Nr. 41. Abonnements- Bedingungen: 9 bonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 11 Erkbeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsamd Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. vorrufen müßte. Bittere Wahrheit. Donnerstag, den 18. Februar 1909. = Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. ist die dringendste Pflicht der Gemeinden GroßBerlins, nachdem sie schon allzu lange gezögert haben, alle Maßregeln zu ergreifen, die die furchtbare Not des wichtigsten Teils ihrer Einwohner lindern können. Die Trrgänge der deutschen Marokkopolitik Die Depesche Der Pariser Matin" hat den deutschen Botschafter um einen tiftit. Ihr einziges Ergebnis ist nur die Feststellung des ab soluten Bankrotts ihrer Methode Methode des Meldesystems Dessen Unzuverlässigkeit ist jetzt erperimentell bewiesen und es ist eine unabweisbare Notwendigkeit, daß auch der Magistrat daraus die KonseDaß die in Deutschland herrschende Wirtschaftskrise wenigstens quenzen zieht und zum Zählsystem übergeht, will er sich nicht in ihrer schrecklichen Wirkung auf die Lage der Arbeiterflasse dem Verdacht ausseßen, nicht die Ermittelung der Wahrheit, zu den schwersten gehört, von denen das herrschende sondern die Vertuschung zu wollen. Der Magistrat kann dies Wirtschaftssystem seit 1878 heimgesucht worden ist, daran um so eher, als ihm daraus keine höheren Kosten erwachsen, fann faum mehr ein Zweifel bestehen. Trotzdem waren wir auf da unsere Organisationen bereit sind, die nötigen Zähler beiDer Kaiser hat anläßlich des Abschlusses des Marotto. das schmerzlichste überrascht, als uns das schredensvolle Resultat zustellen. Uebrigens gibt auch der Direktor des Statistischen der Berliner Arbeitslosenzählung befannt wurde. Amtes, Professor Silber gleit, unumwunden zu, daß die vertrages ein Telegram an den deutschen Botschafter in leber Hunderttausend Menschen arbeitslos, das bedeutet daß amtliche Statistik kein einwandsfreies Resultat ergeben hat. Paris, Fürsten Radolin, gerichtet, worin er den Botschafter bcungefähr jeder sechste Berliner Arbeiter feines Es mag auch richtig sein, daß unsere Zählung insofern das glückwünscht und ihm seinen Dank ausspricht. Lebensunterhaltes beraubt ist, sich und seine Familie mitten amtliche Resultat beeinflußt hat, als die Arbeitslosen die Not- schließt: Dieser Abschluß hat den ohnehin gelungenen im Winter dem drohenden Elend der Obdachlosigkeit und des wendigkeit nicht einsahen, sich ein zweitesmal einer un- önigsbesuch noch freundschaftlicher gestaltet. Seine Majestät hat mich lebhaft beglückwünscht. Ich gebe Hungers preisgegeben sieht. Das müßte fürwahr eine fürchter- bequemen Art der Zählung zu unterziehen. liche, unerträgliche Vorstellung für jeden Menschen sein, eine Da also mit der amtlichen Statistik nicht viel anzufangen Cambon das Großkreuz des Roten Adlers." Vorstellung, die die Gewissen wecken und die Taten her amtliche Zahl eher zu hoch zu finden! so stürzen sich die Kommentar zu diesem Telegramm gebeten und es iſt. ihm darauf ist nur ein Scherlkuli besitzt die aufreizende Dummheit, die Bir Sozialdemokraten wissen, daß das Elend der Krise, der Gegner auf einen anderen Einwand, der ihnen vom Statisti- vom Fürsten Radolin erklärt worden, daß der Kaiser eine lebHunger der einen, der aus dem Ueberfluß der anderen entsteht, die schen Amt geliefert wurde. Unsere Statistik soll die Zahl der hafte Genugtuung über den Abschluß empfunden habe, weil der Arbeitsruhe, die im selben Moment erzwungen wird, wo auf also Erwerbsunfähigen mitgezählt habe. Auf spreche, die der Kaiser stets unterstüt habe. Der Kaiser habe Arbeitslosen zu hoch angeben, weil sie auch die Kranken, Vertrag der friedlichen Versöhnungspolitik entder anderen Seite Produktionsmittel im Ueberfluß vorhanden sind, die nur von den vergeblich Arbeit heischenden Menschen unsere Feststellung, daß die 11. Frage unseres Fragebogens iede Gelegenheit ergriffen, um Frankreich seinen in Bewegung gesetzt zu werden brauchten, um allem Elend gelautet habe:" Waren Sie während dieser Zeit( der Arbeits- Wunsch auszudrücken, Verstimmungen und Differenzen zu verin Bewegung gesetzt zu werden brauchten, um allem Glend losigkeit) erwerbsunfähig wegen Krankheit?" wird geant meiden. ein Ende zu machen, teine Naturnotwendigkeit, wortet, daß die Frage Sind Sie noch frank?" gefehlt habe, sondern um das Produkt einer fehlerhaften, regelwodurch allein die Ausscheidung der zurzeit Kranken gesichert lofen Gesellschaftsorganisation ist, deren geschichtliches Recht gewesen wäre. Dies wäre aber von Wichtigkeit, da die Zahl längst zum fürchterlichsten Unrecht geworden ist. der bei den Berliner Krankenkassen am 1. Februar vorhanhalb ist für uns die Zeit der Strife die Zeit unserer leiden- denen Kranken ungefähr 30 000 betragen habe. Unsere Staschaftlichsten Anstrengungen, die Sache des Sozialismus zum tistik bringe aber nur 2089 Karten als zweifelhaft in Abzug, Stege zu führen und zugleich durch verdoppelte Arbeit an was viel zu wenig sei. unferen Organisationen zu verhindern, daß die Unternehmer die Lasten der Krise noch mehr auf die Arbeiterklasse ab- In der Lat, träfen diese Behauptungen zu, dann wären unfere Zahlen zwar noch immer erschreckend hoch, aber doch wälzen und zu dem zu dem Elend der Arbeitslosigkeit noch übertrieben. Dem ist nicht so. Zunächst ist zu bemerken, daß das der Lohnfentung hinzufügen. Aber auch für die zweifellos die Zahl der Kranten durch die Arbeits jenigen, ja gerade für die, die auf dem Boden losigkeit angeschwellt worden ist. Denn jeder mit diesen der tapitalistischen Gesellschaftsordnung stehen, müßte Verhältnissen Vertraute weiß, daß eine Anzahl chronisch die Krife der Ansporn sein, durch organisierte Kranfer, die sich zur Not noch aufrecht erhalten, folange fie Hilfeleistung durch Staat und Gemeinde den Arbeit haben, wenn die Arbeitslosigkeit hereinbricht, sich frank Beweis zu erbringen, daß ihre Gesellschaftsordnung nicht melden müssen. Aber diesen Umstand erwähnen wir hier nur völlig bankrott, daß auch auf deren Boden für arbeitende der Vollständigkeit halber. Uns kommt es vielmehr auf andere Menschen das Elend fein unentrinnbares Geschid sei. Momente an. Und Dant müßten sie den Organisationen der Arbeiter vissen, die feine Mühe gescheut haben, um festzustellen, was ist, und. eine Pflicht erfüllt haben, die von rechtswegen Sache des Staates und der Kommunen ist. Des" An diese Aeußerung Radolins knüpft der Matin" einen Some mentar in Form einer Unterredung mit einer ungenannten Persönlichkeit über die Haltung des deutfchen Raisers gegenüber Frankreich. Diese Persönlichkeit, in der man ein Mitglied der deutschen Botschaft in Paris vermutet, fagte: Seit Beginn der Marokkokrise hat es zweifellos viele Mißberständnisse gegeben, aber weder Frankreich noch der. Staiser, wollten diese Mißverständnisse. Nur der Uebereifer ehrgeiz, mitunter auch einfache administrative Chikanen haben die gewiffer fubalterner Agenten und deren übermäßiger beiden Nationen wiederholt in schwierige Situationen gebracht, so daß man einen offenen Konflikt befürchten konnte. Jedesmal aber war es der Kaiser, der das Gewicht seiner Autorität in die Wagfchale warf, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Nur ungern ging der Kaiser nach Tanger, denn er gab sich völlige Rechenschaft über diesen Schritt. Auch bei der Affäre von Casablanca gab der Kaiser seinen Willen kund, die Angelegenheit so vasch als möglich zu erledigen. Nach Schlichtung des Konfliktes von Casablanca sagte der Kaiser zu einem intimen Freunde: Ich habe den Befeh! erteilt, die Affäre innerhalb 48 Stunden zu erledigen, und alles ist nun glücklich geregelt." Noch schwieriger war die Aufgabe des Kaisers im Jahre 1905. Damals war die Situation äußerst ernst. Die Diplo maten, die Umgebung des Kaisers, ja die gesamte deutsche Armee wünschte den Krieg mit Frankreich. Frankreichs Rüstungen ließen damals viel zu wünschen übrig, ein Sieg Deutschlands wäre daher leicht zu erringen gewesen. Trotzdem aber ließ sich der Kaiser durch keinerlei Einflüsse bestimmen, von seiner friebliebenden Saltung abzuweichen. Ein Jahr später sagte der Kaiser zu einer ihm befreundeten Person: Ich hätte es sehr gern gesehen, wenn ein französisches Schiff zu den Festen in Stiel erschienen wäre, allein es scheint, daß man mich noch immer für zu kompromittierend hält." Der Gewährsmann des" Matin" schloß, daß auch das Zustandekommen des Maroffoabkommens der Friedenspolitik des deutschen Kaisers zu danken sei. Nach dieser Darstellung wäre es also der Kaiser, der die Dummheiten der deutschen Diplomatie wieder gut gemacht hätte! Der nur ungern die romantische Langerfahrt angetreten hätte, die doch sonst zu seinen Neigungen so gut zu passen schien! Jezt soll Bülow in vollem Umfange die Schuld an all den diplomatischen Niederlagen, für alle die gefährlichen Situationen tragen, die die deutsche Maroffopolitik dem Reich beschert hat. Das persönliche Regiment ist nicht das die heiligen Kretse Bülows störende Element, wie es nach den Enthüllungen der Novembertage feststand, sondern ihm ist vielmehr die glüdliche Lösung des verfißten Marokkoknäuels zu danken! Wie wird dem Kanzler werden, wenn er diese Stimmungsmache für den Monarchen liest, die zugleich Stimmungsmache gegen den Kanzler ist? Die Kamarilla ist wieder in Tätigkeit. Und wenn die Reichsfinanzreform im Hafen ist, dann kann ein Mohr gehen. Die von uns als Resultat angegebene Bahl von 101 300 Arbeitslosen ist keineswegs die ermittelte och st za hl. Dazu fommen 6051 in Herbergen und Asylen befindliche Personen, von denen höchstens 20 Prozent als Gelegenheitsarbeiter in Die Arbeitslosenzählung vom 13. Februar ist fürwahr ein Abzug zu bringen wären und die 2089 für Berlin und die glänzendes Zeugnis von der Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit 1378 für die Vororte als zweifelhaft in Abzug gebrachten unferer Organisationen. Ungefähr 50000 8ähler, von Karten. Will man also die 27 000 tranfen und um so Senen 40 000 die politische und 10000 die gewerkschaftliche viel, nicht um 30 000 handelt es sich abrechnen, so müßte Organisation gestellt hat, unterzogen sich der mühevollen Auf- man die Zahl von zirka 110 000 zugrunde legen. Dann würde gabe, selbstverständlich ohne jede Entschädigung. Wer auch nur es sich noch um eine Differenz von zirka 17 000 handeln. Von einen flüchtigen Einblick in das Urmaterial unserer Statistit tun diesen kommen noch diejenigen Arbeiter in Abzug, die am konnte, mußte überrascht sein von der Zuverlässigkeit 13. Februar in Spitalspflege waren, von uns gezählt, und peinlichen Genauigkeit, mit der die Zähler aber natürlich nicht in unsere Statistik aufgenommen wurden. ihr Werk verrichtet haben. Unsere Genossen wußten, daß es Ihre Zahl beläuft sich auf zirka 3700, so daß nur mehr uns nur darauf anfam, die Wahrheit und nichts als die 13 300 verbleiben. Außerdem aber wurden außer den von Wahrheit zu erfahren, wußten ja auch aus unmittelbarster Er uns als zweifelhaft angeführten mehrere Tausend Zählkarten, fahrung, daß diese Wahrheit schlimm genug fein würde. Und aus deren Inhalt sich ergab, daß der Arbeitslose zurzeit der gegenüber den perfiden Verdächtigungen einzelner fapitalistischer Bählung frant war, ebenfalls von vornherein aus geSoldschreiber, müssen wir es Ihnen schon sagen, daß fie sich schieden. Die genaue Zahl wird nach der endgültigen Beden Dank und die Anerkennung der Berliner arbeitung noch angegeben werden. Man sieht, von den 27 000 Arbeiterschaft reichlich verdient haben. Kranken bleiben nur recht wenige übrig, die eventuell Ebenso gewissenhaft erfolgt die Verarbeitung und auch in unserer Zählung aufgenommen sein könnten, und die Sichtung des Materials durch fachmännisch ge- schreckenvolle Zahl von 100 000 Arbeitslosen bleibt bebildete und durchaus objektive Kräfte. Die bürgerliche Breffe fte hen. Um aber den Zweiflern auch die letzten Bedenken will freilich das Resultat unserer Zählung nicht gelten laffen zu zerstreuen, wird in den nächsten Tagen in Schöneberg und allerlei Bolemifen gegen unsere Beröffentlichungen find amtlich, in mehreren Vororten durch die Organisation in zunächst das Einzige, das die publizistischen Bertreter allen Fällen, wo es zweifelhaft geblieben ist, ob die in den des deutschen Bürgertums für die fürchterliche Notlage der Zählfarten angegebene Strankheit zurzeit der Zählung noch deutschen Arbeiter übrig haben. Aber ihre Einwände können andauerte, durch Recherchen dieser Umstand festgestellt leicht zurückgewiesen werden und gerade die Nichtigkeit ihrer werden. Es wird sich dann zeigen, daß, wenn überhaupt, so Bemängelungen beweisen die Richtigkeit unserer Statistik. nur in einem ganz geringen Prozentsaz Kranke in Diese fann am wenigsten durch die amtliche Arbeits- die Zähllisten aufgenommen wurden. Iosenzählung, die am Dienstag stattgefunden hat, er- Die Behauptung also, daß unsere Statistik übertrieben schüttert werden. Denn deren Fiasko ist offensicht- oder gar unzuverlässig ist, zeugt nur von dem schlechten Lich. Die amtliche Statistik hat nämlich nach dem vorläufigen Gewissen und von der Verlegenheit, in die der Ergebnis nur 23 670 Arbeitslose gezählt, davon 19 303 in große Umfang der Arbeitslosigkeit unsere Gegner gestürzt Berlin und 4367 in 19 Vororten, also noch weniger als die hat. Und dabei erfaßt auch unsere Zählung die Arbeitslosig28 006 in Berlin und 12 206 in 27 Vororten bei der Zählung feit nicht in ihrem ganzen Umfang. In unsere Statistik vom 17. November 1908 Ermittelten. Im einzelnen wurden wurden nicht gerechnet die Gelegenheitsarbeiter: zember des verflossenen Jahres die belgische Kammer beschäftigte, cm Dienstag gezählt: Charlottenburg 1330, Rirdorf 1559, ein Friseur oder ein Kellner, die angaben, nur Sonnabend Wilmersdorf 166, Weißenfee 259, Borhagen- Rummelsburg und Sonntag beschäftigt zu sein, wurden als nicht arbeitslos 217, Friedenau 30, Ober- Schöneweide 159, Friedrichsfelde 24, behandelt. Dann aber dürfte auch die Zahl der von uns er Tegel 60, Treptow 34, Tempelhof 37, Nieder- Schönhausen 19, mittelten weiblichen Arbeitslosen hinter der WirkBriz 87, Mariendorf 71, Johannisthal 16, Adlershof 84, lichkeit zurückbleiben. Von den 101 300 Arbeitslosen waren Stralau 12, Groß- Lichterfelde 118. Es fehlen demnach Schöne nämlich weibliche: in Berlin 10 060, in den Vororten 3217 berg, Spandau, Stegliz, Pankow, Köpenick, Dahlem, Lank- Personen, eine Zahl, die weit hinter dem Verhältnis zurück wit und Rosenthal, die zum Teil die Beteiligung an der bleibt, das die Arbeiterinnen zu den Arbeitern bilden. amtlichen Zählung abgelehnt hatten. So bleibt es trok aller Anzweiflungen bei der bitteren Die Tatsache, daß bei der jetzigen Zählung eine ge- Wahrheit: Die Arbeitslosigkeit in Berlin, und was für Berlin menten der Rechten, insbesonders Woeste, jede parlamentarische ringere Bahl ermittelt wurde als im November, obwohl gilt, gilt für alle Industriestädte, hat einen Umfang ange- Behandlung der Reform, wenn sie nur eine Aufschiebung beres unbestritten ist, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nommen, der sie zu dem ernstesten Problem der sprach, einer Gesegesvorlage vorzog die nach der Nede jeitdem bedeutend verschlechtert haben, beweist unwider nächsten Zeit macht. Hier einzugreifen ist dringend des Kriegsministers eigentlich die einzig richtige Lösung gewesen leglich die völlige ertlosigkeit der amtlichen Sta. In ötig, und was geschehen muß, muß rasch geschehen. Es wäre. Zur Militärreform in Belgien. Brüssel, 18. Februar.( Eig. Ber.) Die Militärdebatte, die für furze Zeit im November und Dehatte mit dem Antrag des Juterpellanten Snoh einen vorläufigen Abschluß gefunden, der dariu bestand, eine Kommission zu ernennen, die die Resultate des Militärgesetzes vom Jahre 1892 über die Wirkungen des Volontoriats, des in Belgien herrschenden Freiwilligensystems, und über das vom Kriegsminister Hellebaut borgelegte Ziffern und Tatsachenmaterial, das den Bankerott des überbisherigen Systems in eklatantester Weise dartat, zu prüfen hätte. Der Antrag fand die Unterstützung der Regierung, die im Verein mit den militärreformfeindlichen Ele-O Mer wie schon so oft in den letzten Jahren, seit sich das Parteiengebilde infolge der Spaltung innerhalb der Rechten der- schoben hat, zeigte der belgische Parlamentarisnms ach bei dieser Frage eine ganz eigenartige Erscheinung. Es konnte geschehen, daß der Kriegsminister, dessen Ausführungen in klarem Ziffern- Material den Bankerott eines Gesetzes verkündete und im Zusammen- hang damit eine Reform des Militärgesetzes forderte, von der Regierung völlig im Stiche gelassen wurde. Der Ltriegsminister hatte als grundlegende Ursache für eine Miliiärreform, die er in einer Aufhebung des Stellvertreter- systems und Einführung der allgemeinen Wehr- Pflicht sieht, die Tatsache angeführt, daß die belgische Armee für den Verteidigungssall in ihrer derzeitigen Größe nicht ausreiche, da die Ziffer über die Friedensarmee nicht 42 000 Mann, sondern um 6000 Mann weniger beträgt. Die Regierung ging damals so weit, in ihren Blättern verkünden zu lassen, daß Hellebants El tlärungen und Schlüsse persönlicher Natur seien und damit ging auch gleich das Gerücht Hand in Hand, daß sich die Regierung und ihr bald als ihr Freund, bald als ihr Feind auftretender, aber immer intrigierender Ratgeber Woeste des unbequei-en Negierungs- Mitgliedes entledigen wollen. Indes gab es ja innnerhin den rettenden Ausweg, eine Kommission einzusetzen und so die Reform womöglich über daS Wahljahr 1910 hinaus zu verschleppen. Und darauf kommt es der Regierung vor allem an. Der seit- sam„antimilitaristische" Standpunkt der Regierung, die zwar Millionen für die Antwerpener Festungen begehrt, aber seelenruhig bleibt, wenn der Mimsterkollege Hellebaut die Armee als unzureichend für den Verteidigungsfall hinstellt, er- klärt sich auS sehr einfachen wahltaktischen Gründen. Der Minister- Präsident Schollaert hat erklärt, eine Militärreform könne nur gemacht werden, wenn er sich auf die volle Zustimmung der Rechten stützen könne. Nun befitzt die Rechte eine große Anzahl von Fürsprechern für die Militärreform, wie den angesehenen Carton de W i a r t, Veenaert usw., was diesen von der Regierung und den anderen Gegnern der allgemeinen Wehrpflicht den Vorwurf eintrug, sie wollen die„Majorität" zerplittern. Aber es hat s.ch in den letzten Jahren gerade bei allen größeren Reformen„on prinzipieller Be- deutung gezeigt, daß die Regierung in der Minorität bleibt, wenn sie nur auf die Rechte zu zählen hätte. Mit Recht wendet die liberale„Etoile Belge" ein, daß die Regierung die Kongoannexion mit Hilfe der Liberalen zustande gebracht und auch bei der Frage der Antwerpener Festungen hat die Regiermig die Hilfe der Liberalen nicht verschmäht. Bei der Frage der allgemeinen Wehrpflicht indes kapriziert sie sich auf„ihre Majorität". In Wirklichkeit liegt die Sache eben so, daß die klerikale Regierung, die von einer Wahl- Periode zur anderen ihre Majorität zusammenschmelzen sieht, eine neue Gefahr darin sieht, mit der Militärreform vor ihre ländlichen Pluralwähler zu treten. Kürzlich haben die Sektionen über den Antrag Snoh beraten und von den sechs Sektionen haben sich drei für und drei gegen die Errichtung einer Untersuchungskommission zur Prüfung des vom Kriegsminister vorgelegten Materials ausgesprochen. Die Zentralsektion(in der die sozialistische Gruppe durch Genossen Bertrand vertreten war) hat sich mit vier gegen drei Stimmeri für das Prinzip der Kommission ausgesprochen. In St i m m e n ausgedrückt stand übrigens das Resultat so. daß 62 Mitglieder der Sektionen gegen den Berschleppungs- antrag und nur 50 für diesen stimnrten. Diese Woche kommt der Bericht vor die Kaminer, wo sich die Debatte wohl vorzüglich um die Abgreirzung der Kommisfionsarbeiten drehen wird. Die Situation der Regierung bleibt indes heikel genug. Sie hat keine feste Majorität in dieser Frage und Liberale und Sozialisten in geschlossener Front gegen sich. Wird Herrn Woestes bewegliches Intrigenspiel die Situation im Jubiläumsjahr der 25 jährigen Herrschaft des Klerikalismus retten und die aus den Fugen gegangene Majorität wieder einrenken? Und wie wird sich der Kriegsminisier, der mit sympathischer Recht- schaffenheit und Festigkeit seinen Standpunkt in der Militärreform vertrat, einer sichtbar unreinen Verschleppungsmogelei gegenüber oerhalten? Er hat sich allerdings fiir eine UntcrsuchungSkommission ausgesprochen, weil er wünscht, daß sich die Echtheit seiner giffern bewahrheite, obgleich ihm von Sozialisten und Liberalen zugerufen wurde, daß sein Beweismaterial nicht angezweifelt werde — wogegen Herr Woeste, der Regierungsmaun, die Ziffern des Ministers über das Scheitern des Volontoriats und die Ausdehnung der Armee bestritt.... Eben hat die belgische Kammer die Debatte über die Regelung der Arbeitszeit im Bergbau begonnen, und schon zeigt eZ sich, daß die Regierung unter der Führerschaft ihres Arbeitsministers— die armseligste und reaktionärste Nuinmer des Ministeriums Schollaert— das Gesetz auf die Bahnen der kapitalistischen Doktrinäre von rechts»nid links zu leiten beabsichtigt. Von der Unterrichts- und Wahlreform keine Spur— die Militärreform im Schöße einer Kommission begraben— wahrlich. betrachtet man das viertelhnndertjährige„Lebenswerk" der Klerikalen in ihrem Jubiläumsjahr, dann zeigt sich die ganze Trostlosigkeit vieser Streber- und Pfaffenpolitik, die als ihr vornehmstes politisches Werk nichts anderes hinterlassen wird alS die in landeszugehörigc oerwandelte, verfassungsmäßig betriebene Ausbeutung der Kongo- sllaven.___________ Beschlüsse der von der»crstarMcn Se- lchüfttordnungsIiommMon eingesetzten KedahtionshonuninioD. Nach den Beschlüffen der verstärkten GeschäftSordnungSkom- Mission in erster Lesung sind die ZZ 32 ff. der Geschäfts- ordnung wie nachsteht, zu faffen: 8 W. Interpellationen an den Bundesrat oder den Reichskanzler müssen, bestimmt formuliert und von 30 Mitgliedern unter- zeichnet, dem Präsidenten des Reichstags überreicht werden. Der Präsident teilt die Interpellation. abschriftlich sofort dem Reichskanzler mit und fordert ihn im Reichstage spätestens am dritten auf die Einbringung der Interpellation folgenden Sitzungstage zur Erklärung darüber auf, ob und wann er die Interpellation beantworten werde. Erklärt der Reichskanzler sich zur Beantwortung bereit, so erhält an dem von ihm bestimmten Tage der Interpellant das Wort zur Begründung der Interpellation. 8 33. An die Beantwortung der Interpellationen oder deren Ab- lchnung darf sich eine sofortige Besprechung ihre? Gegenstandes anschließen, wenn mindestens 30 Mitglieder darauf antragen. Falls der Reichskanzler auf die Aufforderung des Präfi- denken eine bestimmte Erklärung, ob und wann er die Jnter- pellation beantworten wolle, nicht abgibt, oder die Frist bis zgr Beantwortung auf mehr als zwei Wochen, vom Tage ihrer Em- bringung an gerechnet, bemißt, so beschließt der Reichstag in einer der nächsten drei Satzungen, ob und wann er eine Besprechung des Gegenstandes der Interpellation vornehme» will. Die Beschlußfassung erfolgt ohne Diskussion. § 33s. Bei der Besprechung von Interpellationen dur,�.. nur solche Anträge eingebracht werden, die sich auf den Gegenstand der Interpellation beschränken und keine Gesetzentwürfe enthalten. Sie müssen von mindestens 30 Mitgliedern unterzeichnet sein. Falls gegen die Zulassung eines Antrages Widerspruch von min- bestens 30 Mitgliedern erhoben wird, beschließt darüber der Reichstag sofort ohne vorherige Diskussion. Die Abstimmung über die vorliegenden Anträge muß vertagt werden, falls bis zuni Schlüsse der Diskusswn ein Antrag hier- auf gestellt und von mindestens 30 Mitgliedern unterstützt wird. Die Abstimmung erfolgt alsdann in einer der nächsten drei Sitzungen ohne weitere Diskussion. 8 4L Abs. 1. Nimmt ein Vertreter des Bundesrats nach dem Schlüsse der Diskussion das Wort, so gilt diese aufs neue für eröffnet. Nimmt er außerhalb der Tagesordnung das Wort, so kann auf Autrag eines Mitgliedes der Reichstag die Eröffnung einer Diskussion über seine Ausführungen beschließen; die Abstimmung über den Antrag erfolgt ohne Diskussion. Politische(Jeberlkbt. Berlin, den 17. Februar 1909. Armenunterstukung und Bankgesetz. Aus dem Reichstag, 17. Februar. Der Gesetzentwurf über die Einwirkung der Ärmenunterstützung auf öffentliche Rechte stand heute zur zweiten Beratung. Die Kommission hatte die Zahl der Unterstützungen, die keine Ein- schränkung der öffentlichen Rechte herbeiführen sollen, noch um die Unterstützung zu Zwecken der Jugendfürsorge vermehrt, es sonst aber bei dem RegierungScntwurf gelassen. Die Debatte drehte sich wesentlich darum, ob die von der Sozialdemokratie geforderte Erweiterung der Ausnahme- bestimmungen Aufnahme finden sollte. Genosse B r ü h n e begründete die sozialdemokratischen Anträge. Durch die Einfügung der Worte»sonstige Unterstützungen, wenn sie zur Hebung vorübergehender Notlagen bestimmt sind," solle bezweckt werden, daß auch Unterstützungen, die durch eine wirffchastliche Krise notwendig werden, nicht die Ausübung öffentlicher Rechte einschränken dürfen. Ferner komme es darauf an, auch schon in dem Gesetz dafür zu sorgen, daß auch die durch Landesgesetz verbürgten öffentlichen Rechte in der nämlichen Weise gesichert würden. Gegen diese Bestimmung kehrte sich der Unterstaats- sckretär Mermuth mit dem Einwand, damit werde in die Kompetenz der Landesgesetzgebung eingegriffen und deshalb könne sich die Regierung nicht darauf einlassen. Er fand dabei die Unterstützung der Vertreter verschiedener bürgerlicher Parteien. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Mayer- Kaufbeuren wollte sogar von der in der Kommission einstimmig an- genommenen Resolution nichts wissen, die wenigstens dem Reichskanzler den Wunsch ausdrückte, er möge bei den Einzel- regierimgen in der Richtung des sozialdemokratischen Antrages vorstellig werden. Herr Mayer desavouierte namens der Partei seine in der Kommission tätig gewesenen Parteigenossen, weil sie die Sache nicht richtig erfaßt gehabt hätten. Dieser Vorfall ist, nebenbei bemerkt, ein trefflicher BelveiS dafür, wie notwendig es ist, die Kommissionsberichte auch mit Namens- nennung in die Oeffentlichkeit zu bringen. - Genosse Böhle trat den Vertretern der bürgerlichen Parteien entgegen, für die ein„Unannehmbar" der Regierung stets das Signal zum Umfall ist. Bei solcher Schwächlichkeit der Parteien habe die Regierung von vornherein stets ge- wonnenes Spiel. Bei der Abstimmung über die Anträge blieb die Sozial- demokratie natürlich allein. Angenommen wurde dann das Gesetz in der Kommissionsfasinng. Auch die Resolution fand Annahme, allerdings gegen eine starke Minderheit von Kon- servativen und Zentrum. Das Gesetz über die D o p p e l b e st e u e r u n g, das in zweiter Lesung hätte beraten werden sollen, wurde ans Antrag der Nationalliberalen doch noch einer Kommission von 14 Mit- gliedern überwiesen. Schließlich trat das Haus in die erste Lesung des Bank- g e s e tz e s ein. Es handelt sich dabei nicht uni prinzipielle Aenderungen des bestehenden Gesetzes, sondern nur um Matz- regeln zur finanziellen Stärkung der Reichs- dank, vor allem um die Verstärkung des Reservefonds. Wie aus der Begründung hervorgeht, steht jetzt schon die Reichs- dank in bezug auf ihre Mittel nur noch hinter der Bank von England zurück(um etwa ein Drittel), während sie alle anderen staatlichen Zentralbanken an Leistungsfähigkeit übertrifft. Herr v. Bethmann- Hollweg begründete die Vorlage, fand aber für sie wenig Gegenliebe bei seinen agrarischen Freunden. Sowohl Herr Krcth(k.) wie Herr Dr. Arendt(Rp.) machten in Opposition, wobei der Silber-Arendt einmal wieder seinen alten bimctallistischen Groll gegen den früheren Reichs- bankpräsidcnten Koch entlud. Dafür fand er nicht einmal den Beifall des sonst auch bündleragrarisch gefärbten Herrn Speck vom Zentrum, während Herr Dr. Weber(natl.) auf die Seite der Regierung trat. Morgen geht die Debatte Wetter.— Die Novelle zum Berggese�. Am Mittwoch, bereits am zweiten Tage der Beratung, hat das Abgeordnetenhaus die Novelle zum Berggesetz nebst de» verschiedenen Initiativanträgen, die u. a. die reichsgesetzliche Regelung des Berg- arbeiterschutzeS bezweckten, an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Ein Sozialdemokrat gehört der Kommission nicht an. In der Debatte kamen nur noch die Abgg. Kapitza(Pole) und W o l s f- Aissa(steif. Vg.) zu Worte. Elfterer begrüßte die Vorlage als Schritt auf dem Wege der modernen EntWickelung und verlangte die Einführung des achistüudigen Arbeitstages für Berg- arbeiter. Letzterer stellte sich im großen ganzen auf den Boden der Regierungsvorlage, ohne indes die Forderung auf Erlaß eines ReichsberggcsetzeS aufzugeben. Nachdem das Haus diese beiden Reden angehört hatte, setzte die Schlußantragsmaschinerie ein, es erhielten nur noch die Antragsteller das Schlußwort. Der Redner des Zentrums, Abg. Dr. B l e I l, mißbrauchte sein Schlußwort zu den albernsten Ausfällen gegen die Sozialdemokratie, der er vorwarf, daß ihr jede gesunde Sozial- reform auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung ein Dorn im Auge sei. Im übrigen fühlte sich Herr Blell gemüßigt, als frei- williger NegicrungSkommissar zu debütieren und die Vorlage, un- bekümmert um die Wünsche der.christlichen" Bergarbeiter, als Meisterwerk der Gesetzgebung zu preisen. Hatte der Zentnimöredner wenigstens den Schein der Sachlich- keit zu wahren gewußt, so ließ der Oberscharfmachcr Freiherr v. Zedlitz(fk.) einzig und allein politische Motive gelten. In seinem fanatischen Haß gegen das ReichStagSwahlrecht redete — den Gedanken an«in ReichSberagesetz in Grund und Boden, wütete er gegen den Reichstag. gegen die Sozialdemokratie und gegen alles, was auch nur entfernt nach Arbeuaschutz aussieht. Für ihn steht es fest, daß Arbeiterlontrolleure, wie die Sozial- demokratie sie fordert, nicht zum Schutze der Arbeiter dienen, sondern nur den sozialen Frieden gefährden würden; die Forde- rungen der Arbeiter sind ihm gleichgültig, die Bedenken der Unter- nehmer gegen die Borlage dagegen will er eingehend prüfen. Die Beratung des Bcrgetats, die hierauf begann, verlor sich in Einzelheiten. Der Abg. Kessel(k.) stimmte das übliche Klagelied über die angeblich zu hohe Belastung der Bergwerksindustrie durch die soziale Gesetzgebung an, während der Zentrumsabgeordnete Sauermann, von Beruf Bergarbeiter, unter einigen Verbeugungen vor dem Minister eine Reihe von Wünsche» und Beschwerden der Ar- bester Vortrug. Herr Sauermann ist von einer unglaublichen Bc- scheidenheit, er ist der Regierung schon dafür dankbar, daß sie nicht ganz so rigoros verfährt wie die privatkapitalistischen Gruben- barone. Arn Donnerstag wird die Beratung fortaesetzt. Auf der Tagesordnung steht außerdem die dritte Lesung der Pfarrerbesoldungsgesetze. Obwohl Genosse Hoff- mann in wiederholten ausführlichen Bemerkungen zur Geschäfts- ordmmg nachwies, daß die PfarrerbesoldungSgesetze eigentlich noch gar riicht in dritter Lesung beraten werden dürften, vcil die zweite Lesung nicht ordnungsgemäß vor sich gegangen ist, sthte sich da? gesamte Haus mit Ausnahme der Sozialdemokraten über dies Be- denken hinweg. Der Vorgang, der Hoffmann zu seinem Widerspruch Veranlassung gegeben hatte, hatte sich folgendennaßen abgespielt:. Am Sonnabend wurde zu§ 3 des Gesetzes über die evangelischen Geistlichen ein Schlußantrag eingebracht, bevor Hoffmann, der als einziger Redner eingezeichnet stand, daS Wort erhalten hatte. Ueber das Ergebnis der Abstimmung war das Bureau zweifel« Haft, der Antrag hätte deshalb nach altem Brauch alS ab- gelehnt gelten müssen. Trotzdem ließ der Vizepräsident Dr. Porsch die Gegenprobe vornehmen und erklärte den Antrag dann für angenommen. Es war interessant, den Advokatenknissen zu folgen, mit denen Herr Porsch sich angesichts der klaren Dar- legungen von Hoffmann herauSzuwinden suchte. ES ist nur zweierlei möglich: entweder kennt der Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses die Geschäfts- ordnung nicht, oder«r kennt sie und mißbraucht sie, um den Sozialdemokraten Hoffmann mund- tot zu machen.-»_ In Gnaden wieder aufgenommen. Seit Büloto darauf verzichtet hat, die Nachlaßsteuer gegen den Willen der Agrarkonservativen durchzusetzen, und mit den Vertrauensmännern der Junker um einen Ersatz für diese Steuer verhandelt, schlägt die konservative Presse wieder sanftere Töne gegen den„agrarischesten" aller Kanzler an. Der Vorwurf, daß er im November nicht genügend die Rechte der Krone und das Ansehen des Monarchen gegen die ge- hässigen parlamentarischen und unparlamentarischen Angriffe gewahrt habe, ist aus den Spalten der agrarischen Presse verschwunden, während Bülows„Verdienste" um die Land- Wirtschaft in sanften Flötentönen gepriesen werden. Die „Deutsche Tagesztg." hat sich sogar für ihre heutige Morgen- nummer von dem bekannten Agrarpolitiker Herrn v. Jagwitz, im Nebenamt bekanntlich Generalmajor z. D., einen besonderen Leitarttkel zur Glorifizierung des vierten Kanzlers schreiben lassen. Allen Ernstes wird darin mit anerkennenswerter Be- scheidenheit„Fürst Bülows diplomatisches Geschick" auf dem Gebiete der Auslandspolitik gepriesen. Doch das Höchste, den Agrariern stets unvergeßliche Verdienst hat sich Bülow durch seine agrarische Wirtschaftspolitik erworben. So heißt es z. B. in dein Jagwitzschen Arttkel t „Eilt nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst des Fürsten Bülow besteht darin, daß er die durch die Caprivischen Handels- Verträge ihrem Untergänge nahe gebrachte deutsche Landwirtschaft durch die im Zolltarife festgesetzten höhereu Einfuhrzölle auf land- wirtschaftliche Produkte wieder einigermaßen ertragssähig gemacht hat, während Caprivi ihr nur mit dem Rate zu helfen wußte, eine höhere Verzinsung des Anlagewertes durch starke Ab- schreibungen vom investierten Kapital herbeizuführen.... Ts war daher vor allem die Aufgabe einer richttgen Agrarpolitik, wieder ein richtiges Verhältnis der Bevölkerung von Stadt und Land sowie von gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeitern anzustreben, um dadurch Lollsgesundheit, Bevölkerungszunahme und Wehrkraft zu fördern. Dafür ist, wie Herr Generalmajor v. Jagwitz versichert, die Landwirtschaft dem Fürsten Bülow Dank schuldig, wenn auch nicht bis zu dem Maße, daß sie nun Gesetze bewilligen müsse, die, wie z. B. die Nachlaßsteuer, den agrarischen Prosit zu beeinträchtigen vermöchten. »Diese Dankbarkeit kann aber nicht soweit gehen, daß wir ihm unsere auf innerster Ueberzeugung beruhenden konservativen Grundsätze opfern und der Nachlaßsteuer, dieser Reinkultur des evolutionistischen Kommunismus, zustimmen könnten.„Diese Er- fahrungen, welche jetzt Fürst Bülow mit seinen agrarischen Freunden bei der Reichsfiiiauzreform macht, scheinen— so heißt eS in dem Artikel Keims— der Auffassung CapriviS über die Grenzen agrarischer Opferwilligkeit gerade nicht zu wider- sprechen." Keim setzt hier einfach für Nachlaßsteuer»Reichs- finanzreforin" ein und übersieht, daß die von den Konservativen und den Landwitten für die Nachlaßstcuer vorgeschlagenen Ersatz- steuern ebenso Opfer fordern. Wenn zuzugeben ist, daß der Reichskanzler, um sich weiter auf eine feste Majorität stützen zu können und die Blockvatteieu zusammenzuhalten, hie und da zu Zugeständnissen an die liberalen Par' icn gezwungen ist, so scheint es mir keineswegs auS- gcschiossen, daß r sich im Grunde seineSHerzenS des Fe st Salti s der Konservativen an ihren Grundsätzen reut und daraus folgert, daß auf diese doch noch immer unbedingter Verlaß ist.... Tutsache ist jedenfalls, daß nicht nur bei den staat?- erhaltenden Parteien unserer Volksvertrettmg, sondern auch im ganzen Volke niemand den Fürsten Bülow gern aus seinem Amte scheiden sehen würde, und daß jeder ar erkennt, wie schwer er zu ersetzen wäre." Mehr Anerkennung kann man nach der letzten konser- vativrn Jntrigenkampagne g�gen Pipin, den Jovialen und Behäbigen, sicherlich nicht verlangen. Der Artikel beweist, wie schön der Riß zwischen Kanzler und Agrarkonservativen bereits überlleistert ist.—_ Eine Beschwörung. Heute abend hielt der Reichskanzler auf dem Fest- essen des deutschen Landwirtschaftsrats eine Rede. in der er seine agrarische Gesinnung beteuerte und zugleich die Agrarier beschwor, auf ein Kompromiß in der Reichs- finanzreform einzugehen._ Das Steuerkompromih. Die Scherlblätter bringen heute abend folgende Meldung: Die Blockparteien des Reichstages halten hellte und morgen abend Frattionssihimgen ab, in denen ihre Vertreter im lluterauSschuB der Finan/,kommission über dessen bisherige Verhandlungen und vergebliche Bemühungen, zu einer Vcr- ständigung in der R e i ch s f i n a n z r e f o r m zu gelangen. Bericht erstatten und sich eventuell neue Weisungen für ivcirere Verhandlungen erteilen lassen werden. Obwohl die verbündeten Regierungen äußerlich nach wie vor an der N a ch l a tz st e u e r festhalten, nimmt man doch in unterrichteten Kreisen an, dasj man sich schließlich auf eine erweiterte E r b a n f a l l st e u e r als Ersatz für die Nachlaßsteuer einigen wird. Eine Reichsvermögenssteuer gilt in jeder Gestalt als völlig auSsichrslas, da namentlich die größeren Bundesstaaten sie mit aller Entschiedenheit ablehnen werden. Die„National- Zeitung" bringt in ihrer Abendausgabe folgende interessante Erklärung in auffälligem Druck: Gegenüber den in der Presse und in verschiedenen politischen Kreisen lebhast erörterten pessimistischen Nachrichten über die AuS- sichten der F i n a n z r e f o r in muß darauf hingewiesen werden, daß man in den verantwortlichen Kreise« der Regierung und der Parteien jene Ausfassungen keineswegs teilt. Die Möglickikeit einer Verständigung ist, wie mir matzgebende politischen Persönlich- leiten versicherten, immer noch gegeben. Die bevorstehende land- wirtschaftliche Woche wird zwar die agrarischen Wünsche in be- sonders akzentuierter gfonn zum Ausdruck bringen, aber gleich- wohl glaubt man in konservativen Kreisen, daß die Finanz- resorm im ganzen zur Erledigung kommt. Mit einem Torso würde sich die Regierung auf keinen Fall begnügen. Beide Aeußorungen zeigen, daß das Kompromiß im Werden ist. Mit ihrer Annahme über die Haltung der Kon- servativen vor und nach der Zirkus-Bus h-Bersanimlung dürfte die Nationalzeitung recht haben. Uebrigens müssen die agrarischen Ansprüche noch immer sehr hohe sein. Denn heute morgen kündigt die parieioffiziöse.Nationall. Korresp." an, daß die Nanonalliberalcn sich nur dann zu einem Steuerkompromiß herbeilassen wollen, wenn bie Konservativen wenigstens den liberalen Grundsätzen eine.direkte Steuer" konzedieren und in das Reichsstruerbündel aufnehmen. Den schönen Plan der Konservativen, erst 300 Millionen Mark neuer Steuern aus Bier, Branntwein, Tabak und andere» Verbrauchsartikeln herauszuholen, und dann die Bewilligung der anderen Steuern auf ferne Zeiten zu verschieben, vermöchten dte Liberalen nicht zu akzeptieren: .Die Liberalen, einschließlich der Nationalliberalen, werden die Finanzreform nur unter zwei Bedingungen machen: einmal wenn der Gesamtbedarf und nicht nur ein Teil des Bedarfs des Reiche? gedeckt wird; zum zweiten, wenn eine direkte Besteuerung des Besitzes erfolgt, lieber die letzte Frage muß Klarheit geschaffen werden. Die Lösung darf nicht hinausgeschoben werden, sonst laufen die verbündeten Regierungen Gefahr, daß die Konsumsteuern, di« noch nicht beraten sind, abgelehnt werden. Wenn die Finanzreform nicht zustande kommt, ist es gar nicht erst notwendig, in eine Beratung der weiteren Konsumstcuern einzutreten. Man beginnt in den Kreisen der Liberalen unruhig zu werde»: der Plan, die Entscheidung über die Besitzsteuer hinauszuschieben, stimmt bedenklich. Das einzige Mittel, die gegenwärtige Spannung zu lösen, besteht darin, daß Blockparteien und Regierung sich zunächst vor Be- ratung der Bier» und Tabaksteuer über die direkte Steuer verständigen. Geschieht die? nicht, so wird man erleben, daß zu den bisherigen Niederlagen des Herrn Schotzselrctärs weitere Mißerfolge treten. Jeden- falls liegt keine Veranlassung für die liberalen Parteien des Reichstags vor, der Taktik der Konservativen, sowohl die Nach- lahsteuer als auch die von den Nationalliberalen vorgeschlagene und vorbereitete direkte Reichssteuer abzulehnen und alles auf Matrikular-Beiträge zu legen, weiter zu folgen. Es muß endlich reiner Tisch gemacht werden: die Liberalen haben gerade genügend Entgegenkommen gezeigt; nunmehr ist es Sache der Konservativen und der verbündeten Regierungen, auch ihrerseits den so oft betonten guten Willen in die Tat umzuietzen. Die Liberalen trifft keine Schuld, tvenn die Reform scheitert." Die parteioffiziöse Korrespondenz der Nationalliberalen würde kaum in dieser schroffen Weise gegen die Konservativen vorgehen, wenn sie ihnen nicht tatsächlich den Plan zutraute, zunächst die Ver- brauchssteuern unter Dach zu bringen, und sich dann'hinterher um die Steuern, die sie selbst treffen, herumzudrücken. Eine derartige Taktik entspräche allerdings durchaus der agrarischen vaterländischen Politik, die es als selbstverständlich betrachtet, daß nicht nur alle höheren Staaisposten den Junkern reserviert bleiben und der Staat für reichliche Liebesgaben sorgt, sondern daß auch die unangenehmen Funktionen des SteuerzahlenS möglichst auf die plebejische Masse be- schränkt bleibt.—_ Eine kaiserliche Kundgebung. Der Kaiser hat heute einer Sitzung de? deutschen Landwirt- ,chaftSrateS beigewohnt, in der über die Wasserversorgung der Kolonien verhandelt ivurde. Der bekannte Landrat v. Uslar pries dabei die ihm.von Gott gegebene' Kraft, mit der Wünschelrute Wasier zu finden. Auch Dernburg sprach. Er polemisierte unter anderem gegen den Berliner Professor Dobe, der dem Staat die Wafferversorgnng ausbürden will. Dernburg will diese Aufgabe der Pripanätigkeit zugewiesen Wilsen. Wenn der Staat eingreife, so päppele er nur Industrien auf und anstatt zufriedener Leute zöge er unzufriedene auf und von diesen seien schon genug vorhanden. Bei diesen Worten nickte der Kaiser, wie oürgerliche Blätter vermerken, lebhaft mit dem Kapsel Ob die ewig unzufriedenen Agrarier, die«n Landwirtschastörat vereinigt sind, diese Aenßerung Dernburgs und die sie bekräftigende kaiserliche Kundgebung nicht sehr übel vermerken werden? Keine Arbeitslosenunterstützung in Nürnberg! Wie vor wenigen Tagen berichtet, hat der Stadtmagistrat Nürnberg nach langem Drängen beschlossen, 15 000 M. zur Ge- Währung von Barunterstützungcn an solche Arbeitslose zu bewilligen. denen Notstandsarbeiten nicht zugewiesen werden oder die solche wegen ihrer körperlichen Beschaffenheit usw. nicht leisten können. Die Maßnahme sollre allerdings dadurch nahezu unwirlsam gemacht werden, daß die Uu erstützung nur solchen Arbeitslosen zugewendet werden sollte, die in Nürnberg heimatberechtigt sind und sich zudein in Nürnberg seit iniudestens einem Jahre ständig aufhalten. Am 16. Februar hatte daS Gemeindekollegium über die Frage zu beschließen. Hier erhob sich heftige Opposition. Die bürgerlichen Redner erlaubten sich die schärfsten Angriffe gegen die Arbeiter. Man erklärte, die Gewerkschaften hätten für die Arbeitslosen zu sorgen. Ein Frei- finniger meinte, die Gefühlsduselei dürfe nicht zu weit getrieben werden. Bon einem Nationalliberalen ivurde an« geführt, Arbeitslose gäbe eS immer, diele davon feien Arbeits» scheue, die überhaupt nicht arbeiten ivollten. Die Sozialdemokraten bemühten sich mit aller Entschiedenheit. etwas für die Arbeitslosen zu erreichen, aber vergebens. Der Antrag wurde in n a>n e n t l i ch e r A b st i m m u n g mit 26 gegen SS Stimmen abgelehnt! Die Wahlrcchtsdcmonstration als Aufruhr. Von der ll. Strafkammer des Dresdener Landgerichts wurde am Mittwoch unter dem Vorsitz des bekannten Landgerichtsdirektors Becker ein Wahlrechtsdemonstrant vom 17. Januar wegen Auf- r u h r S zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Er soll— kurz vor dem Zusammenstoß mit der Polizei— in der ersten Reihe der Wahlrechisdemonstrautcn in der Schloßstraße gc» standen und Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht haben. In dem Urteil wird ausgesprochen, daß er nur deshalb so .milde' bestraft worden sei, weil er sich nach dem Ausbringen des Hochs ruhig verhalten habe. Die dritte Strafkammer desselben Landgerichts verhandelte gegen einen Wahlrechtsdemoustranren vom 14. Dezember. Der Zigarrensortierer Paul Köhler wurde zu drei Wochen Ge- sängnis verurteilt, weil er zum Widerstande gegen die Staats- gewalt aufgefordert habe. Es wurde ihm nachgesagt, daß er zum Durchbrechen einer Polizeikette aufgefordert habe. Er bestritt das aufs bestimmteste, aber zwei als Zeugen geladene Kriminalbeamte beschivoren es. Geradezu ungeheuerlich ist das Urteil im ersten Falle I Die Teilnahme an einer friedlichen Kundgebung, die lediglich infolge des Einhauens der Polizei zu einem Blutbad führte, wird als Aufruhr bestraft I Und Herr Becker, bei einst mit dem inzwischen verstorbenen Landgerichtsdirektor Frommhold, dem Richter im ZuchthauSprozcß der Löbtauer Lauarbeiter, stets in einem Atem ge- nannt wurde, führt zu dieser Härte des Urteils noch die Bemerkung, daß die Strafe nur deshalb„so milde" ausgefallen sei, weil der Angeklagte nichts weiter getan hat, als in der ersten Reihe der Demonstranten zu stehen und Hochrufe auf das gleiche Wahlrecht auszubringen I Sächsische Justiz! Sie wird den Protest bes sächsischen Volkes gegen die Pluralschande nicht zum Schweigen bringen I_ Die Reichstagsersatzwahl in Bingen-Alzey. Am Dienstag fand im hessischen Wahlkreis Bingen-Alzey die ReichstagSersatzwahl statt, die durch den Tod des bisherigen Ver- treterS Keller(Bund der Landwirte) nötig gemacht wurde. Das amtliche Wahl resultat lautet: Insgesamt wurden 22 033 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Pfarrer K o r e l l(fcs. Vp.) 8004, Stadtrechncr U e b e I(Z.) 6612, der prakt. Arzt Dr. B e ck e r lnatl.) 5310, Redakteur Adelung(Soz.) 1553 Stimmen; zcrplittert waren neun Stimmen. Es hat somit Stichwahl zwischen Korell und Uebel stattzufinden. Bei der Wahl von 1307 lauteten die Zahlen: Bund der Land- wirte 6856, Freisinnige Volkspartei 6285, Zentrum 6280, Sozial- demokratie 1819. Der um deS Mandats willen von der freisinniges Vereinigung zur freisinnigen Volkspartei hinübergewechselte Pfarrer Korell hat also 713 Stimmen mehr erhalten, als der Freisinn 1307 erlangte. Sehr stolz branchr der Freisinn allerdings auf dieses Resultat nicht zu sein, da sein Kandidat in der Zollsrage eine Stellung ein- genommen hat, die stark an die eines Agrariers erinnert. Das Zentrum Hai seine Stimmen um 332 erhöht, die National- liberalen, die an die Stelle des Bundes der Landwirte traten, sind um 676 Stimmen hinter der von diesem aufgebrachten Stimmen- zahl zurückgeblieben. Die Stimmen der Sozialdemokratie sind um 361 zurückgegangen. Ob kleinbäuerliche Mitläufer den in Zoll- fragen entgegenkommenden Freisinnigen deni in diesem Punkte un- beugsamen Sozialdemokraten vorgezogen haben?— Wurden Lebende eingemauert? Die Verwaltung von R a d b o d hat in einer umfangreichen Erklärung die Angaben des Kongreß-Delegierten Thomas über die Zustände auf der Zeche Radbod zu entkräften versucht. Zu den von Thomas erwähnten Hilferufen Eingeschlossener wird in der Erklärung der Verwaltung versichert, daß allen, die um Hilfe gerufen, Hilfe geworden sei. Dazu bemerkt jetzt die„Bergarbeiter-Zeitung�, sie sei in der Lage, einen Bergarbeiter namhaft zu machen, der bei der Katastrophe von Radbod folgenden Dialog gehört hat und bereit ist, dies zu beschwören: Bergrevierbeamter Holländer:„Hier sind noch Lebende, waS ist zu tun?" Direktor A n d r e e:„Was lebt, das lebt, wir müssen raus." Die„Bergarbeiter-Zeitung" erklärt sich bereit, eventuell der Staatsanwaltschaft den Namen des betreffenden Bergarbeiters zu übermitteln. Dieser soll übrigens nicht der einzige Ohrenzeuge dieses Gesprächs gewesen sein. Kleinwohnungen für Arbeiter. Dem Reichstag ist eine Uebersicht über die Verwendung des Fonds„zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben und Verwaltungen des Reiches" sNr. 1177) sowie über die Verhältnisse der vom Reich unterstützten gemeinnützigen Bau- Unternehmungen zugegangen. Bisher wurden danach für die Zwecke der Wohnungsfürsorge bereit gestellt im Etat für das Nechnungsjahr 1301 2 Millionen Marl, für die Rechnungsjahre 1302 und 1303 je 4 Millionen Mark, für die Rcchnungsjabre 1304—1306 je 5 Millionen und für die SiechiiungSjahre 1007/08 je 4 Millionen Mark, somit insgesamt 33 Millionen Mark. Von dieser Summe wurden bis zum 1. Januar 1803 24 620 750 Mark als Darlehen gegen Hypothekenbestellung an gemeinnutzige Unter- nehmungen gewährt. Für den Erwerb von Baugelände zur Ver« gebung in Erbbaurecht an Baugenossenschaften sowie für Herstellung von Straßen- und Entwässerungsanlagen auf dem erworbenen Ge- lände fanden 5 474 246 M. Verwendung. Es wurden insgesamt in 12 Orten 210 Hektar 62 Ar 45 Onadratmeter erworben und hiervon bis Ende 1303 55 Hektar 64 Ar 8 Quadratmeter in Erb- baurecht vergeben. Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt für 1 Quadratmeter 1,33 M. Für Straßen- und EntwässerungS- anlagen auf den Erbbaugrundstücken sind 1403 763 M. aufgewendet worden. Das Reich hat 82 verschiedene gemeinnützige Bau- Unternehmungen durch Darlehensgeivahrung unterstützt, und zwar 78 Gem ssenschaftcn mit beschränkter Haftpflicht, 2 eingetragene Vereine. 1 Aktiengesellschaft und 1 Stiftung. In der Bautätigkeit der Genossenschaften überwiegt der Bau größerer Mietshäuser. Ein- oder Zweifamilienhäuser wurden nur erbaut in Tegel, Brandenburg a. H. und mehreren anderen Orten. An Vau- und Bodcnkosten wurden von den vom Reich unterstützten gemeinnützigen Unternehmungen insgesamt 114 854 030 M. aufgewendet. Von den mit Reichsmitteln unter- stützten gemeinnützigen Unternehnmngen lvurden 1613 Wohngebäude mit 7856 Wohnungen errichtet. Im Bau begriffen sind 1644>äuser. An gering besoldete Beamte, Handwerker und Arbeiter in Reichs- betrieben wurden insgesamt 4431 Wohnungen vermietet. Gcmeindever»rcter als städtische Lieferanten. Einem alten Ueb.lstande ist die sozialde in akratische Fraktion deS Stuttgarter Bürgerausschusses energisch zu Leibe gegangen. Die Bürgerschaft hatte seit langem darüber geklagt, daß große Lieferungen und umfangreiche gemeinb- liche Arbeiien sehr häufig an Mitglieder der bürgerlichen Kollegien vergeben wurden. Ein Renkontcr zwischen zwei nationalliberalen Stadträten, � die sich in öffentlicher Sitzimg gegenseitig bezichtigten, daß jeder sein Mandat zu privaten Zwecken ausnütze, sowie ge- waltige Kostenüberschreitungen beim Bau städtischer Anstalten schlugen dem Faß den Boden aus. Die Sozialdemokratie iral deshalb im letzten Gemeindewahlkampf energisch da- für ei», daß den Gemeindevertretern untersagt werde, gemeindliche Arbeiten und Lieferungen zu übernehmen. Der Burgerausschuß hatte sich am vergangenen Montag mit dem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion zu be- schäftigen. Unsere Genossen wiesen darauf hin, daß eS zu schweren Mißständen führen müsse, wenn städtische Beamte die Lieferungen und Arbeiten von Gemeindevertretern prüfen und event. beanstanden muffen, besonders dann, wenn das betreffende Kollegial- Mitglied zugleich Vorsitzender der gemeinderätlichcn Abteilung ist, der der Beamte untersteht. Die bürgerlichen Parteien mußten die Berechtigung der Forderung unserer Genoffen anerkennen. Sie suchten sogar unsere Fraktion zu übertrumpfen. Nicht nur von den im Submissionswege zu vergebenden Arbeiten und Lieferungen, sondern auch von den Arbeiten, die unter der Hand vergeben wurden, sollten die Gemeindevcrtrcter in der Regel ausgeschlossen sein. Die sozialdemokratische Fraktion akzeptierte dankend auch dieses Zugeständnis. Der so geänderte Antrag wurde mit großer Majorität angenommen. Er geht nun an den Gcmeinderat. Die„Westdeutsche Arbeiterzeitimg", das Organ' der M.-Glad- bacher, ist auf einem Tiefstande angelangt, der unmöglich noch ver« schlimmert werden kann. Es gibt keine Schandtat des Zentrums, die dies Blatt nicht guthieße und verteidigte. Es sei nur an die Artikel in Sachen des Lebensmittelwilchers erinnert. Auch in der Wahlrechtsfrage ist das Blatt, das früher selber eine mächtige Volks- fcewegung als das einzig übrig bleibende Mittel bezeichnet hat, zum Verräter geworden. In seiner jüngsten Nummer bietet eS seinen annähernd 100 000 Zwangslcsern, den Mitgliedern der katholischen Arbeitervereine Wesideutschlands, folgende» Schwindel: Bekanntlich habe» Zentrum und Konservative jüngst in der Budgelkommission des preußischen Landtages, als die Regierung einen Extraznschlag ans die Einkommen von über 7000 M. an auf- wärts forderte, beschlossen, diesen Zuschlag schon bei den Einkommen von 1200 M. an eintreten zu lassen. Gegen dieses neue Attentat auf die Taschen der ohnehin schwer belasteten Arbeiter haben sich sogar einzelne bürgerliche Zentrumsblätter ausgesprochen. Die „Westdeutsche Arbeiter zeitnng" aber heißt den geplanten neuen Raub, den infamen, arbeiterfeindlichen Streich des LentrumS, gut. Und zum Ueberfluß tischt daS Blatt bei der Verteidigung des Zentrums die Lüge auf, daß für diese neue Belastung der Ar- beiter auch der einzige Vertreter der Sozialdemo- k r a t t e in der Kommission, Genosse Hirsch, gestimmt habe. Engiancl. Die Adrestdebatte. Im Unterhans wie in der Lordkammer hat am Dienstag sogleich nach der Verlesung der Thronrede die Adreß- dcbatte begonnen. Im Unterhaus gaben der Liberale Rogers und der Arbeitcrparteiler Henderson ihrer Freude über den warmen Empfang des Königs in Berlin Ausdruck. Der Besuch werde jedes Mißverständnis zwischen Deutschland und England be- seitigen. Henderson sagte, wenn zwischen dem König und dem Kaiser so freundliche Beziehungen aufrecht erhalten werden könnten, wie zwischen den Volksparteien beider Länder, dann sei keine Wahr- scheinlichkeit vorhanden für die unheilvolle Entwicklung der Dinge, die von gewissen Leuten prophezeit worden sei. Der konservative Führer Balfour hatte den Ausführungen Rogers über diese Dinge nichts hinzuzusetzen. Der Premierminister Asquith sprach über die auswärtige Politik der Regierung, wobei er rühmend der Leistungen des Ministers des Aeußeren, Sir Edward Grey, für den Frieden im nahen Osten und die weise Mäßigung Kiamil Paschas gedachte. Er wolle hoffen, daß Kiamil Paschas Nachfolger dessen Politik fortsetzen werde;„sie schien eine solche zu sein, die eine Lösung der zwischen der Türkei einerseits und Oesterreich-Ungarn beziehungsweise Bulgarien andererseits schwebenden Fragen gewährleistet, durch einen Kompromiß, der für alle Beteiligten ehren- voll und für die Türkei selbst nicht nachteilig ist. Die anderen noch zu lösenden Probleme betreffen Serbien, Montenegro und Kreta; sie sind weniger bedenklich, aber sie erfordern nichtsdesto» weniger kluge und sympathische Behandlung." Asquith streifte dann den Ministerwechsel in der Türkei, über dessen Ursachen die Regie- rung nicht genau unterrichtet sei. Sie habe den Borgang aber auch nicht zu kommentieren.„Was die inneren Angelegenheiten des ottomanischen Kaiserreichs anlangt, so haben wir nur einen be- ständigen, bleibenden Wunsch, der von allen Parteien geteilt ivird, nämlich die Türkei durch die Reform der Verwaltung so gestärkt und von neuem so gekräftigt zu sehen, daß sie ihre Zukunft auf der Grundlage der Freiheit und Billigkeit zu entfalten vermag." In bezug auf Persien machte der Minister Aeußerungen, die anscheinend auf eine baldige Einmischung Englands und Rußlands vorbereiten sollen. Er sagte: Die politische Lage in Persien ist außerordentlich unbefriedigend. Es ist keine Aussicht auf Besserung vorhanden, ehe nicht der Schah die Versprechen er- füllt, die er seinem Volke in wohl erwogener Weise gemacht hat. Der Wunsch der britischen Regierung war es fortgesetzt, in der Lage zu sein, der Politik der Nichtintervention treu bleiben zu können aber eS war unmöglich, die Gefahr zu verkennen, die in der Fortsetzung der vorhan- denen chaotischen Unordnung liegt, die eine Einmischung von außen leicht hervorzurufen vermag. Die britische Regierung hatte in Verbindung mit Rußland dem Schah mehr als einmal angeraten, feine Versprechungen zu erfüllen. Großbritannien wird in keiner Weise o» einer Anleihe oder an irgend einer anderen Form der Unterstützung des Schahs teil- nehmen, solange er an seiner gegenwärtigen, unheilvollen Politik festhält. Die Regierung ist froh, Rußlands Ansichten über die Lage in Uebercinstimmuiig mit den ihrigen zu finden. Im Ober Hause feierte Marquis of Lansdowne den Besuch des Lkönigs in Berlin und seine Resultate. Er sagte dabei: Es gibt nicht zwei Völker, die geeigneter wären. Seite an Seite in der Vorhut deS mcnichlichcn Fortschritts voranzuschreiten. Wir können uns deshalb freuen, daß die beiden Herrscher in diesem be- sonderen Augenblicke die Freundschaft betont� haben, die nie hätte unterbrochen werden sollen und die, wie der König sagt, dem Welt- frieden dkcnt.— Der Staatssekretär der Kolonien Earl of Crewe redete im selben Sinne. Er schloß damit, der Wunsch des engli» fclicn und oss deutschen Volkes sei, daß die beiden Völker, ohne Bündnisse oder Verständigungen, zu denen eins von ihnen ver- pflichtet ist, irgendwie aufs Spick zu setzen, imstande sein sollten, jedes gegenüber dem anderen eine durchaus freundliche Haltung zu beobachten, und daß sie imstande sein sollten, jede Gelegenheit zu einträchtigem Zusammenwirken zu ergreifen, nicht nur für die Aufrechterhaltung deS Weltfriedens, sondern auch zur Förderung der vielen Interessen der beiden Länder, die sich nicht einander widerstreiten. Rußland Die Interpellation über den Fall Azew. Petersburg, 17. Februar. Die Verhandlungen über die Jnter- pellation wegen der Affäre Azew in der Reichsduma wurde p«- finitiv auf den 24. d. M. anberaumt. Em der Partei. Eine Konferenz der sozialdemokratische» Geuicindevertreter deS uiederrhcinischcn Agitationsbczirks tagte am vergangenen Sonntag in Elberfeld. Nachdem in einer Anzahl Landgemeinden Gentoften als Vertreter gewählt worden, machte sich eine gewisse Unsicherheit in der Auslegung des sozialdemokratischen Kommunalprogramms bemerkbar. Nach einer ausgiebigen Diskussion wurde beschlossen, daß die sozialdemokratischen Gemeindevertreter in den Kommunalverwaltungen Anträge auf Aenderungen der Städtebezw. Gemeindeordnung einzubringen haben, die dann an den Landtag weiter zu geben sind. Weiter wurde folgende Resolution angenommen: Die sozialdemokratische Gemeindevertreterkonferenz für den Niederrhein verwirft rücksichtslos die von dem Genossen SchillerFürth in der Neuen Zeit" aufgestellte Forderung auf Freiheit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter zurück, je nach Gutdünken für indirekte Steuern in der Gemeinde stimmen zu können. Die Kon ferenz findet es ungeheuerlich, daß ein Sozialdemokrat noch nach den mit durchschlagenden Gründen versehenen Erwiderungen seiner Gegner in der Neuen Zeit" den Mut findet, von der Gesamtpartei zu verlangen, sie solle sich an der bürgerlichen Agitation für die Außerkraftsetzung des§ 13 des Zolltarifgefezes beteiligen, weil nach diesem Paragraphen die Gemeinden vom 1. April 1910 ab teine Abgaben auf landwirtschaftliche Produkte mehr erheben dürfen." Besucht war die Konferenz von 76 Delegierten, im Bezirk find 131 sozialdemokratische Stadtverordnete und Gemeindevertreter vorhanden. " Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein Breslau fann in seinem soeben zur Veröffentlichung gelangenden Jahresberichte von ganz erfreulichen Fortschritten melden. Während die Mitgliederzahl des Vereins 1900 erst 891 betrug, stieg sie 1901 auf 1310, 1903 auf 1840, 1904 auf 2260, 1905 auf 4273, 1906 auf 7437. Dann wurden 1500 Mitglieder an den Landkreis, der sich selbständig machte, abgetreten, so daß für 1907 6049 Mitglieder verblieben. Im Jahre 1908 famen trotz Krise und anarchistischer Agitation, troz scharfer Verfolgungen und polizeilicher Nadelstiche 400 neue Mitglieder hinzu! Entsprechend diesen Fortschritten gestalteten sich die Erfolge bei den Landtags. und Stadt berordnetenwahlen fotvie bei den Straßen demonstrationen und sonstigen Wahlrechtstund gebungen. Bei den Landtagswahlen gewannen unsere Genossen 330 Wahlmänner( gegen 222 bei der vorigen Wahl) und eine Stimmenzunahme bon rund 100 Prozent. Die Zahl der abgegebenen sozialistischen Stimmen stieg von 8167 auf 16 375! Trotzdem wurden leider infolge des freisinnigen Verfalls die Konservativ- Klerifalen gewählt. pergamts Bezirks fogar 77 Schichten, also 3 1e5er denn als am 23. Januar die Neutahl stattfand, gingen zwei schichten!!! Jm 3. Quartal 1908 betrug die Zahl der Arbeits- Verbandsmitglieder als gewählt aus der Wahl hervor. tage 79, die Zahl der verfahrenen Schichten pro Kopf im nörd Von den 38 Abstimmenden entfielen bis zu 25 Stimmen auf die lichen Revier 81 Schichten, im südlichen Revier 82 von dem Wahlleiter als gewählt proflamierten Verbandsmitglieder. Schichten, also auch hier wieder 2-3 Ueberschichten Dieses Resultat war nicht nach dem Geschmack des Bran pro Bergarbeiter. Dabei ist nicht zu vergessen, daß die Zechen führers, welcher auch kategorisch erklärte: Diese Wahl ist schon im 3. Quartal 1908 vielfach Feierschichten einlegten, ungültig, weil nur eine Partei vertreten ist. Verdugt erklärte weiter ist zu bedenken, daß auf jeder Zeche doch der eine der als Wahlleiter tätige Kontorangestellte, daß er dieses nicht veroder andere Arbeiter aus persönlichen Gründen( Wohnungs- stehe, um so weniger, als die geheime Wahl nicht verlegt, überwechsel, Wahrnehmung von Terminen, Kontrollversammlungen, haupt keine Regelwidrigkeit vorgekommen sei. Aber wozu ist man Krankheiten usw.) notgedrungen eine Schicht aussetzen muß. Wenn denn Brauführer, wenn man nicht soviel Einfluß auszuüben in der troy alledem noch 2-3 Ueberschichten verfahren sind pro Kopf der Lage ist. Belegschaft, so kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie- Der Bureauvorsteher, an welchen man sich wandte, muß biel Ueberschichten wohl der einzelne verfahren haben mag. Es ist den Schmerzen dieser Herren mehr Verständnis entgegengebracht eine bekannte Tatsache, daß eine Anzahl Bergarbeiter selbst dann haben als der Buchhalter, der die Wahl forreft geleitet hatte, denn gezwungen werden, Ueberschichten zu verfahren, wenn die Zeche acht Tage später wurde unter Leitung des Vorstehers auch sonst regelmäßig Feierschichten einlegt. zu einer Neuwahl geschritten, weil zwei Kranke nicht benachrichtigt waren. Auch der Hinweis, daß diese beiden Stimmen nicht in der Lage feien, an dem Ergebnis etwas zu ändern, verhallte wirkungslos, worauf mann, einschließlich der herbeigebolten Borgefegten, die Verbandsmitglieder und andere charakterfeste Männer geschlossen das Zimmer verließen. Von den verbleibenden achtzehn welche sich zum ersten Male an der Wahl beteiligten, wurden nun einstimmig zwei Gesellen als Arbeitervertreter" gewählt, welche auch die Bestätigung des Brauführers erhielten. Und da wagen die Soldschreiber des Grubenkapitals, von einer Zunahme des willkürlichen Feierns zu Bresse zu kontrollieren und systematisch gegen die Blätter zu reden! Die Arbeiter werden gut daran tun, die bürgerliche agitieren, die derartige Sudeleien aufnehmen. Berlin und Umgegend. Proletariers Ende. Man schreibt uns: Die Verbändler sind nicht neidisch, zumal fie ihre Vertretung in der Organisation haben. Aber neugierig sind sie doch, was Herr In der Nummer vom 10. d. Mts., Hauptblatt, berichteten Sie Kommerzienrat Happoldt zu dieser„ Ergänzungswahl" meint, und unter der Ueberschrift:" Gesicherte Gristenz bis ins hohe Alter" ob er der Ansicht ist, daß dieses Verfahren geeignet ist, das Verüber die Behandlung, die der Chef einer bekannten Hof- trauen in die Unparteilichkeit der Borgesetzten zu erhöhen?! lieferantenfirma einem alten, langjährigen Arbeiter zuteil werden ließ. Ich kann aus meiner Berufstätigkeit einen Fall berichten, der seines tragischen Ausganges wegen noch weit himmelschreiender erscheint. Es mögen drei bis vier Jahre her sein, da arbeitete ich als Steinmetz bei der Firma P. Wimmel u. Co., Kgl. Hoffteinmetzmeister, Lehrter Straße 18. Unter den Kollegen war auch Karl Dreiling, seines Alters wegen er stand in der Mitte der siebsiger Jahre als Steinmetz ein Unikum, dabei förperlich und geistig noch rustig wie wenige von uns Jungen und bei jedermann beliebt wegen seiner ewig heiteren Laune und feines beneidensAuch die Stadtverordnetenwahlen brachten unseren Genossen 2000 neue Streiter und vier neue Mandate, so daß die rote werten Mutterwizes. Der alte Herr", wie er allgemein hieß, Fraktion im Rathause jezt fechs Köpfe zählt. Der Bericht hatte in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei gefonstatiert, daß auch unter dem neuen Vereinsgesetz die polizei- nannter Firma seine Lehrjahre absolviert und dann, von einigen lichen Nadelstiche noch nicht aufhören. Der Kaffenbericht Wanderjahren abgesehen, die sich daran anschlossen, sein ganzes trägt allerdings die Spuren der Krise. Es gingen, da es zeitweise Leben lang bei derselben gearbeitet, zuerst als Steinmez, dann über 10 000 Arbeitslose in Breslau gab, tausende von Beiträgen aber jahrzehntelang als Verseker( so nennt man bei uns die weniger ein. Die Einnahmen aus Beiträgen betrugen insgesaint Monteure), und zwar meist bei den fortwährenden Reparaturen, 17 708,50 M., aus Versammlungen 777,06 m., aus Veranstaltungen des Bildungsausschusses 1311,50 M., insgesamt 21 376,36. Die welche die Firma P. W. u. Co. an den föniglichen Bauten hier Ausgaben betrugen 19 971,04 m., wovon 3436,80 M. an den Partei- und in Potsdam auszuführen hatte. Daß gerade Dr. immer vorstand abgeschickt, 1119,45 M. für Flugblätter usw. ausgegeben wieder an diese Arbeiten geschickt wurde, wo man doch wohl beund 824,73 m. als Zuschuß für die Landtagswahlen ausgegeben strebt war, Ehre einzulegen, spricht jedenfalls dafür, wie seine Chefs ihn bewerten durften. Bei dieser Gelegenheit ist Dr. auch mehrfach mit Orden beglückt worden. Das beweist, wenn auch nichts weiter, so doch dies eine zur Genüge, daß auch die bauleitenden Behörden, von denen wohl in solchen Fällen die Vorschläge für Deforierungen ausgehen, mit seiner Tätigkeit durch aus zufrieden waren. wurden. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Vom gleichen" Recht. In Rottleben bei Frankenhausen( Schwarzburg- Rudolstadt), wo der Gemeinderat in seiner Mehrheit aus Arbeitern besteht, wurde unser Genosse Bischof als Schultheiß- Stellvertreter gewählt. Jezt wurde ihm von der Regierung eröffnet, daß seine Bestätigung nicht erfolgen könne, da die Grundfäße der Sozialdemokratie mit denen des Staates sich nicht vereinbarten. Zwar werden unsere Genossen im Rottlebener Gemeinderat dem Ansuchen, einen bürgerlichen Vizeschulzen zu wählen, sicher nicht Folge leisten und auch im zweiten Wahlgange den Genossen Bischof wählen, aber das wird nur ein Protest gegen die staatliche Bevormundung bleiben. Die Regierung wird, wie im Falle des Genossen Frötscher aus König vor einigen Jahren, einfach auf dem Berivaltungswege einen genehmeren Vizeschultheißen ernennen. Gewerkschaftliches. So weit, so gut. Da, zur genannten Zeit, wurde es mit Versebarbeiten vorübergehend flau, so daß mit mehreren anderen Versegern auch Dr. auf dem Werkplate arbeiten mußte. Dabei traf den alten Herrn sein Schicksal. Es ist einleuchtend, sogar für einen Laien, daß ein Mensch, der in Dezennien den„ Senüppel" ( Holzhammer der Steinmeken) nicht geschwungen hatte, oder doch nur, um am Bau hin und wieder Anker- und Dübellöcher zu schlagen, es am Stück den jüngeren und gewissermaßen ständig trainierten Kollegen nicht gleichtun fonnte. Auch ist selbstredend bei einem Menschen, der ein dreiviertel Jahrhundert auf dem Rücken hat, alle törperliche Frische immer doch nur eine relative. Die leichte Beweglichkeit der Jugend ist natürlich zum Teufel. Dazu kam noch ein anderer erschwerender Umstand. Es war das Systematische Arbeiterbekämpfung. zu der Zeit, als hier der fränkische Muschelkalkstein, den man jest Selten wohl ist eine bösartigere, gemeingefährlichere vielfach an Werksteinbauten verwendet sieht, ſeit kurzem erst in Jrreführung der öffentlichen Meinung versucht worden, wie Mode war. Nun weiß jeder Fachmann, daß ein jedes Steinwir sie in Nr. 10 der von dem früheren nationalliberalen material bei seiner Bearbeitung, die gerade am Kaltstein keine Parteisekretär Stasparet in Essen herausgegebenen S. W. leichte ist, eine besondere Techmit verlangt, wenn man so reden Korrespondenz" in einem Artikel:„ Mißstände auf den Gruben" darf. Das ist eine Tatsache, mit der wir uns alle erst hatten finden. Daß der Artikelschreiber von 300-450 M. Monats- abfinden müssen, mehr oder weniger schnell, jeder nach seinem einkommen eine Bergarbeiterfamilie, in der ein oder zwei Können. Jedenfalls gab es damals noch keinen unter uns, der Söhne mitarbeiten spricht und fragt:„ Kann da noch von den Stein gerne gearbeitet hätte. Dr. stand also in mehrfacher Hungerlöhnen und einer traurigen Lage des Bergarbeiters die Beziehung gänzlich auf Neuland; und nur einen gab es, der dieses Rede sein?", nun darüber wundert man sich bei dem Charakter alles nicht einsah und dennoch der Berufenste dazu hätte sein der S. W. K." nicht. Auch daß er der Arbeiterpresse vorwirst, müssen. Dieser eine war unser Herr Chef. Ihm ging die Arbeit sie unterstütze das Blaumachen der Bergleute, indem sie die deswegen erfolgten Bestrafungen kritisiere, nimmt man nicht krumm. Aber die weitere Leistung in dem Artikel ist ein Nachweis dafür, mit welcher Gewiffenlosigkeit und Böswilligkeit die S. W. K." vom Scharfmacherstandpunkt aus hegt und schürt. Wir lesen da: " " " des Alten durchaus nicht schnell genug vonstatten, und er ließ das in einer Weise merken, die einem Menschen, der ein langes Leben voll tüchtigen Schaffens hinter sich hatte, durchaus nicht gleichgültig sein konnte. Unserem alten Herrn wurde täglich, und täglich mehrfach, nahegelegt, sich doch zu beeilen, das ginge ja schrecklich langsam" und so ähnlich, bis dem Manne eines Tages Besonders zur Zeit der Hochjunktur, wo die Arbeiter un- doch der Geduldsfaden riß. Es war kurz vor der Mittagspause, verhältnismäßig hohe Löhne nach Hause bringen, ist das Feiern da sieht er den Chef des Hauses wieder einmal auf sich zukommen, im Schwunge. Man hat es eben nicht nötig, die Schichten regel- berläßt sein Stück, che dieser ihn erreicht hat, geht nach seiner im mäßig zu verfahren, da der Verdienst auch bei einigen Feier- Nebenhause belegenen Wohnung, sagt seiner Frau, er müsse von schichten ein behagliches Leben garantiert. So kann man beispiels Geschäfts wegen gleich fort, zieht sich um, verabschiedet sich und weise bei Kindtaufen beobachten, daß nicht nur der Gastgeber am geht. Der Tag berstreicht, auch die Nacht und der nächste Tag, Montag nach dem Tauffest feiert, sondern auch alle übrigen Eingeladenen. Und da es hier gewöhnlich bei den ohne daß die Angehörigen etwas erfahren. Endlich kommt die geLaufen hoch hergeht und weite Gastfreundschaft geübt wird, braucht fürchtete Nachricht aus Potsdam, der Baterstadt des Alten. Er ist fich niemand zu wundern, wenn am ersten Arbeitstage die Beleg- dorthin gefahren, hat sich ins Wasser gestürzt, wurde von Schiffern fchaften auf einzelnen Bechen flaffende Lücken aufweisen. Man gerettet, um schließlich doch noch sein Vorhaben und sein Ende zu muß sich weiter vergegenwärtigen, daß in einem ländlichen Ost- erreichen, indem er sich im Walde die Pulsader zerschmitt und marfentreise während eines Vierteljahres nicht so viel Feste ge- gleichzeitig erhängte. Dieses der Abschluß eines noch immer feiert werden, wie in einem größeren Industrieorte des Ruhr- sonnigen Menschenlebens. reviers an einem Sonntage. Die Fahnen und Wimpel kommen Wir haben noch oft von dem Alten geredet und die Robusteren überhaupt nicht ans den Fenstern; und in einer westfälischen Groß- unter uns haben oft seine Tat als eine Dummheit verworfen. stadt stand im vergangenen Sommer der Triumphbogen am Bahnhof Aber wer liest erschöpfend in der Seele eines anderen? Auch längere Zeit. Es lohnte eben nicht, ihn bald abzubrechen, weil ein Jubiläum dem andern folgte und durch das Abbrechen und von dem Chef verlangte feiner diese Fähigkeit und daß er den Wiederaufbanen der Verkehr zu sehr gestört wurde." Ausgang hätte ahnen müssen. Jedoch mehr Nücksicht dem alten Um welche Stadt und um welche Jubiläen es sich hier Manne gegenüber hatte er, zumal als auch schon ein Sechziger, gehandelt hat, verschweigt die„ S. W. K." Hüglich. Der zu üben. Ich möchte in seiner Haut nicht stecken. So mögen noch Arbeiterschaft, welche die sozialdemokratische Presse vertritt, manche von meinen Kollegen denken, die den Vorfall mit erlebten werden keine Triumphbogen gebaut. Waren an diesen Jubiläen allerdings ein schlechter Trost für die Frau und Kinder des überhaupt Arbeiter beteiligt, forhandelte es sich jedenfalls um Toten, und das Ganze jedenfalls auch ein interessanter Beitrag Strieger ober ähnliche Klimbimvereine. zum Kapitel der Harmonie zwischen Arbeit und Rapital. Die Unternehmerverbände lassen allerdings öfter ihre Triumphbogen wochenlang stehen, so daß sie ein Verkehrshindernis bilden. So war es im im letzten Sommer in Essen der Fall, wo die Triumphbogen für die Zimmermeisterfeste wochenlang stehen blieben, bis die Baugewerksmeister an die Reihe kamen. Die Behauptung, daß sehr viel willfürlich gefeiert würde, trifft übrigens gar nicht zu. Im Dezemberheft des Reichsarbeitsblattes ist folgendes zu finden: Wie Arbeiterausschußwahlen gemacht werden! Achtung Schuhmacher! Bei der Firma Reh u. Prädel in Brig b. Berlin find Differenzen entstanden. Die Firma fucht fortwährend Arbeiter, obwohl alle Plätze besezt sind. Der Ausschuß, der um Abffellung der Uebelſtände ersuchte, wurde abgewiefen. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. Wohlfahrtsplage im Glasfönigreich Hehe. Flaschenfabrik der Welt) hat durch Anschlag bekannt gemacht, daß ab Die bei Düsseldorf belegene Gerresheimer Glashütte( die größte 12. März d. J. die Löhne der Glasmacher um 5 Pf. pro Hüttenhundert und die Löhne der Pfleger um 25 Pf. pro Schicht ermäßigt" werden. Doch soll dies keinen Lohnausfall herbeiführen, jedem Arbeiter werde die in Betracht kommende Summe nebst Zinsen in -Kontobuch" heißt es offiziell- jährlich einem Sparkassenbuch gutgeschrieben. Aus dem„ Sparguthaben" follen an die Arbeiter in Uebereinstimmung mit dem Arbeiterausschuß" Auszahlungen in Höhe von 2 bezw. 3 M. pro Tag geleistet werden, wenn man durch au feiern gezwungen wird. In Krankheitsfällen, die länger als 18 Betriebseinschränkung länger als eine beziehungsweise sechs Wochen bezto. 26 Wochen dauern, soll der erkrankte Arbeiter Zuschüsse in Höhe des einfachen bezw. doppelten Krankengeldes erhalten, ebenso bei Invalidität einen Betrag in Höhe der vollen Rente";" bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit den restierenden Betrag." Wenn der Kontoinhaber das 50. Jahr erreicht hat, bekommt er die Hälfte seines Kontos", nach vollendetem 55. Lebensjahre den Rest. Wer den Betrieb in Gerresheim verläßt, erhält den Betrag unter den gulegt genannten Bedingun gen, also nach vollendetem 50. bezt. 55. Lebensjahre. Wird der Gerresheimer Betrieb eingestellt und der Arbeiter arbeitslos, fo erhält er den Betrag zurüd. Die Unterstüßungen werden nur bis zur Erschöpfung des Kontos bezahlt." Soweit die wesentlichsten Bestimmungen der Seheschen Spareinrichtung, zu deren Begründung ausgeführt wird:" Diese Spareinrichtung tritt an die Stelle einer sonst durch die Verhältnisse notwendig gewordenen Lohnreduktion. " Es handelt sich um nichts weiter als eine verschleierte Lohns fürzung; und das bei 18 Proz. Dividende, die das Werk im letzten Jahre erzielte. Bezeichnend ist die Schlußbestimmung der Bekannte machung, die da lautet: Wer von den Arbeitnehmern nicht damit emberstanden ist, den ersuchen wir, die Kündigung einzureichen.(!) Wer bis zum 12. März nicht gekündigt hat, von dem wird angenommen, daß er zu den neuen Bedingungen weiter arbeiten will. Bei der gegenwärtig herrschenden Krise find die Glassflaven natürlich froh, überhaupt Arbeit zu haben; sie werden sich also in der Mehrzahl fügen, um so mehr, da sie ja im Weigerungsfalle auch die werkswohnungen räumen müßten, also obendrein noch obdachlos würden. Da wird die Wohlfahrt für den Unternehmer zum Knebel für die Arbeiter. Ausland. Zur Aussperrung im Wiener Tischlergewerbe. Wie aus Wien berichtet wird, soll die Aussperrung ihren lokalen Charakter verlieren und zu einer Sache der gesamten In. bustrie Oesterreichs werden. Auch soll die Aussperrung sich nicht auf alle Arbeiter erftreden, sondern nur auf solche, die or ganisiert sind. Die christlich- sozialen und die sogenannten freien Golzarbeiter sollen herausgesucht und in die von der Vereinigung bestimmten Wertstätten mit Maschinenbetrieb gebracht werden, wohin auch die Unternehmer ihre Halbfertigen Arbeiten zu bringen haben. Dieser Plan wurde gemein= schaftlich mit den christlich- sozialen Holzarbeitern geschmiedet, die sich auch schon auf Streifbrecherdienste einrichten. In einem Aufruf der Vereinigung der Tischlermeister Niedersich auch schon auf Streifbrecherdienste einrichten. österreichs an ihre Mitglieder wird diesen mitgeteilt, daß sich ein Komitee für Bautischlerarbeiten und ein solches für Möbeltischlerei gebildet habe. Weiter wurden Konzentrationswerkstätten gebildet. Die Komitees bestimmen für jede Konzentrationswerkstätte ein spezielles Mitglied, welches die Leitung dieser Werkstätte übernimmt. Der bisherige Inhaber übernimmt die Lohnauszahlung, erhält eine Entschädigung für die Beistellung der Werkstätten, der Beleuchtung, des Dampfes und der Leistung der Maschinenarbeit, hat aber keinen Einfluß auf die in diesen Werkstätten arbeitenden Gesellen. Die Mitglieder werden aufgefordert, alle dringenden Arbeiten dort anzumelden, ebenso alle chriftlich- sozialen und nichtorganisierten Arbeiter auf die Kanzleien diefer Konzentrationswerkstätten gu schicken. 500 Mitgliedern die mehr als 10.000 organisierten Arbeiter auf die Wie die beiden gelben Organisationen von zusammen 400 bis Dauer ersehen sollen, das ist die große Frage, die die Tischlermeister zu lösen haben! Die Tischler der Möbelfabrik Kopp in Beveh( Schweiz) bejuven sich seit dem 1. Dezember 1908 im Streif. Die Ursachen hierzu sind fortwährende Schikanen und Maßregelungen seitens des Fabrikanten. Besonders die Deutschen hatten darunter zu leiden. Da sich nun der Möbelfabrikant opp noch immer um Streitbrecher bemüht und besonders in deutschen Zeitungen annonciert, so appellieren die Streifenden an alle Stollegen, den Zuzug von Tischlern, Maschinisten und Tapezierern nach Vevey fernzuhalten und sie dadurch in ihrem Kampfe zu unterstützen. Letzte Nachrichten und Depefchen. Unwetter. In der Brauerei Happoldt besteht ein Arbeiterausschuß, Baris, 17. Februar.( W. T. B.) Nach einem dem Kolonial welchem u. a. auch zwei Brauer angehören. Dank der„ Unparteilich- ministerium zugegangenen Telegramm wurde die Insel Neu- Talefeit" und des sanften Druckes der Vorgesezten ist es den Gelben bonien von einem brei Tage währenden Orkan start verheert. immer noch möglich gewesen, zwei Drittel der Beschäftigten zu sich leberschwemmungen verursachten insbesondere in den Kaffee herüberzuziehen. Trozdem stellten die Drganisierten immer ein ausschußmitglied, weil eben ein Zeil dieser Zwangsbundesmitglieder Pflanzungen großen Schaden. Mehrere Segelschiffe gingen unter. in richtiger Erkenntnis, daß ihre Interessen am besten von den boch konnten die Mannschaften gerettet werden. Organisierten vertreten werden, fiir diese stimmten; ein Vertrauen, Die Opfer des Theaterbrandes. Megito, 17. februar.( W. T. B.) Rach den letzten Racrichten Es betrug die Zahl der Arbeitstage im 2. Duartal 1908 74, welches auch nie getäuscht worden ist. Auch in diesem Jahre fand die Zahl der verfahrenen Schichten im nördlichen dievier des Ober- wieder die Wahl für die zweijährige Legislaturperiode statt, find bei dem Theaterbrand in Acapulco 310 Menschen ums Leben bergamisbezirks Dortmund 75, also pro Kopf und Arbeiter sogar diesmal jedoch unter Hindernissen. Das bisherige organisierte noch eine leberschicht. Jm südlichen Revier desselben Ober- Mitglied mußte zur alleinigen Zufriedenheit tätig gewesen sein, gekommen. Hundert Personen find in Krankenhäusern untergebracht. Berantwo. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 3 Beilagen u. unterbaltunasbL It. 41. 26. Jahrgang. 1. KeilM des JoraWs" Donllerstllg. 18. Februar 1909. Relcbstag* 209. Sitzung vom Mittwoch, den 17. Februar. nachmittag» 2 Uhr. Am BundeSratStische: v. Bethmann-Hollweg. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetz- Entwurfs betreffend die Einwirkung von Annemmterstutznng auf öffmtliche Rechte. Danach soll, soweit in Reichsgesetzen der Verlust öffentliiber Rechte vom Bezug einer Armenunterstützung abhängig gemacht wird, als Armenunterstützung nicht angesehen werden: 1. Die Kranken- Unterstützung, 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen gewährte Anstaltspflege, 3. Unterstützung zum Zwecke der Erziehung oder der Ausbildung für einen Beruf. 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Fonn vereinzelter Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind, ö. Unterstützungen, die erstattet sind. Die Kommission beantragt, unter Nr. 3 noch zum Zwecke»der Jugendfürsorge" einzuschalten. Außerdem beantragt die Kommission, den Reichskanzler zu er- suchen, dahin zu wirken, daß die Grundsätze, die für die Einwirkung von Armenunterstützung auf die öffentlichen Siechte für die Reichs- !>esetzgebung eingeführt werden sollen, auch in den einzelnen Bundes- taalen zur Geltung gelangen. Die Sozialdemokraten beantragen: statt„soweit in Reichsgesetzen" zu sagen:„soweit in Reichs- oder Landesgesetzen". Ferner wollen fie der Ziffer 4 folgende Fassung geben: „sonstige Unterstützungen, wenn sie zur Hebung vorübergehender Notlagen gewährt sind". Abg. Siebenbürgen sk.): Wir werden die beiden Anträge der Sozialdemokraten ablehnen; denn der Begriff der vorübergehenden Notlage ist ein so schwankender, daß er in ein Gesetz nicht hineinpaßt. Auch dem ersten Antrage können wir nicht zustimnien, nachdem in der Kommisfion die Regierungsvertreter erklärt haben, der Bundesrat würde darin einen Eingriff in die Gesetzgebung der Einzelstaaten erblicken und das Gesetz evenwell daran scheitern lassen. Abg. Brühne(Soz.): Wir haben schon bei der ersten Beratung anerkannt, daß der Gesetzentwurf eine Verbesserung bringt. Wenn man aber weiß, wie schwer eS ist, eine Aenderung eines einmal bestehenden Gesetzes zn erreichen, so sollte man, wenn man schon ein neues Gesetz erläßt, auch gleich weiter gehen, wie eS unser Antrag verlangt. Denn eS ist unbedingt notwendig, einen einheitlichen Rechlszustand in allen Bundesstaaten zu schaffen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Vertreter von Bayern und Sachsen haben zwar in der Kommission erklärt, daß dort die Landesgesetze diesem Entwurf entsprechend geändert werden sollen, aber ich fürchte, daß das in einzelnen Bundesstaaten sehr schwer sein wird, nament- lich in den Bundesstaaten, deren Landtage nur alle zwei oder drei Jahre zusammenkommen. Der Regierungsvertreter hat in der Kommission erklärt, die Annahme unseres Antrages sei nicht denkbar, weil daS einen Eingriff in die Rechte der Bundesstaaten bedeuten würde. Ja,, er hat sogar gesagt, der Bundesrat würde daS ganze Gesetz an einer solchen Bestimmung scheitern lassen. Nun, daS erleben wir ja stets, daß vom Bundes- ratstisch erklärt wird, wenn eine weitergehende Bestimmung in eine Gesetzesvorlage hineinkommen soll, daß dann die ganze Vorlage vom Bundesrate abgelehnt würde. Das kann uns natürlich nicht hindern, von unseren berechtigten Forderungen abzugehen. Unseren Antrag zu Nr. 4 des Gesetzes haben wir nicht in der- selben Form eingebracht wie in der Kommission. Dort beantragten loir die Streichung der Worte„vereinzelter und augenblicklicher", so daß eS sich einfach um Leistungen zur Hebung von Notlagen handeln sollte. Das beste wäre es in der Tat. wenn der Absatz diese Fassung erhielte. Das ist aber in der Kommission abgelehnt worden. So. wie wir den Antrag jetzt eingebracht haben, könnte ihm wohl der gesamte Reichstag zustimmen. In der Kommission hat ja auch das Zentrum einen Antrag eingebracht: das Wort „augenblickliche Notlage" zu ersetzen durch„unverschuldete Notlage". Ein Antrag, der nur mit 6 gegen 6 Stimmen abgelehnt ist und der in gewissem Sinne noch weiter ging als unier jetziger Antrag. Die in dem Entwurf vorgesehene Begrenzung der augenblicklichen Notlage hallen wir iür viel zu eng. Ju vielen Ge- memden würde nach wie vor eine Darreichung von Naturalien nicht als eine Unterstützung zur Hebung der augenblicklichen Notlage an- gesehen werden. Ebensowenig würde das bei Unterstützungen wegen kleines femUeron. Wildeniruch und Wilhelm II. lieber den jüngst verblichenen Hohenzollerntrompeter Wildenbruch hat der literarische Klüngel der Hymnensänger und Tränendrüsler ein Weihrauchgeiäusel zum Himmel steigen lassen, daß einen ekeln konnte, weil dieser Ver- himmelung die Unaufrichtigkeit und die Urteilslosigkeit an der Stirne geschrieben stand. Im„Liter. Echo" kann man nach- lesen, wer alles sich bei der Gelegenheit blamiert hat. Es scheint nach dem sanften Tadel, den das„Echo" an unsere Adresse richtet, wirklich nur in der sozialdemokratischen Presse gesagt worden zu sein, was der Dramatiker Wildenbruch war. Zu unlerem Tröste scheinen indes einige Revuen, die nicht von literarischen Klage- toeibern mehrerer Konfessionen redigiert werden, erivas gewissenhafter zu Werke zu gehen als die Tageblätter bedienenden nächtlichen Nach- rufer. Im Märzheft der„Süddeutschen Monatshefte" beurteilt ein ebenso unabhängiger wie gediegener bürgerlicher Kritiker, I. Hofmiller, der literarische Tonangeber der Zeitschrift, den Fall Wildenbruch. Er schreibt u. a.: „Kein Mensch war in deutschen Landen Wilhelm dem Zweiten so tvesensverwandt wie Wildenbruch. Jugendlich-patriotische Glut, leidenschaftliche und rasche Begeisterung hatten sie gemeinsam, Pa- thos und Ernst, ein hohes Gefühl besonderer Verantwortlichkeit. Aber gemeinsam war ihnen auch der Mangel an Entwickclung, das meteorgleiche Aufschießen, dem kein dauernder Glanz folgte, Mangel an LebcnSkenntnis, Neigung zu theatralischer Wirkung und zu dy- nastischem Mystizismus. Beide verspätete Romantiker, die gegen die Zeit sich stemmen zu können glaubten.„Das heilige Lachen" war sein vergeblicher Protest gegen die moderne Dichtung, und ver- geblich suchte er auch in„Willehalm" Wilhelm de» Einfachen zum �-eroS zu stilisieren. Den Generalfeldoberst und den neuen Herrn— wrr haben sie endgültig eingesargt mit all den Hoffnungen, die wir zu jener Zeit hatten. Und welche Hoffnungen hatten wir nicht zu jener Zeit! Die Haubenlerck>e und Meister Balzer: der Arbeiterdramatiker hatte denselben Erfolg wie der Arbeiterkaiser. Auch er hat nie ge- zaudert, sein Wort in die Oeffcntlichkeit hinauszuschleudcrn, auch cr hat seine Kundgebung für die Buren erlassen. Die Kaiserkrise erschütterte ihn bis ins Innerste. Er sah, mit der grausamen Deutlichkeit des Sterbenden, daß ein Mann jähr- zehntelang sich nach redlichstem Gewissen mühen kann, das zu tun, was er für gut hält, und daß ein ganzes Volk dafür kein Wort übrig hat, nichts, gar nichts. Was cr sah war sein eigenes Geschick. Wenn cr sein.Herzblut gab, schwieg die Nation. Denn sie verstand den romantischen Hohenzoller nicht. Wenn er schlechte Romantik machte, öffneten sich der Rabensteincrin alle Bühnen, dem Hcrenlied alle Konzertsäle, Arbeitslosigkeit der Fall sein. In Berlin haben wir gegenwärtig über 100 000 Arbeitslose, die sämtlich unverschuldet in Not geraten sind. Alle diese würden, wenn sie Unterstützung in Anspruch nebinen inüssen, bei der von der Kommission beschlossenen Fassung des Gesetz- entwurfs nach wie vor der Armenpflege verfallen, während solche Unterstützungen doch gerade nicht unter dem Begriff der Armen- Unterstützung fallen sollen. Die von der Regierung gewählte Form, die auch die Kommission akzeptiert hat, mag ja recht gut gemeint sein, aber den gewünschten Zweck erreicht sie nicht. Nach unserem Antrage dagegen, der statt der augenblicklichen Notlage die vor- übergehende Notlage setzt, würden die Hunderttausende, die bei einer Krise unverschuldet in Not geraten find, unterstützt werden, ohne daß die Unterstützung als Ännenunterstützung gilt.(Bravo 1 bei den Sozialdemokraten.) Unterstaatssekretär Mermuth: ES ist unangängig, bei dieser Ge- legenheit Beschlüsse zu fassen, die auf das tiefste in das Wahlrecht, Kommunalrecht und Armenrecht der Bundesstaaten eingreifen. Es ist auch ganz ausgeschlossen, daß die von den Sozialdemokraten be- nntragte erste Aenderung im Bundesrat die erforderliche Anzahl von Stimmen erhält. Auch der zweite Antrag enthält in dem Wort„vor- übergehend" einen so schwankenden Begriff, daß es nicht wohlgetan wäre, ihn nochmals in einem Gesetz anzuwenden. Abg. Dr. Maycr-Kaufbeuren(Z.): Meine Fraktion ist, wie ich schon bei der ersten Beratung feststellte, gegen eine solche Erweiterung der Kompetenz des Reichstages, wie der sozialdemokratische Antrag sie fordert, und wir werden aus demselben Grunde auch gegen die von der Kommission beantragte Resoluiion stimmen. Die Resolution ist in der Kommission zwar einstimmig gefaßt worden; das liegt daran, daß von unserer Fraktion erst m letzter Stmrde andere Mitglieder als ursprünglich bestimmt waren, in die Kommission kamen, die mit der Materie nicht vertraut waren.(Zuruf links: Die nichts verstanden! Heiterkeit.) Abg. Everling(natl.): Ick. bitte, die Resolution, die in der Kommiision einstimmig angekommen ist, auch hier anzunehmen. Allerdings schien eS nach' einer Handbewegung des Herrn Kollegen Mayer, als ob auch die Rechte, obwohl sie in der Kommission dasür eintrat, jetzt dagegen stimmen will. Den ziveiten Antrag der Sozialdemokraten werden wir ebenfalls ab- lehnen, da„vorübergehend" nicht ein gesetzlich brauchbarer fester Begriff ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraren.) Herr Stadthagen, es gibt Leute, welche glauben, auch die Sozialdemokratie sei nur eine„vorübergehende" Erscheinung, aber Sie sehen, wie lange sie uns schon beschäftigt.(Gr. Heiterkeit.) Die Unterstützung von unverschuldet Arbeitsloten wird auch in der Fassung des Eni- Wurfs nicht als Armenunterstützung gelten. Abg. Böhle(Soz.): Der Wunsch des Herrn Abg. Everling, die Sozialdemokratie möge in diesem Hause eine vorübergehende Erscheinung sein, wird nicht i» Erfüllung gehen. Daß der vorliegende Entwurf einen ge- wissen Fortschritt bringt, haben wir anerkannt. Nichtsdestoweniger müssen wir versuchen, unseren Standpunkt in dem Entwurf zur Geltung zu bringen. Daß die Regierung darauf hinweisen würde, bei Annahme unseres Antrages würde da» ganze Gesetz scheitern, darauf waren wir gefaßt. Das hören wir ja bei ieder Gelegenheit, wenn Anträge vom Hause gestellt sind. Aus welches tiefe Niveau wird der Reichstag dadurch' herabgedrückt.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokratcn.) Darauf will ich nicht näher eingehen. Aber komisch ,nuß es doch wirken, wenn immer verlangt wird, daß der Reichstag lediglich den Entwürfen des Bundesrates zustimmen und keinen eigenen Willen haben soll. Verfassungsrechtliche Be- denken stehen unserem Antrage nicht im Wege. denn der jetzige Entwurf ist nichts als als eine Ergänzung zum Armengesetz, daS ebenfalls Reichsgesetz ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.) Das Zentrum war in der Kommission in der Hauptsache mit unserem Antrage einverstanden, und deshalb wundert es mich einigermaßen, daß es jetzt eine andere Stellung einnimmt und sogar gegen die Resolution stimmen will, die doch in der Kommission ein- stimmig angenommen ist. Daß diese Neiolution den Reichskanzler zu nichts verpflichtet, habe ich schon in der Kommission betont; er kann den einzelnen Regierungen gegenüber einen Wunsch aussprechen, nicht aber einen Zwang auf sie ausüben, und deshalb ist es besser, unseren Antrag anzunehmen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(k.) empfiehlt die Fassung der Kommission. Abg. Tove(frs. Vg.): Der Antrag der Sozialdemokraten zu Ziffer 4 ist nicht zu einpfehlcn, da in der Tat„vorübergehende Not- läge" ein sehr schwankender Begriff ist. Dagegen sind die Einwände gegen den ersten Antrag Albrccht nicht stichhaltig, denn das Reich hat die Grenzen seiner Kompetenz selbst zu bestimmen. Da lvir aber das Gesetz an dieser Bestimmung nicht scheitern lassen wollen, Es wäre blasphemisch, sein Geschick mit dem Grillparzers zu vergleichen. Denn Grillparzer war ein Dichter, Wildenbruch ein Rhetor. Einen Schritt zurück— und wir haben Raupach. Einen Schritt tvciter— und wir haben Sudermann. Er gehört nicht in die Geschichte der deutschen Dramatiker, sondern der Theatraliker. Ilngiiade bewahrte ihn bor dem schlimmsten: als poeta laureatus in Berlin zu enden. Man kann von dem Problem Wildenbruch nicht reden, ohne zum Problem des deutschen Nationaldramas zu gelangen. Jenes Nationaltheaters, das„die gutmütigen Deutschen zu erlangen ver- meinten, che sie eine Nation geworden". Jenes Natimialthcaters, von dem wir heute weiter entfernt sind denn je; von dem alle Ex- perimente. NaupachS Hohenstaufen und Wildenbruchs Hohenzollern, Hebbels und Wagners Nibelungen, uns nur entfernt, immer noch weiter entfernt haben. Der Ritz zwischen Kaiser und Volk, zwischen Adel und Bürgertum, zwischen den Konfessionen, zwischen Be- sitzenden und Besitzlosen ist heute breiter und tiefer denn je. Wir sind keine Nation. Uns eint keint politisches, religiöses, soziales Ideal. Unsere Künste sind in voller anscheinend unaufhaltsamer Selbstauflösung begriffen. Unsere Künstler— sind sie noch ehrlich Wollende?" Die zunehmenden Tage. Die Nacht ist keines Menschen Freund, heißt es ini Lied, und aus diesem Grunde freut sich jedermann an der allmählichen Zunahme der Tageslänge und an der Verkürzung der dunklen Stunden. Daß Gefühl ist so alt und tief, daß ja der eigentliche Ursprung des Weihnachlsfestes in den nordischen Länder» auf dem Beginn der wiederwachsenden Tageslänge beruht. Der Physiologe deö modernen Zeiialrers drückt sich in seiner gelehrten Sprache dahin aus, daß dunkle Morgenstunden und ein früher Ein- bruch der Nacht schon bald nach Mittag die menschliche Energie herabsetzt, weil der Einfluß des Lichts auf die Be- lätigung der Maichine, die der menschliche Körper darstellt, von grundlegender Bedeutung ist. Das allerschwerste aber ist ohne Zweisel für jeden die Aufgabe, sein Bett vor Anbruch des Tages- lichtS verlassen zu sollen, und daher ist am Morgen das Vergnügen deS Einzelnen über die Verlängerung des Tages am stärksten ent- ivickelt. Dazu kommt die erfreuliche Aussicht, daß mit der wachsenden Tageslänge sich auch bald die stärkere Wirkung der Sonnenstrahlen zeigen und die auch dem Abgehärteten während eines harten WinrerS zuweilen recht peinliche Kälte aus dem Schlafzimmer vertreiben oder mildem wird. Von den weniger abgehärteten Leuten gar macht sie manchen zum Feigling, der sonst als ein Held zu gelten meint. Niemand aber braucht sich solcher Empfindungen zu schämen. denn er teilt sie mit der ganzen Natur, die höchstens in noch stärkerem Grade von Licht und Wärme ab- hängig ist als der weise Mensch, der zwar beides künstlich erzeugen kann, dafür aber auch eher entbehren zu können glaubt. Nur das den Menschen und auch vielen Tieren und Pflanzen feindliche Ge- lichter der Bakterien hat wenigstens in einer Hinsicht keine Ursache mit dem Wandel der Jahreszeit gegen das Frühjahr hin zufrieden so werden wir den Antrag ablehnen, doch hoffe ich, daß die Einzel- stallten der Resolution Rechnung tragen werden. Unterstaatssekretär Mermuth warnt nochmals, eine Verfassungs» Lnderung, wie sie der Antrag Albrecht involviere, so obenhin zu beschließen. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Albrecht wird in beiden Teilen gegen die Stimmen der Sozialdemokratie abgelehnt. der Gesetzentwurf wird in der Fassung der Koinmission an- genommen. Die Resolution der Kommission wird gegen die Stinmren des Zentrums und der beiden konservativen Parteien angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs wegen Beseitigung der Doppelbesteuerung. Abg. Bassermann(natl.) szur Geschäftsordnung) beantragt, den Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen und den Entwurf an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu verweisen. Diesem Antrage wird zugestimmt. Es folgt die erste Lesung des Bankgesetzes. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Der Entwurf läßt die Grundlagen unseres Bankwesens, die Goldwährung und die Reichs- bank, unangetastet. Es kann sich im vorliegenden Entwurf also nur um Stärkung und Ausbau dieser Grundlagen handeln. Der Entwurf sieht in erster Linie eine Vermehrung der Mittel der Reichs- bank vor.(Einzelheiten bleiben bei der leisen Stimme des Redners und der in, Hause herrschenden Unruhe vielfach unverständlich.) Der Entwurf steht eine Erhöhung des steuerfreien Notenkapitals vor und gibt den Reichsbanknoten die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Außerdem sieht der Entwurf die Verpflichtung der ÜteichSbank zum Umlausch der Reichsbanknoten in Gold vor, wodurch alle etwaigen Befürchtungen völlig gegenstandslos werden. Redner gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Neuerungen der Novelle auch den Sparkassen zugute kommen werden, und bittet, das Gesetz so zu verabschieden, daß es noch am 1. April d. I. seine hoffentlich sehr segensreichen Wirkungen entfalten könne. Abg. Kreth(k.) klagt über die exorbitante Höhe des Reichsbank- diskontö. verbreitet sich über die Verheerungen, die die gegenwärtige Krise besonders unter dem Mittelstande angerichtet habe, und be- antragt Ueberweisnng an eine Kommiision von 21 Miigliedern. Abg. Speck(Z.): Die Vorlage soll die Aktionskraft der Reichs- bank stärken, und zwar sollen ihre Betriebsmittel durch Verstärkung des Reservefonds und durch Erhöhung des steuerfreien Noten- kontingents verstärkt werden. Beide Vorschläge scheinen mir sachlich begründet. Freilich hätte ich den Wunsch, daß gleichzeitig auch eine Erhöhung des Kontingents für die Privatnotenbanken vorgeschlagen würde. Man sollte auch den Noten der Privatnotenbanken eine erweiterte Absatzmöglichkeit schaffen, zumal da die Reichsbanknoten jetzt so privilegiert werden sollen. Der Redner schließt sich dem Wunsche an. den Entwurf an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu verweisen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Die Lobsprüche, die Herr Speck der Reicksbank spendete, bewegen mich, gerade für die Verstaat- lichung der Reichsbaick einzutreten, die ja jetzt schon eine Staatsbank ist. wenn sie auch mit Privatkapital begründet ist. und die nach der Verstaatlichung auch nicht bureaukratischer verwaltet werden kann, als es bisher ge- schehen ist.(Bei den Freisinnigen: Na! na!) Die Linke drängt doch sonst so sehr auf eine Besitzsteuer; nun, die Anteilseigner der Neichsbank gehören doch nicht zu den Nicht-Besitzenden. Von dem Reservefonds der Reichsbank von 64 Millionen gehört dem Reiche die Hälfte, aber leider nur theoretisch; man sollte diesen Besitz zu einem praktischen machen und sich diese 32 Millionen aus- zahlen lassen; wir könnten sie bei unserer jetzigen Finanznot sehr gut brauchen.(Abg. M o m m s e n(fts. Va.) ruft ironisch: Sehr gut! Heiterkeit links.) Ich bitte, diesen Vorschlag in der Kommission zu prüfen. Die Fünf- und Zehnmarkscheine sind um so überflüssiger. als wir jetzt in dem neuen Dreimarkstück ein sehr begucmeS und be- liebtes Zahlungsmittel haben. Die Ablehnung der kleine» Kassen- scheine seitens des Publikums hängt auch mit ihrer Häßlichkeit zusammen; hätte man einen Preis für das häßlichste und unpraktischste Papiergeld ausgeschrieben, so hätten wir mit unserem Zehnmarkschein sicherlich den ersten Preis bekommen.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Weber(natl.) bestreitet, gegen Dr. Arendt polemisierend, die Behauptung, daß die ReichSbankpolitik irgend welche Schuld an der gegenwärtigen Krise trage, und wendet sich gegen die Verstaat- lichung der Reichsbank, nachdem er zuvor die geplante Erhöhung der Telephongebühren mißbilligt hat. zu sein. Denn es weiß sich zwar trefflich mit der Wärme, nicht aber mit dem Licht der Sonne abzufinden.— Also, frisch auf zu", Frühling l Humor und Satire. Fabel.„DaS glückliche Tier! Wie eS sich vor Vergnügen im Grase wälzt!" sagte die kleine Marie.—„O, die vermaledeiten Flöhe!" stöhnte der Hund. Vornehm. Hans:„Sieh nur das hübsche Baby l"— Schwesterchen:„Aber, HanS, das ist doch kein Baby, das ist ja das Kind von unser», Schuster I" L u f t s ch i f f e r.„Für uns kommt die Erde jetzt doch eigentlich nur noch als Begräbnisort in Betracht!" DaS volle Haus. Schmierendirektor(zum gastierenden Heldenspieler):„Ein leeres Haus kann ja mal vorkomme». Aber Sonntags können Sie bei mir immer auf ein„volles" Haus rechnen."— Alter Intrigant(leise zum Gaste):„DaS volle Haus ist nämlich stets er selber."_(„Meggendorfer- Blätter.") Notizen. — Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse feiert am Sonntag, den 28. Februar in FreyerS Fest- fälen, Koppenftr. 29. fein zehntes Stiftungsfest. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Der Berliner Volkschor(mit Orchesterbegleitung) und Konzertsängerin Fr. Mark. Die Festrede hält Klara Zetlin. — M u s i k ch r o n i k. Am Donnerstag, den 18.. findet in der Aula des Vismarckgymnastums, Pfalzburger Str. 30 in Wilmersdorf, der zweite volkstümliche Kun stabend statt, der zu einem bescheidenen Eintrittspreise(50 Pf. inkl. Garderobe) gute Musik bieten will. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen der Violinistin Gertrud Steiner. Rothstein. DaS Programm bringt Streichquartette von Haydn und Mozart und Liedervorträge von Schumann, Schubert und Löwe. — Heinrich R e d e r. wie er als Dichter und Mensch hieß, oder Generalmajor Ritter von Reder, als den ihn die Rangliste verzeichnete, ist im hohen Alter von beinahe 85 Jahren in München gestorben. — Russische Dichterehrung. Wie aus Petersburg berichtet wird, hat die Polizei einen neuen Hastbesehl gegen Maxim Gorki erlassen: in dem Dokument wird der Dichter als„Anstreicher aus Nischnü, olvgorod" bezeichnet. Es ist ja nicht das erstemal, daß Gorki von der russischen Polizei verfolgt wird. Gegen Ende des Jahres 1904, in den erregten Tagen, die den, großen Streik auf den Putilow-Werken folgten' und die am 22. Januar 1905 in dem „blutigen Sonntag" ausmündeten, wurde der Dichter verhaftet unter dem Verdachte, an der revolutionären Bewegung beteiligt zu fein. Damals kam eS zu jenem einhelligen Protest Europas, dessen Abschluß die Haftentlassung Gorkis im Februar 1905 bildete. Man entließ ihn, ohne ihn vor ein Gericht gestellt zu haben. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr. �Fortsetzung der Beratung de» Bankgesetzes, dann Rechnungs- fachen.) Schluß 6 Uhr. Hbgeordnetenbaiid* 33. Sitzung vom Mittwoch, den 17. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrück. Die er st eBeratungderNovellezum Berggesetz wird fortgesetzt. Abg. Kapitza(Pole): Meine politischen Freunde begrüßen die Vo> läge zwar nicht als Erfüllung aller ihrer Wünsche, aber als tvenerrn Schritt auf dem Wege der modernen EntWickelung. Die stärkere Beteiligung der Arbeiter an der Grubenkontrolle ist durch- aus notwendig. Durch die kleineren Unfälle gehen noch weit mehr Menschenleben zugrunde als durch die großen Katastrophen. Die Ursache ist Ucberbürdung, allgemeine Abspannung und Unvorsichtig. keit der Arbeiter, sowie das Bestreben, das Gedinge möglichst hoch zu bringen. Darum beantragen wir auch wiederum die Einfüh- rung des achtstündigen Arbeitstages. In England und Frankreich ist diese» bereits durchgeführt. Auch das bayerische Abgeordneten- Haus hat ihn einstimmig beschlossen. Die Einführung dort soll von dem Vorgehen in Preußen abhängen. Wenn sich der SicherheitS- mann um diese Verhältnisse kümmert, so sollte es nicht als Ueber- schreitung seiner Befugnisse angesehen werden. Ferner darf den Sicherheitsleuten auch nicht untersagt werden, mit den polnischen Bergleuten polnisch zu sprechen.(Bravo! bei den Polen.) Abg. Wolff-Lissa(frs. Vg.): Bisher war der Betriebsführer das, was bei einer Redaktion der Sitzredakteur ist: er war für alles verantwortlich. Bei der Einrichtung der Grubenkontrolleure hätte man besser getan, den Wünschen der Arbeiter zu entsprechen. Der Zweck des Gesetzes, daß Ruhe unter den Bergarbeitern eintritt, würde dann besser erreicht werden. Die Hauptsache ist. daß die Sicherheitsleute auch wirklich das Vertrauen der Arbeiter ge- nießen. Im Interesse der Arbeiter läge es, wenn der SicherheitS- mann von den Arbeitern bezahlt würde. Ich wundere mich, daß die Herren Sozialdemokraten plötzlich so viel Vertrauen zum Staat haben, daß sie durchaus die Bezahlung der Sicherheitsmänner durch den S t a a t verlangen. Es sollte ihnen doch auffallen, daß auch die Unternehmer mit dieser Forderung einverstanden sind. Vom Standpunkte der Unternehmer verstehe ich ja dieses Verlangen eher. denn für sie ist es billiger, als wenn sie die Sicherheitsmänner selbst bezahlen müssen. Dem Gedanken, der die Sozialdemokraten bei ihrer Haltung leitet, würde man durch die Bestimmung gerecht werden, daß der Sicherheitsmann für die Dauer seiner Funktion als Sicherheitsmann aus der Belegschaft ausscheidet. Natürlich muß auch die notwendige Unabhängigkeit des Sicherheitsmannes von der Belegschaft sichergestellt werden. Im übrigen sind wir nach wie vor für reichsgesetzliche Regelung der Materie. Die dagegen angeführten Gründe sind nicht durchschlagend. Eine Bcrahoheit, die die Rechte erhalten will, gibt es seit nicht mehr, londern die Berg f r e i h e i t. Was die Sozialpolitik anlangt, so bleibt dem Landtag noch genug zu tun übrig, z. B. in bezug aus die Rege- lung der ländlichen Arbeiterverhältnisse, in bezug auf die Gesinde- Ordnung usw.(Sehr gut! links.) Und was schließlich den Hin- weis auf die Verschiedenartigkeit der Bergwerksverhältnisse betrifft, so ist genau dieselbe Verschiedenheit auch innerhalb Preußens vor- fymden, die gerade die Nationalliberalen stets betont haben. Also dieser Grund kann auch nicht gegen eine reichsgesetzliche Regelung angeführt werden.(Bravo! links.) Hierauf wird emSchlußantragangenommei» ES folgen die Schlußworte zu den Antrögen. Abg. Bell(Z.): Trotz der Angriffe der Sozialdemokratie auf meine Partei begrüßen wir die Borlage mit Freuden. Gegen die unerhört« Beschuldigung des Herrn Leinert, daß die bürgerlichen Parteien die sozialdemokratischen Bergarbeiter nicht gegen Gruben- Unglücksfälle schützen wollten, muh ich entschiedensten Protest ein- legen.(Bravo! im Zentrum.) Wir hoffen, daß eS den Bemühungen der LLgliedrigen Kommission, die wir beantragen, ge- lingen werde, der Vorlage eine in allen Teilen befriedigende Ge- stall zu geben. Wenn Herr Leinert auch bei dieser Gelegenheit wieder das Zentrum augegriffen hat, so beweist das nur wieder, daß der Sozialdemokratie im Grunde jede gesunde Sozialreform auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung ein Dorn im Auge ist.(Abg. Hirsch: Das ist lächerlich!) Sic haben eben die begründete Befürchtung, daß Ihne» dann die wesentlichsten Punkte von Ihrem Zukunftsprogramm gestrichen werden.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ob die sozialdemokratischen Arbeiter aus dieser Haltung die nötigen Konsequenzen ziehen werden, muß ihnen über- lassen bleiben. Verwahrung muß ich aber dagegen einlegen, daß sich Herr Leinert hier auch als Beschützer der nationalen und christ- liehen Arbeiter aufspielt. Diese Arbeiter lehnen es ab. von Herrn Leinert vertreten zu werden.(Abg. Hoffmann: Woher wissen Sie denn das?) Sie wissen genau, wer in Wahrheit ihre Jnter- essen vertritt.(Abg. Hoff mann: Die Aufregung nützt nichts! Heiterkeit.) Gegen die Unterstellung der Unternehmer, als ob die Arbeiterkontrolleure nicht aus sachlichen, sondern aus politischen Gründen eingestellt werden sollen, protestieren wir. Wir danken dem Minister, daß er trotz der mächtigen Einflüsse, die sich bis in die letzte Stunde gegen die Vorlage geltend gemacht haben, ein starkes Rückgrat bewiesen hat.(Bravo! im Zentrum.) Rc-dner tritt schließlich für reichsgesetzliche Regelung des Bergrechts ein. Abg. Frhr. v. Zedlitz(frkons.): Wir lehnen die reichsgesctzliche Regelung dieser Materie nach wie vor unbedingt ab. Die Verhält- nisse des Bergbaues sind in Preußen so eigenartig, daß sie nicht über den Kamm der allgemeinen Reichssozialpolitik geschoren werden können.(Sehr wahr! rechts.) Der Lieichstag beruht be- kauntlich auf dem radikalsten Wahlrecht, das auch dem Unreifsten Einfluß gibt und leicht zum Byzantinismus der Volksvertretung gegenüber den großen Wählern, asscn führt. Ein solches Parlament ist nicht geeignet, mit voller Objektivität und unter Wahrung auch der den Arheitern entgegengesetzten Interessen des Grubenbaues und der Grubcnunternehmer zu urteilen.(Sehr richtig! rechts, Lachen links.) Die Arbeiterkontrolleure nach sozialdemokratischem Muster würden nicht nur nicht zum Schutze der Arbeiter dienen, sondern würden dem sozialen Frieden geradezu gefährlich sein, Kein Arbeiter ist in der Lage, größer« Bezirk« mit Nutzen zu über- Ivachen. Solche von der Belegschaft losgelösten, den Unternehmern als Aufsichksorgane gegenübergestellten Arbeiterkontrolleure würden vor allem der Disziplin, dem allerfcstesten Fundament der Sicher- beit deS Bergbaues, auss äußerste abträglich sein.(Sehr richtig! rechts.) Auch würden die Stellen der Kontrolleure tatsächlich mit sozialdemokratischen Agitatoren besetzt werden, und dazu kann der Staat kein Geld geben.(Bravo! rechts.) Im übrigen halten wir es für eine Ehrenpflicht des Landtages, alles, was zur Sicherheit deS Bergbaues geschehen kann, auf dem Wege der Gesetzgebung zu tun, und aus diesem Grunde haben wir unseren Airtvag gestellt. Wir werden eS natürlich nicht unterlassen, die ernsten Bedenken. die von feiten der Bergwerksunternehmer erhoben worden sind, eingehend zu prüfen. Insbesondere halten wir die obligatorisch« Begleitung des Sicherheitsmannes durch einen Grubenbeamten für eine unerläßliche Forderung.(Bravo! rechts.) Abg. Brust(Z.) erklärt, daß er sich die Antwort auf die An- griffe deS Abgeordneten Leinert, auf die er wegen Schluß der Debatte»ich, habe eingehen können, auf ein», spätere Geleg»i>heij borbehalte. Das Gesetz mit den Anträgen wird hierauf einer Kom- Wission von 2 8 Mitgliedern überwiesen. SS folgt die zweite Beratung deS Bcrgctats. Präsident v. Kröcher teilt mit, daß von den FraktionSborständen Wieder ein Kontingentierungsplan für die Etatsberatung festgestellt sei, und daß er, falls ein Etat nicht im Rahmen dieseZ Planes erledigt sei, Abendsitzungen anberaumen werde. Die allgemeine Besprechung setzt bei den Ein- nahmen ein. die insgesamt 268 Millionen betragen. Abg. v. Kessel(k.): Bei dem schlechten Abschluß deS Etats auch in diesem Jahre wäre eS wünschenswert, wenn uns im nächsten Etat genaue Angaben ans Gruben, die im vollen Betriebe und noch nicht abgenutzt sind, über die Selbstkosten pro Tonne gegeben würden, damit wir einen Vergleich mit anderen Gruben anstellen können. Gewiß ist der Ertrag vermindert durch die erhebliche Steigerung der Arbeiterlöhne, doch sind dieie überall gestiegen. Die Arbeitsleistung zeigt übrigens trotz der Steigerung der Arbeiterlöhne sinkende Tendenz. Sehr gute Erfolge sind in Ober- schlesien erzielt worden mit Präniien an Betriebsbeamte und Arbeiter für regelmäßig verfahrene Schichten und Ueberichichten. Solche Prämien sollten auch von der Bergverwaltung allgemein eingeführt werden.(Bravo 1 rechts.) Handelsminister Dr. Delbrück sagt für das nächste Jahr einen genauen Vermögensnachiveis der Bcrgverwaltung zu. Das Zurück- gehen der Leistungen bei Steigerung der Löhne ist eine allgemeine Beobachtung!— Ein Teil der Arbeiter gibt sich eben mit einer be- stinimlen Arbeitsleistung zufrieden und arbeitet bei höheren Lohnen nicht mehr. Dagegen etwaS zu tun, sind wir außerstande. Die erwähnten Prämien sind zum Teil auch bei fislalischen Werken ein- geführt. Ob dadurch ein besonderer Gewinn herausgesprungen ist. kann ich heute nicht sagen. Abg. Saucrmann., um 10 990 M. mehr, aus der Hundesteuer 779 539 M., um 5500 M. mehr, aus der Braumalzsteuer 625 009 M., um 125 000 M. weniger, aus der Wanderlagcrsteuer 899 M. wie im Vorjahr. Die Waren- haussteuer soll wie im Vorjahr 1 999 900 M. bringen, die aber wieder zum teilweisen Erlaß der Gewerbesteuer ver- wendet werden muß. Die Umsatzziffer ist mit dem Betrag 4 224 500 M., um 724 500 M. mehr als im Vorjahr, angesetzt worden, so daß dieGesamteinnahme ausSteuern sich auf 82179839 M. st eilt. Hiervon gehen 20 74144 M. A u s g.a b e ab(eigene Ausgabe der Steuer- Verwaltung sowie Verrechnung der 1 Million Warenhaus- steuer auf die Gewerbesteuer), es ergeben sich mithin d i e 89996686 M., die noch zu decken waren. Die Rechnung stimmt auf dem Papier, das versteht sich bei einem Etatentwurf von selber. In Wirklichkeit kommt's natürlich anders, manchmal sogar sehr anders, namentlich in einer Zeit wirtschaftlichen Niederoanges, wie es die gegenwärtige ist. Ueber die Berliner Fürsorgeerziehung finden wir in dem neuesten Jahresbericht unserer Waisen- Verwaltung wieder ein ausführliches Referat. Im Etats- jähre 1907(I.April 1907 bis 31. März 1908) wurden 815 Fürsorgezöglinge überwiesen, davon 310 wegen zerrütteter häuslicher Verhältnisse und 535 wegen eigener schlechter Neigungen. Seit 1. April 1901, dem Tage des Inkrafttretens des Fürsorgeerziehungsgesetzes, waren nun im ganzen 44M Zöglinge überwiesen worden. Von diesen waren aber durch endgültige Ent- lassung oder durch Tod 1057 wieder ausgeschieden, so daß am 1 April 1908 ein Bestand von 3439 Fürsorgezöglingen blieb. Dazu kam noch ein Bestand von 213 Zwangszöglingen aus der Zeit vor Inkrafttreten des Fürsorgeerziehungsgesetzes. mithin befanden sich am 1. April im ganzen 3652 Zög- linge(2459 männliche, 1193 weibliche) in der erziehenden Fürsorge der Stadt. Hiervon standen zu dieser Zeit im Alter bis zu vollen 6 Jahren nur 9 Zöglinge, von da bis zu vollen 14 Jahren 934 Zöglinge, von da bis zu vollen 21 Jahren 2709 Zöglinge. Ueberweisung im schulpflichtigen Alter erfolgt vorwiegend mit Rücksicht auf die häuslichen Ver- Hältnisse. Ueberweisungen in den Jahren nach Vollendung der Schulpflicht werden vorwiegend durch eigene Verfehlungen veranlaßt, bei den Knaben besonders durch Diebstahl, bei den Mädchen hauptsächlich durch Gcwerbsnnzncht. Der Erfolg der Fürsorgeerziehung hängt wesentlich nnt davon ab. wo und wie die Zöglinge unter- gebracht sind. Von den 3652, die am Schluß des Be- richtsjahres als Bestand gezählt wurden, sind hier 670 aus- zusondern. Zu ihnen gehörten 262 erst widerruflich entlassene, 46 widerruflich der eigenen Familie überwiesene, sowie 263 entlaufene, 47 im Gefängnis sitzende, 52 im Krankenhaus weilende. Von den übrigen 2982 Zöglingen befanden sich 520 in einer Lehre und 713 im Dienst oder in einem sonstigen Arbeitsverhältnis, so daß für diese 1233 Zöglinge die Lehr- Herren oder Arbeitgeber die Pflege zu gewähren hatten. Es blieben dann nur noch 1749 Zöglinge, für deren Unter- bringung zu sorgen war. Hiervon befanden sich 7 tn den beiden Waisenhäusern der Stadt, 278 in den eigenen Er- ziehungshäusern Berlins(241 männliche in Lichtenberg, 37 weibliche in Kleinbeeren), 1180 in privaten Anstalten, 327 in Familienpflege. Man sieht hier wieder, in wie großem Umfange die Stadt Berlin private An st alten mit- benutzen muß, weil es versäumt worden ist, rechtzeitig die eigenen Anstalten zu vermehren. Am ärgsten ist der Mangel eigener Anstalten für Mädchen. Während von den männlichen Zöglingen 619 in Privatanstalten, aber doch immer noch 241 in der eigenen Anstalt Lichten- bera untergebracht waren, befanden sich von den weiblichen 518 in Privatanstulten und nur 37 in der eigenen Anstalt Klein- beeren. Was sind das für Privatanstaltcn? Warum werden sie in dem Bericht der Waisenverwaltimg nicht aufgezählt, damit man sie sich einmal bei Lichte besehen kann? Der Bericht meldet, daß bei den Revisionen der Anstalten wie auch der Familienpflege meist nur geringfügige B e a n- standungen nötig geworden seien. Nur über eine Anstalt habe wegen einer Krätzeepidemie zeitweise die Sperre ver- hängt werden müssen, bis die Krankheit erloschen war. Es handelt sich— der Bericht verschweigt das— um das für Knaben bekannte Rettungs- und Waisenhaus zu Rokitien. Die unvermutete Revision, bei der die Krätzeepidemie von einem zur Waisendeputation gehörenden sozialdemokratischen Stadtverordneten festgestellt wurde, war dadurch ver- anlaßt worden und erzwungen worden, daß Eltern von dort untergebrachten Zöglingen sich an den„Vorwärts" sowie an jenen Stadtverordneten gewandt hatten. Selbst- verständlich steht in dem Bericht auch hiervon nichts. Der Bericht weiß über Mängel privater Anstalten nichts weiter zu erzählen, dagegen beklagt er, daß die Durchführung der Familienpflege in dem vom Gesetze gewollten Umfange allem Anschein nach dauernd auf unüberwindliche Hindernisse stoße, besonders für ältere sittlich verwahrloste Mädchen, weil es für sie an geeigneten Familien fehle. Schwierigkeiten haben sich übrigens auch bei der Unterbringung männlicher Zöglinge ergeben. Mit Unterbringung von Zöglingen in Fischerei- betrieben und auf Seeschiffen ist fortgefahren worden, aber die Erfolge waren nur zum Teil, wie der Bericht sagt, „über Erwarten gut". An Enttäuschungen hat es dabei nicht gefehlt, namentlich bei dem Fischereibetriebe in Finkenwärder, auf den große Hoffnungen gesetzt worden waren. Die Fischcreigesell- schaft Neptun in Emden, die mehrere Jahre hindurch die meisten der für den Scedienst ausgewählten Zöglinge übernommen hatte, hat der Waisenverwaltung den Vertrag gekündigt. Der Bericht be- dauert, daß in letzter Zeit mehrfach in Seeschiffahrtskreisen Bestrebungen gegen die Unterbrin- gung von Fürsorgezöglingen im Seemanns- beruf sich geltend gemacht haben. So bezeichne zum Bei- spiel der Deutsche Schulschiffverein in einer öffentlichen Kundgebung die Fürsorgezöglinge schlechthin als Tangenichtse, die man mit allen Mitteln vom Seeniannsberuf fern- halten müsse. Hierzu führt der Bericht aus:„Man beginnt an diesen Stellen der Ansicht zu huldigen, daß nur ver- brecherisch veranlagte Elemente'der Fürsorgeerziehung über- wiesen werden, und berücksichtigt nicht, daß viele Minder- jährige lediglich infolge vieler häuslicher Verhältnisse auf die schiefe Bahn gedrängt worden sind, die, wenn sie in die richtigen Hände gelangt sind, ordentliche Menschen und bannt auch, was sich durch zahlreiche Beispiele belegen läßt, tüchtige Seeleute werden können. Wie sollte überhaupt für die Zöglinge ein Fortkommen geschaffen werden, wenn auch andere acht- bare Berufskreise in gleich schroffer Weise gegen die Ein- stellung der jungen Leute Stellung nehmen wogten I" Mehr als bisher sollen, wohl hauptsächlich wegen solcher Wider- stände, die Fürsorgezöglinge zu Arbeiten auf den eigenen Rieselgütern Berlins verwendet werden. Die Er- fahrungen, die hiermit bisher gemacht worden sind, werden als erfreulich bezeichnet. Um die Erziehungserfolge zahlenmäßig nachzu- weisen, hebt der Bericht hervor, daß mehr als der dritte Teil der im letzten Jahr endgültig auS der Fürsorgeerziehung ausgeschiedenen Zöglinge, nämlich 149 von 411 ausgeschiedenen. auf Grund guter Führung entlassen worden seien. Daß aber daneben 223 lediglich wegen Eintritts der Volljährigkeit entlassen werden mußten, spricht nicht für einen befriedigenden Erfolg. Tatsächlich kommen nur zu viele Fürsorgezöglinge nicht früher wieder los, als bis sie das 21. Lebensjahr vollendet haben und nun nicht länger festgehalten werden dürfen. Woran das liegt? Zum Teil an der Unzulänglichkeit der angewendeten Er» z i e h u n g s m i t t e l, an dem alleinseligmachenden Zwang. nnt dem man in Anstalten wie in Familien die Zöglinge bessern zu können meint: zum Teil aber wohl daran, daß nicht wenige der Fürsorgezöglinge geradezu an seelischen Störungen leiden, gegen die auch die besten Erziehungsmittel machtlos sind, wenn nicht dem Erzieher ein sachverständiger Arzt zur Seite steht. In der Anstalt Lichtenberg ist ein Arzt tätig. Auch diesmal hat er wieder zu berichten über Zöglinge mit„pathologischen nervösen und psychischen Erscheinungen". Er hebt hervor, eL sei„eine allgemein anerkannte Tatsache, daß derartige Entartungserscheinungen bei den Fürsorgezöglingen nicht selten vorkommen". Auch in den Gerichtsbeschlüssen, die die Fürsorgeerziehung anordneten, sei in einzelnen F�u auf solche Erscheinungen hingewiesen worden. Wieder mußten eine Reihe Zöglinge sogar an Irren- anstalten abgegeben werden. Das Merkwürdige bei all dem ist nur das, daß nian sich dessen ungeachtet auch in der Anstalt Lichtenberg immer noch nicht dazu entschließen kann, auf den Stock und ähnliche Gewaltmittel zu ver- zichten._ Für wen sind die SLuglingSfürsorgestellen bestimmt? Die Säuglingsfürsorgestellen Berlins, die als ein Mittel zur Herabminderung der Säuglingssterblichkeit gedacht sind, haben in ihren ersten drei Jahren eine rasche Zunahme der Benutzung»- Ziffern gehabt. Sie werden aber von der minderbemittelten Be- Völkerungsschicht, für die sie bestimmt sind, doch bei weitem noch nicht in dem Matze in Anspruch genommen, wie man es wünschen mutz. Die Verwaltungsberichte der Waisendeputation we'sen alljährlich in dem Abschnitt über die Säuglingsfürsorgestellen darauf hin, datz diese Einrichtung nur dann ihren Zweck recht erfüllen kann, wenn sie möglichst voll- ständig ausgenützt wird. Auch in dem neuesten Ver- waltungsbericht, der das Etatsjahr 1907/08 behandelt, steht wieder zu lesen:„Sollen die Säuglingsfürsorgestellen ihrer Aufgabe, die Säuglingssterblichkeit Berlins herabzudrücken, gerecht werden, so müssen ihr die fürsorgcbedürftigen Kinder möglichst zahlreich und möglichst jung zugeschickt werden und möglichst lange in der Aufsicht verbleiben." Solche immer wiederholten Mahnungen sind sehr dankenswert. Indes, sie werden schwerlich vollen Erfolg haben, wenn nicht auch das Personal der Säuglingsfürsorgestellen alles tut, das Publikum zur Benutzung dieser Fürsorge- stellen zu ermutigen. Hieran scheint man's aber mitunter noch sehr fehlen zu lassen. Verschiedene Mütter, die mit ihren kränklichen und schwächlichen Kindern Säuglingsfürsorgestellen auf- gesucht hatten, haben uns gesagt, datz dort ihnen gegenüber ein Ton angeschlagen worden sei, den sie als durchaus ungehörig empfanden. Wer Hilfe unentgeltlich beansprucht, ist rasch geneigt, zu argwöhnen, daß er eben deshalb so eigen- artig behandelt werde. Da kann leicht einer Mutter die Lust vergehen, sich solcher Behandlung ein zweites Mal auszusetzen. Vor mehreren Wochen haben mir Beschwerden dieser Art wieder- gegeben, die sich auf die Säuglingsfürsorgestelle IV(Naunyn- straße 03) bezogen. Heute müssen mir berichten über ähnliche Erfahrungen, die von Müttern in der F ü r s o r g e st e l l e II (Elsasser Straße 27) gemacht worden sind. Geklagt wird von einer Mutter über einen Assistenzarzt, den sie in dieser Fürsorgestelle für ihr Kind um Rat bitten mutzte. Wir wissen nicht, ob der Herr noch heute dort tätig ist. Er soll ihr bei ihrem ersten Besuch gesagt haben, sie habe das Kind durch ihre eigene Dummheit heruntergebracht. Wir sind der Ansicht, datz der Herr Doktor eS gut meinte mit der jungen, noch unerfahrenen Mutter. Aber die Form, in der er sie da belehrt haben soll, ist doch ein bitzchen sonderbar. Auch unter den Aerzten gibt eS junge Leute, die noch wenig Erfahrung besitzen und ge- lcgentlich einen Patienten durch verkehrte Behandlung„herunter- bringen". Was würde ein Arzt sagen, wenn ihm vorgehalten würde, datz er das durch seine.leigene Dummheit" verschuldet habe? WaS würde der Arzt einer SäuglingSfürsorgestelle sagen, wenn eine Arbeiterfrau ihm in dieser Weise entgegentreten wollte? Von einer anderen Mutter wird uns auch über den Professor Cassel, der die Fürsorgestelle II leitet, die Mitteilung gemacht, datz er einen Ton angeschlagen habe, der verletzend wirken mutzte. Es ist vielleicht falsch, gegenüber manchen Leuten allzu empfindlich zu sein. Man mutz sie schon so verbrauchen, wie sie sind. Offenbar wissen sie selber nicht, wie verletzend ihre Manieren wirken. Gegen eine Aeutzerung aber, die Herrn Professor Cassel nachgesagt wird, müssen wir doch aufs nachdrücklichste protestieren, nicht deshalb, weil sie von den betreffenden Müttern als grob empfunden wurde, sondern deshalb, weil sie geeignet ist. in die Bevölkerung ganz irrige Ansichten über das Recht auf Benutzung der Säuglingsfürsorgestellen hineinzutragen. Es wird behauptet, Herr Cassel habe zwei Müttern, die mit ihren Kindern zu ihm gekommen waren, in recht unfreundlicher Weise zu verstehen gegeben, datz für sie die Säug- lingSfürsorgestelle nicht bestimmt sei. Beide wohnen nahe dem Ringbahnhof„Schönhauser Allee", da waren sie selbstverständlich nicht im Hauskleid nach der Elsasser Stratze gegangen, sondern hatten Stratzenkleidung /angelegt. Wohl mit Rücksicht hierauf wurden sie in der Fürsorgestelle teils von einer dort anwesenden Dame, teils von dem Herrn Professor in kaum mitzzuverstehcndem Tone examiniert:„Was wollen Sie denn hier? Wer sind Sie denn?" Als die eine angab, ihr Mann sei Mechaniker, wurde ihr gesagt, dann könne sie einen Privatarzt aussuchen. Schließ- lich soll der Herr Professor erklärt haben, die Säuglingsfürsorge- stellen seien für Ortsarme bestimmt. Als die andere der beiden Frauen einwendete, sie sei doch schon im Sommer hier gewesen, bekam sie eine Antwort, die von ihr dahin verstanden wurde, die Gnade höre eben auch mal auf. Wenn Herr Professor Cassel tatsächlich gesagt hat, die Säug- lingSfürsorgestellcn seien für Ortsarme bestimmt— beide Frauen haben trotz aller von uns geäußerten Zweifel ihre Llngaben aufrecht erhalten—, so kennt er selber nicht den eigentlichen Zweck dieser Einrichtung. In den Beschlüssen, die von unseren Gemeinde- behördcn über die Säuglingsfürsorgestellen gefaßt worden sind, steht nichts von„OrtSarmen". Diese Fürsorgestcllen sind bestimmt für„Bedürftige", gewih; aber der Begriff„B e- b ü r f t i g k e i t" soll dabei sd wött wie möglich gefaßt werden, damit möglichst viele Mütter für ihre Kinder des Bei- standes der Säuglingsfürsorgestellen teilhaftig werden können. Mag sein,>datz in der Stadtverordnetenversammlung mancher Freisinnige wünscht, man solle die Flut der Ratsuchenden möglichst einzudämmen suchen, damit die Arbeiterbevölkerung nicht„zu be- gehrlich" werde. W i r halten cL für unsere Pflicht, an die Aibeiter- bevölkerung Berlins die Mahnung zu richten, datz sie sich durch nichts von der Benutzung der Säuglingsfürsorgestellen abschrecken lassen möge. Keine Arbeiterfrau braucht zu glauben, datz sie hierzu„nicht bedürftig genug" sei. Sollen die Säuglingsfürsorge- stellen die Säuglingssterblichkeit Berlins hcrabdrücken, so müssen sie ohne weiteres ieder Mutter offen stehen, die sie benutzen will. Zuwendungen seitens der Stadt. Der Ausschutz zur Vorberatung der Magistratsvorlage, welche die Einstellung erhöhter und neuer Zuwendungen und Beträge in den Spezialetat 41 für 1909 vorschlägt, hat der Magistratsvorlage mit folgenden Aeuderungen zugestimmt: Für den Verein Säug- lingskrankenhauS Berlin, der bislang 1000 M. Jahres- zuschutz erhielt, soll statt der beantragten Erhöhung auf 1500 M. jährlich eine solche von 2000 M. erhalten; beim Berliner Waldschutz- verein bleibt eS bei der bisherigen Zuwendung von 100 M.; der in Höhe von 5000 M. neu erbetene Zuschuß für den gemein- nützigen Verein für Rechtsauskunft ist abgelehnt. Der Magistrat soll ferner ersucht werden, der Elisabeth- Stiftung 15 000 statt 10 000 M. und dem Ashlverein für Obdachlose für das Etatsjahr 1909 neben dem JahreSzuschutz von 12000 M. eine außerordentliche Beihilfe von 18 000 M. und dem Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen 6000 statt 8000 M. zuzuwenden._ Eine neue Erfindung auf dem Gebiete der Luftschiffahrt ist von einigen Berliner Mechanikern gemacht worden, die zurzeit an einem großen Flugapparat arbeiten, der für zwei Personen berechnet sein soll. Der Ärbeitsraum der Erfinder ist eine grotze Scheune in der Gemarkung Schulzendorf. Mit dem Einbau der Motore ist bereits begonnen worden. Der Probeaufstieg soll demnächst auf freiem Felde bei Schulzendorf vor sich gehe». Dazu werden hervorragende Sachverständige aus der Berliner Luftschifferabteilung eingeladen werden. Die arbeitcrfreundliche Presse. In Nr. 36 brachten wir eine Zuschrift von der Ortsverwaltung des Gemeindearbeitcrverbandes, die sich auf eine anscheinend von der Polizei verbreitete Notiz bezog, nach der die Arbeiter der Zcntralmarkthalle einen Dcmonstrationszug von Arbeitslosen mit „Dcsenstielen und Schaufeln" auseinandergetrieben haben sollen, und diese Notiz von A bis Z als vollkommen unwahr erklärte. Der Verband schickte dieselbe Zuschrift dem„Berliner Tage- b l a t t" und auch dem„L o k a l- A n z e i g e r" zu. Doch wurde die Aufnahme von beiden Blättern verweigert. Ebenso soll eine Berichtigung, die aus den Rethen der Markthallenangestellten der„Berliner V o l k s z e i t u n g" zugegangen ist, auch hier zurückgewiesen worden sein. Datz der„Lokal-Anzeiger" die Richtig- stellung der Tatarennachricht ablehnte, wundert uns nicht weiter, aber auf die übrigen beiden Blätter wirft dieser Vorgang ein bezeichnendes Licht._ Messerstechereien gegen Frauen sind seit vorgestern abend nicht mehr vorgekommen. Es mehren sich aber jetzt die Schwindeleien junger Mädchen, die Anfälle erdichten, um sich interessant zu machen. Um diesem Unfug ein Ende zu machen, geht die Kriminal- Polizei von jetzt an gegen die Schwindlerinnen mit ganzer Strenge vor. Die Mädchen werden ohne Ausnahme vor dem Strafrichter gestellt werden und sicher nicht glimpflich davonkommen, weil der Unfug in dieser Zeit der Aufregung doch mehr als verwerflich ist. Von den vorläufigen Festnahmen vermeintlicher Täter läßt sich keine aufrechterhalten.— SluS dem Polizeipräsidium wird ge- schrieben: Mit einer Wunde an der linken Stirnseite kehrte vor- gestern vormittag der 7jährige Schüler Gustav Pascholke nach der elterlichen Wohnung im Hause Utrechtcr Stratze 21 zurück, nachdem er einen Auftrag seiner Mutter ausgeführt hatte. Wie und wo er sich die Verletzungen zugezogen hatte, vermochte er nicht anzu- geben. Man führte ihn nach der Unfallstation in der Lindower Stratze, wo der Arzt feststellte, datz die Wunde von einem Stich herrührte und ihn verband. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Wunde von einem der gesuchten Messerstecher herrührt. An- gestellte Ermittelungen haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Nach einer Meldung von gestern abend hat der Messerstecher gestern nachmittag in der Dircksenstr. 2 das 22 Jahre alte Dienstmädchen Marie Brehmer ans der Treppe überfallen. Marie Brehmer kehrte um l9/4 Uhr von einer Besorgung zurück. Vom ersten Stock her begegnete ihr ein junger Mensch, der ihr plötzlich, ohne ein Wort zu sagen, mit einem Messer einen Stich in die rechte Leistengegend versetzte. Die Gestochene, die selbst nur gering verletzt wurde, begab sich durch die Flurtür zu dem Hausbesitzer Farbensabrikant Hahn. der einen Schutzmann holte. Der Täter war unterdessen, angeblich nach der Schicklerstratze zu entkommen. Er ist etwa 22 Jahre alt, hat einen schwarzen Schnurrbart und trug einen schwarzen Schlapp- Hut. ein schwarzes Jackett, braune Scgeltuchschuhe und leinenen Kragen. Ein zweiter Angriff wird aus Reinickendorf gemeldet. Dort befand sich um 3l,'3 Uhr das 20 Jahre alte Mädchen Anna Siegel aus der Humboldtstr. 91/93 auf dem Wege zur Apotheke, als es in der unbelaufene» Lindauer Stratze von einem junge» Menschen einen Messerstich erhielt, der den rechten Unterarm nur leicht traf. Der Täter entkam. Ein siugiertrS Attentat in Rixdorf. Die gestrige Meldung, datz die 13jährige Schülerin Elsbeth Hampel a-n der Ecke der Kaiser Friedrich- und Elbestratze von einem jungen Manne angegriffen und mit dem Messer verletzt worden sei, hat sich als nicht zutreffend erwiesen. Bei der Untersuchung des Mädchens auf dem Polizeipräsidium wurde eine kleine Ritz- wunde in der Leistengegend festgestellt. Die Untersuchung der Kleider bcwieS, datz die H. sich die Stiche selbst beigebracht hatte. Der Polizeipräsident von Rixdorf hat, um die Festnahme des Messerstechers zu erleichtern, an die Hausbesitzer, die Hausver- Walter und die Pförtner die Aufforderung erlassen, ein wachsames Auge auf alle solche männlichen Personen zu haben, welche sich zwecklos in den Häusern aufhalten, hier betteln, die stillen Portiers studieren und auf den Treppen umherlungern, da sicherlich unter diesen Personen die Messerstecher zu suchen seien. Die Lehrer und Lehrerinnen von Rixdorf sind von den Rektoren dahin instruiert worden, die Kinder aufzuklären, datz sie, wenn sie zufällig Zeugen eines Vorfalles sind, wie er in den letzten Tagen wiederholt bor- gekommen ist, den Täter nicht aus den Augen lassen und mit lauten, durchdringenden Rufen so lange auf ihn aufmerksam machen, bis Erwachsene sich des Messerstechers bemächtigt haben. Eine schreckliche Familientragödie. hat sich in der Nacht zum Mittwoch in Johannisthal abgc- spielt. Infolge schlechter Geschäftslage und Krankheit in der Familie ging dort der 38 jährige Schlosienncister Hermann M u tz l i ck aus der BiSmarckpratze 7 nnt seiner Frau und seinen beiden Kindern gewaltsam in den Tod. Der unglückliche Mann tötete seine 30 jährige Ehefrau Olga untz seine achtjährige Tochter Erna durch Oeffnen der Pulsadern, seine» dreijährigen Sohn Alfred durch Ausschneiden der Kehle und sich selbst durch Erschießen, lieber das Familiendrama erhalten wir die folgenden näheren Mitteilungen: Als gestern morgen gegen 7 Uhr die Lehrlinge des Mußlick auf längeres Klopfen keinen Einlaß in die Wohnung erhielten, begaben sie sich zum Gendanncriewachtmeister Triebe!, der die Wohnung öffnete. Hier fand er Mußlick erschossen, die Ehefrau und die Tochter mit durchschnittenen Pulsadern und den Sohn mit durch- schnittener Kehle vor. Aerztliche Hilfe war vergeben?, da der Tod bei allen vier Personen schon vor einigen Stunden eingetreten w!?r. Die Leiche de? Ehemannes war noch nicht erkaltet. Die Ursache der schreckliche» Tat dürfte in schlechter Geschäfts- läge zu suchen sein. Mußlick betrieb das Geschäft cher Bausöblosserei und hatte hierbei größere Verluste erlitten. Er geriet dadurch in finanzielle Schwierigkeiten. Darauf ist eS vermutlich auch zurückzuführen, daß er vor kurzer Zeit sei» Wohnhaus verkaufte. Beide Eheleute waren an Lungen- entzündung und das jüngste Kind an Masern erkrankt. Die Ehefrau war außerdem schon seit Jahren andrnievnd krank. Es dürfte anzunehinen sein, daß die Tat im Fieberwahn verübt worden ist. Die Leichen wurden von der Gerichtskommissivn be- sichtigt und zur Bestattung freigegeben. Noch im Laufe des gestrigen Tages erfolgte die Uebersührung nach der Leichenholle in Rudow. Die Große Berliner Straßenbahn führt m ihrem Geschäfts- bericht die Mindereinnahme im letzten Vierteljahre gegenüber dem des Vorjahres unter anderem auch auf den Wettbewerb der am 1. Ollober 1908 dem Betriebe übergedenen Strecke der Hoch- und Untergrundbahn Leipziger Platz— Spittelmarkt und der im Juli er- öffneten städtische» Bahnlinie Zentral-Bichhof— Virchow-KrankenhauS zurück. Diese Behauptung ist unseres Erachten? gänzlich hinfällig. Die Strecke der Untergrundbahn kann in keiner Weise als Konkurrenzlinie der durch die Leipzigerstraße führenden Straßen- bahnlinien in Frage kommen, da sie eine ganz andere Richtung nimmt und Wilhelmsplatz, Hausvogteiplatz durchschneidet. Dazu kommt, daß man auch heute noch besonders bei schlechtem Wetter in der Leipzigerstraße kaum mitkommen kann. Und was die städtische Linie Zentralviehhof— Virchow-KrankenhauS betrifft, so ist der Hm- weis auf diese Linie gänzlich deplaciert, da durch die Linienführung dieser Strecke Linien der Großen Berliner auch nicht im entferntesten betroffen werden können. Vergiftet aufgefunden wurde in einem Vorortszuge Berlin—- Nauen eine Z3jährige unbekannte Frou. Als der gestern morgen um 8 Uhr von Berlin abgelassene Vorortszug in Nauen eintraf. fanden dort Bahnbeamte in einem Abteil dritter Klasse eine Frau in besinnungslosem Zustande. Neben ihr stand eine Flasche, die einen Rest Salzsäure enthielt. Die von dem hinzugerufencn Bahn- arzt angestellten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg be- gleitet. Die Lebensmüde, die noch nicht vernehmungsfähig ist, wurde noch dem Nauener Krankenhaus gebracht; doch ist leider wenig Hoffnung vorhanden, sie am Leben zu erhalten. Die Kindesleiche auf den Schienen und im Müllkasten. Zwei Kindesmorde liegen vermutlich der Auffindung zweier Leichen zu. gründe. In der"Nähe des Bahnhofs Warschauer Brücke wurde auf dem Schienenstrang der Vorortbahn ein Paket von einem Streckenbeamten gefunden, das die Leiche eines neugeborenen Knaben ent- hielt. Der tote Körper ist jedenfalls aus einem vorübersahrenden Zug aus die Gieise geworfen worden. Die Umhüllung bestand in grauem Packpapier.— Eine zweite Kindesleiche wurde in einem Müllkasten auf dem Grundstück Langcstratze 44 entdeckt. Als Müll- kutscher oen Kasten entleeren wollten, fanden sie die Leiche, die vollständig nackt war. Bcide Leichen wurden nach dem Schauhaus gebracht, wo sie obduziert werden. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 13. Februar, gegen ll3/4 Uhr vormittags, wurde der bei der Firma G. Schilling, Brandenburg- straße 26, beschästigte Hausdiener Ernst Mulchert, am 25. Sep- tember 1892 in Zänotv geboren, Schönleinstr. 11 bei den Eltern wohnhaft, in dem Hause Rittcrstr. 16 auf der Hintertreppe vyn einem unbekannten jungen Manne überfallen, geschlagen, am Halse gewürgt imd zu Boden geworfen und seiner an einem Riemen ge- tragenen Geldtasche mit 200 M. bar und einem Wechsel über 75.90 M., zu zahlen von der Firma B. Hopp in Franlwrt a. M.. beraubt. Täter. anscheinend Kaufmann. 20—25 Jahre alt. kleinen, hoch- gedrehten schivarzen Schnurrbart, mittelgroß, frisches volles Gesicht. Bekleidung: Steifen schwarzen Hut. schwarzen Ueberzieher, weiße Wäsche. Zweckdienliche Angaben über den Täter werden zu 647. 4. 32. 09. au die Kriminalpolizei erbeten. Feuerwehrbericht. Am Dienstagabend wurde der 7. Zug nach der Franksuner Allee 148 alarmiert. Dort stand der Dachstuhl des Hauses in Flammen. Diese konnten durch energisches Vorgehen bald gelöscht werden. Dadurch gelang es der Feuerwehr fest- zustellen, datz der Brand an drei verschiedenen Stellen vorsätzlich und mit großem Raffinement angelegt worden war. Der Brandstifter hatte nur nicht mit der Fixigkeit der Feuerwehr gerechnet, die in wenigen Minuten zur Stelle war und sofort Wasser gab. Von dem Täte- fehlt noch jede Spur. Derselbe Zug hatte in der Werneuchener Stratze 1 zu tun. Eine Person hatte sich dort mit GaS vergiftet. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Der 11. Zug mutzte in der Urbanstratze 68 einen Brand löschen, der in einer Wohnung ausgekommen war und Betten. Mubel usw. so- wie den Fußboden mit der Balkenlage unter den Fenstern ergriffen hatte. Zivei Wohnungsbrände mußten in der Steinmetzstr. 46 und Augnststr. 77/78 gelöscht werden. Ferner hatte die Wehr in der Großen Frankfurter Straße 134, Adalbertbrücke. Chausseestt. 112 und anderen Stellen zu wn. Arbeitcr-Samariterkolonne. Heute Donnerstag, abends 9 Uhr, dritte Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstraße 110, und vierte Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samarilerstr. 11. Vortrag über Transport Verunglückter und Erkrankter mit praktischer Uebungen._ Vorort- JVadmcbtern Rixdorf. Aus der Maziftratsfivung. Der Magistrat ist damit einverstanden, daß die Arbeitszeit der in der städtischen Gasanstalt beschäftigten Rohrleger und Helfer für die Zeit von höchstens vier Wochen auf acht Stunden täglich herabgesetzt wird, um die anderenfalls zurzeit erforderlichen Entlassungen aus der Zahl der genannten Arbeiter zu vermeiden.— Der Magistrat genehmigt, daß vom 1. April d. IS. ab an Stelle der bisherigen Einholung der Steuern das Steuer- bringverfahren eingerichtet wird. Die durch die Einrichtung und Ausstattung der Zahlstellen erforderlichen Mittel sollen in den Etat für 1900 in Höhe von 8000 M. eingestellt werden. Uebcr die Einrichtung einer Zahlstelle im städtischen Gebäude Richardplatz IL soll in der nächsten Sitzung Beschluß gefaßt werden. Der Dezernent wird ermächtigt, zur Einrichtung je einer Zahlstelle in der Hermann- straße und in der Friedet- bezw. Pflügerstraße geeignete Mietsräume zu beschaffen. Mit der Regelung der Arbeitszeit im Barbier» und Friseur- gewcrbe befaßte sich eine bei Thiel in der Bergstraße staltgefundene Versammlung der selbständigen Barbiere und Gehilfen. Der Referent Kollege Adolf Schmidt führte den Anwesenden, die infolge der ungünstigen Konkurrenzverhälttnise überaus lange Arbeits- zeit vor Augen und trat für den Achiubr-Geschäftsschluß an Wochentagen mit einer einstllndigen Mittagspause ein. An den Sonn- und Festtagen soll der Betrieb um 12 Uhr mittag? ruhen. An den drei zweiten Feiertagen sowie am Karfreitag, Himmelfahrt und Bußtag empfahl der Referent gänzliche Arbeitsruhe. Es schloß sich hieran eine rege Diskussion, m der säintliche Redner sich zustimmend zu den Ausführungeu de? Vortragenden erklärten. Eine diesbezügliche Resolution fand ein« stimmig Annahme. Um den GeschäslSschtuß an den drei zweiten Feiertagen gemäß Z 41 b R.- G.- O. zu er»»öglichen, wurde zwecks Einholung von Uiiicrschriften eine Kommisston von den anwesenden Arbeitgebern und Gehilfen gebildet. Die Bildung eines einheitlichen großen Gesangchors für Rixdorf ist gesichert. In der am letzten Sonntag stattgehabten Versammlung, an der sich etwa 130 Sänger beteiligten, wurde gegen eine Slimnie der Gründung zugestimmt. Außer den beiden bereits hier be- stehenden Geiangvcrcine»„Männerchor" und„Eintracht", die nahezu geschloffen beitraten, meldeten sich sogleich noch 22 Säuger aus anderen Veteinen. sodaß der Chor mit 100 aktiven Mitgliedern ins Leben trete» wird. Eine nenngliedrige Kommission wurde be- auftragt, die Vorarbeiten für die am Freitag, den 19. Februar. abends 9 Uhr, im„Deutschen Wirtshaus? vorzunehmende Kon- stitnierung des Gesangvereins zu erledigen. SaugcSbrüdcr. die Lust und Liebe zur Sache haben, sind herzlich eingeladen. Die UcoungS- stunden werden bis auf weiteres im„Deutschen Wirtshause". Frei- tags l/zg Uhr abgehalten. Wilmersdorf. Einen Etat in Höhe von 14Vä Millionen Mark hat der Magistrat von Wilmersdorf der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet. Das Ordinarium hat sich nicht wesentlich verändert; es schließt in Einnahme und Ausgabe mit 8 115 000 M. ab gegen 7 750000 M. im Jahre 1903. Wohl aber mutzte der außer- ordentliche Etat beträchtlich höher angesetzt werden; er balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 6 540 000 M.; das sind 2 187 300 M. mehr, als voriges Jahr gefordert wurden. ES sind hiervon eingestellt 1 ß70 200 M. für die H o ch b a u v e r w a l t u n g. 3 455 000 M. für den Bau der Untergrundbahn und 1415 000 M. fiir die K a na l v c r wa l t u ng. Selbstverständlich werden diese stattlichen Summen im wesentlichen durch Anleihen gedeckt. Erwähnt sei, datz außer den Raten für bereits begonnene Bauten auch eingestellt sind 350 000 M. für den Neubau der Oberrealschule, 300 000 M. für den Bau der dritten höheren Mädchenschule, 20 000 M. für Vorarbeiten zum Bau einer städtischen Badeanstalt und 30 000 M. für Bor- arbeiten zum Bau eines städtischen Krantenhauses.| Antrag des Schulfuratoriums herbor, der höheren Mädchen-| zu fordern. Die Gewerbeinspektion müsse auch mehr darauf achten. Wilmersdorf will nun also doch auf den nicht sehr beneidenss schule vom 1. April 1909 ab ein Lehrerinnenseminar anzu Es lasse sich alles zusammenfassen in den Ruf: Mehr Schuß von werten Ruhm verzichten, die einzige Großstadt zu sein, die weder gliedern. Herr Bürgermeister Ruhr empfahl das Projekt in einem aus der Gesetzgebung!( Lebhafter Beifall.) Bad noch Krankenhaus besitzt. Erwähnt sei noch, daß Wilmersdorf führlichen Vortrage. Er bemerkte, daß die Errichtung des Seminars Im Anschluß hieran behandelte Reichstagsabgeordneter auch einen Fonds für Kunstwerte ansammelt. Er ist 1904 zuerst für das Jahr 1911 in Aussicht genommen worden sei. Die Severing unter gespannter Aufmerksamkeit in einem von auf die Anregung der damaligen sosialdemokratischen Gemeindes Mädchenschule werbe jetzt von zirka 600 Schülerinnen besucht; immerhin großer Sachkenntnis getragenen Vortrag den zweiten Teil der verordneten hin errichtet worden und weist einen Bestand von sei die Frequenz der oberen Klaffen ungenügend; 9, 27, 32, 51 Tagesordnung: Schleiferschutz und Gesetzgebung". Mit treffendem 56 423 M. auf. Eine Verwendung fand dieser Fonds bisher noch befuchten die vier oberen Klassen. Die Kosten würden sich auf Sartasmus gloffierte er die Schwerfälligkeit der preußischen Renicht. Neu gebildet wird ein Bebauungsplanfonds", wie es in 20 000 m. stellen, sobald der Aufbau des Seminars vollendet sein gierung, die sich, wie auf allen Gebieten, so auch in bezug auf einem nicht gerade mustergültigen Deutsch heißt. Hierfür ist eine würde, d. i. in vier Jahren, weil die vier Klassen des Seminars Arbeiterschuh zeige. Während in anderen Bundesstaaten, a. B. Anleihe von 18 Millionen Mart genehmigt, wovon 5 Millionen nacheinander eingerichtet würden. Fast alle Redner wiesen in Württemberg, schon weitergehende Schutzmaßregeln im Mart begeben worden sind. auf die ungünstige finanzielle Lage hin, in der sich die Schleiferberuf beständen und sich auch bewährt hätten, ftelle man Jm ordentlichen Etat fällt die niedrige Summe auf, Gemeinde zurzeit befindet; auch die Hast, mit der die mit hier erst langwierige Erwägungen" und" Erhebungen" an. Mit die der Etat der Armenverwaltung erfordert. Es sind der höheren Mädchenschule in Verbindung stehenden Gründungen der bunten Musterkarte der Polizeiverordnungen müsse aufgeräumt hierfür 135 250 M. eingesetzt, gegen 110 000 m. im Jahre vorher. erfolgen, gefiel mandhjem nicht. Ein Bürgerlicher bezeichnete die und auf reichsgeseßliche Schußbestimmungen hingewirkt werden. Die Stadt Berlin hat in ihrem neuen Gtat von 288 Millionen Abficht mancher Eltern, die für die Ausbildung ihrer Tochter als Die Verhältnisse im Schleiferberuf, dürften, wenn sich die nächſte Mart 17% Millionen für Armenpflege eingestellt; würde Wilmers- Lehrerin sorgen, als Sport und behauptete, daß es ihnen lieber sei, Gelegenheit im Reichstage biete, nicht mehr so nebenbei erwähnt dorf im selben Verhältnis sein Armenwesen zu berücksichtigen haben, die Tochter unter die Haube zu bringen. Ein anderer Bürgerlicher werden, sondern müßten ganz für sich einen breiten Raum in den fo müßte es feiner Einwohnerzahl gemäß der Armenverwaltung Sprach sich in der öffentlichen Verhandlung der Gemeindevertretung Verhandlungen einnehmen. Redner formulierte seine Forderungen 900 000 m. überantworten. Dieser kraffe Unterschied zwischen für die Ablehnung des Antrages aus, während er in der Kom in folgenden Thesen: der Reichshauptstadt und dem einzig durch Berlin zur Entwickelung mission, wie der Bürgermeister ihm entgegenhielt, für die Annahme 1. Einführung von wirklich brauchbaren Staubabsauge gekommenen Vorort im Westen läßt von neuem die himmel gestimmt hatte. Röber und Obier erklärten, daß fie prinzipiell für apparaten; schreiende ungerechtigkeit erkennen, die der Mangel eines jeden Antrag feien, durch den Bildungszwecke gefördert ausgleichenden 3wedverbandes mit sich gebracht hat. würden. Röber betonte, daß die Einrichtung dieser BildungsWilmersdorf führt ein Parasitendasein; und seine Honoratioren anstalt lediglich den Kindern der Bessergestellten zugute tomme, predigen die dunkelhafte Lüge, daß diese Stadt aus eigener Kraft und die Vorteile aus dieser Gemeindeeinrichtung in erster Linie den zur Blüte gelangt sei. Die Unbedeutendheit des Etats für Wohl- Hausbesitzern zufielen, indem leistungsfähige Mieter zuzögen. Bei fahrtspflege tennzeichnet die sozialpolitische Rüd- Dieser Gelegenheit müffe daran erinnert werden, daß im vorigen ständigkeit von Wilmersdorf. Ganze 67 200. gegen Jahre für die Errichtung einer Fortbildungsichule angeblich feine 47 400 M. im Vorjahre sind für diefe 8ivede eingestellt. Erwähnt Mittel übrig gewesen seien. Obier wies auf den Mangel an Lehrsei aus dem Fonds für Wohlfahrtspflege, daß 5000 M. für Er- träften hin, der überhaupt in Deutschland bestehe und bezeichnete es richtung eines Ferienheims dienen sollen. Von 885 000. als eine Pflicht des Staates, für die Ausbildung von Lehrkräften zu auf fait 1 200 000 M. hat sich der Fonds der allgemeinen forgen. Für Bantoto tomme es aber darauf an, den richtigen ZeitBerwaltung erhöht, weil eine ganze Reihe neuer Beamten- punft für eine solche Gemeindeeinrichtung nicht zu verpassen. Der stellen geschaffen werden sollen. Es befinden sich unter den neuen Antrag auf Errichtung des Lehrerinnenseminars zum 1. April 1909 Beamten ein Stadtrat und nicht weniger als 24 Bureau- wurde schließlich mit 15: 13 Stimmen angenommen. assistenten. Eine beunruhigende Scharlach- und Masernepidemie ist unter den Schülerinnen der Viktoria Quife- Schule in der Uhlandstraße in Wilmersdorf ausgebrochen. In der achten wie in der neunten Klasse dieser höheren Mädchenschule sind fast die Hälfte der Schülerinnen erkrankt. Beide Klassen wurden am Dienstag geschloffen; die Schulzimmer sollen gründlich desinfiziert werden. Steglik. Verfammlungen. Die Schutzbestimmungen in den Schleifereien, Mit den gesundheitlichen Verhältnissen in den Schleifereien und dem Schleiferschutz der Gefeßgebung beschäftigte sich eine gut besuchte Versammlung aller in den Schleifereien Berlins und Umgegend beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. 2. gut gelüftete Räumlichkeiten; 3. leicht zu reinigende Fußböden( nicht wie jetzt noch vielfach Lehmböden); 4. genügend Tages- oder künstliches Richt. Doch sollten sich die Arbeiter nicht auf das Gesetz verlassen, sondern in starken Organisationen für Selbsthilfe sorgen.( Stüra mischer Beifall.) Folgende Resolution wurde einstimmig ange nommen: Die Versammlung der Schleifer Berlins und Umgegend hält es nach den Ausführungen der beiden Referenten mehr denn je für notwendig, die reichsgesetzliche Regelung der gesundheit lichen Verhältnisse in den Schleifereien zu verlangen. Die Versammelten sind der Ansicht, daß durch den Erlaß von polizeilichen Bezirksverordnungen diese Verhältnisse nicht diejenige ernste Würdigung gefunden haben, die die Regierung ihnen im Interesse weiter Voltskreise entgegenbringen müßte. Die Versammlung beauftragt deshalb das Bureau, an den Bundesrat und an den Reichstag eine Eingabe zu richten, in welcher die Regelung der gesundheitlichen Verhältnisse in den Schleifereien als durchaus dringend und unerläßlich durch das Neich gefordert wird." Eingegangene Druckfchriften. Wissenschaft und Religion von F. Jodl. 50 Pf. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt, Main. Geschäftsbericht für das Jahr 1908, Metallarbeiterverband, Ber Lebensbilder von St. Reinhold. 114 Seiten. J. Singer, Straß Frih Thurau referierte über den ersten Teil der Tagesordnung. Nach den Ergebnissen der letzten Enquete gibt es in Berlin 194, in den Vororten 22 Schleifereien. Davon sind 49 im Hauptbetrieb und 169 im Teilbetrieb Schleifereien. Bezüglich der Räum- waltung Nürnberg. 14 Seiten. Selbstverlag. lichkeiten wurde folgendes ermittelt: 18 Schleifereien befinden sich burg i. Elf. im Keller, 4 im Dachgiebel, 37 im vierten, 31 im dritten, 49 im zweiten, 42 im ersten Stod und 45 parterre. Ueber die Art der Waren, die geschliffen werden, hat die Umfrage ergeben: in 84 Betrieben Messing, in 41 Kronen, in 15 Bau, in 28 fleine Messingin 7 Bint, Messing, Blei, in 4 Blei, in 4 Stupfer und 3int, in 16 Alfenibe, in 17 Messing und Eisen, in 48 alle Metalle, auch Hartgummi, in 7 chirurgische Instrumente, in 3 Perlen, in 3 Weißblech geschliffen. Zu hoch eingeschätzt. In einer Notiz in der Dienstagsnummer des Vorwärts" wird unter den Orten, die am 16. d. Mts. wieder eine amtliche Arbeitslosenzählung vornahmen, auch unser. Ort genannt. Das ist jedoch ein Irrtum, denn eine entsprechende Bekanntmachung ist weder an den Anschlagsäulen noch in der Lokalpresse erschienen. Um solche Kleinigkeiten fümmert fich unsere Gemeindeverwaltung nicht. Auf eine Eingabe dea hiesigen Gewerkschaftskartells, die Gemeinde Steglit möge sich an der Zählung vom 17. November beteiligen, erschien nach einigen Tagen in der Lokalpresse eine anscheinend offiziöse Notiz des Inhalts, daß in Steglik von einer außergewöhnlichen Arbeitsgegenstände. In 11 Betrieben wurde Eisen, in 7 Stahl, in 6 3int, Tosigkeit nicht die Rede sein könnte. Die nach langem Warten beim Gewerkschaftskartell eintreffende Antwort des Gemeindevorstehers lautete denn auch kurz und bündig, daß sich die Gemeinde an dieser Zählung nicht beteilige. Die Zählung am 17. November wurde, deshalb vom Gewerkschaftstartell nach dem Meldesystem vorgenommen, wobei nur 182 Arbeitslose festgestellt wurden. Wie mangelhaft das Resultat nach dem Meldesystem war, beweist die Zählung am lebten Sonnabend, die die erschreckend hohe Bahl von 903 Arbeitslosen feststellte. Ob nuumehr der Gemeindevorstand auch noch eine außergewöhnliche Arbeitslosigkeit Teugnet? Am Freitagabend findet in einer außerordentlichen Gemeindevertretersizung die zweite Lesung des Antrages statt, der Stadt Wilmersdorf 150 000 M. Bufchuß zum Schnellbahnbau zu gewähren. Am vorigen Freitag führte der Gemeindevorsteher aus, daß Steglitz der Nachbargemeinde schon aus Munifizenz diese 150 000 m. zahlen müsse, vermutlich schon deshalb, weil Wilmersdorf seine ursprüngliche Forderung von einer Million auf 200 000 M. und schließlich auf 150 000 M. ermäßigt hatte. Sollte diese Munifigenz" gegenüber dem reichen Wilmersdorf nicht besser angebracht sein bei den eigenen Mitbürgern, die infolge der Krise am ungertuche nagen müssen? Falkenhagen- Seegefeld. Ohne Lotal find unsere Genoffen am hiesigen Drte. Sämtliche Gastwirte weigern sich, ihr Lokal dem fogialdemokratischen Wahl. verein zur Verfügung zu stellen. Es mußte daher die legte Generalbersammlung des Wahlvereins in der Wohnung eines Genossen abgehalten werden. Allgemein geklagt wird von den Arbeitern über die unzureichenden Waschvorrichtungen. Der Referent betonte, daß solche in allen Betrieben vorhanden wären, aber meist in mangelhaftem und ekelerregendem Zustande. In 124 Betrieben stehen den Arbeitern nur einfache Becken zur Verfügung, auf 3 bis 4 Personen ein Veden. In 24 Betrieben gibt es Eimer und Becken, in 69 nur Gimer, darunter Holzeimer. Oft werden diese wochen- und monatelang nicht gereinigt, man fönne sich deren Aussehen vorstellen. Nicht selten wüchsen Pilze darin. Auch würden diese Gimer tagsüber zu allen möglichen Zwecken benutzt. Ebenso ist es mit warmem Wasser bestellt. Wenn die Former nicht gießen, ist auch fein warmes Wasser vorhanden. Dasjenige aus der Galvanik sei gesundheitsschädigend und nicht zu empfehlen. Briefkaften der Redaktion. Die jnriftifche Evrechstunde Ander Lindenstraße Nr. 3, weiter Sof, britter Eingang, vier Treppen, ahrstuhl vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. ist wochentäglich abends bon 7 bis 9% the tatt. Geöffnet thr Sonnabends beginnt die vrechstunde um 6 hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Babl als Wiertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage W. K., Fennstraße 44. Der Inhalt der uns zugesandten Notiz in unserem Blatte bereits vor einiger Zeit gewürdigt worden. 20. P. P. Weder die Eltern noch der Sohn sind zur Zahlung ver E. M. 9. 1. Das Kind ist fein Preuße, sondern Desterreicher pflichtet. und würde von der Ausweisung mitbetroffen werden. 2. Eine Ausweisung ist auch ohne einen bestimmten Grund leider zulässig. Ratsam erscheint es, Sie wenden sich unter Berujung an uns an den Stadtrat Münsterberg. Rußland. K. Sch. 1. Nein. 2. Die Frau ist Russin geworden und lann nur auf Antrag wieder Deutsche werden. Der Antrag ist an den Polizeipräsidenten zu richten. 3. Die Betreffende müßte sich mit der russischen Botschaft in Berbindung setzen. 23. 23. 48. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engelufer 15. Mitteilen müßten Sie, welchem Beruf R. 100. 1. und 2. Nein. Ste angehören und wie alt Sie find. M. Sch. 107. 8u welchem Amtsgericht die einzelnen Orte GroßBerlins und die einzelnen Teile Berlins gehören, ersehen Sie aus dem Stegliz gehört zum Amtsgericht Berlin Schöneberg. Was die Einrichtungen zum Umkleiden anbelangt, so bedürfe Adreßkalender. Fröhlich. Soweit ersichtlich, ist in den Sachen leider nichts zu machen, es auch auf diesem Gebiete durchgreifender Reformen. In 70 BeAnivalis ist Chausseestr. 121. 2. R. 43. Nach dem Statut ist der trieben sind solche Einrichtungen nicht ausreichend, in 82 Betrieben weil rechtsfräftig entschieden ist. Die Adresse des von Ihnen gewünschten ist überhaupt keine Rede davon. Oft würden die Kleider in einen Aufsichtsrat und nicht die Generalversammlung zur Entsetzung des VorWinkel gehängt und mit einem Sack oder Stoffeßen notdürftig verstandes berechtigt. Wird der Vorstand ohne triftigen Grund abgefekt, so deckt, in anderen Betrieben seien nur einige Haken an der Wand würde er Entschädigungsansprüche mit Aussicht auf Erfolg geltend und oft fehlen auch diese noch. Dabei ist es in gesundheitlicher machen können. Hinsicht unumgänglich notwendig, daß die Arbeiter bei ihrer Tätigfeit andere Kleider anziehen. Den wundesten Bunkt bilden die Staubabsaugevorrichtungen und die Ventilation der Arbeitsräume. Ventilatoren wurden in 34 Betrieben auf Drängen der Kollegen eingerichtet, in 29 Bes trieben durch die Gewerbeinspektoren veranlaßt und in 8 Betrieben fchon beim Neubau vorgesehen. D Witterungsübersicht vom 17. Februar 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Berlin 23ten Barometer stand mm richtung Wind Windstärke 759 N28 Wetter 4 wolten! Temp. n. E. 6° C.= 4° N. 3 molten I 2 Schnee 4 Schnee 3 halb bb.- 1 Stationen Barometer ftand mm Wind richtung Windstarle 7655 Better 4 wollen! Temp. n. C. -11 1 bededt- 13 2 bedeckt 1 heiter 766 NW 1 bedeckt 782 761 NW 758 NW Wetterprognose für Dornerstag, den 18. Februar 1909. Bielfach better, aber veränderlich mit leichten Schneefällen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden; nachts Frost, auch am Tage fühl. Berliner Wetterbureau. Aus dem Borstandsbericht ist bemerkenswert, daß sich feit Gründung des Wahlvereins vor einem Jahre die Zahl der Mitglieder von 33 auf 67 erhöhte, darunter befinden sich 15 weibliche Staubabsaugeborrichtungen find in 89 Betrieben vorhanden, und -3 Haparanda 751 M Mitglieder. Es fanden statt u. a. 4 öffentliche Versammlungen, gwar 75 Exhaustoren mit Röhrenleitung, 8 Batentstaubkaften, Swotnembe 757 4 Scilly 2 General und 3 Mitgliederversammlungen mit zusammen sieben 5 Ventilatoren im Fenster. Also wirklich zwedmäßige Vor- damburg 761 WN 2 woltent- 3 Betersburg 747 -0 berbeen 764 55 Referaten. Die Bibliothek ist auf 258 Schriften angewachsen, wurde richtungen nur 75. Davon funktionieren aber auch nur 62. In Fran.a. M. 763 943 Die Zahl der Vorwärts"- manchen Betrieben sei es sogar verboten, sie in Funktion zu ingen -3 Baris aber nur in 95 Fällen benutzt. Abonnenten beträgt leider erst 40. Bei der Neuwahl der örtlichen feßen, weil den Firmen der Kraftverbrauch zu teuer ist. Parteileitung wurden folgende Genossen gewählt: Borsigender: Aus diesem Grunde darf auch bei einer Treptower Firma ber Mewes, Raffierer: Batik, Schriftführer: Fr. Barnemann, Beisiger: Apparat nur einige Minuten in Tätigkeit gesetzt werden. Leidner, W. Bock und Frau Bint, Bibliothetar: Staruppe, Revisoren: Die Staubtasten werden nur selten gereinigt, da die in Betracht Seeger, Knebel und Wienke. Zu Bezirksführern wurden gewählt: für kommenden Arbeiter anderweitig beschäftigt werden. Der Redner Faltenhagen Menz, für Seegefeld( Gemeinde) Gartmann und für ist der Meinung, man sollte die Staften lieber in die Ecke stellen, Neu- Seegefeld Gutsbezirk gint. Bibliothek da sie irgendwelchen Nußen für die Arbeiter nicht haben. Gang fommission fungieren: Staruppe, Leidner und W. Bod. 8ur Kreis- energisch müsse auf mechanische Vorrichtungen gedrungen werden. Generalversammlung wurden delegiert: Leidner und Metes. Der Namhafte Firmen mit einer großen Anzahl Arbeiter sträubten sich Vorstand wurde beauftragt, zur Erlangung eines Verfammlungs- aber gegen die Einführung wirklich brauchbarer Staubabsauge Totales nichts unversucht zu laffen, damit der schmachvolle Zustand, apparate und drohten, lieber den Betrieb au schließen, als daß die organisierten Arbeiter unserer Orte nicht das fleinste Vereins- so kostspielige Anlagen herstellen zu lassen. zimmer zu einer Sigung bekommen fönnen, baldigst ein Ende nimmt. Sache der hiesigen Arbeiterschaft ist es, durch das Lefen des Vorwärts" und durch Eintritt in den fozialdemokratischen Wahlverein uns in unserem Stampfe zu unterstügen. Vankow. Als " Noch schlechter stehe es in den Bleischleifereien. In diesem Berufsziveig feien die Arbeiter, die darin Beschäftigung annehmen, bestrebt, möglichst schnell wieder herauszukommen, da die Arbeit äußerst gesundheitsschädlich ist und alle hygienischen Vorbeugungsmaßregeln fehlen. Arbeiter über 50 Jahre können in diesen Betrieben schon gar nicht mehr arbeiten. Die Gemeindevertretung erledigte in ihrer letzten Sitzung die Charakteristisch ist folgende Episode: In einer Schleiferei Wahl eines Schöffen. Als folder wurde Herr Frig Steeger gewählt. nahm ein kontrollierender Gewerbeinspektionsbeamter einen ArNachdem dann die Stichwahl in der dritten Abteilung vom 25. b. W. beiter zur Seite, um ihn über die Bentilation zu befragen. Da für gültig erklärt war, wurden die neugewählten Gemeindevertreter trat der Meister hinzu und sagte zu dem Arbeiter: Sie haben eingeführt. Für eine Barade, die auf dem Strankenhausgrundstüid nichts zu erzählen, was zu erzählen ist, erzähleich!" errichtet werden und zur Unterbringung solcher Stranfen dienen soll, Ueber die Strankheitsverhältnisse im Schleiferberuf gab das deren Leiden ansteckend ist, wurden 6500 M. bewilligt. Ferner segte reichhaltige statistische Zahlenmaterial, das der Referent verlas, die Gemeindevertretung eine Gebühr von 15 M. für die Benugung Aufschluß. Danach ist festgestellt, daß die Schleiferei äußerst nach des Sektionsraumes auf dem Krankenhausgrundstück fest. Diese teilig auf die Gesundheit einwirkt. Besonders die LungenschwindGebühr soll indessen nur dann erhoben werden, wenn eine fucht, die typische Schleiferkrankheit, grassiert in erschreckendem Leiche von auswärts, d. h. nicht vom Krankenhause, in den Maße unter den Schleifern. Um so dringender sind SchuhmaßSektionsraum übergeführt wird. Die Entschädigung des fatholischen regeln zu fordern. Geistlichen, der den katholischen Schülern der hiesigen höheren Der Referent mies auch noch auf die Gefahren hin, die den Schulen Religionsunterricht erteilt, wurde von 200 auf 400 M. Arbeitern dadurch drohen, daß größere Vorräte an Benzin und erhöht. Dabei wurde zur Sprache gebracht, daß nur der katholische Neuterpentinöl in den Arbeitsräumen aufbewahrt werden, sie Religionsunterricht von einem Geistlichen erteilt werde. Eine Aendes sollten dagegen entschieden Front machen. Auch müßten Vorrung foll von dem Schulfuratorium in Erwägung gezogen und der richtungen getroffen werden, daß die Arbeiter ihre Stullen staubUnterricht Lehrern übertragen werden, damit kein Geistlicher Einfluß sicher unterbringen könnten. Für die galvanischen Betriebe im auf die Schule habe. Eine weitere intereffante Debatte rief der Schwesterberuf seien Gummihandschuhe und Schürzen dringend Schützt Euch Jnfluenza! Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Köpenider Biertel. Bezirt Nr. 182. Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Stuffateur Robert Kügler Naunynstr. 1 gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Februar, nachm. 4 1hr, von der Leichen Gelegenheitskauf. Wir bieten unseren Lefern folgende Bücher zu herabgefektem Preise an: Ad. Stöckhardts Schule der Chemie 20. Auflage. Bearbeitet von Professor Dr. Lassar Cohn. Mit ca. 200 2bbildungen. Statt 8 M. mr 3.50 M. halle des Thomas- Kirchhofes, Die Telegraphie ohne Draht Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Billigste Bezugsquelle für ugienische bon Profeffor Augusto Righi und Privatdozent Bernhard Dessan Mit 258 eingedruckten Abbildungen. Statt 18 M. nur 3 M. 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Einer von unsere Reut'. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Lazuli. Neues. Die fremde Frau. Neues Schauspielhaus. Hamlet. Kleines. Moral.. Sebbel. Revolutions hochzeit. Lustspielhaus. Seine kleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Rechts herum. ( Wallner Theater.) • Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen: Strontium Radium usw. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie." Morgen und folgende Tage: Dies felbe Vorstellung. Sonntag, 21. Februar, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Einjährig- Unfreiwillig. Schwank in 3 Aft. v. Victor Laverrenz. Wochentagspreise. Scher Charlottenburg. Das Gastspiel- Theater Erbe. Friedrich Wilhelmstädt. Lumpazi bagabundus. Weften. Der tapfere Soldat. Luifen. Das Mädchen auf Irrwegen. Trianon. Der Satyr. Neues Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Einjährig Un Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard dose. freiwillig. Gastspiel Theater. Der Hütten: befizer.( Anf. 81 Uhr.) Bürgerl. Schauspielhaus. Othello. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Onkel Cafimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter Ios. Wintergarten. Spezialitäten. tadelCarl Haberland. Spezialitäten. Vasage. Spezialitäten. Köpenicker Straße 68. 8, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange: Der Hüttenbesitzer. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 21. Februar 1909: Berlin wie es weint und lacht. Boltsstück mit Gesang in 8 Bildern bon Berg und Kalisch. Anfang 7, Uhr. Montag, 22. Februar, 7. Boltsvorst. zu halben Preisen: Die Sorglosen. a pollo Theater Reichshallen. Stettiner Gänger. 8. Kedi Herdina Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Der ledige Ehe- 0 Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Donnerstag, abends8ubr: Zum erstenmal: Rechts herum. Schwant in 3 Aften v. Hans Gaus. Freitag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Sonnabend, abends 8 Uhr: Rechts herum. Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Freitag, abends 8 Uhr: Komtesse Guckerl. Sonnabend nach m. 3 Uhr: Julius Cäsar. Sonnabend, abends 8Uhr: Das Erbe. Freie Boltsbühne 31. Vortragsabend. Montag, den 22. Februar 1909, in den Sophiensälen, Berlin C., Sophienstr. 17/18, abends 8, Uhr: Marcell Salzer Moderne Satiren und Dichtungen. Einlaßkarten à 40 Pfennig in allen Zahlstellen. im Nächste Aufführungen: Neuen Schauspielhaus: Maxim Gorki: Nachtasyl Szenen aus der Tiefe. Rabagas. Kleist: Die Sünde. Hebbel: Der zerbrochene Krug. Der Diamant. Im Thalia- Theater: Ludwig Anzengruber: Der Fleck auf der Ehr. Nächste Serie im Herrnfeld- Theater: Nr. der Mitgliedskarte 4001-4800 1601-2400 801-1600 mann.( Anf. 84 Uhr.) n Gobert Belling a Kasino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Tobias Brautk e 1 Maria Vinent Lloyd i m Sonntag, den 21. Februar Sonntag, den 28. Februar Sonntag, den 7. März fahrt. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Parodie. Der geschundene Naubritter. Anfang 812 Uhr. Urania. Tauvenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korju. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen: Stronthium- Radium usw. Sternwarte, Invalidenitz. 57/62. Lessing- Theater. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Freitag 8 Uhr: Jbsenzyklus, zehnte Borstellung: Hedda Gabler. und das übrige hervorragende Februar- Programm. WING BARTEN Saharet Berliner Theater. Gertrude Barrison Heute 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Die fremde Frau. Anfang 8 Uhr. ( La femme X...) Morgen und folgende Zage: Die fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Little Pich der urkomische Saharet- Parodist. Simon u. Gardner in ihrer amerikanisch. Burleske: Der neue Kutscher und das drollige Faschings- Programm. Bürgerliches Schauspielhaus Kaftanien- Allee 7-9. Othello. rauerip. in 5 Atten v. Shakespeare. Anfang 8 Uhr. Freitag zum 1. Male: Der Salontiroler. Sonntag nachm.: Maria Donnerstag, 18. Februar, Anf. 8 Uhr Stuart. Abends: Der Goldbauer. Lumpazivagabundus. Freitag: Lumpazivagabundus. Sonnabend: Lumpazivagabundus. Sonntag nachm. 3 Uhr: Madame Sans Gêne. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. Parodie- Theater. Dresdener Straße 97. Anf. 8%, Uhr. Siegel fiegelt alles! oder: Der Backfisch in Nöten. Vorher: Alles für's Kind! oder: Die Folgen eines Rendezvous. Preise d. Sippläge: 20, 40, 75 Bf., 1 M. • Der Probekandidat. Drama in 4 Aufzügen von Max Dreyer. Einige Mitglieder zu den Abendabteilungen können sich noch in den Zahlstellen melden. 240/8 Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Brauerei Friedrichshain. Heute Donnerstag, sowie täglich: Großes Münchener Bock- Fest. Berühmtester Festwirt Schorsch Ehrengruber mit seiner Oberlandlertruppe( 60 Personen). Anfang 8 Uhr. Entree 20 Pf. Morgen Freitag: Elitetag. Gratisverlosung v. Damen- u. Herrenuhren Jeder Besucher erhält ein Los gratis. Neue Welt Rasenheide Arnold Scholz Neue 108-114 Im Riesen Festsaal: ,, Das" bayerische Bockbier- Fest. Original. Einzig dastehend. Original. Heute, 18. Februar: Donnerstag, Elitetag: ,, Prämiierung der ältesten Veteranen". 3 Barpreise: 50 Mark, 30 Mark, 20 Mark. Anfang 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. Näheres Anschlagsäulen. Walhalla- Sonnabend: Eröffnung! - Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr: Die amüsanten Februar- Spezialitäten. Im Tunnel: Bockbierfest. Regimentsfap. Theaterbes. freien Eintr. Gebrüder Luisen- Theater. HerrnfeldAbends 8 Uhr: Das Mädchen auf Irrwegen. Anfang Theater. 11-2 Uhr. Freitag: Mein Leopold. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Das Rotkäppchen. Abends: Der Mann mit den vier Frauen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Kinder des Kapitan Grant. 8 Uhr: Mein Leopold. Montag: Mädchen auf Jrrwegen. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Donnerstag, 18. Febr., zum 141. Mal: Metropol- Theater ni Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Perry Holden Bender Thielscher. Giampietro Kettner Pfann Eintritt 1 Mark. Sonnabend und Montag bis 2 Uhr: 2,00 Mark Sonntag v. 4 Uhr ab 50 Pf. Geöffnet v 8 Uhr mor gens bis 8 Uhr abends Achtung! Die beiden tung Bindelbands dazu neuer Variététeil 5 Grebnieffs LyricoDiedrich Quartett Ulpts- Georg Schindler Les Astrées. Ausstellungshallen am Zoo. HEKTORAusstellung Zirkus Schumann Heute Donnerstag, ab. 7%, Uhr: Novitäten Abend. Neu! Neu! Neu! Tiberio moderner Herkules hebt heute einen XIV. Saison! Zirkus Busch. Heute Donnerstag, ab. 7, Uhr: Große Gala- Vorstellung Um 9 Uhr ca.: Auftreten des weltberühmten Konsul Peter! Die Vievilles! Olympia Desvall! ? Tackas? Herr Burchardt Foottit, Schulreiter. Herr E. Schumann, Meisterdreſsuren. Um 9%, Uhr: Auswanderer! Elefantenie das große Programm! 5500 Pfund. Der Wunder: Paet schimpanse als Nadfahrkünstler. Boxendes Känguruh. ?? Waffenschmiede?? Um 9 Uhr Bum 109. Wale: Golo, der Seeräuber. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationell! Rußland. Aktuell! Rußland. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Passage- Theater. Stadt- Theater Moabit. Mdme. Abends 8 Uhr: Hanako Japans größte Schauspielerin, mit ihrem Ensemble Anna Müller- Lincke, Soubrette Robert Koppel, Chansonnier The May Sisters, Drahtseil Boston Quartett, Kunstgesang und das glänzende Größter und vornehmster Theatersaal Moabits. Alt- Moabit 48. ( Tel. II 2492.) Donnerstag, den 18. Februar: Zum erstenmal: Ein Dorfroman. Schauspiel in 4 Aftc:: von Chatnan, Anf. d. Borst. 8, Kassenöffnung 7 Uhr. Konzert 72 Uhr. Sonntag, 21. Februar: Ein Dorfroman. Montag, 22. Februar: Soiree der Februar- Variété- Programm. unigen Sänger. Passage- Panoptikum. Neu! Neu! SinghalesenGaukler- Truppe in ihr. wilden Heimatstreiben Salome, das blaue Weib. D. Opfer unbarmherz. Tätowation. Alles ohne Extra- Entree. Eintr. 50 Pf., Kind., Soldat. 25 Pf. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direition Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Neues Programm. von Elite- Soiree Tanzkränzch. Hoffmanns Nordd. Sängern Auf allgem. Wünsche: Der Hausschlüssel. Lustspiel in 2 Bildern. Stürmischer Beifall! Großer Erfolg des ge: famten Programms! Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. Theater Variété Brillant Reichshallen- Theater ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten von nur erftflaffigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Sonn tags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. Freitanz. Kinematograph. W. Noacks Theater Direttivn: Rob. Dill. Brummenitr. 16. Benefiz für Martha Gillmar, Anna Rochow, Viktor Lenz: Gesprengte Fesseln. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend zum erstenmal: Die alte Hanne. Folies Caprice. Bum 70. Male: Ein lediger Ehemann. Anfang 8 Uhr. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Palast. Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr. Das vom Publikum u. d. gesamten Presse anerkannt vorzügliche Februar- Programm. Sensationell! Sensationell! Georg Gailer der phänomenale Balancekönig. 20. u. 21. Febr.: Nicht- Jagdhunde Wiederauftreten von Jvau Belick 22. u. 23. Februar: Jagdhunde Am 20. und 22. Februar bis 2 Uhr: Richten der Hunde. Bewilligte Bäckerei. Die Bäderei Pintschstr. 4 gilt nunmehr als geregelt und wieder tariftreu, nachdem die Differenzen mit dem Verband der Bäder zur Zufrieden heit beigelegt find 1842 Bertzau, Bädermeister. Der Vertrauenmann der Bäcker. Achtung! Bewilligte Bäckerei. Die bisher von Herrn Müller, Korförer Straße 2, innegehabte Bäderei ist in den Besitz des Herrn Günther übergegangen und gilt nunmehr als geregelt und tarijtreu. 1852 Der Vertrauensmann der Bäcker. Sturz aus der 6. Etage. Der arme Kasimir. Schwank in 1 Att v. Schmidt- Hawkins. Familienkarten wochentags halbe Preise überall gratis zu haben. BlüthnerB.O. Saal. Blüthner- Orchester. Sonntag, 21. Februar, 74, Uhr: Populäres Konzert. Dirigent: Ferdinand Neisser. Solist.: Frl. Huebner( Klav.), H. Diselez( Cello). A. d. Progr.: Beethoven: Ouv. , Coriolan"; Volkmann: Serenade für Cello; Schytte: Klavierkonzert( Cis- moll); Marschalk: Vorspiel aus Pippa tanzt"( zum 1. Male). Karten a 1.50, 1.-, 0.75 b Bote & Bock, Wertheim usw., Orchesterbureau Lützowstr. 76, Tages- und Abendkasse am Konzerttage. 287/18 Donnerstag, 25. Febr., 8 Uhr: XVIII. Sinfonie- Konzert. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnieball. Militärische Humoreste bon Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 7 11. Königstadt- Kasino. Holzmarfiftr. 72. Tägl.: Spezialitäten Vorstellung mit Franz Sobanski Gisella Lornta, Geschw. Goldader, The Gouthsmitts, Elli u. Mag Bach, May Wilberg, May Nee. Der Talmi- Graf. $ 3offe in 1 Sft bon. Cobansi. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Das vorzügliche FebruarProgramm. Schlager auf Schlager. U. a.: Neu! Tobias Brautfahrt. Komische Operette und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 8% Uhr, Sonntags 6 Uhr. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Masken- Garderobe Carl Ernst ( Inhaber Willi Ernst) Köpenider Str. 126, 1 Tr. Amt IV, 5062. Gr. Auswahi! Biii. Preise! Borzeiger dieser Annonce erhält 10% Preisermäßigung. Achtung!! Carmen- Umblatt großblattig, reif, braun u. flott brennend pr. Pfd. 1,-, 1,10 u. 1,20 Hamburger Rohtabak- Haus Hengfoß& Maak ( Vertr.: Alb. Schulze) Filiale: BERLIN N., Brunnenstr. 190. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 41. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Doerstag, 18. Februar 1909. Vom kommenden Geschlecht. Deutschland steht mit seiner Säuglingssterblichkeit seit Jahren an der Spizze aller Staaten. Daß speziell in Preußen die grausame Ungerechtigkeit gegen die Zukunft des Volkes entseglich stark vorhanden ist, zeigt eine Statistik in der jüngst erschienenen Nummer der " Zeitschrift des fgl. preußischen statistischen Landesamtes". Geboren wurden im Jahre 1907 in Preußen insgesamt 1 298 291 Kinder. Dies sind gegen 1906 rund 7000 weniger, gegen 1905 18 000 mehr. Von den Geborenen find 669 572 männlichen und nur 628 719 weiblichen Geschlechts. Der Tod fehrt aber mit unheimlicher Regelmäßigkeit in wenigen Jahren dies Verhältnis in sein Gegenteil um. Lebendgeboren wurden 1 259 636, davon waren 93 040 ohne staatliche Erlaubnis, also unehelich" zur Welt gekommen. Ehelich wurden 34 406 tot geboren 2,9 Proz., unehelich 4,5 Proz. 1906 waren die Zahlen 3.0 und 4,6. Jusgesamt starben im Berichtsjahre 719 604 Kinder. Davon waren im gleichen Jahre 281 668 geboren. Reichlich der fünfte Teil, genau 21,7 Broz, starben im ersten Lebensjahre. 1905 war es" nur" der vierte Teil. Die Summe verteilt sich auf 156 993 männliche und 124 675 weibliche Säuglinge, die im ersten Lebensjahre sterben mußten. Von den ehelich geborenen starben unter 100 20,8; von den unehelich geborenen 32! Wie viele davon konnten dem Leben erhalten bleiben, wenn die fatte Moral der Gesellschaft sie und ihre Mütter nicht zu Parias gemacht hätten. Scheidet man auch hier wieder nach männlichem und weiblichem Geschlecht, so zeigt sich die Dezimierung der größeren männlichen Geburtenzahl. Unter 100 Gestorbenen( immer einschließlich der Totgeborenen) ehelich männlich 27, weiblich 19 unehelich Im Jahre 1907 starben im Alter von 0-15 Jahren( mit Ausschluß der Totgeborenen) 165 599 männliche und 140 226 weibliche Kinder. waren Lebendgeboren totgeboren ebelich 8464 137 8 601 zusammen. unehelich 20 852 893 21 745 1907 zählte die Berufszählung in Preußen 322 338 Dienst- haupt nicht besuchen!( Ein Zwischenruf: Bravo!) Es ist falsch, boten, also auf 100 Erwerbstätige 9,4 Geburten und auf 1000 Erwerbstätige 67,5 uneheliche Geburten! Unter allen anderen Gruppen ist Berlin mit reichlich vier unehelichen Geburten an erster Stelle! Eine furchtbare Anklage ist diese Bahl. Wie viel wird damit gefündigt an der Volksgesundheit, an den Menschent. Welches Meer von Tränen fließt da alljährlich und läßt den letzten Sonnenstrahl, der sich sonst in die Dienstbotenkammer verirrte, verschwinden. In dieser Riesensumme drückt sich die vollständige Rechtlosigkeit, die mittelalterliche Leibeigenschaft aus. Und der Tod räumt unter diesen Ausgestoßenen der Gesellschaft, troßdem gerade unter ihnen das gesunde Kind, das zur Mutter geradezu prädestinierte Weib vorherrscht, auf. Im Jahre 1907 starben im Alter von 0-15 Jahren 7737. hier muß etwas geschehen! Die Sorge um das tommende Geschlecht ist mit die erste Aufgabe des Staates und seiner Regierung. Und die preußische Negierung sorgt nicht für das kommende Geschlecht. Dieser ganze Apparat ist nur darauf eingerichtet, die Lebenslage der großen Masse des Volkes, jede politische Lebensäußerung derselben zu verschlechtern und zu verhindern. st zu erkennen, daß in den Berufen, wo die weibliche Arbeitskraft gemeinden im Uebermaß für Gehaltsaufbesserungen sorgen, wenn viel verwendet wird, auch die Zahl der unehelichen Geburten nur die reichen Synagogen ihre Mittel hergeben würden. Der hoch ist. Redner erinnerte auch daran, wie die Kirche was ja selbst ein Das bitterite Kapitel ist von allen Zahlen dasjenige, welches Blatt wie die Nationalzeitung" ausgeführt hat durch die von den häuslich Dienenden spricht. Staatszuschüsse immer mehr abhängig vom Staate wird, sich damit Jm häuslichen Dienste, einschließlich persönliche Bedienung( ohne selbst schädigt, weil die Massen des Volkes fich demzufolge immer das ländliche Gesinde) wurden mehr von der Kirche abwenden. Ist doch jetzt schon der Drang zur Kirche keineswegs so groß, daß etwa dadurch die Gehaltserhöhungen irgendwie gerechtfertigt erscheinen könnten. Hat doch der Stadttefan Keser in Stuttgart erklärt, daß von den 170 000 evangelischen Einwohnern der Stadt über 150 000 die Gottesdienste übermenn Sie Bravo rufen, fährt der Redner fort; wer zu solcher Organisation wie die Kirche gehört, soll auch in ihre Versammlungen gehen. Wir Sozialdemokraten würden uns bedanken für solche Mitglieder, deren große Masse es überhaupt nicht für nötig hält, die Versammlungen unserer Organisation zu besuchen. Nachdem der Redner unter manchem anderen noch hervorgehoben hatte, wie der preußische Staat seine Beamten zwingt, auch gegen ihre Ueber zeugung der Kirche anzugehören, wie schmählich die liberalen Blockpolitiker gegen ihre Grundsätze und in Furcht, daß der schwarze Mann, das Zentrum, wieder regierungsfähig werden könnte, der Reaktion bereitwilligst ihre Handlangerdienste leisten, wie es vor allem statt für die Kirche, die den Staat nichts angeht, notwendig ist, für die Schule zu sorgen, schloß er mit den Worten: Sie, werte Anwesende, haben es in Händen, für die Trennung von Staat und Kirche zu sorgen. Ihr aber, die Ihr uns im Parlament nicht fprechen lassen wollt, seid die Totengräber Gurer eigenen Kirche. Nach dem Vortrag, der stürmischen Beifall fand, forderte der Borsitzende Vieth die Gegner auf, sich zum Wort zu melden und ficherte ihnen, was ja selbstverständlich in den von unserer Partei einberufenen Versammlungen ist, volle Redefreiheit zu. Aus der Bersammlung wurde nach dem freisinnigen Paftor Runze gerufen, aber es meldete sich weder dieser noch ein anderer Gegner. Genosse Vieth sagte dann, die bürgerlichen Parteien im Landtag hätten vereinbart, unseren Abgeordneten nicht mehr zu Worte fommen zu lassen. Die Folge ihres Gewaltstreiches vom Sonnabend Ein besonders interessantes Bild ergibt eine Zusammenstellung sei aber, daß Genosse Hoffmann nun seine Rede in 57 Verder allgemeinen Geburtenhäufigkeit, der Kindersterblichkeit und der Die Pfarrerbesoldungen und der preußische Landtag. fammlungen halten werde.( Tatsächlich hat der Genosse Hoffmann Geburtenhäufigkeit der unehelichen Kinder nach den Berufs- und Die Landtagswähler von Moabit hielten am Dienstag in der schon über 100 Einladungen zu diesem Zwed erhalten, denen er Erwerbszweigen der Eltern( resp. der Mütter bei den unehelichen Kronenbrauerei eine öffentliche Versammlung ab, um ihrem am natürlich nicht alle nachkommen kann, so daß er sich zunächst auf Kindern). Wenn die Zahlen auch kein absolut genaues Bild ergeben Sonnabend im Landtag durch den Gewaltstreich der Mehrheit 57 beschränken mußte.) Man beabsichtigt ja nun mit unlauteren können, da sie sich nur auf das Jahr 1907 erstrecken, so geben sie mundtot gemachten Abgeordneten Adolf Hoffmann Gelegen- Mitteln die Mandate unserer Genossen zu kassieren. Wir werden doch immerhin einen gewissen Anhalt für Geburten- und Sterbe- heit zu geben, seine Meinung über die Pfarrer befoldungen es an nichts fehlen lassen, um sie von neuem zu erobern. Nothäufigkeit in den einzelnen Erwerbszweigen. und den preußischen Landtag zu sagen. Die Wähler wendig ist es, daß jeder seine Pflicht tut.( 3wischenrufe: Das waren zeitig und in gewaltiger Masse erschienen, der Saal und werden wir!) Genosse Hoffmann: Ich muß richtig stellen, daß die Gegner seine Galerien waren gedrängt voll, als der Redner bald nach 8 Uhr feinen Vortrag begann, und auch das jetzt noch gänzlich nicht allgemein beschlossen haben, uns im Landtag nicht mehr zu Beruf u. Erwerbszweig der Eltern auf 100 Er- Auf1000Er. Auf 100 Er. wahlrechtslose weibliche Geschlecht war zahlreich vertreten. Genosse Wort erhalten soll, bis ich Abbitte dafür leiste, daß ich ihren GeWorte kommen zu lassen, sondern daß ich nicht eher wieder das werbstätige werbstätige werbstätige Hoffmann führte in seinem zweistündigen Vortrage unter famen un- starben Kinder anderem aus: Der Landtag hat seine eigene Geschäftsordnung mit valtstreich als das bezeichnet habe, was er ist. Ich bin bereit dazu, eheliche Be- im Alter von geboren) burten** 0-15 Jahren Füßen getreten, um uns, die Vertreter des arbeitenden Volkes, meine Worte zurüdzunehmen, wenn andererseits die Herren ihr nicht zu Worte fommen zu lassen. Die Mehrheit, die den Gewalt Strolche"," Wegelagerer" und" Bengel" zurüdnehmen. Mögen streich verübte, wußte, warum sie das tat, denn kein anderes Gesetz, die Herren erst selbst das tun, was anständig ist, dann werden wir Das im Landtag zur Beratung stand, verstößt so sehr gegen die werden sie sich auch gewöhnen. Sonst aber halte ich mich an den unsere Meinung ruhig bortragen. Daran müssen sie sich und Interessen des Volkes wie das Pfarrerbesoldungsgeseh. Das war Grundsay: Auf einen Schelm anderthalbe, auf einen groben Klotz cs, was man im Landtag nicht haben wollte, und nicht etwa, daß ein grober Keil. Und wenn sie unsere Mandate kassieren, nun gut, man befürchtet hätte, wir könnten bei unserer Kritik des Gesetz eine beffere Wahlparole können wir uns gar nicht wünschen. Wenn cntwurfes die Religion beschimpfen. Ich fordere die Gegner auf, fie dann wieder über unseren Terrorismus schreien, dann werden meine erste Rede, sei es im offiziellen Landtagsbericht oder in der wir nicht mehr davon reden und schreiben, dann üben wir ihn eben von uns herausgegebenen Broschüre, nachzulesen und mir auch nur aus. Sicherlich nicht aus Liebe zum Terror, uns tun die Leute eine einzige Stelle zu nennen, wo ich gegen die Religion gesprochen leid, die dadurch vielleicht geschädigt werden, sondern um das ge habe. Was ich gekennzeichnet habe, ist nur, wie und zu welchen heime und allgemeine gleiche Wahlrecht zu erreichen. Im übrigen Zweden man die Religion mißbraucht. Das Gefeß, das für GeBei 2 der Mütter " Landwirtschaft, Gärtnerei, Tier zucht, Forstwirtschaft usw.. Bergbau, Hütten und Salinenwesen, Torfgräberei 34, 1. wurden 29 Im Jahre 1907 2. 3. 5,4 5,0 18,8 0,4 1,5 4,2 Industrie der Steine und Erden, auch Steinbrüche, Glashütten Metallverarbeitung, auch Draht7,6 1,5 1,7 zieherei 10,4 0,5 2,1 Maschinen, Werkzeuge, Instru mente und Apparate 6,9 0,8 1,4 Chemische Industrie und forst twirtschaftliche Nebenprodukte. 6,4 2,0 1,2 Textilindustrie. 4,7 7,3 1,1 Bapierindustric, auch Buchbinderei 4,3 6,2 1,1 Lederindustrie, Tapezierarbeiten 7,8 2,0 1,6 Holz und Schnisstoffe 9,0 0,6 2,0 Nahrungs- und Genußmittel. 7,1 2,1 1,5 Bekleidungsgewerbe. 5,3 8,8 1,3 Reinigungsgewerbe 4,4 11,0 1,0 Baugewerbe 10,9 0,1 1,5 Bolygraphische Gewerbe 6,0 3,7 1,0 Künstler und fünstlerische Gewerbe 8,5 0,8 0,8 Handelsgewerbe 5,7 2,8 1,1 Versicherungsgewerbe 3,9 0,1 0,6 Verkehrsgewerbe 13,1 0,2 3,7 Berherbergung und Erquicung 4,5 2,1 1,1 * Mit Einschluß der Totgeborenen. Verfammlungen. Es wurde dann folgende Resolution einstimmig angenommen: Die von 4000 Bersonen besuchte Versammlung der Landa tagswähler von Moabit protestiert auf das schärffte gegen den Gewaltstreich der Landtagsmehrheit zur Mundtotinachung ihrer Abgeordneten und verpflichtet sich, mit aller Kraft dafür zu forgen, daß in Zukunft die Stimme des preußischen Volkes im Landtag Gehör findet." n Lese- und Diskutierklub Wilhelm Liebknecht". Heute abends 9 Uhr: Sigung bei kt. Eichhorn, Danziger Straße 93: Sigung. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lefe: und Diskutierklub Johann Heute abend 8%, Uhr bei Bugge, Kastanien- Allee 95: Jacoby". Generalversammlung. Verein ehemaliger Beeliker( bteilung B). Heute abend 8%, Uhr bei Borchert, Brunnenstr. 3: Sigung. Gäste willkommen. haltserhöhungen der evangelischen und katholischen Geistlichen muß die Parole für die Arbeiterschaft sein: Raus aus der Kirche, 12 Millionen vorsah und schließlich den Staatszuschuß, der den wer nicht innerlich zu ihr gehört. beiden Konfeffionen gegeben wird, auf rund 35 Millionen erhöhte, ging damals an die Kommission, wo wir Sozialdemokraten nicht mitreden konnten, und kam mit einer weiteren Erhöhung um ½ Million für die evangelische und 4 Million für die katholische Geistlichkeit wieder heraus. Sehen wir nun einmal ganz ab von unferer prinzipiellen Forderung der Trennung von Kirche und Staat, die ja eigentlich keine sozialdemokratische ist, sondern ein Standpunkt, den früher die gesamte liberale Bourgeoisie eingenommen hat, und werfen wir dann die Frage auf, ob diese Staatszuschüsse notwendig sind. Man hat gesagt, die Gehälter der Geistlichen reichten nicht aus. Ihr Mindestgehalt beträgt jedoch in Preußen 1800 4800 M., wozu noch freie Wohnung und Gemüsegarten oder Mietszuschüsse kommen, die in Berlin und anderen Großstädten auf 1500 m. bemessen sind. Fast die Hälfte des preuBischen Boltes aber muß sich mit Jahreseinkommen von unter 900 M. begnügen. Berliner Geistliche bezogen bisher schon Gehälter von 10000 bis hinauf zu 17150 M. und 136 Geistliche Berlins Die Höchstzahlen an Geburten auf 100 Grtverbstätige erreichte hatten mehr als 5000 pr. und ihr Durchschnittsgehalt belief sich auf 8, uhr bei Weber, Friedrichstr. 37: Mitgliederversammlung, Bortrag. 1907 bie Gruppe Bergbau, Hütten- und Salinenwesen. In diefer 7000 M. Selbst in der Proving Brandenburg gibt es Pfarrer ühr Gruppe ist auch die Sterbehäufigkeit der Kinder bedeutend höher als gehälter von über 10 000 bis über 13 000 m. Viele Geistliche be in allen anderen Gruppen. Hundert Erwerbstätige hatten im ziehen hier 7000 bis 10 000 m. und solche Gehälter werden in Jahre 1907 über 4 Kinder im Alter von 6-15 Jahren durch den Kleinstädten, ja Dörfern gezahlt. Unsern Standpunkt gegen die Zod verloren. Das Verkehrsgewerbe steht mit 13 Geburten an Erhöhung der Staatszuschüsse hat 1889 die preußische Regierung zweiter Stelle, dann folgt Baugewerbe und Metallverarbeitung. Dann Holz- und Schnißstoffe. Es sind also die industriellen Gegenden, die Sammelpunkte mehr oder weniger großer Menschenmassen, in denen die Geburtenhäufigkeit am größten ist. Mit Ausnahme der Gruppe Baugewerbe ist aber auch die Sterblichkeit der Kinder bis zum Alter von 15 Jahren sehr hoch gewesen. **) Mit Ausschluß der Totgeborenen. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Heute abend 9 Uhr, Rosenthaler Straße 11/12: Ber sammlung und Vortrag. Freie Jugendorganisation. Abteilung Weißensee. Heute abend Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand am feit 16. 2. 15. 2. cm cm) 190°) 0 -33+4 100)+14 108-5 2534) 0 300)+14 Bafferstand Saale, Grochlth Havel, Spandau) Rathenow) am feit 16. 2. 15. 2. cm cm³) 166-16 74 116 +17 Spree, Spremberg) 108 Beeskow Beser, Münden Minden selbst vertreten; als der berüchtigte hammerstein für diese Zwecke, die doch nach dem, was jest bewilligt ist, so gering erscheinende Summe von 3 700 000 M. forderte, lehnte es der damalige Kultusminister von Gosler ganz entschieden ab. Der Memel, Tilfit Redner schilderte dann noch weiter die Gehaltsverhältnisse der Bregel, Sniterburg evangelischen und katholischen Geistlichkeit Preußens, über die ja eichfel, Thorn Die geringste Geburtenziffer weist das Versicherungsgewerbe auf, auch der Borwärts"( fiche u. a. Nr. 288 und 302 vorigen Jahres) Dder, Ratibor Krossen da es aber eine relativ fleine Gruppe ist, hat die Zahl wohl weniger in mehreren Artikeln Auskunft gegeben hat, machte auch darauf Frankfurt Gewicht. Papierindustrie, Reinigungsgewerbe und Beherbergung und aufmerksam, daß eine große Anzahl von Geistlichen eine so geringe Barthe, Schrimm 102-10 Erquidung zeigen dann die kleinsten Ziffern der Geburtenhäufigkeit. Seelenzahl zu versorgen hat, daß die Herren nur Sonntagsarbeiter Landsberg Auch die Kindersterblichkeit zeigt bei ihnen für das Berichtsjahr sind und taum wissen, was sie im übrigen mit ihrer Zeit anfangen nete, Bordamin fehr niedrige Bahlen. follen. Das Merkwürdige an dem Pfarrerbesoldungsgesetz ist ja, Elbe, Leitmerig Auf je 10 000 Berufsgruppeangehörige kommen die meisten daß nicht wie bei anderen Besoldungsgesehen ein Mindest- und unehelich Geborenen im Reinigungsgewerbe, es find elf. Dann ein Höchstgehalt festgesetzt wird, sondern nur ein Mindestgehalt. folgt das Bekleidungsgewerbe mit rund neun, Textilindustrie mit Würde die Kirche, die evangelische wie die katholische, die allzu reichlich fieben, die Papierindustrie mit sechs und die Landwirtschaft fetten Bfründen auf ein anständiges Maß herabsetzen, so könnte mit fünf Geburten ohne staatliche Sanktion. Die geringste Zahl sie ohne irgend welche weiteren Zuschüsse den wirklich schlecht ge- Der höchste Wasserstand: 254 cm trat am 15. d. 6 Uhr nachmittags ein folcher Geburten kommt, abgesehen vom Versicherungsgewerbe auf stellten Geistlichen reichlich helfen und das Mindestgehalt von 6000 und hielt bis zum 16. d. 2 Uhr nachts an bas Baugewerbe, das Verkehrsgewerbe und den Bergbau. Unschwer Mark selbst einführen, und ebenso könnten die jüdischen Kultus-) Eisfrei. Danziger Straße 98. Staub 88 -13 920)+14 -6 Barby 983-3 1433)+5 -5 1165)+8 2248)-24 Rhein, Marimiliansau 299 139 Köln 171 Nedar, Heilbronn 70 Main, Wertheim . Magdeburg 1882)-24 Mosel, Trier 1)+ bedentet Wuchs, Fall. Unterpenet. Dresden Heyn& Goldschmidt 11 Eisstand. 5) Schwaches Treibeis. PappelAllee 1 u. 2. Reinwollene Cheviots, schwarz und farbig, Meter von 85 Pf. bis 2,50 Mark, Zur Einfegnung: gute, schwere Diagonals u. Crêpes in allen modernen Farben, Meter 1,45 bis 2,25 Mark. EinsegnungsHüte, Oberhemden. Satintuche, nur gediegene, erprobte Qualitäten seidenglänzende Alpakas in schwarz, weiß und farbig, Meter von 1,50-4,50 M. Glacé- Handschuhe, schwarz, Paar 1,20 M., weiß, 3 Knopf, 1,40 M., weiße, 8 Knopf lange Mousquetair 2,45 M., Taschentücher in Linon, halb und rein Leinen, Batist und Madeira. Serviteurs, Kragen, Manschetten, Krawatten. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 325. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Johann Szczodry ( Mühlenstraße 8) geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Februar, nachmittags 5 Uhr, bon Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Treptow, Neue KrugAdee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/18 Der Vorstand. der Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Am 15. Februar verstarb unser Mitglied, der Molkereibefizer Otto Schufmann Hennigsdorfer Str. 9. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. februar, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- Kirchhofes, Reinickendorf- West, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/19 Der Voritand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes Anzeige. Am 16. Februar verstarb unser Mitglied, der Produktenhändter Hermann Zimmermann Beuffelftr. 58. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 19. Februar, nach mittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Heilands Kirchhof in Plößensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/20 Der Vorstand. erster Hoflieferanten Pianino, ma, weit unter Bert fofort verläuft. Franzöfifchestr. 15, I r. l Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Wilhelm Birr am 12. d. Mts. an Blutvergiftung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 111/18 Die Ortsverwaltung. Nachruf! Am Sonnabend, den 13. d. M., verstarb an Blinddarmentzündung unser Mitarbeiter, der Kontorbote und Radfahrer Walter Hüttig im Alter von 17 Jahren. Ehre feinem Andenken! Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Verband der Portefeuiller. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bortefeuiller Willi Krasemann ( Werkstatt Th. Marschall) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 18. b. M., nachmittags 32 Uhr, von der Leichen halle des Thomas Kirchhofes, Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 109/4 Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. Die Beerdigung des am 15. Fe bruar verstorbenen Steindruders Fritz Thyssen findet am Freitag, den 19. Fe bruar, nachmittags 3, Uhr, bon der Leichenhalle des ElisabethKirchhofes, Prinzen Allee, aus statt. 10335 Das Komitee. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog D. Empfehl. viel.Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche( fehlerhafte) Gelegen heitslauf. Fabriflager Mauerhoff, Große Frankfurterstraße 9, Flureingang. Vorwärtslejern 6 Prozent Extrarabatt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlider Teilnahme und die schönen Kranz spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Gustav Gransee Steinarbeiter! Sonntag, den 21. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschafts. haufe, Engelufer 15, Saal IV: Kombinierte Mitglieder- Versammlung. sage ich hiermit allen Bekannten und Berwandten sowie Herrn Inspektor Rotberger, Herrn Gürtlermeister Richter von der Firma Buzke u. Co., den werten Kollegen der Firma Butke u. Co., sowie auch den früheren 171/4 Kollegen der Firma Oskar Falbe und dem Deutschen Metallarbeiterverband meinen herzlichsten Dank. Witwe Marie Gransee. Forsterstr. 20. Danksagung. 1832 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unferes lieben Sohnes, Bruders und Schwagers Georg Freigang fagen allen Freunden, Bekannten und Berwandten sowie den Kollegen der Firmen Heinz, Beier u. Co. und Bache unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Eltern und Geschwister. 1822 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes Georg Freigang sage ich allen Verwandten, Freunden und Kollegenschaften meinen herz10346 lichsten Dank. Gertrud Freigang. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau Albertine Traute sage ich allen meinen tiefgefühlten Dant. 1812 Albert Traute. Husten, Heiserkeit beseitigen wunderbar leicht und schnell die berühmten Hustentropfen bon Otto Reichel. Nur echt mit Marte ,, Medico". Fl. 50 Pf. u. 1 M. Vor Nachahmungen jeder Art fet jedoch dringend gewarnt. In den meisten Drogerien und bei Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Die Tagesordnung wird in der Bersammlung belanntgegeben. Um vollzähliges Erscheinen der Kollegen aller Branchen ersuchen Die Ortsverwaltungen Berlin I und II. Arbeiter- Abstinenten- Bund Ortsgruppe Berlin. 281/15 Freitag, den 19. Februar 1909, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Vortrag des Redakteurs Genossen E. Dittmer: , Vom Sozialismus in Amerika." Kein Getränke- Ausschant! Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. J. A.: Paul Lenzner, Karlshorst, Noedelstr. 5. Soeben erschienen: Die Sozialdemokratie im deutschen Reichstage. Heft IV. Die Tätigkeit des deutschen Reichstages von 1887-1889 bon A. Bebel. Preis 1,- M. Borher find von demselben Berfasser erschienen: Heft I. Die parlamentarische Tätigkeit des deutschen Reichstages und der Landtage und die Sozialdemocratie bon 1871-1874. Preis 60 Pf. Seft II. Die parlamentarische Tätig keit des deutschen Reichstages und der Landtage und die Sozialdemokratie von 1874-1876. Preis 1, M. Seft III. Die sozialdemokratischen Wahlaufrufe für die Reichstagswahlen bon 1881, 1884, 1887. Breis 1,- M. Expedition des ,, Vorwärts" Berlin SW. Lindenstr. 69, Laden. 1000 wertvolle Geschenke für die Leser dieser Zeitung. Jeder, der bei uns einen 10 Pfd. Emaille. 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