Nr. 34. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pranumerando Bierteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 D., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Bfg. Bost elbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Areusband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 26. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebrudte) Bort 20 Big., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengefuche und Schlaf Stellen- Angeigen das erste Wort 10 Bfg. febes weitere Wort 6 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition bgegeben werben. Die Expedition bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berily". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 10. Februar 1909. Ein Mahnruf des Elends. Expedition: 8. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: mt IV. Str. 1984. Um dieselbe Zeit, als die neugierigen Gaffer und| Brot für die Opfer des sinnlosen Systems, vor deren höchsten| freie Wahlrecht!" Der Zug bewegte sich ungehindert nach dem byzantinischen Hurraschreier gestern den Linden zustrebten, Spitzen die berufenen Vertreter des Bürgertums heute, in Strausberger Plaz zu und von dort bis zur Markusstraße. Radum pruntvolle Hofequipagen und mittelalterlich aufgeputzte Ehrfurcht ersterbend, den Rücken beugen. fahrende Polizisten jagten vorüber, die anscheinend Meldung über Lakaien zu bewundern, zogen die Arbeitslosen nach den Der Besuch der Versammlungen war durchweg ein sehr die Richtung und die Stärke des Zuges zu erstatten hatten. Die Versammlungslokalen, um die Vertreter der herrschenden Ge- starker. Und doch war es nur ein kleiner Teil der Arbeits- Polizei berhielt sich aber zurückhaltend, war fast gar nicht zu sellschaft an die Einlösung einer sozialen Schuld zu mahnen. losen, der sich hier eingefunden hatte, um seine Forderungen sehen; selbst da, wo der Zug Polizeiwachen passierte, zeigte sich Dort ein bürgerliches Publikum, gut gekleidet und gesättigt an Staat und Gemeinde geltend zu machen. Meist waren tein Schußmannshelm. Der Zug bewegte sich die Markusstraße und freudig erregt, wenn es auch nur von fern zu- es Arbeiter, die noch nicht allzusehr von der Not betroffen entlang, über die Michaelbrücke durch die Michaelkirchstraße nach schauen darf, wo sich ein Teil eines höfischen Festes sind, die trotz allem Elend ihrer augenblicklichen Lage noch dem Gewerkschaftshaus am Engel- llfer. Ueberall erregte die De auf offener Straße abspielt. Hier eine nach vielen Sinn und Verständnis haben für die Bestrebungen des monstration großes Aufsehen, mächtig erschallten die Marseillaise Tausenden zählende Volksmenge in Alltagsgewändern, oft klassenbewußten Proletariats. Diejenigen, die durch lange und andere Arbeitergefänge. Eine freudige Begrüßung fand am nur dürftig gegen die Winterkälte geschüßt, mit leerem Arbeitslosigkeit in tiefste Not geraten und infolgedessen Engel- Ufer statt, als der Zug aus der Koppenstraße dort den Magen oder nur notdürftig gesättigt, die dem Schaugepränge gleichgültig geworden sind gegen alles, was sie nicht un- Massen begegnete, die im Gewerkschaftshause versammelt waren. Unter den Linden verächtlich den Rüden kehren und ihr Recht mittelbar persönlich berührt, mögen auch am Dienstag. Verstärkt durch die neue Menge, zogen die Demonstranten die auf Arbeit fordern. Während die Vertreter der städtischen morgen der Jagd nach Arbeit nachgegangen und deshalb Annenstraße entlang nach der Prinzenstraße zu. Hier fanden sie Behörden mit dem Oberbürgermeister an der Spize am nicht in die Versammlungen gekommen sein. Troßdem auf der anderen Seite der Prinzenstraße, nach der inneren Stadt Brandenburger Tor kazbuckelnd einen Gast des Kaisers be- herrschte in den meisten Versammlungssälen drückende Fülle. zu, den Weg bersperrt durch eine dichte Reihe von Schuhleuten. grüßten, wurden dieselben Behörden in fünfzehn überfüllten Wohl am stärksten war der Andrang im Gewerkschaftshause. Nun ging es über den Morikplaß die Oranienstraße entlang nach Versammlungen von Arbeitslosen daran gemahnt, daß eine Im Saale und auf den Galerien standen die Besucher dicht der Lindenstraße zu, wo die allmählich auf 4000 Stöpfe angewachsene Gemeindevertretung wie die Berlins doch noch höhere Auf zusammengedrängt, und viele, die noch Einlaß begehrten, Menge vor dem Vorwärts"-Gebäude eine Ovation darbrachte. gaben zu erfüllen hat, als bei Hoffestlichkeiten auf Kommando mußten umfehren, weil es schlechterdings nicht möglich war, Auf dem Wege famen einige kleine Ausschreitungen vor. Von Rückgratbiegungen vor fremden Potentaten auszuführen, noch ein Plätzchen zu bekommen. Auch der Freyersche Saal einzelnen Wagen, besonders von Omnibussen, wurden die Fahnen und daß gerade jegt, to ein großer Teil der in der Koppenstraße war in gleicher Weise überfüllt, ebenso heruntergerissen. Dadurch entstand oftmals ein Lärm, der ängstEinwohner Berlins Not leidet, die Mittel der Steuer- die sehr geräumigen Säle in der Wiclefstraße( Brachtsäle liche Gemüter erbeben machte, der aber ebenso schnell vorüberzog zahler besser angewandt werden können als zum An- Nordwest), der Badstraße( Ballschmieders Salon). Obiglos und weiter keine Folgen hatte, als daß einige Fahnenstöde zerfauf bunter Papierguirlanden und ähnlichem Tand. Saal in der Schwedter Straße reichte bei weitem nicht aus, brochen und etwas Fahnenzeug zerrissen wurde. Das war die Seit Jahr und Tag lastet der Druck einer schweren wirt- um die Erschienenen aufzunehmen. An den offenen Saal- einzige Unordnung in dem Demonstrationszuge, der fchaftlichen Strife auf dem Proletariat. Einen ungeheueren türen standen die Zuhörer dicht gedrängt auf dem Hofe, gehindert durch die Polizei fich in der vollen Umfang hat die Arbeitslosigkeit angenommen. Noch ist kein um so an der Versammlung teilzunehmen. Auch der der Straße ergoß. Die Fuhrwerke, die Elektrische konnten Ende der Not und des Elends abzusehen, welche die frise Hofjägerpalast in der Hafenheide sowie der Saal der Drachen- etwas verminderter Geschwindigkeit. Vom" Vorwärts"-Gebäude auch natürlich mit über hunderttausende von Arbeitern verhängt hat. Seit Jahr burg vor dem Schlesischen Tor waren vollständig gefüllt. und Tag fordern die Arbeitslosen, fordern die Vertreter der Die Polizei machte sich wenig bemerkbar. Vor manchen Markgrafenstraße dem von den Feftlichkeiten Unter den Linden" aus bog der Bug in die Junkerstraße ein und begegnete in der Arbeiterschaft in den Gemeindebehörden Groß- Berlins, daß Lokalen war überhaupt kein preußischer Ordnungshüter zu zurüdkehrenden Militär. Hier war die Begrüßung eine feind Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit getroffen fehen, weshalb denn auch hier die Ordnung nicht gestört felige. Ein durchdringendes allgemeines Pfeifen erhob sich. Gine zurückkehrenden Militär. Hier war die Begrüßung eine feindwerden. Die bürgerliche Gesellschaft ist schuld an der Strife wurde. Vor der Bockbrauerei II in der Chausseestraße war militärkapelle sette ein:" Heil Dir im Siegerkranz." Schwer mit all ihren schlimmen Folgen für die Arbeiter. Wehrlos die Polizei durch einige Beamte vertreten, die den Saal ab- und massig antwortete der Gesang:„ Wir sind die Arbeitsmänner, wie dem Walten einer Elementarmacht stehen die sperrten, obwohl noch viele Stehpläge hätten besetzt werden das Proletariat!" überall ungehindert passieren, wenn un Breite Arbeiter den verheerenden Wirkungen der Krise gegenüber. tönnen. Einige Hundert Arbeitslose, die nicht mehr in den Durch das Militär wurde der Zug in zwei Teile zerschnitten, Sie können dieselben nicht von sich abwenden. Wohl aber Saal gelassen wurden, warteten auf der Straße das Ende der die sich auf beiden Seiten der Markgrafenstraße in der Richtung können Staat und Gemeinde viel zur Linderung der Not tun. Versammlung ab. Auch vor dem Ballschmiederschen Lokal nach den" Linden" zu fortbewegten. Bis nach dem GendarmenNicht durch Hergabe von Almosen, die Arbeiter wollen keine in der Badstraße und vor dem Hofjäger" in der Hafenheide Markt kam der Zug noch in imponierender Stärke; an der Tauben. Almosen, Arbeit wollen sie. Und die Behörden können in hielten sich einige Schußleute auf. straße teilte er sich und bildete fleinere Trupps. Hier trat überall getvissem Umfange Arbeit und Verdienst schaffen für dieDie Versammlungen in den Vororten nahmen einen ähn- Bolizei auf und verhinderte ein geschlossenes Weitermarschieren. jenigen, welche durch eine sinnlose Wirtschaftsordnung zur lichen Verlauf. Arbeitslosigkeit, das heißt zum Hungern verurteilt sind. Staat und Gemeinde haben die Pflicht, in dieser Weise den Arbeitslosen zu helfen, denn es liegt ein Notstand vor, unter dem Tausende und Abertausende leiden, ohne daß sie auch nur die geringste Schuld an dem Notstande haben und ohne daß sie imftande sind, aus eigener Kraft die Not von sich abzuwenden. den Alle Versammlungen nahmen folgende Resolution an: Obwohl feststand, daß in diesem Winter die Arbeitslosigkeit in Besonders starter Weise eintreten werde, haben die Kommunen und der Staat so gut wie nichts getan, um die verheerenden Wirkungen der Krise abzuschwächen. In einigen Fällen kam es auch zu Zusammenstößen; an der Tauben und Friedrichstraße wurde ein Mann schwer verletzt. Nach den Linden" waren die Zugänge an der Behrenstraße überall abgesperrt; das Publikum wurde von der Polizei gemustert oder sozusagen gefiebt", kein Trupp von Arbeitslosen hätte da hindurchdringen fönnen, aber diese hatten es auch gar nicht auf Allgemeine, zu nichts verpflichtende Nedensarten batte der die Feststraße" abgesehen. Sie fonnten mit ihrer Demonstration Berliner Oberbürgermeister für die Arbeitslosen, als eine Deputation ihn aufsuchte. Jin übrigen überläßt man die Hungernden der Armenfommission und der Verzweiflung. Die Krise würde sich noch weit schroffer und vernichtender unter der Arbeiterschaft äußern, wenn nicht die gewerkschaftlichen Organisationen das Bestreben der Arbeitgeber, die Situation aus zunützen und die Löhne auf das niedrigste Niveau herabzudrücken, einigermaßen verhinderten. Die versammelten Arbeitslosen machen nochmals Staat und Kommune darauf aufmertiam, daß es deren ureigenjte Pflicht ist, der herrschenden Not so weit es irgend in ihrer Kraft steht abzuhelfen, wenn sie nicht wollen, daß bedauerliche Verzweiflungsausbrüche der Hungernden gezeitigt werden. außerhalb der Feststraße" zufrieden sein. Nach dem Friedhof der Märzgefallenen. Ferner wird uns berichtet, daß von der Bockbrauerei in der Chauffeestraße aus ein größerer Zug von Arbeitslosen durch die Invaliden-, Brunnen, Münz bis an die Kaiser- Wilhelm- Straße 30g. Dort trat ihnen ein starkes Schußmannsaufgebot entgegen. um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bog der Zug links ab. Dort gab aber schon der Polizeioffizier, der sehr aufgeregt war, Befehl, Schuppenketten herunterzunehmen und blank zu ziehen, und gleich schlugen die Schuhleute mit blanker Klinge auf die wehrlose Menge ein. Diese sammelte sich jedoch bald wieder und zog über den Alexanderplatz nach dem Friedhof der Märzgefallenen. Birka 800 Personen hatten sich mittlerweile angeschlossen. Auf dem Alle Anwesenden sind sich flar bewußt, daß die Arbeitslosig Friedhofe hielt einer der Demonstranten eine fernige Ansprache, feit feine zufällige Erscheinung ist, sondern begründet ist in dem in der er auf die hohe Bedeutung der jetzigen Kämpfe hinwies und herrschenden tapitalistischen System. Alle Hilfe tann deshalb auch Die Versammelten weisen jedoch jede Hilfe zurüd, die ihnen in der entehrenden Form der Armenunterstügung gewährt werden soll. nur über den ärgsten augenblicklichen Notstand hinweghelfen. Die braven Toten, die unter den Hügeln schlummern, als Eine gründliche Abhilfe ist nur möglich durch eine vollständige leuchtende Vorbilder im Kampfe um Volksrechte pries. Dann zog Aenderung des herrschenden Systems im Sinne der sozialdemo- die lange Kette der Arbeitslosen entblößten Hauptes und in fratischen Weltanschauung. musterhafter Ordnung an den Gräbern vorüber und von da nach Seit Jahr und Tag sind derartige Forderungen an die Behörden gestellt worden. Was haben sie in dieser Hinsicht getan? So viel wie nichts. Hier und da einige unzureichende Maßnahmen, im großen und ganzen aber stehen Staat und Gemeinde dem Problem der Arbeitslosigkeit unbeholfen und auch nicht mit dem ernſten Willen, wirklich zu helfen, gegenüber. Ja, man will nicht einmal glauben, daß die Arbeitslosigkeit den großen Umfang angenommen für hat, die Arbeiter aus eigener Anschauung täglich neue Beweise liefern. In echt bureaukratischer Weisheit will man erst den Umfang des Uebels feststellen, che man zugibt, daß Maßnahmen zur Bekämpfung desselben notwendig sind. Aus diesem Gedanken entstand die Arbeitslosenzählung im Nobember vorigen Jahres. Das System, nach dem sie vorgenommen wurde, war so mangelhaft, daß der wirkliche Umfang der Arbeitslosigkeit auch nicht annähernd festgestellt werden konnte. Die organisierte Arbeiterschaft schlug ein besseres System bor die Zählung durch Hauslisten und erbot sich, die dazu erforderlichen ArbeitsTräfte zu stellen. Vergebens Mißtrauen gegen die organisierte Arbeiterschaft sowie der stille Wunsch, es möge mur ja nicht die volle Wahrheit über die erschreckende Ausdehnung der Arbeitslosigkeit an den Tag kommen, veranlaßten die Behörden, die Zählung nach dem Meldesystem, welches sich im November als unbrauchbar erwiesen hatte, auch bei Die Polizei hatte ihre Mannschaften meist nach den Linden der von ihnen in Aussicht genommenen nächsten Zählung an- beordert, um das gaffende und hurraschreiende Publikum in zuwenden. Das aber werden die organisierten Arbeiter nicht Ordnung zu halten. Die Arbeitslosenversammlungen hat sie wieder mitmachen. Aus eigener Kraft nehmen sie in den in der Hauptsache sich selbst überlassen. nächsten Tagen eine Arbeitslosenzählung vor und führen damit ein Werk aus, bor dem sich die Behörden, die es eigentlich ausführen müßten, scheuen. Auf diese Arbeitslosenzählungen Obgleich seitens der Arbeitslosen Straßendemonstrationen aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Forderungen zur nicht geplant waren, kam es doch an manchen Stellen spontan zu Linderung der Arbeitslosigkeit aufs neue an die Behörden zu solchen. Aus Freyers Festsälen in der Koppenstraße wälzte sich stellen, war der Zweck der Versammlungen. Wieder ertönte um 11 Uhr ein dicker schwarzer Menschenstrom. Die imposante der Mahnruf an die berufenen Vertreter der heutigen Ge- Versammlung hatte ihr Ende erreicht. Draußen stand ein Polizeisellschaftsordnung: Tut, was in euren Kräften steht, um die offizier mit einem halben Dußend Schußleuten, die beobachteten, Not der Arbeitslosigkeit zu mildern. Helft denen, die durch wie die Menge sich nach der Großen Frankfurter Straße hin ergoß Euer System, durch die kapitalistische Wirtschaft, in große und dort einen stattlichen Zug bildete. Arbeiterlieder wurden anNot, in namenloses Elend gestürzt sind. Schafft Arbeit und gestimmt, Rufe ertönten: Nieder mit Bülow!*" Hoch das Die Versammelten versichern weiter ihre tätigste Mithilfe bei der Lothringer Straße. Born an der Spitze des Zuges wehte mit der Arbeitslosenzählung am Freitag und am Sonntag. Sie einem Male eine Fahne, deren leuchtendes Rot sich hell und freundwerden alles aufbieten, damit sich jeder Arbeitslose an der Zählung lich von dem dunklen Maffenzuge abhob. An der Alten Schönbeteiligt, so dokumentierend, wie entsetzlich groß die Not und das Hauser Straße, Ede Lothringer Straße, erlitt der Zug eine kleine Elend in der Arbeiterbevölkerung graffiert. Störung. Dort sprang ein Mann in die Menge, entriß dem Träger die Fahme und wollte diesen arretieren! Die Fahne wurde dem Biedermanne wieder abgenommen, wobei er allerdings einige fühlbare Liebesbezeugungen in Kauf nehmen mußte. Er flüchtete darauf in ein Lokal und drohte mit dem Revolver in der Faust, jeden, der näherkäme, niederzuschießen. Als der Zug etwa 30 Schritte weitergekommen war, tauchten plöblich wieder eine Anzahl Schußleute auf und hieben mit der Waffe blindlings ein. Auch einige Siftierungen wurden vorgenommen. Am Hochplatz wurde nochmals eine Ansprache gehalten, dann löste sich der Zug in aller Ruhe auf. % Straßendemonstrationen. * Polizei- Phantasien. Wolffs Bureau bringt über die Demonstrationen folgenden merkwürdigen offiziösen Bericht: Berlin, 9. Februar. Die Versammlungen der Arbeitslofen, die auf heute vormittag 10 Uhr angesetzt waren, sind durch % 112 deg nur schivach besucht gelvejen. Nur nach Stellers Festsälen in| Garantie der offenen Tür böllig gewahrt werden, hat nun fehre, so denke man doch hierbei immer nur an die Familien der der Roppenstraße machte sich ein starker Zuzug bemerkbar. Die endlich auch die deutsche Regierung akzeptiert, und Besitzenden, nicht an die weit zahlreicheren Familien des arbeitenden Lokale waren von etwa 6000 Personen besucht, während sie etwa nur dadurch ist ihr endlich ein befriedigender Abschluß einer Wolfes, wo das Moment überhaupt nicht in Betracht komme, auch bei 8000 faffen fonnten. Ueber 1000 Personen wurden nur im unverständigen und gefährlichen Politik geglückt, die Deutsch der landwirtschaftlichen und wohl bei ebensoviel der industriellen Gesellschaftshaus und in Stellers Festsälen gezählt. Außerdem land viel Feindschaft und feinen Vorteil gebracht hat. Die reise nicht, da es nicht viele davon geben dürfte, die 20 000 M. waren brei Versammlungen im Osten und drei im Norden an- m. gefeßt. Es war beschlossen worden, die Bersammlungen um Politik der Hafenheide hat in dieser Frage ihre Ueberlegenheit und mehr hinterlassen. Man will den sogenannten Steuerschnüffler nicht in die Papiere hineinschauen lassen, damit er nicht etwaige 11 Uhr zu schließen; im Norden und Osten geschah das auch. über die Politik der Wilhelmstraße eklatant bewiesen. Nach Schluß der Versammlung bei Keller bersuchten etwa Das Abkommen hält sich im Rahmen der Algecirasatte, Steuerhinterziehungen des Erblassers herausschnüffelt. Man will 1000 Personen nach dem Stadtinnern zu ziehen. Das Ziel war deren authentische Interpretation" es darstellt. Indem es die Besigenden ihrer Pflicht entziehen, dem Staate, der ihnen durch diesmal nicht das Schloß, sondern das Rathaus. Der Zug ausdrücklich die politischen Interessen Frankreichs" anerkennt feine Gesetzgebung und seine Einrichtungen die Ansammlung großer wurde durch die Polizei abgedrängt und schwenkte nach dem und für Deutschland nur wirtschaftliche Interessen gelten läßt, Bermögensbestände ermöglichte, den schuldigen Tribut zu entrichten. Gesellschaftshaus.( Gemeint ist das Gewerkschaftshaus. Red. befreit es Deutschland von der Gefahr, sich in Marokko in Das werden die Massen draußen verstehen und zu würdigen wissen. d. V.) Inzwischen war dort die Versammlung ebenfalls ge= schlossen worden und die Besucher beider Lokale vereinigten sich koloniale Abenteuer einzulassen, die nicht nur neue Opfer, Die Einwendungen der Finanzminister und anderer Regierungsvertreter etiva am Morikplatz, durchzogen die Oranienstraße, fonnten aber sondern eine Gefährdung des europäischen Friedens bedeutet gegen die direkte Vermögens- und Einkommensteuer beruhen auf denfchließlich von der Polizei nach dem Wilhelmsplaße abgelenkt hätten. Zugleich schafft es einen Stonfliftsstoff aus der Welt, felben Grundfäßen und sie schlagen mit ihren Argumenten gegen diese werden. Dieser Bug hat nicht nur erhebliche Verkehrsstörungen der die Spannung zwischen Deutschland auf der einen, Steuern auch die Nachlaßsteuer! Wenn hier, auch vom sächsischen verursacht, sondern die Mitglieder meistens Janbagel Frankreich und seinen Verbündeten auf der anderen Seite bis Finanzminister, von einer„ Mediatisierung", einer Unterordnung der haben Omnibusse und Straßenbahnwagen attadiert und ihres ins Unerträgliche gesteigert, uns zweimal bereits hart an den Einzelstaaten gegenüber dem Reiche geredet werde, so sei die UnterFahnenschmudes beraubt. Dabei sind zwei Personen fest ordnung der sächsischen Negierung der preußischen gegenüber, der sie genommen worden. Der andere Bug vom Norden ging mit viel Abgrund eines europäischen Krieges vorübergeführt hat. Für die deutsche Regierung bedeutet das Abkommen den stets bei allen Sprüngen eine der willigsten Stügen im Reiche war, geringerer Stärke in leineren Gruppen nach dem Stadtinnern, Was nuit wurde aber nach dem Alexanderplatz abgedrängt. Hier ordneten Abschluß einer der finnlosesten und verworrensten Abschnitte eine viel bedenklichere und bellagenswertere. sich die Gruppen zu einem sehr starken Zug, der versuchte, von ihrer auswärtigen Politik. Die deutsche Marokkopolitik war die ganze Opposition gegen die Nachlaßsteuer hier in der fo Taufe fie doch doch nur darauf der Zentralmarkthalle aus nach dem Rathaus durchzubrechen. nichts als eine ununterbrochene Kette von Mißgriffen und Kommission anbelange, Die Arbeiter der Bentralmarkthalle stellten sich aber ihnen ent- Gefahren. Sie hat dem deutschen Ansehen um so mehr ge- hinaus, den Besitz möglichst zu schonen und die breite Masse mehr gegen und trieben sie mit Besenstielen und Schaufeln ausein- schadet, als sie jede Einheitlichkeit, Zuverlässigkeit und zu belasten; dabei mache das Zentrum den Vater der Hinderander. Die anderen Bersammlungen in Moabit. schloffen etwa Geradheit vermissen ließ, wie eben eine Politit, die nisse, das hier wieder die Geschäfte der Agrarier wahrnehme. um 11 Uhr. Die Teilnehmer gingen dann ruhig auseinander. bon dem Treiben unverantwortlicher Ratgeber fort- Die Behauptung Rösides betreffend die größere Tragfähigkeit der Zunächst fällt an dem Bericht die merkwürdige Behauptung auf, es sei beschlossen worden, die Versammlungen während durchkreuzt wird. Um des Marokkophantoms willen Schultern der Arbeiter gegenüber dem landwirtschaftlichen Besit um 11 Uhr zu schließen. Woher weiß die Polizei das? Den unser Verhältnis zu den Westmächten immer schlechter übertreffe so ziemlich alle gewöhnlichen agrarischen Un= Bereit, an der Lösung der Frage Leitern der Versammlungen war jedenfalls von solchem Be- geworden, ist die Gelegenheit, mit Frankreich schon längst zu verschämtheiten. unserem Sinne und getren einer allgemeinen Verständigung zu gelangen und dadurch den der Finanzreform in schluß nichts bekannt. Sonst wäre natürlich derselbe auch englischen Ententen jede Schärfe gegen Deutschland zu nehmen, unseren Grundsägen, mitzuarbeiten, lehnen wir es ab, teilzu innegehalten worden. Auch die Behauptung, das Ziel der versäumt worden. Jetzt hat die steigende Not unserer ausnehmen an Kulissenarbeit, die den Zweck verfolgt, Züge sei diesmal das Rathaus gewesen, entstammt einer allzu wärtigen Politik unsere Regierenden zu einer Einsicht ge- den Besitz zu schonen und die durch die Berteuerung der Lebenslebhaften Bolizeiphantasie. In Wirklichkeit war nicht das geringste geplant; es wurde im Gegenteil von den Versammlungen, die früher befolgt zu größeren und wichtigeren mittel, mit denen die Lohnerhöhungen in feinem entsprechenden Berhältnis stehen ohnehin schwer genug bedrädten Schultern lungsleitern ausdrücklich vor Demonstrationen gewarnt, und Resultaten hätte führen können. In der deutschen Presse wird das Abkommen, mit Aus der arbeitenden Bevölkerung aufs neue zu belasten. ohne die Ungeschicklichkeit der Polizei, welche die das Lokal nahme natürlich der alldeutschen Drgane, günstig auf. Nachdem Dr. Nöfide in einer persönlichen Bemerkung den verlassenden Besucher der Koppenstraßen- Bersammlung mit nahme natürlich der alldeutschen Drgane, denen des Gewerkschaftshauses zusammentrieb und so den genommen. Sehr warm begrüßt die französische Presse und empfangenen Sieb quittiert hatte, entspann sich eine längere Zug aus dem Often selbst formierte, wäre der Hauptzug der Verhandlungen. Auch die englische Presse begrüßt die Ver Subkommission und der obenerwähnten ueberweisung der Anträge Zug aus dem Osten selbst formierte, wäre der Hauptzug der ebenso die französischen Parlamentarier den Abschluß der Geschäftsordnungsdebatte, die mit der Einsetzung der( Kompromiß-) Demonstranten gar nicht zustande gekommen. Die Versammlungen sollten ausschließlich dem Zwecke ständigung mit Freude. dienen, die demnächst vorzunehmende Arbeitslosenzählung so in die Wege zu leiten, daß man in der Lage ist, ihr Nesultat auch als ein wirklich den Tatsachen entsprechendes beIn unseren gestrigen Erörterungen zur Lage der Dinge in der zeichnen zu können. Damit ist auch die Antwort auf die Finanzkommission des Reichstags haben wir vorausgefagt, die Freiweinerliche Frage des Tageblatts" gegeben: Was fann finnigen würden ihrem konservativen Blodverhältnis eine goldene der König von England dafür, daß es in Berlin eine Armee Brüde bauen helfen, auf der das Nachlaßsteuerkompromiß zurecht Aus dem Reichstage.( 9. Februar.) Die Fortvon Arbeitslosen gibt?" Die Arbeitslosenzählung, zu deren geschustert werden kann. Und in der Tat haben die Liberalen am ſetzung der sozialpolitischen Debatte zerlief heute mehr noch Vorbereitung die Versammlungen gehörten, ist lange geplant- das sollte man selbst in der Redaktion des„ Berliner Dienstag dem Antrage zugestimmt, die Vorlage( somit den Anträgen als früher in die Breite. Da wurde über die Vorteile des Tageblatts" wiffen, ehe ein Mensch etwas von Onfel Edes zur Reichsvermögens bezw. Ginfommensteuer, eb. Erhöhung der Sparens moralisiert von dem Konservativen Herrn v. BrodBesuch in Berlin wußte. Auch die Daten sind zu einer Zeit atrifularbeiträge) einer Subtommiffion zu überweisen! Der hausen aus Hinterpommern, natürlich nur für das Volk, Besuch in Berlin wußte. Auch die Daten find zu einer Beit Antrag wurde mit 15 gegen 18 Stimmen angenommen, nachdem dem der Sparsinn erhalten werden muß. Er hatte auf dem festgelegt, als man davon noch keine Ahnung hatte. Was festgelegt, als man davon noch keine Ahnung hatte. Was Wiemer im Namen der Freifinnigen erklärt hatte, sie würden nur Tisch des Hauses eine Sparbüchse deponiert, die die schöne Fönnen die Berliner Arbeitslosen dafür, daß der König von fönnen die Berliner Arbeitslosen dafür, daß der König von dann auf die Nachlaßsteuer verzichten, wenn der Besitz in anderer Inschrift trug: Wohlgeschmad bringt BettelEngland nach Berlin fommt? Das kann sich die Polizei England nach Berlin kommt? Das kann sich die Polizei und mit ihr das Berliner Tageblatt" gesagt sein lassen: Form mit herangezogen würde( namentlich durch eine Vermögens fa d". Offenbar verhalten sich seine Standesgenossen streng nach dieser Lebensregel. Wenn die Sozialdemokratie die Absicht gehabt hätte, das Daß der Beschluß nichts weiter ist als der erste Schritt auf Familien- Joyll Unter den Linden zu stören, dann hätten alle schönen Vorbereitungen der Polizei und alle Bedenken des dem Wege zu einem kompletten Kompromiß, das ist flar. Den Bündlern find offenbar die Veröffentlichungen des braben Tageblatts" sie nicht davon abgehalten. Wir haben aber schon bei Gelegenheit erklärt, daß wir, die wir das Recht Borwärts" aus dem agrarischen Handbuche mehr als die Drumherumrederei des Häuptlings zur Demonstration für uns fordern, auch das Demonstrations- unangenehm, wie recht anderer achten. Die Polizei und das„ Berliner Tage- Dr. Röjide erkennen ließ, der sich die größtmöglichste Mühe gab, die vom Vorwärts" gebrachten Säge in ihr Gegenteil umzudeuten, Genosse Horn begründete eingehend den sozialdemoblatt" wissen, daß ohne diese unsere Haltung jede sogenannte freilich mit ebensowenig Geschick wie Erfolg; denn später mußte er fratischen Antrag auf erhöhten Glasarbeiterschus, patriotische Kundgebung in Berlin unmöglich wäre. vorliegenden Falle ist aber noch am Dienstag durch ein Mit- bom Reichsschazsekretär hören, daß es ihm nicht gelungen war, insbesondere auf Einführung des Achtstundentages. Großen glied des Aktionsausschusses im Vorwärts" ausdrücklich er auch nur diesen von der Richtigkeit seiner Auffassung der bezeichneten Eindruck machte er, als er aus einer Dentschrift des Ardeutscher Glas. sucht worden, sich diesem dynastischen Familienfeste fern auf demselben Standpunkt wie die anderen Konservativen: fabriken den Nachweis erbrachte, daß dieser UnterStellen zu überzeugen! Im übrigen steht Dr. Nöside natürlich beitgeberschußberbandes zuhalten! Was nun die Ausschreitungen bei den Umzügen der Fort mit allen Entwürfen, die den Besitz treffen, und her mit mehr nehmerverband in schamloser Weise die Geseze umgeht, um Arbeitslosen anlangt, die übrigens von der bürgerlichen indiretten Steuern! Dabei verstieg er sich zu der Be- mißliebigen Arbeitern durch Uriasbriefe das Fortkommen Presse sehr übertrieben dargestellt werden, so bedauert sie hauptung daß die Schultern der industriellen Arbeiter viel trag unmöglich zu machen. Schließlich rechnete er auch noch mit niemand mehr als wir. Wer fann aber in einem Zeitalter, fähiger feien als die der Bauern, weil diese gegenüber den dem Reichsverbandsgeneral v. Liebert ab wegen dessen Verwo Mitmenschen wie Draber, assube usw. mit Arbeitern enorm viel mehr 2asten zu tragen hätten dächtigungen der Glasarbeiterbewegung. Dann wurde die Debatte auf Mittwoch vertagt. russischen Orden dekoriert werden, die Verantwortung für als jene! jeden Teilnehmer eines solchen Umzuges übernehmen? Die Aus dem Abgeordnetenhause. Sozialdemokratie doch zu allerletzt! Steuer). " Die Kompromiẞ- Subkommiffion. " " " an diese endete. Politifche Ueberficht. Berlin, den 9. Februar 1909. Glasarbeiterschuh. Herr Kaempf( frs. Bp.) legte sich für die Aenderung der Handelsverträge ins Zeug und gab der brünstigen Hoffnung Ausdruck, daß die Finanzreform zustande kommt. Herr Dr. Struve( fri. Vg.) hielt eine ärztliche Interessenrede und perteidigte dann den technischen Beamtenverein gegen den Grafen Carmer. 19 Gegenüber der von Nösicke bestrittenen Tatsache, daß der Bund der Landwirte besonders gegen die Nachlaßsteuer mobil gemacht habe, wies der Reichsschatzsekretär auf die Tatsache hin, daß die Im preußischen Abgeordnetenhause gab es am Dienstag zus meisten Petitionen dagegen von Mitgliedschaften des Bundes, von nächst eine kleine Ueberraschung. Die an erster Stelle auf der stehenden Pfarrerbefoldungsgesehe usw. Ein Abkommen über die Marokkofrage. Landwirtschaftskammern ufiv. stammen. Wenn den Regierung 3. Tagesordnung bertretern immer ihre veränderte Stellung zu der Vorlage seit wurden, weil verschiedene Parteien neue Anträge dazu gestellt Wie wir vor einiger Zeit mitteilten, waren zwischen der 1906 vorgehalten werde, so sei zu bedenken, daß sich die Situation hatten, an die Kommission zurückverwiesen. Es scheint sich immer deutschen und französischen Regierung Berhandlungen be- feit jener Zeit wesentlich verändert habe: damals waren nur mehr die Unfitte einzubürgern, alle Gefebentwürfe hinter vergonnen worden, die jetzt zu einer Verständigung über 200 Millionen neuer Steuern erforderlich, jezt 500 Millionen! Durch schlossenen Türen zu beraten und so nach und nach die DeffentSie Marottofrage geführt haben. Offiziell wird darüber teine andere Steuer feien die großen Vermögen so fräftig mit lichkeit völlig auszuschließen. Sodann setzte das Haus die zweite Beratung des Lehrers gemeldet: heranzuziehen als durch die Nachlaßsteuer, die Ansicht Rösickes aber, besoldungsgesehentwurfs bei den von den Alterszulagen, der Heute vormittag ist nach der Rückkehr des franzöfifchen Bot- daß sie eine potenzierte Bermögenssteuer bedeute, sei unzutreffend. Dienstwohnung und der Wietsentschädigung handelnden§§ 6 bis schafters Gambon aus Baris im Auswärtigen Amt von dem Dr. Paasche tonstatierte, daß weiteres Reben eigentlich feinen 19 fort. Nach furzer Debatte, in der der Konservative v. Tilly Staatssekretär Freiherrn v. Schoen und dem Botschafter nach- 3wed habe, da eine große Mehrheit gegen die Vorlage fei. Er seinem Aerger über die gestrigen Ausführungen des sozialdemokra stehendes Abkommen unterzeichnet worden: fonstatierte, daß auch seine Fraktion da gegen und für eine Bertischen Redners Luft machte, gelangten diese Bestimmungen in Die kaiserlich deutsche Regierung und die Regierung der mögenssteuer stimmen würde, und wandte sich eindringlich an der Kommissionsfassung zur Annahme. Die weiteren Bestim franzöfifchen Nepublit find, geleitet von dem gleichen Wunsche, die Regierungsvertreter, ihren Widerstand gegen diese Steuer mungen der Vorlage, die§§ 20 bis 25, die sich auf die Orts- und \ die Ausführung des Vertrages bon Algeciras zu er aufzugeben, da sonst die Gefahr vorliege, daß die ganze Amtszulagen beziehen, riefen nochmals den Genossen Borgleichtern, übereingekommen, die Bedeutung, bie fie defien Be Finanzreform scheitere. Darum würde natürlich die Regierung mann auf den Plan, der in kurzen, aber scharfen Worten die stimmungen beilegen, genauer festzustellen, um fünftig jeden allein den Schaden haben. Gehe sie auf den Vorschlag nicht ein, gefeßliche Festlegung des Bremserlasses bekämpfte. Daß die SozialAnlaß zu Mißverständnissen zwischen ihnen zu vermeiden. so hätten er und seine Freunde kein Interesse mehr an der Durch demokraten gegen diejenigen Paragraphen stimmten, die den Demgemäß ist einerseits die Regierung der Französischen beratung der indiretten Steuervorlagen! Bremserlaß berewigen wollen, bedarf keiner besonderen ErRepublit, die an der Wahrung der Integrität und der Einen letzten Versuch, die Gegner der Nachlaßsteuer um- wähnung. Charakteristisch aber ist es, daß die Sozialdemokraten Unabhängigkeit des Scherififchen Reiches unbedingt zuftimmen, machte trotz aller Aussichtslosigkeit der sächsische Finanz- mit ihrer Anschauung allein standen. Man sieht daraus, wie festhält, entschlossen, die wirtschaftliche Gleich- minister, der aus Neden des Reichskanzlers und diversen Sach- wenig ernst es dem Liberalismus mit seiner Agitation gegen den berechtigung aufrechtzuerhalten und demzufolge verständigen- Gutachten zu beweisen sich bemühte, daß nur durch die Bremserlaß gewesen ist. den deutschen Handels- und gewerblichen Juteressen daselbst Nachlaßsteuer alle Salamitäten beseitigt werden könnten. Die weitere Beratung, die bis dahin sachlich gewesen war, nicht entgegenzuwirken. Anderseits ist die faiserlich deutsche Nachdem noch Graf Schwerin fonstatiert hatte, daß die Aus- wurde durch eine Agitationsrede des Bundeshäuptlings Dr. DiedeRegierung, welche in Marotto ausschließlich wirt führungen bes Vorrebners ebensowenig wie die aller anderen Regierungs- rich a hn auf das dem Bunde der Landwirte angepaßte Niveau schaftliche Interessen verfolgt, und die anerkennt, vertreter geeignet seien, die Konservativen zur Aufgabe ihres Stand- heruntergedrückt. Herr Hahn wetterte weidlich gegen seine freidaß die besonderen politischen Interessen punktes zu veranlassen, erhielt Genosse Geher das Wort. Er be finnigen Blockbrüder, die er so niedrig einschäßt, daß er ihnen Frankreichs mit der Sicherung von Ordnung und Frieden tonte von vornherein, daß wir für das in der Vorlage zum Ausdruck fogar den Diebstahl von Paletots aus dem Bundesbureau zutraut. dafelbft eng berknüpft sind, bestimmt gewillt, diesen Jutereffen gelangende Prinzip stimmen, trotzdem es durch Begünstigung Wir sind natürlich nicht in der Lage, den Tatbestand festzustellen, nicht entgegenzuwirken. der Landwirtschaft usw. berzerrt erscheint. Von einer prinzipiellen aber selbst wenn der Freisinn diesen Diebstahl begangen hat, so Beide Regierungen erklären, daß sie feine Maßregel er- Uebereinstimmung der Regierung mit den Sozialdemokraten könne braucht doch Herr Diederich Hahn sich darüber nicht zu erbosen. greifen noch ermutigen werden, die geeignet wäre, zu ihren aber trotzdem nicht die Rede sein, da die im zweiten Teil unseres Der Erlös wird zweifellos dem Wahlfonds zufließen, aus dem eigenen Gunsten oder zugunsten irgend einer Macht wirt- Programms enthaltene Forderung einer progressiven Erbschafts- sowohl dem Bunde der Landwirte, als auch den Freisinnigen schaftliche Vorrechte zu schaffen, und daß sie trachten steuer ebensowenig eine spezifisch sozialdemokratische sei wie alle Munition zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie geliefert wird. werden, ihre Staatsangehörigen an denjenigen Geschäften anderen in diesem Teil enthaltenen Forderungen, die innerhalb der Im übrigen war es interessant, zu beobachten, wie auf der gemeinsam zu beteiligen, deren Ausführung diesen heutigen Gesellschaftsordnung und Staatsform durchführbar einen Seite Abg. Dr. Hahn, auf der anderen Seite Abg. übertragen werden sollte. feien. Tatsächlich sei ja auch die Erbschaftssteuer schon Cassel immer und immer wieder versicherten, daß es ihnen Spät fommt es, doch es kommt, dieses Abkommen, das in einigen europäischen Staaten, fogar in Monarchien nicht darauf ankomme, die Lehrer für ihre Parteien zu gewinnen; die Sozialdemokratie in Deutschland wie in Frank- durchgeführt. Wer also in unserer Unterstützung dieses Entwurfs sie wiederholten das so oft, daß schließlich kein Mensch mehr daran reich seit Beginn des leidigen Marottoabenteuers unablässig eine prinzipielle Uebereinstimmung mit der Regierung erblide, der zweifeln fonnte, daß sowohl die Konservativen als auch die Freis gefordert hat. Den Standpunkt, den wir von allem Anfang beweise, daß er vom sozialdemokratischen Prinzip feine Ahnung habe. sinnigen sich einzig und allein von parteipolitischen Erwägungen an bertreten haben, daß Deutschland in Marotto nur wirt- Was nun den Einwurf der Beeinträchtigung des Familienfinnes und leiten lassen und sich den Lehrern für gelegentliche Wahlen in schaftliche Interessen zu verfolgen habe, die durch die der Sprengung der Familienbande anbelange, der immer wieder empfehlende Erinnerung bringen wollen, Tic Weitcrbctatüng der Vorlage wurde lailievlich, nachdem die„Freisinnigen" Schcpp und Cassel noch das„Berliner Tageblatt" wegen seines Eintretens für freisinnige Ideen von ihren Nockschöhen abgeschüttelt hatten, auf Mittwoch vertagt. Auberdcm stehen Berichte über Wahlprüfungen auf der Tagesordnung, darunter die über die Wahlen unserer Genossen Heimgnn« Borgmann, Hirsch und Hoffmann. Konservative Mctnungsverschicdenhcitcn. Obgleich die konservative Presse versichert, daß die kon- servative Partei sich in bezug auf die Unannehmbarkeit der Nachlaßsteuer völlig einig sei,"ist es doch ein offenes Geheim- nis, daß in den konservativen Reihen mancherlei verschieden- artige Meinungen über die Stellungnahme zu den Sydomschcn Vorschlägen bestehen. Die landbündlerischen Krautjunker der- langen strikte Ablehnung jeder Nachlaßstcuer für Kinder wie Ehegatten und Ersetzung des dadurch entstehenden Steuer- ausfalls durch eine Vermehrung der Verbrauchs- steuern oder, falls sich das nicht erreichen lasse, durch Er- höhung der Matrikularbeiträge oder Einführung einer Dividendensteuer. In konservativen Beamten- und Militär- kreisen steht man dagegen keineswegs der Nachlaßsteuer so schroff gegenüber und hat gegen die von den Machern des Bundes der Landwirte geforderte Dividendensteuer manche Bedenken. In recht interessanter und zugleich belustigender Weise kamen diese Meinungsunterschiede in einer Polemik zwischen der „Kreuzztg." und der„Deutschen Tages-Ztg." zum Ausdruck. Das Bündlerblatt hatte als Ersatz für die Nachlaßstcuer die Reichsdividendensteuer empfohlen und von mühelosen Gewinn gesprochen. Darauf antwortet die„Kreuzztg.": „Die konservative Partei... will nicht, baß das Familien- vermögen angetastet wird. Gegen die Erbschafts- st euer der entfernten Verwandten hat sie sich nicht erklärt. Und daß die angeblich bei den Kon- servativen ausschlaggebenden Interessen der Großgrundbesiyer tatsächlich nicht von uns geschont werden sollen, ergibt sich für jeden, der ehrlich nachdenkt, schon daraus(?), daß die Konservativen auch eine Erhebung direkter Vermögenssteuern durch die Einzel- staaten für das Reich(im Sinne des Antrages Gamp) nicht ablehnen, auch nicht grundsätzlich opponieren werden, wenn die verbündeten Regierungen eS vMiehen sollten, eine weniger harte Form der höheren BesteuerunMon Erbschaften vorzuschlagen. Es liegt doch auf der Hand, daß besonders die bezeichnete Form der Erhöhung der Matrikularbeiträge(Anträge Gamp) gerade den Besitz und vornehmlich den Grundbesitz sehr stark für daS Reich in Anspruch nehmen würde, daß also nicht die Steuerscheu die Konservativen zur Ablehnung der Nachlaßsteuer bewogen hat, sondern nur die Notwendigkeit, alles zu vermeiden, waö einer Vermögenskonfiskation ähnlich sieht. Aus diesen Rücksichten steht die Mehrheit der konservativen ReichstagSfraktion auch der von anderer Seite empfohlenen Reichsdividenden st euer ablehnend gegenüber. Eine solche Steuer wäre in gewissem Sinne auch eine Expropriation; wer ein Judustriepapier, das 10 vom Hundert Dividende bringt, zu AK) kaust, verliert, wenn ihm ein Zehntel der Dividende als Steuer abgezogen wird, nicht nur diesen Teil der Einnahme. sondern auch ein Zehntel vom Kapital: der Kurswert der Aktie wäre nur noch 180 Prozent. Das Schlagwort von der„Besteuerung des mühe- losen Gewinns" für das Steich unterliegt aber auch ver- fassungsrechtlichen Bedenken. Noch müheloser als der Dividenden- gewinn, der doch mit Risiko(--- Mühe) verknüpft ist, ist das Abschneiden von CouponS der Renteupapiere. Das gleiche gilt von Hypothekenzinsen.„MühcloS" ist auch der Reingewinn aus Beteiligung an Genossenschaftsunternehmungen; die„Mühe" hat nur der Vorstand, der dafür bezahlt wird.„MüheloS" ist endlich der Pachtzins oder MietzinS. soweit er die Schuldzinsen über- steigt. Man steht: die„Besteuerung deö mühelosen Gewinns" führt zwingend zu einer allgemeinen Zinsensteuer. Ob aber eine Reichszinsensteuer nicht allzu sehr in die Finanzhoheit der Einzelstaaten eingreifen würde, ist ernstlich zu erlvägen." Diese Ausführungci, haben die„Deutsche Tageszeitimg" aufs ärgste gereizt. Mit der ihr eigene» Derbheit repliziert sein(heutiges Morgenblatt): „Dazu(zu den Aeußeriingen der„Kreuz« Zeitung") möchten wir bemerken, daß die Reichsdividendensteuer nicht von anderer Seite, sondern aus konservativen Kreisen empfohlen worden ist. Ob die Mehrheit der konservativen Fraktion ihr ab- lehnend gegenübersteht, wissen wir nicht. Wir würden daS be- dauern, glauben aber, daß irgend ein Beschluß darüber noch nicht gefaßt worden ist. Was die„Kreuzzeitimg" im übrigen gegen die Steuer an- führt, ist nicht im mindesten durchschlagend. Verfassungsrechtliche Bedenken können nicht vorgebracht werden. Wenn man die Dividendensteuer zu den direkten Steuern rechnet, so steht sie durchaus auf einer Linie mit der Tantiemensteuer, die von den Konservativen anstandS- los gebilligt worden ist. Andere verfassungsrechtliche Bedenken sind unerfindlich. Die Forderung der Besteuerung des niühelosen Gewinnes, der über eine gewisse Grenze hinausgeht, ist kein Schlagwort, sondern sachlich durchaus begründet und den konservativen Grundsätzen völlig entsprechend. Wir haben immer nur vorgeschlagen, daß die Dividendensteuer erhoben werde von Gewinnanteilscheincn, deren Ertrag über die durchschnittliche Verzinsung des Kapitals hinausgeht, daß sie also etwa bei 5 oder 6 Proz. einsetzen solle. Es würden also die Kupons der Renteirpapiere, die Hypotheken- zinsen, die Pachtzinsen usw. nicht unter die Steuer fallen, weil der Ertrag des so angelegten Kapitals fast immer unter ö oder 6 Prozent bleiben wird. Deshalb war eS durchaus nicht nötig und sachlich unberechtigt, daS Gespenst einer allgemeinen Zinsen- steuer an die Wand zu malen. WaS schließlich den Gedanken an- langt, daß eine derartige Steuer in gewissem Sinne auch eine Enteignung sei, so ist schließlich jede Steuer inge- wissem Sinne eine Enteignung." Glaube und Wissenschaft. Die Inhaber der oberhirtlichen Würde im Erzbistum Köln find besonders stark im Glauben, was andererseits in sich schließt, daß sie dem Wissen und der Bildung mit ebenso großem Mißtrauen gegenüberstehen. Einer der letzten. Erzbischof Krementz, war groß in der Kenntnis der Schriften, die sich mit dem Untergang der Welt beschäftigen und er galt als einer derjenigen, die über das Ein- treten und den Verlauf dieses Ereignisses auf das genaueste Bescheid wissen. Der gegenwärtige Inhaber deS erzbischöflichen Stuhles, Kardinal Fischer, rühmt sich, daß er in Thomas von Aquino, dem Scholastiker des 13. Jahrhunderts, den Grund und den Ouell, den Anfang und das Ende alles Wissens geftmden habe. Und wenn man feinen neuesten Fastenbrief liest, so begreift nian eS, daß Kardinal Fischer mit der Neuzeit, die so wenig Respekt vor den Ueberlieferungeu des Mittelalters hat, recht unzufrieden ist. Die oberhirtliche Kundgebung, die über den Glauben als übernatürliche I Tugend handelt, warnt in besonders eindringlichen Worte» bor der „unheilvollen Geschäftigkeit des Unglaubens". ES heißt da: „Es sind nicht so sehr einzelne Glaubenslehre», die heute an- gegriffen lverdeu: es sind die christlichen und religiösen Grund- Wahrheiten, die man offen leugnet nnd anfeindet, die Lehre von der allerheiligsten Dreisaltigkeit, die Gottheit Jesu Christi, ja geradezu das Dasein deS persönlichen Gottes, die Unsterblichkeit der Seele und die ewige Vergeltung. Haben wir es nicht noch jüngst erlebt, daß auch in deruichen Preßorganen das schreck- liche Erdbeben in Süditalien den Anlaß geboten hat zu f r e ch e r Leugnung der göttlichen Vorsehung? Und dieser nackte Materialismus, diese offene Goitcsleugiiuug. vielfach verbunden niit gotteslästerlichen Aeußcrungen über unseren Herrn und Heiland Jesus Christus, loird in Hunderten von größeren oder kleineren Schriften verbreitet, wird auch von einer gewissen Tagespresse kolportiert und dem gewöhnlichen Volke als geistige Nahrung geboten: Steine statt Brot. Dabei fehlt es dann durchgängig nicht an Verunglimpfung unserer heiligen Kirche, an Entstellung ihrer Lehre, an Verdächtigungen ihrer Einrichtungen und ihreS Wirkens, an Hohn und Spott für ihre Diener: Alles berechnet, um dem Leser Mißtranen beizubringen, Abneigung einzuflößen und ihn so reif zu»rächen für die Pläne des Unglaubens. Man weiß es eben, daß die katholische Kirche das festeste Bollwerk ist gegenüber dem Geiste der Verneinung. Kardinal Fischer ermahnt seine Gläubigen deshalb mit allem Rachdruck, sich vor solchen Schriften zu hüten und sie nicht über die Schtvelle des Hauses zu lassen, namentlich sie nicht den Kindern in die Hand zu geben. Der Sturmlaus gegen die katholischen Grund- lehren, so meint Kardinal Fischer, geschehe vielfach unter der Fahne der Wissenschaft, indem man der Kirche vorwerfe, daß ihre Lehre mit den wissenschaftlichen Ergebnissen unvereinbar sei. Aber daS sei nicht der Fall; die Kirche habe keine Furcht vor der Wissenschaft, schätze sie vielmehr, pflege und fördere sie. „Wir wollen von der Wisienschaft der Jetztzeit vollen und auSgicbigen Gebrauch machen und sind gesonnen, auch uns Platz und Luft zu sichern im vielgestaltigen Leben der Gegenwart. Aber wir Iverden und dürfen uns nie und nimmrr auf schwächliche Zugeständnisse einlassen ans Kosten unseres Glaubens und auf Kosten unserer kirch- lichcn Gesinnung, wir müssen vielmehr offen und frei unseren heiligen Glauben nach seinem ganzen Umfang und mit allen seinen Folgerungen hochhalten und festhalten und dürfen uns durch die tönenden Redensarten von Unfreiheit, Unwtsienfchaft- lichkeit, kirchlicher Bevormundung, Engherzigkeit— und wie all daS Gerede heißt— nicht im geringsten beciuflusien lassen." Das alte Lied: Die Kirche ist der Wissenschaft zugetan, solange sich die Wissenschaft ihr unterordnet I Die Kirche ist die Herrin, die Wissenschaft hat sich ihr zu fügen. Trotz dem guten Willen der herrschenden Klasse, der Kirche bei ihren Anmaßungen Hülfe zu leisten, ist auf die Dauer dem Siegeslauf der Wissenschaft und der Wahrheit nicht zu widerstehen und die Herren Oberhirten werden wohl noch oft in die Lage kommen, ihre mittelalterlichen Weh- und Hilferufe ertönen zu lassen._ Gegen den Breölauer Polizeipräsidenten haben unsere Genossen eine Klage wegen FreiheitS- beraub ung eingeleitet. Der Herr hat, wie sich jetzt heraus- gestellt hat, die WahlrechtSdemonstranten(siehe Freitagnummer des „Vorwärts") ohne jede Veranlassung über 18 Stunden lang in Hast behalten. Seine Beamten waren sich bewußt, daß die Sistirrten alsbald wieder freigelassen werden niutzlen. Drei von ihnen be- gaben sich auch auf den Weg zum Polizeigefängnis, um die Sünder zu vernehmen und wieder laufen zu lasten. Da aber kam(gerade hatte man einen Redakteur der„Volkswacht" wieder rouSgelaffen) eine Verfügung deS Polizeipräsidenten, die samt- lichen Verhafteten bis zum anderen Morgen dazu- behalten. Und diese Verfügung erging um die Mittagszeit! Um 3 Uhr hätte die Vernehmung beendet sein können, man ließ die Verhafteten aber erst am anderen Tage um ü Uhr wieder ftei 1 1 Eine Beschwerde gegen Herrn Dr. Bienko ist außerdem an den neuen Regierungspräsidenten abgegangen.-- Der Kampf um das oldenburger Wahlrecht. In der heutigen Plenarsitzung des Oldenburger Landtages kam eS gleich zu Beginn zu einer lebhaften Gesckiäftsordnungsdcbatte über die am gestrigen Tage von der agrarisch-ultramontanen Mehrheit beliebte Obstruktion und über den von der Minderheit einge- brachten Geschäftsordnungsantrag, die Abstimmung über die Plural- wahlrcchtsanträge zu wiederholen. Das Ergebnis der Debatte gipfelte darin, daß in der wiederholten Abstimmung der Antrag deS Abgeordneten Müllcr-Brake: das Pluralwahlrecht nach dem Alter abzustufen, und dem Besitz, den Beamten des Staates und der Kommunalverbände sowie den selbständig Gewerbetreibenden eine zweite Stimme zu geben, mit 22 gegen 22 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, abgelehnt wurde, im Gegensatz zu der Sitzung vom Freitag voriger Woche, in der dieser Antrag mit 23 Stimmen angenommen wurde(gegen 21 Stimmen). Die eine Stimme des Abgeordneten F u n ch hat also diesmal den Ausschlag gegeben. Nach dem StaatSgrundgesetze muß diese Abstimmung— weil Stimmengleichheit vorhanden war— noch einmal wiederholt werden. Das geschieht am Schlüsse der heutigen Sitzung, daS Resultat wird jedoch vermutlich dasselbe bleiben. In der weiteren Debatte über daS Wahlgesetz wurde ein An- trag: bei den Wahlen das Verhältniswahlsystem, verbunden mit der Gruppenwahl, zugrunde zu legen, mit 82 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur die Sozialdemokraten und einige Liberale. Die Debatte wird fortgesetzt.— Die Bolksschul Novelle im württcmbergischen Landtage angenommen. Stuttgart, 9. Februar. (Privatdepesche des„V o r w ä r t s".) In der Schlußabstimmung der ZweitemKanimcr. die heute nachmittag erfolgte, wurde die Novelle mit 63 gegen 26 Stimmen angenommen. Dafür stimmten geschlossen die Sozialdemokratie, die Volkspartei, die national- liberale Partei und die Konservativen mit Ausnahme eines BanernbündlerS. Dagegen stimmten das Zentrum ge- schlössen und der letztgenannte Bauernbündler. Die konscrvattve Fraktion gab zu ihrer Abstimmung eine Erklärung ab, wonach sie mit wesentlichen Teilen des Gesetzes nicht einverstanden sei. in Rücksicht auf die Bedeutung deS Gesetzes es aber der Ersten Kammer zur Be- ratung zukommen lassen will. Zu der späteren Beratung. wenn das Gesetz aus der Ersten Kammer an die Zweite zurückkommt, behält sich die konservative Fraktion die Stellung vor. Trotzdem kann das Gesetz im wesentlichen als gesichert gelten, vorausgesetzt, daß die Nationalliberalen und die Volks- partciler den VerschlcchtcrungSvcrsuchen der Ersten Kammer gegenüber fest bleiben. Nach der Abstimmung wurde in die Generaldebatte über den Hauptfinanzetat eingetreten. Nach der ein- leitenden Rede deS KnanzministerS nahm zuerst der Ab-i geordnete v. Kiene(Z.) das Wort. Er regte sich ganz be- sonders über den„�simplicisstmus" auf und forderte den Kriegsminister und die Polizei zum Kampf gegen die Unsitt- lichkeit auf. Die Beratung dauert fort. Die Karikatur ei»« Hilfsaktion. Der Magistrat von Bayreuth hat für die durch Hochwasser geschädigten Einwohner der Stadt Notstandsmaßnahmen in Form unentgeltlicher Abgabe von Brot, Kaffee und Kohlen beschlossen. Ein Witwe, die achtKinderzu versorgen hat, erhielt auf Grund dieses Beschlusses zwei Zentner Kohlen gratis, gleichzeitig aber kam der— Gerichtsvoll- z i e h e r zu der bedauernswerten Familie, nm wegen eines Umlage- rückstandes von 125 Pfennigen Pfändung vorzunehmen l Die Witwe verfügte über ganze 2 M. 40 Pf.„Barvermögen". Ilm die „Schande" der Pfändung zu verhindern, zahlte die Frau schluckzend die 125 Pfennige, die die kgl. bayerische KreiShanpiftadt Bayreuth zu fordern hatte. Dazu käme» noch„Gebühren" in Höhe V o n 1 M., so daß die Familie, deren unbedingte Bedürftigkeit man soeben durch Gratislieferung eines kleinen Quantums Kohlen an- erkannt hatte, auf andere Weise wieder vollständig aller Subststcnz- mittel beraubt war l_ „Dieser Bengel". In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom Sonn» abend, den 0. Februar, rief der konservative Abgeordnete v. P a p p e n- heim dem Genossen Lcinert zu:„Dieser Bengell" Genosse Leinert sprach zum Justizetat und führte daS Zeugnis des konservativen Politikers Nordhausen für daS Vorhandensein der Klassenjustiz ins Feld. Dabei bemerkte er zu den Konservativen nach dem stenographischen Bericht: „das wird Sie ganz besonders interessieren (Zurufe rechtS: Nein 1) ganz besonder« denke ich deshalb, weil die Möglichkeit vorhanden ist, daß Sie sich auch einmal zu vernünftigen Anschauungen emporraffen. (Lebhafte Unruhe rechts Zurufe: Nein!— Abg. v. P a p p e n h e i m: Dieser Benael I) Ich konstatiere, daß Sie erklären, daß daS auSgeMossen ist." Genosse Leinert fragte am DienStag den ja sonst so ängstlich um die Würde des HauseS besorgten Präsidenten v. Kröcher, ob ein solcher Ton der Würde deS Hauses entspreche. Der Präsident nahm dann mit dem Vizepräsidenten v. Porsch, der zur Zeit der Leinertschen Rede präsidierte, Rücksprache. Herr v, Porsch nahm daraus Wer- anlassung, zu erklären, daß er diese Bemerkung nicht gehört habe, daß er sie sonst gerügt haben würde. Da aber Herr Porsch nicht einen konservativen Abgeordneten wegen einer Flegelei gegen einen Sozialdemotraten bedingungslos rügen mochte, Versetzte er dem Ge- Nossen Leinert noch einen Seitenhieb, indem er auch dessen Be- merkung gegen die Konservativen rügte. Dabei mußte er aber das Geständnis machen, daß er die Leinertsche Bemerkung wohl gehört aber nicht begriffen habe.—_ Die„Aufrührer" von Dresden. Zu der Anklage gegen den Genossen D ü v e l l meldet die Dresdener„BolkSzeituug" noch:„Neben dem Genossen Düvell ist wegen des gleichen Vergehens der Jnstrumentenmacher S t e n z e l unter Anklage gestellt. Auch er soll sich am 17. Januar auf der Schloßstraße des»Aufruhrs schuldig gemacht haben. Stenz�l wurde schon vor der Polizeiattacke aus der Menge herausgegriffen und verhaftet. ES ist in höchstem Maße erstaunlich, daß eine solche Anklage er- hoben werden kann. Nachdem aber schon die Staatsanwaltschaft selbst einen Teil der ursprünglichen Beschuldigungen fallen gelassen hat, nehmen wir an, daß der weitere Gang de's Verfahrens diesen „Aufruhr" in sein Nichts zerstreuen wird. ES ist unS völlig uner- findlich, wie gegen einen Teilnehmer an den Vorgängen des Wahl- rechlssonntageS, der alleS getan hat, nm Schwierigkeilen zu beseitigen die Beschuldigung des Aufruhrs erhoben werden kann." Roter Gewerbegcrichtswahlsieg in Mülhaufeu I. E. Eine Gewerbegerichtswahl am roten Wahlrechtssonntag, d. h. am Tage der Wahlrechtsdemoustration, dem 7. Februar, gab's in Mülhausen i. E. Die Hoffnung der Gegner, baß die nach der Bekanntgabe deS TagcS der Wählrcchtsdnnonstralion von den Behörden auf diesen Tag angesetzte Gewerbegerichtswahl eine schwächere Beteiligung von sozialdemokratischer Seite aufweisen würde, hat sich indessen nicht erfüllt. Vor drei Jahren erzielte die Kandidatenliste der freien Gewerkschaften durchschnittlich 2520 Stimmen und die der christlichen Gewerkschaften 1652. Diesmal erreichten die Christlichen durch einen intensiven Schlepper- dienst eine Steigerung ihrer Stimmenzahl auf durchschnittlich 2lv5. aber auch die Stimmen der freien Geiverkschaften stiegen auf 3419, so daß ihre fünf Kandidaten gewählt wurden und die Christlichen, da der Proporz bisher nicht eingeführt worden ist, glatt unterlegen sind. Der Prozentsatz der abgegebenen gültigen Stimmen ist bei den Christlichen 39,5(vor drei Jahren 89,6) und bei den freien Gewerkschaften 60,3(vor drei Jahren 60,4). Der Mißerfolg der Gewerkichnftschristen ist um so bemerkenswerter, als sie sich Ab- schriften der Wählerliste hatten anfertigen lassen und jedem einzelnen »Wähler unter Kuvert den Wahlaufruf und Stimmzettel hatten zu- stellen lassen, was die freien Gewerkschaften Mülhausens nicht nötis hatten._ Zur Reichöfinanzreform. Im weimarischen Landtag machte der Finanzdirektor Dr. HunniuS die Mitteilung, daß er über die Verhandlungen, die zur Lösung der Reichsfinanzreforin gepflogen,, wurden, sofort Bericht erstatten werde. Der Präsident ließ die Tribüne räumen, auch die Vertreter der Presse mußten ihre Plätze verlassen, und dann hielt Herr Dr. Hunnis hinter verschlossenen Türen seinen Vortrag, über den unter diesen Umständen näheres nicht, mitgeteilt werden kann.—_ Ein deutscher Kriminalbeamter wegen Spionage verhaftet! In Krakau wurde der bei dem Beuthener Grenz- kommissariat beschäftigte und beim Bahnhof Myslowitz stationierte Krimiualbcainte K n i t s ch wegen Spionage- verdachtes verhaftet. K. hatte sich in Krakau eine Wohnung gemietet und fiel dadurch auf, daß er täglich AuSfliige in die nähere und weitere Umgebung Krakaus machte, und sich be- sonders für militärische Dinge interessierte.... Eine Haussuchung förderte zahlreiches Material zutage, welches genügte, um die Verhaftung zu rechtferttgen. Das Belastungsmaterial, das in der Wohnung gefunden wurde, stellte zweifellos fest, daß K. seit längerer Zeit für eine auswärtige Macht alL Spion tätig ist. Die Balkankrise. Entlassung der bulgarischen Reserven. Sofia, 9. Februar. Nachdem die bulgarische Regierung offiziell davon verständigt worden ist, daß der an Rußland gerichtete türkische Gegenvorschlag eine Erklärung enthalte, nach der die Türkei auf jede Grenzbcrichtigung verzichte, hat das Kriegsministcrium die sofortige Entlassung der einberufenen Reservisten der 8. Grcnzdivisiou verfügt. Die russisch-tiirkischcu Verhandlungen. Konstantmopel, 0. Februar. Nach einer Privatdepesche der»Feni Gazetta" aus Petersburg hat Minister deS Aeußern I S w o l S k i dem Botschafter Turkhan Pascha mitgeteilt, daß er den türkischen Gegenvorschlag dem Ministerrat vorlegen werde. In diplomatischen Kreisen sowie in der Presse habe der Gegen- Vorschlag Bedenken und Bewegung erregt. Trotzdem hoffe man, da ff das rusfischs Kabinett einen den Interessen der Türkei entsprechenden Beschlutz fassen werde. Minister JZwolski sei bereit, unter den gegenwärtigen Verhältniffen der Türkei Beweise seiner Freundschaft zu geben, er finde aber den türkischen Gegen- Vorschlag schwierig. Die russische Antwort werde in ein bis zwei Tagen gesandt worden._ Oeflemicb. Ein KorrnptionS-Prozej;. Prag, S. Februar. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den Generaldirektor der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft Kestranek und den Redakteur des„Prager Tageblatt" Horn, die bekanntlich der Prager Stadtverwaltung uno besonders dem Reichsrats- abgeordneten und Stadtverordneten Cernohorsky(Prag) in einem Artikel des oben genannten Blattes Korruptions wirt- s ch a f t und unberechtigte Erschleich ung einer B e- st echungS pro Vision aus Anlaß der Vergebung der Röhren- lieferung für die Prager Wasserwerke vorgeworfen hatte, ist heute nach dreitägiger Dauer in der vierten Morgenstunde zu Ende geführt worden. Bezeichnenderweise wurden beide Angeklagte von der Anklage der Beleidigung des tschechischen Reichsratsabgeordneten Cernohorsky freigesprochen und nur wegen formeller Beleidigung der Prager Stadtverwaltung, des Stadtverordnetenkollegiums und der Mitglieder des Verwaltungsrats der Prager Wasserwerke verurteilt. Kestranek erhielt eine Strafe von 14 Tagen A r r e st, die aber sofort in eine G eld strafe von 3000 Kronen um- ewandelt wurde. Gegen Redakteur Horn wurde auf eine e l d st r a f e v o n SO Kronen erkannt. Die Tatsache, daß dies verhältnismätzig milde Urteil von einem in nationaler Beziehung gegen beide Angeklagte voreingenommenen Forum gefällt ist, liefert de» besten Beweis dafür, daß die Vorwürfe der beiden Angeklagten sich im wesentlichen als berechtigt herausgestellt haben. Rußland. Tie Verteidigung der Schuldigen. Petersburg, 9. Februar. Um 1 Uhr nachts wurde folgendes Regierungskommunique veröffentlicht: Die Presse und Gesellschaft besprechen sortgesetzt eine Reihe vom Ingenieur A z e w terrorisierter Akte, darunter die Ermordung des Großfürsten Sergius, des ehemaligen Ministers v. Plewe usw., wobei fast alle politischen Morde und schweren Verbrechen Azew zuge- schrieben werden. Gleichzeitig wird auf die Beteiligung einiger Amtspersonen an den genannten Verbrechen hingewiesen, wobei die auf Befehl des Untersuchungsrichters erfolgte Verhaftung L o p u ch i n s sogar als Diaßnahme gegen weitere regierungs- feindliche Enthüllungen hingestellt wird. Diese tendenziösen Mit- tcilungen hören nicht auf, trotz der offiziellen Erklärungen der Regierung, daß die erwähnten Blättermeldungen und Gerüchte grundlos sind, und daß der verabschiedete L o p u ch i n lediglich des- wegen zur Verantwortung gezogen wurde, weil er den Sozialrevo- lutionären über Azews Zusammenhang mit der Polizei zur Vorbeugung terroristischer Anschläge Mitteilung gemacht hatte. Da die angeführten Gerüchte in der Gesellschaft vollkommen ungerechtfertigte Aufregung und Mißtrauen erweckten, hält die Regierung es für ihre Pflicht, abermals kategorisch zu er- klären, daß kein« Amtspersonen, auch nicht der in Zeitungsartikeln genannte Wirkliche Staatsrat Ratschkowsky und andere Beamte, jemals an irgendwelchen terroristischen Akten oder sonstigen verbrecherischen Handlungen der Revolutionäre beteiligt gewesen sind, daß ferner hinsichtlich Azews Teilnahme an politischen Ver- brechen an Regicrungsorgane niemals irgendwelche Hinweise ge- n rächt worden sind. Eingehende hierauf bezügliche Erklärungen werden von der Regierung in der Reichs duma gemacht werden als Antwort auf die hierzu eingebrachten Interpellationen. Die Frechheit der russischen Regierungsbanditen ist wirklich stark. In demselben Moment, wo sie zugestehen müssen, daß Azew ihr Werkzeug war— denn sonst wäre ja Lopuchins Verhaftung nicht erklärlich—, suchen sie der Welt einzureden, daß Azews Rolle ganz bedeutungslos gewesen sei. Gläubige werden sie aller- dings nicht finden; denn der Eifer, mit dem sie sich entschuldigen, beweist nur, wie sehr sie sich durch die Anklagen getroffen fühlen. ES ist übrigens charakteristisch, daß die Regierung besonders Ratschkowsky, dessen Werkzeug Azew war, in Schutz zu nehmen sucht. Die Rolle dieses Chefs der russischen Lockspitzel wird näher beleuchtet durch eine Unterredung, die der kadettische„Rjetsch" mit einem Manne hatte, der P l e h w e sehr nahe gestanden und sehr genau die Beziehungen Plehwes zu Ratschkowsky gekannt hat. Anfangs, führt der Gewährsmaim der„Rjetsch" aus, war Plehwe mit der Tätigkeit Ratschkowskys zufrieden, wie- wohl er ihn stets mit Strenge behandelte. Aber dann plötzlich faßte Plehwe den Gedanken, ihn, wie er selbst sagte, davonzu- jagen. Ich kann nicht genau sagen, worum es sich dabei handelte. Aber ich weiß, daß er fich später nur selten über Ratschkowsky ver- nehmer» ließ. Einmal sprach er davon, Ratschkowsky spiele auf eigene Faust ein sehr kompliziertes Spiel, das er(Plehwe) nicht billigen könne. Plehwe wollte über- Haupt die ausländische Agentur in der Form, wie sie bestand, be- seitigen, doch Ratschkowsky zeigte sich stärker als Plehwe, indem er, als Plehwe ihn kalt stellte, es verstand, in das Vertrauen Pobjedonoszews einzudringen, der ihm bei der Verfolgung seiner Ziele half. Besonders wuchs die Macht Ratschkowskys in den letzten Jahren, als PobjedonoSzew, beherrscht vom Verfolgungswahnsinn, ganz unter den Einfluß Ratschkowskys und seiner Agenten geriet. Es hängt dies, glaube ich, enge zu- scmmen mit der häufigen Auffindung von Bomben in der Wohnung Pobjedonoszews. Seinen Rervenzustand wußten die Herren trefflich auszunützen, um ihn gründlich zu v e r ä n g st i g e n. Zu den seltsamsten Sonderbarkeiten, die trefflich das herrschende System charakterisieren, gehört es, daß nach dem Tode Plehlvcs folgende Tatsache festgestellt wurde: Es zeigte sich, daß von der einen Seite gegen Plehwe, von der anderen gegen Pobje- donoSzew ein geheimer Ueberwachungsdienst eingerichtet war, zu welchem Zwecke man den Kammerdiener bestochen hatte. Das ist der Ehrenmann Ratschkowsky, den der Ehrenmann Stclypin natürlich nicht preisgeben will.— Die Korruption. Petersburg, 9. Februar. Fürst Mechtschersky wurde wegen Unterschlagungen bei der Moskauer Polizei- Verwaltung verhaftet. Cilrhei. Wahrung der Parlamentsrechte. Konstantinopel. 8. Februar. In der Deputierten- kämm er teilte der Präsident den Eingang eines Schreibens des GroßwesirS mit, ,n dem dieser die Kammer von der Ernennung einer außerordentlichen Kommission zur Untersuchung der Miß- stände in Anatolien benachrichtigt mit dem Bemerken, daß der Sultan den darauf sich beziehenden Beschluß des Minister- ratS bereits genehmigt habe und die Kammer ersucht, die Derantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate vprantw,: durch die Kommission entstehenden Kosten zu bewilligen. Auf allen Seiten des Hauses� erhob sich lebhafter Wider- spruch gegen dieses Verfahren, da das Vorgehen des Großwcsirs verfassungswidrig sei. Es wurde beschlossen, dem Groß- Wesir zu antworten, er möge, bevor die Kammer die Kosten bewillige, die Gründe für die Ernennung der Kommission angeben und zugleich einen Gesetzentwurf über die der Kommission zu- fallenden Aufgaben zur Bewilligung vorlegen. Der Grotzwesir legte ferner Gesetzentwürfe betr. die Arbeitslosen und die Preßfreiheit vor. PevUcn. Furcht vor Intervention. Teheran, 9. Februar. In nationalen Kreisen herrscht große Befürchtung, daß die Verhandlungen in London und Petersburg zur Aufnahme einer Anleihe führen können, ehe die Verfassung eingeführt ist. Man hat das Gefühl, daß eine pekuniäre Unterstützung gerade jetzt höchst ungünstig wirken und den Kampf bis auf unabsehbare Zeit verlängern würde. Hfrifta. Die südafrikanische Verfassung. Bloemfontein, 9. Februar. Der Entwurf der südafri- ka nischen Verfassung ist jetzt veröffentlicht worden. Er sieht den Zusammenschluß der Kapkolonie, Transvaals, Natals und des Oranjestaats vor. Die Regierung besteht nach dem Entwurf aus einem Gcneralgouvcrneur, einem Senat und einer Gesetzgebenden Versammlung. Jede der Union beitretende Kolonie wird eine Provinz von ihr unter einem Administrator und einem Provinzialrat. Die Provinzen sollen im Senat gleichmäßig ver- treten sein. Dieser soll aus den Provinzialräten gewählt locrden. Die Gesetzgebende Versammlung wird voraussichtlich aus der erwachsenen europäischen Bevölkerung gebildet, wobei anfangs der Oranjestaat und Natal bevorzugt werden sollen. Grundsätzlich ist eine proportionale Vertretung angenommen. Die Mitglieder des Senats müssen Europäer sein. Als Amts- sprachen sollen englisch und holländisch, beide mit der gleichen Berechtigung, gelten, doch darf jetzt kein Beamter wegen Unkenntnis dieser Sprachen entlassen werden. Amerika. Die Japanerfrage. Washington, 8. Februar. Im Weißen Hause fand eine Konferenz über die japanische Frage statt. Präsident N o o s e v e l t besprach seinen weiteren Brief an den Sprecher der kalifornischen Gesetzgebenden Versammlung, in dem der Präsident abermals die Haltung der Bundesregierung sowie das Unkluge und Unzeitgemäße irgendwelcher Maßnahmen gegen die Japaner in» gegenwärtigen Augenblicke betont. GetverksckaMicke�. Gesicherte Existenz bis ins hohe Alter! Je schroffer sich im Wirtschaftsleben die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit geltend niachen, um so mehr verschwinden auch die letzten kümmerlichen Ueberreste des von heuchlerischen oder gefühlsduseligen Lippen so hoch- gepriesenen patriarchalischen Verhältnisses im Produktions- Prozeß. Der moderne Kapitalismus ist ein strenger, kalter Egoist, der sich den Teufel um Humanität und Billigkeits- rücksichten schert, sofern sie an seinen Geldsack greifen. Für den heutigen Unternehmer ist der Arbeiter eine Nummer; alle menschlichen Berührungspunkte sind aufgehoben. Per- sönliches Interesse verknüpft den Arbeitgeber mit dem Ar- beiter nicht. In größeren Betrieben lernt der erstere den letzteren überhaupt nicht kennen. Alle Anordnungen des Inhabers gehen durch Mittelspersonen auf das Arbeits- personal über. Ausnahmen kommen natürlich auch heute noch vor, allein sie bestätigen auch hier die Regel. Und wenn bürgerliche Mondscheinpolitiker diese Umwandlung dem ver- hetzenden Einfluß der Arbeiterführer zuschreiben und durch- aus wieder das patriarchalische Arbeitsverhältnis auf den heutigen Produktionsprozeß pfropfen möchten, so verkennen kennen sie die wirklichen Ursachen und zeigen, daß sie der neuzeitigen wirtschaftlichen Umwälzung fremd und ver- ständnislos gegenüberstehen. Der Klassenkampf ist keine künstlich erzeugte Erscheinung: er ist das notwendige Er- gebnis der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Wenn in früheren Zeiten unter beschränkten und einfachen Verhält- nissen Arbeitgeber und Arbeiter in besserem Ein- vernehmen standen, sich menschlich näher kämm als heute, so war das unter dm obwaltenden Umständen begreiflich. Heute ist das anders. Die Rücksichtnahme des Unternehmers geht nur so weit, als gesetzliche Bestimmungen es gebieten. Mit Bangen und Grauen blickt jeder Arbeiter seinem Alter entgegen. So lange er noch stark und gelenkig ist, kann er allenfalls durchweg beschäftigt und wenn er sich still und zu- frieden verhält, in einem und demselben Betriebe„alt und grau" werden. Sobald aber die ersten Anzeichen eintreten, daß der Körper morsch und verbraucht ist und er nicht mehr genügend Mehrwert erzeugen kann, hört das Interesse des Unter- nehmers für den betreffenden Arbeiter auf. Mag er 29 oder 39 oder noch mehr Jahre im Betriebe gewesen sein und seine Arbeitskraft geopfert haben, er wird bei der ersten besten Ge- legmheit ausgeschaltet. Und wenn bürgerliche Blätter von Zeit zu Zeit mit großem Tamtam verkünden, daß ein Ar- beiter in irgendeinem Betriebe da? 25jährige oder noch längere Arbcitsjubiläum feiert und schmetternde Freudenhymnen anstimmen auf die Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter in dem betreffenden Betriebe, so vergessen sie nur als Gegenstück die Hunderte von Fällen hinzuzufügen, in denen täglich alte, treue Arbeiter nach 29- und 39jähriger Tätigkeit erbarmungslos auss Pflaster fliegen. Wer im Erwerbsleben steht, wundert sich schon gar nicht mehr darüber. Hier wollen wir aber auf ein äußerst krasses Beispiel hin- weisen, das unsere Ausführungen trefflich illustriert. Eine bekannte Berliner Firma, die eS neben einem großen geschäftlichen Aufschwung auch bis zum Hof- lieferanten gebracht hat, scheint ein Musterexemplar kapitalistischer Rücksichtslosigkeit zu sein. Dieses Geschäft, das durch den Fleiß seiner ziemlich jänimerlich entlohnten Arbeitskräfte groß und reich geworden ist, ging vor Jahren vom Vater auf den Sohn über. Dem verstorbenen alten Herrn haben die Arbeiter des Betriebes bis heute ein gutes Andenken bewahrt. Er soll ein humaner, menschlich fühlender Mann gewesen sein. Sein Sohn dagegen steht in striktem Gegensatz zu jenem. Alte, gebrechliche Arbeiter, die schon zu seines Vaters Lebzeiten bei schwerer und nebenbei gesagt ungesunder Arbeit ihre Kraft und Gesundheit geopfert haben, sucht er auf die schofelste Art los zu werden. Der Vater pflegte seinen alten Arbeitern zu sagen:„So lange sie krabbeln können, sollen Sie bei mir Arbeit haben, und wenn Sie verbraucht sind, erhalten Sie einen Pcnsionszuschuß." Und so soll es auch gewesen sein. Ter junge Herr hat damit Zh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstatt grüiidllch aufgeräuni?. Mit Bezug hierauf pflegt er ztt jagen:„Was in ein V a�e r versprochen hat, geht mich nichts an. Sie haben gearbeitet und dafür Ihren Lohn erhalten, das weitere kümmert mich nicht!" Einem alten Ar- beiter, der 3 9 I a h r e im Betriebe tätig ist und nun nicht mehr so flott bei der Arbeit wegkommt, rief er im Hofe vor allen anderen zu:„Machen Sie, daß Sie weg» kommen aus ni einen Augen, ich will Sie n i ch t m e h r s e h e n!" So werden alte Arbeiterveteranen behandelt. Mögen alle jene Arbeiter, die auf eine Lebensstelle bauen und aus diesem Grunde der Gewerkschaft fernbleiben, wo- möglich ihren Brüdern in den Rücken fallen, die nötigen Lehren aus dem Mitgeteilten ziehen. Die beste Bürgschaft für eine menschenwürdige Existenz, für eine bessere Zukunft ist eine starke, einheitliche Arbeiterbewegung, der sich an- zuschließen für jeden Arbeiter eine unerläßliche Pflicht sein muß._ Berlin und Omgegend. Tie Stukkateure und die Erwerbslosenuuterstlltzung. Der Zentralverband der Stukkateure, Filiale Berlin, hielt am Montag eine Mitgliederversammlung ab, die sich mit dem bevor- stehenden Vcrbandstage befaßte. Tie Diskussion drehte sich fast nur um die Ertverbslosenunterstützung. Von den Gegnern dieser Einrichtung wurde betont, daß die Krise der ungünstigste Zeitpunkt für die Einführung einer Unterstützungseinrichtung sei, die. wie die vorliegende, eine bedeutende Erhöhung des Beitrages bedinge. Auch seien die Erfahrungen airderer Organisationen nicht gerade ermutigend. Dem wurde entgegengehalten, daß der Arbeiter auf sich selbst angewiesen sei und es eine Pflicht der Solidarität wäre, dem Arbeitslosen zu helfen, von dem man nach langer Not und Entbehrung doch die Einhaltung der geltenden Lohn- und Arbeits» bedingungen verlange. Das Resultat der eingehenden Debatte war folgender Antrag, dem die übergroße Mehrheit der Versamuicl- ten zustimmte:„Die Filiale Berlin beauftragt ihre Delegierten, für die Erwerbsloscnunterstützung einzutreten, wie sie vom Ver- bandstag zu Nürnberg beschlossen wurde." Die Versammlung lehnte es ab, den Delegierten ein gebundenes Mandat zu geben. Zu Delegierten wurden vorgeschlagen: Giebler. Radtke, Scheck, Claus, Hanke, Ditclius und Zühlsdorf. Die Wahl findet in der nächsten Versammlung am 14. d. Di. statt. Die Sperre der Firma Hauer ix. Langhut wurde aufgehoben und dem genraßregelten Kollegen der Weiterbczug der Unterstützung zu» gesprochen. In die Bauarbeitcrschutzkommission wurde WengclS gewählt. Wiederholt wurde daraus hingewiesen, daß über die wichtigste Frage: Kündigung des Tarifes oder nicht? in den Zahl. stellenbesprechungen am Donnerstag beraten werden soll. Der endgültige Beschlutz fällt in der Versammlung am 14. d. M., mittags 12 Uhr, bei Meier, Sebastianstr. 39. Oeuvkckes Reich. Vorn Bergarbeitervcrbaui». In der neuesten Nummer der„Bergarbciterzeitung" wird die diesjährige Generalversammlung des Bergarbeiterverbandes auf den 16. Mai und folgende Tage nach Eisenach einberufen. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Referat über die Möglichkeit und den Wert von Tarifverträgen im Bergbau.— In derselben Nummer der..Bergarbeiterzeitung" wird der Kassenbericht veröffentlicht. Einnahmen und Ausgaben bilanzieren für das nur 11 Monate- Geschäftsjahr mit rund 2 Millionen Mark, davon entfallen auf di« Einnahmen: 1792 669 M. auf Beiträge und 16 666 M. auf Ein- trittsgelder; auf die Ausgaben(in runden Summen): 74 666 M. für Sterbegelder, 32 666 M. für Gemaßregelte, 46 666 M. für Streikgrlder, 18 666 M. für Arbeitslose, 76 666 M. für Reckstsschutz und 254 666 M. für Krankenunlerstützung. Das Vermögen wuchs in der Berichtszeit um über 816 666 M. und betrug, am Schlusso des Berichtsjahres, insgesamt 2 335 627,64 M. Hueland Zur Aussperrung in der Wiener Holzindustrie. Die Aussperrung der Wiener Tischlcrgehilfen ist zur Tat- fache geworden. Entlassen sind jedoch nicht 8666, sondern nur 4666 Gehilfen, die in etwa 466 Betrieben beschäftigt waren. Die Arbeiter erhielten nach Arbeitsschluß, der am Nachmittag erfolgte, ibrc Löhne ausgezahlt, und es wurde dabei bekanntgegeben, daß sie nicht mehr zur Arbeit zu kommen/ haben. Die Ursache der Aussperrung lag darin, daß bezüglich der Minimallöhne und hinsichtlich der Kompensation des Fünfuhr- arbeitsschlusses keine Einigung erzielt werden konnte. Von der Organisation der Arbeiter wurde der Standpunkt vertreten, daß die Frage des Arbeitsschlusses erst dann zu beraten sei, wenn eine Einigung bezüglich der Mindestlöhne von 46, 48 und 53 Heller für die Stunde erfolgt sein werde. Die Vereinigung der Tischlermeister nahm dagegen den Standpunkt ein, daß zunächst ein Vertrags- abfchluß über den Arbeitsschluß föV* Uhr abends) zustande komme» müsse, und daß dann eine Erhöhung der Mindeststundenlöhne von 46, 41 und 47 Heller konzediert werde. Eine Versammlung der Arbeitnehmer beschloß, vorläufig zur Aussperrung eine abwartende Stellung einzunehmen. Von andc- rer Seite wird berichtet, daß bisher nur 966 Gehilfen bei 70 Meistern ausgesperrt worden sind. Streik der Schornsteinfeger in Wien. Ein schon seit geraumer Zeit drohender Ausstand der Wiener Rauchfangkehrer ist zur Tatsache geworden. In einer nachts ab. gehaltenen Vollversammlung der Rauchfangkehrergchilfcn wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, vom Montag ab die Arbeit cinzw» stellen. Die Gehilfenschaft klagt über schlechte Entlohnung sowie über die Außerachtlassung der vom Wiener Magistrat erlassenen Kehr- ordnung. An die Meister und den Magistrat haben die Gehilsen entsprechende Forderungen gestellt. Sie verlangen in der Haupt« fache: Einführung eines Wochenlohnes von 56 Kronen, zehnstündige Arbeitszeit mit zweistündiger Pause; jede Ueberstunde 1 Krone 26 Heller; Sonntagsarbeit die erste Stunde 4 Kronen, jede weitere Stunde 2 Kronen; ferner einen entsprechenden Waschraum mit unentgeltlicher Beleuchtung und Heizung, sowie abgesonderte Schlaf. räume für G>ehilfen, die bei den Meistern wohnen und für jeden Gehilfen ein Bett._ Versammlungen. Jugenderziehung und Jugendorganisation lautete das Thema. über das Gen. tzeinr. S ch n l z in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvcreins in Steglitz referierte. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage schloß sich eine rege Diskussion an. ES wurde beschlossen, das Thema im Zahlobend zur Diskussion zu stellen und nach geeigneten Personen für einen später zu wählenden BildungsauSschuß Umschau zu halten. Als Delegierte zur KreiS- generalversammlung wurde» die Genossen Spindler. Tinat und Aßmann gewählt. Zum Schluß wurden die Genossen ersucht, sich für die am 12. Februar stattfindende ArveitSlosenzählung zur Ver- sügung zu stellen.___ Letzte J�achnchten und Dcpcfchcn. „StaatSgefakirliche" Wahlen. Frankfurt a. M., 9. Februar.(Privatdepcsche deS„Vor- wärtS.) Das hiesige Stadtparlameut wählte zum erstenmal je eine» Sozialdemokraten in die Schuldeputatiou und daS Schnlkuratorium._ SaülSingcr Lc Co., Verlin L W. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhaltungsbl. Ar. 34. 26. Jahrgang. filüjt des Dmiirls" Jltrüiift Idbilitt.>>»..» 1»«»°» Reichstag* 202. Sitzung vom Dienstag, den 9. Februar, nachmittags 2 Uhr. Ain BundeSratStifche: v. Bethman 11--Hollweg. Eingegangen ist der Entwurf einer Fernsprechgebühren- 0 r d n u n g und eine Novelle zum B a n l g e s e tz. Die zweite Lesung des Etats für das Reichsamt des Innern wird fortgesetzt. Abg. Hug(Z.) empfiehlt die Schiffbarmachung des Oberrheins; seine Ausführungen sind im einzelnen nicht zu verstehen. Abg. v. Brockhauscn fkous.) jammert darüber, daß alle Parteien, außer den konservativen, beim Etat zu lange Reden � hallen und zu viel Resolutionen einbringen; nur die Konservativen huldigen dem Grundsatz:.In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister".(Lachen links.) Bei der Reform der Versicherungsgesetzgebung möge der Staatssekretär sein Augenmerk darauf richten, daß die in genossenschaftlichen Lagern und Spcichcrei- betrieben beschäftigten Arbeiter jetzt nicht versicherungspflichtig sind, wcH diese Betriebe ins Genossenschaftsregister, nicht ins Handels- rcgister eingetragen sind. Auch diese Arbeiter sollten des Segens der Versicherungsgesetzgebung teilhastig werden. Der Redner tvidmet dann Adolf Slöcker einen Nachruf, besten Tätigkeit den Arbeitern mehr zum Segen gereicht habe als das ganze Gebaren der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie sollte ihre großen Mittel zur Verbesserung der städtischen Wohnuilgs- Verhältnisse auswenden, deren Jämmerlichkeit ja auch der sozial- demokratische Abgeordnete Dr. Südekum geschildert hat; weiter sollte sie den Spürsinn der Bevölkerung anregen. Glücklicherweise spare naincntlich die ländliche Arbeiterbevölkerung, der eS, wie man schon daraus sehe, keineswegs so schlecht gehe, wie von sozialdemokratischer Seite behauptet wird. Besonders das landwirtschaftliche Genossen- schaftswescn hat durch Anregung des Sparsinns eine große Volks- wirtschaftliche Bedeutung.— Redner wendet sich dann der frei- sinnigen Resolution zu, welche ein Reichstheatergesetz verlangt, um die BühnenvertragSregeln und die öffentlichen Rechtsverhältnisse zu reformieren. Eine Reform der öffentlichen Rechtsverhältnisse hält Redner für überflüssig, da die Bestimmungen über das Konzessions- Wesen und die Zensur ausreichen; auch werden sie vom Berliner Polizeipräsidenten in zufriedenstellender Weise gehandhabt. Man solle statt der freisinnigen eine von ihm vorgeschlagene Resolution annehmen, die den Reichskanzler um Erhebungen darüber ersucht: welche Mißstände im Theaterwesen bestehen. Dabei müßte man auch die Vorbildung und— Religion der Theaterunternehmer und Schauspieler feststellen; wahrscheinlich würde man sehr viele Inden darunter sinden.(Sehr richtig I rechts.) Der Abg. Dr. Adolf Äcumann-Hofer, dcsten Kunstverständnis ich sehr schätze, kann hierbei werlvolle Dienste leisten. Der Herr kann überhaupt viel, er kann vor der Wahl anders sprechen als nach der Wahl. Schade, daß er jetzt nicht hier ist.(Abg. Dr. Neumanu-Hofer betritt den Saal.) Aha l da ist er ja l(Große Heiterkeit.— Dr. Neumann-Hofer kommt eilig nach vorn und stellt sich der Rednertribüne gegenüber auf.) Also Dr. Neumaitn-Hofer hat vor seiner Wahl in Lippe gesagt, er werde, sobald er Abgeordneter sei, die kommunale Doppel- besteucrung beseitigen. Als aber am 23. Januar hier der Gesetz- cuiwurf betreffend die Doppelbesteuerung beraten wurde, sagte er: Wollte mait auch die kommunale Doppelbesteuerung durch dieses Gesetz bcseiligeu, so würde man den ganzen Entwurf gefährden. In der.Lippeschen Landeszeitung" schrieb Herr Dr. Neumann-Hofer, durch Verweisung des Entwurfs über Doppelbesteuerung wollten Herr Brockhausen und seine Freunde ihm ein Begräbnis bereiten. Wie kommen Sie dazu, mir so etwas zu unterschieben? Dafür fehlt mir der parlamentarische Ausdruck.(Sehr richtig I rechts.) Abg. Dr. Arniug(natl.): Die Ausdehnung der VersicherungS- Pflicht auf Gesinde, land- und forstwirtschaftliche Arbeiter,� Heim- gewerbetreibende und unständige Arbeiter findet meinen Beifall; sie geschieht aber auf Koste» der Aerzte. Während für die Arbeiter aller Betriebe die Löhne und die Lebenshaltung erheblich gestiegen sind, ist bei den Aerztcn das Gegenteil der Fall gewesen. Jetzt endlich haben die Aerzte sich dagegen zusammengeschlossen. Der Vorwurf des Staatssekretärs gegen die Kölner Aerzte. sie zeigten einen Mangel an sozialer Gesinnung, ist ungerecht; die Aerzte sind vielmehr geradezu die Träger der ganzen sozialen Gesetzgebung. (Bravo I bei den Freisinnigen.) kleines feuilleton. Bei Pore bunette. Aus Paris wird der Wiener„Neuen Freien Presse" geschrieben: Eines der berüchtigsten Kabaretts des Quartier Latin, eine Hauptnummer der famol'en Amusierreisen der Großfürsten, ist unlängst den Demolierungsarbeiten zum Opfer ge- fallen. Man weiß, daß die russischen Großfürsten Sergei uud Wladimir unter Führung des Polizeichefs Goron diese Pariser Mode zuerst aufbrachten und in dem Aufsuchen der Elendstätten der Seinestadt einen neuen Nervenkitzel suchten. Ihr Beispiel, von ungezählten SnobS nachgeahmt, wurde zu einer neuen Einnahmequelle für diese Spelunken. Die Stammlokale der Apachen und ihrer Genossinnen wurden bald ebenso populär wie einstmals der Rai mndils oder die Feste der„Glnmds Chaumiero". Man ergötzte sich an dem rüden, oft im höchsten Grade obszönen Anblick dieser Nachtasyle und klatschte den Barden, die daselbst die unflätigsten Chansons verzapften. frenetischen Beifall, durchaus sicher vor jeder ungebührlichen Be- lästigung, da man sich von einem halben Dutzend verkleideter Ge- Heinipolizisten begleiten ließ und außerdem zum Führer irgendeinen der Klienten dieser Lokale aufnahm, der sich für die Sicherheit seiner Schützlinge verbürgte. Gewöhnlich landete man da zum Schlüsse nach den Exkursionen im Hallenviertel bei Lunette", um dann noch eine rapide Tour im Quartier Latin selbst zu machen. Unter all diesen mehr als zweifelhaften Lokalen nun gab es wohl keines, das einen so tristen und kuriosen Eindruck gemacht hätte, wie„?ers Lunette11, diese Berühmtheit der Place Maubert. Eine schmale enge Boutique, außen rot getüncht, mit einer enormen Brille als Schild; an dem verwahrlosten Kontor vorbei gelangte man in einen sehr rauchigen Saal, von einigen spärlichen Gas- flammen erhellt und bis zum Morgengrauen gesteckt voll von den Stammgästen, verkommenen Artisten, Poeten uud Malern, daneben der Abschr am des TrottoirS des QuortierS Monge und der Gobelins, unheimliche, zerlum?»e Gestalten, Männer und Weiber. Das merk- würdigste waren die Malereien der Wände und des Plafonds, von erschreckendstem Naturalismus, die der Cicerone des Lokals gegen ein Trinkgeld von öv Centimes in Versen von gröbster An- schaulichkeit erklärte. Die Mittelgruppe dieses Höllenbreughcls nahm die VenuS de la Maubert ein, die Hetäre Amelie. auf einem Haifisch thronend, und vor ihr ein Riescnhering. mit seinen Flossen eine Waschschüssel haltend, damit die Schöne ihre Toilette beenden könne. Die erklärenden Verse entsprachen in ihrem un- verfälschten Lokalkolorit ganz diesen brutalen Phantasien, deren Schöpser einst mit talentvollen Bildern im„Salon" debütiert hatte. Ungeachtet dieses abschreckenden Interieurs konnte man da last jeden Abend unter den gewöhnlichen Gästen sehr viele„feine" Damen und Herren sehen, die eS nicht verschmähten, in dieser atem- beklemmenden Atmosphäre stundenlang zu verharren und einigen vulgären Brettlsängern zu lauschen, entarteten Jüngern von VUlon, deren Lieder einen Gardisten zum Erröten ge- bracht hätten. Aber diese Klientel suchte ja vor allem Staatssekretär v. Bethmann-Hollwcg: Die Bemerkungen, die ich über Mißbrauch des ärztlichen KoalitionSrechtS gemacht habe, waren allgemein gehalten und konnten nur allgemein sein, weil ich über die Kölner Vorgänge nicht authentisch informiert bin. Ich habe ein reichliches Material darüber— ich stelle es Herrn Dr. Arning gern zur Verfiigung—, daß die ärztlichen Organisationen die schärfsten Mittel,' namentlich Androhung mit ehrengerichtlichem Ver- fahren, angewandt haben, um widerstrebende Kollegen zu zwingen, sich den Beschlüssen der Organisationen zu fügen. Dr. Arning meinte: Die Aerzte haben das Koalitionsrecht, also können sie beliebigen Gebranch davon machen. Das scheint mir nicht ganz zutreffend. Der ärztliche Beruf ist ein liberaler Beruf; er ist mit gutem Bedacht nicht der Gewerbeordnung unterstellt ivorden. Ideale Momente dürfen von den Aerzten nicht gegenüber rein Wirt schaftlichen vernachlässigt werden. Ich weiß, daß die Versichernngsgesetzgebung bedeutsam und nicht immer vorteilhaft in die Lebenshaltung der Aerzte eingegriffen hat. Ich habe daher Aerzte zu den Vorberatungcn über die neue Versichcrungsordnung herangezogen und ihre Vorschläge in einer Weise berücksichtigt, die den vollen Beifall des Abg. Dr. Mugdan ge- funden hat. Ueber die Verhältnisse der reinen und gemischten Walzwerke ist hier ebenfalls gesprochen worden. Der in den Resolutionen vor- geschlagene Weg, der zu einer Aushebung der Eisenzölle führt, icheint mir nicht geeignet, der Notlage der reinen Walzwerke abzu- helfen. Aber schon mit Rücksicht auf die dort beschäftigte Arbeiter Ichaft muß man der bedrängten Industrie zu Hilfe kommen, und ich bin deshalb mit dem preußischen Handelsminister in Verbindung getreten. Die in der Resolution Slockmann verlangte Denkschrift über die Lage der reinen Walzwerke will ich gern veranlassen und Ihnen vorlegen- ich bemerke aber, daß, als der Hnndclsminister und ich in Düffcldorf waren, wir in der Konferenz mit den beteiligten Industriellen Mitteilungen vertraulicher Art erhalte» haben, die ich Ihnen natürlich auch in der Denkschrift nicht mitteilen kann. Herrn Brockhausen bemerke ich, daß die von ihm gewünschte Ver- sicherung der in Genossenschaftsbetrieben beschäftigten Arbeiter ins Auge gefaßt ist. Herr Hug hat von der Schiffbarmachung des OberrheinS ge- sprachen. Hierfür interessieren sich die Schweis und Baden seit langem. Wie aber die Einführung von Schiffahrtsabgaben die Schiffbarmachung hindern soll, verstehe ich nicht.(Sehr richtig! rechts.) Auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Pachnicke möchte ich erwidern, daß wir den Bund deutscher Arbeitsnachweise vom nächsten Etatsjahre an auS dispositiven Mitteln des Reiches unter- stützen werden, im übrigen auf diesem Gebiete die Privat» der Staatsinitiative vorziehen.(Beifall.) Abg. Horn(Soz.): Der ärztliche Berus soll ein idealer sein; er wird vielfach aber keineswegs so aufgefaßt. Das zeigt ja auch die Bekanntmachung de« Aerztevereinsbundes: die Krankenkassenmitgliedcr und ihre Familienmitglieder, wofern die Kassen nicht das System der freien Arztwahl habe» vom 1. Februar ob nicht mehr zu behandeln. Die allgemeine Empörung, die sich in den Krankenkassen gegen diese Erklärung erhob, hat eine zweite abschwächende Erklärung zur Folge gehabt: daß in Fällen dringender Gefahr Behandlung eintreten solle. Das ganze Verhalten der Aerzteschaft, die der Staatssekretär soeben einen„liberalen Berus" genannt hat, spricht nicht gerade von Liberalität.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Mugdan tat neulich so, als ob mein Freund Hoch weg- werfend über die deutsche Sozialpolitik gesprochen habe. Hoch ist das nicht eingefallen. Er hat unter Beibringung erdrückenden Materials auf große Lücken in der Sozialreform hingewieseil. Welche Hoffnungen wurden doch an die„Aera der Sozialreform" geknüpft! Aber wie wenig von den Hoffnungen ist Wahrheit ge- worden I Wie weit sind wir doch entfernt von jenem aus kaiserlichem Munde verkündeten Jdealzustande, daß in Deutschland jeder Arbeiter ohne materielle Sorgen seinen Lebensabend genießen solle!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man sollte denken, daß unser Antrag zugunsten der GlaShüttcnarbeiter namentlich von allen ärzt- lichen Mitgliedern dieses Hauses begrüßt und unterstützt werden müßte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die hygienische» Mißstände in den Glashütten sind eine schwere Gefahr für Leben und Gesundheit der in ihnen be- schäftigten Arbeiter. Wenn Herr Mugdan sich mit den einschlägigen Verhältnissen näher beschäftigen würde, so müßte er uns recht geben. starke Emotionen, und man könnte sicher sein, daß alle die seiden- rauschenden Damen, wenn sie das Lokal verließen und ihr Auto herbeiwinkten, den begleitenden Kavalieren verzückt anvertrauten: „C'est exquis!" So haben menschliches Elend und Laster in dieser besten der Welten neben den alten Alifgaben, die ihnen Malthns anwies(die zu große Zunahme der Bevölkerung zu mindern) noch eine neue ge- funden. Der durch alle Lüste gehetzte Reichtum findet hier noch eine neue Quelle des Amüsements. Eine Ordensstatistik. Am Tage nach dem großen Ordenregen, der alljährlich am Ordensfeste niedergeht, wurde im UnterhaltungS- blatt die Narrheit der Rang- und Ordensspielerei behandelt. An dem lustigen Bilde fehlte nur eins: die Statistik. Wieviele Mit- bürger erfreuen sich eines solennen Piepmatzes, eines gediegenen deutschen oder eines exotischen, den man für bareö Geld jederzeit in großer Auswahl erstehen'kann? Diese Lücke unseres Wissens füllt in dankenswerter Weise der Kirchenrechtslehrer Dr. v. Schulte in seinen Lebenserinnerungen aus. Im dritten Bande, der eben im Verlage von E. Roth in Gießen erschienen ist, werden in einem Abschnitt über die„Nationalsilndcn" Orden, Rang und Titel be- handelt. Da erfährt man denn folgendes: In Deutschland haben, wie sich aus den Hof- und Staats- Handbüchern und den Amtsblättern feststellen läßt, ohne die mili- tärischen Abzeichen aller Art(Eisernes Kreuz, Vcrdicnstkreuz usw.) und ohne den Johanniter« und Malteserorden und ohne nicht- deutsche Orden gegenwärtig über 50 000 einzelne Deutsche einen von einem deutschen Landesherrn(Regenten) verliehenen Orden, über 12 000 einzelne andere Deutsche ein nichtmilitärisches Ehren- zeichen, die Rettungsmedaillen nicht gerechnet. ES gibt rund elf Millionen Deutsche über 25 Jahre, es kommt also ein Orden auf 220, eine Dekoration auf 150. Da aber Orden an Arbeiter, Dienstboten, kleine Handwerker und dergleichen, llnterbeamte nicht verliehen zu werden pflegen, bleiben nicht über zwei Millionen deutsche Männer übrig. eS kommt also ein Orden auf je 40 Männer. Wir haben für jeden OrdcnSbesitzer nur einen in Ansatz gebracht, würde man jeden Orden zählen, so käme eine weit höhere Zahl heraus.— Titel, die nicht AmtStitcl find(zum Beispiel Kommcrzicnrat, SauitätSrat), und Rangerhöhungen haben in Deutsch- land mindestens 3000 Beamte, mindestens 2000 N'ichtbeamte sind durch einen solchen geziert. �.... Rechnet man die ausländischen Orden dazu, wofür offenbar die statistischen Unterlagen fehlen, so dürfte der nationale Reichtum an Ausgezeichneten noch viel höher wachsen. Bürgerstolz und ähnliche antiqmcrte Tugenden stehen in, umgekehrten Verhältnisse dazu. Theater. Der I b s e n- Z Y k l u S des Lessing-TheaterS bringt alle Woche zwei Dramen in sorgfältig durchgearbeiteten, mustcr- gültigen Ausführungen. Darstellung und Regie feiern ihre wohl- verdienten Triumphe. Die Vergleichung der einzelnen in rascher Folge einander ablösenden Dramen gibt dem Zuschauer tiefe (Sehr wahr! bei den Soz.) Nun sind die Freisinnigen allerdings, wie gestern selbst Herr Naumann ausführte, prinzipiell gegen gesetz- liche Regelung der Arbeitszeit erwachsener Arbeiter. Die Arbeiter wurde» auf den Weg der S c l b st h i l f e, auf Benutzung des KoalitionSrechtS verwiesen. Aber wie steht es denn mit dem Koalitionsrecht in diesen Betrieben? Ich habe hier urkundliche Belege über die Act und Weise, wie selbst die sogenannten „ruhigen", weder politisch noch gewerkschaftlich. übe r- Haupt nicht organisierten Arbeiter in der Glasindustrie behandelt werden, wenn sie es loagen, niit Forderungen an die Unternehmer heranzutreten, mögen die Forderungen auch noch so bescheiden sein: Die geheime Feme der Aechtnngcn blüht auch in der Glashüttenindustrie. Die schwarzen Listen werden durch heimtückische Kenntlichmachung der Entlasiungsscheine ersetzt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte Sie dringend, Herr Staatssekretär, ans diese gesetzwidrige Verhöhnung klarer Be- stimmnngen der Gcwerbeordmmg ein Auge zu haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Glashüttenarbeiter, die sich irgend- wie mißliebig gemacht haben, tragen in Gestalt ihres Abkehrscheincs den existenzv'ermchtenden Uriasbricf in der Tasche.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Meine Fraktion hat dieselbe Resolution wie im vorigen Jahre wieder eingebracht, weil damals der Punkt 3, welcher die acht- stündige Arbeitszeit verlangt, abgelehnt wurde, und zwar vom Zentrum aus Gründen, die mir nicht ganz klar sind. Das Zentrum gab an, der Achtslundentag sei in Glashütten nicht durchführbar. Jetzt kann dieser Grund doch gewiß nicht angeführt werden, jetzt, wo viele Betriebe sogar ganz stillgelegt werden müssen. DaS Zentrum hat einen AbänderungsaMrag zu unserer Resolution ein- gebracht, der sie erheblich verwässert: es beantragt, für die Arbeiter in der Glasindustrie die Arbeitszeit den Ver- hälmiffen entsprechend zu regeln und die Nacht- und SonntagSarbeit tunlichst einzuschränken. DaS beantragt dasselbe Zentrum, daS sonst für Sonntagsruhe eintritt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie schädlich die Verhältnisse in den Glashütten in gesundheitlicher Beziehung sind, zeigen auch eine Reihe von Anordnungen der Gcwerbeaufsichtsbcamten. Geradezu ver- heercnd sind unter den Arbeitern der Glasindustrie Lungen- schwindsucht, Mundfäule und andere Krankheiten des MundeS ver« breitet. Ferner würde die Einschränkung der Arbeitszeit auch dem un- lauteren Wettbelvcrb der Unternehmer, welche die ArbettSzeit un- gemessen auszudehnen versuchen, ein Ende machen. Absolut not- wendig ist namentlich auch der � Schutz der jugendlichen Arbeiter im Alter von 14—10 Jahren, deren Verwendung beständig zunimmt. Wir verlangen sodann, daß an Glas- und Strecköfen, bei denen Schichtwechsel eingeführt ist, die erste Schicht nicht vor 4 Uhr morgens, die zweite nicht nach 10 Uhr abends beginnen darf. Die Verhältnisse rechtfertigen unsere Anträge vollkommen. Statt dessen sind eine Reihe von Ausnahmebestimmungen zugunsten der Unternehmer vorhanden, wahre Liebesgaben für ihre Profit- gier.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) WaS an kleinen Aufbesserungen in der Glasindustrie in den letzten Jahren erreicht worden ist, das wird nicht dem guten Willen der Unternehmer verdankt, von dem Herr v. Liebert soviel zu erzählen weiß, sondern der Unermüdlichkeit der Or- ganisation und eventuell auch einigen verdienstvollen Gewerbe- inspekloren. Die schweren Anklagen, die ich hier oftmals im Namen der Glasarbeiter erhoben habe, sind angeblich widerlegt worden in einer Rede, die Herr v. Liebert hier— nicht gehalten hat,(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) aber doch hat halten wollen und die in 20000 Exemplaren an die Fabrikanten als Flugblatt verbreitet worden ist. In dem Flugblatt soll den Glasarbeitern beigebracht werden, wie herrlich sie es in Deutschland haben. Es wird behauptet, daß die Glasarbeiter es bis zu— 4000 M. Jahrcslohn bringen! (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) In Wahrheit beträgt der Durchschnitts-JahrcSlohn dcS deutschen Glasarbeiters 908 M. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das konnte Herr v. Liebert, wenn er nur wollte, ans amtlichen Quellen ersehen. Es ist geradezu unglaublich, daß sich ein Reichstags- abgeordneter, dem das amtliche statistische Material zur Verfügung steht. zu solchen Behauptungen versteigt I(Lebhaftes Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Aber das nennt sich „objektive Reichsverbanosmethode".(Lebhaftes Sehr richtig! bei Einblicke in Ibsens Schaffen und Entwickelungsgang. Die wechselnden Ausgaben, die den einzelnen Schauspieler bald in dieser bald in jener Verkörperung Jbsem'cher Gestalten zeigen, lassen seine Art und Fähigkeit rund und plastisch hervortreten. Mancher dieser problematischen Charaktere liegen ihm, andere weniger. Die Ver- Wandlungsfähigkeit des Schauspielers wird ja meist unterschätzt. Und wenn wir in verschiedenartigsten BassermannS Gestaltungen verwandte Züge entdecken, führt uns das vielleicht dazu, auch an Ibsens Charakterisierungen nach tieferen Verwandt- schaften zu spüren. Ueber dem allem steht freilich der unmittelbare Genuß, den auch die einzelne Auffllhmng gewährt. Wir sahen am Montag die„Wildente". Basser- m a 11 n S Künstler der LebenSlüge(Hjalmar Ekdal), S a u e r S glühender ideologischer Narr(Grcgers Werle), vor allem Frau Lehmanns auch im kleinsten levensvolles uud echtes Haustier Gina und M a r r S Zyniker Relling waren unvergleichliche Beispiele vollendeter Menschengestaltung.■— r. Humor und Satire. Zentrum und Konservative. Ihr habt Euch wieder! Nach zwei bittern Jahren Sinkt ihr euch in die Arme voller Rührung, Sagt euch, wie schrecklich diese Tage waren, Da euch getrennt die lockende Verführung. Aus eineni bösen Rausch erwacht ihr nüchtern, Und eure Augen, die sich fromm verdrehen und ineinander tauchen, fragen schüchtern: Wie konnten wir einander nicht verstehen? Was konnte töricht Pfaff' und Mucker scheiden? Demi welchen Schaden— laßt euch offen sagen Muß daS Geschäft der Frömmigkeit erleiden, Wenn Himmelbudiker sich nicht vertragen! Jetzt werden edle Junker wohl enthüllen, Weß böse Reden sie so sehr verhetzten, Daß sie, statt ihre Taschen anzufüllen, Zwei Jahre lang vom Vaterlaude schwätzten. Wie eS sie reut, das soll nun Büloio spüren; Fast könnte dieses Schauspiel unö ergreifen Wenn ihn die Junker zuni Altare führen. Indes die Pfaffen ihre Messer schleifen. Pctcr Schlemihl im„SimplicissimuS". Notizen. — Gartenbau-Aus st eilung. Der Verein zur Be- fördenmg des Gartenbaues veranstaltet vom 2. bis 13. April in den Ausstellungöhallen am Zoologischen Garten eine internationale Gartenbau-Ausstellimg. Holland und Frankreich werden durch eine Sonderausstellung vertreten sein. den Gozialdemokraten.) Herr v. Lievert hat in der nicht gehaltenen, aber als Flugblatt verbreiteten Rede, um es gelinde zu sagen, eine Fälschung begangen. sZustimmung bei den Sozialdcmolraten, Unruhe rechts, Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Stolbcrg: Herr Abgeordneter, Sie dilrfen einem Mitglied dieses Hauses nicht Fälschungen verwerfen. Ich rufe Sic zur Ordnung I sBravo I rcchtö.) Abg. Horn sfortfahrend): In dem Flugblatt sind die schiversten Vorwürfe gegen mich und gegen meine gewerkschaftliche Organi- sation erhoben worden. Die Vorwürfe sind begründet auf Be« Häuptlingen, die sich als Unwahrheiten erweisen— ob als bewußte Unwahrheiten, will ich nicht behaupten. sHeiterleit bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts, Glocke deS Präsidenten.) Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie dürfen einem Kollegen nicht Unwahrheiten vorwerfen I sSehr richtig! rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Horn(fortfahrend): Hier habe ich das Flugblatt, das den Namen des Herrn-v. Liebert als Verfasser trägt und daS die Un« Wahrheiten enthält, von denen ich hier gesprochen habe.(Lebhaftes Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Man wird doch noch das Recht haben, hier auf Angriffe antworten. zu dürfen.(Erneutes Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Glocke deS Präsidenten.) Präsident Graf Stolberg: Ich habe Ihnen den weitesten Spiel- räum gelassen.(Sehr wahr! rechts.) Wir sind hier aber doch beim Etat des Innern.(Abg. Hue ruft: Eben dazu spricht doch der Redner I Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte Sie, eine Rede zum Etat des Innern nicht zu persönlichen Angriffen auf den Abg. v. Liebert zu benutzen.(Lebhafter Beifall rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Horn(fortfahrend): Die Lage der Glasarbeiter gehört zur Sozialpolitik, und die Sozialpolttik zum Etat des ReichSainls des Innern.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Und da Herr v. Liebert meine Ausführungen über die Lage der Glasarbeiter angegrissen hat. so niußle, konnte und durfte ich hier auf diese An- lvürfe antworten I Das Recht werde ich mir nicht nehmen lassen I (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kacnipf(frs. Vp.): Eine Folgeerscheinung unserer Zollpoliti! ist auch der Kampf der mittleren und lleineren Walzwerke gegen die im Stahlwerksverbande kartellierten großen gemischten Werke. Wir werden die Resolution auf Zollerleichterungen für die Walz- werke bei der Einführung von Rohmaterial behufs der Auslands- Produktion unterstützen. Allzuviel versprechen wir uns aber von dieser halben Maßregel nicht. Durch die Verteuerung der Lebensmittel, ivelche die Zollpolitik hervorgerufen hat, ist ein all- gemeiner wirtschaftlicher Stückgang in Deutschland veranlaßt. Jetzt spricht man davon, den Kaffeezoll zu erhöhen, als ob wir keine Rücksicht auf unseren Export nach Brasilien, von wo wir unseren Kaffes beziehen, zu nehmen hätten.(Zustimmung bei den Frei- finnigen.) Durch unsere Zollpolitik treiben wir England, das unsere Konkurrenz gern sich gefallen lassen will, so lange sie eine naturgemäße bleibt, auch zum Schutzzoll. Diese Stimmung Englands gegen uns zeigt sich auch in der neuen englischen Patentgesetzgebung. Auf die weitere Folge unserer Zoll- gesetzgebnng, daß unsere Industrie auswandert, habe ich schon vor einigen Jahren hingewiesen. Sogar der Freiherr v. Gamp hat jetzt bestätigt, daß die Anlegung von Fabriken im Auslande seitens deutscher Unternehmer in immer verstärktem Maße vor sich geht. Soll eine Finanzreform von dauernder Wirkung sein, so mutz sie be- gleitet sei» von einer Reform unserer Wirtschaftspolitik: es muß für Entlastung der Konsumenten gesorgt werden und dafür, daß die Erzeugnisse unseres Gewerbefleißes Eingang in freinde Länder finden. Sonst bleibt die ganze Finanzreform Stückwerk.(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen. Lachen rechts.) Abg. Dr. Struve(frs. Vg.): Ich freue mich, daß der Staats- sekretär ausdrücklich erklärt hat, er habe mit seiner neulichen Aeuße- rung nicht die speziellen Kölner Verhältnisse gemeint, sondern allgemein gesprochen. Aber er hat doch auch heute auf Köln hingewiesen und das bedauere ich. Auch vor dem Streik hat er die Aerzte ge- warnt, weil sie einen.liberalen Beruf" ausüben. Davon haben nur die Patienten den Borteil. Das Streikrecht werden die Aerzte nur anwenden, wenn es sich um ihre Existenz und innere Freiheit handelt. An dem Kölner Streik haben nicht die Aerzte schuld, sondern die Kranlenkassen. Die Folge ist. daß die Kranken jetzt eine schlechtere ärztliche Versorgung haben als früher. Dabei hat der Leipziger Verband die Kölner Kassen vorher vor den Streikbrechern, den sogenannten„einwandfreien" Kölner Aerzten ausdrücklich gewarnt. Trotz der Ueberfülle von Aerzten in Deutsch- land haben sich nur 30 Streikbrecher gefunden, von weit über 20 000: das ist ein ehrenvolles Zeichen für die ethische Ansfaffung der deutschen Aerzte. Aber der Kölner Krankcnkaffenvorstand wollte den Kampf um jeden PreiS. Em Weg zum Frieden kann jederzeit gefunden werden. Der Staatssekretär möge eine Anweisung geben, daß alle Be- schwerden der Krankenkaffenmitglieder über mangelnde ärztliche Behandlung schnellstens, auf telephonischem Wege, erledigt werden. Das ehrengerichtliche Verfahren ist den Aerzten durch Gesetz gegeben; da ist es seltsam, daß ein Staatssekretär von dem Druck des ehrengerichtlichen Verfahrens spricht. Dabei hat das Ehrengericht schon 1902 erklärt, daß in dringenden Fällen stets ärztliche Hilfe gewährt werden muß. Da hätte der Staatssekretär nicht von einem Boykott Kranker und Sterbender sprechen sollen. Daraus vertagt sich daS Haus. Es folgen persönliche Be- merkungen. Abg. Liebert(Rp.): Herr Horn hat mir Fälschung und objektive Unwahrheit vorgeworfen. Das ist etwas stark. Es steht hier ein- fach Meinung gegen Meinung. Ich habe nur von den Verhältnissen in einem bestimmten Werke gesprochen.(Lachen bei den Soz.) Abg. Dr. Neumaun-Hosee(frs. Vg.) Ich rufe das Haus zum Zeugen an. daß der Eifer des Herrn v. Brockhausen, das Gesetz über Doppelbesteuerung ausgerechnet an die Finanzkommission zu Verweisen, sehr verdächtig war. Präs. Graf Stolbcrg: Das ist nicht persönlich.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Ncmimmi-Hofer; Tie Verweisung an die Kommission hätte nach meiner Auffassung ein Begräbnis bedeutet. Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr.(Fortsetzung der Beratung.) Schluß'/»S Uhr. t Mgeorclnetenbaus. 20. Sitzung, Dienstag, den S. Februar 1909, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbabe«. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Psarrrrbcsoldungsgesetze. Hierzu liegt ein Antrag der K o n s e r v a t i b e n vor aus Er- höhung des Fonds für Relikten Versorgung für evange- lisch e Geistliche, ein freisinniger Antrag betreffend Beihilfen an leistungsunfähige jüdische Kultus- gemeinden sowie Zentrums antrage auf allgemeine Regelung des Ruh eg eh alts wesens der ka th olischen Geistlichen und Bethtlfen an katholische Hilfsgeistliche. Zur Vorberatung dieser Anträge werden beide Gesetze noch ein- mal in die Kommission zurückverwiesen. Es folgt die Fortsetzung der zweite» Lesung des Besoldungsgesetzes für BolkSschul- lehrcr und lchmmncu bei den§§ 6 bis 19, die von den Alterszulagen, Dienstwohnungen und Mietsentschädigungen handeln. Abg. v. Tilly(k.): Auf die Ausführungen deS Herrn Borg- mann im einzelnen einzugchen, halte ich für überflüssig. Die fort- gesetzten Heiteikeitserfolge. die er gehabt bat, enthielten die allein richtige Antwort.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber Herrn Cassel betone ich, daß auch wir nicht eine Trennung der Lehrer n zwei Lager wünschen. Herr Hahn hat sich den Danl aller Land- ehrer durch sein Eintreten verdient. Die Bemühungen des Herrn Cassel um das Znstandckommen des Kompromisses erkennen wir an und ebenso, daß er sich bemüht hat, auch die Interessen der Land- lehrer wahrzunehmen. Bestreiten muß ich. daß Herr Hahn den Lehrern unerfüllbare Versprechungen gemacht hat.(Bravo I rechts.) Abg. Hoff(srs. Vg.): Gegenüber all den Bemühungen der Kon- servativen um die Lehrer werden diese sich sagen: Man merkt die Absicht und man wird verstimmt. Redner bedauert, daß eS in der Kommission nicht gelungen ist, die höhere Alterszulage und eine Herabsetzung der Wartezeit für das Höchstgehalt durchzusetzen. Bor allem muß der Zustand beseitigt werden, daß den Lehrern eine ganz»nznmchende Dienstwohnung voll angerechnet wird. Abg. Cassel(frs. Vp.) polemisiert gegen den Abg. v. Tilly: Herr Hahn hat gewiß das Recht, Forderungen aufzustellen, welche er will, aber er durste nicht eine solche Agitation treiben in der Zeit, in der alle Parteien bemüht waren, ein Kompromiß zustande zu bringen. (Sehr richtig I links.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Jdcrhoff(fl.) und Hoff(frs. Bg.) schließt die Debatte. Die ZZ 6 bis 19 werden unverändert angenommen. Die KZ 20 bis 23 handeln von de» O r t S- und Amts» zu la g e u. Abg. Schiffer(natl.) verteidigt die Beschlüsse der Kommission über die Reklorengehälter. Abg. v. Tilly(k.): Wir haben dafür sorgen müssen, daß durch die Ortszulagen kein zu großer Unterschied zwischen den Gehältern der Stadt- und Landlehrer entstand. DaS ist uns gelungen. Die Rektoren werden hoffentlich, wo es sich irgend als notwendig erweist. angemessene Zulagen erkalten. Abg. Hoff(srs. Vg.): Herr Borgmann hat behauptet, daß in der Kommission alle Parteien für die Bremse bei den Ortszulagen eingetreten seien. Daö ist ein Irrtum. Wir haben in der ersten Lesung die völlige Beseitigung der Bremse verlangt. Abg. Frhr. v. Zedlitz(sk.): Die AimSzulage» für die Rektoren sind ein Notbehelf. Eine systematische Regelung der Rcltorenbesoldung wird sich in Zukunft als notwendig herausstellen. Abg. Cayel(freis. Vp.): Die Gemeinden werden die Bedeutung deS RektorenamteS auch in Zukunft zu würdigen wissen, die Nestoren brauchen also nicht in Sorge zu sein. Abg. Borgmano(Soz.): Die Ortszulagen sollen nach dem K 20 nur in Gemeinden ge- währt werden können, die am 1. Januar 1909 ein Höchstgehalt von 2300 Mark zahlen. Nun haben aber eine ganze Reihe von Ge- meinden den Anregungen ihrer Lehrerschaft auf Neuoronung der Lehrer- besoldung mit Rücksicht auf das kommende Lehrerbesoldnngsgcsetz in den letzten Jahren nicht Folge geleistet, sondern diese Regelung immer verschoben und haben lediglich Teuerungszulagen gewährt. Die Folge ist. daß in einer großen Anzahl von Gemeinden zurzeit die Bedingung deS§ 20 nicht erfüllt ist. Diese Tatsache ist m der Kommission eingehend erörtert worden, und man war auch geneigt. darauf Rücksicht zu nehmen. Die Regierunz hat aber Widerspruch erhoben und eine Ausnahme in dieser Beziehung für mimöglich erklärt. DaS bedeutet eine schwere Schädigung der Lehrer in jenen Gemeinden, welche durch ein etwas größeres Entgegenkommen der Regierung hätte vermieden werden können.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Herrn Hoff erwidere ich, daß auf meiner Seite kein Irrtum vorliegt. Ich habe gerade betont, daß dem Kompromiß zuliebe auch die Parteien, die zuerst entschieden gegen die Bremse eingetreten waren, ihr nachher zugestimmt haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bemerkenswert war die Haltung der Konservativen, die in der Kommission zuerst gegen die Pcnffonssähigkeit der OrtS» zulagen auftraten. In dieser Haltung zeigte sich klar die Feind- schaft gegen die Lehrer in den großen Städten. Weim die Orts- zulagen nicht pensionsfähig gemacht worden wären, so hätte daS eine schwere Schädigung der großstädtischen Lehrer bedeutet, eine Entziehung wohlerworbener Rechte, wodurch nicht nur die Lehrer, sondern auch ihre Witwen und Waisen geschädigt worden wären. (Sehr wahr! bei den Soz.) Wir können die im Z 20 festgelegte Bremse für die Ortszulagen nicht als notwendig anerkennen, sondern halten es für richtiger, den Gemeinden in dieser Beziehung freie Hand zu lassen. Nur dadurch, daß der freien Entwicklung Raum gegeben wird, ist es möglich, den Lehrerstand und damit das Volksschulwcsen emporzubringen. Wir werden eine lange Reihe von Jahren warten müssen, bis eine erneute Regelung der Besoldungsverhältnisie entsprechend den veränderten Wirtschaft- lichen Verhältmfsen getroffen wird. Deshalb lehnen wir die Bremse mit aller Entschiedenheit ab.(Bravo! bei den Sozialdemolraten.) Damit schließt die Debatte. Die ZZ 20—25 werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten anaenommen. Die ZZ 26—38 behandeln die Zahlung des baren Dienst- etnkommens, Beschaffung des Brennmaterials, Gewährung von Dienstland usw. Abg. Dr. Hahn(k.): Ich muß bestreiten, in Hannover gegenüber dem Kompromiß illoyal gehandelt zu haben. WaS das Zirkular anlangt, so habe ich es an die Vertrauensmänner des Bundes der Landivirte und an Abgeordnete abgeschickt. In den Besitz deS „Berliner Tageblattes" kann es nur durch Diebstahl gelommen sein. ES ist unS damals im Bund der Landwirte auch ein Pelz gestohlen worden.(Große Heiterkeit.) Vielleicht erkundigt sich das„Berliner Tageblatt" nach dem Ueberbringer deS Zirkulars, dort wird sich wohl auch der Pelz vorfinden. (Große Heiterkeit). Im übrigen lasse ick, mir das Recht, solche Zirkulare zu versenden, auch' durch die Blockpolitik nicht nehmen. Die Herren von der Freisinnigen Partei wollen aber den Block auch zur Durchsetzung solcher Dinge benutzen, die mit de» Zwecken des Blocks nichts zu tun haben.(Beifall rechts.) Die Linke hat bisher den Landlehrenr nur Steine statt Brot gegeben.(Unruhe links.) Abg. Hoff(frs. Vg.): Die Rede des Herrn Hahn lief auf eine politische Agitationsrede hinaus. Ich beneide ihn um feinen Optimismus, mit dem er glaubt, daß seine Agitation Erfolg unter den Lehrern haben werde. Man ist sich in Lehrerkreisen durchaus klar, daß die Vernachlässigung der Lehrergehälter, besonders der Land- lehrer, in all diesen Jahren der komervaliven Partei auss Konto zu setzen ist.(Sehr wahr I links.) Abg. Cassel(frs. Vp.): Die Behauptung deS Herrn Hahn, wir hätten den Landlehrern nur Steine statt Brot gegeben, weisen wir auf das entschtedensle zurück. Wenn wir in der städtischen Vcr- waltung für die Aufbesserung der städtischen Lehrer sorgen, so folgt doch daraus nicht, daß wir nicht auch für die Land- lehrer eintreten. Mit dem sogeuaimte» Vertrauensbruch haben wir nichts zu tun. Herr Hahn irrt auch, wenn er meint, daS Zirkular könne nur durch Diebstahl in den Besitz der Presse gelangt sein. Diejenigen, an die Herr Dr. Hahn das Zirkular adressiert hat, haben mit Recht angenommen, daß die weisheitsvollen politischen Lehren dieses ZirkulärS(Heiterkeit) kein Geheimnis bleiben, sondern weit in das Land hinausgehen sollten. Sie haben daher das Zirkular direkt versandt an Zeitungen, Ver- leger und auch an Einzelpersonen des Lehrerstandes. Im übrigen bin ich überzeugt, daß die Lehrer über ihre neuen Freunde nicht diejenigen vergessen werden, die in allen diesen Jahren ihre Jnter- essen mit großem Eifer wahrgenommen haben.(Bravo! links.) Abg. v. Campe(natl.): Auch ich muß der Behauptung des Herrn Hahn widersprechen, daß die Parteien der Linken den Landlehrern nur Steige sialt Brot gegeben haben. Mein Freund Hackenberg ist zum Beispiel seit einem Jahrzehnt einer der energischsten Vorkämpfer der Interessen der Landlehrer in diesem Hause. Abg. Dr. Hahn(k.): Ich stelle fest, daß ich gegen daS Kompromiß niemals Stellung genommen habe. Meine Rede in Hannover wurde lange vor dem Kompromiß gehalten. Wir haben unS auch nicht besonders um die Gunst der Lehrer bemüht, sondern eS nur für wünschenswert gehalten, daß gegenüber der freisinnigen Presse ein anderes Blatt vorhanden ist, in welchem die Landlehrer objektiv unterrichtet werden.(Lachen links.) Daß Landivirte daS Zirkular an die Presse verschickt hätten, ist ausgeschlossen: fie hätten es dann vervielfältigen muffen, und dazu hat ein Landwirt keine Zeit (Lachen link?.) Damit schließt die Debatte. Die Paragraphen 20 bis SS werden unverändert angenommen, ebenso debatieloS einige weitere Paragraphen. Hierauf vertagt daS Haus die Wciterberatung auf Mittwoch 11 Uhr. Schluß 3 Uhr._ stelle; GrubetmogsftK. Am 3. Februar gab der Vertreter der Bergarbeiter auS Hamm auf dem Kongreß in Berlin der Befürchtung Ansdruck, der Bezirk Hamm werde noch nicht die letzte Katastrophe gehabt haben, man dürfe sich nicht wundern, ivenn in den nächste» Wochen die Zeche de Wendel oder Maximilian von einem Unglück heimgesucht werde. Am Sonnabend bereits hatte die Befürchtung sich bewahrheitet: „Maximilian" war der Schauplatz einer Wetterkatastrophe. Wiederum haben vier Kohlcnhauer ihr Leben lassen müssen. Wenn die Zahl der Toten nicht nach Hunderten zählt, so liegt das nur daran, daß sich nur 13 Mann in der Grube befanden. Die Kata- strophe erfolgt« auf der 763 Metersohle. Die Geretteten erzählen: Wir hörten einen gewaltigen Knall und standen plötzlich im Dunklen. Sofort nachdem wir zu Tage gefördert und andere Lampen erhalten hatten, fuhren wir wieder vor Ort. Von den fünf dort beschäftigten Arbeitern Zonnte mir einer gerettet werden. Vier ivaren tot. An dem Bc- lricbspunste haben immer schwere Wetter gestanden, und das, obwohl der Ort des Unglücks keilte 20 Meter vom Schacht entfernt liegt, also leicht mit genügend frischer Lust versorgt werden konnte. Am 9. April v. I. hat auf der bOO Metersohle schon einmal eine Ex- plosion stattgefunden. Man wußte, daß die Flöze viele Gase ent- hielten. Bus dem Unglücksschacht hat die Kohlensörderung noch gar nicht begonnen. Die Bergarbeiter fragen sich deshalb: Wie soll das enden? Der Bergwerksdirektor ist nach dem vorigen Unglück zu den Verletzten ins Krankenhaus gegangen und hat ihnen versprochen, für ihre Zukunft zu sorgen. Was aber war das Ende vom Liede? Die verunglückten Arbeiter erhielten die Abkehrt Daß auf dieser Zeche, die einem bayerischen Eisenwerk gehört. für die Sicherung der Arbeiterleben wenig getan wird, beweist der Umstand, daß das Unglückösignal über Tage erst zirka eine halbe Stunde nach dem Unglück beachtet wurde. Fünfmal mußte der Steiger das Signal geben, ehe der Förderkorb herunterkam! Fahrten gibt es nicht. Die Leute konnten aber nicht hinauf steigen. Ein zweiter Schacht ist nicht da, der Holzmangel chronisch. Man wird eS aber erleben, daß bei der Untersuchung alles in Ordnung befunden wird oder alle Mängel werden auch auf ein Bcr- sehen z,u ückgcsührt, wie es die Verwaltung von Rodbod getan hat? Jedenfalls ist das Unglück eine neue Demonstration für besseren Bergarbeiterschutz. » �» Urteil im Prozeß gegen die„Arbeiterzeitung". DaS Urteil im Prozeß gegen den Genossen Redakteur Rotte- bohm von der„Dortmunder Arbeiterzeitung" wegen angeblicher Beleidigung der Zechenverwaltung von Radbod lautet auf£K)0 Mark Geldstrafe eventuell 100 Tage Gefängnis. Klerikale iliiKchlachtlilig de; Crdbeben;. Aus Rom wird uns geschrieben: Die Klerikalen versuchen in verschiedener Weise, daS Erdbeben für ihre Zwecke auszuschlachten; einmal suchen sie nachträglich„den Zorn GottcS' zu rechtfertigen, indem sie alle möglichen Mord- geschichten über die Ungläubigkeit der, ach so gläubigen zerstörten Städte in Umlauf setzen: Nicht nur sollen die Messinescn Gott durch Spottgedichte gereizt und ihn geradezu ausgefordert haben, seine Macht durch ein Erdbeben zu zeigen, sie sollen sogar, wie der Priester eine? Rivieraörtchens erfahren hat, am Weihnachls- abend ein Schweinchen statt eines geheiligten ChristuSbildeS zum Küssen herumgereicht haben I Außer durch Verbreitung dieser Geschichten, die etwas besser er- funden sein könnten, benutzt man die Folgen des Erdbebens, uni möglichst viel Waisenkinder in klerikale Hände zu bringen. Im Ein- klänge mit den Bischöfen arbeitet hier besonders die Königin Margherita. Auch im kleinen wird der Waisenfang betrieben. So berichtet der„Ävanti", daß in dem hiesigen, von der römischen Presse eingerichteten Hospital drei Waisen des Genossen Campolo, Sekretärs der Arbeitslammer von Reggio, liegen. Einer der Hinterbliebenen ist groß genug, um sich als Arbeiter sein Brot zu verdienen, den kleinen Mädchen aber wurde von Frau T i t t o n», der Gemahlin des Ministers des Aeußeren, die Alternative gestellt: entweder Ihr tretet in das Nonneninstitut in Santa Catharina oder Ihr ver- zichtet auf jede Unterstützung unseres Patronats! Die Kinder unseres getöteten Genoffen wurden darauf von einer Enkelin Garibaldis aufgenommen. Wie viele aber werden durch solche Erpressungsversuche dem„rechten Glauben" gewonnen I Auch durch Androhung neuer Erdbeben und ihr Beschwören durch Gebete sucht man der Kirche zu dienen. In einem Turiner ErziehungSinstitut hat man aus diese Art die Kinder Nächte durch beten lassen und fast wahnsinnig gemacht vor Angst. In Brindisi hatte der Klerus für den 23. Januar ein Erdbeben prophezeit und eS durch Gebete und goltesdteustliche Hand- lungen aufzuhalten gesucht. Bei dem Gottesdienst kam es zu einer Panik, bei der ein Kind schwer verletzt wurde. Da- hindert natürlich die alten Weiber beiderlei Geschlechtes nicht, zu glauben, daß ohne den Gottesdienst der liebe Göll auch Brindisi mit einem Erdbeben heimgesucht haben wmde... Einen leichten Stand haben freilich die Gottesgläubigen dies- mal nicht, ist es doch sogar für uns, die wir nur von einein Walten blinder Naturkräfte wissen, schwer, uns von dem Eindruck frei zu machen, als ob Bosheit und Niederträchtigkeit mit im Spiele ge- wesen wären. Wie von Haß gegen den Menschen erfüllt erscheint unS daS ZerstörungStverk, wen» man die Bäume und Felder blühend und unbeschädigt sieht und jede menschliche Wohnung gräßlich zer- stört. Und mutet es nicht au wie Bosheit, dag in Messina fast die ganze Garnison, der gesunde, arbeitStiichtige Nachwuchs getutet wurde, und 600 Irre, 600 Menschen, die sich und anderen zur Qual leben, erhalten blieben? Wo bleibt da„die Allgüte des allmächtige!' GotteS?"-_ parlamentanfcbeöo Die Kommission zur Beratung der GcwerbeordnungSnovell« verhandelte i» d« Sitzung am Dienstag Wer die Antoeirdung der Konturrenzklausel» insbesondere kider den§ 113g der Regierungsvorlage. In Aos. 1 dieses Paragraphen wird bestimmt, daß die Konkurrenzklausel ihre Wirksamkeit verliert, wenn der Angestellte aus einem Grunde das Arbeitsverhältnis löst, der ihm in dem Z 133h und§ 1336 der Gewerbeordnung das Recht zur sofortigen Auslösung deS Drcnst- vcrhältnisses gibt. In Abs. 2 wird bei Lösung des Dienstverhält- nisses seitens des Unternehmers die Wirksamkeit der Konkurrenz- llausel aufgehoben, es sei oenn, daß für die Auflösung ein erheb- sicher Anlaß vorliegt(ocn der Unternehmer nicht verschuldet hat) oder daß während der Dauer der Beschränkung dem Angestellten daS zuletzt von ihm bezogene Gehalt weiter gezahlt wird. Unsere Parteigenossen beantragen, daß in jedem Falle bei einer vom Gewerbeuntcrnchmer ausgesprochenen Kündigung die Wirkung der Koykurrenzklausel aufgehoben wird, ; In Ms. 2 will Abg. Fleischer(Z.) on Stelle der Ve- Stimmung über die Fortzahlung des Gehalts die Bestimmung setzen, daß„dem Angestellten die ihm zuletzt gewährten Vertrags- mäßigen Leistungen des Gewerbeunternchmers weiter gezahlt werden.* Abg. Fleischer beantragt folgenden Abs. 3 hinzuzufügen: „Wenn nach Abs. 2 die Fortgewährung der vertragsmäßigen Leistungen des Gewerbeunternchmers die Voraussetzung für die Wirksamkeit der Vereinbarung ist- so hat der Gewerbeunternehmer bei der Kündigung des Dienstverhältnisses dem Angestellten eine bestimmte Erklärung darüber abzugeben, ob der Angestellte die zuletzt ihn, gewährten vertragsmäßigen Leistungen weiter erhalten soll. Unterläßt der Gcwcrbeunternchmer eine solche Erklärung, so ist er nicht befugt, den Angestellten für die Zeit nach der Aus- lösung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit zu beschränken." Von einem Rcgierungsvertreter wird eingewandt, daß der letzte Antrag überflüssig ist, da die Rechtsprechung bereits diesen Standpunkt einnimmt. Abg. Schack(Wirtsch. Vg.) hält im Hinblick auf diese Erklärung den Antrag für unnötig und wendet sich gegen den sozialdemokratischen Antrag, der bei Lösung des Ar- beitsvertrages seitens des Unternehmers die Konlurrenzklaufel aufheben will. Bei der Abstimmung wird der Antrag Fleischer angenommen, der Antrag unserer Parteigenossen gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Im Z 133K will die Regierungsvorlage, daß für Angestellte, die ein Gehalt von über 8000 M. beziehen, die Konkurrcnzklausel ohne Beschränkung Anwendung findet. Unsere Parteigenosten bc- antragen die Streichung des Paragraphen. Schmidt- Altenburg (Rpt.) und Manz sfrs. Vp.) wenden sich gegen den Antrag: die Industrie müsse gegen Raub und Diebstahl geschützt, die Ver- Wertung der im Betriebe erworbenen Kenntnisse in einem Kon- kurrenzunternehmen muß unterbunden werden. Vom Genossen Molkenbuhr wird demgegenüber eingewandt, daß die Herren im Irrtum sind, wenn sie auf diese Art Betriebsgeheimnisse schützen zu können glauben. Der Angestellte kann in einem solchen Falle jederzeit im Ausland die Kenntnisse verwerten, und damit Wäre der einheimischen Industrie wohl nicht gedient. Die Beratung geht hierauf zu den Bestimmungen über, die den Arbeiterschutz für Betriebe mit über 20 Arbeitern regeln, soweit nicht schon der Arbeiterschutz für Arbeiterinnen durch Annahme der Borlage im Plenum erledigt ist. Zur Debatte steht ein Antrag unserer Genossen, der folgende Fassung hat: „Z 133. In Betrieben mit ununterbrochener Tag- und Nacht- arbeit sind die für die Tag- und Nachtarbeit bestimmten Arbeiter in drei Abteilungen einzuteilen. Die regelmäßige Arbeitszeit der einzelnen Abteilungen darf 8 Stunden innerhalb 24 Stunden nicht übersteigen. In Hütien-, Walz- und Hammerwerken sowie in Mctallscblcifcreien. Glasfabriken und in Betrieben der chemischen Industrie darf die regelmäßige tägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht übersteigen." Genosse Molkenbuhr beruft sich zur Begründung dieses Antrages auf die nahezu gleichlautenden Petitionen der freien, der christlichen und der Hirsch-Dunckerschcn Gewerkschaften, die alle «eine Regelung der Arbeitszeit verlangen. Auch die außerordentlich hohe Unfallzilfer in Hüttenbetrieben— es kommt auf b Arbeiter immer ein Unfall— rechtfertigt den größeren Schutz. Durch die Sccmannsordnung ist bestimmt, daß die Feuerarl'eiter auf Schiffen nur 0 Stunden arbeiten dürfen. Dieser gleiche Schutz gebührt auch den Fcuerarbeitern in Hütten- und Walzwerken. Redner untersucht eingehend, ob die Industrie den Achtstundentag be- willigen kann. Die Preise für Eisenfabrikate sind von 1895 auf 1905 von 127 auf 135 M. per Tonne gestiegen, und obwohl die Arbeitslöhne sich auch erheblich aufwärts bewegten, ist dennoch für die Tonne der Arbeitslohn von 32,11 M. auf 29,82 M. herab- gcgangcn. Damit kann wohl der Beweis als geführt erachtet werden, daß die Industrie auch eine größere Belastung tragen kann. In die Debatte wird ein Antrag Hitze(Z.) mit einbezogen, 6er den Zehnstundentag für alle Arbeiter eingeführt haben will und ein Verbot der Nachtarbeit verlangt, soweit nicht die Nacht- arbeit durch die technischen Einrichtungen notwendig ist. Für den Antrag unserer Parteigenossen erklärt Hitze nicht stimmen zu können: der Antrag sei unannehmbar. Eventuell könne man einem Antrag zustimmen, daß die vor dem Feuer beschäftigten Ar- beiter nur 8 Stunden beschäftigt werden dürfen. Für die übrigen Arbeiter diese Arbeitszeitverkürzung herbeizuführen, lasse sich nicht begründen.— Von dem Regicrungsvertreter wird der Antrag ab- gelehnt: die Ucberstunden würden jetzt schon durch die Bundesrats- Verordnung für Hütten- und Walzwerke beseitigt. Abg. G i e S- b e r t s(Z.) ist der Meinung, daß der sozialdemokratische Antrag zu weit geht; nicht für alle Arbeiter in den Hammerwerken oder in Glasfabriken sei der Schutz so dringend nötig; vor allem handle es sich um die schweren Arbeiten, die einer Einteilung in acht- stündige Schicht bedürfen. Die weitere Beratung wird auf Donnerstag vertagt. AuS der GeMstSordiluiigSkommifsion. Die Sitzung der Reichstagskommission zur Reform der Ge- schästsordmmg am 9. Februar begann mit der Abstimmung über die Einzclbestnnmimge» über die sogenannten kurzen Anfragen. Mit wechselnden Mehrheiten kam schließlich ein Entwurf mit folgenden Bestimmungen zustande: Die Mitglieder des Reichstags sind befugt, bei Beginn der Sitzung Anfragen tat sächlicher Art über Angelegenheiten der inneren und äußeren Politik des Reiches an den Reichskanzler zu richten. Die Anfragen dürfen Schlußfolgerungen. Beispiele und Angriffe nicht enthalten.(Abgelehnt wurde dabei die Forderung, Fragen für unzulässig zu erklären, die ein schwebendes Gerichtsverfahren oder schwebendes Ver- waltungsverfahren betreffen.) Einem späteren Punkt der Tagesordnung darf nicht vor- gegriffen werden.(Abgelehnt wurde die Bestimmung, daß die Anfragen der Unterzeichnung von 15 Mitgliedern bedürfen.) Der Präsident hat endgültig darüber zu entscheiden, ob die Anfrage de» technischen Bedingungen des ersten Absatzes entspricht. Der Reichskanzler kann die erbetene Antwort ohne Angabe von Gründen verweigern, oder erklären, daß er die Antwort schriftlich erteilen wolle. Die Stellung von Anfragen soll an allen Sitzungs- tagen zulässig sein, ist aber auf eine halbe Stunde beschränkt. Eine Diskussion soll überhaupt ausgeschlossen fein.(Nicht einmal der Antragsteller soll zu ergänzender Anfrage das Wort erhalten.) Eine einmal gestellte Anfrage darf nicht wiederholt werden. Die meisten dieser Einzelbestimmungen waren, nachdem weiter- gehende sozialdemokratische Anträge abgelehnt waren, dadurch zu- stände gekommen, daß das Zentrum den Ausschlag gab. Als eS nunmehr aber zur Gesamtabstimimmg kam, schlug sich das Zentrum auf die Seite der Konservativen und Antisemiten, sodaß der Gcsamtantrag mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt wurde. Es wird aber jedenfalls der Versuch gemacht werden, in der zweiten Lesung etwas zustande zu bringen; doch steht auch da zu befürckten, daß das Zentrum wieder die Nolle eines Schrittmachers der Konservativen spielen wird. » Dann wurde über den Antrag der Freifinnigen auf Einführung von Dringlichkeitsanträgen verhandelt. Herr Müller- Meiningen begründete ihn mit dem Borschlag, die Entscheidung darüber, ob ein Antrag für dringlich erklärt werden und demnach sofort zur Verhandlung kommen soll, von der Zustimmung einer Zweid rittelmehrheit abhärmig zu machen. Singer (Soz.) wie» nach, daß das geradezu eine Verschlechterung der gegen- wärtigen Praxis bedeuten würde, da nach§ 35 jetzt schon Anträge mit einfacher Mehrheit für dringlich erklärt werden können, Nach einer Debatte, in der verschiedene andere Mitglieder den Singerschen AuSsührnngen zustimmten, zog Herr Müller den freisinnigen Antrag zurück unter der Voraussetzung, daß später, wie von feiten des Zentrums geraten war, verbucht werden soll, dem§ 35 eine präzisere Fassung zu geben. Schließlich wurde dann noch über den sozio ldemo- k r a t i s ch e n A n l r a g aus Aenderung des§ 48 verhandelt, durch den bestimmt werden soll, daß dann, wenn ein Bundesrats- Mitglied außerhalb der Tagesordnung das Wort erhält, die Diskussion darüber zu eröffnen ist, was gegenwärtig nicht angängig ist. L e d e b o u r(Soz.) begründete den Antrag niit dein Hinweis auf die Mißdränche, zu denen die jetzige Bestimmung bereits geführt hat. ES entspreche der Würde des Reichstags und seinem Anspruch auf Gleichberechtigung, daß er auf Aus- sührungen der Bundesratsmilgtieder sofort eine Antwort erteilen könne. Da das Ansehen des Reichstags allen Parteien am Herzen liegen müsse, iei wohl ans einstimmige Annahme zu rechnen. L i n ck(natl.) und 3 t r u v e(fr. Vg.) erklären sich gleichfalls für den sozialdemokratischen Antrag. Dagegen sprechen Roeren (Zentrum) und mehrere Konservative, weil es unnötig sei! Herr Roeren gab allerdings Mißbräuche zu, meinte aber, die Gefahr der Mißbrauche durch den Reichstag sei größer. Singer(Soz.) wies die Einwendungen durch Anführung mehrerer Beispiele aus der Praxis zurück und betonte, die Gleichberechtigung der gesetzgebende» Faktoren und das Recht der Minderheit, sich gegen Angriffe wehren zu können, bedingt die Annahme des soziatdemokratischen Antrags. Dann brachte Zehnter(Z.) einen BermittelluigSantrag ein, daß die Diskussion zwar nicht von selbst nach der Bundesratserktärung zu eröffnen sei. aber auf Antrag durch M e h r h ei t s b e s ch t u ß eröffnet werden könne, v. Dziembowsky(Pole) ameudierte den Antrag Zehnter dahin, daß an Stelle de? Mehrheitsbeschlusses die Uilterstützung von 80 Mitgliedern für die Eröffnung der Diskussion genügen solle. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Sozial- demokratie mit 15 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Mit der Mehrheit stimmten außer Zentrum und den drei konservativen Fraktionen auch zwei Nationalliberale, während die Minderheit sich aus den Sozialdemokraten, Freisinnige», den Polen und den beiden Nationalliberalen Jungk und Linck zusammensetzte. Ebenso wurde der Antrag DziembowSki abgelehnt und dann der Antrag Zehnter ein stimm ig angenommen. Aus der Budgetkoinmisston des Reichstags. (1 3. S i tz u n g v o m 9. F e b r u a r.) Die Budgeikommission begann heute mit der Beratung deS Etats für die Schutzgebiete und in Verbindung damit über das Gesetz, betreffend die SchiffahrtSvcrbindungen mit überseeischen Ländern. Auf Antrag Laltniann und Genossen ist die verlangte Subventionserhöhung an den„Nordd. Lloyd" aus 230 000 M. herabgesetzt worden. Wie die Regierung jetzt mitteilt, hat der Lloyd cS abgelehnt, unter diesen Umstanden die Anstral-Hongkongk-Linie weiter zu führen. ES gelang der Regierung jedoch, den Lloyd zü bestimmen, daß er die Linie weiter betrieb, dafür mußte sie aber zugeben, daß der Betrieb auf der Linie Nen-Guinea und Singapore eingestellt wurde. Dieser Vertrag läuft mit dem 1. April d. I. ab. Wenn das Reich die Unterstützung für diese Linie nicht auf die geforderten 500 000 M. jährlich erhöht, so will die Lloydgesellschast keinen neuen Vertrag mehr eingehen, und sie droht, dann die Zahl der Fahrten in der Weise zu ermäßigen, daß Nsv> Guinea statt bisher 20 nur noch 6 Dampsschiffsverbindungen im Jahre mit der Heimat haben würde. In der Kommisston drehte sich die Debatte hauptsächlich darum, ob den Norddeutschen Lloyd geschäftliche Gründe zu einer solchen Stellungnahme zwingen, oder ob es sich nur um einen Geschäftötrick handelt. Der Referent Dr. S e m l e r vertrat den erstcrcn. der Korreferent L a t t m a n n zum Teil den anderen Standpunkt. Letzterer verlangte eine Nachweisung darüber, was die Llohdgesellschaft an den einzelnen vom Reich subventierten Linien verdiene. Die Ab- schreibungen seien zu hoch, dadurch wäre der Gewinn künstlich herunter- gedrückt. Auch die Petitionen der dortigen Weißen seien bestellte Arbeit; denn der Gouverneur habe sie durch ein Rundschreiben ver- anlaßt l Der Nachweis zu hoher Abschreibungen wurde noch von anderen Rednern zum Teil an der Hand der Ziffern aus den Jahresberichten des Lloyd erbracht, und es wurde erklärt, oaß der behauptete Verlust auf den subventionierten Linien nur ein Buch defizit. aber kein wirklicher Verlust sei. Vom Staatssekretär Dernburg, dem Unterstaatssekrctär von Jon- q u i s r e S und dem Staatssekretär K r ä t k e wurde der entgegen- gesehte Beweis versucht. Sie vertraten den Standpunkt, daß es die Kommission nichts angehe, was der Lloyd auf den nicht vom Reich subventionierten Linien verdiene. Ein Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung regte an. das Reich solle, wie seiner- zeit die Einzelstaatcn die Eisenbahnen, die Schiffahrt nach unseren Kolonien verstaatlichen. Staatssekretär Dernburg wandte sich sehr lebhast gegen diesen Vorschlag und behauptete, daß ein Ver- gleich mit dem Eisenbahnbetrieb gar nicht gemacht werden könne. Abg. S e m l e r beantragt die Abstimmung bis nach Erledigung des Etats für Neu-Guinea auszusetzen, weil bei der Besetzung der Kommission die Vorlage der Regierung wahrscheinlich mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt werden würde. Die Kommission beschloß demgemäß. Hierauf erledigte die Kommission den Etat für das RcichSrnUitärgericht. Der Berichterstatter Erzberger verlangt auch hier, daß Er- sparniste gemacht werden. Die Besetzung sei für die zu erledigenden Geschäfte reichlich. Namentlich behaupte man das vom dritten Senat, von dem Eingeweihte den Witz gemacht hätten, seine Beamten seien bei' der Arbeitslosen zähl» ng mitgezählt worden. Der Präsident des ReichSmititargerichtS verteidigt die auch von anderen Abgeordneten angegriffenen Posten mit dem Erfolg, daß ihm u. a. ein Adjutant von seinen zweien gestrichen wird. Morgen: Fortsetzung der Beratung des Kolonialetats.— Die Kommissionssitzungen dauern jetzt von Punkt 10 Uhr bis 2 Uhr nach- mittags statt wie früher bis 1 Uhr. Die Verhandlungen des Plenums beginnen dementsprechend, außer Somiabends auch eine Stunde später als bisher, also um 2 Uhr. Bub der Partei. Die KrisiS der holländischen Partei. Amsterdam, 8. Februar. Die bor nunmehr acht Jahren anläßlich der Schulfrage auf- gebrochenen und von Jahr zu Jahr sich verschärfenden Gegensätze zwischen der marxistischen und reformistischen Richtung in der holländischen Partei haben jetzt einen solchen Höhepunkt erreicht. daß die Parteimehrheit einen außerordentlichen Parteitag für nötig hält zur Austragung der Meinungsverschiedenheiten. Zweifellos hat die Parteimehrheit hierzu das volle Recht. Es kann aber nicht verkannt werden, daß sie diesen Entschluß während einer Verwirrung ohne gleichen gefaßt und da- durch der Gefahr einer Spaltung den Weg bereitet hat. Es ist damit durchaus nicht gemeint, daß eine Spaltung not- wendig geworden ist, im Gegenteil: ES ist durchaus noch möglich, daß die Parteimehrheit, vor die Gefahr einer schweren Schädigung der ohnehin schon durch Anarchismus und christliche Demagogie ge- spaltonen holländischen Arbeiterbewegung aus lange Jahre hinaus gestellt, sich besinnen und wieder in ruhigere Bahnen einlenken wird. Zumal eine Spaltung der Partei auch eine Spaltung der GeiverkschaftZbewegung, in den Genossenschaften usw. ohne Zweifel über kurz oder lang zur Folge haben würde. Bei den Kammer- Wahlen im kommenden Sommer, bei den GcmemderatSwahlen und vor allem in dem imvermcidlichcn schweren Kampfe um das allgemeine Wahlrecht würde die Kraft der Arbeiterbewegung schwere Einbuße erleide». Zur Abwendung dieser Gefahr hatte der Parteiborstand am Sonnabend vor acht Tagen eine Zusammenkunft von hervorragenden Genossen beider Richtungen veranstaltet. Ausgeschlossen hatte er indes die um das marxistische Wochenblatt„Die Tribüne" sich gruppierenden Genossen, deren Kritik an verschiedenen Partei- organen insbesondere an der Kammerftaktion den letzten An- stoß zum Ausbruch der Krise gegeben bat. Ein von der Mehrheit der Konferenz beschlossener Antrag auf nachträgliche Zulassung der „Tribüne"-Redaktion wurde rückgängig gemacht, da Genosse Troelstra und andere drohten, dann die Konserenz zu ver- lassen. In der erivähnten Konferenz stellten sich alle Teilnehmer aus den Standpunkt, daß beide Richtungen in der Partei notwendig sind und neben und mit einander in eiiccia Partei- Verband zusammenwirken müssen, und daß beide Ricknuigen volle Gelegenheit haben müssen zur Aenßcrung ihrer Weimingen und Ansichten. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, der die Gründung eines Wochenblattes für wünschenswert erltärt, das als Beilage zum„Hel Volk" erscheinen solle und in dem die marxistische Richtung ihre Ansicht zun» Ausdruck bringen tonnte. Zwei Redakteure ta-S den Kreisen der Marxisten sollten zu diesem Zwecke bei jetzigen revisionistischen Redaktion von„Het Voll" angegliedert werden. Die marxistischen Teilnehmer der Konserenz forderten zwei von der Volkredattion ganz los- gelöste Redakteure, was von der anderen Seite jedoch als die Spaltung eher fördernd abgewiesen wurde. Ueberdies machten die revisionistischen Teilnehmer zur Vorbedingung der Errichtung des Wochenblattes die Aushebung der„Tribüne", während von den Marxisten die Aufhebung der«Tribüne" als mögliches, keines- wcgs als notwendiges Resultat der Herausgabe des Wochenblattes angesehen wurde. Elm selben Sonntag fand eine«mS allen Teilen von Holland besuchte Zusammenkunft der«Tribüne"- Gruppe statt, die beschloß, an der Herausgabe des Blattes festzuhalten, was auch imuier daraus resultieren möge. Inzwischen erklärten sich die Genossin Henriette Roland-Hollt und Genosse M. F. Wibaut bereit, gegebenenfalls die Redaktion des geplanten wöchentlichen Beiblatts der„Tribüne" zu übernehmen, ivährend Genosse F. van der Goes, allerdings nicht aus prinzipiellen Gründen, dieselbe ablehnte. Mit Rücksicht auf diese die Einheitlichkeit der Marxisten ge- fährdcnde Lage fand am letzten Sonntag wiederum eine Zusammen- kunft der„Tribüne"-Gr>ippe statt, die von über 100 Genossen, be- sonders aus den großen Städten besucht war. Diese beschloß nahezu eiustimmig, den Beschluß auf Fortbestehen der„Tribüne" aufrecht zu erhalten, trotz der Erklärungen der Genossin Roland-Holst und des Genossen Wibaut. Das geplante Wochenblatt könne unter den ge- gcbenen Umständen nicht als Garantie für die Freiheit des Worts und der notwendigen Kritik in der Partei angesehen werden. ES müsse der Zukunft überlassen bleiben, ob die„Tribüne" als Damniel- punkt und Sprachorgan derjenigen Genossen bestehen bleiben müsse, die sich nicht scheuen, auch die Haltung der Partei und ihrer Organ; in den praktischen Fragen der Tagespolitik zu kritisieren. Dieser Beschluß der„Tribüne"-Gruppe ist zu verstehen, da es durchaus noch nicht sicher ist, daß der außerordentliche Parteitag der Gründung des Wochenblatts unter ausschließlich marxistischer Re- daktion zustimmt und ob der freien Meinungsäußerung über die Haltung der Parteiorgane in Zukunft nicht lvieder durch irgend- eine Aktion gegen die Person der Kritiker Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Anscheinend bezweckt der Plan, ein Wochenblatt herauszugeben, auch nichts weiter als eine wissenschaftliche Beilage für„Het Volk", die als solche in jeder Hinsicht zu begrüßen, ja notwendig ist, da die Bermittelung der sozialistischen Prinzipien an das Proletariat sehr im argen liegt. Bei der Größe der Meinungsverschiedenheiten bleibt nur noch zu hoffen, daß die Parteimehrheit sich nicht zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung verleiten läßt, womit sie sich außer- halb der Gepflogenheiten der internationalen Sozialdemokratie stellen würde. Dahin müßte eS kommen, wenn der am Sonnabend und Sonntag zu Deventer— nicht Utrecht, wie zuerst beabsichtigt—- stattfindende Parteitag die Unterdrückung der„Tribüne" oder den Ausschluß ihrer drei Redakteure beschließen würde. Kein Zweifel, daß in einem solchen Falle die ganze, doch nicht so ganz unerhebliche marxistische Richtung m der Partei gezwungen würde, geschlossen sich gegen solchen Beschluß zu erheben. Sie müßte ihn als einen Fleck aus der Ehre der Partei betrachten, den sie tveder vorder Internationale noch vor dem holländischen Proletariat Vertreter tonnte._ II. F. Gementdewahlen. In Malsch(Baden) siegte bei den BürgerauSschußwahlen in der dritten Klasse die sozialdemokratische Li sie mit 202 Stimmen. DaS Zentrum brachte eS in dem fast Völlig katholischen Orte nur auf 153 Stimmen. AuS den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein in Kiel(Orts- abteilung des Sozialdemokratischen Verein? für den 7. Schleswig» Holsteinischen Reichstagswahlkreis) hat sein« Mitgliedcrzahl trotz der Krise im 4. Quartal 1908 um zirka 200 zu erhöhen vermocht. Am 1. Oktober 1908 zählte der Verein 4330 Mitglieder, am 1. Ja- nuar 1909 4511, darunter 230 weibliche. Der Verein vereinnahmte in diesem Quartale 9980,00 M. und verausgabte 0845,81 M. Der Sozialdemokratische Verein Stuttgart bielt am Sonntag, den 7. Februar, seine Generalversammlung ab. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl im letztvcrflossenen Geschäftsjahr von 4940 auf 5309 gestiegen ist. Der Verein Degerloch mit 152 Mitgliedern wurde dem Gesamt- verein angegliedert. Die Einnahmen aus Beiträgen erhöhten sich von 12 858 M. auf 14 000 M., die Gcsamteinnahme von 19 175 M. auf 21497 M. Veranstaltet wurden 30 öffentliche Versammlungen und 7 allgemeine Parteivcrsammlungen. Außerdem sind 157 Vcrsamm» lungen der Bezirksvercine, davon 110 mit Vorträgen, zu ver- zeichnen. Der 1. Vorsitzende Westmeycr wurde einstimmig wieder- gewählt. Ein Antrag, den Beitrag für weibliche Mitglieder auf 30 Pf. wie bisher zu belassen und auch die„Gleichheit" diesen Mitgliedern nach wie vor zu liefern, wurde angenommen. An- genommen wurde ferner ein Antrag, der den Parteigenossen zur Pflicht macht, für ihre Kinder im Alter von 14—20 Jahren die „Arbeiter-Jugcnd" zu abonnieren. Ein Genosse Schriftsetzer W. Müller hat gewerbsmäßig gegen Bezahlung aus geschlossenen Parteiversammlungen an die bürgerliche Presse Berichte geliefert. Obgleich Müller dieses Geschäft seit Jahren betrieben hat, auch bereits verwarnt worden ist, hatte doch das Schiedsgericht einen Ansschlußantrag der Parteileitung abgelehnt. Die Versammlung beschloß mit sehr großer Majorität, die Angelegenheit der Kontroll- kommisston zu unterbreiten. Da Müller außerdem auch vor dem Schiedsgericht erklärt hatte, aus nichtgeschlossenen Versammlungen nach wie vor Berichte an die bürgerliche Presse liefern zu wollen, sah sich die Versammlung veranlaßt, einen Beschluß zu fassen, demzufolge den Genossen die Berichterstattung aus von der Parte- vcranstalteten Versammlungen an die bürgerliche Presse generel untersagt wird. polizeiliches» ßcrichtlickes uftr* Nummer 5. Die beiden Straßburger reichsverbändkerischen Massenklägcr Zschweigert un� S'eginmm haben ihren fünften Triumph erzielt. Am Montag wurde Genosse Krasser vom„Säch- fischen BolkSblatt" zu Zwickau zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Gericht versagte den Schutz des§ 193 Str.-G.-B., weil nicht eigene, sondern s r e in d e I n t c r e s s e n in Frage kamen. Niit Rücksicht auf die Oeffcnilichkcit der Beleidigung einerseits und dar- auf, daß der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist, und der Artikel den Ausfluß einer positischen Erregung bildete, wurde der Angeklagte nur mit 50 Marl Strafe belegt. Hud Induftm und Kandel. Die schlasen Kohlenbarone. Das Rheinisch-Weftfälische Kohlensyndikat sucht sich in dumm pfiffiqer Weise der gegen seine Preispolitik gerichteten Vorwürfe zu erwehren— indem es unternimmt, Stimmung zu machen für eine ihm noch günstigere Tarifpolitik. Es sei nicht wahr, dast die billigen Auslandsverkäufe den Zweck hätten, den Inlandspreis hoch zu halten. Die Frachtenfrage spiele eine große Rolle. Die Eigentümlichkeit, daß die drei großen Kohlenbecken Deutschlands an dessen Peripherie gelegen sind, mache eS mit Rücksicht auf die Frachtenverhältnisse erklärlich, daß sich die wirtschaftspolitischen Grenzen dieser Becken nicht mit den politischen decken. Für das Ruhrkohlengebiet sei die Grenze nicht Aachen, sondern darüber hinaus Holland und Belgien, da die Frachten von der Ruhr nach dorthin nicht so hoch seien, daß die Ruhrkohle dort nicht erfolgreich gegen den ftemden Wettbewerb auf- treten könnte. Im Osten dagegen bilde die Elbe die Grenze, da es dem Syndikat aus Grund der hohen Frachten nicht möglich sei, östlich von der Elbe der englischen Konkurrenz erfolgreich ent- gegenzutreten. AuS den Frachtveryältnissen erkläre eS sich auch, daß die englische Kohle auf dem Berliner Markt die Ober- Hand gewonnen habe, da sie um l'/s 2>l. pro Tonne billiger dorthin zu transportieren sei. Die Frachtuntcrschiede bedingten es auch, daß weite Gebiete von Hannover und Mtteldeutschland englischer Kohle leichter als der Ruhrkohle zugängig seien. Der Ruhrkohle bleibe sonach nichts weiter übrig, als andere als die inländischen Absatzgebiete aufzusuchen, sobald überflüssige Ware vorhanden sei. DaS Kohlensyndikat verkaufe dort im übrigen nicht billiger, alS es durch die Konkurrenz gezwungen sei. Die ganze Frage der Preis- Politik und der Auslandsverkäufe des Kohlensyndikats stehe unter dem Einflüsse der Tarifpolitik der Eisenbahnverwaltungen. Die Absicht ist ja deutlich genug zu erkennen. Eine einzige Frage genügt,' um zu zeigen, was hinter den Redereien steckt. Warum sind im engeren Ruhrrevier die Kohlen gerode so teuer, teilweise sogar noch teurer als in bestrittenen Gebieten? Ist da auch die hohe Fracht der schuldige Teil? Ter wirtschaftliche Nückschlag. Die Flcnsburger RciSmühle soll auf ein Jahr stillgelegt werden, sämtliche Arbeiter wurden gekündigt. Hier stößt man auf die von den Produzentenorganisatiouen geübte Praxis, durch planmäßige Einschränkung der Erzeugung die Preise in die Höhe zu treiben, die Folgen wirtschaftlicher Rückschläge auf die Arbeiter abzuwälzen. ,» Der Andrang Arbeitsuchender im Baugewerbe erreichte eine un° gewöhnliche Höhe; er betrug im Dezember nicht weniger als ZZ0.7 auf je 100 offene Stellen gegen 215,7 im Vorjahr; die Arbeits- lostgkeit bei den Zimmerern stieg im Dezember sogar bis auf 20,99 Proz.! Eö geht aus diesen Zahlen die starke Stagnation im Baugewerbe deutlich hervor. Auf dem Ruhrkohlenmarkt hat sich, wie die Fachzeitschrift .Glückauf" berichtet, die Lage im Januar weiter verschlechtert. Die Zechen mußten zahlreiche Feierschichten einlegen. « Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz erstreckt sich gegen- wärtig über das ganze Land, aber nur m den Städten bemüht man sich, etwas über ihren Ilmsang zu erfahren. Das Vieler Arbeits- amt und auch die Arbeitsämter aller anderen Orte berichten von äußerst ungünstiger Lage des Arbeitsmarktes. Das neueste auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge ist wohl die von der Uhrenarbeitergewerkschaft in St. Immer arrangfcrte Lotterie im Emissionswert von 50 000 Fr. Die Regierung in Bern hat sich nicht gescheut, dem verzweiflungsvollen Unternehmen unter der Bedingung zuzustimmen, daß von dem Gewinn auch die unorganisierten Arbeiter unterstützt und in der von der Gewerkschaft bestellten Lotteriekommission den Behörden Vertreter eingeräumt Iverden. Mitreden wollen also die regierenden Kapitalisten und Agrarier, aber nicht mitzahlen. Staat und Gemeinden, die sonst für jedes Schützenfest Tausende aus den öffentlichen Kassen spenden, tun gar nichts zur Linderung der Rot. Auch hier muß die Arbeiterschaft Wandel schaffen. * Nach dem neuesten Bericht der American Rh. Association hat die Zahl der unbeschäftigten Eisenbahn-Güterwagen in den mit dem 6. Januar beendeten zwei Wochen wiederum eine Zunahme ge- funden, und zwar eine recht große. Denn die Zahl jener Waggons stellte sich an dcin genannten Datum auf nicht weniger als M3 01S, d. h. um 110 943 höher als am 23. Dezember vorigen Jahres.# In den Vereinigten Staaten von Amerika kamen im Laufe des Jahres 1903 insgesamt 15 090 Konkurse von Industrie- und Handels- betrieben zur Anmeldung gegenüber 11725 im Vorjahre, 10 682 und 11520 in den Jahren 1906 und 1905. Die dabei in Betracht kommende» Passiva beliefen sich 1908 auf 222 315 684 Dollar gegen 197 385 225 Dollar. 119 201513 Dollar und 102 676172 Dollar in den drei Vorjahren, während ihnen Aktiva in Höhe von 146 199 325 Dollar für 1908, 133 535 645 Dollar für 1907,66 610 322 Dollar für 1906 und 57 826 090 Dollar für 1905 gegenüberstanden. Die Konkurs- Verluste waren also im letzten Jahre außerordentlich groß. Die Summe aller Passiven bei Konkursen in Industrie- und Handels- kreisen einschließlich der Makler und Transportanstalten war im ersten Vierteljahr 1903 reichlich doppelt so groß wie im entsprechenden Vorjahrsabschnitt, im zweiten um 11,2 Millionen Dollar oder 33 Proz., im dritten um 9 Millionen Dollar größer als 1907, während sie im vierten nur 42,5 gegen 81,3 Millionen Dollar im letzten Viertel von 1907 betrug. An Konkursen von Bankgeschäften, die in den vorstehenden Summen nicht inbegriffen sind, kamen im Jahre 1908: 180 mit 123 126 956 Dollar Passiven zur Anmeldung gegen 132 mit 233 325 972 Dollar im Vorjahre, 58 mit 13 805 380 Dollar im Jahre 1906 und 73 mit 20 227 155 Dollar im Jahre 1905. Soziales. UntcrnehmerterrorismuS, Sozialistenhatz und§ 153. Im Februar 1904 bahnte sich in Kiel ein Streik der Schuh- macher an. Auf der Seite der Unternehmer wurde die Bewegung von einer Kommission aus der Innung und der Freien Vereinigung der Schuhmachermeister geführt. Diese Kommission richtete am 23. Februar an die Meister ein Rundschreiben, in dem sie diese aus forderte, sich durch Namensunterschrift zu verpflichten, die Beschlüffe der Meisterkommission zu respekliercn. ES hieß dann weiter: „Kollegen, welche sich dem nicht anschließen, werden bei Ausbrnch des Streiks in den Zeitungen namhaft gemacht, diejenigen davon, die an Behörden liefern, werden den Behörden genannt werden."vie gewöhnlich zum Unterricht. Ein grosser Teil wurde dann sogleich oder bald nach 8 Uhr ent- lassen, viele andere aber durften erst um 10 Uhr oder noch später nach Hause gehen. Kinder mit Schulranzen konnte man zu dieser Zeit zahlreich auf den Sttassen erblicken. Offenbar hat allgemeiner Wirrwarr geherrscht, und in den Vororten ganz besonders. So wird uns aus einem grösseren Berliner Vorort folgendes be- richtet:.Hier sah man dein heutigen Dienstag mit Spannung ent- gegen. Der Montag brachte auf dem Umweg über den Magistrat bloss die Verfügung, dass während der Festtage geflaggt werden solle— vom Ausfall des Unterrichts war keine Rede. Auch die erste Morgenpost enttäuschte heute die Harrenden. Endlich. kurz nach 10 Uhr. nachdem eben die dritte Unterrichtsstunde begonnen hatte, lief ein Schreiben des Provinzial- s ch u l k o l l e g i u m s ein, worin mitgeteilt wurde, dass auf Allerhöchstem Befehl am heutigen Tage aus Anlass des Einzuges des englischen Königs der Unterricht ausfallen solle. Der Brief trug den Poststempel 4—5 B.. war also in der Nacht «nfaeaehk« worden. Die Gemeindeschulen erhielten bis zur Stunde— 11 Uhr vormittags— keine derartige Verfügung. Dort musste also— mehr oder weniger lustig— weiter Schule gehalten werden." Nach diesen Mitteilungen scheinen die in der Berliner Stadtverordnetenversammlung tviederholt geführten Er- örterungen über die Plötzlichkeit einer solchen Anordnung und auch über ihre Schädlichkeit an den in Bettacht kommenden Stellen spurlos vorübergegangen zu sein. Ganz abgesehen von der Verspottung der Selbstver- waltung, die in einer solchen Anordnung liegt, greift sie ttef in die Verhältnisse vieler Familie» ein. Viele Eltern, Vater und Mutter, sind genötigt, um Brot für die Familie zu schaffen, gemeinsam ihrem Broterwerb nachzugehen. Durch eine der- artige plötzliche Anordnung des Schulschlusses werden viele Gemeindeschulkinder solcher Eltern oft bis Mittag ausgesperrt und sind den Gefahren der Großstadt ausgesetzt. Es ist wirklich höchste Zeit, daß endlich solchen direkt schädlichen Anordnungen ein Ende gemacht wird. Der Einzug dcS englischen KönigSpaares in Berlin ist gestern Programmäßig erfolgt. Obwohl die Presse keine Einladungen er- hallen hatte, wissen die bürgerlichen Blätter langes und breites über die Einzugszeremonie zu berichten. Am Lehrter Bahnhof herzliche Begrüßung uitd Vorstellung. Abschreiten der Ehrenkompagnie, am Brandenburger Tor Begrüßung durch die städtischen Behörden. Während der Oberbürgermeister am Kutschenscblag seine Rede hält und von den guten Beziehungen der beiden Völker spricht und sich freute, dass Eduard heute ins Rathaus kommen will, bewillkommnen die diesmal blau gekleideten 12 Ehrenjuugfrauen unter Führung deS Bürgermeisters die Königin; dann geht's nach dem Schloß. Vom Lustgarten her kommt Kanonendonner. Eine Reihe Offizierspferde bäumen sich. Ein Hauptmann des 1. Garderegiments konnte noch absteigen, bevor das Pferd sich bäumte, während ein anderer Haupt- mann mit seinem steigenden Pferde zu Falle kam. Er konnte sich, während das Pferd über den Lustgarten rannte, erheben und wieder ins Glied zurücktreten. Darauf Besichtigung der spalierbildenden Regimenter und schließ- lich Einfahrt ins Schloß Hurraschreier hatten sich trotz der sttengen polizeilichen Absperrung noch genug eingefunden. Unter den Linden ist viel Papier, namentlich blaues, verwendet worden, selbst die An- schlagsäulen waren festlich aufgeputzt. Unter den Unter den Linden festlich geschmückten Gebäuden wird von einigen Blättern das Haus-Unter den Linden 2 gerühmt und betont, daß die Dekorationen von der bekannten Londoner Mobilien- firma Maring, Gillow u. Co ausgeführt sind, deren Inhaber Mister Maring, ein Freund König Eduards, zu diesem Zivecke selbst in Be- gleitung von mehreren enzlischcn Arbeitern in Berlin eingettoffen ist. In Berlin gab es ja auch keine Arbeiter. Bemerkt wurde auch sehr, dass aus dem Schmuck die Inschrift hervorleuchtete:»Blut ist dicker als Wasser I' Unmittelbar vor Eintreffen deZ Zuge? erlitt in der Siegesallee die 64 jährige Frau Schmidt aus Chemnitz einen Schlaganfall und war sofort tot. Dir Redaktion der„Zeit am Montag" schreibt uns: „Zu unserem nicht geringen Erstaunen hat ein Mitglied des Aktionsausschusses der sozialdemokratischen Partei den Umstand, dass wir über das Stattfinden der ArbeitSloseuversanimwngen unter der Spitzmarke„Eduards Empfang" berichteten, für„völlig un- angebracht" empfunden. Dass die bitter ironische Ueberschrift, die doch gerade den Gegensatz zwischen der harten Not auf der einen und dem„patriotischen" Brimborium auf der anderen Seite andeutet, so ausgelegt werden könnte. als ob die Partei etwa die Arbeitslosen zum„Spalierbilden" befohlen hätte— diese Deutung erscheint angesichts unseres gerade in der letzten Zeit häufig genug zum Ausdruck ge- brachten Standpunktes zu der 60 000 Mark-Bewilligung geradezu absurd." Es mag sein, dass die Redaktion der„Zeit am Montag" mit der ominösen Spitzmarke zu der Ankündigung der Slrbeitslosen- Versammlungen nicht die Deutung hat hervorrufen wollen, die ihr gegeben worden ist; dass sie aber so, wie geschehen, aufgefaßt werden konnte, ersieht sie aus der von uns veröffentlichten Zuschrift. Und deshalb war es auch unserer Meinung nach sehr am Platze, jeder Missdeutung durch die Teilnehmer der gestrigen Versammlungen entgegenzuwirken. 100 Prozent Gemeindesteuer, wie in den Vorjahren, wird die Stadtgemcinde Berlin auch im kommenden Etatsjahre erheben. Erhöhung des Schulgeldes für die Wahlfortbildungöschule— das ist das Resultat der Ausschussbcratungen über die Vorlage des Magistrats betreffend„Neufestsetzuug der Schulgelder für Schüler und Schülerinnen der Fortbildungs- schulen". Der Hinweis unserer im SluSschuss vertretenen Genossen, dass es die Pflicht der Gemeinde sei, eine derartige der Fortbildung weiterer Kreise gewidmete Institution nicht durch eine Erhöhung deS Schulgeldes zu beeinträchtigen, fand nicht die Zustimmung der Mehr- heit. Man stellte sich auf den Standpunkt, dass die pro Stunde er- hobenen Sätze gewissermaßen nur ein Aegnivalent des Schul- geldeS bedeuten und daß die meisten jungen Männer und Mädchen so gestellt wären, diese geringfügigen Summen zu bezahlen. Sollten wirklich bedürftige Schüler nicht in der Lage sein, das Schulgeld zu zahlen, so seien Freistellen bis zu 10 Proz. der zahlenden Schüler vorgesehen, von denen bisher nicht im vollen Umfange Gebrauch gemacht worden sei. Von dritter Seite wurde angeregt, die in der Magistratsvorlage enthaltene h ö h ere B e lastun g der weib- lichen Schüler zu beseitigen und sie den männlichen gleichzu- stellen. Unter Ablehnung dieses Teils der Magistratsvorlage fand dieser Vorschlag die Zustimmung des Ausschusses. Die Satze der einzelnen Fächer stellen sich nunmehr wie folgt: Fortbildungsschulen für Jünglinge. 1. Für Englisch, Französisch, doppelte Buchführung, Kauf- männische Korrespondenz, Stenographie, Maschinenschreiben, Wechsel- künde, Warenkunde, Gesetzeskunde, Aktmodellieren, Treiben, Fachzeichnen. ProjektionSzeichne». Zirkelzeichnen, Figürliches Zeichnen. Aquarellieren, Schriftzeichnen pro Wochenstunde im Halbjahre je 1,26 M., bisher i M., mit Ausnahme von GesetzeSknnde, wofür früher kein Schulgeld entrichtet wurde. 2. Für Deutsch, Rechnen, Elementares Zeichnen, Schönschreiben, Algebra. Geometrie, Trigonomettie, Physik, Chemie. Elektrotechnik, Einfache Buchführung und Geographie pro Wochcnstunde im Halb- jähr je 0,25 M. Sämtliche Fächer bisher schulgeldfrei. 3. Für Modellieren loerden ausser 0,25 M. pro Wochcnstunde Schulgeld für das Halbjahr noch 1 M. für Materialunkosten erhoben, so dass bei 4 Unterrichtsstunden 0,60 M. pro Wochenstunde zu entrichten sind. Bisher für Matcrialunkosten halbjährlich 1 M. Fortbildungsschulen für Mädchen: 1. Für Handarbeit, Wäschezuschneiden, Maschinennähcn, Putz- machen, Ausbessern, Maschinensticken, in Verbindung mit Deutsch, Rechnen, einfache Buchführung, Schönschreiben, Zeichnen, Geographie, zusammen pro Halbjahr 4 M. 2. Für Deutsch, Rechnen, Schönschreiben. Zeichnen, einfache Buchführung, Geographie pro Wochenstunde im Halbjahr 25 Pf. 3. Für Stenographie und Maschinenschreiben mit je 2 Wochen- Kunden, pro Kursus im Halbjahr je 2 W- 4. Für Englisch. Französisch, doppelte Buchführung, kaufmännische Korrespondenz pro Wochenstunde ini Halbjahr je 1 M. 5. Für Schneidern, Plätten, Kochen pro Halbjahr 6 M.. für gleichzeitig zwei der Fächer zusammen monatlich 1,50 M. � 6. Für NahrungSmittellchre pro Wochenstunde im Halbjahr je 7. Gesang und Turnen frei. Hoffentlich gelingt es, im Plenum der Stadtverordneten noch einige Erleichterungen herbeizuführen, trotz des ablehnenden Stand- Punktes deS Ausschusses. Eine eigenartige Naturerscheinung wurde gestern morgen im Nordwesten bon Berlin beobachtet. Kurz nach 7 Uhr zog eine ausserordentlich dichte Nebelwand, die jedoch nur eine Breite von etwa zwei Kilometern hatte, aus nordwestlicher Richtung kommend, über Moabit und wurde langsam durch den Luftstrom bis zur Spree vorgeschoben. Ueber die cspree hinweg drangen nur Aus- läufer des Nebels, während das Zentrum der Dunstmasse in nörd- licher Richtung abzog. Mit dem Nebel, der übrigens so dicht war, dass man kaum zwanzig Meter weit zu sehen vermochte, war ein intensiver Rauhreif verbunden, der sich an Bäumen, Telephon- und Strassenbahndrähten ansetzte und eine prächtige Winter- landschaft hervorzauberte. Um 8 Uhr war bereits die eigen- artige Erscheinung verschwunden. Zur Arbcitslosenfürsorge des Berliner Magistrats. Umfangreiche Entlassungen sind am letzten Sonnabend wieder in einzelnen Revieren der städtischen Parkverwallung erfolgt. Es wird uns berichtet, dass im Revier Treptow 27 Arbeiter und im Revier Kreuzberg 13 Arbeiter entlassen wurden. Weitere Ent- lassungen sind für den kommenden Sonnabend angekündigt. Das Eigenartigste in dieser Sache ist aber, dass diese Mahregel direkt vom Herrn Oberbürgermeister ausgehen soll, und zwar soll der Zweck der Entlassung der sein, zu verhindern, dass die entlassenen Arbeiter, die als sogenannte Saisonarbeiter bezeichnet werden, als sog. Tage- arbeiter Anspruch auf den Lohn dieser Kategorie 3,60—4,00 M. erheben könnten. Um dies zu verhindern, werden die Arbeiter ein- fach auf einige Wochen entlassen, um dann von neuem wieder ein- gestellt zu werden. Den Entlassenen wurde in Aussicht gestellt, dass sie Ende d. MtS. bei den Arbeiten im Schillerpark beschäftigt werden würden. Wir geben die Zuschrift, dass der Herr Oberbürgermeister aus den angeführten Gründen die Entlassungen verfügt habe, nur mit Vorbehalt wieder. Schon um deswegen, weil von dieser Stelle wieder- holt in den letzten Tagen und auch gerade in bezug auf die Parkver- waltung die Möglichkeit bon Arbeiterentlasiungen in Abrede gestellt wurde. Im übrigen sind die Entlassungen auch nicht wegen Arbeits- mangel erfolgt. Von zuständiger Seite wurde erklärt, dass Arbeit in Menge vorhanden sei. Es bleibt nur die Annahme übrig, dass die Entlassungen er- folgten, um zu verhüten, dass die Saisonarbeiter, die zurzeit 85 Pf. Stundenlohn erhalten, jemals den Lohnsatz der Tagelöhner von 3,75 bezw. 4,00 erhalten. Und darum schwingt der Magistrat die Hungerpeitsche. Diese„Sozialpolitik" verdient gerade jetzt, wo Riesensummer für Fürstenempfänge ausgegeben werden, die wahre Kennzeichnung als rückständig und arbeiterfeindlich. Nach Unterschlagung von 10 000 Mark ist der 32 Jahre alte aus Greifenberg gebürtige Kaufmann Georg Baumann aus der Brunhildstrasse 10 flüchtig geworden. Baumann machte den China- fcldzug mit, trat hiernach bei der Paketfahrt-Gescllschaft Starke u. Co. ein, wurde Vorsteher des Zweigbureaus in der Potsdamer Strasse 56 und verheiratete sich in dieser Stellung, in der er sein gutes Aus- kommen hatte. Am Sonnabend kam er wie gewöhnlich nach der Hauptkasse in der Ritterstrasse, um abzurechnen. Er konnte nicht den vollen Betrag der Verrechnung abliefern, sondern nur eine Teil- zahlung leisten, und erklärte das damit, dass er noch nicht alles ein- bekommen habe. Etwas Böses dachte man sich dabei nicht. Erst als Baumann am Montag nicht mehr ins Geschäft kam, schöpfte man Verdacht und sah nun die Bücher durch. Hierbei ergab sich, dass 10 000 M. fehlten. Jetzt wurden Schritte zur Verfolgung des Ungetreuen getan, der nach der Abrechnung auch nicht mehr zu seiner Familie zurückgekehrt war. Der Flüchtige ist 1,80 Meter groß, hat eine auftechte, stramme Haltung, dunkelblondes Haar und Schnurrbart und trägt einen dunklen glatten Ueberzieher mit schwarzem Pelzkragen und einen schwarzen steifen Hlit. Folgenschwerer Znsammenstoß zweier Straßenbahnwagen. Auf der Strassenbahnliuie Treptow— Köpenick hat sich gestern ein Zusammenstob ereignet, der von schweren Folgen begleitet war. Bei Mörners Blumengarten in Ober-Schöneweide stiessen zwei vollbesetzte Motorwagen mit solcher Wucht zusammen, dass die Fahrgäste von ihren Sitzen heruntergeschleudert wurden. Mehrere Personen erlitten bei dem Unfall Verletzungen. Einer Frau Bräutigam auS Treptow drang die Hutnadel eines neben ihr sitzenden jungen Mädchens tief in den Kopf. Schwer verletzt wurden ferner zwei Arbeiter. Gering- fügiger waren die Wunden, die sich die anderen Fahrgäste zugezogen haben. Beide Wagen wurden stark beschädigt. Die Ursache des Zusammenstoßes ist angeblich darauf zurückzuführen, dass der von Köpenick kommende Wagen die Ausweichgleise überfuhr. Beim Eislaufen erttunken ist gestern nachmittag der 27 jährige Schriftsetzer Paul Zenker aus der Thurnehsserstr. 3 b. Z. war mit einem Kollegen, dem 24 Jahre alten Arnold Sander, Landsberger Allee 146, nach dem Tegeler See gegangen, um Schlittschuh zu laufen. Die beiden jungen Leute wagten sich auf eine abgegrenzte gefährliche Stelle heran und brachen ein. Drei Herren, die in der Nähe waren, eilten den Gefährdeten zu Hilfe, und es glückte ihnen auch, die beiden aus dem Wasser herauszuholen. Während bei S- die Wiederbelebungsversuche von Erfolg gekrönt waren, bemühte man sich bei Z. vergeblich; er hatte den Tod bereits im Wasser ge- funden.— In grosser Lebensgefahr schwebte ferner der Hausbesitzer Tormann aus Tegel. Er brach ebenfalls auf dem Tegeler See ein, wurde aber noch im letzten Augenblick gerettet. Eingebrochen und ergetrunken. Auf dem Müggelsee bei der Rettungsstation Rahnsdorf brachen gestern nachmittag nach 5 Uhr zwei Personen ein. Der Müggelsee war polizeilich fteigegeben, doch hatte» sich die beiden aus die noch nicht sichere Fahrrinne nach Müggelwerder gewagt. Während es gelaug, den einen zu rette», ertrank der andere. Nach der Leiche wurde bisher vergeblich gesucht. Herr Rahardt, der Obermeister der Tischlerinnnng, hat sich in einer kürzlich stattgefundcnen Versammlung der Tischlermeister über eine Firma Battsch und deren Verhältnis zum„Lokal-Anzeiger" geäussert, worüber wir berichteten. Zu dieser Angelegenheit schickt uns Herr Rechtsanwalt Hahn folgendes Schreiben: „Sie bringen in der Nr. 30 des„Vorwärts" vom 6. b. M. eine Notiz über die Bcrsantmlung der Tischlermeister und Holzindustricllcn Berlins, nach der der Obermeister Rahardt geäussert haben soll, dass die Möbelfirma Bartsch aas Aerger darüber, daß sie von der Aus- J stellung der Berliner Holzindustriellen auZ�eschlosien wurde, einen eingeschriebenen Brief an die Firma August Scherl geschrieben und gedroht habe, sie würde nicht mehr im„Lokal-Anzeiger" inserieren, falls noch weitere Besprechungen über die Tischler- Ausstellung erschienen. Im Auftrage der Firma Rudolf Bartsch ersuche ich Sie ergebenst, Ihre Mitteilung dabin zu berichtigen, dast die Firma Rudolf Bartsch niemals an den Berliner„Lokal-Anzeiger' einen Brief mit dem von dem Obermeister Rahardt angegebenen Inhalt geschrieben hat und die Behauptung des Herrn Rahardt aus der Luft gegriffen ist. Ich habe auch bereits Austrag, die Privatklage wegen Beleidigung gegen Herrn Rahardt anzustrengen. Da Herr Rahardt den Beweis für seine Behauptung erbringen wollte, wird es nicht uninteressant sein, den weiteren Verlauf der Angelegenheit zu verfolgen. Ein schwerer Unfall ereignete fich gestern gegen 12 Uhr mittags in der Köpenicker Straße dicht am Schlesischen Tor. Dort wurde ein älterer Herr von einem Steinwagen überfahren und schwer verletzt. Ain Kopfe hatte der Verunglückte stark blutende Wunden erlitten, ein Bein war vollständig gebrochen, so daß die Knochen- splitter herauskamen. Vollständig hilflos lag der Aermste auf der Straße. Hilfsbereite Passanten machten sich sofort auf die Beine, uin zwei in der Nähe wohnende Aerzte herbeizuholen, trafen aber niemand zu Hause an. Inzwischen bemühten sich andere, den am Schlesischen Tor ständig stationierten Schutzmannsposten aufzugabeln. Vergeblich, obwohl einige Zeit vorher»nindestens 10 Schutzleute den in der Schlefischenstraße- Cuvrystraße ruhig ihres Weges gehenden Arbeitslosen den Weg versperrten. Einige Hilfsbereite telephonierten an die Unfallstation in der Dresdener Straße, wo ihnen der Rat gegeben wurde, sich an die Rettungswache Görlitzer Bahnhof zu wenden. Von dort kam der Bescheid, die Samariter sollten einen Schutzmann holen. Es war aber keiner zu finden. Die hatten gestern Besseres zu tun. Um nun dem Schwerverletzten zu helfen, packten ihn Passanten in eine Droschke und schafften ihn nach einem Krankenhaus. Das Publikum, das sich angesammelt hatte, gab ganz unverblümt seiner Empörung über die„polizeiliche Hilfe", die fast stetS versagt, wenn man sie braucht. Ausdruck. Falsch verstanden. Unsere Notiz in der SonntagSnummer. daß ein Mitglied der ReichStagsfraktion einer Einladung deS Bundes der Industriellen zur Besprechung deS Arbeiterkammergesetzentwurfs ge- folgt sei, sich aber, weil er dort brüskiert wurde, gleiw wieder ent« scrnt habe, ist von unserem Halleschen Bruderblatt aufgefaßt worden, als ob der betreffende Genosse möglicherweise auch— der Be- wirtung wegen hingegangen sein könnte! Die Einladung lautete zu einer Versammlung, nicht zu einem Bankett, und eS konnte der ganzen Fassung nach sich nur um eine Versammlung handeln. Den Wählern wird von bürgerlichen Parteien sehr häufig Frei- bier gespendet, bei den Abgeordneten wagt man das denn doch noch nicht. Uebrigens ist gerade der Genosse, um den es sich hier handelt, der letzte, welcher alkoholischer Genüsse wegen auch nur einen Schritt gehen würde» die Notiz des.Halleschen BolksblatteS" hat darum in eingeweihten Kreisen hier nicht geringe Heiterkeit erregt.— Der Leitung der Anstalt Wuhlgarteu wird ein' schlverer Fehler zur Last gelegt. Der 32jährige Handelsmann Hermann Wollitz, der vor etwa einem Jahre unter dem Verdacht, die Witwe Wieöner in der Gerichtstraße ermordet zu haben, verhaftet und nach der Anstalt für Epileptische in Wuhlgarlen gebracht wurde, ist jetzt als gesund auS der Anstalt entlassen worden, da die Aerzte überzeugt sind, daß er weder gersteskrank noch geistesschwach ist, sondern es ver- standen hat, Epilepsie vorzutäulchen. Im Gefühl seiner Sicherheit stattete Wollitz am Sonnabend aus dem Polizeipräsidium dem Kriminalkommissar, der hauptsächlich die Untersuchung gegen ihn geführt hatte, seinen Bcsnch ab. Seine mit lebhafter Befriedigung zur Schau getragene Freude, daß man ihm garnichts antun könne, währte jedoch nicht lange. Die Kriminalpolizei, die durch ihn selbst so rasch von seiner Freilassung erfuhr, verhaftete ihn wieder und wird die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen ihn beantragen. Wollitz durfte na� den geltenden Bestimmungen auS der Anstalt Wuhlgarteu ü r h a u p t nicht e n t l a s I e n werden. Er war als polizeilia.er Kranker, wie der Ausdruck lautet, ein- geliefert worden und durfte, auch wenn ihn die Aerzte für gesund erklärten, nur nach vorheriger Genehmigung der Polizeibehörde die Anstalt verlassen. War er nämlich nicht Epileptiker, so hätte ihn dann die Behörde gleich in Untersuchungshaft genommen, um die menschliche Gesellschaft vor einem solchen Individuum zu schützen. ES liegt also bei der Entlassung des Wollitz«in schwerer Fehler der Anstaltsleitung vor, der noch weitere Untersuchungen nach sich ziehen wird, um in Zukunft derartige Mißgriffe zu verhüten. Konsumgenosscnschaftlichrs. Nach Feststellung der Umsätze der Konsumvereine von Groß-Berlin für das zweite Halbjahr 1008 (Juli bis Dezember) ergibt sich ein Gesamlumsatz in den sechs Monaten von 2 211 175,— M., es ist dies gegen die gleiche Zeit deS Vorjahres ein Mehrumsatz von 308 059,— M. An den gesteigerten Umsätzen sind ganz besonders die Konsumgenossenschast Berlin (23,1 Proz.), Adlershof(19.3 Proz.) und Potsdam(27,7 Proz.) beteiligt, während bei den übrigen Vereinen zum Teil sogar ein Neiner Rückgang infolge der allgemeinen Arbeits- losigkeit zu verzeichnen ist. Bereits in 77 Verkaufsstellen ist für Groß-Berlin Gelegenheit zur Beteiligung gegeben, von der die arbeitende Bevölkerung mehr als bisher Gebrauch machen sollte. Einige der Vereine Groß-BerlinS beschäftigen sich bereits mit den Vorarbeiten zur Errichtung von Bäckereien, welche als Musterbetriebe eingerichtet werden sollen, und geben zur Beschaffung deS dazu nötigen Kopitals sogenannte Hausbau- oder GrundstückSanteile a 20, 100 und 500 M. heraus; es sind davon im Monat Januar bereits für rund 30 000 M. gekauft worden. Die schon seit Jahren geplante Seifenfabrik der Groß-Einkaufs- Gesellschaft deutscher Konsumvereine hat nun endlich auch die Genehmigung der Behörden gefunden und wird bereits in den nächsten Wochen mit dem Bau derselben begonnen werden. Es ist hierzu ein 40 000 Ouadratrnten großes Areal in Gröba bei Riesa erworben und soll die Seifenfabrik nur der Anfang einer weiteren Anzahl von Fabriken der Konsumvereine bilden, die dann nicht nur den Zwischenhäildlergewinn sondern auch de» Unter- uehmergewinn den organisierten Konsumenten.zuführen. Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin u. Umgegend, hielt am 7. Februar d. I. im Friedrichshain(Brauerei) eine Aus- schußsitzung ab. Zur Aufnahme waren erschienen Verein„Süd- West, Berlin", sowie der Vertreter von„Freier Männer-Chor, Rathenow". Die Aufnahme beider Vereins wurde abgelehnt. Um größere Vereine zu bilden, sollen sich dieselben, da nur 24 Mit- glieder stark, einem anderen Verem anschließen. Der Vorstand soll sich weiter mit der Sache befaffen. Als Bundesdirigent wird .Herr Blobel mit großer Majorität wiedergewählt. In der De- batte wurde der Wunsch geäußert, diese Stelle auszuschreiben. Bei anderen Vorschlägen, welche gemacht wurden, stellte sich heraus, daß die Vorgeschlagenen überhaupt gar nicht um ihre Zustimmung gefragt worden waren. Als Revisoren wurden Nätebusch, Schmidt und Karch gewählt; als Kontrolleure Paul Richter, Verein Nr. 83, und 28. Hahn, Verein Nr. 21. Als Ort des diesjährigen Pro- vinzial-Sängerfestes wird nach längerer Debatte aus Zweckmäßig- keitsgründen Fürstenwalde bestimmt. Eine längere Aussprache zeitigte der Punkt„Sängerfest". Es wurde angeregt, dasselbe an einem Sonnabend abzuhalten, ein Beschluß jedoch nicht gefaßt, sondern den Vereinen zur Entscheidung überwiesen, ob der Sonn- abend oder der Sonntag wünschenswert sei. Die Abstimmung ist sofort in dieser Woche vorzunehinen und das Resultat an den Vorsitzenden. Paul Kupfer, Berlin, Petersburger Straße 56, ein- zusenden. Einem Wunsche, zur Konferenz der Stadtverordneten und Gemeindevertreter am 14. Februar im GewerkschaftShauS einen Gesangsbeitrag zu leisten, soll entsprochen werden. Die yächshe Ausschußsitzung sowie Uebungsstunde findet am Sonntag. den 14. März, in der Brauerei FricdrichShain statt. Siehe Inserat am 7. März. Zeugengesuch. Am 4. Mai 1008 abends IVi Uhr kam auf der Bahnhofstreppc des Bahnhofs Schönhauser Allee ein Arbeiter da- durch zu Fall, daß er aus einer dort liegenden Slpfelsinenschale ausglitt und sich erhebliche Berietzungen zuzog. Zeugen, die diesen Unfall gesehen haben und sich dessen erinnern, werden um Angabe ihrer Adresse an W. Wolke, Wörthcr Straße 14. Seitenflügel 1 Tr., gebeten. Fcucrwehrbcricht. Gestern früh um 4 Uhr wurde die Feuerwehr wegen eines Automobilbrandes nach der Friedrichstr. 210 alarmiert. Böslvilliger Alarm, der dritte seit kurzer Zeit, veranlaßte das Aus- rücken der Wehr nach der Bödickerstraße. Der Täter ist wieder unerkannt entkommen. Bor dem Hanse Brunnenstr. 183 war ein Mann unter einem Wagen der elektrischen Straßenbahn geraten. Der 15. Zug hatte einen Wohnungsbrand in der Wilsnacker- straße 16 zu löschen. In der Manteuffelstr. 00 brannten Tische in einer Schneiderwerkstatt. Um Personen zu retlen wurde die Feuer- wehr nach der Weißbacbstr. 3 und JablonSkiftr. 25 gerufen. In beiden Fällen konnte die Wehr nicht mehr helfen. Wäiche, Kleider und anderes wurden bei einem Brande in der Jüdenstr. 18/19 ein Raub der Flammen. Ferner liefen noch Feuermeldungen aus der Torfstr. 18, Naunynstr. 5 und andere Stellen ein. Vorort- j�admcbtern Nixdorf. Aus der letzten MagistratSsitzung. In Sacken der Kirchen- gemeinde Deutsch-Rixdorf wider die Stadtgemeinde Nixdorf wegen des Kirchhofs an der Bergstraße soll Berufung gegen das Urteil des Landgerichts II in Berlin vom 20. Oktober 1003 eingelegt werden.— Zur Besetzung der ausgeschriebenen Stellen am nenen städliscken Krankenhause in Buckow wählte der Magistrat auf Grund der Aus- schreibungsbedingungen: a) als dirigierenden Arzt der inneren Ab- teilung den Assistenten an der lönigl. Charitö Professor Dr. Jürgens in Berlin, b) als Prosektor den Prosektor am städtischen Kranken- Hause in Chemnitz Dr. Ehlers, o) als Oberapotheker den Apotheker am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Krankenhause in Schöneberg Hahn. Schöneberg. Die letzte öffentliche Sitzung der Schöneberger Stadwcrordneten- Versummlung war nur von sehr kurzer Dauer. Die Vorlage des Magistrats betr. Uebernahme des Bestattungswesens in städtische Regie wurde nach kurzer Debatte einem Ausschuß überwiesen. Stadtrat Schüler empfahl eine möglichst schnelle Erledigung der Angelegenheit, damit bis zum 1. April mit der Ein- führung begonnen werden kann. Weiter hatte der Magistrat der Versammlung den Bericht der Deputation für die Uebernahme des AbfuhrwesenS in städtischer Regie vorgelegt. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion soll der Bericht zunächst gedruckt werden.— Für die Anlegung eines Spielplatzes wird nachträglich die Genehmigung erteilt und werden die Kosten dafür in der Höhe von 1215,83 Mark bewilligt. Zum Vor- sitzenden des GewerbegerichtS und des Kauf- mannSgerichtS wird der in der vorigen Sitzung als Stadtrat eingeführte Landgerichtsrat a. D. Dr. B e r w i e n gewählt.— In nichtöffentlicher Sitzung gab der Magistrat Auskunft über den Stand deS Untergrundbahnbaues. Von verschiedenen Seiten wird ersucht, den Endpunkt der Schöneberger Linie vom Nollendorfplatz nach dem Wittenbergplatz zu verlegen. Friedenau. Achtung! Gemcindevertreterwahl. Die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung findet heute, Mttwoch, von 2 bis 9 Uhr nachnüttags im Nestaurant Hohenzollern, Handjerystr. 64, statt. Als Legitimation bringe jeder die vom Gemeindevorstand zu- gestellte Ausmeiskarte mit; wer eine solche nicht erhalten hat, versehe sich mit einer genügenden anderen Legitimation (Steuerzettel. Militärpapiere. Invalid enkarte usw.). Karlshorst. Der Fuhrherr Gustav Grnnow aus Karlshorst, der seit einiger Zeit vermißt wurde» ist jetzt als Leiche ausgefunden worden. Grnnow hatte in Berlin Geld einkassiert und trat abends mit dem letzten Zug die Rückfahrt nach Karlshorst an. Er schlief in dem Kupec ein und erwachte erst in Erkner, als ein Bahnbeamter den Zug revidierte. Dem Beamten erklärte der Fuhrherr, daß er sich, weil kein Zug mehr ging, zu Fuß nach Hause begeben werde. Gestern wurde nun Grunow im Stadtforst bei Fürsten- Walde erhängt aufgefunden. Von dem einkassierten Gelde hatte der Verstorbene nicht einen Pfennig bei sich, dagegen war das Beinkleid aufgeschnitten. Wie die sofort hinzugerufene Polizei feststellte, zeigte der Körper des Toten keinerlei Spuren, die auf ein« Gewalttat schließen ließen, vielmehr wurde als ziemlich sicher Selbstmord angenommen. Zweiffellos ist Grunow auf der Fahrt von Stadtbahnräubern gefleddert worden und der Mann hatte das Fehlen des Geldes jedenfalls bald nach dem Verlassen des Bahn. Hofs gemerkt. Aus Verzweiflung hierüber, so wird vermutet, ist dann G. statt nach seiner Wohnung nach Fürstenwalde gegangen, wo er sich dann durch Erhängen tötete. Die Leiche ist vorläufig beschlagnahMt und nach dem Friedhof in Fürstenwalde gebracht worden. Zossen. Die letzte Stadtverorduetensttzung beschäftigte fich in der Haupt- sacke mit der Kenntnisnahme des VerwallugsberichteS für 1908. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters sind für die Stadt im Jahre 1008 sehr wesentliche Fortschritte zu verzeichnen, wie Neu- Pflasterungen verschiedener Straßen. Errichtung eines Gemeinde« Hauses zur Pflege echt christlicher Gesinnung, die Errichtung der Volksbibliothek sowie die Inangriffnahme des Baues einer Gas- anstalt, die bereits im Oktober 1900 fertiggestellt sein soll. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 4830 und hat sich um 56 vermehrt. Die Zahl der stimmfähigen Bürger ist von 777 auf 815 gestiegen. Der Punkt: Errichlung einer Fortbildungsschule fand sehr chnell seine Erledigung, dadurch, daß der Bürgermeister erklärte, daß ihm von der Regierung mitgeteilt worden wäre, daß in diesem Jahre keine Gelder für neue Fortbildungsschulen im Staatshaushalt vor- gesehen wären und somit kein Zuschuß gewährt werden könne. Die Stadt allein sei nicht imstande, die Kosten einer Schule zu über- nehmen, denn dieselben betrügen 1400 M. Nach unerheblicher Debatte wurde dann noch ans Befürwortung deS Bürgermeisters die Errichtung einer Fortbildmigsschule zurückgestellt.— Ferner wurde noch der Prozentsatz der Steuern für 1900 festgestellt. Danach ist auf Antrag des Magistrats derselbe Steuer- ätz vorgesehen wie im Borjahre und zwar 160 Pröz. Gemeinde- teuern, 160 Proz. fingierte Kommunalsteuern, 270 Proz. Grund- steuern, 200 Proz. Gewerbesteuer, 200 Proz. Betriebssteuer. Der Antrag des Magistrats wurde debattelos angenommen. Nachdem noch für die in Messina Geschädigten 50 M. bewilligt wurden, wurde die nur l'/i Stunden dauernde Stadtverordnetensitzung geschlossen. ES ist beschämend, zu sehen, mit welcher Verständnis- losigkeit und Gemütlichkeit diese sogenannten Vertreter der Bürgerschaft die wichtigsten Dinge behandeln. WaS der Magistrat empfiehlt, wird angenommen. Die geistige Höhe der Verhandlungen wird durch folgendes Beispiel charakterisiert: Als eS sich uin die Bewilligung einer Summe für die Geschädigten in Mcsstna handelte, meinte ein Stadtverordneter:„Mein Vorredner ist im Unrecht, wenn er meint, da? Geld bekämen doch nicht die Armen und deshalb sollte man die Bewilligung ablehnen. Es müßte schon deshalb bewilligt werden, weil Italien zum Dreibund gehört und ein jeder Patriot soviel Mcnschlichkeitsgesühl haben müßte, um für die Geschädigten unserer Bundesgenossen einzutreten." Wannsee. In der Gcincindcvcrtretcrfltzimg am letzten Sonntag wurde die Abnahme der Rechnung für 1967 und die Entlastung deS Rechnung?« leger? beantragt. Die Einnahme betrug 358 392 M., die Ausgabe 301 637 M., so daß ein Bestand oder Ueberschuß von 57 205 M. ver« blieb. Im Jahre 1906 waren 25 000 M. mehr Ausgaben gemacht, die von diesem Ueberschuß gedeckt sind und die übrigen 32,205 M. sollen für die Anzahlung des HauseS in der Königstraße zur Apotheke verwendet iverden. ES sind an Steuern 77 000 M. mehr ein« gekommen wie im Voranschlag angegeben war. Beschlossen wurde, daß die Wocheimiärkte jeden DienSlag und Freitag im Sommer von 6 bis 11 Uhr und im Winter von 8 bis 12 Uhr stattfinden sollen. Wann der Beschluß in Kraft tritt und welcher Platz in Frage kommt, wird die Gemeindevertreter später noch zu beschäftigen habe». Die Flora- straße hat die Gemeinde vom Rentier Fr. Schuchardt unentgeltlich übernommen, und ist der Gemeindevorsteher zur gerichtlichen Auf- lassung bevollmächtigt. Weiter wurde beschlossen, die Glienicker Straße von der Kohlhasenbrückerstraße bis zum Seeweg zu rcgu- lieren und zu entwässern. Der Anschlag ist auf 11 000 M fest- gesetzt: auch soll der Seeweg bis zu den beiden Villen provisorisch befestigt werden mit altem Material; hierfür sollen 2000 M. aus- gegeben werden. In der Kleinen Seestraße soll eine Regenwasser- ableitung hergestellt werden und zwar vom Guttmannschen Grund- stück bis zur Königstraße, auch soll der südliche Bürgersteig von der Königstraße bis Villa Siemens befestigt werden, ebenso der Bürger- steig an dem Schiilgrundstück. Ein Antrag des Maschinenineislers Heinrich, eine Trinkhalle zu errichten, wurde abgelehnt. Köpenick. Bei der gestrigen Stadtvcrordnetencrsatzwahl wurde ein end- gültiges Resultat noch nicht erzielt. ES findet Siichwahl statt zwischen dem Bürgerlichen Rohrbeck und unserem Genossen Nickel. Serickts- Leitung. Die Bewertung eines LandarbeiterlebeuS. In der Nacht vom 9. zum 19. August vorigen JahreS kehrten mehrere Arbeiter aus dem Dorfe Lüdershagen gegen Mitternacht von einem Waldfeste' in ihr Heimatsdorf zurück und mußten dabei den Gutshof von Neuenlübke(Vorpommern) passieren. Dort stellte sich ihnen der Inspektor Laever- mann entgegen und verbot ihnen den Weg. Ms sie geltend machten, daß sie diesen Weg doch inimer unbeanstandet benutzt hätten, griff Laevermann die drei Arbeiter an, so daß es schließlich zu einer Balgerei kam, bei welcher dem Laevermann der Inspektor Maaß aus Pantelitz sekundierte. Schließlich konnten die An- gegriffenen weitergehen. Als sie bereits in der Nähe ihres Wohnortes waren, hörten sie ihren aus Neuenlübke stammenden zurückgebliebenen Kollegen Hermes jämmerlich schreien. Sie liefen zurück, um zu sehen, was passiert sei und fandeil Laevermann und Maaß und ei n e A n z a hl E rnte- arbeiter mit Jagdgewehr und Dunggabeln bewaffnet, die auf Hermes einschlugen. Als die Angreifer der drei ansichtig wurden, stürzten sie sich auf diese, und Maaß schlug mit dem Gewehrkolben den Arbeiter Bruns Hägen derart auf den Kopf, daß derselbe hinstürzte. Den anderen Arbeitern gelang es, der wütenden Rotte zu entfliehen. Bruns- Hagen, der eine schwere Schädelverletzung er- litten hatte. wurde auf eine Dungschletfe geworfen und nach Neuenlübke gefahren. Hier wurde der Aermste durch Maaß und Laevermann in grauenvoller Weise gemartert. Er wurde geschlagen, g e st o ß e n, mußte sich aufrichten und exerzieren, sollte Kniebeuge machen usw. Da er aber natürlich immer wieder zusammen- brach, wurde erneut aus ihn eingeschlagen. Als der Schwiegervater aus Neuenrost herbeieilte, ihn: Hilfe zu bringen, fand er ihn mit auS dem Kopfe gequollenen Augen. Das Gehirn lag bloß, die Finger waren ge- brachen, daS Fleisch hing in Fetzen an den Knochen lind die Geschechtsorgane waren grau- s a m v c r st ü m m e l t. Als der Schwiegervater bat, sie möchten doch seiner Tochter den Ehemann, den drei kleinen Kindern den Vater wiedergeben, antworteten die rohen „Helden":„Er muß erst bekennen, sonst muß er krepieren." Schließlich drohte man dem alten Manne noch mit Erschießen. Um 11 Uhr vormittags kam endlich ein Arzt und zwei Gendarmen, die den Halbtoten seinen Peinigern entrissen. Am übernächsten Tage erlag Vrunshagen den grausamen Verletzungen. Nun hatten sich die beiden Inspektoren vor dem Schwurgericht in Greifswald zu verant- ivorten. Und daS Restiltat? Maaß wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, Laevermann frei- gesprochen! Angesichts solcher Urteile gibt es noch Leute. die sich wundern, daß das Vertrauen zu unserer Justiz in immer weiteren Volkskmsen zum Teufel geht. Was iväre wohl mit den armen Landsklaven geschehen, wenn sie einen Gutsinspektor auf solche Weise zu Tode gemißhandelt Huttens Die„Große Glocke". Der letzte Akt ans der Geschichte des Halsbanddiebstahls bei der Gräfin Wartensleben spielte sich gestern vor der achten Straf- tammer des Landgerichts I ab. Wegen Beleidigung der Gräfin Klara v. Wartcnslebcn geb. Schaefer stand am 20. Navember v. I. der verantwortliche Redakteur der„Großen Glocke". Felix Wolf, vor dem Schöffengericht. ES handelte sich um einen Artikel unter der Ueberschrift:„Verbrecherische Ariilotraten", in welchem allerlei dunkle Andeutungen über daS Verschwinden des Perlenhalsbandes gemacht und unter anderem gesagt wurde:„Man hat am Alexanderplay schon in Erwägung gezogen, daß eine Person, die der Gräfin gesellschaftlich gleichgestellt ist. als Täter in Betracht komme und diese Person sich recht oft in der allernächsten Umgebung der Gräfin befinde."— Das E ch ö s f e n g e rt ch t hatte mir Rücksicht auf die Schivere der haltlosen Angriffe den Angeklagten zu 600 Mark Geldstrafe ev. 60 Tagen Gefängnis verurteilt.— Hiergegen hatte sowohl der Angeklagte als auch die Privatklägerin Berufung eingelegt. Der Angeklagte war zum gestrigen Termin nicht erschienen, sein Verteidiger überreichte für ihn ein Krankheitsattest. Der gegnerische Vertreter wollte dies nicht anerkennen und beantragte, einen Gerichts- arzt mit der Feststellung des Gesundheitszustandes des Angeklagten zu beauftragen. Eventuell wurde die Vorladung des in letzter Zeit wegen seines ErpresiungSversuches vielgenannten Redakteurs D a h f e l beantragt, auf den sich der Angeklagte im letzten Termin berufen hatte und der nicht nur Redakteur der vom anttsenutischen Abgeordneten Bruhn geleiteten„Wahrheit", sondern auch Inspirator der„Großen Glocke" gewesen ist.— Die Anträge erledigten sich dadurch, daß auf telephonische Anfrage der Angeklagte seine Berufung zurückzog, worauf klägerischerseits dasjclb« geschah._ Der„adessiltische Prozeß" des Kaufmanns Anrold Holtz gegen den Konunerzienrat Kar? Bosch beschäftigte gestern die Strafkammer deS Landgerichts II in der BcrufuirgSinstanz. Der Prozeß ist seinerzeit vor dem Schöffen- gericht Berlin-Schönebcrg unter Ausschluß der Ocfsentlichleit ver- handelt worden, um eine etwa zu befürchtende Gefährdung von ReichSinteressen zu vermeiden. Kommerzicnrat Bosch war be- schuldigt worden, im Jahre 1008 zu den Geh. LegationSräten Hamann und Zimmermann belcidiaenbe Aeußerungcn über den Privatkläger gemacht und zu dem Schriftsteller Dr. Funke gefagt zu haben: Der Brbatfläger habe durch Intrigen seine Vordrängen der tveiblichen Arbeitskraft. Troßbem, staatsbürgerliche Expedition nach Abessinien geschädigt und ruiniert und Rechte werden dem weiblichen Geschlecht unter heuchlerischer PhrasoBriefkaften der Redaktion. 1. Gine jei ein Schwindler. Der Angeklagte hatte die Aeußerungen logie vorenthalten. Die inriftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gweltet zu den beiden Reichsbeamten bestritten und im übrigen Sof, dritter Eingang, vier Treppen, A Fahrstuhl bezüglich seiner Aeußerung zu dem Dr. Funke den Beweis der wochentäglich abende von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr Eine neue Variation des Wohltätigkeitsschwindels Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 1hr. Jeder Aufrage ist ein Wahrheit angetreten. Gleichzeitig erhob er Widerklage mit der Behauptung, daß der Privattläger ihn im Jahre 1906 in Berlin W. hat eine neue Sensation. Unter der Devise: Die wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können. 14 Tage Buchstabe und eine Habl ale Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Abessinien mit Schimpfworten bedacht habe. Das Schöffen. Dame in kunst und Mode" hat ein Kunstgewerbehaus in der vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. gericht hielt die beleidigenden Wenßerungen zu den beiden Leipziger Straße eine Ausstellung von Lugusartikeln eröffnet, die 23. R. 24. 1. und 2. Leider ist gegen den langsamen Geschäftsgang Geh. Legationsräten nicht für nachgewiesen, war aber im übrigen in ihrer Aufmachung nach verschiedenen Richtungen wahrhaft ver- nichts zu machen. Verpflichtet zur Antwort war der Magistrat nach dem der Meinung, daß es dem Angeklagten nicht gelungen sei, den blüffend wirkt. Was man sonst in den großen Modebazaren nur Berjährungsfrist läuft aber von jeder richterlichen Handlung ab von neuem, Gesetz nicht. C. T. 1. Berjährung würde in 5 Jahren eintreten. Die Beweis der Wahrheit zu führen und verurteilte ihn wegen Be- berstreut zu sehen bekommt, all das luxuriöse, zum" Interieur" 3. B. Erlaß eines Steckbriefes. 2. Etwa 6 Monate. 8. Bei der Staatsan leidigung zu 300 m. Geldstrafe. Bezüglich der Widerklage sollte und" Trousseau" der vornehmen Dame gehörende Drum und Dran waltschaft. R. S. 100. Möglicherweise wird angenommen, die Vers nach Beschluß des Schöffengerichts durch Vermittelung des Auswärtigen ist hier in einer Weise arrangiert, die ein realistisches Bild von dem frommungsberordnung verbietet dies Fahren. Libenau 125. Amtes zunächst Auskunft vom König Menelik I. eingeholt werden, üppigen, verschwenderischen Leben gibt, das man auf den Höhen Verurteilung ist möglich. Die Empfängniszeit umfaßt den 181. ob die Beleidigung nach abeffinischem Recht strafbar ist und in welcher der Menschheit führt. All die unzähligen, komplizierten Dinge, bis 301. Sag. 2. Zu Ihrer Vertretung tonnen Sie einen AnZeit sie verjährt. deren man in diesen Kreisen zum Schmud, zur Pflege des Körpers, walt bestellen. Bestimmle Anwälte, Aerzte Firmen usw. zu emp Gegen diese Entscheidung hatte Bosch Berufung eingelegt, zur Toilette bedarf, find in auserlesenen, wertvollen Exemplaren ist invalidenversicherungspflichtig nicht aber frankenversicherungspflichtig. fehlen, lehnen wir grundsätzlich ab. 23. P. 29. Eine Auswärterin die Justizrat Kleinholz dahin begründete: Das Schöffengericht in einer langen Reihe von parfümierten Boudoirs, Salons, Schlaf-. B. 9. 1. Ein 5. B. 9. 1. Ein Radforderungsrecht steht Ihnen nicht zu. 2. Die habe einen formellen gehler begangen, denn es durfte nicht über die und Toilettezimmern fünstlerisch- zwanglos so gruppiert, als ob sie Boftdirektion gibt Ihnen Auskunft. 28. 57. Sie tönnen solches Gesuch Selage allein entscheiden, da nach§ 428 Str.-Pr.-D. über Klage und fich wie der Katalog sich ausdrückt nach der Nähe ihrer machen; leider hat es wenig Aussicht auf Erfolg. Ein Anspruch sieht Ihnen Widerflage gleichzeitig zu erkennen sei. Justizrat Rein- fchönen Besitzerin sehnen". In dieser Weise ist z. B. das nach dem Gesez nicht zu. G. 8. 23. Der Wirt ist leider im Recht. bacher stellte die Entscheidung dem Gerichtshofe anheim. Das Schlafgemach einer Weltdame, die im Begriffe steht, abzureisen, für den Fall einer Erefutionsflage würde der Mieter verlangen müssen, Gericht schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an und vers arrangiert. Diese Jdee gibt Veranlassung, in geöffneten Schränken, daß die von ihm angeführten unentbehrlichen Gegenstände von ihm mitties in Gemäßheit des§ 369 Str.-Pẞr.-D. unter Aufhebung Schubladen, Handtaschen und Koffern, die an Bracht und Gediegen- genommen werden. Es tönnte hierauf im Wege der Widerklage bei der des Urteils die Sache zur Entscheidung an die erste geit miteinander wetteifern, all die eleganten Kleider und Blusen, Ihnen voraussichtlich von den Gerichtstoften aurüdgezahlt werden. Erefutionsfiage geflagt werden. Instanz zurüď. die duftigen Wäscheschäze, seidenen Strümpfe, feinen Schuhe und tausend Kleinigkeiten der Toilette zu zeigen, die zur Reiseausrüstung der reichen Dame gehören. Aus der Frauenbewegung. Zunahme der weiblichen Arbeitskraft. Zur Ergänzung der bereits mitgeteilten Hauptzahlen über das Wachstum der weiblichen Arbeitskraft im Erwerbsleben, laffen wir hier noch Spezialangaben folgen. Diese zeigen den Anteil und das Stärkeverhältnis des weiblichen Geschlechts in den verschiedenen Berufsgruppen. Die nebenberufliche Tätigfeit, die nicht nach Personen, sondern nach der Bahl der Fälle ermittelt ist, laffen wir, um störende Momente in der Uebersicht zu vermeiden, unberücksichtigt. Es wurden Arbeitskräfte gezählt: Landwirtschaft 2c. Industrie und Gewerbe. Handel und Verkehr. • Aufsichts- und kaufmännisches Berfonal. männliche 1895 60 426 145 779 1907 59 669 371 952 weibliche 1895 13 466 4769 235 403 6.964 667 324 25 199 1907 11 420 39 922 142 208 Insgesamt 848 413 102 375 Demnach hat in der Landwirtschaft die weibliche Arbeitskraft in Aufsicht führenden Positionen etwas abgenommen; dagegen er zielte sie in faufmännischen Funktionen in Industrie, Handel und Berkehr eine starte Zunahme. Insgesamt ergibt sich in dieser sozialen Gruppe für die männliche Arbeitskraft eine Zunahme von 91 Prozent, für die weibliche von 306 Prozent. Gewerbstätige Familienangehörige, Gefellen, Lehrlinge, Arbeiter ac. Landwirtschaft B 1895 männlich 2 035 658 Industrie und Gewerbe 2 993 175 Handel und Verkehr Wechselnde Lohnarbeit 9 • . 528 747 1907 1 903 757 4 395 510 852 922 155 758 112 830 5 708 360 7 265 019 1895 weiblich 1907 2 544 105 794 947 27 versäumt Schmock, auf der Höhe seiner Aufgabe, nicht, in der bürgerlichen Presse rühmend des 3wedes dieser Ausstellung zu So gedenken. eblen wie Stationen München Barometer .. 18. Ein fleiner Teil wirt Better Stationen -6 Haparanda 768 SD Better Lemp. n. 6. 16° 6.4°. 4 halb bb.- 24 Nebel -22 5 Regen 4 bedeckt 2 wollen!-4 8 8 man in der vornehmen Welt sonst, um sein soziales Gewissen zu falbieren, zum Besten der Armen" tanzt, musiziert und sich amü- Swinembe 770 WSW 1 Dunst fiert, so zeigt man hier, wie man standesgemäß wohnt, schläft und damburg 770 WS, 2Nebel-5 Betersburg 780 Still sich schmüdt- aum Besten der Erholungshäuser für Berlin 771 Still wolfen!-5 Scilly Heimarbeiterinnen. Damit ist der Wohltätigkeitshumbug Franfi.a.M. 771 ND 1 Dunst-7 berbeen der Herrschenden entschieden um eine neue Note bereichert worden. Bien Ihr soziales Verständnis aber ließe sich gar nicht besser charakteri fieren, als durch die Tatsache, daß sie sozusagen in aller Oeffentlichfeit eine Orgie tollster Brunt- und Verschwendungssucht beranftalten, um armen Heimarbeiterinnnen einige kleine Vergünsti- nehmender Bewölkung: nachher geringe Niederschläge. gungen zu verschaffen. Erholungshäuser wären für diese Ausgebeutesten unter allen Ausgebeuteten gewiß eine sehr wünschens werte Sache, aber es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die ihnen unendlich viel mehr not täten. Das wird jeder zugeben, der jener anderen Ausstellung beigewohnt, die vor nicht allzulanger Zeit in büfteren, unvergeßlichen Bildern das namenlose Elend der Heim arbeit enthüllte, ein Glend, dessen Größe aller Wohltätigkeitsbestrebungen spottet. 759 WSW 754 G 773 SSD 2 molten!-11 Baris 767 SO 770 N 3 balb bd.- 4 Wetterprognose für Mittwoch, den 10. Februar 1909. Etwas milder bei ziemlich lebhaften südwestlichen Winden und zu Die Armut als Sportobjekt der reichen Damen, das ist eben Mode. Mit sozialer Erkenntnis oder sozialem Streben hat das absolut nichts zu tun. Was die Arbeiterinnen allgemein und die Heimarbeiterinnen insbesondere verlangen, das ist Schutz gegen schrankenlose Ausbeutung und die Anerkennung als gleichberechtigte Staatsbürger. Die von den traß Genußsüchtigen beliebte Bewohlfahrterei empfinden sie als Verhöhnung ihres Menschentums, das feinen Stolz findet in dem Bewußtsein, als Gütererzeuger nüßliche Glieder der Gesellschaft zu sein. 1 280 672 485 018 198 449 826 522 148 377 209 508 Insgesamt 2112 516 3 875 082 In dieser Gruppe in der Landwirtschaft hat die weibliche ArbeitsIraft um das doppelte zugenommen; die männlichen Arbeiter haben cinen absoluten Rückgang von 131 801 zu verzeichnen. Die Gesamtgruppe erfuhr einen Zuwachs, der bei der männlichen Arbeitskraft rund 28 Proz., bei der weiblichen 83 Prozent ausmacht. So sieht man auf allen Gebieten ein den Gesamtzuwachs weit übersteigendes i reger, Breise fest. Für den Jubalt der Inferate übernimmt die Bedaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Mittwoch, 10. Februar: Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Carmen. Königl. Schauspielhaus. Die Jungfrau von Orleans. Lessing- Theater. Mittwoch 8 Uhr: Der König. Donnerstag 8 1hr: Der König. Freitag 7 Uhr: Rosmersholm. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr start, Geschäft flau, Breise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, eschäft matt, Preise nachgebend. Geflügel: Bufuhr nicht genügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Breise wenig verändert. Fische: Busuhr genügend, Geschäft etwas belebt, Breise wenig verändert. Butter und säje: Gefchäft ruhig, Breife unverändert. Gemüse, Obst und übfrüchte: Bujuhr mäßig, besonders in Blumenkohl, Geschäft etwas Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Komtesse Guckerl. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das kleine Heim. Berliner Theater.uftpiel in 3 aften von Franz von Drama in 3 Aft. v. Thaddäus Rittner. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anjang 8 Uhr. Deutsches. Revolution in Strab. Die fremde Frau. mintel Rammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Ubt. Neues Schanibiefbaus. Galeotto. Leffing. Der König. Romische Oper. Lazuli Berliner. Einer von unsere Leut. Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Sebbel. Der Liebhaber. Lustspielhaus. Seine fleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller Bailnet. 2beuter.) Somteffe Gudert. Schene Charlottenburg. fleine Heim Friedrich Wilhelmstädt. S Pfarrer von Kirchjeld. Weften. Der tagjere Soldat. halta. Charleys Tante. ( La femme X...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, 10. Februar, Anf. 8 Uhr: Das Der Pfarrer von Kirchfeld. Der Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Freitag zum erstenmal: Lumpact vagabundes. Luisen. Der Störenfried. Dienst Lustspielhaus. boten. Trianon. Der Satyr. Denes Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Roie. Die Räuber. Gaftipiel Theater. Der Hütten befizer.( Anf. 8, Uhr.) Sürgerl. Schauspielhaus. Opern abend.( Anj. 8, Uhr.) Cebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Ap to. Dntel Stafimir. Spezialitäten. Metrovol. Donnerwetter Los. tadel 23intergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Bahage. Spezialitäten. Deichsballen. Stettiner Sånger. Walhalla. Svezialitäten. Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. Hebbel- Theater Königgräter Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Der Liebhaber. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 aften von Leo Fall. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie." Schwank in dret Aften( oler Bildern) von Georges Feydean. Morgen u. folgende Lage: Kümmere Dich um Amelie. Folies Caprice. Servus Pfchefina. Lustige Ehemann.( Unf. 8% Uhr.) Rajino. Rußland. Spezialitäten. Sustav Behrens. Tobias Braut fahrt. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Parodie. Der gefchundene Raubritte. Anfang 8, Uhr. Irania. Tausenitzake 48/49. Nachmi tags 4 Uhr: Ueber ben Bürgerliches Schauspielhaus Bren, er nach Benedig. Abends 8 Uhr: Prof. Dr. L. Blate: Darwin als Mensch und Forscher und der heutige Stand seiner Lehre. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Bernbt: Die Einteilung des Zierreiches. Sternwarte, Snvalidenftr. 67/62. Sonntag, 14. Februar, nachm. 3 Uhr: Ferreol. Schauspiel in 4 Aften von Sardon. Kaftanien- Allee 7-9. Letter Opernabend. Undine. Nom. Zauberop. in 4 Att. v. A. Lorking Anfang 8 Uhr. Morgen neu einstudiert: Deborah. Freitag zum erftenmal: Narziß. Schönthan und Franz Koppel- Eufeld. Donnerstag, abends 8 Ubr: Ein Volksfeind. Freitag, abends 8 Ubt: Komtesse Guckerl. Donnerstag, abends8Uhr: Das Erbe. Freitag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Brauerei Friedrichshain. Anfang 8 Uhr. Urania. Heute sowie täglich: Gr. Münchener Bock- Feste Berühmtester Festwirt aus Schorsch Ehrengruber München mit seiner Truppe( 60 Personen). Schönste Alpen- Dekoration. Natur- Sänger. Tiroler 30 bayerische Mad'in in Kostüm. Heute Mittwoch: Gratisverteilung entzückender Damenspenden Entree 20 Pf. Wissenschaftliches Theater. DERNHARD ROSE THEATED Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. 8 Uhr Prof. Dr. L. Plate: Darwin als Mensch und Forscher und der jetzige Stand seiner Lehre. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Beradt: Die Einteilung des Tierreiches. Luisen- Theater. Bastspiel Frau Anna Schramm: Der Störenfried. Hierauf: Die Dienstboten. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Das Mädchen a. Irrwegen. ( Br. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Räuber. Trauerfpiel in 5 Atten v. F. v. Schiller. Wochentagspreise. Donnerstag: Einjährig- Unfreiwillig. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 10. Februar 1909: Hedda Gabler. Schauspiel in 4 Atten v. Henrit 3bfen. Anfang 8 Uhr. W. Noacks Theater Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinderborstellung: Rotkäppchen. Abends: Direttion: Rob. Oill. Srumentr. 16. Die Gre Sonntag nachmittag 8 Uhr: Die Stinder des Kapitän Grant. Abends: Das Mädchen auf Firwegen. Montag: Hypochonder. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Holden Giampietro Kettner Pfann Thielscher. Perry Bender Wafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt Dom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Zilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dber, Natibor Kroffen Frankfurt Landsberg Barthe, Schrimm Rege, Borbamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barba Magdeburg am feit am fett 8. 2. 7.2. Bafferftand 8. 2. 7.2. cm cm) 2015) cm cm³) -1 Saale, Grochlig 406 -104 -78) Havel, Spandau) Rathenow³) 84 99 863) 1424)-68 1948)-20 2865)+32 96+8 773)+1 64+3 308-142 360+18 433+25 3605)+- 78 Spree, Spremberg) 200 Beeskow Beser, Münden 1 1 7 8 7 85 275)-189 Minden 514 Rhein, Marimiliansau Raub 409 Köln 537 Nedar, Heilbronn 140 Main, Wertheim Mosel, Trier 6017) 178 -44 + bedeutet Buchs. Fall. Unterbegel. 3) Eisstand. Grundeis. Eisgang. Starkes Grundeis. 3) Der höchste Wasserstand: 680 cm trat am 7. um 8 Uhr nachmittags ein. Nach telegraphischen Meldungen ist die Ibe bei Dresden bis heute vormittag fchon auf 150 cm gefallen, bei Barby, to starker Eisgang herrscht, ist sie auf 445 cm gestiegen und noch weiter in mäßigem Steigen. Die Weser bei Minden ist bis heute 8 Uhr vormittags auf 454 cm gefallen. Zirkus Schumann Heute Mittwoch, 10. Februar, abends 7 Uhr: Große Jubiläums Vorstellung. 8um 100. Male: Golo der Seeräuber u. Mädchenhändler. Größte feenhafte Ausnattungspantomime der Saison. Die Sensation des Tages Tiberio der moderne Herkules als Münzenbracher! Tiberio bricht jede Wünze mit den Fingern. Ringkampf mit dem Stier. Paet bas elt wunder. Das boxende Känguruh. ? Die Waffenschmiede? sowie das Riesenprogramm. a pollo Theater Allabendlich 10 Uhr: Hedi Herdina in ihrer Glanznummer Hoch der Kaviar!! Dazu das glänzende Februar- Programm. Abends 8 Uhr: Onkel Casimir Casino- Theater XIV. Saison! Zirkus Busch. Heute Mittwoch, abends 7%, Uhr: Große Gala- Vorstellung Um ca. 9 Uhr: Auftreten des tpeltberühmten Konsul Peter! Die Vievilles! O Olympia Dervall! Ferner: Herr Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Herr E. Schumanns Meisterdreff. Foureang u. Manetti, Reitfünftler. Um ca 9, Uhr: Auswanderer! fowie das große Programm! Passage- Theater, Anna Müller- Lincke Robert Koppel und das grandiose Februar Variété- Programm. Ab Donnerstag, 12. Febr.: Kurzes Gastsp. von Mdm. Hanako Japans größte Schauspielerin, mit ihrem Ensemble. 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Februar, zum 133. Mal: Die beiden Bindelbands dazu neuer Variététeil 5 Grebnieffs Quartett LyricoSpire Georg Schindler Les Astrées. WINE BARTEN Saharet Theater Variété Brillant] ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten von nur erst flaffigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Soun tags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. Freitang. Kinematograph. Schutzmarke. Walhalla Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie den Kollegen, den Chefs der Firma Braun und dem Sozialdemokratischer Wahlverein für den Variete Theater Verbande sage meinen herzlichsten 4.Berliner Reichstagswahlkreis Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8 Uhr. Die neuen Februar- Spezialitäten. Im Tunnel: Bodbierfest. Regimentstap. Theaterbes. freien Eintr. Merken Sie sich den Namen ,, Goldperle" und verlangen Sie stets auss drüdlich Veilchenfeifenpulver " Goldperle". Jedes Patet enthält ein hübsches praktisches Geschent. Fabrikant: Carl Gentner, Göppingen. 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Bezirk Nr. 359. 215/14 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse der Gastwirt Gustav Kirschnick Weidenweg 85 geftorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Februar, nachm. 23, Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Kirchhofes in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 8. Februar starb plötzlich im Alter von 61 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer G. Kirschnick. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des AuferstehungsKirchhofes in Weißensee, Lichtenberger Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 9325 Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Nachruf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kernmacher Hermann Friedrich ( 15. Bezirk) am 8. Februar freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! 234/6 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin 2. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Kellerarbeiter 65/12 Otto Bergunde am am Sonnabend, den 6. d. Mts., im Alter von 30 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 10. d. Mts., nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Golgatha- Gemeindefriedhofes, Barfusstraße aus statt. Verwaltung 2. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme beim Hinscheiden meines geliebten Mannes, unseres guten Berwandten, Freunden, Kollegen und Baters sprechen wir hiermit allen Betannten sowie dem Lotteriebercin Einigkeit" unseren herzlichsten Dant " aus. 9305 Sraut Anna Griebe und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzfpenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer inniggeliebten Mutter Sprechzeit: 9-7 Uhr, Sonntags Hedwig Schwerdtner 9-1 Uhr. fagen wir allen Verwandten, Kollegen, Genossen und Bekannten, insbesondere dem Senefelder Gesangverein und 9 Gastspiel- Theater den Kollegen der Firma Maisenbach, Köpenicker Straße 68. 8, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange. Riff& Co. unferen herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Der Hüttenbesitzer. 9285 Bernh. Schwerdtner nebst Kindern. Zwei Gelegenheiten: der Einzug der neuesten Frühjahrsmodelle, 1909, der Abschluß des großen Inventur- und Räumungs- Ausverkaufs im Spezial- Konfektionshause Westmann Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstr. 37a kein Eckhaus, 2. Haus Ivon der Jerusalemer Str. Ivon der Andreasstraße, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Straße 115( kein Eckhaus, 2. Haus nehmen jetzt das allseitige Interesse in Anspruch! 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Görliger Viertel. Bezirk Nr. 166. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Louis Klopsch Mariannenstr. 8 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichens halle des Thomas- Kirchhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. 215/15 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Görlizer Viertel. Bezirk Nr. 225, Zeil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Tischler Hermann Schulz Lieg nizer Straße 18 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Februar, nach mittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/16 Der Vorstand. B Todes- Anzeige. Am 6. d. M., nachmittags 4 Uhr, starb nach furzem Krantenlager unser treuer Kollege, der Tischler Hermann Schulz. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Kollegen der Tischlerei H. Kühn, Quisen- Ufer 12. Die Beerdigung findet morgen, Donnerstag, den 11. Februar cr ,, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Louis Klopsch am 7. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. Februar, nach mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Schulz am 6. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, ben 11. februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gustav Sand am 6. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 10. Februar, nachmittags 2, Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/19 Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 7. Februar der Kollege Mitfahrer Friedrich Mielke ( Brauerei Bazenhofer, Abt. II, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt heute, Mittwoch, den 10. februar, nach mittags 3 Uhr, in Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg. Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die so schöne Stranzspende bei der Beerdigung unferes lieben Sohnes Franz Noster fagen allen Freunden und Kollegen herzlichen Dant. 9295 Franz Noster u. Fran. Junge Mädchen, welche in Eng. land Stellung suchen, tönnen aufgenommen werden im Deutschen Mädchenheim, 8 Endsleigh Gardens, London. Näh. ert. d. Borstand Berantwortl. Rebatteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für denInseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Nr. 34. 26. Jahrgang. 3. Ktilme i>ks Jorwittö" Sttliutt Pilbllitt. Mtvach, 10. Februar 1909. Die belgischen Gewerhschaften über das Genter System. Ein Genier Genosse schreibt uns: Mit Rücksicht aus den zurzeit rege besprochenen Plan einer gemeindlichen Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigleit aus der Grundlage des Genter Systems in Berlin dürfte es an- gebracht sein, an dieser Stelle einige Worte über die Erfahrungen zu sagen, die mit diesem System dort gemacht worden sind, wo es am längsten funktioniert und seine weitergehende Ausbildung er- fahren hat, nämlich in Belgien und insbesondere in Gent selber. Um so mehr, als auf dem jüngsten belgischen Gewerkschaftskongreß, der zu Weihnachten 1903 in Brüssel tagte, diese Frage ausführlich behandelt worden ist und einen interessanten Meinungsaustausch veranlaßt hat. Wir wollen dabei, obwohl daS Genter System zurzeit in fast allen wichtigen Städten Belgiens eingeführt worden ist, speziell die Genter Verhältnisse im Auge behalten, die in jeder Beziehung für das übrige Belgien als typisch gelten könne::. Die Genter Er- fahrungen erstrecken sich übrigens auf den längsten Zeitraum, unterscheiden sich jedoch sonst nicht von denen, die in den anderen Städten gemacht worden sind. Auf die Genter Einrichtungen selber einzugehen, halten wir für überflüssig, nachdem sie bereits im „Vorwärts" und im„Correspondenzblatt der Generalkommission" in ihren Grundzügen, in der wenig- stens den Spezialisten bekannten Denkschrift der Reichstagskommission sogar recht ausführlich geschildert worden find. Wir wollen lediglich die Erfahrungen und die Ansichten der belgischen und Genter gewerkschaftlich tätigen Genossen über das System wiedergeben, ohne jedoch für die deutschen oder Berliner Verhält- nisse irgendwelche unmittelbare Schlußfolgerungen zu ziehen. Denn schon das Prinzip des Genter Systems als eine ge» m e i n d l i ch e Einrichtung muß völlig verschieden bewertet werocn, je nachdem:nan sich auf den Standpunkt der deutschen oder der belgischen Gewerkschaften stellt. Für letztere war wenigstens zu der Zeit, wo das Gcnter System eingeführt wurde, die örtliche Grundlage die einzig praktisch mögliche, weil die belgischen GeWerk- schaften im Gegensatz zu den deutschen damals noch ganz auf lokalistischer Grundlage standen und zum größten Teile heute noch stehen. Wie sich inzwisihen infolge der Entwickelung der belgischen Gclverksckmften ihr Standpunkt gegenüber der behördlichen Arbeits- losenunterstützung geändert hat. werdend wir bei der Erörterung der Beschlüsse des jüngsten belgischen Gewerkschaftskongresses sehen. Soviel aber muß festgehalten werden, daß die gemeindliche Unter ftützung zu der Zeit ihrer Einführung desiocgen möglich und allein möglich war, weil auch die gewerkschaftliche Arbeitslosenversicherung bloß örtlich, und zwar von dem einen zum ai teeren Orte sehr ver- schieden geregelt war. Abgesehen aber von dieser prinzipiellen Seite der Frage sind eS bor allem drei Punkte in der praktischen Durchführung des Gcnter Systems, die zu Bedenken und Schwierigkeiten ver schiedener Art den Anlaß bieten und auch in Gent geboten haben. Da ist zunächst die überaus wichtige, Frage, ob und wie die behördliche Arbeitslosenunterstützung jenen Arboitern zugute kommen soll, die überhaupt keiner oder keiner der Unterstützung»� kasse angegliederten Organisation angehören. In Gent hat man bekanntlich, und zwar einfach damit nicht die ganze Einrichtung an dem Widerstande der Unternehmer und der bürgerlichen Rats Mehrheit scheitere, eine Regelung mit der Postsparkasse getroffen. die den nicht organisierten Arbeitern dieselben Rechte auf die ge- meindliche Unterstützung gewähren soll, als ihren organisierten Kollegen, lvenn sie anstatt einer Organisation beizutreten, durch mdividuelles Sparen sich gegen die Folgen der ArbeitZlosigkeit versichern, und zwar auf folgende Art. die im Artikel des Genossen P. D. im„B o r w ä r t s" vom t. November 1998 nicht ganz zu- treffend geschildert wurde: Jeder Arbeiter, der ein Postsparkossen- buch besitzt und sich beim Sekretär des Gemeindefondsausschusses (in der Arbeitsbörse) eintragen läßt, bekommt dort nach einer Karenzzeit von 3 Monaten denselben Zuschuß auf seine Rückforde- rungen im Falle der nachgewiesenen Arbeitslosigkeit, als die ge- werkschaftlich Organisierten. Die Kontrolle über die Richtigkeit der Angabe der Arbeitslosigkeit wird durch tägliches Einzeichnen auf einer Liste in der Arbeitsbörse sowie durch persönliches Nach. forschen durch den von der Arbeitsbörse angestellten Kontrolleur. unter Umständen auch durch die Polizei, besorgt Um die Unternehmer zu befriedigen und sie davon zu über- zeugen, daß die Absicht nicht sei, einen Druck auf die Arbeiter aus- zuüben, bannt sie sich gewerkschaftlich organisieren, um der Vor- teile des Gemeindefonds teilhaftig zu werden, wurde besonders im Januar 1992. wo die Sparerversicherung in Kraft trat, durch den FondsauSsckuh eine besonders lebhafte Agitation durch Plakate, Zeitungsartikel usw. geführt, um die nicht organisierten Arbeirer auf sie aufmerksam zu machen. Trotz dieser Agitation und den geradezu verlockenden Bedingungen fanden sich im Jahre 1992 nur drei Sparer, die sich eintragen ließen. 199s stieg die Zahl auf 12, die im ganzen auf 294 Francs Rückforderungen 189 Francs Zu- schüfe bekamen. 1995 finden wir dieselben 12 Sparapostel zurück. neben ihnen bestehen aber 1994 zwei. 1995 drei Sparvereine mit insgesamt 399 Mitgliedern, die der Sparkasse 1994 3294 Francs, 1995 4122 Francs entnahmen, worauf sie 1994 2439 Francs, 1995 2021 Francs Zuschuß bekamen. Das macht pro Kopf im Durch- schnitt 1994 9,42 Francs, 1995 8.46 Francs jährlichen Zuschuß. während die Organisierten im Durchschnitt pro Kopf 1994 1,58 Francs, 1995 2,11 Francs Zuschuß erhielten. Dies- Zahlen, die wir leider nur bis 1995 angeben können. weil der dreijährige Bericht über 1996 bis 1993 noch nicht erschienen ist. reden Bände über die„Vorzüglichkeit" dieser Spareinrichtung. Denn zunächst beweist die lächerlich geringe Zahl der individuellen Sparer, daß die Arbeiter, die nicht aufgekläri genug sind, um die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation zu begreifen, auch nicht daS nötige Quantum Intelligenz und Voraussicht be- sitzen, um sich indiviouell, wenn auch unter so günstigen Be- dingungen, wie die in Gent gebotenen, zu versichern. Zweitens aber beweist das Auskommen von Vereinen von Sparern, die für ihre Mitglieder Zuschüsse erwirken, die vier- und fünfmal höher sind als die der gewerkschaftlich Organisierten, daß die Unter. ftützung der Sparer dem Betrug und dem Schmarotzertum bloß die Tür öffnet Denn zu diesem Ergebnis kam die Verwaltungs- krmmission. als sie 1995, durch die obigen Zahlen stutzig gemacht. richt niedergelegt und bot den Anlaß zur Einführung von beson- deren Bestimmungen für die Schneider, wonach sie nur für die- jenigen Tage der Woche Zuschuß erhalten können, die über den dritten Tag der Arbeitslosigkeit hinausgehen Auch wurden die als völlig ungenügend erkannten Kontrollmaßregeln für die Haus- Industrie erheblich verschärft und im allgemeinen dem Fondsaus- schuß das Recht zugestanden, die Höhe der Zuschüsse für die Sparer nach eigenem Gutdünken festzusetzen. Seit jener Zeit machen denn auch diese Sparvereine keine besonderen Fortschritte mehr: Anfang 1993 waren ihrer 4 mit 199 Arbeitslosen jährlich angeschlossen. Sogar die eifrigsten Anhänger der Sparunterstützung mußten dem- nach gestehen, daß ihr System sich wicht weniger als glänzend be. währt habe. Eine weitere wichtige Frage ist die, inwieweit auS der Kontrolle der Behörde über die Funktionierung der gewerkschaftlichen Ar- beitslosenunterstützung für die Gewerkschaften Unannehmlichkeiten oder Gefahren mitstehen können. Diese Frage wurde in Gent in durchaus befriedigender Weise gelöst. Die Technik des ganzen Unterstühungsverfahrens ist überhaupt sehr einfach: Die Gewerk- schaft zahlt dem Arbeitslosen mit ihrer Unterstützung zugleich den von ihr berechneten Gcmeindezuschuß aus; am Ende jedes Monats bringt der Gewerkschaftssekretär auf einem gedruckten und sehr einfach disponierten Formular die Liste der Auszahlungen mit den Namen der unterstützten Mitglieder, der Anzahl der Arbeits. losigkeitstage, dem Betrag der gewerkschaftlichen Unterstützung und des darauf ausgezahlten Zuschusses; letzterer wird ihm dann zurück- bezahlt. Die Verwaltung des Fonds wird von den Beamten der Arbeitsbörse besorgt und erfordert nur etwa 1999 Frank im Jahre. Da natürlich die Gewerkschaften selber in erster Linie an der Kon- trolle über die Arbeitslosigkeit ihrer Mitglieder interessiert find, so hat sich die Kontrolle des Gemeindefonds hauptsächlich auf das Gebaren der Gewerkschaften selbst zu erstrecken. Ein Beamter der Arbeitsbörse erfüllt dazu im Nebenamte die Funktion eines Kon- trolleurs. Er allein hat das Recht, zu jeder Zeit Einsicht zu nehmen in die Bücher der Gewerkschaften, natürlich aber nur insoweit, als sie sich auf die Arbeitslosenunterstützung beziehen. Die Resultate seiner Nachforschungen darf er den Fondsausschußmitgliedern be- richten, diese müssen sich jedoch unter Eid verpflichten, niemand etloas darüber mitzuteilen. Eine Verschärfung dieser Kontrolle wurde im Mai 1997 durch Einführung eines ziemlich komplizierten Systems von Kontrollsystemen vorgenommen, die die gegenseitige Ueberwachung der Gewerkschaften verschiedener Richtung, der Spar- vereine und der Gemeindefonds sicher:: soll. Bis jetzt hat alles vorzüglich geklappt und haben sich keine Mißstände oder Unannehm- lichkeiten ergeben. Es hat sich jedoch, in Gent gezeigt, daß die Gefahr einer Be- einflussuug der Gewerkschaften im bürgerlichen Sinne mit dem Gentcr System in anderer, und zwar in zweifacher Beziehung vor- Händen ist. Erstens werden die Gewerkschaften veranlaßt, ein nach der Ansicht vieler gewerkschaftlich tätigen Genossen, im Verhältnis zu den sonstigen Aufgaben der Gewerkschaften und den zu ihrer Erfüllung vorhandenen Mittel z u großes Gewicht auf die Arbeits- losenunterstützung zu legen. Daher die Gefahr einer Schwächung des Kampfgeistes, zahlreicher Streitigkeiten mit-den Mitgliedern wegen materieller Interessen, und die unter Umständen unan- genehmen Folgen der Vermehrung des Beamtenstandes der Ge- werkschaft, die wegen des erheblichen aus der Arbeitslosenunter- ftützung entstehenden Arbeitszuwachses nicht ausbleibt. DaS sind allerdings Nachteile, die weniger oder mehr mit der Ausdehnung des UnterstützungswesenS überhaupt zusammenhängen und die auf hören gefährlich zu sein, sobald ihre Gefährlichkeit von den Be- troffenen erkannt wird, was in Gent glücklicherweise der Fall ist. So haben im Jahre 1895 die Vertreter der Gcnter sozialisti- schen Gewerkschaften im Gemeindefondsausschuß aus diesen Be- denken heraus mit Erfolg alle Vorschläge bekämpft, die eine weitere Ausdehnung der Arbeitslosigkeitsunterstützung(wie im Falle der Stundenarbeitslosigkeit, der Arbeitslosigkeit an einem Tage in der Woche usw.) bezweckten. Außerdem liegt eine Gefahr darin, daß die Gewerkschaften ein materielles Interesse daran haben, sich die Gunst der bürger- lichen Gemeindeverwaltungen zu erhalten, etwa um die Vorteile der gemeindlichen Unterstützung nicht zu verlieren. So ist es in Gent in den Jahren 1995 und 1996 vorgekommen, daß infolge eines sehr scharfen Kampfes der sozialistischen Fraktion gegen die liberale Gcmeinderatsmehrheit die Möglichkeit eine Zeitlang sehr nahe lag, daß die Subvention vom Gemeinderat verweigert werde, wodurch natürlich in erster Linie die sozialistischen Gewerkschaften getroffen worden wären. Die Vertreter der letzteren erklärten jedoch in diesem Falle würde die Arbeitslosenunterstützung samt des gemeindlichen Zuschusses aus der Gewerkschaftskasse weiter bezahlt werden und das wäre auch zweifellos geschehen. Dieser Fall zeigt jedenfalls, daß, wenn auch bei einem genügend ausge- prägten sozialistischen Bewußtsein praktisch nachteilige Konsequenzen sich daraus nicht ergeben können, die Gefahr einer Beeinflussung der Gewerkschaften durch die sie subventionierenden bürgerlichen Gemeindeverwaltungen besteht und ins Auge gefaßt werden muß. Die belgischen Gewerkschaften haben stets diese Nachteile des Systems gern mit in den Kauf genommen und trotzdem für die Durchführung des Gentcr Systems in allen Gemeinden gewirkt. In letzter Zeit hat sich nun aber in belgischen Gewerkschaftskreisen eine gewisse Reaktiön geoffcnbart gegen die anfängliche fast unbe- dingt günstige Beurteilung des Genter Systems. Auf dem jüngsten Gewerkschaftskongreß, dem ersten, worauf eine einigermaßen gründ- liche Besprechung der Frage stattfand— man hatte sich bis dahin meist auf debattelose Annahme von sympathischen Resolutionen beschränkt—, trat diese Tendenz in dem Referate des Genossen Troclet- Lüttich zutage. Dieser stellte dem Genter System jenes der Provinz Lüttich entgegen. Hier ist eZ die von einer radikal- sozialistischen Mehrheit beherrschte Provinzialverwaltung. die die örtlichen und provinzialen Gewerkschaftsorganisationen aller Rich- tungen durch feste jährliche Zulagen unterstützt, deren individuelle Verwendung— natürlich aber nur für den Ztoeck der Arbeitslosenunterstützung— dann ihnen überlassen bleibt. Die Subvention wird zur Hälfte nach dem Maßstabe der im Laufe deö Jahres von der Gewerkschaft ausbezahlten Unterstützung, zur anderen Hälfte noch den von ihren Mitgliedern für die Arbeitslosigkcitskasse ins- gesamt entrichteten Beiträgen verteilt. Dieses System, sagte Ge- ncsse Troclet, habe in viel höherem Maße dazu beigetragen, die Ge- werkschaften zu entwickeln, als das Genter. Für letzteres hätten die Genossen, die für seine Verwirklichung gekämpft haben(selbst- verständlich mit Ausnahme der Bestimmungen zugunsten der Sparer), sich gar zu sehr begeistert. Es sei keinestvegs sozialistisch. wie man vielfach behauptet habe, sondern im Grunde durchaus hemme und den Arbeiter künstlich an seinen Wohnort fessele, denn er habe im Falle der Arbeitslosigkeit wegen der erhöhten Unter- ftützung kein großes Interesse daran, anderwärts, wo die Arbeits- gelegenheit günstiger sei, Arbeit zu suchen. Tagegen komme die kollektive Unterstützung der Gewerkschaften durch'Staat, Provinz und Gemeinde dem Ideale der Arbeiterpartei— der allgemeinen obligatonschen Versicherung durch den Staat mit Hilfe der übrigen öffentlichen VerwaltungSkürperschaften— viel näher. U eberall solle also vielmehr die kollektive Subvention nach dem Lütticher Prinzip erstrebt werden. In der Debatte sprachen die meisten Delegierten sich im Sinne Troclets aus. Die Genter Delegierten bezeichneten die Frage als ungenügend geklärt und verlangten ihre Besprechung auf einem außerordentlichen Kongresse. Sie blieben jedoch in der Minorität und die Resolution Troclet wurde mit großer Mehrheit angenommen. Sie verlangt in ihrem entscheidenden Teile: „Jährliche Subventionen der gewerkschaftlichen(örtlichen, provinzialen und nationalen) Einrichtungen zur Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit durch die öffentlichen Ge- :valten. Diese Subventionen sollen nach einem kollektiven, nicht aber nach einem individuellen Maßstabe ausgezahlt werden. Der Kongreß fordert alle Genossen auf, in dieser Richtung je nach den örtlichen Umständen aber stets im Interesse der Entwickelung der Organisationen zu wirken." Dieser Verlauf der Debatte ist deswegen interessant, weil er den Wandel der Anschauungen beleuchtet und widerspiegelt, der sich im Laufe der letzten drei Jahre in der belgischen Gewerkschafts. bewegung vollzogen hat im Sinne der EntWickelung vom LokalismuS zur Konzentration in Jndustrieverbänden. Nachdem ein immer größerer Teil der belgischen Gewerkschaften den Weg dieser Eni- Wickelung zum Zentralverband eingeschlagen hat, kann sie auch das Genter System vor allem wegen seiner örtlichen Beschränttheit nicht mehr befriedigen, ihr stetes Fortschreiten wird auch die Provinzialvenvaltungen und den Staat zu immer größeren Kon- Zessionen auf diesem Gebiete zwingen, das Genter System Wird stets mehr als eine ungenügende Lösung empfunden weften. Versammlungen. Die BortrSge der Genossin Zetkin bei Keller, deren erster für Montag, den 8. Februar, angekündigt war, konnten leider an diesem Tage nicht begonnen werden. Wie Genosse Hofmann den Versammelten mitteilte, war Genossin Zetlin bedauerlicherweise im Laufe deS TageS derart erkrankt, daß sie un- möglich erscheinen konnte. Voraussichtlich wird sie ihre Vortrags» folge am nächsten Montag beginnen. Sollten Aenderungen ein- treten, so erfolgt darüber im.Vorwärts" eine Bekanntmachung. Die Kunde von der Erkrankung unserer Genossin löste bei den Ber» sammelten allgemein ein Gefühl lebhaftesten Bedauerns au». eine gründliche, außerordentlich schwierige Enquete im Schneider- bürgerlich-individualistisch, während das Lütticher System auf dem gcwerbe unternahm, in dem sich die Mitglieder dieser Sparvereine i Prinzip der kollektiven Unterstützung beruht. Vor allen Dingen fast ausschließlich rekrutierten. DaS Ergebnis dieser Enquete,! ivandte Genosse Troclet gegen das Gcnter System ein, daß es durch die auch für die Arbeitervcrhältnisse der Schneider recht inter- � seine örtliche Beschränkung auf einige größere Gemeinden den essantes Material ans Licht brachte, wurde in einem gedruckten Be-\ Ausbau der provinzialen und nationalen Gewerlschaftslassen Die Generalversammlung der„Freien Volksbühne" für daS erste Winterquartal fand am 28. Januar im Gewerkschaftshause statt. Den Abend eröffnete ein mit starkem Beifall auf- genommener Vortrag von Heinrich Schulz über Fichte.— Darauf erstattete der Vereinsvorsitzende Konrad Schmidt den Geschäftsbericht für das verflossene Winterquartal l998. Im Neuen Schauspielhaufe wurden in dieser Saison in den Sonntags- Vorstellungen des Vereins gespielt: WolzogcnS„Kinder der Exzellenz",„Julius Cäsar" von Shakespeare und Sardous Komödie „Rabagas"; im Lessing-Theater: Hauptmanns«Versunkene Glocke"; im Thalia-Theater:„Tedeum" von Rosmer; im Herrnfcld- Theater haben die Aufführungen des„Probekandidat" von Dreher begonnen. In Aussicht genommen sind im Neuen Schauspiel- hause„Nachtasyl" von Gorki und in: Thalia-Theater ein bisher in der Volksbühne noch nicht gespielter Anzengruber:„Der Fleck auf der Ehr". Mit den Kunstabendcn hat man in dieser Saison pausiert. Das Winterfest erzielte einen guten Erfolg. Am 22. Februar wird der Verein einen humoristischen Abend mit Marocll Salzer veranstalten. Die Tlieaterverträge für die kommende Saison sind bereits abgeschlossen. Zu den frühere:' Bühnen hat man, um eine Erweiterung des Vereins zu crmög- lichen. für eine Serie das Residenztheater hinzugenommen.— Den Kassenbericht erstattete W i n k l e r. DaS Quartal schließt bei einer Einnahme von 42 644 M. und einer Ausgabe von 37 235 M. mit einem Bestände von 5499 M.— In der Diskussion über den Geschäftsbericht greift M e n z den Ausschuß wegen der Aufführung des„Nabagas" an. da diese Komödie ein Tendenzstück gegen die Arbeiterbewegung sei. Auch tadelt er den Vertrags- abschluß mit dem Residenztheater, in dessen Repertoire der Verein schwerlich etivas Geeignetes finden werde. Der Leiter der Ver- fammlung, Baake. weist die Angriffe als unbegründet zurück. Man solle der Satire gegenüber doch nicht so empfindlich sein; im übrigen richte sich„Rabagas" ja gar nicht gegen den modernen Sozialismus, der 1872, zur Zeit, als die Komödie geschrieben wurde, noch in den Kinderschuhen steckte, sondern gegen die Rc- volutionSspielcrei eines radikal tuenden Kleinbürgertums. Adolf Hoffmann hält die Aufführung gleichfalls für bedenklich. Es gäbe Mitglieder, auf die sie hätte verwirrend wirken können. Zubeil wendet sich gegen die Angriffe. Er sei für volle Frei- hcit der Satire und meine, daß auch die Mitglieder derlei ver- tragen lernen sollten.— W ink ler begründete darauf den An- trag des Vorstandes, wonach der Beitrag auf monatlich 1 M. er- höht, der Augustbeitrag dagegen auf 69 Pf. ermäßigt werden soll, wodurch im ganzen der jährliche Mitgliedsbeitrag um 49 Pf. steigen würde. Dieser Zuschlag sei infolge der stetig steigenden Ausgaben für Bühnenmiete und Autorenhonorare unumgänglich. Er sei knapp bemessen und setze voraus, daß es der Agitation der Vcreinsmitgliedcr gelingen werde, die zwei neu einzurichtenden Abteilungen im nächsten Jahre rcckstzeitig zu füllen. In der DiS-. kussion befürworteten Hoffmann. Zubeil, Mayer, Lüder, daß der Beitrag für August, wo keine Vorstellung statt- findet, überhaupt zu beseitigen sei. Dafür solle man lieber den Beitrag in den anderen Monaten auf 1,19 M. erhöhen, wodurch der Vorstand zugleich pro Jahr und Mitglied 49 Pf. mehr, als er in seinem eigenen Antrag forderte, erhalten würde. Vaake und die Obleute Carl und Zwanzig treten für die unveränderte An» nähme des VorstandSantragcs ein. Das Ausschußmitglied Robert Schmidt erklärt sich für den Hofftnann-Zubcilschcn Vorschlag. Um ein zu spätes Einlaufen der Scptcmberbeiträge zu verhindern, genüge es, die Bestimmung mit aufzunehmen, daß dieselben bis zum 15. September von den Mitgliedern einzuzahlen seien. Die Abstimmung ergibt, daß die Versammlung einstimmig für Erhöhung der Beiträge ist. Gegen 35 Sttmmcn wird der Hoff- mann-Zubeilschc Antrag mit dem Robert Schmidtschcn Amendement angenommen. Der Augustbeitrag fällt also künftig fort. Der w.onatliche Beitrag wird auf 1,19 Mk. uno dementsprechend der für die Mitglieder in den Abcndabteilungen auf 1,89 M. erhöht. Der Vorstand hat das Recht, bei günstigem Kassenbestande Er- Mäßigungen vorzunehmen. Vaake schloß die Versammlung mit dem Appell an di? Mit- glieder, eifrig für die neuen Abteilungen zu werben. Möbelfabrik. Fortuna“ 99 Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht ( Michaelkirchstraße 23a.) Sonntag, den 28. Februar 1909, vormittags 9 Uhr, bei Rothe, Michaelkirchstr. 24: Ordentl. General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Borlegung der Bilanz. 2. Wahl des Vorstandes und Aufsichtsrates. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. 103/13 Der Vorstand. 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In dieser Versammlung werden die Geschäftsberichte ausge geben, welche von den Vertrauensmännern für ihre Bauten und von den Charitéftraße 3. Hauptbureau: Hof III. Amt III, 1987. Bezirkslettern für die Arbeitslosen in Empfang zu nehmen find. Donnerstag, den 11. Februar 1909, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Klempner Berlins n.Umg. in Freher's Festsälen, Koppenstraße 29( früher Keller). Zages Drdnung: 111/ 10* 1. Die Tarifvorlage der Arbeitgeber und unsere Stellung dazu. 2. Distuffion. N.B. Kollegen! Da in der Vorlage der Arbeitgeber sehr bedeutende Aenderungen des Zarifs uns unterbreitet sind, welche eine Verschlechterung bedeuten, ist es notwendig, daß jeder einzelne Stollege für das Erscheinen aller Sorge trägt. Die Ortsverwaltung. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. 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