Nr. 43. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 26. Jnheg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins, und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Landräuber als Steuerrebellen! Sonnabend, den 20. Februar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Verfaffung von Südwestafrika. befizes, mit verfechten hilft, könnte dem Zentrum noch sehr verfassung eingeführt werden soll. Als Vater der Verfassung hat " Die Grundlage der Selbstverwaltung sollen gewissermaßen die Gemeinden bilden. Ihre Aufgaben find ähnlich festgelegt wie in vefen, Armenpflege, Schulwesen usw. Deutschland: Straßenbau, Wasserversorgung, Markt, FeuerlöschDie Gemeindeverbände wählen den einen Teil der Mitglieder des Bezirksrats und jeder von den zwölf Bezirksverbänden wählt ein Mitglied in den Landesrat. Ebenso viele Mitglieder ernennt der Gouverneur selbst. gegen die Nachlaßsteuer in der unverfrorensten Weise unterstützt. Man weiß ia freilich, daß die Zentrums agrarier in der Zentrumspartei die führende Rolle spielen. Aber die Skrupellosigkeit, mit der das Zentrum diesmal die InterIn der Budgetfommission teilte der Staatssekretär Dernburg effen der Agrarier, dieser Räuber des ländlichen National- vor furzem mit, daß für die deutsche füdwestafrikanische Kolonie eine unangenehm werden! er den Gouverneur v. Schudmann der Kommission vorgestellt. Wir haben bereits gestern einige Stilblüten aus den Beist Wenn übrigens Herr v. Oldenburg die Nachlaßsteuern der neuesten Nummer des Solonialblattes für die Schutzgebiete" Reden der führenden Agrarier wiedergegeben, die im Land- als ein Attentat auf das Portemonnaie der Be- ist nun die amtliche Veröffentlichung des Verfassungswerkes erfolgt. wirtschaftsrat die Nachlaßsteuer mit einer Wut be- ienden" bezeichnete, sich damit also nicht nur als Ver- wenn man auch ohne weiteres annehmen konnte, daß eine von dem fämpften, als handle es sich um die Enteignung des Groß- fechter der agrarischen, sondern als Vertreter der Be Herrn v. Schumann entworfene Verfassung nicht viel Gutes fämpften, als handle es sich um die Enteignung des Großgrundbesizes, statt um einen lächerlich winzigen Beitrag zuigenden schlechthin gebärdete, wenn er darauf hin- bringen würde, so haben doch die Tatsachen die schlimmsten Beder ungeheuerlichen Steuerbelastung, die durch die Reichs- 5 Proz. der Bevölkerung getragen werden, so wollen wir demwies, daß in Preußen 73 Proz. der Einkommensteuer von fürchtungen überholt. finanzreform in Gestalt indirekter Steuern wiederum den Aermsten der Armen, dem unter der Krise leidenden Brole- gegenüber folgende Tatsachen feststellen: tariat, abgepreßt werden sollen. Es handelt sich, wie wir mit mehr als 500 000 m. ein Vermögen von 18 782 000 000 Es besaßen im Jahre 1895 in Preußen 13 600 3enfiten gestern bereits zeigten, um eine Nachlaßsteuer für die reinen Vermögen von mehr als 20 000 m., die mit einem Mark, während im Jahre 1908 21 000 Benfiten mit mehr als 500 000 M. Vermögen zusammen 32 500 000 000. Verhalben Prozent beginnt und sich bis ganzen drei Pro- mögen versteuerten. Die Vermögen mit mehr als 500 000 M. zent steigert, also selbst von einer Millionenerbschaft nur umfaßten 1895 noch nicht 19 Milliarden von insgesamt 30 000 m. fordert. Nehmen wir eine durchschnittliche Ver- 62 Milliarden, während sie 1908 322 Milliarden von ins- deutsche Gemeindeangehörige männlichen Geschlechts über 25 Jahre Jahre nur einmal mit 20 000 M. Einkommen zu begnügen, um sofort die 30 000 M. Steuern zahlen zu können, ohne das großen Vermögen an dem versteuerten Gesamt- alt, die nicht der Schußtruppe angehören, wirtschaftlich selbständig find und ein Jahr lang ihren Wohnsitz im Gemeindeererbte Kapital auch nur um einen Pfennig anzugreifen! bermögen ist also seit dem Jahre 1895 bedeutend bezirk haben, find find wahlberechtigt. Der Ausschluß Ueberdies aber gestattet die Regierungsvorlage eine Ab- größer geworden, während der prozentuale Anteil der vom Wahlrecht erfolgt unter den gleichen, nur etwas verschärften kleinen Vermögen bedeutend zurückgegangen Vorschriften wie in Deutschland. Doch eine Bestimmung ist darunter, tragung der Erbschaftssteuer innerhalb zehn Jahren, so ist! Während nämlich 1895 563 000 Benfiten mit 6000 bis die geradezu horribel erscheint. Ausgeschlossen vom Wahlrecht ist daß selbst der Erbe eines reinen Vermögens von einer Mil- 20 000 m. Vermögen rund 7 Milliarden von 62 Milliarden nämlich jeder Deutsche, der mit einer Eingeborenen ver lion jährlich nur 3000 M. zu zahlen brauchte! Und gegen diese Steuer läuft das Agrariertum mit besaßen, besaßen im Jahre 1908 731 000 Benfiten mit einem beiratet ist oder der mit einer solchen im one einer But Sturm, als handle es sich um die„ Berwirt. Bermögen von 6000 bis 20 000 m. nur 7 Milliarden von tubinat lebt. Man muß sich doch fragen, wird lichung des Sozialismus", als was der berüchtigte Weise sich das Nationalvermögen in wenigen Händen 91 Milliarden Mark! Zahlen, die beweisen, in welch rapider der deutsche Gemeindeangehörige durch die Januschauer Oldenburg die Nachlaßsteuer tatsächlich hinzu- fonzentriert! Trotz alledem bedeutet nach den Fere- Heirat mit einer Eingeborenen dümmer und wirtschaftlich unselbständiger? Ist die miaden des Januschauer Oberagrariers v. Oldenburg die Seirat erlaubt, fo barf fie auch nicht mit minimale Nachlaßsteuer eine Bedrohung des Porte- bem Berlust wichtiger staatsbürgerlicher Nechte „ Porte- deirat monnaies der Besitzenden" eine Berwirklichung nachträglich bestraft werden. Das gilt natürlich auch des Sozialismus"! zinsung von 5 Proz. an, so braucht sich der Erbe im ersten 62 gesamt 91 Milliarden umfaßten. Der Anteil der Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind alle Eingeborenen; nur vom Konkubinat. stellen den unsäglichen Mut fand! Um die ganze unverschämtheit des Agrariertums würdigen zu können, ist es interessant, sich einmal auf Grund der amtlichen Statistik darüber zu informieren, wie es benn eigentlich um den notleidenden Grundbesig in Preußen sieht, der jetzt nach dem Vorbild der Kanalrebellen einen so wilden zu neuen Zugeständnissen an das steuerverweigernde Agrarier- stellungen auch die Frage zu entscheiden sein, ist der Ginzutragende Ob der wilde Kriegslärm der Krautjunker die Regierung Bei Aufstellung der Wählerlisten wird neben anderen FestKampf gegen die lächerlich geringfügige Nachlaßsteuer führt. tum veranlassen wird? Bülows Rede auf dem Festmahl des mit einer Eingeborenen verheiratet; ist das der Fall, so ist er nicht Da finden wir, daß 1895 19 199 Großgrundbesitzer mit mehr Landwirtschaftsrats bedeutet offenbar die Ankündigung in die Liste aufzunehmen. Das gleiche trifft zu, wenn er mit einer als 100 Heftar Grundbesitz nicht weniger als 34,23 Proz. der neuer Konzessionen. Die Regierung wird den oft- solchen im Stonkubinat lebt. Lebt er aber mit einer weißen Frau im gesamten landwirtschaftlichen Betriebsfläche, die die rein elbischen Landmagnaten wahrscheinlich neue Nachlässe zuge- Konkubinat, so beeinträchtigt das seine staatsbürgerlichen Rechte nicht landwirtschaftlichen Betriebe überhaupt umfaßten, besaß. stehen, so daß, das Agrariertum, das in Preußen in noch nicht konkubinat, ſo beeinträchtigt das seine staatsbürgerlichen Rechte nicht 19 000 Großgrundbesitzer also besaßen mehr als ein 20 000 Sänden mehr als ein Drittel der gesamten landwirtim geringsten. Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Betriebsfläche, schaftlichen Betriebsfläche vereinigt, bei der Besteuerung Blid in die Statistik. Nach der letzten dem Reichstage vor einigen Was eine solche Einschränkung bedeutet, ersieht man mit einem wohingegen fast eine halbe Million kleinbäuerliche Betriebe abermals so gut wie ausgeschlossen sein wird! Wochen zugegangenen Denkschrift bestand die weiße Bevölkerung am in Preußen nur 7,35 Proz. der landwirtschaftlichen Betriebs- Offenbar dient der ganze Lärm der Agrarier nur dazu, die 1. Januar 1908 aus 5295 erwachsenen männlichen und aus 1491 er fläche umfaßten. Die Sandvoll Großgrundbesiger skandalöse Tatsache zu verdecken, daß die Masse des nicht wachsenen weiblichen Personen. Bei diesem ungeheueren llebergewicht besaß also nahezu fünfmal so viel Grund und Boden, wie die besigenden Volfes 300 bis 400 Millionen aufbringen wachsenen weiblichen Personen. Bei diesem ungeheueren lebergewicht halbe Million Kleinbefizer( unter 5 Hektar Besitz), die mehr muß, während die Agrarier schließlich bei einem Rom- sammenleben mit Eingeborenen eigentlich von selber gegeben und ist der männlichen Bevölkerung ist die Verheiratung oder das Zus als 43 Pro3. aller Betriebe ausmachen! Aber diese Zahlen, die für ganz Preußen gelten, promiß nur eine geradezu lächerliche Summe aufzu- daher in allen Kolonien, auch in den englischen und holländischen, bringen haben! ostelbischen Krippenreiter aufraffen könnte, erscheint ausge- Bestimmung daher eine sehr wesentliche Einschränkung, so daß bei Daß die Regierung sich zu einem Stampfe gegen die bon jeher gestattet worden. Der Kreis der wahlberechtigten Personen erfährt durch diese Agrarier geschlagen hat, bliebe ja der Regierung nichts stande kommen dürfte. Die gesamte weiße männliche Bevölkerung schlossen. Da das Bentrum fich bereits auf die Seite der ihrer Durchführung an manchen Orten eine Wahl kaum mehr zuanderes übrig, als sich bei einem Kampfe gegen das Agrarier-( ohne Schutztruppen) über 15 Jahre beträgt 5295 Personen. Da tum und gegen das Zentrum auf einen Block zu stüßen, der aber das Wahlrecht erst mit dem 25. Lebensjahre beginnt und die von den Nationalliberalen bis zu den Sozialdemokraten Unselbständigen ohnehin ausgeschlossen sind, so dürfte die Ziffer um reichen würde. Daß die Regierung, die bisher dem Agrarier- ein Drittel niedriger angesezt werden müssen. Ferner sind von der 850 000 ha tum jederzeit Schuhpuzerdienste geleistet hat, es auf einen gesamten weißen Bevölkerung noch 2000 Nichtdeutsche in Abzug zu solchen entscheidenden Kampf gegen die kleine aber mächtige bringen, unter denen sich 1200 bis 1500 erwachsene männliche bePartei der Junker ankommen lassen würde, scheint uns voll- befinden dürften, die von der Bahl der Wähler- da ja nur Deutsche fommen ausgeschlossen zu sein. Ausgeschlossen, obwohl die das Wahlrecht besigen- abermals abzuziehen wären. 722 000 Bildung eines liberal- sozialdemokratischen Blockes gegen Wie gering der Prozentsatz der weißen deutschen Wähler gegenJunker und Zentrum politisch keineswegs aus über der Bevölkerungsziffer ohnehin ist, lehrt gleichfalls ein Blid sichtslos wäre. Denn es bedürfte nur der korrekten An- in die genannte Denkschrift; dort ist die Zahl der eingeborenen Be wendung der Bestimmungen des neuen Vereinsgesetzes, es be- völkerung inklusive der Mischlinge und der eingewanderten Farbigen dürfte nur der Möglichkeit für die Sozialdemokratie, auf dem erhalten erst ihre rechte Beleuchtung, wenn wir Ostelbien gesondert in Betracht ziehen. Zun wir das, so ergibt beispielsweise sich das Folgende: Der Besitz von der gesamten Wirtschaftsfläche verteilt sich folgendermaßen: Regierungs Bezirk Gesamte zahl der Betriebe Gesamts fläche Betriebs " Groß betriebe fläche der Großbetriebe Königsberg 127 601 1 845 000 ha • . Gumbinnen 99 394 1 344 000 · Marienwerder 101 119 1488 000 • 79 786 1 044 000 1235 000 363 000 1 580 000 72949 1023 000 " • 112 614 1 193 000 2069 1362 1617 982 1152 659 1435 1170 1326 521 000 750 000 556 000 " " 266 000 871 000 559 000 517 000 " " " " " Stettin. Köslin Stralsund. Pofen Bromberg. Breslau • • 75 590 26121 133 060 In der Budgetkommission hatte der Staatssekretär DernWir sehen also, daß in einer großen Reihe von ostelbischen platten Lande Versammlungen unter freiem auf rund 60 000 Personen angegeben. Regierungsbezirken der Großgrundbesitz mehr als die Hälfte Himmel abhalten zu dürfen, um bei Neuwahlen für den burg den Gouverneur v. Schuckmann als den Vater der deutschder gesamten landwirtschaftlichen Betriebsfläche sein eigen Reichstag einem solchen neuen Blocke die Majorität im füdwestafrikanischen Verfassung vorgestellt. Diese Bestimmung über die nennt. Und diese Junker, die in ganzen Provinzen durch das fünftigen Reichstag zu sichern. Aber die Annahme, daß die Heirat mit Eingeborenen sicht dem Herrn in der Tat sehr ähnlich. Bauernlegen und andere junkerliche Praktiken den Besitz von Regierung auch einmal die Vertretung der Intereffen der Man erinnert sich noch seiner hyperfittlichen Nebe vor wenigen Hunderttausenden ehemaligen Bauern in ihre Hände gebracht nicht befizenden lasse gegenüber dem Agrarier- Jahren im preußischen Abgeordnetenhaus über das Treiben in den haben, wagen es nun, die Nachlaßsteuer als einen Versuch der tum übernehmen könnte, erscheint nach ihrem bisherigen Ber- Berliner Nachtcafés. Die Heiterkeit, mit welcher das Haus setne Konfiskation des Eigentums, als ein Attentat, auf das halten so absurd, daß ein solcher Block der Linken nur in der Rebe begleitete, steigerte sich damals zum Gipfelpunkt als er ausBortemonnaie der Besigenden" zu bezeichnen! Phantasie sehr phantasiebegabter Politiker Realität annehmen rief: Bon Ihnen, meine Herren, habe ich allerdings noch niemand Eine größere Schamlosigkeit ist noch niemals dagewesen! Und könnte. diese Großgrundbesizer, die in einen Zustand der Tobsucht Wenn fich freilich Regierung, Agrarier und Zentrum einverfallen, wenn sie selbst zu einer Steuerleistung, die die be- bilden sollten, daß sie durch den ebenso frechen wie afrikanischen Eingeborenen für unsittlich, deshalb bestraft er fitlosen Massen mit Hunderten von Millionen belasten, einen lächerlichen Protest der Großgrundbefizer gegen die Nach den lebeltäter auf dem Umwege über das Wahlrecht mit dem Berwinzigen Zeil beitragen sollen, wagen es, das Reichs- laßsteuer und durch ein dadurch herbeigeführtes Kompro- lust des politischen Rechts. Bielleicht lernt die preußische Regierung tagswahlrecht zu beschimpfen, weil es den Nichtbesitzenden den miß mit der Regierung die Tatsache der unerhörten von ihrem füdwestafrikanischen Gouverneur und wendet feine Besitz ausliefere". Die Nachfahren der dreisten Räuber des Ausplünderung der befitlosen Klaffen verNationalbefizes haben allerdings alle Ursache, zu befürchten, ich leiern fönnten, so sind sie einem gar kläglichen Irrtume Methode auch den Polen gegenüber an. daß ein aus wirklich demokratischen Wahlen hervorgegan- berfallen. Durch solch findisch- wohlfeile Manöver wird man in einem Nachtcafe getroffen! Der Gouverneur v. Schuckmann hält die Heirat mit einer genes Parlament von den Besitzlosen nicht nur des Industrie- niemals die empörende Tatsache vertuschen können, daß man Die Fabel von der Gleichberechtigung. proletariats, sondern auch des bäuerlichen Proletariats der- in einer Zeit der Krise, der Herabsetzung der Lebenshaltung maleinst dazu benutt werden könnte, den Räubern von mehr der Masse, und zugleich einer Zeit der Bereicherung der Aus dem Reichstag, 19. Februar. An ztvei Bei als ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Betriebs- Reichsten, der darbenden Masse mehrere hundert Millionen fläche ihre Beute wieder zu entreißen. neuer Steuern auferlegen will, während die Leistungsfähigen ängstlich geschont werden! Geradezu skandalos ist es, daß das Zentrum, das sich stets heuchlerisch als Vertreter der Interessen der Nicht. besigenden aufspielt, die Junker bei ihrem Sturmlaut spielen wurde heute im Reichstage wieder einmal demonstriert. daß der verfassungsmäßig verbürgte Grundsatz der Rechtsgleichheit in Deutschland leerer Schall ist: an Gesinde und Landarbeitern, denen sogar die schmalen Rechte der Induftriearbeiter verkümmert sind, und an den Polen, die durch gefehliche Benachteiligung aus ihrem Landbesih hinaus- Hierauf begann die zweite Beratung der Steuergefege.! Jezt hat der Regierungspräsident in Magdeburg auf weitere hikaniert werden sollen. Das Haus steht hier wieder einer vollendeten Tatsache gegenüber, Beschwerde den Bescheid des Landrats und die Verfügung der Polizei Zunächst handelte es sich um die Fortsetzung der ersten zwischen allen Parteien, außer Sozialdemokraten und Polen, und aufgehoben, da die Angabe, daß zu der Generalversammlung Lesung des sozialdemokratischen Antrages betreffs Regelung der Regierung ist das bekannte Rompromiß geschlossen, durch nur Delegierte zugelassen worden seien, nicht zu widerlegen" sei.des Vertragsverhältnisses des Gesindes und welches auf drei Jahre hinaus alle Einkommen von mehr Zur Stichwahl in Bingen- Alzey. der Landarbeiter. Die Debatte wurde eröffnet durch als 1200 Mart an mit Zuschlägen bedacht werden, die den konservativen Domänenpächter Arendt- Labiau mit bei 5 Broz. beginnen und bei 25 Broz. endigen. Es verdient fest wahl in Bingen- Alzey noch nicht ausgegeben, aber der„ Hannoversche Die Nationalliberalen haben zwar eine Parole für die Sticheiner Rede, die an unfreiwilliger Stomit selbst die fanuschauer- genagelt zu werden, daß in der Kommission auch die Freifinnigen für das wahl in Bingen- Alzey noch nicht ausgegeben, aber der„ Hannoversche Courier" weist darauf hin, daß es selbstverständlich sei, daß die lichen Herzensergüsse des Herrn v. Oldenburg weit in den Kompromiß gestimmt haben, daß sie aber zur Blenarberatung plög Nationalliberalen für den Freifinnigen eintreten müssen und das um Schatten stellte. Es würde schwer sein, unter seinen Aus- lich mit einem Antrag anrüdten, wonach die Zuschläge erst bei so mehr, als die Nationalliberalen im Wahlkreise Stade auf die sprüchen den kostbarsten zu prämiieren. Ist es seine Be- 3000 m. beginnen follten; fie suchten auf diese Weise den Sozial- Hilfe der Freifinnigen angewiesen sind. Demnach dürfte die Wahl trachtung über die Schlafburschen zweierlei Geschlechts oder demokraten das Wasser abzugraben, die eine Herauffezung der des Pfarrers Korell gesichert sein. die Erklärung dafür, daß die landflüchtigen Arbeiter so Grenze bis auf 7000 M. beantragt hatten. Außerdem lag noch eine felten in die junkerliche bhut sich zurückbegeben? Sie Reihe anderer sozialdemokratischer Anträge vor, darunter ein Antrag Katholische Jugendorganisation. kommen nämlich ins Zuchthaus oder jagen anderen Phantomen auf Beseitigung der Ausnahmebestimmung des§ 23 des Einkommen- Jm bischöflichen Konvikt in Trier fand anfangs dieser Woche nach." Es braucht aber faum erwähnt zu werden, daß die steuergesetzes. eine Versammlung von Jugendvereinspräsides statt. Der Zweck Rechte auch die absonderlichsten Gedankenverrenkungen dieses Zwischen den Kompromißparteien entstand infofern eine der Versammlung war die Beratung über die Werbearbeit Lobredners des junterlichen Landparadieses mit schmetternder fleine Disharmonie, als die Konservativen aus der Reihe für die Jugendvereine. Der Referent, ein Kaplan, fagle Zustimmung begleitete. tanzten und auch für das Jahr 1908 Zuschläge zur Ein- unter anderem:„ Unsere Jugendvereine haben eine doppelte AufGenosse Zubeil unterzog die Argumente der Agrarier tommensteuer verlangten. Davon wollten die anderen gabe zu erfüllen. Sie sollen zunächst ihre Mitglieder für die christeiner eingehenden Kritik. Er gab ihnen den Rat, ihre Land- aber nichts wissen. Wie ein roter Faden zog sich durch die Debatte liche Weltanschauung erziehen oder sie wieder zu ihr zurückführen, arbeiter besser zu bezahlen und fürzere Arbeitszeit an Stelle der Versuch der bürgerlichen Parteien, es so hinzustellen, als ob die sodann die Mitglieder heranbilden auf dem Boden der Religion der 14 bis 16 Stunden zu gewähren, dann würden sie Kommission einzig und allein die Befizenden zu besteuern und die zur Charakterfestigkeit. Der Hauptfeind für den Glauben teine Kontrattbrüche zu gewärtigen haben. Zubeil be- unbemittelten zu schonen bestrebt gewesen sei, ein Märchen, der jungen Leute ist die glaubensfeindliche Sozialdemo= legte seine Ausführungen mit Beispielen aus dem Landleben das Genoffe Hirsch gründlich zerpflückte. Unser Fraktionsredner ratie. Sie ist überall bemüht, durch Verbreitung ihrer gottder Gegenwart. Einen recht peinlichen Eindruck machte geißelte den Versuch, die Armut zu besteuern, er bewies, wie die losen Ideen der Jugend den Glauben aus dem Herzen zu reißen es besonders auf die Rechte, als er berichtete, daß im Of Arbeiter heute unter dem Druce direkter und indirekter Steuern und so gefügige Werkzeuge zu erhalten im Kampfe gegen tober 1908 eine ungarische Landarbeiterfamilie völlig ver- schon zu seufzen haben und brandmarkte das Bestreben der Thron und Altar. Diese Gefahren beginnen für den Jünge elendet ohne Lohn von dem Gute des Herrn v. Podbielski Mehrheit, den Minderbemittelten und dem Mittelstande, den ling, sobald er vom Elternhause Abschied genommen hat, um bertrieben worden sei und immer noch auf ihren Lohn warte. man angeblich schützen will, neue aufzubürden. draußen einen Beruf zu ergreifen. Nur zu oft ist der Lehrling Der Antisemit Bindewald strich die Zustände in Hessen Klipp und flar erklärte er, daß seine Freunde dieser Regierung, die schutzlos den gewissenlosen Verführern preisgegeben. Darum heraus, das angeblich keine Landarbeiternot tenne und der ihr Todfeind sei, keinen Pfennig Steuern bewilligen würden. Es heißt es, frühzeitig die Jugend sammeln, damit sie vor diesen ReAntisemit Werner renommierte aufgeregt mit seinen land- sei ihnen nicht zuzumuten, daß sie ihren Feinden die Munition volutionären bewahrt bleibt. wirtschaftlichen Kenntnissen. Im Schlußwort stellte Stadthagen liefern. Bevor nicht das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlfest, daß die Konservativen mit dem Bekenntnis heraus- recht in Preußen eingeführt sei, würden die Sozialdemokraten für gekommen sind, daß sie den Landarbeitern unter feinen Um- feinerlei Bugeständnisse zu haben sein. Die von eindringender ständen gleiche Rechte mit den anderen Arbeitern gewähren Sachfenntnis zeugenden, in scharfer Pointierung vorgetragenen wollten. Mit der Kommissionsberatung unseres wie des Ausführungen bereiteten den bloßgestellten bürgerlichen Parteien Zentrumsantrages erklärte Stadthagen sich namens der Partei sichtlich mancherlei Unbehagen. einverstanden. Am Sonnabend wird die Beratung fortgesetzt. Die Konservativen haben, um ihrer Landarbeiterfeindschaft einen recht markanten Ausdruck zu geben, sogar namentliche Abstimmung über den Antrag auf Stommissionsberatung beantragt. Sie blieben aber mit 106 Stimmen( die drei tonfervativen Fraktionen, Antisemiten und einen Teil der Nationalliberalen) in der Minderheit gegen 209 Stimmen. b. P Politifche Ueberlicht. Berlin, den 19. Februar 1909. Eine Kronrats- Sihung. " Unter den Mitteln zur Gewinnung der Jugend nannte der Redner die soziale Schulung der Jugendvereinsmitglieder. Die Jugend", so sagte er, hat einen Anspruch auf eine gründliche Belehrungs- und Aufklärungsarbeit, besonders in der Zeit, in welcher fie in eine für sie ganz neue Welt tritt und zu den Feinden von außen sich noch ein schlimmer in der eigenen Prust gefellt. Da bedarf die Jugend ganz besonders der Stütze und weisen Führung, der Belehrung und Aufklärung. Uebernehmen wir diese Aufgabe nicht, so sind schon andere da, die sich der Jünglinge bemächtigen und sie ins Berderben ziehen. Die Sozialdemokraten dringen mit ihrem Gifthauche in die entlegenen Dörfer und Weiler und wissen an die Jugend heranzutommen in Wort und Schrift. Darum soll auch auf Bei der dann folgenden Erörterung des polnischen Initiativantrages, der sich gegen die skandalöse Rechtlos abend unter dem Vorsitz des Kaisers ein fog. Kronrat in konfessionellen Jugendvereinen." Nach langen Jahren hat wieder mal am Donnerstag dem Lande die Jugend in Vereinen organisiert werden, und zwar ma djung der Polen in dem preußischen stattgefunden. Bisher sind solche Beratungen nur aus ganz Der Redner empfahl als Werbemittel außer der Agitation Ansiedelungsgesetz richtet, befolgten die soeben in die besonders wichtigen Anlässen abgehalten worden. So fand von Mund zu Mund größere Versammlungen und Feiern, sowie Minderheit verfekte hakatistischen Parteien die klägliche Taftir beispielsweise am 24. Januar 1890 ein Kronrat statt, als es gemeinsame Kommunion. In der Diskussion begrüßte Diözesandes Schweigens, wohl in dem Bewußtsein, daß zur Verteidigung sich um die Aufhebung des Sozialistengeseyes handelte. 3wei präſes Konviktsdirektor Anheier die Abhaltung gemeinschaftdiefer brutalen Gewaltpolitik sich nicht einmal Scheingründe geltend Monate später nahm Bismard seine Entlassung. Am 17. Märzlicher Feiern, wozu er auch eine Wallfahrt nach Clausen machen lassen. Um so schärfer fielen die von Grimm und 1892 fand wieder ein Kronrat statt. Er hatte über das Schul- rechnete. Besonders wies er auf den unschätzbaren Nuhen hin, Entrüstung erfüllten Verurteilungsreden aus. Der Pole Dziembowski- Bomian tonnte mit Fug und Necht gesetz und den dagegen erhobenen Proteststurm zu befinden. ben bie hl. Ggeraitien in den jungen Herzen zeitigen. Sie v. Dziembowski- Pomian konnte mit Jug und Recht Das feststellen, daß man noch vor etwa zehn Jahren in Deutschland as Schulgesetz fiel, und nach ihm sein Urheber, der Stultus- brächten die wahren, begeisterten Apostel für die Jugendvereine minister Graf Zedlig. Ein Mitte März 1896 abgehaltener hervor. einen Mann, der einen solchen Antrag eingebracht haben Kronrat hatte über die Herabsehung des Zinsfußes der Derartige Mittelchen mögen im weltfernen Triererlande noch würde, einfach ausgelacht hätte, weil er etwas absolut Selbst- preußischen Rente zu befinden. Die Ablehnung der Kanal- berfangen, im allgemeinen ist die Arbeiterjugend der Gegenwart verständliches verlangt hätte. In keinem wirklichen vorlage im August 1899 zeitigte ebenfalls einen Kronrat, auf doch schon begehrlich genug, um sich nicht an Wallfahrten und Kulturstaat fet etwas möglich, wie es in dem die Maßregelung der„ Kanalrebellen" befchloffen wurde. Gebetsübungen genügen zu lassen. Preußen der Reichsverfassung und den allgemeinen Worüber diesmal beraten wurde, gibt die„ Nordd. Allg. Menschenrechten zutvider Gesetz geworden sei, daß man 8tg." nicht bekannt; sie meldet nur, daß die Beratungen um Harden- Weisheit mit 25 Proz. Rabatt. den Bürgern eines Staates bloß ihrer Sprache wegen den 51 Uhr ihren Anfang nahmen und bis 8 Uhr dauerten. Nach Wie in anderen Drten will Herr Marimilian Harben Erwerb von Grund und Boden, ja die Bebauung des ihnen einer Meldung der„ Berl. Volksztg." befaßte sich der Kronrat auch in Magdeburg dieser Tage einen Vortrag über die gehörigen Grund und Bodens unmöglich machen wolle. Auch mit Fragen der Reorganisation der inneren Verwaltung eine ergebenfte Einladung", gegen deren Vorzeigung politische Lage halten. Zahlreiche Bewohner dieser Stadt erhielten der Zentrumsredner Graf Prasch ma schlug ungewohnt Preußens, speziell mit der Frage der Teilung des Kultus- ihnen auf den Eintrittspreis, der 4, 3 und 2 M. beträgt, eine scharfe Töne an, indem er erklärte, daß seine Partei die Frage ministeriums und der Ernennung eines neuen Ministers für Breis ermäßigung von 25 Prozent in Aussicht gevom Standpunkt des Rechts ausschließlich auffasse; darin Herrn Holle. Ferner sei die Schaffung einer neuen west- stellt wird. ftimme er ganz mit den Polen überein. Besonders auffällig lichen Industrieprovinz aus Zeilen Westfalens und Rheinwar es, daß der Zentrumsredner direkt gegen Bülow Stellung lands beraten worden. Endlich beständen aus Anlaß der nahm, dessen Stanzlerschaft er ein baldiges Ende prophezeite Reichsfinanzreform tiefe Gegenfäße zwischen Herrn Sydow im Gegensatz zu Bülows eigener optimistischer Auffassung und dem preußischen Ministerium, deren Beseitigung drin- 17. Februar einstimmig eine Wertzuwachssteuer an. Das Gesetz hat Genosse Stadthagen brandmarkte darauf die preußische Bolenpolitik in flammenden Worten der Entrüstung, die den gend nötig sei. Präsidenten auf die Beine brachte, als er ausrief, daß solche Gesetzesmacherei die Hehlerei und Stehlerei begünstige. Auch der Abg. Gothein schloß sich dieser Verurteilung der preußischen Entrechtungsgesetze an, indem er für die gesamte liberale Fraktionsgemeinschaft die Zustimmung zu dem polnischen Antrag erklärte. fo Graf Stolberg schlug darauf vor, die Beratung auf Donnerstag zu vertagen, am Sonnabend keine Situng ab zuhalten, damit die Kommissionen arbeiten können und der nächste Montag und Dienstag frei bleiben sollen, am Mittwoch fleinere Vorlagen auf die Tagesordnung zu sehen. Demgemäß wurde beschlossen. Hoffentlich haben sich bis zum Donners tag die Hakatisten so weit gesammelt, daß sie eine Antwort risfieren. Die Steuergesetze im Dreiklaffenparlament. Podbielskische Geschäftstüchtigkeit. Wertzuwachssteuer. Der Bürgerausschuß in 2 bed nahm in feiner Sitzung vont rückwirkende Kraft. Es gilt vom 1. Januar 1907 ab und enthält Steuersäge von 1 bis 25 Prog. Der Höchstsatz wird erhoben, wenn ein Grundstück innerhalb eines Beitraumes bis zu zeh Jahren mit mehr als 100 Broz. Gevinn wiederverkauft wird. Eine agrarische Gründung. " Der frühere Landwirtschaftsminister v. Bobbielski will, wie die B. 8. am Mittag" zu berichten weiß, ein elektrotechnisches Bureau gründen. Die Unternehmungen der Elektrizitätsindustrie versuchen seit langem, die Landwirtschaft für die Verwendung der Elektrizität nächsten Dienstag in Berlin ein Verein zur Hebung des ZuckerNach dem Muster der agrarischen Spirituszentrale foll am zu Beleuchtungs- und Wirtschaftszwecken zu interessieren. Es ist verbrauchs gegründet werden. Die Deutsche Agrar- Korresp." hofft, ihnen jetzt gelungen, den geschäftsgewandten Landwirtschaftsminister daß an der Gründungsversammlung auch viele Landwirte teila. D. v. Podbielsti als Agenten zu gewinnen. Demnächst wird nehmen werden, die gerade zu dieser Zeit zur Zirkus Busch- Parade unter Leitung des Herrn v. Podbielski, dem mehrere Ingenieure in Berlin anwesend find. der Hauptkonzerne der Elektrizitätsindustrie als Ratgeber für Spezial fragen attachiert sind, eine elettrotechnische Auskunftei Leidensgeschichte eines schwachsinnigen Soldaten. für Landwirte errichtet werden, die gleichzeitig Aufträge ent- der 82 Jahre alte Arbeitssoldat Karl Moris wegen wiederholter Vor dem Kriegsgericht der 16. Division( Trier) hatte sich jüngst gegennimmt. Die einlaufenden Aufträge sollen dann gleichmäßig Fahnenflucht zu verantworten. Morik, der schon in frühester Jugend auf die mitwirkenden Elektrizitätsgesellschaften verteilt werden. in Fürsorgeerziehung fam, wurde im Jahre 1901 zum Jnfanterieregiment Nr. 108 eingestellt. Er war ein schlechter Soldat und Klerikaler Wahlterrorismus. wurde häufig wegen Bergehen gegen die militärische Disziplin bcDie von der ultramontanen Nathausmehrheit in Mülheim straft. Im Jahre 1906 wurde er wegen Fahnenflucht zu einem Jahr Ges am Rhein unter strupellosester Fälschung der Städteordnung voll- fängnis verurteilt. Durch Beschluß des Generalfonumandos des 8. Armeetorps als Arbeitssoldat zweiter Klasse nach Ehrenbreitstein versett, Die ewigen Beschwerden des Zentrums über ungleiche Be- 30gene ungültigkeitserklärung der Wahl von drei sozialdemokratischen wurde er im Mai 1908 wieder fahnenflüchtig. Er trieb sich einige handlung werden nun hoffentlich ein Ende nehmen. Im Interesse Stadtverordneten ist noch in frischer Erinnerung. Jetzt haben sich Tage in Westfalen umher, wurde aber schließlich als Deserteur exder Wahrung der Barität hat Genosse Hoffmann der Abrechnung die Mülheimer Zentrumsleute einen neuen Gewaltstreich erlaubt. fannt und festgenommen. Vor Gericht gab er an, daß er fortmit der evangelischen Geistlichkeit vom Donnerstag am Freitag die In Mülheim besteht eine alte Kranken- und Sterbegeldtaffe, genannt während au Kopfschmerzen leide, die auf einen in der Abrechnung mit den katholischen Pfarrern folgen lassen, und er bes St. Josephs- Bruderschaft, die einen sehr großen Mitgliederkreis Jugend erlittenen Unfall zurückzuführen feien; außerdem leide er ant forgte das mit einer Gründlichkeit, daß weite Kreise nicht nur des hat. Dieser Tage erhielt mun eine große Anzahl von Mitgliedern Epilepsie und Blutarmut. Oberstabsarzt Dr. Schnee hat den Angeklagten längere Zeit im Lazarett beobachtet; er hält ihn Bolles, sondern auch des niederen Klerus innerhalb der fatholischen folgende gedruckte( 1) Zustellung: Kirche ihm dafür Dant wissen werden. Große Sensation rief es im Hause hervor, als der sozialdemokratische Redner eine Reihe an die Fraktion gerichteter Schreiben von katholischen Geistlichen verlas. Gar zu gern hätte das Zentrum die Namen erfahren, aber offmann nannte sie nicht, um wie er nachdrücklichst betonte, die Beschwirdeführer vor wirtschaftlicher Schädigung zu bewahren. Unangenehm wurde den frommen Herren vom Zentrum zu Mute, als der Redner ihnen einige charakteristische Proben von dem Schlemmerleben der gut bezahlten hohen Würdenträger der Kirche vor Augen führte und an der Hand einer Reihe von Beispielen die Unduldsamkeit der Katholiken nachtvies. Mit gutem Geschick spielte er am Schluß auf Der Vorstand der Kasse besteht aus waschechten die Blockpolitik an; mit Wig fennzeichnete er die Abhängigkeit der Liberalen vom Block mit den Worten: Der Blockheilige Bernhard Bentrumsleuten. Auf das Statut können Sie sich bei ihrem Attentat auf die Wahlfreiheit nicht stigen; darum rebet Wie dem Vorstand bekannt geworden ist, haben Sie bei für ho grabig wachsinnig und hysterisch, so daiz ben legten Stadtverordnetenwahlen für die ihm der§ 51 des Strafgesegbuches in vollem Umfange zugebilligt Sozialbemokratie gestimmt. Da solche Kundgebungen werden müsse. Der Vertreter der Anklage hält den Angeklagten mit den Intereffen unserer Bruderschaft nicht zu vereinbaren find, strafe von einem Jahre oder Ueberweisung an eine Irrenfür einen Simulanten; er beantragt eine Gefängnisso wird Ihnen anheimgegeben, sich als Mitglied abzumelden. Sollten Sie aber obiger Partei nicht angehören, so möchten wir anstalt zur Beobachtung des Geisteszustandes. Das Gericht ichloß Sie bitten, uns innerhalb acht Tagen anzugeben, welche Ver- sich dem Gutachten des ärztlichen Sachverständigen an und erkannte anlassungen vorlagen, solche Gegenfäge herbeizuführen, damit wir auf& reisprechung. Damit hätte endlich solches prüfen können. Anschließend teilen wir Ihnen mit, daß Leidensgeschichte eines Mannes ein Ende, der, wenn die Unternach acht Jahren!! die militärische bis zur Erledigung und Anftlärung hierüber Ihre Mitgliedschaft suchung der Gestellungspflichtigen wissenschaftlichen Anforderungen ruht, und wir Sie von Ihren Rechten und Pflichten genügte, überhaupt nicht hätte eingestellt werden dürfen. entbindent." Fahnenflucht und Wandertrieb. Mit einem eigenartigen Fall von Fahnenflucht im Rüdfall hatte tigen. Auf der Anklagebant saß der Grenadier Rosenstock vom 5. Garde- Regiment. St. ist von einem fast frankhaften Wandertrich beseelt, der besonders im Frühjahr stark bei ihm zum Ausbruch tommt. Schon als Schulfnabe hatte er darunter zu leiden. Er verschwand oft plötzlich und stellte sich nach mehreren Tagen ruhelofen Umherwanderns wieder ein. Bei den Eltern und Behrern entschuldigte er sich dann jedesmal. Einmal stahl er sogar einem Lehrer ein Fahrrad, um damit in die Welt hinauszufahren. Beim Militär fühlte fich St. auch anfangs recht wohl. Da wurde er eines Tages fahnenflüchtig. Ein stichhaltiger Grund für sein ist Ihr Prophet und die Aussicht auf Regierungsfähigkeit ist Ihre man nur von den„ Interessen" der Bruderschaft, gegen die die Mit- fich gestern das Oberkriegsgericht des Gardekorps zu beſchäfSeligkeit. Seine Prophezeiung, daß der Liberalismus abgelöst werden wird durch den siegreichen Sozialismus, durch das Evangelium glieder verstoßen haben sollen. der Menschenliebe, berührte die Liberalen höchst unangenehm, ein BeZur Auslegung des Vereinsgesetzes. weis für die Richtigkeit des Sayes. Nach einem verunglückten Der sozialdemokratische Verein des Wahlkreises Calbe- Aschersleben Bersuch des Abgeordneten Dr. Kaufmann( 3.), die Argumente hielt am 28. August 1908 in Barby seine Kreisgeneralversammlung des Genoffen Hoffmann zu widerlegen, wurde das Gesetz über die ab, die sich nur aus Delegierten zusammensetzte. Die Polizei fah Besoldung der katholischen Pfarrer gegen die Stimmen der Sozial- trotzdem die Bersammlung als eine öffentliche an und ordnete polizei demokraten und der Bolen angenommen. Die Polen waren wegen liche Ueberwachung an. Eine Beschwerde über das Vorgehen der der Ausnahmebestimmungen für ihre Diözesen nicht dafür zu haben. Polizei wies der Landrat in Calbe ab. Entfernen lag nicht vor. Er wurde bald wieder ergriffen und vom Kriegsgericht verurteilt und in die zweite Klasse deS SoldatenstandcZ versetzt. Nach seiner Entlassung auS dem Gc- fängniS wurde er der Disziplinarabtcilung in Spandau zugeteilt. Doch schon nach zwei Tagen— cS war im April vorigen Jahres— kam der Wandertrieb wieder bei ihm zum Ausbruch. Uebcr den Zaun hinweg wurde N. abermals fahnenflüchtig. Nach mehr- tägigem ruhelosen Hin- und Hcrwandern wurde er in der Provinz von einem Gendarmen angehalten und wieder nach Spandau gebracht. Das Kriegsgericht erkannte diesmal auf eine Gesängnisstrase von einem Jahr, einem Monat und drei Tagen, sowie auf Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Das Oberkriegs- aericht, bei dem der Angeklagte Berufung einlegte, ließ es bei dem Urteil. DaS Reichsmilitärgericht wies die Sache zur noch- maligen Verhandlung an daS Oberkriegsgericht zurück. R. war in- zwischen von Medizinalrat Dr. Lcppmann mehrere Wochen auf seinen Geisteszustand hin untersucht worden. In der gestrigen Verhandlung bekundete Dr. Leppmann als Sachverständiger, das; der Wandertrieb bei dem Angeklagten zweifellos stark ausgeprägt sei. das; wissenschafilich aber nicht nachgewiesen werden könne, daß sich R. in einem solchen Zustande bei Begehung der Tat befunden habe, dag er auf Grund des§ öl freigesprochen werden müsse. DaS Oberkriegsgericht milderte das Strafmag auf ein Jahr und einen Tag Gefängnis herab und rechnete zehn Monate und siebe» Tage von der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt an._ Noch einige Militärgerichtsurteile. DaS Straßbnrger Kriegsgericht verurteilte einen Sergeanten zu drei Monaten Gefängnis, weil er einen ihm gegebenen Befehl nicht sofort ausführte. Vom Kriegsgericht Saarburg wurde ein Ulan zu vier Wochen strengeni Arrest verurteilt, weil er einen Unteroffizier, dem Degradation und eine längere Freiheitsstrafe bevorstand, nicht mehr als Vorgesetzten behandelt hatte. Das OberlciegSgericht hob in diesem Falle das Urteil auf.__ Die Bnlkankrise. Ein Ultimatum? Seit einigen Tagen wird in österreichischen Blättern, die dem Auswärtigen Amt nahestehen, ein drohender Ton gegen Serbien angeschlagen, und Belgrader und Petersburger Zeitungen erzählen, daß Oesterreich Serbien ein Ultimatum stellen wolle, wenn es nicht binnen einer Woche seine Rüstungen ein- st e l l e. Daß die österreichische Regierung einen Druck auf Serbien auszuüben suchen wird, ist allerdings nicht unwahrscheinlich, daß dies aber in der Forin des Ultimatums, dem letzten diplomatischen Schritt, auf den dann der Krieg zu folgen pflegt, geschehen sollte, ist weniger wahrscheinlich. Die beste Friedens- garantie sind übrigens die gänzlich verworrenen serbischen Verhält- nisse. Der König Peter soll neuerlich erklärt haben, er sei zur Ab- dankung entschlossen, und die Skuptschina hat heute dem Volkswirt- schaftSminister ihr Mißtrauen votiert, ein Beschluß, der den Rücktritt de« Gesamtministeriums nach sich ziehen dürfte. Wahrscheinlich dürfte der serbische Krakeel mit einem Mi- nisterium deS ehrgeizigen Strebers P a fi c und einigen Handels- politischen Zugeständnijsc» Oesterreichs schließlich beendigt werden. Serbische Banden. Prizrc», lg. Februar. Unter den hiesigen Serben werden Sammlungen zur Ausrüstung serbischer Banden veranstaltet. Zum B o h k o t t gegen Oesterreich-Ungarn wird von den Serben immer noch sehr gehetzt. Dennoch finden die österreichisch-nngarischen Waren hier ungestörten Absatz. Oeftemick. Die Präger Polizeiaktion.. Prag, 18. Februar. Heute vormittag wurde in der Wohnung der tschechisch-nationalen Organisation eine gerichtliche Haus- s u ch u n g vorgenommen. Zahlreiche tschechische Blätter wurden von der Staatsanwaltschaft konfisziert. Antimilitaristisches. Prag, IS. Fcbniar. In Schlan sind 30 Unteroffiziere hiesiger hiesiger tschechischer lliegimenter bei einer a n t i m i l i t a r i st i s ch e n G e h e i m v e r s a m in l u n g überrascht und verhaftet worden. Im Zusammenhang mit den anderen Vorfällen der letzten Zeit er- regt diese Verhaftung großes Aufsehen. Lelgien. Die Briisieler Bombenaffäre. Brüssel, 18. Februar. sEig. Ber.) Die Verhaftung des Bomben« favrikanteu Seiliger, bei der zwei Polizeibeamte ihr Leben ver- loren. erfolgte in Gent erst acht Tage nachdem in Brüssel die Bombe aufgefunden worden war, nicht etwa durch die Findigkeit der Polizei sondern durch den WohnnngSvernneter, dem die Aehnlichkeit seines Mieters mit dem gesuchten„Anarchisten" auffiel und der die Polizei erst darauf aufincrksain machte. Sciliger hatte sich dabei nicht im geringsten zu verbergen gesucht. In Gent meldete er sich als russischer Student und verkehrte ruhig mit seinen Bekannten, schien also vor seiner Entdeckung keine besondere Angst zu haben. Dazu kommt. daß Seiliger der Brüsseler Polizei bekannt war. die auch seine Wohnung in Brüssel bewachte. aber erst dann Schritte gegen ihn unternahm, als er bereits»ach Gent abgereist war. Bei der Haussuchung wurden denn auch viele„kompromittierende" Dokumente gesunden und es war gleichfalls sehr gefällig von dem„Anarchisten", daß er diese so ruhig der Polizei überließ, obwohl er sie schnell hätte ver- Nichten können. Di« Art, mit der die Untersuchung geführt wurde, wird auch von bürgerlichen Blättern sehr merkwürdig gefunden. So verteidigt zwar der„Petit Bleu" die Polizei, beschuldigt aber die, die die Untersuchung führten. Diese habe den Eindruck erweckt, daß man um jeden Preis habe vermeiden wollen, daß in Brüssel eine Anarchisten- oder Terroristenaffäre oder eine russische Agent« Provokateurgefchichte herauskomme, aus Furcht vor Komplikationen. In der ganzen Untersuchung habe man einen seltsamen Einfluß bemerkt, der der Untersuchung entgegen- arbeite und sie lähme. So sind nun auch bürgerliche Blätter gezwungen, die anfangs nur vom„Peuple" ausgegangenen Angriffe zu bestätigen. Welcher Art die„Gefälligkeiten" sind, die der russischen Polizei da erwiesen worden sind, wird sich viel« leicht im iveiteren Verlaufe noch herausstellen. Natürlich benützt die Polizei die Affäre, um die ganz unschuldigen russischen Studenten zu belästigen. S e i l i g e r hat übrigens, nachdem er zwei Tage geschwiegen, in den Hauptpunklen ein volles Geständnis abgelegt. Er bekannte, die Bombe fabriziert und bei dem Kaufmann M. unter der bekannten Androhung eingedrungen zu sein. Seine Mitschuldigen weigert er sich zu nennen. Englanck. Die Tarifreform. London, IS. Februar.(Unterhaus.) Der Zufatzantrag der Apposition zu der die Tronrede beantwortenden Adresse deS Unter- Hauses, welcher die Tarifreform befürwortet, wurde nach einer zweitägigen Debatte mit 270 gegen 107 Stimmen abgelehnt. Im Verlaufe der Diskussion erklärte Balfour, daß die aus- ländischen Märkte für die englischen Erzeugnisse und Sicherheit für die heimische Industrie absolute Notwendigkeiten seien und daß die Tarisreform eines der Hauptmittel sei, durch die diese beiden Ziele erreicht werden könnten. Handelsminister Churchill ließ sich über die Unbestimmtheit der von Balfour vorgebrachten Gründe aus und wies darauf hin, daß England nicht nur nicht schlechtere, sondern manchmal bessere Bedingungen für seine Ausfuhr erhalte als die Schutzzolländer. Der Minister hob auch hervor, daß es eine gefährliche Politik sein würde, die Idee der Neichseinheit mit der Besteuerung von Brot und Fleisch zusammenzubringen. Eine Einladung. London, IS. Februar. In einer Sitzung der Gemeindekörper- schaften in G u i l d h a l l wurde gestern beschlossen, den Oberbürger- meister, den Bürgermeister und andere Vertreter der Stadtbehörden von Berlin und Charlottenburg während der Londoner Saison nach London einzuladen. Italien. Gorki. Rom, IS. Februar. Die Meldung, die Regierung habe Gorki ausgewiesen, weil von der russischen Regierung gegen den- selben ein Haftbefehl erlassen worden sei, ist falsch. Weder Gorki wurde aus Italien ausgewiesen, noch hat die russische Regierung einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. R�ßlancl. Die Lage im Kaukasus. Petersburg, IS. Februar. In der gestrigen Abendsitzung führte die Duma die Debatte über die Interpellation der äußersten Rechten und Nationalisten zu Ende, die aus Anlaß der fortgesetzten terroristischen Ausschreitungen im Kaukasus an den Ministerpräsidenten gerichtet worden war. Im Laufe aller fünf Sitzungen, die sich mit diesem Gegenstände beschäftigten, war die Debatte äußerst st ü r m i s ch. Die Interpellanten beschuldigten den Statthalter im Kaukasus, Grafen Woronzow-Dafchkow, der gesetzwidrigen Untätigkeit, die die separatistische Bewegung der kaukasischen Völkcrstämme und die Unterdrückung der dort an- sässigen russischen Bevölkerung begünstige. Abgeordnete der Linken, unter ihnen Abgeordnete ans dem Kaukasus, fanden im Gegen- teil, daß Strafexpeditionen und administrative Willkür den dauernden Aufenthalt im Kaukasus unmöglich machten. Armenische Abgeordnete stellten das Vorhandensein einer auf Abtrennung gerichteten Bewegung im Kaukasus mit Eni- schiedenheit in Abrede. Die Vertreter des Statthalters, Baron Nolde und Senator Mitskiewitfch, wiesen in längeren Reden darauf hin, daß für den Kaukasus keine anderen Maßregeln be- ständen als für die übrigen Teile Rußlands, in denen der Terror gegenwärtig noch bestehe. Der Statthalter sei bemüht, die Re- formen durchzuführen, die teilweise bereits l>ei der Duma ein- gebracht seien. Erst nach Durchführung dieser Reformen könne die Ruhe hergestellt werden. Schließlich wurde eine von den Okto- bristen eingebrachte Resolution angenommen, in der folgende For- dcrungen gestellt werden: Gründliche Untersuchung der Mißbräuche seitens der lokalen Verwaltungen, Reorganisation dieser Ver- waltungcn, hauptsächlich der Polizei, Durchführung positiver Re- formen der Agrarverhältnisse, des Gerichtswesens, der Volksbildung und der Kolonisation unter der Bedingung, daß die Interessen der einzelnen Völkcrstämme in gerechter Weise gewahrt und die Eigen- heitern der~ verschiedenen Gegenden des Kaukasus berücksichtigt werden. Endlich verlangt die Resolution die Unterordnung der Verwaltung des Kaukasus unter den Ministerrat. Die Sitzung wurde nachts 2 Uhr geschlossen._ Der neue Oberprokurator. Petersburg, 19. Februar. Das Mitglied des Rcichörates Senator Lukjanow ist zum Oberprokurator des Heiligen Synod ernannt worden. Der neue Mann ist merkwürdigerweise ein Medi- ziner, früherer Professor der pathologischen Anatomie. Seiner Gesinnung nach ist er Urreaktionär, der die Traditionen Pobjodonosscws getreu befolgen wird. CCirhd. Das abgelehnte Budget. Paris, IS. Februar. Nach einer Konstanttnopeler Meldung des„Matin" hat der Ministerrat gestern das noch von Kiamil Pascha herrührende Budget abgelehnt und den Finanz. minister beauftragt, einen neuen Entwurf auszuarbeiten. Außerdem soll ein besonderer Ausschuß zur Regelung der türlischen Finanzen eingesetzt werden. perlten. Der Bruder deS Schah gefangen. London, IS. Februar. Nach einer Blättermeldung ans Teheran wurde Prinz Schua es Saltaneh.am 13. d. M. in Rescht, als er dort, von Europa kommend, landete, von Revolutionären gefangen genommen; für feine Freilassung wird ein Lösegeld von 1000 Pfund Sterling verlangt. Soziales. Uebcrstundenzahlung. Der Tischler Theurich klagte gestern vor der Kammer IV des Gewerbegerichts unter Vorsitz des MagistratSratS Dr. Gerth gegen den Kaufmann Paul Meinicke. Der Kläger war beim Be- klagten zu einem Wochenlohn von 28 M. unter KündigungSauSfchluß beschäftigt. In der Zeit vom IS. November bis 24. Dezember 1908 hatte er Heber stunden geleistet. Er fordert dafür Bezahlung. Beklagter macht geltend, daß Kläger bei seinem Eintritt einen ReverS unterschrieben habe, der unter anderem besagt, daß für Ueberstnnden eine Entschädigung nicht gezahlt wird. Auch habe Kläger am 18. Dezember eine schriftliche Erklärung ab- gegeben, daß er keine Ansprüche mehr an ihn habe. Die Erllärung liegt dem Gericht vor. DaS Gericht verurteilte den Beklagten, dem Kläger für 22 Ueberstnnden je 55 Pf., abzüglich der beretts für einige Ueber- stunden gezahlten 4 M. zu zahlen. Die in dem vom Kläger unter- schriebenen ReverS enthaltene Bestimmung bezüglich der Ueberstunden widerspreche, hieß es im Urteil, der allgemeinen Eilte, Ueberstunden zu zahlen. Sie ist auch dadurch ansgehoben, daß der Beklagte be- reits 4 M. für geleistete Ueberstunden an den Kläger gezahlt und dadurch selbst die Forderung des Klägers auf Bezahlang der Ueber- stunden anerkannt hatte._ Kassation der AricltgeverSeisitzer in Teltow. Die Wahlen der Arbeitgeberbeisitzer des Gewerbegerichts Teltow find vom Bezirksausschuß Potsdam für ungültig erklärt. Die Stadt Teltoiv hat auf Betreiben unserer Genossen sich dem Gewerbegericht Lichterfclde angeschlossen. Nach dem Statut solle» von Teltow je 4, von Lichterfelde je 20 Arbeitgeber und Arbeit- nehmer für daS beiden Orten gemeinsame Gewerbegericht gewählt werden. Bei der Wahl am IS. Dezember, bei der die Hälfte der Beisitzer zu wählen war, wurden die von den freien Gewerkschaften aufgestellten Arbeitnehmerkandidaten gewählt. Gegen die Gültig- keit dieser Wahlen lagen keine Bedenken vor. Anders stand es mit der Wahl der Arbeit g e b e r Vertreter. Die von bürgerlicher Seite aufgestellte Liste enthielt elf Lichterfelder und nur einen Namen ans Teltow. Diese zwölf erhielten die Mehr- hett. Außerdem entfielen auf zwei Teltower Genoffen fünf resp. vier Stimmen. Als gewählt wurde jedoch die bürgerliche Lifte proklamiert. Die von Genossen Trenke gegen dieses Wahlergebnis eingelegte Beschwerde ist vom Bezirksausschuß nunmehr für gerecht- fertigt erklärt. Hoffentlich gelingt es unseren Genoffen, bei der dem- nächst stattfindenden Neuwahl den Sieg zu erringen. Vergehen gegen die Arbeiterschutzgesetze. Nach dem soeben erschienenen Band 13ö der Kriminalstatistik deS Deuiscben Reiches für das Jahr 1903 wurden wegen Vergehens gegen die Arbeiterschutzbestinnmuigen im Jahre 1903 insgesamt 21 291 Personen verurteilt. Davon wurden 32 mit Verweis, 21 181 mit Geldstrafe, 20 mit Haft und 28 mit Gefängnis bestraft. Am häufigsten wurde gegen die Bestimmungen über die Sonn- tagsruhe gefehlt; ans diesem Grunde wurden 9698 Personen verurteilt. Die demnächst zahlreichsten Bestrafungen beziehen sich auf Bergehen gegen de» Kinderschutz nach dem Kinderschutzgesetz und erreichen die Höhe von 3296. Wegen Vergehen gegen Jugend- und Kinderschutz nach der Gewerbeordnung haben 1150 Verurteilungen stattgefunden. Hub Induftne und ftendel. Die Aktiengesellschaften im Jahre 1908. Im Verlauf des Jahres 1908 haben 4731 Aktiengesellschaften mit 13l/3 Milliarden Mark Aktienkapital im„Zentralhandelsregister" ihre Bilanz veröffentlicht. 323 Gesellschaften mit 393,33 Millionen Mark Kapital schlössen ihr letztes Geschäftsjahr mit einem Verlust ab und zwar in Höhe von 113,92 Millionen Mark. Die anderen 4105 Geiellschasten mit einem Kapital von 12,74 Milliarden Mark weisen einen Reingewinn im Betrage von 1,37 Milliarden Mark aus, Ans je 100 Mark Kapital kommen demnach 13,11 Mark Reingewinn. Nach Abzug der Verluste ergibt sich für sämtliche Aktiengesellschaften ein Reingewinn von 1,ö3 Milliarden Mark oder von 11,58 Prozent des Aktienkapitals. Für das Jahr 1903/07 hatte der Reingewinn 12.01 Prozent betragen. In der Gruppe Warenherstellung betrögt der Neingewinn 12,2 Prozent deS Aktienkapitals, in der Gruppe Handxl 12,8 und in der Gruppe Verkehr 3,4 Prozent. 3ö3ö Gesellschaften hatten zu- samnien ein dividcndenberechtigtes Kapital in Höhe von 12.30 Milliarden Mark nominal. Auf dieses Kapital wurden für 1907/08 8.1 Prozent Dividende verteilt gegen 8.ö Prozent im Jahre 1003/07. In den verschiedenen Gruppen gestaltete sich die Dividende, wie folgt: Aktienkapital Dividende in Prozent in Millionen Mark 1003/07 1007/08 Warenherstellung. 3 814.74 9,S 0,0 Handel.... 3845.21 8.0 7.9 Verkehr.... 1 488,84 5,5 5.2 Demnach ist die Dividende nur in der Warenherstellimg und bei den Verkehrsgesellschaften etwas zurückgegangen. Trotz der Krise. Die Krise. Immer deutlicher macht sich die ungünstige Aufnahmefähigkeit deS Weltmarktes auch für die deutsche Maschinenindustrie bemerkbar. Schon im Laufe des Jahres 1008 war der Vorsprung der deutschen Maschinenausfnhr gegenüber 1007 allmählich zusammengeschrumpft. Seit November hat sich aber eine direkte Abnahme herausgebildet. Im Januar war die Mnschinenausfuhr beträchtlich geringer als im anuar 1007; damals stellte sie sich auf 245 383 Doppelzentner. s ergibt sich für den diesjährige» Januar eine Abnahme von 17 844 Doppelzentner oder um 7,3 Proz. Zugleich mit der Ausfuhr ist allerdings auch die Einfuhr im laufenden Jahre zurückgegangen. Es wurden im Januar nur 20 078 Doppelzentner Maschinen ein- geführt gegen 44 100 Doppelzentner in, Januar 1003. Dividenden. Die Aktionäre der Adler Fahrradwerke(früher Kleyer). Frank- furt, sollen für das letzte GeschäftSflihr wiederum 25 Proz. Dividende erhalte». Für ein Kriseirjahr eine ganz nette Leistung.— Die Sächsische Glasfabrik zu Rodeberg verteilt 30 Proz. Dividende wie im Vorjahr.— Die Hallesche Maschinenfabrik und Eisengießerei in Halle a. S. will eine Dividende von 26 Proz.(wie im Vorjahre) in Vorschlag bringen.— Die Aktionäre der Gerresheimer Glashütten- werke vorm. Ferd. Heye erhalten eine Dividende von 15 Proz. wie im Vorjahre._ Die Betriebseinnahmen der prcnßisch-hcssischen StaatSeiscilbahucn haben im Januar d. IS. gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 2.8 Mill. M. gleich 8,44 Proz. mehr, im Güterverkehr 5,0 Mill. M. gleich 5,04 Proz. weniger, insgesamt ein- schließlich der sonstigen Einnahmen 2,3 Mill. M. gleich 1,80 Proz. weniger betragen._ Arbeitslosigkeit in den Bereinigten Staate». New Uork, Ende Januar 1000.(Eig. Ber.) Entgegen den bestimmten Prophezeiungen, daß die Wirtschaft- liche Lage sich im Falle einer Erwählung Tafts sofort bedeutend bessern werde, ist noch kein Nachlassen der Krise zu verspüren. Und die Massenaufträge, die den Fabrikanten bei einem republikanischen Wahlsiege in sichere Aussicht gestellt waren, sind ausgeblieben. Ebenso haben sich die in die Welt hinausposaunten Meldungen über das massenhafte Anblasen der Hochöfen in dem pennsylvanischen Revier und über den Mangel an Arbeitskräften als dreister Schwindel erwiesen. Eine geringsügige Besserung des Geschäfts in der Eisenindustrie ist ja allerdings eingetreten, aber die Produktion hat laut dem Fachblatt„Iran Age" zu Anfang des Januar noch nicht einmal 30 Prozent des UmfangeS vor dem Einsetzen der KrisiS erreicht. Und der Besserung der Konjunktur in einzelnen Industriezweigen, wie beispielsweise in der Textil- und Schuhlvaren- industrie, steht auf der anderen Seite eine Verschleckterung in anderen Branchen gegenüber. Wie weit die Verhältnisse zurzeit von normalen entfernt sind, erhellt am beste» aus dem Umstand, daß die Zahl der unbenutzten Frachtwaggons in den Vereinigten Staaten einer Zusammenstellung der American Railway Association zufolge Mitte Januar 1000 338 019 betrug gegen 175 000 zu Anfang Dezember 1008. Gegenüber diesen Ziffern, die durch Zahlen über verringerte Kohtenproduktton, ein Nachlassen der Ausfuhr und so weiter unterstützt werden könnten, muß das schwindelhafte Gerede von der Ueberwindung der schlimmsten Periode der KrisiS ver- stummen. In der Tat ist der gegenwärtige Umfang der Arbeits- losigkett geradezu erschreckend. Mit jeder Woche tritt daS furchtbare Massenelend krasser hervor. In den Großstädten, wohin die Landarbeiter nach Beendigung der kurzen Erntearbeit strömten, wandern die tatsächlich Hungernden zu Tausenden durch die Straßen. Männer und Frauen, die die Abfalleimer nach einem Bissen Eßbarem durchwühlen, sind ein häufiges Bild. Beispielsweise heißt es in bezug auf die Verhältnisse in Nelv Uork in dem kürzlich veröffentlichten Bericht der New Jorker Wohltätigkeits-Gesellschaft, daß die Zahl der unterstützungsbedürftigen Familien gegenüber dem Borjahre uin 73 Prozent gestiegen ist. und dieweil hatte im Vorjahre die Krists bereits mit aller Schärfe eingesetzt. Der Bericht besagt Iveiter, daß seit dem Winter 1803/04(der schlimmsten Periode der damaligen Wittschaftskrisis) die Zahl der um Unterstützung nachsuchenden Personen nie so groß gewesen ist als jetzt. Die Zahl der Obdachlosen hat sich gegenüber dem Vorjahre verdreifacht. Im Anschluß hieran weist der Bericht daraus hin, daß es sich bei diesen Personen keineswegs um Arbeitsscheue handelt, sondern um Leute, die nur allzugern zu arbeiten bereit sind. Aehulich spricht sich der Letter der Bowery Mission, ein Geistlicher namens Hallimond, aiiS. Bezeichnend ist, daß sich dieser Tage 200 Arbeitslose gegen einfache Kost und Kleidung zu verdingen oder besser gesagt zu versklaven bereit erklärten. Und all diesem grenzenlosen Elend stehen Kommune, Staat und Bund verständnislos und teilnahmslos gegenüber. Ja, die Stadt New V o r k hat durch massenhafte Entlassungen von städtischen Angestellten swohlgemerkt, nicht etwa von Saisonarbeitern) die Arbeitslosigkeit und das Elend wesentlich vermehrt. Die Einzel- staaten folgen diesem traurigen Beispiel, und die„Tätigkeit' des Bundes besteht darin, daß er während des letzten Halbjahres 1909 etwa 2200 Personen(zumeist Einwanderen:) durch das Bundes- JnformationSbureau Beschäftigung zugewiesen hat, dazu vielfach noch unter den schlechtesten Arbeitsbedingungen und als Ersatzkräfte für Ausständige. Hand in Hand mit der Arbeitslosigkeit geht ein rapides Sinken der Löhne. Kaum eine Arbeitcrkategorie, die ihre früheren Lohnsätze sich erhalten konnte. Selbst in den gewerkschaftlich gut organisierten Zweigen sind Lohnreduktionen bis zu 20Proz. zu verzeichnen. Zwei Mängel der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung treten in dieser Zeit des wirtschaftlichen Niederganges besonders scharf hervor: das Fehlen einer geregelten und ausreichenden Nrbeitslosen-Unter- stützung und einer ausgedehnten statistischen Aufnahme über den Beschäftigungsgrad an den einzelnen Orten. Und da auch die amt- liche Statistik in letzterer Beziehung m.gerst mangelhaft, wenn nicht ganz wertlos ist, so ist man in bezug auf die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten nur auf Schätzungen angewiesen. Diesen zufolge umfaßt das Heer der Arbeitslosen zurzeit ungefähr zwei Millionen. Ungeachtet dieser Tatsachen nimmt die Einwanderung, die im Vorjahre stark nachgelassen hatte, neuerdings wieder zu, dank der Schwindelnachrichten über die Wiederkehr der Prosperität, die auch nach Europa gedrungen sind, und, wie Einwanderungskommissar W a t ch o r n in seinem Berichte sagt, dank der Gewissenlosigkeit der Dampfergesellschaften und deren Agenten, die den mit den hiesigen Verhältnissen nicht Vertrauten goldene Berge versprechen und nament- lich aus Oesterreich, Ungarn und den Balkanländern Tausende hierherlocken. Nicht eindringlich genug kann deshalb die Warnung wiederholt werden: Bleibt Amerika fern! GemrKfcKaftUcKey. Berlin und Umgegend. . Achtung, Holzarbeiter!____ Das Einigungsamt ist trotz mehrstündiger Verhandlungen zu einem Schiedsspruch nicht gekommen. Die abgegebene und in dem Bericht über die Verhand- lungen abgedruckte Erklärung gibt den Parteien auf, einen nochmaligen Versuch zu einer Vereinbarung zu machen. Sie legt Wert auf die Vereinbarung über die Verteilung der Arbeitszeitverkürzung, will also die einseitige Auf- oktroyierung einer bestimmten Arbeitszeit- e i n t e i l u n g ausgeschlossen wissen. Wir empfehlen unseren Kollegen, der Erklärung Rech- nung zu tragen und überall da, wo eine Vereinbarung nicht erzielt wurde, einen erneuten Versuch zu einer Verständigung mit ihren Meistern zu machen. Die Vertrauensleute werden ersucht, das Resultat ihrer Verhandlungen und ihrer bereits getroffenen Vereinbarungen durch Karte oder mündlich auf dem Bureau zu melden. Anfang nächster Woche sollen die strittigen Fälle in einer hierzu stattfindenden Schlichtungs- kommissionssitzung verhandelt werden. Die Ortsverwaltung. Ter Streit um die Vesperpanse der Holzarbeiter wurde am Freitag vor dem EinigungSamt fortgesetzt. Die Ar- beitgeber hielten daran fest, daß anstatt der Arbeitszeitverkürzung von wöchentlich einer Stunde eine Vesperzeit von täglich 10 Minuten eingeführt werden soll. Obermeister Rahardt bc- hauptet, es sei im Schiedsspruch ausgedrückt, daß es ein Verstoß gegen den Vertrag sei, wenn die Arbeiter bisher schon gevespert haben. Da sie dies aber allgemein tun, so sei die offizielle Ein- führung der Vesperpause die beste Lösung der Frage, in welcher Weise die Arbeitszeit verkürzt werden soll. Ucbrigens— sagen die Arbeitgeber— sei eine Vereinbarung in diesem Sinne schon in 2000 Betrieben erfolgt. Diese Behauptung wird von den Arbeitervertretern ganz ent- schieden bestritten. Sie sagen, es gibt gar nich» 2000 Betriebe, die" unter den Vertrag fallen. In einer großen Zahl der Betriebe sind die Arbeiter nicht mit der Einführung der Vesperpause ein- verstanden. In vielen Betrieben ist die Vesperpause allerdings von den Unternehmern einseitig verfügt, und das nennen sie eine Vereinbarung. Die einseitige Verfügung aber widerspricht dem Schiedsspruch. Die Regelung, welche die Unternehmer wollen, be- deutet in Wirklichkeit keine Verkürzung der Arbeitszeit, aber ein Stundenlohn soll wöchentlich abgezogen werden. Eine Vesper- pause bestand bisher nicht, das Vespern ohne besondere Pause ist nicht vertragswidrig, das ist auch nicht in dem Schiedsspruch aus- gedrückt. Die Parteien diskutierten lange und schließlich recht lebhaft über diesen Punkt. Am Schluß der Debatte meinte Obermeister Rahardt, der Vertrag sei in der jetzigen Zeit der Krise sehr drückend für die Arbeitgeber. Es wäre besser, der Vertrag würde aufgehoben, dann könnten die Unter. nehmer eine Million sparen. Das Einigungsamt möge die Lösung deS Vertrages aussprechen. Die Arbeitervertreter erwiderten, so gehe das denn doch nicht. Der Vertrag sei von den beiderseitigen Zentralinstanzen abgeschlossen und könne ohne deren Zustimmung nicht aufgehoben werdeit Die Arbeitgeber hatten noch einen Antrag gestellt, der sich auf die Abstempelung auf dem paritätischen Arbeitsnachweis be» zieht. Dieser Antrag wurde aber hinter den, welcher sich auf die Arbeitszeitverkürzung bezieht, zurückgestellt. Nach längerer Beratung gab das Einigungsamt folgende Er- klärung ab: 1. Der Schiedsspruch vom 12. Februar 1909 ist zustande- gekommen, ohne daß davon die Rede gewesen ist im Einigungs- amt, daß die Arbeiter durch Abhalten einer etwaigen Vesper» pause Vertragsbruch begingen. 2. Es wird den Parteien aufgegeben, über die Arbeitszeit- Verkürzung zunächst in der Schlichtungskommission zu beraten und zu beschließen. 3. Die Schlichtungskommission hat binnen 14 Tagen zu- sammenzutreten unter Vorsitz des Magistratsrats V. Schulz. 4. Nach erfolgter Verhandlung der Schlichtungskommission wird eine Sitzung des Einigungsamtes anberaumt werden. 2. Ueber die Anträge der Arbeitgeber betreffend Arbeits- nachweisschein wird ebenfalls in einer neuen Sitzung verhandelt werden. Nachdem diese Erklärung verlesen war, fragten die Arbeiter, was denn in der Zwischenzeit bis zur endgültigen Erledigung der Sache gelten solle. Auf keinen Fall dürften die Arbeitgeber an ihrer Verfügung festhalten. Das wollten die Arbeitgeber nicht ausdrücklich zugestehen. Sie meinten, weil ihre Zeitung nur wöchentlich einmal erscheint, Verantw. Redakteur: HunS Weber» Berlin, Inseratenteil verantw.: könnten sie ihren Kollegen nicht sogleich eine entsprechende An- Weisung erteilen. Als Gegenforderung verlangten sie, daß der Holzarbeiterverband die Arbeiter nicht anweise, die Vesperpause unter allen Ilmständen abzulehnen. Die Arbcitcrvertreter erklärten sich damit einverstanden, daß bis zur endgültigen Erledigung ein Waffenstillstand eintrete und von keiner Seite ein Zwang auf die Art und Weife der Arbeits- zeitverkürzung ausgeübt werde. Sie wollten auch gemeinsam mit den Arbeitgebern in diesem Sinne eine Erklärung zur Veröffent- lichung im„Vorwärts", eventuell auch in anderen Tageszeitungen abfassen. Damit sollte dem Einwand, die Arbeitgeber könnten durch ihr Organ erst nach acht Tagen benachrichtigt werden, ent- gegengetreten werden.— Die Arbeitgeber verweigerten aber ihre Mitwirkung an einer derartigen Erklärung mit der Begründung, sie wären vom Einigungsamt nicht paritätisch behandelt worden, denn ihr Antrag, den Arbeitsnachweis betreffend, sei zweimal zurück- gestellt worden.— Vergebens bemühte sich Herr v. Schulz— die anderen Mitglieder des Einigungsamtes waren nicht mehr anwesend—, Herrn Rahardt und seinen Kollegen klar zu machen, daß der Vorwurf gegen das Einigungsamt unbegründet ist. Auch über den„Vorwärts" war Herr Rahardt sehr un- gehalten, weil wir am Schluß unseres Berichtes über die vorige Sitzung des Einigungsamtes dem Schiedsspruch ein paar er- läuternde Worte folgen ließen, die sich mit dem Sinne des Spruches und dem Inhalt der Verhandlungen vollkommen decken. Unsere Ansicht wird übrigens auch durch den ersten Absatz der gegenwärtigen Erklärung des EinigungsamteS unterstützt. Die Entrüstung deS Herrn Rahardt gegen den„Vorloärts" hat also keine Berechtigung. Sie erklärt sich aber dadurch, daß es den führenden Arbeitgebern, natürlich unangenehm ist, ihre ein. seitigen Anordnungen klipp und klar als unstatthaft gekennzeichnet zu sehen. Preußische Sparpolitik? Recht eigentümliche Gründe gibt die Firma Schwartzkopff Lokomotivfabrik dafür an, daß sie in verschiedenen Abteilungen Ab- züge auf die Alkordpreise macht. Einer Kommission, die wegen der Abzüge vorstellig wurde, ist seitens der Direktion gesagt, daß sich die Abzüge notwendig machten, weil die preußische Regierung die Preise so sehr drücke. Ist die Regierung wirklich so kurzsichtig, daß sie glaubt durch Drücken der Preise sparen zu können? Durch eine solche Politik wird das Gegenteil erreicht. Werden die Preise gedrückt, dann wird die Arbeit schlechter, die Leistungsfähigkeit der Maschinen geht zurück und die Sparpolitik der Regierung schlägt in das Gegenteil um. Der Verband der Metallarbeiter wird sich mit einem Ab- geordneten in Verbindung setzen, um feststellen zu können, was an dem Ganzen zutreffend ist._ Achtung, Fabrikarbeiter! In der Berliner Maschinentreib- riemenfabrik Adolph Schwartz u. Co., Müllerstr. 171», ist es wegen allzu rigoroser Behandlung der Arbeiter durch den Meister in der Gummiabteilung(zirka 25 Mann) zur Arbeitsniederlegung ge- kommen. Wiederholtes Vorstelligwerden der Arbeiter führte zu keinem Resultat. Wir ersuchen alle Gummiarbeiter Zuzug streng fernzuhalten. Verband der Fabrikarbeiter. Ortsverwaltung Groß-Berlin. Achtung, Vertrauensleute des Bezirks Tegel! Wegen der Generalversammlung am Sonntag, den 21. d. Mts., fällt die für den Bezirk Tegel an diesem Tage vorgesehene Konferenz der Vertrauensleute aus. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Veutfebes Reich. Eine Lohnbewegung des HandschuhmacherverbandeS fand letzten Sonnabend in der crzgebirgifchen Stadt Johanngcorgenstadt erfolg. reichen Abschluß. Unter dem Drucke der äußerst ungünstigen Kon- junktur mußten sich dort im Juni v. I. die Handschuhmacher einen zirka zehnprozentigen Lohnabzug gefallen lassen. Da aber nun seit Anfang dieses Jahres die Geschäftslage für die Handschuhindustrie in ganz Deutschland besser geworden und sich eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften geltend macht, wurde, einer Anregung der Ver- bandsleitung entsprechend, die Wiedereinführung der alten Lohn» sätze gefordert. Nach längeren Verhandlungen sahen sich die Unter- nehmer gezwungen, diesem Ansuchen zu entsprechen. In Betracht kommen 400 Handschuhmacher, die teils sofort, teils ab 1. März ihre früheren Lohnsätze wieder erhalten. Selbst die Handschuhfabri! L. Cohn, G. m. b. H., eine Abzweigung der Lederfabrik Eyck u. Straßer-Berlin, machte dieses Zugeständnis, obwohl dort noch ein bis Juni laufender Tarifvertrag bestand. Bei letzterer Firma er- halten auch die im Lcderarbeiterverband organisierten Färber und Zurichter ab 1. März die alten Löhne wieder. Soweit dieser Ar- bciterkategorie auch in den anderen Fabriken die Löhne reduziert und noch nicht wieder voll nachbewilligt wurden, wird ihnen nach diesem Ausgang der Handschuhmacherlohnbewegung schon weiter nichts übrig bleiben, als dem Beispiel der Firma L. Cohn, G. m. b. H., nachzufolgen._ Die Granitsteinmetzen der„Deutschen Steinindustrie" in Reichenbach im Odenwald stehen der unerhörten Lohnabzüge wegen feit Jahresbeginn im Streik. Herr Römer, der Leiter dies«? Etablissements, hat an die Steinmetzmeister und Bildhauer Deutschlands ein Rundschreiben erlassen, in dem er herzbeweglich um Steinliauer bittet. Er behauptet darin u. a.: „Die Werkstätten sind modern, massiv gebaut, im Winter sogar geheizt. Unsere Leute verdienen laut berussgenossenschaft- lichem Ausweis 4— 6,50 M.(Hierzu bemerkt die Streikleitung: „Die meisten Arbeiter aber weniger.") Wir bitten, vorsprechen- den Steinmetzen zu sagen, daß sie, ehe sie nach Reichenbach reisen, an unsere Firma schreiben sollen. Wir geben dann die Züge an. Die Zugereisten holen wir selbst ab. Damit soll vermieden tverden, daß die Leute von den herumstehenden, in unserem Ge- schäft nicht mehr tätigen Steinmetzen vor jeder Belästigung ge- schützt sind. In der Erwartung usw. I. A.: Josef Römer." Die Löhne waren so gering, daß nur die begnügsamcn Oden- Waldarbeiter mit ihrer angeborenen Sparkunst auskommen konnten; deshalb sollte sich kein Steinmetz durch hochtrabende Redensarten nach diesem angeblichen Eldorado verlocken lassen. Erwähnenswert ist noch, daß die Einwohner Reichenbachs mit den Streikenden sym. pathisiercn; obgleich es dort 15 Wirtschaften gibt, konnten Streik- breche r im Ort kein Quartier finden. Ausland. Zentralisation der britischen Gewerkschaften. Zwecks gegenseitiger Unterstützung haben eine Anzahl britischer Gewerkschaften mit einer Gesamtmitgliederzahl von über 100 000 Mann eine große Organisation geschaffen, von>der man um so größere Erfolge für die Arbeitersache erwartet, als cö sich durchweg um halbgclernte und ungelernte Arbeiter handelt. Die von zehn Gewerkschaften vereinbarte Organisation soll folgende Programm- punkte durchführen: 1. Gegenseitige Anerkennung der Berechtigungen der Mit- glieder. 2. Ucbergang von Mitgliedern einer Gewerkschaft in die andere im Falle des Berufswechsels. 3. Wechselseitige allgemeine Unterstützung. 4. Organisation gemeinsamen Vor- gehens bei Arbeits st reitigkeiten. 5. Einführung von Schiedsgerichten bei Streitigkeiten zwischen G ewerkschaften._ Der OrganisationSvertrag wurde von folgenden Gewerkfchasteit geschlossen: Vereinigte Arbeiter von London, Arbeiterverband, Britische Arbeitervercinigung, Erd-, Bau- unb allgemeiner Ar- bcitcrvcrband, Dock-, Werft- und Uferarbeitcrvcrband, Gasarbeiter. Vereinigung, Ziegcleiarbeitcrvcrband, Transportarbcitcrbund, Nationaler Arbeiterverband, Nationale Gasarbcitcrvereinigung. Diese Verbände haben zusammen über 100 000 Mitglieder. Die gemeinsame Organisation wurde durch den Gewerkschaftsverband zustande gebracht, und man hofft, daß eine völlige Verschmelzung der beteiligten Gewerkschaften folgen wird. Darin liegt auch die Hauptbedeutung der Organisation. Einige kleinere Gewerkschäften werden Mitglieder verlieren und vielleicht ganz eingehen, und dafür wird sich die gesamte Organisation der ungelernten Arbeiter in ein oder zwei große Gewerkschaften gliedern, die natürlich einen bedeutend größeren Machtfaktor bilden, als eine Anzahl kleinerer Gewerkschaften. Mit dieser Organisation ist ein Ziel erreicht, auf welches man in den einsichtigen Kreisen der Arbeiterschaft, nament» lich beim Gasarbeiterverband, seit langen Jahren hinarbeitete Sericdts- Leitung. Oeffentliche politische Versammlung oder geschlossene Gesellschaft? In einem Saal in Gottesbcrg, den der Genosse Pohl gemietet hatte, kamen am 18. März 1908 etwa 40 Personen zusammen. Es wurden nach Klavierbegleitung verschiedene gemeinschaftliche Lieder gesungen uird es gelangten Gedichte zum Vortrag, die sich aus die Freiheitsbewegung im Jahre 1848 beziehen. Auck wurden dazwischen zwei Ansprachen von je drei bis fünf Minuten gehalten, in denen der Märzgefallenen ehrend gedacht wurde. Pohl erhielt eine An» klage, weil er eine Versammlung zur Erörterung ösfcntlichcr An- gelegenheiten veranstaltet habe, ohne sie der Polizei anzuzeigen. Die Strafkammer in Waldenburg sprach ihn jedoch frei: Da das Rcichs-Vcreinsgesctz inzwischen in Kraft getreten sei, so komme dieses als das mildere in Betracht. Demnach seien aber nur öffentliche politische Versammlungen anzeigepflichtig.� Hier liege eine öffentliche Versammlung überhaupt nicht vor. sondern eine Veranstaltung des Sozialdemokratischen Vereins Gottcsberg im geschlossenen Kreise seiner Mitglieder. Die hektographierten Ein» ladungen, die der„Volkslvacht" bcigelegen hätten, feien nur an die Mitglieder gelangt. Die Freisprechung müsse schon deshalb erfolgen, weil die Veranstaltung keine öffentliche gewesen sei.— Das Kammergericht verwarf die gegen dieses Urteil von der Staats- anwaltschaft eingelegte Revision. Eine verbotene Lichtbildervorführung. Eine als„öffentliche Volksversammlung mit Lichtbildern" vom Arbeiter Schwarz in Itzehoe angemeldete Veranstaltung war ver- boten worden, als die Polizeiverwalhing erfuhr, daß es sich um einen Lichtbildervortrag des Ingenieurs Grempe über„Rußland und Sibirien" handele. Nach vergeblichen Beschwerden klagte Sch, beim Ober-Verwaltungsgericht. Die Klage wurde jedoch mit folgender Begründung abgewiesen: Ter Kläger habe im September 1907 zunächst eine„Volksversammlung mit Lichtbildern" angemeldet. Die Polizeiverwaltung wäre verpflichtet gewesen, ihm eine Bc- scheinigung auszustellen. Wenn sie es nicht tat, so habe darüber die Aufsichtsbehörde zu entscheiden, nicht das Gericht. Tatsächlich habe es sich nun aber um die erwähnte Lichtbildervorführung GrempeS gehandelt, bei der der Vortrag nur den erläuternden Text darstelle. Dieser Lichtbildervortrag habe schon einmal stattgeftmden. Nach einem Bericht des Polizeikommissars über die Vorführung der Lichtbilder fei diese geeignet, die öffentliche Ruhe. Ordnung und Sicherheit zu stören. Die Polizeiverwaltung habe nun zunächst die Vorlegung der Lichtbilder gefordert, n�zu sie in diesem Falle berechtigt gewesen sei, da sie mit einer Störung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit rechnen mußte. Die Aufforderung zur Vorzeigung der Lichtbilder sei nicht befolgt worden. Infolge- dessen habe die Polizciverwaltung die Schaustellung mit Recht ver- boten. Es sei nach§ 10 II. 17.des Allgemeinen Landrcchts Auf- gäbe der Polizei, für die Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit einzutreten. Nach den Vorgängen rechtfertige sich das Verbot. Und Preußen ist gerettet._ Die Glaubwürdigkeit eines Streikbrechers. Bei Gelegenheit einer Bausperre in Benrath bei Düsseldorf soll der Maurer Schäfer den Streikbrecher Wilh. Schmidts bc- schimpft und beleidigt haben. In der Anzeige sowohl als auch später in der Gerichtssitzung gab der Streikbrecher Tag und Stunde. wann der Zusammenstoß erfolgt sein sollte, an. Schäfer erbot so- fort Beweis dafür, daß er sich um diese Zeit im Gewertschafishause in Düsseldorf befunden, er also gar nicht in Betracht kommen könne. Trotzdem fanden drei Verhandlungen statt(die letzte dieser Tage), bevor die von Schäfer angebotenen Zeugen vernommen wurden. Als in zwei Terminen dem Streikbrecher es noch immer nicht gelungen, Schäfer des angeschuldigten„Verbrechens" zu über- führen, wurden neue Beweiserhebungen angestellt. Doch wurde auch in der dritten Verhandlung nichts Belastendes für den An- geklagten zutage gefördert. In diesem Termin stellte der Streikbrecher die Behauptung auf. daß Schäfer ihn an zwei verschiedenen Tagen und Orten beleidigt habe. Jetzt endlich gefiel es dem Ge- richt. die Entlastungszeugen zu vernehmen, und da wurde fest- gestellt, daß Schäfer für die angegebenen Zeiten in völlig einwand. freier Weise sein Alibi nachweisen konnte. Taraufhin beantragt« der Amtsanwalt selbst die Freisprechung, die dann auch erfolgte. Die Kosten mußte die Staatskasse übernehmen. Schade, daß nickt dem Denunzianten die Kosten des Prozesses auferlegt wurden. Gesicherte Ncchtsgarantien. AuS Halle a. S. berichtet man uns unterm 19. Februar: Ein erschütterndes Bild bot eine vor der Strafkammer stattgehabte Ver- Handlung gegen die 40jährigc. bisher unbestrafte Arbeiterfrau Marie Solle von Bennstedt, die wegen schweren Diebstahls ange- klagt war. Die arme Proletarierin hat mehrere kleine Kinder, seit Jahren einen gelähmten SRann, den sie ankleiden, auskleiden und füttern mufi. Im November v. I., so klagte sie jammernd, hatte sie in 14 Tagen ganze 70 Pfennige verdient. Durch den Eintritt der strengen Winterkälte wurde die Lage der Frau doppelt druckend. Sie war so weit, sich mit ihren Kindern auf die Schienen vor eme Lokomotive zu legen. Da bekam sie noch einmal Lebensmut, durch- brach die Umzäunung einer Kohlengrube, um in einem Sack einige Preststeine zu entwenden. Als die Unglückliche vier Steine m den Sack getan hatte, da auf einmal erscholl der Ruf eines Gruben- bcamten:„Halt, oder ich schieße!" Die Frau bebte an allen Gliedern, ließ die Steine zurück und ergrift die Flucht. Man brachte sie vor Gericht wegen schweren Diebstahls. Das Gericht ließ..Milde ivalten". nahm„nur" Diebstahlsversuch für erwiesen an und verurteilte die Jammernde zu vier Wochen Gesang,„S. Man will sie aber zur Begnadigung empfehlen.— ..Halt, oder ich schieße!"— So schaut die Kompottschussel deS deutschen Volkes in Wirklichkeit aus. Letzte I�achrlcbtcn und Depcfcbcn. Saubere Wirtschaft. Rom. 19. Februar.(B. H.) I« Catania sind bei Verteilung der UnterstütznngSgclder an die Flüchtlinge durch die Stadtvcr- waltnng Unregelmäßigkeiten vorgekonimen. Ein Polizeikommissar wurde verhaftet. Auch ein Abgcordnctcr soll kompromittiert sein. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Die Regierung hat sofort einen Konnntssar entsandt, der die Untersuchung führen wird.__ t Jlj, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagsanstaU Paul Singer Lc Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u-Unterhaltungsbl? Nr. 43. 26. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 20. Februar 1909. 211. Sigung vom Freitag, den 19. februar, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Niemand!! einem großen Agitator der Herren von links, einem Herrn von brauchte er feine Furcht zu haben, daß sie ihm weglaufen werden. Linde, haben die kleinen Leute gesagt, er solle machen, daß er fort-( Sehr richtig bei den Soz.) Herr v. Bolfo fagte auch, daß die Arbeiter, komme. Ein Bauer, der sich dazu hergegeben hatte, zu agitieren, die länger als 50 Jahre tätig gewesen feien, bis an ihr Lebenswurde zur Rede gestellt und sagte zu seiner Rechtfertigung, er be- ende eine Unterstützung erhielten. Nun ich hatte im vorigen Jahre fomme dafür 15 M. bezahlt. Das ist ein gutes Geschäft für mich, Gelegenheit, im Wahlkreise des Herrn v. Bolko einen in den fagte er, aber daß ich so dumm bin und das glaube, das können Sie sechziger Jahren stehenden Arbeiter zu sprechen, der 53 Jahre nicht verlangen.( Beifallsstürme rechts, die schon vorher fast jeden ununterbrochen bei einem Großgrundbesiger tätig war. Dieser Herr Sag des Redners begleitet hatten. Die Linke bricht in ein lautes ist nebenbei auch Mitglied dieses Hauses.( Hört! hört! bei den Gelächter aus.) Sozialdemokraten.) Dieser Arbeiter, der von der Rast der Jahre Abg. Zubeil( Soz.): und der Arbeit gebeugt war und mehr als ein halbes Jahrhundert seine ganze Straft für diesen Großgrundbesizer eingesetzt hatte, erhielt auch nicht einen Pfennig Unterstützung Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Antrages Albrecht u. Gen.( Soz.), der ein Gesetz fordert zur Regelung des Vertragsverhältnisses zwischen den in land- und Forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeitern und ihren Arbeit- Die scherzhafte Stimmung, die mein Vorrebner hervorgerufen gebern sowie des Vertragsverhältnisses zwischen dem Gesinde und hat( Oho! rechts), ist dem Ernst der Sache nicht angemessen. Der deffen Arbeitgebern durch reichgesetzliche Vorschriften. Abg. Werner hat lezthin geglaubt, der Sozialdemokratie wieder einMit zur Diskussion steht eine Petition des polnischen mal sagen zu dürfen, sie verstehe von ländlichen Verhältnissen nichts. Agrarvereins in Thorn: die ländlichen Arbeiter und das( Sehr richtig! rechts.) Für mich war es sehr bezeichnend, das Gejinde den gewerblichen Arbeitern in rechtlicher Beziehung gleichhofen kam und dort bis zum sechzehnten Jahre blicb. Als er dann gerade von Herrn Werner zu hören, der als Knabe nach Friedrichszustellen, sowie eine Petition des Dienstbotenvereins die Anstalt verließ, hätte man doch glauben sollen, daß er.. Nürnberg und Umgegend auf Regelung der Rechtsverhältnisse( Bräsident Graf Stolberg: Ich bitte, nicht auf die persönlichen Verdes Gefindes. hältnisse der Abgeordneten einzugehen. mit zur Beratung und Abstimmung gestellt, die Resolutionen Ferner werden auf Antrag des Frhrn. v. Hertling( 3.) des Zentrums, die sich auf die gleiche Materie beziehen. Abg. Arendt- Labiau( f.): Der Antrag der Sozialdemokraten will mur Unzufriedenheit säen. so tiefes Verständnis für die Landwirtschaft zeigte, wurde aber nicht Abg. Zubeil( fortfahrend): Herr Werner, der so jung schon ein Landwirt, sondern Kaufmann. Junkertum. von diesem Herrn!( Lebhaftes Hört! hört 1) Das einzige, was er bekam, tvar zu Weihnachten ein wollenes Hemd.( Erneutes Hört! aus. Es ist schon wiederholt von dieser Stelle aus darauf hinhört!) So sieht es mit Ihrer( nach rechts) Mensenfreundlichkeit gewiesen worden, daß an dem Kontraktbruch nicht die Arbeiter, fondern die Arbeitgeber schuld find. Trotzdem die Regierung den Großgrundbesigern durch die Schaffung der Feldzentrale weit entwas gegengekommen ist, trotzdem find sie noch nicht zufrieden mit dem, ihnen die Gesetzgebung heute bietet. Der Zolltarif follte ja auch dazu dienen, die ländlichen Arbeitgeber in die Präsident Graf Stolberg( fehr erregt): Ich bitte nochmals, Lage zu versetzen, ihre Arbeiter besser bezahlen zu können. Nun, nicht auf die persönlichen Verhältnisse des Abgeordneten Werner der Zolltarif hat auf der einen Seite seine Schuldigkeit getan, indem Schlechte Behandlung anf dem Lande die gibts ja gar nicht! zurückzukommen. er die Preise für landwirtschaftliche Produkte erhöht hat. Auf der anderen Bei dem Arbeitermangel lassen wir oft genug fünf gerade sein. Abg. Zubcil( Soz.): Herr Werner meint also, nicht die Groß- Seite aber ist es den Großgrundbesizern gar nicht eingefallen, ihre Es gehört eine Engelsgeduld dazu, heute draußen fertig zu werden. grundbesitzer und Großbauern seien schuld an der Landflucht, sondern Arbeiter besser zu behandeln und ihnen ein menschenwürdigeres Es ist leider dahin gekommen, daß keine Bauerntochter mehr einen die Verhegungen der Sozialdemokraten, die, ohne eine Ahnung von Dasein zu verschaffen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Landwirt heiraten will. Lieber heiratet sie einen Herrn Lehrer. den Zuständen zu haben, die Leute verheßen.( Sehr richtig! rechts.) Noch nicht einmal die ausländischen Arbeiter, die doch wirklich sehr ( Lautes Lachen links.) Der Bauernsohn will nicht der Knecht des Knechts Weiter führte Herr Werner aus, daß in einigen Teilen Deutschlands bedürfnislos sind, werden zufriedengestellt, wie die Zunahme der und seine Schwester nicht die Magd der Magd sein.( Große Heiterkeit das Koalitionsrecht für die Landarbeiter besteht, daß diese es aber Kontraktbrüche durch ausländische Arbeiter beweist. Interessant ist lints). Die Großstadt hat die Landarbeiter verblendet, der Asphalt, das dort nicht benußen. Warum will er es dann den Arbeitern in den der innige Kontakt zwischen Militärverwaltung und ostelbischem elektrische Licht, die Kneipen und der Klimbim.( Lachen links.) In der Stadt anderen Teilen Deutschlands nicht geben? Aus der Nichtbenutzung gibt es allerdings mehr bares Geld als auf dem Lande, aber dafür be- fann doch nur gefolgert werden, daß die Arbeiter nur dann zu kommen die Leute auf dem Lande alles geliefert, was im Katechismus diesem Mittel greifen, wenn sie durch die wirtschaftliche Not getrieben Dieser innige Kontakt zeigt, wie leicht eine weitere Herabsetzung steht, mit Ausnahme der Schuhe und Strümpfe.( Lautes Lachen links.) werden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Koalitions- der Dienstzeit durchzuführen ist! Wenn alljährlich Tausende von MannSie haben freie Wohnung, ein ausreichendes Deputat, sie friegen recht wird eben auch in der Industrie nur benutzt, wenn die Arbeiter schaften Wochen und Monate lang abfommandiert werden können, Brennholz, eine freie Kuh, die wird Ihnen gefüttert und liefert ihnen gezwungen sind, eine Verschlechterung ihrer Verhältnisse abzuwehren. so steht es fest, daß die zweijährige Dienstzeit noch zu lang ist, um die Milch und die Butter, sie haben Schafe, Schweine, Hühner, Man fürchtet, daß die Arbeiter die Ernte auf dem Lande verkommen den Soldaten eine genügende Ausbildung zuteil werden zu lassen. friegen Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Erbsen und Kartoffelland. lassen würden. Das ist ganz unzutreffend, man muß nur den Arbeitern für Gerade dieses Abfommandieren von Soldaten für landwirtschaftliche Rechnet man das zusammen, dann bleibt ein erhebliches Plus zu- die übermäßig lange Arbeitszeit auch den entsprechenden Entgelt zahlen. Arbeiten dient dazu, die Verhältnisse der ländlichen Arbeiter noch gunsten der Landarbeiter übrig.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Aber der Man kann doch nicht verlangen, daß die Arbeiter im Sommer weiter herabzudrücken. Deshalb müßte die Reichsregierung dafür höhere Barlohn in der Stadt berblendet die Leute, fie wiffen nicht, 14-16 Stunden arbeiten, ohne für die Ueberstunden einen Lohn zu sorgen, daß derartige Maßnahmen in Zukunft unterbleiben.( Schr daß das Geld auch ausgegeben wird. An den Sonntagen wird in bekommen.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Geben Sie richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun macht die Rechte die der Tänd= der Stadt tein Lohn gezahlt, auf dem Lande aber ist in den den Arbeitern den gebührenden Lohn, so werden auch Sie auf der Vergnügungssucht für die Abwanderung Aber selbst Naturalien alles einbegriffen. Im Villenstil gibt es auf dem Lande Rechten einen Streit der Landarbeiter nicht zu fürchten haben.( Sehr lichen Arbeiter in die Großstädte verantwortlich. wie die Redaktion der„ Mitallerdings keine Wohnungen. Ich habe auch einmal gefehen, daß in wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß die Stontratte innegehalten eine fo fompetente Stelle cinem gimmer zwei Mutterschafe mit kleinen Lämmern zusammen werden, damit sind auch wir einverstanden, aber von beiden teilungen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft" hat darauf wohtnen.( Großes Gelächter links.) Auf meine Frage fagte mir die Seiten müssen sie eingehalten werden. Heute ist aber in den hingewiesen, daß die höhere Kultur der Städte die Mieterin: Das ist mir so bequem, denn ich habe die Kontratien nur von Rechten des Arbeitgebers die Rede, dem Ursache der Abwanderung sei.( hört! hört! bei den SozialdemoTiere immer bei mir, und dann verbreiten die Schäfchen Arbeitnehmer sind nur Pflichten auferlegt. Derartige Verträge, fraten.) Und Prinz Ludwig von Bayern hat einmal bei einer Be auch ein bischen Wärme und geben eine warme Stube. die gegen die guten Sitten verstoßen, zu brechen, hat der Arbeiter sprechung der Leutenot ausgeführt, daß es nicht an Arbeitern auf ( Stürmisches Gelächter links.) Wie wohnen aber die Arbeiter in nicht nur das Recht, sondern die Pflicht. Gerade deshalb verlangen dem Lande fehlen würde, wenn man ihnen Rechte gewähren würde. der Stadt? Da hausen zwar nicht Schweine oder Schafe zusammen, wir für die ländlichen Arbeiter das Koalitionsrecht; es wird dann( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich weiß freilich, daß diese aber Schlafburschen zweierlei Geschlechts.( Stürmisches Gelächter feltener zum Kontraktbruch geschritten werden, weil Stontrakte zustande Aeußerung aus hohem Munde Sie( nach rechts) damals sehr verlinks.) Wo bleibt da die Moral? Der sozialdemokratische Antrag tommen werden, die auch den Arbeitnehmern Rechte gewähren.( Sehr schnupft hat. bezwedt nur den Zukunftsstaat, deshalb lehnen wir ihn ab.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Selbst bon agrarischer Seite wird jezt bestritten, daß der richtig rechts.) Wer ein bißchen in der Geschichte bewandert ist, der Herr v. Derzen sagte hier am 13. Januar, wir sollten uns dümmste Arbeiter der beste Ochsenknecht ist. Ein Rittergutsbesitzer weiß, daß es im römischen Staate geheißen hat: civus( Stürmisches hüten, die Landarbeiter als Heloten und Stlaven zu bezeichnen. Wir Schlegel führte neulich aus: Gelächter. Zuruf: Es heißt: civis!) romanus sum, und würden, wenn wir aufs Land hinaus kämen, dafür von den Landdie Rechtlosigkeit der Landarbeiter panem et circensem.( 8uruf links: Heißt circenses!) So arbeitern sehr unfreundlich empfangen werden. Nun, geben Sie uns ist es auch bei uns, die Leute wollen sich amüsieren. Der nur in allen Ihren Dörfern Lokale frei! Sie sollen fehen, daß die bergrößert nur die Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern! römische Staat machte furzen Prozeß, furzen Prozeß, er fagte: Schön! Sozialdemokraten absolut keine Furcht haben, auf Ihre Dörfer( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Im Oktober 1908 kam in treibt euch im Birfus herum!( Stürmisches Gelächter links.) Das hinauszukommen. Ja, es fann sehr leicht der Fall eintreten, daß Berlin auf dem Schlesischen Bahnhof eine 15 köpfige ungarische önnen wir aber nicht, denn wir sind alle Arbeiter. Ich stehe feit das Gegenteil von dem stattfindet, was Herr v. Dergen meint, daß Familie in furchtbar verelendetem Zustande, mehr als halbverhungert an. Die Leute hatten sich anwerben lassen auf dem Gute des 862 auf eigenen Füßen und bin der Freund der Arbeiter. die Herren Großgrundbesitzer und ihre Inspektoren von den LandGelächter links.) Die Arbeiter, die vom Lande weggezogen sind, arbeitern sehr unsanft aus dem Bersammlungslokal herausbefördert früheren Landwirtschaftsministers und Schweinezüchters ehen zu spät ein, wie es in dem schönen Liede heißt: werden.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) v. Podbielski Er sucht in der Ferne, Nicht fand er das Glück, Jetzt fehret er müde Zur Heimat zurück! So ist es mit den meisten, nur sie fehren nicht zurüd.( Minutenanges Gelächter lints.) Sie kommen ins Zuchthaus oder jagen einem anderen Phantom nach,( Erneutes stürmisches Gelächter links.) Aus den Gedichten Heinrich Reders.") Federzeichnung. Sie nennen's Bichütt, fie nennen's Chit, Was jeweils ist in Mode, Langweilen fad sich im Salon Als beau monde bis zum Tode. Aeh- bäh! Sie fühlen sich als Crême der Welt Hochnasig mit den Zwickern, Und sehn die roten Tropfen nicht, Die noch vom Fallbeil sidern Aeh- bäh! Db Bschütt, ob Chit, alleinerlei, Fährt wieder der Sturm darunter, So werden sie hinweggefegt Mit ihrem ganzen Blunder Aeh- bäh! Im Spessart. Streifend mit dem alten Forfiwart Bin ich durch den Wald gegangen, Arme Weiber, Laubstreu rechend, Für die Rüge abzufangen. Jede Hütt' im Spessartdorfe Mußt' ich dann mit ihm durchsuchen, Und ihn rührte nicht das Elend, Nicht der Männer grimmes Fluchen. Rüdfichtslos im Dienst des Staates Hielt er sich dazu verpflichtet, Aber ein von Schnee gedrückies Stämmchen hat er aufgerichtet. 8erschmettere. Zerschmettere! Ein Kaiserwort, Bom Thron herabgerufen, Das flang wie ein Trompetenstoß Zum Stampf von Rosseshufen. Zerschmettere! Dann rasseln dumpf Kanonen übers Pflaster, Die rote Fahne sinkt im Stampf Herab von dem Pilaster. Ich muß dann noch zu sprechen kommen auf die Rede, die neulich Herr v. Bolko von der Rechten gehalten hat. Ich habe aus feinen Worten nur die Furcht entnehmen können, daß seine Arbeiter ihm weglaufen werden, wenn sie das Koalitionsrecht bekommen. Dann muß es mit der Treue feiner Arbeiter, trozdem fie 20 und 30 Jahre angeblich bei ihm tätig sind, nicht sehr weit her fein. ( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Arbeiter wirklich so gut behandelt würden, wie Herr v. Bollo hier erzählt hat, dann Zerschmettere! Mit Bibel und Schwert Gefegt wird Straß' und Gaffe, Doch was der Liebe nicht gelang, Gelingen wird's dem Hasse. Maschinenalter. Der Dampf dreht das Maschinenrad Und dreht dem Proletariat Das Herz im Leibe um. Es dreht das Rad sich früh und spat Und kommt dazu noch Gottes Gnad', Dann wird der Hunger stumm. Wenn nimmer nüßt ein guter Rat Und plagt des vollen Geldsacks Naht, So heult das Prozentum. Das tanzt als Börsenpotentat Ums goldne Kalb, belebt vom Draht, Die feisten Beine frumm. Sobald gereift die schlimme Saat Greift zum Gewehr der„ Retter Staat" Und stillt des Volks Gebrumm. Theater. zum Kartoffelbuddeln. Der ausgemachte, an sich schon sehr niedrige Lohn wurde den Leuten nicht gezahlt( hört! hört! bei den Sozialdemokraten), und als sie in die ihnen zugennutete Herabsetzung des Lohnes einzuvilligen fich weigerten, wurden sie vor den Amtsvorsteher geschleppt und ausgewiesen. Der rückständige Lohn wurde den Leuten nicht ausgezahlt( hört! hört! bei den Sozialdemokraten), sondern von dem Gutsverwalter wahrscheinlich unter Zustimmung des Herrn v. Podbielski zurückbehalten. Iwald mimte mit Eleganz den schneidigen schlauen Journalisten. Bon den anderen sei hier nur noch Herr Kirschner als schüchternster und relativ unschuldigster der Schneuzelwerther Sünder, und Fräulein Emmy Wyda als schlimmste der Klatschschwestern, Blaustrumpf und Verfasserin der ominösen Standalnotizen, die dafür aber auch zur Strafe sigen bleibt, erivähnt. dt. Notizen. " Wolken Theaterchronit. Jm 2ustspielhaus findet die Erstaufführung des Schwankes Jm Klubseffel" erst am 27. d. M. statt. Die Berliner Premiere von Ruederers fududsheim" findet im März unter der Negie Mar Reinhardts im Deutschen Theater statt. Die Buchausgabe des Werks erscheint im Verlag der Süddeutschen Monatshefte in München. Seunstabende. Der Spielhagen Abend, den das Schiller- Theater am Sonntag 8 Uhr, aus Anlaß des 80. Geburts tags des Poeten, im Berliner Rathaus veranstaltet, wird besonders der Pyrit des Romanziers gelten. Der Loewe Abend, der am Sonntag 8 Uhr im Charlottenburger Schillersaal stattfindet, bringt zahlreiche Balladenkompofitionen. Die Ausländer an den deutschen Universitäten. Auf Drängen der„ Alldeutschen" sind für das Studium von Ausländern an deutschen Universitäten wesentlich verschärfte Zulaßbestimmungen ergangen, die sich vorzugsweise gegen die Russen richten. Infolgedessen ist im laufenden Wintersemester 1908/09 die Zahl der ausländischen Studenten auf 4077 guridSchiller- Theater 0: Rechts herum!" Schwant von Hans gegangen gegen 4151 im Wintersemester 1906/07. Vor fünf Jahren Gaus. Im Schwankfach wird zurzeit besonders in Kleinstadt- studierten 3086, vor 25 Jahren ettva 1700 Ausländer an deutschen Satiren experimentiert, jedoch, seit Thomas'" Lokalbahn", mit einem Universitäten. Zugenommen hat im laufenden Semester wieder die selbst für Schwankverhältnisse auffälligen Defizit an Geist der Ver- Zahl der studierenden Asiaten, vorzüglich der Japaner( 172), die sich faffer von Rechtsherum", ein früherer Schauspieler, hat sich die Sache Hauptsächlich der Medizin widmen. Während die Angehörigen aller noch bequemer gemacht als Skowronnet in feinem neulich am Lessing- anderen Nationen sich vermehrt haben, ist die Zahl der russischen Theater aufgeführten, Brezzenburg". Was die Brezzenburger Honoratioren Studenten von 1890 auf 1584 zurückgegangen! Von den Ausan Idiotismus leisten, überbieten die Schneuzelswerther womöglich ländern studieren die meisten in Berlin, Leipzig, München, Heidel noch, der Spott verliert noch mehr wie dort, wo er etwas politisch berg, Halle, Königsberg und Jena. -Wieviel Zuckerrüben sind zur Herstellung fchillerte, jede nähere Beziehung zur Wirklichkeit, und bringts noch weniger zu einer ausgelassenen Possenstimmung. Kein Gelächter bon 100 Kilo 3uder nötig? Diese Frage, die sich jedenfalls hilft hier über den Widersinn hinweg, durch den es erzeugt wird. schon mancher Zuckerfonsument gestellt hat, finden wir durch den Dem Wiz des Dialoges fehlt der Reiz des überraschend Chemiker, Prof. Laffar- Cohn, in der Monatsschrift Stosmos" er ijt Improvisierten; der jener Art, die folgendermaßen beantwortet: Hinsichtlich der Vervollkommnung Absicht, das berechnende Herangeholtjein in jeder Wendung des Fabrikationsverfahrens ist im Laufe der Jahre Gewaltiges Sie beginnt bereits mit der Verbesserung der ein, geleistet worden. anspürt. Die guten Schneuzelswerther bilden sich Marggraf hatte in ihnen 6 Proz. Zucker gefunden, aber Papiere, Rüben. gewisse mit lofalen Standalgeschichten angefüllte in die ein Wursthändler seine Ware wickelt, stammten von durch Auswahl der Rüben für Samenzucht und passende künstliche dem verstorbenen Herrn Pfarrer, enthielten die ihm in der Beichte Düngemittel hat man den Zuckergehalt auf 14 bis 16 Broz. heraufanvertrauten Geheimnisse seiner Gemeindeglieder. Alles wetteifert gebracht, ja in Sizilien, wo seit 1899 Rübenzuder erzeugt wird, mun, der Bürgermeister an der Spize, vor einem schneidigen jungen steigt er auf 20 Broz. Daraus erklärt sich, daß man zur Gewinnung Journalisten, der die kompromittierenden Dokumente zuletzt erwirbt von 100 Kilo Zuder brauchte: und daraufhin den Allwissenden spielt, sich in seinen verborgenen Armfündertume zu enthüllen. Die Ausbeute wirklicher Komit aus " von man *) Diese Gedichte erschienen mit vielen anderen in ben diefer Situation steht in umgekehrter Proportion zu den AnfordeJahren 1893-97 im Süddeutschen Postillon", der damals von rungen, die sie an die Gutgläubigkeit der Zuschauer stellt. Trotzdem Eduard Fuchs redigiert wurde. wurde eifrigst applaudiert und der Autor mehrmals gerufen. Serr " im Jahre 1836: 1800 Stilo Rüben 1842: 1600 #F " " " 1857: 1200 " " " " 1871: 1100 " " # 1 t " 1900: 750 U B Nicht aus einer sozialdemokratischen Zeitung, sondern aus Ihrer eigenen Provinzpresse wird gemeldet, daß an verschiedenen Orten konstatiert ist, daß wegen Landaröciteriiiailgel sämtliche Kinder der oberen und mittleren Tchulklasscn einfach beurlaubt lverden, um Landarbeit zu verrichten. Wenn eine arme Mutter einmal, durch die äußerste Not getrieben, ihr Kind aus der Schule zurückhält, weil die Not sie zwingt, ihr Kind arbeiten zu lassen, was wir zwar nicht billigen, aber doch begreifen, dann kommt die Behörde und nimmt sie unweigerlich in Schulstrafe, im Wiederholniigsfalle sogar in Haft. Hier aber, Ivo das Fernbleiben aus der Schule im Interesse des Großgrundbesitzes geschieht, ist selbstverständlich alles er« laubt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Auch auf die aus- gezeichneten Wohnungsverhältnisse der ländlichen Arbeiter haben die Herreu von der Rechten hingewiesen. Wenn es nur nicht amt- liche Feststellungen gäbe, die nicht dem Hirne eines Sozial- demokrateu entspringen und doch zeigen, wie es auf dem flachen Lande aussieht: im Osten, in der Provinz Branden- bürg, in Schlesien, allüberall! Wenn Sie den Bericht des Kultusministeriums zur Hand nehinen, finden Sie Angaben über die elenden Wohnungsverhältnisse nicht aus einer, sondern ans fast a l l e n.Provinzen Preußens. Ucberall können Sie die elenden Zu- stände der Arbeiterwohnungcn festgestellt finden. Man sieht, daß das Wort des deutschen Kaisers spurlos an Ihnen vorübergegangen ist, daß die Arbeiterwohnungcn nicht noch schlechter sein sollen als die Ställe. ES ist Tatsache, daß ein großer Teil der Arbeiter- Wohnungen schlechter ist, als die Ställe, in denen das Vieh unter- gebracht ist. Natürlich: wenn das Vieh zugrunde geht, erleidet der Besitzer einen wirtschaftlichen Schaden, und deshalb sorgt er für's Vieh, lvenn aber die Menschen zugrunde gehen, so geht ihn daö nichts an.(Zurnf des Abg. Kreth.) Gewiß ist eS Ihnen unangenehm, zu hören, wie es auf den Gütern zugeht. Aber wenn diese Verhältnisse nicht geändert werden, so werden w i r sie auch in Zukunft hier zur Sprache bringen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte Sie, unseren Antrag anzunehmen. Im letzten Augenblick ist uns noch der Antrag des Zentrums unterbreitet. Wir werden eventuell auch für diesen Antrag stimmen. in erster Linie bitte ich aber für unseren Antrag einzutreten. Der Zentrumsantrag hat gerade daS aus unserem Antrage entfernt, was in der kaiserl. Botschaft vom Februar 1330 steht. Im letzten Abschnitt unseres Antrages verlangen wir„die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, wie es die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftlichen Bedürf- nisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung fordern". DaS ist wörtlich, kann ich sagen, aus der kaiserlichen Botschaft entnommen, und als gute Patrioten müßten Sie schon aus Respekt vor dem Kaiser diesem Absatz ihre Zustimmung geben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Zentrums- resolution streicht aus diesem Antrag die wirtschaftlichen Bedürf- nisse der Arbeiter und ihren Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung. DaS ist eine Verbeugung vor den Großgrundbesitzern und den Agrariern. Ich wundere mich sehr, daß das Zentrum gerade diesen Passus aus seiner Resolution herausgelassen hat. Wir legen gerade auf die Anerkennung der Gleichberechtigung der Arbeiter daS Hauptgewicht und bitten Sie, unserem Antrage zuzustimmen. (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bindcwald(Ant.): In Süddeutschland könnte man dem sozialdemokratischen Antrag ruhig zustimmen: aber für Nordost- deutschland paßt er nicht, denn seine Annahme würde den dortigen Großgrundbesitz erschüttern, den Deutschland nicht entbehren kann. (Lebhafter Beifall rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Den Sozialdemokraten ist die Seßhaftigkeit ein Dorn im Auge. Darum hetzen sie die Landarbeiter auf. Redner erklärt, der Landwirtschast würde nicht geholfen sein, lvenn Adolf Hoffmann Kultusminister und Zubeil LandwirtschaftSministcr würde.(Heilerkeit rechts.) Abg. Werner(Antis.): Huude, die bellen, beiße» nicht. Herr Zubeil kann auch nicht beißen.(Jubelnder Beifall rechts.) Ich bin ivohl in einer sogenannten Presse gewesen— ich befand mich übrigens dort in sehr guter Gesellschaft(Redner verliest eine Reihe adeliger Namen)— aber nicht, wie Herr Zubeil andeuten wollte, m einer Besserungsanstalt.— Ich bin auch einmal jung gewesen, jetzt aber bin ich bl Jahre.(Allgemeine Ziistimmung, Heiterkeit.) Wenn ich Geld gehabt hätte, hätte ich studiert. Hat Herr Zubeil seine landwirtschaftlichen Kenntnisse sich m seiner Budike erworben? (Tosender Jubel rechts, zu welchem Abg. Kreth den Takt schlägt.) Äbg. Znbcil(Soz.): Wenn mich der Präsident hätte ausreden lassen, so hätte sich ergeben, daß meine Aussührungen absolut keine Spitze gegen Herrn Werner enthielten. Ich habe nur auf Grund des Handbuches aus den eigenen Angaben des Herrn Werner nachgewiesen, daß sein Bildungsgrad ihn nicht zum besonderen Kenner der landwirtschast- lichen Verhältnisse stempelt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Herr Werner meinte: wenn er Geld hätte, würde er studiert haben. Nun, ich für meine Person würde noch heute Gastwirt in Berlin sein, wenn ich lauter solche Gäste gehabt hätte wie Herr Werner, (Schallende mmutenlange Heiterleit.) Damit schließt die Diskussion. Das Schlußwort erhalt Abg. Stadthugcil(Soz.) (von der Rechten mit Hui Hu!-Rufen empfangen): Die Brülltöne passen ja zu den, landwirtschaftlichen Thema.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren Konservativen behaupten, wir verstehen nichts von der Landwirtschaft(Sehr richtig! rcchtS); Sie meinen, daß Sie etwas davon verstehen, der cmc, weil er notleidend ist wie die Landwirtschaft, der andere, weil er Landlvirt ist, der dritte, weil er nicht Landwirt ist. Der Abg. Zubeil hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Sie mit solchen all- gemeinen Redensarten gegen die von uns angeführtenTatsachen nichts beweisen. Wenn Sie irgend eine der Tatsachen, die wir angeführt haben, beseitigen könnten, wäre das etwas anderes. Dazu sind Sie aber nicht in der Lage gewesen. Die Löhne der Landarbeiter sind so jämmerlich, die B e h a n d l U n g ist so jämmerlich, ihre Recht- l o s i g k e i t ist so, wir wir es geschildert haben. Nichts davon haben Sie aus der Welt schaffen können, nur in dem einen sind Sie alle einig, daß diese Rechtlosigkeit weiter bestehen soll.(Zurufe des Abg. Kreth.) Herr Kreth behauptet in seinen Zurufen, daß er Kenntnis von der Landwirtschaft hat. Aber wenn Sie auch nicht eine der für Deutschland beschämenden Tatsachen, die wir angeführt haben, aus der Welt schaffen können, dann können Sie es auch nicht mit der allgemeinen Redensart„Ach Gott, was verstehen Sie denn davon I" Das ist eine Art nnd Weise, wie man einer sachlichen Kritik ausrückt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten,) Wenn Sie die amtlichen Zahlen über die Löhne der Landarbeiter lesen, die ans Grund der Angaben der Arbeitgeber und der Arbeit- nehmer von den Behörden festgestellt worden sind, so werden Sie doch selbst zugeben müssen, das; man von glänzenden Löhnen nicht sprechen kann. WaS würden Sie denn sagen, wenn man Ihnen zu- muten wollte, Sie sollten einen Menschen mit 300 M. jährlich er- nähren?(Zurufe rechts.) Wenn Sie daS für ausreichend halten, dann wäre es doch unverständlich, wenn Sie auf anderen Gebiete» bei den Ve« soldungen der Beamten für Besscrstelluiia eintreten. Aber beim Arbeiter meinen Sie. muß eS gehen, da sagen Sie sogar, eö geht dem Arbeiter vorzüglich, ganz brillant, und ich wundere mich nur. warum Herr Kreth eigentlich nicht Landarbeiter geworden ist.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Interessant war mir auch, WaS der Führer des Bundes. Herr Dr. Hahn, hier ausführte. Ueber den Antrag sagte er nichts, sondern er versuchte, eine auf nichts weniger als richtiger Anschauung beruhende geschichtliche Darstellung über die Entwickcluug einzelner Teile des Vater- landes zu geben. Was er sagte, ist zum übergroßen Teil längst widerlegt. WaS geht das uns aber au bei der Frage, ob die Land- arbeiter heute rechtlos sind. Ob die Markgenossenschaft in dem oder jenem Teile von Deutschland sich früher oder später entwickelt hat, ist bollkommen gleichgültig für die Frage, ob heute die Arbeiter rechtlos sind. Wir verlangen in unserem Antrag nichts weiter, als daß der ländliche Arbeiter dasselbe Recht bekommt wie die anderen, daß er nicht rechtloser hingestellt wird als irgend ein anderer. Wie können Sie es mit der Gestaltung des Deutschen Reiches vereinbaren, daß eine Reihe von Arbeitern rechtlos bleiben soll, daß sie außerhalb der Gesetze stehen soll, die für alle anderen Arbeiter gelten, daß sie unier einem Ausnahmegesetz bleiben sollen I(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Frage des KoalitionSrrchts hat in der Debatte eine große Rolle gespielt. In einigen Teilen Deutschlands besteht es für die ländlichen Arbeiter. Im Jahre 1806 hat daS Ministerium Bismarck seine Einführung in ganz Preußen verlangt. Die Ausdehnung des Koalitionsrechts auf' die ländlichen Arbeiter auch in den übrigen Teilen Deutschlands würde nicht ohne weiteres eine Verbesserung ihrer Lage herbeiführen. Ihre Behauptung, daß die Arbeiter die Ernte verfaulen lassen würden, ist eine schwere Beleidigung der ländlichen Arbeiter.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die ländlichen Arbeiter haben keineswegs so wenig Gefühl für daS Gemeinwesen, wie Sie ihnen zutrauen. Wahrscheinlich würde das Koalitionsrecht nur in sehr wenigen Fällen zum Streik führen. Aus den Ländern, in denen das Koalitionsrecht für die ländlichen Arbeiter besteht, konnte kein einziger Fall angeführt werden, in welchem irgend einmal die Be- fürcktniigen, in denen die Herren von der Rechten sich überboten, Wirklichkeit wurden. Wir verlangen die Beseitigung der Kontraktöruchstrafe gegen ländliche Arbeiter nnd das Gesinde! Diese Strafe steht im Widerspruch zu den Bestimmungen aller anderen Klassen der Bevölkerung. WaS würden die Herren rechts sagen, wenn man erklärte: die Großgrundbesitzer und Offiziere sollen mit Strafe belegt werden, wenn sie ihre Verträge nicht erfüllen, ihren Lieferanten ihre Weinrechnungen nicht bezahlen? Millionen von Zivilprozessen werden aus solchen Anlässen geführt. Glauben Sie wirklich, daß es der Ge- rechtigkeit entsprechen würde, daraus zu folgern, daß die Herren millionenfach ihre Verträge brechen und daß deshalb Strafbestimmungen für sie eingeführt werden müssen?(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Ach nein. daS wollen Sie keineswegs. Den Arbeitern gegenüber aber wollen Sie es, daS ist eine Verletzung der Gleichberechtiaung, eine Herabdrückung der Arbeiter zur Hörigkeit.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Glauben denn die Herren rechts, die Zustände sollen wieder so weit kommen wie vor dem Jahre 1806, wo gerade die ländlichen Ar- beiter den Franzosen zujubelten, weil sie in ihnen die Befreier von ihrer Unterdrückung erblickten!(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Die Herren rechts sagen: Sie wollen die Seßhaftig- keit der Arbeiter. Wie kindisch ist doch der Gedanke, wir träten der Seßhaftigkeit entgegen. Gerade w i r wünschen ja den Grund und Boden für alle I Der übergroße Teil der Bevölkerung ist heute ja ohne Gruitd und Boden! Die Herren aber, die für den Großgrundbesitz eintreten, die wollen uns erzählen, daß wir gegen die Seßhaftigkeit der Arbeiter sind l Nein, gerade S i e sind es, welche Millionen nicht zur Seßhaftigkeit gelangen lassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Bindewald hat erklärt, unser Antrag wolle die Grundlagen des Deutschen Reiches erschüttern. Also wenn man den länd- lichen Arbeitern daS gleiche Recht wie den anderen Arbeitern gibt, uild zwar ein rein formales gleiches Recht, so muß das Deutsche Reich in seinen Grundlagen erschüttert werden.(AbA. Bindewald ruft: Durch die Konsequenzen.) Also die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, daß der ländliche Arbeiter die wenigen Rechte bekommt, die wir beantragen, sollen das Deutsche Reich in seinen Grundlagen erschüttern...(Zuruf des Abg. Bindewald.) Nennen Sie mir doch eins der Siechte, die wir für den ländlichen Arbeiter verlangen, das Sie, Herr Bindewald, nicht längst besitzen, und für das Sie nicht lebhaft kämpfen würden, wenn man eS Ihnen entzöge I(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Haben Sie nicht das Recht der Koalition, haben Sie nicht das Recht, daß die Zeit, die Dauer und die Art Ihrer Arbeit so geregelt ist, wie eS der Erhaltung Ihrer Gesundheit, den Geboten der Sittlichkeit und den Wirt- schastlichen Bedürfniffen entspricht? Wir alle, die wir hier im Saale sind, haben diese Rechte. Und wenn der länd- liche Arbeiter sie ebenfalls bekommen soll, dann soll dadurch mit einem Male das Deutsche Reich zerstört werden I In der Verfaffung ist gesagt: das Deutsche Reich ist geschaffen zum Wohle aller Mitglieder des Reiches. Da ist es eine Ungerechtigkeit der allerschlimmsten Art, daß gerade für den Landarbeiter, der seine Knochen mehr als die übrigen zu Markte getragen hat, das Deutsche Reich nicht geschaffen sein soll. Nichts anderes aber bedeutet es, wenn Sie unseren Antrag ablehnen.(Lebhafte Zustimmung bei de» Sozialdemokraten.) Sie sagen, wir verhetzen das Volk. Sie nehmen also an, wir wollen die ländlichen Arbeiter als Wild betrachten, wobei Sie die Rolle des HundeS spielen. ES ist unS aber nicht eingefallen, Sie als Hunde zu gebrauchen. Nicht wir verhetzen, sondern die Vcr- hetzung liegt in den Berhältniffen. Was im letzten Absätze unseres Antrages steht, haben die Herren bis jetzt noch nicht verstanden. Wir wollen„die Zeit, Dauer und Art der Arbeit so regeln, wie eS die Erhaltung der Ge- simdheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftllchen Be- dürfnisse und ihr Anspruch auf Gleichberechtigung fordern." DaS ist wörtlich das, was nn kaiserlichen Erlaß von 1830 gesagt ist. Wo steht denn da ein Wort von einer gleichmäßigen Arbeitszeit in ganz Deutschland? Aber wenn Sie nur daran denken, daß für den länd- lichen Arbeiter s o gesorgt sein soll, wie eS die Erhaltung seiner Ge- sundheit und die Gebote der Sittlichkeit fordern, dann überläuft Sie schon ein Schauder.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir aber wollen, daß auch der Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung für den länd- lichen Arbeiter erfüllt ist und daß seine Arbeit so geregelt wird, wie eS seine wirtschaftlichen Bedürfnisse erfordern. Denn diese erfordern, daß er nicht nur Arbeitsvieh ist. DaS ist eben der fundamentale Unterschied in unserer Weltanschanung. Wir verlangen, daß der ländliche Arbeiter nicht nur Arbeitsvieh ist, sondern ein Mensch wie ein anderer. Und wenn Sie darüber höhnen und zum Beispiel erklären, dazu wäre nötig, daß der Sonnenschein geregelt wird, so zeigen Sie nur, daß Sie(nach rechts) von Leidenschaft so verblendet sind, daß eS Ihnen unmöalich ist, die genügende Klarheit der Ueberlegnng zu bewahren. Ich stelle hier ausdrücklich fest, daß Sie den Anspruch der ländlichen Arbeiter auf gesetzliche Gleich- berechtigung l e u g n e n I Sie verlanget, damit, daß der ländliche Arbeiter ein Arbeitssklave ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nun ist noch der Unterantrag des Zentrums gekommen. Ich bedaure, daß er unseren direkten Forderungen gegen- über sehr verschwommen ist. Insbesondere bedanre ich, daß das Zentrum nicht für die Fordert, ng eingetreten ist, daß die Arbeit ent- sprechend den Geboten der Sittlichkeit geregelt wird. Hier,>vo eS sich wirklich'mal um die Erfüllung eines Gebotes der Sittlichkeit handelt, hätten doch die Herren vom Zentrum dafür eintreten müssen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe ja. daß unser Antrag angenommen wird,»nd damit würde ja der minder weitgehende Antrag des Zentrnms sich erledigen. Weiter ist beantragt worden, unseren Antrag einer Kom- misston zu überweisen. Dem will ich nicht widersprechen. Ich hoffe aber, daß dann mindestens unsere Forderungen auSderKommission herauskommen werden. Die Herren rechts werden da Gelegenheit haben, noch weiter ihre KcnntniSlosigkeit darzutnn oder aber darzn- legen, daß sie in der Tat einige Kenntnis von der Not und dem Elend der Landarbeiter haben. Ich bitte Sie, unseren Forderungen zu- zustiminen, damit wir uns nicht sagen lassen müssen, daß Deutschland in bezug auf die Lage seiner ländlichen Arbeiter in der Kultur daS allerzurückgebliebenste� Lau! ist. Es ist eine Schmach, wenn Oesterreich-Ungarn, Spanien Schutzgesetze für die ländlickien Arbeiter erlangen, wir in Deutschland aber den ländlichen Arbeiter rechtlos machen. Die Regelung der Frage dem preußischen Dreiklassenparlament zu über- lassen, heißt die Not der Arbeiter verewigen. Ich bitte daher dringend, nehmen Sie unseren Antrag an.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) ES folgen persönliche Bemerkungen. _ Abg. Werner(Ant.) sucht auS seinem Familienstammbaum seine Befähigung zur Beurteilung landwirtschastlicher Verhältnisse nach- zuweisen und ergeht sich dabei in Schimpfereien auf den Abg. Zubeil, die bei der Unruhe des HauseS im einzelnen unverständlich bleiben und dem Redner einen zweimaligen Ordnungsruf seitens des Vize- Präsidenten Kaemps zuziehen. Es folgt die Abstimmung. Sie ist eine namentliche und ergibt die Annahme des An» träges: die gesamten zu dieser Materie gestellten Anträge und Re- solutionen an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu verweisen, bei 310 Abstimmenden und einer Stimmenthaltung mit 203 gegen 100 Stimmen.(Bravo 1 links.) Für die Verweisung an die Kommission stimmen Sdzialdemo- kraten. Freisinnige, Zentrum, Polen und ein Teil der National- liberalen(darunter die Abgg. Kleye, Stresemann, Dr. Weber, Bassermann, Everlin�, Müller» Rudolstadt und die meisten süddeutschen Mitglieder der Fraktion). Gegen die Verweisung stimmen die konservative, reichspartei- liche und antisemitische Rechte und ein Teil der Nationaltiberalen (u. a. die Abgg. Schwabach, Sieg, v. Schubert, Hage' mann). ES folgt die erste Beratung des Antrags Brandys u. Gen.(Polen) auf Erlaß eines RcichSgesetzcs, durch welches alle landcsgcsetjlichen Bestimmungen über Beschränkung des Erwerbs oder der Veräußerung von Grundrigcntum oder der Errichtung von Wohnstätten in Rücksicht auf Konfession, politische Gesinnung, Nationalität aufgehoben werden. Abg. v. DziembowSki-Pomian(Pole): Unser Antrag fordert eigent- lich etwaS Selbstverständliches.(Sehr richtig I bei den Polen. Sozialdemokraten und im Zentrum.) Bor ein paar Jahren hätte man noch gefragt: Was wollen die Herren denn eigentlich mit ihrem Antrag? WaS sie wollen, ist ja bereits reichsgesetzlicher Zustand. So haben wir auch gedacht, aber das bekaimte Ausnahme- und Euteignungsgcsetz zeigt die Notwendigkeit, ein ausdrückliches Reichs- gesetz, wie wir eS in unserem Antrag fordern, zu erlassen. Diese Notwendigkeit ist freilich sehr beschämend für einen Kulturstaat. (Lebhafte Zustimmung bei den Polen und Sozialdemokraten.) Nach der Enteignungsvorlog« könnte man sich kaum mehr wundern, wenn morgen ein Gesetz erlaffen würde des In- Halts, nur Blockangchörige können Grundbesitz erwerben. (Heiterkeit. Sehr gut! bei den Polen und Sozialdemokraten.) Alle Parteien sollten gegen diese Art Gesetzgebung Front machen, denn was heute den einen trifft, kann morgen den anderen treffen.(Sehr wahr!) WaS sollen die polnischen Landarbeiter tun, die sich kein Häuschen, kein Stückchen Land auf ihrer heimischen Scholle erwerben können? Sie strömen in die Stadt und vermehren das industrielle Proletariat.(Sehr wahr!) Wenn Mächte des Erdinnern Länder und Städte zerstören, wie jetzt das unglückliche Messina, so regt sich das allgemeine Solidaritätsgefühl der Menschheit— aber in unseren östlichen Provinzen duldet man eine landverwüstende Politik. Selbst im Kriege schont man daS Privateigentum; aber im Nationalitäten- kämpfe soll seine Heiligkeit nicht gelten. Vergessen denn die Kon- servativcn, daß nicht landbesitzende, sondern landlose Leute die Truppen des Umsturzes sind? Wir bitten den ganzen Reichstag um Annahme unseres Antrages.(Lebhafter Beifall be« den Polen und im Zentrum.) Abg. Graf Praschma(Z.): Gleich unserem verstorbenen Führer, Frhrn. v. Huene, betrachten«vir diese Frage nicht vom Standpunkt des Polentums und nicht von dem des Deutschtums, sondern von« Standpunkte des Rechts.(Lebhaftes Sehr richtig I im Zentrum.) DaS Eigentum ist nach der Reichsverfassung unverletzlich. Durch die preußische Gefttzgebung ist aber da» Eigentum verletzt durch die Verhinderung der Ansiedelung sowie des Kaufs und Verkaufs. Für diese Gesetzgebung sind nationale und religiöse Gründe maßgebend gewesen. Man begründete sie mit der allgemeinen Staatsnotwendig- keit; diese könnte auch einmal das Entgegengesetzte ver- langen. Die Oppelner Regierung hat einmal einem katholischen Pfarrer die Schulaufsicht entzogen, weil er zu scharf germanisiert hat. (Hört l hört! im Zentrum.) Mit allgemeiner Staatsnotwendigkeit könnte man vielleicht auch eininal begründen, daß deutscheAnsiedler zurückgehalten werden müssen von der Anfiedlung.(Sehr richtig I im Zentrum) Der Reichskanzler hat sich selbst als agrarisch bezeichnet; möchte er auch bei der Finanzreform sein agrarisches Herz wieder entdecken. Seine Ansiedelungspolitil ist jedenfalls keine besonders gute agrarische Politik. Das monarchische Gefühl im Volke kann nicht besser gestärkt werden, als wenn die Bevölkerung mit ihrem Grund und Boden verbunden bleibt.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Stadthagen(Soz.): Es ist sehr vezeichneud, daß ein solcher Antrag eingebracht werden kann und daß wir ihm zustimmen, obwohl er eigentlich überflüssig ist. Denn das Gesetz, welches hier angegriffen ist, ver- stößt ganz offen gegen das Reichörecht. ES ist bedauerlich, daß ein Partikularstaat sich unterfangen hat, ein Gesetz über Ansiedelungen zu geben, daS einen klaren Bruch mit dem ReichSrecht darstellt. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Ich bin keineswegs polnischer Gesinnung(Hört! hört! rechts), aber das kann mich nicht davon abhalten, das Unrecht, das den Polen zugefügt wird, zu bekämpfen. Auch ist es ein Irrtum der Polen, zu glauben, daß das Anstedelungsgesetz nur auf sie beschränkt sei, es ist auch auf Nicht-Polen angewendet, falls sie Sozialdemo- kraten sind.(HörtI hört! bei den Soziaidemolraten.) Ich will nicht im einzelnen darlegen, warum das Gesetz ungerecht ist. Nur eines ist wunderbar, wenn man an die eben gehörten Debatten denkt: Die Herren von rechts klagen innner, daß die Landbevölkerung von uns aufgehetzt wird; sie behaupten. sie wollten die Bevölkerung seßhaft machen, wir aber hielten die Bevölkerung davon ab. Aber hier handelt es sich um ein Gesetz, durch das die Seßhaftmachung geradezu unter- b u n d e n werden soll, und zwar aus politischen Gründen. Um die? zu bekämpfen, sind die Herren recktS nicht zu haben, da sind sie hinausgegangen.(Sehr richtig I im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Natürlich, Sie haben ja im preußischen Landtag dafür gestimmt, daß die Kleinbauern ohne jeden Rechtsgrund von Hau» und Hof vertrieben werden können, borläufig in Posen und ipäter in ganz Preußen. Denn darüber soll man sich keinem Zweifel hingeben, daß der Heißhunger der Agrarier, die ihren Großgrundbesitz arrondieren wollen, nicht in einzelnen Provinzen Halt machen, sondern weiter gehen werde. (Sehr richtig I bei den Sozialdcinokraten.) Wenn dem einzelnen Ansiedler sein Eigentum geraubt Ivird, wenn ihm verboten wird, in seinem Hause zu wohnen, wenn er es schließlich dann verkauft an einen Deutschen, so ist in der Tat ein solcher Eigentumserwerb nicht? anderes als gemeiner Diebstahl ans Grund des Gesetzes. Diese Ex- propriation der kleinen Baneni, die von den Herren rechts betriebest wird, ist nichts weiter als ein ganz gewaltiger Raub. Bei solchem Raub tun wir nicht mit. Durch dieses Gesetz wird die Seßhaftmachung unterbunden und die Leutenot künstlich vermehrt. Eine Reihe von Kleinbauern, denen von der AnsiedelungSkommisiion die Ansiedelung nicht gestattet wurde, haben ans der Provinz Posen fortziehest müssen und sind jetzt Bergleute im llhihrrcvier.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So vertreiben Sie(nach rechts) die Leute von Hans und Hof unter Mißachtung des Siechts. ES wurde hier auch der Fall ScSzika erwähnt, dem nicht be- scheiuigt werden konnte, daß er konservativ oder antiseinitisch sei. aber wenigstens konnte ihm bescheinigt werden, daß er königstreu sei. Aber auch das hat ihm nichts genützt! Die Konservattvea in Breußen haben den Begriff der Königstreue ichon so ausgehöhlt, der Regierungsvorlage herbeiführen wollte, mutete ein wenig feltsam| Bundesparlament noch das vor zirka 20 Jahren gefchaffene infame daß einem wirklich königstreuen Manne in Preußen kein Heimats- an. Es scheint so, als ob er nur deswegen keine Gnade vor den Gesetz besteht, daß die Kandidaten die Summe von 50 Pfd. Sterl. recht gegeben werden kann. Bezeichnend ist die Augen der Kommissionsmehrheit gefunden hat, weil er von Sozial-( 1000 m.) hinterlegen müssen. Diese 50 Pfd. Sterl., die aufzubringen demokraten gestellt war. für eine arme Partei nicht leicht ist, gehen an den gutmeinenden Bater Staat verloren, wenn der Kandidat nicht mindestens ein Fünftel der Stimmen des siegreichen Kandidaten auf sich vereinigt. für die Kennzeichnend Arbeiterpartei daß absolute Willkür, ift. wie mit welcher das politische und das religiöse Motiv in die EigentumsAus der Budgetfommission des Reichstags. Ich kenne teine einzige Gesezgesetzgebung hineingetragen wird. ( 20. Sitzung vom 19. Februar.) gebung, die auf einer so tiefen Stufe steht, die eine so frasse Gewalttat zu Recht erklärt.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozial Bei Beginn der Sigung gibt der Staatssekretär Dernburg fie diefe Geseze niemals ernstlich bekämpft hat. Vor den Wahlen demokraten und im Zentrum.) Es wird ja bezeichnend sein, wie die Erklärung ab, daß im Falle Vieheger das ehrengerichtliche Ver- hatte die Arbeiterpartei, in einer von ihr vorgeschlagenen Kondie wenigen Konservativen, die den Saal nicht verlassen fahren deshalb noch nicht eingeleitet werden könne, weil das ferenz, eine Verschmelzung mit der sozialistischen Partei angeregt. Als aber unsere Delegierten fragten, ob die bisherigen Arbeiterhaben, stimmen werden, ob sie dafür stimmen werden, Strafverfahren noch nicht beendet sei. kandidaten denn in Zukunft als sozialistische auftreten würden, war daß das Unrecht beseitigt werden muß und daß bei den Die Debatte über den Etat der Kolonie es mit der Konferenz zu Ende! So wurde die Wahlparole der Rechten der Reichsangehörigen auf ihr Glaubensbefenntnis auf ihre Südwestafrika Sozialisten: Rein Kompromiß! Ihre Kandidaten sehen es nicht wie Nationalität keine Rücksicht genommen werden darf. Es handelt sich wurde beim Titel„ Landespolizei" fortgesetzt. Von einigen Mit- die übrigen vornehmlich auf Stimmenfang ab, sondern bemühten sich hier um ein heiliges Menschenrecht. Es muß ein Zustand beseitigt werden, wonach das, was durch die Arbeit anderer erarbeitet ist, gliedern der Kommission wird eine Reorganisation der Polizei ver- um die Schulung der Wähler in Nationalökonomie und Politik. Ihre durch ein Gesetz in das Eigentum der nationale Politik heuchelnden langt und in erster Linie gewünscht, daß die Polizei des militärischen Wahlreden standen an Intelligenz, Feuer und Entschiedenheit hoch dem persönlichen, denunziatorischen Gezeter der NichtLeute übergehen soll.( Unruhe rechts.) Das halte ich für vaterlands- Charakters mehr entkleidet werde, worauf Gouverneur v. Schuck- über feindlich, für die schlimmste Unterdrüdung einer vernünftigen Ge- mann erwiderte, der gewünschte Zustand bestehe jetzt schon, er fei fozialisten. Die große Maffe der Wähler, für deren Schulung sellschaftseinrichtung. Nicht wir untergraben das Eigentum, Sie aber gerade kein empfehlenswerter. Beim Titel„ Medizinalivefen" die Arbeiterpartei in ihrer 25 jährigen Gristenz so gut erklärt Gouverneur b. Schuckmann zur allgemeinen Ueber- nichts getan hat, ist jedoch politisch noch zu unwissend, höhlen den Eigentumsbegriff aus, denn Sie sagen, jemand darf sein raschung, daß die hierfür ausgeworfene Summe von 220 000 Mart noch zu sehr hypnotifiert von den Schlagwörtern: Liberale Partei Eigentum nicht benutzen, weil er polnischer Nationalität ist, sondern ihm zu hoch erscheine Staatssekretär Dernburg, den dieser Seiten- und Arbeiterpartei, als daß sie den Sozialisten zum Siege verholfen ein anderer, der deutsche Gesinnung heuchelt. Durch diese Geſetz- sprung seines Beamten offenbar peinlich berührte, erklärte, daß hätte; obwohl wirkliche Begeisterung und der Wille, die Nedner angebung unterstützen Sie die Hehlerei und Stehlerei. Bräfident Graf Stolberg: Sie dürfen nicht unter Bezeichnung jener mit seinem Ausspruch keineswegs gegen den Voranschlag dieses zuhören nur in den Wahlversammlungen der sozialistischen Standi von Abgeordneten sagen, daß sie Hehlerei und Stehlerei begünstigen. Postens habe polemisteren oder dem Generaloberarzt habe zu nahe- daten vorhanden war. Die Arbeiterpartei besaß die Perfidie, am Tage ( Burufe bei den Sozialdemokraten.) Dann nehme ich an, daß sich treten wollen. Singer wies darauf hin, daß die niedrige Ein- vor der Entscheidung ein Flugblatt voll der schmutzigsten Lügen diese Ausdrücke auf Reichstagsabgeordnete nicht beziehen. stellung dieses Postens keineswegs bedeute, daß die Kranken etwa über die Sozialisten auszustreuen, ferner durch einen ihrer Redner weniger Medizin erhalten sollten. Wenn es notwendig sei, so könne erklären zu lassen, daß ein sozialistischer Kandidat bestochen worden ( Heiterkeit.) in einem solchen Falle der Voranschlag überschritten werden. Die sei. Das Resultat der Wahl war, daß die sozialistischen KandiAbg. Stadthagen( fortfahrend): Ich bitte Sie, dem Antrage zu Verpflegungsfäße, die für Weiße auf 2,25 M. und für Farbige auf daten nur 82 und 85 Stimmen gegen 984 und 781 der Sieger zustimmen, als Protest dagegen, daß in dieser Weise gegen Staats- 1 M. pro Tag angesetzt sind, wurden von verschiedenen Seiten als erhielten. In beiden Kreisen schlüpfte der Standidat der Arund Kulturrechte vorgegangen wird. Die politische Gleichberechtigung sollte etwas sein, was allgemein ist. Es handelt sich hier um einen zu hoch angesehen, und schließlich wurden von der 222 000 M. be- beiterpartei durch. Das Parlament, das 65 Abgeordnete hat, ist nach der Niederlage der Konservativen zusammengesetzt Kampf der Gerechtigkeit gegenüber den Anschauungen der Kon- tragenden Summe 40 000 M. abgelegt. Beim Titel„ hebung der Viehzucht", wofür 40 000 Mart an- aus 22 Konservativen, 19 Liberalen, 21 Arbeiterparteilern und servativen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten und den gefordert werden, fragt Erzberger an, warum die Regierung nicht 3 Wilden. Die Arbeiterpartei gewann 6 Size, während sie vor der Polen.) Abg. Gothein( frf. Vg.): Auch ich kann gleich meinem Vorredner die Einfuhr deutschen Viehes mehr fördere, speziell fei sein Wahl Auflösung 15 Mandate hatte. Früher hatte sie schon einmal 18 Sige nur mein Bedauern darüber aussprechen, daß ein solcher Antrag freis in der Lage, vorzügliche Zuchttiere zur Verbesserung der afri- innegehabt. In Zukunft wird jedenfalls die Entscheidung zwischen notwendig war.( Sehr richtig! links und im Zentrum.) Um so fanischen Raise abzugeben Der Titel„ Dienstreisen, Umzugstoften" der Arbeiterpertei und den vereinigten Konservativen und Liberalen dringender erforderlich ist die Annahme dieses Antrages, die den gibt zu einer Debatte Veranlassung. Der Referent Dr. Semler fallen müssen. Voraussichtlich wird die Arbeiterpartei dann in nicht ersten Schritt zur Beseitigung von Zuständen bilden würde, die eines teilt inter anderm mit, daß die Ülebersiedelung des Gouverneurs zu langer Zeit die Macht erlangen und erst dann wird das Feld Kulturstaates unwürdig sind. Mir geht der Antrag aber nicht b. Schumann nach Südwestafrika 17 350 M. geloftet habe. So für die Sozialisten zu fröhlichem Ringen geklärt sein. einmal weit genug. Beseitigt werden muß auch der Zustand, daß die teuer jei die Reise doch nicht. Er( Referent) würde nie nach Süd- sozialistische Partei verliert also jezt leider ihr Deposit. Indes erZugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu bestimmten Konfeffionen weftafrika gekommen sein, wenn der Besuch mit einem solchen Geld- flärte eine fapitalistische Zeitung, daß das Wahlresultat für die von Beamten- und Offiziersstellen ausschließt.( Sehr richtig! links.) aufwand verbunden sei. Gouverneur v. Schuckmann entgegnet, Sozialisten ein gutes fei, und das ist der Fall, wenn wir berüidDie gesamte freisinnige Fraktionsgemeinschaft wird für den Antrag daß er keinen Pfennig mehr erhalten habe, als ihm gefeg- fichtigen, daß 1901, als die Sozialisten von Sidney zum erstenmal lich zustehe; daß das nicht geschehe, dafür sorge ins Wahlfeld zogen, ihr zugkräftigster Kandidat in einem Arbeiterstimmen.( Lebhafter Beifall bei Sozialdemokraten, Freif., 3. und schon das Reichsfinanzamt. Uebrigens müffe man bei distrikt nur 20 Stimmen erhielt. Der Beginn in Victoria ist Polen.) Auf Vorschlag des Präsidenten Graf Stolberg wird beschlossen, Vergleichungen mit seinem Vorgänger berücksichtigen, daß jener verheißend. An diesen Wahlen haben die Frauen noch nicht teilgenommen. die Beratung abzubrechen und am Donnerstag fortzufeßen. Junggeselle gewesen sei, während er mit vier Familienmitgliedern Die nächste Sigung dagegen wird stattfinden am Mittwoch, den und zwei Dienstmädchen gereist sei. Der Umzug eines anderen Erft vor einigen Wochen erhielten sie in Victoria, der in diesem Falle 24. Februar, 2 Uhr.( 3. Lesung der Dampferjubventions- Herrn von Berlin nach Hamburg habe rund 30 000 M. betragen! der letzte der australischen Staaten war, das Wahlrecht, nachdem das Gewünscht wurde von der Kommission allgemein, daß die Umzugs- betreffende Gesetz vom Unterhause sechzehnmal angenommen, bom vorlage, des Gesezes betr. Einwirkung von Armen toften auf das notwendigste Maß und auf den wirklichen Aufwand Oberhause aber immer wieder verworfen worden war. unterfügung auf öffentliche Rechte; 1. und 2. Lesungen beschränkt würden. Ein Abstrich wurde jedoch mit Rücksicht darauf, In Neu- Seeland, in dem vor einigen Wochen Parlamentsvon Rechnungsfachen.) daß die Regierung den Posten schon um 127 000 m. niedriger ein- wahlen stattfanden und drei sozialistische Kandidaten im Felde standen, Schlui gegen 6 Uhr. gestellt hat als im vorigen Jahre, nicht gemacht. Hingegen wurden vereinigte ein Sozialist 287 Stimmen auf sich. Die Arbeiterpartei bei dem Titel„ Ausrüstung der Polizei" 5800 m. abgefeßt. ist in Neu- Seeland sehr schwach und brachte nur einen Kandidaten Beim Titel, Militärverwaltung" regt der Referent mit Hilfe der sozialistischen Stimmen durch und dies in der HauptSemler den Bau einer Eisenbahn an, um den Süden mit dem stadt des Landes, Welligton. Norden der Kolonie zu berbinden, was auch sehr im militärischen Interesse liege. Der Kommandeur der Schutztruppe, Oberst Die Diskussion von Estorf, vertritt denselben Standpunkt. hierüber wird in der am Sonnabend stattfindenden Sizung fortgesezt werden. 10280 50 Parlamentarifches. + Rechnungskommission des Reichstages. Aus der Frauenbewegung. Die Die Arbeitskammerkommission verhandelte in ihrer Freitagsigung über den§ 8 der Regierungsvorlage, der die Errichtung der Arbeitskammern den Landeszentralbehörden überweisen will. Bom Zentrum liegt hierzu ein Antrag vor, dem Bundesrat diese Aufgaben zuzuweisen. Die sozialdemokratischen Vertreter hatten schon zum i der Borlage, der die fakultative Errichtung der Kammern borDie weibliche Erwerbstätigkeit nach der Berufszählung von 1907. fieht, einen Antrag gestellt, der es den Behörden unter gewissen Die Berufszählung vom 12. Juni 1907, deren Hauptzablen Voraussetzungen zur Pflicht macht, die Errichtung einer Kammer Bei der Prüfung der Rechnungen für Kamerun pro 1908 wurde anzuordnen. Diefer Antrag stand jezt beim§ 8 mit zur festgestellt, daß der frühere Gouverneur b. Buttkamer für den fürzlich veröffentlicht wurden, hat als eines der wichtigsten Ergebnisse Beratung. Er verlangt, daß auf Antrag der Arbeitgeber Bau des Bezirksamtsgebäudes in Duala statt der bewilligten eine gewaltige Zunahme der weiblichen Erwerbstätigkeit aufgewiesen. oder Arbeitnehmer in einem Gewerbezweige innerhalb eines be- 52 000 m. nicht weniger als 1080 000 w. ausgegeben hat! Der Bei einer Vermehrung der weiblichen Gesamtbevölkerung von 1895 stimmten Bezirks die Errichtung anzuordnen ist, wenn die Mehrheit der Referent, Abg. Schwarze Lippstadt, Abg. Hug( 8.) und ganz bis 1907 um nur 18,58 Proz. hat die Zahl der weiblichen ErwerbsArbeitgeber oder Arbeitnehmer dem Antrage zustimmt. Auch über die besonders Abg. Sengsbach( Soz.) wandten sich gegen diese eigen- tätigen im Hauptberuf um 56,59 Proz., einschließlich der häuslichen Art der Abstimmung enthält der Antrag Bestimmungen, die sich im mächtige Wirtschaft. Hengsbach bedauert lebhaft, daß bereits für Dienstboten( deren Zahl etwas zurückgegangen ist) um 44,21 Broz. wesentlichen mit dem Wortlaut der§§ 100 und 100a der Gewerbe- die Jahre 1901 und 1902 die Summe von 88 000 m. von der zugenommen, während die männlichen Erwerbstätigen nur eine Zuordnung decken. Unsere Genossen hatten ferner beantragt, bei An- früheren Rechnungskommission unbeanstandet durchgegangen sei; nahme von 19,85, einschließlich der Dienenden von 19,75 Broz. ernahme des Zentrumsantrages zu bestimmen, daß, wenn sich die diese Zustände müssen entschieden mißbilligt werden. Ministerial- fahren haben. Standen 1895 noch 5 264 393 weiblichen Ertverbstätigen 15 506 482, also fast dreimal so viel männliche gegenüber, Arbeitskammer auf mehrere Bundesstaaten erstreckt, die behörd- direktor one tonnte nicht viel zur Entschuldigung vorbringen. lichen Befugnisse den Behörden desjenigen Bundesstaates über- Beim Etat für Samoa wurde moniert, daß von den bewilligten so war im Jahre 1907 die Zahl der männlichen Erwerbstätigen tragen werden sollen, in dem die Arbeitskammer ihren 2500 M. für Verbreitung der deutschen Sprache mur 200 m. aus mit 18 583 864 nicht viel mehr als doppelt so groß wie die weibSig hat. Von freifinnigen, fonfervativen und einzelnen gegeben wurden. Der Rest floß in den Reservefonds, aus dem dann lichen mit 8 243 498. Bentrumsabgeordneten war außerdem beantragt, vor Errichtung alle möglichen, nicht bewilligten Ausgaben bestritten werden. Von der Kammer Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Handwerks- und Handels- unserer Seite unterzog Genosse Ulrich dieses Treiben einer scharfen Tammern und Kommunalverbände zu hören. Endlich verlangen die Stritit. Ein Beschluß in dieser Sache soll erst in nächster Sitzung Nationalliberalen, daß die Bildung von besonderen Abteilungen gefaßt werden. auch nach der Größe der Gewerbebetriebe angeordnet werden kann. an, Die Aus der Partei. Fast 10 Millionen erwerbstätiger Frauen, einschließlich der Dienenden, das ist also das Resultat der wirtschaftlichen Entwickelung, die damit allerdings in gründlicher Weise mit dem alten Jdeal der ,, ins Haus gehörenden Frauen" aufgeräumt hat. Wie will man angesichts der nackten Tatsache, daß heute bereits fast ein Drittel der weiblichen Gesamtbevölkerung, d. h. die Hälfte der weiblichen er wachsenen( über 15 Jahre alten) Bevölkerung beruflich tätig ist, noch all die veralteten Konsequenzen aufrechterhalten, die sich aus dem einstigen Hausfrauenideal ergaben: die Zurücksetzung und Bevormundung der Frau in wirtschaftlicher, in familienrechtlicher, in politischer Beziehung, in Hinsicht auf die Zulassung zum höheren Studium, zu höheren Beamtenstellungen usw.? Witterungsübersicht vom 19. Februar 1909, morgens 8 IIbr. Stationen Barometer stand mm Windrichtung Die Besprechung drehte fich hauptsächlich um die Frage, ob man den Bundesrat mit der Errichtung der Kammern betrauen sollte oder ob diese Aufgaben den Landeszentralbehörden überlassen bleiben sollen, ferner um das Verlangen unserer Genossen, den Beteiligten Die ersten sozialistischen Parlamentskandidaten im Staate Victoria. die Initiative zur Errichtung der Kammern zu gewähren. Melbourne, 4. Januar.( Eig. Ver.) Redner aller Parteien mit Ausnahme der Konservativen erkannten Kurz vor Weihnachten wurde das Unterhaus von Victoria durch Bundesrat die Zuständigkeit zur Errichtung den Gouverneur aufgelöst, weil der bisherige fonfervative Minister der Kammern übertragent werden müsse, wenn man eine präsident Sir Thomas Bent kein neues Ministerium zu bilden ber differierende Stellungnahme der einzelnen Bundesstaaten verhüten mochte, nachdem das Parlament ihm auf Antrag der Liberalen ein wolle. Auch die Berechtigung der Initiative durch die Be- Mißtrauensvotum erteilt hatte. teiligten, wie sie der sozialdemokratische Antrag forderte, iwurde von Bum erstenmal in der Geschichte Victorias, entschlossen sich die Von den Genossen Sozialisten an der Wahlschlacht teilzunehmen, nachdem furz zuvor mehreren bürgerlichen Rednern zugegeben Severing und Bömelburg tonnte zudem darauf hingewiesen in der Gesamtpartei von Australien durch Referendum zugunsten Die Aussichten werden, daß in einer Eingabe des Vorstandes des Deutschen Buch der politischen Aktion entschieden worden war. bruckervereins und in einem Artikel der Deutschen Juristen- 3tg." für die sozialistischen Kandidaten waren von vornherein teine der Würzbürger Professor Piloty die Forderungen des sozialdemo- rosigen. Nicht nur das jugendliche Alter der Partei von 3 Jahren, Swinembe. 766 SS fratischen Antrages unterstützt werden. die Schwäche der Finanzen, die Kürze der Zeit zwischen Parlaments- Damburg 769 WNW Berlin Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Zentrums auf auflösung und Neuwahl( 28. Dezember 1908), sondern hauptsächlich Frankf.a.M. 770 ND Uebertragung der Zuständigkeit an den Bundesrat angenommen, auch die Ansicht im Lande, daß es sich um eine Entscheidung für München alle übrigen Anträge aber abgelehnt. Der sozialdemokratische An- oder wider das bisherige Regiment handle, standen der sozia ten trag auf Gewährung des Rechts der Initiative an die Beteiligten listischen Partei im Wege. Sie stellte zwei Kandidaten ins Feld, erwurde bis zur zweiten Lesung zurildgezogen. flärte revolutionäre, marristische Sozialisten. Mehr Kandidaten Die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages, der in Kon- aufzustellen war schon darum nicht möglich, weil in Victoria( wie in bei fequenz des Zentrumsantrages eine rein redaktionelle Aenderung anderen australischen Bundesgebieten) bei den Wahlen für das 767 9 Windstärke Wetter Zemp. n. E. 5° C.= 4° N. 1 Schnee 2 Nebel -2 2 bedeckt Stationen Barometer fland mm Wind richtung Windstärke aparanda 760 Still Better wolfig O Petersburg 762 SSD 1Schnee Temp. n. C. Wop Dog 2012 6 1 Scilly 760 DSD 3 mollig 1 heiter-5 lberdeen 765 Still heiter 772 GSD 1 wolfent- 15 Baris 764D 2 wollen!-2 770 Still halb bb.- 8 Wetterprognose für Sonnabend, den 20. Februar 1909. Ein wenig tälter, zeitweise aufflarend, vorwiegend trübe und nebelig mäßigen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Turm- Str. 76 Lachmann& Scholz Otto- Straße I Unsere Größtes Warenhaus Lebensmittel- Abteilung Viktoria- Erbsen Linsen . . Weiße Bohnen • • Java- Reis I. 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Auf der Tagesordnung steht zunächst die britte Lesung des Besoldungsgeseyes für katholische Pfarrer. Abg. Hoffmann( Soz.): Wie man der evangelischen Kirche eine halbe Million gutmütig zugelegt hat, hat man auch der katholischen Kirche noch eine Biertelmillion zugegeben. Vor einigen Tagen hat Herr Schmitt die Notwendigkeit vermehrter Einstellung von Gefängnisgeistlichen betont. Interessant war, wie Herr Schmitt sich die Erzielung von Geständnissen im Untersuchungsgefängnis denkt. Er meinte, den Unschuldigen sollte man in Ruhe lassen. Wie aber will er herausbekommen, wer von den Untersuchungsgefangenen unschuldig ist, wo es doch der Untersuchungsrichter nicht herausbekommen hat? Die Kirche sollte aus ihren reichen Mitteln mehr für den niederen Klerus tun. Mir ist ein Schreiben aus Rheinland zugegangen von einer Reihe katholischer Pfarrer.( Lachen im Zentrum.) Ich will es Ihnen vorlesen: seitige Bwede einer politischen Richtung 700 000 m. aus der verschoben durch die Beschlüsse der Kommission hinsichtlich des Staatstaffe ausgegeben. Das ist um so bedenklicher, als Zentrum und Sozialdemokratie hier und da zusammengehen." Na, es sind schlechte Bundesgenossen; uns haben sie von den 700 000 m. noch nichts abgegeben.( Große Heiterfeit.) Gut Kinderprivilegs.( Sehr wahr! rechts.) Ich muß die Kommission gegen den Vorwurf, der in der Oeffentlichkeit erhoben worden ist, in Schuh nehmen, als ob ihre Beschlüsse einen plutokratischen Charakter hätten. In der Tat erfahren die schwächsten Steuerzahler keine Mehrbelastung, sondern eine Entlastung von 200 000 Mart. 0,37 Proz. der Bevölkerung bringen von 26 Millionen 17 Millionen auf, d. h. fast zwei Drittel.( hört! hört! rechts.) Die Frage, ob die Zuschläge auch für 1908 erhoben werden sollen, wie von konservativer Seite beantragt ist, ist nach meiner Erinnerung kein Teil des in der Kommission abgeschlossenen Kompromisses. Dieses hatte vielmehr zur Grundlage den Verzicht auf die Gesellschaftssteuer und die Anerkennung der Regierung, daß fie in abseh= barer Frist den neuen Entwurf zur organischen Regelung der Eintommensteuer vorlegen wolle. Dringliche sachliche Gründe sprechen jedenfalls dafür, daß die Zuschläge auch für 1908 erhoben werden. ( Bravo rechts.) Abg. Frhr. v. Beblis( freikons.) erklärt sich mit den Kommissionsbeschlüssen einverstanden und betont die Notwendigkeit, im Reiche für die Nachlaßsteuer einzutreten. Abg. Gyßling( freis. Vp.): Wir sind für das Kompromiß in der Kommission eingetreten, nachdem der Herr Finanzminister erflärt hatte, daß er sich gegenüber dem Herrenhause stark machen werde in der Verteidigung der weitergehenden Beschlüsse des Hauses zu den Beamtenbesoldungen. Durch den Antrag der Konservativen, die Buschläge auch für 1908 zu erheben, ist das Kompromiß durchbrochen! Als entsetzliche Tatsache zitiert die National- Zeitung", daß im Kultusministerium sogar zur Bearbeitung der Angelegenheiten der katholischen Kirche ein katholischer Referent vorhanden wäre. Wenn die kirchlichen Angelegenheiten heraus wären, so könnte man aus dem Kultusministerium ein Kulturministerium machen. ( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Sie schreibt auch, der Kultusminister Boffe habe sich von katholischen Bischöfen einfangen lassen. Ein von katholischen Bischöfen eingeseifter preußischer Kultusminister ist ein gutes Bild für jedes Wizblatt.( Heiterkeit.) Die Zeitung flagt noch darüber, daß von den Bischöfen die Staatszuschüsse für andere Zwecke verwendet würden. Wenn die Nationalliberalen für die Trennung von Staat und Kirche eintreten wollten, so würden solche Zustände nicht mehr möglich sein. ( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Oder wollen die Herren etwa wieder den unseligen Kulturkampf heraufbeschwören? Ich dächte, die dominierende Stellung, die das Zentrum hier im Hause und im Reichstag einnimmt...( Lachen bei den Nationalliberalen), sie nimmt sie ja heute noch ein, und wenn Sie mit Ihrem Block sich noch so freuen! Wenn Sie mit Ihrem Block nicht " An die hochansehnliche Fraktion der sozialdemokratischen parieren, so wird von der Seite der Rechten nur gesagt:" Artig! Partei, Berlin.( Lachen im Zentrum.) Wenn die Unterzeichneten der schwarze Mann kommt!"( Stürmische Heiterkeit.) Was wird auch nicht auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei stehen, dem Volte denn eigentlich von der Geistlichkeit für die Staatsso glauben sie doch, mit Erfolg sich an die Partei wenden zu zuschüsse gegeben? Nur ein Beispiel aus Aachen: Dort hat ein dürfen, welche sich stets der Rechtlosen und Unterdrückten anDaher beantragen wir nunmehr in Konses Dr. Leonharts vor katholischen Männern und Jünglingen eine genommen hat. Zu diesen Rechtlosen gehört der katholische Rede gehalten, die in der Kölnischen Volkszeitung" abgedruckt quenz unseres Bestrebens, die schwächeren Klerus, den die Bischöfe so gern den niederen Klerus wird, über das Unglück in Messina. Da heißt es wörtlich:" Dieses Schultern zu entlasten, die Einkommen bon 1200 nennen. Diese Rechtlosigkeit zeigt sich wieder bei der Besoldungs- Unglück ist etwas ganz alltägliches, denn jeden Tag sterben 90 000 bis 3000 M. von den Zuschlägen frei zu laffen. Entfrage. Mit Spannung sah man dem ersten Auftreten des Ben- bis 100 000 Menschen. Ebenso viele verlieren tagtäglich Hab und schieden protestieren müssen wir auch gegen den Antrag des Zentrums entgegen. Hieß es doch, daß die Bischöfe bereits hinter In einem weiteren Sake:" Die Erdbeben und großen trums auf Einschätzung des ländlichen Besizes nach dem Ertragsben Kulissen arbeiten. Darauf erschien in der Kölnischen Bolts. Unglücksfälle haben viele Menschen in den Himmel gebracht und wert. Das ist eine agrarische Extrawurst. Gegen diesen Antrag zeitung" eine Beschwichtigung. Es wurde betont, daß das Ben- in die Hölle." Wenn es dann zum Schlusse noch heißt:" Gott gab hat auch der Herr Finanzminister in der Kommission gesprochen. trum für den niederen Klerus eintreten wird. Jetzt aber ver- allen noch Zeit zur Bekehrung", so erlaube ich mir die Zwischen- Die Erweiterung des Kinderprivilegs und das fallenlassen des frage:„ Auch den Säuglingen?"( Unruhe im Zentrum.) Gesellschaftssteuergesetzes begrüßen wir mit Freuden. Den Antrag, steckt sich das Zentrum hinter die Bischöfe. Die politische Ben- Wer dies nicht verstand, ist selbst schuld. Gott ließ das Unglüd die Gesellschaften m. b. S. nur ebenso zu besteuern, wie die physischen trumspartei hat gebundene Marschroute, gebunden durch die Bischöfe. Wer glaubt da noch an die Lehre von der politischen aus Liebe zu!"( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Personen, unterstüßen wir. Eine Debatte bei dieser Gelegenheit Bischöfe. Wer glaubt da noch an die Lehre von der politischen Die Behauptung, daß Gott ein so entsetzliches Unglück aus Liebe über die Reichsfinanzreform dürfte ihrem Zustandekommen nicht Zentrumspartei? Das Zentrum hat sich stets aufgespielt als die Partei, welche allen gerecht wird. Die Notlage des Klerus zugelassen hat, ist die größte Gotteslästerung, die ausgesprochen sehr förderlich sein. Wir halten jedenfalls an der Nachlaßsteuer werden kann.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dr. feft. Der von den Sozialdemokraten beantragten neuen Fassung hat sie anerkannt, warum hilft sie jetzt nicht? Die Bischöfe August Specht- Gotha schreibt:" In einem unter bischöflicher des§ 23 des Einkommensteuergesetes, wonach die Verpflichtung der wünschen eben keine bessere Besoldung des niederen Klerus. Eie selbst haben reichliche Pfründen entsprechend ihrer Stellung Approbation in Donauwörth herausgegebenen Schußengelbrief" Arbeitgeber zur Angabe des Einkommens ihrer Arbeiter wegfällt, als Kirchenfürsten, wie sie sich gern gegen den Geist des Evange- lesen wir: Darum darfst Du nie des Priesters Ruf verlegen durch stimmen wir zu. Wir wollen nicht, daß die Arbeiter in einer Zeit, wo sie schon durch eine verkehrte Wirtschaftspolitik und indirekte liums nennen. Ein armer Klerus ist gefügiger. Deshalb bitten Reden über seine etwaigen Schwächen. Fluch solchen Lippen." die Unterzeichneten im Namen der Mehrzahl der katholischen Sagen Sie doch auch ein bißchen was aus eigenem. Präsident v. Kröcher: Nur vorlesen dürfen Sie auch nicht. Steuern besonders schwer belastet werden, auch noch mit direkten ( Heiterkeit Steuern schärfer herangezogen werden als andere.( Bravo links.) Geistlichen die meisten wagen nur zu denken, was wir sagen Abg. Switala( Pole): Wir stimmen gleichfalls für die Abdie Aufmerksamkeit aller auf uns zu lenken und dem ZenAbg. Hoffmann( fortfahrend): Ich zitiere nur aus dem änderung des§ 23 und auch für die Freilassung der Einkommen trum seine Pflicht vorzuhalten. Die sozialdemokratische Presse Grunde wörtlich, damit mir nicht Entstellung vorgeworfen werden von 1200 bis 3000 M. von den Zuschlägen. Die nachträgliche Erbitten wir um gütige Aufnahme dieses Notschreies einer großen kann. Dem Sinne nach geht es weiter; es foll fein Aergernis hebung der Zuschläge für das Jahr 1908 lehnen wir ab. Wir werden Klasse von Rechtlosen im Namen der Humanität." ( Gelächter im Zentrum. Rufe: Unterschriften!) Das könnte Ihnen erregt werden dadurch, daß man die Schwächen und Sünden der gegen diese Vorlage stimmen, weil sie eng berknüpft ist mit der so passen, wenn ich Ihnen die Leute denunzieren würde. Ich habe Geistlichen bekannt gibt. Man soll aber wohl für ihr leibliches Ostmarkenpolitik. Wohl sorgen.„ Seid pünktlich im Zahlen der Gebühren und Abg. Dr. Pachnide( freis. Vg.): Für uns war die Beseitigung die Unterschriften zur Vorsicht sogar von dem Original abgeschnitten, damit sie Ihnen nicht in die Hände fallen. Widerlegen aften." Das erinnert an den alten Spruch:" Und wenn das der Gesellschaftssteuer ausschlaggebend für die Zustimmung zum ( Heiterkeit und Sehr gut! bei den Kompromiß. Die Erhebung der Zuschläge für 1908 lehnen wir als Sie doch den Inhalt.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gin Sozialdemokraten.) Ich bin ja fest überzeugt, daß Sie trotzdem eine Durchbrechung des Stompromisses entschieden ab. ähnliches Schreiben ist mir aus dem Rheinland noch in den letzten die Millionen bewilligen. In den Zeiten der Blockpolitik ist für örterung der Reichsfinanzreform in diesem Hause könnte nur zur Tagen zugegangen, in dem unter Bezugnahme auf einen Artikel Sie ja die Hauptsache, daß Sie regierungsfreundlich bleiben. Der Verschärfung der Gegenfäße führen. Um eine Belastung des Bein der„ Kölnischen Volkszeitung" vom 1. Januar 1909 auch betont Block reagiert auf jeden Schreckensruf, daß das Zentrum wieder fizes in irgend einer Form werden Sie( nach rechts) jedenfalls nicht wird, daß das Zentrum den Weisungen der Bischöfe gehorcht und an die Regierungstrippe herankommen könnte. Unter diesem herumkommen, denn sie ist für uns eine Vorbedingung für die Mitin dem um Unterstützung der Wünsche der niederen Geistlichen ge- Schreckensruf bewilligen Sie Millionen, schlucken Sie neue Steuern arbeit an der Finanzreform. beten wird.( Buruf im Zentrum.) Sie sagen: Stimmen Sie doch und auch die Finanzreform, und wenn der Blockkommandeur berdafür. Gewiß, wenn der Staat das Mitbestimmungsrecht hätte langt, daß die Nationalliberalen noch römisch- katholischer werden und es handelte sich um eine Abänderung, dann würden wir dafür als das Zentrum, so tun Sie es auch.( Große Heiterkeit.) Der fimmen, aber das Ganze ablehnen.( Lachen im Zentrum.) Ich Blockheilige Bernhard ist Ihr Prophet, und die Aussicht auf Reverstehe Ihr Lachen nicht. Wir sind prinzipiell gegen Staatszu- gierungsfähigkeit ist Ihre Seligkeit.( Heiterfeit und Sehr gut! schüsse an die Kirche. Wenn wir aber damit nicht durchdringen, bei den Sozialdemokraten.) Von diesem Wahn sind die Liberalen und wir können für die Zuschüsse wenigstens Kontrolle haben, bei uns in Deutschland nicht mehr zu kurieren. Daher wird der so stimmen wir natürlich für die Kontrolle.( Sehr wahr! Liberalismus in Deutschland zugrunde gehen und wird abgelöst bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Kirche anfangen wollte zu werden durch den fiegreichen Sozialismus, durch das Evangelium sparen beim Papst, bei den Kardinälen und Erz- des Sozialismus, das Evangelium der Menschenliebe.( Beifall bischöfen, dann hätte sie ungeheure Summen für den niederen bei den Sozialdemokraten.) Klerus zur Verfügung. Mein Kollege Borgmann hat vor einiger Zeit ein Menu von einem Aufsichtsratsessen vorgelesen. Ich will Ihnen ein Menu zum Besten geben als Beweis dafür, daß sich die geistlichen Würdenträger sehr wohl befinden. Ich will es nicht zu weit ausdehnen. Sonst fönnte ich Ihnen bei jedem Gang einen Bibelspruch zum Besten geben.( Heiterkeit.) Ich will nur die Reihenfolge der Speisen wiedergeben: Geflügel- Koteletts, Königin- Suppe, Bachforellen mit Kartoffeln und Buttertunte, Rehrücken mit Maronen, Erbsen und Spargel, Zungenragout, junge Gänse mit Salat und Kompotten, Eis, Käse, Obst, Kaffee. Dazu folgende Weine: Madeira, Geisenheimer, Uerziger, 1900er Rauhentaler, 1904er Piesporter, 1897er Bordeaux- Margaur, 1900er Liebfrauenmilch, 1904er Brauneberger Auslese, Champagner. rechts.) Geld im Kasten klingt " " Abg. Dr. Kaufmann( 3.): Herr Soffmann ist offenbar das Opfer einer Mystifikation geworden. Ich glaube nicht, daß die Briefschreiber katholische Geistliche sind, wenn nicht der Beweis geführt wird. Auf jeden Fall haben die betreffenden mit der Wahl ihres Advokaten einen gründlichen Fehlgriff getan, denn Herr Hoffmann ist ja gegen alle Staatszuschüsse zum Gehalt der Geistlichen. Abg. Dr. Friedberg( natlib.) bittet um Aufklärung, welche Kontrolle darüber besteht, daß die Bischöfe mißliebigen Geistlichen nicht das Ruhegehalt vorenthalten. Ein Regierungskommissar erwidert, erwidert, daß die Diözesenetats mit den Rechnungen dem Oberpräsidenen zur Prüfung borgelegt werden müssen. Damit schließt die Debatte. Die Vorlage wird angenommen; in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen. Es folgt die zweite Beratung des Einkommensteuer- und Ergänzungssteuergesetzes. ( Große Heiterkeit.) Sierzu paßt sehr schön der Spruch aus Lukas 18, 22( Heiterkeit), wo es heißt:" Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm, verkaufe alles, was Du hast und gib es den Armen, so wirst Du einen Schaß im Himmel haben; und tomm, folge mir nach." Und auch der andere aus Jesus- Sirach 29, 28:„ Es ist genug zu diesem Leben, wer Wasser und Brot, Kleidung und Haus Mit der allgemeinen Besprechung wird auch die Erörterung hat, damit er seine Notdurft decken kann." Sie müssen zugeben, des Mantelgesetes und des Gesellschaftssteuerdaß demgegenüber das Menu ein ganz anständiges Mittagsmahl gefeßes verbunden. Es liegen hierzu eine große Reihe von An ist und daß man solche Summen wahrlich sparen könnte für bessere trägen vor. Bezahlung der niederen Geistlichkeit.( Sehr wahr! bei den Abg. v. Hennigs- Techlin( kons.): Die Beschlüsse der Kom Sozialdemokraten.) Es wird ja auch in Ihren Reihen nach und mission sind durch Entgegenkommen von allen Seiten zustande nach Tag; es gibt schon Geistliche, die das Joch abwerfen. Ich gekommen. Mit dem Vorschlag der Zuschläge zur Stempelsteuer erinnere an den katholischen Geistlichen, der von Gewissensqualen sind wir einverstanden. Die Breßbehauptung, daß die Erhöhung gepeinigt, öffentlich im Ornat alles widerrief, was er gepredigt der Einkommensteuer bei 30 000 m. aufhören soll, ist falsch. Der hatte, und dann für einen gewöhnlichen Tagelohn als Weber wunde Punkt der Vorlage ist, daß jede Deckung für 1908 fehlt. arbeitete. Er hatte den Mut, für seine Ueberzeugung wirklich Daher beantragen wir die nachträglichen Erhebungen der Zuschläge einzutreten. Das Zentrum sollte doch durch die Zeit des Kultur- auch für dieses Jahr. Die Gesellschaften m. b. H. sollten zu einem fampfes gewarnt sein, sich beim Staate in Abhängigkeit zu be- niedrigeren Steuersaß, als die Aktiengesellschaften, herangezogen geben. Daß der Staat für die Zuschüsse von der Kirche gewisse werden. Entschieden müssen wir uns wenden gegen den Versuch, Dienste im Interesse seiner Eristenz erwartet, das beweist am Preußen die direkten Steuern zu nehmen und sie dem Reiche zu besten die Ausnahmebestimmung in dieser Vorlage gegenüber den geben. Eine Reichsvermögenssteuer lehnen wir entschieden ab. katholischen Geistlichen in den Diözesen Kulm und Gnesen.( Sehr( Bravo! rechts.) wahr! bei den Sozialdemokraten.) Geistliche, die sich in einer Weise betätigen, die„ das friedliche Zusammenleben der Bevölkerung oder die staatliche Ordnung gefährden", sollen die Zulage nicht erhalten! Dieser Sab erinnert an das Sozialistengesetz, wo vom Umsturz der bestehenden Staatsordnung die Rede war, und auf Grund jenes Gesetzes hat man rein wissenschaftliche Bücher verboten und das ganze Vereinsleben zugrunde gerichtet. Diese Stellung des Staates zu den Geistlichen ist der ärgste Der nationalliberale Antrag, die Belastung der Gesellschaften Terrorismus, der gedacht werden kann.( Sehr wahr! bei den m. b. H. wieder rückgängig zu machen, nimmt zwar den ursprüngSozialdemokraten.) Eine katholische Partei wie das Zentrum lichen Vorschlag der Regierung wieder auf, aber ich kann mich im müßte ein Gesetz, das einen solchen Baragraphen enthält, ab- gegenwärtigen Stadium der Sache doch nicht dafür erwärmen, lehnen und auf den Staatszuschuß verzichten.( Sehr wahr! bei und zwar aus finanziellen Gründen. Er würde einen Ausfall von den Sozialdemokraten.) Aber sie sagen Gelb riecht nicht" und 1 Millionen M. für die Staatsfasse bedeuten. Den richtigen nehmen es sehr gern. Sie berufen sich auf die Säkularisation der Mittelweg bietet wohl der Antrag v. Hennigs- Techlin, wonach die Kirchengüter. Wir sind gern bereit, für die Rückgabe aller Gesellschaften m. b. S. nur mit der Hälfte des Zuschlags, wie ihn Kirchengüter einzutreten, wenn Sie nachweisen, daß die Kirche die Kommission beschlossen hat, belastet werden sollten. Auch der diese Güter rechtlich erivorben hat.( Sehr gut! und große Heiter- Antrag der Sozialdemokraten, die Zuschläge von 1200-3000 m. teit bei den Sozialdemokraten.) Interessant ist, was die zu beseitigen und von 3000-7000 statt 10 Proz. nur 5 Broz. zu " National- Zeitung" schreibt:" Die vom Kultusminister an die erheben, würde für die Staatskaffe einen Ausfall von 7½ Millionen Diözesen verteilten Fonds sind so reichlich bemessen, daß etwa ein Mark bedeuten.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Es ist ja Ihr Fünftel davon übrig bleibt. Auf diese Art werden für ein- eigener Antrag!) Inzwischen ist aber die Sachlage vollkommen " Abg. Dr. Keil( natlib.) empfiehlt einen nationalliberalen Antrag, die Gesellschaften m. b. H. ebenso zu besteuern wie die physische Person. Notwendig ist eine schärfere Kontrolle der Selbstein schäßungen. Für die Stempelsteuer treten wir ein, lehnen aber eine Nachzahlung der Zuschläge für 1908 ab. Finanzminister v. Rheinbaben: 912 Abg. Hirsch- Berlin( Soz.): wir sind nach reiflicher Ueberlegung zu dem Entschlusse gekommen, Meine Freunde sind an dem Kompromiß nicht beteiligt, und ber Vorlage, wie sie aus der Kommiffion gekommen ist, unsere Zustimmung zu versagen. Zwischen der Regierungsvorlage und den Kommissionsbeschlüssen ist ein großer Unterschied; die letzteren eine organische Regelung des Einkommensteuergesetes vorgeschlagen bedeuten eine wesentliche Verschlecherung. Die Regierung hatte und wollte erst die Einkommen von 7000 m. an höher besteuern. Die Kommission ist dazu übergegangen, bereits die Einkommen von 1200 M. an zu besteuern. Zunächst müssen wir bedenken, daß bei die Möglichkeit gegeben wäre, die niederen Einkommen von 900 bis einer organischen Regelung der Einkommenbesteuerung auch 1200 M. au berücksichtigen. Ich habe in der Kommission einen entsprechenden Antrag gestellt. Ich sehe davon ab, ihn jekt zu wiederholen, einmal weil er doch aussichtslos ist, und dann, weil ja eine organische Regelung nicht vorgenommen wird. Wir halten aber daran fest, daß bei einer solchen organischen Regelung die Be lastung der Einkommen von 900-1200 M. aufhören muß. Diese geringen Einkommen müssen vollständig steuerfrei bleiben. Erlaß des Einkommensteuergesetes die Kaufkraft des Geldes sich Ich habe in der Kommission darauf hingewiesen, wie sehr seit verringert hat.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn seinerzeit ein Ginkommen von 900 M. als Existenzminimum gelten konnte, so ist das heute nicht mehr der Fall. Wenn man sich nun mit Steuerzuschlägen begnügt hat, so ist das um so mehr ein Mißstand, als dadurch die Kommunen in eine sehr unangenehme Lage verfekt sind. Auch durch die Erhöhung der Beamtenbesoldung werden die Kommunen gezwungen werden, ihre Beamtengehälter ebenfalls zu erhöhen. Die Folge wird sein, daß die Kommunen namentlich da, wo sie bisher nur 100 Broz. Kommunalsteuerzuschlag erhoben, gezwungen sein werden, darüber hinauszugehen, und weiter, daß ihr Selbstverwaltungsrecht noch mehr als bisher eingeschränkt werden wird. Diese Uebelstände hätte auch die Kom bemokraten.) Dazu kommt noch, daß die Kommunen nicht in der mission berücksichtigen müssen.( Sehr wahr bei den Sozialage find, ihrerseits die Zuschläge progressiv zu gestalten. Wenn sie also infolge der neuen Gesezgebung gezwungen sein werden, Einkommen, auch die unteren, gleichmäßig zu belasten. Bei einer erhöhte Steuerzuschläge zu erheben, so sind sie genötigt, alle organischen Regelung würde dieser Mißstand wegfallen. So er organischen Regelung würde dieser Mißstand wegfallen. So er Bevölkerung eine ganz gewaltige Belastung.( Sehr wahr! bei wächst aus den Beschlüssen der Kommission indirekt der ärmeren den Sozialdemokraten.) Die Gesellschaftssteuer ist bekanntlich gefallen, und ich würde nicht auf sie eingehen, wenn nicht einige Blätter über das Verhalten des sozialdemokratischen Vertreters in der Kommission die abenteuerlichsten Gerüchte ber= breitet hätten. Es war da so hingestellt, als ob zwischen der Sozialdemokratie und den Konservativen ein Kompromiß ab= geschlossen sei; einige Blätter sprachen schon von einem neuen Block.( Heiterkeit.) Ich habe bereits bei der ersten Lesung der Steuergeseße erklärt, daß wir dem Gedanken der Gesellschaftssteuer an fich sympathisch gegenüberstehen, daß wir aber unsere Bustimmung davon abhängig machen würden, ob die Besteuerung der Konsumbereine aus dem Geseze wegfällt. Das habe ich in der Kommission beantragt. Es wurde beschlossen, und infolgedessen habe ich, getreu meiner hier dargelegten Auffassung, für den grundlegenden Paragraphen des Gefeßes gestimmt. Daß auch die Konservativen dafür gestimmt haben, ist nicht meine Schuld. Irgendwelche Vereinbarungen darüber liegen nicht vor. Die Aufregung in der Presse zeigt, daß die Herren einerseits den Verhandlungen im Hause nicht aufmerksam gefolgt find, und andererseits die Grundidee des Sozialismus nicht erfaßt haben. Denn die Gesellschaftssteuer liegt doch ganz in der Richtung dieser Idee. Besonders verwundert tut das" Berliner Tageblatt". Sie sehen, daß ich mich auch einmal gegen das„ Berliner Tageblatt" " ihrer Freunde in der Kommission nicht einverstanden. Ich era innere nur an einen Artikel des Abgeordneten Mommsen in der Liberalen Korrespondenz". Heute haben ja nun die Freisinnigen einen Antrag gestellt, die Einkommen von 1200-3000 m. von der Erhöhung auszunehmen. Ich möchte nur wünschen, daß es den Freisinnigen gelingt, die übrigen Herren des Kompromisses für ihren Antrag zu gewinnen. Das Kinderprivileg darf auf keinen Fall eine Beeinträchtigung des Wahlrechts im Gefolge haben. Wenn einem Zenfiten die Steuer infolge des Kinderprivilegs herabgesett wird, so darf diese Herabsehung nicht bei der Wahl in Betracht kommen, weder hier bei der Wahl für den Landtag noch bei Kommunalwahlen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das ist auch die Meinung der Kommission bei Beratung des Kinderprivilege gewesen. Das Wahlrecht der ärmeren lassen ist heute schon gering genug, so daß es durch Steuergesetze nicht noch geschmälert werden darf.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo fraten.) Parteien warf das Schiedsgericht die Frage der Vergleichs. schließung auf. Röber und Stadthagen erklärten sich bereit, eventuell einen Vergleich einzugehen. Das Schiedsgericht formulierte sodann folgenden Vergleichsvorschlag: Genosse Röber erklärt, er sei der Auffassung, Genosse Stadthagen habe durch die Form seiner Aeußerungen den Eindruck erwecken wollen, er( Röber) sei ein Polizeispiel. Die Auffassung werde auch von vielen anderen Parteigenossen, die in der Versammlung anwesend waren, geteilt. Genosse Stadthagen erklärt demgegenüber ausdrücklich, die ihm unterstellte Absicht habe ihm ferngelegen. Es sei vielmehr sein Bestreben gewesen, objektiv die Ansicht der Untersuchungsfommission in Sachen Röber- Freiwaldt wiederzugeben. In dieser sei man zu der Ansicht gelangt, das Vorgehen Röbers rufe dieselbe Wirkung hervor, wie das Treiben von Polizeispizeln zur Zeit des Sozialistengesezes. Daß Röber ein Polizeispiel sei, habe er nicht gesagt und nicht sagen wollen. ausspreche( Seiterkeit); es meint: Vielleicht erleben wir diese Assoziation zwischen der äußersten Rechten und der äußersten Linken in Preußen noch häufig."( Buruf rechts.) Das wird ganz von den Herren der Rechten abhängen; wenn Sie( nach rechts) uns folgen wollen, wir haben nichts dagegen.( Heiterfeit.) Die Freifinnige Zeitung" schrieb: Les extremes se touchent. Es ist nicht ohne Interesse, zu konstatieren, daß die extreme Linte bei der Erledigung des Steuergesetzes in vieler Hinsicht mit der extremen Rechten übereinstimmte. Das ist kein Zufall. Auch hier wieder zeigt sich, wessen Geschäfte die Sozialdemokratie besorgt." Nein, wir richten unsere Stellung zu der Steuerfrage lediglich nach unseren Grundfäßen ein. Wie recht wir mit unserem Eintreten für die Gesellschaftssteuer hatten, zeigt das Resultat der Kommissionsverhandlungen. Wäre die Gesellschaftssteuer Gesetz geworden, dann hätte sich die Kommission wohl nicht dazu entschlossen, mit den Zuschlägen bis auf 1200 m. herunterzugehen. ( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Erfreulicherweise haben fich jetzt auch die Freifinnigen zu der Anschauung emporgefchwungen, daß es eine schreiende ungerechtigkeit ist, wenn man bereits auf Genosse Röber erklärte, dem Vergleich in der vorliegenden Form Einkommen von 1200 M. Buschläge legen würde. In der Komnicht zustimmen zu können, er verlange die Feststellung, daß er mission stimmten sie dafür.( Hört! hört! bei den Sozialdemo kraten.) Nur die Bertreter der Polen und der Sozialdemokraten wird den Arbeitern schweres Unrecht getan. Hier müssen wir für beleidigt worden sei und die Anerkennung des Widerrufs durch waren dagegen. Trotzdem wird jetzt in einigen Zentrumsblättern die Arbeiter das gleiche Recht verlangen, das für alle anderen be- Stadthagen. Solche Ansprüche lehnte Stadthagen entschieden ab. das Märchen verbreitet, der Vertreter der Sozialdemokratie habe steht. Die Arbeiter müssen auf diese Weise jede einzelne Ueber- Das Gericht beschloß, dem Genossen Röber noch Zeit zu lassen, in der Kommission für die Belastung der Einkommen von 1200 M. Stunde besteuern, während sonst Ueberstunden nicht als ein Ver- einen endgültigen Entscheid zu treffen, und wurde dann die Sizung ab gestimmt. Diese Behauptung steht mit der Wahrheit in dienst angesehen werden, der zu versteuern ist. Diese Bestimmung vertagt. Wider Erwarten lehnte Genosse Röber nachher den Vere der Auskunftspflicht der Arbeitgeber halten wir für eine so wichtige gleich endgültig ab und rekonstruierte seine Anklage wieder auf Widerspruch. aus prinzipiellen Gründen, im Interesse der Schaffung Verläumdung. eines gleichen Rechtszustandes für alle, daß wir bei jeder Gelegen heit den Antrag auf Beseitigung dieser Bestimmung wieder auf nehmen werden. Der Herr Finanzminister hat bereits ausgeführt, daß die Annahme unseres Antrages 7 Millionen Mart Kosten verursachen würde. Die Rechnung bezweifle ich nicht, aber es fragt sich, ob es denn gar nicht möglich sein wird, die 7% Millionen auf andere Weise aufzubringen. Wir haben ja nicht die Verpflichtung, der Regierung Vorschläge zu machen, wie sie ihre Steuern aufbringt, aber wir haben trozdem ein Uebriges getan und in der Kommission einen Weg gezeigt, auf dem es möglich wäre, die Summe aufzubringen, ohne die Minderbemittelten und den Mittelstand zu belasten. Ich habe in der Kommission eine Verdoppelung der Ergänzungssteuer beantragt. Der Antrag ist dort abgewiesen und würde wohl auch hier dasselbe Schicksal erleben. Jedenfalls kann ich eine Erhöhung der Ergänzungssteuer nur empfehlen. Sie tönnen ihr um so eher zustimmen, als sie ja nicht fommunalsteuerzuschlagpflichtig ist. Der Antrag der Freisinnigen, der sich darauf beschränkt, die Vermögen von 1200 bis 3000 M. auschlagsfrei au lassen, würde 3% Millionen Mehrkosten verursachen. Falls unser Antrag abgelehnt wird, würden wir dem natürlich zustimmen. Ich hoffe, daß die anderen Herren die Blodfreundschaft dann wenigstens so weit treiben, daß sie auch dafür stimmen.( Sehr gut! bei den Sozialdem.) In der Kommission wurde ja sogar beantragt, die Einkommen von 900 bis 1200 m. mit Zuschlägen zu belasten! ( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also Einkommen, die nach unserer Meinung nicht einmal das Eristenzminimum darstellen. Diese Anträge sind um so auffallender, als ja in der ersten Lesung erklärt wurde, es sei eigentlich ungerecht, daß schon von 7000. Buschläge erhoben würden. Herr Wiemer sagte damals: Wir glauben, daß auch bei einer Grenze von 7000 M. solche Kreise des Mittelstandes in Betracht kommen, denen eine Steuererhöhung in diesem Augenblick außerordentlich schwer fallen würde, und für uns ist die Frage wohl erwägenswert, ob man nicht die Grenze hinauffeßen sollte. Gegen eine Herabfegung würden wir uns entschieden aussprechen."( Hört! hört! bei den Sozial demokraten.) Ausgesprochen haben sich die Herren allerdings ent Durch die Auskunftspflicht der Arbeitgeber über die Einnahmen der Arbeiter Mit den Konservativen stehen wir auf dem Standpunkte, daß es Pflicht der Mehrheit des Hauses ist, auch für Deckung des Bedarfs für 1908 Nach diesen Feststellungen erklären beide Parteien die Angelegenheit für erledigt." Das Schiedsgericht tam in seiner lebten Sibung am 27. Juni zu dem einstimmigen Urteil, daß es auf Grund des verlesenen Schiedsspruches zu der Ansicht gekommen fei, die in dem beanstandeten Ausdruck Stadthagens enthaltene Meinungsäußerung stehe in Uebereinstimmung mit dem in Sachen Röber- Freiwaldt gefällten Schiedsspruch. Röber fand zwischendurch ein neues Mittel, die Erregung zu sorgen. Wenn Sie für 1908 Ausgaben machen, ist es nur logisch, wenn Sie als Mehrheitspartei nun quch die Schlußfolgerung daraus zu schüren. In Widerspruch mit seiner Erklärung und den sonziehen und sagen: Dann müssen wir auch die Mittel aufbringen. ftigen Gepflogenheiten zuwider machte er aus den SchiedsgerichtsWir werden aber für den Antrag Hennigs auf Erhebung der Steuer- berhandlungen Mitteilung und zwar irreführende Mitteilungen, zuschläge auch für 1908 nicht stimmen, denn Sie können nicht von uns verlangen, daß wir als Vertreter der Arbeiter einem Antrage die den Genossen Stadthagen zum Lügner stempelten. Damit nicht zustimmen, der einen Zuschlag schon für die Einkommen von 1200 genug. In einer am 23. Juni stattgefundenen Versammlung Wark vorsteht. Lassen Sie die Steuererhebung erst von 7000 20. führte er eine Beschlußfassung herbei, die als Eingreifen in das eintreten, dann sind wir sehr gern bereit, für den Antrag zu schwebende Schiedsgerichtsverfahren zu betrachten ist, indem es stimmen. Sätten wir ein Wahlrecht, das der Bevölkerung die Mög einfach ein Urteil fonstruierte, in dem Stadthagen als der schuldige lichkeit gäbe, in der richtigen Weise an der Gesetzgebung mitzu Teil angesprochen wird, den man aufforderte, eine Verläumbung wirken, dann könnten wir auch über Steuerbewilligungen reden. zu widerrufen. Das geschah, obwohl Röber die schriftliche ErSo aber wäre es von uns, als den Vertretern der Arbeiterschichten, flärung in der Hand hatte, daß Stadthagen ihn nicht PoliVerrat an unseren Wählern, wenn wir auch nur einen Pfennig geispiel genannt haben will und genannt hat. Im weiteren bewilligen wollten.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) So- Berlauf der Angelegenheit setzte Röber durch die Art seiner Be lange das Klassenwahlsystem besteht, können wir der preußischen Re- richterstattung und Information bei den Genossen auch noch einen gierung keine Steuern bewilligen. Wäre das allgemeine Wahlrecht Ausschlußantrag wider Stadthagen durch. Bis dahin hatten irres eingeführt, könnten wir über die Bewilligung von Steuern reben. führende Berichterstattungen Röbers Vorgehen begünstigt. Außer Vorläufig aber haben wir keine Veranlassung, der Regierung dem trat ein anderer Umstand hinzu, der Wasser auf seine Steuern zu bewilligen. Wir sind deshalb nicht in der Lage, den Mühle lieferte: Vorlagen zuzustimmen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo fraten.) Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr( Fortsetzung und Land. wirtschaftsetat). Schluß 5 Uhr. Dic Affäre Freiwaldt ſchieden dagegen, aber ge stimmt haben sie trotzdem bafür!( Sehr Zum Parteikonflikt in Tiederbarnim. zieren, Freiwaldt von einem strafrechtlichen Verfahren abzuraten. gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Nationalliberalen äußerten sich damals ähnlich. Herr Dr. Friedberg sprach davon, daß die notwendige Schonung des Mittelstandes es gebiete, mit der Steuererhöhung erst über 7000 M. zu beginnen. Ja, er sprach auch von einer Steuerfreiheit der Vermögen unter 1200 M.( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie sehen also, wie schnell die Herren ihre Anschauung geändert haben, wie sie in der Kommission plötzlich umgefallen sind und die geringeren Eintommen mit Steuerzuschlägen bedacht haben. Angesichts der ganzen Lage auf dem Wirtschaftsmartt, angesichts der Tatsache, daß wir eine ungeheure Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben, daß allein in Groß- Berlin weit über 100 000 Arbeitslose sind, angesichts der in Groß- Berlin weit über 100 000 Arbeitslose sind, angesichts der gewaltigen Steigerung der Wohnungsmieten namentlich in den Großstädten ich sage: angesichts all dieser Umstände ist es doch ein startes Stüd, nun noch mit den Steuerzuschlägen bis auf 1200 M. herabzugehen. Was Sie hier beschließen wollen, bedeutet wirklich nichts anderes als eine Besteuerung der Armen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun wendet man ja ein, daß die Steuerzuschläge ganz minimal sind. Gewiß, ich gebe zu, daß fie absolut bei geringem Einkommen auch gering sind; wer 1200 M. Ginkommen hat, hat bei einem Zuschlage von 5 Broz. ganze 60 f. zu zahlen. Aber Sie vergessen, daß es einem Familienvater mit 1200 M. Einkommen weit schwerer fällt, die 60 Pf. mehr im Jahre zu zahlen, als etwa einem Benfiten mit 10 000 M. Einkommen 30 M, zu zahlen. Dann dürfen Sie auch nicht außer acht lassen, daß es bei den 60 f. nicht bleiben wird, fondern daß infolge der ganzen Gesetzgebung auch erhebliche Kommunalsteuerzuschläge hinzutreten werden! Dazu tommt ferner, daß gerade die kleinen Einkommen durch indirekte Steuern weit, weit mehr belastet sind als die großen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich will Sie hier nicht mit zahlen aufhalten, sondern mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Beit von der weiteren Beweisführung absehen. Ich nehme auch an, daß niemand diese Tatsache bestreitet. Parteigenossen! Parteigenossen! * Im Frühjahre des vorigen Jahres wurde Freiwaldt von bürgerlicher Seite beschuldigt, in seiner Eigenschaft als Gemeindevertreter Schmiergelder angenommen zu haben. Die sozialdemo kratischen Gemeindevertreter mit Einschluß Röbers, die natürlich der Ansicht waren, die Gerüchte entbehren der materiellen Unterlage, stellten sich auf den Standpunkt, die Angelegenheit zu ignoAls in der Gemeindevertretersizung bürgerliche Vertreter Frei waldt aufforderten, Strafantrag gegen den Veranlasser des Ges rüchts zu stellen, berharrten Stubig und Eichler auf dem früheren Unerquickliche Vorgänge in Pankow, die als Ausfluß der zer- Standpunkt, während Röber anderer Ansicht geworden war. Freiſehenden Tätigkeit einzelner Genoffen zu bezeichnen sind, zwangen waldt erstattete Strafanzeige und stellte vor Gericht das Wergehen, den Kreisvorstand, den Ortsvereinsvorstand von Pankow feines dessen er beschuldigt war, eidlich in Abrede und entfloh. Man darf Amtes zu entheben. Der Kreisvorstand wollte die Gründe für seine annehmen, daß er einen Meineid geleistet hat. Selbstverständlich Maßnahmen den Parteigenossen von Bankow in einer bort für erfolgte sofort der Beschluß, Freiwaldt auszuschließen. Zur ManDonnerstag abend einberufenen Parteiversammlung erklären. Det datsniederlegung hatte man ihn schon vorher veranlaßt. Die Genosse Rober und einige seiner Freunde verhinderten das, indem Generalversammlung( 23. September 1908), die den Ausschlußsie mit Gewalt dem Kreisvorstand den Eintritt in die Bersamme antrag annahm, forderte gleichzeitig die Genossen Rubig, und lung versagten und die Leitung an fich nahmen. Infolgedessen Eichler auf, ihre Mandate als Gemeindevertreter niederzulegen. war es unmöglich, den Parteigenossen die Maßnahmen des Kreis Die beiden Genossen, die auch Mitglieder des Kreisvorstandes vorstandes zu erklären, was in einem Referat des Genossen Düwell waren Stubig gehörte als solches der Preßkommission an er geschehen sollte. Um die Parteigenoffen allgemein über die ganzen fuchten den Kreisvorstand, in der Angelegenheit zu intervenieren, Vorgänge zu unterrichten, geben wir im Auszug das wieder, was da eine Mandatsniederlegung in diesem Augenblicke den Anschein der Referent im Auftrage des Kreisvorstandes den Genossen vor erweden würde, als feien sie in die Verfehlungen Freiwaldts ver tragen sollte. wickelt. Unter diesen Umständen forderte der Kreisvorsitzende, um einer Parteischädigung vorzubeugen, die Genossen auf, vorläufig wenigstens ihre Aemter Der Ausgangspunkt des Parteikonfliktes sind Differenzen zu behalten. Weiter forderte er den engeren Vorstand von Pankow zwischen dem Genossen Röber und dem ehemaligen Kreisvorjizen auf, dem Kreis begründendes Material für das Vorgehen gegen den Freiwaldt, durch dessen Mitwirkung Röber 1905 Vorsitzender Kubig und Eichler zu unterbreiten. Das wurde trok wiederholter des Ortsvereins Pantom wurde, wo beide Genoffen der Gemeinde- Aufforderungen mit dem Hinweis auf das örtliche Selbstbestim vertretung angehörten, Röber seit 1906. mungsrecht abgelehnt. Durch dieses Verhalten war der KreisIm Juni 1907 wurde gegen Freiwaldt der Vorwurf erhoben, vorstand in die unangenehme Lage gebracht, entweder zwei Geden Bäckerboykott( Mai 1907) sowie auch den Boykott von Barbier- nossen, gegen welche er feine Untersuchung führen konnte, gegen geschäften nicht beachtet zu haben. Die Organisation beschäftigte welche er fein belastendes Material in Händen hatte, in seiner sich mit der Angelegenheit und erteilte Freiwaldt eine Rüge. Ge- Mitte zu halten, oder ohne irgendwelches Verfahren zu entfernen. nosse Röber, obwohl er sonst ganz entschieden den Standpunkt ver. Wäre letteres geschehen, würde man in beiten Kreisen natürlich trat, daß Vereinsbeschlüsse zu achten sind, selbst wenn sie der angenommen haben, die beiden seien in die eigenen Meinung widersprechen, setzte sich über den Beschluß des Schmiergeldergeschichte Ortsstatuts hinweg, ging mit einer neuen Anklage gegen Frei von Bankow verwickelt, so daß es sich nicht um eine einzelne Berwaldt an den Streis, und brachte die Angelegenheit vor eine Untere fehlung, sondern um eine verzweigte Korruption fo= Nun sagt man, in Preußen bringen wenig Wohlhabende fast suchungskommission. Die Kommission tam nach Untersuchung der aialdemokratischer Gemeindevertreter handle. die ganzen Steuern auf. Nach den Angaben des Herrn Finanz- ganzen Angelegenheit zu dem Urteil, daß, nachdem der Ortsverein Damit war die Haitung des Kreisvorstandes bestimmt. Erschwerend ministers, die ich als richtig annehme, würden 0,87 Bros. Der Be- die Sache erledigt hatte, für Röber feine Veranlassung mehr vor- tam für Röber und seine Freunde hinzu, daß sie versucht hatten, völkerung fast zwei Drittel des Mehrbedarfs aufbringen. Das lag, fie von neuem aufzunehmen. Die Kommission tam weiter zu den Vorwärts" zu irreführenden Angaben, welche den Anschein find die Leute mit mehr als 30 000 2. Einkommen. Aber ist das der Ansicht, daß die Art und Weise, wie Röber vorgehe, nicht großer Storruption verstärken mußten, in Anspruch zu nehmen. Am 25. Juni brachte die bürgerliche Presse Mitteilungen, nach nicht die Pflicht der Leute mit einem so hohen Einkommen? Das Parteiintereffe zum Motiv habe, sondern Sie, die doch die größeren Rechte im Staate genießen, haben doch denen drei sozialdemokratische Gemeindevertreter aus dem Wahlverein ausgeschlossen und geflüchtet seien. Röber ließ aus einer die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, auch höhere Lasten zu und sie empfahl daher den Pankower Genossen, Röber seines Amtes Seilanstalt, in der er sich zur Zeit befand, eine Notiz an den tragen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn anderer zu entheben. Dieser Empfehlung wurde nicht Folge geleistet. Der Borwärts" gelangen, in der mitgeteilt wurde, Freiwaldt sei am feits die Mehrzahl des Wolfes eine geringere Summe aufbringt, von Röber wegen seiner Dittatur verlästerte Streisvorstand mischte 18. Mai von der zuständigen Parteiinstanz veranlaßt worden, sein so ist doch daran der Umstand schuld, daß die Armen und der sich nicht weiter ein. Röber aber war noch nicht zufrieden. Er ver- Mandat niederzulegen; am 23. Juni feien zwei Gemeindevertreter Mittelstand heute bereits so reichlich mit Steuern und Abgaben langte Berlesen des schriftlichen Erkenntnisses in einer Versamm( Stubig und Eichler) aufgefordert worden, ihr Mandat niederbedacht sind, daß es einfach unmöglich ist, noch mehr aus ihnen lung und einen mündlichen Kommentar dazu. Das schriftliche Er- zulegen. Diese Mitteilung hätte den Anschein erwedt, als scien herauszupressen. Gerade der Umstand, daß heute wenige Reiche kenntnis hatte Genosse Stadthagen im Auftrage der Kommission tubig und Eichler in die Angelegenheit Freiwaldt verwidelt. Die die meisten Steuern aufbringen, zeigt, wie gewaltig die Stonzen- angefertigt. Bor Abschluß hatte er jedem Mitgliede ein Exemplar Redaktion fügte deshalb der Mitteilung die Bemerkung bei, daß die tration des Kapitals in Deutschland vor sich gegangen ist.( Sehr zur Begutachtung überreicht und dann, nach den von einzelnen beiden Genannten lediglich wegen rein örtlicher, ihre Ehrenhaftiga wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun beruft man sich auf das Mitgliedern vorgenommenen kleinen Wenderungen, den Text end keit nicht berührender Differenzen ihr Mandat niederlegen sollen. Kinderprivileg. Es hat ja zunächst etteas Bestechendes, wenn gültig fertiggestellt. Die Verlesung erfolgte in der Generalver Dieferhalb und wegen Nichtaufnahme eines Versammlungberichtes, man hört, daß den Zenfiten von 900 bis 3000 m. durch das Kinder- fammlung( 24. September 1907) und gab Genosse Stadthagen, der schwere Beleidigungen gegen Genossen enthielt, rendeten sich privileg ein Geschent von 0,3 Millionen gemacht werden soll. Der wieder im Auftrag der Kommission, die mündlichen Erläuterungen Röber und seine Freunde sogar mit einer Herr Minister hätte aber uns näher angeben sollen, wie sich die dazu. Dabei ließ er die Stimmung in der Stommission reflektieren, Beschwerde an die Preßkommission. Sache auf die einzelnen Steuerstufen verteilt. Im übrigen ist es und fand dafür die Redewendung, daß die Tätigkeit Röbers fachlich flar, daß höchstens diejenigen Benfiten, die mit Kindern reich ge- mit der eines polizeilichen Parteischädlings zu vergleichen sei. Giner Diese entschied, daß die Beschwerdeführer dem Vorwärts" dankbar segnet sind, einen Vorteil von dieser Aenderung haben. Die Ben- falschen Auslegung dieser Erklärung durch Röber trat Stadthagen sein können, daß er ihre parteischädigende Berichterstattung verfiten mit einem Kind haben sogar einen direkten Nachteil: fofort entgegen, indem er feststellte, es sei ihm nicht eingefallen, hindert habe. Uebrigens wurde auch in der Verhandlung vor der fie fönnen in Zukunft nicht mehr wie bisher 50 M. abziehen! Nun Röber einen Polizeispiel zu nennen. Nur die Wirkung seiner Breßkommission nichts Belastendes gegen Kubig und Eichler vorfagt man, es handelt sich mur um zuschläge auf 3 Jahre. Dabei Tätigkeit habe er schildern wollen. Trotzdem, der rasende See gebracht, vielmehr erklärten die Beschwerdeführer, daß sie sich davon zeigt sich aber gerade der Nachteil des Kompromisses; denn es ist wollte sein Opfer haben. Genosse Röber wandte sich an den Kreis überzeugt hätten, daß die Nedaktion des ganz flar, daß nach 3 Jahren die Regierung mit der Alenderung mit der Forderung auf Einfeßung eines Schiedsgerichts gegen des Tarifs bereits bei 1200 M., und nicht, wie es ihrer Vorlage Stadthagen, den er entsprochen hätte, bei 7000 M., anfangen wird; denn sie wird era persönliche Gehässigkeit, gemeiner Verläumdung anklage flären: Innerhalb der 3 Jahre haben sich die Steuerzahler von Das Schiedsgericht, zu dem jede Partei drei Beisiber erselber so schön daran gewöhnt.( Sehr richtig! bei den Sozialdemo- nannte, trat unter dem Vorsitz des Gestoffen Dr. Kurt Rosenfeld traten.) Es ist übrigens interessant, daß sogar ein Blatt wie die zusammen und hielt seine erste Sitzung am 15. Mai vorigen Deutsche Tageszeitung" bedauert hat, daß die Einkommen von Jahres ab. Beide Parteien gaben die Erklärung ab, daß sie einen 1200 M. an mit der Steuererhöhung belegt werden. Die Deutsche Schiedsspruch anerkennen würden. Auf Vorhaltung Tageszeitung" hat auch gewünscht, daß die größeren Einnahmen erklärte Genosse Röber, er sei sich über die Begriffsbestimmung: ftärter zur Steuer herangezogen werden. Das ist ganz unsere Berläumdung resp. gemeine Verläumdung nicht flar gewesen. Er Meinung. Auch in freisinnigen Kreisen hat sich eine lebhafte wolle Stadthagen nicht der wissentlichen unwahrOpposition gegen die Beschlüsse der Kommission bemerkbar gemacht. heit zeihert. Er änderte seine Klage ab auf Beleidigung. Nach Führende Männer der Freisinnigen Partei sind mit der Haltung Entgegennahme der Sachdarstellungen und Erklärungen beider ガラ ,, Vorwärts" richtig gehandelt habe. Trohalledem verharrte der Pankower Vorstand dabei, dem Streisvorstande sein Material gegen Kubig und Eichler nicht zu unterbreiten. In der Denkschrift, auf die ich noch zurückomme, wird kategorisch erklärt: Mit der vom Kreisvorstand eingeseßten Untersuchungs fommission lehnen wir jede Verhandlung ab, weil wir auf dem durch olte Tradition(!) erhärteten Stand= puntt stehen, daß örtliche Angelegenheiten zu erledigen Sache der örtlichen Generalversammlung ist, und weil wir ferner aus der Erfahrung bei dem Konflikt Röber- Freiwaldi daraus mit Bestimmtheit annehmen, beim Kreise nie zu unserem Recht au tommen." Der Vorstand sah sich daher gezwungen, gegen die Mitglieder des Pankowcr Vorstandes ein Ausschlußverfahrcn einzuleiten, um die Genannten so zu zwingen, mit ihrem angeblichen Material gegen Äubig und Eichler herauszurücken. Das war der Zweck deS AusschlutzantragcS, dem übrigens die Pankower Genossen zu- stimmten, weil, wie sie erklärten, vor einem Partei-Schicdsgericht die Angelegenheit klargestellt werden könne. Man hätte nun er- warten sollen, daß Räber den Kampf gegen die Organi- s a t i o n, die Angriffe gegen den Krcisvorstand und andere Kor- porationcn wenigstens solange einstellen werde, bis das zu be- rufende Schiedsgericht ein Urteil gefällt Hab«. Genosse Räber scheint es aber darauf abgesehen zu haben, sich bei den Partei- genossen durch überraschende Aktionen in Erinnerung zu halten. Eine auf den S. August nach Pankow einberufene KrciSgeneralversammlung sollte über den Ausschluss- antrag entscheiden. Ich selbst war noch optimistisch genug, dort Friedcnsschalmcien zu blasen, gab der Erwartung Ausdruck, dass der Konflikt vielleicht doch noch in friedlicher Weise gelöst iverden könne. Da platzte in die friedliche Stimmung wie eine Bombe hinein das Bekanntwerden der sogenannten Denkschrift. In dieser Denkschrift, vom b. August datiert, die an die sozialdemo- krarischc Parteipresse verschickt worden ist. von der die Delegierten erst in der Generalversammlung Kenntnis erhielten, wird unter anderem behauptet: Der Kreisvorstand übe eine„regelrechte Diktatur" aus. Unbequeme Opposition bekämpfe er mit den g e m e i n st e n Mitteln". Als Beweis„beispielloser Autokratie Wirtschaft" wird die Verdächtigung aus- gesprochen, der Zentralvorstand habe Freiwaldt für die Zusicherung des Anschlusses von Nieder-Barnim an die Zentralisierung der Spedition mit einer sofortigen Gehaltszulage von 20 M. pro Monat belohnt. Gegen Genossen Stadthagen wird der Vorwurf erhoben, er habe die Opposition gegen„unverfälschten Geschäfts- sozialismus mit aller Schärfe niedergeredet". Trotz des von Stadthagen anerkannten Vergleichsvorschlages, trotz der entgegenstehenden Erklärungen wird auch hier wiederum be- hauptct, der Genannte hätte Räber einen polizeilichen Partei- schädling genannt. Trotz der mitgeteilten Erklärung der Be- schwcrdcführcr gegen den„Vorwärts" in der Presskommission wird in der Denkschrift wieder der Anschein erweckt, als habe der„Vor- wärtS" durch Nichtaufnahme des erwähnten Versammlungsberichtes gegen die Interessen der Partei Verstössen. Angeblich, um sich der „Vergewaltigung" des Kreisvorstandes zu entziehen, und weil man„aus wohl erwogenen Gründen der Orga- nisation Gross-Berlins sich nicht anvertrauen könne", wünsche man das Eingreifen der Parteiprcsse. Die Denkschrift ist unterschrieben von den Genossen, gegen die vom Kreisvorstandc ein Ausschlutzairtrag gestellt war. In der Ver- sammlung führte das Bekanntwerden dieser Denkschrift zu stür- mischen Szenen. Der Antrag auf Einsetzung eines Schiedsgerichts wurde natürlich angenommen. Zunächst sei nun noch ein anderer Streitpunkt erwähnt. Als sereiwaldts Vergehen bekannt wurden, entfernte ihn die Firma Äintze u. Co. natürlich sofort aus seinem Amt als Spediteur. Da sie zivilrcchtlich nicht zur sofortigen Lösung des AnstellungS- Vertrages befugt war, musste sie den Anspruch Frei- ivaldtö auf Gehaltszahlung während der Kündigungsfrist felbstver- ständlich erfüllen. Um mit dem Menschen nichts mehr zu tun zu haben, eirtlohnte man ihn sofort gänzlich. Die Firma Sintze u. Co. berief sodann den Genossen Kubig aushilfsweise als Spediteur. Die Pankower Genossen protestierten dagegen. Der Kreis erklärte sich damit einverstanden, dass ein anderer Genosse die Spedition übernehmen solle. Voraussetzung sei nur, dass ein einwandfreier Mandatar vorgeschlagen werde. Die Pankowcr Ge- uossen kamen schliesslich mit dem Vorschlage, den Genossen Riebke, gegen den der Kreis soeben erst einen Ausschlussantrag an- genommen hatte, die Spedition zu übertragen. Das Ersuchen des Kreises, wenigstens solange zu warten, bis das Parteigericht gesprochen habe, und dann, wenn gegen Riebke nichts erwiesen sei, ihn in die Spedition zu berufen, wurde abgelehnt. Ebenso erging eS dem Kreis mit allen anderen Vermittelungsversuchen. Die kategorische Erklärung lautete immer: Wir lassen uns nicht hinein- reden! Dabei blieb es, so dass der Kreis sich genötigt sah, in Verbindung mit der Vertretung von Gross-Berlin und der Spe- ditionsfirma Hintze u. Co. einen anderen Vorschlag zu machen. Anfangs Dezember fällte das erwähnte, unter Vorsitz des Ge- nassen Hirsch zusammengetretene Parteigericht sein Urteil. ES stellte' zwei Disziplinbrüche der Genossen Röder, Körte, Hillmann, Riebke. Jügler, Staub, Rauhe und KochanowSIh fest. Im Urteil heisst eS bezüglich e:neS TiSziplinbrucheS: er wäre„um so s ch w c r e r", als ihm eine Reihe unbeweisbarer Behauptungen zugrunde lägen. Ferner stellte das Urteil fest, dass die Genannten versucht hatten, den „Vorwärts" zu mißbrauchen. Daß nicht schwerere Schäden der Partei erwachsen seien, könne lediglich auf die Vorsicht des„Vorwärts" und der übrigen Partei- presse zurückgeführt werden.— Den Ausschluss der Genannten lehnt das Gericht ab, weil es den Anacschuldiäten zugute hält, daß sie in ausserordentlicher Erregung gehandelt hätten. AIS Beispiel für diese wird angeführt, dass Stadthagen Räbers Tätigkeit mit der eines Polizeispitzels verglichen habe und eine Versammlung Stadthagen aufforderte, eine Verleumdung zurückzunehmen. Man muß anerkennen, daß die Richter, in dem Bestreben, Frieden her- beizuführen, sehr grosse Milde haben walten lassen. Sie ließen als Erregungsursachc sogar das gelten, was eine Tat Räbers war, die einen groben Vertrauensbruch involvierte. Die Richter wurden für ihre Milde bestraft. Das zeigte sich bald. Der Kreisvorstand beschäftigte sich in einer Sitzung mit der Frage, ob man daZ Urteil anerkennen solle. Die Pankower Ge- lwssen erklärten, es zu akzeptieren. Bei den übrigen KreiSver- irctern war die Meinung verschieden. Ein Teil glaubte mit An» nähme des Urteils werde die Ruhe endlich eintreten. Diese An- ficht war verflogen, als der Genosse Hillmann dem Urteil die Interpretation gab, daß eS daS Verhalten des Pankowcr Vor- jlandes rechtfertige. WaS als Milderungsgrund im Urteil angegeben war, sprach er als Feststellung zugunsten der Ange- schuldigten an. Ferner gewann der Kreisvorstand die Auffassung, dass wenn die betreffenden Genossen der Leitung nicht mehr an- gehörten, sie hinter der Front in der bisherigen Weife weiter arbeiten würden. So kam man zu dem Beschluß, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Wie berechtigt die pessi» inistische Stimmung war. zeigte sich bald. Die Pan- kowcr Genossen kamen erneut mit dem Anspruch. Riebke, gegen den daS Urteil DiSziplinarbrüche festgestellt hatte, als Spediteur einzustellen. Das lehnten alle Parteiinstanzen mit der Begrün- düng ab, dass man einem soeben Disqualifizierten nicht sofort ein Vertrauensamt übertragen könne. Nunmehr brachten es Räber und seine Freunde sogar fertig, eine Agitation gegen den„Vor- WärtS" einzuleiten, die. wie sie selbst freudig konstatierten, den Abgang von 290 Abonnenten zur Folge hatte. Ja. man ging shstematisch vor. Ein Flugblatt der Firma Hintze u. Co.. daS den Zwecken der Agitation für den„Vorwärts" dienen sollte, wurde nicht verbreitet. Dem Kreisvorsitzenden, der um Verbreitung der Flugblätter ersuchte, schrieb Räber einen höhnischen Brief. Das sind Handlungsweisen, die zweifellos gegen ßI 6 und 11 des OrganisationS- st a t u t S Verstössen. Doch der Clou des Skandals sollte erst noch toiiimem Anfangs voriger Woche ging zahlreichen Parteifunktio- nären verschiedener Wahlkreise ein„Die ehrlosen Vor- st ands Mitglieder des Wahlvereins Pankow" unterzeichnetes Flugblatt zu, mit einem Ansuchen, dieses in den Zahlabenden zu verlesen. DieS in einer Geheimdruckerei her- gestellte Rachwerk(«S ist unterzeichnet: Verantwortlich für Druck f!) und Verlag Gustav Räber, Binz Sirasse 6011!) beginnt gleich mit der unwahren Behauptung, die Meineidsaffäre Frcitvatdt sei der„Anlaß" zu dem heutigen Parteiskandal in Pan- low gewesen. Gleich hinterher wird aber konstatiert, dass der jetzige Streit mit seinem Anfang bis zum Jahre 1907 zurückreicht. Der„Vorwärts" und das„Mitteilungsblatt" werden wahrheits- widriger Berichterstattung bezichtigt. Es wird der Vorwurf er- hoben, Partciinstanzcn handelten nach dem Grundsatze „Der Zweck heiligt die Mittel", beliebten Massnahmen, die„kein ehrlicher Sozialdemokrat" billigen könnte. Dann spricht man von einer„Freiwaldtclique", wodurch der Anschein erweckt wird, als ob in die Mcineidaffäre noch andere Genossen verwickelt wären. Der Genosse Stadthagcn wird der Protokollfälschung beschuldigt, die Firma Hintze u. Co. verdächtigt, sie habe als Deckung gegen Drohungen Freiwaldts,„er würde noch viele Schwein cfreten aufdecken", diesem 680 M. gezahlt. Dem Parteivorstand unterstellt die Denkschrift, er habe das formelle AuSschlussver- fahren gegen Freiwaldt fder ohnedies infamiert ist) darum nicht eingeleitet, weil er etwaig« Veröffentlichungen des Flüchtlings zu fürchten habe. Gegen den Akitonsaitsschuss tqird die Beschuldigung erhoben, er arbeite mit„undemokratischen und demagogischen Mitteln". Wider besseres Wissen wird ferner behauptet, das Parteigericht habe den Pankowcr Ge- nossen Recht gegeben. So häuft man Täuschung auf Täuschung. Unwahrheit auf Unwahrheit. Schliesslich heisst es pathetisch: „Wir halten das demokratische Prinzip ho ch." Das sagt Röder, der seine Tätigkeit damit begann, einen Beschluß des Ortsvereins zu ignorieren. DaS sind Worte desselben Räber, der die pflichtgemäße Verteilung von Parteiflugblättern und die Agitation für den„Vorwärts" unterließ, sogar gegen diesen agi- ticrte. Räber, der selbst den Kreis gegen den Ortsverein aufrief, lehnte aber, wenn es ihm paßte, jede Einmischung des Kreises ab, und wendete sich an die auswärtige Partcipressc und an andere Wahlkreise mit dem Ersuchen, in die Pankow er Angelegen- heit einzugreifen! Das ist die Demokratie Räbers. Der „Vorwärts", daS„Mitteilungsblatt", die Schiedsgerichte, der Kreis- vorstand, Gross-Berlin, die Speditionsfirma Hintze u. Co., der Parteivorstand, sie alle, weil sie nicht mit Räber einverstanden sind, werden verdächtigt und verleumdet, treffen nach Behauptungen Räbers Massnahmen, die„kein ehrlicher Sozialdemo- trat billigen kann". Und das erwähnte Flugblatt wurde nicht nur ausserhalb des Wahlkreises, sondern auch in der Ge- mcindevertreterkonfercnz und vor dem Gewerkschaftshaus ver- breitet. DaS ist ein so unerhörtes Vorkommnis, dass ihm aus der Parteigeschichte kaum ein gleiches zur Seite gestellt werden kann. Ich resümiere! Röder missachtet einen OrtsvereinLbeschluss, verlangte gegen diesen das Eingreifen des Kreises. Die eingesetzte Untersuchungskommission empfiehlt die Absetzung Räbers. Die Ortsorganisation lehnt das ab. Der Kreis gibt sich damit zu. frieden. Räber aber treibt den Skandal weiter. Er erzwingt die Verlesung des Beschlusses und einen Kommentar durch Stadt. Hägen. Einer falfchen Auslegung seiner AnSführnngen tritt Stadthagen sofort entgegen, trotzdem beschuldigt Räber Stadt- Hagen gemeiner Verleumdung. Ein Schiedsgericht wird berufen. Beide Parteien erklären, einen Schiedsspruch anzuerkennen. Räber lehnt einen Vergleichsvor- schlag, der ihn rehabilitiert, unter weitergehenden Anforderungen ab und begeht Vertrauensbruch. Trotz seiner Erklärung, einen Schiedsspruch anerkennen zu wollen, macht er aus dem schwebenden Verfahren nicht nur Mitteilungen, sondern veranlasst durch irre- führende Berichterstattung einen Beschluß, der dem Urteil des Schiedsgerichts vorgreift. Das geschieht, obwohl Röder den von Stadthagen akzeptierten Vergleichsvorschlag in Händen hat.(!!!) In der ersten Sitzung zieht Röder seine Klage wegen Verleumdung zurück und bringt sie in der nächsten Sitzung wieder ein. Das Urteil gibt Räber den Rat, eventuell ein neues Verfahren wider Freiwaldt zu beantragen. Das ignorierte Räber, der anscheinend Erklärungen nur abgibt, um sie zu vergessen, und setzt in Pankow einen Ausschlussantrag gegen Stadthagcn durch. Kubig und Eichler werden aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen, ohne dass eine materielle Unterlage hierfür vorhanden ist. In der Sache wider Freiwaldt hat Räber auf ausdrückliches Fragen erklärt, ihm sei ausser den Bohlottbrüchen durchaus nichts Nachteiliges in bezug auf Freiwaldt bekannt und gibt er sich den Anschein, als habe er längst gewußt, WaS Freiwaldt trieb, und die Genossen Kubig uno Eichler seien in der Sache verwickelt und er versuchte, den„Vorwärts" zu diesem Zwecke zu mißbrauchen. Hart- näckig weigerten er und seine Freunde sich, dem Kreis Material zu unterbreiten, und veranlasste damit den Ausschlußantrag gegen den engeren Pankower Vorstand. Vor Beschlußfassung der General- Versammlung läßt Räber die erwähnte Denkschrift los. Das Urteil des Parteigcrichts enthält gegen Kubig und Eichler nichts Be- lastendes, stellt aber grobe Disziplinbrüche Räbers und seiner Freunde fest. Der Kreis zeigt Neigung, das Urteil, obwohl eS den verlangten Ausschluss ablehnt, anzuerkennen. Da kommt der Genosse Hillmann mit der Interpretation, das Urteil besagt, die Angeschuldigten haben richtig gehandelt. Der Kreis sah sich daher gezwungen, Berufung wider das Urteil einzulegen. Räber ant- wertete mit dem Flugblatt aus der Geheimdruckerei, durch welches alle Parteiinstanzen der Korruption und Rechtsbeugung beschuldigt werden. Parteigenossen! Die Affäre Freiwaldt ist eine blamable Epi- sode für uns, der„Fall" eines charakterlosen Menschen. Das Treiben Räbers aber ist ein unerhörter Parteiskandal! Und was ist der Ertrag? Was hat in den letzten Jahren Pankow geleistet? Was ist an OrganisationZleistung aufzuweisen? WaS in Agi- tationsarbeit, WaS in sozialistischen Aufklärungsbcstrebungen? Nichts! In allen Versammlungen immer nur Klatsch und immer nur Knatsch, Und der materielle und moralische Erfolg? Verlust zweier Mandate, zerrüttete Organisation, Lähmung der Klein- arbeit, Jubel der Gegner, Materialbeschaffung für den Reichs verband zur Verleumdung der Sozialdemokratie. Angesichts dieser Verhältnisse, ange- sichtS der hier heraufziehenden Gefahren hat der Vorstand nicht nur von seinem Rechte Gebrauch gemacht, er hat(vielleicht etivaS zu spät) daS getan, wozu Veraniwortlichkcitsgefühl und Partciinteresse ihn gebieterisch verpflichteten, nämlich, den engeren Vorstand von Pankow seines Amtes zu entsetzen, um so wieder zu geordneten Verhältnissen zu kommen. Die Ausführung des Beschlusses des Kreises, den Pankowcr Genossen die Gründe, die zu den erwähnten Massnahmen geführt haben, darzulegen, setzten Räber und seine Fveunve sogar Ge- walt cntgcgenl Sie besetzten den Saalcingang und wehrten dem Krcisvorstand, der das Lokal gemietet hatte, den Eintritt. Räber drohte sogar mit Requirierung der Polizcil Ter Wirt erklärte dem Kreisvorstand, falls dieser auf seinem HauSrccht bestehe, müsse er die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen. Selbst- verständlich verzichtete der Kreisvorstand darauf. Nachher wurde diesem erlaubt, als Zuhörer den Verhandlungen beizuwohnen, Genosse Jakobscn verlangte, dem Kreisvorftande die Leitung zu überlassen. ES sollten lediglich die Gründe für die Maßnahmen deS Vorstandes dargelegt werden. DaS wurde abgelehnt. Be- zcichnenderwcisc war einer Reihe Freunden Räbers, die nicht in Pankow ansässig sind, die Teilnahme an der Versammlung ge- stattet, ja sie traten sogar als Redner auf, natürlich um in Räbers Kerbe zu hauen. Unter diesen Umständen sah der Kreisvorstand sich veranlasst, den Ortsverein Pankow für aufgelöst zu erklären. Die weiteren Massnahmen wird der erweiterte Kreisvorstand am Sonnabend beschließen, Mb erhalten die Genossen darüber Mit- teilung. Der Kreisvorstand erwartet, dass die Genossen Gross- Berlins ihn in dem Bestreben, in Pankow wieder Ruhe herzustellen und den Boden für neue ersprießliche Parteiarbeit zu bereiten, unterstützen. « Ausschluß Räbers. Am Donnerstag beschäftigte sich die Kontrollkommission mit der vom Kreis gegen das Urteil des Parteischiedsgerichts in Sachen wider Räber und Genossen eingelegten Berufung. Sie erkannte einstimmig auf Ausschluss Räbers. In bezug auf Körte und Hillmann hat die Kontrollkommission mildernde Umstände gelten lassen. In der Urteilsbegründung wird gesagt: Die Kontrollkommission hat die Ueberzeugung erlangt, dass sich die in den Akten dargelegten Handlungen Räbers als eine planmäßige und fortgesetzte Schädigung des Ansehens und der Aktionsfähigkeit der Partei des dortigen Kreises charakterisieren. Räber ist die treibende Kraft, während Körte und Hillmann nur unter seinem Einfluß handelten. Von beiden wird erwartet, dass sie sich bei ruhiger Ucbcrlegung von der Haltlosigkeit ihrer Anschuldigungen überzeugen und vorläufig von leitenden Stellen in der Partei fernhalten. Unter dieser Voraussetzung kam dieser Beifuß einstimmig zustande._ Iugenäben>egung. Die Unternehmer gegen die Jugend. Uebex den Kampf der Unternehmer und Unternehmerverbände gegen die Jugendbewegung schreibt die„Arbeiter-Jugend"*) in der neuesten Nummer: „Die Aufklärungsarbeit der Jugendorganisationen ist den Unternehmern natürlich verhaht. Mit Prügeln, Massregekungen. Schikane» versucht mancher Meister den Lehrlingen den Organt- sationSgedanken auszutreiben. Die Unternehmerverbändc, die den Zweck verfolgen, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Forderungen der Arbeiter abzuwehren, sind dazu geschritten, durch Ausnahmebestimmungen in den Lehrverträgcn gegen die Jugendbewegung vorzugehen. Zuerst wurde ein solcher Versuch von den Berliner Mctallindustriellen, die unter dem Namen „Kühnemänner" verschrien sind, unternommen. Ihr Vorhaben ist ihnen aber glänzend vorbeigelungen. DaS mutzte sogar der konservative Abgeordnete Hammer im preußischen Abgeordneten- hause zugeben, als er die Regierung anflehte, den bedrängten Unternehmern beizustehen. In voriger Nummer berichteten wir, daß die Kieler Innungen durch eine Bestimmung im Lehrvertraz das Vereins, und Versammlungsrecht der Jugend vernichten wollen. Auch aus anderen Städten, so neuerdings aus Rostock» laufen ähnliche Meldungen ein. In Berlin macht den gleichen Versuch die Handwerkskammer. Die neuen„Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens", die die Kammer herausgibt, sollen folgenden Abschnitt enthalten: „Ten Lehrlingen unter 16 Jahren ist der Besuch von Schank- und anderen öffentlichen Lokalen nur in Begleitung erwachsener Angehöriger oder des Lehrhcrrn gestattet.— Der Lehrhcrr kann im Lehrvcrtragc vereinbaren, daß der Lehrling ohne seine Genehmigung weder Bercineu beitreten noch Bcr« sammlungcn besuchen darf." Derartige Lehrverträge, die gegen die guten Sitten verstoßen und im Widerspruch zu Rcichsgesctzen(Vcreinsrecht) stehen, dürften von den Gerichten kaum als rechtsgültig anerkannt werden. Die arbeitend« Jugend selber wird aber in einer wirknngSdollicn Protestbclvcgung gegen diese Attentate auf das bisschen„Recht", das ihr das Gesetz gelassen, eintreten." Die Berliner Jugendorganisation hat zu diesem Zweck eine Protest Versammlung der Berliner arbeitenden Jugend zu Sonntag, d.en 21. Februar d. I,. nachmittags 2� Uhr in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, ein- berufen. Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn referiert üher das Thema:„Die gänzliche Vernichtung des Ver- eins- und Versammlungsrechts der Jugend durch die Macht des Geldsacks." Möge diese Versammlung eine machtvolle Kundgebung der Jugend gegen jede Unterdrückung werden. Auch dürfte cS sich empfehlen, dass die Gehilfenbeisitzcr der Innungen der Versammlung beiwohnen, um die Beschwerden und Wünsche der Lehrlinge entgegenzunehmen. ».* In der Scharfmacherpresie, der„Post",„Deutschen Tage?- zeitung' usw. wird aus Slnlass dieser Versammlung eine gruselige Schwindelnotiz veröffentlicht, die aus der offenbar zu allerlei dunklen Spitzelcxistenzcn intime Beziehungen unterhaltenden Franz Holzerlandschen„Sozialpolitischen Korrespondenz" stammt. Danach soll Berlin am Sonntag„eine sozialdemokratische Demonstration erleben", die arbeitende Jugend solle aufsdie Straße ziehen, der ganze Rummel sei vom AktionSanSschuss arrangiert und was des unnützen Schwindels mehr ist. An der ganzen Geschichte ist kein Wort wahrl Der ungeschickte Spitzel, der sich die Meldung an-Z den Fingern gesogen hat, ist so wenig informiert, dass er den A kt io nS aus- schütz als den Arrangeur hinstellt, dex mit der Cinbcrufiing der Versammlung aber auch gar nichts zu tun hat! Solche Versammlungen zu veranstalten, dazu sind die in der Jugcndorgani- saüon Berlins vereinigten jungen Leute schon allein imstande. •) In allen Parteispeditionen für 10 Pf. pro Einzelnummer und 50 Pf. per Quartal zu haben. Eingegangene Druckfcbriften. Tie Vorgeschichte von I8GK«nb 197? Von einem eilen kaiserlich en Solbnten. 3,60 Kr. C. W, Stern, Wien und Leipzig, Ter Mensch und die Erde. Lieserimg 66—70, Herausgegeben von H, Krämer. 120 Licsernngen a 60 Ps, Bong». Co,, Berlin W. 57. Ans der Schneegrnbe. Gedanken zur Berlttsimg deS Darwinismus. von W, Bölsche," M. C. Neißner, Dresden. Wnllcrstaudv'Nachrichten der LandeZanstult sär Weivasserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau, 1+ bedeutet Wuchs.— Fall.—') vnt erpegel.—•) EiSstand. 0 Mäßiges TreibclS.—'i Schwaches GrundeiS. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 20. Februar: Anfang 72 Uhr. Königl. Opernhaus. Butterfly. Madame Königl. Schauspielhaus. Mrs. Dot. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Die Wellen elektrischer Kraft Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Deutsches. Revolution im Strä- Kümmere Dich um Amelie." winkel. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidemeg.( Anf. 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Reffing. Der König. Morgen und folgende Tage: Die selbe Vorstellung. Sonntag, 21. Februar, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Berliner. Einer von unsere Lent. DERNHARD ROSE THEATER Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Lazuli Neues. Die fremde Frau. Neues Schauspielhaus. Rabagas. Kleines. Moral. Hebbel. RevolutionsHochzeit. Lustspielhaus. Seine fleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0.( Wallner Theater.) Rechts herum. Schiller Charlottenburg. Erbe. Das Nachmittags 3 Uhr: Julius Cäsar. Friedrich- Bilhelmstädt. Lumpazibagabundus. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Der Mann mit den vier Frauen. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Trianon. Der Satyr. Neues Operetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 81/2 Uhr.) Bernhard Nose. Ehrliche Arbeit. Nachmittags 3 Uhr: 1001 Nacht. Gastspiel Theater. Der Hütten befizer.( Anf. 82 Uhr.) Bürgerl. Schauspielhaus. Geschlossen. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Onkel Cafimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter Ios. tadelWintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Baiage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Ein lediger Chemann.( Anf. 8 Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Gastspiel d. Mr. Latouré. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. ritter. Anfang 82 Uhr. Gr. Frankfurter Str. 132. Benefiz f. Marga Hermani. Bei aufgehoben. Abonnem. Vorzugskarten ungültig. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Tausend und eine Nacht. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 21. Februar 1909: Berlin wie es weint und lacht. Bolksstüd mit Gesang in 8 Bildern von Berg und Kalisch. Anfang 72 Uhr. Montag, 22. februar, 7. Voltsvorst. zu halben Preisen: Die Sorglosen. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Holden Giampietro Pfann 1 Perry Bender Kettner Thielscher. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Rechts herum. Schwant in 3 Aften v. Hans Gaus. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, abends 8 Uhr: Rechts herum. Montag, abends 8 Uhr: Rechts herum. 3 Schiller Theater Charlottenburg. Sonnabend nach m. 3 Uhr: Julius Cäsar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonnabend, abends 8uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Heute geschlossen. Sonntag: Jeder Arbeiter, Morgen Sonntag: Nachm. 3 Uhr: Neu einstudiert: jeder Handwerker Maria Stuart. 8 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Narziẞ. Sonntag, namm. 3 ur: Casino- Theater Julius Cäsar. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Montag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Brauerei Friedrichshain. Heute, Sonnabend, 15. Febr.: Schönstes Münch. Bockbierfest den der berühmteste Festwirt Schorsch Ehrengruber mit seiner Truppe( 60 Personen). Anfang 8 Uhr. Entree 20 Pf. Passepartouts haben volle Gültigkeit. Heute: Eröffnung! Eröffnung! Eintritt 1 Mark Sonnabend und Montag bis 2 Uhr: 2,00 Mark Sonntag v. 4 Uhr ab 50 Pf. Geöffnet v. 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends Ausstellungshallen Ausstellungshallen am Zoo. HEKTOR= Ausstellung 20. u. 21. Febr.: Nicht- Jagdhunde 22. u. 23. Februar: Jagdhunde Am 20. und 22. Februar bis 2 Uhr: Richten der Hunde. PANOPTIKUM CASTAN's Friedrichstr. 165( Pschorrpalast). Extra- Entree! Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Sensationell! Rußland. Aktuell! Rußland. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. = Tagl.: Spezialitäten Vorstellung mit Franz Sobanski Gisella Lorma, Geschw. Goldacer, The Gouthsmitts, Elli u. May Bach, Mar Wilberg, Mar Nee. Der Talmi- Graf. Posse in 1 Aft von F. Sobanski. Parodie- Theater. Dresdener Straße 97. Anf. 8, Uhr. Siegel fiegelt alles! oder: Der Backfisch in Möten. Borher: Alles für's Kind! oder: Die Folgen eines Rendezvous. Breise d. Sippläge: 20, 40, 75 Pf., 1. Kottbuser Sanssouci, Strat Direktion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanz. Stets ausgewähltes Progr. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. Morgen Sonntag: Große Elite- Soiree. Tanz. Nächsten Dienstag: Theater- Abend. Berliner Eis- Palast Pollo Der Mann mit den 3 Beinen! Ständige Eisbahn. Theater Hedi Herdina וון n Gobert Belling a Parodie. Der geschundene Raubk Maria Vinent i Urania. e 1 Lloyd Ueber den Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia nach Korfit. Nachmittags 4 Uhr: Brenner nach Venedig. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath: Die Wellen elektrischer Straft. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Lessing- Theater. Sonnabend 8 Uhr zum 25. Male: Der König. Sonntag 3 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. 8 Uhr: Der König. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X...) und das übrige hervorragende Februar- Programm. Passage- Theater. Mdme. Abends 8 Uhr: Hanako i r Japans größte Schauspielerin, mit ihrem Ensemble Anna Müller- Lincke, Soubrette Robert Koppel, Chansonnier The May Sisters, Drahtseil Boston Quartett, Kunstgesang und das glänzende Februar- Variété- Programm. Humoristische Künstler- Abende. Beginn: Wochentags 7 Uhr abends. Sonntags 4 Uhr nachmittags und 7 Uhr abends. XIV. Saison! Zirkus Busch. Heute Sonnabend, ab. 7%, Uhr: Grande Soirée equestre! In dieser Vorstellung werden ca. 90 Pferde mitwirken, außerdem: Fräul. Martha Mohnke, Schulreiterin. Herr Ernst Schumann, Neudreffuren. Um 9 Uhr ca.: Der weltberühmte Original Konsul Peter. Um 9, Uhr ca.: Auswanderer! WINERIE 765 Saharet Morgen und folgende Lage: Die Passage- Panoptikum. Gertrude Barrison fremde Fran. Neu! Neu! Theater des Westens. SinghalesenAllabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Gaukler- Truppe in ihr. wilden Heimatstreiben Salome, Simon u. Gardner in ihrer amerikanisch. Burleske: Der neue Kutscher und das drollige Friedrich- Wilhelmstädtisches das blaue Weib. Faschings- Programm. Schauspielhaus. Sonnabend, 20. Februar, Anf. 8 Uhr. Lumpazivagabundus. Sonntag nachm. 3 Uhr: Madame Sans Gêne. Abends 8 Uhr: Lumpazivagabundus. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. Gastspiel- Theater Köpenicker Straße 68. 8, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange: Der Hüttenbesitzer. Luisen- Theater. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Abends 8 Uhr: D. Opfer unbarmherz. Tätowation. Alles ohne Extra- Entree. Eintr. 50 Pf., Kind., Soldat. 25 Pf. Morgen Sonntag: Nachmittags- Vorstellung. W. Noacks Theater Kleine Preise. Anf. 3½, Uhr. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Große Extra- Vorstellung. Die alte Hanne. alte Hanne. Lebensbild in 4 Atten. Anfang 8% Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag und folgende Lage: Die alte Hanne. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. Vorverk. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Sonnabend, 20. Februar, zum 143. Male: Die beiden Bindelbands Der Mann mit den vier Frauen. dazu neuer Variététeil Sonntag nachmittags 3 Uhr: Das Mädchen auf Frrwegen. 5 Grebnieffs 8 Uhr: Mein Leopold. Montag: Mädchen auf Irrwegen. LyricoDiedrich Quartett Ulpts- Georg Schindler Les Astrées. alast- Theater Pala Bahnhof Börse. Bis nachts 12 Uhr geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Zirkus Schumann Teue Welt Heute Sonnabend, ab. 7%, Uhr: Neu! Gala- Abend. Nen! Nur furze Zeit! Neu! Tiberio hebt einen Elefanten 5500 Pfund Frl. Dora Schumann mit ihren Schul- und Springpferden. ? Waffenschmiede? Der drollige Paet Schimpanse als Radfahrkünstler. Um 9% Uhr Golo, zum 111. Male: der Seeräuber. Sonntag: 2 Borstellungen 3 und 72 Uhr ungekürzt Golo, der Seeräuber, Tiberio, Paet. Nachm. ein Kind frei, weitere Stinder zahlen halbe Preise. Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theatersaal Moabits. Hasenheide 108-114. Gr. Bock- Bier- Fest. Original- Dekoration: Nürnberg u. Tegernsee. :: 3 Kapellen. Anfang 7 Uhr. Sonnt. 4 Uhr. :: Entree 30 Pf. Sonnt. 50 Pf. Morgen Sonntag, den 21. Februar: Großer Ball. follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. :: Unerreichte Leistungsfähigkeit. Allein- Verkauf. Sehr starkes Leder mit Zwirnkette in grauen und braunen Streifen, auch einfarbig. 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Berlin SW, Nr. 43. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 20 Februar 1909. Partei- Angelegenheiten. 27 zu merken und das Lokal streng zu meiden. " 1 IT Die Lotalfommission. Rigdorf. Barteigenossen! Sonntag, den 21. Februar, 8 Uhr früh, findet eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Friedenau. Am Sonntag früh 8%, Uhr findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Treptow- Baumschuleuweg. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, findet für beide Ortsteile von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. dours der -W " in die Schranken! Was Tausende von Schuhleuten und falles aller Teile, die Schatten werfen können, womit auch dem Kriminalbeamten, die sonst jeden Streikpostensteher beim Kragen ganzen Bau der Laternen ein gefälligeres Aussehen gegeben ist. Die nehmen, Tausende von Säbeln und Schießprügeln nicht er- Gasglühlichtbeleuchtung ist bereits in fast allen D- Rügen und in den Zur Lokallifte. In Neuendorf b. Zoffen empfehlen wir das reichen können, das soll eine simple, harmlose Mehltüte fertig- wichtigeren Schnell- und Gilzügen eingeführt worden. Die Versuche mit Restaurant zur Flora" als Verkehrslokal. bringen. Don Quixote, der berühmte Ritter von der traurigen quelle entweder an einer Stelle des Zuges oder in jedem einzelnen der elektrischen Zugbeleuchtung( bei welcher die KraftAm 20. Februar cr. veranstaltet der Lotterieverein Grune Gestalt, hat gegen Windmühlenflügel Krieg geführt und in Wagen angeordnet werden kann) hat sich für Büge auf fürzeren wald" im„ Kurfürsten Park", Kurfürstendamm 120, einen Berlin, der Stadt der unübertrefflichen Intelligenz, fängt man Streden bewährt; für weiter durchzuführende Züge mit häufigem Maskenball. Da das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht Messerstecher und andere Uebeltäter mit- Wiehl. Wer denkt Lokomotivwechsel mußte die Straftquelle im Gepäckwagen untergebracht zur Verfügung steht, find alle etwa angeboteuen Billetts entschieden da nicht an den Spaß, dem man, damit er nicht wegfliegt, werden, weil diefer während der ganzen Fahrt mitgeführt wird. Infolge zurückzuweisen. Das Lokal Saegers Restaurant und Festsale" im Salz auf den Schwanz streut! Statt der Browningpistolen einer Anregung des Geheimrats ittfeld vom Ministerium der öffentHause des Berliner Lehrervereins, Alexanderstraße, darf sollten unsere Kriminalbeamten doch einfach mit Leimruten lichen Arbeiten wurden dabei die Dynamos unmittelbar auf die Wagen Laut Bertrag an die Arbeiterschaft zu Bersammlungen nicht her- bewaffnet werden. achse gesetzt und die Rosenbergsche Konstruktion gewählt, welche bei gegeben werden; es ist daher die Pflicht der Parteigenossen, alle Werte Ausländer, die ihr von der neuesten Leistung hört, ieder Drehrichtung( also auch, wenn der Backwagen die Fahrtrichtung dortigen Veranstaltungen streng zu meiden sowie einem glaubt nicht etwa, daß unsere hochwohllöbliche Polizei fich teitsänderungen in hohem Maße unempfindlich ist. Ein großer Teil wechselt) gleichgerichteten Strom gibt und auch gegen Geschwindig etwaigen Vertrieb von Billetts hierzu mit aller Entschiedenheit ent- einen Scherz erlaubt habe. Nein, dazu ist denn doch die der D- Züge der preußisch- hessischen Staatseisenbahnverwaltung ist mit gegenzutreten. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch einmal ganz besonders Geschichte zu ernst. Unsere Polizei, die niemals zum Scherzen diesem Zugbeleuchtungssystem ausgerüstet. In Anbetracht der bedarauf hinweisen ,, daß in Mariendorf den dortigen Genoffen das aufgelegt ist, nicht mal bei Baraden, Illuminationen oder währten Borzüge des Gasglühlichts für die allgemeine Beeinzige größere Versammlungslokal entzogen ist. Herr Grassi, Königsempfängen und erst recht nicht bei Massenspaziergängen leuchtung eines Wagens hat man sich jedoch neuerdings darauf beChauffeestr. 305, der neue Inhaber des Lokals 3um alten des Volfes, hat sich diesen Feldzugsplan des in ohnmächtiger schränkt, die elektrische Beleuchtung nur als Bufa". Bublitum einführen zu können, daß er sämtliche dort tagende Erwägung ausgeheckt. Seit gestern sind an der Börse die elektrische Beleuchtung der Wagen durchweg eingeführt werden konnte, Askanier" glaubte sich dadurch möglichst vorteilhaft beim Verzweiflung zu Hilfe gerufenen Publikums nach reiflicher Beleuchtung in Gestalt der Leselampen in den D- Bügen und der Steh- und Hängelampen in den Schlafwagen einzuführen. Wo die Arbeitervereine hinauswarf. Da dieses Lokal als Durchgangslokal Mehlpreise um fünf Prozent gestiegen. In allen zu den dortigen Friedhöfen benutzt wird, so ersuchen wir speziell Solonialwarenhandlungen findet ein Sturm auf Mehl- man Dynamo und Antriebsmotor auf den Steffel der Lokomotive; 3. B. in den D- 8ügen Berlin- Saßnig, Berlin- Altona usw. setzte die Berliner Parteigenossen, sich dies Gebahren des Herrn Grasit säcke statt. Und an Stelle des geheimnisvollen Pompa als Motor wurde eine Dampfturbine gewählt und in jedem Wagen sämtliche Verbrecher anlockt, trägt die eine Hilfsbatterie vorgesehen. holde Berliner Weiblichkeit eine Mehltüte in der Hand, zur Abschreckung aller Jbioten, deren erotische Triebe eine volle Groß- Lichterfelde- West und Steglitz gelegen, nähert sich ihrer WollDie neue Wannseebahnstation Botanischer Garten", zwischen Woche lang kein weibliches Wesen mehr ruhig schlafen ließen. endung. Die Gleis- und Treppenanlagen sowie die Baulichkeiten Unbesorgt wandeln unsere Schönen wieder durch die Straßen sind bereits fertiggestellt, es wird gegenwärtig noch an der inneren der Reichshauptstadt. Die Mehltüte, das Sicherheitsprodukt Einrichtung gearbeitet. Die Inbetriebnahme der neuen Station foll unserer hohen Polizei, ist ihnen ein unfehlbarerer Talisman als mit Beginn der Sommerfahrplanperiode, 1. Mai d. J., erfolgen, Bappbauch und Blechweste. Sobald der Attentäter das Messer vorausgesetzt, daß bis dahin die noch fehlenden Arbeiten vollendet sind. Der Vorstand. zückt und zustechen will, ergreift teine tapfere Frau mehr das Warnung bei Abschluß von Mietsverträgen, Es wird wiederholt Brit- Buckow. Sonntag früh 8 Uhr findet von den belannten Hafenpanier, nein... schwapp.:. öffnet die Amazone ihre Stellen aus eine Handzettel- und Flugblattverbreitung statt. Wehltüte und... plauk... schüttet sie dem Verbrecher das weiße davor gewarnt, Mietsverträge über Räume t neuerbauten oder Schmargendorf. Am Sonntag früh 3/8 Uhr findet vom Restau- Manna findlich frommer Denkungsart auf die Kleider. Selbst- umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von rant Lindenbaum" aus eine Flugblattverbreitung statt. der Ausfertigung des Nohbauabnahmescheins ablaufende Frist von verständlich ist der Herr Attentäter so höflich, genau so lange sechs Monaten für die Gebrauchsabnahmeprüfung noch nicht verStralau. Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 2 Uhr: Mit- mit dem Ausreißen zu warten, bis die Mehltütenfalle funk- strichen ist, da die Polizeiorgane vor Ablauf dieser Frist das Vegliederversammlung bei Locke, Alt- Stralau 5. Tagesordnung: tioniert hat. Hurra nun fann's nicht fehlen. In ziehen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gesetzlichen 1. Statutenberatung. 2. Anstellung eines befoldeten Beamten. spätestens 24 Stunden sind alle Berliner Messerstecher hinter Bestimmungen auch nicht dulden fönnen. Die Polizeireviere werden 3. Parteiangelegenheiten. 4. Wahl eines Revisors. 5. Verschiedenes. Schloß und Riegel. Freilich es kommt meistens anders als nach wie vor auf Anfragen aus dem Publikum über den vorausDie Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. man denkt. Wenn unsere Hochverehrte Dämlichkeit den sichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in neuen be Alt- Glienice. Am Sonntag, den 21. februar cr., nachmittags weifen Rat der Polizei wirklich befolgt und in unedler ziehungsweise umgebauten Häusern bereitwilligst Auskunft erteilen. 3 Uhr, findet im Lotale des Herrn Fröhlich, Friedrichstraße, eine frauenhafter Nervosität jeden sie schief ansehenden Mann mit Bollsversammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Mehl bestreut, dann hat der Alexanderplatz nach wenigen Eine Liebestragödie 1. Warum sollen sich die Frauen organisieren? Referentin: Genoffin Stunden nicht soviel Platz, um alle Messerstecher zu be- bat Donnerstag in der Jungfernheide ihren blutigen Abschluß ge Wurm. 2. Diskussion. 3, Hohen- Schönhausen. Sonntag, den 21. d. N., mittags 1 hr Hohen- Schönhausen. Sonntag, den 21. b. M., mittags 1 thr, berbergen. Wir wundern uns ja schon lange nicht mehr funden. Im Jagen 8, in der Nähe des Gefängnisses, wurde von im Lotal Paradiesgarten", Inh. Kuhle, Berliner Str. 68, öffentliche über den zopfigen Bureaukratismus im Polizeipalast, wo dem Gutsvorstand ein junges Paar erschossen aufVersammlung. Vortrag des Reichstagsabgeordneten. Genossen man die einfachsten Dinge stets am verkehrtesten Ende an- gefunden. Wie aus den Papieren hervorgeht handelt es sich um A. Stadthagen über Deutschlands Politit". faßt. Aber mit diesem Ratschlag an die Bevölkerung hat den 25jährigen Hilfsgerichtsvollzieher Emil Brandenburg, der zuBohnsdorf. Am Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 4 Uhr, unsere Polizei, deren guten Willen wir durchaus nicht ver- leßt in Duisburg angestellt war, und der 23jährigen Albertine findet im Restaurant" Faltenruh"( Billa Kahl) eine öffentliche Ver- fennen, wieder mal bewiesen, daß Schöppenstedt noch immer Angerstein aus München- Gladbach. Ueber die Tragödie werden uns noch folgende nähere Einzelheiten gemacht: fammlung statt, in welcher Genoffin Jeete über: Die Frauen dicht bei Berlin liegt. und der Sozialismus" spricht. Die Frauen sind zu dieser VersammDie Tat muß in der vierten Morgenstunde verübt worden Die Amtszimmer der Armenvorsteher sind so schreibt man sein. Bei den Leichen, die sich noch im Tode eng umschlungen Lung ganz besonders eingeladen. Nach der Versammlung: Gemüt liches Beisammensein. uns mit Bezug auf die neueste Forderung der Vorsteher, ihre hielten, wurden zwei Revolver vorgefunden, von denen jedoch nur Spandau. Am Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 41%, Uhr, Mietsuntostenentschädigung zu erhöhen, noch immer nicht durch der eine benutzt worden war. Festlich angekleidet waren sie in den findet im Lokal von Emil Köpnid, Bichelsdorfer Str. 39, eine Bolts- meg so, wie sie sein sollen und selbst vom ärmsten Publikum ver- Tod gegangen. Brandenburg, der früher Unteroffizier in der versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher Genosse Kurt langt werden können. Daraus folgt mun aber noch lange nicht Schußtruppe gewesen war, trug einen schwarzen Gehrod mit einer Heinig- Charlottenburg über das Thema:" Wirtschaftlicher Mückblick etwa die Berechtigung der neuen Forderung. Vielmehr wurde bis- ganzen Reihe von Kriegsdenkmünzen und Auszeichnungen aus und Aufblic" referiert. Nach der Versammlung: Gemütliches Bei- her die Entschädigung von nicht wenigen Armenvorstehern in die China und Südwestafrika. In der Tasche fand man außerdem noch sammensein mit Tanz. Der Vorstand. Tasche gesteckt, ohne daß sie dafür die entsprechenden Aufwendungen 12,30 M. bares Geld, mehrere Hotelrechnungen, einen Postschein Franz.- Buchholz. Morgen Sonntag, nachmittags 4 Uhr findet machten. Vielfach befinden sich die sogenannten„ Amtszimmer" in über einen eingeschriebenen Brief nach München- Gladbach, die bei Kähne, Berliner Str. 39, eine Boltsversammlung statt. Tages einer Lage und Verfassung, die geradezu eine Prämie für un- Rechnung eines hiesigen photographischen Ateliers vom 16. dieses ordnung: Vortrag des Landtagsabg. Borgmann über preußische Landtag". Die Parteigenossen werden ersucht, würdige Behandlung der Armut verdient. Jeder Armenvorsteher Monats, sowie einen Militärgestellungsschein nach Duisburg. Die preußische Landtag". Die Parteigenossen werden ersucht, soll die Amtsgeschäfte in einem angemessenen Raume erledigen. Beichen wurden nach der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes von für recht zahlreichen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Dafür erhält er jetzt die für Berlin unseres Erachtens durchaus Blößensee geschafft. Hier ergab die Besichtigung, daß sich B. durch Fichtenau und Umgegend. Am Sonntag, den 21. Februar, nach- zureichende Mietsentschädigung von dreihundert Mart jährlich. einen Schuß in die Stirn und seine Braut durch zwei Schüsse in mittags 4 Uhr, findet im Gesellschaftshaus" von Höhne in Fichtenau Mancher Armenvorsteher scheint aber noch immer nicht darüber die Schläfe getötet hatten. Sturz nach bem Auffinden des Paares eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Stadtverordneter Ge- im flaren zu sein, was unter Angemessenheit selbst der Armut lief bei dem Plötzenseer Amtsvorstand folgender Brief von den nosse Leid Berlin über„ Die Sozialdemokratie in Staat und Ge- gegenüber zu verstehen ist. Wohl das Unerhörteste in dieser Be- Lebensmüden ein: 3ur Nachricht, daß ich auf vieles Bitten zue meinde" sprechen wird. ziehung leistete sich jener ehemalige Armenvorsteher aus dem erst meine Braut und dann mich selbst erschossen habe. Sie werden Scheunenviertel, der die Bedürftigen in einem Kellerloch des Quer- uns finden im Walde etwa 300 Meter im Gebüsch bis à vis von gebäudes seines eigenen Hauses empfing und abfertigte. Es hat Ihrem Dienstgebäude. Nun möchte ich noch bitten, Nachricht zu Jahre gedauert, bis infolge der fortgefeßten Anzapfungen in der geben an folgende Adressen: Herrn Brandenburg, Stettin, Gustav Presse diesem skandalösen Zustande dadurch ein Ende gemacht Adolf- Straße 47 und an Blinten, München- Gladbach, Kurfürstenwurde, daß der menschenfreundliche Vorsteher sein Amt niederlegte. straße 7. Näheres finden Sie in meiner Brusttasche. Das Geld Die Armendirektion hatte sich, obwohl ihr die Sache genau bekannt habe ich in meiner Hosentasche. Emil Brandenburg. NB. Wir fein mußte, zu einem ernstlichen Einschreiten nicht veranlaßt ge- bitten in unseren Kleidern und zusammen in einem Grabe be sehen. Andere Vorsteher empfangen noch heute die Armen in ihren erdigt zu werden. Emil Prandenburg. Vorstehenden Zeilen schließe Geschäfts- und Kontorräumen. Es ist dabei unvermeidlich, daß ich mich vollständig an. Albertine Angerstein." Angestellte des Vorstehers bei Abwickelung der Armengeschäfte mitanwesend sind. Ja, es kommt vor, daß diese Angestellten ohne jede amtliche Berechtigung den Vorsteher vertreten und dadurch Auch die ernstesten Dinge haben ihre heitere Seite. Ginblick gewinnen in Verhältnisse, die ihnen fremd bleiben sollen. Schon eine volle Woche ist Berlin in heller Aufregung über Wenn der Vorsteher zu bequem ist, selbst die Geschäfte zu erledigen, die Messerattentate. Wo nur zwei Menschen zusammen- bann eignet er sich eben nicht für solches verantwortliche Ehrenamt. kommen, wird davon gesprochen. Die Frauen und Mädchen Von Vorstehern, die der Armut, besonders gebrechlichen Leuten, wagen sich nach Einbruch der Dunkelheit allein kaum mehr in einen Stuhl anbieten, hört man ziemlich selten. Gewöhnlich müssen einsame Stadtgegenden, und die Männer erörtern alle die Bittenden auf dem Korridor warten, bis an fie die Reihe Möglichkeiten, die Berliner Weiblichkeit von der brückenden kommen. Wir wissen aber auch Fälle, in denen der Vorsteher die Angst zu befreien. zu befreien. Psychiater Psychiater und andere Gelehrte Armut truppweise auf dem Treppenflur oder gar unter freiem Lassen sich in ellenlangen Gutachten über die Person Simmel auf dem Hofe, wenn sich dort zu ebener Erde das„ Amts- Das Treiben der Messerstecher hat trog aller Maßnahmen der des Täters aus, den man noch noch gar nicht hat. zimmer" befindet, warten läßt. Durch dieses lieblose und bemüti- Bolizei noch nicht ganz aufgehört. Im Laufe des gestrigen VorDie Presse knüpft daran daran kritische Bemerkungen und gende Verfahren wird somit die Armut als solche noch besonders mittags wurde der Kriminalpolizei noch ein Anfall gemeldet. Er ist erinnert an ähnliche Dinge, die sich in Berlin und anderen deutlich für die Bewohner und Besucher desselben Hauses gekenn- aber nur unbedeutend und bedarf noch der Aufklärung. Die vierGroßstädten vor Jahrzehnten ereignet haben. Allen voran zeichnet. Die beliebten Auszahlungen der Armengelder in Ge- zehn Jahre alte Schülerin Alice Graumann befand sich auf dem Wege von der Wohnung am Karlsbad 29 nach der Charlottenschule aber ist unsere Polizei Feuer und Flamme. Der gewaltige schäftsräumen der Vorsteher oder anderer Kommissionsmitglieder, in der Stegliger Straße, als an der Ecke der Potsdamer- und LützowApparat, den bei solchen Gelegenheiten die Polizei in Be- und zwar in Gegenwart von Geschäftskunden, haben anscheinend straße ein Mann fie anrannte und gegeri fie mit einem Messer wegung setzt, fann auf solche Leute, die das großstädtische aufgehört, nachdem hiergegen in der Presse energisch Einspruch oder anderen Gegenstande zum Schlage ausholte. Das Mädchen Polizeihandwerk stets mit bewundernden Augen betrachten, erhoben war. Wenigstens ist uns aus letzterer Zeit tein Fall mehr wich eiligst aus und blieb unversehrt. Der Attentäter entfam. Eindruck machen. Man sollte meinen, daß da die Atten- bekannt geworden. Trieb doch früher diese Amtsprogigkeit derartige Im Norden und Nordwesten der Stadt verbreitete sich gestern täter im Handumdrehen gefaßt werden müßten. Aber Blüten, daß Kommissionsmitglieder, die zufällig eine Kneipe be- früh das Gericht, daß der gefürchtete Messerstecher endlich von der wer so falfuliert, kennt unsere Hermandad schlecht. Am saßen, sich im Büfettzimmer einen Tisch zurechtrüdten und hier Polizei verhaftet worden sei. Es hieß, er habe in der Invaliden grünen Holz des Bureautisches sprießt der Grundsatz: Gut ganz öffentlich Armenunterstüßung auszahlten. Wer wegen dieser verlegt und sei dann auf der Flucht in dem Hause Juvalidenstr. 142 ftraße ein junges Mädchen angefallen und durch einen Wefferstich Ding will Weile haben! Und so hat die Berliner Polizei Unverfrorenheit etwa eine Rippe riskieren wollte, konnte ganz ergriffen und nach dem 11. Polizeirevier geschafft worden. auch in diesem Feldzug gegen Unbekannt noch nicht den sicher sein, daß er das nächste Mal weniger oder gar kein Geld Das Gericht erwies fich aber später als irrig. geringsten Erfolg zu verzeichnen. Ja, es ist schon zu der betam. Ebensogut wie nun diese brutale Rücksichtslosigkeit ver- Mann von 16 Jahren wurde zwar sistiert, aber aus anderen Motiven. Tragikomödie gekommen, daß ein Kriminalbeamter den Messer- boten ist, sollte aber auch jede andere Amtstätigkeit in den zu all- Er hatte angeblich eine junge Frau belästigt. Auch in einem anderen stecher hat laufen lassen, ohne eine Ahnung zu haben, was gemeiner Benutzung dienenden Geschäftsräumen verboten sein. Falle hat die Messerstecherepidemie zu einer Siftierung geführt, der für ein kostbares Wild da lief. Solche Migerfolge recht- Oder der betreffende Naum muß zur bestimmten Amtsstunde aus- cin tragikomisches nächtliches Abenteuer zugrunde lag. Nachts gegen fertigen Ausnahmebestimmungen. Und solche Ausnahme- schließlich für Unterstützungssuchende reserviert bleiben. Aufficht stehenden Mädchen vor deren Wohnung in der Kleinbeeren12 Uhr geriet der 33 Jahre alte Kaufmann W. mit einem unter verfügung ist der direkt aus dem Berliner Polizeipalast imDer Oranienburg. Die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Sonntag, den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, im Lokal" Waldhaus", Sandhausen, statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderm ein Vortrag der Genoffin Kienast, worauf die Frauen ganz besonders aufmerksam gemacht werden. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Mitgliedsbücher mitzubringen, weil der Versammlungsbesuch im Mitgliedsbuch abgestempelt wird. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Mehltüte. Die polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß das Liebespaar erst einen Tag vorher aus Duisburg in Berlin eingetroffen und in einem Hotel in der Nähe des Anhalter Bahnhofs abgestiegen ist. Wie ferner die aufgefundenen Fußspuren im Schnee zeigten, haben sie sich von dem Tatort nach dem Brieftasten begeben und sind dann in einem Bogen wieder zur selben Stelle zurückgekehrt. Ihrem Verlangen wird höchstwahrscheinlich entsprochen werden und sind an die mitgeteilten Adressen bereits Benachrichtigungen abgeschikt worden. Das Motiv der Tat ist vorläufig noch unbekannt. Ein junger Ueber die Beleuchtung der Eisenbahnwagen entnehmen wir einem straße in Streit, in dessen Verlauf er sich ihren Hausschlüssel anportierte erleuchtete Ratschlag, daß jede Frau und jedes interessanten Artikel der Berkehrstechn. Woche die nachfolgenden An- eignete. Sofort farie das Mädchen aus Leibeskräften:„ MesserMädchen fortan bis auf weiteres eine Mehltüte bei sich Mehltüte bei sich tragen soll, um mit dem weißen Pulver den Attentäter zu be-( Invert- Beleuchtung) haben sich ausgezeichnet bewährt; die wesent- Seiten hinzuftürzenden Baffanten schleunigst Fersengeld, wurde aber tragen soll, um mit dem weißen Pulver den Attentäter zu be- gaben: Die Versuche mit den hängenden Glühförpern stecher 1" 23. gab aus Furcht vor Mißhandlungen der von allen streuen und fenntlich zu machen. Ehrenwerte Bürger bon lichsten Vorteile dieses Glühlichts find: größere Helligkeit bei dem vor seiner Wohnung eingeholt und zur Wache gebracht, wo sich die Schilda- ihr fordert die Polizei des zwanzigsten Jahrhunderts felben Gasverbrauche und bessere Lichtverteilung infolge des Fort- Messerstecheraffäre" aufflärte. werden. Schwer verunglückte gestern etn Fahrer im Bedag Betrieb, Chausseestraße, dadurch, daß ein zu reparierender Wagen plöglich in Bewegung geriet und den Fahrer, welcher an der Werkbank stand, gegen diese drückte und ihn schwer verlegte. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation und von dort nach seiner Wohnung geschafft. Wenn genügende Schußvorrichtungen vorhanden gewesen wären, konnte dieser Unfall vermieden werden. Die Schußvorrichtungen und sanitären Zustände lassen in diesem Betriebe viel zu wünschen übrig und wäre es sehr angebracht, wenn die Gewerbeinspektion dort einmal einen Besuch abstatten würde. Von einem Automobilomnibus überfahren und getötet wurde gestern, Freitagnachmittag der 7 jährige Sohn Otto des in der gestern, Freitagnachmittag der 7 jährige Sohn Otto des in der Schliemannstr. 20 wohnenden Bauarbeiters Hämmerling. Der Knabe, der für ſeine Mutter einige Besorgungen machen sollte, wollte vor dem elterlichen Hause den Fahrdamm der Schliemann straße überschreiten, achtete dabei jedoch nicht darauf, daß in diesem Augenblick ein Automobilommibus der Linie B der Großen Berliner Motor Omnibus- Gesellschaft in der Richtung nach dem Arnimplatz fahrend, herannahte. Der Knabe wurde umgestoßen, geriet unter den Kraftwagen und wurde, obwohl der Chauffeur sofort mit aller Kraft innere Berlegungen erlitten hatte, wurde zunächst nach der Unfallstation in der Schönhauser Allee und von hier nach dem Lazarus Krankenhause übergeführt, verstarb aber bereits auf dem Transport. # Vermischtes. Der Theaterbrand von Acapulco. Im Obdach gestorben ist in der Nacht zum Donnerstag der werden. Der ganze Etat fchlicht ab in Ginnahnte und Ausgabe fraft nicht entziehen kann. Der Einwand des Fürften, daß er fest 49 Jahre alte Arbeiter Karl Engert, der wegen längerer Arbeits- mit 8 206 140. gegen 7.199 140 M. im Vorjahre. Vor Beratung( im Alter von 61 Jahren) ein weniger anstößiges Leben führe und und Wohnungslosigkeit von der Polizei am Mittwoch auf eine Woche des Etats gab der Stämmerer einen ausführlichen Bericht über den von seiner Apanage( monatlich 5000 M.) sogar noch Ersparnisse dem städtischen Asyl überwiesen worden war. Der Mann lag Stand der Gemeindeangelegenheiten, aus dem zu entnehmen ist, mache, tourde als unbeachtlich zurückgewiesen. Wenn das stan gestern morgen tot auf seinem Lager. Ein Arzt konnte die Todes daß, während die Ausgaben ganz erheblich gestiegen sind, ein dalöse Leben nachgelassen habe, so liege dies sicher nur an dem vorursache nicht feststellen. Steigen der Einnahmen nicht stattgefunden hat. Um die Zuschläge geschrittenen Alter des Fürsten und die kleinen Ersparnisse habe Große Aufregung verursachte gestern nachmittag an der Jannowig- zur Einkommensteuer, welche 150 Broz. betragen, nicht zu erhöhen, er vermutlich nur gemacht, um für den Fall, daß die Entmündibrücke der Selbstmord eines unbekannten, etwa 30jährigen Mannes, habe man sich genötigt gesehen, die Zuschläge zu den Realsteuern, gung nicht aufgehoben wird, in feinen Liebhabereien nicht beengt der sich vor den Augen Hunderter von Passanten über das Brücken- und zwar zur Gewerbesteuer von 210 auf 240 Proz. und zur Grund- zu sein. Die Revision des Fürsten wurde vom Reichsgericht am geländer hinweg in die Spree stürzte. Eine Anzahl Augenzeugen wertsteuer von 220 auf 257,50 Proz. oder 3,35 pro Mille zu erhöhen. Freitag zurückgewiesen. Fürst Sulfowsti bleibt also entmündigt. während nunmehr der Referent, Stadtverordneter Bender, die unternahmen zwar sofort Rettungsversuche, die jedoch leider vers geblich waren. Erst nach fast zweistündigem Suchen konnte die einzelnen Positionen des Etats, mit Ausnahme der Steuern, die bis Leiche des Lebensmüden unterhalb der Brüde gefunden und gelandet zum Schluß bleibt, vortrug, wurden zu den einzelnen Titeln noch Ueber die Persönlichkeit des Selbstmörders, der keinerlei verschiedene Wünsche und Beschwerden vorgebracht. Genosse Pieper betonte, daß das Spandauer Tageblatt" wegen seiner geAusweispapiere bei sich führte, war nichts zu ermitteln. ringen Abonnentenzahl von den amtlichen Bekanntmachungen ausgeschlossen werden müsse, um dadurch eine nicht unerhebliche Ersparnis zu machen. Der Stadtverordnete 2üdice nahm sofort Ueber die furchtbare Brandkatastrophe in der merikanischen seinen Gesinnungsgenossen, den Stadtverordneten und Verleger des Hafenstadt Acapulco, bei der mehr als dreihundert Menschen in den Spandauer Tageblattes" Schob, in Schuh, indem er meint, darüber hätte auch die Regierung zu befinden, deshalb solle man die Flammen einen schrecklichen Tod fanden, werden jetzt nähere EinzelDer große Zuschauerraum des völlig aus Holz Sache gar nicht weiter erörtern. Beim Titel 8, Begräbnispläge, heiten gemeldet. sprach Genosse Pieper den Wunsch aus, daß es jedem einzelnen gebauten Theaters war von einem festlichen Publikum bis auf den überlassen werden möge, wie und von wem er seine Gräber pflegen legten Platz gefüllt. Der Kinematograph führte gerade eine Serie und gießen lasse. Der Friedhofsinspektor scheine diese Arbeit als nenangekommener Aufnahmen vor, die Bilder aus dem südBrivilegium anzusehen. Geno Smidt I sprach den Wunsch italienischen Erdbebengebiet zeigten, als eine Störung des Apparates Der Mechaniler näherte sich dabei mit einem Lichte aus, daß die vielen Gänge, welche man bei einem Todesfall zu eintrat. brachte Genoffe Pieper eine Reihe Beschwerden über die 10. Gelammen auf. Die Lohe schoß mit unheimlicher Geschwindigkeit machen habe, vereinfacht werden müßten. Beim Titel 24, Schulen, der Leinwand; durch eine Unvorsichtigkeit ging der Stoff in die Kinder öfter eine halbe Stunde lang und noch länger draußen an den Kulissen empor, und wenige Sekunden später stand die Bühne meindeschule zur Sprache. Er erwähnte u. a., daß dort morgens in der Kälte stehen müßten, che sie in die Klasse dürften, trotzdem in bellen Flammen. Im Publikum brach eine furchtbare Panit die Klassen leer seien. Ferner betonte er die eigenartige Unter- aus. Alles stürmte zu den zwei kleinen Türen, den einzigen Ausrichtsmethode einer Lehrerin. Der Oberbürgermeister sagte Unter- gängen des Theaters. Die Rufe der wenigen Besonnenen, die zur suchung und eventuell Abhilfe zu. Bevor nun in die Beratung über Ruhe mahnten, verhallten ungehört, vor den Türen kam es die Höhe der Steuerzuschläge eingetreten wird, macht sich die Ver- zu furchtbaren Kämpfen und durch den Druck der Menge wurden sammlung auf Antrag des Stadtverordneten Südide erst dar- die Türflügel, die nach innen fich öffneten, so weit zusammengepreßt, hoben werden soll oder nicht. Der Magistrat hat eine solche, obwohl daß nur ein schmaler Ausgang blieb. Aber auch dieser wurde nach die Versammlung die Erhebung dieser Mieten bereits zweimal ab- furzer Zeit so gut wie unpassierbar, denn vor den Ausgängen gelehnt hat, mit 20 000 respettive 4000 M. in den Etat eingestellt. türmten sich die Leichen der Unglücklichen an, die in dem Gedränge Hierbei war es nun interessant zu beobachten, wie einer nach dem stürzten und unter den Füßen der anderen starben. Nur wenigen andern, selbst von denjenigen Stadtverordneten, die sich in den Glüdlichen gelang es, gleich am Anfang den Weg ins Freie zu borhergehenden Sibungen als stritte und energische Gegner dieser finden. In taum zwei Minuten hatten die Flammen das trockene Mieten aufgespielt, umtippten. Nur unsere Genossen und der Holz erfaßt und die unglüdliche Zuschauermenge vollkommen Stadtverordnete Reusch blieben fest. Von unseren Genossen vertrat eingefreist. der Stadtverordnete Schmidt I in energischer Weise den gegneAn Hilfe war nicht denten. Die schlecht ausrischen Standpunkt zu dieser Miete, aber es nußte nichts, die Ber- gerüstete Feuerwehr vermochte kaum die benachbarten Gebäude sammlung stimmte dafür, daß die Miete erhoben wird. Zur Be- zu schützen; nach drei Minuten war die Hize so groß, daß ratung über die Erhebung der Steuerzuschläge traten von den man sich dem brennenden Gebäude nicht weiter als auf hundert Bürgerlichen der Stadtverordnete und Vorsitzende des Grundbefizer- Meter nahen konnte. Der schredliche Todeskampf der Eingeschlossenen Bereins Siefert, sowie der Handwerkeretter Neusch( derselbe dauerte nicht lange. Eine furze Weile gellten aus den Flammen hatte 600 Unterschriften von Geschäftsleuten gesammelt, welche die Verzweiflungsschreie der Hunderte; drei Minuten später war Broteft erhoben gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer) gegen die alles still und nur das grausige Knistern der Flammen vermengte Erhöhung der Realiteuern ein, die übrigen Stadtverordneten, namentlich Herr Lüdice, gingen wie die Kabe um den heißen Brei sich noch mit dem ohnmächtigen Weinen der Angehörigen, die hilflos herum, fie bedauerten zwar die Erhöhung der Realsteuern, wollen von ferne Zeuge der Katastrophe waren. Man hat bereits 320 Tote fie aber doch schlucken, weil nichts anderes übrig bleibe. Energisch geborgen; sie sind unkenntlich und werden in Massengräbern be wies Genosse Schmidt I darauf hin, daß man sich mit einem stattet. 15 Millionen will die Stadt Lichtenberg in Raten von je drei eine Wertzuwachssteuer einführe. Man scheine sich aber vor einer Schlage aus der ganzen Verlegenheit befreien könne, indem man Millionen durch Ausgabe von auf den Juhaber lautenden Stadt- folchen zu drücken, trotzdem werde sie doch kommen, allerdings wenn wird vom gestrigen Tage berichtet: In Burlage haben gestern bier Drei Schulmädchen ertrunken. Aus Papenburg a. Ems Schuldverschreibungen aufnehmen. Der Magistrat schlägt vor, es zu spät sei. Dieselbe mußte schon eingeführt werden, noch ehe Stücke im Werte von 5000 bis herab auf 200 M. zur Ausgabe zu die Entfestigung vorgenommen wurde. Er verweist auf die dies- Schultinder, ein Knabe und drei Mädchen, auf dem Heimwege das bringen; es soll je nach dem Stande des Geldmarktes ein Zinsjub bezüglichen Ausführungen des Oberbürgermeisters zu Königsberg, morsche Eis des Tiefs betreten und sind eingebrochen. Der Knabe bon 3 bis 4 Broz. vorgesehen werden. Die Anleihesumme soll der hierin weit energischer vorgegangen sei wie der hiesige Ober- fonnte fich retten, aber die drei Mädchen ertranken. Die Leichen dazu dienen, die Ansprüche für Hochbauten im Betrage von bürgermeister. Er behalte fich natürlich vor, noch einen Antrag um sind geborgen. 5 132 438 M., für Straßenbauten 1387 282 W., für die städtischen Einführung dieser Steuer einzubringen. Nachdem schließlich ein Werte 3 162 000 M., für den Gründerwerbsfonds 8 000 000., und Schlußantrag angenommen, führte der Referent Stadtverordneter für verschiedene 3wede 2 318 000 M. zu decken. Bender in seinem Schlußwort an, daß die Wertzuwachsiteuer jedenfalls dann met werde, wenn die Berzinsung der Anleihen eintrete. Das heißt mit anderen Worten, wenn die Herren Spekulanten das et abgeschöpft haben.) Der Etat wurde dann nach ben Vorschlägen des Magistrats und der Statskommission gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Stadtverordneten angenommen. Inzwischen war es 8 Uhr geworden und eine unerträgliche Hiße im Saal. Deshalb wurden alle übrigen Nummern bertagt. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. " Bor überfüllter Bersammlung im großen Saale des Bollsbauses" sprach am Donnerstag Genosse Adolf Hoffmann über: Pfarrerbefoldung und das preußische Abgeordnetenhaus." Die Bersammlung nahm die Ausführungen des Genossen Hoffmann mit stürmischem Beifall, der auch häufig während seiner Rede zum Ausbrud lam, entgegen. Nachdem der Borsigende die einmütige Meinung der Versammelten festgestellt hatte, daß fie boll und ganz zu ihren Vertretern im preußischen Abgeordnetenhauſe in der Pfarrerbesoldungsfrage stehen, wurde die Versammlung mit einem begeisterten Hoch geschlossen. Lichtenberg. Die amtliche Anordnung des Achtuhr- Labenschlusses für den Stadtbezirk ist in den nächsten Tagen zu erwarten mit der Maßgabe, daß die Einrichtung mit dem 1. März ins Leben tritt: Unsere Notiz über die flandalösen Zustände in einer Volksschule des Ortes hat einen der Schuldigen veranlaßt, unter dem Strich des Drteblattes sich also vernehmen zu lassen: In welcher niederträchtigen Weise seitens des Vortvärts" versucht wird, die bürgerlichen Mitglieder unserer Stadtverordneten- Potsdam. Versammlung und der Deputationen herabzulegen, zeigt wieder Die Berlängerung der Potsdamer Straßenbahn nach dem Bahneinmal ein Artikel unter Lichtenberg in der Sonntagsnummer vom Hof Drewiz der Weglarer Bahn wird jezt von der Stadt14. d. M. Es wird darin u. a. behauptet, die Mitglieder der verwaltung erwogen. Zur Prüfung des Projektes wurde eine BerBaudeputation hätten auf einen vor Weihnachten eingebrachten ſammlung der Gemeindevorsteher der in Frage kommenden Ort dringlichen Antrag gegen die Stimmen der sozialdemokratischen schaften einberufen. Es handelt sich hierbei um den Ausbau der Vertreter Vertagung" beschlossen.. Dieses ist eine stintende D- Linie Potsdam- Nowawes bis nach Dretvis bei entsprechender Lüge. Rentabilitätsgarantieübernahme seitens der Gemeinden. Feststellungen in der Baudeputation am Donnerstag ergaben, daß die vorstehende Behauptung eine ganz freche Lüge ist. Tatfache ist, daß wegen des gefährlichen Zustandes der Schule unsere Bertreter eine fofortige ausreichende Reparatur verlangten. Das lehnten aber die bürgerlichen Bertreter ab und bestimmten, daß die Arbeiten während der nächsten großen Ferien gemacht werden sollten. Jetzt ist nun der Standal da und die Stadt hat die Blamage. it es doch schon so weit gekommen, daß die Mutter eines Schulkindes dem Bürgermeister erklärte: Ich laffe die Gefundheit meines Kindes nicht länger gefährden und schicke in diese Schule mein Kind nicht! Köpenic Spanden. Gerichts- Zeitung. Tage aus Stendat gemeldet: Der Bahnverkehr zwischen SeeUeber das Hochwasser in der Altmark wird amtlich vom gestrigen Haufen in der Altmark und Geestgottberg mußte heute früh wegen leberschwemmung der Gletfe eingestellt werden. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Verkehrs sowohl zwischen Seehausen in der Altmark und Geestgottberg als auch zwischen Osterburg und Seehausen läßt sich noch nicht voraussehen. der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach heute nach Wittenberge be Einer weiteren amtlichen Meldung zufolge wird sich der Minister geben, um den Betrieb der Eisbrecher bei der Beseitigung der Eisverstopfung in der Elbe zu besichtigen. Arbeitslose Strafgefangene. folgendes am 16. Februar im B. T." stehende Inserat: Ein grelles Licht auf die gegenwärtige Wirtschaftslage wirft folgendes am 16. Februar im B. T." stehende Inserat: Gefangenenarbeit! Jm Strafgefängnis in Glückstadt find vierzig bisher mit der Herstellung von Kokosmatten beschäftigt gewejene Gefangene disponibel getvorden. Reflektanten wollen sich baldigst mündlich oder schriftlich melden. Glückstadt, den 8. Februar 1909. Der Direktor des Strafgefängnisses. Die Arbeitstraft der Strafgefangenen ist bekanntlich für die Unternehmer immer noch wohlfeiler gewesen, als die freier Arbeiter. daß selbst in Strafgefängnissen das Gespenst der Arbeitslosigkeit Es ist deshalb charakteristisch für das jeweilige Wirtschaftsleben, " Ein wegen Verschwendung entmündigter Fürst spielte in einem Zivilprozeß, der heute vor dem 4. Zivilsenate des Reichsgerichts zur Verhandlung tam, eine wenig rühmliche Rolle. Vom Landgericht Bonn und vom Oberlandesgericht Köln ist der umgeht. Fürst Josef Sulfowsti mit seiner Klage gegen die Staatsanwalt. schaft sowie seine Ehefrau, geb. Jäger, und seine Geschwister auf Ein neuer Schiffsrekord. Die„ Mauretania" hat, wie aus Wiederaufnahme der Entmündigung abgewiesen worden. Gegen New York gemeldet wird, einen neuen Ueberfahrtsrekord von vier Bei einem Rettungswert geriet vorgestern der Tischler Otto das Urteil von Köln hatte er Revision eingelegt. Von dem fürst. Tagen 17 Stunden und 50 Minuten aufgestellt und damit den Spanier in ernste Lebensgefahr. Der 12 jährige Schüler Fischer von lichen Kläger wird in jenem Urteil ein höcht eigenartiges Bild Reford der Zufitania" um 106 Minuten verbessert. Die beste hier war beim Spielen auf der Eisfläche des Frauentogs auf eine entrollt. Er ist 1848 in Wien geboren. Die Zeit bis zu seiner Tagesleistung beträgt 671 Meilen. gesperrte Stelle an der Spreemündung geraten und brach ein. S.Mündigkeitserklärung, die nach österreichischem Rechte mit dem fowie ein junger Mann namens Rennet suchten dem Berunglückten 24. Jahre eintritt, dauerte ihm zu lange. Er erwarb deshalb im Silfe zu leisten, wobei die Eisdecke unter dem Tischler nachgab und Jahre 1869 die preußische Staatsangehörigkeit und wurde mit Zentralverband der freien Händler und Haustererinnen er ebenfalls in den Fluten verschwand. Dem jungen S. gelang es 21 Jahren für mündig erklärt. Seine Güter liegen in Ungarn 8 Uhr bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 35: Bersammlung. Stollegen willDeutschlands, Verwaltungsstelle Berlin. Heute abend aber dennoch, den verunglückten Knaben zu fassen, und versuchte fich( Wert etiva 12 Millionen Kronen) und in Biclik, Oesterreichisch- tommen. mit dem Geretteten auf die Eisdecke hinaufzuschieben, die jedoch Schlesien. Das letztere ift Fideikommiß. Saum war der Fürst Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. unter dem Drucke der Last bröckelte. Erst nach längeren Be mündig, so begann er sein Vermögen zu verschwenden. Die Ver-( E.. 29 Hamburg.) Filiale Berlin III. Sonntag, 21. Februar, mühungen gelang es dem zweiten Retter Nennet, zunächst den schibendung setzte er auch nach seiner Heirat fort. 1883 mußte der vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- lifer 15( Saal VII): fleinen Fischer und dann auch Spanier aus den Fluten heraus- Fürst wegen Geisteskrankheit entmündigt werden. Er fam in eine Mitgliederversammlung. zuziehen. Irrenanstalt und verblieb dort bis 1889. Mit Hilfe einer gewissen Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 21. Februar, vormittags Bujza von Becseghy entfloh er von dort. Diese Dame wurde seine 9 Uhr, in der Halle Bappel- Allee 15-17: Freireligiöse Vorlesung. VorMaitresse, mit der er umherreiste. Sie ist später gestorben und mittags 11 Uhr in der Schule Stleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Stadtverordnetenversammlung. Im Vordergrund der Weser hat ihr auf seinem Gute in Bielik ein Mausoleum bauen lassen, und Damen find als Gäste sehr willkommen. Fräulein Jda Altmann über: Freimaurertum und Freidenkertum. Herren ratungen stand der Stadthaushaltplan für 1909, für welchen allein welches etwa 50 000 m. gekostet hat. Dort will er später neben ihr Berein ehemaliger Hohenelfer. Sonntag, den 21. Februar, findet über 2½ Stunde verwendet wurden. Außer diesem Hauptetat begraben werden. In der Aufwendung der 50 000 M. für das bei Karl Berndt, Urbanstr. 33, eine außerordentliche Generalwurden nur noch zioei kleinere Etats und eine kleine dringliche Mausoleum ist ein Beweis für seine Verschwendungssucht erblickt berjammlung statt. Anfang pünktlich 7 Uhr abends. Ehemalige Borlage erledigt, alle übrigen Nummern aber wegen der vorgerück- worden. Die Entmündigung war 1889 vom Amtsgericht Bonn auf- Hohenelser willkommen. ten Zeit vertagt. Der Hauptetat, wie er von der Finanzdeputation, gehoben worden. Aber schon im August 1892 wurde er wegen Ver Freie Jugendorganisation Charlottenburg. Heute abend 84, Uhr dem Magistrat und de Etaiskommission vorgeschlagen wird, bietet fchivendung entmündigt. Der Fürst erlangte die Aufhebung der im Boltshause, Rosinenstr. 3: Versammlung mit Vortrag. felgendes Bild: Der Finanzbedarf beträgt diesmal 2 165 000. Entmündigung. Aber am 30. August 1899 wurde abermals die gegen 1711 000 2. im Vorjahre. Dieser Bedarf soll wie folgt auf Entmündigung ausgesprochen. Gegen diesen Gerichtsbeschluß rich gebracht werden: Durch indirekte Steuern: Biersteuer 75 000 M., tete sich die jetzige lage des Fürsten. Das Urteil des Oberlandes Sundesteuer 26 000 M., Lustbarkeitssteuer 14 500 M., Umsatzsteuer gerichts Köln, welches das die Klage abweisende Urteil des Land175 000 M., Betriebssteuer einschließlich 50 Proz. Zuschlag 11 250 gerichts Bonn bestätigt, weist in sehr eingehender Darstellung nach, Mart, Summa 301 750 M. Es bleiben noch auf die direkten daß der Fürst ein Verschwender ist und bei eigener Verfügung über Steuern 1863 250 M. zu decken. Diese sollen aufgebracht werden sein Vermögen seine Familie in einen Notstand versehen würde. durch Gemeindeabgaben für Offiziere 146,50 M., Einkommensteuer Das ganze Leben des Fürsten sei eine Kette sinnloser Verschwen ( 150 Broz. Zuschlag) auf 562 000 M. Staatseinkommensteuer ab- dungen und schamloser Unzucht. Zwed- und ziellos treibt er sich züglich einer Rüdvergütung von 8000 M. an Siemens u. Halste mit Maitressen und anderen Frauenzimmern bald hier bald da 835 000 M., Gewerbesteuer einschließlich Warenhaussteuer( 240 herum. Für eine einzige Schäfernacht in Baris hat er 36 000 Prozent auf 128 500. Staatsgewerbesteuer) 308 400 M., Grund- Frants vergendet. Von Stadt zu Stadt und von Hotel zu Hotel und Gebäudesteuer oder Grundwertsteuer 3,35 Pro Mille von 198 treibt ihn fein zügellojes Leben. Er folgte nicht bloß seinem jugend. Millionen voraussichtlichem Wert der bebauten und unbebauten lichen Drange, fondern er führte fein anstößiges Leben auch noch Grundstücke 656 600 M., zusammen 1814 650 W. Der Fehlbetrag im reiferen Reben fort. Er ist syphilitisch durchseucht und zeigt von 48 600 M. soll aus der Miete von Gaszählern mit 20 000 m., sich bei ihnt eine seelische Entartung, die teils auf verkehrter Grbon Elektrizitätszählern mit 4000 M., zusammen 24 000 M., gebedt iehung, teils auf eingewurzeltem Hange beruht, dem er sich ohne und der Rest von 24 600 M..dem Steuerausgleichsfonds entnommen Henderung seines Wesens und ohne Aufwendung großer Willen wenig verändert. Briefkaften der Expedition. Patienten in Beelis, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der lieberweisung von Freieremplaren fofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeben Monat neu eingesandt werden. Amtlicher Warttbericht der städtischen Marithallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Marftballen. Marktlage: Fleisch: Sufuhr genügend, Geschäft flau, Breiſe unverändert. Wild: Zufuhr genügend, zum Zeil kapp, Geschäft lebhaft, Preise gut Geflügel: Bufuhr genügend, Geschäft rege, Breife befriedigend. Fische: Sufuhr dienlich genügend, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise angemessen. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Db it und Südfrüchte: Bufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise Tationale Krankenkaffe der Deutfchen Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Gold- und Silberarbeiter verwandten Berufsgenossen ( E. H.) zu Schw.- Gmünd.( Mitgliedschaft Berlin.) 1), Engelufer 15: Montag, 22. Jebruar, abends 8%, Whe, im Gewerkschaftshause Mitglieder- Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. ahl des Vorstandes. 4. Bericht über die stattgefundene Generalversammlung. 5. Berschiedenes. um zahlreiches wie pünktliches Erscheinen ersucht Filiale Berlin 3. Deutscher Sonntag, den 21. Februar, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschafts- Holzarbeiter- Verband hause, Engelufer 15, Saal 7: Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Die bevorstehende Generalversammlung. 2. Aufstellung der Kanbibaten. 3. Verschiedenes. 10465 111/20 Die Ortsverwaltung. Der Vorstand der Mitgliedschaft Berlin. S. A.: E. Holtkamp, Bors., Admiralstr. 18E. Schluß am Ende dieses Monats ist unwiderruflich im Ausverkauf H. Markus, Dienstag, 23. Februar, abends 8%, 1hr, im Gewerkschaftshause, Engelvfer 15: Oeffentliche Versammlung für alle in der Hutbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Zages Drdnung: 1. Die Novelle zur Gewerbeordnung. Referent: Reichstagsabgeordneter R. Schmidt. 2. Distusfion. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. Alle in der Hutbranche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen sind zu bieser wichtigen Bersammlung verpflichtet zu erscheinen. 76/1 Dic Agitationskommission. Reinickendorfer Straße 14, Zentralverband der Cöpfer während des Neubaues Ravenéstraße. im Nebenladen An Restbeständen und Partien sind unter anderem noch vorhanden: Kinderkragen mit Sattel Knaben- Serviteurs durchweg 10 Pf. Kinderstrümpfe und Damenstrümpfe, pl. Wolle Trauerhüte. Prima Eiderwolle, schwarz und couleurt Glacé- Handschuhe.00 Kindertrikots, gute Qualität. Die Rest" Stück durchweg Paar 10 Pf. 38 Pf. " 97 99 Stück 48 Pt. , Puppe 48 Pf. Paar 68 Pf. 88, 58, 38 Pf. " bestände der Damen- Kleiderstoffe darunter Prima Qualitäten, 110 cm breit, reine Wolle, Serie I II Wert bis jetzt 3.- M., auch III schwarz f. Einsegnungkleider 0.48, 0.88, 0.98 Ein Partieposten weißer Damenwäsche bestehend aus II III Hemden, Nachtjacken, Knie- Serie I beinkleider u. 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Die am Mittwoch, den 17. Februar 1909, stattgefundene Generalversammlung hat beschlossen: an diejenigen Kollegen, welche seit Januar 1908 Mitglieder des Verbandes sind und feit dieser Zeit zu einem Lokalfonds gezahlt haben und seit dem 1. November 1908 5 Wochen arbeitslos waren, gleichbiel ob sie augenblicklich ohne Arbeit sind oder nicht, eine einmalige. Notftandsunterstützung zu zahlen. Junggesellen, welche sofort nach beendeter Lehrzeit dem Verbande beigetreten sind, erhalten ebenfalls Unterstützung. Alle diejenigen, welche auf die Unterstügung reflektieren, haben fich in die dazu ausgelegten Listen einzeichnen zu lassen; wer sich nicht einzeichnen läßt, erhält feine Unterstützung. Die Listen liegen am Freitag, den 19., Sonnabend, den 20. und Montag, den 22. Februar im Gewerkschaftshause aus, und zwar für die arbeitslosen Kollegen vormittags von 9-12 Uhr Saal 1 und für die arbeitenden abends von 6-7 Uhr Saal 8. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Paul Trinkhaus am 17. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 20. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Stirchhofes in Nieder- Schönhausen- Nordend aus statt. 79/11 Die Ortsverwaltung. am Am 18. Februar verstarb nach langent, schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Richard Wittich. Sein Andenken wird in Ehren halten 10716 Das Personal der Firma E. S. Mittler& Sohn. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M., nachmittags 4 Uhr, auf dem Kirchhofe der Kreuz Gemeinde in Mariendorf statt: Am 18. Februar verschied nach furzem Leiden meine liebe Frau und unsere gute Mutter Anna Schwabe geb: Wulschner. Dies zeigt tiefbetrübt an Rummelsburg, 120. Februar 1909 Hugo Schwabe, Zöpfer, nebst Stindern. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 1, Uhr, von der Leichenhalle in Rummelsburg, Lüdstraße, aus statt. 10636 Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden als auch Bekannten die traurige Nachricht, daß am 18. Februar, früh 3 Uhr, mein lieber Mann, Bater, Schwieger- und Großvater, der Weber 1064b 192/6 Karl Schwoite Die Auszahlung der Unterstügung erfolgt am Mittwoch, den 24. Februar, im Gewerkschaftshause. Für die arbeitslosen Kollegen vormittags von 10-1 Uhr und für die arbeitenden abends von 6-8 Uhr. Wer die Unterstützung nicht bis zum Sonnabend, bent 27. Februar 1909 abgehoben hat, geht seiner Unterstüßung berluftig. Die Berbaudsleitung. Calmon's Hansa leichte, schmiegsame Gummischuhe aus feinstem Gummi hergestellt, besonders widerstandsfähig. Wir haften für die Güte jedes Paares. Fordern Sie neues Musterbuch V an Herzschlag plößlich verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 21. Februar, nach milfags 8 1hr, von der Leichenhalle des Pauls- Kirchhofes in Plötensce dus ftatto Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzipenden bei der mnd eup Beerdigung meines lieben Mannes und unleres guten Baters Johann Szczodry fagen wir allen Be fannten und Verwandten, dem vierten Wahlkreis( Bez. 325) und dem( esangverein Borag unseren herzlichen Dank. Die trauernde Witwe[ 10695 Auguste Szczodry nebst Söhnen. Salamander Einheitspreis für Damen M. 3.50 für Herren M. 4.50 Schuhges, m. b. H., Berlin Zentrale: W. 8, Friedrichstr. 182 C. Königstr. 47 SW. Friedrichstr. 221 C. Rosenthalerstr. 1 W. Potsdamerstr. 5 NW. Wilsnackerstr. Ecke Turmstr. 9 Danksagung. Für die rege Beteiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Bigarrenfabrikanten Wilhelm Zuchelt fage allen meinen tiefgefühlten Dank. Witwe Helene Zuchelt 1070b nebst Kindern. Todes- Anzeige. Am 17. Februar, abends 61, 1hr, starb nach längeren Leiden mein herzensguter Mann, derSchantivirt Ferdinand Fischer 1065b im 51. Lebensjahre. Dies zeigt ticfbetrübt an die trauernde Witwe Therese Fischer. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Rosenthalerstr. 57, aus nach dem St. Johanniskirchhof in der See straße statt.. Sozialdemokratischer Verein für den 5. Berliner Reichstagswahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Ferdinand Fischer Rosenthaler Straße 57 am Donnerstag, den 18. Februar, gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. Februar, nach mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Rosenthaler Straße 57, aus nach dem St. Johannis- Kirchhof, See straße statt. Ilm rege Beteiligung ersucht 223/3 Der Vorstand. Gesangverein„ Nordwacht" M. d. A.-S.-B. Todes- Anzeige. Am 17. d. Mts. verstarb nach längerem schweren Leiden unser Sangesbruder, der Restaurateur Ferdinand Fischer Rosenthaler Straße 57. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Februar, nach mittags 2 Uhr vom Trauerhause aus statt. Die Sangesbrüder treffen sich Punkt 1 Uhr beim Sangesbruder Fahrow, Weinbergsweg 8. 10606 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolege Ferdinand Fischer Rofenthalerstr. 57( Bezirk 6). verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 21. d. Mts., nach mittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Johannis- Kirchhof in der Seestraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/8 Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 15. Februar ( abends) verschied plöglich unser meister Nathan Wand lieber Rollege, ber Obermaschinen129 taliter Str. 129. 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Der Verstorbene hat sich durch seinen schlichten und wahren Chas rafter die Liebe und Achtung feiner Kollegen erworben und werden wir sein Andenken stets in Ehren halten. 10725 Die Kollegen der Buchdruckerei Denter& Nicolas. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. b. M., nachmittags 12 Uhr, auf dem Rig dorfer Gemeindefriedhofe, Mariendorfer Weg, statt. Verein Berliner Buchdruck- Maschinenmeister. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 15. februar unser lieber Kollege Fritz Scheibe plöglich verstorben ist. Sein Andenken werden wir in Ehren halten! am Die Beerdigung findet Sonntag, nachm. 1% Uhr, in Rigdorf auf dem Neuen GemeindeKirchhof, Mariendorfer Weg, statt. Ferner starb am Mittwoch, den 17. Februar, unser lieber Kollege Willi Kleist. Sein Andenken werden wir in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Februar, nach mittags 2%, 1hr, auf dem Erlöser Kirchhof in Borhagen- Nummels burg. hdstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorftand. 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