Mr. 50. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostEbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost 8eitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 1 Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 26. Jahra Die Infertions- Gebühr Gettägt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tit bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Klaffenkampf im Klaffenparlament. Sonntag, den 28. Februar 1909. lüsterne Rechte schwieg vor Scham, als der sozialdemokratische Redner die Ruhmestaten dieser Kriminalbeamten schilderte, ihr eifriges Wirken für die Partei, ihre Agitation bei der Landtagswahl, ihre Anteilnahme an den Wahlrechtsdemonstrationen, ihre finanzielle Opferwilligkeit, ja selbst ihren Heroismus, die Liebe der heiligen Spizelpflicht zum Opfer zu bringen. Man darf gespannt sein, was der Herr PolizeiJm preußischen Dreiflassenhaus tamen am Sonnabend minister über diese teils lächerliche, teils infame Polizeispigelei die Vertreter der heterogensten Weltanschauungen zum Wort: zu sagen haben wird, die nicht nur im Inlande, sondern, wie Konservative und nationalliberale Chauvinisten und Beute- Genosse Hirsch nachwies, auch im Auslande getrieben politiker auf der einen, und der Redner der Sozialdemokratie wird! auf der anderen Seite. Konservative und Nationalliberale Der sozialdemokratische Redner hatte noch eine ganze bestürmten die Regierung um Wiedereinlenkung in die Bahnen Reihe weiterer polizeilicher Schikanen zu kennzeichnen. So den in Köllers in Nordschleswig, um die Verschärfung der ab- der Preffe oft gegeißelten Unfug, daß die Behörden die geschmackten Anti- Dänenpolitik, die uns in diversen Jahr Polizeistunde dazu benutzen, um der Sozialdemokratie Lokale zehnten auch nicht den geringsten moralischen und nationalen abzutreiben, oder aber den für ihre Drohungen unzugänglichen Erfolg, dagegen eine Ünsumme von politischen Blamagen Lokalinhabern durch Festsetzung der frühesten Polizeistunde eingetragen hat. Wie man aber faum 100 000 Dänen und Verweigerung von Tanzvergnügungen die Existenz zu in Nordschleswig wegen einen solchen Lärm machen untergraben. Weiter brandmarkte Genosse Hirsch den scheinfann, ist wirklich nicht so leicht zu begreifen. Die bar unausrottbaren Unfug der Polizeibehörden, sozialdemoFurcht vor der Wiederlosreißung Nordschleswigs ist zu fratische Flugblattverbreiter mit Strafmandaten zu beglücken, abgeschmackt, als daß sie als Triebfeder der kindischen und deren Rechtswidrigkeit dann jedesmal durch das Geerbärmlichen Drangsalierungspolitik in Betracht kommen richt bewiesen werde. Unser Genosse beleuchtete die unglaubfönnte. Obendrein stehen diese dänischen Bauern in Nord- lichen Praktiken gegenüber ausländischen Arbeitern, denen schleswig in ihren Anschauungen den Stonservativen und man, selbst wenn es sich um in Arbeit stehende Agrariern unendlich viel näher, als auch nur dem Freisinn. qualifizierte Industriearbeiter handle, nur die Die bornierte Verfolgungswut unserer Junker ist schließlich Wahl lasse, entweder in der Landwirtschaft Arbeit zu nur aus feudalem Hochmut der Blaublütigen heraus erklär- nehmen oder aber ausgewiesen zu werden! lich, denen ein freier selbstbewußter Bauernstand, der sich der Führung der junkerlichen Großgrundbesitzer entzieht, von vornherein unsympathisch ist. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „ Die Staatsregierung ist sich der Bedeutung eines Ieistungsfähigen deutschen Großgrundbefizes in den Ost marten boII bewußt. Er ist notwendig für die wirtschaftliche Entwickelung und für die Hebung der Technik des landwirtschaftlichen Gewerbes. Wir bedürfen seiner für die Aemterbesehung in der kommunalen Selbstverwaltung in Streis und Provinz. „ Die Bildung eines Restgutes hat nur dann eine Berech tigung, wenn sein Ertrag den Besitzer zur Durchführung der Führerrolle auf wirtschaftlichem, sozialem und politischem Gebiete befähigt. Reftgüter mittlerer Größe, zumal auf geringem Boden, entsprechen diesen Anforderungen nicht. Sie verleiten den Besitzer zu sozialen Ansprüchen, die aus dem Gra trage der Wirtschaft trotz allen Fleißes nicht zu erfüllen sind, und führen ihn und seine Familie fast nur zu häufig über kurz oder lang dem Ruin entgegen. Es ist der Staatsregierung aber nicht entgangen, daß in einigen Bezirken mit der Aufteilung des deutschen Großbesizes die Grenze des 8ulässigen und Erträglichen bereits erreicht ist und in anderen Bezirken bald erreicht sein wird. Gerade diese Erkenntnis ist eine der Haupttriebfebern gewesen für die Gesetzgebung des verflossenen Jahres, wie ich das ja auch im Landtage mehrfach betont habe. Eine Fortführung der Ansiedelungspolitik lediglich auf Kosten des deutschen Großgrundbesibes war unmöglich, seine zu weit gehende Verminderung mußte verhütet werden. Daher einerseits die Schaffung des sogenannten 50- Millionenfonds, durch den die Erhaltung wirtschaftlich gefährdeter Güter in deutscher Hand erleichtert wird und andererseits die Verleihung des Enteignungsrechts. Die fönigliche Staatsregierung ist also in der Wertschätzung eines gesunden deutschen Großgrundbesitzes und seiner Bedeutung für die Entwidelung unserer Oftmart mit Ihnen ganz einer Meinung. Ich habe den Grundbesib bor einem Jahre im Herrenhause geradezu als unentbehr lich bezeichnet." Aber der sozialdemokratische Redner beschränkte sich nicht auf die Kritik der unsäglichen borussischen Polizeizustände des an Rußland erinnernden administrativen Systems, er vertrat Die preußische Regierung, die durch ihre unsinnige Ost auch, soweit das im Rahmen dieser Etatsberatung möglich, martenpolitik dem Deustchtum einen kaum wieder gut energisch die Forderungen des entrechteten Voltes. Genosse zu machenden Schaden zugefügt hat, soll mit Gewalt dazu Hirsch verlangte-unter Berufung auf das Urteil der Obergedrängt werde, die gleichen Grundsäge auf Nord- bürgermeister Adickes und Fuß über die sozialdemokratische Schleswig anzuwenden. Der Köllerkurs, der so jämmer- Gemeindepolitik- die Einführung des allgemeinen, gleichen, lich Schiffbruch gelitten hat, soll von neuem eingeschlagen direkten und geheimen Wahlrechts für die Kommunen, Die Schwärmerei für den ländlichen Großgrundbesitz und werden. So wollen es die konservativen und nationalliberalen er verlangte die Beseitigung des HausbesizerHeißsporne, und die Regierung hat nicht den Mut, gegen privilegs, dieses Hemmschuhes für eine vernünftige, feine politische Führerrolle ist in gleichem Maße charakteristisch für den Bund der Landwirte, der sich bekanntlich als Bauerndiese Forderung anzufämpfen. Wie alle Gewaltmaßnahmen sozial weitsichtige Gemeindepolitik. Wenn auch gegen die Polen begründet werden mit der Phrase von einer außer der kleinen Gruppe der parlamentarisch völlig vereinigung aufspielt und dessen Führer sich mit Vorliebe als Bauern aufspielen, wie für die politische Anpassungsfähigkeit gewaltsamen Loslösung der ehemals polnischen Landesteile, unvertretenen Demokratischen Vereinigung" teine so wird auch die verschärfte Dänenpolitit, die jetzt inauguriert einzige bürgerliche Partei diese Forderung einer des vierten Kanzlers. Vielleicht räumt der Bund der Landwerden soll, begründet mit der Phrase von einer gewaltsamen demokratischen Kommunalwahlreform vertrete, so sei das nur wirte dem Fürsten Bülow, wenn er gehen muß, einen Bosten Loslösung Nordschleswigs, das angeblich an Dänemark ein Grund mehr für die Vertreter des Proletariats, für das als ersten Provinzialvorsitzenden des Bundes ein. ausgeliefert werden soll. In Wirklichkeit denkt natürlich Recht der Besizlosen mit allem Nachdruck einzutreten. fein Mensch an solche törichten Pläne. Die Dänen Auf die ausgezeichnete Rede des Genossen Hirsch blieb " wollen nichts weiter, als die Erhaltung ihrer Eigen- der Miniſter, der sich eifrig Notizen machte und durch seine Wieder ein kommunaler Wahlrechtsraub! fönnen. arten, sie können sich nicht an das Regiment preußischer Geheimräte informieren ließ, einstweilen die Antwort schuldig. Schneidigkeit gewöhnen, was wir ihnen lebhaft nachfühlen Am Montag wird er freilich Rechenschaft geben müssen. Es Wenn die Dänenfresser, die im preußischen Ab- wird sich dann ja zeigen, ob er sich so völlig als der Hörige geordnetenhause figen, aud) feine Ausnahmegeseze gegen die der Junker fühlt, wie das Herr v. Heydebrand von ihm Dänen fordern, so verlangen sie doch nachdrücklichst ein scharfes verlangte! Vorgehen gegen die dänischen Agitatoren. Als ob das nicht im Grunde genommen das gleiche wäre! Großgrundbefitzer- Züchterei. Aus Stiel meldet uns ein Pribattelegramm: ein In der Begründung der Vorlage war die Befürchtung ausgesprochen, daß die Sozialdemokratie in nicht ferner Zeit fämtliche Stadtverordnetenpläge befehen werde. Soeben wird eine Magistratsvorlage bekannt für eine plößlich einberufene Sigung der städtischen Kollegien zum 2. März. Die Vorlage fordert die Zustimmung der Stadtberordneten zu einem Gesuch an die Staatsregierung, ein Notgesetz für Stiel zu schaffen. Das Gesetz soll enthalten statt des bisher gleichen Wahlrechts Die Regierung steht auf dem gleichen StandDreitlassenwahlrecht mit der Rirdorfer Ver punkt, fie wird, wie der Minister des Innern schärfung, ferner statt der bisherigen Wahl des Magistrats b. Moltke erklärte, zur Wahrung ihres Hausrechts mit Der Wunsch, sich noch für einige Zeit auf seinem Kanzler- burch die Bürgerschaft durch die Stadtverordneten. Verlangt starter Hand der wilden Verhegung entgegentreten. Wie fessel zu halten, treibt den Fürsten Bülow zur devoten Unter- wird ferner die Erhöhung der Stadtverordnetenzahl von 30 weit sie damit kommt, wird die Zukunft lehren. Die Zeit ordnung unter die Befehle der Agrarfonservativen. Das auf 54. Der Gefeßentwurf soll so beschleunigt werden, daß wird nicht fern sein, wo sie ihr Vorgehen bereuen und das eigene Gefühl, daß er an sogen. allerhöchster Stelle eigentlich die Staatsregierung ihn dem Provinziallandtag in Kiel am Törichte ihrer Politik der Nadelstiche erkennen wird. Noch als erledigt gilt und nur noch geduldet wird, weil sich der 21. März 1909 vorlegen kann. stets hat sich die Gewaltpolitik in der Geschichte bitter an Kaiser nicht gerne nachsagen lassen möchte, daß er irgenddenen gerächt, die sie angewandt haben. So wird es auch in welchen persönlichen Empfindungen die Oberhand über seine diesem Falle gehen. Politik habe gewinnen lassen, beranlaßt den Kanzler nicht, Die eigentliche Generaldebatte zum Etat sekte mit einem furzweg um seinen Abschied zu bitten; er flammert sich vieläußerst heftigen Angriff des Abgeordneten Dr. v. Heyde- mehr nur um so krampfhafter an seinem Posten. Das Sterben in brand( t.) auf den Minister ein, der diefem offenbar ganz Würde liegt nicht in der amphibischen Natur dieses politischen unerwartet tam. Der Minister hat nach Ansicht der Kon- Routiniers, der so schön über Philosophie und Aesthetik zu fervativen im Fall Schücking dem Blockfreifinn Ron parlieren bersteht, vor philosophischer Entsagung aber schwäch zessionen gemacht, indem er einmal das Verhalten des lich zurückschreckt. Nur die Manie, um jeden Preis seine Rolle Regierungspräsidenten rügte. Das genügt, um die als Kanzler noch eine Zeitlang weiterspielen zu können, beKonservativen in Harnisch zu bersetzen. Mit aller stimmt sein Denken und Trachten, und da sich, diefes hehre Deutlichkeit erklärte ihr erklärte ihr Führer dem Minister, daß Biel nur erreichen läßt, wenn er sich den Wünschen der Agrarer nicht wagen solle, etwa die Block fonservativen und der landrätlichen Bureaukratie gefügig erpolitit auf Preußen zu übertragen, und weist, buhlt er dienstbeslissen um ihre Gunst. mit blutigem Hohn überschüttete er die Blodfrei- Einen neuen hübschen Beitrag zu dieser Ergebenheit vor sinnigen, die von der Berufung Moltkes so etwas wie dem Junkertum bietet die Rede, die der Kanzler vor einer eine liberale Aera erwartet hatten. In Preußen lassen wir Deputation des Bundes der Landwirte gehalten hat, die aus uns nicht vom Reich hineinreden, in Preußen herrschen wir, folgenden Herren bestand: dem ersten Brovinzialvorsitzenden Die Nieler Hausagrarier wollen aber die Sozialdie Junker von Gottes Gnaden, und wehe, wer uns des Bundes der Landwirte für Bosen Major Endell, dem demokratie in einer einflußlosen Minorität erhalten, deshalb dabei stört, mag es nun ein armseliger Freisinnsmann oder stellvertretenden Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer für ihr Antrag! Und wie es scheint, ist der politisch in ein verantwortlicher Staatsminister sein. Nur eine Partei, die Provinz Posen, Rittergutsbesitzer v. Unruh Klein- bürgerlichen Kreisen dominierende Freifinn in Kiel die von ihrer Unentbehrlichkeit völlig durchdrungen ist und die Münche, dem Rittergutsbesitzer v. Wenzel, Mitglied des tommunalpolitisch so ohn mächtig oder so jämmerlich) genau weiß, daß sie die Geschicke des Staates lenkt, kann Hauses der Abgeordneten, dem Frhrn. v. Wangenheim- geworden, daß er dieses Attentat auf das Kommunalwahlrecht so auftreten, wie die Konservativen dem Minister gegenüber Kl. Spiegel und dem Reichstagsabgeordneten Dr. Roeside. nicht verhindern fönnte, respektive mitmacht! aufgetreten sind! Die Deputation trug dem Fürsten v. Bülow Wünsche in In Kiel besteht zurzeit, wie auch in den übrigen schleswigholsteinischen Städten, ein nur durch einen allerdings hohen Zensus eingeschränktes gleiches Wahlrecht. Da es trok des Zenfus der rührigen Kieler Sozialdemokratie gelungen ist, eine ganze Anzahl von Mandaten zu erobern, will man jett durch Einführung der kommunalen Dreitlassenschmach, die noch nach dem Rigdorfer Vorbild verschärft werden soll, der Sozialdemokratie ein unübersteigliches Bollwert entgegenstellen. Und das, trotzdem gerade der langjährige Stieler Oberbürgermeister Fuß der kommunalen Mitarbeit der Sozialdemokratie auf Grund seiner Kieler Erfahrungen unlängst noch das denkbar günstigste Zeugnis ausgestellt hat! Politische Ueberlicht. Berlin, den 27. Februar 1909. Profitjägerei in den Kolonien. Während die Rechte des Hauses die Regierung zu bezug auf die Ansiedlungspolitik vor, die sich vornehmlich auf chauvinistischen und reaktionären Torheiten aufzuputschen eine vermehrte Bildung von„ e st gütern" richteten und suchte, hatte der Redner der sozialdemokratischen Frattion, sich im wesentlichen an die vom Bunde der Landwirte der Genosse Hirsch, der Regierung und dem Hause im Namen Provinz Bosen in einer Versammlung am 20. Januar d. J. der stärksten Partei ein endloses Sündenregister vorzugefaßte Resolution anschlossen. halten. Zunächst schilderte der Redner mit beißendem Als Mann von weltmännischen Manieren dankte der Humor die täppischen Manöver der Polizeispitzel, die im Reichskanzler der Deputation für ihr Erscheinen, verhieß Be- Aus dem Reichstag.( 27. Februar.) In FortAuftrag ihrer Vorgesehen vermeintliche Parteigeheimnisse rücksichtigung ihrer Forderungen und hielt dann eine lange fegung der Kolonialdebatte zergliederte heute Genoffe auszuspionieren versuchen oder aber sich gar in Lockspigelei, Rede, in der es nach den Mitteilungen der Nordd. Aug. Eichhorn die kapitalistischen Ausbeutungspraktiken in in Agent provocateur- Sniffen versuchen. Selbst die stets radau- l 8tg." heißt: unseren herrlichen Kolonien. Ihre Produkte sind sehr gering fÖgtg, aber für gerissene Spekulanten kann die Kolonialwirtschaft immer dazu ausgenutzt werden, gläubige Leute ikrDcutfchland zur Hergabe von Geldern für Spckulationszwecke zu animieren. Dabei pflegen aber erfahrungsgemäß nicht die Geldgeber, wohl aber die Geldvermittler und Geldvcrivalter erkleckliche Profite einzustreichen.(S i ch ß o r n konnte diese Sorte von Kolonialkultur an neuerlichen Vorkommnissen erläutern, so an der Treiberei der Otawi-Aktien und an den Gründungen eines Herrn Mertens, der etwa zehn Kolonialgesellschaften aus der Erde gestampft und ihre Aktien auf den Markt ge- worfen hat. Nach kurzer Zeit aber sahen die Käufer ihre Werte auf die Hälfte sinken. Ob diese glück- lichen� Aktienbesitzer Kolonialschwäriner geblieben sind, das ist recht zweifelhaft, aber die Gründer werden nach einem so glänzenden Geschäft die Reklameposaune für Deutschlands Kolonien mit verdoppelter Lungenkraft blasen. Da auch als plnsiedlcr in den deutschen Kolonien sich nur Leute mit Kapital behaupten können, war Eichhorn berechtigt zu der Schlußfolgerung, daß das Reich Kolonialpolitik treibt für die .Kapitalisten, nicht aber für das deutsche Volk.— Was die Neger von der deutschen Kultur zu erwarten haben, zeigt warnend das traurige Schicksal der Herero, die in der heroischen Zeit der Kolonialpolitik, wie Dernburg sich beschönigend ausgedrückt hat. zur Hälfte ausgerottet wurden. Gegenüber der Kuutentaktik der Arendt und Liebert ist allerdings Dernburgs Politik, die Neger für die kapitalistische Aus- bcutnng zu erhalten, wie Eichhorn treffend sagte, immer noch das kleinere Hebel. Dann kam wieder ein Kolonialfreund zum Wort, der nationalliberale Dr. Arning, ehemals Stabsarzt in Ost- afrika. Er balanzicrte auf der mittleren Linie einher, indem er einerseits den Staatssekretär Dernburg, andererseits den Exgouverneur Liebert lobte, einerseits für die Pflanzer. andererseits für die Beamten ein gutes Wort einlegte. Als zweiter Redner des Zentrums kam Herr Erzberger zun: Wort. Er brachte auch diesmal eine Menge einzelner Mißstände zur Sprache, patronisicrte aber den Staatssekretär Dernburg, dem er daS Zeugnis ausstellte, er habe sich der christlichen Auffassung des Zentrums von der Kolonialpol�ik so sehr genähert, daß er von einem Zentrumsmann kaum noch zu unterscheiden sei. Im übrigen hatte Herr Erzberger die wunderbare Idee, auch für unsere Kolonien Mtttclstandspolitik zu empfehlen. Der„Mittel- stand" solle in den Kolonien zu Lieferungen herangezogen iverden, damit nicht nur die großen Kapitalisten die schönen Profite in die Tasche stecken. Nunmehr wäre Herr Paaschs, der nationale Vize- Präsident, zun: Wort gekommen; da ihm das aber nicht paßte, veranlaßte er die Vertagung der Debatte. Montag geht's weiter. Hoffentlich haben sich dann die Herren Arendt und Liebert von den Annehmlichkeiten des heutigen Tages— sie sind nämlich Brautführer auf der Hochzeit des Peters— genügend erholt, um wieder zur Stelle zu sein. Die Rcichstagsersatzwahl im Wahlkreise Berden-Hoya. Das Resultat der Wahl, die am Freitag stattfand, lautet: Gutsbesitzer v. Dannenberg(Welse) 6316, Präsident Dr. Heili- genstadt(Natt.) 5883, Redakteur Henke(S o z.) 3899. Hofbesitzer Harries(Freikons.) 3453, Justizrat Dr. Lewin (frs. Vpt.) 3162. Es hat also Stichwahl zwischen dem Welsen und dem Nationalliberalen stattzufinden. Am 25. Januar 1907 war das Stimmenverhältnis: Nationalliberal 13815, Sozial- denwkraten 3491, Welsen 5915 Stimmen. Die Nationalliberalen, auf deren Kandidat sich 1907 alle '„nationalen" Stimmen im ersten Wahlgang vereinigten, haben also noch mehr Stimmen verloren, als die selbständigen Kandidaten der Freikonservativcn und des Freisinns ihnen abgenommen haben. Die Sozialdemokratie hat r u n d 4 00 Stimmen gewonnen. Die G e s a m t z a h l d e r b ü r g e r- lichen Stimmen gegen 1907 aber hat rund 600 ab- genommen. Die Bevölkerung des Wahlkreises ist zu drei Vierteln ländlich. Verden ist mit etwa 10 000 Ein- wohnern die einzige Stadt. Es war unseren Genossen diesmal gelungen, in mehreren Ortschaften, wo sie früher keine Ver- sammlungen abhalten konnten, Versammlungssäle zu be- kommen._ Alzey-Bingen. ■ Nach amtlicher Feststellung erhielt bei der Reichstagsstichwahl Hebel(Zentrum) 12 027 Stimmen, Korell(Freis.) 10 877 Stimmen. Der erster« ist somit gewählt. Bei den letzten allgemeinen ReichstagSwahlen im Jahre 1907 wurde im ersten Wahlgange für den Kandidaten des Bundes der Landwirte 0589, für den Freisinnigen 0285, für den Zentrums- mann 0280, für den Sozialdemokraten 1919 Stimmen abgegeben. In der Stichwahl siegte der Bündler mit 11 841 gegen 9031 Stimmen. Bei der jetzt notwendig gewordenen Ersatzwahl er- dielten im ersten Wahlgange Pfarrer Korell 8004, Stadtrechner Uebel 0012, der nationalliberale Dr. Becker 5910, der Genosse Adelung 1558 Stimmen. Die Wahl Korells konnte demnach als gesichert gelten, wenn die Sozialdemokraten und Nationalliberalen für ihn eintraten. Das ist jedoch nicht geschehen. Wie die obige Meldung zeigt, hat in der Stichwahl jedoch der bei weitem größte Teil der National- liberalen für den Zentrmnskandidaten gestimmt, entsprechend dem Aufruf der„Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Alzey-Bingen". in dem es heißt: „Nationallibcrale! Nachdem das Zentrum sich bereit er- klärt hat, bei der nächsten Rcichstagswahl keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern uns im ersten Wahlgange zu unterstützen, falls wir ihm bei der diesjährigen Stichwahl ent- schiedenc Wahlhilfe leisten, handelt es sich nicht mehr um Korell oder Uebel, sondern um unsere eigene Sache. Tretet deshalb ebenso geschlossen für Uebel ein wie für Dr. Beckerl... Bc« wahrt uns vor der Wiederkehr und Verewigung der bei der letzten Reickstagswahl endlich abgeschüttelten freisinnigen Herrschaft im Wahlkreis Alzey-Bingen!... Es bleibt uns keine andere Wahl. Die Versammlung der Vertrauensmänner des gesamten Wahl- kreiscs Alzey-Bingen hat einmütig beschlossen: Wählt Uebel! Keine Stimme, die Dr. Becker bekommen, darf Uebel ent- gehen!" Das Verhalten der Nationalliberalen ist ein Beweis dafür, wie in manchen rheinischen Gegenden Zentrumsparteiler und Ratio- nalliberale einander näher und näher rücken. Die Kulturkampf- stimmung verfliegt, und die religiösen Gegensätze treten vor der Gleichartigkeit der wirtschaftlichen Interessen und Anschauungen zurück. Sowohl die Anhängerschaft der Nationalliberalen wie des Zentrums besteht in Alzey-Bingen vornehmlich aus Kleinbürgern; der Unterschied ist nur daß die einen evangelisch, die anderen katho- lisch sind. Die Sinnesart, der Gesichtskreis ist der gleiche. So sind für Zeiten, wo die religiösen Fragen zurücktreten» die nötigen Be- rührungspunkte gegeben. • Hlnter deu Kulissen. Die in der gestrigen Notiz„Neue Kompromiß ver- Handlungen" von uns geschilderten persönlichen Bemühungen des Reichskanzlers, ein Steilerkompromiß zwischen den Blockparteien zustande zu bringen, werden von verschiedenen Blättern bestätigt- So schreibt z. B. die„Deutsche Tageszeitung": „Die gestern vormittag beim Reichskanzler abgehaltenen Be- sprechungen zwischen dem Reichskanzler und einigen Führern der Block- Parteien trugei: naturgemäß einen streng vertraulichen Charakter. Dennoch sind einige Einzelheiten bereits an anderer Stelle in die Oeffentlichkeit gelangt, an denen wir, soweit sie anderweit schon mitgeteilt worden sind, nicht vorübergehen dürfen. Hierzu gehört vor allem, daß die Nachlaßsteuer als endgültig aus den Verhandlungen ausgeschieden gilt, daß die Neichserbschaftssteuer weiter ausgebaut werden soll und daß, neben der Erhöhung des Kaffeezolles, eine Reihe neuer fleinerer Steuern dem Bukett eingefügt wird. Auf dieser Grundlage versprechen die Verhandlungen einen raschen, be- fliedigenden Verlauf." Gleich interessant wie komisch ist, daß an den Verhandlungen auch Herr Sydow teilgenommen und daS Fallenlassen der Nacklaß- steuer gebilligt hat, obgleich er. als er im Oktoberheft der„Deutschen Rundschau" den Feldzug eröffnete, mit dem Brustton der lieber- zeugungStreue verkündete: i,3ch für meine Person bin fest davon über« zeugt, daß die Hinz ufügun�g einer allgemeinen Nachlaß st euer eine conditio sine qua non für das Zustandekommen der Reichsfinanzreform bildet." Heute ist bereits diese„Ueberzcugung" erledigt. Ein recht attomodationssähiger Mensch, dieser Herr Reichsschatzsekretär l Er eifert, wie eö scheint, seinem Chef nach. Sehr ergrimmt ist daS Zentrum, daß eZ bei dem schönen Kuh- Handel vorläufig ausgeschaltet worden ist. Seine Blätter gefallen sich jetzt in der Rolle des Fuchses, dein die Trauben zu hoch hingen. So schreibt beispielsweise die„Mark. VolkSztg.": „Manche unserer Freunde haben es vornherein mit einem gewissen ängstlichen Gefühle beobachtet, wie daS Zentrum bei der Aktion in der Eub- und Steuerkommission allmählich die Führung übernahm. Das konnte ja bei der Blockstimmung, die bei uns besteht, nicht gut gehen. Bülow mußte fallen, wenn auf diese Weise der Block bei dieser wichtigsten Lebensfrage des Reiches ausgeschaltet wurde, wenn die seit langen Jahren als ,un- national" iqw. verschriene Zentrumspartei hier wiederum— wie schon so oft, mehr vaterländisches Interesse und mehr Einsicht in die Notwendigkeiten zeigte, als der Block."-_ Was die christlichen Arbeiter beim Zentrum gelten. In den letzten Jahren konnte man in der katholischen Arbetterpresse vielfach Artikel über das Steuerwesen lesen, die sich übereinstimmend gegen die weitere Vermehrung und Erhöhung der indirekten Steuern aussprachen. Mangelte es den Artikeln auch an der erforderlichen Entschiedenheit— in dieser Hinsicht können die katholischen Arbeiter von den Zentrumsbauern noch viel lernen—, so zeigte sich doch mit erfreulicher Deutlichkeit, daß die verbrecherische Ungerechtigkeit, die mit den indirekten Steuern an der besitzlosen Masse geübt wird, nun doch auch in den Kreisen erkannt wird, die bisher derartigen Fragen teilnahmslos gegenüberstanden. Und auf verschiedenen katho- tischen Arbeitervereinstagungen hat mar. sich, namentlich im Westen Deutschlands, gegen eine weitere Belastung der breiten Volksmassen ausgesprochen— kurz, die latholischen Arbeiter stehen, wenn sie es auch nicht ebenso entschieden zu äußern wagen, bezüglich der Frage, ob das Arbeitcreinkommen weiter auf indirektem Wege belastet werden soll, mit der übrigen Arbeiterschaft auf demselben Standpunkte. Die chri st lichen Gewerkschaften enthalten sich im allgemeinen wegen ihrer„politischen Neutralität" der Stellungnahme in Wirtschafts- und Steuerfragen, doch ge- statten sie den einzelnen Organisationen, deren Interesse durch besondere wirtschafts» und steuerpolitische Maßnahmen bedroht sind, hiergegen vorzugehen. So hat neulich der Verband christlicher Tabakarbeiter eine Petition an den Reichstag abgehen lassen, worin gegen jede steuerliche Mehr- belastung des Tabaks Protest eingelegt wird. In der letzten Numnier des Zentralblattes der christlichen Gewerkschaften wird dieser Standpunkt des näheren begründet und nachgewiesen, daß die Tabaksteuerfrage eine Lebensfrage für die Tabakindnstrie ist, mit der das w i r t s ch a f t l i ch e und s o z i a l e W o h I von Tausenden von Arbeitern verknüpft ist. Der christliche Tabakarbeiterverband gedenkt durch Protest- Versammlungen die öffentliche Meinung im Lande zu wecken, eine weitere Petition an den Reichstag zu richten und endlich eine aus den verschiedenen Landesteilen zusammen- gesetzte Kommission nach Berlin zu senden, die mit den einzelnen Abgeordneten Rücksprache nehmen soll. Zur selben Zeit, wo in dieser Weise der Protest der latholischen Arbeiter lauter und lauter erschallt, schließt das Zentrum, um sich der Regienmg zu empfehlen und wieder zur herrschenden Partei zu werden, mit den Konservativen den schiniihlicheu Bund zur Aus- powerung des Volkes, schickt es sich an, den Massen neue Lasten aufzuerlegen, uin die Besitzenden desto wirksamer zu schonen. Was sagen die katholischen Arbeiter- vereine, was sagen die chri st lichen Gewerk- schaften zu diesem neuesten Beweis von „ausgleichender Gcrcchtigke: t", die angeblich die Grundlage aller Zentrumspolitik bildet? WaS sagen sie zu dieser neuesten Rücksichtnahme, die das Zentrum den Wünschen seines Arbeitergefolges entgegenbringt?! Der Reichsverband als Abnehmer gestohlener Briefmarken. Vor dem Landgericht Hildeshcim fand dieser Tage die Ver- Handlung über den Briesmarkendiebstahl im Postgebäude zu Burg. dorf statt, bei dem Marken im Werte von 21 000 M. entwendet wurden. Zufälligkeiten führten auf die Spur der Täter, auf deren Konto auch die Diebstähle einiger Platinakessel in Oker und Frei- verg und andere schwere Sachen kommen. Der Ausgang dieses Diebes- und Hehlerprozesses hat für uns allerdings kein Interesse, wohl aber einige Aussagen und Feststellungen während der Ver- Handlung, soweit sie. den Althättdler A. Papenberg- Hannover betreffen, der verdächtig ist, der Anstifter des Markendiebstahls zu sein, dessen Sache aber demnächst in Hannover gesondert abgeurteilt werden wird. A. Papenberg, wegen Hehlerei mit 9 Monaten vorbestraft, ist nicht nur Obmann des Reichsverbandcs zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie, Zahlstelle Hannover, sondern hat eS auch fertig gebracht, unter irgend. einem Vorwande an diese von den gestohlenen Marken für 500 M. abzusetzen, obgleich der� Markendiebstahl das Tagesgespräch bildete. Diese Briefmarken fanden dann Verwendung bei der m echter ReichsverbandZmaince betriebenen LandlagSwahlagikafton ftft Stadt- und Landkreise Linden, in dem P. unermüdlich tätig war. Der Generalsekretär K o m o l l in Hannover, eine Leuchte des Reichsverbandcs, bestätigte seinem Kampfgenossen wider den Um- stürz, daß er in der Agitation für den Rcichsverband sich„be- sonders hervorgetan" habe und„deshalb"„als anständiger und ordentlicher Mann gegolten habe". Ein Polizei- kmnniissar aus Hannover bezeugte, daß Papenberg sich in ganz Hannover— lies in den bürgerlichen Kreisen Hannovers— de-> be st e n und unantastbarsten Rufes erfreute, und das; er durch seine Tätigkeit für den Rcichsverband zu einer berühmten Person geworden. Und diese sturmerprod'e Säule des Gegcnwartsstaates wird demnächst als„schwerer Junge" die Gerichte beschäftigten und von bürgerlichen Richtern für würdig befunden' werden, auf Jahre hinaus die unfreiwillige Staats- Pension zu genießen. Die hannoverschen Rcichsverbändler haben wirklich Pech. Trotz ihrer Fühlung mit der Polizei reiht sich Niederlage an Nicderlagi., die eine noch gründlicher wie die m:derc. Festgenagelt zu werden verdient, daß die bürgerliche Presse. soweit sie über den Prozeß in Hildesheim berichtet, zwar mitte, Ii, welche umfassenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen waren, ira: etwaige Fluchtversuche der Verbrecher zu vereiteln, aber über die Hcldenrolle Papenbergs im Reichsver bände un? über den Ankauf ge st ohlener Marken durch deu Rcichsverband in tiefes Schweigen sich hüllt.•— Eine neue Wahluechtsverschlechterttng. Ein neues Landtagswahlgesctz soll jetzt auch für Sachsen-Wei- mar geschaffen werden. Der Entwurf ist heute dem Landtage zu- gegangen. Danach wird das bestehende Gesetz durch Erweiterung der Privilegiertenwahlen verschlechtert. Bisher wählten die Großagrarier und die Höchstbesteuerten je 5 Abgeordnete;. dieses Vorrecht soll erhalten bleiben. Außerdem sollen jetzt von der Uni- Landwirtschaftsrammer und der Arbeiterlammer je ein Abgeordneter LandwictschaftSkammer und der Arbeitskammer je ein Abgeordneter gewählt werden. 23 Abgeordnete sollen auf Grund eines allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts gewählt werde. i. doch sind Zusatzstimmen in Aussicht genommen worden. Die Nationalliberalen und der Bund der Landwirte. Die„Kölnische Zeitung" rechnet in einem drei Spalten langen Artikel mit dem Bund der Landwirte ab. Zu- nächst wendet sich das Blatt gegen die„demagogische Art, wie von agrarischer Seite der Kampf gegen die Nachlaßsteuer geführt worden ist". Es heißt da: „Ob der deutsche Bauernstand durch die Agitation des Bundes der Landwirte wohl wirklich in seiner politi- sehen Urteilskraft schon so weit verwirrt ist. daß er glaubt, Herr v. Podbielski und seine ostelbischen Genossen, die niemalsein Herz für den Bauern st and ge- habt haben und von ihm politisch durch Abgründe getrennt sind, führten den Kampf gegen die Nachlaßsteuer wegen'der Existenz dcS Bauernstandes? Wir behaupten noch einmal, daß den Veranstaltern dieses Feldzuges der Bauern- stand und der Mittel st and dabei vollkommen gleichgültig gewesen ist." Die„Kölnische Zettung" legt dem Bund der Landwirie „politische Brunnenvergifrung" zur Last,„Schädigung des Staates", „Verächtlichmachung des Vaterlandes",„Verwirrung der politischen Lage" und andere schöne Dinge. Die schroffe Stellungnahme gegen jede Aenderung des preußischen Landtagswahlrechts beweise, daß im Bund der Landwirte gegenwärtig ein ausgesprochen kon- servativer Zug herrsche. Mit Anspielung auf Dr. Hahn heißt es: „Man braucht sich aber nicht darüber zu wundern, daß der Bund der Landwirte diese einseitig konservative Richtung ein- geschlagen hat, da sein regsamster Führer ein national- liberaler Renegat ist, der seine alte Partei mit dem Hasse eines Renegaten verfolgt." Wenn die Landbündler die Nationalliberalen so geringschätzig behandeln, so wird das seine Gründe darin haben, daß die um Hahn ganz genau wissen, was sie den Nationalliberalen bieten können, die man nicht umsonst als Hörige des Bundeö der Land- Wirte bezeichnet hat._ Die Arbeitslosigkeit. Die Stadtverordneten in O f f c n b a ch bewilligten für eine Zählung der Arbeitslosen von Haus zu HauS durck städtische Beamte, denen organisierte Arbeiter alc. Helfer beigegeben waren, B00 Mark. Der Antrag des Gewert- ichaftslartells, an Arbeitslose Barunterstützungen zu gewähren, wurde zurückgestellt. Die weitere Behandlung der Arbeitslosenfürsorge wurde dem städtischen Ausschuß für Arbeiter- und Meldewesen übertragen, der zu diesem Zwecke um drei ständige Mitglieder— je ein Mitglied der freien und der christlichen Gewcrlschasten. sowie der gelven Streikbrcchervcreine— ver- stärlt wurde. Zur Ausführung von Notstandsorbeiten sollen alle Arbeitslosen angenommen loerden, die sich dazu melden. An Arbeitslosenuntersliitzung sind von den Gewerkschaften Offen- bachS bisher 42000 M. verausgabt worden. Ei» sozialdeniokratischcr Wahlrechtsantrag in Hamburgs Parlament. Hamburg, 27. Februar. (Privatdepesche des„Vorwärts") Auf der Tagesordnung der BürgerschostSsitzung vom Mittwoch. den 3. März, steht ein sozialdemokratischer Autrag auf Aenderung des Wahlgesetzes._ Graf v. Westarp und sein junger Mann. Der im vorigen Herbst in Meseritz-Bomst an Stelle deS verstorbenen Abgeordneten von Ge r s d o r f gewählte konservative Graf v. Westarp ist bekanntlich am vergangenen Donnerstag bei der Polendebatte im Reichstag mit einer Anmaßung aufgetreten, die selbst seine Freunde erschreckt haben dürfte. Dieser nach recht jugendliche deutsche Graf aus Posen fühlt sich gewissermaßen schon als Führer der konservativen Partei und trifft bereits Vor- bereitungcn, um das Erbe des alternden Grafen v. K a n i tz an- zutreten. Er stürzt sich nämlich mit Feuereifer in die parla- mentarischen Arbeiten und hat sich deshalb einen Privatsekretäc mit nach Berlin gebracht. Damit er den Sekretär aber bei allen möglichen Wechselfällen seines parlamentarischen Daseins immer bei der Hand hat, hat et diesen jungen Mann entgegen allem Brauch frei und unverfroren im großen Schreibsaal des Reichstages an einem Tisch untergebracht, qn dem bisher der Zentrumsabgeordnete Dr. Pfeifer zu arbeiten pflegte. Das imponiert seinen Partei- freunden natürlich ungeheuer. Der jugendliche Herr Graf scheint sich zum konservativen Parteiführer auch sehr gut zu eignen, venu er wendet den Grundsatz seiner Klasse, andere für sich ar- bciten zu lassen, auch auf die parlamentarischen Arbeiten an. Nur eine Schwierigkeit wird sich bei diesem System doch in der ersten Zeit bemerkbar machen. Man wird nämlich manchmal nicht wissen, wie weit der Herr Graf und wie weit jener junge Mann für eine von ertterem gehaltene Rede verantwortlich zu machen ist.—_ Soldatenmisihandlnnge«. Dom Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg wurde am Mittwoch der Sergeant Kirchner von der siebenten Kvnchagnie des 27. Infanterie-Regiments in Halbcrstadt wegen Mißhandlung von Untergebenen in 24 Fällen und vorschriftswidriger Behandlung i» 26 Fällen z u sechs Wochen Mittelarrest verurteilt. Die Verhandlung fand wegen»Gefährdung Militär- dienstlicher Interessen' unter AuSschluh der Oeffentlich- keit statt. In der öffentlich erfolgten Beitründung des Urteils heißt es. daß der Ängeklagie besonders in der Jnstruktionsstunde die ihm unterstellten Soldaten gestoßen, getreten und mit dem Seile ngetvehr geschlagen habe, so daß manchmal infolge der Mißhandlungen Blut floß.— An Kaisers Geburtstag ließ er die Soldaten den ganzen Tag Betten bauen und brachte sie so um einen freien Tag. Dem Angeklagten seine Vorgesetztencharge zu nehmen, lehnte daS Gericht ab. Dazu läge kein Grund vor! Der Hauptmann hatte dem Herrn Soldatenschinder das beste Zeugnis ausgestellt._ Tie Balkankrise. Die diplomatische Aktion. Der Anschluß Rußlands an die gemeinsame Aktion der Mächte bedeutet noch keineswegs, daß alle Schwierigkeiten überwunden sind, wenn auch die akute Gefahr wohl borüber ist. Denn da über die Form der Intervention noch keinerlei Vereinbarungen bestehen, kann die russische Regierung unter dem Einfluß des un-> fähigen, schwankenden uKd böswilligen Jstoolski die definitive ' Lösung noch lange genug verzögern. Die diplomatische Aktion hat alS nächsten Zweck, die Absendung des serbischen Memorandums zu verhindern, die serbische Regierung zu bewegen, die territorialen Forderungen endlich fallen zu lassen und die wirtschaftlichen Zu- gcständnisse, die sie von Oesterreich verlangt, genau zu formulieren. Tie Mächte würden, wenn diese Forderungen sich in maßvollen Grenzen halten, dann diese in Wien befürworten, so daß der Konflikt durch direkte Verhandlungen zwischen Wien und Belgrad oder durch die Vermittelung befreundeter Mächte beigelegt werden könnte. Hernach soll die europäische Konferenz endlich zusammentreten, um die getroffenen Vereinbarungen zu bestätigen. Damit würde dann die Fiktion des Völkerrechts gc- wahrt sein. In Serbien führt zwar die Presse noch eine sehr kriege- rische Sprache und verlangt die sofortige Absendung des Memo» randums. Jedoch liegen Erklärungen des serbischen Minister- Präsidenten vor, die bei weitem friedlicher lauten und jede aggressive Absicht leugnen. Allerdings hält Nowakowitsch seine Forderungen auf Abtreten eine? Landesstreifens zur direkten Ver- bindung Serbiens und Montenegros aufrecht. Gegen solche terri- toriale Kompensationen hat sich auch der türkische Groß- wesir«in einer Unterredung mit ylldr Entschiedenheit ausgesprochen und die volle Uebcrcinstimmung mit der österreichischen Regierung betont, eine immerhin nicht zu unterschützende Stärkung des österreichischen Standpunktes. Das österrrichisch-türkische Ucbcrcinkommcn. Für die Türkei ist das gestern unterzeichnete Uebereinkommen mit Oesterreich ein bedeutender Erfolg. Sie verzichtet zwar auf alle Ansprüche auf Bosnien und Herzegowina, aber das ist nur die juristische Anerkennung eines tatsächlichen ZustandcS, den die Okkupation von 1876 geschaffen hatte. Dafür erhält die Türkei nicht nur ihre volle Souveränität im Sandschak Novibazar zurück, sondern außer der finanziellen Entschädigung von 2Va Millionen Pfund auch wertvolle wirtschaftliche. Zugeständnisse. Oestcrreich-Ungarn verpflichtet sich, binnen zwei Jahren nach Ratifikation des Protokolls auf Grund des europäischen Völkerrechtes mit der Türkei einen Handelsvertrag abzuschließen, welcher in Kraft tritt, insoweit die anderen Handelsverträge der Pforte abgeschlossen und auf derselben Grundlage in Kraft ge- treten sein werden. Inzwischen stimmt Oesterrcich-Ungarn erstens der Erhöhung der türkischen Wertzölle von elf auf fünfzehn Prozent zu, zweitens der Einführung neuer Mono- pole oder der Erhebung von Konsumabgaben auf Petra- lcnni, Zigarettcnpapier, Zündhölzchen, Alkohol und Spielkarten, alles dies unter der Voraussetzung zu, daß dieselbe Behandlung gleichzeitig und ohne Unterschied auf die Einfuhr der anderen Länder angewendet wird. Insoweit es sich um die Einfuhr von Monopolartikeln handelt, wird die Verwaltung dieser Monopole gehalten sein, Artikel österreichischer oder ungarischer Provenienz nach dem Prozentsatze der JahreSeinfuhr dieser Artikel zu beziehen. Falls die Türkei, anstatt der Einführung bhn Monopolen die Ein- Hebung von Konsumabgaben auf jene Artikel beschließen sollte, werden diese Konsumabgaben in gleicher Höhe von den gleich- artigen türkischen Produkten und jenen anderer Staaten ein- gehoben. Ferner willigt Oesterreich in die Aufhebung der österreichischen Postämter und verspricht der Pforte seine Unter- ftützung bei den Verhandlungen über die Abschaffung der Kapi- tulationen. Besondere Bestinunungen schützen die mohammc- danischen Bosnier in der Ausübung ihrer Religion und garan- ticren ihnen die. volle Gleichberechtigung. Sie behalten ihre ottomanische Nationalität ausdrücklich anerkannt und genießen auch ferner das Recht nach der Türkei auszuwandern, wo sie als türkische Untertanen aufgenommen loerden. Das Ende des Boykotts. 'Konstantinopel, 27. Februar. Die türkischen Blätter ber- öffentlichen eine offizielle Mitteilung des Boykottsyndikats, in der dieses einstimmig erklärt, daß der Boykott gestern sein Ende erreicht habe. franhrdch. Eine Niederlage der Syndikalisten. Paris, 25. Februar.(Eig. Ber.) Eine Wahl, die vielleicht für die französische Gewcrkschafts- bcwcgung und für die Arbeitcvbcwegung überhaupt von geschicht- licher Bedeutung sein wird, hat gestern im Vorstand der Arbeiter- konföderation stattgefunden. Es handelte sich darum, an Stelle Griffuelhes, der im Verlauf sehr unerquicklicher innerer Streitigkeiten zurückgetreten war, einen neuen Sekretär zu wählen. Die Gegner der bisherigen Konfödcrationstaktik, die durch ihre„antipatriotffchen' und anarchistelnden Tendenzen der Werbe- kraft der französischen Gewerkschaften solchen Schaden getan und wertvolle Energien in Abenteuern verzettelt hat, beschlossen diese Gelegenheit zu einem vereinigten Vorstoß im Interesse einer, von diesen außerhalb der gewerkschaftlichen Aufgaben liegenden Bestre- Hungen befreiten Organisationsarbeit zu benützen. Dieser Vor- stoß ist erfreulicherweise gelungen. Wie schon auf dem Kongreß in Marseille gingen auch diesmal die Sozialisten mit den Neutralisten zusammen. Sie vereinigten ihre Stimmen auf den Buchdrucker Niel, Sekretär der Arbeitsbörse in Montpellier. Der Wahl war eine hitzige Agitation vorangegangen. Die revolutionären Syndikalisten zeigten dabei wenig Skrupel. Sie scheuten auch nicht vor dem unanständigen Kniff zurück, Niel als „Kandidaten der Regierung" zu bezeichnen. Das Mittel hat nicht verfangen. Fast alle großen Verbände traten für Niel ein: außer den Buchdruckern die Mechaniker, die Bergarbeiter, die Textil- arbeiter, die Eisenbahner und— mit Ausnahme der Züiwhölzchcn- arbeiter— die Staatsarbeiter. Die Syndikalisten hatten zunächst zwei Kandidaten: den Bauarbeiter N i c o le t, für den außer seiner Gewerkschaft namentlich die Metall- und Holzarbeiter sowie die Seeleute stimmten und Griffuelhes, für dessen Wiederwahl sich die Landarbeiter, die Nahrungsmittelarbeiter, die Zündhölzchen- arbeiter und andere einsetzten. Der erste Wahlgang ergab folgendes Resultat: Niel 27 Stimmen. Griffuelhes lg. Nicolet 12. bei einer Enthaltung. Der zweite Wahlgang brachte Niel den Sieg mit 23 Stimmen, gegen 27 Nicolets und 1 Griffuelhes, bei 3 Enthal- tungen. Die von Niel gewonnene Stimme, die die Entscheidung gebracht hat, ist die der N a h r u n g s m i t t e l a r b e i t e r. Niel hat wie so mancher den Syndikalismus schärfster Sorte zum Ausgangspunkt seiner Entwickelung gehabt. Noch auf dem Kongreß in Bourges»war ei* der Wortführer der Gegner der Proportionalvertretung in der Konföderation. Obzwar er in dieser Beziehung seine Ansicht nicht geändert hat, so vertrat er doch auf dem Diorseiller Kongreß den Standpunkt, daß eine so wichtige Frage zumindest einem Referendum unterbreitet werden müsse. Niel war in Marseille auch der Gcneralredner der Minorität für die Ausscheidung des AntipatriotismuZ und der Jnsurrektions- Politik aus dem Gewcrkschaftsprogramm. Für die Internationale von besonderer Bedeutung ist, daß er der Schmollpolitik der Griffuelhes und Genossen gegenüber dem internationalen Gewerk- schaftssekreiariat entgegengetreten ist. Wohl wird seine Aktions- freihcit in dieser Beziehung durch die Beschlüsse von Marseille einigermaßen gehindert sein, aber da auch hier der Ton die Musik macht, darf man in der Wahl Niels die Verheißung verbesserter internationaler gewerkschaftlicher Beziehungen des französischen Proletariats sehen. Italien. Die christlichen Demokraten und der Wahlkampf. Rom, 24. Februar.(Eig. Ver.) Die christlichen Demokraten, deren Führer der Priester Murri ist, haben seit längerer Zeit offen den Weg der Unbotmäßigkeit gegen die Kurie eingeschlagen. Sie handeln nun also nur konsequent, wenn ihre Organisation, die äomooratioa narionste, jetzt die Wahlparole ausgibt, gegen die Klerikalen und für die Kandidaten der äußersten Linken zu stimmen. Diesmal stellt der Verband auch eine eigene Kandidatur auf und zwar Don Murrt selbst, der in Montcgiorgio kandidiert. Die dortige Parteisektion hat sich nun an den Parteivorstond gc- wendet, um zu fragen, ob die Sozialisten für den christlichen Demokraten stimmen können. Nach den Beschlüssen des Florentiner Parteitages kann die Partei für die Kandidaten eintreten, die unser Minimalprogramm annehmen. Können die christlichen Demo- kraten diesen Parteien zugezählt werden? Der Parteivorstand hat sich zur Beantwortung dieser Frage nicht für kompetent gehalten, hat eö aber gleichzeitig abgelehnt, dem Eintreten der Sozia- listen für Don Murri ausdrücklich zu widerraten. So haben die Genossen dieses Wahlkreises beschlossen, Don Murri zu unter- stützen, wozu sie angesichts des Verhaltens dcS Parteivorstandes durch die in Florenz bestätigte Autonomie der Wahlkreise in taktischen Fragen berechtigt sind. Wie eS heißt, werden mehrere Parteigenossen sür Don Murri agitieren und auch der„Avanti" nimmt offen für ihn Partei. Nun haben freilich die christlichen Demokraten ein weitgehendes soziales Neformprogramm und stehen uns auf diesem Gebiete näher als die bürgerlichen Radikalen. Sie sind aber dogmcngläubige Katholiken. Ihr Führer hat sich nicht dazu entschließen können, den Priesterrock auszuziehen.— Ist es da nicht eine befremdende Er- scheinung, daß die sozialistische Partei für ihn stimmen läßt? Das sind eben Folgen der Bündnispolitik. Stimmt man schon für die Radikalen, warum dann nicht für die Christlich- sozialen, und wenn für die, warum nicht auch für die rechtschaffenen Konservativen? Bei der allgemeinen Schwammigkeit der Partei- Programme in Italien ist da eben cine Grenze sehr schwer zu ziehen. Engflanä. Gegen die MarineanSgabe«. London, 26. Februar. Nach einer langen lebhaften Debatte hat die National Liberal Fcderation eine Resolution an- genommen, in der erklärt wird, daß sie gegenwärtig es vor dem Lande nicht vertreten könne, daß die in Vorschlag gebrachte Ver- mehrung der MarineauSgahen notwendig sei. Die HeercsauSgabe. London, 27. Februar. Das Heeresbudget für 1909/10 Beläuft sich auf 27 435 000 Pfd. Sterl. gegen 27 459 000 Pfd. Sterl. im Jahre 1903/09. Es führt einschließlich Indiens 804 973 Offiziere und Mannschaften auf gegen 799 610 des vorjährigen Etats. Die Effcktivstreitlräfte sollen 680 107 Mann betragen. Sckweclen. Die Wahlreform. Stockholm, 21. Februar.(Eig. Ber.) Die endgültige Annahme der im Jahre 1907 vorläufig bc- schloffenen Wahlrechtsreform und Verfassungsrevision(ist vom fchwe- bischen Volke nichts weniger als mit Begeisterung begrüßt worden. Sie bietet nicht das, was das Volk fordert, nicht das wirklich all- gemeine gleiche Wahlrecht, für das vor allem die Arbeiterschaft Schwedens jahrzehntelang gekämpft, demonstriert und auch gestreikt hat. Einen Fortschritt auf dem Wege zur Demokratisierung des Staats- Wesens bildet die Reform allerdings, und ein besonders reaktionärer Abgeordneter der ersten Kammer hielt diesen Fortschritt für so ver- hängnisvoll. daß er in folgende Worte ausbrach:„Bald werden alle unsere Institutionen voll von Radikalen und Sozialisten sein; Thron, Altar und Geldeömacht werden gestürzt, das Kapital wird ans dem Lande getrieben, die Republik eingeführt, die Staatskirche abgeschafft werden," und schließlich pathetisch ausrief:„Was für ein linterschied ist zwischen einem Verräter, der sein Vaterland dem äußeren Feinde preisgibt, und uns, meine Herren, wenn wir jenem Borschlage unsere Zustimmung geben?" Die e r st e Kammer aber war.landesverräterisch genug, um die Reform niit nicht weniger als 119 gegen nur 22 Stimmen gut- zuheißen. Die Mehrheit der Herren vom Geldsacksparlamcnt war eben der Ansicht, daß ihre Interessen auch unter den neuen Formen noch gewahrt loerden können, und leider täuschen sie'sich darin nicht. Die Machtsphäre der Ersten Kammer wird durch die Reform nicht eingeschränlt, und über ihre Zusammensetzung entscheidet nach wie vor der Geldsack. Sie wird nach wie vor indirekt gewählt, durch die Landsthinge— die Vertretungen der Land- und kleinen Stadt- gemeinden— und durch die Stadtverordneten der Städte, die in den Landsthingen nicht vertreten sind. Das nach der Steuerleistnng bemessene kommunale Wahlunrecht ist allerdings ein gut Teil ein- geschränkt, aber keineswegs beseitigt worden. Bisher konnte ein großer Steuerzahler in den Städten bis zu 100 Stimmen, aus dem Lande gar bis zu 5000 Stimmen bei den Gemeindewahlen in die Wahlurne werfen; jetzt ist das Stimmenmaximum in Stadt und Land aus 40 beschränkt worden. Jede 100 Kronen Steuer- einkommcn geben dem Gcmeindewählcr eine Stimme, und das gilt auf dem Lande bis zu 1000, in der Stadt bis zu 2000 Kronen steuerbaren Einkommens; darüber hinaus verfügt man noch für je 500 Kronen über eine Stimme, jedoch ist für die Landgemeinden die Einschränkung getroffen, daß kein Wähler über mehr als ein Zehntel der gesamten Stimmenzahl der Gcmeindebürger verfügen kann. Um Mitglied der ersten Kammer werden zu können, muß man mindestens 35 Jahre alt sein, sür ein Jahreseinkommen von mindestens 3000(Bisher 4000) Kronen Staatssteuer zahlen oder ein Grundstück von mindestens 50 000(bisher 80 000) Kronen TaxierungS- wert besitzen. Für daS Wahlrecht zur zweiten Kammer ist die wichtigste Verbesserung die folgende: Bisher war wahlberechtigt nur, wer mindestens 800 Kronen Jahreseinlommen versteuerte. Jetzt hat jeder männliche Schwede, der im Vollbesitz der bürgerlichen Rechte und keine Steuern schuldig ist, das Wahlrecht. Ausgeschlossen bleiben die Empfänger von Armenunterslützung. Eine Verschlechterung, die die Reform mit sich brachte, ist, daß das Wahlrechtsalter vom vollendete» 21. Lebensjahre auf das 24. Lebensjahr erhöht wurde. Ihr schwerster Fehler ist. daß die weibliche Hülste der Bevölkerung nach wie vor vom Wahl- recht ausgeschlossen ist. Trotz jener Verschlechterung und trotz der verschiedenen Einschränkungen des allgemeinen Wahlrechts rechnet man damit, daß die Zahl der Wahlberechtigten von bisher kaum 500 MO auf 1000 000 steigt. Als eine Einschränkung der guten Wirkungen der Reform wird von unseren Genossen und auch von den demokratisch gesinnten Leuten im Bürgertum das Pro- portionalsystem angesehen. das für beide Kammern des Reichstages Geltung hat. Hätte man ein einheitliches Parlament erhalten oder wäre der plutokratische Charakter der ersten Kammer beseitigt worden, so hätten sich unsere Genossen wohl mit einem guten Proportionalsystem einverstanden erklärt; wie aber die Dinge jetzt liegen, ist man allgemein der Ueberzeugnng, daß der Ausdruck des LolkSwillenS, den das Parlament darstellen sollte, durch dieses System nur noch mehr verfälscht wird. Die Mitgliederzahl beider Kammern bleibt dieselbe wie bisher: 150 in der ersten, 230 in der zweiten Kammer. In der zweiten Kammer ist die Reform mit 158 gegen 53 Stimmen, bei 10 Stimmenthaltungen und 3 ungültigen Stimm- zetteln, angenommen worden. Unter denen, die mir Nein stimmten, waren auch die 34 Sozialdemokraten. Sie handelten in Uebereinstimmung mit ber ganzen Arbeiterschaft Schwedens, die sich noch kurz vorher in Massenversammlungen über das ganze Land gegen die Annahme der Reform erklärt hatte. Daß über die Zu- iaimneiisetzung der ersten Kammer nach wie vor der Geldsack ent- scheiden soll, daß den jungen Männern von 21 bis 24 Jahren das Wahlrecht entrissen wird, daß ferner das allgemeine Wahlrecht mit allerlei Einschränkungen umzäunt ist, und daß schließlich die Frauen rechtlos bleiben, waren die Hauptgründe der ablehnenden Haltung. Nachdem im Jahre 1901 das Prinzip der allgemeinen Wehr- Pflicht durchgeführt wurde, kamen auch die herrschenden Klassen zu der Einsicht, daß dem Volke, dem damit neue schwere Lasten auferlegt waren, das Wahlrecht in weiterem Maße als bisher zuteil werden müsse. Gegenüber den verschiedenen Wahlrechtsvorschlägen, die dann im Laufe der Jahre den Reichstag beschäftigten, hat die Arbeiterschaft immer die Taktik befolgt, das Mangelhafte und Unzureichende zu Fall zu bringen und zu diesem Zweck im Jahre 1902 sogar einen drei- tägigen Generalstreik geführt. Sie erreichte mit dieser Taktik, daß die Vorschläge, die nach und nach kamen, immer besser wurden. Auch die Unionsauflösung hat ihr Teil dazu beigetragen, die herrschenden Klaffen einer gründlicheren Wahlrechtsreform ge- neigter zu machen, da man sich nach den Ereignissen von 1905 der Einsicht nicht verschließen konnte, daß Norwegen infolge seiner demo- kratischen Verfassung und seiner politischen Gleichberechtigung nach innen und außen viel stärker dastand als das große, aber aristokratisch und plutokratisch regierte Schweden. Darum war auch der nun mit einigen Aenderungen Gesetz gewordene Entwurf des konservativen Ministeriums L i» d e m a n vom Jahre 1906 insofern besser als der vorherige des liberalen Ministeriunis S t a a s f. als er eine wenn auch sehr unzureichende Reform des kommunalen Wahl- rechts und damit des Wahlrechts zur ersten Kammer brachte. Wäre es der Arbeiterschaft gelungen, auch diesen Entwurf zu Fall zu bringen, so hätte man sicherlich in den nächsten Jahren mit noch verbesserten Vorschlägen rechnen können. Nun wird man erst ab- warten müssen, wie die neuen Wahlrechtsbestimmungen wirken werden. Die Vertreter der Arbeiterschaft im Reichstage haben beut- sich genug ausgesprochen, daß mit dieser Reform der Kampf um das allgemeine, gleiche Wahlrecht keineswegs beendet ist, sondern fort- gesetzt wird, bis dem schwedischen Volke sein ganzes und volles Recht zuteil wird. KulUancl. Stolypin als Verteidiger Azews. Stolypins Rede sollte cine Rechtfertigung der Regierung und eine Beschönigung des herrschenden Spitzelwesens sein. Sie war aber cine wuchtige Anklage gegen das herrschende Regierungs- system und seine Träger, die Stolypin mit solcher Anmaßung zu verteidigen dachte. Stolypin leugnete— wie immer, so auch diesmal— die er- hobenen Anschuldigungen rundweg ab und fälschte die offen- kundigsten Tatsachen. Azcw habe— ebenso wie andere„Amts- Personen"— niemals an terroristischen Akten teilgenommen. Er habe dem Polizeidcpartemcnt bloß„Nachrichten" zugestellt ünd da- durch die Pläne der Revolutionäre„vereitelt". Um den Einwand zu entkräften, daß Azew, wenn er seine führende Rolle in der Partei bewahren wollte, Attentate inszenieren mußte, suchte er dessen Stellung in der Partei als vollkommen harmlos darzustellen. Azew, der 1901 im Verein mit Gerschuni die sozialrevolutionärc Partei organisiert, seit 1902 als Mitglied des Zentralkomitees und der Kampforganisation(seit 1904 sogar als Leiter der Kampf- organisation) eine energische Tätigkeit entfaltet und an den wich- tigstcn terroristischen Akten teilnimmt, gehört nach der Darstellung Stolypins erst seit 1906 dem Zentralkomitee an und tritt erst dann der Kampforganisation näher. Der Zweck dieser Fälschung ist klar. Es soll dadurch die für die Regierung besonders unbequeme An- schuldigung entkräftet werden, daß Azcw mit Wissen seiner Vorgesetzten und Auftraggeber an der Ermordung des Gouverneurs von Ufa, Bogdanowitsch, des Ministers des Innern, Plchwe, und des Oheims des Zaren, des Großfürsten Sergius, teilgenommen hat. Indessen widerspricht Stolypin sich hier selbst. Er führte aus, daß Azew bei seiner Stellung in der Partei� die Ermordung des Großfürsten Sergius hätte vcr- hindern können, aber damals im Auslande gewesen sei. Damit gibt er aber die Richtigkeit der Darstellung des Zentralkomitees der sozialrevolutionären Partei zu, daß Azew im November 1904 die Kampforganisation in drei Gruppen teilte, von denen er cine nach Moskau sandte, um das Attentat gegen den Großfürsten Sergius zu verüben. � Als eines der wichtigsten Entlastungsmomente gegen Azew bc- trachtet Stolypin folgenden Umstand: Alle Daten der Polizei sprächen dafür, daß sich die Häupter der Revolutionäre stets auf dem Schauplatz des terroristischen Anschlages befinden."Tso hätten es Gerschuni und Sawitzkow gehalten, Azew habe es aber nicht getan. Dieses Argument ist nicht nur einfältig und lächerlich, es entspricht auch nicht den Tatsachen. So wurde Azew im Jahre 1906 während eines der zahlreichen Attentate, die er gegen Admiral Dubassow in Moskau organisierte, in der unmittelbaren Nähe des Attentatsortcs von der Polizei verhaftet» um natürlich gleich darauf freigelassen zu werden. � Nach dieser Verteidigungsrede, die genau das Gegen- teil von dem beweist, was sie beweisen sollte, ging Stolypin zum„prinzipiellen" Teil seiner Rede über. Der„ErlundigungS- dienst" sei eine Notwendigkeit, denn er existiere überall. Aber freilich, er sei nicht der Zweck, sondern ein Mittel, um das Ucbel der Revolution zu bekämpfen. Darum würde die Negierung keine Proöokaieure in ihren Diensten dulden. Damit war Stolhpin glücklich bei derselben von sittlicher Entrüstung erfüllten Erklärung angelangt, welche sein Gehilfe Makarow vor zwei Monaten aus Anlast der Enthüllungen über die provokatorische Tätigkeit der Wilnaer Sicherheitspolizei in der Duma abgegeben hatte. Er konnte nun seine Rede mit dem befriedigenden Gefühl schließen, dast seine Erklärung ebenso wenig ernst genommen werden würde, wie die seines Vorgängers Makarow. Die Debatte über Azew. Petersburg, 2ö. Februar. Tie Reichsduma setzte in ihrer heutigen Sitzung die Debatte über die Azew-Affäre fort. Die Redner der Partei der Friedlichen Erneuerer, der Arbeits- gruppe und der Sozialisten erklärten sich unbefriedigt von den Ausführungen Stolhpins und hielten an der Behauptung fest, Azew habe Provokation mit Wissen der Re- gierung geübt. Namens der Kadettenpartei griff Maklakow die Regierung aufs heftigste an und behauptete, sie stütze sich auf V e r rä t e r und auf Bedrückung, aber nicht auf das Land und auf die Freiheit. Für den Minister- Präsidenten traten Graf Bobrinski und Purischkewitsch ein. Letzterer hielt jedoch die Verbindung des Grafen Witte mit politischen Mordtaten für erwiesen und bemerkte, die extreme Rechte lehne daher die Interpellation der Kadettenpartei und der Linken ab und verlange ein Vorgehen gegen den Grafen Witte, den Casanova des zwanzigsten Jahrhunderts. Weiterhin ver- teidigten Redner der Rechten und des Zentrums die Regierung gegen die Angriffe der Opposition. Der Kadett Roditschew be- Hauptete, Stolhpin sei zwar durchaus aufrichtig und ehrlich, aber mit Blindheit geschlagen. Abends brachten fünfzig Abgeordnete der Rechten eine Interpellation ein, in der die Regierung auf- gefordert wird, gegen den Kadettenführer M i l j u k o w gerichtlich einzuschreiten, weil dessen Zusammenhang mit den Revolutionären erwiesen sei. In der Abendsitzung nahm dann Miljukow zur Ab- wehr der gegen ihn erhobenen Angriffe das Wort. Nach längerer Debatte nahm die Duma eine von der Mehrheit der äußerten Rechten, der Nationalisten, der gemäßigten Rechten und den Oktobristen eingebrachte Tagesordnung an, in welcher es heißt, dast sie die Erklärungen der Regierung für g e- nügend und erschöpfend anerkenne und zugleich die llcberzeugung ausspreche, die Regierung werde alle gesetzlichen Mittel zur Bekämpfung des Terrors anwenden. Gep?erKlcKaft1icbes. Hyäne» des Schlachtfeldes. Die Organisation der ehemaligen Lokalisten ist in Deutsch- land bis auf wenige Trümmer aufgeflogen, nicht zuletzt da- durch, daß man die sozialdemokratisch denkenden Mitglieder durch die anarcho syndikalistische Propaganda geradezu zwang, sich anderen Organisationen anzuschließen. Bekehrt hat das freilich die wenigen Macher dieser Bewegung nicht. Sie geben ihr Handwerk der Arbeiterzersplitterung nicht auf. Eine rein theoretische Darlegung ihrer Grundsätze vermag aller- dings, auch in den süßesten Locktönen vorgetragen, keine Katze hinter dem Ofen hervorzulocken. Niemand weiß das besser als Herr Katerl So wendet man sich dahin, wo ein häus- licher Streit in der Arbeiterbewegung erhoffen läßt, daß dort Unzufriedene oder sich zurückgesetzt Fühlende genügend vor- Händen seien, die in ihrer Verbitterung bereit seien, sich eben darum— nicht aus Ueberzeugung— der anarchosyndika- listischen Bewegung in die Arme zu werfen. Die„Einigkeit" des Herrn Kater bringt folgenden nach dieser Richtung hin aufklärenden Bericht: Freie Vereinigung aller Berufe. Berlin. Am 17. Februar hielt die Vereinigung ihre regel- mäßig jetzt nur allmonatlich einmal im Lokal von Schräder, Alte Schönhauser Str. 20 stattfindende Versammlung ab, da die erste halbmonatliche, laut Beschluß, eine Wanderversammlung ist. Genosse Cohn hielt einen sachlichen Vortrag über Klassenkampf. Anknüpfend daran entspann sich eine lebhafte Diskussion. Unter Verschiedenes betreffend Agitation wurde die Versammlung dahin einig, am Sonntag, den 28. Februar, eine Flugblattverireitung in Pankow morgens 8 Uhr zu arrangieren. Treffpunkt: Uhr in Pankow, Rozycki(Kleines GesellschaftShans), Kreuzstr. 3—4. Pflicht unserer sänrllicheit Mitglieder ist eS, zahlreich zu erscheinen, damit einmal energisch und tatkräftig für unsere Ideen Propaganda getrieben wird.... Mittwoch, den S. März, abends 8'/z Uhr, findet die Wander- Versammlung in Pankow bei Rozycki statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genossen Fritz Kater über:„Die jüngsten Ereignisse in der deutschen Arbeiterbewegung." 2. Diskussion. Genossen! Agitiert fleißig für den Besuch dieser Versammlung. Jeder einzelne von uns muß anwesend sein, um Beweis dafür zu haben, daß wir im Verein nicht bloß zahlende Mitglieder, sondern auch im Punkt Agitation und Propaganda ihren Mann stehende Mitglieder besitzen, die mit ihrer Persönlichkeit einstehen für die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften. 9 ES ist nicht uninteressant, die Leute bei der Arbeit zu beobachten. Während sie immer behaupten, gerade auf die Reinheit der Grundsätze das höchste Gewicht zu legen und an- geblich von Anhängern nichts wissen mögen, die haltlos hin und her schwanken, bauen sie in Wirklichkeit ihre Hoffnung darauf auf, daß eine bloße Verärgerung sozialdemokratische Arbeiter urplötzlich zu einer Gesinnungsreviston in der Richtung des Anarchosyndikalismus veranlassen könnte. Wir wußten freilich schon lange, daß man in anarchistischen Kreisen dem leidigen Streit in Pankoto nicht nur zusieht. Aber die Leute, welche ihre Hoffnung darauf setzten, haben sich immer vorsichtig im Hintergrunde gehalten. Es ist ganz dankenswert, daß die„Einigkeit", allerdings wider Willen, die Situation durch ihre Notiz mit Blitzlicht beleuchtet. Die Pankower Genossen werden daraus ersehen, wie notwendig es ist. über einen Zwist, der doch wirklich gar nichts Prinzipielles an sich trägt, die Interessen der Gesamt- Partei nicht zu vergessen. Die anarcho syndikalistischen Hyänen des Schlachtfeldes aber werden sich— des sind wir sicher— bei der Paokower Arbeiterschaft nach wie vor der gewohnten und wohlverdienten Nichtachtung erfreuen! ßerlfn und dmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Berliner Maschinenbauanstalt vormals L. Schwartz- k o p f f in Wiloau fanden in letzter Zeit wiederholt sogenannte Preisregulierungen statt. Wer aber nun etwa glaubt, daß eine Regulierung bei Schwartzkopff so zu verstehen ist, daß sogenannte gutbezahlte Arbeiten im Preise reduziert und minder bezahlte Arbeiten im Preise aufgebessert werden, der irrt sehr. Für die angebotenen Abzüge gibt die Direktion im Wildauer Werk eigentümliche Gründe an. Sie erklärte einer Kvmmission, welche vorstellig wurde, dast die preußische Regierung erhebliche Abzüge an oen be st eilten Lokomotiven gemacht habe, so daß die Firma nicht mehr konkurrenzfähig sei, wenn sie die bisherigen Preise weiterzahle. Aus diesem Grunde sei sie gezwungen, da sie Arbeiter nicht entlassen wolle. zu ausländischen Bestellungen zu greifen und da die ausländischen Regierungen nochwenigcr zahlen, könne die Firma nicht anders, als eine„Regulierung" der bisherigen Akkoropreise borzünehmeN. Aus diesen Gründen hatten kürzlich die Schlosser der Montage, da eine Einigung mit der Firma nicht zu erreichen war, einen fünf- tägigen Streik,'der jedoch nachträglich durch Verhandeln beigelegt wurde. Aus denselben Anlässen war den Kesselschmieden vor drei Wochen ein Abzug von ö Proz. auf alle Arbeiten angeboten, jedoch wurde dieser Abzug zurückgenommen. Nachdem die Kesselschmiede in einer Versammlung beschlossen hatten, den Abzug zurückzuweisen. Es sollte innerhalb zweier Monate eine Ausarbeitung oer neuen Preislisten vorgenommen werden. Um so mehr erstaunten die Kesselschmiede, als ihnen schon nach 14 Tagen wieder ein Abzug angeboten wurde. Auch jetzt wieder benutzten die Arbeiter den Weg der'Verhandlung. Jedoch wurde ihnen erklärt: wer mit dem jetzigen Abzug nicht einverstanden ist, für den tritt am nächsten Zahltag der erste Abzug in Kraft(5 Proz.). Nun beschlossen die Kesselschmiede am Sonnabend, dm 27. Februar, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen. Wir ersuchen, den Zuzug von Kesselschmieden, Nietern, Stemmern, Bohrern usw. von der Firma Schwartzkopff in Wildau fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Reh u. Prädel in Britz bei Berlin, Jahnstraste, befinden sich die Kollegen im Streik. Wir ersuchen, dieses zu beachten. Zentralverband der' Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Bei den Vertreterwahlcn zur Krankenkasse der Berliner Gast- wirteinnnng erhielt die Liste der Gelben 221, die der organi- sierten Gostwirtsgehilfen(Verband) 166 Stimmen. Da die Wahlen nach dem Verhältnisivahlsystem vorgenommen werden, er- halten die erstercn 21, die letzteren 13 Vertreter. Die Gegner des Verbandes setzten sich zusammen aus 15 verschiedenen Vereinen; die Vorbereitungen zur Wahl hatten sie gemeinsam mit den In- nungsmeistern der Gastivirteznnft hinter verschlossenen Türen-ge- troffen. Diese haben es sich etwas kosten lassen, ihre Schäflein hineinzubringen in der Hoffnung, dast die aufgewendeten Kosten da durch reichlich wieder eingebracht Iverden durch Verschlechterungen in der Kasse. Seit einigen Jahren waren Mitglieder des Äer bände s die alleinigen Vertreter in der Kasse geivesen und hatten manche Verbesserung durchgedrückt. Ueber tendenziöse Berichterstattung des„Vorwärts" beklagt sich die„Fachzeitung" der Tischlermeister, die unsere Schilderung der Vorgänge auf dem Nürnberger Bahn hos wiedergibt, welche sich aus Anlast des Arbeitswilligentransportes aus Berlin nach Zürich abspielten. Das Blatt meint: „Wir möchten doch unserer Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß ein Eisenbahntürgurt reißt in der Weise, daß ein Mann davon auf den Bahnsteig fliegt und er ihn anscheinend erheblich am Kopfe verletzt." Warum stellt denn die„Fachzeihing" den Vorgang nicht nach eigenen Informationen dar, statt sich mit verdächtigenden Redensarten zu begnügen? Bei den guten Beziehungen, die Herr Rahardt, der Chef des sogenannten Chefredakteurs Dr. Müffel- mann, zu dem von ihm mitbegründeten„Handwerker-Schutzver- band" hat, muß es der„Fachzeitung" doch ein leichtes sein, festzn stellen, wie den auf den.Kopf gefallenen Streikbrecheragenten sein Schicksal ereilte._ Oeutkches Reich. Und immer aufs neue„Schwarze Listen". Wiederum sind wir in der Lage, folgende Verrufserklärungen des GesamtverbcmdeZ deutscher Metallindustrieller veröffentlichen zu können: J-No. 172.- 13 14- 0(12/09)(91, 113 n. 119/08.) Berlin, den 19. Februar 1909. Rundschreiben Nr. 13 pro 1909. Im Anschluß an unser Rundschreiben Nr. 12 vom 17. Februar 1909 überreichen wir Ihnen anbei eine Liste der Arbeiter, welche bei der Firma Perlmutterfabrik von Karl Voigt in Franken« hausen(Kyffhäuser) am 1 6. d. M. in den Aus st and getreten sind. Wir bitten Sie nochmals, diese sowie alle Arbeiter von ge» nannter Firma bis ans weiteres nicht e i n z u st e l l e n. Diesem Schreiben liegt eine Liste, welche die Namen von 33 männlichen und 1 weiblichen Knopsmacher enthält, bei. » J.-Nr. 172/3. Berlin, den 19. Februar 1909. Rundschreiben Nr. 4 pro 1909. Der Ausstand bei den Mitgliedern de? SchutzverbandeS deutscher Blasin st rumenten- Fabrikanten- Berlin in G r a s l i tz(Böhmen) ist beendet, desgleichen sind die Differenzen der Gicßereiarbeiter bei der Firma L. A. Riedinger. Maschine n« und Bronzewaren« Fabrik A.-G. Augsburg, sowie bei den übrigen Gießereifirmcn in Augsburg beigelegt, es erledigen sich somit unsere Rundschreiben Nr. 91, 113 und 119 vom 2., 19. und 21. Mai 1903. » 18 Journ.-Nr. 182. Berlin, den 23. Februar 1909. Rundschreiben Nr. IS pro 1909. Bei der Firma Boecker u. Co., Drahtwalzwerk in Gelsenkirchen» Schalke. sind die Drahtzieher in einen Streik getreten. Wir bitten, alle von genannter Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. 16 und 17 Berlin, den 24. Februar 1909. Journ.-Nr. 134. Rundschreiben Nr. 16 pro 1909. Bei der Firma Berliner Maschinenbau-Akt.-Ges. vorm.L.Schwartz- kopff, Werk Wildau. befinden sich seit dem 20. Februar cr. die Schlosser und bei der Firma Richard Bosse u. Co.. Berlin SO.. Wiener Str. 43, seit dem 22. Februar cr. die Arbeiter im Streik. Wir bitte», alle von den genannten Firmen kommenden Schlosser bezw. Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. Berlin, den 24. Februar 1909. pro 1909. Journ.-Nr. 183. Rundschreiben Nr. 17 Bei der Firma Bernhard u. Philipp, Chemnitz, haben die auf anliegender Liste verzeichneten Arbeiter gemeinschaft- lich die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Wir bitten Sie, diese sowie alle von der genannten Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. Gesamtverband deutscher Metallindustrieller. Die beiliegende Liste enthält die Vor- und Zunamen, GeburtS- tage und Geburtsorte von 31 Arbeitern. IZusland. Ein österreichischer Zentcalvrrband der Glaser. Auf einer Konferenz, die am 14. d. M. in Haida, Nordböhmen, tagte, wurde die Verschmelzung des seit 19 Jahren im Haida-Stein- schönaucr Jnoustriegebiet bestehenden„Fachverbandes der Glas- arbeiter" mit dem derzeit etwa 10 000 Mitglieder zählenden Zen- kr alberband der Glasarbeiter Oesterreichs(Sitz Tannwald, Nordböhmen) beschlossen. Die Verschmelzung soll mit dem 1. Mai durchgeführt sein._ Berliner Streikbrecher in Zürich. Zürich, 2S. Februar.(Eig. Ber.)'.' Die Möbelfabrik von Aschbacher ist seit Jahren die Wetterecke für die Bewegung der Holzarbeiter auf dem hiesigen Platze, indem dort ein Konflikt dem andern folgte. Vor Monatsfrist hat Asch- bacher 24 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter gemastregelt, worauf die übrigen Arbeiter der Fabrik in den Streik traten. Aschbacher erklärte vor dem Einigungsamte ganz offen, dast er die Gemäß- regelten nicht wieder einstellen, sondern nur noch unorganisierte und christlich-soziale Arbeiter beschäftigen wolle. Schließlich brachte ihn das Einigungsamt dazu, die Wiedereinstellung von 8 Mann zuzugestehen, so daß 19 Eemaßregelte geopfert werden sollten. Ein auf dieser Grundlage vom Einigungsamte gemachter Einignngs- Vorschlag'fand zwar die Zustimmung der Meisterorganisation, nicht aber auch die der Holzarbeitergewerkschaft, die ihn verwarf. Nun begann seitens der für Aschbacher eintretenden Meisterorgani- sation der Streikbrecherfang, den der Berliner„Hand»' werkers chutzverband" zur Ausführung übernahm, was im „Vorwärts" bereits ausführlich berichtet wurde. Zwei Streik- brechertransporte hat derselbe bereits gesandt, aber nur mit teil- weisem Erfolg. Der erste zählte 29 Streikbrecher, wovon aber nur 18 in die Fabrik kamen; der zweite zählte 23, wovon 16 an ihrem Bestimmungsorte, in der Aschbacherschen Fabrik anlangten. Einer der Entwichenen gibt im„Volkswohl" eine Schilderung des Trans- Portes, auf dem die Leute nur mit Revolvern und Gummi- schläuchen zusammengehalten werden konnten. In Zürich be- schützte die Berliner Streikbrecher ein polizeiliches Massen- aufgebot, als ob für einen solchen Zweck die Arbeiter die Polizei mit ihren Steuergroschen bezahlten! Es kam mit den ange- sammelten Arbeitermassen zu Zusammenstößen mit der wieder wie 1906 entfesselten Polizeibcstie und zu zahlreichen Verwundungen und Verhaftungen. In der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag hatte eine Bande„besserer" Bürger unter Anführung des Polizei» kommissars Sulger und des Sohnes des Advokaten Dr. Rosenberger, Präsident des Bürgerverbandes, die Streik- Posten überfallen und blutig geschlagen. Würden die Arbeiter einen solchen räuberischen Ueberfall auf Bürgerliche ausführen, so gäbe es gewiß Belagerungszustand und Militär- aufgebot. Nun hat sich auch der Züricher Stadtrat wieder zum Hand- langer des Ausbeutertums erniedrigt, indem er für die Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens das Streikpostenverbot erließ. Es ist wieder ein Stück Bürgerkrieg, ein Stück Revolution, das sich da abspielt und das offenbar planmäßig vom Bürgerverband provoziert worden ist. Die noch dichtere Zusammenschließung der Arbeiterschaft zur festen Phalanx wird die Folge davon sein! *»* Von anderer Seite wird noch gemeldet: Die„N. Z. Z." veröffentlichte die wichtigeren Bestimmungen der mit den in Zürich eingetroffenen Berliner Streikbrechern ab- geschlossenen Verträge. Danach übernehmen die Arbeiter die Ver- pflichtung, während der ganzen Dauer des Streiks zu„arbeiten", und sie müssen sich bereit erklären, während ihrer Tätigkeit bei der „Genosscnsckaft schweizerischer Schreincrmeister und Möbelfabri« kanten, Sektion Zürich", weder einem Verband noch einer Organi« sation außer dem Öandwerkcx-Schutzverband, der seinen Sitz iw Berlin hat, anzugehören. Der Vertrag stipuliert die neunstündige Arbeitszeit mit einem Stundenlohn von 66— 80 Rp. und 25 Proz. Zuschlag bei Ucberstunden. Akkordarbeit ist ebenfalls vorgesehen.( 1)1 Für gemeinsames Unterkommen und gemeinsame Verpflegung sorgt der Verband. Für die ersten 14 Tage sind Unterhalt und Unterkommen der Arbeiter frei. Dauert der Streik länger als 14 Tage, so wird für Kost und Logis ein bescheidener Betrag am Wochenlohn abgezogen. Für die großen Reisespesen werden pro Woche 3 Frank bis zur Höhe von 50 Frank in Abzug gebracht. Doch wird dem Arbeiter nach einjähriger Tätigkeit beim Verband dieser ganze Betrag nebst Zinsvergütung wieder zurückerstattet. Damit es den eingeschleppten Kulis nicht schwer falle, ein ganzes Jahr für den Verband, nicht für den Arbeitgeber, zu wirken, gibt man ihnen, solange sie in einer Werkstatt sind, nur Abschlags- Zahlungen. Den Rest, vielleicht auch nur einen Teil des Restes erhalten sie erst, wenn sie wieder nach einem anderen Orte hin„ver- setzt" werden, um neuerdings zur Einschüchterung Streikender zu dienen. So kauft sich der Kapitalismus die Verleidiger seiner Zwing- bürgen, spielt gegen die Arbeiter ihre eigenen Klassengenossen aus und predigt uns: Der Feind des Arbeiters ist der Arbeiter, der unaufgeklärte Arbeiter. Einheitliche Organisation der Landarbeiter und ber Milch» produktcnarbeiter Niederlands. � Der Milchproduktenarbeiterverband und der Laudarbeiterver- band Niederlands haben durch Urabstiminung beschlossen, sich mit- einander zu verschmelzen. Der konstituierende Kongreß des neuen Verbandes fand am 24. Februar zu Leenwarden statt. Von den beiden Verbänden, die sich nun zusammengeschlossen haben, zählte der der Milchproduktenarbeiter 656 Mitglieder in 61 Orts- abteilungen, der der Landarbeiter 312 in 12 Ortsabteilungen. Der neue Verband trägt den Namen„Nederlandsch Bond van Arbeiders in het Landbow- eil Zuivelbedrijf." Auf dem Kongreß wurde ein Kampfprogramm beschlossen, bei dem unter anderem verlangt wird: Ausdehnung des Unfallgesetzes auf alle Arbeiter und Arbeite- rinnen der Landwirtschaft; Schutz der Frauenarbeit; Maximal» arbeitstag von 10 Stunden für Erwachsene, Sonntagsruhe und, wo diese nicht durchführbar ist, mindestens einen freien Tag die Woche; Beseitigung der Bestimmung des Schulpflichtgesetzes, die den Kindern zur Verrichtung von Landarbeit bis zu 6 Wochen Schul- freiheit gewähren läßt; allgemeines Wahlrechts Staatspensioncn für oie, die derer bedürfen; Errichtung von Arbeitsbörsen und Arbeits- losenfonds durch die Gemeinden.— Als besoldeter Sekretär des Verbandes wurde P. Hiemstra in LeeMvarden gewählt. Die Organe der beiden alten Verbände werden zu einem verschmolzen, das den Titel„Vereenigt IT trägt. Letzte IMacbncbtcn und Dcpcfcben» An die Unrechten gekommen. Mainz, 27. Februar.(B. H.) In der Kaserne der b. Kam- pagnie des hier garnisonierenden Artillerieregiments kam es dieser Tage zwischen alten Leuten und Rekruten zu einer Schlägerei. Die Rekruten griffen schließlich zu den Säbeln und schlugen er- barmungslos auf ihre Angreifer, die älteren Mannschafte», ein, Drei Personen wurden schwer verletzt. Beim Rodeln verunglückt. Darmstadt, 27. Februar.(W. T. B.) Auf der Rodelbahn der Ludwigshöhe stürzte nachmittags ein mit fünf Offizieren besetzter Bobsleigh um und wurde gegen einen Baum geschleudert. Leut- nant v. Trott zu Solz vom 25. Artillerieregiment war sofort tot; die Leutnants v. Reden, Freiherr von Biegeleben, v. Geldern- Crispendorf und von Reichenau von demselben Regiment sind schwer verletzt.________ Berantlv. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil vergntw.; Zh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer ä- Co., Berlin LW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 50. 26. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 28. februar 1909. 215. Sigung, Sonnabend, den 27. februar. nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Dernburg. Präsident Graf Stolberg: In der Donnerstagssigung hat der Abg. Kulersti einen beleidigenden Zwischenruf gemacht, ber hier nicht gehört worden ist. Hätte ich ihn gehört, so hätte ich den Abg. Kulersti zur Ordnung gerufen.( Heiterkeit.), Auf der Tagesordnung steht die Abg. Eichhorn( Soz.): die Baumwollproduktion der Kolonien wird. wieder Stimmung für die Kolonien machen, wieder rosa in rosa unausbleibliche Enttäuschung nicht noch weitere Kreise treffen malen, um den Wert der Kolonien in der Meinung der Völker zu heben.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In seinen Vor- Nun ist uns besonders in dem hier gehaltenen Vortrage er trägen hat der Staatssekretär auch große Hoffnungen auf zählt worden, daß die Entwickelung der Landwirtschaft in den ,, bie industrielle und landwirtschaftliche Entwickelung der Kolonien" Stolonien ausgezeichnete Fortschritte macht, daß die Siedelungsfähigkeit wächst und daß von einigen Sachverständigen diese Beerweckt. Selbst die Kreuz- Zeitung" hat hier schon Wasser in den deutung der Kolonien sogar über ihre Bedeutung als HandelsWein des Kolonialsekretärs gegoffen und darauf hingewiesen, wie plätze gestellt wird. Nun habe ich hier einen Brief eines Farmers, weit er in seinem übertriebenen Optimismus fehl geht und wie der erst nach den Reden des Staatssekretärs geschrieben ist. Der sehr seine Darstellung mit den Tatsachen in Widerspruch steht. Mann schreibt, er sei ganz allein, die anderen Weißenfind Birka 130 Millionen Mark beträgt der gesamte Handel der Ko alle wegen Wassermangels fortgezogen. Es hat Ionien. Das kommt für Deutschlands Entwickelung gar nicht in feit 1904 nicht mehr geregnet, das ist sehr traurig, besonders auch Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats der Schutzgebiete und Betracht. Zieht man die starke Einfuhr nach Südwestafrika ab, so für das Vieh. Ich denke, ich werde hier nicht mehr alt werden, es des Kolonialamts. bleibt im Jahre 1907 nur ein Gesamthandel von 123% Millionen ist möglich, daß ich schon nächstes Jahr wieder nach drüben komme. oder eine Steigerung von 24 Millionen Mark in einem Jahre. Es gefällt mir hier nicht mehr. Wenn ich meine Bude in Karibib Wie kann man auf Grund solcher Ziffer zu so übertriebenen Vor- verkaufen kann, fomme ich bald." Das ist solch kleines StimmungsDer Abg. Lattmann hat die kindische Bemerkung gemacht, die stellungen von der Vortrefflichkeit unserer Kolonien kommen? Sie bild aus den Kolonien, das uns zeigt, was den Landmann dort Sozialdemokratie sei in der Kolonialpolitik auf dem Wege nach find um so weniger gerechtfertigt, als der deutsche Anteil an diesem erwartet. Die amtlichen Berichte, die sich über alles mögliche erDamaskus. Er hat dabei darauf hingewiesen, daß unsere Vertreter Handel nur wenig über 60 Proz. beträgt. Er ist sogar von 64 auf streden, treiben ja Schönmalerei, und wis teilen( den Wunsch des in der Budgetkommission bei der Beratung des Kolonialetats ge- 62 Proz. gesunken. Bei einer so minimalen Ziffer braucht Herrn v. Gamp, daß sie uns in diesem Umfange nicht mehr mitschwiegen hätten. Das ist nicht wahr; sie haben nicht geschwiegen. man auf Einzelheiten nicht einzugehen, um sofort zu sehen, wie geteilt werden. Auf die Stimmungsmache verzichten wir gern, Präsident Graf Stolberg: Sie haben gesagt, ein Abgeordneter ungerechtfertigt es ist, daß das Deutsche Reich jahraus jahrein für wenn wir uns darauf verlassen könnten, daß uns der Staatssekretär hätte eine kindische Pemerkung gemacht. Das ist nicht zulässig. Ich die Kolonien die großen Opfer bringt.( Sehr richtig! bei den So- stets einen so nüchternen Bericht gibt, wie im vorigen Jahre. Freirufe Sie zur Dronung.( Große Heiterkeit bei den Sozialdemo- zialdemokraten.) Man hat auf lich ist auf den Staatssekretär kein Verlaß; ihm spielt sehr bald traten.) wieder seine Phantasie einen Streich.( Heiterkeit.) Aber troß der Abg. Eichhorn( fortfahrend): Wenn wir nicht bei jeder GeBestrebungen des amtlichen Berichts, alles günstig hinzustellen, wird Tegenheit, bei jedem Gehalt eines schwarzen Polizisten oder Kolo- hingewiesen. Auch wir Sozialdemokraten würden es mit Freuden darin doch gesagt, daß die gesundheitlichen Verhältnisse sich nicht nialbureausekretärs unsere grundsäglich ablehnende Stellung begrüßen, wenn die deutsche Textilindustrie von der amerikanischen gebessert, daß einzelne Krankheitserscheinungen sogar zugeAber es ist gar keine wiederholen, so deshalb, weil wir es längst aufgegeben haben, Leute Baumwolle unabhängig werden könnte. wie Herrn Lattmann zu besserer Einsicht zu bringen. Wir stehen Möglichkeit, daß in absehbarer Zeit die amerikanische Baumwolle Interesse der Gesundheitsförderung in den Kolonien zu machen nommen haben und daß das Reich erhebliche Ausgaben im Der Kolonialpolitik, wie sie bisher betrieben ist, und voraussichtlich durch unsere Kolonialbaumwolle verdrängt werden kann. Im Jahre hat. Sogar Bedürfnisanstalten werden in den Kolonien aus Geauch in Zukunft noch betrieben wird, genau so ablehnend gegenüber Tonnen, in Deutschland eingeführt wurden aber 476 400 Tonnen sekretär hat nach Berichten, ich glaube von Lindequist, von der Bee 1907 betrug die Baumwollproduktion in den Kolonien ganze 750 fundheitsrücksichten aus Reichsmitteln errichtet. Der Herr Staatswie früher. Einer Kolonialpolitit, deren Begriff sich mit dem der Ausbeutung und Unterdrüdung bedt, werden wir immer feindlich Baumwolle! Würde die Produktion der Kolonien sich verhundert- siedelungsfähigkeit am Kilimandſcharo erzählt und sofort die Kongegenüberstehen. Das hätte auch Herr Lattmann wissen können, fachen, also 75000 Tonnen betragen, so blieben immer noch über fequenz gezogen, daß die Eisenbahn dorthin zu verlängern ist. Dann dann hätte er es mir erspart, wegen der Charakterisierung seiner foloniale Baumwollmarkt kann also gar nicht ernsthaft ins Gewicht Südwestafrika, dort liegt ja der Reichtum geradezu auf der Straße! 400 000 Tonnen, die aus Amerika gedeckt werden müßten. Der tam der Herr Staatssekretär mit dem Clou feiner Entdeckungen in Aeußerung zur Ordnung gerufen zu werden. Weshalb sollten wir wohl unsere Stellung zur Rolonialpolitit ändern? Hat sich denn fallen, und doch operiert man damit, um die Kreise der Tertil( Heiterfeit bei den Sozialdemokraten.) Auf einer Strede von in den Kolonien etwas geändert? Freilich, wenn man dem Staats- industrie für die Kolonialpolitik empfänglich zu machen.( Sehr 75 Kilometern werden sekretär Glauben schenkt, hat sich sehr viel geändert. Als er im anderen Ausfuhrwerten aus den Kolonien. Ich verweise hierüber wahr! bei den Sozialdemokraten.) Genau so liegt es mit allen vorigen Jahr seine Reise nach Ostafrika gemacht hatte, hat er uns auf den Artikel in der„ Kreuz- Zeitung" vom 27. Januar, wo im hier sehr nüchtern erklärt, wie wenig angenehm es in den Kolonien einzelnen nachgewiesen ist, wie unzutreffend die Behauptungen aussieht, wieviel an ihnen zu verbessern bleibt oder, wenn man des Kolonialsekretärs in bezug auf die Entwickelungsmöglichkeiten das Fazit zog, wie wertlos eigentlich die Kolonien seien. Er schilderte die rücksichtslose Ausbeutung der Eingeborenen, ihre Wie mit der Ausfuhr, so steht es auch mit der Rechtlosigkeit, ihre gesundheitliche Misere, die ganze wirtschaftliche Einfuhr der Kolonien. Unzulänglichkeit der Kolonien, furz, es trar ein Bild, dessen Treue wir ihm aufs Wort glaubten, zumal da auch von anderer sachverAußer den Gegenständen, die für die Verwaltung gebraucht ständiger Seite bestätigt wurde: Ein Bild, für dessen aufrichtige werden, werden verzweifelt wenig Produkte nach den Kolonien geDarstellung wir ihm dankbar sein konnten. Warum aber damals bracht. Ginen ganz erheblichen Bestandteil macht allerdings der diese Offenheit, dieses rücksichtslose Bekenntnis des Unwertes Alkohol aus! unserer Kolonien? Es war das um so auffälliger, als kaum ein Jahr vorher der Herr Staatssekretär seine Kolonialbilanz auf gemacht hatte, bei der eine ganz andere Stimmung zum Ausdrud fam. Es handelte sich eben im vorigen Jahre darum, einen dunklen Untergrund zu malen, um die Kolonialbahnen im Parlament durch zusehen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man fagte, das Glend bestehe bloß, solange wir keine Bahnen haben. Die Bahnen sind ja dann bewilligt worden und der Kredit für sie auch. Natürlich sind sie heute noch nicht gebaut, und von einer erheblichen Entwickelung des vorjährigen Beschlusses auf die Kolonien fönnte man im Ernst nicht reden. Die ganze Misere der Kolonien fann jetzt nicht in das Gegenteil verkehrt sein. Wo damals Glend und Ausbeutung der Eingeborenen herrschte, kann heute nicht ein Paradies für sie vorhanden sein. Jezt ist nur wieder der Optimismus obenauf, und wir befinden und an derselben Stelle wie die ja auch nach den Ausführungen des Staatssekretärs für die diesen Rüffel ruhig einstecken, denn es war allerdings ein BerSamals, als der Staatssekretär, ohne in Afrika gewesen zu sein, wirtschaftliche Steigerung nicht in Betracht kommen, und feine Kolonialbilanz vorlegte. Wie kommt denn das? Entweder Kleines feuilleton. der Kolonien sind. Der Alkoholmißbrauch hat dort, wie der Staatssekretär hier erzählt hat, ganz ungeheure Dimensionen angenommen. Allein an Bier sind von 7000 dort befindlichen Männern 35 000 Hektoliter konsumiert, also fünf Hektoliter pro Mann im Jahr! Es ist ja auch bekannt, daß Togo, welches in diesem Jahre keinen Reichszuschuß braucht, feine günstige Finanzierung nur dem Alkoholzoll verdankt. Eine überraschende Aufwärtsentwickelung zeigen die Kolonien also nicht. Vielleicht wird man darauf hinweisen, daß die Zahl der weißen Ansiedler gestiegen ist. Sie hat in der Tat in allen Kolonien von 12 300 auf 13 850 Personen zugenommen. Aber hierunter befinden sich nur 9400 Deutsche und nur 8427 erwerbstätige Männer. Unter diesen aber sind wieder 1100 Beamte, 567 Missionare, Diamanten gefunden, die man ganz mühelos aufheben und einfach in die Tasche steden kann!- In vier Monaten sind auf diese Weise für 1 100 000 m. Diamanten gesammelt, ein gewaltiger Wert, wenn man bedenkt, daß, wie uns gesagt wird, die Diamantengewinnung vorläufig mit den allerprimitivsten Mitteln eingerichtet ist. Gesehen haben wir die Diamanten bisher noch nicht, doch will ich nicht bestreiten, daß Diamanten dort vorhanden sind; man hat ja erfahren, daß in Sana'a eine ganze Kollektion solcher Diamanten bereits ge= schliffen und als Muster herausgegeben worden sind. Aber die Schäzungen über den Wert der Diamanten in Südwestafrika sind sehr verschieden, und selbst wenn man die allerhöchste Schäßung annimmt, so würde das Ergebnis noch nicht einmal hinreichen, die Kosten des Aufstandes in Südwestafrika zu decken. Was wvill also der Schab, der in Südwestafrika gefunden ist, befagen, wenn noch nicht mal die Kosten dieses Vernichtungsfeldzuges gegen die Hereros herauskommen, dessen Grausamkeit und Greuel heute glücklicherweise nicht mehr bestritten werden! Als wir sie vor einigen Jahren hier brandmarkten, hielt man uns entgegen, das sei Verhebung und bringe Deutschland in Mißkredit, und man redete sich in eine fünstliche Entrüstung hinein.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Heute ist es der Herr Staatssekretär selber, der hier von dieser Stelle aus erzählen muß,„ von einer der Eigenart des Landes nicht angepaßten Kriegsführung".( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der oberste Kriegsherr muß nichtungsfeldzug.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Stolberg: Sie haben gesagt, der oberste Striegsherr habe einen Rüffel einsteden müssen. Ich rufe Gie dafür zur Ordnung. sind ihm jetzt Potemkinsche Dörfer in Südwest- Afrika oie ebenfalls mit der wirtschaftlichen Entwidelung nichts zu tun gezeigt worden oder aber was naheliegender ist in diesem haben. Trotzdem der Aufstand in Südwestafrika beendet ist, ist Jahre sind keine Eisenbahnen notwendig, und daher ist es nicht man in Deutschland jetzt allgemein nicht von einem Kolonial- Abg. Eichhorn( fortfahrend): Aber wenn selbst die Diamanten, nötig, so schwarz zu malen wie im Vorjahre. Man muß vielmehr enthusiasmus befallen; das darf man nur begrüßen, weil dann die die uns in Aussicht gestellt sind, die Aufwendungen des Muttergehalt von 50-70 Broz. am angenehmsten empfunden werde. Viel der Explosionsstätten ein Blabregen nieder. Die Versuche wurden mehr fühlt sich der Mensch dort am behaglichsten, wo der Verdun- dann wiederholt und brachten ebenso günstige Resultate. Bei einem ftung von seiner Körperoberfläche aus der geringste Widerstand dritten größeren Versuch gelang es sogar, einen Regen hervorCaran d'Ache, der bekannte französische Karikaturenzeichner, ist entgegengesetzt wird. Nur die mit Wasserdampf start oder ganz zurufen, der mehrere Stunden anbielt und sich auf ein Gebiet von am Freitag im Alter von 50 Jahren gestorben. Eigentlich hieß er gesättigte Luft wird als drückend empfunden, weil sie diese Ver- vielen Quadratkilometern erstrecte. Diese Erfolge sind eine neue Poiré(= Birne). Er war als Abtömmling einer franzöfifchen dunstung unmöglich macht. Empfindliche Leute leiden schon in Bestätigung des alten Glaubens, wonach man durch Kanonenschüsse Familie in Mostau geboren, ließ sich aber nach Ablauf seiner start gefüllten Stonzert- und Versammlungslokalen darunter. Auch Jupiter bewegen könne, die Sterblichen mit Regen zu beglüden. inilitärischen Dienstzeit dauernd in Paris nieder, wo er als Künstler in Wohnungen wird nur zu große Feuchtigkeit der Luft als lästig Die Geschichte verzeichnet eine Reihe von Fällen, wo großen das russische Pseudonym Karandatsch(= Bleistift) annahm, das er empfunden und nicht deren Gegenteil. Weshalb die Aufstellung von Schlachten unmittelbar starke Regenergießungen folgten. Gine ins Französische transffribierte und nobilifierte. As Karikaturist Wasserbecken oder Luftbefeuchtern auf einem Vorurteil beruht, Stunde nach dem Bombardement der Krim im Jahre 1856 übererwarb er sich durch seine knapp andeutenden, dem Zeitungsdrud überdies vollkommen zwedlos ist. Es ist ganz unmöglich, durch die zog sich plötzlich der Himmel und bald begann ein heftiger Regen. Seine geringen Wassermengen, die aus einer aufgestellten Schale ver- Wenige Monate später, nach der Schlacht von Interman, beobach angepaßten Umrißzeichnungen rasch ein hohes Ansehen. Stärke liegt nicht im Erfassen des Typischen, sondern im dunsten, die sehr großen Feuchtigkeitsansprüche eines felbft gar tete man dasselbe Phänomen. Schon in der ersten Schlacht, bei der Aufsuchen der zahllosen Drolligkeiten und Lächerlichkeiten, die nicht großen Raumes, der auf etwa 60 Proz. relative Feuchtigkeit Kanonen gebraucht wurden, bei Créch 1346, entstand ein furchtdie bürgerliche Alltäglichkeit dem heiteren Blid darbietet. Caran gebracht werden soll, zu decken. Ein Wohnraum von 75 Rubik- bares Gewitter über dem Schlachtfelde, und ähnliches beobachtete d'Aches Kunst ist die des bourgeoisen Optimismus, der sich vor allen meter Inhalt würde bei weitester Schäßung immer noch 4-5 Liter man bei Montebello, bei Magenta, bei Solferino. Es hat sogar quälenden Fragen des Daseins in den je- mèn- foutisme"( auf deutsch am Tage dazu brauchen. Dementsprechend zeigen auch die feinsten nicht an Theoretikern gefehlt, die die Gewitterbildung mit dem etwa Wurschtigkeit) flüchtet. Komische Jägererlebnisse, Erbonkel- Hygrometer keinen Unterschied an, wenn in einem Raume Luft- Läuten der Kirchenglocken in Verbindung bringen wollten. In geschichten, luftige Soldatenszenen in modernem und historischem befeuchter oder Wasserbeden aufgestellt werden. Die vermeintliche Teras hat man 1891 während der Trockenheit praktische Versuche Kostüm und dergleichen sind seine Lieblingsstoffe, und auch, wo er günstige Wirkung solcher Vorrichtungen beruht auf Einbildung. mit Ballons gemacht, die man in der Luft zur Explosion brachte und sich dem Aktuellen widmet, bleibt er bei wiziger Glossierung des Die Gründe, die bei Zentralheizung eine angebliche Trockenheit die in der Tat eine Zusammenziehung von Regenwolten zur Folge Neußerlichen haften, so 3. B. wenn er zur Zeit der Dreyfus Strife der Luft empfinden lassen, die bei Ofenheizung fehlt, find die hatten. den Familientisch vor und nach dem Aussprechen des ominösen häufige Ueberhitung und der oft hohe Staubgehalt der Luft. Nicht Namens darstellt, oder in der Aera der Ruffenbegeisterung die Dvation selten sind in Bureauräumen mit Zentralheizung Temperaturen von zeigt, die eine Volksmenge einem für einen Ruffen gehaltenen Herrn 22-24 Grad Celsius zu beobachten, wodurch tatsächlich der Feuchtigbeim Heraustreten aus einem Anstandshäuschen bereitet. Der Wig feitsgehalt start herabgeht. Die beste Abhilfe liegt natürlich darin, Ueber 19 Grad sollte die Caran d'Aches lag oft mehr im Stoff und in der Legende, als in die Räume nicht zu überheizen. der Zeichnung selbst, obzwar seine saubere Umrißmanier scharfe Bimmertemperatur nicht steigen. Viele Leute schreiben ein heftiges Krazen im Schlunde, das sich in Räumen mit Zentralheizung beBeobachtung der Wirklichkeit bezeugt. merkbar macht, der Trockenheit zu, während es in Wirklichkeit auf großen Staubgehalt der Luft zurückzuführen ist. Es sind die brenzlichen Produkte des auf den Heizkörpern schwebenden Staubes, die die Halsschleimhäute reizen. Darum ist die Staubentfer nung von größter Wichtigteit. Ebenso wesentlich ist es, bei sich. Im Momente des Stichs inipfen sie und schwapp haben Die meisten Berlinerinnen tragen ohnehin immer einen Kodak die Temperatur des Heizkörpers nicht zu hoch ansteigen zu lassen. sie den Verbrecher auf der Platte. Empfindliche Personen fühlen sich von den Zentralheizungen älteren Systems belästigt, während die modernen Warmwasser- und Nieder- dem Verbrecher sofort ihren Namen. Wenn die Gestochene beides zu Hause gelassen hat, so nenne fie Der letztere wird, da die brud- Dampfheizungen ihnen kein Unbehagen erzeugen. Mäßige Dame sich zuerst vorgestellt hat, gezwungen sein, ihr feinen Namen Wärmegrade sind daher bei der Wahl von Heizsystemen zu bevor- Dame sich zuerst vorgestellt hat, gezwungen sein, ihr seinen Namen zu nennen. Na, und dann braucht man zu Haus nur im Adreßbuch nachzuschlagen, wo er wohnt und er ist gefaßt. Das Ränzlein. Der wohlbeleibte Ortspfarrer begegnet auf seinem täglichen Spazierwege bei großer Hige dem Förster und flagt über die Beschwerden, die ihm das zunehmende Ränzlein" bereitet. Schaug'ns nur her," meint er, net amol mein' Talar bring' i Ja," erwidert der Förster, dös is a alte G'schicht: Der Stall ( Jugend".) wächst net, aber d' Sau." zugen. Humor und Satire. Antimefferstecherisches. Den Berlinerinnen werden jest viele Mittel angepriesen, durch die sie sich gegen die Attentate der Messerstecher schüßen oder durch die sie wenigstens zu ihrer Entdedung beitragen fönnen, wie Leibbinden von Pappe, Blechpanzer, Schnupftabat, Tinte, Niespulver, Wehl. Das ist alles nichts. Jede Berlinerin sollte zwei Tafeln Wachs bei sich tragen. Im Momente des Attentats erwärmt sie sie und brüidt die beiden Daumen des Messerstechers hinein. Nach den Fingerabbrüden wird er leicht ermittelt werden. B Der Einfluß der Zentralheizung auf die Wohnungsluft. Aus allen Berufsschichten ertönen Klagen über die allzu große Trockenheit der Luft in Wohn- oder Arbeitsräumen mit Zentralheizung. Viele sehnen sich nach der Ofenheizung zurüd, viele flagen über Anstrengung beim Sprechen. Es ist nun, wie die" Blätter für Volks gesundheitspflege" ausführen, von vornherein zu betonen, daß nicht cine Art der Heizung die Luft stärker austrocknet als eine andere. Diese Behauptung wird wohl manchem unglaubhaft scheinen, der die Erfahrung gemacht hat, daß Möbelstücke, die sich jahrzehntelang bei der alten Ofenheizung ruhig und gesittet betrugen, nach Einführung der Zentralheizung bedenklich zu rumoren und zu frachen Moderne Regenmacher. Auf Neu- Seeland sind jetzt eine Reihe begannen. Gleichwohl ist es unrichtig, die Ursache dieser Erschei nung in vermehrter Trockenheit der Luft zu suchen. Der Unter- interessanter praktischer Versuche unternommen worden, die beschied besteht vielmehr darin, daß bei Zentralheizung die Zimmer- merkenswerte Aufschlüsse bringen zu der Frage, durch welche fünftluft nachts nahezu dieselbe Temperatur aufweist wie am Tage, lichen Mittel es möglich ist, Regen zu erzeugen. Das Land hat in weshalb die Hauseinrichtung gleichfalls auf konstanter Temperatur der letzten Zeit unter furchtbarer Trockenheit zu lefden, der Saaten. erhalten wird. Bei Ofenheizung hingegen tritt nachts eine starke stand litt schweren Schaden; während am Himmel die Regenwolken Abkühlung ein, die sich naturgemäß auch auf die Möbel erstreckt. dahinzogen, ohne ihr kostbares Naß auf die dürftende Erde zu er Infolgedessen geben Mauern und Möbel bei Tage Feuchtigkeit an gießen, schmachtete das Land in Trodenheit, und die Farmer sahen bie Zimmerluft ab, die sie dann nachts wieder aufnehmen. Die ihrem Ruin entgegen. In der„ Monthly Weather Review" wird Zentralheizung schließt solchen Feuchtigkeitswechsel aus, und darin berichtet, auf welche Weise man versuchte, die dahinziehenden Wolfen liegt die Ursache der größeren Trockenheit und des Reißens der in Regen umzuwandeln. Es wurde eine Sammlung veranstaltet, Gin Denkmal für Robespierre. Das unter Möbel. Bei Herstellung neuer Möbel ist es allerdings möglich, um die Kosten des Experimentes zu decken, sie hatte ein reiches Er- dem Vorsitz des Arbeitsministers Viviani gebildete Komitee zur mit diesem Faktor zu rechnen. Gesundheitlich bedeutet größere gebnis, und alsbalo begannen die Versuche. Auf drei Hügeln Errichtung eines Robespierre- Denfmals in Paris hat dem Bildhauer Trockenheit einen Vorzug, weil sie die Wahrscheinlichkeit einer Gr- wurden in Zwischenräumen von je einer Viertelstunde 25 Pfund Marqueste den Auftrag für das Standbild des Kämpfers der Nefältung herabmindert. Auch dem subjektiven Wohlbefinden ist die Bulber und Dynamit zur Explosion gebracht und eine Viertelstunde bolution erteilt; Marqueste wird den Konventmann aufrecht Trockenheit der Luft günstig. Es ist eine zwar weitberbreitete, aber später von 60 Pfund eines besonders gemischten Explosivstoffes. stehend auf einer Tribüne als Redner darstellen. Wo das Denkmal feineswegs richtige Anschauung, daß ein relativer Feuchtigkeits- Der Erfolg sich nicht lange auf sich warten: fofort aing in der Nähe| Aufstellung finden wird, ist noch nicht bestimmt. " mehr zu. Notizen. landeS tn der AufftandSzei! decken, so wäre doch d!e Frage, ob denn das Erträgnis der Diamanten dem Mutterlande zugute kommt? Es ist nicht das Mutterland, welches diesen glücklichen Fund uneingeschränkt ausbeuten kann, vielmehr wird das Groß- kapital, das sich in so heroischer Weise, wie der Herr Staats- sekretär sich gestern ausdrückte, an der Kolonialpolitik beteiligte, indem es sich rasch und mühelos bereicherte(Sehr richtig! bei den 'Sozialdemokraten), den Löioenanteil haben. Ein großer Teil be- findet sich bereits in privatkapitalistischem Besitz. Vorerst hat der Jubelruf des Staatssekretärs nur ein wildes Börsenspiel in Kolinialaktien zur Folge gehabt. Die Aktien der Südwestafrika-Gesellschaft sind u»" Z00 auf SW gestiegen, was natürlich zu starken Verlusten für oiejenigen führen muß, die so leichtgläubig auf solche Hoffnungen hin Aktien kaufen. Die Aktien der Otavi-Gesellschaft, die 1908 noch unter Pari standen, stiegen im November 1998 auf 173 und schnellten unter dem Eindruck der Reden des Staatssekretärs auf 210 herauf. Nun sagt der Staatssekretär:„Das geht mich nichts an; ich bin nicht schuld, wenn an der Börse wild darauf los- spekuliert wird auf Grund meiner Mitteilungen." Darin gebe ich ihm recht. Die Börsianer sollten wissen, mit welcher Retlame neue Gründungen stets inS Werk gesetzt werden. Aber ob schuldig oder nicht, ich konstatiere nur die Tatsache, daß die einzige Folge dieser Diamantenherrlichkeit ein wildes Börsenspiel gewesen ist, bei dem sich auch das internationale Kapital beteiligt hat— die Otavi-Gesellschaft ist ja fast durchgängig in englischem Besitz. Neuerdings beginnt die Gesellschaft stark mit der nationalen Phrase zu arbeiten. Das mahnt zur verdoppelten Vorsicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die kleinen Aktieninhaber, die man lieranzuziehen sucht, werden auf die Leitung der Gesellschaft nicht den geringsten Einfluß haben; die Generalversammlung wird von den großen Banken beherrscht werden. Um so mehr liegt die Gefahr vor, daß die Gesellschaft großen Einfluß auf das Reichs- kolonialamt gewinnen wird. Am Falle der Firma Tippelskirch haben wir gesehen, wie leicht die Reichsbehörden sich übertölpeln ließen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es mag ja einiges besser geworden sein, aber der beabsichtigte Wechsel in der Leitung der Gesellschaft steigert die Gefahr. Es heißt, daß Herr v. Bennigsen, der bekannte Gegner des Dr. Peters, an die Spitze treten soll. Nun wird es immer heißen: ein kolonialer Fachmann leitet die Gesellschaft, und dieser Umstand dürfte zur verstärkten Einflußnahme auf den Staatssekretär benutzt werden. Die Kolonien sind der Schauplatz ausschließlich g r o ß k a p i- talistifcher Ausbeutung. Mit bäuerlichem Kleinbetrieb ist dort nichts zu wollen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär selbst ein Minimal-Anlagekapital von 90—55 999 M. fordert, dann soll man uns doch mit den Redens- arten von bäuerlicher Besiedelung vom Leibe bleiben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es sind große Bankfirmen, die von den Kolonien Vorteil ziehen. Von einer einzigen großen Bankfirma gehen ein halbes Dutzend koloniale Unternehmungen aus: die Kamerun-Kautschukgesellschast, Samoa-Kautschukgesellschaft, Bismarck-Archipelgesellschast usw.: immer dieselbe Firma, die unter den verschiedensten Namen zu verschiedenen Malen Subventionen bezogen hat. (Hört! hört!) Außer diesen Bankfirmen sind es hohe Kolonial- beamte— hoffentlich nur frühere(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten)— und spekulierende Parlamentarier, die von der Kolonial- Politik Vorteile ziehen. Das sind die Leute, denen es in ihrer Rücksichtslosigkeit nicht darauf ankommt, durch ungemessene Aus. beutung die Eingeborenen zur Verzweiflung, zum Aufstand zu treiben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben den Aufstand in Südwestafrika gehabt, und wir werden, wenn es so weiter geht, auch in Kamerun einen Aufstand erleben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Noch ein paar Worte über die Behandlung weißer Arbeiter in den Kolonien. Neuerdings sind Beamte und Arbeiter der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschoft mit Klagen hervorgetreten. U. a. berichten die: bei Mine und Eisenbahn sind über die Hälfte selbst der höheren Beamten NichLdeutfche, Italiener, Kroaten, Ungarn, Tschechen, Schroeden, Spanier usw.(Hört! hört! und Rufe: Nationale Politik! bei dem Sozialdemokraten.) Und dabei wimmelt Swakopmund von beschäftigungslosen Deutschen! (Hört! hört!) Jedes Schiff bringt billige Arbeitskräfte, die sich um jeden Preis awüieten. Rücksichtslos werden alte Beamte und Ar- bester durch diesse billigeren Neulinge ersetzt und auf die Straße geworfen lHörtl! hört!) oft ohne alle Subsistenzmittel, so daß sie den 75 Kilometer langen Weg nach Swakopmund als Handwerks- burschen zu Fuß zurücklegen müssen.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Da mag man ermessen, was farbigen Arbeitern begegnet! Wieder und wieder wird der Ruf nach sogenannter»Auf. schließung" des Ovgmbolandes laut. Ich will schon jetzt erklären. daß wir gegen alle diese Anschläge auf das Ovamboland, die von ganz unabsehbaren Folgen sein können, den allerentschiedensten Protest einlegen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Regierung alleS vermeiden muß, was irgendwie in Südwestafrika Unruhen herbei- führen kann. Wenn dort Arbeitermangel besteht, haben Sie sich lfm selbst zuzuschreiben, weil Sie in grausamer Weise den Menschen- bestand vernichtet haben. Einer der englischen Kolonisten in Süd- westafrika. ein Herr Davis, hat erklärt, daß gerade die Hereros einer der brauchbarsten Arbeiterstämme gewesen seien, kräftig, intelligent, so daß er sie als Vorarbeiter in seinen Minen hat ver. wenden können. DSese Behauptung beweist, in welch unglaublicher Weise von den Deutschen dort gewirtschaftet worden ist, und zweitens, daß es mit oer Sklavennatur der Neger, die hier von allen Seiten betont wird, nicht weit her ist. �(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Selbst Herr Schwarze-Lippstadt hat gestern erklärt: Geprügelt muß werden, nur nicht zu Unrecht! Ja, was soll das heißen? Wenn man sich nicht dazu entschließen kann. das Prügeln überhaupt einzustellen, dann wird immer die Gefahr bestehen, daß zu Unrecht geprügelt wird. Das Prügeln muß ver- mieden werden; denn die Eingeborenen werden niemals auf eine höher- Kulturstufe gelangen, solange man sie nicht als Menschen behandelt. � � Wir haben gestern ein interessantes Duell zwischen dem Staats- sekretär D-rnburg einerseits und den Herren v. Liebert, Dr. Arendt und Lattmann auf der anderen Seite beobachten können. Es war ein Kampf gegen den Gouverneur von Ostafrika Herrn v. Rechen- berg und gegen sein System. ES handelt sich darum, ob drüben in Ostafrika die weiße Bevölkerung die Ausbeutung der Eingeborenen möglichst schrankenlos und rücksichtslos, unbehindert durch behörd- liche Eingriffe betreiben darf— eine Ausnützung der Eingeborenen, die natürlicherweise sehr bald zu der radikalen Vernichtung der Eingeborenen führen muß—. oder ob man nach der Theorie des Staatssekretärs diese Ausbeutung eindämmen muß. Di- Anschau- ung, die Eingeborenen als Objekt zu betrachten, mst dem man machen kann, was man will, ist ja auch auf der vorjährigen Haupt- Versammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft zum Ausdruck ge. kommen. Da wurde betont, man müsse den Herrenstandpunkt bc- wahren; damit sei nicht gesagt, daß man die Eingeborenen zu Sklaven machen wolle, aber der Unterschied zwischen Herren und Arbeitern müsse gewahrt werden.— Aehnliche Aeußerungen tat auch Herr Paaschc, der auf jener Hauptversammlung anwesend war, zwar nicht als Vizepräsident des Reichstages, sondern als Privat- mann, der aber doch als Vizepräsident angeführt ist. Er erklärte dort:»Wir wollen deutsche, aber nicht Negerkolomen; die Neger sollen milde Herren haben. Im übrigen aber verteidigte er die Zwangsarbeit. Der Direktor der deutschen Togogesellschaft führte ähnlich aus: Wir treiben Kolonialpolitik für uns Deutsche und nicht für fremde Raffen; wir freuen uns, daß wir den Negern Kultur bringen können, aber der Vorteil des Vaterlandes muß ausschlaggebend sein. Er machte den Vorschlag, daß der Herren- standpunkt in schärfster Weise zur Geltung gebracht werden müsse. Das ist also die eins Seite, Di«; Mdtt.e ist die, die sich ig den Maßnahmen des Herrn Staatssekretärs Dernbukg und des Herrn Gouverneurs von Rechcnberg ausspricht. Darüber gerät nun Herr Dr. Arendt, der rückhaltlos auf dem Herrenstandpunkt steht, voll- ständig aus dem Häuschen. Er hat uns gestern vorgejammert, wie notwendig der Schutz der unterdrückten weißen Bevölkerung sei, er hat uns erzählt, wie die Presse boykottiert wird, weil sie die Volks- mcimmg zum Ausdruck bringt. Wie wird einem doch, wenn man Herrn Dr. Arendt so reden hört, der sich in diesem Falle als alter Afrikaner erklärt. Ich habe bisher immer angenommen, die Wiege seiner Ahnen habe in Kleinasien gestanden.(Stürmische Heiter- reit.) Dieser «Schutzengel der Unterdrückten" ist derselbe Herr Arendt, der, ohne sich Gewissensbisse zu machen, für die Unterdrückung der Polen, für die Unterdrückung der Ar- bester in Deutschland eintritt, der rückhaltlos jedem Gesetz zu- stimmt, das eine Knebelung der deutschen Arbeiter darstellt. Er beschwert sich darüber, daß amtliche Nachrichten in Ostasrika nichr an die Zeitungen gegeben werden. Geschieht das in Deutschland etwa? Herr Dr. Arendt sitzt im preußischen Landtag und hier im deutschen Reichstag und hat genug Gelegenheit, gegen Unterdrückung Deutscher aufzutreten. Das fällt ihm aber gar nicht ein. Er verteidigt die Freiheit der Ausbeuter in Ostaftiftu die er dort ge» fährdet glaubt. Auch der»in der Feuertaufe der Wahlschlacht abgehärtete� Herr von Liebert läuft Sturm gegen die Rechenbergsche Politik. Herr von Liebert hat behauptet, er sei in der Wahlschlacht abgehärtet worden. In einer Wahlschlacht kann man freilich leicht abgehärtet werden gegen Recht und Wahrheit und gegen die Frage, wo die Gelder gebliebeu 'sind, die seinerzeit unter seinem Gouvernement ausgegeben worden sind und die damals durch den Etat nicht gerechtfertigt wurden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Am liebsten wäre es Herrn von Liebert. wenn das alte Peitschenregiment wieder ein- geführt würde, und er droht sogar mit dem Ausbruch eines Auf- standes, der zwar nicht von den Pflanzern ausgehend, aber durch die Milde und Menschenfreundlichkeit gegenüber den Eingeborenen veranlaßt werden dürfte, wenn nicht bald eine Aenderung erfolge. Erfteulicherweise hat der Staatssekretär diese Wünsche der Herren Arendt und Liebert mit Entschiedenheit zurückgewiesen, nicht weil er Kulturpolitik treiben will, sondern aus reiner Klugheit. An die Stelle der sogenannten„heroischen" Kolonialpolitik der Herren Arendt und Liebert— es lag ja seit jeher im Wesen des Briganten- tum», daß eS mit dem Schimmer des Heldentums umgeben wurde — will der Staatssekretär die bürgerliche kommerzielle Kolonial- Politik setzen. Wenn wir die Wahl zwischen diesen beiden Systemen treffen sollen, für deren keines wir uns übrigens irgendwie er- wärmen können, dann müssen wir freilich das des Herrn Staats- sekrotärs immer noch als das kleinere Uebel ansehen. Wir würden uns dagegen wenden, wenn der Plan, die sogenannte Selbstver- waltung in Ostafrika aufzuheben, durcki irgendwelche Maßnahmen vereitelt werden sollte. Wir sind Anhänger der Selbstverwaltung. Aber was man in Ostaftika„Selbstverwaltung" nennt, das ist eine reine Willkürherrschaft des Bezirksamtmanns und einiger von ihm dazu gewählter Leute, die frei über die Gelder der Eingeborenen verfügen und sie schrankenlos verschwenden. Wenn damit aufgeräumt, wenn eine größere Kontrolle des Par- laments ermöglicht werden kann, um wenigstens die allerschlimmstea Schäden auszumerzen, dann wäre es verkehrt, wenn wir gegen eine solche Absicht stimmen wollten. Es scheint fast, als ob die Regie- rungsmaßnahmen, die jetzt in Südloestafrika ergriffen werden, genau zu denselben Zuständen zu führen geeignet sind, wie mir sie in Ostasrika haben. Wir stehen auf dem Standpunkt, es müsse eine Form gefunden werden, in der auch der Eingeborene an der Ver- waltung der von ihm aufgebrachten Gelder mitreden kann. Es muß möglich gemacht werden, den Eingeborenen, dem man den Polizeidienst anvertraut und den man selbst zu den niedrigen Ver- waltungsämtern heranzieht, auch ein Wort mitreden zu lassen bei seiner eigenen Verwaltung. Freilich kann, wenn wir den Ein- geborenen zur Verwaltung heranziehen, die Gefahr entstehen, daß die Kolonialpolitik auf die schiefe Ebene gerät. Je kultivierter und selbständiger in wirtschaftlicher Beziehung eine Kolonialbevölkerung ist, desto stärker wird sich das Streben nach Unabhängigkeit von dem die Kolonie beherrschenden Mutterlande geltend machen. Das hat auch ein Kolonialpolitiker ausgesprochen, der drüben Nxir und dessen Urteil hier im Reichstag immerhin etwas gilt: Herr Dr. Arning. Er steht auf dem Standpunkt, daß die Weißen die Herren sein müssen, und erklärt, wie ich eS eben getan habe, daß die Schwarzen, je gebildeter sie werden, desto mehr das Gefühl haben werden, oaß sie die Beherrschten sind, und daß sie nach Freiheit streben werden. Um das zu verhindern, kommt Herr Dr. Arning zu der einfachen Konsequenz: Es wird also notwendig sein, stets trockenes Pulver zu haben! Da haben wir also wieder den alten Unterjochungs- standpunkt, auf dem die ganze moderne„Kultur" basiert. Aver der Standpunkt des Kollegen Arning, den. wie es scheint, alle Kolonialpolitiker einnehmen, hat auch budgetäre Folgen für uns in Deutschland. Die Konsequenz seines Standpunktes ist nämlich die Schaffung einer Kolonlalarmer, die imstande ist. die Eingeborenen, wenn sie bewaffnet sind und die moderne Gefechtsweise verstehen, im Zügel zu halten!— Die Kolonialarmee ist ja in ihren Elementen bereits vorhanden, und sie wird sich im Laufe der Zeit zweifellos entwickeln. Konflikte sind nicht zu vermeiden, wenn die Eingeborenen das Gefühl haben, daß sie sich befreien wollen. Und dann kann auch der Herr Staats- sekretär nicht mehr die gewaltsame Niederwerfung der Kolonie vermeiden. Dann wird die Militärpartei die Oberhand gewinnen, dann wird der Geist Trothas herrschen und nicht mehr der Geist Dernburg, der gegenwärtig regiert. Gegen eine solche Kolonial- Politik, die den Keim einer derartigen EntWickelung in sich trägt und die uns in diesem Jahre wieder 24 Vo Millionen Mark kostet, treten wir mit aller Entschiedenheit ein. Ich will hier nicht auf die Einzelheiten des Etats und nicht auf die flandalöse Verschwendung eingehen, die da getrieben wird. Ich will nur betonen, daß wir Sozialdemokraten stets gegen eine Politik sein werden, die— man mag sie„heroische" oder„kommer- zielle" Politik nennen— doch eine AusbeutungL- und Unterjochungspolitik bleibt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arning(natl.j beschwert sich zunächst über die schwache Besetzung des Hauses und verbreitet sich alsdann über koloniale Zollfragen. Man sollte den Beamten und Ansiedlern in der Zoll- frage mehr entgegenkommen. Der Handel der Kolonien(außer Kiautschou) hat sich in 17 Jahren verdreizehnfacht und ist auf 137 Millionen Mark gestiegen. DaS ist doch gar kein so schlechte« Resultat! Redner freut sich, daß die Negerinnen in Ostaftika jetzt nicht mehr nackt herumlaufen, möchte aber, daß sie statt eng- lisches und amerikanisches lieber deutsches Tuch tragen. AlS ehemaliger Kamerad des Herrn v. Liebert muß ich entschiede» gegen die Art und Weise protestieren, wie der Staatssekretär aus Dernburg von den 25 Aufsländen unter der Verwaltung des Gouverneurs v. Liebert gesprochen hat. Als Herr v. Liebert nach Ostafrika kam. war Daressalam noch ein Drecknest, und dicht an der Küste war man nicht vor Negcrangriffen sicher. DaS ist alles anders geworden durch Herrn v. Liebert.(Lachen bei den Soz.) Besonderen Dank verdient der Staatssekretär für seine Bahnvorlage. Für ausgedehnten Bahnbau sind wir Nationalliberalen stets eingetreten. Im Schöneberger Stadtparlament hat auch der sozial- demokratische Abgeordnete Molkenbuhr am 8. September 1908 aus- geführt, daß Bahnen rentabel werden müssen, in Amerika habe man Bahnen sogar in die Wildnis gebaut. Diese Grundsätze sollten Herr Molkenbuhr und seine Parteifreunde auch gegenüber den Bahnen in unseren Kolonien vertreten. In einem sozialdemokratischen Blatte ist auS der Budgetkommission berichtet worden, daß der Kollege Schwarze und ich für den Alkoholverbrauch in Ostafrika eingetreten sind; das Ist nicht richtig. Wir find nur für mildernde Umstände bei starkem Mohok- verbrauch in jenen Gegenden eingetreten. Darüber, daß in Südwestafrika Diamanten gefunden find, sollte man sich ganz ungeteilt freuen; es ist ein Zeichen dafür, was alles in den Kolonien gefunden werden kann(Hetterkeit bei den Sozial- demokraten); sie werden für Deutschland noch von höchster Be- demung werden.(Lebh. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. ErzSerg«(Z): Die wirtschaftliche EntWickelung der Kolonien ist im Aufschwung begriffen; ein Schatten- Punkt in den Kolonien ist noch die Justizpflege. Möchte der Staatssekretär auch hier Wandel schaffen können. Herr v. Liebert zog nur mit gedämpftem Trommclklang gegen den Staatssekretär und seine Kolonialpolitik los.(Heiterkeil.) Herr Arendt tat allerdings so. als schmettere er eine Fanfare; eS war aber doch nichts anderes als ein Klagelied des trauernden Jeremias auf den Trümmern seiner Kolonialpolitik.(Große Heiterkeit.) Herr Arendt spricht von einem bevorstehenden Ausstand, für den er auch mich verantwortlich machen will. Wenn ein Aufstand deshalb ausbricht, weil man die Eingeborenen gerecht behandelt, so über- nehme ich die Verantwortung herzlich gern(Sehr gut l im Zentrum), nur bitte ich Herrn Arendt, seinerseits die Verantwortung für die Prügel» und Hängepolitik zu übernehmen, die früher getrieben wurde. (Sehr richtig! im Zentrum.) Ich will jetzt keine Namen nennen, aber auffallend ist es doch, daß die Diskussionen über gewisse Vor- gänge hier verschwunden sind, seitdem die aufklärenden Prozesse in München und Köln stattgefunden haben.(Sehr richtig I im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Den Hinwers des Staatssekretärs auf Gottes Segen für jeden tüchtigen Mann billigen �wir(Zustimmung im Zentrum), eS bleibt ein alter wahrer Satz:„An Gottes Segen ist alles gelegen",(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Von diesem Gesichtspunkte aus ist namentlich die Ausbreitung des Mohammedanismus zu bekämpfen.(Beifall im Zentrum.) Auch die finanzielle Seite der Kolonialpolitik weist Züge der Besserung auf. wenn natürlich auch die Behauptung Latin, anns, Wir hätten eigentlich gar keine Ausgaben mehr für die Kolonien zu tragen(Lachen bei den Sozialdemokraten), furchtbar übertrieben ist. (Sehr wahr I) Herr Lattmann rechnet nämlich die militärischen Aus- gaben nicht mit. Ja. wenn man den Militär- und Marineetat streicht, sieht unser Reichsetat auch sehr schön haus.(Heiterkeit und Zustimmung.) Sehr gefreut habeich mich über den Rechnungsabzugseifer, den der Abgeordnete v. Liebert entwickelt hat, und ich bedauere nur. daß der Gouverneur v. Liebert nicht denselben Eifer an den Tag gelegt hat.(Große Heiterkeit und lebhafte Zustimmung.) Der Abgeordnete v. Liebert verlangt Rechnungslegung über die Zukunft; der Gouverneur v. Liebert hat über die B e r- gangenheit keine Rechnung abgelegt.(Erneutes Sehr gut I im Zenttum und bei den Sozialdemokraten. Rufe bei der Reichspartei: Der Antrag ist ja zurückgezogen!) DaS ist auch das einzige Gute daran I(Schallende Heiterkeit.) Lasse man sich nicht täuschen durch den Namen„Kommune". Der Amtmann und zwei Sekretäre, Las ist die ostaftikanische„Kommune".(Hört! hört l und Heiterkeit.) Die Abschaffung des Monopols der Firma Tippclskirch hat sehr günstige finanzielle Wirkungen gehabt.(Hört I hört!> DaS Monopol der Oranien-Apotheke läuft nun auch glücklicherweise bald ab. Mit 50 Proz., ja 80 Proz. sind die Waren dieser Firma überbezahlt worden I(Hört! hört!)„Das ist noch ein Geschäft, das bringt etwas ein l" iZustimmung und große Heiterkeit.) Wir sind keine prinzipiellen Gegner der Kolonialpolitik, sondern Anhänger einer sparsamen, negerfteundlichen, christlichen Kulturpolitik.(Stürmischer Beifall im Zentrum.) Hierauf vertagt das HauZ die Weiterberatung auf Montap 2 Uhr. Schluß 6 Uhr._ MgeorÄnetenbaus. Abgeordnetenhaus. 41. Sitzung, Sonnabend, den 27. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Moltke. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Beim Einnahmetitel»Beihilfen für Unterstützungsbedürftige ehemaliger Krieger" wünscht Abg. Bayer-Neustadt(Z.) eine Umänderung de» Gesetzes. Es geht nicht an, daß man den ehemaligen Kriegern die Beihilfen cnb zieht, wenn ihr Einkommen einen gewissen Betrag übersteigt. Die Einnahmen werden dewilligt. Beim Ausgabetitel„Gehalt des Ministers" wird zunächst die nordschleswigsche Frage besprochen. Abg. Dr. Schifferer(natl.): Die dänische Agitation, die im letzten Jahre eine beachtenswerte Stärkung erfahren hat, geht direkt auf die Losftennung Nordschleswigs von Deutschland auS. Das hat der Abg. Hansen in einem gerichtlichen Protokoll auch ganz offen als Ziel seiner Partei zugegeben. Trotzdem verlangen wir keine Ausnahmegesetze gegen die Dänen. Wir wünschen aber, daß der Minister mit loyalen Mitteln den dänischen Zuzug fernhalten möge. Vielleicht könnte man die Zuwanderung� so wie es Dänemark tut, von einem bestimmten Geldbetrag abhängig machen.(Die dänischen Abgeordneten und einige Polen unterbrechen den Redner fortwährend durch Zurufe, worauf Präsident v. Kröcher um Ruh- btttet.) Die Ausweisung einiger dänischer Agitatoren begrüßen wir mit Freuden. Wir brauchten ein konsequentes, strenges Rc- giment. Statt dessen aber haben wir einen Zickzackkurs.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Johansson(fk.): Gegenüber der maßlosen dänischen Agi- tation müssen wir auf dem Posten sein. Weite Kreise der Bc- völkerung sind, ebenso wie unsere Fraktion, der Ansicht, daß es hier gilt: Etwas mehr Dampf, Herr Minister!(Lebhaste Zu- stimmung rechts). Abg. Graf Neventlow(!.); Gegen die wüste dänische Agitation mutz etwas geschehen. Vor einer dänischen Armee haben wir keine Angst. Wir würden sie beim Ueb erschreiten der Grenze einfach sofort verhaften.(Große Heiterkeit rechts.) Minister des Innern v. Moltke: Schuld an der neuen Bc- unruhigung in Nordschleswig ist der Optantenvcrtrag. Die Dänen sondern sich von den Deutschen ab, und ihre Vereine nehmen zu. Schon die Jugend wird gewissenlos verhetzt. Die Deutschen werden boykottiert. Deshalb betreibt die Regierung eine Politik der nach- haltigen Förderung des Deutschtums und wird gegen die berufs- mäßigen Agitatoren die schärfsten Mittel anwenden.(Beifall rechts.) Abg. Kloppenborg-Sirumsager(Däne) schiebt die Schuld an der Verschärfung der Gegensätze auf den Vorsitzenden des Deutschen Vereins für das nördliche Schleswig, Hahn. Abg. Graf Moltke(ff.): Wir sind stolz auf Herrn Hahn, der ein echter deutscher Mann ist.(Bravo l rechts.) Wenn die Dänen ihn mit ihrem Haß verfolgen, so ehrt ihn das nur.(Lautes Bravo! rechts.) Die Bestrebungen der Dänen laufen auf die Vereinigung Südjütlands mit Dänemark hinaus und müssen daher scharf bc- kämpft werde». Damit schließt die Besprechung über diese Frage. Es folgt die allgemeine Besprechung. ES liegen dazu bor zwei Anträge der Abgg. Hirsch-Berlin und Genossen(Soz.). Der eine Antrag ersucht die Regierung, sobald als möglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den unter Aufhebung aller zurzeit in Preußen geltenden Stadt- und Landgemcindeordnungen für den gesamten Umfang der Monarchie eine einheitliche Gemeinde- ordnung auf folgender Grundlage erlassen wird: a) Bildung der Gemeindevertretung durch allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlen; Gewährung des aktiven und passiven Wahlrechts an alle über 20 Jahre alten Ein- wohncr der Gemeinde ohne Unterschied dcS Geschlechts; Aufhebung aller Besitzprivilegien; Einkammersystem. b)BeschränkungdesstaatlichenAufsichtsrechtS auf das Recht der Beanstandung ungesetzlicher Verwaltunasakte der Gemeinden; Prufung ihrer Gesetzmäßigkeit durch die ordenk» lichen Gerichte; Aufhebung der die Selbstverwaltung einschränkenden Befchlsgewalt der Staatsbehörden gegenüber den Gemeinden. Der zweite Antrag verlangt noch für diese Session einen Gc- setzentwurf, wonach, soweit in Staatsgesetzen der Verlust öffent- licher Rechte von dem Bezug einer Armenunterstützung abhängig gemacht wird, als Armcnunterstützung nicht anzusehen sind: t. die Krankenunterstützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen gewährte Anstaltspslege; 3. Unterstützungen zum Zwecke der Jugendfürsorge, der Erziehung oder der Ausbildung für einen Beruf; 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form vereinzelter Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind; E5. Unterstützungen, die erstattet sind. Ferner liegt ein Antrag Dr. Wendlandt(natl.) vor, die Regierung möge unverzüglich Anweisung geben, daß die Formulare für die Aufnahme der W a h l p r o to k o l l e in den Urwahl- bezirken für Terminwahlen und Fristwahlcn schon für die erforder- lich werdenden Nachwahlen getrennt aufgestellt und verteilt werden, damit künftig die in zahlreichen, nameirtlich ländlichen Wahl- bezirken vorgekommenen Irrtümer bei Streichung der nebcnein- ander stehenden Texte betreffend Termin- und Fristwahlen die zur Ungültigkeitserklärung von Wahlmännerwahlen Veranlassung geben. vermieden werden. Schließlich verlangt ein Antrag Dr. Beizer(Z.) die Unter- stützung armer Grenzorte und ein Antrag B a r t s ch e r(Z.) die für Bochum-Herne und Gelscnkirchen geplante königliche Polizei auf die Landkreise Bochum und Gelscnkirchen auszudehnen. Abg. v. Heydebrand u. d. Läse(k): Den Antrag der Sozial- demokraten auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts in den Kommunen lehnen wir ab.(Bravo! rechts.) Den anderen sozial- demokratischen Antrag und den Antrag Wendlandt bitten wir der Wahlprüsungskommission zu überweisen. Der Fall des Bürgermeister» Schiicking hat im Vorjahr ein gewisses Aufsehen erregt. Unserer Partei ge- hört dieser Herr nicht an(Heiterkeit) und wir überlassen es der liberalen Partei, der Herr Schücking am nächsten steht, ihn zu verteidigen. Es wird nicht ganz leicht sein, diese Partei fest- zustellen!(Heiterkeit rechts.) Ganz allgemein sind wir der Meinung, daß kein unmittelbarer Staatsbeamter wegen seiner politischen Gesinnung bedrängt werden soll.(Beifall rechts.) Nun hat der Abg. Dr. Wiemer im vorigen Herbst gesagt, die Weiterführung der Blockpolitik wäre aufs schwerste gefährdet, wenn nicht Remedur eintreten und Genugtuung wegen der Be- Handlung Schückings geschaffen würde. Ich glaube, man hätte dem ganzen Fall Schücking die Spitze abgebrochen, wenn die Re- gierung sofort erklärt hätte, daß Herr Schücking nicht wegen seiner liberalen Gesinnung, sondern wegen ganz anderer Dinge bestraft worden ist. Statt dessen hat die Regierung den Regicrungs- Präsidenten geopfert und in einen Urlaub geschickt, aus dem er heute noch nicht zurückgekehrt ist. Das ist aber eine sehr bedenk- liche Sache.(Sehr richtig! rechts.) Wo bleibt da die Autorität der Beamten?(Sehr gut! rechts.) Sollte sich irgendein Organ deS Reiches in die Erledigung des Falles Schücking eingemischt haben, so könnten wir uns in Preußen das unmöglich gefallen lasien.(Lebhafter Beifall rechts.) Sollte ferner bei diesem Fall sich irgendein parlamentarischer Ncbeneinsluß geltend gemacht haben, so würden wir gleichfalls dagegen aufs schärfste protestieren. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Hoffentlich schließt sich dieser Air- fchauung auch die Linke an, die seinerzeit kurz vor der Auflösung des Reichstages mit den schärfsten Worten sich gegen jede Neben- regicrung des damals ausschlaggebenden Zentrums gewandt hatte.(Heiterkeit und lebhafter Beifall rechts.) Minister des Innern v. Moltke: Ich bin in gewisser Be- ziehung gebunden, denn einerseits schwebt daö Verfahren noch, andererseits werden hier intime Fragen meines Ressorts berührt. Ich kann nur erklären, daß ich dem Verfahren ruhig seinen Gang gelassen habe. Irgendwelche Rücksichten auf die Blockpolitik haben nicht zur Beurlaubung des Regierungspräsidenten geführt. Der Urlaub ist auf eigenen Wunsch des Regierungspräsidenten erteilt worden.(Lachen.) Abg. Fleustcr(Z.) tritt für Vereinfachung und Sparsamkeit in der preußischen Verwaltung ein und fordert eine Entlastung der überbürdeten Landräte. Abg. Hirsch-Aerlin(Soz.): Die Ausführungen des Abg. v. Heydebrand waren typisch für unsere politische Situation. Der Führer der konservativen Partei benutzt die erste Gelegenheit, die sich ihm bietet, um Angriffe gegen den Minister zu richten, die zwar in der Form äußerst milde, aber doch in der Sache so scharf waren, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben. Und das alles nur, weil der Minister angeblich liberalen Wünschen nachgekommen ist. Herr v. Heydebrand erklärt rund heraus, daß die Freisinnigen eS nicht wagen dürfen, für die Preisgabe von Grundsätzen der Reichspolitik in Preußen auf Gegenleistung zu rechnen. Wenn die Freisinnigen das aber tun, dann werden sie in der Weise mit Hohn überschüttet, wie der Abg. v. Heydebrand es hier getan hat. Ich will mich nicht weiter in den Streit der feindlichen Brüder mischen. Aber merkwürdig ist doch, daß gerade der Fall Schücking— und noch dazu eine Episode aus diesem Fall— zu diesen Angriffen geführt hat, über die wir vom Minister absolut keine Aufklärung bekommen haben.(Sehr richtig! links.) Der Minister hat erklärt, daß er in Verlegenheit war. Aber seine Verlegenheit war so groß, daß er überhaupt keine Worte fand. .(Heiterkeit links.) Die wichtigste Frage der inneren Politik ist für meine Fraktion nach wie vor die Reform des Landtagswahlrechts. Meine Freunde werden auch für die Zukunft für die Be- seitigung des Dreiklassenwahlshstems und für die Uebertragung des Rcichstagswahlrechts auf Preußen unentwegt und mit allen Mitteln, die wir für richtig halten, kämpfen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir werden auch trotz der Warnungen von verschiedenen Seiten» trotz der Erklärung der Regierung in der Budgctkommission, wenn wir es für notwendig halten, vor Strahendemonstrationen nicht zurückschrecken.(Große Unruhe rechts und im Zentrum.) Straßcndemonstrationen sind ein durch- aus erlaubtes Mittel.(Lärm und laute Oho-Rufe rechts.) Ich erinnere Sie nur an den Abend nach den letzten Reichstagswahlcn. Da haben S i e Straßendemonstrationen veranstaltet. Also Sie machen von diesem Rechte Gebrauch! Wenn aber die Arbeiter für ein freies Wahlrecht demonstrieren, dann soll es auf einmal nicht erlaubt fein.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Nun ist lvicderholt gegen uns der Vorwurf erhoben worden, daß die Führer der Sozialdemokratie die Massen zwar auf die Straße trieben, aber selbst sich an den Demonstrationen nicht beteiligten. l° hafte Zustimmung links.) Ich erinnere Sie ferner daran, daß Sie hier im Hause auch wiederholt die Bekämpfung der Prostitution erörtert haben. Alle diejenigen, die sich ernsthaft mit der Frage der Prostitution beschäftigt haben, werden mir zugeben, daß sie im engen Zusammenhang mit der Wohnungsfrage steht.(Sehr richtig! links.) Tausende und Abertausende von Mädchen fallen dadurch der Prostitution in die Arme, daß sie in den Schlafftellen unsittliche Dinge sehen. Viele Kinder werden durch das Schlafstellenwescn schon früh verdorben.(Sehr richtig I links.) Ich erinnere Sie an die ergreifend« Schilderung, die Frau Knauck-Kühne gegeben hat, eine Dame, die uns doch wahrhaftig nicht nahe steht. Ich erinnere Sie ferner daran, wie auch der jetzige Abgeordnete v. Liszt eine gründliche Wohnungsreform verlangt hat, damit die Arbeiter wenigstens den schwachen Abglanz eines Familienlebens erhielten. Wenn man aber die Schädlichkeit der Wohnungsverhältnisse aner- kennt und die Notwendigkeit, eine Reform anzustreben, soll man den Gemeinden auch die Möglichkeit geben, eine solche Reform vorzunehmen. Diese Möglichkeit ist den Gemeinde» aber genommen durch das Hausbesitzerprivilcg.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Deshalb muß das völlig veraltete schäd- -liche Privileg falle ul(Lebhafte Zustimmung links.) Bei dieser Gelegenheit möchte ich fragen, wie es denn mit dem Weh- nnngsgesetzentwurf steht. Mein Freund Heimann hat schon bei der ersten Beratung des Etats danach gefragt. Damals war aber der Minister des Innern nicht anwesend, Herr v. Rhcinbaben hat gc- antwortet. Er hielt es aber nicht für nötig, auf den Punkt ein;«- gehen, sondern gab uns den Rat, nach Slawonien auszuwandern (Heiterkeit.) Ich hoffe, daß der Minister deS Innern heute nick/ eine derartige Taktik einschlägt.(Sehr gutl bei den Sozialdemo- kraten.) Ich hoffe, daß der Minister des Innern uns eine fach« liche Auskunft gibt. Ungerecht ist es ebenfalls, wenn diejenigen. welche gezwungen werden, Armcnunterstützung anzunehmen, ihr Wahlrecht verlieren.(Sehr richtig! links.) Diesem Zustande will unser Antrag ein Ende machen. Unser Antrag ist in diesem Punkte nichts anderes als das, was im Reichstage von der Kam» Mission beschlossen ist.(Zustimmung.) Das Zentrum IxA einen ähnlichen Antrag eingebracht. Welcher von beiden Anträgen an- genommen wird, ist uns gleich.(Sehr wahr!) Es genügt uns, wenn überhaupt eine Verbesserung geschaffen wird. Eine weitere Ziffer unseres Antrages handelt vom Selbstverwaltungs» recht. Ein wirkliches Selbftvcrwaltungsrccht habe» wir jetzt eigentlich gor nicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Das SclvftverwaltungSrccht ist jetzt nur eine schöne Redensart.(Lebhaste Zustimmung links.) Ich will auf diesen Gegenstand, weil die Zeit schon so weit vorgerückt ist, nicht ivcitcr eingehen, ich crmncre aber daran, daß es eine Zeit gegeben hat, wo auch dgs Zentrum ugd dix Ngtipnglliberglen pcij den Freifinnigen ganz zu schweigen für die Beschränkung und Be- Vom Kammergericht ist wiederholt gegen solche Strafmandate ent- I mission wird mitgeteilt, daß hierin Belohnungen an Polizeibeamte feitigung des Bestätigungsrechts eingetreten find.( Sehr wahr! schieden worden. Es kann wahrhaftig nicht zum Ansehen der Be- und andere Personen enthalten seien, die Diebstähle oder Brände bei den Sozialdemokraten.) Windhorst hat einst erklärt, daß die amten beitragen, wenn gegen ihre Maßnahmen die Gerichte ent- meldeten, sowie Entschädigungen an Eisenbahnbeamte, die bei der Staatsregierung durch das Bestätigungsrecht viel mehr an Autori- fcheiden. Ebenso müssen wir uns bellagen über das Vorgehen Abfertigung der Postsachen behilflich seien. Als die Mitglieder tät verliere als sie damit gewinne.( hört! hört! bei den Sozial- gegen Sozialdemokraten wegen angeblich unerlaubten Kollektierens. hierüber allgemein ihre Verwunderung ausdrückten und zu wissen demokraten.)" Ich für meine Berson tenne teinen größeren Einen ganz sonderbaren Eindruck machte es bei der Beerdigung verlangten, wie hoch die zu diesem Zweck aufgewendeten Summen Sohn, als wenn die Regierung dem Manne des Vertrauens der der Frau Liebknecht, der Mutter unseres Abgeordneten feien, wurde mitgeteilt, daß die Aufwendung früher 80 000 m. bea Gemeinde ohne Grund ihre Bestätigung versagt", so sagte damals Liebknecht, tragen habe, jezt aber auf 32 000 Mart zurückgegangen sei, der Zentrumsführer!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gendarmen mit Revolvern bewaffnet indem die neu eintretenden Beamten diese Vergütung nicht mehr erhielten. Die Kommission strich von dem Posten 40 000 W. ab. Für außerordentliche Zulagen für die Postbeamten in Bosen find 745 000 M.( 35 000 M. mehr als im Vorjahre) angefordert. Ein Antrag auf Streichung dieser Position wurde von der Blockmehrheit abgelehnt. Der Abgeordnete Gothein stimmte mit der Minderheit gegen die Bewilligung. Die Debatte über Arbeitsvergebung, welche sich hieran anschloß, wurde auf Montag vertagt. Das war die Ansicht des Zentrums vor dreißig Jahren! Aber am Grabe zu sehen. Wir fragten uns wirklich, was wollen die fogar durchaus konservative Männer haben sich ähnlich geäußert, nur? Wollen sie den Ausbruch der Revolution verhüten?( Heiterso der Abg. Frhr. v. Manteuffel hier im Hause. Er erklärte, keit bei den Sozialdemokraten.) Den Gendarmen kann man feinen daß das Bestätigungsrecht zu nichts als zu Vorwurf machen, sie haben sich auch ganz korrekt benommen, sie mußten ja nur ihre Pflicht erfüllen. Aber glauben Sie wirklich, daß die Anwesenheit der Gendarmen am offenenen Grabe dazu beiträgt, die Leute zu versöhnen? Im Gegenteil, durch derartige Mittel werden Sie dazu beitragen, daß die Sozialdemokratie immer mehr wächst. Widerwärtigkeiten und Gehäffigkeiten " Aus der Frauenbewegung. führe.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts solcher Aeußerungen muß man doch zu der Ueberzeugung kommen, daß eine Reform der Städteordnung notwendig ist. ( Sehr richtig! links.) Ich verlange durchaus nicht, daß Sie unbesehen unseren Antrag annehmen, aber ich bitte, ihn doch genau Was den Legitimationszwang für ausländische Arbeiter anzu prüfen und einer Kommission, vielleicht der Gemeindefommission langt, so stellen wir uns auf den Boden des polnischen Antrages. zu überweisen.( Sehr richtig! links.) Die Regierung scheint ja Man will mit dem Legitimationszwang den Kontrattbruch ver- Redaktionswechsel. Das von uns mehrfach erwähnte Wochennicht daran zu denken, uns eine Aenderung der Städteordnung zu hindern. In Wirklichkeit züchtet man mit ihm Streitbrecher. Der blatt der englischen Arbeiterinnen" The Woman Worker" steht aberbringen. Sie steht noch immer auf dem Standpunkt, den man zur Legitimationszwang ist unvereinbar mit der Reichsverfassung. Wir mals vor einem Redaktionswechsel. Genossin Julie Dawson, die Zeit Friedrich Wilhelms IV. einnahm.( Sehr wahr! bei den werden alles tun, um ihn zu beseitigen. Es ist anzuerkennen, daß vor zwei Monaten an die Stelle der Begründerin und bisherigen Sozialdemokraten), auf dem Standpunkt der Theorie vom der Minister in einem Erlaß wenigstens die größten Härten be- Leiterin des Blattes Mary Macarthur trat, fehrt in die Redaktion beschränkten Untertanenverstand. seitigen wollte. Aber das reicht nicht aus. Die Behörden können des Clarion" zurück, wird aber als Mitarbeiterin der Woman Den Minister möchte ich ferner um Auskunft bitten, wie es immer noch ausländische Arbeiter ausweisen, soweit sie lästig werden. Worker" treu bleiben. Die Leitung der letzteren übernimmt vormit den Abschriften von Wählerlisten steht. In einer ganzen Und was lästig" ist, ist in das Belieben der unteren Polizei- läufig Genoffe Robert Blatchford, der als Verfasser einer Reihe Reihe von Bescheiden von Gemeindevorstehern in der Umgegend organe gestellt. In Rummelsburg ist fürzlich die Beschäfti- trefflicher Artikel den Leserinnen des Blattes längst kein Fremder von Berlin heißt es, daß die Abschrift der Wählerlisten nicht ge- gung von ausländischen Arbeitern in gewerblichen Betrieben mehr ist. Der außerordentlich mannigfaltige Inhalt der nehmigt werden kann, weil das der Minister des Innern in dem verboten worden. Die Beschäftigung solcher Arbeiter sei nur Wochenschrift, an der viele der besten sozialistischen Schriftsteller neuen Grlaß direkt verbiete.( Sört! hört! bei den Sozialdemo- in landwirtschaftlichen Betrieben erlaubt. Für den Fall der Nicht- und Schriftstellerinnen Englands mitarbeiten, wird fünftig noch durch fraten.) Es ist dringend notwendig, daß der Erlaß des Ministers befolgung dieser Verfügung wurde mit der Ausweisung gedroht. regelmäßig erscheinende parlamentarische Briefe des bekannten im Hause zur Kenntnis gebracht wird. Die Möglichkeit muß be- Wir sehen, daß die radikalen sozialistischen Abgeordneten Victor Grayson bereichert stehen, eine Abschrift der Wählerlisten zu bekommen. Jede einausländischen Arbeiter bei uns vollkommen rechtlos werden. Damit dürften auch die weitgehendsten Wünsche der Lesezelne Partei hat das gleiche Interesse daran. Das Zentrum und der Willtür der unteren Verwaltungen ausgeliefert sind. Eine rinnen Erfüllung finden. Es gibt wohl kein Gebiet des Frauenwünscht ein Gesez, durch das Personen, die sich hartnäckig und Verfügung wie die in Rummelsburg bedeutet nichts anderes als lebens, das nicht in einer Fülle wertvoller Artikel und Notizen böswillig der Unterhaltungspflicht ihrer aus öffentlichen Armen- die Wiedereinführung der Hörigkeit.( Sehr richtig! bei den So- in der Woman Worker" schon behandelt wurde: Kindermitteln unterstützten Angehörigen entziehen, zur Arbeit angehalten zialdemokraten.) Auch über die Härten bei der Ausweisung selbst erziehung, Gesundheitspflege, Hauswirtschaft, Mode, neu erschienene werden. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß das Verhalten müssen wir Klage führen. Bücher, intime Probleme aus dem Leben der Frau, neue solcher Personen auf das allerentschiedenste zu bera Der Vorredner hat sich ausführlich mit der geplanten Vere Frauenberufe, Gartenbau und hundert andere Dinge, welche die urteilen ist, und daß solche Personen mit Berbrechern auf waltungsreform beschäftigt. Die Frage ist gewiß wichtig. Aber Arbeiterinnen, Handelsangestellten, Beamtinnen und Arbeiterfrauen gleiche Stufe zu stellen find. Aber der Antrag kommt lediglich uns liegt weniger an der Form als daran, daß überhaupt einmal intereffieren neben dem Ginen, was vor allem nottut: der Erörterung darauf hinaus, solche Personen ohne weiteres auf dem Ver- ein anderer Geist in die Verwaltung einzieht. Die Beamten politischer und gewerkschaftlicher Fragen im sozialistischen Sinne. waltungswege ins Arbeitshaus zu schicken. Wir müßten zum dürfen sich nicht als etwas Besonderes betrachten, sondern müssen Im Vordergrund des Interesses steht natürlich gegenwärtig die für mindesten verlangen, daß derartiges nur von einem ordent eingedent sein, daß sie der Bevölkerung wegen da sind und nicht England brennende Tagesfrage des Frauenstimmrechts. In der mit lichen Gerichte abgeurteilt wird. Sonst kommen wir ja zu die Bevölkerung ihretwegen. Eine solche Freiheit, wie wir sie an- großem Eifer in der Woman Worker" geführten Diskussionen über russischen Zuständen, streben, ist unmöglich ohne eine freiheitliche Gesetze diese heiß umstrittene Frage ist bürgerlichen Frrlichtereien gegen wo mißliebige Personen einfach auf dem Verwaltungswege ber. gebung. Eine freiheitliche Gesetzgebung ist wieder abhängig von über der Klassenstandpunkt des Proletariats mit Geschick und Glüc urteilt werden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jch einer freiheitlichen Zusammensetzung des BarIa bertreten worden. rate darum dringend, einen derartigen Antrag hier nicht anzuments. Deshalb ist für uns das A und O der ganzen Verwalnehmen. Klage zu führen haben wir über tungsreform die Verlegungen des Vereinsrechts seitens der Polizei. Die Polizei hat kein Recht, zu verlangen, daß mit dem Augenblid, wo die Polizeistunde eintritt, auch die Versammlung geschlossen wird. Natürlich wird diese Verquidung von Polizeiftunde und Vereinsgesetz in der Hauptsache gegen fozialdemokratische Vereine in Anwendung gebracht. Das tommt darauf hinaus, daß für gewisse Streise der Bevölkerung das Versammlungs- und Bereinsrecht vollkommen illusorisch gemacht wird.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Weiter haben wir uns darüber zu beklagen, daß man sozialdemokratische Wahlvereinsversammlungen als öffentliche Versammlungen erflärt und verlangt, sie bei der Polizei anzumelden und eine Ueberwachung durch die Polizei stattfinden zu lassen. Eine derartige Bragis ist in Dortmund, Magdeburg, Breslau und anderen Städten zutage getreten. Das kommt schließlich wieder darauf hinaus, daß zwar alle bürgerlichen Parteien ihre Wahlvereinsbersammlungen ruhig abhalten können, daß aber die sozialdemo= fratischen Wahlvereine nach wie vor unter das frühere preußische Vereinsgesetz gestellt werden.( Sehr richtig!) Auch hier müssen wir wieder für die Arbeiterkreise das gleiche Recht verlangen, das den bürgerlichen Parteien ohne weiteres gewährt wird. ( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch die Bolen und sogar die Freifinnigen leiden unter der Ausführung des Vereinsgefetes. In einer freisinnigen Versammlung des Wahlvereins Zabrze erklärte der Polizist ganz einfach: Ich halte die Verfammlung für eine öffentliche und das genügt.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also was irgendein untergeordneter Polizist für richtig hält, das genügt. Die Polizei meint nun, die sozialdemokratischen Vereine feien so groß, daß man nicht recht fontrollieren könne, ob es sich um einen Verein handelt oder nicht. Wenn das richtig ist, dann würde in dem Augenblick, wo eine Partei so groß und start wird wie die Sozialdemokraten, und Sie wünschen das ja alle( heiterkeit bei den Sozialdemokraten), für diese Partei das Vereins- und Versammlungsrecht gleichsam aufgehoben sein. Bei sozialdemokratischen Bersammlungen heißt es auch oft von der Polizei, fie fönnen nicht abgehalten werden, die Räume scien zu beschränkt. Natürlich immer nur dann, wenn es sich um sozialdemokratische Versammlungen handelt. Bei Versammlungen anderer Vereine genügen die Räume.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wird jekt so viel vom Sparen gesprochen. Ich müßte ein Mittel, wie der Staat viel Geld sparen fönnte. Es werden jetzt von untergeordneten Polizeiorganen viele Leute zur Anzeige gebracht und mit Strafmandaten bedacht, von denen fie aber jedesmal freigesprochen werden, wenn sie Einspruch dagegen erheben. Natürlich muß die Staatskaffe die Kosten tragen. So werden viele Leute mit Strafmandaten bedacht, weil sie Sonntags während der Kirchzeit Flugblätter verbreiten. Allen Genossen, Freunden und Be fannten zeige ich hiermit an, daß ich bas Lokal von Franz Sartowski täuflich übernommen habe. 43/11 Alex Kieburg, Gastwirt, früher Marfiliusstr. 11, Adalbertstraße. Amt 7, 10442. Café Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10u.15, Bier, hellu. bunt. 10 Bf. ca. 50 Zeitungen; 2 Billards Std. 40ẞf. Zahlstelle der Freien Volksbühne. Sparrstr. 13. Schöne 2 Zimmer. Bohn., Kam., Balt. sof. od. sp. billig. Grünau! Sonntag, den 7. März 1909: großes Schlachtefeft verbunden mit musikalischer Unter baltung. Hierzu ladet alle Freunde und Bekannte bestens ein 2582* Gustav Lindenhayn, Friedrichstr. 2, Telephon 17. Jm März sowie Ostern! Englischer Garten Alexanderstr. 27c. Amt 7, 10628. Säle frei! Beseitigung des Dreiklassenwahlsystems. Erst wenn dieses System beseitigt und an feine Stelle das Reichstagswahlrecht getreten ist, ist der Weg frei für freiheitliche, demofratische Reformen in der inneren Politit Preußens.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf bertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag, 11 Uhr. Schluß 5% Uhr. Parlamentarifches. Aus der Budgetkommission des Reichstags. ( 24. Sigung vom 27. Februar.) "' Versammlungen Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 28. Februar in Freyers Festsälen, Koppenstr. 29: 10. Stiftungsfest. Drchestermusit. Volts chor. Sologesang. Festrede. Billetts a 50 f. bei Horsch, Engelufer 15; Guhn, Borndorferstr. 39; Klotsch, Fichtestr. 1; Rulide, Prinzenstr. 102; Betereit, Naunynstr. 5; Zucht, Immanueltirchstr. 12: Bachau, Lorgingstr. 38; Jordan, Lübecker Str. 43 und an der Abendfaffe. Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Witterungsübersicht vom 27. Februar 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm richtung Wind Windstärke beim Titel Post- und Telegrapheninspektoren eine Erhöhung der Die Budgetfommission nahm, entgegen der sonstigen Uebung, geforderten 25 neuen Stellen auf 35 vor, was eine Steigerung des Sminemde. 769 D finanziellen Effektes von 62 500 auf 87 500 zur Folge hat. National Hamburg 768 liberale, Konservative und Freisimmige hatten den Antrag gestellt, Berlin weil sie glaubten, den Beamten ein solches Entgegenkommen zeigen Frantj.a. M. 767 N zu müssen. Zentrum und Sozialdemokraten stimmten dagegen mit Bien der Begründung, daß man der Verwaltung keine Beamten aufdrängen und warten folle, bis ein Bedürfnis nachgewiesen sei. Eine eingehende Debatte entspann sich über den Schalterdienst München 769 GD Wetter 2 bedeckt Temp. n. C. 5°. 4° R. Stationen Barometer stand mm -31 Haparanda 763 N -3 Petersburg 774 S -Quiz richtung 28indstärke Better Temp. n. C. 15° 5.4° 8. 4 bedeckt -4 1 wolfenl- 11 768 D 772 N 765 OND 5 bedeckt 3 3 wolfig 2 1 bedeckt -3 22 2 bedeckt 768 DSD 2 wolfen! 4Scilly 1 Nebel-4lberdeen 2 halb bd.- 13 Baris 1770 GSD 2 bedeckt Wetterprognose für Sonntag, den 28. Februar 1909. Bielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Schneefällen und mäßiger südlichen Winden, nachts Frost, am mittag ziemlich milde. Berliner etterbureau. Wasserstands- Nachrichten / der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tilft und tie weit er durch Aufstellung von Automaten entlastet werden kann. Staatssekretär Straette teilt mit, daß die Verwendung von Automaten nnr in beschränktem Umfange möglich sei, weil bei geringer Benutzung die Anschaffungskosten nicht rentierten. Es soll demnächst ein Versuch mit der Aufstellung von Automaten gemacht werden, die gegen Einkauf von 1 m. fleine Hefte mit 10 Behnpfennigmarten abgeben.- Allgemein war die Stommiffion der Meinung, daß mittlere Beamte Arbeiten verrichten, die ebensogut bon Unterbeamten in gehobener Stellung ausgeführt werden können. Bregel, Insterburg Kraetke dieser Auffaffung wider eich fel, Thorn Obgleich Staatssekretär sprach und behauptete, daß Unterbeamte den Schalterdienst Dder, Ratibor nicht versehen fönnen, beschloß die Kommission einstimmig Frankfurt eine Resolution, wonach Unterbeamte in gehobener Stellung zum Barthe, Schrimm mittleren Postdienst aufrücken sollen. Auch die Anwendung von Landsberg Kontormaschinen wurde von mehreren Abgeordneten warm emp- Nebe, Bordamm fohlen, was dem mecklenburgischen fonservativen Abgeordneten Ibe, Leitmeriz Dröscher Veranlassung gab, sich, weil die Maschine Beamte verdränge, dagegen zu erklären. Ihm wurde bedeutet, daß die Kommission die Aufgabe habe, sparsam zu wirtschaften. Zur Belohnung und Entschädigung an Beamte, die der Verwaltung nicht angehören, werden 310 000 M., 20 000 m. mehr gefordert als voriges Jahr. Auf Anfrage eines Mitgliedes der KomSiebreizend ift ein zartes, reines Geficht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße, fammetweiche Haut und schöner Teint. Alles dies erzeugt die echte Steckenpferd- Lilienmilch- Seife von Bergmann& Co., Radebeul. à Stüd 50 Pf. überall zu haben. Anzüge und Paletots Wanderer nach Maß aus englischen u. Ia deutschen Stoffen. 38 und 44 Mark. Garantie für tadellosen Sitz und gut geschulte Arbeit. Maßschneiderei Voß Tel. Amt IIIa, 6880. 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Im Zirkus Busch und in der Versammlung der Wirtschaftsreformer bekundeten die Liebesgabenempfänger: die bekannte Diest- Dabersche Einladung richtet sich an alle Nichiagrarier! Was tümmert's die Herrschaften, daß hunderttausende Proletarier arbeitslos find, in unzähligen Familien Not und Elend furchtbar wütet! Wenn man die Agrarier hörte, follte man glauben, die Arbeiter lebten in sorgloser Ueppigkeit dahin, der Großgrundbesitzer Cristenz jedoch sei durch der Proletarier Begehrlichkeit bedroht. + oder Gegen 1895 + oder in Prozent 9,3 Roggen Gegen 1895 Weizen 93f. in Prozent Pf. 1895.. 20,63 84,51 1897 22,30 . +8,1 37,74 1899 24,21 17,3 41,70 20,8 1901 24,23 17,4 41,48 +20,0 1903 23,83 15,5 41,56 1905 1907 24,30 +17,8 42,67 20,4 +23,7 80,82 49,36 . +48,0 54,1 1908.. 31,78 +49,4 +54,0 53,22 Also im vergangenen Jahre war das Brot um rund die Hälfte teurer als vor 13 Jahren. Und noch für eine ganze Reihe anderer Lebensmittel, ganz zu schweigen von den Wohnungsmieten, ergeben sich enorme Steigerungen. Da wagen die Junker noch von der Begehrlichkeit der Arbeiter zu reden und die Arbeitslosen als nichtsnußiges Gesindel, Arbeitslosenunterstüßung als Prämie auf Faulheit anzusprechen. Nun machen sich auch in den Kommunen, besonders in denen Händlergruppe solche Dienste nicht leistet, hat sie keinen Anspruch mehr auf Konservierung der alten Verhältnisse. Die Arbeiter, die einst Maschinen zerstörten, um sich deren Konkurrenz zu erwehren, handelten genau so wie die Händler, die da verlangen, neue Organisationen, die ihre Tätigkeit überflüssig machen, müßten bekämpft und unterdrückt werden. Nicht mit den Produzentenverbänden gegen die Konsumenten, sondern mit diesen gegen die rücksichtslosen Plünderer, müßten die Händler arbeiten, wenn sie dem Gesamtwohl dienen und ihre Eristenzberechtigung beweisen wollten. Uebrigens hätten die Kohlenhändler eigentlich gar keine Ver anlassung, sich für das Syndikat ins Zeug zu legen, ist doch gerade von seiner Seite aus der freie Handel am meisten bedroht. Ganz richtig bemerkt die Bielefelder Kammer zu der Verwahrung der Kohlenhändler:„ Eine Stellungnahme der Kammer gegenüber der Geschäftstätigkeit der Kohlenhändler würde überhaupt keinen Sinn gehabt haben, da die Kohlenhändler gerade so wie die Kohlenverbraucher sich völlig in der Hand des Syndikats befinden und gezwungen sind, die Preise zu fordern, die ihnen vom Syndikat vorgeschrieben werden. Aber selbst, wenn auch die Interessen der Einen Teil zur Verschärfung beigetragen hat auch die kurz Kohlenhändler mit denen des Syndikats identisch wären, würde sichtige Preispolitik der Syndikate und Kartelle der Rohstoff- die Handelskammer gerade, weil sie die Gesamtinteressen ihres erzeugung. Zunächst haben sie den inländischen Verbrauchern und Bezirkes zu vertreten hat, berechtigt sein, gegen die Preispolitik Weiterverarbeitern durch Verteuerung der Rohmaterialien derart den Wettbewerb auf dem Weltmarkt erschwert, daß diese oft ins einer einzelnen Interessengruppe Stellung zu nehmen, durch welche die gemeinwirtschaftliche Lage des Bezirkes bedroht wird. Die Hintertreffen gerieten und Aufträge nicht hereinbekommen konnten. Berechtigung ihres Vorgehens hängt also allein von der Frage ab, So werden die Zoll- und Liebesgaben- Tributpflichtigen noch oben- Noch schlimmer wurde die Sache dadurch, daß die Rohmaterialien ob die Preispolitik des Syndikata berechtigt ist oder nicht." drein verhöhnt. Wiederum vernahm man die von keiner Logit zu erheblich niedrigeren Preisen an das Ausland abgegeben wurden, beschwerte Behauptung: die erhöhte Kauftraft der Landwirtschaft als der einheimische Verbraucher dafür anlegen mußte. Be mit starker Industrie, die Folgen des wirtschaftlichen Rückganges hat die letzte Strise nicht zu der sonst unvermeidlichen Schärfe fonders schwer gesündigt hat das Kohlensyndikat, indem es, pochend bemerkbar. Die Berteuerung der Rebensmittel erzwang eine anwachsen lassen. Die agrarische Schutzzollpolitik habe sich als auf seine Macht, den Preisstand der Hochkonjunktur zu verlassen Einschränkung im Verbrauch anderer Erzeugnisse und wirkte da Segen für die Industrie erwiesen. Richtig ist, daß die Kauf- fich weigerte. Das führte schließlich zu charakteristischen Gr- mit verschärfend auf die Krise. Das verminderte die Steuerfraft der Großgrundbesitzer sich ganz außerordentlich gehoben hat. scheinungen. Um die Lager nicht allzusehr anschwellen zu lassen, leistung der gewerblichen Unternehmen, wie auch der Arbeiter Aber die Millionen, die sie einheimsten, sind nicht der Ertrag warf das Kohlensyndikat erhebliche Mengen Brennmaterialien Steuerkraft infolge der großen Arbeitslosigkeit start geschwächt neuer Wertschaffung. Durch Zölle wird nichts produziert. Man u wesentlich unter den inländischen Preisen sich haltenden Säßen worden ist. Das hat schon für das mit dem 1. April ablaufende fann auch nicht sagen, daß das Ausland zu der Junkerbeute etwas ins Ausland. Im Januar dieses Jahres ist die Steinkohlenausfuhr Steuerjahr erhebliche Ausfälle gebracht, und wird noch fühlbarer beigetragen habe. Der Bruchteil agrarischer Bölle, den es etwa hinausgewachsen. Die Menge der Ausfuhr macht danach über industriellen Bevölkerung an die Kommunen erhöhte Anforde wieder um faft 24 Proz. über das borjährige Ausfuhrquantum im nächsten Jahre werden. Andererseits hat die Zunahme der trägt, wird mehr als ausgeglichen durch die Industriezölle, die es 14 Prog. der Inlandsproduktion aus. Auf der anderen Seite rungen für Schulen und andere öffentliche Einrichtungen gestellt. uns aufgepadt hat, durch die es vielfach die bisher in Deutsch- streben Kohlenverbraucher danach, sich vom Rheinisch- Westfälischen Die Beschaffung neuer Steuern bildet nun bei den diesjährigen land heimische Produktion zur Auswanderung veranlaßte. Was die Agrarier einheimſten infolge künstlich verteuerter Lebensmittel, Kohlensyndikat unabhängig zu machen, indem man bei deutschen Statberatungen in manchen Kommunen die Hauptforge. Ob die Outsiders oder im Auslande den Bedarf zu decken versucht. So Stadtweisen dabei wohl daran denken, daß die unangenehme mußten die Konsumenten bezahlen. Von einer allgemeinen Steige erlebt man das erbauliche Schauspiel, daß in einer nicht durch die Situation der Kommunen zu einem guten Zeile der agrarischen rung der Kauftraft kann da natürlich feine Rede sein. Das Gegenteil ist richtig! Die von den Agrariern erzielte Beute geht geographischen Verhältnisse gerechtfertigten Weise deutsche Kohlen Zoll- und Steuerpolitik zu banken ist? Und daß sie selbst hieran weit über ihre natürliche Konsumfähigkeit an gewerblichen Er- ins Ausland und ausländische Brennmaterialien nach Deutschland wieder mitschuldig sind, weil sie die Opposition gegen den Lebenszeugnissen hinaus. Die große Masse der Lebensmitteltäufer ist transportiert werden. Solch unsinnige Aufwendung von Arbeit mittelwucher nicht unterstützt, oft sogar verhindert haben! Jest aber um den bollen Betrag, den sie in Gestalt erhöhter Breise und Kosten illustriert trefflich unsere Wirtschaftsordnung. So schlimm waren die Verhältnisse bereits geworden, daß hat man die Folgen zu tragen. Zu bedauern ist nur, daß diese für Agrarprodukte anwenden muß, in ihrer Kaufkraft geschwächt. fogar Handelskammern gegen die Preisdiftatur des Syndikats auf die Aermften am allerschwersten drücken. Stellung nahmen. Die Bielefelder Handelskammer forderte fürzlich durch Rundschreiben die Fabrikanten auf, mit Aufträgen an das Kohlensyndikat zurückzuhalten und andere Bezugsquellen in Erwägung zu ziehen. Das hat den Zentralverband der Kohlen- Problems. Von Dr. G. Egelhaaf. Heft 2: Der Umbildungsprozek im händler Deutschlands mobil gemacht. Er bestreitet den Handels- religiösen Bewußtsein der Gegenwart. Bon Dr. G. Mayer. Heft 3: fammern die Kompetenz, in das Geschäftsleben einzugreifen. Palästina im Lichte der gegenwärtigen Drientkrije. Von Dr. J. Boehmer. Darüber könnte man ja streiten; fachlich hat die Handelstammer Seft 4: Die moderne Gemeinschaftsbewegung. Von D. Dr. M. Schian. aber zweifellos das Richtige getan. Der genannte Verband stellt eft 5: Das Wiedererwachen des Buddhismus und seine Einflüsse in sich jedoch bedingungslos auf den Standpunkt: das Syndikat unserer Geistestultur. Von Dr. Th. Simon. Heft 6: Die Syphilis im handelt richtig, wir fühlen uns mit ihm solidarisch! Wenn es so Lichte neuer Forschungen. Von Dr. med. A. Strauß. Greiner u. Pfeiffer, steht, müssen die in Betracht kommenden Händlergruppen sich schon gefallen lassen, nach Möglichkeit ausgeschaltet zu werden. Gristenzberechtigung haben im Wirtschaftsleben nur solche Organe, die Nach den Ermittelungen des Statistischen Amtes der Stadt notwendig und nüßlich sind, die Produktion verbilligen, die Summe der aufzuwendenden Arbeitskraft vermindern. Soweit eine Berlin loftete im Durchschnitt ein Kilogramm Brot: Sie muß den Konsum anderer Lebensbedürfnisse entsprechend einschränken. Da ein erheblicher Betrag von den Summen, die die Agrarier einstreichen konnten, der gewerblichen Gütererzeugung nicht wieder zufließt, so ist nicht nur eine Verschiebung der Kauf: kraft innerhalb der Bevölkerung eingetreten, sondern auch, faßt man diese als Einheit auf, eine Schwächung auf dem Markt der gewerblichen Erzeugnisse. So wirken die Liebesgaben nicht krisen. mildernd, sondern verschärfend. Und darunter haben ganz be sonders die Arbeiter zu leiden, deren Einkommen nur zur Bestreitung eines bescheidenen Lebensunterhaltes ausreicht. Mit boller Wucht trifft sie die Verteuerung der notwendigen Nahrungsmittel. Wie z. B. die Brotpreise in Berlin gestiegen sind, veranschaulicht die folgende Zusammenstellung: Eingegangene Druckfchriften. Gegenwartsfragen. Heft 1: Bismarcks Sturz. Stuttgart. Die verflirten Frauenzimmer. 88 Seiten. Was heißt Bildung? H. Heller u. Cie., Wien I. Dokumente des Fortschritts. G. Reimer, Berlin W. 35. D. Stand des Bier Afte von M. Burchard. Von Prof. Dr. F. Jodl. 20 Seiten. 2. Heft. Internationale Revue. Die überragenden Vorteile unserer Fertigen Anzüge sind: 1. Größte Auswahl in den Größen, in modernen Formen der Schnitte und geschmackvollen Mustern. Die beim Maß Anzug vielfach nötigen Veränderungen und die zur Vornahme derselben erforderliche Zeitverschwendung kommen beim fertigen Anzug ganz in Wegfall. L Der Käufer kann beim Aussuchen des fertigen Anzuges bei der großen Auswahl die ihm genehme Paßform und das bestimmte der Mode entsprechende Muster wählen. 3. Die fertigen Kleider werden von ersten Zuschneidern, deren Kunst in stetem Fortschreiten begriffen ist, geschnitten. Schwarze Kleidung Nur eigene Erzeugnisse Gehrock- Anzüge M: an 70.- 60.- 50.- 40.- 36.- 33 M. Smoking- Anzüge...... 30M Elegante Fracks...... von 21M Einsegnungs- Anzüge... 10% 1050 BaerSohn Spezial- Haus größten Maßstabes M. an Chausseestraße 29/30 ㅁ 11 Brückenstraße 11 Gr. 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Februar, abends 7 Uhr, verschied sanft nach langem Leiden mein lieber Mann, unser geliebter Vater, der Gastwirt Friedrich Weber im 61. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an die trauernden Hinterbliebenen Christine Weber geb. Bülling nebst Sohn und Tochter. Die Beerdigung findet Montag, den 1. März, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Bant 12005 straße 84, aus statt. 12076 Sozialdemokratisch. Wahlverein Die Stammgäste von ,, Café" Petsch. Blauer, laß gießen!" Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Görlizer Viertel. Bezirk Nr. 225. Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schneider meister Christian Zarries Reichenbergerstr. 81 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. März, nachm. 22 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Brig aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/3 Der Borstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 328, Teil III. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser Gustav Krahe ( Goßlerstraße 16) geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. März, nachmittags 1, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/1 Der Vorstand. Statt besonderer Anzeige hiermit zur Kenntnis, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder, Großvater und Schwiegera bater, der Gastwirt 2942 Rudolf Pinkernelde am 27. februar im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, ben 2. März, nachmittags 3, Uhr, von der Halle des Philipp- ApostelKirchhofes, Müllerstraße, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes Anzeige. Am 27. Februar verstarb unser Mitglied, der Schankwirt Rudolf Pinkernelde Müllerstr. 30a. am Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. März, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle des städtischen Friedhofs, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 225/4 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolege Rudolf Pinkernelde Müllerstraße 30a( Bezirk 2) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. März, nach mittags 2, Uhr, von der Zeichenhalle auf dem städtischen Friedhofe in der Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/9 Die Ortsverwaltung. des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 25. Februar, verstarb unser Mitglied, der Schankwirt Friedrich Weber Pantstr. 84. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. März, nach mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Pantstr. 84, aus nach dem Dantes- Kirchhof in Reinickendorf, Blankestraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/2 Der Vorftand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 25. Fe bruar, verstarb unser Mitglied, der Pader Karl Witte Gartenstr. 54. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Februar, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes, Prinzen- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/3 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Tischler Albert Scheer am 25. Februar gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der LeichenGalle des Hedwigskirchhofes in Weißensee, Wörthstraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpolierer Otto Weidner am 23. Februar gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, bom Trauerhause Streuzigerstraße 11 aus nach dem Lichtenberger Gemeindefriedhof in der Bornizstraße, statt. Nege Beteiligung erwartet 80/2 Die Ortsverivaltung. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Baters, des Böttchers Oskar Kleinod sagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie der Direktion und den Mitarbeitern der Brauerei Batzenhofer, Abt. I, unseren herzlichsten Dant. Aiwine Kleinod nebst Sohn. Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. SO Todes Anzelge. Den Parteigenossen zur Nach richt, daß unser Mitglied, der Steinmet Kurt Otremba ( 6. Bezirk) verstorben ist. 234/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nirdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin I. Am 25. Februar starb unser Sollege Kurt Otremba im 39. Lebensjahre an der Berufsfrankheit. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 1. März, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Nigdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 171/6 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Restaurateur Otto Weidner verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, bom Trauerhause Kreuzigers ftraße 11 aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/4 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Drtsverwaltung Lichtenberg. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Otto Weidner Streuzigerstraße 11 berstorben ist. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler ( E.§. 8.) Zahlstelle Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 23. Februar der Schant wirt Otto Weidner verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. februar, nachmittags 4 Uhr, bom Trauers hause Lichtenberg, Streuzigerstraße 11 aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied, der Zimmerer Otto Kadjien am 26. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 1. März, nach mittags Uhr, von der Leichenhalle Bentral- Friedhojes, Friedrichsfelde, aus statt. Die Ortsverwaltung. des 184/1 Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Filiale Berlin IV. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Friedrich Malinowski am 25. Februar an Lungenentzündung verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 1. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 12235 Der Vorstand. B Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Großkopf am am 26. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle bes neuen Jakobi- Kirchhofes, Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/1 Die Ortsverwaltung. 12025 Dr. Simmel, Prinzenstr. 41. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Kreuzigerstraße 11 aus statt. Die Mitglieder sind zur regen Beteiligung verpflichtet. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk Weissensee. Am 24. Februar starb nach langer schwerer Krankheit unser braver Genoffe und langjähriger Kaffierer, der Drechsler Oskar Zeise im 56. Lebensjahre. Sein biederer Charakter, fein freundliches, ehrenhaftes Wesen wird uns dauernd in Erinnerung bleiben; den Alten zur Festigung, den Jungen als Vorbild. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntagnachmittag um 3 Uhr von der Halle des Gemeindefriedhofes Nöldestraße aus statt. Genossen, zeigt durch rege Beteiligung, daß wir unsere Beteranen nicht vergessen. 18/1 Der Vorstand. 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Febr., bormittags 10 Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tischler Hermann Großkopf Bohnsdorf im 34. Lebensjahre. Dies zeigen allen Freunden und Bekannten tiefbetrübt an Die trauernde Witwe 12215 nebst Kindern. Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Jakobis Kirchhofes, Hermannstr., aus statt. Dr. Schünemann 56232 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr Nach dem Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderobe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten! Urteil aller Kenner ist Bolero die feinste Pf.Zigarette Bis 50% Frühjaäntel, To me, Jacketts vom einfachsten bis zum hochelegantesten Genre, auch für die allerstärksten Figuren vorrätig!! Die noch kalte Witterung bietet die größten Vorteile! 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Für den Inseratenteil verantw.: Zb. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 50. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sountag, 28. februar 1909. Krankenversicherung im Jahre 1907. seiner borgesetzten Behörde Genossen F. wegen- Majestäts beleidigung denunzierte, nachdem er vorher mit großer Wichtigkeit den Versammlungsbesuchern eröffnet hatte, daß dem" min= sicher sei. Der eifrige Gesezeshüter schien mit seiner Anzeige anfänglich Erfolg zu haben. Das Verfahren gegen Genossen Fröber ward tatsächlich eingeleitet. Das Statistische Amt hat in Band 194 der Statistit des Deutschen Reiches" die Endergebnisse der Krankenversicherung für destens ein halbes Jahr hinter Schloß und Riegel das Jahr 1907 mitgeteilt. Daraus ergibt sich folgendes Bild für das Jahr 1907: Erkrankungsfälle mit Strankheitstage mit Zahl Rassenarten der Kassen Mitglieder im Durchschnitt des Jahres Ewerbsunfähigkeit überhaupt auf ein MitKrankengeld od. Behandlung im Krankenhause Krankheitskosten auf ein Vermögen auf ein überhaupt Mitglied überhaupt Mits glied glied Mart Mark Mart Gemeindekrankenversicherung 8.290 1 564 756 410 276 0,26 8 348 528 5,34 19 080 015 12,19 2 799 889 Ortstrankenkassen. 4757 6 194 108 2547 886 0,41 52 661 622 8,50 139 248 066 22,48 112 842 307 Betriebskrankenkassen 7914 3 156 221 1 533 798 0,49 27 253 754 8,64 89 976 134 28,51 103 754 728 Baukrankenkassen 41 19 697 12 032 0,61 203 949 10,35 547 832 27,81 222 696 Innungskrankenkassen 761 264 604 100 557 0,38 2 034 699 7,69 5 720 709 21,62 4.637 636 Eingeschriebene Hilfskassen. 1318 903 560 340 549 0,38 6 423 770 7,11 18 667 642 20,66 18 929 342 Landesrechtliche Hilfskaffen 151 36 020 11 290 0,31 222 458 6,18 647 108 17,97 1907 Zusammen 1906 23 232 23 214 12 138 966 11 689 388 4 956 388 0,41 97 148 780 8,00 273 887 506 4 423 756 0,38 87 444 605 7,48 241 793 604 Im Jahre 1907 waren 23 232 Krantentassen vorhanden, 18 mehr als im Vorjahre. Die Anzahl der Mitglieder im Durch schnitt des Jahres beträgt 12 138 966, der Zuwachs an Mitgliedern gegen das Vorjahr rund 450 000. Das Wachstum betrifft Hauptsächlich wieder die Drtstrantentassen mit 244 000 Mitgliedern, auch die Betriebskrankenkassen nehmen mit 165 000 an dem Wachstum teil, ferner die Gemeindekrankenversicherung mit 25 000 und die eingeschriebenen Hilfskaffen mit 19 000 Mitgliedern. Die Zahl der Erkrankungsfälle mit Ertverbsunfähigkeit stellt sich auf 4 956 388 mit 97 148 780 Krankheitstagen; auf ein Mitglied kommen durchschnittlich 0,41 Erkrankungsfälle und 8,0 Krankheitstage, für welche Krankengeld oder Krankenanstalts pflege gewährt wurde. Die ordentlichen Einnahmen( 3insen, Gintrittsgelder, Beiträge, Zuschüsse, Ersaßleistungen, sonstige Einnahmen abzüglich derjenigen für die Invalidenversicherung) betrugen 319 592 187 m., darunter Beiträge( einschließlich der Zusatzbeiträge) 298 394 892 M. Die ordentlichen Ausgaben( Krankheitskosten, ErsatzLeistungen, zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder, Verwaltungsausgaben abzüglich derjenigen für die Invalidenversicherung, sonstige Ausgaben) beliefen sich auf 299 094 756 M., darunter Krankheitstoften 273 887 506 M., die sich verteilen auf: Aus der Partei. ärztliche Behandlung Arznei und sonstige Heilmittel Krankengelder. Unterstüßung an Schwangere u. Wöchnerinnen Sterbegelder Anstaltsverpflegung Fürsorge für Nekonvaleszenten 1 770 798 22,56 244 957 396 22,56 244 957 396 20,68 230 211 200 63 325 782. 40 157 749 121 416 115 " " 5 498 301 " 7122 348 . " 36 167 635 204 576 " Dieser Tage aber wurde wohl sehr zum Aerger des Kom mandanten von der Staatsanwaltschaft in Bamberg das Ver. fahren gegen Fröber wieder eingestellt. Schon im vorigen Jahre erstattete ein anderer Beamter in der dortigen Gegend eine ähnliche Anzeige gegen den Genossen Arbeiterfekretär Seet. mann, jedoch mit dem gleichen Mißerfolg. Hus Induftrie und Handel. Von der Krise. Im Solinger Industriegebiet hat die wirtschaftliche Krise sehr tiefe Wunden geschlagen. Seit 14 Monaten sind die Betriebe nicht mehr voll beschäftigt. Die Folge ist eine außerordentliche Jnanspruchnahme der gewerkschaftlichen Unterstützungen. 264 186,68 m. haben die Solinger Gewerkschaften im Jahre 1908 an Arbeits. losen und Krantenunterstüßung gezahlt. Den Löwenanteil diefer Summe beanspruchte natürlich die Arbeitslosen= unterstüßung. Diese gewaltige Summe, die zu 90 Proz. auf die Monate April bis Dezember entfällt, fennzeichnet deutlich dic ungünstige Lage des Arbeitsmarktes in der Solinger Stahlwarenund Bergischen Kleineisenindustrie, die leider auch jetzt noch keine Besserung erfahren hat. Die chriftlichen Gewerkschaften, die im dortigen Industriebezirk so gut wie gar keine Bedeutung auf ein Mitglied kamen durchschnittlich 22,56 M. Krankheitskosten. haben, geben eine Summe von 10 000 m. an, die sie im verflossenen Jahre an Arbeits- und Erwerbslose gezahlt haben. Insgesamt sind Die Verwaltungskosten abzüglich derjenigen für die von der organisierten Arbeiterschaft Solingens im verflossenen Invalidenversicherung betrugen 16 692 900 W., auf ein Mitglied Jahre für die unterstützungsbedürftigen Kollegen und deren durchschnittlich bei den Ortskrankenkassen 2,12 M., bei den Inmungs- Familien ungefähr 300 000 m. aufgebracht worden. Die nach dem franfenfassen 2,58 M. und bei den eingeschriebenen Hilfstassen Jahreswechsel erwartete Besserung des Wirtschaftsmarktes im 2,42 M.; bei den Betriebs- und Baukrankenkassen werden sie fast Solinger Industriegebiet ist bis jetzt nicht eingetreten. Das Bauganz von den Betriebsunternehmern, in der Gemeindekranken- geschäft, dieser wichtige Faktor für den Eisenmarkt und auch für versicherung ganz von den Gemeinden getragen; bei allen Kassen die Werkzeugbranche, liegt noch immer danieder und die Folgen überhaupt stellen sich die Verwaltungstoften auf ein Mitglied daher dieser Ruhe machen sich selbstverständlich bei den verschiedenen nur auf 1,38 M. durchschnittlich. Werkzeugfabriken bemerkbar. Das Exportgeschäft in der " Das Gesamtbermögen betrug rund 245 Millionen Mart Spezialschneidewarenindustrie stodt fast boll. ( im Vorjahre 230), wovon auf die Drtskrankenkassen 112,8, auf die ständig. Die seit Anfang des Jahres eingegangenen Aufträge Betriebskrankenfaffen 103,8 und auf die eingeschriebenen Hilfskassen sind belanglos. Hinzu kommt, daß die Geschäfte und besonders die, 18,9 Millionen Mark entfielen. die ausschließlich schwarze Ware herstellen, ihre Läger so boll haben, daß sie jede Bestellung sofort ausführen können. Selbst sach Lörrach mit 437, Schopfheim Waldshut mit 423, Amerika, das bisher immer ein Hauptabsakgebiet war, sind die größere Aufträge erforderten keine Arbeitereinstellungen. Von Kehl Offenburg mit 404, Donaueschingen- Billingen Aufträge ebenfalls nur spärlich eingegangen. Die Resultate der mit 359, Baden- Rastatt mit 340, Konstanz leber von den meisten Firmen im letzten Monat gezogenen Bilanzen lingen mit 296, Ettenheim 2ahr mit 188, Bretten haben verschiedentlich zu weiteren Betriebseinschränkungen ber Ein Sozialdemokrat gegen die Nachlaßstener? Sinsheim mit 156 und Tauberbischofsheim- Wert- anlaßt. Einige Firmen, die bis jetzt ihre Arbeiter noch voll bc= In der soeben erschienenen Nr. 22 der, Neuen 8eit" schreibt heim mit 63 Mitgliedern. Genosse K. Kautsky in einer kurzen vorläufigen Besprechung der Zur Agitation wurden mehrere Flugblätter verbreitet und schäftigten, haben nun die Arbeitszeit verkürzt. Sogar die Weltfirma hier jüngst angezeigten Schrift von Artur Schulz Dekonomische der Badische Voltstalender in 90 000 Eremplaren. Bei Hendels hat sich gezwungen gesehen, in einigen Betriebsabteilungen hier jüngst angezeigten Schrift von Artur Schulz Dekonomische eine Verkürzung der Arbeitszeit vorzunehmen. Außer in der und politische Entwickelungstendenzen in Deutschland; ein Versuch, den Bürgerausschußwahlen wurden mehrfach gute Erfolge Stahlwarenindustrie hat sich die Fläue auch in der Fahrrad- und die Autonomieforderung der süddeutschen Landesorganisationen Schirmfourniturenbranche, die immer tausende Arbeiter beschäf= Die Abonnentenzahl der Parteipresse hat unter der tigten, weiter bemerkbar gemacht. Betriebseinschränkungen sind theoretisch zu begründen", zum Schluß: im letzten Monat erneut eingeführt worden. Am paritätischen Arbeitsnachweis in Solingen melden sich noch immer oft an einem angemeldet werden. erzielt. " " age bis zu 200 Stellensuchende, während nur einige offene Stellen Bürgermeisterei der Stadt Mainz der Stadtverordnetenversammlung Einer Anregung des Gewerkschaftskartelles folgend, hat die eine Vorlage zugehen lassen, in der zunächst 10 000 M. für die Gewährung von Barunterstüßung an Arbeitslose gefordert werden. 營 Krise gelitten, doch stehen die beiden größeren Drgane, Die Münchener Post" berichtete in ihrer Nummer vom die Boltsstimme" zu Mannheim und der Bolts25. Januar über eine Versammlung des nationalfozialen Vereins freund" zu Karlsruhe finanziell günstig. Die erstere in München, in der der Referent sich für die Nachlaßsteuer aus verzeichnet einen Jahresüberschuß von 1324,63 m., der letztere bon sprach. Jm Versammlungsbericht heißt es weiter: 3793,03 M. Auch das seit 1 Jahr existierende Kopfblatt des 14 " Dr. Schulz wandte sich gegen die Nachlaß- Wolfsfreund", die Pforzheimer freie Presse" steht steuer, durch die die Landwirtschaft ungerecht befriedigend, es ist trotz der gerade Pforzheim schwer treffenden belastet würde." Krise gelungen, Einnahmen und Ausgaben zu balancieren. Dagegen Nach liberalen Blättern war dieser Schulz der Sozial- weist das Boltsblatt" zu Offenburg ein Defizit bon demokrat Schulz, der die einzige theoretische Begründung der 1888,18 m. auf, während die Lörracher Arbeiterzeitung" füddeutschen Autonomieforderung geliefert hat. einen Ueberschuß von 666,28 M. gebracht hat. Am 1. Juli wurde ein Bezirkssekretariat für das Rückgang der Kohlenproduktion. An Steinkohlen wurden im badische Oberland in Freiburg errichtet. Januar d. J. im ganzen Reiche 12 010 715 Tonnen erzeugt, d. i. Der Kassenbericht des Landesvorstands weist eine Ein- gegen die entsprechende Zeit des Vorjahres ein Weniger von nahme von 20 510,92 m. nach, die Kasse eine Ausgabe von 18 565,95 568 437 Tonnen. Die Produktion von Braunkohlen belief sich auf Mark und einen Bestand von 1944,97 m. auf. An Mitglieder- 5596 415 Tonnen( 106 496), bon Rots auf 1776 373 Tonnen beiträgen der Wahlkreise und Erlös von Mitgliedsbüchern(-82 620), von Breßkohlen aus Steinkohlen auf 310 955(- 10 460), wurden 11 462,42 Mark eingenommen, bom Parteivorstand von Preßkohlen aus Braunkohlen auf 1 172 579(+ 81 581) Zonnen. 2509 Mart, an Bankeinlagen wurden 4385,70 Mark erhoben. Demnach ist die Kohlenproduktion um 674 933 Tonnen zurüd, Unter den Ausgaben figurieren für schriftliche Agitation gegangen. 4562,68 M., für Agitations- und Wahlzuschüsse 792,65 W., für Delegationen und Konferenzen 749,93 M., für Banteinlage 4000 m., für Zuschuß an das Bezirkssekretariat Oberbaden 1776,25 m., an das Bezirkssekretariat Wittelbaden 2163 W., an das Bezirkssekretariat Es wäre wünschenswert, wenn die Münchener Post" diesen Punkt aufklärte. Es würde damit auch die neue Theorie der Landesautonomie in flareres Licht gestellt werden. Tatsächlich entspricht die Ablehnung der Nachlaßsteuer durchaus dem theoretischen Standpunkte, den Schulz entwidelt. Wenn die süddeutsche Autonomie" schon in ihrer Theorie solche Konsequenzen zeitigt, dann sind ihre Anfänge ja recht viel versprechend." Die Stellung gegen die Nachlaßsteuer entspricht allerdings burchaus der Theorie, die Schulz in seiner Schrift entwidelt. Denn er berlangt darin nichts Geringeres, als daß die Sozialdemokratie, um Bauernstimmen zu fangen, eine agrarische Partei werde und für Vieh- und Fleisölle eintrete. Wir werden auf den Inhalt dieser Schrift, die bemerkenswert ist als Zeugnis für die Konsequenzen der von Schulz verfochtenen Anschauungen, demnächst noch näher eingehen. Parteiliteratur. Unterbaden 1200 M. Berichte der Bezirkssekretariate und der Wahlvereinsvorstände vervollständigen die Schrift. Infolge der vielen Feierschichten auf der Zeche Rheinpreußen kündigte daselbst eine große Anzahl Bergleute, welche nach Desterreich aurüdfehren. Jahr. Dividenden. Der Mülheimer Bergwerksverein, der für die vorDer Bericht gibt auch den bekannten Briefwechsel des Landes- letzten Jahre nur 10 Proz. Dividende ausschüttete, bringt für diesvorstandes mit dem Parteivorstand gelegentlich der Budget mal 11 Proz. heraus. bewilligung durch die Landtagsfraktion wieder und 30 Proz. Dividende erhalten, wie im Vorjahre, die Aktionäre Von der Sammlung kommunalpolitischer Abhand- sucht die Haltung des Landesvorstandes zu rechtfertigen. Betont Iungen, die unter dem Titel:„ Sozialdemokratische Gemeinde- wird, daß der Landesvorstand in der Budget bewilligungs- des Kölner Bergwertsvereins. politik" im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erscheinen, liegt als frage auf dem Standpunkt der Erklärung der 66 steht. Die Deutsche Jutespinnerei in Dresden stößt neuestes Heft eine Arbeit des Genossen Dr. Zadek über die Trink- Von den zum Parteitag eingereichten Anträgen haben wir einen 20 Proz. Dividende ab, gegen nur 15 Broz. für das voraufgegangene wasserversorgung vor. Das Heft bildet den ersten, in sich ab- von Kehl Offenbach, der die Bestellung eines Korreferenten geschlossenen Teil einer Abhandlung über die Hygiene der Städte, zu dem Referate des Genossen Kolb über die Tätigkeit der Land- Wiederum 15 Proz. Dividende bringt die Aktiengesellschaft deren zweiter Teil sich mit der Städtereinigung befaffen tagsfraktion fordert, schon erwähnt. Die Mitgliedschaft Rheinau bei Gerresheimer Glashüttenwerkte vorm Hehe zur Verteilung. wird. Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die verschiedenen Mannheim fordert, daß für die Landtags- Stichwahlen Wie im Vorjahre, können die Papierinhaber der KammgarnEpochen der kommunalen Trinkwasserversorgung vom Altertum bis fein Großblodablommen( mit den Nationalliberalen) getroffen in die Neuzeit führt uns der Verfasser in das Gebiet der Wasser- werde, die Konferenz des Wahlkreises Mannheim fordert fpinnerei in Schwedewiß auch diesmal wieder 15 Proz. Dividende untersuchung, um sodann in einem weiteren Kapitel die Anforde- die Beseitigung der Doppelmandate, doch soll einschreiben. rungen auseinanderzusehen, die an ein gutes Trinkwaffer zu stellen der Beschluß auf die Landtagswahl 1909 noch teine Der Verein Chem. Fabr. Mannheim bringt ebenfalls eine find. Dann folgen Kapitel über Wasserentnahme und Wasser- Anwendung finden. Zahlreiche Anträge befassen sich mit Dividende in Höhe der vorjährigen, nämlich 20 Proz., in Vorschlag. reinigung sowie über die Trinkwasserversorgung im Deutschen der Presse. Während einige Mitgliedschaften das Eins 30 Broz. schüttet das„ Consolidiertes Braunkohlenbergwerk" Reich. Die Grundsäge, die über den Wasserverbrauch und Waffer- gehen des Bollsblattes" Offenburg und der Lörracher bei Dehfleben für das letzte Jahr aus. preis maßgebend sein sollten, schildert der letzte Abschnitt der Arbeiterzeitung" und dafür eine selbständige TagesSchrift. Eine der Anlagen enthält eine Anleitung für die Einrich- zeitung in Freiburg fordern, wollen andere für das tung, den Betrieb und die lleberwachung öffentlicher Wasserver- badische Oberland ein Kopfblatt des Karlsruher Volksfreund" wahlkreis Arnswalde- Friedeberg( Drtsverein Berlin). Heute Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Reichstags: jorgungsanlagen, welche nicht ausschließlich technischen Zwecken in Freiburg, während von einer Mitgliedschaft der Ausnachmittag 8 Uhr bei Thimm, Tilsiter Str. 79: Mitgliederversammlung. dienen, eine weitere Anlage enthält Grundfäße für die Reinigung bau der Arbeiterzeitung" in Lörrach zu einem von Oberflächenwasser durch Sandfiltration. Troß des schwierigen täglichen Organ beantragt wird. Stoffes ist die Schreibweise gemeinverständlich. Preis i M., Agio tationsausgabe 50 f. Bölkerfrühling. Diesem Symbol ist die„ März- Zeitung" gewidmet, die der Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, in diesem Jahre herausgibt. " Kaufmännische Kranken: und Sterbekaffe von 1885.( E. H. 71.) Dienstag abend 9 Uhr im Restaurant A. Landré, Stralauer Str. 36/37: Sigung. (.. 29 Hamburg.) Filiale Berlin 2. Heute vormittag 10 Uhr im Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. Märkischen Hof, Admiralftr. 18c: Mitgliederversammlung. Allgemeine Familien- Sterbekaffe. Heute Zahltag und Aufnahme Aderstr. 123 bei Wiesenthal und Mariannenstr. 48 im Restaurant von 8 bis Lese- und Diskutierklub Moabit". Montag, den 1. März. Warnung. Josef Lohn, nach seiner Angabe Stider aus Lodz, hat unter Vorlegung eines gefälschten Empfehlungsbriefes einer polnischen Parteiorganisation Rußlands Parteigenoffen aufgesucht und wegen Unterstüßung angesprochen. Er führt auch ein Die sechzehn Seiten starte Schrift wird zahlreiche, sorgfältig ohne Zweifel gefälschtes Empfehlungsschreiben der Bahlstelle des 6 Uhr. ausgewählte Jllustrationen bringen. Das große Mittelbild ist Maurerverbandes zu Graudenz bei sich. 2ohn ist ein junger bart eine Radierung von Legros. Daneben werden Meunier, loser Mann von schwach mittelgroßer Statur, er hat blondes Haar abends 9 Uhr, bei Bachstein, Salzwedeler Straße 16: Sigung. Daumier bertreten sein. Der Preis ist auf 20 Bf. festgesetzt. und braune Augen. Wir behalten uns vor, nach Erscheinen noch ausführlicher auf die Wir warnen die Parteigenossen vor diesem Manne. März- Beitung" einzugehen. Die Parteiblätter werden um Abdruck der Warnung gebeten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Von der badischen Sozialdemokratie. Eine mißglüdte Majestätsbeleidigungs- Anzeige. Eingegangene Druckfchriften. " Leben mit Tieren" von C. M. v. Unruh( Stuttgart, Franchsche Verlagshandlung. Geb. 2 M., gebd. 2,80 M.) Das rechtlose Elsaß! Bon H. Schneider. 1 M. Stöhler, Basel, Gerbergasse 51. D. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Heft 6. Friedrich Lists nationales System der politischen Dekonomie, von Steinel. Verlag 2. Ehlermann, Dresden. Gebd. 1 M. 10. Jahresbericht 1908 des Kartells deutscher und österreichischer Am Sonnabend und Sonntag tagt in Offenburg ber Parteitag der badischen Genossen. Der schriftliche In Windheim, einem Ort im nördlichen Bayern( WahlBericht des Landesvorstandes, der für diese Tagung herausgegeben freis Kronach- Lichtenfels), fand am 12. Dezember eine öffentliche wurde, weist für 1908 in 167 Mitgliedschaften 13 403 männliche und Voltsversammlung statt, in der Genosse Fröber über die poli384 weibliche Mitglieder nach. gegen 171 Mitgliedschaften tische und wirtschaftliche Lage im Reich referierte. Die Besprechung Rad- und Motorfahrer- Berbände. 56 Seiten. mit 12 985 männliche und 350 weibliche Mitglieder im des Kaiser- Interviews gestaltete sich zu einer scharfen Kritik des Unser Körperhaus. Von N. Theuermeister. Jahre 1907. Der Wahlkreis Mannheim zählt 6091 persönlichen Regiments. Die Versammlung wurde durch den Th. Scheffer, lart. 1,80 90. Mitglieder, dann folgen Pforzheim mit 2112, Karlsruhe Polizeikommandanten Reuth von Rothenkirchen überwacht, der, W. Lübben. Ratgeber für Militärpflichtige". Preis 60 Pf. Berlag mit 1454, Seidelberg mit 911, Freiburg mit 559, Breis von dem Gehörten ganz entsegt, nach Schluß der Versammlung bei von Grone u. Martinst( 3. P. Roos) Hamburg. Leipzig 1909, R. G. Für den Inhalt der Inserate übernim t die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. # Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Montag 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. ( Siche Wochen Spielplan.) Berliner Aquarium Freie Bolksbühne. Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: 9. Abteilung im Unter den Linden 68a Neuen Schauspielhause: Eingang Schadow- Straße No. 14. Rabagas. Nachmittags 3 Uhr: im Herrnfeld Theater( Num mern der Starten 1601-2400): Der Probekandidat. Montag, den 1. März, abends 8 Uhr: 13./II. Abendabteilung im Neuen Schauspielhause: Der Diamant und Der zerbrochene Strug. Neue Freie Volksbühne. Am Sonntag, 28. februar, nachm. 2, Uhr: im Deutschen Theater: Rettenglieber; in den Stammer spielen: Frühlings Erwachen; im Neuen Theater: Der SchwarzTünstler. Silberfischchen; im Neuen Operetten Theater: Das berwunschene Schloß; im Ber liner Theater: Bartel Turaser; im Hebbel- Theater: Erde; im Friedrich- Wilhelmstädtisch. SchauSpielhaus: Madame Sans- Gene; im Schiller- Theater O: Ein Bolts. feind; im Schiller- Theater Char lottenburg: Julius Cäsar. Lessing- Theater. Sonntag 3 Uhr: Nora. Abends 8 Uhr: Der König. Heute Sonntag Eintrittspreis: 25 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, 43/14 Reptilien etc. Passage- Theater. Heute zum letztenmal zwei Vorstellungen Nachm. 3-7( kleine Preise). Abends 8-11 Uhr: Madame Hanako mit ihrem Ensemble. Robert Koppel und das glänzende Februar VariétéProgramm! Montag 8 Uhr abjenzyllus, Leyte Passage- Panoptikum. Borstellung: Wenn wir Toten erwachen. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Neu! 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Musik von Paul Linde. Dazu die Spezialitäten- Attraktionen. Abends 8 Uhr: Elitevorst, Letztes ,, Kümmere Dich um Amelie." Auftreten aller Attraktionen. Dazu: Schwant in drei Alten( vter Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und folgende Tage: Die felbe Vorstellung. Sonntag, 28. 6. Ms., nachm. 3Uhr: Der Floh im Ohr. Sonntag. 7. März, nachm. 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus, Sonntag, 28. Februar, nachm. 3 Uhr. Madame Sans- Gêne. Abends 8 Uhr: Husarenfieber. Onkel Casimir Nur noch einige Aufführungen! WINDGARTEN 7 6 Letzter Tag! 2 AbschiedsVorstellungen! 2 Anfang 3, Uhr: Anfang 8 Uhr: Montag: Der Pfarrer v. Kirchfeld. Kleine Preise! Dienstag: Kean. Gewöhnl. Preise! Saharet Luisen- Theater. Gertrude Barrison Nachmittags 3 Uhr: Das Mädchen auf Irrwegen. Abends 8 Uhr: sowie des gesamten drolligen Faschings- Programms! Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonntag, nam. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Aufz. von H. Jbsen. Deutsch von B. Lange. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Montag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Dienstag, abends 8 Uhr: Das Erbe. B Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Julius Cäsar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonntag, abends 8 Uhr: Rechts herum. Schwant in 3 Atten v. Hans Gaus. Montag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Dienstag, abends 8 Uhr: Rechts herum. Volkslieder- Abend Sonntag, den 7. März 1909, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Herr Robert Kothe( Lieder zur Laute) Margarete Walkotte( Rezitationen aus des Knaben Wunderhorn). [ 1185b*] Entree 50 Pf. Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Zigarrenhandlung, Engel- Ufer 15. Freie Schwimmer- Charlottenburg Mitglied des Arbeiter- Schwimmerbundes. Heute nachmittag 3 Uhr, in der städtischen Boltsbadeanstalt, Krummestr. 10: 282/4 ZirkusSchumann Sonntag, 28. Febr.3%, Uhr u.7 Uhr 2 Große Vorstellungen 2 Nachmittag auf allen Sizpläten 1 kind frei, unter 10 Jahren, weitere Kinder zahlen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: unver der See. Golo, täuber. Tiberio, bredher. Münzen. der Wunder. Paet, affe. !!! Waffenschmiede!!! Boxendes Känguruh. Frl. Dora Schumann mit ihren Schub und Springpferden sowie das Riefenprogramm, XIV. Saison. Zirkus Busch Sonntag, 28. Februar 1909: Gr. außerordentl. Gala- Vorstellungen 2 Nachm. 4 und abds. 7%, Uhr. Um 4 Uhr hat jeder Erwachsene ein angehöriges Kind unter 10 Jahren auf allen Sigplägen frei, jedes weitere Kind unt. 10 Jahren halbe Preise.( Galerie volle Preise.) In beiden Vorstellungen: Konsul Peter Der weltberümte Menschen- Affe! Ju beiden Vorstellungen: Die Vievilles! Ju beiden Vorstellungen: Olympia Desvall! In beiden Vorstellungen: ? Tackas? Gastspiel- Theater Borführen u. Reiten b. beftdreffiert. 3, U. Köpenicker Str. 68. 3%, U. Gastspiel: Villany, ,, Reformtänzerin". 8 U. 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Parodie- Theater. Bürgerliches Schauspielhaus Nachmittags Hamlet. Kastanien- Allee 7-9. 8 Uhr: Abends 8 Uhr: Der Salontiroler. Montag: Hamlet. Dienstag: Uriel Dresdener Straße 97. Anf. 8 Uhr. Acosta. Mittwoch: Der Salontiroler. Siegel siegelt alles! ober: Der Backfisch in Nöten. Borher: Alles für's Kind! oder: Die Folgen eines Rendezvous. Preise d. Sippläge: 20, 40, 75 Pf., 1 M. Folies Caprice Bum 80. Male: W.Noacks Theater Direttion: Rob. Dill. Brunnenitr. 16. Wochentagspreise! Entree 30 Bi Spreeathener. Berliner Volksstück mit Gesang. Anfang 7% Uhr. Konzert 6% Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Donnerstag, 4. März: Benefiz Udo Hurst. Ein lediger Ehemann. Theater Variété Brillant Anfang 8%, Uhr. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. Lägl.: Spezialitäten Vorstellung mit Franz Sobanski Gisella Lorma, Geschw. Goldader, The Gouthsmitts, Eli ut. May Bach, Mar Wilberg, May Nee. Der Talmi- Graf. Boffe in 1 Aft von F. Gobansti. 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Nach der Borstellung: Tanz. Vorverkauf von 10-1 Uhr mittags im Theater- Restaurant. Montag, den 1. März: Soiree der Lustigen Sänger. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt. Sonntag, 28. Februar, nachm. 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Lustspiel in 5 Aufz. v. G. E. Lessing. Abends 7 Uhr: Die zwei Waisen. Schauspiel in 7 Bildern von G. Scherenberg. Nach der Vorstellung: Ball. Kotthuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Georg Gailer Wiederauftreten von Svan Belid Sturz aus der 6. Etage. Der arme Kasimir. Sente Sonntag: Neues Programm. Elite- Soiree Tanzkränzch. Schwant in 1 Aft v. Schmidt- Hawkins. Familienkarten wochentags halbe Preise Hoffmanns Nordd. Sängern überall gratis zu haben. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. babe. Es wird mein Bestreben fein, meine Gäfte fteis zu ihrer Sufrieden. Gastspiel des Mr. Latouré Noch heit zu bedienen und bitte ich um geneigten Zuspruch. Große Theaterbühne steht den Vereinen zur Verfügung. frei: Karfreitag, 2. Osterfeiertag fowie einige Sonnabende und Sonntage. Hochachtungsvoll 1422* H. Borgmann. mit seinem : weltberühmten Zwergtheater: und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 8% Uhr, Sonntags 6 Uhr. Don Zum erstenmal: Jm Wein ist Wahrheit. Lustspiel in 1 ft. Beg. Gonnt. 5, pochent. 8. Morgen Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger Dienstag Theaterabend: Die Grille. Markgrafen- Säle Markgrafendamm 34. 2int VII 4277 Inh. Hermann Scholtz. Jeden Gr. Ball. Sonntag: Säle von 100-1000 Berfonen zu Festlichkeiten und Versammlungen. 2 Kegelbahnen. Deuticher Holzarbeiter- Verband. N9n 19 Verwaltung Berlin. Sonnabend, den 6. März, abends 8½ Uhr: en → Großes Kostüm- Fest 00002 ( Sommer- Fest der Bauern zu Crillersdorf in Cirol) in den Sälen der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Billetts à 50 Pfennig sind bei den Beitragssammlern und im Bureau zu haben. Die Verwaltung. ald Sozialdemokratischer Wahlverein für ben 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. 18 Montag, den 1. März, abends 8%, Uhr, in Kellers Festfälen, Koppenstraße 29. General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Fortsegung der Diskussion über die Kommissionsberichte. 2. Anträge zur Verbandsgeneralversammlung und Wahl der Delegierten. 3. Ausschlußanträge und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung! 216/2 Der Vorstand. Oeffentliche Volksversammlung am Montag, den 1. März, abends 8 Uhr in den Pharussälen, Müllerstraße 149: Vortrag vom Geistlichen a. D. A. Stern: Das Christentum und die Religion der Liebe. 57/ 2* Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. Der Einberufer: A. Hoffmann, Blumenstr. 14. Schultheiss- Bier verdankt sein Renommee seiner hervorragenden Qualität und Bekömmlichkeit. notiodismissge M Germania- Prachtsäle. Carl Richter. Chauffeeftr. 110. Chauffeeftr. 110. Jeden Sonntag: Paul Mantheys lustige Sänger ( ehem. D. Steibls Hamb. Sänger) stets neues Programm. Anfang 6 Uhr Eintritt 50 Pf. mit anschließendem Familienkränzchen Bon 5 Uhr ab im weißen Saale Großer Ball. 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Man überzeuge sich selbst durch einen Versuch von der überraschenden Feinheit und bedenke die enorme Ersparnis! Bei 6 Flaschen die 7te gratis! Zages Prdnung: 1. Vortrag des Arbeiterfekretärs Genossen Eng. Brückner über: Sat die Arbeiterklasse im 2. Beschlußfaffung über den von der Kommission aus. gearbeiteten Antrag über eine einmalige Motstands unterstütung an die Mitglieder. 3. Verschiedenes. Kollegen, sorgt für die weiteste Agitation zu der Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe keinen Zutritt. Die beitragsfreien Mitglieder lönnen im Bureau ihre Mitgliedsbücher in Empfang nehmen. 133/7 Der Vorstand. J. A.: E. Schulze, BlüthnerB.O. Saal. Großer Ball Otto Reichel, Berlin SO., Eisenbahnstr. 4. Blüthner- Orchester. Sonntag: Großes Drchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Achtung! Den Arbeitgebern und Mitgliedern der Orts Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß sich die Kassenräume bom Donnerstag, 4. März cr. ab Berlin S. 14 Sebastianstraße 87/88 Quergebäude ( Nähe der Alten Jakobstr.) befinden. Am Tage des Umzuges, Donnerstag, 4. März cr., bleiben sämtliche Bureauräume geschlossen. Die an diesem Tage fälligen Unterftügungen werden noch am Mittwoch, ben 3. März cr., im Staffenlotale, hier, Dresdener Straße 88/89, ausgezahlt. Wir bringen ferner zur Kenntnis, daß an die Stelle der ausgeschiedenen Borstandsmitglieder Herren Barney nd Raschmann die Herren Jaroczynski und Winkel getreten find. Berlin, im Februar 1909. Der Vorstand: 270/19 Gustab Nahtow, Borfizender. Paul Doris, Schriftführer. Fernsprech- Anschlüffe Amt IV, 4751, 4752, 4753. Niederlagen in den durch meine Schilder kenntlichen Drogerien ze. Bo nicht erhältlich, Versand ab Fabrik. 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Wahl der Revisoren. nahme zur Generalversammlung. 3. Wahl der Delegierten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. 2. Stellung 259/ 1* J. A.: Richard Schröder, Tilsiterstr. 7 b. IV. Verband der Schneider und Schneiderinnen Koftümfchneider und Schneiderinnen! Montag, den 1. März 1909, abends 8%, Uhr: Deffentliche Versammlung " in den Arminhallen", Kommandantenstraße Nr. 58/59. Zages Drdnung: 162/5 1. Unsere Forderungen an die Arbeitgeber." Referent Sollege In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreicher Die Kommission. vereinigten Gewerbebetriebe Kunze." 2. Bericht aus der lezten Bertrauensleute- Sizung. Charlottenburgs. Besu Wir laden die Stafsendelegierten hiermit zu einer Außerordentlichen 270/20 Arbeiter- Abstinenten- Bund Ortsgruppe Berlin. General- Versammlung mittwoch, ben 3. März, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, auf Montag, den 8. März cr., abends 8, 1hr, nach dem kleinen Saale des Volkshauses in Charlottenburg, Rosinenftr. 3 ein, mit der Tagesordnung: 1. Bekanntgabe des Ditsstatuts betreffend die Versicherung der Hausindustriellen und Beschluß: faffung über die Abänderung bes 8 13 des assenstatuts. 2. Besprechung über die Arztfrage. Delegierte, deren Mandat erloschen erlofdhen ift, find von ber Teilnahme an der Generalversammlung ausgeschlossen. Delegierte, welche Beschwerden vor. bringen wollen, haben dies bis zum Tage der Generalversammlung im Raffenbureau anzuzeigen, damit der Kaffenvorstand in die Lage versett wird, an der Hand des vorliegenden Materials Ausfunft zu erteilen. Engelufer 15: Oeffentliche Versammlung. Vortrag des Bundesvorsitzenden Genoffen August Neumann- Ham. burg über: Wie steht es mit der Durchführung der Forderungen der Resolution Wurm vom Essener Parteitag? Freie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 282/5 Der Vorstand. 3. A.: P. Lenzner, Karlshorst, Roedelstr. 5. Kios- AlasonDu Cigarette. Stick KLEINE KIDS!! Beliebteste 2½ Pfg. Cigarette Cigaretten- Pabrik ,, Kios" o E. Robert Böhme, Dresden, 3 Die Delegierten erhalten eine b ,, Zum Sportshaus", Siegenhals bei Beuthe be als Legi timation im Versammlungslokal vor. zuzeigen ift. Charlottenburg, den 26. Februar 09. den Der Kaffenvorstand. Wilh. Ahrens. Anton Boekers Ball- Salon. Dampfer- und Bahnstation. Telephon: Amt Königs- Wusterhausen 175; Boft Niederlehme Empfehle mein herrlich am Crossinsee und Hochwald gelegenes Lokal werten Bereinen, Gewerkschaften, Fabriken und Gesellschaften zu Fußpartien und Dampferausflügen. 2162 Zwei große Säle, Kegelbahnen, Kaffeeküche, Volksbelustigungen. Desgleichen empfehle mein Restaurant mit Deftillation und Saal gefchäft eft in Berlin S. 53, Fontane Promenade 18. Ede Blücherſtraße Habe noch Sonnabends und Sonnel: Amt IV, 178,, Zum Leuchtturm- Tel.: Amt IV, 173 tags Sale zu vergeben, auch find Bereinszimmer in der Woche frei. Anton Boeker, Weberftr. 17, .: VII, Nr. 13414. 1412 Vereinszimmer und Saal zu Festlichkeiten und Bersammlungen. Anmeldungen für Partien nach Siegenhals nehme auch hier entgegen Achtungsbon M. Mörschel Geffentliche politische Versammlungen. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 28. Februar 1909, abends 6½ Uhr, im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Volkserziehung und Sozialdemokratie. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Bu recht zahlreichem Besuch ladet ein 213/ 5* Der Einberufer. Aug. Pohl, Naunynstr. 30. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. ile Mittwoch, den 3. März, abends 8% Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branchen. Lages Drdnung: 1. Bericht der Werkstattvertrauensleute über die Neuregelung der Arbeitszeit. 2. Die Hausagitation.( Die Vertrauensleute sind verpflichtet, die noch ausstehenden Adressen der Unorganisierten sowie der Helfer zur Hausagitation in dieser Versammlung abzugeben.) 3. Bericht der Kontrollkommission und Verbandsangelegenheiten. Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert. Wahlverein Charlottenburg. Dienstag, den 2. März, abends 9 Uhr: General- Versammlung im großen Saale des„ Volkshauses", Rofinenstr. 3. Tages- Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Vortrag:„ Der städtische Etat und die Arbeitslosenfürsorge in Charlottenburg". Um zahlreichen und pünktlichen Besuch wird dringend ersucht. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. 250/4 Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirksbertrauensmännerversammlung. Tischler. Süd- Westen bei Habel, Bergmannftr. 5/6. Süden bei Gliesing, Waffertorlir. 68. Die Versammlungslokale sind folgende: Südosten I u. II in den Naunyn- Festsälen, Naunynftr. 6. Osten I( zwischen Zentrum und Fruchtstraße) bei Borgmann, Osten II( wischen Fruchtstraße und Friedrichsberg) bei Pirnau, Deutscher Transportarbeiter- Verband. Destliche Vororte Verwaltungsstelle Berlin II. Achtung Mitglieder aller Branchen. Achtung! Mittwoch, den 3. März 1909, abends 81, Uhr: Ordentliche General- Versammlung im großen Saale von Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97. Tages Ordnung: Andreasstr. 21. Frankfurter Allee 106. Water Brichies bei Wildner in Friedrichsberg, Friedrich- Karl- Str. 11. Nordosten bet Boeker, Weberstr. 17. 79/20 Möbelpolierer und Beizer. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten im„ Märkischen Hof", Admiralstr. 180. Norden bei Günther, Brunnenstr. 96. Die Tischler werden gebeten, die Polierer ihrer Werkstatt auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Magazinarbeiter bei Wilhelm Kutzner, Schützenstr. 18/19. Jede Sargtiſchlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Berfamm. Drechsler, Treppengeländer- und lung senden. Schwedterstr. 23. Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadtbibiglo, Wedding u. Moabit: bei Fahrow, Ravenófſtr. 6. Bautischler. 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Neuwahl der Drts. Süden, Westen, Südosten, Bez. 1: b18c. verwaltung, der Revisoren sowie von drei Vertretern für die Bezirksleitung bet Möhring, Admiralstraße von Groß- Berlin. 4. Fortsetzung der Diskussion über den Antrag: Bu Osten, Bez. 2: bei Zietz, Warschauer Straße 61. sammenschluß der bestehenden Verwaltungen zu einer einheitlichen Ortsverwaltung für den Bezirk Groß- Berlin." 5. Anträge und Geschäftliches. Norden, Bez. 3: bei Schäde, Kopenhagener Str. 74. Kollegen und Kolleginnen! Bir erwarten, b guten Besuch der Versammlung agitiert und alle vollzählig erscheint. Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des Verbandsbuches gestattet. Wedding u. Moabit, Bez. 4: bci Sachse, Lindower Str. 26, Wer mit seinen Beiträgen über 10 Wochen im Rückstande ist, hat feinen Zutritt. Heute, Sonntag, den 28. Februar, finden folgende Versammlungen statt. Für die Packer, Lagerarbeiter usw. der A. E.-G., Sickingen- und Huttenstraße, Löwe, Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken, Anhaltische Maschinenfabrik, Ravené, Degner usw. vormittags 10 Uhr bei Kirschkowski, Bürgerfäle", Beuffelstraße 9. Tages- Ordnung: Bahnhof Wedding. Zu dieser Versammlung find die Stollegen aus folgenden Werkstätten besonders eingeladen: Saalmann, Huffitenstraße; Heinemann, Schulstraße; Roloff, Egerzierstraße. Einsetzer um 8 Uhr im„ Gewerkschaftshause", Engelufer 15( Saal 10). Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Firma Gebrüder Weidner öffentlich eingeladen. 1. Bortrag des Kollegen Otto Franle über Moderne Klaffentämpfe". Hente Sonntag, 28. Februar: 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Für die Geschäftskutscher, Lagerarbeiter Luxusmöbelbranche Norden bei Döhling, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Südosten u. Südwesten bei Stramm, Ritterstr. 123 Modell- und Fabriktischler im Verbandshause der Gastwirtsgehilfen, Große Hamburger Straße 18/19. Musikinstrumenten= Arbeiter um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8. Maschinenarbeiter in den Mariannen- Festfälen, Mariannenufer 2 ( nicht im Gewerkschaftshause). Hente Sonntag, 28. Februar: Bezirksversammlungen. Kammacher und Arbeiterinnen aus allen kaufmännischen bei Lehmann, Nene Friedrichstr. 1. Betrieben Berlins abends 6 Uhr im Englischen Garten", Alexanderstr. 27 c. " Tages- Ordnung: Bodenleger 1. Bortrag über Belchen Wert haben für unsere Kollegen Fabr- und im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Fachschulen?" 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Verbands- Generalversammlung. 4. Berschiedenes. = Stellmacher Für die Mitglieder der Jugend Sektion bei Hahn, Rosenthaler Vereinshaus, Rosenthaler Straße 57. abends 6 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( Arbeits: nachweissaal des Verbandes, of links III). Zages Drdnung: Kistenmacher 1. Bortrag des Frl. Jda Altmann über Bergrabene Jugend, zer bei Baudach, Breslauer Straße 28. störtes Leben". 2. Jahresbericht der Sektionsleitung und Neuwahl der. felben. 3. Verschiedenes. Die Kolleginnen und Kollegen obiger Branchen, besonders die JugendKorbmacher lichen, werden ersucht, sich recht zahlreich an dem Besuch der Versammlungen bei Eichhorn, Roppenstraße 47. au beteiligen. Die Verwaltung II. 3. A.: Albert Utheẞ. 65/20 Metzner Andreasstr. 23- Brunnenstr. 95 Leipzigerstr. 54-55- Beusselstr. 67- Rixdorf, Bergetr. 133 Kinderwagen Eisen- Bettstellen Kindermöbel Korbwaren etc. 1000 Mk. Belohnung zahle ich jedem, der mir in Berlin ein grösseres Spezial- Geschäft in KATALOG GRATIS. der Branche als das meinige nachweist. Rauchen Sie Bürstenmacher bei Preuß( Hilfebein- Ausschank), Holzmarktstraße 65. Vergolder bei Merkowski, Andreasftr. 26. Jalousie- Arbeiter bei Walter, Adalbertstr. 62. Perlmutt-, Horn- u. Steinnuẞarbeiter bei Ernst Thomas, Melchiorftr. 5. Bilderrahmenmacher bei Natteroth, Ritterstr. 32. Stockarbeiter bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend Zahlstelle Berlin. Bureau: Blankenfeldeftr. 10. Telephon: VII, Nr. 6920. Montag, den 1. März, abends 8%, Uhr, bei Böker, Weberstr. 17: Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Kontor u. Zentrallager: Grüner Weg 11. Fernspr.: Amt VII, 2301 u. 6689. Montag, den 1. März, abends 8, Uhr, in den Humboldtsälen, Oeffentliche Ballschuhmacher- Versammlung. Deffentliche Versammlung für Männer u. Frauen. Tages- Ordnung: 1. Die Lohndifferenzen bei der Firma Senger u. Stockwald. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Ueberall zu haben! Nur Dr. Lohmann's Chemische Edelseife Paket 25 und 60 Pt. Phänomen Fix- Fertig Devise Qualität ist die beste Empfehlung. Chemische Fabrik Schöneberg und wäscht selber! Anerkannt das beste und unschädlichste Bleich- u. Schnellwaschmittel Hoppener& G.m.b.. Vortrag des Genossen A. Störmer: Die Bedeutung der Ge 169/5 noffenfchaft für die Arbeiter". Diskussio::. 104/1 Um zahlreichen Besuch bittet Der Einberufer. MAL- KAH- Zigaretten vorzüglich. Meinen werten Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich die Destillation zum ,, Goldenen Lamm" fäuflich erworben habe. Mögliner Straße, Ede Weidenweg, Gustav Urban, der Wasserbogel aus Schmöckwik. Bezantimortlicher Rebatteur: Sans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u, Berlag: Borwärts Buchdruderei w. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.. 2952 Nr. 50. 26. Jahrgang. 4. KnlM ks Joraitlf Krlim Scantag, 28. Itbrant 1909. vom flrmenwekn im StMhsuchsIketst. Von See Not der Zeit spricht auch der Entwurf des Stadt- Haushaltsetats für 1909, und zwar in dem Kapitel Armenwesen, das ja durch Verschlechterung der Erwerbsverhält- nisse sehr bald beeinflußt zu werden Pflegt. Für dieses Kapitel sind angesetzt 17 872 969 M. Ausgabe, wovon durch die erwartete Einnahme 2 246179 M. und durch Zuschuß aus dem Stadtsäckel 13 626 790 M. gedeckt werden sollen. Gegenüber dem Vorjahr sind höher bemessen die Ausgabe um 774 903 M., die Einnahme um 01246 M., der Zuschuß um 723 637 M. Das sind Aufwendungen nicht nur für die„offene" Armenpflege(Unterstützungen mit Geld usw.), sondern zugleich auch für die Unterbringung in Anstalten (Hospitäler, Obdach, Arbeitshaus) sowie für die Waisenpflege samt Fürsorgeerziehung. Die Armendirektion will für den ihr zustehenden Teil des Armenwesens— hauptsächlich die„offene" Armenpflege— 11 953 300 M. ausgeben, wovon bei einer Einnahme von 835 700 M. durch Zuschuß 11 117 600 M. zu decken wären. Die Einnahme rührt hier größtenteils aus Unterstützungserstattungen her. In- folge der Novelle zum Unter st ützungswohnsitzgesetz, die ab 1. April 1909 die Frist zum Erwerb des Unterstützungswohn- sitzes auf 1 Jahr und die Altersgrenze vom 18. auf das 16. Jahr herabsetzt, wird mit einer Verringerung der Unterstützungserstat- tungen gerechnet. Von den Ausgaben der Armendirektion gehen 9 365 000 M. durch die Hände der Armenlommissionen, nämlich 6 900 000 M. monatliche Almosen. 1160 000 M. Pflege- gelber(für Kinder von Witwen), 1200 000 M. Extraunterstützungen, 305 000 M. Winterbeihilfe. Der letztgenannte Ausgabeposten ist in gleicher Höhe wie für das Vorjahr bemessen worden. Die Sunrine der Pslegegelder ist um 30 000 M. höher als für das Vor jähr angesetzt worden, weil— wie die Erläuterungen zum Etat sagen—„die notwendige, von der. Armendirektion seit Jahren geförderte Erhöhung der Pflegegeldsätze einen Mehraufwand un° vermeidlich machen" wird. Die Zulage von 30 000 M. auf bisher 1 130 000 M. bedeutet knapp 2% Pf. auf jede Mark— falls nicht auch die Zahl der Pflegekinder sich weiter erhöht. Für die monat- lichen Almosen ist nicht mehr als im vorigen Etat, sondern sogar noch um 50 900 M. weniger angesetzt worden; im vor- jährigen standen hier 6 950 000 M. Die Erläuterungen sagen dazu: „Da die ungünstige Gestaltung der Wirtschaft- lichen Verhältnisse und die Steigerung der Lebensmittelpreise höhere Unterstützungen erforderlich nmchen werden, sind 6 900 000 M. angesetzt worden." Höhere Unterstützungen und dennoch eine geringere AuSgabesumm el Wenn das einen Sinn haben soll, so muß angenommen werden, daß man beabsichtigt, wenigstens die Zahl der Almosenempfänger herabzudrücken>— trotz der ungünstigen Gestaltung der Wirtschaftsverhältnisse und der Verteuerung der Lebensbedürfnisse. Dabei wurde in der ersten Lesung des neuen Stadthaushaltsetats sogar vom Kämmerer hervor- gehoben, daß die Inanspruchnahme der Armenpflege gerade in der allerletzten Zeit ganz außer. ordentlich gestiegen sei. so daß für das noch laufende Etats» jähr die verfügbaren Mittel wohl kaum reichen werden. Der Käm- merer gab auch unaufgefordert die Erklärung ab, daß ihm selber der Armenetat ein bißchen knapp bemessen scheine. Hiernach darf vermutet werden, daß für die Beschränkung der Ausgaben dieses Etats nicht der Kämmerer verantwortlich zu machen ist, sondern Stadtrat Münsterberg— der Mann mit dem„warmen Herzen für die Armen". Höher als im vorjährigen Etat sind diesmal wieder die Extraunterstützungen angesetzt, um 200 000 M. Auch hier betonen die Erläuterungen die„ungünstige Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse", die jetzt endlich sozusagen„in den Akten steht" und daher als„offiziell" gelten darf. Mit mehr Extraunterstützungen(wehr wohl an Zahl, nicht an Höhe) scheint man die Schar derer befriedigen zu wollen, die jetzt in der äußersten Not sich entschließen, auch mal zum Armenvorsteher zu gehen. Der Arbeiterbevölkerung ist freilich nicht damit ge» dient, daß der Arbeitslose und Darbende auf die Armenpflege verwiesen wird. Ueber die übrigen Zweige deS Armenwesens ist diesmal wenig zu sagen. Von den Armenanstalten haben die drei Siechen- Häuser zusammen 1 284 220 M. Ausgabe. 151 960 M. Einnahme. 1 132 260 M. Zuschuß. Für das Obdach wird wieder eine er» heblich höhere Frequenz als im Vorjahr angenommen. Dementsprechend ist diesmal die Ausgabe auf 553 115 M.. die Ein- nähme auf 22 585 M., der Zuschuß auf 530 530 M. bemessen worden. Für das Arbeitshaus sind angesetzt 821 360 M. Ausgabe, 264 860 M. Einnahme, 556 500 M. Zuschuß. Hier wird eine weitere Frequenzvcrminderung in Aussicht gestellt, die aber leicht sich in das Gegenteil verkehren kann, wemi nächstens im Obdach wieder zu dem oft bewährten Mittel gegriffen wird, dem Zudrang zu wehren durch vermehrte Auslieferung Obdachloser an die Polizei. Die Waisenpflege will wirtschaften mit 2 240 244 M. Ausgabe, 279 744 M. Einnahme, 1960 500 M. Zuschuß. Für die Fürsorgeerziehung stehen im Etat 1 020 730 M. Aus- gäbe, 691 330 M. Einnahme(hauptsächlich aus dem Staatsbeitrag), 329400 M. Zuschuß._ Partei- Hngclegcnbcitem Zur Lokalliste. Der Zitherklub„Heimatklänge" in Tegel veranstaltet am Sonnabend, den 20. März, im dortigen „Parkrestaurant Bellevue", Spandauer Straße, ein Zitherkonzert und ist man eifrig bemüht, hierzu möglichst viel Billetts in Arbeiterkreisen umzusetzen. Wir ersuchen alle etwa an- gebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen, da uns obiges Lokal seit langem beharrlich verweigert wird. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 2. März, fängt für die Bezirksführer, Stellvertreter und interessierte Genossen der Vor- tragszyklns über:„Das Erfurter Programm" an. Vortragender Genosse Max Grunwald. Die Vorträge beginnen pünktlich 8�4 Uhr im Lokal„Habels Brauerei", Bergmannstr. 5/7. Jeder Teilnehmer hat sich mit Buch oder Karte als Legitimation zu vcr- sehen. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 28. Februar, abends 6% Uhr, findet im großen Saale der Arminhallen, Kommandanten- straße 58/59, eine Versammlung statt. Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn spricht über:„Volkserziehung und Sozialdemo- kratie". Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. Ein- tritt inklusive Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Sechster Wahlkreis. Moabit. Der zweite ZhkluSvortrag des Genossen M. Grunwald über das Erfurter Programm findet am Montag, den 1. März, abends S'/a Uhr, in den Prachtsälen Nord- West, Wiclefstr. 24. statt. Die Teilnehmer werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. WilmerSdorf-Halcnsee. Am Dienstag, den 2. März, abends 8Vi Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im „Louisenpark", Wilhelmsaue, statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Dittmer über:„Darwinismus und Sozialis mu s". Außerdem werden die Ergänzungs- wählen zum Vorstand sowie die der Delegierten zur Gcneralvcr- sammlung Groß-Berlin stattfinden. Der Vorstand. Steglitz. Am Mittwoch, den 3. März, abends 8� Uhr, findet bei Schellhase, Ahornstr. 15o. die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Ge- nossen Wurm über:„Darwinismus und Sozialis- m u s." 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalver- sammlung Groß-Berlin. 4. Vereinsangelegenheiten und Vcr- schiedenes. Der Vorstand. Johannisthal. Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen treffen sich pünktlich um 1 Uhr bei A. Gobin, Roonstr. 2, zur Beerdiauna deS Genossen Paschke. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins Britz-Buckow. Morgen, Montag abend präzise 8sh Uhr, findet bei Weniger, Werderstr. 28, der erste Vortragsabend des Zyklus über:„Unser Programm" statt. Nachdem Fragebeantwortung. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden hiermit auf die am Dienstag, den 2. März, bei Speer stattfindende Mit gliederversammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Tages ordnung: 1. Berichterstattung von der Gemeindevertreter-Konferenz. 2. Gemeindeangelegenheiten. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Eichwalde. Am Dienstag, den 2. d. M., abends pünktlich 8 Uhr, findet in unserem Ort eine Flugblattverbreitung statt. Am Donnerstag, den 4. d. M., abends 8ib Uhr, findet in Wittes Waldschlößchen eine Volksversammlung statt. Die Tages- ordnung lautet: 1. Unsere bevorstehend« Gemeindevertreterwahl, Referent Genosse Stadtverordneter G r o g e r- Nixdorf. 2. Freie Aussprache. 3. Aufftellung der.Kandidaten zur Gemeindevertreter- wähl. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder der Gemeindevertretung sind zu dieser Sitzung schriftlich eingeladen. Genossen! Agitiert für einen guten Besuch dieser Versamm lung. Die Bezirksleitung. Nowawes. Heute vormittag von 9— 12 Uhr werden die Bei- träge des Wahlvereins in folgenden Lokalen einkassiert: 1. Be zirk: Otto Hiemke, Wallstr. 55. 2. Bezirk: Karl Gruhl, Priester straße 69. 3. Bezirk: Ludwig Richter, Großbeerenstraße 59. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Tegel. Die Mitglieder des Wahlvereins werden darauf auf merksam gemacht, daß heute, Sonntag, den 28. Februar, der Vor- trag über:„Soziale Gesetzgebung" bei Halses, Brunowstr. 23, stattfindet._ Der Vorstand. Berliner JVaebriebtem Brockensammlung in der Haseuheide. An gebrauchten, wackeligen Möbelstücken vorbei, steigen wir die Treppe hinauf und treten in den matt erleuchteten, nicht allzugroßen Raum ein. Ein wildes Chaos von tausenderlei verschiedenen Gegenständen umgibt uns. In grandioser Unordnung lagern hier so ziemlich alle Dinge, die je Menschcngeist und Menschenhände erfunden haben. Lagern und harren der Käufer, um wieder nach langem, allzulangem Vergessensein im staubigen Winkel, von Spinngeweben überwuchert, zu neuem Leben und Glänze zu erstehen. Zwar haben Rost und Motten ihr Aeußeres verschandelt, zwar sind sie abgenutzt vom langen Gebrauch, zum Teil auch schon geflickt, repariert, bei manchen Gegenständen fehlen ein oder mehrere Teile, aber das hat hier nicht viel zu sagen. Die da kommen zu kaufen, hat das Leben nicht verlvöhnt, sie mäkeln nicht, sie haben sich mit den UnVollkommenheiten aller irdischen Dinge allmählich abgefunden und sind zufrieden, wenn sie für ihre paar Pfennige überhaupt noch die nötigen Ge- brauchsgegenstände erstehen können. Einen Fleck, einen Bruch, ein Loch nehmen sie mit in den Kauf, wenn das Ding nur noch zur Not seinen Zweck erfüllt. Und die Herrschaften, von denen die Artikel stammen, glauben ein gutes Werk getan zu haben, indem sie sich der Mühe unterzogen, diese zusammen zu suchen und dem Beauf- tragten dieses Instituts auszuhändigen. Für sie hat es keinen Wert mehr, und die es bekommen, für die bedeutet es oft noch Schätze. Ost. nicht immer, in den meisten Fällen sind die Sachen so, daß selbst der ärmste Prolet sich ihrer nicht mehr freuen kann,»venn er sie auch notgedrungen kaufen muß. Da steht eine Kaffeemaschine aus gutem Nickel. Einst prangte sie auf dem blendendweiß gedeckten Kasfeetisch einer wirklichen Frau Geheimrat, die mit ihren Freundinnen ini komfortabel ausgestatteten Zimmer ab und zu einen regel- rechten Kaffeeklatsch veranstaltete. Und während die kleine Spiritusflamme bläulich-grüne Reflexe über die kostbaren Porzellantassen warf und das Wasser im Kessel leise summte, wurden die Abwesenden nach Strich und Faden durchgehechelt. Nun ist die Herrlichkeit vorbei. Der Kessel ist matt und grau und weist Beulen und Schrammen auf, der kleine Kocher fehlt ganz mid aus dem feinen, weißen Porzellanboden ruht dicker Staub. Hier hängt eine einstmals prächtige Lampe. Sie überstrahlte vor Zeiten eine Tafel, um die sich abends die Häupter einer vermutlich wohlsituierten Familie gruppierten. Jetzt ist die Lampe ein klägliches Wrack, die unter den ge- schickten Händen eines armen Familienvaters möglicherweise wieder leidlich hergerichtet werden kann. Bon einem Regal herab blickt melancholisch, mit staubbedeckten Wimpern die„Nationalheilige". Sie ist schon verschiedentlich an- gepufft und fühlt sich augenscheinlich nicht wohl in diesem plebejischen Wirrivarr. Ihr zur Seite streckt der segnende Heiland die verstümmelte Hand aus. während Goethes olym- pisches Haupt in erhabener Ruhe zwischen dem Vielen, Allzu- vielen aufragt. An der Wand hängen regellos alte Porträts und vergilbte Stiche. In einer Ecke türmen sich abgegriffene Bücher mit fremdsprachlichen, verblichenen Inschriften und Titeln auf. Mehrere Spinde sind mit alten Kleidungsstücken angefüllt und Männer und Burschen beugen sich prüfend und musternd über den Trödel. Andere kramen zwischen den alten, abgerissenen Stiefeln, wieder andere wühlen in den Vücherschätzen herum und einer untersucht eine Wanduhr mit zerbrochenen Zeigern. Mitten unter diesen Armen waltet in unerschütterlicher Ruhe die behäbige Verkäuferin, der ruhende Pol in der Er- scheinungen Flucht. Ein Mann kauft ein langes Pfeifenrohr mit Mundstück, das noch bedenklich nach altem Tabak riecht. Fünf Pfennige will er geben, zehn kostet der unappetitliche Gegenstand. Eine Frau mustert einen neu angelangten Korb mit Gegenständen, und der kleine Junge jubelt laut auf, wenn er ein Spielzeug entdeckt. Spielsachen laufen sehr spärlich ein, Puppen besonders wenig. In den Parterreräumen ist die Frauengarderobe auf- gespeichert und da geht das Suchen und Anproben erst recht emsig vor sich. Hier wird besonders geklagt, daß die ein- lausenden Kleidungsstücke schon äußerst verbraucht sind. Bor allem das Schuhmaterial ist meist nicht mehr zu gebrauchen. Eine Arbeiterin mit vier Kindern sucht in den Schuhen herum, kann aber nichts Passendes für die Kleinen, bei denen es mit der Fußbekleidung jämmerlich bestellt ist, finden und verläßt mit betrübter Miene wieder den Raum. Ein Anblick, der einem fühlenden Menschen tief ins Herz schneidet. Kaffeesatz sendet eine bekannte Kaffeefirma aus ihren Probierstuben, und er geht hier reißend ab, unentgeltlich natürlich. So zeigt sich hier der Jammer unserer heutigen Gesell- schaftsordnung in seiner krassesten Gestalt. Maschinen und Arbeitshände produzieren massewoeise alle die Gegenstände, die so notwendig gebraucht würden, und könnten noch viel mehr liefern. Und doch muß die arme Bevölkerung mit dem jänimerlichen Trödel fürlieb nehmen, bei dem man noch nicht einmal weiß, wie viel Krankheitskeime so in die Familien verschleppt werden. Wer heute noch in kindlicher Naivität an eine göttliche Weltordnung glaubt, der suche eine solche Brockensammlung auf, und wenn er dennoch nicht von seinein Köhlerglauben geheilt wird, dann ist ihm allerdings nicht mehr zu helfen. Diese Einrichtung wird von bürgerlicher Seite als eine„segensreiche" gepriesen. In Wirklichkeit ist es aber vom Standpunkte der Hygiene eine Gefahr für die Käufer; andererseits erscheint hier der Wahnsinn der heutigen Gesell- fchaft im grellsten Lichte._ Die Fraktionsstärke der Berliner Stadtverordnetenversamm- lnng ist folgende: 59 Mitglieder gehören zur Alten Linken unter Vorsitz des Stadtv. Cassel, dann folgt die sozialdemo- kratische Fraktion mit 35 Mitgliedern. Zu ihrem Vorsitzenden hat eine dieser Tage durch die bürgerliche Presse gehende Korrespondenz den Genossen Borgmann ernannt, während in Wirklichkeit Genosse Singer wie seit Jahrzehnten den Vorsitz inne hat. Die Neue Linke mit dem Stadtverordneten Rosenow als Vorsitzenden umfaßt 25 Mitglieder, während die sogenannte Kellerfraktion mit ihren 17 Mitgliedern den Stadtverordneten Mommsen zum Führer erkoren hat. Die kleinste Gruppe ist die deutschfortschrittliche, die sich von der Neuen Linken ab- zweigte, sie besteht aus 8 Mitgliedern. Trotzdem die sozial- demokratische Fraktion die zweitstärkste Gruppe in der Berliner Stadtverordnetenversammlung ist, hat ihr die bürgerliche Mehrheit bis heute ihr Recht auf eine Vertretung im Vorstand der Versammlung vorenthalten. Echt freisinnig l Der Stadthaushaltetat wird gegenwärtig von einem von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzten Ausschuß durchberaten. Diese Durchberatung geht im Eiltempo vor sich. Es zeigt sich näm- lich, daß der Oberbürgermeister in seiner Rede zum Etat sehr recht hatte, als er im Gegensatz zu seinem Spezialkollegen, den Stadt- kämmerer, auf dessen Sparsamkeitsmahnung a la Bülow erklärte: „Meine Herren, an diesem Etat werden Sie nichts sparen können." Im Ausschuß cinterstrich Genosse Dr. Arons diese oberbürger- meisterliche Erklärung, indem er recht zutreffend bemerkte, man tönue sich einen Spezialetat ansehen, welchen man wolle, jeder sei so dünn, daß überall die Knochen durchschimmern. Zahlreiche Einzel- etats passieren denn auch ohne jede Debatte. Hier und da werden höchstens Anfragen um Aufklärungen gestellt, die die zuständigen staoträtlichen Dezernenten, so gut sie das vermögen, beantworten. Beim Armenetat wurde von sozialdemokratischer Seite gefragt, wie es mit der vermehrten Hinzuziehung von Frauen zu den Arbeiten der Armenkommissionen stehe. Der Vorsitzende der Armendirektion teilte mit, daß sich die Arniendirektion ernstlich mit dieser Frage, wie im Zusmnmenhange damit mit einer Reihe anderer organisa- torischer Maßnahmen beschäftige. Es gälte, erheblichen Wider- ständen zu begegnen, er hoffe aber, die Angelegenheit schnell för- dem und der Stadtverordnetenversammlung eine diesbezügliche Vorlage unterbreiten zu können. Es ist bekannt, daß die Hinzu- ziehung von Frauen als Armcnpflegerinnm gerade in den Armen- kommissionen selbst den heftigsten Widerspruch erfahren hat, ob- loohl der Leiter unseres Armenwcsens die Mitarbeit von Frauen seit Jahren eifrig befürwortete; es war ihm aber nicht möglich, seine in diesem Falle sehr verständigen Ansichten in die Praxis um- zusetzen. Uin den Armenärzten eine Verbesserung ihrer Bezüge zu g«. währen, wurde eine Resolution angenommen, in der der Magistrat ersucht wird, eine Erhöhung der Gehälter der Armenärzte von 1509 auf 1800 M. vorzunehmen. Eine längere Debatte entspann sich über den Spezialetat für die Zentrale Buch. Es wird behauptet, die Zentrale, die für die in Buch vorhandenen Anstalten Wärme, Licht, Nahrungsmittel und dergleichen liefere, arbeite zu teuer. Von magistratlicher Seite wurde aber im einzelnen der Nachweis erbracht, daß diese Behaup- tung nicht zutreffe, obwohl der vorliegende Etat dieser Anstalt der erste sei und naturgemäß noch Summen im Etat habe, die später in Wegfall kämen. Werde erst die vierte Irrenanstalt fertig sein und auch angeschlossen tverden, würde der Vorteil in augenfällige Erscheinung treten, da diese Anlage auf diese Ausdehnung von vornherein berechnet sei. I» der Säuglingsfürsorgeftclle l, Blumenstr. 78, findet im März wöchentlich einmal llntemcht in der Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich an das Bureau des Kinderhauses. Blumenstr. 78, vorn links parterre, vom 1. März bis zum 6. März täglich von 2—4 Uhr. Ueber die Grundgedanken der Arbeitsschule sprach am 26. Februar im Berliner Lehrerverein der Lehrer Otto Schmidt. Der Redner hob die scharfen Angriffe hervor, die von der Bewegung für die Arbeitsidee gegen die gegenwärtige Schule ge- schleudert werden. Tatsächlich trete das Kind gegenwärtig in der Schule in die Masse zurück, der Schulbetrieb sei in gewissem Sinne einförmig. Aber die meisten Angriffe seien Uebertreibungen, low sie im Gefolge jeder starken Bewegung aufträten. Trotzdem cnt- schied sich der Vortragende für die Arbeitsschule, weil sie unmittel- lmr aus dem Zcitliedürfnis sich entwickelt und außerordentlich starke Erziehungslverte habe. Diese Werte seien begründet in dem Seelen- leben des KindeS. Das Kind lerne durch die praktische Beschäftigung bedeutend mehr als durch das bloße Anschauen der Dinge. Ter Schüler, der einen Kubikdezimeter hergestellt hat, tveiß besser, was ein Liter ist, auch wenn er dies Maß taglich gesehen har. � Die praktische Beschäftigung mit den Gegenständen des Unterrichts nötige das Kind, das leicht oberflächlich ist, zu einem tieferen Erfassen ihrer Eigenschaften. Dazu kommt, daß die Bewegungsempfiudungen bei der Arbeit einen sehr starken Eigenwert für das Persönlichkeits- gefühl haben. Die Klagen über träge und unartige Schüler würden aufhören, kein Befehl habe einen so starken und natürliche,. Zwang alö die Herstellung einer Arbeit an sich es hat. Der Vortragende stimmte nicht mit ein in die Rufe, die das Vorhandene als uu- brauchbar erklären, sondern wollte auf dem Wege einer klugen Ab- wägung die Vorteile der neuen Ausfassung für die Schule der Gegenwart nutzbar machen. Er wies insbesondere hin auf die Münchener Einkichtungen. die durch den Schulrat Kerschensteiner mit prüfender Vorsicht, aber«ich Mit kührvm Wayemut geschaffen worden seien. Beschränkung der Wissensstoffe, tiefere Einsicht durch praktische Arbeit, reichliche Verwendung deS Zeichnens nicht Klotz als Fach, sondern vielmehr als Ausdrucksmittel, Unterstützung aller Bestrebungen, die der Entfaltung der Persönlichkeit dienen könnten, das seien die Konsequenzen, die zunächst als praktische Er- folge aus der Arbeitsidee heraussprängen. Zum Schlutz zeigte der Vortragende eine grötzere Anzahl von Lichtbildern aus München, die seinen Gedankengang trefflich illustrierten. Zum bevorstehenden NmzugStermi« und Frühsahrsreinemachen bringt der Zentralverein für Arbeitsnachweis seine kostenlose Ver- Mittelung von zuverlässigem Wasch- und Reinmachpersonal in Er- innerung. Bestellungen werden erbeten durch Postkarte C. 64, Rückerstr. 0 oder durch telephonischen Anruf Amt 3, 3791—3707. Das Bureau ist geöffnet von 8—1 Uhr vormittags. Die AuS- zahlung erfolgt direkt an die Arbeitenden. Es findet kein irgend- wie gearteter Abzug statt, der sich bei den Privaireinigungs- instituten auf 50—75 Pf. pro Arbeitstag beläust. Auch eine Reform. Der Magistrat von Berlin hat am Freitag vor- behaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung be- schlössen, die alten Berliner Stadtfarben: schwarz-rot-weitz zu ändern, weil sie oft zu Verwechselungen mit den jüngeren Farben de? Deutschen Reiches: schwarz-weitz-rot geführt haben. Es wurde beschlossen, die alten Farben durch zwei rot-weitze Streifen mit dem schwarzen Bären und einem silbernen Schilde im Felde zu ersetzen. Di- schwarz-rot-weitze Fahne wehte im Jahre 1861 zum ersten Male auf den städtischen Gebäuden in Berlin, bis dahin hatten die einzelnen Städte besondere Fahnen:.rot- weiß",„schwarz- tvLlh" IXftv gefüllt. Wir werden also in Zukunft auf städtischen Gebäuden statt den bisherigen Flaggen in den alten Berliner Farben die neuen, aus wagerechten rot-weitzen Streifen bestehenden mit dem historischen silbernen Schild und einem schwarzen Bären erblicken. Eine großartige Reform! Dir ZentraNommisfiou der Krankenkasse» Berlin« und der vor- orte veranstaltet in der nächsten Woche nachstehend aufgeführte hygienische Vorträge. Der Zutritt zu denselben ist für jedermann unentgeltlich.___.,.., m„ Am Montag, den 1. SR ätz ct., spricht im Büraer- saale des Berliner Rathauses Herr Professor Dr. H. v. Bardeleben über das Thema:.Nützlichkeit. Notwendigkeit und Gefahren von Operationen bei Frauenleiden'.(Zu diesem Bortrag haben Männer und Frauen Utt8tm Donnerstag, den 4. März er., sprechen in den Aulen der nachbenannien Gemeindeschulen über das Thema:„Die geschlecht- lich« Ansteckung und ihre Folgen' Herr Dr. E. Levin in der S47./S5g. Gemeindeschule. Rigaer Straße 81/82; Herr Dr. Wossidlo in der 24V./2S4. Gemeindeschule. Waldenser Straße 25; Herr Dr. M. Joseph in der 117./173. Gemeindeschule. EberSwalder Straße 10; Herr Dr. Chajes in der 11b./2ö7. Gemeindeschule. Elalitzer Straße 55/56. Am Freitag, den 5. März er. sprechen ebenfalls über da? Thema: „Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen' Herr Dr. Bänmer in der 91./1V1 Gemeindeschule. Gneisenaustr. 7; Herr Dr. P. Richter in der 81./t09. Gemeindeschule. Tilsiter Str. 4/5; Herr Dr. A. Nathan in der 118V127. Gemeindeschule. Pankstr. 8; Herr Dr. R. Hirsch in der 228./279. Genieindeschule. Pasteurstr. ö. In Borhagen-RummelSburg m der neuen Schule. Marlistraße, spricht am Dienstag, den 2. März er. Herr Dr. Scheuer über das Thema:„Unfälle des täglichen Lebens'. In Charlottenburg spricht an, Mittwoch, den 3. März er., terx Dr. E. Israel in der 12. Gemeindeschule, Sophie- Charlotte- traße 69. über das Thema:„Erste Hilf« bei Unfällen". In Lichtenberg in der Gemeindeschule, Kronprinzenstr. 10, spricht am Donnerstag, den 4. März er.. Herr Geheimer Eanitäts- rat Dr. Parerna über das Thema:„Nervosität und andere Nervenleiden."...... v In Pankow m der zweiten Gemeindeschule in der Grunow- straße spricht am Donnerstag, den 4. März er.. Herr Dr. L. Levy über das Thema:„DaS Beingeschwür und seine Verhütung." In R i x d o r f, in der 9./10. Gemeindeschule, Kaiser-Friedrich- straße 4 am Hermannplatz, spricht am Freitag, den S. März er. Herr Dr. I. Friedeberg über das Thema:.Die Schwindsucht und ihre Verhütung". I» Schönoberg in der 10./11. Gemeindeschule, Feurig- siraße 61/62, spricht am Dienstag, den 2. März er. Herr Dr. Muskat über das Thema:„Der Plattfuß und seine Behandlung'. fn T e in p e l h o s bei Herrn Hugo Wunder. Kaiserin-Buglista- e 1, spricht am Freitag, den 5. März er., Herr Dr. Richter über das Thema:„Bedeutung der Blinddarmentzündung". In W e i ß e n s e e m der Gemeindeschule, LaiighanSstr. 120, spricht am Freitag, den 5. März er., Herr Dr. E. R. W. Frank über das Thema:„Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen". Sämtliche Vortrage beginnen pünktlich abends 8 Uhr. Internationale Ballonfahrt. Am Donnerstag, den 4. März, finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballon- aufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballon» erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse so- fort telegraphisch Nachricht sendet. Aus der UnglückSchronik. Tödlich verletzt wurde gestern ab'end um S Uhr der 6 Jahre alte Sohn Franz der Arbeiter Schurigschen Eheleute aus der Wiener Straße 20 vor den Augen der Mutter. Diese befand sich mit ihm auf dem Wege von Bekannten nach Hause. Vor dem Hause Grünauer Straße 11 hatte Frau Sch. den stark befahrenen Straßendamm überschritten, während der Knabe auf der anderen Seite zurückgeblieben war. Auf einen Wink der Mutter, ihr zu folgen, wollte der Sohn gleichfalls über die Straße laufen und war glücklich an einem Wagen der Siemenslinie Treptow— Bchren- straße vorbeigekommen, als ein anderer Wagen der Straßenbahn aus der entgegengesetzten Richtung vom Kottbuser Ufer herkam. Diesem konnte er nicht mehr ausweichen und geriet unter die vor» dere Plattform des Wagens. Mit Hilfe des Publikums mußte der Wagen gehoben werden, um den bewußtlosen Knaben zu befreien. Auf der Rettungswache Görlitzer Bahnhof ergab sich, daß der Kleine schwere Knochenbrüche, starke innere Verletzungen und leichtere im Gesicht davongetragen hatte. Man brachte ihn nach dem Kranken- hause Am Urban, wo er hoffnungslos aufgenommen wurde. Die Schuld trifft außer ihm noch die Mutter, die ihn nicht zurückhielt. Am Freitagnachmittag ließ die Scbriftsetzerssrau Funck ihr vierjähriges Töchterchen Gertrud in Gesellschaft ihrer ein- und zwei- jährigen Kinder in ihrer im vierten Stockwerk des HauseS Heiden- feldtstr. 20 belegenen Wohnung auf kurze Zeit allein, um eine Besorgung zu machen. In ihrer Abwesenheit rückte sich die kleine Gertrud einen Stuhl ans Fenster und öffnete es, offenbar in der Absicht, nach dem daneben befindlichen Balkon zu klettern. Plötzlich verlor sie das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe, wo sie bewußt- los liegen blieb. Der zufällig die Straße passierende Arzt Dr. Hirsch konnte nur noch den Tod feststellen,»voraus die Leiche zunächst in einen in demselben Hause befindlichen Laden getragen wurde. Die beiden Geschwister de? verunglückten Kinde« fanden bis zur Rückkehr der Malter Aufnahme bei Nachbarsleuten. Ein tödlicher und zwei leichte Unfälle ereigneten sich am Sonn- abend vormittag um 10 Uhr auf dem Uebungsplatze des Eisenbahn- regiments Nr. III hinter der Kaserne auf dein Tempelhofer Felde. Dort fand eine Uebung statt, an der außer Soldaten vom Eisen- bahnregiment Nr. III 24 Artilleristen von verschiedenen Fußartillerie- regimentern beteiligt waren. Dabei entgleiste eine Maschine auf der schmalspurigen Bah». Der Gefreite Meyer von der vierten Kam- pagnie des genanntm Eisenbahnregiments stürzt« ab und erlitt einen Schädelbruch, der nach wenigen Minuten gum Tode führte. Seine Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett II m Tcmpelhos ge- bracht. Außerdem wurden zwei Kanoniere vom Garde-Fußartillerie- rcgiment in Spandau leicht verletzt, der eine am Fuß, der andere im Geficht. Diese beiden wurden an Ort und Stelle verbunden und werden als Revierkranke behandelt. Unter einem stürzenden Baum begraben wurde gestern nach- mittag der 13jährige Schüler Erich Haar, dessen Eltern Hutten- straße 24 wohnen. In der Kaiserin-Augusta-Allee werden zwecks Verbreiterung des Fahrweges die an diesem stehenden alten Pappeln gefällt und der Knabe stand gestern mit anderen Spietgenossen dabei, um das Umlegen der Bäume zu beobachten. So war die Wurzel einer Pappel freigelegt und einer der Arbeiter kletterte an dem Baum empor, um das Seil an einem Ast zu befestigen. Während die übrigen Kinder den Warnungen der bei dem Baum- fällen beschäftigten Leuten folgte» und sich entfernten, blieb Haar auf dem Fahrdamm stehen. Plötzlich neigte sich die frei gelegte Pappel zur Seite und fiel in schräger Richtung nach dem Stand- platz des Knaben hinüber um. Der Junge wurde von der Krone des Baumes getroffen und unter den Besten und Zweigen be- graben. Der Schwerverletzte wurde, nachdem er befreit worden war, nach der Unfallstation in der Huttenstraße übergeführt. Er hatte schwere Kopfverletzungen davongetragen und muhte nach dem Krankenhause Moabit gebracht werden. Schnee und Glatteis auf dem Hofe haben in der Kopenhagener Straße 71 einen bedauerlichen Unglücksfall bervorgerufen. Unsere Berliner Hanswirte sorgen nicht genügend dafür, daß nach Schneefall der Hof in ordnungsmäßigen Zustand versetzt wird. Man fegt höchstens eine fcbmale Gasse und überläßt alles übrige der lieben Sonne. Diese Nachlässigkeit ist dem im genannten Hauie wohnenden jugendlichen Schriflsetzer Klockhaus verhängnisvoll geworden. Er fiel über nicht bestreutes Glalteis. das sich vor der inneren HauS- tür angesammelt hatte, und stürzte mit dem linken Ann derart in die Glasscheiben, daß das Handgelenk vollständig zerschnitten wurde. Die Unfallstation ließ nach Anlegung eines Notverbandes den Ver- letzten nach dem Lazaruskrankenhause schaffen. Durch Absturz von einem Automobil ist gestern der Chauffeur Holke schwer zu Schaden gekommen. Er führte einen Geschäfts- wagen der Firma Tietz. Als er mit dem Auto vom Königsdamm in die Stralauer Allee einbiegen wollte, erhielt der Kraftwagen plötzlich einen Ruck und H. stürzte kopfüber auf den Fahrdamm. Er erlitt eine schwere Rückgratverletzung, die seine sofortige Ueber- führung nach dem Krankenhause erforderlich machte. Ein Sechstagerennen findet in den nächsten Tagen in den Aus- stellungshallen am Zoologischen Garten statt, zu dem sich die bekann- testen Radrennfahrer gemeldet haben. Zu diesem Zwecke sind die Hallen, die noch Anfang der Woche eine Hunveauöstellung beher- beraten, zu einem Wintervelodrom umgewandelt worden. Heute nachmittag 4 Uhr findet das Eröffnungsrennen statt. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania kommen in dieser Woche die letzten Wiederholungen des Vortrages„Von Abbazia bis Korfu", welcher mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandel- Panoramen ausgestattet ist, zur Darstellung. Am Mittwoch wird der Vortrag„Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt" und am Sonnabend der Vortrag„Ueber den Brenner nach Venedig" zu kleinen Preisen nachmittags 4 Uhr gehalten werden. Im Hörsaal spricht am Dienstag Herr Dr. Bein über„Unsere Genußmittel" am Mittwoch Herr Dr. W. Berndt über„Der Mensch als Gegen stand zoologischer Forschung", am Donnerstag Herr Professor Dr. Rathgen über„Das Eisen", am Freitag Herr Konstruktionsingenieur Keßner über„Eisen- und Stahlgießerei" und am Sonnabend Pro fessor Dr. B. Donath über„Drahtlose Telegraphie mit elektrischen Wellen". Am Mittwoch, abends 8 Uhr, wird, wie bereits ange- kündigt, Herr Professor Dr. van Bemmelen, Direktor des magnetischen und meteorologischen Observatoriums in Batavia einen ein- maligen Vortrag, illustriert durch Lichtbilder,„Krakau nach 25 Jahren" im Wissenschaftlichen Theater halten. Rubinfabrikation auf der Bariöte'bühne. Die Erzeugung echter Rubine will eine Alchymistin Miß Alice Norton im März auf der Bühne des Apollo-TheaterS vorführen. ES ist zwar eme eigen« artige Vorführung, die da im Varioiü vor sich gehen soll, aber waS geschieht heute nicht alles, um ein volles HauS zu erzielen. Miß Norton, eine junge Amerikanerin, hat als Studentin, dann als Assistentin bei einem bekannten Gelehrten gearbeitet und glaubt eine Erfindung gemacht zu haben, um Rubine herzustellen. Zu diesem Zlvecke bringt sie Tonerde in der Weise zum Schmelzen, daß nach Erkalten schön rote, durchsichtige Gebilde zum Borschein kommen, die von echten Rubinen nicht zu unterscheiden sein sollen. Das Schmelzen dieser Tonerde, die noch besonders präpariert ist, ist zweifellos interessant; es wird dabei ein ungeheuerer Hitzegrad erreicht, wodurch selbst Eisenplatten durchgeschmolzen werden. Als Grund des öffentlichen Auftretens Miß Nortons wird angegeben, daß daS Zumarttebringen koloffaler Quantitäten von Rubinen einen ungeheuren Preissturz zur Folge haben und den Absatz der Steine ruinieren würde. Wir stehen dieser Rubinfabrikation zwar etwas skeptisch gegenüber, aber der chemische Prozeß, den Miß Norton gestern einein geladenen Publikum zum erstenmal vorführte, ist von Interesse. Da geht nun Dernburg nach Siidwestafrika und erzählt unS Wundergeschichten von Diamantenfeldern. DaS hat er gar nicht nötig. Er und sein Kollege Sydow sollten sich Miß Norton ver- schreiben und die ganze Finanzklemme hätte mit einem Schlage ein Ende. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr 6. Abteilung in Rixdors bei Thiel. Bergstraße 151; Dienstag abeich 9 Uhr 2. Abteilung Bmnnenftraße 154. diesmal im großen Saale: Trans- port Verunglückter und Erkrankter mit Uebungen. Am Donnerstag Uebungsstunde der 8. und 4. Abteilung. Fcuerwehrbericht. Gestern abend kam in der Gerätekammer der städtischen Pumpstation IV in der Scharnhorststr. 12 Feuer ans, das schnell um sich griff. Als Brandmeister Steiner mit dem 16. Zuge an der Brandstelle erschien, brannte bereits die Balkenlage im Dachgeschoß des Bureaugebäudes und der Geräte- kammer. Es gelang in kurzer Zeit, den Brand mit zwei Schlauch. leitungen auf das Dachgeschoß zu beschränken. Die Entstehung ist nicht ermittelt. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Brunnen- straße 96, wo Möbel in einem Tapetenlager brannten, und in der Hufelandstr. 39 zu tun. Hier war Watte in einem Trockenraum in Brand geraten. Etwas später kam in der Birkenstr. 73 auf einem Hängeboden Feuer aus. Gestern früh um 6 Uhr brannte in der Lausitzcr Straße 44 eine Stellmacherei. Der 8. Zug mußte kräftig löschen, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Der 7. Zug hatte früh um 7 Uhr einen größeren Kcllerbrand in der Frank- furter Allee 130, wo Späne u. a. brannten, zu löschen. Gleich- zeitig brannte in der Waldenser Straße 2-4 ein Automobil. Der 15. Zug mußte dort mit einem Rohre Wasser geben. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Granseer Straße 2 alarmiert, wo das Treppenhaus verqualmt war. Im Stadtbahnbogen 393 in der Lüneburger Straße brannte ein Automobil und in der Ouitzow- straße 123 Lumpen u. a. Am Kurfürstendamm 247 war in einer Wohnung die Wandbekleidung in Brand geraten und Düsseldorfer Straße 8 wurden Holzvorräte ein Raub der Flammen. Vorort- jVaebnefttett* Nixdorf. Große Beunruhigung haben, wie uns aus den Kreisen der städtischen Arbeiter geichrieben wird, die Maßnahmen der städtischen und speziell der Gasanstaltsverwaltung bei den betreffenden Arbeitern hervorgerufen. Vor einiger Zeit mußten wir berichten, daß die städtischen Behörden im gleichen Augenblicke, wo sie 40000 M. für Teuerungszulagen an die städtischen Beamten bewilligten, die An- träge der städtischen Arbeiter auf Neuregelung der Löhne ablehnten. Ebenso zwiespältig wie in der Lohnftage ist auch das Verhalten der Behörden in der Arbeitslosenfrage. Auf der einen Seite werden Notstandsarbeiten für Arbeitslose in Angriff genommen, aus der anderen Seite vermehrt die Verwaltung durch Entlassungen daS Heer der Arbeitslosen. So wurden vor einiger Zeit in der Pari- Verwaltung eine Anzahl Arbeiter entlaffcn. Neuerdings geht auch die Gasanstalt mit Entlassungen vor. Am letzten Mittwoch wurden süns Arbeiter entlassen, weitere Entlassungen sind angekündigt. Wenn in Zeiten günstiger Konjunktur die Entlassungen, als in den Verhältnissen begründet, hingenommen werden, so müßte doch die Verwaltung einer Arbeiterstadt wie Rixdors in der setzigen Zeit, Ivo Tausende Hände vergeblich Beschäftigung und Nahrung suchen, alles vermeiden, was die Zahl der Arbeitslosen vermehren könnte. Vor allem sollte sich die Verwaltung nicht allein von finanziellen Gesichtspunkten leiten lassen. Der Ueberfchuß, d. h. der Reingewinn der Gasanstalt ist im neuen Etat für 1909 mit annähernd 1 Million in Ansatz gebracht. Die Zahl der Arbeiter erreicht nicht ganz 200. Bei einem solchen günstigen Ergebnisse ist eS auf das schärfste zu verurteilen, wenn beim geringsten Rückgange deS Konsums, wie ihn die Jahreszeit mit sich bringt, sofort die Arbeiter aufs Pflaster gesetzt werden. UnS wird von vertrauenswürdiger Seite versichert, daß es wohl möglich fei, die Arbeiter in der Gas- austalt weiter zu beschäftigen. Arbeit würde immer genügend vor- Händen sein. Die Entlassungen berühren auch deswegen eigen- artig, weil gleichzeitig der Beamtenstab durch Einstellung eines zweiten GaSnieisterS vermehrt wird, dessen Notwendigkeit in den Arbeiterkreisen sehr bezweifelt wird. Die Gemeinden sollen in Arbeiterfragen vorbildlich wirken. Und in einer Vicrtelmillionenstadt, die täglich an Ausdehnung gewinnt, ist immer Gelegenheit, Arbeiter, die in einem Betriebe überflüssig werden, einem anderen Betriebe zu überweisen, so daß bei einer verständigen llrbeiterpolitik Eut- lassungen überhaupt vermieden werden können. Unter dem Verdacht der Brandstiftung wurden gestern drei Personen durch die Kriminalpolizei verhastet. In der im vierten Stockwerk des Hauses Pannierstr. 23 belegenen Wohnung deS ehe- maligen Schankwirts Bleflng war in Abwesenheit der WohrnmgS- Inhaber Feuer entstanden. MS die Feuerwehr an der Brandstätte erschien, waren die Zimmer vollständig verqualmt. Mit Hilfe der mechanische Leiter mußte von außen dem Rauche Abzug verschafft werden. Nachdem das Feuer gelöscht war, stellte die Wehr fest, daß zweifellos Brandstiftung vorlag. In den beiden Zimmern waren zahlreiche Kleidungsgegenstände und Möbelstücke mit Spiritus und Petroleum übergössen und durchtränkt. Als das B.sche Ehepaar von einem Ausflug, den es gemeinsam mit dem bei ihm wohnhaften Maler Paul Nieter nach Ober-Schöncwcide unternommen hatte, zurückkehrte, wurden alle drei Personen von bereitstehenden Kriminalbeamten verhaftet. Durch die Ermittelungen wurde fest- gestellt, daß B. in Nieder-Schöneweide am 1. Avril ein Grünkram- geschäst übernehmen wollte. ES fehlte ihm aber daS Geld zum Ankauf deS Geschäfts. Vermutlich hoffte er daS erforderliche Kopital von der Feuerversicherung zu erhalten. In der vorigen Woche hatte der Gerichtsvollzieher bereits den größten Teil der Möbel versiegelt. Schöneberg. Ein Familienobbach wirb im Slldgelände in der Nähe der Stadtgärtnerei errichtet. Dort draußen, wo Fuchs und Hase ein- ander gute Nacht sagen, wo Wohnhäuser in absehbarer Zeit nicht gebaut werden, dort sollen die Obdachlosen ein Unterkommen finden. Das Haus besteht aus drei Schlafräumen für je fünf Frauen und 10 Kinder, einem Tageraum für 60 Frauen, der gleichzeitig als Eßsaal für Kinder und größere Knaben benutzt wird, einem Schlafraum für 10 Männer und einem für 10 größere Knaben. Für leicht Kranke steht ein kleiner Raum mit 3 Betten zur Verfügung, dem sich eine Entbindungsstube zu 2 Betten und ein Raum für Wöchnerinnen mit 3 Betten anschließt. Außerdem sind zwei Baderäume mit je einer Wanne, je einem Brausebad für Frauen und Kinder und ein Brausebad für Männer vorge» sehen. Auch ein DeSinfektionSraum ist vorhanden. Die Leitung und Aufsicht liegt in den Händen eines Hausmanne«, dessen Woh- nung sich im Obdach befindet. In dem Aufnahmeraum liegt gleichzeitig das Bureau, an das ein größeres Zimmer grenzt. Letzteres soll eventuell für Unterbringung nottvendigen Personals für die Küche dienen. Ein reichlicher BorratSraum ist vorgesehen. Um daS Mobiliar unterzubringen, stehen Schuppen mit einzelnen Ab- teilungen zur Verfügung. Auf dem Hofraum befindet sich ein Spielplatz für Kinder. Die Heizung der Räume des OlwachS geschieht durch Kachelöfen, die vom Flur aus geheizt werden. Ob sich diese Einrichtung als praktisch herausstellt, bleibt abzuivartcn. Eharlotteuburg. Der hiesige Arbeiter-Schwimmverciu„Freie Schwimmer' begeht am heutigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr. in der Volksbadeanstalt Krummestr. 10 sein viertes Schwimmfest. Zur Vorführung gelangen Herren- und Damenwettschwimmen. Springen und Tauchen, Reigen und Wasierballspiel. Nach dem Schwimmen geselliges Beisammensein und Tanz im großen Saale des Volkshauses. Friedenau. Bei der Stichwahl zur Gemeindevertretung wurden 1349 gültige Stimmen abgegeben. Der Kandidat der Bürgerlichen erhielt davon 863, während auf unseren Genossen 486 fielen. Es ist dies gegen die Hauptwahl eine Zunahme von 56 Stiinmen. Bei der Wahl im vergangenen Jahre erhielten wir 327 Stimmen. Grofi-Lichterfelde. In der letzten Mitgliederversammlung hielt Genosse Dr. Bor- chardt einen beifällig aufgenommenen populär-wissenschaftlichen Vortrag über:„Darwin". Als Delegierte zur Generalvcrsamm- lung Groß-Berlin wurden die Genossen Scnst und Ziege, als Er- satzmann Kloß, zum Bezirksführer im östlichen Ortsteil Genosse Osburg gewählt. Ein Antrag des Genossen Sil der stein, im Interesse der Wahlvereinsmitglieder, deren Kinder die Schule besuchen, eine Einrichtung zum Austausch der Schulbücher bei Umschulungen usw. zu treffen, wurde zur nochmaligen Prüfung einer Kommission, bestehend aus den Genossen Schönwetter, Silber- stein, Barkow und der Genossin Kloß überwiesen. Nach Erlodi- gung einiger Vcreinscmgclcgenhciten sprach Genosse Wenzel über die Vorgänge in der Sitzung der agrarischen Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer und die dort gehaltene Rede des Professors Adolf Wagner, über welche die Abendzeitungen ge- rade berichtet hatten. In kräftigen Strichen zeichnete er die Junkersippe und deren Verhalten gegenüber den Steuervorlagen. speziell der Nachlaßstcuer und lieferte an der Hand dieser neuesten Vorgänge den abermaligen Beweis, daß die Junker auf die Wissenschaft pfeifen und sie verhöhnen, sobald sie ihre politischen Zirkel stört oder gar etwa, was noch schlimmer ist, sich gegen ihre Profitgier erklärt.— Nach Aufnahme einer Anzahl Genossen in den Wahlverein erfolgte Schluß der Versammlung. Lichtenberg-Boxhagen-Rummelsburg. Der Achtuhr-Ladenschluß gelangt für den Stadtkreis Lichtenberg und den Gemeindebezirk Boxhagen-Rummelsburg mit dem morgigen Tage, dem 1. März, zur Einführung. Damit wird für die an Berlin angrenzenden Orte der unerquickliche Zustand beseitigt, baß in den einzelnen Straßen abends ein verschiedener Geschästsschluß erfolgte. Am markantesten trat das bekanntlich an dem Teile der Frankfurter Allee in die Erscheinung, deren eine Seite zu Berlin, die andere zu Lichtenberg gehörte. Klein-Schönebeck-Fichtenau. Zur Frage des kommunalen GasanstaltSbaues. Die am letzten Sonntag stattgefundenc Volksversammlung, in der Genosse Leid über:„Die Sozialdemokratie in Staat und Gemeinde" re- fcricrie und. wie aus dem Versammlungsbericht im„Vorwärts" zu ersehen, zu einer lebbasten Debatte über die skandalöse Hinter- treibung des kommunalen Gasanstaltsbaues führte, scheint den Herren Beckmann und Krause die Zunge gelöst zu haben, B 0 bends Sie, die froß der persönlichen Einladung es vorzogen, ihre Ohren war der Schlächtermeister Mag Kuhnert und der Tapezierermeister| Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2X2= 5. den in der Versammlung gemachten Ausführungen zu verschließen, Rudolf Narowski gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Schöne- bis Montag: Moral( Unf. 8 Uhr.) verbreiteten am Donnerstag ein„ Die Wahrheit“ überschriebenes, berg angeklagt. Kuhnert, der verheiratet und Familienvater ist, Residenz Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Floh im von ihnen unterzeichnetes Flugblatt, in dem sie Behauptungen hatte am Abend des 15. Januar verschiedene Lokale in Friedenau Dhr. Aulabendlich: Kümmere dich um Amelie.( Anfang 8 Uhr.) aufstellen, deren Richtigkeit unsere Genoffen am heutigen Sonntag aufgesucht. Er landete schließlich in Begleitung des Mitangeklagten und Montag: Lazuli. Dienstag: Baza. Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Tiefland. Abends in einer Bolksversammlung prüfen werden. In dem Flugblatt Narowsti in start angetrunkener Verfassung in dem Lotal des Donnerstag: Lazuli. Freitag: Liefland. Sonnabend und Sonntag: Lazuli. Geißt es u. a.: Schankwirts Schulz, wo er noch etwa ein Duhend" Lagen" Bier Montag: Liesland. " Beschämend ist es für uns Bürger, daß die Gemeindever bezahlte. Aus ganz geringfügigem Anlaß tam es zwischen Kuhnert Hebbel Theater. Allabendlich: Revolutionshochzeit.( Anf. 8 Uhr.) treter sich den im Artikel des Vorwärts" vom 30. 1. d. J. und dem Wirt zum Streit. Kuhnert weigerte sich, das Lokal zu Trianon Theater. Sonntag: Nachmittags& Uhr: Die Liebe wacht. gemachten Vorwurf ihrer totalen Unfähigkeit gefallen ließen verlassen und drohte den S. abzuschlachten". Ferner drohte er, abendlich: Der Satyr.( Anf. 8 Uhr.) und sogar den Führer der hiesigen Sozialdemokraten, den Herrn daß er nicht gehen wolle, bevor ihm Schulz eine größere Fleisch verwunschene Schloß. Alabendlich: Die Dollarprinzessin.( Anf. 8 Uhr.) Neues Operetten Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das Gemeindevertreter Tobias, in die erwähnte Deputation gewählt bestellung gegeben habe. Auch die hinzugekommene Shefrau des haben." Wirts wurde beleidigt und mit bedroht. In dem allabendlich: Im Klubseffel. Luftipielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die glüdlichste Zeit. Nicht Unfähigkeit im allgemeinen Sinne ist der Gemeindever. brangen die beiben Angeklagten plöblich auf Schulz ein, Naromstilbenim ben. Sonntag: Nachmittags 81 Uhr: Ein Theater Westens. 3 hielt ihm die Arme fest, während Kuhnert, bald nicht wissend, was Walzertraum. Allabendlich: Der tapfere Soldat.( Anf. 8 Uhr.) er tat, ihm einen tiefen Messerstich in die linke Wange bei- Schiller Theater O. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Bolks. brachte. Erst als sie den Schwerverletzten biuten sahen, tam ihnen feind. Abends: Das Erbe. Montag und Dienstag: Das Erbe, Mittwoch: die Besinnung wieder. Kuhnert wurde am nächsten Tage verhaftet Rechts herum. Donnerstag: Die Braut von Messina. Freitag: Nechts und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert, aus dem er nach herum. Sonnabend: Das Erbe. Sonntag: Rechts herum. Montag: einigen Tagen nach Stellung einer Kaution von 10 000 m. wieder Charleys Kante. entlassen wurde. Die Verlegung des Schula mußte fünfmal genäht werden, außerdem trat die Gesichtsneurose hinzu, so daß der Geftochene sogar in Lebensgefahr geriet. Stuhnert hat nach seiner Entlassung aus der Haft alles mögliche getan, um das von ihm angerichtete Unheil wieder gut zu machen. Er gab auch in der gestrigen Berhandlung durch seinen Verteidiger die Erklärung ab, daß er jede Buße gern zu tragen bereit sei. Der Staatsanwalt beantragte mit Rüdsicht auf die von St. an den Tag gelegte Roheit und Brutalität eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und gegen Narowski zwei Wochen Gefängnis. Das Gericht ließ troß der überaus rohen Tat noch Milde walten und erkannte gegen Kuhnert auf eine Geldstrafe von 1120 M. event. für je 5 M. einen Tag Gefängnis. Gegen Narowski lautete das Urteil auf 40 M. Geldstrafe. Außerdem wurde dem Verletzten eine von Kuhnert zu zahlende Buße von 500 m. zugesprochen. tretung vorgeworfen, sondern es ist lediglich festgestellt worden, daß die bürgerlichen Vertreter mit Ausnahme eines einzigen feine Worte fanden, um die skandalösen Hintertreibungen des Gasanstaltsbaues gebührend zu kennzeichnen. Wenn das für die Herren Beckmann und Krause beschämend ist, wenn sie sich gern ins rechte Licht gerückt sehen, dann werden sie nicht unterlassen, unfere heutige Bersammlung zu besuchen, wir werden unsere Schuldigkeit tun. Die fernere Behauptung der Flugblattschreiber, daß sie und ihr Anhang zirka 25 000 W. aum Wohle und zur gedeihlichen Entwidelung der Gemeinde" bestritten haben, glauben wir den Herren, deren Uneigennüßigkeit bekannt ist, aufs Wort. Wir möchten aber die Frage aufwerfen: Haben die großmütigen Spender gar nicht, auch nicht ein flein wenig daran gedacht, daß ihre Grundstücke und Häuser dabei im Werte steigen, sie also thr Profitchen dabei machen? Wir wären auf diesen bösen Gedanken gar nicht gekommen, wenn die Flugblattschreiber nicht am Schluß sich einen so großen Ausfall gegen die Grundwert- und Wertzuwachssteuer leiften würden, der auch unsere Annahme bestätigt, daß der ganze Kampf gegen die Gasanstalt auch ein Kampf gegen die Einführer dieser Steuern, gegen die Gemeindevertretung ist. Aber noch eins. Der Kampf, den wir Sozialdemokraten führen, richtet sich nicht gegen Personen, sondern gegen alle die Arbeiterschaft schädigenden Auswüchse des Kapitalismus, zu denen auch dieser Kampf gegen das fommunale Unternehmen gehört. Brit. Schußlose Kellner. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Julius Cäsar. Abends: Rechts herum. Montag: Ein Volksfeind. Dienstag: Rechts herum. Mittwoch: Das Erbe. Donnerstag: Rechts herum. Freitag: Die Starolinger. Sonnabend: Nechts herum. Sonntag: Die Starolinger. Montag: Stomteffe Gudert. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Nach mittags 3 Uhr: Madame Sans Gêne, Abends: Husarenfieber. Montag: Der Pfarrer von Stirchfeld. Dienstag: Kean. Mittwoch: Husarenfieber. Donnerstag bis Montag: Dean, Grzellenz. Allabendlich: Bo wohnt fie denn? Thalia Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Kinder der Luisen Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das Mädchen auf Jurwegen. Abends: Die goldene Lebenslüge. Montag: Störenfried. Dienstboten. Dienstag: Bis früh um Fünfe. Mittwoch: Dorf und Stadt. Donnerstag bis Sonntag: Bis früh um Fünfe. Montag: Störenfried. Dienstboten. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag: Nachmittags 8 1hr: Hamlet. Abends: Der Salontiroler. Montag: Hamlet. Dienstag: Uriel Elcosta. Mittwoch: Der Salontiroler. Donnerstag: Der Militärstaat. Freitag: Der Schwabenstreich. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Die Räuber. Montag: Uriel Acosta.( Anf. 8 Uhr.) Berliner Operetten- Theater SW. Sonntag: Nachmittags Uhr: Mutter und Sohn. Allabendlich: Das Himmelbett.( Anfang Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Gastspiel- Theater. Allabendlich: Der Hüttenbefizer.( Anf. 8%, Uhr.) von Barnhelm. Abends: Die Räuber. Montag: Das Barenhausfräulein. Bernhard Rose- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna Dienstag: Einjährig Freiwillig. Mittwoch: Wohltäter der Menschheit. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Minna von Barnhelm. Sonnabend: Das Warenhausfräulein. Sonntag: Chrliche Arbeit. Montag: Unbestimmt. Folies Caprice. Täglich: Ein lediger Ehemann.( Anf. 8%, 115r.) abendlich: Rußland.( Anf. 8 Uhr.) Casino Theater. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert. Gebr. Herrnfeld Theater. Willabendlich:: Die beiden Bindelbands. ( Anf. 8 Uhr.) Am dritten Weihnachtsfeiertagabend wurde der Kellner Hugo Beyer, welcher beim Restaurateur Berenstecher in Nathenow borübergehend in Stellung war, von demselben im Abtritt mit einem 3 Gummischlauch schwer mißhandelt und ihm seine Stleidung zer- 8 riffen. Neun zweifingerbreite dunkelunterlaufene Striemen be= Ueber Konsumgenossenschaftswesen referierte Genoffe Giebel in zeichneten die Spuren der Mißhandlung. Der Mißhandelte ivar einer vorige Woche hier tagenden öffentlichen Bersammlung. Am infolgedeffen 8 Tage arbeitsunfähig. Gegen den fchlagfertigen Schlusse feines Referates forderte der Redner die Brißer Genossen Arbeitgeber wurde anklage vegen gefährlicher Störperverletzung erauf, ihr Geschäft, das noch vom alten Rigdorfer Konfumverein erhoben, die vor dem Rathenower Schöffengericht zur Verhandlung halten ist, der Genossenschaft Groß- Berlin anzuschließen. Nach tam. Der Angeklagte behauptete, durch das Verhalten des Kellners, Längerer Distuffton hierüber wurde eine Agitationskommission, be- der angetrunten war, gereizt gewesen zu sein. Er habe sich auch stehend aus den Genossen Prenzlow, Liepke, Friedrich und Schmidt, in der Notwehr befunden, da der Kellner ihn mit einer Waschschüffel gewählt. ohne weiteres hinterrüds auf ihn eingeschlagen habe, so daß er bedroht habe. Beyer befundete dem entgegen, daß der Angeklagte förmlich betäubt davon gewesen sei. Der Angeklagte brachte außer feiner Chefrau noch zwei Beugen zur Stelle, die einiges ungüns ftige über das Verhalten des Kellners bekundeten. Das Gericht ertlärte: Der Gummischlauch sei kein gefährliches Werkzeug und die Mißhandlung nur eine im Born begangene Ueberschreitung. Es wurde auf Freisprechung erkannt, da die Mißhandlung durch eine beleidigende Aeußerung des Mißhandelten die dieser bestritten hatte kompensiert sei. Weshalb der Restaurateur den Abtritt, mit einem Gummischlauch bewaffnet, betrat, erörterte das Gericht nicht. Der Restaurateur braucht sich über strenge Richter nicht zu betlagen. Bor Eintritt in die Tagesordnung ersuchte der Versammlungs Leiter die zwei erschienenen Beamten, das Lokal zu verlassen; die felben tamen jedoch der Aufforderung nicht nach. Grünau. Die politische Situation behandelte in einer öffentlichen Verfammlung im Jägerhaus" Genosse Heinig. Eine Diskussion über den beifällig aufgenommenen Vortrag fand nicht statt. Scharf verurteilt wurde hierauf vom Genoffen Migner, daß die Bemeinde für Kirchenzwede trop vorherigen Protestes der Bevölkerung 2000 m. bewilligt hat. Eichwalde. Die Gemeindevertreterwahlen finden am Dienstag, ben 9. März, statt und zwar für die dritte Abteilung von 4-6 Uhr nachmittags, für die zweite Abteilung von 6-6% und für die erste Abteilung von 6%-7 Uhr abends. Für Gastwirte. ( Unf. 8, Alabendlich: Donnerwetter tadellos. Sonntagnachmittag 8%, Uhr und allabendlich: Metropol Theater. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Ilhr: Eine luftige Spreewaldfahrt. Allabendlich: Dntel Cafimir. Spezialitäten.( unf. 8 Uhr.) Paisage Theater. Sonntag: nachmittags 3 Uhr und allabendlich Spezialitäten. Walhalla Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walast- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Behrens Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland Theater. Sonntagnachmittag lich: Spezialitäten. Uhr und allabend. Irania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag: Bon Abbazio bis Storfu. Montag: Von Abbazia bis Korfu. Sof, Sternwarte, Invalidenftr. 57-62. Donnerstag: Geschlossen. Briefkaften der Redaktion. Für ungültig erklärte das Kammergericht eine Polizeiverord nung für Halle, welche es verbietet, in. Gastwirtschaften MusikBarteigenossen! Trop unserer Eingabe, die Wahlzeit für die aufführungen oder sonstige öffentliche Unterhaltungen über 11 Uhr Wähler der britten Abteilung in die Abendstunden zu verlegen, lich ein„ akustischer" und darauf gerichtet, die Nachbarn vor ruhe abends hinaus auszudehnen. Der Zwed der Verordnung sei ledigist dieselbe wiederum so berechnet, daß es den Arbeitern nur unter störendem Lärm zu schützen. Diese Materie sei durch§ 360 Nr. 11 Opfern an Zeit und Arbeitsverdienst möglich ist, ihr Wahlrecht aus des Reichsstrafgesetzbuchs erschöpfend geregelt, woraus fich die Uns zuüben. Außerdem ist die späte Festsetzung der Wahl( 10 Tage gültigkeit der Verordnung regele. Der Gastwirt Heide, er die vor Stattfinden derselben) ein Beweis, daß man es auf eine regel- Verordnung nicht beachtet hatte, war schon in zweiter Instanz frei rechte Ueberrumpelung der Arbeiterschaft abgesehen hat. Die gesprochen worden. Das Kammergericht hielt das Urteil wegen der bürgerlichen Parteien waren längst vom Wahltermin unterrichtet, üngültigkeit der Verordnung durch Urteil vom 25. Februar aufrechts was unter anderem daraus hervorgeht, daß eine redaktionelle Notiz Es wurde noch betont, daß die Polizei in bestimmten Einzelfällen im Zeltower Kreisblatt" an demselben Tage erschien, an dem die durch Verbotsverfügungen einschreiten könne, wenn lärmende Latig findet nicht statt. Der Offenbarungseid hindert nicht neuen Erwerb. Die Bekanntmachung des Wahltermins in demselben erfolgt. Bugleich feiten geeignet seien, die Gesundheit der Umwohner zu schädigen. werden die Namen der bürgerlichen Kandidaten in der Notiz be= fannt gemacht. Demnach hat es die Arbeiterschaft diesmal mit zwei Gegnern zu tun. Genoffen! Die Zeit für die Agitation zur Wahl ist eine nur furz bemessene. Wenn unser Kandidat als Sieger aus diesem Kampfe hervorgehen soll, heißt es die paar Tage dazu auszunuben, alle Wahlberechtigten aufzurütteln und sie auf die Wichtigkeit der Wahl aufmerksam zu machen. Mariendorf. Ein schwerer Unglüdsfall ereignete sich gestern bormittag furz vor dem Bahnhof Mariendorf, dicht am Priesterweg. Hier fippte eine fleine Arbeitslokomotive aus den Gleisen. Ein Arbeiter wurde von der Maschine zerquetscht während ein anderer erhebliche Verbrühungen davontrug. Weißensee. Faule Fische. Wegen Vergebens gegen das Nahrungsmittelgeses ist am 6. Januar vom Landgericht II in Berlin die Fischhändlerin Helene Safenkamp geb. Feldner zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden Sie hat auf dem Wochenmarkte in Rigdorf faule Schleie und auf dem Wochenmarkte in Schöneberg faule Flundern feilgehalten, dem sie schon einmal vorher verwarnt worden war. Ihre Revision twurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Sle furistische Ebrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, telter britter Eingang. vier Treppen, ahrstuhl wochentäglich abende von 7 bis 9% lbr ftatt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werfzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten Fönnen 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 8. 73. 1. Sa. 2. Nein. 3. Eine Verjährung eines Offenbarungseides Wirkung des Offenbarungseides ist nur bie, daß der Schwörende anzugeben hat, was er besitzt. 4. Das entscheidet der Nichter von Fall zu Fall. 2. K. 83. Da nach Ihrer Schilderung der Vollstreckungsbefehl rechtsfräftig geworden, Shnen auch zugestellt ist, ohne daß Sie Einspruch erhoben haben, würden weitere Schritte zweglos fein. J. 2. 24. Haben Sie mäßig ist es, vor einem Notar oder vor dem Amtsgericht einen Bertrag zu feinen Vertrag geschlossen, so leben Sie außer Gütergemeinschaft. gwedschließen, in dem der Ehemann oder der Bräutigam ausdrücklich unter nach- Ueberreichung eines Vermögensverzeichnisses das Vermögen seiner Frau oder Braut anerkennt und auf sein Nießbrauch und Verwaltungsrecht ver. Bichtet. 2. 1909. 1. Matthäilirchstraße. 2. Nein. 3. Sie tomen bei der Versicherungsanstalt schriftlich anfragen oder sich dort persönlich nach dem Berlauf der Sache erkundigen. D. 8. 15. Es tönnte nur zum 1. Januar, April, Juli oder Dttober gekündigt werden. Die Kündigung müßte spaceſtens am 31. Dezember, 31. März, 30. Juni oder Königl. Opernhaus. Sonntag: Die lustigen Weiber von Windsor. W. Ja. Montag: Stolberg.( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Elektra.( Anfang 8 Uhr.) 30. September in den Händen des Wirtes sein. 2. 23. Um welche Rente, die zur Ablösung zu bringen ist, es sich Mittwoch: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Iphigenie in Aulis. 20. C. 35. Versiegelt. Freitag: Glettra.( Anfang 8 Uhr.) Sonnabend: Bohême. handelt, läßt sich ohne Einsicht in das Grundbuchblatt nicht sagen. 1. und 2. Ja. 8-5. Wegen dieser Verhältnisse müßten Sie sich an das Sonntag: Aida. Montag: Elettra.( Anfang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die versunkene Glode. Montag: Vormundschaftsgericht mit bestimmten Anträgen wenden und event. gegen einen ablehnenden Beschluß Beschwerde einlegen. E., Rigdorf. Spielen Figaros Hochzeit. Dienstag: Kolberg. Mittwoch: Die Journalisten. Freitag: Mrs. Dot. Sonnabend: mehrere zusammen ein Los, so ist im Falle eines Gewinnes der betreffende Ein braver Parteigenoffe, der Drechsler Ostar 8eise, Donnerstag: Die verfunkene Glode. fwird heute zur letzten Ruhe geleitet. Als langjähriger Raffierer Solberg. Sonntag: Die versunkene Glode. Montag: Göz von Berlichingen. Anteil auch dem auszuzahlen, der mit seinem Beitrag im Nüdftande ist, wenn nicht mündlich oder in den schriftlichen Lotterieſtatuten cine entgegen ( Anfang 7 Uhr.) 2. S. 3. Nein. des hiesigen Wahlvereins hatte er seiner Parteipflicht mit größter Nenes tönigl. Opern- Theater. Abends 7%, Uhr: Bajazzt. Versiegelt. stehende Bereinbarung getroffen ist. Nigdorf. Sa. A. W. 4. Die von Ihnen genannte Kaffe vermögen wir nicht zu Gewissenhaftigkeit genügt, bis ihn eine tüdische Krankheit von Deutsches Theater. Sonntag: Revolution in Strähwinkel. Montag Was ihr wollt. Dienstag bis Donnerstag: Revolution in Strähwinkel. empfehlen. Gegen die Offenbacher Stranken- und Begräbnistaffe für Frauen seiner Parteiarbeit riß. Er starb im Alter von 56 Jahren nach Freitag: Die Räuber. Sonnabend bis Montag: Revolution in Strähwinkel. und Mädchen, Prinzenftr. 66 bei Hinz, bestehen keinerlei Bedenken, im R. 250. Die Forderung ist zweijähriger schwerer Krankheit in der Landesanstalt Eberswalde Deutsches Theater.( Stammerspiele). Sonntag: Der Arzt Gegenteil ist diese Stasse empfehlenswert. an Gehirnerweichung. Unser Freund hatte nicht nur hier feine am Scheidewege. Montag: Der Graf von Gleichen. Dienstag: Der Arzt ist, würde leider der von Ihnen angegebene Grund nach der Rechtsprechung verjährt. O. 2. 25. Da beim Vertrag nichts Ausdrückliches vereinbart Barteipflicht erfüllt, sondern konnte auf eine langjährige Tätigkeit am Scheidewege. Mittwoch: Der Graf von Gleichen. Donnerstag: Der O. M., Nig im Wahlverein des fünften Berliner Neichstagswahlkreises zurück- ezt am Scheidewege. Freitag: Der Graf von Gleichen. Sonnabend: Der Shnen lein Recht zur Aufhebung des Vertrages geben. im Wahlberein des fünften Berliner Reichstagswahlkreises zurüd Arzt am Scheibeweg. Sonntag: Der Graf von Gletchen. Montag: Der eingereichten Belege berechtigt... 63. Ja.-P. B. 7. Rein. borf. Der Testamentsvollstreder ist zur Verweisung auf die bem Gericht bliden, auch dort stand er in der vordersten Reihe. Die Genossen Arzt am Scheideweg. Prachthaus. Leider nein. 2. S. 100. Sa. 2. 2. 300. werden sein Andenken stets in Ehren halten. Leffing Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Nora. Abends Der König. Montag: Wenn wir Toten erwachen. Dienstag bis Freitag: Ueber diese Frage gehen die Urteile auseinander. Ueberwiegend ist M. N. 9. Ja. Der König. Sonnabend und Sonntag: Griselda.( Anfang 7% Uhr.) fie in bejahendem Sinne entschieden worden. Montag: Der König. Neues Theater. Allabendlich: Die fremde Frau.( Anf. 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Bartel Zurafer. Allabendlich: Einer von unsere Leut'. Die Beerdigung findet heute um 3 Uhr nachmittags auf dem hiesigen Friedhofe in der Röldestraße statt; es werden die Genossen ersucht, dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, Gerichts- Zeitung. Egzeß im Rausch. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Hamlet. Montag: Der Diamant. Der zerbrochene Strug.( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Fauft. 1. Teil. Mittwoch: Alt- Heidelberg. Donnerstag: Faust. 1. Teil. Freitag: Alt Heidelberg, Sonnabend: Der Diamant. Der zerbrochene Krug. Sonntag: Wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bezw. wegen Haus- lt- Heidelberg. Montag: Der Diamant. Der zerbrochene Krug.( Anfang friedensbruch, Beleidigung, Bedrohung und versuchter Nötigung 18 Uhr.) Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Sentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr schwach, Geschäft ruhig, Breise unverändert. Wild: Zufuhr napp, Geschäft lebhaft, Breise unverändert. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft flau, Preise befriedigend. Fische: Bufuhr ziemlich genügend, Gefchäft rubig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Db und Südfrüchte: Bufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig berändert. Eine Tasse 5 Pfennig Ueberall zu haben! Die Liebe des Mannes geht durch den Magen, deshalb hat jede kluge Hausfrau Bouillon- Würfel Krone" vorrätig! Es gibt kein besseres Fabrikat, kaufen Sie nur dieses Nährmittel- Gesellschaft Krone" Michaelis& Co., G. m. b. 6., Berlin, SW. 29. Modewarenhaus Jacques Colm ( Kaufhaus Wedding) Müllerstr. 182/183, Ecke Sellerstraße. 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Bei den landwirtschaftlichen Gemeindes Später wurde dem Verletzten jedoch der Rat erteilt, doch bei Zur Arbeiterversicherungsreform. frankenversicherungen, die bekanntlich geringere Leistungen als die der Brauereis und Mälzerei- Berufsgenossenschaft Antrag aur Die vom Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg angekündigte Ortskrankenkassen geben, betragen die Ausgaben auf ein Mits Reate zu stellen, da doch der Unfall bei Ausführung einer LohnArbeiterversicherungsreformborlage ist noch nicht veröffentlicht. Das glied 9,45 m. gegen 13 M. bei allen, also besonders den städtischen fuhre geschehen sei. Auch hier zeigt sich, daß die Berliner Tageblatt" sfizziert nach Information von unterrichteter Gemeindekrankenversicherungen. Seite" die Hauptzüge der Reform dahin: Strantenversicherung auf dem Lande viel billiger arbeitet als in den Städten." 3 „ Die Hinterbliebenen Versicherung, deren Einführung nach dem Zollgesetz am 1. Januar 1910 in Aussicht genommen war, bildet den äußeren Anstoß zur Reform. Sie wird an die Alters. versicherung angelehnt. Das Reich zahlt wie bei letzterer zu den Renten Zuschüsse und zwar zu jeder Witwenrente 50 M. und zu jeder Waisenrente 30 M., wobei Vorsorge getroffen ist, daß die Mentenbezüge der Hinterbliebenen, ähnlich wie bei den Reliftengeldern der Beamten, bestimmte Höchstgrenzen nicht überschreiten. Die Hauptkosten werden durch Beiträge der Arbeit geber und Arbeiter aufgebracht und von beiden je zur Hälfte getragen. Die Beiträge werden mit den Invalidenbeiträgen zusammen erhoben, so daß hier die Marken um 30 bis 40 Prozent erhöht werden. Bei der Festsetzung der Invalidens, Hinterbliebenen- und Unfallrenten soll die Vorbereitung durch Mitwirkung des Versicherungsamtes erfolgen. Es soll ferner den Arbeitern mit Hilfe der paritätisch zusammengesetzten, unter einem Beamtenvorsitzenden fungierenden örtlichen Versicherungsämter eine gewisse Mitwirkung bei der RentenBemessung gewährt werden. Die gegenwärtige Art der Festlegung foll auf diese Weise ชน einer wirklichen Instanz ausgebildet werden, die freilich ihre Aufgabe in zwei Abschnitten erfüllt: erstens beim Versicherungsamt und zweitens beim Versicherungsträger. Für jeden Kreis sollen örtliche Versicherungsämter errichtet werden, ihr Leiter soll ein fachmännischer Versicherungsamtmann sein. Es sollen ihnen alle Bes fugnisse übertragen werden, die jetzt den unteren Verwaltungsbehörden, der Polizei und den Gerichten obliegen, wozu dann noch ihre Mittoirtung bei der Rentenfestsetzung und ihre Tätigkeit im Auftrage der Versicherungsträger fommt. Auf diese Weise soll ein einheitlicher Instanzen zug für die ganze deutsche Arbeiterversicherung erreicht werden mit den Stationen: Versicherungsamt, Oberversicherungsamt ( heutiges Schiedsgericht) und Reichs beziehungsweise Landesversiche rungsamt. 28as mum die Strantenversicherung anbelangt, so soll, um die Leistungsfähigkeit der Kaffen zu heben, eine ziemlich weit gehende 8entralisierung herbeigeführt werden. Künftig sollen die Beiträge je zur Hälfte von den Arbeitgebern und Arbeitern aufgebracht werden. Die hieraus den Kassen mehr zufließenden?( Aus der Halbierung erzielt sich noch fein Mehr. D. Red.) nicht unbeträchtlichen Mittel würden die Durchführung von MehrLeistungen zugunsten der Arbeiter ermöglichen. Die Personentreise der Invalidenversicherten und der Krankenbersicherten sollen, soweit nur irgend möglich, in Uebereinstimmung gebracht werden. Das bedeutet für die Krankenversicherung eine Ausdehnung auf land und forstwirtschaftliche Arbeiter, auf das Gesinde, auf Hausierer und GeTegenheitsarbeiter. Außerdem sollen die Hausgewerbetreibenden sofort in die Krankenversicherung einbezogen werden. Geregelt werden ferner die Berhältnisse der Aerate und Kassen zu einander, indem zwei paritätisch zusammengesetzte Schiedsinstanzen geschaffen werden und daneben Spielraum für eine freie Einigungskommission gelassen ist. Endlich soll eine wirtjame Entlastung des Reichsversicherungsamtes herbeigeführt werden, die notwendig ist, falls diese Behörde, die die Einheit der Rechtsprechung wahren muß, nicht zu einem unförmlichen Körper anschwellen soll." Wir sind nicht in der Lage, die Angaben des Berl. Tageblatt" au fontrollieren, da leider die Versicherungsreform amtlich noch nicht beröffentlicht ist. Stimmt der Inhalt der Reform mit den Angaben des Blattes überein, so ergibt sich als einziges bis jetzt greifbares Resultat: die zum Himmel schreienden Mißstände auf dem Gebiete der Unfallversicherungsgefeggebung sollen fortbestehen bleiben, lediglich für die Invalidenversicherung soll unter Aufrechterhaltung des Klebesystems der bereits Mitte der 90er Jahre vom Grafen Bofadowsky vorgelegte, vom Reichstag verworfene Lokale Unterbau geschaffen und die Selbstberwaltung den Arbeitern in noch schlimmerer Weise wie bislang auf dem Gebiete der Krantenversicherung ge Eine folche Verschlechterung mag ein Minifterium gegen Sozialpolitit und für Entrechtung der Arbeiter Reform" nennen. Andere Menschen werden darüber anders denten nommen werden. mit Ausnahme der Scharfmacher, nach deren Diftat das Reichsamt des Innern eine wirkliche Verschmelzung der Versicherungsgesetzgebung unterlassen und als Sozialreform eine weitere Ent rechtung der Arbeiter bringt. Die baldige Vorlage des gesamten Entwurfs täte not, um Klarheit darüber zu schaffen, ob in der Tat das Reichsamt des Innern die an allen Eden und Enden reformbedürftige Versicherungsgesetzgebung noch in der angedeuteten Art zu verschlechtern gedenkt. Ueber die Kosten, welche die Ausdehnung des Kreises der Versicherten durch endliche Einbeziehung der ländlichen Arbeiter in die reichsgefegliche Krankenversicherung verursachen würde, macht die Abendzeitung der Kölnischen Zeitung" vom Freitag folgende interessanten Ausführungen. Das genannte Drgan hat sich die Rechnungsübersichten von 12 landwirtschaftlichen Krankenkassen aus allen Teilen Preußens, von Westen bis zum Osten verschafft und teilt daraus unter Fortlassung der Namen folgendes Ergebnis mit: Es betragen auf 1 Mitglied bie die Kosten Einnahmen Mitglieder zahl Einnahme an Beiträgen u. Eintritis M. Gesamt toften geldern M. W. . a 2137 42 307 37 654 19,80 17,58 b 3659 54549 44 616 14,91 12,19 0 8996 43 052 43 441 10,77 10,87 d 5407 78 527 74 709 14,52 13,82 e 4773 54 015 44529 11,32 f 8027 53 818 49 230 17,78 16,26 g 4599 64 782 70568 14,21 15,48 h 6711 86/151 83 593 12,84 12,46 i* 9734 100 984 102 962 10,37 10,58 k* 2573 79 108 61 812 30,74 24,02 1 868 3 987 3 300 10,83 8,97 m 847 6 597 5217 19,01 15,03 9,33 * Diese Kassen erheben Bufagbeiträge für Familienversicherung. Diesem Ergebnis fügt die Röln. 8tg." folgende Bemerkungen an: " Ländlicher Arbeitsvertrag. Der Bommer" veröffentlicht in seiner Märznummer den nachfolgenden Vertrag, den die Besizerin von Klein Soltikom im Kreis Schlawe mit einem Tagelöhner abgeschlossen hat. Der Vertrag ist typisch für die menschenunwürdige Löhnung auf dem Lande. Der Vertrag lautet: Schlußschein zwischen Frau von Schlieffen- Soltikow und dem Tagelöhner Der Tagelöhner... erhält 50 f. Tagelohn. Sein Hofgänger, der über 17 Jahre alt fein muß, 40 Pf. TageTohn. Seine Frau 40 Pf. Tagelohn und eine vierte Person aus seiner Wahnung, die das Jahr über gestellt wird und über 17 Jahre alt sein muß, erhält je nach ihrer Leistungsfähigteit 50-75 Pf. Tagelohn und pro Jahr 10 Zentner Kartoffeln. In der Ernte erhalten die Tagelöhner beim Mähen zwar ihr Tagelohn, jedoch wird der Morgen Roggen mit 25 Pf., ber Morgen Sommerkorn mit 20 Pf., der Morgen Hülsenfrüchte mit 40 Pf. berechnet und etwaiger Nebenberdienst über Tagelohn mehr bezahlt. In der Kartoffelernte erhalten die Tagelöhner ztrei Drittel von dem Akkordsatz der fremden Arbeiter. Er darf keinen Menschen in seiner Wohnung haben, der nicht bereit ist, gegen dieses Tagelohn auf herrschaftliche Arbeit zu gehen und er selbst, wie seine Familie dürfen ohne Erlaubnis nirgend wo anders, als bei ihrer Brotherrschaft arbeiten. Geht eine Person aus seiner Wohnung anderweitig auf Arbeit, so zahlt der Tagelöhner pro Tag eine Mart Strafe. Das Dreschen geschieht im Tagelohn, wird mit der Maschine gebroschen, so muß auf Verlangen der Tagelöhner zu dreien tommen. Außerdem erhält der Tagelöhner jährlich: 36 Scheffel Noggen. Wohnung nebst Stall. 120 Quadratmeter Gartenland. 1 Morgen Kartoffelland mit seinem Viehdung zu düngen. 1 Morgen Seradellaland zu Futter. 12 Zentner Heu oder einen Morgen Wiese. 20 Zentner Winter- und Sommerstroh. 3 Fuder Brennholz. 12-15 000 Soden Torf resp. 6 Fuder Holz bei eig. Werbung. 1 Kuh und 3 Schafe toeidefrei. Für sich und seinen Hofgänger erhält er je 1 Scheffel Kartoffeln auf gebüngtem Ader bei eigener Aussaat und muß seine Frau für diese 2 Scheffel je 8 Tage in der Heu-, Korn oder Kartoffelernte unentgeltlich auf den Dienst kommen. Der Tagelöhner Der Bierberleger gab bem Verleßten auch die schriftliche Gr klärung, daß derselbe an 8 Tagen gegen eine tägliche Vergütung Bier ausgefahren habe. Die Brauerei und Mälzerei- Berufsgenossenschaft teigerte sich aber, die Rente zu zahlen, weil der Werlehte nicht Lohnarbeiter, sondern selbständiger Unternehmer gewesen sei. Er habe am Unfalltage auch seine eigenen Pferde benutzt und sei deshalb nicht gegen Lohn beschäftigt gewesen, wenn er auch den Wagen der Brauerei für die Fuhren gebraucht habe. Anderer Ansicht war aber das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung zu Gießen, welches dem Verletzten die Rente zusprach. Jm Urteile wird hervorgehoben, daß der Verletzte am Unfalltage mit dem Wagen der Brauerei zu deren Kunden im Auftrage gefahren sei und für seine Tätigkeit Lohn erhalten habe. Der Vertreter der Brauerei habe ausdrücklich erklärt, daß der Verletzte gegen Lohn beschäftigt worden sei, und sei dieser Tagelohn nur deshalb höher gewefen als für Knechte am Orte, weil der Verlegte auch für die Unterhaltung seiner Pferde aufzukommen hatte. Wörtlich heißt es in der Urteilsbegründung: Jedenfalls war aber ber Tagelohn nicht so bemessen, daß sich die Annahme rechtfertigen ließe, S. hätte dadurch einen Unternehmergewinn erzielt. Daß der Kläger z. B. zur Zeit des Unfalls nicht als selbständiger Be triebsunternehmer, sondern nur als in Diensten der Braueret stehend, angesehen werden konnte, spreche auch schon der Umstand, daß die fragliche Tätigkeit des Klägers eigentlich nur eine Fortsetzung der dem Knechte der Brauerei obgelegenen Arbeit darstellte, für die er Bezahlung zweifellos erhalten hat." Das Urteil ging auch auf den weiteren Einwand der Berufsgenossenschaft ein, daß eine andere Berufsgenossenschaft in Frage kommt und erklärt: Wenn nun der Beklagte darauf hinweist, daß die Biernieber. lagen, welche nicht zu dem Betriebe der Brauerei gehörten, bei der Lagerei- Berufsgenossenschaft versichert seien, so muß dem die Tatfache entgegen gehalten werden, daß die Bierniederlage in B. wie schon aus dem Schreiben der Brauerei selbst hervorgeht, lediglich eine Einrichtung und ein Bestandteil dieser Brauerei, die ihre eigenen Wagen und Pferde dort hatte, bildet, und daß J. H. nur als Angestellter bezw. Wertreter fungierte." Am Unfalltage sei daher der Verlegte sveifellos als unfelb. ständiger Lohnarbeiter tätig getvefen und sei daher auch die Berufsgenossenschaft gesetzlich verpflichtet die Rente zu gewähren. Die Berufsgenossenschaft beruhigte sich natürlich nicht mit dem Urteilsspruch und suchte sich ihr Recht in Berlin am Reichsversiche rungsamte. Hier wurde die Freude des Berlebten über den er ift verpflichtet, Tag für Tag, wie ungenen Sieg bald zu Wasser. Das Reichsversicherungamt machte auch seine Hofgänger auf den Dienst zu kommen, bleibt einer die Sache kurz, wenn auch das Urteil längere Zeit auf sich warten von ihnen ohne Erlaubnis zu Hause, so hat er das doppelte ließ. Sturz und bündig heißt es im Urteil, welches dem SchiedsTagelohn als Strafe zu zahlen. Seine Frau ist bergericht unrecht gab: Was zunächst die Frage betrifft, ob ein auf Gewährung einer pflichtet, auf den Dienst zu gehen, so oft sie bestellt wird und zahlt, wenn sie unentschuldigt ausbleibt, ebenfalls das dop. Mente gerichtetes Verfahren gegen die Brauerei und Mälzerei- Bedoprufsgenossenschaft zulässig sei, obwohl die Saftung einer anderen pelte Tagelohn als Strafe. Als Wohnungsmiete hat der Tagelöhner jährItch Berufsgenossenschaft bereits rechtsträftig feststeht, so hat das Reichs 24 Mart gu zahlen, welche im Laufe des Jahres von seinem bersicherungsamt fein Bedenken getragen, dies Verfahren in finnLohn in Abzug gebracht werden. Wird der Tagelöhner mit Gespann nach der Stadt geschickt, fo erhält er außer seinem Tagelohn 25 Pf. Bulage. Auch hat er jährlich 2 junge Hühner und 1 Stiege Gier an die Herrschaft unentgeltlich zu liefern, wofür, falls fie nicht geliefert werden, 50 Pf. pro Huhn und Stiege Gier in Abzug von seinem Lohn gebracht werden. Für die Kuh, welche auf herrschaftliche Weide getrieben wird, zahlt er jährlich an den Hirten 1,50 mart und 14 Biter Roggen, auch muß er Mitglied des Kuhvereins sein. Arbeitszeit ist die hier übliche, Mittag 1 Stunde, Frühstück und Besper im Sommerhalbjahr 1 Stunde. Die Frau hat die Verpflichtung, so oft an ihrer Wohnung die Reihe ist, zum Melken der herrschaftlichen Kühe zu kommen und erhält dafür monatlich 3. Alle Königlichen, Kreis- und Kommunal- Abgaben, sowie auch Kirchen, Pfarr- und Schul- Abgaben zahlt und leistet er ohne Ausnahme sowohl für sich, als auch für seine Wohnung. Das beiderseitige Kündigungsrecht ist halbjährlich, und strar nur am 1. Oftober jeden Jahres. Kündigt der Tagelöhner im Laufe des ersten Jahres, so hat er die Umzugsfosten nach hier pro Gespann( 2 Pferde) mit 3 M. au vergüten. Bei seinem Abgange darf er fein Futter, d. h. Heu und Stroh mitnehmen, überhaupt darf er das gelieferte Futter weder vers faufen noch verschenken, da es zur Düngung seines KartoffelLandes und Gartens verwendet werden soll. gemäßer Anwendung der§ 82, 88 des Getverbe- Unfallversicherungsgesetzes für zulässig zu erklären. Nachdem die Sache im Returs wege an das Reichsversicherungsamt gelangt ist, so hat dies nach der Absicht des Gesetzgebers ohne durch die früheren Anerkenntnisse oder Entscheidungen gebunden zu fein, zu prüfen, welcher Versiche. rungsträger für die Entschädigung zu haften hat. Der Kläger fei aber nach seiner fozialen Stellung und nach der Art feines Gewerbebetriebes selbständiger Fuhrunternehmer und fein Lohnarbeiter. Diese Eigenschaft hat er zweifellos nicht dadurch berloren, daß er sich nebst seinen Pferden der Brauerei zur Ver fügung stellte, um einen dieser gehörigen Wagen zu fahren. Es liegt auch fein zwingender Grund bor, anzunehmen, daß er während der kurzen Zeit, wo er nicht die eigenen Pferde, sondern die Pferde der Brauerei vor dem Wagen derselben gefahren hat, also nach Art eines Fuhrknechtes tätig war, etwa als Angestellter der Brauerei in deren Betrieb übergetreten ist. Zur Beit des Unfalls hatte er seine eigenen Pferde am Bügel. Zu dieser Zeit war er also atveifel. los als Fuhrunternehmer tätig. Daraus ergibt sich, daß nicht die Brauereis und Mälzerei- Berufsgenossenschaft, sondern die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zur Entschädigung des Unfalls verpflichtet ist." Weil also der Verletzte gerade am Unfalltage ausnahmsweise seine eigenen Pferde am Bügel hatte", so wurde er als selbständiger Fuhrunternehmer angesehen, obschon er gegen Tagelohn arbeitete. Berstaatlichung einer Straßenbahn. Von dem Deputatkorn erhält der Tagelöhner an jedem 1. und 15. des Monats 1½ Scheffel, auf Wunsch kann davon ein Die Lübecker Bürgerschaft beschloß am Freitag mit großer Teil nach dem jeweiligen Marktpreise umgerechnet und dem Werte entsprechend in anderes Korn umgetauscht werden. Ein Mehrheit den Ankauf der im Besitze der Berliner Lokal unb weiterer Stornverkauf findet nur ausnahmsweise am 1. des Straßenbahngesellschaft befindlichen Bahn zum Preise von 3%, Mia. Monats gegen Barbezahlung bei der Löhnung und nach dem Mart. Die Gesellschaft hatte 3 850 000 m. gefordert. Dagegen Marktpreise statt. Der Tagelöhner ist verpflichtet, ein schlug eine aus Senat und Bürgern zufammengesette Geheimnüchternes und moralisches Leben zu führen, sowohl im Dienst, fommission die Verpachtung einer in Staatshänden befindlichen als auch außer demselben den Vorteil seiner Brotherrschaft zweiten Linie vor. überall wahrzunehmen und sich als unbedingt ehrlicher Mann zu bewähren. Unehrlichkeit und Nichterfüllung des Kontratts ist ein Grund zur sofortigen Entlassung. Der Wert dieses Schlußscheines ist auf 600 Martangenommen. Also, abgesehen von dem Deputat, 40-50 Pfg. Tagelohn, und von diesem gehen noch 24 M. Miete. 1,50 M. und 14 Liter Roggen für den Hirten sowie 1,50 M. Abzug für Naturalien ab, die an die Herrschaft zu liefern sind. Außerdem Strafgelder in der Höhe des doppelten Tagelohnes. Welch erbärmliche Lohnbedingungen, selbst wenn man nicht mit der Besitzerin annimmt( siehe die Schlußworte des Vertrags), der Gesamt wert für das an vier Personen zu Leistende betrage nur 600 M., sondern das Deputat etwas höher einschäßte. Die ,, übliche Arbeitszeit" beträgt im Kreis Schlawe 13 Stun den im Winter, 18 im Sommer. Und solchen Verträgen gegenüber sprechen die Konfer vativen von dem prächtigen Leben der Landarbeiter. Lohnarbeiter oder Fuhrherr? Unser Genosse S. in Büdingen teilt das Schicksal vieler KleinDie fraglichen Kaffen gewähren nicht nur die normalen gesetz- bauern, die sich auf eigener Scholle nicht mehr ernähren können und lichen Leistungen der Ortskrankenkassen, also mehr als die für die daher gezwungen sind, auch als Lohnarbeiter zu gehen. Die Rhet Butunft beabsichtigten Landfrankentassen gewähren sollen, nische Brauerei Maina errichtete in B. eine jogenannte Biernieder fondern einzelne von ihnen( i und k) haben fogar noch die lage und fand Genoffe S. passende Nebenbeschäftigung. Als der Familienversicherung eingeführt und erheben hierfür Bufagbeiträge. Fahrbursche der Brauerei erkrankte, fuhr Genosse S. gegen TageDie Kosten schwanfen von 8,97 m. bis auf 24,02 m. auf ein Mit- lohn 8 Tage das Bier zu den Kunden, stellte auch an einem glied. Diese höchste Ausgabe wird erreicht von der Drtstranten- Tage seine eigenen Pferde hierzu, da die Pferde der Brauerei erfaffe eines Landkreises, der um eine westdeutsche, sehr teure Stadt müdet waren. herumliegt; hier haben wir es also nicht mit ländlichen, sondern Bei der Ausführung einer solchen Fuhre wurde S. währeno mehr städtischen Verhältnissen zu tun. Im Durchschnitt betragen die dem Ausladen einer Rolle Bier schwer verletzt, da er rückwärtsKosten für ein Mitglied biefer ländlichen Krantenfaffen 18,14 M. gehend einen heftigen Stoß von der Wagendeichsel erhielt. Un gegenüber dem Durchschnitt von 26,71 M. bei allen Ortsfranken- fundig meldete er später seinen erlittenen Unfall bei der landwirt. Mit dem Pachtvertrag war eine Erweiterung der Konzessionsbedingungen zugunsten der Berliner Gesellschaft verbunden. Die Bürgerschaft lehnte die Verpachtung mit 90 gegen 9 Stimmen ab. Sollte die Gesellschaft auf ihrer Forderung bes harren, so wird über die weiteren Maßnahmen am nächsten Montag entschieden. Vermischtes. Explosion in einer Acetylengasanstalt. Amtlich wird aus Nen. Stettin vom gestrigen Tage gemeldet: Heute morgen 12 Uhr 55 Minuten explodierte die Acetylengasanstalt auf Bahnhof NeuStettin. Die Anstalt ist vollständig zerstört. Ein Mann tot, einer verletzt. Ursache noch nicht aufgeflärt. Betrieb der übrigen Bahnanlagen ist nicht gestört. Materialschaden bedeutend. Das„ Demminer Tageblatt" Vom heiligen Bureaukratius. weiß ein neues Geschichtchen vom heiligen Bureaukratius zu erzählen, das hier wiedergegeben sei: Gelangte da türzlich an einen Demminer Obermeister ein Gesuch von einem auswärtigen Berufsgenossen um Ausstellung eines Lehrbriefes. Der Petent feit 1847 geboren und bei der Innung in Demmin 1863 oder 64 ausgeschrieben worden. An dem jezigen Wohnort treibe er über 30 Jahre selbständig sein Handwerk. Jetzt, im 63. Lebensjahre, da er sich bald von dem Handwerk zurückzuziehen gedente, fomme auf einmal die Behörde und verlange den Nachweis von ihm, daß er das Handwert, das er 31 Jahrzehnte unter ihren Augen ausgeübt, auch erlernt habe! Neue Erdbeben in Kalabrien. Nach einer Meldung aus Palmi ereignete fich gestern früh 1 Uhr 50 Minuten in dortiger Gegend eine heftige vellenförmige Erderschütterung, der zwei andere ebenso heftige folgten. Die Bevölkerung verließ die Häuser. Verluste an Menschenleben find nicht zu beklagen, obwohl an einigen Punkten Mauern eingestürzt find. Moderne Mieder- Röcke in gediegenfter Verarbeitung und allen neuen Stoffen Mk. II.- 13. 16. 18.- 21.- 25.- bis 72.Elegante Jacken- Koftüme in Empire, Directoire und englischen Fallons Mk. 20.- 26.- 29.- 35 42.- bis 175.Prinzeß- Kleider Reform- Kleider BERLIN S Übergangs- Paletots Frühjahrs- Blusen Partei- Speditionen: Zentrum I: Frit 8inte, Mauerstr. 89. R. M. Maassen G. m. b. H. Oranienplatz Deutschlands größtes Spezial- Haus für Damen-, Kinder-, Pelz- und Sport- Konfektion Zentrum II: Albert a hnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Best en: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72, Laden. 8. Wahlkreis: St. Frib, Brinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert Bengels, Rüdersdorferstr. 3, am Rüstrinerplay. Wilhelm Mann, Petersburgerplab 4( Laden). 4. 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