudammen vermochte. 1872 wurden 3,30 Proz. des deutschen Volkes übers Meer getrieben, 1838 noch 2,16 Proz., 1907 nur noch 0,5 Proz. l Noch in den 20 Jahren 1871—1890 mußten 1955000 Personen sich im Ausland eine Existenz suchen, in dem Jahrzehnt 1898—1907 nur noch 273 000 Personen! Das nennt das Organ unserer Brotwucherer ewen„Rück- gang des Gesamtvolkes"! Dieser Rückgang soll nun auch darin bestehen, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung das„Reservoir gesunder Volkskraft" darstelle, ohne das die Nation an physischer und geistiger Kraftlosigkeit verkonunen müsse. Und um diese Prophezeiung zur Wahrheit zu machen, verlangt das Agrarierorgan erhöhte Ansplündermig der industriellen Volks- Massen durch potenzierte aararische VoltSanSwuchcruug. Damit die 25 669 Großgnlndbefitzer. die nicht weniger als ein reichliches Viertel der gesamten landwirt- schaftlich benutzten Fläche des Reiches besitzen, sich noch reichlicher vom Marke des Volkes mästen können, soll der Brot- und Fleischwucher noch rücksichtsloser von Staats wegen organisiert werden! Welch widersinnige Frivolität! Die Masse des Volkes hat gerade in Anbetracht der Ergebnisse der neuesten Berufszählung daS Recht, Beseitigung der agrarischen Volksausplünderung. Abwälzung der Steuern auf die zahlungsfähigen Schultern in Stadt und Land und einen energischen Ausbau der sozialen Gesetzgebung zu fordern! Denn von der gewerblichen Hygiene, von der Hebung der Konsumkraft der breiten Masse, d. h. der Industriellen Arbeiterschaft, ganz allein kann eine Hebung der Volkskraft erwartet werden! Das nachiaßHeucrltonippomiß. Verschiedene liberale Blätter wußten in den letzten Tagen zu melden, daß mit ziemlicher Sicherheit auf eine plötzliche Auflösung des Reichstage» oder zum mindesten aus einen Rücktritt des Reichs- kanzlers und des Reichsschatzsekretärs zu rechnen fei, da die finanz- politische Lage durch die Steuerablehnungen w der Reichssteuer- kommission so zerfahren sei, daß sich kaum noch Aussicht auf eine Lösung der gestellten finanziellen Aufgabe biete. Roch wäre nicht ein einziger fester Grundstein für den ReichSfinanzreformbau gelegt; einer der Sydowschen Steuervorschläge nach dem anderen würde von der Kommission verworfen, so daß sich bereits ein wüster Trümmerhaufen verworfener Projekte ansammle. Dazu käme nun noch der scharfe Widerstand der Konservativen gegen die Nachlaß- steuer. Wir haben diese Gerüchte von vornherein für bloße Kom- binationen phantasievoller Politiker genommen, und ihnen deshalb «eine Bedeutung beigemessen. Und tatsächlich sind fie denn auch heute bereits verstummt. Selbst jene Blätter, die noch vorgestern von einer angeblich bevorstehenden Reichstagsauflösung phantasierten. gaben heute in der bekannten verklausulierten Form die Unwahr- scheinlichkeit ihrer Meldung zu. Die gegenwärtige Lage ist allerdings für die Regierung so peinlich wie nur irgend möglich, haben doch nicht nur der Kanzler und Herr Sydow bis in die letzten Tage mit dem Aufgebot der schönsten Phrasen an die patriotische Opferwilligkeit der Konservativen appelliert, sondern auch verschiedene einzelstaatliche Finanzminister haben die Nachlaßsteuer als eine der Grundbedingungen der Reichs- finanzreform bezeichnet. Aber in so fataler Lage fich auch die Regierung inmitten der fie umgebenden Steuertrümmer fühlen mag, so viel Erkenntnisvermögen besitzt fie doch noch, um zu begreifen, daß ein Appell an das deutsche Volk diesmal für sie mit einer Niederlage enden würde. Die Forderung von 600 Millionen neuer Reichssteuern ist sicherlich keine die sogenannte nattonale Be- geisterung entflammende Wablparole, und überdies hat die Re- gierung bisher keinen der schönen Wechsel eingelöst, die fie bei der letzten ReichStagSwahl ausgestellt hat. Anstatt der großzügigen Kownialpolittk, der Wahrung der ausländischen Interessen, der Wirt- schafttichen Prosperität ist die Wirtschaftskrise eingezogen und preßt das deutsche Wirtschaftsleben nieder. Andererseits aber ist auch den Konservativen nicht wohl bei dem Gedanken an eine ReichStagSauflösung und einen Wahlkampf, in dem die Frage der Nachlaßsteuer eine vichnge Rolle spielt. Mag Herr Oertel sich unter der bekannten Kognakmarke iinmerhin in de? „Deutschen Tageszeitung" alz modernen AchilleS gebärden und ver- künden, daß wenn bei einer ReichStagSauflösung die Nachlaßsteuer zu einem WahlagitationSmittel werden sollte, die Konservativen der Parole die Fassung geben würden:„Nachlaßsteuer oder Steuer auf übermäßigen, mühelosen Gewinnl", so ist doch den Konservattven ein W�hlkampf unter oen heuttgen Umständen höchst unangenehm, und zwar um- somehr. als fie in diesem Kampf weder auf eine kräftige Unterstützung des Blockfreisinns, noch des Zentrums rechnen könnten; denn so sehr auch daS Zentrum nach der Wiedergewinnung seiner früheren Stellung wachtet, sich mit dem Odium der Reichsfinanz- reform zu belasten, verspürt es wenig Neigung. Wenn es ginge, würde sicherlich die Reichsregierung geme die Nachlaßsteuer fallen lassen; aber die ihr dafür angebotene Erhöhung der Matcikularbeiträge und die NeichsvermögenSftcuer sind für sie nicht akzeptabel, wenigstens nicht in der vorgeschlagenen FormundHöhe, da die deutschen Einzelstaaten fich größten- teils selbst in den ärgsten Finanzschwierigkeiten befinden und ihren Regierungen vom Reichskanzler die bestimmtesten Zusicherungen ge- groon sind, daß sich die ReichSregierung auf eine Reichsvermögens- j-euer und eure wesentliche Erhöhung der Matrikularbeiträge in keinem Fall einlassen werde. So blieb für die Regierung wie für die Konservattven nur übrig, hinter den Kulissen die Berhandlmtgen über ein Kom» promiß wieder aufzunehmen. Deshalb auch der Antrag der Kon- servativen in der Finanzlommission, die Abstimmung über den§ 1 de? Nachlaßsteuer- Entwurfs vorläufig auszusetzen bis nach der Durchberatung der ganzen Nachlaßsteuer, eventuell sogar bis nach derErledigung der übrigenSteuer- vorlagen. Man will Zeit gewinnen für die Schachermache i. In Anbetracht ihrer WiderstandSnnfähigkeit gegen konservative Ansprüche ist eS keineswegs ausgeschlossen, daß die liberalen Block- Parteien sich dazu verstehen, erst einige indirekte Steuern in der Kommission zu beraten, bis da? Kompromiß über die Nachlaßsteuer perfekt ist. Wird die Nachlaßsumme, bei �er die Steuer beginnt, hinausgesetzt, der Steuersatz für Kinder und Ehegatten ermäßigt, werden ferner den Agrariern bei der Steilerberechnung und Steuerzahlung weitere Privilegien eingeräumt, und ihnen andererseits bei der Branntwein- steuer oder bei anderen Vorlagen ansehnliche Vorteile geboten, so werden fie sich schließlich doch dazu entschließen, dem„teueren Varerlande' das Opfer zu bringen und die Nachlaßsteuer zu be- willigen. Natürlich müssen die Vorteile, die sie auf anderen Gc- bieten erlangen, dieser vaterländischen Aufopferung entsprechen; denn für nichts, ist nichts. Abfallen muß beim Handel für die Junler etwas, und nicht zu wenig._ fldclf Stöclier. Der„Hofprediger aller Deutschen', wie ihn einstmals ein enthufiasttscher Anhänger genannt, ist, wie eine Nachricht aus Bozen meldet, am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben. Polittsch war Stöcker schon längst eingesargt. Seine eigentliche Glanzzeit waren die siebziger und achtziger Jahre, wo er ver- suchte, der mächtig aufstrebenden sozialdemokrattschen Partei durch einen antisemitisch ausgeschmückten und dadurch für naive Gemüter anttkapitalistisch scheinenden sogenannten„christlichen Sozialismus" den Boden abzugraben. Aber diese Versuche scheiterten kläglich an der gesunden Einsicht der deutschen Jndnstricarbciterschast, die hinter der Pseudvsozialistischen Judeufresserei die muckerisch- reaktionären Tendenzen dieses christlichen Sozialismus deutlich er- kannte. Als Stöcker mit seiner Demagogie bei den Wahlen kläglich ge- scheitert, versuchte er seine psäffischen Ränke auf höfischem Gebiete. Von der Thronbesteigung Wilhelms El. erhoffte er als Verbündeter WalderseeS und des später so schmählich gescheiterten Hammer- stein eine Förderung seiner muckerisch-militaristisch-feudalen Idole. AlS seine Hoffnungen fich nicht auf dem geraden Wege der Person- lichen Beeinflussung deS jugendlichen Thronfolgers erreichen ließen, nahmen er und seine Freunde ihre Zuflucht zu jenem perfiden Ränkespirl, daS jener berüchttgte Scheiterhaufenbrief, den seinerzeit der Vorwärts veröffentlichte, so vortrefflich veranschaulichte. Auch diese auf das höfische Parkett übertragene Demagogie endete mit einem glänzenden Fiasko. Hammcrftein endete im Zuchthaus, Waldersee als Opcretten-Gencral und Stöcker selbst brachte eS nicht einmal zum O b e r Hofprediger, sondern mußte sich für den Rest seiner Tage mit den zweifelhaften Ehren und Erfolgen eines Führers der synodalen Orthodoxie begnügen. Im Reichstag und Landtag durste er sich gelegentlich noch als Paradeprediger der Jimlerei und Muckerei des Beifalls der Reaktton ersteuen; eine polittsche Rolle jedoch hat er nicht mehr gespielt. In seinen letzten Tagen mußte er sogar noch den Schmerz erleben, daß sein Testamentsvollstrecker, der Lizentiat Mumm, tn seinem ehemaligen Wahlkreise von dem nationalliberalen Gegenkandidaten zur Strecke gebracht wurde. Der Kampf ums Wahlrecht. Kundgebungen in Preuhen. Auch der letzte Sonntag, der 7. Februar, hat in einigen Orten Preußens noch Demonstrattonm gegen das Dreiflassenunrecht ge- zeittgt. In El b i n g kam eS nach einer Versammlung, w der Gewerl- schaftssekretär T r i l s e sprach, zu umfangreichen Demonstrationen in den Sttaßen der Stadt, besonders vor der Redaltion der konser- vattven.Elbinger Zeitung". Me Polizei nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Unter anderen wurden die Leiter der Elbinger Parteibewegung, die Genossen Schröder und M a t t e r n, verhastet, ebenso Genosse Trilse. Im Waldenburger Kohlenrevier fanden vier stark besuchte Volksversammlungen statt. Die Besucher der Versammlung in Altwasser zogen nach Schluß der Versammlung nach Waldenburg auf den Kaiser-Wilhelm-Platz, wo vor dem Rathaufe Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht aus- gebracht wurden. Der Bürgermeister mochte anfänglich der Meinung sein, daß ihm Pattioten eine Ovation brächten, denn er erschien am Fenster und zog dankend seinen Hut.— Die Demonstranten zogen dann— unter Abfingen der Marseillaise und Hochrufen auf daS Wahlrecht— nach dem Marktplatze, wo die Demonstratton fort- gesetzt wui'de. Die Polizei verhielt sich im allgemeinen ruhig; fie verhaftete nur einen Hochrufer und notierte einen anderen. Wahlrechtsdemonftrationen in Elsast-Lothringea- Auch in den Reichslanden hat daS Proletanal den Kampf gegen daS schlechte LandtagSwahlrecht eröffnet. Am Sonntag wurden in allen größeren Städten Elsaß-Lothringenö Kundgebungen für das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht veranstaltet. Die Einzel- Meldungen lauten: In Mülhausen fanden am Vormittag S Uhr 9 Gewerk« schaftsversammlungen statt, worauf sich auf dem Franllinvlatze vor dem Lokale, in weichem ReichStagSabgeordneter Emme! sprach, die Teilnehmer zum Demonstrationszuge durch die Stadt sammelten, der stw nach Schluß dieser Versammlung um II Uhr in Bewegung setzte. Er durchzog die innere Sradt und löste fich mittags auf der UcberdcckungLftrecke des Jll-HochwafierkanalS zwischen Älistadt und Arb-itertnencl aus. An dem Zuge, der die b e h ö r d- liche Genehmigung unter der Bedingung erhalten hatte, daß zwar der S o z i a l i st e n n- a r s ch, nicht aber die M a r s e i ll a i s e von der Mustk gespielt werden dürfe— gegen daS Siugen der Ar» beitermarseillaise hatte die Polizei nichts einzuwenden— beteiligten sich fünf- bis sechstausend Personen. Die Kundgebung verlief, da sich die massenhaft aufgebotene Polizei taktvoll und zurück- haltend verhielt, tn Ordnung und ohne jeden Zwischenfall. Merk- würdigerweise war ttotz der polizeilichen! Genehmigung des Umzuges das Militär in den Kasernen konsigniert. Die Betriebsverwaltung der Reichseisenbahnen hatte den Arbeitern und Angestellten die Teilnahme an dem De- monsttattonSzuge ausdrücklich durch Anschlag verboten. Die Demonstratton in Strahburg verlies glänzend. An der Versammlung nahmen etwa 2500 Personen teil. Der Zug wurde von einer Menge von 8000 bis 4000 Personen ge- bildet. Auch die Arbeiterschaft aus den benachbarten Orten be- teiligte sich. Den Eisenbahnarbeitern wurde wie in Mülhausen von der Verwaltung verboten, sich an der Demonstration zu beteiligen. In Colmar nahmen etwa 8000 bis 4000 Personen an der Versammlung. 1000 Personen am Zuge teil. Ferner fanden Demonstrattonen statt: in Bischwetler,' Hagenau, Markirch(Wahlkreis RappoltSweiler), Grafen« ftaden, Saargemünd, Spittel und Metz. In allen Versammlungen wurden Resoluttouen angenommen, die das allgemeine Wahlrecht zum LandeSauSschuß fordern; fi- sollen an den Reichstag geschickt werden. ßlolitifcke Qeberncbt. Berlin, den 8. Februar 1909. Das Koalitiousrccht im Bergbau. Aus dem Reichstage, 8. Februar. In der Fort- fuhrung der Sozialdebatie kam es zu lebhaften Auseinander- setzungen über das Koalittonsrecht der Arbeiter und Beamten im Bergbau. Der Abg. Naumann(frs.) wies eingehend nach, daß von einer ungehinderten Ausübung des Koalitionsrechts weder bei den Arbeitern noch den Beamten die Rede sein könne. Der Zcchenverein im Ruhrgebiet nehme die Machtstellung einer Territorialmacht ein, die am Werk sei, ihre Arbeiter zu willen- losen Hörigen zu degradieren. Ein ivirklicher Kontrakt zwischen Gleichgestellten sei das nicht, wenn der arbeitsuchende Arbeiter genöttgt sei, eine vom Unternehmer diktterte Arbeitsordnung zu unterschreiben. Vor allem müsse darauf hingewirkt weröLU, daß das Recht der Arbeiter oder Beamten auf Zugehörigkeit zu einem Berufsverein durch den Arbeitsvertrag nicht bc- rührt werden dürfe. Als Jllustratton für die Zustände im Bergbau hatte Naumann darauf hingewiesen, daß die Zechengeselljchaft Giesches Erben in Schopvinitz in Oberschlesien sogar eine Anzahl Beamte wegen Zugehörigkeit zu dem Bund der technisch-industriellen Beamten gemäß- regelt habe. Flugs erschien der Konservattve Graf C arm er auf der Tribüne, stellte sich als Mittnhaber von Giesches Erben vor und kündigte an, er werde alle Behauptungen des Vorredners über Gefährdung des Koalittonsrechts der Beamten durch diese volle 200 Jahre alte Firma widerlegen. Als er schließlich in seinen langen Ausführungen zu der Mitteilmig gelangte, die Firma habe die Beamten vor die Frage gestellt, sie müßten zwischen ihrer Stellung und dem„Bund" wählen, wurde von den Sozialdemokraten durch Zurufe festgestellt, damit habe er ja die Gefährdung des Koalittons- rechts durch die Gesellschaft beslättgt. Der Herr Graf vermochte das jedoch nicht einzusehen. Er befolgte nun aber die von echt cdelmännischer Denkart zeugende Taktik, die entlassenen Beamten als„minderwertige" Kräfte herabzusetzen. Es geht doch nichts über junkerliche Intelligenz und Noblesse! Herr von G a m p- Massaunen trat als zweiter aristokra- tischer Wortführer der Großindustrie in die Schranken. Der Staatssekretär war ihm, trotzdem dieser sein warmes Herz für die Unternehmer angepriesen hatte, noch lange nicht Unternehmer- steundlich genug und der Reichstag aar triebe es so arg. daß viele Untemehmer sich schon mit dem Gedanken trügen, nach Eng- land auszuwandern, weil sie dort besser daran sein würden. Der edle Freiherr übersah bei dieser Ankündigung ganz, daß er damit seine gesamten Schutzzoll- Theorien über den Haufen warf. Aber auf Logik ist es ihm nie besonders angekommen. Den Schluß machte Herr R i e s e b e r g(Anttsemtt und Zünftsi'r), seines Zeichens Bäckermeister tn Ouedltnburg, der durch ein verworrenes Sammelsurium von Mittelstands- wünschen und Sozialistentötereien das Haus sträflich lang- weilte. Es folgten lersö.rliche Bemerkungen, tn deren Verlauf der Präsident Graf Stolberg den präsidialen Meisterstücken dieser Session ein neues hinzufügte, indem er es als unparlamcntartsch rügte, als Genosse Z u b e t l von einem Bundesralsmitglied sagte, er„habe es fertig- gebracht"... Was soll Herr Kaen.pf nun anstellen, um diese Leistung zu übertreffen! Die Beratung des LchrerdesoldungSgesetzeS. Da« Abgeordnetenhaus begann am Montag die zweite Lesung deS Lehrerbesoldungsgesetzes. Ein Vergleich der Debatten über dieselbe Materie im Jahre 1807 mit den jetzigen zeigt, wie der Widerstand des ehemals liberalen Bürgertums gegen agrarische Forderungen und gegen die Becinttächtigung der SelbswerwaltungS- rechte allmählich beseitigt ist. so daß heute im Grunde genommen. alle bürgerlichen Parteien von dem konservattven Agrarier Freiherrn von R i ch t h o f e n über die Zentrumsleute hinweg bis zu dem Freisinnigen Cassel ein Herz und eine Seele find. In der Kommission ist zwischen der Regierung und den bürgerlichen Parteien ein völliges Einverständnis über alle Differenzpunlte erzielt worden, die Plenarberatung war also eigentlich überflüssig. Das Haus hätte sofort ohne Debatte zur Abstimmung schreiten können. Wenn ttotz- dem noch eine Spezialberatung stattfand, so— wie der sozial- demokrattsche Redner Borgmann tteffend bemerkte— nur deS- halb, damit die verschiedenen Redner nochmal» Gelegenheit fanden, den Lehrern ihr Wohlwollen zu beteuern. Dir einzelnen bürgerlichen Parteien veranstalteten ein förmliches Wettlaufen, fie alle buhlten um die Gunst der Lehrer, obwohl ste genau wissen, daß die Besoldungserhöhungen nur einem Teil der Lehrer zugute kommen. Und dabei sind besonders die Redner der bürgerlichen Linken in keiner Weis« von dem Kompromiß befriedigt. der Nattonal- liberale von Campe bettachttt eS mit einem lachenden und einem ttäncnden Auge und Abgeordnete Cassel sucht sich damit zu entschuldigen, daß die Rücksichtnahme aus dir Steuerzahler seinen Freunden die Zustimmung notwenvig erscheinen lasse. Daß durch daS Kompromiß der Studtfche BreinSerlaß gesetzlich festgelegt ist. geniert die Herren weiter nicht, obwohl fie früher nicht genug über diesen Erlaß schelten konnten. Charakterisnsch für die ganze Situation ist eS, daß Herr Freiherr v. Zedlitz Herrn Cassel beim Verlassen der Rednertribüne herzlich beglückwünschte. Früher wäre so etwas unmöglich gewesen. Gestört wurde die Einttacht durch den Polen T t h ch e l und den Sozialdemokraten Borgmann. Ersterer beantragte die Bc- seitigung der Ostmarkenzulagen, wofür ihn der Fmanzmmister tn seinem bekannten UnterosfizierSwn abkanzelte. Borgmaun übte bei aller Anerkennung deS Fortschritts, den einzelne Bestimmungen deS Gesetze» für die Lehrer bedeuten, scharfe Krittk, vor allem an der gesetzlichen Festlegung deS BremSerlasieS. an den Ein- griffen in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden und an dem agrarischen Charakter der Vorlage. Seine Schilderung der jämmerlichen Schulverhältnisse war den Konservativen sichtlich unangenehm, und als der sozialdemolratische Redner gar das Treiben der Landrätc geißelte, in deren Händen die vielgerühmten KreiSauSschüffe nur Marionetten seien, da war eS um die Ruhe der Herren auf der Rechten geschehen, der Chor der Londräte trat in Aktion. Aber Borgmann ließ sich nicht irre machen, er versetzte, bevor er seine Rede beendete, noch Herrn v. Rheinbaben einen fühlbaren Denk- »ettel, indem er ihm vorhielt, daß er kein Recht habe, den Polen den Borwurf zu machen, datz fi« die Politik in die Volksschule hineintragen, solange die Regierung geflissentlich die Volksschulen als Einrichtungen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie betrachtet, Mit dieser Rede schloß die Generaldebatte. Die ßZ 1— S des Gesetzes gelangten unter Ablehnung eines polnischen Antrages auf Streichung der Ostmarkenzulagen zur Annahme. Für den Antrag stimmten Polen, Freisinnige und Sozialdemokraten. Das Zentrum schlug sich auf die Seite der Hakatisten. Am Dienstag sollen zunächst die PfarrerbesoldungS« g e s e tz e beraten werden. Als Fraktionsredner ist Adolf Hoff» mann bestimmt. Erst nach Erledigung dieser Gesetze soll die Be- ratung des Lehrerbesoldungsgesetzes fortgeführt worden. Der Fischbeckbericht des Mandatrau�blocks. Die Sophistereien, mit denen das freisinnig-konservative Kar- tell den beabsichtigten Ataub an der Vertretung zu beschönigen sucht, die sich das Proletariat trotz der Klassenschmach im Abgeord- netenhause errungen hat, liegen jetzt dokumentarisch vor. Sie stammen aus der allerberufcnsten Feder, der des Abgeordneten. Ordensritters, Blockbruders und Magistratsoffiziosus Fischbeck, des Polizcischützlings am Demonstrationssonntage. Wie bekannt, hatte die Mandatraubkommission mit tiefem Verständnis gerade Herrn Fischbeck zum Berichterstatter über den geplanten Mandat- raub erkoren. Der Berichterstatter ist der Kommission und der Bericht des Berichterstatters würdig. Uebcr den viel beschrieenen„TerroriLmus" ergeht sich der Be- richt nur in ganz allgemeinen Redensarten, um sich alsdann mit liebevoller Ausführlia'eit über die sogenannten„Unbilligkeiten" bei der Listenaufstellun� zu verbreiten. Die interessante Tatsache, daß Herr Fischbeck dem Berliner Magistrat angehört, welchem falsche Listenaufstellung zum Borwurf gemacht wird, ist leider im Bericht nicht verzeichnet. Start nun aber wenigstens der Logik gerecht zu werden und die sänitlichcn Berliner Mandate zu beanstanden, verschanzt sich die Kommission, wie bekannt, hinter dem kläglichen Vorwand, daß nur gegen die Mandate von Borgmann(S.), Heimqpn(6.), Hirsch (7.) und Hrfsmann(12. Wahlkreis) Protest erhoben sei. Nun hat aber, wie die dem Bericht beigcgebene Anlage schtrarz aus weist bekundet, der Leutnant a. D. Konstantin Pohl ausdrücklich er- sucht,„die Wahl im 12. Berliner LandtagStvahlkreise, eventuell nach dem ersten angegebenen Grunde(d. h. eben wegen der Listcnaufstellung) auch in sämtlichen Berliner Wahlkreisen für ungültig zu erklären". Wenn der genannte Herr Crleutnant am 23. Januar IVOS den eben zitierten Schlußsatz seines Protestes vom 3. Juli 1008 unter ausdrücklicher Aufrccht- erhaktung seines Protestes gegen die Wahl Hoffmanns widerruft, wie ebenfalls aus der Anlage hervorgeht, so beweist das die Innigkeit des konfervativ-freisinnigen Block» Verhältnisses. Der Rückzieher des cmcrierten konservativen Leutnants soll die formale Handhabe zur Rechtsbeugung bieten und soll die Tatsache verhüllen, daß zwei Drittel der Mandate, darunter sechs freisinnige, als angeblich unbeanstandet nicht kassiert werden, obwohl sie mit denselben Mängeln behaftet sind, die b,e Protesterheber in sittlicher Entrüstung den Mandaten der Ge- Nossen Borgmann, Heimann. Hirsch und Hoffmann nachreden. Das Plnralwahlrecht im Oldenburger Landtag. AIS zu Beginn der heutigen Plenarsitzung deS Landtags von den Liberalen und Sozialdemokraren auf Grund des§ 76 der Ge» schäftSirdnung ein Antrag«ingebracht wurde, die Abstimmung über die PluralivahlrechtSanträge zu wiederholen und dieser Antrag An- nähme fand, trieben die agrarisch-ultramontanen Wahlrechtsräuber Obstruktion, indem sie die Sitzung demonstrativ verließen. Da der Landtag darauf bestand, die Abstimmung sofort zu wiederholen, sah sich der Präsident gezwungen die Sitzung nach einer stürmischen Debatte wegen andauernder Beschlußunfähigkeit aufzuheben und sie auf Dienstag morgen 10 Uhr zu vertagen. ES bemächtigte sich aller Anwesenden große Erregung, da— solange der Oldenburgische Landtag besteht— noch niemals Ob- struktion getrieben worden ist. Bcanntweinsteuer-Schacher. Nach einer Mitteilung der„Aational-Ztg." wird zwischen Ver- tranenSmännern der Blockparteien und der Regierung über ein Brannt- Wemsteuee-Kompromist auf folgender Grundlage geschachert: Die Regierung verzichtet auf die Forderung deS Monopols. Die bisherige Verbrauchsabgabe von 70 M. auf das Hektoliter und die Maiichraumsteuer von 12 M. auf da« Hektoliter werden abgeschastt, dagegen eine Fabrikatsteuer von 100 M. aus daS Hekto- liter eingeführt Diese Fabrikatsteuer wird gleichmäßig von ollem Tnnkbranntwein erhoben, so dost allo die sogenannte Liebesgabe in Wegfall kommt. Neben der Fabrikatsteuer bleibt die bisherige Brcnnsteuer nicht nur bestehen, sondern wird progressiv weiter aus- gestaltet. Sämtlichen Brennereien wird eine besondere Zahlung von 3 M. Brennsteuer für jedes Hektoliter auferlegt, das sie über den bisherigen Bedarf brennen. Nur neu errichtete landwirtschaft- ltche Brennereien sollen für die ersten 500 Liter, die sie fabrizieren. von dieser Zuschlagabgabe befreit sein.— Die Schützer des Grafen Strachwitz. Die„Westdeutsche A r b e i t e r. Z e i t ung"(M.-Glad. kach) hatte sich, wie wir berichtet haben, jüngst den Grafen Strach- witz, Mitglied der ultramontcmen Landtagsfraktion, vorgenommen wegen seiner Rede über die Arbeitöiofenfrage. Das Blatt ver- suchte den schlesischen Grafen, der aus seinen volks. und arbeiter- feindlichen Anschauungen kein Hehl macht, als„Einspänner" hinzu- stellen und die Zentrumsfraktion vor der Verantwortung für der- artige Offenbarungen ihres Mitgliedes zu fchütz-n. Dcmgegen. über warfen sich nun in der„Rheinischen Volksstimme" die Zeutrumsbaucrn als Schützer deS Grafen Strachtrntz auf. Eine Zuschrift auS landwirtschaftlichen Kreisen wirft der„Westdeutschen Arbeiter-Zeitung" gehässige Kritik und beleidigende Schreibweise vor und bemerkt dann: „Graf Strachtntz hat zweifellos seiner ehrlicher Ucber- eugung Ausdruck gegeben und dies ist nicht nur sein gu:es Recht, ondern sogar seine Pflicht. Seine Ausführungen enthalten manche Wahrheiten, die von den ZentrumSabzeordneten, die wenigstens ähnlich d e n k en. wie er, leider nicht mit der- selben Offcnbcit ausgesprochen werden. Ein„Einspänne r", wie die„Dtestd. Arbeiter-Ztg," ihn nennt, ist zum Beispiel Graf Strachwitz nicht mit seinen Ansichten, die darin gipfeln, daß für den Arbeiter sehr, sehr viel in den letzten Jahren getan wurde, und es jetzt dem Arbeiter zur Pflicht gemacht werden müßte, selbst für die Existenz der Seinigen zu sorgen." Man versteht, daß den Zentrumsführern vom Schlage Trim- Korn, GieSbcrtS usw. ein Kollege wie Graf Strachwitz, der aus seiner arbeiterfeindlichen Gesinnung kein Hehl macht, nicht gerade angenehm ist. Aber man weiß, daß Graf Strachwitz mit seinen Anschauungen in der Zentrumsfraktion nicht allein steht, denn die ultramontanen Junker sind um keinen Deut besser, als ihre konservativen Genossen, und wie die Zentrumsbauern denken, steht man an der Beflissenheit, mit der sie sich für den schlesischen Junker ins Zeug legen._ Neichsvcrbäudlerische Braudschatzung. Seit einigen Monaten hat der Reichsverband gegen die Sozial- dcmokratie seine sonst so lärmende Agitation etwas eingestellt. Er scheint an chronischem Geldmangel zu leiden. Noch sind die Wahl- 1 schulden aus Anlaß der NeichStagSwahl von IM nicht sämtlich! beglichen und schon hat die LandtagSwahl wieder neue Schulden zur Folge gehabt. Ganz besonders die Ortsgruppe Hannover scheint in arger Geldklemme zu sein. Die ständige Tätigkeit des Bureaus dieser Ortsgruppe bestand darin, vor allem kapital- kräftige Leute anzuschnorren, und es ist nur mit Mühe gelungen, sich mit diesem Bettel schlecht und recht durchzuschlagen. Wie knapp es mit den Geldmitteln stehen muß, zeigt ein Brief, der an einen Großindustriellen im Oktober gerichtet ist und in dem es heißt: Provinzialausschuß deS Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. 1. Vorsitzender: Generalleutnant z. D. Baron von Lüdinghausen- Wolfs» Exzellenz, Hannover, Allccstraße 22. Hannover, den 10. Oktober 1008. ... Es erübrigt sich wohl, darauf hinzuweisen, daß unserer- seits alles aufgeboten wurde, um dem gemeinsamen bürger- lichen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Ganz erheb- .liche S u m m e n kostete uns der Wahlkampf; ein Heer von Hilfskräften war in unserem Bureau und draußen im Wahlkreis tätig, Sonntag für Sonntag besorgten Radfahrer aus den uns treugesinnten Arbeiterkreisen die Flugblattverbreitung, die Presse wurde Tag für Tag mit Material versehen, Versamm- lungen wurden abgehalten— kurz, wir haben unsere Pflicht getan.... Um diese Arbeit durchführen zu können, bitten wir noch- m a I s um Ihre gütige Unterstützung. Mit Stolz können wir dabei zugleich hinweisen auf die segensreichen und gemein- samen Einrichtungen, die wir im Laufe der Zeit geschaffen; Arbeitersekretariate entfalten an verschiedenen Stellen in der Provinz ihre Tätigkeit; Volksbibliotheken haben wir in unseren Ortsgruppen auf dem Lande errichtet; Volks- a b e n d e, die dem Gedanken einer Versöhnung der sozialen Gegensätze Bahn schaffen sollen, in den Städten und selbst den kleinsten Landgemeinden abgehalten, und in Verbindung damit eine Weihnachtsboscherung größten Stils hier unternommen, die den Aermsten der Armen eine unerwartete Freude schaffte. Vor allem haben wir aber durch unsere Rednerschule eine ständige, äußerst wertvolle Fühlung mit den Kreisen der treu vaterländisch gesinnten Arbeiterschaft, der wir weiterhin auch durch die Errichtung von Arbeits- nachweisen bei den verschiedensten Gelegenheiten helfend zur Seite stehen.... Um alle von uns geschaffenen segensreichen sozialen Ein- richtungen erhalten, fortsetzen und weiter ausbauen zu können, lassen wir an alle diejenigen unserer Mitglieder und Freunde, von denen wir annehmen dürfen, daß wir ihnen kein zu großes Opfer zumuten, nochmals die Bitte um eine größere finanzielle Unterstützung unserer Sache ergehen. Bei dem Ernst unserer Aufgabe und den hohen Kosten, welche die Landtagswahl uns verursacht hat, hoffen wir keine Fehlbitte zu tun.... Mit vorzüglicher Hochachtung! ©. v. Lüdinghausen-Wolfs, Generalleutnant z. D. Im Reichstag hatte der Finanzminister v. Rheinbaben mit einem gewissen Neid die Finanzen der Gewerkschaften und der Partei erwähnt und uns den Rat gegeben, diese Summen für die Finanzreform zu opfern. ES wäre besser gewesen, er hätte diese Aufforderung an die„nationalgesinnten" Kapitalisten ge« richtet. ES scheint aber, daß er wegen der Brandschatzungen. die der N e i ch S v e r b a n d gegen die Kapitalisten ausübt, glaubt, von einer Besteuerung der Reichen zugunsten der Finanzreform Abstand nehmen zu müssen. Die„aufruhrerische" Wahlrcchtsdemonstratio«. Genosse Redakteur D ü v e l l von der.Dresdener VolkSzeitnng" hat am Montag die Anklageschrift wegen Aufruhrs, angeblich begangen bei der letzten Wahlrechtsdemonstration der Dresdener Arbeiterschaft, zugestellt erhalten. Antisozialistische Kriegervereinspolitik. Der„Deutsche Kriegerbund" will die Sozialdemokratie ver- nichten. In der Sitzung deS Gesamtvorstandes wurden schärfere Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie beschlossen, die den: dies- jährigen Abgeordnetentage vom Bundesvorstände unterbreitet werden sollen. Die Anträge verlangen, daß die Kriegervereinsinitglieder in den Verband«» und Vereinsversammlungen über die Sozialdemo- kratie aufzuklären und an ihre Pflicht zur Bekämpfung der Sozial» deinokratie bei geeigneter Gelegenheit zu erinnern find. Weiter ist es den Mitgliedern der Kriegervereine nicht gestattet, freien Ge werk schafren anzugehören, so lange diese sozial- demokratische Organisationen bilden oder die sozialdemokratische Partei direkt unterstützen. Diese Hauptsätze sollen von dem Abgeordnetentage als verbind- lich für alle LandeSkriegervereine erklärt werden. Ein Zuwider- handeln ist unvereinbar mit der Zugehörigkeit zum Deutschen Kriegerbunde und hat die Ausschließung zur Folge. Der badische Block gescheitert. Zwischen den Nationalliberalen und den Freifinnigen in Baden ist die angebahnte Einigung endgültig gescheitert: Die Freisinnigen waren zwar bereit, die Vorschläge der Nationalliberalen zu akzeptieren, sie lehiuen eS aber ab. in Lörrach-Land für den Führer der National- liberalen Dr. Obkirchcr zu stimmen. Die Demokraten allein wollen mit den Nationalliberalen nicht gehen, machen aber den Vorschlag, in einzelnen Wahlkreisen ein Zusammengehen aller liberalen Richtungen herbeizuführen. Nur in den Kreisen, in denen das unmöglich sein wird, soll jede Partei den Kamps auf eigene Faust führen._ Ncichstags-Ersaywahl in Schrimm-Schroda. Bei der am Sonnabend stattgfundenen ReichStagSersatzwahl für den Wahlkreis Schrimm-Sänoda wurden im ganzen 17036 Stimmen abgegeben. Hiervon erbielt v. Nicgolewski(Pole) 13010, w Günther (Rcicvspartei) 4009 Stimmen, zersplittert waren acht Stimmen. Ersterer ist somit gewählt._ Eine sonderbare Art der Arbeitslofenfürsorge betreibt der Stadlmagistrat Nürnberg Zuerst sträubte er sich mit Händen und Füßen dagegen, andere Maßregeln als Notstands- arbeiten zu ergreifen. Noch vor wenigen Tagen lehnte er einen sozialdemokratische» Antrag ab, wonach ein Betrag von 80 000 M. bewilligt werden sollte, um an diejenigen Arbeitslosen, die aus körperlichen oder beruflichen Gründen NotstandSarbeiten nicht leisten können, Barunterstützungen gewähren zu können. Die Ablehnung wurde damit begründet, daß eine Gelduntcrstützung ohne Gegen- lcistung für die betr. Arbeiter, wenn nicht etwas Entehrendes, so doch „nichlS Ehrenvolles" an sich habe. In dem kurzen Zeitraum von drei Togen hat man sich von dieser zarten Rücksichtnahme auf das Ehrgefühl der ArbeiiSlosen befreit. In der Sitzung vom Freilag wurde ein Antrag des Ausschusses beraten und angenommen. 15 000 Mark für Banmterstützimgen auszuwerfen. Die Unterstützung wird nur an solche Arbeitslosen gegeben, die in Nürnberg beheimatet sind und seit mindestens einem Jahre dort wohnen und arbeiten. Sie beträgt für Ledige 2 Marh für Verheiratete 3 Mark pro Woche und wird nur an diejenigen Arbeitslosen gegeben, die durch ein Zeugnis de? AmtSarzleS nachwei'en, daß sie die ihnen zugewiesene Notstandsarbeit nicht leisten können. Für jeden Tag. den der Betreffende in einer Woche nicht arbeitslos ist, werden 30 rcsp. 50 Pf. in Abzug gebracht. Weibliche Arbeitslose werden nur dann unterstützt, wenn sie nicht im Familienverband leben und wenn sie Angehörige zu erhalten haben. Ein sozial- demokratischer Antrag, auch die nicht Heimatsberechtigten nach einer gewissen AufenthaUsdauer zu unterstützen, wurde abgelehnt, ebenso> der Antrag, die Unterstützung auf 3 und 5 M. zu erhöhen. Nach obigem ist eS also eine äußerst schwierige Sache, in den Genuß der Nmerslützmig zu kommen; der Glücklichen, die sich ihrer erfreuen dürfen, werden nicht allzu viele sein.— Die Balkankrise. Die türkische Antwort. Petersburg, 8. Februar. Die Petersburger Telegraphen« Agentur erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß in der Antwort der Türkei auf den russischen Vermittel ungsvorschlag, die gestern von dem türkischen Botschafter dem Minister des Aeußern übergeben wurde, die Pforte die Forderung der Regulierung der türkisch-bulgarischcn Grenze nicht mehr erhebt. Im übrigen führt die Antwort aus, daß das, waS Bulgarien ihr zu zahlen hätte und was die Türkei an kapitalisierter Kriegs« entschädigung Rußland schulde, sich beinahe ausgleiche. Oeftermeb. Die Antwort der Sozialdemokraten. Zum Protest gegen die Schließung des Paria» ments ruft der Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten das arbeitende Volk aller Nationen Oesterreichs auf. Es heißt in dem Aufruf:„Eine schwere Wirtschaftskrise lastet aus unserer Voltswirtschaft, Zehntausende sind arbeitslos. Hundert- tausende müssen in einer Zeit furchtbarster Teuerung mit ver- ringertem Einkommen Weib und Kind ernähren— aber die deutschen und die tschechischen Chauvinisten haben im Parlament tage« lang darüber gestritten, ob auf einer böhmischen Lokalbahn nur deutsche oder auch tschechische Inschriften angebracht werden sollen. Unsere Greise hungern, unsere Krüppel gehen betteln, Tausende bleicher Kinder erllegen den mörderischen Wirkungen kapitalistischer Ausbeutung— aber die bürgerlichen Parteien interessieren sich vor allem für die Frage, ob die Studenten in Prag das Recht haben sollen, mit bunten Kappen auf dem Graben spazieren zu gehen oder nicht. Keine Sozialversicherung, keinen Arbeiterschutz, keine Wirt- schaftlichen Reformen, überhaupt kein arbeitendes Parka- ni e n t—, sondern die Herrschaft einer bankerotten Rcgierungl Das ist das Ergebnis des nationalen Streiks. Wir rufen euch zum Kampfe für das Recht deS Parlaments gegen die Alleinherrschaft der Bureaukratiel Für den nationalen Frieden gegen die nat.onalistische Hetze! Für die Sozialversicherung und soziale Reform gkgen die Zerstörer des Parlaments! Für Montag und Dienstag haben unsere Genossen in Wien fünfzehn Versammlungen einberufen. Der Vroteststurm in der Provinz wird folgen._ Immer wieder der Bummel. Wien, 8. Februar. Wie der„Neuen Freien Presse" aus Prag gemeldet wird, sind bei dem gestrigen Bummel auf dem Graben einzelne Zusammen stoße vorgekommen, bei denen die Wache gegen die Tschechen einzuschreiten ge- nötigt war. Als der Andrang auf dem Graben zu stark geworden ivar, wurde der Graben von der Wache geräumt und abgesperrt. frankmcd. Eine Nachwahl. PariS, 8. Februar. Im Departement Seine et Marne wurde an Stelle des verstorbenen Radikalen Delbet der sozialistische Radikale Lorimy mit 7152 Stimmen zum Deputierten gewählt. Der gemäßigte Republikaner Bion erhielt 3284 St. Italien. Auflösung der Kammer. Rom, 8. Februar. Der König hat das Dekret über die Auflösung der Kammer heute unterzeichnet. Die Neuwahlen werden am 7., die Stichwahlen am 14. März stattfinden. Das neue Parlament wird am 24. März zu- sammentreten.— Die Negierung sucht die Auflösung mit einigen nichtssagenden Redensarten zu rechtfertigen, die der„Avant i", wie uns ein Privattelegramm aus N o m meldet, heftig kritisiert. Die Minister haben, sagt unser Bruderblatt, alle Probleme vertuscht. Die Aus- landspolitik sei überhaupt nicht erwähnt. Die Haltung der Regierung sei unwürdig und aus den Wahlurnen werde sie die gebührende Antwort empfangen.— Portugal. Eine naive Forderung. Lissabon, V.Februar. Achtzig Infanteristen, die zur Aufrechlerhaltung der Ordnung von Madeira nach den von der Pest bettoffenen Azoreninseln entsandt worden waren und nach Madeira zurückzukehren wünscvten, drangen in das bakteriologische Labora- wrium drr Insel Terceira ein und verlangten von den Äerzten, sie sollten die Pestepidemie binnen vierzehn Tagen zum Erlöschen bringen. Die Vermittelung eines Militärarztes verhinderte größere Ausschreitungen. Sechzig Meuterer wurden verhaftet.— 6ngland. Das Marmeprogramm. London, 8. Februar.„Daily Chronicle' erfährt, daß die im Kabinett zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten wegen der Erfordernisse für die Marine befriedigend beigelegt worden sind. Die Admiralität habe ein neues Bauprogramm aufgestellt, das dem Kabinett bereits unterbreitet worden sei. Man sei sich jedoch einig darüber, daß keine Notwendigkeit bestehe, den Bau neuer DreadnoughtS mit besonderer Eile zu betreiben. Man nehme an, daß unter diesen Umständen die reine Mehrausgabe im Flottenvoranschlag über L'/z Millionen Pfund Sterling nicht hinausgehen werde._ Gewerkschaften und politische Geldbeiträge. London, 6. Februar.(Eig. Ber.) Es wurde neulich an dieser Stelle berichtet, daß der Verband der Londoner Buch- drucker beschlossen habe, trotz des Urteils des Appellhofes die Beiträge für die Zwecke der Arbeiterpartei zu erheben. Ein Buchdrucker verweigerte den Beitrag, wurde aber vom Vorstand zur Zahlung gezwungen. Er wandte sich ans Ge- richt, um einen Einhaltsbefehl, und zwar auf Grund des Appellhofurteils. Gestern fand die Verhandlung statt, die mit der Gewährung des Einhaltsbefehls endigte. Selbst- redend berührt das nicht den Rekurs, den die Eisenbahner gegen das Appellhofurteil bei den Oberhausrichtern ein- gelegt haben.— Dänemark. Eine Ehrenerklärung für de» Reichstag. Um über die 30 000 Kronensammlung deS konservativen Journalisten ASger Karstensen und die damit verbundene Be» Ichuldigung, daß sie zur Bestechung dänischer RcichStagSabgeordneter dienen sollten oder gedient haben, Klarheit zu schaffen, halten unsere Genossen im Folkething vorgeschlagen, eine parlamentarische Unter- suchungskommisston zu wählen. Die Regierungspartei war dafür > nicht zu haben, erklärte sich jedoch damit einverstanden, daß die Vor» fitzenden der verschiedenen FolkethingSfraktionen gemeinsam die Untersuchung der Angelegenheit vernehmen sollten. Das ist in- zwischen geschehen, und am Sonntag hat das so zusammengesetzte Komitee sein Protokoll über die Untersuchung veröffentlicht. Karstemen und seine beiden Leumundszeugen, die LandsthingSmänner Grat F. Moltke und Holger Petersen, sind vernommen worden. Sie wollen aber durchaus keine Auskunft darüber geben, wer die Nutz nietzer der 30 OOS Kronen waren, sagten im wesentlichen nur. daß sie im Sinne der Geldgeber für allgemeine politische Zwecke, besonders zur Zoll- und WahlrechtSagiiation(selbstverständlich im Sinne der Konservativen: für Schutzzolle und gegen demokratische Wahlrechtsreform) verwandt worden seien, und versicherten, datz nichts von dem Gelde von irgendeinem Reichstagsabgeordneten oder Regierungsmitgliede angeboten worden sei und auch keiner dieser Leute etwas davon empfangen habe. Das Komitee ist daraufhin zu dem Schluß gekommen, daß, obwohl die Untersuchung keine positive Aufklärung über die Verwendung der Gelder gebracht habe, doch aus den abgegebenen Erklärungen hervorgehe, daß sie nicht in einer Weise angewandt worden seien, die die Ehre und das Ansehen des Reichstags berühren könne. Das Komitee der Fraktionsvorsitzenden hat damit seine Tätigkeit für beendet erklärt, die Sache selbst scheint jedoch noch keineswegs erledigt, und darum hat auch das sozial demokratische Komiteemitglied Genosse Sigvold Olsen sich vor- behalten, von neuem den Vorschlag aus Wahl einer UntersuchungS kommisfion einzubringen.— Rußland. Die Korruption. Petersburg, 7. Februar. Im Prozeß des früheren Gouverneurs von Nishni-Nowgorod. Baron Fredericks, der ein Nachspiel zum Gurko-Lidwal-Prozeß bildet, fällte der Senat nach fünftägiger Verhandlung das Urteil. Fredericks wurde der Fahrlässigkeit und Bestechlichkeit für schuldig be fimden und zur Dieiistentlassun� sowie zu einer Geldstrafe von 10 VOO Rubel oder im Falle der Zahlungsunfähigkeit zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Cürhci Für die Preßfreiheit. Konstitutinopel, S. Februar. Etwa 6000 Personen hielten gestern eine Versammlung ab, um gegen einen angeblich reaktionären Preßgesetzentwurf zu protestieren. Sodann zogen die Teilnehmer vor das Parlament, wo eine Deputation aus ihrer Mitte vom Präsidenten der Kammer empfangen wurde. Hierbei versicherte der Piäsident, die Kammer würde jeden gegen die Preßfreiheit gerichteten Gesetzentwurf ver- werfen._ Die sozialistische IPrcffe über den Kongreß der Arbeiterpartei. London, 6. Februar.(Eig. Ber.) Die„Justice", daS Organ der Sozialdemokratischen Partei, betitelt ihre Be- sprechung des Songresses:„Das Absterben der Arbeiterpartei". Das Blatt erklärt, die Führer der Arbeiterpartei beglückwünschen sich über den vollständigen Sieg, den sie aus dem Kongreß errungen haben.„Aber was für einen Sieg! Wir waren nicht so töricht, eine solche Spaltung der Partei zu erwarten oder zu wünschen, wie sie von ihren Feinden vorhergesagt wurde. Aber wir hatten gehofft, daß die Arbeiterfraktion wegen ihrer Abtrünnigkeit getadelt würde und daß sie wegen ihrer Kriecherei vor der liberalen Regierung verurteilt würde, schließlich, daß durch die Annahme eines Programms einer ähnlichen Kriecherei für die Folge vorgebeugt würde.... Darin wurden wir ent- täuscht. Der Kongreß hat mit überwältigender Mehrheit alles gebilligt, was die Arbeiterfraktion getan hat: die Kriecherei vor der liberalen Regierung, die Wiederholung der liberalen Lügen über die Arbeiterklasse— in Unterstützung der unsinnigen und schädlichen Schankwirtschastsvorlage, die ausdauernde Propaganda für den liberalen Freihandels- fetisch, die Vernachlässigung der Lebensinteressen der Ar- beiterklasse, wie z. B. der Frage der Arbeitslosigkeit.... Und der Kongreß hat die Ansichten und die Tätigkeit der Arbeiterfraktion bestätigt. �Die ganze Partei hat sich also verpflichtet, mit den Liberalen harmonisch zusammen- zuarbeiten, und wenn diese Zusammenarbeit andauert, wird sie zur vollständigen Vernichtung der Partei führen.... Ter Kongreß hatte im großen ganzen zwischen Sozialismus und Liberalismus zu wählen, und er erklärte sich für den Liberalismus." Der„Labour Leader". das Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei, schreibt über denselben Gegenstand:„Der Kongreß von Portsmouth bildet einen Markstein in der Ge- schichte der sozialistischen und gewerkschaftlichen Bewegung. Seit der Gründung der Arbeiterpartei, d. h. seit neun Jahren, konnte man auf die Empfindung stoßen, daß die Ver- bindüng zwischen Sozialisten und Arbeiterklasse trotz aller Fortschritte doch eine kurzlebige Allianz sein könnte. Die geeinigte Partei war allerhand zerstörenden Einflüssen von außen und innen ausgesetzt. Ihr standen die großen kapitalistischen Parteien entgegen, deren Presse auf sie los- schlug. Die Sozialdemokraten und ein Teil der Fabier und „Clarion"-Anhänger hefteten sich an ihre Absätze mit zer- fressender und belästigender Kritik. Die Gerichte versuchten ihr die Finanzmittel zu nehmen. Die Arbeiterpartei hat die Angriffe und Belästigungen nicht nur überlebt, sondern ging aus ihnen stärker und größer hervor.... Der Kongreß von Portsmouth hat gezeigt, daß die Arbeiterpartei ihre falschen und belästigenden Freunde abgeschüttelt hat. Aber er hat auch ein für allemal bewiesen, daß Arbeiterklasse und Sozialismus nicht zwei Bewegungen, sondern eine einzige Bewegung vorstellen und daß die Arbeiterpartei die wirk- liche sozialistische und gewerkschaftliche Partei Groß- britanniens ist." In besonderen Artikeln bedauern Macdonald und Hardie, daß der Kongreß nicht kritisch genug gewesen sei. Und der Mangel an Kritik sei dem Umstände zuzuschreiben, daß der Kongreß die Einheit der Partei gegeniiber Grayson, Queich und Ben Tillek beweisen wollte. parlamentarisches. Der schlaue Herr v. Echoe». In unserem Bericht über die letzte Sitzung der Budgetkommission des ReichSrages vom vergangenen Freitag hatten wir bemerkt, daß die Kommission über den größten Teil der Verhandlungen einen GeheimhalwngSbeschluß gefaßt und daß der Staatssekretär erklärt habe, er werde aus feinen Ausführungen dasjenige veröffentlichen, was ihm dazu geeignet erscheine. Die Veröffentlichung ist nun in der Parlamentsbeilage der„Nordd. Allg. Zeitung" vom Sonnabend als »Aus der letzten Sitzung der Sudgelkommiffion tragen wir nach, daß der Staatssekretär v. S ch o e n gegenüber vielfach verbreiteten irrtümlichen Ansichten über die Tätigkeit des Preßreferats des Auswärtigen Amtes betonte, es werde bei der Erteilung von sachlichen Auskünften gegenüber an- gesehenen Vertretern der Presse kein Unterschied der Parteien ge> macht. Der Vertreter der„Köln. Volksztg." oder der„Germania" bekomme ebenso bereitwillig Auskunft in Fragen der Reichspolitik wie der Vertreter eines regierungsfreundlichen Blatte� und selbst ein sozialistischer Schriftsteller würde keine verschlossenen Türen finden, wenn er sich sachlich zu orientieren wünsche. Die loyale Verwertung der Auskunft sei dabei natürlich Voraussetzung. Im übrigen lägen die wesentlichen Aufgaben des Preßreferats auf anderen Gebieten. Der Staatssekretär machte darüber eingehende vertrauliche Mitteilungen." Also auch ein„sozialistischer"(nicht sozialdemokratischer!) Schriftsteller findet keine verschlossenen Türen, wenn er die erhaltene Auskunft loyal, d. h. im Sinne der deutschen Regierung verwertet.. Damit würde so ziemlich jede Kritik an der AuSlandspoliiik unter- bunden werden, indem die betreffenden Blätter andernfalls riskieren würden, daß schon ein absprechendes Urteil an einzelnen Maßnahmen der Regierung vom Auswärtigen Amt alS„illoyal" angesehen und dementsprechend jede weitere Auskunft verweigert werden würde. Die Auskunfterteilling auch an Blätter der Opposition soll Herrn v. Echoen als ein Mittel dienen, auch diese Zeitungen vor seinen Wagen zu spannen. Mit diesem überschlauen Schachzug dürste er jedoch wenig Glück haben. GcwerhrchaftUches. Berlin und Otn gegen d. „Bietoria"-Wohltat. Die LebenSversicherungs-Gesellschaft„Victoria", die ihrenBeamten daS Koalitionsrecht nicht gönnt, zwingt ihnen auf der anderen Seite ungern gesehene Wohltaten auf. So wird denselben jetzt ein Schriftstück vorgelegt, in dem es heißt: 1. Jeder Bureaubeamte der„Victoria" ist verpflichtet, vier Monate nach seinem Dienstantritt eine Volksversicherung auf sein eigenes Leben nach Tarif II 85 über 200 bis 500 M. zu be- antragen, hat aber nur 8/4 der Beiträge zu entrichten;'/« übernimmt die„Victoria". Aerztliche Untersuchung findet nicht statt, die Versicherung tritt aber trotzdem ohne Karenzzeit sofort voll in Kraft. Absatz II des Schriftstückes„berechtigt" den Beamten zur Ver- sicherung seiner Frau, Absatz III zur Versicherung seiner Kinder gegen die volle Tarisprämie. Diese„Wohltat" ist für die„Victoria" ein gutes Geschäft. Denn wenn sie auch ein Viertel der Prämie selbst trägt, spart sie bei der Sache doch jede Provision, sowohl Abschluß- wie Jnkaffa-Provistonen, kommt also nicht zu kurz. Die in die Versicherung hineingezwungenen Beamten haben dagegen alle Nachteile dieser sogenannten Volks- Versicherungen zu tragen. Werden sie brotlos— und wie leicht kann das bei der„Victoria" geschehen, wenn sie„wider den Stachel töken" so hat entweder die„Victoria" einen an sie gebundenen unfreiwilligen Prämienzahler, oder aber die Leute können die Versicherung unter schweren pekuniären Verlusten aufgeben. Meist wird das letztere eintreten. Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß das„Geschäft" in der Volks-Verstcherung in der Hauptsache mit den aufgegebenen oder verfallenen Versicherungen gemacht wird. Die Beamten der Gesellschaft wissen daS besser als irgend emand sonst. Trotzdem will die Gesellschaft ihre Versicherung erzwingen. Noch eins: Der Versicherungsantrag der Gesellschaft enthält eine Reihe von Fragen nach dem Gesundheitszustand des Antrag- stellers, sowie dem der Eltern und Geschwister, die wahrheits- gemäß beantwortet werden müssen, wenn sich der unfteiwillige Antragsteller nicht unter Umständen des Betruges schuldig machen will. Durch Beantwortung dieser Fragen umgeht die Gesellschaft eine ärztliche Untersuchung der von ihr dauernd zu beschäftigenden Beamten. Fällt die Beantwortung der zu stellenden Fragen un- günstig für den zu dem Antrage Gezwungenen auS, so ist ja die Gesellschaft nicht gehalten, ihn zu versichern, ja sie ist nicht gehalten, den Kranken— weiter zu beschäftigen! Sollte das der Zweck der Uebung sein?* Es ist kein Zweifel, daß dieser Zwang zur Versicherung mit dem Hintergrunde der Entlastung im Falle deS NichteinverständnisieS oder der erzwungenen Offenbarung ungünstiger Gesundheitsverhältnisse gegen die guten Sitten verstößt. Ein Bäcker kann nicht ge« zwangen werden, das Brot bei seinem Meister zu entnehmen; ein Schneider darf seine Röcke herbeziehen, woher er Lust hat, und ein Versicherungsbeamter ist beim Abschluß von Ver« Sicherungen seiner Person nicht an die Gesellschaft gebunden, bei der er beschäftigt wird. Unter Umständen kann ihn a seine intimere Kenntnis der Verhältnisse gerade dieser Gesellschaft davon abhalten, mit ihr einen Versicherungsantrag ein- zugehen. Es gibt heute übrigens kaum noch einen Unternehmer, der den von ihm beschäftigten Arbeitern zumutet, ihren Bedarf bei ihm zu decken. Bei der gewerkschaftlich und politisch aufgeklärten Arbeiter- chaft käme derselbe mit solchen Forderungen böse an. Auch die „Victoria" dürfte es nicht wagen, ihren Leuten derartiges zu bieten, wenn sie in ihrer Mehrzahl organisiert wären l Deutfcheo Reich. Gegen den paritätische« Arbeitsnachweis. Der Arbeitgeberverband in Flensburg hat neben dem paritäti- chen Arbeitsnachweis einen eigenen Arbeitsnachweis, der sich aus- schließlich in Händen der Unternehmer befindet, errichtet, weil ihm der paritätische Arbeitsnachweis noch nicht gefügig genug erschien. Unter dem Einfluffe des Arbeitgeberverbandes und mit Unterstützung der Stadtbehörde ist nunmehr auch das Statut für den paritätischen Arbeitsnachweis dergestalt abgeändert worden, daß der Einfluß der Arbeiter völlig ausgeschaltet wird. für Nacht- und Ueberstunden. Weiter erfolgte noch die Einteilung der in Betracht kommenden Firmen in die einzelnen Klassen. In die Klasse I wurden t5 Firmen einrangiert, in Klasse II 19 Firmen und in Klasse III 3 Firmen. Ter Tarifvertrag soll vorläufig aus zwei Jahre abgeschlossen werden. Eine Kommission wurde beaus- tragt, den Tarif sofort den Arbeitgebern zu unterbreiten. Schließlich wurde noch ausgeführt, wenn die drei Organisationen ebenso einheitlich die Lohnbewegung durchführen, wie sie begonnnen, dann kann der Erfolg nicht ausbleiben. Die Liegnitzer Unternehmer werden wohl oder übel die berechtigten Forderungen der Arbeiter anerkennen müssen! Die Maßregelungen technischer Grubenbeamten auf der Giesche-Grube in Schoppinitz O.-S. haben in ganz Deutschland große Entrüstung hervorgerufen, die auch auf der vom Bund der technisch-industriellen Beamten am Sonntag, den 7. d. Mts. in Breslau einberufenen, von zirka 800 Privat- angestellten aller Berufe besuchten Protest Versammlung beredten Ausdruck fand. Ingenieur Schweitzer- Augsburg gab einen kurzen, sachlick>en Bericht über die Maßregelungen der Grubenboarnten durch die Gieschegrube und unterzog das Vor- gehen der Grubenverwaltung, insonderheit das des Herrn Geheim- rat Uthemann, einer berechtigten Kritik.— Unter großem Beifall wurde alsdann ein Sympalhietelcgramm an die gleichfalls tagenden obcrschlesischen Bundesgruppen folgenden Inhalts abge- sandt: 800 Privatangestcllte Breslaus sprechen den um Koalitions- recht kämpfenden Kollegen ihre wärmste Sympathie aus. Haltet mutig aus! Glück auf! Alsdann referierte Reichstagsabgeordneter Dr. Fleischer- Neurode-Glatz über:„Organisation und Persönlichkeit" und be- tonte, datz unter den heutigen, durch die kapitalistische Wirtschafts- weise hervorgerufenen nivellierenden Arbeitsverhältnissen die Ent- Wickelung der Einzelpersönlichkeit im Großbetriebe zur Unmöglich- keit geworden sei, und daß die Organisation die ultima ratio sei, um der Persönlichkeit in ihr und durch sie wieder die nötige Geltung zu verschaffen. Mit der Mahnung an die Angestellten, aus der Vereinzelung herauszutreten und sich einer machtvollen Organisation anzuschließen, schloß der Redner unter donnerndem Beifall seine Aus- führungen. Hierauf referierte Landtagsabgeordneter Dr. Schopp über: „Das Koalitionsrecht und die Angestellten." Unter Hinweis auf die mißliche rechtliche Lage der technisch-indastriellen Beamten kommt Redner ebenfalls zu dem Schlüsse, daß die Angestellten sich vereinigen müssen, um Parlamente und Regierungen aufzuklären und zur Abhilfe zu veranlassen. In der Diskussion gaben die Vertreter des Deutschen Technikerverbandes, des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig sowie des Vereins der deutschen Kaufleute Svmpathieerklärungen ihrer Verbände ab. Reichstagsabgeordneter Sachse- Waldenburg beleuchtete die miß- liche Lage der Steiger in den westfälischen Gruben und wies die Anwesenden ebenso wie auch der Stadtverordnete Loebe auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses hin. Einstimmig wurde die vom Ortsgruppenausschuß eingebrachte Resolution ange- nommen: Die auf den 7. Februar 1909 in Breslau vom Bund tech- nisch-induftrieller Beamten einberufene, von zirka 800 Privat- angestellten besuchte öffentliche Versammlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die jüngsten Angriffe der Grubenverwal- tung von Georg von Giesches Gruben auf das Koalitionsrecht der Angestellten. Sie spricht den Angegriffenen ihre wärmste Sympathie aus und richtet gleichzeitig an die Oeffentlichkeit die Bitte, die Privatangestellten bei dem Ringen um die Wahrung und den Ausbau der Koalitionsfreiheit tatkräftig zu unter- stützen. Von den gesetzgebenden Körperschaften erwartet sie, daß sie nunmehr mit größter Beschleunigung daran gehen werden. die bisherige mangelhafte Koalitionsfreiheft zu einem wirklichen Koalitionsrecht auszubauen. Ende des Streiks der Konfektionsschneider in Elberfeld-Baruien. Die Sperre über die HerrenkonsekttonSgeschäste ist aufgehoben; nachdem vorher zwischen den beiderseitigen Kommisstonen eme Verständigung über die stritttgen Punkte stattgefunden hatte. Die Arbeit ist überall wieder aufgenommen worden und der Streik für beendet erklärt._ Tariskündignng im Baugewerbe. Eine kombinierte Versammlung der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter von Husum und Umgegend beschloß, den am 1. Mai d. IS. ablaufende» Tarifvertrag zu kündigen, nachdem in der Woche vorher eine Aussprache der Gauvorsteher der drei be« teiligten Organisationen stattgefunden hatte. Echnhmacher-AnSsperning. Mehr als 800 Fabrik-Schuhmacher in H o l i tz bei Reichenbach in Bayern sind wegen Lohnstreitigkeiten ausgesperrt worden. Eine der größten Fabriken dagegen, die gegen 500 Arbeiter beschäftigt, hat nicht ausgesperrt und alle Forderungen bewilligt._ Versammlungen. Die erste Lohnbewegung im Schneidergewerve zu Liegnib. Seit länger als zehn Jahren war seitens der Gehilfen im Schneiderberuf zu Liegnitz vergeblich der Versuch gemacht, eine Lohnbewegung zustande zu bringen. Jetzt endlich ist es ge- lungen, die Gesamtgehilfenschaft für die Notwendigkeit eines Tarifvertrages zu begeistern. Alle drei Arbeitnehm erorganisationen: Verband der Schneider und Schneiderinnen, Gewerkverein der Schneider (Hirsch-Duncker) und Verband christlicher Schneider, beschkosien in einer kombinierten Mitgliederversammlung— der unmittelbar vorangegangen eine öffentliche Versammlung—, nach einem ausführlichen Referat des Gauleiters vom Verband der Schneider— Schärtl- Breslau—. in eine Lohnbewegung einzu- treten. Der Beschlutz wurde einstimmig gefatzt, nachdem der Referent in seinem Vortrage darauf hingewiesen, datz in Liegnitz «Jugtttd und Bildung." Die Versammlung, welche der Jugendausschutz am Sonntagnachmittag in Freyers Festsälen, Koppenstratze, veranstaltet hatte, war außerordentlich stark besucht. Die Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen waren eingeladen, einen Vortrag des Genossen S trübe l über das Thema:„Jugend und Bildung" zu hören. Und sie kamen in hellen Haufen, obgleich draußen der blaue Himmel strahlte und die goldene Sonne lachte und lockte. Und pünktlich kamen sie; um zh3 Uhr waren Saal und Galerien schon besetzt; viele muhten schließlich mit Stehplätzen zufrieden sein. Eine tiefe Stille herrschte, als der Referent begann, der mit seinem Vortrage Interesse der Hörer stark zu fesseln wußte. Donnernder Beifall er- schallte, als der Redner geendet hatte. Der Vorsitzende, Dr. Kurt Rosenfeld, machte bekannt, daß der Jugendausschuß außer den Vorträgen noch Unterrichtskurs« mit kleinen Wissensgebieten aus der Geschichte, der Nationalökonomie und der Naturwissen, schaft veranstaltet habe. Anmeldungen nimmt Adolf Ritter, Engel- User 15, entgegen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung, nacb- dem er seiner Freude über den außerordentlich starken Besuch leb- haften Ausdruck gegeben hatte.__ Letzte JVacbrxcbtßn und vepelcben. Bei de« Rettungßarbeiten ertrunken. Gelsenkirchen, 8. Februar.(B. H.) Bei den Rettungs- arbeiten, die durch das Hochwasser notwendig waren, ertranken hier drei Mann._ Ein Lustmord. Trier, 8. Februar.(B. H.) Ein Bergarbeiter namens Simm in dem lothringischen Orte Montols-la-Montagne bei Neutsch fand nach Beendigung seiner Nachtschicht auf dem Nachhausewege seine 25jährige Ehefrau in einer Blutlache liegend als Leiche. An der Unglücklichen war ein gräßlicher Lustmord verübt worden. Der mutmaßliche Täter, ein dortiger Familienvater, beging Selbst- mord. Die Schließung eines Eisenbahntunnels. Waldenburg, 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Infolge des Witterungsumschlages in vergangener Woche haben sich in dem zwischen Fellhammer und Dittersbach gelegenen Schoenhuter ....,------ �„, Tunnel bedenklichere Erscheinungen gezeigt, die seine Schließung die allerschlechtesten Lohne im Schneisergewerbe von ganz Ifiir den Eisenbahnbetrieb erforderlich gemacht haben. Der gesamte ~. V--„tr,.�Deutschland gezahlt würden. Der aufgestellte Lohntarif enthält'Verkehr wird über Bad Salzbrunn umgeleitet. Zwischen DitterS- erfolgt, und sie ist noch magerer und ungenauer ausgefallen, als � in den Hauptpunkten eine wesentliche Lohnaufbesserung, eine dach und Niedersalzbrunn verkehren Anschlutzzüge, für welche die wir befürchtet hatten. Sie lautet:____ Regelung der Arbeitszeit auf 10 Stunden täglich, eine Bezahlung' Fahrpläne aus den Stationen zum Aushang gebrach' sind. Lerantw.Rcdakt.: Varl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantw.:Th.Glocke.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsänstä« PäülSingerLCo.,BerlinL>V."Hierzu 3 Beilagen u.Nnterhaltuugsbl. Si.33.». Irttja». t. fltÜflUe Reichstag. 201. Sitzung vom Montag, den 8. Februar. nachmittags 2 Uhr. Nm BundeSratStische: v. Bethmann-Hollweg. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweite» Beratung des Etats für das Reichsamt des Jimern nebst den dazu gestellten Anträgen und Resolutionen. Der an erster Stelle gemeldete Redner, Frhr. v. G a m p(Rp.), ist in d-n, austerordentlich schwach besetzten Hause nicht anwesend. Abg. Irl sZ.) gibt seiner Freude über die bevorstehende Mittelstandsenquete Ausdruck. Die Wirkung der Handwerkergesetz- gebung ist keineswegs so unbedeutend, wie von sozialdemo- kratischer Seite behauptet wird, tzu wünschen ist aber, dah die Handwerkskammern bei den BeKorden mehr Entgegenkommen finden als bisher; dann werden sie noch segensreicher wirken können. Der Redner verbreitet sich ausführlich über die Lage des Hand- Werks, in welchem eS die Arbeiter besser hätten als in der Industrie, und bespricht dann die Frage der Tarifverträge, wobei er ein Tarif- verbot fordert. Gegenüber dem Abg. Zubeil bestreitet der Redner, dast bei allen Malerarbeiren das Blciweist zu entbehren oder durch andere Präparate zu ersetzen sei; auch habe Zubeil die Bleimeist- gefahr übertrieben. Keinesfalls dürften Bleiweistvergistungen, wie eS Zubeil verlange, als Betriebsunfälle angesehen werden Zum Schlust befürwortet Redner eine von ihm eingebrachte Resolution, welche den Berussgenosienschaften Erleichterungen bei der Ansamm- lung von Reservefonds gewähren will. Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Geheimrat Dr. Fischer: Der Abg. Zubeil hat mir am Sommbend einen Vorwurf daraus ge- macht, dast ich gesagt hätte, meine Regierung habe das Vereinsgesetz loyal ausgeführt. Es handelte sich um einen sozialdemokratischen Verein von 23 000 Mitgliedern, der sich über einige 00 Ortschaften erstreckt. Hier kann von einem Verbundensein der Mitglieder gar keine Rede sein. So lange die Gerichte für die Begriffe eines Vereins und der Oeffentlichkeit nicht andere Merkmale ausstellen als bisher, übernimmt die Regierung die Veraulwortung für die Aus- legung des Vereinsgesetzes, wie es gegenüber dem Leipziger sozial- demokratischen Verein geschehen ist. Wenn Herr Zubeil das eine illoyale Ausführung des Gesetzes nennt, so halte ich es nicht für nötig, darauf zu erwidern.(Bravo! rechts. Zischen bei den Sozial- demokraten.) Abg. Ranmann(frs. Vg.): Die zutreffenden Worte, mit denen der Staatssekretär die Vorkommnisse in Köln brandmarkte, zeigen. wie die Autorität des Staates als Bestandteil der öffentlichen Meinung gegen solche Uebergriffe des Koalitionswesens auftreten kann, wo rein juristisch ein Eingreifen nicht möglich ist. Die Frage deS Koalitionsrechts lätzt sich heute so aussprechen: Wie ist der Schutz der schwächeren Verbände gegenüber den stärkeren möglich? Das ist die zweite Phase des Kampfes um den Arbeiterschutz, in dessen erster Phase eS sich um den Schutz des individuellen Arbeiters handelte. Von ousterordentlicher Bedeutung für die Beurteilung dieser Fragen find die Vorgänge in Oberschlesien. Bekanntlich hat man dort Schläge gegen die Koalttionsfreiheit der Techniker geführt. Der General- dsrektor Uhtemann sagte mit dürren Worten:„Ach waS� Koalitions- sreiheit und persönliche Freiheit sind Redens- arten!"(Hört!'ort!) Und weiter:„Der Verband? Was will der Verband? Dessen Vermögen beträgt ja nicht 1 Prozent des Vermögens dieses einzigen Werkes!" Und dann wurden eine Anzahl Techniker, darunter solche, die sechs Jahre dort tätig waren, auf das brüskefte entlaffen.(Hört! hört!) Wir hoffen, dast der Staatssekretär für diese Vorgänge denselben scharfen Tadel haben wird, den er für die Kölner Vorgänge gehabt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Formal ist der Generaldirektor Uhteniann im Recht; eS ist aber nötig, dast Reichs- und Staatsbehörden solchen Vorgängen dieselbe Aufmerksamkeit schenken wie etwa Katastrophen nach Art der Katastrophe von Radbod. Was Hilst die Koalitionsfreiheit, wenn sie nur aus dem Papier steht? (Sehr wahr! links.) Die Gesetzgebung must dahin abgeändert werden, dast es direkt verboten wird, beim Abschluß eines Arbeitsvertrages nach der Zugehörigkeit zu dieser oder jener Organisation zu stagen, sowie, dah Reverse vorgelegt werden, die den Arbeitern oder Angestellten die Koalition untersagen. BiS zum Verbot der schwarzen Listen dürfte man dagegeu nicht gehen, denn AuSsperrungSrecht und Streikrecht stehen in Wechselbeziehung, das eine bedingt das andere. Sporadisch auftretende schwarze Listen sind kleines feuilleron. Die Tschudi-Hetze. Der Direktor der Berliner Nationalgalerie, Herr v. Tschudi, den der bekannte Kunstabsoluttsmus und künstlerische Cliquenpolitik von der Stätte seines ersprießlichen Wirtens umsonst zu verdrängen versucht haben, kehrt nach einem aufgezwungenen Urlaub in nächster Zeit in sein Amt zurück. Der kräftige Protest, den der Kunstabsolutismus bei seinen Eingriffen in dies Terrain staatlicher Kunstpflege in der Oeffentlichkeit(nicht etwa bei dem Herrn Minister) fand, ist noch in guter Erinnerung. Aber die Clique lästt nicht locker. In dem bekannten Lakaienblatte, dem..Lokalanzeiger", läuft sie jetzt schon wieder Sturm gegen Tschudi mit Verdächtigungen, die nur den einen Zweck haben können, den KunstabfolutiSmus zu neuen Husarcnrittcn zu ermutigen. (Hoffentlich holt er sich dabei die gleiche Abfertigung wie früher, wenn er noch Lust dazu haben sollte.) Einen Teil dieser Jnsinua- tionen, die die Handlanger der verkannten Kunstgernegrotzen und der„Kaiser-Kunst" vorbrachten, bat ein Mitbeschuldigter, der !iunstschriftsteller Julius Meyer-Gräfe, bereits klipp und klar an der Stelle, wo sie erfolgt waren, widerlegt. Die Kunsthintermänner des Kaiserblattes quittieren über die wohlverdienten Prügel mit dem Biedermanngeschwätz von der höheren Warte der Unparteilich- keit, von der aus sie die Dinge betrachten. Die Verschacherung von Freiheits- und Äunstintereffen belieben diese Althändler der öffent- lichen Meinung als Wahrnehmung höherer Interessen auszugeben. Geschäft und Mode. Die Moden werden heutzutage von den großen Geschäften, die den Ton angeben und den Markt beherrschen, diktiert, geändert, widerrufen. Die Moden sind ein Mittel, dessen sich die kapitalistischen Unternehmer bemächtigt haben, um durch steten Wechsel den Markt der Eitelkeiten zu beleben und ihren Zwecken dienstbar zu machen. Ein Pariser Modebericht macht diesen Zusammenhang besonders deutlich. Es heißt da: Die plötzliche Unterdrückung des Dircctoirestils in der Mode, die in Paris als Stichwort ausgegeben ist, ruft allenthalben Erstaunen hervor. Die Beweggründe dafür liegen nun allerdings nicht in einer ästhetischen Abneigung gegen diesen Stil, sondern sie sind ans materiellen und geschäftliche» Momenten herzuleiten. Tie letzte Saison war für die großen französischcli Modefirmen sehr wenig einträglich, und man schiebt nun die Schuld an den schlechten Geschäften auf die Directoiremode. Die Kleiderstoff- und Wäschefirmen haben am schwersten unter diesem enganliegenden, den Unterrock verpöncnden Stil gelitten. Braucht man doch zu einem Direetoirekleid wenig mehr als die Hälfte des Stoffes, der früher zu einer Robe not- wendig war! Außerdem sind die Directoireformen sehr leicht zu kcpieren, und so haben sich viele Damen ihre Toiletten von Haus- schneiderinnen machen lassen, nachdem sie erst einmal ein Modell bei einer großen Firma erworben. So heischt denn allgemeine Klage unter den Modekünstlern, den Tuch-, Seiden- und Samt- fabriranten und in den Wäschegeschästen. Tie einzigen Kaufleutc, sts Jmiith" zimlich unbedenklich; zu einer schweren volkswirtschaftlicken Gefahr aber werden sie, wenn sie derart epidemisch austreten wie in Rhein- land-Westfalen. Die Verteidiger der schwarzen Listen sprechen vom not- wendigen„Sckmtz gegenKonlraltbruch". Aber was bedentei Kontraklbruch? Den Bruch von Kontrakten, die oftmals gar nicht verstanden werden, die ortsiremdcn, oft kaum des Lesens kundigen Leuten aus Mastiren vorgelegt werden.(Sehr richtig!) Dieie Art Kontrakte sind nichlS als einseitig aufoktroyierte Arbeitsordnungen.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Die Zechen sind Herrschaitsmächte ge- worden mit dem Recht zur Auferlegung von Privatstrafen, kapital- feudale Mächte nach Art der Eisenbahngesellichasten, die Bismarck, als er fie verstaatlichte, als solche schilderte. Von ihrem rein vrivairechtlichen Straftecht machen die Zechen- mächte einen Gebrauch, der die staatliche Justiz als mild und human erscheinen läßt. Der Staatssekretär scheint die schwarzen Listen nur darum für so gefährlich zu halten, weil sie geheim sind. Nach ihm scheint die Oeffentlichkeit der schwarzen Listen das beste Mittel gegen ihren Mißbrauch zu sein. Das ist jedoch zu optiinistisch gedacht. Mit Hilfe eines in ihren Händen liegenden Arbeitsnachweises, mit Hilfe eines einfachen Zettelkastens können die Zechenverwaltungen schließlich dasselbe erreichen, was sie jetzt durch die schwarzen Listen erreichen. Es ist das kaum verhüllte Ziel der Zecheuverwaliungen, eine neue Hörigkeit einzuführen. Der arbeitende Mensch wird wie ein Stück Kohle sortiert und auf die Preisliste gesetzt, und wenn er sich in das System der Materialisierung nicht hineinblingen lassen will. kommt er auf die schlvarzen Listen. Wir sind dein Staatsselretär dankbar, daß in der Eisenindustrie in Zukunft Notierungen über Arbeitszeit und Ueberarbeitszeit vor- genommen werden sollen, welche die Grundlage fiir eine Erbebung über die Arbeitsverhältnisse in der Großeisenindiistrie abgeben können. Die Unfallziffern im Eisengewerbe sind erschreckend hoch. Sie über- treffen den Durchschnitt um das Dreifache. Solche Zahlen legen die Frage nahe, ob diese Unfälle nicht mit der infolge zu' langer Arbeitszeit eintretenden Ermattung zusammenhängen. Gewiß ist es bedenklich, durch die Gesetzgebung die Arbeitszeit regeln zu lassen. Aber diese Leute, denen die schwere Feuerarbeit Kraft und Nerven auf- saugt, sind nicht im stände, vom Koalitionsrecht Gebrauch zu machen. Man muß erst Minimalbedingungen schaffen. um die Leute zu befähigen, aus dem Recht praktischen Nutzen zu ziehen, das jetzt für sie nur auf dem Pavier steht. Aber die Großindustriellen wollen keine Verbände, wollen keine Staatsmaß- regeln, sie wollen Herren in ihrem Betriebe sein. Der kleine Handwerker hat. wie die Ausführungen meines Vorredners Irl be- weisen, gelernt, sich mit der Koalitionsfreiheit abzufinden, mit seinen Arbeitern zu verbandeln. Die Herren der schweren Metallindustrie aber, die kennen keine Menschenrechte, sie wollen über lebendige Menschen herrschen wie über tote Maschinen.(Sehr wahr!) Wenn man durch die Walzwerke geht, staunt man über die unge- heueren Mengen Material, die dort verarbeitet werden. Wendet man sich aber zu der Behandlung der Mcii'chen in diesen Werken, so muß man sagen, daß dorr eine neue Aristokratie von Parvcuü-Existenzrn herrscht, die nicht wissen, wie man Menschen behandelt.(Lebhaftes Bravo I) Diesen Herren möchte man mit Ernst Moritz Arndt zurufen: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Der wollte keine Knechte!" (Lebhafter Beifall links und auf den Tribünen.) Abg. Graf v. Carmer- Osten(k.): In Oberschlesien hat man nicht irgend welchen Beamten das Koalitionsrecht nehmen wollen, sondern man hat einen Hilfssteiger gekündigt, nicht weil er dem Bund der technisch-industriellen Beamten angehörte, sondern weil er in öffent- licher Versammlung gegen die Beiriebsleitung aufgetreten war. Als sich nunmehr der Bund einmischte, wurde da» von der Betriebsleitung zurückgewiesen. Den Beamten, die sich der Sache annahmen. eröffnete der Generaldirektor ausdrücklich: Es handle sich nicht darum, ob sie dem Verbände angehören oder nicht, ihr KoalitionS- recht solle nicht angetastet werden, sondern es handle sich lediglich darum, daß sie ohne zwingende Veranlaffung öffentlich gegen die Gesellschaft Stellung genommen hätten.(Zurufe bei den Sozial- demolraten.) Was in den Zeitungen gestanden hat, ist alles falsch, auch was im demokratischen„Blaubuch" von Jlgenstein darüber berichtet ist.— Schließlich ist den Beamten gesagt, sie sollen sagen, ob sie im Bunde bleiben oder sich für die Gesellschaft entscheiden wollen. (Abg. Ledebour(Soz.): Sie geben ja alles zu!) Als sie sich für den Bund entschieden, wurde 16 Beamten gelündigt, und fünf mußten sofort entlassen werden, um der eingerissenen'Unbotmäßig- keit zu steuern!(Lebhaste Zustimmung rechts, Zuruf links). Unter diesen fünf befand sich ein technischer Bureaubeaniler. anscheinend der die mit der Directoiremode Geld verdient haben, sind die Fabri- kanten der langen Strümpfe und der„CombinationS", die zu der Toilette unerläßlich waren. Die neue(d. h. die von den führenden Geschäften jetzt diktierte) Mode drängt nun vor allem wieder auf eine weitere Form, bei der sich ein Luxus in Stoffen und Gar- nierungen entfalten kann; man will wieder volle breite Mafien, Röcke mit einem Gewoge von Volants und Spitzen; man will eine besondere Betonung der Unterkleider. Man will sogar wieder der- suchen, den Reifrock und die K r i n o l i n e einzuführen, weil sich in diesen unförmigen Erfindungen der Mode ein besonderer Reich- tum an Material anbringen läßt. Während die Schneiderinnen klagen, sind die Putzmacherinnen vergnügt. Die raschwechselnde Bielgestaltigkeit der Hutformen, die unendliche Fülle des Ge- botenen haben den Hutluxus zu einer erstaunlichen Höhe steigen lasten.„Die durchschnittliche Lebensdauer für einen modernen Hut," so äußert sich ein bekannter Pariser Modist,„ist ein Monat. Die elegante Pariserin muß jeden Monat einen neuen Hut haben, wenn sie nach der Mode gekleidet bleiben will, und jeder Hut kostet etwa 240— 800 M. Aber zwölf Hüte im Jahre sind nicht genug. Sie' muß einen Automobilhut haben. Hüte für das Restaurant, das Theater, für Reisen, für die Riviera, kurz, für jede Gelegenheit einen besonderen Hut. Dreißig Hüte im Jahre sind daher der geringste Bedarf für eine elegante Dame. Die'Menge der Kopf- bedeckungen, die sie mit auf die Reise nimmt, ist so zahlreich ge- worden, daß wir besondere große Hutkoffer haben anfertigen lassen müssen, nicht viel kleiner als ein großer Koffer für Toiletten." ' Musik. Frühlingswchen geht durch Konzerte, die mitM e n d e ls s o h n- scher Musik veranstaltet werden. So war eS am Sonntag: am frühen Abend veranstaltete der BildungSausschuß der Arbeiterschaft RixdorfS und am späten Abend Margarete Walkotte eine Feier zum 100. Geburtstage des Komponisten. Hier gab den Rainn das GewerkichastshauS, dort die Aula der neu- erbauten Mädchenmittelichnle— allerdings erst nach längerem Bemühen um Ueberlassnng des Saales. Bei Walkotte herrschten niniikalischerGenuß und Sololied vor, bei den Rixdorfern musikalische Bildung und Chor- gesang. Daß hier der Einleitnngsvorlrag auch musikalische Beispiele gab. war sehr erfreulich, trotz des störenden Nachklingenlaffens des PedaleS. Eine Verhinderung des Vortragenden ließ infolge eines Mißgriffes der Konzertlcitiing, die ganz wohl beizeiten anfangen tonnte, die Veranstaltung solange dauern, daß der Referent, um noch seinen zweiten Bestich zu machen, ans das vom Berliner VolkSchor gesungene Opcrnfragment der„Loreley" verzichten mutzte. In beiden Konzerten_ spielte die von Richard K u r s ch, dem künstlerischen Leiter des ersten Konzerts, geführte Trio- Vereinigung ein Klaviertrio von Mendelssohn. Man konnte leicht air dem lang- samen Satz eine geringere Freude haben, als an den drei übrigen, die statt seines etwas lahmen Schmachtens so viel frisches Dahin- brausen enthalten. Von einem solchen Dahinbrausen würde dem Vor- trage mancher Rummern der beiden Konzerte ein größerer Betrag Dl'eustag. 9. Februar l909. Führer der Bewegung, ein Jngenieurkandidat, der nur aus Gnade und Barmherzigkeit angenommen war(Lachen links), damit er sein Examen machen könne. Von den anderen drei standen zwei zur Kündigung, einer hat geschrieben, er sähe sein Unrecht ein und bäte um Wiedereinstellung, was auch geschehen ist. Ich wiederhole also: das Koalitionsrecht ist nicht angetastet (Lachen bei den Sozialdemokraten), aber kein Arbeitgeber kann es sich gefallen lassen, daß ein Dritter sich in den Slreit zwischen ihn und seine Arbeiter einmischt.(Zustimmung rcchls.) Das gilt auch bei den Sozialdemokraten, bei denen es auch heißt: Wer nicht pariert, der stiegt.(Znruf rechts: Die edlen Sechs l) Damit komme ich zum Schutz der Arbeitswilligen. Die Regierung muß dafür sorgen, daß nicht seder Arbeiter gezwungen wird, sich dem sozialdemokratischen Verbände anzuschließen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir wünschen Gesetze zum Schutze des Mittelstandes in Stadt und Land I (Lebhaftes Bravo! rechts. Lautes Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. KulerSki(Pole): Vermißt habe ich in den Ausführungen des Staatsiekrelärs die Ankündigung einer Arbeitslosenversicherung. Selbst Bismarck hat geäußert,'jeder habe ein Recht auf Arbeit. Da muß man ihn also, wenn man ihm keine Arbeit geben kann, unter- stützen. Weiter sollte der Staatssekrelär Verständnis für das Recht der vollen Koalitionsfreiheit haben, mindestens müßten die gewerb- lichen Arbeiter besser gegen das Unternehmertum geschützt und es müßte dem Treiben der schwarzen Listen Einhalt geboten werden. Freilich, von einer Regierung, die den Sprachenparagraphen des Vereins- gesetzes durchgebracht hat, kann man nickt allzuviel Gerechtigkeit erwarten.(Zustimmung bei den Polen.) Das schivarze Liftensystem kann einen fast bewegen, die Zeit der Leibeigenichaft zurückzu- wünschen: der Herr des Leibeigenen mußte doch im eigensten Jnrer» esie mindestens daraus achten, daß die Gesundheit und Arbeitslrast des Leibeigenen bewahrt wird. Wer das System der schwarzen Listen anwendet, verrät eine Henker natur.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Die Herren wollen eben keine freien Arbeiter haben, sondern Arbeits s k l a v e n, die sich nicht zu rühren wagen. Dem Mißbrauch der kapitalistischen Uebermacht muß eine Grenze gesetzt werden.(Zust. b. d. Sosiald.) Man klagt über den Mangel an Religion im Volke Aber die Masse hal mehr Religion als die Unternehmer, die Unternehmer liegen ja vor dem goldenen Kalb auf dem Bauch, die Religion ist ihnen eine gute Sacke, um das Volk im Zaume zu halten, für einen aufgeklärten Unternehmer ist sie eine abgetane Sacke I(Sehr richtig I bei den Polen und de» Sozialdcmolraien.) Weiter verlangen wir ein Reichsberggesctz, mindeslenö aber Los- lösung des ArbeiterichntzeS im Bergbau und seine reichSgesetzlicks Regelung. Die dringendste Forderung der Bergarbeiter ist die von Grubeiikontrolleuren. Leider ist der Slaatssekretär nicht auf dem Bergarbciterkongreß gewesen; er hätte dort auS dem Munde von Arbeitern, die mitten in der Arbeit stehen, hören können, wie im Bergbau mit dein Leben der Arbeiler gespielt wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Regie- rung der Forderung nach Grnbenkontrolleure» nicht nachgibt, so werden wir ihr die Schuld gebe» an den zukünftigen Toien, an denen eS nicht fehlen wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Zum Schluß möchte ich anläßlich des Falles Azew, der jetzt die Preffe beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Regierung aus die Tätigkeit der preußischen Lockspitzel in polnischen Vereinen lenken und sie bitten, auf eine Einschränkung dieser Tätigkeit hinzuwirken. (Bravo! bei den Polen.) Abg. Frhr. v. Gamp-Maffauen(Rp.) spricht zunächst sehr auS- führlich über die Zeitverschwcndung, deren sich andere Abgeordnete nach seiner Behauptung schuldig machen, dann verteidigt er die schwarzen Listen und preist im Zusammenhang bannt das warme Herz der deutschen Aideitgebcr. Herzlos seien bloß die pol- nischen Arbeitgeber. Die Arbeitgeber sind die Sklaven der Ar- beiler.(Minnlenlanqe Heiterkeit.) Im Reichstage wird viel zu viel geredet(Lebhaftes Sehr richtig l und Heiterkeit) und im Reichsamt deS Innern wird zuviel geschrieben. Iii Deuichland werden alljährlich 20— 25 Proz. der Bevölkerung polizeilich bestrast. Das kommt von der übertriebenen Gesetz- mncherei, unter der die kleinen Unternehmer besonders zu leiden hoben. Die Bäckereiverordnung wird viel zu rigoros durchgeführt. Der Staatssekretär hat sein warmeS Herz für die Arbeitgeber betont. Damit ist aber den Arbeitgebern nicht gedient. Sie wollen Taten sehen! Die Arbeitgeber werden vom Staate derart schlecht behandelt, daß sie mißmutig und erbittert werden und ihre Betriebe in Aktiengesellschaften verwandeln. Nirgends werden die Arbeitgeber so schikaniert, wie in Dentschland. Der Reichstag hat den Unternehmern nicht einmal den Gefallen getan, die Be- ratung der Gewerbeordnungsnovelle etwas zu verschieben. Setze zu wünschen sein. Hervorheben möchten wir die beiden Sängerinnen des zweiten, das ist die schon genannte Veranstalterin und Margarete Brieger-Palm, die ihre(doch kaum als Alt zu bezeichnende) liefere Stimme und sympathische Vortragsweise noch besser zur Geltung bnngen könnte, wenn sie die Konsonanten schärfer aus- spräche. Jedenfalls war ein Gesamtbild des ohnehin in sich reckt einheit- lichen und sogar etwas gleichförmigen Komponisten gut zu gewinnen. Nmnemlich die Verbindung von stimmungsvoller Innigkeit und melodischer Uebersüßigkeit konnte gefühlt werden. Von besonderem Interesse würde es nun sein, wenn zum Verständnis der Gegen- sätze demnächst in einigen Konzerten Ueberwinder der älteren Sing» sangweise zum Vortrage kämen. Zumal MännergesangSkonzerte können dies brauchen. Unsereiner wird gelegentlich gefragt, welche Kom- ponisten für � die Ueberwindung der„Liedertafelei" zu empfehlen wäien. Darüber kurZ folgendes. Ueber Mendelsiohn(dessen Männer- chöre in diesen Tagen zu kurz gekommen sei» dürften) führt zunächst Robert Schumann hinaus, in dessen Gesamtausgabe ja eine Auswahl aus den Männergeiangswerken nicht schwer zu treffen sein wird. Sodann sind R. Franz und P. Cornelius, obwohl seit 17 und 35 Jahren tot, doch im besten Sinne weit moderner als so manche Spätere, unter denen aber auch wieder dem Unechten nicht wenig Echtes zur Seite tritt. Kurz: die Bildungsmelhode durch und Gegenbeispiel mag sich auch hier bewähren. Notizen. — Catulle MendvS wurde in einem Tunnel bei P a r'i S tot aufgefunden. Er scheint nachts auf der Heimfahrt nach seinem Wohnort St. Germain aus der Bahn gestürzt zu sein. Der 1341 in Bordeaux geborene vielgewandte Schriftsteller hat sich in der Lyrik. im Roman, im Drama, als Librettoschreiber, als Kritiker und Wagnervorkämpfer betätigt. Er gehörte schließlich zu den„Welt- bekannten Bonlevarddicktern", von denen die amüsanten Pariser Plauderer zu berichten pflegen. — Ein neues Opfer derX-Strahlen. Aus London wird berichtet: Die gefährlichen X-Slrablen haben von der Wissen- schaft ein neues Opfer gefordert: Harry W. Cox, der englische tor'cher, der sich schon seit Jahren mit Experimenten mit den -Strahlen beschäftigt, bat sich jetzt einer Operation unterziehen müssen, bei der er drei Finger und den größten Teil seiner rechten Hand verloren hat. Schon vor einigen Jahren mußte er sich einen Finger der linken Hand amputieren laffeir. Wie Dr. Hall-EdwardS. der beide Hände verloren hat,«st Cox einer jener Märtyrer der Forschung, die als erste Pioniere noch unausgerüstet unbekannten Gefahren entgegenzichen. Ihrem bitteren Schicksal verdankt man die Kenntnis der Gefährlichkeit der X-Strahlen. Die heute mit ihnen operieren, sind solchen Unfällen nicht mehr ausgesetzt. Man hat inzwischen erkannt, daß Blei ein sicheres Abwehrmittel ist, und mlter bleigetränkten Guinmiinasken und mit eben solchen Handschuhen geschützt arbeiten heute die anderen Forscher. 4 der Herr Staatssekretär endlich einmal sein warme? Herz für die Arbeitgeber in Taten um.(Bravo I rechts.) Abg. Rieseberg(hnrtsch. Vg.): Für den Mittelstand hat man bloß schöne Worte. Die Bäckereiverordnung wird gegenüber Waren- Häusern lax, gegen kleine Bäckermeister hart gehandhabt. So geht das nicht weiter! Will man den Handwerksmeistern Kosten für die Sozial- gesetzgebung aufbürden, so must man auch für sie eiwaS tun, geht es ihnen doch häufig schlechter als den Arbeiiern. Wenn die Regie- rung den Handwerkern Einfluß auf die Krankenkassen gewähren will, werden wir ihr dankbar sein. Von den nationalen Arbeitern sagte Herr Albrecht, das seien die, die bei den Sozialdemokraten herausgeschmissen sind. Nein, es sind die, die sich von der Knute der Sozialdemokratie losgemacht haben.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie empfinden das auch schmerzlich, denn Sie wenden sich jetzt an die Jugend. In Ihrem Aufruf an die Jugend sprechen Sie(nach links) von der „heiligen Aufgabe der Jugend des Proletariats". Wie kann die Sozialdemokratie das Wort„heilig" anwenden? Dies Wort ver- st e h t sie gar nicht, denn sie verpönt ja jede Religion und so weiter. (Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Am Ende werden die Sozialdemokraten noch verlangen, daß den„Herren Jungens" das Wahlrecht gewährt wird.(Sehr gut l rechts.) Abg. Dr. Pachnicke(freis. Bg.): Der deutsche Reichsverband für Arbeitsnachweise sollte vom Reich eine finanzielle Unterstützung er- halten, und zwar schon jetzt in einem der Nachtragsetats, die ja kommen werden. Man sollte 80 000 M. für ihn einstellen oder, wenn eS geht, noch mehr.(Bravo I bei den Freisinnigen.) Daraus vertagt sich das HauS. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Zubeil(soz.): Wenn Herr Gehelmrat Fischer eS fertig gebracht hat, den Gewaltstreich der sächsischen Behörden gegen den sozialdemokratischen Berein in Leipzig zu verteidigen. Präs. Graf Stolberg: Dieser Ausdruck ist unparlamentarisch. Abg. Zobeil(fortfahrend) so zeigt das nur, auf wie tiefem Niveau die sächsische Regierung steht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Präs. Graf Stolberg: Herr Abgeordneter! Ich rufe Sie zur Ordnung.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Albrecht(Soz.): Herrn Nieseberg bemerke ich. daß mein Zwischenruf bei der neulichen Rede des Abg. Mugdan gemacht wurde. als er von gelben, nicht von nationalen Vereinen sprach; zwischen nationalen und gelben Gewerkschaften ist aber ein gewaltiger Unter- schied.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nächste Sitzung: Dienstag 2 Uhr.(Fortsetzung der Beratung.) Schluß Uhr. Mbgcordnetenbaiid* 25. Sitzung: Montag, den 8. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministcrtisch v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Befoldungsordnung für Bolksschullehrer und-lehrerinnen. Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Die Kommission hatte eine kulturell wichtige Aufgabe zu lösen, was erreicht worden ist durch das Entgegenkommen aller Parteien und der Regierung. Leider ist dasselbe Entgegenkommen nicht von der freisinnigen Presse bewiesen; ich denke z. B. an die„Vossische Zeitung". Es handelt sich auch hier um ein Kompromiß, bei dem natürlich keine Partei alle ihre Wünsche durchsetzen konnte. DaS Gesetz gilt für die ganze Monarchie und wird deshalb für einzelne Orte vielleicht Härten mit sich bringen. Falsch ist die Pressenachricht, daß wir in der Kommission prinzipiell eine günstigere Regelung der Alters- zulaaen verhindert haben. Aber wir mußten Rücksicht nehmen auf die Lage der Staatsfinanzen und auf die Belastung der Kom- muncn. Die Ortszulagen sind natürlich nicht obligatorisch, auch brauchen nicht gleich ihre Höchst sätze eingeführt zu werden. Beides steht vielmehr in der Entscheidung der Schulverwaltung. Wir hoffen, daß die Regierung bei der Ausführung deö Gesetzes die kleinen Schulverbände möglichst schonen wird. Abg. Kesternich(Z.): Die Vorlage bedeutet namentlich für die Landlehrer im Osten eine ganz erhebliche Verbesserung. Leider ist es nicht gelungen, das Grundgehalt allgemein auf 1b00 M.�fest- zusetzen. Auch die Gehälter der Lehrerinnen sind erfreulich auf- gebessert worden. Ich hoffe, daß das Gesetz Ruhe in die Reihen meiner Berufsgenossen bringen wird.(Bravo!:m Zentrum.) Abg. Dr. v. Campe(natl.): Auch wir sind überzeugt, daß die Lehrerschaft sich mit dem Erreichten zufrieden geben wird. Dem Staat und die Kommunen wird das Gesetz etwa b0 Millionen Mark kosten. Selten ist einem einzigen Stande in Preußen ein der» artiges Gesetz geboten worden.(Sehr wahr! bei den National- liberalen.) ES handelt sich um ein Werk von hoher kultureller Bedeutung. Die Bezeichnung„agrarisches Gesetz" akzeptieren wir insofern, als es in der Tat höchste Zeit war, die zurückgebliebenen Lehrer auf dem Lande zu heben. Wir haben das Vertrauen, daß unsere Selbstverwaltungsbehörden die Gelder nur nach dem Be- dürfnis verteilen werden.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Die Regierung begrüßt es mit Freuden, daß es gelungen ist, das Gesetz schließlich ein- stimmig in der Kommission zur Verabschiedung zu bringen. Die Unterrichtsverwaltung hat ihre Bedenken gegen die Kommissions- beschlüsse im Interesse des Ganzen zurückgestellt. Bei der Beurtei» lung der Leistungsfähigkeit einer Kommune werden die gesamten Verhältnisse derselben berücksichtigt werden. Die Befürchtungen des Herrn Abg. v. Campe teile ich nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Volksschulunterhaltungsgesetz nicht; ich bin überzeugt, daß die Kommunen durchaus objektiv bei der Verteilung der Gelder vorgehen werden.(Bravo!) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Wir sehen in dem Gesetz einen Kulturfortschritt, wie er bisher für die Lehrerschaft noch nicht er- reicht worden ist, und erwarten seine baldige Verabschiedung auch durch das Herrenhaus.(Bravo! rechts.) Abg. Cassel(frf. Vp.): Wenn jetzt mit einem Male so be- deutend größere Zuwendungen für die Aufbesserung der Lehrer nötig werden als bei den übrigen Beamten, so liegt das daran, daß man die Lehrer früher so vernachlässigt hat.(Sehr richtig! links.) Dabei mußten wir uns noch eine gewisse Selbst- beschränkung mit Rücksicht auf die Finanzen auferlegen. Der Regelung der Kostenfrage, wie sie die Kommission vorgesehen hat, haben wir mit schwerem Herzen zugestimmt. Der Stadt Berlin erwächst dadurch eine jährliche Mehrausgabe von 430 000 M. Wenn Herr v. NichtHofen auf die Haltung der freisinnigen Presse hingewiesen hat, so muß ich andererseits auf das Verhalten seines Parteigenossen Dr. Hahn verweisen. Dieser hat an die Vertrauens. männer des Bundes der Landwirte ein Zirkular gerichtet, in dem sie hingewiesen werden auf die Verbreitung einer neuen Lehrer- zeitung, die unter den Lehrern für die konservative Partei Propa- ganda machen soll. Von dem Eintreten dieser Lehrerzeitung inS- besondere für die Landlehrer, im Gegensatz zu den Großstadt. lehrcrn, erhofft Herr Hahn eine Vermehrung der konservativen Wahlstimmen unter den Landlehrern!(Hört! hört! links.) Herr Dr. Hahn hat zwar in Hannover den Landlehrern ein Grundgehalt in Aussicht gestellt, wie es in der Kommission keine Partei zu bean- tragen gewagt hat.(Heiterkeit.) Aber ich glaube kaum, daß die Lehrer deshalb seinem Lockruf folgen werden. Ich halte es für ein Uebel, wenn die Gehaltsverhältnisse zu einem Fangballspiel der politischen Parteien gemacht werden. In dieser Frage sollten sich alle Parteien nur von sachlichen Beweggründen leiten lassen. (Bravo! links.) Wenn wir dazu gezwungen werden, werden wir den Lehrern auf dem Lande die Frage vorlegen, ob eS überhaupt jemals zu einer solchen Erhöhung der Besoldungsordnung gekommen wäre, wenn nicht die Städte seit Jahrzehnten mit einer den Be- dürfnissen entsprechenden Erhöhung der Lehrergehälter vorgegangen wären..(Zustimmung links.), Mg. Ernst(stf. Vg.): Auch wir erkennen den erheblichen Fort- schritt an, den die Vorlage bedeutet, sehen aber in dem Erreichten durchaus noch nicht die Erfüllung aller berechtigten Wünsche der Lehrerschaft. Abg. Stpchcl(Pole): Wir haben den Bestrebungen, die Lage der Lehrerschaft zu verbessern, gern zugestimmt. Bei aller Würdi- gung der hohen Bedeutung des Lehrerberufs nehmen wir doch eine Sonderstellung gegenüber der Schule im Osten ein. Tort wird leider die Schule zu politischen Experimenten gemißbraucht.(Sehr wahr! bei den Polen.) In Konsequenz unseres Standpunktes legen wir Ihnen einen Antrag vor, wonach die in den östlichen Provinzen bis jetzt gewährten Ostmarkenzulagen in Wegfall kommen. Finanzminister v. Rheinbaben: Ter Herr Vorredner ist der erste gewesen, der einen kleinen Mißklang in die Verhandlungen gebracht hat. Er hätte besser getan, seinen Antrag nicht zu stellen. Es ist nicht richtig, daß die Lehrer polnischer Zunge von den Ost- markenzulagen völlig ausgeschlossen sind. Davon sind natürlich nur d i e Lehrer ausgeschlossen, die an der dcutsch-feindlichen Agi- tation beteiligt sind.(Bravo! rechts.) Gewiß, die Politik gehört nicht in die Schule, aber die Polen sind es, die die Politik in die Schule gebracht haben. Bringen Sie die Politik aus der Schule heraus, dann werden wir auch die Ostmarkenzulagen fallen lassen können. Abg. Borgmann(Soz.): Die Kommission hat zum Teil die Grundsätze des RegierungS» entwurfs völlig über den Haufen geworfen. Trotzdem habe ich die Befürchtung, daß dieses Gesetz schließlich dasselbe Schicksal erleben wird, wie das Gesetz vom Jahre 1897 und selbst das Schulunter- Haltungsgesetz vom Jahre 1903, das heute schon in vielen Be- Ziehungen als unwirksam und unzulänglich erscheint. Die Regie- rung hat allerdings die Verantwortung für den Mißerfolg des Ge- setzes vom Jahre 1897 abgelehnt. Aber ein großer Teil der berech- tigten Forderungen der Interessenten sind auch durch diesen Gesetz- entwurf nicht erfüllt. Vor allem sind die Lehrer nicht in eine Gehaltsstufe gebracht, die sie gleichstellt mit den Sekretären in der Verwaltung. Auch die Dienstzeit, mit welcher das Höchstgehalt er- reicht werden kann, ist nicht herabgesetzt, so daß nur ein geringer Teil der Lehrer überhaupt in den Genuß des Höchstgehaltes kommt. Auch die BremSvorschrist gegen die Ortszulagen ist von der Kam- Mission angenommen worden. Selbst die Parteien haben ihr zu- gestimmt, die vorher mit aller Schärfe gegen eine solche Bremse protestiert haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ganz unverständlich ist es, wie man sich dagegen gesträubt hat, die Amtszulage für Lehrer für besonders dauernde Nebenleistungen pensionsfähig zu machen. Nun wird gesagt, daß eine große Zahl von Millionen für die jetzt geforderte Erhöhung aufgebracht werden müsse. Das ist richtig: aber man muß bedenken, wie schlecht die Verhältnisse früher gewesen sind und eine wie große Zahl von Personen an diesen hohen Aufwendungen partizipieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Anerkennen muß ich, daß seitens der Kommission eine große Arbeit geleistet worden ist. Auch hinter den Kulissen ist viel gearbeitet worden, um eine Kommission zustande zu bringen und die Parteien zu bewegen, ihre sonstigen politischen Ansichten bei dieser Frage außeracht zu lassen. Alle Parteien haben in der Kommission betont, daß s i e eS waren. die die gute Absicht hatten, den Lehrern zu helfen, und daß sie nur durch die Macht der Verhältnisse gezwungen waren, ihre'Wünsche zurückzustellen.(Heiterkeit.) Diese überschäumenden Liebes- beteuerungen waren aber nur Seifenblasen, die vor dem Widerstand der Negierung sofort auseinander platzten.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Besonders die Besoldungskassen wurden sehr lebhaft verteidigt: aber ich habe nicht verstanden, wie man noch an ihnen festhalten konnte, als die Regierung erklärte, sie wären nicht ohne Verfassungsänderung durchzuführen. Unter diesen Umständen wäre es ja unmöglich gewesen, das Gesetz rechtzeitig fertigzustellen, und die Lehrer hätten wieder nur Steine statt Brot erhalten. Wenn die Besoldungskassen eingeführt wurden, wäre zweifellos die Selbstverwaltung völlig lahmgelegt. Der Gedanke der BesoldungS» kästen war auch nur ein Ausfluß des Widerwillens der Reckten gegen die großen Städte. Bei dieser Gehässigkeit gegen die großen Städte wundere ich mich nur, daß die betreffenden Herren nicht schon längst den Staub der Großstädte von ihren Füßen geschüttelt haben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Slavonien!) Sie brauchen gar nicht nach Slavonien zu gehen, sie haben genau die- selben Verhältnisse in ihrer Heimat.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Man sagt, die Landschulen erzögen die Kinder nur für die großen Städte. Ich lasse das dahingestellt und möchte nur fragen: wo haben denn die Herren, die hier diese Ideen vertreten, ihre Bildung genossen? Doch auch in den großen Städten und nicht in den großen Dörfern! Auch die Weisheit Ihres großen Bismarck ist ja auf dem Berliner Mist gewachsen.(Heiterkeit.) Tie Landflucht der Lehrer» deren Beseitigung man durch da? Gesetz erwartet, hängt nicht nur von der Höhe der Gehälter der Landlehrer, deren Gleichstellung mit den städtischen Lehrern wir natürlich auch wünschen, ab, sondern es ist auch notwendig, daß die Wohnungsverhältnisse der ländlichen Lehrer verbessert, eventuell ihnen der Mictszuschuß in bar auS- gezahlt wird. Zu der Landflucht trägt auch bei die außerordent- liche Belastung der Lehrer. Wenn z. B. ein Lehrer in Ober- fchlesten und Posen über 289 Kinder zu unterrichten hat. so bedeutet das eine ungeheuere Belastung, selbst wenn eS sich dabe: um eine Halbtagsschule handelt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In einer Resolution wird beantragt, daß die jungen Lehrer zu- nächst in mehrklassigen Schulen beschäftigt werden sollen. DaS ist aber bei dem großen Lehrcrmangel nur ein frommer Wunsch. Der Herr Ministerialdirektor meinte in der Kommission, man solle mehr Lehrerseminare schaffen. Er hat dabei auS der Schule geplaudert, indem er zugab, dav in den letzten 10 Jahren nicht ein einziges Seminar neu geschaffen worden ist.(Hört! hört! links.) Der Lehrermangel hat seinen ganz natürlichen Grund. Bei dem wirtschaftlichen Aufschwung haben sich angesichts der schlechten Be- soldungsverhältnisse der Lehrer die Kreise, die sich früher dem Lehrerberuf zuwandten, lieber anderen Berufen, vor allem den technischen Berufen, zugewandt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Hätte die Regierung frühzeitig den tatsächlichen-Ver- Hältnissen Rechnung getragen, so hätten wir heute nicht eine große Zahl von stellungslosen Technikern und über 3000 unbesetzte Lehrer- stellen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bedauerlich ist, daß eS nicht gelungen ist, die Lehrer von der herabwürdigenden Beschäftigung mit den niederen Küsterdiensten zu befreien. Nach den Erklärungen der Regierung in der Kommission ist auch in Zu- kunft eine Besserung auf diesem Gebiete nicht zu erwarten. IlnS erschwert vor allem die Regelung der DeckungSfrage die Zustimmung zu der Vorlage: Den Gemeinden über 7 Schul- stellen find die festen Staatszuschüsse entzogen und die betreffende Summe ist der Regierung als Dispositionsfonds zur Verfügung gestellt worden. Ich habe gegen die Entziehung des Staatszu- schusses, soweit es sich um leistungsfähige Gemeinden handelt, durchaus nichts einzuwenden, sondern halte es für �eine Ehren- Pflicht der Gemeinden, diese Zuschüsse zugunsten der ärmeren Gc- meinden abzugeben. Aber gegen die Art der Verwendung dieser Zuschüsse haben wir die schwersten Bedenken. Man hat gemeint, die Verteilung werde einwandSsrel durch die Selbstverwaltungskörper erfolgen. Wer aber die Kreisausschüsse und Bezirksaus- schüsse als Selbstverwaltungskörper bezeichnet, dem hcrt der Schalk dabei im Nacken gesessen. Dies« sind lediglich Marionetten in der Sand deS LandratS.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Leb- haster Widerspruch rechts.) Von ihnen wird nur durchgeführt. was der Landrat will oder was diejenigen wollen, die beim Land- rat Einfluß haben. Es gibt gar keinen größeren Gcsetzesverächter als so einen Preußischen Landrat.(Unruhe rechts.) Mit welcher Leichtigkeit sich solche Herren über ganz klare und knapp gefaßte Gesetzesbestimmungen hinlvegsetzcn, ist kaum glaublich.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Herr Ministcrial- direktor sich mal einen preußischen Landrat unter die Lupe nimmt �Heiterkeit), so wird er bei seinem Vertrauen zu ihrer Objektivität kaum bleiben. Es ist nicht zu erwarten, daß bei der vorgesehenen Regelung die wirklich Bedürftigen bei der Verteilung der Gelder zu ihrem Recht kommen. Gewisse Gruppen, die politisch weit nach links stehen, werden immer die Geschädigten sein.(Sehr wahr! bei d:n Sozialdemokraten.) Nur ein Beispiel. Ein konservativer Redner machte daraus aufmerksam, daß in vielen Fällen es ein- zelne Gutsbezirke sein werden, denen der Staatszuschuß entzogen wird, wo der Gutsbesitzer als alleiniger Träger der Schullasten in Betracht kommt. Wenn er auch reich sei, so dürfe er doch nicht zu den Leistungsfähigen im Sinne des Gesetzes gerechnet werden. Da erklärte die Regierung sofort, daß selbstverständlich in einem solchen Falle mit dem äußersten Wohlwollen verfahren und der Betreffende als notleidend angesehen werden würde. Anderer- seits ist es klar, daß, wenn ein Bürgermeister in einer kleinen Stadt etwa auf fortschrittlichem Standpunkt steht, er die größten Schwierigkeiten haben wird, wenn der Kreisausschuß ihm die Zu- schüsse bewilligen soll, auf die er bisher gesetzlichen Anspruch hatie. Solche Leute werden jetzt von dem Wege des Rechtsanspruches auf den Weg des BittgängerS und des guten Verhaltens verwiesen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden uns aber ernstlich zu fragen haben, ob wir trotz dieser Einschränkung der Selbstverwaltung dem Gesetze noch zustimmen können, wenn wir auch anerkennen, daß die Gehaltsverhältnisse der Lehrer einiger- maßen dadurch aufgebessert werden. Dem Antrag der Polen, die Lstmarkenznlagen zu beseitigen, stimmen wir natürlich zu. Die Schaffung der Ost- markenzulagen ist nur erfolgt aus dem Bestreben heraus, die Volks- schule auszunutzen für eine bestimmte politische Richtung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Finanzminifter den Polen vorgeworfen hat. sie nützten die Schule zu politischeu Zwecken aus. so gebe ich ihm diesen Vorwurf tausendfältig zurück. Sind Sie es nicht, die von den Gemeindelehrern verlangen, daß sie die Bestrebungen der Sozialdemokratie in der Schule be- kämpfen?(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Konservativen.) Heißt das nicht, die Politik in die Schule tragen?(Rufe: Nein! nein! rechts.) Ein Streit mit Ihnen darüber wäre überflüssig. Jeder vorurteilsfreie Diensch wird zugeben, daß diese Art, die Politik in die Schule zu tragen, um so gehässiger wirkt, weil in die Volks- schule zum größten Teil Kinder gehen, deren Eltern der Sozial- denwkratie angehören.(Rufe rechts: Nein! nein!) Ihr Nein hilft Ihnen nicht über die tatsächlichen Verhältnisse hinweg. Wenn Sie sich selbst Scheuklappen vor die Augen binden, so werden doch da- durch die Tatsachen nicht anders.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. v. Tilly(k.) verzichtet aufS Wort. Die Debatte wird geschlossen. Abg. v. d. Hagen(Z.) erklärt, daß seine Freunde prin�iptell aus dem Boden, des polnischen Antrages stehen, aber mit Rücksicht auf die Kompromißbcschlüsse dagegen stimmen würden! In der Abstimmung wird der polnische Antrag abgelehnt, die ersten Paragraphen der Lehrerbesoldungsvorlage werden unver- ändert nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Hierauf vertagt sich das HauS. Präsident v. Kriicher schlägt vor, die nächste Sitzung morgen 12 Uhr abzuhalten mit der Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung. Zweitens: die Besoldungsordnung der Geist- lichen. Abg. v. d. Heydebrand(k.) beantragt, die Pfarrer besoldungs- gesetze zuerst auf die Tagesordnung zu stellen. Abg. v. Campe(natl.) widerspricht diesem Antrage. Präs. v. Kröcher: Ich habe gegen den Antrag V. Heydebrand nichts und werde abstimmen lassen. Gegen die Stimmen der Linken wird beschlossen, die Pfarrer- besoldungsgesetze zunächst zur Beratung zu stellen. Schluß 4)b Uhr._ Die Zeche ßaddod auf der Hnlilagebanlt. Am Freitag hatte sich der Verantwortliche Redakteur der„Dort- munder Arbeiterztg.", Genosse N o t t e b o h m. vor der Strafkammer wegen angeblicher Beleidigung der Direktoren der Zeche Radbod. Generaldirektor Kommerzienrat Janssen und Bergassessor A n d r ö. zu verantworten. Im April 1908 erschim in der„Arbeiterztg." eine Notiz, in der behauptet wurde, daß auf Radbod Lohureduktionen und Arbeiterentlassungen vorgekommen seien und die Arbeiter über schlechte Behandlung klagten. Ferner wurden die Häuser der Kolonie Radbod zum Teil als„Hundeställe" bezeichnet und der MietSkontrall als ZuchlhauSkontrakt. Zu Beginn der Verhandlung beantragte der Verteidiger unseres Genossen SuSsttzung und Vertagung der Verhandlung, bis die Unter- suchung über das schreckliche Unglück vom 12. November abgeschlossen sei. Die Katastrophe sei auf sträfliche Nachlässigkeit zurückzuführen, an der die Direktoren einen großen Teil Schuld trügen. In mehr als 200 Spalten habe die Dortmunder„Arbeiterzeitung" den Klägern den Vorwurf der Ausbeutung, des Raubbaues, des Jgno- rierenS von bergpolizeilichen Vorschriften gemacht. Durch Nackläsflg- keit und Gewinnsucht sei daS Rresenunglück, daS über mehr als 300 Familien hereingebrochen ist. geschehen. Wegen dieser Vorwürfe hätten die Kläger keinen Strafantrag gestellt, das gebe doch zu denken. Der Generaldirektor Janssen bemerkt darauf, für eine Klage seien keine Unterlagen vorhanden— weil die Zeche unter Wasser stehe! Demgegenüber erklärte der Verteidiger, daß die Herren Unterlagen ja nicht nötig hätten und ein Strafantrag sei nach drei Monaten nicht mehr zulässig. Den Erbauer der Kolonie, Baumeister S i e b o l d, der als Sachverständiger geladen ist, lehne er als be- fangen ab, und wenn die übrigen Gutachter in irgend einem Ver- hältnis zur Zechenverwaltung ständen— auch bei dem KnappschastS- arzt wäre das der Fall fein— würden sie sämtlich abgelehnt. Der BertagungSantrag wurde durch Gerichtsbeschluß verworfen, weil der Artikel nicht(I) mit dem Unglück zusammenhänge und ftüher ge» schrieben worden sei. In der Beweisaufnahme kamen über die WohnungSverhältnisse der Arbeiter auf der Kolonie Radbod geradezu haarsträubende Dinge zutage. Ein Zeuge nach dem andern bekundete sinngemäß: Wohnungen waren so naß. daß das Wasser an den Wänden herablief. Möbel seien verschimmelt, Matratzen und Bettfedern ver- fault, Kleider verdorben. Frauen und Kinder erkrankt und ganze Wohnungseinrichtungen vernichtet worden. ES sei vorgekommen, daß den Männern früh der Bart an die Bettdecke geftoren war. Fast jedem der vernommenen Zeugen find die Kartoffeln erfroren. Gewerkschaftssekretär Genosse Hoffeld und Genosse Boten- kontrolleur R u s ch i tz k a, die viel in den Häusern der Kolonie herumkamen, bemerkten, daß sie eine so schlechte Arbeiterkolonie wie Radbod noch nie angetroffen halten. Das GraS fei zwischen den Dielen herausgewachsen. Zwischen Fensterbrett und Bauwerk habe man den Finger hindurchstecken können, die Wände einer Wohnung seien so mit Pilzen bewachsen gewesen, daß eS ausgesehen habe, alS ob man faule Aepfel daran geworfen habe. Der Bezilksleiter des christlichen Berg- arbeitervereinS Werner Tebrügge behauptete, die Kolonie fei auf einem Sumpfloch erbaut. Schon im Grund der Häuser habe daS Waffer 35 Zentimeter hoch gestanden. Es müßten dort Krankheiten vorkommen. Ein Bauführer gibt zu. daß Häuser in zwei Wochen fertig gebaut und eine Woche später schon bezogen worden find. Der Goch verständige Stadtbaurat K r a f f t- Hamm sagte in seinem Gutachten, daß beim Bau der Koloniehäuser zweifellos gesündigt worden sei. Durch Zeugenaussagen wurde ferner nachgewiesen, daß auf Nadbod die Gedinge so reduziert worden sind, dah die Leute pro Schicht bis zu einer Mark weniger verdienen. Auch daß Arbeiterentlassungen in größerem Maße vor- gekommen, konnte bewiesen werden. Der AmtSanwalt bezeichnete den Artikel als stark tendenziös und beantragte drei Wochen Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Frank, führte aus, daß der Wahrheitsbeweis vollständig erbracht sei; der Artikel richte sich nicht gegen die Direktoren, sondern gegen die Steiger; es liege also gar keine Beleidigung im Sinne des§ 185 vor. Die Zeugen» aussagen hätten ergeben, daß die Wohnungen tatsächlich als„Hunde ställe" bezeictinet werden können. Die Direktoren hätten die Magen der Bergarbeiter über erfrorene Kartoffeln wohl angehört, aber nicht etwa andere Kartoffeln beschafft, sondern nur gute Ratschläge erteilt, was ja freilich sehr leicht und vor allen Dingen außerordentlich billig sei. Die Sachverständigen und Direktoren hätten die Anlage der Kolonie als eines oziale Tat gepriesen. Die Arbeiter zahlten aber monatlich 18,50 M. Miete, was einer fllnfprozentigen Kapitalverzinsung gleich komme. Er be- zeichne das nicht als soziale Tat. Mit dem Worte ZuchthauSkontrakt sei lediglich gesagt, daß die Arbeiter dadurch m größere Abhängig» keit kommen. Es sei eine überaus harte und rigorose Bestimmung. daß sich die Arbeiter in 14 Tagen eine andere Woh» nung beschaffen mußten. Er beantrage Freisprechung. Genoffe N o t t e b o h m äußerte, die Rollen seien vertauscht, nicht er, sondern die Zechenverwaltung von Radbod müßte auf der Anklagebank sitzen. Die.Arbeiterzeitung' habe gegen die Herren den schweren Vorwurf erhoben, daß sie mitschuldig sei an dem ungeheuerlichen Radbodunglück, daS über die Beteiligten so unsagbar großes Elend gebracht habe. Die.Arbeiterzeitung' hätte die Herren mehr als zehnmal aufgefordert, zu klagen. Sie hatten es aber nicht getan. Im Gegensatz zu anderen Vorwüifen sei der unter Anklage stehende Artikel eine Bagatelle. Die.Arbeiterzeitung' habe ach« Tage vor dem Unglück eine ernstliche Mahnung an die Zechenverwaltung gerichtet, endlich zu rieseln, wenn man ein Unglück verhüten wolle. Hätten die Herren Janssen und Andrö dieser Mahnung Beachtung geschenkt, so wäre dank der.verhetzenden' Schreibweise der.Arbeiterzeitung' die schreckliche Katastrophe vermieden worden. Es sei ihm gleichgültig, ob er ins Gefängnis wandre, nur das wolle er noch sagen: von Rechtswegen gehören die. Direktoren der Zeche Nadbod inS Gefängnis. Das Urteil soll am Dienstagnachmittag verkündet werden. Hub der Partei. Die Pforzheimcr Parteigenossen haben am Sonnabend in einer Mitgliederversammlung ihrem bisherigen LandtagSabgeordnelen Geck ein VerlrauenSvottim erteilt. Er wurde in geheimer Ab- stimmnng mit«2« Stimmen(IM Zettel waren abgegeben) wieder zum Kandidaten im Landtagswahlkreis Pforzheim- West ernannt. Vorher wurde der Bericht des Wahlkomitees entgegengenommen, woran sich eine lebhafte Debatte knüpfte. In derselben kam man auch auf die im.Boiwäits' erschienenen Artikel zu sprechen, deren Behauptungen in den wesent- lichen Punkten sich bestätigten. ES ist erwiesen, daß seitens eines Pforzheimer Genossen dem Subkomitee ein Antrag unterbreitet wurde, die Kandidatur Geck in den heute noch aussichtslosen Wahl- kreis abzuschieben; ferner bezeugten sämtliche Teilnehmer der Wahl- kreiSkonserenz die vom„Vorwärts' mitgeteilte Aeußerung deS Genoffen Kolb gegen die Wiederaufstcllung G.'S. Die Wahl der Delegierten zum Parteitag in Offenburg wurde verbunden mit dem Austrag an die Erwählten, gegen die Freiburger Preßgründung Stellung zu nehmen und zu verhindern, daß auf dem Parteitag die Zeit mit persönlichen Auseinandersetzungen vergeudet wird. Genoffe H o r t e r- Mannheim wurde nahezu einstimmig zum Kandidaten für den zweiten Pforzheimer Wahlkreis ernannt. Auch er gab die Erllärung ab, daß eine Einigkeit in der Fraktion am besten durch die parteigrnössische Disziplin erreicht wird, der gemäß jeder Parteigenosse fich den Beschlüssen deS Parteitages als höchster Instanz fügt. Die Mannheimer, V o l k S st i m m e' hat die Liebenswürdigkeit, in ihrer SonntagSnuinmer in einer Polemik gegen den dortigen Generalanzeiger zu bemerken: „Vom.Vorwärts' wurde unstrm Kollegen Kolb von einem gesinnungSgenössischen Waschweib der Ausspruch in den Mund gelegt, mit Adolf Geck kandidiere er nicht mehr.' Wir begreisen, daß der jetzt auch von der Parteiversammlung in Pforzheim bestätigte Ausspruch KolbS unserem Mannheimer Partei- organ im gegenwärtigen Augenblick recht unbequem ist. Aber deswegen braucht sie doch nicht gleich ihre Entrüstung nach der falschen Seite zu kehren und einen Mitarbeiter des »Vorwärts' mit einer Beleidigung anzufallen. Gemeindewahlen. In Offenburg(Baden) wurde bei den Stadtverordneten- Wahlen der ersten Klasse der Genosse Haueisen gewählt; er erhielt, da sein Name auf den Zetteln der beiden bürgerlichen Lager stand, die höchste Stimmeuzahl. Es sind jetzt noch drei Sozial- öemokraten im Offenburger BürgerauSschuß. Genosse Goldstein, so behauptete die.Vossische Zeitting'. wollte auS Gesundheitsrücksichten seine Mandate zum Reichstag und sächsischen Landtag niederlegen. Diese Nachricht macht die Runde durch die ganze bürgerliche Presse, und sächsische Blätter wollen sogar schon erfahren haben, daß Genosse Schöpflin, der kürzlich in Goldsteins Reichstagswahlkreis eine Diskussion mit dem LügenverbandSgeneral Lieber« hatte, sein Nachfolger werde.— An die>cn ganzen Erzählungen ist kein wahres Wort. Genosse Goldstein befindet sich erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung. ES ist zu hoffen, daß er in einigen Wochen seine politische Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Ein neuer Kämpfer für die Sache des Proletariats ist in Rußland in der jüngst als Organ des Jüdischen Arbeiterbundes erschienenen ..Stimme deS Bundes' erstanden. Doppelt zu begrüßen ist ihr Erscheinen in der schweren Zeit der Depression und des Rück- ganges der Organisation. Bedeutet es doch, ebenso wie der Enthusiasmus, mit dem die„Stiiiime' aufgenommen wurde, daß die politilche Gleichgültigkeit und Apathie, die sich msolge der Niederlagen von IMS und 1907 der Arbeiterklasse bemächtigt hatte. dem frischen Geist des Kampfes endlich zu weichsp�lwßtrlmt und daß sich auf diese Weise eine neue Periode revoiutuJffacen Aufschwungs ankündigt. Die„Stimme' ist illegal erschienen und 1»ttlM«n Ruß- land befindlichen Geheimdruckerei d«#�AtfHalkomitecs des„Bundes" hergestellt worden. Auch dieser Umstand ist von großer symptomatischer Bedeutung. Bis 1906 kamttr-bie Sozial- demolratie in Rußland keine andere OrgaiitfattlMsform, keine andere Presse, als die geheime. Die siegreichen Oktobertage aber brachten die Möglichkeit offenen Auftretens, die von der Sozial- demokratie ergiebig ausgenutzt wurde. Insbesondere hat es der „Jüdische Arbeiterbund" verstanden, wie durch unmittelbare Or- ganisation der Arbeiterklasse so auch durch seine Presse seinen Einfluß ungeheuer zu erN>eitern. Mit dem Erstarken der Reaktion aber, die sich mit aller Wucht auf die Arbeiterklasse stürzte, lah sich die Sozialdemokratie gezwungen, nach hartnäckigen Kämpfen eine eroberte Position nach der anderen aufzugeben. Arbeiter- deputiertenräte, offenes Eintreten in Vereinen und Versamm- lungen, Gewerkschaften, Presse— alles fiel nach und nach der Reaktion zum Opfer, die Partei mußte immer mehr das Feld der legalen Tätigkeit räumen. Beim„Bund" vollzog sich dieser Prozeß am langsamsten, er behauptete am zähesten die einmal gewonnenen Positionen und seine Presse, die täglich in Wilna erscheinende jüdische„Volkszeitung" überdauerte alle übrigen legalen sozial- demokratischen Organe um ein Erkleckliches. Um so bedeutsamer ist es daher, daß jetzt auch der„Bund" durch die Herausgabe eines illegalen Organs seine Rückkehr zur geheimen Tätigkeit doku- mentiert. Dies ist ein Beweis mehr dafür, daß das Gebiet der vorwiegend legalen Tätigkeit der Sozialdemokratie jetzt ver- schloffen ist, daß sie, um den begonnenen Kampf der Arbeiterklasse erfolgreich weiterführen zu können, auf die alten Formen der Organisation und agitatorischen Arbeit zurückgreifen muß, um sie mit dem Inhalt der reichen Erfahrungen der Revolutionsjahre zu füllen. pollreUlcbes, Öcrtcbtllches ufw. Berechtigte Interessen des Verurteilten. Der verantwortliche Redakteur der in Hamburg erscheinenden „Schmiede-Zeitung", Genoffe Kaspar Schmidt, wurde am 1. Fe- bruar 1M8 vom Breslauer Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt, weil er einen in Breslau woh- nenden Schmiedemeister beleidigt haben sollte. Da ihm sein Bres- lauer Verteidiger mitteilte, daß der Vorsitzende des genannten Gerichts, Amtsgerichtsrat Mützel, in seiner Urteilsbegründung mit keinem Wort darauf eingegangen sei, ob Sch. in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe, und ihm auch zu verstehen gab, daß angesichts der Breslauer Judikatur eine Berufung keinen Erfolg verspreche, kritisierte Sch. in seinem Organ das Breslauer Urteil unter der Uebcrschrift:„Verurteilt" wie folgt: „Daß ich von einem Breslauer Gericht verurteilt werden würde, darin konnte ich von vornherein keinen großen Zweifel setzen. Dafür sind die Breslauer Urteile zu bekannt, als daß an dieser klassischen Stätte der Klassenjustiz dem Redakteur einer sozialdemokratischen Zeitung oder auch nur von dem Verbands- organ einer freien Gewerkschaft der Schutz des§ 193 des St.-G.-B. zugebilligt und er freigesprochen werden würde." Durch diese Kritik der„Klassenjustiz" soll er den Breslauer Amtsgerichtsrat und die Breslauer Richter im allgemeinen be- leidigt haben, weshalb der Landgerichtspräsident zu Breslau Straf- antrag stellte. DaS Landgericht IV zu Hamburg verurteilte Schmidt zu einer Geldstrafe von 200 M. oder 20 Tagen Gefängnis, weil in den inkriminierten Worten den Breslauer Richtern der Vorwurf der bewußten Rechtsbeugung Andersgesinnten gegenüber gemacht wurde. Durch Dr. Herz. Altona legte Sch. Revision ein, der vom Reichsgericht stattgegeben wurde, indem es erklärte, daß die Er- wägung der Vorinstanz, daß dem Verurteilten ein Recht auf be- leidigende Besprechung des Erkenntnisses nicht anerkannt und ihm mithin der Schutz des§ 193 nicht zugebilligt werden könne, zu Be- denken Anlaß gebe.„Das Recht, eine eigene, den Täter nahe angehende Angelegenheit zur Sprache zu bringen, findet in dem Erlaß eines gerichtlichen Strafurteils reine notwendige Schranke. Wenn jemand ein Interesse daran hat. den Inhalt eines gegen ihn erlassenen Strafurteils einer Besprechung zu unterziehen, so ist dieses Interesse nicht schlcchthur ein unberechtigtes. Wird ein solches Interesse verfolgt, so ist ein« in der Besprechung enthaltene Beleidigung nur unter der Voraussetzung strafbar, daß aus der Form der Aeußerung oder den Umständen, unter denen sie geschah, da? Vorhandensein einer Beleidigung hervorgeht." DaS Reichs- geeicht führt weiter auS, das Landgericht werde nachzuprüfen haben, ob unter Berücksichtigung dieser Umstände der Z 193 anwendbar sei und ob, unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, aus der Form der inkriminierten Worte die Absicht der Beleidigung hervorgehe. Die Angelegenheit kam am Donnerstag erneut vor dem Land- gericht Hamburg zur Verhandlung. Der Staatsauwalt meinte, auch bei Zubilligung des Schutzes des§ 193 fei der Artikel be- leidigend, weil den Breslauer Richtern Klassenjustiz, also bewußte .unsten sozialdemokratischer Redakteure, vor- längerer Rede bekämpfte Dr. Herz diese ' richt den Angeklagten freisprach. Die __ Stätte der Klassenjustiz" würde zweifellos eine Beleidigung der Brcslauer Richter enthalten, wenn dem An- geklagten nicbt der Schutz des§ 193 zur Seile stände. Der Ange. klagte habealirn Ausdruck gebracht, daß die Breslauer Richter, von KlassenidM»M>efangen, nicht ordnungsgemäß ihres Amtes walten, sonSprn WWden politischen Gegner betrachteten. Aber der An- geklagte Hove berechtigte Interessen vertreten, als er das BreSlauer Urteil kritisierte. Aus diesen Gründen müsse auf Freisprechung erkannt werden._ Strafkonto der Presse. DaS Schöffengericht zu Saalfeld verurteilte am Sonntag den Genossen Zorn vom„Volksblatt" wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 14 Tagen Ge- f ä n g n i S. Der AnttSanwalt hatte einen Monat beantragt. Die Beleidigung fand das Gericht in einer Notiz, in der e» von dem betreffenden Schutzmann, der wegen schwerer Körperverletzung zu l'/o Jahren GcsängpiS vorbestraft ist, hieß, er werde von der Ein- wohnerschaft schief angesehen. Ein vom Genoffen Zorn geladener Zeuge, der daS bekunden sollte, wurde nicht vernommen, sodaß dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis abg es chnitten war. Es ist Berufung eingelegt worden. Hub Industrie und Kandel. Rückgang der Schwcineschlachtungen. Die«un vorligenden Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleisch- beschau, sowie Trichinenschau für das 4. Quartal 1908 weisen im Vergleich mit der vorjährigen Parallelzeit bei allen Viehgatlungen absolute Steigerungen auf, nur bei Schweinen zeigt sich ein Rück- gang. Bei der allgemeinen Schlachtvieh- und Fleischbeschau ergibt sich ein Rückgang von 197 440 gleich 6,74 Prozent. Bei der Trichinenschau macht das Weniger sogar 360 756 Stück, gleich 8,29 Prozent aus DaS ist ein Beweis für die Verschlechterung der Lebenshaltung in Arbeiterkreiserr. Bringt man die Resultate der beiden letzten Jahre in Vergleich, dann wandelt sich auch das Mehr bei den übrigen Viehgattungen teilweise in ein Weniger. DaS ist der Junler»nationale Wirtschaftspolitik' unangenehme Folge. Umgehung der Umsatz- und Wertzuwachssteuer.. Die Terrarnspekulation benutzt immer mehr die Gründung als G. m. b. H., um sich der Umsatz- und eventuell der Wertzuwachs- steuer zu entziehen. Justizrat Ernst Heinitz schreibt darüber in der „Deutsch. Jur.-Ztg.':„Die Terrainspekulatiou und der Handel mit bebauten Grundstücken bilden zum Erwerb eines einzelnen Grundstücks eine G. m. b. H. und beschränken sodann statt der mit erheblichen Ab- gaben belasteten Veräußerung des Grundstücks daS BeräußernngSgeschäft auf die Geschäfisanteile der Gesellschaft, deren Umsatz»ur einer geringen Stempelabgabe linterliegt. Da der alleinige Gesellschafter der als Grundstückseigentümerin eingetragenen G. m. b. H. wirt- schaftlich Eigentümer des Grundstücks ist, so vollzieht sich zwar nicht recbtlich, aber wirtschaftlich durch Veräußerung der sämtlichen Ge- schäflsanteile ein Wechsel im GrundstückSeigentum, ohne daß dem Staate der Wertstempel von 1 Proz., der Gemeinde und den Kreisen die meist 1 bis 2 Proz. betragenden Umsatzsteuern und die Rechtsbeugung zuuiz geworfen werde, z Ansicht, worz Redewendu etwaige Wertzuwachssteuer zufließen. Der hierdurch gebotenen M?g» lichleit, lästige Steuern zu vermeiden und dadurch beim Verkauf einen höhere» Preis zu erzielen, bat sich die Grundstücksspekulation mit außerordentlicher Geschicklichkeit bemächtigt. Terrain- spekulanten, die eine größere Zahl von Baustellen kaufen wollen, gründen oft für jede dieser Baustellen eine besondere G. m. b. H. und bieten, nachdem jede G. m. b. H. das für sie bestimmte Grundstück erworben hat, den« Kauflustigen, der eine Baustelle zum Zwecke der Bebauung erwerben will, statt dieser die Geschäftsanteile der G. m. b. H. zum Kaufe an. Auch für be- baute Grundstücke hat diese Art des Geschäftsbetriebes sich nicht selten bewährt.'— Rechtlich ist das natürlich nicht strafbar, aber ist es nicht verwerflicher, als wenn eine arme Mutter für ihr hungerndes Kind ein Brot stiehlt? Und doch wird die Mutter bestraft, während die Grundstücksspekulanten und Hausbesitzer noch ein besonderes Privileg auf Ehrenämter haben, die sie für ihre Wucherintereffen ausnutzen._ Der Grundstücks- und Baumarkt iu Groß-Berlin. Nach den Zusammenstellungen des Vereins Berliner Grund- stücks- und Hypoihekenmakler ergeben sich für Groß-Berlin folgende Gesamtzahlen: 1907 1908 Ausgestellte Bauscheine....... 4493 3669 Gebrauchs abnahmen........ 1997 1641 Gesamtuin'atz 1000 M....... 1365 067 793 180 Bebaute Grundstücke..... Zahl 8416 2513 Umsatz 1000 Mark 848 273 648 796 Unbebaute Grundstücke.... Zahl 2551 1916 Umsatz 1000 Mark 231 744 141 296 Subbastationen: Bebaute Grundstücke... Zahl 525 921 Umsatz 1000 Mark 94 834 160 454 Unbebaute Grundstücke.... Zahl 187 256 Umsatz 1000 Mark 15 527 11 686 Demnach ist die Bautätigkeit erheblich zurückgegangen. Die Subhastaiionen haben stark zugenommen; aber bei den unbebauten Grundstücken handelt es sich anscheinend um nicht wertvolle Objekte, denn obwohl die Zahl der Subbastationen um 37 Proz. gestiegen ist. zeigt sich beim Wert der Objekte ein Slückgang um 25 Proz. Folgen der Krise. In der Metallindustrie in München hat die Arbeitslosigkeit einen bedenklichen Grad angenommen. In der letzten Woche 1908 hatte der Metallarbeiterverband eine gegen das Vorjahr um 170 Proz. höhere Zahl Arbeitsloser. Für das ganze Jahr wurde» Verbands- eitig diese Zahlen ermitielt: 1907: 1042 Arbeitslose mit 26 093 Tagen, die 26 l7S M. Unterstützung beanipruchten, 1903: 1593 Arbeitslose mit 45 576 Tagen. Die Unterstützung erheischte 48 899 M. • Eine vom Gewerkschaftskartell in Meißen veranstaltete Zählung ermittelte 674 Arbeitslose, davon 407 verheiratete mit 827 Kindern. • Eine Zählung in Rostock ergab daS Vorhandensein von S133 organisierlen Arbeitern, von denen 763 arbeitslos waren. » Der.Phönix' in Ruhrort kündigte Arbeitern deS Martinwerks, außerdem wurde eine Lohnreduktion in Höhe von 29 Prozent an- geordnet._ Soziales« Folterqualen eines vierzehnjährigen Dienstmädchens. Entsetzlich«, grauenhafte Bilder entrollte ein Prozeß gegen die reiche Lkaufmannsehefrau Anna Gebhardt in Dresden-Blasewitz wegen gefährlicher Körperverletzung ihres vierzehnjährigen Dienst- mädchenS. Innerhalb eines Zeitraumes von kaum vier Jahren hat die Angeklagte nicht weniger als 19 Dienstmädchen gehabt, und kein Mädchen hat, wie die Beamten auf dem Gemeindeamte in Erfahrung brachten, den Dienst verlassen, ohne Schläge be- kommen zu haben. Im Mai v. I. trat das kurz vorher aus der Schule entlassene Mädchen Anna Lommatzsch in den Dienst der Angeklagten, und alsbald begann für die Acrnrste eine schwere Leidenszeit. Fast täglich erhielt sie Prügel mit einer Klopf- peitsche, wobei sich das Mädchen auf Geheiß der Diensthcrrin auf den Fußboden legen und ihre Kleider hochnehmen mußte. Hofen durfte das Diädchen nicht tragen, damit die Angeklagte besser Gc- legenheit hatte, die Schläge fühlbarer zu machen. DaS Mädchen bekundete, daß sie bei jeder kleinen und kleinsten Gelegenheit furcht- bare Prügel bekommen habe. Auch auf die Lippen sei sie ge- schlagen worden, so daß diese aufsprangen. Zum Ankleiden und Waschen habe die Dienstherrin ihr nur wenige Minuten gelassen. Sei diese Zeit überschritten worden, dann habe die Angeklagte sie mit kaltem Wasser begossen, so daß sie in nassen Kleidern habe arbeiten müssen. Sie habe nicht geivagt, sich ihren Eltern an, zuVertrauen, denn ihre Dienstherrin habe gedroht, sie bei der Polizi anzuzeigen, weil sie einmal etwas genascht und zu einem Briefe an die Eltern eine Briefmarke entwendet habe. Schließlich habe sie die furchtbaren Qualen nicht mehr ertragen können und habe sich dann an die Eltern gewendet.— Zwei Blasewitzer Acrzte haben dann das Mädchen untersucht und am ganzen Körper blutunterlaufene Stellen und Schwielen festgestellt. Blutige Striemen an den Schenleln und am Gesäß und die Lippen aufgesprungen! Die Ohren waren vom vielen Ohrfeigen stark angeschivollen, das Mädchen selbst aber von grünlich.gelbem Aussehen und fast ein Skelett. Die Angeklagte machte geltend, daß das Mädchen nasch. Haft und unsauber gewesen und der Vater mit der Züchtigung ein- verstanden gewesen sei. Dieser aber hatte der Angeklagten Wohl das Recht eingeräumt, das Mädchen mitzuerziehen, aber er sei nie- mals mit derartigen Mißhandlungen einverstanden gewesen. Tos Gericht erkannte nach umfänglicher Beweisaufnahme nicht auf Gefängnis-, sondern nur auf die höchste zulässige Geldstrafe von 1060 Mark._ Zur Rechtlosigkeit der ländlichen Arbeiter. Wenn unsere Vertreter im Reichstage erklären, daß die Land- arbeitcr rechtlos sind, so brüllen die Junker über Lügen und Hetze. Für sie ist vielleicht folgender Fall lehrreich. Ein Mädchen war bei einem Bauer in Hessen in Stellung, erkrankte an Gelenk- rhcumatiSmus und wurde vom Kassenarzt erwerbsunfähig ge- schrieben. Die Erkrankte bezog auch von der Ortskrankcnkasse, welcher sie nach den Bestimmungen in Hessen glücklicherweise als Mitglied angehörte, die statutenmäßige Unterstützung. daS Krankengeld auf die Dauer ihrer Erwerbsunfähigkeit. Trotzdem sollte daS Mädchen weiter arbeiten und erhielt ihren verdienten Arbeitslohn gemäß der Gesindeordnung einbehaltcn. Nutzlos war auch die Klage auf Herausgabe des verdienten Lohnes, denn das Amtsgericht Vilbel war der Ansicht, daß das Mädchen nicht krank genug war, um den Dienstvcrtrag aufzulösen. Doch lassen wir die wichtigsten Punkte des Urteils zur besseren„Aufklärung" des Sachverhaltes und der Stellungnahme des Gerichts hier folgen: „Die Klägerin verdingte sich am 4. Januar auf ein Jahr als Dienstmagd bei dem Beklagten gegen einen Jahreslohn von 400 Mark. Nach ihrer Behauptung erkrankte sie im Mai v. I. an Gelenkrheumatismus und wurde vom Arzt Dr. K. in G.-K. be- handelt. Eine Heilung sei nicht eingetreten, die Arbeit des Kühe- fütterns für sie zu schwer gewesen, und sei sie dadurch zur Fort- setzung deS Dienstes unfähig gewesen. Obwohl sie nach Art. 16 der Gesindeordnung zum sofortigen Verlassen des Dienstes be- rechtigt(war) gewesen sei, habe sie am 4. Mai v. I. mit sechs Wochen Frist gekündigk, um ihren Dienstherrn nlcht im Stich zv laffen. Sie habe an Lohn zu fordern für 5% Monate 97 M., deren Zahlung sich der Beklagte weigere. Die Klägerin beantragt, den Beklagten zu verurteilen, den Betrag von 97 M. auszubezahlen. Der Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen, da die Klägerin ohne Angabe eines Grundes gekündigt habe, sie sei auch nicht zur Dienstfortsetzung unfähig ge- wesen. Er werde gemäß Art. 18 der Gesindeordnung mit dem vierten Teil des Jahreslohnes aufrechnen. In der Schlußverhandlung bot der Vertreter der Klägerin weiteren Beweis über die Art und Dauer der fraglichen Krank-- heit, sowie darüber an, ob die Klägerin arbeitsunfähig gewesen sei, indem er die Einforderung der die Klägerin betreffenden Krankenkassenscheine beantragte. Im übrigen sah er im Zustand des Sdjlaftaumcs, wie er festgestellt sei, einen wichtigen Grund zum sofortigen Austritt und behauptet, der Beklagte sei mit dem Austritt auch einverstanden gewesen, denn er Hab« der Klägerin, als sie Buch und Zahlung forderte, erklärt:„Hier ist Dein Buch, mach, daß Du fort kommst, nimm auch Deinen Koffer mit." Das Gericht sah keinen Anlaß, den weiter angebotenen Be- weis der Klägerin zu erheben, da auf Grund der Aussage des Dr. K.. der die Klägerin als Arzt behandelt hatte, es die Ueber- zeugung gewonnen hat, daß die Klägerin zur Fortsetzung des Dienstes nicht unfähig war. Dieser Zeuge erklärte bestimmt, daß eine schwere Erkrankung nicht vorgelegen habe, anderenfalls sei die Klägerin in das Krankenhaus oder in die Heimat entlassen worden. Ist dies der Fall, so ist es ausgeschlossen, daß die Klägerin zur Dienstfortsetzung unfähig war, denn diese Unfähigkeit hätte mindestens zur Entlassung in die Heimat führen müssen. Demgegenüber kann der etwaige Inhalt der Krankenkassenscheine nicht als Gegenbeweis angesehen werden, denn diese, von dem Zeugen Dr. K. selbst ausgestellt, können nur die Art der Krank-- heit, nicht aber die Erk.ärung der Dienstunfählgkeit nachweisen, da anderenfalls die Ueberweisung in das Krankenhaus oder in die Heimat hätte erfolgen müssen. Die Klägerin war auch nicht zum Austritt berechtigt, weil kein anderweitiger wichtiger Grund vor- lag. Daß der Schlafraum nicht mit Holzboden versehen war, son- dern betoniert, könnte höchstens dann in Betracht kommen, wenn cB sich um die Winterszeit handelte. Unter diesen Umständen kann ein gesundheitsschädlicher Zustand nicht wohl angenommen werden. Schließlich liegt auch ein Verzicht auf seine in Höhe von 199 M. gemäß Art. 18 des Gesetzes begründete Schadenersatz- forderurm nicht vor. Die fragliche Aeußerung könnte nur dann einen Verzicht darstellen, wenn sie mit der Auszahlung des Lohnes verbunden gewesen wäre. Dadurch, daß der Beklagte an sich mit dem Weggang einverstanden war, hat er auf seine Gegen- ansprüche nicht verzichtet. Daß dieser Standpunkt auch der ge- setzliche ist, ergibt sich aus Art. 18, der an Stelle der Vertrags- crfüllung die Geltendmachung des Schadenersatzes vorsieht. Die Klage ist somit unbegründet." filus der Frauenbewegung. Für das politische Frauenwahlrecht. Seit Jahren steht die organisierte Arbeiterschaft im harten, erbitterten Kampfe um die Eroberung eines demokratischen Wahl- rechtes, eines Wahlrechtes, welches alle großjährigen Staats- bürger— männliche und weibliche— umfaßt. Nachdem aber im preußischen Abgeordnetenhause der liberale Wahlrechtsantrag ab- gelehnt ward, nachdem in Sachsen das Vierklassenunrecht Gesetz geworden, könnte es den Anschein gewinnen, als sei die Erringung des Frauenivahlrechtes in unendlich weite Ferne gerückt. In Wirk- lichkeit jedoch mehren sich von Tag zu Tag jene Faktoren, die als Borbedingung des schließlichen Sieges der Arbeiterschaft auf diesem Gebiete zu betrachten sind. So sehen wir, daß unausgesetzt eine Steigerung der Frauen- erwerbsarbeit stattfindet. Die weiblichen Arbeiter bilden in der Folge einen immer größeren Prozentsatz der Gesamtarbeiterschaft und damit in zunehmendem Matze einen wichtigen, unentbehrlichen Faktor im Wirtschaftsleben der Völker. Auf allen Gebieten, in der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, im Handelsgewerbe, in der Kunst und Wissen- schaft, allüberall sind viel Tausend Frauen und Mädchen tätig. mit Hand und Hirn das Erbe der Kultur zu erhalten und zu mehren, die Produkte zu erzeugen, die zur Erhaltung und Fort- entWickelung der Gesellschaft notwendig sind. In zunehmendem Matze werden aber auch die Frauen sich dieser wichtigen Stellung ini Wirtschaftsleben der Völker bewußt; in um so höherem Maße empfinden sie alsdann die tiefe, brennende Schmach, daß man sie durch Vorent- Haltung des wichtigsten Staatsbürgerrechtes, des Wahlrechtes, zu politischen Heloten stempelt; in um so höherem Matze empfinden sie das große Unrecht, welches darin besteht, daß man sie dauernd einer Waffe beraubt, deren sie dringend benötigen zur Verteidigung ihrer Interessen in den gesetzgebenden und Verwaltungskörper- schaften. Und in zunehmendem Maße wird in ihnen der Zorn, die Empörung geweckt ob solcher Verhältnisse. An uns ist es nun. Sorge zu tragen, daß diese Empörung d e r F r a u e n sich umsetzt und zum Ausdruck kommt in einer leb- haften Beteiligung an der sozialdemokratischen Bewegung, daß sie sichbetätigtimKampfumdieEroberungdesWahl- rechtes. Doch nicht nur jene Frauen sollen und wollen wir aufrufen zum Kamps um ihre Rechte, die im Erwerbsleben stehen, sondern vor allem auch die Hausfrauen und Mütter. Vergeht doch kein Tag, der sie nicht aufs neue in der unangenehmsten Weise daran erinnert, daß das Haus nicht mehr die Welt der Frau ist, sondern daß ihre und der Ihrigen Interessen durch Vieltausend Fäden verknüpft sind mit allen politischen Maßnahmen und Ein- richtungen, daß sie deshalb unhedingt eines Rechtes benötigen, welches ihnen Einfluß gewährt auf Gesetzgebung und Verwaltung. Die Wirtschaftskrisis mit ihrer furchtbaren Arbeitslosigkeit, mit Not und Elend im Gefolge, die drohende„Finanzreform" mit ihren 5>99 Millionen Mark neuer Steuern, sie allein schon rufen der Arbeiterfrau laut und dräuend zu: Soviel Du Dich auch versteckst hinter die vier Wände Deines Hauses, so sehr Du Dich auch verläßt auf den Schutz und den Rückhalt, den die Familie gewährt, im wirtschaftlichen und politischen Leben sind Kräfte wirksam, von denen Dein Familienleben, Dein Heim, nicht unberührt bleiben, die Dich packen und treffen, schwer treffen, um so schwerer, je weniger Du Dich um sie kümmerst und je weniger Du Dich deshalb gegen sie zu wehren vermagst! Und die Erfahrung hat denn auch allgemach die Arbeiterfrau gelehrt, diese Rufe zu verstehen. Sie weiß, die Krisis bringt eventuell Arbeitslosigkeit für ihren Mann, damit aber Brotlosigkeit für die ganze Familie. Steuerpolitik des Reiches vergrößert die Ausgaben und schmälert damit die ohnehin schon karge Lebens- Haltung; der mangelnde Arbeiterschutz bringt erhöhte Unfallgefahr, wodurch ihr eventuell der Gatte, der Vater der Kinder und der Ernährer entrissen wird. Und anderes mehr.— Der Wunsch, sich gegen all diese drohenden Gefahren zu schützen, gebiert dann den Gedanken: Wie ist das möglich? Und die Antwort auf diese Frage lautet: Dadurch, daß Mann und Weib gemeinsam den Kampf führen gegen alle Gefahren, gegen allen Druck und alle Ausbeutung, für dringend notwendige Reformen. Daß sie den Kampf führen, draußen, unter und mit den organisierten Proletariermassen, daß sie ihn führen im Parlament. Um das letztere zu können, benötigen wir der Waffe de? de- mokratischen Wahlrechts auf breitester Grund- läge, also des gleichen Wahlrechtes für Mann und Weib. In der Hand der Arbeiterin und der Arbeiterfrau wird daS Wahlrecht zur Waffe werden, um die Klaffenforderungen der Arbeiter. schaft durchzusetzen; Forderungen, die für heute den Aufstieg des Proletariats erleichtern, für die Zukunft seine Befreiung vorbereiten sollen. Deshalb hat nicht nur die Frau des Proletariats ein Jnter- esse an der Gewinnung des Frauenwahlrechtes, sondern auch die Gesamtarbeiterschaft, denn es stärkt ungemein deren politischen Einfluß und damit ihre Macht. Im Interesse der Gesamt- arbeiter schaft liegt es deshalb auch, die politische Er- tenntnis in immer umfassenderem Maße in die Reihen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volk es zu tragen, sie auszurufen zu Trägern der Forderung des Frauenwahlrechts, zu Äämpferinnen für dasselbe. Je größer die Zahl dieser Kämpfenden, je größer ihre Ausdauer, ihre Be- geisterung, ihr Kampfesmut, desto schneller ird der Kampfpreis er- rungen werden. Jedoch werden natürlich die weiblichen Prole- tarier, sobald sie vom Baum politischer Erkenntnis gegessen haben, nicht nur um die Durchsetzung dieser Forderung ringen, vielmehr werden sie als gute Kainpfesgenossinnen überhaupt an der Seite ihrer männlichen Klassengenossen zu finden sein. Die Aktions- fähigkcit der politischen Organisation, die Siegeszuversicht ihrer Mit- glieder wird dadurch ungemein erhöht werden. Und das wiederum wird unserer Frauen und Mädchen Persönlichkeitsbewußtsein heben. Das gilt auch bor allem von unseren Hausfrauen, die in dem ewigen Grau des Werkeltages, dem unaufhörlichen Tretmühlen- gang des häuslichen Aschenputteltnms nur zu leicht geistig stumpf und apathisch werden, die in der Fülle von täglich wiederkehrender, eintöniger Arbeit kaum ein eigenes inneres Erleben kennen, die das Streben und die Ideale des eigenen Mannes dann nicht ver- stehen, und ihnen deshalb oft genug feindlich gegenüberstehen. Sie alle werden, erfüllt mit der Erkenntnis von der Notwendigkeit politischer Rechte, teilnehmend am politischen Kampfe, weit über das Alltagsleben hinausgehoben, ihr Leben bekommt Inhalt, es wird ein reicheres, glücklicheres werden. Tann, daS ist der doppelte Gewinn der kämpfenden Arbeiterschaft, daß sie. Schritt um Schritt Terrain gewinnend, ihrem Ziele, der Befreiung der Arbeit sich nähert, daß dabei aher gleichzeitig in den Kämpfenden geipige und sittliche Kräfte geweckt und entfaltet werden, die im anderen Falle hätten verkümmern mühe». Und an diesem doppelten Gewinn sollen unsere Arbeiterinnen und Arbciterhausfrauen teilnehmen, zum Nutzen ihrer selbst, ihrer Familie, ihrer gesamten Klasse. Kämpfend werden sie emporsteigen, kämpfend Staatsbürgerrcchte erringen, kämpfend ihre endgültige Befreiung durchsetzen. LmsKaltai der Redahtton. ®tt jutlfHtAe Svrcchst»»» LivvenNrahe OTr. 3, zweite« S>of, dritter Eingaiig, vier Treppen, Mp** ff a 6 c it n fi I»WpW Ivo-iieiitiiftliit, abend» von TV» bis»'/,»br Natt. Meöiinet 7 Nbr Sonnabend» beginni die SpreidNiindc nm S Ithr. Jeder ülnfrnn» ift ein Änchnabe und eine kiadl al» tvierkzeiitien beizniüuen. Vrieiliibe iluiwort wird nirhi erteilt, vis zur Beantwortnng im Briefkasten können 14 Tag» vergeben. Eilige Kragen trage man in der Spreibstundc vor. — B. M. Für den Mann liegt m dem von Ihnen Vorgetragenen ein Scheidungsgrund»cht.— G. T. 79. Das Gericht würde den Vorfall nicht als hinreichend zur Scheidung erachten,— F. K. 99. Ein solch-S Erkenntnis liegt nicht vor.— W. Ä. Ein Antrag nuj JnvalidenrcMe würde nicht zum Ziele führen, weil die EriuerbZuiis.ihigkcit nicht 26 Wochen hintereinander gedauert hat. Versuchen Sie es mit einem Gesuch an die Penstonskafse Ä.— W. 28. In der Regel wird eine Unterstützung in der Höhe des Krankengeldes gezahlt; es findet eine Vereinbarung von Kall ,u Fall statt.— E. N. 28. Ohne Einficht in den Vertrag ist Ihre Anfrage nicht zu beantivorten.— A. B. 399. Ja; wenden Sie sich an das Auswärtige Amt. — St. D.. Striegau. Es ist nlcht vcrfländlich, was bei Bezirrsauslchutz mit der Sache zu tun hat. Er kann über die Ansprüche der Krankcnkasse mit der Berussgenossenschast, aber nicht über die Ansprüche des Verletzten entscheiden. Die Vorschriften über da» Verwaltungsstreitvcrlahren sind im Gesetz über die allgemeine Organisation der Landesver Wallung und dem Zuständigkeitsgesctz enihalien. In der Regel bewägt die Frist 14 Tage. MI?" Oeffentliche jlrfaeitslosenVe Dienstag, den S. Februar, in den Lokalen: hr vormittags -i ftürhr" Hofjäger- Palast, Hafenheide 53-58. Gewerkschaftshaus, Gngelnfer 15. vraehenhurg,�ordemSchlrsifchenTor. Kellers Festsäle, Koppenstraße 39. Obiglos Saal, Schmedter Straße 38-34. Ballschmieders Salon, DadstraßelL. Bockbrauerei, ibt. II, Chausseestr. 64. Moabiter Prachtsäle, Mirlefstr. 34. Charlottenburg, Uolkshans. U-stuevstr.% Schäneberg, Nathans fäle. M-mi«»»§t*. a Rlxdorf, Hoppe, Hrr«»«nstrahe 48/49. Lichtenberg, Schwarzer Mer.irMf-riMlOt s/s. Weißensee, PriUaten, x-hder-Swaße. Köpenick, Kaiserhof, Gr««str»ß». Spandau, Köhte, Sw#«#. Tages-Ordnung: Die flrbeitsloici) und das Verhalten der Kommunen. Referenten: die Stadtverordneten Dp. Bernstein, Bruns, Dupont, Ewald, Theodor Fischer, Glocke, Koblenzer, Manasse, Obst, Ritter, Sassenbach, Schubert, Gottfried Schulz, Dr. Weyl und Wurm. Arbeitslose! Erscheint in Massen! — Parteigenossen! Sorgt» daß alle Arbeitslosen die Versammlungen besuchen Der Aktins-Aussihuß. Der Ausschuß der Kcrlincr Gtuierllschiistskoiuinisfigu. ____ Cugen Ernst, Wöhlertstr. 9. Alwin Körsten, Engelufer 15.'' Aeranstvortl. Redakteur: Carl Wermulh» Berliv-Rizdorl, Für deuJuseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärt»& istolt Paul Singer& Co« Berlin SW, -gm Nr. 33. 26. Jahrgang. 2. KtilllU üfs Jutiäris" Ctrlintt Potelilatt. Dieusiag. 9. Febrnar l909. Heute vormittag 1V Wr findeil die in den in der Annonce mitgeteilten Lokalen ftatt. Morgen lllttwoci): Zal)]abcnd In Groß'Berlin. patteigenolle«! Im Einverständnis mit den Vor-ständen der Verbände sozialdemokratischer Wahlvereine Groß-Berlins sowie der Provinz Brandenburg beruft der unterzeichnete Ausschutz eine Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter Grotz-Berlins und der Provinz Brandenburg zu Sonntag, de« 14. Februar 1900, vorniittags 10 Uhr. und Montag» den 1k». Februar» in Saal 4 des G e w e r k° fchaftshauses, Berlin LO.. Engelufer 15, ein. Wir ersuchen die Genossen, die Vorarbeiten für die Kon ferenz— Wahl von Delegierten, Stellung event. Anträge— baldigst zu bewirken. Die Parteigenossen Grotz-Berlins, welche zur Konferenz kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Bureau des Verbandes der Wahlvereine, Lindenstr. 69, Mitteilung zu machen. Ebenso wollen die Genossen der Provinzkreise dies dem Brandenburger Provinzialselretariat, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, mitteilen, damit eventuell Vorlagen und Mit tcilungen zugesandt werden �können sowie für Logis Sorge getragen werden kann. Mandatsformulare sind von denselben Stellen ein zufordcrn. Im Anschluß an die Konferenz ist für Dienstag, den 16. Februar eine Besichtigung hervorragender städtischer Ein- richtungcn— Pumpstation, Ricsclgut, Krankenhaus, Schlacht- Hof— geplant. Wir ersuchen die Delegierten, bei Anmeldung mitzuteilen, ob sie an dieser Veranstaltung teilzunehmen wünschen. Der Ausschuß der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. I. A.: Emil Basner. Partei- Angelegenheiten. Achtung, Arbeitslosen-Versammlunge«? Die Vorsitzenden der heutigen Slrbeitslosen-Versammlungen werden ersucht, sofort nach Schlutz der Versammlung einen kurzen Bericht über den Verlauf derselben und etwaige Zwischenfälle an die Redaktion des„Vorivärts", Lindenstr. 69, zu entsenden. Grünau. Am Mittwoch, den 1». d. M., abends 9 Uhr, im Lolal des Genossen I. Franz„Zur grünen Ecke", Mitglieder- versainnilung. Vortrag des ArbcitersckrctärS Genossen Eugen Brückner über: Rechte und Pflichten aus den» KrankcnvcrsichcruiigS- gefetz. Arbeitslosenftatistik. Oertliche Angelegenheiten. Friedenau. Heute DienStag. abends 7 Uhr. Flugblattverbreitung zur Gemeindewahl von den bekannten Bezirkslokalen aus. Rege Le- teiligung dringend notwendig. Der Borstaud. Schmargendorf. Am Sonnabend, den 13. Februar, veranstaltet der Wahlverein im Schützenhause. Huudekchlestratze ein Kostümfest „Jahrmarkt im Jahre 2000". Hierzu ist die gesamte Arbeiterschaft des Ortes und der Umgebung fteundlichst eingeladen. öerliner jVaebriebten. Englischer Besuch. Der Panser Platz in Berlin, von altersher die Stätte prlmkvoller Fürstenempfänge und städtischer alleruntcrtänigster Rückgratverbiegirngen, wird heute ein Schauspiel für Götter er- leben oder doch wenigstens für Halbgötter. Onkel Eduard, der seit Jahrzehnten zum ersten Male wieder durch das Brandenburger Tor fährt, ist ein guter Menschenkenner. Ihm wäre vielleicht ein Licht aufgegangen, wenn er gesehen hatte, wie der deutsche Michel mit der goldenen Amtskette um den Hals bei zehn Grad Kälte beschniepelt�und barhäuptig den devoten Schädel im Winkel bis zu 45 Grad und darüber neigt. Und er hätte sich nicht das Lachen verkneifen können, beim Vergleich zwischen den freien Männern Albions und den gehorsamen Trotteln mit der weltbekannten deutschen Zipfelmütze. Das. hat dem verfütterten Preutzenzopf wieder mal glücklich ein Endchen abgeschnitten— obzwar er stets nach- wächst. wie der Eidechsenschwanz I Unser geschmeidiges Bürgertum sorgt schon von selbst dafür, datz ihm die Macht- Haber der Krone das Gangelband nicht zu locker laffcn. Für diesmal ist huldvollst eine angeblich aus Menschlichkeitsgefühl geborene kleine Konzession gemacht worden. Der Empfang des Königs von England auf dem Pariser Platz darf unter Dach und Fach vor sich gehen. Man erzählt, datz zu diesem Zweck airs Sparsamkeitsrüch'ichten das mehrere Jahrhunderte alte türkische Sultanszclt mit den schönen Schwanzwedeln auf der Spitze, welches jüngst im Vorhofe des Zeughauses Aufstellung ge- sundenhat, aufPump angeboten worden sei, weil sein ehrwürdiges Alter so hübsch patzt zur mittelalterlichen Entwürdigung der Bourgeois im 20. Jahrhundert, schließlich haben die dem geduldigen Stenersäckel abgeknöpften sechzigtausend Märker gelangt zu einem modernen bürgerlichen Baldachin, der bis zum nächsten Fürstenbesuchskommando in die städtische Rumpelkannner wandert. Zu Ehren des hohen seltenen Gastes sollten die Berliner Stadtvater mit gepuderten Allongeperücken antanzen. Da das aber allzusehr nach;.maäs in Germany" ausgesehen hätte, dürfen die guten deutschen„Wichstöppe" während der Begrützungscour in Ehrfurcht auf den stadtväter- lichen Glatzen verharren." Für unsere byzantinischen Zustände ein � ganz unerhörter Gnadenakt! Um ja keinen zeremoniellen Schnitzer zu begehen, fragte Meister Kirschner beim Hof marschallamt an, ob er den Frack über den Winterpaletot ziehen müsse. Der Bescheid lautete: Immer drunter weg, nicht drüber! Einem gewissen sehr populären Stadtrat, der zwar von innen einheizt, ist sogar gestattet worden, sich die Gerold-Wärmflasche in die Ueberziehertasche zu stecken. Und die unvermeidtichen städtischen Ehrenjungfern dürfen entgegen allem höfischen Nacktkultus so bis an den Hals eingemummelt Spalier bilden, datz alle Mucker ihre helle Freude daran haben werden. Da sage noch einer, datz die modernen Könige kein Herz haben für das pauvrc Bürgertum I Es wird also, einschließlich des dichten polizeilichen Äbsperrungsmantels, sehr schön und sehr mollig werden, vorausgesetzt, datz auch Englands König die ersehnte politische Herzenswärmc mitbringt. Man feiert, wie immer bei derartigen höfischen Anlässen, die im Grunde genommen das Volk sehr kalt lassen können, mit Pauken und Trompeten— und die liebe Stadt Berlin bezahlt für ein paar Orden, die nebenher abfallen, die teuren Moneten. Der Unterhosenpolitik im Roten Hause gebührt natürlich nur der— Hosenbandorden. Aber Spatz beiseite! Es wird wirklich hohe Zeit, datz eine Weltstadt, die doch sonst so tonangebend sein möchte, sich endlich mal aufrafft, für reine Familienangelegenheiten regierender Fürsten nicht mehr das Geld der Steuerzahler mit vollen Händen zum Rathausfenster hinauszuwerfen. Das kann nicht oft genug betont werden, weil diese Anzapfungen überhand- nehmen. Zu einer Ausschmückung ganzer«stratzenzüge mit Papiergirlanden und bunten Tuchfetzen auf städtische Kosten liegt schließlich keine Veranlassung vor. Denn die Freundschaft der Könige macht heute nicht niehr die Politik der Völker. Indes gerade Eduard der Siebente ist ein solcher Mann, datz er die papiernc Feslstratze und den städtischen Einpfangsklimbim in seinem Innersten tiefer auf das richtige Matz herunterdrückt und sich mit altenglischcm Verstände sagt: noch weniger wäre mehr gewesen! Aus dem Herzen der g e s am t e n Berliner Be- völkcrung kommt der heutige glänzende Empfang eines Privat- besuchs nicht, wohl aber aus ihrer Tasche. Das ist auch ein Text zum Bülowschen Schlummerliede von der preußischen Sparsamkeit.... In der„Zeit am Montag' wird unter der Neberschrift „Eduards Empfang" über das Stattsinden der heutigen ArbeitSlosenversamnclungen berichtet.— Von einem Mitgliede dcS AktionSaliöschlisscS unserer Partei wird uns hierzu geschrieben: „Es bedarf wohl keines besonderen Scharfsinnes, um zu er- kennen, datz die Spitzmarke, unter welcher die„Zeit am Montag' die Notiz bringt, eine völlig unangebrachte ist. Wir haben das Zu- trauen zu der jetzt leider arbeitslosen Berliner Bevölkerung, datz sich sozialdemokratisch denkende und fühlende Elemente der Berliner Arbeiterschaft diesem dynastische» Familienfeste fern halten werden. Wer mit dem drohenden Hunger und der bitteren Not zu rechnen hat, dürfte weder Zeit noch Sinn silr solch mittelalterliches Schau- gepränge übrig haben. Wir wünschen alle Energie und Tätigkeit der Berliner Arbeiter- schaft auf die Mithilfe zu der bevorstehenden Arbeitslosenzählung gerichtet zu sehen und sind sicher, datz die politisch oder gewcrk- schafllich organisierten Genossen sich weit eher der nötigen praktischen Arbeit zuwenden werden, anstatt mützige Gaffer und Hurraschreier beim Empfange des englischen Monarchen zu spielen.' Die„Lösung der sozialen Frage ohne Umsturz". Der Berliner Hauptverein Kinderhort feierte am Sonntag im Bürgersaale des Rathauses sein 25 jähriges Bestehen durch eine zahlreich besuchte Festversammlung. Hierbei gab Stadtschulrat Dr. Fischer, der Vor- sitzende des Vereins, die bündige Erklärung ab, es sei nicht an eine Verstadtlichung derartiger WohltätigkcitSinstitute, wie sie vielfach ge- fordert werde, zu denken. Die Stadt Berlin halte den bis jetzt ein- geschlagenen Weg. die Fürsorge für notleidende Arbeiterlinder im allgemeinen der Privatwohltäligkeit mit Unterstützung von feiten der Stadt zu überlasten, für den richtigen und werde sich hierin durch nichts beirren lasten. Er als Stadtschulrat könne seine feste Ueberzcugung aussprechen, datzman die LösungdersozialenFrage, welche mit solchen Jn� stitutcn aufs engste verknüpft sei, auch ohne den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung erreichen werde. Der Herr Stadtschulrat war leider nicht in der Lage, auch nur annähernd den Zeitpunkt an- zugeben, wann diese Lösung der sozialen Frage nach dem Rezept des Berliner SchrippensieisinuS eintreten dürfte. Es wird ivohl der Nimmerleinstag sein. Aber von Wert ist eS doch, wenn ab und zu auch öffentlich vom Magistratstisch erklärt wird, datz man in dem Schlendrian weiterwursteln und in der Sorge um das Wohl von Arbeiterfamilien den eigenen Beutel möglichst schonen will. Das Borbild von München, wo die Stadt die Kinder- horte völlig aus städtische» Mitteln unterhält, wurde natürlich als „Mitzerfolg' hingestellt. Nähere Aufklärung hierüber blieb der Herr Stadtschulrat der Versammlung schuldig. Einen eigcntllm- lichen Eindruck machte demgegenüber die Rede des Vereinsschrift- führerS Rektors Matag, der u. a. meinte, datz in den letzten Jahren der Verdienst des deutschen Arbeiters immer mehr gesunken. aber die BcdürfniSfrage gestiegen sei. Er wies aus zahlreiche deutsche Städte hin, Ivo die Hortkinder gegen Entgelt be- schäftigt werden und pro Stunde 1—3 Pf. verdienen. So habe eS in Greiz ein Knabe auf 36 M. Jahresverdienst gebracht, was ungefähr 266 Arbeitsstunden entspricht! In Dresden werde sogar Akkordarbeit verrichtet mit durchschnittlich 15 M. monatlichem Arbeitsverdienst. Anderwärts seien die Hortkinder einschlietz- lich der Schulzeit zwölf Stunden pro Tag beschäftigt. Damit ver- glichen seien die Berliner Horte Mustereinrichtungen. Orden wurden nicht verteilt. Die gibt's nicht für Verdienste um Arbeiterkinder. Dagegen erhielten die Stadtverordnelen Gerickc, der „ungekrönte König von Moabit', und Hcllriegcl das Diplom als Ehrenmitglieder. Davon werden die vielen notleidenden Kinder, welche div Pflege der Horte noch entbehren miiffen, nicht satt- Arbciter-BildungSschule Berlin. Den Teilnehmern deS Kursus in Gewerkschaftswesen diene zur Nachricht, datz Mittwoch (den 16. Februar) der Unterricht ausnahmsweise schon SV, Uhr beginnt und 9'/z Uhr beendet sein wird. Wegen der Wichtig- k e i t des Zahlabends an diesem Tage soll jedem Schüler noch Gelegenheit gegeben werden, diesen, wenn auch etwas verspätet, besuchen zu können._ Mordversuch und Mord. Der 36 Jahre alte Bildhauer Hermann Hoffmann ans Hamburg, der gestern vormittag in Berlin eingetroffen war, begab sich zum Besuch seines Bruder?, dcS Steinmetz Hoffinann, nach besten im Hause Umaustratze 13 in Charlottenburg belegenen Wohnung. Bald nach der Begrützung zog er plötzlich ohne jeden Grund einen Revolver aus der Tasche und gab auf seine Schwägerin einen Schutz ab, wodurch diese schwer verletzt wurde. Auf ihre Hilferrife eilte ihr Mann herbei, der sich im Neben- zimmer aufgehalten hatte. Sein Bruder legte sofort auch ans ihn an und tötete ihn durch einen Schlitz ins Herz. Dann flüchtete er. Der Täter ist 1,79 Meter grotz, hat blondes, lockiges Haar, einen blonden Spitzbart, trägt einen dunklen Sonrmerüberzieher, einen schwarzen Schlapphut, sowie eine dunkle Hose. Anscheinend hat er die Tat in eincnr Anfall von Geistesstörung begangen. Der Täter ist bereits vier Jahre in der Irrenanstalt Dalldorf interniert gewesen. Zu der Schreckenstat in Charlottenburg wird noch berichtet, datz Frau Hoffmann noch lebt. Ihre Verletzung ist aber so schwer, datz an ihrem Auskommen gezweifelt wird, wenn auch der Zustand äugen- blicklich verhältnismätzig gut ist. Die Nachforschungen nach dem Täter Hermann Hoffinann hatten noch keinen Erfolg. Die Kriminal- Polizei ermittelte noch gestern seine Verwandten und Bekannten, so- weit eS möglich war. aber niemand hat ihn gesehen. Es ist möglich, datz er sich selbst irgendwo ein Leid angetan hat. Vielleicht ist er aber auch nach Hamburg zurückgekehrt. Das vermuten auch die Aerzte. Hoffinann litt zeitweilig an der Borstellung, datz er Gottvater sei. Dann wieder hielt er sich für Christus oder für einen Engel. Die Krankheit entwickelte sich aber weder nach der einen noch nach der anderen Richtung jemals so stark, datz man den Mann für gemeingefährlich hätte halten müssen. In demselben Grade, wie sie allmählich nach- lietz, machte Hoffmann in seinen Berufsarbeiten Fortschritte, auch iir der Irrenanstalt, wo er seinen Neigungen entsprechend beschäftigt wurde. Da war er in seinen Leistungen tüchtig und arbeitete überall zur Zusiiedenheit seiner Auftraggeber. Dieser Zustand scheint jetzt plötzlich eine Aenderung zum Schlimmen erfahren zu haben, vielleicht unter dem Eüidruck der Arbeitslosigkeit, in einer Lage, die den Mauu der Not gegenüberstellte. Das nehmen eiusiweilen auch die Aerzte an, solange man über seine Verhältniste in Hamburg nichts Be- stimmtes weitz. Die Hamburger Behörden sind von der Schreckenstat natürlich sofort benachrichtigt worden, weil Hoffmann vielleicht gleich nach der Tat zurückgefahren ist. Die Verantwortlichkeit ist bei dem Kranken ohne Zweifel miSgeschlosten. Zur Oranienburger Schicfiaffiirc. Dem Antrage deS Referendars v. I g e l auf Haftcntlaffung ist noch nicht stattgegeben worden. Die Leiche des erschossenen StcinsetzmeisterS Marsch» er ist am Sonn- abend jjeöffnet und, nachdem der Schutzkanal genau festgestellt worden ist. von der Staatsanwaltschaft sofort zur Beerdigung frei- gegeben lyorden. In einem Anfall eines Nervenleidens hat sich gestern morgen der 42 Jahre alte Schneidermeister Heinrich Tolle aus der Zimmer- stratze 11 das Leben genommen. Der Mann war seit zwei Jahren in ärztlicher Behandlung und zeitweilig arbeitsunfähig. Nachdem er die ganze letzte Nacht sehr aufgeregt gewesen war, ging er gestern morgen um 7�/, Uhr nach seiner Arbettsstube, in der sein Geselle noch nicht anwesend Ivar, und schätz sich eine Nevolverkugel in die rechte Schläfe. AtS seine Frau hinzukam, war er schon tot. Unter dem Verdacht schwerer Sittlichkeitsvcrbrcchcn an Schul- lindern ist gestern der Barbier Albert Saste, Hochstädrer Stratze 74, verhaftet worden. S. steht unter dem dringenden Verdacht, zwei zehnjährige Schulmädchen aus der Nachbarschaft in seinen Friseur- laden gelockt und sich dort in der schändlichsten Weise an ihnen vergangen zu haben. Er wurde von der Kriminalpolizei verhaftet und in das Polizeipräsidium eingeliefert. S. ist wegen Siülichlests- Vergehens bereits vorbestraft. Der Tod im Asyl. Auch heute müssen wir wieder über einen plötzlichen Todesfall im städtischen Asyl sür Obdachlose in der Fröbel- stratze berichten. Der 49 Jahre alte arbeitS- und wohnungslose Möbelpolicrer Otto Haack wurde während des AuSlleideuS im Schlaf- saal von einem Herzschlage getroffen und war aus der Stelle tot. Grotzfeucr kam am Sonntag früh aus noch nicht ermittelter Ursache auf dem Wedding zum Ausbruch. Um IVa Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Hochplatz alarmiert. Dort war in der Neuen Sochitrahe 20 in dem auf dem Hofe befindlichen dreistöckigen Fabrikgebäude, das früher der Nähmaschincnfabrik von Ncthmaim als Domizil gedient hatte, Feuer ausgekommen. Ms Brandmeister Steiner mit dem 16. Zuge an der Brandstelle erschien, brannten im Oucrgebäude fest versichert und Schlüssel nicht vorhanden waren, drang die Feuerwehr über zw-i Haken- und zwei Steckleitergänge in das dreistöckige Gebäude ein. Undurchdringlicher Qualm"von den brennenden wollenen Lumpen erschwerte die Uebersicht und die Löschung ungemein. Dazu kam. datz die Flammen und der Rauch durch einen alten Transmissionsschacht sich den oberen Gcschosten mitteilten und die Decken und Zioischcnwände nicht massiv waren, sondern aus einfachen Balken, die mit Brettern belegt und verschalt waren, bestanden. Der 15. Zug unter Leitung des Brandmeisters Hammer wurde angesichts der Gefahr zur Brand- stelle beordert. Da indes die Flammen an den grotzen Vorräten immer neue Nahrung fanden, so wurde„Mittelfeucr" an alle Wachen gemeldet, worauf Branddirektor Reichel mit weiteren 6 Löschzügen ausrückte. In kurzer Zeit war die Feuerwehr w großer Stärke zur Stelle, auch die Schutzmannschast eilte von allen Seiten herbei. Von der Neuen Hoch- und der hinten durch- gehenden Grenzstratze aus wurden 4 L-Rohre und 5 L-Rohre vor- bald in seiner ganzen Ausdehnung in Brand, aus etwa 24 Fenstern loderten die Flammen mächtig empor, nur die Kellerräume sind verschont geblieben. Nach IV Uhr wurden die ersten Löschzüge ab- gelöst. Unter der Leitung des Oberbrandinspettors Dromsfeld begannen dann die Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Leider ist die Löschung nicht ohne Unfall abgelaufen. Der Feuerwehrmann W i e l a n d erkrankte unter der Einwirkung des Rauches und mutzte sich in ärztliche Behandlung begeben. Gleichzeitig kam in der Landsberger Stratze 13, einem Von 4V Parteien bewohnten Hause, aus unbekannter Ursache Feuer aus. Der 2. Zug mutzte längere Zeit kräftig Wasser geben und wegen der großen Verqualmung eine große mechanische Leiter zum Angriff beiluden. Trotzdem konnte es aber nicht mehr verhindert werden, daß ein großer Teil des Daches mit dem In- halt der Vodenverschläge ein Raub der Flammen wurden. Feuer- wehrmann Sawalla erlitt bei der Löschung Schnittwunden an den Händen, die ihm auf der nächsten Unfallstation verbunden wurden. Ferner hatte die Feuerwehr am Sonntag noch an mehreren anderen Stellen tüchtig zu tun. Fcncrwchrbcricht. Die Berliner Feuerwehr hatte am Sonntag mißt ♦»en schon gemeldeten Bränden noch eine größere Anzahl anderer zu loschen. U. a. einen großen Fabrikbrand nachmittags in der Köpenicker Stratze 32». Dort standen im Ouergebäude die Räume der Osnabrücker Papierwarenfabrik in großer Ausdehnung in Flammen. Diese waren unbekannterweise im dritten Stock aus- gekommen und hatten das vierte Stockwerk ergriffen. Die zweite Kompagnie griff unter Leitung des Branddirektors Reichel mit drei Schlauchleitungen an und benutzte wegen der enormen Ver- qualmung durch das brennende Papierlager eine große mechanische Leiter zum Vorgehen. Durch kräftiges Waffergeben von Dampf- spritzen gelang es. eine weitere Ausdehnung des Brandes zu ver- Hilten. Die 4. Kompagnie hatte einen WohnnngSbrand in der Garten- straße S4 zu löschen und wurde außerdem noch nach der Acker- stratze 132/33(NkeherS Hof, der von 1100 Personen bewohnt wird) gerufen. Fußböden und Balken usw. brannten dort. Kurz vorher war in der Triftstr. KS Feuer ausgekommen. Betten u. a. brannten dort. In der Köpenicker Str. 36 wurden Betten, Kleidungsstücke ll. a. ein Raub der Flanimen. Im linkeir Seitenfliigel Greifswalder Str. 14 stand eine Kellerwohnung in Flammen. Zweimal wurde die Feuerwehr nach der Alten Jalobstr. Ivv und 139 alarmiert. Es brannten dort Lumpen usw. im Keller, Putzlappen, Müll, Bretter- wände u. a. Ferner wurde ein Brand aus der AlvenSlebenstr. 7 (Bäckerei), Prenzlauer Allee 4ö, Lichterfelder Str. 32, Am Friedrichs- Hain 13, Bödickerstraße, vom Kottbuser Ufer 32. Lothringer Str. IS, Chauffeestr. 113, Anklamer Str. 24 usw. gemeldet. Vorort- JVacfmcbtcm Schöneberg. „Die schlechten Lohnvcrhältniffe der Fleischergesellen, der gewerb»- mäßige Stellenwucher und die Beseitigung dieser Zustände durch eine allgemeine Lohnbewegung� lautete daS Thema, über das Gcnoffe Bcrgemann in einer von den Schlächtergesellen Schönebergs stark besuchten Versammlung referierte. An der Hand eines reich- haltigen Materials wies Redner nach, wie sehr die Lohn- und ArbeitSverhaltuisse der Schlächtergesellen einer Besserung bedürfen. Scharf kritisierte Bergemanu den Stellenwucher, der namentlich in der gegenwärtigen Krise eine wahre Geißel für die Gesellen sei. Es wäre Sache der Regierung, diesen Menschenhandel der gewerbs- mätzigen Stcllenvernnttler sowohl wie auch der Innungen zu ver- biete». Da indes die Schlächtergesellen von der Regierung nichts zu erwarten haben, so sei es ihre Aufgabe, zur Selbsthilfe zu greifen. In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten allgemein geteilt. Von einer Lohnbewegung wurde noch Abstand genommen, jedoch der Vorstand beauftragt, den Schöneberger Meistern die zu fordernden Lohn- und Arbeitsbedingungen zu unter- breiten. Eine spätere Versammlung soll sich mit der Antwort be- schästigen. Köpenick. Zur Stadtverordneten-Ersatzwahl. Auf die heute Dienstag von 3— 7 Ubr stattfindende Stadtverordneten-Ersatzwahl der ll. Ab- teilung, für die Genosse Otto Nickel aufgestellt ist, sei hiermit noch besonders hingewiesen. Unsere Gegner lassen es nicht an Anstrengungen fehlen, das Mandat für sich zu ergattern. Nachdem, wie bereits berichtet, die letzte Wählerversammlung, in welcher der Kandidat. Buchdruckereibesitzer Ernst Nubien, aufgestellt werdensollte, wie das Hornberger Schietzen auseinander ging, ist am Sonnabend früh einer Anzahl Wählern der II. Abteilung folgendes Zirkular zu- gestellt: Köpenick, v. Februar 1909. Sehr geehrter Herr I Auf Anregung von verschiedenen Seiten auS der Bürgerschaft ist beabsichliat. den nebenstehenden Aufruf für die Stadt- verordneten-Kandidatur des Herrn Nubien mit Unterschriften aus allen Bevölkerungskreisen an die Wählerschaft der ll. Abteilung zu richten. Wir erlauben uns daher die ergebene Anftage, ob Sie geneigt sind, den anliegenden Aufruf mit zu unterzeichne». Falls Sie bis morgen vormittag 10 Uhr an den Unteo zeichneten eine ablehnende Nachricht nicht gelangen laffen. nehmen wir an. daß der Aufruf mit Ihrer Unterschrift veröffentlicht werden darf. Der Wahlausschuß I. A.: Landrock, Grünauerstratze 33, Telephon 131. Mai, sieht hieraus wieder einmal, in welch unverfrorener Weise unsere Gegner vorgehen bei Ernennung ihrer Kandidaten. Es gilt deshalb doppelt auf dem Posten zu fern und deshalb wird jeder Parteigenosse, der in der zweiten Abteilung heute wahlberechtigt ist, aufgefordert, unter allen Umständen seine Schuldigkeit zu tun. Johannisthal. Die D soritötSpattei in der Gemeindevertretung verstärkt sich durch die Einführung des in der zweiten Klaffe gewählten Gemeinde- Vertreters Mette um eine weitere Stinmie. Nack einem Borschlag des Landrats ist eS wünschenswert, die jenigen Wohnungen zu desinfizieren, die von Tuberkulosekranken bewohnt waren. Die Gemeindevertreiung lehnte es aber ab. da» aus Gcmeindekosten zu tun. sondern will die Kosten den Hauswirten auferlegen. Unsere Genossen vertraten die Ansicht, daß die Hauswirte dann weniger Mitteilung machen würde», um sich vor den Kosten zu drücken, wodurch wiederum der furchtbaren Seuche nur Borschub geleistet würde. Zur Arbeitslosenzählung am 16. Februar lag ein Antrag des Gemeindevorstehers und des Schöffen Knaape vor, diese durch Haus- listen vorzunehmen, der Antrag wurde leider durch Majoritäts- beschlutz abgelehnt und wird somit wieder auf Grund des Melde- systenis im Rathaus gezählt werden, wozu zwei unserer arbeitslosen Genoffcn als Beisitzer fungieren werden. Für imteriionlnieiie Jnfolmationsreisen durch Gemeindevertreter wurden 100 Mark bewilligt. Reinickendorf Ost. Geineindcvertretersihung. Die am Freitag statt- gefundene Gemeindevertreterffhung beschäftigte sich zunächst mit dem Erlverb und Austausch verschiedener zum Ausbau einiger Straßen benötigten Grundstücke. Dem Lehrer Dasel werden 166 M. als Beihilfe zum Besuch der Turnlehrerbildungsanstalt unter der Bedingung gewährt, daß er diese wieder zurückzahlen niüffe, wenn er vor 3 Jahren seine Stellung bei der hiesigen Ge- mcinde aufgibt. Dem Verbände der geincinnützigen und unPartei- ischen Rechtsauskunftsstellen tritt die Gemeinde als korporatives Mitglied bei. Sodann wurde über den Erlaß einer neuen Frei- bankordnung verhandelt. Obgleich die zurzeit gültige erst vor IM Jahren in Kraft getreten ist, mußte dieselbe auf Grund eineS f Erlasses der verschiedensten Ministerien nach dem von diesen auA gearbeiteten Normalstatut abgeändert werden. Da die hiesige Fren dank im Jahre etwa 1666 M. Zuschuß erforderte, beantragte der Gemeindevorstand, die Gebühren auf das Doppelte zu erhöhen. Doch wurde dieser Antrag nach längerer Debatte abgelehnt. Die Ver- kaufsftelle soll aber wieder nach der früheren Stelle in der Kopew Hagener Straße, an der eine größere Absatzmöglichkeit vorliegt, zurückverlegt werden. Wie sich die Lage der Arbeiter in den Köpfen der Besitzenden ausmalt, zeigte ganz beiläufig in einer Bemerkung der Herr Bürgermeier Wille. Daß das Fleisch in der Freibank nicht nach Wunsch abgesetzt werden kann, führte er unter anderem auch darauf zurück, daß die Lage der Neinickendorfer Bevölkerung doch keine so schlechte sei, als stets behauptet werde. Auf die Ant wort unserer Genossen, daß die Lage für den in Betracht kommenden Teil der Bevölkerung so schlecht sei, daß sie sich zurzeit nicht einmal dieses Fleisch leisten können, erwiderte er erregt, daß es ja gar keinen Menschen gebe, der sich kein Fleisch kaufen könne. Ist es ein Wunder, daß, solange ein solcher Manw an der Spitze eines Gemeinwesens mit 28 666 Einwohnern steht, die Kommune ihren sozialen Verpflichtungen nur im ungenügendsten Maße nachkommt? Ganz in dieses System paßt es auch, wenn dieser selbe Bürger- meister in wehmütigem Tone klagte, daß sein und der Gemeinde- Vertreter Wunsch, die Kosten für die Straßenreinigung auf den Allgemeinetat zu übernehmen, der schlechten Zeit wegen im kam- wenden Jahre noch nicht in Erfüllung gehen könne, und die Hau» besitzer daher im komme, rden Jahre leider nochmals die Kosten hier für selbst trogen müßten. Entschiedenen Protest hiergegen erhob der in der ersten Klasse gewählte Herr Müller, einer der reichsten Leute und Großgrundbesitzer des OrteZ. der über die»hohen Kosten weimerte, die den armen Hausbesitzern fortgesetzt auferlegt würden. Daß sie sich hier eine sehr alte Verpflichtung abwälzen wollen, das kam ihm nicht in den Sinn, auch nicht, daß die Grundstücke in den letzten 26 Jahren eine Wertsteigerung von 866 bis 1666 Proz. er- fahren haben. Zwar gelang es diesmal noch, die Bereicherung der Grundbesitzer abzuschlagen, sicherlich aber auch wohl das letztemal. Lichtenrade. Der Bau eines FeuerwehrgebäudeS beschäftigte die letzte Sitzung der Gemeindevertretung. In einer früheren Sitzung war bereils ein bestimmter Platz für das Gebäude in Aussicht genommen, man hat sich die Sache aber wieder anders überlegt und will nunmehr im Dorfe ein Grundstück erwerben, und zwar das einem Landwirl gehörige Gelände, wofür der Verkäufer die für Lichtenrader Ver Hältnisse ungeheuere Summe von 166 Mark für die Ouadratrute *0tb Interessant ist für weitere Kreise die Mitteilung des Vorstehers. daß der Gemeindearbeiter in der letzten Zeit sogar des NachtS zur Beseitigung der Schnee- und Wassermaffen habe beschäftigt werden muffen, als ob es nicht auch am hiesigen Orte genug Leute gäbe. die hätten eingestellt werden können. Geldnot kann hierfür wohl nicht geltend gemacht werden, denn der Vorsteher teilte weiter mit. daß m,t einem Landwirt eu, Vertrag geschloffen sei, demzufolge diesem für den Verkauf eines 46 Morgen großen Geländes zu einer Parkanlage 136666 Mark gezahlt werden sollen. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte der Magistratsvorlage. betreffend die Lieferung von Kunststeintreppen für das Krankenhaus zu. Der Zuschlag hierzu wurde den Betonwerken in Biesenthal, welche den Preis von 2146,91 M. gefordert hatten, erteilt. Dem Tischlermeister Ströhmann wurde aus Los I mit 2636,36 M. und Los II mit 3139,74 M. und dem Tischlermeister Balzer auf Los III mit 3197.43 Mark der Zuschlag für die Tischlerarbeiten am Krankenhaus erteilt. Stadtverordneter Dohrmann erhob lebhafte Klage über die Lösch- verhällniffe bei dem letzten Brande der beiden Scheunen in der Chausseestratze, wovon eine derselben sein Eigentum war. Er memte. es sei ihm mitgeteilt worden, daß der Zubringer, mit dem man das Waffer a»s der Waschspüle ftir die Wosserwagen entnähme, zu- gefroren war und infolgedessen zu wenig Wasser beim Löschen ver- wendet worden wäre. Wenn man genügend Wasser zur stelle ge- habt hätte, könnte seine Scheune auf keinen Fall vollständig aus- gebrannt sein. DaS Einfrieren des Zubringers wurde auch zugegeben. doch wurde bestritten, daß dadurch zu wenig Waffer auf der Brand- statte gewesen wäre. Im übrigen wäre eine dahingehende Unter- suchung im Gange. Potsdam. AuS der Stadtverordnetenversammlung. In der am Freitag abgehaltenen Stadtverordnetensitzung wurde zunächst der zum un- besoldeten Stadtrat gewählte bisherige Stadtverordnete Sanitats- rat Dr. M a s i u s durch den Oberbürgermeister in sein neues Amt eingeführt. Sodann wurde eine Reihe Etats lAuguste Viktoria-Krankenhaus, Armenverivaltung. Kaiser-Wilhelm-Stiftung. Strahenreinigung und-Sprengung inkl. Feuerwehr, Friedhofsver- waltung. Franksches Stift, Schlachthausverivaltung usw.) für 1969 ohne Aenderung angenommen. Beim Etat Strahenreinigung und -Sprengung hatte man Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, u», zu sehen, wie die Potsdamer Unternehmer Sub- Missionen machen und kein Mittel scheuen, die Arbeit zu ergattern. Stadtv. PeterS, welcher Fuhrherr ist und einer hier bestehenden Pereinigung von Fuhrherren angehört, beschwerte sich darüber, daß man in diesem Jahre die Bespannung der Sprengwagen nicht auS- geschrieben sondern gleich den früheren beiden Fuhrherren b«- lasten habe. Es handelt sich um ein Objekt von 66 666 Mk. Hier- auf wurde ihm die Antwort, dies sei deshalb nicht geschehen, weil die dem Ring angehörenden Fuhrherren bei der früheren Aus- schreibung einen ganz bedeutend höheren Preis wie die beiden dem Äing nicht angehörenden Unternehmer, welche zurzeit die Arbeit ausführen, gefordert und nachdem sie das Angebot dieser beiden erfahren, sich zu einem noch niedrigeren Preise als diese angeboten hätten. DieS Verhalten fei unschön. Für die neuen Schulzimmer in der 3. Gemeindeschule macht sich die Anschaffung von Inventar notwendig und bewilligte man hierzu 366 Mk.— 3966 Mk. warf man für die Ausbesserung des UferbohlwerkeL am Schlachthof aus. — Für die Errichtung einer Rechtsauskunftsstelle für Unbemittelte bewilligte man 225 Mk. zur Anschaffung von Materialien. Diesen Posten soll ein Beamter, welcher im Vorjahre einen Kursus auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung mitgemacht hat, nebenbei bekleiden. Man gedenkt vorläufig an zwei Tagen einige Stunden diese Einrichtung in Funktion treten zu lassen. Auskunft erfolgt unentgeltlich, für Schriftstücke ist pro Seite eine Schreibgebühr von 10 Pf. zu entrichten. Hierbei bemerkte der Stadtv. Fried» l ä n d e r, daß diese Errichtung der Auskunftsstelle zu begrüßen sei, zumal andere Parteien, und zwar die Sozialdemokraten, auf diesem Gebiete schon weit voraus seien.(Hier besteht bekanntlich in der Bäckerstr. 4 eine Arbeiterauskunftsstelle, welche täglich außer Mittwochs und Sonntags abends von 6 bis 8 Uhr geöffnet ist und wo jedermann ohne Rücksicht auf Partei- oder Organisations- angehöngkeit Auskunft sowohl wie die Ausfertigung von Schrift- stücken unentgeltlich erhält.)— Auf den Grundstücken Neue Luisen- stratze 26 und 27 soll ein städtischer Lade- und Lagerplatz errichtet werden. Die Summe hierzu in Höhe von 37 666 Mk. wurde be- willigt. Man will diese Arbeit gleich in Angriff nehmen und zum Teil als Notstandsarbeit �betrachten, da eine Anzahl Zlrdcitslofer vorhanden seien. So schön wie die Sache klingt, ist sie doch be- dauerlich, denn in Potsdam NotstandSarbciten ausführen heißt: sich auf Kosten der Arbeitslosen zu bereichern, und zwar deshalb, weil man für NotstanöSarbeiten nur einen Tagelohn von 1,73 Mk. zahlt. also einen wahren Hungerlohn.— Die Leipziger Straße soll ver- VreUert werden. Hierbei machte sich die Unterhandlung mit drei Grundstücksbesitzern zwecks Abgabe eines Streifen Landes not- wendig. Während mir zivei derselben die Verhandlungen hierüber abgeschlossen sind, hat die Firma Jacobi(Mühle) derart hohe Preise gestellt, daß gegen sie das EnteignungSvcrfahren eingeleitet werden soll.— Die, Sätze für den Transport Kranker nach den Kranken Sericdts- Leitung. Kricgerverine stehen unter Polizeiaufsichk. Dem Gardeverein in Münster, einem gemäß der Kabinetts- order von 1842 bestätigten Kriegerverein,»var aus irgendeinem Grunde die ministerielle Genehmigung zur Führung einer Fahne versagt worden. Bei der Beerdigung eine» Kameraden wollte nun der Verein eine Fahne mit sich führen. Tie Polizeiverwaltung verbot dies. Darauf erhob der Verein Klage. Der Bezirks- auSschuß wieS die 5ilage ab. Das Obcrverwaltungsgerickst bestätigte dieser Tage das Urteil mit folgender Begründung: Der Garde- verein habe sich auf Grund der Kabinettsorder von 1842 bestätigen laffen und habe die Vorteile daraus in Anspruch genommen. Solche Kriegervercine unterlägen auch in bczug auf ihre Handhabung und Vereinstätigkeit einer gewissen polizeilichen Ueberwachung und dazu gehöre auch die Beachtung der Vorschriften, die über ihr äußeres Auftreten gegeben seien. Danach wären sie unter gewissen Voraussetzungen zur Führung einer Fahne berechtigt. DaS sei dem Gardeverein generell nicht gestattet worden. Infolgedessen habe die Polizei einschreiten können und das Mitführen einer Fahne bei jener Beerd'gung verbieten dürfen. Dies polizeiliche Verbot sei aber nicht als eine polizeiliche Verfügung anzusehen, die im Verwaltungsstreitverfahren angreifbar wäre. Es handele sich viel- mehr nur um eine Ausübung i>er Befugnisse, die der Polizei mit Bczug auf Kriegervereine aus dem Bestätigungsrecht erwachsen. Folglich sei für das VerwaltungsstrciWerfahren überhaupt kein Raum gewesen und die Klage als unzulässig abzuweisen. Häusern sollen erhöht werden. Eine Anfteizung zum Klassenhaß durch— einen Phonograph« beschäftigte die zweite Strafkammer des Landgerichts HI. Wegen Vergehens gegen den§ 130 St.-G.-B. waren der Bäcker Franz Xaver JachowSki und dessen Ehefrau Juliane I. angeklagt. Die beiden Angeklagten wurden beschuldigt, mit Hilfe eines Phono- graphen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise ver- ichiedene Klassen der Bevölkerung zur Begehung von Gewalttätig- keilen gegen einander öffentlich angereizt zu haben. Beide Air- geklagte sind Mitglieder eines hiesigen poliiisKen Vereins. Am 23. Mai v. I. fand in dem Lokal„Auguste Vikroria-Säle"' in der Lnthcrstratze in Charlottenburg ein öffentliches Konzert statt, welches in der polnischen Zeitung„Dziennik Berlinski' als»grotzes Konzert aus Edison- Rekordphonographen" angekündigt worden war. Veranstalter diese?.Konzerts", bei welchen, ein EintriitSgeld von 30 und 50 Pf. erhoben wurde, waren die beiden Angeklagten. Unter den zum Vortrage gebrachten polnischen Liedern und Operir- texten befanden sich auch zwei Lieder, die durch Urteil des Land- gerichts Posen als aushetzerisch im Sinne des§ 136 beanstandet worden waren. ES waren die«:„Nao? Cblopicki"(Chlopicki- Marsch) und„Bo�s Ojcze"(Gott Vater).— Vor Gericht behaupteten die Angeklagten, daß sie keine Kenntnis davon gehabt hätten, daß diese beiden Lieder verboten waren. DaS Gericht nahm an, daß die Angeklagten in gutem Glauben gehandelt hätten und er« kannte gegen beide auf F r e i s p r e ch u n g. Eine wunderliche Betrugsanklage. „Mutter Heinze" und»Vater Graebsch� gaben gestern eine unfreiwillige Gastrolle vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts 1 als Angeklagte. Beide Angeklagte sind den Be- suchern des Opernhauses nicht unbekannt, denn sie stehen vor dem Eingange des KunstlempelS und beten allabendlich ihr Sprüchlein her:„Textbuch gefällig?" Sie benutzen diese Gelegenheit, um aus ihre alten Tage ein paar Groschen zu verdienen. Auch zu den Vor- tellungen des„Sardanapal" boten sieTextbücher zu 25 Pf. aus, während das offizielle Textbuch, welches im Opernhause selbst verkauft wird, 86 Pf. kostet. Die Erklärung hierfür ist darin zu suchen, daß die Angeklagten das alte Texlbuchj zu dem�alten Taglionifchen Ballett .Sardanapal" und nicht das Textbuch zu dem neuerstandencn Delitzschschen.Sardanapal" verkauften. Irgend ein Mißvergnügter erstattete Anzeige und so wurde eine Anklage wegen Be« t r u g e S gegen die beiden alten Leute erhoben. Das Schöffen- gerrcht kam aber zu einer Freisprechung. Die Angeklagten hatten nämlich behauptet, datz sie bei Ver- kauf des Textbuches den Käufern gesagt hätten, es handle sich um daS alte Textbuch, welches aber auch eine ganz gute Orientierung über die Vorgänge auf der Bühne ermög« liche. Das Schöffengericht sah diese Behmiptimgen nicht für widerlegt an, vermißte außerdem den NawweiS einer Vermögensschädigung und sprach die Angeklagten frei. Hiergegen legte der Staatsanwalt Berufung ein. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfung der Berufung des Staatsanwalts. Weg« Schulverfämmnis feines in Amerika weilmd« Kindes de straft. Herr MafsalSly aus Lipine hatte seinen 12jährigen Sohn Philipp nach Anierika gebracht, damit er dort in einer geistlichen ErziehungS- anstalt zum Misfionar herangebildet werde. Tme DisPension vom Unterricht in der Volksschule deS schlesischen Heimatortes lag nicht vor. Als Massalsky senior wieder in Lipine angelangt war, wurde er wegen unberechtigter Schulversäumnis seines Sohnes an einer Reihe von Tagen angeklagt. Er machte geltend, daß die Schulpflicht in Preußen aufgehört habe, settdem der Junge nach Amerika fei. Es wäre so ja genau dasselbe, als weim er gemeinsam mit den Kindern nach Amerika ausgewandert wäre. UedrigtnS sei sein ältester Sohn an jener amerikanischen Anstalt Kaplan und an diesen habe er die Er- ziehungspflicht dem Philipp gegenüber abgetreten.— DaS Land- gericht Beuthen O.-S. verurteilte jedoch den Angeklagten zu einer Geldstrafe, indem es davon ausging, daß die Schulpflicht rn Preußen fortgedauert habe und durch die Aufnahme des Jungen in eine amerikanische Erziehungsanstalt nicht erloschen sei. Was M/s Einwände angehe, so sei er erstens nicht selbst ausgewandert und zweitens hätte er nicht so. wie er daS glaube, die Erziehungspflicht an einen anderen abtreten können. Ihn treffe auch ein Ver- schulden, penn er habe sich sagen müffen. daß er den Pflichtigen Besuch de« Sohnes in der preußischen Schule unmöglich mache, wenn er ihn nach Amerika bringe. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision. Es steht auf dem Stand- punkt, daß der für die Kinder preußischer Untertanen obligatorische Schulunterricht in einer preußischen Schule erteilt werden müsse. Es könnte u. a. sonst nicht vom Schulinspektor festgestellt werden. ob die Voraussetzungen für das Ende der Schulpflicht gemäß z 46 II 12 Allgemeinen LandrechlS vorlägen, das heißt, ob das Kind die einem vernünftigen Mensch« seines Standes notwendigen Kenntnisse erlangt habe. Wenn Angeklagter selber ausgewandert wäre, würde man ihn natürlich nicht anklagm können. Wie die Dinge lag«, wenn das Kind ausgewandert wäre, könne hier unerörtert bleiben. Denn es fei nicht auSgelvandert, sondern nach den Feststellungen zu seiner Erziehung nach Amerika gebracht worden. Damit falle nicht die preußische Schulpflichtig- keit. Angeklagter sei mit Recht verurteilt worden, weil das schul- Pflichtige Kind in Preußen unberechtigt die Schule Versäuntt und er d,es verschuldet habe. Vermischtes. Tie Ueberschwemmunge«. Heute lauten die Nachrichten über das Hochwasser wesentlich günstiger. In den meisten UeberschwemnumgSgebieten ist ein Fallen de» Wasser» zu verzeichnen. Die durch das Hochwasser eingetretenen Verkehrsstörung« sind zum Teil wieder behoben. ES liegen heute noch folgende Meldungen vor- Dresden, 8. Februar. Die Elbs ist seit gestern abend S llhr, wo fle ihren Höchststand mit 3,79 Meter erreicht hatte, bis heute vormittag IV Uhr um 30 Zentimeter gefallen. Erfurt, 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Ab heute nachmittag wird der Betrieb von Frankenhausen bis Göllingen wieder durch- geführt. Prenzlau, 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Die Störung im Eisenbahn-Fahrbetrieb Swinemünde— Lstswine ist beseitigt. Verkehr auf genannter Strecke von heute vonnitag 9 Uhr in vollem Umfange aufgenonunen. WcißcnfelS a. S., 8. Februar. Das ganze Saaletal ist meterhoch überschwemmt. Mehrere Ortschaften aus der Straße von Weißensels sind bis 1 Meter unter Wasser gesetzt. Keller und Erd- geichosse sind mit Wasser gefüllt, bvv Mitglieder wurden im Bad- Hotel während eines Vergnügens im Laufe der Nacht vom Hochwasser überrascht und abgeschnitten.. Sie wurden heute mit Fischerkähnen gefahrvoll gerettet. Der Schaden an Gebäuden und auf den Feldern ist ungeheuer. Das Wasser steigt lamgsam. Köln, 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Der Personenverkehr auf der Strecke Köln— Niederlahnstein vom 8. Februar morgens ab ist bis auf weiteres von Köln bis Fahr durch Umsteigen an der Flutbrücke zwischen Troisdorf und Friedrich- Wilhelmshütte auf- genommen. Bon der Umsteigestelle bis Fahr verkehren die Personenzüge Nummer 300, 300, 308, 332, 310, 312, 314, 316 und 802, sowie 826 bis Linz und 322 von Linz, ferner von Fahr bis zur Umsteigcstelle bei Friedrich» Wilhelmshütte die Züge 301, 303, 305. 323, 809, 833. 311, 313 und 315. Anschlüsse nach und von Köln werden an der Umsteige- stelle durch die Züge 306, 308, 332, 310. 312, 326, 316, 302. 301, 303, 305. 323. 309, 333. 311. 313 und 315 vermittelt. Bis Neuwied und Engers und zwischen Bendorf und Niederlahnstcin verkehren alle fahrplanmäßigen Personenzüge. Der Trajektbetrieb zwischen Bonn und Ober-Kassel ist für den Personenverkehr vom 8. Februar ab bis auf weiteres eingestellt worden. Essen(Ruhr), 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Der Personen- und Eilgutverlehr auf dem Bahnhof Gelsenkirchen-Bismarck ist in vollem Umfange wieder aufgenommen. Neuwied, 8. Februar.(Amtliche Meldung.) Die durch Hoch- wasier verursachte Betriebsstörung zwischen Neiterscn-Pudcrbach ist beseitigt und der durchgehende Personenverkehr von Siershahn nach Altenkirchen wieder aufgenommen. Frankfurt a. M., 8. Februar. Der Wasierstand deS Mains erreichte hier heute nachmittags 2 Uhr 5,91 Meter, etwa 1 Meter höher als der Höchststand vom Sonnabend. Die niedrig gelegenen Straßen der Altstadt, insbesondere die SchlachthauSgasse. die Verne Fischer» gaste und die Metzgergasse stehen metertief unter Master. Auf dem Römerberg reicht die Ueberschwemmung bis zur Rikolaikivche. Frankfurt a. M., 8. Februar. Die erneute Hockwasserwelle deS Mains bat nachmittags um 5 Uhr mit dem Höchststand von 5.95 den Stillstand erreicht. Das Fallen des Wassers wird erwartet. Wcrtheim, 8. Februar. Die Stadt steht vollständig unter Wasser. Mehrere Einwohner der ersten Stöcke mußten ihre Wohnungen räumen. Das Wasser steigt fortwährend. BergmannSloS. Auf Zecke Maximilian bei Hamm find bei einen, Durckbruch eines Kohlenschlotes fünf Mann im Ouerschacht ver- sckütlet. Einer ist schwer verletzt, vier tot, von denen zwei noch nicht geborgen sind. Zwei Knaben ertrunken. Wie eine Meldung au» Leer in Ost- frieSland besagt, brocken am Sonntagnachmittag im Hafen drei Knaben im Eise ein. Einer davon konnte gerettet werden, während die beiden anderen, die 9 und 12 Jahre alten Söhne eines Zimmer- manneS, ertranken. Explosion. Nach einer Meldung ans Nordenhamm explodierte dort gestern mittag 1 Uhr ein Petroleumtank der BenzinlagerungS- gesellschaft m. b. H. Blexen. In kurzen Zwisckenräumen explodierten zwei weitere Tanks. Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt. Eine folgenschwere Pulver- und Dhnamitexpkofion. AnZ Nancy wird gemeldet, daß in dem Sprengstoffmagazin der Bergwerke von Tucguegnieux bei Brietz eine große Menge Pulver und Dynamit sowie mehrere tausend Zünder explodierten. Sechs Arbeiter wurden getötet, das Gebäude wurde vollständig zerstört. Die Fensterscheiben sämtlicher Baulichkeiten der Umgebung wurden zertrümmert. «SttterungStiderllck» vom 8. Februar l!H)9. morgen» 8 llhr. etattonen iä, Swmemve 76SNW Hamburg I773W Kerlin! 770 NW Aranki.a M München Wie« 772 ND 771 SW 77t NW Detter 2 wolkig 2 Dunst 2 heiter 2 heiter 2 bedeckt 1 wolkeill w« 1* kSs -1 ■5 —3 -7 —7 —7 etattonen S| »=• - 3 «f Detter |* bim Savaranda 767 Still cterSburg 768 NW Scilly 761 0 jlderdee» Pari» 766 S 67 O wölken!—20 1 bedeckt— 4 4 wolkig 8 2 bedeckt| 3 2wollenl— 3 Wetterprognose für Dienstag, den 0- Februar 1909. Zeitweise etwas nebelig, vorwiegend heiter und trocken bei schwachen südlichen Windm; nachts mäßig strenger Frost, am Mittag ziemlich mild. Berliner Wetterdureau. eingegangene Druchfehnftett. Die deutsche TpirituSindostrie. Von Dr. L. Wassnlnann. 5,59 Ä. Dimcker u. Sumblot, Leipzig. veretus» und BrrlammlungSrecht. Von H. BeimS. L5 Ps. W. Psannfuch U. Co., Magdeburg. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marlthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-Marstballen. Marktlage: Fleisch! Zusnhr stark. Geschäft flau. Preise für Stind- und Schmeiiusidich anzichcnd. Hammelfleisch nachgehend. Bild! Zufuhr genügend, Geschält ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert. G eslügel: Zujubr geiiügend, Geschäft rege, Preise besnrdigend. Fische! Zusuhr mäßig, Gcichäsi etwas belebt, Preise ivenig verändert. B n I t e r und Käse: föeschäsi nihig, Preise unverändert. Gemüse, O b st und S ü d s r ü ch t c: Zufuhr nrnügeud, Geschäft stau, Preise behauptet. WasterftandS-lllachrichten der LandeSanitalt für Geivässcrkimde, mitgelellt vom Berliner Wetterbureau. 0+ bedeutet Wuchs,— Kall.—•) Untervegel.—") Sisstaud. —•) Grundeis.— Starker Eisgang.—•) Schwacher Eisgang.— 0 Bis 12 Uhr mittags des 7. aus 694 an gefallen.—-�) Der höchste Wasserstand: 543 om trat am 6. um 19 Uhr vor» mittags ein. Nach telegraphischen Meldungen vom Montag ist die Elbe bei Leitmeritz bereits auf 398 an gesauen. Bei Dresden wurde der höchst« Wasserstand am Sonntag mit 373 an erreicht und bcirua er am Moiitaamorgc» nur»och 369 cm. Bei Barby herrscht Eisgang und ist der Wasierstand noch auf 433 cm gestlegen. Am Pegel zu Torgau wird nach neuester Schätzung ein höchster Wasserstand von ungesähr 6 m cnvai-tct, das wäre reichlich 1 m weniger als der überhaupt dorr bisher bei eisfreiem Wasier je gemessene höchste Stand beträgt, würde jedoch immer noch einem Hochwasser von mehr als mittlerer Stärke entsprechen. Für den Inhalt der Inserate überuimmt die Redattio« dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. �Keater. Dienstag, 3. Februar: Ansang 7'/, Uhr. Köntgk. Opernhaus. Fldello. Königl. Schanspielbaus. MrS.Dot. Deutsches. Die Lehrerin. Kammerspiele. Der Gras von Gleichen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Hamlet. Anfang 8 Uhr. Lefstng. Der König. Komische OP-r. Tiefland. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Hebbel. NevoluUonShochzeit. Lustspielhau«. Seine kleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller O.«alliier• iocaici.) Ein Volksfeind. Sch»a Eharlottenburg. Das Erbe. Friedrich- WilbelmttSdt. Der Pfarrer von Kirchscld. Westen. Der tapfere Soldat. Thalia. Da» MiiternachtSmädche». Luisen. Fliegende Berliner. Trianon. Der Satyr. Neue« Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Thratcr SA. DaS Himmelbett.(Ans. 8'l, Uhr.) Bernhard Rose. DaS Warenhaus- sräulein. Gastspiel- Theater. Der Hütten- beßtzer.(Ans. 81/, Uhr.) Bürger«. Schauspielhaus. Der Goldbaner.(Ans. S'/, Uhr.) Gebrüder Herrnfeld. Die beiden BmdcibandS. «*>«•. Ontei Kasimir. Spezialitäten. Metropo:. Donnerwetter— tadel- tos. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Havrriand. Spezialitäten. Pal'agr. Spezialitäten. NrichSdallen. Sieltiner Sänger. Walhalla. Sprziaiilälcn Foltes Caprice. ServuS Pschesina. Lustig« Ehemann. Glnf. 8'/, Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialilälcn. Buna» Behren«. TobiaS Braut« fahrt. Spezialitäten. Anfang 61/. Uhr. Parodie. Der geschundene Raub« rittcr. Ansang 8>/, Uhr. Urania. I»oenNrahe IN(49. Ab-ndS 8 Uhr: Bon Abbazia nach Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Dr. M. Gruner: Island. Bilder von einer natur- wisseiischaftlichen Studienreise. Sterun-neir,»Uwauocnm o? iflz. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Frau. (La femme X...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau._ Theater des Westeos. Allabendlich 8 Uhr: Per tapfere tjioldat. Lessing-Theater. Dienstag: Der König. Mittwoch: Der König. Donnerotag: Der König._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent. Morgen: Einer von un»er« Leut'. Residenz-Theater. — Direktion: Rlchart Alexander.— Abends 8 Uhr: nKOmmere Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen».folgende Tage: Kümmora Dich um Amello. Sonntag, U. Februar, nachm. 3 Uhr: ©aebott, �aiI!picl in 4 �kten von Friedrich-WiHielmstädtiscIies Schauspielliaus. Dienstag, 3. Februar, Ansang 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchftld. Mittwoch: Der Pfarrer v. Kirchseid. Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchscld._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Zeine Kieme Freundin. Hebbet-Ttieater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revolutionsbocbzeit. Henea Operetten-Theater. Schisibauerdamm 25, o. b. Luisensir. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzossln. Operette in 3 Alien von Leo Fall. mmottittEAi (8t. Frankwrter Str. 132. Abends 8 Uhr: Das Wareiiliaus-Fräulein »Or WochentaaSprcise."M Mittwoch: Die Räuber. l.ti!8öit-IItsa!eT. AbendS 8 Uhr- Per fliegende Krrliner. Millwoch Gastspiel AnnaLchramm: Der Siörenjried und: Die Dienst- boten. T onnerttng: Die Räuber. Kreitag- DaS Mädchen a. Irrwegen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rot- käppchen. Abend«: Die Ehre. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Sinder des Kaptiän GranL AbendS: Da« Mädchen auf Jirwegen. Montag: Hypochonder._ Sch Iller-Tlieater. 0.(Dallner-Theater.) Dienstag, abends 8Uhr: Lkn Tolkstelnd. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Komtesse Guckerl. Donnerstag, ade» dSbUhr! Ein Volksfeind. Schiller> Theater Lharloltendvrg Dienitag. abend« V Uhr: Das Erbe. Mittwoch, abends 8 Uhr: Pas kleine Kein». Donnerstag. abendS8Uhr: Pa» Erbe. Arnold Scholz Neue Welt fiasenheiile 108- 114 Täglich! Sripal bayeriseiies 8oekbier|est. Original Riesen-Alpen-Dekoration. Sensationelle Ofioinal• Plämiiefungen. Jede�dDioÄ.MalD,Toch Große Tauz-Reunion. Hente Dienstag, den 3. Februar 1803, Elitetag: sw Prämiierung der modernsten Damenfrisur,-ma 3 Barpreise: 50 Mark, 30 Mark, 20 Mark. Das Preisriohteramt haben gütigst einige Herren vom Fach — anter frenndlicbem Vorsitz des Herrn Obermeisters H. Leopold— übernommen. Meldungen 8— 10 Uhr an der Kasse. Anfang 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 60 Pf. Urania. Wiasenschaftlichee Theater. Tanbenstroße 48/43. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Dr. M. Gruner: Island: Bilder von einernatnrwisscnsohaftlichea Stndionreise. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 10. Februar 1393: Hedda Gabler. Schauspiel in 4 Akten o. Henrik Jbsm. Anfang 8 Uhr. HetU Herdlna OobertBelllng Maria Vlnent Herbert IjojH Christie Duo— Die Oberstelrer. AbendS 8!/| Uhr: Onkel Casimir Helropol-Thealer Tbgllcli 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revne in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Uincke. Regie Direktor Schultz. noNsury— Perry Holden— Bender Gluiupletro— liettner Plana— Tblclecber. Gebrüder Herrnfeld- Anfang Thaafar Vonrerk. 8 Uhr. lUBalcr. 11-2 Uhr. 67 Kommandantenstr. 67. Heute Dienstag, 0. Februar, r.iun ISS Hai: jjllp-daru neuer VcrittMell 5 ClrebniolTs— Eyrlco- Quartett— Dledrleh lllpts— t* cor ff Schindler EeB AatrCe». m- Saharet QeHrude Sarrison Simon u. Gardner in ihrer amerikanisch. Burleske: Der neue Kutscher and das drollige Faschings- Programm! Heute Dienitag, 9. Februar, abend« 71/, lllit: AuBerordentl. groSe Vorstellung. Dir Srnfatlon des Tages: VibSR'tv der moderne tterkules als Mflneen- brechor, dessen Arme 2 Gespanne nicht anScinander- ziehen können. Ningkaiilpf mit dem Stier Paüt bas Welt- 1 oCI wunder. Die Waffenschmiede. DaS hexende Kilnguruh. Die bezaubemde AuSslattungZ- pantomime der Leersuber. Ss8tspie!-7ksstsr Föpsnickcr S trolle 63. 8 Uhr: Gastspiel Hedsvlg Eange. Der Hüttenbesitzer. X.1V.»atson S Zirkus Ouscb.i Heute DienStag, abends Tlt Uhr: f Große Gnla-yorstellnns> Um ca. v Uhr: Anstreien deS weltderühmten KonsuZ pstsr!! MT- Die VlovlIIes! Olympia Dcrvall! Ferner: He:r Burlhardt-FooM,, Schiilrelter. Herr E. SchmnannS I Meisterdresi. Foureanx u. Manctti, I Ncittünstlcr. Um ca. 3'/. Uhr: /Uiswänderer! sowie das groste Programm t! I Vfo>ndvrgs«og>3-20,«osonth.Tor. Ansang 8 Uhr. Die neuen Februar-Spezialitäten. Im Tunnel: Bock dienest. Regt. mentskap. Thcatcrbes. freien Eintr. �.?kosokL7ksstsr Virettiv»: ftob. Olli. Bnumemtr. ie. Zopf«üb Schwert. Historisches Lustspiel von Gutzkow. Ansang 8'lt Uhr. Entrce 30 Ps. Donnerstag: Liane, die 2. Frau. Sonnabend Extravorst.: Premiere: Ministerkrisen. J Passage-Theater. Anna Müller-Üncke Robert Koppel und das grandiose Februar- fafldtfi-Propmii Ab Donnerstag, 12. Febr.: Knraca Gaetsn. von Mdm. Hanako 1 Japans grSBle Schauspielerin, mit ihrem Ensemble. Keine erböbteo Preiset Bßrgerlichos Schauspielhaus Kastanlen-Allee 7—9. f gm Abonnement.-WE er Goldbaner. Schanspiel in 4 Mtcn v. Birch-Pfeisser. Ansang 8llt Uhr. Mittwoch, 10, Februar: Letzter Opern* abent; Untllne. Passage'Fauoptikuin.l Bfen! Ken! Singhalesen Gaukler Truppe in ihr. wilden Heimatstreiben I Malonie, das blaue Weib»! Alles ohne Extra-Entree. Casino-Theator Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationell! Rußland. Aktuell! Rn ß I an d. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Parwiie- Theater. | DreSdenerstr. 97. Ans.>/,3 Uhr. j Täglich: Oer xesekunaeno Ksudritter. Theater VarlStS Lriilant Dresöenvr Ltr. 62/3 Annenst. 42/3 Täglich: Austreten von nur erst- »assiaen Spezialitäten bei gänz- ltch freiem Entrce, auch Sonn- tagö. Sonnabend und Sonntag nach der Borst.; Gr. Freitanz. Könl�stedt- Kasino» Holzmarftstr. 72. Täglich: Koiizerf, Dheater«ttd Spezialif äfen- Borstellnng. Austreten erstklassiger Kräfte� KV Praii?!!üjeba»«kl"tzjSQ Ehiggi Chigctty.— Joe de Diaz. Lola Estrclla.— Jim und Jam. me»«en»Err«fA! UebkraueuuiHek. Operette in 1 Akt. Ans, d. Vorst. 8, Sonntags 6% Uhr. Fröbels Allerlei-Theater. SchUnhaiiBcr Allee 1-18. Dienstag, den 9. Februar 1909: Minna von Barnhelm. Lustspiel in 5 Akten von®. E. Lessing. Kasscnösfnung 7 Uhr. Ans. 8>/< Uhr. las t Ltänäixe �isbakn. Bis nachts 12 Uhr rieoffnef. Konzept«ad Mnaist laufen. Reichshalien-Theater Stettiner Sänger. Zum Schlug: Der Kompgsinieball. Militärisch« Humoreske von Messel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonnt. 711 Sanssouci S5" Direktion Wilhelm Reimer. ?eute Dienstag: Theaterabend. Zum 1. Male: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Akten mit einem Lorspiel:'s Lorle von Lharl. Birch-Pfeiffer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Kollniiuikiz Kvftii!. Woge!' n. Tanz-KrUnzehen. Beg. Sonnt. 5, wocheni. 8 U. Donnerstag: Gr. Elite-Soiree. Tanz. C|alast-?hea!er J Burgslrafte 21, 2 Minuten vom " Lahnhos Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr. Das günzltch neue Februar- Programm. 12 Debüts 12 Riesenauswahl ailor Qualitäten. Wolle- Docfo? Hoqnetts. Plüsch-" völC. Safteltaschen. Muster b. näh. Angabe franho. EffiilLeto.oranii.lSS. Nenl Neu! Der arme Kasimir. Schwank in 1 Akt v. Schmidt-Hawkins. Familicnkarten, auf allen Plätzen halbe Preise, nur an Wochentagen gültig, überall gratis zu haben. Mv Behrens- Theater. Tortrefflieli angesprochen. Herrn Wilhelm Pramauu, DreZdea-N. Lbr ,Cacaol° hat vortrefflich auge- sprochen. Unsere Sara, t Jahre alt, aber lehr schwächlich, mag fast nicht» andere», und bitte ich Sie höflichst um Zusenduna von 20 Baketen Cacaol. HormerZdors b. Dorschemnitz. 28. Febr. 0». Jultu» Groschopp, chtusller. Cacaol ist in•/„ Pfd.hZateten zn je, dt>/. Pfd.-Boleten zu so Pienntg durch alle cwschläz. Handlungen gu beziehe». Das vorzügliche Februar- Programm. Selilaccr auf Sehlager. 11. o.: Neu k Tobias Brautfahrt. Kölnische Operette und die übrigen crftklasslgen IpezialitStru. Anfang 8'lt Uhr, Sonntags 6 Uhr. �Hygienische cociM'suruaei. x>eue»t. Katalog Q�EropfehLvielAerzie a.Prot grat. UolC o. Uager, flnminlwareafab2& Geriifl Nw.. i/.dedricliÄtrass e 91/92 Leihhaus. Gelenenheitskäufe verfall. Gold- und Siibersachen. Brillanten etc. iSkeliÄI,riiizei!sti,ini Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager ta Bruch- bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Silss-Krankenkafle». Berlin ST.,• iefct Ejothringer Straße 0O. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- laten, angenehm u, weich am Körper. Llendcndweig' Wäscht b. promptester Lieferung u. schonend- ster Behandlung der Wäsche Telepbon: Weifiensce 203. Dr. Schlinemann Spczial-Arzt(ür 5623L* Bant- and Harnleiden, FrauenkrunSrlicitcn. Frledrichstr. 203, Ecke Schützensir. IO-a. 5-7. Sonn». 10-18 Uhr. Von 9—7 Uhr geättnot. sonst gebe ich wiederum in allen meinen Geschäften bis Sonntag, den 28. Februar inkl. meine so sehr beliebten YerarSBenmiien (Bromsilber 30 X 36 mit eleganter Aufmachung) tadellos ausgeführt, jedem, der sich In dieser Zeit eine Aufnahme bestellt Photographie J. Fuehs Berlin t Frledrichstr. 108 neb. Passago-Kaufh. Frledrichstr. 138 vis-ä-via Kom. Oper, KönigstraBe 52 vis-ä-vis Bathaas, Rosentbater Str. 72a am Eosenthaler Tor. Schöneberg: Hauptstraße 19. Verbrauchte Nerven kräftigt man durch Gebrauch von HYGIOPOW, dem neuen auf elektrischem Wege hergestellten Eisenpräparat Hygiopon wird von ärztlichen Autoritäten als hervorragendstes Kräftigungsmittel warm empfohlen; es regt den Appetit intensiv an.— Originalflaschen M. 1,75 und M. 3,— in den Apotheken erhältlich. General-Depot für Deutschland: D*. Wasucpzng, Frankfurt u ffl., Theaterplatz t. Deutscher Kürseinter-Verhand ■ r Filiale Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Barnimstratze 2l. Test: Amt VII 6783. Donnerstag, den II. Februar 1909. abends 8 Uhr: itolierordentliehefieneral-Versamtitlung im„Alten Schützenhaus«, Linieustr. 5. Tagcs-Ordnung: 1. Der Berbandstag i» Nürnberg und Stellung der Anträge dazu g. Wahl der Delegierten zum Verbandstagc. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes. SW Mitgliedsbuch legitimiert. 102/2 Tie Ortsverwaltnng. Zentralveiband nerfilasarbeiter omi Arbeiterinnen Deutschlands. OrtRTemaltnng Berlin. Donnerstag, den 11. Februar 1909, abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstratze 17 General- Versammlung. Taaes-Ordnung Voltrag de? Stadwerordneten Genossen Hermann Schubert über: .Di« Bildungsstätte des Volkes in Preußen".— Abrechnung vom vierten Ouartal 1308.— Neuwahl der Ortsoerwallmig. 73/2 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Achtung! Vereine, Gewerkschaften! Voigts Kmnpeilburg, Berliner Upen, gegenüber von SchmSdwiN, au» Fnhe der Müggelberge, inmitten der drei herrlichsten märkischen See« gelegen. (5köfHkö �UöjiUßöIoltfli. Anöfidjtdturil! mit herrlicher Fernficht aus das ganze Dahmetal. Zur Unterhaltung der Kinder: Kasperle- Theater und Fselgespann kostenlos.— Zwecks Abswlusfe zu Dauipserpartteit ersuche die geehrten Vorstände um baldige Meldung; lomme aus Wunsch auch ins betreffende Sitzungslokal. 1052* Hochachtungsvoll Tel.: Amt Köpenick Nr. 227. Voigt« ■■-: 'MO WMA- Cigareiten e Qualitäten Calmon's Hansa leicht«, schmiegsame Gummischuhe au* feiostem Gomnü hergesteUt, besonders widerstandsfähig. Wir hatten für die Oflte jedes Paares, Forden Sie neue« MuslartmckV Salamander Elnheitspfeis Kr Damen M. 3.50 Kr Herren M. 450 Schohges. m. b. R, BerUn Zentrale; W. 8, FHedHchstr. tos C. Köoigstr. 47 SW. Friedrichstr. 221 C. Rosenthalerstr. 1 W. Potsdamerstr. 5 NW. Wüsnackerstr. Ecke T urmstr. 9 Vf. Taucntzienstr. 15 OLI Abbas 3 Pf/. Chic 4 W Gibson Girl 5 Pf?. Würzburger Hühneraugenmlttel von Dr. H. Fnger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweifel die beguemsteu. wirkiamfteHilfe. Der Schmerz istinZ Min. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salieylsäure u. indischen Hanfextrakt.)!>?. H. UngCT in WÜrzburg. In Berlin(20 Pf.): Salomen-Apotheke, Charlottenstrasze 54. Greif- Apotheke, Barnimstrasze 33.— München: Schützen-Apotheke.— Stuttgart: Hirsch-Apotheke.— Breslau: Victoria-Apotheke._ 110/1» Ww Reichel'» echter Vactaolder-Extrakt„Hemeo" w'.rd mit vielseitigem Erfolge gegen RheumatiSmnS. Gicht. Jschtas.Hämorrhoiden.Magenschwäche. Frauenleiden. Blairn- und Rterenletdeu» Hustenleiden, Asthma:c. gebraucht, ist schleim- lösend aus Bruft und Lunge, treibt Erkältungen auS dem Körper. reg» Appetit u. Verdauung an und ist ein Biutreinigungsmittel sondersgleichcn. Unerreicht in seiner, sür alle Teile deS Organismus wohltätigen Wirkung. Taufende verdanken ihm ihre Gesundheit k Garantiert rein und«nversälscht nur in Flaschen mit Marke „ Medice" h 75 Pf., 1,50 und 2,50, große Blech kanne 216,-, einzig echt von* ÜUm Das#« h-ml Berlin SO. 43. F.-Anschlüsse UlkO JieiCnSlj Elsenbahastr.4. IV. 4751. 4752,_47o3. Wo in den Drogerien und Apotheken nicht erhältlich, hier frei HauS. Man verlange auS- Undinn und nehme keinesfalls drücklich Marke KlvUlCU andere Füllungen. PriDzensir. 41, Äffi,, -w y-—— j--------------- �---__- � 10— 2.5— 7. Sonntags 10— 12,8— 4 tferahtircrfL Redakteur: Carl Vrrmnth, Bcrlin-Rixdors. Für denLnseratcntril vcräntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: PorwärtsLitMniSbtt't u. VertolSnnstnU Paul Singer& Co.. Berlin SV/7 Allen Bekannten und Ft eunden die traurige Nachricht, sah am 7. Februar mein lieber Mann. unser guter Vater, Bruder, Onkel und Schivager, der Gastwirt Vital Linde im 40. Lebensjahre nach kurzem Leiden verstorben ist Dies zeigen an im Namen der Hitfierbllebenen Berta Finde geb. Fischer 1062 nebst Kindern. Die Beerdigung findet om Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags S'/a Uhr, von der Halle des Krankenhauses Westends aus statt. 8v!i»Ii!eWlfi'StiGel!ei'VMvkllili Lhurtottenburg. Todesanzeige. Am 7. Februar verstarb plötzlich unser langjähriger Genosse, der Gastwirt 250/2 Otts Linde Sejenheimer Str. 11— Kruppe 5. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des KrankciihmllcS Westend»us statt.— Die Parteigenossen treffen sich um 3 Uhr im Volkshause. Rege BeleUigung erwartet Der Vorstand. Deulseiier Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Charlottenhurg. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, datz unser Kollege Otto Utids am Sonntag, den 7. Februar, gestorben ist Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Krankenhauses Westend aus statt Um reg« Betetilgung ersucht 78/18 Die Ortsverwaltnng. VelbznijMöien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Charlattenburg. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Gastwirt Otto Utide am 7. Februar nach kurzem Leiden an Lungenentzündung und Herz- schwäche verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 10. d. MtS., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des KrmitcnhauscS Westend aus statt. Um recht rege Beteiligung wird gebeten 74/6 Die Ortsverwaltnng. Sockltakrat. Wafilvemn Köpenick. BTachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse, Echuhuiachcr- meister ilberl Buehliolz am 31. Januar im KreiSkranken- hause zu Britz verstorben ist. Er war stets ein eifriger und Pflicht- etteuer Parteigenosse, einer von er alten, erprobten Garde, welcher unter dem Sozialistengesetz mit- tämpste. 202/10 Ehre feinem Andenken l Der Vorstand. General-Versammlung Mittwoch, den 17. Februar, abcudS 8 Uhr. im Volkshause Charlottenburg. Nur Mitglieder haben Zutritt l Kein Mitglied sollte sehten I Tages-Ordnung: 1. Vortrag von Fritz Zietsch über „Siolstoi, Gorti und Zola". 2 Ver- waltungs- und Kassenbericht, Bericht der Revisoren, Anträge des Vor- standcS aus Statutenänderung. 3. Wahl der Funktionäre für das neue Geschäftsjahr. 4. Verschiedenes. Namens des Vorftaiidcs 281/10 Dr. Lindhcimer, Vorfihender. Möbelfabrik Zukunft (C. G. m. b. H.) Sonntag, de« 28. Februar er., ' nachmittags 2 Uhr. im Lokale ors Herrn KrUger, Wetdcnweg 61: General-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bilanz. 2. Nenwahien. 3. Verschiedenes._ Ter Vorstand. Klimen- und KrallchiiidkM von Rodert Heyer,. all! Mimimnktt-Strnße 2. Lnzialtollkfät. ÄereiD für den 4. Berliner Reidistapahlkrels. Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 338. Den Mitgliedern zur Nachricht. dafi unser Genosse, der Tischler SusKev Sand Königsberger Str. L gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Februar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen-[; Halle des'Zentral-Friedhojes in Friedrichsseldc auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/13 Der Vor-tand. A ZliMileWio'aliMr Vitämm\ für den Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 406 Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse der Rohrleger Ludwig Üekätt Ebclwgstr. 7. gestorben ist. 215/12 Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Dienstag, den S. Februar, nach- mittags SP/, Uhr, von der Leichen- Halle des ZentraifriedhofeS in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. s SSK Todcs-Anzeige. Am 6. Februar ct., vormittags 10°/, Uhr, entschlief sanst nach schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Lnkel, der Nestau- ratcur vlöb ttuge Joost im 46. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Gle trauernden Hinterbliebenen Marta Joost geb. Drescher als Frau. Marie Joost als Tochter. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags 3'/, Uhr, von der Salle des Elisabeth- FrielchoseS, rinzen-Allee, aus statt. MasaasW�a�Wn�mauMamnä Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Herl. Reichstags- Wahlkreises. Todes• Anzeige. Am ö. Februar verstarb unser Mitglied, der Gastwirt �ugu Joost Hochstr. 33. Ehre seinem Rudcnre«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des' Elisabcih-KirchhoseS, Prinzcn-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/14 Der Vorstand. SozialflefflokratlsehJaWvepeiD für SchCneiche und Umgegend. Am 6. Februar verstarb nach langem Leiden an der Prole- tarierkranlheit unser Mitglied Kar! Schelienherger in Rahnsdorf Mühle. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Wohnung, Miihlenweg, auS statt. 233/3 Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Nfti Zentral-Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin II. Nachruf. Stm 4. Februar starb unser Kollege Franx Müller im Alter von 40 Jahren an Darmleiden. Ehre seinem Andeuken: Die Beisetzung hat bereits statt- gefunden. 171/2 Die Ortsverwaltcng. Hiermit allen Kollegen und j Bekannten zur Nachricht, dafi mein Fi«und und Lehttollcge, der Schristsctzer 107L Paul Zenker am Sonnlag durch E> trinken im Tegeler See seinen Tod fand. Ehre seinem Andenken! Arnold Sander. Di*. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Hamleiden. Hr. 33. 26. 3. Knill« des Jotmätte" Kerlim öoiliülilatt. 9. ktdnm 1909. Partdgcnonen! In der Freitag-Nummer des„Vorwärts" war in dem Artikel über die Arbeitslosenzählung vermerkt, daß die aus- gefüllten Zählkarten nach der Buchdruckerei Vorwärts, Linden- straße 69. gebracht werden sollen. Das trifft nicht mehr zu. Wir bitten die Karten nach dem Gewerkschaftshause, Engel- ufer 15. zu bringen, und zwar bestimmt am Sonntag, den 14. Februar. Im übrigen verweisen wir auf unsere Veröffentlichung am Freitag, den 12. Februar. Der Berbaud sozialdem. Wahlvereine. Berliner GewerkschastSkommission. Versammlungen. Zur Protestbewegung gegen die Tabaksteuervorlage. Eine öffentliche Tabakarbeiterversammlung, die am Freitag bei Wille in der Brunnenstraße stattfand, nahm den Bericht ent- gegen über den allgemeinen Tabakarbeiterkongreh, der vom 18. bis zum 20. Januar in Berlin tagte. Die fünf Ber- liner Delegierten: Hugo Hermann, Paul Matschke, Paul Fritz. Maria Ostin de und Spielvogel schilderten, jeder an seinem Teil, das Wichtigste aus den Verhandlungen des Kon- gresses, sowie dessen Beschlüsse. Was in jenen drei Tagen aus allen Tabakindustricorten Deutschlands über die jetzt schon so elende Lage der Tabakarbeiterschast und über die furchtbaren Wir- kungen, die die neue Tabaksteucrvorlage zur Folge haben muh, gesagt worden ist, klang nun in den Ausführungen der Bericht- crstatter wider, die auch lebhaft die Empörung zum Ausdruck brachten, die die gesamte Tabakarbeiterschaft über das ungeheuer- liche Attentat aus ihre Existenz durchbebt. Ein Redner erinnerte an die berüchtigte Zuchthausvorlage von 1898 und fragte, ob man wohl, wenn sie Gesetz geworden wäre, jetzt die Regierung als reif für das Zuchthaus ansehen würde, die 40 000— 60 000 zu ehrlicher Arbeit willige Tabakarbeiter und-arbeiterinnen, dazu die Tausende aus dem Steindruckgewerbc und der Llartonindustrie, zur Arbeits- losigkeit, zum Hungern und Verhungern verdammen will? Man sprach die Hoffnung aus, daß der Notschrei der Tabakarbeiterschaft nicht ungehört verhallen möge, wies aber auch darauf hin, dah, wenn die Vorlage in der einen oder anderen Form Gesetz werden sollte, trotz aller Proteste, die Regierung und ihr Anhang selbst nicht von den Folgen erbaut sein würden. Ferner wurde darauf aufmerksam gemacht, dah jetzt mehr denn je die gesamte Tabak- arbeiterschast für Stärkung� und Festigung ihrer Organisation sorgen muh. In der Diskussion betonte ein Redner besonders ein- drucksvoll, dah dieser Ruf zur Organisation vor allem auch an die Arbeiterinnen gerichtet werden müsse, da ja in der Tabakindustrie die männliche Arbeitskraft durch die weibliche in dem Mahe der- drängt werde, dah man wohl bald den letzten männlichen Tabak- arbciter im Märkischeil Museum ausstellen könnte.— Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die Versammlung erklärt sich mit dem Verhalten der Ber- liner Delegierten, sowie mit den Verhandlungen des Kongresses der Tabakarbeiter Deutschlands und die dort angenommene Re- solution einverstanden. Aus den Verhandlungen des Kongresses die Lehre ziehend, dah nur eine starte Organisation in der Lage ist, der Banderolensteucr wie allen kommenden Tabaksteuer- vorlagen energisch entgegenzuwirken, verpflichten die Anwesenden sich, mit allen Kräften für die Ausbreitung und Befestigung der Organisation zu wirken." Im zweiten Punkt der Tagesordnung:„Neue den Tabak- arbcitern erwachsende Aufgaben", führte Börner aus, dah die Zcntraltommission der Tabakarbeiterschast Teutschlands eine Massenprotesteingabe gegen die Tadakstcuervorlage verbreitet bat, und dah wahrseinlich schon in der nächsten Woche mit der Sammlung von Untrschristen begonnen werden soll, die sich über ganz Deutschland erstrecken wird, und zwar den Reichstagswahl- kreisen entsprechend. Diese Massenprotcste sollen vann den Ab- geordneten der betreffenden Wahlkreise zugestellt werden, damit jeder einzelne von ihnen sieht, wie groh die Zahl derer ist, die Protest erheben. Vor allem hat selbstverständlich die Tabakarbeiter- schast aus eigenem Interesse die Pflicht, für die Verbreitung der Protestbogen, für die Sammlung der Unterschristen zu sorgen. Es könne, sagte der Redner weiter, gar nicht oft genug wiederholt werden, dah durch das Tabaksteuergesetz von 1879 15 000 Tabak- arbeiter auf die Strohe flogen, dah damals die Löhne noch besser waren als heute, so dah manche der arbeitslos gewordenen Arbeiter in der Lage waren, nach Amerika auszuwandern, dah aber die jetzt geplante neue Belastung eine viel furchtbarere Wirkung haben mutz. Darum gelte es, tüchtig und unablässig danach zu streben, dah jeder Tabakarbeiter und jede Tabakarbeitcrin aufgeklärt lverde. Nicht nur stark organisiert müsse die Tabakardeiterschaft sein, sondern auch in dauernder Bewegung, in immerwährendem Kampf um ihre schwer bedrohte Existenz. Und so müsie auch dafür gesorgt werden, dah die gegnerische Presse, die kein Verständnis für den Lebenskamps der Tabakarbeiterschaft zeigt, aus den Häusern der- schwindet, um der Arbeiterpresse Platz zu machen.— Zum Schluh forderte der Redner zu eifriger Beteiligung an der Arbeitslosen- zählung auf, entsprechend den Bekanntmachungen im„Vorwärts", Lachman 1 Spachtel-OamHur Krag. rj. Mansch.. 95 Pf. 1 Spachtel-Kragen grosse Fasson.. 95„ 1 Matrosen-Spachtel-Kragen.... 95„ 1 TUII Jabot mit Faltcnkrautm,... 95„ 1 Spachtel-Passe vereeh. Fassons.. 95„ 1 Auto-Schal ca. 30 cm br. mit Franze 95„ 1 Ball-Schal mit Cfaenille, Seide... 95„ 1 Damast-Kopfklsson-Bozug.... 95„ 1 seid. Gummigürtel m. Kopfschloss. 95„ 4'/, Mtr. Stickerei ca. 8—10 cm breit Couoon», 95„ 4 Va Mtr. Spachteleinsätze Coupon.. 95„ 31/, Mtr. Zwirnspitze oder Einsätze Coupon.......... 95„ 11 Mtr. Valenclennesspltze Coupon. 95„ TUllstcff für ülnaen.... per Mtr. 95„ 1 seid. Taschentuch mit Spitze t Braut ofler Einseg......... 95„ 0 StQck seidene Wüschebünder verstellbar.......... 95„ 1 2 St. seid Haarbänder verschied. Färb. 95„ 1 Korsett grau Drell mit Spiral. Stück 95„ 1 Kor3ettversch.Farb.,geblämt, halbhoch 95„ 1 Stiokerei-Untertallle mit Banddurchz. 95„ 1 Paar Plüsch-Pantoff. mit Ledersohle fnr liamen u. Herren.... 95„ 1 Paar Filz- oder Stoff- Pantoffel mit Ledersohle für Herren.... 95„ 1 Paar Filz-Pantoffel m. schivarz. Filzsohle für Uerreu...... 95„ 1 Paar Filz-Pantoffel mit Linoleumsohle für Pallien........ 95„ 2 Paar Filz-Pantoffel für Damen.. 95„ 1 Paar Filzschuhe für Kinder...95„ 2 Paar Filz-Pantoffeln für Kinder.. 95„ 1 elserner Schmortopf...... 95„ 1 Satz emaill. Schüsseln 4 teilig... 95„ 1 geschliffene Bierkanne..... 95„ 12 Bierbecr.er mit Bordüre.... 95„ 1 Damen-Haloreform- oder ßeform- Hangej-chürze....... 95„ 1 Kinder- Reformhänger ca. 43-70 cm lang. we;SS, schwarz oder couleurt 95„ 1 Hausschürze mit Volant und Tasche schwarz, weiss oder bunt.,. 95„ 2 weisse oder coul. Tändelschürzen » it Besatz.....,. 95„ 1 Teeschürze conleurt, mit Tasche, eleg. Ausführung........ 95„ 1 Miederschürze mit Träger, hübsch bes. 95 PL 2 Knabenschürzen m. Tasche, 4 versoh. GröSNen......... 95„ 1 Btaudruck-KUchenschürze grosse Mu-ter-Aubwahl....... 95„ 2 Mtr. Gowlas 130 cm, zum Laken. 95„ 2", Mtr. Piqu6-Barchent..... 95„ 3 Mtr» Molton»»...-», 9o„ 1 Barchent-Bettlaken...... 95„ 1 Rolltuch mit eingewebter Kante.. 95„ 10 Stck. Poliertücher...... 95„ 12 Stck. Staubtücher...... 95„ 3 Stck. Gerstenkornhandt..... 95„ 3 Stck. prima Greil-Handtücher.. 95„ S Stck. V/Ischtücher...... 95„ 2V2 Mtr. Schottenstoffe..... 95„ 212 Mtr. Elsasser Velour..... 95„ 1 Tischläufer gezeichnet...... 95„ 1 Leinendecke gezeichnet..... 95„ 1 Nachtfasche gezeichnet..... 95„ 2 Nachttischdecken gezeichnet... 95„ 1 Wäschebeutel gezeichnet..... 95„ 1 Schlafdecke retigu meliert, m. Bordüre 95„ 1 Portleren-Shawl ca.2Vi Utr.lg.,gestr. 95„ 212 Mtr. Läuferstoffe schön gestreift, gute Ware........ 95„ 1 Lambrequln F. Tuch, reich bekurbelt und appliziert....... 95„ 1 Bettvorleger Perser, imit.jhOXI' Ogross 95„ 2'/2 Mtr. Möbel-Köper gute Ware, neue 95„ Muster.......>» 95„ 1 Kommodendecke F. Tuch mit Applikation.......... 95„ 1 Fenster 6 Mtr. Tüll-Gardinen.. 95„ 2 Erbstüll Scheib.-Schleier.... 95„ S Esslöffel, S Teelöffel.--.-. 95 1 Rosshaarbesen mit poliertem Liiel. 95„ 1 Emaille-Mülleimer mit Aufschrift.. 95„ 1 grosser Wasserkessel..... 95„ 8 St Battlsttücher bunt gemust. Kante 95„ 6 St. Herrentücher 1 2 leinen, bunt 95„ 1 Teeschürze weiss, gemust. Battist mit Stickerei- Volant...... 96 B 1 TändelschUrze med. Satin, mit Einsatz und Spitze....... 95„ 1 TändelschUrze schwarz Panama, reich garniert......... 95„ 1 Paneelbrett imit. Nussbaum, 70 cm lang, stabil........ 95„ 1 Klelderrlegel starke Leiste m. 6 Nickel- doppelhaken........ 95 Pf. 1 Bürsten• Garnitur eleg. Brett mit Spiegel und 2 Bürsten.... 95„ 1 Spachtelläufer und 2 Sophadecken 95„ 3 tiefe u 3 flache Porzellanteller. 95„ 1 Waschservice bunt, Steilig.•.. 95„ 1 Dejeuneur mit Porzellantablett... 95„ 1 Servierbrett m. Niokelgriffen, ca. 42 cm 95„ 1 Holzkaffeemühle........ 95„ 1 Küchenlampe mit Messingblender und Spiegel......... 95„ 1 Quirlgarnitur 7teilig...«» 1 Tischlampe mit 14"' Brenner. 6 Tischmesser!....... 12 Spelseteller flach und tief.. 1 Kaffeeservice Kteilig.... 1 Dejeuneur reich bemalt... 6 Dessertteller mit Goldrand.. Satz Salatieren 7 Stück.... 6 Paar Tassen Goldrand... 6 bunte Milehtöpfe..... 3 Vorratstonnen moderne Muster Milchtöpfe Satz 6 Stück.... 96 Pf. 95„ 95„ 95„ 95„ 95„ , 95„ 95„ i 95„ 95.. 95„ 95.. 1 Regenschirm für Damen oder Herren 1 Damenhemd Achselschlnss mit Passe oder Vorderschluss mit Spitze,. 1 Barchent-Nachtjacke mit Spitze.. 1 Paar Barchent-Beinkleider Knie- od. Pa-senform........ 1 Barchent-Unterrock mit Zwirneinsatz und Spitze........ 1 Barchent-Beinkleid gestreift... 1 Paar Knle-Belnklelder la Bernden- * tuoh mit breiter Stickerei,... 2 Paar Herren-Socken"Wolle plattiert 1 Paar Herren-Socken reine Wolle. 2 Paar Damen-Strümpfe Wolle platt. 1 Paar la Damen- Strümpfe schwarz oder geringelt....... 1 Kopfkissen mit Spruch-Einsatz... 1 Barchent Herren- oder Frauenhemd 1 Normal-Hemd od"r-Hose.... 1 Taillentuch, schöne Muster.... 1 Damenweste, Halbwolle..... 1 rosa Kinder-Trikot, grüsste Nummer '/a Dutzend weisse Taschentücher. Va Dutzend Atlastücher, weiss... 95 Pf. 95„ 95„ 95„ 95„ 95.. 95„ 95„ 95„ 95„ 95„ 95„ 95.. 95.. 95„ 95„ 9o„ 95.. 95.. 6 Meter Hemdentuch...... 3 Meter Hemden-Barchent..*. 2 Meter Dimitl......... 21/3 Pfd. Zucker, l/2 Pfd. Kaffee,. '/z Pfd. Kakao, V2 Pfd. Kaffee... 2 Pfd. Victoria-Erbsen, 2 Pfd. Linsen, 2 Pfd. weisse Bohnen, zusammen 2 Pfd. geschälte Erbsen, 2 Pfd. grüne Bohnen, 2 Pfd. Rundbohnen, zus. 1 Pfd. Prima Blutwurst, 1 Pfd. Leberwurst, zusammen...... I Pfd. feine Leberwurst...... 1 Pfd. Fleischwurst....... 1 Pfd. echt Braunschw. Mettwurst. 1 Pfd. Prima Schinkenspeck.... ca. 2 Pfd. Pfefforllnge, 2 Pfd. Schnittbohnen, 2 Pfd. Carotten, zu- SäDlI113Q•••••eeee 1 Flasche Cognac oder Rum.... 1 Korridor- Spiegel gross, gutes Glas, breiter Rahmen....... 1 Waschkorbdecke gezeichnet.,. 1 Küchenhandtuch gezeichnet.... 1 Plättbrettbezug gezeichnet.... 95 PL 95„ 95„ 95„ 95„ 95„ 95.. 95.. 9>„ 95„ 95 95.. 95 95 95 95 95 95 Bei der Fleischfeuenin besonders vorteilhaft Sehr- mtd Yersuehsanstalt für Brauer In München Privatinstitot Direktor Dr. Doemens. Beginn des nächsten vierinonatlichen Hauptkurfus: LS. April ISOO. Prospekte gratis. Bezugnahme aus diese Zeitung erbeten 263/3* Ausschne/� Die Vorzüge des Dr. Knd. Weil's J(ährsalz-8ananen-Kakao sollten jedermann veranlassen, einen Versnob damit zu machen. Derselbe enthält die Bestandteile der so überaus nahrhaften und wohlschmeckenden Bananenfrncbt, vereinigt mit garantiert reinem Kakaopulver und einem erheblichen Zusatz von Nährsalzen Dieser N. B. K. ist von großer Wichtigkeit für Blutarme, Nervöse, Rekonvaleszenten und bei allen Schwächezuständen sowie für in der Ernährung zurückgebliebene Kinder. Niemand wird sich der Talsache verschließen können, daß damit ein wirklich gutes, die Gesundheit förderndes Nahrnngs- und Genußmittel geboten wird. N. B. K. stopft nicht. Preis: 1 Paket— Vi Pfd. 1 M.- Zusendung in Berlin und nach nächsten Vororten frei Haus. - Probepaket gegen Einsendung von f,20 M. franko.__ General-Depot: D. Mader, Berlin S., Prlnzenstr. 37. Versandgeschäft gesundheitl. Nahrungs- u. Genußmittel. AusführL erklärende Preisliste bitte zu verlangen.* �MAGGpsuppen mit dem Kreuzstera Sie enthalten alle natürlichen Be- standteile bausgemachter Suppen und schmecken— nur mit Waiser wenige Minuten gekocht— edenio kräftig wie die beste mit Fleisch« brühe hergestellte Suppe. I Würfel für 2 Teller 10 Pfg. .MAGGISj�t�E�arsamo Küche" Mehr als SO Sorten. k alkoholarme� diatischcs Spccialbrau Är�flicli empfohlen, nasche to kkg. Üeberall käuflich/ Biraimd£iaiisiCn�Iliardi üadtf. KkLQos* . Bertfn-Pankow. GrossfcWalzWer-Brauerei'DcutscJilands.—• fAT& P? Ud e rT15i£l] A Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. Ii: Nordhäuser Kautabak> stets fns frisch zu billigsten Engros- r Amt 4,3014 u gras- Preisen. �73��� besei- L ßrust- tigen» Caramellen. Aerztl. erprobt bei Husten, Heiserkeit. Keuch- RRfin not. begt. Zeug- basten etc. UUUÜ niese beweisen den sicheren Erfolg. Paket 30 Pf. Kaiser s Brust-Extrakt Flasche 90 Pf. Zu hab.i. Apotheken u.Drogerien. Wer Stoff bat? Fertige Anzüge nach Maß. 20 Marl an. Tadelloser Sitz, hatlbar. Futlersachen, Franke, aidcrftroBe 143, Ecke JnoatidenstraBe.* Schutzmarke H.Pfatl, Baadapt Dircksenslraile 20 »wischen Bahnhof ttlexanderplatz und Polizeipräsidium.- Amt VII. 13790. Tür Damen weibliche Bedienung.* Lieserant für olle Krankenkassen. voseee eebtes Blert»Ins überall zu btbeo. la Fl&achco l 10 Pf. | la Kmocn n. Sypboos Ltr. 33 PfL 1 Wo nicht, denn direkt durch ans NO. 18. Tel. VII. 1670, 2088, 3128. I BÖHMISCHES I BRAUHAUS Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Ptg.; das erste Wort (tettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN (Or die nächste Nummer werden In den Annahme. stellen tür Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bU 12 Uhr, in der Haupt-Expedition. Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Inventur-Ausverkauf. Gardinen, Store«, Restbestände. Fenster 1.45, 1.85, 2.35, 8.85, 4.65, 6.50 mit 10 Prozent Exlraraball._ 16470* Crbstullftores, entzückend an« gesührt: 3.45, 4.45, 6.25 usw. 16480* Tüllbettdecken 1.85, 2.25, 2.75, 3.85, 4.50 usw Weisienbergs Teppichhaus, Große Franksurterstratze 125. Teppiche. Fabrikmuster, mu kleinen Farbsehlern, mit 10 Prozent Rabatt. 1650»* Totalausverkauf einzelner Stepp- decken, Tischdecken, Portiere«, Divan- decken, Möbelstoff, Linoleum. Läuser- erste. Weisienbergs TeppichhauS, Große Franksurterstraße 125. 1651»* Bücher des deutschen Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Kitt aus, gestattet, zirka 300 Seilen umfassend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Psennige pro Band. Expedition, Lindenstraße 69, Laden._ Teppiche!(seblerhaste) tn allen Größen für die Hülste des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Marli 4, Bahnhof Börse. 264/ lt* jtzrderbetten. Stand 11,00, große 16,00, Gardinen, Wäsche, Decken, Kleidungsstücke. Uhren, Schmucksachen spottbillig. PsandleihhauS Krebber, Küstrineiplatz 7._ 1577»« Seifert-Kanarienvögel verkauft Prinzessinnenftrahe 12, IQ links. GardinenhauS. Groge g furlerstraße 9, Fturewgang. II rank- >13K* Teppiche(fehlerhafte) Gelegen. heiiSkauf. Fabriklager Mauerboff, Große Frankfurlerstraße 9, Flurem- gang. VorwärtSlefern 6 Prozent ExtrarabaU._ 1611»* Steppdecken billigst Fabrlt Große Frantsurierstraße S, Fwreingang. GaskochrrhauS ll' Epargas- lochet I Gasbügelapparal« I Gas. bronzekronenl Schaufensterlichtl Aus. vertauf fpottbilligl Wohlauer, Wall» iwrtb eaterstraße 32._ 1681» Humboldtlei hhauS, Brunnen- straße 58, Eckballs Siralsunderstraße. Allerbilllgster Bettenverfauf, Wäsche- verkauf, hochelegante, spottbilligste Lackettanzuge. Gehrockanzllge. Winter- Paletots, wunderbare GardinenauS« waht, Portieren, Prachttepptche, Stepp« decke», entzückende Wanduhren, allerlei Schmucksachen. Geöffnet ganzen Tac>. auch Sonntags._ 1686» ""Botlohrtalcfcr erhallen 5 Prozent Extrarabatt selbst bei nachstehend auf- geführten Gelegeiiheitsfäufen. Teppich- Thomas, OranienstraBt 16V, Lranien- platz._ 1688»« '"Teppiche, Jnventurpreife bis 33'/» Prozent herabgesetzt. 1639»* Kardincu, Einzelfenster, fowte un< saubere Exemplare für halben Wert. Plüschgardiue», 500 Fenster, In- venturpreis 25 Prozent ermäßigt. BorwärtSleser, stehende 4 Anzeigen. beachtet vor- 1692»* Sozialresorm oder Revolutton, von Ztofa Luxemburg. Zweite durch gesehene und ergänzte Auflage. Prcii 50 Pf. Expedition Vorwärts, Linden- straße 6g._ 5.00 prachtvolle Betten, 9,00 Baueimbetten, nur Pfandleihe An- dreasslraße achtunddreißig. 1693»* Laudbett, zwei Deckbetten, zwei »isien. zweischläsrig 18.00, große Loten t.00, Damastbezüge. 1694»* Bauerndeckbett. Unterbett, zwei »Issen 27.00, Pfandleihe Andreas. straße achlunddreißig. Annoncen. vorzeiger vergüte Fahrgeld. 1695»' Büsten 1,20, Arbcitsplatten, Roll ständer. WeinbergSweg 7. 844b' Turmstraste 67. Billigste Einkaufs quelle für jedermann, Riesenauswahl, '' m' MM' Geh. urschen geschenke. Goldsaaicii, Wändubren, Taschenuhren. Plüsch tischdecken, Steppdecken, reizende Gardinen, Teppiche, Wäsche, Betten. Bilder, Spiegel. Gaslronen. Deutsches Leihhaus, Turmstraße 67. 1634»* Bauernkrieg, Friedril''" Der deutsche, von ch Engels. Broschiert t.50 Mark, gebunden 2,— Mark. Expediklon, Lindenstraße 69, Laden. tSelegrnbrltSkaufe: Paletots Anzüge, Holen. Koster. Reootoer. TeschingS, Brlllant-Ring«, Broschen, Uhren, Gotblawen. Kesiel spottbillig. Lücke, Oranienstraß« 131. S13b' Operngläier. Reisegläser. Reiß zeuge, Regulatoren, Fretschwinger, /armonitaS, Geigen. Zithern spott alltg. Lücke. Oranie» straße 131.' Hobelbank, Oldenburgerstratze 21, Handwagen. eckert. 1-57 Jährlich nur«wmal Inventur- Räumungsveikauf im Teppichhaus Emit Lcjövrc, Oranienstraße 158. Extratiste gratis._ 1669» M. S3., Türkenstraß«. Di- Ver- tausssielle der Firma Hermann Schlesinger» Herren- und Knaben- Konseltion, sür den Weddingstadveil befindet sich Reinickendorserstraße 48. Beste Waren. Feste Preise. 15b6K* Hermannplast 0. GroßberlwS Einkaussvortelll Staun endbilligst I Jackettanzüge I Gehrockanzüge! Som- merpaletots I Winterpaletols I Herren- bolenl Burschensachenl Brautgeicheniel Ringeauswahll Uhrenauswahl iKctten- auSwahl l Wanduhren I Exttadilliger Bellenvertauf I Wäscheverlaus I Gar- dinenverlausi Plüschtischdeckenl Stepp- decken I Teppichauswahl I Psandleih- Haus Hermannplatz 6. Souiiiags ebensalls geöstnet.-f-104* LesctiSftsverltSufe. Sckrestanrant billig Rixdorf Ringbahnstraße 15._|jo3 Milchgeschäft verkänslsch Rixdorf Adressen unter«V. 91* Spedition Neckarstraße 2._ tl03 Materialwaren-, Obst-, Gemüse. geschäst, Rolle, wegen»rankdeil billig veriäufli ch Steglitz, Düntherftraße 2. Obst- und GemüscgeschästS-Ein- richtung mit GaSeinrichtung billig zu oerkausen Beymeftraße 5. fu Restaurant wegen Uebernahme einer Kantine sofort billig zu vir« taufen. Fröhlich, Rixdorf, H erzberg- straße 26, abends 7 Uhr. 917b* Restaurant ist preiswert zu ver- kaufen wegen Uebernahme eine» anderen Gefchäfts. Erfragen Ltebnitz. Gubenerftratze 23.'46 Mübel. »Inf Teilzahlung. Möbeletnrlchtung Slube, Küche, auch verliehen gewesene, Anzahlung 15 Marl an. Einzelne Möbelstücke 3 Mark..verolina*. »astanienallee 49. 1659»* Mobeltlichlerei licsert reelle Wobnungseiiirichtungen, Schlas« zimmer, bunte Küchen. Raten- zahlung.»ein Laden, nur Fabrik- gcbäude. Auch Sonntags. Harnack, Tiichtermelster, Stallschrelberstraß« 57, am Moritzplatz. Genossen 3 Prozent. Bon den ganzen Möbelgeschäsien und Speichereicn vertäust wohl keiner annähernd so billig und gut, wie Hasemanns Gelegenheitstäusc, Lothringerstraße 26. Schönhauser Tor. Trotz der Billigkeit gebe reellen Leuten auch Zahlungsei leichterung I Komplette Wohnungseinrichtung mit moderner Küche 250 Mark! Größere 325. 430. 500 bis 1500. Komplettes eichenes Speisezimmer mit sechs Lcdcriiählen 520, größer« 650, 775 bis 1500. Billige moderne Herren- zimmer, Salons, Schlafzimmer, jarbige Küchen, LcdersosaS, Klubsessel, Umbaue, Büfetts, Schreibtische, Säulcnlrumeaus, Anll-ideschränke, PlüschsosaS. Ausziehtische, Garnituren, Chaiselongues, Ledrrstühle. Tcppiche, Steppdecken, Bettstellen I Besichtigung in sechs Etagen, überall Muster- zimmer I Transport und Auf. ewahrung frei I Lothringer fttaßc 26. er Tor. 35/17* Gebranchte Möbel aus Versteige- rungen, Auslösungen in größter AuS- wähl, Mufchelschrante, Bertitos 26,—, Tajchenlosas 35,—, Heirenschreibttsche 33,—.Muschelbetten mitFedermattatzen 28,—. BüsetI«, Garnituren 65,—, Ausziehtische 10,—,»üchenschränte 12,—, Bücherschränke, Sosas 20,—, Teppiche, Bilder, Kronen, hundert komplette Wirtschaften, neue und gebrauchte, garantiert bedeutend billiger wie uberall, buntt Küchen 55,—. LenneriS Wöbelspeicher. Lotbringerstraße 55. Roseiilhaler Tor. Größtes Spczial- geschäst sür Gclegeuheilstäuse. 1678»* Ausverkauf! Wegen Räumung verlaufe neue, gebrauchte Möbel billig. Sofa 20,00, Mairnorwafch- tisch 22,00, Matratzenbellen 18,00 AuSzuglifch« 8.00. Küchenfpmd 10,00, »leiüerspinde,«ertlko, komplette Küchen 40,00. Admiralfttaße 25. GrofteS Hukbodenfptnd, Mufchel- Iteil, Englische bunte Küche 57. lüfchsofa, Küchenbüfett 32. Trumeau. -vleiderspwd 25. Garderobenfpind, Herrenschreibfifch. FrantfmterAlleet29, Möbel! alt, neu.-msachili. ete- ganleste, verlauft fpottbillig Möbel- Ipeicher Neue Königstraß« 5, Fabrik- icbäudc: auch«onntag geöffnet. Teilzahlung gestattet. 268,14' Moebel— voebel.OranIcnstraßeS8, 1 (Rioritzplatz). Wohnungseinrichtungen zu Fabrikpreisen. 1580L' �Teilzahlung. Möbel, Federbetten. iJargnrM, Neue Königstraße 29.» ftriMTSder. Hervenkavrrad Damenladrrad einmal benutzt 40.00. Hotz. Blumen ftraBr Ml_ 1683g* Geschäftsdreirad. äußerst stabil, 50,00 an. Holz, vlumensttaße 36b. Achtung k Fahrrüder, verlallene, nur Neue Schinhausersttaß« lt. Be tanntlich billigste Lieferungsquelle für jedermann. Aeltefte» Leihhaus. r'lchlung auf Hausnummer, Neue Schönhauferstraß« 11. 268/13* �Nusik. Blotlnuneerrtch«(neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gibt erfahrener KünfUer wöchmtli auf Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei schillern f« 7b Ps. Offerten unter D. 2 Expedikto» de« .Vorwärts'. � Teilnehmer an einem englischen Zirlel(monatlich 4 Mark) werden gc sucht. Privalstunden sür Anfänger uno Fortgeschrittene werden erteill. G. Swientp, Schöneberg, Sedan- straße 57, M._ 1003»* eatriuoiiivalt kellet. Gilidunrr- ltraB« 94». 2555K* Lernt dicMuItc-. spräche beherrlchenl Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Won und Schnsl der dcuttchen Svrawe«neill Damen unb Herren (separat) aury abenvs ein lüchl, und gewlssenpaster Vrivallebrer. Stunde tostet eine Mark Eine Unter« nduSstunve wöchentlich genügt Ge. fällige Angebole find unier G. 4 an Expeoitton veS.Vorwäns' zu richten. IS Kunst, lavieret oon Frau KotoSty, Schiachlensee, Kurstraße 8, HI. Tanzlehrkurs«• Gruve. Annen. straße 16. Sonnlagskurse, Dienstags- kurse monalltch 4,00(Donnen 3,00). „Leihhaus Merkur', Große Kraul. fuNerstraß- 116, laust, beleiht Herren- Gmdeiobe, Goldwaren, SitUcijachcn, Uhren. Wäsche. Pet, waren. Stoffe. Zigarren, Fahrräder sowie jeden WcNgegenftand. 1679K* Komiker frei, KöpentckerftraBe 147. Schwartz�__ 614b* �anarienweibchen tauft, 0,75, Kouopta, Oranienstraße 19. 199/2* Saal! Sonnabende: 20. Februar, März stet, VereinSzdnmer. Annen- straße 16._ 79/13* Handw äscheret, Raturbletche, Frau Geller, Köpenick, Sbarlotteofttaße 23 4 Handtücher, Taschentücher O.lo Abholung Donnerstag. Huinvrist, o'-■■ age srei. Rezitator, 65, noch 17, Lamberti., etnl, 9185 Vermietunxen. Lade«, Kellerei, Wohnung. acht Jahre Gemüsehandlung, 750,00, 1. April vermietbar Woldenbcrger- straße t0._ 8966* "Äcstanrations> Laden sofort zu vermieten. B. Wiedehoest, Kopen- hagenerstraß« N, I. 92II> VVolinun�en. Teltow, Sandsttaße 5, per 1. April Wohnung, 2—3 Zinuner, Bad. Balkon usw., von 360,00 an, gute Fahr- gelegenheit, günstig« Arbellsgelegen- heit. auch für Frauen, am Orte.* Woldenbergerftraste 10 Stube, Küche, zwei Kammern sofort, 26,00. 21, Halenheide, Zubehör, 35.00. zwei » Jahnstrahe Stuben, Küche,_ Brautleute zwetzimmerige Pracht'. Wohnungen billigst Soldinerstr. 32/34. Gimmel'. Einfach möblierte» Zimmer für zwei Herren fofori oder fpötcr. Kletneri, Jorkstraße 44, Aus gang NI, NI. fi45 Möbliertes Zimmer für Herrn. Wallstraße 35. vorn III. 923b Her» Offerten amt 61. Mietsgeauche. sucht Reines möbliertes. unter.Preisangabe* Post. 927b �l-beitsmarkt. Junges Mädchen, das zu Hause schläft, für ganzen Tag sucht Lerche, Adalberlsstatje 50.(Vorstellung nach. mittags.)_ 9226 Abänderiune«, nur erfahrene und gewiffenhafte Arbeiterinnen, zum sosortigen Eintritt gesucht. Guttmmm, Damenlonscsttou, Taueutzteustr. 18a, Hochparterre. 170SÄ! Im ArbcttSmark« durch besonderen Druck hervorgehodeue Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Süchtiger Reinstimmn und Rkparateur nach gesucht. Offerten unter Angabe d. Atters u. der GchatS» ansprüche sind zurichten an tiedr. Nft«e>ck«r-r, G. m b. H., Lucken- Walde. Stell enangebote. El» Schlosser, welcher aus Durst. oritzen-Wcrke firm ist. verlangt l Schirop, Eldenaerstraße 8. 1 Presser verlangt Max Leonhard Goldleistensabrik. W-ißeiilee. Lehder- sttaße 86._ f 1 29 _ 2»che tut Fahlltuhl einen ersten Trager, der eine gute Kolonne hat. Schröder. Mcicr-Ottostraße 3. 919b Ai*lieitei*selgi'e�ai* zum möglichst baldige» Antrilt sür OanabrOck gesucht. Derselbe soll»eben den SekrctariatSgcschästeu die wichtigsten 281,8* Arbeiten de» Kartells und der Partei«riedigen. «ute» Rednertalent erforderlich. AnfangSgehatt 2000 Mark; jedoch können Bewerbern in gleicher oder ähnlicher Stellung die Dienstjahre angerechnet werden. Bcuierbuiigc« mit Angabe der bisheiigen Täligteit find bis zum 23. Februar unter der Ausschdst„Arbeiterfetretär* an das Arhclter- »ekretariot Oenahrttck� Ktusstrane II zu richten. Für eine Cakes- und I Biökuitsfabril Süddeutsch- lands wird per sofort ein| tüchtiger, selbständiger Werlmkijlkil gSLUellt. Derselbe mutz init der Anfertigung von Cakes- und Mtxedteigen, Zwieback und Lebkuchen bestens bewandert sein und verstehen in Desserts. Was- feln und Waffelfüllung stets das Neueste zu bringen. Nur Bewerber mit prima Zeugnissen wollen sich melden unter It. V. 373 an Haasenstcin& Vogler, A.-G., Saarbrücken.* Gewandte Sügler, Qrojtetückarbeiter finden bei Süddeutscher Herren, kleiderfabrik dauernde vrfchäfti- guug. Hoher Lohn bei guter Arbeit gesichert. Offerten 8. 2 Hauplexp«. dilion deS»Vorwärts*. 920b Segen llmi Hermen find gesperrt: Nergrnann, AndreaSstr. 53, Rrnder, Zossener Str. 4. Orleacbow, Fnrstenstr. 22, Urnnow, Rodenberger Str. 22, Urunow, Dunckeifftr. 16, ülefiner, Marionnenstr. 21, Howe, Friedrich-Karlstr. 2. Jiickcl, Palisaoenstraße, Beekcrt, Gr. Frankfurter Str. 10T, Lange, Köpenicker Str. 141. Deutscher Holzarbeiterverbaud OrtSverwalneng Berti». md« 4 Anzeigen. 1692»* zu oerkausen Beymestraße o. tu«targardt, Reue Königstraße 29.» Sekretariat OnnabrUck, Klusftrast« II zu richten.__ Ortsverwatrnng Berlin. «llerantwortl. Redakteur: Carl Wrrm»lh, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil vörautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag! VorMärtsBuchdruckerei u, VerlagSanjtolt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW.