Nr. 51. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz 41 Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die sechsgespaltene Stolonel zeile oder beren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett, gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 fg, fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worle. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramın Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Marionette der Junker. Dienstag, den 2. März 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. beschränkt, obendrein eine Defensive der blockliberalen Magistrat und Stadtverordneten in gemeinsamer Situng; jedes Position. Wenn der Liberalismus gleich den Junkern Kollegium stimmt jedoch für sich ab, und eine Vorlage gilt nur täglich und stündlich der Regierung zu verstehen gäbe, daß er dann als beschlossen, wenn sie in beiden Körperschaften die auf den Block pfeift, daß er ebenso rücksichtslos feine Mehrheit findet) mit der etwas dunklen Tagesordnung:„ AbHerr v. Moltte, ehemaliger Oberpräsident, der nach liberalen Forderungen durchzusetzen suchen werde, wie änderung der Wahlverfassung für den Stadtbezirk Riel." Bu der Versehung des Herrn v. Bethmann- Hollweg das Amt des das Junkertum seine reaktionären Forderungen verficht, fo Dienstag, den 2. März, ist diese Sißung angesetzt, und erst preußischen Polizeiministers übernommen hat, galt etlichen würden auch die preußischen Minister einen anderen Lon an- am Sonnabendnachmittag wurde die Magistratsvorlage Eingeweihten" als Mann von liberalisierenden Neigungen. schlagen und den Anmaßungen unserer Dstelbier nicht so bekannt! Ihr Inhalt übersteigt die schlimmsten Befürchtungen. Hatten ihn doch seinerzeit die Junker im Verdacht, daß er der widerstandslos erliegen! Der Magistratsantrag fordert die Zustimmung der StadtverordNacktkultur" nicht mit dem bornierten Zelotismus und der Welch schwächliche Haltung aber immer der Liberalismus neten zu einem Gesuch an die Staatsregierung, daß sie für Niel unverfrorenen Heuchelei entgegengetreten sei, die nach Ansicht einnehmen möge: die Sozialdemokratie läßt sich durch ein Notgesetz schafft, durch das die Städteordnung der unserer Dstelbier und der ihnen gesinnungsverwandten Ben- junterliches Bramarbarsieren auch dann nicht einschüchtern, a Iten preußischen Provinzen für Stiel eingeführt trümler die vernehmsten Eigenschaften eines preußischen wenn sich ein Polizeiminister zu dessen Sprachrohr hergibt! wird, und das Dreillassenwahlrecht gleich mit der be Ministers zu bilden haben. In liberalen Kreisen raunte Mögen die Minister vor den Drohungen der Junkerfippe zu- fannten Rigdorfer Berschärfung, d. h. an Stelle des man sich allerlei seltsame Mären über diesen Polizeiminister sammenklappen, mag selbst die Krone sich gezwungen glauben, durchschnittlichen Steuersatzes soll der um die Hälfte erzu, Mären, die gar seltsam mit dem Aeußeren dieses vierschrötigen vor den Röckerißen und Jhenplißen des zwanzigsten Jahr- höhte Durchschnitt maßgebend sein. Begründet wird die Vorlage Hünen mit dem glattrasierten Lebemannsgesicht kontrastierten. hunderts zu tapitulieren, wie sie ja schon einmal bei der damit, daß die letzten Jahre dauernde Erfolge der Man munkelte, die geistigen Interessen dieses junkerlichen Bureau- Kanalvorlage vor der junkerlichen Anmaßung zurückgewichen Sozialdemokratie gebracht hätten, trotz aller Anstrengung fraten erschöpften sich feineswegs in der Safernen- und Stall- ist das deutsche, das preußische Proletariat tapituliert der bürgerlichen Parteien, so daß man jetzt schon mit einer sozialatmosphäre, in der sonst unsere Edelsten und Besten zu nicht vor der Rotte der Brotiucherer und Wahlrechts- demokratischen Mehrheit rechnen und annehmen könne, daß die vegetieren pflegen. Man sagte diesem massiven Junker weigerer! medlenburg holsteinischen Schlages geheime schöngeistige Regungen nach, behauptete, er sei auf der Geige ein Künstler, der einen Ferdinand Bonn aussteche, furz, ein Aesthet, ein Mann von modernem Einschlag. Und dieser moderne Mensch auf einem preußischen Ministersessel hielt am Montag eine Scharfmacherrede gegen die Sozialdemokratie, wie sie junterlicher, verbohrter und platter auch der selige Buttkamer nicht zuwege gebracht haben könnte. 9 Ein Sozialistengefetz für Kiel. Sozialdemokratie in nicht ferner Zeit alle Stadtverord. netenpläge besetzen werde. Die Nigdorfer Verschärfung sei notwendig, weil nur dadurch die Sozialdemokratie aus der aweiten Klasse ferngehalten werde. Eine Zensuserhöhung auf die nach der schleswig- Holsteinischen Städteordnung Im Jahre 1891 gelang es der Kieler Sozialdemokratie zum höchstmöglichste Einkommenstufe von über 1350 bis 1500 W. fei ersten Male, zwei Vertreter in das Stadtparlament zu wählen. Die nicht zu empfehlen, weil dadurch bei den Entrechteten zu viel Furcht, fämtliche Stadtverordnetenfibe in wenigen Jahren an die Erbitterung hervorgerufen werde, auch lediglich die EinSozialdemokratie zu verlieren und das wäre bei dem niedrigen führung von Bezirkswahlen werde vor der Mehrheit der SozialGenosse Hirsch hatte am Sonnabend die ebenso nichts. Wahlzenfus unzweifelhaft geschehentrieb die bürgerliche Mehr- demokratie nicht schüßen, weil bei der Landtagswahl die würdigen wie tläglichen Bespitelungsversuche der preußischen, heit zur Erhöhung des Wahlzensus. Das Wahlrecht der Sozialdemokratie schon fast in allen Bezirken speziell der Berliner Sozialdemokratie durch armselige Polizei- schleswig- Holsteinschen Städteordnung ist nämlich abhängig von die zweite Klasse erobert habe. Die Zahl der StadtTreaturen an den Pranger gestellt. Er hatte mit gutem Humor einem bestimmten steuerpflichtigen Mindesteinkommen oder einer verordneten soll von 30 auf 54 erhöht werden. Die Wahl der Madie bekannten Ausschnüffelungsversuche dieser Biedermänner, dementsprechenden Mindeststeuerleistung. Den Stadtvertretungen gistratsmitglieder durch die gesamte Bürgerschaft soll gleichfalls deren Versuche, ehrliche Männer zu schäbiger Polizeispionage bleibt es überlassen, durch Ortsstatut zu bestimmen, ob nur die fallen, doch soll die Präsentation der Kandidaten durch die Präs zu verleiten, geschildert und an den Herrn v. Moltke die Veranlagung zu einem bestimmten Einkommen oder die Zahlung fentationsfommission beibehalten werden. Aber es braucht, wenn runde und nette Frage gerichtet, ob er diese moralisch ver- des entsprechenden Steuersatzes das Wahlrecht verleiht; ferner% der Mitglieder der Kommission zustimmen, den Stadtverordwerflichen Handlungen der Polizeispitzel und ihrer Auftrag können sie das Mindesteinkommen( oder die entsprechende Steuer- neten nicht mehr die ganze Zahl der Kandidaten präsentiert zu geber billige. Der Herr Minister schwieg am Sonnabend, leistung), von dem an das Wahlrecht eintritt, innerhalb der Steuer- werden. Und so eilig hat es der Magistrat mit der Wahlrechtsund er hüllte sich auch am Montag zunächst in Schweigen. ftufen von 600-1500 M. beliebig feftfezen. Sonst ist das Wahl- änderung, so fürchterlich nahe erscheint ihm die sozialdemoDagegen nahm sogar der freikonservative Führer Freiherr recht für alle die, die wahlberechtigt sind, vollständig gleich. Ebenso kratische Mehrheit, daß das Gesuch an die Staatsregierung feinch v. Zedlig feinen Anstand, diese Polizeispigeleien zu ver- wie die Stadtverordneten werden auch die Bürgermeister und die Aufschub erleidet, damit diese ihren Entwurf schon urteilen. Sie feien unsäglich dumm, und die Dummheit fei Magistratsmitglieder durch die gesamte wahlberechtigte Bürger- dem am 21. Mära in Riel tagenden Provinzial. in politischen Dingen noch schlimmer als die Unmoral! schaft gewählt, mur müssen die Kandidaten von einer zu gleichen Landtag der Provinz Schleswig- Holstein vor. Herr v. Moltke aber fand den erstaunlichen Mut, dies Teilen aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten gewählten legen kann! Spigelsystem zu verteidigen! Solange die Sozial- Kommission präsentiert werden. Die Vorlage des Kieler Magistrats fordert den schlimmsten demokratie nicht selbst die gesetzlichen Bestimmungen achte und Bis zum Jahre 1892 waren alle männlichen Einwohner, soweit Wahlrechtsraub, den man sich denken kann. Mit einem Feder. beispielsweise ohne polizeiliche Erlaubnis Straßen- fie ein Jahr am Ort wohnhaft und im Jahr das 21. Lebensjahr st rich sollen für Kiel die freien Bestimmungen der schleswig- holdemonstrationen unternehme, seien die Geheim- bollendet hatten, wahlberechtigt, wenn sie zu einem Einkommen von steinischen Städtcordnung beseitigt, Tausende von Wählern zu polizisten dabei nicht überflüssig- Aeußerungen, die in nicht unter 600 m. veranlagt waren. Dann trat die Zensus- Wählern britter Klasse degrabiert werden! Und das, was der diesem Zusammenhange und als Antwort auf die Rede des erhöhung ein. Jekt begann das Wahlrecht erst bei der Gin- Magiftrat fordert, ist ein spezielles Sozialistengesetz für Kiel! Gegen Genossen Hirsch nur so zu deuten sind, daß der preußische fommensteuerstufe von über 1200 bis 1350 M. Eine Reihe die Sozialdemokratie wird dieser Streich geführt. Es ist ein be. Polizeiminister das ebenso läppische wie schmutzige System von Jahren hatte das Bürgertum jetzt von der Sozialdemokratie wußter Schwindel, wenn es in der Vorlage des Magistrats der Polizeifpigelei und polizeilichen od spigelei nichts zu fürchten, den Sozialdemokraten war der Zutritt zum heißt, daß man der Regierung feine neue Städteordnung für billigt, daß er nicht im entferntesten daran denkt, der Stadtparlament durch den hohen Zensuswall verrammelt. Freude Schleswig- Holstein zumuten könne, weil sie zu viel Arbeit mit der Entfendung weiterer verfappter polizeilicher Gentlemen in die hat das Bürgertum aber auch in dieser Beit nicht an der Bensus. Reform des preußischen Wahlrechts habe. In Wahrheit reißt sich Organisationen der Partei und Gewerkschaften Einhalt zu erhöhung gehabt, die Sozialdemokratie hat den Raub des Wahl- die preußische Staatsregierung bei ihren Vorarbeiten wenn sie tun! Das ist der Schöngeist, der moderne Mensch" auf rechts an Taufenden von Bürgern zu einer wirkungsvollen Agita- überhaupt schon solche begonnen hat zur Reform des preußischen dem preußischen Ministersessel, das ist der liberaliste- tion ausgenüßt, und der Oberbürgermeister Dr. Fuß, der Macher Wahlrechts fein Bein aus! Nein, eine Aenderung der schleswigrende Polizeiminister der denkwürdigen Blocära! der Zensuserhöhung, hat mehr als einmal bei offiziellen Anlässen Holsteinischen Städteordnung würde deshalb nicht möglich sein, Auf dem gleichen Niveau verstocktester junkerlicher Auf- ausgesprochen, daß er die Hand von der Zensuserhöhung gelassen weil sich alle übrigen Städte der Provinz, in denen fassung hielt sich die ministerielle Philippita gegen die hätte, wenn er geahnt hätte, welche Erbitterung dadurch die sozialdemokratische Gefahr noch nicht droht, bagegen auflehnen gewalttätige" Sozialdemokratie. Hirsch's Darlegung, daß geschaffen würde. Schon seit Jahren hat dieser Mann darum die würben! Darum das Notgesetz, darum das spezielle Sozia die Sozialdemokratie ihre Ziele nach Möglichkeit durch Einführung der altpreußischen Städteordnung mit ihrem Drei- listengesetz für Stiel! Und dieser Antrag des Wahlrechtsraubes den Kampf mit geistigen Waffen zu ber- Klassenwahlrecht in Wort und Schrift gefordert als bestes Mittel, fommt zu derselben Zeit, wo der Magistrat in seinem Etatsanschlag wirklichen suche, glaubte Herr v. Moltke dadurch ent auf der einen Seite der Arbeiterschaft eine gewisse Bertretung zu für 1909 eine Erhöhung der Einkommensteuerzuschläge von 180 auf träften zu können, daß er sich auf eine Aeußerung Bebels sichern, andererseits aber damit einen festen Wall gegen eine 230 Broz, eine Erhöhung der Zuschläge für die Grund- und Ge werbesteuer und neue indirekte Steuern fordert! Es wird auf dem Nürnberger Parteitag berief. Was aber besagte dies sozialdemokratische Mehrheit zu schaffen. Zitat? Nichts anderes, als daß sich voraussichtlich der Die wirtschaftliche Entwickelung hat allmählich die Verhältnisse sich ja zeigen, ob die bürgerliche Meheheit die so oft von politische Befreiungskampf der Voltsmassen in Preußen nicht von Grund auf geändert, die Sozialdemokratie begann den aufge- ihr gepriesene schleswig- Holsteinische Städteordnung zu verteidigen so glatt und gemütlich abspielen werde, wie in Süddeutschland, richteten Zensuswall zu übersteigen, ein sozialdemokratischer Wahl- weiß oder ob sie selbst ihren Einfluß auf den Magistrat, den sie daß das Volk in Preußen für seine Rechte werde Kopf und sieg reihte sich an den anderen, und im November 1908 ieht hat, dran gibt, nur um der sozialdemokratischen Gefahr" zu Stragen einsetzen müssen! Bebel sagte also nichts anderes, siegte die Sozialdemokratie auf ber gangen begegnen. Was an den sozialdemokratischen Vertretern als was uns die junterliche Unverfrorenheit und 2inie, fie gewann sämtliche zur Wahl stehenden sechs Gibe, so liegt, werden sie tun, um das Machwerk des Magistrat als das die liberale Jammerseligkeit Tag für Tag hand- daß sie jest 10 von den 30 Stadtverordneten hinzustellen, was es ist: bie beabsichtigte brutale Bergewaltigung greiflich vor Augen führen! Daß diese Konstatierung fi ben inne hat. der Kieler Arbeiterschaft! einer historischen Tatsache nicht das geringste mit dem Das Bürgertum geriet aus dem Häuschen. Sämtliche Wollen der Sozialdemokratie zu tun hat, haben bürgerlichen Kommunalvereine und der Bürgervereinsausselbst preußische Gerichte schon konstatiert, das würde auch schuß, in dem sich die Vereine zusammengeblodt haben, berieten ein minder begabter preußischer Polizeiminister begreifen, die Wahlrechtsfrage. Für die Dreitlassenwahl fonnten sie wenn er sich eben nicht als Höriger der Junker fühlte! sich jedoch nicht entscheiden, weil damit auch das Recht des Der Kompromiß- Fötus. TWING Der aus den vier Abgeordneten Wiemer( freis.), Dr. Aber preußische Minister sind nun einmal die Gefangenen Bürgertums, den Magistrat direkt zu wählen und sein Einfluß auf Weber( natt.), v. Gamp( Rp.) und Dietrich( t.) bestehende der preußischen Junkerkaste! Die dreisten Drohungen des den Magistrat, sowie noch manche andere Vorrechte der schleswigJuntertums schüchtern sie ein, zwingen sie, sich der Junter- holsteinischen Städteordnung fallen würden. Der einzigste Aus. Kuhhandels- Unterausschuß der Finanzkommission hat in logit und Juntermanieren zu bedienen, weg, den das Bürgertum bis jetzt gefunden hat, ist der Vorschlag, den letzten Tagen mit Aufbietung aller physischen Kräfte selbst wenn sie ästhetischen Abscheu davor empfinden. Und die Zahl der Stadtberordneten von 30 auf 42 zu erhöhen und Beberhandelt und, wie einige Blätter melden, tatsächlich die Junker sind ja in der letzten Beit wieder auf dem Kriegs- airfswahlen einzuführen, so daß jeder Bezirt seine eigenen nach schweren Geburtswehen so etwas wie ein neues Steuerpfade. Im Zirkus Busch haben sie ihre schrecklichen Kriegs- Stadtverordneten wählt. Mit der Erhöhung der Stadtverordneten- tompromiß zutage gefördert. Wie das gemeinsame Erzeugnis tänze aufgeführt, haben sie bereits den Landwirtschaftsminister zahl und einer entsprechenden Wahlkreis geometrie bei aussieht, ist noch nicht bekannt, da die verschiedenen Väter, die dabei des Stalpes beraubt, um ein abschreckendes Erempel zu den Bezirkswahlen hofft das Bürgertum die sozialdemokratische mitgewirkt haben, erst noch ihren Fraktionen Bericht erstatten statuieren. Und so wenig ihre Drohungen auf den famosen Mehrheit so lange abzuwehren, bis eine andere gesetzliche Regelung mitgewirkt haben, erst noch ihren Fraktionen Bericht erstatten Vater des Blocks, den Reichskanzler selbst, ohne Einfluß ge- der schleswig- Holsteinische Städteordnung erfolgt ist, die dem und deren Zustimmung einholen wollen, ehe sie fich offiziell blieben sind, so wenig bermögen fich die Götter minderen Bürgertum alle Rechte, die die schleswig- Holsteinische Städteordnung zu ihrer Leistung bekennen. Die konservative Fraktion hat Grades ihrem rücksichtslosen Terror zu entziehen. Zumal da vor der altpreußischen voraus hat, beläßt, ihm aber die Sozial gestern mittag bereits atvei Stunden lang über die Kompromißgeburt debattiert; die anderen zum Block gehörenden Fratdas liberale Bürgertum feinen gleich rücksichtslosen Gegen- demokratie vom Leibe hält. borstoß wagt und sich, statt einer reaktionären Regierung un- Da erfolgt plötzlich wie aus heiterem Himmel die Einberufung tionen haben gestern nach Schluß der Reichstagssitzung darversöhnlichen Kampf anzufünden, ängstlich auf die Defensive leiner gemeinsamen Kollegiensizung( in Schleswig- Holstein beraten liber verhandelt. Wie cs heißt, soll eine sogenannte Verständigung auf der Grundlage der Anträge Gamp und Weber erfolgt sein. Das dürste bedeuten, daß inr wesentlichen der Vorschlag Gamps akzeptiert und nur pro loriva mit einigen nationalliberalen Phrasen garniert worden ist. Nach einer Mitteilung des„Berliner Tageblatts" soll nämlich daS Kompromiß nur 50 Millionen Matrikular- beitrage borschlagen(genau wie in der Negierungs- Vorlage), die restlichen 100 Millionen aber durch Besitz st euer» aufbringen wollen, die aber nicht das Reich, sondern die Einzclstaaten, und zwar vom Einkommen erheben sollen. Die Verteilung soll der Bundesrat bestimmen. Nach anderen Meldungen soll nian sich auch über eine Erweiterung der Erbschaftssteuer geeinigt haben; ja der Ver- trcter der Konservativen soll sich sogar— eine recht unwahr- schcinliche Nachricht— mit einer mäßigen Besteuerung des Erbes der Kinder einverstanden erklärt haben. Doch alle diese Meldungen sind noch recht unsicher; nur so viel dürfte schon jetzt als sicher feststehen, daß die Herren Wiemer und Weber den Ansprüchen der Agrarkonservativen im weitesten Maße entgegengekommen sind. Ihre Opposition gegen das llerikal-ronservative Kom- promiß entsprang nur der Befürchtung, daß der Block pleite gehen könnte; nun da diese Gefahr vorläufig abgewendet ist, sind ihre Hauptbcdenken gegen die klerikalen Vorschläge verschwunden- Willig geben sie, natürlich„schweren Herzens", ihre Einwilligung zu Bestimmungen, die sich von den klerikalen Plänen nur formell unterscheiden. So geht es auf der Bahn politischer Charakterlosigkeit immer weiter hinab. Sie Kergsrdeite?«arilhirn» auf. Um gegen die Lerggesetznovelle und gegen die geplante Kohlen- steiler Stellung zu nehmen, waren für Sonntag, den 23. Februar. in allen Bergbaubezirlen Deutschlands vom Bergarbeiterverbande Versammlungen einberufen Ivordcn. In ihrer Gesamtheit bilden die Versammlungen einen wnchngeu Protest gegen die BiißachMng der berechtigten Krbeiterforderungen. Uns liegen darüber folgende Berichte vor: Die vom Bergarbeiter-VerLand am Sonntag einberufenen Bergarbeiter-Versammlungen wiesen durchweg guten Besuch auf. Auf dem Schützenhof in Bochum sprach Abgeordneter Genosse Leinert vor mehr als 4000 Bergarbeitern. In Esien-West waren 1500 Berg- arbeiter versammelt; ein Versuch der Christlichen, die Versammlung zu sprengen, mißlang kläglich. Abgeordneter Emmcl referierte in Dortmund vor 2000 und in Herne vor 1200 Personen. In der Versammlung in Brechten waren 450, in Massen 350, Herten 1000, Brackel 400. Baukau 600, Linden 500, Benninghofen 500, Werden 500, Eichlinghofen 500, Lünen 650. Hombruch 560, Lütgendortmund -1000. Station Liiigendorünund 400, Heeren 600, Mengede 500, Bruckhausen 600, Mülheim 200, Durchholz 100, Krukel 500, Hofsted te 200, Wattenscheid 1000, Heissen 400, Habinghorst 700. Apler- deck 400, Hochheide 850, Recklinghausen 600, Niederbonsfeld 90 Bergarbeiter anwesend. Von mehreren Versammlungen im Ruhrbccken stehen Resultate noch aus. In Mitteldeutschland fanden in Lernburg. Ascherslebm, Egeln. Statzfurt. Germerslebcn, Barby, Cölbe, Croppenstedt und Agesleben Versammlungen statt. ferner in Teutschenthal sHaller Becken). In Schraplau waren 400. in Clettwitz und Senftenberg je 300 Bergarbeiter erschienen. Weitere Versammlungen wurden abgehalten in Vinnigscn am Deister -und Groniau. Im rheinischen Braunkohlenrcvier fanden vier Ver- sammlungen statt. Auch hier versuchten an einer Stelle Christliche die Versammlung zu sprengen. Der Erfolg war ein starker Uebcrtritt von Mitgliedern des christlichenGewerkvereins zum Verband. Für das Aachener Revier waren Versammlungen veranstaltet: in Aachen sAX» Besucher), Eschweiler(200 Besucher), im pechschwarze» Wunselen<200 Besucher). Eine großartige Versammlung tagte in Alienburg(1500 Besucher) Eine Versammlung in Zeitz war von 1600, in Zaborze(Ober- schlesien) von 500 Personen besucht. Zn Waldenburg und GotteS- berg wurden zwei Straßendemonjtrationen veranstaltet. 6000 Per- sonen füllen fünf Versammlungen. AnS dem Königreiche Sachsen wird gemeldet, daß die Ver- sammlung in Borna 800 Besucher aufwies. Im Zwickauer Revier sprach Genosse Abg. Hne in zwei Versammlungen vor über 2000 Bergarbeitern. In Lugau 1000 Besucher, in Hohendorf 1200. Nach Schluß ver Versammlung demonstrierten die Bergarbeiter miler Hochrufen auf ein ReichSberggcsetz vor der Wohnung des sächsischen Abgeordneten Facins. Ueberall begeisterte Stimmung. Einmütig erfolgte die Annahme der untenstehenden Resolutionen gegen die drohende Kohlensteuer und für die Beschlüste des Berliner Kongresses. *** Die Versammlung spricht ihr volles Einverständnis aus mit den einmütigen Veschiüsiei, des BergarbeiterkongresseS, welcher vom 1. bis 3. Februar l. I. in Berlin tagte. Die Versammlung kann insbesondere nur in einer einheitlichen reichSgcietzlichen Regelung eines besseren BergarbciterschutzeS und des KnappschattsweseuS den einzig richtigen Weg zu besseren Zuständen im Bcrgarbeitcrleben erblicken. Die Versammelten können nur in völlig freigestellten, vom Staate bezahlten, von den Bergarbeitern ans ihrer Mitte mittels geheimer Wahl gewählten fachkundigen Grubenkontto Neuren ei» wirkliches Hilfsmittel sehen, wodurch es möglich wird, die er- schreckend vielen Unfälle im Bergbau auf eine möglichst geringe Zahl zurückzuführen. Hingegen solche vom Arbeitgeber abhängige, in Arbeit stehende Kontrolleure(Sicherheitsmänner genannt) können niemals den nötigen Einfluß gewinnen, um ersprießliches leisten zu können, so daß dieses System nicht im geringsten den erhofften Er- folg bringen wird. Aus dieser Ueberzeugung heraus ersucht die Versammlung den preußischen Landtag dringend, die von dem Ministerium vorgelegte Berggesetznovclle vom 8. Februar l. I. abzulehnen und die preußische Regierung zu veranlaffen. daß sie im Bundesrat der vom Reichstag kürzlich einmütig beschlossenen Einführung eincS ReichSberggesetzes endlich zustimmt, damit die Schichtzeit einheitlich auf acht Stunden beschränkt, die Grubenkontrolleure in obigem von den Versammelten gutgeheißenen Sinne fürs ganze Reich eingeführt, das rigorose Straf- wcsen eingeschränkt und auch das KnappschaftSweseii einheitlich ge- regelt werden. So wie der Gothaische Landtag kürzlich einstimmig beschlossen hat, die gothaische Regierung solle im Bundesrat für Einführung eines Reichsberggesetzes stimmen, sollten auch der preußische Land- tag und alle anderen Landesparlamente dieses Beispiel nachahmen. Tun ste dieses nicht und stimmt der Bundesrat einer einheitlichen Regelung des BergarbeiterfchutzeS wieder nicht z». so sind diese Kreise allein verantwortlich, wenn im deutschen Bergbau die blamablen menschenvernichtenden Mißstände fartdaueni. Die neuesten Massen- aräber von Grube Rede» in Saarbrücken und Radbod in Westsalen sollten doch all» Gesetzgeber zu durchgreifenden Maßnahmen zum Schutze der Bergarbeiter veranlassen. Die vorgekommenen 3612 töd- lichen Unfälle im deutschen Bergbau in den letzten zwei Jahren sind «ine Schmach, die daZ deutsche Ansehen beeinträchtigt. DaS in der genannten preußischen Verggesetznovclle vorgeschlagene System der Sicherheitsmänner ist und kann kein diirchgreifendeS Heilmittel sein, sondern wird sich als ein Schlag ins Wasser erweisen. Wo eS bisher eingeführt wurde(Saarbrücken und Sachsen) ist cS wirkungslos geblieben. Die VeriammeÜen machen eZ allen Parlamentariern und Polt- tikeru zur Pflicht, ungesäumt für einheitlichen Bergarbciterschutz nach den Vorschlägen der Arbeiter zu sorgen. „Die Versammlung erklärt sich mit Entschiedenheit gegen den von agrarischer Seite gemachten Vorschlag, zur Beseitigung des Reichsfinanzdefizits eine Kohlensteuer(50 Pf. pro geförderte Tonne) einzuführen. Wie die Machtverhältnisse in der BergwerkSindustrie heute liegen, würden die ganz außerordentlich stark kartellierten und syndizierten Werksbesitzer ohne Schwierigkeiten entweder durch Herauf- fctzung der Kohlen-, Koks- und Vrikelipreise oder durch Lohnredlizierungen die Kohlensteuer auf die Konsumenten oder auf die ohnehin jetzt schon mit Lohnkürzungen, Feierschichten und Entlassungen bedachten Gruben- arbeiier abwälzen. Das ist übrigens schon von den WerkSbesiyer- organen unverhohlen angekündigt worden. Die Kohlensteuer wurde also in Wirklichkeit nicht von den Werksbesitzcrn getragen werden, sondern sie wäre eine neue direkte Belastung deö Volkes, die gerade den ärmsten Haushalt am empfindlichsten träfe. Die Versammlung fordert den Reichstag auf, überhaupt alle den Lebensunterhalt der breiten Volksmasse weiter verteuernden Stenern abzulehnen und nur solche zu bewilligen, die in direkter und für die Reichsbedürfnisse ausreichender Weise die besitzenden Volksschichten belasten." *« � DaS Verhalten der GewerkvereinSmitglieder ist im Jntereffe der Bergarbeitersache nur zu bedauern. Gerade die Gewerkvereinler hätten cS notwendig, den ZentrumSabgeordnetcn zu Gemüt« zu führen daß die Bergarbeiter nun lange genug genarrt worden sind, denn an der Narrerei hal die Zentrumsfraktion ihr gut Teil Schuld. Daß der Bergarbeitersckutz in Deutschland noch so weit zurück ist, daß die letzten Novellen nicht die gewünschten Fortschritte gebracht haben, das ist nicht zuletzt ZentnimSarbeit. Das wolle man nicht vergeffen. Sie WieäMlMnung Ses kieichiratez. AuL Wien wird uns vom 27. Februar geschrieben: Der ReichSrat, der am 5. Februar bcimgeschickt worden ist, wird nun für den 10. März einberufen werden. Jrgendtvelche Freudigkeit ist bei der Regierung, da sie daS Parlament versammelt, daS sie ohne ausreichenden Grund geschloffen, nicht zu spuren. ES ist der Zwang der Notwendigkeit, dem sie sich nicht entziehen kann. Ur- sprünglich wollte sie die Einberufung auch bis Ende März ver- schieben und erst der entschiedene Einspruch der Sozialdemokraten, die sich gegen die zwecklose Verzettelung der Zeit wendeten, hat sie zu dem früheren Termine bestimmt. Wie wird es nun dem armen Abgeordnetenhause in der neuen Session ergchen? DaS ist die bange Frage, die sich alle stellen, denen die konstitutionellen Errungenschaften am Herzen liegen. DaS Abgeordnetenhaus wird sofort vor befristete Aufgaben gestellt sein. Da ist erstens die Feststellung und Bewilligung des RekrutenlontingcntS, zu der in Oesterreich alljährlich ein Gesetz not- wendig ist, dann die Vorlage wodurch die Verstaatlichung zweier großer Privatbahnen(Staatsbahngesellschaft und Nordwestbahn) herbeigeführt werden soll und für deren Vereinbarungen mit den Gesellschaften der letzte März der Schlußtermin ist; dann der Gesetz- entwnrf, wodurch die Annexion gesetzgeberisch genehmigt werden soll, und schließlich eine gesetzliche Ermächtigung an den Finanzminister, für 220 Millionen Schatzschcine(anstatt Rente) auszugeben, die zwar der Form nach für Eisenbahnen, Kanalbauten und ähnliche Dinge gebraucht werden, eigentlich aber die Leere der Kassen ausfüllen sollen, welche durch die„Vorschüsse" aus die K r i e g S r u st u n g e n an der serbischen Grenze entstanden sind, die, wie eS immer bestimmter heißt, schon den Betrag einer halben Milliarde Kronen verschlungen haben sollen.»Daß zu diesen Dingen, die alle Eile haben, und deren Erledigung schon in Hinsicht deS Eindrucks nach außen ohne größere Gegnerschaft ge- schehen soll, ein arbeitsfähiges HauS nötig ist, liegt aus der Hand. Wie steht eS nun um die politische Situation? Jenes Mittel, deffen sich die Regierungen gegen die Obstruktion früher bedient haben, nämlich die Einbringung von Regierungsvorlagen als Dring- lichkeitsanträge, kann die Regierung Bicncrth nicht wählen: auS dem einfachen Grunde, weil sie über die dazu notwendige Zweidrittelmehrheit nicht verfügt. Bleibt also der normale Weg der Tagesordnung, wo cS wieder in doppelter Hinsicht hapert: erstens könnte cS dabei auch herauskommen, daß Vienerth auch die ganz ge- wohnliche, nämlich die einfache Mehrheit nicht besitzt(waS freilich das Wünschenswerte wäre, weil man diese hilflose und unfruchtbare Regierung rasch los wäre) und zweitens, weil dann die tschechische Opposition den Weg zur Tagesordnung mit DringlichleitSanträgen verbarrikadieren könnte. Doch ist eS nicht unmöglich, und darauf be- ruht heute die Hoffnung, das Parlament werde auS der schweren Krise unversehrt herauskommen, daß die Tschechen und die Süd- slawcn, die sich zu einer«Slawischen Union" zusammengefunden haben, die Politik der Obstruktion, die nicht die Regierung trifft, vielmehr nur das Parlament verwüstet, verlassen und die Beseitigung der Regierung mittels der Abstimmung versuchen werden. Dieö um so mehr, als die Obstruktion gegen die militärische Staats- Notwendigkeit ein gefährliches Spiel ist, das die auf Hofgunst ziemlich angewiesenen Nationalisten nicht riskieren werden wollen, und die Eisenbahnverstaatlichung wieder eine Sache ist, an der die Tschechen in hervorragendem Maße interessiert sind. Freilich wäre zur Be- wältigung der Schwierigkeiten eine andere Regierung notwendig, als cS die des Herrn v. Bicncrth ist, die ohne Entschlußkraft und bar allen Scharfsinns die Dinge erwartet, die sie meistern sollte. WaS die Sozialdemokraten dazu tun können, einesteils das Parlament vor. feinen gewiffenlosen Bedrängern zu schützen, andern- teils es von der unzulänglichen Regierung zu befreien, wird sicherlich geschehen.»_________ , Oolitifche Oeberficbt. Berlin, den 1. Marz 1909 Kolomalpolitik in sozialistischer und kapitalistischer Beleuchtung. AnS dem N e i ch s t a g e, den 1. März. Ueber Mängel der Rechtspflege in den Kolonien führte der freisinnige Ab- geordnete Ab l a ff Klage, indem er eingehend nachwies, daff widergesetzlich Personen richterliche Funktionen zugewiesen wurden, ohne daß sie vom Reichskanzler, der allein daS Recht dazu gehabt hätte, beauftragt worden seien. Der Staats- sekretär Dernburg versagte es sich, auf diese heikle Frage einzugehen. So kam Genosse N o S k e nach Ablaß sofort zum Wort. Er präzisierte unsere Stellltng zur Kolonialpolitik ganz treffend dahin, daß wir zwar das kapitalistische Kolonialwesen grundsätzlich ablehnten, aber da wir als Minderheit dessen Durchführung nicht hindern könnten, uns wenigstens bemühten, rcformerisch einzuwirken, insbesondere zugunsten der unterjochten Eingeborenen. Im Laufe der Debatte wollte später der Volksparteiler Starz aus diesen Worten einen Gegensatz zwischen Noske und Eichhorn rausdeuteln, obgleich Eichhorn genau die nämliche Stellung zur Kolomalpolitik eingenommen hatte. Daß cs Noske nicht eingefallen war, die Stellung eines bloßen„Kolonialrefor- mers" einzunehmen, ging aus seinen gesamten umfassenden Ausführungen hervor. Den Versuch der Gegner, die deutscheu Arbeiter durch den Baumwollbau für die deutschen Kolonien zu ködern, wies er zurück durch die Feststellung, daß Baum- wolle ein internationales Produkt sei, dessen Anbau in allen Weltteilen zunehme, und dessen Produktenmenge und Preis- bilduna durch die winzigen Ergebnisse in den deutschen Ko- lonicn noch auf Jahrzehnte hinaus gar nicht beeinflußt werde. Da die Neger zur Eigenkultur der Baumwolle vollkommen befähigt seien, sei der Plantagenbau durch Weiße nach vor- aufgehender Unterjochung der Neger vollkommen überflüssig. Ostafrika insbesondere werde ein Negerland bleiben müssen. Im Anschluß daran forderte er Dernburg auf, seine an- gepriesenen zivilisatorischen Absichten dadurch zu betätigen, daß er endlich die Zwangsarbeit der Neger im Dienste der Weißen abschaffen möge. Er konnte an einem Beispiel nach- weisen, daß die Neger jährlich 30 Tage Zwangsarbeit den Weißen zu leisten haben, widrigenfalls sie Kettenstrafen zu erleiden haben. Wie es sonst mit der zivilisatorischen Tätig- keit der Weißen aussieht, zeigte er an dem Beispiel des Hauptmanns Dominick, der selbst von einer Expedition in das Innere von Kamerun erzählt, daß er die Stadt Mama von seinen Trägern habe plündern lassen. Auch an den fürchter- lichen Zustanden in Südwestafrika erläuterte er die zivili- satorischen Wirkungen der deutschen Kolonialverwaltuna. Gingen doch die überlebenden Reste der Hercro dem Aussterben entgegen, weil die Frauen keine Sklaven gebären wollten. Nunmehr fühlte sich der Staatssekretär Dernburg gedrungen, auf Eichhorns und Noskes Kritik zu antworten. Im Vertrauen auf die Kolonialfreudigkeit der bürgerlichen Parteien, die er rühmend der schwarzseherischen Kritik der Sozialdemokraten gegenüberstellte, machte er sich die Antwort herzlich leicht. Heikle Fragen, wie die nach dem Arbeitszwang und nach dem drohenden Aussterben der Herero vermied er sorgfältigst, und warnte bloß vor„Uebertreibungen" in der Kritik. Wie sehr er geneigt ist, s e l b st diesen guten Rat zu befolgen, bewies der Diamanten-Dernburg dadurch, daß er die Behauptung aufstellte, die einzigen Leute, die bisher von der deutschen Kolomalpolitik Vorteil gehabt hätten, seien die deutschen Arbeiter! Als ihm darauf Ledcbour zurief, na, fragen Sie mal bei Tippelskirch an, besann er sich vergeblich auf eine Antwort und zog es vor, auf andere Dinge überzugehen. Mit besonderem Nachdruck betonte er dann, daß seine Auffassung von der Kolonialpolitik sich prinzipiell von der der Petersfreunde Arendt und Liebert nicht unterscheide. Jene faßten die Sache ein bißchen mehr„national", er ein bißchen mehr„kommerziell" auf. Kolonialfromme Reden hielt dann noch der konservative Wgcordnete Gans Edler Herr zu Putlitz und der Volksparteiler S t o r z. Letzterer brachte es fertig, in der Abneigung der Sozialdemokraten gegen die Kolonialwirtschait einen Beweis dafür zu finden, wie außerordentlich glücklich man in Deutschland daran sei. Mit der Anspruchslosigkeit dieses süddeutschen Demokraten haben allerdings dieDcvnburg und Bülow ein leichtes Spiel. Wird ihnen das Fell über die Ohren gezogen, dann sind sie hoch erfreut, daß sie nicht ge- vierteilt wurden. Der Etat für Ostafrika wurde dann in den Einzel- bcratungen zu Ende gebracht. Morgen kommt Südwestafrika an die Reihe._ Wieder eine Kaiserrcde. Nach längcrem Schweigen hat der Kaiser wieder eine Rede gehalten. Das preußische Kriegsministerium oder, wie es damals hieß. daS Kriegsdepartement ist nämlich am 1. März 1809 entstanden; es feiert also heute sein hundert- jähriges Bestehen. Bei dieser Feier, die im Kriegsministerium unter Teilnahme des Kaisers, des Personals des Kriegs- Ministeriums, der Generalität usw. usw. begangen wurde, hielt der Kaiser folgende Ansprache: „Auf den Schlachtfeldern von Auerstädt und Jena hatte sich das Geschick Preußens erfüllt. In Tilsit hatte ein Friedens- vertrag von grausamer Härte die Niederlage besiegelt. Zcr- trummert war das Heer des großen Königs, aus unzähligen Wunden blutend lag Preußen am Boden, seiner Macht und seines Ansehens im Rate der Völker beraubt. Fast ohne Hoff- nnng war die Zukunft. Drückender denn je lastete um die Wende des Jahres 1808 das Joch deS Eroberers auf dem der- stümmclten Staate. Im Besitze der wichtigsten Festungen, stand der Feind in dem gemarterten, unter der Bürde uncrschwing- licher Kricgsauflagcn zusammenbrechenden Lande. Noch war der Wiederaufbau des Heeres nicht zu Ende geführt, drohend erhoben sich neue Kriegswetter, die auch für Preußens Schicksal entscheidend werdeif konnten. In dieser Zeit tiefster Demüti- gnng rief mein in Gott ruhender Herr Urgroßvater, weiland Königs Friedrich Wilhelm III. Majestät, das KriegSdepartemeni mit der Bestimmung ins Leben, daß zu dem Geschäftskreis dieser Behörde alles gehören solle, waS auf das Militär, dessen Ver- fassung, Errichtung, Erhaltung und den von' solchem zu machenden Gebrauch Bezug hätte. Ein Entschluß von uncrmeß- licher Tragweite: denn bisher hatte das Heer der einheitlichen Leitung und Verwaltmig entbehrt. Würde die neue Schöpfung sich bewähren und dauernd ihren Aufgaben gerecht werden können? Es gereicht mir zur wahren Genugtuung, heute, an dem Tage, mit welchem vor 100 Jahren das Kriegsministerium seine reich gesegnete Tätigkeit begonnen hat. ihm mit freudigem Stolze bezeugen zu können, daß es mein und meiner erhabenen Borgänger am Throne Vertrauen allerorten vollauf gerecht- rechtfertigt hat, denn in unverbrüchlicher Treue und Hingebung, rastlos und ohne Ermattung schaffend, hat cB dem Heere die Rüstung bereitet und gestählt, durch die dieses befähigt wurde, allezeit seine hohe Bestimmung zu erfüllen: des Vaterlandes starker und. so Gott will, unüberwindlicher Schirm und Hort zu sein und zu bleiben. Dafür sage ich ihm tief bewegt meinen königlichen Dank, und wenn diese Anerkennung allen gilt, die in dem KricgSministerimn für deS Vaterlandes Macht und Ehre ihre ganze Kraft, ihr ganzes Wissen und Können eingesetzt haben, dann richtet sich mein Blick besonders auf die beiden größten unter ihnen, Scharnhorst und Roon, die Waffenschmiede, jener der Befreiung Preußens, dieser der Einigung Deutschlands. Den Gefühlen nie verlöschenden DcmkeS für ihr unvergleichliches Wirken in dieser feierlichen Stunde von neuem Ausdruck zu geben, ist mir ein Herzensbedürfnis. Möchten alle aus diesen leuchtenden Vorbildern Kraft und Erhebung schöpfen für das eigene Schaffen! Möchte es unS nie an Männern fehlen, die diesen in aufopfernder Treue und glühender Vaterlandsliebe nacheifern! Möchte die verhängnisvolle Zeit, in der daS Kriegs- Ministerium gegründet wurde, immerdar eine Mahnung bleiben, nie still zu stehen, nie zu rasten in der Arbeit für das Vaterland, kein Opfer für dessen Ruhm rmd Wohlfahrt zu groß oder zu schwer zu erachten! Tann wird der Segen des Slllmächtigen für alle Zukunft auf dem Wirken dcS Kriegsmmisteriutns ruhen, dann wird Deutschland alle Stürme, die der Ratschluß der Bor- sdjung herausführen mag, siegreich bestehen. Das walte Gott!" Die Rede hat nur insofern ein gewisses Interesse, als sie zeigt, wie stark die Ausfassung des Kaisers durch die preu- Bische Hofhistoriographie beeinflußt ist. Daß die traurige Lage Preußens zu jener Zeit vornehmlich durch die Feighci! und Beschränktheit des im Heer und der Verwaltung domi- nierenden preußischen Junkertums hervorgerufen ist, wird verschwiegen, und ebenso, daß es die schlechtgelohnte Auf- opferung des Volkes war, die Preußen und das Hohcnzollern- Haus vom Druck des,, korsischen Parvenüs" befreite, nicht die Tätigkeit und die Genialität des neugeschaffenen Kriegsdepartements. Die Reaktion in Hefien. In Mühlheim am Main, einein Arbeitcrorte von 6000 Einwohnern, sitzen 12 Genossen im Gemeinderate. Vor Jahre» schon wurde der Sozialdemokrat Peter Zahn zweimal von der Gemeinde zum Bürgermeister- Beigeordneten gewählt, von der Regierung ober ebenso oft nicht bestätigt. Sie er- nannte viel,»ehr einen Beigeordneten in der Person des Zentrums- manne? Schulp. Der Konflikt wurde akut, als im Sommer borigen Jahres der Bürgermeister in die Ferien ging. Der er- nannte Beigeordnete rief den Gcmcinderat für den 21. August 1008 zu einer Sitzung. Von den 12 Genossen blieben elf der Sitzung ohne Angabe von Gründen fern. Einer war krank. Eine Tagung war unmöglich. Um die VcrwaltungSkarre nicht im Drecke sitzen zu lassen, kürzte der Bürgermeister seinen Urlaub ab und übernahm die Geschäfte selbst wieder. Am 23. Sepien, ber 1908 verhängte der Kreisausschuß in Offenbach in nichtöffentlicher Sitzung über die elf.Renitenten" eine „Ordnungsstrafe" von je 50 M.. ohne die Bestraften zu hören. Gegen die Entscheidung des KreiöamteS wurde Rekurs beim ProvinzialauSichuß der Provinz Starkenburg erhoben. Nachdem die Sache über Gebühr verschleppt worden war, kam sie endlich am Sonnabend zur Berhandlung. Rechtsanwalt Dr. Fulda als Vertreter der Bestraften bestritt, daß die fragliche Einladung ordnungsmäßig erfolgt fei, weil sie nicht vom Bürgermeister oder dessen Stellvertreter unterschrieben war. Es sei eine Beschränkung der Selbstverwaltung, die geradezu das freie Wohlrecht illusorisch mache, wenn die Regierung gegen den Willen der großen Mehrheit der Mitglieder einen Beigeordneten ernenne. Wolle man aber eine Ucbertrctung als begangen annehmen, so siehe doch das Strafmaß in gar keinem Ver- hältnis dazu, denn die bestraften Gcmeinderäte hätten als solche stets ihre Pflicht getan. Man dürfe zudem nicht die Verhältnisse in Mühlheim außer acht lassen; fraglich sei, ob außer Herrn Schulp in Mühlheim noch jemand gefunden worden wäre, der sich zum Bei- geordneten hätte ernennen lassen. Der ernannte Beigeordnete Schulp erklärte, er hätte das Amt nur deshalb angenominen, weil ihm von der Regierung gesagt worden sei, er brauche keine Sitzung zu besuchen. DaS Urteil lautete auf Verwerfung des Rekurses unter Ver- urteilung der Rekurrenten in die Kosten des Verfahrens sowie auf Verhängung eines Aversionalbetrages von 55 M.(jeder 5 M.) unter solidarischer Hastung. Damit ist die Angelegenheit vorläufig abgeschlossen. Das Reich„spart". Bei der Overpostdireklion Düsseldorf ist ,60 Postunterbcamten zum 1. April gekündigt worden; davon in Düsseldorf 58, in Essen zirka 50.usw. ES handelt sich um sogenannt: Aushelfer, die die Briefträger in dem freien halbe» Tag, den sie in der Woche haben, vertreten. Die freien halben Tage werden dem- entsprechend eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Auch die mittleren Bcamteilstellen werden vermindert.— Ein„teurer" Statthalter. An UmzugSkostcn wurden dem jetzigen Staathaltcr von Elsaß- Lothringen 19 447,03 Mk. gewährt. Die..erforderlichen" Aus- führungen im Statthalter-Palais in Straßburg kosteten 37 811,3t Mk., die Renovierung der Geschäflsräume 5820.26 MI., zugleich wurden die R e p r ä s e n t a t i o n S l o st e n infolge der„Sparsamkeit" beim Slotthalterwechsel um 33 3 33,32 Mk. überschritten. Insgesamt macht das alio 96242,43 Mk. Also fast 100000 Mk. muß das elsaß-lothringische Volk an einmaligen Ausgaben für den Statt- Halter- Wechsel blechen. Für Verbesserung der Arbeiterlöhne, der Beamten- und Lehrergehälter hat man nicht so schnell 100000 Mk. bei der Hand."_ Ein„erzieherischer" und„wohlwollender"% Unteroffizier! Wegen Mißhandlung eines Untergebenen während der AuS- Übung des Dienste? hatte sich dieser Tage der Unteroffizier Büschel vom Grenadierregiment Nr. 101 vor dem Dresdener Kriegsgerichte zu verantworten. Der„Stellvertreter" hatte eines Tages beim Exerzieren einem Grenadier, weil dieser angeblich nicht richtig im Gliede stand. einen kräftigen Schlag vor die B r» st v e r s e tz t, daß der Mann zurücktaumelte und Schmerzen an der getroffenen Stelle davontrug. Ueber die ihm zugefügte Mißhandlung weinte der Soldat und dadurch kam die Sache zur Kenntnis des ailffichtSfllhrcnden Offiziers. Kurz nach der Mißhandlung war die Kapi- tulation dcS Angeklagten abgelaufen; sie durfte aber infolge des gegen den Unlerosfizicr schwebenden Strafverfahrens nicht erneuert werden. Der Angeklagte wurde daher vorläufig entlassen. Man machte feine Wiedereinstellung von dem Ausgang des Prozesses abhängig. Der Haliptmann schildert den Angeklagten als einen„erzieherischen", „wohlwollenden" und„brauchbaren" Unteroffizier. Der Anklagevertreter hielt eine Mißhandlung für vorliegend, und wenn daS Gericht ungeachtet der für den Angeklagten daraus entstehenden Kon- fcquenzen der Rechtsprechung dcS ReichSrnilitärgerichts folge, dann müsse Bestrafung wegen Mißhandlung eintreten. DaS Gericht nahm aber nur„vorschriftswidrige De» Handlung" an und erkannte auf— zwei Tage gelinden Arrest! ES habe sich, so führte cS aus, nicht zu überzeugen ver- macht, daß der Angeklagte absichtlich geschlagen habe. Es liege rine„tätliche Korrektur" vor, aber keineMißhand- l u n g._ Ein von preußischen Beamten bedrohter Bürgermeister. AuS Halle a. S. berichtet man uns: Preußische Beamten lassen politische Stäupungen, Maßregelungen usw. ineist ohne mit der Wimper zu zucken, an sich vollziehen. Geht eS aber an den Geldbeutel, dann rebellieren sie. So trat der Bürger- meister v. H o l l y gelegentlich einer Interpellation im Stadt- verordnetenkollegilint gegen die Erhöhmig des WohnimgS- geldzuschusseS der ReickiS- und Staatsbeamten ans. Die Reichs- und Staatsbcaniten machten darauf in großen Proleslversainmltmgen, lind der Herr Bürgermeister erhielt wegen seines Verhallens allerlei Schmähbriefe, über die er sich in der letzten Stadtverordneten- sitznng erregt beklagte. Er müsse, erklärte er, s i ch s ch ä m e n, zu sagen, daß preußische Beamte ihn mit Schmähungen der empörendsten Art überhäuft hätten. Die Balkankrise. Die Mtion Rußland?. Herr I S w o k S k i, der die unmögliche Aufgabe zu lösen sucht, die alte Rolle Rußlands auf dem Balkan allfrechtznerhalten, trotzdem die Niederlage im japanischen Kriege und die Niederwerfung der Revolution alle staatlichen Machtmitteln desorganisiert hat, hat der Welt wieder eine neue Ueberraschnng bereitet. Statt sich der gemein- samcn Intervention der Mächte in Belgrad anzuschließen, ist die russische Regierung selbständig vorgegangen. Die Petersburger Telegraphen-Agcntur meldet darüber: Das neue serbische Kabinett hat der russischen Re- gierung eine Mitteilung zugehen lassen, in der die serbische Regierung ihre aufrichtige Friedensliebe, das Feblen jeglicher aggressiver Absichten und ihre feste Entschlossen- heit versichert, sich aller provozierenden Handlungen zu einhalten, sowie die Beratung der durch die gegenwärtige Krisis berührten Bedürfnisse und Interessen Serbiens den Groß- mächten anheimzustellen. Als Antwort auf diese Mit- teilung hat die russische Regierung den Gesandten in Belgrad an- geiviefcn, der serbischen Regierung den freundschaftlich/n Rat zu erteilen, ihren von der russischen Regierung mit auf- richtiger Genugtuung aufgenommeucn Entschluß betreffend die Beobachtung einer friedlichen Haltung aufrecht zu erhalten. Das Petersburger Kadinett sei überzeugt, daß ein solcher Entichluß bei der gegebenen politischen Lage den LebcnSintercssen Serbiens cnt- spreche. Gleichzeitig sei dem Kabinett bekannt, daß eine Erklärung Serbiens über territoriale Erwerbungen bei den Mächten weder Sympathie noch Unter stützung finden würde und daß Serbien ihre Zuneigung sich nur erhalten könne, wenn es auf den erwähnten Forde- rungen nicht bestehe, die einen bewaffneten Konflikt mit Ocstcrrcich-Uugarn hervorrufen könnten. Im Hinblick au die von der serbischen Regierung ausgesprochene Absicht, den Wünschen der Großmächte Rechnmig zu tragen, rate ihr Rußland, kategorisch zu erklären, daß sie auf Territorial- forderungen nicht bestehe und in allen auf der TagcS- Ordnung stehenden Fragen sich vollständig aus die Ent- scheidung der Mächte verlasse. Die russische Regierung hat damit allerdings nur getan, was die Mächte gemeinsam tun wollten. Sie mußte ihren Einfluß in Serbien geltend machen, weil sie sonst offen als Unterstützerin der serbischen Ansprüche und damit als Störerin dcS europäischen Friedens sich demasliert hätte. Krieg führen kann aber Rußland nicht wegen seiner militärischen und finanziellen Zerrüttung, und kann cS um so weniger, als die französische Regierung mit allem Nachdruck ihren Einfluß im Sinne dcS Friedens geltend gemacht hat. Denn für Frankreich, das zirka zwöl Milliarden Frank in russischen und noch mehr in Valkanwerten an- gelegt hat, bedeutete ei» Balkankricg, in den Rußland verwickelt ist, eine finanzielle Katastrophe schlimmster Art. Daß aber Rußland allein vorgegangen ist, geschieht auS zwei Gründen. Einmal wollte es auch jetzt betonen, daß eS sich für berufen hält, auf dem Balkan eine besondere und bevorzugte Stellung einzunehmen. Dann aber behält sich Ruß- land, indem es dem Druck der Mächte nur so weit nachgibt. Serbien den Verzicht auf die territorialen Forderungen anzuraten, in allen übrigen Punkten die Freiheit seines Handelns vor. Es ist so in der Lage, seine Unterstützung der wirtschaftlichen Forderungen Serbiens viel nachdrücklicher zu gestalten, immer wieder als Anwalt der Serben aufzutreten und dem verhaßten Aehrenthal immer neue Schwierigkeiten zu bereiten auf Kosten des ruhebedürftigen Europas, das der Balkanhändcl nun wirklich herzlich überdrüssig geworden ist. In Wien ist man sich dieser Schwierigkeiten auch durchaus bewußt. Nur muß man konstatieren, daß die Politik AchrenthalS selbst einen guten Teil der Schuld trägt. Hätte die österreichische Regierung sich nicht gar so unnachgiebig gezeigt und die Wirtschaft- lichcn Zugeständnisse, die sie Serbien zu machen bereit ist. den Mächten bekanntgegeben, so wäre das selbständige Vorgehen Rußlands nicht so leicht gewesen..Jetzt antwortet die österreichische Regierung auf daS russische Vorgehen mit der Erklärung, daß, wenn die russischen Vorstellungen in Belgrad Erfolg hätten, eS Sache der serbischen Regierung sein werde, der österreichischen formelle Erklärungen abzugeben und sie um die Mitteilung der Wirt- schaftlichen Konzessionen zu ersuchen. Die weiteren Verhandlungen würden dann direkt ohne Einmischung einer fremden Macht zwischen Oesterreich und Serbien geführt werden. Man ersieht aus dieser Erklärung sofort, welch große Schwierig- leiten noch zu überwinden sind. Serbien wird auf den russischen Beistand bei den Verhandlungen nicht verzichten. Rußland seine Mitwirkung bei der schließlichen Regelung nicht auf- geben wollen. ES wird der ganzen Energie der Bundesgenossen Oesterreichs und Rußlands bedürfen, um den Gegensatz zwischen diesen Staaten nach wie vor innerhalb der Schranken dcS diploma- tischen Intrigenspiels zu halten. DaS gemeinsame Zusammen- wirken Deutschlands und Frankreichs hat hier noch eine wichtige Aufgabe zu leisten. Friedliche Erklärungen. London, 1. März. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hat der serbische Geschäftsträger dem Auswärtigen Amt eine Note überreicht des Inhalts, daß Serbien beschlossen habe, die Entscheidung der Großmächte abzuwarten, und alles mögliche tun wolle, um den Frieden zu bewahren. Belgrad, 1. März. Ein offiziöses Commuuiquü besagt, die serbische Regierung vertraue, gestützt auf die bisherige vou Europa anerkannte vollkommen korrekte Haltung, unentwegt auf die Ge- rechtigkeit und das Wohlwollen Europas, da die Negierung über- zeugt fei, daß Serbien durch feine Haltung den Erwartungen Europas entsprochen habe. Gleichzeitig erwarte die serbische Ne- giernng von der Bürgerschaft, daß sie mit vollkommener Zurückhaltung die verschiedenen beunruhigenden Nachrichten. welche oft sehr verdächtigen Quellen entstammen, aufnimmt. Serbien habe bisher mit Oesterreich- Ungarn korrekte Beziehungen gehabt und wünsche dies auch in Zu- kunft zu tun. Von jedermanns Haltung wird erwartet. daß die serbische Regierung in den gegenivärtigen ernsten Augen- blick in jeder Hinsicht durch eine vollkommene Mäßigung unterstiitzt werde. Numnnisch: Mobilifierung. Pari?, 28. Februar. Nach einer Meldung der Agence HavaS auS Bukarest hat Rumänien als Vorsichtsmaßregel vorbereitende Schritte für die Mobilisierung des Armee- k o r p S in dem an Serbien grenzenden Bezirk angeordnet. Oettm'eicb-Vtogaru. Die Reaktion in Ungar«. Die VcrfolgungLwnt des Koalitionsministeriums gegen die Arbeiterschaft feiert wahre Orgien: Die Partei- und GcwcrkschaftS- presse wird mit zahlreichen Prozessen beglückt, die Redakteure mit hohen Geldstrafen und vielen Monaten Kerker bestraft, die Organi- ationen verfallen der Auflösung. In der Provinz tritt die Polizei mit immer größerer Brutalität auf, zynischer denn je verhöhnt sie Gesetz und Recht. Wie die allmächtigen Stuhlrichter in der Provinz, so die Zentralgewalt. Nach den in der Provinz massenhaft aufgelösten Ortsgruppen kamen die Organisationen der Hauptstadt an die Reihe. Kaum waren die Ortsgruppen des Laudarbeiterverbandcs aufgelöst, erfolgte die Suspendierung der Fachsektion der Bauarbeiter und hier- auf wurden fast wöchentlich andere Gewerkschaften aufgelöst. Nach diesen kleineren Räubereien kam der große Einbruch. Die Suspendierung der Zentrale des Eisen- und M e t allarbciic r- VerbandeS und dessen sämtliche Ortsgruppen, ferner die Fach- sektion der Tischler Budapests haben die Reihe der ungesetzlichen Eingriffe noch immer nicht abgeschlossen. Trotzdem die Arbeiter- schast der Hauptstadt mit dem S4stündigen Massenstreik und den zahllosen Versammlungen den Häschern die würdige Bnt- ivort gab, scheint dies nicht genug, und so hat der Minister des Innern vergangenen Freitag die Organisationen der Fuhrwerker und KaffechauSgehilfen suspendiert. Wenn die Regierung aber glaubt, daß sie jemals der Arbeiter- bewegung Herr werde, so täuscht sie sich ebenso sehr, wie ehedem die Gewalthaber in Dcutslbland, als sie das Schandgesetz gegen die Sozialdenwkraten schufen. Sind auch die Organisationen zertrümmert, die Solidarität der Klasse ist stark genug und sie wird nur noch mächtiger entfaltet im Kampfe gegen die Unterdrückung— alle Hindernisse zu überwinden. An Stelle der straffen Zentralvcrbände werden die losen freien Organisationen mehr ausgebaut, über die Partei und Gewerlschast schon heute verfügt. Diese werden nicht angemeldet, brauchen keine Genehmigung und ihre Beschlüsse werden nicht insgeheim gefaßt und vollzogen. Einen ganz neuen Ausweg aber haben die Fuhr- Werksarbeiter gefunden, indem sie ihre neue Organisation unter den Schutz des Privateigentums stellten. Damit wird es der Regierung unmöglich gemacht, die neue Organisation zu Grunde zu richten. Alles einfließende Geld ist das Eigentum des Herausgebers deS Fach- organs der Fuhrwerksarbeiter,„Der Kampf", der über daS Geld frei verfügen kann. Der Herausgeber kann den Abonnenten viel mehr Borteile bieten als der Fachvcrein. Statt der bisher 7 Kronen betragenden Arbeitslosen- Unterstützung gibt der Herausgeber von nun an 10 Kronen. Ferner zahlt der Herausgeber außerordentliche Unterstützungen und Begräbnisbeiträge. Den wöchentlich Abonnierenden wird das Recht gewährt, im Wege von Delegierten an jedem ersten Sonntag des Monats in die Bücher der Blattunternehmung Einsicht zu nehmen. Die Abonnenten, also die Arbeiter— der gleichfalls abonnierende Minister des Innern auf keinen Fall— haben bei der demokratischen Unternehmung deS Herausgebers daS volle Recht, Kontrolle zu üben. DaS ist eben der Unterschied zwischen der alten und neuen Organi- sierungSform, daß in erstcrer der Minister dcS Innern alles be- schnüffeln konnte, während bei der neuen Organisation das Ministerium— obzwar dasselbe ganz gewiß abonniert— kein an- dereS Recht hat, als das Blatt zu lesen. Dem Beispiel der Fuhrwerker wollen auch die EaföhauS- angestellten und andere folgen. Auf keinen Fall wird eS der Re- aktion gelingen, die Arbeiterklasse gänzlich niederzudrücken, so sehr sie auch wütet und die Gesetze mit Füße» tritt. Lelgien. Eine Aktion der belgischen Partei für die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit. Brüssel. 26. Februar.(Eig. Ber.) Bekanntlich hat seinerzeit die belgische Kammer das Gesetz über die Regelung der Arbeitszeit im Bergbau beraten und votiert; durch die damalige Demissionierung der Regierung ist jedoch daS Gesetz annulliert worden und das Parlament erlebt gegenwärtig eine sehr ausgedehnte Neuauflage der alten Reden, die diesmal noch weniger Deputierte in den Bcratungssaal ziehen, als sonst. Allgemein ist dabei, zumal für daS Prinzip eine Majorität vorhanden ist, der Wunsch, mit der allgemeinen Debatte rascheste»? zu enden und jene Punkte durchzuberaten, zu denen Amendements vorliegen. In Erwägung dieser Umstände geht auch die Parteimeinmig auf eine Beschleunigung der Beratung und Votierung, vorwiegend auch aus dem Grunde, um im Anschluß an daS Gesetz über die Regelung der Arbeitszeit im Bergbau eine solche für» die anderen Industrien herbeizuführen, wofür bereit? zwei Entwürfe, der des Genossen Bertrand und der des Ministers Hclleputte vorliegcw Mittwoch hat die parlamentarische Gruppe der Partei mit einer auS der G e w e r k s ch a f t S k o m m i s f i o n gewähllcn Delegation eine Beratung zu dem Zwecke abgehalten, um eine wirksame Aktion für die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit in allen Industrien herbeizuführen. Der parlamcntarischcn Gruppe lag eine Adresse der EelverkschastSkonmiission vor, worin die Meinung ausgesprochen wird, daß eine allzuivcite AnSdöhnung der Debatte über das Berggesetz eine wahrscheinliche HinauSschicbung der Beratung über das Prinzip der gesetzlichen Rcgeluchz der Arbeitszeit in den anderen Industrien bis ins nächste Jahr hinein bedeute. Da aber allen- falls ein solches Gesetz auf Widerstand in der Kammer stoßen wird, ist eine eifrige Vorarbeit vonnöten und die parlamen- tarische Gruppe mit Material zu versehen. ES werden daher an die angeschlossenen Gewerkschaften Fragebogen ausgesendet werden, um Auskünfte über die Dauer der Arbeitszeit, Mißbräuche ustv. zu er- langen. Ferner wird die Kommission in den großen Industrie- städten, in Brüssel, Gent, Antwerpen, Lüttich, Charleroi, Huy, MonS, Namur, Verviers usw., Meetings veranlassen, wo die Vertreter der großen Industrie- gruppen daS Problem der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit besprechen werden. Die entsprechenden Petitionen werden dann der Kammer zugehen. In der Diskussion stellte Vandervelde daS Einverständnis der parlamentarischen Gruppe mit der GewerkschaftLkommission in dieser Frage fest. Die Beratung ergab außerdem den Bcscbluß, von der Kammer den Schluß der Generaldebatte über das Berggesetz noch für diese Woche zu verlangen, damit alsdann die Beratung der verschiedenen Projekte über die Regelung der Arbeitszeit in den anderen Industrien in Angriff genommen werde. Die Versammlung faßte dann noch etliche Beschlüsse über die JnSwcrksetzung der Arbeiten und wählte auch die parlamentarischen Berichterstatter für die verschiedenen Industrien._ CUrhei. Gegen die Offizierspolitik. Konstantinopel, 28. Februar. Das Amtsblatt veröffentlicht einen Zirkularbefehl des Kriegsministers an alle Kommando- bebörden, in dem der Minister auf die von Offizieren seit Her- stellimg der Verfassung beobachtete Haltung aufmerksam macht, ivelche die Disziplin und die Ordnung kompromittiere. Der Befehl verbietet die Zugchörigkcil zu Vereinen, welche offiziell nicht anerkannt sin? mit Ausnahme von MiliiärüubS und Kasinos, ferner die Vefchäftigung mit Politik, die Ver- folgung politischer Ziele, die Teilnahme an Versammlungen, öffentliche Reden, die Veröffentlichnng von Artikeln in Zeitungen über dienstliche Angelegenheiten, reglementswidrige Handlungen und den Besuch von Konzerten und Thcateranssührungen durch Militär- schüler. perRcn. Die Berfassitngskampfe. Nach einer Meldung der„Agence HavaS" aus Konstantin opel hat das dortige persische reoolutionäre Komitee dein persischen Botschafter schriftlich mitgeteilt, das; es ablehne, mit ihm in Verhandlungen§u treten: der Schah müsse mit den Revo- lutionaren in Täbris direkt unterhandeln. Die Kämpfe der letzten Tage sind für die Revolutionäre durch- aus siegreich gewesen. Der Schah setzt feine letzte Hoffnung auf ein bewaffnetes Einschreiten Rußlands, zu dem die panslawistische Presse unausgesetzt auffordert. parlamcntarifcbeö* Aus der Budgetkommission des Reichstags. (Lb. Sitzung, 1. März.) Die Beratung wird bei dem Titel Materialien und Arbeiten zur Unterhaltung der Telegraphen- linien fortgesetzt. Bereits in der Sonnabendsitzung war ge- wünscht worden, dah die Reichspostverwaltung den Mitgliedern der Kommission den Inhalt der Lieferungsverträge mitteilt. Das hatte der Staatssekretär mit der Begründung abgelehnt, daß er dazu ohne Zustimmung des anderen Teiles nicht berechtigt sei. Auf diese Erklärung kam der Abgeordnete Erzberger heute zurück und verlangte die Vorlegung dieser Verträge, auf welche die Kommission nach dieser Weigerung erst recht bestehen müffe. Auch liege das sehr im Interesse der Postverwattung, damit nicht die Meinung aufkommen könne, als handele es sich um eine Art Tip- Pclskirchvertrag. Nachdem noch andere Redner sich im gleichen Sinne ausgesprochen hatten, wurde beschloffen» diese beiden Posi- tionen vorläufig auszusetzen. Zur Bewachung der Telegraphenlinien sind 460 000 M. angesetzt. Auf Antrag Singer wird der Posten um die Hälfte ge- kürzt; gänzlich gestrichen wird die Mehrforderung von ISO 000 M. bei dem Posten„sachliche und vermischte Ausgaben". Unter diesem Posten ist eine indirekte Unterstützung der Schutzgebiete enthalten, denn es sollen hieraus bei Beurlaubung des Familrenhauptes den sie begleitenden Familienangehörigen Reisebeihilfen gewährt werden, wie das bei den Gouvernementsbeamten heute schon der Fall ist. Vom Titel„Schreibgebühren, Feuerung. Gerätschaften, Druck- fachen", in Höhe von 24 790 000 M. wird eine Millwn abgestrichen und allgemein der Wunsch geäußert, daß dieser hohe Posten in mehrere einzelne Posten zerlegt werden solle.(Für Druck- fachen sind allein 8S73S22 M. ausgegeben worden.) Abg. Sin- g e r regt an, die Reichspost möge bei diesem Bedarf eine eigene Druckerei errichten, Ivas zu einer wesentlichen Verbilligung führen würde. Gleichzeitig wurde Auskunst verlangt, über die Verteilung der von der Reichspost vergebenen Druckaufträge, worauf ein Re- gierungsvertretcr mitteilte, daß hieran 12 Druckereien beteiligt seien. Desgleichen wurde Auskunft darüber verlangt, in welcher Weise die Postämter beim Ankauf von Fahrrädern, Schreib- Maschinen und bei Bestellung von Briefkästen verfahren. Die Antwort lautete: Die Vergebung erfolge im Wege öffentlichen Aus- schreibens; nähere Angaben sollen der Kommission demnächst ge- macht werden. Beim Titel: Vergütung an auswärtige Postbe- 5örden, Eisenbahn- und Schiffsgesellschaften ommt zur Sprache, daß die Reichspost für das Kilogramm Briefe den transatlantischen deutschen Schiffahrtsgesellschaften b Franks bezahlt, während dafür nach dem Weltpostvertrag nur 4 Franks zu zahlen sind.— Tatsächlich zahlen auch die Amerikaner nicht mehr, so daß wir für dasselbe Quantum Briefe von Deutschland nach Amerika 25 Proz. mehr zahlen müssen, als die Amerikaner für ihre gleich schwere Sendungen nach Deutschland an dieselbe deutsche Gesellschaft bezahlen! Es wurde von einer Seile gewünscht, daß die Regierung ernstlich versuchen solle, diese Benachteiligung Deutschlands öurcki deutsche Gesellschaften aufzuheben und es eventuell auf einen Kampf ankommen zu lassen, indem sie vorübergehend ihre Postsendungen via Antwerpen oder Havre expediere. Staatssekretär Kraetke machte keinerlei Zusagen; er schien es ganz in der Ordnung zu finden. daß wir beispielsweise dem Lloyd mehr bezahlen, gerade weil es eine deutsche Gesellschaft ist. Der außerordentliche Etat wurde bis auf den Posten für Fcrnsprechzwecke, welcher mit 45 000 000 M. eingestellt ist, glatt erledigt. Nur für den Neubau eines Postgebäudes in Herne i. W. wurden von den veranschlagten 455 000 M. 30 000 M. gestrichen. Nächste Sitzung: DienLtag. Fortsetzung der Beratung des Postetats., Deutsches Reich, Christlicher Terrorismus. In Neumarkt i. O. hat die Firma Dreichlinger mehrere christlich organisierte Arbeiter entlassen, nachdem diese Christlichen andere Arbeiter unter Androhung von Mißhandlungen zum Beitritt zum christlichen Verband zwingen wollten. Unter diesen christlichen Terroristen befindet sich einer, der demnächst auf einige Monate das Gefängnis beziehen muß, weil er seinen l e i b l i ch e n Bruder mit dem Messer mißhandelt hat. Die Arbeitslosenzählnngslegende. so berichtet man uns aus Halle a. S., wird dem Magistrat noch manche trübe Stunde be- reiten. Bei der Würdigung des Polizeimaterials hat man festgestellt, daß gelegentlich einer amtlichen Personenstands- aufnähme im Oktober v. I. noch mehr Arbeitslose gezählt worden sind als im Januar d. I. durch das Gewerkschafts- kartell. Dadurch fällt die den Zählern des Kartells angedichtete Uebertreibung in sich selbst zusammen. Der Magistrat wird itz�n in der nächsten Stadtverordnetensitzung- von unseren Genossen dahingehend interpelliert worden, auf welche Weise der Schmähartikel gegen die Arbeitslosen in das Amtsblatt gekommen ist. Inzwischen hat man hier schon wieder eine neue„soziale" Tat vollbracht. Der Finanzausschuß des Stadtverordneten-Kollegiums bewilligte zum Empfange einiger englischen Geistlichen, die hier einige Stiftungen besichtigen wollen, 3000 M.— Für die Zählung der Arbeitslosen 300 M. und für einige englische Geistliche 3000 M. — Und dann sind die begehrlichen Arbeiter immer noch nicht zuftieden._ Bom Kohlenarbeiterstreik in Kiel. Mitten in der Zeit der größten Arbeitslosigkeit haben, wie schon kurz berichtet wurde, die Kieler Kohlenimporteure die Arbeiter in den Streik getrieben. Die Kohlenhandelsgesellschaft, die Organisation der Importeure am Platze, die ausschließlich gegründet worden ist, um den Preis der Kohlen möglichst hoch zu halten. und die das auch bisher gründlich besorgt hat, will ihren Profit noch durch bedeutende Abzüge am Lohne der Arbeiter machen, und dazu ist ihr die Zeit der große» Arbeitslosigkeit gerade recht. Weil sie in Kiel keine Arbeitswilligen auftreiben konnten. haben sie sich durch die bekannte Streikbrecherfirma F. A. W. Müller in Wandsbeck solche aus Hamburg kominen lassen. Aus den Herbergen, den Asylen und der Landstraße zusammengesuchte Lumpenproletarier, schlecht genährt und schlecht gekleidet, für die schwere Arbeit nicht geeignet, aber als Rausreißer für die Kohlen- protzen im Augenblick gut genug. In Hamburg wurden die Streik- brecher auf der Hüttenwache, dem städtischen Arrestlokal, die Nacht vor der Abreise einquartiert, am anderen Morgen nach den Passagier- hallen der Hainburg- Amerika- Linie gebracht, hier auf den Dampfer„Virgo" verladen und nach Kiel transportiert. Der Dampfer„Virgo" dient hier in Kiel als Streikbrecherschiff, wo die nützlichen Elemente essen und schlafen, um ja nicht mit den Streikenden in Berührung zu kommen. Im Hafen liegen augenblicklich die Dampfer„Normo" und„Albert Zelck", auf denen die Streikbrecher mit Löschen der Kohlen be- schäftigt sind. Die Polizei ist natürlich eifrig für das Unternehmerinteresse tätig. Eine ganze Schntzmannsabteilung ist im Hafen aufgestellt, die ängstlich darüber wacht, daß kein Un- berufener die Kais betritt. Bis jetzt ist es den Streikenden gelungen, von 138 eingetroffenen Arbeitswilligen 39 abzuschieben. Wie unverschämt das Vorgehen der Kohlenprotzen, die Löhne der Arbeiter herunterzudrücken, ist, geht aus der Preisdifferenz der Kohlen im Groß- und Kleinhandel hervor. Frei Kiel kosten beste schottische Kohlen im Großhandel die Tonne 14 M. oder 100 Kilogramm 1,40 bis 1,50 M. Im Kleinhandel kosten 100 Kilo- gramm 2,70 M. Da die Kleinhändler fast ausschließlich in der Macht der Kohlenimporteure sind, diktieren ihnen natürlich diese die Preise und man kann daran ermessen, daß der riesigste Anteil der Preis- differenz im Groß- und Kleinhandel den Importeuren zufällt. Der Hungerkampf der EulengevirgSweber. Den Webern und Weberinnen der Firma: Vereinigte Bunt- Weberei, vormals B. Neugcbauer Söhne und Carl Post- p i s ch i l in Langenbielau ist ein Kampf aufgedrängt worden, der von der gesamten Arbeiterschaft dieses Betriebes mit seltener Energie und Opferfreudigkeit durchgeführt wird. Es streiken zur- zeit 312 Weber und Weberinnen. Die Hilfsarbeiter, wie Spuler, Scherer und Andreherinnen müssen feiern, da keine Arbeit für sie im Betriebe vorhanden ist. Die Kündigungsfrist der letzteren läuft am Sonnabend, den 6. März 1909, ab. Dann stehen rund 600 Ar- beiier im Kampfe. Und warum das alles? Weil eine Anzahl Fa. milien der besitzenden Klasse glauben, ihre Lebenshaltung trotz der Krise standesgemäß fortsetzen zu müssen. Dagegen haben zwar die Arbeiter nichts einzuwenden, aber es darf nicht auf Kosten einer ausgehungerten Arbeiterschaft geschehen. Zu diesem Be- triebe haben sich 10 Familien zusammengetan, mit einem Stamm- kapital von 1 Million Mark. Aus den 600 Arbeitern wollen sie nun ein erkleckliches Sümmchen hevauswirtschaften, damit„Sie" keine„Not" leiden brauchen. An Kapital haben eingebracht: Gustav Postpischil: 40 000 M., Reinhold Postpischil: 40 000 M., Bruno Postpischil: 37 000 M.. Karl Postpischil: 40 000 M.. Joseph Fröhlich: 43 000 M., Witwe Anna Neugebauer: 248 000 M., Alfons Neugebauer: 133 000 M., Bernhard N e u- gebauer 133 000 M., Elionore Fischer geb. Neugebauer: 143 000 M., Herbert Neugebauer 143 000 M. Selbstverständlich wird auch der Gewinn der eingezahlten Summe entsprechend verteilt. Nun wollen die Postpischilschen Familien doch auch nicht zu kurz kommen, und es ist speziell Herr Gustav Postpischil mit nur 40 000 M. Ein- lajje, der den Hungertarif durchdrücken will. Zu diesen 10 Pa- trizierfamilien gesellen sich neben den anderen gutbezahlten Be- amten noch zwei Direktoren. Es sind dies Herr Betriebsdirektor Koch mit 14 000 M. JahreSgehalt und Herr Kontordirektor Lange mit 12 000 M. Jahresgehalt. Das alles muß von diesen wenigen Arbeitern herausgeholt werden. Die Weber haben sich im Jahre 1903 zirka% Jahr bei �tügiger Arbeitszeit durchgehungert, in der. Hoffnung, daß eine baldige Besserung eintreten werde. 1500 Arbeiter und Arbeiterinnen der Textilindustrie verließen im Jahre 1908 Langenbielau, um in einem anderen„Vaterlande" eine bessere Heimat zu suchen. Zum Neujahr 1909 wurde wieder volle Ar- beitszeit eingeführt. Alles atmete auf. Hatten doch oft Mann und Frau zusammen nicht mehr als 7— 10 M. in der schweren Zeit der Krise verdient. Da kam die Fusion Neugebauer- P o st p i s ch i I zustande, deren erste Tat der sogenannte Koch- tarif(nach Direktor Koch genannt) war. Dieser neue Tarif brachte Lohnabzüge von 15—30 Proz. Durch Verhandlungen wurden einige Verbesserungen erreicht. Immerhin beträgt der Lohnabzug noch 1— 3 M. pro Woche. Wo die Frauen mit auf Arbeit gehen müssen, werden für zwei Kinder 0— 7 M. als Pflegegeld bezahlt. Durch schlechtes Schutz- und Kettenmaterial wird der Verdienst der Weber noch ganz erheb- lich verschlechtert. In 20 Jahren hat die Firma 14 Direktoren ver- braucht. Jeder neue Direktor brachte neue Ansichten, neue Einrich- tungen mit. Besser wurde es aber nicht. Am 15. Februar 1909 traten nun, da die Firma weitere Zugeständnisse nicht machte, die Weber und Weberinnen in den Ausstand. Bis auf eine Weberin haben sich alle, auch die Unorganisierten, die Aufseherfrauen und sogar die Mitglieder der katholischen Fachabteilung dem Streike angeschlossen. Eine Einmütigkeit, wie sie noch nie zu verzeichnen war. Trotz der Hundekälte stehen täglich 144 Personen je eine Stunde Streikposten. Die Geschäftsleute in der jftähe der Fabrik unterstützen die Streikposten mit warmem Kaffe' Gebäck, Wurst. Wurstbrühe, warmem und kaltem Korn, Zigarren usw. Gleich nach 'Beginn des Streikes bezog eine Abteilung Polizeibeamte in einer Stärke von 4— 5 Mann die leerstehende alte Schule neben der Fabrik. Diese Leute haben aber nichts zu tun. Nur die Füße frieren ihnen beim Patrouillieren. Kaum hatte sich das Fabriktor am 15. v. M. hinter den Strei- kenden geschlossen, wurde den Webern, die eine Fabrikwohnung inne hatten, diese Wohnung gekündigt. Am anderen Tage erschien am Fabriktor folgender Anschlag: Bekanntmachung. Die Weber und Weberinnen, die am 15. d. M. die Arbeit ohne Kündigung verlassen haben, können sich am Donnerstag, den 18. d. M. ihren rückständigen Lohn, die Jnvalidenkarten und ihre Entlassungen holen. Langenbielau, den 10. Februar 1909. Unterschrift. Alle diese Schreckschüsse haben bei der Arbeiterschaft nicht ver- fangen. Es wurde auch dem Arbeiterausschuß bei der Perhandlung gesagt, daß die Arbeiter Kontraktbruch begangen hätten. Hier liegt jedoch Kontvaktbruch nicht vor. Die Arbeiterschaft hatte den neuen Lohnarif einstimmig abgelehnt und die Arbeit nur solange fortgesetzt, wie der alte Lohntarif in Kraft war. Unter dem neuen Tarif hat überhaupt noch kein Arbeitsverhältnis bestanden. Die Firma sucht sich in der Oeffentlichkeit rein zu waschen durch fol« geude Notiz, die sie in die„Schlesische Zeitung" aneiert hat: Weberaus st and in Langenbielau.„Fast all« Weber der Vereinigten Buntweberei von B. Neugebauer Söbne und Karl Postpischil sind heute gegen 11 Uhr in den Ausstand getreten, obwohl ihnen auf den neu einzuführenden, orts- üblichen Reichenbacher Lohntarif eine erhebliche Aufbesserung zugebilligt worden war." Man kriegt es fertig, aus horrenden Lohnabzügen erheb- liche Aufbesserungen zu machen. Es ist unerhört, wie auf diese Weise die öffentliche Meinung zu Ungunsten der armen darbenden Arbeiterschaft beeinflußt werden soll. Der Reichenbacher Tarif ist weder in Langenbielau„orts- üblich" noch ist er in einer Fabrik außerhalb Reichenbachs in Kraft. Der Reichenbacher Tarif enthält den sehr wichtigen Passus: „Wo bisher höhere Löhne gezahlt wurden, als der Tarif vor- sieht, bleiben dieselben bestehen." Wenn die„Vereinigte Buntweberei" diesen Zusatz ebenfalls in ihren Tarif aufnehmen würde, könnte eine Verständigung her» beigeführt werden. Inzwischen haben nun sämtliche Hilfsarbeiter, wie Spuler, Scherer, Andreher, sowie das Personal der Färberei und Appretur zum Austritt am 0. März 1909 gekündigt bekommen, wodurch die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten sich auf 600 erhöhen wird. Die Verhandlungen, welche Herr Gewerberat T ö p e r t- Reichenbach veranlaßt hatte, sind wegen der ablehnen- Den Haltung der Firma ergebnislos verlaufen. Die Weber wollen ihren alten Lohntarif hochhalten, sie sind hoffnungsfroh und er- warten von auswärts nichts als strengste Solidariät. Das Langem» bielauer Gewerkschaftskartell hat bereits 800 M. zu außerordent- lichen Unterstützuugszwecken flüssig gemacht, und wird außerdem noch eine freiwillige Sammlung vornehmen lassen. Binnen kurzem wird der Betrieb ganz stillstehen, wenn sich die Firma nicht noch eines Besseren besinnt. Die Begeisterung, mit der dieser Kampf, der im wahren Sinne des Wortes einverzweifelterHungerkampfist, begonnen hat, hat hoffentlich für die Arbeiterschaft den gewünschten Erfolg. Letzte INacbncbtcn und Dcpefchcn, Bülows Dank. Berlin, 1. März. Heute abend fand beim Reichskanzler ein Mahl zu 50 Gedecken statt, zu dem die Minister v. Belhmann- Hollweg, Freiherr v. Rheinbaben. Delbrück. Beseler, v. Breitenbach. v. Arnim, v. Moltie, Sydow und die drei Präsidenten des Bbgcord- netenhanfes, der Borsitzeade und die Mitglieder der verstärkten Budget- kommisfion, die Borfitzcnden aller Fraktionen und Mitglieder aller Parteien dieses Hauses Einladungen erhalten hatten. Während des Mahles erhob sich der Reichskanzler und richtete an die Anwesenden etwa folgende Worte: Meine Herren I Ich habe den lebhaften Wunsch gehabt, mit den Herren Ressortministern und ihren Mitarbeitern daS Präsidium des Abgeordnetenhauses, die Herren Fraktionsvorsitzenden. den Vorsitzenden und die Mtglieder der ver- stärkten Budgettommission des Abgeordnetenhauses bei mir zu begrüßen. Ich wollte Ihnen auch meinerseits in diesem historischen Räume den Dank und die Anerkennung der königlichen Staatsregierung aussprechen für die Arbeit, die sie in den letzten Monaten mit Hingebung geleistet haben. Als die StaatSregierung dem Landtage der Monarchie die Besoldungsord- nung und die Vorlagen zur Regelung der Deckungsfrage vorlegte, war sie sich wohl bewußt, daß sie an die Arbeitskraft, den Gemein- (in» und die Sachkenntnis der Parlamente starke Anforderungen tellen mußte. Sie haben das Lertrauen der StaatSregierung und des Landes gerechtfertigt. Dafür gebührt Ihnen aufrichtiger Dank. Dieser Dank gebührt in erster Linie der verstärkten Budgetkom- Mission, die mit ihrem bewährten Vorsitzenden, Freiherrn v. Erffa, treffliches geleistet hat. Der Dank gebührt auch dem Hause, das einmütig die großen Gesichtspunkte vorangestellt und das Trennende zurückgestellt hat. Dadurch ist ein schönes Beispiel gegeben, von dem ich hoffe, daß es zum Wohle des Vaterlandes in allen großen, Fragen Nachahmung finden möge. Ich begrüße Sie herzlich und leere mein Glas auf das Wohl der Herren Präsidenten, der Herren Fraktionsvorsitzenden und der Herren Mitglieder der verstärkten Budgetkommission des Abgeordnetenhauses, Wahl rineS Sozialisten. Paris, 1. März.(W. T. B.) Im Departement Finisterre wurde anstelle deS verstorbenen republikanischen Deputierten de Kerjegu der sozialistische radikale Rourder gewählt. vnterschlagnngeu bei der Eisenbahn. Ludwigshafen, 1. März.(B. H.) Gestern wurden durch die jetzige kgl. EisenbahndirektionS-Hauptkaffe. LudwigShafen, große Unter- schlagungen und Bücherfälschungen zum Nachteil der früheren Pfälzischen Eisenbahnen entdeckt. Die unterschlagene Summe beläuft sich auf etwa 85 000 M. Einer von den an den Unterschlagungen beteiligten Beamten namens Sebastian hat sich heute ftüh vergiftet. Er war 36 Jahre bei der Eisenbahndirektton bedienstet. Der Trieper Eilzug unter einer Schneelawinr. Graz i. Steiermark, 1. März.(B. H.) Gestern wurde der Triester Eilzug bei Maria Elend in Kärnten von einer Lawine ver- schüttet und konnte erst nach sechs Stunden ausgeschaufelt werden. Zwischen Rosenbach und Faak ist der Berkehr unterbrochen. Der Schnee. Halberpadt, 1. März.(B. H.) Im ganzen Harz herrscht starke» Schneefall, der Schnee hatte teilweise rrne Höhe von einem Metee erreicht._ GewerhfchaftUcbc� Nochmals Hyänen des Schlachtfeldes. . Ein Mitglied des Töpferverbandes schreibt uns zu diesem in unserer letzten Sonntagsnummer angeschnittenen Thema: „Das Verhalten der sogenannten Anarcho-Syndikalisten in der Pankower Parteistreitsache ist für den. der das Ge- baren und die Taktik auf jener Seite schon seit Jahren zu beobachten Gelegenheit hatte, nichts Neues mehr. In der deutschen Töpferbewegung— und nicht nur in dieser— wird diese auf Zerstörung gerichtete Tätigkeit schon seit Jahren kultiviert. Ueberall, wo irgendwelcher taktischer Niiahnahmen des Gesamtverbandes wegen sich bisher eine gewisse Opposition geltend machte, und vor allem ist dies wohl stets und in allen Verbänden nach Verband�tags- b e s ch l ü s s e n der Fall, da erschienen auch die„unentwegten" Anarcho-Syndikalisten auf dem Plan, indem sie aus ihrer Berliner Sudelküche die opponierenden Verbandsfilialen mit ihren Flugblättern„beglückten". Sogar in den Zeiten dieser fürchterlichen Krisis, die besonders auch im Baugewerbe ver- Heerend wirkt, hielten es diese Marodeure für angebracht. unsere gesamten Verbandsfilialen mit Flugblättern zu über- schütten, worin selbstverständlich auf die mehr und mehr ein- reißende„Versumpfung" in der Partei sowohl wie den Zen- tralverbänden hingewiesen und zum Beitritt zum allein selig- machenden anarcho-syndikalistischen Glauben aufgefordert wurde. Also ausgerechnet in einer Zeit der bittersten Wirt- schaftlichen Krisis, die gebieterischer denn je den festen Zu- sammenhalt der Arbeiter erfordert, da erachten es diese pro- fessionierten Zersplitterer der Arbeiterbewegung fiir not- wendig, die angesichts der trostlosen wirtschaftlichen Zustände teilweise eingerissene Unzufriedenheit zu benutzen und in die Arbeiterbewegung wenn möglich einen Keil zu treiben! Ihre Werbungen bringen sie auch nie bei Unorganisierten an, ihre Tätigkeit erschöpft sich lediglich darin, Bestehendes auseinanderzureißen und damit die Arbeiterbewegung zu schwächen.— Allerdings war bisher das Resultat der ge- samten Zersplitterungsversuche in der Töpferbewegung gleich Null. Die anarcho-syndikalistische Bewegung geht den Krebs- gang„unbeirrt" weiter. Auch der neuerlich ni Pankow unter- nommene Galvanisierungsversuch wird daran nichts ändern." Berantw. Redakt.: CariWrrmuth» Berlin-Rixdorf. Inserate verantw.; LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u. VerlaaSanftall PaulSinger& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsbl |t. 51. 26. Iahtgmg. 1. SkilM ks Lmäris" Sttliutt Polklilatt. Diettstllg. 2. Marz 1909. Reichstag iarz. 316. Sitzung vom Montag, den 1. nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratstische: Dernburg. Die Beratung des Etats der Schutzgebiete(mit Aus- nähme von Kiautschou) und des Reichstolonialamtes wird fortgesetzt. Abg. Werner iAntis.): Wir freuen uns, daß der Staatssekretär nicht am grünen Tisch geblieben, sondern selbst nach Afrika gegangen ist, um die Verhältnisse an Ort und Stelle kennen zu lernen; Potemkinsche Dörfer wird er sich dort nicht haben zeigen lassen. Eine vernünftige Kolonialpolitik wird zunächst den Kolonien, dann auch dem Mutterlande zugute kommen.(Bravo I bei den Anti- fcmiten.) Abg. Ablaß(freis. Vp.): Der schon in der Budgetkommission erwähnte Fall des Distriktschefs Nabe gibt mir Veranlassung, die Frage auszuwerfen, inwieweit denn überhaupt die mit der überaus wichtigen Rechtsprechung in den Kolonien beauftragten Beamten wirklich richterliche Funktionen ausüben. Diese Rechtsprechung wird nicht von einem einzigen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend etatsmäßig angestellten Richter ausgeübt, sondern von Hilfs- r i ch t e r n, die nur widerruflich angestellt sind und jederzeit abberufen werden können I Herr Rabe hat durch alle Instanzen bis zum Reichskanzler hinauf keine Aufklärung darüber erhalten können. ob das Verfahren gegen ihn überhaupt ordnungsmäßig oder unter Außerachtlassung des gesetzlichen Weges eingeleitet sei; man ver- schanzte sich dahinter, daß man in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen könne, und umging so die Beantwortung der eigentlichen Frage. Nun stellte die„Frankfurter Zeitung" die Rechtslage in einem ausgezeichneten juristischen Artikel dar. Darauf hat der Staatssekretär in der Budgetkommission erklärt, der Reichskanzler sei ermächtigt, seine Befugnis zur Anstellung richterlicher Beamten auf ihn zu delegieren, und er habe sie weiter delegieren können I Zunächst seien die amtlichen Akte der_ Beamten, welche mit der richterlichen Tätigkeit beauftragt seien, zu respektieren. Das ist gerade so,� wie wenn man Amtshandlungen des Hauptmanns von Köpenick so lange zu respektieren hätte, bis rechtskräftig festgestellt wäre, daß er ein Recht zum Tragen der Uniform nicht hatte.(Heiterkeit) Sind die Richter nicht ordnungs- mäßig angestellt, so darf keine Reichsbehörde ihm Akte, zumal auf dem schwierigen Gebiete der Strafjustiz respektieren. Mit einer ge- ordneten Rechtspflege hat ein solches Verfahren nichts zu tun. Die erste Voraussetzung einer solchen ist, daß die richterlichen Beamten ordnungs- mäßig bernscn werden. Ich bitte den Staatssekretär, diese Frage noch einmal zu prüfen und dafür zu sorgen, daß das ganze richter- liche Verfahren in den Kolonien einwandfrei eingerichtet wird. (Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Gans Edler zu Putlitz(I.); Wir sind dem Staatssekretär dankbar, wenn er in den Kolonien auf Ausgleichung der Gegensätze wirkt. Es geht aber nicht, die 25 Aufstände unter dem früheren Gouvernement auf das Konto des früheren Systems zu setzen. Bei aller Anerkennung der jetzigen Fortschritte dürfen wir doch nicht ungerecht gegen die koloniale Vergangenheit sein.(Beifall rechts.» Abg. Noske(Soz.): Wie auf so vielen anderen Gebieten wird auch auf dem kolonial- politischen die Richtigkeit der von der Sozialdemokratie vertretenen Ansichten erwiesen. Auch in die Kolonialpolitik wird der Sozialismus eindringen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Die Anzeichen für diesen Umschwung sind schon vorhandon. Es ist unfraglich, daß das neue System von der von unserer Seile geüblen Kritik Gebrauch gemacht hat. Selbstredend ist von einem radikalen Wechsel keine Rede, aber es sind Symptome der Besserung vorhanden, die auch wir gern begrüßen, wenn es auch noch keineswegs an bösen Schattenseiten fehlt. Bezeichnend ist das Schwinden der hurrapatnotrschen Kolonial- bcgeisterung, mit der man vor zwei Jahren in den Wahlkampf zog. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der einzige Optimist in der diesjährigen Debatte war der Kollege Arning. Der Optimismus kleines Feuilleton. Lola Montcz über ihren König. Im Pariser„TemPS" wird ein bisher unbekannt gebliebener Brief veröffenlllcht. den Lola Montez im ersten Jahre ihres Münchener Aufenthalts an einen Pariser Freund geschrieben hat. Das Schreiben ist an Pierangelo Fiorentino, einen Pariser Theairrkritiker. gerichtet, der als Mitarbeiter Dumas' beim Grasen von Monte Cristo bekannt ist. Es trägt das Dalum München, b. Dezember 1846; nach einigen Komplimenten für den Theaterkritiker verlangt Lola Nachrichten von Paris und fährt fort:„Sie haben gewiß Von meinem glücklichen Schicksal gehört. Was jetzt eingetroffen ist, habe ich stets geträumt. Als„Fahrende Dame", lieber Fiorentino. habe ich Paris im Juni verlassen und heute stehe ich davor, den Titel Gräfin zu empfangen. Ich habe ein schönes Besitztum. Pferde. Diener, kurz alles, was eine llliutroess en Titre eines Königs verlangen kann. Die vornehincn Damen verfolgen mich mit Gunstbezeugungen, ich gehe überall hin, ganz München antichambriert bei mir, Minister. Generäle, vornehme Damen, und ich erkenne mich als Lola Montez karim wieder. Der König liebt mich leidenschaftlich; er hat mir eine lebenslängliche Rente von 50 000 Fr. ausgesetzt und schon mehr als 300 000 Fr. für mein Besitztum ausgegeben, usw. usw. Ich mache hier alles Der König bezeugt mir öffentlich seine große Liebe. Er geht mit mir spazieren, er geht mit mir aus. Jede Woche habe ich große Soiree mit Minister» usw. usw.. zu der er kommt und mich mit Gunstbezeugungen überhäuft. Ich weiß, lieber Fiorentino. daß Sie mir immer wohlgesinnt waren, und daß diese Nachricht Sie er- freut. Deshalb schreibe ich Ihnen, denn wenn auch von allem Ruhm und allen Ehren umringt und von den ehrgeizigsten Hoffnungen erfüllt, träume und denke ich doch oft an Paris. Liebes Paris I Das wahre Glück liegt wirklich nicht in der Größe. Es gibt da zuviel Neider, zuviel Intrigen. Man ist gezwungen, immer die große Dame zu sein, jedem gegenüber die Worte abzuwägen. Ach, -nein fröhliches Leben in Paris I Aber mein Entschluß ist gefaßt. Ich werde diese Sphäre nicht verlassen, wo ich wie durch ein Wunder erhöht worden bin. Der König fühlt für mich eine wahre leidenschaftliche Liebe. Er hat vorher niemals Geliebte besessen. Aber mein Charakter hat ihm gefallen. Er ist ein Mensch von außer- ordentlichem Talent. Ein wahres Genie und einer der elegantesten Dichter, die es jetzt in Europa gibt. Meine kleinste Kaprice ist ihm Pflicht, und ganz München ist konsterniert. Man weiß nicht mehr, was man sagen soll. Er liebt mich so sehr, daß alle Leute, die mir gefallen, sofort in Gunst stehen." Wenn auch manche Einzelheiten und Urterle nicht stimmen mögen(so waren z. B. Ludwigs Dichterleistungen unfreiwillig komisch), so bildet dieser Brief doch einen interessanten Beitrag zur Psychologie von Fürstengunst und Mätressenwirtschaft. lieber das radiologische Institut in Heidelberg macht der künftige Direktor Lenard in der„Deutschen Revue" eingehende Mitteilungen. Das Institut, das bereits Ostern 1900 eröffnet werden wird, ist das erste dieser Art, das wirklich in? Leben tritt, während in Wien und London solche„Radinminstitute" erst geplant find. Für Berlin ist eine solche Anstalt ebenfalls wenigstens ins Auge gefaßt. Das Institut wird zunächst in provisorischer Weise, jedoch bereits mit zirka 300 Quadratmetern Bodenfläche, im Friedrichsbau der Univer- sität eröffnet, also in demselben Gebäude wie das Physikalische Institut, damit Austausch und Ergänzung der Hilfsmittel und Zu- des Staatssekretärs hat gerade von kolonialpolitischer Seite die schärfste Kritik erfahren. Wenn er im übrigen das Kapital zu ermuntern sucht, in die Kolonien zu gehen, so soll uns das gleich sein; besser ist es, die K a p i t a l i st e n wenden ihr Geld daran, als daß die deutschen Steuerzahler herangezogen werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Alle Sanierungsversuche des Staats- sekretärs sind durchaus nicht von Erfolg begleitet gewesen: ich erinnere an die bedenkliche Zollordnung für Neuguinea. Eine finanzielle Besserung ist zu konstatieren, man darf sie aber nicht überschätzen. Vergesse man nicht, daß z. B. zu dem Reichszuschuß für die unter der Verwaltung des Staatssekretärs stehenden Kolonien der Achlinillionenzuschuß für das unter der Marineverwaltung stehende Kiautschou tritt. Verschleierungen spielen auch sonst mit; z. B. befinden sich, wie ich heute erst in der Budgetkommission erfuhr, Ausgabe» für die Kolonien im Postctat! (Bestätigender Zuruf des Abg. Er zb erger.) Wir haben alles in allen» rilien Fehlbetrag für die Kolonien von 60 Milltonc» Mark. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Lange Jahrzehnte noch werden wir daran zu knabbern haben.(Sehr wahr!) Die Ausgaben für die Koloiiiulmvalidcn erreichen in diesem Etatsjahrc schon bald fünf Millionen(Hört! hört I) und habe» wieder eine Steigerung um 700 000 Mark erfahren!(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Erst in diesem Jahre sind 541 Invaliden aus Südwestafrika zurückgekehrt. Wir verwerfen natürlich alle Ver- suche etwaiger Rentcnentziehung; da jedoch die meisten Invaliden noch junge Leute sind, so steht bei dem langen Leben, das wir ihnen wünschen, aus 30—40 Jahre Rentenzahlung an diese Invaliden in AuSfichl. Von verschiedenen Seiten hat man uns— besonders seitens des Abg. Lattmann— zu provozieren gesucht, indem man uns Wandel in der Kolonialpolitik vorwirft. Ich gebe zu. daß Kamerun und andere Gebiete nicht wertlos sind; es mag auch sein, daß die riesigen auf Südwestafrika verwandten Ausgaben schließlich eine gewisse Steigerung der Kulturfähigkeit bedeuten. Aber noch heute ist es einfach unmöglich, die Frage: Haben die deutschen Kolonien irgendwelchen Wert für die Millionen von uns verlrene» Arbeiter? im bejahenden Sinne zu beantworten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Von dem„neuen Deutschland", das in den Kolonien, speziell in Ost- und Südwestafrika erträumt wurde, ist es jetzt mäuschenstill geworden.(Sehr richtig!) Was bleibt, wenn man die Beamten und Offiziere abrechnet, an deutscher Bevölkerung in dem Südwest- affika, in welchem man erst durch Totschlagen von Tausenden von Hereros und Hottentotten Platz gemacht hat?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Selbst die größten Optimisten, wie Dr. Arning, sprechen nur noch von einer Einwandererziffer, die ein- fach bedeutungslos sein würde; denn was bedeutet eine koloniale Einwandererziffer von lli Million— selbst wenn sie erreicht wird — bei der 60 Millionenbevölkerung Deutschlands? Es ist doch be- zeichnend, daß von kleinen Leuten, die in den Kolonien in die Höhe gekommen sind, noch keine Rede gewesen ist.(Sehr wahr l) Man zeige uns die 6000 M.- Männer, die es zu etwas gebracht haben? Der Staatssekretär selbst bezeichnet ja jetzt 50— 55 000 M. als das Minimalaulagekapital I Ich wiederhole übrigens, daß es uns gleich ist, ob deutsche Kapitalisten ihr Geld an die Kolonien wenden wollen oder nicht. Man schweige uns aber vom Interesse der Arbeiter an den Kolonien.(Sehr wahr!) Von verschiedenster Seite, darunter auch vom Kollegen Erzberger. ist mein Parteifreund Eichhorn wegen seiner Ausführungen über die vielberufeuen Diamanten angegriffen worden. Die Angriffe beruhen aber aus einem Mißverständnis. In keiner Weise hat Eichhorn sich über die gefundenen Diamanten„geärgert". Ganz iin Gegenteil! Nichts wäre uns angenehmer als wenn recht viel Gold und Diamanten in den Kolonien' gefunden würden.(Heiterkeit'ind Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Damit wäre der Rcichslaffe und somit auch den deutschen Steuerzahlern, die zum großen Teil von uns ver- tretene Industriearbeiter sind, sehr gedient.(Heiterkeit und erneutes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir„ärgern" uns also keineswegs über die„gefundenen" Diamanten; wir haben nur ge- wissen bescheidenen Zweifeln darüber, ob sie wirklich gefunden sind. Ausdruck verleihen ivollen.(Sehr wahr! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Arning hat am Sonuabend auf sammenwirken des gesamten Personals zu günstigster Ausnutzung aller vorhandenen Mittel ermöglicht werden. In einer technischen Abteilung wird besonders die praktische Verwendung der Radiologie am Krankenbette erforscht werden, wozu die Professoren der medlzini- schen Fakultät Czerni und Krehl ihre Mitwirkung zugesagt haben. Dank einer Sliflung sind genügend Geldmittel vorhanden, um das Institut mit den betten Apparaten auszustatten, die gegenwärtig die Wissenschaft anzugeben und die Technik auszuführen imstande ist. Die in Kreuznach aus den Quellsedimentcn hergestellten Radium- Präparate ivcrden für die klinischen Studien dem Institut zur Ver- fügung gestellt werden. Tbeater. Lust spielhaus:„Im Klub ses se l�, Lustspiel von Karl R ö ß l e r und Ludwig Heller. Zwei Exemplare jener Menschen- art, die nicht säet noch erntet, aber dafür vom lieben Herrgott, der die Säer und Schnitter nur die kärglichste Notdurft finden läßt, aufs opulenteste versorgt wird, sind die mit zahm geduldigem aber stellen- weis ganz amüsantem Humor gezeichneten Helden des Lustspiels: die beiden Grafen Teta-Lanuatsch, Vater und Sohn. Im Vertrauen darauf, daß sich die Welt für Leute ihres Schlages auch künftighin als die beste aller möglichen erweisen werde, nehmen, sie die Ver- steigerung ihres StanunsitzeS dnrch die ungeduldigen Gläubiger in heilerer Gelassenheit auf. Eine kleine Entgleisung, die das Glück schon wieder reparieren wird. Eine schwerhörige alte Tante, die die schwarzgekleideten Auktionäre für aristokratischen Besuch hält, macht ihnen mehr zu schaffen als die Frage, waS nun werden soll. Im Notfall heiratet man eben reich. Eine junge hübsche Millionärin ist selbstverständlich gleich zur Stelle. Nur wer das Opfer seiner Junggesclleufreiheit bringen soll, Vater oder Sohn, verursacht Kopfzerbrechen, da das Fräulein unparteiisch mit gleicher Leidenschaft für beide, die ausgewachsene und die werdende Glatze, schwärmt. Die in England puritanisch erzogene Tochter des Grafen, die Plötzlich mit dem Programm angereist kommt, den Herrn Papa zu eineni ordentlichen Mitglied der Gesell- schast umzuwandeln, entdeckt nach einigem Hin und Her gleichfalls ihr Lannaifch-Herz. Die väterliche Logik, daß, wem, eS einmal Tischler, Gerber, Tapezierer usw. gibt, die die Klubsessel herstellen, es doch auch Leute geben muß. die sichs darauf bequem machen, und daß die Lannatsch just hierfür vom Schicksal auserseben sind, leuchtet ihr unwillkürlich ein. Außer durch die Heirat— der Alte geht als lniireiwilliger Sieger aus der Wahl hervor— ist durch ein paar Millionen, die die Tochter aus England mitbringt, Vorkehrung ge- troffen, daß Vater und Sobn jene tiefgründige Lebensweisheit noch weiter werden praktizieren können. Das Stück fand freundliche Aufnahm:. Die Herren Schön- f e l d und Schindler spielten das edle Paar mit einer Licbens- Würdigkeit, der man die Unwiderstehlichkeit beim Kampf um Damen- herzen gern glaubte. Sehr anmutig ivar Fräulein C e r i g i o l i im letzten Akt als Tochter, Impekoven interessierte als Barfüßler und Naturarzt dnrch eine drollig-charakteristische Maske. dt. Hmnor und Satire. Die Agrarier. Schimpft sie mir nicht! Ich mag sie leiden. Die sind so gar nicht angekränkelt, Sie sind robust und fettgeschenkelt, In jeder Hinsicht zu beneiden. die„Entwickclung unscres Handels in den Kolonien" hingewiesen, der von fast 47 Millionen Mark im Jahre 1893 auf 130 Millionen im Jahre 1907 gestiegen sei. Unsere GesamthaiidelS- ziffer im Jahre 1398 war aber 8 900 000 000 M. und im Jahre 1907 15 600 000 000 M. Was will die Steigung des Lkolonialhandels in 10 Jahren um 83 Millionen gegenüber dieser riesigen Sleignng deS Gesamthandels um 6700 Millionen bedeuten? Auch bei dein enra- giertesten Kölonialpolitiker kann gar kein Zweifel bestehen, daß die Blüte des deutschen Handels und der Industrie auch in Zukunft nicht von der Zufuhr aus den Kolonien abhängen kaun. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Exportindustrie besteht in immer mehr sich verfeinernden Jndustriepropuklen. Die wachsenden Ansprüche der Arbeiter kann sie nur befriedigen, wenn sie sich von der billigen Schundproduklion abivendet. Interessant war mir, daß Dr. Arning darauf hinwies, daß die schwarzen Schönen sich mit billigen indischen Stoffen bekleideten. Ich halte eS nicht wie er für einen Fehler, daß solche billigen Waren nicht ans Deutschland bezogen werden. Die Textilarbeiter meines Wahlkreises würden sich schön bedanken, solche billigen Schund- Produkte herzustellen. Sie müssen qualifiziertere Ware her- stellen, um gute Löhne zu erhalten.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Man legt Gewicht darauf, daß die Kolonien in steigendem Maße Rohstoffe ausführen. Auch wir verkennen nicht, daß die Arbeiterschaft daran interessiert ist, daß kein Mangel an Baumwolle, Kaulschnk und anderen Roh- stoffen eintritt. Aber es ist eine alte Beobachtung, daß mit dem wachsenden Bedarf der Anbau dieser Rohstoffe in allen Ländern der Welt zunimmt.— Herr Arning suchte uns graulich zu machen, daß für Deutschland die Zufuhr an Baumwolle abgeschnitten werden könnte. Natürlich würde das die Textilarbeiter und auch alle anderen Arbeiter sehr schwer treffen. DaS ist aber nur ein Schreckgespenst, denn überall in der Welt nimmt die Baumwoll» Produktion zu und auch der Baumwollverbrauch, wie ja Herr Arning selbst anführte, daß nur noch die Neger Baumwolle verbrauchen. Freilich wollen sich Herr Arning und seine Freunde nicht damit begnügen, den Neger zu Kultur- bedürsnissen zu erziehen, sondern daneben wünschen sie noch ausgedehnte Plantagen. Für einige riesige Spinnereien wäre ein Anbau von Baumwolle in Ostafrika gewiß vorteilhaft, sie könnten dann leichter ihre kleineren Konkurrenten überflügeln, was sie dann nicht abhalten wird, bei den Wahlen Flugblätter zu verbreiten, in denen gejammert wird, die Sozialdemokraten vernichten den Mittelstand.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn übrigens in den Kolonien im stärkeren Maße Baumwolle gebaut wird, so hat Deutschland davon noch gar keinen Vorteil; denn der Kolonialkapitalist wird sich den Teufel darum kümmern, ob gerade die deutsche Industrie seine Banniwolle kauft. Er verkauft sie genau wie es der deutsche Kapitalist mit seineM- Produkten auch tut, an jedermann, vor allem an den, der ihm ddp» meiste Geld dafür gibt.(Sehr richtig I bei den SozialdemokratetW Wir Sozialdemokraten bekennen uns als Gegner jeder. AusbeutnM- und in den Kolonien haben wir weit mehr Anlaß, der Ausbeutung entgegenzutreten, als etwa in den Zeitungen zum Ausdruck kommt. Der Staatssekretär bezeichnete am Freitag die noch vor zwei Jahren getriebene Kolonialpolitik als eine Politik� der Ausbeulung, des Zwanges, der Unterdrückung, der Vernichtm'.g. DaS ist sie aber auch heute noch, daran hat sich gar nichts ge- ändert.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Staats- sekretär versicherte, er wolle eine Politik der„Zivilisation" treiben. Wir würden nicht anstehen, ihn barin zu unterstützeo- aber kann in den Kolonien noch gar keine Rede davon sein. der Staatssekretär sich dagegen sträubt, den Sklaventrciber Plantagenbesitzer abzugeben, erfüllt unS mit Genugtuung. Arning hat am Sonnabend zwar bestritten, daß die Plantag> eine zwangsweise Zuführung von Arbeitern wünschen. Im Bericht wird aber ausdrücklich mitgeteilt, daß jeder Erwachsene bei den Europäern zu arbeiten hat, widrigenfalls er zu offen»! Arbeiten herangezogen wird.(Hört! hört! bei den Sozialdein Weiter heißt es. daß viele der Eingeborenen sich dieser Arbe entziehen suchen und daß sie deshalb mit Kettenstrafen belegt DaS rafft sich aus des Lebens Schüsiel Und nimmt sich, ohne lang zu schalten, Und will nicht erst ästhetisch kauen Und trägt die Seligkeit im Rüssel. Und was auch andre sagen mögen» So einfach ist ihr ganzes Wesen! Sie wünschen ohne Federlesen Allein zu sein an vollen Trögen. Nichts von Ideen, Jntereffen! Nichts in das Allgemeine schweifen, Nichts Unbegreifliches begreifen, Nein weiter nichts, als einfach fressen. Und steht das Futter bis zum Rande, Beginnt's wohl einem alifzustoßen So nebenbei ein Wort vom großen. Von unserm teuren Vaterlandc. (Peter Schlemihl im„Sirnplicissimas".) Notizen. — Die Maröes-Ausstellung wurde am Sonntag in der Sezession eröffnet. Der bereits vor 20 Jahren in Rom gestorbene Kniistler, der seit der Berliner Jahrklindcrl-AlissteUung größere Beachtung fand, ist hier fast mit seinem ganzen Worte vertreten. Man kann sein Werden und Streben von den ersten Schritten an bis zu dem letzten nicht zum Abschluß geführten Ringen um eincit eigenen, monumentale» Ausdruck vcrfolaen. Eine eindringlichere Betrachtung wird festzustellen haben, lvas Maröes ge- wollt und was er nicht erreicht hat, und ob seine Anregungen uns in die Zukunft zu einer großen festlichen Kunst hinzuführen vermögen, wie der Festredner Prof. Wölfflin und mach anderer meinen. — r. — Im K u n st g e w c r b e- M n s e u m gelangt vom 2. März ab eine S a m m l»l» g japanischer Klein ku« st zur Ausstellung. Sie ist ein Teil der großen Kollektion, die Konsul. Moslü während eines langen Aufenthalts in Japan zilsainniengebracht hat. Die besonders an Schwertslichblälterit. Lacknrbeiten und Holzschnitten reiche Ausstellmig gibt eine gute Vorstellung von der Höhe deS japanischen Kuiistgewerbes. — Hauptmann-Hausse. G. Hauptmanns neues Drama „G rise l da" wird am Sonnabend in, L e s s i n g- Theater die erste Aufführung erleben. Die Billetlpreise sind erhöht, so daß ein Parkettplatz 10 M. kostet. Eine Hauptmam,-Premiere scheint danach mehr als gesellschaftliches denn als literarisches Ereignis eingeschätzt zu werden, wie die großen Abende in der �önigl. Oper, die Vor- besichtigung und Weihe von Allsstellungen u. dergl. — Richard Strauß scheint an dem hysterisch-pcrversen Salome- und Eleklrastil mit seinen Maßlosigkeiten vorläufig genug zu haben(sonst würden wahrscheinlich auch die Zuhörer genug daran haben). Er beabsichtigt nach einem Text von Hoffmanusthal eine dreialtige, komische Oper, die in Wien spielen soll, zu komponieren. (Hort! hört! bei den Sozialdemokraten� Möge eine der nächsten zivilisatorischen Maßregeln des Staatssekretärs darin bestehen, diesen Arbeitszwanz zum Verschwinden zu bringen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß der Staatssekretär den Gouverneur V. Rechenberg gegen die Angriffe, die gegen seine Politik der Menschlichkeit und Sauberkeit gerichtet ivurde», gedeckt bat, billigen wir, aber die Siedelungspolitik besteht lediglich in der Äerdmngung der Eingeborenen. Die An- siedler wollen fich doch nicht aus schlechtem Lande niederlassen, sondern auf dem besten, und gerade dieses benutzen die Eingeborenen oder werden cS doch bald brauchen. Ich würde eS geradezu für ein Unglück halten, wenn Herr Arendt mit seiner Prophezeiung Recht behielte, daß in zehn Jahren in Deutschsüdostafrika 100 000 Weiße leben werden. Es leben dort 10 Millionen Neger, ein solches Land muß eben ein Negerland bleiben; selbst wenn man die Neigung dazu hätte, wäre eine so massenhafte Abschlachtung der Neger doch nicht möglich. Ostafrika wird also nur als ein Neger- bauernland eine Zukunss haben, nicht als ein Land deutscher Plantagen. Man hat hier von der Gefahr von Aufständen gesprochen. Unseres Erachtens muß die Negierung jede Neibungsmöglichkeit verhindern, und der freie Neger, der als Bauer auf seiner Scholle fitzt, wird gewiß friedlich sein.(Zustimmung b. d. Sozialdem.) Herr Schwartze hat auch auf die drohende äthiopische Gefahr hingewiesen und gemeint, daß Afrika schließlich den Negern gehören wird. Dann»väre doch die logische Folge, daß wir die Finger davon lassen, damit wir sie uns in Zukunft nicht verbrennen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir aber das nicht tun wollen, so müßte man sich doch zum mindesten klar machen, daß Millionen besitzloser Neger ein weit stärkeres Moment zur Vergrößerung der äthiopische» Gefahr sind, als Millionen freier besitzender Neger.(Lebhaftes Sehr richtig!) Auch der frühere Gouverneur der Schutztruppe in Kamerun, General Müller. ist vor kurzem in einem Vortrage in Berlin energisch für die Freiheit der Neger eingetreten. Daß die Neger kulturfähig sind, zeigen uns die amtlichen Berichte sehr deutlich. So wird aus Kamerun berichtet, daß die Eingeborenen dort große Farmen anlegen. Wozu braucht man sie also von ihrer Scholle zu vertreiben, auf der sie selbst die Stoffe erzielen, deren die Industrie bedarf? (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger wünschte eine stärkere Unterstützung der Missionare. Meines Erachten» patzt für den Kuliurzustand der Neger das Christentum nicht. Im übrigen muß aber Religion Privatsache sein. Herr Erzberger weist auf die Unterstützung deS Christentums gerade auch in, Hinblick auf die äthiopische Gefahr hin. Run. die HereroS waren Christen. Bei solchen Zusammenstößen wie dem Hereroausstande kommt eS nicht auf die Religion an. sondern hier steht Rasse gegen Rasse, hier steht der christliche Neger mit dem mobammedanislben zusammen gegen den feindlichen Ein- dringling.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Vielfach ist die Unterstützung von Missionen sogar als die Hauptaufgabe unserer Kolonialpolitik hingestellt. Da ist eS interessant, daß nach en Berichten die Fortschritte der Missionen doch nur sehr gering ?. Auch gereicht es der Missionstätigkeit nicht zu besonderem hme ivenn, wie z. B. aus Togo berichtet wird, in einem Dörfchen von ein paar Kundert Einwohner» die verschiedenen Konfessionen sich Koilurrenz machen. In Südwestafrika sollte die Verwaltung es sich angelegen sein lnsieu. das schwere Unrecht, das der einheimischen Bevölkerung zugefügt ist, wieder gut zu machen. Nach der Verurteilung der Trolhaschen AuörottungLpolitik durch den Staatssekretär kann man ja wühl für die HereroS sprechen, ohne fürchten zu müffen. wie frühen bmmtergeristen zu werden. Wir Sozialdemokraten haben ouck, früher recht gehabt: ich wünschte, der Staatssekretär würde hier die Bedingungen wiederholen, unter denen die Waffennieder- leg»»» von Simon Kopper vor sich gegangen ist. Er ist MenttW dies: glänzende Rechtfertigung unserer Haltung und der des Zentrums im Dezember 1900 dun Zentrum ,z schuldig.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokratens) Auch Friedensschluß wäre cS richtig gewesen, so zu verfahren, rgcschlagen haben. 1907 ist hter eine sozialdemokratische angenommen, wonach der Reichskanzler Anordnungen Üte, daß den Eingeborenen so viel Land zurückgegeben würde, ihren Lebensunterhalt daraus gewinnen können. Der ag. der ja Millionen und Abernnllione» für die Ansiedler Händler bewilligt hat, die das Geld meist für Fusel und Bier ben. hatte ja für die Eingeborenen nicht viel übrig. die Verwaltung müßte doch bemüht sei», die zusammen- gebrochene Bevölkerung wieder aufzurichten, und der Staatssekretär hat ja in seinem Vortrag selbst davon gesprochen, daß hierfür keine Mittel gespart werden dürften. Aber ganze 50 000 M. sind zur Hebung der Eingeborenen in den Etat eingesetzt.(Hört I hört l bei »den Sozialdemokraten.) DaS ist erklärlich, denn vor allem sollen die Ansiedler nicht geschädigt werden. Um eine Reihe von An- siedlern. die sich mit genügenden Mitteln angesiedelt haben, vor dem Bankrott zu bewahren. werden die Eingeborenen ge- zwungen, unter den unmenschlichsten Verhältnissen zu arbeiten. Dabei besteht die Gefahr, daß die HereroS zugrunde gehen, wird doch auch berichtet, daß die Frauen der HereroS nicht mehr gebären wollen, weil sie keine Sklaven zur Welt bringen wolle».(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In den MissionSberichten wird zum Teil Grauenhaftes über die Lage der Eingeborenen berichtet. So berichtet die rheinische Mission, daß auch die Kinder in der schamlosesten Weise ausgebeutet und der Schule völlig entzogen werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die „Windhuler Nachrichten" verlangen, die Distriltsbehörde solle ihre» Einfluß geltend machen, daß die Eingeborenen ihr Land verkaufen und dann bei den Weißen arbeiten; sie mögen für Vermehrung der Arbeiterbevölkerung sorgen, anstatt selbständig zu bleiben, sagt der Artikelschreiber. Ist ein brutalerer Egoismus möglich?(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Insofern ist ja eine Wendung ein- getreten, als man nicht mehr wagt, die brutale AuSbeutuugspolitik ganz offen zu predigen. Alle Redner haben hier gesagt, sie wollen dem Neger helfen. DaS ist eine sehr lobenSiverte Theorie. In der Praxis steht eS aber ganz anders aus.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Liebert sagte, 'daß keine Kolonialskandale mehr vorhanden find, und auch Herr Werner freute sich darüber. Ach, meine Herren, der Tag würde nicht ausreichen, um alle Kolonialskandale der letzten Tage zu be- sprechen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aus Kamerun wird berichtet— ich halte mich hier immer an amtliches Material -- daß die Händler förmliche Raubzüge organisieren, um den Negern ihr Eigentum zu nehmen. Der Staats- sekretär sprach von einer Heroenzeit. Wenn sie in Räubereien der Händler und Karawanen besteht, danken wir dafür.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Respekt vor dem Leben der Neger ist bei unserer Verwaltung noch s-hr gering. Wenn der Gouverneur in Kamerun so lange auf seinem Posten bleibt wie Herr v. Liebert, so werden wir nicht 25, sondern 50 Aufstände dort haben. Daß bei der Unterdrückung derselben bei den sogenannten Strafexpeditionen lotche Bestialitäten vorkommen. wie wir sie in den letzten Wochen gehört haben. begreife ich. nachdem ich das Bucb des Hauptmanns Dominick kennen gelernt habe, eines wirklichen Kenners von Kamerun. Er schildert, wie seine Träger, die sich während des Gefechts, während die Eingeborenen mit Maschinengewehren niedergeknallt wurden, feige versteckt hielten, nach dem Gefecht plündern wollten. Der deutsche Kulturträger hinderte sie daran nicht, sondern er schildert, wie er sein Lager sicherte und sagt damr wörtlich:„So konnte ich Nachmittag einen Teil der Neger loslassen."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Er schildert dann weiter, wie köstlich er sich amüsiert hat, als die mit Beute beladenen Neger sich im Lager herumtrieben, wie er mit seinem Kameraden, dem Leutnant v. Nülow. dabei das schöne Lied lang: '„Herr Gott, wie ist das Leven nett I" Weiter schildert er, wie sie sich bei dem Weitermarsch trennten mit dem Gruß: Waidmannshei!! (Hört! hört! bei den Sozialdemolratcn.) Daß deutsche Soldaten mit diesem Rufe auseinandergehen, um nicht Tiere, soiidern Menschen zur Strecke zu bringen, ist so schändlich, daß eS gar nicht auszudrücken ist.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Von der Selbstverwaltung hat man hier sehr viel gesprochen. In der Hiitlensteuer hat man den Regem große Bettäge abgenommen, die die Beamten im Interesse der Ein- geborenen verwenden sollten. Aber in der leichtfertigsten Weise ist das Geld im Interesse der Ansiedler und Beamten verwendet. In Zukunft sollen sie nicht mehr 50, sondern nur noch 25 Proz. der Hüttensteuer bekommen. Aber kein Pfennig dürste von dielen Erträgen ihnen gegeben werden.(Sehr richtig 1 bei den Sozial demokraten.) Wenn man schon zu einer Selbstverwaltung übergehen will, sollte man den Negern das Recht geben, mit zu bestimme» über die Verwendung des von ihnen aufgebrachten Geldes.(Leb hastes Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen.) Der Neger ist dazu sehr wohl imstande. Ich sage ja nicht, daß ma» ihnen gleich das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht geben soll.(Heiterkeit.) Aber mitsprechen und mitbestimmen muß er bei seinen vitalsten Angelegenheiten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraren.) Statt dessen wird er mit höheren Lasten belastet als der Weiße. Der Neger muß arbeiten, und der Weiße hat das Recht, die Aemter in der Gemeinde zu bekleiden. Für diese Art, Zivilisation zu verbreiten, danken wir.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist ein einfaches Gebot der Klugheit, den Neger nicht schlechter zu stellen, als er in> englischen Gebiet steht. Die Engländer haben ihm das Wahlrecht gegeben, nicht etwa aus Humanität— das traue ich den Engländer» nicht im geringsten zu—, aber sie tun eS in ihrem wohlverstandenen eigenen Interesse. Auch in der Justizverwaltung ist eine durchgreifende Reform nötig. Die Aeußerungen des SlaatssekretärS über die Zunahme der Strafen müssen geradezu ein Gefühl der Beschämung erwecken. Auch in der Justizpflege gilt das Leben des Schwarzen nicht viel. Ein Weißer, der drei Schwarze getötet hatte, erhielt im ganzen 2'/, Jahre Gefängnis, ein Schwarzer dagegen, der einen Weiße» tötete, wurde zum Tode verurteilt und erhielt gleich noch vier Kameraden dazu. Die Prügelstrafen zeigen, daß immer von 20 erwachsenen Männer» einer geprügelt wird!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da wundere ich mich nur, daß nicht schon längst wieder ein Aufftand ausgebrochen ist. Mit diesem Prügeln in der Rechtsprechung müßte ein Ende gemacht werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir sind noch weit davon entfernt, daß die deutsche Kolonialpolitik alö eine lediglich zivilisatorische angesehen werden kann. Wir werden auch in Zukunft darauf hin- arbeiten, daß unsere Forderungen durchgeführt werden, namentlich daß die Eingeborenen auch als Menschen behandelt werden. Unsere grundsätzliche Stellung zur Kolonialpolitik kann durch unsere Erfahrungen nicht erschüttert werden. Ausbeutung, Unlerdrückung und Ausrottung sind die Folge dieser Politik für die Eingeborenen. Wie bisher lehnen wir auch in Zukunft die Verauiwortung für eine solche Kolonialpolitik ab.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Staatssekretär Dernburg: Der Vorredner hat eine Reihe Mißstände aus den Kolonien zur Sprache gebracht. Selbstredend gibt eS in den Kolonien noch viel zu verbessern. Im Mutterlande ist es aber auch nicht anders; zu diesem Zweck ist ja daS Parlament 0—7 Monate im Jahre vcr- sammelt.(Heiterkeit.) Der Herr Vorredner hat aber alles durch die ihm durch seine Parteistellung aufgenötigte schwarze Brille gesehen. (Zust. b. Block.) Herr Noske hat aber vergessen, daß, wenn man etwas be- weisen will, man sich vor Uebertreibungen hüten soll-(Ironische Zu- stimmung des Abg. L e d e b o u r.) Ja, Herr Ledebour, daS gilt stir mich, das gilt für Sie, das gilt aber auch für den Abg. NoSke. (Heiterkeit.) Ganz besonders hat Herr NoSke bei der Schilderung der kolonialen Rechtspflege übertrieben.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) In dem einen Falle exzessiver Grausamkeit handelt es sich um GeisteSgcstörtheit deS Betreffenden.(Aha I bei den Soz.) Beim jetzt wieder vorgebrachten Fall des Hauptmanns Dominik hat früher schon einmal der Abg. Bebel zugeben müffen. daß er sich geirrt hat.(Zuruf deS Abg. Bebel.) Herrn NoSkeS Rede zeugte immerhin von einem fleißigen Studium der amtlichen Denkschristen. Die Sozialdemokraten sollten doch dankbar sein, daß »vir ihnen Material sür ihre Reichstagsreden geliefert haben. (Lachen bei den Sozialdemokraten). Redner polemisiert weiter gegen die Abgeordneten Eichhorn und Noske, wobei er eine ausführliche Jnhaltangabe des Lustspiels„Der zerbrochene Krug" gibt, die den Block sehr erheitert.— Die Kapitalisten und Plantagen- besitzer haben keinen Vorteil von den Kolonien gehabt; die einzigen Leute, die Vorteil von den Kolonien gehabt haben, sind die— deutschen Arbeiter.(Schallendes miimtenlanges Lachen bei den Sozialdemokraten. Abg. Ledebour: Und Sie behaupten, nicht zu übertreiben? Stürm. Zustimmung und erneute Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Redner gibt die Polemik auf mit dem Schluß. wort: die sozialdemokratische Partei und Fraktion seien in bezug auf Kolonialpolitik zwei verschiedene Dinge. Redner polemisiert nun- mehr gegen den Abg.Arning, dem er bedauerliche Schwäche imKöpfrechnen vorwirst. Herrn ArningS Vorschläge über die Behandlung der Jndier waren dankenswert, aber unaussührbar.(Erneute Heiterkeit.) Redner stellt aus dem Stenogramm ausdrücklich fest, daß er Liebert nicht für die bekannten 25 Aufstände unter seinem Gouverne- ment habe verantwortlich machen wollen. Die Sozialdemokraten haben geglaubt, Kapital aus den Meinungsverschiedenheiten zwischen den Herren v. Liebert und Arendt auf der einen und mir auf der anderen Seite schlagen zu schlagen. Ich konstatiere aber, daß in 90 von 100 Fällen das ganze HauS mit Ausnahme der Sozialdemokraten über die Kolonialpolitik einig ist. Alle Fortschritte, die in der Kolonialpolitik gemacht worden sind, sind gegen die Sozial- demokratie gemacht worden.(Schallende Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) ES gibt eigentlich nur zwei kolonialpolitische Parteien in diesem Hause: eine, die für Kolonialpolitik ist und zu der säimliche bürgerliche Parteeen gehören, und die andere, die gegen Kolonialpolitik ist. die Sozialdemokratie. In der großen kolonialpolitischen Partei sind verschiedene Schattierungen vorhanden: die einen wünschen mehr eine kommerzielle, die andere mehr eine nationale, die dritten eine mehr kulturelle Politik. In den einzelnen Fraktionen selbst sind verschiedene Schattierungen vorhanden. Es soll meine Aufgabe sein, aus- gleichend auf die Meinungsverschiedenheiten zu wirken und eine zugleich nationale, kommerzielle und kulturelle Kolonialpolitik zu treiben.(Lebhafter Beifall beim Block und Zentrum.) Abg. Storz(südd. Bp.): Die deutsche Kolonialpolitik bringt den Negern Befreiung von ihren einheimischen blutigen Tyrannen. (Große Heiterkeit bei den Soz.) Den Sozialdemokraten geht es wie den französischen Emigranten: sie haben nichts gelernt und nichts vergessen.(Erneute Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Auf der anderen Seite liegt eine gewisse Uebertreibu»� darin, daß der Staatssekretär behauptete, die Arbeiter seien die einzigen, die Vor- teile auS der deutschen Kolonialpolitik gezogen haben. Redner polemisiert breit und ausführlich gegen die sozialdemo- kratischen Redner, denen er Uebertreibungen usw. vorwirft. Die Ver- hältnisse in den deutschen Kolonien sind relativ glänzende.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Eine' Petition, Bahnbauten in Ostafrika betreffend, wird »ach Befürwortung durch den Abg. A r n i n g(natl.) und unter Zu- stimmung des Staatssekretärs Dernburg zur Berückst ch- t i g u n g überwiesen. Eine Reihe Kapitel und Titel des Etats für O st a f r i k a werden debattelos bewilligt. Beim Titel„Rücklage in den Erneuerungsfonds der Usambarabahn" tadelt Abg. v. Sttombeck(Z.) die Fassung des Vertrage?, der dem Reiche Wa genügendes Nuffichtsrechk gegen» über der Gesellschaft gebe. Beim Kapitel Militärverwaltung, Titel„An- Werbung farbigen Personals außerhalb der Kolonie" warnt Abg. Dr. Arning(natl.) bor der Gefahr der äthiopischen Be- wegung und bittet um Wiederherstellung der von der Kommission bei diesem Posten gestrichenen 20 000 M. Staatssekretär Dernburg bittet um Annahme diese? Antrages. Abg. Erzberger(Z.) weist darauf hin. daß die Venvendung Kameruner Eingeborenen in Ostasrika fich nicht bewährt habe. Der Autrag Arning wird mit Blockmehrheit angenommen. (Oho!- Rufe bei den Sozialdemokraten und im Zentrum, da die Blockparteien schwach vertreten sind.) Der Rest der Ausgaben wird bewilligt, ebenso die Ein- nahmen und der außerordentliche Etat sür das ostafrikanische Schutzgebiet nach den Beschlüssen der Kommission. Hierauf vertagt das Haus die Weiterbereitung auf Dienstag, 2 Uhr.(Außerdem RechitungSsachen.) Schluß S'/z Uhr.__ Mgeorclnetenkaus. 42, Sibung vom Montag, den 1. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Moltke. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Gewährung von Wohnung S- ge ld z u schü s s e n an die unmittelbaren Staats. bcamten. Da hierzu nachträglich noch zahlreiche Abänderungs- antröge eingebracht sind, geht die Vorlage an die Budgetkommission zurück. Dann wird die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Junerett fortgesetzt. Abg. LusenSky(natl.) bespricht den Fall Schuck ing: Wenn der Abgeordnete v. Heydebrand gesagt hat, durch sein Vorgehen gegen diesen Beamten habe der Minister die Autorität der Beamten untergraben, so muß doch auch darauf hingewiesen werden, daß die Autorität des Ministers untergraben wird, wenn er gegen Beamte, trotzdem er es für notwendig hält, nicht mehr ein» schreiten darf. Abg. Frhr. v. Zedlitz(frkons.) wendet sich gegen den sozialdemo- kratischen Antrag auf Einführung des Reichstagsivahlrechts für die Gemeindekörperschaften. Der Abg. Hirsch hat sich auf da? cmerken- nende Zeugnis des Oberbürgermeisters Fuß in Kiel berufen; da berührt es eigenartig, daß gerade jetzt der Kieler Magistrat das Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung abändern will, um einer Uebcrflutung durch die Sozialdemokratie vorzubeugen. iStürmisches Hört! hört! rechts.) Und was die Bürger einer anderen Stadt gedacht haben, als die Gefahr bevorstand, durch die Sozial» demokratie vergewaltigt zu werden, daß haben Sie an Rixdorf sehen können.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Dort haben die Gc- mcindcvertreter aller bürgerlichen Parteien sich auf einen Beschluß geeinigt, der das Wahlrecht nach der Richtung verbessert, daß die Sozialdemokraten, die selbst keine Steuern zahlen, nicht über die Steuern der anderen verfügen können.(Lebhafter Beifall rechts. Zuruf b. d. Freist: Wir haben diese Maßnahme des Rixdorfer Magistrats gcmißbilligt!! DaS mag sein, ich weiß auch, daß Sie theoretisch für das Lleickstagswahlrecht auch zu den Ge» meindekörperschasten eintreten. Aber in der Praxis Handel» die Freisinnigen ganz anders. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Soz., Sehr richtig! rechts.) Wenn es sich darum handelt, zu verhindern, daß die Sozialdemokraten die Macht über eine Stadt in die Hand bekommen, dann haben bisher immer noch die bürgerlichen Parteien zusammengestanden.(Leb- Haftes Bravo! rechts.) Die Sozialdemokraten sagen, sie wollen ge- schlich bleiben, wenn ihre Gegner es auch bleiben. Das heißt nichts anderes, als daß sie gesetzlich bleiben wollen, wenn die bürgerlichen Parteien bereit sind, ihnen die Macht in die Hand zu geben, und so dumm werden wir niemals sein.(Stürmischer Bei- fall rechts und im Zentrum.) Dann würden Sie die Gewalt an die Stelle der Gerechtigkeit treten lassen, und wir fürchten uns vor Ihnen(zu den Soz.) nicht. Wir werden alles tun, lvas wir im Interesse des Staates, im Interesse des Volkes, das wir lieben, im Interesse des gesamten deutsckien Vaterlandes für richtig halten, und wir werden danach auch unsere Maßnahmen gegen die Sozial- demokratie einrichten.(Stürmischer Beifall rechts, Zischen bei den Zozialdemokraten.) Minister des Innern v. Mottle: Der Abg. Hirsch hat am Sonnabend gesagt, die Sozialdemo- kratie wolle ihr Ziel nur mit geistigen Waffen erkämpfen. Das klingt ja außerordentlich harmlos. Aber sind die Straßendemon- strationen geistige Waffen?(Sehr gut! rechts.) Auf dem Nürn- berger Parteitag hat der Abg. Bebel gesagt, in Preußen werde eL eines Tage» um Kopf und Kragen gehen.(Stürmisches Hört! hört! bei den bürgert. Parteien.— Zuruf b. d. Soz.: Das liegt an Ihnen!) Nein, das liegt an Ihnen.(Große Hefterkeit.) In der„Neuen Zeit" hat der Sozialdemokrat Parvus geschrieben, er wolle 100 000 Arbeiter auf der Straße versammeln und sie lehren die Straße zu beherrschen.*)(Stürmisches Hört! hört! bei den bürgerlichen Parteien.) Wenn solche Kundgebungen vorliegen, dann ist es unsere Pflicht, das Treiben der Sozialdemokraten unter die Lupe zu nehmen.(Lebhafte Zustimmung.) Sache der Polizei ist es. diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.(Lebhafter Beifall.) Wenn sich die Polizei dabei der Geheimpolizisten bedient, so steht sie dabei nicht vor der Fraae: Ist das schön oder nicht?, sonder» vor der Frage: Ist das not- wendig oder nicht? (Lebh. Zustimmung b. d. bürgerst Parteien.) Die Sozialdemo- kratie braucht.nur aufzuhören mit ihren Umtrieben, und die unan- genehmen Geheimpolizisten werden verschwinden. Solange die Sozialdemokratie ostentativ und demonstrativ aus der Straße er- scheint, sind Geheimpolizisten nicht überflüssig.(Lebh. Zustimmung b. d. bürgerl. Parteien.— Zuruf b. d. Soz.: ES macht uns Spatz!» Wenn die Geheimpolizisten Ihnen Spaß machen, brauchen Sie sich nicht zu beschweren.(Große Heiterkeit.) Daß die Geheinipoli- zisten zu Ausschreitungen provozieren, bestreite ich auf das Be- stimmteste. Denn damit würden sie gegen die Instruktion handeln. Wenn mir der Beweis dafür erbracht werden sollte, daß das ge- schehen ist, so würde ich mit aller Entschiedenheit dagegen einschreiten und die betreffenden Beamten zur Rechenschaft ziehen. *) A n m. der Redaktion: Um die Sorgfalt deS wahrheitsliebenden und blutdürstigen Herrn Ministers zu illustrieren, setzen wir aus Nr. 12 der„Neuen Zeit" vom 18. Dezember 1908 den betreffenden Absatz aus dem Parvusschen Artikel wörtlich hierher: „Auch dürfen wir nicht außer acht lassen, daß eS Rechte gibt. die man sich dadurch erwirbt, daß man sie gebraucht. Dahin gc- hören die Straßenkundgebungen der Massen. Sic stehen jetzt in Deutschland auf der Tagesordnung. Denn die bisher üblichen Agitationsmittel der Partei reichen nicht mehr aus. Die Presse wendet sich wohl an die Massen, aber sie nimmt sich den einzelnen vor. lieber die Versammlungen ist die Partei hinausgewachsen. Wenn man in Berlin an einem Abend dreißig Versammlungen abhält, so hat man doch die Massen nicht beisammen, sondern sie sind in dreißig Teile geteilt. ES ist etwas anderes, wenn hunderttausend Personen die Straßen füllen. Die Arbeiter müssen lernen, sich als Masse zu fühlen, pe müssen lernen, die Straße zu beherrschen." Wenn der Abg. Hirsch sich darüber beschwerte, daß von meinen 90000 Exekutivbeamten sich eine Reihe noch nicht in die neuen Be- stimmungen des Vereinsgesetzes hineingearbeitet haben, so sollten die Sozialdemokraten doch erst einmal selber sich nach den gesetz- lichen Bestimmungen richten. Statt dessen verkündigen sie das Recht auf die Straße ohne behördliche Erlaubnis.(Lebhafte Zu- stimmung bei den bürgerl. Parteien.) Das ist eine bewußte Auf- lehnung gegen den ß 7 des Vereinsgesetzes.(Sehr richtig!) Die Sozialdemokraten haben sich angeboten, selber Ordnung zu halten. Ich danke besten? für dieses Anerbieten.(Heiterkeit und sehr gut! rechts.) Wir haben am S. Februar gesehen, wohin Ihre(zu der. Eoz.) Verordnungen führen, wenn die Polizei einmal ein bißchen spät zur Stelle ist. Sechs Anklagen wegen LandfriedcnSbruches waren die Folge.(Sehr gut! rechts.) Das ist die Ordnung der Sozialdemokratie! Für die Aufrechterhaltung der Ordnung ist die Polizei da. Die Polizei ist d«zu mit Waffen ausgestattet und mutz von den Waffe» gegebenenfalls Gebrauch machen. Brutal ist es, wenn die Sozialdemokratie die Massen diesen Waffen aussetzt.(Stürmischer Beifall b. d. bürgerl. Parteien.) Das ist ganz unverantwortlich,«s ist frivol.(Erneuter stürmischer Beifall b. d. Mehrheit.) Aber darin liegt Ihre(z. d. Soz.) Taktik: Erst verhetzen und dann hinterher über Gewalt schreien!(Stürmischer Beifall b. d. bürgerl. Parteien. Lautes Zischen und Zurufe b. d. Soz. Rufe rechts: Ruhe da drüben!) Abg. Fischbeck(frs. Vp.): Trotzdem die preußische Regierung bestrebt ist, das neue Äereinsgesetz so zu handhaben, wie es sich die Mehrheit des Reichstages gedacht hat, wird von einzelnen Land- röten das Publikum noch immer in unverantwortlicher Weise schikaniert. Für die Vcrfammlungsankündigungcn wird das Ein- rücken in konservative Blätter vorgeschrieben, während man weit- verbreitete liberale Blätter übergeht.(Hört! hört! links.) Dieses Verfahren der Landräte bedeutet ein Desaveu der Autorität des Ministers.(Sehr richtig! links.) Auch über die Anwendung des Sprachcnparagraphen gegen die Gewerkschaften muß Beschwerde erhoben werden. Im Fall Schücking ist die Autorität des Reichs- kanzlerS und des Ministers des Innern schwer erschüttert worden, die in den Parlamenten die Erklärung abgegeben hatten, kein Be- amter würde wegen seiner Gesinnung zur Rechenschaft gezogen werden.(Hört! hört! linkS.) Die Selbstverwaltung steht in Preußen nur auf dem Papier, denn fortgesetzt lassen sich Landräte und Regierungspräsidenten Einariife in kommunale Siechte zuschulden kommen. Anstatt gegen diese Beamten wegen Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnisse vorzugehen, werden die Bürgermeister zur Rechen- schaft gezogen.(Hört! hört! links.)— Mit Freuden begrüßen würden wir die baldige Erfüllung der Zusage des Ministers, ein FcuerbestattungSgesctz einzubringen.(Beifall links.) Die Bäckerei- Verordnung sollte man nicht so rigoros anwenden, daß die Existenz des BäckcrS und des Hausbesitzers in Frage gestellt wird.— Von der Forderung der UcbcrtragunD dcS Reichstagswahlrechts auf Preußen lassen wir nicht ab. Möge sich auch die Regierung durch das Treiben der Agrarier nicht irre machen lassen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. v. JazdzcwSki(Pole) beschwert sich über die Hand- habung des Sprachen Paragraphen und begründet einen Antrag seiner Fraktion auf Wiedereinführung des uneingeschränkten Gc- brauchs nichtdeutschcr Sprachen in öffentlichen Versammlungen. Ferner befürwortet er einen polnischen Antrag wegen Aufhebung der Verordnung über die Legitimationskarten auslaicdischer Arbeiter. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Wir wenden uns dagegen, daß man ernste politische Versammlungen mit der Polizeistunde schikaniert. Die Straßcndemonstrationen sind ein gefährliches Spiel. Sie stärken die Position der Gegner aller freiheitlichen Entwicke- lung.(Sehr richtig! bei den Fvcisinnigen.) An der Einführung des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Preußen halten wir fest und freuen uns, daß die 5krone sich in der Thronrede für eine Wahlreform engagiert hat.(Sehr gut! links,) Präsident v. Kröchcr: Die Wahlrechtsfraga steht nicht zur Dobaste. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Gerade die Rechte, die immer für die Autoriiät der Krone eintritt, müßte doch fordern, daß dieses freierliche Versprechen des Königs eingelöst wird! Im Falle Schücking liegt eine Bestrafung wegen politischer Gesinnung vor, denn die politische Neberzeugung Schückings ist im EröffirungS- beschluß als Grund für das Disziplinarverfahren angegeben. Von einer freisinnigen Nebcnrcgicrung dieser Affäre kamr nicht die Rede sein. Wir haben unter dem Block niemals eine andere Politik getrieben als vorher. Wir können deshalb ruhig abwarten, was auS dem Block wird.— Den sozialdemokratischen Antrag auf Em- führung des gleichen Wahlrechts für beide Geschlechter von einem Alter von 20 Jahren an und aus Beschränkung des AufsichtsrechtS des Staates lehnen wir in dieser Allgemeinheit ab. Die Leitung der Gemeinden mutz in den Händen der seßhaften Bürgerschaft liegen. Soweit die Arbeiter zu dieser seßhaften Bürgerschaft ge- hören, sollen auch sie mitreden. Aver man darf nicht den fluk- tuierenocn Massen die Verwaltung der Kommunen ausliefern. Auch wir wünschen, daß das Fcucrbestattungsgesctz vorgelegt wird.(Bei- fall bei den Freisinnigen.) Minister des Innern v. Moltke: Beschränkungen in der Ge- Währung der Abschriften von Wählerlisten habe ich nicht verfügt. Im Gegenteil, ich habe auf erhobene Beschwerden hin Remedur eintreten lassen. Die Vorwürfe des Abgeordneten v. Jazdzewski weife ich zurück. Gegen die polnischen Berufsvereinigungen ist der Sprachenvaragraph angewendet worden, weU sie nationalpolitische Ziele verfolgen. Inzwischen ist ein Antrag Borgmann(Soz.) u. Gen. ein» gegangen, die 300 000 M. für geheime Ausgaben im Interesse der Polizei zu streichen. Abg. Strosser(k.) Gegen Stratzendemonstrationen hat sich vor viehrcren Jahren auch der Abgeordnete Ströbel gewandt, als die Auseinandersetzungen über den Massenstreik i» seiner Partei tobten. Außerdem ist ein Unterschied zwischen der spontanen patrio- tischen Demonstration am Abend nach den Reichstagswahlen irnd den planmäßig vorbereiteten Demonstrationen der Sozialdemo- kratie.(Sehr richtig! rechts.) Ruhig und friedlich sollen die De- monstrationen verkaufen sein! Nun, in Dresden sind allein sechs Schutzleute verwundet worden, in Breslau ebenso. Und in Berlin hat man dir deutschen Fahnen heruntergerissen.(Pfuirufe rechts. 5lbg. Borgmann: Das waren wir nicht!) Wer den» sonst? (Sehr richtig! rechts.) Wir lieben das Spitzelwcsen auch nicht. Aber was hat die Sozialdemokratie alles schon auf diesem Ge- biete geleistet!(Sehr richtig! rechts.) Der Reichsverband wird systematisch bespitzelt. Die Prügelstrafe will ich nur für die ge- nwinsten Roheitsverbrecher, die mit Messern unschuldige Mädchen überfallen.(Sehr richtig! rechts.) Will Herr Hirsch weiter gehen als ich, eS soll nnch freuen. Die Sozialdemokraten gebrauchen Ge- Heimmaterial, das sie nur durch den gröbsten Vertrauensbruch be- kommen haben können. Da dürfen Sie das Spitzeltum doch nichi ein schmutziges Gewerbe nennen.(Sehr gutl rechts.) Herr Hirsch hat gesagt, ich hätte ans dem Wydener Protokoll falsch zitiert. Ich gebe zu, daß mein Zitat nicht wortlich genau war, aber dem Sinne nach hatte ich recht. Auch der Abgeordnete Bebel hat sich in dem Buche„Unsere Ziele" für die geivaltsarne Expropriation ausgesprochen. Und der Abgeordnete Liebknecht hat gesagt: Keinen Frieden mit dem preußischen Staat, die Entscheioung wird auf der Straße gefällt werden. iHörtl hörtt rechts.) Schließlich hat sich in Jona Bebel als der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet. (Hörtt hört! rechts.) Ist das alles so friedlich? Außerhalb dieses Hauses ist dir Sprache der Herren Sozialdemokraten überhaupt eine andere als hier im Saal. Was haben Löbe-Breslau, Frau Zieh, Herr Katzenstem und vor allem Wels-Berlin auf dem Preußentag für Reden gehalten? Am Sonnabend blies Herr Hirsch hier die Fnedenssckjolmei, und am Sonntag drohte Herr Leinert im Bcrgrcvier, daß ein Brand losbrechen werde, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatx WZ den Arbeiterforderungen nicht nach- gekommen tvürde.(Lebhaftes hört! hört! rechts.)' Wir können den Minister nur bitten, an der Politik gegen die Sozialdemokratie festzuhalten, die er vorhin entwickelt hat.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Haarmann(natl.) fordert Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der in der Nähe von Roboritfabriken wohnender Personen, damit künftig Explosionen, wie die Roboritexplosion bei Witten, vermieden werden. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Das Ministergehalt wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. Alle vorliegenden Anträge werden an die zuständigen Kommissionen überwiesen bis auf den sozial- demokratischen Antrag, der für die Wahlen zu den kommunalen Körperschaften die Einführung des gleichen Wahlrechts für alle über 20 Jahre alten Personen fordert. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag, 11 Uhr. Fortsetzung. Schluß bVa Uhr._ Huq Induftrie und Ftandcl Die Lage am Eisenmarkt« Es kann wohl kaum noch bezweifelt Iverden, daß die starken Rückgänge am amerikanischen Eisenmarlt nicht auf Baissemanöver, sondern auf die trostlose Lage der Eisenwerke zurückzuführen sind. Nach einer vergleichenden Uebersicht des FachblatteS.Jronmonger" stellt sich der Beschäftigungsgrad der großen Eisen- und Stahlwerke auf 40 bis 60 Prozent der Leistungsfähigkeit. Nur einige Industrie- gesellschaften, die aber für den Markt keine ausschlaggebende Be- deutung haben, erfreuen sich einer etwas besseren Beschäftigung. Unter diesen Verhällnissen hat der Stahltrust sich gezwungen gesehen, seine bisherige Preispolitik aufzugeben. Die mit anderen Korporationen getroffenen Vereinbarungen gelten als aufgelöst, die Preise werden im freien Verkehr bestimmt. Das ist das charakteristische Moment der Situation. Der amerikanische Stahltrust hat den Bogen überspannt; er glaubte, allen Verhältnissen trotzend, die Preise hochhalten zu können und»nutz nun doch den lvirischaftlichen Gesetzen sich fügen, die er gedachte aufzuheben. Die tatsächliche» Verhältnisse geben den Vorgängen aber auch eine größere Bedeutung für den Wellmarkt. Dieser wird nun wohl in größerem Um- fange mit amerikanischen Erzeugnissen versorgt werden. Das bedeutet für die übrigen Eisen produzierenden Länder eine Verschlechterung der Lage. Die deutschen Halbzeug produzierenden Werke haben z. B. zu einem erheblichen Teile ihre Betriebe nur dadurch in der bis- herigen Weise beschäftigen können, daß sie den Export soreierten. So ist die deutsche Ausfuhr an Rohluppen usw. im Januar dieses Jahres auf 858 820 Doppelzentner hinaufgegangen, von nur 101666 Doppelzentner für den Parallclmonat.1908. Wird den deutschen Werken nun durch Amerika dieser Abflußtanal verstopft, dann müssen sie die Produktion natürlich weiter einschränken. und da der Stahlwcrksverband durch seine Preispolitik die deutschen Weiterverarbeiter vom Auslandsmarkt teilweise verdrängt hat, werden diese von dem billigen amerikanischen Material auch keinen Vorteil haben. So rächt sich für uns die Preispolitik der gemischten Werke. Hinzu kommt noch, daß die vor einiger Zeit sich zeigende stärkere Kauflust auö spekulativen Motiven entsprang. Die Händler können nun keine Spezifikaiionen machen. die Werke aber drängen auf Abnahme. da sie selbst die Läger gefüllt haben und nicht noch mehr stapeln wollen. Es ist eben sehr viel auf Vorrat bestellt und gelagert worden, weil man große Hoffnung»» auf eine lebhafte Bau- rätigkeit i» diesem Jahre gesetzt hat. Die nach dieser Richtung gehegten Erwartungen hat man wieder sehr eingeschränkt. Die Folge ist weitere Verschlechterung am Eisenmarkt. Und setzt keine lebhaftere Bautätigkeit ein, dann werden sich wahrscheinlich die Verhältnisse im Eisengelverbe teilweise noch ungilnstiger gestalten. Ein Reichspetroleummonopol. Die Finanzklemme der Regierung hat allerhand Leute auf den Plan gerufen, um der Bedrängten auS der Patsche zu helfen. Einer der eifrigsten ist der Herausgeber der Berliner Fachzeitschrift „Petroleum*, welcher für die Einführung eines ReichSpetroleum- Monopols Propaganda macht. Ein solches würde iiickn nur dein Staate eine sichere und ergiebige Einnahmequelle sein, sondern auch eine— Gesundung des dculschen Pctroleumhandels herbeiführen, der wieder ganz unter die Herrschaft der Standard Oil Comp, zu geraten drobe. Durch die Vereinigung der deutswen und ttlmänischen Petroleuniunternehmungen hatte die Bankwclt einen letzten Vorstoß gegen den Rockefellcr-Trust versucht; vergebens. Der Siegeslauf des letztere» ist nicht aufzuhalten. Deshalb die Tränen: weil das heimische Petroleumkapital sich den Amerikanern nicht gewachsen fühlt, darum soll der Konsument in die fiskalische Zwangsjacke gesteckt werde». Die Gelegenheit zur Monopolisierung des PetroleumgeschäftS durch den Staat sei günstig und die fiskalische Zweckmäßigkeit außer Frage. Um der Standard Oil Company wirksam entgegenzutreten, wäre die planmäßige Forcierung des galizischen, rumänischen und russischen OeleS notwendig. Die Lagerung«- und Stapelmöglichkeiten hätte der Staat zu beschaffen. Die Aussichten der galizischen Petroleum- einfuhr würden sich in den nääistcn Jobren auf 150—206 000 Tonnen, die der russischen auf 100—150 000 Tonnen stellen. Das Staats- Monopol könnte 60 Millionen abwerfen. Ebensoviel würden aber die Ausgaben, die die Einführung eines Handelsmonopols erfordern, betragen. Daneben könnte auch noch ein Produktionsmonopol in Betracht kommen. Endlich dürfte der Staat nicht als kleinlicher Burcaukrat vorgehen, sondern müßte er die Rolle eines großzügigen Kaufmanns spielen. Man merkt: die Hilfsbereitschaft entspricht sehr eigennützigen Motiven. So sind die Patrioten. Aus der Tasche der anderen bringen sie gern Opfer. 8o2iales. Entschädigung wegen nicht rechtzeitiger Aushändigung der Jnvalidenkarte. Auch die Kammer 1 des Gewerbegerichts unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Leo hat sich gestern in einer Klagesache deS Schneiders D. gegen den Schneidermeister Karl Buggisch auf den Standpunkt gestellt, daß ein Arbeiter, ohne im Besitz seiner Jnvalidenkarte zu sein. Arbeit nicht erhalten könne und daß ihm die Zeit solcher Arbeitslosigkeit von dem, der sie verschuldet, entschädigt werden muß. D. war seit dem 18. August 1903 als Bügler im Akkordlohn im Betriebe des Beklagten beschäftigt. Kündigungs- ausschluß war schriftlich vereinbart worden. Am 2. Dezember 1908 stellte der Beklagte für einen zweiten im Betriebe tötig gewesenen Bügler, der weggeblieben war, eine Ersatzkraft ein. Am 7. De- ze ii iber 1908 kam aber der Bügler wieder. Da für drei Bügler nicht genügend Arbeit vorhanden war, wurde der Kläger als Ein- lichter beschäftigt. Nach Weihnachten mutzte er längere Zeit auK- setzen. Am 17. Januar erhielt er endlich wieder Arbeit, aber am Abend desselben TageS wurde er entlasten. Er forderte nun für vierzehn Tage 48 M. Lohnentschädigung und weitere 0 M. für ihm gemachte Abzüge bezw. rückständigen Lohn. Für seinen Entschädi- gungsanspruch macht er geltend, daß er als Büglcr nur Kündigungs- ausschluß vereinbart habe, wie cr als Einrichter zu arbeiten begann, sei über Kündigungsfrist nichts vereinbart worden. Das Gericht belehrt ihn dahin, daß sein Anspruch ein unbegründeter sei. Es würde, wie der Vorsitzende sagte, ein wahnsinniger Formalismus sein, wenn hier, wo in bem Arbeitsverhältnis keinerlei Unterbrechung noch wesentliche Veränderungen in den Arbeitsbedingungen ein- gekrekett seien, die schriftlich erfolgte Vereinbarung des Kündigung?. ausschlusscs keine Geltung mehr haben sollte. Dem Beklagter empfahl das Gericht, an den Kläger 24 M. zu zahlen. Seinen Ein> wand, daß er dem Kläger gesagt habe, cr solle sich nach anderer Arbeit umsehen, ließ es gelten; doch habe dann der Beklagte auch die Verpflichtung gehabt, dem Kläger die Jnvalidenkarte anSzu. händigen. Darauf, daß Kläger diese sich beim Beklagten abholen werde, kann dieser keinen Anspruch machen. Denn das Abholer. der Karte wäre lediglich eine Gefälligkeit des Klägers. Die Partcier. nahmen daraufhin den Vergleichsvorschlag an. Folgen einer telephonischen Bertragsabrede. Der Konditorgehilfe Z. klagte am Montag vor dem Jiinuilgs- schiedSgericht gegen den Konditor Naumann auf 6 M. Entschädigung wegen Kontraktbruchs. Z. behauptet, daß er zur Arbeit bestellt, aber nicht beschäftigt wurde. Der Beklagte führt aus, daß der Kläger bereits von ihm be- schäftigt worden war. Da ihn die Arbeit der Klägers nicht be- friedigte, entließ er denselben. Ten wahren Entlassungsgruird gab er nicht an, sondern schützte ArbcitSmarrgel vor. und sagte dem Kläger, daß cr schreiben werde, wenn er ihn wieder benötige. In- zwischen hatte ein anderer Gehilfe um Arbeit vorgesprochen gehabt, dem der Bescheid gegeben worden war, daß er an einem der nächsten Tage wieder einmal vorsprechen solle. Da der Beklagte sich nicht ständig im Geschäft befindet, machte er seiner Ehefrau davon Mit- teilung und gab ihr den Auftrag, daß sie den Gehilsen engagieren solle. Eines Tages frug nun der Kläger bei dem Beklagten tele- phonisch um Arbeit an, daraus bestellte ihn die Eheftau des Be- klagten— in der Meinung, daß es der für das Engagement in Aussicht genommene Gehilfe sei— zur Arbeit. Das Gericht empfahl dem Beklagten dem Kläger die geforderte Summe zu zahlen, da dieser an dem Mißverständnis nicht schuld sei. Der Beklagte be- folgte den Rat.__ Bedenkliche Wege der Deutschen Gesellschaft znr Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- Helten hat unzweifelhaft große Verdienste durch Aufklärung, ins- besondere durch Herausgabe der Merkblätter sich erworben. Sie ist aber jetzt, wie ihre am Sonntag hier abgehaltene Geueralver- sammlung zeigt, leider auf dem Wege, von dem ersten Lex Heinze- Gesetz im Jahre 1891 vorgeschlagene verfehlte Mittel zu empfehlen, welche weder Geschlechtskrankheiten bekämpfen noch die Ursachen oder die Wirkungen der Prostitution beseitigen können. Ueber die Versammlung geht uns folgender Bericht zu: Unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern aus allen Kreisen Deutschlands fand am Soniitagmittag in dem am Luisenplatz belegenen Kaiserin Friedrichshaus die Generalver- sammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankhciten statt. Das KultuSministeriuni, das Mini- sterium des Innern, daö Polizeipräsidium, das ReichSgesundheitS- amt hatte Delegierte entsendet. Außeroem war der Leiter der gleichnamigen österreichischen Gesellschaft, Professor Dr. Ehr- uiann-Wien, der Leiter der gleichnamigen dänischen Gesellschaft, Professor Dr. Pontoppidan-Kopenhagen und der Vorsitzende des Internationalen Komitees zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- Helten, Dr. DuboiS-Havenith-Brüsiel, erschienen. Der Generalsekretär der Gesellschaft, Professor Dr. Blaschko- Verlin, erstattete den Tätigkeitsbericht. Danach sei der Kassen- abschluß ein sehr günstiger gewesen. Auch die Zahl der Orts- gruppen habe eine wesentliche Vermehrung erfahren. Die Merk- blätter seien in vielen Millionen Exemplaren verbreitet worden. Es sei ein spezielles Merkblatt für Eltern herausgegeben worden, da es ein dringendes Erfordernis sei, Eltern in der Sexual- Pädagogik zu unterweisen. Außerdem solle ein Leitfaden für Vorträge über sexuelle Aufklärung der Studenten, Abiturienten, Schüler der höheren Biloungsanstalten und Fortbilduiigsschülern geschaffen werden. Außerdem sollen Merkblätter für Soldaten und Matrosen herausgegeben werden. Von der Gründung einer Leihbibliothek habe man aus Mangel an Mitteln vorläufig Ab- stand nehmen müssen. Die schlimmsten Feinde der Gesellschaft seien die Kurpfuscher, die noch das Land mit Vorträgen über- schwemmen und dadurch einen unendlichen Schaden anrichten. In Bayern habe die Regierimg diesem Unfug insofern gesteuert, als sie Vorträge über Geschlechtskrankheiten nur gestatte, wenn sie von einer Krankenkasse, einem Aerzteverein oder der Deut- scheu Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten der- anstaltet werden. Mit Rücksicht auf den großen Schaden, den die wilden Vorträge anrichten, wäre es zu empfehlen, daß in Preußen und anderen Staaten daS Vorgehen Bayerns Nachahmung fände.(Lebhafter Beifall.)— Professor Dr. Zinsser- Köln: Es dürste sich empfehlen, die preußische Staatsregierung zu ersuchen, gegen die wilden Vorträge ebenso vorzugehen, wie die bayerische Regierung.— Ter Versitzende wandte ein: Ein ausdrücklicher Beschlutz erübrige sich, da die preußische Staats- regierung durch mehrere Mitglieder vertreten sei. Die Herren werden es zweifellos an der erforderlichen Anregung nicht fehlen lassen. Hierauf wurde der Tätigkeitsbericht genehmigt, und der Vorstand, bestehend aus Geh. Medizinalrat Professor Dr. Neisser- Breslau. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Lesser-Berlin und Professor Dr. Blaschko-Berlin wiedergewählt. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit dem Erliisj der-beiden preußischen Ministerien zur Reform der Prostituiertenüberwachung. Professor Dr. Zinffrr-Köln bezeichnete den Erlaß als einen großen Fortschritt. Die ambulante Behandlung oer Prostituierten sei ja im Interesse der Humanität zu empfehlen, es sei aber sehr fraglich, ob sich nicht die Prostituierten der Behandlung ent- ziehen werden. In erster Reihe sei die unentgeltliche ambulante Behandlung zu fordern, außerdem müsse die Entziehung harr bestrast werden. Die ambulante Behandlung würde zweifellos als Wohltat empfunden werden, da das Krankenhaus keineswegs verlockend sei. Erforderlich sei eS, die§§ 861, 6 und 180 Oes Strafgesetzbuches aufzuheben oder zum mindesten zu ändern, da sie dem Geiste des Erlasses direkt widersprächen, im übrigen kaum ausführbar seien. Laut§ 130 könne jeder bestraft werden, der einer Prostituierten Ausnahme gewähre. Schließlich müssen doch aber die Prostituierten irgendwo wohnen. Er halte es für erforderlich, nicht bloß die Prostituierten, sondern auch Männer, ganz besonders Zuhälter, von Zeit zu Zeit ärztlich untersuchen zu lassen und diejenigen hart zu bestrafen, die, obwohl ihnen ihre Krankheit bekannt sci, es nicht unterlassen, durch fort- gesetzten Verkehr weiter zu verbreiten. Der Redner bezeichnet es im weiteren alö bedauerlich, daß die Polizeiorgane, und zwar selbst die oberen, den Geist des Erlasses noch nickst erfaßt haben. — In der sehr langen Besprechung, an der sich Geh. Medizinal- rat Professor Dr. Lesser-Berlin, OberlandeSgerichtS-SenatSpräsi- dent Geh. Justizrat Schmöldcr(Hamm i. W.). Professor Dr. Blaschko-Berlin, Dr. med. Stein-Görlitz, ReichstagSabgeordnoter Wölzl-München und Dr. med. Zaubitzcr(Essen R.) beteiligten, wurde von allen Rednern dem Professor Dr. Zinsscr zugestimmt. Es wurde der Vorschlag gemacht, den Prostituierten, ähnlich wie cS in Essen und anderen großen Jndustrieorten sei, bestimmte Straßen als Wohnung anzuweisen, und zu verhindern, daß Minderjährige diese Straßen passieren. Ganz besonders not« wendig sei es, dafür zu wirken, daß die Prostitution aus den Familien und aus der Nähe der Schulen verbannt werde.— Von Professor Dr. Blaschko wurde vorgeschlagen, die Sprech- stunden ftir Prostituierte von den anderen Patienten zu trennen. Selbstverständlich müßten die Acrztc von Staats oder Stadt wegen Honorar erhalten. Das Hauptaugenmerk müsse auf die Assanierung des Prostitutionswesens gelegt werden.— Dr. med. Block-Hannover teilte mit: In Hannover habe sich die ambulante Behandlung, die dort unentgeltlich vorgenommen werde, ganz vortrefflich bewährt. In Hannover werden auch Männer, ganz besonders Zuhälter, ferner Kellnerinnen. Bardamen, in öffent- lichen Tanzlokalen verlehrende Damen, in den ärztlichen Sprech, stunden untersucht. Der Polizeipräsident habe die Inhaber der öffentlichen Lokale aufgefordert, ihre weiblichen Angestellten zur Untersuchung zu schicken, widrigenfalls sie eine Verkürzung der Polizeistunde zu gewärtigen haben. Professor Dr. Neifser-Breslau bezeichnete es als notwendig, die Polizeiorgane dahin zu belehren, daß das Prostitutionswcsen im Geiste des Seuchengesetzes beauf- sichtigt werden müsse.— Sanitäisrat Dr. O. Rosenthal-Berlin: Er sei der Meinung, daß der§ 180 vollständig unhaltbar sei. Tie Acnderung des Strafgesetzbuches werde viel gröheren Schwierigleiten begegnen, als das Zustandekommen des Bürger- lichen Gesetzbuches, da alle politischen Parteien spezielle Wünsche haben werden.— Geh. Obermedizinalrat Dr. Kirschner: Nach den Berichten der Oberpräsioenten haben die oberen Polizeiorgane den Ministerialerlaß ganz vortrefflich erfaßt, und es sei zu hoffen, daß auch die unteren Polizeiorgane sehr bald den neuen Bestimmungen entsprechen werden.— Es gelangte schließlich der Antrag des Senatspräsidenten, Geh. Justizrat Schmölder-Hamm zur Annahme:„Die Reichsrcgierung, den Bundesrat und den Reichstag um möglichst baldige Abänderung der Z 361, 6 und 180 des Strafgesetzbuches zu bitten." Für die Aufhebung dcS§ 360 Ziffer 6 haben wir seit Jahr- zehnten gekämpft, ebenso für eine ambulante Behandlung Prosti- tuierter. Für verfehlt halten wir aber das Losdonnern gegen die Kurpfuscherei und vor allem den Versuch, die Prostituierten in bestimmte Straßen zu zwingen. Gewiß sind wir keine Freunde von Ouacksalbereien und halten diese insbesondere allen anstecken- den Krankheiten gegenüber für eine Gefahr, die über die Gefähr- dung der Gesundheit des Einzelnen weit hinausgeht. Aber es wäre eine gesetzgeberische Quacksalberei ersten gtanges— der Kur- pfuschercigesctzentwurf macht sich dieser schuldig— jemand zu verhindern, sich zwecks Heilung an eine Person zu wenden, die nicht zu den Aerzten gehört, welche sich nicht als Kurpfuscher betrachten. Ein solches Verbot ist nutzlos und zieht die Winkelheilpraxis erst recht groß. Ueberdies hätte ein Staat doch nur dann zu einem solchen Verbot ein Recht, wenn er dafür einsteht, daß die Krank- heiten von Staats wegen, also durch vom Staat angestellte und zur Behandlung verpflichtete Aerzte geheilt(nicht nur behandelt) werden. Davon liest man aber in den Zornes- rrgüssen gegen Kurpfuscher nichts. Im Gegenteil gibt es staatliche Organe, die es für berechtigt erachten, daß auf Kosten des Staates ausgebildete Aerzte es ablehnen, Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen. Ein Verbot der Kurpfuscherei könnte— ganz abgesehen von sonstigen Bedenken— also dazu führen, daß der einer Hülfe Bedürftige völlig hilflos wäre. Wenn die Gesellschaft zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten für einen solchen Zustand als einen möglichen eintritt, so handelt sie gegen den Zweck, den ihr Nanren ankündigt und wirkt für Verbreitung der von ihr be- kämpften Krankheiten. Für noch rückständiger erachten wir den Wunsch einer Lokali- sieruilg der Prostituierten. Das Mittel hatte die Lex Hcinze im Jahre 1801 vorgeschlagen. Es wurde damals mit Er- folg lebhaft bekämpft. Dafür sprach sich in der Kommission ein konservativer Abgeordneter aus. Seine Begründung verblüffte auch feine Parteifreunde. Sie ging dahin: es wäre bei einer Lokalisierung der Prostituierten der Besuch der Prostituierten für Männer ja weit leichter. Die Prostitution kann man nicht durch Verschlechterung der Lage der ihr Anheimgefallenen und durch Vermehrung der Möglichkeit ihrer Ausbeutung, sondern nur durch Heilung oder Minderung der sozialen Ursachen bekämpfen, auf denen sie zum mindestens zu neun Zehnteln beruht. Daß dem oberfläck, lichen, lediglich vom Standpunkt des männlichen Genuß- menschen aus erklärlich- Vorschlag einer Lokalisierung der Prosti- tuierten nicht mit Entschiedenheit entgegengetreten ist. zeigt, daß leider der Verein sich auf den Wegen befindet, die Schäden, welche die Gesellschaft hervorbringt, nicht heilen, sondern verhüllen zu wollen und die Opfer der Schäden der Gesellschaft für das tiefe Unrecht zu bestrasen, das diese ihnen zugefügt hat. Eine Abkehr von diesem Wege tut der Gesellschaft dringend not, wenn sie nicht das bislang in sie gesetzte Vertrauen Unzähliger sich verfchlagen und ihrem Zweck entgegenarbeiten will. Ein Verbrechen an Arbeiterleben. Beim Tonauhafenbau in Negensbnrg ist vor einigen Tagen der Arbeiter Stuwer durch einstürzende Erdmafsen totgedrückt worden. Kurze Zeit vor dem Unglücksfall sind Arbeiter entlasten worden, weil sie sich fmrtnSckig geweigert hatten, an der unterhöhlten Stelle ihr Leben aufs Spiel zu srti-n. Die Beseitigung deS gefährlichen. vorschriftswidrigen Zustandes hatte der Unternehmer dlrekt ver- boten mit der Bemerkung, eine solche Aengftlichkeit sei nicht am S&Iq&c« Älbstredend ist der Unternehmer gegen Anstellung von Arbeiter- kontrolleuren._ Huö der f rauenbewegung* Ein Slrbeiterfest. Daß der„Verein für Frauen und Mädchen der ArbeiterNasie' sich in weiten Kreisen der Parteigenossenschaft Sympathien erworben hat, dafür liegt in seinem Festtag am Sonntag ein schöner Beweis vor. Der Verein hatte zur Feier der 10. Wiederkehr seiner Gründung eingeladen. Und Tausende. Männer und Frauen, waren dem Rufe gefolgt. Die geräumigen Lokalitäten von Freyer(Koppen- ftraße) genügten nicht, um allen Zuströmenden ein gemürlicheS Plätzchen bieten zu können. Trotzdem waren alle Erschienenen vollauf befriedigt; cS wurde ihnen mehr geboten als sie erwartet hatten. Nur die Männlein und Weibkcin, die allzusehr darauf verpicht waren das Tanzbein zu schwingen, mußten sich eine wohl nicht dringend erwünschte Diät auferlegen. Darüber wird man sich leicht trösten. Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, daS Allgemeinivisten zu fördern, das gesamte Bildungsniveau seiner Mitglieder und Gäste zu heben. Wer- ständnis für Kunst auszulösen, für edlere Genüsse und Freuden empfänglich zu machen. Und die rührige Leitung deS Vereins hat auf diesem Gebiete manchen schönen Erfolg z» verzeichnen. Auch daS 10. Stiftungsfest gehört dazu. Das Programm war selbstverständlich auf die erwähnten Bestrebungen abgestimmt. Der Berliner Volks- chor unter der trefflichen Leitung des Herrn Dr. Zander, und unter- stützt von der Konzertsängerin Frl. Mark, trug die Hauptkosten des unterhaltenden Teiles und er fand lvarme Anerkennung. Dasselbe gilt von den, prächtigen Damen- Tanzreigen und der Vorführung einer Damen- Musterriege am Barren, womit der Turnverein Fichte überall Ehre einlegen kann. An Stelle der erkrankten Genossin Zetkin hatte Genosse Robert Schmidt die Festrede übernommen, die ebenfalls dankbare An- erkennung fand. Gegen 11 Uhr konnte der Tanz beginnen, der einen hübschen Kreis Teilnehmer noch manche Stunde beisammen hielt.— Zum Schluß doch noch eine Klage I Nicht über den ver- anstaltcnden Verein, sondern über den Zustand des Lokals. Man braucht gerade kein Sauberkeitsfex zu sein, um hier Ausstellungen zu machen. Von der Unfreundlichkeit des Lokals selbst wollen wir dabei gar nicht reden. Neben der Unreinlichkeit geben aber auch noch andere Unordnungen zu Klagen Anlaß. So haben mehrere der mitwirkenden Damen sich an vor- stehenden Drähten usw. die Kleider zerrissen. DaS trägt natürlich nicht zur Festesfreude bei und eS ist eine schlechte Empfehlung für das Lokal. Diese Ausstellungen können natürlich das Verdienst des Vereins für das Gebotene nicht Vennindern. Er hat ein Srbeiterfest veranstaltet, wie wir eS gern öfter sehen möchten. Jedenfalls dürfte cS als Muster dienen. Das Zölibat der Lehrerinneu. Kürzlich wurde au dieser Stelle beiläufig das Eheverbot der Lehrerinnen gestreift, das unter den mancherlei Ungerechtigkeiten, die den Volkserzicherinnrn vom Staate zugefügt werden, wahrlich nicht an letzter Stelle steht. So absonderlich und unnatürlich es dem Rechtsempfinden erscheinen müßte, daß die Anstellung der Lehrerinnen nur so lange gilt, als sie unverheiratet ist, so wird diese Maßregel merkwürdigerweise doch als etwas Selbstverständliches betrachtet. Staat und Gemeinde hatten bisher ihren Vorteil davon. Wenn sie den Lehrerinnen niedrige Gehälter zahlten, so konnten sie als Motivierung immer anführen, daß es sich ja um Unver- heiratete handelte, die im allgemeinen nur für sich selbst zu sorgen hätten. Den Forderungen nach Erhöhung der Gehälter konnte man sogar mit der Begründung entgegentreten, daß die„Neigung zur Ehelosigkeit" dadurch gefördert würde. Tatsächlich aber liegen die Dinge umgekehrt. Die„Neigung zur Ehelosigkeit" wird nicht durch etwaige hohe Gehälter gefördert, sondern durch das Eheverbot in seiner heutigen Gestalt, das die Lehrerin in jedem Falle zur bitteren Resignation zwingt: entweder zum Verzicht auf volles Frauenglück oder aber zum Aufgeben eines lieb gewordenen Berufes, dem sie ein jahrelanges kostspieliges, oft unter härtesten Entbehrungen erworbenes Fachstudium gewidmet. Bestände das Eheverbot nicht, so könnten Lehrerinnen auch dann zur Heirat schreiten, wenn die Geldmittel des ManneS zur Er- Haltung einer Familie nicht ganz ausreichen. Natürlich haben auch andere Erwägungen den Staat mit be- einflußt. Eine schtoangere Lehrerin vor der Klasse: entsetzlicher Gedanke! Bei anderen Berufen findet man es freilich ganz in der Ordnung, daß schwangere Frauen schweren und schädlichen Arbeiten obliegen nrüssen, ohne daß sie eine Möglichkeit haben, ihren Zustand vor Kindern und Jugendlichen zu verbergen. Man scheut auch die Störungen, die Geburten und Krankheiten der Kinver in der Schultätigkeit verursachen würden. Indes sind dies durchaus keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Etwas guter Wille und organi- satorische Einsicht würde den größten Teil derselben aus den: Wege räumen. Es entstehen auch unter den heutigen Verhältnissen unter der Herrschaft des Eheverbots erhebliche Störungen im Unterricht, tvcnn junge Lehrerinnen heiraten und andere an ihre Stelle treten, die sich erst einzuarbeiten haben. Wie viele tüchtige Lehrkräfte könnten andererseits der Schule erhalten bleiben, wenn der Staat mit dem Prinzip der unverheirateten Lehrerin bräche. Zweifellos bedeutete die Ehe und Mutterschaft unter normalen Verhältnissen eine außerordentliche Bereicherung des Innenlebens der Frau, die mittelbar und unmittelbar ihrer erziehlichen und unterrichtlichen Tätigkeit zu gute kommen würve. Es sei hier nur hingewiesen auf die Frage der geschlechtlichen Aufklärung der Jugend, die den unverheirateten Lehrerinnen kaum zu überwindende Schwierigkeiten bereitet. Hier könnte die verheiratete Lehrerin geradezu bahnbrechend wirken. Leider sind die Lehrerinnen in ihrer großen Mehrzahl noch weit entfernt davon, sich gegen die durch nichts zu rechtfertigende Bevor- mundung des Staates aufzulehnen. Die katholischen Lehrerinnen sind unter dem suggestiven Einfluß der katholischen Weltanschauung einmütig dafür eingetreten, daß sie das Zölibat, die Ehelosig- keit, für ihren Stand fordern. Auch ein erheblicher Teil der pro- testantischen Lehrerinnen ist noch so verblendet, von ähnlichen Er- wägungen ausgehend, die ehelose Lehrerin gegenüber der ver- heirateten als ein Wesen höherer Ordnung anzusehen und oement- sprechend völliges Aufgehen in die Berussinteressen zu verlangen. Die Lehrer sind mit der Institution der chclosen Lehrerinnen natür- lich sehr einverstanden, da ihr Verhalten den Kolleginnen gegen- über immer nur von der Konkurrenzfurcht beeinflußt wirv. Sie murren schon gegen eine winzige Milderung des Eheverbots in einem neuerlichen Ministerialerlaß, der die widerrufliche Einstellung verheiratet r Lehrerinnen, wo es deren h ä u s- liehe Verhältnisse wünschenswert erscheinen lassen, unter den denkbar ungünstigsten Arbeitsbedingungen ausnah ms- weise gestattet, sofern die Lehrberechtigten keinen Einspruch erheben. Also ein widerwillig hingeworfenes Almosen, eine kleine und kleinliche Konzession an die Bedürftigkeit einiger weniger, anstatt der Erfüllung eines Rechtsanspruchs, wie er von dem fortschrittlich gesinnten Teil der Lehrerinnen erhoben wird. Kaum in anderer Beruf verlangt so den allseitig harmonisch entwickelten Menschen, wie der mühe- und verantwortungsvolle Lehrberuf. Wie aber kann man eine harmonische EntWickelung von jemand verlangen, der— wie die unverheiratet? Lehrerin— zu lebenslanger Entsagung verurteilt ist? Andere Länder wie Amerika, Frankreich, die Schweiz. Ungarn und Dänemark kennen kein Eheverbot der Lehrerinnen und die Schule und Lehrerinnen befinden sich dabei sehr wohl. Den Müttern des Volkes ist der Ein- fluß der verheirateten Frau im Schulleben zweifellos sehr sym- � �Dch radikale Aufhebung des einen Teil der preußisch- deutschen Schulmisere bildenden Eheverbots der Lehrerinnen würde zur Hebung der Volksschule mit beitrogen, an der niemand ein höheres Interesse hat als die Arbeiterklaffe. Leseabende. Charlottenburg. Donnerstag, den 4. März, IhO Uhr, für die I. und 2. Gruppe bei Vogel, Nehringstr. 2, für die 4. bis 8. Gruppe bei Thunack, Wielandstr. 4. Der Leseabend für die 3. Gruppe kann umständehalber erst am 18. März bei Kirschkowsky, Beusselstr. 0, stattfinden. Lankwitz. Donnerstag, den 4. März, bei Ebel, Marienfelder Str. S. Gerichte- Zeitung» Beschränkung der Rechte des Verteidigers. AuS Halle a. S. berichtet man uns: Was sich Verteidiger zu- weilen in den Gerichtssälen bieten lassen müssen, dafür ist folgender Fall typisch: Der Rechtsanwalt Aronsohn hatte in einem Mißhandlungsfall vor dem Schöffengericht gebeten, einen Zeugen mehr im Zusammenhange zu vernehmen. Der Amtsrichter Hoffmann ließ sich auf den Wunsch dcS Verteidigers nicht ein, lehnte Anträge, sich mit den Schöffen zur Beratung zurückzuziehen, Vermerke in das Protokoll aufzunehmen usw. kurzweg ab und ent- gegnete dem Verteidiger, der sich in seinen Rechten beschränkt fühlte, weitere Proteste würde er als Ungebühr vor Gericht an- sehen. Der Verteidiger entgegnete darauf:„Das ist mir gleich. gültig." Amtsrichter Hoffmann zog sich darauf mit den Schöffen zur Beratung zurück und verkündete, das Gericht sei sich einig, daß sich der Verteidiger einer Nngcführ schuldig gemacht habe. Eine Strafe sei nur deshalb nicht verhängt worden, weil sich der Verteidiger in die Erregung„hineingeredet" habe. Das Vorgehen des Amtsrichters widersprach durchaus dem Gesetz. Nicht der Vorsitzende, sondern daS Gericht hat über die Anträge des Verteidigers sachlich zu entscheiden. Wenn die Schössen das ungesetzliche Vorgehen ihres Vorsitzenden guthießen, so beweist das nur, wie notwendig die Zuziehung von Schössen aus allen Kreisen der Bevölkerung ist. Darlehnsschwindeleien. � Nicht weniger als 70 Zeugen waren zur Verhandlung einer Strafsache geladen, die gestern die ö. Strafkammer des Land- gerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Warnatsch beschäftigte. Wegen Betruges in zahlreichen Fällen hatten sich der Fahrradhändlrr Wilhelm Schütte und der Agent Wilhelm Gcrst- nrnnn zu verantworten. ES handelte sich um die geschäftlichen Gepflogenheiten eines Tarlehnsgeschästes, welches die beiden An- geklagten betrieben haben. Die Strassache war schon einmal vor dem Schöffengericht Eharlottcnburg zur Verhandlung angesetzt ge'vescn, daS Schöffengericht erklärte sich aber für unzuständig und verwies die Sache an die Straskmnmcr. Die Anklage beschuldigte die beiden Angeklagten Darlehnsschwindeleien in großem Umfange ausgeführt zu haben. Der Angeklagte Schütte betrieb früher ein Fahrradgcschäft in der Kantstraße, Gerstmann war früher Inhaber eines Tapetengeschäftes. Im August 1907 vereinigten sich beide zum Betriebe eines DarlehnsgeschästeS, welches in der Kaiser Fridrichstraße 57 in Charlottenburg installiert wurde. Wenn Dar« lehnssucher Inserate in bürgerlichen Zeitungen veröffentlichten, auf Grund deren sie Geld suchten, dann meldeten sich die Ange- klagten und erklärten, daß sie in der Lage seien, die gewünschte Summe zu beschaffen. Wenn dann die betreffenden Personen— es kommen etlva 70 bis 80 in Frage— in dem Bureau der Ange- klagten erschienen, dann führte Gerstmann, der sich als„Rentier" Schütte gericrte, die erforderlichen mündlichen Verhandlungen, bei denen die Tarlehnssuchcr in dem Glauben erhalten wurden, daß sie nicht einem Vermittler, sondern einem Selbstgeber gegenüber standen. Dann verlief die Sacke so: Zunächst verlangte Gerst- mann einen Vorschuß von 3 bis 15 M., die angeblich zur Anstellung der notwendigen Auskünfte verwendet werden sollten. Wenn dann nach einiger Zeit die Gcldsucher wieder erschienen, dann erfuhren >ie� daß dw Auskunft ganz gut ausgefallen sei, aber doch noch ein Bürge gestellt werden müsse. Obgleich auch dieses Verlangen er- füllt wurde, kam es doch nie zur Vermittelung des DarlehnS. Die Gcldsuchenden wurden mit dem Bemerken abgespeist, daß Herr Rentier Schütte nach der eingezogenen Auskunft von der Sicherheit des Bürgen doch nicht genügend überzeugt sei. Diese Auskunft, für die der Vorschuß gezahlt werden mutzte, bestand darin, daß der Angeklagte Schütte, den die Gcldsuchenden als solchen, nie kennen gelernt hatten, eines Tages in den Gcschästslokalen. bezw. Wohnungen der letzteren erschien, sich als„Vertrauensmann des Rentiers Schütte" vorstellte und einige Fragen an die Betreffenden richtete, die sich aus deren Bonität bezogen. Tie Anklage war der Ansicht daß die Angeklagten gar nicht willens und auch gar nicht in der Vermögenslage gewesen seien, höhere Geldbeträge als Darlehen zu gewähren, daß eS ihnen vielmehr lediglich darauf angekommen sei, die angeblichen Auskunftskosten in die Tasche zu stecken. Auf Grund einer eingegangenen Strafanzeige wurde bei den Ange- klagten Haussuchung abgehalten und dabei ein Buch mit Beschlag belegt, in denen die Namen der jetzt als Belastungszeugen auf- tretenden Personen enthalten waren. Diese bekundeten in über- wiegender Zahl, daß es nach ihrer Ueberzeugung den Angeklagten nur um die Auskunftsgebühr zu tun war; ein Teil von ihnen folgerte dies auch daraus, daß sie sowohl selbst, als auch der von ihnen angegebene Bürge durchaus kreditwürdig waren und trotzdem in keinem einzigen der vielen Fälle ein Geschäft zustande gekommen sei.— Die Angeklagten bestritten dagegen jede Schuld und be- hauptcten, daß sie die ehrliche Absicht gehabt hätten, die Darlehen zu beschaffen, daß sie auch Geldgeber hinter sich hätten, die Sachen aber alle zu unsicher gewesen seien. Sie wollen bei dem ganzen Geschäft, das sie nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, Geld zugesetzt haben.— Der Staatsanwalt hielt beide Angeklage des fortgesetzten vollendeten und des versuchten Betruges für überführt und be- antragte je 6 Monate Gefängnis und je 300 M. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte Schütte zu nur 2 Monaten, Gerstmann zu 3 Monaten Gefängnis und je 1060 M. Geldstrafe eventuell noch je 100 Tage Gefängnis._ Ein dreister Raubanfall führte gestern den Kellner Gustav Handtke vor daS Schwurgericht deS Landgerichts II. Der Angeklagte hatte in Erfahrung gebracht, daß eine Angestellte der Buttergroßhandlung von Gebrüder Groh an einem bestimmten Tage in der Woche die Tageslosungen aus den verschiedenen Filialen der Firma abholte und nach der Zentrale in der Blumenstraßc ablieferte. Hierauf baute der Angeklagte, der sich schon längere Zeit beschäftigungslos in Berlin herumtrieb, seinen Plan. Am 13. Dezember vorigen Jahres hatte die Buchhalterin Heinrich den Auftrag, die Wochenlosung aus der Filiale Potsdamer Straße abzuholen und nach der Zentrale zu bringen. Kaum hatte sie die Straße wieder betreten, als der Angeklagte auf sie zusprang, ihr mehrere Fanstschläge versetzte und ihr nach einem kurzen Hand- gemenge ein tleines Handtäschchen entriß. Die Ueberfallene stürzte zu Boden, hielt aber dabei ein unscheinbares, in Zeitungspapicr eingewickeltes Paketchen besonders fest. Der dreiste Räuber wurde sofort verfolgt und nach einer aufregenden Hetzjagd von einem Ar- beiter Sties gestellt. Erst jetzt stellte es sich heraus, daß der An- geklagte sich ganz umsonst bemüht hatte, denn das Handtäschchen enthielt nur einen geringen Betrag, während daS unscheinbare Paketchen den Betrag von 1500 M. enthielt. Die junge Dame hatte diesen Trick in der Voraussetzung angewendet, daß bei einem Raub- anfalle der Täter das Geld in der Handtasche vermuten würde.—- Der Staatsanwalt beantragte dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß nur eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten unter Anrechnung von zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Dos Gericht ging jedoch über diesen Antrag hinaus und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis._ um neuartiger Schwindeltrick. Herr Adolf Kunze in Friedenau, Lefevrestraße 22, Sohn deS Tischlers Wilhelm Kunze, ersucht uns um Mitteilung, daß er mit dem Handlungsgehilfen Adolf Kunze nicht identisch ist, der am Frei- tag wegen einiger Dutzend Betrügereien zu l Jahr und 6 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt ist. Wir kommen diesen: Wunsche gern nach. Ter Verurteilte befindet sich in Haft._ Ein patriarchalischer Gutsbesitzer. Gegen zwei Frauen, die GutSbesitzerehefrau Berta RosaNc König und deren Dienstmagd Emma Schmidt, war Anklage wegen versuchten Mordes erhoben worden. Die Gutsbesitzerin lebte seit langen Jahren mit ihrem Manne in Unfrieden. Grund zu diesem gab der Mann. Er unterhielt Verhältnisse mit seinen übrigen beiden Dienstboten und benutzte seine Frau lediglich als Arbeits- pferd. Sie erhielt auch Prügel, wenn sie nicht genug gearbeitet hatte. 30 Jahre hindurch hat die Frau sich die rohe Behandlung gefallen lasten, und jetzt, nachdem sie bereits am Rande deS Grabes stand, faßte sie den Entschluß, sich des Tyrannen auf mörderische Weise zu entledigen.„Ich halt es nicht mehr aus," klagte sie ihrer Magd, der Emma Schmidt, und diese erteilte ihr den Rat:„Schafs' doch den Mann aus dem Wege, dann haben wir wenigstens Ruhel" Am 21. Dezember 1008, früh in der siebenten Stunde, brachte der Gutsbesitzer seinen Pferden Hafer. Die beiden Frauen hatten in der Nacht zuvor ihren Mordplan beraten und unauffällig folgten sie ihm in den Pferdestall. Hier gab die GutSfiau ihrem Manne einen kräftigen Stoß, daß er unter die Pferde fiel. Er versuchte sich zu erbeben, aber in diesem Augenblicke sprang die Tienstmagd ans Geheiß der Herrin mit einer eisernen Hacke hinzu und versetzte dem Gutsherrn mehrere heftige Schläge über den Kops. Dann gab sie ihm noch einen Fußtritt in den Leib und lief mit ihrer Herrin in den Garten. Die Verletzungen, die die beiden Frauen dem Guts- Herrn beigebracht hatten, waren jödoch nicht lebensgefährlicher Ökatur. Er konnte sich noch erheben und begab sich, während die Täterinnen im Garten lauerten, ins Freie, um sich zum benach» karten Gute des Gcmeindevorstcmdcs zu begeben. Als die Guts- Herrin ihres totgcglaubten Mannes ansichtig wurde, rief sie entsetzt der Magd zu:„Er ist nicht tot, sonder,, läuft im Hof mit einer Gabel herum!" Dann ergriffen sie die Flucht, wurden aber alsbald von der Ortspolizci festgenommen. Vor dem Schwurgericht in Freiberg in Sachsen gaben sie ihre Tat unumwunden zu, bestritten auch nicht, bereits am Abend vor der Tat sich überlegt zu haben, wie sie den Mord ausüben wollten. Die Gutsherrin wurde trotz der mildern- den Ilmstände zu fünf Jahren, die Dicnstmagd zu drei Jahren Zucht- hauS, außerdem beide zu sechs Jahren Ehrenrecksverlnst verurteilt. Eingegangene Druck ked rieten. Der Blumeuhiob, Roman von ö. Kyser. 8,50 M., geb. 4,50 M.— Snnchal. Eine Geschichte der Sehnsucht von N. JaqucS. 2 M., geb. S R. is. Filcher, Berlin, Bülowstr. 90. Berantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Bcrlin-Rixdorf. Für denJnscratenteil verantw.: Tb.Gwckc.T'crlin. Druck u. VerlaqiVorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsaiistalt Paul Sinaer& Ca.� Berlin SW. i,>1.». I«m. 2. AeilM des JonWf{Iftlintt WksdlM-lM» i«,» ............................................................................................................ im GeiKralverfammlung des KreiswaW- Vereins niederbarnltn. Der Wahlverein für den Reichsiagstvahlkreis Niederbarnim hielt seine Generalversammlung am Sonntag im„Kronprinzen- garten" zu Lichtenberg ab. Der Kreisvorstand hatte einen ge- druckten Jahresbericht vorgelegt. Dieser erinnert zunächst an die politischen Ereignisse des Jahres und die Parteitätigkcit, welche aus Anlaß derselben ent- faltet wurde. Ueber die Angelegenheiten des Kreises selbst ent- nehmen wir dem Bericht folgende Angaben: In den meisten Orten des Kreises hatten wir Gemeindewahlen. Im großen und ganzen haben wir unsere Position behauptet. Die Zahl der Mandate ist dieselbe geblieben. Im ganzen hat der Kreis 93 sozial- demokratische Vertreter in den Gemeinden.— An den Gewerbegerichtswahlen beteiligten sich ausier den größeren Orten wie Lichtenberg. Weißensee, Rummelsburg. Pankow und Tegel noch di» Genossen in Stralau, Friedrichsfelde. Nieder-Schön- Hausen, Wilhelmsberg, Reinickendorf-Ost und-West.— Ferner sagt der Bericht: Auch in der Zwischenzeit zwischen den Wahlen waren wir nicht müßig. Durch die Verbreitung unserer Ideen und Ziele durch die Presse und durch Flugblätter haben wir die Agitation betrieben. Die Kleinarbeit der Genossen wurde sehr in Anspruch genommen. Der Erfolg zeigt sich in dem Mitgliederstand und der Zahl der Abonnenten unserer Presse. Gewiß könnte der Erfolg noch größer sein, jedoch die seit Jahren anhaltende wirtschaftliche Krise äußert sich auch bei uns in dem ungünstigen Stande der Fi- nanzen. Erfreulicherweise haben wir nicht über einen Rückgang zu klagen, vielmehr haben loir noch einen kleinen Fortschritt zu verzeichnen. Mitgliederzahl und Kassenbestände haben sich gehoben. Durch den Uebertritt der Frauen in unseren Wahlverein im August ?v(13 hat sich auch die Zahl der organisierten Frauen vermehrt. Ueber die Zahl der Mitglieder, der„Vorwärts"-Leser sowie der auS der Landeskirche Ausgetretenen gibt folgende Tabelle Auskunft: Diese Tabelle bezieht sich nur auf die männlichen Mitglieder. Von den bereits früher organisierten Genossinnen sind nach In- krasttreten des Reichsvcreinsgesetzes dem Verein 689 weibliche Mit- glieder beigetreten. Im Berichtsjahre wurden abgehalten 209 Mitgliederversamm- kungen. ISS öffentliche Versammlungen, 1s Vormittags- und 22 Nachmittagsversammlungen am 1. Mai. 119 Agitationstouren wurden veranstaltet; den Genossen stehen im Kreise IIS Versamm- lungslokale zur Verfügung. Der Kassenbericht zeigte eine Einnahme von 29 463,32 M., eine Ausgabe von 25 307,19 Mark und einen Bestand von 4126.13 M.— An den Kassierer von Groß-Berlin sind 10 366.60 M. Beitragsanteile abgeführt und außerdem noch 7051,35 M. Nachdem die Generalversammlung eröffnet war, erstattete der Vorsitzende Dentzer den Geschäftsbericht des Vorstandes. Er be- schränkte sich im wesentlichen auf einige Erläuterungen des gc- druckten Berichts. Ferner bemerkte er, die Tätigkeit des Vorstandes sei eine sehr rege gewesen. ES fanden IS Sitzungen des engeren und 14 Sitzungen des erweiterten Vorstandes statt. Schließlich gab der Redner cme kurze Darstellung der bekannten Vorgänge in Pankow. Er führte aus, daß die Maßnahmen, welche der Kreis- vorstand in dieser Angelegenheit traf, angesichts der Situation notwendig und durchaus berechtigt seien. Er glaube, die Generalver» sammlung werde mit der Haltung des Vorstandes einverstanden �'"'Der Kassierer Seikel gab einige Erläuterungen zum Kassen- bericht. K u b i g erstattete den Bericht der Preßkommission. Er gab eine Uebersicht über die Finanzlage und den Abonnenten- stand des„Vorwärts", und meinte, es könne mit Befriedigung kon- statiert werden, daß trotz der gegenwärtigen Krise die Abonnenten- zahl immer noch um 8315 über dem Durchschnitt des Vorjahres siebe. Ferner besprach der Redner die Tätigkeit der Preßkommission und ihre Stellungnahme zu verschiedenen Beschwerden und An- trägen im einzelnen. Was er in dieser Hinsicht ausführte, ist auS den in den Berliner Wahlkreisen gegebenen Berichten bereits be« kannt.,„v, Nach dem von Sonnenburg gegebenen Bericht der Man- datprüfungskommifsion sind auf der Generalversammlung anwesend 15 Kreisvorstandsmitglieder und Funktionäre, 18 Bezirksvorstands- Mitglieder und 78 Delegierte.— Im Anschluß an den Bericht wurde beschlossen, daß die neu festgesetzte Delegiertenzahl immer vom Beginn des Geschäftsjahres an gelten soll. EliaS erstattete den Bericht der Lokalkommisfion. Diese habe eine rege Tätigkeit entfaltet. 216 Briefe seien aus- und 230 cistgegangen. Der Redner zeigte an verschiedenen Bei- spielen, wie schwierig es in vielen Orten sei. Lokale für uns zu bekommen. In 18 Orten seien alle Lokale gesperrt, in 77 Orten sind freie Lokale vorhanden, in 9 Orten sind alle Lokale frei. Zwei Konferenzen fanden im Laufe des Jahres statt. Leider hätten ein- zelne Bezirksvorstände nicht in enger Fühlung mit den Mitgliedern der Lokalkommission gestanden und auch zum Teil keine Entschädi- gung für Agitation in der Lokalfrage bewilligt. In den ländlichen Orten hätten die Wirte fast immer dem Druck der Polizei nach- gegeben. I a k o b s e n erstattete den Bericht der Agitationskommission. An der Hand zahlreicher Einzelvorgänge gab er ein Bild vom Stande der Organisation und Agitation in der Provinz, wie es durch die Berichterstattung in Berlin bereits bekannt geworden ist. Der Redner konstatierte, daß die Partei in steter Fühlung mit den gewerkschaftlichen Organisationen in der Provinz gearbeitet habe und daß der Arbeiter-Radfahrerbund bei den Agitationsarbeiten wertvolle Hilfe leiste. Frau K i e n a st gab eine Uebersichtüber dieKassen- Verhältnisse der Frauenbewegung des Kreises vor dem An- schluß an den Wahlverein. Hierauf wurde die Diskussion über den Vorstandsbericht eröffnet. Sie erstreckte sich zunächst in ausführlicher Weise auf die P a n k o w e r Affäre. Arendsee erklärte, er könne nicht einverstanden sein mit dem Vorgehen des Kreisvorstandes gegen die Pankowcr Genossen. Der Kreisvorstand habe schon durch sein seitheriges Verhalten Wasser auf die Mühle Röders geführt und die Erbitterung der Pankower Genossen auf die Spitze getrieben. Die Auflösung des Vereins sei nach dem Statut nicht gerechtfertigt. Aber abgesehen davon, habe der Kreisvorstand mit der Auflösung eine Dummheit gemacht, die nicht so leicht wieder gut gemacht werden könne. An demselben Tage, wo die Paukower Genossen schon beschlossen hatten, einen anderen Vorstand zu wählen und an demselben Tage, wo Räber durch die Kontrollkommission ausgeschlossen wurde, habe der Krcisvorstand die Auflösung des Pankower Vereins beschlossen. Das sei eine verfehlte taktische Maßregel. Eine Organisation habe der Krcisvorstand zerstört, die nicht so bald wieder aufgebaut werden könne. M i r n s sagte, was in der Pankower Angelegenheit geschehen ei, könne ja nicht mehr in andere Bahnen gelenkt werden. Es ei kein Zweifel, daß der Vorstand mit seinen Maßnahmen in der Pankower Angelegenheit geglaubt habe, den Interessen der Partei zu dienen. Aber der Vorstand habe nicht richtig gehandelt. Die Schuld an den Verhältnissen in Pankow liege auf beiden Seiten, die größte Schuld hätten jedoch die Pankower Genossen. Wenn man die Angelegenheit richtig beurteilen wolle, dann dürfe man nicht erst bei der Affäre Räber anfangen. So lange Frei- wald das Zepter in Pankow führte, seien Dingo vorgekommen, mit denen man nicht einverstanden sein könne. Es habe sich eine Strömung gegen Freiwald und seine Freunde gebildet. Dem Verlangen der Genossen in den Bezirken müsse mehr Rechnung ge- tragen werden, als es der Kreisvorstand bisher getan habe. So hätte der Vorstand nicht denjenigen Genossen in die Spedition ein- setzen dürfen, gegen den sich der ganze Zorn der Mehrheit der Pankoiver Genossen richtete. Damit habe der Vorstand Oel ins Feuer gegossen. Zu billigen sei es allerdings nicht, daß die Pan- kower Genossen dann auch den Spediteur aus der Mauerstraße nicht haben wollten. Es wäre besser gewesen, wenn der Kreis- vorstand nicht Berufting eingelegt hätte gegen das Schiedsgerichts- urteil über den engeren Vorstand von Pankow. Durch die Auf- lösung habe der Kreisvorstand eine Parteiorganisation zerrüttet, die nun nicht sobald wieder auf die frühere Höhe kommen werde. M a s s a vertrat den Standpunkt, daß die Berufung gegen das Urteil des Schiedsgerichts nur auf Beschluß der Generalversamm- lung hätte erfolgen dürfen. Ein Recht zur Auflösung des Pan- kower Vereins habe der Vorstand nicht. Er hätte abwarten müssen, bis die Generalversammlung gesprochen hatte. Durch die Maß- nahmen des Borstandes würden die Paukower Genossen nicht be- friedigt werden. Die Unzufriedenen würden sich umschreiben lassen und dann ihr Treiben fortsetzen. Auf das Statut könne sich der Vorstand hinsichtlich der Auflösung nicht stützen. Von einem solchen Recht des Vorstandes stehe nichts im Statut. I o h n-Rummelsburg: Das Verhalten der Pankower Genossen könne gar nicht scharf genug verurteilt werden. Aber auch der Kreis- vorstand trage in taktischer Hinsicht einen Teil der Schuld an diesen Vorgängen. Räber sei nicht der Mann, der an der Spitze eines Wahl- Vereins stehen könne. Aber man hätte doch berücksichtigen müssen, daß hinter ihm der ganze Pankower Vorstand stand und daß man deshalb nicht so schroff gegen die Pankower Genossen hätte vorgehen dürfen. Kubig sei als Freund Frei walds mehr als dieser in Pankow verhaßt. Deshalb hätte der Kreisvorstand nicht den Genossen Kubig als Spediteur einsetzen dürfen. Wenn es der Vorstand dennoch tat, so habe er nicht klug gehandelt. Nach der Verbreitung des Pankower Flugblattes habe die Kreiskonfercnz allerdings beschlossen, daß es so nicht weiter gehen dürfe, aber sie habe dem Vorstand nicht daS Recht gegeben, den Pankower Verein aufzulösen. DaS hätte nur durch Beschluß der Generalversamm- lung geschehen können. Mit der Auflösung habe der Vorstand einen großen Fehler gemacht. Es müsse auch jetzt noch alles getan werden, was geeignet sei, friedliche Verhältnisse in Pankow herzustellen. D ü w e l l führte aus: Der Vorredner habe gesagt, die Pan- kower Genossen hätten sachlich Unrecht, aber der Vorstand habe taktisch falsch gehandelt und müsse deshalb Prügel haben. Aber weder der Vorredner, noch einer der anderen Kritiker, habe gesagt, wie es der Vorstand hätte machen sollen, um eine Lösung des Paukower Konfliktes herbeizuführen. Es sei behauptet worden, der Vorstand h«be kein formales Recht zur Auflösung eines Ortsvcreins. Der Redner vertritt den Standpunkt, daß der Vorstand nach dem Statut das Recht zur Auflösung habe. Hätte der Vorstand nicht so gehandelt, wie er gehandelt habe, so würde man ihn ebenfalls scharf kritisiert haben. Nach dem Organisationsstatut der Partei sei der Kreiswahlverein die Grundlage der Parteiorganisation. Hiernach seien die örtlichen Vereine in solchen Wahlkreisen, die sich über mehrere Orte erstrecken, keine selbständigen Parteiorganisa- tionen, sie könnten also nicht unabhängig von der Kreisorganisation Beschlüsse fassen. Nach dem Statut des Kreiswahlvereins habe der Vorstand die Aufgabe, nach Bedürfnis Mitglieder mit der Agitation in den Bezirken zu beauftragen. Von diesem Recht habe der Vor- stand jetzt Gebrauch gemacht. Eine Selbstbestimmung der örtlichen Vereine gebe es wohl nach alter Tradition, aber nicht nach dem Statut. Als der Vorstand den Pankower Verein aufzulösen be- schloß, habe er nicht wissen können, daß Röder am Tage der Auf- lösung von der Kontrollkommission aus der Partei ausgeschlossen werden würde. Daß die Pankower Genossen ihren alten Vorstand nicht wiederwählen würden, das habe der Kreisvorstand nach frühe- ren Erfahrungen mit derartigen Erklärungen nicht glauben können. Hätte sich der Kreisvorstand mit der Annahme, der Pankower Vor- stand würde nicht wiedergewählt, beruhigt und nichts getan, so würde das nicht gebilligt worden sein. Wenn man die Pankowcr Angelegenheit richtig beurteilen wolle, dann müsse man die Per- sonen betrachten, welche im Vordergrund der Treiberei stehen. ES sei kein Zweifel, daß daS Vorgehen der Pankower nicht in ihrem engeren Vorstande, sondern von einzelnen Angestellten einer be- stimmten Krankenkasse bestimmt werde. Das sei ja allgemein be- kannt. Warum werde denn auf dem vom Pankower Vorstände der- breiteten Flngblatte nicht der Drucker genannt?— In der vom Kreisvorstande einberufenen Versammlung in Pankow sollte den Genossen, die durch Räber über die Angelegenheit falsch infor- miert waren, die Sache richtig dargestellt werden. Zu einer der- artigen Versammlung habe jedes Mitglied des KrciSwablvercins Zutritt. Die Pankower Genossen aber hätten den Mitgliedern dcS KreiSvorstandcs den Zutritt verwehrt. Das sei ein Verstoß, durch den sich die Betreffenden außerhalb der Parteiorganisation gestellt hätten. Die meisten der Pankower Parteigenossen kennen die fach- lichen Gründe ihres Konfliktes mit dem 5kreisvorstande gar nicht. Sie seien durch Röder irregeführt. Die Pankower Genossen seien in ihrer großen Mehrheit zu entschuldigen, ihre Erregung sei ihnen zugute zu halten, aber daS alles dürfe nicht bestimmend sein, wenn Gefahr im Verzuge sei. Wenn der KreiSvorttand nicht mehr in die Versammlung gelassen werde, dann sei doch eine Verständigung mit den Pankower Genossen nicht möglich. Bei außergewöhnlichen Verhältnissen, wie sie in Pankow vorlagen, habe der Kreisvorstand zu besonderen Maßnahmen schreiten müssen. Wenn der Vorstand in solchen Fällen nicht das Recht der Initiative hätte, dann brauchte der Kreis überhaupt keinen Vorstand. Wenn man anerkenne, daß der Kreisvorstand sachlich im Recht sei, dann niüsse man auch zu- geben, daß er richtig gehandelt habe, indem er das getan habe, wozu er im Interesse der Partei und der Gewerkschaften verpflichtet ge- Wesen sei. Die folgenden Diskussionsredner Gütig. Liesega na, K i e n a st, Brühl, Becker, Neu mann, gingen zum Teil sehr eingehend auf die Pankower Angelegenheit ein und rechtfertigten die Handlungsweise des KreisvorstandcS. Kä mi ng vertrat in längeren Ausführungen den Standpunkt: Es sei klar, baß der Pankower Angelegenheit ein Ende gemacht werden mußte; aber es sei nickst zu billigen, daß der Kreisvorstand die Generalversammlung vor vollendete Tatsachen gestellt habe. In der Sache selbst habe der Krcisvorstand taktisch nicht richtig ge- handelt. Die Auslegung, welche D ü w e l l dem e-tatut gegeben habe, sei unhaltbar. Der§ 4 schreibe wohl vor, wo und unter welchen Umständen örtliche Organisationen errichtet werden können, aber er gebe dem Vorstande kein Recht, eine bestehende Organisation aufzulösen.— Mit Bezug auf die Mitteilung des„Vorwärts", daß Kater die Vorgänge in Pankow für seine die Arbeiterbewegung zersplitternde Agitation auszunutzen versuche, sagte der Redner: Früher seien Kater, Juppenlatz, Gehl usw. beim„Vor- wärts" sehr gern gesehen gewesen, wenn sie gegen die Gewerksckiaften vorgingen. Jetzt, wo sie den Parteigenossen in die Parade fahren, sei es anders geworden. Wenn nian diesen Leuten früher das Hand- werk gelegt hätte, dann wäre es in Pankow wohl nicht so weit gc- kommen. Blank- Pankow billigte die Maßnahmen des Kreisvorstandes und wünschte, daß man den Pankower Genossen jetzt die Regelung der Angelegenheit allein überlasse, sie würden den Weg zum Frieden finden, ja sie seien schon auf dem Wege zum Frieden. Sie hätten eine Kommission eingesetzt, um, vielleicht unter Mitwirkung des Parteivorstandes, eine Verständigung herbeizuführen. Seikel stellte durch Verlesung der Beschlüsse der Kreiskonse- rcnz fest, daß der Kreisvorstand im Sinne dieser Beschlüsse ge- handelt habe. Wessel- Stralau sagte, dem Kreisvorstand seien Mittel und Wege zur Verständigung mit den Pankower Genossen angegeben worden, er habe aber nicht davon Gebrauch gemacht. Ter Pankowcr Verein hätte nicht aufgelöst Werden brauchen.— Fenglcr- Pankow billigte die Maßnahmen des Krcisvorstastdcs.— John- Oberschöncweide führte ans: Die Beschlüsse der Kreiskonferenz hätten den Vorstand nicht zu seinem Vorgehen ermächtigt, es hätte vielmehr nochmals die Angelegenheit in der Kreiskonferenz behandelt werden müssen, ehe der Vorstand gegen die Pankowcr Genossen hätte vorgehen dürfen. Hierauf wurde ein Antrag auf Schluß der Diskussion ange- nommen. Es folgten eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Unter anderem bemerkte D ü w e l l gegen die Ausführung Kämings über das angebliche Verhältnis des„Vorwärts" zu Kater, Juppcn- I a tz usw.: Der„Vorwärts" habe n i e mit einzelnen Personen gegen die Gewerkschaften konspiriert. Ehe der Parteitag nicht ge- sprachen hatte, habe der„Vorwärts" nicht gegen die Lokalisten vorgehen können. Nachdem der Parteitag gesprochen hatte, habe der „Vorwärts" diesem Beschluß entsprechend gehandelt. lieber die Geschäfsfiihrung des Vorstandes und den Inhalt des Jahresberichts wurden in der Debatte nur vereinzelte un- wesentliche Ausstellungen gemacht. Unter anderem wurde bemerkt, im Jahresbericht werde nur die Zahl der übergetretenen, aber nicht die ser später beigetretenen weiblichen Mitglieder angegeben. Die wirkliche Zahl der weiblichen Mitglieder sei deshalb erheblich größer als die äm Bericht enthaltene. So habe Lichtenberg 173 weibliche Mitglieder, während der Bericht nur 87 angebe. Dentzer ging in seinem Schlußwort insbesondere auf die Pankowcr Angelegenheit ein und rechtfertigte im einzelnen die Maßnahmen des Vorstandes. Hierauf wurde die nachsiehende Resolution mit allen gegen 15 Stimmen angenommen: „Angesichts der parteischädigenden Vorgänge in Pankow, welche eine gedeihliche Parteitätigkeit zur Unmöglichkeit machten, erklärt sich die Generalversammlung mit den getroffenen Maß- nahmen des Kreisvorstandes in dieser Sache einvcrstemvcn und erwartet von ihm, daß er in Pankow Zustände herbeiführt, wie sie im Parteiintcresse notwendig sind." Die Diskussion über die Berichte der KommisstonSmitglicder erstreckte sich lediglich auf einige Beschwerden lokaler Natur. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Brühl- Lichtenberg, 2. Vorsitzender Dentzer- Waidmannslust, Kassierer Seikel- Lichtenberg, Schriftführer Lorenz- Reinickendorf-Ost, Beisitzer B e r g e r- Nummclsburg und Frau K i e n a st- Borsiglvalde. In die Preßkommission wurde He I l r i ch- Niederschönhausen mit 50 Stimmen gewählt.(Der bisherige Vertreter Kubig blieb mit 40 Stimmen in der Minderheit.) Ferner wurden gewählt: als Aspirant Liese gang-Oberschöneweide, in die Agitationskom- Mission I a k o bs cn« Oberschöneweide, Lokalkommission Elias- Rummelsburg, Revisoren: Sonnenburg- FriedrichShagrn. Arendsee- Tegel, T e u b e r- Weißensee. Revisor für Groß- Berlin Breitkreuz- W�ißensev. Hierauf folgte die Staiutenberatung. Dazu lag eine neue Fassung vor, welche von der Statuten- beratungskommission ausgearbeitet ist. Die neue Fassung unter- scheidet sich von dem alten Statut hauptsächlich dadurch, daß sie den Gedanken des Organisationsstatuts der Partei, wonach der Wahl- verein des Kreises die Grundlag« der Parteiorganisation bildet, klar zum Ausdruck bringt. Dcnigemäß sagt der ß 1 der vorge- schlagcncn neuen Fassung: Der Wahlverein„erstreckt sich über das ganze Gebiet des Niederbarnimer ReichStagSwahlkreiscS und setzt sich auS den in der Anlage genannten Bezirken zusammen. Jeder Bezirk wählt eine seiner Größe entsprechende Leitung."— In Konsequenz dieses Grundsatzes, daß der Kreiswahlvercin ein einheitliches Or- ganisationSgebilde ist, spricht die neue Fassung nur von Bezirken des Kreiswahlvereins, während im alten Statut von Bczirkswahl- vereinen die Rede ist. Die Aendcrungen, welche die neue Fassung sonst noch Vorsicht, sind unwesentlich und rein formaler Art. Der Vorstand wird gegen früher um zwei Personen vermehrt. Gegen die wesentlichste Bestimmung der neuen Fassung wenden sich Arendsee und John, während andere Redner die neue Fassung im Interesse einer einheitlichen Tätigkeit des ganzen Kreises empfahlen.— Die Vorlage der Kommission wurde para- graphenweise und schließlich auch im ganzen unverändert ange- nommen, Der Bezirk Oranienburg beantragte die Anstellung eines»e- soldeten Beamten des Kreiswahlvereins. Auch der erweiterte Vor- stand befürwortete den Antrag. Nach langer Debatte wurde die Anstellung eines besoldeten Sekretärs mit 53 gegen 36 Stimmen beschlossen. Die Stelle soll ausgeschrieben werden. DaS Anfangs- gehakt soll 2400 M. betvagen. Eine Kommission, welche die Be» Werbungen zu prüfen hat, wurde eingesetzt. Die anzustellende Person soll schließlich von der Generalversammlung gewählt werden. Eimge Anträge, welche aus den Bezirken noch zu anderen Punkten vorlagen, wurden von der Tagesordnung abgesetzt und die Generalversammlung nach einer ununterbrochenen neunstündige» Sitzung geschlossen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 2. März. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Elektra.( Anfang 8 Uhr.) Rönigl. Schauspielhaus. Kolberg. Deutsches. Revolution in Kräh wintel. Rammerspiele. Der Arzt Neues Schauspielhaus. Sauft. 1. Zeil. am Scheideweg.( Anf. 8 Uhr.) Unfang 8 Uhr. Leffing. Der König. Berliner. Einer von unsere Leut'. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Zaza. Nenes. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Hebbel. Revolution& hochzeit. Lustspielhaus. Im Klubseffel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Das Erbe. ( allner deuter.) Schiller Charlottenburg. Rechts herum. 3 Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Sean. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Bis früh um fünfe. Trianon. Der Satyr. Neues Overetten. Die Dollar inzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Unf. 8, Uhr.) Bernhard Roje. Einjährig linfrei willig. Gaftipiel Theater, Sherlod Holmes. Bürgerl. Tauspielhaus. Uriel Acosta. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Schiller- Theater. O.( Ballner- Theater.) Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, den 4. März, abends 9 Uhr, Dienstag, abends 8 Uhr: Dienstag, abends 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felig Philippi. Mittwoch, abends 8 Uhr: Rechts herum. herum. Schwant in 3 Aften v. Hans Gaus. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Erbe. aller Produktenhändler und-Händlerinnen Dr. Bein: Unsere Genußmittel. Donnerstag, abends85r: Donnerstag, abends8Uhr in den Boruffiasälen", Aderstr. 6-7, nahe Rosenthal. Tor. Luisen- Theater. Benefiz E. Uhlig: Bis früh um fünfe. Mittwoch: Dorf und Stadt. Donnerstag, Freitag: Bis früh um fünfe. Sonnabend nachm. 4 1hr: Hänsel und Gretel. Abends: Bis früh um fünfe. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen auf Srrwegen. 8 Uhr: Bis früh um fünfe. Montag: Der Störenfried und: Die Dienstboten. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Einjährig- Unfreiwillig Schwank in 3 Allt. v. Victor Laverrenz. SS Wochentagspreise. Mittwoch: Wohltäter der Menschheit. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 3. März 1909: Benefiz für Frl. Else Dorell u. Frau Fredi- Lindner: Der Leiermann u. sein Pflegekind. Bollsstid mit Gelang in 5 Atten von Charlotte Birch Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Apollo. Der junge Papa. Spezia Metropol- Theater litäten. Metropol. Donnerwetter Ios. tadel Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Basiage. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Ein lebiger Che mann.( Anf. 8 Uhr.) Kafino. Rugland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Gasispiel d. Mr. Latouré. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Parodie. Stegel fiegelt alles. Alles fürs Kind. Dder: Die Folgen eines Rendezvous.( Anf. 8 Uhr.) Urania. Zaubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Bein: Unsere Genußmittel @ternwarte, Invalidenstr. 57/62. Lessing- Theater. Dienstag 8 Uhr: Der König. Mittwoch 8 Uhr: Der König. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Lout'. Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Holden Perry Bender Thielscher. Giampietro Kettner Pfann 10 Uhr: pollo Theater 10 Uhr: Alice Norton. Dazu: Die neuen Spezialitäten 1. a.: Humpsti- Bumsti? Stuart? Donnerstag, den 4. März 1009: Première: Der junge Papa. Operette. Mufit von Edmund Eysler. WING BARTEN Neues Theater. Robert Steidl. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X...) Liane de Vriès. Stelling u. Rerell, kom Reckturner. [ Akt. Morgen und folgende Tage: Die La Sylphe, Tänzerin fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 2. März, Anfang 8 Uhr: Kean. Mittwoch: Husarenfieber. Donnerstag: Stean. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luijenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie." Schwank in drei Aften( vier Bildern) bon Georges Feydeau. Charleneu. Charlene, Musik- u.Jongl.Lillian Hoerlein, amerik. Sängerin. Corradinis, gemischt. Dressur- Akt: Zebras, Elefant, Pferd u. Hunde. The Banrads, Luftakt. Colonel Bordeverry, Kunstschütze. George Bonhair- Truppe, ikar. Spiele. Bellonis dressierte Papageien etc. Der Biograph, neueste Aufnahmen. هم Passage- Theater. Berlin beherbergt die sechs schönsten Mädchen der Erde! The 6 Sisters Lorrison dio englischen Schönheiten. Das großartige März- Programm! Piloty von Kaulbach Taciano Franz Amon 10 erstklassige Variété- Attraktionen. Passage- Panoptikum. Prinzeß Fassie die Amazonen- Königin mit ihrer wilden Leibgarde Morgen und folgende Lage: Die Das blaue Weib, felbe Vorstellung. Sonntag. 7. März, nachm. 3 the: Eine Hochzeitsnacht. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnieball. Militärische Humoreste bon Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 71. das Opfer unbarmherz.Tätowation. Alles ohne Extra- Entree. Kottbuser Die Braut von Messina. Rechts herum. Wäsche, Krawattenbranche Mitgliedfchaft Berlin des Sehneider- und Wäschearhelter- Verbandes Deutschlands. Sonnabend, den 13. März 1909 veranstalten wir ein Rosen- Fest bei den Mugdanesen in den neu dekorierten Räumen der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee. Auf dem Festplay: Sumoristische Beranstaltungen aller Art, großes Ningelringelreihen, Nutschbahn, Rosenhallen, musikalisches Ult- Trio. Bon 9 Uhr an: Großer Ball. Doppelmusikkapellen. Huldigungsreigen, ausgeführt von sechzehn Kolleginnen usw. Wir bitten recht zahlreich und möglichst in Sommers toiletten, orientalischen Trachten oder fremdländischen Kostümen erscheinen zu wollen. 252/ 4* Anfang dos Festes 8 Uhr. Einlaßkarten 50 Pf. Einlagfarten find zu haben in allen Bahlstellen des Verbandes von Berlin. Die Ortsverwaltung Berlin III. NB. An Plätterinnen, Stärkerinnen, Näherinnen vermittelt der Verbandsnachweis, Neue Königstr. 6, unentgeltlich Arbeit, Meldungen dort erwünscht. Gewerkschaften, Vereine, Fabriken! Alpen, Berliner Achtung! Voigts Krampenburg, Paren ist bas paffendite Ausflugslokal! Ausführliche Prospekte und Führer gratis! Vermietung von Dampfern und Motorbooten! Freies Telephon: Amt Köpenid 227. Hochachtungsvoll! Rob. Voigt. Arnold Scholz Neue Welt Hasenhelde 108-114 Im Riesen- Festsaal: ,, Das" Bockbier- Fest 99 Jeden Dienstag, Mittwoch a. Donnerstag: Gr. Tanz- Reunion. Heute Dienstag, den 2. März: Elitetag: :::: ,, Großer Schönheits- Kongreß":::: ,, Prämiierung der 3 schönsten Damen"= 3 Barpreise: 50 M., 30 M., 20 M. Preisrichter ist das Publikum. Alles Nähere siehe Anschlagsäulen. 04 Anfang 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. Ein Triumph! CARUSO Zigaretten nur 3 Pfg. per Stück! 000 Gastspiel- Theater Stadt- Theater Moabit. 8. Größter und vornehmster Theater faal Moabits. Köpenickerstr. 68. 8. Alt- Moabit 48.( el. II 2492.) Zum 519. Male: Sherlock Holmes Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Spielplan Allabendlich: Die beiden Bindelbands. Die OriginalKlabrias- Partie. Beide Komödien mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Palast- Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr. Sanssouci, Straße Das großartige Wäriprogr. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Theater- Abend, Die Grille. Ländliches Charakterbild v. Charlotte Birch- Pfeiffer. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. Jeden Sonntag, Montag, Donnerstag: Etelke Stoll Georg Gailer Marguerite u. Adriel 12 Attraktionen 12 Seine Geliebte. Echwant in 1 ft. überall gratis aut haben. Hoffmanns Nordd. Sänger Familientarten, wodjent. halbe Preise, Tanz. Donnerstag, den 4. März 1909: Börsenfieber. Luftfp. in 4 Aft. v. Dr. B. v. Schweizer. Anf. d. Vorft. 8, Raffenöffnung 7 Uhr. Stonzert 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag, 7. März: Börsenfieber. Montag, den 8. März: Soiree der Lunigen Sänger. Fröbels Allerlei- Theater. Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 2. März 1909: Die zwei Waisen. Schauspiel in 7 Bildern von G. Scherenberg. Raffenöffnung 7 Uhr. Anf. 8%, Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das neue Marz- Programm! Mensch oder Maschine? Moto Boy Das urkomische Linné Duett. Nen! Walzernacht. Neu! Rußlan d. Sonntag& Uhr: Wutter Gräbert. Walhalla Vetle Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr: Die großen März- Spezialitäten. Im Tunnel: Jap.Blumenfest. Regt mentstap. Theaterbef. hab. fr.Eintr. " Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Adolf Ritter. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes und Geschäftliches. 282/ 7* DZur Dedung der Unkosten findet Zellerfammlung statt. Der Vorstand. 3entral- Kranken- u. Sterbekaffe der Bimmerer ( E. Q. Nr. 2, Hamburg.) Dertliche Verwaltung Berlin. Dienstag, den 2. März, abends 8, 1hr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4: Mitglieder- Versammlung Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. Wahl der Revisoren. nahme zur Generalversammlung. 3. Wahl der Delegierten. Der Vorstand. Mitgliedsbuch legitimiert. 2. Stellung 259/ 1* J. A.: Nichard Schröder, Tilsiterstr. 7 b. IV. Zirkus Schumann Dienstag, 2. März, abds. 7%, Uhr: Brillante Vorstellung. Neu! Neu! !! Amerikanische Lynchjustiz!! Mr. Fred Rithlow wird wie Sitte unter den Cowboye gefesselt u. bom Pferde geschleift, Fred Rithlow wird sich während des Schleifens entfesseln und vertleiden. Nur noch einige Tage: XIV. Saison! Zirkus Busch. Dienstag, 2. März 7, Uhr abds.: Gala- Vorstellung. Debüt! Debüt! Debut! Mr. Fox Die Entfesselung a. ungesatt.Pierde u. die neuen glänz. Spezialitäten! Die Briatores. :: Schwestern Truzzi.# Die Erics. Pepino Clown. Herr Otto Schumann, Schulreiter, als Gaft! Um ca. 9 Uhr: Konsul Peter. Um ca.9%, 1.: Auswanderer. Orig. Prachtausst.- Pant. d.3. Busch. Vorber das großeGala- Brogramm. Tiberio, bingen Theater Variété Brillant brecher, hebt einen Elefanten! der Wunder. Paet, fimpanse. Golo, der Seeräuber. Außerdem das neue Programm. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Abends 8 Uhr: Uriel Acosta, Mittwoch: Der Salontiroler. W. Noacks Theater Dreftion: Rob. Dill. Brumente. 16. Mit d. größten Beifall aufgenommen! Spreeathener. Berliner Boltsftud mit Gesang. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf Donnerstag Benefiz Udo Hurst. Sonnabend zum erstenmal: Der Vampyr von London. Parodie- Theater. Dresdener Straße 97. Anf. 8%, Uhr. Siegel Siegelt alles! ober: Der Backsisch in Nöten. Borher: Alles für's Kind! oder Die Folgen eines Rendezvous. Preise 6 Sippläge: 20, 40, 75 Bf., 1 M. Folies Caprice Bum 82. Male: Ein lediger Ehemann. Anfang 8%, Uhr. ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten von nur erft flaffigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Soun tags. Sonnabend und Sonntag nach der Borst.: Gr. Freitanz. Kinematograph. Königstadt- Kasino. Holzmarliftr. 72. Gänzlich neues Programm mit Franz Sobanski Liffy Jetta, Ernst Gras, Mr. Nofter, Elsa Lüschou, Bernhard Marg, Lola Grah, The Johnstons Equili briftischer Reulen- Jongleur Aft. Siegel siegelt alles. Schwant mit Gesang von D. Richter. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Gastspiel des Mr. Jatouré : mit feinem weltberühmten Zwergtheater: und die übrigen erstklaffigen Spezialitäten. Anfang 8% Uhr, Sonntags 6 Uhr. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Volkslieder- Abend Sonntag, den 7. März 1909, abends 7, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Herr Robert Kothe( Lieder zur Laute) Margarete Walkotte( Rezitationen aus des Knaben Wunderhorn). [ 1185b] Abendkasse 60 Pf. Entree 50 Pf. Vorverkauf bei Herrn Horsch, Zigarrenhandlung, Engel- Ufer 15. 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März 1909, abends 8%, Uhr: Zwei öffentliche Frauen- Versammlungen in ben Rotalen: Urania", Wrangelstraße 11 und Königsbank", Große Frankfurter Straße 117. Zages Ordnung: 1. Die Frau im politischen Kampfe". 2. Disfuffion. Referentimmen sind die Genosfinnen Frau Warm und Frau Luise Zietz. 216/5 Die Einbnrufer. Gelegenheitskauf Bester für die Leser des Vorwärts": " Illustriertes Handbuch der Geographie boit Dr. Herm. Adalbert Daniel. Dritte verbefferte Auflage, bearbeitet bon Dr. W. Wolkenhauer, Bremen. Zwei starke Bände mit zirka 1300 Juustrationen, gut gebunden. Preis statt 21,60. nur 9, M. Expedition des„ Vorwärts" Berlin SW. 68., Lindenstraße 69, Zaden. BETTENFULLUNG sind GUSTAV LUSTIGS MONOPOLDAUNEN en( gesetzlich geschützt) das Pfund 2.85 Mark. Zentralverband der Zivilmusiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt IIIa, 4835. Achtung!= 50/ 1* Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Vorständen, Komitees und Saalinhabern unseren fostenlosen Arbeitsnachweis, Brunnenstraße 188. Geschäftszeit täglich von 10%-1 Uhr mittags. Der Vorstand. Rapellen vom größten bis fleinsten Drchefter stehen jederzeit zur Verfügung. NB. Unsere Mitglieder find im Befit einer Kontrollfarte. Diefelbe ift für das 1. Duartal weiß und muß mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Abendkurse zur Ausbildung von Technikern und Werkmeistern in Elektrotechnik u. Maschinenbau Technische Akademie, Berlin 45 Markgrafenstraße 100. Prospekte frel! Die erste Bettfedern- Fabrik mit elektrischem Betriebe Deutscher Holzarbeiter- Verband. Gustav Lustig Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 3. März, abends 8%, Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branchen. ages Ordnung: • 1. Bericht der Werkstattvertrauensleute über die Neuregelung der Arbeitszeit. 2. Die Hausagitation.( Die Vertrauensleute sind verpflichtet, die noch ausstehenden Adressen der Unorganisierten sowie der Helfer zur Hausagitation in diefer Versammlung abzugeben.) 8. Bericht der Kontrollkommission und Verbandsangelegenheiten. noit Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert. msi Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirksvertrauensmännerversammlung. S Die Verfammlungslokale find folgende: Tischler. Süd- Westen bei Habel, Bergmannstr. 5/6. Süden bet Gliesing, Waffertorur. 68. Südosten I u. II in ben Naunyn- Festsälen, Naunynftr. 6. 79/20 MusikinstrumentenArbeiter um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8. Osten( swifchen Zentrum und Fruchtstraße) bel Borgmann, Maschinenarbeiter I Andreasstr. 21. Frankfurter Allee 106. Osten II( mischen Fruchtstraße und Friedrichsberg) bei Pirnau, Oestliche Vororte bei Wildner in Friedrichsberg, Friedrich- Karl- Str. 11. Nordosten bet Boeker, Beberstr. 17. Jede Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Berfamm lung senden. Obiglo, Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt hwedterstr.23. Wedding u. Moabit: bei Fahrow, Raveneftr. 6. 12 Bautischler. bei Möhring, Süden, Westen, Südosten, Bez. 1: Admiralstrake 180. Osten, Bez. 2: bei Zietz, Warschauer Straße 61. Norden, Bez. 3: bei Schäde, Kopenhagener Str. 74. in den Mariannen- Festsälen, Mariannenufer 2 ( nicht im Gewerkschaftshause).. Einsetzer um 8 Uhr im ,, Gewerkschaftshause", Engelufer 15( Saal 10). Bu diefer Versammlung sind die Stollegen der Firma Gebrüder Weidner öffentlich eingeladen. Kammacher Bet Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Bodenleger im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Stellmacher a Wedding u. Moabit, Bez. 4: bei Sachse, indower Str. 26. bei Hahn, Rosenthaler Vereinshans, Rosenthaler Straße 57. Bahnhof Wedding. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen aus folgenden Berkstätten befonders eingelaben: Saalmann, Sulfitenstraße; Heinemann, Schulstraße; Roloff, Egerzierstraße. Möbelpolierer und Beizer. Osten bei Bocker, Weberstr. 17. Südosten im Märkischen Hof". Admiralftr. 180. Norden bei Günther, Brunnenstr. 96. Die Tischler werden gebeten, die Polierer ihrer Werkstatt auf diese Bersammlung aufmerksam zu machen. Magazinarbeiter bel Wilhelm Kutzner, Schütenftr. 18/19. Drechsler, Treppengeländer- und Luxusmöbelbranche Norden bei Döhling, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Südosten u. Südwesten bei Stramm, Nitterstr. 123. Modell- und Fabriktischler # 8 Uhr im Verbandshause der Gastwirtsgehilfen, Groke Hamburger Strake 18/19. Kistenmacher bet Baudach, Breslauer Straße 28. Korbmacher bei Elchhorn, Koppenstraße 47. Bürstenmacher bei Preuß( Siljebein- Ausschant), Holzmarktstraße 65. Vergolder bel Merkowski, Andreasstr. 26. Bei Jalousie- Arbeiter Walter, albertier. 62. S Perlmutt-, Horn- u. Steinnußarbeiter um 7 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorfit. 5. og 1037 Aufarbeiten von Betten und Bettfedera. Berlin S., Prinzenstr. 46 u. 47, führt nur Bettfedern Dannen zu 0,55, 1,00, 1,25, 1,50, zu 2,85, 3,50, 4,50, 5,50, 1,75. 2,00, 2,25, 2,50, 3,00, 3,50 bis 5,00 Mk. per Pfund. 6,50 bis 8,00 Mk. Fertige Betten, bestehend aus Oberbett, Unterbett, 2 Kissen za 12, 15, 19, 20, 23.50, 28, 38, 45, 54, 61, 75, 90 bis 105 Mark. Bettinlette and andere Bettartikel. Grösstes Spezial- Geschäft Deutschlands. Es kann niemand Betten und Bettfedern billiger oder besser liefern als die Firma Gustav Lustig 1. well die Firma sich nur mit dem Artikel Betten und Bettfedern befasst, 2. weil kein zweites Geschäft, das Betten und Bettfedern führt, jährlich über 2000 Zentner Bettfedern und Daunen umsetzt, 3. well die Firms Gustav Lustig von ersten Importeuren, von ersten russischen, österreiobisohen und inländischen Sammlern und von Gefügelmästern kauft und 4. 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Leitern Gummiwalze Wringmaschinen la maize 9.00 4210.25 39 Schmortöpfe.......... 38, 48, 60, 70, 85 Pf. Kasserollen ohne Ring...... 28, 35, 40, 48Pf. Kasserollen mit Ring... 48, 55, 65, 75 Pf. Topfdeckelhalter 6 teilig.... 65, 8 teilig.... 85 Pf. Topfdeckel..... Durchschläge..... Tassen mit Untertassen. 10, 14, 16, 20Pf. 45, 55, 75Pf. 8, 10, 12, 15PE. ...... 8, 20, 25 PL 2 Gasplätten Emaille Wasserkrüge Kugelfasson 75, Porzellanform 85 Pf. Waschschüsseln mit Seifnapf.......... ...... 55, 65 Pf. Waschschüsseln Porzellanform 1.25, ff. dekoriert 1.95 Seifenhalter für die Leitung 12PE Kummen 6, 8, 10Pf. Garnitur Sand, Seife, Soda....... 90, dekoriert 1.95 Marktkörbe mit Emaille- Einsatz 1.45 1 Waggon Diamantglas Porzellan Speiseteller Dessertteller weiss Bratenschüsseln oval...... 28, 38, 65, 85Pt. Steingut Speiseteller gerippt, flach oder tief..... Dessertteller gerippt.. Kaffeebecher....... mit Klappe und Erhitzer...... Garnitur 3.90 Füll- oder Schaumlöffel............ 12, 18Pt. Esslöffel........ Eimer ca. 28 cm.... Eimer dekoriert, mit Deckel..... ........ .... 5Pt. 68Pt. 1.95, 2.45 Eimer dekoriert, mit Deckel, Messingbügel 2.45, 2.95 und Knopf... Mülleimer mit Deckel und Auf- 1.95, Delftmuster 2.45 schrift Müllschaufeln........ 35, 45 PL beste Steinschliff- Imitation Kompottschalen, Zuckerschalen, Dessertteller, Käse- und Butterglocken etc. aussergewöhnlich billig. Porzellan dekoriert ...... 9 Pf. 8Pf. 8, 10, 12 Pf. 1.65 Tassen mit Unterlassen............. 18, 25, 28PL Dessertteller... 20, 25, mit Goldstern 23Pt. Speiseteller mit Goldrand, flach oder tief...... Butterglocken 33PL 68PL Salatschüsseln..... 25PL. Satztöpfe ...... Satz 6 Stück 98, 1.85 Kaffeeservice mit Goldband 5 Teile 1.25 Salatieren gerippt, 6 teilig 98, mit Fond...... Salz- oder Mehlmesten mit Holzrückwand 58Pf. Satztöpfe blau Zwiebelmuster Satz 6 Stück 1.95 Küchengarnituren ...... flach 12, tief 15Pf. ......... 5, 8, 10PE. Suppenterrinen Kartoffelschüsseln mit Deckel 85 Pf. ...... 65 Pf. Gemüseschüsseln rund.. Salatschüsseln viereckig 25PL. 28, 38Pf. Saucieren verschiedene Formen Fruchtschalen auf Fuss ..... 38, 45 Pf. 38, 48Pf. Vorratstonnen 55 Pf. 58 Pf. Kaffekannen..... Teekannen 45 Pf. 38Pf. 8, 10Pf. Essig- oder Oelflaschen Salz- oder Mehlmesten...... 1.45 Gewürztonnen.... Satztöpfe ***** 55 Pf. 58 Pf. 1.65 ..... 23 Pf 33 Pf. 2.75 Delftmuster, blau Karo- oder neue Form Golddekoration Tassen mit Untertassen. ....... Satz 6 Stück 2.55 Kaffeeservice elegant dekoriert 2.25, 2.95, 3.75 Tafelservice 11.75, 13.85, 17.50 ff. Blumendekor, 23 Teile Waschgarnituren steali tellig. 98, stelle... 2.75, 3.25, 4.25 3500 Waschbecken od. Krüge 3 Blusenflanelle 95. MAGGI BouillonWürfel 5 Pfg. ,, Reine Wolle", in neuen Dessins, Meter Pf. grosse Form, elegant dekoriert dek.. 1.25, 1.45 Seidenstoffe 1.45 Chevronstreifen in mod. Farbenstellungen, Streifen oder Karos, in vielen neuen Dessins Meter Beim Einkauf von MAGGIS Bouillon- Würfeln Umhüllung den achte man darauf, daß jeder Würfel auf der Umhüllung den Namen MAGGI und die Schutzmarke( Kreuzstern) trägt. Andere Würfel sind nicht von MAGGI. MAGGI BouillonWürfel 5 Pfg. Berantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 3t. 26. Jahrgang. ti>M Ks Jraiiiicte" Dienstag, 2. Mar; 1909. Partei- �lngelegenkeiten. Ein Wort zum Pankower Parteikonflikt. AuS Pankow wird uns geschrieben: „In dem Glauben befangen, daß es sich lediglich um die Ve- kämpfung wirklich vorhandener Mißstände im Parteileben des Nieder- darniiner Kreises handle, befand sich der Unterzeichnete bis vor kurzem auf seilen derjenigen der Pankower Parteigenossen— und daS war die übergroße Mehrheit derselben—, die im Parteiinteresie diesen Nebeln glaubten entgegentreten zu müsien. Fast schien es schon, als sollte mit Beendigung der Gemeinde- Wahlen der so notwendige Friede am Orte wieder eintreten, um ge- ordneten Zuständen im Pankower Parteileben wieder Geltung zu verschaffen. Da erschien ganz unerwartet das Flugblatt der„Neun „ehrlosen" Vorstandsmitglieder des Wahlvereins Pankow". Dieses Flugblatt brachte mir die Gewißheit eines schon länger gehegten Verdachtes gegen Räber und seine Absichten. Ohne Wissen und Willen der Parteigenossen, in aller Heimlichkeit, über die Köpfe des erweiterten Vorstandes des WahlvereinS hinweg wurde nicht nur erneut dem Kreisvorstand von Niederbarnim, sondern allen Parteiiustanzen, bis zum Partei- vorstand hinauf, der Krieg erklärt in einer Form, die eine helle Freude bei unseren Gegnern auslösen mußte und die ein ehrlicher Parteigenosie unmöglich billigen konnte. Dem Einfältigsten mußte von vornherein klar sein, welche Wir- kung dieses Flugblatt hervorrufen würde. Es folgten auf dem Fuße die Maßnahmen des KreiSvorstandeS: zunächst die Anitsentsetzung des engeren Vorstandes, dann- im weiteren Verlauf die Auflösung dcS Wahlversins. Die erstere Maßnahme mag geboten sein, die letztere war entschieden unberechtigt, umsomehr, als der verein in , feiner Allgemeinheit hier für ein lediglich privates Vorgehen des engeren Vorstandes verantwortlich gemacht wurde, auf welches auch nicht ein einziges Mitglied Einfluß gehabt und im letzteren Fall auch wohl nur von wenigen Genossen gebilligt worden wäre. Allein ob berechtigt oder nicht, die Maßnahme war vollzogen und eS mußte dazu Stellung genommen werden. Dies geschah in einer zun, 26. Februar einberufenen General- Versammlung, in welcher der seitherige Vorstand den Jahres- und Rechenschaftsbericht gab und— da nnterdessen Röber aus der Partei ausgeschlossen und die übrigen Mitglieder des engeren Vorstandes, bis auf eins, beim Parteivorstand ihren Austritt aus der Partei erklärt hatten— Ersatz für ihn in irgend einer Form geschaffen werden mußte. Bei Beratung der zu unternehmenden Schritte sprach ich mich, um die Rücknahme der Maßnahme der Auflösung des Vereins seitens deS Kreisvorstandes möglich zu machen, dahin aus, daß. soweit die Mitglieder noch als Parteimitglieder gelten wollten, sie von dem Flugblatt und dessen Herausgebern entschieden abzurücken hätten, daß ein nach erfolgter Auflösung neugewählter Vorstand als solcher für keine Parteiinstanz als verhandlungsfähig an- erkannt werden würde und es deshalb ratsam sei, eine Kommisston mit der Aufgabe zu betrauen, Verhandlungen mit dem Verbands- vorstand von Groß-Berlin einzuleiten. Ich empfahl schließlich folgende Resolution zur Annahme: .Die am 26. Februar 1369 bei Roczycki tagende General- Versammlung des Wahlvereins Pankow erklärt: I. daß sie es entschieden mißbilligt, daß der seitherig« engere Vorstand des Wahlvereins ohne Wissen und Willen der Mit- glieder das mit der Unterschrift„die neun.ehrlosen' Vor- standsmitglieder deS WahlvereinS Pankow" versehene Flug- blatt herausgegeben und verbreitet hat; 2. daß sie jede Verantwortung für Verbreitung und Inhalt dieses Flugblattes ablehnt und infolgedessen auch die Konsequenzen desselben den Unterzeichnern allein zu tragen überlassen muß Die Versammlung ist ferner der Meinung, daß die Pankower Parteimitgliedschaft für daS private Vorgehen einzelner ihrer Mit- glieder nicht verantwortlich gemacht werden kann und hält daher die Maßnahmen des KreiSvorstandeS von Niederbarnim dem Wahl- verein gegenüber für nicht berechtigt. Die Versammlung beauftragt deshalb eine aus ihrer Mitte ge- wählte Kommission von fünf Mitgliedern, beim Verbandsvorstand von Groß-Berlin Schritte in die Wege zu leiten, die geeignet sind, die Maßnahmen deS Kreisvorstandes von Niederbarnim gegen den Wahl- verein Pankow rückgängig zu machen, um so den Weg für einen ehr- lichen Frieden und damit wieder die Möglichkeit für ein gedeihliches Zusammenarbeiten zum Wohle der Partei zu schaffen." Nach langer und oft stürnnscher Diskussion für und gegen diese Resolution wurde dieselbe dann gegen 15 Stimmen abgelehnt. Es fand hierauf eine Resolution Annahme, welche besagt, daß die Ge- Nossen wie bisher fest und geschloffen hinter dem seitherigen Vor- stand stehen und gegen den Ausschluß Räbers aus der Partei protestieren. Schließlich wurde, nachdem noch ein Antrag auf Gründung eines selbständigen Vereins abgelehnt worden war. eine Kommission gewählt, welche sich mit dem Parteivorstand zwecks Rück- nähme der Kieisvorftandsmaßnahme» in Verbindung setzen soll. DieS der Verlauf der Versammlung. Nach meiner Ucberzeugung hätte die Annahme meiner Resolution einen Weg geschaffen, der von den anzurufenden Instanzen hätte beschritten werden kömien, um den alten Wahlvcrein am Leben zu erhalten. Es wäre so denjenigen die weiter als organisierte Parteigenossen gelten und im Rahmeir der Parteiorganiianv» wirksam bleiben wollen, der Uebertritt zu der Neugründung erspart geblieben. Mögen die Genossen, die jetzt verärgert beiseite stehen, be- denken, daß alle? das. was sie in jahrzehntelanger zäher Agitations- arbeit aufgebaut haben und jetzt zum Teil vernichtet worden ist. von ihnen selber wieder nach einiger Zeit mühsam wird neu aufgebaut werden müssen, wenn die Stimmungen und Gefühle deS Augenblicks verflogen sind und die ehern: Notwendigkeit des KlasienkampfeS sie trotz alledem wieder zusammenführt. Und warum stehen sie beiseite? Weil sie sich immer noch nicht klar darüber sind, wohin denn eigentlich die Fahrt mit Räber gehen soll. Wer das jetzt noch nicht erkannt hat, dem ist leider nicht zu helfen. Von den einsichtigeren Genossen, die nicht gesonnen sind. der Partei den Rücken zu kehren und bei der Zersplitterung der Srbeiterbeivegung mitzuwirken, ist zu erwarten, daß sie recht bald zu der Erkennmis kommen, daß es gilt, so schnell und so energisch wie tunlich an dem Wiederaufbau der teilweis zerstörten Partei- bewcgung am Ort mitzuhelfen. Pankow. Otto Schmidt. Berliner Str. 24. Der Mahnung des Genossen Schmidt, mit allen Kräften wieder an die Parteiarbeit zu gehen, wird sich jeder verständige Genosse gern anschließen. ES hat auch keinen großen Wert, jetzt noch im besonderen die Frage zu erörtern, ob der Kreisvorstand mit seiner Maßnahme betreffend die Auflösung deS bisherigen Pankower Orts- Vereins gerade das Richtige getroffen hat. Nachdem die Krcisgcneral- Versammlung diese Maßnahme gebilligt hat, gilt eS jetzt, de» Blick nach vorwärts zu richten und eine Agitation zu entfalten, die der sozialdemokratischen Partei zum Nutzen gereicht. Jeder, der es hier- mit ehrlich nwint, ist in diesem Kampfe willkommen. Lichtenberg. Heute abend findet im Saale von Arnhold, Franlfurter Allee 5, ein: öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Adolf Hoffmann über«Pfarrcrbesoldung und preußischer Landtag" sprechen wird. Treptow- Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends g'/z Uhr. finden die Mitgliederversammlungen des Wahlvereins statt; für den Ortsteil Baumschulenweg in Speers Festsälen, Baumschulen- straße 78; für den Ortsteil Treptow im Saale„Zur Stadrenn- bahn", Elscnstraße. Tagesordnung für Banmschulenweg: 1. Bericht von&er_ Gemeindevertreterkonferenz. 2. Gemeindeangelegcnheiten. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. Für Treptow: 1. Vortrag des ReichstagSabgeordneten N o S k e:„Früchte der Blockpolitik". 2. Mai- feier. 3. Gemeindeangelegenheiten. 4. Bercinsangelegenheitcn. 5. Verschiedenes. Wilmersdorf-Halensee. Heute, Dienstag, abends S'/» Uhr. findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Luisenpark, Wil- helmsaue 112 statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag über: Darwinismus und Sozialismus. Referent: Genosse Dittmer. 2. ErgänzungSwahlen zum Vorstand. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß-Berlins. 4. Vereinsangelegenheiten. Wilhelmsruh-Nicder-Schönhauscn-Wcst. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Barth, Viktoriastr. 7. TageS- ordnung: 1. Vortrag des Genosien Hugo Langhammer über: „Zweck und Ziel der Konsumgenossenschaft". 2. Diskussion. 8. Vereins- angelegenheitcn. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch, den 3. März, abends 8 Uhr, im Restaurant Glaser, Kaiser- Wilhelm-Sttaße, statt. Tagesordnung: Vereinssache», Bericht von der Kreisgeneralversammlung, Maifeier. ßcrltner J�acbncbtcn. Berlin im Schnee. Ter außerordentlich ergiebige Schneefall am Sonntage hat recht folgenschwere Einwirkungen auf tax Berliner Verkehr ausgeübt. Die Schneedecke erreichte eine Höhe bis zu 26 Zentimeter. deren Ueberwindung für den Fuhrvcrkehr nur schwer ermöglicht wurde. Besonders machte sich dies am Montagmorgen bemerkbar, als der öffentliche Wagenverkehr einsetzte. Die Straßenbahnen hatten zwar durch Salzstreuen die Gleise befahrbar gemacht, doch wurden umfangreiche Störungen durch den übrigen Fuhrbetrieb herbei- gefuhrt, da Omnibusse, Last- und Geschäftswagcn sich nur auf den Schienen vorwärts bewegten. Der Omnisbusbetrieb mußte Ein- schränkungen erfahren, weil die Wagen durchweg Doppelbespannung erhielten, Mietspferde aber nicht zu erlangen waren, denn auch für den Lastenverkehr war Doppelbespannung erforderlich. Dennoch vermochten sich die Fuhrwerke nur niühsam vorwärts zu bewegen, weil seitens der Stadt am Sonntag fast gar nichts getan war, um die Schnecmassen zu beseitigen, und die Einstellung einer ge- nügendcn Anzahl von Hilfsarbeitern am gestrigen Morgen nicht mit der nötigen Schnelligkeit vor sich ging. So kam es, daß im Laufe deS Vormittags wohl die Hauptstraßen passierbar wurden, dagegen in den Nebenstraßen das Zusainmcnschieben der Schnee- Massen nur mangelhaft durch Schncepflüge bewirkt wurde. Die nach Berlin führenden Chausieen waren gestern früh fast unpassier- bar und die Milch- und Gemüsewagen trafen infolgedessen mit Ver- Die erste billige Post nach Amerika im März. Die erste billige Post nach den Vereinigten Staaten geht im März erst am 9. ab. Sie benutzt den an diesem Tage von Bremerhaven in See gehenden Schnelldampfer„Kronprinzessin Cecilie". Der Dampfer ist am 16. März in New Dork fällig. Schlutzzeit ist in der Nacht vorher beim Postomt 1 in Bremen 3»° früh, bei der Bahnpost Osnabrück- Hamburg 3->, Hannover— Geestemünde S47 und in Bremerhaven 700 morgens. Je»ach der Entfernung von dem Einschiffungshaven sind die Briefe entsprechend früher einzuliefern, in den entfernteren Teilen Deutschlands schon am 7. März abends. Ueberhaupt empfiehlt eS sich. Briefe möglichst frühzeitig der Post zu übergeben und nicht die letzten Schlußzeiten abzuwarten. Trotz etwaiger Zwischenfälle kann der Brief dann immer noch das vorgesehene Schiff erreichen, während die Verzögerung sonst unter Umständen bei billigen Briefen nach Amerika bekanntlich bis zu elf Tagen betragen kann. Rückgang der katholischen Gcsellenvcrcine. Der«Märkischen Volks-Zeilung" entnehmen wir die inleresiante Tatsache, daß im Berliner katholischen Gesellenverein die Zahl der Mtglieder von 689 im Januar 1907 auf 449 im Januar 1969 zurückgegangen ist. Das bedeutet also eine Verminderung um ungefähr ein Drittel gegen den Bestand vor noch zwei Jahren! Die„Märkische" meint hierzu, daß der Verlust erklärlich sei durch die infolge Arbeitslosigkeit abgereisten Mitglieder. Das trifft wohl nur zum kleinsten Teile zu. Vielmehr dürfte es richtiger sein, daß auch die katholische Arbeiterbevölkerung immer mehr zu der Erkenntnis kommt, wie die Leiter der katholischen Vercinsbcwegung ganz andere Interessen verfolgen als solche wahrer Volksfreundschaft. Nirgends wird die VerdumnmngStheorie praktischer in die Tat umgesetzt, als gerade in den katholischen Vereinen. Die- jenigen katholischen Arbeiter, welche genügend eigene Denkkrast be- sitzen, um diese von altersher zähe betriebene Vereinsmeierei der katholischen Kirche zu durchschauen, wenden der klerikalen Mache bald wieder den Rücken. Beschwerden über unberechtigte Veranlagung zur Kirchc»steucr laufen in unserer Redaktion so häufig ein, daß wir von denselben nur noch summarisch Notiz nehmen können. Nicht genug damit, daß den auf diese Weise zu Unrechi Veranlagten noch Portokosten für einzulegende Reklamationen erwachsen, wird auch lebhaft Klage ge- führt, daß diese Reklamationen vielfach gar nicht beantwortet werden, oder wenn, dann erst nach Monaten. Heute teilt unS ein Zimmerer L., Pappelallce 14 mit, daß er im August vorigen JahreS von der katholischen Gemeinde zur Kirchensteuer veranlagt war, obwohl weder er noch seine Frau dieser Kirche angehört haben und er aus der evangelischen Kirche im Jahre 1905, ausgeschieden ist. Er habe acht Tage nach Empfang dieser Veranlagung rechtzeitig reklamiert, aber bis heute eine Antwort nicht erhalten' Vielmehr habe man ihm am Sonnabend, den 27. Februar, einen Mahnzettel ins Haus geschickt mit der Androhung, wenn er nicht bald zahle, werde er gepfändet. Man kann neugierig sein, ob der Berliner Magistrat seine Vollziehungsbeamten wirklich dazu hergibt, ungerecht- fertigte Pfändungen vorzunehmen. Die Klosettliste. Eine„nachahmenswerte" Einrichtung hat der Inhaber eines größeren Kaufhauses an der Schönhauser Allee für sein Personal getroffen. Es war ihn, schon längst ein Dorn im Auge. daß die Angestellten nach feiner Meinung allzuoft jenen ver- schwiegene» Ort aufsuchen, nach dem sie keinen anderen schicken können. Um diese Bedürfnisse auf das richtige Maß einzuschränken. hat er mit delikatem Verständnis die sogenannte Klosellliste ein- geführt. Jeder, der den„guten Ort" aufsuchen will, muß sich vor- her bei einer bestimmten Angestellten melden. Name und Zeit werden in eine Liste eingetragen, welche dem Herrn Chef am andern Moraen zum zweiten Frühstück auf den Präsentierteller gelegt wird. Guten Appetit! Wer seine Bedürfnisis nach Ausweis der Liste allzuoft äußert, wird entlassen. In unserer Zeit der sozialen Gegensätze ist diese Einrichtung ein sicherer Beweis von Herzlichkeit zwischen Chef und Personal. Wo der Arbeitgeber sich so speziell um das leibliche Wohl seiner Unter- q ebenen bekümmert, muß es auszubalten sein. Ein Gerücht will sogar wissen, daß der liebenswürdige Schwerenöter für die Haus- apotheke des Personals hundert Liter— Choleratropsen beschafft hat. Ein ueuer Volkskindcrgarten in Berlin. Der Verein für Volkslindergärten in Berlin, welcher bekanntlich bereits sechs Volkskindergärten unterhält, in denen unter Obhut ge- prüster Kindergärtnerinnen täglich je 60 Kinder Aufsicht und Ver- Pflegling genießen, hat sich entschlossen, infolge des erhöhten Andranges anfstchtsbedürftiger Kinder einen neuen, siebenten Kinder- garlen zu errichten. Da die Kindergärten nur zur Benutzung für Kinder aus den ärmsten Volkskreisen dienen und infolgedessen die Aufnahme in allen Fällen völlig unentgeltlich geschieht, ist der Verein hierbei auf die Unterstützung sowohl der Stadt wie der privaten Wohl- tätigkeit in hohem Matze angewiesen. Erfreulicherweise hat die Stadt Berlin in richtiger Erkennmis der sozialen Bedeutung dieser Institution für den neuen Kindergarten Raum in dem Schulgebäude Zwinglistr. 24 zur Verfügung gestellt. Wegen echter Pocken wurde gestern gegen mittag ein Arbeiterin die tönigl. Charitö eingeliefert. Es Handell sich um einen ungarischen Staatsangehörigen, der sich schon seit einigen Jahren in Berlin aufhält. Er wurde unter den üblichen VorsichtSmaßnahincn in einer Einzelbaracke untergebracht. Hunger als Heilmittel. Großes Jnteresie bringen die Aerzte der Charilü der Miß Claire de Serval, der Tochter des Professors Dr. Tanncr entgegen. Diese Dame befindet sich zu wissenschaftlichen Zwecken als Hunger- und Durstkünstlerin in einem besonders für sie gebauten Glashause. Am Sonntag waren zehn Tage verstrichen, seit sie, ohne irgendwie zu essen oder zu trinken, unter ständiger ärztlicher Beobachtung steht. Ihre große Glaswohnung ist mit einem Motor versehen, der frische Luft zuführt und durch eine besondere Ableitung die Ausatmungen und Ausdünstungen entfernt. Diese Ausstreuungen der Luft werden gleichfalls wissenschaftlich untersucht. Miß de Serval litt in früherer Zeit an Migräne, die stets dann gehoben wurde, wenn sie weder atz noch trank, also Hunger und Durst hatte. Ihr Anerbieten, das mit den früheren Er- fahrungen zusammenhängt, wurde ärztlicherseits gern an- genommen, um einen Einblick zu erhalten in den Stoffwechsel und Abbau des Körpers. Dadurch werden für die normale Ernährung, als auch für die Heilimg krankhafter Störungen deS Stosf- wechses— beispielsweise bei Fettsucht— Anhaltepunkte gewonnen. Miß de Serval ist nach ihrer zehntägigen Entbehrung noch völlig frisch und gesund zu nennen. Erhebliche Eindickungen des Blutes infolge der Wafferverringernng des Körpers treten ein, und die Aus- scheidungcn sind auf ein ganz Geringes zurückgegangen. Die Haut bat ihre natürliche Schwellung verloren, fodaß sie eingefallen ist. Gestern hat Miß Ciaire de Serval ihre Durstkur nach zehntägiger Dauer beendigt. Sie ist aus ihrem Glashause, das in einem Laboratorium stand, herausgekommen und in eine Baracke über- gesiedelt, wo sie die Hungerkur fortsetzt. Ihr Befinden nach der zehntägigen Durstzeit ist noch gut. Zur Stillung des Durstes wird ihr jetzt täglich ein bestimmtes Maß Mineralwasser verabreicht. DaS Gewicht der Miß de Serval hat in den ersten Tagen ihres HungernS und Durstens um je ein Pfund und darüber abgenommen, während in den letzten Tagen, nachdem das Wasser ans dem Körper ver- braucht war. die Gewichtsverringerung dcS Körpers nur etwa je 100 Gramm betrug.— Der Stoffwechsel wird auch während der Zeit des HungernS genau untersucht. Vorsicht vor Schlafstellenschwindlern. Ein Schlafstellendieb treibt gegenwärtig wieder in der Umgebung Borlins sein Unwesen. Der Schwindler arbeitet mit außerordentlichem Geschick und mietet an einzelnen Tagen zwei bis drei Schlafstellen, wobei er Gelegenheiten benutzt, um Diebstähle auLzufübren. So erbeutete er vorgestern in Reinickendorf Gegenstände im Gesamtwerte von zirka 300 M. Der Gauner ist groß und schlank, hat blondes Haar und kleinen blonden Schnurrbart. Er ist bekleidet mit dunklem Winterüberzicher, grauer Hose, schwarzem, steifem Filzhut und gelben Schnürschuhen mit Lackkappen. Ein Automobil an einem Baum zerschellt. Ein schwerer Automobilunfall, wobei vier Personen schwer verletzt wurden, hat sich in der vergangenen Nacht auf der Bcrlin-Potsdamer Chaussee ereignet. Der Chauffeur Henschel, der bei einem Arzt als Auto- mobilfahrer engagiert war, hatte drei Bekannte, die Brüder Gustav und Hermann Bachmann, Prinzenstraße 12, und Waldemar Neu- mann, zu einer Automobilfahrt nach Potsdam eingeladen. Gegen Mitternacht fuhren die vier Personen dann wieder nach Berlin zurück. Als das Automobil die Potsdamer Chaussee in der Nähe des Kilometerberges bei Wannseee passierte, versagte plötzlich die Steuerung, und mit voller Wucht raste der Kraftwagen gegen einen Baum. Das Auto wurde vollständig zertrümmert. Die Insassen wurden zum Teil lierauSgeschleudert und teilweise unter den Trümmern des Kraftwagens begraben. Sie wurden alle vier er- heblich verletzt. Am übelsten ivar der Chauffeur selbst davongekommen. Er mußte von den Freunden unter dem Auta hervor- geholt werden. Man sorgte für seine lleberführung nach einem Potsdamer Krankenhaus. Sein Zustand ist hoffnungslos. Die drei anderen Verunglückten wurden mit der Bahn nach Berlin ge- bracht, wo sie in der Rettungswache in der Köthener Strafe die erste ärztliche Hilfe erhielten. Besonders schwer waren die beiden Brüder Bachmann verletzt. Bon einer Automobildroschke überfahren und getötet wurde vorgestern der 40jährige Architekt Georg Weiß aus der Warschauer Straße 8 vor dem Hause Kottbuser Damm 12. Der Unglückliche blieb mit einer stark blutenden Kopfverletzung liegen und lourde nach dein Krankenhanse am Urban geschafft. Kurze Zeit nach der Einlieferung verstarb aber der Mann an der erlittenen Kopfverletzung. Der Orcolin-Schmindel. Einen großen Schlag hat die Berliner Kriminalpolizei zum Schutze des deutschen Publikums gegen ausländische Ausbeuter geführt. Seil Jahren erlitten in allen Teilen des Deutschen Reiches und im Auslaiide gerade Minderbemittelte erheblichen Schaden, daß sie auf Inserate, die ein Mittel zur Erhöhung der Leuchtkraft des Petroleums anpriesen, hineinfielen. Daß— abgesehen von dem vor kurzem zu längerer Zuchthausstrase verurteilten Walz — dieser Schwindel von einem stelS in holländischen und belgischen Grenzorten sich aufbattendcn Mann namens Lamberti) und dessen An- gehörigen bald als Petroleumindustrie in Grävenmacher, bald unter dem Namen Axenmacher, bald als Rhonania betrieben wurde, war längst bekannt. Seit einige» Monaten, aber erhielten die Leute, welche sich auf ein verlockendes, reichen Nebenerwerb versprechendes Inserat bei einer Annoncenexpedilion in Köln meldeten, von der Orcolin- Company in Berlin die Mitteilung, daß es sich um ein Petroleum» Verbesserungsiniltel Orcolin handele und unter Nachnahme von etwa 12 bis 15 M. Pakete dieses Mittels versandt würden. Die Orcolin-Tablctten erwiesen sich als Naphthalin, doch war die Orcolin-Company in Berlin nirgends zu finden. Der Kriminal» konimissar Krüger ermittelte aber, daß die Orcolin-Tabletten in einer Fabrik in der Gitschiner Straße hergestellt und von einem Spediteur im Südwesten bertrieben würden. Als er vorgestern von einer großen An- zahlBeamter an beidenStellcu zugleich Durchsuchungen voriiehmen ließ, wurde der Verdacht bestätigt und eine sehr große Menge von Korre- spondenzen, Postanweisnngsabschnillen, Onittungen und dergleichen. öle den Verkehr mit Lamderty nachwiesen, borgefunden. Jedenfalls find sehr viele Leute, die Anzeigen noch nicht erstattet haben, durch das Laniberly-Unternchmen. dessen Zentrale sich jetzt in Antwerpen befindet, geschädigt.— Ob ein ebenfalls von Lamberty und Genossen in den Verlehr gebrachtes Universal-Heilmittel„Cosa" auf Schwindel beruht, unterliegt noch sachverständiger Prüfung. Eine von etwa 500 Anglern besuchte Versammlung Groß- Berlins, die am Sonntag in Friedrichshagen stattfand, protestierte gegen die von den Fischerinnungen Köpenick und Stahnsdorf vorgenommene Verdoppelung des Preises der Anglerlarten. Es wurde darauf hingewiesen, daß die beiden Innungen nur HWI 2H. Pacht zahlen, während sie aus dem Verkauf der Angelkarten nach den neuen Preisen allein einen Ucberschust von 11 000 M. erzielen würden. Hierzu käme ihre Einnahme aus der Fischerei. Durch die gewaltige Ausnutzung des Fischbestandes seitens der Innungen würde eine Vernichtung der Fischerei herbeigeführt. Inzwischen aber verschaffen sich die Fischer ein genügendes Vermögen, das es ihnen gestatte, sorgenfrei als Rentiers zu leben. Was die Angler fangen, käme überhaupt nicht in Betracht, und der Wert decke bei weitem nicht die Kosten, die den Anglern aus dem Sport entständen. Die Vereine sollen sich �u einem Verbände zusammenschließen. Es wurde beschlossen, eine Resolution an die beiden Fischerinnungen zu schicken, in welcher die Herabsetzung der Preise für die Angelkarten gefordert und hervorgehoben wird, daß im Falle einer Ablehnung dieser Forderung eine Konnnission beauftragt wird, geeignete Schritte gegen die Innungen zu unternehmen. Es wird beabsichtigt, eventuell bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß den Fischerinnungen das Recht auf Vergebung der Angelkarten entzogen wird. Gleichzeitig wurde es sämtlichen Anglern zur Pflicht gemacht, bis zur Erledigung dieser Angelegen- heit Angelkarten nicht zu erwerben. � Zeugcngesuch. Personen. welche gesehen haben, als am 4. Februar 1000, gegen B/,7 Uhr früh, am Bahnhos Weißensee ein Arbeiter von einem Schlächter- oder Grünkramwagen überfahren wurde, insbesondere der junge Mann, der mit dem Verunglückte» auf einem Arbeitswagen gefahren ist und gesehen hat, wie derselbe am Bahnhof Weißensee abgestiegen ist. werden um ihre Adresse gebeten an G. Wittig. 0. 34, Cadiner Straße 20. Am 0. Dezember v. I.. vormittags 10 Uhr. erlitt ein älterer Herr infolge Glätte de? Bürgestciges durch Schneefall vor dem Hause Jahnstraße 17/18. nahe Hasenheide, eine Swulterverrenkung durch Sturz. Es halfen ihm ein Herr und eine Dame, welch letzterer dabei einige Apfelsinen aus einer Handtasche entfielen, wieder auf die Beine. Diese hilfreichen Personen und eventuelle Zeugen des Unfalles werden freundlichst gegen Erstattung der Unkosten gebeten. Herrn Herm. Becker, Schönleinstraße 15, ihre werten Adressen an- zugeben. Personen, die Zeugen waren, als am Sonnabend, den 27. Februar, abends 0 Uhr. in der Turmstraße ein Mann vom Straßenbahnwagen überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an die„Vorwärts"- Spedition am Lausitzer Platz gelangen zu lassen. Unkosten werden vergütet. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 9. v. M. hat sich die ver- ehelichte Wilhelmine Markmann geb. Stodelmann, 8. März 1342 in Berlin geboren, aus ihrer Wohnung, Luiscnufer 5. entfernt und ist bisher nicht zurückgekehrt, und es ist auch ihr Perbleib nicht bekannt. Sie war hcrzleidend. Es wird vermutet, daß ihr ein Unfall zu- gestoßen ist. Sie ist mittelgroß, korpulent, hat rundes volles Gesicht. zahnlos und war bekleidet mit grauem Kleid, graubraunem Taillen- tuch und Schnürstiefeln. Personen, welche über den Verbleib der Vermißten nähere Angaben machen können, wollen sich in den Vor- Mittagsstunden im Polizetpräsidimn, Zimmer 240, melden oder zu 033 4. 33. 09 schriftliche Mitteilung machen. Radrennen in der Ausstellungshalle am Zoologischen Garten, 28. Februar. Endlich hat Berlin eine Winterbahn erhalten, so daß auch in der schlechten Jahreszeit Rennen abgehalten werden können; die Bahn ist aus Holz gebaut, sie ist zwar etwas klein, denn ihr Umfang beträgt nur 150 Meter sdie Treptower hat 312 und die Steglitzer 600 Meter), aber sie macht einen vorteilhaften Eindruck und gestattet, daß auf ihr regelrechte Kämpfe wenigstens in den Fliegerrennen ausgefahren werden können. Ein von 16 Fahrern bestrittenes Nennen über 10 Kilometer verlief sehr spannend lind ohne jede Störung. Die Dauerrennen mit Motorführung kamen am Eröffnungstage nicht zur Geltung; eS fuhren in den drei Läufen, die jedesmal über 7»/z Kilometer gingen, immer nur zwei Fahrer, die noch daran auf den gegenüberliegenden Seiten abgelassen wurden; ein Ueberhvlen fand nicht statt. Doch muß man' bedenken, daß die Bahn erst am Tage zuvor den Fahrern zum Training überlassen werden konnte, und daß sie sehr vorsichtig fuhren. Der Neuheit der Bahn>mt ihrem Holzbelag ist es auch zu- zuschreiben, daß sich mehrere Stürze ereigneten, am schlimmsten wurden der Italiener Carapezzi und Pawke betroffen, die beide Knochenbrüche erlitten, während Althoff. Fr. Hoffmann und der franzose Jacquelin mit Hautverletzungen davonkamen. In dem liegerrennen taten sich die Berliner Stabe und T e ch m e r her» vor, während in dem Dauerremien der Berliner T heile vor Stellbrinl siegte; Robl wurde in seinem Vorlaus Zweiter und Jacquelin war durch Sturz ausgeschieden. Der Besuch war ein sehr guter. Eröffnungsrennen. 1500 Meter. 100, 50, 30, 20 M. 1. Stabe. 2. Kudela, 3. Arend. 4. Hoffmann. In neun Vorläufen 43 Fahrer, darunter auch der Däne Ellegaard.— 1. Prämien- fahren. 1500 Meter. 80, 20. 10 M. I.Stabe, 2. Hoffmann, 3. Sterba. Rundeuprämien a 5 M. Rottnick(5), Sawke(4),— 2. Prämiensahren. 1500 Meter. 30, 20, 10 M. 1. Rudel, 2. Tädcwald. 3. Conrad. Rudel holt sich alle neun Prämien.— Tandemrennen. 1500 Meter. 150, 80, 40 M. 1. Kudela- Peter, 2. Conrad-Althosf. 3. Tadewald-Techmer.— 10 K i l o- meterrennen ohne Führung. 100, 50, 30, 20, 10 M. t. Techmer. 2. Hoffmann, 3. Conrad. 4. Tadewald. 5. Genz.— Dauerfahren mit Motorführung. 7'/, Kilometer. 1500, 1000 M. 1. Th eile 9:37B. 2. A. Stellbrwk 10:42. Robl im Vorlauf Zweiter, Jacquelin gestürzt. Orgelkonzert. In der Marienkirche veranstaltet der kgl. Musik- direktor Bernhard Jrraang am Mittwochabend 7>/z Uhr das nächste Orgellonzert unter Milwirkung von Frau Marg. Geller(Sopran), Frl. Anne Scbimmelpseng(Alt), Herrn Alex. Altmann(Violine) und dem Knabenchor(40 Knaben) de« St. Marienkirchenchors. Paffa- caglia von Bach, Variationen von LiSzt über„Weinen, Klagen". Der Eintritt ist frei I Programm mit Text 10 Pf. Feiierwchrnochrichten. Am Sonntag wurde die Berliner Feuer- wehr nach der Paulstr. 20 o alarmiert. Dort brannten aus dem Lehrter Güterbahnhof in einem Güterschuppen früh um 5 Uhr Türen. Balten und anderes. Um 8 Uhr kam in einer Mädchenkainmer in der Lothringer Str. 54 Feuer aus. Wäsche, ein Korb und anderes standen dort in Flammen. Wegen Schornsteinbränden wurde die Wehr ein halbes Dutzend mal alarmiert. Unter andern nach der Gleimstr. 5. Rykestr 43, Kopenhagener Str. 77, Skalitzer Str. 131. Ein Kellerbrand rief den 8. Zug nach der Wisbyer Str. 74. Dort und Friedriwstr. 113/110 brannien Lumpen, Kletocr usw. Michaellirch- straße 23 a. Vrombcrger Sir. 1 und Diedenhofener Str. 4 mußten Wohnlingsbrände gelöscht werden. Der 17. Zug rückte nach der Ritterstr. III aus. wo nachmittags ein Heizkessel undicht geworden war und Dampf abgelassen werde» mußte. Mehrfach wurde die Feuerwehr abends in Anspruch genommen, um Verkehrshindernisse infolge des großen Schneefalls zu beseitigen, Pferde auszurichten und'dergleichen mehr. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde gestern die Feuerwehr nach dem Hohen Steinweg 1, an der Königstraße gerufen. Dort brannten unter großer Qualmentwickelung Kisten, Papier und anderes und war die Treppe schon total verqualmt. Die Feuerwehr sorgte sofort für den Abzug des Rauches und löschte die Flammen durch krästiges Wassergeben. Grober Unfug lag einer Feuenneldung aus der Malplaquetstraße, nahe den Rehbergen ziigrnnde. Der Täter ist leider entkommen. Nicht weit davon, Priuz-Engen-Straße 25, mußte ein Brand gelöscht werden, der durch einen Ofen entstanden war und Fußböden, Kohlen usw. ergriffen hatte. Auch in der Karlstr. 33 brannten Fußböden und anderes. Ferner wurde die Wehr nach der Zimmerstr. 30/41 gerufen, wo in einer Automobilgarage Feuer aus- aekonmien war. In der Friedrichstr. 103 brannten photoaraphische Apparate und Jernsalemer Str. 3 Müll und anderes. Vorort- JVaebnebtem Schöneberg. Ein Lanbgerichtsrat vom Irrsinn befallen. Aufregende Szenen spielten sich in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden am Sonntag in der M o tz st r a ß e 7 3 zu Schöneberg ab. Seit einer Reihe von Jahren hat dort der Land- gerichtsrat Edwin Niemir im ersten Stock des Vorderhauses eine große Wohnung inne. Da sich vor einiger Zeit bei dem Mann Spuren von Krankheit zeigten, mußte er auf Anraten des Arztes nach dem Süden reisen. Erst am Freitag kehrte das Ehe- paar nach Schöneberg zurück. Auch das Dienstmädchen wurde zu diesem Tage wieder nach der Wohnung bestellt. Niemand ahnte, daß der Landgerichtsrat kränker als zuvor war. Während am Sonnabendabend das Ehepaar noch ruhig zu Bett gegangen war, erlitt der Mann in den ersten Morgenstunden des Sonntags Plötz- lich einen Tobsuchtsanfall. Frau und Dienstmädchen mußten not- gedrungen flüchten und alarmierten durch Hilferufe die übrigen Hausbewohner. Da' sich der Kranke aber nach einiger Zeit wieder etwas beruhigte, sah man vorläufig davon ab. die Polizei zu bc- nachrichtigen, um erst den Tag abzuwarten. Bis gegen 10 Uhr vormittags blieb der Landgerichtsrat auch ruhig. Plötzlich bekam er aber einen neuen Anfall und nun war schleunige Flucht ge- boten. Als die Polizei auf der Bildfläche erschien, verriegelte der Tobsüchtige alle fieben Zimmer seiner Wohnung und machte einen Höllenlärm. Die Polizei drang mit Gewalt in den Korridor ein und ließ dann durch einen Schlosser eine Stubcntür nach der anderen öffnen. Das Werk war um so gefährlicher, da bekannt war, daß der Kranke sich mit einem Revolver bewaffnet hatte. Endlich war man am letzten Zimmer angelangt. Um nun zu verhüten, daß der Mann etwa durch das Fenster auf die Straße springen könnte, alarmierte der Polizeioffizier die Nordwache der Schönebcrger Feuerwehr. Diese war auch bald zur Stelle und machte sich sofort zum„Angriff" bereit. Ein Teil der Mann- schaften spannte unter dem Fenster aus der Straße ein Sprung- tuch anS, während der Rest nach der Wohnung kommandiert wurde. Brandmeister Meyer ließ zur Sicherheit zwei Schlauch- leitungen legen. Einer der Rohrführer faßte auf der Straße Posta, der andere mußte mit in die Wohnung vordringen. Als alles bereit loar, gab der Brandoffizier Befehl zum Eingreifen. Im nächsten Augenblick hatte ein Feuerwehrmann die Türfüllung eingeschlagen und gleichzeitig gab der Rohrführer Wasser, durch dessen Druck der Geisteskranke zu Boden geworfen wurde. Die Ueberwältigung Niemirs durch die Feuerwehrmänner war dann leicht. Ruhig, als ob nichts geschehen wäre, ließ er sich nach einem herbeigeholten Automobil führen, das ihn nach der I-Iaison de sante brachte. Charlotteudurg. Die Notwendigkeit der Errichtung von Gemelndc-Friedhöfen illustriert ein eigenartiger Vorgang, der sich zurzeit in Charlotten- bürg abspielt. Einem Herrn L. in der Schillerstraße starb am Donnerstagnachmittag eine Tochter im Alter von 13 Jahren. L. wandte sich wegen der Beerdigung an die TrinitatiSgemeinde und an die Luisengemeinde. Bei beide» Gemeinden konnte er jedoch kein Entgegenkommen erzielen. denn L. ist aus der Landeskirche aus- geschieden und gehört einer privaten Religionssekte an. Der Leichnam des KindeS befindet sich noch immer in der Wohnung und ist bis zur Stunde an eine Bestattung nicht zu denken. Bei den beschränkten Wohnungsverhältnissen des L. ist seine Frau und ein Kind ge- zwungen, in einer anderen Familie Unterkunft zu nehmen. Die fortschreitende Zersetzung des Leichnams bedeutet eine gesundheitliche Gefahr für die Familienangehörigen und die Nachbarschaft und ist ein Einschreiten der Behörde dringend erforderlich. Lichtenberg. Nicht als ob wir uns anmaßend getrauten, die Unehrlichkeit der „Volkszeitung" besiegen zu können, sondern nur um zu zeigen, daß dieses Blättchcn selbst die albernste Komödie nicht verschmäht, wenn eS gilt, seine Schwindeleien als lautere Wahrheit erscheinen zu lassen, beschäftigen wir uns nochmals mit ihm. ES unternimmt den Versuch, unsere letzten Mitteilungen auS der Baukommission, für deren Richtigkeit wir uns auf zwei Stadträte bezogen, als Lüge erscheinen zu lassen. Pathetisch wie ein Hanswurst läßt daS Blättchen also sich vernehmen: „Wir fordern den„Vorwärts" auch hierdurch auf. die Namen der beiden Herren Stadträte, hinter deren Rücken er sich zu ver- kriechen sucht, zu nennen. Wir verlangen eine kurze und klare Antwort. ES soll den Hintermännern des„Vorwärts" nicht gelingen. sich dadurch aus der Schlinge zu ziehe», daß sie die Angelegenheit einfach totschweigen. Heraus mit der Sprache I" Hier die kurze Antwort! In der vorigen Baukommissions- fitzung waren 3 Stadttäte anwesend. Einer davon ist der Material- lieserant für die„Volksztg."-Schwindeleien. Aus dessen Zeugnis ver- zichten wir narürlich. Sollte der Koch des„Vollszeitungs"-BreieS sich als geistig so minderwertig bezeichnen wollen— sehr hohe Meinung haben wir von ihm nicht— daß er nun immer noch erklärt, die Namen der beiden Stadträte nickt zu kennen, dann sollen sie ihm in öffentlicher Stadtverordnctcnsitzung genannt werden. Er darf dann auch auf die nötige Massage rechnen. Vielleicht befreit ihn das von akuter Bewußtlosigkeit. AuS den Kreisen städtischer Arbeiter wird uns geschrieben: Schon mehrmals haben wir an dieser Stelle aus Arbeiterentlassungen in der hiesigen Gasanstalt hingewiesen. So werden zurzeit allein im Jnnenbctriebe des Gaswerkes zirka 30 Arbeiter weniger be- fchäfrigt als im Vorjahre, trotzdem keine Verringerung des GaS- konsumZ eingetreten ist. Im Gegenteil I Der Konsum und damit selbstverständlich auch die Produktion hat sich bedeutend er- höht. Diese Beschränkung der Arbeiterzahl hat aber Zu- stände geschaffen, die direkt zu Besorgnissen Anlaß gebe». Die Zahl der Arbeiter ist soweit herabgesetzt, daß eine ständige Ge- fahr für den Betrieb besteht. Bei den geringsten Betriebsstörungen macht sich der Arbeitermangel in empstndlichster Weise bemertbar. Anläßlich einer Betriebsstörung Ende Dezember vorigen JahrcS wurde den Arbeitern zugemutet. 33 Stunden ununterbrochen zu arbeiten. Die Arbester lehnten diese Zumutung, die angesichts der überall herrschenden ArbcnSnot al» ungeycuerlich bezeichnet werden muß, ab. Doch mußte ein Teil der Arbeiter zwölf und 24 Stunden arbeiten. Am 20. Februar wurden erneut acht Arbeiter entlassen. Auf Vorstellungen deS ArbeitcrauSschusseS hin be- quemte sich die Verwaltung zur Wiedercinstellung von zwei Mann. Von der Eutlasiung sind diesmal Arbeiter betroffen worden, die schon viele Jahre ununterbrochen in städtischen Diensten standen. So befinden sich darunter Arbeiter mit vier- bis acht- jähriger Dienstzeit, während im Herbst neueingestellte Arbeiter weiter beschäftigt werden. Die Entlassungen rufen den Eindruck her- vor, als wollte sich die Verwaltung der Arbeiter mit langjähriger Dienstzeit entledigen. Durch derartige Maßnahmen� wird der Wert der sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen illusorisch ge- macht. Sommerurlaub, Alters- und Reliktenversorgung haben als Borbedingung eine fünf- beziehungsweise zehnjährige Dienst- ' zeit. Sie werden den Arbeitern als Aeauivalent gegenüber den unzulänglichen Löhnen vorgehalten. Wenn die Verwaltung aber die Arbeiter entläßt, lvenn sie in den Genuß der Einrichtungen kommen können, so müssen die Arbeiter derartige Einrichtungen als im höchsten Grade schädstch für ihre Existenz betrachten. Wir können nicht annehmen, daß die städtischen Körperschaften bei Ein- siihrung dieser Einrichtungen an eine derartige Auslegung gedacht haben. Nicht genug mit den Entlassungen, müssen jetzt noch eine Anzahl Arbeiter aussetzen. Trotzdem liegen die Schlacken berge- hoch im Hofe der Gasanstalt. Diese Schlacken werden fuhrenweise gratis abgegeben. Zwischen den Schlacken befindet sich aber noch Koks in Menge. Bis 13 Hektoliter Koks im Werte von zirka 24 M. gehen dadurch täglich verloren. Würde der Koks, wie in anderen Gewerken auegelesen, so könnte bei dieser Arbeit eine Anzahl Arbeiter beschäftigt werden und auch für die Verwaltung würde noch ein finanzieller Effekt herauSspringen. Es wäre vielleicht an der Zeit, daß sich die Werlsdeputation in eingehendster Weise mit dieser Art von Sparsamkeit befaßte. Treptow-Baumschulenweg. Der fortgesetzten Beratung deS EtatS war der größte Teil bat letzten Sitzung der Gemeindeverttettr gewidmet. Die KanalisationS- gebühren, die nach dem jährlichen Gebäudesteuernutzungswerte von 3950000 M. 3 Proz. betragen sollen, riefen eine längere Debatte hervor. Die Herren Grundbesitzer wollten durchaus weniger zahlen. Schließ- lich gelangten jedoch die 3 Proz. zur Annahme. Für den Bau einer Genieindeschule in der Kiefholzstraße. Ortsteil Treptow, sind 150 000 M. und für den Neubau des Rathauses 250 000 M. als erste Baurate bereit gestellt. Genosse Karow kritisierte die langsame Erledigung der eingegangenen Petitionen und Anträge betreffend das Koalitionsrecht der An- gestellten und Arbeiter. Er erwartet, daß sich die Kommissionen bald damit beschäftige» und auch darauf achten, daß bei Notstands- arbeiten die Unternehmer angehalten werden können, hiesige Ein- wohner zu berücksichtigen. Die Genieindeeinkommensteuer in Höhe von 100 Proz. ergibt eine Einnahme von 335 000 M., gegen das Vorjahr ein Mehr von 57 000 M. Die Gewerbesteuer mit 150 Proz. Zuschlag ergibt 72000 M.. ein Mehr von 3000 M. Die Grundwertsteuer wird nach dem gemeinen Wert sämt- licher bebauten und unbebauten Grundstücke aufgebracht. Es wird erhoben vom bebauten Grundbesitz, der eine» Wert von 73 Millionen Mark hat, 2,20 M. vom Tausend gleich 130 000 M. Vom unbebaulen Grundbesitz, der einen Wert von 43 Millionen Mark repräsentiert, 4.40 M. vom Tausend gleich 202 400 M. DaS ist insgesamt gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 177 400 M. Somit betragen die Gesamteinnahmen aus direkten Gemeinde- steuern 770 000 M., gegen das Borjahr ein Mehr von 237 400 M. An indirekten Steuern werden 110 000 M. erhoben. Die Hundesteuer mit 10 000 M. bringt ein Mehr von 2000 M., das auf die Erhöhung der Steuersätze von 15 aus 20 M. zurückzuführen ist. Es gelangte ein Antrag zur Annahme, daß jeder weitere Hund 30 M. Steuern tosten soll. Die LustbarkeitSsteucr mit 18 000 M., die Umsatzsteuer mit 70000 M. und die Bierstcuer mit 21 000 M. sind auf den bisherigen Sätzen geblieben. An Kreis« steuern sind 210 801 M. zu euttlchten. In dieser Summe befindet sich die Teltower Kanolsteucr in Höhe von 28 142 M. Die an den Kreis zu zahlenden Abgaben, besonders die Kanalsteuer wurden als viel zu hoch bezeichnet. Es wurde von einzelnen Rednern angeregt, da- gegen Protest einzulegen. Gen. G r a m e n z legte hierzu unsere» Siand- vunkt klar. Er führte aus. daß gegen den Kanal nichts einzulvenden sei und man daher auch die notwendigen Abgaben zahlen müsse. Rur müßten dieselben ebenfalls von den anderen Orten des Kreises mitgetragen werden. Wünschenswert wäre es. wenn der Kreislag sich eingehender mit der Hebung des Schiffsverkehrs beschäftige. Bei der Beratung des DisposttionssondS, für den 23 000 M. in den Etat eingesetzt sind, wieS Genosse K a r o w auf den im Dezember gestellten Antrag betreffend Unterstützung der längere Zeit Arbeitslosen hin. Er bemerkte, daß der Armenvorsteher in Baumschulenweg, au den sich die Arbeitslosen zu wenden haben, des Abends erst um 9. manchmal erst um 11 Uhr zu sprechen sei. Weiter führte der Redner einzelne Fälle bitterster Not an. Der Bürgermeister er- klärte, daß in allen Fällen, wo eine Befürwortung der Unterstützimg erfolgte, auch gezahlt wurde. Von dem zur Verfügung gestellten Fonds seien noch 300 M. vorhanden. Ein Antrag umerer Genossen, bedürftigen Schulkindern warme Nahrung zu ver- ab reichen, wurde der Schulkommisston überwiesen. Der Gesamt- etat in Höhe von 1919 000 M. wurde angenommen. Sodann wurde noch eine Petition gegen die drohende Erhöhung der Telephongebühr beschlossen. Friedrichshngen. I» der letzten Gcmeindcverttetcrsitzung wurden durch die Be- schaffung von Schulbänken für eine neuerrichtete Schulklasse, die Herstellung eines Bollwerks, die Anstellung eines KurparkwächterS, Reparaturen in den Kurparkanlagen, Druck- und Buchbinderkosten, erhöhte Heizmaterialien, Baumanpflanzungen, Straßeiibefestigungen und Ergänzung von Maschinenanlagen notwendig gewordene Etats- Überschreitungen ohne Debatte genehmigt.— Der Gemeindevorsteher erstattete eingehend Bericht über die von dem Gemeindevorstand empfohlene Zusammenlegung der im östlichen Ortsteil(verlängerte Kurzestraße und Kaisersiraße bis zu den Wasserwerke») gelegenen Grundstücke. Es sei tief zu bedauern, daß fast die Hälfte der in Betracht kommenden Grundstücksbesitzer der Grundstückszusammen- legung gegenüber sich ablehnend verhält. Von 93 Besitzen, haben nur 52 der Zusammenlegung bedingungslos zugestimmt. Das sei ei» Mangel an Gemeinsinn und gereiche der Entwickclung deS östlichen Ortsteils nicht zum Borteil. Trotzdem werde aber der Gemeindevorstand noch einmal mit den Besitzern in Ver- Handlungen treten, vielleicht werde dadurch ein günstigeres Resultat erzielt.— Die von dem Gemeindevorstand vorgelcglen Pläne und Kostenanschläge zur Pflasterung deS BtyliuSgarten und der Kastanien- allee werden genehmigt. Für den MyliuSgarten betragen die Kosten 22 300 M., wovon 13 725 M.(75 Proz) auf die Anlieger und 5575 Mark<25 Proz.) auf die Gemeinde entfallen. Die Kosten für die Kastanienalle betragen 23 400 Mi Hiervon tragen die Anlieger 17 750 M.(75 Proz.) und die Gemeinde 5350 M.(25 Proz.).— Der von dem HauS- und Grundbesitzerverein gestellte Antrag, den Durchbruch deS östlichen und südliche» Teils der Friedrichstraße nach der Scharnwebcr- straße in Erwägung zu ziehen, rief eine längere Debatte hervor. Der Durchbruch beider Straßen würde eine Ausgabe von zirka 200 000 M, erfordern, die durch eine Anleihe gedeckt werden müßten. Die Angelegenheit wurde dem Gemeindevorstand zur sorgfälligen Prüfung überwiesen mit dem Ersuchen, sie zur geeigneten Zeit der Vertretung wieder vorzulegen. Außer der Tagesordnung teilte der Gemeindevorsteher mit, daß der jahrelang geforderten Errichtung von Bedürfnisanstalten nunmehr endlich näher gettelen werden soll. Es ist beabsichtigt, eine Anstalt für Männer am Bahnhos und eine für Männer und Frauen auf dem Marktplatz zu errichten. In der nächsten Sitzung soll darüber Beschluß gesaßt werden. Trebbin(KreiS Teltow). Die letzte Sitzung der Stadtverordneten genehmigte den mit dem Baurat Korn- Steglitz abgeschlossenen Vertrag, nach dem er für die Pauschalsumme von 7000 M. de» neuen Schuthuusbau leiten soll. Der Kämmereikasi'enetat schließt mit einer Ausgabe von 90 500 Mark ab, gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 5500 L>k. Die Erhöhung der Ausgaben bedingt eine Erhöhung der Steuer« zuschlage von 167 Proz. aus 181 Proz., die Bettiebssteucr wird mit 100 Proz. erhoben. Bei der Beratung des Etats wurden auS der Mitte der Versammlung verschiedene Wünsche aus- gesprochen. unter anderem Herabsetzung des MarklstandgeldcS. Genosse S ch ö n s e e sprach sein Bedauern darüber aus, daß im neuen Etat für Straßenbeleuchtung nur 1300 gegen 2500 M. im vorigen Jahr eingestellt sind. Während in anderen Orten� die Straßenbeleuchtung verbessert wird, soll au unserer an sich schon schlechten und teilweise noch gänzlich fehlenden Beleuckitung gespart werden. Weiter richtete Genosse S ch ö n s e e die Anfrage au den Magistrat, wie viel Arbeitsstunden am Tage der mit 900 Marl angestellte Arbeiter und NachtwäSttr an»erricko«, Nabe.>>«r Bürgermeister erflärte, fommt für den Betreffenden nur eine verwaltung aus. Die Unterſtigung dieser Einrichtung durch Wohl- Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über stundenweife Beschäftigung in Frage. Marktlage: Fleisch: Weiter wird aus der tätigkeitsvereine, vor allem auch durch die hiesigen Krankenkassen, den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Wild: Zufuhr knapp, Berfammlung die Trennung der Kirchensteuer von den übrigen wurde sofort zugefagt. Damit schien die Verwirklichung in aller- Bufuhr start, Geschäft flau, Preise unverändert, Steuern gewünscht. Ein Antrag unserer Genossen wünscht für fünftige nächster Beit sichergestellt. Verhandlungen mit dem Fistus, der als Geschäft lebhaft, Breile gut. Geflügel: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr gering, Geichäft rege, Wahlen die Wahlzeit der dritten Wählerklasse von 5-7 Uhr abends alleiniger Befißer der zahlreichen Waldungen um Poisdam in Frage Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise zu verlegen. Der Magistrat hat eine Umfrage bei den umiliegenden fommt, haben zu feinem Resultat geführt, da sonderbarer- unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr geStädten vorgenommen und festgestellt, daß die dritte Klasse zumeist weise die geeignetsten Ländereien gerade vom Fiskus für andere nügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. bon 11-1 Uhr mittags wähle. Genosse Schönsee bemängelt 8 we de bestimmt sein sollen. die festgesetzte Beit. In vielen Fällen muß der Arbeiter, der arbeitet, den ganzen Tag verfäumen, um sein Wahlrecht ausüben zu Lönnen. Genoffe Siebich macht den Vorschlag, die Wahlzeit ents weder auf 8-10 Uhr vormittags oder auf 12-2 Uhr nachmittags zu verlegen, damit den auswärts arbeitenden Wählern nur ein alber Zag verloren geht. Der Bürgermeister verspricht diesen Vorhlag in Erwägung zu ziehen. Nowawes. Einrichtung einer Schulzahnklinit. Nachdem die Erfahrungen mit drei Schulärzten abgeschlossen sind, werden jetzt sechs weitere erste angestellt. Für die zahnfranken Kinder ist die Behandlung in einer besonderen Schulzahnklinik in Aussicht genommen. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund. Drtsgruppe Berlin. Mittwoch 8 Uhr im Gewerkschaftshaus: Vortrag des Genossen August Neumann Hamburg: Wie steht es mit der Durchführung der Forderungen der Resolution Wurm vom Essener Parteitag?" Briefkaften der Redaktion. In der letzten Kartellsitung, an der auch die Vorsitzenden der Gewerkschaften teilnahmen, berichtete der Vorsigende Genosse Salzbrunn zunächst über die Arbeitslosenzählung, und zwar wurden 650 Arbeitslose gezählt. 98 Genossen haben sich zu dieser Arbeit zur Verfügung gestellt. Sodann beschäftigten sich die Delegierten Die furiftifdhe Evrechstunde findet Lindenkrake Mr. 3, gweiter eingehend mit der Art der Agitation für den Textilarbeiterverband. Sof, britter Eingang. bier Treppen, DE Fahrstuhl Geöffnet 7 1hr Das Referat hielt Genosse Sogte, Gauleiter des Textilarbeiters wochentäglich abende von 7 bis 9½ 1hr statt. berbandes. Er betonte, daß bei der diesmaligen Hausagitation vor Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 hr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Wertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort allem die in den hiesigen Fabriten beschäftigten Angehörigen der wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkaften können 14 Tage organisierten Arbeiter für den Tegtilarbeiterverband gewonnen werden vergehen. Gilige Fragen trage man in der Evrechstunde vor. sollen. Es sei bedauerlich, daß man die organisierten Arbeiter, die Schreinerstr. 17. A. W. Sie könnten Minderung des Kaufpreises B. 9. Wenn in doch bon dem Wert der wirtschaftlichen Organisation übera berlangen und Anzeige wegen Betruges erstatten. zeugt sind, noch auf die Erfüllung ihrer Pflicht hin Ihrem Mietsvertrag das Recht, den Bertrag auf einen anderen zu über. weisen muß. Am Schluß der Diskussion, in der sich die Delegierten, tönnen, falls dieser verbindert hat, daß ein anderer für die Dauer Ihres tragen, eingeräumt ist, so würden Sie vom Wirt Schadenersatz verlangen mit Ausnahme der Holzarbeiter, einmütig auf den Standpunkt des Mietsvertrages für Sie eintritt. Enthält der Mietsvertrag folche Verein Referenten stellten, wurde eine im Sinne des Referats gehaltene barung, so ist nicht verständlich, weshalb Sie den Wirt benachrichtigt und Resolution gegen Stimmenthaltung der Holzarbeiter angenommen. um Genehmigung ersucht haben. 11. 9. 50. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja, Der Borsigende ersuchte die Vorsitzenden der Gewerkschaften vor aber nur die Ihrer Frau gehörigen Sachen. F. B. 25. Leider stehen C. R. 114. Ja. allem dahin zu wirken, daß die der Gewerkschaftspresse beizulegenden Ihnen Rechte gegen die Firma nicht mehr zu. 1. und 2. Nein. 3. Eine Liquidation wäre möglich. Karten ausgefüllt an die Haustaffierer abzuliefern sind, die dieselben.. 12. H. K., Zoffen. Wenden Sie sich an einen Anwalt, zu dem Sie zus dann an ihren Organisationsvorstand abliefern. Genosse Bubert trauen haben. Wir lehnen es grundsätzlich ab, bestimmte Anwälte, Aerzte ersuchte die Delegierten noch, in ihren Versammlungen eine rege oder Firmen zu empfehlen. St. R., Pankow. Sie leben nicht in Güter Agitation für die Arbeiter- Jugend" zu entfalten. gemeinschaft mit Ihrer Frau. Zweckmäßig ist es aber, einen notariellen oder gerichtlichen Vertrag zu schließen, in dem Sie auf Ihr ehemännliches Potsdam. Berwaltungs- und Nießbrauchsrecht verzichten und das in einem Ber mögensverzeichnis aufgeführte Vermögen Ihrer Ehefrau ausdrücklich anerkennen. 5. O. 18. Jawohl, beantragen Sie Ladung Ihres Arbeit Witterungsbericht vom 1. März 1909. morgens 8 thr. Stationen Barometerstand mm richtung Wind Windstärke Swinemde. 752 S Hamburg 756 N Berlin 754 WS Franfi.a M 758 SW Münden 759 SW Bien Wetter Temp. n. T. 5°.= 4° R Stationen Barometerstand mm Windrichtung -2 Haparanda 756 N Windstarle Better 15°.40.1 2 Schnee 4 Schnee 2 bedeckt. -2 Petersburg 762 SSD -2 Scilly 757 DND 2 bedeckt 1 Schnee- 7 4tvolfig -19 3 2 Dunst -6 Aberdeen 2 woltig 2 bedeckt -6 Baris 2 bedeckt -2 1 bedeckt -5 1 760 NN23 755 S 761 28 Wetterprognose für Dienstag, den 2. März 1909. Beitweise aufflarend, dazwischen noch leichte Schneefälle bei mäßigen west. lichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Betterbureau Wafferstands- Nachrichten ber Randesanitalt für Gewässertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, ilfit Bregel, Sniterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frankfurt Landsberg Nese, Bordamm Elbe, Reitmeriz Barthe, Schrimm Dresden Barby Magdeburg Die Errichtung einer Walderholungsstätte gescheitert! Bor ungefähr Jahresfrist beschäftigte man sich mit der Errichtung einer Walderholungsstätte. Die Anregung ging damals von der Stadt- I gebers und der Aerzte, die Sie behandelt haben. K. B. 33. 1.- 3. Sa. 19 Schwaches Treibeis. Adolf Blankenftein und Frau Sozialdemokratischer Wahlverein beehren sich die Geburt eines fräftigen Jungen ergebenst anzuzeigen. Pinne Prov. Posen. Februar 1909. Für die anläßlich unserer Silberhochzeit erwiesene Aufmerksamkeit fagen wir allen Genossen und Genoffinnen unseren herzlichsten Dant. 12526 Richard Jahn und Fran. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Landsberger Biertel. Bezirk 368. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Weber August Bartel Weidenweg 69 gefiorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Montag, den 1. März, in Friedrichs felde statt. 216/4 Der Vorstand. Arbeiter- Baugenossenschaft ,, Paradies" zu Berlin. E. G. m. b. H. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Borstandsmitglied, ber Tischler 104/2 Hermann Großkopf, am Bohnsdorf, am 26. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Nigdorf, Hermannstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand und Aufsichtsrat. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Georg Knorn am 27. v. Mts. an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. März, nachm. 8 Uhr, vom Trauerhause Weißen fee, Goethestraße 14, aus ftatt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hermann Rakete am 27. b. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen Kirchhofes in Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg. aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/11 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Charlottenburg. Von dem Ableben unseres Mitgliedes, des Schloffers Hermann Rakete geben wir hiermit unseren Mitgliedern Kenntnis und bitten diefelben, fich recht zahlreich an der Beerdigung des Verstorbenen zu beteiligen. 250/5 Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 3. März, nachm. 1,6 Uhr, auf dem Luisen- Kirchhof, Fürstenbrunner Weg. Treffpunkt der Genossen bom 25. und 26. Bezirk um 25 Uhr bei Lachmann, Tauroguenerstr. 10. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der Mechaniker Oskar Kracker ( 6. Bezirk) freiwillig aus dem Leben ge schieden ist. Ehre seinem Andenken! 234/11 Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Groß. Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 27. Fe bruar, unser langjähriger Kollege Paul Donalies an Lungenschwindsucht storben ist. berEhre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. März, nachmittags 32 Uhr, von der Halle des neuen Bauls- Friedhofes, Seestraße, aus ſtatt. Gruppe der Kunststeinarbeiter. Am Sonnabend, den 27. Februar, verstarb unser Kollege Otto Pietag. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Diens. tag, den 2. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des neuen Gemeinde Friedhofes, Rigdorf, Mariendorfer Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 63/6 Die Ortsverwaltung. 4 Zentral- Verband Allen Verwandten und Befannten hiermit die traurige Nach richt, daß am Sonnabend, den 27. Februar, morgens 32 Uhr, nach langem schwerem Leiden meine liebe Frau Ida geb. Förster verstorben ist. 1258b Die Beerdigung findet heute, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Hedwigs- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Der trauernde Gatte. Nagel, Rodenbergstr. 30. Todes Anzeige. Am 28. Februar starb nach langem Leiden meine liebe Frau Elise Hoffmann. Dies zeigt tiefbetrübt an 23. Hoffmann, Buzer, Steglitz, Freegeftr. 38a. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 3. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle( Berg straße) aus statt. 3056 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Danksagung. am feit 28. 2. 27. 2. cm ¹) Bafferftand Saale, Grochlik Beeskow am Teit 28. 2. 27. 2. cm cm cm) 1779) 0 -23)+2 688) 90 +2 88+-6 138 Havel, Spandau) Rathenow) Spree, Spremberg) 94 67 -5 124 +10 0 1008) 2088)+6 Beser, Münden 74 50 Minden 613) Rhein, Marimiliansan 285 30 Kaub 92 -61 Köln 86 -184 Nedar, Heilbronn 32 79) Main, Wertheim 764) Mosel, Trier 5) Unterpegel. 3) Eisstand. 1)+ bedeutet Buchs, Fall. 43+3 Berlin SO. 16, Für die vielen Beweile berlicher H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Karl Witte fagen wir hiermit den Genossen des sechsten Kreises, Bezirk 591 sowie dem Deutschen Transportarbeiter- Verband, dem Gesangverein Unverdroffen" somie allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dant. 1250b Frau Amalie Witte nebst Tochter. Lebensglück in Gesundheit! Bei Beinkrankheitell jeder Art verwende man die schnelle und rationelle Heilung bringende Dun's Thermalseife mild wirkende Substanzen. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauch, Kau, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. zu Originalpreisen. Amt IV, 3014. kannten Marken Zigaretten Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unger. Gegen 30 Pfennig auf 10 Bf. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Min. fort. 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Dun's Laboratorium, Hamburg 11, spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen meinen herzlichsten Dank. 12515 Elisabeth Zeise nebst Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen KranzSpenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes herzensguten Vaters, des Tischlers Gustav Paschke fage ich allen Freunden und Betannten, insbesondere dem Genossen Schütte für die trostreichen Worte am Sarge des Verstorbenen, dem Gesangverein Liederfreunde", dem Wahlverein von Johannisthal- Rudow- AltGlienice, dem Deutschen Holzarbeiterberband, Zentral- Kranten- und Sterbefasse der Tischler, fowie den Kollegen der Firma Koniker meinen herzlichsten Dant. 12436 Witwe Paschke nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen KranzSpenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Baters, des Restaurateurs Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Her en Moden Massanfertigung, feinste Verarbeitung. Grosses Stofflager. Erstklassige Schneider Werkstatt im Hause. Spezial- Geschäft für Herren- Bekleidung Kein Waren- Kredithaus J. Kurzbers An der Jannowitzbrücke 1, I direkt am Bahnhof. Otto Weidner Bur Einsegnung fagen allen Beteiligten, dem Verband der freien Gaft und Schankwirte, dem Holzarbeiterverband, der Zentral und Tischler, und Jugendweihe Uhren, Ketten, Telephon: Weißenfee 203. Für Damen weibliche Bedienung.* * Referant für alle Krankenkaffen. MANOLI Cigarettes Abbas 3 Pig Chic 4 Pfg. Gibson Girl 5pfg. auf Kredit. Möbel Teng In Teil zahlung bei allerkleinster An- n. Abzahlung. Größte Rücksicht bei Krankheitsfällen E. Cohn, Gr. 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Gegent angegriffen und Wahlenthaltung gefordert hatte führt die Mainzer Bolkszeitung" an, daß die Genoffen in Bingen- Alzey umfomehr Beranlassung hätten, sich gegen den flerital- ultramontanen Block auf die Seite der bürgerlichen Zinken zu stellen, als sich Pfarrer Rorell bem sozialdemokratischen Wahlkomitee gegenüber schriftlich verpflichtet hatte, für den Fall seiner Wahl im Reichstage zu wirken für uneingeschränkte Aufrechterhaltung des bestehenden Reichstagswahlrechts; für uneingeschränktes Roalitionsrecht; gegen Erhöhung der bestehenden Zölle auf Lebensmittel; gegen jede indirekte Steuer oder eine Erhöhung der bestehenden auf Stonfumartikel der großen Masse der Bevölkerung; gegen jede Ausnahmegefeßgebung und gegen jede Verschlechterung des bestehenden Rechtszustandes. Wahlfomitee allerdings nicht gut anders, als zur Stimmabgabe für Nach diefen Erklärungen Korells konnte das sozialdemokratische Korell aufzufordern. So wenig zuverlässig der Herr auch nach seinem Verhalten im Wahlkampfe erscheint, so ist doch nicht anzunehmen, daß er diese schriftlichen Versprechen schlankweg gebrochen hätte. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Die Justiz ohne Binde. Mit welcher Antipathie manche Richter der Arbeiterbewegung gegenüberstehen, zeigt eine Schöffengerichtsverhandlung in Obers weißbach, wo sich Genosse Redakteur Born vom Saalfelder Boltsblatt" wegen angeblicher Beleidigung eines BorzellanAnwesend waren 144 Delegierte einschließlich der KreisGen. Melber- Radolfzell beantragte einen Busabantrag zu borfizenden. Der Parteivorstand ist durch Genossen Ebert dem Antrag Schwall, wonach in erster Linie nur deutsche Arbeiter Berlin, die württembergische Landesorganisation durch Genossen von der Bahn beschäftigt werden sollen. Gen. Fa a B- Pforzheim Sperta Stuttgart, die bayerische durch Genossen Auer- München teilt die Stolbsche Auffassung bezüglich der Anlehenspolitit; Gen. und die pfälzische durch Genossen Störner Ludwigshafen vertreten. Engler- Freiburg ist gegen den Schuldabzug der Hausbefizer Zum ersten Borsigenden wurde Genosse Dr. Frant- Mannheim, für die Gemeindesteuer; Gen. Süßfind- Mannheim betont da zum zweiten Vorfigenden Genosse Müller Schopfheim gewählt. gegen, daß wir nicht Schulden, sondern Vermögen besteuern sollen. Bei der Frage nach der Unterstützung der Anträge ergab sich, daß Gen. Frant- Mannheim stellt fest, die Debatte habe gezeigt, daß die meisten der auf die Oberlander Preßfrage bezüglichen die betonten Gegensätze zwischen Revisionisten und Radi Anträge nicht die genügende Unterstützung fanden. Am ersten Tag wurde in geschlossener Sigung der gefchäft- Graftion falen gar nicht existieren. Die Anlehenspolitik habe die liche Teil erledigt. Die Angelegenheit des weiter projeftierten Graftion und auch Kolb nicht anders verstanden als Ged. Kopfblattes in Freiburg wurde einer zwölfgliedrigen lutionen, sowie eine weitere Resolution angenommen, wonach der Nach einem Schlußworte Stolbs werden die angeführten ResoKommission übergeben, welche beschloß, dem Parteitag vorzuschlagen, Landtagsfraktion Billigung und Anerkennung für ihre bas Projekt aus finanziellen Gründen zurüdzustellen. Am zweiten Tage begann das Referat des Genossen o Ib. Tätigkeit ausgesprochen wird. Karlsruhe über die Tätigkeit der sozialdemokrati. In der Nachmittagssigung referierte Gen. Frant- Mann schen Landtagsfraktion. Er schilderte zunächst die heim über die bevorstehenden Landtagswahlen. Die badische Situation bei Beginn des neuen Landtages im Jahre 1905, wie Regierung und die Parteien, die ihr beevesdienste leisten, haben bie Sozialdemokratie dort durch die Wahlen. ausschlaggebend ge- uns die Stellung sehr erleichtert. Die Ausführungen des Gen. worden war. Beim Wiederzusammentritt des Landtages im Jahre Stolb haben dargelegt, daß wir der Regierung nur mit dem 1907 hatte sich die Situation geändert, indem inzwischen an die schärften Mißtrau en begegnen fönnen und daß der Kampf Stelle des Ministers Schenkel, ber den Angriffen des Zentrums gegen jedes einzelne Mitglied derselben berechtigt und notwendig gerade wegen des Wahlausfalles hatte weichen müssen, durch den sei. Der Referent geht die Tätigkeit der einzelnen Minister durch, Freiherrn v. Bodmann ersetzt worden war. neue Regiment sofort in dem bekannten Fall Schäufele, den errat an der heimischen Elektrizitätsindustrie fabrikanten zu verantworten hatte. Der Antläger beantragte bekanntlich, die Eisenbahnverwaltung verhinderte, sein Mandat als und der Tabalarbeiterschaft darstelle. Das Zentrum Erfahmann für den Bürgerausschuß Karlsruhe auszuüben. Auch bleibe was es ist, ein Block der Reaktion, aber die Nationalliberalen die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch den Minister v. Boda kommen ihm entgegen. Die Geradeauspolitik ihres neuen Chefs mann bewies den Wechsel in der Haltung der Regierung. Der erweise sich als die Geradeauspolitik des Strebses. Welche Haltung Referent ging sodann zur Finanzpolitik über und verteidigte wir bei den Stichwahlen einnehmen werden, laffe sich heute die Haltung der Fraktion, bei dem Vermögenssteuergeses, bei nicht bestimmen, erklärt Referent; er empfiehlt daher eine Resowelcher Gelegenheit von ihr ein vollständiger Wandel in der Finanz- lution, wonach in allen Streifen bei der Hauptmahl von der politik des Landes begehrt, insbesondere betont wurde, daß Bauten, Partei allein vorgegangen werde, der Landesvorstand bie für Generationen von Bedeutung sind, wie z. B. die Rhein als Zentralwahlkomitee erklärt, burch die Reichstagsabgeordneten torrektion, nicht aus laufenden Mitteln, sondern im Wege von des Landes, sowie 2 Pressevertreter und 9 Delegierte aus den in Anleihen gededt würden. Es sei nicht zu vergessen, daß Betracht kommenden Kreisen ergänzt werde und zwischen dem ersten außer einer Eisenbahnschuld, der ein entsprechendes Eisenbahn- und dem zweiten Wahlgang die verantwortliche Entscheidung für bermögen gegenüberstehe, Baden keine eigentliche Staatsschuld, wohl das Verhalten der Partei beim zweiten Wahlgange zu treffen habe. aber ein großes Barvermögen habe, sogar eine Schuldentilgungs. Nach einer kurzen Diskussion wird diese Reſolution einstimmig taffe, die gar feine Schulden zu tilgen habe. Durch diese Bolitit angenommen. Die Kommission wurde sofort gewählt. sei fein Geld für Stulturzwede aus laufenden Mitteln vorhanden. Nach Annahme einiger Anträge, die auf den Ausbau der Um diese Mittel zu gewinnen, seien Anleihen für die anderen Jugendorganisation im Sinne der Nürnberger Beschlüsse, erwähnten Zwede notwendig. Das Zentrum, das gegen die auf die Beiträge für die andestasse, auf den Ausbau der Anleihenpolitik in dem erwähnten Sinne zu Felde ziche, be- Parteisekretariate, fich beziehen, sowie nach Ausführung schwindle dabei das Volt, wenn aber Mittel für die Schulen der Genoffin Blafe- Mannheim zu gunsten der Frauenes feien eigentlich 1000 neue Schulhäuser im Lande notwendig organisation, wird Offenburg wieder als Ort für den flüssig gemacht werden sollen, so versage das Zentrum. Der Redner nächsten Parteitag, sowie Mannheim als Vorort und Sitz des schildert die Tätigkeit der Fraktion in den Schulfragen und Landesvorstandes bestimmt, die Wahl des letzteren den Genossen stellt dabei feft, daß 6 Nationalliberale den sozialdemo- in Mannheim überlassen. tratisch- demokratischen Antrag auf Schaffung von Simultan- Lehrer. seminaren zum Fall verholfen haben. Der Referent beurteilt die Aussichten günstig, da die Berfahrenheit der liberalen Partei immer größer werde. In der Diskussion begründete Genoffe O. Ged- Mannheim eine Resolution, in der die Regierung getadelt wird für den Bruch ihres Versprechens, zum Ausgleich der bewilligten Tarifreform be schleunigte Personenzüge verkehren zu lassen. Genosse Frant als Borsigender betonte bei dem nunmehrigen Schlusse des Parteitages, daß dieser eine gute Arbeit zur Einleitung des Wahlkampfes getan habe. Das Bild der Zerrissenheit, das die Gegner auf diesem Parteitage zu sehen hofften, ist nicht hervor getreten; die Partei stehe geschlossen vor dem Feind und auch unsere Freunde im Reich werden sich darüber freuen. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde der Parteitag gefchloffen. trotzdem die Notiz im allgemeinen nichts Beleidigendes erkennen trotzdem die Notiz im allgemeinen nichts Beleidigendes erkennen läßt einen Monat Gefängnis, und das Gericht erkannte auch auf diese Strafe. Der Amtsrichter führte dabei aus:" Auf Geldstrafe wurde deshalb nicht erkannt, weil in solchen Fällen der Berurteilte die Strafe doch nicht zahle, sondern die Arbeitergroschen herhalten müßten. Wir wollen ben Arbeitern die Arbeitergroschen nicht abnehmen." Eine andere traurige Erfahrung, die so manche Redaktion eines Arbeiterblattes schon gemacht hat, bestand noch darin, daß die geladenen Entlastungszeugen versagten, als sie die im Artikel enthaltenen Behauptungen bekräftigen sollten; sie beeideten sogar teilweise das Gegenteil. Wegen der Unzuverlässigkeit der Gewährsmänner gelang es deshalb nicht, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt. In die preußische Freiheit ist Genoffe Thielhorn von der Niederrheinischen Arbeiterzeitung" zu Duisburg zurückgekehrt. Er hatte sechs Wochen hinter schwedischen Gardinen zugebracht wegen einer Schilderung der Hamborner Polizeischlacht. Straffonto der Preffe. Genosse R. Barth vom, Thüringer Bolts freund" zu Sonneberg i. Th. wurde vom dortigen Schöffengericht wegen Beleidigung des freisinnnigen Landtagsabgeordneten und früheren Reichstagsabgeordneten Philipp Sam Hammer zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung wurde in einem Artikel gefunden, der in satirischer Weise die Tätigkeit Samhammers im liberalen Ortsverein und im Landtage beleuchtete. Partei- Speditionen: Zentrum I: Fris 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguftftr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Besten: Gustav Schmidt, Kirchbachftr. 14, Hochparterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenauftr. 72, Laden. 8. Wahlkreis: St. Frib, Brinzenstr. 31, of rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert Bengels, Rüdersdorferstr. 3, am Stiftrinerplatz. Wilhelm Mann, Petersburgerplaz 4( Baden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufigerplay 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ucht, Immanuellirchstr. 12( Hof). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Starl Anders, Salzwedelerftr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: germann Raschte, Aderftr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen:. Trapp, Stettinerftr. 10. 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