Wr.W. Ilbolintmtnü'BedJngnngen: taomemtntt• Preis(ramtmetanss I VierleliähÄ. 8,30 Mt, ttumatL 1,10 Mi, wöchenllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, EomuagS« nummer mil Muitrierlcr gottntagS. Beilage.Die Neue Weit» 10 Pfg, Posl- Wonnemenl: 1,10 Marl vro Monat. Smactragen w die Poll- Zeitungs- Krelsliiie, Unter Kreuzband für DeMichland und Oeflerreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. LoftabonnemeMS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Porlugah «uminten. Schweden und die Schwei» entti«, Ugiis illiei oostut. 26v Jahrg. Verlinev Volksblstk. 2entralorgan der foziatdcmokratirchen parte! Deutfchtands. Ol; InkrfloiiS'Gebüifr tetrigt für die scchsgelpaliene ilolonel. »eile oder deren Naum 50 Psg„ für doNtiiche und gewerklchastNche Vereins- Und Beriamnilungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleine Hnrcigen", das ersle(feit- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes iv euere Wort 10 Psg, Elellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erfie Wort 10 Pfz. jedes weitere ZZort 8 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferaie für die nächste Nummer müfjcn bis 5 Uhr nachniiltags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilion ijt bis 7 Uhr abendS geöffnet. Zelegramm-Adresie: „hsiiiiilitmslibil Sil»«". KedkKrion: SA. 68, Lindenetrasoc 69. Kerutvrecher: Amt IT, Nr. 1983, Darwin. 13. Februar 1809- 19. April 1883. Kein anderes Prinzip hat sich für die Wissenschast des letzten Jahrhunderts so fruchtbar erwiesen wie das der natür- lichen Entwickelung. Seine höchsten Triumphe feierte aber dieser Gedanke auf den Gebieten der Biologie und der Gesellschaftslehre in den Lehren von Charles Darwin und von Karl Marx. Es ist daher auch kein Zufall, daß sich so oft die Angriffe gegen den Darwinismus mit denen gegen die Sozialdemokratie vereinigen. So hat Professor Reinke in der unwürdigen Hetz- rede, die er am 10. Mai 1907 im preußischen Hcrrenhause gegen Haeckel hielt, den alten Vorwurf Virchows wieder auf- genommen und den Monistenbund als eine Organisation von Kräften bezeichnet, die.„analog dem Vorgehen der Sozial- demokratie auf wirtschaftlichem Gebiete, auf geistigem Gebiete umstürzend vorzugehen sich anschickt gegen das, was bisher in den Kirchen und Schulen aller Konfessionen gelehrt wird, ins- besondere gegen die christliche Weltanschauung, die nach§ 14 der preußischen Verfassung bei denjenigen Einrichtungen des Staates, die mit der Religionsübung im Zusammenhang stehen, zugrunde gelegt werden sollen". Vorsichtig hat es hier alle»dings der Herr Professor ver- mieden, gegen den Danvinismus selbst zu Felde zu ziehen; aber aus dem ganzen Zusammenhange geht hervor, daß er in der Tat die Entwickelungslchre, besonders in ihrer An- Wendung auf den Menschen im Auge hat, wenn er auf Haeckels unwissenschaftliche Verallgemeinerungen losschlägt und seinen erlauchten Hörern durch Berufung auf die Sozialdemokratie Grauen einzuflößen sucht. Freilich hat Haeckel ganz recht, wenn er sich gegen diese Nebencinanderstellung nach Kräften wehrt, und wir können ihm nur bestätigen, daß wir mit seinem„Monismus" und gar mit seinem„Monistenbund" nichts zu tun haben. Anderer- seits zeigen aber die Verfechter und Lobredner der bestehenden Gesellschaftsordnung doch eine richtigeWitterung, wenn sie auch dem Darwinismus nur mit dem größten Mißtrauen entgegenkommen. Zunächst ist es die Religion, die ihnen von beiden Mächten bedroht erscheint. Zwar verlangt die Sozialdemokratie als politische Partei nicht die Abschaffung der Religion, sondern nur ihre Erklärung zur Privatsache und der Darwinismus an und für sich führt, wie das Beispiel Darwins selbst zeigt, noch nicht notwendig zum Atheismus. Aber den Herren ist es ja auch nicht um die Religion als Befriedigung eines meta- physischen Bedürfnisses des einzelnen Menschen zu tun, sondern um die Erhaltung desKirchenglaubens als Hcrrschaftsmittel. Dieser wird aber allerdings durch die Darwinsche Lehre direkt bedroht. Als Napoleon den großen Mathematiker und Physiker Laplace fragte, welche Rolle er in seiner Weltcntstchungs theorie dem göttlichen Walten eingeräumt habe, soll dieser geantwortet haben:„Wir bedürfen dieser Hypothese nicht". In der Tat räumte die von Kant und Laplace aufgestellte Theorie mit der Vorstellung griindlich auf, als ob die Welt. so wie sie heute ist, durch einen göttlichen Machtspruch aus dem Nichts hervorgezaubert worden wäre. Noch aber blieb auch dann ein Bereich der Natur, das einen sichtlichen Bc- weis für eine außerweltliche, schöpferische Macht zu bieten schien: das Reich des Lebens. Besonders die hier überall zutage tretende Zweckmäßigkeit und Harmonie schien einen Schöpfer voraus zu setzen, der dem Lebenden die Zwecke setzte und es mit den Organen und Fähigkeiten ausstattete, um diese Zivecke zu erreichen und zu Verivirklichen. ES ist nun daS unsterbliche Verdienst Darwins, ge- zeigt zu haben, daß man auch auf diesem Gebiet organischer Zweckmäßigkeit der Hypothese göttlichen Waltens nicht bedarf, daß man auch hier mit den Faktoren auskommt, die uns aus der täglichen Erfahrung bekannt sind. Sehr richtig hat auf diese Bedeutung von Darwins Hauptwerk bereits sein persönlicher Freund, der berühmte englische Geologe Lyell, hingewiesen, indem er bei einer Versamnilung der geologischen Sektion der British Association im Jahre 1859 das Erscheinen der„Entstehung der Arten" mit den Worten ankündigte: „lieber diesen schwierigen und geheimnisvollen Gegenstand wird in sehr kurzer Zeit ein Werk von Mr. Ch. Darwin er- scheinen---- j11 welchem er zu der Schlußfolgerung ge- längt, daß diejenigen natürlichen Kräfte, welche Raffen und Permanente Varietäten bei Tieren und Pflanzen entstehen lassen, die nämlichen sind wie diejenigen, welche in viel längeren Perioden Spezies und in noch längeren Reihen von Jahr- lausenden Verschiedenheiten von Gattungswert hervorbringen." Ob die von Danvin aufgestellte und vcrfochtene Theorie der natürlichen Auslese im Kampfe ums Dasein richtig und zur Erklärung der Entwickelung ausreichend ist, tritt, wie er selbst wiederholt betont hat. gegcniiber der Wichtigkeit der Zrage. ob man mit übernatürlicher Schöpfung rechnen müsse. oder mit natürlicher Entwickelung. weit zurück. Dieser Nach- weis aber ist von Darwin erbracht worden und seither derart bestärkt und gekräftigt.daß er ernstlich nicht mehr angefochten werden kann. N"r in zwei Punkten suchen die Verteidiger einer gött- uaieu Weltschöpfung noch Stützen für ihre Anschauung. Sie behaupten die Unmöglichkeit der„Urzeugung" und die Gött- Uchkeit der menschlichen Seele. Nun ist es ja richtig, daß es uns noch nicht gelungen ist, Lebendiges aus Unbelebtem her- zustellen und wir Leben nur von Leben abstammen sehen; aber stellen tvir uns vor. ein wilder Voltsstamm. der die, Kunst deS Feuermachens durch Reibung zweier Holz- stücke noch nicht kannte, sondern jeden Feuerbrand an einem früheren anstecken mußte, hätte bereits die nötige Fähigkeit zu abstraktem Denken besessen, dann wäre bei ihm sichetlich die Vorstellung herrschend geworden, Feuer könne nur von Feuer abstammen und sei ursprünglich durch den Blitz vom Himmel auf die Erde gekommen. Heute erscheint uns eine solche Vor- stellung kindlich, weil wir schwedische Streichhölzer besitzen. Nichts schließt aber aus, daß unsere Nachkomincn dereinst dazu ge- langen werden, aus Unbelebtem Leben zu erzeugen. Was nun den zweiten Einwand betrifft, die ungeheure Kluft zwischen der Seele des Menschen und den Lebens- äußerungcn des Tieres, so haben tvir einsehen gelernt, daß einer nicht von Vorurteilen verblendeten Beobachtung diese Unterschiede viel geringer erscheinen, als manfrüher stets annahm. Auf der einen Seite haben wir Menschenrassen kennen gelernt, deren geistiges Leben tief unter dem des erwachsenen normalen Europäers steht, wir sind aber auch darauf aufmerksam ge° worden, daß der Geist des Kindes Stadien durchläuft, die mit dem der Tiere große Verwandtschaft aufweisen. Auf der anderen Seite haben wir aber auch einsehen gelernt, daß die Tiere durchaus nicht nur von blinden Instinkten geleitet werden, daß auch bei ihnen Verstand und Uebcrlegung viel weiter ausgebildet sind, als nian früher annahm. Selbst Sprache und Moral, die man so lange als ausschließliche Privilegien der Menschheit in Anspruch nahm, finden bereits im Tierreich ihre Vorstufen und Anlagen. So wurde an beiden Seiten die Kluft immer mehr verengt, bis sie endlich fast ganz geschwunden ist und auch hier die Erklärung durch natürliche Ursachen ihren Triumph feiert. Damit ist nun allerdings die Religion in ihrem innersten Kern getroffen. Nicht nur können wir heute die religiösen Vorstellungen bis zu ihren primitivsten Anfängen zurückver- folgen, die dem Wilden aller Wahrscheinlichkeit nach mit den höchst enttvickelten Tier-ni gemeinsam sind, wir müssen auch das religiöse Bedürfnis psychologisch zurückverfolgcn und finden seinen Kern in der instinktiven Angst vor im Dunkel der Nacht nahenden Gefahren. Aus dieser Angst hat sich die Gespcnsterfurcht entwickelt, diese aber ist die Quelle, der Ursprung aller Religion. Diese Theorie über die Entstehung der religiösen Bedürf- nisse und Vorstellungen hat zwar die Entwickelungslchre zur Voraussetzung, sie ist aber keine unmittelbare Folgerung aus ihr. und wenn die Pfaffen der verschiedenen Konfessionen gegen den Dartvinismus eifern, so haben sie auch nicht diese Theorie vor Augen, sondern den Widerspruch, in dem die neue Lehre unmittelbar mit dem althergebrachten Kirchen- glauben steht. In dieser Hinsicht ist aber der zitierte Ausspruch des strebsamen �errn Reinke ungemein bezeichnend, der an die In- tercssensolidarität zwischen Staats- und Kirchengewalt appelliert. Die Furcht vor Erschütterung der kirchlichen Autorität, dieser mächtigsten ideologischen Waffe der Klassenherrschaft gegen die Ansprüche und Angriffe der Arbeiterschaft ist aber nicht der einzige Grund, warum sich solch tiefes Dtißtrauen gegen die Darwinsche Lehre richtet und sie so oft in Zusanimcnhang mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie gebracht wird. Im ersten Augenblick müßte dies geradezu verwunderlich erscheinen, wenn man bedenkt, daß die liberale Wissenschaft niit solcher Energie versuchte, aus dem Darwinismus gegen die Sozialdeniokratie Kapital zu schlagen. Darwins Lehre vom Ueberleben der Passendsten im Kampf ums Dasein wurde in der Weise auf die sozialen Verhältnisse der Menschen angewendet, daß dieser Kampf aller gegen alle, das Lebens- Prinzip des Liberalismus, als die notwendige Vorbedingung der Entwickelung, des Fortschritts angesehen wurde. Jede Beseitigung, ja jede Milderung dieses Kampfes mußte zu all- gemeinem Stillstand und infolgedessen zum Rückschritt führen. Damit schien aber nicht nur jedes sozialistische, sondern auch schon jedes sozialreformcrische Streben vom erhabenen Stand- Punkt der Menschheitsentwickclung aus verurteilt. Der Sozialis- mus hatte sich nach der Ansicht dieses�Hcrrn auf Grund des Darwinismus als. naturwidrig und somit als verderblich und in seiner Durchführung unmöglich herausgestellt. Dabei war allerdings übersehen worden, daß in der menschlichen Gesellschaft der Kampf umS Dasein unter wesent- lich anderen Bedingungen vor sich geht als in der freien Natur. Die menschlichen Individuen treten einander nicht als einfache Naturwesen gegenüber, die Aussichten des Kampfes hängen ungleich weniger von den persönlichen Fähig- keitcn ab als von der sozialen Lage, in die der Mensch hineingeboren wird. Das Arbeiterkind, das die herrlichsten geistigen, moralischen und physischen Eigenschaften mitbringt. mag im Elend verkommen, während der degenerierte und stumpfsinnige Sprößling reicher und vornehmer Eltern viel- leicht zu den höchsten Ehren emporsteigt. Unter diesen Um- ständen von einer Auslese der Tüchtigsten im Kampf ums Dasein zu sprechen, ist die reinste Ironie oder Torheit. Aber auch in der Natur hat Darwin den Kampf ums Dasein nicht lediglich als ein gewaltsames Niederringen des schwächeren Rivalen durch den stärkeren äuf- gefaßt. Er selbst hat bereits in seinem berühmten Werk über die Abstammung des Menschen ausführlich darauf hingewiesen, daß bei gesellig lebenden Ticrgattungen der Zu- sammenhalt, die Solidarität, eine der wichtigsten Waffen im Kampf ums Dasein-bildet. Zu diesen Tierarten gehört aber in erster Linie der Mensch, dessen Entwickelung also nicht so sehr durch die Ausbildung seiner rein selbstsüchtigen Triebe und Instinkte gefördert wird, als durch die seiner Anlagen zu Cxpedttion: SM. SS, Lindenstraeec 69* Uernsprccher:«mt IT Kr. 1984. Sympathie, zu Solidarität. Dieser Gedanke wurde später bc- sonders von Krapotkiu in seinem schönen Buch über„Gegen- seitige Hilfe in der Entivickelung", von dem jüngst auch eine Volksausgabe erschienen ist, ausgeführt und begründet. Er zeigte, wie die gegenseitige Hilfe schon im Tierreich eine mächtige Rolle spielt in der Verteidigung und Weitcrcntwickelung, wie dieser Faktor aber gerade beim Menschen seine höchste Ausbildung und Bedeutung erlangt. Kautsky hat dann in seiner„Ethik" nachgewiesen, wie die Ausbildung der spmpathischen Gefühle durch die Wirtschaft- lichen Verhältnisse bedingt wird, insbesondere durch die Jntcr- cssengemeiuschaft innerhalb aufstrebender Klassen. Dem im Klassenkampfe stehenden Sozialdemokraten mußte dieser Gedanke nahe liegen. Sieht er doch täglich vor sich, wie die physischen, geistigen und moralischen Kräfte des Pro- letariats gerade durch die Organisation gefördert, gekräftigt und gehoben werden. Er mußte die völlige Haltlosigkeit der Lehre von der heilspcndcnden Wundermacht deS erbarmungS- losen Kampfes aller gegen alle am klarsten durchschauen. So waren die liberalen Vertreter der Zuchtwahllehre auf sozialem Gebiete auf ihrem eigenen Grund und mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Aber die Zuchtwahllchre selbst, auf die jene Argumente sich stützen, wird heute allenthalben in der Biologie angefochten. Die hauptsächlichen gegen sie prinzipiell erhobenen Einwände laufen darauf hinaus, daß sie nur die Verstärkung schon vorhandener Mcrkniale erklären könne, nicht aber deren erstes Auftreten, und daß sie gerade von dem charakteristischsten absieht, was die Lebensformen auszeichnet, die sie erklären will: vom Leben selbst, von der Tätigkeit der Organismen. Wie imnier man sich nun auch zu diesen Streitfragen stellen mag, die heute die theoretische Biologie beherrschen, so viel ist jedenfalls klar, daß man bei der Be- trachtung des Menschen, bei der Erklärung seiner Geschichte nicht außer acht lassen darf, daß er ein handelndes, tätiges Subjekt ist, das sich selbst Zwecke setzt und sie verfolgt. Freilich ist der Mensch in der Wahl dieser Ziele nicht frei, seine Entschließungen werden durch seine Lebens- läge und Umgebung bestimmt. Die Art dieses Zusammen- Hanges zivischcn der Zwecktätigkeit des Menschen und seiner Bestinimtheit durch die Umwelt, deren wichtigster Bestandteil wieder seine Nebenmeiischen sind, die ihm hindernd oder fördernd in den Weg treten, dieses ganze scheinbar unenttvirr- bare Netzwerk der sozialen Zusammenhänge hat uns die geniale Geschichtstheorie unseres großen Meisters Marx ver- stehen gelehrt. In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, diese bestimmen wieder ihr gesellschaftliches und damit auch ihr geistiges und moralisches Sein. Die Menschen sind keine Automaten. Sie handeln nach ihren Bedürfnissen. Diese aber werden ebenso wie die Mittel zu ihrer Befriedigung durch die Produktionsweise bestimmt. Die materialistische Geschichtsauffassung von Marx ist nicht, wie man oft behaupten hört, eine Anwendung von Darwins Zuchtivahllehre auf die menschliche Geschichte; sie steht vielmehr zu dieser, im Gegensatz, indem sie den Menschen nicht wie jene lediglich als Objekt blinder Naturkräfte, sondern zugleich auch als Subjekt zwecktätigen Handelns auf- faßt, und hierin zeigt sie ihre große Ueberlegenheit. Gemeinsam aber ist den beiden Theorien die Voraus- sctzung der Entwickelung. und diese ist es, die hier wie dort den Anwälten des Bestehenden ein unheimliches Grauen ein- jagt. Wer mit seinem Schicksal zufrieden ist, iver sich wohl fühlt, der möchte, daß es auch immer so bliebe, daß die Welt stille stehe. Sehr charakteristisch ist diese Stimmung des Ge- sättigtseins mit den Worten bezeichnet, die Richard Wagner den horthütcnden Drachen Fafner sagen läßt:„Ich lieg und besitze, laßt mich schlafen." Der Gedanke, daß es auch einmal anders werden könnte, hat da etwas Beängstigendes, was man sich gerne vom Leibe hält. Unsere heutige Bourgeoisie kann und will den Gedanken noch immer nicht fassen, daß auch die jetzige Wirtschaftsform, der heutige Staat nur eine Etappe auf dem Wege der Entwickelung seien. Deshalb ist ihnen auch der Darwinismus unheimlich und verhaßt. Denn dessen unsterblicher Kern ist nicht die Zuchtwahllchre. wie auch Darwin selbst erkaniite. sondern der Gedanke der natürlichen Entwickelung. der von keinem anderen Forscher und Denker mit solcher Energie und solchem Erfolg verfochten und zur bezwingenden Herrschaft gebracht wurde wie von ihm. lind deshalb steht Darwin uns so nahe, deshalb sympa- thisiert gerade die Arbeiterschaft so sehr mit seiner Lehre, die Klasse, die emporstrebt, die von der Entwickelung nichts zu fürchten hat und alles zu hoffen. Mögen sich die Besitzenden ängstlich an das Bestehende klammern. Uns gehört die Zukunft. der wir freilich nicht untätig entgegensehen. Die Eni- Wickelung weist uns unsere Bahn. Sie zeigt uns aber nicht nur das Ziel, sie gibt uns auch die Mittel an die Hand, das Ziel zu erreichen: die Solidarität der kämpfenden Klasse. Drum können wir niit froher Zuversicht dem Kommenden entgegensehen, dem Aufstieg aus� der dunklen Tiefe an das helle Licht des Sieges, und mit dem nrgcwaltigcn Seismos, dem Repräsentanten der unterirdischen Elementarmacht, in Goethes..Faust" sagen:. � ,zM n�vCirnnal noch irnt Kraft geichoben, •liiij- Mit den Schultern brav gehoben. „*, So gelangen wir nach oben, '"" Wo unS alle« weichen mub." IRekbsverbandstcbwindel. Unmittelbar nach der letzten Reichtagslvahl, im ersten Taumel seiner Siegesfreude, setzte der Reichsverband die Tatarennachricht in die Welt, der Sieg unseres Genossen B r e y in Hannover sei nur durch ein unerhörtes System von sozialdemokratischen Wahlfälschungen zu- stände gekommen. Brey hatte 36 113 Stinimen, sein reichsverbänd- lerischer Gegenkandidat Senator Fink 12 801 Stimmen, der Mittelständler Plate 12 ISO und der Welse Lutz 10 07S erhalten. Ein Wahl- Protest wurde angekündigt, so wuchtiger Tatsache» voll, daß sofortige Kassation des Brehschen Mandates zu erwarten sei. In der Tat strengten nicht weniger als zwei Rechtsanwälte ihren juristischen Scharfsinn an; aber in dem ellenlangen Protest waren wohl juristische Tifteleien— Ivo blieben jedoch die wuchtigen Tatsachen? Rechtsanwalt Heiliger, als stellvertretender Vorsitzender deS Wahlausschusses der nationalliberalen Partei, focht die Wahl an, weil mehr als 870 Wähler zu Unrecht nachträglich in die Wähler- liste aufgenommen seien: nach ß 3 des Reglements müßte jeder Wähler selber und zwar mit eigener Unterschrift den Anttag stellen, in Hannover seien diese Anträge vom national- liberalen und sozialdemokratischen Wahlausschüsse gestellt worden. Der nationalliberale Referent mußte selber beantragen, diesen von juristischer Unwissenheit triefenden Protest kurzerhand abzuweisen, und ohne Debatte stimmte die Kommission diesen» Todesurteil nationalliberaler Juristerei zu. Ein zweiter nattonalliberaler Rechtsanwalt und Reichsverbändler namens Kleinrath ging»»och gründlicher zu Werke. Um sein juristisches Licht von vornherein nicht unter den Scheffel zu stellen, bezog er sich auf den Protest Heiliger,„dessen Begründung er sich zu eigen macht". Mit welchem Erfolge, ist eben gesagt. Er stellte dann die Behauptung auf, die ganzen Wählerlisten müßten für ungültig erklärt werden, weil der Ma- gistrat sie nach den Steuerveranlagungslisten angefertigt habe, eine behördliche(das heißt polizeiliche) Feststellung des Alters, der Staatszugehörigkeit usw. aber unterblieben sei. Schon vom Ma- gistrat der Stadt Hannover mußte sich der juristtsche Reichsverbändler sagen lassen, daß die Wählerlisten diesmal genau so aufgestellt worden seien, wie bei allen früheren Wahlen, und daß sogar in den Fällen, wo Zweifel obgewaltet hätten, Stadtsoldaten und andere Beamten Nachkontrolle in den Häufen» geübt hätten. Auch hier passierte dem nationalliberalen Reichsverbändler das Malheur, daß der nationalliberale Refereirt— auch ein Rechtsanwalt— selber die Grundlosigkeit dieses Protestes hervorheben und dessen Abweisung beanttagen mußte, was die Kommission auch einstimmig beschloß, weil keinerlei Borschrist besteht. auf welchen Grundlagen die Wählerlisten anzulegen seien. Noch eine weitere blamable Zurückweisung mußte der reich?- berbändlerische Rechtsanwalt erfahren: mehr als 4000 Wähler— behauptet er— seien gegenüber der Wahl von 1906 mehr in die Wählerliste aufgenommen worden, weil„in die Listen des Jahres 1907 sämtliche Personen Aufnahme gefunden habe»», deren Namen von der Polizei 1906 aus den Listen ausgemerzt wurden". Nach den offiziellen Listen sind 1006 73 013 und 1907 81 813 Wähler in die Wählerliste eingetragen gewesen, also nur 2908 mehr und nicht, wie die reichsverbändlerische Wahrheitsliebe versichert,„mehr als 4000°. Ob aber die Polizei 1906 mit Recht diese„AuSmerzungen" vorgenommen und iu wessen Aufwage— darüber gleitet der Protest mit elegantem Stillschweigen hinweg. Aber der reichsverbändlerische Protest begnügt sich nicht mit all- gemeinen Behauptungen, nein, er reicht ganze Bände von Wählerlisten ein. sorgsam registriert nach den einzelnen Polizeirevieren, welche 13 070 Wähler nach Namen, Vor- namen, Beruf. Wohnung. Alter einzeln aufführen und angeblich die Namen derjenigen Personen enthalten,„welche in den Listen des Jahres 1907, nicht dagegen in denen des Jahres 1906 gestanden haben". Und der Reichsverbands-Rechtsanwalt besitzt die Ungeniert- heit, der Kommission zuzumuten, sie solle„mit Hilfe der königlichen Polizei in Hannover" Erhebungen über deren Wahlberechtig»lng veranstalten. Diese naive Zunmtmrg seiner reichsverbändlerische»» Partei- freunde ging sogar dem nationalliberalen Referenten zu weit. Er meinte, solche Erhebungen seien nicht Aufgabe der Kommission. Di- Ungeniertheit dieser Zumutung erhält aber ihr richtiges Bild erst, wenn man sich vergegenwärtigt, daß erst„von über 4000" die Rede war. und jetzt plötzlich Listen über 13 079 Wähler vor- gelegt werden. Und interessant wird diese Tatsache iveiter,»venu man sich fragt: wie so koinmt der reichsverbändlerische Protefterheber zur Abschrift dieser Polizciakten! Bereits in früheren Jahren hat der Reichstag eine solche Hilfe der Polizei zugunsten einer bestimmten Partei für unzulässig erklärt, der Protest behauptet auch gar nicht. daß er diese Listen von der Polizei erhalten habe, ganz iin Gegenteil, er versichert sogar zweimal— nnd zwar»vird diese auffallenderweise»viederholte Versicherung sogar unterstrichen— daß seine Ziffern„lediglich durch private Ermittelungen herbeigeführt sind". Auf welchem Privatwege hat der reichs- berbändlerische Prote st erHeber diese Abschrift der Polizeilisten erhalten? An der Beantwortung dieser Frage hat schließlich die hannöversche Polizei selber ein Interesse I Oder scheint ihr solch in,»ige Verbindung zwischen Reichsverband und Polizei nicht kompro- niittierlich? Der reichsverbändlerische Rechtsanwalt O. Kleinrath ist zwar sonst sehr gesprächig: er erzählte der Wahlprüfungskommission sogar. daß er Strafantrag wegen Beleidigung gegen das sozialdemokratische Organ«Der Volkswille" gestellt habe; er vergaß aber zu melden. daß eS weder zu einer Anklage noch zu einer Verurteilung ge- kommen. Und er glaubte vielleicht weiter Stimmung bei der Wahl- Prüfungskommission zu machen, wenn er beifügte, auch die S t a a t s- anwaltschaft habe sich veranlaßt gesehen, ihn um Angabe der behaupteten Wahlfälschungen zu ersuchen und das Polizei- Präsidium sei bereits in„Feststellungen über die vor- geko»nmenen Wahlfälschungen eingetreten". Nur schade, daß der schreiblustige Rechtsanwalt wiederum unterlassen hat mitzuteilen. daß der Staatsanwalt bis zur heutigen Stunde keinen Anlaß zum Einschreiten gefunden hatl Wahlfälschungen! Unmittelbar nach der Wahl erhob, wie gesagt, der Reichsverband ein fürchterliches Geschrei— was weiß der Protest, der doch wirklich nicht engherzig im B e h a u p t e n ist, darüber zu sagen? Er führt 28 Behauptungen auf; in 8 handelt es sich um an- gebliche Versuche, in 23 Fällen um angeblich vollendete Fälle. Und welcher Art sind diese angeblichen Wahlfälschungen? Da werden Wähler aufgestihrt, die am Wahltage im Kranken- Hause getoesen sein und angeblich nicht gewählt haben iollien. Von einzelnen ist bereits das Gegenteil nachgewiesen; andere baben erst eine a n d e r e W o h n u n g angegeben(als ob nicht bei jeder Wahl zwischen Listenaufsielluiig und Wahl soundsodiele Fälle von Wohnungswechsel vorkämen); andere sind angeblich polizeilich nicht gemeldet gewesen; ja sogar„ein völlig betrunkener Mann ist von sozialdemokrattschen Agitatoren zur Wahl geschleppt worden"— aber es ist konstatier»»vordei», daß es sich um einen schwerkranken Parteigenossen handelte, der seine Wahlpflicht trotz seiner Krankheit erfüllen wollte! Nicht ein einziger Fall ist mit Namen und Zeugen belegt, so daß ein gerichtliches Ein- schreiten»nöglich war— doch e i n Zeuge ist genannt: der reichsverbändlerische Agitator Antiquitäten- Händler A. Papenberg. Damit war's aber auch nichts: denn dieser Antiquitätenhändler ist inzwischen nach Amerika ver- duftet, weil er wegen Hehlerei und Schmierestehen beim Diebstahl eines PlatinkeffelS, dessen Urheber am 30. Januar 1900 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. den Boden im Laude deS Neichsverbandes zu heiß fand. Sonst wäre der Ehrenmani» in der Tat der würdigste Zeuge für die sozialdemokratischen Wahlfälschungen des Reichs- Verbandes gewesen. Vielleicht diei»t der Vorfall dem Herrn Rechts- anwalt Kleinrath, der natürlich von der Qualität deS von ihm be- nannten Zeugen keine Kenntnis hatte, doch zur Warnung und Vor- ficht gegen künftige Behauptungen seiner Verbandsgenossen. Nach diesem Zusammenbruch der reichsverbändlerischen Be- hauptungen von dem nur durch sozialdemokratische Massen-Wahl- fälkchuirgen erzielten sozialdemokratischen Siege in Hannover ist es erklärlich, daß der nationalliberale Referent selber die Gültigkeit der Breyschen Wahl beantragen mußte und daß die Kominission diesem Antrage einstimmig beistimmte. Das nennt man einen Reinfall I Kelch und arm im fahre IM. Die„Vergleichende Uebersicht über die Ergebnisse der Veranlagung zur Einkommen- steucr für 1907 und 1908" bietet wiederum interessante Zahlen. Wir geben daraus für heute folgende Ziffern wieder: Ein Einkoiilmen von weniger als 900 Mark be- saßen in Preußen 1908— die eingekla»n merten Zahlen geben die Zahlen des Jahres 1907 wieder— 17 9o7 848 (18842470) Personen oder 47,22(50,29) Proz. der Gesamtbevölkerung einschließlich der Familienangehörigen. Die Zahl derjenigen mit weniger als 900 M. Einkommen hat sich also wiederum vermindert, was freilich weniger auf die faktische Steigerung des Einkommens dieser Per- sonen, als auf die 1903 noch schärfer als im Jahre 1907 in Wirksamkeit tretende steuergesetzliche Bestimmung zurückzuführen ist, daß die Arbeitgeber den Steuerbehörden Auskunft über das Einkommen der bei ihnen angestellten Ar- beiter und Angestellten zu geben haben, sofern dies Einkommen nicht den Betrag von 3000 M. übersteigt. Es dürfte also nunmehr das Einkommen der nichtbesitzenden Klassen völlig erfaßt worden sein, was von den Einkommen von mehr als 3000 M. nicht im entfernte st en behauptet werden darf, fehlt doch vielfach jede Kontrolle zur Feststellung des wirklichen Einkommens. Trotz dieser für das Proletariat ungünstigen Um- stände enthalten die amtlichen Zahlen über die Einkommens- Verteilung in Preußen für das Jahr 1903 uneudlich viel Auf- reizendes und Erbitterndes! Es betrug nämlich das Gesamteinkommen der 16176000 Personen mit 900—3000 M. Einkommen 7345000000 M„ d. h. pro Kops 450 M.; dagegen das Einkommen der 1 916 000 Personen mit mehr als 3000 M. pro Kopf 2850 M. Oder, wenn wir das Einkommen auf die Z e n s i t e n ohne Angehörige berechnen, so besaßen ein Einkommen: 5 284 ö00 Zensiten mit bis 3000 M. pro Kopf 1390 M. 520000.... über 3000..„„ 10500„ Weiter: das Gesamteinkommen der Steuerpflichtigen. d. h. derer mit mehr als 900 M. Einkommen vermehrte sich insgesamt uin 1050 Millionen. Davon entfallen auf die 00 Proz. Zensiten mit weniger als 3000 M. Einkommen 750 Millionen— 71 Proz. 10 Proz. Zensiten mit mehr als 3000 Mk. Einkommen 300 Millionen— 29 Proz. 0,06 Proz. Zensiten mit mehr als 100000 Mk. Einkommen 63 Millionen— 6 Proz. Die Gruppe mit mehr als 100000 Mk. Einkommen ver- mehrte sich nur um 801 Köpfe, einschließlich der An- gehörigen, oder nur un» 235 Zensite«, ihr Einkommen aber um 63 Millionen Mark! Zum Schluß noch eine Zusammenstellung des preußischen Volkseinkommeris. Berechnen wir— e h e r zu hoch, als iu niedrig— das Einkommen der Bevölkerung mit weniger als >00 M. pro Zensiten für den Kopf auf 250 M., so ergibt 'ich folgendes Bild: Es besaßen: Prozent Gesamt» Prozent des der Bev ölkerung einkommmen Gesamteinkommens 47,2 4 500000000 M. 26 ;6lS 900M. Einkommen) 42,5 7 350000000. 42 ;900-3000 M. Eink.) 9,5 5 450000000. 32 'über 3000 M. Eink.) Wir werden auf diese aufreizenden Zahlen der Einkommen- 'teuerstatistik noch wiederholt zurückkommen. gas deutfcHranzöüsche Abkommen und die Presse. Paris, 10. Februar 1909.(Gig. Set.) Mit unbeträchtlichen Ausnahmen begrüßt die Presse aller Rich- tuvgen die formelle Beendigung des Marokkozwistes. Und die Be- riedigung selbst ist auch aufrichtig. Ma,» hat hier in weiten Kreisen die ganze Zeit mit heimlichen Angriffsplänen und Provo- kationsabsichten der deutschen Regierung gerechnet, so daß die jetzige Lösung eine wohltätige Nervenabspannui»g bewirkt. In den Kommentare»», die die Blätter zuin Text des Abkommens geben, treten allerdings die besonderen Partei- und Cliqueninteressen scharf hervor. Die regierungsfreundliche Presse hebt natürlich das Verdienst des Ministeriums, besonders Pichons, in den Himmel, unter gleichzeitigen Komplimenten für die deutsche Diplomatie, als ob es einer übermenschlichen Weisheit bedurft hätte, für eine ein- 'ache Sache eine einfache Formel zu finden. Daneben aber werden noch patriotische Akkorde angeschlagen über die Wichtigkeit, die die energische Haltung der Regierung in der letzten Affäre von Casa- blancg für dgs Zustandekommen der Vereinbarung gehabt hätte. Diese Akzentuierung der Notlvendigkeit einer„starken" Politik hat eine besondere Bedeutung in dem Augenblick, wo die großkapita- listischen Interessenten der Marine den Finanzminister dem aus- schtveifenden Flottenprograinm Picards die Bedenken eines be- drängten Verwalters entgegenhalten sehen. Es giltz zu vcir- hindern, daß die Friedensliebe der nun von der Unruhe befreiten demokratischen Massen den Profit der Kapitalmagnaten schmälere. Daß die wirtschaftlichen und Klasseninteresscn auch diesmal über die politischen Beziehungen entschieden haben, wird natürlich in der bürgerlichen Presse nicht ausgesprochen. Aus dem Phrasennebel von der„Weitsicht" und dem„guten Willen" der Regierungen ins Freie führt die Kritik, die Sembat in der „Humanite" in seinem schneidenden, knappen Stil gibt. Wenn zwei verfeindete Gutsherren ihre Kinder miteinander verheiraten, umarmt sich ihre Dienerschaft, die bis dahin einander mit den Fäusten gedroht hat:„Die Schneider und die Krupp sind in Nordafrika übereingekoinmen. Da ist cS nun recht, daß B ü l o>v und Clemenceau einander um den Hals fallen". Semdat weist auch darauf hin, daß die Konzession der Onenzo jetzt in der Kammer mit der Bedeutung eines diplomatischen Vertrags in Szene gesetzt werden kann. Die syndikalistische„Revolution" führt aus, daß der kürzlich zwischen Teutschland und Frankreich gc- schlossene Vertrag auf Kosten Marokkos zustande gekommen sei. Jetzt beginne die„friedliche Durchdringung" des Landes mit dem vereinigten deutsch-französischen Ausbeuterkapitalismus. Aber begrüßt werden müsse das Abkommen schon darun» lverden, weil es die Ablenkung der Massen von den sozialen Kämpfen mittels Erregung der patriotischen Gefühle einschränke. Die offiziösen und freiwilligen Regierungsblätter Deutschlands und Frankreichs, die einander jetzt in wechselseitigen Lobpreisungen der staatsmännischen Förderer des Abkommens überbieten, sprechen »»ur von einem Faktor nicht, dem gleich!»>ohl das entscheidende Verdienst an der Aufrechtcrhaltung des europäischen Friedens �zu- fällt: vom internationalen Proletariat, das den Rc- gierenden seinen Willen, das Verbrechen des Krieges zu verhinder»:, machtvoll kundgegeben und ihnen die hcilvolle Furcht vor den Folgen eines Krieges eingeflößt hat. Das deutsch-französische Abkommen ist kein diplomatisches Kunststück. Es ist eine Wirkung des fortschreitenden Kapitalismus und ein Anzeichen des fortschreitenden Klassenkampfs. politische(leberlicht. Berlin, den 11. Februar 1909. Fischfang und Stimmenfang. Aus dem Reichstag.(11. Februar.) Der Posten „350000 M. Subvention für Unterstützung der Seefischerei" führte heute zu einer fünfstündigen Debatte, weil der Agrarier Dr. Diederich Hahn diesen Anlaß ausnutzte zu einem Wahlstimmenfang im großen und darüber mit seinen frei- sinnigen Blockbrüdern in einen hitzigen Streit geriet. Hahn nahm mindestens 6 mal das Wort. Eine ähnliche Vergeudung der Zeit des Reichstages zum Privatzweck des Wahlstimmei, fanges ist überhaupt noch nicht dagewesen. Auch bei dieser Gelegenheit zeigte es sich wieder, daß die Sozial- demokratie die Zeit des Reichstages weit weniger in Anspruch nimmt als die übrigen Parteien, die dennoch beständig darüber stöhnen, daß zu viel geredet wird. Im Wahlkreise Otterndorf- Geestemünde ist die Geeste- münder Seefischerei domiziliert. Der Agrarier Hahn be- mühte sich nun eifrig nachzuweisen, welch warmes Herz er nicht nur für die Großgrundbesitzer, sondern auch für die Fischereikapitalisten hat. Well die letzten Jahre diese Gesell- schaften schlechte Geschäfte geinacht haben, verlangte er schlankweg die demnächstige Einführung eines Zolls auf See» fische fremden Fangs voi» 6 Mark für den Doppelzentner. Das hätte ja die für die Agrarier höchst angenehme Nebenwirkung, daß auch dieses Nahrungsmittel dem Volke ent- sprechend verteuert wird. Bis dies durchführbar sei, solle den Fischereigesellschaften eine Subvention von 2 Millionen Mark jährlich gegeben werden. Auch schlug cr vor, die fremden Seefische, die überall in Deutschland ein- geführt werden, einer Gesundheitsinspektion zu unterwerfen, was natürlich durch die dabei verbrauchte Zeit die Fische sicher dem Verderben aussetzen und dadurch die Einfuhr fremder Fische womöglich ganz hintertreiben würde. Diesen sauberen Plänen trat ein Vundesratsmitglied. Herr v. JonquiöxeS, zwar entgegen, aber bei »veiten» nicht mit der erforderlichen Schärfe. Er war nämlich dem Fischzoll prinzipiell durchaus nicht abgeneigt, trotzdem er selber»nitteilte, daß die Gesellschaften in früheren t ahren bis zu 20 Proz. Dividende verteilt hätten. Die von ahn geforderte Subvention aber würde für die Hauptgesell- schast auf ein Kapital von 5 Millionen Mark 400000 M. jährlich betragen. Die Reichssteuerzahler würden also den Gesell schaften das Kapital mit 8 Proz. verzinsen, ohne irgend ein Aequivalent dafür zu bekoinmen. Das ist jedenfalls die unverschämteste Forderung, die im Interesse des ausbeutende»» Kapitals je gestellt worden ist. Kräftiger als der Regierungsvertreter rechnete G o t h e i n (frs. Vg.) mit dem agrarischen Stimmenfänger ab, indem cr ihm die Ungereimtheiten seiner Behauptungen nachwies und den Widerspruch unterstrich, in den sich Herr Hahn durch seine gegen»värtigo Flottenbegeifterung mit seinem früheren Aus- spruch von dtt„gräßlichen Flotte" gesetzt habe. Genosse Stadthage n stellte fest, daß gerade Hahn und seine Freunde den Fischern die Produktionsmittel— Schiffe, Netze usw.— durch den Zolltarif verteuert hätten und sich so als deren ärgste Feinde erwiesen hätten. Stadt- Hägen verlangte auch, daß die Subvelition nicht den großen Kapitalisten sondern den kleinen Fischern zugute kommen solle. Schließlich artete die Debatte in ein Blockgezänk zwischen Hahn und den Freisinnigen F e g t e r und Stengel aus. die sich um die Wette bemühten, nachzuweisen, daß sie mehr als die Gegner für die Küstenbevölkernng Vorteile bei der Regierung herausschlagen würden und somit auch größeren Anspruch auf deren Stimmen hätten. In den Wahlkreisen Verden»md Stade werden jedenfalls zunächst diese Wahlreden als Köder ausgeworfen lverden. Morgen Fortsetzung— hoffentlich in etwas würdigere? Weise als nach der Methode Hahn. Beanstandung der Berliner Mandate. An» Donnerstag hat da? Abgeordnetenhaus beschlossen, die Mandate unserer Genossen Borgmann. Heimann, Hirsch und H o f f m a n n zu beanstanden und den Berliner Magistrat um eine amtliche Aukunft über die Art der Aufstellung der Wählerlisten zu ersuchen. Auch unsere Fraktion stimmte für den Antrag. Für uns kommt es daraus an. Klarheit zu schaffen; wir sehen mit der größten Seelenruhe der Antwort des Magistrats und dein endgültigen Beschluß des Ha»lses entgegen. Kassiert man die sozialdemokratischen Mandate, so wird schon allein die Tatsache. dah die auf Grund gleicher Listen gewählten freisinnigen Abgeordneten Berlins daS Dreiklastenparlament weiter zieren. für uns ein Agitationsmittel Hilden, für das wir Herrn Fischbeck und seinen Eideshelfern gar nicht dankbar genug sein können. Das Auftreten des Zentrumsredners Dr. Hager und des Nationalliberalen W i tz m a n n unterschied sich wesentlich von dem der konservativen und freisinnigen Heißsporne. Beide Redner be- mühten sich, ruhig und sachlich die Frage zu erörtern, deren Schwierig« keit sie ausdrücklich anerkannten; beide gaben den freifinnigen Ver- tretem Berlins deutlich zu verstehen, daß es, falls die sozial- demokratischen Mandate auf Grund der falschen Listen kassiert würden, Pflicht des politischen Anstandes sei, auf ihre Mandate freiwillig zu verzichten. Aber damit kamen sie bei Herrn Pachnicke, der für seine Parteifreunde eine Lanze brach, schön an. Politischer Anstand ist ein Begriff, den der Blockfreisinn nicht kennt; mit aller Energie protestierte Herr Pachnicke dagegen, daß mau seinen Gesinnungsgenossen so etwaS zutrauen könnte. Da er aber selbst einsieht, wie unangenehm den Freisinnigen die Suppe bekommen mag, die ihnen Fischbeck eingebrockt hat, suchte er sich dadurch aus der Affäre zu ziehen, daß er dem Hause den Rat gab, die sozialdemokratischen Mandate nicht auf Grund der Wähler« listen, sondern auf Grund des angeblichen T e r r o S zu kassieren! Wenn irgend etwas, so beweist die Rede Pachnickes, wie faul die Situation für den Freisinn ist. Dabei mußten es sich die Freisinnigen noch gefallen lassen, daß ihnen außer Herrn S t r o s s e r. der an seiner gestrigen Blamage noch nicht genug hat, auch Herr M a l k e w i tz, der Witzbold der Konservativen, zu Hilfe kam und sie immer tiefer hineinredete. Für unseren Genossen S t r ö b e l war es nicht allzuschwer, die sogenannten Gründe der konservativ-freisinnigen Bundesdrüder zu widerlegen und nochmals das Spiel aufzudecken, das sich hinter den Kulissen abgespielt hatte. Wie die um Fischbeck operieren, das lehrt die eine Tatsache, daß ein Mitglied der Wahlprüfungskommisfion, der Abg. W i tz m a n n, offen erklärte, er sei verblüfft gewesen, als er neulich die Mitteilung unseres Genossen Heimann hörte, daß gegen alle Berlmer Wahlen Protest eingelegt sei! Trotzdem bekam eS Fischbeck fertig, als Referent in seinem Schlußwort dem Hause zu erzählen, der Brief unseres Genossen Hoffmann, der die Wahlprüfungskommission auf den Protest des Leutnants Pohl aufmerksam machte, habe bei allen Mitgliedern zirkuliert. Wer hat nun recht: Herr Fischbeck oder Herr Witzmann? Solcher Unstiimnigkeiten gibt eS noch mehr.... Nach Erledigung der Wahlprüfungen beriet da? HauS den Justizetat, dessen Beratung am Freitag fortgesetzt werden soll. Außerdem stehen die Pfarrerbesoldungsgesetze in zweiter und das Lehrerbesoldungsgesetz in dritter Lesung auf der Tagesordnung._ Reichstagsauflösung oder Kompromiß? Die„Kölnische Zeitung" beschäftigt sich in einem aus Berlin stammenden, anscheinend halboffiösen Artikel mit der gegenwärtigen„innerpolitischen Lag e". Ter Artikel verdient deshalb besondere Beachtung, weil er erstens die um- laufenden Gerüchte über eine bevorstehende � Reichstagsauflösung schroff zurückweist, und zweitens als ziemlich sicher annimmt, daß es zwischen den Konservativen und der Re- gierung zu einer Verständigung über die Pachlaßsteuer kommen wird. Wörtlich sagt das Kölner Blatt: „Das Gerede über eine Reichstagsauflösung ist u n s i n n ig. Sie würde der so dringenden Finanzreform nicht vom Flecke helfen, sie würde der Regierung vermutlich eine iür eine verständige Reichsfinanzrcform noch ungünstigere Mehrheit bringen, und sie würde dem sogenannten Block und seinen Schöpfern den Stempel der politischen Unfähigkeit auf- drücken, weil sie es nicht verstanden, in einer Lebensfrage des Vaterlandes den richtigen Weg zu finden. Ehe glauben wir, daß die Konservativen bei sich Einkehr halten werden. Sie sind es, die die jetzige schwierige Lage der inneren Politik herbei- geführt haben, weil sie sich sperren gegen eine Vermögens- belastung, die der Reichs- und den Bundesregierungen und den liberalen Parteien annehmbar erscheinen könnte. Das Verhalten der.Kreuz-Zeitung", die mahnenden Artikel und Reden einzelner hervorragender Konservativen, die �Beschlüsse einzelner konser« vativer Vereine weisen auch deutlich darauf hin, daß hier der Kern zu einer Verständigung vorhanden ist, den selbst die Versammlung im Zirkus Busch, wenn sie eine reife Beurteilung unserer innerpolitischen Lage und der finanziellen Bedürfnisse des Reichs vermissen ließe, nicht wird zerstören können." Daß das Blatt nicht von einer„Ei n k e h r" der Re- gierung, sondern von einer„E i n k e h r" der Konservativen spricht, verstärkt nur den Eindruck, daß der Artikel halb- offiziösen Ursprungs ist; denn das Reichskanzleramt hat felstverständlich ein Interesse daran, so zu tun, als sei nicht die Regierung, sondern die konservative Reichstagsfraktion eigentlich die Nachgebende._ Kleber. Wir haben eS schon gestern als höchst wahrscheinlich bezeichnet, baß wenn die Nachlaßsteuer in der von der Regierung vorge- schlagenen Form fallen sollte, weder der Kanzler, noch der Reichs- schatzsekretär daraus die Folgerung ziehen werden, ihren Abschied zu fordern, da für Preußen-Demschlaud die subtileren politische» Ehr- begriffe anderer Staaten nicht gelten. Derselben Ansicht ist die klerikale.Köln. Bolksztg.", die sich folgende Verhöhnung Bülows und SydotoS leistet: „Aber Bülow müßte gehen, zum mindesten Shdow und Rheinbaben? Für den erstcren liegt kein Grund dazu vor. Von Shdow wünschten es vielleicht die Nationalliberalen, von Rhein- baben sind die Konservativen nicht mehr entzückt. Es hieß schon im Sommer, Bülow werde diesem bei der Reichsfinanzreform ein Bein stellen. Wenn Bülow das wollte, so hat er eS mit der Bekehrung RheinbabenS zur Nachlahsteuer geschickt gemacht. Die Konservativen wünschen heute Rheinbaben herzlich eine gut be- zahlte Direktorstelle. Im übrigen können die Herren einfach rasch wieder retour lernen. Das schadet doch in der Aera Bülow nichts mehr. Früher mußten mit den Ansichten in der Negierung auch die Männer wechseln. Heute gehen die Ansichten, ' und die Männer bleiben kalt lächelnd. Wie Revolutionen gemacht werden! Herr Major a. D. und Landtagsabgeordneter Strosser hat tn der Sitzung vom 11. d. M. wieder einmal die alte, tausendmal zerzauste Vogelscheuche aus der Rumpelkammer des Arsenals der , geistigen" Waffen gegen die Sozialdemokratie, die„gewaltsame Revolution" hervorgeholt, um politischen Kindern graulich zu machen und den Terror, den Konservative und Regierung den Beamten gegenüber üben, zu entschuldigen. Herr S t r o s s e r wird uns daher Dank wissen, wenn wir ihm authentisches Material zur Frage zur Verfügung stellen, wie Revolutionen zustande kommen. Wenn wir dabei die größte Re- volution von 1789 in Frankreich zur Unterlage nehmen, die am meisten von unseren Gegnern a la Strosser gegen uns ausgespielt wird, so beweist das jedenfalls ebensoviel Entgegenkommen, wie der Umstand, daß wir das authentische Material aus einem Urteilstenor eines König!. Preußischen Landgerichts nehmen. das zum Ueberfluß auch noch von einem königl. Oberlandes- g e r i ch t bestätigt wurde. Das Urteil ist ergangen gegen den jetzigen soziald. Landtagsabgeordneten Adolf Hoffmann vom Raum- burger Land- und Obec-Landgericht wegen der Broschüre„Die Sozialdemokraten kommen", durch welche Hoffmann die Kleinbauern und Landarbeiter zur gewaltsamen Revolution aufgereizt haben sollte. Beide Gerichte wiesen die Strafverfolgung ab und in der Begründung dieses im Namen des Königs von beiden Gerichten erlassenen Beschlusses heißt eS wörtlich: „Dieser durchgehends sich gleichbleibenden, unzweideutigen Ausdrncksweise kann der einzige Passus, der Schrift, welcher die Möglichkeit einer blutigen Revolution streift(S. 13), deshalb nicht ins Gewicht fallen, weil damit lediglich auf einen fixierten Ein- Wurf der Gegner der Sozialdemokralie hin die historische Tatsache konstatiert wird, daß die französische Rcvolnckou von 1789 durch de» Ucdcrmut und die Sittenverderbnis der Großen n»d die ge- wisscnlose Rechtsverletzung seitens des Adels«ranlaßt worden ist, daraus gefolgert wird, daß die Schuldigen das geerntet, was sie gesäet hätten, und endlich behauptet wird, daß die Vermeidung einer blutigen Revolution auch heutigen Tages nicht in den Händen der Sozialdemokratie, sondern in denjenigen der herrschenden Klasse liege. Aus diesem Passus der inkriminierten Druckschrift läßt sich um so weniger die Anreizmig zu Gewalttätigkeiten herauslesen, als gerade an dieser Stelle und im logischen Zusammenhange mit jenen Be- merkungen hervorgehoben wird, die Sozialdemokratie wünsche keine andere Revolution als die der Geister, nicht die blutige." Vielleicht liest Herr Strosser diese Erkenntnis königlich preußischer Gerichtshöfe einmal seinen FraktionSkollegen vor, und wenn er laut genug schreien kann, auib dem schwerhörigen Herrn M a l k e w i tz, der ja eigentlich aus seiner Jugendzeit noch einiges behalten haben sollte! Gelingt es HerrnS trosser, seinen Parteigenossen die Beachtung der oben angeführten Gründe ans Herz zu legen, so wird er sich von seinem Alpdrücken durch die„gewaltsame Revolution" selbst befreien. Tie unzufriedene Taute Voß. DaS ehemalige Revolutionsorgan in der Breiten Straße, daS jetzt nervös zusammenzuckt, wenn sich Arbeiter einmal in größeren Massen auf der Straße zeigen, will eS nicht wahr haben, daß die Nachkontrolle der Arbeitslosenzählung durch den Magistrat an den von Partei und Gewerkschaften gewählten«« seit Wochen st) ge- wählten— Termin gebunden sei. DaS Blatt schreibt: „In Wirklichkeit liegen die Dinge wesentlich anders. Der Magistrat hat die Arbeitslosenzählung auf den IS. Februar anberaumt. Sie erfolgt wie im November nach dem Meldesystem. Der Termin war lange vorher bestimmt. Er konnte mit dem Einzüge König Eduards am 9. Februar in keinerlei Zusammenhang gebracht werden. Die Sozialdemokratie aber hat das Bedürfnis empfunden, die von ihr für zweckmäßiger ge- haltene hausierende Zählung, die sie selbständig vornimmt, un- mittelbar vor der amtlichen Zählung zu veranstalten, obwohl doch, wenn die Zählung des Magistrats„kontrolliert" werden sollte, daS Natürliche gewesen wäre, die Kontrollzählung erst nach der amtlichen Zählung vorzunehmen. Somit kann nicht die Rede davon sein, daß zur Vorbereitung der Zählung die Arbeiter- Massenversammlungen just auf den Vormittag des Einzugstages angesetzt werden mußten. Was die alte Tante Voß doch schlau ist!— Eine genaue Kontrolle der Magistratszählung hätte sich nur am 16. Februar selbst vornehmen lassen. Da aber die Einsammlung der ausgefüllten Zähl- karten, die ohne Entgelt geschieht, von den Arbeitern nur in ihrer freien Zeit, d. h. an einem Sonntag, vorgenommen werden kann, stand die Arbeiterschaft vor der Wahl, den Zähltag entweder auf Sonnabend, den 13. oder Sonnabend, den 26. Februar, zu ver- legen. Man zog den 13. vor, weil nach alter Gewohnheit jeden Miltlvoch vor dem 15. der Zahlabend der Partei stattfindet und dieser sich so der beabsichtigten Arbeit gut einfügte. Die„Vossische Zeitnng" verschiebt aber die Sachlage, wenn sie fortfährt: „ES soll der Sozialdemokratie nicht der Vorwurf gemacht werden, daß sie die Ausschreitungen gewünscht habe. Aber wenn sie sie in der Tat nicht wünschen könnte, so ist zu bedauern, daß sie nicht verstanden hat, die Aufzuge, für die eine polizeiliche Ge- nehmigung nicht nachgesucht war, zu verhindern und den wüsten Exzessen vorzubeugen." Für die Mehrzahl der Blätter, die in diesen Tagen Entrüstung geheuchelt haben, hatte die? gar keinen Sinn, wenn sie nicht die Sozialdemokratie der Veranstaltung dieser Demonstrationen beschuldigen konnten. Selbst die Vossin hält jg noch für notwendig, zu betonen, daß für die Aufzüge eine polizeiliche Genehmigung nicht nachgesucht war. Warum das? Für etwas, was man nicht ver- anstaltet, nicht einmal wünscht, kann man doch'eine Genehmigung einholen I Was unsere Herrschaft über die Massen anbelangt, so haben sich alle aus Parteikreisen wirklich inszenierten Demonstrationen stets ohne Ausschreitungen abgespielt. Wo die Partei aber ihre Hand überhaupt nicht im Spiele hat. kann sie doch nicht die Zügel halten I_ Der Köhlbrandvertrag. In der gestrigen Sitzung der Bürgerschaft wurde über den Köhlbrandvertrag verhandelt. Bürgermeister OSwald als Vertreter des Senats gab einen Rückblick über die bisherigen Verhandlungen zwischen Hamburg und Preußen in dieser Frage. Er sagte, es befremde, daß man trotz großen Entgegenkommens Hamburgs im preußischen Ab- geordnetenhause mit neuen Forderungen hervorgetreten sei. die geeignet seien, das Zustandekommen des Vertrages zu gefährden. Hamburg, übernehme bei Annahme des Vertrages eine Verhältnis- mäßig größere finanzielle Last. Nachdem der Redner, der sich für den Vertrag aussprach, auf den Nutzen hingewiesen hatte, der mehr noch als für Hamburg für. den. gesamten deutschen Handel aus der vorgesehenen Regelung der Frage sich ergeben werde, empfahl er die Ueberweisung des Vertrages zur Prüfung an einen Ausschuß von 16 Mitgliddern. Ein dahingehender Antrag wurde einstimmig ange- n o m m e n._ Ein Reichsverbands- und Riiuberhauptmann. Der„Volkswille" zu Hannover berichtet: Im Hildesheimer Ge- fängniS in Untersuckmugshaft sitzt bekanntlich schon seit Mai v. I. daS schätzenswerte Mitglied des ReichsverbandeS Herr Papenberg, der als Obmann deS Reichsverbandes für die Nordstadt Hannover noch während der letzten Landtagswahl in Hannover und Linden förmlich aufging im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, soweit ihm seine um- fangreiche Räuber- und Einbrechertättgkeit, die sich so ziemlich über halb Europa erstteckte. Zeit dazu ließ. Da sein Gewerbe sehr einträglich war, konnte er sich den Kampf für die„Heiligkeit der Ehe und des Eigen- tlims". auf die er selbst höhnisch pfiff, unter dankbarer Anerkennung der Oberleitung des ReichöverbandeS auch einen schönen Batzen Geld kosten lassen. War der Postmarkendiebstahl in Burgdorf just vor der Wahlagitation doch besonders ergiebig gewesen. Leider hat die Staatsgewalt mit rauher Hand den ehrenwerten Herrn Papenberg mitten aus seiner patriotischen Arbeit heraus- gerissen, indem sie ihm wegen seines sozusagen kleptomanischen Sammeleifers einen festen Wohnsitz im Gefängnis anwies mit der Aussicht, ihn dauernd an sich zu fesseln. Gegenwärtig genießt Hildesheim die Ehre der Anwesenbeit des Jdealpatrioten. Inzwischen hat sich ergeben, daß zahlreicbs Einbrüche in allen möglichen Gegenden aus das Konto Papenbcrgs und seiner Mit- arbeiler kommen, außer dem Einbruch ins Postgebäude zu Burgdorf die Diebstähle der Platinkessel in den Hüttenwerken zu Oker und Freibcrg i. S. Wegen des letzteren Diebstahls ist ein Mit- angeklagter namens Liegkfeldt vor kurzem zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden und hat jetzt ein um- fassendes Geständnis abgelegt. Danach hat die Diebesbande nicht weniger als 25 schwere Einbruchsdiebstäble ausgeführt, wobei ihnen Beute im Betrage von über 166660 M. in die Hände ge- fallen sein soll. Nach dem Geständnis Liegkfeldts ist auch der Diebstahl der Orden im Welfenmuseum zu Herrenhausen, der seinerzeit berechtigtes Aufsehen erregte, das Werk dieses Reichs- verbändlers. Immer neue Fälle ergeben sich, und noch ist die Unter- suchung nicht abgeschlossen. Die einzelnen Straftaten werden die ver- schiedensten Gerichte in Deutschland beschäftigen, und die Ver- Handlungen dürften noch manche interessante Dinge über die viel- seitige Tätigkeit des sympathischen Herrn ergeben, dessen Zurück- ziehung vom politischen Leben für den Reichsverband neben dem Verlust der Mitarbeit des kongenialen Herrn Pepel einen schwer be- klagten Verlust bedeutete.� � liebet einen anderen Reichsverbands- Ehrenmann wird aus Dresden vom II. Februar gemeldet: Von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wurde der Werbeagent des Reichsverbands, der frühere Landwirt und Schriftsteller Joachim Kurts, wegen Urkundenfälschung und wiederholten RückfallsbetrugeS zu 3 Jahre ir Gefängnis und 5 Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. — Der Mann ist schon wiederholt wegen Betruges vorbestraft. Er trat in der Rolle von Offizieren a. D. auf und legte sich verschiedene adlige Namen bei. Die letzte Strafe batte er im April 1967 der- büßt. Durch Vermittelung des Schriftstellers W i e m a n n wurde er als Werbeagent des Reichsverbandes in Berlin und Magdeburg verwandt. In Magdeburg hat er zahlreiche Betrugsversuche ausgeführt. Er trug falsche Namen in die Zeichnungsliste des ReichsverbandeS ein, beschwindelte den bürgerlichen Presseverein in Leipzig und einen Hotelbesitzer in Dessan, ferner einen Beamten in Leipzig und einen Geistlichen in Leutsch bei Leipzig, auch einen Hotelbesitzer in Dresden.— Kurts beschwerte sich darüber, daß er von seinem Borgesetzten, dem Reichs- Verbandsgeneralsekretär L e u s s e n, sehr kurz gehalten wurde, so daß er in Not geraten sei._ Die Balkankrife. An die serbische Adresse. Wien, 11. Februar. Wie die„N. Fr. Pr." erfährt, wird in der serbischen Sache eine Entscheidung erst gegen das Frühjahr hin erfolgen. Alles hänge von Serbien selbst ab. Oesterreich-Ungarn werde alle rednerischen und ähnlichen Heraus- forderungen auch weiterhin ignorieren und werde erst dann zur Tat schreiten, wenn Serbien von Worten zur Tat schreiten wird. Der christlichsozialen„Rcichspost" zufolge steht ein diplomatischer Schritt Oesterreich-Ungarns bei den Mächten be- vor, welcher mit Rücksicht auf die fortschreitenden Kriegsrüstungcn Serbiens eine gemeinsame Vorstellung der Mächte in Belgrad bezweckt. Würden auch die Bemühungen der Mächte versagen, so bliebe nichts als die ultima ratio des Krieges, Oeftemich. Die Einberufung des RcichsratS. Wie», 11. Februar. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, soll der N e i ch s r a t zwischen dem 2. und?. März wieder einberufen werden. Der tschechische Landsmannminister Dr. Zacek hat seine Demission gegeben mit Rücksicht auf die Kritik, die vom Tschechenklub an dem Ministerium geübt wurde. DaS Demrssions- gesuch wird aber vorläufig nicht erledigt werden. Wahlrechtskampf in Kroatien. Agram, 16. Februar. Die oppositionellen Parteien in Kroatien veröffentlichen ein Manifest, in dem sie die Eiu- führung des allgemernen Stimmrechts und die Ein- b e r u f u n g des seit einem Jahr sistiertcn Landtages fordern. Zum Schluß wird in dem Manifest erklärt, daß die Oppositions- Parteien den Kampf gegen das gegenwärtige Regime, das sie als verfassungswidrig bezeichnen, fortsetzen werden. 'Magyarische Freiheit. Budapest, lt. Februar. Handeismmister Kossuth hat den Verkauf des sozialdemokratischen Parteiorgans „Nepszava" auf allen Bahnhöfen Ungarns verboten. fVnnKreich. Eine Amnesticdebatte. Paris, 11. Februar. Deputiertenkammer. Bei der VerHand- lung über die Amnestie für die wegen Ausschreitungen bei den Ausständen in Vigneux und Villeneuve bestraften Personen ver- langte Sembat(Sozialist) Ausdehnung der Amnestie auf Vergehen, die in Aeußerungen der Presse und in Reden gefunden wurden, das heißt auf Vergehen, des Antimilitarismus und des Antipatriotis- mus. Ministerpräsident Clcmenceau sprach darauf die Hoffnung auS, daß die Ausständigen schließlich einsehen würden, daß sie zu den Gesetzen und nicht zu Gewalt ihre Zuflucht nehmen müßten. Keine Regierung könne aber AntiMilitaristen begnadigen. Ebenso werde die Regierung die Wiedereinsetzung abgesetzter Beamten be- kämpfen und jedesmal die Vertrauensfrage stellen.(Bewegung.) Der Antrag SembatS wurde schließlich mit 373 gegen 66 Stimmen abgelehnt und sodann Artikel 1 der Vorlage angenommen� wonach für die bei den Vorgängen in Vigneux und bei allen Aus- ständen Beteiligten Amnestie eintreten soll. Lelglen. .Eine Bombcnaffäre. Brüssel, 16. Februar 1969.(Eig. Ber.) Vorige Woche haben Arbeiter— allerdings ohne vorher die Qualität ihres Fundes zu erkennen— in dem Brüsseler Vorort St. Josse eine Bombe aufgefunden, die mit gefährlichen Explosiv- stoffen gefüllt tvar. Nur einem wunderbaren Zufall ist es, nach Ausspruch der Jachleute, zu danken, daß die Arbeiter am Leben blieben und noch weiteres, schreckliches Unglück ungeschehen blieb. Die Polizei hat— einige Leute behaupten: natürlicher- weise— die Bombenleger noch nicht entdeckt, dagegen eine höchst eifrige Razzia gegen die hiesige russische Kolonie in- szeniert, an die sich übrigens hier wie überall verdächtiges Gesindel, Lockspitzel u. dcrgl. heranmacht, um unter der Maske irgendeines Revolutionarismus— sozialistisch oder anarchistisch gefärbt— Schwindeleien und noch Schlimmeres auszuführen. Die Bomben- verfertiget sind allerdings, wie die Vorgeschichte beweist, russischer Natioimlität— was im gegenwärtigen Zeitlauf zu allerlei Mut- maßungcn in den hiesigen revolutionären Kreisen Anlaß gibt. Die Vorgeschichte ist folgende: Am Mittwoch, dem Tag vor dem Bombsiifund, erschienen bei einem hiesigen Kaufmann zwei In- dividue». deren Aeußeres iveNlg vertrauenerweckend war. Trotz- dem forderte der Herr, der oft arme Studentei' unterstützt, die beiden selbst auf, einzutreten. Kaum im Zimmer angekommen, stellten sie ein ansehnliches„Paket" auf den Tisch, mit der Bc- merkung. daß sie von einem„geheimen anarchistischen Komitee" entsendet seien und„für Propagandazwecke" 3000 Frank fordern. Zur Bekräftigung ihrer Worte wiesen fie auf die Bombenkiste und hielten Herrn M. zwei Revolver entgegen, gleichzeitig die schrift- liche Aufforderung des„Komitees" vorweisend. Außerdem er- klärten sie ihrem Opfer, falls es ihre Forderung erfüllen, sie aber dann der Polizei anzeigen würde, daß seine„Exekution" von dem „Komitee" beschlossen sei! Herrn M. blieb angesichts der Revolver und der auf dem Tisch liegenden Bombe nichts anderes übrig, als sein Ehrenwort zu geben, am folgenden Tag— da er kein flüssiges Geld bei sich hatte— die Summe zu bezahlen. Einer der Revolver- Helden kam in der Tat am nächsten Morgen allein in das Bureau des Herrn M-, wo er einen Scheck aus 300» Frank erhielt. Die mitgebrachte Bombe wurde nun am nächsten Tag in einer Avenue von St. Josse gefunden. Der Wagemut, der darin liegt, daß der Abgesandte des an- geblichen Komitees allein in das Bureau ging, um seine Rolle bis zu Ende zu spielen, aber auch andere Merkmale, die darauf hindeuten, daß die beiden Individuen die hiesige russische Kolonie ausspionierten, legt den Gedanken nahe, daß es sich nicht um einfache Banditen, sondern möglicherweise um kleine A z e w s handelt. Daß die ganze Geschicklichkeit der Polizei und ihr Eifer um die Sache vor allem darin besteht, die russischen E m i- granten, die hier studieren und arbeiten, zu molestieren oder gar abzuschieben, und wieder einmal die„Retterei" gegenüber der drohenden„Revolution" zu spielen, kann diese Meinung nur der- stärken. Auch der heutige„Peuple" sieht in der Haltung der Polizei mehr ein Manöver, die revolutiönäre Bewegung zu schikanieren, als die Bemühung, die Banditen oder /�gents provocateurs aufzufinden, die möglicherweise und wahrscheinlicherweise ihre— Kollegen sind. Als einziges Resultat ergibt sich vorläufig nur. ins- besondere für unsere hiesigen russischen Freunde, sich vor den großen und kleinen AzZtvs in acht zu nehmen. In die OSsfentlichkeit gekommen ist sonderbarerweise die Sache vorerst durch die Renommage der betreffenden„Anarchisten", die anscheinend keine große Angst vor der Polizei haben. Kußlauck. Azew und Tatjana Lcontjewa. „Journal de Genöve" bestätigt die Mitteilung, daß Azew der Organisator des Attentates gegen den Rentier Müller in Jnterlaken war, das von Tatjana Leontjewa verübt wurde. Bekanntlich fiel SMller als Opfer seiner Aehnlichkeit mit den, russischen Minister Durnowo, der kurz vordem in Jnter- laken weilte. Obgleich von verschiedener Seite darauf hingewiesen wurde, daß Durnowo nicht mehr in Jnterlaken weilte, bestand Azew auf die Ausübung des Attentats. Er tat es bewußt und mit voller Absicht, denn ihm, dem Beauftragten des Polizei- dcpartements, war der Aufenthaltsort Durnowos gut bekannt. Er machte wissentlich falsche Angaben, um einen un- schuldigen Menschen von der Hand einer russischen Terroristin morden zu lassen, dmnit die öffentliche Meinung der bürgerlichen Klassen Europas sich gegen die russischen Revolutionäre wende. Tatjana Lcontjewa ist wie so viele andere das Opfer eines Schurken, eines Agenten der Zarenregierung geworden. Das grausame Urteil, das sie traf, darf nicht länger aufrecht- erhalten werden. Argentinien. Der Steuerstreik. Buenos Aires, 10. Februar. In R o s a r i o wurden gestern, wie die Zeitungen melden, im Verlause von Kundgebungen, die mit der dortigen Aufstandsbewegung zusammenhingen, zwei Personen getötet und mehrere verwundet. Der Ge- meinderat von Rosario hat die neuen Steuern außer Kraft gesetzt, in der Annahme, daß hierdurch die Gemüter be- ruhigt werden. Der Ausstand dauert an. Die Bevölkerung ver- langt, daß der Eemeinderat zurücktrete. Buenos Aires, 11. Februar. In Rosario plülcherte der Pöbel den Zentralmarkt. Die Börse ist geschlossen. Der G e- meinderat ist zurückgetreten. H119 der parte!» Parteiliteratur. Soeben erschien im Verlag von G- Birk u. Co. M. b. H. (Verlag der„Münchcner Post") in München: Schulz, Artur, Oekonomische und politische EntwickelungStendenzrn in Deutschland. Ein Versuch, die Autonomieforderung der süd- deutschen sozialdemokratischen Landesorganisationcn theoretisch zu begründen. l>5 S. Preis 1,20 M. Zu de» Stadtverordnetenwahlen in Offenburg. Die Mann- h e i m e r„ V o l k S st i m m e" hat bemängelt, daß dem„Vorwärts" über die Stadtverordnetenloahlen der 3. Klasse zu Ossenburg ge- meldet wurde, daß der sozialdemokratische Stimmzettel auch Name» aus dem demokratischen Lager enthielt, während in Wirklichkeit neben neun Sozialdemokraten und vier Demokraten auch fünf ausgesprochene Nationalliberale darauf standen. Wir finden das leider bestätigt. Anläßlich des Essener Falles haben wir kürzlich erklärt, daß in Aus- nahmefällen. wenn es sich darum handelt, eine dringende Gefahr— z. B. die absolute Mehrheit einer mit besonders nieder- trächtigen Mitteln kämpfenden Partei— zu verhindern, ein S t i ch- Iv a h l a b kam m e n mit den Nationalliberalen erträglich sein kann. Ob solche dringende Gefahr in Offenburg vorlag, ist uns nicht be- kannt. Indes ist das Zusammengehen mit Nationalliberalen im ersten Wahlgange unter allen Umständen zu verwerfen. Unsere Toten. Brüssel, 10. Februar.(Eig. Ber.) Gestern ist in seinem Heimatsort Ensival der sozialistische Deputierte des Jndustricbezirks Vervicrs. Jean Ma° l e m p r e. im Mter von 50 Jahren gestorben. Fast 15 Jahre hat Malempre der belgischen Kammer angehört. Seine sachlichen Budgetreden wurden sehr geschätzt. Es fehlte übrigens seinen Ausführungen an der richtigen Stelle nicht an scharfen Anklagen und beißendem Witz. Wie so viele andere der tüchtigsten Mitglieder der belgischen Partei, war auch Malempre Autodittat und hat sich durch emsiges Studium vom einfachen Weber zu einem Führer des belgischen Proletariats hinauf- gearbeitet, der über ein erhebliches Wissen verfügte. In seiner Vaterstadt Ensival hat er das Amt eines Gemeinde- und Stadtrats und eine Zeit auch des Bürgermeisters be- kleidet. Aber weder die parlamentarische Würde noch die anderen Würden hatten sein einfaches Arbeiterlcben verändert. Er blieb immer der ehemalige Weber, der in seinen neuen Aemtern nur die Pflicht zu neuem Streben sah. Der schmerzliche Verlust trifft die Partei ziemlich unvermutet. denn noch in der letzten Woche brachte der„Peuple" beruhigende Nachrichten über den Gesundheitszustand Malcmpre's., In der Kammcrsitzung vom Dienstag hielten der Präsident N c r i u x wie der Minister.H e l l e p u t t e Nachrufe, worin beide Leranttv. Redakt.: EarlWermuth, BerMNixdorfTJnsörate verantw� die Tüchtigkeit solvie das ernste Streben des Verstorbenen rühmend hervorhoben. Für die Sozialisten sprach Genosse P e P i n. Die Kammer wird wohl, wie sie das in früheren ähnlichen Fällen schon getan hat, der alten Mutter Malcmpre's eine Pension zukommen lassen. QoUzriltcbes, OericbtUcbca ufw, Die Autorität über alles. Wegen Beleidigung eines Hilfsgerichtsdicners wurde Genosse Bartels- Chemnitz zu 20 M. Geld st rase verurteilt. Er hatte sich„den Unteroffizierston" des Hilfsgerichtsdicners ver- beicn. Diese Verwahrung wurde als eine schwere öffentliche Be- leidigung des Beamten angesehen und im Interesse der gefährdeten Staatsautorität stellte der Gerichtsvorstand Strasantrag. erhob die Staatsanwaltschaft im öffentlichen Interesse Ofsizialklage und tagte die Strafkammer des Landgerichts Chemnitz! Ja, in Deutsch- land. hat der Bürger nicht aufzumucken, wenn er von Beamten angeschnauzt wird._ 6e wer h Feh aft lieber Ein Tarifbruch ber Unternehmer. Zwischen dem Arbeitgeberverband im Jsoliergewerbe für Ham- burg-Altona einerseits und den organisierten Isolierern anderseits ist im vorigen Jahre ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen worden. welcher bis um 1. April 1910 Gültigkeit hat. In diesem Tarif ist die Akkordarbeit nicht erwähnt, da nur in Lohn gearbeitet werden sollte. Die Unternehmer verlangten allerdings beim Abschluß des Tarifes die Anerkennung der Akkordarbeit oder— da die Isolierer durchaus dafür nicht zu haben waren— die Aufnahme einer Mindcstleistungsklauscl in�den Tarif. Da die Isolierer es nicht zum äußersten komen lassen wollten, entschieden sie sich für die Leistungsklausel. Die Unternehmer aber betonten beim Abschluß des Tarifes, sie wollten nun einmal„eine Zeitlang Ruhe haben" und wurde auf ihr Verlangen, der Tarif bis 1. April 1910 ab- geschlossen. Dieses Ruhebcdürfnis war aber, wie die Tatsachen jetzt lehren, nur von sehr kurzer Dauer. Es irährte nicht bis zu dem Zeit- pnnkt, an welchem der Tarif mit beiderseitiger Zustimmung sein natürliches Ende erreichte, sondern nur bis zum Eintritt der schlechten Konjunktur. Am Anfang des vorigen Monats traten die Unternehmer plötzlich mit dem Ansinnen an die organisierten Isolierer heran, einem von Arbeitgeberseite einseitig zusammen- gebrauten Akkordtarif ihre Zustimmung zu geben, welcher für die Arbeiter völlig unannehmbar war. Dieses Verlangen wurde aber von den Isolierern mit dem Hinweis zurückgewiesen, daß— wenn sie nach Ablauf des Tarifes 1910 einem Akkordtarif ihre Zustim- mnng geben sollten— dieser dann mindestens unter Hinzuziehung einiger Sachverständigen ans den Kreisen der organisierten Jso- lierer ausgearbeitet werden müßte. Unter keinen Umständen aber würden sie jemals einen Tarif anerkennen, welcher ganz einseitig von einigen Kaufleuten ausgearbeitet ist, von denen die Mehrzahl auch nicht im entferntesten eine Ahnung von'der praktischen Aus- führung dieser fortgesetzt mjt Lebensgefahr verbundenen schwic- rigen Arbeit haben. Als die Unternehmer auf diesem Wege ihr Ziel nicht er- reichten, begingen die Herren ganz ungeniert und offen Ver- tragsbruch. Durch Plakate, welche sie in den Bureaus an- schlugen, machten sie in der letzten Januarwoche bekannt, daß alle diejenigen Isolierer, welche bis Montag, den I. Februar, den von ihnen ausgearbeiteten Akkordtarif nicht unterschriftlich anerkannt haben, sofort entlassen würden. Der Erfolg blieb aber auch hier für die Unternehmer gänzlich aus. Diese Drohung machte auf die Isolierer absolut keinen Eindruck. Sie ließen sich lieber aufs Pflaster werfen, ehe sie sich durch Unterzeichnung eines der- artigen Tarifs die Lohn, und Arbeitsbedingungen,- die jetzt schon überaus traurig sind, noch mehr verschlechtern ließen. Der hinterlistige Wortbruch aber, wie er hier von den Hmn- burgcr Unternehmern gegen organisierte Arbeiter verübt wurde, wird von den organisierten Isolierern Deutschlands nicht so ruhig hingenommen werden. Es kommen hier Firmen in Frage, welche über ganz Deutschland verzweigt sind und mit denen die Organi- sation der Isolierer in den meisten Orten Tarife abgeschlossen hat. Wenn nun aber in den Filialen dieser Firmen in dieser Weise gegen Treu und Glauben gehandelt wird, dann sind die Inhaber dieser Firmen, wenn sie es ruhig geschehen lassen, auch für die Folgen verantwortlich, die ein derartiges frivoles Vor- gehen ihrer Vertreter zeitigen muß. Welchen Wert kann das schriftlich gegebene Ehrenwort eines Unternehmers bei den Arbei- tern überhaupt noch haben, wenn es von diesen bei der ersten Ge- legenheit gebrochen wird? Wie uns aus Hamburg mitgeteilt wird, soll der Vorstand des Zcntralvcrbands der Jsolierfirmen Deutschlands, welcher seinen Sitz in Berlin hat, den Tarifbruch in Hamburg nicht nur gut heißen, sondern derselbe soll sich sogar mit dem Plan beschäftigen, eine allgemeine Aussperrung der organisierten Isolierer Deutschlands in die Wege zu leiten. Wir wissen zwar nicht, ob es sich'oabei vielleicht nur um einen Schreck- schuß der Hamburger Unternehmer handelt, die durch solche Nach- richt einen Druck auf die Arbeiterschaft auszuüben versuchen, oder ob die Unternehmer sich wirklich mit diesem GebSnken tragen. Jedenfalls aber müssen die Isolierer auf alles gefaßt sein. Wenn aber auch der Arbeitgcberverband diesem Tarifbruch der Ham- burger Unternehmer die Krone aufsetzen wollte und eine allgemeine Aussperrung unter neuen Tarifbrüchen inszeniert, so ist doch zweifelhaft, ob die anständigen Firmen diesem Verlangen nach- kommen würden. Wenn das aber auch der Fall sein sollte, dürften die Isolierer Deutschlands bei ihrem Zusammenhalt trotzdem in kurzer Zeit als Sieger aus diesen, Kampf hervorgehen. Die Folgen des- selben aber werden diejenigen zu tragen haben, die in frivoler Weise diesen Kampf anzettelten. Die Isolierer Deutschlands aber werden, wenn es zu einem solchen Kampf kommen sollte, die Shm. pathie der ganzen organisierten Arbeiterschaft auf ihrer Seite haben. Dieses Bewußtsein wird sie darin bestärken, jedes Unehren- hafte Ansinnen von feiten des Arbeitgeberverbandes ganz ent- schieden zurückzuweisen! LerUn und Umgegend. / Achtung, Holzarbeiter! Di- vom 14. Februar ab eintretende Arbeitszeitverkürzung von 52 auf 51 Stunden pro Woche beabsichtigt die Freie Vereint. gung der Holzinduriellen auf die Vesperpausen zu verteilen. Die Berliner Verwaltung des Deutschen Holzarbeiterverbandes steht demgegenüber auf dem Standpunkt, daß die Verkürzung von der Arbeitszeit am Sonnabend in Abzug gebracht werden sollte. Jeden- falls entspricht das Vorgehen der Freien Vereinigung nicht dem Wortlaut des Vertrages, der die Verkürzung der Arbeitszeit der freien Vereinbarung der Parteien überläßt, die einseitige Beschlußfassung jedoch eine freie Vereinbarung nicht zuläßt. Die Verwaltung hat in einer am Dienstag stattgefundeneu Sitzung der Schlichtungskommission versucht, eine den Wünschen unserer Kollegen entsprechende Vereinbarung herbeizuführen. Da sich die Unternehmer unseren Vorschlägen gegenüber ablehnend verhielten, muß das Einigungsamt, das heute, Freitag, zusammen- Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt tritt, über die Verteilung der einen Stunde entscheid««. werden den Spruch des EinigungSamteS, sobald er gefällt ist, den Kollegen zur Kenntnis bringen. Die OrtSverwaltunv. Die Markthallenarbeitcr und die Demonstratio«. Wir erhalten folgende Zuschrift: Verband der Gemeinde- Berlin LO. 16, den 10. Februar 1909. und Staatsarbciter. Geehrte Redaktion? Unter den im„Vorwärts" erschienenen Berichten über die Arbcitslosendemonstrationcn am Dienstag geben Sie� einer Notiz Raum, welche anscheinend polizeilichen Ursprungs ist. Es wird darin behauptet, daß die Arbeiter der Zcntralmarkthalle sich einem Zuge von Demonstranten entgegengestellt und diese „mit Besenstielen und Schaufeln" auseinander getrieben hätten. Diese Behauptung ist von A bis Z unwahr; denn unsere im Dienst befindlichen Kollegen der Zentralmarkthalle hielten sich gerade zur fraglichen Zeit in ihrem Spciscraum auf. Die in unserem Verbände organisierten Arbeiter der Zentral- Markthalle autorisieren uns aber auch zu der ferneren Er- iläru.ig, daß sie s-<� niemals zu so zweifelhaften Diensten gegen- über notleidenden Arbeitslosen, wie ihnen im angezogenen Bericht nachgesagt, mißbrauchen lassen würden. Sie bittend, von Vorstehendem im„Vorwärts" Notiz nehmen zu wollen, zeichnen Mit Hochachtung und Parteigruß Ortsverwaltung Berlin, SO. 16, Engelufcr H Emil Wutzky, Bevollmächtigter. In einigen Blättern wurde übrigens gemeldet, es handle sich um Schlächtergescllen, die in der Zcntralhalle tätig waren. Auch das scheint nicht zu stimmen. Wenn sich überhaupt Zivilisten den Demonstranten entgegenstellten, waren es vermutlich jene Nicht- Gentlcmen in Ziviltleidung vierter Garnitur, die— wie in dem Prozeß wegen der sogenannten Brotkralvalle in Berlin im Jahre 1892 gerichtlich festgestellt wurde— leider in den Arbeitslosen- Versammlungen eine große Rolle spielen. Deutfdieg Reich. Ein neuer Tarifvertrag im Malergewerbe. Nach s cchs m on a t lich c n Verhandlungen ist enÄ- lich ldas Ziel erreicht worden, für den Malerberuf in Görlitz einen Tarifvertrag zum Abschluß zu bringen. Vor IVs Jahren mutzten die Gehilfen einen ncunwöchcntlichen hartnäckigen Streik um einen Lkarif führen. Damals sträubten sich die Meister mit aller Energie dagegen; sie wollten unbedingt an ihrem Selbst- bcstimmungs recht festhalten und waren allen Vorstellungen gegenüber unzugänglich, selbst die größten materiellen Opfer konnten sie nicht von ihrem überlebten Standpunkt abbringen. Leicht war es auch jetzt nicht, zum Ziele zu kommen, das beweist die lange Zeitdauer der Verhandlungen, bis cndli chdie Einsicht siegte, daß die Tage nun einmal vorbei sind, wo die Arbeitgeber allein Lohn- und Arbeitsbedingungen festsetzten. Der Tarifvertrag, der nunmehr zwischen dem Zentralverband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. und dem Arbeitgeberverband der Maler abge- schlössen ist, setzt unter anderem fest: Eine zehnstündige tägliche Arbeitszeit: 43 Pf. Stundenlohn für Gehilfen über und 39 Pf. für Gehilfen unter 20 Jahren. Anstreicher erhalten 38 Pf. die Stunde. Für Ueberstunden wird ein Zuschlag von 10 Pf., bei Nacht- und Sonntagsarbcit ein solcher von 20 Pf. die Stunde ge- zahlt. Die Auslösung bei Landarbeit beträgt täglich 1,50 M. Bei etwaiger Akkordarbeit ist> der Stundenlohn zu garantieren. Die Ueberwachung des Vertrages erfolgt durch Vertreter der Gehilfen- und der Arsseitacberorgamsation. Der Ta�iwertrao hat ein Jahr Geltung._ Gewerbegerichtswahl in Leipzig. Am Montag und Dienstag erfolgte in Leipzig die Vertreter- Wahl zum Gewerbcgericht zum ersten Male unter dem Proportional. Wahlsystem. Das Proportionalwahlsystem ist auf Verlangen der nationalen Arbeitervercinigung eingeführt worden. Da es auch für die Unternehmer gilt, so haben die Leipziger Arbeiter unter dem neuen Wahlsystem einen achtungswerten Erfolg zu verzeichnen, indem sie zum ersten Male 5 Unternehmerbeisitzer und 2 Stellver- treter bekamen. Von den 45 Vertretern entfielen auf die Jnnungs. liste 40 Beisitzer und 12 Stellvertreter, auf die der freien Unter- nehmer 5 Beisitzer und 2 Stellvertreter. Bei der Arbeitervertreter- wähl wurden 20 270 Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Ge- werkschaftskartelliste 18 895 und die Liste der nationalen Arbeiter 1375 Stimmen. Das Gewerkschaftskartell erhält 42, die natio- nalen Arbeiter 3 Beisitzer. So kommt für die Leipziger Arbeiter. schaft bei der Proportionalwahl noch ein Plus von 2 Sitzen im Gewerbegericht gegen früher heraus. Zu der Abrechnung des Bergarbeiterverbandes ist berichtigend zu bemerken, daß diese sich auf das v o l l e Kalender- jähr erstreckt.— Der Irrtum war dadurch entstanden, daß die Ab. rechnung der Firma Hansmann u. Co., auf die die Grundstücke usw. dcS Verbandes eingetragen sind, an erster Stelle veröffent- licht wurden. Diese umfaßt nur 11 Monate, während die darunter befindliche Abrechnung des Verbandes keine Zeitangabe aufwies. Streik der Militärsattler in München. Die in der Militäreffektenfabrik von Weill u. Co. in Müiuhen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen haben sämtlich die Arbeit niedergelegt. Die Veranlassung dazu war hauptsachlich der Um- stand, daß die Finna die bisherigen Akkordsätze kürzte und die Ver- trauenSleute entließ. Diese Entlassung sahen die Arbeiter als eine Maßregelung an und beschlossen in einer Versammlung den all- gemeinen Streik. In Betracht kommen 120 Arbeitnehmer. Ausland.« 2000 Hutmacher ausgesperrt. In der Hutfabrik G. Borsalino in Mexandria(Picmvnt) sind am 4. Februar sämtliche Arbeiter, mehr als 2000, ausgesperrt worden. Diese Maßnahme, die eine vorzüglich organisierte Ar- beiterschast betrifft, hat folgende Vorgeschichte: Im September vorige:? Jahres schloß die Firma Borsalino mit dem Zcntralverband der Hutniacher. Lokalverwaltung Alexandria, einen Tarifvertrag ab, in welchem beide Parteien sich verpflichteten, daß in der Schwarzfärberei 16 AiBeiter beschäftigt sein sollen für einen Tage- lohn von 4 Lire; es sollten mindestsris 16 Färbungen am Tage geliefert und für jede weitere Färbung 4 Lire extra gezahlt werden. in die sich die Arbeiter zu teilen hätten. In der Praxis erwies sick* daß die Arbeiter nicht die gewünschte Zahl von Färbungen zu liefern vermochten. Angesichts der den Erwartungen nicht entsprechenden Arbeitsleistung äliderte die Firma ohne Rücksprache init dem Zentralverba??d den Tarifvertrag, indem sie den Tagessatz der Produktion beibehielt, die Zahl der Arbeiter aber auf 14 herab- setzte und den Tagelohn auf 4,25 Lire erhöhte. Darauf traten die Arbeiter der Färberabtcilung in den Streik. Nunmehr erklärte die Firma, ohne die Färber ihren Betrieb nicht aufrechterhalte?? zu können und sperrt: die gesamte Arbeiterschaft aus. �et2te JVadrncbten und DepeFcben. Ein erfreulicher Fortschritt. Frankfurt a. M., 11. Februar.(Privatdepesche des„vor- wärts".) Bei der heutigen Kaufmannsgerichtswahl entfielen auf die Liste des Zrntralverbandcs ber Handlungsgehilfen und -gehilfinnen 234 Stimmen. Auf dieselbe entfallen 3 Beisitzer. Bei der. Wahl im Jahre 1907 wurden 132 Stimmen abgegeben, worauf 1 Be'itzcr entfiel._____. Zaul«inger L-Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.ynterhaltuagSdl. Nr. 86. 26. Iahrgllllg. 1 Mm des„ilotiuitls" Sttliutt Jlolliüliliitt. Freitag. 12. Fewm 1909. Reichstag. 204, Sitzung Vom Donnerstag, den 1!. Februar XSnfl, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: von Bethmann-Hollweg. S h d o w. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste und zweite Aeratung eines sechsten Nachtrags zum Reichshaushaltsetat sür 1308. Gefordert werden"IVe Millionen Mark zur Verzinsung mehr ausgegebener und neuer Schatzanweisungen und 1 718 329 M. zur Ausführung der Berufs- und Betriebszählung im Jahre 1907. (Diese Zählung kostet dann im ganzen b 034 918 M.) Abg. Speck(Z.): Wir haben ein ganz gewaltiges Anlvachscn der Rcichsanleihen und der Schatzanweisungcn gerade in den letzten Jahren zu verzeichnen. Es bestand ursprünglich nicht die Absicht. Schatzanweisungen anders als zur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel zu verwenden. Trotzdem zwingt uns die Notlage des Reiches, der Forderung zuzustimmen. Auch der zweiten Forderung iverden wir zustimmen; wir halten es für richtiger, dasi diese Mittel, die durch die Berufs- und Betriebs- zählung nötig wurden, jetzt in einem Nachtragsctat gefordert werden, als daß bis zum ordentlichen Etat gewartet wird. Abg. Ortel(natl.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu der Vorlage und fragt, ob nicht der Kriegsschatz von 120 Millionen als Unterlage der neuen Schatzanweisungen mit herangezogen werden könne. Rcichsschatzsekretär Sybow: lieber den Kriegsschatz darf nur im Kriegsfälle verfügt werden; auch stehen diesem Geldschatz ja Reichs- kassenicheine als Gegengewicht gegenüber. Abg. Kampf(frs. Vp.): So erschreckend, wie Herr Speck meinte, ist die Summe von 000 Millionen SchatzaiUveisungen nicht. Der Gedanke, den Kriegsschatz als Unterlage für Banknoten im dreifachen Betrage zu verwenden und im Zusammenhang damit eine Reichsdcpositenkasse zu gründen, den Abg. Ortel anregte, ist volkswirtschaftlich ganz undurchführbar. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.): Der Reichskriegsschatz darf anders als im Kriegsfalle nicht angegriffen werden; aber den Gedanken der Gründung einer Reichsdepositenkasse möchte ich nicht für so un- durchführbar holten wie der Vorredner. Abg. v. Richthosen(k.): Der Vorlage stimmen wir zu. Der Kricgsschatz darf seinem Zwecke nicht entfremdet werden. Damit schließt die Diskussion. Da Kommissionsberatung nicht beantragt ist, folgt die zweite Beratung sofort. Debattelos werden die einzelnen Forderungen und der Wort- laut des Etatsgcsetzes angenommen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für da» Reichsamt des Innern. Bei den Forderungen zur Unterstützung für das Germanische Museum in Nürnberg(108 700 M.). der Herausgabc der Mono- nicnta Germaniae Historica(70 600 M.1, für das Römisch- Germanische Museum in Mainz(30 000 M.) bemerkt Abg. Thaler(Z.): Leider haben wir in Deutschland keine gleich- mäßigen Gesetze zum Denkmalsschutz. Alte ehrwürdige Denkmäler der Vergangenheit fallen der Dummheit, der Geschmacklosigkeit, der Spekulation, der ideenlosen Nüchternheit, dem platten Nützlich- kcitsprinzip bejammernswert zum Opfer. Neulich ist erst wieder ein wunderschönes Tor in Säckingen beseitigt worden. Positive Vorschläge will ich nicht machen, denn die Reichsgesetzgebung ist hier nicht zuständig. Wohl aber will ich von dieser hohen Warte aus die Mahnung an die Bundesstaaten richten, auf die Erhaltung erhabener Schätze der Vergangenheit Bedacht nehmen zu wollen. (Beifall.) Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) freut sich, daß aus den dlonumenta Germania«(Quellen zur deutschen Geschichte) einzelne Historiker, wie Otto v. Freisingen(Stauferzeit) in Schulausgaben heraus- gegeben werden.— Bei der steigenden Bedeutung dm Zeitungen für die Zeitgeschichte würde sich die Errichtung eines Z e i t n n g S- museums cmpfehlem Ferner wünscht Redner angesichts der Ueberfüllung des Berliner Museums für Völkerkunde Errichtung eines Reichskolonialmuseums, ober nicht in Berlin, son- dcrn in irgendeiner anderen Stadt.(Rufe: Bamberg!— Große Heiterkeit. Redner ist nämlich Stadtarchivar in Bamberg.) Kleines f euUleton« AuS dem toten Hause. In welcher Weise die niederen Polizei- organe in Ruhland die Verhängung deö„verstärkten Schutzes" für ihre Geschäftszwecke benutzen, und in welch ungenierter Art sie die Vollmachten der„verstärkten Gesetzlosigkeit" mißbrauchen, zeigt ein Bericht von Tatsachen, der der.Vossischen Zeitung" übermittelt wird. Gewährsmann ist ein junger Physiologe, der»n Berlin als Assistent wissenschaftlich tätig ist und sich niemals um Politik gc- kümmert hat. Er war vor wenigen Wochen aus die aus Warschau >eingetroffenc Schreckensnachricht, sein Bruder, ein Student, sei wegen Streikagitation ins Gefängnis geworfen worden, nach Hause gereist. Von einem Diener begleitet, begab er sich mit Lebens- Mitteln und Kleidungsstücken zum Bruder ins Gefängnis und wurde sogleich mitsamt dem Diener„dabehalten". Ohne Verhör, ohne Untersuchung vorläusig erst einmal auf Wochen eingesperrt. Man hatte ein Zimmer für vier Personen, in dem ein drakonisches Reglement einfach alles verbot. AlleS war durch die Vorschriften untersagt, seitens der Aufseher aber zu einem ansehnlichen Preis- kurant erlaubt. Eine von diesen Staatsstützcn hat sich bei elendem Gehalt in diesem sonst gar nickt fidelen Gefängnis in wenigen Jahren die Kleinigkeit von 50000 Rubeln gespart, und erzählte das selbst in reizender Naivität. Die hygienischen Einrichtungen des Gefängnisses waren gleich Null. Niemals kamen die Gc- fangenen an die Luft, angeblich weil die Mauern des Hofes nicht doch und fest genug waren, um Fluchtversuche unmöglich zu machen. Waschen mußten sich die Gefangenen auf dem Korridor an einem Wasserhahn. Bäder gab es nicht, das Essen war miserabel. Eines Tages kommt ein Schub neuer Gefangener. In das Zimmer, in dem vorher vier Menschen gewohnt hatten, werden jetzt 2ö gesteckt, darunter Kranke, Fiebernde, Schwindsüchtige, Halb- verhungerte in Lumpen, denen der Bessergestellte seipen letzten Rock gab, weil sie vor Frost zitterten. Die vier vorhandenen Pritschen, zur Nachtzeit dreifach belegt, reichen nicht aus, man legt sich zum Schlafen auf den Steinboden nieder. Eines Tage» wird unter großem Geschrei eine tobende Frau in den Nevenraum gebracht. Durch ein Loch neben den Ofen beobachten die Nachbarn, daß nian die Frau nackt, in ihre Haare gehüllt, auf den bloßen Boden hin- gelegt hat. Dort bleibt sie sechs Tage liegen und stirbt am siebenten am Typhus. Mit den vier Gefangenen verfuhr man derart, daß man ihnen täglich durch die Aufseher ankündigen ließ, man werde sie ohne Verhör aufhängen. Täglich kam ein Schub an den Galgen. Die zum Tode bestimmten Revolutionäre sangen den ganzen Tag und in den Nächten„gotteslästerliche" Lieder. In der Stille der Nacht klang das furchtbar, dazu hörte man die Wein- krämpfe der Verzweifelten durch die Gänge schallen und das Schreien der Geprügelten. Die vier Zimmergenoffen sind noch immer ohne Verhör und in vollkommener Ungewißheit über ihr Los. In einer Nacht gegen 2 Uhr morgens reißt man mit großem Gepolter die Türen auf und weckt unseren Gewährsmann. Schlaf- trunken wird er zum Verhör geschleppt. Sieben Polizeileute er- warten ihn. Bei seinem Eintritt in das Berhörzimmer kommt einer von den sieben auf den Sträfling zu, reicht ihm die Hand lind sagt:»Wie geht es dir, Junge? Wir kennen uns doch aas Warum nicht in Bambcrg?�(Erneute Heiterkeit. Beifall im Zentrum.) Hiermit schließt die Diskussion- Die Titel werden be- willigt. Verschiedene weitere Artikel werden debattelos oder nach un- wesentlicher Debatte bewilligt. Beim Titel: Zur Förderung der Seefischerei 250 000 M.» bedauert Abg. Dr. Hermes(frs. Vp.), daß für diesen Zweck nicht mehr aufgewendet wird; andere Länder täten bedeutend mehr zur Förde- rung der Hochseefischerei. Abg. Dr. Hahn(k.) betont, daß unsere Hochseefischerei und Heringsfischerei durch die englische Konkurrenz stark bedroht ist; ihre Erhaltung ist eine Lebensfrage auch für unsere Kriegsmarine, die bei der Vernichtung unserer Hochseefischerei nicht mehr den genügenden Ersatz finden würde. Erhöhte Zölle, namentlich auf Heringe, würden dieser Gefahr vorbeugen. Auch unmittelbare Subvention müßten die Reedereien der Hochseefischerei erhalten. (Lachen und Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die Hochseefischerei muß über Wasser gehalten werden(Große Heiterkeit), und das kann nur durch Subvention seitens des Reichs geschehen. Die Mittel dazu können durch eine Dividendcnstcuer aufgebracht werden (Aha! bei den Freisinnigen), die Dividendensteuer ist besser als eine Vermögenssteuer.(Lachen und Widerspruch bei den Frei- sinnigen.) Wer mit mir eine nationale Politik auf dem Wasser treiben will(Große Heiterkeit), sorge für die Erhaltung der deut- scheu Hochseefischerei.(Bravo! rechts.) Direktor im Reicksamt des Innern v. Jonquieres: Die Rc- gierung hat ein ebenso warmes Herz für unsere Hochseefischerei wie der Abg. Hahn. Wir wünschen nicht nur� daß sie über Wasser gehalten wird, sondern daß sie dauernd schwimmen kann.(Heiter- keit.) Im ganzen hat Herr Hahn die Lage der Hochseefischerei zutreffend geschildert, die sehr unter der ausländischen Konkurrenz leidet. DaS beste Mittel dagegen ist und bleibt der Schutzzoll. (Sehr richtig? rechts.) An allgemeine Fischzölle kann aber jetzt nicht gedacht werden(Rufe rechts: Leider!), das verhindern die bestehenden Handelsverträge. Nur an eine Erhöhung des Hering- zolls könnte man denken! Aber man mutz erwägen, daß gerade der Hering zur Nahrung des kleinen Mannes gehört und daß die Fischereigesellschaften früher große Gewinne hatten. Wenn die Notlage vorübergehend ist, soll man zur Abhilfe nicht dauernde Mittel vorschlagen, wie Herr Hahn getan hat. Unsere Kriegs- marine findet übrigens ihren Ersatz wesentlich nicht aus der Mann- schaft der Fischereidampfer, sondern von der Mannschaft der deut- scheu Segelschiffe. Eine Subvention ohne jede Gegenleistung seitens des Reiches zu gewähren, wäre ein sehr bedenkliches Prinzip.(Sehr richtig! links.) Wir meinen auch, daß die Hoch- secfischerei-Gesellschaften nicht vor dem Untergang stehen, sondern sich aus eigener Kraft über Wasser halten werden.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Gothein(frs. Pg.) bedauert zunächst, daß aus diesem Fonds nur die Nordseefischerei, nicht auch die Ostseefischerei unter- stützt wird und polemisiert dann gegen die Ausfuhrungen des Abg. Dr. Hahn: Herr Hahn hat sehr patriotische Worte mit Be- zichung auf die Kriegsmarine gefunden, er hat also seine An- schauungen über die„gräßliche Flotte" gründlich geändert. Ich bin selbst Aktionär einiger Hochseefischereien(Hört! hört! rechts), ja wohl, ich will die Hochseefischerei unterstützen, und das geschieht doch am besten durch Zuwendung von Kapital.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Natürlich freue ich mich über hohe Dividenden mehr als üb-r niedrige.(Große Heiterkeit.) Dr. Hahn hat sich wahrhaft ungeheuerliche Aufstellungen und Behauptungen geleistet. (Sehr richtig! links.) Er scheint zu verlangen, daß die Ostseehäfen ihnen Fischbcdarf über Altona oder Geestemünde beziehen. Herr Dr. Hahn ist eben neuerdings auch Fischagrarier geworden.(Große Heiterkeit.) Fischvcrzollung heißt, lvenigstens für die Sommer- monate ganz einfach: Verhinderung der Einfuhr von Fischen!(Sehr richtig! links.) Dabei find die Fische eines der wichtigsten Volks- Nahrungsmittel. Durch den von Dr. Hahn geforderten Fischzoll wird in Zeiten der Flcischteuerung der breiten Masse die letzte eiweißhaltige Nahrung entzogen.(Sehr wahr! links.) Bedauerlich ist, das Geheimrat von Jonquieres am belgischen Handelsvertrage unschuldig zu sein behauptete. Erblickt er etwa im Abschluß des belgischen Handelsvertrages ein Verschulden des Bundesrats?(Sehr gut! links.) Herr Dr. Hahn schwärmt sehr dem revolutionären Klub!"„Verfluchter Lügner," entgegnet der „Delinquent",„die Zähne schlage ich dir eint" Diese Antwort wirkte Wunder, denn der„Präsident" warf den ungeschickten Spitzel sofort hinaus. Nun folgte das Verhör. Es ergab nichts Belastendes als das eine, daß der Delinquent aus reichem Hause sei, was man übrigens bei seiner Verhaftung schon gewußt hatte. Sic wäre sonst wahrscheinlich gar nicht erfolgt. Denn gegen Zahlung von mehreren tausend Rubeln wurde nun er wie sein Bruder mitsamt dem jungen Diener entlassen, und der Tschin hatte wieder einmal ein recht hübsches Geschäft gemacht. Der Diener der beiden Brüder, der als ein harmloser, politisch unbeteiligter Mensch in das Gefängnis gekommen war, verließ die Haft als enragierter Revolutionär. Dazu hatten ihn alle die empörenden Szenen in wenigen Wochen gemacht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die beiden Brüder, wären sie arm gewesen, hätten hängen müssen. Daß sie die Enthaftung erlebte», dankten sie doch nur einem Zufall, denn am Tage vor ihrer Entlassung begab sich folgen- des: einige zum Tode Verurteilte sangen dw Marseillaise. Man untersagte es ihnen. Sie prügelten die Ausseher, die ihnen das Singen verbieten wollten. Jetzt wurden Soldaten beordert, die wahllos durch die Türen in die Zimmer hineinfeuerten. Der Gesang hörte auf. Fünfzehn Tote— die beiden Brüder waren zufällig nicht darunter. So geht es in dem toten Hause der russi- scheu Justiz zu. Kapitalistische Unternehmungen im Polarmeer. Die Leute, die vom Walfang leben, müssen jetzt schon etwas weiter in die Wildnis des Meeres hinausspazieren. um ihre Opfer aufzutreiben. Bis vor kurzem durften die norwegischen Walfänger noch in der Nähe ihrer Heimat jagen, aber mit vollem Recht sind von Norwegen auS Be- stimmungen zugunsten der arg verfolgten und damit völlig dem Aus- sterben ausgesetzten Mceriäuger erlassen worden. Damit ist das Gc- werbe der Walfänger vollständig revolutioniert worden. Wenn fick nunmehr die Notwendigkeit ergab, entlegenere Meeresteile auf- zusuchcn, so konnte auch die Verwertung der gefangenen Wale nicht mehr in heimatlichen Häfen vorgenommen werden, und aus dieser Einsicht entsprang der Plan, schwimmende Trankochcreien einzuführen, die das Aussieben deS Trans bald nach dem Fang auf dein Meere selbst besorgen sollten. Nach einer Schilderung in den Mitteilungen des Deutschen ScefilchereivereinS ivurde im Jahre 1903 von Sandefjord zum erstenmal ein größerer mit allen Apparaten zum Kochen, Abspecken usw. der Wale ausgerüsteter Dampfer ins Polarmeer entsandt. selbstverständlich in Begleitung eines anderen Dampfers, der den Fang zu besorgen hatte. Daö sehr günstige Er- gebnis, das in einem Fang von 45 Blauwalen in der Gegend von Spitz- bergen bestand, führte zur Wiederholung deS Versuchs, der noch ertrag- reicher ausfiel, da er im ganzen 130 Wale einbrachte. Seit dem Jahre 1905 haben dann mehrere Gesellschaften mit einer ganzen Flotte, die aus 14 Fangdampfern, 7 Last- und 5 Schleppdampfern und ebenso vielen schwimmenden Kochereien bestand, in den ergiebigen Jagd- gründen bei Spitzberge»„gearbeitet". Der Wettbewerb wurde so stark, daß derselbe Mann aus Sandefjord, der seine Landsleute zuerst in jenes Gebiet geführt hatte, jetzt eine Expedition nack) dem Süd- polarmeer zu gleichem Zlveck ausrüstete und von dort in weniger als einem Monat 2200 Faß Oel mitbrachte— ein ganz über- laschender Erfolg. Die norwegischen Walfänger machen sich jetzt im für Dividendcnsteuern. Da ist es doch besser, man nimmt nicht eine Einkommensart heraus, sondern führt eine Reichs» Vermögenssteuer ein.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Hahn(k.) fordert den Abg. Gothein auf. mit ihm im Lande herumzureisen und überall mit ihm Rededuelle zu vcran» stalten.(Abg. Gothein lehnt die Einladung dankend ab.) Redner lobt die Freisinnigen seines Kreises, die in der Stickwahl für ihn stimmen„der Sache der Ordnung wegen".(Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Daß wir Konservativen an der betreffenden Bestimmung des belgischen Handelsvertrages un- schmolz sind, weiß der ganze dieichstag mit Ausnahme des Herrn von(I) Gothein.(Stürmische Heiterkeit. Irgendein Junker ruft: Js ja jar nich adlig!) Nun, dann wird er es vielleicht noch. In der Zeit der Blockpolitik ist alles möglich.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Verlauf der biographischen Notizen, die der Redner alsdann über feine parlamentarische und außerpurlainentarische Tätigkeit gibt, kommt er auch auf das Wort von der„gräßlichen Flotte" zu sprechen, das nur ganz harmlos im Privatgespräch gefallen sein könne.(Lautes Lachen links.) Redner fährt dann fort: Daß nur ich zu der Versammlimg der Fischereiinteressenten, in der diese Frage verbandelt wurde, ein« geladen wurde, ist nicht meine Schuld. Ich habe die Jnteresienten aufgefordert, auch die Herren Tracger, Feyter usw. einzuladen. Die sozialdemokratischen Vertreter von Hamburg usw. einzuladen, habe ich allerdings nicht vorgeschlagen, da ich mir von ihrer Mitwirkung keinen Nutzen versprach nach der in dieser Frage in der Zolltarifkommission von Stadthagen eingenommenen Haltung (Abg. Stadthagen: Ich bitte um» Wort! Große Heilerkeit.) Meine Rede war leine Wahlrede, sondern der Ausdruck meiner Ueberzengung, also hoch über dem Niveau einer Wahlrede stehend. (Stürmische Heiterkeit links.) Das Vermögen ist zur Genüge von den Einzelstaaten besteuert.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) DaS Reich möge die Dividenden, z. B. die des Abg. Gothein, be» steuern.(Bravo! rechts.) Abg. Gothein(fts. Vg.): Herr Hahn geht inS Ministerium, um billige Pacht für einen Domänenpächtcr zu erhalten, also in sehr privaten, Interesse! Derartiges tue ich eben nicht.(Zustimmung bei den Freisinnigen.) Herr Hahn meinte. Norlvegen habe nur ein geringes Interesse am Aleer. Norwegen, meine Herren, das im Verhältnis zu seiner Bevölkerung die größte Handelsflotte hat. Das zeigt die tiefgründigen Kenntnisse des Herrn Dr. Hahn.(Sehr gut l b. d. Freis.) Herr Hahn klagte wieder über die Not der Landwirtschaft. Ich bm alö Gruildbesitzer sehr zufrieden mit meiner Grundrente.(Hört! hört! rechts.) Ich habe nicht das Talent zur Unzufriedenheit und Begehr- lichkett.wic Sie, meine Herren I(Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Was die Einladungen zu der von Herrn Hahn erwähnten Versammlung der Ftschereiinteressenten anlangt, so zeigen seine Ausführungen, daß die Einladungen und die ganze Aktion von Herrn Hahn aus» ging.(Widerspruch rechts.) Gewiß, lesen Sie nur das Stenogramm der Rede, aber bitte, Herr Hahn, korrigieren Sie das Steno- ![ramm nicht vorher 1(Sehr gut! b. d. Freisinnigen.) Die Dividenden- teuer, die Herr Hahn statt der Vermögenssteuer vorschlägt, würde vor allem den Mittelstand treffen, die Hunderttausende der kleinen Aktionäre, nicht aber die Millionäre.(Sehr richtig! bei den Frei- sinnigen.) Was schließlich die Einladung des Herrn Hahn betrifft, mit ihm herumzureisen— nun. ich kann ja sehr viel vertragen, aber s o genußsüchtig. Herr Hahn, bin ich nicht.(Schallende Heiterkeit und Sehr gut l links.) Abg. Stadthagen(Soz.): Herr Dr. Hahn bemerkte, daß er zu einer Zusammenkunft der Fischerei- Interessenten Sozialdemokraten nicht eingeladen habe. Dabei hat ihn jedenfalls das böse Gewisse» getrieben. Herr Hahn muß wissen. daß die außerordentliche Not nicht der Großaktionäre, nicht der Direktoren, nicht der Interessenten, für die er eintritt, sondern der S e e s ch i f f e r zeitlich zusammen- fällt mit der Verteuerung aller Bedarfsartikel der Fischerei infolge de» von Herrn Hahn besonders propagierten Schutzzolles und der künstlichen Verteuerung der Produktionsmittel. Wer war es denn, der in der Kommission taub war gegenüber allen Bitten, gerade die Bedarfsartikel der Fischer nicht durch den Zoll zu erhöhen? Wer ist für den G a r n z o I l, für den N e tz z o l l cingetteten?(Hört l hörtl bei den Sozialdemokraten.) Selbst ein konservativer Herr, der die Verhältnisse in Mecklenburg genau kennt, trat im Plenum mit aller Energie gegen den Retzzoll auf. Aber die Freunde Nordpolarmeer bereits so breit, daß man ernste Bedenken äußern darf, ob demgegenüber alle guten Wünsche und Verordnungen zum Schutz der Wale etwas nützen werden. Humor und Satire. Zwischenspiel. Wonneselig an die Brust aesunlen. durch die Straßen feierlich kutschiert. dann gehocht. geburrat und getrunken. ein paar Hcldenvrüste dekoriert... Auf den Straßen zirlusfrohe Kinder, hier und da ein kleiner Ohnmachtsfall, ein begeistert taumelnder Zylinder. sehr viel Polizei allüberall... Mit den bruderbrünstigen Monarchen fühlt der bruderbrünst'ge Patriot. Aber laßt sie nur den Rausch verschnarchen» und bereits im Katermorgenrot werden wir,„dem ganzen Erdball trutzend", „Auf dem Waffer liegt die Zukunft!" schrei'n, und in England stellt man noch ein Dutzend Panzerkreuzer in das Budget ein. _ Franz. Notize». — Musikchronik. Das dritte Sonutagskonzert des Charlottenburger Schiller- Theaters sindet Sonntag, den 14.. mittags 12 Uhr statt. Das Programm bringt außer dem gesang- lichen Teil eine Sonate für Viola mit Begleitung deS Pianoforte von PH. Scharwenka und das Klaviertrio in C-moU, op. 1, Nr. 8 von Beethoven. — Theaterchronik. Am Sonntag, den 14., wird in der Hochschule für Musik unter Leitung von Julius Türk„Minna von Barnhelin" aufgeftihrt. — Stücke, die gehen. DaS Streben der meisten Berliner Theater ist auf das Smsonstück gerichtet, das eine halbe oder ganze Saison, vielleicht auch mehrere hindurch das Rcpertoir in der Haupt« fache bestreitet. Die literarischen Theater, die noch anderen Ehrgeiz kennen, machen die Mode etwas verschämt mit. sind aber froh, wenn sie auch einmal ein solches Stück erwischen. Das Lesiing-Theater hat hat in dem französischen Karnevalsschwank„Der König" eine solche Unterhaltungsware eingeschmuggelt. Dieser„König" hat bereits 80 000 M. eingetragen und zieht so sehr, daß man die Erstaufführung von Hauptmanns neuem Drama„Griselda" des„Königs" wegen aus den 6. März verschiebt. Wenn das im„vornehmen" Lessing- Theater geschieht, kann man sich ungefähr ein Bild davon machen, wie eS in anderen Theatern aussieht. — Die Wandgemälde im Sitzungssaal desReichs- tageS. Der Hauplausschuß der„Allgemeinen Deutschen Kunst- genossenschaft" in München hat, wie die„Werkstatt der Kunst" ineldet, an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, er möge für die Wand- gemälde des Sitzungssaales einen allgemeinen öffentlichen Weit» vewerb unter den deutschen Künstlern ausschreiben. »es Herrn Dr. Hahl» rrate» mit aller Macht für die Bertenerung der Bedarfsartikel der Fischerei ein. Herr Hahn mutz die Schiffer autzer- ordentlich tief einschätzen, wenn er glaubte, ihnen klar machen zu können, datz die Verteuerung ihrer Produktionsmittel und Bedarfs- artikel für sie einen Schutz bedeutete Ich bedaure, datz auch der Vertreter der verbündeten Regierungen so tief in der Erkenntnis der wirklichen Dinge zurückgeblieben ist. Präsident Graf Stolbcrg: Sie dürfen von einem Mitglieds der Regierung nicht sagen, datz er auf einer tiefen Höhe(Schallende Heiterkeit) der Erkenntnis steht. Abg. Stadthagen(fortfahrend): Ich bedauere, daß die Re- gierung bei diesem Titel von Herrn Hahn dazu gedrängt wird, die kapitalkräftigen Gesellschaften noch mehr zu unterstützen. Der Grotzbetrieb der Hochseefischerei ist ein Unglück für die in der Fischerei wirklich Arbeitenden. für die kleinen Fischer, und ich bedauere, datz gerade für diese von den 350 000 M. so wenig abfällt. Herr Hahn tritt für das Kapital ein. das die Arbeit ver- wertet, und verlangt für diese einen besonderen Schutz. Zwei Millionen will er dann noch extra durch Dividendensteuer aufbringen. Dieses„Sparen" erinnert an das des Reichskanzlers, das uns in den nächsten Jahren bis 1913 105 Millionen Mehrkosten für das Heer, 113 Millionen mehr für die Marine kostet. Statt der Divideudensteuer ligt es doch viel näher, die grotzen Vermögen zu treffen, vor allem die auf dem Lande.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) In Preutzen haben ein Einkommen über 3000 M. und ein Vermögen von über 20 000 M. nur 1,14 Proz. der Bevölkerung, im ganzen nur 434 909 Personen. Diese hatten im Jahre 1908 ein Vermögen von 8S>/z Milliarden. Drei Jahre vorher betrug ihr Vermögen 7ö'/3 Milliarden und drei Jahre früher G7l/a Milliarde», es ist also damals in drei Jahren um 8 Milliarden und dann wieder in drei Jahren um 10 Milliarden gestiegen. Wenn Sie von dem Vermögen dieser paar Leute nur 1 Proz. durch die Steuer nehmen, so haben Sie viel mehr davon als Herr- Hahn aus der Dividendensteuer herausgerechnel hat.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Das fühlt ja auch der Rückständigste. Wenn Sie auf der einen Seite sagen, Sie wollen einer grotzen Gesellschaft, welche Dividenden bezahlt, aus dem Reichssäckel eine Unterstützung geben, und wenn Sie andererseits sagen, diese Unterstützung soll aus einer Dividenden- stener herauskommen, so ist das doch ein kompletter Widerspruch.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Da mutz sich ja jeder sagen: Warum legen Sie nicht lieber eine Steuer auf das Vermögen? Aber damit würden Sie eben die grotzen Besitzer auf dem Lande treffe», deren Vermögen vor sechs Jahren 19 900 Millionen betrug, in drei Jahren auf 20 272 Millionen ge- wachsen ist und wiederum in drei Jahren auf 22749 Millionen, also auf weit über 22'/3 Milliarde 1(Hört 1 hört I bei den Sozial- demokraten.) Das glaubt Ihnen doch niemand, datz„die arme Landwirtschaft" die Vermögenssteuer nicht ausbringen kann. Eine Erhöhung des Heringszolles kann die Arbeit nicht schützen. (Zuruf rechts: Ach. das sind ja faule Fische I Grotze Heiterkeit.) Wenn Sie den Fischern die Produktionskosten verringern wollen, so müssen Sie weit eher als an erhöhte Zölle an eine Aufhebung der Zölle auf Holz, Eisen usw. denken.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten), Vor allem aber möchte ich die Stegiming bitten, mehr als bisher für die wirklich arbeitende» kleinen Seefischer herzugeben und nicht den grotzen kapitalistischen Gesellschaften noch mehr in den Rachen zu werfen. Geben Sie vielmehr den Kleinen etwas mehr, dann tun Sie auch etwas für die Arbeiter, die wirklich in Rot find.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hahn(k.): Die Rede, die wir eben gehört haben, zeigt, oatz die Sozialdemokratie jede Situation für sich auszunutzen sucht. Sonst schwärmt die Sozialdemokratie für die Konzentration, für die Grotzbetriebe. und hier tritt Herr Stadthagen für die kleinen Fischer ein.(Hört I hört I rechts.) Die Fischer sollten Herrn Stadthagen nur ein- mal sehen und hören, dann würden sie keine Sympathie für ihn empfinden. (Bravo! rechts.) In dieser Frage bin ich der Arbeiterfreund.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Entwickelung ist nun einmal so. datz nur der Grotzbetrieb in der Seefischerei sich halten kann. Durch die kleine Subvention, die wir für den Grotzbetrieb verlangen, wollen wir nur den deutschen Hochseefischern die Arbeitsgelegenheit erhalten. Herr Stadthagen aber will diese ProduktionSgelegenheit ruhig zugrunde gehen lassen des Prinzips und der Theorie zuliebe und die Arbeiter damit selbst umbringen.(Bravo l rechts. Lachen bei den Sozial« demokraten.) Abg. Dahlem(Z.) verlangt, datz für die Rheinfischerei mehr ge- schehe. Abg. Dr. Stengel(Frs. Vpt.): Die Tätigkeit des Bundes der Landwirte auf dem Gebiete der Domänenwirtschaft hat mich in den Reichstag gebracht.(Hört I hört I links.) Ii» Juteresse einer einzelnen Familie finden hunderte Familien keine Arbeit.(Sehr wahr! links.) Abg. Gothcin(frs. Vg.): Das Reisen mit Herrn Hahn durch Deutschland habe ich aus Altruismus abgelehnt, Wenn ich immer solche Reden hören mützte wie die seinen, so würde ich see- krank werden, und das könnte für meinen Begleiter sehr unangenehm werden.(Stürmische Heiterkeit.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Dr. Hahn(k.), S t e>i g e l(frs. Vp.). Fe gter(frs. Vg.), G o t h e i n(frs. Vg.) wird der Titel bewilligt. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß 7-/2 Uhr._ flbgeordnetenbaud. 28. Sitzung Donnerstag, den 11. Februar 1909, vormittags 11 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlpriifungen. Die Besprechung des Berichtes der WahlprüsitngSkommission über die Wahl der sozialdemokratischen Abgeordneten Borgmann, H e i m a 11 n, Hirsch und H 0 f s m a n n wird fortgesetzt. Abg. Dr. Hager(Z.); Wir stehen der Sache ganz unparteiisch gegenüber. Wie der Protestgrund in die Akten hineingekonimen ist, ist ganz gleichgültig. Nachdem er einmal vorliegt, mutz er vom Hause geprüft werden. Wir haben gestern die Wahl des Abg. Koelle ganz ohne Widerspruch für ungültig erklärt, obgleich gar kein Protest vorlag. Uns liegt vor allem daran, einen unbedingt gültigen Matzstab für die Ausstellung der Listen festzulegen. Wir wollen nicht autzer der Wahlkreisgeometrie auch noch eine WahlkreiSarithmetik, bei der die Regierung in der Lage wäre, inimer das Steuerjabr der Listen- aufstellung zugrunde zu legen, welches der khr genehmen politischen Richtung am günstigsten ist. Wir wollen klar sehen. warum die Stadt Berlin gerade so vorgegangen ist und welches das Resultat wäre, wenn die' Listen anders aufgestellt worden wären. Es mutz auch festgestellt werden, ob wirklich durch eine andere Liftenaufftellung das Wahlrefultat ein erheblich anderes geworden wäre. Wie der Protest des Leutnants Pohl auszulegen ist, darauf gehe ich jetzt nicht weiter eist. Die Hauptsache ist, datz der Protest zurückgezogen ist, soweit er sich auf alle 12 Berliner Wahlkreise bezog. Nach der Praxis im Reichstage kann jeder Protest ohne weiteres ohne Angabe von Gründen zurückgezogen werden. Ich will es dahingestellt sein lassen, ob beim Kassieren der 4 Mandate eine freiwillige Mandatsniederlegung der übrigen 8 Berliner Mandate in Bettacht kommen könnte._ Jedenfalls werden wir streng nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung handeln, die der sicherste Schutz der Minorität ist.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Pachnicke(frf. Vg.): Der Redner der Sozialdemokratie hat gestern versucht, durch Hineinziehen einer grotzen Anzahl von Nebendingen die Aufmerksamkeit von dem Kern der Sache abzulenken. Eine Reihe der Behauptunaen des„Vorwärts" sind bereits gestern als objektiv unwahr festgestellt worden. Es fragt sich, ob der „Vorwärts" den Anstand besitzen wird, das amh öffentlich zuzugeben. Die Herren Aronsohn und Malkewitz hatten nichts anderes zu tun, als den Protest der Wahlprüfungskommifsion zu übergeben. Heute liegt nichts weiter bor als der Antrag der Kommission auf Beweis- erhcbungen. Es scheint, datz die Herren von der Sozialdemokratie sogar gegen diese Erhebungen sind.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Es freut mich, das zu hören. Aus der gestrigen Rede des Herrn Ströbel war das nicht zu ersehen. Dann hätte Herr Ströbel sich seine ganzen übrigen Ausführungen ersparen können.(Sehr richtig I rechts.) Datz der Protest des Leutnants Pohl sich nur gegen die Wahl im 12. Berliner Wahlkreise richtet, ist nach seiner Jnterpreiation klar.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Schiebung!) Das sind nicht Schiebungen, sondern das sind die gewohnheits- mätzigen Verdächtigungen, mit denen man auf einer gewissen Seite stets gegen den Gegner vorgeht.(Sehr richtig! rechts.) Sie lassen eben Dinge, die absolut klar liegen, nicht gelten. Nach§ Sb der Geschäftsordnung sind die Wahlen, sobald die Einspruchsfrist ab- gelaufen und kein Protest eingegangen iM', definitiv gültig. Wenn Sie also verlangen, datz auch die übrigen Berliner Wahlen für ungültig erklärt werden, muten Sie uns zu, das Gesetz des Hauses mit vollem Bewutztsein zu brechen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Uebrigens verweise ich auf folgendes: Die Sozial- demokraten sagen, in Rixdorf hätte so verfahren werden sollen, wie in Berlin verfahren worden ist; sie geben zu, datz das Verfahren des Berliner Magistrats für ihre Partei günstig gewesen ist. Daraus folgt unbedingt, datz die Wahlkreise, in denen trotz der für die Sozialdemokratie günstigeren Listenaufstellung die Mehrheit der Wähler sich gegen die Sozialdemokratie erklärt hat, von einer sozial- demokratischen Berttetung nichts wissen wollen. Also die Gewählten sind in diesen Wohlkreisen auf keinen Fall zu Unrecht gewählt, und sie haben deshalb mich keineswegs die Pflicht, ihre Mandate nieder- zulegen.(Sehr ricktig I bei den Freifinnigen.) Die Prüfung der Frage, ob die Auskunft des Magistrats über die Listenausstellmig genügt, um die Wahl zu kassieren, behalten wir uns vor.— Was nun den anderen Protestgrund des sozialdemokratischen Terrorismus anlangt, so hat man bisher private Beeinflussung, wenn sie nicht einen ungeheuerlichen Umfang angenommen hatte, zwar auch scharf verurteilt, aber nicht als Kastationsgrund benutzt. Anders wird aber die Sache, wenn dazu übergegangen wird, allgemein von Partei wegen, wie in diesem Falle, die Parole auszugeben: Arbeitet mit dem wirtschaftlichen Boykott. Wenn daS nachgewiesen wird und wenn auch nachgewiesen wird, datz von dieser Empfehlung in einer groben Zahl von Fällen tatsächlich Gebrauch gemacht worden ist und datz man auch für die Zukunft sogar in noch stärkerem Matze davon Gebrauch machen will, dann werden wir es uns allerdings zu überlegen habe», ob die Wirkung einer solchen Taktik nicht viel weiter geht als die Wirkung einer nicht ganz richtigen Listen- aufstellung, und ob nicht auf Grund eines solchen systematisch geübten Terrors dir Wahlen allein zu kassieren wären. Zum Schluß möchte ich den Herren der Rechten zurufen: Wenn Sie solche Verhcmd- lungen für die Zukunft ganz unmöglich machen wollen, wenn Sie zur Hebung der politischen Moral beitragen wollen, so schaffen Sie die öffentliche Wahl ab und führen Sie das geheime Wahlrecht ein. ,üo I links, Gelächter rechts.) Abg. Witzmanu(natl.): Nachdem die Herren Sozialdemokraten erklärt haben, sie würden dem Antrage der Kommission zustimmen, verstehe ich nicht, was diese tagelangen Debatten für einen Zweck haben sollen. Daß mein Rechtsempfinden schwer verletzt wurde, als ich erfuhr, daß nur die 4 Wablen eventuell kassiert werden sollten «ud nicht alle 12 Berliner Wahle«, gebe ich zu.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Aber nach den Bestimmungen der Geschäfts- ordnung haben wir nicht mehr die Möglichkeit, die anderen 8 Wahlen zu kassieren. Abg. Malkewitz(k.): Die Ausführungen des Herrn Pachnicke haben bis auf den Schluß den uneingeschränkten Beifall meiner Freunde gefunden. Herr Ströbel hat gestern die Bestimmungen der Geschäftsordnung mit größter Nichtachtung behandelt. Wenn Herr Ströbel sagte, es könne seiner Partei gar nichts Angenehmeres geschehen als die Kassierung der Mandate.(Zuruf des Abgeordneten Borgmann: Vom agitatorischen Standpunkte aus!) — Sie haben also zwei Standpunkte.(Heiterkeit rechts.) Wir wissen ja allerdings, datz Sie nur immer gegen die Kassierung von Wahlen austreten, wenn es sich um Ihre Freunde handelt. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Schreien Sie doch nicht so, Herr Hoffmann, Sie sind ja noch nicht draußen. Große Heiterkeit rechts.) Wenn Sie ein so lebhaftes Interesse haben an der Üngültigkeitserklärung Ihrer Wahlen, so begreife ick umso- weniger die fürchterlichen Ausfälle des Herrn Ströbel gegen die Kommission, die Abteilung und das ganze HauS. Diese An- griffe beweisen unS nur, wie unsicher Sie sich fühlen und welche Angst Sie davor haben, datz Ihnen wirklich die Tür aufgemacht wird.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Vorwurf, daß die Referenten in der siebenten Abteilung ihre Schuldigkeit nicht getan hätten, ist ganz unhaltbar. Nach der Geschäftsordmmg werden Proieste den Abteilungen überhaupt nicht zur Prüfling überwiesen.(Sehr richtig I rechts.) Im übrigen stelle ich fest, daß der siebenten Abteilung auch die Herren Borgmann und Hirsch angehörten, sie waren aber in der betreffenden Sitzung nicht anwesend. (Hört! hört! rechts.) Also weil Sie Ihre Pflicht nicht erfüllt haben, machen Sie uns nun Vorwürfe, als wemi wir an dem Verlauf der Dinge schuld wären. Sie konnten ja KenittniS von den AbteilungSakten nehmen. Warum haben Sie denn nicht gegen die freisinnigen Wahlen protestiert?(Abg. Hirsch: Dazu waren wir zu anständig l Grotze Heiterkeit rechts.) Nein, Sie haben eS nicht getan, um Ihre eigenen Mandate nicht zu gefährden. Wenn Sie von den Freisinnigen jetzt die Niederlegmig der Mandate verlangen, so sollten doch die Herren Ströbel und Liebknecht erst mit gutem Beispiel vorangehen.(Sehr richtig I rechts.) Wir werden dem Antrage der Kommission zu- stimmen, sehen aber in ihm noch keine Enncheidnng über die Frage der Gültigkeit der Wahlen.(Bravo I rechts.) Abg. Lüdicke(fl.): Meine Freunde werden dem KommissionS- anttage zustimmen. Wir wollen dem objektiven Recht Geltung ver- schaffen, wünschen aber nicht, datz es Halt macht vor der Sozial- demokratie. Abg. Aronsohn(frs. Vp.) betont, datz die anderen acht Wahlen in Berlin bereits für gültig erklärt waren, als die 7. Abteilung sich mit dem Protest des Leutnants Pohl gegen die Wahl im 12. Berliner Wahlkreise zu beschäftigen hatte. Abg. Sttöbel(Soz.): Herr Fischbeck hat gestern die mich niederschmetternde Behaup- tung aufgestellt, datz meine Ausführungen einen Rattenkönig von Mitzverständniffen, von Unkenntnis der Geschäftsordming dargestellt hätten. Er hat eS aber unterlassen, auch nur einen einzigen Beweis für diese Behauptungen anzuführen. Er sagte, ich hätte den Sittrag der Kommission nicht verstanden; nicht wegen des Terrors wäre die Wahl beanstandet, sondern wegen der ungleichmäßigen Listen- aufstellungen. Ich habe daS anfangs auch geglaubt. Aber die Aus- sührimgen im Bericht der Kommission haben mich zu einer anderen Aussasiung gebracht. In dem Bericht wird auf einen Brief meines Parteigenossen Bergmann hingewiesen, und dieser Brief bezog sich auf die Behauptung des„Terrors" und verlangte dafür die Beibringung von Beweisen I Neberhaupt war von dem„Terror" im Bericht der Kommission mit aller Auüinhrlichkeit die Rede. Wenn ich also zu der Auffassung gelangt bin, datz die Be- anstandung erfolgen solle, einmal wegen der Listenausstellmig. zweitens wegen des„Terrors", so liegt die Schuld bei Herrn Fischbeck, der dem Briefe Borgmanns die ganz eigenartige Deutung gegeben hat, als verlange er Beweiserhebungen über die Listenausstellung. Man iagt nun. die anderen Berliner Wahlen seien bereits für gültig erklärt gewesen. DaS ist ganz richtig. Der_„Vorwärts" sowie auch ich gestern haben deshalb darauf hingewiesen, datz der Fehler schon von der Abteilung begangen worden ist. deren Berichterstatter ihre Pflicht verabsäumt haben, indem sie der Ab- teilung nicht von dem vollen und wirklichen Inhalt des Protestes des Leutnants Pohl Kenntnis gegeben haben. Auch nach den Erklärungen der Herren Aronsohn und Malkewitz mutz ich bei dieser Auffassung verbleiben, datz die Herren nicht so objektiv Bericht erstattet haben, wie sie es hätten tun müssen; sie hätten Mitteilung davon machen müssen, datz dieser Protest sich auf alle zwölf Berliner Wahlkreise bezog. Herr Malkewitz hat uns ja das Kompliment gemacht, datz, wenn wir in der Abteilung ge« wesen wären, wir korrekter verfahren wären. Also die Kenntnis von dem vollen Inhalt des Protestes ist nicht gegeben worden und daher die Ueberraschung und Verblüffung der KommissionS- Mitglieder, die selbst von dem Redner der Nationalliberalen hier zugegeben worden ist. Ich glaube, es waren auch noch eine ganze Reihe anderer Mitglieder der Kommission, die im höchsten Grade befremdet und nnaiigenehm berührt waren, datz von diesen Dingen keine Mitteilung gemacht worden war. Außerdem halte ich weite? ausrecht, daß auch die Rcferentcu der Wahlprüfuiigskommission dieser nicht Kenntnis gegeben haben von dem vollen Inhalt des Pohlschen Protestes.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Erst nach- t r ä g l i ch, nachdem der„Vorwärts" und Kollege Heimami die Sache ans Tageslicht gezogen halten, wurde in der Wahlprüftings- kommission beschlossen, dem Hause den Protest in vollem Umfange mitzuteilen, den man vorher verschwiegen hatte. Die Herren, die den Protest nicht in vollem Umfange zur Kenntnis gegeben hatten, waren die Herren F i s ck> b e ck und S t r 0 s s e r! Kollege Fischbeck meinte, die Listenaufstellimg in Berlin sei falsch, weil das Gesetz verlange, datz für alle Wähler ein gemeinsamer Zeitpunkt genommen werde. Der Bericht der Wahlprüfungskommiision, der von Herrn Fischbeck selbst stammt, betont aber ausdrücklich, datz die Kommission sich nicht an den Wortlaut des Gesetzes gc- halten, sondern erklärt habe, die Wahl müsse beanstandet werden, weil durch die Listenausstellung einzelne Teile der Wählerschaft be- nachteiligt sein könnten. Wenn man diesen Standpunkt einniiiimt, datz bei der Listenaufstellimg keine Wähler benachteiligt werden dürfen dadurch, datz sie eventuell mit einer zu geringen Steuer ein- gestellt werden, dann darf man doch objekiiveriveise nicht mir die Interessen der Wähler mit über 3000 M. Einkommen berücksichtigen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) DaS hat aber die Kommission getan. Sie hat nicht berücksichtigt die Jnteresien der grotzen Masse der Wähler mit weniger als 3000 M. Einkommen. Daß das die grotze Masse ist. beweist auch die Statistik über die Einkommensteuerveranlagniig, wonach nur 1V Proz. aller Wähler ein Einkommen von mehr als 3000 M. beziehen. Wenn man eine Be- nachteiliguiig von Schichten der Wähler durch die Listenanfstellimg verhüten will, so mutz man doch auf die Interessen der neun Zehntel. also der grotzen Masse der Wähler Rücksicht nehmen, und wenn daS eine Zehntel geschädigt ist, so mutz eben das Gesetz geändert werden. Nun meinte Herr Fischbeck, ich hätte mich nur deshalb der Wähler unter 3000 M. angenommen, weil das die sozialdemo- kratischen Wähler sind. In der Tat habe ich immer nur von der Masse geredet und kein Wort von Sozialdemokraten gesagt. Leider hat die Sozialdemokratie noch nicht neun Zehntel der ge- samten Bevölkerung auf ihre Seite gebracht. Ich hoffe aber, datz dies bald der Fall sein wird.(Lachen rechts.) Aber auch dann darf man doch die Jnteresien dieser neun Zehntel nicht geringer ein- schätzen, weil sie Anhänger der Sozialdemokratie sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es ist dann behauptet worden, der Fall in Rixdorf läge ganz ähnlich wie der Fall in Berlin. Nein, in Rixdorf und Schönederg lag die Sache ganz anders: Für Schöneberg war das Jahr 1908, für Rixdorf daS Jahr 1907 zugrunde gelegt worden. Das war um so unkorrekter, als Schöneberg keine Arbeiterstadt, Rixdorf aber eine Arbeiterstadt ist. so datz bei der starken Heranziehung der Arbeiter- Wähler zur Einkommensteuer im Jahre 1908 die Zugrunde- legung des Jahres 1907 für Rixdorf eine schwere Benach- teiliguna bedeutete.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach vem Gesetz mutzten die Listen nach der zu ent- richtenden Steuer aufgestellt werden. Es bandelt sich in Rixdorf um die Frage, ob die Steuerlisten für 1908 bereits serrig waren. Wenn nachgewiesen wird, daß diese Voraussetzung nicht zutrifft, dann ist natürlich unser Protefl gegen diese Wahl hin- fällig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir hätten nur gewünscht, datz in der Wahlprüfungskommisston Herr Fisch- deck auch die Nachprüfung dieser von der Sozialdemokratie behaupteten Tatsache beantragt hätte, während von ihm der Gegenprotest von freisinniger Seite, in dem behauptet wird, die Liftenaufftellung sei noch nicht vollständig gewesen, als genügende Information angesehen wurde. Das war nicht korrekt. Man hätte auch dort beschließen sollen, beim Magistrat von Nixdorf anzuftagen, nach welchen Grundsätzen er bei seiner Listenausstellung verfahren ist. (Sehr wahr I bei den Soz.) Sie können natürlich nicht erwarten, datz wir'so gutmütig sind, wo offenbare Fehler vorliegen, diese zu ver- tuschen und von den Mitteln, die das Gesetz unS zur Kassierung einer Wahl an die Hand gibt, nicht Gebrauch zu machen. Datz wir aber mit zweierlei Matz messen, je nachdem eS sich um einen Sozialdemokralen oder einen bürgerlichen Abgeordneten handelt. daS soll uns erst bewiesen werden. Aus dem Fall Rixdorf- Schöneberg geht gerade das Gegenteil hervor.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokralen.) Daß, wie Herr Sttoffer behauptet, der„Vorwärts" der ganzen Wahlprüfuiigskommission Schurkerei vorgeworfen hätte, ist unrichtig Er hat nur das Verhalten des Herrn Fischbeck und seiner Hintersaffe» gekennzeichnet, die erst dann, als ihre Mandate nicht mehr an- gefochten werden konnten, die Gelegenheit benutzten, die vier Sozial- demokraten hinauszuwerfen. In dem Artikel war ausdrücklich ausgeführt: Nach der Information, die die Kommission von Herrn Fischbeck erhalten hatte, konnte sie nicht anders handeln. Herr Strosser hat dann auch sehr humoristische� Ausführungen darüber gemacht, datz die Sozialdemokratie den Staat umstürzen wolle und datz deshalb auch kein Beamrer sozialdemokratisch wählen dürfe. Das hat er nicht als Terror bezeichnet! Im Gegenteil, er hat eS als das gute Recht des Staates bezeichnet, den Beamten vorzuschreiben, datz sie keine Sozialdemolraten sein dürfen I Ja. da proklamieren Sie doch ein ganz eigentümliches Ausnahmerecht gegen die Beamten. Die Sozial- demokratie ist doch eine gleichberechtigte Partei.(Widerspruch rechrs.) Wenn das nicht der Fall wäre, säßen wir doch nickt im Drei- ktassenparlameiit. Wenn aber eine Partei als gleichberechtigt an- erkannt wird, dann hat jeder Staaiöbürger da« Recht sich dieser Partei anzuschließen und eS ist unerhörter Terror, wenn man das Beamten oder StaatSarbeitern verbieten will.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist auch ganz unrichtig, datz die Sozialdemokratie den Staat umstürzen will. Ich weiß nicht, woher Herr Strosser diese eigentümlichen und nebelhaften Vorstellungen bekommen hat. Vielleicht von Herrn Malkewitz. der sich in seiner Jugend ja auch einmal mit Sozialismus befaßt haben soll.(Heiler- keit bei den Sozialdemokraien.) Die Sozialdemokratie will den Staat nicht umstürzen, sondern sie will ihn organisch weiter- entwickeln—(Aha! rechlS.) allerdings zu einem Zustande, der sich von dem gegenwärtigen unterscheiden wird wie Tag von Nacht. (Lachen rechts.) Die Sozialdemokratie will gleiches Recht und auch gleichen materiellen Wohlstand für alle Glieder der Gesellschaft erziclen. iucnn Sie daS umstürzlerisch, verbrecherisch nennen, so kennzeichnet daS nur Sie. Es ist ein StaatSideal, das von allen Philosophen und Soziologen anerkannt wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Widerspruch rechlS.) ES liegt in der Hand der Mafien des Volkes, ob sie mit uns gehen wollen bei der organischen Fortentwickelung des Staates. Wir, die wir die Demokratie an- sireben. wollen dcni Volke, das doch den Staat repräseniiert— denn ohne Volk ist doch der Siaat eine Hülse, ein leerer Bc- griff, hinter dem gar nichts steckt— die Entscheidung darüber lassen, ob eS daS sozialistische StaatSideal ver- wirklichen will, und daS kann ganz organisch geschehen, wenn man sich nicht aus der Seite der Rechten der naturgeniätzen und ver- nünftigen Entwickelung mit brutaler Gewalt entgegenstellt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn eS dann zu Konflikten kommen sollte, so sind nicht wir die Schuldigen, sondern diejenigen, welche an dieGewalt appellieren,(Sehr wahr! b. d. Soz.. Lachen rechts), während wir an die Ver 11 n 11 f t und an die Einsicht der Wähler selbst appellieren. lSehr gut! bei den Soz.) Also nickt wir wolle« den Staat umstürzen, sondern die Umsiurzgelüste.�die Gewalttaktik befinden sich aus der anderen Seite.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Laiben rechts.) Der Abg. Hager meinte, wir brauchten zu der Wahlkreisgeometrie NiSt auch noch eine Wahlkreis a r i t h m e t i k. Wenn Sie das der- meiden wollen, wenn Sie festlegen wollen: Die Listen dürfen nur ausgestellt werden aus der Basis eines Einheitsjahres, dann dürfen Sie auch nicht die Praxis billigen, daß in dem einen Orte des Wahlkreises, wie z. B. in Schöneberg, nach dein Jahre 1908 und in Rixdors nach dem Jahre 1807 gewählt wird. Sonst sind eben alle erdenklichen Schiebungen möglich. Es ist dann auch die Rede davon gewesen, ob nicht das Plenum die Möglichkeit hat, die anderen Berliner Wahlen zu beanstanden, nachdem sie für gültig erklärt find. Ich halte das nicht für geschäftSordnungsmästig un- möglich, selbst bei Gerichten ist. wenn neue Momente zur Beurteilung eineS Falles auftauchen, ein Wiederaufiwhme- verfahren möglich. Die Gültigkeitserklärung für die acht Berliner Wahlen ist zustande gekommen unter falschen Voraus- fetzungen, weil man von dem frist- und fornrgerecht eingegangenen Protest des Leutnants Pohl keine Ahnung hatte. Wenn jetzt neue Tatsachen vorliegen, so wäre eS meiner Ansicht nach gar nicht un» möglich, daß das Plenum deS Hauses aus seiner Souveränität heraus noch beschlietzt, auch die übrigen 8 Wahlen zu be- anstanden. Jedenfalls wäre eS die moralische Pflicht der 6 Berliner Freifinnigen, für den Fall, dast die 4 sozialdemokratischen Mandate kassiert werden, auch ihre Mandate niederzulegen. In dem Augenblick, wo Sie eine derartige Erklärung abgeben würden, würden sich selbstverständlich die beiden sozialdemo- kratischen Abgeordneten für Berlin, deren Wahl nicht beanstandet ist, sofort dieser Erklärung anschließen. Mit dieser Erklärung vorausgehen, wie uns Herr Malkeivitz zumutete, werden wir nicht. Denn wir sind nicht überzeugt davon, das; die politische Moral der freisinnigeil Herren so feinfühlig ist. daß sie uns folgen würden. während Sie das von uns ohne weiteres annehmen können.(Sehr wahr! bei den Sozialdeinokraten.) Daß wir die Wähler bei der geheimen Wahl kontrollieren, wie Herr Malkewitz meinte, ist ausgeschlossen, denn wir können nicht durch Bretter und Wände hindurchiehen. Aber die Herren von der Rechten verwenden in ihren Wahlkreisen Zigarrenkisten zu Wahl- Urnen und kontrollieren auch durch Aufeinanderlegen der Kuverts genau die Reihenfolge. Solche Mogeleien können durch Einführung einer Wahlurne von vorgeschriebenem Typ beseitigt werden,(Sehr richtig! links.) Wenn Herr Malkewitz sich über den kräftigen Ton. den ich gestern angeschlagen habe, ent- rüstet hat, so bemerke ich, daß der Vorwurf der schnödesten Klafienjustiz von mir bedingungsweise gemacht worden ist. nämlich für den Fall, daß man trotz der klar zutage liegenden Ver- hältnisse die vier Wahlen kassiert. Es liegt durchaus in der Hand der Mehrheit deS Hauses, dafür zu sorgen, datz eine solche An- fchuldignng nicht erhoben werden kann. Handeln Sie so, daß Sie die Kritik herausfordern, dann müssen Sie sich diese Kritik auch gefallen lassen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Strosser(k.): Herr Sträbel hat. wenn er auch heute sachlich gesprochen hat, doch nichts Neues vorgebracht. Die Aus- führungen der anderen Redner will er offenbar nicht verstehen. Der Artikel des„Vorwärts" konnte nur als ein Angrlsf auf die Wahl- Prüfungskommission aufgefaßt werden. Herr Ströbel hat beute selbst gesagt, er habe es gegeißelt, daß die Wahlprüfungskommission nur das Interesse der Wähler über övvv M. wahrgenommen habe. Herr Ströbel behauptet, es wäre ein unerhörter Terror. den Beamten zu verbieten, sich zur Sozialdemokratie zu be- kennen. ES ist aber ein selbstoerständliches Recht des Staates, den Beamten die Zugehörigkeit zu einer Pariei zu verbieten, die außerhalb dieses HauseS trotz der Ableugnuna des Herrn Ströbel tatsächlich die Revolution predigt. Ich erinnere sie an den Wydener Kongreß, wo es in einer Resolution heißt:„Will es nicht biegen von oben herab, so mutz cS biegen von unten herauf."(Zuruf deS Abg. Hirsch: Das war unter dem Ausnahmegesetz!) Warum bringen Sie denn immer auf Ihren Parteitagen ein Hoch auf die internationale„revolutionäre" Sozialdemokratie aus?(Abg. Hoffmann: D a s v e r st e h e n S i e n i ch t!) Ich erinnere auch an das Wort des Herrn Bebel, er hoffe noch, es selbst zu erleben, daß diese Gesellschaft gestürzt werde.(Bravo! rechts.) Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte an- genommen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Hirsch(Soz.): Herr Malkewitz hat mir den Vorwurf der PfliäNversäumniö gemacht, weil ich angeblich an der Sitzung der 7. Abteilung nickt teilgenommen habe. Ich stelle fest, daß ich un- mittelbar nach Schluß der Plenarsitzung mich in den Saal begeben habe, in welche», die Sitzung der 7. Abteilung stattfinden sollte. Als ich dort ankam, war die sogenannte Sitzung bereits beendigt. Ich konnte unmöglich wissen, daß die Abteilungen so fix arbeiten. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoffmann(Soz.): Herr Malkeivitz sagte auf einen Zuruf von mir:„Schleien Sie nicht so, Sie sind noch nicht draußen!" Draußen habe ich nicht nötig, so zu schreien, da sitzen Leute, die hören wollen. Nur bei Ihne» ist eS notioendig,|o zu schreien. Zu dem Zweck bin ich hier hineingewählt, weil auf Ihrer Seite Schwerhörigkeit chronisch ist.(Große Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Borgmaun(Soz.): Auch ich kam in die Sitzung der Ab- teilung in dem Moment, als sie zu Ende war. Ich danke übrigens dem Herrn Malkewitz. daß er das Vertrauen zu mir hat, daß die Kommission besser gearbeitet hätte, wenn ich dabei gewesen wäre. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Malkewitz(k.): Ich wundere mich, daß die Herren Hirsch und Borgmann es damals fertig bekommen haben, in so langsamem Tempo zu der Sitzung hinzugelangen. Die Abteilung ist damals nicht einmal pünktlich eröffnet worden, sondern wir hohen eine Weile gewartet.(Hört I bört I rechts.) ES lag auch eine ganze Anzahl van Wahlen vor. und die Wahl Hoffmann war die letzte.(Hört I hört I rcchlS.) Was Herrn Hoffmann anlangt, so wundere ich mich, daß er so genau mit den körperlichen Eigensckasten meiner Freunde Besckeid weiß. Ich will ihm nur erwidern, daß er in diesem Hause über- Haupt nicht zu schreien hat.(Heiterkeit rechts.) Abg. Aronsohn(frs. Pp.) bestätigt die Ausführungen deS Ab- geordneten Malkewitz gegenüber den Abgg. Hirsch und Borgmann. (Hört I hörtl rechts.) Abg. Hoffmann(Soz.): Ich habe nicht von körperlichen Fehlern einzelner Herren gesprochen, sondern von der chronischen Schwer« Hörigkeit jener Seite des Hauses gegen die Wünsche deS Volkes.(Große Unruhe rechts. Sehr gut I bei den Sozial- demokraten) Abg. Malkeivitz(k.): Dann war der Vorwurf des Herrn Hoff- mann unpersönlich, und ich kann auf ihn mit einer persönltchen Bemerkung in»! erwidern.(Große Heiterkeit recktS.) Abg. Fischbeck(steif. Vp.)(Schlnßwortj: Gegenüber den Be- hauptunge» des Herrn Ströbel stelle ich fest, daß sowohl der Brief des Herrn Borgmann wie der Brief deS Herrn Hoffmann, der be- fonders darauf aufmerksam macht, daß der Pohlsche Protest sich gegen alle 12 Berliner Wahlen wendet, nicht nur mündlich in der Kommission vorgetragen ist, sondern auch im Wortlaut im Original bei allen Mitgliedern derselben zirkuliert hat. Wenn heute behauptet wird, daß der Brief des Herrn Borgmann sich nur auf die Frage des Terrors bezieht, so werden wir das für die Zukunft beachten. Das beweist aber nur. wie nottvendig eventuelle spätere Jnter- prelationen von Protesten sind, denn der Wortlaut dieses Briefes nahm auf die Listewmfstellung Bezug. Abg. Ströbel(Soz., persönlich): Daß die Kommission unzu« länglich informiert war, hat ja heute auch Herr Witziuann von den Nattonalliberale», der selber Mitglied der Wahlprüfungskommissisn est, zugegeben.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag der WahlprÜfungSkowmission auf Bcanstandung der v«s»' sozialdemokratischen Wahlen und Bornahme von Beweis- erhcbungen über die Listenaufstellung in Berlin wird einstimmig an- genommen. Einige lveitere Wahlen werden ohne Debatte für gültig erklärt. ES folgt die Weiterveratung deS Justizetats beim Titel„Ministergehalt". Abg. Faltin(Z.): Die sozialdemokratische Preffe klagt immer über zu harte Urteile, aber die Sozialdemokraten sollten Gott danken, daß sie unter der preußischen Strafrechtspflege leben. In Rußland würden sie ganz andere Dinge erleben.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Lüdicke(fk.) protestiert gegen den Vorwurf der Klassenjustiz. Die preußiiche Rechtsprechung steht hoch über der, die die Sozial- demokralie einführen möchte.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Hauptinaml(Z.) spricht für eine Neuordnung bei der Anrechnung der ausländischen Studiensemester von Juristen. Abg. Witzmann(natl.) wünscht eine Aenderung der Gebühren- Ordnung für Zeugen und Sachverständige mit erhöhten Sätzen und eine bessere Ausbildung der Referendare. Geheimrat Fritze verweift darauf, daß die preußische Regierung mit dem Reichsjuslizamt über die Erhöhung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige in Verbindung getreten ist. Die Vorlegung eines Entwurfes mußte in Rücksicht auf die Mehrbelastung zunächst unterbleiben. Abg. Hanrmaun(natl.): Herr Leinert hat die Justiz in Grund und Boden geredet. Wenn er aber glaubt, daß seine Aeußenmgen auf mich einen besonders erschütternden Eindruck gemacht haben, dann irrt er sich. Der Abgeordnete Leinert hat uns nichts NeueS gesagt. Es waren olle Kamellen, vermischt mit etwas neuem Wast'er. Wenn der Abgeordnete Leinert mir vorher einen Auftrag gegeben hätte, eine sozialdemokratische Rede für den Justiz- etat auszuarbeiten, so wäre sie genau so ausgefallen wie Leinerts Rede.(Zuruf des Abg. Hoffmann: Vielleicht hätten Sie noch mehr Fälle gehabt! Heiterkeit.) Ja, etwas interessanter wäre sie aller- dings geworden. Aber solche juristischen Verstöße, wie Herrn Leinert, wären bei mir auch nicht vorgekommen.(Lachen b. d. Soz.) Es ist verständlich, weshalb Herr Abg. Leinert seine Angriffe erhoben hat. Die Justiz ist einer der Felsen, an dem auch die Herren Genossen zerschellen.(Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Rufe: Also Klassenjustiz!) Nein, die Justiz, die dem ruhigen Bürger Ruhe und Sicherheit gibt. Sie(zu den Sozialdemokraten) können ja Ihrem Gott danken, daß Sie unter dieser Justiz leben. Verdient haben Sie es nicht.(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Sie ivollen nur Wunden schlagen und keine heilen. Das Gewerbe,� das Sie jetzt treiben, könnten Sie dann nicht mehr betreiben.(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. v. Liszt(frs. Bp.): Auf die nenlichen Ausführungen deS Herrn Strosier über die Prügelstrafe brauche ich um so weniger einzugehen, als fiir die Einführung der Prügelstrafe der Reichstag zuständig ist und die verbündeten Regierungen die Prügelstrafe ab- lehnen. Die Vorwürfe gegen die Jugendgerichte waren ganz un- berechtigt. Der preußische Justizmiiiister würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er im Gegensatz zum Reichsjustizamt beim Bundesrat einen Antrag auf Schaffung emes besonderen Jugendstraf» rechts einbringen würde.(Bravo l links.) Damit sckließt die Debatte.* Persönlich bedauert Abg. Rosrnow(fts. Vp.), daß nur Juristen in der tagelangen Debatte zu Worte gekommen seien, von denen keiner die Weltfremdheit vieler Richter kritisiert habe. Dieser Weltfremdheit könne man steuern dadurch, daß man die Richter an den Handelshochschulen Kurse nehmen lasse. Der Titel„Ministergehalt" wird bewilligt. Bein, Kapitel„OberlandeLgericht" führt Abg. Marx(Z.) Beschwerde darüber, daß im ganzen Bezirk des Kammergerichts �die stenographischen Kurse nur nach dem einen System Stolze-Schrey eingerichtet sind. Das Kapitel wird angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr. (Außerdem kleinere Etats. Zweite Leimig der PfarrerbesoldungS- gesetze und dritte Lesung des LehrerbesoldnngsgesetzeS.) Schluß 4 Uhr._ Parlamentanfched. Finanzkommission deS Reichstags. Zu§ IV deS Erbschaftssteuergesetzes stellten die sozial- demokratischen KommissionSmttglieder den Antrag, den§ 10 zu fassen wie folgt: Die Erbschaftssteuer beträgt: I. zwei vom Hundert: 1. für Ehegatten, 2. für Kinder und Stiefkinder, S. für uneheliche Kinder und im unmündigen Alter adoptierte Kinder; EL vier vom Hundert: 1. fiir leibliche Eltern und Stiefeltern, 2. für Schwiegerkinder, 3. für voll- und halbbürtige Ge- schwister; Ell. sechs vom Hundert: 1. für Großeltern und entferntere Vor- eitern, 2. für Schwiegereltern, 3. für Abkömmlinge ersten Grades von Geschwister»: EV. acht vom Hundert: für Geschwister der Eltern, V. zehn vom Hundert: für testamentarisch bedachte Personen, die nicht unter Nummer I bis IV fallen, sowie für Körperschaften; �VE. sechzehn vom Hundert: für nicht unter 1 bis EV aufgeführte Intestaterben. Uebersteigt der Wert deS Erwerbs den Betrag von 20 000 M., so wird vom Ueberschuß zwischen 20 000 M. und 40000 M. das 1'/� fache 40000„. 80 000.. l'/a» 80000„„ 100000„„ 1% n 100 000„„ 240000„„ 2 240000„„ 600000,„ 2»/,„ 600000..„ 1000000„„ 2Va„ „ 1000000„„ 2 000 000„„ 2*/,„ über 2000000........„3. der in Absatz 1 bestimmten Sätze erhoben. Genosse E ni in e l begründete den Antrag, der eins wesentliche Verbesserung deS Gesetzes bedeute und den Ertrag der Steuer be- deutend erhohe, ohne starke Belastung des Besitzes. Abg. Müller- Meiningen begründete die freisinnigen Anträge. Der nationalliberale Abg. Dr. Weber sagte, der sozialdemalratische Antrag laufe aus Konfiskation des Vermögens hinaus. während der konservative Abg. Dietrich behauptete, der s r e i s i n n i g e Antrag konfisziere noch mehr als der sozialdemokratische! Schatzsekretär S y d o w erklarte: Wenn man die Nachlaßsteuer nicht wünscht, dagegen die Steuer auf Erbanfälle erweitern wolle, habe er nicht» dagegen, aber er sei gegen die von sozialdemokratischer und freisinniger Selte gestellten Anträge. Genosse Geyer: Schon vor drei Jahren habe man dieselben Einwände gegen unsere Anträge erhoben, aber die französische wie die englische Erbschaftssteuer gehe viel weiter, und dock rede man dort nicht von„Konfiskation des Vermögens". TaS seien Uebertreibungen ohne jeden Wert. Wenn die finanzielle Not deS Reiches in einigen Jahren auis neue steige, werde man auf unsere Anträge zurückgreifen müssen. Vorerst suche man noch Unsummen aus indirekten Steuern zu ziehen. Abg. Spahn ist gegen die Anträge; er fragt an. was an der im„Berliner Tageblatt" gnnndjten Mitteilung über die geheime Sitzimg im Wrimnrschrn Landtage Wahres sei. Der S ck a tz- sekretär erwiderte, die Rackrickt deS„Berliner Tageblattes" müsse auf unrichtiger Ausfasjung beruhen.— Genosse Ulrich verteidigte unsere Antrüge, die die Besitzende» ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend zur Steuer heranziehen wollen. Das Privatelgentum an den Produltionömitteln werde durch die Steuer nicht beseitigt. Dagegen behaupten die Abgeordneten Dietrich. Räsicke und Schulz, der Grundbesitz werde durch die Anträge mobilisiert; man wolle mit jahrhundertelanger Ent- tvickelung brechen und zur Aufhebung des Eigen- tu ms schreiten! Die Regierung habe ihre Stellung geändert, sie st ehe jetzt auf sozialdemokratischem Baden! Abg. P i ch l e r(Zentrum) meinte, da» bayrische Königs- bans könne die Steuer„ach diesen Sätzen nicht zahlen, wenn die Landesfürsten steuerpflichtig gemacht würden. Schatzsekretär Sydow erwiderte dem Abg. Rösicke, dieser habe ihn mit einer Volksversammlung verwechselt. Die Behauptung von einer Konfiskation des Vermögens sei Uebertreibung. In Preußen sei man ja mit dem Erbschaftssteuergesetz voran- gegangen. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller, der freisinnige Antrag gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Freisinnigen, der nationalliberale Antrag gegen 12 Stimmen abgelehnt, darauf§ 10 nach der Regierungsvorlage mit Stimmenniehrheit angenommen. Zu Z 11 beantragten die Sozialdemokraten zu Ziffer 1. daß statt bOO M. 2000 M. Erwerb von der Steuer befreit bleiben. Der Antrag wurde abgelehnt. Eine heftige Debatte entstand darüber, daß die Regierung die Absätze s, k, g aus dem Gesetz fort- lassen will, die eine Reihe von Vergünstigungen enthalten. Der Abg. Müller- Fulda meinte, es sei ein Skandal, das; man dem Reichstage eine solche Vorlage mache, nahm aber auf eine entschiedene Verwahrung des Schatzsekretärs hin diesen Ausdruck zurück.... Die Mehrheit lehnte die von der Regierung beantragte Aenderung ab: ß 1l verbleibt danach in seiner alten Fassung bestehen. Der 8 12 enthält Begünstigungen für Erbschaften zugunsten der„toteu Hand" usw. Die Sozialdemokraten beantragten Streichung dieses Paragraphen, eventuell der Erhöhung des Steuersatzes von 5 auf IV Proz. Der Antrag wurde abgelehnt.— Der 6 12 bleibt bestehen. Räch Schluß der Sitzung gab der weimarische Bundesrats- bevollmächtigte Rebe aus Grund eines Telegeammö die Erklärung ab, die Nachricht des„Berliner Tageblatt" über dir geheime Landtags- sitzung in Weimar sei erfunden. Die Zivilprozeßkommission des Reichstags nahm am Donnerstag den Bericht der eingesetzten Unterkonumssion entgegen und stimmte ihren Anträgen zu: Verschiedene Formalitäten sollen vereinfacht und vereinheitlicht werden. Die Einlegung von Rechtsmitteln(Einspruch, Berufung. Revision, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand) soll künstig dahin abgeändert werden, daß die Frist schon durch die Ein- reichung bei Gericht gewahrt ist, während bisher in der Regel erst durch die Zustellung an den Gegner diese Folge eintrat. Auch das Mahnverfahren(Zahlungsbefehl) wird einfacher und praktischer gestaltet. Allgemein wird ferner die Nachbeeidignug der Zeugen eingeführt, die bisher schon im Militär-Strafprozeß gilt. Von Jntereffe ist endlich, daß auch die alte Eidesformel etwas abgeändert wurde. Der Zeuge wird nach seiner Aussage be- schwören müssen, daß er.die reine Wahrheit gesagt und nichts per- schwiegen" habe. Die Worte.nichts hinzugesetzt" sind gestrichen worden._ AuS bei' Bubgetkommission fcc3 Reichstags. (15. Sitzung vom 11. Februar.) Die Beratung deS Etats über Reu-Guinea tvurde zu Ende geführt, gleichzeitig wurden die Etats für die Karolinen-, Palau-, Marianen- und Marschallinseln sowie für Samoa erledigt. Unter den Einnahmen befinden sich für Reu-Guinea 18 000 M. Gebühren für Anwerbung von Arbeitern. Von einem Mitgliede des Zentrums wurde angefragt, wie der Posten zu verstehen sei; ob etwa die Regierung Arbeiter für Privatunternehmer anwerbe und sich dafür eine Permittelungsgebühr zahlen lasse. Aus der Denkschrift über die Kolonien scheine übrigens hervorzugehen, daß dort noch Zwan'gSarbe'it bestehe!— Von der Regierungsbant wurde entgegnet, daß die Einnahmen sich aus den Prüfungen der Arbeits- vertrage ergeben. Wenn Arbeiter sich weigerten, z. B. Neger- arbeiten zu verrichten, so müßten sie eben durch die Polizeitruppe herbeigeholt werden. Auch die Einfuhr von farbigen Arbeitern werde sich notwendig machen, wenn der Plantagenbau gesteigert werden solle. In erster Linie kämen Ma'ayen und erst in zweiter Linie Chinesen in Frage. Um dem Aussterben der eingeborenen Männer entgegenzuwirren, soll die Ausfuhr(!I) von Frauen ver- boten und die Inzucht bekämpft werden.— Ein ZentrumSabge- ordneter beklagt sich darüber, daß die Regierung gegenüber den Vertretern der beödcn Konfessionen nicht paritätisch verfahre. Beim Titel.sachliche und vermischte Ausgaben" regt Abgeordneter Erz- bcrger an, die koloniale Postvcrwaltung, die jetzt mit in der Reichs- postVerwaltung verbucht wird, auch aus den Kolonialetat zu über- nehmen. Staatssekretär Ternburg erkennt an, daß der jetzige Zu- stand seine bedenklichen Seiten habe; er selbst habe recht unan- genehme Erfahrungen in Afrika damit gemacht. Er sei 6 Wochen lang in Ostafrila der Telegraphenleitung entlang gereist, ohne etwas aus der Welt zu erfahren. Der Telegraphen- direktor hätte ihm einen Te l c g ra p he nap pa r at, den er auf der Strecke hätte anbringen lassen können, unter Hinweis auf das Postgeheimnis verweigert.(Große Heiterkeit.) Bon fozialdemokra-ti- scher Seite wurde angeregt, die Abnahme der hier bestellten Waren nicht in den Kolonien, sondern wo die betreffende Firma ihren Sitz habe, erfolgen zu lassen. Es sei bekannt, daß leistungsfähige Firmen wegen der Möglichkeit der Zurückweisung ihrer Ware in den Kolonien durch einen nicht sachverständigen Bc- amten gar keine Offerte einreichten. Staatssekretär Dernburg erwidert, die Frage sei schwierig; denn es ließe sich keine allgemeine Regel aufstellen,: während die eine Ware hier abgenommen werden könne, sei das z. B. bei Maschinen nicht möglich. Er wolle die Angelegenheit im Auge be- halten. Vom Abgeordneten Erzberger wurde angeregt, die alte Ein- richtung der Kilometergelder für Beamte, die in die Heimat reisen, aufzuheben; man solle ihnen einfach die F a h r k o st c n ruck- vergüten. Hiergegen wanMc sich sein Fraktionskollege Schwarz, der den Standpunkt vertrat, daß die den Beamten bei ihrem Eintritt in den Kolonialdienst bezüglich des Urlaubes und der Reisever- gütungen gemachten Zusicherungen auch gehalten werden müßten. Der Beamte besitze hier ein klagbares Recht. Der Posten lvurdc bewilligt. Eine längere Debatte entspann sich über die Anstellung eines weihen Maschinisten auf der Regierungödampfpiiiasse für die Station Kieta. Auf Antrag des Zentrums wurde statt des ver- langten weißen ein fchwarze'r Maschinist bewilligt, wodurch 600 M. erspart wurden. Einen AuSglcichSfonds für unvorhergesehene Ausgaben zu schaffen, regt der Abgeordnete Erzberger an. Von sozialdemokra- tischer Seite und auch von einem Mitgliede deS Zentrums wurde der Gedanke scharf zurückgewiesen, weil seine Durchführung eine Einschränkung des Budgetrechts des Reichstags bedeute und geradezu zu Ueberschreitungen der bewilligten Mittel auffordere;- es müffe möglichst jede Ausgabe ctatifiert werden. Der Anregung wurde nicht weiter stattgegeben und der Etat für Neu-Guiuea bewilligt. Beim Etat der Karolineninseln wendet sich Schwarze- Lippstadt gegen die Kopfsteuer von 40 M. jährlich, welche dort sogar die armen Missionare bezahlen müßten; die Kirche habe viel Geld in das dortige MissionsweseU hinein- gesteckt, doch sei der Erfolg sehr gering. Staatssekretär Dern- bürg verspricht, sich mit dem Gouverneur zu verständigen: ob und eventuell inwieweit die Missionare von der Kopfsteuer befreit werden könnten. Der Etat für die Karolinen wurde glatt be- willigt. Die Beratung über den Etat für das Schutzgebiet Samoa brachte zunächst eine Anfrage von sozialdemokratischer Seite, ob eS wahr sei, daß der Gouverneur Konzessionen für Berkauf von Opium erteilt habet Die Antwort lautete merkwürdigerweise nicht ver- neinend, sondern ein Regierungsvertreter erklärte, daß Opium nur gegen Scheine verabfolgt werdeil Eine längere Debatte entspann sich über das eiserne Gitter, welches der Gouverneur Dr. Solf anstatt des ihm bewilligten hölzernen hatte anbringen lassen. Die Kolonialvertualtung hat diese selbstherrliche Handlung des Gouverneurs nicht gebilligt und hat, nachdem der Reichstag den Posten im vergangenen Jahre beanstandet hatte, den Betrag von insgesamt 8850 M. von ihm eingezogen. Jetzt scheint ihr der Mann leid zu tun und sie fordert die Summe vom Reichstag, um sie dem Gouverneur zurückzuzahlen! Die Forderung wurde jedoch nut Stimmengleichheit abgelehnt. Dem Block war einer ab- trünnig geworden, deshalb der Hereinfall. Im übrigen wurde der Etat für Samoa bewilligt. Nächste Sitzung Freitag: Fortsetzung des Etats über die Schutzgebiete. Die Kommission zur Beratung der Gewerbeordnnngsnovelle setzte am Donnerstag die Beratung über den Maximalarbcitstag fort. Zur Debatte steht folgender Antrag unserer Parteigenossen „§ 133 b) In Betneben mit ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit sind die für die Tag- und Nachtarbeit bestimmten Arbeiter in drei Abteilungen einzuteilen. Die regelmäßige Arbeitszeit der einzelnen Abteilungen darf 8 Stunden innerhalb von 2t Stunden nicht übersteigen. In Hütten-, Walz- und Hainnierwerken sowie in Metallsthleifereien, Glasfabriken und in Betrieben der chemischen Industrie darf die regelmäßige tägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht übersteigen." Bon de» ZentrumSvcrtretern wird allgemein die Einführung des Z e h n st u n d e n t a g e S gefordert. Ferner beantrag G i e S b e r t S fg.):„In Betrieben, welche mit ununterbrochenem Feuer arbeiten, dürfen die in Tag- und Nachtschicht vor dem Feuer verwendeten Arbeiter je höchstens acht Stunden beschäftigt werden." Bon dem Vertreter der preußischen Regierung wird die Ein- führung eines Zehnstundentages für unannehmbar erklärt! An dieser Frage lvürde die ganze Vorlage scheitern. Es gibt eine Anzahl Arveiter, denen Gott der Herr die Kraft gcgcgen hat, länger als 10 Stunden zu arbeiten, und sehr viele Männer, die heute ein großes Unternehmen leiten, haben die Position durch eine lange Arbeitszeit erworben. Für das Handwerk würde diese Anforderung zu schweren Schädigungen führen. Genosse Molkenbuhr entgegnet, daß die Beispiele, die der Regierungsvertreter anführt, sehr selten sind. Im übrigen ist es ein großer Irrtum, zu glauben, daß durch übermäßige Arbeitszeit jemand zu einem großen Vermögen gekommen ist? Wie viel Ucber- stunden müsse eiu Arbeiter eigentlich leisten, um in den Besitz eines Hochofens zu kommen!? Wenn wir die Zahl der Arbeiter entgegen- stellen. die durch überlange Arbeitszeit Schaden erlitten habew so dürfte diese Zahl tausendfach größer sein als die Zahl derjenigen, die wirtschaftliche Borteile zu verzeichnen hatten. Die Anträge sehen überhaupt nur Betriebe vor, die inindestens 20 und mehr Arbeiter beschäftigen. Das Kleinhandwert wird also von der Beschränkung der Arbeitszeit nicht berührt. Durch die Seemannsordnung ist vorgeschrieben, daß der Arbeiter vor dem Feuer nur 8 Stunden arbeiten dürfe, und in tropischen Gegenden ist für die Mannschaft eine 8- und Ivstündige Arbeitszeit vorgesehen. Wir haben also hier schon für einen be- stimmten Beruf die Begrenzung der Arbeitszeit. Mit welchem Rechte kann man nun aber die gleiche schwere Arbeit vor den Hochöfen und in Walzwerken, wo die Arbeiter unter unerträglicher Hitze bei schwerer Arbeitsleistung aushalten müssen, von diesen Arbeitern verlangen, ohne ihnen den nötigen Schutz zu bieten? Die Eisenindustrie ist in der Lage, diese Anforderung zu bewilligen. Hitze(Z.) erklärt, daß, wenn diese Anträge abgelehnt werden, man dem Antrag der Sozialdemokraten zustimmen werde, daß der Bundesrat nicht wie bisher nur bei GesundheitSschädigung sz 120 o) für bestimmte Gewerbe einen Maximalarbeitstag vorschreiben kann, sondern auch dann, wenn die Fortbildung des Arbeiters oder sein Familienleben durch lange Arbeitszeit Schaden er- leidet. M a n z(frf.) ist ein Anhänger der kürzeren Arbeitszeit. Er habe die Erfahrung gemacht, daß bei einer Herabsetzung der Arbeits- zeit von elf auf zehn Stunden sehr gute Erfolge gezeitigt worden sind. Aber es ist verfehlt, zu verallgemeinern. Durch den Zehnstmidcntag für Arbeiterinnen wird es wohl in Deutschland kaum noch Betriebe geben, die über 10 oder 11 Stunden Arbeitszeit vor- schreiben. Vogel(natl.) hält den Standpunkt der preußischen Regierung für richtig. In die 12 stündige Schicht in Hüttenwerken fügen sich sehr viele Pausen ein; gegenwärtig würde ein Ueber- gehen zu einer Achlstundenschicht für die Frauenbetriebe eine schwere wirtschaftliche Schädigung bedeuten. Die Konservativen vertraten denselben Standpunkt. Genosse Molkenbuhr weist gegenüber dem Abg. Manz darauf hin. daß in der Statistik des Metallarbeiter-BerbandeS nach- gewiesen ist, daß in den Hütten-, Walz- und Hainmerwerkcn in einem ganz erheblichen Maße der Zwölf st undentag und längere Arbeitszeiten üblich sind! Dazu kommt, daß beim Wechsel der Schicht alle vierzehn Tage Schichten von 2-1 Stunden üblich sind, ohne daß in der Regel feste Pausen eingefügt sind. Die kleinen Werke würden nicht bedrängt durch eine Verkürzung der Arbeitszeit, sondern durch die schlechte Behandlung seitens der großen Syndikate und die Konkurrenz der Großindustrie. Die Schweiz, die unter sehr starker Konkurrenz zu leiden hat, hat seit 1878 den Elfstundentag die den Umfang der Erkrankung der Arbeiter in der Eisenindustrie uachiveiscn. Danach sind Erkrankungen bis zu 85 Proz. der be- schäftigten Arbeiter in einzelnen Fällen nachgewiesen. Frankreich hat den Zehnstuiidentog und die Schweiz ist gleichfalls auf dem Wege, den Iehnstnndentag herbeizuführen. Deutschland ist in der industriellen Ent- Wickelung Iveit voraus, die Industrie kann die Verkürzung der Arbeitszeit vertragen.— G i e s b e r t s(Z.) begründet den Antrag des Zehnstundentages mit dem Nachweise, daß in einigen Berufen die G e lv e r k s ch a f t e n in großem Umfange den Zehnstundentag eingeführt haben. Aber die Großeisenindustrie ist leider diesem Einfluß entrückt und treibt eine rücksichtslose Ausbeutung der Arbeiter. Die Erklärung der Regierung wird bei den nationalen Arbeitern draußen im Lande eine große Enttäuschung hervorrufen. Der Redner will aber„die Vorlage nicht in Gefahr bringen" und schlägt deshalb eine Resolution vor. die eine Verordnung nach ß 120 a entsprechend dem Antrage des Zentrums für die Hüttenarbeiter vom Bundesrat fordert.— Abg. Merkel jnatl) wendet sich gegen die Anträge.— Abg. Behrens gelehnt. Hierauf wurden mehrere Anträge beraten, welche sich auf die Festsetzung der Diäten für die Delegierten zum Verbandstag be- ziehen. Angenommen wurde ein Antrag, wonach die Diäten 12 M. betragen und 6 M. für entgangenen Arbeitsverdienst gc- zahlt werden sollen. Die Beratung der sonst noch vorliegenden Anträge wurde bis zur nächsten Generalversammlung vertagt. Lerantwortl. Redakteur: Carl Wcrmuth, Berlin-Rixdorf, Für denJnseratenteil verantw.: Tb. Glockr. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckcrei u. BcrlagSanstalt PetüTSinger ch Co.. Berlin Nr. B6. 36. Zchrgmz. ßcmfszählungsergebniffe für das NeiMche Reich. Räch der Bsrufszählung vom 12. Juni 1907 wurde im Deutschen Reiche eine Gesamtbevölkerung von 61 726 529 Personen festgestellt. Bei den Seiden vorhergehenden Berufszählungen 189S und 1882 betrug die Volkszahl 51776 281 und 45 222113. Danach hat die Reichsbevölkerung sich in den 12 Jahren von 1895 bis 1967 um 9 956 245 oder 19,2 Proz. vermehrt, während die Zunahme in dem früheren 13 jährigen Zwischenraum von 1832 bis 1895 nur 6 666 548 Personen, d. h. 14,4 Proz. betragen hat. � Die Bevölkerung verteilt sich auf die einzelnen Bevölkcrungs- gruppen wie folgt: 1967 1893 1882 Erwerbstätige im Hauptberuf 26 327 362 26 776 873 17 632 668 Dienende....... 1264 755 1 339 316 1 324 924 Angehörige....... 36 223 429 27 517 285 24 916 695 Berufslose Selbständige.. 3 464 983 2 142 868 1 354 486 Zusammen 61 726 529 61 770 284 45 222 113 Wie in Preußen so hat auch in Deutschland die weibliche Arbeitskraft stärker zugenommen als die männliche, wie die folgende Tabelle ersehen läßt. Bon je 166 der männlichen oder weiblichen Bevölkerung rechneten zur Gruppe Männliche 1832 1895 1967 66.33 61,63 61,61 6,19 6,16 6,63 36.49 34,83 33,65 2,94 4,64 5,29 das Reich bestätigen, Resultate, ein Zurückdrängen der landwirtschaftlichen Bevölkerung, einen Vormarsch von Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr. Hier zunächst die absoluten Zahlen nach der letzten Erhebung: Z. Kiltzt Ks Jonittf Kerlim WIMM. Flettag. 13. Ftbruar 1909. Erwerbstät. imHauptber. Dienende...... Angehörige..... Berufslose Selbständige Die Ergebnisse für Weibliche 1882 1895 1967 18,64 19,97 26,37 5,56 4,99 4,66 72,94 76,81 63,96 3,64 4,23 6,73 wie die preußischen Berufsabteilungen A. Landwirtschaft, Gärtnerei u.Tierzucht. Forst- Wirtschaft und Fischerei f5. Industrie, einschließlich Bergbau und Bau- gewcrbe..... 0. Handel und Verkehr, einschlicßl. Gast- und Schankwirtschaft.. t). Häusliche Dienste(eilt- schließlich persönliche Bedienung), auch Lohn- arbeit wechselnder Art Militär-, Hof-, bürgerlicher und kirchlicher Dienst, auch sogenannte freie Berufsarten.. F. Ohne Beruf und Be- rufSangabe.... Personen überhaupt Erwerbs- tätige Die- nende 9883257 11256254 3477626 471695 1738636 3464983 163829 331756 342965 1220 223383 261661 An- gehörige 7634696 14798527 4467658 319827 1415268 1568119 30228429 Berufs- zu- gehörige ins- gesamt 17631176 26386537 8278239 792748 3467126 Y174763 61726329 36232345 j 1264753 Der landwirtschaftliche Volköteil umfaßt nicht einmal mehr ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. der Anteil, der auf Industrie und Geiverbe entfällt, beträgt allein mehr als ein Viertel aller Gezählten. Wie sich die Verschiebung im Lichte der Vcrhältniszqhlcn ausnimmt, veranschaulicht die folgende Ausstellung: Auf die einzelneir VerufSabteilungen entfielen von je 166... Die Angaben beweisen, daß seit der letzten Berufszählung die Bcrufsangchörigen zur Landwirtschast(Gärtuerei und Tierzucht) heruntergegangen sind von 36,19 auf 32,19 Proz. Im Berg- und Hüttenbau haben sie zugenommen von 4,13 auf 5,76 Proz. sd. i. eine Zunahme um 46 Proz.), in der Maschinenindustrie haben sich die Berufsaiigehörigen vermehrt von 2,33 auf 4,28 Proz.(also fast um 166 Proz.), in der Metallverarbeitung von 4,81 auf 5,46 Proz. In der Textilindustrie ist die Verhältniszahl gefallen von 4,23 auf 3,71 Proz. Im Baugewerbe ist die Zahl der Berufs- zugehörigen gestiegen von 8,29 auf 9:27 lskoz., im Handelsgewerbe von 6.57 auf 7,12 Proz., im VerkehrSyewerbe von 4.48 auf 6,63 Proz., im GastwirtSgewerbe von 2,13 auf 2,33 Proz. Die Zahl . der Angehörigen hat sich vermindert von 53,15 auf 48,97 Proz. Die erwerbstätige weibliche Bevölkerung hat zugenommen von 19,97 auf 26,37 Proz., also um 7 Proz. So zeigt auch die Reichsstatistik das Bordringen der weiblichen Elemente im Erwerbsleben und die fort- schreitende Industrialisierung Deutschlands. vas neue Slelngektz. Die Weiugesetzkommission hat in dritter Lesung den Regierungs- entwnrf mit zum Teil sehr wesentlichen Abänderungen angenommen. Die Beratungen gestalteten sich bei den einschneidenden Paragraphen außerordentlich schwierig, weil die Jnteresien der Weinhändler denen der Weinbauern oftmals scharf gegenüberstanden. Der Gesetzentwurf berücksichtigt in erster Linie die Klagen der Winzer, wonach große Quantitäten Wein Tmrch Zusatz von Zuckerwasser erzeugt werden. das Angebot sehr erheblich verinehrt wird und die Preise gedrückt lverden. Die Zuckerungsfrage und die Kontrolle der Zuckerung bildeten daher den wichtigsten Gegenstand der Beratungen. Der Zusatz von Zucker geschieht nicht etwa nur.>vie im Publikum allgemein angenommen wird, um den herben Geschmack zu mildern, sondern die Zuckerung geschieht meist. um die Quantität zu vermehren. Bei der Vergärung deS Zuckers in der Weinmischung bildet sich fiämlich Alkohol, der nun einen Zusatz an Wasser und damit die Verrnehrung gestattet. In der Kommission wurde die interessante Tatsache festgestellt, daß eine bedeuteilde Weinhandlung ihrem Kominisfionär den Auftrag erteilte. nur Wein zu kaufen, der einen bestimmten hohen Säuregehalt habe! Auch-wurde weiter festgestellt, daß der saure Wein besser be- zahlt wird als der milde, tvcil er zuckerungS- und damit ver- mehrungsfähiger ist. Um die Zuckerung einzuschränken, ist hestimmt, oaß Der Zuckcrwasscrzusatz in keinem Falle mehr als ein Fünftel be- tragen darf. Weiter darf die Zuckernng— lediglich um die Kon- trolle zu erleichtern— nur vom Beginn der Weinlese an bis zum 31. Dezember desselben Jahres erfolgen. Die Regierung hatte vorgeschlagen, den Schluß der Zuckerung einen Monat später, also erst am 31. Januar des folgenden Jahres, stattfinden zu lassen, aber die Mehrheit der Kommission wollte den„Schmierern* möglichst wenig Zeit zur Ausübung ihres„Verlängerungshandwerks" lasten.— Weiter muß die Zuckerung der zuständigen Behörde an- gezeigt werden, die aber eine Genehmigung nicht zu erteilen hat. Man unterließ eS, die Zuckernng von einer Genehmigung abhängig zu machen, weil man keine Möglichkeit der Durchführung sah. Man darf also annehmen, daß, wo gezuckert wird, im allgemeinen bis zur zulässig höchsten Grenze von einem Fünftel gegangen werden wird. Immerhin wird es für den Weintrinker eine relative Be- ruhigmig sein, zu wissen, daß unter hundert Liter„Wein* nur 26 Liter Zuckerwasser enthalten sein dürfen. Ferner ist— gleichfalls der Kontrolle wegen— den Wein- Händlern und Winzern eine Buchführung vorgeschrieben, ans der Einkauf und Verkauf des Weines und der Produkte zur Keller- behandlung, eventuell auch welche Weinbergsflächen abgeerntet sind, hervorgehen muß. Weiter darf die Zuckerung nur innerhalb der am Weinbau beteiligten Gebiets vorgenommen werden. Auch diese Ein- schränkung ist der Kontrolle wegen gemacht worden, weil man annimmt, daß. wenn man— wie bisher— die Zuckerung überall. also auch in Berlin und den Hansastädten(die einen bedeutenden Weinhandel haben) gestattet, die Kontrolle versagen würde. Weiter ist nicht unwichtig, daß ausländischer Wein in Deutschland zu keiner Zeit und nirgends gezuckert werden darf. Das hat man allerdings nickit so ausdrücklich gesagt, sondern man hat es negativ ausgedrückt, indem der Entwurf nur von dem aus inländischen Trauben geivonnenen Traubenmost spricht. Die Einfuhr gezuckerten Weines ist jedoch gestattet, der Bundesrat lvird sogar ermächtigt, Ausnahmen zu gestatten, wenn die Vor- schriften des Ursprungslandes innegehalten worden sind. Gezuckerter Wein darf nicht in einer Weise feilgehalten werden, die ans eine besondere Reinheit des Weines oder auf besondere Sorgfalt bei der Gewinnung der Tranben schließen läßt. Ge- zuckerter Wein darf also beispielsweise weder als„Auslese* noch als„Kreszenz" bezeichnet werden. Zum Schutze des Rotwein- baues soll Rotwein, wenn er mit Weißwein verschnitten ist, als „Verschnitt* deklariert werden. Nicht minder schwierig als die Regelung der ZuckerungSftage gestaltete sich die der Zulässigkeit des Weinverschnitts. Obgleich durch den Verschnitt keine Vermehrung stattsindet, so hätte nicht viel gefehlt und der verschnittene Wein wäre viel schlechter gestellt worden als der gezuckerte. Hier traten die Interessengegensätze der einzelnen Weinbangebiete manchmal sehr scharf in die Er scheinung. So wurde in der zweiten Lesung beispielsweise be stimmt, daß ein Verschnitt aus Erzeugnissen verschiedener Her knnft nack> der Art benannt werden soll, welche in der Menge der Mischung überwiegt. Hiergegen protestierten sowohl die Besitzer der Qualitätsware wie die Weinhändler. Wenn, so lvurde ausgeführt, nur ein Drittel deS rassigen, deckungsfähigen rheingauer Weines zu dem milden charakterschwachen rheinhessischen Weine gemischt werde, so erhalte das gesamte Quantum den rhein ganer Charakter. Die Kommission änderte in der dritten Lesung ihren Beschluß dahin ab, daß sie von einer Festsetzung der Menge überhaupt absah und beschloß:„Die Herkunst wird nach dem Anteil benannt, welcher die Art bestimmt. Die Angabe einer Weinbergs läge ist nur dann zulässig, wenn der Verschnitt ausschließlich aus ungezuckerten Bestandteilen besteht." Auch bei der Angabe einer besonderen Wein b e r g S l a g e hat die Kommission in dritter Lesimg eine Milderung eintreten lasten. Während erst die Angabe einer Weinbergs- läge dann zulässig sein sollte, wenn mindestens zwei Drittel aus der betreffenden Lage stammen, wurde dieser Anteil auf die Hälfte ermäßigt. Im Rüdesheimer Berg wird also in Zukunft mindestens die H ä l f t e der Mischung von RüdeSheimer Berg selber geerntet sein müssen. Wie bei der Zuckerung, so ist auch beim Verschnitt der Anslandswein schlechter gestellt. Den Verschnitt mit deutschem Wein konnte man allerdings nicht verbieten, aber es ist dafür verboten, einen solchen Verschnittwein als deutschen Wein in den Handel zu bringen. Die vermeintliche oder wirkliche Eigenart deS deutschen Weines soll durch Verschnitt mit ausländischem Wein nicht be- einträchtigt lverden.... Auch der nach der französischen Stadt Cognar benannte Weier schnaps wird der Kontrolle unterworfen. Ein als„Kognak" bezeity neter Trinkbranntweiii muß mindestens 38 Raumteils Alkohol ent halten; wird er als Kognakverschnitt bezeichnet, so brauchen von der Gesamtmenge des Alkohols nur 16 Raumteile aus Weingeist gewonnen zu sei». Die Strafen sind erheblich verschärst. Während das bisherige Gesetz nur Geldstrafen kennt, sind jetzt auch Gefängnisstrafen und in besonders schlimmen Fällen für die Lieferanten zur Weinbereitung verbotener.Stvffe sogar vis zu zwei Jahren vorgesehen. Das Gesetz soll mit dem 1. September dieses Jahres in Kraft treten, damit die neuen Bestimmungen für die Herbstlese bereits Geltung haben. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Weingesetzkommission haben in der Schlußabstimmung für die so abgeänderte Vorlage gestimmt, weil sie den Schwindel treffen und den Weinbauer wie den Weintrinker schützen will. Stadtverordneten- Versammlung. 6, Sitzung vom Donnerstag, 11. Februar. nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach S'/S Uhr. Vor der Sitzung ist der Ausschuß für die Vorlage betr. die Festsetzung von Fluchtlinien für die Verlängerung der Alten Jakobstraße bis zum Planufer, sowie der Pflasterausschuß gewählt worden. Zur Verhandlung steht zunächst der A n 1 r a g' A r o n s und Genossen(Soz.): „Die Versammlung wolle beschließen, dtn Magiftrap zu er suchen, ihr die Maßnahmen, welche der Magistrat in Verfolg des Beschlusses der Versammlung vom 31. Mai 1966, die Neue in- teilung der dritten Abteilung betreffend, getroffen hat, zur Kenntnisnahme zu unterbreiten." Stadtv. Borginann(Soz.): Wir haben jetzt Februar 1969. Es ist bisher noch keine Mitteilung gemacht worden, in welcher Weise der Magistrat den Beschluß vom 31. Mai 1966 durchführen will. Es wird im Interesse der ganzen Versammlung liegen, Auskunft darüber zu erhalten, denn in diesem Herbst finden die üblichen Ergänzungswahlen für die Versammlung statt, und es ist-nichts natürlicher, als daß die beteiligten Kreise rechtzeitig von den Ab- sichten des Magistrats Kenntnis erhalten. Tie Ursache des da- maligen Beschlusses war die, daß durch das Wachsen der Stadt und die Verschiebung der Verhältnisse in ihren einzelnen Distrikten. durch die fortschreitende Entvölkerung der inneren Stadt und die Erweiterung und fortschreitende Bebauung der Peripherie eine immer größere Anzahl von Wahlkreisen weit über das Durchschnitts- maß von Wählern hinauswächst, während im Innern der Stadt die Wählerzahl der einzelnen Bezirke zurückgeht. Wir haben heute schon wieder Wahlbezirke mit 20 000, 17 606, 16 006. 15 600 Wählern, während andererseits eine ganze Anzahl mit nur 3660 bis 4566 Wählern vorhanden sind. Diese Verschiebung war ja vorauszu- Dheu, und darum hat damals der Ausschuß jesien Beschluß, wie ich meine, einstimmig gefaßt, und die Versammlung ist ihm bei- getreten. Stadtrat Böhm: Ich bin bereit, die Anfrage sofort zu beant» Worten. Der Rdagistrat hat infolge des Beschlusses eine Kommission eingesetzt, mit der Aufgabe, die Frage zu prüfen, ob und wie eine Neueinteilung der Wahlbezirke vorzunehmen sei. Die Kommission hat zwei neue Einteilungspläne aufgestellt, einen selbständig, den anderen unter Anlehnung an die Laudtagswahlbezirke. Die Kom- Mission hat beide Pläne eingehend durchberaten und ihre Arbeit vollendet; sie wird dem Magistrat demnächst Bericht erstatten und, falls der Magistrat eine Reueinteilung beschließen sollte, wird alles so rechtzeitig vorgesehen werden, daß die Neueinteilung nach den Wahlen im Herbst zugrunde gelegt werden kann. Stadtv. Borgmann: Ich war auf eine solche Antwort nicht vorbereitet. Seit 1966 ist doch so viel Zeit gewesen, daß nicht jetzt erst die Sache vor den Magistrat zu gehen brauchte. Ich glaube. es liegt hier eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegen die Bürgerschaft und Wählerschaft vor. Wenn der damalige Ausschuß den Beschluß faßte„bis 1969", so geschah das in Rücksicht darauf, daß es damals bei der Kürze der Zeit nicht mehr möglich gewesen wäre, eine Neu- einteilung vorzunehmen. Jetzt teilt der Magistrat mit, daß er erst noch in seinem Schöße eine Beratung vornehmen will. Nach meinem Dafürhalten könnte diese Rücksichtslosigkeit sehr wohl vermieden werden, so sehr ich die Ileberlaftung des Magistrats mit Arbeit an- erkenne. Der Antrag wird abgelehnt. Stadtv. Borgmann(zur Geschäftsordnung): Ich mache darauf auftnerksam, daß die Abstimmung in einer Form vor sich gegangen ist, so daß die meisten Mitglieder nicht gehört haben und hören konnten, worüber abgestimmt wurde. Die Vorlage wegen Neufassung des§ 1 Abs. 2 der Ordnung für die Erhebung der Umsatzsteuer im Bezirk der Stadt Berlin wird nach kurzer Besprechung, an der sich Stadtrat T o u r b i e und die Stadtvv. Galland(A. L.) und Werner(N. L.) beteiligen, einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die Bericht erstattun-g des Ausschusses fikr den Antrag der Stabtvv. Gelpcke und Genossen(Fr. Fr.) wegen Einrichtung besonderer Abteilungen für zahlende Kranke in den stäldtischen Krankenhäusern und Irrenanstalten. Referent fit Stadtv. I a c o b i(A. L.). Der Ausschuß ist nach 2 Sitzungen zur Ablehnung des Antrages Gelpcke wie auch eines Bermittelungs- cmtrages gelangt, dem gemäß der Magistrat eine Vorlage nmchen sollte, wonach jedem Berliner Bürger das Recht der Aufnahnic in ein städtisches Krankenhaus zugestanden werden sollte, sofern er ausnahmebedürftig war und für einen Monat KostenvorschMß leistete. Angenommen und dem Plenum unterbreitet würde oer Antrag: „Den Magistrat zu ersuchen, nach Möglichkeit in den Kranken- Häusern Sorge tragen zu wollen, daß eine größere Anzahl Zimmer durch Teilung vorhandener größerer Säle beschafft wird." Es geht ein Antrag Cassel- Sachs(A. L.) ein: „Den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in ge- niischter Deputation über den Antrag Gelpcke zu beraten." Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Wir hatten ursprünglich keine Ver- anlassung, zu dem Ausschußantrag noch besonders Stellung zu nehmen, nachdem die Mehrheit des Ausschusses sich ungefähr auf die von mir in der ersten Lesung vertretene Auffassung vereinigt hatte. Jetzt hören wir aber von Einsetzung einer gemischten Dcpu- tation. Ich kann mir gar nicht vorstellen, welchen Zweck diese Beratung haben soll, nachdem unser Ausschuß in, 2 Sitzungen mit heißem Bemühen schließlich zu einem Resultat gekommen ist, welches allerdings den Freunden des Antrags Gelpcke nicht sehr sym- pathisch sein dürfte. In unserem Ausschuß sind doch alle Gruppen der Versammlung sowie der Magistrat ausgiebig zu Worte ge- kommen. Merkwürdigerweise ist in einer ganzen Reihe von Tages- blättern, auch in medizinischen Zeitungen, eine Auffassung kund- gegeben, welche dem Tatbestande nicht entspricht. Das mag an dem Wortlaut des Ausschußantrages liegen, der als Abschlags- zahlung auf den Antrag Gelpcke in der Presse vielfach hingestellt wird, so daß den persönlichen Wünschen, in kleinereu Zimmern zu liegen, mehr als bisher Rechnung getragen werden könne. Das uar aber jedenfalls nicht die Absicht, von der sich die Mehrheit des Ausschusses leiten ließ. Es war nicht der Wille dieser Ausschuh- Mehrheit, daß besondere Abteilungen für zahlende Kranke ge- schaffen werden. Gemeint war: die Aufnahme in den kleineren Zimmern soll lediglich durch die Natur der Krankheit bedingt sein; ob reich, ob arm, soll dabei keine Rolle spielen. Die Ausschuß- Mehrheit beharrt dabei, daß die Kranken heiuser allen Schichten der Bevölkerung zur Verfügung stehen sollen. Der Ausschußmitrag steht andererseits nicht etwa außer Zusammenhang mit dem An- trage Gelpcke. In unsere Krankenhäuser worden jetzt auch An- gehörige des sogenannten Mittelstandes aufgenommen, und man kann wenigstens von ei nein moralischen Rechtsanspruch auch dieser sozialen Schicht reden. An den großen Sälen nehmen nicht bloß diese Leute, sondern auch die Armen Anstoß. Um im Sinne des Kollegen Gelpcke eine Vervollkommnung zu schaffen, wollen tvir in jedem Spital kleinere Zimmer schaffen; dem behaudelndeu Arzte wird es schon möglich sein, die entsprechenden Kranken zu sammeln. Für Leute, die mehr wünschen, braucht die Stadt nicht zu sorgen; für die sind die Sanatorien und die von privaten, kirchlichen und anderen Verbänden unterhaltenen Krankenhäuser da. In dieser Beziehung steht es nicht so schlimm, wie man behauptet; eS gibt Anstalten, welche schon für 4.56 M. pro Tay Kranke aufnehmen. Im letzten Jahre sind nur 1200 Angehörige deS sogenanudin Mittelstandes in unseren Krankenhäusern verpflegt worden. An- dererseits sagten wir uns, es sei für die Vervollkommnung unserer Krankenhäuser durchaus»wtwendig, daß auch besser Situierte in dieselben gehen, weil von ihrer Kritik Fortschritte zu erwarten sind, wenn sie unter den voryaudeuen Mängeln mit leiden müssen. Als bedauerlichen Rückschritt aber würden wir die, Klassenscheidung ansehen müssen; daß hieße die Plutokratie in die städtischen Kranken- Häuser trage». Das machen wir nicht mit. In letzter Zeit konnten sich unsere Krankenhäuser ja sehen lassen; was noch fehlt, sind die kleinen Zimmer. Wir wollen nicht, daß unsere Krankenhäuser wieder Armenkrankenhäuser werden; das würde lediglich Erbitte- ruug unter den breiten Schichten der Bevölkerung hervorrufen. Es kommt hinzu, daß es sich höchsten s um ganze 53 Betten handeln könnte, welche im Virchow-Krantenhcrnse zur Verfügung stehe»; die alten Krankenhäuser find für diesen Zweck überhaupt nicht in An- spruch zu nehmen. Diese 53 Betten würden aber auch armen Patienten weggenommen werden. Und dabei haben wir immernoch unter Ueberfüllung unserer Krankenhäuser zu leiden; auch heute liegen mir wieder Abweisungsscheine mit dem amtlichen Stempel„Wegen Platzmangels abgewiesen" vor. Der Antrag Gelpcke war für uns ein totgeborenes Kind, und auch der gemischten Deputation wird es nicht gelingen, den Leichnam zu galvanisiereu. Durch die öffentliche Diskussion des Antrages ist immerhin der Anstoß zu weiteren Verbesserungen gegeben worden. Stadw. Dr. Gelpcke(Fr. Fr): Älleinen Antrag auf Klassen- einteilung auch in den Irrenanstalten habe ich als nach den er- folgten Ausklärungen zurzeit gegenstandslos zurückziehen können. Im Ausschuß hat man aber nicht über meinen Antrag wegen Klasseneinteilung in den Krankenhänseni, sondern über die ganze Krankenhausresorm verhandelt, und der Ausschußantrag hat wirk- lich mit meinem Antrage gar n eckst ö zu tun. Ich begrüße daher mit Freuden den Antrag Cassel, dem wir in überwiegender Mehr- zahl zustimmen werden. Stadtv. Cassel(A. L.): Dia überwiegendste Mehrzahl meiner Freunde hält dafür, daß die Sache im Ausschutz nicht erschöpfend beraten worden ist. Wir sehen nicht ein. warum nicht auch für andere Bürger unsere Krankenhäuser da sein sollen, vorausgesetzt. datz die Stadt die vollen Selbstkosten erstattet erhält, warum nicht solche Bürger dort Aufnahme finden können, die diese Leistung auf sich nehmen können, aber nicht die teuren Sätze der Sanatorien usw. Zweckmätzig erscheint uns nunmehr die Prüfung der Frage durch eine gemischte Deputation. Im Prinzip stehen wir auf dem Boden des Antrages Gelpcke, dessen Verdienst es ist. die Sache in Flutz gebracht zu haben. Stadtv. Deutsch(soz.-fortschr.) äußert sich im wesentlichen in gleichem Sinne. Die Möglichkeit müsse gewährt werden, datz die Angehörigen des Mittelstandes in den städtischen Krankenhäusern eine angemessene Aufnahme finden, wenn sie angemessen bezahlen Oberbürgermeister Kirschner: Im Magistrat besteht wie in der von ihm eingesetzten Kommission eine dem Wunsche geneigte Stimmung, die Wohltaten der städtischen Krankenhäuser auch weiteren Kreisen des Mittelstandes zugänglich zu machen. Die Frage, wie dieses Ziel erreicht werden kann, ist autzerordentlich schwierig. Vor allen Dingen mutz Klarheit darüber herrschen, datz das nicht geschehen kann auf Kosten der Behandlung, die jetzt den armen Kranken zuteil wird; die darf in keiner Weise ver- schlechtert werden. Aber ob sich das Ziel erreichen lätzt durch all- gemeine Verbesserungen oder dadurch, datz verschiedene Klassen eingerichtet werden, datz einzelne Stationen oder besondere Kranken. Häuser für diesen Zweck errichtet werden, das sind alles sehr schwierige Fragen. Mit der Ausschutzberatung ist nach meiner Meinung nicht vollständige Klarheit gewonnen und auch der jetzige Ausschutzantrag bietet keine Lösung.(Zustimmung.) Haben Sie das Bedürfnis, von vornherein bei der weiteren Erörterung mit- zuwirken, so kann das unter Umständen den Weg ebnen. Der Magistrat wird wohl bereit sein, dem Beschlutz, wenn Sie ihn fassen, zuzustimmen. Stadtv. Singer(Soz.): Wenn es sich um eine allgemeine Ver- besserung und Vervollkommnung unserer Krankenhäuser nach jeder Richtung handelte und das aus den Worten des Oberbürgermeisters hervorginge, würde man darüber reden können. Aber die Ein- setzung einer gemischten Deputation ist dann überflüssig. Der Oberbürgermeister hat heute vermieden, seine oder die Magistrats. auffaffung über den Antrag Gelpcke direkt zum Ausdruck zu bringen. W i r aber werden unsererseits gehindert, dem Antrag Cassel zu- zustimmen, weil aus diesem Antrag hervorgeht, datz die Alte Linke dem Prinzip jenes Antrages zustimmt und man nun versuchen will, diesen Antrag auf einem Umwege zur Annahme zu bringen. Wir müssen gerade prinzipiell dem Antrage Gelpcke Widerstand leisten. Sie wollen Klassenkrankenhäuser schaffen. (Widerspruch), sowie wir auch ein Dreiklassenparlament haben. (Ohol) Man nennt doch am besten die Dinge beim rechten Namen. Der Zweck geht dahin, den Leuten, welche mehr bezahlen können. auch mehr zu leisten an Bequemlichkeit, guter Nahrung. Verpflegung und Heilbehandlung. Nun ist der Oberbürgermeister sicherlich davon durchdrungen, datz solche Einrichtungen nicht auf Kosten der sogenannten Armenkranken erfolgen sollen. Aber er und die Versammlung haben nicht die Kraft, zu verhiudern, datz, wenn zwe, Klassen errichtet sind, diejenigen Kranken, die nicht soviel zahlen wie die anderen, notwendigerweise darunter leiden müssen. (Sehr richtig!) Dann brauchen wir aber auch ein so erheblich gröheres Personal und müssen soviel mehr ärztliche Aufwendungen machen, datz der Preis der sogenannten Sanatorien nahezu erreicht würde. Datz unsere Krankenanstalten ursprünglich Armenkranken- Häuser seien, wie es nach dem Wortlaut der Städteordnung scheinen könnte, ist eine längst antiquierte Auffassung. Eine ganze Anzahl wirtschaftlich gutsituierter Personen, die mehr bezahlen könnten, gehen in unsere Krankenanstalten, weil sie mit Recht der Meinung sein können, datz sie dort gut und sachgemätz untergebracht find; sie gehen auch deswegen dahin, weil die Stadt über allererste Ouali- täten in ihrem leitenden Aerztepersonal verfügt. Ist dies so, dann haben wir nicht notwendig, verschiedene Klassen einzurichten. DaS Streben mutz dahin gehen, daß der Grundsatz:„Jeder Berliner ist vor dem Gesetz gleich!" wenigstens dahin verwirklicht wird, datz jeder Kranke vor der Stadt Berlin gleich ist. Diese Klassenein- teilung mutz notwendigerweise zur Herabbrückung des Status der anderen Kranken führen. Deshalb stimmen wir auch gegen die Einsetzung einer gemischten Deputation, die man bloß haben.will, um dem Antrag Gelpcke um jeden Preis eine Mehrheit zu schaffen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Auch der Kollege Singer er- kennt das Bedürfnis für derartige Einrichtungen an, ein durchaus wertvolles Zugeständnis. Gewiß ist die Lösung der Frage sehr schwierig: sicher aber ist, datz auf dem Wege der Subvention sie nicht gelöst werden kann. Ich erinnere nur an da» Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus. Ich freue mich sehr über die Erklärung des Oberbürgermeisters. Die Plutokratie wird deshalb noch nicht in unsere Krankenhäuser einziehen. Stadtv. Sachs: Herr Singer hat gemeint, datz wir mit dem Antrage unsere Krankenhäuser wieder zu Armenkrankenhäusern degradieren würden. Er übersieht, datz unsere Nachbarkommunen, die uns so ost als Muster vorgehalten werden, die beantragte Ein- richtung längst ebenso besitzen, wie eine grotze Reihe Von Städten in allen Teilen Deutschlands. Stadtv. Dr. Wryl: Herr Sachs irrt. Es ist doch etwas anderes, wenn bei uns nach 85 Jahren zum erstenmal der Versuch gemacht wird, eine Klassenscheidung vorzunehmen, die in den anderen Städten von jeher besteht. Nur Charlottenburg und Schöneberg machen eine Ausnahme. Es liegt in der Natur der Sache, selbst wenn die ärztliche Behandlung, Verpflegung und Versorgung ausgezeichnet ist, datz schon das Gefühl der Armen- kranken dahin gehen mutz, sie seien Kranke niedrigerer Klasse. In Schöneberg und Charlottenburg werden die Betten l. Klasse kaum benutzt; mit der 2. Klasse, wo 7.50 M. zu zahlen sind, macht Schöneberg sehr schlechte Geschäfte. Ich habe nie geglaubt, datz die Tiergartenvillen sich leeren werden, und alle die Herrschasten dort sich auf den Lotterbetten der Krankenhäuser Berlins niederlassen werden(Heiterkeit); aber eine solche Scheidung machen, nenne ich die Plutokratie einführen. Sie machen uns doch sonst den Borwurf, den Klassenhatz zu schüren; mit der einheitlichen Kranken- behandlung wollen wir doch gerade den Klassenhatz aufheben. Sic wollen das Gegenteil. Sie wollen mit einer gebundenen Marsch- route in die gemischte Deputation hinein; Sie wollen den Antrag Gelpcke durchbringen, koste eS. was eS wolle. Wir haben die Auf- fassung, datz dieser Antrag zum Verderben der Armenkranken aus- schlägt. In der gemischten Deputation würden wir einfach ab- geschlachtet werden. Es geht ein Schlutzantrag ein und wird genügend unterstützt. Gemeldet ist noch«tadtv. Cassel. Der Schlutzantrag wird ab- gelehnt. Stadtv. Cassel: Bisher haben wir in unseren Krankenhäusern überwiegend Kranke, die nicht bezahlen; jetzt wollen wir Wege ausfindig machen, auch solche auszunehmen, die bezahlen können. Nicht um jeden Preis wollen wir den Antrag Gelpcke durchbringen, im Gegenteil soll die Stadt dabei überhaupt keine Opfer bringen. Nach dem Schlutzwort des Referenten Stadtv. Jacob i be- merkt Stadtv. Singer persönlich gegen den Stadtv. Sachs: Ich habe gesagt, wir wollen den Antrag Gelpcke ablehnen, um nicht Klassenkrankenhäuser zu schaffen. Hierauf wird der Antrag Cassel-SachK gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Von der Alten Linken Stadtv. Giese und Gen. ist beantragt: „Den Magistrat zu ersuchen, mit der Versammlung in ge- mischter Deputation darüber zu beraten, ob und welche A e n d c° r u n g e n des bisherigen Verfahrens beim Abschlutz von An- und Verkäufen von Grundstücken und bei Vermietungen seitens der Stadtgemcinde zweckmätzig sind." Stadtv. Giese verweist auf den Vorgang mit dem Verkauf des Grundstückes Schlüterstratze Ecke Lietzenburgerstratze in Charlotten- bu�. wo dem betr. Ausschusse das Recht der selbständigen Ver- Handlung mit anderen Reflektanten bestritten worden fei. Es müsse ferner geprüft werden, ob nicht die Zuziehung von Agenten zulässig sein solle. Auch über die Vermietungen mützten feste Regeln aufgestellt werden. Stadtv. jtyllmann(Fr. Fr.) freut sich des Antrages, der evtl. eine modernere Gebarung der Stadt auf diesem Gebiete anbahnen werde. Der Antrag gelangt darauf mit großer Mehrheit zur Annahme. Die Vorlage betr. die Vermehrung der etats- mätzigen Stell en für 1309 beantragt Stadtv. Liebenow (A. L.) einem besonderen Ausschusse zu überweisen. Wieder sollen 122 neue Beamtenftellen geschaffen werden, da sei besonders gründ- liche Vorprüfung notwendig. Stadtv. Rosenow(N. L.) tritt dem Antrage Liebenow bei, ebenso Stadtv. Mommsen. Es müsse endlich an die Reorgani- sation der ganzen städtischen Verwaltung herangegangen werden, mit der ewigen Beamtenvermehrung könne es nicht weitergehen. Stadtv. Singer: Tie Frage ist ja im Schatze einer gemischten Deputation schon lange Zeit begraben; bedauerlich ist nur, daß ihre Beratung gar keinen Fortgang zu nehmen scheint, offenbar wegen der Ueberlastung des Magistrats. Auch ich meine, es handelt sich hier viel weniger um die Nach- Prüfung der Notwendigkeit jeder einzelnen neuen Stelle, als darum, die ganze Frage bei dieser Gelegenheit einmal jn Flutz zu bringen. Hingewiesen werden mutz auch aus einen Umstand, der uns neuer- dings auch in der Budgetkommission des Reichstages beschäftigt. Ich bin ein lebhafter Anhänger des Achtstundentages, namentlich für die Arbeit, die jemand im Dienst und Lohn anderer macht. Gegenüber bestimmten Bureautätigkciten haben wir das Recht, zu verlangen, dntz da auch acht Stunden gearbeitet wird. Ich glaube nun. datz auch in unseren Bureaus mehrfach unter acht Stunden gearbeitet wird. Da mutz Remedur eintreten; das wird gehen, ohne datz den Beamten zuviel zugemutet wird; andererseits wird dann eine Beamtenvermehrung leichter- vermieden werden können. Die Vorlage geht an einen Ausschutz. Schlutz gegen 8 Uhr._______ Soziales« Zur Ueberarveit ist der Arbeiter uicht verpflichtet. Ter Metallarbeiter F.- war bei her Sprechmaschinenfabrik Albert Schön bis zum 22. Dezember 1333 im Akkordlohn be- schäftigt. Er wurde entlassen, weil er sich nach zweistündiger Ueberzeitarbeit geweigert hat, noch länger zu arbeiten. F. klagte nun gestern beim Gewerbcgericht. Kläger verlangte den auf ihn entfallenden Teil des Restlohnes für den Akkord, an dem er beteiligt war, in Höhe von 83,50 M. Beklagte wendet ein, datz ein- tägige Kündigungsfrist vereinbart sei, die auch auf die im Akkord- lohn beschäftigten Arbeiter Anwendung finde. Deshalb wäre der Anspruch des Klägers unberechtigt. DaS Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Wölvlmg war mit Recht anderer Ansicht. Auch den Einwand der Beklagten, datz die Kolonne, zu der Kläger ge- hörte, hinsichtlich der Arbeitszeit sehr bummlig gewesen sei, dann sie kamen und gingen wie sie gerade wollten, konnte das Gericht nicht gelten lassen. Es belehrte die Beklagte dahin, datz sie nach 8 615 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verpflichtet ist, dem Kläger den vereinbarten Lohn zu zahlen. Die Weigerung, noch weitere Ueber- stunden cm jenem Abend zu leisten, kann als beharrliche Benveigr» rung der Arbeit nicht betrachtet werden und demzufolge auch als Entlaffungsgrund nicht in Frage kommen. Nach dieser Belehrung verglichen sich die Parteien auf 75 M. Bom Schlachtfclde der Arbeit. Jn der Nr. 4 des„Tiefbau" vom 23. Januar 1309 ver- öffentlicht der Vorstand der Tiefbau- BerufSgenossensckiast eine U e b e r s i ch t der in den Jahren 1306, 1307 und bis Ende De- zember 1908 zur Anmeldung gekommenen Unfälle. ES wurden Un- fälle gemeldet: im Jahre 1306 12 801, darunter tot 17S „ 1307 13 465,.„ 252 ,„„ 1908 16 229,,„ 250 ES ist dies gegen die beiden Vorjahre eine ungeheuerliche Steigerung der Unfälle im Tiefbaugewerbe. Selbst dem Vorstand der Tiesbau- Berufsgenossenschaft scheint vor der Verössentlichung obiger Ueber- ficht etwas bange gewesen zu sein, denn schon in der Nr. 2 des .Tiefbau" bringt er im voraus eine Entschuldigung. Jn einem Artikel:.Ueber Unfallstatistik für daS Jahr 1307" sagt er:... „Wenn deshalb die Unfallmeldnngen noch weiter zunehmen. auch im Jahre 1903 hat eine starke Zunahme stattgefunden, so ist damit noch keine Verschlechterung in der Beachtung der Unfall- verhutungsvorschrisien bewiesen. Die Zunahme kann sowohl durch eine regere Bautätigkeit, als auch darauf zurückgeführt werden. daß stetS mehr auch leichtere Unfälle gemeldet werden."... Regere Bautätigkeit I Es ist erstaunlich wie hier die nackten Tatsachen verdreht und auf den Kopf gestellt werden. Aber nicht nur Verdrehung: bewutzte Unwahrhett ist eS, was über die „regere Bautätigkeit" gesagt wird. Jn derselben Nr. 2 deS.Tiesbau", nur eine Seite vorher, veröffentlicht der Vorstand der Tiefbau-Berufsgenosienschast den»Stand de« Katasters am 1. Januar 1303". Danach waren beschäftigte Personen katastriert: am 1. Januar 1303... 237 560; dagegen am 1. Januar 1303... 233 354. Mithin wurden wenige? beschäftigt_____- im Jahre 1909..... 13 600 Personen. Im Laufe deS JahreS 1309 wurden beschäftigte Personen neu angemeldet 187 579; abgemeldet dagegen 201 185 Personen. Seit 1893 ist es das erste Mal, daß das Tiefbaugewerbe einen Rückschlag zu verzeichnen hat. Bon Jahr zu Jahr find die im Tiefbau be- schäftigten Personen gestiegen. Prozentual mehr gestiegen sind in derselben Zeit allerdings die Unfälle. wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich: i •) 1 Vollarbeiter— einem Arbeiter, welcher im Jahre 300 Tage arbeitet. Die Arbeitszeit eines Tiefbauarbeiters beträgt im Durch- schnitt höchstens 180 Tage im Jahre. Jn Anbetracht obiger Zahlen ist die Steigenmg der gemeldeten Unkälls im Jahre 1303 auf 16 229, trotzdem die Zahl der be- schäftigten Personen erheblich zurückgegangen ist. ganz ungeheuerlich. Und wenn der„Tiefbau" beimißt die Unwahrheit sagt, wenn er zur Erklärung dieser hohen Unfallziffern eine»regere Bautätigkeit" annimmt, so wird ihm auch das. was er weiter zur Erklärung anführt: »daß stets mehr auch leichtere Unfälle gemeldet werden" kein Menkch glauben. Die rund 4000 im Jahre 1303 niehr gemeldeten Unfälle mögen zum Teil durch die wirtschaftliche Krise und die verminderte Arbeits- Selegenheit zu.erklären sein. Den Unternehmern wurden neue Irbeitrn nur zu gedrückten Preisen übertragen, deshalb mußten auch die Betriebskosten herabgedrückt werden. Zum anderen Teil ist die Erhöhung der Unfälle auch durch die Heranziehung ungeeigneter misländischer Kräfte erklärlich. Hus Induftnc und Handel In 18 Monaten 33 Millionen Mark Ansfuhrpriimie. Datz die Zollpolitik weiter nichts ist als ein Schutz der Jnter- effenten, wagt kaum noch ein Mensch zu bestreiten. Datz aber der Zollschutz dem Deutschen Reiche seit einigen Jahren noch bares Geld kostet, ist leider noch viel zu wenig bekannt. Die letzte Weizenenite, ebenso die Roggenernte, ist für Deutsch- land qualitativ und quantitativ sehr günstig ausgefallen. Das deutsche Volk hat davon aber keinen Borteil. Die guten Qualitäten der deutschen Ernten haben zu einem immer größer werdenden Export angeregt. Der ausschlaggebende Grund für stärkere Ausfuhr ist aber der, datz Deutschland mit seinen Aus- landspreisen unter die Parität des WeltnmrkieS gehen kann, was bei dem bestehenden System der Zollrückvergütung auch wohl so bleiben wird. Nackifolgend Angaben über die Verschiebung im deutschen Getreide-Außenhandel. Hafer wurde in 1000 Doppelzentner 1905/06 1306/07 1307,03 eingeführt 11078 3788 3862 ausgeführt 2142 3591 5992 Für Weizen und Roggen zeigt sich die Tatsache der Ausfuhr- zunähme noch schärfer. Jn dem Halbjahre August bis Februar betrug die Einfuhr Ausfuhr in 1000 Doppelzentner 1307/08 1303/09 1907/03 1303/09 Weizen..... 12 885 10225 1089 2829 Weizenmehl...—— 352 800 Roggen..... 2765 1 286 1438 5231 Roggenmehl...—— 352 515 Die Ausfuhr ist also gestiegen, die Einfuhr zurückgegangen. DaS bedeutet«ine Verringerung des in Deutschland zur Verfügung stehenden Getreides, bedeutet hohe Preise im Jnlande und, soweit die Ausfuhr die Einfuhr übersteigt, einen direkten Verlust für die Staatskasse. Und dies deswegen, weil bei der Ausfuhr für jede Tonne Weizen an den Exporteur 55 M. Zoll„rück vergütet' werden I Bei der Ausfuhr von Weizen, Roggen. Hafer, Hülsenfrüchten, Gerste. Raps oder Rübsaat aus dem freien Verkehr des Zollinlandes erhält der Warenführer Scheine, die auf den Zollbetrag einer gleichen Menge Produkte lauten und die den Inhaber innerhalb einer Frist von sechs Monaten berechtigen, bei der Einfuhr von gleichen Waren oder von exotischen Nutzhölzern, Südfrüchten, Gewürzen, Heringen, Kaffee. Kakaobohnen, Reis, Tee, Tran, Pettoleum, Kaviar, Austern, Hummern, Schildkröten usw. mit ihnen bei jeder Zollstelle im Be« trage deS vollen Nennwertes den Eingangszoll zu zahlen! Wenn ein Großgrundbesitzer 200 Tonnen Roggen nach dem Auslände verkauft, so erhält er an der Grenze 200 X 53 M. Zoll gleich 1000 M..rückvergütet". Um diesen Bettag kann er im Aus- land daS Getreide billiger verkaufen, für die.Zollrückvergütung" andere Waren einführen. Er tut dies aber nicht, sondern per« kauft die Ausfuhrscheine mit vielleicht zwei vom tausend Verlust, und hat so eine angenehme ExtraliebeSgabe in der Tasche I Früher wurde der Zoll nur im Veredelungsverkehr rückvergütet. Auf Drängen der interessierten Kreise wurde der Identitätsnachweis aufgehoben. Die Folge ist, daß nun der Staat seine Zolleinnahme um viele? verringert. Die Einnahmen auS den Getreidezöllen ver« ringern sich um den Bettag der für die AuSftihr gezahlten Einfuhr- scheine. Leim Hafer war im vergangenen Enitejahre die Ausfuhr gi ößer als die Einfuhr. Reinen Zolletnnahmen stehen „ZollauSgaben" von rund 12 Millionen Mark gegenüber. Seit dem 1. August 1903. dem Beginn des neuen ErntejahreZ, hat das Deutsche Reich an Zöllen für Roggen nmd 6'/z Millionen Mar! eingenommen, dagegen rund 27>/z Millionen an Ein fu h r s che: nen„rückvergütet"! Also bis jetzt in der ersten Hälfte des Erntejahres e i nun d- zwanzig Millionen Mark Defizit resp. Extra« liebeSgabe an die Junker. Der Großgrundbesitz hat in den letzten Jahren, wie eS selbst von der Regierung zugegeben worden ist, gute, zum Teil hohe Preise gehabt, die den Jndustrieprofiten um nichts nachstehen. Die deutsche Regierung gibt den Junkern dazu noch jährlich Millionen als Extrageschenk, insgesamt auS der Roggen- und Hafer- Ausfuhr, vom 1. August 1907 bis jetzt, dreiunddreißig Millionen Mark in bar auS der ohnedies schon bankrotten Staatskasse I Und jetzt wo die feudale Gesellschaft auch nur mit einem Bruch» teil ihres Besitzes durch die Erbschaftssteuer für die Staatskasse etwas mit beitragen soll, kämpft sie dagegen mit allen Mitteln der Demagogie, ihrer gesellschaftlichen und politischen Macht. Die Getreidepreise an deutschen Frnchtmärkten. Der Preis für Weizen stellte sich im Januar an 53 Markt- orten bei einem Umsatz von 105 403 Doppelzentnern im Durchscbniit aus 19,92 M. pro Doppelzentner gegen 19,72 im Dezember 1907. Der höchste Preis wurde in Bayern mit 22,67, der niedrigste in Pommern mit 17 M. bezahlt. Für die einzelnen Getteidearten war die Preisbewegung folgende: Durchschnittspreis für 1 Doppelzenwer in Mark Januar Dezember Januar 1908 1909 Weizen.... 21.70 19.72 19.92 Spelz..... 22.01 20,69 20,80 Roggen.... 19,80 16,03 15,87 Gerste.... 16,96 16,85 16,69 Hafer..... 16,70 15,63 15,77 Am DomierSiag notierte Weizen an der Berliner Börse bis 220 M. DaS ist der höchste Preis seit Beginn der neuen Ernte. Seit Anfang Januar macht die Steigerung zirka 15 M. aus. Demnach wären jetzt sogar die Preise des Januar 1903 schon überholt. Der wirtschaftliche Rückschlag. Der Bruttoüberschuß der BergwerkSgesellschaft Hihernia im 4. Quartal 1908 beträgt 2 317 607 M. gegen 3 801 510 M. im 4. Quartal deS JahreS 1907. �. Eine Illustration für die Wertlosigkeit deS von den Schutzzöllnern aller Läuder aufgestellten Ideals einer sogenannten günstigen Handels- bilanz, d. h. eines UeberschusseS der Ausfuhr über die Einsuhr, bietet die Statistik über den auswärtigen Handel der Vereinigten Staaten im Jahre 1903. Jn diesem Jahre hat Nordamerika weit mehr exportiert als importiert, und dabei war es doch die Zeit eines unerhörten wirtschaftlichen Niederganges. Aas noch bemerlenS- werter ist: die Monate, in denen sich die Bilanz am günstigsten ge- staltete, waren die Zeit, in der daS Wirtschaftsleben am meisten da- niederlag. Im Januar insbesondere belief sich der Ausfuhrüberschuß auf 120 Millionen Dollar, und nie war die nordamerikanische Industrie weniger beschäftigt und erreichte die Ardeitslofigkrit einen höheren Stand als gerade in diesem Monat. » Räch dem statistischen Ausweis des Handelsministeriums über den Außenhandel de! österreichiich-ungarifchen Zollgebietes im Jahre 1908 betrug die Einfuhr 2532,4 Millionen Kronen, die Ausfuhr 2325.0 Millionen Kronen, was ein PluS von 80.4 bezw. ei« MinuS von 132,3 Millionen Kronen gegen 1907 bedeutet. eingeganerene Druchrcbrlftcn. Von tr;„Reuen Zeit»(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben das 20. Hcit des 27.?labrgangs erschienen. Es hat solgcndcn Inhalt: i!!us Molochs Schuldbuch.— Natalie Liebknecht I Von A. Bebel.— Der «ampf utns Dasein. Von Gustav Eckstein.— Ein theoretischer Kultur. iamps Von Aut. Pannekoek.— Die persische Revolutton. Von Tigran De, wisch.— Literarische Rundschau: Dr. Äonrad Guenther, Vom Urtier zum Menschen. Von evr. Alerander Sokolowsky, Beobachtungen über die Psyche der Menschenassen. Von K. K. L. Plate, Der gegenwärtige Stand der Abstammungslehre. Von ew. Die.Neue Zeit» erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3, LS M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest lostet LS Ps. Probenummern sieben jederzeit zur Versügung. Die Fastnachtsmnnmer d'Z„Wahren Jacob« enthält die beiden farbigen Bilder.Fastnacht 1903" und„Nacktlogeubrüder», sowie die weiteren Jllustralionen„Ein Interessent»,„Bei Rheinbaliens",„Erinnernngs- blatt an den 17. Januar tS09 in Dresden»,„Ein moderner Journalist», „Die bibelieste Familie Colander».„Ein fetter Stmidpunkt»,„Aus der ReichShauplstadt",.Der Bandwurm ohne Ende»,.SvdwwS letzte Rettung». .Demaskiert»,.Eduard und Abdul Hamid»,„Hohe Politik",.Prinzen« zoologie»,„Der Segen»,„Die Suppentöpse der europäischen Politik" und .Aschermittwoch». Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichle .Fastnacht»,„Die Biilowhatz",„Kollege Belhmnnn-Hollweg»,„Der Nach- solger»,„Kirschner»,.Narren",.Die verlorene Hose»,„Bor sechzig Jahren", .Der Besuch",„Die Rettung»,„Nach Preußen» und zahlreiche salirische Prosabeiträge. Krankheiten und Ehe. Lieferung 1. Herausgeber Geh. Medizinalrat Pros. Dr. H. Senator und Dr. S. Kaminer. 25 Lieferungen a 50 Ps. S. Schottländer, Berlin V. 35. Die Wissenschaft des Richtwissenswertcn. Ein Kollegleuhesl von L. Hatvany. 2,50 M. I. Zeitler, Leipzig. Die Lösung des Finanzproblems. Von L. Rothschild. 10 Pf. H. Walther, Berlin V. 30. Orkonomische und politische Eiitlvickelungstcndenzeu in Deutsch- land. Bon A. Schulz. 1,20 M. G. Birk u. Co., München. Die Praxis des englischen HandelsbriefverkehrS. Von D.Müller. Geb. 3.50 M.— Neber Zweck und Bedeutung einer nationalen Rassenhygienc. Von K. P e a r s o n. Geh. 1 M.— Der gegenwärtige Stand der Abstammungslehre. Ein Vortrag und ein Wort gegen Hch. Rcinke von Prof. Dr. L. Plate. Geh. 1,60 M.— Die Mechanik des Weltalls. Eine Daistellung der Lebensarbeit KevlerS. Bon L. Günther. Geb. 2,50 M.— Zur Einführung in die Philo- sophie der Gegenwart. Von Pros. Dr. Riehl. Geh. 3 M., geb. 3.60 M. B. G. Teubner in Leipzig. 8. Wahlkreis. Sonntag, 14. Februar, abends 6 Uhr, bei Raabe, Kolberger Strafte 23 1 Oeffentlictie polijssche Versammlung wjtog i-zül John; Sit|mW« oob blt p-litid. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer: E. Ernst, Wöhlertstr. 9. B-?°mmlu«g- Gemütliches Keifammensem mit Tan;. ZL»I>l«teU« verlti». Sonntag, 14. Februar, abends 5 Uhr, im GewerkschaftShaase, Engelufer tv. Saal 8: Große Versammlung aller in der Jalousien-Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeitermnen. TageS'Ordnung: Die Arbeitsverhältnisse i» den Jalousien-Fabriken und unsere nächsten Aufgaben. Kollegen und Kolleginnen, kommt alle und agMert für guten Besuch der Versammlung. vor Obmann. ?,,»£ irtätlnnn I Wegen der Arbeilslosenzählung werden die BureanS 4>lir NtiilljNiNsi i des Verbandes»rnte Freitag abends s Uhr geschlossen!»Mg Die Ortsverwaltungs- Sitzung fällt auS. �s/i m Bezirk Berlin und Umgegend. Sonntag, den 14. Februar 1900, nachmittags 1 Uhr i Klliiftrrilz der Pmili; Krnndrnbiirg im Gcwcrkschaftshause, Berlin. Engelufer IS, Saal 7. TageS-Ordnung: 1. Die elnanfUhrenden(Jnterattttannsaelnrlchtnnsen in anderem Verbände. Referent: Kollege Döhnel- Leipzig. 2. Verschiedenes. 281t ll D«F" Zu dieser Konferenz find die Kollegen und Kolleginnen sowie die Verwaltungen sämtlicher Konsumvereine der Provinz Brandenburg freundlichst eingeladen.— Gäste willkomme«. I. A.! II. I.ammO, Berlin- Rixdorf, Stewmetzstraße 51. lind �cliankwlrte! Montag, 15. Februar, nachm. 3 Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide 103/114: MST Protestversammlnng. Tagesordnung: 1. Die Brausteuer und ihre Folgen. Referent: Otto Strauß. 2. Die drohende Vernichtung des Gastwirtsgewerbes durch' die Neichsstnanzreform. Referent: Paul Litfin. 3. Der Vorschlag des Schutzverbandes der norddeutschen Brausteuergemeinschaft auf Besteuerung der alkoholfreien Getränke. Referent: Dr. W. Lohmann. Es ist dringende Pflicht eines jeden Kollegen in dieser Versammlung zu erscheinen sowie die Interessenten unseres Geiverbes zum Besuch dieser Versammlung zu veranlassen. Verband der Gast- u. Schankwirte für Berlin«. die Provinz Brandenburg(E. B.) I. A.: Otto Strauß. 946b* Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. I. A.: Paul Litfin. Gasttvirte-Jnnnng zu Berlin. I. A.: Otto Vogel. Gastwirte-Jnnung des Kreises Teltow. I. B.: Albert Griebel. Berein der Mineralwasserfabrikanten von Berlin u. Umg. I. A.: Dr. 25. Lohmann. Schutzverband Berliner Mineralwasserfabrikanten. I. A.: G. Baum. Verein der Selterwasserfabrikanten von Berlin und Umgegend. I. A.: R. Busse. Norddeutscher Gastwirte-Berband, Hamburg. I. A.: P. Blesgen. Lokal-Berband Leipzig der vereinigten Gastwirtsvereine. I. A.: Guthardt. Zenlral- Krankenkasse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit" Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 14. Februar» vormittags 11 Uhr, bei Jannaschk, Jnselftraste 10: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4. Quartal und Jahresbericht. 2, DI« Antwort deS Vorstandes zum letzten BersammlungSbelchluft. 3, Wahl des ersten Bevollmächtigten, zweiten Kassierers, ersten Schriftführers«nd eines Revisors._ 149/3* EMT Itittgliedslmeta legitimiert."MI Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Tischler-Verein Sonnabend, den IS. Februar, abends 8'l, Uhr, Malchtorftr. 15: Versammlung.== Vortrag des Herrn G. Kloth, Vnllrnne and Brdbeben.— UntersllltzungSgefuq.— BillettauSgade zum Maskenball am 27. Februar im Lokale.Sanssouci». 198/0 Gäste willkommen._ Der Borstand. Bauliandwerker- Krankenkasse für Berlin und Bnigogend. (Eingeschriebene Hilfekaese No. 118.— Bureau; C. 54, StelnetrtBe 88.) Grdciillilht Gkneral-Nttlaiiilliliiiig !- am Sonntag, den 14. Februar ISO», doriiiittaas 10 Uhr.»WU bei Frlt. Wllke, Brunnenstrafte 188. TageS-Ordnun 1. Mrcchming de» 1. Kassierers, ReoisionSbencht, Bericht de» Vorstandes «nd AusschufieS. 2. Regelung der Entschädigung sämtlicher Kassenfunkttonäre. 3. Ersatzwahl deS Vorstandes: t. Kassierer, 2. Vorsitzender, 2 Beisitzer und 4 Ersatzmänner, Wahl des Ausschusses und i Ersatzmänner. 4 Innere Kussenangelegenheiteu. mmmmmm Mitgliedsbuch legitimiert k WWW»»»» Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. LS/1*_ I. il. i Heinrich Metaeke, i. Vorsitzender. (iefunde, Nervöle, Herz-, Magen», Nieren* leidende undfllic.dic Ihr autregende Oc» trinke wie Kaffee, drineflfdi Tee etc. meiden lollt, näcftften üpotbeke oder Drogerie kauft fchnell, in dec© Sieber's flepfeltee! Pakete zu 30 Pfg„ 50 Pfg. und I Mark überall crWUtlid». Qenoralvertr.: Dr. IVaa.crznn, Frankfurt g. M. Alleinverkauf t Berlin w Vororte: Job. 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Um zahlreiche Beteiligung bittet 263/2 Die Ortsverwaltung. 1000 wertvolle Gesthenke für die leeer dieser Zeitmg. Jeder, der bei ane einen 10 Pfd. Emaille- Eimer Delikates,. Pflaiimenmus franko für M. 2 50, oder einen 10-Pfd.- Emaille. Eimer klinstl. Honig franko ftlr M. 3.25 oder 8 Pfd. feinste Oclikateea'Hargerlne franko fQrM.S.- beiteilt. erhält ein wertvolles Gesobeak. Keine Nebenkoiteo, Schreiben Sie cofort, de aar 1000 Geechenke für die Leier aosgeeetil eind.— Jeder Bestellet erhält einen prakt Gebrauchsjegenst. gratis. Versand- Gesellschaft Magdeburg 80 Postf. 164.. Am 10. Februar verschied nach schwerem Leiden im Alter von 35 Jahren unser lieber Kollege und Mitarbeiter, der Schrislsetzer Emil Schmidt. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Februar, nach. mittags l Uhr, aus dem Gemeinde- Fricdhos in Oberschöneweide statt. 0ae Personal 944b der Buehdruckerei 8. Bernstein Danksagung. Für die vielen Beioetie herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes und Bruders, des inenbauerS arl Kchcllenberger sagen wir allen seinen Freunden, Be- kannten und Kollegen sowie oem Sozialdemokratischen Wahlverein für Schöuriche und Umgegend unsere» herzlichsten Dank. 942b Chemnitz, im Februar 1909. Die trauernde Mutter nebst Geschwistern. IM Sie sparen Geld! w8r| aB«aI En?rospreiseii s �■ in der Möbelfabrik von* H.Wallet.Willi Maa�ss/sj ■ kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebttnde— nur R eigenes Fabrikat.— Aul Wuusofa Teilzahlung. 35■■ Permanente Musterzimmer-Aussleliung.»» 35 Billigste Bezugsquell« für H�Sgisniseke F» Selisrfz-AMs! Droxcri« Zarembn, Berlin N., Weinbergsweg I. ------ Ein Versush-----• (Ohrt m dauernder Kundschaft. ECK Gelegenheitskauf! xzs ; Geschichte der Literatur ( von ihren Ansängen bis aus die Gegenwart. Von Gustav KarpeleS. Neue AuSgabe, fortgeführt bis Ende des 19. Jahrhunderts. 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Februar 1909 ander Proletarier. krankhelt verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung ist bereits er- 1 folgt. vis' Orts»sr«alIun|i I. Todesanzeige. Nach kurzen, schweren Leiden verstarb am 9. Febr uar mein lieber Mann, unser guter Vater, der Töpfer August Nnggel. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle der Gethsemanegemeinde in Nordend aus statt. Die trauernde Witwe nebst Kindern. lentrai-Verband der Töpfer; Deutschlands. am Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dafi 10. Februär, den nach schweren, Leiden unser treues Mitglied, der Kollege August Nnggel (Bezirk Schönhauser Vorstadt) im Alier von 83 Jahren gestorben ist. 192/4 Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhoses der Gelhse- man«- Gemeinde ll in Nieder- Schöllhausen(Nordend) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Bolzarbeiter-Verhand! (ZithlMtelle Berlin.) Branche der Drechsler. Am 7. Februar verschied plötzlich infolge elneS Stratzenunfalls unser langjähriges Mitglied, der Drechsler Eduard Karger im 42. Lebensjahre. 79/2 Wir verlieren in dem Verstor» benen einen unsererbcsten Kollegen und treuen Mitarbeiter. Sein offenes Austreten, wie seine ange- nehnrca Umgangsformen machten ihn jet em zum Freunde, so dafi er uns dauernd im Andenken bleiben wird. Die Beerdigung findet am Sonnobrno, den 13. b. M.. nach. mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- U Halle des Thomas- Kirchhofes in Rixdorf, Hermanrislrafie arid statt. Die Ko in Mission. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortsvcrwaltnng Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi der Kollege Joseph Keller geboren am 11. 2. 65, am 9. d.MtS. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Freitag, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle deS gentral-Fried- hoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 169/3 Der Borstand. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrlnzenslMUX.isiz, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4 ÄÖAJANDORF&O ♦ 1" � Spittelmarkt Beile Alliancestrass© Grosso Frankfurterstrasso Kottbuser Damm 3 Lebensmittel-Tage FreUttz Sonnabend Soweit Vorrat Verkauf zu Sender-Preisen Pa. Cervelatwurst..... Pfundl.is 1 Mettwurst 95??.| Zwiebelleberwurst Pfund 48pf. Pa. Salamiwurst....... pwndl.is Thür. Landbratwurst Pfd. I.15 ff. Fleischwurst........ pfundSS?!. Pa. Fettdarmwurst.pfundl.25 ff. Leberwurst............ Pfund l.oo j Rotwurst................... Pfund 48pf. Pa. Teeschlackwurst pfdl.20' ff. Landleberwurst.. Pfund 95pf.' Pa. Jagdwurst......... Pfund 90pf. 2 Waggon- Zitronen»30,40 Apfelsinen.Du�a 25, 35, 45 iPf. Ananas*-68 Gemüse-Konserven Stangenspargel I � 70, o°« 1.30 Stangenspargel Pa. v�LO, 0°'° 1.50 Gemischtes Gemüse...>/i o->-e 45pf. Schoten u. Karotten....'/l o-»-42pk. Schoten tunge........... Vi Dose 45 Pf. Spinat...................... vi Dose 40 pf. Kohlrabi................. viDose28pf. Refferlinge........... vi Dose 45 pf. Victoria- Erbsen...... prund 18pf. Pa. Linsen.......... pwnd16, 24pt Weisse Bohnen pfund14,16pt Tafel-Reis prund 18, 23, 28pf. Reineclauden....... vido.« 60pf. Gemischte Früchte.... Vi Dose 95pf. Kirschen mit Stein........ Vi Dose 65pf. Kaiserkirschen ohne stein vi Dose 90pf. Pflaumen mit Stein...... Vi Dose 45 Pf. Preisseibeeren.... vi Dose 65pf. Apfelmuse............ Vi Dose SÖPf. Früchte-Konserven Heidelbeeren........ vi Dose 5 5 pf. Stachelbeeren...... vi Dose 60pf. Gem. Marmelade 5Pfd..Einter1.i5 Senfgurken............... 01« 65pf. Zuckergurken.......... 01« 75pf. Gewürzgurken......... 01« 75pf. Bouillon-Würfel Marke„Krone" istci. 5 pi, stcl;. 95p., sSt. 2.40, si™4.75 Kakao............................... prund 78, 95 Pf Haushalt Schokolade........ prund 63 pr Kaffee 95,?�S,M.I5,�.chÄt.30 Tilsiter Käse.............*— 65 Schweizer Käse.........*— 70 Pf. Pf. 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Zur allgemeinen Kenntnis über die zu verrichtende Arbeit und Ausfüllung der Fragekarte sei hier noch einmal folgendes angeführt: Das Austragen der Fragekarten erfolgt heute abend von 6 bis 9 Uhr. Die Fragekarten werden in allen Wohnungen, wo Ar- beitslose oder bei verkürzter Arbeitszeit Beschäftigte vor- handen. sind, bis zu drei Stück abgegeben Wo der Zähler niemand in der Wohnung antrifft, hat er drei Karten in den Briefkasten zu legen oder den be° treffenden Mieter am anderen Tage abends aufzusuchen. Bei jeder Abgabe von Fragekarten ist dem Empfang- nehmenden ausdrücklich zu sagen:„Bitte aus- zufüllen, wird am Sonntag wieder ab- g e h o l t." Am Sonntagvormittag werden die Fragebogen ein- gesammelt. Ist ein Mieter nicht anwesend, so muß sich der Zähler bei den Nachbarsleuten nach den Karten erkundigen und im Notfalle mehrere Male hingehen. Wo der Zähler unbeschriebene oder gar keine Karten zurückbekommt, hat er Nachfrage nach Arbeitslosen oder Verkürztarbeitenden zu halten. Der Zähler hat die Pflicht, beim Empfang der Karten dieselben anzusehen, eventuell Rücksprache mit dem Mieter oder Arbeitslosen zu nehmen und das Fehlende am Sonntag eventuell selbst hinzuzufügen. (Bleistift ist mitzubringen.) Dann hat der Zähler die unbeschriebenen Fragekarten von den beschriebenen getrennt zu halten und beide Sorten an den Bezirksfllhrer abzugeben. Die Zähler haben auf jede ausgefüllte Karte ihren Namen und ihre Adresse aufzuschreiben. Der Bezirksführer hat die unbeschriebenen Karten noch einmal durchzusehen und nur die beschriebenen an den Ab- teilungsführer und dieser wiederum dieselben nach dem Grwerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Ouergebäude, Saal 3 und 19, einzuliefern. Die beschriebenen Fragekarten der Bororte werden im Saal 11 abgegeben. Um Irrtümern vorzubeugen und mehrfachen Anfragen Rechnung zu tragen, bringen wir nachfolgende Erläuterungen zu der Fragekarte. Am Kopfe der Karte heißt es:„N u r bei Arbeitslosigkeit oder bei verkürzter Arbeitszeit auszufüllen." Darunter soll verstanden werden: Wer zurzeit nicht arbeitslos ist oder nicht bei verkürzter Arbeitszeit arbeitet, soll die Karte nicht ausfüllen. Personen unter 16 Jahren, die sonst erwerben, jetzt aber arbeitslos sind oder verkürzte Zeit arbeiten, haben die Karten auszufüllen. Bei der Frage 3 braucht nicht das Datum des Zuzugs angegeben werden: es genügt, wenn geschrieben wird, oder wieviel Jahre am Ort. Die Frage 7 soll den ge- oder erlernten Beruf erkennen lassen, damit durch Beantwortung der Frage 8 der eventuelle Berusswechsel ersichtlich wird. Bei der Frage 9 kommen nur die drei angegebenen Versicherungen in Frage: andere Versicherungen fallen weg. Unter der Frage 10 soll angegeben werden, wie lange jemand jetzt hintereinander arbeitslos ist, auch wenn die Arbeitslosigkeit in das Jahr 1908 zurückgeht: nur darf der Betreffende dieselbe Zeit nicht noch einmal unter der Frage 12 beantworten. Mit der Frage 11 soll eine Trennung zwischen Arbeits- losigkeit und Krankheit herbeigeführt werden. Krankheit gilt nicht als Arbeitslosigkeit: es sind deshalb die Krankenwochen auszuscheiden resp. abzurechnen. Die Frage 12 ist so aufzufassen, wie schon am Kopf der Karte gesagt,«nur von zurzeit Arbeitslosen und Ver- kürztarbcitenden auszufüllen." Personen, die jetzt nicht arbeitslos find, dürfen die Karte nicht auslüllen. auch wenn sie im Jahre 1908 arbeitslos waren. Anders die Verkürzt- arbeitenden: bei ihnen ist das Verkürztarbeiten oftmals der Arbeitslosigkeit gleichzuachten und wechselt mit Aussetzen; deshalb sollen von ihnen die Aufzeichnungen wie bei den zurzeit Arbeitslosen mit aufgenommen werden. Die anderen Fragen bedürfen keiner Erläuterung. Als Tag der Zählung gilt der 13. Februar. Eine Aenderung gegen die erstmalige Festsetzung unserer Abgabestelle ist insofern geschehen, daß die Frage- bogen nicht im«Vorwärts" abzuliefern sind, sondern, wie oben schon dargelegt, im G e- werkschaftshause, Saal 9 und 10, für die Vororte Saal 11. Nun tue jeder Genosse seine Pflicht! Wir wollen den staatlichen und städtischen Verwaltungen zeigen, daß die organisierte Arbeiterschaft auch allein in der Lage ist, Aufgaben, wie die Zählung der Arbeitslosen eine ist, zu lösen. Seien wir alle heute abend und am Sonntag zur Stellet Wir wiederholen daher: Freitag, den IS. Februar, abends von K Uhr an: Austragen der Karte». Sonnabend, den 13. Februar: Ausfüllung der Karten durch alle Arbeits- losen oder bei verkürzter Arbeitszeit Beschäftigten. Sonntag, den 14. Februar» vormittags von 8 Uhr an: Einholen der Karten. Parteigenossen, an die Arbeit! Der Ausschuß Der Zentralvorstand der Berliner GcwcrkschaftS- der sozialdcmokr. Wahlvereine kommissio«. � Berlins und Umgegend. Die Zählung findet in der Stadt Berlin und in folgenden 45 Vororten statt: Adlershof, Nieder-SchSneweide, Alt- Glienicke. Nieder-Schöuhause«, Bohnsdorf, Nowawcs, Borsigwalde- Waidmannslust, Ober-Schöneweide, 4 Britz, Pankow, Charlotteubnrg, Reiuickcndorf-Ost und West, Dahlem, Rixdorf, Eichwalde, Rosenthal, Erkner, Rummelsbnrg-Boxhage«, Französisch-Buchholz, Schmargendorf, Friedenau, Schöneberg, Fricdrichsfelde, Spandau, Friedrichshaae», Steglitz, Groß-Lichterfelde, Stralau, Grünau, Tegel, Johaunisthal, Tempelhof, Königs-Wusterhaasen, Treptow, Köpenick» Velten, Lankwitz, Wannsce, Lichtenberg, Weißcosce, Mahlsdorf, Wilmersdorf, Mariendorf, Zehleudorf. Manenfelde, » ZusammenkuuftSorte der Parteigenosse«. Die Parteigenossen treffen sich heute abend zur Entnahme des Materials zur Arbeitslosenzählung in ihren Zahlabendlokalen und zwar rechtzeitig, um die Zählkarten noch heute auszutragen. Bon folgenden Vororten sind uns in dieser Beziehung noch nachstehende besond/re Mitteilungen zugegangen: Adlershof. Heute abend findet im Lokal von K a u l, Bismarck- ftratze 16, ein Extrazahlabend statt. Reinickendorf-West. Diejenigen Genossen vom 4., ö. und 6. Be- zirk, die in ihren Bezirken überzählig sind, treffen sich bei Schulz, Scharnweberstratze 22, die Genossen vom t.. 2. und 3. Bezirk bei Bansch, Antonienstrahe. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften, die sich an der Arbeitslosenzählung beteiligen wollen, finden sich gleichfalls in den oben angegebenen Lokalen ein. Sonntagvor- mittag nach Einholung der Zählkarten treffen sich sämtliche Funltio« näre bei Schulz, Scharnweberstratze 22. Schmargendorf. Dir Genossen werden ersucht, fich heute, Frei- tag, den 12. d. M., abends'/z8 Uhr, recht zahlreich im Restaurant Lindenbaum, Spandauerstr. 40, einzufinden. Steglitz. Sämtliche Mitglieder des Wahlvereinö haben sich heute abend V'/z Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Die nur gewerkschaftlich organisierten Ar- b e i t e r haben ebenfalls die Verpflichtung, bei dieser Arbeit mit- zuhelfen. Diese finden sich zu der oben angegebenen Zeit in folgenden Lokalen ein: Schellhase, Ahornstr. Iba; Gülzow, Forst- stratze 23; Schönefeld, Schildhornstr. 36: Rohmann, Schloszstr. 117; Näther. Marksteinstr. 1; Krüger, Feescstr. 1; Döge, Düppelstr. 32; Schlager, Albrecht- und Elisenstratzen-Ecke; Heizmann, Flora- und Düntherstratzen-Ecke; Moser, Potsdamer Str. 1. Jeder gehe in daS seiner Wohnung am nächsten gelegene Lokal. DaS Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen. WilmcrSdorf-Halensce. Die Materialausgabe an die Zähler bei der Arbeitslosenzählung erfolgt heute abend in den einzelnen BezirkSlokalen. Die Genossen und sonst mittätigen Personen wollen sich rechtzeittg einfinden, damit eine korrekte Erledigung der Zählung ermöglicht wird. Der Vorstand. Niederschönhausen-Nordend. Diejenigen Genoffen, die am letzten Zahlabend nicht anwesend waren, haben die Pflicht, sich heute Freitag abend von 6'/z Uhr ab in ihren Bezirkslokalen zu der Arbeitslosenzählung den Bezirkssührern zur Verfügung zu stellen. Der Borstand. Rowawes. Die unterzeichneten Vorstände ersuchen die orga- nisiert« Arbeiterschaft, sich an dem am Freitag stattfindenden Austragen der Arbeitslosen-Zählkarten zu beteiligen. Die arbeils- losen Genossen treffen sich gegen 1'95 Ubr nachmittags, die übrigen Genossen später beim Genossen Singer. Ebensalls find die Genossen verpflichtet, am Sonntagvormittag die Zählkarten einzuholen und beim Genossen Singer abzuliefern. Wir erwarten, da dies die erste Arbeitslosenzählung ist, die hierorts stattfindet, daß die Genoffen sich recht zahlreich an dieser wichtigen Arbeit beteiligen. Der Vorstand des Wahlverems. Der Ausschuß des GewerkschustSkartellS. Friede»««,. Die Genoffen werden ersucht, fich am heutigen Abend zur Srbeitslosenzählung vollzählig im.Rheinschlotz" einzufinden. Borsigwalde-Wittenau. Zur Arbeitslosenzählung treffen fich die Genossen heute abend 7 Uhr und zwar die Genossen von Wittenau bei A Schutze. Hauptstraße, die von Borsigwalde Bezirk I bei Zühlike, Bezirk II bei W. Schulze. Hrrmsdorf. Die Genossen, welche fich an der Arbettslosen- zählung beieiligen wollen, haben sich heute abend 7 Uhr im Restaurant zum ForsthauS, Augusta-Biktoriastruße, einzufinden. Partei-?Zngeiegenkeiten. Niederbarnim. Auf Beschluß.des Kreisvorstandes ist mit dem heutigen Tage der engere Vorstand des Bezirkes Pankow seines Amtes entsetzt. Bis zur Neuwahl der Bc- zirksleitung werden folgende Genossen provisorisch die not- wendigen Arbeiten(Arbeitslosenzählung usw.) erledigen: Kiebusch. Goerschstr. 14; Fengler, Florastr. 69; Lang, Kreuzstr. 17. Der Borstand des Kreises Niederbarnim. Alt glienicke. Am SonnVzg, den 14. Februar, findet in unserem Orte eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht. sich bei ihren Bezirkssührern zu melden. Flugblattausgabe Sonn- abend, den 13. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Troppeus, Nudowei Straße S4. KSiligS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenoffen werden auf die am Soimlag. den 14. d. M.. nachmittags 3 Uhr, im Wedhornschen Lokale stattfindende Wahlvereinsvcrsammlung hin- gewiesen. Die Tagesordnung wird in der Sonntagsnummer noch bekanntgegeben._ Der Vorstand. Berliner JSaebriebten. * Aus der Stadtverordnetenversammlung. Ueber den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, dem Magistrat eine Auskunft darüber abzunötigen, wie es eigentlich um die längst versprochene Neuabgrenzung der Gemeindewahlbezirbe dritter Abtei- l u n g steht, wurde gestern nicht lange verhandelt. Genosse Borginann erinnerte daran, daß der Magistrat mit dieser Arbeit bis spätestens 1909 hatte fertig werden wollen, und wies nach, daß die Ungleichheit der Wahlbezirke nachgerade unerträglich geworden ist.. Stadtrat Böhm antwortete, die vom Magistrat eingesetzte Kommission habe ihren Auftrag bereits erledigt, nun werde auch das Plenum des Magistrats bald beschließen und so sei zu erwarten, daß schon in diesem Herbst in den neuabgegrenzten Bezirken werde gewählt werden können. Demgegeniiber stellte Borgmann fest, daß der Magistrat sich für seine, wirklich nicht allzilschwierige Arbeit sehr viel Zeit gelassen hat. Ob sie tatsächlich noch für die diesjährigen Wahlen fertig werden wird, das ist noch sehr zweifelhast. Im November finden die Wahlen statt, die Listen aber werden bereits im Juli ausgelegt. Selbstver- ständlich müßte die Ncubegrenzung der Bezirke noch vor Auf- stellung der Listen zustande kommen. Die Frage der Schaffung von Sonder- abteilungen in den Krankenhäusern ist durch die Berattmg des Ausschusses, dem der diesbezügliche Autrag Gelpcke überioiesen worden war, ihrer Lösung nicht näher- geführt worden. Die einzig richtige Lösung wäre: Ablehnung. Im Ausschuß hatte sich keine Mehrheit für den Antrag zusammenbringen lassen. aber im Plenum der Versammlung lvurde gestern glücklich ein Weg gefunden, ihn vielleicht doch noch zu retten. Der Ausschuß war zu dem Ergebnis gelangt, die Versammlung solle sich nur für die Zerlegung der großen Krankensäle in kleinere Räume aussprechen. Es ist möglich, daß auch hinter diesem Vorschlage der stille Wunsch sich barg, einer späteren Wiedereinbringung des Planes der Sonder- abteilungen und seiner schließlichen Durchführung vorzu- arbeiten. Doch die freisinnigen Gönner der„besonderen" Kranken wollten so lange nicht warten und beantragten daher die Einsetzung einer gemischten Deputation, die möglichst rasch die Entscheidung herbeiführen soll. Gegen diesen Antrag wandte sich die sozialdemokratische Fraktion. Genosse Wehl legte dar, daß der Vorschlag des Ausschusses, kleinere Räume zu schaffen, zu billigen sei, nur unter der Voraussetzung, daß die Kranken lediglich nach der Art ihrer Krankheit auf die einzelnen Räume verteilt werden. Die zahlungsfähigeren Kranken dürfe man schon deshalb nicht absondern, weil zur Erkenntnis und Beseitigung der Mißstände» die in den Krankenhäusern der Stadt bestehen, es dringend nötig sei, daß auch der Wohlhabende sie mal am eigenen Leibe erfahre. Die freisinnige Mehrheit will die«besonderen" Kranken hiervor bewahren, das ließ namentlich Herr Cassel deutlich genug durchmerken. Den Eifer dieser Herrschaften unterstützte Oberbürgermeister K i r s ch n e r durch die verheißungs- vollen Ausführungen, in denen er die Zustimmung des Magistrats in Aussicht stellte. Unser Genosse Singer prägte dann das treffende Wort, daß hier zum Dreiklasfenwahlsystem das Drei- klassenkrankenhaus sich geselle. Die Freisinnigen be- schlössen die gemischte Deputation: Die Rückbildung der Krankenhäuser unserer Stadt wird nun nicht mehr lange auf sich warten lassen._ Parteikrakeeler. Just in demselben Augenblick, als sich die Berliner Partei« genossenschaft anschickte, alle Kräfte für das große und schmierige Werk einer selbständigen Arbeitslosenzählung mobil zu machen, haben cS Bovstaudsmitglieder des WahlvercinS Pankow für an- gebracht geHallen, vielen Berliner Zahlabenden ein gedrucktes Flugblatt zuzusenden, daS sich im wesentlichen yiit den .inneren Streitigkeilen eines Teiles der Paukower Genossen mit dem Vorstand des Kreises, niil der Finna Hintze u. Co. und einiger anderer mit den Differenzen zusammenhängenden Angelegenheiten beschäftigt. Der Inhalt dieses mit der Anrede:.Partei- genoffen 1" überschriebenen Zirkulars enthält so zahlreiche Unrichtig- leiten, grobe Entstellungen und allgemeine Verdächtigungen, daß es in demselben Fehler wie die Verfasser verfallen hieße, wollten sich die Angegriffenen dazu hcrbeilaffen, alles das zu wiederholen, was sie sckon längst des öfteren widerlegt haben und was auch schon Gegenstand verschiedener Schiedsgerichte gewesen ist. Das letzte Schiedsgericht, das in dieser Slreilfrage eingesetzt war, hat den Paukower Vorstandsmitgliedern haupisächlich ihre Erregung zugute gehalten, ein Umstand, der durch die Druck- legung und Verbreitung des oben bezeichneten, mit Gustav Röder unterzeichneten Flugblattes nicht mehr in Frage kommt. Und deshalb ist es auch an der Zeit, endlich einmal offen au?- zusprechen, daß das Verhalten der Verfasser deS Flugblattes, ihre Differenzen in andere Kreise zu tragen, nicht nur höchst tadelnSlvert sondern auch direkt parteischädigend ist. Wir hatten bisher geglaubt, das endlich einmal auch bei der Mehrzahl der Pantower Genossen und den Vorstandsmilgliedern die bessere Einsicht Oberhand gewinnen und das Jnleresse an der Partei sie bald zu geineinsmner Arbeit mit den anderen Kampfesgcnosscn zusammenführen würde. Nach der neuesten Leistimg des Flugblattes und nach einigen weiteren Maß- nahmen scheint diese Hoffnung sich so bald nicht erfüllen zu sollen. Seit Jahr und Tag werden in Pankow in den Zusammenkünften der Genoffen fast nichts als innere Streitigkeiten verhandelt; kaum eine Versammlung kann mehr stattfinden, ohne baß Differenzen persön- licher Natur behandelt werden, so daß bezweifelt werden muß, ob llverhaupt der gute Wille vorhanden ist, flch einzufügen in den Rahmen, den nun emmal unsere Organisation sich notwendigerweise gezogen hat. Da kann man nicht mehr anders als annehmen. daß alle die Ouerteibereien nur geschehen aus Freude am Krakeel, aus Lust am Skandal. Freude können nur unsere Gegner an einem solchen Treiben finden, wie eS in Pankow beliebt wird und wir sind fest überzeugt, daß die Macher des Flug- blatteS bei den Berliner Genossen, an die sie sich gewandt haben, nichts weiter auslösen, als eine entschiedene Absage. Jeder ehrliche Parleigenofie muß sich, angewidert von einer derartigen Krakeelsucht, abwenden von Leuten, die�nur die Geschäfte der Gegner besorgen. Aus der gestern stattgefundenen Areiskonferrnz erhalten wir hierzu noch folgende Mitteilung: Bekanntlich hatte das Parteischiedsgericht, welches gegen die Mitglioder des engeren Vorstandes von Pankow eingesetzt war. zwei grobe Disziplinbrüche der Angeklagten festgestellt, von ihrer Aus- schließung aber abgesehen, weil es ihnen ihre damalige Erregung zugute hielt. Der Kreisvorstand hat die neuen Disziplinbrüche des früheren Vorstandes von Pankow, nämlich die Aufforderung, den„Vorwärts" abzubestellen und die Verbreitung des erwähnten Flugblattes der Kontrollkommission als weiteres Material für den AuSschlutzantrag unterbreitet. Ferner hat der Kreisvorstand, um weiteren Parteischädigungen vorzubeugen, den früheren engeren Borstand von Pankow seines AmteS entsetzt. Die Partei- genoffen ersehen aus der Mitteilung des Kreisvorstandes unter Parteinachrichten die Namen der Genossen, an die sie sich zu wenden haben, insbesondere damit die Arbeitslosenzählung durch die Quertreibereien einzelner nicht geschädigt wird. Arbeiter-BildnngSschule Berlin. Damit sich auch unsere Mitglieder heute abend an den Vorarbeiten zur Arbeitslosen- zählung beteiligen können, fängt der Unterricht erst lM/g Uhr an. Verweigerte Arbeitslosenzählung. Um ein recht zuverlässiges Bild von dem Umfange der Arbeits- loflgkett zu erhalten, war auch die Zählung der in den Asylen Unterkunft Suchenden in Aussicht genommen, zu welchem Zwecke sich mehrere sozialdemokratische Stadwerordnete zur Verfügung ge- stellt hatten. Soweit eS sich um das städtische Obdach in der Fröbelstraße handelte, wollte Genoffe Adolf Hoffmann sich dieser Mühe unterziehen. Auf sein diesbezügliches Gesuch erhielt er folgende Antwort: Magistrat Berlin.. Deputation fiirZ Arbeitshaus und Obdach 11. Februar 1809. In Beantwortung des an Oberinspektor Jöchel gerichteten Ersuchens vom 8. d. MtS. teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß Ihnen die Zählung der im städtischen Obdach sich aufhaltenden Arbeitslosen nicht gestattet werden kann. Fischbeck. Warum und weshalb die Zählung„nicht gestattet" werden kann, ist auS dem Schreiben nicht ersichtlich; unseres Erachtens kann auch nicht der geringste stichhaltige Grund für diese Weigerung beigebracht werden. Im wohltuenden Gegensatz hierzu steht, daß die Verwaltung des Asyls des Asylvereins in der Wiesenstraße die Zählung bereitwilligst gestattet hat. Bon den Fernsprechnetzen der Vororte von Berlin ist nach wie bor das größte das von Charlottenburg, obgleich ein Teil dieses Bezirkes zum Amt 8 in Berlin gehört. Es zählt nach der letzten Aufnahme insgesamt 157)60 Anschlüsse, von denen 9441 Haupt- anschlüsse sind. Gegen das Vorjahr bedeutet dies eine Vermehrung von 1057 Anschlüssen. Dieser Umfang wird auch nicht annähernd von einem anderen Vororte erreicht. Selbst Wilmersdorf hat nur 8383 Anschlüsse mit 4287 Hauptanschlüffen. Ganz Rirdorf zählt nur 2729 Anschlüsse, darunter 1633 Hauptanschlüffe. Es folgen Friedenau mit 1852 Hauptanschlüffen, Groh-Lichterfelde mit 1730, Steglitz 1414, Lichtenberg 1195, Pankow 1107, Treptow 1036. Alle übrigen Vororte haben unter 1000 Anschlüsse, am meisten Weißen- so« mit 946, dann Qberschoneweide mit 929, Reinickendorf 769, Tegel 641 und Hoppegarten 99. Ein Zwerg neben diesen Riesen- ämtern ist das Amt Großbeeren, das nur 12 Haupt- und 2 Neben- anschlüffe zählt. Das kleinste Amt im Berliner Bezirk ist aber das Amt Mühlenbeck mit nur 8 Haupt- und keinem einzigen Nebenanschluß._ Echt tcutsch. Der Deutsche Ostmarkenverein tut sich viel zu gute auf sein Deutschtum Als Motto seines Wirkens hat er den Ausspruch Bis- marcks erkoren:„Kein Fuß breit deutscher Erde soll verloren gehen und ebenso soll kein Titel deutschen Rechts geopfert werden, � das ist unsere Politik". Dieses Brüsten mit dein Deutschtum erhält eine interessante Beleuchtung, wenn man hört, in»oelch slandalöser Weise dieser Berein mit seinen Angestellten verfährt in punkto Entlohnung. Im„Lokal-Anzeiger" erschien Ansang Februar folgendes Gesuch: Junger Mann, mit Registralurarbeiten vertraut, sofort oder 1. März gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter F. 706 Filialexpedition d. Bl.. Bülowstr. 25. Auf dieses Inserat hin meldeten sich verschiedene Bewerber. Diesen wurde von der Geschäftsstelle des Ostmarkenvereins mit- geteilt, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt unter Vorlegung ihrer Origtnalzeugnisse im Bureau des O st marken-VereinS, AugS.burger Straße 1, vorzustellen. Wörtlich heißt es in dem Antwortschreiben auf die Offerte:„Wir machen darauf aufmerksam daß die bei uns offene Stelle mit einem monatlichen Anfangs- geholt von 3b Mark verbunden ist." Die Zahlung von Hungerlöhnen an Angestellte scheint echt deutsch« Politik zu sein._ Zum Umzug der königlichen Bibliothek. Die Generalverwaltung gibt bekannt: Am 24. Februar wird der Betrieb der Druckschriften- abteilung598) mit in das Bereich ihrer Vermittelungstätigkeit einbezogen. Der Nachweis ist kostenlos für beide Teile. Anmeldungen von offenen Stellen und Stellungsgesuchen tunlichst in den Vormittags- stunden von 9— 12 Uhr erbeten. Rixdorf. Die Bildung eines großen GesangSchorrs in Rixdorf war, wie uns von dort geschrieben wird. Gegenstand einer Besprechung, die in vergangener Woche stattgefunden hat. Die daran beteiligten Vorstände maßgebender hiesiger Gesangvereine einigten sich dahin, ihren Mitgliedern vorzuschlagen, zwecks Verwirklichung des Pro- jektes eines einheitlichen großen Gesangvereines geschlossen dieser neu zu bildenden Vereinigung beizutreten. Es wird lebhaft dafür gewirkt, alle die kleinen Gesangvereine am hiesigen Orte, die in- folge ihrer geringen Mitgliederzahlen meistens irgendwelche nennenswerten gesanglichen Leistungen niemals vollbringen werden und dadurch der Pflege eines guten Chorgesanges eher hindernd als fördernd gegenüberstehen, zu einem großen, leistungsfähigen Chor zu vereinigen, der auch wirklich zu einem Bedürfnis für die hiesige Arbeiterschaft geworden ist. Am Sonntag, 14. Fe- bruar, vorm. 11 Uhr(nach Beendigung der Arbeitslosenzählung), findet bei Hoppe eine kombinierte Sitzung in dieser An- gelegenheit statt, zu welcher alle Sangesbrüdcr RixdorfS, die dem neuen Gesangschor beizutreten gewillt sind, freundlichst ein- geladen sind. Köpenick. Gewerbegerichtswahl. Am Montag, den 15. Februar, finden die Neuwahlen von acht Beisitzern und acht Stellvertretern zum Gelverbcgericht statt. Gemäß dem Gesetz sind die Hälfte aus den Reihen der Arbeitgeber, die andere Hälfte von Arbeitnehmern zu stellen. Das Gewerkschaftskartell hat sich nun in mehreren Sitzungen mit den nötigen Vorarbeiten beschäftigt und sind aus den Reihen der Arbeitnehmer folgende Genossen als Kandidaten aufgestellt worden; als ständige Beisitzer: Emil Schubert. Fabrikarbeiter, Kaiser-Wilhelin-Straße ßO; Vau! Lustig. Holzarbeiter, Grünauer Straße 34; August Semmrau, Textil- arbeiter, Amtsfeld; Hermann Katsch, Maurer, Flemmingstr. l l: als Stellvertreter die Genossen: Ferdinand Lobitz. Metall- arbeiter. Kaiserin Angusta-Viktoria-Straße 9; Eduard Nieke, Geschäftsrutscher. Glienicker Straße 27; Paul Schön. Zimmerer, Müggelheimer Straße 48; Hermann Nwmer, Gemeindearbeiter. Kaiserin-Augusta-Viktoria-Straße 7. Die Wahl selbst findet am Montag, den 45. Februar, von nachmittag 4—9 Uhr im kleinen Saale des Kaiserhofes statt. Wahlberechtigt sind diejenigen, welche sich in der Zeit vom 18. L bis 1. 2. in die aufgestellten Wählerlisten haben ein- tragen lassen. Da im Verfolg eines Beschlusses der Vorstände ein Flugblatt nicht herausgegeben wird, weisen wir an dieser Stelle die Genossen und Gewerkschaftsmitglieder auf die Wahlen hin und ersuchen, eine rührige Agitation zu entfalten. Stimmzettel sind am Tage der Wahl erhältlich. Gleichzeitig weisen wir bezüglich der Arbeitslosenzählnng auf die gefaßten Beschlüsse hin und erwarten eine rege Ve- tciligmig an den erforderlichen Arbeiten. Unterkommission der Gewcrkschastskommisston Köpenick. Friedenau. Bei der am Mittwoch stattgcfiindcnen Gemrindevertreterwahl er- hielten die Kandidaten der Bürgerlichen, Herr Oberlehrer Weber 638 und Herr Kaufmann EberS 287 Stimmen, während auf unserem Genossen Paul Richter 430 Stimmen fielen. ES findet somit zwischen Weber und Richter eine Stichwahl statt. An der Wahl beteiligten sich von 3800 eingeschriebenen Wählern l3S7. Unsere Stimmenzahl hat sich seit vergangenem Jahr um 104 Stimmen vermehrt. Lichtenberg. Arbeiter-BildungSschule. Wegen der Arbeitslosenzählung fällt der Unterricht in Nationalökonomie am Freitag, den 12. d. M.. aus. Am Freitag, den IS. Februar, wirb der Unterricht wieder fortgefetzt. Ober-Schöneweide. Geineindevertretersihung. Der Vertretung lag der Entwurf eines Vertrages mit dem Kreis Niederbarnim vor, zwecks Ucber- nähme der Rummelsburg-Nüdersdorfer Kreis- ch a u s s e e auf die Gemeinde. Es ist dies die Strecke vom Ber- liner Gasanstaltsterrain bis zur Köpenicker Grenze an der Wühle- brücke in einer Länge von 462g Metern. Ferner wird der Ge- meinde das Stück Kreischaussee von der Helmholtzstratze bis zum Krankenhaus angeboten. Der Kreis, welcher durch Fortfall der Chausseegeldhebestellen um bedeutende Einnahmen aus diesen Straßen gebracht ist, neigt jetzt merklich zur Veräußerung derselben. Schon früher hat die Gemeinde Anträge wegen teilweiser lieber- lassung der Straße an den Kreis gestellt. Das Projekt, welchem lange Verhandlungen vorausgingen, hat schon die Baukommission beschäftigt, welche der Vertretung Annahme des Vertrages empfiehlt. Nach eingehender Beratung, in welcher sowohl die immensen Lasten als auch die gewaltigen Vorteile für die Ge- meinde gewürdigt wurden, gelangte der Vertrag mit der Ein- schränkung zur Annahme, daß der Teil von Helmholtzstratze bis Krankenhaus nur übernommen wird, wenn gleichzeitig wie beim anderen Teil eine Kommunalisierung der Straße stattfände. Nach Zustimmung durch den Kreistag gehen nun beide Straßenzüge in das Eigentum und die Unterhaltung der Gemeinde über, welche verpflichtet ist, die Chaussee, soweit dies nicht schon geschehen, fünf Meter breit in Rcihenpflaster zu pflastern. Als Entschädigung hierfür erhält die Gemeinde 132 000 M. und als Abfindung für die Unterhaltung 43 650 M.— Für die 4. Gemeindeschule werden nach den Vorschlägen der Baukommission verschiedene Ar- beiten vergeben, so für die K o ch s ch u l e Herde und sonstige Kücheneinrichtungen zum Preise von 1352 M., für Einrichtung des Baderaumes mit Sitzen und Zellen für 840 M. und für die Umwehrung des Schulhofes mit Eisengitter 3187 M. Bei dieser Gelegenheit leistete sich Herr Steller einen unfreiwilligen Witz. Er glaubte nämlich Beschwerde darüber führen zu müssen, daß in den Pausen den Schulkindern Frühstück durch die Zäune gereicht würde. was einer Tierfütterung im Zoologischen Garten gleichkäme. Es müßte dies verboten werden. Große Heiterkeit war der Erfolg dieser Leistung. Wollte Herr Steller mit dieser Bemerkung etwa der Aufstellung von Bretterzäunen, vielleicht solcher, wie er sie her- stellt, das Wort reden? Für die Wilhelminenhofstraße wird die Ausstellung von 4 Oberflurhydranten als Ersatz für die hölzernen Straßsnbrunncn beschlossen. Als Standorte desselben werden die Plätze an der Siemens-, Edison-, Frischen- und Rathenaustraße bestimmt. Auf Antrag des Genossen Grunow wird beschlossen, mit den Berliner Elektrizitätswerken wegen der in der Ausführung begriffenen Bogenlichtbeleuchtung zu der- handeln. Die jetzige Beleuchtung ist eine sehr mangelhafte zu nennen. Nach den Vorschlägen der Regierung soll den Gemeinde- beamten das Ruhegehalt vierteljährlich statt monatlich ge- zahlt werden. In die Friedhofskommission wird Herr Engel gewählt, und als Delegierte zum brandenburgischen Städte- tag die Herren Bertholdt und Lehmann. In geheimer Sitzung wird die Zahlung von Ruhegehalt an den früheren Gemeindenachtwächter Pflanz abgelehnt. Zwei Vergleichsvorschläge in Grundwert- und Bausachen fanden Zustimmung. Sericbts- Leitung. Urteil im Prozeß Riedel. Im Prozeß Riedel wurde gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I das Urteil verkündet. Landgerichtsdirektor Dr. Lieber führte in seiner längeren Begründung etwa folgendes auS: Der Angeklagte ist in diesem Verfahvcn beschuldigt,-mit der Else Kaminski unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben, und er stand deshalb im November 1307 zum ersten Male vor Gericht. Damals stand die Sache so: auf der einen Seite war ein. bisher unbestrafter Bürger, auf der anderen Seite ein Mädchen, welches auf der Polizei eine belastende Aussage gemacht hatte und später diese bestritt. Dann wurde bekannt, daß ähnliche Vorgänge schon früher bei dem Angeklagten sich ereignet haben sollen und so beschloß das Gericht, diesem näher nachzugehen und die Polizei um Ermittelungen zu ersuchen. Und da hatte der Angeklagte die Kühnheit, auch während dieser Ermittelungen sein Treiben fort- zusetzen. Er wurde observieit, verschiedene Mädchen wurden ver- nommen, Briefe und anderes Material beschlagnahmt und so kamen die anderen Sachen zutage. Die anderen Fälle sind nun bereits erledigt, jetzt handelte es sich nur noch um die Else KaminSki. Nun mußte jetzt zum dritten Male das widrige, ekelhafte Material auf- gerollt werden. Die Sachverständigen haben, nachdem sie das ganze Material kennen gelernt hatten und nach sorgfältiger Prüfung folgendes Gutachten abgegeben: Sie sagen: Der Angeklagte ge- hört zur Klasse der Wüstlinge, er wird von gewissen Trieben be- herrscht, diese richten sich hauptsächlich auf die Halbreifen, auf die in knospender Jugend stehenden Mädchen. Mag nun aber die Per- sönlickkeit sein wie sie wolle: eine Verurteilung kann in einem Einzelsalle nur erfolgen, wenn die einzelne Tat klipp und klar er- wiesen ist. Hier hat sich folgendes Ergebnis herausgestellt: EL war in der Schule bekannt geworden, daß Else Kaminski mit be- teiligt sei an einem anderen Vorfall, der zu einer Anklage gegen einen gewissen Hartmann geführt hat. Auf Drängen des Rektors haben ihre Eltern einen Strafantrag gestellt, es wurden mehrere Mädchen vernommen und da erzählte eins dieser Mädchen, daß die E. K. ja auch schon mit einem Doktor etwas vorgehabt habe. Sie wurde eingehend vernommen, bestätigte die Angabe und diese wurde protokolliert. Das Mädchen blieb auch bei einer Gegen- Überstellung mit dem Angeklagten bei seiner belastenden Aussage. Erst als der Angeklagte Erkundigungen über den Ruf des Mädchens bei den Eltern anstellt, tritt eine Wendung ein. Da lief dann die Mutter zur Polizei und behauptete, alles, was die Tochter gesagt. beruhe auf Gedächtnisschwäche. Trotzdem bleibt die Tochter bei ihrer Angabe. Bei Gelegenheit sagt die Mutter dann wieder, daß sie selbst auch kopfschwach sei. Dann sängt Else K. plötzlich an, zu bestreiten und ihre Aussage vor der Polizei als falsch hinzu- stellen. � Nun kommt es darauf an zu prüfen: 1. entspricht das polt- zeiliche Protokoll den Aussagen der E. K. und 2. sind diese An- gaben wahr? In bezug auf den ersten Punkt ist gar kein Zweifel, daß richtig protokolliert worden ist. Gelogen aber muß die E. K. haben, entweder vor der Polizei oder vor dem Gericht. Die Verdachtsmomente, die gegen den Angeklagten vorliegen, sind sehr schwere und eine ganze Anzahl von Momenten spricht dafür, daß die polizeiliche Aussage wahr ist. Zu diesen Momenten gehört u. a. auch das Verhalten der Mutter und insbesondere des Vaters Kaminski, welches darauf deutet, daß gewisse Einwirkungen des Angeklagten Platz gegriffen haben, wie denn in anderen Fällen sich herausgestellt hat, daß er sich auf solche Einwirkungen gut versteht. In dieser Verhandlung hat er ja nun auch zugegeben, daß er im Falle Michalsla, wo er wegen Verleitung zum Meineide zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt ist, wenigstens auf die Polizei eine solche Einwirkung versucht hat. So erdrückend die Verdachts- momente sind, so find doch andererseits Dinge hervorgetreten, die die Sache in anderem Licht erscheinen lassen. An sich muß selbst- verständlich bei der Prüfung der Aussagen eines Kindes die größte Vorsicht und Sorgsalt obwalten. Nun erschien seinerzeit dem Gericht als besonderes Moment, daß die E. K. auf der Polizei die Wohnung des Angeklagten im wesentlichen richtig beschrieben hatte. Dabei war dem Mädchen von Rektor und Lehrern das Zeugnis ausgestellt worden, daß ihre Begabung-eine schwache ist. Jetzt haben aber Versuche der Sachverständigen ergeben, daß dies doch nicht ganz zutrifft, wenigstens ist ihre Merksähigkeit eine ganz er- ftaunliche. Es sind mit ihr Versuche gemacht worden an der Sternschen Mcrktasick. die 76 sogenannte Merkmale zeigt. Von denen hat das Mädchen nach kurzer Besichtigung 74 richtig wieder- gegeben, auch bezüglich einzelner Teile, wo eS selbst dem Gericht schwer geworden ist, solche Merkmale zu erkennen. Der als Wunder- knabe angesehene Köhler aus dem Panoptikum hat nur 45 solcher Punkte angeben können. Nach solch«: Veranlagung kann ein Kind sehr wohl eine Beschreibung eines Wohnzimmers geben, auch wenn es nur flüchtig hineingeblickt hat. Dazu kommt, daß E. K. auch schon früher mancherlei sexuelle Momente gezeigt hat und ihre Zuverlässigkeit auch in anderen Punkten erschüttert ist. Unter diesen Umständen mußte das Gericht zu einem von liguet(nicht spruchreif) kommen. Es sprechen viele Verdachtsmomente gegen den Angeklagten. Aber so erdrückend sie auch sein mögen, so erscheint die Schuld des Angeklagten doch nicht klar nachgewiesen und deshalb ist der Ge- richtshof in diesem Fall Kaminski zur Freisprechung gekommen. Der Angeklagte bleibt deshalb nur noch verurteilt wegen der ver- suchten Verleitung zum Meineide, in welchem Falle das auf zwei Jahre Zuchthaus und vier Jahre Ehrverlust lautende Urteil rechts- kräftig geworden ist. Die„Große Glocke". Die Redaktion der„Großen Glocke" sendet uns folgende Mit- teilung zu unserem Gerichtsbericht über die„Große Glocke" in unserer Mittwochnummer: „In dem Bericht über die Verhandlung gegen den berant- wortlichen Redakteur der„Großen Glocke", Felix Wolfs, findet sich der Satz:„Eventuell werde die Vorladung des in letzter Zeit wegen seines Erpressungsversuches vielgenannten Redakteurs' Tahsel beantragt, auf den sich der Angeklagte im letzten Termin berufen hatte, und der nicht nur Redakteur der vom antisemiti- scheu Abgeordneten Bruhn geleiteten„Wahrheit", sondern auch Inspirator der„Großen Glocke" gewesen ist." Diese Tatsache entspricht nicht der Wahrheit. Dahsel ist niemals Inspirator der„Großen Glocke" gewesen, weder in dieser noch in irgend einer anderen Angelegenheit. � Er stand niemals in irgendwelcher Beziehung zur Redaktion dieser Zeit- schrift. Er sollte in diesem Prozeß lediglich bekunden, daß von feiten der Gräfin Wartensleben Versuche gemacht wurden, einen außergerichtlichen Vergleich herbeizuführen, Die Redaktion der„Großen Glocke" sieht sich zu dieser Richtig- stellung im„Vorwärts" veranlaßt, um allen falschen Komin- Nationen von vornherein vorzubeugen." Dem Wunsche der Redaktion kommen wir gern nach. Polizeiverordnung gegen Musik. Für ungültig erklärte daS Kammergericht eine für Minden erlassene Polizeiverordnung, welche es verbietet, mechanische Musik» instrumente zwischen 10 Uhr abends und 10 Uhr morgens und zwischen 1 Uhr und 4 Uhr nachmittags in Betrieb zu setzen oder in Benutzung zu nehmen. Der Gastwirt Folle, der die Verordnung übertreten haben sollte, wurde freigesprochen. Das Gericht führte aus, daß die Verordnung nicht diene zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung oder zur Abwehr bevorstehender Gefahren im Sinne des 8 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts. Sie wolle nur das Publikum vor akustischen Belästigungen be- wahren. Das sei kein Gegenstand des Polizeiverordnungsrechts. Tie Verordnung sei aber auch deshalb ungültig, weil die Straf- barkeit der Belästigung des Publikums durch Erregung von Lärm durch 8 360 Nr. 11 des Reichsstrafgesetzbuchs erschöpfend geregelt sei. soweit nicht reichsgesetzlich andere Vorschriften gegeben oder zugelassen seien. VermifcKtes. Ei» Mord in der deutschen Gesandtschaft in Chile. Die bei dem Brande der deutschen Gesandtschaft in Chile der» kohlt aufgefundene Leiche wurde bisher für die des Kanzlisten Beckert gehalten, weil sie die Kleidungsstücke BeckertS anhatte. Eine nochmalige Untersuchung der Leiche ergab indessen, wie amtlich gemeldet wird, daß dem Gebisse nach der Ermordete nicht mit Beckert identisch ist, vielmehr ist dieser Ermordete der chilenische Diener der deutschen Gesandtschaft. Danach liegt der Verdacht einer fllrchter- lichen, durch Beckert begangenen Tat vor. Beckert hat erst den ckritemschen Kanzlisten ermordet, dann die Kasse beraubt, darauf dem Ermordeten seine. Beckerts, Kleider angezogen und endlich anscheinend selbst den Brand angestiftet. Mit Rücksicht auf diesen Vorgang hat die deutsche Regierung der chilenischen Regierung eine dauernde Unterstützung für die Hinterbliebenen deS auf so schauderhafte Weise ermordeten Gesandtschaftsdieners anbieten lassen. Eingeäschert. AuS Madrid wird gemeldet, daß daS zum ESkorial gehörige Augustinerkollcgium durch eine Feuersbrunst eingeäschert wurde. Das Archiv wurde vernichtet. DaS Eskorialkloster blieb unversehrt. Acht Personen getötet. Wie aus Rom berichtet wird, wurden bei einem Hauseinsturz in Fochia acht Personen gelötet. Amtlicher Marktbericht der städtttchen Marttballcn-Direktlon über den Grohbandet in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: .guiuhr stark, Geschäft schleppend, Preise für Ochsen-, Kalb- und Schweine- fletsch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr genügend. Geschäft rege, Preile fest. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich belebt, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Gcschäsl ruhig, Preise für absallende Butter höher. Gemüse, Obll und Süds rächte: Zusuhr genügend, Geschäft flau. Preise wenig verändert. Q>»»,rr»ngs«berfi«tir vom II. Februar Ivos, morgeus 8 Illir. Stationen Wetter Kwmnnde 765 O Hamburg>760 ONO Berlin!76tO .vranfi.a M. 753 NO Btünchen>753 NO W>en 758 OSO 3 heiter öbcdcckt 4 bedeckt 3 bedeckt 4 wolkig g halb bd. »K -i?- »n s* Stationen Se i! i| el II —2 6 — 8 i —6 •3 Savaranda 765 SW Petersburg 771 Still Scilly tlberdeeu Pari» 756 N 766 O 750 S I Wetter rf? C"» Ü 2 bedeckt I— 7 wölken!—22 5 wolkig 4 bedeckt 2 bedeckt I Wetterprognose für Freitag, den IS. Februar 1900. Trocken und vielfach heiter bei ziemlich strengem Frost und scharfen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WafierftandS-Nachrtchten der LandeSauflalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilst« P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ralibor » Kroflen , Frankiurt Warthe, Schrimm . LandSbcrg Netze, Vordamm Elbe. Lciimcritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 10. 2. cm 7«) 78') 107') 1S63) 320') 126 87') 67«) 106 38») seit 9. 2. om') +8 —6 —7 +1 *—3 +14 +11 —5 -61 -112 486')+ 49 360«)1+18 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau») , Natbenow') Spree, Sorcmberg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximllianSau # Kaub » Köln Neckar. Hcilbron» Main, Wenheim Mosel, Trier fl+ bedeutet Wuck».— Fall.— 9 Unieroeael.—•) Eisstand. — 9 Grundeis.—') Treibeis.—•) Starkes Treibeis.— 7) Starkes Grundeis.—') Schwaches EiStreiben. Nach tekegraphischen Meldungen hat die Elbe bei Barbh heute um 1 Uhr nachts ihren höchsten Stand: 508 om mit Treibeis erreicht und ist bis heute morgen auf 506 om aefalleu. »8* den Jnkal» »ie „ der Inserate �dernlwm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. �IKeare?. Freitag, l2. Febraart Ansang VI, Uhr. Äötiigl. Opernhaus. Sinjonfc. konzert der fdnigl. Kapelle Königl. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Deutsches. Die Lehrerin. K a ni ni e r sp i e l e. Der Gras von Gleichen.(Ans: 8 Uhr.) vleues Schauspielhaus. Faust I. Teil. Lessiug. Rosincr.sholm. Thalia. Wo wohnt sie denn? Ansang 8 Uhr. Äomische Oper. Tosca. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues. Die sremiie Frau. Kleines. Moral. Hebbel. RevolutioriSbochzeit. Kustspielhaus. Seine kwine Freundin. Residenz. Kümmer« dich um Amelie. Schiller<».-Wnllner« ibtaiti.i Comtesfe Guckerl. Sch lle> Charlotten bürg. CharlehS Tante. Friedrich-Wilhelmstiidt. Lumpact- vagabundus. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Das Mädchen aus Irrwegen. Trianou. Der Satyr. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten>Theater 8«. Das Himmelbett.(Ans. 8>/, Uhr.) Bernhard Rose. Das Warenhaus- Fräulein. «astipiel- Theater. Sin toller Einsall.(Ans. 8',, Uhr.) Bürgerl. Schauspielhaus. Narzitz Gebrüder Herrufeld. Die beiden BindclbandS. Apollo. Onlel Kasimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter— tadel- lo». Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Paiinge. Spezialitäten. RcichSsiallen. Slcltiner Sänger. Walhalla. Spezialiläten. Folieö Capriee. Servu» Pschestna. Lusttge Ehemann.(Slnf. 8'/. Uhr.) Kasino. Rußland. Spczialttüten. Pusiav Behrens. Tobias Braut- fahrt. Spezialitäten. Ansang 8-,. Uhr. Parodie. Der geschundene Raud- ritter. Anfang 8>/, Uhr. Urania. Ta»be»ürahe 48/sv. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korfu. Sternwarte, Jnvalidenftr. 67/62. Lessing-Theater. Freitag 7ll, Uhr: Ibsen- Zyklu«. siebente Vorstellung: lioemoredolm. Sonnabend 8 Uhr: vor König. LsrUnsr?k«Atsr. Loutv 8 l7dr: Hin«»' von nnner« l-ont'. dlorg.: Lsrockss uock dlarianan«. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Frau. (La femme X..■) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau._ Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. flislIlilZtt-WillteliitstSMottgz Sciiauspielhaus. Freitag, 12. Februar, Ansang 8 Uhr: Zum erstenmal: Sonnabend: Husarenfleber. Hebbei-TKeater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. ReTOlutionshochzeit. Keneti Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 3 Uhr: Die I>oll«rprtn»e»»ln. Op erette in 3 Alten von Leo Fall. Rllillönz-Hi«s!ss. — Dtreltion: Riebard Alexandar.— Abends 6 Uhr: „KQmmere Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen».folgende Tag«: Rümmer« Dich um Amelie. Sonntag, 14. Februar, nachm. 3 Uhr: Ferroal. Schauspiel in 4 Allen von Sardou._ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: DltsMadchtll auf Irrmgen. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Rotkäppchen. Abends: Die Ehre. Sonntag nachmittag 8 Uhr> Die Kwder des Kapitän Grant. AbmdS: Da» Mädchen auf Irrwegen. Montag: Hypochonder._' Srhlller-Tlieater. O.(Wallner-Theater.) Freitag, abend» 8 Ufte; Komtenne Oackcrl. Lustspiel in 3 Alten von Frau, von SchSnthan und Franz Koppel-Ellseld. Sonnabend, abend»»Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Sonnlag, Nc-chm 3 llhri Ltn VoltcntetnC. Sonntag, abend» 8 Uhr: Oer W'nmlttentazr. Schiller- Theater Ldarlottendueg. Freitag, abend»» Uhr: Oharle�» Tante. Schwank in 3 Allen von Brandau THomaS Sonnabend nachm. 3 Uhr: Ole Jun�fVaa v. Orleans. So n n a ö c ii d, abends 8Uhr: Hin Velhskelnül. Sonnlag. nachm. 3 Uhri >?nlins Ollsar. Sonn loa adendSSllhri liVilhelin Teil. Urauerei Trielti'iehshaill. Heute Freitag: Eiltetasr* Gr. Miincliener Bock-Feste Berühmtester Feslwirt Sehorseh Chrengruher München mit seiner Original-Oberland'ler-Truppn (60 Personen). ilente Freitag: CraüsyerlosuüHoneiLlßiGepeiisiaoiiei. Jedes vierte Lea gewinnt. Jeder Besucher ein Los gewii erhält an der Kasse gratis.-PasA Entree 20 PI Lusispielhs Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. I RNIIAItPKGSfTtifkT «r. 132. Kranliurler Str. Abends 8 Uhr: VMhW-Melii WS" Wochentagsprelse.-W Sonnabend nachm. 4 Uhr: Köniastinder. stlm Abend da» Theater geschlossen.)_ ldie bleibt Rixdorter Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 14. Februar 1909: Gastspiel des Beritner Operetten-Ens. unter Leitung von Curt Grudin. Die Fledermaus. Operette in 3 ANen v. Joh. Strauß. Ansang VI, Uhr. Helropoi-Theater T liglich 8 Uhr: Doflnerwetter- tadellos! Revue in lOBildern ▼. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schults. Kassary— Perry Holden— Bender Glaiupletro— Kettner Plann— Thielscher. Allabendlich 10 Uhr: Hedi Herdina in ihrer Glanznummer Hoch der Kaviar!! Dazu das glänzende Februar-Programm. Abend» 8'/, Uhr: Einz. König Eduards v. Englaad Abends B'l, Uhr: Onkel Casimir ßertrude Sarrison Simon u. Qardner in ihrer amerikanisch. Burleske: Der neue Kutscher und das drollige Faschings- Programm! J Passage-Theater. Heute Premiere! j Mdme. Hanako Japans grdlts Schauspielerin, mit ihrem Ensemble in O t aka 1 Dramolet in 1 Akt und das großartige Februarprogramm. erbObteo Preise! Ii Wertheim u. a. d. Unter d. Linden 22. 'T.TT*-*— Gustav Behrens- Urania. WiBaenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 68. 8'/, Uhr: Ein toller Einfall. Passage-Panoptikam. Neu t Ken S Singhalesen- O aubler-Trnppe in ihr. wilden Heünatstreiben Salome, das blaue Weib. 0. Opfer unbarmherz. Titowation. Alles ohne Extra-Entree. Eintr. SO Pf., Kind., Soldat. 25 Pf. Bürgerliches Schauspielhaus _ Kastanien-Allee 7—9._ MM" Heute zum erstenmal:"MM IValralß. Trauerspiel in 5 Alten v. Brachvogel. Ansang 8'/,' Uhr. Sonntag nachm.: Othello. Abend»: HarzII. Montag: Oer Goldbauer. GebrOdep HerrDfeld- {TB! Thealer. JSÄ 57 Kommandantenstr. 67. Heute Freitag, 12. Februar, Kam 135. Hai: y dazu neuer Varlititeil"MP 5«pebnteir»— I.yrtco- Quartctt Clpt«— Georg Leu Aatröoa. Dledrlrh Schindler »fülTTIlRl a Van'efe-Thpater I Weinborgsweg 19-20, Rcsenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Die neuen Februar-SpeziatitSten. JmTumiel: Boctbirrfest. Regt- menlSlap. Theaterbei. ftcien Eintr.| Qal ■ Br last-Theater Burgstraße 24, 2 Minute» vom Bahnhos Börse. Ansang 8 Uhr Sonntag» 7'/, Uhr. DaS gänzlich nene Februar- Programm. 12 Debüts 12 Reu I Reu l Der arme Kasimir. Schwant in l Alt v. Schmtdt-Hawltn». gaMff- Familienkarten, auf allen Plätzen halbe Preise, nur an Wochentagen gllMg, überall gratis zu haben. Brunnen-Theater Badstraß« 68. Dtreltton: Willi Voigt. Freitag, den 12. Februar 1909 t GtlHUUtUt HttskN. BottSstück mit Gesang in 3 ANen oon Hugo Müller. Kaffenerbsfnung 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. 0 nur f is Falast Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr geöffnet. Konzert°°s Knii�llanfen. vorzügliche Februar rogramm. Schlager an! Schlager. U. a.: Ren! lobiss krautkadrt. Komische Operette und die übrigen errttlasstgeu Spezialitäten. Anfang 8'/« Uhr, Sonntag» S Uhr._________________ Carl TOrrmuth. Berlin-Rirdorf. Für den Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: VorwartSBuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co. Wcfinni Heute Freitag, den 12. Februar, abend» 7'/, Uhr: Grosse komische Borftellnng. Rur lurze» Saftspiel> TikSrAo der Rann mit den eisernenMuS- kein. Tlhcrlo bricht jede Münze. Ringkampf mit dem �7» Stier."WG Schimpanse Pggt at» kknnstradfahrer. _ M~ 4 Regala.-M> Clown Armando mit seinem Tierzirtu» und honende Kltngnrnh. MT Um 0»/, Uhr:-W» Das Maiiege-Pracht-Schausmck �OlO, Sevrhnhes». Sonntag, 14. Februar: Zwei Borstellungen. W.ZtaasbsTbsatsr Dtrettton: Reh. Olli. Brunnen str. 1». Aus allgemeinen Wunsch: Fiollt, die jmrite Frau. Schausp. n. d. belannL Marlttt-Roman. Ansang 8'/, Uhr. Sntree 30 Ps. Sonnabend SxtravorfL> Premiere: Ministerkrisen. Psrollle-Ideuler. I DreSdenerstt. 97. Ans.'1,9 Uhr. j Täglich: Der geschundene Raubritter. Königstadt■ Kasino. Hoizmarttstr. 72. Täglich: Konzert. Theater»nd Spezialitäten-Borstellnng. Austreten«rstllaisiger Kräfte. EFrana Hobanakl-MG Chigetty.— Joe de Diaz. Löla Eslrella.— Jim und Jam. Rleaen-ISrkoIg I liicbfranciiiuilcb. Operette w 1 Akt. ZIns. h Borst 8, Sonntag» S'/, Uhr. folies C-lsmee. Zum 01. Male: Ein lkdigrr Sliemauu. Anfang 8'/, Uhr. Casino-Theatep Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sen rationell I B n ß I a n d. Aktuell 1 Rußland. Sonn lag 4 Uhr: Mutter chrädert. Idesler VsriSlö Brillsnl (Otty-Pawaagc) Droadonar Str. 52/3 Annonot. 42/Z Täglich: Austreten oon nur eist llassigen Spezialitälen bei gänz- ltch freiem Entree, auch Sonn. XIV. Salwon! Zirkus Buscha Heute Freitag, abend» VI, Uhr: Grolle Gala-Voratellong Um ca. 0 Uhr: Austreten de» weltberühmten Konsul Peter! MM- Die Vlevlllea!-WM Olympia Oervall! Ferner: Herr Burlhardt-Footttt, Schulretter. Herr E. Schumanns Meisterdress. Foureaux u. 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