49» A RbonnemcntS'Bedingnng«!»: Wonnements- Breis pränumerando! Vierteljährl. SL0 9Rf, monatL 1,10 Ml,, wöchenlüch 28 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummcr mit illultrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psa. Post- Sidonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Vreislijle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerrelch- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 29. Jahrg. CrldKlnt lZgllch anBtr tnontag», Vevltnev Volksblait. Vit snieMonz-Sebühi' beträgt für die scchSgespallenc Äolonel» zcilc oder deren Raum 50 Pfg„ für poMische und gewcrlschaflliche Vereins« und VcrsammIungS-Aiizcigcn SO Pfg. „Utelne Snreigen", das erste(selt- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlas- slellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends gebssnet. Telcgramm-Adresse: „Soiliiliiimolli,! Rerlln". Zentralorgan der fozialdentokrati leben Parte» Deutfcblands. Redabtion t SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 27. Febrnar 1900. 6xpcditton: SRI. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Entwurf des neuen Or�anifations�Statuts. Der Parteitag zu Jena hatte ein neues Organisationsstatut geschaffen, daS eine gemäßigte Zentralisation schilf, wie sie durch den Fortfall des Verbindungverbotes für politische Vereine möglich ge- worden war und die den Bedürfnissen des gewachsenen Partei- törpers entsprach. DaS Reichsvereinsgesetz gibt die Möglichkeit, die Lücken auszufüllen, die in diesem System wegen der besonders rück- ständigen Vereinsgesetzgebung einiger Bundesstaaten noch gelassen Iverden mutzten. Die Zulassung der losen Organisation durch Ver« trauenSmänner kann gestrichen werden, weil es jetzt im ganzen Reich möglich ist, sozialdemokratische Vereine zu bilden; auch die weib- lichcn Vertrauenspersoncn können künftig entbehrt werden, da die Frauen nun überall das Recht haben, den Parteivereinen beizutreten. Die völlige Schlietzung des Ringes der Wohwereine gibt dann die geeignete Basis für einige andere Bestimnmngen, die schon lange angestrebt wurden: die Beschickung des Partei- tageS nach einem gemätzigten Proportionalsystem und die Festsetzung eines Mindestbeitrages. Solange sich ein Teil der Parteigenoffenschaft nicht in Vereinen organisieren konnte, war seine Einordnung in ein Verhältniswahlsystem für die Parteitagsdelegation sehr schwierig und von der Festsetzung einer Mindestleistung des Einzelnen konnte in den betreffenden Gebieten nicht die Rede sein. WahlkreiSverei««nd Parteizugehörigkeit. Die Aenderungen, die der Statutentwurf vorschlägt, den die vom Nürnberger Parteitag gewählte, aus Genossen aller Reichs- teile zusammengesetzte Kommission aufgestellt hat, betreffen in der Hauptsache diese Punkte. Der Absatz des Jenaer Statuts über die Vertrauenspersonen 7 und 8) und der§ 10 von den weiblichen Vertrauenspersonen sind gestrichen. Der Wahlkreisverein wird zur einzigen Grundlage der Organisation gemacht. Konsequenterweise bestimmt deshalb auch der§ 1 über die Parteizugehörigkeit, datz für sie neben der Anerkennung der Parteigrundsätze die Mitgliedschaft in der Parteiorganisation Bedingung ist. Die bisherige dehnbare Be- stimmung, wonach dauernde Unterstützung der Partei durch Geldmittel erforderlich ist, konnte fallen und im§ 2 konnte gesetzt werden, datz jeder Genosse dem sozialdemokratischen Verein seines Wahlkreises angehören mutz, da die»zwingenden Gründe", die nach dem jetzigen s 2 den Genossen das Recht zum Fernbleiben vom Verein geben, in Wegfall gekommen sind, nachdem das Vereinsgesetz die Verpflichtung der politischen Vereine zum Einreichen der Mitglieder- liste aufgehoben hat. Genauere Präzisierung würde unseres Er- achtens der letzte Satz des§ 2 verdienen:»Erstreckt sich der ReichstagswahlkreiS über mehrere Orte, so kann an jedem Orte ein OrtSverein deS Sozialdemokratischen Vereins gebildet werden." Es dürfte unseres Erachtens im Interesse der Einheit der Partei- bewcgung in den Wahlkreisen kein Zweifel darüber gelassen werden, datz diese Ortsvereine nur Untergruppen des Wahlkreisvereins sein dürfen, deren Kompetenz nur so weit geht, als sie von den Wahlkreis- organisationen bemeffen wird. Denn auch die Regelung rein ort- licher Verhältnisse kann öfter ein erhebliches Interesse des ganzen Wahlkreises berühren. ES empfiehlt sich daher auch, datz an Stelle der Bezeichnung, Ortsvereine" das Wort»Ortsgruppen' gesetzt wird. Bezirks-«nd LaudeSorgauisationcn. DaS Verhältnis der unteren Glieder zu den oberen und daS Matz der Befugnisse jedes Teiles kommt auch bei den Bestimmungen des§ 3 in Frage, wonach sich die sozialdemokratischen Vereine zu Bezirks- und LandeSorganisationen zusammenschlietzen, denen die selbständige Führung der Parteigeschäfte nach eigenen Statuten ob- liegt, die mit dem Organisationsstatut der Gesamtpartci nicht in Widerspruch stehen dürfen. Die Kommission hat diese Bestimmung unverändert quS dem Jenaer Statut übernommen. Im Interesse größerer Klarheit wäre eS, wenn die Befugnis der LandcSorgani- sationen zur»selbständigen Führung der Partcigeschäfte" näher präzisiert würde durch die freilich bei vernünftiger Auslegung auch ohne ausdrückliche Anführung selbstverständliche Be- dingung, datz diese selbständige Führung innerhalb der durch die Beschlüsse der Gesamtpartei gezogenen Grenzen bleiben mutz. Indirekt wird das schon durch die Bestimmungen über den Parteitag festgelegt. Der 8 7 sagt eingangs, datz der Parteitag die 0 b e r st e Vertretung der Partei bildet, und im 8 11, Absatz 4 wird ihm die Beschlußfassung über die Parteiorganisation und alle d a S Parteileben berührenden Fragen zugewiesen. Es könnte indes nicht schaden, wenn dieser Punkt allen Auslegungs- künsten entzogen würde durch eine unzweideutige Erklärung, daß die Autonomie der Landesorganisationen in bezng auf ihre speziellen Landesangelegenheiten nicht absolut ist. sondern datz die Gesamt- Partei berechtigt ist. auch hierüber Beschlüsse zu fassen, sobald Landes- angelegenheiten die Interessen der Gesamtpartei berühren, Die Parteistcuer. Sehr zu billigen ist die Einführung deS MindestmonatSbeitrags für männliche Mtglieder auf 80 Pf. DaS wird jene großstädtischen Kreise, die über diesen Beitrag noch nicht oder nicht wesentlich hinausgekommen>ind, daran mahnen, es den Kreisen gleich zu tun, die einen Wochen! eitrag von 10 Pf. eingeführt haben. Außerdem wird dadurch Kunststück hen vorgebeugt, wie sie die Genossen von Bayern und Anhalt mit der Teilung deS Beitrags in Grundbcitrag und Lokalzuschlag gemacht haben. Vom Grundbeitrag entrichten sie die vorgeschriebenen 20 Proz. an die Zentralkasse, vom Lokalzuschlag nichts. Diese künstliche Verkleinerung des an die Zentralkasse zu entrichtenden Pflichtteils ist also künftig nicht möglich— so lange die Höhe des GesamtbeitrageS 30 Pfennig nicht übersteigt. Gehen allerdings die Organisationen über den Mindestbeitrag hinaus, so ist in den Bestimmungen des Entwurfs kein Riegel gegen Teilungen des Beitrages in prozentpflichtigen Grund- beitrag und nichtprozenipflichtigcn Lokalzuschlag vorgeschoben. Es sollte deshalb erwogen werden, ob gegen solches Verfahren nicht eine besondere Sicherung zu schaffen ist. Geschäftsberichte. Sehr zweckentsprechend ist die Ansetzung eines gleichen Geschäfts- jahres für alle Parteiorganisationen. Nur so wird erreicht, datz die dem Parteivorstaude alljährlich am Schlüsse des Geschäftsjahres ein- zureichenden Berichte der Wahlkreis-, Bezirks- und LandeSorgani- sationen, auf Grund deren der Parteivorstandsbericht an den Parteitag erfolgen soll, einen brauchbaren Ueberblick über den Stand der Partei liefern. Zu begrüßen ist aus demselben Grunde die Neuerung, datz diese Berichterstattung künftig an der Hand eines vom Parteivorstande herausgegebenen Fragebogens stattfinden soll. Die Eingliederung der Frauen. An Stelle der fortfallenden weiblichen VertranenSpersoncii, die die Agitation unter dem weiblichen Proletariat zu betreiben hatten, schafft der Entwurf Ersatz durch die Bestimmung, datz Organisattonen, denen weibliche Mitglieder angehören, ihnen eine Vertretung im Vor- stand gewähren müssen. Diese weiblichen Vorstandsmitglieder haben im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand vornehmlich die Frauen- agitation zu betreiben. Man könnte einwenden, daß diese Bestimmung zu weit gehe, da sie die Vertretung der Genossinnen im Vorstand selbst dann zur Pflicht nmcht, wenn nur eine ganz geringe Zahl von weiblichen Mit gliedern vorhanden ist; ein gewisser Verhältnissatz weiblicher Mit- glieder der Organisation müsse die Bedingung für dieses Recht sein, ivenn nicht eine Bevorrechtung der Frauen vor den Männern ein- treten solle. Diese Argumentation geht indes von falschen Voraussetzungen aus. Die Vertretung der Frauen im Vor stand ist nicht eine Forderung, die auS dem Standpunkt fließt, datz die Geschlechter gleichberechtigt sein sollen. Bon diesem Standpunkte aus wäre eine solche Bestimmung ganz überflüssig, da die Berechtigung der Frauen, Borstandsämter zu bekleiden, von keinem Genossen bestritten wird. Die Bestimmung rechtfertigt sich aber deshalb, weil eben siir die Fraucnagitation, die ihre be- sonderen Aufgaben neben denen der allgemeinen Agitation hat, be- sondere Organe vorhanden sein müssen, und weil diese Agitation am besten durch Frauen betrieben werden kann. Wo die Zahl der Frauen in der Organisation noch klein ist, wird gerade die Wahl einer Frau in den Vorstand ein erzieherisches, die Frauenagitation belebendes Moment sein, daS die Zahl der organisierten Frauen steigern wird. Die niedrigere Bemessung des Frauenbeitrags rechtfertigt sich durch den Umstand, datz der größere Teil der Frauen kein selb- ständiges Einkommen hat. Die obligatorische Lieferung der„Gleich- heit" entspricht den besonderen Bedürfnissen der proletarischen Frauenbewegung, die als jüngerer Zweig der Arbeiterbewegung be sonderer Förderung und Vertiefung bedarf. Fallen soll nach den Vorschlägen der Kommission daS bisher geltende Recht der Genossinnen, in besonderen Frauenversammlungen besondere weibliche Delegierte zum Parteitag neben den von der WahlkreiSorganisatton eniscndeten zu wählen. Dafür tritt die Be stimmung im Absatz 1 des 8 7 ein:„Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein." Es wird also kein zwingendes Recht für die Frauen geschaffen. Indes dürfte, da die Bedeutung der Frauenbewegung im allgemeinen nirgends mehr verkannt wird, die Bestimmung genügen, um den Frauen einen gebührenden Anteil an der ParteitagSdelegation zn sichern. Sollte die Praxis wider Erwarten ein anderes Resultat ergeben, so wäre zu erwägen, ob man nicht das Anrecht der Frauen auf De- legierte an einen bestimmten Prozentsatz weiblicher Mitglieder der Organisation knüpfen kann. Das bisherige Recht der Frauen auf Sonderdelegierte mutzte in dem Entwurf fallen, weil er die Vertretung auf dem Parteitage wesentlich umgestaltet. Mit der Einführung des Proporttonalsystcms für die Zusamniensetzung des Parteitages sind Sonderdelegierte der Frauen unverträglich, weil sie das durch die Verhältnisivahl her- gestellte StärkeverhälttiiS der Wahlkreise auf dem Parteitage wieder verschieben würden. Die ParteitagSdelegation. In der Einleitung haben wir daS im Entwurf vorgesehene Wahlsystem ein gemäßigtes Proportionalsystcm genannt. ES bis zu seinen äußersten Konsequenzen auszuarbeiten, verbieten mehrere Gesichtspunkte. Einmal ist eine zu große Kopfzahl des Parteitages im Interesse der Arbeitsfähigkeit nicht erwünscht, zweitens aber müssen die Wahlkreise mit schwächerer Bewegung unbedingt daS Recht der Vertretung auf dem Parteitage haben, weil gerade ihre Erfahrungen siir die Partei wichtig sind, und weil die Stärkung der Bewegung in diesen Kreisen eine der wesentlichsten Aufgaben unserer Agitation ist. Die Partei mutz die Bedücfniffe dieser Kreise stets gut kennen, sie bleibt dadprch vor der Gefahr bewahrt, ihre Beschlüsse lediglich auf Grund deS Standes der Partei in den großftädtischdn Gebieten zu treffen und sich über die Entwickelung der Partei in den weniger entwickelten Bezirken Täuschungen hinzugeben. Ebenso selbstverständlich ist aber, daß der Wille der Partei nicht zum vollen richtigen Ausdruck kommt, wenn in ihrem Parlament der Einflutz sehntausender großstädtischer Genossen nicht größer ist, als der von einigen Hunderten ländlicher Genossen. Ob der Vorschlag des Entwurfs zwischen diesen beiden not- wendigen Anforderungen, die zu stellen sind, die richtige Mitte hält, ist nur auf Grund sorgfältiger Berechnungen festzustellen, für die uns zurzeit die nötigen Unterlagen nur teilweise zur Verfügung stehen. Wir behalten uns daher hier unsere definitive Stellung noch vor. Zu wünschen wäre es, daß die Kommission noch nachträglich eine Begründung dieser Bestimmung gäbe, die Zahlen vorlegte, auf Grund deren sie zu ihren Maßstäben gelangt ist. Das Privileg der Reichötagsfraktion. Nicht einverstanden können wir damit sein, daß der Entwurf daS Privileg der NcichLtagSabgeordneten, am Parteitag mit vollen Rechten teilzunehmen(datz sie in parlamentarischen Angelegenheiten kein Stimmrecht haben, ist selbstverständlich) weiterbestehen lassen will. Gewiß ist eine innige Verbindung zlvischen Fraktion und Parteitag sehr zu wünschen— aber diese engere Fühlung ist auch zu erreichen, werax man den NcichötagSabgeordneten nur beratende Stimme in allen ParteitagSangelegcnheiten gibt. Sie hätten dann freilich inimer noch mehr Recht als der mandatslose Genoffe und könnten unter Ulnständen durch ihre Reden auf die Beschlüsse größeren Einfluß gewinnen. Dem demokratischen Ideal käme deshalb ein lediglich aus gewählten Delegierten bestehender Parteitag am nächsten. Auf alle Fälle aber nmtz der jetzige Zustand fallen, daß der ReichStagsabgcordnete daS Recht hat, in allen nichtparlamentarischcn Angelegenheiten seine Stimme in die Wagschale zu werfen. Denn dadurch wird die Stimme eines Einzelnen denen ganzer Organisationen gleichgestellt und da keineswegs gesagt ist, daß der Ab- geordnete eines Wahlkreises und seine Organisation in wichtigen Parteifragcn übereinstimmen, so können, wenn die Fraktion bei den nächsten Wahlen wieder stärker wird, ihre Stimmen das AbstimmungS- crgebnis so beeinflussen, daß ein falsches Bild vom Willen der Parteimehrhcit entsteht. Die Vertretung der Fraktion durch eine Delegation kann unseres ErachtenS nicht in Frage kommen, weil es nicht möglich erscheint, diese Delegation so genau anzusetzen, daß sie alle Strömungen in der Fraktion getreu wiedergibt. Der außerordentliche Parteitag. Dagegen vermögen wir nicht einzusehen, weshalb die Be» stimmung fortfallen soll, datz auf Beschlutz der Mehrheit der ReichstagSfraktion ein autzerordentlicher Parteitag einzuberufen ist. Hier scheint der FormalisnmS, die Erwägung, daß die Fraktion kein Glied der Parteiorganisation ist, den Sieg über die Zweckmäßigkeit davongetragen zu haben. Dieses Recht der Fraktion kann in kritischen Augenblicken, wo alles auf schnelles Handeln ankommt, von Wert sein, weil die Fraktion in der ParlamentSzeit stets beisammen ist. Die Kontrollkommission muß erst zusammenberufen werden und das Veto eines Mitgliedes kann ihren Be- schlutz verhindern. Der Partcivorstand kommt nicht in Be- tracht, insofern der Parteitag gefordert wird, weil eine seiner Matznahmen umgestoßen werden soll. Der Antrag der 10 Vorstände der Bezirks- bezw. Landesorganisationen braucht selbst- verständlich moch mehr Zeit, als der der Kontrollkommission. Uebrigens bedeutet die Acnderung im Absatz 3 des 8 12 auch eine erhebliche Erschwerung des Einberufens eines außerordentlichen Parteitages. Im jetzigen Statut heißt es, datz er einzuberufen ist, wenn IS Wahlkreise es fordern, jetzt sollen die Vorstände von IS Bezirks- bezw. Landesorganisationen dazu erforderlich sein. Da die Vorstände dieser Organisationen doch im allgemeinen nur im Einverständnis mit den in ihnen vereinigten WahlkreiSorgani�ationen oder doch der Mehrheit von ihnen handeln werden, so erhellt, daß künftig viel mehr als IS Wahlkreise nötig sein würden, um einen außerordentlichen Parteitag zu erlangen. Wodurch sich solche Er- schwerung rechtfertigen soll, ist nicht einzusehen. Ausschluß und Wirdcranfuahme. Erhebliche Aenderungen sind bei den Vorschriften über den AuS- schlutz und die Wiederausnahme erfolgt. Im ganzen genommen scheinen sie glücklich getroffen zu sein. So ist es sehr zweckmäßig, daß der Zusammentritt eines Schiedsgerichts nur in den Fällen noch nötig ist, wo einer der Beteiligten gegen die erstinstanzliche Eni- scheidung des Vorstands der Bezirks- bezw. Landesorganisatiou Berufung anmeldet; ebenso ist es zu begrüßen, daß den Instanzen ausdrücklich das Recht gegeben wird, in solchen Füllen, wo sie nicht ans Ausschluß zu erkennen genötigt sind, auf Suspendierung von Mitglicdsrcchten und Rügen zu erkennen, welches Recht bisher bis- weilen bestritten wurde, ebenso wie das Recht der Organisationen, auch ohne AuSschlutzantrag eine Untersuchungskommissio» gegen ein Mitglied einzusetzen, daS nun auch ausdrücklich festgestellt wird. Notwendig erscheint uns noch die Einfügung, daß auch gegen die Entscheidungen. die nicht auf Ausschluß lauten. Berufung an die höchsten Instanzen eingelegt werden kann. Da eine Instanz vor dem Schiedsgericht eingeschoben wird, so kann ohne Schaden eine der bisherigen Instanzen nach dem Schiedsgericht fortfallen, nämlich die Kontrollkommission, die dadurch wesentlich entlastet wird und für ihre anderen wichtigen Aufgaben mehr Zeit gewinnt. Eine notwendige Ergänzung der AuSschlußgründe bedeutet die Bestimmung des 8 23, daß der Ausschluß auch erfolgen kann, wenn ein Mitglied wiederholt in bewußter Weise die Parteiinteressen schädigt. Nur die Worte»in bewußter Weise" erscheinen uns nicht angebracht. Sie werden lediglich den Richtern Veranlassung zu allerlei psychologischen Tifteleien geben, während es für eine kämpfende Partei im Effekt ziemlich gleichgültig ist, ob ein Mitglied bewutzt oder unbewußt die Parteiinteressen wiederholt schädigt. Wer die Folgen seiner Handlungen so wenig zu überblicken vermag, da« et— in wiederholten Fällen— nicht botauZzusehen im- stände ist, ob sie Parteiinteressen schädigen werde»/ der ist sicher kein Gewinn für die Partei. Zudem gibt ja das Wort»kann" in dein Satze ohnehin die Handhabe, bei mildernden Uniständen vom Anöschluh abzusehen. Parteivorstand. Beim Abschnitt Part civorstand ist eine der im Entwurf vorgeschlagenen Aenderungen in der Praxis schon vorhanden: die Ber mehrung der Beisitzer»»n eine Genossin. Die andere, die die Verpflichtung dcS Vorstandes feststellt, bei wichtigen, die Gesamtpartei berührenden Fragen Vertreter der Landes- bezw. Bezirksorganisationen gut- achtlich zu hören oder zu einerKonfcrenz zube- rufen, macht aus einem Recht, das der Vorstand bisher mehrfach ausgeübt hat. eine Pflicht. Sonst ist der Abschnitt unverändert geblieben. Unseres Er- achtens zu Unrecht. Ein Ausbau der jetzigen Bestimmungen über die Zusammensetzung des Parteivorstands scheint uns dringend er- forderlich. Für die Erledigung der laufenden ParteigeschSfte genügt der heutige Apparat des Parteivorstands. Eine Erweirerung aber hat er notwendig in feiner Eigenschaft als leitende Körperschaft in politischen Fragen. Dieser Aufgabe kann er um so besser ge- iiiigen, je breiter seine Basis ist, je mehr er durch die Personen seiner Mitglieder Kenntnis hat von dem Fühlen und Wollen der Partei und mit ihren Organen in Fühlung lebt. Natürlich darf der Apparat nicht zu schwerfällig werden, um die oft sehr notwendige Schnelligkeit der Beschlüsie nicht zu behindern. Eine Teilung in engeren und weiteren Parteivorstand ist deshalb erwägenswert. Der erstere muß an einem Ort vereinigt sein, der andere, der im allgemeinen nur in bestimmten längeren Zeit- räumen, außer der Reihe nur bei sehr wichtigen Angelegen- heitcn zu berufen ist. hätte die verschiedenen Gebiete des Reiches zu repräsentieren. Ansätze zu dieser Institution sind in der Kontroll- kommission und in den Konferenzen der Landes- bezw. Bezirks- organisationSvertreter zu erkennen, die der Vorstand bei wichtigen, die Gesamtpartei berührenden Fragen einzuberufen hat. Will man es bei der Erprobung dieser Institution zunächst belassen, so er- scheint unS aber die Vermehrung des Parteivorstandes um etwa drei Beisitzer um so notwendiger. Zwei davon müßten führende Genossen aus der Gewerkschaftsbewegung sein. Je länger je mehr »rächt sich das Bedürfnis bemerkbar, daß Partei und Gewerkschaften irr wichtigen Angelegenheiten der klassenbewußten Arbeiterbewegung zusaminenarbeiten und in mehreren Fällen ist solches gemeinsames Wirken bereits erfolgt. Die notwendige Verständigung würde sich weit leichter und glatter vollziehen, wenn zwei im Vordergrunde stehende Gewerkschaftler im Parteivorstand säßen. Sie würden mehr als bisher Einblick in die Bedürfnisse der Partei gewinnen und die Informationen, die sie der Leitung der Gewerkschaften vermitteln würden, könnten Schwierigkeiten leichter beseitigen, als jetzt Berhand- lungen von Körperschaft zu Körperschaft. Die Wahl dieser Genossen hätte auf dem Parteitage zu erfolgen, wobei eS im Zwecke d6r Institution liegt, daß die Wünsche der Gewerkschaftler in bezug auf die Personen dabei gebührend berücksichtigt werden. Das ist'S, waS wir zunächst zum Entwurf zn bemerken haben. Tie Diskussion, die in der Parteipresse schon begonnen hat und die wir hier im wesentlichen wiedergeben werden, wird unS jedenfalls auch zu weiteren Erörterungen Anlaß geben. stiiz der LesclMssrdilungzitsmiMion. In der Sitzung am Freitag wurde wieder mit derartiger „Gründlichkeit" gearbeitet, daß anstatt der beabsichtigten Beendigung der zweiten Lesung nur ein Viertel des Pensums beivältigt wurde. Zunächst entfesselte Herr Kreth(k.) eine ein- gehende Debatte über die Frage, ob die Nameusunterschriften unter Interpellationen sämtlich handschriftlich gegeben werden müßten oder nicht. Der Antisemit G r ä f erlaubte sich die Insinuation, die Sozialdemokratie habe Interpellationen ein- gereicht mit nachgemachten Unterschriften ab- lv e s e n d e r M i t g l i e d e r. Von Singer energisch zur Rede gestellt, daß er die absolut falsche Behauptung beweisen solle, wollte er„nur beispielsweise" die sozialdemokratische Fraktion genannt haben! In der weiteren Debatte ergab sich aus der Vorlesung einer Reichstagsverhandlung durch den konservativen Abgeordneten Winkler, daß gerade der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg für die antisemitische Fraktion sich zu der Praxis bekannt hatte, die Herr Gräf beispielsweise der Sozialdemokratie zugeschrieben hatte I � Nachdem volle zwei Stunden über die Modalitäten der NamenSunterzeichnung hin und her geredet war, einigte sich die Kommission darauf, dem Reichstag folgende Praxis bei der Unterzeichnung von Interpellationen tu empfehlen: „Die erforderlichen 30 Unterschriften für eine Interpellation sind immer eigenhändig zu vollziehen. Der Präsident hat bei Eni- gegennahme der Interpellation das zu kontrollieren. Bei der Druck- leguna der Interpellation ist es statihaft, auch noch die Namen der übrigen Mitglieder der Fraktion hinzuzufügen, ohne daß ihre eigenhändige Unterschrift vorliegt." Der§ 32 wurde dann in der Kommissionsfassung erster Lesung angenommen. Zu dem§ 33 lagen mehrere Anträge vor. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um einen sozialdemokratischen Antrag. Nach der Kommissionssasstuig erster Lesung soll mimlich nur dann eine Besprechung einer Interpellation durch 30 Mit- glieder erwirkt werden könneil, wcnit der Reichskanzler entweder sie beantwortet oder die Beantwortung abgelehnt hat. Verschleppt er die Beantwortung über zwei Wochen, so soll das Haus nur mit Mehrheits- beschluß die Besprechung festsetzen können. Die Sozial- dcmokraten beantragen nun. daß die Besprechung, wie in den anderen Fällen, schon ans Antrag von dreißig Mitgliedern zu erfolgen hat. Ledebour begründete den.Antrag mit dem Hinweise darauf, daß nach dem geltenden Recht zwar durch die Verschleppungs- iaktik der Reichskanzler überhaupt die Besprechung vereiteln kann; würde aber die Fassung erster Lesung Gültig- keit erlangen, so würde die Rcichstagsmehrhcit ihm das Odiuin der Vereitelung einer Besprechung abnehmeil können. Seien also Regierung und Reichstagsmehrheit im Einverständnis, so würde die Besprechung einer Interpellation weit häufiger vereitelt werden. Es widerspreche auch dem Wesen des JnterpellationSrcchts an sich, daß die Mehrheit die Be- prechuilg einer Interpellation verhindern könne. Jnter- pellationen seien vorzugsweise ein parlamentarisches Kampfmittel der Minderheiten zur Ausübung ihrer Funktion der Kritik an dem herrschenden System. Gegen diese Auffassung wandten sich als Vertreter der drei konservativen Richtungen die Abgg. Kreth, v. D i r k s c n und Gräf in wesentlicher Uebereinstimmung, weil es gefährlich sei, einer Minderheit das Recht zu geben, vielleicht zu geeigneter Zeit die Erörterung etwa einer Frage der aus- lvärtigen Politik erzwingen zu können. Aber auch L i n ck (iiatl.) und H a u ß ni a n Ii(Vp.) schlössen sich diesem Argument an. Haußmann verwechselte wieder das Recht, Beschlüsse zu fassen, mit dem Recht, Besprechungen zu veranlassen. Vom Zentrum suchte Zehnter eine vermittelnde Stellung einzunehmen, R o c r e n und Kirsch aber vertraten den sozialdemokratischen Antrag. Beide wünschten nur statt 30 Antragsteller 50 zur Erwirkung der Besprechung. Singer erklärte die Bereitlvilligkeit der Sozialdemokratie, auf diese Aendcrung einzugehen, und wies ans den Widerspruch hin, der darin liegt, daß man zwar 30 Mitgliedern das Recht zu- gestehen wolle, eine Besprechung zu erzivingen, wenn der Reichskanzler die Veantlvortung ablehnt, aber einen Mehrheitsbeschluß zur Besprechung verlange, wenn er die Beantwortung auf unbestimmte Zeit zu vertagen sucht. Die Fortsetzung der Debatte wurde auf Dienstag, den 2. März, anberannlt._ Der Spitzelprozeß in Rraltai. Vor dem Krakauer Gericht fand dieser Tage bei ungeheuerem Andrang'des Publikums ein Prozeß statt, der mit dem Fall A z e w im Zusammenhang steht und viel Licht auf den Enthüllcr Azews, Michael Bakai, wirft. Angeklagt war Genosse Eniil Haccker, der Redakteur des Krakauer sozialdemokratischen Blattes„Naprzod". Als Anklägerin trat die Studentin der Medizin Janina BorowSka auf, welche sich in der von der„Roten Fahne", dem Organ der Sozial- demokratie Russisch-Polcns, gebrachten Spioncnliste befand. Diese Liste, die von dem früheren Beamten der Warschauer Sicher- heitSpolizci, Bakai. zusammengestellt worden war, erhielt das polnische Parteiorgan von dem Zentralkomitee der Sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei Rußlands. Janina BorowSka erwies der polnischen Sozialistischen Arbeiterpartei(P. P. S.) in Russisch- Polen Dienste, indem sie Parteiliteratur über die Grenze schmuggelte. Da sie sich in schweren pekuniären Verhältnissen bc- fand, empfing sie auch durch Krakauer Parteigenossen materielle Unterstützung. Die Nachricht, daß sie im Dienste der Polizei stand, wirkte wie eine Bombe. Nachdem Haccker nähere Angaben erhielt, schrieb er einen Artikel über den Fall, obwohl ihm das nicht leicht fiel, weil er bis dahin freundschaftliche Beziehungen mit der BorowSka unterhalten hatte. Der erste Zeuge, der vernommen wird, ist B a k a t. Er ist jetzt erst 27 Jahre alt und zur Zeit Student der Philosophie in Paris. Mit 23 Jahren war er schon Gehilfe des Polizeichefs Peterfon von der Geheimabteilung in Warschau. Sein Gehalt betrug 4000 Rubel. Eines Tages hat er nn Bureau seines Chefs.die BorowSka gesehen, die gekommen ivar, sich zu Spitzeldiensten anzubieten. Sie ist dann wiederholt in Warschau gewesen und hat 100 Rubel monatliche Be- zahlung erhallen. Bakai gibt an, den Dienst quittiert zu haben, weil die Un- taten der Polizei ihn angewidert hätten. AlS junger Mann habe er wohl verbotene Schriften gelesen, aber er sei nicht Revolutionär gewesen. Die llngercchtigkeitcn und Scheußlichkeiten hätten erst unter seinem zweite» Chef S ch e w i a k o w eingesetzt. Bakai gibt dann eine Schilderung der Aera SchclviakowS. Er be- richtet von den Verfolgungen und Torturen in Warschau und vor allem über die Täligkeit der Geheimpolizei und der Lock- spitze!. Viele Verbrechen der Polizei seien nicht einmal aus politischen Motiven, sondern aus Eigennutz und Habgier be- gangen worden. Einmal sind 17 junge Leute erschossen worden, nur weil sie einem Wirt die Zeche nicht bezahlt hatten. Ein Knabe jammerte:„Meine Mutter! Meine Mutter I" Auch er wurde erschossen. Das gerichtliche Verfahren war eine Komödie, oder aber das Gericht wurde überhaupt nicht in Anspruch genommen. Die Akten enthielten den Vermerk dcS Mttitärgouverneurs: Zu er« schießen I oder: Noch Sibirien! Der Vorsitzende fragt den Zeugen: Warum sind Sie in die Ochrana eingetreten?— Zeuge: Um zu verdienen.— Vors.: Also des Brotes willen?— Zeuge: Ja, ich war ein junger Mensch. ES war, wie ich eS jetzt verstehe, eine Lumperei von mir. Bakai ist bald»ach seinem Austritt verhaftet und nach Sibirien verbannt worden. Man wollte ihn, da er wohl nicht ganz sicher schien, unschädlich machen. Mit Hilfe B u r z e w S, dem er mittler- weile schon Mitteilungen gemacht hatte, konnte er entfliehen und ist nun derjenige, der am meisten mit zur Entlarvung des A z e w beigetragen hat. Nicht weniger interessant gestaltete sich die Vernehmung B u r- z e w S. Dieser bestätigte bezüglich der BorowSka die Angaben BakaiS. Dann machte er auf Wunsch der Geschworenen Angaben über Azew. Schon als Bakai ihn das erste Mal besuchte(er war damals noch bei der„Ochrana" angestellt), habe dieser den„Pro- vokateur deS Reiches" als de» gefährlichsten Feind der Revolution be- zeichnet. Dieser habe damals den Namen NaSkin geführt und sich später als Azew entpuppt. Bakai habe ihm eine Liste von etwa 60 Spitzeln gegeben, die später in der„Noten Fahne" veröffentlicht wurde. Burzew sckilderte dann die unheimliche Rolle, die Azew in der revolutionären Bewegung gespielt habe, den Einfluß und das blinde Vertrauen, daö er bei den Nevolntionären besessen. Als er (Bnrzew) den ersten Verdacht äußerte, habe man ihn sogar mit dem Tode bedroht. Erst Bakai habe einwandösreie Dokumente über die Schuld AzewZ beigebracht. Hätte man diesem früher geglaubt, so wäre Azew drei Jahre früher entlarvt worden und Taufende hätten vom Galgen gerettet werdeii könne». Die Klägerin und ihr Vertreter bemühten sich vor allem die Glaubwürdigkeit BakaiS möglichst zu erschüttern. Burzew machte nähere Angaben über diesen. Nach seinem Austritt wurde er administrativ, daS heißt ohne Gerichtsurteil verschickt. ES war der Polizei sehr unangenehm, weil er zu viel Material besaß. Er be- stätigt, daß der Polizeichef Peterfon eine Ausnahme bildete und unter ihm keine Schreckensherrschaft bestand. Jetzt lebe er bescheiden von schriftstellerischen Arbeiten. Hochdramatisch gestaltet sich die Konfrontation BakaiS mit der BorowSka. Bakai erkennt mit aller Bestimmtheit in der Klägerin diejenige wieder, die er bei der Warschauer Geheimpolizei zum ersten Male im Juni 1903, dann wiederholt gesehen hat. Diese behauptet, sie habe allerdings um jene Zeit und später häufig Reisen von Krakau nach Warschau unrernommen, aber nur. um verbotene Schriften übcr�ie Grenze zu bringen. Sie habe sich in schlechter Lage befunden und deshalb das Angebot der Sozial- revolutionäre angenommen. Balai ist nun entlassen und fährt direkt nach Paris. Da Krakau von russischen Spitzeln wimmelt, hatten unsere Genossen einen Ueberloachungsdienst zum Schutze der Zeugen organisiert. Der Zeuge Dr. Kulakotvsly, der 1904— 1907 als Verteidiger in Warschau tätig war, stellt Bakai das Zeugnis aus, daß er sich von den Gemeinheiten der Polizei ferngehalten. Er macht dann schaudererregende Mitteilungen über die Anwendung der Tortur und die unheimliche Tätigleit der Kriegsgerichte. Auch Abgeordneter Genosse DaSzinSki wird vernommen. Ans seinen Aussagen sind diejenige»» von besvliderein Interesse, die er über das in Krakau bestehende russische Spitzelwerbebureau. Er nemit Krakau den„Markt für Seelenverkäufer". »» » BakaiS Aussagen zeichnete.» sich durch ihre erstaunliche Sicherheit aus. Er konnte über Einzclheiteir berichten, welche BorowSka, eine hysterisch veranlagte Frau, dem Chef der Warschauer Sicherheitspolizei vertraut hatte, und die in Krakau nur zwei Personen bekannt waren. Ten Eindruck, den BakaiS Aussagen machten, faßte ein nationaldemokratischer Journalist treffend in die Worte zusammen, Bakai mache den Eindruck eines Automaten, der nur wiedergebe, lvas in der Walze cingcprägil sei. Burzew faßte sein Urteil über Bakai in den Worten zusammen:„Ich kann weder für BakaiS Vergangenheit noch für seine Zukunft die Vcr- antwortung übernehmen, aber ich bin überzeugt, daß seine Aus- sagen auf Wahrheit beruhen." Wer die Verhandlungen des Krakauer Gerichts ohne Vor- eingenommeicheit verfolgt hat, muß sich diesem Urteil anschließen. natürlich, ohne für die Vergangenheit und die Zukunft Bakais die Verantwortung zu übernehmen und über die Reinheit der Motive seiner jetzigen Handlungsweise ein Urteil abzugeben. Dicso Auffassung kann nicht abgeschwächt werden durch die Ver- urteilung des Genossen Haccker zu einem Monat Gc- fängnis, gegen das Haccker natürlich Berufung eingelegt hat. Dieses Urteil wird verständlich, wenn man den energischen Kampf des Krakauer Parteiblattes gegen die örtliche Korruption in Betracht zieht, der ihm in den bürgerlichen Kreisen den Ruf eines„Verleumderblattes" eingebracht hat. Was Wunder, wenn die bürgerlichen Geschworenen sich darauf versteiften, daß die Partei nicht ihre Fehler eingestehen wolle, damit ihre Autorität nicht darunter leide. Die Beweisaufnahme wurde als„un- genügend" erkannt und dem Redakteur die erwähnte Strafe zu- diktiert. Stolypin wird vermutlich versuchen, das Krakauer Urteil auS- zuschlachten, um die Glaubwürdigkeit der Azew-Enthüllungcn zu entkräften. DaS wird ihm aber nur bei denen gelingen, die den Verlauf des Krakauer Prozesses nicht kennen und nur das Urteil gegen Haccker in Betracht ziehen. Denn die Zeugenaussagen, an deren Glaubwürdigkeit kein Zweifel bestehen kann, haben in völlig eimoandfreier Weise daS schandbare Lockspitzelsystem der russischen Geheimpolizei erwiesen und das Urteil bc- kräftigt, das man sich über die Mittel, mit denen der Dcspotis- mus sich noch aufrecht zu erhalten versucht, überall gebildet hat. politircbe Oeberlicbt* Berlin, den 26. Februar 1909. Gemilderte oder»»»gemilderte Unterdrückung. AuS dem Reichstage.(26. Februar.) Wer sich heute bei Beginn der Kolonialdebatte auf eine großzügige Erörterung der Kolonialpolitik und auf eine eingehende Kritik der zahlreichen Mißstände gefaßt gemacht hatte,»vurde arg enttäuscht. Es kamen außer dem Staatssekretär Dernburg nur Kolonialschivärmer verschiedener Färbungen zum Wort. Tie Debatte drehte sich noch dazu meist un» ostafrikanische Einzel- fragen. Nur eine etwas gereizte Auseinaiidersetzilng zwischen Dernburg einerseits und den» Exgollvernellr v. Liebert und dem Dr. Arendt andererseits konnte Interesse erwecken. Es handelte sich dabei um die Methode der Ncgeransbeutung. Liebert und Arendt traten ein für die ungelnilderte An- Wendung der Nilpferdpeitschenkliltur, wie sie zu den schönen Zeiten der Gouverneurschaft Lieberts im Schwange gewesen war, während Dernburg und der jetzige Gouverneur v. Reche nberg loenigstens zu der Einsicht gekommen sind, baß die Brutalisiernng der Neger das afrikanische AuSbcutergeschäft obendrein unrentabel macht. Dieser Zwist hatte schon im Vorjahre begonnen, als die nämlichen Kolonialpatrioten sich zu Wortführern ddr ailsbeutungswütigen weißen Pflanzer gemacht hatten. Was damals nicht gelungen war, den Gouverneur v. Rechen- berg zu stürzen, soll heute nachgeholt werden. Bezeichnend ist, daß Herr Arendt mit der Drohung operierte, wir ständen unmittelbar vor einem Aufstand in Ostafrika wegen zu milder Behandlung der Neger. Daß irgend ein Aufstand dort be- vorsteht, ist ja sicher, aber durch schroffe Behandluiig der Neger wären Aufstände wahrscheinlich viel frühee und häufiger ansgebrochen. Dernburg konnte deshalb diesen Arendtschen Ausfall mit dem Hinweis abwehren, daß zu Lieberts Zeiten nicht weniger als 25 Aufstände in Ostasrilu ausgebrochen feien. Morgen kommt Genosse Eichhorn zum Wort. Neue Ko»>»promißverhandl»inge». In der gestern im Leitartikel näher geschilderten der- zwickten Lage, in der sich zurzeit der Reichskanzler befindet, hat er sich entschlossen, in höchsteigener Person in die hinter den politischen Kulissen betriebenen Stellerkompromiß- Verhandlungen zwischen dem Zentrum, den Konservativen und der Reichspartei einzugreifen. Noch gestern abend hat er Rücksprache mit einigen konservativen Parteiführern ge- nonnnen, in der er diesen erklärt haben soll, er könne sich, da die Regierungen verschiedener Bundesstaaten gegen eine Er- höhung der Matrikularbeiträge ans 156 Millionen Mark pro- testierten, auf die von» Zentrum und von den Konservativen gemachten Vorschläge nicht einlassen; doch sei er bereit, die Nachlaßsteuer falle» zu lassen, wenn dafür die Reichserb- schaftssteuer erweitert werde. Heute vormittag haben denn auch bereits lange Konfe- renzen verschiedener Führer der Blockparteien mit dein Fürsten Blllow stattgefuilden, in denen dieser energisch in die Anwesenden drang, aufs neue eine Verständigung zu vcr- suchen, da anderenfalls an die Stelle des Blocks eine klerikal- konservative Koalition treten werde. Wie verlautet, soll Fürst Bülow als Ersatz für die Nachlaß- sowie die Gas- und Elektrizitätsstcuer eine Er- Weiterung der Erbschafts st euer, die Er- höhung des Kaffeezolls uni 15 bis 20 Pfennig pro Kilogram in und die Einführung einiger kleiner Verbrauchsabgaben auf sogenannte Luxusartikel vorgeschlagen haben. Zugleich fanden heute wieder längere B esprechungen des Reichskanzlers mit den in Berlin weilenden Finanzministern verschiedener Einzelstaaten statt. Welche Stellung die Wiemer und Baff.männer zu den Viilowschen Vorschlägen einnehmen, ist no, nicht bekannt. Wenn sie sich nicht selbst als bloße Phr/reure hinstellen wollen, die zwischen Morgen und Abend hre Grtmdsätzc wechseln, wie gewöhnliche Sterbliche ihre Hemden, dann .üitnc» sie sich auf das Biilowsche Kompromiß nicht einlassen: aber was erscheint nicht bei diesen Tagespolitikern alles möglich! Um den bloßen Schein einer Macht verschachern sie die Zukunft ihrer Parteien. Unternehmerdreistigkeit. Wie verhaßt den Unternehmern selbst der winzigste Arbeitcrschutz lst, das tritt wieder einmal deutlich zutage in einer Eingabe des Vereins der deutschen Kaliinteressenten, die sich gegen die Novelle zum preußischen Berggesetz richtet. Zwar bleibt diese Novelle weit, weit hinter den berechtigten Forderungen der Arbeiter zurück, aber das hindert die Kalimagnalen nicht, geharnischten Protest dagegen einzulegen, daß die.Berggesetzgebung sich gegen- wärtig in einem Tempo vollzieht, das sür die Enlwickelnng unserer Industrie nicht förderlich sein kann". Die Eingabe behauptet weiter, daß die Negierung die Vorlage nur eingebracht habe, um politische Unannehmlichkeiten aus der Welt zu schaffen und dem Drängen bestimmter Kreise nachzugeben, daß der Erfolg der Novelle letzten Endes nichts anderes darstelle als eine.überflüssige soziale Bela st ung des Berg- b a u s", die nur den Zweck habe, der öffentlichen Meinung daS Ge- fühl der Beruhigung und Befriedigung zu verschaffen. Ganz be- sonderS wenden sich die Herren gegen die geplante Grubenkontrolle, wenn anders man die Einführung des Sicherheitsmannes so nennen darf, sie halten diese Maßnahmen ans betriebstechnischen Gründen nicht für erforderlich und geben der Befürchtung Ausdruck, daß durch die Gesetzgebung die politische Agitation in die Grube verpflanzt wird. ES sei zu befürchten, daß daS gute Einvernehmen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer im Laufe der Zeit sich mehr und mehr verwischen werde. Auch für die Kaliindustrie könne die Abwanderung zur Sozialdemokratie und zu den Gewerlvereinen schließlich nicht ausbleiben. Schon seien wiederholt„EroberungS- züge" zu den Kaliberglcuten unternommen worden. Wenngleich nun nicht zu verkennen sei, daß die Einführung der llrbeiterkontrolleure für die Kaliindustrie zunächst noch nicht jene einschneidenden Nach- teile haben dürfte, welche im westfälischen Kohlcnbezirke bei den dortigen sehr schwierigen Arbeiterverhältnissen mit vollem Recht erwartet werden, so liege eS doch auf der Hand, daß bei einer erheblichen Stärkung der Sozialdemokratie und der nicht weniger schädlichen Gewerkvereine in Westfalen auch die Belegschaften der Kalibergwerke allmählich aber sicher diesen politischen Elementen zugetrieben werden. Mit Hilfe der Gruben- kontrolleure würden die Agitatoren künftig ein viel leichteres Spiel habm, und das Gesetz biete ihnen die beste Gelegenheit, die Waffen zugunsten der keimenden Agitation zu schärfen. ArbeiterauSschüsse seien im preußischen Bergbau bereits fast allenthalben vorhanden, Arbcitstammern würden ihm sicher beschieden werden und zu alledem solle noch daS Institut der Grubenkontrolleure geschaffen werden. Die Gegner würden es nicht unterlassen, alle diese Faktoren zugunsten ihrer politischen Ziele nach und nach immer mehr auszunutzen, und die Negierung, in der Absicht, den sozialen Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern, trage schließ- lich selber dazu bei, die Keime deS Unfriedens zu mehren und sie in solche Betriebe zu pflanzen, bei denen, wie bei der Kaliindustrie. bislang der Gegensatz zwischen den Belegschaften und den Werls- bejitzern sich in störender Weise nicht bemerkbar gemacht habe. Demagogischer kann nian kaum zu Werke gehen. In Wirklich- keit fürchten die Unternehmer ein« Schmälerung ihres Einkommens, aber anstatt mit den wahren Gründen herauszurücken, verschanzen sie sich hinter dem Einwand einer Stärkung der Sozialdemokratie und der Handwerkervereine. ES ist die dreisteste Jnteressenpolitik, die in dieser Eingabe zutage tritt. Kein Arbeiterschutz, sondern A r b e i t e r t r u tz, daS ist die Parole dieser Herren, die in ihrer blinden Gegnerschaft gegen alleS, was auch nur entfernt nach Arbeiterschutz aussieht, gegen die preußische Regierung toben, der doch wirklich jeder Gedanke an einen durchgreifenden Arbeiter- 'chutz völlig fern liegt._ Agrarischer Anstand. Die Schilderung von der skandalösen Behandlung, die auf dem 3-t. Kongreß der Steuer- und Wirtschaftsreforincr dem vierundsiebzigjährigen Professor Adolf Wagner zuteil geworden ist, weil dieser gefeierte konservative Gelehrte den agrarischen Sturmlauf gegen die Nachlaßsteuer nicht mitmachen wollte, ist der Junkerpresse sehr unangenehm. So der- ösfcntlicht die„Kreuz-Zeitung" einen Brief deS Vorsitzenden deS agrarischen Kongresses, des Grafen V. M i r ba ch-Sorquitten, an Adolf Wagner, indem er den Gelehrten ersucht, doch der Darstellung der radikalen Presse entgegenzutreten, wonach man ihn pöbelhaft behandelt habe. Er selbst, der Vorsitzende, habe nur ein oder zweimal Lachen aus der hintersten Ecke des Saales vernomnien und gerügt. In derselben Nummer freilich veröffentlicht die„Kreuz-Ztg." eine Zuschrift Wagners selbst an die Redaktion des Blattes, in der er sich gegen Unter- stellungen deS konservativen Hauptorgans verwahrt, die aber gleichzeitig die Stelle enthält: .Aus den Kreisen der Versammlung wurde diesem meinem Staudplmkt uicht der abweichende der„Politiker" gegenüber gestellt, sondern man begegnete niir, der ich vor einigen Jahren ebenfalls vo» meinem wiffenschastlichen Stand- punkte aus in derselben Versammlung unter deren großem Beifall für die Agrarzölle eingetreten war, in einer Art und in Formen, wie ich sie anderswo kaum je erlebt habe und allerdings als Freund der berechtigten Bestrebungen der Agrarier nicht erwartet hatte." Adolf Wagner bestätigt also selbst die agrarischen An- pöbeliuigen!_ Hesse» und die Reichsstnauzreform. Darmstadt, den 26. Februar. Die hessische Zweite Kammer begann heute vormittag die Be- ratung de? Etats. Vor Beginn derselben erklärte StaatSmiuister Ewald: Die Beratungen in der Subkommission des Reichstages haben, wie bekannt sein dürfte, eine Wendung genoimncn, die für die Bundesstaaten von außerordentlicher Bedeutung ist. Die Finanzminister der Bundesstaaten sind am Mitt- woch in Berlin zusammengetreten. um zu den Be- schlüssen der Subkommission Stellung zu nehmen. S i e konnten jedoch zu einer Einigung nicht kommen. Bei der schwerwiegenden Bedeutung dieser Beratungen ist die Anwesenheit des Finanz- m i n i st e r s in Berlin notwendig. Er hat tele- graphisch niitgeteilt, daß die Finanzminister beschlossen haben, in Berlin bis heute zusammen zu bleiben. Der Minister ent- schuldigte deshalb die Abwesenheit des Finanzministers. Hierauf wurde die Etatsberatung mit der Generaldebatte begonnen, in welcher von verschiedenen Rednern hauptsächlich die ungünstige finanzielle Lage des Großherzogtums beleuchtet und die Notwendigkeit einer größeren Sparsamkeit in der Verwal- tung betont wurde._ Die Weihnachtsgratifikationen im Auswärtigen Amt. Die„Germania" konimt noch einmal auf die Gratifikationen zurück, die etatswidrig zu Weihnachte» an die Beamten im Auswärtigen Amt bezahlt worden sind. Der Staatssekretär hatte angegeben, daß diese Gelder aus den beiden Unterstützungsfonds genommen worden sind. Diese Angabe ist unrichtig, weil beide Fonds nur mit 30 000 M. dotiert sind, während die Weihnachts- geschenke einen erheblich höheren Betrag erreichen. Die Unterbeamten haben durchschnittlich nicht 100, sondern 300 M. bekommen; die mittlere» Beamten 300—600 M. und die höheren Beamten, bor- tragende Räte usw. erhielten Gratifikationen, die bis in die Tausende gingen. Eingeweihte behaupten, daß für Gratifikationen 1S0- bis 200 000 M. aufgewendet werden sind. Die Mittel hierzu gewann das Auswärtige Amt dadurch, daß eS etatsmäßige Stellen kom- missarisch verwalten ließ und damit die entsprechenden Gehälter „ersparte"._ Der Sieg des Pluralwahlrechtes in Oldenburg. Der Oldenburger Landtag hat in zweiter Lesung deS Wahlgesetzes den Autrag des agrarischen Abgeordneten GerdeS mit 26 gegen 18 Stimmen angenommen, wonach alle diejenigen eine zweite Wahl stimme erhalten, die vierzig Jahre alt sind. Diesem Antrage hat auch die Regierung durch den Mund deS Ministers Scheer zugestimmt, sodatz das direkte Wahlrecht jetzt endgültig mit dem Prinzip deS Pluralwahlrechtes verbunden ist. Dagegen lehnte der Landtag mit 23 gegen 21 Stimmen einen weiteren Pluralwahlrechts- antrag ab, wonach außerdem auch derjenige eine zlveite Stimme erhalten sollte, der mindestens 30 Jahre alt ist, seit 8 Jahren im Großherzogtiun Oldenburg wohnt und Besitzer eines Grundstückes mit darauf befindlichem Wohngebäude ist. Eingeleitet wurde die Sitzung mit einem starken Vorstoß des Gen. Schulz gegen die reaktionären Pläne der Agrarier und Klerikalen. Gen. Schulz versicherte den Herren nochmals, daß die Arbeiterklasse sich diese Volksentrechtung nicht werde stillschweigend gefallen lassen, und daß die Sozialdemokraten alles tun werden, um das Volk zum Sturm gegen diese WahlrechtSverschlechterung aufzurufen. Die Agrarier waren schamlos genug, zu behaupten, ihre Haltung sei nur durch„GcrechtigkeitLgründe" bestimmt worden,„Sonnen- brüdern" gehöre nicht dasselbe Recht wie„ordentlichen Leuten". Daß die Liberalen umfielen, ist selbstverständlich. Der Führer der Liberalen, der bekannte Abgeordnete Tantzen, erklärte, daß ihm die Reform des direkten Wahlrechts anstatt des indirekten soviel wert sei, daß er trotz des angenommenen Plural- wahlrechtSantrageS für das Gesetz stimmen werde. Tatsächlich stimmten denn auch außer den vier sozialdemokratischen Abgeordneten Heitmann, Hug, Meyer, Schulz nur die liberalen Abgeordneten Dörr- Oberstein, Dnrsthoff- Oldenburg, Ahlhorn- Ostcrnburg, Koch-Delmenhorst und Voß-Eutin gegen daS Gesetz, sodaß es unter Mithilfe des größten Teiles der Liberalen schließlich mit 3S gegen 9 Stimmen angenommen wurde. Der durch die Wahlrechtsänderung geschaffene Zustand ist folgender: die Wahl ist geheim und direkt(früher indirekt). Wahlberechtigt ist jeder 25 Jahre alte Reichsdeutsche, der seit drei Jahren ununterbrochen in Oldenburg wohnt(stüher fiel die Warte- zeit weg, dagegen mußte der Betreffende Oldcnbnrger sein). Der Kreis der Wahlberechtigten ist auf diejenigen ausgedehnt, die bei anderen in Kost und LogiS stehen, ohne einen eigenen Herd zu besitzen. Derjenige, der vierzig Jahre alt ist, hat z w e i W a h l st i in m e n. Die Legislaturperiode ist fünfjährig (im alten Gesetz dreijährig)._ Eine Reichstagsersatzwahl im Kreise Lievenwerda- Torgau in Sicht? Der Abgeordnete des RcichStagSwahlkreises Torgau-Liebenwerda, Herr Bürgermeister Wilde, schreibt uns: „In Nr. 46 des„Vorwärts" wird behauptet, ich hätte mich bei einer eidlichen Vernehmung in Torgau in Widerspruch gesetzt mit meiner früheren eidlichen Aussage in Elsterwcrda. Diese Behauptung ist unwahr. Ich habe in Torgau, ebenso wie in Elsterwerda, der Wahrheit gemäß beschworen, daß ich mich mit dem Rendanten Hofmann in Görden niemals geduzt habe.(Darauf kommt es hier lediglich an.) Ich habe in Torgau nur hinzugefügt, H. sei vor ca. 2S Jahren als junger Mensch mal kurze Zeit als Schreiber in meinem Bureau be- schästigt gewesen, und sei möglich, daß ich ihn damals mit„Du" angeredet habe; später sei dies niemals geschehen, und jedenfalls habe zwischen uns niemals ein gegenseitiger Duzverkehr bestanden." Norddcutsch-Allgemeines Niveau. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" mutz natürlich zu den—- geistvollen Blätiern gehören, die den blöden Schwindel von der Abkommandierung sozialdemokratischer Wähler ans Bremen in den Rcichstagswahlkreis Verden-Hoya glauben. Er ist ihr sogar so kostbar, daß sie ihn vor unserer Fest- stellung in der DonnerStag-Nummer zu retten sucht. In Reichs- vcrbaiid-?manier sagt daS Regierungsblatt:„Wenn alles nur„Wahl- lügen" sein sollen, die auS Böswilligkeit gegen die unschuldsvolle Sozialdemokratie verbreitet würden, so muß man doch stagen, wie es denn kommt, daß gerade gegen die Sozialdemokratie und niemals gegen andere Parteien solche Vorwürfe erhoben werden.. Worauf zu erwidern ist. daß dieser Umstand eine sehr natürliche Erklärung findet. Der Wahlkampf zwischen bürgerlichen Parteien wird niemals mit solcher Wut geführt wie der gegen die Sozial- demokratie, gegen die gewisse Leute— Reichöverbaudsscelen gab es schon vor Bestehen des Reichsverbandes— alle Mittel für erlaubt halten. Zweitens aber wissen die bürgerlichen Parteien von sich und ihren bürgerlichen Konkurrenten nur zu gut. daß sie auf ihre Wähler nicht den genügenden Einfluß haben, um solche Massen- Wanderungen durch ein Kommando zu erzielen. Bon der Sozial- demokratie aber haben die Bürgerlichen die abenteuerlichsten Vor- stellungen und ihr trauen sie deshalb jede Teufelei zu. Eine Nachwahl zum württembcrgischen Landtag. Durch den Tod des volksparteilichen Abgeordneten Mayer muß am 20. März cr. im Landtagswahllreise Ulm-Stadt eine Nachwahl stattfinden, in die die Sozialdemokratie mit guten Aussichten eintritt. Bei der Hauptwahl im Dezember 1006 entfielen auf die Sozialdcmo- kratie 1453, auf die Volkspartei 1385, auf die Nationalliberalen 1261 und auf das Zentrum 033 Stimmen. Im zweiten Wahlgange zog die Sozialdemokratie auf Grund des getroffenen Wahlabkommens ihre Kandidatur zugunsten der Volkspartei zurück, während das Zentrum zugunsten der Nationalliberalen zurücktrat. Jnfolgedeffen siegte der Volksparteiler Mayer mit 3357 Stimmen über die Nationalliberalen. die 2228 erhielten. Jetzt wird nach neu aufgestellten Wählerlisten gewählt und es ist nicht auSgeschloffeu. daß der sozialdemokratische Kandidat, Bürger- auSschußmitglied Göhriug, bereits im ersten Wahlgange die größte Stimmenzahl erreicht._ Die Balkankrise. Entspannung. Die Nachrichten über die Krise lauten heute günstiger. Das halbamtliche französische Telegraphenbureau meldet, daß alle Mächte, auch Rußland, im Prinzip einem freund- schaftlichen Schritt bei der serbischen Regierung zu- ge st i m m t yatten, um Serbien zu bewegen, nicht auf territorialen Entschädigungen zu bestehen. Ueber das Wesen und die Form dieses Schrittes schwebten noch Verhandlungen. Meldungen aus Belgrad fügen dem hinzu, daß der russische Gesandte bei der serbischen Regierung energische Vorstellungen gegen die geplante Absen düng des Memorandums unternommen habe; andererseits habe cr Serbien, wenn es auf seine terri- torialen Forderungen verzichte, des russischen Beistandes in allen übrigen Fragen versichert. Es ist also dem Drucke Frankreichs gelungen, die Fortsetzung des russischen Doppcl- spiels zunächst zu verhindern und Rußland zu zwingen, den Serben die Unmöglichkeit ihrer Forderungen klarzumachen. Freilich sucht auch jetzt noch die zarische Regierung die Lösung hinauszuschieben. Ihr Anschluß au die gemeinsame Aktion Deutschlands, Italiens, Frankreichs und Englands ist zu- nächst nur prinzipiell und sie macht noch allerlei Vor- behalte über die Art der Intervention, um zu verhüllen, daß ihre Rolle als Beschützerin aller Slawen den Schützlingen am Ende doch nichts nützen kann. Immerhin ist durch den Anschluß Rußlands die bestehende Spannung erheblich der- ringert worden und die Gefahr eines gewaltsamen Konflikts abgeschwKcht. Es wird jetzt an Oesterreich sein, endlich durch eine versöhnliche Haltung gegenüber Serbien durch Ge- Währung ausreichender wirtschaftlicher Konzessionen die Kriegsgefahr gänzlich zu bannen. Die bulgarische Entschädigung- Kuustantinopel, 26. Februar. Dem jungtürkischen„Danin" zu- folge hat Minister JswolSti dem türkischen Botschafter Turkhan Pascha offiziell erklärt, daß er die Fusionierung des russischen Ent- schädigungsvorschlages und des türkischen Gegenvorschlages akzep- tiere und ein diesbezügliches Projekt vorbereite. Ein angeblicher Attentatsversuch. Belgrad, 26. Februar. Die Polizei verhaftete heute hier zwei Personen, welche eingestanden haben, einer Verschwörung in Sofia anzugehören, welche beabsichtigt hatte, den König F e r d i- nand bei seiner Rückkehr in Rustschuk mittels Bomben zu cr- morden. Einer der Verhafteten ist ein Bulgare namens Amastasow, der zweite ein Serbe namens Pattowitz. Eine Frau, welche sich in Begleitung der beiden Verhafteten befand, ergriff die Flucht, als sie auch verhaftet werden sollte. Eine eingehende Untersuchung ist eingeleitet. Das österreichisch-türkische Ucberciukommen perfekt. Konstantinopel, 26. Februar. DaS österreich-ungarisch-kürkische Entcnteprotokoll ist uoterzeichnet worden. Italien. Die sozialistischen Kandidaturen. Rom, den 23. Februar 100». Bis zur Stunde sind in 159 Wahlkreisen sozialistische Kandidaten proklamiert worden. Da uns aber noch fast zwei Wochen von dem Wahltag trennen, ist mit Bestimmtheit zu erioarten, daß sich diese Liste noch verlängert. In den meisten Wahlkreisen scheint doch ein Einvernehmen zwischen den drei Parteien der äußersten Linien zustande zu kommen. In Rom, Genua, Florenz und vielen anderen Städten ist es bereits eine vollendete Tatsache, dagegen wird in Mailand die Partei ohne Wahl- bündnisse vorgehen, ebenso in Turin und den meisten Wahlkreisen dcS PicmontS. Alle sozialistischen Abgeordneten werden wieder in ihren Wahlkreisen kandidieren, mit alleiniger Ausnahme des Genossen Borciani. der in Montecchio(Emilia) auS Familien- rücksichten auf seine Wiederwahl verzichtet hat. An seine Stell: tritt Genosse Cebordi, Chefredakteur der„Giustizia", dessen Wahl für sicher gilt. Der unlängst eroberte Wahlkreis von Biandrate, in dem der Beamte Campanozzi zum Protest seiner Maßregelung gewählt wurde, dürfte unserer Partei» kaum cr- halten bleiben. Trotzdem hat sie beschlossen, wieder auf dem Namen Campanozzi den Wahlkampf aufzunehmen. Doppelkandidaturen scheint man diesmal nur in beschränkter Zahl aufzustellen. So kandidiert Genosse Bissolati gleichzeitig in seinem alten Wahl- kreis PeScarolo und in Rom II, Nofri gleichzeitig in Turin IV und in Sicna, Pietro C h i e s a in Genua I und in Sanpierdarcna und Tasca di Cutö in Palermo und in seinem alten Wahl- kreise Sciacca. Möglich erscheint eine Doppelwahl nur für Bissolati und Nofti. Cnglanä. Die Rrbeiterfraktion und die Adrestdebatte. London, 23. Februar.(Eig. Ber.) Der Unterschied zwischen der unselbständigen Haltung der früheren„Arbeiterabgeordnetcn" und der selbständigen Politik der Arbeiterpartei zeigt sich in besonders deutlicher Weise in der Adreßdebatte. Solange die Arbcitervertreter sich zur liberalen Partei zählten, überließen sie alle Initiative den liberalen Führern und Rednern. Bei allen großen Gelegen- heitcn: bei der Adreß- und Etatsdcbatte waren ihre Stimmen nicht hörbar. Diese Zeit ist unwiderbringlich dahin. Wir haben bereits einiges aus der Debatte über den Zusatzantrag der Arbeiterfraktion betreffend Arbeitslosigkeit mit- geteilt. Dieser Zusatzantrag war ihr eigener, es sprachen deshalb mehrere Arbciterabgeordnete. Aber sie ergriffen auch das Wort, um ihre Haltung zu anderen, in die Adreßdebatte ein- schlagenden Gegenständen zu erklären. Letzten Donnerstag und Freitag diskutierte das Unterhaus den Zusatzantrag A. Chamberlains(des Sohnes von Joseph Chamberlain) über Tarifreform. Der Redner der Arbeitcrfraktion war S n o w d e n, der etwa folgendes sagte: „Die Partei, die ich vertrete, interessiert sich besonders für die Behaupumg der Tarisreformer, daß der Schutzzoll die Arbeits- gclegenheit vermehren werde. Ehe ich auf diese Frage eingehe, erkläre ich mit aller Offenheit, daß die Ursache der Arbeitslosigkeit nicht im Mangel an Arbeitsgelegenheit liege, sondern in einer mangelhaften Verteilung der Arbeitsprodukte. „Die Behauptung der Tarisreformer, daß Schutzzoll einen umfangreicheren Außenhandel bedeute und ein umfangreicherer Außenhandel mehr Arbeitsgelegenheit zur Folge habe, läßt sich leicht widerlegen. Im Jahre 1893 velies sich der Wert des englischen Außenhandels auf 764 Millionen Pfd. Sterl.; im Jahre 1907 auf 1163 Mllionen Pfd. Sterl., dennoch war in letzterem Jahre die Zahl der Arbeitslosen um 50 Proz. höher. „Die Tärifreformer wünschen einen Zoll von 2 M. auf Korn- fruchte und einen Zoll von 10 Proz. auf Industriewaren. Eine Erhöhung der ArbeiterbudgetS um 10 Proz. würde aber eine entsprechende Lohnerhöhung nach fich ziehen. Nach einer Statistik der GroßeinkanfS-Genossenschasten sind die meisten von Arbeitern gebrauchten LebenS- und Gebrauchsartikel in den letzten Jahren um 10 Proz. gestiegen. Aber die Löhne der Arbeiter betrugen— nach der Statistik des Handelsministeriums— zu Ende vorigen Jahres um 2 Millionen Pfund Sterling weniger als im Jahre 1900. Dann sehen wir Arbeitslosigkeit in allen schütz- zöllnerischen Staaten, wie Amerika und Deutschland. Die Ar- beitslosenzählungen in Amerika und Berlin beweisen die Haltlosigkeit der schutzzöllnerischcn Behauptungen.... „Kein anderes industrielles Land der Welt muß so viele Müßiggänger in Reichtum und lleberfluß erhalten, wie England. Die engliichen Gruudherren beziehen ein Jalireseintamiiien van insgesamt 150 Millionen Pfund Sterling. Ebenso sind rnttec Privatbahnen ein Fluch sür unsere Industrie. Es ist viel billiger. Ware» aus Deutschland nach England zu schicken, als englisch eWaren Von einer eng- lischen Stadt zur anderen. Ferner ist eine Reform der Bcrgwerkgcrechtsame adsolut notwendig.... „Altein man darf die Gefahr der Tarifreformagitaiion nicht unterschähen. Die letzten konservativen Siege bei Nachwahlen waren dieser Agitation geschuldet. Ich glaube aber nicht, daß es Arbeiter waren, die den Konservativen zu ihren Siegen verhalfen. Es waren vielmehr die Mittelklassen, die siir die Konservativen stimmten und zwar nicht ans Liebe zum Schutzzoll, sondern um die Kosten der Sozialreform nicht durch Einkommensteuern decken zu müssen. Die organisierten Arbeiter sind und bleiben die Feinde des Schutzzoll§." Am 22. d. M. diskutierte das Unterhaus das Amendement des linksliberalen Abgeordneten P o n s o n b h, in dem eine Borlage zur Regelung des Verhältnisses zwischen Oberhaus und Ilnterhaus verlangt wurde. Der Redner der Arbeiterfraktion war Macdonald, der im Namen der Partei erklärte, dajz es unzeitgemäß wäre, sofort eine derartige Vorlage einzubringen und das Parlament anfznflöscn. Denn die Arbeiterfraktion habe das Mandat er- halten, in diesem Parlament noch einige Vorlagen durch- zusetzen, die im Interesse der Arbeiter nötig seien. Dennoch werde die Fraktion als Protest gegen das Oberhaus für das Aniendement Ponsonby stimmen, ebenso als Warnung gegen die Regierung, den Kampf gegen die Lords energisch zu führen. Ein solcher Kampf sei um so nötiger, als der ganze Charakter des Oberhauses sich ändert. An Stelle des alten Adels füllen die Plutokraten das Oberhaus. Man kenne die Be- dingungen, unter denen die Geldleute ins Oberhaus gelangen: sie kaufen ihre Titel durch hohe Beiträge zu den Parteifonds. Die Arbeiterfraktion suche keinen Konflikt mit den Lords. Sie sei ins Parlament gekommen, um Sozialpolitik zu treiben und nicht um die legislative Maschinerie zu reparieren. Aber wenn die Maschinerie nicht richtig arbeite, so müsse sie zum alten Eisen geworfen werden. Für die Arbeiterfraktion habe die Sache indes keine Eile. Sie müsse vor allem die Arbeitslosenvorla�e, die Ver- besserung des Alterspension sgesetzes und die Durch- setzung anderer sozialpolitischer Forderungen erlangen. Nur in diesem Sinne»verde die Arbeitersraktion für das Amende- mcnt Ponsonby stimmen.—_ Die Unrnhe» in Indien. London, 24. Februar. Im Unterhause erklärte Parlaments- sekretär Buchanan, die Regierung habe erdrückende Beweise, daß in Indien eine Verschwörung zum Sturz der e n g I i sch en H e rr sch a ft organisiert worden sei, die sich aller- dings nur auf Bengalen und einige andere Landesteile beschränkt habe. Die Verschwörer hätten nicht versucht, ihr Ziel durch einen bewaffneten Ausstand zu erreichen; das sei niemals zu befürchten gewesen. Dagegen sei man in der Presse tätig gewesen, auch habe dre Verschwörung eine Nachrichten- abteilung gehabt zur Beobachtung der Polizei und zur Beschaffung von Geldern durch Brandschatzung reicher und Einschüchterung armer Leute. Der allgemeine Feldzugsplan sei dahin ge- gangen, durch Terrorismus die Exekutive sowie die Hand» habung der Gesetze lahmzulegen. Zu diesem Zwecke seien zahlreiche wichtige Zeugen in Knminalprozessen, Polizeibeamte, die bei der Entdeckung von Verbrechen tätig gewesen, und Regierungsbeamte, die siir die Erhaltung der Gesetze und Bestrafung von Verbrechern energisch eingetreten waren, ermordet worden. Der Plan der Verschwörer sei jedoch nicht gelungen, und wenn dieser Stand der Dinge auch nur zeitweilig und auf einzelne Orte beschränkt gewesen sei, so sei dadurch die Regierung völlig berechtigt gewesen, Zwangs maßregeln zu ergreifen. Die Regierung werde sich aber dadurch nicht abhalten lassen, mit der Einführung von Reformen fortzufahren. Ciirhei. Ein Schlag gegen die Bersa»nmlungSfreiheit. Konstantinopcl, 26. Februar. Das A m t S b l a t t veröffentlicht /me offizielle Mitteilung, hie besagt, die Regierung habe authentisch in Erfahrung gebracht, daß dieser Tage von einigen Personen inszenierte große Versammlungen auf öffentlichen Plätzen stattfinden sollen, deren Verhandlungen geeignet wären, die Eintracht, welche seit Wiedereinsührung der Verfassung zwischen den verschiedenen Klassen der Untertanen hergestellt wurde, zu trüben. Ein Gesetz über das Versammlungs- recht bestehe nicht. Die Regierung bereite einen Gesetzentwurf vor. Um jedoch eine Störung der öffentlichen Ordnung zu verhindern, wurde beschlossen, daß jede Versammlung 24 Stunden vorher der Polizei angemeldet werden müsse, widrigen- falls sie verhindert würde. Das Blatt„Sabah" sagt, diese Maßregel werde als ein Schlag des Absolutismus gedeutet; dies sei jedoch nicht wahr. Im Gegenteil, sie diene zur Ver- teidigung der Verfassung. perlien. Kapitulation des Schahs? Paris, 25. Februar. Der„Agence Havas" geht aus Konstantinopel eine Meldung zu, nach der der Schah dem persischen Botschafter in Konstantinopel tele- graphierte, er sei bereit, die Verfassung wieder- h e r z u st e l l e n, falls man ihm sein Leben verbürge. Der Schah habe den Botschafter zugleich ermächtigt, sich mit dem revolutionären Komitee in Kon- stantinopcl in V e rbindung zu setzen, und der Bot- schafter sei bereits zu den Vertrauensleuten der persischen Revolutionäre in Konstantinopel in Beziehung getreten. Das würde also bedeuten, daß die Revolution aus dem langen und ausdauernden Kampfe als Siegerin hervor- gegangen, und dies ist umso wahrscheinlicher, als ein Tele- gramm aus T ä b r i s meldet, daß der heftige Angriff, den die Anhänger des Schahs von Osten und Süden her gegen die Stadt unternahmen, allenthalben zurückgeschlagen wurde und die Angreifer sich mit Verlusten zurückziehen mußten. Htnmha. Gegen die Asiaten. Sacramento, 26. Februar. Der Senat hat mit 23 gegen 7 Stimmen eine Resolution angenommen, die sich für de» Ausschluß aller Asiaten aus den Vereinigten Staaten aus- spricht_ Gcwcrk PcbaftUcbcB. Die Zuverlässigkeit gewerkschaftlicher Arbeitslosen- Zählungen. Vor einigen Tagen veröffentlichte die„Konservative Korrespondenz" eine Notiz, in der die Zuverlässigkeit der von der Berliner Arbeiterschaft vorgenommenen Arbeitslosenzählung angezweifelt und eine amtliche Nachprüfung gefordert wurde. Diese Notiz hatte offenbar den Zweck, den wahren Umfang der Arbeitslosigkeit zu verschleiern und die freiivilligen Zähler zu verdächtigen. Mit Behagen ist denn auch diese Notiz von der Provinzpresse ausgenommen und weiter verbreitet worden. Wir sind in der Lage, ein amtliches Zeugnis für die Zu- Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: verlässigkeit der freiwilligen Zähler aus der Arbeiterschaft bo solchen Zählungen anzuführen, das den Beweis liefert, mit welcher Leichtfertigkeit, wenn nicht Böswilligkeit, solche Behauptungen, wie die der„Konservativen Korresp.", in die Welt gesetzt werden. Am 13. Dezember 1908 wurde durch den Kieler Magistrat eine Arbeitslosenzählung in Kiel veranstaltet und ztvar eine Zählung durch Zählkarten von Haus zu Haus. Die Arbeit der Zählung hatten ausschließlich die Gewerkschaften übernommen und zwar hatten die freien Gewerkschaften 690, die Hirsch-Dunckerschen 51 frei- willige Zähler gestellt. In diesen Tagen ist nun vom statistischen Amt der Stadt Kiel das in allen Einzelheiten und in zahlreichen Tabellen verarbeitete Resultat in einem statt- lichen Hefte veröffentlicht worden. Zur Belehrung des Ber- liuer Magistrats mögen aus der Einleitung des Schriftchens folgende. Sätze über die beste Art der Zählung angeführt werden: Sie(die Gewerkschaften) erklärten sich bereit, die erforderliche Anzahl von Zählern zn stellen, so daß es möglich wurde, die Zählung durch Nackfrage von Haus zu Haus durchzuführen. Hierbei durfte jedenfalls ein zuverlässigeres Resultat erwartet werden, als bei jeder anderen Zählung, wie z. B. durch eine Feststellung in bestimmten Lokalen, wo sich die Arbeitslosen zur Ausfüllung der Zählkarten hätten einfinden müssen, oder etwa durch Meldung der Arbeitslosen mittels Post- karten." Die Angaben auf den Zählkarten haben dann eine Nach- Prüfung durch das Statistische Amt erfahren, und zwar erstreckten sich die Nachprüfungen auf Alter. Familienstand, Zuzugszeit, Zahl der zu unterhaltenden Angehörigen, Gewerbe des letzten Arbeitgebers, Art der letzten Beschäftigung, Beginn der Arbeitslosigkeit und Ursache der Entlassung. Die Nachprüfung hat dann ergeben, daß an den 2104 aus- gefüllten Fragebogen 144 von der Bearbeitung ausgeschlossen lverden mußten. Von diesen 144 als arbeitslos Gezählten waren 32 selbständig, 73 arbeitsunfähig, 22 arbeiteten mit verkürzter Arbeitszeit, 2 waren noch schulpflichtig, 15 Karten enthielten mangelhafte Angaben oder es waren Doppel- Zählungen. Der Bericht nennt dieses Resultat ein gutes eichen für die Arbeit der freiwilligen ä h l e r, „jedenfalls war sie so gut. oder wenn man will so lückenhaft, wie dies bei jeder größere» Zählung der Fall ist und sein kann, und namentlich bei einer Zählung, wo die Verhältnisse von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, dem Wechsel unterworfen sind." Legt man also den Maßstab des statistischen Amtes in Kiel an die Zählung der Berliner organisierten Arbeiterschaft und nimmt als ganz selbstverständlich an, daß die Berliner Zähler ebenso gewissenhast gearbeitet haben wie die Kieler, dann wären von den 101 300 Arbeitslosen noch nicht 7000 in Abzug zn bringen. So sieht es also in Wahrheit mit der Behauptung der Blätter vom Schlage der konservativen Korresp." aus. ßerUn und Qmgegenck. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Bosse, Wiener Straße 43, haben die Mechaniker, Schlosser, Schleifer, Dreher und Hilfsarbeiter die Arbeit nieder- gelegt. Der Grund zn dieser ArbeilSniederlcgung waren fortgesetzte Maßregelungen einer Anzahl von Arbeitern, ebenso Reduzierung der Akkordpreise. Da alle Versuche von seitcn der Arbeiterschaft, die Differenzen durch eine Einigung zu erledigen, an der Unverstand- lichen Haltung der Firma scheiterten, waren die Kollegen gezwungen, in den Streik zu treten. Der Inhaber der Firma Bosse hat alle die Arbeiter, welche mitgeholfen haben, daß dieser Betrieb aus kleinen Anfängen heraus sich zu einem nennenswerten Mittelbetriebe entwickelte, lieber die Arbeit niederlegen lassen, als dem berechtigten Verlangen der- selben entgegenziikoinmen. Auch die Arbeiterinnen haben sich anS denselben Ursachen veranlaßt gesehen, die Arbeit einzustellen und somit hat die Firma Bosse den Schaden, da nun der ganze Betrieb leer ist. Da diese Firma versuchen wird, durch Jnierate und andere Maßnahmen Er- satz für die Streikenden zu erhallen, so erwarten wir, daß die Kollegen und Kolleginnen jede Annahme von Arbeit bei dieser Firma verweigern. Die Polizei greift natürlich auch hier wieder sofort in bekannter Weise ein. Gestern nachmittag wurden vor der Fabrik nicht weniger als 8—10 Verhaflungen von Streikposten vorgenommen. Den Ver- hafteten wurde auf der Wache erklärt, daß sie nicht wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung, sondern als„VerlehrShindernisse" ver» haftet worden seien. Um das würdigen zu können, muß man wissen, daß dort der Bürgersteig 8—9 Meter s!) breit ist. Die Finna Bosse in Berlin ist für Metallarbeiter und Arbeite- rinnen gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik der Gummiarbcitcr bei Adolph Schwartz n. Co. Mit Bezug auf unsere Mitteilung in Nr. 46 des„Vorwärts" erhalten wir von dem Inhaber der genannten Firma, Herrn Eugen Czaika, eine Einsendung, welche er als Berichtigung be- zeichnet. Ten Anforderungen des PreßgesetzcS, auf welches sich Herr Ezaika beruft, entspricht die angebliche Berichtigung nicht. Trotzdem geben wir alle sachlichen Einwendungen wieder, welche Herr Czaika unseren tatsächlichen Mitteilungen entgegensetzt. Herr Czaika schreibt: Es sei unwahr, daß von dem Leiter der Gummiabteilung und von dem Meister regelmäßig grobe Worte gebraucht werden. Wahr sei, daß die Arbeiter ganz besonders wohlwollend behandelt wurden. Es sei unwahr, daß der Abteilungsleiter die dreigliedrige Kom- Mission entließ. Es sei unwahr, daß der Abteilungsleiter es zu verhindern wußte, daß die Kommission den Inhaber der Firma sprechen könne, vielmehr hätten die Arbeiter durch ihre voreilige Arbeitsniederlegung selbst diese Unterredung verhindert. Wahr sei ferner, daß infolge einer Rüge durch den Meister zwei Ar- beiter freiwillig die Arbeit niederlegten. Am nächsten Tage sei eine Konnnission bei dem Leiter der Gummiabtcilung erschienen um die Wiedereinstellung der beiden Arbeiter zu fordern, welche nicht entlassen worden seien, sondern freiwillig die Arbeit nieder- gelegt hätten. Der Leiter der Gummiabteilung habe der Kom- Mission eine Prüfung ihrer Wünsche zugesagt und auch erklärt, daß er nicht gegen die Wiedereinstellung der Arbeiter sei, falls der Meister damit einverstanden wäre und der Posten der Betreffenden bis zu ihrer Meldung nicht anderweit besetzt sei. Mit diesem wohl- wollenden Bescheide habe sich die Kommission anfangs zufrieden ge- geben, am nächsten Tage sei sie jedoch wieder erschienen und habe verlangt, daß die Verhandlungen über diesen erledigten Punkt weiter geführt würden, unter der Drohung, sonst die Arbeit nieder- zulegen. Der Leiter der Gummiabteilung habe zugesagt, die Wünsche der Kommission dem Inhaber der Firma mitzuteilen, die Arbeiter hätten aber nicht so lange warten wollen, bis der Ab- teilungsleiter aus der Fabrik ins Kontor zurückkam, sondern noch vorher die Arbeit niedergelegt. Unwahr sei, daß die Streikenden den Zuzug von Arbeitswilligen ferngehalten hätten. Wahr sei vielmehr, daß sich genug Arbeitswillige gemeldet hätten und der Betrieb vollkommen im Gange sei. So sagt Herr Czaika. Hören wir nun, was die beteiligten Arbeiter daraus zu antworten haben. Wenn Herr Czaika bestreitet, daß der Leiter und der Meister regelmäßig grobe Worte gegen die Arbeiter gebraucht haben, so kann zugegeben werden, daß die beiden Herren keinen regel- kh. Glocke, Berlin. Druck»�Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstgtt I mäßigen, aber doch einen öfteren Gebrauch von Grobhei.. machten. Natürlich kann man verschiedener Meinung darüber sein, ob bestimmte Ausdrücke, auf Arbeiter angewandt, als Grobheiten zu bezeichnen sind. Doch darüber dürfte wohl keine MeinungS» Verschiedenheit bestehen, daß die Bezeichnung„grobe Worte" ein sehr gelinder Ausdruck dafür ist, wenn der Abteilungsleiter Dr. Sachse, einen 22jährigen Arbeiter„rotznäsige� Lümmel" nannte, zu einem anderen Arbeiter sagte:„Quatschen Sie nicht so dämlich", wenn der Meister einen Arbeiter„elender Mensch" nennt, einem anderen bedeutet, daß er einen Vogel habe, und wenn derselbe Meister Arbeiterinnen als„Frauenzimmer" bezeichnet. Dieser Ton soll übrigens nicht nur in der Gummiabteilung, sondern auch in der Treibriemenfabrik der Firma Adolph Schwartz u. Co. herrschen. Zu den sonstigen Einwendungen, welche Herr Czaika gegen unsere Mitteilungen in Nr. 46 erhebt, geben die Arbeiter folgende Darstellung: Wegen eines geringen, leicht ausbcsternden Fehlers an einer Arbeit machte der Meister zwei Arbeitern heftige Vor- würfe, die damit endeten, daß der Meister zu den beiden Arbeitern sagte:„Solche Leute können wir nicht gebrauchen. Machen Sie, daß Sie rauSkommcn". Diese Worte faßten die beiden als ihre Entlassung auf und gingen. Das soll nach der Behauptung des Herrn Czaika eine frei- willige Arbeirsniederlegung sein. Sollten denn die Arbeiter, welche der Meister auffordert:„Machen Sie, daß Sie hinauskommen", erst warten, bis man sie am Kragen packt, buchstäblich hinauswirft und vielleicht noch wegen Hausfriedensbruch anzeigt? Am Tage nach dieser angeblich„freiwilligen Arbcitsnicdcr- legung" ersuchte eine Konimission den Abteilungsleiter Dr. Sachse, er möge ihr eine Unterredung mit Herrn Czaika vermitteln. Dr. Sachse fragte nach dem Gegenstand der nachgesuchten Unter- redung. Ihm wurde geantwortet, die Arbeiter wünschen die Wiedereinstellung der beiden Entlassenen und im allgemeinen eine anständige Behandlung. Hinsichtlich der Wiedereinstellung gab Dr. Sachse die Erklärung ab, welche über diesen Punkt in der Be- richtigung enthalten ist. Damit war aber der Grund einer Unter» redung der Kommission mit Herrn Czaika noch nicht aufgehoben, denn den Arbeitern war es ja auch um eine bessere Behandlung zu tun. Sie wollten den Ton beseitigt wissen, von dem wir vor- stehend einige Proben gegeben haben. Der Tag verging, aber zu einer Unterredung mit Herrn Czaita wurden die Vertreter der Arbeiter wicht aufgefordert. Am folgende Tage erinnerte der Sprecher der Arbeiter Herrn Dr. Sachse wieder an das Verlangen einer Unterredung. Dr. Sachse sagte zu. Stunden vergingen. Die Unterredung wurde immer noch nicht veranstaltet. Dann ging der Sprecher der Arbeiter wieder zu Dr. Sachse und ersuchte ihn, nun endlich die Unterredung mit Herrn Czaika zu veranlassen und fügte hinzu, sonst müßten die Arbeiter die Konsequenzen ziehen. Hierauf sagte Dr. Sachse zu dem Sprecher der Arbeiter: „Sie können gleich gehen". Nach den Umständen, unter denen diese Anforderung an den Arbeiter gerichtet wurde, nahm dieser an, er sei, weil er das Wort im Auftrage seiner Kollegen führte, cnt- lassen. Er teilte seinen Kollegen dies mit. Darauf legten sie alle die Arbeit nieder. Der Umstand, daß Dr. Sachse die Arbeiter länger als einen Tag hinzog, ohne die nachgesuchte Unterredung mit Herrn Czaika zu veranlassen, hat bei den Arbeitern die Ucberzeugung hervorge- rufen, der Abteilungsleiter Dr. Sachse habe die Unterredung mit dem Chef verhindern wollen, weil sich ja die Beschwerde der Ar- beiter auch gegen den Umgangston des Abteilungsleiters richtete. Ebenso sind die Arbeiter überzeugt, daß der Streik nicht ent- standen wäre, wenn sie mit Herrn Czaika hätten reden können. Daß der Betrieb mit Arbeitswilligen besetzt ist, wird zuge» geben, jedoch sind die Streikenden überzeugt, daß mit diesen Arbeitswilligen, selbst wenn ihre Zahl ans daZ doppelte vermehrt würde, die"Arbeit nicht geleistet werden kann. Die qualifizierten Gummiarbeitcc fehlen im Betriebe und die Bemühungen der Be- triebsleitung, solche zu erhalten, konnten bis jetzt vereitelt werden. Oeutlcbes Rcidi. Zigarcttcnarbcitcrinneu. lieber die Zigarettenfabrik Waldorf- Astoria- Kompagnie, G. m. b. H. in Königsberg, ist vom Tabakarbeitcrvcrbande die Sperre verhängt worden. Die Fabrik tritt das Koalitionsrecht mit Füßen, indem die Arbeiterinnen unterschreiben müssen, daß sie keinem Verbände angehören wollen; sonst werden sie entlassen. Die Fabrik sucht nun Ersatz und annonciert in Zeitungen. Deshalb seien die Zigarettenarbeiteriimen gewarnt, zumal auch in Königsberg die Löhne sehr niedrig sind._ Das Zwickaucr GewcrkschaftZkiirtell kann auf eine lOjähnge Tätigkeit zurückblicken. Während 1898 elf Organisationen� mit 3o00 Mitgliedern angeschloffen waren, sind eS jetzt 43 Organisationen und 9181 Mitgliedern. Selbst im Krisen- jähre 1998 ist die Mitglicderzahl um 877 gestiegen. Die Geloerbe- gericktS-, Schiedsgerichts- und Kranleitkaffenwahlen endeten bisher unbestritten mit dem Siege der Listen des Kartells. Sowohl durch die zum Teil mit Erfolg gekrönten Bestrebungen zur Hebung der ' o z t a l e tt Lage der Arbeiter, wie auch durch die Bemühungen durch Veranstaltung von UuterrichtSkurseu den Bildungsbedürfnissen der Arbeiter gerecht zu werden, hat das Kartell eine segensreiche Tätigkeit im Interesse der Arbeiterschaft ausgeübt. Ter MctaLarbcitcrauöstand bei der Deutschen Ku�ellagcrfabrik in Leipzig-Plagwitz ist nach zweitägiger Dauer durch eine Einigung beendet worden.— Die Firma machte Zugeständnisse bei der Zuschlagszahlung der lleberstunden und stellte sämtliche Entlassenen wieder ein. Letzte JVachnchten und Dcpefchen. Die Wahl in Bingen-Alzey. Bingen, 26. Februar.(W. T. B.) Nach amtlicher Feststellung erhielt liebe l(Z.) 12 027 Stimmen. K o r e l l(frf.) 108771 Stimmen. Der crstere ist somit gewählt. Zur Linderung der Not. Mainz, 26. Februar.(W. T. B.) Die heutige Stadtvcr. ordnetenversammlung bewilligte versuchsweise 10 669 M. zur Unter. stübung von Arbeitslosen unter bestimmten Bedingungen, denen zu» folge diese Unterstützungen nicht als Armennntcrstiitzungen gelten sollen._ Grubenunglück. Benthe»(Oberschl.), 26. Februar.(B. H.) Auf der Ferdinand. grübe stürzten Kohlenmassen ein. Ein Häuer war sofort tot. Mehrere andere Bergleute wurden verletzt. Ein Soldat als Erpresser. Frankfurt a. M.. 26. Februar.(B. H.) Der Besitzer eines Gasthofes in der Kaiscrstraße erhielt einen anonymen Brief, in dem er unter Bedrohung mit Anzeige wegen Vergehens gegen K 175 des Strafgesetzbuchs aufgefordert wurde, einen Geldbetrag in einem poftlagernden Briefe nach Hanau zu senden. Der Gasthos. besitzer zeigte die Sache an und der Hanauer Kriminalpolizei gelang es, wie die Blätter melden, einen aus Frankfurt a. M. gebürtigen Grenadier des 166. Infanterieregiments in dem Augenblick zu per» haften, als er die Sendung am Postschaltrr abheben wollte. Die Kämpfe in Persicn. Täbriö, 26. Februar.(Meldung der Petersburger Tele» graphenagentur.) Die Verluste während des gestrigen Scharmützels betrugen auf beiden Seiten etwa 169 Mann. Heute wurde da? Stadtviertel Khiaban von den Hauptkräften Ain ed Taulehs heftig beschossen.__ aul Singer Lc Co., Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltungsbl. Nr. 49. 26. Iahrgaug. 1 KcilM to.Kr«s" Lerlim öullisliliitt. Zonttilbend. 37. Ifbmnt 1909. ZSSSSE Hiebt Verkümmerung, fondern Ausbau der Arbelterverficberung. Tas„Corrcsppndcnzblatt der Generarkomuiissisn der Gewerk- schaftrn" schreibt: Das Reichsamt des Innern bereitet gegenwärtig eine Re- form der Arbeiterversicherungsgesetze vor. Eine Reform, deren angeblicher Zweck in der Vereinfachung und Ver- billigung der staatlichen Versicherung bestehen soll, die aber tat- sächlich darauf hinausläuft, den Arbeitern das Selbstvertvaltungs- recht in den Krankenkassen zu nehmen und im übrigen einen Wirk- lichen Ausbau der Arbeiterversicherung hintanzuhalten. Die Verdächtigungen der O r t s k ran k e n ka s se n als Institute, an denen sich„die sozialdemokratischen Parteiführer mästen", haben bei den in Frage kommenden Reichsbehörden ein williges Ohr gefunden. Freilich, diese beweislosen Verdächti- gungen, mit denen insbesondere der„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" Wider das Selbstverwaltungsrecht der Orts- krankenkassen krebsen ging, waren kein tatsächliches Material. Das Material sollte die im Oktober 1S03 stattgefundene Kon- serenz im Reichsamt des Innern liefern, wo Unternehmer- und Arbeitervertreter aus den Krankenkassen vernommen wurden. Aber die politischen Arbeiterfeinde erlitten hier eine schmähliche Niederlage. Das sehnsüchtig erwartete Material gegen das Selbst- verwaltungsrecht der Ortskrankenkassen blieb aus: die Unter- nehmer hatten keins. Ja, die Unternehmer stimmten in jener Konferenz sogar soweit mit den Arbeitern überein, daß sie den vom Reichsamt des Innern für die kommende Reform vor- geschlagenen„unparteiischen Vorsitzenden der Ortskrankenkassen" a lbehnten. Dieser„unparteiische Vorsitzende" sollte ge- schaffen werden, wenn die Unternehmer nicht, wie bisher, ein Drittel, sondern die H ä l f t e der Kassenbeiträge übernehmen würden. Der angebliche politische Mißbrauch der Ortskranken- kaffen hatte sich als ein leeres Phantasiegebilde herausgestellt; die Arbeiterfeinde waren elend blamiert i Selbst der stellvertretende Vorsitzende des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände, Kom- merzienrat Menck, mußte in Nr. 48 von 1908 der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" konstatieren, daß in jener Konferenz für die gegen die Leitungen der Ortskrankenkassen erhobenen Anklagen keine Beweise beigebracht werden konnten. Kommerzienrat M enck bringt in der genannten Zeitung auch zum Ausdruck, daß ihm der heutige Zustand lieber sei, als eine„Herrschaft der Bureaukraten" in den Ortskrankenkassen. Man sollte meinen, daß damit die Attacke, die das Reichsamt des Innern gegen das Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen liefern wollte, zurück- gewiesen sei. Aber die Arbeiter werden gut tun, sich nicht in Sicherheit zu wiegen. Nicht das Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter darf beseitigt werden, sondern mit der Zersplitte- rung der Versicherungsorganisation(Ortskrankenkaffen der verschiedenen Berufe, Betriebs- und Jnnungskassen, Gemeinde- krankenversicherung) muß aufgeräumt werden. Wir brauchen eine Zentralisation, d. h. für größere Bezirke eine leistungs- fähige Kasse. Notwendig ist ferner die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Arbeiter und Angestellten aller Kategorien. Zu beseitigen ist die Grenze der Versicherungspflicht bei 2999 M. Arbeitsverdienst. Zu erhöhen sind die M i n d e st l e i st u n g e n, die heute keineswegs ausreichen, dem erkrankten Arbeiter und seiner Familie auch nur das Nötigste zu gewähren. So muß die Reform der Krankenversicherung aussehen, wenn bei den bürger lichen Parteien und der Regierung die soziale Gesinnung echt wäre, mit der sie prunken i Die Unfallversicherung erstreckt sich auch nicht auf alle Ar beiterkategorien. Die Verwaltung liegt in den Händen der Be- xufsgenossenschaften, in denen die �Unternehmer allmächtig sind; kein Arbeiter hat hier etwas zu sagen. Die Ansprüche der Ver- sicherten beruhen nicht auf geleisteten Beiträgen, sondern auf der Versicherungspflicht. Infolgedessen darf auch das Recht der Verwaltung nicht an die Beitragszahlung geknüpft, sondern muß den Versicherten überlassen werden. Die Kosten der Unfalluersiche rung werden zwar formell von dem Unternehmertum ge> kleines Feuilleton. Zetteldrucke der Bibliotheken. Tin Fortschritt in der Bericht- erstattung über ihre Neuerwerbungen ist bei der Berliner königlichen Bibliothek zu verzeichnen, die sda eine eigentliche Reichsbibliothek vorerst noch ein frommer Wunsch bleiben muß, solange für Kultur- zwecke so wenig Geld vorhanden ist) als die Nationalbibliothek des Deutschen Reiches betrachtet werden darf. Ist sie doch die reichste Bibliothek in Deutschland und seit einigen Jahren in so enger Fühlung mit den preußischen Universitätsbibliotheken, daß man fast sagen kann, es handelt sich nur mn eine einzige Büchersanimlung, deren Bestand aber nicht wie in der berühmten Nationalbibliothek in Paris in einem Gebäude, sondern eben im ganzen Lande verstreut ausbewahrt wird. Im Zeitalter der entwickelten Verkehrsmittel ist dies kein so erheblicher Mangel mehr; zumal da durch den preußischen Gesamtkatalog und durch das Auskunftsbureau der deutschen Bibliotheken mit geringer Mühe festgestellt werden kann, ob ein bestimmtes Buch in einer der genannten und überhaupt in einer deutschen wissenschaftlichen Bibliothek vorhanden ist. Dagegen ist allerdings die mindestens ebenso wichtige Frage nach der gesamten in denselben Bibliotheken vorhandenen Literatur über einen bestimmten Gegenstand noch nicht in Angriff genommen. Nun werden die Bücher, die kn eine Bibliothek eingestellt werden. genau verbucht, und e-Z bestehen sehr ausführliche.Instruktionen" für die Tinrichtung und Führung der Kataloge. Ein wichtiges Werk zum Beispiel, das in mehreren Bibliotheken angeschafft wurde, muß in allen diesen Bibliotheken, und auch hier «viederum mehrfach, für den Verfasser- und für den Sachkatalog „aufgenommen" werden. Um diese nicht eben interessante Arbeit zu vereinfachen, die übrigens ja auch in allen unseren Partei- und Gewerkschaftsbibliotheken in ähnlicher Weise gemacht werden muß. hat sich die königliche Bibliothek entschlossen, das seit längerer Zeit in Buchfon» erscheinende Verzeichnis ihrer Neuerwerbungen auch auf elnzelne Zettel zu drucken, für die das„inter- nationale" Format 7,5 X 12,5 Zentimeter gewählt worden ist. Da nun die mit den reichsten Mitteln ausgestattete Bibliothek des Kongresses in Washington, wch die Nationalbibliothek der Nord- amerikanischen Union heißt, seit vielen Jahren ihre Neuerwerbungen auf Zetteln der genau gleichen Größe gedruckt bekannt gibt m Amerika dienen diese Karten zur Herstellung der Kataloge in den meisten der großartigen Biichersammlungeli—. so ist es möglich. eil, e« internationalen Katalog zusammen zu stellen, indem man diese Karten in der erwünschteil Weife in einander ordnet. Ein solches Verfahren"wäre nun auch für unsere Partei- und Gewerkschafts-Bibliotheken verschiedenster Her- kuntt von dem größtem Vorteil; dm Druck der Katalogzettel tragen, tatsächlich aber doch von den Erträgnissen der Arbeit jener gedeckt, die in den Betrieben beschäftigt sind. Daher ge- bührt den Arbeitern das Selbstverwaltungsrecht, zum mindesten aber das paritätische Mitbestimmungsrecht. Davon wollen die Unternehmer jedoch nichts wissen. Sie glauben, wenn die Ar- beiter, wie in den Schiedsgerichten für Arbeiterversicherung, so auch in den Berufsgenossenschaften ein Wörtlein hineinreden, daß dann die Rentenknauserei nicht so weitergeht, und dann die Kosten der Unfallversicherung wachsen würden. Die Arbeiter werden aber unbedingt an ihrem Standpunkt festhalten und ebenso ent- schieden dafür eintreten, daß die Leistungen der Unfallversicherung erhöht werden. Im Vordergrunde der Erörterungen hat in letzter Zeit aus mancherlei Gründen das Jnvnlidenversicherungsgeseb gestanden. Bekannt ist, daß das Reichsamt des Innern mit einer großen Energie bestrebt ist, die Bewilligung der Invalidenrenten seitens der zuständigen Organe möglichst einzuschränken. Die Renten- bewilligungen waren von 174 598 im Jahre 1993 aus 134 957 im Jahre 1999 zurückgegangen! Da war kolossal„gequetscht" worden. Inzwischen sind nun die Bestrebungen der kauf- m ä n n i s ch e n und technischen Angestellten auf eine angemessene Alters-, Invaliden- uich Hinterbliebenenversicherung stärker hervorgetreten. Die bürgerlichen Parteien und die Re- gierung, welche bisher den Privatangestellten nicht einmal die heutigen Versicherungsgesetze voll zugute kommen ließen, spielen nun mit dem Gedanken, für diese Angestellten eine b e- sondere Pensionsversicherung zu schaffen. Ob etwas daraus wird, was die Ange st eilten auch befriedigt, ist zum mindesten sehr zweifelhaft, aber man will hier eine Zersplitterung, und zwar aus politischen und finanziellen Gründen. Einen durchgreifenden Ausbau der Invalidenversicherung möchten sowohl die bürgerlichen Parteien als auch die Regierung aus „Sparsamkeitsrücksichten" umgehen. Aber man möchte auch die unzufriedenen Angestellten, denen man so gut wie jeden gesetz- lichen Schutz vor grenzenloser Ausbeutung durch die Unternehmer verweigert, nicht direkt in das Lager der Sozialdemokratie jagen. Und so sucht man sie mit einer Sonderversicherung zu ködern, womit man eine Scheidewand zwischen Ange- stellten und Arbeitern aufrichten zu können glaubt. Von solchen unsozialen Beweggründen wird die deutsche Sozial- Politik beherrscht. Die Alters- und Invalidenrenten, die nach dem heutigen Jnvalidenversick)erungsgesetz an die Rentenberechtigten be- zahlt werden, betragen im Durchschnitt jährlich rund 158 M. Die Arbeiter müssen mit aller Kraft dafür agitieren, daß an Stelle dieser geringfügigen Almosenrenten wesentlich höhere Versicherungs- leistungen treten,— nicht nur für die Privatangestellten, sondern für die Arbeiter aller Kategorien. Als im Jahre 1992 das deutsche Volk mit drückenden Zoll. erhöhungen belastet wurde, beschloß der Reichstag, daß ein Teil der höheren Zölle„zur Erleichterung der Durchführung einer Witwen Versorgung zu verwenden" sei. Die hohen Zölle sind in Kraft ge treten, für die Witwen- und Waisenversorgung aber ist nicht soviel übrig geblieben, daß davon auch nur eine kümmerliche, geschweige denn eine angemessene Fürsorge durchgeführt werden könnte. Die Arbeiter aber wünschen eine Hinterbliebenenfürsorge mindestens in dem Maße, wie sie das Gewerbeunfallversicherungsgesetz ge- währt. An der Durchführbarkeit dieser Versicherung ist kein Zweifel; sie ist ohne Einführung irgendwelcher neuer Steuern schon dann möglich, wenn der unsinnigen Verschwendung für militärische Zwecke Einhalt getan wird. Die Arbeitslosenversicherung wollen wir nicht in dem Rahmen der heutigen Arbeiterversicherungsgesetze verwirklicht wissen. Für ihre Eigenart müssen in organisatorischer Beziehung andere Ge- sichtspunkte maßgebend sein; ihre Grundlage sollen die Gewerk schaften sein, an deren Mitglieder zur Arbeitslosenunterstützung staatliche Zuschüsse zu leisten sind. Sie Ml aber hierbei miterwähnt werden, um über die berechtigten Ansprüche der Arbeiterschaft hinsichtlich der staatlichen Versicherung ein genaueres Bild zu geben. Dabei mutz darauf hingewiesen werden, daß man in ver- schiedenen Nachbarstaaten mit der Arbeitslosenversicherung aus Staats- oder Gemeindemitteln viel weiter ist, als in Deutschland; toenn auch zugegeben werden muß, daß sie auch dort zu wünschen übrig läßt. Wir haben vorstehend in großen Zügen ein Bild der Wünsche müßte jeweils der Verleger übernehmen, was technisch sicher sehr gut möglich wäre. Durch die Verwirklichung dieses Vorschlages würde der Biblis- thekar einer zeitraubenden Arbeit enthoben und könnte seiner Haupt- ausgäbe— die Benutzer der Bibliothek zu beraten— mehr als vorher obliegen. Der �Wärmeverlust der Erde durch die Zurückiverfung der Sonnenstrahlen an de» verhandenen Wasserflächen ist erheblicher als man gemeinhin denken mag. Herr Wilhelm Schmidt veröffentlicht in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Rückwersung der Sonnenstrahlen an Wasserflächen. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Höhe des Sonnenstandes von großem Einfluß auf die Erwärmung und Verdunstung deS Wassers undX daher auch auf, die Temperatur und Feuchtigkeit der unterste» Luftschichten ist. Er hat auch den Wärmeverlust berechnet, der durch die glatte Wasseroberfläche entsteht, indem sie einen Teil des auffallenden Sonnenlichts und der Sonnenwärme zurückstrahlt. Man kennt ja die Wasserfläche der Erde sehr gut und kann daher den Be- trag berechnen, der durch ihr Vorhandensein verloren geht. Der so festgestellte Verlust ergibt sich zu 21'/� Proz. der gesamten von der Sonne eingestrahlten Wärme. Dieser Betrag ist also so groß, daß er auf die klimatischen Ver- Hältnisse von starkem Einfluß ist. iimnentlich. da er sich auf die verschiedenen Breiten verschieden verteilt. Während beispielS- weise eine Wasserfläche unter 49 Grad Breite nur 6,8 Proz. der der zugestrahlten Wänne durch Zurückwerfung verliert, macht dieser Verlust bei 79 Grad Breite schon 23 Proz., am Pol volle 199 Proz. aus. Man erkennt, daß der Ausfall an Wärme für die Pole durch diese Erscheinung noch vergrößert wird. Natürlich ist die niedrige Temperatur an den Polen nicht allein durch die Zurückstrahlung der Wärme verursacht; sie macht aber sicher einen sehr erheblichen Teil aus. den man bisher seinem Ursprünge nach gar nicht beachtet hatte. Da die südliche Halbkugel init viel mehr Wasser bedeckt ist als die nördliche, so treten durch diese Zurückwerfuiig schon erhebliche klimatische Unterschiede zwischen den beiden Erdhalbkugeln auf. Riesenzahlcn. Man lese nachstehende Zahl: 77 999 999 999 999- 999 990 099 990 990 909 909 und bekreuze sich! Diese Zahl, die der menschliche Geist beinahe nicht mehr fassen kami, stellt die Zahl der Pflanzen dar, die auf Erden existieren würden, wenn alle Samen, die von einer einzigen Pflanze, der wilden Nelke, in einer einzigen Jahreszeit hervorgebracht werden, aufblühen und sich ihrerseits während eines Zeitraumes von zehn Jahren vermehrten. Die Zahl gibt u»S einen kleinen Begriff von dem. was geschehe» würde, wenn alles, was gebore» wird, weiterleben würde. Wenn alles, was an irgend einem Tage geboren wird, leben bleiben und sich vermehren würde, würde dvs Leben schon in kurzer entworfen, die die deutsche Arbeiterschaft an das staatliche Versicherungswesen zu stellen hat. Möge die Arbeiterschaft durch un- ausgesetzte Agitation ihren Forderungen kräftigste» Nachdruck ver- leihen. P. L. Reichstag» 214. Sitzung: Freit a g, d e n 26. Fe b r u a r, n a ch m i t t a g s 2 U h r. Am Bundesratstisch: Dernburg. Zunächst wird über den gestern beratenen Antrag B r a n d h s und Genossen(Polen) betr. die Freiheit des Gründeigen- tumerwerbs namentlich abgestimmt. Der Antrag wird mit 189 gegen 132 Stimmen bei 5 Stimm- enthaltungen angenommen. Tie Verkündung des Resultates wird von den Polen mit leb- haften Bravo!-Rufen begrüßt. Es folgt die zweite Beratung des Etats für die Schutz- gebiete(mit Ausnahme von Kiautschou), in Verbindung mit dem Titel 1 des Etats für das R e i ch s k o l o n i a l a m t, Ge- halt des Staatssekretärs 44 999 M. Hierzu beantragen die Abgeordneten Graf H o m p e s ch n. Ge- nassen(Z.), den Reichskanzler um Anordnungen zu ersuchen, wo- nach alle aus Grund des§ 15 des Schutzgebietsgesetzos erlassenen Verordnungen der Kolonialverwaltung und der Gouverneure der einzelnen Schutzgebiete dem Reichstage zur Kenntnisnahme vor- gelegt werden; ferner soll die Art der Veröffentlichung dieser Ver- ordnungen zur Erlangung der Rechtsgültigkeit bestimmt werden. Abg. v. Liebert(Rp.i: Tie Schutzgebiete haben sich außerordentlich entwickelt; ihr Handel ist gtstiegen, die Sterblichkeit hat sich verringert, die Behandlung der Eingeborenen ist besser ge- worden, die Justizpflege ist geordneter, das Schulwesen ist gehoben, vor allem sind die Kolonialskandale beseitigt. Es zeigt sich ferner auf der ganzen Linie eine Verringerung des Reichszuschusses, so daß die Hoffnung näher gerückt ist, daß die Schutzgebiete sich selbst tragen werden. Alle bürgerlichen Parteien sind denn auch des Lobes voll für den Kolonialsekretär, dessen zuweilen gereizte Stimmung daher nicht recht verständlich ist. Die Prügelstrafe wird jetzt viel milder gehandhabt, sie ist von 59 und 25 auf 19 Hiebe zurückgegangen! Ganz beseitigen läßt sie sich nicht, denn es' sind nur wenig über 2099 Weiße in dem Gebiet, gegenüber 8—19 Mi!- lionen Neger, und das Prestige der Weißen muß unbedingt aufrechterhalten werden! Zu erwägen wäre, ov bei der Hllttensteuer statt der überall gleichen Summe nicht ein« Einschätzung den besonderen Verhältnissen entsprechend vor- genommen werden soll. Ein wunder Punkt ist der Wegebau; es mutz eine großzügige Wegebau- und Bahnbaupolitik platzgreifen; dadurch würden wir weite Gebiete zu wirklich deutscheil Gebieten machen können.(Bravo! rechts.) Kolonialsekretär Dernburg: Zunächst danke ich für das freundliche Wohlwollen des Vor- redners für die Kolonialverwaltung und für den Gouverneur von Ostafrika. Bezüglich der Eingeborenenfrage meinte.Herr Liebert. die Bestrafungen seien milder geworden. Das ist nicht richtig; die Strafen haben nickst abgenommen, sondern um etwa 11 Proz. zu» genommen. Freilich hat die Zahl der Prügelstrafen etwas ab» genommen, aber die Zahl der Geldstrafen hat zugenommen,' das beweist nicht, daß die Strafen milder geworden sind, sondern daß die pekuniäre Lage eine bessere geworden ist; denn wo lvir tönnen, strafen wir lieber mit Gelü statt mit Prügel, schon um die Kosten der Justizpflege einzubringen.(Heiterkeit und Sehr richtig!) Der Dernburgsche Priigelerlaß— so genannt, weil nach ihm soviel wie möglich nicht geprügelt werden soll(Heiterkeit)— bestimmt, daß bei jeder Prügelstrafe über den Grund und die Ausführung der- selben eine kurze Niederschrift angefertigt werden soll. Das hat sich nach der Meinung der meisten Beamten, die damit zu tun haben, gut bewährt. Wenn irgend ein Lump nach Ostafrika kommt und sich dort lumpig beträgt, so kann daS den Negern nicht entgehen; vor allem ist von den Weißen Selbstzucht zu verlangen".(Lebhaste Zustimmung.) Sehr wichtig ist die Frage der Siedelungskommission OstafrilaS. Man soll niemand zureden und niemand abreden, hinauszugehen; jeder niuß selbst beurteilen, ob er das nötige Geld und die nötigen Kenntnisse dazu hat. Wie es ihm draußen gehen wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen; eine deutsche Siedelungskolonie in den Tropen gibt es noch nicht. Wenn es nur Zeit, vielleicht schon in wenigen Stunden, unmöglich werden. Die ganze Luft würde von fliegenden Wesen bevölkert sein, und alles würde in Dunkelheit versinken. Das Leben auf der Erde würde aus Mangel an Lnft, und weil nicht genügend Nahrung vorhanden wäre, sofort aufhören. Alle Wasser auf der Erde würden angefüllt sein mit einer kompakten Masse lebender Wesen. Die Natur kann also das Gleichgewicht im Leben nur dadurch erhalten, daß sie zahllose Kreaturen sofort tötet. ES wären gerade die kleinsten Organismen, die die größten Gefahren brächten. Es gibt zum Beispiel kleine Pilze, die sich in wenigen Stunden millionenfach vermehren. Der ProtokokkuS oder Blutschnee(kleine einzellige Algen, die rote Farbstoffe enthalten) vermehrt sicki so rasch, daß er in einer einzigen Nacht Hunderte von Morgen färbt. Etwas lästig würden auch die Fliegen werden. Die Stubenfliege kann in einer einzigen Jahreszeit 20 Millionen Junge in die Welt fetzen. In der fünften„Saison" müßte man die Zahl der Nachkommen dieser einen Fliege mit einer Drei und 36 Nullen schreiben! Wie die Fliegen haben auch die Spinnen eine un- geheuer große Nachkommenschaft, aber entsprechend viel Todesfälle. Die gemeine Spinne legt gewöhnlich 799 Eier auf einmal. Was die Vögel betrifft, so würde die Nachkommenschaft eines einzigen VogelpaareS recht bald die Erde bedecken und die Luft erfüllen. Und die Elefanten? Nach Darwin betrüge die Zahl der von einem einzigen Pärchen abstammenden Elefanten in fünf Jahrhunderten nicht weniger als 15 Millionen. Und wenn— so schreibt„Pearsons Magazine", dem wir diese Angaben entnehmen— kein Menschenkind stürbe, würde die Menschheit sich in 25 Jahren verdoppeln, um nach wenigen Jahrhunderten... Hungers zu sterben I Notizen. Eine Porzellan ausstellnng soll zur Erinnerung an die Erfindung des Porzellans vor 299 Jahren im Juni 1919 unter Leitung des Direktors des Kunstgewerbemuseums Professor Falcke in Berlin veranstaltet werden. Die Ausstellung wird mit der zweiten Ton-, Zement- und Kciltindustrieausstellung m Treptow verbunden sein. — Das Aussterben der Gorillas und Schim- p a n s e n. Im Londoner Institut für Chirurgie gab Ärtur KeilH eine interessante Statistik über die Zahl der Schimpansen, die ich in den Wäldern an, Kongo noch in Freiheit befinden. Er schätzt die Zahl der Schimpansen ans höchstens 199 999, die durch die krupellose Verfolgung in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr dezimiert ein wird. Noch kleiner ist die Zahl der lebenden Gorillas; sie be- trägt nur noch 19 909. Es ist vorauszusehen, daß nach Ablauf eines Jahrhunderts die beiden intkressanten Affenarten völlig ausgestorben fem werden. I tonst tltchtlge 2eu}c sind und sie das nötige Geld und die erforderlichen Keinitnine haben, sollen sie hinausgehen und haben Gottes Segen mit auf ihren Wegem(Große Heiterkeit.) Ein tüchtiger Mann kann sich doch auf den Herrn da oben verlassen, da ist doch nichts zu lachen. (Sehr richtig rechts und erneute Heiterkeit.) Abg. Schwarze(Z.) bleibt ans der Tribüne im Zusammenhang unverständlich. Augenscheinlich verbreitet er sich über MissionS- Wesen. Staatssekretär Dernburg: Den Missionen beider Konfessionen wird mit gleichem Wohlwollen entgegengekommen. So weitgehende Vergünstigungen, wie Zollfreiheit für die zum Gebrauch der Missionare dienenden Gegenstände, kann man allerdings nicht be- willigen. Damit würde nur böses Blut bei den Beamten ge- macht werden. Abg. Lattmann(Wirtsch. Vg) zollt Dernburg Anerkennung, freut sich über die fortschreitende Kolonialfreundschaft aller bürgerlichen Parteien und behauptet unter schallender Heiterkeit der Sozialdemo- traten, daß die Sozialdemokratie sich der kolonialseindlichen Haltung ihrer Führer schäme. Redner wünscht Dernburg ein langes Amts- leben, hofft auf Besserung des kolonialen Rechnniigswesens und gibt eine Uebersicht über die Ziffern des Kolonialetats, wobei er sich von Zeit zu Zeit verrechnet, jedoch, durch Zurufe seiner Freunde unter- stützt, alsbald feine Rechenfehler korrigiert. Weiter schilt Redner auf den Gouverneur von Ostafrika Rechenberg und auf die angeb- liche Bevorzugung der Jndier in Ostafrika. Abg. Dr. Goller(frs. Vp.): Wenn der große König wieder auf- wachen würde, würde er wohl zu dem Kolonialsekretär sagen: „Mensch, hat er ein Glück!(Heiterkeit.) Das Glück zeigt sich nicht nur in derAuffindung von Diamanten, sondern in dem ganzen Aufblühen der Kolonien. Der Staatssekretär hat auch heute wieder gesunde Ver- waltungsgruudsntze verireten, mit denen wir im ganzen zufrieden sein können. Es scheint mir, daß wir im Verhältnis zu der Zahl der Weißen immer noch zu viele Beamte draußen haben. Der Politik des Staatssekretärs für den Bau von Eisenbahnen können wir zu- stimmen, nachdem er sich zu unseren Grundsätzen bekannt hat, daß eine gewisse Rentabilität vorher gesichert sein muß. Auch bei der Eingeborenenpolitik können wir im großen und ganzen den Grund- sätzen des Kolonialamtes zustimmen. Daß die früheren An- schauungen über die Faulheit der Reger falsch waren, ist jetzt wohl allgemein anerkannt; daS beweist zum Beispiel der große Maisertrag auf dem sterilen Boden von Togo. Darüber kommen wir nicht weg, daß der Neger eine niedrigere Rasse gegenüber dem Weißen ist, aber wir müssen das Menschenmaterial der Kolonien— und das sind die Eingeborenen— haben, wenn wir die toten Bodenschätze in den Kolonien wirklich nutzbar machen wollen. Wir müssen ihnen deshalb gerechte Richter sein und sie in jeder Weise kulturell heben, aber volle Gleichberechtigung können wir ihnen nicht einräumen. Es ist traurig, daß man jeden Beamten sofort entfernt, wenn er nicht vor dem Gouverneur stramm steht, die Hände an der Hosennaht.(Zustimmung bei den Freisinnigen.) Staatssekretär Dernburg: Der Vorredner hätte den Dr. Rohrbach fragen können, warum er aus dem Kolonialdienst ausgeschieden ist. ES geschah auf seinen eigenen Wunsch, weil er nicht die Verwendung finden konnte, die er wünschte. Bezüglich des Gouverneurs von Ostafrika muß ich bestreiten, daß er schon deswegen im Unrecht ist, weil er von allen Seiten angegriffen wird, wie Herr Arendt in der Biidgetkoinmifsion gesagt hat und wie es auch ans den Ausführungen des Dr. Goller herausklang. Aber es ist auch nicht richtig, daß von allen Seiten Klagen kommen; die Hamburger Kanfleute loben den Gouverneur sehr, ebenso wird er im Südbezirk gelobt und am Kilimandscharo. Klugen kommen nur aus Dar-es-Salam und Tanger, wo außer den Beamten 185 resp. 140 erwachsene Weiße in Betracht kommen. Wir können nicht einen Gouverneur brauchen, der unberechtigten Ansprüchen nicht entgegenzutreten versteht. eine Spirale als Rückgrat hat und sonst aus Schmalz und Linter gemacht ist.(Heiterkeit.) Die Ansprüche einiger tausend Kolonisten können wir nur soweit befriedigen, als sie nicht mit denen der 62 Millionen Deutschen in Konflitt kommen. So wenig wir einen Matrosen auf einem deutschen Walfischfänger oder einen Arbeiter, der in Westfalen 700 Meter tief Kohlen gräbt, von seinen Steuern befreien oder ihm gar Reichssubventionen geben können, so wenig können wir das bei den Deutschen tun, die nach Ostafrika gehen, und neun Zehntel aller Klagen über das Gouvernement beruhen auf solchen unberechtigten Forderungen.(Zustimmung links und im Zentrum.) Für jede einzelne Klage bin ich bereit, den pekuniären Pferdefuß nachzuweisen; ich behalte mir das aber bis ans Ende vor, damit nichts vergessen wird.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Der Staatssekretär hat seine Stellung geändert, die er früher in diesen Fragen eingenvmmen hat und hat in die sachliche Debatte einen unberechtigten Ton persönlicker Schärfe getragen. Um den Beifall des Zentrums beneide ich den Staats- sekretär nicht.(Heiterkeit rechts.) Entgegen den Gepflogenheiten des Hauses, die er wahrscheinlich nicht kennt, hat der Staatssekretär Namen der Diskussionsredner aus der Kom- Mission genaniik. Nicht einzelne Pflanzer, sondern die ganze weiße Bevölkerimg nimmt gegen das verderbliche System Rechenberg Partei.(Hört! hört!) Wir protestieren dagegen, daß man uns nachsagt, wir vertreten die Pflanzerinteressen.(Bravo! rechts.) Von vertrauensseliger Seite(Aha! und stürmische Heiter- keit) habe ich Nachrichten erhalten, wonach wir unmittelbar vor einem großen ostafrikauischen Aufstand stehen.(Lachen und Wider- spruch im Zentrum.) Wenn der Aufstand ausbricht, Herr Erzberger, werde ich Sie dafür verantwortlich machen.(Schallendes Hohngelächter im Zentrum.) Es ist nicht dasselbe, wenn man Pflanzer oder wenn man Arbeiter steuerfrei läßt. Die Pflanzer) sind die Träger deutscher Kultur I Redner schimpft weiter auf den Gouverneur Rechenberg und wirft ihm Dutzende von Sünden gegen die weiße Bevölkerung Ost- nfrikaö vor. Die weiße Bevölkerung wird zurückgesetzt gegenüber der farbigen.(LaiiteL Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Das darf doch nicht sein I(Zurufe: Polen! Heiterkeit.) Wenn der Staats- sekretär nicht so heftig wäre, würden die Debatten viel ruhiger ver- laufen.— Wenn wir erst lange Rentabilitätsberechnungen anstellen wollten, wurden wir in Afrika überhaupt keine Eisenbahnen haben. (Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich, einer der ältesten Ostafrikaiier,(Gelächter.) habe da-Z.Recht, einen Gouverneurswechsel zu verlangen. So geht es nicht weiter!(Beifall rechts.) Staatssekretär Dernburg: Ich nehme davon Akt. daß der Abg. Arendt jede persönliche Spitze in seinen Ausführungen ablehnt, ich bin aber nicht in der Lage, ihm Aussichten aus die Erfüllung seines Wunsches nach Ersetzung des Gouverneurs in Ost- afrika zu machen. Auf Klagen von einer Seite nur oder auf Grund einer Stimmung werde ich Beamte nie maßregeln; darunter müßte die Integrität der Beamten leiden, deren festes Rückgrat ein kost- bares Gm ist.— UebrigenS ist die Ernennung des Gouverneurs nicht Sache der Legislative, sonder» deS Kaisers.— Herr Arendt tadelt unsere Eingeborenenpolitik und macht uns vor einem Auf- stände der Eingeborenen graulich. Seit zwei Jahren betreiben wir diese Politik und haben keinen Aufstand gehabt; unter den» Gouverneur v. Liebert hat eö ÄS Ein- geborenen-Aufstände gegeben. (Große Heiterkeit); ich mache dafür aber nicht die Eingeborenen- Politik des Herrn v. Liebert verantwortlich, so wenig wie unsere Politik schuld wäre, wenn jetzt etwa ein Aufstand irgendwo im Innern ausbräche. Da« Kolonialamt wird gern bereit fein, alle Klagen gegen daS Gouvernement zu prüfen und zwischen ihm und den Farmern zu vermitteln. Mögen alle Parteien dazu helfen; an mir soll es nicht fehlen. Hieran? vertagt sich daS Haus. Abg. Liebert(Rp.) persönlich: Ich weise die Jdeenverbindinig zwischen den 25 Aufständen und meiner Eingeborenenpolitik zurück. Ich war der letzte Militärgonverneur, der in das Land als in eine Wildnis kam, und habe eL meinem Nachfolger in tiefstem Frieden übergeben. Auch unter ihm hielt der Friede noch elf Jahre an. und der Aufstand brach dann aus bekannten Ursachen auS. Mich trifft dafür keine Verantwortung. Präsident Graf Stolberg schlägt vor. die nächste Sitzung Sonn- abend um 2 Uhr abzuhalten.(Lebhafte Rufe: F r ü h e r I) Ich mache den Vorschlag im Interesse der Budgetkommission und damit auch des Reichstags. Es erhebt sich kein Widerspruch. Nächste Sitzung: Sonnabend 2 Uhr.(Fortsetzung der Beratung des Etats für die Schutzgebiete und das Kolonialamt.) Schluß 7 Uhr.'___ parlamentarisches. Aus der Bubgetkommission des Reichstags. 23. Sitzung vom 26. Februar. Zur Beratung stand der P o st e t a t. Wie jetzt üblich, hatte eine frühere Sitzung auch zum Postetat eine S u b k o m m i s s i o n eingesetzt, die eine Vorberatung vornahm und nun Bericht er- stattete. Die weiter bei jedem Etat wiederkehrende Frage, ob die Zahl der Beamten im Verhältnis zu den zu erfüllenden Aufgaben nicht zu hoch ist, wurde bei Titel 3„geheime expedierende Sekretäre" erörtert. Abg. Erzberger beantragte, ein Dispositiv zu beschließen, wonach bei den für die Zentralverwaltung vorgesehenen 128 Sekretärstellen künftig 28 wegfallen, das heißt, daß frciwerdcnde Stellen nicht wieder besetzt werden sollen. Staatssekretär K r ä t k e wendet sich gegen eine Verlängerung der Dienstzeit dieser Beamten; denn man müsse deren Leistungen anders beurteilen, weil es sich hier um geistige Arbeiter handle, die über ihre beruflichen Arbeiten auch sonst nachdächten und sich manchmal auch Arbeit mit nach Hause nähmen. Der Antrag Erzberger wurde, obgleich er schließlich— abgeändert— nur 8 Stellen als künftig wegfallend bezeichnet wissen wollte, mit 9 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Unter„vermischte Ausgaben" wurden einige Posten um insgesamt 49 060 M. niedriger eingestellt. Beim Kapitel Be- triebsverwaltung werden 12 neue Stellen für Posträte, 8 für Obcrpostinspektoren, 2 für Postbauinspektoren neu ange- fordert, was mit dem Aufrücken anderer Beamten eine Mehr- ausgäbe von 193 000 M. verursacht. Abg. Erzberger beantragt. von den Posträten 6, von den Oberpostinspektoren 4 sowie die zwei Stellen für Postbauinspektoren zu streichen. Er begründet seinen Antrag mit dem Hinweis, daß, wenn die neue Gehaltsordnung ein- geführt sein würde, die Reichspost mit Defizit arbeiten würde, obgleich wir höhere Portosätze hätten als das Ausland. Das könne nur daran liegen, daß wir im Verhältnis zum Umfang des Be- triebes zu viele Beamte hätten. Staatssekretär Krätke be- streitet die Richtigkeit der Erzbergerschen Angaben. Der Antrag Erzberger wird abgelehnt, jedoch werden die 4 neu geforderten Stellen für Oberpostdirektoren(mit knapper Mehrheit) gestrichen. Ferner wurde eine Resolution angenommen, die eine„t u n l i ch e Beschränkung des Zuganges zu den oberen und mittleren Beamten st ellen" verlangt. Zu weiteren Erörterungen führten die Forderungen von 15 neuen Stellen für Vorsteher an Postämtern erster Klasse und von 12 Stollen für Vizedirektoren.� Das Resultat war, daß von den ersten Stellen 7 und die letzten sämtlich gestrichen �rvurden. Weiter wurde beschlossen, die für den Postetat eingesetzte Sublom- Mission nicht mehr tagen zu lassen, weil die dort gepflogenen Er- örterungen' in den Sitzungen der ordentlichen Kommission doch wiederholt werden müssen. Nächste Sitzung Sonnabend: Fortsetzung der Beratung über den Postetat._ In der Arveitskimimerkommission standen am Freitag die§ß 9 bis 11 zur Beratung. Der ß 9 handelt von der Berufung des Vorsitzenden, der weder Arbeitgeber, noch Arbeitnehmer sein und von der Ilufsichtsbehörde ernannt werden soll. Die Gesellschaft für soziale Reform hatte in einer Eingabe an die Kommission die An- regung gegeben, den Kammern zur Ernennung des Vorsitzenden ein Vorschlagsrecht zu übertragen, und das Zentrum hatte, dieser Anregung entsprechend, zum§ 9 einen Abanderungsantrag eingebracht, der die Aufsichtsbehörde verpflichten wollte, den Vor- sitzenden nach Maßgabe einer mindestens je drei Namen enthaltenden Borschlagsliste zu ernennen. Nur in Fällen, in denen über die Liste eine Verständigung in der Kammer nicht erzielt werden kann, soll die Aufsichtsbehörde nach freiem Ermessen entscheiden. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag abgelohnt, mit dessen Absichten sich auch die Redner anderer Parteien einverstanden erklärten, dessen Durch- führung aber schwerlich ausführbar erschien. Ter§ 0 wurde sodann in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Der Z 10 bestimmt, daß die Zahl der Mitglieder der Arbeits- kammer von der Aufsichtsbehörde festgesetzt wird. Ein Abänderungs- antrag unserer Genossen wollte den Aufsichtsbehörden diese Befugnis zwar belassen, aber eine Mindestzahl von 20 Mitgliedern festgelegt wissen, damit die Behörden nicht zur Errichtung von Zwergaevilden kommen können, die eine ersprießlichre Wirksamkeit nicht auskommen lassen. Gegen die Stimmen der Antragsteller und der Polen wurde auch dieser Antrag abgelehnt und der 8 10 in der Fassung der Vor- läge angenommen. Lebhafter gestaltete sich die Debatte beim§ 11 der Vorlage, der die Voraussetzung der Wahlberechtigung bestimmt. Wahlberech- tigt sollen sein Deutsche, die das 2b. Lebensjahr vollendet haben, im Bezirk der Arbeitskammer tätig sind und dem Gewerbezweige angehören, für welchen die Kammer errichtet wird. Unsere Ge- Nossen beantragten, das Wort„Deutsche" zu streichen und dafür zu sagen:„Personen". Bei Annahme dieses Antrages würde es auch den in Deutschland beschäftigten s r e m d l ä n d i schen Arbeitern möglich gewesen sein, sich an den Wahlen zur Kammer zu beteiligen. Ein weiterer Abänderungsantrag unserer Genossen verlangte, die Altersgrenze aus 20 Jahre zu bemessen, um auch den jüngeren Arbeitern einen Einfluß auf die Zusammen- ketzung der Kammer zu sichern. Ein dritter Antrag endlich forderte in Anlehnung an den Wortlaut des Gewerbegerichtsgesetzes, das Wahlrecht denjenigen Personen zu gewähren, die im Bezirk der Arbeitskammer tätig sind oder wohnen. In der Begründung wies Genosse Bömelburg darauf hin, daß in zahlreichen In- dnstriebezirken des Reiches vorwiegend Ausländer beschäftigt sind, die man billigerweise nicht vom Wahlrecht ausschließen dürfe. Wollte man als Altersgrenze daS 25. Lebensjahr bestehen lassen, dann könne sich in einzelnen Berufen, z. B. bei den Bäckern, ergeben, daß man überhaupt keine oder nur eine ganz winzige Zahl wähl- berechtigter Arbeitnehmer finden würde. Tann sei es auch geboten, im Hinblick auf die Wandergewerbe, daß man Arbeitern das Wahl- recht gewähre, die im Bezirk der Kammer ihren Wohnsitz haben. Die meisten der bürgerlichen Abgeordneten wandten sich gegen diese Darlegungen, besonders gegen die Herabsetzung(der Altersgrenze. Auch die RegierungSvertreter beteiligten sich lebhaft an den Erörterungen, natürlich im Sinne derjenigen Redner, die von den Verbesserungen nicht? wissen wollten; auch ihnen erschien die Herabsetzung der Altersgrenze bedenklich. Der Abg. Fleischer(Z.) bemerkte demgegenüber, daß das Wahlrecht der Frauen wohl nur auf dem Papier bleiben würde, wenn man sich nicht zur Herabsetzung der Altersgrenze entschließen könnte. � Genosse S e v e r i n g machte darauf aufmerksam, daß vor einem Jahre die Regierung den volljährigen Slrbeitern nicht nur das aktive, sondern auch das passive Wahlrecht einräumen wollte, daß sie im Vorentwurf die ArbeiterauSschüsse als Wahlkörper be- stimmte, die nach 8 134ti der Gewerbeordnung auS der Mitte der volljährigen Arbeiter gewählt worden können. Der Antrag, die Altersgrenze auf 21 Jahre festzusetzen, wurde angenommen, alle anderen AbänderungSanträge dagegen abgelehnt. Dieses Schicksal fand auch ein Antrag v. Westarp(k.), nur den- jenigen das Wahlrecht zu gewähren, die mindestens zwei Jahre dem Geiverbezlveige angehören, für welche die Kammer errichtet ist.—. Em der Partei. Genosse Bollmar. über dessen GesundheitSzustiand die bürger- liche Presse vor kurzer Zeit überaus ungünstige Nachrichten ver- breitete, ist erfreulicherweise soweit wieder hergestell�?'.„ er im Laufe der nächsten Woche nach Berlin kommen und an den Verhandlungen des Reichstages wieder teilnehmen wird. Unsere Toten. In Bayreuth starb eines der ältesten Partei- Mitglieder, der Geschäftsführer Genosse Hans H o f f m a n n. Er gehörte zu der kleinen Kerntruppe, die besonders unter dem Sozialistengesetz die Fahne der Partei hoch hielt, da es in den kleineren �Städten noch mehr als in den großen Jndustrieorten eine riskante Sache war, sich zur Sozialdeniokralie zu bekennen. Auch für die Ausbreitung des genossenschaftlichen Gedankens unter der Arbeiterschaft hat er eifrig gewirkt. NoUreilicbeg, Lcricvtlicbes usw. »Das Gefängnis ist kein Taubenschlag." Genosse Marckwald von der..Königsberger Volkszeitung" verbüßt gegenwärtig in Allenstcin die Gefängnisstrafe, die ihm loegcn des bekannten Schandsäulenartikels von der Königsbcllger Strafkammer auferlegt worden ist. Dieser Tag«- wollte ihm nun ein Freund aus Königsberg einen Besuch abstatten. Er mußte das Gesuch beim Ersten Staatsanwalt persönlich anbringen und dieser forschte ihn aus, was er dem Genossen Marckwaldt zu sagen gedenke. Das Ergebnis des Examens war die Er- tlärung des Herrn Staatsanwalts, das Gefängnis sei kein Tauben- schlag. Er verweigerte dem Freunde die Unterredung mit Marck- Wald. So behandelt man sozialdemokratische Preßsünderl Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Polizeibeamten wurde Genosse P i e r e n k ä in p e r vom„Volksblatt für Bochu.ni" zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Die reichsverbändlerischen Maffenkläger, die Oberhäupter der Ortsgruppe des Reichsverbandes in Straßburg i. E., Rechts- anwalt Zschweigert und Bauinspektor Stegemann haben abermals einen„Triumph" erfahren. Das Schöffengericht in Leipzig verurteilte Genossen Richard B a h r d t von der„L e i p- zig er Volkszeitung" zu 7 5 Mark Geldstrafe, Soziales. Ist die Einreichung einer Klage ein Entlassungsgrund? Es kommt beim Kaufmannsgericht gar nicht so selten bor. daß Chef und Angestellter als streitende Parteien erscheinen, ohne daß dadurch das Dienstverhältnis eine Unterbrechung erfahren hat. Die meisten Prinzipale sind freilich der Ansicht, daß, wenn erst ein Handlungsgehilfe zum Kadi läuft, jede Verbindung ab- gebrochen werden muß. Auch der Transportunternehmer Heinrich H„ der von seinem Reisenden S. bor der zweiten Kammer des Kauf- mannsgerichtS Klage erhob, verfocht diese Auffassung. Wegen eines Spesenbetrages kam es zwischen beiden zu Differenzen. Als der Beklagte den Differenzbetrag nicht gutwillig zahlen wollte, strengte S. die Klage an. Die Antwort des Chefs auf die Klage- Zustellung war die sofortige Entlassung des Reisenden. Die be- klagte Firma führt aus, daß der Kläger kein Anrecht auf Spesen für die Zeit, in welcher ep nicht auf der Tour war. hatte. Sie hielt sich zur sofortigen Entlassung für berechtigt, denn sie könne doch unmöglich zulassen, daß ein Angestellter, der sie verklagt, weiter beschäftigt werde, die Geschästsdisziplin müßte notwendigerweise darunter leiden. Das Kaufmannsgericht entschied, daß die Entlassung eines wichtigen�Grundes ermangelt. Nachdem dem Kläger das"Anrecht auf den Spesenüberschuß abgestritten worden war, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu klagen. Daß dem von der Reise abgehaltenen Reisenden eine Entschädigung für entgangene Reisetage zustehe. sei feststehender Grundsatz der Kaufmannsgerichte. Es sei auch nicht einzusehen, warum das Dienstverhältnis trotz des schwebenden Rechtsstreits nicht sollte ruhig fortgeführt werden können. Petition der Bureauangestellten. Die Zivilprozeßreform, die sich gegenwärtig in der Beratung der Neichstagskommission befindet, wird mit ihrer Einschränkung des Geschäftsbetriebes der Rechtsanwälte und der vorgesehenen Pauschalierung der Schreibgebühren eine Verminderung des Personals der Anwaltskanzleien im Gefolge haben. Da Heute schon der Zustrom zu dem Berufe der Auwaltsangestellen ein sehr großer ist, so wird die Reform für die Angestellten sehr nachteilig sein. Es fordert deshalb der Verband der Bureauangestellteu (Sitz Berlin) in einer an den Reichstag gerichteten Petition die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen der Angestellten. einmal, indem sie endlich den Handlungsgehilfen rechtlich gleich- gestellt werden, zum anderen, indem die durch die Reform stellungs- los werdenden Angestellten in die bei den Behörden neu zu sckstiffenden Stellen übernommen werden. Der Reichstag wird hoffentlich die Wünsche der Angestellten nicht unbeachtet lassen. Bühnenvcrein und Liihncngenossenschaft. Die soziale Verständnislosigkeit des Direktorenvereins(Bühnen- Vereins) kennzeichnet sich in einem soeben von dem Präsidium des deutschen Bühnenvereins zur Versendung gelangten Schreiben, das den Abbruch der Beziehungen des Direktorenvereins mit dem Ver- bände der Schauspieler(Bühnengenossenschast) rechifertigen soll. Dem Präsidium hat die Form, in der der Unwille der Schauspieler gegen die von seiner Vertretung gebilligten Vertragsfesseln endlich zum Ausdruck kam. nicht gefallen— das ist des langen SSreibens kurzer Sinn. In demselben Schreiben wirft dies Präsidium der Delegiertenversammlung der Genossenschaft„Verständnislosigkeit". „parlamentarische Unreife'.„Mangel an parlamentarischem Takt und Anstandsgefühl" vor und erklärt sie für„weder um- gang-Z- noch verhandlungsfähig". Wenn es noch eines Beweises für den absolutistischen Herrenstandpunkt des Bühnenvereins bedurfte, so wird er durch das von ihm versendete Schreiben ge- liefert. Das scheint das Präsidium auch zu fühlen. Denn in der- selben Zuschrift erachtet es das Präsidium für notwendig hervorzu- heben, wie„sozial" die Herren bandeln. Wir geben diesen PasiuL wörtlich wieder. Es heißt da: Es„ist in direkter Betätigung des sozialen Empfindens der Bühnenleiter beschlossen worden: a) Im Interesse der weiblichen Bühnenmitglieder die Lieferung der historischen Kostüme obligatorisch beizubehalten. b) innerhalb des Deutschen Bühnen-Vereins eine unter besonderer Verwaltung stehende UnterstiitzungSkasse zu schaffen, in die alle bisher an die Genossenschaft zu wohltätigen Zwecken abgeführten Beträge stießen werden und deren Bestände nun- mehr zu den gleichen wohllängen Zwecken direkt an die erwerbsunfähigen und bedürftigen Bühnenangehörigen zur Verteilung gelangen sollen; diese Unterstützungen werden mithin künftig dem gesamten deutschen Schauspielerstande zugute kommen." Na. wenn eine„Betätigimg des sozialen Empfindens der Bühnenleiter" ist, die„historischen Kostüme", also das Handwerks- zeug zu liefern, statt den Schauspielerinnen die Lieferung auf ihre Kosten aufzugeben, so nimmt eS wunder, daß nicht noch hervor- gehoben ist: die Bühnenleiter fühjen sich sogar verpflichtet, daS Honorar den Schauspielern zu zahlen, wenn nach Abzug der Straf- gelber noch ein Nest verbleiben sollte. Die Schauspieler dürften nun endlich von ihrer Hannonieduselei kuriert sein. In einer Versammlung der Bühnengenossenschaft, die am Donnerstagabend in dem Mozartsaatt stattfand, sind verständigerweise vorbereitende Schritte zum gewerkschaftlichen Ausbau der deutschen Bühnenangehörigen- organisation unternommen und eine Resolution einstimmig an- genommen worden, in der die Genossenschast den Beschluß des BühnenvereinS auf das energischste zurückweist und in der femer die Genossenschast als die einzig berechtigte Vertretung der Bühnen- angchörigen bezeichnet wird. Die gerechten Forderungen der Schauspieler werden um so eher zun» Siege gelangen, je klarer allen Schauspielern die Einsicht in die Notwendigkeit gewerlschaftlichen Zusammcnhaltens durch Förderung der Bühnengenossenschaft wird._ Unstatthafte Statutenänderungei, einer Krankenkasse. Tie Zugehörigkeit bestimmter Pcrsonenkreisc zur Ortskrankcn- lasse für Handlvcrter in Witten führte zu Differenzen mit der Allgemeinen Ortskrantenkajsc derselben Stadt. Die Folge davon war ein Eingreifen des Regierungspräsidenten zu Arnsberg. Die Orts- krankcnkasse für Handwerker ist eine alte Krankenkasse, die schon vor dem Inkrafttreten» deS Krankenversicherungsgcsetzes vom 15. Juni 1883 bestand und verschiedene Wandlungen durchgemacht bat. TaS Statut wurde mehrere Male mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde geändert. Die dem§ 2 des Statuts im Jahre 1901 gegebene letzte Fassung ging dahin, da st der Kasse angehöreil sollten alle innerhalb des Stadtbezirks Witten in Handwerks- betrieben gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen. Der Regierungspräsident erliest nun an die Ortskrankenkassc für Handwerker bezw. an ihren Vorstand eine Perfügung auf Grund des Z 48a Abs. 1 des Krankcnversichcrungsgesetzes, der be- stimmt:„Ergibt sich, dast einem Kassenstatut nach§ 24 Abs. 1 die Genehmigung hätte versagt werden müssen, so hat die höhere Ver- »valtungsbehörde die erforderliche Abänderung anzuordnen." Der Regierungspräsident ordnete an, dast die Kasse durch Beschlust- fassung ihrer Generalversammlung ihren Mitgliederkrcis be- schränken solle auf„alle in Handwerksbetrieben im Bezirk der Stadt Witten beschäftigten Handwerksgeselle» und Gehilfe»»". Der Mit- gliederkreis der Kasse sei, so führte er auS, früher auf Handwerksgesellen ul»d-Gehilfen beschränkt gewesen und hätte nicht auf„alle >n Handwerksbetrieben gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Per- fönen" ausgedehnt werden dürfen. Diese Ausdehnung sei unzu- lässig und zu Unrecht genehmigt worden. Insofern sich die Kasse feit dem Inkrafttreten des Gesetzes auf der anderen Seite Be- schränkungen auferlegt habe, müsse es dabei bleiben. Die unzu- lässige Ausdehnung müsse aber rückgängig gemacht werden. Die Ortskrankenkassc für Handwerker klagte gegen den Rc- gierungspräsidenten im Verwaltunigsstreitverfahren. Der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts in Berlin gab am 18. dieses Monats der Klage statt und hob die Verfügung des Regierungsprädenten auf. Zur Begründung wurde ausgeführt: Es handele sich hier um eine alte Krankenkasse, deren ursprüngliches Statut von 1881 bei Einführung des Krankcnversicherungsgesetzes lautete, daß der Kasse zugchörten:„Alle im Stadtbezirk Witten beschäftigten Handwerksgesellen und Gehilfen sowie solche Personen, welche bei einem Meister Gesellen- oder Gehilfenarbeit verrichten, auch wenn sie nicht un Stadtbezirk wohnen." Die Kasse hätte die Bestimmung durch neue Bestimmungen iricht aufheben dürfen. Die Kasse fei nicht berechtigt gewesen, durch Statutenänderung diesen Pcrsonenkreis zu ändern, und zwar weder einschränkend, noch aus- dehnend. Und wenn der Bezirksausschust die späteren Abändc- rungen genehmigte, so sei dies rechtswidrig geschehen. Die könnten nicht als zu Recht bestehend anerkannt werden. Darum»vürde eine Verfügung des Regierungspräsidenten rechtsgültig gewesen sein, wenn sie die Wiederherstellung jener zitierten Fassung des Statuts von 1881 angeordnet haben würde. Indem sie den Mitgliederkreis auf„alle in Handwerksbetrieben im Bezirk der Stadt Witten be- fchäftigten Handwerksgesellen und-Gehilfe»»" beschränken wollte. habe sie das aber nicht getan. Deshalb»nüsse die Verfügung des Regierungspräsidenten aufgehoben werde»».— Eö sei nun seine Sache, ob er die Wiederherstellung jenes allen Wortlautes ver- fügen wolle. Tue er es, dann wäre gegen eine solche Verfügung nichts einzuwenden. �,.,. �.... Das Ob-röcrwaltungsgericht hat be» seiner Entscheidung die Grundsätze beobachtet, die es stets als zu Recht bestehend erachtet i?at und die auch wir in dem bekannten Streit der Neuen Maschinen- lxiuer-Krankenkasse wegen Ausscheidens der A. E.-G. und der ver- einigten.Sicmcnswerke vertreten haben. Zurzeit schwebt ein Ver- waltuvg-streitvcrfahren der Neuen Maschinenbauer-toinkenkasse gegen den Magistrat, weil dieser entgegen dem Gesetz auf Voran- lassung des Oberprästdenten angeordnet hat. den gesetz- und statiltenwidrig aus der Kasse ausgeschiedenen vereinigten Siemens- »verkcn 425 000 M. gewissermasten als Prämie für Vertragsbruch zu, zahlen._ Eue Indisftnc und Handel. Das Kapital im Bersicherungsgewerbe. Unter den kapitalistischen Unteniehmunge»» die grostartigsten sind die diversen Assekuranzgesellschasten. über welche das Aussichts- nrnt vor einiger Zeit eine zusammenfassende Darstellimg für das Jahrfünft 1902—6 gegeben hat. Der Fortschritt in diesem Zeit- ra»m». der mit der industriellen Hochkonjunktur zusammestfällt, dokumentiert sich vor allem in der Tatsache, dast Ende 1902 über «3,6 Milliarde» und Ende 1906 über 112,6 Milliarden Ver- sicherungen in Kraft waren, wovon rund ein Drittel rückversichert erscheine»». Von den 283 Unternehmungen deS Jahres 1906 bestanden 60 für Lebens-, 30.für Unfall-, 23 für Haftpflicht-, 15 für Hagel- und SO für Feuerversicherung. Bei der sogenannten großen Lebens- Versicherung auf den Todesfall betrug daS versicherte Kapital zu Ende 1906 8622 Millionen, bei der einfachen Versicherung auf den Lebcnsfall 839 Millionen Mark. Die Prämien und sonstigen Leistungen der Versicherten machten im Jahre 1906 die stattliche Summe von 729,153837 M.. die Schadenzahlungen 425,007045 M„ die Verwaltnngskosten 152 Millionen Mark auS. Nicht weniger als 20 Proz. der von den Versicherten geleisteten Beiträge gingen also für Berwaltungszwecke draufl Dieses ungünstige Verhältnis wirft einen dunklen Schatten auf die von der liebedienerischen Bourgeoispresse so gepriesene Glanzseite des Versicherungswesens. Der kostspielige VerwaltungSapparat und der Aktiengewinn verteuern das Versicherungswesen in enormer Weise, so dast eS heute eines der ergiebigsten AuSbeutungS- o b j e k t e genannt werden kann. Wohl ist das Gebiet der privaten Assekuranz im lausenden Jahre durch die Tätigkeit von Staat und Ländern eingeengt worden; allein diese Tätigkeit beschränkte sich vorzugsweise auf die Versicherung gegen FeucrSgefahr. Bei den öffentlichen FcuerversichcrungSa,»stalten »varen Ende 1906 63 480 Millionen Mar! Kapital versichert, 1907 66 449 Millionen Mark. Die Beiträge bei diesen öffent- lichen Einrichtungen(31 sogenannte Sozietäten und 22 andere meist staatliche Anstalten) beliefen sich im Jahre ISO? auf 81930S67 M. oder 1,26 Promille, die bezahlten Schäden auf 58 043 210 M. oder 70,8 Proz. der Beiträge, die Berwaltungskosten auf 10 269 256 Mark ----12,5 Proz. der Prämien. Obzwar eS sich da um keine einfachere Art der Versicherung handelt, ist die Verwaltung der öffentlichen Institute schon wesentlich billiger als die der privaten Unternehmungen. Bei diesen sind eZ die hohen Kosten der Akguisition, bei den crsteren die durch die Schlvierigkeitcn der Schadenfeststellung verursachten Kosten, welche besonders ins Gewicht fallen. Neben den deutschen gibt es auch eine Anzahl ausländischer Unternehmungen, über deren Geschäftsergebnisse jedoch keine An- gaben vorliegen. Das ist um so bedauerlicher, als auch die deutschen Ünternehmungen vielfach im Auslände dem Geschäfte nachgehen und die Jnternationalität des Assekuranzkapilals eine allgemein bekannte Erschemung ist. Der Grund hierfür ist in de» großen Gewinnen zu suchen, die daS Assekuranzgeschäft abwirft. Nach einer Zusammen- stellung vom Jahre 1965 setzten sich die Passiven der deutschen Ver- sichenmgSgesellschaften wie folgt zusammen: Mark Gründungskapital............. 673 410088 EingezahllsL Aktienkapital.......... 134 043 475 VermögenSreserven............ 452 986 289 Gelvinnvortrag.............. 3 145 140 Gewinnreierven der Versicherten....... 283 042 508 Ueberschüsse an die Aktionäre......... 25 098 949 ,,„„ Versicherten........ 111189 753 Prämienreserven für Lebeilsversichernngen usw... 3 227 856 094 „„ Feuerversicherungen usw.... 189 741 105 Schadenreserven............. 135 640 758 Diverse Passiven»..'.......... 07 699 874 Das sind die Angaben, wie sie die Versichernngsgesellschasten selbst liefern, deren Buchhaltung und Rechnungslegung nach eigenen Regeln erfolgt und deren Bilanzieruiigslünste die Hohe der einzelnen Posten durch ihre Teilung und Benennung zu verdecken die Tendenz haben. Immerhin vermitteln die Angaben mancherlei Einblicke. Wir ersehen daraus, dast die eingezahlten Aktien nicht einmal ein Viertel des Gründungsfonds ausmachen, und dast die Aktionäre allein an Ueberschnssen über 25 Millionen erhielten, indes die Versicherten nur III 189.753 M. bekamen. Am ertragreichsten ist daS Geschäft in der Feuer-, Lebens- und Transport- Versicherung. Der Gesamtbcsiand an regulären Kapitalsversicherinigen betrug zu Eirde 1907 10134,9 Millionen Mark gegen 9583,2 Millionen Mark im Jahre 1906. Die sogei». Volksversicherung wies am Jahresschlust 1907 einen Bestand von 1057,7 Millionen Mark auf— ein schlagender Beweis für die Unzulänglichkeit der Arbeiter- Versicherung, deren freiwillige Ergänzung sie bildet. So grost die Fortschritte des privaten Versicherungswesens auch sind, gegenüber dem ungeheueren Werte der Güter, die noch unver- sichert bleiben, erscheinen sie keineswegs imposant. Dast hier der Staat dem Privatkapital den Vortritt lästt, bedeutet eine Ver- schwendung von Mitteln, die mit dem Zwecke der Versicherung in einem überaus starken Widerspruche steht. Berliner Handelsgesellschaft. Der Abschlust ergibt einschließlich deS aus dem Borjahre übernommenen Vortrages von 677 758,20 M. einen Rohgewinn von 14 704 315.75 M. Der VerlvaltungSrat hat die Dividende für das am 31. Dezember 1908 gewinnberechtigte Kon»mandiikapital von 100 000 600 M. auf 0 Proz. festgesetzt. Der nach Abzug der satzungs- und venragsmästigen Tantiemen verbleibende Siestbetrag von 871 226,36 M. soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Bon» amerikanischen Eisen- und Mctallinarkt. Der„Jronmonger" bezeichnet die Lage als völlig demoralisiert. Die Austemverke unter- bieten den Tnist, und sichern sich durch Gewährung der Baisseilausel die an den Markt kommenden»niliimnleii Anforderungen. Weiter »vird aus New Dork berichtet: Ein Gerücht in Wall Street be- hauptet, der Trust habe nunmehr heimlich auf vorhandene 5 Millionen Tomren unausgeführte Aufträge den Konsumenten 6 Dollar Rabatt gewährt.— Die amerikanischen Kupfervorräte werden auf 80006 Sonnen angegeben, der Konsum auf 15000 Tonnen. Andererseits wird behauptet, daß die Baissespekulation mit gefälschten PreiSnotizen arbeite._ Gerichts-Zeitung» Eine Strasseiibahn-Haftpflichtfrage bei eigenem Berschulden eiiles Schulknaben durch Abspringen. In der Rotenbaumchaussce zu Hamburg kam am 14. Juni 1907 der damals 12 Jahre alte H. zu Fall, als er aus einem noch in Fahrt befindlichen Wagen der Hamburger Strastenbahn aus- stieg. Er wurde überfahren und derart verletzt, dast ihm ein Beip amputiert iverden mußte. Vertreten durch seinen Vater erhob H- gegen die Strajicneiscnliahrrgescllschaft in Hamburg Ersatz- anspreche auf Grund des Haftpflichtgesetzes mit der Behauptuirg, dast auch ein Verschulden der Bahnangestellten bei dem Unfälle mwgeivirkt habe. Das Landgericht Hamburg»vicS den Kläger ab. Auf die Be- rufung des Klägers erkannte das Obcrlandcsgericht zu Hamburg seine Schadensersatzansprüche dem Grunde»»ach zur Hälfte als berechtigt an. Im selben Sinne entschied auf die Revision der beklagten Strasteneiseirbahnacsellschaft in Hamburg der VI. Zivilsenat des Reichsgerichts, indem er in seinen Entscheidungsgrllnden etwa folgendes darlegt: „Daß der Kläger„bei dem Betriebe der Eisenbahn" körperlich verletzt worden ist, bedarf keiner weiteren Ausführung ul»d ist auch von der Beklagten bisher nicht bestritten worden. Was aber die Anwendung des 8 254 B. G.-B. anbelangt, so ist eS keinesfalls rcchtSirrig, wem» das Berufungsgericht den Unfall nicht allein auf das eigene Verschulden des Verunglückten, sondern zum gleichen Anteil auch auf die Gefährlichkeit des Straßenbahnbetriebcs als Ursache zurückführt. Die Fahrlässigkeit deS Kläger-, die in dem Abspringen voi» einem ,»och in Bewegung befindlichen Straßen- bahimxzgeu allerdings zu finden ist, kann unter den obwaltenden Umständen nicht als besonders schwerwiegend beurteilt werden. Zunächst kommt das jugendliche Alter des Verunglückten in Be- tracht, und es ist wenigstens hinsichtlich des Grades seines Ver- schuldens dem Berufungsgerichte darin beizustimmen, daß man, was Vorsicht und Umsicht deS Verhallens angeht, an ein Kind auch vom Rechtsstandpuilkte aus nicht die gleichen Anforderungen stellen dürfe, lvie an einen Edvachsmei».» Die Revision wendet ein, daß gegen einen derartigen Leichtsinn der jugendlichen Fahrgäste die Beklagte sich aus keine Weise schütze»» könne. Das würde jedoch,»venu es richtig ist, die Haftung der Straßenbahn für einen Unfall dieser Art nicht inimer vollständig ausschliehen. Es entspricht dem Gr»mdsatze deS 8 254 B. G.-B. und ist auch nicht unbillig, daß die Straßenbahn bei der von ihr — durch Abonnemcntsverträgc mit den Eltern— übernommenen Beförderung von Schulkindern bis zu einem gewissen Maße die besoirderen Gefahren mittrage, die aus den» Naturell, der Un- ersahrcnheit und Unbesonnenheit des Kindes sich ergeben. Freilich iverden die Schaffner der Beklagten, die wach den Abonnements- bedingungen angewiesen-find, für sichere Beförderung der Schul- linder zu sorgen, nicht imstande sein, jedes Kind stets beim Ein- und Aussteigen im Auge zu behalten; und die Beklagte darf damit rechnen, daß den Kindern, wie in jenen Bedingungen verlmifst ist, seitens der Eltern das Auf- und Absprrngen während der Fahrt verboten wird. Aber eine sichere Gewähr gegen jene Gefahren ist damit nicht gegeben, und das ist zu einem Teile auf Rechnung der dem Strastenbahnverkehr eigenen Betriebsgefahr zu setzen. Im vorliegenden Falle ist nun weiterhin hauptsächlich der Umstaird zugunsten des Verletzten zu berücksichtigen, daß er nicht etwa während der vollen Fahrt, sondern erst in dem Zeitpunkt ab- gesprungen ist, als bereits das Haltesignal gegeben war und das Halten des Wagens unmittelbar bevorstand. In diesem letzten Moment der Gefahr und bevor'der Wagen völlig stillhält, wird erfahrungsgemäß sehr häufig von den Fahrgästen der Abstieg aus- geführt, ohne daß von den Schaffnern hiergegen eingeschritten würde. Wenn zwar auch in diesem Falle eine Uebertrctung des Verbots und je nach den Umständen eine größere oder geringere Unvorsichtigkeit seitens des Fahrgastes vorliegen mag, so ist es immerhin wohl erklärlich, dast ei» Schulknabe, der bei seinen täg- lichen Strastenbahnfahrten jenen Vorgang vielfach vor Augen hat, dem Beispiele der Erwachsenen folgt. Es wäre ihm nicht so schwer zu verübeln, wenn er glaubt, das Verbot nicht so wörtlich nehmen zu dürfen, dast er auch bei der Ankunft an der Haltestelle unbedingt den Stillstand des Wagens abzuwarten habe." Ein ungetreuer Pfarrherr. Der katholische Geistliche Nagel hatte sich dieser Tage vor dem Landgericht Bayreuth wegen Unterschlagung und Betrugs zu ver- antworten. Nagel, der jetzt als freicesignierter Pfarrer ui München i lebt, war seit 1900 in verschiedenen Orlen des Fränkischen Jura als Kaplan und Benefiziat tätig, bis er 1904 als Pfarrer nach Freienfels kam, wo er eine Reihe vo>» Kirchen- und Stiftungskassen �u verwalten hatte. In dieser Eigenschaft ließ er sich allerlei Unter- ichlagungei» und Betrügereien zuschulden kommen, indem er die Be- träge für ausgeloste Pfandbriefe, zurückbezaWc Hypotheken usw. für sich behielt. Außerdem pumpte er eine ganze Anzahl seiner Pfarr- linder unter schwindelhastcn Vorspiegelungen an. Auch Arbeiter- groschcn verschmähte er»»icht; sc hatte er gehört, daß ein Arbeiter sich 150 M. erspart und das Geld zu Hause liegen hatte. In Ab- Wesenheit des Mannes begab sich der Pfarrer zu der Frau und liest nicht eher locker, als bis sie ihm 100 M. geliehen hatte. Das Gericht erkannte auf drei Monate acht Tage Gefängnis. Einen neuartigen Schwinblcrtrick hatte der Handlungsgehilfe Adolf Kunze in Anwendung gcbrachi, der sich»vegen vollendeten Betruges in 21 Fällen und wegen versuchten Betruges in 28 Fällen vor der 2. Strafkammer des Laird- gerichts III zu verantworten hatte. Das Dienstmädchen K., welches bei einer Herrschaft am Kur- fürstendamm in Stellung ist, hatte eines Sonntags ihre goldene Uhr mit Kette verloren. In der Hoffnung, daß es auch noch ehrliche Finder jjebe, erließ sie in einer hiesigen Zeitung eine Verlust- anzeige,»n der sie dem Finder eine gute Belohnung zusicherte. Sie war auch höchst erfreut, als eines Tages der Angeklagte bei ihr erschien und ihr mitteilte, daß er zufällig erfahren habe, wer die verlorene Uhr gefunden habe. Er versprach, die Uhr sofort wieder- zubcschaffen, wenn ihm das Fahrgeld ausgehändigt würde. Die K. händigte dem Angeklagten in ihrer Freude auch 1 M. aus, mit welcher jener, unter dem Versprechen, in einer Stunde wieder zurück zu sein, auf Nimmerwiedersehen verschwand. Die»un doppelt Geschädigte traf den Schwindler bald darauf auf der Straße und ließ ihn durch einen Schutzmann festnehmen. Es ergab sich nunmehr, daß der Angeklagte schon seit längerer Zeit mit diesem Schwindcltrick arbeitete und sich damit ein ganz gutes Einkommen verschaffte. Zu den Geschädigten gehörte auch ein Rechtsanwalt L., der ebenfalls aus den Leim gegangen war und dem Schwindler 2 M. geopfert hatte. Auf die Bekanntmachung der Kriminalpolizei liefen die Anzeigen gegen Kunze zu Dutzenden ein. Vor Geruht war der Angeklagte geständig. Der Staatsanivalt beantragte eine Zuchthausstrafe von 1% Jahren, das Gericht billigte ihm aber mit Rücksicht auf sein Geständnis noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte auf die auch recht hohe Stvafe von 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis»ind 2 Jahren Ehrverlust._ Verurteilung eines Holzindustriellen. Der Sägetverksbcsihrr Wiest in Kempten hat schon wiederholt Arbeiter»nihhandelt, ohne daß ihm ein Haar gekrümmt»vorden wäre. Nun hat der brutale Mensch einen Angehörigen der be- sitzenden Klasse, einen Bankdirektor, gcohrfcigt. Da schritt die Justiz sofort ein. Das Schöffengericht erkannte auf 14 Tage Ge- fängnis. Die Berufungsinstanz ging noch höher und sprach drei Monate Gefängnis aus. Versammlungen. Protest gegen die Plakatsteuer. Eure sehr stark besuchte Versammlung von Lithographen, Steindruckern und anderen für die Reklame arbeiteirden Getverben wurde an» Donnerstag im großen Saale des Grand Hotel Alexanderplatz abgehalten. Ihr Zweck war, Protest einzulegen gegen die von der Reichsregierung geplante Einführung einer Plakatsteuer. Der erste Referent, Schriftsteller Hilarius, sprach über das moderne Künstlerplakat und seine Bedeutung für das öffent- liche Leben. Er vertrat die Ansicht, in dem künstlerischen Plakat sei ein neuer Kunstzweig entstanden, eine Kunst für die Straße, eine Kunst zur Freude für viele, denen andere Kunstwerke nicht zu- gänglich seien. Die Plakatsteuer würde diesen Kunstzweig ein- schränken, die Kunst der Straße, die Kunst des Volkes würde da- durch stranguliert»verden. Der zweite Referent, Si klier, Vorsitzender des Verbandes der Lithographen, Steindrucker usw., beleuchtete die Wirkungen, welche die Plakatsteuer auf die mit der Herstellung von Plakaten beschäftigten Arbeitszweige haben würde. Er sagte unter anderem: Tie Einführuirg der Plakatsteuer»vürde eine Verminderung der Herstellung von Plakaten, namentlich der durch Lithographie und Steindruck hergestellten, zur Folge haben. Eine ungeheure Ver- mehrung der Arbeitslosigkeit würde die weitere Folge sein. Diese Steuer würde den Ruin eines ga»»zen Gewerbes mit sich bringen. Nicht nur das Steindruck-, sondern auch das Buchdruckgewerbe würde unter der Steuer zu leiden haben. Das Buchdruckgelrerbe habe dieser Sache bis jetzt noch nicht die notwendige Beachtung ge» schenkt. Die Plakatsteuer würde mindestens 2000 Lithographen und Steindrucker, sonne wenigstens 10000 Arbeiter aus dem Hilf»- persoi»al arbeitslos machen. Jetzt, wo alle Berufe überfüllt sind, wo überall große Arbeitslosigkeit herrscht, würden die Arbeitslosen in keinem anderen Beruf Unterkunft finden. Uebrigens werde das Steindruckgcwerbe nicht»»ur durch die Plakatsteuer, sondern auch durch die Tabaksteuer bedroht. Die Wirkung der geplanten Tabak- steueverhöhung mache sich für Steindrucker schon jetzt bemerkbar. Die Ausstattung der Verpackungen für Zigarren und Zigaretten würde erheblich einfacher hergestellt als bisher. Daraus folge Arbeiislosigkeit für viele Angehörige des Berufs. Schon jetzt leide der Beruf der Lithographen und Steindrucker so stark unter der Arbeitslosigkeit, daß der Verband allein im letzten Vierteljahr 70 000 M. Arbeitslosenunlerstützuirg gezahlt habe. Die Berhättnisse wüvdcn sich noch viel ungünstiger gestalten, wenn die Plakatsteuer eingeführt würde. Der Redner zeigte eine Anzahl von Plakaren vor, für welche der Stückpreis und die auf das einzelne Plakat nach den Vorschlägen der Regierung entfallende Steuer berechnet ist. Bei all diesen Beispielen beträgt die Steuer das doppelte, ja in manchen Fällen das dreifache des Preises. Die durch Buchdruck hergestellten Plakate tragen sogar das zehnfache ihres Wertes, an Steuer. Das kommt daher, daß die Herstellungskosten geringer sind als die der Stcindruckplakate. die Steuer aber nach dem Flächeninhalt des Plakate» bemessen wird.— Ter Redner schloß mit der Aufforderung zum Protest gegen die Plakatsteuer. In der Diskussidii zeigte Härder, Vorstandsmitglied deS Buchbindervcrbandcs, daß auch die Buchbinder an der Herstellung gewisser Plakatarten beteiligt sind ui»d deshalb auch dies Gewerbe durch die Steuer getroffe»» werde. 7000— 8000 Buchbinder würden arbeitslos werden, wenn die Plakatsteuer eingesührt würde. Die nachstehende gtesolutton wurde einstimmig angenommen: Tie Versammlung, tvelche von Lithographen und Stei»»- bruckcrn, sowie von Interessenten des Reklamewcsens zahlreich besucht ist. erhebt den schärfsten Protest gegen das von der Reichs- regierung geplante Anzeigcnsteuergesetz, insbesondere gegen die Plakatsteuer.— Dieses Gesetz wird nach eingehender Prüfung zu einer ungeheuren. Einschränkung der Neklame führen, und damit Unternehmer. Künstler und Arbeiterschaft gleich schwer treffen und in vielen Fällen den Ruin für die Beteiligten be- deuten. Da»nm aber die Arbeitsgelegenheit in diesen Berufen selbst nach Auslveis der amtlichen Statistik sehr.zurückgegangen und heute»wch im Fallen begriffen ist. dürfte eine weitere Beein- trächtlgung durch diese Steuer für das lithographisch- Gewerbe verhängnisvoll werde».— Ferner würde auch damit oer erhoffte Netrag der Steuer niemals in die Reichskaffe fließen, sondern durch die verloren gehende Gewerbe- und EinkMliincnsteuer direkt nachteilig aus die Reichsfinairzen wirken. � Die Versammlung erwartet deshalb vom Reichstag! oie Ab- lchnung dieser dgs Gewerbe schwer schädigenden Gesetzesbonage, Di« Loh«- und ArbeitsverhSltiiiffe bei der Firma Steffens u. Nolle. Am Montag fand bei Felsch in Rixdorf eine zahlreich besuchte Betriebsversammlung der Arbeiter und Handwerker aller Branchen von der Eisenkoiistruktionswerkstätte Steffens u. N ö l I e statt, um die dort herrschenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu be- sprechen. Es war. wie der Referent S i e r i n g, Vorsitzender der Filiale des SchnnedeverbandeS, ausführte, nicht daS erste Mal, daß eine Versammlung sich mit den Zuständen bei jener Firma befaßte. Man war schon mehrere Male zu diesem Zweck zusammengekommen. aber alle Beschwerden und Wünsche waren bisher vergeblich ge- wesen. Einige der Arbeiter hatten nun gemeint, man solle den Finneninhaber Kommerzienrat Steffens zur Versammlung ein- laden, weil er vielleicht gar nicht wisse, wie schlecht es in seinem Betriebe bestellt sei; die Einberufer hatten jedoch davon Abstand genommen, weil sie annahmen, daß er doch nicht erscheinen werde, dann aber auch in der Befürchtung, daß, wenn er wirklich an- wesend wäre, dies vielleicht zur Entlassung solcher Arbeiter führen könnte, die in der Versammlung offen ihre Meinung sagten. Der Redner hatte ein sehr umfangreiches Material über die Zu- stände in dem Betriebe zur Verfügung. Es herrscht dort das Kolonnensystem. In den Koloimenfiihrern erblicken aber die Arbeiter nicht, wie es eigentlich sein sollte, Mitarbeiter. Mit wenigen Aus- nahmen gelten sie ihnen vielmehr als Leute, die es als ihre einzige Pflicht ansehen, dafür zu sorgen, daß andere recht viel arbeiten. Man weiß, daß die Löhne in den Eisenkonstruktionswerkstätten im allgemeinen sehr niedrig sind, aber so schlecht wie bei Steffens u. N ö I l e in Tempelhof sind sie bei anderen Firmen doch nicht. Allgemein gilt es als selbstverständlich, daß die Arbeiter einer Kolonne Einsicht in die Akkordzettel nehmen, damit sie von vornherein wissen, was für die Arbeit bezahlt wird; bei jener Firma ist das nicht üblich. Gelernte Arbeiter werden mit 42, 40 Pf. und noch geringeren Stundenlöhnen eingestellt, wozu dann der Akkordüberschuß kommt, von dem man nicht weiß, wie er berechnet wird und welcher Akkordpreis eigentlich bei den einzelnen Stücken maßgebend ist. Ein Familienvater erhielt neulich als ganzen Akkordüberschußanteil für 60 Stunden Arbeit 89 Pf., die letzte Woche sogar nur 82 Pf. Die Kolonnen- führer erhalten 70 bis 90 Pf. Stundenlohn. wozu noch Akkord- Überschüsse, man weiß nicht in welcher Höhe, kommen. Sie stehen sich jedenfalls nicht schlecht dabei. Was die Antreiberei anbetrifft, so sollen Günstlinge und Verwandte einzelner Kolonnensührer oder Meister davon verschont bleiben, so daß jene Leute, ohne viel zu arbeiten ihr Geld verdienen, wenn ihre Kollegen sich übermäßig abplagen müssen. Auch will mau beobachtet haben, daß Arbeiter, die dafür sorgen, daß einige Kolonnenführer nicht Durst leiden, bevorzugt werden. Außerdem wurden� noch verschiedene andere schwere Mißstände ge- schildert. In der Schmiede ist außerordentlich viel Rauch. eS fehlt an jeglicher zweckmäßigen Ventilationseinrichtung. Außerdem herrscht im Betriebe solche Unordnung, daß nicht einmal für Freihaltung der Gänge gesorgt wird und man jederzeit über herumliegende Eisenteile stürzen kann. Die Arbeiter selbst haben bei der unaufhörlichen Antreiberei nicht Zeit, für die nötige Ordnung zu sorgen. Große Eisenbleche und Lamellen werden mit gewöhnlichen Haken angepackt, es fehlt an den be- sonderen Klammern, wie sie laut Vorschrift der Berufsgenossenschaft vorhanden sein sollten. Ferner wird berichtet, daß neulich einer der großen Kräne revidiert wurde, daß der Monteur dabei aus dem Seil des Kraus einige Drähte herausholte, das Seil also defekt war, daß aber gleichwohl nach wie vor mit dem Seil weiter- gearbeitet wird. Durch alle diese Dinge wird die Unfallgefahr, die ja so wie so in Eisenkonstruktionsbetrieben schon außerordentlich groß ist, noch erhöht.— Kranksein ist in jeneni Betriebe eine be- sonders gefährliche Sache und führt in der Regel zur Entlassung. Es besteht dort nämlich eine Betriebs- k r a n k e n k a s s e, und als sie eingerichtet wurde, soll der Kreis- krankenkasseninspektor von Britz gesagt haben, es wäre wohl besser, wenn die Firma gleich auch ein eigenes Krankenhaus bauen würde, weil gar zu viele Erkrankungen in dem Betriebe vorkommen. Es wären auch in einem Vierteljahre nicht weniger als acht Todesfälle vorgekommen. Es scheint überhaupt in der Betriebskrankenkasse recht sonderbar zuzugehen. Von einem Arbeiter, der Ende November vorigen Jahres verunglückte, wird berichtet, wie er nach langem Krankenlager versuchsweise wieder arbeiten wollte, es aber unmöglich aushalten konnte, dann wieder zuin Arzt gehen mußte. Der Mann, der durchaus noch nicht wieder arbeiten konnte, wurde wie üblich entlasten.— Der Redner hob natürlich mit aller Deutlichkeit hervor, daß gegenüber allen diesen krassen Mißständen das einzige Mittel zur Abhilfe fester Zusammenschluß in der freien Arbeiterorganisation ist, und dies wurde denn auch in der Diskussion wie von dem Ver- treter des MetallarbeiterverbandeS, Fritz Karl, der die Versammlung leitete, besonders hervorgehoben. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 28. Februar, vormittags 9 Uhr, in der Halle Pappel« Allee 1b— 17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr in der Schule Kleine Frankfurter Str. ö: Vortrag von Herrn Adolf Stern-KarlSruhe üver: Der Kampf um«wen nette» Lebeni inhalt. Damen und Herren sind als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29 Hamburg.) Filiale Berlin 6. Sonntag, 28. Februar, vormittags 10 Uhr, bei Kramer, Husiitenstr. 40.— Filiale Berlin?. Sonntag vornnttag 10 Uhr bei Hofsmann, Pasewalkcr Str. l!.— Abteilung Rixdorf. Sonntag vor mittag 10 Uhr bei Thiel, Bergstr. 151.— Filiale B a u m s ch u I e n w e g. Heute abend 8l/2 Uhr bei Kliding, Baumschulen- ftraße 07.________ ßmfhaften der Redaktion. Tie iurlfttsche Sdrcihstiind« klnvet LivVeuftratze Nr. 8, zweit» Hos, dritter Eingang, vier Treppen, tStST Fahrstuhl-H» wocheniägltch abend? von 7ll, bio O'l, live statt. Geöffnet 7 Ulir SonuadendS deginnt die Svrechffnndc um K Uhr. Jeder'Antrag» ist ein Vuchffabe nnd eine Kahl als Merkzeitlicn beizufügen. Arieiliche slniwort wird nicht erteilt. Bis zur Bcautwortniig im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen«rage man in der Sprech stunde vor. K. 2V. Bis zum vollendeten 27. Jahre ist in Ihrem Falle eine Ein- stellung möglich. Dieselbe wird aber nicht ersolgen, wenn die Unterstützung weiter ersolgt. Die polizeiliche Recherche hat den Zweck, sestzustellen, ob dies der Fall ist.— M. M. 354. Verjährung liegt nicht vor.— E. K. 9. Gegen die Veranlagung zur Kirchensteuer wäre es zweckmäßig, ausdrücklich zu reklamieren, falls nicht Jvr Einschreibebries eine Rellaination enthielt. Weitere Schritte sind nicht erforderlich.— D. K. Ein Schaden- ersatz- Prozeß hätte leider wenig Aussicht auf Erfolg.— Richard W. 50. Ja, sofern dadurch nicht ruhestörender Lärm verübt oder gegen den cvent. Inhalt des Mietsoertrages verstoßen wird. — Ella 10. Da die von Ihnen behauptete Beleidigung schwer zu be- weisen ist, ist es das geratendste, die Klage zu unterlassen.— Münster. Bloch. Sic tonnten mit Aussicht ans Erfolg auf Aushebung des Lehr- Vertrages wegen Verletzung der dem Lehrberrn obliegenden Pflichten klagen. — R. L. 30. 1. Ja; die mit der Anstalt zu treffende Vereinbarung ist entscheidend. 2. Wenden Sie sich unter Angabe Ihres Berufes mit der Ansrage an Genossen Simanowski, Engcluser 15.— S. E. 40. Wenn Invalidität im Sinne des Jnvalidenoersicherungsgesetzes vorliegt, könnte Ihre Mutter einen Anspruch aus Invalidenrente erheben. Für die Alters- rente reiche» die geklebten Marken nicht aus. Wer in der Zeit vom 1. Januar bis 27. März 1839 geboren ist, müßte mindestens 720, lver in derselben Zeit des Jahres 1840 geboren ist, mindestens 700 Marlen aus- weisen können, um Alterslinte zu erlangen.— M. M. 1000. Nein. — W. T. 100. Nein.— M. H. 0. Wenn Sie zur Zeit des Kauscs volljährig waren, so sind«ie zur Zahlung verpflichtet. Für den Fall einer Verurteilung würde die Firma auch die Zwangsvollstreckung gegen Ihr Vermögen vornehmen können. Ihr ZWann ist nicht verpflichtet, Ihre Schulden zu bezahlen, da er nicht unterschrieben hat. Er muß nur ge- statten, daß die Zwangsvollstreckung gegen Ihr Vermögen vorgenommen wird. LukriieM Seife verbindet mit abjoluter Unschädlichkeit und Schonung des Materials enorme Reinigungskraft. 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Die Einzel- hciten über seine Rettung hat Giustiniani in einem Briefe wieder- gegeben, der wohl eine der interessantesten Schilderungen darstellt, die über Episoden des Rettungswerkes aus Messina vorliegen: „Während ich am Abend des 29. Dezember in Via Roma mit russischen Matrosen an der Ausgrabung eines alten Pro- fessors arbeitete, wurde ich von zwei Seeleuten meines Schiffes gerufen, die in den Trümmern eines etwa 100 Meter entfernten Palastes ein kleines Kind gesehen hatten in einer Lage, daß sie es nickst wagten, das Rettungswerk zu beginnen. Ich eilte hin, über die hohen Häusertrümmer hinweg, die die Via Garibaldi bc- deckten. Der dreistöckige Palast war in sich zusammengestürzt und bildete einen großen Kegel, auf dessen Höhepunkt ein riesiges Stück noch mit Tapeten bedeckter Mauer lag, das wohl 20 und mehr Zentner wiegen mochte und nur an einer Seite von einem Balken gestützt war, der alt und wurmstichig schien. Unter dieser großen Mauer sah man undeutlich ein halbes Kindergesichtchen, ganz mit Kalk bestäubt, von dem man sich nicht vorstellen konnte, durch welches Wunder es nicht zellwetscht worden war. Und die rechte Hand lag wie in einer Greiszange eingesperrt zwischen der Mauer und dem Balken. Das Rettungswerk bot also alle nur denkbaren Gefahren für das kleine Opfer. Ich besichtigte alles gründlich, lasse das Mauerwerk so gut wie möglich stützen, und nachdem ich mich gegen böse Ueberraschungen einigermaßen gesichert habe, fange ich die Arbeit an. Den Schutt, den ich entfernte, ließ ich weit wegtragen und empfahl meinen Matrosen, auf die kleinste Bewegung des Bodens zu achten. So gelang es mir. Hals und Nacken des Kindes freizulegen und auch das linke Aermchen, das zum Glück unverletzt war. Das Kind lag ganz wagerecht und hatte über der rechten Schläfe und auf der linken Seite des Hinterkopfes zwei große Nägel, die auf das Köpfchen drückten. Nun wollte ich sehen, ob der übrige Körper festgeklemmt wäre, und so faßte ich das Kind sanft an Nacken und Kinn und zog ganz leise. Es bewegte sich, näherte sich mir einige Zentimeter, aber das Händchen sah fest zwischen Balken und Mauer. Das war der schwerste Teil der Arbeit; man mußte die Mauer so weit bewegen, daß man das eingeklemmte Händchen herausziehen konnte.. Ich hatte Umschau gehalten und Reste eines Eisenbettes entdeckt, von denen ich eine Stange nahm. Dann sagte ich meinen beiden Leuten, daß jetzt der entscheidende Augenblick gekommen, und während sie sich mit wahrer Löwen- kraft gegen die Mauer stepmien, damit sie nicht herabfiele, kroch ich unter die Mauer, steckte die Eisenstange zwischen Mauer und Balken, und indem ich mit der einen Hand die Stange als Hebel benutzte, zog ich mit der anderen das Aermchen heraus, so langsam und allmählich ich nur konnte. Da war mm noch ein Chaos von Brettern, Rohr, Mauersteinen, die da? Befreien des Körperchens verhinderten, aber langsam konnten wir den ganzen Rumpf freilegen; so faßte ich den Kleinen unter den Achseln und zog ganz leise, bis ich den kleinen Körper starr und kalt, aber lebendig in meinen Armen hatte. Der Kleine tat einen leichten Seufzer, und wir drei fingen vor Freude an zu weinen; er trug eine gehäkelte Jacke, ein Hemdchen, auf dem der Name„Mimi" eingestickt war. und ein rosa Bändchen um den Hals, mit einer Aluminiummedaille mit dem heiligen Herzen auf der einen und Leo X. auf der anderen Seite. Weiter nein Kennzeichen. Es regnete noch immer, und mein Regenmantel, den ich abgezogen hatte, war ganz naß geworden. In einein geschützten Punkte entdeckte ich ein Leinentuch, mit C. G. ge- zeichnet. daS ich aufhebe, weil es für die Nachforschungen nützlich sein kann. Es war zusammengefaltet und auf der Innenseite noch etwas trocken. So wickelte ich das Kind hinein und drückte es fest an die Brust, um es durch meinen Körper etwas zu wärmen. Auf dem Wege zum Verbandplatz spürte der Kleine die Wärme schon, öffnete ein paar große schwarze Augen und verzog das Mündchen zu einem leichten Lächeln. Ich glaube, daß man durch nichts mehr belohnt werden kann, als wir durch dieses Lächeln und diesen Blick. Ich gab den Kleinen einem Unteroffizier der„Elena", der ihn an Bord unseres Schiffes brachte, und ging zurück, um die Nettungsarbciten fortzusetzen." Dieser Brief, der in schlichter Form von so viel Mut und so viel Güte zeugt, hat nun auch zur Identifizierung des Kindes geführt. Der so wunderbar gerettete Kleine ist der Sohn eines Deckoffiziers des Personendampfers„Sardegna" der„Navigazione Generale Jtaliana", eines Herrn Lagana. Die Eltern hatten ihr Kind längst als tot beweint. In Livorno, wo sich alle für den Kleinen interessierten, hat man mit freudiger Rührung die Er- Mittelung der Eltern erfahren. Für die drei tapferen Seeleute der„Regina Elena", die ihr Leben im vollen Bewußtsein von der großen Gefahr in stundenlanger Arbeit aufs Spiel gesetzt haben. gibt es freilich keine Dankbezeugung, die in irgendeinem Verhältnis zu dem Geleisteten stünde. Sie entwiciieliing der gewerblichen Löhne. Unkcr diesem Titel ist im Berlage von Georg Reimer-Berlin ein Werk erschienen, dessen Verfasser Dr. R. Kuczynski, Direktor des Statistischen Amts der Stadt Schöneberg, ist. Die vorliegende Arbeit stellt ein Gutachten über die Entwickelung der gewerblichen Löhne in Deutschland seit der Begründung des Deutschen Reiches chir. Zur Erstattung eines solchen Gutachtens hat das Reichsschatz- amt gelegentlich der Vorbereitung der Reichsfinanzreform Herrn Dr. Kuczynski aufgefordert, der sein Gutachten in Gestalt des vor- liegenden Werkes der Oeffentlichkeit übergeben hat. Durch zahl- reiche Tabellen wird veranschaulicht, wie sich die Löhne entwickelt haben im Bergbau, im Bau-, SteinverarbeitungS- und Holzver- arbeitungsgewerbe, in der Rketallverarbeitung, im Buchgewerbe und im Verkehrsgewerbe. Da es eine amtliche Lohnstatistik im Deutschen Reiche nicht gibt, so war der Verfasser des Gutachtens auf das in zahlreichen amtlichen und privaten Veröffentlichungen zerstreute Material angewiesen. Neben den Angaben von Unter- nehmerorganisationen sind auch die statistischen Veröffentlichungen von Gewerkschaften benutzt. Die dem Verfasser gestellte Aufgabe, die Entwickelung der Löhne seit der Gründung des Deutschen Reiches darzustellen, konnte er nur zum Teil erfüllen. Nur in ein- zelnen Gewerben geht sein Material bis zum Jahre 1871 zurück. Meist beginnt es erst Mitte der 80er Jahre. Die Zusammenstellungen, welche Dr. Kuczynski veröffent- licht, zeigen durchweg für alle Gewerbe eine Lohnsteigerung seit den 70er beziehungsweise 80er Jahren bis 1907 und 1908. Doch ist die Steigerung keine ununterbrochene, sondern in den Krisenjahren traten regelmäßig Rückgänge der bereits erreichten Lohnhöhe ein, die dann aber in den Jahren aufsteigender Konjunktur bald wieder überholt wurden. Es ist sehr interessant, diese allerdings längst bekannte Tatsache an der Hand des Tabellenmatcrials im einzelnen zu studieren. Einige kurze Auszüge- aus dem Werke Kuczhnskis mögen als Beispiele für die Entwickelung der Lohnhöhe dienen. Wohl am vollständigsten sind die Angaben über die Löhne im Bergbau. Sie stützen sich auf Angaben der vom preußischen Handelsministerium herausgegebenen Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in Preußen.— Der durchschnittliche Schichtlohn der eigentlichen Bergleute betrug in Oberschlesicn im Jahre 1886 2.03 M.. im Jahre 1907 4 M.. in Niederschlesicn 2.11 M. beziehungsweise 3.67 M. Im Rubrgebiet 1878 2,66 M., 1886 4.08 M., 1907 6.98 M. Im Saargebiet 1887 3,01 M., 1907 4,64 M. Im Aachener Bezirk 1889 3,05 M., 1907 6,23 M. Im Braun- kohlenbergbau des Bezirks Halle 1884 2,55 M., 1907 4,10 M. Im Salzbergbau des Bezirks Halle 1884 3,19 M.. 1907 4,36 M. Im Erzbergbau des Mansf-elder Bezirks 1884 2,79 M., 1907 3,74 M. Im Oberharzer Erzbergbau 1884 2,77 M., 1907 3,10 M. Im Siegen-Nassaucr Erzbergbau 1889 2,60 M., 1907 4,43 M.— Wesentlich niedriger sind in allen Bergbaubezirken die Löhne der über Tage beschäftigten Arbeiter.— Die in oen Tabellen aufge- führten Jahrcsvcrdienste der Bergarbeiter geben kein richtiges Bild des wirklichen Einkommens, weil der durch Arbeitslosigkeit, Krank- heit und sonstige Ursachen veranlaßt« Ausfall nicht in Abzug ge- bracht ist. Im Abschnitt„Baugewerbe" werden die Löhne� der Maurer, welche in mehreren Großstädten in den Jahren 1386 und 1905 gezahlt wurden, miteinander verglichen. ES ergibt sich bei diesem Vergleich eine Lohnsteigerung von 62 Proz. in Berlin, 60 Proz. in Hamburg, 63 Proz. in Altona, 67 Proz. in Wandsbek, 65 Proz. in Dresden, 60 Proz. in Nürnberg, 68 Proz. in Elberfeld, 47 Proz. in Rostock, 85 Proz. in Quedlinburg. Für das Baugewerbe in Berlin werden folgende An- gaben gemacht: Bei Begründung des Deutschen Reiches bestanden für die Berliner Maurer und Zimmerer die durch den großen Streik vom Jahre 1869 errungenen Arbeitsverhältnisse: 1 Taler Tagelohn bei llstündiger Arbeitszeit. Noch im Fahre 1871 wurde für die Maurer die Arbeitszeit auf 10 Stunden unter Beibehaltung des Tagelohncs von 1 Taler verkürzt. Im Laufe des nächsten Jahres stieg der übliche Lohn infolge der durch die Grün- dung zahlreicher Unternehmungen bedingten starren Nachfrage nach Maurern bis auf 1 Taler 15 Silbergroschen(4,60 M.). Auf dieser Höhe etwa hielt er sich mehrere Jahre. Dann sank er unter dem Einfluß der ungünstigen Konjunktur bis auf 3 M. im Jahre 1882, erholte sich aber bald wieder und stieg schon im Laufe des Jahres 1834 wieder auf 4 M. Der Tagelohn der Zimmerer wurde 1872 unter Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde auf 1 Taler 12(4 Silbergroschen (4,26 M.) erhöht. Im folgenden Jahre stieg er auf 4,60 M. und stand noch 1876 auf der gleichen Höhe. Dann sank er auf 3,60 M. im Fahre 1882. Er erholte sich aber wie der Lohn der Maurer schon im folgenden Jahre und stieg 1884 bei abermals lOstündiger Arbeitszeit auf 3,70 M. Der Lohn der Putzer war in der Gründerzeit außerordent lich hoch. In der Folgezeit sank er erheblich und war bis zur Lohn bewegung des Jahres 1885 erst wieder auf 6,60 M. gestiegen. Im Frühjahr 1836 setzte im Baugewerbe eine lebhafte Lohn steigerung ein. Der übliche Lohn der Maurer stieg auf 4,60 M., ein Jahr später auf 6 M. und 1889 auf 6,60 M. Auf dieser Höhe hielt er sich etwa ein Jahrfünft, sank im Sommer 1894 auf 6,26 M.. im Herbst auf 6 M. und veränderte sich zunächst auch nicht, nachdem im Jahre 1896 der Neunstundentag üblich geworden war. Erst 1893 stieg er wieder auf 6,40 M. und laut Tarifvertrag 1900 auf 6,62 M.. weiter bis 1906 auf 6,75 M. Diese Lohnhöhe ist laut Tarifvertrag bis 31. März 1910 vorgesehen. Der Tagelohn der Zimmerer wurde in der Beivegung vom Jahre 1885 auf 4,25 M. erhöht. Im nächsten Jahre stieg er vor- übergehend aus 6 M., sank aber bald wieder. Im Jahre 1890 be- trug er abermals 6 M. und stieg 1891 auf 6,60 M. Auf dieser Höhe hielt er sich auch 1892. Dann sank er bis auf 6 M. im Jahre 1895, stieg im nächsten Jahre auf 6,60 M. und blieb auch nach Per- kürzung der Arbeitszeit um eine Stunde im Jahre 1897 annähernd der gleiche. In der Folgezeit entsprach er dem Lohn der Maurer. Der Tagelohn der Putzer wude 1885 auf 6 M. erhöht. Dann stieg er 1887 auf 7 M. und hielt sich auf dieser Höhe auch, nachdem die Arbeitszeit 1896 von 10 auf 9 Stunden herabgesetzt war. Im Laufe des Jahres 1899 stieg er dann unter weiterer Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde auf 8 M. Seitdem ist er im wesentlichen unverändert geblieben, während di-e Arbeitszeit im Frühjahr 1904 auf 8 Stunden herabging. Der mittlere Lohn der Bauhilfsarbeiter war unteS dem Einfluß der ungünstigen Konjunktur in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre bei lOstündiger Arbeitszeit bis auf 2,10 M. im Jahre 1879 gefallen. Dann stieg er allmählich auf 2,50 M. im Jahre 1882, 2,70 M. im Jahre 1886 und weiter bis auf 3,50 M. in den Jahren 1890— 1893. In der Folgezeit sank er wieder vorüber- gehend, betrug 1898/99 abermals 3,50 M., dann 1900— 1902 4 M., hielt sich 1903/04 unter Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit um eine Stunde etwa aus der gleichen Höhe, stieg 1905 auf 4,32 M., 1906 auf 4,50 M. und ist seitdem der gleiche geblieben. Der mittlere Tagelohn der Berliner Maler belief sich im Jahre 1873 bei neunstündiger Arbeitszeit auf 4,50 M. Mit Ablauf der günstigen Konjunktur begann er zu sinken und betrug im Jahre 1882 nur 3,26 M. In der Folgezeit stieg er langsam und belief sich 1886 bis 1888 auf 3,50 M. Im nächsten Jahre stieg er auf 4 M. und hielt sich etwa ein Jahrzehnt auf ungefähr der gleichen Höhe. Im Jahre 1900 stieg er dann auf 4,50 M. und laut Tarifvertrag im Herbst 1902 auf 4.77 M., im Frühjahr 1903 auf 4,95 M., im Frühjahr 1906 auf 5,86 M. Seitdem ist er der gleiche geblieben. Der mittlere Tagelohn der Berliner Rohrleger bewegte sich in den Jahren 1880/1883 zwischen 3.60 M. und 3.70 M. Dann stieg er nach einer unwesentlichen Schwankung auf 4,95 M. im Jahre 1906. Durch Tarifvertrag war der Lohn bis zum Jahre 1903 auf 6,85 M. festgesetzt. Der üblick)« Tagelohn der Steinmetzen in Berlin betrug im Jahre 1886 bei neunstündiger Arbeitszeit 4,50 M. Er stieg bis zum Jahre 1907 auf 6,80 M. bei achtstündiger Arbeitszeit und ist seitdem der gleiche geblieben. Die Berliner Bautischler hatten im Jahre 1879 einen mittleren Tagelohn von 3 M., bis zum Jahre 1905 war er auf 5 M. gestiegen.— Der Lohn der Möbeltischler stand 1379 auf 2,60 M.. im Jahre 1903 auf 6.28 M. Die Löhne der Buchdrucker sind nach den Mindestsätzen des Tarifs angegeben. Sie betrugen für Berlin im Jahre 1886 wöchentlich 24,60 M. und stehen seit 1907 auf 31,25 M. Für das Verkehrsgcwerbe in Berlin liegen folgende Angaben vor: Der übliche Lohn der Rollkutscher belief sich im Jahre 1871 auf 16,60 M. In den Jahren 1831/1890 betrug er 17.25 M.. dann stieg er allmählich bis auf 24 M. im Jahre 1904. Seit dem Herbst 1905 beträgt er laut Tarifvertrag 28 M. Die niedrigsten Löhne erhalten die Arbeiter und Bediensteten im Betriebe der preußischen Staatseisenbahn. Durchschnittlich für alle Bediensteten gerechnet betrug der Tagelohn im Jahre 1896 2,39 M. und im Jahre 1907 3,13 M.— Im einzelnen stellt sich der Tagelohn in den beiden Jahren 1895 und 1907 so: Technische Bureaugehilfen usw. 5,34 M. b'zw. 6,90 M., Hilfs- kräfte im inneren Dienst 2,80 M., 3,49 M., Hilfskräfte im unteren Bahnhofsdienst 2,33 M., 3,03 M., Hilfskräfte im unteren Bahn- bewachungs- und Bahnunterhaltungsdienst 1,64 M., 2,60 M., Hilfs- kräfte im Lokomotivdienst usw. 2,52 M., 2.94 M., Hilfskräfte im Zugdienst 1,92 M., 2,69 M„ Arbeiter im inneren Dienst 2,63 M., 3,21 M., Betrieböarbeiter 2,32 M., 3,15 M. Bahnunterhaltungs- arbeiter 1,99 M.> 2,66 M., Hilfskräfte im Wcrkstättendienst 2,71 M., 3,63 M. Hilfswerkführer 4,06 M., 4,56 M. Werkstättenhandwerker 2,99 M., 4,12 M. Handwerksmäßig ausgebildete Wcrkstättenhand- arbeiter 2,44 M., 8,63 M., sonstige Werkstättenhandarbciter 2,33 M., 3,17 M. Wie aus den vorstehenden Angaben zu sehen ist, hat sich die Höhe der Löhne seit den siebziger und achtziger Jahren gehoben, in manchen Fällen shgar recht beträchtlich. Falsch wäre es aber, wenn man daraus den Schluß ziehen wollte, daß sich auch die Lebens- Haltung der Arbeiter gehoben hat. Das will auch Dr. Kuczynski durch seine Arbeit keineswegs beweisen. Aber es ist zu befürchten, daß das von ihm gebotene Zahlenmaterial von anderer Seite in diesem Sinne ausgeschlachtet werden wird. Diese Befürchtung ist schon dadurch begründet, daß das Reichsschatzamt aus Anlaß der sogenannten Finanzreform das Gutachten Dr. Kuczhnskis ein- gefordert hat. Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn jene Leute, welche sich mit Hand und Fuß dagegen sträuben, daß die Reichsten zu einer recht bescheidenen Nachlaßsteuer herangezogen werden, eine weitere Steuerbelastung der Arbeiter mit der Steige- rung der Löhne zu begründen sacken. Es ist deshalb nötig, darauf zu verweisen, daß aus der Lohnhöhe nur dann ein Schluß aus die Lebenshaltung der Arbeiter gezogen werden lann, wenn man die Kosten des notwendigen Lebensunterhaltes mit der Lohnhöhe ver- gleicht. In dieser Hinsicht hat Dr. R e h n, ein Beamter der preu- ßischen Gewerbcinspcktion, interessante Feststellungen gemacht, bft wir in Nr. 23 des„Vorwärts" bcfprochen haben. Nach Dr. Reh>>!- Feststellungen sind die notwendigen Ausgaben für Wohnung und Nahrung vom Jahre 1860 bis 1890 in viel höherem Matze gestiegen und erst von 1890 bis 1907 hat sich das Verhältnis wieder zugunsten des Geldlohnes verschoben, doch nur soweit, daß die Arbeiter von dem Lohne, den sie im Jahre 1907 erhielten, nicht wesentlich mehr kaufen konnten als im Jahre 1850 für den damaligen Lohn, der ungefähr ein Drittel des im Jahre 1907 gezahlten Lohnes betrug. Also trotz der erheblichen Lohnsteigerung ist die Lebens- Haltung der Arbeiter von 1860 bis 1890 stark zurückgegangen und erst in allerncuester Zeit wieder bis auf den Stand gekommen, den sie schon 1860 eingenommen hat. Das Lars bei der Verwendung des von Dr. Kuczynski gebotenen Materials nicht vergessen werden. Em der frauettbewegimg* Die Löhne der häuslichen Dienstboten nach einer Schönebcrger Statistik. Eine die Jahre 1904—1907 umfassende Ucbersicht über den Rückgang in der Haltung von Dienstboten hat das statistische Amt der Stadt Schöneberg zusammengestellt. Während die Zunahme der Haushaltungen 26 Proz. betrug, hat sich die Zahl der Dienst- boten nur um 18 Proz. vermehrt. Als Grund für diese Erscheinung werden angeführt: die zunehmende Verbreitung des modernen Wohnungskomforts, der die häuslichen Dienstboten entbehrlicher macht, das Zurückbleiben des Angebots hinter dem Bedarf und das Steigen der Kosten der Dienstbotenhaltung. Um die letzteren fest- zustellen, hat man Zählkarten verwendet, deren Bearbeitung im statistischen Amt erfolgte. Eine solche Zusammenstellung ist bisher in Deutschland noch nirgends gemacht worden. Die Einzahlung erfolgte nach dem Alter und nach dem Jahres- lohn bei der Einstellung. Die Lohngrenzen bewegten sich in den Grenzen von 60 bis 900 M. Mehr als 99'/z aller Dienstboten er- hielten einen Jahreslohn von 120—360 M. Die unteren Lohnstnfen nahmen von Jahr zu Jahr ab, die oberen wechseln ständig. Der Durchschnittslohn war 1907 um 11,6 Prozent höher als im Jahre 1904. Von erheblichem Einfluß auf die Lohngestaltung ist daS Alter der Dienstboten. Für 14jährige Mädchen betrug der häufigste Lohn 120 M., für die 14— 16jährigen 150 M., für die 16— 18jührigen 180 M., für die 18— 20jährigen 1904/05 180 M., 1906/07 210 M„ für die 20— 26jähriqen 1904 180 M.. 1905/06 210 M.. 1907 240 M.. für die über 26jährigen durchweg 240 M. Die Lohnsteigerung ist für die ganz jungen und für die älteren Mädchen schwächer als für die mittleren Altersstufen. Im allgemeinen darf man annehmen, daß sich von 1904 bis 1907 die Lohnsteigerung auf etwa 2 M. monatlich beläust, eine Tatsache, die ihre Ergänzung dadurch erfährt, daß die Haltung der Dienstboten einen prozentualisch sicher lveit erheblicheren Mehrauswand für Lebensmittel erfordert. Aus dieser Aufstellung ist zu folgern, daß die mittleren Haushaltungen die Zahl ihren Dienstboten einschränken und sich eine Besserung der Wirtschaft- lichen Lage der häuslichen Bediensteten ergibt. „Schutzmitglieder". In Waldsassen wurde dieser Tage der erste Heimsche Dienstbotenverein gegründet, der aus 24 Dienstboten und 13 Dienst Herren als.Schutzmitglieder" besteht 1 Bom Kampf um das Frauenstimmrecht in England. Der Vorstand der allgemeinen StimnirechtS-Vercinigung(L.äult Suürags Society) sandte anfangs Februar ein Schreiben an den Premierminister mit der Anfrage, ob er eine Deputation empfangen würde' die in der Sache der von ihm in der letzten Session an- gekündigten Wahlreform Näheres zu erfahren wünsche. Am 0. Fe- bruar schon erhielt der Vorstand Antwortj in der der Minister be- dauerte, daß seine öffentlichen Verpflichtungen ihm nicht gestatteten, die Deputation zu empfangen. Die Vereinigung beabsichtigt nun, einen Abgeordneten zu ge- Winnen, der noch in dieser Session einen Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts im Parlament einbringt. Am Tage der Parlamentseröfsirung gingen Mitglieder der Adult Suffrage Society in dem Demonstrationszuge der Frauen der Arbeitslosen mit sogenannten Sandwichplakaten. auf denen daS Wahlrecht gefordert wurde. Diese Frauen— schreibt„The Woman Worker"— die so bitter unter dem Mangel an Arbeit leiden, der den Mangel an täglichem Brot und so vielem anderen in seinem Gefolge hat, verstehen vollkommen, daß die Gesetze von der herrschenden Klasse gemacht sind, die das bestehende Wahlrecht auf der B a s i S d e S B e s i tz c S so eingerichtet hat. daß die Masse der Arbeiter von jeder Beteiligung an der Regierung des Landes ausgeschlossen ist. Die Forderung der Demokratisierung des Wabl- rechts zeugt von dem Verständnis der Arbeiter und Arbeiterinnen. denn sie trifft die Privilegien und Eigentumsrechte an ihrer Wurzel. Amtlicher Marktbericht der städttichen Marktballen-DIreMon llb-r den Großhandel in den Zentral-MarNhallen. Marktlage: Fleilch: Zufuhr reichlich, Geschäft fchleppend. Preise unverändert. Wild: Zuiickr mäßig, G-ichast rege, Prciie gut. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft flott, Preise gut. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig. Preise um verändert. Gemüse. Obst und Südfrüchte: Zufuhr aeitüacnd Gefchäst andauernd still, Preis- fast unverändert. genugcno. ivttterunasuberticht vom LS. Ztzebruar INNS. moraenS S Ilbr� etattonen E l|E c B Swlnemde 773 OSO Hamburg>771 ONO �-rltn 1 771 OSO Frants.a H'76632 Müncheo>764 SO Wien 769 SO Wetter 4 bedeckt 4 Schnee 3 dedeckt 4 bedeckt 3 bedeckt 2 Schnee »K *11 -d» wS> —5 —4 —5 —6 —7 —4 Stationen idavaranda 77492 Petersburg 781 W Scilly 1772920 etberbcen>7 78 NO Parti>767 32NO Wetter n-» s" h »Z. 2 bedeckt—8 1 bedeckt 1—14 2 halb 6b. 2 bedeckt 4 bedeckt 8 » -4 Wetterprognose für Sonnabend, de» S7. Februar 1909. Ziemlich trübe mit leichten Schneefällen, gelindem Frost und mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Eine IM wöchenillche Teüiahlung liefere elsgantefertigeHeren-Moden MeMenlertigung. leimte Verarbeitung. Grosso» Slottlaoer. BrstklaaaU* Scbuelder- Werkstatt im Hause. 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Februar 141 Qroße Frankfurter Straße 141 Ecke Fmchtstraßc, einer Filiale meinea bekannten Schuhwarenhauses Brunnenstr. I7S A BranneDslr. 179 (Artisten-Keller) jL Jk.0 JLmÄ'wÄÄÄ(Artisten-Keller) KLGUCs Stiefel 281L' bewundert wegen der Eleganz! Bevorzugt von Damen und Herren wegen ihrer Prelewtirdfgkelt! Gesundheit Esst sich nicht kaufen, weh] aber Gummischuhe zur Erhaltung der Geenndheit CALMON HANSA« Gummischuhe MarKe Salamander sind leicht und aehmlagaan«n feinstem Gummi hergestellt and besitze« die grosste Widerstandsfähigkeit. Wir haften für die Güte Jedes Paares. — Fordern Sie neoaa Musterbuch V— Lslsiysydsr Schubges. m. b. H, Berlin Einheitspreis für Herren M. 4.50 für Damen M. 3.50 Centrale W. 8, Friedriihstr. 182 C., Königstr. 47 SW,, Friedricfastr. 221 C., Rosenthalerstr. 1 W., Potsdamerstr. S NW., Turmstr. 9 W, Tauen tzienstr. 15 Zur Einsegnung! aus fein schwarzen Kammgarn sowie aus haltbaren Obeviotstofien, sauberste Aus- 1 V fübruag von M.*"an aus primatiefschwarz. 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Februar, nach- mittags 2 Uhr, vom Traucrhause Fricdrichftraste öl aus statt. Um rege Beteiligung dcrKenossen und FreundedeSDahingeschiedcnen ersucht 202/7 1 Der Voratand. I Die Ortsverwaltung Deutscher | Transportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin 8. Sen Mitgliedern zur Nachricht, unser Kollege, der Lager- I arveitcr Karl Witte am 25. d. M, im Alter von 47 Jahren an Nierenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 28. d. M., nachmittags a1], Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth-KtrchhofeS, Prinzenallee, aus statt. öö/IS die Verwaltung 2. v Die besten(Glückwünsche unserem langjährigen Genossen Karl KrUger und Frau, zur 25 jährigen Wiederlehr Ä ihres HochzcilSiagcs I W 2. öezirk, Vlahi». llirilort, Oeulzchei' laotznfheiler-Verhsnd! 2ahlstelie Ober-Lchöneweiile. Am 25. Februar starb unser s Kollege, der Tijchler (Zustav Paschke.! Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 28. Februar, nach- mittags 2 Uhr, in Johannisthal, i von Trautmann, Friedrichstr, 61,> aus stall.| Rege Beteiligung der Kollegen j erwartet 1187b Am 24. Februar, nachis 12'/« Uhr, I verschied nach langem Leiden mei ' lieber Mann und guter Vater, Schwager und Onkel, der Drechsler VsZTSN Zesse im 56. Lebensjahre. Dies zeigen tiejbetrüht an. Elisabeth Zeise, Emm« ,Teise. Die Beerdigung findet morgen ! Sonntag, d-n 28. Februar, nach- mittags'3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde. Fiiedhofcs in Äeitzcnjce, Röilestrage, aus statt. r Kerband der Schnridtr und Zlliuridtriunku. Den Mitgliedern geben wir! hiermit belannt, daß der Kollege j Karl Mattukat am 28. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Februar, nachmittags 2 Uhr, aus dem An» dreas- Markus. Kirchhos in Wil- helmSberg statt. Den Mitgliedern geben wir htermtt bekannt, dag der Kollege Huxo Bölke am 25. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Februar, nachmittag« 4 Uhr, vom Kranken- Hause Pankow, Mendelssohnstratze, aus nach dem Pankowcr Kirchhojc bei Schiost Schönholz statt. 162/4 Die OrtsyerwaUURg. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungssteile Berlin. Todea-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Arbeiter (Zustav konnebergZ am 23, Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen» balle des Britzer Kirch hoseS in Britz, Chaussccstraste, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Dris 112/8 isverwaitung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes Reinhold Nadeborn sage Ich hiermit den Genossen des 4. Wahlkreises, insbesondere dem Genossen Waldeck Manasse sowie dem Metallarbetterverband, dem Thes und den Kollegen der Firma Weber u. Co. meinen herzlichsten Dank. Witwe Aadedora liebst Kindern. Dr. Slnimel, Prlnzenstr. 41. Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. Dr. Schünemann Svezial-Arzl sür 56233* Haut- und Harnleiden, Pranenkrankheitcn. Friedrichstr. 203, Ecke Schutzenstr- 10—2. 5—7, Somit. 10—12 Uhr Claninn erster Hoslicscranlen» ridlilMU, strma, weit unter Weil sofort verkäust. Französischcsw. 15, 1 1. Sparrstr. 13. Schöne 2 Zimmer. Wohn., Kam., Balk. sos. od. sp. billig. Hiermit zur Nachricht, dast am 24. Februar unser Kollege Zeise verstorben ist. Wir verlieren in ihm einen braven Kollegen und Genossen und werden stets sein Anbeuten in Ehren halten. Die Kollegen der Firma C. Müller A.-Q. Weißensee. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 28. Februar, nach» mittags 3 Ubr, vom Gomeiiibc» Friedhos in Weistcnsee, Röllesiraste, aus halt.____ Deutscher Metallarbeiter-Verband Brrwalningssiellc Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Wilglied, der Dreher Oskar Zeise am 24. d. M. an Gehirnerweichung! gestorben ist. Ehre feinem Andenke» l Die Beerdigung findet ams Sonntag, den 28. Februar, nach» mtttags 3 Uhr. von der Leichen»�. halle des Gciucinde-Friedhoscs in t Weistcusce. Röllesiraste, aus statt. Rege BetcUigung erwartet 112/9 Die Ortsverwaltung. All eiii.l{rai!keii-ii.SterIiel;ass0 di8Utscii.Dree{isl8riLBeriitsg.j (E. H. 86.) Verwaltungsstelle Berlin D..! Am 24. d. M. verstarb unser i Mitglied Oskar Zeise. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet Sonntag,! den 28. Februar, nachm. 3 Uhr, I von der Leichenhalle des Meisten- l seer Kirchboss, RSlkcftr., aus statt, s 281/20 Die Orlsverwalliing. I Verband der Tabriirarbeiter Deutschlands, Ortsverwaltung Grass-Berlin Todes- Anzeige. Am 25. Februar verstarb unser Mitglied Otto pinnsaI. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 28. Februar, nach- mittags 2 Uhr, vom Trauerdausc Cbariotienburg, Sophie» Cbar- Kirchhos, Neuer Fürstenbrunner Weg statt. 63/5 Die Drisverwaltung. Ibealerverein„Mehr tJciif' Charlotten bürg. Mitglied des Bundes der Arbeiter- Theatervereine Deutschlands. Todes- Anzeige. Allen unseren llllitgliedern, Freunden und BundcSkollegeii zur Nachricht, dast unser lang- lähriges BereinSmitglied Otto Pinnau am Donnerstag, den 25. Februar, im Aller von 27. Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 28. Februar, nachmittags 2 Uhr, vom Traucrhause,«ophie- Cha'lotten-Straste 29, nach dem Luisen- Kirchhos, Fürst enbruner- weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 282/2 Der Vorstand. MMdemoMMMMerao dir Tegel und Umgegend. Am Dienstag, den 23. Februar, schied unser Genosse Bdnrich Jakob freiwillig aus dem Leben. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, vormittags'/zlO Uhr, aus dem Gemeinde-Friedhose in Friedrichsseide statt. Zahlreiche Betelligung erwartet 233/4 Der Vorstand. Mr den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKearer. Sonnabend, 27. Februar. Anfang VI, Übt. Köuigl. evernhaus. Elektro.(An- sang 8 llbr.) Köniql. ZchanspielhauS. Die Nabenfleincrin. DeuticheS. Revolution in KrSH- winlel. K a vi m ersp i el e. Der Traf von Gleichen.(Ans. 8 Uhr.) Neues Schau, OielliauS. Geschlossen. tlnfang 8 Uhr. Lessing. Der König. Bi rliner. Einer von unsere Leut'. Thalia. Wo wohnt sie denn? i'.oiniiche Cl'er. Lazali. Sieue». Die srevide Frau Kleines. Moral. Hebbel. ZievowtionShochzeit. Luftipielhaus. Im Klubsessel. Rejisenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller O. i&uiiun• lucaui., DaS Erbe. Sch>.» Charlotteuburg. Recht» herum. Frirdrirti- SÄtlbelmstäd». Schau- spielhans. Husarensieber. Weiten. Der laviere Soldat. Luise». Das Mädchen aus Irr- wegen. NachimltagZ 1 Uhr- Max und Moritz. Triauou. Der Satyr. Vleues Overcttcn. Die Dollar- prinzesftn. berliner Lperetten-Theater SVl. DaS HimnielbeN.(Ans. 8'/, Uhr.) Vernharv Rase. Das Warenhaus- sräulein. Nachmittags 4 Uhr: Prwz Diamant. Gastspiel- Tliearer. Tanzabend. (Ansang 8'/, Uhr.) Vürgerl. Schauspielhau». Ge- schlössen. Gebrüder Herrnfcld. Die beiden Bindelbands. Apoll». Onkel Casimir. Spezialitäten. Atetropou Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. Garl Haverland. Spezialitäten. rvul-age. Spezialitäten. Reichsvallen. Steltiner Sänger. Walballa. Svczialilälen. Folie» CaHrice. Ein lediger Ehe- mann.(Alst. 8'/, Uhr.) Kasino. Rutzland. Spezialitäten. Gnstav Behren». Gastspiel d. Mr. Latour«. Spezialitäten. Ansang «'/. Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. 8-/. Uhr.) Urania. Toiibenstrahe«8/»S. Nachmittags 4 Uhr: Sizilien. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korju. Hörsaal 3 Uhr: Pros. Dr. Donath.: Eleltrische Resonanz. Steniionrir, Hnoalioenstr. 67,02. Lessing-Theater. Sonnabend 8 Uhr; Der König. AbendS Sonntag 3 Uhr i Uhr: Der König. Nora. berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Dient'. Morgen: Einer«on unsoro Leui'. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Frau. (La femme X...) Morgen und folgende Taget Die fremde Frau._ Theaier des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Scttauspieliiaus. Sonnabend, 27. Februar. Ans. 8 Uhr. Husarensieber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Madame Sans K«nc. Abend»: Susarensicber. Abend» 8 Uhr zum l. Male: zms Klubsessel. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57,58. Ans. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. lVencH Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die DullurprinBesain. crperelte In 3 Alten von Leo Fall. MMSfTHWT Gr. grantturler Str. l3L. Abend» 8 Ubr: U Warpsliaüs-Fräiileiö Wochcntagsprclse.__ Nachm. 4 Uhr Rinderoorstetttmg: Prinz Diamant.__ Melropol-Theater The'icb 8 Uhr: Donnerwetter-tadellos! /sevueinlOBildern v. Jnl. Prennd. Musik von Paul Lincke. Regio Direktor Schultz. llEassary— Perry Holden— Bender Glaiupietro— Kettner Ptann— Thlolscher. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48,49. Nachm. t Uhr Sizilien. Abends 8 Uhr; Ton Abbazia bis Korkt». Hörsaal 3 Uhr: Prof. Dr. Donath: Elektrische Resonanz. Residenz-Theater. — Direltion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amsile." Schwank in drei Alten svier Bildern) von Georges Feqdeau. Morgen und folgende Tage: Die. selbe Vorstellung. Sonntag. 28. d. Ms., nachm. 3Uhr: Der floh im Dhr. Gastspiel- Theater Köpenicker Straße 68. S'l, Uhr; Gastspiel Hedwig Lange Der Höttenbesüzer. 1- BKUpcnickoriitr. 68 0 . Ab Montag. I. Marz. O. toglich S Uhr: Gastspiel Kerliner Schauspiel- Ensemble 8!tsl!ooIt Mms Luisen-Tiieater. Nachniittag» 4 Uhr: Kindervorstellung. TBti Max und Moritz. AbendS 8 Uhr: Aas Mädchku auf Jrrrvegen. Sonntag nachmlllag» 3 Uhr: DaS Mädchen ans Irrwegen. S Uhr: Die goldene LebenSlüge. Montag: Der Slorensried und: Dte Dienstboten. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 28. Februar 1909: 2. Gastspiel des Bert. Opcretten-Ens.: Der Zigkuuerbarou. Operette w 3 Ättc» o. Joh. Strauß. Ansang lll, Uhr._ 0 Kedl Aeräina« » Gebert ßelling;l k jffaria Vinent« t Lloyd' 101/,: Rosenmontag in�ölttl900 ÄÄÄÄÄÄÄÄÄAÄÄÄÄAÄdKÄÄÄ < Passage-Theater.> Letzte Woche!t Madame» Hanako l --= l mit ihrem Ensemble.» Robert Koppe!| and das glänzende p Pebruara Vari6t6a t Programm!» W W w« W WyaMOAT W V. V W � Passage-Panoptikum. Neu! Wen i Singhalesen- Gnu Itler-Trnppo in ihr. wilden Heimatstreiben Hnlonio, das blaue Weib. 0. Opfer unbarmhorz. Vätowallon. Alles ohne Extra-Entree. Elntr. 80 PI., Kind., Soldat. 25 PI. Stadt-Theater Moabit. Größter und voruchmster Theater« saal Moabits. Alt-Hoablt 48.(Tel. N 2492.) Sonntag, den 28. Februar; Tie Haubeulerche. Schausp. st: 4 Allen v. E. v. Wildenbruch. Ans. d. Vorst. 7, Kassenössnung S Uhr, Konzeit Üllt Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Vorverkaui von lv— 1 Uhr mittags im Theater-Resiaurant. Munlag. den l. März: Soiree der Lustigen Sänger._ I Weinbergswes 19-20, Roaenlti.Tor. 1 BS" �»eute:"VL „Eiue Kuurr-Nalljt" luuf dkiu Weiubergsuil'g. I Ans. 8 U. Näh, d. RnschlaaSsäulen. Z!Ivr-L'keat«K'. Schiller- Thealer Lkarlettenliurg. Sonnabend, abends 8Uhr: Bcoht» hvruni. Schwant in 3 Alten v. HanS Gaus. Sonntag, nachm. 3 Uhr: dnlltis O.(Wallncr-Tbeater.) Sounabend. abends 8Uhr Prbo. Schauspiel tn 4 Auszüge» von Felix Philippi. Tönning, nachm. 3 Uhri� Bin TolU�fclnd. Sonntag. avcn»s8Uhr: Bus Brbs. Montag, abends 8 Uhr: Das Frbo. F— Sonntag. adendS 8 Uhr: Beoht» h«rnn». Montag, abends 8UHr: Bin Tolliskolnd. Volkslieder- Abend Sonntag, den 7. März 1909, abends TVa Uhr, im Qewerkschaitshause, Engel-Ufer 15. Herr Robert Kothe(Lieder zur Laute)— Margarete Walkotte(Rezitationen aus des Knaben Wunderhorn). Eutroe 50 Pf.[1185b*] Abondbasso 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horscli, Eigarrenhandlung, Engel-Ufer 15. CASTAN's PAHrOPTIUCM Friedpichttp. 135(Psehorrpalast). Ohne Kxtra-Entree! Neu! Liebend! Der Mann mit den 3 Beinen! Mumoristische Künstler-Abende. Roglnn: Woclientas:» 7 Uhr abends. Sonntags 4 E'hr narlunlttugs»ind 7 SJhr abends. 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Parteigenossen! Der KreiZvorstand hat in der Nummer des„Vorwärts" vom 19. Februar mitgeteilt, daß er sich genötigt sah, den BezirkZverein Pankow aufzulösen. In der Nummer vom 20. Februar gab er, wie angekündigt, die Gründe für seine Maß- nahmen bekannt. Ergänzend sei hier noch eine unwahre Be- hauptung, die den Kreisvorstand ins Unrecht setzt, zurückgewiesen. Es wird erklärt, die Versammlung in Pankow sei ordnimgsniäszig von Räber und nicht vom Kreisvorstande einberufen. Solche Behauptungen sind bewiljjt unwahr! Der Kreisvorstand hat in seiner Sitzung vom 11. Februar beschlosien, für Domrerstag, den 18. Februar, in Pankow eine Bezirksversammlung abzuhalten, in der die Genossen über die Gründe der Amtsentsetzung des Bezirksvorstandes Aufklärung erhalten sollten. Am Sonntag, den 14. Februar, war die Bekanntmachung bereits im„Vorwärts" publiziert. Am Montag, den IS. und Dienstag, den 16. Februar, sind in Pankow Flugblätter mit der Versammlungsanzeige vom Kreisvorstand verbreitet worden. Auch hat sich der Kreisvorstand von dem Wirt R o z y ck i schriftlich bestätigen lassen, dah er sein Lokal dem Genossen Jacobsen, als Vertreter des ÄreisvorstandeS, für Donnerstag, den 18. Februar, vermietet habe. Trotzdem trat der Be- zirksvorftand am Dienstag, den 16. Februar, abends zu einer Sitzung zusammen und beschloß, um die Maßnahmen des Kreises zu durchkreuzen, auch noch schnell für Donnerstag, den 13. Februar — im Lokal des Herrn Roztzcki— eine Versammlung einzuberufen. Diese wurde eine halbe Stunde früher angesetzt, als die vom Kreis- vorstand angemeldete. Unter der Hand erhielten eine Anzahl Genossen die Aufforderung noch viel zeitiger sich einzustellen. Das ist auch geschehen. Der Lokaleingang wurde besetzt, dem Kreisvorstand der Eintritt verwehrt. Andere Genossen, die nicht in Pankow tvohnen und nicht zum Kreisvorstand gehören, aber sicher auf feiten RöberS standen, hatten Zutritt und ttaten sogar als Redner auf. Die Erklärung des Wirtes, daß der Kreisvorstand das Lokal gemietet habe, fand keine Beachtung. ES kann demnach gar nicht daran gezweifelt werden, daß der Bezirksvorstand planmäßig vorgegangen ist, um eine Maßnahme des Kreisvorstandes zu durch- kreuzen.- Um mm in Pankow wieder zu geordneten Parteiverhältniffen zu kommen, erbittet der Kreisvorstand die Mitwirkung aller Genossen, soweit sie dazu in der Lage sind. Zu beachten ist, daß alS ordnungs- mäßig organisiert nur derjenige Genosse gilt, dessen Buch den Faksimilestempel deS KreiSkassiererS Otto Seikel trägt. Die Unfftempelung wird in den nächsten Tagen beginnen und wild ausgeführt von den Genossen: Gütig, Görschstraße 14. Fengler, Florastraße68. Blank, Kreuz st raße 17. Auch können die Bücher zur Umschreib ung in der Parteispedition, Mühlenstr. 67, sowie an die Genossen Fleischer. Brehmestr. 17, und Z ü h l s-d o r s, Hartwigstr. 139, abgegeben werden. Wir ersuchen die Genossen, sich an diese Adressen zu wenden. Hier, wie auch in der Spedition des„Vorwärts", Pankow, Mühlen- stratze 67, werden auch Neuanmeldungen für den Wahlverein ent- q egengenommen. Im Luftrage des Kreisvorstandes: W. Dentzer. Zur Lokalliste. In Köpenick steht daS Lokal �Ratskeller" oer Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung: wn ersuchen daher. dasselbe streng zu meiden. Der Verein„Charlottenburger Kutscher' feiert am 27. März er. im Lokale von Nack,„Kaiser-Friedrich- Zelt", Berliner Straße 88, seinen Maskenball. Der Verein ist lebhaft bemüht, einen möglichst großen Billettumsatz zu erzielen und hat auch zu diesem Zweck in allen Lokalen, wo Arbeiter verkehren. Plakate ausgehängt. Demgegenüber machen wir besonders darauf aufmerksam, daß obiges Lokal der Arbeiterschaft seit Jahren b e« harrlich verweigert wird und ersuchen daher, alle dortigen Beranstallungen zu meiden. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß der Ausschank der „Brauerei Pichelsdorf" Eigentum der„Deutschen Brauerei A.-G." ist. Seilenü einzelner Angestellten der„Deutschen Brauerei' wird seit einiger Zeit eine lebhafte Propaganda fllr Dampferpartien nach dem.Pichelsdorfer Brauerei-AnS« s ch an k" betrieben. man hat sogar den Betrieben, die ihre Bier- lieserung von der„Deutschen Brauerei" beziehen, das Anerbieten gemacht, die Dampfer gratis zur Verfügung zu stellen. Wir ersuchen, alle derartigen Angebote entschieden zurückzuweisen, da der Ausschank der„Brauerei Pichelsdorf"(Eigentum der Deutschen Braueret) für die Arbeiterschaft gesperrt ist. Die Lokalkominisston. Dritter Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 28. Februar, abends S>/2 Uhr. findet im großen Saale der Arminhallen. Kommandanten- straße 58/59, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Vollserziehung und Sozialdemokratie. Referent: Reichstags- Abg. Genosse Eichhorn. No� der Versammlung: Geselliges Bei- sammensein. Eintritt inkl.«ardcrobe 20 Pf. Tanz frei. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 28. Februar, findet von den bekannten Bezirkslokalen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Pflicht jedes Genossen ist es zu erscheinen. Bernau. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet heute abend 8®/. Uhr im großen Saal des Hotel»„Zum schwarzen Adler", Berliner Straße, statt. ES stehenwichtige Parteiangelegenheiten zur Beratung._ Der Vorstand. Berliner J�acbrichten. Die EingrmeindungSfrage auf dem Provinziallandtag. Die von Berlin angestrebte Eingemeindung deS Tempelhofer Feldes beslbästigte den Brandenburgischen Provinziallandtag in seiner gestrigen Sitzung. Der ProvinzialauSschuß hat gegen diese Eingemeindung Einspruch erhoben und beantragt, daß sich der Provinziallandtag diesem Borgehen anschließe. Der Berichterstatter Landrat v. Oppen(Freienwalde a. O.) er- innerte daran, daß bei der Städteordnungsfeier von maßgebender Stelle der Stadt Berlin der Wunsch geäußert oder erneuert worden sei, das Tempelhofer Feld, das als Truppenübungsplatz eingehen solle, in den Bezirk der Stadt Berlin einzugemeinden. Das Feld gehöre jetzt zur Landgemeinde Tempelhof, zum Kreise Teltow und zur Provinz Brandenburg. Die Erneuerung des Eingemeindungs- Wunsches bei jener Feier habe eine große Beunruhigung in die Kreise der Interessenten getragen. Es schien, zumal da sich auch die Presse, besonders die hauptstädtische, der Sache annahm, als sollte die Eingemeindung der Vororte überhaupt wieder in Angriff genommen werden. Der ProvinzialauSschuß erhebt deshalb in einer Eingabe an den Minister des Innern Einspruch gegen jede Beeinträchtigung des Gebietes der Provinz und beantragte jetzt, der Provinzialland- tag wolle gegen eine etwaige Eingemeindung dieses und anderer Teile der Provinz im voraus Einspruch erheben. Bisher sei nicht bekannt, ob die königliche Staatsregiernng ihren ablehnenden Stande Punkt geändert habe.- Trotzdem habe aber die Anregung des Bürger- meisters Reicke Beunruhigung hervorgerufen, und der Provinzial- ausschuß wünsche, daß sich der Landtag seiner Auffassung anschließe, um über eine klare Stellungnahme keinen Zweifel zu lassen. Nach dem Berichterstatter ergriff gleich der Staatskommissar Oberpräsident v. Trott zu Solz das Wort. Er führte aus Gegenüber den Besorgnissen, die der Antrag des Provinzial- ausschusseS enthalte, sei es wohl von Wert, den Standpunkt der königlichen StaatSregierung zu der Frage der Ein- gemeindung der Vororte kennen zu lernen. Die StaatSregierung habe zu Beginn der neunziger Jahre Eingemeindungen in größerem Umfange geplant. Jahrelange Verhandlungen scheiterten namentlich auch an dem Widerspruch der Stadt Berlin. Inzwischen haben sich die Bororte in wirtschaftlicher und auch in kommunaler Beziehung lebhaft entwickelt. Die Vororte erfüllten ihre Aufgaben, an manchen Stellen wird geradezu Muster- gültiges geleistet. Einige Vororte sind Städte geworden. Mit der Zeit wird Berlin von einem Kranze leistungsfähiger Städte umgeben sein. Gegenüber diesen Entwickelungen hat die Staatsregierung an ihrem früheren Plane nicht mehr festgehalten. Der Weg der Eingemeindung ist für sie nicht mehr gangbar. Diesem Standpunkt ist wiederholt Ausdruck gegeben worden, auch von dem früheren Oberpräsidenten, als er Minister des Innern war. Auch der jetzige Minister des Innern teilt diesen Standpunkt. Ich bin ausdrücklich ermächtigt worden, das hier aus Anlaß des Antrags zum Ausdruck zu bringen. Wenn jetzt über Eingemeindungen der- handelt wird, wovon die Rede ist, so geschieht es ohne Beteiligung der Staatsregiernng. Landesdirektor Freiherr v. Manteuffel sprach nicht al» Mitglied des Provinzialausschuffes, sondern als erster Beamter der Provinz. Nach den trostreichen Worten deS Obcrpräsidenten fei seiner Ueberzeugung nach eine große Diskussion nicht mehr nötig. Er habe es für seine Pflicht gehalten, einen Einspruch nicht nur gegen die Eingemeindung deS Tempelhofer Feldes, sondern auch anderer Ge- bietsteile der Provinz zu erheben. Er lege keinen Wert mehr darauf, daß über diese Angelegenheit hier verhandelt werde.— Der Borsitzende des ProvinzialansschusseS Kammerhcrr Landrat a. D. Dr. v. Saldern(Klcinmantel) bemerkte, die Erklärung des Ober- Präsidenten sei mit Freuden zu begrüßen. Er ziehe die Vorlage zurück und der Gegenstand sei damit erledigt, eine Diskussion könne nicht mehr stattfinden._ Gegen die Verteuerung deS Telephons. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben die Stadt- verordneten Bamberg und Jacobi folgenden Antrag eingebracht: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, schleunigst dem Reichstage das Ersuchen zu unterbreiten, dem ihm von der RcichSregierung vorgelegten, die Berliner Bevölkerung auf das schwerste schädigenden Entwurf über die Erhöhung der Fern- sprcchgebiihren die Zustimmung zu versagen." Die„Wahrheit" kneift. Nicht groß genug konnte daS SensationS- blättchen des Neichstagsabgeordueten Wilhelm Bruhn den Mund aufreißen, als einige Berliner Tageszeitungen sich erlaubten, im Anschluß an die Erpresseraffäre Dahsel auf daS widerliche Geschäfts- gebaren dieser Sorte Sensationspresse hinzuweisen. Herr Bruhn sühlte sich getroffen, daß man ihn mit dein noch immer in Untersuchungs- Haft sitzenden Dahsel in intime Verbindung brachte. Er ging also züm Kadi und erzielte eine einstweilige gerichtliche Verfügung, wo- nach jenen sich mit seinem Treiben etwas näher beschäftigenden Tageszeitungen bei Androhung einer Geldstrafe von tausend Mark sllr den Einzelfall aufgegeben würde, in allen ferneren Kritiken Herrn Bruhn und Herrn Dahsel mit zweierlei Maß zu messen. Inzwischen ist, wie wir schon berichtet haben, die einstweilige gerichtliche Verfügung nach mündlicher Verhandlung als unrecht- mäßig aufgehoben worden. Mau sollte nun erwarten, daß Herr Bruhn, entsprechend dem hochtönenden Namen seines Organs, der Wahrheit die Ehre gibt und seinem Leser- kreise von der veränderten Sachlage ebenso Mitteilung macht, wie er seinerzeit in spaltenlangen Freudenartikeln sich rühmte, daß er der jüdischen und sozialdemokratischen Presse den Mund gestopft habe. Fällt ihm aber gar nicht ein l H,rr Wilhelm Bruhn wählt der antiiemitischen Tapferkeit besseren Teil und— schweigt. Die neueste Nummer der„Wahrheit" sowohl wie die vorhergehende enthalten über die Angelegenheit, die eine für die Veranstalter so blamable Wendung genommen hat, auch nicht ein einziges Wort. Wahrsagcschwindel und Polizei. Nach Meldungen bürgerlicher Blätter will die Berliner Polizei endlich gegen den Wahrsage- schwinde! energischer einschreiten. Dieser Unfug hat in den letzten Jahren allerdings so überhandgenommen, daß man nicht mehr sagen darf:„Denjenigen, welche nicht alle werden, schadet eS nichts, wenn sie gerupft werden I' Denn wie die trübe Erfahrung in zahlreichen Spezialfällen gelehrt hat, stehen hier nicht immer bloß Geld- intereffen, sondern auch Lebenchnteressen auf dem Spiel. Hat doch schon manch angekränkeltes Frauengemüt, welches an die Wunderkraft der Karten oder des Kaffeesatzes glaubte, diese geistige Beschränktheit mit dem Leben bezahlt. Es sollen nun die Wohnungen der Wahrsagekünstler beobachtet und die Kunden derselben namentlich festgestellt werden, um sie als Zeugen vor das Gericht zu zitieren. Wir fürchten, daß die Polizei damit herzlich wenig erreichen wird. Die weitaus meisten dieser Zeugen werden einfach aussagen, daß sie an die besonderen Fähig- keiten der Wahrsagerinnen felsenfest glauben, und die Wahrsagerinnen selbst beteuern natürlich ebenfalls, daß sie von ihrer„Begabung", in die Zukunft zu blicken, überzeugt sind. Daniit entfällt aber in der Regel daS Kriterium der strafbaren Handlung. UebrigenS sind die besten Kunden der Wahrsageschwindler nicht etwa Dienstmädchen und ähnliche leichtgläubige Personen, sonder» gerade die Angehörigen jener Kreise, welche nach ihrer Meinung auf sehr hoher geistiger Stufe stehen, aber mit dem Glauben an solche Handlung eine starke Portion Beschränkung verraten. Im vornehmen Westen und in anderen sogenannten besseren Gegenden gibt eS moderne Sybillen, die ganze luxuriös eingerichtete Etagen bewohnen und an der vornehmen Dämlichkeit ein glänzendes Geschäft machen. Es sollte uns wundern, wenn die Polizei auch diese vornehmen Be- schränlten aus Berlin WW. als Zeugen vor die Gerichte fordert, dmnit sie dort ihre Dummheit behördlich abgestempelt bekommen. Viel wirksamer könnte der Schwindel bekämpft werden, wenn vor allen Dingen die Reklame unterbunden würde. Dazu gehört das Verbot, durch Reklamezettel, die auf der Straße, besonders vor der Sparkasse am Mühlendamm verteilt werden, Dumme ein- zufangen, und ferner die energische Einwirkung auf jene gewissen- losen Blätter, welche Schwindelannoncen von Wahrsagerinnen auf- nehmen. Die erste schnelle Post nach Ainerika im März geht von Deutsch- land am 2. und 3. ab. Briefe, mit dem Weltporto versehen, werden sämtlich mit dem Dampfer„Oceanic" der White Star-Linie befördert, der am 3. März von Southampton in See geht und in Cherbourg und Oueenstown anlegt. Köln verlassen Briefe fllr diesen Dampfer am 2. März abends 6,91 nach Southampton, 7.17 nach Cherbourg und am 8. März 4L7 früh nach Oueenstown. Der Dampfer ist am 19. März in New Uork fällig. Die nächste billige Post über Bremer- Häven trifft erst am 16. März in New Aork ein. Für 19 Pf. Mehr- porto kommen also die Briefe sechs Tage früher nach New Dork. In allen Fällen muß aber wieder die Mahnung wiederholt werden, die Briefe möglichst frühzeitig zur Post zu geben. In einer Badeanstalt erschossen hat sich am Donnerstagnachmittag um 5 Uhr das 26 Jahre alte Fräulein Marie Fischer, eme Tochter des Rittergutsbesitzers F. aus der Niederlausitz. Seit zwei Monaten hatte sie bei einer befreundeten Familie in Scböneberg in der Wielandstraße 39 Aufenthalt genommen. Vorgestern nachmittag verließ sie ihre Wohnung mit einer Musikmappe, um Noten einzu- kaufen. Sie besuchte aber eine Badeanstalt des Westens und tötete sich in der Zelle durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Die Wärterin fand sie tot auf.-Den Grund zur Tat sollen Zlvistigkeiten in der Familie bilden. A»S der dritten Etage gestürzt hat sich gestern früh die 29 Jahre alte Selma B. aus Neumarkt in Westpreußen, die sich seit mehreren Wochen bei Verwandten in Berlin, Oranienburger Straße 87/89, zu Besuch aufhielt. Das junge Mädchen, das in den nächsten Tagen nach Hause zurückkehren sollte, nahm gestern früh in aller Ruhe das Frühstück ein und begab sich auf ihr Zimmer. Dort öffnete es das Feiister und stürzte sich auf den Hof hinab, wo eS tot liegen blieb. DaS Motiv des Selbstmordes ist bis jetzt nicht aufgeklärt. Das Gerücht von einem neuen Messcrattentat war gestern mittag in Berlin verbreitet. Amtlich wird darüber berichtet, daß gestern vormittag ein Mann an der Friedrich- und Ziegelstraßenecke ein Sittlichkeitsattentat auf eine Dame versuchte und daraus festgenommen wurde. Nach der Personalbeschreibung kommt der Verhaftete als der Messerstecher vermutlich nicht in Betracht. Unter dem Verdacht, an den Messerstechereien beteiligt zu sein, wurde der in der Schntzenstr. 33 in Steglitz wohnhafte 23 Jahre alte Versicherungsagent Friedrich Schröder verhaftet. Der Verdächttge wurde nach Lichtenberg transportiert, um dort den Opfern gegen- übergestellt zu werden. Ein Unglücksfall bei der Arbeit ereignete sich gestern nachmittag in der Lübecker Straße unweit der Perleberger Stratze. Dort waren Arbeiter der staubfreien Müllabfuhr damit beschäftigt, einen vollen Müllkasten zu entleeren. Als der Kasten bereits ein Stück hoch- geschoben war, versagte die Mechanik. Beim Anheben des Kastens geriet ein Arbeiter mit dem Kopf zwischen Wagen und Kasten und zog sich erhebliche Quetschungen zu. Der Verunglückte mußte mittels Wagen nach dem Kraukenhaus gebracht werden. Lebensmüde Frauen. Die Leichen zweier Selbstmörderinnen wurden volgcstern an der unteren Schleuse aus dem Landwehrkanal gelandet. Die Toten sind die 2ljährige Kellnerin Ida V.. Grenadier- siraße 35, und die 62 Jahre alte Hermine B., Danziger Straße 69. Schon seit mehreren Wochen wurden die beiden Frauen vermißt. Die B. hat sich wegen unglücklicher Liebe das Leben genommen. Frau B. ist durch schwere Schicksalsschläge, von denen sie in den letzten Monaten heimgesucht wurde, in den Tod getrieben worden. Für die Personeufährc über de» großen Müggelsee, zwischen Friedrichshagen, Kaiserstraße bezw. dem Restaurant Wilhelmsbad und dem Etablissement Prinzengarten, tritt, wie der Chef der Märkischen Wasserstraßen bekannt gibt, mit dem 1. April d. I. ein neuer Tarif in Kraft. Danach haben für das Uebersctzcn zu entrichten: Erwachsene 15 Pf.(für Hin- und Rückfahrt 25 Ps.), Kinder von 6 bis 14 Jahren 19 Pf.(für Hin- und Rückfahrt 15 Ps.), Kinder unter 6 Jahreil sind frei zu befördern. Ein MaSkcnfest auf dem Eise. Heute Sonnabend ist der Eis- palast von ü'/z bis 8 Uhr wegen der Borbereitungen für das große Karnevalsfest geschlossen. Um 3 Uhr werden die Kassen geöffnet. Der Beginn des Festes ist um 9 Uhr. Der Eintrittspreis(im Vor- verkauf 2 und 3 M., an der Abendkasse 3 und 4 M.) gestattet nur „besseren" Leuten, das Treiben der Großen Rheinischen Karnevals» Gesellschaft zu beobachten. Im Hörsaal der Trcptow-Sternwarte(Restaurant Knape, vonn. Zenner, Treptower Chaussee 21/22) spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, den 28. Febr., nachmittags um 6 Uhr über:„Daö Geheimnis des Weltenbaues", abends um 7 Uhr über: „Vulkanismus auf dem Monde". DaS Thema für den Vortrag am Montag, abends 9 Uhr lautet:„Unsere Erde und ihre Atmosphäre". Die Vorträge sind gemeinverständlich und mit vielen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Sonne und abends der Mond beobachtet. Mit kleineren Fernrohren werden Doppelsterne Saturn und Jupiter gezeigt. Fcucrwehrbcricht. Ein gefährliches Feuer, daS ßroße Beunruhigung unter den Hausbewohnern verursachte, kam m der Breslauer Straße 26 durch Fahrlässigkeit zum Ausbruch. Als die Feuerwehr erschien, brannten im Erdgeschoß bereits Ballen von Holzwolle, Kisten, Betten, Kleider, Türen, Schaldecken u. a. in einer Küche. Dem schuellen Eingreifen der Feuerwehr ist eS zu vcrdanle», daß der Brand keine weitere Ausdehnung erlangte und durch kräftiges Wassergeben auf das Erdgeschoß beschränkt blieb. Auch in der Brücken-Allee 82 brannte Holzwolle, Papier u. a. und Kochhannstr. 39 Holz auf einem Trockenofen. Der 4. Zug wurde »ach der Landsberger Allee 45 gerufen, wo auf einem Korridor Feuer ausgekommen war. Velten und Möbel wurden in der Reimckcn- dorscr Str. 107 ein Raub der Flammen. Am Luisen-Ufer 47 wurde ein Sauerstoffapparat von der Feuerwehr mit Erfolg benutzt, um Hilfe zu leisten. Weitere Feuermeldungen liefen aus der Chausseestraße it. a. Stellen ein._ Vorort- Nachrichten. Nnmmclslmrg. AuS der Gemeindevertretung. Auf Ersuchen des Berliner Magistrats ist die Gemeindevertretung daniit einverstanden, daß die Gemeinde alle aus der Hilseleistung der Berliner Feuerwehr bei Bränden im hiesigen Gemeindebezirk entstehenden Kosten einschließ- lich derjenigen, die aus der Beschädigung des Personals erwachsen, übernimmt. Die Kosten iverdcn aber nur dann getragen, wenn die Berliner Feuerwehr durch den Gcmeiiidevorstaud oder Obersührer der hiesigen freiwilligen Feuerwehr herbeigerufen worden ist. Uin eine wirksamere Bekämpfung der Tuberkulose durchzuführen. wird einstimmig beschlosien. daß bei Todesfällen an Tuberkulose wie auch bei einem Wohnungswechsel von Personen, welche an Lungen- und Kehlkopftuberkulose leiden, die Wohnungen, sofern von den Beteiligten ein diesbezüglicher � Antrag gestellt wird, auf Gemeindekosten desinfizieren zu. lassen. Genehmigt wird die Pachtung und Bepflanznng der westlich des Schulhauies in der Marktstratze am Hohen Parallelwege befindlichen eisenbahnfiskalischcn Wegeböschnng. Als Schiedsmann für den Ortsteil Borhagen westlich der Grhphiusstrasze wird der Lehrer Mar Bischer auf eine weitere Amts- dauer von drei Iahren wiedergewählt. Die aus der letzten Sitzung vertagte neue Lustbarkeilssteuerordnung, welche eine besondere Besteuerung aller Veranstaltungen auf sogenannten Rummelplätzen bezweckt, wurde von der bürgerlichen Mehrheit mit dem Zusatz an- genommen: Von der Steuer befreit sind si öffentliche Lustbarkeiten. welche in den zu den stehenden Schankwirtschasten gehörigen Gärten veranstaltet werden, soweit in diesen Gärten der Schanlbetrieb gemäß Z 33 der Reichsgewerbe- ordnung ausgeübt werden dars; b) die sogennnntcil Erntefeste, welche auf Laubengeländen jährlich einmal in hergebrachter Weise gefeiert werden. Die Gemeindevertretung erteilt dem Gemeindevorstonde die Er- mächtignng, allen von der Gemeinde gegelt Entgelt beschäftigten Personen in außerordentlichen Notfällen besondere Unterstützungen zu gewähren, die Mittel hierfür sollen den Dispositionsfonds des Gemeinde- Vorstandes entnommen werden. Für die höhere Mädchenschule wird die Gründung einer Oberlehrerstelle zun» 1. Oktober 1309, sowie die Gründung einer wissenschaftlichen und einer technischen Lehrerinstelle zrim 1. April 1999 beschlossen. Nachdem noch einige Nachbewilligungen im Gesambetrage von etwa 1000 M. bewilligt worden waren und der Ucbernahine der Privatstraße„Wagcnknechtshos" in die Unter- haltuugspflicht der Gcineinde gegen eine eininalige Entschädigung von 3000 M. zugestimnit worden war. interpellierte» unsere Ver- treter den Gemeindevorstand betreffs der Ausführung der bereits Milte Dezember 1908 beschlossenen N o t st a n d s a r b e i t e n wie auch betreffs der Speisung bedürftiger Schulkinder. Leider muß nach den Ausführungen des Bürgermeisters Dr. Hahn konstatiert werden, daß im Gemeindevorsiand kein ernster Wille vor- handen sein kann, die nun bereits vor zehn Wochen in dieser Sache einmütig gefaßten Beschlüsse auch in die Tat umzusetzen. Die Notstandsarbeiten konnten nach den Mitteilungen des Bürgermeisters wegen der bisherigen kalten Wittterung noch nicht in Angriff genommen werden. Auch konnte die Schulspeisung noch nicht vor sich gehen,, da die notwendige Feststellung über die Zahl der hierfür in Betracht kommenden Kinder erst heute(also nach zehn Wochen) erledigt worden ist. Weiter teilte der Bürgermeister mit, daß er sich an mehrere Privatgesellschaften in Berlin betreffs Er- richtung einer Volksküche in Rummelsburg gewandt habe, von wel- cher aus dann gleichzeitig die Kinbcrspeifung erfolgen soll. Die Ein- richtung einer eigenen Küche für die Schtllspeisung hält der Gcineinde- vorstand für zu kostspielig. Unsere Vertreter sehen in der Nichtausführung der beschlossenen Notstaudsarbeiten wie insbesondere in der unverantwortlichen Verzögerung der Speisung bedürftiger Schulkinder eine Miß- achtung einmütig gefaßter Gemeindevertreterbeschlüsse,— sie erklärten dem Gemeindevorsteher, haß nach dem bisherigen Gang der Sache daran gezweifelt werden müßte, daß bei dem Gemeindevorstand überhaupt die Absicht besteht, die gefaßten Beschlüsse auch zur Ausführung zu bringen. Nach dem Stillschweigen der bürgerlichen Vertreter zu urteilen, scheinen dieselben eS leider auch lieber zu sehen, daß die für die Speisung bedürftiger Schul- linder bewilligten 3000 M. im Gemeindejäckel bleiben. als daß hungrige Kinder gesättigt werden. Der Bürgermeister verspricht auf Anregung, bei einer Berliner Kinder-Volksküchen- Gesellschaft an- zufragen, ob selbige die vorläufige Speisung hiesiger Schulkinder bis zur Errichtung einer eigenen Küche übernehmen würde. Die Zahl der in Betracht kommenden Kinder soll 82 betragen. Unter Verschiedenein wird die Frage der Zuteilung der Gemeinde in die Servisklasse B. von mehreren bürgerlichen Vertretern kritisiert. Der Gcincindevorstehcr erklärt hierzu, daß er bereits an zuständiger Stelle hiergegen vorstellig geworden sei, er gebe aber andcrersertS zu bedenken, daß init der Versetzung unserer Gemeinde in die KlasseK.. auch gleichzeitig große finanzielle Nachteile eintreten, so würden z. B. von der Gemeinde allein an die Lehrerschaft jährlich 21000 M. mehr an Wohnungsgeldznschuß zu zahlen sein. Der Bürgermeister teilt hierauf niit. daß die in einer früheren Gemeindevcrtretersitzung beschlossenen Znsatzabänderungen zu dem Statut des Kanalisaiions- zweck�'crbandes Lichtenberg- Rumnielsburg vor den Augen des Magistrats der Stadt Lichtenberg keine Gnade gefunden haben, der Lichienberger Magistrat habe es vielinehr nicht eimnal für notwendig besunden, der Stadtverordnetenversammlung eine diesbezügliche Vorlage zu uuterbreiten. Ferner gibt der Bürgermeister bekannt, daß die acht Gemeindewahlbezirke der 3. Klasse eine Neueinteilung erfahren haben; nach dieser Neueinteilung sind nunmehr fast gleichmäßige Bezirke geschaffen worden, die Zahl der Stimm- berechtigten in den einzelnen Bezirken schwankt zwischen 1040 und 937 Wählern. In der nun folgenden nichtöffentlichen Sitzung macht der Genisittdevorfieher einige Ausführungen betreffs der Eingemeindung Boxhagen-Ruminelsburgs nach Berlin. Ans den Mitteilungen ist zu entnehmen, daß der Rummelsburger Eingemeindungs- antrag bei der Stadt Berlin volles Einverständnis und wohlwollendes' Entgegenkommen gefunden hat, es seien sonach von der Stadt Berlin keine besonderen Schwierig- leiten zu erwarten, leider scheine aber die bei der Beschlußfassung des EiiigemeindungsanlrageS gehegte Erwartung, daß auch seitens der Regierung der frühere eiiigemeindungsfeindliche Standpunkt einem eingemeiiidungsfreundlichen gewichen sei. nicht den Tat- fachen zu entiprechen. Nach den mitgeteilten Aeußernngen aus Landrats-, Lbeipräsideiiten- und Ministermunde zu schließen, ist von der Regierung auf Zustimmung zur Eingemeindung Boxhagen- Rummelsburg nach Berlin nicht zu rechnen. Steglitz. 6000 Mark verbraunt. Das bei dem Kommerzlenrat K. in der Kaiser-Wilhelin-Slroße beschäftigte Dienstmädchen verbrannte dieser Tage mit dem Inhalt des Papierkorbes auch eine mit 6000 M. gefüllte Brieftasche, die unbemerkt in den Korb gefallen war. Alö man die Tasche vernrißte, war der diesmal so wertvolle Inhalt des Papierkorbes von den Flammen bereits verzehrt. Das Mädchen hatte die Tasche ohne Prüfung für wertlos gehalten. Der Schcrcnheld verhaftet. Schon feit langer Ztit wurden wiederholt in den Zügen der Wannseebahn Damen dadurch ge- schädigt, daß ihnen iniijels einer Schere Stücke aus den Kleider»:, sogar auS Unterröcken geichnitten ivurden. Als infolge zahlreicher Anzeigen die Kriminalpolizei die Sirecks Berlin-Friedenan, auf der regelmäßig die Attentate ansgeführt wurden, scharf überwache» ließ, verlegte der Uebedäter seine Tätigkeit in die Wagen der Linie Steglitz- Zoologischer Garten. Dort wurde gestern endlich der offenbar perverö veranlagte Mensch auf frischer Tat festgenommen. Es ist der 24 Jahre alte, erst kurze Zeit verheiratete Kaufmann Wilhelm Krug aus der Holsteinischen Straße 28 in Steglitz. Der Berhastete. in besten Notizbuch mehrere der herausgeschnittenen Kleiderstoffstückchen gefunden wurden, hat eingestände»!, daß er infolge elnes innviderstehlichen Zwanges seit etwa zwei Jahren Damen mit einer lleinen Schere Stücke aus der Garderobe geschnitten habe. Johaumsthal. Ein braver Genosse ist der hiesigen Sozialdemokratie plötzlich durch den Tod entrissen worden. Gustav P a s ch k e. der zweite Vorsitzende des Wahlvereins, ist im Alter von noch nicht 37 Jahren am Donnerstag im Britzer Krankenhause den Folgen eines Magen- leidens erlegen. Der Tote, der allezeit bereit war. seine Kraft in den Dienst der Partei zu stellen, hat sich bei seinen Parteifreunden ein bleibendes Andenken gesichert. Paschke hinterläßt eine Witwe mit vier Knaben im Alter von 7—15 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Februar, nachmittag». S Uhr. vom Trauerhause, Friedn'chstr. 61, aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Stralau. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Bericht aus der Gemeindevertreterkonfereiiz entgegen. Von einer Diskussion wurde abgesehen. Der neue Entwurf zum Kreisstatut fand nach eingehender Beratimg Annahme. Die Anstellung eines Beamten in» Kreise rief eine rege Diskussion hervor. Säintliche Redner sprachen sich gegen die Anstellung ans. Hervorgehodei, wurde, daß die eigentliche Agiintionsarbeit nach wie vor in den einzelnen Orten von den örtlichen Wahlvereinen geleistet werden »nüsse, der jetzige Miigliedersiand lasse ebenfalls die Notivendigkeit der Anstellung eines Beamten nicht erkennen. Tie Mittel deS Kreises würden dadurch zum großen Teil wieder im Kreise ver- braucht, während dieselben im Lande viel noilveiidiger gebraucht würden. Die Abstimmung ergab die einstimmige Ablehnung des Antrages. Zuin Revisor an Stelle des verzogenen Genossen Kosin wurde Ferd. Aschendorf gewählt. Nach Erörterung einiger örtlicher Angelegenheiten wurde die Versammlung geschlossen. Bankotv. Auf dem Bahnhos vom Tod überrascht wurde der RechnungSrat Leopold Ackermann aus der Florastraße. Herr A. war von Berlin nach Pankow gefahren und kaum hatte er den Zug verlassen, so brach er leblos zusmnincn. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nur noch den Tod festzustellen. Ein Herzschlag hatte den im 64. Lebens- jähre stehenden Herrn jäh dahingerafft. Nieder-Schönhausen. In der letzten Gcincindcvertretcrsitzung gab der Bürgermeister der Vertretung zunächst davon Kenntnis, daß ihm im Laufe des Tages mitgeteilt worden sei, die ganze Keplersiraße stünde unter Wasser, er habe sich sofort persönlich überzeugt und gefunden, daß von einer Ueberschiveminung keine Rede war. Er bat bei etwaigen Beichiverden keine Uebertreibungen zu machen. Bon den vereinigten Stadt- und Landgemeinden ist gegen das neue Lehrerbesoldungs- gesetz eine Beschwerdeschrist zur Unterschrift eingegangen, um zu ver- hüten, daß dieses Gesetz Rechtskraft �erlangt. Für die hiesige Gemeinde würde durch die Entziehung des Staatsbeilrages ein Ausfall von 18—14 000 M. jährlich entstehen. Es wurde einstimmig beschlosien. die Beschwerdeschrift»nit zu unterzeichne». Bei der aintlichen Ar- beitslosenzählung am 16. Februar haben sich nur 19 Arbeitslose ge- meldet.(Dem Gemeindevorstande ist inzwischen vom hiesigen sozial- demokratlschen Wadlverein das Resultat seiner Zählung zugestellt worden, nach der 339 Arbeitslose vorhanden sind.) Der Kreis will für die Herstellung der Blankenburger und Buckcholzcr Straße eine Beihilfe leisten, und zivar für die erstcre 9547 M., für die letztere 4820 M. Für den Rathausbau wurde die Einrichtung von Gas- und elektrischer Beleuchtung beschlossen. Der Prozentsatz der Anlieger- beitrüge für die Bürgerstcigpslasteruirg in der Kaiserin-Angusta-Straße wurde auf 30Proz. festgesetzt. Hieraus wnrde die Benennung verschiedener Straßen vorgenommen und zlvar soll der Rosentbcster Grenzweg jetzt Nordendstraße heißen, die an der Schloßallee gelegene Straße 20: Elisabeth-Christinenstraße, die Straße 21: Grumbkow- straßo, die Straße 22: Dohnastraße, und die Straße 23: Barfuß- straße. Die vier letzteren Namen sind gewählt zur Erinnerung an die Geschichte NiederschöuhausenS. Ferner wurde beschlossen, daß daS dritte von drei gleichzeitig die höhere Schule besuchenden Ge- schwistern vom«Schulgeld befreit sein soll; dies gilt jedoch nur für einheimische Kinder. Dein Gemeindevorstand wurde eine General- vollmacht in Gruirdbuchsachcn, insbesondere zur Erteilung und Entgcgennahine von Auflassungen, erteilt, um dadurch Zeit und Kosten zu ersparen. Hierauf fand eine nichtöffentliche Sitzung statt. französisch-Buchholz. Urbcr 160 060 Arbeitslose lind der preußische Landtag war das Thema, welches der Landtagsabgeordnete Genosse Borgmann in einer Voltsversammliing behandelte. Redner zeigte eingehend, wie die besiehende ÄrbeitSlosigleit zu mindern wäre. Ferner behandelte er die Stenerdebätte im preußischen Landtag. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. An der DiS- kussion nahmen die Genossen Neumann und Thiede teil. Elfterer wies darauf hin, daß unsere Gemeinde jetzt schon 166 Proz. Koinmimalsteuer erhebt. Nach Annahme des Lehrerbesoldungs- gesetzes sowie infolge der neuerbauten Schule, die mit 92000 M. veranschlagt war, aber noch nicht ganz fertig schon 112 000 M. kostet, dürfte noch eine Steigerung des Steuersatzes erfolgen. Der Referent erwähnte in seinein Schlußwort noch, daß verschiedene Gemeinden durch Annahme des LehrerbesoldungSgesetzes noch schwerer zu lämpfei, haben werden wie bisher. Der Vorsitzende ermahnte zum Schluß, recht rege für den Wahlverein und die Presse zu agitieren. Der Gesangverein„Wach aus" leitete durch ein Lied die Versammlung ein und schloß auch in derselben Weise die gutbesuchte Versammlung. Reinickendorf- West. Tie letzte gutbesuchte Mitgliederversammlnng deS Wahlvereins nahm zunächst einen Vortrag der Genossin Frl. Dr. Wygodzinski über das Theina:„Wie weit ist medizinische Aufklärung für das Publikum notwendig?" entgegen. Hierauf wurde der Vorstand beauf- tragt, gegen das Mitglied Schallok beiin Kreisvorstand das Aus- schlußverfahren zu beantragen. Die Anstellung eines Sekretärs im Kreise Niederbarnim wurde gegen 7 Stiinmen abgelehnt. Sodann wurde noch beschlossen, am 28. März einen Lichtbildervortrag beim Genossen Schiller sEichbornsäle) abzuhalten. Der Vorsitzende ersuchte die Mitglieder, recht rege für diese Veranstaltung zu agitieren. Spandau. Ei« verheerender Dachstuhlbrand wütete in der Nacht zum 25. d. M. in dem Hause Weitzeuburgerstr. 13, Ecke Jägerstraße. DaS Feuer wurde erst um 12'/2 Uhr„achtS bemerkt. Die kranke Frau des Verivaltungsschreibers Weiche, der im dritten Stockiverk ivohnt. hörte daß gegen 12 Uhr jemand den Boden verschloß und dann die Treppe herunter kam. Etwa 3/. Stunden später hörte sie ein verdächtiges Knistern nnd Rascheln, sie weckte ihren schlafenden Mann und machte ihn auf das Geräusch ausmerksain. Dieser be- merkte auf dem Treppenflur einen brenzlichen Geruch. Als er nach dem Boden kam. schlug ihn auch schon der Oualm und die hellen Flammen entgegen. Er alarmierte sofort die Hausbewohner nnd versuchte die in der Mansarde wohnende Fainilie Kolbe. Mann, Frau und vier Kinder zu wecken. Als ih», dies nicht gelang, trat er die Türe ein und rettete die Fainilie vor dem Verbrennen. Kurz nach 1 Uhr traf die Feuerwehr ein, zunächst, wohl infolge ungenügender Meldung, in nicht genügender«Stärke und ohne einen Teil der ersorderlichen Ge- rate. Es fehlte die große Retipiigsleiter und die Fackeln. Es ver- ging deshalb noch einige Zeit, ehe genügend Mannschaften da waren. Der Dachstnhl des Hauses ist völlig eingeäschert. Zum großen Teil durch Wasser und Feuer wurde auch der oberste dritte Stock zerstört, ebenso mehrere Wohnungen des zweiten Stockiverkes. Mit Mühe und Not konnte die Wehr verhindern. daß daS Feuer auf die Nachbarhäuser übersprang. Die Ablöschnngsarbeilen zogen sich bis morgens acht Uhr hin. Der Feuerwehrinann Hillgardt zog sich eine Rauchvergiftung zu, erholte sich jedoch bald wieder unter Anwendung des Sanerstoffapparateö. Die Mieter der in Mitleidenschaft gezogenen Räume mußten mitten in der Nacht, meist uliter Zurücklassnug ihrer Habe, flüchten und fanden Aufnahme bei anderen Hausbcivohnern der an- liegenden Häuser. Alle Geschädigten sind gegen Brandschaden der- sichert. Ueber die Entslehnngsuisache des FcnerS verlautet noch nicht Bestimmtes. ES hat sich bei diesem Brande gezeigt, daß unsere freiwillige Feuerwehr doch noch nicht auf der Höhe ber Zeit steht. ES soll anerkannt werden, daß die einzelnen Feucrivehrleute tüchtig arbeiteten, aber die ganze Organisation, namentlich daS Mcldewesen scheint doch nicht recht zu funltionieren. Nowawes. Ei» iuteressant« Kall von Grundstücksspekulation seitens der Verwaltung der Bethlehem-Kirchengemeinde in NowaweS kam in der letzten Gemeindevcrtretersitzung zur Sprache. Sö handelt sich um die an der Ruthe gelegenen sogenannten Küsterwiesen. Diese Wiesen sind gemeinschaftliches Eigentum der politischen und der Kirchen- gemeinde. In der richtigen Voraussetzung, daß diese Grundstücke bei der fortschreitenden EntWickelung unseres Ortes in naher Zu- kunst einen hohen Wert repräsentieren werden, suchte die Kirchen» Verwaltung den Gemeindevorstand zu bewegen, für eine Geldentschädl- gung das Eigentuinsrechl der Gemeinde an den Wiesen an die Kirchen» verlvaltung zu veräußern, damit diese Alleineigentüincrin der Grundstücke würde. Bei den Besprechungen, die in dieser Sache zivischen dem Kirchenvorstande und dem Gemeindevorsteher statlfanden, erklärte letzterer, daß die politische Geineinde aus dieses Anerbieten nicht ein» gehen»verde. Mertlvürdigerweise wurden nun in letzter Zeit ver- schiedene Privatleute beim Gemeindevertreter»vegen Verkaufs eines Teils der Wiesen vorstellig, während sich früher außer den direkt Beteiligten niemand»im dieselben bekümmert hatte. Da diese Interessenten für das Terrain auch einen unverhälmismäßig hohen Preis boten, wurde in der Gemeinde verschiedentlich die Ber- mniung laut, daß die plötzlich ausgetretene Liebhaberei einiger Privatleute für die Küsienviesen von- einer Seite künstlich hervorgerufen sei. die ein Jnieresie daran habe, die jetzigen Eigentumsverhältnisse an dem genannten Terrain zu ändern. Sie versucht in diesem Falle mit crnem ziemlichen Raffinement, ihre materiellen Interessen durch Grundstücksspelnlation ans Kosten der politischen Gemeinde zu wahren. Letztere hat allerdings einen dicken Strich durch die fein ausgeklügelte Rechnung gemacht, indem die Vertretung nach einem Referat des Bürgermeisters»md einer leb- haften Diskussion, an der sich von den Sozialdemokraten Genosse Grnhl beteiligte, eS ablehnte, in einen Verkauf der Küstcriviesen zu willigen, da' es einerseits den Prinzipien einer vernünftigen Ec- meindeverwaltting widerspräche, Gemeindegrundstücke zu veräußern, andererseits ein Teil der Grundstücke zu einem Siätteplatz Verwendung finden könne. Dagegen erklärte sich die Gemeindevertretung bereit, aus Wunsch der Kirchcnverwaltung mit dieser in Verbindung zu treten behufs Ablösung derselben von den Eigentumsrechten an den Küsterwiescn. Potsdam. Der neue städtische Etat schließt mit 5 686 610,41 M. ab, daS ist gegen das Vorjahr cur Mehr von 430 643,35 M. Eine große Anzahl Etatpositionen der einzelnen Verwaltungen zeigen nur univesentliche Veränderungen. Bei den Einnahmen weisen das Elettrizitäts- wer! 152 432 M., die allgemeine Verwaltung 133 357,69 M., die Gemeindesteuern 93 000 M. mehr auf, während Kapitel„Ver- schiedencS" mit 133 775,63 M, weniger abschließt. waS wohl seinen hauptsächlichsten Grund darin hat. daß einzelne Positionen dieses Etats auf andere Verwaltungen über- nommen wurden.— Bei den Ausgaben weisen folgende Kapitel größere Mehrbeträge auf: das Elektrizitätswerk 152 432 M., die Schuldenverwaltung für die städilschei» Anleihen 71100 M. und Kapitel„Verschiedenes" 61 188,84 M. Bei den Wenigerausgaben ist das Bauwesen»nit II1 100 M. ain stärksten beteiligt.— Der Stommiinallteuer, Zuschlag bleibt mit 110 Proz. bestehen. Für die jetzige Gebäudesteucr soll nach neiien Veranlagungen eine Grund- wertsteuer erhoben werden, die mit 3 Promille angesetzt eine Mehreinnahme von 70 600 M. gegen die jetzige Geoäudesteuer bringen soll. Gewerbe- und KimfaiannSgericht. Die Klagen sind gegen frühere Jahre etivas zurückgegangen und bettugen beim Gewerbe- gcricht 135. Davon waren 133 von Arbeitnehmern und 2 von Arbeitgeben! eingereicht. Sie betrafen meist Lohnersatz und Schaden- ansprüche bei Wertobjckten von 1,60 bis 6350 M. Von den ein« gereichten Klagen wurden 20 vom besetzten Gcricht entschieden, 113 vom Vorsitzenden allein im Wege der Verhandlung und 2 wurden als unerledigt auf das nächste Jahr übernommen.— Das Kauf- mannsgericht erledigte 35 Klagen von Handlungsgehilfen imd Verkäuferinnen. Die Wertobjelte betrugen von 2 bis 2205 M. 18 Fälle wurden im Zeitraum von weniger als einer Woche er- ledigt. SutmissionSblüten. Die Eisenbahnverkehrsinspektion Berlin VII schrieb vor einigen Tagen im SnbmissionSwege die Neupflasterung der Babelsberger Straße auS, die von den Mühlenhäusern bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke ueureguliert wird. An der Ausschreibung nahmen 23 Bewerber teil. Es galt nach den Submissions» bestimmungen, 61 000 Lzigdratmerer altes Pflaster aufzubrechen, ab- zufahren und den Boden un»'/s Meter auszuschachten, ferner die Straße mit neuem Granitpflaster zu belegen, einen Radfahrweg anzulegen, einen Zaun anszubessern usw. Die billigste Offerte gab die Charlottenburger Tiefbaugesellschaft mit 40 038,40 M., die teuerste R. Zunge- Nieder-Schönhausen mit 94 482.25 M. ab. Der letzte der 23 Bewerber überbietet also den billigsten Konkurrenten um 114 Proz. Die Potsdamer Steinsetzmeister, die natürlich auch an dem Wettbewerb teilnahmen, gehörten durchschnittlich zu den teuren Submittenten. * Vermischtes. Eine furchtbare Explosion ereignete sich, wie aus Plauen ge« meldet wird, vorgestern abend in der Lichtanlage eines Gasthauses zu Schwaderbach. Das Gasthaus wurde vollständig zerstört. Zwei Personen wurden tot aufgefunden. Ueber die Lage im Hochwassergeviet der Elbe und Havel ver» öffentlicht die kgl. Wasserbauinspektion in Rathenow folgenden amt- lichen Bericht: Die Eisbrecher auf der Elbe befinden sich zur Zeit bei Dommühlenholz. Die größte Eisverstopfting ist überwunden. Der Wasserstand der Havel bei Havelberg beträgt hellte vormittag 3.30 Meier, der Wasserstand der Elbe bei Dommühlenholz 3,26 Meter. Das Waffer ist also erheblich gefallen.' Der Dieb im Rcisekorb. Aus Ratibor wird unterm gestrigen Tage gemeldet: Heute nacht wurde auf Bahnhos Kandrzin von einein unbekannten Mann ein schwerer Reisekorb zur Aufbewahrung übergeben. Als der Korb in den Gepäckraum gebracht wurde, ver» nahinen Bahnbedienstete ein verdächtiges Geräusch. Nach Eni- fernung deS Korbdeckels entdeckten sie in dem Korbe einen Mann. Die genaue amtliche Feststellung ergab, daß eS sich um einen vor vierzehn Tagen aus dem Zuchthause entlassenen Arbeiter handelt, der wahrscheinlich die Billettkasse zu berauben beabsichtigte. Auch der Unbekannte, der den Korb zur Aufbewahrung übergab, wurde nachträglich ermittelt. Das Eiseubahnuitglück bei Maubeuge. Ueber das in unserer gestrigen Nuinmer bereits gemeldete Eisenbahnunglück wird noch auS Lille berichtet: Nach neueren Fesfftellungen sind bei dem Eisenbahn» »»fall bei Maubeuge drei Ziigbcdienstrte getötet und zwei Zug- bedienstete sowie vierzehn Reise»de verletzt worden. Waikeritailds-Nackirichten ber LandeZmiitalt für Gewaflertimde, mitgeteilt vom __ Seilmer WetZfrbmeau. •)+ bedeutet DuchS.— Fall.—') Unterpegel.—•) Eisstand. *) GrtmdeiS-•) Treibeis. Di« Forderungen deS Zentral- DervandcZ der Fleischer find vom Schlächtermeister H. Borchert, Gronauer Straße a verkannt und gilt dieser Betrieb als geregelt. 282/1 lLetttral-VerKsnck«1«»» V'lelvvlter. vetsvsnvsl.unz öerlin. Partei-Tpeditione»»: S!vnti-nn, I: jjiife Zinke, Mauerstr. 89. Zentrinii II r Albert Höhnisch, August fir. 59, Eingang Joachimstrahe. L.»«lilleroi»,, W e st e n: Gustav Schmidt, stirchbachstr. 1t, Hoch- parterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gncijenaustr. 72. Laden. U. Walilkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 3t, Hos rechts Part. 4.: Oil e n: Robert W e n g e ls. RüdarSdorierstr. 3, am Küstni, erPlatz.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz-i(Laden). 4. Walilkrcis, Südosten: Paul Böhm, Laitsitzerplätz 14/lb (Laden). 5. �Valilkrois: Leo Zucht, Jmmanuelkirchsir. 12(Hos). ll. HraKIki»»,«(Bnadit und IZ»iis»vlei't«I): Karl Anders, Salzmedelerstr. 8, im Laden. Vt eAAInx: Karl Weiße, Razarethkirchstraße 49. Ika«?iitk»lsi- lind VoratsSt: Hermann Raschle, Ackerstr. 36, Eingang Anklar.ieritratze. �'etxiiixiduanncrn: F. Trapp. Stettiiierftr. 10. !!4rI,ii„I,»«»«;,> Vai-staett: Karl Mars, Lychenerstr. 123. �«n>of: Erich Steuer, Hackcnbcrgstr. S, ll. �tlt-tiüjvnieke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. RaiuiiHchalcnwchg': h.'H o r n i g, Marienthalei-fir. 13, T. Bernan-Röntgental: Heinrich Brase erreichen Sie durch ges. geseh. 26 792 ChemischcB EiCdcrprhparat QiD Be8ter Schutz G. Hobesteinstr. 74, Part. Pseiscr, Bohnsdorf, Ge» I'ulkcnderg: Scharnb.erg, Sesenheimerstraße 1, Ecke B»hii««l«»rl' uiid nossenschastShaus. ShartvtteiidurA: Gustav Goctbeilraße, Laden. £icliivaldc. Zeuthen, Wiersdorf und Hnnkols Abläse: Fritz Oldenburg, Eichwalde,»ronprinzenstr. 81'. Brkner: Ernst H o f s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. fi'rledennu-Steslit�'Siidende: H. B e r n s e e, Schlohstr. 119, Hos!, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32. und Fr. S ch e l I b a s e, Bhornslr. tb». k'rledrich'ihnse»: Ernst Werckmann, Frtedrichstr. 67, Laden. vrtinun: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Iloben-Xeneudorf: Wilhelm T e n t s ch e r, Berlinerstr. 8. .lokaiinivtliol: P i e I i ck e, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. It»ri»horGt: Richard K ü t e r. Rödelstr. 9, II. Ii<«»lg«-�V««terbanisen: Friedrich Baumann, AmlSgarten 3. li itpenick: Emil W i ß l e r, Kietzerstr. 6, Laden. I-iclitenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Otto Seilel, zironprinzenstrasze 4, I. Wahlsdorf und Banlsdorf: Hugo Scheibe, MahISdors, Walderseestr. 14. Wariendorf: August Leip, Ehaufleeftr. 296. Hos. Xen- WelUensee: Kurt Fuhrmann. Seoanstr. Ivo, parterre. lii iedor-ScbOnewcidc: Bonalowslv, Hasselwerderstr. 8. X ov» awes: Wilhelm I a P p e, Priesterstr. 46. »her-Sebdaevelde: August H c n j e s, Lausenerstr. 2, I. Bankov-Zilederschitnhaiisel»: Mühlenstr. 73. Beinlckeadorf» Ost, Wilhelmsruh und Sch8nholz: P. G u r s ch, Kamelestr. 12, I. Klixdorf: M. Heinrich, Neckarstratze 2, im Laden. Ilnmnielsbnrs, Boxhagcn: St. R o s e n tr a n z. Alt-Boxhagen 56. Schmargendorf: Gustav KaminSty, Cunostraße 2. Schhneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Spandan: K ö p p e n. Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wlttenan, Waldmannslnst, llermsdorf und Kelnlckendorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde. Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm Kehler, Hohersteinweg 7. Tenipelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20 Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 4l2, Laden. 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