Nr. 35. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 3,30 ML, monatl. 1.10 ML, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitumgs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Danemarl Holland, Italien, Lugemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolone geile oder beren Raum 50 Bfg., für bolittiche und gewerffchaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg., jedes meitere Bort 10 Bfg. Stellengefuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erite Wort 10 Bfg., jedes meitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm. Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. tr. 1983. Der Sicherheitsmann. Donnerstag, den 11. Februar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Gesetz oder nach den auf Grund desselben ergangenen Vorschriften und Anordnungen obliegenden Verpflichtungen nachzukommen; 3. wenn sie eine Handlung oder Unterlassung der ihnen unterstellten Personen geduldet haben, obwohl sie wußten, daß fie gegen die Betriebspläne oder gegen die im Gesetz enthaltenen oder auf Grund desselben ergangenen Vorschriften und Ana ordnungen verstoße; 4. wenn sie bei der nach ihrer tatsächlichen Stellung zum Bes triebe ihnen obliegenden Beaufsichtigung der in§§ 73 und 74 bezeichneten Aufsichtspersonen sowie bei der Auswahl dieser Personen es an der erforderlichen Sorgfalt haben fehlen lassen. ausschuß bilden sollen, fommen in Wegfall. Der Arbeiterausschuß wird nur noch in unmittelbarer und geTheimer Wahl, aber nach Steigerabteilungen gewählt. Jede Steigerabteilung wählt aus ihrer Mitte einen VerDas ist das fämmerliche Surrogat, das die preußische treter. Die Regierung hat indes die Bestimmungen über Regierung der Bergarbeiterschaft an Stelle des unabhängigen die Wahlfähigkeit nicht geändert, sondern noch verArbeiterfontrolleurs bietet, den die Bergleute aller politischen schlechtert. Es bleibt bei den Bestimmungen, daß und gewerkschaftlichen Richtungen fordern als wichtigstes und nur die Bergleute zur Wahl berechtigt sind, die seit Eröffnung unerläßliches Mittel, den furchtbaren Gefahren der Bergarbeit des Betriebes oder mindestens ein Jahr ununterzu steuern. Wie nach den Erklärungen, die der Handels- und brochen auf dem Bergwerke gearbeitet haben. Die VerBergbauminister unter dem Drucke der erschütternden Kata- treter im Arbeiterausschuß müssen mindestens 30 Jahre strophe von Radbod abgab, fchon befürchtet werden mußte, alt, Deutsche und der deutschen Sprache mächtig sein und Die Regierung sagt in der Begründung, die Anordnungen der sucht die Regierung in der Novelle zum Berggeses, feit der Eröffnung des Betriebes oder mindestens drei höheren Beamten, die jest absolut keine Verantwortung haben, dte soeben dem Breitlaffenhause zugegangen ist, durch ein Jahre ununterbrochen auf dem Bergwerke gearbeitet Bedeutung werden". Sie find schon oft von verhängnisvoller Befönnten„ auch für das Leben und die Gesundheit der Arbeiter von Scheinzugeständnis um die Erfüllung der dringlichsten haben. deutung geworden und es ist durchaus wichtig, daß diese höherent Bergarbeiterforderung herumzukommen. Dazu tommt nun eine verschärfte Bestimmung für die Beamten die Verantwortung für ihre Anordnungen tragen. Die Der sogenannte Sicherheitsmann, den die Novelle vor- Sicherheitsmänner: Sie müssen mindestens fünf Verantwortung allein bürgt aber auch nicht für völlige Durch sieht, den sie für die Erfüllung der Bergarbeiterforderungen a hre unterirdisch und davon mindestens zwei führung aller gesetzlichen Schußbestimmungen, es müßte auch be ausgibt, ist ein armer, machtlofer Sterl, über den ständig Jahre als Hauer beschäftigt gewefen fein! stimmt werden, daß der nachgeordnete Beanite zur Befolgung solcher das Damoklesschwert der Maßregelung durch die Zechen. Diese Bestimmung führt in der Praxis dahin, daß alle Arbeiter- Anordnungen, die den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht leitung schwebt. Der Entwurf sieht die Einsetzung von ausschußmitglieder dieser letzten Bedingnng genügen müssen. entsprechen, nicht verpflichtet ist. Die Bergbehörde kann die soSicherheitsmännern für jede Steigerabteilung vor, die die Denn wenn für jede Steigerabteilung nur ein Mitglied des fortige Entfernung nicht befähigter Personen verlangen, bei dem Berhältnis, das aber jetzt zwischen Bergbehörde und Werksdirektoren Befugnis" haben sollen, die Steigerabteilung, in der Arbeiterausschusses gewählt werden und der Sicherheitsmann besteht, kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß den fie gewählt sind, einmal im Monat zu be Mitglied des Arbeiterausschusses sein soll, so ist dies Direttoren gegenüber sehr milde verfahren wird. Daher ist der fahren und sie in Bezug auf die Sicherheit des Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum Arbeiterausschuß wirksame Schuß der unteren Beamten gegen die oberen Beamten Lebens und der Gesundheit der Arbeiter zu untersuchen." überhaupt. Wie sehr fich die Regierung dessen unerläßlich. Die Befahrungen erfolgen nur in Begleitung eines bewußt ist, daß sie durch diese Anforderungen den Uebrigens ist die Tragweite dieser neuen Bestimmungen nicht Aufsichtsbeamten; Tag und Schicht der Befahrung größten Teil der Belegschaften völlig entrechtet, das bezeugt zu überschäken. Daß die Zechenleitungen technisch nicht genügend bestimmt der Sicherheitsmann. Er soll auch an der Unter die vielsagende Bestimmung, daß das Oberbergamt befugt sein geschulte Beamte anstellen, ist weit weniger zu fürchten, als die fuchung der Unfälle in seiner Steigerabteilung beteiligt foll, einen Arbeiterausschuß zu bestellen, wenn bösen Wirkungen, die das Streben ausübt, in möglichst furzer Zeit werden. Das Ergebnis der Befahrung hat möglichst große Quanten Kohlen zu fördern. Die Profitsucht, die der teine wahlberechtigten oder wahlfähigen Sucht, die Förderung der gewinnbringenden Stohle zu forcieren, das ists, was nur zu oft die Außerachtlassung der Betriebssicherheit verschuldet. Und dagegen werden die juristischen Spinnweben, die in diesem Teil der Novelle gedreht werden, wenig ausrichten. Rückzug und Kapitulation. Sicherheitsmann sogleich nach beendigter Befahrung in Personen vorhanden sind. Ebenso spricht Bände die Vorschrift, ein Fahrbuch einzutragen und wenn in den Ein- daß das Oberbergamt zwangsweise einen Arbeiter tragungen die Besorgnis einer dringenden Gefahr aus ausschuß bestellen tann, wenn die Belegschaft sich gesprochen wird, so muß der Betriebsführer(!) dem weigert, einen zu bestellen. Auf manchen Zechen sind Bergrebierbeamten sofort davon Kenntnis geben. Außerdem nämlich die Arbeiter schon dahin gekommen, zum Arbeitersteht dem Sicherheitsmann die Verpflichtung zu, die Berg- ausschuß überhaupt nicht zu wählen, weil sie sehen mußten, rebierbeamten, auf Erfordern" bei Befahrung seiner daß die Mitglieder dieser Ausschüsse gemaßregelt wurden, soSteigerabteilung zu begleiten und er muß diesem jede bald sie etwas für die Arbeiter durchzusetzen unternahmen. Es gehört zu den alten bewährten Traditionen der preußischen Auskunft über die Sicherheitsverhältnisse in der Steiger- Die Beschränkungen des Wahlrechts zu den Ausschüssen und Regierungspolitit, daß sie vor jeder energischen Willensäußerung des abteilung geben. der Wählbarkeit müssen den erbitterten Widerspruch der Berg- Junfertums zurüdweicht. Die Gesegesvorlagen, gegen die OstHält der Arbeiterausschuß der Zeche in Aus- arbeiter herausfordern. Denn sie sind förmlich darauf berechnet, den elbiens Großgrundbefizer sich auflehnen, werden nach einigem nahmefällen aus besonderen, auf bestimmte Tatsachen oder Bergleuten, die sich nicht jede Schurigelung gefallen lassen, Sträuben entweder bon der Regierung zurückgezogen, oder Wahrnehmungen gestützten, der Wertsverwaltung die auf ihre Menschenwürde halten und für die Interessen den Forderungen und und Wünschen der Agrarier entsprechend vorher mitgeteilten Gründen außer der regel- ihrer Stameraden einzutreten wagen, jeden Einfluß auf diese modifiziert. Selbst öffentliche Wortverpfändungen des preußischen mäßigen einmaligen Befahrung eine nochmalige Befahrung einer Juftitution zu nehmen. Daran ändert auch nichts der Königs und des preußischen Staatsministeriums hindern, Steigerabteilung für notwendig, so ist der Sicherheitsmann der Versuch, einen besonderen Begriff ,, ununterbrochene wie die Geschichte des Mittellandkanals beweist, nicht, betreffenden Abteilung berechtigt und verpflichtet. Beschäftigung" Eine Unterbrechung daß sich, wenn die au ſchaffen. Junkerschaft energisch ihr Veto die von dem Arbeiterausschuß für erforderlich erachtete Be- der Arbeit soll danach nicht vorliegen, ,, wenn Ar- einlegt, die Regierung demütig ihrem Machtgebot fügt. Mag auch fahrung vorzunehmen. Verweigert die Werksverwaltung die beiter unmittelbar( 1) nach Beendigung einer mili- das Ansehen der preußischen Krone und des Ministeriums in den Befahrung, so hat sie unverzüglich dem Bergrevierbeamten tärischen Dienstleistung, eines A us standes oder einer Aus- Augen der Ausländer und der eigenen Untertanen" noch so von der Sachlage Mitteilung zu machen. Für jede vor- sperrung wieder zur Beschäftigung auf demselben Bergwerke fehr geschädigt werden und den Spott der Wigblätter herausfordern, genommene Befahrung erhält der Sicherheitsmann eine Ent angenommen werden, ohne inzwischen auf einem anderen vor die Entscheidung gestellt, sich selbst bloßzustellen oder es mit fchädigung in Höhe des entgangenen Arbeitsverdienstes. Bergwerk beschäftigt gewesen zu sein. Db sie nach einem der ostelbischen Junkerschaft zu verderben, hat sich bisher noch stets Ausstande oder einer Aussperrung sofort wieder auf derselben Zeche Arbeit erhalten, hängt nämlich meist vom Willen der Bechenleitung ab, Die Entlassung eines Sicherheitsmannes soll, abgesehen von den Gründen, die zur Entlassung von Arbeitern vor Ablauf der vertrages äßigen Zeit berechtigen, während des ersten Jahres seiner Wahlperiode nur zuLässig sein: Lassen, die preußische Regierung dafür entschieden, daß die Diskre ditierung ihres eigenen Ansehens weit erträglicher sei, die Gegnerschaft der vaterländischen Prizewige, Jßenplize, Kanige und ihrer bäuerlichen Gefolgschaft. würden, Das wäre über den Teil der Novelle zu sagen, der die Arbeiterschaft zunächst am lebhaftesten interessieren muß. Das So ist in alter Uebung die Unterordnung der Regierung unter 1. wenn er seinen Verpflichtungen als Sicherheitsmann nicht Urteil fann nicht anders lauten als: Gewogen und zu leicht die Wünsche der Junker zu einem der schönsten Prinzipien der nachfommt, befunden! Was die Regierung als angebliche Reform bietet, preußischen Regierungskunst geworden; und von dem eigentlichen 2. wenn sonst Tatsachen vorliegen, die ihn als nicht geeignet ist völlig unzulängliche Halbheit. Dder vielmehr noch weniger Breußen überträgt sich dieses hehre Prinzip in steigendem Maße auf zur Fortsetzung feiner Tätigkeit als Sicherheitsmann erscheinen als Halbheit. Sie wird den Sturm in der Vergarbeiterschaft nicht das 1871 entstandene größere Preußen, das man offiziell Deutsches Wir haben deshalb auch von vornherein nicht 3. wenn er feine Tätigkeit als Sicherheitsmann zu Zweden beschwichtigen. Freilich, die Regierung möchte die Ohren vor ihn Reich nennt. daß, wenn die Großagrarier in ihrer mißbraucht, die mit seinem Amte als Sicherheitsmann nicht im verschließen; wichtiger als die Forderungen der Bergleute sind ihr daran gezweifelt, die Beschwerden der Bergherren. Und im preußischen Drei- Oppofition gegen die Nachlaßsteuer fest bleiben fest Bufammenhange stehen. Diese Gründe sind sehr dehnbar und völlig unzureichend, flaffenhause haben die Arbeiterfeinde, die Junter und die fich die Regierung schließlich geschmeidig deren Forderungen um eine Sicherheit der Kontrolle zu garantieren. Die Zechen- Vertreter der Großindustriellen, die Mehrheit. Eine Mehr- anpassen und die den Junkern verhaßten Bestimmungen aus leitung hat es völlig in der Hand, den Sicherheitsmann un- heit, die ebensowenig wie die preußische Junkerregierung dem Gesetzentwurf ausmerzen werde. Die Versicherungen des schädlich zu machen, sobald er ihr unangenehm wird, d. h. wenn er den ernsten Willen hat, Leben hat, Leben und Gesundheit der Reichskanzlers, feiner Presse und des Reichsschazsekretärs, daß die die Pflichten, die ihm im Interesse der Arbeiterschaft übertragen Bergarbeiterschaft wirksam zu schüßen, sondern der höher Rachlaßsteuer gewissermaßen eine conditio sine qua non für das sind, energisch erfüllt. Sie braucht nur zu entdecken, daß auf steht als diese Pflicht die Autorität der Bergherren, d. h. der Zustandekommen der geplanten Reichsfinanzreform sei, hat uns nie feine Tätigkeit als Arbeiter einer der vielen Gründe zu- goldene Profit und die Niederhaltung der Arbeiterschaft. Die imponiert. Haben schon, wenn es sich um junkerliche Machtansprüche trifft, die nach der Gewerbeordnung den Unternehmer zur so- Bergarbeiterschaft wirds zu würdigen wissen. handelt, königliche und kaiserliche Worte in Preußen Deutschland einen sehr problematischen Wert, so noch so noch weniger bie fortigen Entlassung eines Arbeiters berechtigen. Und welcher Zechenleitung fiele es schwer, solche Gründe zu konstruieren, wenn sie ernstlich will. mal Ressort Der erste Teil der Stovelle verfolgt die Absicht, die Verantwort- Wortberpfändungen eines nur noch geduldeten, um seine Stellung Der erste Teil Dder, wenn ihr das zu umständlich lichkeit der Zechenleitung auf die Werksbesiger und sonstigen höheren bangenden Kanzlers oder gar die eines Staatssekretärs in der fein sollte, so ist es ein leichtes für sie, den Unbequemen durch Angestellten auszudehnen. Schifanen, durch Benachteiligung in der Arbeit, durch Schmälerung Bisher war lediglich der von dem Bergwerksbefizer ange- hat, sondern eigentlich nur als Abteilungschef Bülows fungiert. seines Verdienstes so mürbe zu machen, daß er freiwillig geht! nommene Betriebsführer und die nachgeordneten Beamten, Steiger, Auf Grund längerer Erfahrung haben wir sogar nicht mal an Was aber ein Sicherheitsmann, der unter der beständigen technischer Aufseher usw. für Befolgung der bergpolizeilichen Vorschriften genommen, daß Kanzler und Reichsschazsekretär, wenn sie ihr Wort Furcht stehen muß, daß er für die energische Wahrnehmung verantwortlich. Runmehr sollen alle zur Leitung und Beaufsichtigung nicht einzulösen bermöchten, daraus die Konfequenz ziehen würden, feiner Pflichten auf die schwarze Liste gesetzt, monatelang der Betriebe bestimmten Personen( Aufsichtspersonen) verantwortlich ihren Abschied zu fordern. Solche Demiffionen mag in anderen Der Bergbehörde follen nicht nur die Namen der Staaten, vielleicht auch im gewerblichen Leben der Ehrbegriff arbeitslos gemacht wird, für die Sicherheit des Betriebes gemacht werden. der jedem zufordern; aber man darf nun mal nicht auf die preußischen oder tun tann, das fann sich jeder Arbeiter selbst ausmalen. Aufsichtspersonen angegeben, sondern auch Geschäftsfreis mitgeteilt werden. Die Enthüllungen des Hilger- Krämer- Prozesses über die Art Die Berantwortlichkeit fann auch mur für Teile des Bereichsdeutschen Verhältnisse die politischen Ehrbegriffe anderer und Weise, wie die Zechenleitungen Sicherheitsmänner zu triebes festgesetzt werden. Daneben follen die Bergwerts behandeln verstehen, Enthüllungen, die wir hier jüngst nach beiiger. Die mit der Verwaltung der Bergwerksbefizer Beauf den Verhandlungen der Parlamente über die Radbodkata tragten, sowie diejenigen, die dem genannten Aufsichtsbeamten vorstrophe aufgefrischt haben, sagen darüber mehr als genug. gesetzt sind, verantwortlich bleiben: Auch das verbessert die Stellung der Sicherheitsmänner nicht, daß fie Mitglieder des Arbeiterausschusses ihrer Zeche fein sollen. Die Befugnisse aller Arbeiter. ausschüsse sind nur insoweit erweitert, als ihnen( eben durch die Sicherheitsmänner) die Befahrung der Grube und die Unfalluntersuchung übertragen ist. Alle Bestimmungen, wonach Strantenfaffenvertreter, Snappschaftsälteste usw. den Arbeitern europäischer Länder anwenden, noch preußische Minister mit dem gleichen Maß meffen, wie die Minister diefer Staaten. Tatsächlich scheint denn auch die Regierung sich in der Frage der Nachlaßsteuer bereits entschloffen zu haben, dem Wunsche der 1. insoweit fie mit Anordnungen in den Betrieb eingegriffen Agrarier nachzugeben und die von diesen beanstandeten haben, von denen sie wußten oder wissen mußten, daß Bestimmungen des Nachlaßsteuer Entwurfs fallen ihre Ausführung gegen die Betriebspläne oder gegen zu laffen dafür die von den Agrardie im Gesetz enthaltenen oder auf Grund desselben ergangenen fonjervativen empfohlene Erhöhung der Matri Borschriften und Anordnungen verstoßen würde; und 2. insoweit sie durch Handlungen oder Unter- fularbeiträge au atzeptieren. Die zu der Wilhelmstraße Tassungen den ihnen unterstellten Aufsichtspersonen die enge Beziehungen unterhaltende Neue Gesellschaftl. Korrespondenz Mögliteit genommen haben, den ihnen nach dem meldet nämlich: 0 reiten. Die Reichsregierung wird an der Nachlaßstener festhalten, am Dienstag ergaben. Zum Ueberfluß ist im Vorwärts"| schlechten Theaterstücken ließe sich nur durch gufe Volkstheater das heißt sie wird, sollte die Nachlaßsteuer jest definitiv ab und von den Versammlungsleitern davor gewarnt worden. entgegenwirken. Als Beispiel führte er das Schiller- Theater gelehnt werden, dieses Steuerprojekt für Bedarfsfälle des o feine Polizei vor den Lokalen war, tam es denn an, bergaß aber leider ganz, zu erwähnen, daß die von ArReiches in ihrer Rüstkammer bereithalten, weil sie auch nicht zu Demonstrationen; nur da tamen beitern gehaltenen Freien Volksbühnen viel wichtiger und die Besteuerung des Nachlasses im Sinne des Regierungsprojektes erfolgreicher für diesen Zweck arbeiten, während das Schillerfür richtig und gerecht hält. Daran ändert es auch nichts, wenn folche zustande, wo Polizei„ ordnend" eingriff. die Verhandlungen über die Reichsfinanzreform unterbrochen werden Sollen wir die Berliner Arbeiterschaft schließlich noch Theater nur eine zu Zwecken der Privatspekulation ins müssen, um den Parteien Zeit zu geben, sich mehr als bis gegen den Vorwurf verwahren, daß sie ein höfifches Feft zum Leben gerufene Nachahmung der Freien Volfsbühnen ist. her geschehen, mit der Regierung zu ber- Anlaß nimmt, den internationalen Frieden zu stören? Die Diese Unterlassung erklärt sich wohl daraus, daß Herr Müller ständigen" Arbeiterschaft, die lange vor dieser Zusammenkunft Vertreter selbst eine fapitalistische Zensurbrille auf der Nase trägt. Wenn diese Worte einen Sinn haben, dann heißt das nichts des englischen Volkes bereits empfing und eine machtvolle Der Zentrumsabgeordnete Pfeiffer unterstützte den anderes, als die Regierung gibt nach; sie zieht die Nachlaßstener Friedensdemonstration veranstaltet hat? Stann man es freisinnigen Antrag, wenigstens soweit er auf Vorlegung oder wenigstens die Bestimmungen derselben, die den Agrariern aus der Welt schaffen, daß die Vertreter der Arbeiterschaft es eines Reichs- Theatergesetzes abzielt, wandte sich aber gegen nicht passen, zurück, behält sich aber vor, später im Bedarfs waren, die gerade dann Frieden und Freundschaft mit Eng- den zweiten Teil, der auch die Theaterzenjur gefeglich gefalle, d. h. wenn weiter eine Reichsfinanzreform nötig wird, auf land und Frankreich gefordert haben und dafür demon- regelt wissen will. Dabei passierte dem sonst sehr diese Bestimmungen zurüdzukommen. striert haben, als die Unvernunft der Herrschenden die modernistisch gerichteten Kunstverständigen des Zentrums Bestätigt wird diese Auffassung durch folgende Meldung des Gefahr eines Krieges hinaufbeschworen hatte? Wir glauben das Unglück, daß ihm in dem Bemühen, die zensurfreundBerl. Tagebl.": es wirklich nicht nötig zu haben, erst feierlich zu versichern, liche Haltung seiner Fraktion zu rechtfertigen, das Ein" Der Chef des Finanzdepartements Dr. Hunnius teilte, wie daß die deutsche Sozialdemokratie teine Friedenskundgebung geständnis entgleiste, er spreche nicht als Zentrumsmann, ein Privattelegramm uns meldet, gestern in der geheimen stört und daß es ihr trot all ihrer Skepsis gegenüber dem sondern als Mann, der sich bemüht, frei in der Welt um Sigung des Landtages in Weimar den Abgeordneten als Wert von Monarchenbesuchen es auch keinen Woment einge- fich zu schauen. Als er sich bei dem allgemeinen Seiterteitshauptsächlichstes Ergebnis der Verhandlungen fallen ist, dem Einzug Eduards VII. Schwierigkeiten zu be- ausbruch zu rechtfertigen suchte, verstricte er sich nur noch im Bundesrat zu Berlin mit, daß der Beschluß mehr in den Schlingen eines rhetorischen Gegensatzes. Bei gefaßt worden sei, die bisher den Einzelstaaten gestundeten der Abstimmung wurde denn auch nur der erste Teil der Matrikularbeiträge einzuziehen und sie in Bufunft zur Gesundung der Reichsfinanzen bedeutend zu erhöhen. Der Redner bezeichnete diesen Beschluß als Folge der seitens der die Regelung der Theaterzensur abgelehnt. Ronservativen und Agrarier im Reichstage ge- Das Abgeordnetenhaus hat am Mittwoch das Lehrer Den sozialdemokratischen Antrag auf Erlaß eines übten Opposition gegen die Nachlaßsteuer und die befoldung 3gefes in zweiter Lesung zu Ende beraten. wie Reichsberggefeges vertrat in eindringlichen AusBesteuerung des Besizes überhaupt. nach dem zwischen den bürgerlichen Parteien geschlofienen Kom- führungen Genosse Sachse, indem er zunächst gegenüber Und diese Meldung stimmt mit einer anderen, uns aus Rudol- promiß von vornherein feststand, gelangte die Vorlage durchweg in Herrn v. Dirksen( Rp.) die Verderblichkeit der schwarzen stadt zugehenden überein, nach welcher der Staatsminister in der Stommissionsfaffung zur Annahme. Die Bestimmung, wonach Listen nachwies und an den hohen bergbaulichen Unfalleiner Begrüßungsansprache an den Landtag erklärte, daß den Schulverbänden mit mehr als sieben Schulstellen der Staats- siffern Deutschlands nachwies, wie notwendig gerade bei höchst wahrscheinlich demnächst höhere Matrikularbeiträge gefordert zuschuß, auf den sie heute gesetzlich Anspruch haben, entzogen und uns eine reichsgefeßliche Regelung ist. Sachfe fehrte sich auch werden würden und deshalb die Einkommensteuer für die Verteilung der Gelber den Kreisausschüssen überlaffen bleiben gegen einen von freifinniger Seite eingebrachten Bersoll, gab unserem Genoffen 2einert Gelegenheit, nochmals das wässerungsantrag. Da aber bei der Abstimmung der Block Demnach akzeptiert die Reichsregierung die Bedingungen der Wesen der Kreisausschüsse zu schildern. Treffend hob er hervor, daß zunächst den sozialdemokratischen Antrag niederstimmte, ostelbischen Junkerschaft; Bülow aber und Sydow bleiben auf ihren die Kreisausschüsse im wesentlichen nur agrarische Interessen blieb der Sozialdemokratie schließlich nur übrig, damit Bosten selbstverständlich nur im Interesse des heißgeliebten bertretungen sind, und mit Recht verlangte daß die wenigstens etwas zustande kam, für den verwässerten Antrag Prüfung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden in objeftiner 3u stimmen. Weise erfolgen müsse. Auf seine Anfrage, ob sich die Am Donnerstag kommen die Spezialtitel des ReichsArbeitergemeinden bei der Bemessung der Zuschüsse desselben Wohl- amtes des Innern zur Verhandlung. wollens zu erfreuen haben würden wie die Gutsbezirke, die die Regierung ohne weiteres als bedürftig anfieht, blieben ihm die Regierungsvertreter die Antwort schuldig. Dies Schweigen ist fennzeichnend, es läßt einen Schluß auf die Art der Verteilung der Staatszuschüsse nach Infrafttreten des Gesetzes zu. das Fürstentum erhöht werden müsse. Waterlandes. Beginnende Einficht. Die spontanen Demonstrationen der Arbeitslosen am Diens tag, die zu einzelnen unnügen Uebergriffen geführt haben, scheinen auch der Berliner Polizeidirektion Stoff zum Nachdenken gegeben zu haben. In einer amtlichen Mitteilung, die durch Wolffs Telegraphenbureau verbreitet wird, heißt es: Lehrerbefoldung und Wahlprüfungen. eſolution angenommen, dagegen durch Rechte und Zentrum an die Budgetfommission, er, die Arbeiter fast rechtlos machen. Die neue Fernsprechordnung. Im Reichstag ist heute der Entwurf einer Fernsprechgebühren ordnung zur Berteilung gelangt. Danach soll für jeden Anschluß erhoben werden. Die Grundgebühr beträgt in Neben von nicht an ein Fernsprechnet eine Grundgebühr und eine Gesprächsgebühr über 1000 Anschlüssen 50 M., bei mehr als 1000 bis einschließlich 6000 Anschlüssen 65 M., bei mehr als 5000 bis einschließlich 20 000 Anschlüssen 80 W., bei mehr als 20 000 bia einschließlich 70 000 Anschlüssen 90 M., bei mehr als 70 000 Anschlüssen für jede anges fangenen weiteren 50 000 Anschlüſſe je 10 M. mehe jährlich für ieden Anschluß, der von der Vermittelungsstelle nicht weiter als Kilometer entfernt ist. Die Gesprächsgebühr beträgt 4 Pf. für Erhöhung der Gru bgebühr eintritt, find die Teilnehmer be jede Verbindung. Gotveit auf Grund der neuen Feststellung eine Internationaler Handel mit Menschenfleisch. Die deutsche Feldarbeiter- Zentrale, Grenzamt Kattowih, dehnt jetzt ihre Verlockungen von Ausländern zum Reinfall auf die menschenunwürdigen Verträge auch auf die VerAn Fabritarbeiter in Im Anschluß an das Gesetz wurden die meisten der dazu bor mittlung für fremde Länder aus! liegenden Resolutionen angenommen. Eine nationalliberale Nejo- Petersburg läßt sie Prospekte mit der Aufforderung verteilen, " In der Angelegenheit der gestern vorgekommenen Aus lution, die die Regierung ersucht, durch einen Nachtragsetat Mittel nach Italien zu ziehen: dort fehlten, insbesondere in fchreitungen wird von amtlicher Seite darauf hingewiesen, zur Unterstügung leistungsschwacher Gemeinden und Schulverbände Messina, 12 bis 15 000 Arbeiter. Vorgespiegelt werden Löhne daß es auch bei uns nach§ 7 des Reichsvereinsgefeges ebenso wie bereit zu stellen, welche durch die den Besoldungsgesetzen beigelegte von 2 bis 5 Rubeln! Verschwiegen werden aber die bein den beiden ausländischen Kapitalen( London und Baris find rüdwirkende Straft in eine unverschuldete Notlage geraten sind, ging fannten Klauseln der berüchtigten Feldarbeiter- Zentrale, welche gemeint. Med. d.„ Vorw.") nicht verboten ist, öffent liche Versammlungen und Aufzüge auf öffent Stürmischer ging es im zweiten Teil der Sigung zu, der der Die Menschenhändler- Zentrale wird durch die bekannten ligen Straßen zu veranstalten. Sie bedürfen aller- Besprechung des Berichts der Wahlprüfungskommission Erlasse des Ministers des Innern über Legitimationstarten. bings der Genehmigung der Polizei, die aber nur über die Wahlen unferer Genossen Borgmann, Heimann, awang mit Millionen jährlich unterstützt. Denn der den Ausberjagt werden darf, wenn Gefahr für die öffentliche Sicherheit Hirsch und hoffmann gewidmet war. Die Berichterstatter, ländern in Höhe von früher 2, jezt 5 M. abgeknöpfte Betrag besteht. Die Sozialdemokratie hat von dieser Bestimmung, die die Herren Fischbeck und Strosser, hatten auf die Begründung des fließt in die Staffe der deutschen Feldarbeiter- Zentrale. bereits am 19. April 1908 in Straft getreten ist, bisher noch keinen Stommiffionsantrages auf Beanstandung der Wahlen verzichtet und Gebrauch gemacht." Dieser Hinweis, daß die Berliner Straßen unter teinem großmütig dem Genossen Ströbel den ersten Blaz in der Rednerliste eingeräumt. Ströbel eripies sich den Herren dafür anderen Recht stehen als die von London, Paris und wie dankbar, indem er die durchaus notwendigen Ergänzungen zu ihrem noch hinzugefügt werden könnte von Wien und Brüssel, dürftigen Bericht gab. Der sozialdemokratische Redner ging der eigen ist sicher richtig, im Munde der Polizei aber immerhin neuartigen Argumentation der Kommission gründlich zu Leibe und der Bei richtiger Auslegung des Vereinsgesetzes darf es gewiß pflückte unbarmherzig die in der Blockpreffe verbreiteten Gerüchte über nicht anders sein. Nur sind wir leider bisher nicht daran die Borkommnisse bei den Berliner Wahlen. Die Aufdeckung der gewöhnt, daß das Vereinsgesetz stets richtig ausgelegt wird. Heuchelei des Blodfreisinns war denen um Fischbeck und Caffet In der Tat kann es teine bessere Gewähr für den nicht weniger unangenehm als der Stachweis, daß tatsächlich gegen ruhigen und ungestörten Verlauf politischer Demonstrationen alle Berliner Wahlen ein form- und fristgerechter Protest eingelegt geben, als wenn man es der organisierten Arbeiterschaft er- ist, daß das Haus also, wenn es Wert auf Gerechtigkeit legt, alle möglicht, selbst für die Aufrechterhaltung der Ordnung 12 Berliner Mandate taffieren müßte. it Nachdruck protestierte mit Sorge zu tragen. Die großen Wahlrechtsdemonstrationen Ströbel am Schluß seiner wirkungsvollen Rede gegen den berechtigt, ihre Anschl se zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Erfind überall, wo nicht übereifrige Polizisten Störungen absichtigten Mandatsraub, den er als einzig dastehendes Attentat höhung mit einmonatiger Frist zu kündigen. Für die Benukung verursachten, musterhaft verlaufen. Wenn auf das Wahlrecht der breiten Maffe des Bolles bezeichnete. der Verbindungsanlagen zwifchen verschiedenen Neßen werden Geam Dienstag zu einigen Zwischenfällen gekommen Nach Ströbel ergriffen die beiden Gesinnungsbrüder Fisch- sprächsgebühren erhoben. Sie betragen für eine Verbindung bon ist, so deshalb, weil eben teine Demonbed und Stroffer das Wort. Der Freifinusmann erging fich, nicht mehr als drei Minuten Dauer bei einer Entfernung bis zu strationen geplant und borbereitet waren. wie man es von ihm gewohnt ist, in einigen albernen Ausfällen 25 3f., bis zu 100 Rilometer einschließlich 50 Pf., bis au 250 Stilo25 Stilometer einschließlich 20 f., bis zu 50 Stilometer einschließlich Je sorgfältiger die organisierte Arbeiterschaft ihre und gegen die Sozialdemokratie im allgemeinen und den Vorwärts" meter einschließlich 75%, bis zu 500 Kilometer einschließlich gebungen, auf die sie nun unter bestimmten Umständen nicht im besonderen, Ausfälle, die Ströbel in einem Zwischenruf treffend 1 M., bis zu 750 Kilometer einschließlich 1,50 m., bis zu 1000 verzichten will und die die Polizei auch nicht verhindern fann, als bollendeten Blödsinn bezeichnete. Sachlich wußte Herr Fischbed Stilometer einschließlich 2 M. Heber 1000 Rilometer für jede anvorher borbereiten tann, mit kann, mit desto größerer fast gar nichts zu sagen, um den Kern der Frage, warum denn nur gefangenen weiteren 250 Kilometer 50 Pf. mehr. Für dringende Sicherheit kann die organisierte Arbeiterschaft sich für die vier sozialdemokratischen, nicht auch die freisinnigen Mandate Gespräche wird die dreifache Gebühr erhoben. Der Teilnehmer den würdigen Verlauf der Demonstrationen berbürgen. Berlins faffiert werden sollen, ging er herum wie die Stage um den darf sich von dritten für das Gespräch einen Betrag nur bis zur Es liegt durchaus nicht im Wesen jeder Demonstration, daß heißen Brei. Im Grunde genommen läuft die ganze Rede dieses Höhe der Gebühr erstatten lassen, die für die Verbindung bei, Besie unangekündigt stattfindet. Die Sozialdemokratie Mitgliedes des Berliner Magistrats auf eine Blamierung des der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die durchschnittliche mugung einer öffentlichen Fernsprechstelle zu entrichten, wäre. In kann sich daher sehr leicht auf den Boden eines richtig Magistrats hinaus, Herr Oberbürgermeister Kirschner wird seine Gesprächsbelastung der Bauschgebührenanschlüsse, die gegenwärtig interpretierten Vereinsgefeßes stellen. Wenn die Polizei ein Freude an diesem liebenswürdigen Kollegen haben. besteht, von Jahr zu Jahr steigt. Es gibt unter den Tausch sieht, daß die richtige Auslegung des Vereinsgesetzes auch in Noch jämmerlicher war das Gerede des konserbatiben gebührenteilnehmern eine Bahl von solchen, die ihren Anschluß beihrem Interesse wie in dem des Publikums gelegen ist, so ist Schwärmers für Prügelstrafe, das Abg. Stoffer, der eigentlich fonders weit über den Durchschnitt hinaus, zum Teil über 50 000 auch dies als ein Erfolg unserer Demonstrationen über die Wahlen so gut wie gar nicht sprach, fondern eine mal im Jahre, benutzen. Diesem Unterschied in der Benutzung der zu werten. Heyrede im Jargon des Reichsverbandes, vermischt mit Anschlüsse entspreche die jetzt geltende Abstufung der Gebühren Die bürgerliche Presse aber zeigt, daß sie, zum Teil aller einigen Striegervereinsphrasen, nicht. Um den laut geworbenen Klagen über die ungleichmäßige bom Stapel ließ und auf dings irregeführt durch eine beispiellos entstellende und irre biefe Weise unfreiwillig für das Amusement des Hauses abzuhelfen, hat man sich für die Aufhebung des Tauschgebühren. Belastung der verschiedenen Gruppen von Fernsprechteilnehmern führende Berichterstattung, selbst weit hinter der Polizei forgte. Da ist doch der Präsident b. Kröcher ein befferer Bigbold. systems und die Heranziehung sämtlicher Teilnehmer nach Maßzurückbleibt. Da wird zunächst die findische Unterstellung ge- unterbrach er doch Herrn Stroier, als dieser davon sprach, daß die gabe der Leistung durch den allgemeinen Uebergang zu Grunds macht, daß die Versammlungen absichtlich am gleichen Lage, Sozialdemokraten den Staat umstürzen wollen, mit den stürmische und Gesprächsgebühren entschlossen. Damit folgt die Verwaltung als der Einzug König Eduards stattfand, veranstaltet wurden. Heiterfeit erzeugenden Worten:„ Die sozialdemokratischen Mitglieder auch der Entwickelung in den Ländern mit besonders lebhaften In Wirklichkeit war dieses Zusammentreffen rein zufällig. Fernsprechverkehr, wie in den Vereinigten Staaten. Neu ist die Die Versammlungen wurden einberufen, um die Zählung der fchließlich die Gebühr 75 f. beträgt. Die Begründung behauptet eftfegung, daß bei Ferngesprächen bis zu 250 Kilometern einBerliner Arbeitslosen durch Partei und Gewerkschaften vor bann, daß der neue Tarif, felbst wenn die Gesprächszahl bei den zubereiten, die zur Stontrolle der Zählung des Magistrats Tauschgebührenteilnehmern die gleiche bliebe wie bisher, für dienen soll. 66 Proz. aller Teilnehmer eine Gebührenermäßigung ergebe, während für 84 Proz. eine Mehrbelastung eintrete. Diese Zählung und ihre Vorbereitung war deswegen an einen bestimmten Termin gebunden, der nicht von den Veranstaltern der Versammlung, sondern von dem Magistrat und der Stadt. berordnetenbersammlung Berlins lange vor Bekanntwerden der Besuchsabsichten Sönig Eduards festgestellt wurde. Am Dienstag fanden die Versammlungen statt, durch welche die Arbeitslosen auf die Zählung hingewiesen werden; am Mittwoch der Zahlabend, an dem die Leute für die Zählung bestimmt werden. Am Donnerstag und Freitag findet die Instruktion derselben und die Verbreitung der Fragebogen statt. Am Sonnabend erfolgt die Ausfüllung und am Sonntag die Einsammlung der Fragebogen. des Hauses haben dem König Treue und Gehorsam geschworen, die wollen also den Staat nicht umstürzen." Wir haben nicht die Absicht, mit Herrn v. Kröcher zu debattieren, zumal da wir für gute Wizze stets empfänglich sind, selbst wenn sie auf unsere Kosten gemacht werden. Nur daran wollen wir Herrn v. Kröcher erinnern, daß die Gidesleistung auch für einen Präsidenten tein Gegenstand der Heiter feit des Hauses sein darf. Am Donnerstag wird die Debatte fortgefeßt. Politifche Uebersicht. " Ueberall langt's nicht. Auch der Ausgleichsfonds des allgemeinen Pensionsfonds für das Reichsheer genügt nicht. Dieser für die Verwaltung des Reichsheeres eingerichtete Ausgleichsfonds, woraus bedürftige Hinterbliebene von Offizieren, Sanitätsoffizieren, Beamten und Personen der Unterklassen bes Soldatenstandes sowie von Invaliden als Berlin, den 10. Februar 1909 Erfaz dafür, daß ihnen die Vorteile der neuen BeriorgungsSchutz für Bergarbeiter und Schauspieler. gesetzgebung nicht zuteil werden, Beihilfen erhalten, hat fich, wie die Bossische Beitung" berichtet, sowohl in Aus dem Reichstage.( 10. Februar.) Am Preußen als auch in Sachsen und Württemberg als unzus sechsten Tage kam die Debatte über den Titel„ Gehalt des länglich erwiesen. Ebenso sind die Ansprüche an den dem Staatssekretärs für das Reichsamt des Innern" zu Ende. Striegsminister aur Berfügung stehenden Fonds zur Unterſtügung Heute nahm die Lage der Bergarbeiter und die der Schau ehemaliger Angehöriger der Unterklassen des Soldatenstandes und Wer ehrlich sein will, wird zugestehen müssen, daß man spieler das Hauptinteresse in Anspruch. Die Lage des ihrer Hinterbliebenen erheblich gestiegen, so daß bei weitem nicht einen so umfangreichen, sorgfältig vorbereiteten Plan, der an den letzteren Berufs wurde im Anschluß an eine freifinnige Ste- alle Gefuche um Unterſtügung berücksichtigt werden konnten. Auch bom Magiftrat festgesetzten Termin ebenso wie, da es sich um folution bom Abg. Müller- Meiningen zur Erörterung für Kuren in Lungenbeilstätten und andere Badekuren fowie für Arbeiter als Zähler handelt, an den Sonntag als Sammel- gebracht. An der Hand von Beispielen wies er nach, welch sich die vorhandenen Mittel als unzureichend erwiesen. Es wird Lazarettbehandlung ehemaliger Unteroffiziere und Gemeinen haben tag für das Material gebunden ist, nicht urplößlich umstoßen grauenhaftes Elend unter den Schauspielern besteht, wie be- baher von der Reichsregierung eine Erhöhung kann. Und wer weiter ehrlich ist, wird zugestehen müssen, fonders das weibliche Personal von den Direktoren und dieser Fonds, des allgemeinen Pensionsfonds daß den Veranstaltern der Zählung wirklich nichts ferner Agenten schmachvoll ausgebeutet wird. Auch eine Blütenlese um etwa 100 000. beabsichtigt liegen mußte, als Zwischenfälle herbeizuführen, wie sie sich von Rensurstückchen brachte er zur Verlesung und meinte, den Etatsdebatte tm württembergischen Landtag. war das Stellenangebot um 30,4 Prozent, die Zahl der vermittelten Das neue Ministerium, te Präsidium Freiherr von Bienerth, Juneres Freiherr von Haerdtl, Finanzen Ritter von Bilinski, Justiz Dr. von Hohenburger, Unterricht Graf Stürght. Gisenbahn Wrba, Handel Dr. Weiskirchner, Landesverteidigung Freiherr von Georgi, öffentliche Arbeiten Ritt, Aderbau Braf, deutscher Landsmannminister Dr. Schreiner, tschechischer Landsmannminister Dr. Bazet, polnischer Land8mannminister Ritter von Abrahamowicz. Die amtliche Publikation soll Donnerstag erfolgen. In der heutigen Fortsetzung der Generaldebatte über den Etat Stellen um 18,4 Prozent niedriger, während die Nachfrage Bekanntlich war das Ministerium Bienerth nur als nahm zunächst der Ministerpräsident Weizsäcker das Wort. Er be- nach Arbeit die borjährige um 19 Prozent über stieg. Auf provisorisches gedacht, da es in ein parlamentarisches umgewandelt schäftigte sich eingehend mit den Ausführungen des demokratischen 100 offene Stellen kamen 288 Arbeitsuchende und nur 79 Ver- werden sollte. Jetzt ist daraus ein definitives Ministerium geRedners Dr Elsaß über das parlamentarische Regiment und den mittelungen. worden, über dessen Zusammenfeßung die Neue Freie Presse" Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten. An die Spige meldet: Die sogenannte Wahlreform in Oldenburg. seiner Erklärungen stellte Weizsäcker den Saß, daß sich die auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts geratung des Landtagswahlgefeßes zu Ende geführt. Der Plural Im Olbenburger Landtag wurde gestern, Dienstag, die Be wählte„ reine Volkskammer" durchaus bewährt habe, wahlrechtsantrag des Abgeordneten Müller- Brace wurde mit eine Erklärung, die offenbar gegen Preußen gerichtet war. Bu 22 gegen 22 Stimmen abgelehnt, ebenso der sozialdemokratische boller Anerkennung der Berechtigung eines rein parlamen- Antrag auf Einführung der Verhältniswahl mit 12 gegen tarischen Regiments verstand sich jedoch der Redner nicht. Er 32 Stimmen. Für den sozialdemokratischen Antrag auf Beinahm für die Regierung das Recht in Anspruch, auf Grund ihres behaltung der automatisch steigenden Abgeordnetenziffer bei steipflichtgemäßen Ermessens auch anders zu handeln, als die Beschlüsse gender Bevölkerung ftimmten nur die Sozialdemokraten. Damit des Landtages verlangen, z. B. in Sachen der Reichsfinanzreform. hat sich der Landtag für die Festlegung der Bevölkerungsziffer nach Weiskirchner ist der jebige Präsident des AbgeordnetenIn dieser Frage hätte die Regierung durch ihre Zustimmung Opfer dem Stande vom 1. Dezember 1905 erklärt. Der Antrag auf bringen müssen. Er verweist auf die schwierige Situation, in der Schaffung von Einzelmahlkreisen wurde mit 29 gegen 15 Stimmen hauses, einer der Führer der Christlichsozialen, denen auch abgelehnt. Annahme fand bagegen der Antrag, nach welchem zwei Stitt zuzurechnen ist. Die Bolen sind durch Bilinski, die fich die Einzelstaaten unter den hohen Matrikularbeiträgen befinden; Wahlkreise mit je 3, 10 Wahlfreise mit je 2 und 19 Wahlkreise Tschechen durch den gemäßigten Prager Dekonomieprofessor eine Lage, die durch das System der ungedeckten Matrikularbeiträge mit je einem Abgeordneten geschaffen werden. Die Notwendigkeit Braf vertreten. Der Unterrichtsminister Stücght ist ein sogenoch weiter verschlechtert worden sei. Ehe die Frage der der anderweiten Abgrenzung der Wahlfreise foll alle 20 Jahre er- nannter verfassungstreuer Großgrundbesiger, ein eitler, talentloser Reichsfinanzreform nicht gelöst set, sei Württem örtert werden. Abgelehnt wurde auch der von unseren Genossen und reaktionärer Mensch, ein erbitterter Wahlreformfeind. Im berg in seinen Landesaufgaben vollständig ge- gestellte Antrag, die Wahlen an einem Sonntag vorzunehmen; da- ganzen macht des neue Ministerium einen sehr ungünstigen hemmt. gegen gelang es, wenigstens die Wahlzeit gefeßlich festzulegen und und reaktionären Gindrud. Nach einer längeren Betrachtung über die Frage der württem- par einheitlich für die Zeit von 11 bis 8 Uhr; nur in Wahl= Bergischen Eisenbahnpolitik, in der er die übereilte" Fahrkarten später beginnen zu lassen. Schließlich gelang es noch, einen Antrag bezirken unter 2000 Einwohnern soll es gestattet sein, die Wahl steuer abfällig besprach, und das Zustandekommen der Güterwagen der Agrarier zu Fall zu bringen, der die Abschaffung der KuvertGemeinschaft als einen Sieg des einheitlichen Gedankens über eng- wahl und der Isolierräume, wie sie der Gesezentwurf vorfah, ber- London, 9. Februar. Wie das Neutersche Bureau erfährt, herzigen Bartikularismus begrüßte, fam er auf den Bundesrats- langte. Bur größeren Sicherung des Wahlgeheimnisses fand viel- haben England und Siam ein lebereinkommen ge ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zu sprechen und meinte, der mehr auf Anregung unserer Genoffen ein Antrag Annahme, wonach schlossen, wonach Siam die Staaten Kelantan, Trengganu und Ausschuß habe bei wichtigen Anlässen zur vollen Befriedigung der die Wahl urnen nach der Vorschrift des Staatsministeriums Sedah an England abtritt. Dieses gewährt dafür Siam geBeteiligten funktioniert. Die Sigung des Ausschusses im November angeschafft werden sollen. wäre von historischer Bedeutung gewefen. Der Reichstanzler habe der Wahlreform: Die Beratung des Wahlgesetzes ergibt sonach folgenden Stand wiffe Stonzessionen, wahrscheinlich solche fommersteller Natur. Die genannten Staaten, die auf der Halbinsel Malakta in vierstündiger Nede so beruhigende Erklärungen über die ausDas Wahlrecht ist direkt. Zur Ausübung des Wahlrechts im Norden der britischen Straits Settlements liegen, waren wärtige Politik abgegeben, daß die Mitglieder in der Lage gewesen ist eine dreijährige Wartezeit für jeden Reichsdeutschen bisher Vasallenstaaten Siams, die an Siam Tribut zahlen mußten. wären, ihm ihre vollste Uebereinstimmung mit seinen Intentionen in in Oldenburg Vorausseßung. Der Kreis der Wahlberechtigten ist der auswärtigen Bolitik auszusprechen. ausgedehnt auf diejenigen, welche bei anderen in Kost und Logis stehen und feinen eigenen Herd besitzen. Das Wahlalter ist 25 Jahre. Jeder, der 40 Jahre alt ist, erhält eine Der neue Vorsitzende der Zentrumsfraktion. Am Dienstagabend hat das Zentrum für den verstorbenen Grafen von Hompesch sich in dem Freiherrn v. Sertling einen neuen Vorsitzenden gegeben. Neben Hertling tam auch Dr. Spahn in Frage, aber er wurde damit getröstet, daß er ja der erste politische Redner sei( was mag Herr Erzberger da gedacht haben) und daß man den politischen Führer der Fraktion nicht mit der Leitung der Fraktionsgeschäfte belasten dürfe. England. Erweiterung des Kolonialbesibes. Schweden. Die Wahlreform. weite Stimme. Die Legislaturperiode ist fünfiährig. An die Wahlreformborschläge mit großer Mehrheit Stockholm, 10. Februar. Beide Rammern haben heute Stelle der von der Regierung vorgeschlagenen Beimännerwahl endgültig angenommen. Dagegen stimmten die freise sollen neben 19 Einzelwahlkreisen nur 12 Gruppenwahlkreise Sozialdemokraten und einige andere Abgeordnete. gebildet werden. Angesichts eines solchen Fazits fann man von einer Wahl. Die Reformen beruhen auf der Grundlage der Proreform faum reden. Der einzige hervorragende Fortschritt der portionalwahlen zu beiden Kammern und des alldirekten Wahl wird aufgehoben durch die Reihe der mitgeteilten gemeinen Wahlrechts zur 8weiten Rammer und Anträge, zumal obendrein noch die Wahlrechtsänderung mit dem einer starken Demokratisierung der Ersten Kammer Iuralwahlrecht verknüpft worden ist. Beider ist nicht sowie einer bedeutenden Herabsetzung der fommunalen Wahlbaran zu denken, daß die zweite Lefung ein itala. Der Zensus für die Wählbarkeit zur Ersten Kammer anderes, besseres Ergebnis aeitigen wird. ist auf 8000 Aronen herabgesetzt worden. Wahlergebnis im Reichstagswahlkreis Schrimm- Schroda. Amtliches Wahlresultat. Bei der Reichstagserfah haben sich bei einer Kommunalaffäre in Freiburg wieder in wahl am 6. b. M. für den Wahlkreis Schrimm- Schroda wurden im fchönster Weise gezeigt. Der Fall ist furs folgender: Der Kassierer angen 17914 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielten v. Niego- ihrer heutigen Morgenfibung mit einer aus ben Oftobriften, der Löffel des städtischen Elektrizitätswerkes Freiburg verunglüdte im lemsti( Bole) 18 888 Stimmen, b. Günther( Reichspt.) 4016; get Gemäßigten Rechten, dem Bolnischen Kolo und der Partei der April v. J. bei der Jagd, indem ein Schuß aus dem eigenen Ge- splittert waren 10 Stimmen. v. Niegolewski ist somit gewählt. Für Hertling sprach, daß er gewissermaßen interdeutsch" ist. Er ist geboren in Darmstadt, wohnt in München und ist gewählt im nordischen Nom, im frommen Münster Westfalens. Aus. schlaggebend dürfte für seine Wahl jedoch seine Stellung zum hohen Klerus und sein Freiherrntitel gewesen sein. Die Vorrechte des bunten Roces wehr ihin den Tod brachte. Bei der Revision seiner Masse entdeckte man, daß der Jagdliebhaber die Kleinigkeit von 80 000 M. unterschlagen hat. Er kannte das Schema, nach dem die Revisionen allmonatlich vorgenommen werden; daher war die Unterschlagung des hohen Betrages möglich. Aber noch etwas anderes leistete seinen Betrügereien Vorschub. Die revidierenden Beamten standen vor Löffel- stramm! Gr war nämlich Offizier, seine Vorgefekten nur frühere Militäranwärter. Sie getrauten fich nicht, wie jüngst in der Bürgerausschußßißung in Freiburg in aller Deffentlichteit festgestellt wurde, dem militärischen Vorgesezten die nötigen Vorhaltungen สน maden. Diese Ehrfurcht vor dem Offizierspatent fostet der Stadt Freiburg und damit den Steuerzahlern 80 000 m. Was amtliche Dementis wert find. Die Balkankrise. Demission eines Kriegsheters. minister Biofowitsch seine De mission, weil weder die NeBelgrad, 10. Februar. Wie die Blätter melden, gab Kriegs. gierung noch die Stupschtina genügendes Entgegenkommen für die unabweislichen Bedürfnisse der Armee zeigten. Oefterreich. Die Arbeiter für das Parlament. Rußland. Die Todesstrafe. Petersburg, 10. Februar. Die Reichsduma beschloß in Friedlichen Erneuerer gebildeten Majorität nach heftigen Debatten, ben Entwurf wegen Abschaffung der Todesstrafe einer Justiztommiffion zu übergeben. Einen Antrag der Kadetten, diese Kommission zu einem Bericht im Plenum binnen Monatsfrist au verpflichten, lehnte die Duma ab. Argentinien. Ein Streit gegen Steuererhöhung. Buenos Aires, 9. Februar. Eine Streitbewegung ist in Rosario infolge einer beträchtlichen Steuererhöhung ausgebrochen. Handel und Industrie sind labmgelegt. Die Streifenden verlangen die Demission des Bürgermeisters. Bis jetzt verläuft die Bewegung friedlich. Soziales. Wien, 8. Februar.( Sig. Ber.) In zehn großen, fo maffenhaft wie in den stürmischen Zeiten des Wahlrechtstampfes besuchten Versammlungen hat heute die Wiener Arbeiterschaft über Was behördliche Ableugnungen vielfach für einen Wert haben, die Verbrechen der tschechisch- radikalen Parlamentsmörder und über zeigt folgenbes, uns aus 28 aldenburg gemeldete Vorkommnis: die Unfähigkeit einer leichtfertigen Regierung das Urteil gesprochen. Am 20. Januar meldete unfer Breslauer Bruderblatt, dem es ein Die Stimmung der Massen war eine überaus erregte und es Sachverständiger mitgeteilt hatte, daß der Eisenbahntunnel trat allenthalben der feste Entschluß zutage, die Kraft des Prole In Anknüpfung an die Rebe des Staatssekretärts von Beth Zum Kölner Aerztestreit. zwischen Gottesberg und Dittersbach in Niederschlesien infolge von tariats wieder einmal zum sichtbaren Bollwert des Parlaments mann- Hollweg im Reichstage, die den Kölner Aerztestreit als eine Eröfenfungen in Gefahr sei, einzustürzen. Es waren die schad zu machen. Die Wiener Arbeiterschaft ist nicht gesonnen, zu dulden, Boykottierung von Kranten und Sterbenden brandmarkte, versucht haften, mit Sprüngen durchsetzten Stellen des Tunnels ganz genau daß sich eine schwache und unfähige Regierung, um ihren Mangel die Kölnische Zeitung" in ihren Ausgaben vom Sonntag und Mone angegeben und bemerkt, daß die von der Verwaltung bereits in Angriff genommenen Ausbesserungsarbeiten nicht genügten. Bereits an Einsicht und politischem Berstand zu verbergen, in das Schwäch- tag die Oeffentlichkeit über den Charakter des Kölner Aerztestreils führen. die Züge„ im Schritt" durch den Tunnel und einige Arbeiter lingsasyl des Absolutismus flüchtet, und bei seinem etwaigen Wer- rrezuführen. Sie schreibt unter anderem: feien schon bei den Arbeiten verunglückt. Das Abtragen des Berges fuch, wieder einmal eine absolutistische Aera einzuleiten, wird Herr über dem Tunnel nüße aber nichts, denn die Ursache der gefähr- v. Bienerth auf den unbefieglichen Widerstand der Arbeiter Tichen Nisse seien die Bodensentungen. schaft stoßen. fei Was geschah? Die Eisenbahndirektion Breslau sandte den Die größte Versammlung war im Favoritmer Arbeiterheim, bürgerlichen Zeitungen( aber nicht der" Bolkswacht" in der Genoffe Dr. Abler referierte. Aus seinen Ausführungen eine Berichtigung, die alle Behauptungen unferes Bruderblattes folgendes wiedergegeben: als unwahr bezeichnete! Ja, man ging soweit, zu behaupten, der Tunnel habe sich schon deshalb gar nicht ſenten tönnen, weil er auf einem bom Bergbau nicht berührten Sicherheitspfeiler ſtehe! Ministerialfommissare und mehrere Vertreter der Direktion hätten alles genau untersucht und für betriebssicher befunden. Ein Anlaß zur Beunruhigung des Publikums liege nicht vor. Satte nun unser Bruderblatt sich diese Mitteilungen aus den Fingern gefogen? O nein! Heute, nach faum zehn Tagen nach jener amtlichen Ablengnung, fiebt sich dieselbe Eisenbahndirektion Breslau, wie der Vorwärts" gestern telegraphisch mitgeteilt, gezwungen, amtlich folgendes den Blättern( aber auch wieder nicht der Boltswacht 1) befanntzugeben: " Die Strede Breslau- Hirschberg ist zwischen den Stationen Dittersbach und Fellhammer infolge einer gefahrdrohenden Senkung im Schönhuter Tunnel feit Montag vormittag 11 Uhr gesperrt. Die Breslau- Hirschberger Personenzüge über Dittersbach werden über Bad Salzbrunn- Fellhammer umgeleitet. Außerdem werden Anschlußzüge zwischen Nieder- Salzbrunn- Fellhammer und Fellhammer- Halbstadt gefahren." Hier zeigt sich einmal die Neigung gewisser Behörden, feftftebende, aber unangenehme Tatfachen abzuftreiten, in ihrer ganzen Gefährlichfeit! Was hätte in diefen 10 Tagen auf der von vielen Schnellzügen( Berlin- Riefengebirge- Breslau) befahrenen Strede nicht alles für Unheil angerichtet werden tönnen! Die Dresdener Wahlrechtsprozesse. Vom Landgericht Dresden wurde am Mittwoch der Bauarbeiter Genosse öhne wegen Bergehens gegen den§ 111( Aufforderung zu Gewalttätigkeiten) au sechs 28ochen Gefängnis verurteilt. Zwei Wochen Untersuchungshaft wurden ihm angerechnet. Es wird ihm vorgeworfen, daß er bei der Verhaftung eines anderen Wahlrechtsdemonstranten gerufen habe: Schlagt die Hunde tot 1" Außerdem soll er nach seinem Taschenmesser gegriffen haben. Beides bestritt Genosse Höhne; ein Schußmann beeidete es jedoch, und das gab den Ausschlag. Das Krisenjahr, Nach den foeben veröffentlichten Zusammenstellungen des Statistischen Amts der Stadt Köln hat sich dort im verflossenen Jahre die Zahl der zwangsversicherten Arbeiter von 112 080 auf 111 311 am 1. Januar 1909 vermindert. Der höchste Be fchäftigungsgrad ging gegen das Vorjahr von 255 pro Laufend der Einwohnerzahl auf 240 aurü d. Bei den Arbeitsnachweisen] Die Gerechtigkeit gebietet, festzustellen, daß nach den Beschlüssen der erste eine folche Gefahr ausgefchloffen ist, weil sie für gewisse dringende Fälle die unentgeltliche Hilfeleistung zu gesagt haben. Diese Erklärung dürfte geeignet sein, bie hegt werden, auszuräumen und die hochgradige Erregung etwas schlimmsten Befürchtungen, die in der Kölner Oeffentlichkeit gezu mindern. Es ist ein schwerer Augenblid im Leben der Bölker Defter In einem Bericht über einen Vortrag des Profeffors Stier. reichs, in dem ein solcher Aufwand von Arbeit, ein solches Resultat Somlo- Bonn, der sich dem harten Urteile des Staatssekretärs ander Geschichte wie das Parlament des allgemeinen schloß und die gefchliche Einrichtung von Krankenkassenärzten mit Wahlrechts gefährdet werden kann durch einzelne ber Staatsbeamtendjaratter forderte, um die Lahmlegung der Krantenantwortungslose Individuen und durch die Un- versicherung durch die Aerzte zu verhindern, wiederholt die Stöl fähigkeit der Regierung. Längst müßte man ber- nische Zeitung" ihre Behauptung, daß die organisierten Aerzte zweifeln, alles an den Nagel hängen und flüchten, wenn man für gewisse dringende Fälle ihre unentgeltliche Mitwirkung zu nicht sähe, daß das arbeitende Bolt aller Nationen gesagt haben". träftig zufammensteht, und wenn man nicht die Ueber- Es muß dem gegenüber festgestellt werden, daß ein solcher zeugung hätte, daß hier bie offnung und die Bufunft Beschluß oder eine derartige Bereitwilligkeit nicht besteht. Der für alle Völker ist, Was ist die Ursache des heutigen Bustandes? Beschluß und die entsprechende offizielle Betanntmachung Ohne besonderen Anlaß hat ein halbes Dubend Leute, die den der dem Aerztevereinsbunde angehörenden Aerzte lautet im Gegengeschichtlichen Namen Choc Buben behalten werden, eine teil, auch die nichtversicherten Familienangehörigen der KassenmitStörung hervorgerufen, die sich feine Bersammluna aefallen lassen glieder unter feinen Umständen" zu behandeln. würde und könnte. Die Frage der Geschäftsordnung hat mit der # In der Tat find wie bei dem früheren Kölner Aerztestreif Frage, wie diese Radaubrüder zu behandeln sind, nicht das ge- auch diesmal schon erweigerungen der ärztlichen ringste zu tun. Sie, Genoffen, tönnen nun mit Recht fragen: ilfe bei Lebensgefahr borgekommen. Wie fommt es, daß man bulbete, daß die Leute mit Ratschen Es kann nur angenommen werden, daß durch die falschen Mitund der großen Trommel das Parlament zerstören? Es wäre ja teilungen der Kölnischen Zeitung", die in ähnlicher Weise schon sehr nahegelegen, daß einige hingehen, die Kerle paden, früher vorgekommen sind, die zuständigen Ministerien irre bie Instrumente wegnehmen und sie hinausbefördern. geführt werden sollen. Wir glaubten aber, das nicht tun zu dürfen, um nicht die Ver- In der neuesten Nummer des offiziellen Organs des Ver. antwortung auf, uns zu nehmen, daß das Parlament a um bandes der Aerzte wird in beispiellos frivoler Weise über die„ beEchauplab einer Rauferet gemacht werbe, Es werden rühmten Notfälle" gehöhnt. Es wird in dem Artikel ausdrücklich andere Mittel gesucht werden müssen und gefunden werden, festgestellt, daß die Stölner Kollegen folgende Taktik beschloffen" um solchen niederträchtigen Angriffen auf die Würde des Parla. haben: 1. Stein Mitglied einer der fraglichen Kaffen, 2. feines von ments borzubeugen.( Lebhafte Bustimmung.) deren versicherten Angehörigen, 3. auch feines von deren nichtver. Es hat einen Fattor gegeben, der es nicht für sicherten Angehörigen irgendwie zu behaudeln, auch nicht gegen wünschenswert gehalten hat, daß das Barlament mit seinem Barzahlung, auch nicht in Notfällen. Präsidium versuche, felbft Ordnung zu schaffen. Der Lärm hat Diese Tattit" hat bereits ihre Früchte gezeitigt: faum einige Minuten gedauert und der Herr Bienerth hat die 1. In dem Kölner Vorort Bocklemünd wurde cin Mitglied des Session geschlossen. Die Regierung hat den Einbruch benützt, Leipziger Aerzteberbandes zu einem Rinde gerufen, das sich durch um ihr eigenes Leben au retten. fiebendes Waffer entschlich verbrannt hatte; außerdem litt das Wber ohne das Parlament darf nicht regiert werden. Wir Sind an Krämpfen, die durch die Verbrennungsschmerzen noch ber berlangen die[ ofortige Ginberufung des Barlaments. stärkt wurden. Als der Arzt erfuhr, daß der Vater Raffenmitglied Wir verlangen bie Fortsetzung der sozialpolitischen und politischen fei, weigerte er sich, das Kind zu behandeln; auch auf das Flehen Arbeit! Wir werden nicht bulben, daß man die Unfähigkeit der Mutter, wenigftens etwas zur Linderung der furchtbares der Regierung und der bürgerlichen Barteien au einer era Schmerzen aufzufchreiben, weigerte fich der Arzt" und fuhr weg. des§ 14 ausnügt! Es mag sein, daß das Parlament nicht alles fann, was es sollte; aber daß die Bureautratie nichts tann, als Oesterreich in Grund und Boden zu regieren: das hat sie durch Jahrzehnte gezeigt. Also auf mit dem Barla ment, Wiederbeginn der Arbeit und vor allem eine Regierung, die mit dem Parlament arbeiten will!( Stürmischer Beifall.) 2. Von Severin in Köln- Altstadt wurde ein Arzt gebeten, zu einem Rinde zu kommen, das in Strämpfen lag. Er verweigerte die Silfe. Is nach furzer Zeit ein anderer, nachher herbeigerufener Arzt erschien, war das Kind schon tot. 3. Bei einem schweren Falle von Frühgeburt mit starter Ber blutung verweigerte der bisherige Arzt bie Silfe. Als ber neue Arzt erschien, war die Frau beinahe verblutet! -- 4. In«fflgS�Iigeh ASllen find in liin letzten Tagen die Kraulen aus den HofpitSlern entlassen worden, ehr sie geheilt waren. Die ambulante Behandlung auch vorher stationär verpflegter Kranker, bei denen dringend Hospitalbehandlung nötig war, wurde rund ab- gelehnt. b. Ein Kranler wurde operiert und schon nach zwei Stunden — als dir Wirlungen der Narkose noch nicht vorüber waren r- entlassen. 6. Eine Gefahr für die gesamte Bürgerschaft ist die jetzige Gepflogenheit, geschlechtskranke Bäcker- und Schlächtergesellen, also Leute, die in der Lebensinittelerzeugung tätig sind, nicht— wie bisher— sofort in die Hospitäler aufzunehmen, sondern jetzt zurückzuweisen. Alle diese Fälle sind in den stäbtischen Hospitälern borge- lammen, in denen die Professoren und Aerzte aus städtischen Mitteln besoldet werden. Es liegt demnach alle Veranlassung vor, das Verfahren auf Entziehung der Approbation gegen die in Be- tracht kommenden Aerzte einzuleiten und endlich Behandlungs- zwang reichsgesetzlich einzuführen. Seiverklcbaftttcbey. Berlin und Umgegend. Der Kamps gegen die gelbe Seuche. Am Dienstag fand in der Bockbrauerei II(Chausseestraße) eine von fast allen Arbeitern der Firma Karl Flohr besuchte Betriebs- Versammlung statt. Die Arbeiter dieses Betriebes führen seit einigen Wochen einen energischen Kampf gegen den gelben Verein. Hierüber machten der Referent Bahn und andere Redner ein- gehende Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen: Im Laufe des vorigen Jahres sind im Flohrschen Betriebe mehr und mehr Gelbe eingestellt worden, so dast schliesslich von den mehr als 300 beschäftigten Arbeitern etwa die Hälfte dem gelben Verein angehörten. Hand in Hand mit der Ausbreitung des gelben Vereins und seiner Begünstigung durch die Betriebsleitung ging eine Herabsetzung der Löhne bis zu 60 Prozent ihrer früheren Höhe. Durch die Veröffentlichung der Lebius-Briefe wurde den Arbeitem der Firma Flohr ein Licht aufgesteckt. Sie wandten sich sogleich in grosser Mehrheit von dem gelben Verein und seine, l Protetloren ab. Viele Mitglieder traten aus dem Berein aus, ja eine Mitgliederversammlung beschloss die Auflösung des gelben Vereins. Das wurde der Betriebsleitung der Firma mitgeteilt, aber sie verfügte: Der Verein bleibt nach wie vor bestehen, denn nach dem Statut kann die Auflösung nur nach e i n st i m m i g e m sl) Beschluss aller Mitglieder erfolgen.-- Von etwa 160 Vereinsmitgliedern hatten 188 für Auflösung gestimmt.— Weiter erklärte die Firma: Wer gegen den Verein agitiert, wird entlassen, und. wer aus dem Verein austritt, soll eben- falls nach Befinden der Betriebsleitung entlassen werden.— Es sind denn auch einige der Ausgetretenen entlassen worden. Den anderen Ausgetretenen, die noch weiter beschäftigt wurden, sind aber bei der Lohnzahlung die Beiträge für den gelben Verein, tvie gewöhnlich, abgezogen worden. Man hat dann der Betriebsleitung die Namen aller Ausgetretenen mitgeteilt und wird nun abwarten, ob auch am bevorstehenden Lohntage die Beiträge wieder abgezogen werden. Natürlich werden sich die Arbeiter den Abzug nicht gefallen lassen. Nachdem die Auflösung de? gelben Vereins beschlossen war. erschienen bekannte Führer deS gelben Bundes auf der Mldfläche, sammelten die Trümmer deS aufgelösten Verein?— etwa ein bis eineinhalb Dutzend Mitglieder— und setzten einen neuen Vorstand ein, da auch der alte Vorstand daS Lager der Gelben verlassen hat. Noch manche Einzelheiten wurden mitgeteilt, welche dafür sprechen, dass auch bei der Firma Flohr der gelbe Verein als ein Mittel zur Unterdrückung der gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter benutzt wird. So hat die Betriebsleitung von den Vor- standsmitgliedern ihre? gelben Vereins sich sagen lassen, wer im Betriebe als Vertrauensmann des Metallarbeiterverbandes fungiert. Welchen Zweck solche Ermittelungen haben, ist ohne weiteres klar. wenn man einen vertraulichen Briefwechsel betrachtet, den die Firma Flohr mit einer anderen Firma führte. Diese Briefe wurden in der Versammlung verlesen. Ihr Inhalt ist der: Als sich ein Arbeiter bei der Firma Flohr um Arbeit bewarb, zog sie über ihn Er- kundigungen bei seinem ftüheren Arbeitgeber ein und erhielt auf ihre Anftage die Antwort: die Leistungen des Ar- beiterS seien gute, er fei entlassen, weil er ein Agitator 4eS Deutschen MetallarbeiterverbandeS sei, seine Einstellung bei der F:rma Flohr sei deshalb nicht zu empfehlen. So wird jeder ausgesperrt, der eS tür feine Pflicht hält, seine und seiner Kollegen Interessen zu vertreten. Und diesen brutalen Terrorismus der Unternehmer unterstützen die Gelben. Sie werden deshalb mit Recht von jedem anständigen Arbeiter verachtet. Die Versammlung nahm eine Resolution an. worin gesagt wird, dass die Versammelten den Kollegen, welche aus dem gelben Verein ausgetreten find, ihre volle Sympathie bekunden, dass sie das Verhalten der Firma, welche die Arbeiter durch Gewalt und Drohung am Austritt aus dem gelben Verein zu hindern sucht, eul- schieden verurteilen, sich weitere Massnahmen dagegen vorbehalten und von den Ausgetretenen erwarten, dass sie Mitglieder des Deutschen MetallarbeiterverbandeS werden, soweit es nicht schon ge- schehen ist._ Mißstände Sei der Firma O. Jachman«. Der Deutsche Metallarbeiterverband hatte am Dienstag eine Versammlung der bei der Firma O. Jachmann. Huttenstrasse. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Lokal von Kirschkowski in der Beusselstrasse veranstaltet. In der Eiiengiesserei von Jaibmann werden die Arbeitsverhältnisse seit einiger Zeit immer schlechter, und eine Betriebsbesprechung war dringend notwendig geworden. Wuschick hatte das Referat übernommen. Er wieS zuerst darauf hin. welche grossen Profite die Lieferanten von Kriegsmaterial einheimsen. Neben den grossen Firmen auf Krupp und ErHardt be- kommt Jachmann besonders Aufträge von Granaten. Dadurch gibt eS immer viel zu tun, und die Unternehmer erzielen ausserordentlich hohe Gewinne. Die Arbeiter aber, die mit der steigenden Teuerung zu kämpfen haben, wurden vor einiger Zeit damit überrascht, dass sie sicki Lohnabzüge gefallen lassen mussten. Welche Abzüge seit Dezember v. I.. gleichsam als WeiHnachts- gescheut, gemacht worden sind, ist auS folgender Ausstellung deutlich zu erkennen. Für die 6.2 Zentimeter- Granaten wird erheblich weniger gezahlt. waS die einzelnen speziellen Verrichtungen betrifft. für daS Bohren wurden früher 7,60 M., jetzt 6,60 M., für das inslechen früher 2,26 M.. jetzt 2 M.. für daS Umringen früher 3,25 M.. jetzt 2,85 M., für Ueberdrehen der Knpferringe früher 1,76 M., jetzt 1.60 M.. Polieren der Kupferringe früher 1,10 M., jetzt 76 Pf.. für das Lackieren früher 1.80 M., jetzt 1,65 M. gezahlt. Bei den 6 Zentimeter-Granaten wurden für das Schruppen ftüher 4 M., jetzt 3, SO M.. für das Einstechen früher 1,60 M., jetzt 1.46 M., für das Umringen früher 1,60 M., jetzt 1,20 M.. für das Ueberdrehen der Knpferringe früher 1,25 M., jetzt 1,10 M., für daS Lackieren früher 1,66 M.. jetzt 1,60 M. gezahlt.— Die Bohrer verlieren durch diese Abzüge 7—3 M.. die übrigen Arbeiter 1— S M. pro Woche. Welche Gründe waren aber nun für diese Reduktion der Löhne massgebend. Als die Arbeiterschaft bei der Direktion vorstellig wurde, da erzählte der Direktor Herken der beschwerdeführenden Berantw. Redakt.: EarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantv,: Kommisfion, baß die Firma mit Verlust arbeite und a» den Auf- trägen für Granaten noch„zusetzen" müsse, und das könne die Arbeiterschaft doch nicht verlangen. Wuschick meinte, eö wäre gut, wenn einer von unseren Abgeordneten im Reichstage sich beim Kriegsminister einnial erkundigen würde, ob für die Herstellung von Granaten so erbärmliche Preise gezahlt werden, dass eine Firma ihr Geld dabei verliert und die Arbeiter mit schlechten Löhnen zufrieden sein mühten.— Herken war früher Betriebsingenieur und ist jetzt Direktor geworden und die Arbeiter glauben, er will damit seine Tüchtigkeit beweisen, dass er die Löhne reduziert. Er hat erklärt, dass Löhne von 70 Pf. pro Stunde für die Arbeiter zu hoch seien? auch drängt er darauf hin, die Arbeitszeit zu verlängern. Wuschick be- leuchtete die Zustände in den einzelnen Abteilungen im Betriebe und legte zahlreiche Mängel bloss. Von aussen sieht die Fabrik recht gut ans, aber innen ist so viel Schmutz und Unordnung, dass eine Militärkommission, die unvermutet dort eine Kontrolle vor- nehmen würde, ihr Wunder erleben könnte. Für die Arbeiter ist in gesundheitlicher Beziehung sehr schlecht gesorgt, sie klagen über Mangel an Ventilation; Rauch, Gase, Oelduvst kennen nicht ab- ziehen, die Klosetts sind in schlechtem Zustande, ebenso die Wasch- Vorrichtungen, die Garderoben und so weiter. Der Redner richtete einen Appell an die Anwesenden, diese Zustände nicht geduldig zu ertragen, sondern energisch dagegen aufzutreten und sich der Organi- sation anzusthliessen. In der Diskussion, an der sich sehr viele Arbeiter beteiligten, wurden noch zahlreiche Missstände aufgedeckt. Die Willkür in der Erhebung von Strafgeldern wurde scharf gerügt. Bor allen Dingen will man aber wissen, wo die Strafgelder bleiben. Sehr teringe Löhne erhalten die Arbeiterinnen; sie werden mit 2 Pfennig Stundenlohn eingestellt und arbeiten 64 Stunden pro Woche. Bei Stücklöhnen verdienen sie 13— 15 Mark die Woche. Als sehr verwerflich wurde das U eberstunden wesen gekenn- zeichnet, besonders zur jetzigen Zeit, wo es massenhaft Arbeitslose gibt. Wenn die Firma auf hohe Wochenlöbne hinweisen kann, so geschieht eS nur dadurch, dass die Arbeitszeit von vielen Arbeitern ungeheuer ausgedehnt wird. Aus der Giesserei, der Schmiede, der Putzerei und andern Abteilungen wurden überall schwere Mängel berichtet. Vor der Gewcrbeinspeltion hält man vieles geheim, was an Schäden besteht und durchaus unzulässig ist, wie z. B. die Auf- stellung einer Feldschmiede an einem für die Arbeiter sehr gefähr- lichen Platze. Beim letzten grossen Auftrag wurde ein Besuch vom Kriegsministerium angekündigt und da wurde plötzlich ein ge- waltiger Eiser entfaltet, um alles in guten Stand zu setzen und die Fabrik als ein„Musterinstitut" recht repräsentabel zu machen. Das war schnell vorübergehend und der alte Schlendrian riss bald wieder ein. An der Presse m der Schmiede sind in den letzten vier Monaten etwa zehn Mann verunglückt, was meist auf unzureichende Ein- richtungen zurückzuführen ist. Ueber Mängel im allgemeinen und im speziellen im Betriebe wurden noch zahlreiche Klagen vor- gebracht. Wuschick machte in seinem Schlusswort darauf aufmerksam, dass die Arbeiter nicht alles von den Organisationen erwarten dürften. wenn sie Abhilfe verlangen. Sie sollten dafür emstehen, dass sie sich nicht wie Heloten behandeln lassen, sondern als Männer auf ihre Menschenwürde achten, dass sie nicht in den Staub getreten wird. Die Diskussion habe ge- zeigt, dass die Arbeiter sich zu viel gefallen lassen. Die Organisation steht zu jeder Zeit bereit, für denjenigen ein- zutreten, der seine Rechte wahrt. Gegen die Willkür der Er- Hebung von Strafgeldern muss sich jeder selbst wehren; den Gewerbeinspelcoren und der Polizei müssen Anzeigen er- stattet werden, wenn die Unternehmer gegen die gesetzlichen Bestimmungen sich vergehen; gegen die Zumutung von Ueberstunden muss die Arbeiterschaft zur jetzigen Zeit ganz entschieden Front machen. DaS Vertrauensmänne'rsystem darf nicht vernachlässigt werden. Die Organisation muss damit rechnen, dass sie Männer zu Mitgliedern hat, die sich nicht widerstandslos treten und knechten lassen. Diese Schlussworte wurden mit grossem Beifall auf- genommen. � Die Einführung der englische« Arbeitszeit in de» Anwalts- bureanS ist in der letzten Zeit mehrfach von Seite der Rechtsanwälte in der Presse erörtert worden. Dir Angestellten haben bisher eine bestimmte Stellung zu dieser Neueinfiihrung flicht genommen. Zu diesem Zwecke findet nun am Donnerstag, den 11. Februar, abends g'/z Uhr, im Saal I der Prachlsäle„Alt Berlin", Blumenstr. 10. eine öffentliche Versammlung der RechtSanwalts-An- gestellten Gross-BerlinS statt. Redaltenr Hellmui Lehmann spricht über:„Die Einführung der englischen Arbeitszeit in den Berliner Anwalisbureaus". Ocutlcbea Reich- Ein gewerkschaftlicher Erfolg. Der Zentralvorstand des Arbeitgeberschutzverbandes für das deutsche Holzgcwerbe bringt in der neuesten Rummer der„Fach- zeitung" eine mit dem Vorstand des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes vereinbarte Bekanntmachung der am 12. Februar d. F. eintretenden neuen Arbeits- und Lohnbedingungen. Die Bekannt- machung umfaßt 21 Städte bezw. Lohngebiete und lautet für die einzelnen wie folgt: 1. Barmen: An Stelle der b7stündigen tritt die 66stündige Arbeitszeit pro Woche, gleichzeitig erfolgt eine Lohnzulage von 2 Pf. die Stunde. 2. Berlin: An Stelle der 62stündigen tritt die 6lstündige Arbeitszeit. 3. Burg bei Magdeburg: Auf die Stundenlöhne erfolgt eine Zulage von 1 Pf. Der Aktordtarif wird um 3 Proz. erhöht. 4. Dresden: Die bisher 63stündige wöchentliche Arbeitszeit wird in eine S2stündige umgewandelt, und auf den Stundenlohn erfolgt ein Zuschlag von 1 Pf. Der Normal- lohn beträgt dementsprechend 63 Pf., für ständige Bauanschläger 68 Pf. 6. Eisenach: An Stelle der 69stiindigen tritt die 68stündige Arbeitszeit und erfolgt außer dem Lohnausgleich für diese ausfallende Stunde eine Zulage von 1 Pf. pro Stunde. Der Mindestlohn beträgt sodann für Arbeiter im zweiten Gesellenjahr statt bisher 35 Pf. jetzt 37 Pf., für die übrigen statt 41 Pf. jetzt 43 Pf. 6. Elberfeld: Auf sämtliche Löhne erfolgt eine Zulage von 2 Pf. pro Stunde. Diese Lohnerhöhung findet bei Akkord- arbeit sinngemässe Anwendung. 7. Elbing: Tie bislier ö7�stündige Arbeitszeit wird in b7stündige umgewandelt. Ausser dem Lohnausgleich erfolgt eine Zulage von 1 Pf. pro Stunde. Der Mindestlohn steigt von 81 auf 33 Pf. 8. Forst: An Stelle der bisher b7stündigen Arbeitszeit tritt die S6stündigc. wobei neben dem erforderlichen Lohnausgleich gleichzeitig ein Lohnaufschlag von 2 Pf. pro Stunde erfolgt und der Durchschnittslohn von 36 auf 37 Pf. steigt. 9. Görlitz: Die Arbeitszeit beträgt statt bisher 66 nunmehr 66 Wochenstunden. 10. Guben: Die Arbeitszeit beträgt statt bisher 56 jetzt 55 Stunden. Auf die Stundenlöhne erfolgt eine Zulage von 2 Pf., wodurch der Durchschnittslohn von 37 auf 39 Pf. steigt. 11. Halle a. S.: An Stelle der 66stündigen tritt die 66stündige Arbeitszeit; auf die bestehenden Löhne erfolgt ein Zuschlag von 1 Pf. die Stunde. 12. Hamburg und W a n d S- deck: Die Arbeitszeit beträgt Sonnabends 7 statt bisher 8 Stunden (62 statt bisher 63 Stunden wöchentlich). Auf alle Löhne erfolgt ein Zuschlag von 1 Pf. pro Stunde. Die Mindestlöhne betragen sodann für: Parkettleger 73 Pf. statt bisher 72 Pf., Bauanschläger 68 statt 67 Pf., Maschinenarbeiter, welche mindestens ein Jahr an der Maschine beschäftigt sind, 64 statt 63 Pf., soweit dieselben gelernte Tischler oder 2 Jahre an der Maschine beschäftigt sind 63 statt 67 Pf., alle übrigen Tischler 68 statt 67 Pf. 13. L e i p z i g: An Stelle der 63stündigen tritt die 62stündige Arbeitszeit, auf alle bestehenden Löhne erfolgt ein Zuschlag von 1 Pf. die Stunde. 14. Löbau: Die Arbeitszeit beträgt 66 statt bisher 67 Stunden. Die Stundenlöhne erfahren einen Zuschlag von 2 Pf., dementsprechend steigt der Normallohn von 39 auf 41 Pf. 16 Neu- münster: Die 6östündige Arbeitszeit tritt an Stelle der S7stündigen und wird der hierdurch entstehende Lohnausfall ver- gutct. Der Einstellungslohn erhöht sich gleichzeitig für Möbel- CH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanftals' tischler boft 40%' auf 41% Pf., für Bautischler von 45% auf 46¥j Pf. 16. Oldenburg i. Gr.: An Stelle der 66stündigen tritt die 66stündige Arbeitszeit, ausserdem erfolgt ein Lohnaufschlag von 1 Pf. die Stunde. 17. Osnabrück: Die Arbeitszeit be- trägt nunmehr 66 statt bisher 67 Stunden, der Durchschnittslohn 46 statt bisber 46 Pf. Die Löhne erfahren einen Aufschlag von 1 Pf. pro Stunde. 18. Posen: Für die Bautischler tritt an Stelle der 6bstündigsn Arbeitszeit die 67stündige in Kraft. Der Lohnansfall wird vergütet. Der Mindestlohn erhöht sich sinngemäss von 34 auf 36 Pf. 19. Quedlinburg: An Stelle der 60stündigen tritt die 59stündige Arbeitszeit, auch erfolgt eine Lohn- zulage von 1 Pf. pro Stunde. Ter Durchschnittslohn steigt dem- entsprechend von 37 auf 38 Pf. 20. Spandau: Die Arbeitszeit beträgt 63 statt bisher 54 Stunden. Der Mindestdurchschnittslohn für Tischler und der Mindestlohn für Maschinenarbeiter 64 statt bisher 62 Pf. 21. Z i t t a u: An Stelle der 56stündigcn tritt die bbstündigc Wöchentliche Arbeitszeit. Auf die bestehenden Stunden- löhne erfolgt ein Zuschlag von 2 Pf. Der Normallohn erhöht sich dementsprechend von 39 auf 41 Pf. Es mag den Herren vom Schutzverband schwer genug gefallen sein, jetzt zurzeit der am niedrigst stehenden Konjunktur ihren Kollegen die Verbesserungen im Arbeitsverhältnis den Abmachungen entsprechend empfehlen zu müssen. Mit desto grösserer Genug- tuung vermag der Holzarbeiterverband auf diesen seinen Erfolg zurückzublicken._ Die Töpfermeister Oft- und WcstprenßenS scheinen nach einer bestimmten Schablone vorzugehen. Bon dem Abwehrkampfe der Töpfer in K ö n i g S b e r g i. P r. haben wir bereits berichtet. In neuerer Zeit haben nun die Töpfermeister in E l b i n g. L y ck und Marienburg gleichfalls den Gehilfen die Tarife gekündigt. Es hat also den Anschein, dass ein Beschluß der organisienen Unternehmer vorliegt, angesichts der wenig günstigen Konjunktur überall aggressiv gegen die Gehilfen vorzugehen.— Mit welchem„Erfolge" dies geschehen wird, wird die Zukunft lehren. Hoffentlich wird eS den oft- und westpreussischen Meistern gerade so ergehen, wie eS den Meisten: der Provinz Posen im vorigen Jahre ergangen ist. Auch hier brach man in den Städten Posen, Bromberg und Gnesen den Kampf mit den Gehilfen vom Zaun, in ersterem Orte mit ganz geringem, in Bromberg mid Gnesen mit gar keinem Erfolge.— Sehnlich werden auch die ostpreussischen Meister fahren. Die Zeiten find vorüber, in denen sich die Gehilfen bei schlechtem Geschäftsgang widerstandslos Ab- züge gefallen ließen. Die zunehmende Macht der Gewerkschaften reicht glücklicherweise hente bereits so weit, dass sie auch imstande sind, abzugslüsternen Unternehmern auch in schlechter Konjunktur erfolg- reich entgegentreten zu können.— HusUnck. Der Pariser Setzerstreil vor der Kammer. Der Genosse Allemane brachte in der ftanzöstschen Deputierten» kammer den Streik der Pariser Maschinensetzer zur Sprache. Er machte den Minister darauf aufmerlsam, daß die Unternehmer Frauen eingestellt und diese während der Nacht haben arbeiten lassen, obgleich die Nachtarbeit für Frauen verboten ist. In verschiedenen Druckereien find sogar Soldaten eingestellt worden, in einem Falle hatten Soldaten zum Zwecke des Streikbruchs einen 14tSgigen Ur- taub erhalten. Der Arbeitsminister Viviani teilt mit, daß er Auf- trag gegeben habe, die von Allemane gerügten Gesetzesübertretungen zu verfolgen. Im übrigen köitne man der Gewerbeinfpektion den Vorwurf der Nachlässigkeit nicht machen, find doch im Jahre 1908 allein 80000 Uebertretungen zur Anzeige gebracht worden.— Diese Zahlen beweisen übrigens auch die geringe Achtung der Unternehmer vor dem Gesetz._ flua der frauenbewegung. Eine neue Sturmgarde. ES geschehen Zeichen und Wunderl Dutzende Male hat man auS konservativem Munde daS Sprüchlein gehört: Die Frau gehört ins Haus! Im Kampfe für Ordnung und Sitte wollen die Junker. wenn fie als Offiziere auf dem Altar der Dreiheit: Weib, Susi und Spiel, genügend geopfert haben, die heiligsten Bande der Familien- zucht, bei der ER die Kommandogewalt führt, nicht zerreißen lassen. Die Edlen kämpfen ja nur für Ideale— Zölle. Liebesgaben, Steuer- freiheit usw.—. Aber eS scheint, alS ob jetzt alle Fesseln frommer Scheu abgestreift worden seien; der Geist der Uilbolmässigkeit geht um und hat sogar die— konservativen Frauen erfaßt. Eine konservative Frauenbewegung soll eingeleitet werden. Um das Schreckliche gleich ganz zu verkünden: auch kouservative Männer scheinen die junkerlichen und priesterlichen traditionellen Grundsätze mit Füssen treten zu wollen. Nicht nur finden sich Befürworter eine» neuen Frauenbewegung, konservative Parlamentarier wollen fie sogar rednerisch unterstützen. Der„Deutschen TageSztg." wird von„hoch- geschätzter" Seite geschrieben: Die Grundsätze staatserhaltender Politik in ihrer Anwendung auf die Tagesfragen sind bisher in der Frauenwelt nicht genügend bekannt. Deshalb haben Damen der Berliner Gesellschaft sich ent- schlössen, eine Reihe von Vorträgen zu veranstalten, in denen be- kannte Parlamentarier Togesstagen von allgemeinem Interesse behandeln werden. Die Herren Dr. v. Heydcbrand, Henning, von Liebert, Malkewitz, Dietrich, von Oldenburg, Kreth, Rahardt, Dr. Hohn und Dr. Wagner(Sachse») werden u. a. über die.Wahlrechtsfragen",„Ministerverauttvottlichteit".„Die Frau im Rechl",„Nationale Pflichten",„Bedeutung der Kunst für das nationale Leben der Gegenwart".„Mädchenschulreform". „Warenhaus und Gesellschaft" und„Mittelstandsfragen" sprechen. Die Vortragsabende werden Ende Februar und Anfang März in der Aula der Kriegsakademie stallfiiiden. Eiulrillstarten zu 3 und 2 M., reservierter Platz zu 5 M. sind im Buieau„Reue Zeiten". Bülowslr, 88, zu haben. Der Ertrag ist für milde Zwecke be» stimmt. Nähere Auskunft erteilt der gcschäfisführende Ausschuß, dem die Damen Berta v. Kröcher, Margarete Diltmer, Gräfiu Gertrud Fiuckenstein und Therese Hcngstenberg angehören. Nun kann'S nimmer fehlen. Für 6 M. gibl's konservative Auf» Närung; Heil der Frauenbewegung! Letzte JVacbrlcbten und Dcpcfcbcn. Bon Gesteinsmassen verschüttet. Beulhen(O.-Schl.), 10. Februar.(B. H.) Aus dem Nicht- Hofen-Schachte bei Schoppinitz verschütteten Gestcinsmassra eine Anzahl Bergleute. Ein Schlepper wurde gelötet, mehrere verletzt. Oeftentliche Sammlung für die durch das Hochwasser Geschädigten in Bayer». München, 10. Februar.(D. H.) Sämtliche Mitglieder des StcucrgesetzauSschuffes der bayerischen Abgeordnetenkammer ohne Unterschied der Partei erlassen einen Aufruf an die gesamte Be- vvlkcrung zugunsten einer öffentlichen Sammlung für die dnrch das Hochwasser schwer Geschädigten. Ausser diesem Aufruf hat die bayerische Staatsregierung eine oröhere Summe zugunsten de» Geschädigten in Aussicht gestellt. Paul Singer& Co.. Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen«. UuterbaltoooSdZ. it. 35. 36. Jahrgang. 1. WIM Ks LmÄrls" Ltilm NsIllsdIM Donnerstag, lt. Februar l9v9. F: Wir haben diesen Paragraphen nur sehr schweren Herzens zugestimmt, denn sie nehmen den Gemeinden wohl- erworbene Rechte. Daß die meist agrarisch beeinflußten Kreis- ausschüffe die Verteilung der Zuschüsse vornehme» sollen, macht unsere Bedenken nur noch größer. Auch auf dem Lande gibt es leistungsfähige Gemeinden, haben wir doch allein 2500 Millionäre auf dem Lande mit Einkommen von 40 000 bis zu einer Million Mark. Die großen Gemeinden kämen bei dieser Vorlage sehr schlecht weg. Und doch sind ihre Schulen da? Vorbild für alle preußischen Volksschulen geworden. Hoffentlich findet das Gesetz eine loyale Ausführung.(Beifall links.) Ministerialdirektor Schwartzkopff: ES ist keine Neuerung, daß die Gewährung der Zuschüsse von der Bewilligung des Ministers ob- bängig ist. Schwierigkeiten haben sich daraus im Laufe der Jahr- zehnte nicht ergeben. Neu ist nur. daß nicht der Minister, sondern der Kreisausschuß, eine unparteiliche SelbstverwaltunaSbehörde. die Verteilung vornehmen soll. Das ist doch eine Verbesserung.(Sehr wahr! rechts.) Im übrigen kann ich nur wiederholen, daß ein Druck auf die Gemeirden nicht ausgeübt wird, der sie über ihre Kräfte belastet. Wenn die Gemeinden wirklich einmal von dem Verteilungs- plan keine Kenntnis erhalten sollten, so mögen sie sich beschweren. Die Debatte wird geschlossen. Die Z§ 43 bis 50 werden angenommen: ebenso der Rest des Gesetzes. Es folgt die Beratung der von der Kommission vorgeschlagenen Resolutionen und eines neu eingegangenen Antrages Schiffer(natl.): „Die StaatSregierung zu ersuchen, durch einen Nachtragsetat Mittel zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden und Schulverbände bereitzustellen, welche durch die den Beioldungsgesetzen beigelegte rückwirkende Kraft in eine unverschuldete Notlage geraten sind." Nach längerer Debatte, in der Finanzminister v. Rheinbaben erklärt, daß er kein Bedürfnis für den Antrag anerkennen könne, geht der Antrag Schiffer an die B u d g e t k o m m i s s i o n. Die Resolutionen der Kommission werden angenommen bis auf zwei Resolutionen, welche eine Erhöhung deS Dispositionsfonds für die vor dem Inkrafttreten des neuen Lehrerbesoldungsgesetzes pensionierten Lehrer und gesetzliche Bestimmungen über Größe und Beschaffenbeit von Diensiwohiiungen für Lehrer und Lehrerinnen fordern. Diese beiden Resolutionen werden mit den Stimmen der Konservativen abgelehnt. Es folgen Wahlprüfungen. Gemäß den Koinmissionsaliträgen wird die Wahl deZ Abgeordneten Kölle(bei keiner Fraktion) für ungültig und eine Reihe von Wahlen für gültig erklärt. Es folgt der Bericht der Konimission über die Wahl der sozial- demokratische» Abgg. Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann- Berlin. Die Kommission beantragt, die Wahlen zu beanstanden und die Regierung zu ersuchen, eine anNliche Aeußernng des Berliner Magistrats darüber herbeizuführen, ob bei den LandtagSwahlen im 5.,'6.. 7. und 12. Berliner Wahlkreise in den UrWählerlisten und für die Bildung der Abteilungen innerhalb derselben Urwahlbezirke für dieselben Steuerarten verschiedene Steuerjahre, teils 1908, teils 1907, berücksichtigt worden sind, refp. welche Gründe dafür maßgebend gewesen sind, und ob diese Berichiedenheit gleichmäßig in allen UrWahlbezirken dieser Wahlbezirke obgewaltet habe. Berichterstalter Fischbeck(frs. Vp.) verzichtet auf das Wort. Abg. StrZbel(Soz.): Der Bericht enthält verschiedene Momente, die einer genauen Nachprüfung durch das Plenum bedürfen. Die Kommission empfiehlt die Beanstandung erstens, weil die WahlkreiSeintertung angeblich keine ordnungsmäßige gewesen sei, und zweitens, weil die Sozialdemokratie durch Einschüchterung der Wähler Terror geübt und dadurch eine freie ordnungsmäßige Wahl unmöglich gemacht habe. Was den ersten Punkt anlangt, so heißt es aus Seite 2 des Berichts in bezug auf einen Protest der Herren Stadlverordneten I d e n bezw. Fabrikant Guttfeld und Bickenbach, die auf den Terror hinweisen:„Daneben wird in den Protesten noch behauptet,„daß die Bildung der Abteilungen nicht überall ordnungsmäßig er- folgt sei"." Dieter nebenbei erfolgte Hinweis ist nicht näher substantiiert. Er bezieht sich offenbar nicht auf die Beiwiverde in dem Beiicht des Leutnants P o h l, wonach bei der Einteilung der Wähterklassen die Steuersätze verschiedener Jahre be- rücksichtigt wurden. Wenn die Herren Jden und so weiter diesen Punkt gemeint hätten, so hätten sie nicht schreiben können, daß die Bildung der Abteilungen„nicht überall" ordnungs- mäßig erfolgt sei, denn das von Leutnant Pohl erwähnte Verfahren ist überall in allen zwölf Berliner Wahlkreisen geübt worden. ES ist intcresiant. daß sich gleichwohl der Bericht der Rommission auf diesen nebenbei erhobenen Protest bezieht, um daraus zu begründen, weshalb eine Unrermchung angestellt werden müsse, ob in den vier zu beanstandenden Wahlkreisen die Wahl ordnungsgemäß erfolgt sei. Diese Suche der Kommission nach einem möglich st harmlos erscheinenden Anlaß zur Anfrage an den Bkagistrat ist um so auffallender, als sie gar nicht notwendig war. Es ist durchaus zulässig, daß die Kommission selbst neue Momente heranzieht. Es wäre also nur nötig gewesen, daß etwa Herr Fischbeck oder Herr Slrosser erklärt hätten, der Prolest gegen die Wahl im 5., 6.. 7. und 12. Berliner Wahlkreise ist zwar nur wegen des sogenannten Terror erhoben worden, indessen sind nnS neue Momente über eine angebliche Un- gesetzlichkeit bei der Listenausstellung bekannt geworden und deshalb verlangen wir die Heranziehung dieses neuen Moments. Das ist nicht geschehen. Aus dem in der Wahlprüfungskommission selbst gegebenen Bericht war gar nicht zu entnehmen, weshalb denn eigentlich die Beanstandung wegen der falschen Einteilung der Listen beschloffen wurde. Die Proteste wurden nicht verlesen, sondern nur ein sehr summarischer Bericht über ihren Inhalt gegeben, aus dem für den Zuhörer nicht zu ent- nehmen war, ob dieser Protest von konservativer oder liberaler Seite stammte. Auch die freisinnige Presse wußte das zum Teil nicht. Die„Voss. Ztg." erktarte, daß der Wahlprotest gegen die Listenaufstellung von konservativer Seite ausgehe, also offenbar von dem Protest des Leutnants Pohl, während die.Freisinnige Zettung" zu gleicher Zeit erklärte, daß gegen diese Wahl von ftei- sinniger Seite Protest eingelegt worden sei wegen der Boykoltierung von Geschäftsleuten sowie wegen der nicht rechtmäßigen Aufstellung der AbteilungSlisten.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.)_ Man könnte annehmen, daß hier Fahrlässigkeit vorlag, aber es scheinen doch für diese Unklarheiten die aller- triftigsten Gründe vorgelegen zu haben. Denn wäre der Protest wegen der Listenaufstellung von freisinniger Seite ausgegangen, so wäre daS ein Borgang gewesen, der jeder politischen Moral und jedem politische» Anstand Hohn gesprochen hätte. Von freisinnigen Politikern, sogar freisinnigen Stadt« verordneten, wäre dann die Ungültigkeit von vier sozial- demokratischen Wahlen verlaugt worden, obwohl auch sechs freisinnig- Wahlen in Berlin auf Grund derselben Listenausstellung zustande gekommen waren.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Ein solches Vorgehen hätte wohl auch hier im Hause allgemeines Kopfschütteln wegen seiner Un- geheuerlichkeit erregt. Aber weiter: von diesem Protest, wenn er wirklich von freisiimiger Seite ausgegangen war, drang nichts an die Oefsentlichkeit. Wenn man den Protest der Herren Jden usw. in dem Sinne ausnutzen wollte, wie es im Bericht der Wahlprüfungskommission geschieht, so ist offenbar dieser Prolest so vorsichtig und künstlich ungeschickt formulierl worden, damit niemand die wahre Äbsicht des Protestes er- kenne zum Zwecke der Ueberrumpelung der Sozialdemokratie. Gewisse Kriegslisten sind ja in der politischen Kriegführung ge- stattet. Aber dies wäre keine Kriegslist mehr, sondern feige Ueberrumpelung durch politische Wegelagerer. (Sehr wahr l bei den Soz., Unruhe rechts.) Wenn ich scharfe Aus- drücke gebrauche, so folge ich nur berühmten Mustern und erreiche noch lange nicht den Kammerherrnton des Herrn v. Pappenheim. (Sehr gut! bei den Soz.) Herr Fischbeck hat nun entrüstet dagegen protestiert, daß der„Vorwärts" zu Unrecht behauptet habe, er sei stellvertretender Dezernent für Wahlsachen beim Magistrat gewesen. Aber eine ganze Reihe anderer Behauptungen des „Vorwärts" hat Herr Fischbeck nicht bestritten, und andere Herren auch nicht. So hat im„Vorwärts" gestanden, daß ursprünglich die Freisinnigen die Absicht gehabt hätten, gegen alle 12 Berliner Wahlen Protest einzulegen, weil sie auf Grund angeblich ungesetz- licher Listenaufstellung erfolgt seien, dann hätie man sich die Sache überlegt, und die Herren Roienow und Cassel hätten erklärt, wir wollen ruhig warten, bis die Karenzzeit verstrichen ist.(Widerspruch bei den Freisinnigen.) Ich kann nur wiederholen, was bisher unbestritten im Vorwärts gestanden hat.(Abg. Cassel: Ich kann unmöglich alles widerlegen, was im Vorwärts steht.) Es soll uns freuen, wenn die Herren nachher die Unrichtigkeit dieser Behauptung nach- weisen können. Die arglistige Ueberrumpetung der Sozialdemotratte ist jedenfalls auch von bürgerlichen Blättern sehr unangenehm empfunden worden. Es war das„Berliner Tageblatt".(Lebh. Aha l bei den Freisinnigen.) Ich weiß ja, daß die Herren Cassel und Dr. Schepp dies Blatt von ihren Siockschößen abgeschüttelt haben. DaS war aber wirklich überflüssig nach der Ab- schüttelung, die diese Herren schon früher vom„Berliner Tageblatt' erfahren hatten. Das„Berliner Tageblatt" hat sich von der block- freisinnigen Presse immerhin noch durch ein vernünftiges und an- ständiges Gebaren ausgezeichnet.(Gelächter rechts und bei den Freisinnigen.) Es ist interessant, daß die Herren von der Rechten bis zum äußersten Blockfreisinn so einer Meinung sind. Ich beneide die Freisinnigen nicht um diese Uebereinstimmung mit der äußersten Rechten. Das„Berliner Tageblatt" schrieb also: Wenn die Ausstellung der Wählerlisten in Berlin ungesetzlich war,... dann müßten nicht nur die Mandate der sozialdemokratischen Abgeordneten, sondern ebenso die Mandate der sechs freisinnigen Abgeordneten für ungültig erklärt werden. Materiell wäre es das höchste Unrecht, wenn man vier Sündenböcke aus 12 Wgeordneten heraus- suchen würde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Daß der Bericht der Kommission summarisch und ungenügend war, geht auch daraus hervor, daß die Enthüllungen meines Kollegen Heimann, es liege ein f r i st- und formgerechter Protest gegen die Wahl von allen 12 Berliner Wahlkreisen vor, auf das Haus geradezu sensationell gewirkt hat.(Lachen rechts.) Eine Anzahl von den Herren der Rechten mögen ja genau unterrichtet gewesen sein, wie eS gemacht werden sollte, aber alle Herren doch nicht, und diese waren in der Tat verblüfft. Nach dieser Enthüllung war von dem Streit, ob eS sich um einen freisinnigen oder konservativen Protest handele, keine Rede mehr, sondern nur noch davon, ob der Protest des Leutnants Pohl gegen alle 12 Berliner Wahlen eingelegt war. Die blockfrei- sinnige Presse und auch ein Teil der Konservativen bestritt das. Dann kam der Widerruf deS Leutnants Pohl. Es fragt sich, ob eine solche nachträgliche Deklaration eines Protestes überhaupt zulässig ist. Das dürfte nicht der Fall sein, weil der Wortlaut des Protestes von Leutnant Pohl gar keinerlei Deutung zuläßt. Wenn das Haus trotz des klaren Wortlautes eines Protestes sich noch bei dem Verfasser über seinen Sinn Rat holen mutz, so würde es sich dadurch ein jämmerliches Armutszengni» ausstellen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Folge wäre, daß jederzeit ein Protesterheber von interessierten Kreisen bearbeitet werden könnte, damit er dem Protest eine Deutung gibt, die ursprünglich gar nicht von ihm beabsichtigt war. Leutnant Pohl soll erklärt haben, datz er aus„nationalen" Gründen seinen Protest so eigenartig gedeutet habe. Diese nationalen Gründe sind jedenfalls Rücksichten auf dir freisinnig- konservative Blockpolitik. Jedenfalls ist der Wortlaut seines Pro- tefteS völlig klar. Nachdem Leutnant Pohl die Unrichtigkeit der Listenaufstellung dargelegt hat, die zur Ungültigkeitserklärung der Wahl im 12. Berliner Kreise führen müßte, schreibt er:„Nach denselben Grundsätzen wäre in Berlin nicht nur die Wahl im 12. Landtagswahlkreise, sondern in sämtlichen 12 Bcr- liner Wahlkreisen für ungültig zu erklären."(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Wenn das nicht die unzweideutige Forderung ist, alle 12 Berliner Wahlen zu beanstanden, was sollte eS dann sonst sein? Leutnant Pohl ist doch ein gebildeter Herr, dem Sie bei einem Pluralwahlrccht wahrscheinlich mehrere Stimmen geben würden.(Heiterkeit.) Und er schreibt doch nicht auS Allotria solche Sachen in einen Wahlprotest rein. Und wenn man trotz alledem noch die kuriose Auffassung hätte, datz dieser Protest lediglich einen Monolog des Leutnants Pohl ent- hielte, der für die Kommission nicht in Betracht kam, so ist doch der Schluß des Protestes ganz unzweideutig, welcher lautet:„Die Wahlprüfungskommission des königlich preutzisihen Abgeordnetenhauses bitte ich hierdurch, in eine Prüfung einzutreten, ob die Wahl im 12. Berliner LandtagSwahlkreise, eventuell nach dem erst angegebenen Grunde auch in sämtlichen Berliner Wahlkreisen für ungültig zu erklären ist."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich appelliere an die gesunde Logik des Hauses, der Herr Dr. Hahn gestern ein so glänzendes Zeugnis ausstellte, wenn er cS wohl auch nur aus die Seite des Hauses bezog, der er selbst angehört, daß diese Sätze nur bedeuten können: prüft meine Beschwerde, die sich zunächst nur auf den 12. Berliner Kreis bezieht, aus ihre Berechtigung, und müßt Ihr aus diesem Grunde diese Wahl beanstanden, dann müßt Ihr auch die Wahlen der übrigen Berliner Wahl- kreise beanstanden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also daS Wort c.v e n t.u e l l bedeutet nur, datz es von der B e- u r t e i l u n g des von ihm gegebenen Beanstandungö- q r v n d e s abhängt, ob die Beanstandung auch auf die übrigen Wahlkreise auszudehnen ist! Daran ändert auch die famose nachträgliche Deklarierung des Leutnants Pohl nichts. Es wäre ja noch schöner, wenn es in dem Belieben eines jeden ProtestlcrS stände, aus irgendwelchen nationalen oder sonstigen politischen Gründen einen ganz klaren Protest nachträglich ab- z u ä n d c r n. Mit ihren krampfhaften Bemühungen, darzüiun, daß der Pohlsche Protef! sich nicht auf alle 12 Berliner Wahlkreise bezöge, hatten die Blockfreisinnigcn wenig Glück. Selbst Blätter wie die „P o st", die„N a t i o st a l z e i t u n g", auch die„G e r m a n i a" und die„Märkische V o l k s z e i t u n g" gaben zu, daß ein frist- und formgerechter Protest gegen alle 12 Berliner Wahlen vorliege. Erst nach diesem Fiasko der künstlichen Ausdeutung des Protestes kam der Kommentar des Leutnants Pohl zustand?. Er stammt vom 23. Januar, d. b. drei Tage nach der Ertlärung Hei- manns, und bereits am 23. Januar früh konnten der»Vorwärts" und auch ultramontane Blätter feststellen, datz ein solches Schreiben des Leutnants Pohl an die Kommission gerichtet werden solle. E? wurde in diesen Blättern auch behauptet, daß zwischen den Kon- servativen und Freisinnigen geheime Verhandlungen stattgefunden hätten, als deren Ergebnis dieser Brief des Leutnants Pohl aufzufassen sei. Wenn das richtig wäre— die Herren werden ja nachher auf Ehre und Ge- wissen dazu eine Erklärung abgeben können—, wäre das die Krönung dieser ganze» Komödie.(Sehr wahrt bei den Sozial- demokratcn.) Ich habe das Zutrauen zu dem Hause, daß es an- gesichts all dieser Schiebungen und des klaren Wortlautes und un- airfcchtbaren Sinnes des Pohlschcn Protestes den moralischen Mut besitzen wird, entweder keine, oder alle 12 Berliner Wahlen zu kassieren. Man hat die Schuld dafür, daß der Protest des Leutnants Pohl dem Hause vorenthalten wurde, auf das Bureau geschoben. Dies kann aber unmöglich dafür der- antwortlich gemacht werden, denn ihm steht gar nicht die endgültige Entscheidung zu. Warum werden sonst die Proteste erst an die Abteilungen zur Prüfung gegeben? Es wäre die Pflicht der Herren Aronsohn und Malkemitz gewesen, die Kommission von dem wahren Inhalt des Pohlschen Protestes zu informieren. (Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Hätten die Herren Malkewitz und Aronsohn die Tatsache, daß ocr Pohlsche Protest sich gegen alle 12 Wahlen richtete, nicht unbeareiflicherweise verschwiegen, so hätten sie der Kommission und dem Plenum diese Verlegenheiten und Blamagen erspart. Was nun die angeblichen Unregelmäßigkeiten bei der Listen- aufstellung anbelangt, so sagt der Bericht, die Kommission sei sich einig gewesen, daß das Berfahren. für die Einkommen über 3000 M. das Jahr 1Ü07, und für die übrigen das Jahr 1S08 zu. gründe zu legen, dem Sinne des Gesetzes nicht entsprach. Warum deun nicht? Es heißt in dem Gesetz ausdrücklich, daß die Ein- teilung nach der Maßgabe der„zu entrichtenden Steuern" zu erfolgen habe. Der Magistrat hat also dem Wortlaut des Ge fetzes peinlich Rechnung getragen. Di« Kommission findet den Berstoß gegen da« Gesetz nur darin, daß gewisie Schichten der Wähler dadurch bevorzugt bezw. benachteillgt worden seien, je nachdem sie zu einem höheren oder geringeren Steuersatz in dem einen oder anderen Jahre herangezogen wurden. Daß eine Benachteiligung der Wähler vermieden wird, ist gewiß in der Ord- nuny und das hat der Magistrat gerade beabsichtigt. Die ftom- Mission scheint offenbar von der Sorge darüber geleitet zu fern. daß die Mahler mit Einkommen von mehr als 3000 M. benach. teiliat werden können. Es eristkren doch aber in Berlin auch Wähler mit w e n i g e r als 2000 M. Einkommen, ja sie bilden bei weitem die Mehrheit. Sollten denn etwa diese Wähler benachteiligt werden? Sie wären benachteiligt worden, wenn die Aufstellung der Listen anders er- folgt wäre. Für diese Wähler lag die Einschätzung bereits vor. Sie hatten um so mehr Interesse daran, nach der Einschätzung von 1908 eingetragen zu werden, als in diesem Jahre zum ersten Male die Bestimmung über die Deklarationspflicht der Arbeitgeber für die Einkommen ihrer Arbeiter getroffen war. Daher erklärte der Berliner Magistrat, als er von der Regierung darauf aufmerksam gemacht wurde, daß diese Listenaufpellung sich nicht decke mit dem bekannten Ministerialerlaß vom März v. I., er müsse, wenn die Listen anders aufgestellt würden, mindestens villM— 70 ODO Einsprüche gegen die Listenaufstellung erwarte». Also sowohl der Wo r t l a u t wie der Sinn des Gesetzes gibt dem Berliner Magistrat recht. sSehr wahrl bei den Sozialdemo kraten.) Ich erwarte, daß das Haus ein größeres Verständnis für die Rechte der großen Masse der Wähler haben wird, als die Kommission. Ter Regierungsvertreter in der Kommisston hat aus- drücklich zugegeben, daß der Ministerialerlaß keine absolut zuving ende Vorschrift fei. Wenn Nachteile für einen Teil der Wähler aus der Listenausstellung eingetreten sind, so ist das eben nicht die Schuld des Magistrats, sondern die Schuld des fa- mosen W a h l g e s e tz es, das sich hier wieder als das elendeste aller Wahlgesetz» criviesen hat.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie aber doch Erhebungen über die Listenaufstellung vornehmen wollen, so sollten Sie zum mindesten auch dafür sorgen, daß der U m- fang der Benachteiligung von Wählern über 3000 M. Einkommen durch genaue Erhebungen festgestellt wird. Erst dann kann festgestellt werden, ob tatsächlich das Ergebnis der Wahl bei anderer Listenaufstellung ein anüereS gewesen wäre.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Ebenso genaue Erhebungen werden sich auch als notwendig erweisen über den angeblichen Terror der Sozialdemokratie. Im Kommissionsbericht ist schon darauf hingewiesen, daß mein Parteigenosse Borgmann verlangt hat, den Protestlern aufzugeben, für den angeblichen Terror Tat- fachen anzugeben, die unter Beweis gestellt werden könnten. Die Kommission hat einfach die zu ihrer Kenntnis gelangten Tat- fachen als hinreichend substantiiert hingenommen. Es muh aber bewiesen werden, in welchen Spezialfällen Wähler durch diesen angeblichen sozialdemokratischen Terror beeinflußt worden sind. ES genügt nicht die Feststellung, daß hier und da aufgefordert worden ist, die Gewerbetreibenden zu beeinflussen. Wenn eine solche Aufforderung zur Kassierung ausreichen sollte, dann mühten sämtliche 443 Wahlen für ungültig erklärt werden.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Hat nicht Fürst Bülow selbst erklärt, daß kein Beamter einen Sozial- de molraten wählen dürfe?(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Wenn Sie die Richtigkeit dieses TerroriSmuS bestätigen. so können Sie doch nicht die Tatsache seines Bestehens leugnen. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie also objektiv, logisch und gerecht handeln wollen, so müssen Sic in jedem einzelnen Falle beweisen, wo die Sozialdemokratie Terror geübt hat. Im anderen Falle würden Sie ein Attentat auf das Wahlrecht der breiten Massen verüben. Wir stehen hier als die Vertreter der Sozialdemokratie. die bei weitem die größte Zahl aller Wählerstimmcn aufgebracht hat. Wir sehen dem Ausgang der Affäre mit größter Kaltblütigkeit entgegen.(Zuruf rechts: Äa! na!— Abg. Hoffmann: Sie kriegen draußen die Antwort!) Wenn wir hier Ihre ganzen Machenschaften aufdecken, sei brauchen Sie daraus nicht den Schluß zu ziehen, daß uns die Sache unangenehm ist, im Gegenteil! Vor ein paar Tagen haben Sie das Bestehen einer Klassen- j u st i z geleugnet. IN diesem Falle bildet das Parlament selbst einen G e r i ch t S h o f. und es hat ebenso objektiv Recht zu sprechen, wie die ordentlichen Gerichte, ohne Ansehen der politischen Zugehörig- keit. Handeln Sie nicht objektiv und logisch in diesem Falle, so wird draußen im Lande mit Recht behauptet werden können, daß dieselben, die hier das Bestehen der Klassenjustiz bestritten haben, selbstbewußt einen niederträchtigen Akt der Klassen- justi» geübt haben.(Lebhaftes Bravol bei den Sozialdemokraten.) Wg. Fischbcck(frs. Vp.): Der Vorredner hat den Beschluß der Wühlprüfungskommission nicht verstünden, mit der Frage des Terrors hat sie sich nicht beschäftigt, sondern sie will die Wahlen nur wegen der Abtctlungslisien beanstanden. Sie konnte stch nur mit de» Wahlen beschäftigen, die ihr überwiesen waren. Herr Ströbel behauptet, wir hätten anfangs beabsichtigt, gegen sämtliche Berliner Wahlen Protest zu erheben. Mir ist nichts davon bekannt, daß wir gegen unsere eigenen Wahlen protestieren wollten. Auch haben wir dazu keine Veranlassung, weil hier bei anderer Auf. stellung der Listen die bürgerliche Majorität noch größer gewesen wäre. Gegen die Wahl in Rixdorf erheben die Sozialdemokraten Plotest, weil die Listen nicht so aufgestellt waren, wie in Berlin. Auf daS„Berliner Tageblatt" würde Herr Ströbel sich nicht bc- rufen, wenn eS ihm nicht Waffen gegen die bürgerlichen Parteien lieferte.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Den Rat, gegen- über den Behauptungen des„Vorwärts" über mich zum Kadi zu laufen, befolge ich nicht. In den Kreisen, an deren Achtung mir gelegen ist, machen seine Anwürfe keinen Eindruck.(Lebhafter Beifall bei den Konservativen, Nationalliberalen und Liberalen.) Abg. Strvsstr(k.): Die Abteilungen konnten gar nicht anders verfahren als geschehen, sie überwiesen die eingelaufenen Proteste der Wahlprüsungskommission und diese konnte sich mit anderen, also auch den übrigen Berliner Wahlen nicht beschäftigen. In der Kommission haben Herr Fischbeck und ich den Protest auch nicht, wie Herr Ströbel sägt, summarisch vorgetragen, sondern wir haben uns auf den Punkt der Aufstellung falscher Listen de» schränkt, weil hiernach eventuell die ganze Wahl hinfällig wäre. und die Kommission wünscht, daß über diesen Punkt Beweis er- hoben wird. Weiter hat Herr Ströbel sich über den Ton beschivert (Heiterkeit.) Der Kammerherrenton des Herrn Ströbel ist ja auch im„Borwärtö" laut geworden. Er überschreibt den Artikel welcher das Verfahren der Wahlprüfungskommission brandmarken soll: ein Schurkenstreich.(Abg. Ströbel(Soz.) Dos Verfahren Fischbecks und der Freisinnigen.) Der Artikel konnte sich nur auf die ganze Wahlprüfungskommission beziehen; das Gegenteil wäre sozialdemokratische Logik, aber für solche Logik danke ich.(Abg. H o f f m a n n(Soz.): Sie haben die Macht, Sie brauchen keine Logik!). Wir haben von unseren Vätern und Ur- Vätern nationalen Sinn ererbt, den wollen wir betätigen, und wir bedauern, daß Sie das nicht verstehen.(Lachen bei den Sozial- dcmokraten.) Herr Ströbel sprach weiter vom Terror, weil oer Reichskanzler gesagt hätte, ein Beamter dürfe nicht Sozial- demokrat sein. Diesen Grundsatz bekennen wir alle, denn die Sozialdemokratie will den Staat stürzen, und deshalb wäre es Balerlandsverrat, wenn ein Beamter Sozialdemokrat wäre.(Leb hafte Zustimmung rechts.) Präsident v. Kröcher: Ich hoffe, Herr Abgeordneter, Sie meinten nur die Sozialdemokraten außerhalb dieses Hauses (Stürmische Heiterkeit.) Die Sozialdemokraten, welche hier sind hoben in feierlicher Sitzung Se. Majestät Treue geschworen, diese wollen den Staat nicht umstürzen.(Anhaltende große Heiterkeit.) Abg. Stresser(fortfahrend): Die Beamten sollen nationalen Sinn haben, das wünschen und hoffen wir.(Bravo! rechts.) Sierauf vertagt sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg E assel(frs. Vp.): Die Behauptung des Herrn Ströbel. Roscnmv und ich hätten davon gewußt, daß meine Parteigenossen bcab- sichtigten, gegen sämtliche Berliner Wahlen zu protestieren, und ich hatte ihnen davon abgeraten, ist nicht richtig. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr.(Fortsetzung der Wahl Prüfungen, Justizeiat.) Schluß 4li Uhr._ Chealerelenl lieber die Bewegung der Bühnenangehörigen gegen die Fesseln welche ihnen durch die Direktionen auferlegt werden, haben wir wiederholt berichtet und dabei das tiefe soziale Elend, in dem die große Mehrzahl der Schauspieler sich befinden, gestreift. Wir er- innern an die Berichte über den Vertragskampf der Schauspieler. Diesen haben die Drangsalierten glücklich mit Zerreißung deS von dem Direktorenverband gut geheißenen Sklavenvertrages zu Ende geführt. Darob große Mißstimmung bei den Direktoren. Sie er- klärten am 30. Januar in ihrem Verein, daß sie mit der Bühnen genossenschaft nichts mehr zu tun haben wollen, da diese sich end- lich auf ihre Pflicht besonnen hatte, für die Interessen der Schau- spieler einzutreten. Zur rechten Zeit erscheint jetzt«ine kleine Broschüre: „Theater-Elend." Ein Weckruf von Dr. Maxi- milian Pfeiffer. Verlag Bamberg.„B a m be r g e r Nach- richten". Der Verfasser schildert in sachkundiger Weise, unter teilweiser Benutzung des in der großen Versammlung in Berlin am 4. Dezember 1903 von Schauspielern vorgetragenen Materials, die schauderhafte Lage deS übergroßen Teils der Schauspieler. Die Zahl der Theater im deutschen Sprachgebiet berechnet Verfasser auf bSO, darunter 382„bessere" Bühnen. In diesen Instituten find(Musiker und technische Arbeiter nicht eingerechnet) ruud 25 000 Personen tätig. Einige wenige Glückliche haben fürstliche Gehälter. Für die Mehrzahl ist aber das„Hungertuch die Talent Windel". Etwa die Hälfte aller Schauspieler haben Jahres einkommen von weniger als 1000 M. Diesen 50 Proz. treten weitere 20 Prvz. zur Seite mit 1000 bis 1500 M„ weitere 20 Proz. zwischen 1500 und 3000 M. und nur 10 Proz. haben über 3000 Mark! Bei 25 000 Bühnenangehörigen haben also über 12000 weniger als 1000 M„. 5000 bis zu 1500 M. und 2500 nur über 3000 M. Bei diesem Jahreseinkommen ist jedoch zu beachten, daß die Gage in den Sommermonaten erfahrungsgemäß geringer ist. Das Winterengagement dauert in der Regel nur 6, höchstens 7 Monate, von Oktober bis März, eventuell April. An mittleren Stadttheatern und kleineren Hoftheatern beträgt die DurchschntttSgage jährlich rund zwölfhundert Mark. Außerordentlich interessant ist die spezifiziert wiedergegebene Ausstellung der Gagen, die eine Dame bezog, welche stets an guten, mittleren Stadttheatern, wie Ilachen, Chemnitz, Düsseldorf, Hanau, Heidelberg, Sttatzburg i. E.. Ulm» Zwickau u. a. als erstes Fach- Mitglied tätig war. Tiefer Etat möge hier nebst den zutreffenden Anmerkungen des Verfassers folgen: Summa in 26 Jahren 44 140 Mark, für Garderobe 0580 Mark. „von diesen 44 140 M. gehen ab für K o st ü m- 0530 M.. für den Agenten 5 Proz.~ 2270 M., für Reisen 1300 M.. für wettere Anschaffungen 1300 M.. somit bleibt für 26 Jahre ein Reineinkommen von 29 690 M. Für das Jahr im Durch« chnttt 1142 St.. pro Monat 05 M. Die Dame bemerkt hierzu:„Ich muß noch hinzufügen, daß ich von obigen Einnahmen das ganze Jahr leben muß, da ich keine Zuschüsse— keine Heimat hatte oder habe. Die Rubrik Garderobe bedeutet nur die für die Thcatergarderobe nötigen Ausgaben." Die beredte Sprache dieser Zahlen braucht durch kein hinzugefügtes Wort klangkräftiger gemacht zu werden. Soviel verdient ein Straßenkehrer bei ortsüblichem Tagelohn auch. Der kann wenigstens durch feine Altersversicherung getröstet der Zukunft entgegensehen. Eine alte Schauspielerin aber— den Gedanken denke sich jeder selbst für sich aus." Der Verfasser gelangt mn Schluß seiner Schrift zu dem ein- dringlichen Rat, daß die Schauspieler gewerkschaftlich sich o r g a n t- i e r e n und zu der Forderung eines gesetzlichen Schutzes. Die„Genossenschaft deutscher Lühnenangp. Irriger" ist zur Wahrnehmung der Interessen der Schauspieler geeignet. Erfreulich, daß die Ucberzeugung von der Notwendig« keit, sich ihr anzuschließen, immer weiter dringt. Gesetzlichen Schutz der Schauspieler gegen Verträge, die Sklavcnketten für sie bilden, gegen das Unwesen der Theater- agcnturen, Vermiticlungsprovisionen usw. haben im Reichstag zu- erst die Sozialdemokraten verlangt. Wir erinnern an die Reden des Genossen Robert Schmidt vom 1. Februar 1895 und des Ge- Nossen Reißhaus vom 10. Februar und 6. März 1896. In der Ge« werbcordnungsnovellenkommission verlangten die Sozialdcmo- kraten, wie schon in ihren früheren Arbciterschutzanträgen, Ein- beziehung der Theaterverträge unter die Schutzvorschriften der Gewerbeordnung. Leider ging in der Kommission und im Plenum nur eine Resolution durch, die ein besonderes Reichstheater- g e s e tz verlangte. Pfeiffer, der Vater dieser Resolution, der- langt in seinem mit Wärme geschriebenen Weckruf gleichfalls ein Reichsthcatcrgesctz. Die wesentlichsten Forderungen eines solchen faßt er dahin zusammen: Die Kündigungsfristen müssen für beide Teil« gleich sein. (Handelsgesetzbuch§ 67. Gewerbeordnung ZZ 122 und 133), ebenso müssen bei wichtigen Gründen beide Teile sofort das Vertragsverhältnis lösen können.(Bürgerliches Gesetzbuch§ 70, Handelsgesetzbuch§ 70, Gewerbeordnung§§ 124s und 133b.) Bei Krankheitsfällen soll die Gage für sechs Wochen gezahlt werden, für weitere sechs Wochen die Hälfte.(Handelsgesetzbuch§ 63, Gewerbeordnung 133c, Bürgerliches Gesetzbuch§ 616.) Zur Erlangung eines Engagements ist angemessener Urlaub zu ge- währen.(Bürgerliches Gesetzbuch 8 629.) Leben und Gesund- heit sind im Vühnenhetrieb zu schützen, Licht, Luft, Luftwechsel und Wärme entsprechend zu Geschäften, Vorkehrmrgen gegen maschinelle Gefahren zu treffen, Ankleide- und Waschräume den Forderungen der Hygiene und des AnstandeS entsprechend her- zustellen. Im Zuwiderhandlungsfalle sind die Bühnenange» hörigen zu sofortiger Aufhebung des Vertrages berechtigt. iBürgerliches Gesetzbuch 842— 846, 618, Sandelsgesetzbuch§ 62, Gewerbeordnung§ 120a ff.) Proben an Sonn- und Feiertagen sind unzulässig, Zeit zum Gottesdienst ist zu lassen, vor Vor» stellungen ist eine Mindestruhezeit von 5 Stunden einzuhalten. Dauer, Beginn und Ende der Gesamtarbeitszeit sind im Ver- ordnungsweg zu regeln.(Gewerbeordnung§§ 105, i, c, 120e.) Ordnungsstrafen sind nur bis zur Hälfte der TagcSgage zu» lässig, sie müssen zum Besten der Bühnenkünstler verwendet werden.(Gewerbeordnung§ 134a ff., 139h ff.) Die Vermitte- lungsgebühr an den Agenten ist zur Hälfte vom Bühnenleiter und zur Hälfte vom Mitglied zu zahlen.(Bürgerliches Gesetz. buch§ 152.) Zur Durchführung all dieser Maßnahmen ist das Institut der Bühneninspektoren zu schaffen, analog dem der Fabrik- und Gewerbeinspektoren. Man ersieht auS dieser Zusammenfassung, daß, wenn der ordentliche Wille dazu da ist, das so notwendige Theatergesetz durch Zusätze zur Gewerbeordnung geschaffen werden könnte. Die bürgerlichen Parteien werden durch entsprechende Anträge auf die Probe gestellt werden, ob sie die Hand zur Milderung deS sozialen Elends und der rechtlosen Knechtschaft der Schauspieler bieten wollen. Wenn von freisinniger Seite ein Gesetz verlangt wurde. das die Zensurfrage mit solchem Gesetz verquicken soll, und wenn die Konservativen gar erst Erhebungen anstellen wollten, so waren das Schritte, die lediglich geeignet sind, die Besserung zu ver- schleppen. Der Reichstag ist diesen Bestrebungen entgegengetreten und hat gestern seine im Dezember v. I. gefaßte Resolution aus Schaffung eines ReichStheatergesetzcs wiederholt. Dem Thcaterelend entgegenzutreten, den Schauspielern zu helfen, tut dringend not. Die Bühkren vertrage sprechen den elementarsten sozialpolitischen Forderungen Hohn und machen die Schauspieler vogelfrei. Ein einheitliches Ax. beiterrecht, wie es die Beratungen der GewerbeordnungSnovcll« schaffen sollten, würde auch auf diesem Gebiete den wirtschaftlich Schwachen gegen die schrankenlose AuSbeutungsmöglichkeit schützen. Der Kamps der Theaterzugchörigen um bessere Lebensbedingungen ist ein Stück des allgemeinen Kampfes der wirtschaftlich Unter- drückten und politisch Rechtlosen. Gerichts-Leitung. Der Hund als Jagdfrevler. Eine beinahe tragikomische Jagdgeicbichte beschäftigte am Man» tag da» Reichsgericht. Bon der Siraskammer in Celle ist am 8. Ottober v. I. der VollHösner Wilhelm S Seele wegen MldernS zu fünf Monaten Gefängnis und wegen Uebertretung des Jagd» schein�eseyeS zu 1 M. Geldstrafe vernrteilt worden. Außerdem ist auf Einziehung seines Jagdhundes erkannt worden. Die Rachbarn behaupteten, daß der Hund des Angeklagten einigemale Hafen oder Kaninchen mit nach Hause brachte. SSeele selbst sagte einmal einem Nachbar, er habe einen billigen Braten gekauft, der billiger als Schweinefleisch sei. Einem anderen hat er einen Elfpfünder" zum Kauf oder Tausch gegen Schnaps und Kautabak angeboten. Vcnnniet wird, daß er damit einen Hasen gemeint hat. Der Angeklagte stand wegen Verschwendung unter Vormundschaft. ES wird daher angenommen, daß er sich gar nicht einen Braten— Hasen oder Reh— habe kaufen können. Die Ueber- tretung ist darin erblickt worden, daß er ohne Jagdschein die Jagd ausgeübt hat.— Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsanwalt für begründet erklärt. Ob der Hund Hasen oder Kaninchen nach Hause gebracht habe, sei nicht festgestellt. In der hier fraglichen Gegend gehören aber die Kaninchen nicht zum jagdbaren Wild und eS könnten unter Um- tänden lediglich die besonderen Vorschriften betreffs deS Kaninchenfanges in Frag« kommen. Wie soll nun aber der Angeklagte vas Jagdscheingesetz übertreten haben, wenn er liar nicht sein Haus verlassen habe? Der Hund ei eS doch allein gewesen, der die Jagd„ausgeübt" hat! Bisher habe die Rechtipreclmng nur den Jäger für da» Wildern seine« Hundes veramworttich gemacht, der, auf seinein Jagdgebiete befindlich, sich von seinem Hunde das Wild auS einem fremden Jagdgebiete ziitr. iden ließ.— DaS Reichsgericht hob daS Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Nun mag das Landgericht prüfen, ob der Hund zwischen Hasen und Kaninchen unterscheiden konnte und ob sein Eigentümer die Un- kennln is seine» Hundes über Jagdverbote zu seinem Borteil« au». nutzen wollte. ßrUfbaften der Redahtion. »t« iuris», sch. evrechswn»«»nde,«jind-nklr«», Br. I».»»«itn Hak- vrittcr Stilgang, vier Tr-ppen, Javrvn hl w»ai«n,ii«llch(ibcib# von r«ft bi»»'/««br Natt.«eoNitirt» Ufte eoimnbmb» diglnn, ftU•brtAfliiubc um«>ldr. 5»t>-r«u«ra«? tft tin «urtlftnbe nnb ciut;t«bl al» Bi-rfzdift«" b'k"«r.-'Nch«»lniwort wirft nid),«ftili.«is«nr Veantwortu»« tm«rkfkaft»« könnru 14 Tage ftergeh«,. Gilig» Krage» truac man in»rr E»rrchftunfte vor. «. F. 22. Senden Sic sich mit Ihren Fragen an Hugo Hillig, Hamburg, Debnhcide i29.— B. V. St. Gut gemeint, aber nicht ver. weiidbar.—«. M. Dcr AuZs.'ll der Klag« ittvon der B-weisaujimhine abhängig. Es erscheint dringend geboten, da» die Frau einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Rech!« beauftragt.— C. D. VI. 1. Soweit cijichUich, lcidrr nein. 9. Ohne Einsicht der Bestellung nicht zn dcant. Worten.— Spandau. Die Firma ist UN» nicht bekmmt. Slr würdcr vom Spielen abralcn.— I. 1®5- J?"iaen Kapital und Zinsen beim Gericht elnllagen und eoenluell Supersation beantragen müssen. —«. K. 105. Wiederholen St- dt« Antrag« unter näherer Angabe, od St» der Vater de» Ktnde» sind, ob da« Ktttd vor der Ehe geboren ist oder ob e» w keinerlei Seziehungen zu Ihne» oder Ihrer Frau steht.— St. 115. 1. Auf den legten Blättern des dem Arbeiterrecht" beigefügten| heit ist aber nicht ein günstiger Erfolg vorauszusagen. 3. 10. Mein. Führers finden Sie den Wortlaut und Anleitung zu folchen Testamenten. F. K. Fragen Sie beim Amtsgericht an, ob Ihre Forderung an Das Buch liegt in den öffentlichen Leseballen aus. 2. Sie fönnen sich bei erkannt ist. E. P. 12. Klagen Sie beim Amtsgericht auf Zahlung des der Oberpostdirektion Berlin beschweren. K. B. 50. Sie tönnten Lohnes gegen Rückgabe des Stoffes. 8. 3. 41. Ihre Eltern würden lediglich gegen den Eigentümer und seine Mutter flagen, mit Sichers eventuell allein zur Bahlung verpflichtet sein. Statsam ist es, an den Schützt Influenza! Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 11. Februar: Anfang 7, Uhr. Rönigl. Opernhaus. Sardanapal ( Anfang 8, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Mrs. Dot. Dentiches. Revolution in Sträh winkel. Rammerspiele. Elektra.( Unf. 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Hamlet. Leffing. Der König. Komische Cher. Belleas und Melisande. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Sebbel. Revolutions hochzeit. Luftspielhaus. Seine fleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Wallner Ein Bollsfeind. Sch ner Charlottenburg. beater.) Das Erbe. Friedrich Wilhelmstädt. Der Pfarrer von Kirchfeld. Weften. Der tapfere Solbat. Thalia. Gefchloffen. Luisen. Die Räuber. Trianon. Der Satyr. Neues Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten Theater SW. Das Himmelbett.( Unf. 8, Uhr.) Bernhard Rose. Einjährig Un freiwillig. Gaftspiel Theater. S Ein toller Einfall.( Anf. 81, Uhr.) Bürgert.Schauspielhaus. Deborah. ( Unf. 8 Uhr.) Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Onkel Kafimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter Los. tadel Wintergarten. Spezialitäten. Earl Haberland. Spezialitäten. Vañage. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Servus Pschefina. Lustige Ehemann.( Unf. 8 Uhr.) Kafino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Tobias Braute fahrt. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Parodie. Der geschundene Staubritter. Anfang 8, Uhr. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Storfu Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen: Calcium. Glasfabrikation. Sternwarte, Zuvalibent. 57/62. Lessing- Theater. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Freitag 7 Uhr: Rosmersholm. Sonnabend 8 Uhr: Der König. Euch vor Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen: Calcium. Glasfabrikation. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Die Räuber. Freitag: Das Mädchen a. Jrrwegen. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinderborstellung: Rotkäppchen. Abends: Die Ehre. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Kinder des Kapitän Grant. Abends: Das Mädchen auf Irrwegen. Montag: Hypochonder. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Einjährig- Unfreiwillig. Schwant in 3 Att. v. Bietor Laverrenz. Wochentagspreise. Freitag: Das Barenhausfräulein. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 14. Februar 1909: Gastspiel des Berliner Operetten- Enf. unter Leitung von Curt Grubin. Die Fledermans. Operette in 3 Alten v. Joh. Strauß. Anfang 7, Uhr. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Perry Bender Massary Holden Giampietro Kettner Pfann Thielscher. pollo CPOLLO a Theater Allabendlich 10 Uhr: Hedi Herdina in ihrer Glanznummer Hoch der Kaviar!! Dazu das glänzende Februar- Programm. Abends 8 Uhr: Einz. König Eduards v. England Abends 8 Uhr: Berliner Theater. Onkel Casimir Heute 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X...) WIND STARTEN Saharet Magistrat eine Gesuch um Niederschlagung der Kosten zu richten. Otto G. Neunhagen. Die Ansicht des Gemeindevorstehers ist zutreffend $. A. 42. Wenden Sie sich an die Offenbacher Stranken- und Be, gräbnistasse, Prinzenstr. 66 bei Hinz. Ella 10. Sie würden mit Aussicht auf Erfolg eine Beleidigungsflage anstrengen können. Die Influenza ergselft nur diejenigen, deren Blat resp. Blatkörperchen nicht stark genug sind, um siegreich den Kampf gegen die eindringenden InfluenzaBazillen aufzunehmen. Die Wallung des Blutes muss stärker seln, die Herztätigkelt erhöht werden; deshalb trinke man 2 Stunde vor jeder Mahlzelt, also vor dem. 2 ten Frühstück, vor dem Mittag und Abendessen Je Glas Santa Lucia Kraft- Rotwein. Derselbe wirkt heilsam auf den ganzen menschlichen Organismus. Schiller- Theater. O.( Ballner- Theater.). | Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Donnerstag, abends8Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Aufz. von H. Jbsen. Deutsch von W. Lange. Freitag, abends 8 Ubr: Komtesse Guckerl. Sonnabend, abends 8ubr: Der Herr Ministerialdirektor. Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Freitag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Sonnabend nach m. 3 Uhr. Die Jungfran v. Orleans. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Brauerei Friedrichshain. Anfang 8 Uhr. Heute sowie täglich( außer Sonnabends): Gr. Münchener Bock- Feste Berühmtester Festwirt aus Schorsch Ehrengruber Manchen -VO mit seiner Truppe( 60 Personen). Schönste Alpen- Dekoration. Tiroler Natur- Sänger. 80 bayerische Mad'In in Kostüm. Morgen Freitag: Gratisverlosung von 400 Gegenständen. Zirkus Schumann Heute Donnerstag, 11. Februar, abends 7, Uhr: Bur Anwesenheit bes englischen Stönigspaares in Berlin Gala- Fest- Vorstellung. Frl. Dora Schumann mit Ihren Schule und Springpferden. fchimpanse. Paet, der under Tiberio modern. Herkules, Münzen. brecher, Stierfämpfer. Das einzig existierende Jedes vierte Los gewinnt.. Entree 20 Pf. XIV. Saison! Zirkus Busch. Heute Donnerstag, ab. 7, Uhr: Große Gala- Vorstellung Um ca. 9 Uhr: Auftreten des weltberühmten Konsul Peter! Die Vievilles! Olympla Dervall! Ferner: Herr Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Herr& Schumanns Meisterdreff. Foureaug u. 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Schauspielhaus. Donnerstag, 11. Februar, Anf. 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Freitag zum erstenmal: Lumpacts bagabundus. Sonnabend: Qusarenfteber. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Nenes Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 8 Atten von Leo Fall. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Seine kleine freundin. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Dtrettion Rob. Dill. Brunnenitr. 16. Auf allgemeinen Wunsch: Liane, die zweite Fran. Schausp. n. b. bekannt. Marlitt- Roman. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Sonnabend Extraborst: Bremiere: Ministerkrisen. Passage- Theater. Stadt- Theater Moabit. Heute Premiere! Mdme. Hanako Japans größte Schauspielerin, mit ihrem Ensemble in Otaka Dramolet in 1 Akt und das großartige New! Freie Boltsbühne 31. Vortragsabend. Montag, den 22. 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Sonnabend, früh von 8 Uhr ab, verkaufen wir, infolge großer Fänge unserer Dampferflotte Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 82. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Montag früh nach schwerem Leiden unser Parteigenoffe Heinrich Tolle Simmerstr. 11 berftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Dreifaltigkeits- Kirchhofes in Mariendorf, Eisenacher Straße, aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 210/7 Der Vorstand. Typographia Am Sonntag, 7. Februar, fand unser dem Verein seit 9 Jahren angehörender Sangesbruder Paul Zenker im 28. Lebensjahre seinen jähen Tod durch Ertrinten im Tegeler See. Er hatte sich am 6. Februar von einem längeren Augenleiden gesund gemeldet, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Ehre seinem Andenken! Recht zahlreiche Beteiligung der Sänger bei der heute Donners. tag, 11. Februar, nachmittags 4 Uhr, ftattfindenden Beerdi gung auf dem Elisabeth- Kirchhofe in der Prinzen- Allee erwartet 60/4 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher überaus großen prachtvollen fetten Kabeljau a. Seelachsangipenben bet ber Beerbigung diese beliebten, fast •> grätenlosen Fische per Pfd. mit 25 Pf. Bratschellfische 3 Pfd. 65 Pf., Bratflundern p. Pfd. 35 Pf. außerdem alle anderen Seefische zu billigstem Tagespreise. Täglich: Eingang frischer Räucherwaren! Deutsche DampffischereiGesellschaft ,, Nordsee" Größte Hochseefischerei Deutschlands. Hauptgeschäft: BERLIN C., Bahnhof Börse. Verkaufsstellen: Prinzenstraße 94. Schles. Bahnhof, Bog. 8/9. Invalidenstraße 131. Große Frankfurter Str. 85. Potsdamer Str. 112a. Wilsnacker Str. 57. Spandau, Breitestr. 54. Eigene Eisenbahn- Kühlwagen. Kleine Anzeigen Inventur- Ausverkauf. Gardinen, Stores, Restbestände. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Abholung, Zurüdsendung. Gläfer, Muladstraße 27.+126 m.»w,™ z. KeilM des Lswärls" Kerlim PolksdlM Sie flrbeitstoseDzShlußg iß Gross-ßerfln wird am Sonnabend, den 13. Februar vorgenommen. Alle gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter müssen sich zur Hilfeleistung zur Verfügung stellen.* Partei- BtogelegenKeiten. Wirhrlmsruh-Nied«.SchSnhausen-Wtst. Sonnabend, den lZ. Fe- Brual, findet im Lokale von Kölln, ann, Wilbelmsruh, Kronprinzen- strahe 2. ein Lichtbildervortrag:„Die Freiheitslämpse in Rußland- statt. Der Vortrag beginnt Punkt S Uhr. Eintrittskarten a 30 Pf. sind bei sämtlichen Bezirksleitern zu haben. Arbeitslose Partei« genossen haben freien Zutritt. Der sozialdemokratische Wahlverein für Senzig und Umgegend hält am Sonntag, den 14. d. M., nachmittags 3 Übe, seine Milglieder- versammliing im Lokale Hugo Kruschwitz ab. Sämtliche Mitglieder sowie auch Frauen sind emgcladen. Bernau. Heute abend Zahlabend in dm bekannten Lokalen. OerUner JVadmchten. Tie Neueinteilung der Stadtvcrordnetenwahlbezirke. Im Oktober 1905 wurde seitens der sozialdemokratischen Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung der Antrag gestellt, eine Neueinteilung der Stadtverordneten- Wahlbezirke für die III. Abteilung dergestalt vorzunehmen. daß so, wie für die 1. und II. Abteilung, auch für die III. Abteilung 10 Wahlbezirke gebildet werden. Tie Antrag- steller gingen von dem Standpunkt aus, daß eS dadurch mög- lich würde, einmal die Wähler alle zwei Jahre an die Wahl- urne zu bringen und damit eine größere Anteilnahme der Wähler an dem Leben der Stadtgemeinds herbeizuführen und andererseits eine größere Stabilität bezüglich der Wählerzahl der Wahlbezirke zu ermöglichen. Der Antrag wurde von der freisinnigen Majorität auf Grund eines zum Zwecke der Vorberatung eingesetzten Ausschusses gestellten Antrages abgelehnt. Das gleiche Schicksal erlitt ein Antrag der„Gruppe Preuß", der die Auflösung der für die I. und II. Abteilung bestehenden 16 Wahlbezirke forderte und auch hier die Bildung von je 48 Wahlbezirken zum Ziel hatte. Da aber der Ausschuß anerkennen mußte, daß durch die Ent- völkerung der tuncrcn Stadt und durch Entstehung großer neuer Stadtteile in den Außenbezirken eine wesentliche Ver- schiebung der Wählcrzahl in den einzelnen Wahlbezirken der III. Abteilung stattgesunden habe, so wurde beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, den Magistrat zu ersuchen, eine Neueinteilung der Wahl- bezirke der III. Abteilung spätestens bis zum Jahre 1909 durchzuführen. Diesem An. trage trat die Versammlung am 31. Mai 1906 bei. Da bis dato seitens des Magistrats eine Mitteilung über die in Verfolg dieses Beschlusses getroffenen Maßnahmen nicht eingegangen ist, so beantragt die sozialdemokratische Fraktion, den Magistrat zu ersuchen, ihr in dieser Angelegenheit ge> eignete Mitteilungen zugehen zu lassen. Obwohl diesem Antrage in der letzten Stadtverordnetensitzung die Dring- lichkeit zuerkannt wurde, wurde der Antrag schließlich doch wieder abgesetzt, da angeblich die Zeit schon zu weit vor- geschritten sei. Heute steht nun dieser Antrag auf der Tagesordnung der Versammlung, und man kann um so mehr gespannt ans die Mitteilungen des Magistrats sein, als für den kommenden Herbst Neuwahlen vor der Türe stehen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse in den Wahl- bezirken der III. Abteilung weiter verschoben, so daß das an sich schon miserable Dreiklassenwahlrecht sich durch die großen Differenzen in der Wählerzahl der einzelnen Wahlbezirke er- heblich verschlechtert hat. Wie verschieden die Wählerzahl in den einzelnen Wahl» bezirken ist, geht aus nachstehender Zusammenstellung her- vor. Es haben Wähler: Bezirk � Rr. Wüliler 1.. 3412 2,. 3009 8.. 4789 4.. 4147 5.. 6241 6.. 5671 7.. 6650 8.. 5879 9.. 7280 10,. 7859 11.. 4481 13.. 5965 13.. 6928 14.. 7357 15.. 7059 16.. 4941 Bezirk Nr. Wübler 17.. 4349 18., 4088 19.. 4773 20.. 4797 21., 5676 23.. 4967 23.. 4826 24.. 15974 25.. 14393 26.. 23186 27.. 6619 23.. 5081 29.. 4374 30.. 5139 31., 5488 32.. 5930 Bezirk LAt Nr. W.iKIer 33.. 5801 84.. 10168 85.. 17374 36.. 7848 37.. 6943 38.. 7143 39.. 6417 40.. 5910 41.. 5351 42.. 6514 43.. 8638 44.. 10666 45.. 6143 4«.. 9499 47.. 14908 48.. 8493 Die r'samte Wählerzahl in der III. Abteilung beträgt demnach 3-18113: im Durchschnitt auf die einzelnen Bezirke verteilt V25S. Ter vierte Teil aller Bezirke überragt zum Teil den Durchschnitt ganz erheblich, während der dritte Teil ganz wesentlich darunter bleibt. Gegenüber den stärksten Kreisen haben die Wähler des schwächsten ein achtfach größeres Wahlrecht. Das sind die Wähler im Zentrum der Stadt, wo die Bevölkerung unausgesetzt im Sinken begriffen ist. Daß ein solcher Zustand nicht aufrecht erhalten werden kann, ist selbstverständlich. Das kann um so weniger der Fall sein, wenn man erwägt, daß die im Berliner Rat- Hause maßgebenden Leute im Abgeordnctcnhause bei der Wahlrechtedebatte eine Neueinteilung der Wahlkreise ge- fordert haben. Im übrigen ist der Beschluß ja schon 1006 om 31. Mai gefaßt. Inzwischen haben sich die Vcrhältnisie noch sehr verschlechtert, so daß eine Verzögerung seitens des Magistrats sich durch nichts rechtfertigen läßt. Wie un- gerecht das Drei klassenwahlrecht wirkt, erhellt daraus, daß fiür die I. Klasse 1259 Wähler und für die II. Klasse 32211 Wähler eingeschrieben sind, welchen 218113 Möhler.der III. Klasse gegevübersteheii. Ucbrr schlechte Behandlung der Presse durch de.» Berliner Magistrat am Tage deS Einzugs des englischen KönigspaareS wcimert 'der„Berliner Börsencourier". Er klagt: „ES ist höchst bedauerlich, daß man jedesmal, wo eS sich um Einzüge und dergleichen handelt, genötigt ist, die Verwaltung der größten deutschen Stadt darauf aufmerksam zu machen, daß die Presse doch auch eine gewisse Bedeutung und ein Anrecht darauf hat, dieser Bedeutung gemäß behandelt zu werden. Der gestrige Empfang König Eduards bietet leider von neuem Anlaß, den Herren im Roten Hause die Leviten zu lesen. Dort scheint man der einigermaßen oierkivürdigen und den Tatsachen nicht ganz entsprechenden Ansicht zu huldigen, daß die Vertreter der Zeitungen nur aus müßiger Neugier an Haupt- und Staats- aktionen, wie der Begrüßung des Königs von England, teil- nehmen. Nur so wenigstens ist es zu erklären, daß man ihnen aus der dem Empfangszelt gegenüber belegenen Tribüne freund- lichst Plätze an der letzten, alles Sehen so gut wie ganz, das Hören aber völlig ausschließenden Reihe anwies. Einigermaßen überraschend wirkte es dagegen, daß die Tribüne, in deren Mitte sich das Empfairaszelt erhob, von sicherlich nur aus Schaulust herbeigeführten Damen und Herren besetzt war. Die Plätze in der ersten Reihe dieser Tribüne, rechts und links von dem Zelt, vor dem der Oberbürgermeister dem König den Willkommen brachte, mutzten für die Abgesandten der Zeitungen reserviert werden. Mutzten— allein das hätte vorausgesetzt, daß man im Magistrat sich der Stellung bewußt wäre, die die Presse als Großmacht einnimmt. Das ist man dort jedoch nur in be- sonderen Fällen— nur, wenn man der Mitwirkung der Presse urbedingt bedarf. Dann weiß man sie mit der nötigen Höflich- feit und dem erforderlichen Entgegenkommen zu finden— sonst behandelt man sie als qu-entile ncsligeable. Aber wir können den Herren im Roten Hause die Versicherung geben, daß auch die Geduld der— ach, so geduldigen!— Berliner Presse eines Tages erschöpft sein wird, und daß die Zeitungen der Reichs- Hauptstadt sich dann nicht immer finden lassen werden, wenn der Magistrat sie sucht. Die Herren sollten sich daran erinnern, daß die Berliner Blätter tagelang von den Verhandlungen des deutschen Reichstages keine Notiz nahmen, und sie sollten sich vergegenwärtigen, daß auch Magistrat und Stadtverordneten ge schuhen könnte, was dem Reichstage geschah. Das jedenfalls werden sie wohl einsehen, daß öffentliche Akte ohne die Mit- Wirkung der Presse wirkungslos, gegenstandslos werden. Be sonders aber möchten wir wieder und noch einmal betonen, daß Herr Stadtrat NamSlau der denkbar ungeeignetste Herr ist, um bei Empfängen eine— berechtigte oder angemaßte— Polizei auszuüben. Der Herr ließ eS auch gestern cm der nötigen Urbanität fehlen und handhabte sein Amt in einer wenig er- frculichen Weise. Es gibt, wie wir wissen, im Magistrat Herren, die im Verkehr mit der Presse Bescheid wissen. Warum schafft man nicht schleunigst Wandel und überträgt ihnen die Funktionen, deren Ausübung andere sich nicht gewachsen zeigen?" Unseres Erachdcns ist auch die Berliner bürgerliche Presse nicht P unschuldig daran, daß man ihr die oben gekennzeichnete Be lung zuteil werden lassen kann. Sie sollte es nur versuchen, über Veranstaltungen nicht zu berichten, bei denen man ihr eine unwürdige Rolle zunrutet und es würde bald anders werden. Aber das tut sie nicht, weil die kapitalistischen Verleger weniger nach der Würde der Presse fragen, sondern in erster Linie um sensationellen Swff für die Leser und damit um ihr Portemonnaie besorgt sind._ WaS das Brot im Hungerjahre 1908 kostete! Ueber die Drotpreife in Berlin liegen Ermittelungen des Statistischen Amts der Stadt jetzt bis zum Schluß des Jahres 1908 vor. Soeben hat das Amt die Zahlen auch für Dezember 1908 veröffentlicht: im Durchschnitt der 40 Bäckereien Berlins, aus denen es regelmäßig Backwaren ankaust, um deren Gewicht zn ermitteln und hieraus den Preis pro Kilogramm zu berechnen, kosteje im Dezember das Kilogramm Roggenbrot rund 29'/z Pf. sgenauer 29,55 Pf.) und das Kilogramm Schrippen rund 61'/« Pf.(genauer 51,23 Pf.). Im Jahre 1908 ist die Aufwärtsbewegung der Brotpreise zum Stillstand gekommen und die langersehnte Abwärtsbewegung hat endlich wieder eingesetzt, aber der Rückgang vollzieht sich so langsam, daß die Preisermäßigung, die wir bisher gehabt haben, noch nicht beträchtlich genannt werden kann. Der Durchschnitt� preis hatte im Dezember 1907 für Roggenbrot fast 34 Pf.(genauer 33,98 Pf.) und für Schrippen über 54>/z Pf.(genauer 54.60 Pf.) betragen, es ist mithin im Laufe des JahrcS 1908 eine Ermäßigung des Preises für Roggenbrot um rund 4'/? Pf- pro Kilogramm und für Schrippen um etwas mehr als 3'/« Pf. pro Kilogramm eingetreten. Im Laufe des JahreS 1907 war aber da? Kilogramm Roggenbrot um reichlich 6'/z Pf. und das Kilogramm Schrippen um 9'/, Pf. teurer geworden, da sind wir also mit den Preisen vom Dezember 1903 noch nicht mal wieder auf den Stand vom Dezember 1906 an- gelangt, der wahrlich auch schon hoch genug war. Das durch schnittliche Gewicht des Fünsgroschen-BroteS hatte bis Dezember 1907 sich auf weniger als 3 Pfund verringert und ist seitdem bis Dezember 1908 erst wieder auf knapp Pfund gestiegen. Wie lange reicht ein Brot von so geringem Gewicht, wenn eine vielköpfige Familie sich sattesten will? Auch die Durchschnittspreise für das ganze Jahr 1908 können wir jetzt berechnen. Da die Preise dieses Jahr hindurch im Fallen waren, so muffen natürlich die Durchschnitte niedriger sein als die Preise vom Jahresanfang, aber höher als die Preise vom Jahresende. Im Durchschnitt von 1908 kostete daS Kilogramm Roggenbrot rund 31°/« Pf.(genauer 31,78 Ps.) und daS Kilogramm Schrippen ziemlich 53>/« Pf. (genauer 63,22 Pf.). Dagegen hatte ein Durchschnitt von 1907 das Kilogramm Roggenbrot erst etwas über 30°/« Pf.(genauer 30,82 Pf,) und das Kilogramm Sckirippen rund 49'/g Pf.(genauer 49,36 Pf.) gekostet. Auf de» raschen Preisanstieg von 1907 folgte, wie schon oben erwähnt, in 1008 ein nur langsamer Rückgang- Hieraus erklärt es sich, daß in 1S03 die jahreSdurchichnittlichen Preise sogar noch höher als in 1907 waren. Für den Preis deS Roggenbrotes hat daS Jahr 1903 einen Rekord geschaffen, wie er den Brotverteuerern längst als Ideal vorgeschwebt hatte. Im Durchschnitt von 1903 war in Verlin daö Roggenbrot mit 31°/« Pf. pro Kilogramm sogar noch teurer als in dem Hungerjahr 1891, das uns für Roggenbrot einen Durchschnitts- preis von 31% Pf. pro Kilogramm brachte. Ein ähnlich hoher Preis war anderthalb Jahrzehnte hindurch noch nicht wieder zu verzeichnen gewesen. Zu dieser unerhörten Höhe hat schließlich aufS neue der Brot« preis hinaufsteigen können, weil die Politik der Lebensmittel« Verteuerung freie Bahn gefunden hatte. Noch im Jahre 1903 hatte in Berlin der Durchschnitt deS Roggenbrolpreises nur 24°/,<> Pf. pro Kilogramm belragen, in 1908 aber stellte er sich auf mehr als 31°/« Pf., daS ergibt eine Zunahme um ziemlich 7% Pf., annähernd ein Drittel deS Preises von 1905. Den Junkern haben in diesen Hungerjahren die Taschen sich gefüllt, dem arbeitenden Volk sind sie geleert worden._ Wo die Polizei am Dienstag fehlte. Wir haben gestern über einen Unglücksfall am Schlesischen Tor berichtet, wo Straßenpassanten sich eines schwer Verletzten annehmen mußten, weil wett und breit kein Schutzmann aufzutreiben war, der sich um den Verunglückten, bekümmert hätte. Dieser Vorgang steht nicht allein da; eS wird uns heute folgende Mitteilung gemacht: Gcgen°/«6 Uhr wurde in der Gollnowstraße dicht an der Landsbergerstraße eine ältere Frau von einem Wäschewagen überfahren und am Kopfe verletzt. Ein Schutzmann war nicht zur Stelle und Privatleute übernahmen cS, die Firma des Wagens, dessen Führer übrigens an dem Unfall kein Verschulden treffen.soll, festzustellen. Die Ver- unglückte wurde dann aus der verkehrsreichen Gollnowstraße nach der Wcinstraße gebracht und blieb dort liegen, weil man ans das Eintreffen eines Schutzmanns wartete. Aber vergeblich I Wie eine Frau erzählte, wäre sie nach der Polizeiwache am Büschingplatz gegangen, doch habe man ihr dort erklärt, daß kein Beamter mit- gehen könne, weil niemand auf der Wache sei. So kam eS, daß die Uebersahrene eine halbe Stunde lang ohne jede ärztliche Hilfe an der Unfallstelle blieb. Erst dann wurde unter den Zuschauern der peinlichen Szene eine Saininlung veranstaltet, um die Kosten für eine Droschke zur Fortschaffung der Verletzten aufzubringen. Die Frau wurde— auf ihren eigenen Wunsch— nach ihrer Wohnung übergeführt/ Die Beamten waren am Dienstag zum Absperrungsdienst Unter den Linden zusammengezogen worden, wodurch natürlich der wirkliche Sicherheitsdienst entschieden zu kurz kam. Ein Diebstahl mittels Telephons ist gestern in der Hoch» straße verübt worden. Nachmittags gegen 4 Uhr wurde bei einem Fahrradhändler in der Neuen Schönhauser Straße antelephoniert, daß ein Herr Lippert, Hochstr. 13, ein Fahrrad zu reparieren habe und der Auftraggeber ersuchte darum, daß sofort ein Hausdiener hinunterkomme, um die Maschine abzuholen. Der Fahrradhändler entsprach diesem Wunsche und schickte einen Angestellten nach der Hochstraße. Dieser schloß das von ihm benutzte Rad auf dem Hausflur an und wollte sich dann nach der Wohnung des angeb- lichen Lippert begeben. Er suchte aber vergeblich nach dem Auf. traggebcr. Als nun der junge Mann wieder nach dem Hausflur hinunterkam, war seine Maschine verschwunden. Die Kette war jedenfalls mit einer eigenS hierzu konstruierten Zange zersprengt worden und der Spitzbube, der zweifellos mit dem telcphonischen Besteller identisch ist. hatte Zeit genug gehabt, seine Beute in Sicherheit zu bringen. Hoher Besuch hatte fich gestern im Rathause eingefunden, das aus diesem Anlaß festlich gesebmückt war. König Edward hatte ver- sprachen, einen Besuch im Roten Hause zu machen, und hat auch gestern sein Berspeechen eingelöst. Die städtischen Behörden waren im vollen Ornat erschienen. Nach einigen BcgrüßungSworten durch den Oberbürgermeister Kirschner und DankeSivorten deS englischen Königs wurde dem Besucher in einem goldenen Becher ein Ehrentrnnk gereicht. Falsche Samariter. Auf dem Wege zur Krankenkasse, von der sie das Krankengeld für ihren an Atemnot leidenden Mann holen wollte, brach vorgestern vom Schlage gerührt die 47 Jahre alte Schlosscrfrau Dora Mewes aus der Wollmer Straße 11 an der Ecke der Kastanienallee und der Schwedter Straße bewußtlos zusammen. Bier junge Burschen von 20 bis 22 Jahren brachten sie nach der Rettungswache in der Kastanienallee und entfernten sich von dort so rasch wieder, daß man ihre Namen nicht feststellen konnte. Später ergab sich, daß die Samariter der Frau, die nach dem Virchowkrankenhause gebracht wurde, zwei goldene Ringe von den Fingern gestreift und mitgenommen hatten. Den Tod im Wasser suchten vorgestern eine unbekannte Frau von etwa 50 Jahren und der Brauereiarbeiter Richard Weber aus der Marienburgcr Straße 16. Die Frau, die in den Urbanhafcn sprang, erreichte ihr Ziel, Weber dagegen, der an der Kronprinzenbrücke in die Spree ging, wurde gerettet und nach der Charit« gebracht. Er erklärte, daß das Leben für ihn keinen Wert mehr habe. Die ertrunkene Frau trug ein Kopftuch und einen Krimmerumhang. Auf der Sanitätswache vom Tobe überrascht wurde vorgestern abend eine unbekannte Frau von etwa 45 Jahren. Sie brach vor dem Hause Admiralstraße 78 zusammen und wurde von einem Fräulein Schmidt aus der Nachbarschaft, die sie um Hilfe bat. nach der Sanitätswache in der Adalbertstratze gebracht. Dort starb sie unter den Händen des Arztes. Die Unbekannte scheint den besser gestellten Kreisen angehört zu haben und kam wahrscheinlich von einer Feier» von der sie Kuchen mit» gebracht hatte. Sie trug u. a. eine Skunksboa und ein schwarzes Tuchjackett und besaß eine goldene Zylinderuhr. Ihre Wäsche ist M. R. gezeichnet. Ein internationaler Taschendieb wurde vorgestern vormittag während des Einzuges deS englischen KönigspaareS an der Ecke der„Linden" und der Eharlottenstraße festgenommen, als er mit Hilfe von entkommenen Komplizen einen Herrn und eine Dame bestahl. Es ist ein 32 Jahre alter Möbelpolierer Jon Montheh auS London. Der Dieb bestreitet die Taten und behauptet, daß er vier Tage Urlaub benutzt habe, um nach Berlin zu sabren und sich den Einzug anzusehen. Seine Londoner Wohnung will er nicht angeben. Mit den hiesigen Gesehen scheint er vertraut zu sein. Er verlangte, unverzüglich dem Richter vorgeführt zu werden. Ein gewaltiger Dachstnhlbrand brach gestern abend gegen 9 Uhr im Hanse Schiffbauerdanim 35 aus. Als die Feuerwehr anrückte, war das Feuer schon so weit vorgeschritten, daß es auch auf den Dachstuhl des Nebenhauses überzuspringen drohte. Der Feuerwehr gelang eS jedoch, den Brand auf den EntstehuugSherd zu beschränken. In Hannover verbaftet wurde der Steinbildhauer Hoffmann, der in einem Wahnsinnsanfall auf seinen in Charlottenburg wohnenden Bruder Mai; schoß und ihn tötete und seine Schwägerin durch einen zweiten Schuß schwer verletzte. Strasieiliiiifall. Der freisinnige Abg. Geheimrat Träger bat gesttt» vormittag zwischen 11 und 12 Uhr einen Lutomobil« Unfall erlitten, der leicht schlimme Folgen hätte haben fönnen,| Erkrankungen Betrafen: 29 mal Lungenleiden, 19 mall gewählt: zum Obmann Genoffe F. Kupfer( Metallarbeiter), O. 112, glüdlicherweise aber ohne Schaden für seine Berfon verlaufen ist. Herzschwäche und Herzleiden, 10 mal Atembeschwerden, 3 mal stronprinzenstraße 16; zum zweiten Obmann Genosse F. Jbscher In seiner Eigenschaft als Notar hatte er in der Pariserstraße einen Arterienvertaltungen, 2 mal fuftröhrenkatarrh, je 1 mal Bleis( Handels- und Transportarbeiter); zum Schriftführer Genoſſe Wechsel zu protestieren. Bei der Rückfahrt stieß das Automobil, in vergiftung, Blinddarmentzündung, Bronchialfatarrh, Herzbeutel H. Schulze( Maler); als Revisoren die Genossen D. Liebermann dem er fuhr, in der Regensburgerstraße mit einem Kohlenwagen zu entzündung, Hizichlag, Nervenentzündung, Ohnmacht, Kehlkopf( Holzarbeiter), W. Großkopf und P. Radle( Metalarbeiter). fammen. Herr Träger wurde vom Siz auf den Boden des Wagens schwindfucht, Rippenfellentzündung, Schlaganfall, Unterleibsentzündung Erledigung interner Kartellangelegenheiten wurde noch auf die geschleudert. Der Chauffeur befreite ihn sofort aus seiner un- und Wasserfucht. In diesen Fällen wurde der Sauerstoff 37 mal wichtige Arbeit betreffs der bevorstehenden Arbeitslosenzählung, angenehmen Situation und es stellte sich heraus, daß er mit dem erfolgreich und 38 mal ohne Erfolg angewandt. Von den Unfällen welche gemeinsam von Partei und Gewerkschaften ausgeführt wird, bloßen Schrecken ohne Verlegung davongekommen war. und Selbstmordverfuchen betrafen die meisten Fälle Leuchtgasver- hingewiesen. Nicht vertreten war der Ort Wilhelmsberg. giftungen. In einzelnen Fällen tamen Benzingas, Koblenogydgas-, sol, Schwefeläther- und Rauchvergiftungen vor. In 34 Fällen fonnten Friedrichshagen. Einem unheimlichen Messerstecher ist am Dienstagabend eine Frau in der Warschauer Straße zum Opfer gefallen, während zwei junge Mädchen von ihm erheblich, aber nicht lebensgefährlich verwundet wurden. Die Kriminalpolizei setzt alle Hebel in Bewegung, um den Täter, wahrscheinlich einen geistesfranken Mann oder Epileptiker, sobald als möglich unschädlich zu machen. Die Er mittelungen find allerdings dadurch erschwert, daß die Behörde erst gestern von dem Treiben des gefährlichen Menschen Kenntnis erhalten hat. Sobald als möglich erschien gestern abend im Südosten und Often der Stadt folgende amtliche Bekanntmachung: 1000 Mart Belohnung. Am 9. d. M., zwischen 10 und 11 Uhr abends, hat ein unbefannter Mann in der Gegend der Schlesischen Brücke awei weibEine liche Personen durch Stiche in den Unterleib verletzt. 21 Jahre alte Telephonistin wurde um 10 Uhr abends auf der Köpenider Landstraße, furz vor der Schlesischen Brücke, Freiarchen- Brücke, bon dem rüdwärts an ihr vorübergehenden Täter an der linken Seite des Unterförpers leicht verletzt. Der Täter ist dann die Schlesische Straße hinuntergegangen und begegnete an der Ecke des Görlitzer Ufers einer zirka 30jährigen Arbeiterin, der er einen Stich in die Mitte des Unterleibes beibrachte. Von dort ist der Täter über die Oberbaum- Brücke in die Warschauer Straße eingebogen. An der Ede der Stralauer Allee traf er die am 24. April 1880 zu Riffa in Bofen geborene Frau Marie Schaefer, die in der Natiborstraße wohnhaft ist, und versezte dieser einen Stich über der Lendengegend. Frau Schaefer wurde einige Zeit darauf bewußtlos und start blutend aufgefunden, erst nach der Unfallstation und dann nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Hier ergab sich bei eingehender Untersuchung die Verlegung als Ur fache der Blutung. Die Verlegte erlangte nur auf furze Zeit das Bewußtsein und starb im Laufe der Nacht. Das Befinden der verlegten Mädchen, welche am 10. d. M. von dem auf sie verübten Anfall Anzeige erstatteten, gibt zu Besorgnissen feinen Anlaß. Der Täter wird beschrieben als ein Mann in der Mitte der zwanziger Jahre, von mittlerer Größe mit kleinem Schnurrbart. Er war befleidet mit dunflem Ueberzieher und schwarzem steifen Hut und sprach mit tiefer Stimme ausgeprägten Berliner Dialekt. Die oben genannte Belohnung ist für die Personen aus dem Publikum bestimmt, welche zweddienliche Angaben zur Ermittelung des Täters erstatten. Wert voll find nicht nur alle Beobachtungen in der Nähe der Tatorte, fondern auch Mitteilungen über auffallendes und verstörtes Benehmen männlicher Geistestranter oder epileptisch veranlagter Personen, welche am Abend des 9. nach ihrer Wohnung zurückgefehrt sind. Meldungen nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier entgegen. Berlin, den 10. Februar 1909. Der Polizeipräsident. J. V.( gez.) Friedheim. Ueber die Verbrechen, die an die Kinderverlegungen im Sommer oes Jahres 1907 in der Rykestraße und der Prenzlauer Allee er innern, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die verlegten Mädchen sind die am 25. April 1888 geborene Telephonistin Martha Stahlert, Tochter eines Straßenbahnschaffners, die bei ihren Eltern am Heckmannufer 7 wohnt, und die am 11. Januar 1879 geborene Arbeiterin Martha Fillinger, die bei ihrer Mutter, einer Witwe, am Görliger Ufer 5 wohnt. Frau Schaefer hatte Berwandte in der Warschauer Straße besucht und befand sich auf dem Heimweg nach der Ratiborstraße, als sie den tödlichen Stich erhielt. Bis in die Abendstunden hinein war gestern die Spur des Unholdes noch nicht gefunden. Wenn jemals, so ist in diesem Falle die Mitwirkung des Publikums erforderlich. Auch eine anscheinend geringfügige Mitteilung über irgend ein aufgeregtes Wesen oder sonst auffallendes Gebaren eines Mannes kann bedeutsam werden, besonders wenn sie schleunigst gemacht wird. Leider fönnen die berlegten Mädchen eine genauere Beschreibung des genauere Beschreibung des Täters nicht geben. Das erklärt sich leicht aus der Aufregung, in die der Anfall fie versetzte. Ob das spize Meffer ein Dolch war, läßt sich auch nicht sagen, es tann auch ein Taschenmesser sein. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei werden die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Der Gerichtsarzt besuchte gestern abend auch die beiden Mädchen zur Besichtigung der Wunden. Wahrscheinlich ist der Täter ein pervers veranlagter Mensch. Daß von der schweren Bluttat die Kriminalpolizei erst gestern Kenntnis erhielt, ist recht sonderbar, wenn man bedenkt, daß dieselbe auf offener Straße verübt wurde. Durch die Verwendung der Polizei zur Absperrung Unter den Linden und der dadurch herbeigeführten Entblößung der Außenbezirke durch Beamte hatte am Dienstag das Louistum freies Spiel. Vorort- Nachrichten. Lichtenberg. " die an diesen Erscheinungen erfranften Personen mit Hilfe des Der dritte Lichtbildervortrag des Zyklus„ Vom Urtier zum Sauerstoffs ins Leben zurückgerufen werden. In 8 Fällen war es Menschen", den der hiesige Arbeiterbildungsausschuß beranſtaltete, erfolglos. 11 Samaritern, die bei den erfolgreichen Wiederbelebungs- findet Freitag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, in Lerches Bürgerversuchen wiederholt tätig waren, wurden von dem Herrn Polizei- fälen, Friedrichstr. 112, statt. Vortragender ist Herr M. H. Baege, präsidenten zu Berlin Geldprämien in der Gesamthöhe von 269 M. Dozent an der Freien Hochschule in Berlin. Der Vortrag wird das Thema: Welches sind die Ursachen und treibenden gewährt. Kräfte der Entwidelung?( Die Selektionstheorie und ihre modernen Ergänzungen)" behandelt und zu einer Darwinfeier ausDie Stadtverordnetenversammlung am Dienstag nahm zunächst gestaltet werden.( Er fällt auf den 100. Geburtstag des Begründers der von dem Eingang der Resolution einer Versammlung Arbeitsloser Entwickelungslehre Charles Darwin.) Eintritt 30 Pf.; Doppelkarten, und städtischer Arbeiter Kenntnis, die dem Magistrat überwiesen gültig zu dem dritten und dem am 19. Februar stattfindenden vierten wurde. Der Stadtverordnetenvorsteher schlägt dann vor, der Ein-( Echluß)-Vortrag 50 Pf. Karten sind in den bekannten Bezirkslokalen ladung des Brandenburgischen Städtetages, der am 13. Februar zu und am Saaleingang zu haben. einer außerordentlichen Tagung im Berliner Rathause zufammen- Friedrichsfelde- Karlshorst. tritt, Folge zu leisten. Die Versammlung erhebt den Vorschlag zum Mit dem Erlaß einer Steuerordnung für die Einführung einer Beschluß und entiendet sechs Stadtverordnete als Delegierte. Die sozialdemokratische Fraktion wird vertreten durch die Genossen Luftbarkeits- und Billettsteuer beschäftigte sich die legte Sizung der Düwell und Heckert. Die Interpellation betreffend die Diphtheritis Gemeindevertretung. Hierzu hatte der Gemeindevorstand eine Vorepidemie in der Zweiten Gemeindeschule in der Dorfstraße begründet lage eingebracht, in welcher er analog der Gemeinde Weißensee namens unserer Genossen Stadtverordneter Grauer. Der Magistrat sowie verschiedener Städte die Einführung genannter Stener als läßt durch den ersten Bürgermeister der Versammlung mitteilen, eine für die Gemeinde wesentliche Einnahmequelle empfiehlt. Es daß die angeordnete Schließung der Klasse inzwischen wieder auf- wird angenommen, daß bei Annahme genannter Stener eine gehoben und die Epidemie als erloschen zn betrachten ist. In der Mindesteinnahme von 30-40 000 m. jährlich zu verzeichnen ist. nun folgenden Besprechung wird der Magistrat von unseren Genossen Die Annahme, daß der Landrat des Kreises der Besteuerung der um Auskunft erfucht über die Einrichtungen, die zur ersten Hilfe- Pferderennen ablehnend gegenüberstehe, träfe nicht mehr zu, nachdem für die Einleistung bei plöglichen Unglücksfällen getroffen sind. Hierbei brachte der Landgemeinde Weißensee die Zustimmung der Billettsteuer erteilt worden sei. Im übrigen der Redner der Fraktion den Notichrei des Vaters des bei dem führung der Landrat des Kreises Niederbarnim auf Anfrage Stubenbrand in der Wartenbergstraße erstickten Kindes zur Sprache habe Gemeindevorstandes einen Streisausschußbeschluß herbeiund schilderte die von uns bereits an dieser Stelle gebrachten des Borgänge. Der Magiftrat verwies auf die in der Rathausstraße geführt, in welchem sich derselbe mit der Einführung einer errichtete Settungswache, mit deren Einrichtung ein ständiger Sanitäts- Billettsteuer in Friedrichsfelde unter Bugrundelegung der für die dienst organisiert sei, auch befinde sich in dieser Wache wie im Feuer- Gemeinde Weißenfee genehmigten Lustbarkeits- und BillettsteuerDer ordnung grundsäglich einverstanden erklärt habe. Der Gemeindes wehrdepot und in der Gasanstalt ein Sauerstoffapparat. Stadtverordnete Dr. Wolff appellierte an die Redner unserer Fraktion, borstand, die Steuer- und Rechnungsfommission haben bei der Gediese möchten als bestem Vorbeugungsmittel an der Aufklärung meindevertretung zu beantragen beschlossen, die Luftbarkeits- und der Massen mitarbeiten! Grauer verwies auf die planmäßige Billettsteuer am 1. April 1909 einzuführen. Es sei bereits bei der Aufklärungsarbeit unserer Genossen im allgemeinen und auf die Aufstellung der Rechnungsergebnisse für den Haushaltsplan 1909 mit Schwierigkeiten, die die Klaffengenossen des Dr. Wolff fyftematisch Debatte hierüber unserer Aufklärungsarbeit machen. Müsse doch selbst die Arbeiter Einverständnis mit der steuerlichen Heranziehung der RennSamariterfolonne in einem Wirtshause ihre Uebungen abbalten, bahn Karlshorst, nicht aber mit der Erhebung der LuftbarkeitsDie Vorlage sei auf die Verhältnisse Weißensees zustädtische Räume seien ihr wie den Arbeiterturnern gesperrt!! ftener. größere Vergnügungslokale vorhanden wären. Leider konnte der Magistrat es nicht über sich gewinnen, mit der geschnitten, wo Beantwortung der Anfrage über die Hilfsbereitschaft der Feuer- Nachdem man die früheren Aufsichtsgebühren fallen gelassen, tönne wehr ein anderes Mitglied zu betrauen und so brachte die Beant- man die dreimal so hohe Luftbarfeitssteuer nicht einführen. Bei der wortung durch den Stadtrat Koch auch den Schluß der fachlichen Billettsteuer müsse eine andere Staffelung stattfinden. Es sollte an Behandlung dieser so überaus wichtigen Frage. Der Stadtrat stellte statt bei einem Eintrittsgeld von 25 Pf., wie es die Vorlage fordert, fich auf den Standpunkt: ich bestreite alles und erwarte den Gegen- die Steuer erst bei einem Eintrittsgeld von 50 Pf. zur Erhebung beweis! Es ist nicht wahr, daß die Feuerwehr den Sauerstoffapparat tommen. Auch wandte sich Redner gegen die vorgesehene Bausch nicht bei der Hand gehabt hat, es ist nicht wahr, daß der in der steuer und verwies auf die schwierige Lage des Gastwirtsgewerbes. Gasanstalt untergebrachte Apparat von der Feuerwehr reklamiert Bürgermeister Ungewitter erklärte, daß eine Billettsteuer, welche nur worden, aber nicht gebrauchsfähig gewesen sei usw. Wahr sei, daß die die Rennbahn betreffe, die Zustimmung der Aufsichtsbehörde nicht Auf die Pauschsteuer tönne der GeWehr wie immer den Sauerstoffapparat auf ihrem Mannschaftswagen finden dürfte. mitgeführt und sofort in Anwendung gebracht habe!! Unsere Gemeindeborstand nicht verzichten. Genosse Pinseler erklärte fich gleich noffen haben versprochen, den Widersprüchen auf den Grund zu falls damit einverstanden, daß die Billettsteuer erst bon 50 f. Eintrittsgeld zur Erhebung gelangt. Bei der Abstimmung gelangte gehen. Die Besprechung der Interpellation über die Vergebung der der Antrag Bube zur Annahme. Danach beträgt die Billettsteuer Bauarbeiten beim Elektrizitätswert ist zum drittenmal Gegenstand bei einem Eintrittsgeld von 50 f. 5 Pf., bei höherem Eintrittsgeld der Tagesordnung und wird unter Zustimmung unserer Genoffen für jede weitere angefangene halbe Mart 5 Bf. Eintrittskarten zum drittenmal vertagt! Die Versammlung will nicht verhandeln, unter 50 Pf. find steuerfrei. Im übrigen gelangte die Vorlage un ohne das ganze Material zu kennen. Die Kommission zur Prüfung verändert zur Annahme. der Vorlage für die Errichtung neuer Lehrerstellen erstattet Bericht Friseurgehilfen Berlins. Donnerstag, den 11. Februar, abends und beantragt die Errichtung einer neuen Lehrerſtelle an der Schule 9% Uhr, in den„ Industrie- Festsälen", Beuthstraße 19/20: Deffentliche Ber für schwachbegabte Kinder und die Errichtung von vier Lehrerſtellen sammlung sämtlicher Barbier, Herren, Damen- Friseur und Berüden sowie einer für eine Lehrerin. Die Versammlung stimmt dem zu. macher- Behilfen Berlins und Umgegend. Tagesordnung: 1. Gefeßliche Die Arbeiten einer gemischten Kommission zur Errichtung eines Regelung unserer Arbeitszeit, insbesondere durch den Achtuhr- Ladenschluß. zweiten Wochenmarktes auf einem städtischen Gelände in Lichtenberg- 2. Diskussion und Beschlußfaffung. Oft fanden feine Anerkennung. Die Vertreter des GrundbesitzerVereins Lichtenberg- Ost beantragten Ablehnung des Kommissionsantrages. Mit 28 gegen 21 Stimmen wurde in diesem Sinne beschlossen. Das Projekt einer höheren Mädchenschule fand die Zustimmung der Versammlung und ohne jede Debatte wurde der Kostenpunkt dieser Standesschule mit 627 000 M. festgefeßt und bewilligt. In der hygienischen Vorträge im besonderen, betonte aber auch die einer Einnahme genannter Steuer gerechnet worden. betonte der Gemeindevertreter Bube fein mit dem Rittergutsbefizer Röder wurde nach einem Referate des Die Abänderung des Eingemeindungsvertrages der Gemeinde Genoffen Düwell einstimmig angenommen. Die Einteilung der Stadt in vier Bezirke und die Anstellung von Bezirksvorstehern und Stellvertretern fand im Prinzip Bustim mung, wurde aber einer gemischten Kommiffion überwiesen. Beschlossen wurde vom 1. April 1909 ab das Steuerbringsystem einzuführen. an Berband der Bureauangestellten. Donnerstag, ben 11. Februar, abends 8 Uhr, in den Brachtsälen Alt- Berlin", Blumenstraße 10: Deffentliche Versammlung. Vortrag des" Redakteurs Hellmuth Lehmann: Die Einführung der englischen Arbeitszeit in den Berliner Anstaltsbureaus. Lese- und Diskutierklub" Wilhelm Liebknecht". Heute Donners tag, abends 9 Uhr: Sigung bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93: Ein führung in das Erfurter Programm. Gäste wilkommen. den Großhandel in den 8entral- Marktballen. Warktlage: Fleisch: Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion übet Zufuhr schwach, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Bufuhr mäßig, Geschäft still, Breife wenig verändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft ganz ftia, Breise behauptet. Fife: Bufuhr genügend, Geschäft Butter und Käse: Geschäft etwas belebt, Preise wenig verändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Bufuhr rubig, Breise höher. genügend, Geschäft sehr still, Preise wenig verändert. Witterungsübersicht vom 10. Februar 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Windrichtung Windstärke Better Temp. n. 6. 5° C.= 4°. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke 766 Better Xemp. n. T. 2 bedeckt-16 1 bedeďt 5 bedeckt 7 5 halb 5d.- 6 Haparanda -5 Betersburg 769 N 5 beiter 3 halb bd.- 6 Scilly 1 bedeckt-1 Aberdeen 759 SSD 2 wollig-5 Baris 762 Still bededt-10 753 WN 747 N 751 S 2 bedeckt 3 bebedt -16 8229 66 Wetterprognose für Donnerstag, den 11. Februar 1909. Etwas milder, vorwiegend nebelig oder wollig mit geringen Nieder schlägen und mäßigen südlichen Binden. Berliner Betterbureau Wafferstands.Nachrichten ber Randesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Dr. Bofofzer interpellierte den Magistrat über den Stand des Ein Teil der Bürgerlichen unter Führung des Stadtverordneten Krankenhausbaues! Ein Verfuch, auch jezt wieder die Angelegenheit hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, konnte glücklich verhindert werden. Der erste Bürgermeister gab folgenden Bericht: Aus den neuerlichen Terrainangeboten habe die Kommission nunmehr eine Auswahl von 7 Plägen getroffen, die einem Hygieniter nambaft gemacht werden sollen mit dem Ersuchen, baldmöglichst ein fachIn einer Anzahl Agitationsversammlungen männisches Gutachten zu erstatten. Die nun folgende Besprechung, Swotnembe 759 DSD Hamburg 754 DSD forach in den letzten Wochen Genoffe Stadthagen im Kreise an der sich die Stadtverordneten Dr. Wolff und die Genoffen Grauer, 757 CD Niederbarnim. Ueber verschiedene derselben haben wir bereits be- Düwell und Spieckermann beteiligten, ließ keinen Zweifel darüber Berlin richtet. Vorige Woche referierte Stadthagen vor gut besuchter Ver- erkennen, daß ein leider recht einflußreicher Teil der Versammlung Franti.a M. 754 N sammlung im Schloßfaal Weißenfee. Hier übte er schneidende Kritik ganz richtig tagiert wurde, als der Genosse Grauer im Verlaufe seiner Münden an der gesamten inneren wie äußeren Politik Deutschlands, dabei Ausführungen die Situation so zeichnete: Gewiß, davon sind die Herren Bien das jämmerliche Verhalten Bülows ins rechte Licht rückend. Vor nun nachgerade überzeugt, daß sie um den Bau selbst nicht gleichfalls gut besuchter Versammlung sprach Stadthagen am legten mehr herumkommen, nur darf die Sache nicht zu teuer werden. Sonntag in Mahlsdorf a. d. Dftbahn. Auch hier zeigte der Redner Die Genoffen Spickermann und Grauer wiefen an der Hand ein an mannigfachen Beispielen, wie oft die deutsche Regierung und wandsfreien Materials nach, daß es nicht den Tatsachen entdie bürgerlichen Parteien durch ihre Haltung Deutschland in eine ipricht, wenn behauptet wird, daß in Berlin die Bettennot be gefahrbolle Lage gebracht haben. Nicht unerwähnt ließ er den feitigt wäre, und daß die angebliche Einladung um Ueberweisung Berliner Krankenhäuser irreführend sei. abermaligen Raubzug auf die Taschen der arbeitenden Bevölkerung, hiesiger Kranker die abermalige Besteuerung der Genußmittel des atmen Mannes. Die Verhandlungen in der Berliner StadtverordnetenverfammIn schneidendem Gegensatz zu dieser Massenauspowerung stehe die lung vom 26. November, die Grauer im Stenogramm vortrug Rechtlosigkeit, die politische und soziale Unterdrückung der arbeitenden und die tägliche Abweisung Kranker wegen Plazmangels, deren Klaffen. Diefem unerträglichen Zustande fönne mur ein Ende be- Abweisungsscheine mit Originalstempel wegen Plazmangels" aus reitet werden, wenn sich das Proletariat feiner Machtmittel bewußt den letzten Tagen Spiedermann vorwies, beweisen die Krankenhauswerde und in gemeinschaftlichen Organisationen für seine Befreiung not in Berlin und damit die Haltlosigkeit der Rebensart, es sei noch immer möglich die Kranken unterzubringen. In ihrer ganzen fämpfe. Glorie aber zeigte sich die Majorität als der Genoffe Düwell Schöneberg. mit unwiderleglichem Material nachwies, daß die Behauptung, die Erfahrungen der Schöneberger Wehr auf dem Gebiete des Krankenhausbaues, eitel Humbug ist. Die Herren von Befig und sozialdemokratischen Stadtverordneten seien die Verzögerer des Samariterwesens. Seit 7 Jahren ist die Schöneberger Feuerwehr Bildung" machten ihre Mappen zu und etwa fechs bis sieben Herren mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet, die den Aerzten jederzeit in hielten Wacht auf den Blätzen der aus 34 Mann bestehenden bürgerGefahrfällen unentgeltlich zur Verfügung stehen. Jebe der beiden lichen Majorität. Diese tapfere Betätigung der Stadtverordneten Feuerwachen befit mehrere Sauerstoffflaschen und die nötigen Atmungsmasken, die auf Erfordern sofort durch zwei Samariter der Pflicht in Sachen des Krankenhausbaues wird gewiß auch in der Bürgerschaft die gebührende Anerkennung finden. Feuerwehr entweder mit einem Mannschaftswagen( von der Hauptfeuerwache) oder mit einem Dreirade( von der Nordfeuerwache) an Die Gewerkschaftsunterkommission Lichtenberg Rummelsburg Ort und Stelle gebracht werden. Ueber die feit jener Beit mit nahm in ihrer legten Sizung den Jahresbericht entgegen. Aus diefer Einrichtung gemachten Erfahrungen gibt die nachstehende Bu- demselben ist zu ersehen, daß die Geschäfte derselben in 16 Sigungen, fammenstellung Aufschluß. Jm ganzen wurden die Sauerstoffappa- darunter 4 des Ausschusses, erledigt wurden. Außerdem fanden Rach telegraphischen Meldungen war die EIbe bei Barbh bis rate 113 mal erbeten. Dabei wurde Sauerstoff 115 erfrankten 3 öffentliche Versammlungen statt; davon eine in Hohen- Schön- he u te um Uhr morgens auf 486 cm gestiegen und steigt bei mäßigem oder berunglückten Personen und 2 erkrankten Pferden gereicht. Hausen, weil dieser Ort in gewerkschaftlicher Beziehung der Unter- Gistreiben langsam weiter. Die Weser war bei Minden um 7,55 Uhr Die Fälle betrafen: 75 allgemeine Erkrankungen, 22 Unglücks- fommission angegliedert ist. Durch die Verschmelzung mit Rummels morgens schon auf 272 cm gefallen und fällt weiter. Im Weser- und fälle und 20 Selbstmordversuche. Von den allgemeinen' burg wurde es notwendig, daß sich der Ausschuß verstärkte. Es sind Allergebiete herrscht Eistreiben. Verantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. " Basserstand Memel, Tuft Bregel, Insterburg eichiel, Thorn Dder, Ratibor Stroffen Frankfurt Landsberg Barthe, Scrimm Nebe, Bordamm 15e, Leitmeris am feit 9.2. cm am fett 8.2. Bafferstand 9. 2. 8.2. cm ¹) cm cm) Saale, Grochlit 882-24 Havel, Spandau Rathenow³) 86 +2 96 22 85 0 1587)-117 431)-83 1999)-2 -38+4 84)-2 114-28 1858)-9 823)+37 112+16 763)-1 70+6 1675)-141 150-210 4450)+12 Magdeburg 362+-2 Dresden Barby + bedeutet Buchs, Fall. Grundeis. Treibeis. Grundeis. Echtvaches Eistreiben. Spree, Spremberg) 178 Beeslow Befer, Münden Minden Rhein, Marimiliansan 342-18 Kaub Köln 448+39 503 34 Nedar, Heilbronn 124-16 Main, Wertheim Mofel, Trier 5) Unterbegel. 9 Starter Eisgang. Eisstand Startes