Nr. 45. Abonnements- Bedingungen: Sibonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,80 Mt., monatl. 1,10 wt., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntage nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- ZeitungsBreisliste. Unter Streugband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Erfcheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die jechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Berfammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. ,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 23. Februar 1909. fein! Erteilte doch Herrn Diederich Hahn dem derzeitigen Landwirtschaftsminister unter johlendem Beifall folgenden Die Junker gegen das Volk! offisiellen Stüffel: Man muß es den Junkern lassen: so unersättlich auch ihre Begehrlichkeit ist und so brutal sie sich aller politischen Entwickelung und allen modernen Kulturidealen widersetzen - sie sind doch ganze Sterle! Ganze Kerle in der maßlosen Unverfrorenheit ihrer Ansprüche, ganze Kerle in ihrem unberhohlenen Haffe gegen alle demokratischen Ideen, ganze Sterle auch in ihrer unverschämten monarchischen Heuchelei! ,, Und noch ein freimütiges Wort! Wenn ich mir ansehe, wie wenig man den Einfluß des jebigen Herrn Landwirtschaftsministers in der jetzigen Politik merkt( hört! hört! und Sehr richtig!), bei der Beratung der Gesetzesvorlagen, die uns zurzeit mit schwerer Sorge erfüllt. Ich sage: das steht im bewußten Gegensag zu dem Vorgänger des jezigen Herrn Ministers, dem Herrn v. Podbielski. ( Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Ich sage: das steht im bewußten Gegensatz zu der Tätigkeit des früheren Herrn Landwirtschaftsministers, den wir zu unserer großen Freude heute unter uns sehen.( Stürmischer Beifall und Hochrufe.) Denn und nun darf ich meinen Satz zu Ende führen( Heiterkeit)- dann werden wir darauf bedacht sein müssen, unsere Interessen um so mehr wahrzunehmen, um so nachdrücklicher und stärker, als vor drei Jahren, wo wir wußten, daß wir im preußischen Ministerium einen treuen und zuverlässigen Freund hatten, der unser alter Bundesvorsitzender hier in der Mark war.( Lebhafter Beifall.)" 1 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Es ist nicht meine Gewohnheit, politische Gegner zu ver unglimpfen und ich will gegen niemand den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit erheben. Aber jenen Führern, die in der Stadt die Majien verführen und wenn die Massen auf die Straße stürmen hinter dem Ofen fizzen bleiben, muß gesagt werden, daß in Preußen, in Deutschland zu allen Zeiten der Ruf gegolten hat: Die Führer an die Front. So müssen auch die politischen Führer für das eintreten, wozu fie die Massen veranlaffen. Ich frage aber über diesen Raum hinaus unsere bürgerliche Bevölkerung: Sollen diese Leute, die an dem Tage, wo der König von England Gast des Kaisers, Gast ber Stadt Berlin und Gast des deutschen Volkes war, es wagten, die deutsche Fahne herunterzureißen und in den Schmuß zu ziehen, ob diesen ver führten Massen dauernd die Macht durch das allgemeine Stimmrecht gegeben werden soll. ( Stürmischer, anhaltender Beifall.) Sie werden zugeben, daß der Bürgerstand sich unmöglich diesen Folgerungen unterwerfen kann, die aus diesem allgemeinen Wahlrecht hervorgehen." Diese, wenn man so sagen will, Tugenden ihrer ins Roloffale ausgewachsenen Fehler konnte man wieder besonders studieren in der Generalversammlung des Bundes der Landwirte, die am Montag unter dem üblichen kolossalen Andrange im Zirkus Busch stattfand. Die Bündlermanifestation war eine Siegesfeier. Noch hübscher als Herr v. Podbielski, der Erminister und War es doch der strupellosen Agitation des Bundes und der Teilhaber jener Kolonialfirma, die so viese Hunderttausende agrarisch- fonservativen Presse gelungen, die Nachlaßsteuer Aber nicht nur den agrarischen Brot und Fleischwucher- an dem füdwestafrikanischen Zusammmenbruch gewonnen, verim Drfus verschwinden zu lassen. 3war hatte das interessen, nicht nur der Abwehr dem Krautjunkertum un- stand es der Chefredakteur der Deutschen TagesZentrum den Junkern bei ihrer Rebellion gegen dies bequemer Steuern gilt der politische Stampf des Bundes der Beitung", Herr Dr. Dertel, eine preußische WahlrechtsSteuerprojekt der Regierung die erfolgreichsten Helfersdienste Landwirte, der Junkerschutztruppe, hinter der, wie Dr. Hahn reform nicht nur als das Ende der Junkerherrschaft, sondern geleistet, wofür ihm auch der Direktor des Bundes der Not- triumphierend verkündete, bereits 309 000 Bundesmitglieder auch als das des deutschen Kaiserthrones zu perhorreszieren: leidenden, Dr. Diederich Hahn, den liebenswürdigsten stehen, sondern vor allen Dingen auch den WahlrechtsDant aussprach; allein dieser Oberschreier des Bundes der forderungen des entrechteten Voltes! Der agrarischen Schreier hatte gleichwohl nicht unrecht, wenn er Bündlertag vom 22. Februar war im Grunde nichts anderes erklärte:„ Aber ohne den Bund der Landwirte wäre es doch als ein wütender Gegenprotest gegen die in den letzten Jahren wohl faum zu ermöglichen gewesen, daß diese Steuer so stürmisch erhobenen Forderungen der proletarischen Volksjekt fo gut wie als begraben bezeichnet werden massen! Der Haß gegen die Masse der Besizlosen, die Furcht fann." Der mit den unglaublichsten Uebertreibungen und den vor den Volksrechten und einer demokratischen Politik fanden abgeschmacktesten Phrasen arbeitenden Heze der Landbündler in allen Reden sämtlicher Referenten und Diskussionsredner wäre es also gelungen, von den Steuerprojekten der Regierung immer wieder fulminanten Ausdruck. gerade derjenigen Steuer das Genick zu brechen, die als die einzige von allen als eine sozial gerechte gelten fonnte, weil sie den Besit, leider in nur viel zu unzulänglicher Form, für die am Bolle vorzunehmende Fünf hundertmillionenschröpfung mit heranziehen wollte. Ein Sieg, würdig der frivolen Volksausplünderungspolitik der Agrarier, ein Sieg, erfochten mit den bewährten agrarischen Waffen dreisten Lugs, unverfrorenſter Heuchelei und vor nichts zurüdschreckender Drohung, furz ein Sieg, den zu feiern es sich berlohnte. Und die agrarischen Führer feierten ihren Triumph, sie stellten mit Stolz das Ergebnis ihres Feldzuges gegen die Nachlaßsteuer fest. Aber die Siegesfanfaren wurden übertönt durch neue Kampfesfanfaren! Die junterlichen Drahtzieher des Bundes nahmen die Gelegenheit gleich herzhaft beim Schopfe, um der Regierung neue Fehde anzusagen, falls sie sich wirklich unterstehen sollte, dem liberalen Bürgertume oder am Ende gar dem sozialistischen Proletariate auch nur die geringfügigsten Bugeständnisse zu machen! Schon der erste Redner, Freiherr v. Wangenheim, wetterte gegen eine Erweiterung der Rechte des Parlaments, gegen den Uebergang zur parlamentarischen Regierung, gegen die Anträge auf Wahlrechtsänderung im preußischen Abgeordnetenhause: Wenn aber jetzt die Demokratie glaubt, daß der Augenblick gefommen fei, um durch die Wahlrechtsänderung in Preußen, durch die Erweiterung der Rechte des Reichstages die ganzen politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande umzustürzen: uns und den gesamten Mittelstand werden sie bei diesen Bestrebungen immer auf ihrem Wege finden.( Lebhafter Beifall.) und gerade an die Herren, welche leichtherzig es immer unternehmen, da, wo es in ihre Rechnung paßt, erfassungsänderungen zu beantragen, möchte ich die Warnung richten, daß die Sache fich auch einmal umbrehen kann, daß, wie wir es in den Republiken in Deutschland, in den Hansestädten, erlebt haben, auch Momente kommen fönnten, wo eine Ver. faffungsrevision, die weniger nach ihren Wünschen ist, in anderer Richtung herbeigeführt würde.( Sehr richtig!)" " Den Haß der Sozialdemokratie verstehe ich vollständig. Es ist noch gar nicht lange her, daß die offizielle Wochenschrift der Sozialdemokratie sagte, die lezte Entscheidung würde zwischen der Sozialdemokratie und dem Bund der Landwirte fallen( Zuruf: Man los! Große Heiterkeit). Herr v. Podbielski hat schon von den Straßendemon ftrationen gesprochen. Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich die Nachsicht der Polizei manchmal nicht berstanden habe( Sehr richtig!), und daß ich es lebhaft be daure, daß es in Dresden soweit hat tommen können, daß dem König von einer fünftlicy erregten Menge höhnische Zurufe gemacht wurden. Ich leugne nicht, daß diese Demonftrationen ungeheuer bedenklich find. Sie mögen manchem als Stinkerlischen erscheinen, aber sie sind Gyerzitien für das Feuer der Revolution( Sehr richtig!). Die Massen sollen eineɣerziert werden für den großen Tag der Entscheidung. Nun, jeder Bauer, der ruhig hinter seinem Pfluge hergeht und über den Acker säend schreitet, ist ein Gegendemon ftrant von solcher Wucht, daß diese Demonstrationen daran scheitern werden.( Großer Beifall.) Als am Tage des englischen Königsbesuches Demonstranten zurüdfehrendes Militär unte ringten, da kommandierte der Leutnant einfach Tritt gefaßt, borwärts marsch und unter diesen Schritten preußischer Soldaten ( Stürmischer zerstieben die Demonstranten in alle Winde. Beifall.) Wenn die großen, die legten, die satanischen Demonstrationszüge einst stattfinden werden, dann kommen die Bauernsch a ren und ihre Führer werden kommandieren Tritt gefaßt! Dann werden die Bauern die Schaumwellen und Blut= wellen der Revolution zerstreuen.( Zuruf: Aber ficher! Stürmische Heiterkeit.) Borangetragen wird uns die grüne Flagge mit dem schwarzen Kreuz und auf der Fahnen stange oben befindet sich die deutsche Kaiser. trone!( Minutenlanger Beifall und Händeklatschen.) Knuten- Dertel fennt das Rezept, nach dem bündlerische Von einer Blockpolitik in dem Sinne, daß dem Liberalis. mus ab und zu, um nach außen seine Bettlerblöße decken zu gleich der erste Diskussionsredner, der famose Januschauer Die folgenden Rebner spannen diesen Faden weiter. Und fönnen, ein fümmerliches Konzessiönchen bewilligt werde, Idenburg, schlug förmlich mit dem Dreschflegel auf die wollen die Landbündler, wie Herr Diederich Hahn preußische Wahlreform los, die doch die Thronrede, mit stirnrunzelnd und mit drohend erhobenem Zeigefinger erklärte, der vor ein paar Monaten der preußische Landtag eröffnet eden fabriziert werden, am besten. Er mischt zu gleichen ein- für allemal nichts wissen. Liberalismus sei mehr als genug geschehen! Für den Bund Aufgabe bezeichnet hat! Er sagte unter anderem: Der Zugeständnisse an den wurde, feierlich verheißen und als wichtigste Teilen agrarischen Ausbeutergrimin über das Erwachen der preußischen Heloten zur Menschenwürde und politischem der Landwirte den Herr Hahn doch als den Sauerteig Der große Schöpfer unserer Reichsverfassung, Fürst Bismard, Rechtsbewußtsein mit blutroter Revolutionsprophetie und und die treibende Kraft der von ihm beeinflußten Parteien hat dem Wahlrecht im Reiche gegenübergestellt die faustdick aufgetragenem Byzantinismus. Ein Rezept, das bezeichnete existierten einfach teine Blockverpflichtungen! Bflicht, an den indirekten Steuern teilzunehmen und er hat in freilich jedem bündlerischen Demagogen bekannt ist, denn Den wachsenden Einfluß des Bundes aber feierte den tonservativen Berfassungen der Einzel- in ieder der Reden kehrte die Beschwörung des RevolutionsHerr Hahn mit den Worten: staaten ein Gegengewicht gegen den Reichstag schrecks, kehrte in widerlichstem Reklameftil die stereotype Begefchaffen. Aber wir sehen, daß, wenn der eine Bundes- teuerung wieder, daß die Landbündler die sichersten Stüßen staat mit einer Verfassungsänderung beginnt, der andere des Thrones seien und dessen rote Feinde zerschmettern nachkommt. Jetzt foll es auch in Preußen geschehen. würden. So trompete auch Herr Dietrich Hahn: Vor zwei Jahren noch machten wir in Preußen die sogenannte fleine Verfassungsänderung. Dummerweise habe ich sie auch mitgemacht.( Heiterfeit.) Wir haben zehn neue Size gefchaffen, von denen sieben der Sozialdemokratie Herr v. Bethmann Hollweg zugefallen find.( Hört hört!) hat damals erklärt, in absehbarer Zeit sei an eine Alenderung der preußischen Berfaffung nicht zu denken. Jetzt stehen wir mitten drin in dem Rufe: Die Verfassung in Breußen hat sich überlebt, fie muß geändert werden! Bricht die preußische Verfassung, bricht der Damm, der in Preußen die ruhige Bevölkerung verbindet mit einem starten Königtum, bricht der Damm, der ein ruhiges Arbeiten der Staatsmaschine garantiert, dann bekommen Sie den Guß aus erster Hand mit und dieser Guß wird fortschwemmen die Grundpfeiler und die Throne werden krachen und aus der Flut wird auferstehen der Einheitssta at, der nur eine Etappe ist auf dem Wege zur deutschen Republik"( Lebhafte Zustimmung.) n a ..Unser Vaterland kann seine Stellung in Europa nur bes haupten, wenn es einen zahlreichen gutgestellten Mittelstand und eine träftige Landwirtschaft hat, die das Fundament des Reiches bilden. Dann wird Se. Majestäa mit Ruhe in die Zukunft bliden tönnen. Wenn auch einmal die Schritte der Arbeiterbataillone auf dem Asphalt ertönen, darüber brauchen wir uns feine Sorge zu machen. Soa lange die Bataillone der Agrarier Se. Majestät zur Verfügung stehen, so lange hat es feine Not. ( Stürmischer endloser Beifall.) Solange die Landwirtschaft die Mehrzahl der Soldaten stellt, solange mögen die Proletarier und die Wolkenschieber( Heiterkeit), die alle diese Theorien zugunsten der Massen erfunden haben, drohen; sie werden nichts anrichten können. Das kann aber nur geschehen, wenn wir eine starke Landwirtschaft haben. Der festeste Hort jedoch für die Landwirtschaft und damit für das Vaterland ist der Bund der Landwirte. Er lebe hoch!" Wir haben dann aber auch im verfloffenen Jahre in einer ganzen Reihe von anderen Bundesstaaten bei den Wahlen mitgewirkt. Im Geschäftsbericht find fie alle aufgezählt: in Hessen, in Oldenburg, Anhalt, Gotha, den beiden Schwarzburg, in Lippe und in Walded. Ueberall in den Landtagen der Einzelstaaten haben wir jest agrarische Gruppen, die uns vielfach unter dem Namen„ Wirtschaftliche Freie Bereinigung oder Bereinigung oder wie sie heißen, entgegentreten, und das ist von großer Bedeutung; denn damit können wir auf die einzelnen Bundesregierungen einwirken. Deren Vertreter im Bundesrate bekommen Instruktionen, die uns gerecht werden, und die Weiterführung einer mittelstands- und Landwirtschaftsfreundlichen Politik ist damit nicht allein in ihrem Einfluß auf den Reichstag, sondern auch durch den Bundesrat gesichert. Darum begrüße ich diese Entwickelung des Bundes der Landwirte, die der neuesten Zeit erst angehört, mit ganz besonderer Frende. Aber wir werden bie Grundlagen des Bundes müssen, noch fester gestalten wir werden darauf bedacht sein müssen, auch bei den Wahlen zu den Kreistagen dafür zu forgen, daß nur unabhängige Männer gewählt werden.( Sehr richtig!) Dieser byzantinische Appell an die dynastischen InterDenn von den Wahlen zu den Kreistagen hängt es ab, welche b. Podbielsti ins Zeug, der berühmte Schweinezüchter effen, in dem sich namentlich auch Herr v. Wangenheim ganz Politik in den einzelnen Streifen und weiter welche Politik in den und Gatte der Teilhaberin der berüchtigten Kolonialfirma Besonderes leistete, diese bis zum Erbrechen wiederholte BeBrovinzen gemacht wird, da bekanntlich die Kreistage maßgebendippelskirch: teuerung der monarchischen Gesinnung paßte geradezu köstfind für die Zusammensetung der Provinzialland" Ich komme dann zum Wahlrecht, das Herr v. Oldenburg lich zu der Kriegserklärung, die die Herren Agrarier sowohl gegen tage und der Landwirtschaftstammern." febr zutreffend gekennzeichnet hat. Wir tönnen die von der Regierung bertretene Nachlaßsteuer, als unmöglich mit einem Reichstage arbeiten, dem das auch besonders gegen die durch die Thronrede erfolgte Gegengewicht des Oberhaufes fehlt. Che nicht diese Verheißung einer preußischen Wahlreform richteten. Aber das ist Ordnung im Reiche eingetreten ist, fönnen wir nie und ja gerade der alte Juntertrick, sich monarchischer zu gebärden, nimmer in die Frage eintreten, ob und wie in Preußen in eine als der Monarch selbst, die Interessen des Monarchen nachAenderung des Wahlrechts eingetreten werden Mit diesem wachsenden Einfluß des hinter dem Bunde stehenden Junfertums auf den Reichstag, die Landtage, den Bundesrat, die Streis- und Provinziallandtage begnügt sich freilich der Bund nicht. Ihm sollen auch die Regierungen selbst dienstbar sein. Und zwar nicht etwa nur in dem Grade, daß sie sich den agrarischen Anmaßungen nicht midersehen, der agrarischen Begehrlichkeit bedingungsIos willfahren: nein, fie follen geradezu als Agenten des Bundes der Landwirte tätig Noch viel wilder legte sich der ehemalige Staatsminister fönnte.( Stürm. Beifall.) Ich verstehe wohl, daß die Städter, die drücklicher zu schützen, als dieser felbst es für zeitgemäß und sogenannte Intelligenz, das Bestreben haben, auch das Land zu angemessen hält! Der Stönig absolut, damit er den Junkern regieren und uns nach ihrer Pfeife tanzen au laffen. Einen den Willen fut! Einen tonftitutionellen, einen den fchwereren Fehler könnten wir nicht begehen. Die dümmsten Interessen des Voltes Rechnung tragenden Monarchen Stalber wählen ihre Mebaer felber.( Stürmifche Seiterfeit.) fönnen ja unsere Strautjunker nicht gebrauchen. Aber die Junker spekulieren nicht nur auf menschliche Monarchenschwächcn, sondern auch auf die den Agrariertum rasse- und klassenverwandten Herrenmensch� uinstinkte der Schlotbarone. So sagte Herr Dr. Hahn: „Dann haben wir im Juli auf seilen des Bundes die Mög- lichkeit gehabt, auf unserer großen Versammlung in Düsseldorf der Industrie zu zeigen, wie sehr wir ihr wohlgesinnt sind, daß auch wir die großen Kämpfe um den Zolltarif und die Handelsverträge, die hinter uns liegen und die allerhand Disfe- rcnzen zwischen uns und der Industrie hervorgerufen haben, vcr- gessen haben, daß wir sehr gern bereit sind, mit einer national gesinnten deutschen Industrie zusammen zu arbeiten. (Bravol) Vor allem ihr über die jetzige schwere Zeit der De° Pression, der Stagnation hinwegzuhelfen.(Bravo!) Und zu meiner Freude darf ich feststellen, daß diese guten, versöhnlichen Worte, die zuerst aus den Reihen des Bundes kamen, ein freund- liches Echo bei der Industrie fanden, daß die Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Industrie sich gebessert haben und auch der Bund der Landwirte und seine>. nrtschaftliche und soziale Heimat� Politik mehr Verständnis als bisher bei der Industrie gefunden hat. Ja, ich gehe noch einen Schritt weiter: Die Industrie leidet heute schwer darunter, daß die Jungliberalen und andere links gerichtete Schwarmgeister Ein'luß auf die liberalen Parteien leider mehr und mehr gewinnen und in den Fragen der Ar- beiterfürsorge- und Wohlfahrtsgesetzgebung, die uns gewiß am Herzen liegen, meine geehrten Herrschaften, Vorschläge zu allerlei Experimenten machen, bei denen die Großindustrie unmöglich Herr im Hause bleiben kann.(Sehr richtig!) Und da erkennt man in jenen Kreisen immer mehr, daß, wenn man die DiS- z i p l in aufrecht erhalten will, daß man sich mit uns verbünden muß und nlcht mit Parteien und Richtungen, die nach links hinneigen, und die ihre Politik zuletzt soweit links führt, daß sie von der Sozialdemokratie nicht mehr zu unterscheiden ist. (Lebhaftes Sehr richtig!)" Junkertum. Zentrumsagraricr und natio- nalliberale Schlotbarone bilden also eine ziel- bewußte, entschlossene Alliance für Hochschutzzölle und gegen Arbeitcrschutz und politische Volksrechte! Und mit welchem Erfolg sie ihre unheilvolle politische Wirksamkeit ausüben, beweist ja gerade erst wieder das Zufallbringen der Nachlaß st euer! Wenn sich die ausgeplünderten, entrechteten Massen des Volkes nicht einmütig und mit der äußersten Energie gegen diesen Block der Ausbeuter, Scharfmacher und Volksrechtsweigerer wenden, dann wird auch die neueste Junkerrevolte gegen die Wahlreform mit einem vollen Triumpfe enden! Das wäre eine beispiellose Schmach der Eni- rechteten I Denn wer steht hinter den Landbündlern? 300 000 mißleitete Bauern! Hinter der Sozialdemokratie stehen aber mehr als 3 Millionen Proletarier l U n d d i e s e zahllosen Arbeiterbataillone sollten sich den frechen Hohn der Junker gefallen lassen?! Sie fagd nach dem Crfelg. Vülow kann den Mund immer noch nicht halten. Jetzt hat er, dessen Prcsie den Botschafter Na doli n so heftig angreift, weil er einem französischen Journalisten ein paar Worte gesagt hat, den Korrespondenten des„Petit Parisien" zu einer Erklärung über sein und des Kaisers Verhalten in der Casablanca- Angelegenheit er- mächtigt. Die Erklärung lautet: „Das ist leeres Geschwätz, welches jetzt nach Abschluß des fvanzösisch-deutschen Warokkoabkommens besonders be. d a u e r l i ch ist. Dieses Abkommen ist befriedigend und verspricht gleich günstige Ergebnisse für beide Nationen. die nunnrchr, was seit langem dem Wunsche des Kaiser? entspricht, mit guter H o f f nun g e i ne be ss e r e Z uk un st ins Auge fassen können." Leeres Geschwätz in der Tat! Aber dies leere Geschwätz über daS Marokkoäbtommen kam aus dem Munde Bülows und keine? anderen. Er bor allem trägt die Schuld an dem widerlichen Ge- zänk, das jetzt um daS Verdienst, das Abkommen zustande ge- bracht zu haben, losgebrochen ist und das wieder einmal dem AuS- lande so berechtigten Anlaß zum Spott und Hohn über die Deutsch. land Regierenden gibt. Als das Marokkoabkommen abgeschlossen wurde, da ließ Bülow seine Presse fein schweigen, denn er wußte uoch nicht, wie die Sache von der öffentlichen Meinung werde auf. genommen werden. Deswegen blieb er vorsichtig im Hintergrund und als Urheber des Abkommens galten auf deutscher Seite der Staatssekretär v. Schoen und auf französischer Seite der Bot- schafter Cambon. Das war auch natürlich, da ja das Ab- kommen vernünftig war, also das strikteste Gegenteil jener Politik, die Bülow unter dem Einfluß Holsteins verfolgt hatte. Man wunderte sich auch nicht weiter, da man ja den Charakter Bülows nunmehr schon zur Genüge kennt, daß damals in der„Südd. RcichSkorr." ein offiziöser Kommentar erschien, der die Bedeutung des Abkommens möglichst zu verkleinern suchte und davor warnte, an ein„einzelnes deutsch-französischeS Aktenstück von praktisch-geschäftlicher Tendenz große politische Zukunftsgedanken anzuknüpfen". Man wußte, daß Bülow, der notgedrungen in der Zeit der Orieirtkrise die Liquidation des leichtsinnig begonnenen Abenteuers nicht hindern konnte, wenigstens das Verdienst de» jenigen, die das Abkommen abschlössen, möglichst zu verkleinern suchen werde. Denn Bülow ist wie alle kleinlichen Menschen in steter Angst, von anderen verdrängt zu werden, und scheut dann nicht davor zurück, seine Mitarbeiter herabzusetzen. Damals also war das Abkommen von geringer Bedeutung. Jetzt, nach- dem Bülow sieht, daß eS seit Beginn seiner Kanzlerschaft der einzige Akt der auswärtigen Politik ist, der allgemeine Billigung findet, will e r eS gewesen sein, der das Abkommen entworfen und zum Abschluß gebracht hat. Jetzt ist eS kein gleichgültiges Alten- stück mehr,„dessen Geltung," wie eS damals hochoffiziös hieß, „nicht über einen deutlich umgrenzten Bezirk afrikanischer Interessen hinausreicht", sondern es„verspricht gleich günstige Erfolge für beide Nationen, die nunmehr mit guter Hoffnung eine bessere Zukunft inö Auge fassen können". Vor vierzehn Tagen also ließ Bülolv verkünden, daß man an das Abkommen keine großen„politischen Zukunftsgcdanken" knüpfen dürfe, jetzt gewährt es eine„bessere Zukunft". Gründlicher kann man sich wirklich nicht mehr widersprechen. Jedoch der Widerspruch erklärt sich leicht. Diesem Effekthascher ist es ja immer nur um den äußeren Erfolg zu tun und seine ganze Kunst besteht ja in nichts anderem, als scheinbare Erfolge vorzutäuschen und im günstigsten Falle fremde Erfolge sich anzueignen. Dafür war jetzt die Gelegenheit günstig und so nimmt er in diesem speziellen Falle wirklich harmlose Glückwunsch» telegramme Wilhelms II. an Radolin zum Anlast, um die ganze offiziöse Meute auf den deutschen Botschafter in Paris loszulassen und sich selbst in den Vordergrund zu drängen. ES wirkt dies um so widerliche, da Bülows Verhalten auf das grellste absticht von dem P i ch o n s. Denn dem französischen Minister des Auswärtigen ist es natürlich nicht einen Augenblick eingefallen, seine Verdienste auf Kosten seines Botschafters herauszustreichen. Er hätte sich ja da- mit auch unmöglich gemacht. Kenn in Frankreich tötet Lache» lichkeit. Bülows Austreten ist aber um so mwerantwortlicher, als es das endlich angebahnte bessere Verhältnis zu Frankreich entschieden nicht fördert. Denn welche Achtung und welches Vertrauen in ihre Zuverlässigkeit kann eine auswärtige Politik beanspruchen, die in ihren Zielen und Entschlüssen stets mit bestimmt ist, durch die Einflüsse, die daS unaufhörliche Kamarillatreibcn ausübt, das auch der neueste Skandal wieder in so helle Beleuchtung gerückt hat. Das Verhalten Bülows in diesen letzten Tagen geigt nur aufs neue, daß er seine Ruhe und Kaltblütigkeit verloren hat uird der Kamps um seine persönliche Machtbehauptung sein einziges Interesse ge. worden ist. Bülows Erklärungen gu dem Marokkoabcntcuer waren wenig glücklich und bedeuten nur eine neue Komp ro» mittierung dieser schon längst bankrotten Politik. Sie KoniervalKMilerilrale Stcuerkoallflon. Wie wir bereits in der Sonniagsnummer des„Vor- wärts" mitteuten, hat bei den Kompromißverhandlungen im Unterausschuß der Steuerkommission das Zentrum die Füh- rung übernommen, ebenso wie bei der Stengelschen Reichs- sinanzreform vor drei Jahren. Geschickt hat es die zwischen den Konservativen, Nationalliberalen und der Reichsregie- rung bestehenden Differenzen benutzt, um als patriotischer Retter in der Finanznot aufzutreten, die konservativ-liberale Koalition bei Seite zu schieben und der Reichsregierung zü demonstrieren, daß es auch noch da sei und sich nicht igno- rieren lasse. Und die Herren Konservativen haben sich nicht gesträubt, sich der Führung der Zentrumsstrategen unter- zuordnen; denn mit Schmunzeln gedenken die protestantischen Agrarier des langjährigen Kompagniegeschäfts mit ihren katholischen Berufs- und Geistesverwandten, das ihnen so reiche Profite eingetragen hat.� Auch ein Teil der Freisinnigen hat sich— nationalliberaler als die Nationalliberalen— im Bewußtsein seiner politischen Unzulänglichkeit der konser- vativ-klerikalen Koalition zum Schutz der Steuerkraft der Be- sitzenden angeschlossen. Um so erbitterter sind die National- liberalen über die Taktik des Zentrums, das, um die poli- tische Vermittlerrolle spielen zu können, ungeniert den „obersten Gedanken" des ganzen Finanzreformwerks preisgibt und anstelle her von den Besitzenden zu tragenden Nachlaßsteuec oder der Reichsvermögenssteuer einfach eine Er- höyung der Matrikularbeiträge vorschlägt, indem sie dieser zur Täuschung der Einfältigen im Geiste den schönen Namen „B e s i tz st e u e r" beilegt. Zwar darauf, daß die Besitzenden in irgendwelchem erheblichen Maße zur Beisteuer für die von der Regierung gefolgerten Summen herangezogen werden, sind die Nationalliberalen' ebensowenig erpicht als die Zentrumsgeschäftspolitiker, die seit der letzten Reichstags- auflösnng immer mehr unter die Fittiche des hohen bischöf- lichen Klerus geraten sind; aber bisher haben die National- liberalen sich immer als die eigentlichen prädestinierten Ver- mittler im Block gefulilk, als die Zentralsonne, um die im System des Blocks die konservativen und freisinnigen Planeten zu kreisen haben— und nun durchbricht mit ihrer Taktik das Zentrum diese Rolle, die der Nationalliberalismüs zu spielen gedachte. Das ist bitter; und es ist deshalb begreiflich, daß die nationalliberale Presse über die Gesinnungslosigkeit des Zentrums schreit und keift. Voran die„Köln. Ztg.", die sich unter dem Titel„Das e n t s ch l e i e r t e B i I d folgende Bosheiten gegen das wieder zur„st a a t s e r h a l t e n d e n" Partei avancierte Zentrum leistet: „Wenn sich diese Angaben der„Germania" bewahrheiten, so wäre das Reformwerk als Aufgabe des Blocks gescheitert, der Block wäre mit Hilf« des Zentrums gesprengt, und dieses säße auf dem Bock de? Reformkutschc, neben der eS so lange schmollend oder mindestens gleichgültig einhergegangen ist. Ein solcher Triumph des Zentrums mag vielleicht manchen Leuten schwer eingehen; wir selbst würden ihn nickt weiter tragisch nehmen, denn an einem Werke, daS das ganze Volk so nahe angeht, soll jede Partei ihr Teil an Arbeit und Vcruntworwng auf sich nehmen. Ganz anders liegen die Dinge aber nach der sachlichen Seite. DaL Kompromiß in det oben bezeichneten Form läuft auf nichts anderes als auf eine Teilreform hinaus, auf eine Erhöhung der indirekten Steuern ohne gleich zeitige An� spannung der direkten Damit ist aber die Voraus- setzung für das ganze Reformtoerk, die conäitio sine qua von, einfach auf die Seite geschoben, und damit ist es allen, die auf eine gesunde Reform hinarbeiten, von vornherein unmöglich gc- macht, dem Einigungsvorschlag ihre Zustimmung zu geben. Der Antrag Gump, auf dem das Konchromitz in der Hauptsache sich aufbaut, besagt, es sei bis zum 1. Oktober 1909 in den Bundesstaaten das Gesamtvermögen nach einheitlichen Grundsätzen fest- zustellen, und die Umlage des Fehlbetrages auf die einzelnen Staaten sei nach Maßgbe dieses festgestellten Vermögens vor- zunehmen. Abgesehen davon, daß die auf diese Weise angestrebte Veredelung der Matrikularbeiträge auf der Unterlage des Ve» mögens allein auch nicht einwandfrei erreicht, werden kann, ver- kennt der Antrag völlig die technischen Schwierigkeiten, die sich einer solchen VermögenSfcststellung cntgegentürmen. Das Kam- promiß hat deshalb, wie eS heißt, Vln Termin auch gleich um zwei Jahre verlängert. Aber indem eS so die Scylla umsegelt, treibt es der Charvbdis zu. Denn eS erhebt sich sofort die Frage, was in der Zwischenzeit werden soll, und man stellt dazu unwillkürlich die Neben- frage, wie lange diese Zwischenzeit wohl werden wird, denn an die zwei Jahre glaubt im Ernste kein Mensch. Die Lösung, die unS mit dem Kompromiß angesonnen wird, ist sonach ein Ver- legenheitSerzeugnis schlimmster Art, weil mit ihr die übelsten Befürchtungen wahrgcmacht würden, daß nämlich die Reichs- finanzreform lediglich mittels BerbrauchSsteuerp, also auf Kosten der breiten Masse, bewerkstelligt werden soll.... Bezeichnend ist, daß die einzige Tat deS Zentrums, zu der eS bis jetzt in der ganzen Sache sich aufgeschwungen hat, als ein ausgesprochener Verrat an dem obersten Gedanken des ganzen Reformwerks sich dar- stellt. Seine ganze Volksfreuudlichkcit enthüllt sich als ein tiefer Griff in die Taschen der breitesten Volksschichten; die un- umgänglich notwendige Belastung der Begüterten verschiebt eS bis zum Jahre 1911 und damit bis zum St. Nimmerleinstag. Denn das ist doch klar, daß bis dahin im Reichstag mancherlei Ncnverungen vorgegangen sein können, die für die spätere Besitz- bestcuerung von Belang sein werden, bis dahin werden wir uns auch hoffentlich wicde'- aus dem gegenwärtigen Tiesstand unserer Wirtschaftslage herausgearbeitet haben, so daß die Bedürfnisse sich ander? darstellen als jetzt und daß das Verhältnis zwischen direkten und indirekten Steuern, wie es sich im Augenblick da» stellt, dann ganz anders sich gestalten muß. Hat man erst einmal die Verbrauchsabgaben erhöht, hat sich das ganze wirtschaftliche Leben auf die neuen Verhältnisse eingestellt, dann wird sich schwerlich die Neigung zeigen, hier wieder zurückzugehen und den Ausgleich durch direkte Steuern zu schaffen." Die„Köln. Ztg." hat unzweifelhaft recht, das Kam- promiß ist nichts als ein infamer Versuch, die sogenannte Reichsfinanzreform led'iglüch„mittels Verbrauchs- st e u e r n", d. h. auf Kosten der unbemittelten Masse durch- zuführen und die Geldbeutel der Besitzenden, durch deren eigennützige Finanzmißwirtschaft die heutige Notlage der Reichsfinanzen herbeigeführt ist, zu schonen. Aber es ist lächerlich, wenn die„Köln. Ztg." so tut, als käme das schöne Prinzip, die Steuerlasten möglichst den Unbemittelten aus- zuhalsen, nur diesmal bei der Reichsfinanzreform zur An- Wendung. Dieses Prinzip liegt vielmehr der ganzen Steuer- und. Wrtschastspolitir des neuen Deutschen Reiches zugrunde. Kriegsgefahr! Alls Wien wird uns vom 21. Februar geschrieben: Die österreichisch-ungarischcn Machthaber schicken sich zu einem recht gefährlichen Spiele an, und wenn ihnen die Mächte nicht rasch zuvorkommen, so kann das sinnlose Annexions- abcnteuer mit einem Kriege enden, dessen Objekt zwar nur dos kleine Serbien sein soll, der aber auch der Funke werden könnte, der in das europäische Pulverfaß geworfen wird. Zwar wird es noch richtig sein, was vont Ballplatz beharrlich versichert wird: daß an Serbien ein Ultimatum noch nicht abgeschickt worden ist, ober sicher ist, daß man sich immer mehr dem Punkte nähert, wo es„unausweichlich" wird, und diesem Punkte bewußt und beharrlich entgegensteuert. Die internationale Situation hat sich allerdings seit der Zeit, wo die serbischen Schmerzen im Nordergrunde der diplomatischen Intrigen standen, gründlich verändert; es' ist tatsächlich Aehrcnthal gelungen, Serbien so ziemlich zu isolieren. Durch die Annexion hatte Oesterreich-Ungarn alte Feindschaften lebendig gemacht und neue erworben; für sie alle wurde die Empörung der Serben zu dem Mittel, die Annexionsmonarchie diplomatisch zu bedrängen und in Schach zu halten. Aber diese Gewässer haben sich allmählich verlaufen und der wahnsinnige Gedanke, daß um der serbischen Aspirationen willen die Böller Europas einen Weltkrieg entfesseln werden, der ihre Kultur zerstampfen und die Arbeit ganzer Geschlechter vernichten könnte, der ist in seinem ganzen Aberwitz imnier deutlicher ge- worden. Dazu kommt noch. daß die serbischen Ansprüche, was man trotz aller Sympathie� die daS Ringen jedes Volkes verdient, sagen darf und sagen soll, so ziemlich jeder Berechtigung entbehren. Vom völkerrechtlichen Standpunkt hat ihr Verlangen, über Länder mitzuversiigcn, die niemals in ihrem Besitze waren, keinen Sinn; zumal jetzt, wo sich Oesterreich-Ungarn mit der Türkei über die„Ab- lösnng" der Souveränitätsrechte verglichen und die Türkei auf ihre„Herrscherhoheit", die von Serbien reklamiert wird, selbst verzichtet hat. Und was das nationale Recht betrifft, auf Grund dessen Serbien die zwei Länder anspricht, so ist darauf erstens zu erwidern, daß die serbische Nationalität in Bosnien und der Herzegowina nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung ausmacht und das Schicksal der Serben, national nicht vereinigt zu sein, das Geschick vieler Nationen in Europa ist, ohne daß sich deshalb die Welt zu einer„Grenzregulierung" veranlaßt fühlen würde, die ganz Europa in Brand setzen könnte. All das, was in der ausgeregten und verbitterten Stimmung nach der Annexion verdunkelt erschien, tritt, nun, da die Ernüchterung gekommen, wieder deutlich hervor und macht die serbischen Hoffnungen auf eine bewaffnete Jntcx- vention Europas zu ihren Gunsten immer aussichtsloser. Dafür hat man nun am Ballplatz die Witterung und da mau jetzt, namentlich durch die Entente mit der Türkei, die Ell- bogen freibekommen hat, so will man nun auch, wie der Ausdruck lautet,„mit Serbien Ordnung machen". Die Ordnung ist sehr einfach: entweder Serbien„rüstet ab", gibt seinen Verzicht auf das kriegerische Unternehmen. für das es seit Monaten rüstet, durch Taten kund, oder es hat die Eröffnung der Feindseligkeiten von Oesterreich-Ungarn zu gewärtigen. Demnach würde der Krieg nur verm'eden werden können, wenn Serbien Vernunft annimmt. Nun ist sicherlich eine Situation. wie sie sich durch die serbische Kriegshetze die so vielfach auf höchst fragwürdigen Beweggründen be.ht, herausgebildet hat, für Oesterreich- Ungarn ungemein peinlich, und auch das ist nicht unbegreiflich, daß die verantwortlichen Leute, die sie durch die Annexion mitverschuldet haben. das Bedürfnis fühlen. diese offene Wunde irgendwie zu schließen. Denn die Rüstungen Serbiens zwingen Oesterreich-Ungarn zu einer Kriegsbereitschaft, der>.n Kosten immer größer werden: soll doch die Aufstellung des Echutzkorps und die damit zu- sammenhängenden Rüstungen schon jetzt die gewaltige Summe von 270 Millionen Kronen verschlungen haben, und ein Ende ist nicht abzusehen, zumal da sich Serbien mit dem frevelhasten Gedanken trägt, die annektierten Länder mittels Banden zu insurgieren. Demgegenüber ist aber festzuhalten. daß der Zusammenbruch der kriegerischen Hetze in Serbien kommen muß, zum Teil schon sichtbar wird, daß aber ein Ulti- matum den Prozeß nur ins Gegenteil verkehren und das Feuer der Kriegsbegeisterung erst recht anfachen könnte. Es wäre also die Aufgabe der Großmächte, einesteils Serbien mit allem Nachdruck zu bedeuten, daß sein friedenstörcndes Unterfangen auf keine Billigung und noch weniger auf Hilfe von Europa zu rechnen habe, daß es also nur sein Schicksal besiegelt, wenn es den Krieg nicht vermeidet; andernteils aber auch die öfter- reichisch-ungarischen Machthaber ernstlich vor Schritten zu warnen, die in einen Krieg auslaufen könnten. Denn daß gegenüber der Häufung von Frivolität und Ungeschicklichkeit, die die Diplomaten angesichts des Balkanproblems entwickeln, die Völker nur eine Antwort haben, ist selbstverständlich. Diese aber lautet deutlich und entschieden: Wir wollen keinen Krieg! Und diesen vornehmury durch die Sozial- demokratte repräsentierten Willen müssen die Völker ihren Regierungen aufzlvingen. denn in deren Hut stände es um Frieden und Wohlfahrt schlimm. Pditifcbe üeberlicbt Berlin, den 22. Februar 1909. Agrarische Klagen. Zu derselben Sttmde, wo am Montag die Rösicke, Hahn und Konsorten ihre fällige Galavorstellung im Zirkus Busch gaben, beriet das preußische Abgeordnetenhaus den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Zwar wies die rechte Seite des Hauses klaffende Lücken auf, aber die wenigen Agrarier. die gewissermaßen als Wächter zurückgeblieben waren, schrien desto lauter über die Not der Landwirtschaft. Der Staat kann dieser Gesellschaft noch so viel Millionen auf Kosten der Steuerzahler zuschanzen, sie sind doch nie zufrieden, sie verlangen immerfort neue Liebesgaben, sei es in Form höherer Zölle, sei es in Form billiger Arbeitskräfte. Ausländische Arbeiter genügen ihnen nicht mehr, jetzt geht ihre Forderung dahin, daß die Gefangenen ihren Diensten nutzbar gemacht werden sollen. Und in demselben Matze wie sie den Staat für sich Mißbrauchen wollen, wettern sie gegen die Arbetter, die das Koalitionsrecht für sich beanspruchen. Erfreulich war es, daß endlich einmal don sozialdemo- kratischer Seite das agrarische Gebaren gebührend gebrandmarkt wurde. Genosse L e i n e r t wies den Herren nach, was es mit dem Märchen von der Not der Landwirtschaft auf sich hat, er widerlegte an der Hand der Einkommensteuerstatistik die Phrase von dem Rückgang der Einkommen auf dem Lande und hielt den Agrariern ihre Dreistigkeit, sich auf Kosten der Armen noch mehr bereichern zu wollen, in scharfen Worten vor Augen. Die Herren von der Rechten, denen die sozial- demokratische Rede unangenehm auf die Nerven fiel, schickten Herrn v. Pappenheim ins Treffen. Aber dieser Junker erging sich, anstatt die sachlichen Argumente sachlich zu würdigen, in persönlichen Anrempelungen gegen Leinert, die unser Genosse natürlich gebührend zurückwies. Im übrigen verlor sich die Debatte, die am DlenLtag fortgesetzt wird, in Einzelheiten. Kriegervereiue und Gewerkschaften. Die Leitung der deutschen Kriegervereiue hat es bekanntlich den ,,K a:n e r a d e n Arbeitern" nicht nur verboten, sozialdemo- kratffchen Wahlvereinen als Mitglieder anzugehören, sondern sich auch zur Wahrung ihrer Berussinteressen den freien Gewerkschaften anzuschließen. Zur Rechtfertigung dieses Verbotes hat der Geh. RegierungSrat Dr. A. Westphal, Major der Landwehr a. D. und stellvertretender Vorsitzender deS preußischen Landes-Kriegerverbandes, eine Schrift veröffentlicht, in der er nachzuweisen versucht, daß die freien Gewerkschaften lediglich.sozialdemokratische Einrichtungen'' find. Für den Fall, daß die„Kameraden Arbeiter" ihre Berufsinteressen wahrnehmen wollen, werden ihnen folgende „nationale" und.reichstreue" Verbände empfohlen: Die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine, die christlichen Arbeitervereine(katholische Fachvereine und evangelische Arbeitervereine), die christlichen Gewerkschaften, die katholischen Gewerkschaften und die vaterländischen Arbeitervereine.„Tretet", ruft Herr Westphal seinen Kameraden Arbeitern zu,„wenn Ihr Eure Arbeiierinteresien wahrnehmen wollt, in eine der nichtsozialdemo- kratischen Arbeitervereinigungen oder Gewerkschaften ein! Wählt je nach Euren Neigungen eine von ihnen I Sucht den sozialdemo- krallschen Gewerkschaften möglichst Abbruch zu tun! Vertretet Eure Interessen, wie und wo Ihr sonst wollt, möglichst im sried- lichen Einvernehmen mit Euren Arbeitgebern, denn fie find nicht Eure Feinde, Ihr seid vielmehr beide, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, in Eurem und des Vaterlandes Interesse darauf angewiesen, in Frieden miteinander zu arbeiten I" In der Hauptsache stimmen wir übrigens Herrn Westphal zu, Arbeiter, die ihre Klassenlage erlannt haben und auf politische Bildung Anspruch erheben, gehören nicht in Kriegererveine.— Protest gegen die Alteaüurger Wahl-„Neform". In einer von weit über 1500 Personen besuchten Versammlung protestierte die Altenburger Arbeiterschaft am Sonntag gegen die von der Regierung beim Landtag eingebrachte Wahlgesetz- .,reform"vorlage, die darauf hinausläuft, das bestehende Vicrklassen- Wahlrecht" durch Aufpfrcpsung von vier Ständcvertretern— je einen Vertreter der Handels-, der Landwirtschafts-, der Hand- Werks- und der erst noch-zu schaffenden Arbeitskammer— zu verewigen. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht auf der Grundlage der Verhältniswahl gefiwdevt. wird. Nach Schluß der Versammlung, an der wegen lleberfullung des Saales gegen 500 Mann nicht teil- nehmen konnten, gingen die Massen auf die Straße. An dem Zuge beteiligten sich gegen SOOO Personen. Der Zug bewegte sich über den Marktplatz nack' dem Ministerium— an der Wohnung .des Landtagspräsidenten, Oberbürgermeister Oßwald— vorbei und wieder nack, dem Marktplatz gnrück, wo sich der Zug auflöste. Die Polizei hielt sich zurück und legte dem Ilmzuge keine Hindernisse in den Weg. Zwei Slompagnien des in AlteNburg gärnisonierenden Infanterieregimentes waren in der Kaserne konsignicrt. Ein sozialdemokrattsches Amtsblatt. Im Gemeindckollegium in Hof stellte Genosse Rauh den Antrag, das Amtsblatt der„Oberfränkischen Volkszeihing" als Beilage beizugc.«n. Von 54 Anwesenden stimmten 15 für den Antrag, und der Vorsitzende konstatierte schon Ablehnung, als der Antragsteller die Gegenprobe verlangte. Hierbei erhoben sich tl3 Herren, während 0 sich der Stimme enthielten. Damit ist der Antrag angenommen und das sozialdemokratische Organ erhält das Amtsblatt als Beilage.__ Znm Arbeitskammcr-Gesetzentumrf hat auch das Kartell der Arbeitgeberverbände in den Bangewerben Groß-BerlinS(17 Verbände mit ungefähr 8000 Unternehmern) dem Reichstage am 19. d. M. eine Denkschrift überreicht. In der Eingabe wird betont, daß die 17 Arbeitgeberverbände fast alle seit vielen Jahren mit den für sie in Frage kommenden Arbeiterorganisationen Tarifverträge abgeschlossen haben und daß sie seit Jahren gewöhnt sind, sowohl über die Erneuerung jener Verträge als auch über die Streitigleiten, die sich aus den Verträgen ergeben, mit den Gewerkschaften be- ziehungs weise deren Vertretern zu verhandeln I Die Erfahrungen, welche die Herren dabei gemacht haben wollen, lassen eS ihnen wünschenswert erscheinen, daß daS Arbeitskammer- gcsetz nicht zu stände komme. Die Gründe werden in dem Memorandum u. a. mit folgenden Worten un, schrieben: „Schroff stehen sich... heute wie vor zehn Jahren die Parteien geg-nüber; es gibt vorläufig überhaupt keine Brücke, die diese Kluft überspannt. Es ist deshalb zur Regel geworden, der- artige Fragen gar Nicht zu diskutieren.... Gerade aber die prinzipiellen Fragen, gerade die großen sozialen Fragen werden das Programm der Arbeitskammern bilden...." Folgt ein Etzkurs über die Gewerkschaften als UebungSstätten und Schulen der sozialdemokratischen Partei, über den Klassenhatz der sozialdemokratischen„Doktrinäre", über die„Gefahr", daß allenthalben in Deutschland die Sozialdemo- kratie wenigstens die Hälfte der Sitze in der Arbeitskainmer erlangen würde und über die noch größere Gefahr, daß die Vertreter der anderen Gewerkschaften „es sich natürlich angelegen sein lassen werden, nicht weniger tüchtig zu sein als die Kollegen von den freien Gewerkschaften."(!) Der langen Rede kurzer Sinn ist: die Unternehmer wollen von der Mitwirkung der Arbeiter allerhöchstens insoweit wissen, als die Mitwirkung bei der Festsetzung der Lohn« und Arbeitsbedingungen in Betracht kommt. Was darüber ist, daS ist für die Herren vom Uebel— also liegt für die Errichtung von Arbeitskammern„auch nicht das mindeste Bedürfnis" vorl Man möchte glauben, die edle Baulöwenschaft werde nach solchen Ausführungen konsequent genug sein, nunmehr die Errichtung von Arbeite rkammern zu empfehlen. Doch weit gefehlt: „Wenn wir die Errichtung von Arbeitskammern als ein Uebel ansehen, müssen wir Arbeiter- kammern als ein noch weit größeres betrachten." Nach diesen Proben wird es wohl keinen unserer Leser ge- lüften, zu vernehmen, was für E v e n t u a l- Wünsche die Herren (für den Fall, daß die Vorlage doch Gesetz wird) tm Busen bergen. Jedenfalls ändert an dem Gesamturteil über daS Unternehmer- Machwerk auch der Umstand nicht das geringste, daß— zu§ 13— die Zulassung der Gewerkschaftsführer zu den Arbcitskammcrn empfohlen wird; denn es ist dies ja der einzige Weg, auf dem die Arbeitgeber ihre Söldlinge in die Arbeitskammern hinein- lancieren können! Wie sehr dem werten Unternchmcrkartcll dieser Wunsch am Herzen liegt, ergibt sich daraus, daß es zur Unter- stützung seiner„paritätischen" Anregung sogar die sozialdemo- kratischen Gewerkschaftsführer über den grünen Klee lobt: dieselben Führer, die vier Seiten vorher als vom Klassenhaß verblendete Demagogen charakterisiert worden sind.,,, Verurteilung des Landtagsabgeordneten Dr. Schopp. Vor dem Schöffengericht Lichtenberg kam gestern eine Episode aus dem Landtagswahlkampf in Niederbarnim zur Verhandlung. Unter der Anklage des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs standen zwei Mitglieder der demokratischen Vereinigung, der ehemalige Pastor, Echriftsicllcr Kötschke und der Schriftsetzer W. Derjenige, welcher sie auf die Anklagebank gebracht hat, ist eine liberale Lokal- große in Karlshorst, Baumeister Jean Löwenthal. Der Hausfriedensbruch soll begangen sein in einer von frei- sinniger Seite einberufenen Versammlung, zu der alle bürgerlichen Wähler eingeladen waren. Die beiden Angeklagten besuchten die Versammlung. Als Referent trat Dr. Schopp auf, der von den Konservativen aufgestellte und mit konservativer Hilfe gewählte liberale Landtagsabgeordnete. Schon in mehreren Versammlungen war dem Dr. Schepp von wirklich liberalen Männern entschiedene Opposition gemacht worden wegen seines Kompromisses mit den Konservativen. In Karlshorst wollte Dr. Schepp— wie er vor Gericht als Zeuge sagte— darlegen, daß er durch den Abschluß des Kompromisses nicht die Grundsätze seiner Partei verraten habe.— Aber auch in der Karlshorster Versammlung waren zahlreiche Opponenten. Diese wurden von vornherein, anscheinend auf Ver- anlassung des liberalen Kandidaten Dr. Schepp, mundtot gemacht. Als der Einberuser der Versammlung, Baumeister Löwenihal» die- selbe eröffnet hatte, teilte er sogleich mit, daß eine Diskusston über das Referat nicht zugelassen wird. Von den Gegnern deS Dr. Schepp wurde daS Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Aber sie bekamen eS nicht. Die Rufe„zur Geschäftsordnung" setzten sich fort, und wegen der allgemeinen Unruhe konnte Dr. Schepp nicht zum Wort kommen. Löwenthal forderte diejenigen, welche sich nicht' ruhig verhielten, auf, den Saal zu verlassen. Niemand ging. Löwen- thal wandte sich hilfesuchend an den überwachenden Gendarm. Dieser gab ihm den Rat, er möge seine Aufforderung an bestimmte Personen richten. Wenn diese sich nicht entfernten, dann erst rönne der Gendarm Herrn Löwenthal bei der Entfernung der Be- treffenden behilflich sein. Löwenthal verließ den Vorstandstisch und ging hilflos im Saale unter den erregten Opponenten hin und her. Schließlich forderte er die beiden Angeklagten auf, den Saal zu verlassen. Der eine ging auch. Nur Kotschke zweifelte das HauS- recht Löwenthals an und ging erst, nachdem der Gendarm ihn dazu aufgefordert hatte. Die beiden HinauSgewiesenen wurden durch den Gendarm festgestellt und durch die liberalen Helden dem Straf« richter überliefert. Vor Gericht beriefen sich die Angeklagten darauf, daß es ihr gutes Recht sei, der Versammlung beizuwohnen und dort zu sprechen, daß es allem Brauch widerspreche, wenn in einer Wählerversamm- lung keine Diskussion zugelassen werde, und daß sich die Versamm- lung sofort beruhigt haben würde, wenn man ihnen das Wort zur Geschäftsordnung erteilt hätte. Sie hätten sich demnach nicht des tzaussriodensbruchs schuldig gemacht. Aus rechtlichen Gründen beantrag ie der Amtsanwalt die Freisprechung der Heiden Angeklagten.— Das Gericht erkannte auch aus Freisprechung, weil die rechtlichen Voraussetzungen deS Hausfriedensbruchs für beide Angeklagte nicht zutreffen. Moralisch verurteilt sind durch dies Verfahren der Komproinist- abgeordnete Dr. Schepp und feine Freunde, welche erst die Rede- und Versammlungsfreiheit knebelten, die Männer, welche dagegen protestierten, mit polizeilicher Hilfe hinauswerfen und bor den Richter bringen ließen, und dann noch erleben Müssen, daß die An- geklagten freigesprochen werden. Wie es mit der Rede- und Versammlungsfreiheit bei den Liberalen steht, hat der vor den Kadi gezerrte Vorfall trefflich illustriert-. Konflikt zwischen Gonverncnr und Ansiedlern «ruf Neu-Gninea. Nach einem Telegramm der„Kölnischen Zeitung' aus Deutsch- Neu- Guinea haben sämtliche außerordentlichen Mitglieder des Gouverncmentsrares ihr Amt niedergelegt. Eine Neubildung des GouvernemeutSrates ist unmöglich, da die europäischen Ansiedler ausnahmslos auf der Seite der alten Miiglieder stehen. Danach scheint eS zu einem Konflikt zwischen dem Gouverneur und der europäischen Bevölkerung gekommen zu sein, und zwar vermutlich infolge der neuen Zollordnung._ Ueberschwemmungsschäden. Der preußische Minister des Innern hat Anweisung ergehen lassen, daß ihm unverzüglich Bericht über die Schäden der letzten Hochwasserverhecrungeu erstattet wird. Es ist wahrscheinlich, daß die Regierung vom Landtage die Bewilligung außerordentlicher Geldmittel zur Linderung der Notlage der Ueberschwcmmten, namemlich in der Altmark, und zur Wiedcrhellung der Deiche und Wege fordern wird, da die Mittel der Kreise für diese Zwecke nicht ausreichen. Der Schaden in der Alimark wird auf Millionen be- rechnet, die Felder sind total verwüstet, zahlreiches Vieh ist um- gekommen, und in fast allen Dörfern der vom Hochwasser berührten Gegend befinden sich vom Wasser beschädigte Häuser, die abgetragen werden müssen._ Der Gefreite als„Vorgesetzter". Eine sehr hohe Strafe verhängte das Kriegsgericht in Dresden gegen einen Soldaten wegen geringfügiger Vergehen, die dieser sich einem Kameraden gegenüber hat zuschulden kommen lassen, der gerade in dem fraglichen Zeitpunkt„Vorgesetzter" war. In der Nacht zum 19. Dezember war der Soldat Müller von der 9. Kompagnie des 102. Jnfanterie-Regimcnts in Zittau auf Wache. Wachthabender war ein Gefreiter, und dieser somit den auf der Wache befindlichen Mannschaften gegenüber„Vor- gesetzter". Früh gegen 7 Uhr erhielt nun der Soldat Müller vom Gefreiten den„Befehl", die Posten abzulösen.„Ich bin nicht daran; ich gehe nicht," sagte Müller. Als aber der„Vorgesetzte" einen zweiten„Befehl" erteilte, ging Müller, doch führte er den Befehl nicht richtig aus. Er löste den einen Posten nicht ab. AIS Müller zu früh nach der Wache zurückkam, und der Gefreite dies merkte, befahl dieser nochmals:„Du gehst auch noch den anderen Posten ablösen, und zwar mit' Gewehr!"„Ich gehe, aber ohne Gewehrl" erwiderte Müller. Der Gefreite befahl nochmals: „Du gehst mit Gewehrl" Müller ging schließlich und löste den Posten ab. Als er, auf die Wache kam, war die Zeit herangerückt, wo er selbst auf Posten ziehen mußte. Er war gerade im Begriff seinen Mantel anzuziehen, als der„Vorgesetzte" bemerkte, daß Müllers Stiefel schmutzig waren.„Du. putz Dir mal, Deine Stiefel," befcchl er. Darauf erwiderte der Soldat:„Halt die Schnauze. dummeS Luder; kümmere Dich um Dich und nicht um mich!" Der Gefreite brachte die„Straftaten" zur Meldung und Müller kam wegen Gehorsamsverweigerung, Un. gehorsam s, Beharrens im Ungehorsam, Achtung S- Verletzung und Beleidigung vor das Kriegsgericht. Er gab den größten Teil zu, will sich aber der Tragweite seiner Handlungsweise nicht bewußt gewesen sein und es nicht so ernst gemeint haben, weil der G e f r e i t e doch ein Kamerad war. Als der Anklagevertreter eine mehrmmmtige Gefängnisstrafe beantragte, wußte der Soldat gar nicht, wie ihm geschah. Er bat weinend um milde Strafe, weil er sich in dem Augenblick nicht klar darüber gewesen wäre daß der Kamerad sein Vorgesetzter gewesen sei. Das Gericht ließ diese Einwände nicht gelten und erkannte wegen der„Beharrlichkeit" und der„Unverschämtheit", mit der der An- geklagte gehandelt habe, auf—-- drei Monate Gefängnis!!! Müller wurde sofort in Haft genommen.—- Die Balknnkrise. Der serbisch-österreichische Konflikt. Wien, 22. Februar. Die heute in Wien verbreiteten Gerüchte, daß der KriegmitSerbien beschlossene Sache und ein U l t i- matum bereits abgegangen sei, werden von offiziöser Seite e'n t- schieden dementiert. Man erklärte, daß ein entscheidender Schritt der österreichischen Regierung gegen Serbien, falls et notwendig sein sollte, erst inzweibis drec Wochen zu erwarten ser. Zugegeben wird, daß die Situation infolge der Haltung Rußlands, welches das Konferenzprogramm wieder aufgegriffen bat, um einen diplomatischen Erfolg auf Kosten Oesterreichs zu erzielen, und auch bemüht fei, die Mächte zu einem gemeinsamen Schritte in Wien zu bewegen, sich ernster gestaltet hat. Trotz der Schwierigkeiten wird doch noch immer an die Möglich- k e i t geglaubt, den Frieden zu erhalten. Die Intervention. London, 22 Februar. Die Unterhandlungen, welche unter den Signatarmächten bezüglich der österreichisch-serbischen Beziehungen unternommen worden sind, haben bisher noch zu keinem Resultat geführt. Man ist der Ansicht, daß die Friedensaus- sichten sich bedeutend mehren würden, wenn man die Absichten Baron AehrenthalS kennen würde, sowie welche Kompensa» t i o n e n Oesterreich beabsichtige Serbien auS eigenen Mitteln anzubieten. Die Unabhängigkeit Bulgariens. Außer dem ferbisch-österreichischen Konflikt bildet auch daS neuerliche Hervortreten Rußlands in der Balkankrise Grund zu Besorgnissen. Um seinen Einfluß in Bulgarien zu stärken, schlägt Rußland die sofortige Anerkennung der Selbständigkeit Bulgariens vor. Fürst Ferdinand, der nach Peters- bürg gereist ist, ist dort mit königlichen Ehren empfangen worden, was in Konstantinopel bereits als Anerkennung der Unabhängig- keit aufgefaßt wird. Es scheint aber, daß die West mächte diesen Schritt Rußlands nicht unterstützen werden.--- franhrdch. Nachwahlen. Paris, 21. Februar.. Die Ersatzwahlen für die am 3. Januar zu Senatoren gewählten sechs Deputierten haben heute stattgefunden. In Bellac wurde der Radikale Trouvo, in THonon der Radikale Jncquier lind in Rochechouart Codet(Radikal! gewählt. In den übrigen Bezirken kommt es zur Stichwahl. :. englatid- Eine konstitutionelle Fragt. London, 22. Februar. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage des Rationalisten Mac Nei.l0„ warum Sir Edward Gr, ei) den König nicht bei seinem Besuch in Berlin begleitet habe, da. er doch der verfassungsmäßige Vertreter Englands bei der Besprechung von Angelegenheiten der internationalen Politik mit dem Auslande sei, erwiderte Premierminister Asquith. der König sei von dem Staats- sekretär der Kolonien Eaerl of Crewe begleitet gewesen. Da die Obliegenheiten des einen Staatssekretärs aber auch von einem anderen Staatssekretär erfüllt werden könnten, so sei an der Maßnahme nichts, was der Verfassung widerspreche.— Parlamentarische Nachwahle». London, 20. Februar. Infolge von Amtsbeförderungen und Er« Hebungen zur Pairswürde wurden in Schottland vier parla- mentarische Nachwahlen erforderlich. Die erste derselben findet am 23. d. M. in Taunton statt. Es stehen sich dort zwei Kandidaten gegenüber: 23. Peel(konservativ) und Frank Smith (Arbeiterpartei). Smith wird von der Arbeiterpartei unter- stützt. Sein Wahlaufruf beschäftigt sich mit der Arbeitslosenfrage, dann verlangt er Achtstundentag. Erhöhung der AlterLpensionen, Be- steuerung deS unverdienten Zuwachses und des Grund und Bodens. Freiheit für die Gewerkschaften, aus ihren Fonds die Arbeiterpartei zu unterstützen. Taunton ist einer der kleinsten Wahlkreise; er zählt etwa 3800 Wähler. Bei den letzten Hauptwahlen siegte dort ein Konservativer mit 1342 gegen 1503 liberale Stimmen. R.uiUanck. Kriegsgerichtsbarkeit. Warschau, 21. Februar. Das Kriegsgericht verurteilte fünf Offiziere luegen Zugehörigkeit znm Allrussischen Offiziers- bunde zu 6 bis 8 Jahren Zwangsarbeit. Außerdem wurden 19 Soldaten und zwei Gymnasiasten wegen Teilnahme an der revolutionären M i l i t ä r o r g a n i s a t i o n teils zu Zwangsarbeit, teils zu anderen Strafen verurteilt. finnlancl. Auflösung des Landtags. Helsingfors, 22. Februar. Der Landtag ist heute durch kaiserlichen Ukas aufgelöst worden. Die Ncwvahlcn finden im Mai statt. Am 1. Juni soll der neue Landtag eröffnet werden. China. Militär gegcu Streikende. Hongkong, 22. Februar. Weil neun Arbeitern der Kanton— Hankaubahn in Kwantin wegen Fernbleiben von der Arbeit der Lohn nicht ausbezahlt worden war, meuterten(?) einige hundert Arbeiter. Bon dem zur Wiederherstellung der Ruhe beorderten Militär wurden 25 Arbeiter verwundet. Drei Soldaten werden vermißt. Khmnka. Richter Lynch. New Dork, 22. Februar. In Omaka(Nebraska) ermordete ein Grieche einen Polizisten. Die Einwohner des Südviertels hielten daraufhin eine Massenversammlung ab, worin 3 Mitglieder der Legislatur aufreizende Reden hielten. Dann zogen mehrere Pöbel- Haufen ins griechische Viertel und demoliertn 30 Häuser. Mehrere Häuser wurden angezündet, mehrere Griechen wurden ver- letzt. Viele hunderte Griechen flüchteten aus der Stadt. Die Un- ruhen fanden im Bleichpaderbezirk statt, wo die Griechen unpopulär| Nollendorfftr. 10, 2. Dr. Köhler, Sanitätsrat in Berlin W. 50, 1 der Rohlen- Handels- Gesellschaft organisierten Seeber fuchen mm in sind und die Amerikaner auf dem Arbeitsmartt unter Augsburger Straße 43, 3. Dr. Wagner, Sanitätsrat in Berlin den Zeitungen Arbeiter zu den zuerst von ihnen verkündeten Lohnbieten. W. 30, Münchener Straße 48, 4. Dr. Engel, prattischer Arzt in fägen. Die Arbeiter bestehen jezt auf ihren alten Tarif und sind Berlin W. 30, Landshuter Straße 22, 5. Dr. Heyl, Sanitätsrat in in den Abwehrstreit getreten. Es kommen 300 organisierte Arbeiter Berlin W. 50, Geisbergstr. 27, 6. Dr. Erwin Frant, praktischer Arzt in Betracht. in Berlin W. 15, Joachimsthaler Straße 33/34, au Vertrauenshärzten gewählt worden. Venezuela. Caftro. Caracas, 21. Februar. Der Bundesgerichtshof hat na Prüfung der gegen den Präsidenten Castro erhobenen An tlagen wegen Teilnahme an dem zur Ermordung des Vizes präsidenten Gomez geschmiedeten Komplott dahin entschieden, daß genügend Beweismaterial vorliege, um die weitere Verhandlung dem Kriminalgerichtshof zu überweisen. Gleichzeitig erklärte der Bundesgerichtshof, daß Castro verfassungsmäßig von der Präsi dentschaft suspendiert worden sei. Aus der Partei. Eine Enttäuschung. Auf dem Nürnberger Parteitage führte Genosse Dr. FrantMannheim zur Rechtfertigung der Budgetbewilligung im badischen Landtage auch folgenden Grund an: ,, Weiter ist uns die Zusage gemacht, daß in den Eisenbahnrat, der allerdings nur beratende Stimme hat, Arbeiter, Gewerkschaftsvertreter zugezogen werden. Das ist jedenfalls ein Ausfluß der Erkenntnis, daß die Macht der Arbeiterklasse Gleichberechtigung und Berücksichtigung auf allen Gebieten des staatlichen Lebens fordert." ( S. 821, Protofoll.) " Der Umsas der Großzeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Konsumvereine im Jahre 1908. Der Gesamtumsatz, den die Großeinkaufs- Gesellschaft erzielte, betrug im Jahre 1908 1907. " also mehr 1908.. 65 778 277,03 M. 59 866 220,04 5 912 056,99 M. " 9 Die Umsatzsteigerung beträgt 9,9 Proz., eine Steigerung, die angesichts der wirtschaftlichen Strife als befriedigend angefehen werden muß. In dem gleichen Jahre 1908 verzeichnete die schottische Großeinkaufs- Gesellschaft einen geringen Rückgang ihrer Umfäße und die englische Großeinkaufs- Gesellschaft vermochte ihre Umsätze nur um 9 800 000. oder 2,1 Proz. zu steigern. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Ein Reinfall der Gelben. Bei der Bäckerinnung Konfordia" fand gestern die Gefellenausschußwahl statt. Auch auf diesem Gebiete bereitet die badische Regierung Mitteln, um den Gelben zum Siege zu verhelfen. Es hat Die Innung arbeitete mit allen unferen Budgetbewilligern eine Enttäuschung. Es ist nämlich alles nichts geholfen. Im ganzen wurden 291 Stimmen abunfer Mannheimer Parteiorgan, die Volksst im me" gegeben. 192 davon entfielen auf die Liste des Zentral( Nr. 50), die zur Wahl der Genossen Segiz und Schäßle verbandes, nur 94 auf die Liste des gelben Bundes. Einige in den bayerischen Eisenbahnrat ausruft: Stimmen wurden für ungültig erklärt. Bäckern die Ideen der modernen Arbeiterbewegung in hohem Das Resultat der Wahl zeigt, daß auch bei den Berliner Maße Eingang gefunden haben und daß im Bäckerberuf jegt schon sogar die Zahl derer überwiegt, die der blauen oder gelben Fahne den Rücken gekehrt haben. Es ist noch nicht allzu lange her, wo die„ Meistertreuen" in den Reihen der Bäcker dominierten. Jegt werden, trog aller Machenschaften der Innung, die Gelben an die Wand gequetscht. " " Im Musterlande" Baden denkt man an so etwas nicht; da hat man alle Hände voll zu tun, durch Verschlechterung der Fahrpläne dem arbeitenden Volte das Reisen zu bertenern, und in solchen Zeitläuften tann man Bertreter dieser Gesellschaftsflaffe im Eisenbahnrate nicht brauchen. Es ist beschämend, wie das einst fo fortschrittliche Baden mehr und mehr auf allen Gebieten sich von anderen Ländern überflügeln läßt." Das einst fo fortschrittliche Baden", worin Genosse Frank bie Sozialdemokraten auf dem Wege zu voller bürgerlicher Gleichberechtigung" fah, existiert aber nach dem Zeugnis des Mannheimer Parteiblattes nicht mehr. Gemeinderatssiege. Bei einer Bürgerborsteherwahl der 3. Klaffe in Geestemünde, bie durch Fortzug des bisherigen sozialdemokratischen Vertreters nötig wurde, sttegen die Stimmen der Sozialdemokratie gegen 1905 um 54, während die der Gegner um 39 zurüdgingen. Bei der Gemeindeergänzungswahl in Steinpleis bei Berdau wurde ein Genosse mit 80 gegen 13 Stimmen als unansässiger Bertreter gewählt. Eine sozialdemokratische Gemeindevertreter- Konferenz des Regie rungsbezirks Merseburg, die von 157 Landgemeindevertretern aus 96 Landgemeinden und 14 Stadtverordneten aus 7 Stadtgemeinden Besucht war, fand am Sonntag zu alle a. S. statt. Nach einem beifällig aufgenommenen Neferat des Genossen Stadtverord neten Borchardt Charlottenburg über die Tätigkeit unserer Genossen in den Gemeinden entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in der zahlreiche Mißstände in Stadt und Landorten zur Sprache gebracht wurden. Die Volksschulverhältnisse verschiedener Drte wurden als tief traurig bezeichnet. In dem Dorfe Wehlitz bei Schfeudig wird z. B. einem Lehrer noch zugemurtet, 120 Rinder in einer Klasse zu unterrichten. Allgemein for te aber fonstatieri werden, daß die sozialdemokratische Propaganda in den Gemeinden die Partei vorwärts bringt. Die Mannheimer Volksstimme" brachte, durch unsere Kritik genötigt, ihren Lefern das Kolbfche Eingeständnis zur Kenntnis, aber nicht im Wortlaut und nur in indiretter Rede. Die Einleitung Kolbs, worin diefer es als eine ihm bisher unbekannte Tatsache erflärt, daß auf der Kleinsteinbacher Konferenz, als er die bestrittene Aeußerung getan habe, mehrere Pforzheimer Genossen zu gegen waren, unterdrückt die„ Boltsstimme". Dieses Geständnis mitzuteilen hätte allerdings Ueberwindung gekostet, weil sie in ihrer Nummer 42 die Behauptung des„ Bortvärts", daß jener Kolbiche Ausspruch in der Pforzheimer Parteiversammlung mehrfach bestätigt worden sei, als„ völlig aus der Luft gegriffen" bezeichnete. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Zu 50 M. Geldstrafe verurteilt wurde Genosse Ottamp bon der Effener Arbeiterzeitung", weil er durch die Wendungen: Man sollte doch nicht gleich so schroff den Geschäftsmann hervorkehren" und Mensch ist Mensch und leben lassen soll man seine Mitmenschen auch", einen Arzt beleidigt haben soll, der bei der Eintreibung seiner Honorare mit ungewöhnlicher Schroffheit vorging. Auf zwei Monate ins Gefängnis gegangen ist vorige Woche der alte Genosse und Redakteur der Reußischen Volkszeitung" Franz Feustel. Zu dieser Gefängnisstrafe hat ihm in christ licher Nächstenliebe" ein Pfarrer verholfen! Soziales. Beharrliche Arbeitsverweigerung. Das Beispiel zeigt wieder einmal, daß man nur nötig hat, dem gelben Phantom energisch zu Leibe zu gehen und es erweist sich als das, was es ist: eben als ein Phantom! Die städtischen Arbeiter in Frankfurt a. M. haben der Wünschen nach Lohnaufbesserung in nicht befriedigender Weise Stadtverwaltung neue Forderungen unterbreitet, da den vorjährigen Rechnung getragen wurde. Die Lohn forderungen sind: Anfangspro Woche bis 30 M.; laffe II 25 bis 31 W.; Staffe III 26 bis lohn in Selaffe I 24 M. wöchentlich, steigend alljährlich um 1 M. 32 M.; Klasse IV 27 bis 34 M.; Klasse V 29 bis 38 m. In den Klaffen IV und V sollen die Löhne jährlich um 1,50 M. pro Woche steigen, so daß auch hier der Höchstlohn in sechs Jahren erreicht wird. Weitere Forderungen sind: Bezahlung der Ueberstunden bis 9 Uhr abends mit 331 Broz.; Nachts, Sonn- und Feiertagsarbeiten mit 50 Broz. Zuschlag; Ständigmachen der Arbeiter nach sechs monatlicher Beschäftigung; Errichtung von Arbeiterausschüssen für alle Betriebe und Beseitigung der Geldstrafen. Die Errichtung von ständigen Schlichtungskommissionen hat ber Bayerische Metallindustriellenverband seit 1½ Jahren angestrebt. Sie sollten die Aufgabe haben, auftauchende Streitigkeiten zwischen den Arbeitern und den Mitgliedern des Industriellenverbandes durch Schiedsspruch zu beseitigen. Die Mitglieder der Ausschüsse sollten durch Verhältniswahlen bestimmt werden. Nunmehr teilt der Verband der Unternehmer mit, daß sich die Verhandlungen zerschlagen hätten, und zwar durch die Schuld des Deutschen Metallwußte, daß der Industriellenverband sie nicht bewilligen werde". arbeiterverbandes, der Forderungen gestellt habe, von denen er Ausschluß einer Beteiligung der Gelben. Der Scharfmacherverband Sie betrafen den Wechsel des Vorsizes in den Ausschüssen und den hat eine merkwürdige Auffassung von derartigen Verhandlungen. Er stellt sich, als ob er allein hier etwas zu bewilligen" und die anderen nur zu nicken hätten. Mit dem gleicher Recht kann die andere Seite fagen, daß er Bedingungen gestellt hat,„ bon denen er wenn er von einem Zusammenwirken mit den Jüngern des Lebius Dem Metallarbeiterverband fann man es übrigens nicht verdenken, wußte, daß der Metallarbeiterverband sie nicht bewilligen fönne". in Ausschüssen nichts wissen will. Das gebietet schon das persön liche Steinlichkeitsgefühl. Husland. Aussperrung in der Schuhindustrie Kopenhagens und Bertragsverlängerung in der dänischen Eisenindustrie. Der vor drei Jahren zwischen dem Verein der Schuhwarents fabrikanten Kopenhagens und dem Schuharbeiterverband abgeschlossene Tarifvertrag ist am 15. Januar abgelaufen, ohne daß ein neuer Vertrag zustande kam. Die Arbeiter hatten bescheidene Verbesses Die Arbeitslosigkeit unter den Metallarbeitern. rungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse verlangt, die Fabrikanten eine Aufstellung über die Arbeitslosenunterstüßung gemacht, welche bruar, falls die Arbeiter sich bis dahin nicht fügen würden. Nun Die Berliner Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes hat damit nicht durchdrangen, eine allgemeine Aussperrung zum 22. Fe wollten Verschlechterungen durchgeführt wissen und beschlossen, als sie in verschiedenen Beziehungen sehr lehrreich ist. In der Aufstellung wird hat eine Generalversammlung der Schuharbeiterorganisation mit festgestellt, wieviel Arbeitslosenunterstützung in den legten brei 445 gegen 230 Stimmen die Vorschläge der Fabrikanten und die Jahren durchschnittlich auf jedes einzelne Mitglied entfällt. Dabei weitere Berhandlung darüber abgelehnt. Danach ist also am gestrigen ist ersichtlich, daß die einzelnen im Metallarbeiterverb and vereinigten hagen zur Tatsache geworden. sind die Mitglieder nach Branchen auseinander gehalten. Hieraus Tage die allgemeine Aussperrung der Schuhfabrikarbeiter von KopenBranchen in sehr verschiedenem Maße von der Arbeitslosigkeit be- nehmer bekanntlich eine allgemeine Aussperrung der ungelernten In der dänischen Eifenindustrie hatten die Untertroffen werden, daß aber in allen Branchen, ob sie nun im all- Arbeiter beschlossen, die am 16. Februar durchgeführt werden sollte. gemeinen mehr oder weniger unter der Arbeitslosigkeit leiden, die Infolge weiterer Verhandlungen wurde der Termin inzwischen um Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Jahren bedeutend zugenommen acht Lage hinausgeschoben, und mun haben die Eiſenindustriellen und besonders im vorigen Jahre einen ungeheuren Umfang in fast ihren Aussperrungsbeschluß rüdgängig gemacht, nachdem die Arbeiter allen Branchen angenommen hat. Als ein lehrreicher Beitrag zur fich bereit erklärten, gezwungen durch die furchtbare Arbeitslosigkeit, Feststellung des Umfangs der Arbeitslosigkeit sei die Tabelle hier der zweijährigen Verlängerung des alten Tarifvertrages ihre Zuberöffentlicht. stimmung zu geben. Sie taten das jedoch mit dem Vorbehalt, ihre Forderung die ihnen im alten Vertrag versprochen, aber nun von den Unternehmern abgelehnte Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Dere zunächst vor dem gewerblichen Schiedsgericht, und wenn das nicht fruchtet, vor den ordentlichen Gerichten geltend zu machen. Ein Textilarbeiterstreit ist in Frederikshavn ( Jütland) ausgebrochen infolge Lohnherabfezungen und Maßregelung der Drganisationsleiter. Arbeitslosenunterstützung pro Mitglied erhielten im Jahre 1906 1907 1908 Wr. M. M. Schloffer. Klempner 3,08 7,05 13,05 6,89 12,15 25,65 Nohrleger, Helfer 20,01 19.95 25,50 Dreher 4,65 10,85 21,65 Former 7,35 8,95 20,00 Arbeiter 6,09 6,45 18,52 9,44 10,85 19,38 13,05 40,15 58,58 6,45 8,50 16,40 2,69 4,85 9,15 18,35 8,05 17,83 0,95 6,45 18,52 Schmiede. 2,04 4,45 7,15 Elektromonteure 1,81 4,55 8,97 Arbeiterinnen 0,95 1,15 1,15 Nichtmetallarbeiter 2,35 11,65 18,52 3,02 13,35 22,23 Feilenhauer 1,62 6,75 Goldarbeiter 1,85 1,75 Bijeleure. 1,65 Gürtler Anschläger Schleifer Mechaniker Drüder Hobler, Fräser Nadler. 11,23 3,00 16,47 Der Schlächtermeister F. Erdmann, Glogauer Straße 19, schreibt uns, daß er die Aeußerungen den zwei Organisations. vertretern gegenüber in der Aufregung getan habe. Gleichzeitig hat er auch die Forderungen der Gesellen anerkannt. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Deutsches Reich. Aussperrung von Hüttenarbeitern. Letzte Nachrichten und Depefchen. Der Kampf gegen das Oberhaus. London, 22. Februar. Unterhaus. Jn fortgesetter Adreß bebatte brachte Ponsonby( liberal) ein Amendement ein, in dem er berlangt, daß gegen das Oberhaus gesehliche Maßnahmen ers griffen werden sollen, in der Richtung, wie sie Campbell- Banner man im Jahre 1907 vorgezeichnet habe. Ponsonby erklärte, eine Verzögerung in dieser Angelegenheit könne den Erfolg der Regierungspläne gefährden, und er verlangte, daß noch in dieser Session eine Vorlage eingebracht werde, durch die das Veto des Oberhauses eingeschränkt werde. Premierminister Asquith führte aus, daß ein Vorgehen, wie es Ponsonby befürwortet habe, die sofortige Schließung der Session bedeuten würde. Für ein solches Vorgehen gebe es unwiderlegbare Einwände. Die Regierung sei nicht geneigt, dem Oberhause das Recht zuzugestehen, den Zeitpunkt für eine Auflösung des Parlaments zu bittieren. Die ganze Sessionszeit sei Aufgaben gewidmet, die nicht billigerweise oder zum besten der Landesinteressen unversucht oder halb vollendet gelassen werden könnten. Der Premierminister erinnerte an das Budget, an die irische Landbill sowie an verschiedene sozialreformatorische Maßnahmen und sagte, hier sei Arbeit von höchster Wichtigkeit, die die sofortige Aufmerksamkeit des Hauses verlangt. Die Regierung habe nicht die Absicht, der Austragung der Oberhausfrage aus dem Wege zu gehen oder sie zu vertagen, und bei der erst möglichen Gelegenheit, die mit den von ihm an. Schneestürme in Galizien. In dem Hüttenwerk von Hoffmann u. Moß in der Kolonie Vor dem Gewerbegericht unter Vorsitz des Magistratsaeffors Eisenspalterei bei Eberswalde ist am Freitag, den 19. Februar, Dr. Maguhn flagte am Montag der Zuschneider. gegen die sämtlichen an den Schweißöfen beschäftigten Arbeitern gefündigt Firma Nathan u. Marcufe auf Bahlung einer Lohnver- worden. Die Kündigung erfolgte, weil sich die Arbeiter weigerten, gedeuteten parlamentarischen Verpflichtungen vereinbar sei, werde gütung für acht Tage wegen unberechtigter Entlassung. Er war die Arbeiten, welche bisher von vier Arbeitern am Ofen zu leisten bem Lande eine Lösung vorgeschlagen werden; durch einen kleinen bei einem Wochenlohn von 38 M. und einer achttägigen Aün- waren, für die Zukunft von drei Arbeitern geleistet werden Aufschub werde nichts verloren gehen. digungsfrist feit dem 18. August 1908 bei der Beklagten beschäftigt. fol. Der bierte Mann soll also für die Zukunft wegAm 8. Februar d. J. wurde er plötzlich entlassen. Der Grund begenommen werden. Nach übereinstimmender Erklärung der stand darin, daß Kläger am 1. Februar mit Zustimmung der Be- Arbeiter ist es ganz unmöglich, diese außerordentliche flagten das Geschäft verließ, um einen Arzt aufzusuchen. Einer schwere Arbeit zu den von der Betriebsleitung gewünschten Beder Mitinhaber der Beklagten ging diesem nach und bemerkte, bingung leisten zu fönnen. Wie uns mitgeteilt wird, soll sich ein ziens laufen Meldungen über große Kalamitäten infolge der seit Lemberg, 22. Februar.( W. T. B.) Aus allen Teilen Gali daß Kläger anstatt zum Arzt zu einer anderen Firma ging, um Meister angeboten haben, der Firma genügend Arbeitskräfte zur Ver- zwei Tagen anhaltenden Schneestürme ein. Einzelne Ortschaften sich zivecs eines in Aussicht stehenden Engagements dort vor- fügung stellen zu wollen. Wir ersuchen daher, etwaige Arbeits- find vom Verkehr ganz abgeschlossen. Auf acht galizischen Bahn. zustellen. Von da aus begab sich Kläger wiederum nach dem Ge- angebote nach dem Hüttenwerk der Firma Hoffmann u. Mog. ftreden wurde der Verkehr eingestellt. schäft zurück. Der Kläger verbleibt bei seiner Behauptung, einen Kolonie Eisenfpalterei bei Eberswalde bis zur Er- im Bezirk Tarnopol sind derart verweht, daß man in die Einzelne Straßen Arzt feines Asthmaleidens wegen aufgesucht zu haben. Doch habe ledigung der Differenzen abzulehnen. Die Arbeiterpresse wird um umliegenden Orte nicht einmal mit dem Schlitten gelangen kann. er den Arzt nicht angetroffen; bei dieser Gelegenheit habe er Abdruck gebeten. Am heftigsten wüten die Schneeftürme an der russischen Grenze. allerdings bei der in Frage stehenden Firma mit vorgesprochen. Deutscher Metallarbeiterverband. 8. Bezirk. Zwei Personenzüge und drei Güterzüge sind im Schnee stecken ges Auf die Frage, weshalb der Kläger erst acht Tage später entlassen. worden ist, erwidert die Beklagte, daß sie auf ihre telephonische Die Kohlenarbeiter im Kieler Hafen befinden sich in einem motive hervor. Hunderte von Arbeitern und Militär arbeiten an blieben. Von den Zügen ragen nur die Rauchfänge der LokoAnfrage bei der vom Beklagten besuchten Firma erst am 8. Februar Abwehrstreift. Der Tarif war am 21. Dezember 1908 abgelaufen. der Freimachung. Die Unternehmer hatten den Arbeitern mitgeteilt, daß sie wegen Das Gericht verurteilte die Beklagte, an den Kläger die ge- der schlechten Geschäftskonjunktur die Sätze des alten Tarifs nicht forderte Entschädigung zu zahlen. Das Gericht ist zwar der weiter zahlen könnten. Bei den Verhandlungen legten die UnterUcberzeugung, daß die Angabe des Klägers, er gehe zum Arzt, nehmer einen neuen Tarif vor, nach dem der Preis für das Löschen arbeiter durch Herabstürzen der Erdmassen verschüttet work en. falich und daß er nicht krank war. Doch sei in dem einmaligen der Kohlen von Schiff auf Land pro englische Tonne( 1016 Kilogr.) Giner war infort tot, die beiden anderen find lebensgefährlich Verlassen der Arbeit auf wenige Stunden eine beharrliche Arbeits- statt bisher 70 auf 60 Pf. festgelegt wurde, für Verladen von Land berweigerung nicht zu erblicken, zumal da die einmal wegen einer auf Wagen statt bisher 40 auf 30 Pf.; der Stundenlohn soll verlegt. ähnlichen Unregelmäßigkeit erfolgte Verwarnung bereits länger statt bisher 50 Bf.jezt 40 Bf. betragen. als brei Monate zurüdliegt. Antwort erhalten konnte. Schiedsgerichts- Bertrauensärzte. Bon den Schiedsgerichten für Arbeiterversicherung des Stadtfreises Berlin und des Regierungsbezirks Potsdam find auf Grund des§ 8 des Unfallversicherungsgesezes vom 30. Juni 1900 für das Jahr 1909: 1. Dr. Beder, Geheimer Medizinalcat in Berlin W. 30, Rerant. Rebatteur: Haus Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Die Organisation der Hafenarbeiter beschloß darauf um ernften Differenzen vorzubeugen die Löhne wie folgt feftzufeßen: Löschen von Schiff auf Land 66 Pf., von Land auf Wagen 35 Pf., Stundenlohn 45 f. Verschüttet. Lüttich, 22. Februar.( B. H.), Bei Dochamos sind drei GrdIm Kampfe mit Banditen. Lissabon, 22. Februar.( B. H.) Zwischen einer Räuberbande und einer Anzahl Zivilisten fam es in der spanischen Grenzortschaft Solrarde zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Banditen ergriffen schließlich die Flucht, nachdem sie fünf ihrer Leute, unter ihnen eine Frau, tot auf dem Kampfplage zurückließen. Fünf weitere Banditen wurden festgenommen. In den dann folgenden Verhandlungen erklärten sich die Unternehmer damit einverstanden, wollten aber den verschlechterten Tarif auf drei Jahre festlegen. Das lehnte die Organisation ab. Die in Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbr. u. Berlagsanitals Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. W Nr. 45. 26. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 23. februar 1909. Hbgeordnetenbaus. 37. Sigung Montag, den 22. februar 1909, bormittags 11 hr. Am Ministertische: v. Arnim- Criewen. Zweite Beratung des Landwirtschaftsetats. Die allgemeine Besprechung wird beim Titel„ Gehalt des Ministers fortgefegt. legten drei Jahre sind also Jahre reichen Segens für die Landwirt- die früher nur ganz nebenbei gehalten wurden, koloffale Einnahmen schaft gewesen. Die Landwirte haben erzielt. Namentlich hat die Milchwirtschaft große Summen Schätze gesammelt auf Kosten der Armut. gebracht, die sogar höher sind als die Einnahmen aus der ge ( Lachen rechts.) Dies zeigt auch die Statistik der Ergänzungs- der sozialen Lasten stimmt sonderbar mit den Tatsachen überein. famten Brotgetreideernte. Ihr ganzes Gestöhne über die Höhe steuer. Ergänzungssteuer bezahlen bekanntlich nur solche Leute, die ein Vermögen über 6000 M. haben. Solche Zenfiten gab es auf versicherung für Ihre Zwecke dienstbar gemacht werden. Sie wollen, Sie wollten ja, daß die großen Kapitalien der Arbeiter* dem Lande 1902 680 000, 1905 710 000, 1908 780 000. Die Zahl der Zensiten ist also in den letzten sechs Jahren um 100 000 ge- Sie find wiederholt eingetreten für eine daß die Kassen der Unfallversicherungsanstalten verkümmert werden stiegen. Darunter befanden sich doch gewiß keine Arbeiter. Das Sie find wiederholt eingetreten für eine Vermögen auf dem Lande betrug 1902 25 Milliarden; 1905 Berringerung der Unfallrente. Abg. Wamhoff( nail.): Es freut mich, daß der Minister die um 6 Milliarden erhöht. Nun sagt der Abg. Kreth, auch die Schulden weifen, daß der Landrat von Fischhausen eine Bekanntmachung 30 Milliarden; 1908 31 Milliarden. Das Vermögen hatte sich also Das ist keine soziale Fürsorge. Außerdem will ich darauf hin Hochwasserschäden anerkannt und Hilfe versprochen hat. Der Minister fagte freilich, der Schaden ließe sich noch nicht absehen. auf dem Lande sind enorm gestiegen. Dem muß ich entschieden erlassen hat, worin er erklärt, daß beim Umtausch der Das mag richtig sein, aber eine Abschlagszahlung fönnte doch jetzt widersprechen. Die Schulden auf dem Lande betrugen Invalidenversicherungskarten verschiedene Unregelmäßig. fchon gewährt werden, denn rasche Hilfe tut not. Wünschenswert 5295 Millionen. Gegenüber der Schuldenvermehrung der letzten vorgekommen find. Erwiesenermaßen feien 4201 Millionen; 1905 4811 Millionen und 1908 feiten seitens der Amts und Gutsvorsteher wäre es, wenn auch die Fonds zur Hebung der Pferde- drei Jahre von 484 Millionen steht aber eine Kapitalsvermehrung von Karten nicht eingegangen. In allen Fällen handelte es sich um ganze Reihe zucht erhöht würden; die jetzt bewilligten Summen sind zu von 5 Milliarden, d. h. mit anderen Worten, der Vermögenszuwachs Angestellte der eigenen Beamten der Guts- und Amtsvorsteher, fo niedrig! Energisch zurückweisen muß ich die Behauptung, als ob die Landwirtschaft alle möglichen Vorteile für sich beanspruche. der Landwirtschaft beträgt ebenso viel, wie ihre ganze Schulden- daß die Vermutung nabe liegt, daß man nicht aus Nachlässigkeit, Dies hat die Landwirtschaft nicht getan, sie hat nur das verlangt, last.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts solcher sondern um Geld zu ersparen so gehandelt hat. Es wurde da unwas im Interesse der Erhaltung der heimischen Produktion un- Die Landwirtschaft hat es eben verstanden, durch Brot, Fleisch und Sinne des Strafgefeßes begangen. Die Forderung, daß Berhältnisse läßt es sich auf dem Lande schon leben.( Heiterfeit.) zweifelhaft eine Urkundenfälschung, ein Betrug im bedingt nötig war. Milch sich eine glänzende Eristenz zu verschaffen. Dazu tommen Unfallrenten bis zu 25 Broz. nicht gezahlt werden sollen, beweist noch andere Maßnahmen, wie z. B. die Einfuhrscheine, über die auch, daß Sie trog Ihres kolossalen Reichtums sich noch hier schon gesprochen ist. Den Vorteil haben aber einzig und allein die auf Kosten der Aermsten und Krüppel Abg. Frhr. v. Wolff- Metternich( 3.)( fast unverständlich) tritt dafür ein, daß in den Großstädten das Juteresse für die Landwirt schaft mehr geweckt werde, und flagt über zu große Steuerlast auf dem Lande. Abg. Dr. v. Campe( natl.): Die Landwirtschaft in meinem Wahlkreise wird sehr durch die Abwässer der Bleihütten geschädigt, 2600 Morgen find für die landwirtschaftliche Kultur verloren. Die Landwirte beziffern ihren Schaden auf 1 386 000 Mark. Ich möchte bringend bitten, daß hier Abilfe geschaffen wird. Ein Regierungskommissar: Der Minister hat angeordnet, daß Kläranlagen angelegt werden, damit aus den Abwässern der Berg werke des Oberharzes nicht mehr schädliche Stoffe in die Innerste Abg. Engelmann( natl.): Kein Zweig der Landwirtschaft liegt so danieder wie der Weinbau. Ich bitte deshalb den Minister, im Bundesrat dahin zu wirken, daß die Wünsche des preußischen Weinbaues berücksichtigt werden. Entschieden muß ich mich aber gegen eine Weinsteuer in jeder Form aussprechen. fließen können. Abg. Leinert( Soz.): Großgrundbesitzer. bereichern wollen. Die Kleinbauern find an der Vermögensvermehrung nicht be- Dies wird von heilsamer Wirkung sein auf die gesamte Lage der In Aussicht steht jetzt, daß die Krankenversicherung endlich auch auf die Landarbeiter ausgedehnt werde. teiligt. Der Staat gewährt der Landwirtschaft Zuwendungen, die Landarbeiter. Aber da sehen wir, daß mehrere Landwirtschaftstammern gibt der Staat einen Zuschuß von drei Landwirtschaftskammer von Ostpreußen sich dafür ausgesprochen, fein anderer Stand bekommt. Allein für die Landwirtschafts- fammern erklären, das sei nicht notwendig. Insbesondere hat die oder eine Handwerkskammer, die einen solchen Zuschuß be- erforderlich sei. In ihrer diesbezüglichen Eingabe heißt es: Sollte Millionen. Wo finden Sie denn eine Handelskammer daß eine allgemeine Ausdehnung des Krankenversicherungsgesetzes nicht kommnt? Den Nugen von allen diesen Maßnahmen hat auch nicht die Krankenversicherung eingeführt werden, so dürfte nicht übersehen der Staat, wie es immer dargestellt wird, den haben einzig und werden, daß es ernsten finanziellen Bedenken unterliegt, wenn der allein die Agrarier. Die Agrarier haben diese Zuwendungen Staat sich nicht zur Gewährung der Leistung entschlicht. Denn die auch nur bekommen, seit der Bund der Landwirte in seine Bersicherung würde in solchen Fällen für Arbeitgeber und Versicherte trupellose Agitation eingetreten ist. Er verfährt nach eine Belastung mit sich bringen, die ihre wirtschaftliche Eristenz aufs fommen, was er haben wollte. Die Agrarier haben ja früher schon nicht aufrecht erhalten. Sie wollen selbst die geringen dem Rezept, immer zu schreien. Dann hat er auch immer alles schwerste bedrohen würde. Diese Behauptung läßt sich wirklich gejagt, wenn wir keine Staatshilfe bekommen, gehen wir zu den Kosten für die Krankenversicherung nicht bezahlen, weil das den Ar Abg. Dr. Pachnicke( frs. Vg.): Die Frage der Weinsteuer gehört Sozialdemokraten. Wir haben ihnen damals schon erwidert, nicht hierher, sondern in den Reichstag. Der Wert der landwirts beitern zugute käme. Erwähnen will ich hier noch eine Aeußerung schaftlichen Produktion beträgt etwa 15 Milliarden, der der getverbfür solche Genossen danken wir. des Abgeordneten von Oldenburg, die er in einer Sitzung der westlichen aber 36. Deshalb darf man nicht eine einseitige Wirtschafts-( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die zu uns ge- preußischen Landwirtschaftskammer getan hat. Er erklärte, im politik treiben, die nur die Landwirtschaft begünstigt. Der Frage kommen sind, sind ja auch bald wieder fortgegangen, weil sie gesehen preußischen Staatswesen gäbe es eine geordnete und eine ungeordnete ber Landarbeiter widmen wir große Aufmerksamkeit. Aber man haben, daß der Kampf um Gleichberechtigung ein idealer Kampf Vertretung der Landwirtschaft. In den Augen der Regierung sei fördert die Interessen der Landarbeiter nicht, wenn man ihre Rechte, war und weil ihr Streben auf Jdeale nicht gerichtet ist, da sie nur der Landwirtschaftsrat, das Landesökonomiekollegium und die Landetiva durch Verkümmerung der Freizügigkeit, beschneiden will. Gewinne machen wollten auf Kosten der Bevölkerung. wirtschaftskammer die geordnete, und der Bund der Landwirte die Gefangene sollte man in der Landwirtschaft nur in Ausnahmefällen Deshalb find auch die Agrarier, die zu uns gekommen find, bald ungeordnete Vertretung. In den Augen der Landwirte sei es jedoch beschäftigen. Den Profeffor Plate mus ich gegen die Angriffe des wieder zu den Fahnen des Junkertums zurückgekehrt. Angesichts umgekehrt. Da sei der Bund der Landwirte die geordnete Vertretung. Zentrums verteidigen. Der Gelehrte muß feine Ueberzeugung be- der glänzenden Lage der Landwirtschaft muß man sich die Frage Wenn die Kammern nicht genug Selbständigkeit haben, feien fie kennen, das ist er seiner Ueberzeugung schuldig. vorlegen, ob die Staatszuschüsse für die Landwirtschaft nicht geringwertige Institutionen, die jeden Kredit verlieren. Die Gelder reduziert werden müssen. Man fönnte sie vielleicht sogar ganz werden vom preußischen Volle gezahlt. Die Vertretung der Landabschaffen. Ich erkenne gern an, daß die Landwirtschaft sich auch wirtschaft wolle, daß davon in erster Linie Landwirte und Vereine In der Debatte ist wiederholt gesagt worden, daß die Lage der durch Selbsthilfe weiter geholfen hat, besonders durch das landwirte unterstützt werden, die der Landwirtschaft nüzlich sind. Dies möge Landwirtschaft teine glänzende sei. Man hat dies wohl nur in der schaftliche Genossenschaftswesen. Es inacht da aber einen sonder der Minister beherzigen. Die Landwirtschaftskammern feient Absicht gesagt, um wieder mit neuen Millionenforderungen baren Eindruck, daß die Landwirtschaft sich selbst teine Untergebenen des Ministers, fie stehen zwar unter staato für die Landwirtschaft zu kommen bei der Erneuerung der Handels- zu Genossenschaften zusammenschließt, aber ihren Arbeitern licher Kontrolle, aber nicht unter staatlichem to ma berträge, die in einigen Jahren bevorsteht. Demgegenüber muß ich den Beitritt zu den Konsumgenossenschaften verbieten mando. Wenn man das liest, fommt man zu dem Schluß, der Landbetonen, daß von einer Not der Landwirtschaft keine Rede sein will. Der Abgeordnete Kreth meinte, man könnte das Einkommen wirtschaftsminister solle die Gelder, die er den Kammern zur Vers kann, sondern daß es im Gegenteil der Landwirtschaft so gut geht der Landwirtschaft sehr leicht feststellen. Das scheint aber doch nicht fügung stellt, fortan den Organisationen des Bundes wie noch nie.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) der Fall zu sein, sonst würden doch wohl nicht so viele der Landwirte zur Verfügung stellen. Ich bin der Dies ist eine Folge unserer Zollpolitik, der Landwirtschaft geht Prozessewegen Steuerhinterziehung gegen Groß- Meinung, daß fortgesetzte Erhöhung der staatlichen Subvention für es gut auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. grundbefizer vorgekommen sein. In meinem Wahlkreise sind die Landwirtschaft dazu führen kann, daß die Selbsthilfe, das bes ( Lachen rechts.) Im Jahre 1902 war das Gesamteinkommen der brei Großgrundbesitzer, die überhaupt keine Einkommensteuer zahlen. rechtigte Streben, selbst zu etwas zu kommen, immer mehr nachläßt. Landwirtschaft 2557 Millionen, es stieg 1905 auf 2813 Millionen, Das ganze Bestreben der Agrarier geht nur dahin, die Preise der Die gutgefütterte Landwirtschaft wird es verlernen, sich selbst zu 1908 auf 3759 Millionen. Die Zahl der ländlichen Zenfiten über Produkte zu heben, und sie verstehen es, nicht nur die Hilfe des helfen in Zeiten, wo es ihr nicht gut geht. Die Großzgrundbesitzer 900 M. betrug 1902 1 430 000, fie ftieg 1905 auf 1 570 000 und 1908 Staates, fondern auch die der Provinzen heranzuziehen. So sollte in find die auf 2120 000. Diese große Steigerung ist also erst nach In- Hannover eine Pferdeverwertungsgenossenschaft gegründet werden, verzogenen Kinder der heutigen Gesetzgebung. trafttreten der Handelsverträge eingetreten. Besser wenn 750 Anteilscheine gezeichnet wären. Es wurden aber nur 500 Jeder Wunsch wurde ihnen bisher erfüllt und mußte erfüllt werden, noch als diese Zahlen zeigt die Statistik der Einkommersteuer über- gezeichnet, und da ging man an die Provinzialverwaltung heran, die da sie nicht bloß die preußische, sondern alle anderen Parlament, haupt, daß ein glänzender Reichtum in das Land gekommen ist. Die übrigen Anteilscheine zu übernehmen. Es wurde denn auch ein die Provinziallandtage, die Kreistage und Kreisausschüsse beZahl der ländlichen Zensiten über 3000 m. betrug 1902 103 542; Kapital von 50 000 Mart hergegeben. Für welche anderen herrschen. In allen diesen Institutionen bewilligen sie die Gelder 1905 115 000; 1908 135 435. Sie ist also in sechs Jahren um Voltstlassen geschieht wohl so etwas?( Buruf für sich selbst. Die Landwirte sollten ruhig sein und sich ihres 82000 gestiegen.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das rechts: Die Gewerkschaften!) Sie sollten doch auch so viel Ver- Wohlstandes freuen, statt immer von neuem in eine Agitation Gesamteinfommen der Landwirtschaft betrug 1902 1000 Millionen. ständnis haben, daß man einen solchen Einwand nicht machen kann, einzutreten, die nur darauf gerichtet ist, die Oeffentlichkeit zu Es stieg 1905 auf 1128 Millionen und 1908 auf 1353 Millionen. und daß die Gewerkschaften eine gebieterische Notwendigkeit täuschen. Es ist eine Täuschung, daß es den Landwirten nicht gut Es hat also in den letzten drei Jahren um 225 Millionen zu waren gegenüber der Verteuerung der Lebensmittel der Agrarpolitit. geht. Statt zu schreien, sollten Sie dafür wirken, daß der preu genommen. Das Einkommen aus Handel und Gewerbe auf dem Durch die Tätigkeit der Landwirtschaftskammern und der landwirt- ische Staat aus der Hörigkeit der Junker Lande hat eine solche Steigerung auch nicht entfernt erfahren. Die fchaftlichen Vereine werden jetzt durch landwirtschaftliche Produkte, herauskommt.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Berichten, die eingegangen sind, scheint die Erschütterung in Klein- Ein Riesenbarometer. Der Geburtsort des berühmten Physikers asien eine ziemlich starte und ausgedehnte gewesen zu sein. Am Torricelli Faenza ist die Wiege eines eigenartigen physikalischen 13. Januar fand in Norditalien ein Erdbeben statt, das vielleicht Instruments geworden, das der Jefuitenpater Alfani dort konstruiert Der Zusammenhang der Erdbeben. Die tiefe Betwegung, die Ausgleich der in der Erdkruste infolge der Katastrophe von Messina- gewöhnliche Quecksilberbarometer besteht aus einem Glasrohr, das ein sogenannter sympathetischer Nachstoß" war, der durch den hat. Es handelt sich um das größte Barometer der Welt. Das folge der füditalienischen Erdbebentatastrophe die gesamte Stultur- Calabrien entstandenen Spalten eintrat. Es ist immerhin auffallend, mit Quecksilber bis zur Höhe von 760 Millimeter angefüllt welt ergriffen hat, hat allmählich einer ruhigeren, überlegenden daß das Erdbeben in Calabrien relativ vereinzelt geblieben ist, so ist, darüber Stimmung Blaz gemacht, so daß nach der tieferschütternden mensch- daß man von einer Gesamterhöhung der seismischen Tätigkeit Vacuum" befindet. während sich δας berühmte Torricellische 760 Diese Höhe von Millimeter ent lichen Seite des ungeheuren Unglüds auch die wissenschaftliche eigentlich nicht sprechen kann. Diese Vereinzelung mag dadurch spricht bekanntlich dem Druck, den das Gewicht der Erdatmosphäre Untersuchung und Beurteilung zu ihrem Recht kommen darf. Eine crklärlich sein, daß es trotz der furchtbaren Folgen zivar als eine auf das Quecksilber ausübt. Die Erdatmosphäre wird natürlich eine der Fragen, die sich bei solchen gewaltigen Naturereignissen zu gewaltige, aber doch nicht als eine ganz große Erschütterung be- umsoweniger hohe Säule einer Flüssigkeit heben können, je größer nächst aufdrängen ist die, ob nach dem ungeheuren Schlage, mit zeichnet werden kann. Der größte Durchmesser des betroffenen das spezifische Gewicht dieser Flüssigkeit ist. Nimmt man an Stelle dem der Hammer des Schicksals die Menschheit trifft, nicht noch Gebietes erreichte noch nicht 400 Kilometer, und bei höchster des schweren Quecksilbers in der Barometerröhre etwa Del, aus dem Nachwirkungen eintreten, die neues Unglück und Glend mit sich Schäßung ist seine Oberfläche nicht größer als 95 000 Quadratkilo- jede Spur von Luft entfernt ist, wie dies Alfani getan hat, so wird bringen fönnen. Es ist auch Tatsache, daß jedem großen Erdbeben meter gewesen. Daß diese Ziffern verhältnismäßig nicht bedeu- die Höhe der Flüssigkeitssäule, die dem Luftdruck das Gleichgewicht eine Reihe von Nachstößen folgt, die sich erst allmählich, wie eine tende sind, zeigt ein Vergleich mit dem kalifornischen Erdbeben von hält, über 11 Meter betragen. Alfani hat nun dies sonderbare DelWelle, die ein ins Wasser geworfener Stein hervorbringt, beruhigen 1905, Ivo 372 500 Quadratkilometer, und mit dem indischen Beben barometer tatsächlich praktisch ausgeführt. und verlaufen. Im Jahre 1783 wurden in Monteleone nicht weni bon 1897, wo fogar 1 750 000 Quadratkilometer getroffen wurden. Barometersäule, die jemals in Wirklichkeit gefehen wurde. Mit Es ist wohl die höchste ger als 949 Stöße berzeichnet und im Jahre 1784 deren 159. Bei Auch andere Umstände sprechen dafür, daß es sich nicht um eine Wasser gefüllt würde die Höhe, statt der 11,19 Meter des Delbem jezigen großen Erdbeben in Calabrien ist die gleiche Erfahrung Umwälzung ersten Ranges gehandelt hat. barometers, nur 10,32 Meter betragen. gemacht worden. Nach der Katastrophe brachten die Tagesblätter fortwährende Meldungen von neuerlichen Erschütterungen, die jedoch Woher kommt das Wort Tarif? Zu einem der vieldeutigsten zu unvollständig und unsystematisch waren, um ein vollständiges Worte gehört die Bezeichnung Tarif, die besonders im gewerkschaftBild zu geben. Einige von diesen Nachstößen waren heftig genug, lichen Leben eine ganz außerordentliche Rolle spielt und übrigens um schon erschütterte Mauern und Gebäude vollends zum Einsturz auch in diesem engen Rahmen Gegenstand oft lebhafter Auszu bringen, und einzelne hatten arge Verwüstungen angerichtet, einandersetzung über die Begrenzung dieses Begriffes gewesen ist. wenn eben noch etwas dagewesen wäre, was hätte verwüstet werden Neben der Anwendung im Rahmen der gewerkschaftlichen fönnen. Der erste von diesen Nachstößen ist am 23. Januar um Politik spielt der Ausdruck in der Zollpolitik und auch 7 Uhr 24 Minuten nachmittags eingetreten. Er soll in Reggio sonst im Handelsverkehr eine ganz bedeutsame Rolle. faum minder heftig gewesen sein, als der Stoß am 28. Dezember Ueber die Entstehung des Wortes wurde auch schon viel und verursachte den Einsturz einer großen Menge von Häusern. herumgestritten. Wir finden in einer Abhandlung des Professors Allerdings ist diese Angabe immerhin mit einer gewissen Vorsicht Hans Strigl„ Kaufmännische Ausdrücke, sprachgeschichtlich erläutert" aufzunehmen, da man damit zu rechnen hat, daß ein Erdbeben im 10. Jahrbuche der Exportakademie des österreichischen Handelseine so fürchterliche Nervenerregung in den Bewohnern der be- museums die nachstehenden Ausführungen über das Auftreten und troffenen Gegenden hervorruft, daß sie dazu geneigt sind, in leich über den Ursprung des Wortes Tarif:" In seinem Fremdwörterteren Erschütterungen eine Wiederholung der früheren zu erblicken. buche A la Mode- Sprach der Teutschen", Nürnberg 1728, hat Gleichwohl scheint der Nachstoß vom 23. Januar recht stark gewesen Sperander( F. Gladow) das Wort Tarif zum erstenmal gebucht. Das zu sein, ist es unwahrscheinlich, daß er die volle Heftigkeit des vielverbreitete Wort italienisch tariffa, spanisch und portugiesisch erften Stoßes erreicht hat. Abgesehen von diesen örtlichen Nach- tarif, französich tarif, englisch tariff ist arabischen Urwirkungen pflanzt sich die Erdbebenwelle auf sehr weite Entfer- fprungs, lautet in dieser Sprache ta'rif und bedeutet Bekannt. nungen fort, so daß große Beben dank der Feinheit der Instrumente machung"," Nachricht"," Anzeige". Es gehört zu dem Wurzelverbum in allen Teilen der Welt verspürt werden. Allerdings muß man arafa, fennen"," erfennen", erklären"," anzeigen". Zur Verbreitung um so vorsichtiger sein, Zusammenhänge festzustellen, die vielleicht des Ausdrucks soll der darauf beruhende Name des Orts Tarifa in der Wirklichkeit durchaus nicht entsprechen. Das größte der um Spanien befonders beigetragen haben." die Zeit der Katastrophe in Calabrien verzeichneten Beben fand Die Anwendung des Wortes auf die follettiven Arbeitsam 11. Januar in Nordamerika statt, und am 19. Januar folgte berträge, die nicht sehr angemessen scheint, weil sie nicht durchhm eine gleichfalls sehr bedeutende Erschütterung in Kleinasien, aus eindeutig ist, scheint in Deutschland aufgekommen zu sein. Es Das amerikanische Beben wurde um 3 Uhr 55 Minuten nachmittags wäre jedenfalls interessant, wenn man feststellen könnte, wann im n Victoria( Canada) beobachtet, wo sein Zentrum gelegen war. Zusammenhange mit der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung das Berschiedene Orte der Union meldeten das gleiche Beben. Nach den Wort Zarif zum ersten Male Anwendung gefunden hat. Kleines feuilleton. Humor und Satire. Ein glänzendes Engagement. Mein Fräulein," sagt der Herr Intendant, Das Fach der Naiven, es ist vakant. Ich engagiere Sie gerne, mein Kind, Weil Sie hübsch und jung und talentvoll sind! Denn auf ein nettes, pitantes Gesicht Lege ich ganz besondres Gewicht! Als Gage bekommen Sie, Fräulein, im Jahr Die enorme Summe von tausend Mark bar. Davon bekommt, wie bekannt, der Agent Auf Lebensdauer nur zehn Prozent. Und darauf leg' ich besondres Gewicht Mein Fräulein, organisier'n Sie sich nicht! Die Strafgeiber sind bei mir nicht stark: Es schwankt zwischen zwanzig und hundert Mart. Vor allem bleiben Sie hübsch gesund, Denn Heiserteit ist ein Entlassungsgrund. Und darauf leg ich besond'res Gewicht Toiletten, die unmodern, dulde ich nicht! Für jede Rolle ein neues Kleid! Sonst bringen Sie's nie auf der Bühne weit. Ich sagte doch schon, mein liebes Kind, Daß Hut und Kostüm Ihre Sache sind? Zum Schluß darauf leg' ich besondres Gewicht: Leben Sie fittsam und fallen Sie nicht!" ( Karlchen in der Jugend.) Männer mit guten Beziehungen. Saale Bur Radrennbahn", Elsenstraße, Ede Treptower Chauffee; für den Ortsteil Baumschulenweg in Speers Festsälen, Baums Schulenstr. 78. Verfammlungen. Der Protest der Jugendlichen. der Arbeiterjugend Berlins. Schon um 2 Uhr zogen die JugendKellers Festsale waren am Sonntagnachmittag das Biel lichen ruhig und in größeren und Kleineren Gruppen dem VerAbg. Niffen( Däne) bellagt es, daß eine Prämiierung eines| Vorjahre, ferner 83 622 Stid, worunter 74 859 Uhren und Geflügelhofes später durch die Landwirtschaftskammer in Schleswig- 8719 Pferde usw., gegen 103 661 Stüd im Vorjahre, worunter 95 792 Uhren und 7817 Pferde usw. Holstein wieder zurüdgezogen wurde. Die Ausfuhr betrug Abg. D. Hadenberg( natl.): Es ist nicht richtig, daß die 3 356 289 Tonnen gegen 3 168 754 Tonnen im Vorjahre, ferner Staatsunterstützung für die Landwirtschaft bloß dem Großgrund- 37 480 Stiid, worunter 36 718 Uhren, gegen 37 667 Stüd, worunter besitz zufließt, der mittlere und der Kleinbesitz haben mehr Vor- 37 017 Uhren. Steigerungen in der Einfuhr erfuhren namentlich bile davon als der Großgrundbesiz. Der Weinbau bedarf einer mineralische und fossile Rohstoffe trotz der Ausfälle bei Brennstoffen stärkeren Berücksichtigung als er bis jetzt gefunden hat. und Mineralölen, da mehr Erze usw. eingingen. An der erhöhten Abg. v. Pappenheim( f.): Ich gebe zu, daß die Landwirtschaft Ausfuhr sind am meisten mineralische und fossile Rohstoffe( Brennjetzt hoffnungsvolleren Zeiten entgegengeht, aber es ist zweifellos, ſtoffe rund 280 000 Tonnen, Eiſen und Eiſenlegierungen daß die Landflucht gerade der jüngeren Elemente noch im Wachsen 15 000 Tonnen) beteiligt. sammlungslokal zu. Aus den Fenstern der Wohnungen blickten ist. Die Ausführungen des Herrn Reinert bedürfen keiner sachlichen die Bewohner erstaunt auf den unabsehbaren Strom von jugendWiderlegung, aber ich möchte doch feststellen, daß fie einen Mißbrauch lichen Gestalten. Was aber die Zuschauer noch mehr interessierte, Dieser Rednertribüne darstellen. Bei der geringsten Prüfung des Als sich vor nicht langer Zeit der erste Staatskommissar an der war das ungeheure Polizeiaufgebot, das die Stoppenstraße und be= Etats hätte Herr Leinert solche Behauptungen nicht aufstellen Berliner Börse, der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat fonders Kellers Lokalitäten besetzt hatte. Fünf oder sechs ergraute können. Wenn er behauptet, daß das Landwirtschaftsreffort im Hemptenmacher durch die Kommerz- und Diskontobant engagieren Bolizeioffiziere bewachten den Torweg. Ordonnanzen jagten auf Etat gegenüber den anderen bevorzugt werde, so muß ich an- ließ, brachte der Vorwärts" eine Reihe ähnlicher Vorfälle in Er- flinken Rädern auf und ab und in den umliegenden Häusern hatten nehmen, daß er wider besseres Wissen gesprochen hat.( Wider- innerung. Heute sei die Liste der Männer, die gleich Herrn Hempten- fich zahlreiche Geheime postiert. Uebrigens waren auch an bere spruch bei den Sozialdemokraten. Beifall rechts.) Herrn Leinert macher ihr Staatsamt mit der Würde eines Bankdirektors vertauscht schiedenen Stellen fliegende Wachen untergebracht, unter anderem ist es offenbar nur um die Verhebung der Bevölkerung zu tun. haben, vervollständigt. bei Buggenhagen am Moribplay. ( Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Es engagierten in den letzten Jahren: Die Bank für Brau Als der Vorsitzende Maschke die Versammlung eröffnete Landwirtschaftsminister v. Arnim: Wenn Herr Leinert behauptet hat, daß die Regierung den Großgrundbesitz gegenüber dem industrie den Regierungsrat a. D. Rich. Chrzeseinsti, die Effener war der große Gaal beängstigend angefüllt. Auf den Galerien Kreditanstalt den Regierungsaffeffor a. D. Dr. v. Waldthausen, die zog sich eine vier bis fünfgliederige Zuhörerreihe hin. mittleren und kleineren bevorzugt, so ist er im Unrecht. Denn von Hildesheimer Bank den Gerichtsassessor a. D. D. Schneidler, die 2500 Jugendliche beiderlei Geschlechts lauschten in lautloser Stille den 31 Millionen Mart, die der Etat für die landwirtschaftliche Landbank den Hoffammerrat a. D. Herm. Pafchky, den Regierungs- den trefflichen Ausführungen des Reichstagsabgeordneten GichVerwaltung vorsieht, entfallen 10,8 Millionen Mark auf die General- affessor a. D. Willi Queder und den Regierungsrat a. D. Erwin horn, der, gestützt auf sorgfältig gesammeltes Material und auf kommissionen, deren Tätigkeit sich fast ausschließlich auf den kleinen Bauenstein, die Deutsche Grundkreditbank den Amtsgerichtsrat a. D. eigene viele Erfahrungen, mit überzeugender Eindringlichkeit die Besitz beschränkt. Ebenso fommen die Ausgaben für Lehranstalten, B. Landschütz, die Deutsche Hypothekenbank den Regierungsrat a. D. jämmerlichen Verhältnisse der Lehrlinge und den ungenügenden die 5 Millionen für das Beterinärwesen und die 4 Millionen für Ludw. Riecher, die Mecklenburg.- Strelitzsche Hypothekenbank den Schutz derselben, besonders draußen in den Provinzen, den Zu Förderung der Viehzucht vor allem dem kleinen Besit zugute. Die Regierungsrat a. D. Felig Gutmann, die Mitteldeutsche Boden- hörern schilderte. Auf die Gewerbeinspektion übergehend, zeigte Behauptungen des Herrn Leinert sind also ganz haltlos. Damit schließt die allgemeine Besprechung. Das Gehalt des reditanstalt den Geh. Regierungsrat P. Stier, die Norddeutsche ber Redner die Unzulänglichkeit der Beamten, benen es nicht an gutem Ministers wird bewilligt. Angenommen wird ein Antrag Dr. die Pfälzische Hypothekenbank den Landgerichtsrat a. D. Fr. Wagner, besonders ihrer Abhängigkeit als Beamte an dem nötigen Ver Regierungsrat a. D. Dr. H. Michael, willen, wohl aber infolge ihrer Erziehung und ihres Milieus und Heisig( 3) auf Neuregelung des Tagwesens. die Preußische Hypotheken- Aktienbank den Stammergerichtsrat a. D. ständnis und Objektivität mangele, um die Verhältnisse der Persönlich erklärt Wilh. Tinius, die Rheinische Hypothekenbank den Landgerichtsrat a. D. arbeitenden Schichten richtig und voll erfassen zu fönnen. Um Dr. Otto Schneider und den Staatsanwalt a. D. Dr. Heinrich so mehr müßten diese ihre Rechte erkämpfen und wahren. Wenn Fuchs, die Sächsische Bodenkreditanstalt den Landgerichts- es der bürgerlichen und christlichen Jugend gestattet sei, sich in rat a. D. A. Baltzer, die Schlesische Bodenkredit- Aktien- politischen Vereinen zusammenzuschließen, so könne die arbeitende bergische Vereinsbank den Geh. Regierungsrat Jul. v. Lichtenberg. Vereinen und Verfammlungen zusammenzukommen, Abg. Leinert( S03.): Herr v. Pappenheim hat gesagt, ich habe biele Behauptungen wider besseres Wissen aufgestellt. Gegenüber dieser dreisten Anmaßung kann ich nur sagen, daß es ein Mißbrauch Grundkreditbank den der Rednertribüne ist, von sich auf andere zu schließen.( Beifall bank den Landesrat a. D. 2. Noack und die Württem- Jugend mindestens verlangen, daß man ihr das Recht lasse, in bei den Sozialdemokraten.) In der Einzelberatung befürwortet Abg. Eder( natl.) einen Antrag, vom Jahre 1910 ab Mittel in Und warum holt man so viele Staatsbeamte in den Bankdienst? wirtschaftlichen Interessen zu besprechen. Der von der Handwerksben Etat einzustellen für die Förderung des hauswirtschaftlichen richten":" Für die Banken hat es sich im Laufe der Jahre scheinbar die Schußtruppen der Reaktion, treffen, sondern der proletarischen Im Dezember vorigen Jahres schrieben die" Hamburger Nach- tammer gefaßte Beschluß soll aber nicht die christlichen Vereine, Unterrichts schulentlassener Mädchen auf dem Lande. Landwirtschaftsminister v. Arnim- Criewen: Durch das Dota- als Notwendigkeit herausgestellt, neben die Männer, die gewisser Jugend die Möglichkeit unterbinden, ihre Lebensfragen zu ertionsgesetz sind derartige Ausgaben den Provinzialbehörden über- maßen als Refruten des Handelsstandes von der Pike auf gedient ortern. Redner gibt eine Charakteristit der Handwerkskammer, wiesen, der Staat ist also nicht in der Lage, viel dafür zu tun. und sich an die Spize der Banken heraufgearbeitet haben, Persönlich in der die 14 Arbeiter nur als Staffage dienen, während die Jedoch gebe ich zu, daß es sich hier allerdings um eine sehr wichtige feiten zu stellen, die Erfahrung im Dienste der Staatsverwaltung Unternehmer tun und lassen, was ihnen beliebt. Die Kammer sci Aufgabe handelt, und wir werden tun, was in unseren Kräften steht. gesammelt haben, die Beziehungen unterhalten zu den dem Winke mit dem Baumpfahl des Staatssekretärs v. BethmannWir haben jetzt schon 4 wirtschaftliche Frauenschulen und 27 land- maßgebenden Kreisen der Regierung und die auch Sollweg gefolgt und versuche nun auf dem Erziehungswege das Reichsgesetz illusorisch zu machen. wirtschaftliche Schulen und 42 Haushaltungsschulen; außerdem einen hohen gesellschaftlichen Rang bekleiden." Sie sind eben Mittel zum Zweck und das Volk zahlt die Kosten. Unter großer Heiterkeit glossierte der Referent die umfang. werden durch Wanderlehrer eine große Anzahl von Kursen ab= reichen Vorkehrungen der Polizei und bezeichnete dies in der gehalten. Wir meinen, daß ebenso wie der Mann für die 2 and. Triebwagen. Hauptsache als die Folge jener journalistischen Achtgroschenjungen, wirtschaft die Frau auf dem Lande für den Haushalt vorbereitet werden muß, und wir hoffen, die Haushaltungsschulen fördern, ohne dabei unwirtschaftlich zu verfahren, sollen mit Beginn zu heben. Bezüglich des neuen Lehrvertrages forderte der ReUm den Personenverkehr auf wenig belasteten Streden zu die ein Gewerbe daraus machten, die Polizei auf die Arbeiterschaft ebenso hochzubringen wie die Winterschulen. Abg. Brandhuber( 3.) weist auf die erzieherische Bedeutung des Monats März verschiedene Verbindungen durch sogenannte ferent alle Anwesenden auf, dafür zu sorgen, daß alle Eltern der= Triebwagen hergestellt werden. Triebwagen haben ihre eigene Straft- artige Verträge einfach zurüdweisen.( Stürmischer, lang= ber landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen hin. quelle Affumulatoren, und es kann mit ihnen eine häufigere anhaltender Beifall.) Es Verkehrsmöglichkeit auch zwischen solchen Orten hergestellt werden, In der Diskussion schilderte noch ein Jugendlicher seine Erderen Verbindung durch Lokomotiven mit anhängenden Wagen zu teuer ist, daß nur wenige Züge im Tage verkehren können. Zunächst kommen im Bereich der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft 69 Wagen in Betrieb. Davon sind 57 nach einem System gebaut. Es find vierachsige Akkumulatoren- Doppelwagen. Die Affumulatoren liegen in besonderen Räumen vor dem Führerstand. Die beiden durch 54 Bläge vierter Klaffe. Acht Bläge laffen sich von der dritten Klaffe abtrennen und als zweite Klasse benugen. Die Fahr geschwindigkeit beträgt pro Stunde 50 Kilometer, fann aber auf 60 erhöht werden. Auf 52 Streden tommen die Triebwagen zunächst zur Einführung. Abg. Crüger( frf. Vp.): Im Osten läßt das landwirtschaftliche Fortbildungsschulwesen noch sehr viel zu wünschen übrig. müßte dort weit mehr geschehen, denn der Beruf des Landmannes erfordert mit jedem Jahre mehr eine bessere Ausbildung. Abg. Seine( natl.): Die landwirtschaftlichen Lehrer müssen bester gestellt werden, damit sie die Stellen an den landwirtschaftlichen Schulen nicht nur als Durchgangsposten betrachten. Hierauf wird der Antrag Ecer angenommen. Sodann vertagt sich das Haus auf Dienstag 11 Uhr: Fort: Kurzkuppelung verbundenen Wagen enthalten 46 Bläge dritter Klaffe, febung der heutigen Beratung und Gestüteetat. Schluß 4 Uhr. Hus Induftrie und Handel. Lebensmittelpreise und Haushaltskosten. Bom amerikanischen Eisenmarkt. Der Preisrüdgang am Roh Berechnet man auf Grund der Nahrungsmittelration der deut- eifenmarkt hat auch auf die Schienenpreise gedrückt. Der Rüdgang 1chen Marinefoldaten die Kosten der Ernährung für eine vierköpfige beträgt 3 Dollar 10,7 Proz. Die Situation wird als äußerst Familie nach den Breisnotierungen im Januar, fo erhält man für ungünstig bezeichnet. bie einzelnen Pläge sehr stark voneinander abweichende Refultate, Ein amerikanischer Zementtrust. zu einer Preiskonvention zusammengetan. Es soll ein Preis von 1,20 Dollar per Sad ab Wert festgesetzt worden sein. An der neuen Vereinbarung sollen neun Zehntel der amerikanischen Produktion beteiligt sein. die in der Hauptsache daraus resultieren, daß die Haushaltskosten in Die größeren Zementfabriken der Vereinigten Staaten haben sich den verschiedenen Gegenden Dentschlands quantitativ und qualitativ gleichem Konsum noch äußerst stark differieren. Für 55 deutsche Blaze ergibt sich, daß der wöchentliche Aufwand für die gleichen Nahrungsmittelmengen fich im Januar zwifchen 19,56 und 25,47 Wart bewegt hat. Es läßt sich ganz deutlich eine Scheidung der verschiedenen Landesteile nach der Höhe des Kostenaufwands für die Ernährung durchführen, obwohl innerhalb jedes einzelnen Landesteils selbst wieder charakteristische Abstufungen zwischen Stadt und Land vorhanden sind. In den westlichen Provinzen ist zweifellos die Ernährung durchschnittlich teurer als im Norden und Osten Deutschlands. In einigen größeren Orten stellte sie sich im Januar in Mark wie folgt: Königsberg i. Pr. 20,31 Berlin Stettin Breslau. • Hannover. 21,96 Altona. 21,09 Dortmund 22,53 Düsseldorf 22,77 Köln 24,87 Effen 20,82 23,88 22,50 24,42 25,47 23,87 Aus der Frauenbewegung. Vom Kampf um das Frauenstimmenrecht in England. Mitglieder der Allgemeinen Stimmrechtsvereinigung( Adult Suffrage Society) beteiligten sich kürzlich wie The Woman Worker" berichtet- in großer Bahl an einer von den nationalen Frauenstimmrechts- Vereinigungen einberufenen Versammlung in der Stadthalle von Reading. Lady Frances Balfour und Mrs. Philip Snowden waren Referentinnen. Jeder Zuhörer hatte ein Flugblatt ber Adult Suffrage Society erhalten, in welchem Lady Frances Balfours Ausspruch angeführt war, daß das beschränkte Frauenwahl recht so gut wie sicher eine Schutzwehr gegen einige der extremsten Forderungen der Ultraradikalen, z. B. die des allgemeinen WahlDas genügte, rechts bilden würde. um zu bewirken, daß Mrs. Snowden, als sie das Wort nehmen wollte, mit Bischen und Lärmen empfangen wurde, weil sie eine so ausgesprochen antidemokratische Maßregel verteidigen wollte. lebnisse als Behrling und gab mit seinen schlichten, ergreifenden Ausführungen eine lebendige Illustration zu dem Referat des Genossen Eichhorn. In seinem Schlußwort teilte Maschte nod) feine Unterredung auf dem Polizeipräsidium mit und wies besonders auf den Umstand hin, daß das, was ihm dort gefagt wurde, sich mit dem decke, was die bürgerliche Presse beröffentlicht habe. Er habe aber von vornherein erklärt, daß absolut nichts geplant wäre, und die Schreckschüsse der bürgerlichen Presse nur dem erregten Hirn journalistischer Achtgroschenjungen entsprungen seien. Man fehe aber, wie innig die Beziehungen zwischen tapitalistischer Presse und Polizei feien. Mit einem brausenden Hoch auf die proletarische Jugendbewegung schloß die imponierende Versammlung, nachdem die unten folgende Sc= folution einstimmig angenommen war. Unter Absingung eines Arbeiterliebes leerte sich der große Saal langsam und in aller Ordnung. Als das Hoch erklang, wurde es draußen lebendig. Aus dem Hinterhalt erschienen airta 30 Schußleute und auf der Straße sammelten sich an allen Ecken ebenfalls Ordnungsmänner an. Sie betamen aber nichts zu tun. In zwanglosen Gruppen verloren sich die Besucher nach den verschiedenen Gegenden. Die Resolution lautet: " Die am Sonntag, den 21. Februar, in Kellers Festsälen tagende, bon 2500 Jugendlichen besuchte öffentliche Versammlung nimmt mit Entrüstung von dem Beschluß der Handwerkskammer Kenntnis, der auf Grund eines Lehrvertrages der Jugend das Vereins- und Versammlungsrecht vollständig rauben will. Die Versammelten ersuchen die Eltern und Vormünder, Lehrverträge mit solcher Alausel nicht einzugehen und geloben, mehr als bisher alle Kräfte zur Agitation für die freie Jugendbewegung anzuspannen." Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Die Mitgliedschaft Berlin dieses Verbandes hielt am Sonntag im Königstädtischen Kasino" ihre Generalversammlung ab, in ber als erster Punkt der Jahresbericht des Vorstandes auf der Tagesordnung stand. Aus dem Bericht, den der Vorsitzende O. Riebe gab, ist zu entnehmen, daß im verflossenen Jahre bei drei Firmen, Magdeburg. und zwar in Schöneberg, Nowawes und Charlottenburg, AbwehrHalle. streits stattgefunden haben. Im übrigen bemerkte der Redner, Gehen wir den Ursachen nach, die die Verschiedenheit der Haus daß die wirtschaftliche Krise auch für die Hafenarbeiter große Ar haltskosten zwischen Westen und Osten bedingen, so zeigt sich, daß beitslosigkeit mit sich brachte. Auch die Holzfirmen hatten nur es in erster Linie der Preis für Schweinefleisch ist, der wenig Beschäftigung, und wenn einmal etwas mehr zu tun war, so dauerte es höchstens eine oder zwei Wochen. Die Abrechnung den Unterschied veranlaßt. Während nämlich in den Städten der Provinzen Ost- und Westpreußen, Schlesien, Pofen, Pommern und Noch bevor eine der beiden Vertreterinnen der Limited Bill( des vom verflossenen Jahre, die der Kassierer Mro tota verlas, schließt Brandenburg der Höchstpreis für Schweinefleisch im Januar nur bis beschränkten Wahlrechts) ihre Nede beginnen konnte, schlug unsere mit der Bilangsumme von 6226,07. ab. An die Verbandskasse auf 1,70 m. pro Kilogramm( in Potsdam) hinaufging, betrug der Genoffin Mrs. Montefiore, Sekretärin der Adult Suffrage Society, wurden 1036,22 m. abgeliefert. Die Krankenunterstüßung erDa forderte 2699,50 M., die Sterbeunterstüßung 435 M., die Streifniedrigfte Preis 1,30 M.( in Memel und Graudenz). Dem steht in aus der Mitte der Versammlung folgende Resolution vor: einem Wahlrecht Wahlrecht nach ben bisher den westdeutschen Provinzen ein Höchstpreis von 2,02 m. gegenüber, unter geltenden Be- unterstüßung 273,95 m. In den Vorstand wurden gewählt als: O. Krüger, der in Köln im Januar notiert wurde. Der niedrigste Preis war stimmungen nur jede dritte Person der Bevölkerung wahl. 1. Vorsigender D. Sie be, 2. Vorsißender 2. Rassierer W. Wetter, in Rheinland- Westfalen und Hessen- Nassau 1,40 M.; er wurde in berechtigt wäre, ist der einzig logische und demokratische 1. Kassierer A. Mrowka, Münster und Paderborn bezahlt. 2 M. loftete 1 Kilogramm in Weg, um den Frauen das Stimmrecht zu verleihen, die 1. Schriftführer F. Trapp, 2. Schriftführer F. 2adenthin. Hanau, Wiesbaden und Krefeld. Auch Rindfleisch ist im Westen Einführung des allgemeinen Stimmrechts." Diese Resolution Als Revisoren wurden Kube, Görs und Riemer gewählt, erheblich teurer; der relativ niedrige Preis von 1,10 m. für 1 Stilo wurde darauf von der Tribüne aus von Mrs. Montefiore wieder- als Kontrolleure Vielgezogen, Grimad und Brosowsta. natürlich erfolglos aufforderte, fie gramm, der in den mehr östlichen Provinzen für fünf Städte notiert Holt, die Mrs. Snowden Berichtigung. In dem Versammlungsbericht in Nr. 44 des wurde, kam im Westen nur einmal, und zwar in Koblenz, bor. zu unterstützen. Dafür wurde sie von der Versammlung mit Beifall„ Vorwärts" von unserer Generalversammlung vom 17. Februar Der Preis für Hammelfleisch bewegte sich im allgemeinen in aufgenommen. ist folgender Sah enthalten:„ lleber Quertreibereien von seiten der den verschiedenen Gegenden auf ziemlich dem gleichen Niveau; er stand am höchsten in Breslau, Altona und Wiesbaden, wo er Ein Bischof und die Dienstbotennot. Der Fastenhirtenbrief des Hirsche und Lokalisten, durch deren Schuld sämtliche Sperren illu1,80 m. pro Kilogramm betrug. Starken Verschiebungen war der Bischofs von Bassau behandelt die Dienstbotenfrage, die ihren Urforisch gemacht wurden, wird geklagt." Dies trifft für die Kartoffelpreis unterworfen; in Allenstein ging er im Januar sprung habe in der Sünde und in der Sünde bestehe. Unmäßig ofalisten nicht au, und ist auch nicht in unserem Geschäftsauf 0,20 m. pro Silogramm hinauf, in Memel und Bofen bis auf leit und Unteuschheit seien die Hauptlaster der Dienstboten bericht enthalten. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. 0,04 m. herab. Auch der Brotpreis wies in den verschiedenen Sie sollten zufrieden und bescheiden ihr Kreuz tragen und sich nieDer Vorstand. Orten starte Gegenfäße auf; er erreichte in Strefeld, Neuß a. Nh., mals zur Auflehnung gegen jene hinreißen lassen, welche über fte Köln und Aachen eine Höhe von 0,40 m. pro Kilogramm, während gesetzt sind. ez in Bromberg nur 0,23 M. betrug. Butter endlich schwankte zwischen 2,11 W. pro Kilogramm und 2,91 M. Ersterer Preis wurde in Köslin, letterer in Halle a. S. bezahlt. Feierschichten. Der Bischof( Freiherr v. Dw- Felldorf) stammt aus dem Geschlecht der Junter. und die Junker waren und fine in der Dienstbotenfrage mit der Kirche immer einer Anschauung! Lefeabende. Briefkaften der Redaktion, Infolge Abfazmangels feierte am 22. Februar die Gelsen- Mahlsdorf( Ostbahn). Heute, Dienstag, 8 Uhr, im Lokal des Buchstabe und eine Rabl als Wertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Genossen Müller, Berliner Chauffee. firchener Bergwertsgesellschaft auf den Zechen theinelbe und Alma, die Bergwerksgesellschaft Consolidation ließ auf ihren Schacht- Tegel. Mittwoch, den 24. Februar, 8% Uhr, bei Halfes, Brunowstraße 23. anlagen I und II den Betrieb ruhen, ebenso die Bergwerksgesellschaft Steglis. Donnerstag, den 25. Februar, 8%, Uhr, bei Wahrendorf, Testament ist gültig. W. 11. 1. Sa; die Strafe träſe den Arbeitgeber. Dahlbusch. Deutscher Außenhandel im Januar 1909. Nach den monatlichen Nachweisen über den deutschen Außenhandel, herausgegeben vom kaiserl. Statistischen Amte, betrug im Januar 1909 im Spezial handel die Einfuhr 3 651 537 Zonnen gegen 3 652 876 Tonnen im Schloßstr. 117. Versammlungen Veranstaltungen. Treptow- Baumschulenweg. Heute( Dienstag) 8 Uhr abends: awei öffentliche Frauenversammlungen. Für den Ortsteil Treptow, im Die furiftiffie Ebrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof. britter Eingang. vier Trebben, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9%, Ilbe ftatt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 br. Jeder Anfrage ift eit wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten tönnen 14 Tage bergeben. Gilige Fragen trage man in der Ebrethitunde bor. G. K. 35. Wenn der Betreffende seine Verpflichtungen bis zun 28. Lebensjahre nicht erfüllt, ist eine Einziehung möglich. 21. E. 42. Das Fried ich 2. Ein Recht, vom Bertrag zurückzutreten, besteht für. Sie nicht. Eine Klage der Gesellschaft hätte Aussicht auf Erf:: Zwei Streitende. 1. Nein. 2. Auch im Auslande tönnen die zi rechtlichen Forderungen jeder Art verfolgt werden. 8. S. 59. N B. 12. 13. Berufung an das Landgericht wäre zulässig, verspricht aber Shrem Falle wenig Erfolg. A. 8. 61. 1-3. Rein. 4. Ein Anst würde ber Großmutter nicht zustehen. Weniger. Ja; eine ausgeflagte| Invaliden oder Altersrente nur gewährt, wenn beide Renten zusammen 200. S. and B.. 71. Offenbacher Strantentasse, Bringenftr. 66 bet Forderung verjährt erst in 30 Jahren. Bon jeder Pfändung ab läuft die den siebenundeinhalbfachen Grundbetrag der Invalidenrente nicht übersteigen, Hinz. 2. W. 110. Wiederholen Sie die Anfrage. D. P. 333. Berjährungsfrist aufs neue. G. 2. S. 6. 1.- 3. Ja. G. Mt. 6. alfo daß in der ersten Lohnklasse nicht mehr als 450 M., in der zweiten 1. Das ist möglich. 2.- 4. Ja. 5. Liegt eine Gesundheitsgefährdung vor, Die Uebertretung würde in drei Monaten verjähren. Eine richterliche nicht mehr als 525 M., in der dritten nicht mehr als 600 M., in der vierten so find Sie berechtigt, den Bertrag aufzuheben und Schadenerjah vom Wirt Handlung unterbricht die Verjährung. Wenn Bestrafung erfolgt, würde nicht mehr als 675 M., in der fünften nicht mehr als 750 M. zu zahlen wäre. zu verlangen. F. K. 21. Sind Sie volljährig, so würden Sie für den boraussichtlich auf eine geringe Geldstrafe erkannt werden. V. W. Ja. Voß. Derjenige, der den Offenbarungseid leistet, ist in dem Erwerb Fall einer Klage voraussichtlich verurteilt werden. B. 2. G. 1. 1. Shre 2. P. 5. 1. und 2. Nein. 3. Ja. 4. Nein. 5. P. 99. 1. Ja. und dem Besitz von Sachen durchaus nicht beschränkt. Im Offenbarungss Mutter fönnte mit Aussicht auf Erfolg gegen Jhren Bater auf Unterhalt 2. Ja; die Versicherungspflicht der Heimarbeiter ist auch statutarisch geregelt. eid ist anzugeben, welche Vermögen der Betreffende besißt. Zur Gides außerhalb der gemeinsamen Wohnung flagen, falls die Mißhandlung er Deshalb find leider die Heimarbeiter nicht frankenversicherungspflichtig, die leistung kann durch Haft gezwungen werden. Auch wenn der Offenbarungs- wiesen wird. 2. Eine Klage hätte leider keine Aussicht auf Erfolg. außerhalb des Bezirks wohnen, für den die Stasse errichtet ist. 3. Der von eid geleistet ist, fann immer wieder von neuem gepfändet werden... 5. 1. und 2. Nein. Warten Sie ruhig eine Klage ab. D. G. 27. Ihnen genannten Stasse beizutreten, raten wir ab. Empfehlenswert ist die D. H. 24. Nur an den Vormund oder an die Mutter können Sie 1. Sie find zur Zahlung verpflichtet. 2. Unseres Erachtens nicht; wenden Dffenbacher Krankentasse für Frauen und Mädchen, Prinzenstraße 66. sich wenden. Sie können den Pflegevertrag derselben Person gegen Sie sich an die Oberpostdirektion. 3. Durch die Buchhandlung Vorwärts Ren's 4. 1. Außer der Invalidenrente wird nicht die Altersrente ge über tündigen. V. 500. Hin und wieder wird auch auf solche tönnen Sie jämtliche Bücher, nicht nur die im Verlage des Vorwärts er wagri, fondern nur die, die höher ist. 2. Neben der Unfallrente wird die anonymen Zuschristen der Sachlage nachgegangen. 2. W. 1000. Ja. Ischienenen, beziehen. 4. Der Lehrer hat recht. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 23. februar. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhans. Tannhäuser. Rönigl. Schauspielhaus. Heinrich IV. König Deutsches. Revolution im Kräh wintel. Rammerspiele. Der Graf von Gleichen.( Anf. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus., Hamlet. Anfang 8 Uhr. Leffing. Der König. Berliner. Einer von unsere Leut'. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Baza. Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Hebbel. Revolutionshochzeit. Luftspielhaus. Seine kleine Freundin. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Wallner beater.) Die Braut von Messina. Schie Charlottenburg. Charleys Tante. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Nean. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Die goldene Lebenslüge. Trianon. Der Satyr. Nenes Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Moie. Die Geyer- Wally. Gastspiel Theater. Tanzabend. ( Anf. 8% Uhr.) Bürgerl. Schauspielhaus. Der Salontiroler.( Anf. 8 Uhr.) Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. tadel Apollo. Dntel Cafimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter Los. Wintergarten. Spezialitäten. Cart Haberland. Spezialitäten. Waliage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Ein lediger Che mann.( Unf. 8 Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Gunav Behrens. Gastspiel d. Mr. Latouré. Spezialitäten. Anjang 8 Uhr. Varodie. Siegel fiegelt alles. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Nippoldt: Irdische und kosmische Kräfte. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Seine kleine Freundin. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: ,, Kümmere Dich um Amelie." Schwant in drei Aften( vier Bildern) von Georges Feydeau Morgen und folgende Lage: Dies selbe Borstellung. Sonntag, 28. d. Ms., nachm. 3Uhr: Der Floh im Ohr. Nenes Operetten- Theater, Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Die Braut von Messina. Ein Trauerspiel mit Chören bon Friedrich Schiller. Mittwoch, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Donnerstag, abends8Uhr: Das Erbe. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Eintritt 1 Mark Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Alten von Leo Fall. Hebbel- Theater Königgräßer Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Luisen- Theater. Premiere: Die goldene Lebensläge. Mittwoch: Mädchen auf Jrrwegen. Donnerstag: Der Mann mit den vier Frauen. Freitag: Die goldene Lebenslüge. Sonnabend nachm. 4 Uhr KinderGeöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. 6000000000 Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Schwant in 3 Aften von Brandon Thomas. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Erbe. Donnerstag, abends 8 Uhr: Rechts herum. Ausstellungshallen am Zoo. HEKTOR= Ausstellung 20. a. 21. Febr.: Nicht- Jagdhunde 22. u. 23. Februar: Jagdhunde Am 20. und 22. Februar bis 2 Uhr: Richten der Hunde. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108-114 Im Riesen- Festsaal: Großes bayerisches Bockbier- Fest. Baron Mucki. Original- Alpendekoration. Max vom Hede. Jeden Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag: Gr. Tanz- Reunion. Heute, Dienstag, den 23. Februar: Elitetag. Prämiierung des kleinsten Damenfüßchens. 3 Barpreise: 50 M., 30 M., 20 M. Anfang 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. SAS Näheres Anschlagsäulen. vorstellung: Rotkäppchen. Abends Gastspiel- Theater 8 Uhr: Das Mädchen auf Jerwegen. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Das Mädchen auf Jurwegen. 8 Uhr: Die goldene Lebenslüge. Montag: Der Störenfried und: Die Dienstboten. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 24. Februar 1909: Alles fürs Stind. Dder: Die Berlin wie es weint und lacht. Folgen eines Rendezvous.( Auf. Boltsstüd mit Gefang in 8 Bildern 8 Uhr.) b. Berg u. Kalisch. Mufit v. Conradi. Urania. Zaubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korfu, Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Nippoldt: Zrdische und kosmische Kräfte. Sternwarte, Invalident. 57/62. Lessing- Theater. Dienstag 8 Uhr: Der König. Anfang 8 Uhr. Köpenicker Straße 68. 8%, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange: Der Hüttenbesitzer. WINTED BARTEN Letzte Woche! Saharet Metropol- Theater Gertrude Barrison Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. W Valhalla Variete Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Die amüsanten Februar Spezialitäten. Im Tunnel: Bockbierfeft. Regi mentsfap. Theaterbes. freien Eintr. Sonnabend, 27. Februar: „ Eine Knarr- Nacht" dem Zirkus Schumann Heute Dienstag, abends 7, Uhr: Parade Vorstellung. Nur noch furze Beit: Tiberio hebt einen Elefanten 5500 Pfund. Der brollige Paet Schimpanse als Radfahrkünstler. Frl. Dora Schumann mit ihren Schul- und Springpferden. James Dutton Company. Um 9½ Uhr: Der Schlager der Saison! der Golo, Seeräuber. W. Noacks Theater Direttion: Rob. Dill. Brunnenitr. 16. Zum letztenmal: Die alte Hanne. Lebensbild in 4 Aften. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Mittwoch: Gr. Bockbierfest. Einer von uns're Leut'. Entree frei. Folies Caprice 8um 75. Male: Ein lediger Ehemann. Anfang 8%, Uhr. Parodie- Theater. Dresdener Straße 97. Anf. 8, Uhr. Siegel fiegelt alles! Friedenau 2. Nein. XIV. Saison! Zirkus Busch. Heute Dienstag, abenos 7, Uhr: Große Gala- Vorstellung Um 9 Uhr der weltber. Driginal Konsul Peter! Mensch oder Affe? Ferner: Die Vievilles! Mdm. Olympia Desvall! ? Tackas? Fräul. Martha Mohuke, Schul reiterin. Herr Ernst Schumann, Neudreffuren. Um 9%, Uhr: Auswanderer! Borher: Das gr. Programm. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. Lägl.: Spezialitäten Vorstelluno mit Franz Sobanski Gisella Lorma, Geschw. Goldacer, The Gouthsmitts, Elli u. Mag Bach, Mag Wilberg, May Nee. Der Talmi- Graf. Bosse in 1 Aft von F. Sobanski. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger. Bum Schluß: Der Kompagnieball. Militärische Qumoreste bon Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 7 U. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. ober: Der Badfisch in Möten. Gastspiel des Mr. Latouré Borher: Alles für's Kind! oder: Die Folgen eines Rendezvous. mit seinem Preise d. Sippläge: 20, 40, 75 i., 1.: weltberühmten Zwergtheater Fröbels Weinbergsweg. Allerlei- Theater. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Jm Abonnement. p Simon u. Gardner Der Salontiroler. in ihrer amerikanisch. Burleske: Mittwoch 8 Uhr abſenzyllus, elfte Musik von Paul Lincke. Regie Der neue Kutscher Borstellung: Klein Eyolf. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. -Perry Bender Kettner Direktor Schultz. Massary Holden Giampietro Pfann Thielscher. und das drollige Faschings- Programm. Neues Theater. Pollo CPOLLO Passage- Theater. Theater Die fremde Frau. Hedi Herdina Anfang 8 Uhr. ( La femme X...) 0 Morgen und folgende Tage: Die n Gobert Belling a frembe Frau. k Theater des Westens. e 1 Maria Vinent Lloyd i m i Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. 10% Sochwaffer- Katastrophe in Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. der Altmark. alast- Theater Pa Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Dienstag, 23. Februar, Anf. 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr. 8um erstenmal: Kean. Mittwoch: Rean. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Gener- Wally. Wochentagspreise. Das vom Bublikum u. d. gesamten Bresse anerkannt vorzügliche Februar- Programm. Georg Gailer der phänomenale Balancekönig. Wiederauftreten von Jvan Belick Sturz aus der 6. Etage. Der arme Kasimir. Schwank in 1 Aft v. Schmidt- Hawkins. überall gratis zu haben. Watiwoch: Einjährig- Unfrei- Familienfarten wochentags halbe Preise willig. Mdme. Abends 8 Uhr: Hanako Japans größte Schauspielerin, mit ihrem Ensemble Robert Koppel, Chansonnier The May Sisters, Drahtseil Boston Quartett, Kunstgesang und das glänzende Februar- Variété- Programm. Passage- Panoptikum. Neu! Neu! Lustspiel in 4 Aften von Moser. Anfang 8% Uhr. Othello. Morgen: erstenmal: Uriel Acosta. Freitag zum Gebrüder HerrnfeldVorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Heute Dienstag, 23. Februar, zum 146. Male: Die beiden Bindelbands dazu neuer Variététeil 5 Grebnieffs Quartett LyricoDiedrich Ulpts- Georg Schindler Les Astrées. Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 23. Februar 1909: Graf Waldemar oder: Stolz und Liebe. Schausp. in 7 Bild. v. Gust. Freytag. Kaffenöffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Theater Variété Brillant ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten von nur erst flaffigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Sonn tags. Sonnabend und und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Zur Ginfegnung und Jugendweihe Uhren, Ketten, Kolliers, Garnituren modern und in jeder Preislage. Putbuser Straße 20, Wilhelm Flade, nabe bumboldthain. Lieferant d. Konf.- Gen. Berl. u. Uing. Im März fowie Ostern! Englischer Garten Meganderstr. 27c. 2mt 7, 10628. Säle frei! nach der Borft: Gr. Freitans. Dr. Simmel, Kinematograph. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Fastnachts- Dienstag: Gr. karnevalistischer Theater- Abend. Prinzenstraße 41 Spezialarzt für Haut- und Harnleiden 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer, • Der verwunschene Prinz. uur Mariannen- Straße 2. Lustspiel in 3 Aften. Fastnachts- Ball. Gr. Faschingsrummel! Jubel und Trubel!!! Beginn 8 Uhr. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: + Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur KrankenHoffmanns Nordd. Sänger Pflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Drts- und Hilfs- Krankenkassen. Berlin N., * 11. Tanzkränzchen. Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. jetzt Lothringer Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen BeSinghalesen Casino- Theater Berliner Eis- Palash Gaukler- Truppe in ihr. wilden Heimatstreiben Salome, Turmstr. 76 das blaue Weib. D. Opfer unbarmherz. Tätowation. Alles ohne Extra- Entree. Eintr. 50 Pf., Kind., Soldat. 25 Pt. Lothringer Str. 37. Sagli 8 r. Sensationell! Rußlan d. Aktuell! Rußland. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. GoldBerliner Eis- Palast loten, angenehm u, weich am Körper. Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Dienstag Mittwoch, Donnerstag Lachmann. Scholz doppelte Rabattmarken. Lachmann Lac 1PF SINN ENNIC und Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. PFENNIG 70 ann) DINNE Scholz Kobke I Nationalbank für Deutschland. Geschäftsbericht. Der Druck der amerikanischen Krisis und einer ganz un gewöhnlichen internationalen Geldteuerung, unter dem das Jahr 1907 gestanden hatte, verschwand im abgelaufenen Berichtsjahre, das seinerseits durch eine stetig zunehmende Geldflüssigkeit seine charakteristische Prägung erhielt. An sich und nach dem natürlichen Verlauf würde diese Leichtigkeit des Geldmarktes, verbunden mit guten und reichlichen Ernten, sowohl in Deutschland wie in Amerika, zu einem wirtschaftlichen Aufschwunge haben führen können, wenn nicht andere Umstände hemmend und störend auf das Erwerbsleben eingewirkt hätten. In der auswärtigen Politik lagen unausgesetzt Momente der Unruhe und Unsicherheit, die es zu einer ruhigen Entwickelung des Geschäftslebens nicht kommen ließen. Dazu gesellte sich in der inneren deutschen Politik die durch die bevorstehende Reichsfinanzreform verursachte Beunruhigung wichtiger Industriezweige, die im Zusammenhange mit der Unsicherheit in der auswärtigen Politik wiederholt eine in dem Mangel an Unternehmungslust und wirtschaftlicher Initiative zum Ausdruck gelangende Nervosität zeitigten. Vor allem aber machte im verflossenen Jahre der Rückgang in der Industrie weitere Fortschritte. Während das erste Halbjahr 1908 noch durch reichliche, aus der Zeit der Hochkonjunktur stammende Aufträge Beschäftigung fand, erlahmte die Nachfrage im Verlaufe des Berichtsjahres sichtlich; die Konsumfähigkeit ließ auf dem gesamten Weltmarkt nach, und Betrieb seinschränkungen und Arbeiterentlassungen traten an die Stelle der intensiven Tätigkeit der letzten Jahre. Wesentlich dem Umstande, daß der Inlandsmarkt durch die Aufnahmefähigkeit und Kaufkraft der Landwirtschaft eine Stütze fand, dürfte es zu danken sein, daß das Jahr 1908 zwar als ein solches wirtschaftlicher Depression und starken Konjunktur- Rückganges zu bezeichnen ist, daß ihm krisenhafte Erschütterungen aber erspart geblieben sind. Die Umsätze auf den einzelnen Konten haben sich wie folgt Das Effekten und Konsortial- Konto zog Nutzen aus der besseren Börsenlage und der Möglichkeit, Effekten sowohl gestaltet: festverzinsliche, als andere Werte zu plazieren. Die Bilanz zeigt infolgedessen eine Erleichterung unseres Effekten- Porte- Bestand am 1. Januar feuilles und Konsortial- Kontos, die wir beide vorsichtig bewertet haben. Die Entwickelung der Deutschen Orientbank hat auch im Berichtsjahre gute Fortschritte gemacht. Der inzwischen vollzogene durchgreifende Systemwechsel in der Türkei läßt hoffen, daß eine Epoche des wirtschaftlichen Aufblühens auch den türkischen Niederlassungen der Deutschen Orientbank wichtige und lohnende Aufgaben zuweisen dürfte. Die Filialen in Kairo und Alexandrien haben ihren Geschäfts- und Kundenkreis weiter vergrößern können. Neue Niederlassungen der Bank sind in Tanger und Casablanca errichtet worden, um die Handelsbeziehungen Deutschlands mit Marokko zu pflegen und zu erweitern; weitere Filialen in der europäischen und asiatischen Türkei sind geplant. Eingang Ausgang. Bestand am 31. Dezember Bestand am 1. Januar Eingang Ausgang. Kassa- Konto. M. 9 415 477,82 2 598 814 671,18 99 M. 2 608 230 148,95 2 599 048 819,77 M. 9 181 329,18 Wechsel- Konto. M. 99 M. 2 268 349 625,46 2 211 260 588,77 • 97 M. Der Saldo von erweist gegenüber dem am 31. Dezember konstatierten Effektiv- Bestand von einen Gewinn von Sorten- und Coupons- Konto. Die Deutsch- Südamerikanische Bank, die in den ersten Jahren unter der geschäftlichen Krisis in Argentinien zu leiden hatte, Verhältnissen befriedigend; die Filiale in Mexiko macht weiter Bestand am 1. Januar entwickelt sich jetzt bei den dort sich bessernden wirtschaftlichen Eingang gute Fortschritte und hat ihren Geschäftskreis auszudehnen vermocht. Die von uns kommanditierte Firma Erttel, Freyberg& Co. in Ausgang Leipzig hat befriedigend gearbeitet. • Der Saldo von. erweist gegenüber dem am 31. Dezember konstatierten Effektiv- Bestand von einen Gewinn von Akzepten- Konto. Wir hatten Gelegenheit, uns an zahlreichen Emissions- und Konsortialgeschäften zu beteiligen; von bedeutenderen seien erwähnt: neue Aktien der Canadischen Pacific- Eisenbahn, der DeutschLuxemburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft, der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, der Vereinigten Königs- und Laurahütte, ferner Im Umlauf am 1. Januar. die Anleihen der Provinz Buenos Aires, der Kaiserlich Chinesischen Zugang. Tientsin- Pukow- Staatseisenbahn und der Victoria Falls Power Co. Unter unserer Mitwirkung sind das Kohlenbergwerk Westfalen und die Deutsch- Südamerikanische Telegraphengesellschaft begründet Im Umlauf verblieben am 31. Dezember worden. Unser neues Bankgebäude Behrenstr. 68/69 wurde im Frühjahr des Berichtsjahres in allen Teilen fertiggestellt. Abgang • · Saldo am 1. Januar Kredit. M. 66 472 058,50 2 201 877 566,96 57 089 036,69 45 669 502,70 33 852 545,82 99 59 890 743,10 M. 2 801 706,41 M. 2 083 328,01 19 122 004 065,92 M. 124 087 393,93 • 121 476 273,56 99 M. 2 611 120,37 99 2 680 759,50 M 69 639,13 M. 559 737 568,23 12 605 407 070,93 554 420 480,66 19 . M. 50 996 590,27 Konto- Korrent- Konto. . Kreditoren M. 4 724 396 400,67 " M. 4 758 248 945,99 • 31 . Kreditoren M. M. • • • 95 120 076 175,62 27 19 870 000, M. 150 364 226,26 M. 36 856 001,76 Kreditoren in laufend.Rechnung 17 145 504 859,62 M. 182 360 861,38 " 400 000 000 4 proz. Preußische kons. Staats- Anleihe, Effekten- und Konsortial- Konto. 97 100 000 000 4 proz. Preußische Staatsschatzanweisungen, " 65 000 000 4 proz. Hamburg. amortisierbare Staatsanleihe, Bestand am 1. Januar Eingang • • M. 98 253 578,05 29 97 3 000 000 4 proz. Anleihe der Stadt Aachen, 37 20 000 000 4 proz. Anleihe der Stadt Charlottenburg, Ausgang der Saldo von " Der Umsatz betrug auf der einen Seite des Hauptbuches 11 521 069 384,42 M. gegen 11 992 710 344,10 M. im Vorjahre. Der Brutto- Verdienst, einschließlich des aus dem Vorjahre mit 203 054,74 M. übernommenen Vortrages, beträgt 10 194 195,87 M. Abzusetzen hiervon sind für Verwaltungskosten einschließlich De- und zwar peschen, Stempel und Steuern 3 039 334,92 M. und für Abschreibung auf Mobilien- Konto 12 461,57 M., auf Bankgebäude 78 055,63 M. und auf Kontokorrent- Konto 210 560,73 M. M. 250 000 000 4 proz. Deutsche Reichs- Anleihe, Das Börsengeschäft litt unter den vorstehend geschilderten Verhältnissen und konnte zu einem rechten Aufschwung nicht gelangen, obwohl das Berichtsjahr die lange erstrebte Abänderung Der hiernach verfügbare Reingewinn beträgt 6 853 783,09 M., des so verhängnisvollen Börsengesetzes von 1896 gebracht, die aus dem wir die Verteilung einer Dividende von 6 Proz. vorschlimme Gefährdung der Rechtssicherheit beseitigt und durch schlagen. Wiedereinführung des Börsen- Terminhandels in Bergwerks- und Im abgelaufenen Geschäftsjahre nahmen wir an folgenden Fabrikanteilen zur Belebung des Geschäfts beigetragen hatte. Emissionsgeschäften als Kontrahenten teil: Immerhin setzte bald nach Beginn des Jahres 1908 eine steigende Tendenz in den Kursen ein; offensichtlich, weil der Rückgang in der allgemeinen Konjunktur bei der Bewertung der Papiere schon hinreichend berücksichtigt schien. Begünstigt von der sich immer mehr steigernden Geldflüssigkeit, die zunächst das Kursniveau der Anlagewerte sowohl der deutschen Staatspapiere, als überhaupt inländischer fest verzinslicher Werte hob, erstreckten sich die Kursbesserungen auf die meisten Gebiete des Effektenmarktes. An dieser Bewegung änderte auch die Tatsache nichts, daß seitens des Reichs und der Bundesstaaten, von Provinzen, Kreisen, Kommunen, Pfd. St. Hypothekenbanken sehr bedeutende Anforderungen an den Geldmarkt gestellt wurden; hat doch das deutsche Publikum im Laufe des Berichtsjahres allein an inländischen Anlegepapieren mehr als zwei Milliarden Mark aufgenommen. " 2 599 000 4 proz. Anleihe der Stadt Mülheim a. Rhein, 750 000 5 proz. Pfd. St.- Anleihe der Provinz Buenos Aires, 1890 000 5 proz. Kaiserl. Chinesische Tientsin- Pukow Staatseisenbahn- Anleihe, M. 10 000 000 4 proz. Pfandbriefe der Preußischen HypothekenAktien- Bank, " " " " " 97 " Der internationale sowohl wie der heimische Geldmarkt weist, wie bereits oben angedeutet, im Berichtsjahre eine dem Vorjahr diametral entgegengesetzte Entwickelung auf. Hatte 1907 mit einem Bankdiskont von 7, Proz., mit dem Satze von 9 Proz. für Ultimo- Geld und der Befürchtung geschlossen, ob die gesetzliche Notendeckung zum Januar- Termin ausreichen würde, so begann bereits in den ersten Tagen des Jahres 1908 die Bank von England ihren Diskontsatz von 7 Proz. zu ermäßigen, um in wenigen Wochen wieder bei 4 Proz. anzulangen. Und wenn auch die Deutsche Reichsbank sich diesem Vorgehen nur zögernd und in erheblich langsamerem Tempo anschloß und erst kurz vor dem Juli- Termin den Diskont wieder auf den normalen Satz von 4 Prez. festsetzte, so zeigen doch die Bankausweise gerade am Ende des Berichtsjahres mit ihren starken Goldbeständen sowie das Festhalten an dem Satze von 4 Proz. sowohl beim Oktober- Termin als beim Jahres schluß, daß die Geldkrisis auch in Deutschland endgültig überwunden sei. Unterstützt wurde das Zurückströmen des Goldes in die Kassen des Zentral- Noten- Instituts durch dessen Förde- Pfd. St. rung der Goldimporte, durch die Erweiterung des Scheck- und Verrechnungsverkehrs, zu dem sich neuerdings noch der Postscheckbetrieb gesellt hat, und durch Ausgabe kleinerer Reichsbanknoten. Freilich darf andererseits nicht übersehen werden, daß gerade die unerfreulichen Momente in dem vorjährigen Wirtschaftsleben: der starke Rückgang im Konsum und der Geschäftstätigkeit, der Mangel an Unternehmungsgeist und die allgemeine wirtschaftliche Einschränkung einen erheblichen Anteil an der zunehmenden Geldflüssigkeit hatten. Angesichts dieser Entwickelung erfuhren die Durchschnittszinssätze für das abgelaufene Jahr einen erheblichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahre. Der Reichsbanksatz, der 1907 durchschnittlich 6,03 Proz. betrug, stellte sich für das Jahr 1908 auf 4,77 Proz.; der Privatdiskont, der im vorhergegangenen Jahre einen Durchschnitt von 5,12 Proz. hatte, fiel im Berichtsjahre auf 3,53 Proz. Diese Zinssätze blieben naturgemäß nicht ohne Einfluß auf das Erträgnis des Wechsel- und Zinsenkontos, wenn auch andererseits durch weitere Ausdehnung unseres laufenden Geschäfts ein gewisser Ausgleich gegenüber den Zinsrückgängen erzielt wurde. Ein Anlaß, die seitens des Auslandes im Jahre 1907 zurückgezogenen Guthaben wieder nach Deutschland zu üherführen, lag in Ermangelung einer angemessenen Zinsmarge nicht vor. Hinsichtlich der Debitoren ist zu erwähnen, daß infolge der oben geschilderten industriellen Einschränkungen Rückflüsse stattgefunden haben; die so freigewordenen Beträge konnten anderweitig nutzbringend angelegt werden. Auf Teilzahlung wöchentlich nur 1 Mark Uhren jederl Art und Goldwaren forte Zithern, Sprechmaschinen und Musikinstrumente. Juhre& König, Warschauer Str. 68, Reiniden dorfer Str. 101, Göbenstr. 19. Blendendweiß wäscht b. promptester Lieferung u. schonend ster Behandlung der Wäsche Dampf- Wäscherei Schneewittchen Weißensee, Friedrichstr. 39/40. Telephon: Weißensee 203. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. WollePlüsch- Reste! Moquetts. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. 9>> " M. 3 000 000 4 proz. Schuldverschreibungen der Herzoglichen Landes- Kreditanstalt in Gotha, 3 000 000 4 proz. Schuldverschreibungen der Staatl. Kreditanstalt des Herzogtums Oldenburg, 15 000 000 4%, proz. Anleihe der Allgemeinen ElektrizitätsGesellschaft, Serie VI, 10 000 000 4%, proz. Anleihe der Berliner Elektrizitätswerke, 1 000 000 4 proz. Teilschuldverschreibungen der Koblenzer Straßenbahn- Gesellschaft, Serie II, 25.000 000 5 proz. Teilschuldverschreibungen der DeutschUeberseeischen Elektrizitäts- Ges., Serie IV, 20 000 000 4, proz. Schuldverschreibungen der HamburgAmerikanischen Paketfahrt- Aktiengesellschaft, IV. Em., 4 000 000 5 proz. Anleihe d.Handelsgesellschaft f.Grundbesitz 3 250 000 5 proz. Schuldverschreibungen der Steaua Aktiengesellschaft für Petroleum- Industrie, Debet Saldo am 31. Dezember.. Guthaben bei Banken und Bankiers. gedeckte Debitoren ungedeckte. Kreditoren: Depositengelder • 4 726 252 310,87 31 996 635,12 Debitoren: 10 418 050,64 1 283 917 124.23 M. 1 382 170 702,28 . 19 erweist gegenüber dem am 31. Dezember konstatierten Effektiv- Bestand von einen Gewinn von Die Effekten- Bestände umfassen: M. Staats- und Stadt- Anleihen Eisenbahn- u. Industrie- Obligationen Aktien von Eisenbahnen und Banken Aktien von Industrie- Gesellschaften. Eigene Effekten. 1 274 134 604.18 M. 108 036 098,15 515 500,48 108 551 598,09 19 M. 3 536 038,00 2 091 280,45 4 403 938,75 11 140 345,65 19 M. 21 171 603,75 54 088 784,58 9 M. 75 260 388,33 In Prolongation genommene Effekten und Lombardgelder • Auf Konsortial- Konto haben unsere Einzahlungen betragen: Festverzinsliche Werte. M. 2 449 500,55 Eisenbahn-, Schiffahrts- n.Bankaktien Grundstücksgeschäfte( Berlin und Vororte 12 901 841,55 27 3 927 441,-Diverse Industrie- Unternehmungen 14 012 427,20 33 291 210,30 99 97 Wir beantragen folgende Vertellung des NettoGewinnes von M. 6753 683,02 6 Proz. Dividende auf M. 80 000 000 Reserve- Fonds II. 625 000 5 proz. hypothek. Teilschuldverschreibungen der Victoria Falls Power Company Ltd., Serie A, Beamten- Pensions- und Unterstützungs- Fonds. Tantieme des Aufsichtsrats( inkl. Steuer). Vertragsmäßige Tantiemen und Gratifikationen Gewinnvortrag auf neue Rechnung 1 120 000 4%, proz. hypothek. Teilschuldverschreibungen der Zechau- Kriebitzscher Kohlenwerke Glückauf A.-G., Serie II, 6 750 000 4proz. Vorzugsaktien d. Berlin.Elektrizitätswerke, 6 300 000 neue Aktien der Berliner Elektrizitätswerke, Doll. 24 336 000 neue Aktien der Kanadischen Pacific- Eisenbahn, Berlin, den 17. Februar 1909. . . M. 4 800 000, • 99 400,000, • 79 100,000, d 73 27 1 030 743,30 19 262 856,82 260 183,40 M. 6 853 783,02 M. 18 060 000 neue Aktien der Deutsch- Luxemburgischen Berg- Direktion der Nationalbank für Deutschland. C FR " " werks- und Hütten- Aktiengesellschaft, 6 000 000 neue Aktien der Deutschen Nationalbank, Kom.Gesellschaft a. Aktien, 5 000 000 neue Aktien der Elektrizitäts- Lieferungs- Ges., 5 000 000 neue Aktien der Hamburg- Amerikanischen Paketfahrt- Aktiengesellschaft, 11 000 000 Stammanteile Lit. B der Kamerun- Eisenbahnges. Stern. Witting. Schiff. Dem vorstehenden Bericht der Direktion, mit dessen Inhalt wir einverstanden sind, haben wir nichts hinzuzufügen. Die Bilanz sowie das Gewinn- und Verlust- Konto sind von einer aus unserer Mitte bestellten Kommission geprüft und mit den ordnungsmäßig geführten Büchern übereinstimmend befunden worden. Unser Institut ist durch den Tod eines Mitgliedes des Auf4 500 000 Aktien der Kraftübertragungswerke Rheinfelden, 2 800 000 neue Aktien der Oberschlesischen Eisen- Industrie- sichtsrats in Trauer versetzt worden. Am 30. Dezember 1908 verAktienges. für Bergbau und Hüttenbetrieb, schied Herr Fabrikbesitzer August Klönne, Dortmund, der unserer Aktien der Rheinischen Aktiengesellschaft Bank seit dem Jahre 1902 angehört hatte und dessen sachfür Braunkohlenbergbau und Brikettfabri- verständiger Rat uns stets von besonderem Wert war. kation( früher Fortuna), Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Berlin, den 17. Februar 1909. 17 000 000 neue 1 000 000 neue Aktien der Telephon- Fabrik Akt.- Gesellsch. 4 500 000 neue Aktien der Vereinigten Königs- u. Laurahütte, Der Aufsichtsrat der Nationalbank für Deutschland. vorm. J. Berliner, 99 " 1 000 000 neue Aktien der Zechau- Kriebitzscher Kohlenwerke Glückauf, Akt.- Ges. Engelhardt Ma alzbier alkoholarmes, diätisches Specialbräu Ärztlich empfohlen. Flasche 10 Pfg. Ueberall käuflich. Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Akt.Ges. Berlin- Pankowo. Grösste Malzbier- Brauerei Deutschlands. Dr. Schünemann 56232 Spezial- Arzt für Hant- und Harnleiden, Franenkrankheiten. Emil Lefèvre, Oranienstr. 158. Friedrichstr. 203, Ede Schüzenſtr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 übr Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Hygienische Zur Maifeier! Großer Saal, großer schattiger Garten noch frei. Beylers Gesellschaftshaus Empfohl.viel Aerzte u.Prof. grat. u.( Suh. Franz Drogge), am RingBedarfsartikel. Neuest. Katalog H. Ungor, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 bahnhof Treptow. Amt IV 7356. Zum Magnus. Ausschneiden g Die Vorzüge des Dr. Rud. Weil's Nährsalz- Bananen- Kakao sollten jedermann veranlassen, einen Versuch damit zu machen. Derselbe enthält die Bestandteile der so überaus nahrhaften und wohlschmeckenden Bananenfrucht, vereinigt mit garantiert reinem Kakaopulver und einem erheblichen Zusatz von Nährsalzen. Dieser N. B. K. ist von großer Wichtigkeit für Blutarme, Nervose, Rekonvaleszenten und bei allen Schwächezuständen sowie für in der Ernährung zurückgebliebene Kinder. Niemand wird sich der Tatsache verschließen können, daß damit ein wirklich gates, die Gesundheit förderndes Nahrungsund Genußmittel geboten wird. N. B. K. stopit nicht. Preis: 1 Paket = 1, Pfd. 1 M. Zusendung in Berlin und nächsten Vororten frei Haus. Nach ausw. Probepaket gegen Einsendung von 0.80 M. franko. General- Depot: D. Mader, Berlin S., Prinzenstr. 37. Versandgeschäft gesundheitl. Nahrungs- u. Genußmittel. Ausführl. erklärende Preisliste bitte zu verlangen.* Inseratenteil verantw.: Ty.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 45. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. Generalversammlungen. Heute, Dienstag, den 23. Februar, 8%, Uhr abends, Generalversammlungen der 6 Berliner Kreise: 1. Kreis:„ Lebensquelle", Kommandantenstr. 20. 2. Kreis: Hofjäger- Palast, Hasenheide 52/53. 3. Kreis: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. 4. Kreis: Kellers Festfäle, Koppenstr. 29. b. Kreis: Altes Schüßenhaus, Linienftr. 5. Dienstag, 23. februar 1909. an den Geldbeutel geht, Gnade vor den Augen sonst drei- genossenschaft, welcher Linde angehört, zu suchen. Wenn der Boylott haariger Saalbesizer. Aber es wird verzichtet, muß verzichtet nicht wirksam sein sollte, wollen die Saalbesiger noch weitere werden. Weils am Nötigsten fehlt. Man hat ja in Berlin, Stomponisten aus dem Programm verbannen. das kein geeigneter Boden dafür ist, nie soviel gespürt vom Zwei schwere Straßenbahnunfälle haben sich Sonntag abend zu echten, rechten, boltstümlichen Karnevalstreiben wie in anderen getragen. In der Pautstraße wurde der Schlosser Alwin Went, deutschen Großstädten, wenigstens nicht in der Deffentlichkeit. Prinzenallee 83 wohnhaft, von einem Straßenbahnwaggon der Nun sind die frohen Stätten Terpsichores, der Muse des Tanzes, Linie 34 erfaßt und vom Borderperron niedergeriffen. Er wurde auch leer von denen, die ab und zu mal am Freudenkelch festgeklemmt und eine Strecke mitgeschleift. Der Verunglidte war so verhängnisvoll eingeklemmt worden, daß man zu seiner Benippen möchten. Was war das früher, in besseren Zeiten, freiung die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch nehmen mußte. Nach im Faschingsmonat für eine Ulfstimmung auf der näch dem er auf der Unfallstation in der Lindower Straße die ersten tigen Straße, besonders in den Frühstunden des Sonntags! Notverbände erhalten hatte, wurde er in schwerverlegtem Zustande Nichts mehr von alledem oder doch nur ein Schemen. in das Birchow- Krankenhaus eingeliefert. Ein zweiter schwerer An Phrynen und ihrem sorglosen, geldverpulvernden männ- Unfall ereignete sich in der Königgräger Straße. Der 52 Jahre Tagesordnung in allen Versammlungen: Vorstands- lichen Anhang fehlt's auch heute nicht auf der Großstadtstraße. alte Oberpoftfchaffner Nersener, Marheinedeplatz 10 wohnhaft, wurde berichte, Vorstandswahlen und Sonstiges. Mitgliedsbuch des Wahlvereins legiti. Die tollen nach wie vor durch die Nacht. Das wahre Volt vor dem Grundstück Königgräger Straße 66 von einem Straßenmiert überall. Zahlreichen Besuch der Ge- Frohsinn verlernt, sigt trostlos am falten Herde und sorgt sich Rettungswache in der Köthener Straße die ersten Notverbände. N. mit seiner ursprünglichen, hellflingenden Lustigkeit hat den bahnzug der Linie 15 überfahren. Er erlitt einen schweren lluter schentelbruch sowie erhebliche Duetschungen und erhielt auf der nossen und Genossinnen erwarten um das Essen für den nächsten grauen Tag. Die Vorstände. 6. Kreis: Prachtsäle Nordwest, Wiclefftr. 24. " Der Einberufer. Der Vorstand. fand im Krankenhause am Urban Aufnahme. Ein Revolverattentat unternahm am Sonntag ein junger Russe Hat Prinz Karneval dem Sündenbabel an der Bierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 28., findet in unserem Spree, wo es so prächtige Beute zu hafchen gibt, Ormus gegen den Wiesenthaler Straße 28 wohnenden Formermeister Streife eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. wirklich ganz den Rücken gekehrt? D nein, so ist's Schubert, bei dem er wohnte. D. unterhielt mit der Tochter seines nicht gemeint. Nur au Kundschaft hat er verloren, der Wirtes ein Liebesverhältnis, von dem die Eltern des Mädchens nichts Schöneberg. Die Wahlvereinsversammlung findet heute, Dienstag, eitle Narr. Bei der vom Voltsknochenmark lebenden Gesell- wissen wollten, weshalb Sch. dem D. die Wohnung fündigte. den 24. Februar, abends 8 Uhr, in den Neuen Rathausfälen, schaft, die sich nicht langweilt, ist er noch immer der alte, Sierüber geriet der junge Mann in Wut und feuerte im Berlaufe Meiningerstraße 8 statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Anträge. 3. Wahl der Delegierten zu Groß- Berlin. 4. Vereinsangelegenheiten. gerngesehene Freudenbringer. Geht doch hin, wenns euch Spaß eines Wortwechsels auf Schubert einen Revolverschuß ab, wodurch Der Vorstand. macht, nach den Palästen der Großen! Seht zu, wie sie Sch. cine erhebliche Verlegung erlitt. Ein schnell herbeigerufener Nigdorf. Heute abend 7%, Uhr findet in Hoppes Festsälen, seidenrauschend und juwelenbeladen aus den foftbaren Staroffen Arzt legte einen Notverband an und dann wurde Sch. nach dem Hermannstr. 49, eine Boltsversammlung statt. Landtagsabgeordneter steigen, die teppichbelegten Marmorstufen hinauf zu ihren Rudolf Virchowkrankenhaus geschafft. Lebensgefahr scheint nicht zu Adolf Hoffmann spricht über das Thema: Die Pfarrerbesoldungen Feenfesten! Nicht eines Blickes würdigen sie den Armen, der bestehen. Der Attentäter verblieb während des Tages auf dem und der preußische Landtag". Massenbesuch erwartet mit sehnenden Augen auf all den zauberhaften Glanz starrt. Polizeirevier 9 in der Christiania Straße und wurde abends dem Bolizeipräsidium zugeführt. Der sich nicht sehnt nach Brunk und Reichtum, nur nach einem 8. Bezirk Morgen Mittwoch, den 24. Februar, abends menschenwürdigen Dasein. Und während Hunderttausend mit der Schlaraffia" am Endeplas vom Verein der Rheinländer ver Eine jähe Unterbrechung erfuhr das in der Sonntagsnacht in 8% Uhr, findet in Wolffs Lokal, Kirchhofstr. 41, eine Bezirks- leerem Magen, mit dem brennenden Gefühl des Hungers ihr hartes anstaltete Skostümfest. Gegen Mitternacht, als das Fest seinen Höheversammlung statt. Referiert wird über den Wert der Konsum- Bager aufsuchen oder ohne Heim frostschauernd durch die eifigkalte punkt erreicht hatte, wurde plöglich von irgend einer Seite ein genossenschaft. Friedenau. Heute, Dienstagabend 7 1hr, findet von den Nachtstraße stürmen, schwelgen sie da oben auf spiegelglattem Feuerwerksförper abgebrannt. Ein Rest von diesem Störper fiel auf Parkett, in sträflichem Lurus, ohne Verständnis für die ge- das Kostüm der Festteilnehmerin Martha Radow vom Lette- Verein. Bezirkslokalen aus eine Handzettelverbreitung statt. Der Vorstand. waltige Not im Volte, an nichts denkend wie an das satte Das Kostüm fing Feuer und im Nu stand die junge Dame in Lichtenberg. Wegen einer sehr wichtigen Angelegenheit werden Vergnügen der flüchtigen Stunde. Ein einziges solches Fest Flammen gehüllt. Trotzdem die übrigen Festteilnehmer schnell zu die Genossen dringend ersucht, sich heute( Dienstag) abend 8 Uhr verschlingt, wovon tausende armer Familien tagelang leben Bilfe eilten und das Feuer erstickten, hatte die unglückliche doch in ihren Zahlabendlokalen einzufinden. Lantwis. Am Mittwoch, den 24. Februar, abends 8 Uhr findet könnten. Ich höre den alten landläufigen Vers, daß der schon so schwere Brandwunden an der Brust und an den Händen im Lokal Ebel, Marienfelderstraße 9, die regelmäßige Mitglieder- Arme verdient am Verschwenden der Reichen. Auch so eine dabongetragen, daß fie nach Anlegung von Notverbänden schleunigst nach der königlichen Klinik geschafft werden mußte. Welche Person bersammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Steg- blödsinnige Logit ist's, die nicht aussterben will. Was da den Feuerwerkskörper abgebrannt und dadurch das linglud vermüller über Nationalökonomie". Vereinsangelegenheiten. Wer schon verdient wird, fließt in ganz andere Taschen, nur nicht schuldet hat, konnte von der Polizei noch nicht festgestellt werden. schiedenes. Der Vorstand. in die des darbenden Volkes. Und ein anderer schnackt Brit. Buckow. Heute abend 9 Uhr findet im Landhaus, flug: Aber das Bürgertum feiert doch auch seine Feste, feinen folgt, es hat damit aber eine eigene Bewandtnis. Eine Frau Meldungen von Messerstechereien sind gestern zwar auch erChausseestr. 97, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Die Berliner Karneval! Jawohl, auch der Mucker, der bei Tage Marzahn aus der Rummelsburger Straße 74 wollte gestern geBedeutung der Genossenschaften und ihre zwedmäßige Organisations- die Augen verdreht und mit frommen Sprüchen um sich wirft, stochen worden sein, die Kriminalpolizei steht dieser Meldung aber form. Referent: Arbeiterfekretär Karl Giebel. 2. Disfuffion. Bu hat noch heute Zeit und Muße, in der Faschingsnacht an sehr steptisch gegenüber; Frau M. ist schon einmal vor ihrer dieser Versammlung sind die Frauen sowie die Stäufer des Käufer- Staſteiungen des lieben Leibes nicht zu denken. Studiert doch Wohnungstür in den rechten Oberschenkel gestochen worden. bereins Briz besonders eingeladen. mal die Vereinsnachrichten unserer orthodoxen Mitbürger Eine andere geringfügige Messerstecherei wird aus der katholischen Glaubens! Da wimmelt's von Mastenfesten und Bestalozzistraße zu Charlottenburg gemeldet. Der dort im Hause anderen Fastnachtsvergnügungen, unter Assistenz einer hoch- drei Treppen wohnende Papierwarenhändler Porsch hatte seine elektrischer Beleuchtung ihre echt menschliche Freude hat. Kind in der Pestalozzistraße givischen der Kaiser- Friedrich- und demaskierten würdigen Geistlichkeit, die am demas fierten Fleischmarkt bei 15 Jahre alte Tochter Martha vorgestern vormittag um 11 1hr nach der Nehringstraße geschickt. Auf dem Rückwege wurde das Dieselben Leutchen, die bis in den Sonntagmorgen hinein das Fritschestraße von einem etwa 20 Jahre alten Mann gestreift. As Lanzbein schwingen, drehen ein paar Stunden später wieder den es fragte, was er wolle, erhielt es einen Stoß und sah später, daß Rosenkranz, nehmen den Mund voll von den ollen Kamellen Mantel, Gürtel und Rod durchstochen waren. Dieser Fall gehört der sogenannten christlichen Nächstenliebe. Und das Volt, auf zu denen, wo das Gegenteil nicht nachzuweisen ist, für den aber auch kein weiteres Zeugnis zu beschaffen ist. dessen blutenden Herzen man getanzt hat, darbt weiter. Nein, sie sind in ihrer Genußsucht einander würdig, die blauRummelsburg. Heute( Dienstag) abend 8 Uhr findet im Lokal blütigen und bürgerlichen Aussauger der Volkskraft. Es ist von Schieffer, Hauptstr. 4, die Generalversammlung des Wahlvereins überall da, wo sie den Vorteil und die Macht des Besitzes statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Kreis. Statuten auf ihrer Seite haben, genau dasselbe..., gleiche Heuchler bon 11 Streisdelegierten wie zur Verbandsgeneralversammlung von das Bolt vom ewigen Zusehen an den vollbeladenen Tafeln abänderung. Anstellung eines befoldeten Kreisbeamten. 2. Wahl und gleiche Narren, gleiche Brüder und gleiche Stappen! Bis Groß- Berlin. 3. Vereinsangelegenheiten. Ausschlußantrag gegen des Glücks und des Uebermutes rasenden Appetit bekommt Mitglied Tapezier Zintel. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. und den Narren der modernen Gesellschaft die Maske der Reinickendorf- Oft. Heute abend 8 Uhr findet bei Ramlow, Falschheit vom Gesicht reißt. Schönholz 14, eine Volksversammlung statt. Referent: Genosse Stadthagen. Thema: Deutschland nach außen hui, nach innen-?" Der Vorstand. Adlershof. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute abend 82 Uhr im Lokal von Kähne, Bismardstr. 60 statt. Der Vorstand. Friedrichshagen. Die Genossen werden ersucht, sich am Mittwoch in ihren Bezirkslokalen abends 8 Uhr zwed's einer Flugblattverbrei tung einzufinden. Der Vorstand. Eichwalde- Beuthen- Miersdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Mittwoch, den 24. d. M., abends 8 Uhr in Miersdorf zur Mühle" statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Gemeindevertreterfonferenz. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. " Barteigenoffen und Genoffinnen! Eure Pflicht ist es, für guten Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Reinickendorf West. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Lofal von 2. Otto, Berliner Str. 113, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Fräulein Dr. Wygodzinski, 2. Vereinsangelegenheiten, 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. " . " " Mit der Mehltüte als Schußmittel vor Messerstechern scheint es eine eigene Bewandtnis zu haben, denn der Polizeipräsident v. Stubenrauch versendet folgende Berichtigung: Die Nr. 8 der Welt am Montag" vom 22. Februar 1909 enthält in dem Artikel Mädchen als Schutz gegen Messerstecher empfohlen, eine Tüte Mehl " Der Schrecken von Berlin" die Behauptung, der Dirigent dor Kriminalpolizei, Ober- Regierungsrat Hoppe, habe den Frauen und mit sich zu tragen und damit den Angreifer zu bestreuen. Diese Behauptung ist unrichtig. Mehrere Buſchriften aus dem Publikum an die Kriminalpolizei hatten angeregt, daß die weibliche Bebölferung bersuchen sollte, durch Werfen mit Pfeffer oder Mehl, durch Begießen mit Tinte usw. die Angreifer zu kennzeichnen. Bon diesen und ähnlichen Einsendungen hat der Dirigent der Kriminalpolizei einigen Pressevertretern Mitteilung gemacht, um dadurch lediglich die Teilnahme und die Auffassung des Publikums zu charakterisieren." Katholische Bergnügungsnarren. In ihren regelmäßigen Unpolitischen Zeitläufen" schreibt die„ Germania" u. a. folgendes:" Niefiggroß ist das Heer der Vergnügungsnarren. Sie wollen fich amüsieren, genießen, lustig und selig fein um jeden Preis. Dabei greifen sie zu den törichtsten Mitteln, die ihnen nur zu häufig statt der erstrebten Lust das bitterste Leid bringen. Töricht Uns scheint die vorstehende Berichtigung sehr gewunden, denn genug ist ja schon die Genußsucht, die in der übertriebenen die Mitteilung ging den Berliner Blättern aus uns durch Geselligkeit, dem Laufe nach allerhand Festlichkeiten, der Schoppen- eine von der Kriminalpolizei informierte Korrespondenz zu und stecherei, der Schleckerei und Gefräßigkeit sich bekundet... Wer man mußte annehmen, daß die Kriminalpolizei ausdrücklich den mal in die Narrheit der Vergnügungsjägerei geraten, kann nur Vorschlag des Chefs empfahl. schwer wieder zur Vernunft fommen. Er macht immer neue und immer höhere Einfäge in diefer Nietenlotterie, bis ihm die Mittel nach der Kaserne des Kaiser- Franz- Garde- Grenadier- Regiments ge Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Montag wurde der 11. Zug ausgehen. Dabei übersieht er die wirkliche Glückseligkeit, die wie rufen. Dort war in einer Wohnung Blücherstr. 47/48 Feuer ausein Veilchen am Wege blüht und so leicht zu erreichen wäre. Ein gekommen, das Möbel ergriffen hatte, aber schnell gelöscht werden wohlgeordneter Lebenswandel mit frischer Berufsarbeit, gehöriger fonnte. Fast gleichzeitig erfolgte ein Aların nach der Esmarch Erholung und ruhigem Bebagen in einer freundlichen Häuslichkeit ftraße 19, wo Papier und Pappfartons brannten, die vermutlich bildet das ganz einfache Glücksrezept. vorfäglich in Brand gesteckt worden waren. Durch Umfallen einer Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Am selben Tage, Betroleumlampe kam in der Strautstraße Feuer aus, das auf seinen als dies die Germania" schrieb, sprach im Abgeordnetenhause Herd beschränkt werden konnte. Am Bundesrat- lifer 11 befanden Genosse Hoffmann an der Hand von Beweismitteln über die sich Menschen in Gefahr. Sie waren im Fahrstuhlschacht einSchlemmerei und Gefräßigkeit der hohen katholischen Geistlichkeit. gefchloffen. Die Feuerwehr holte die Personen heraus. Im Keller Die sorgt allerdings dafür, daß ihr die Whittel zur" Narrheit der des Hauses Manteuffelstr. 18 brannten in großer Ausdehnung Vergnügungsjägerei" niemals ausgehen. Die eine Hälfte zahlt aus Regale, Schaldecken und anderes, so daß längere Zeit Wasser dem großen Boltsportemonnaie der gefügige Staat, die andere Hälfte gegeben werden mußte. Ein Küchenbrand beschäftigte die Wehr in bringen die dummen Schäfchen auf. der Charlottenstr. 95, Fußböden und Ballen usw. brannten PaulGroß- Lichterfelde. Die Versammlung des fozialdemokratischen Vereins findet am Dienstag, den 28. Februar, abends 8 Uhr, in Karl Schwoide gestorben und am Sonntag beerdigt worden. die Wehr nach der Wusterhausener Straße und Sebastianstr. 1 Ein alter Parteigenosse ist dieser Tage in der Person des Webers ftraße 2 fowie Simmerstr. 53 und an anderen Stellen. In der Sykestr. 44 kam in einer Mädchenkammer Feuer aus. Ferner wurde Wahrendorfs Gesellschaftshaus, Baekestr. 22, statt. Tagesordnung: Einer von der alten Garde schreibt uns: Schwoide gehörte zu gerufen. Bortrag des Genossen Dr. Bruno Borchardt über:„ Die Bes deutung Darwins für die Naturwissenschaft." Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß- Berlin. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Niederschönhausen- Nordend. Heute, Dienstag, den 28. Februar, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Genossen Radjed, KaiserWilhelm- Str. 10, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung:„ Reisebilder aus dem Drient". Referent: Redakteur Genosse Dittmer. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden auf den Wechsel des Versammlungslokals aufmerksam gemacht. Ferner gelangen in dieser Versammlung die Freibilletts zum Winterfest für die arbeitslosen Genossen und Genoffinnen zur Ausgabe. Der Vorstand. Borsigwalde- Wittenau. Am Mittwoch, den 24. Februar, abends 8, 1hr, findet in den Borsigwalder Festfälen eine Wolksverfamm lung statt, welche sich mit der Einführung der Wertzuwachssteuer beschäftigen wird. Handzettelverteilung dazu am heutigen Dienstag, abends 7 Uhr. Treffpunkt in Wittenau bei A. Schulze, Hauptstraße, Borsigwalde I bei gülife, Borsigwalde II bei 28. Schulze. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Berliner Karneval. " Genacher sich zusammenfanden. Wir waren etwa 20 bis 25 GeAcr fleinen Gruppe, die im Jahre 1869 in Berlin als nossen, worunter sich die Genossen Mielke, Baumann, Heppner, Kwasinenski u. a. befanden und tagten in einem kleinen Hinterzimmer Vorort- Nachrichten. bei Stohlweck in der Koblantstraße( Scheunenviertel), wo wir dis- Charlottenburg. kutierten und uns über die Art unserer Agitation unterhielten. Da Wegen einer Explosion wurde die Ostwache der Charlottenburger der Raum bald zu klein wurde, zogen wir zu Vogel in der Alexander- Feuerwehr nach der Kleiststr. 22 alarmiert. Die Explosion war beim straße, wo Megner den Vorfiz hatte. In den Jahren 1870/71 be- Rochen von Baseline entstanden. Der Drogiftenlehrling Erich Der luftige Prinz mit der Schellenkappe ist ein gries fuchten uns da auch Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Dulftow, welcher Brandwunden erlitten hatte, wurde von Samaritern grämiger Peter geworden. Freund Michel, die deutsche Elends- vereins, mit denen eine lebhafte Diskussion gepflogen wurde. Mit Feuerwehr wieder abrücken. Durch die Gewalt der Erplofton waren der Feuerwehr verbunden. Nach einhalbstündiger Tätigkeit konnte die figur, braucht nur ein paar Klingeln an die Schlafmüße zu der Weberei wurde es immer weniger und unser Freund Schwoide Fensterscheiben usw. gesprungen. binden und kann sich auch als Narrenprinz präsentieren. Beide hatte recht schwer um seine Existenz zu kämpfen. Noch vor vier nehmen sich nicht viel. Wie kann's denn auch anders sein? Wochen war er mit den Allten in Berlin im Gewerkschaftshause wohl Köpenick. Wo das Volk nach Brot und Arbeit schreit, hat es fein Geld, und munter beieinander, Freitag früh traf ihn ein Herzschlag. Die um Feste zu feiern. Und nun gar Mastenfeste, die von jeher Alten, denen er ein lieber Freund geblieben war, bewahren ihm ein tein allzu billiges Vergnügen bedeuteten. Die Jeremiaden gutes Andenken." der Berliner Gastwirte und Saalbesizer sind der richtige Gradmeffer. Noch vor einem Jahrfünft hatte es feine Schwierig. Mit einem regelrechten Boytott gegen den bekannten Berliner feiten, um diese Zeit, die der ausgelassensten Tollheit geweiht Romponisten Paul Linde baben die Kapellmeister am Sonntag in den Berliner Konzertsälen begonnen. Die Kapellmeister sind von den In der letzten Gemeindevertretersigung teilte der stellvertretende fein soll, für größere Festlichkeiten geeignete Räume zu mieten. Saalbefizern auf Grund eines Beschlusses in der legten Bersammlung Gemeindevorsteher Schöffe Lehmann mit, daß im Gemeindefädel Höllisch früh mußte man auf dem Posten sein, um nicht das verpflichtet worden, bis auf weiteres weder tantiemepflichtige noch arger Dalles herrsche. Man habe sich deshalb nach einer neuen Rachsehen zu haben. Heute ist teine Sorge um den blanken tantiemefreie Stücke von Linde zu spielen. Die Veranlassung dazu Einnahmequelle umsehen müssen und sei dabei auf den Hund Tanzboden. Selbst die bösen Roten" finden, wenn's scharf sind in den Differenzen zwischen den Saalbefizern und der Tonfeger- gekommen. Es wurde der Vertretung der Antrag unterbreitet. Die Stadtverordnetenstichwahl in der zweiten Abteilung findet am Donnerstag, den 25. Februar statt. Bis dahin wird die Arbeiterschaft ersucht, für unseren Kandidaten, den Genoffen Otto Nickel zu agitieren. Eichwalde. die Hundesteuer von 10 auf 20 M. pro Jahr zu erhöhen. Kaum daß ein Wort der Kritik fiel, wurde dem Antrage zugestimmt. Von den, zwischen der Firma Schmid u. Scegers-Berlin und dem hiesigen Gemcindevorstand schwebenden Berwaltungsstreitverfahrcn wurde berichtet, daß dasselbe für die Gemeinde günstig verlaufen sei. Außerdem wurde der Beschluß gefaßt, daß die unteren Räume des AmtShauses nicht, wie erst beabsichtigt war, vermietet werden sollen. Man hegt infolge einer Rücksprache zlveier Vertreter des Ge- meindevorstandes aufi dem Landratsamt die Hoffnung, daß das Aintsbureau, das sich jetzt in Zeuthen befindet, wieder nach hier ver- legt wird. Geschäftsordnung und parlamentarische Gepflogenheiten scheinen in llnserer Gemeindevertretung immer noch böhmische Dörfer zu sein. Klein-Schönebeck-Fichtena«. Eine Volksversammlung fand am Sonntag in Fichtenau statt, .die sich eines guten Besuches erfreute. Genosse Karl Leid schilderte daS Wirken der Sozialdemokratie in Staat und Gemeinde, dabei im besonderen auf unsere kommunalpolitischen Forderungen eingehend. In der Diskussion wurde die Treiberei einer kleinen Clique am Orte gegeißelt, die fortgesetzt der Gemeinde Schwierigkeiten zu bereiten sucht in Sachen des Baues einer eigenen Gasanstalt, der beschlossen ist. Ein bestimmter Unternehmer, der selbst eine Gas- anstalt herrichten will, hat natürlich ein besonderes Interesse, das von der Gemeinde zu errichtende Werk zn hintertreiben, wozu ihm eine Handvoll Leute Beistand leisten. Da cS diesen Personen gelungen ist, die Fortsetzung des Gemeindebaues einstweilen zu inhibieren, so ist der Gemeinde bereits ein erheblicher Schaden er- wachsen, den die Steuerzahler tragen müssen. Und deshalb herrscht am Orte eine große Erbitterung gegen die Quertreiber: die ganze Gemeinde ist gegen diese Leute in heller Aufregung. In der Dis- kussion brachte es ein Herr fertig, den Bau einer Gasanstalt nicht als ein Kulturlverk, sondern als ein Luxuswerk zu bezeichnen. Er wurde aber unter allgemeiner Heiterkeit gründlich abgetan. Spandau. Eine außerordentliche Generalversammlung des WahlvcreinS nahm vor einigen Tagen Stellung zu der am 28. Februar in Staaken statt- findenden Kreiskonferenz. Hierzu hat Spandau eine Reihe Anträge zu stellen, die in der Versammlung durchberaten wurden. Mit Rück- ficht darauf, daß wir über die Kreiskonferenz berichten, erübrigt sich eine vorläufige Wiedergabe der Anträge sowie der Diskussion über dieselben. Hervorgehoben zu werden verdient ein durchberatcner und ein- stimmig angenommener Antrag, laut welchem die Spandauer Ge- uossen an allen Aktionen Groß- Berlins teilzunehmen wünschen, da Spandau mit Groß- Berlin wirtschaftlich eng verbunden ist. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Scior, Senftleben und Pieper gewählt. Den Bericht über die Gemeindevertreterkonferenz erstattete Genosse Stadtverordneter Paul Schmidt.— In der Diskussion sprach Genosse P i e s e r in längeren Ausführungen über die Kommunalverhältnisse Spandaus. Er wünschte, daß die Genoflen in der Stadtverordnetenversammlung etwas mehr Obstruktion«lachen. Die Genossen Pieper und Schmidt verteidigten die Haltung der sozialdemokratischen Stadtverordneten. Stadtv. Genosse Pieck er- stattete dann noch einen längeren Bericht über hiesige kommunale Angelegenheiten und die Stellung der sozialdemokratischen Stadt- verordneten dazu. Wegen vorgerückter Zeit wurde der Bericht über die Arbeitslosenzählung von der Tagesordnung abgesetzt.— Es folgte die Neuwahl der Lokalkommission. Gewählt wurden die Genossen Senftleben, Konitzer und Fiedler.— In die Schiedskommission wählte die Versammlung vom Bezirk 1 Genossen Krause, Bezirk 4 Genosien Emil Stahl, Bezirk 5 Genosien Konitzer, Bezirk 0 Genoflen Fritz Schmidt, Bezirk? Genossen Asmuß, Bezirk 8 Genossen Bexelles, Bezirk 8a Genossen Kähne. Vom Bezirk 3 war niemand vorgeschlagen und folgt die Wahl später. An Stelle des aus dem Vorstand austretenden Genossen Sommer wählte die Versammlung den Genossen Karl Pähl zum 2. Schriftführer. Der Genosse Scior gibt bekannt, daß von einer Ostermatinee Abstand genommen worden sei, weil keine cnt- sprechenden ausübenden Kräfte gefunden wurden. Ferner teilte Ge- nofle Scior mit, daß in Gatolv und Kladow die Fackel verbreitet worden sei. In Kladow habe inan Anschluß gefunden, dort sei auch ein Lokal zu haben. Der hiesige Vorstand werde dort alle vier Wochen einen Zahlabcnd veranstalten. Am Sonntag, den 7. März, werden die hiesigen Genoflen wieder nach Kladow gehen. Der Ab- marsch erfolge mittags 1 Uhr von seiner Wohnung, Gatower Str. 1. Der hiesige Gesangverein habe seine Teilnahme auch zugesagt. Potsdam. In der letzte» Stadtvcrordnetensitzung erstattete der Oberbürger- meister in einem längeren Vortrag den Verwaltungsbericht für 1908, der zugleich einen Ausblick für den kommenden Etat gab. Ist eS auch diesmal geglückt, de» Etat wieder unter den alten Steuersätzen (110 Proz.) zur Balance zu bringen, so stehen doch für die Zukunft Schwierigkeiten in Aussicht. Wir sind ja stolz— so führte der Oberbürgermeister aus— daß auf den Städten daS Staatsgebilde ruht, aber eS ist die Frage, ob die durch die staatliche Gesetzgebung den Städten aufgetragenen Leistungen auch von diesen getragen werden können. Potsdam bringt 1 017 900 M. StaatSeinlommen- ftener auf; trotzdem 110 Proz. Kommunalsteuern erhoben werden, kommen aber nur 800 000 M. hierfür ein. Geldkräftige Leute find genug da, aber die durch Privileg geschützten zahlreichen königlichen Beamten usw. kosten der Stadt über V« Million Mark. Das neue Polizeikostengesetz erhöht den Zuschuß der Stadt zur königlichen Polizeiverlvaltung von 59 000 M. auf 100 000 M.; selbstverständlich hat eine Stadt von 60 000 Einwohnern die über 150 Mann starke Polizei nicht nötig, aber der Restdenzstadtcharakter! Durch das Lchrerbesoldiingsgesetz entstehen der Stadt 44 000 Mark Kosten und 50000 M. für die Lehrer höherer Lehr- anstalten. Neben der Belastung des Etats für 1909 durch diese Summen(160 000 M.) bringt der Etat 1910 einen Ausfall von 400 000 M. für die Fleisch- und Schlachtsteuer. Bei solchen Zu- ständen sind die Stadtverordneten(ausschließlich bürgerliche) voll- ständig mutlos und lassen dem Oberbürgermeister in der Lösung dieser Kalamität vollständig freie Hand. Einen Teil hofft die Stadt ans der jetzt eingeschlagenen Bodenpolitik zu decken. So sind im vergangenen Jahr für zirka 2 Millionen Mark TerroinS gekauft worden, die je nach Bedürfnis der Bebauung erschlossen werden sollen. Durch diese Ankäufe ist allerdings die Spekulationsfirma Rohde vor dem Zusammenbruch bewahrt worden, aber durch Nach- geben der in Betracht kommenden Kreditinstitute von 600 000 M. soll der Abschluß günstig für die Stadt zustande gekommen sein. Ferner wird das städtische Elektrizitätswerk ausgebaut und die Vororte angeschloflen(Geltow. Sackrow, Klein-Glinicke, Neu- Babelsberg, Nowawes, Kaputh, Drewitz und Wannsee). Einzelne Orte sind schon seit Jahren angeschlossen. Das Werk bringt in diesem Jahre 220 000 Mark Ueberschuß. Dazu kommen noch 80 000 Mark aus der städtischen Straßenbahn. Diese beiden Summen betragen allein 40 Proz. der Kommunalsteuern. Auch bei der Straßenbahn soll Anschluß nach den Vor- orten gesucht werden, da weitere Stadtlinien schwerlich rentabel sein werden.— Zu einer regen Debatte kam eS noch bei den Schulgelderhöhungen für die höheren Schulen. Der Magistrat schlug sowohl für das Realgymnasium wie für die Oberrealschi, le eine Erhöhung des Schulgeldes um 20 M. vor. Der Stadtv. Töpfer trat für Freilassung der Oberrealschule ein. damit wenigstens chic kleineren Leute(gemeint ist: Mittelstand) ihren Söhnen tmt bessere Schulbildung mitgeben können; die Gemcindeschulbildung genüge nicht mehr für den Kanfmannsstand, Kunsthandwerker usw. Das rief den liberalen Stadtv. Dr. Friedländer ans den Plan, der die Ansicht vertrat, daß die bessere Bildung daS Vorrecht des Gcldsackes bleiben müsse. Heute sind schon viele unbegabte Kinder auf höheren Schulen, die besser in der Gemeindeschule wären.(Umgekehrt wohl auch l Nicht wahr, Herr Justizrat?) Die Volksschulbildung ist so. daß man sich mit ihr redlich durchs Leben schlagen kann. Eilt- gegnungen gegen den Stadtv. Töpfer trugen ihm von diesem in einer persönlichen Bemerkung den Ratschlag ein, � es wäre bester für manchen Juristen, er wäre auch Handwerker geworden. Die Vorlage wurde gegen vier Stimmen angenommen. Bernau. Ein frecher Einvruchsdiehstahl tvurde hier in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in dem Kolonialwarengeschäft von Raum am Marktplatz verübt. Der Dieb, welcher ausbaldowert hatte, daß der Inhaber des Geschäfts mit seiner Frau in der fraglichen Nacht verreist war, ließ sich gegen 3 Uhr nachts vom Wächter das Haus öffnen und drang vom Flur aus in den Laden. Er versuchte als- dann die Ladenkasse, eine sogenannte Registrierkafle. zu öffnen, was ihm jedoch nicht gelang. Nun schlug der freche Bursche das Glas an der Kaste entzwei und entleerte den Inhalt von zirka 800 M. Alsdann verschwand er ungesehen durch den hinteren Torweg. Alle Umstände sprechen dafür, daß der Dieb mit den Verhältnissen im Geschäft sehr gnt vertraut war. Die sofort eingeleiteten polizeilichen Ermittelungen haben bisher zu keinem Resultat geführt. Serichw-TeiUing. Licbebednrftigkcit war dem Nähmaschinenhändler Vorpahl nach gesagt worden, der in der G e r h a r d t- K i r ch e n � gemeinde(Teil der Schönhauser Vorstadt, außerhalb der Ringbahn) das Ehrenamt eines Kirchenältesten inne hat. Eine Frau hatte die Mitteilung verbreitet, daß ein älterer Herr, der sich als„Kirchenältesten" oder als„Kirchen- rat" oder ähnlich bezeichnet habe, sie wegen eines Unter- stützungsgesuchs in ihrer Wohnung aufgesucht und sie bei dieser Gelegenheit mit Ungestüm bedrängt habe. Da die Ver- mntnng auftauchte, daß der Besucher, der sich so stürmisch bc- nominen haben sollte, ein Armenkommissionsvorfteher gewesen sei, so bemühten sich ein paar Armenkommissionsvorsteher jenes Stadtteils, der Sache auf den Grund zu kommen. Nachdem sich dann ergeben hatte, daß die Anschuldigungen dem Herrn Vorpahl galten, gesellte sich zu der einen Frau noch eine andere, die behauptete, auch sie habe an- läßlich eines Unterstützungsgesuches Herrn Vorpahls Bekannt- schaft gemacht und sei ihm gefügig gewesen. Diese Dinge wurden von dem Armenkommissionsvorsteher N o a ck, der zugleich in der Gcrhardt-Kirchengemeinde Mit- glicd der Gemeindevertretung ist, den kirchlichen Körper- schasten unterbreitet. Eine Zeitlang ließ Herr Vorpahl die Gerüchte über sich ergehen, schließlich aber erhob er Beleidigungsklage gegen die beiden Frauen und auch gegen Herrn Noack. Gestern sollte vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte die Klage verhandelt werden. Rechtsanwalt PinkuS, der Verteidiger des Angeklagten Noack, gab von vornherein die Erklärung ab, daß ein Vergleich gänzlich ausgeschlossen sei. Er müsse aber Aussetzung deS Verfahrens be- antragen, weil inzwischen auch die Armendirektion der Angelegenheit näher getreten sei und ihrerseits gegen Vorpahl Strafantrag wegen Beleidigung Noacks gestellt habe. Uebrigens habe auch der Ehemann der einen der beiden Frauen gegen Vorpahl bei der Staatsawoaltschaft Anzeige erstattet und ihn eines Notzuchtversuchs beschuldigt. Der Kläger Vorpahl antwortete, er wisse nichts von einem Notzuchtsvcrsuch, es handele sich bei all diesen Beschuldigungen nur um einen Racheakt. Rechtsanwalt Schlvindt, der Vertreter des Herrn Vorpahl, warf ein, die Anzeige komme erst sehr spät und solle wohl nur die Beleidigungsklage durchkreuzen. Hierzu machte der V o r s i tz e n d c die Bemerkung, daß auch Herr Vorpahl sich recht viel Zeit gelassen habe, ehe er klagte. Das Gericht mußte sich entschließen, das Verfahren auszusetzen. Auch soll erst noch entschieden werden, ob nicht die Klage gegen Herrn Noack von der Klage gegen die beiden Frauen zu trennen ist, so daß die Affäre in zwei ge- sondert zu verhandelnden Klagen erörtert werden müßte. Hat der Lanbrat ein Recht zu beleidigen? In der Gemeinde Jenhryschek sollte der Fleischbeschauer Jonczyk im Nebenamte Gemeindeschreiber werden. In einem Gespräch, das die Frage der Bestätigung betraf, sagte der Landrat Graf v. Limburg-Stirum zu dem Gemeindevorsteher, I. sei un- geeignet, da er ein Sozialdemokrat und Polack sei. I. erfuhr davon und verklagte den Landrat wegen Beleidigung. Besonders lag ihm cm der Feststellung, daß er kein Sozialdemokrat sei. Uebrigenö hatte der Landrat nicht nur die Anstellung J.'s in der genannten Gemeinde verhindert, sondern als Aufsichtsbehörde auch veranlaßt, daß die Gemeinde Tuschütz. wo I. bereits Gemeindeschrciber war, ihn kündigte. Bevor eS in der Beleidigungssache zur Verhandlung kam, erhob die Regierung in Oppeln den Konflikt. DaS Oberverwaltungsgcricht erklärte den Konflikt für be- gründet und entschied, daß das Verfahren gegen den Landrat cnd- gültig einzustellen sei. Als der Landrat im auctlichen Gespräch mit dem Gemeindevorsteher den Privatkläger in der gedachten Weise charakterisierte, sei er von der Richtigkeit seiner Acußerung überzeugt gewesen. Indem er seiner Uebcrzeugung so Ausdruck gab, habe er seine AmtSbefugnisse nicht überschritten. Nach dem Gesetz müfle dcSbalb der Konflikt für begründet erklärt werden. Wenn der Kläger großen Wert darauf lege, daß festgestellt werde, er sei kein Sozialdemokrat, dann müsse es ihm überlasten bleiben, dies der Behörde gegenüber nachzuweisen. Entweder dem Landrat gegenüber oder, wenn er es für besser halte, gegenüber dem Ne- gierungspräsidenten. Dann würde es sicher von der Behörde richtig gestellt werden. Nach Z 186 Str.-G.-B. ist, wer in Beziehung auf einen Anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder i» der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen ge- eignet ist, zu bestrafen, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist.„Sozialdemokrat und Polack" sind zwar keine Behauptungen, welche unter verständigen Menschen in der Regel den davon Be- troffenen herabzusetzen geeignet sind. Im Gegenteil schließt die Be- hauptung. jemand sei Sozialdemokrat, in der Regel die Auer- kennung in sich, daß der Betreffende charaktervoll für die Interessen der Allgemeinheit eintritt. Im vorliegenden Fall sollte aber die Aeußerung zur Herabsetzung des Klägers dienen. Wenn dennoch das Oberverwaltungsgericht der Klage in den Arm gefallen ist, so hätte es zum mindesten von den» Landrat den Beweis für feine den Kläger schädigende Aeußerung verlangen müssen und dürste nicht die Beweislast umkehren. Falsch ist aber die Entscheidung de? ObcrderwaltungSgcrichtS noch aus einem anderen Grunde. Nach Artikel 4 der preußischen Verfassung sind vor dem Gesetz alle Preußen gleich. Der Sozial- demokrat und der Pole haben dieselben Rechte wie alle anderen Staatsbürger. Ein Beamter hat sich durch Eid verpflichtet, die Verfassung zu beobachten. Ein Landrat aber verstößt gegen die Verfassung, wenn er die Bestätigung eines Mannes versagt oder gar auf dessen Entlassung hinarbeitet, weil der Betreffende Sozial- demokrat oder Pole ist. Der Landrat handelte also nicht innerhalb seiner AintSbefugnisse, als er die Bestätigung aus dem angeführten Grunde ablehnte. Daran wird dadurch nichts geändert, daß das Oberverwaltungsgericht die Amtsentsetzung eines Gemeindevorstehers gut hieß, weil dieser Sozialdemokrat war, oder daß Fürst Bülow am 19. Januar entgegen der von ihm beschworenen Verfassung im Abgeordnetenhause in feinem Sirenengesang an die Konserbatiben erklärte, Soziakdemokraken bürsten keine Beamten sein. Das Oberverwaltungsgericht übersieht, daß eS durch An- nahm? dieses Grundsatzes die Verfassung verletzt und überdies die Beamten so tief beleidigt wie denkbar; denn es erklärt sie dadurch für unfähig, für die Interessen der Allgemeinheit einzutreten, Vermischtes. Verzögerung der AnSzahlung der für die Hinterbliebenen von Radbod gesammelten Gelder. Gestern fand in Hamm eine von über 1000 Personen besuchte Versammlung statt, die wiederum Protest gegen die Verzögerung der Auszahlung der sogenannten Kronprinzenspende für die Hinter- bliebenen von Radbod erhob. An der Versammlung nahmen auch viele Witwen vermrglückter Bergleute teil. Die Versaminlung sandte ein Telegramm an den Kronprinzen, er möge die Auszahlung der Gelder veranlassen._ Fünf Menschen bei einem Brande getötet. Aus Mühlhausen(Thüringen) wird gemeldet: Bei einem Brande, der in der gestrigen Nacht die Dorsschenke von Effelder auf dem Eichsfelde einäscherte, wurden durch Einstürzen der Decke deS Tor- weges fünf Mciischen gerötet, darunter drei Familienväter. Neber Störungen im Telegrapheiidicnst wird au? Reichenbach (Schlesien) berichtet: Durch ftngerdicke Eisablagerungen auf den Telegraphendrähten infolge starken Naubfrostes sind in der letzten Nach: auf den Strecken Neichenbach— Peterswaldau und Langen- bielau— Oberlaiigenbielau die Drähte gerissen und die Stangen gebrochen. Der Fernsprechverkehr ist auf beiden Strecken gestört. Unter Zuziehung von Hilfskolonnen aus Breslau hofft man, den Verkehr bis»norgen abend wieder herzustellen. Die aus dem KindesunterschiebungLprozeß bekannte Gräfin Kwilecka-Wesierska auf Wroblcwo ist, wie aus Posen gemeldet wir?, am Sonntag in Breslau infolge Herzschlags gestorben. Schiffsunfall im Hamburger Hafen. Nach einer Meldung aus Hamburg rannte infolge starken Nebels iin Hafen und auf der Unterelbe der ausgehende Dampfer„Henry Horn" und der auf- konunende Dampfer„Salamauca" beim Pagensand zusammen. Elfterer sank, während„Salamanca" anschemend nur leicht beschädigt wurde. Personen sind nicht verunglückt. Uebcr die Lage im Hochwassergebiet der Elbe und Havel wurde gestern seitens der kgl. Wasserbauinspcktion in Rathenow folgender aintlicher Bericht veröffentlicht: Die Eisbrecher auf der Elbe passierten am Sonntagnachmittag die Havelmüudung. Infolge des EiSaufbruchS ist in der Havel Strömung zu Tal eingetreten. Der Wasserstand der Havel bei Havclderg betrug heute vormittag 4,13 Meter, der Wasserstand der Elbe bei Dommühlenholz 4,97 Meter. Gestern vor- mitlag haben die Eisbrecher der Strombauverwaltung Neuwerben erreicht. Erdbeben in Spanien. Ein Telegramm aus Madrid meldet: AuS Elche werden mehrere Erdstöße gemeldet. Die in den Kirchen versammelte Menge flüchtete, wobei eine Anzahl Personen, unter ihnen Frauen und Kinder, verletzt wurden. Ueber eine Schiffskatastrophe wird unterm 21. Februar von Buenos Aires gemeldet: Der Fracht- und Passagierdampfer„Presidente Noca" ist auf der Fahrt von Süd-Argcntinien hierher zwischen San Antonio und Puerto Madrin bei der Halbinsel Valdez in Brand geraten und unter- gegangen. Man glaubt, daß alle Passagiere und die ganze Besatzung. zusammen 200 Personen, nmS Leben gekommen find. Singegangene Druckfcknfteii. Der„Süddeutsche Poftillou»