Nr. 52. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 R., möchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Erfcheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 3. März 1909. Die auswärtige Politik der ruffifchen Konterrevoltution. den schon erwähnten Gründen dadurch beſtimmt, daß die Die Gefahren für den europäischen Frieden, die aus der Orientkrise entsprangen, sind nicht zum geringsten hervor gerufen durch das Verhalten Rußlands. Angesichts der finanziellen und militärischen Berrüttung des Landes mußte das provozierende Auftreten der zarischen Regierung einigermaßen überraschen. Am meisten Verwunderung aber mußte erregen, daß die Regierung Stolypin- swolski bei ihrer Politik gerade dann die Unterstüßung der bürgerlichen Parteien fand, wenn sie eine aggressivere Haltung einnahm und mit verstärktem Nachdrud als Befürworterin der Ansprüche der kleinen Balkanvölker auftrat. Diese Erscheinung wird aber sofort flar, wenn man die Triebfräfte der russischen auswärtigen Politik genauer analysiert. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. " " Herr Wiemer freilich soll sich lebhaft, freilich einstweilen vergeblich, für das Kompromiß engagiert haben! Regierung zum Einschreiten gegen Oesterreich aufheben, und darum, was an die Stelle der Nachlaßsteuer zu sehen wäre, die von ihm geleitete Zeitung, die„ Rietsch", schrieb in der denn ohne irgend eine direkte Steuer glaubt schließlich Beit des größten Serbenrummels:" Die Politif Jswolskis feine der bürgerlichen Parteien der nichtbefizenden Klasse, ist kein Bluff, fie verficht die wahren Interessen Rußlands." selbst ihren Wählern die ungeheuerliche neue Diese Stellung der russischen Bourgeoisie wird außer Steuerschröpfung plausibel machen zu können. Während nun die Nationalliberalen eine ReichsLiberalen die Hoffnung hegen, durch die Unterstützung der bermögenssteuer vorschlugen, legte sich das Zentrum auswärtigen Politik der Regierung zu einem größeren Ein- im Einverständnis mit den Konservativen für eine Befitfluß zu gelangen. Wie töricht diese Hoffnung auch ist, so steuer" ins Zeug, die von den einzelnen Bundesträgt sie dazu bei, daß die Wortführer der Bourgeoisie zu ft a aten aufzubringen sei. Da auf der Hand lag, daß die Trabanten der Regierung, zu rabiaten Draufgängern und Bundesstaaten, namentlich aber Preußen diese Besitzsteuer" Säbelraßlern werden, deren Tadel nur mehr der allzu auch auf die geringsten Einkommen abzuwälzen suchen großen Besonnenheit" der offiziellen zarischen Diplomatie werde, fanden neue Kompromißverhandlungen gilt. Mit dieser Besonnenheit aber hat es seine eigene Be- statt. Es sollten nämlich von Reichs wegen Vorschriften wandnis. für eine einzelstaatliche Regelung der Einkommen und Es ist gewiß eine Binsenwahrheit, daß der russisch- Vermögenssteuer getroffen werden. Die Lägl. Rdsch." behauptet, japanische Krieg und die Revolution Rußland so geschwächt daß dieses Kompromiß in der konservativen Fraktion haben, daß das Barenreich für absehbare Zeit überhaupt aus nur eine schwache Mehrheit gefunden habe, weil bei einem der Reihe derjenigen Mächte zu streichen ist, die imftande sind, großen Teile der Konservativen der Eingriff in die Finanzeinen großen modernen Strieg zu führen und sich einen mag- Hoheit der Einzelstaaten durch die Vorschriften des Reiches ungebenden Einfluß auf die Weltpolitit zu wahren. Das weiß annehmbar erschien, während die Freisinnigen sich abSeit dem Sieg der Konterrevolution ist der Zarismus natürlich auch die russische Regierung sehr wohl und lehnend verhielten, weil die reichsgesetzliche Bindung der nicht mehr ausschließlich das absolute Regime des feudalen daher rührt ihr Schwanken in der Balkanpolitit. Des- Bundesstaaten ihnen nicht weit genug ging und nicht Großgrundbesites, das sich auf die Teilnahmslosigkeit und halb mußte sie es ertragen, als Desterreich durch die An- die von ihnen verlangten Garantien darbot. Unbeweglichkeit der Bauernmasse stützt. Es ist vielmehr die fündigung des Vaues der Sandschakbahn zum erstenmal beHerrschaft einer Koalition des Kapitals und des Großgrund- fundete, daß es seine Stellung auf dem Balkan verstärken besizes, deren Zweck die Niederhaltung des Bauerntums und wolle. Deshalb stimmte Jswolsti in Buchlau den Annerionsder Arbeiterklasse bildet, der beiden Klassen, die in einem plänen Desterreichs zu. Deshalb muß es auch jetzt, wo die offenen Kampfe die Grundlagen der Herrschaft der feudalen Striegsgefahr ernst wird, doch wieder einlenken und Serbien Parasiten und die unumschränkte Ausbeutung durch das den Verzicht auf jene Forderungen anraten, zu denen es selbst Kapital bedroht haben. Die Träger der Revolution haben die serbische Regierung angesiachelt hat. Aber andererseits Mögen die Herren einstweilen mit ihrem Kuhhandel fortzwar eine, Niederlage erlitten, aber die Ursache der Revo- muß die zarische Regierung immer wieder diese Not ihrer fahren. Sobald ein greifbares Resultat vorliegt, werden wir lution, der Widerstreit der ökonomischen Entwickelung und Friedenspolitik durch eine provozierende kriegerische Sprache das Verhalten der Parteien gründlich unter die Lupe nehmen! der politischen Herrschaftsverhältnisse, ist nicht aus der Welt zu verhüllen trachten, nicht mur, um durch diesen Bluff ihre geschaffen. Die Regierung will die Aufgabe, welche die Ne- Stellung bei den Balkanvölkern zu retten, sondern auch, um Die Blockmehrheit ist trotz der Ermahnungen Bülows und trok volution nicht gelöst hat, auf ihre Weise lösen. Sie will durch der öffentlichen Meinung des Bürgertums tagelanger Unterhandlungen noch zu feinem Kompromiß in den die Agrarreform, durch die Ausrottung der Storruption, Rechnung zu tragen. Deshalb schafft Rußland der Steuerfragen gekommen, so daß die gestrige Sigung der Finanzdurch Verwaltungsreformen, durch eine Ausgleichung der Lösung der Krise immer neue Schwierigkeiten, deshalb hat tommission zu früh angesezt war. Es lag für die Tagesordnung Interessen des Großgrundbesitzes und des Kapitals Rußland es die bulgarisch- türkischen Einigungsverhandlungen durch weiter kein Material vor, als die Anträge Weber( Vermögens„ erneuern", ohne der Großgrundbesizerklasse, aus deren seinen Vermittelungs" vorschlag zum Stillstand gebracht, des- steuer), Gamp und Herold( Erhöhung der Matrikularbeiträge), Reihen sie sich selbst rekrutiert, Opfer aufzuerlegen und ohne halb hat es die Serben gegen Desterreich mobil gemacht, da die Subkommission bekanntlich Fiasko gemacht hat und ihr Bedie kapitalistische Ausbeutung einzuschränken. Um diese trotzdem es wußte, daß es sie im Ernstfalle werde sicher im richt zu nichts tauglich ist. In dieser Verlegenheit wurde die Sache Danaidenarbeit zu leisten, braucht sie die Unterstützung der Stiche lassen müssen. ..Gesellschaft"; das fonterrevolutionäre Gebrüll der 130 000 Aber den bürgerlichen Parteien ist nicht geholfen durch von den Blockparteien so gedeichsfelt, daß die Sizung mit der BeZunächst erklärte der Vorsitzende, daß er auf den Wunsch ver ihr nicht. Darum lenkt sie wieder die Aufmerksamkeit der die nur die gänzliche militärische und finanzielle Desorgani- fchiedener Parteien über§ 1 des Nachlassteuer- Gesez. Junker und der kleinen Schicht großer Kapitalisten genügt eine Fanfare, der sofort eine Schamade folgen muß, eine Politik, ratung über den Antrag Weber( natl.) ausgefüllt wurde. „ Gesellschaft" auf den Balkan, darum beginnt sie wieder fation enthüllt und die Regierung zwingt, ihre völlige Un- entwurfs der Regierung abstimmen lassen werde. mit dem Panslawismus zu spielen. Diese alte Trieb- fähigkeit zur Lösung auch nur der Probleme der Konter. Die Abstimmung ergab die Ablehnung mit allen gegen die sechs kraft der russischen auswärtigen Bolitik wirft aber jetzt in revolution einzugestehen. Daß diese Hilflosigkeit der Stimmen der Sozialdemokraten und Freifinnigen. Berbindung mit neuen Elementen, die der Aktion der Ne- Regierungen zur Beruhigung" der russischen Gesellschaft nicht Nach der Abfiimmung erklärten die Abgeordneten Arendt, Weber gierung eine breitere Basis geben. Ein siegreicher Krieg, eine gerade viel beitragen wird, versteht sich von selbst. Aber und Wiemer, daß ihre Abstimmung kein Präjudiz sei und sie sich Gewiß, die russische alles für die zweite Lesung vorbehalten. Schaffung von geschlossenen neuen Absagmärkten für die gerade dies bildet eine Gefahr. " Die Kompromißverhandlungen sollen trotzdem fortdauern und die nachstehenden Verhandlungen der Kommission nur dazu bestimmt gewesen sein, diese Fortsetzung der Kompromißschachereien zu mastieren! russische Industrie würde der Regierung helfen, der revo- Regierung schreckt trotz des Geschreis der Bourgeoisie davor Alsdann entspann sich eine Geschäftsordnungsdebatte über die lutionären Lösung der Probleme des russischen Lebens zurück, das äußerste zu wagen. Abgesehen von allem andern Zulassung der Beratung des Antrags Weber. Genosse Emme I aus dem Wege zu gehen. Wie bekannt, besteht das wichtigste hält sie die Angst vor dem Wiedererwachen der Reforderte die Blockunterhändler auf, ihre Vorschläge bekannt zu Problem Rußlands darin, daß der völlige Verfall der bolution von dem Verbrechen der Friedensstörung zurück. geben, dann werde ohne Zeitversäumnis eine Basis für die Ve russischen Bauernwirtschaft zum schwersten Hemmnis für die Doch andererseits darf nicht vergessen werden, daß es gerade ratung gewonnen. Allein die Mehrheit beschloß, den Antrag Weber Entwickelung der russischen Industrie geworden ist. Da die die Stützen der Regierung, die Großgrundbesitzer und Groß zu beraten unter Zurücksegung der Anträge Gamp und Herold. Regierung als Verfechterin der Interessen des Großgrund- kapitaliſten find, deren Opposition das Schwanken in der Der Abgeordnete Na a b( Antis.) erklärte sich gegen den Antrag. befizes mit allen Sträften sich gegen eine gründliche Lösung der auswärtigen Politik hervorgerufen hat. Sammeln sich aber Müller Meiningen führte aus, er und seine Freunde Agrarfrage wehrt und nur durch eine solche könnte ein über dem Kopf der Regierung drohende Wolken, wächst wieder stimmten der Grundidee des Antrags zu, ohne sich auf dessen Einzelinnerer Markt für die russische Industrie geschaffen die Welle der Boltsbewegung, so ist nicht ausgeschlossen, daß heiten festzulegen. werden, so ist es für den Zarismus und das Kapital ein sie eine Va banque Politit beginnen wird, die nur höchst verführerischer Gedanke, einen äußeren Markt für mit einem schrecklichen Debakel enden kann. Genosse David erklärte: Prinzipiell stehen wir auf dem Boden des Antrages gegenüber den im Hintergrunde lauernden Anträgen die Industrie zu erobern. Denn könnte dies Ziel erreicht Einstweilen aber darf man hoffen, daß die Regierung Gamp und Herold. Die letteren wollen nicht den Besitz besteuern, werden, dann würde die Industrie eine neue Möglichkeit der bei der Besonnenheit" bleibt und sich mit einigem Geschrei sondern bezwecken eine Heranziehung des Arbeitseinkommens. Entwidelung erlangen, und die Herrschaft des Großgrund- und der Erzeugung einiger Verzögerungen in der endgültigen mit dem Worte Besitzsteuer will man dem Volke Sand in die besites wäre zugleich gerettet; die Agrarreform, die auf der Lösung begnügen wird, wo sie, wie auf dem Balkan mit Augen streuen. Sogar der Antrag Weber bezweckt eine HeranBildung einer kleinen Schicht Großbauern und auf dem gänz- einem starten Feind wie Desterreich rechnen muß. Aufziehung der Minderbemittelten, da er zur Voraussetzung der BeBildung einer kleinen Schicht Großbauern und auf dem ganz anderen Gebieten dagegen, einem rückständigen und schwachen steuerung ein Mindesteinkommen von 1200 m. jährlich vorsieht. Eine lichen Ruin der Kleinbauern lossteuert, hätte eine Zukunft: die ruinierten Bauern fönnten als Fabritarbeiter in die Gegner gegenüber, wird sie noch dazu gestärkt durch die steuerung ein Mindeſteinkommen von 1200 m. jährlich vorsieht. Eine noch dazu gestärkt durch die Bermögenssteuer muß progressiv eingerichtet sein, Städte wandern, und mit größerer oder geringerer Mühe Entente mit England- sich desto eher zu entschädigen ebenso eine Reichseinkommensteuer. Diese Steuern sind Reichskönnte schließlich das Feuer auf dem flachen Lande, das dem suchen, um ihren Stüßen einen„ Erfolg" zeigen zu können. fache und dürfen nicht auf die Einzelstaaten abgeschoben werden. herrschenden System so gefährlich ist, gelöscht werden. Darum ist es sehr leicht möglich, daß schon in nächster Zeit will die Regierung die Nachlaßsteuer, so kann sie diese sofort Diese Spekulationen der Regierung werden von einem von einer Intervention Rußlands in Persien haben, sie braucht nur den Reichstag aufzulösen. Nicht Teil des Bürgertums geteilt, man könnte fast sagen, sie zu hören sein wird. Ganz unmöglich ist es aber trotz alledem die Sozialdemokratie treibt Negation, sondern die Konservativen und werden von den Wortführern der Bourgeoisie der Regierung nicht, daß die russische Regierung, die trotz Unterstützung bas Zentrum. Wir sind für positive Regelung durch direkte suggeriert. Und dies ist ein neues Moment in den Trieb seitens der Bourgeoisie als selbständiger Faktor in der aus- Steuern. fräften der jetzigen auswärtigen Politik Rußlands und in wärtigen Politit ausgeschaltet ist, sich, wenn die oppositionelle Die Abgg. Gamp. Müller- Fulda, Wiemer und der Stellung des russischen Liberalismus. In der Zeit der Strömung aufs neue erſtarkt und zu einer Gefahr für ihr Be- Beber polemisierten gegen Genosse David. Wiemer( frf. Vp.) beHoffnung auf den Sieg der Revolution, wie die Liberalen sich stehen wird, sich in ein Kriegsabenteuer wirft. Und so ist merkte dabei, er könne nicht gelten lassen, was David gegen den diesen vorstellten, war die Mehrzahl der Liberalen gegen jede heute wie ehedem der Zarismus der schlimmste und gefährlichste Expansionspolitik; damals glaubten sie noch an die Lösung Feind für den europäischen Frieden. Kompromißverlegenheiten. Ausbruck, Besizsteuer" in den Anträgen Gamp und Herold eingewendet habe; eine Verschleierung sei mit diesem Ausdrud nicht verbunden! Der Reichsschapietretär Sydow erwiderte, die verbündeten Regierungen feien gegen eine Reichsvermögenssteuer und der Agrarfrage durch die Enteignung des Großgrundbesizes. Jezt, nachdem die Konterrevolution gefiegt hat und die Liberalen aller Schattierungen jeglichen Glauben an die Lösung der Grundfragen des russischen Lebens verloren haben, er- Um das neue standalöse Attentat auf die Taschen der ständen fest auf ihrer Entschließung. Im Reichstage gebe es teine hoffen sie diese Lösung von der auswärtigen Politik. Noch Besiglosen, das die von der Regierung vorgeschlagene Mehrheit dafür. Ebenso sei die Nachlaßsteuer abgelehnt worden. bevor die russische Regierung von den Schlachtfeldern des Reichsfinanzreform bedeutet, zu beschönigen, hatte die Re- Genosse Emmel replizierte, tvenn es keine Mehrheit im Bürgerkrieges wieder in die Kabinette der westeuropäischen gierung ihrem Steuerbukett auch die Nachlaßsteuer ein- Reichstage gäbe, sei die Regierung schuld, da sie die ReichsverDiplomatie zurückkehrte, um an ihren Ränken teilzunehmen, berleibt, eine Steuer, die die reinen Erbschaften in Höhe von mögenssteuer für unannehmbar erklärt habe. hepte der Renegat des Marrismus, Peter Strube, der 20 000 m. an treffen sollte. Diese Steuer erklärten die Der bayerische Bundesratsbevollmächtigte Führer des rechten Flügels des russischen Liberalismus, in Konservativen und Zentrumsagrarier für unan- b. Burchardt erklärte, wie die Parteivertreter vorhin ihre Vorder Rußkaja Mysl" zum Kriege gegen die Türkei. Damals, nehmbar wie der konservativ gerichtete Professor behalte bei der Ablehnung der Nachlaßsteuer gemacht hätten, so bevor einem Jahre, warnte noch Miljukow, der Führer der Delbrück behauptet, um die kolossalen Steuerhielten sich auch die verbündeten Regierungen ihre Stellungnahme Kadetten, vor unbesonnenen Balkanabenteuern; heute steht defraudationen des Agrariertums nicht ans Tageslicht bis zur zweiten Lesung vor.( Bekanntlich hat der Reichskanzler die er und seine Partei an der Spike der Draufgänger, die die kommen zu lassen! Seit Wochen dreht sich nun der Streit Nachlaßiteuer bereits fallen aelaffen. Anmerk. d. Ned. Säe SfßiieotJitefi; Spahn führte oii5: Die Finanzminister haben hier schwere Bedenken gegen die Erhöhung der Matrikular- beitrüge geäuhert. Der Schatzsekretär schien die Hoffnung zu haben, die Nachlaßsterier könne noch eine Mehrheit im Reichstage finden. Er irrt sich; es gibt keine solche Mehrheit. Nach Ablehnung der Er- höhnng der Matrikularöeiträge nach dem Antrag Herold möge der Schatzsekretär neue Vorschläge machen und nicht verdroffen beiseite stehen oder sich auf seine Erklärungen versteifen. Es gibt noch andere Wege. Es ist ja Sache der Regierungen mit Projekten zu kommen. Genosse David eilviderte. Spahn habe der Ncgienmg ins Gewissen geredet. Aber das Zentrum sei das Hindernis; es habe die Nachlaß st euer abgelehnt und sei gegen die Reichs- Vermögenssteuer, trotzdem es die Entscheidung in der Hand hatte I Der Mgeordnete Spahn behauptet darauf, die Regierung habe nun den Vortritt, sie müsse Vorschläge machen. ES gäbe noch subsidiäre Mittel, z. B. dem Antrag Herold. Wollten die verbündeten Regierungen die 150 Millionen Matrikularbeiträge tragen, so sei der Antrag Herold der richtige Weg. Die Abstimmung übe r den Antrag Weber ergab besten A b- l e h im n g mit IS Stimmen gegen 9 Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnngen und Nationalliberalen. Heute, Donnerstag, sollen die Anträge Gamp und Herold zur Beratung in der Kommission kommen. CocMpitzel ocd Krcisgcwaltige. Die Regrerung hatte am Dienstag im Landtag einen schiveren Stand. Mußten doch zwei ihr ans Herz geivachsene staatserhaltende Lieblinge, die Lockspitzel und" die Landräte, Spießruten lausten. Ter Polizechiiinister hatte trotz der Darlegungen des Gc- Kossen Hirsch am Montag den verwegenen Mut gehabt, die Lock spitzelei ihrer Spitzel zu bestreiten. Da machte es sich besonders nett, das; am Dienstag der Redner der Polen. Dr. S e y d a, in der Lage war, der Ne- gierung an der Hand amtlicher Aktenstücke nachzuiveisen, in welch systematischer Weise Polizeispitzel innerhalb polnischer Vereine Lockfpitzeleien verübten, uni dadurch der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zum Eingreifen zu geben. Auch die Polen hatden einmal Schweineglück: staatsanwalt- liche Aktenstücks waren versehentlich in Prozeßakten hinein- geraten, und diese staatsanwaltlichen Aktenstücke bewiesen, daß ein Kriminalkommissar und ein Amtsvorsteher einem Polizeispitzel Anweisungen zu seinen Lockspitzeleien gc- geben hatten. Dieser Spitzel nun hatte, wie der Redner der Polen weiterhin auf Grund der gericht- lichen Akten nachwies, nicht nur polnische Vereine bespitzelt, sondern auch die bespitzelten Polen zu allerhand Handlungen verleitet, die der preußische Staat als staatsgefährdend verfemt und durch seine Gerichte schwer ahnden läßt: er hatte polnische Abzeichen und polnische Liederbücher in die durch seine Mitglied- schaft beglückten Vereine eingeführt und nach Möglichkeit ver- breitet. Die Opfer dieser polizeilichen Lockspitzeleien aber wurden zu hohen Gefängnis st rasen verurteilt! Auch die Saalabtreibereien durch die Behörden geißelte Dr. Seyda, der schließlich das ganze Gebaren jener Hakatistischen Beamten als unanständig und ehrlos brandmarkte. Zu den Beschwerden des polnischen Redners über das Treiben der L a n d r ä t e konnte Genosse V o r g m a» n aus eigenster persönlicher Erfahrung eine Reihe drastischer Bei- spiele liefern. Besonders pikant wurden die Illustrationen unseres Genossen zu dem selbstherrlichen, die klaren, un- zweideutigen Bestimmungen des neuen VereinSgesetzes mißachtenden Treiben der Landräte dadurch, als Borgmann ein Mitglied des Hauses selbst, den Landrat v. Osten, als Gesetzesverächter vorführen konnte. Herr v. Osten versuchte freilich sofort, die Feststellungen unseres Genossen dadurch zu entkräften, daß er unter allerhand persönlichen Ausfällen gegen Borgmann und durch Entstell nng des»virklichen Sach- Verhalts seine Handlungsweise als gesetzlich zu- lässig, ja geboten darzustellen sich Mühe gab; allein unser Frakiionsredner stellte in persönlicher Bemerkung sofort fest, daß der Herr Landrat sich mit seinem Rechtfertigungs- versuch auf einen ganz anderen Fall bezogen hatte, nur nicht auf den von ihm ausdrücklich bezeichneten, in dem Herr v. Osten tatsächlich e n t g e g e n den Bestimmungen des VereinSgesetzes gehandelt hatte l Die Vertreter der Regierung vermochten durch ihre Ver- lcgenheitsausflüchte ihre Lieblinge nicht zu retten. Das Preislied, das speziell der Minister des Innern selbst auf die vaterländischen Verdien st eder Landräte sang, klang wie ein Hohn nach den unwiderlegten Anklagen, die von allen Seiten erhoben worden waren! Oer Reichstag gegen de» �akatlsnas. Die namentliche Abstimmung zum polnischen Antrag über das Gesetz zum Schutze des GrundeigentumSerwerbs ergab an» 26. Februar die Annahme mit großer Mehrheit(189 mit ja gegen 139 nein). Damit hat der Reichstag in schärfster Forin einen besonders brutalen Akt der preußischen Polenpolitik verurteilt. Da aber der preußische Ministerpräsident und der deutsche Reichskanzler die nämliche Person ist und da die Reichspolitik und die preußische Politik sich gegenseitig ergänzen und decken und in allen wichtigen Fragen die nämlichen Richtlinien verfolgen, war die Abstimmung auch eine Nieder- läge der Reichsregierung. Lebten wir in einem wahrhaft konstitutionellen, in einem parlamentarisch regierten Lande, so müßte dieses Votum den Rücktritt des Fürsten Bülow und seiner Kollegen im Reich wie in Preußen zur Folge haben. Hierzulande ist das aber anders. Wie frühere Mißtrauensvoten wird die Re- gierung auch dieses auf die leichte Achsel nehmen. Sie kann sich das um so eher gestatten, als es ja einem Teil der Mehrheit nicht einfällt, ihr wegen dieser Meinungsverschiedenheit das Vertrauen zu entziehen. Die Freisinnigen werben nach tvie vor im Block bleiben. Ihr eigenes Votum ist für sie nicht eine politische Tat, sondern eine belanglose Gefühlsäußerung. Zögen sie die Konsequenz auS ihrem eigenen Tun, so müßten sie in die entschiedenste Opposition gegen Vülow eintreten. Obgleich nun jener Beschluß deS Reichstages eine direkte praktische Folge nicht haben wird, ist eine Analyse der Abstimmung doch von Interesse. Die Parteien haben nämlich keineswegs alle geschloffen gestimmt. Für den Antrag stimmten geschloffen außer den Polen als Antragstellern nur die Sozialdemokraten, die Frei- sinnige Fraktionsgemeinschaft, das Zentrum, die Elsaß-Lothringer und der Däne. Dagegen splitterten sich von den Minderheitsparteien, die gegen den Auttag stimmten, verschiedene Mgeordueie ab. Von den K o n s e r v a t i b e n enthielt sich F e l d m a n n- HtldeSheim der Abstimmung. Von den Frei- konservativen stimmte, wie er ausdrücklich angekündigr hatte, P a u l i- Oberbarnim mit Ja. Ebenso von den National- liberalen Prinz Schönaich-Carolath. Ani amüsantesten aber ist die Abstimmung der Wirtschaftlichen Vereinigung; denn diese» winzige Parteikonglomcrat fiel auch diesmal wieder in drei Richtungen auseinander und das, trotzdem der„M ongoloid" Böhme die fanatischste UitterdrückungSwut den Polen gegenüber bekundet hatte. Dieser Wortführer der Raffenverhetzung hat sich übrigens in seinem Fanatismus einen politischen Wortbruch zuschulden kommen lasten. Die in Marburg erscheinende«Hessische Landes- z e i t u n g" schreibt: Herr Dr. Böhme hat sich am Donnerstag im Reichstag diverse unangenehme Dinge sagen lassen müssen. Das wird man aber vollkommen verständlich finocii, wenn man sich sein Verhalten vor Augen führt. Als er im Marburger Wohlkreise gewählt werden wollte, da gab er öffentlich die Erklärung ab, daß er gegen Ausnahmegesetze sei. Hierdurch sicherte er sich die Stimmen der Zentrumswöhlerschaft. Jetzt aber, wo er im Reichstage sitzt, wirft er sich sogar zum Wortführer für Ausnahmegesetze aus und bekämpft die Poken, die Glaubensgenossen der Zentrumsivähler in geradezu fanatischer Weise. Die katholische Bevölkerung unseres Wahlkreises wird oieses Vorgehen des Herrn Dr. Böhme und die Art, wie cr sein gegebenes Wort hält, gewiß richtig einzuschätzen wissen. Von den siebzehn Mitgliedern der Wirtschaftlichen Vereinigung haben Behrens und Rieseberg mit Ja gestimmt; Burck- Hardt, von Damm, Kölle und V o g t- Crailsheim haben sich der Stimme enthalten. Zehn haben mit Nein gestimmt, und einer hat gefehlt. Somit haben nicht tveniger als sechs Mann sich geschämt, die Mongoloidenpolitik mitzumachen. Dagegen hat die antisemitische Gruppe der sogenannten Reformer, d. h. die anwesenden sechs Mann, geschlossen mit Nein gestimmt. Gefehlt hat ihr neuer Hospitant, Herr Köhler. Diese Abstimmung liefert loieder einen auffälligen Beweis da- für, welch verschiedener Geist im deutschen Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus waltet. Denn das Enteignungsgcsetz, das der Reichstag mit der starken Mehrheit von 59 Stimmen als verfassungswidrig und inhuman verurteilt hat, ist von den Er- korenen des Dreiklassenwahlrechts mit starker Mehrheit an- genommen worden. Auch dieses Vorkommnis ist also ein neuer Beweis dafür, wie dringend notwendig es ist, das Dreillassenunrecht zu beseitigen und die Gesetzgebung in Preußen den einfachsten An- forderungen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit näherzubringen. Sie Bergarbeiter gegen die Zentrums- raiallen. AuS dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Tic Demonstration der Bergarbeiter, die am Sonntag für ihren Lebensschutz und gegen die Kohleustcuer stattfand, hat auch die un- haltbare Stellung der im Z e n t r u m s d i e n st stehenden „christlichen" Gewerkvereinsführer aufgedeckt. Den GcwerkvereinSmitgliedern selbst ist die ihrer Geduld zugemutete Be- lastnngsprobe zu hanebüchen. Die Versammlungsreferenten teilten mit, noch am 9. Januar 1999 habe der„Christliche Bergknappe" einen Versammlungsbericht aus dem Kohlenrevier bei Aachen gebracht; in der Versammlung habe Landtagsabgeordneter Jmbusch ganz im Sinne des Beschlusses der Bergarbeitcrkongresie sich für frei- gestellte, unabhängige Arbeiterkontrollcure ausgesprochen! Da sei ein paar Tage später die Regierungsvorlage erschienen, von der ZentrumSpreffc„dankbar begrüßt" worden und plötzlich habe die GewerkvereinSleitung ihre Haltung radikal geändert! Nun wolle sie in Arbeit bleibende.Sicherheitsmänner"! Aus dem Bergarbeiterkongreß in Berlin 1995, auf dem auch der „chri st liche Gewerkverein" vertreten war, hat dessen 2. Vorsitzender Kühne eine Resolution zugunsten freigestellter. vom Staate besoldeter Arbeite rskontrolleure vorgeschlagen, die Resolution wurde einstimmig angenommen. Gleich nach der Katastrophe auf„Radbod" drohte der General- sekretär Effert vom christlichen Gewerkverein, wenn jetzt nicht die Forderungen der Bergarbeiter im Sinne des Kongreßbeschlusses bewilligt würden, gäbe es einen beispiellosen Kampf und wenn da- durch die Nationalwirtschaft auf Jahrzehnte hinaus geschädigt würde I Man kann sich deshalb die Verblüffung und Enttüstung der Bergarbeiter vorstellen, als bekannt wurde, daß am vorletzten Sonn- tag in H a m m der Redakteur des„Christlichen Bergknappen" erklärt habe: «Die Frage der Arbeiterkontrolleure haben wir im Vor- stand des GeWerk Vereins eingehend besprochen und wir stehen alle ans dem Standpunkt, daß die Kontrolleure nicht lediglich als solche angestellt iverden dürfen, sondern im ArbeitSverbältniS bleiben müssen. Wir ziehen dieses System vor, weil die Grubenbesitzer das Freigestelltensystem wollen und die Bezahlung vom Staate loünsche». Es ist viel besser, die Leute bleiben im Arbeitsverhältnis und werden von der Zeche be- zahlt, da sie sonst ihren Zweck als Arbeiterlontrolleure nicht cr- füllen können." Diese„Erleuchtung" ist dem GewerkvcremSvorstand inner- halb weniger Tage gekommen, nachdem er jahrelang mit den anderen OrganisatiouSvorständen den gegenteiligen Stand- Punkt verfochten hat! Ter Gewcrkvereinövorstand mutet nun den Mitgliedern zu, diesen offenbar auf Veraulassung der Zentrums- diplomaten vollzogenen plötzlichen Um fall mitzumachen. Plumper und ungeschickter hat kamn je eine OrgauisationSleitmtg operiert. In den SonntagSversammlungen waren auch zahlreiche Gcwerk- Vereinsmitglieder erschienen,— sie haben mit für die vom Berg- arbeiter verband vorgeschlagenen Resolutionen gestimmt.. In Essen versuchte es der würdige Bruder, der Zenttumsabgeordnete Jmbusch. die Versammlung durch beleidigende, provozierende Redensarten zu sprengen. Auch die„Kölnische Zeitung" be- richtet, augenscheinlich sei der Zweck der mit Jmbusch gekommenen Kolonne von„christlichen" Metall- arbeitern und Holzarbeitern der gewesen, durch fortgesetzten Lärm die Versammlung zur Auflösung zu bringen. Auch die„Kölu. Ztg." gibt zu. die von den„christlichen" Bergarbeiterführern mitgebrachten Lärmmachcr seien Nichtbergleute gewesen! Da es dem Zentrumssöldling Jmbusch nicht gelang, die Versammlung zu sprengen, zog er mit 150 Getreuen ab; die Ver- sammlung war von zirka 1599 Personen besucht. Es ist schon recht bezeichnend, daß die Gewerkvereinsführer sich Nichtbergleute mit- bringen müssen, um eine»Sympathiekundgebung für die Rcgienlngs- Vorlage' zu inszenieren. In anderen Versammlungen trat der Zloiespalt zwischen den Gewerkvereiusführern und den Bergarbeitern noch deutlicher in Er- schcinung. In Dortmund trat ein bekamttcS Gewerkvereinsmitglied auf und sagte, er könne sich unmöglich mit dem Umfall de? Gewerrverinsdorstandss in dieser wichtigen Forderuns einverstanden er- klären und werde nunmehr dem Bergarveiterbervand beitreten! In der Versammlung in H a b in g h o rst waren auch etlva 59 Gewerkvereinsmitglieder anwesend, die sämtlich für die Verbaudsrcsolutionen stimmten, 10 traten sofort zum Bergarbeiter- verband über; in L i n d e n bei Bochum ergriff ein Vertrauensmann deS Gcwerkvereinö das Wort und geißelte scharf daS Verhalten von Brust und Jmbusch im Landtage. In Gelsenkirchen, Herne, Mülheim-Ruhr, Bochum, Wanne usw. stimmten sämtliche anwesende christliche Gewerkvereinsmitglieder für die Resolutionen des Bergarbeiterverbandes. Damit verurteilten diese Arbeiter in aller Form daS verräterische Verhalten ihrcS Gelverl vercinsvorstandeS._ politifcbe Cfeberncbt. Berlitt, den 2. März 1009. Kinneruu, Togo und Südtvcstafrika. A u s d e m R e i ch s t a g.(2. März.) Die Debatte übe? daS Schutzgebiet Kamerun war von kurzer Dauer. Der frei- sinnige Abg. G o l l e r, ehemaliger Teilnehmer an der Wörmannfahrt nach Afrika, ließ seiner Bewunderung für die Kolonialpolitik freien Lauf; sonst legte er sich noch warm für die Erhaltung der Gorillas im Hinterland von Kanteruu ins Zeug, damit diese interessanten Menschenaffen nicht so bald schießlustigen Europäern als Jagdbeute zum Opfer fallen. Das war ganz berechtigt. Schade nur, daß Herr Goller für den Schutz und die Erhaltung der Neger gar keine Worte übrig gehabt hat. Dagegen geriet er mit Herrn Erzberger in einen Streit über die Bekehrung der Schwarzen. Goller nieinte, es sei verkehrt, den Islam aus unseren Kolonien fernhalten zu wollen, da er den Negern weit besser angepaßt sei als das Cht'.slenwm. Erzberger aber will die Negerseele durch niöglichst ausgiebigen Unterricht in den christlichen Dogmen für die kapitalistische Zivilisation gc- Winnen. In diesem Streit trat Dern bürg auf die Seite Erzbcrgers. Beim Etat für Togo brachte Ledebour die Reso- lution zur Sprache, die im vorigen Jahre auf Antrag der Sozialdemokraten angenommen war. Es handelt sich dabei um die Einführung eines Betriebszwanges für diejenigen Ländereien, die in früheren Jahren den Negern durch Land- spekulantcn abgeschwindelt waren. Auf die Anfrage. was die Regierung unternommen habe zur Ausführung der Resolutton, erteilte Dcrnburg Auskünfte, aus denen hervor ging, daß wenigstens in einigen Punkten dem Landraub Schranken gezogen sind. Gegen das Drängen Ledcbours, daß weitere gesetzgeberische Maßregeln ergriffen werden müßten, verschanzte sich Dernburg hinter den Einwand, man dürfe Besitz- rechte nicht antasten, im Hinblick auf die üble Nachwirkung, die so etwas im Mittterlande haben müßte. Ledebour Wienaus den klaffenden Widerspruch zwischen dieser Erklärung und dem preußischen Ansiedelungsgesetze hin: Die Herren Rc- gierungsvertreter hätten offenbar die verschiedenartigsten Grundsätze auf Lager, von denen sie bald den einen, bald den entgegengesetzten vorfiihrten, wie es ihnen gerade in den Kram paßt. Der Etat für S ü d w e st a f r i k a gab dem Abgeordneten S e m l e r(natl.) Anlaß zu einer längeren, in feierlichstem Grabcston vorgetragenen Rede, deren Hauptzweck die Befürwortung mehrerer neuer Bahnlinien durch die Steppen war. Nebenbei brachte er es auch noch fertig, die Trothasche AuLrottungssttategio zu verteidigen. Dernburg vertröstete ihn wegen der Eisenbahnbauten aus ciue spätere Zeit und modifizierte seine frühere Verurteilung Trothas dahin, daß cr weder für noch gegen die militärische Notwendigkeit von dessen Fcldzugsplan irgend etwas gesagt haben wollte, sondern nur die daraus resultierende Ausrottung der Herero für bedauerlich erklärt hätte.— Eine zweite längere Rede hielt Herr Erzberger. der in ans- fälliger Weise den Staatssekretär Dernburg und den Gouverneur v. Schuckmann mit Schmeicheleien überhäufte. Offenbar hat es ihm die dick aufgetragene Christlichkeit dieser beiden Herren angetan. Herr v. Schuckmann selbst hielt eine Art Programm- rede, in der einige gute Witze niachte, so als er erklärte, das Prozeßverfahren der Hottentotten sei weit besser als das deutsche. Hauptsächlich kam es ihm darauf an, die Notwendigkeit einer Nesidentur im Owambolande zu beweisen, weil die deutschen Farmer die Owambo als Arbeiter brauchten. Bei den bürgerlichen Par- teien stößt er dabei auch kamn noch auf Widerspruch. Nur die Sozialdemokratie lehnt dieses gefährliche Experiment mit aller Entschiedenheit ab. Herr Dernburg hat in seiner Rede die Beschwerden des freisinnigen Abg. Ablaß über die gesetzwidrige Besetzung der Gerichtshöfe in Südwcstafrika zu entkräften gesucht. Herr- Ablaß wies nun in klaren Darlegungen nach, daß Dcrnburg die Frage, um die es sich im Prozeß Rabe handelt, gar nicht richtig erfaßt hat. Da wurde die Tabatte auf Mittwoch vertagt. Das Sozialistengesetz in Kiel. Kiel, den 2. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Heute nachmittag 5'/z Uhr begann die Berattuig über den Antrag des Magistrats auf Einführung der Drei- klassenwahl in Kiel. Oberbürgermeister Fuß hielt eine dreiviertelstündige Rede, in der er in grellsten Zahlen die Gefahr einer sozialdemokratischen Mehrheit schilderte. Er ertlärte, daß er beim Minister gewesen sei und dieser ihm gesagt habe, daß eine andere Möglichkeit gegen die sozialdemokratische Gefahr als die Einführung der altprenßischcn Dreiklassenwahl speziell fiir Kiel vorläufig nicht gegeben sei. daß er dazu aber eines Antrages der städtischen Kollegien bedürfe. Der Stadtverordnetenvorsteher sprach sich für die MagistratSvorlage aus, der stellvertretende Stadt- verordneteuvorsteher. Rechtsanwalt Döring, beantragt, den Antrag bis Sonnabend zu vertagen und eine Deputatton von zwei Magistratsmitgliedern und zwei Stadtverordnete-.; nach Berlin zum Minister zu senden, wo sie besprechen sollen, ob noch andere Möglichkeiten als die Einführung der Dreiklassenwahl gegeben sind. Landtags- abgeordneter Hoff sprach scharf gegen den Anttag des Magistrats. Die Debatte läuft weiter. Es erhält soeben der sozialdemokratische Stadtverordnete E. Adler das Wort. Die Polizei hat große S t r a ß c n d cm o u st r a t i o n e n befürchtet und in der Nähe des Sitzmigsiaalcs Polizeiwachen eingerichtet._ Nationalliberales und klerikales Spießbürgertum, Das Eintteten der Nationalliberalen für den Zentrums» kandidattn bei der dieser Tage vollzogenen Stichwahl im Reichstags- IvaWreise Alzey-Bingen Inird von einem Teil der freisinnigen Blätter mich immer als ein ganz ungewöhnliches Ereignis Gehandelt. Im Grunde genommen ist an diesem Sichzusammenfinden des nationalliberalen mit dem klerikalen Spießbürgertum wenig Erstann- liches. Hätte nicht die letzte allgemeine Rcichsragswahl unter ab- normen Umständen und unter dem Schlachtruf einer Zusammenfassung aller sogenannten nationale» Kräfte gegen Rote und Schwarze stattgefunden, es wäre schon bei der Faschingswahl im Jahre 1907 in manchen rheinischen und westfälischen ReichstagSwahlkreiscn ein Zusammengehen der Nationalliberalen mit den ZentrumSparteiler» gegen die Sozialdemokratie und den Freisinn erfolgt, hauptsächlich in Kreisen, wo die Wählerschaft zum größten Teil aus Kleinbürgern besteht und nur Verschiedenheiten des religiösen Bekenntnisses die Wählermassen trennen, nicht aber Verschiedenheiten der wirtschaftlichen Interessen und Lebensauffassungen. Seit die Nachwirkungen des KulturkanipfeS mehr und mehr schwinden, hat der bürgerliche Eigentums- und Geschästsinstinkt diese Elemente im Kampfe gegen die Sozialdemokratie und die„Begehr- lichkeit" der Arbeiter einander immer näher und näher gebracht. Die Abwehr der sozialdemokratischen Bestrebungen ist ihr Hauptziel geworden, im Vergleich zu welchem die religiösen Unterschiede nur noch als nebensächlich erscheinen. Und diese Aussöhnung wird von der nationalliberalen Parteileitung völlig gebilligt, da auch ihr der Sozialismus als der gefährlichere Feind erscheint. Es ist deshalb durchaus verständlich, daß die in zwei oder drei rheinischen Kreisen unter den Nationalliberalen hervortretenden Be- strebungcn, eine Koalition aller liberalen Elemente gegen das Zentrum zu bilden, bei den Obermachcrn auf wenig Entgegenkommen stoßen. So schreibt z. B. die.Nationall. Korresp. für die Rheinprovinz", und die„Rhein.-Westf. Ztg.* schließt sich dieser Aeußerung an: „Schon seit einiger Zeit macht sich in liberalen Kreisen des ReichstagswahllreiseS Mülheim- Wipperfürth- Gum- mersb'ach eine Bewegung zugunsten einer neuen Partei- gründung geltend, die den Trauni deS GesamtliberalismuS in die Wirklichkeit übertragen soll. Unter der Parole: .Gegen daS Zentrum I* soll diese liberale Partei olle Elemente umfassen, die sich gegen daS Zentrum zusammenschließen wollen. Zuzeiten von Wahlen, die unier bestimmten nationalen oder auch etwa kulturellen Gesichtspunkten geführt werden, läßt sich eine solche Parole hören, auch unter günstigen Umständen durchführen. Aber aus einer taktisch richtigen Wahlabmachung ein dauerndes Partei- gebilde schaffen zu wollen, ist ein Unternehmen, das an seinen inneren unüberwindlichen Gegensätzen scheitern muß. Es soll nun gar die Absicht bestehen, diese großliberale Partei alsbald über das ganze Bergiscbe Land auszubreiten, nnd man vergißt, daß die Verhältnisse in den verschiedenen Wahlkreisen, namentlich wenn man die Land- tagSwahlkreise mit berücksichtigt, ganz und gar verschieden liegen. Wollen die bergischen Großliberalen ernstlich den Versuch machen, als Partei in einem Kreise alle antiultrainontanen Wähler gegen das Zentrum zu sammeln und im anderen gegen die Sozial- denrokraten die Zentrums stimmen zu gelv innen? Oder sollen gar die Nationalliberalen wegen der Einheitlichkeit der Parole zugunsten der Sozialdemokraten auf Be- fitzstände verzichten?" Im Kampf für die Nachlaststeuer. Professor Hans Delbrück kämpft nach wie vor mit allem Nachdruck für die Nachlatzstcuer. Er erklärt, daß die Konservativen und die Agrarier in der Hauptsache deshalb gegen die Nachlajzsteucr seien, weil sie die Aufdeckung der außerordentlich umfangreichen Steuerhinterziehungen bei der Ergäuzuligsstcuer mit sich brächte. Nach einer von ihm gemachten Aufstellung Iverdcn allein in Preußen 60 Milliarden Mark nicht gltr Steuer deklariert. Professor Delbrück findet, daß cS der Bund der Landwirte sei, der das Rückgrat des Wider- standes bilde. Der Bund der Landwirte untergrabe und er- sticke im deutschen Volke den Sinn für patriotische Opfer- Willigkeit. Der Bund der Landwirte sei in Wirklichkeit der nationale Feind.—_ Protest gegen den Legitimationskarteuzwang. Von italienischer Seite ist geplant, bei der preußischen Re- gierung einen Protest gegen die Ausdehnung deS Legitimation?« kartcnzwangcs auf italienische Arbeiter zu erheben. Der italienische Generalkommissar für die Auswanderung, Herr Rossi, hat er- klärt, daß das Vorgehen gegen die italienischen Arbeiter eine Verletzung des internationalen Rechtes bedeute- Durch den Legitimationskartenzwang wird die deutsche Arbeit nicht geschützt; aber die italienischen Arbeiter werden vor die Alternative gestellt, Streikbrccherdienste zu leisten oder die Ausweisung über sich ergehen zu lassen._ Weil der Kaiser kommt. Die meisten Orte des Kreises Hörde beziehen ihr Wasser von, Dortmunder Wasserwerk. Hochgelegene Orte des Kreises haben keine Wasserleitung. waS feit Jahren als große Unzuträglichlcit empfunven lvird. Zu den Orten, die der Wasserleitung entbehren. gehört auch Hohen syburg, wo demnächst irgendeine„hoch- patriotische" Feier für die Mark veranstaltet werden toll, zu der auch W i l h e l m II. u n d d e s s e n F r a tl e i n g e l a d e n s i n d. Am Sonnabend fand ein Härder Kreistag statt, auf dem auch die Wasserwerksgeschichte zur Sprache kam. Der Land- rat von Hörde drang auf Beschleunigung deS Baues des' Wasserwerkes, weil Wilhelm II. höchst- wahrscheinlich nach Hobens Hb»rg kommen würde. Der Bau ist auf3>/z Millionen Mark berechnet. Gegen den Bandes AZasicrwerkeS ist wohl kaum etwas einzuwenden, er hätte wohl schon vor Jahren erfolgen sollen. Sonderbar ist es aber doch, daß die Sache gerade so dringlich wird, weil Wilhelm II. vielleicht kommen wird.__ Unzufriedene Jungliberale. In Köln, dem Geburtsort der nationalliberalen Jugend- bcwcgung, macht sich unter den Jnngliberalen eine Strömung gel- tend, die den Vätern der Bewegung, den Nationalliberalen, nicht angenehm sein dürfte. So ist in diesen Tagen eine ganze Anzahl Jnngliberaler, darunter führende Leute, auS dem Verein der nationalliberalen Jugend ausgetreten und hat sich der demo- kratischen Vereinigung angeschlossen. Die Wenigen, die noch freiheitlich denken im Bürgertum, erkennen, daß für sie kein Platz ist im Bereiche der Blockparteien. Die Dresdener Wahlrcchtsprozesse. Vor dem Schöffengericht in Dresden fand am Sonnabend der Prozeß gegen den Stadtverordneten Genossen Kühn wegen Polizeibeleidtgung statt. Kühn soll am Wahlrcchts-Sonntag bei seiner Verhaftung daS Vorgehen der Polizei gegen rhu als„unver- schämt" und„gemein" bezeichnet haben. Drei Gendarmen traten als Zeugen auf: einer hatte überhaupt nichts gehört, der zweite hatte nichts Genaues gehört, der dritte beschwor die behaupteten Aenßcrmigen aber. Gegenzeugen wurden nicht vernommen, und so wurde Genosie Kühn aus die Aussage deS Schutzmannes hin zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Interessant ist bei den, Prozeß noch, daß der Stadtvcrordnetcnvorsteher Dr. Stöcke! in einer Zu- Ichrift an den Rechtsanwalt sein Erstaunen darüber ausgedrückt hat. daß den Polizribeamtrn die von ihm— Stöcke!— unterzeichnete Legitimation nicht genügt habe, sondern daß sie Kühn trotzdem zur Wache beförderten.— Die Nadauszene, die sich in der Versammlung'der Steuert und Wirtschaftsreformer kürzlich ab- nnd dem greisen Mols Wagner übel mitspielte, schlägt in der„Kreuzzeitung" noch immer kleine Spritzwcllcn. Am Dienstagabend bringt das Blatt eine Zuschrift des Grafen MiNbach-Sorguitten, der die denknmrdige Versammlung leitete. Mirbach hat die Zwischenrufe für unerheblich gehalten und den Eindruck mit nach Hause genommen, dem alten Herrn sei nicht Unrecht geschehen. Die„Krcuzzcitung" zitiert auch eine Acußernng des Prof. Dr. Ehrenberg, der in jener Versammlung gegen Wagner gesprochen hat. Ehrenberg meint zwar, die Wagnerszene sei nicht gar zu wüst gewesen, doch gibt er zu, daß sie seinem Geschmack nicht immer entsprochen habe. Das Drolligste spart sich die„Kreuzzeitnng" zum Nachtisch auf. Nach dem gräflichen und dem professoralen Kronzeugen tischt sie einen simplen Versammlungsteilnehmer auf, der ihr berichtet, daß viele Anwesende überhaupt nicht gewußt hätten, daß der Redner der berühmte Gelehrte Adolf Wagner Ivar--„und daS sei für die Aufnahme seiner Worte in der Versammlung nicht ohne Bc- deutung gewesen." Ein interessantes Geständnis: Die Herren„Steuer- und Wirt- schaftSreformer" und ihre Geschmacksgenosicn brüllen einen Greis nieder, der ihnen unangenehme Wahrheiten sagt, wenn und weil sie den Mann nicht kennen. Sie würden aber dem größten Blödsinn andachtsvoll lauschen, sobald der Redner die Ehre hat, ihnen in aller Form vorgestellt zu sein.... Eine verkrachte Agrarier-Gründung. In Breslau ist soeben eine agrarische Landbank, die vor drei Jahren mit viel Tamtam gegründet wurde, in Konkurs geraten. Die Bank hatte sich die Aufgabe gestellt, die Profite bei Immobilien- Verkäufen, beim Verkauf ländlicher Güter und beim Vermitteln von Darlehen an„arme" Agrarier den Agenten aus den Klauen zu reißen und selbst in die Tasche zu stecken. Aber gleich beim ersten größeren Geschäfte, der Parzellierung des Rittergutes P r o b o t- schütz, fiel die Bank böte herein und verlor über 59 099 M. Dann folgten eine Menge Prozesse von Lernen, die sich über S ch e i n k a u f e beklagten und durchweg obsiegende Urteile erfochten. Das brach der Bank das Genick, zumal die Genossen, wie in der Gläubigcrversannnlung mitgeteilt wurde, sich weigerten, der Bank hilfreich beizuspringen. Ja, nachdem bereits der Konkurs erklärt war, war es den Liquidatoren auch noch nicht möglich, die Haft« betrüge der statutarisch verpflichteten Genosse» einzuziehen. Wo sie zahlen sollen, sträuben sich die Agrarier mit Händen und Füßen. Die lleberschuldung beträgt 12 48-l M. und hatte zur Folge, daß der Betrieb eingestellt werden mußte. Die Balkllnkrise. Oesterrcichische Unnachgiebigkeit. Jetzt nachdem Serbien friedlichere Versicherungen abgegeben und, wie eS heißt, Rußlands Rat, seine territorialen Forderungen aufzugeben, schließlich doch zu erfüllen bereit ist, wäre eS an der österreichischen Regierung. Serbien das Entgegenkommen durch einige Nachgiebigkeit zu erleichtern. Leider befolgt Aehrcnthal eine Politik, die den Verdacht erwecken muß. es sei ihm nicht nur um sachliche Erfolge zu tun, sondern um eine Demütigung des Gegners, die zugleich eine Demütigung des russischen Beschützers wäre. Denn nur so ist die verletzende Sprache zu verstehen, die von den Preßorganen Aercnthals geführt wird. So erklärt heute das offiziöse„Fremdenblatt": Serbien muß nicht nur auf seine territorialen Wünsche der- zichteu, sondern auch ans die Forderung der Autonomie für Bosnien, in welcher Gestalt auch immer. ES muß die definitive. in keiner Weise verklausulierte Erklärung abgeben, daß eö Bosnien für immer aus seinen Aspirationen a u S s ch a lck c. Gerade um des künstigen Friedens willen kann ihm nichts von einer Form erlassen und erspart werden, die seine Verzichtleistung zu einer a b s o lu te n und unwiderruflichen macht. Es wäre ein Irrtum zu glaube», daß die Mitteilung des serbischen Kabinetts in Peters- bürg und die russische Antwort die Angelegenheit auch schon endgültig erledigt hätten. Vorerst wird man ab- warten müssen, ob Serbien sich zu der ihm von Ruß- land empfohlenen Erklärung tatsächlich entschließt. Der Ort, wo es sie abzugeben hätte, ist Wien. Erst dfinn wäre der Zeitpunkt für eine Konversation über Wirt- schaftliche Vorteile für Serbien gekommen. Die Auseinander- setzungen hierüber müssen zwischen Wien und Belgrad stattfinden. Uns muß Serbien fragen,>vas wir im Sinne haben, ihm zu bieten, so wie wir es sind, die a l l e i n den Umfang der ihm zu gewährenden wirtschaftlichen Erleichterungen zu bestimmen haben, denn daS ist keine europäische Frage, sondern eine rein interne Angelegenheit Oesterreich-Ungarns. Es ist klar, daß dieser Standpunkt für Serbien nichts anderes bedeutet, als sich auf Gnade und Ungnade in die Hand der öfter- rcichischen Regierung zu geben. Abgesehen von allem anderen, ist für die serbische Regierung schon aus Rücksicht ans die erregte Stimmung des eigenen Volkes ein in so demütigenden Formen ge- forderter Verzicht eine Unmöglichkeit. Es wird also nachgerade hohe Zeit, daß die Mächte auch in Wien darauf hinwirken, daß man nicht durch sehr zur unrechten Zeit gewählte Herausforderungen die Situation aufs neue zu einer gefährlichen gestaltet. Gegen Aehrcnthal und JSwolSki. Paris, 2. März.„Petit Parisien" schreibt, man erwartete, daß die Antwort Serbiens auf die russische Mitteilung Oesterreich genügen würde, vorausgesetzt, daß diese Antwort dem Wiener Kabinett ausreichende Garantien biete. Dem sei aber nicht so, Oesterreich verlange vielmehr jetzt, daß Serbien selber Oesterreich gegenüber eine formelle Erklärung seiner Absichten ab- gebe, und dies in einem Augenblick, wo die Belgrader Regierung ihre friedlichen Tendenzen kundgebe. Oesterreich verlange also einen sowohl Serbien wie Rußland unangenehmen Schritt, und man könne daher die Haltung AehrenthalS nicht billigen, aus solche Weise Schwierigkeiten zu vergrößern, welche Europa bedrohen und deren baldige Beilegung man erwartet hatte- Die österreichische Politik verdiene eine scharfe Kritik seitens aller Friedensfreunde. lieber die Haltung der russischen Diplomatie in der serbischen Frage sagt das dem Auswärtigen Amt nahestehende Blatt: Am Freitag stimmte JSwolSki dem deutschen Vorschlage einer gemein- samen Aktion in Belgrad zu, weil er der Ansicht war. daß der Vor- schlag von Frankreich und England empfohlen war. Am Sonnabend zögerte er wieder und lehnte das Berliner Angebot ab, weil er hierin einen Einfluß Oesterreichs zu erblicken glaubte. Der Person- liche Gegensatz zwischen Aehrenthal und JSwolSki spiele eine verhängnisvolle Rolle in der Entwickesimg der Balkanfrage. Keine serbische ErNäruag. PariS, 2. März. Die Meldung, daß der Minister des Aeußeren während der Nacht benachrichtigt worden fei, Serbien habe infolge der russischen Note auf territoriale Entschädigungen Verzicht geleistet, ist u n r i ch t i g. Bis zur heutigen Mittagsstunde waren Meldungen über die Haltung Serbiens nicht eingegangen. Eine englische Regierungserklärung. London, 2. März. Unterhaus. Auf eine Anfrage Afhleys(kons.), ob von England, entweder selbständig oder im Verein mit anderen Mächten, Schritte getan worden seien, um eine friedliche Regelung der Streitfragen zwischen Oesterreich- Ungarn, Serbien und Montenegro herbeizuführen, er- widerte Staatssekretär Grey, eS feien in letzter Zeit zwischen den Mächten, England eingeschlossen, verschiedene Mitteilungen ans- getauscht worden, um eine friedliche Regelung herbeizuführen. Auf eine weitere Anfrage AshleyS, ob Grey, ohne auf die Ver- Handlungen ungünstig einzuwirken, dem Hause mitteilen könne, welchen Fortgang diese Verhandlungen nähmen, erwiderte dieser in verneinendem Sinne. Die Verhandlungen zwischen den in Frage kommenden Mächten seien notwendigerweise informatorischer Natur, bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge, glaube er, darüber keine Mitteilungen machen zu dürfen. Oesterreick. Obstruktion oder Demission. Wien, 2. März. In einer Vorbesprechung der tschechisch- radikalen und t s ch e ch i s ch- a g r a r i s ch e n Führer wurde vereinbart, dem Ministerpräsident B i e» e r t h mitzuteilen, daß sie dem Rekrutengesetze keine Obstruktion machen werden, unter der Bedingung, daß Bienerth seine Demission gebe. Im Zu- sammenhang mit diesen Beschluß traten im Abgeordnetenhaus Ge- rächte über einen bevorstehenden Ministerwechsel auf. frankrcick. Der Ueberfall auf Falliöres. Paris, 1. März. Das Znchtpolizeigericht verurteilte den Kellner M a t t i S, der am 25. Dezember v. I. einen Ueberfall auf den Präsidenten F a l l i s r e s gemacht halte, zu 4 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Aufenthaltsverbot. Die Eiukoulmenstcncr. Paris, 2. März. Die Kammer fetzte heute die Beratung der Gesetzvorlage über die E i n k o m m e n st e u e r fort. Der Kabinetts- chef sowie der Finanzminister erklärten, aus welchem Grunde sie die Annahme des Zusatzantrages des Abgeordneten Magniande ablehnen müssen. Der KabinettSches erklärte, daß er über den Antrag die Vertrauensfrage stellen werde, da durch Annahme des An- träges des ganze Gesetz zusammenbrechen würde. Der Antrag be- zweckt, den Steuerzahlern, bereu Einkommen 1599 Fr. nicht über- steige, eine Rückvergütung von 19 Fr. zu den von ihnen unter- haltenen Personen zu gewähren.— SnZlanck. Die Handelskammern für den Schutzzoll. London, 2. März. Bei der heutigen Jahresversammlung der Vereinigung der Handelskammern wurde die Resolution der Belfaster Handelskammer beraten, in welcher es heißt, daS Land solle sich selbst von dem starren System des Freihandels befreien, und in der eine Ausbreitung der Grundlage der Be- stenerung und eine Reform des Finanzsystems befürwortet werden- 46 Handelskammern stimmten f ü r und 31 gegen die Resolution, 32 enthielten sich der Abstimmung. Der Vorsitzende erklärte, da keine Zweidrittelmajorität vorhanden sei, könnte die Sache nicht weiter betrieben werden. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß diese Abstimmung ein bedeutungsvolles Zeichen für den Umschwung in der Auffassung der englischen Kapitalisten darstellt. ES ist die Aussicht aus die Beschleunigung der Kartell- und Trust- entwickelung und der daraus fließenden Extraprofite, wie der Wunsch, die Lasten der verheerenden Rüstungen und der Sozial- resorm auf die Schultern der Arbeiterklasse abzuwälzen, die aus den englischen Kapitalisten zum großen Teil Schutzzöllner gemacht haben.— Indien. Wieder ein bsutigcr Zusammenstoß. Kalkutta, 1. März. Im Distrikt Kohat kam es zwischen einer Banve von 69 Eingeborenen und einer M i l i t ä r p o l i z c i- abteilung zu einem Zusammenstoß, bei dem 11 Ein- geborene getötet und einer gefangen genommen wurden, während die Polizeitruppe einen Toten und zwei Verwundete hatte. £IinmkA. Rooscvelt und der Senat. Washington, 2. März. Die Untersuchung des Senats gegen Noosevelt, weil er während der Finanzpanik des Jahres 1997 den Ankauf der Venuossse-Eoal anci lron Company durch den Stahltrust zuließ, ist ins Wasser gefallen, und dannt hat auch der ganze Kongreßfclbzug gegen Rooscvelt ein Ende gefunden. Em Indurtm md Handel Segen der agrarischen Wirtschaftspolitik. Die Bäckerinmmg in Metz beschloß, den Preis für daS SeckiS» pfimdbrot um 4 Pfennig zu erhöhen. Vom 1. März d. I. ab kostet ein SechSpfund-Weißbrot 1,08 M. ein sechs Pfund gennichtcS Brot 9,92 M. Begründet wird die Maßnahme mit der„anhaltenden Steigerung der Mehlpreise". Die Folgen der agrarischen Zollpolitik machen sich immer mehr bemerkbar._ Eine unliebsame Erinnerung. Der Name Union, A.-G. für Bergbau, Eisen- und Stahl- industrie in Dortmund, wird jetzt in den Handelöblättern wieder genannt: cS handelt sich um die in der jüngsten AussichtSratssttznng mitgeteilten Scmcstcrbilanz. Die Union ist die Ausführerin der zu- sammengestürzten Kölner Südbriicke. In der Jahres- General- Versammlung im Oktober 1993 hat der Gencraldirekior und Re- gierungsbaurat Hermann MathieS Arbeitern die Schuld für den Brückeneinsturz zugeschrieben. Damals erklärte er: Wegen der noch nicht abgeschlossenen Untersuchung könne er zwar noch kein Urteil ab- geben, trotzdem aber feststellen, daß die Berechnmig des Gerüstes wie auch die Güte des verwendeten Materials und die Tüchtigkeit des Baubeamtcn über jeden Zweifel erhaben sei. Nicht unmöglich sei eS aber,„daß seitens der beim Bau beschäftigten Arbeiter und Monteure nicht stets jene Vorsicht beachtet worden sei, welche zur Vermeidung von Unglücken stets wahrgenommen werden müßte". Die Bilanz ergibt für Oktober bis Dezember 1993 einen Betriebs- gewinn von 2 776 999 M. gegen Oktober bis Dezember 1997 4112 999 M. Der Auftragsbestand, der am Jahresschluß um ein weniges gegen dieselbe Zeit deS Vorjahres niedriger ivar, soll jetzt schon wieder höher sein als in der korrespondierenden Zeit deS Vorjahres._ Wenig Hrssiivug auf Besserung. Am Dienstag traten in München sämtliche bayerische Handels- kamniern zu einer Beratung über die bayerische Steuerreform zu- sammen. Bei dieser Gelegenheit bemerkte der anwesende Ministerpräsident v. PodewilS in einer Rede: Einen so glänzenden Aufschwung unsere wirtschaftliche Lage auch aufweise, so groß auch die Mehrung deS Nationalvermögens sei, Tatsache bteibe, daß gegen- wärtig der Blick sich rückwärts wenden müsse, wolle man Erfreuliches erschauen. Wohl machten sich einzelne Zeichen einer wirtschaftlichen Besserung geltend, doch tönnie sich diese»och lange hinausziehen.__ Vereinigte Königs- und Laurahiittc. In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung des AnfsichtSrateS berichtete der General- direkter über die Ergebnisse des ersten Halbjahres deS laufenden Geschäftsjahres unter anderem folgendes: Die Lage deS ober« schlesischen Kohlenmarktes war im Berichtshalbjahr noch durchaus Hermann Richter, 1., August Behmann, 2. Rassierer, Standpunkt, daß nach der Gewerbeordnung die Ausgabe der gut. Der Lage des Kohlenmarktes in anderen Revieren gegenüber Paul Sinnreich, Schriftführer. Straßenbahnverstaatlichung. Die Bürgerschaft Lübeck's beschloß mit 84 gegen 14 Stimmen gemäß einem Antrage des Senats den Ankauf des Lübecker Straßenbahnunternehmens der Allgemeinen Lokal- und Straßenbahn- Gesellschaft in Berlin für 3 600 000 m. zum 1. April d. J. schwarzen Listen nicht gefeßwidrig sei; es sei nur berboten, auch die Zeugnisse zu fennzeichnen. Die Ausgabe der schwarzen Listen verstoße nicht gegen das Gefeß. Das ist eine Annahme, die sich übrigen muß man aber sagen, daß eine solche Auslegung durchaus leider zum Teil auf reichsgerichtliche Entscheidung stützt. Im dem Sinne der Gewerbeordnung widerspricht. Husland. ist die Steigerung des oberschlesischen Kohlenversandtes im zweiten Halbjahr 1908 gegenüber dem Vorjahre um 8,2 Proz. eine überDie Tarifbewegung der Kostümschneider und Schneiderinnen. raschend günstige gewesen. An dieser erfreulichen Entwickelung der oberschlesischen Förderung haben auch die Kohlengruben der Gesell- liche Versammlung der Kostümschneider und Schneiderinnen, in Am Montag füllte den großen der„ Arminhallen" eine öffentschaft dadurch Anteil gehabt, daß sie ihre Produktion von 1410 773 der Stunze über die an die Arbeitgeber dieser Branche gestellten Tonnen auf 1553 829 Tonnen, also um 143,056 Tonnen 10,1 Proz. Forderungen sprach. Bekanntlich hat sich schon vor vier Wochen eine und den Verkauf an Fremde von 984 624 Tonnen auf 1057 164 ostümjaneiderversammlung mit der Frage einer einheitlichen Tonnen, also um 72 540 Tonnen 7,4 Proz. steigern konnten. Diese Mehrförderung ist der Grund dafür, daß die Kohlengruben sind nach gründlicher Beratung die Forderungen aufgestellt und auf Negeiung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse befaßt. Inzwischen Forderungen der Arbeitslosen an den dänischen Staat. zum Gewinn des Gesamtunternehmens mehr als im Vorjahre bei Beschluß der am Mittwoch voriger Woche abgehaltenen Mitglieder- Die arbeitslosen Gewerkschaftsmitgliedes Stopenhagens hielten trugen. Etwas weniger befriedigend läßt sich für das Kohlengeschäft versammlung den Arbeitgebern zugesandt worden mit dem höf- am Mittwoch in den fünf größten Sälen der Stadt Massenverdas Jahr 1909 an. lichen Ersuchen um Antwort bis zum 6. März. Es ist nicht das sammlungen ab, um von neuem die Forderung nach außerordenterste Mal, daß die Kostümschneider in eine Lohnbewegung ein- licher Staatshilfe gegen die Not der Arbeitslosen zu erheben. Die treten. Schon im Jahre 1896 war es ihnen gelungen, einen Tarif Versammlungen, namentlich die der baugewerblichen Arbeiter und einzuführen, und auch 1901 und 1902 standen sie wieder in der der ungelernten Arbeiter, waren überfüllt, obwohl nur organisierte Lohnbewegung. Sie waren früher gleichsam die Kerntruppe der Arbeitslose Zutritt hatten. Wo die am schwersten von der ArbeitsSchneiderorganisation. Im Laufe der letzten Jahre hatte jedoch losigkeit betroffenen Berufe vertreten waren, machte sich eine sehr eine gewisse Trägheit unter den Kostümschneidern Eingang ge- erregte und verzweifelte Stimmung geltend und führte nach heftiger funden. Manche gaben sich der Täuschung hin, daß sie auf Grund Debatte dazu, daß in zwei Versammlungen statt der vom Kartell Staatliches Kalimonopol. Wie fürzlich im anhaltinischen Land- ihrer Tüchtigkeit im Berufe schon ganz allein imstande wären, sich der Organisationen vorgeschlagenen Resolution eine andere an tage der Staatsminister v. Dallwitz bei Gelegenheit der Beratung anständige Löhne zu sichern. Mittlerweile hat sie die Erfahrung genommen wurde mit der Forderung, der dänische Reichstag solle der Novelle zum Berggesez erklärte, soll das Kalifalzmonopol des von neuem gelehrt, daß der Arbeitgeber wohl in der Saison, wenn sofort eine so hohe Summe betvilligen, daß jeder Arbeitslose, je anhaltinischen Staates nicht aufgehoben werden. Das Staats- er ihre geübte Arbeitstraft notwendig braucht, einigermaßen ge- nach der Größe seiner Familie, wöchentliche Unterstützung von monopol bleibe völlig unberührt. Durch die Regierungsvorlage joll neigt ist, ihren Wünschen Rechnung zu tragen, feineswegs aber mindestens 20 Kronen erhalten tann, solange er arbeitslos bleibt. nur die Möglichkeit geschaffen werden, daß der anhaltinische Staat während der flauen Zeit des Jahres, und daß fie schon aus diesem In der Resolution des Kartells, die in den übrigen Versammlungen unter Zustimmung des Landtages unter Umständen die Ausnutzung Grunde des Schutzes der Organisation und einer tariflichen angenommen wurde, fino die Forderungen nach einer ausführlichen eines staatlichen Salzlagers gegen Entgelt anderen überträgt. Es Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse nicht entbehren Begründung so formuliert: handele sich nur um eine zeitlich begrenzte entgeltliche Ueberlaffung fönnen, ohne fortgesetzt schweren Schaden zu leiden. Daß diese " Die Versammlung fordert, daß der Etaat solche Zuschüsse zur der Ausbeutung an andere, nicht um die Eigentumsübertragung. Erkenntnis sich wiederum Bahn gebrochen hat, dafür zeugte schon den Silfskaffen und den Arbeitslosenkassen leistet, daß diese im Der Regierungsvorschlag solle den Staat von einer Fessel befreien, der außerordentlich starke Besuch der Versammlung, in der auch stande sind, durch wöchentliche fontante Unterstützung der Arbeitsdie bei der vollständigen Unklarheit über die Entwickelung der Kali- die Schneiderinnen zahlreich vertreten waren. Die Forderungen losen deren Haushalt vor der schlimmsten Not zu bewahren. Die verhältnisse in Zukunft besser zu beseitigen sein dürfte. Mit dieser selbst sind so bemessen, daß sie dem entsprechen, was im allgemeinen Zuschüsse müssen so groß sein, daß den Kommunen dadurch ihre Begründung wird man sicher keine große Entschädigung von Privat- in den Werkstätten mit einigermaßen anständigen Lohnverhältnissen außerordentlichen Leistungen für die Hilfskassen ersetzt werden tapital für das Ausnutzungsrecht erlangen. Die Unternehmer werden schon besteht. Bei Aufstellung der Lohnjähe mußte natürlich auch önnen. Ferner fordert die Versammlung, daß die von Staat und schon auf ihre Rechnung kommen; die Koften tragen die Konsumenten baran gedacht werden, daß es sich um ein Saisongewerbe handelt, Kommunen projektierien oder begonnenen Arbeiten so schnell wie oder die Steuerzahler. bei dem man Jahr für Jahr mit einer außerordentlich langen möglich in Gang gesetzt werden." Beit der Arbeitslosigkeit rechnen muß. Zudem mußte darauf Rüde Was der dänische Staat bis jetzt für die Arbeitslosen und Not sicht genommen werden, daß die Wirtschaftskrise feineswegs einen Rückgang der Lebensmittelpreise mit sich gebracht hat, sondern viel- leidenden geleistet hat, sind die ordentlichen Zuschüsse von je mehr noch weitere Preissteigerungen eingetreten find, daß die 250 000 kronen für die Arbeitslosenkassen und für die kommunalen Wohnungsmieten immer mehr hinaufgeschraubt werden, die Hilfskassen, also zusammen eine halbe Million Kronen. Dagegen Steuern erhöht sind, und daß man nach den Verhandlungen im wurden die notleidenden Banken bei dem Banktrach im vorigen ein Teil der Arbeiter in der Koſtümbranche jetzt schon einen halb Schwindeleien zugrunde gerichtete Bauernsparbank wieder Reichstag auf weitere Steuererhöhungen gefaßt sein muß. Wenn Frühjahr aus der Staatskasse mit einer Garantiesumme von 10 Millionen Kronen bedacht. Um die durch Albertis wegs anständigen Lohn verdient, so braucht sich darüber niemand aufzuregen. Man sollte vielmehr danach trachten, solche Zustände flott zu machen, berlangt die Regierung jezt erneut die Bewilli allgemein zu machen, denn was vierdient wird, kommt ja doch der gung von 4 Millionen, und ihr Vorschlag zur Reform des Gesamtheit wieder zugute. Im übrigen erhält die große Masse Landesverteidigungswesens mit der unsinnigen Festungsbauerci der Kostümschneider nicht das, was notwendig ist. Die neunstündige wird über 40 Millionen erfordern. Es kann also dem Staat Arbeitszeit, die gefordert wird, besteht auch schon im allgemeinen. nicht allzuschwer fallen, auch einmal für die am ärgsten unter der Sonnabends und am Tage vor den Feiertagen soll nur bis 5% rise leidenden Arbeitslosen einige Millionen zu bewilligen. Der Uhr gearbeitet werden. Da dies für die Arbeiterinnen schon durch Antrag auf außerordentliche Zuschüsse für die Arbeitslosenkassen Bundesratsverordnung festgelegt ist, müßte es eigentlich als selbst- und die kommunalen Hilfskaffen, den die sozialdemokratische Folfeverständlich erscheinen, daß auch die Arbeiter zur selben Zeit Feier- thingsfraktion im Dezember 1908 einbrachte, ist aus den Komabend machen. Die Lohnzahlung soll auf Freitag festgesezt werden, missionsberatungen noch nicht herausgekommen. Die vom Gewerfwas für die Herrenmaßbranche schon vertraglich durchgeführt ist schaftsverband veranstaltete Landeseinsammlung zur Unterstützung und jedenfalls auch in der Kostümbranche keine Schwierigkeiten der ausgesteuerten Arbeitslosen hat bis jetzt 125 000 Stronen ermachen wird. Ferner wird die Bezahlung der gesetzlichen Feier- geben, die jedoch auch schon verteilt sind. Zum deutsch- schweizerischen Mehlkonflikt. Die Schweizer Müller wollen nun verfuchen, sich der Konkurrenz des deutschen Mehles durch Preisunterbietung zu erwehren. Sie verlangen die Aufhebung des schweizerischen Eingangszolles auf Weizen, Ermäßigung der Frachttarife für Weizen auf den Bundesbahnen, Errichtung von Lagerräumen für Weizen innerhalb der Landesgrenzen, Gewährung Lagerfreiheit. noch eher etwas erreichen, als mit dem von den Schweizer Müllern Mit solchen Maßnahmen läßt sich jedenfalls empfohlenen Boykott deutscher Waren. Stahlproduktion in Südafrika. Aus Pretoria wird gemeldet: Kolonialfetretär Smuts erklärte, aus den in der Umgebung gefundenen Eisenerzen sei Stahl bester Beschaffenheit hergestellt worden. Die Regierung beschäftige sich deshalb mit den Vorarbeiten zur Schaffung eines Stahl- Großgewerbes. bemerkbar. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Die Polizei gegen Streifposten. In einer Versammlung der Streifenden von der Telephone tage verlangt, die in einer großen Anzahl von Werkstätten auch Eine Deputation von je einem Vertreter der fünf großen Arfabrik der Firma Boffe in der Wiener Straße machte Handke schon besteht und allein schon deswegen gerechtfertigt erscheint, weil beitslosenversammlungen war am Sonnabend beim MinisterpräsiMitteilungen über das Verhalten der Polizei den Streitposten die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche ihre Arbeitskraft denten Neergaard, legte ihm die Resolutionen der Arbeitslosen vor gegenüber. Die Streifposten werden durch die Polizeibeamten gerade vor den Feiertagen außerordentlich anstrengen müssen. In und schilderte den furchtbaren Notstand. Der Ministerpräsident im Interesse des Verkehrs" verhindert, sich in der Nähe der der stillen Zeit soll die Arbeitszeit, um Entlassungen zu vermeiden, antwortete, daß er schon alles mögliche getan habe, um die vorFabrik aufzuhalten. Dabei ist der Verkehr in der sehr breiten nach Maßgabe der vorhandenen Arbeit verringert, oder das Aus- liegenden Staatsarbeiten zu beschleunigen. Auch würden die in Straße durchaus nicht so start, daß er dadurch behindert werden seben soll gleichmäßig verteilt werden. Streitigkeiten aus dem der vorigen Reichstagsfession bewilligten 4 Millionen Kronen fönnte, daß einzelne Personen vor der Fabrik auf und ab gehen. Arbeitsverhältnis sollen, wenn die persönlichen Beschwerden der Darlehen an die Kommunen zum Umbau ungefunder Stadtteile in Seit Freitag macht sich dies unberechtigte Vorgehen der Polizei Arbeiter oder Arbeiterinnen erfolglos bleiben, durch die Orga- diesem Jahre zur Anwendung kommen und ein gut Teil zur MilAm Freitag wurden 4-5 und am Sonnabend nisationsleitung der betreffenden Firma unterbreitet und so ge- derung der Arbeitslosigkeit beitragen. Ferner werde man mit dem 6-7 Streifpoften auf die Wache gebracht. Am Montag ging regelt werden. Bei Streitigkeiten über Auslegung des Tarifes Reichstag erwägen, was hinsichtlich außerordentlicher Unterstübung Handte felbft als Streifposten vor der Fabrik hin und her. Auch soll das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen werden. der kommunalen Hilfskaffen und womöglich auch der Arbeitslosener wurde aufgefordert, sich zu entfernen. Er hat dann mit dem Selbstverständlich ist der Tarif in den Werkstätten und Geschäfts- tassen getan werden könne, wobei die Regierung jedoch daran festReviervorstand gesprochen und ihm vorgehalten, daß es das gute räumen sichtbar auszuhängen. Ueber die Gültigkeitsdauer des halten müsse, daß die Kommunen vorangehen müßten und der Recht der Streifenden sei, Posten zu stehen, daß diese ihr Recht im Tarifs soll noch verhandelt weren; ein Vorschlag ist in dieser Hin- Staat diese Bestrebungen nur unterstützen könne. Voraussetzung Rahmen der gefeßlichen Grenzen ausüben, jede Ausschreitung ber- ficht nicht in dem Entwurf enthalten, jedoch ist eine Kündigungs- für die öffentliche Hilfeleistung gegen die Arbeitslosigkeit jei es, meiden und deshalb von der Polizei nicht behindert werden dürfen. frist von drei Monaten vorgesehen. Der Redner legte die daß die Arbeiter sowohl wie die Arbeitgeber beiderDie Verhaftung der Streitposten sei eine ungefeßliche Maßnahme. Gründe dar, die für die verschiedenen Forderungen maßgebend feits bei gewerblichen Streitigkeiten so viel wie nur irgend möglich Der Polizeileutnant lehnte jede Antwort auf die in ruhigem Tone waren. Für die Firmen, sie sind in der Kostümbranche eine Versöhnlichkeit und Entgegenkommen zeigten, damit die Arbeitsvorgetragene Ansicht ab und forderte Handke auf, sofort das Minderheit, die Heimarbeiter beschäftigen, ist dem allgemeinen losigkeit nicht noch weiter ausgedehnt werde, als es die wirtschaft Bimmer( die Unterredung fand auf der Wache statt) zu verlassen. Tarif ein Stüdlohntarif beigefügt worden. Die Arbeitgeber der liche Niedergangsperiode mit sich bringe. Diese Schlußbemerkung Neergaaros tann sich vor allem die Handke hat eine Beschwerde an das Polizeipräsidium eingereicht. Kostümbranche sind bisher unorganisiert, es scheint jedoch, daß Als am Montagabend die Arbeitswilligen aus der Fabrit tamen, fie fich jetzt, angeregt durch ihre Kollegen von der Herrenmaßbranche, dänische Arbeitgebervereinigung zu Herzen nehmen, die, um die bildete sich eine Ansammlung, an der jedoch die Streifenden nicht organisieren werden. Das wäre, wie der Redner erklärte, durch von ihm veranstaltete Aussperrung der Schuhfabrikarbeiter Kopenbeteiligt waren. Aus der Menge heraus wurden den Arbeitswilligen aus nicht zu beklagen, denn dadurch würde es möglich, einen Verhagens zum Abschluß zu bringen, eine Massenaussperrung von Worte der Verachtung zugerufen. Seitdem ist die Polizei in vertrag von Organisation zu Organisation abzuschließen. Sollten die 20 000-40 000 anderen Berufsarbeitern angekündigt hat. stärkter Zahl vor der Fabrit erschienen. Uniformierte und Arbeitgber es auf einen Kampf abgesehen haben, so haben die Biermillionen- Darlehen hat sich vor allem die Stadt Kopenhagen Kriminalbeamte in Zivil, selbst ein Polizeihund, sind aufgeboten Kostümschneider diesen nicht zu fürchten. Die Wirtschaftskrise, die zunuze gemacht; der Abriß eines großen Stadtviertels, des Brönd= zum Schuße der Arbeitswilligen und zur Verhinderung des Streifa wohl das Schneidergewerbe im allgemeinen schädigt, trifft die strädequartiers, ist beschlossen, und sobald die Mieter zum 1. April postenstehens. Und das zu einer Zeit, wo die Polizei ihre Kräfte Kostümbranche nicht, denn die feinen Damen, die hier die Kund- ihre Wohnungen verlassen haben, wird mit den Abbruchsarbeiten zur Ermittelung von nicht entdeckten Verbrechern wirklich besser schaft bilden, verzichten nicht auf ihre prächtigen Kostüme, was ja begonnen. Daß die Kommunen in der Hilfeleistung für die Notgebrauchen könnte. Jetzt begnügt sich die Polizei nicht mehr damit, auch die Arbeiterschaft keineswegs zu beklagen hat. Die Orga- leidenden vorangehen sollen, ist leichter gesagt als getan, da die die Streifenden nach der Revierwache zu bringen, sondern sie nisation ist gerüstet, aber selbstverständlich stets zu Verhandlungen Machtbefugnisse und die Finanzkraft der städtischen Kommunen werden von dort mit dem grünen Wagen nach dem Alexanderplatz bereit. Mit dem Kaufhaus des Westens ist der Tarifvertrag bereits start begrenzt sind, und zwar in ganz besonderem Maße für gebracht, dort mit allen möglichen Leuten zweifelhaften Charakters abgeschlossen, und zwar in einer Form, die den Arbeitern noch Kopenhagen, das durch die Gesetzgebung verhindert ist, eine seinen zusammen eingesperrt und gegen Abend erst wieder entlassen. Am weitere Vorteile, wie zum Beispiel Ferien, bietet. Wo den Be- Bedürfnissen entsprechende steigende Steuerstala einzuführen. Montag sind ztvei und am Dienstag drei Streitposten nach dem schäftigten in irgendeiner Werkstatt Verhandlungen, Lohn Um die Durchführung des sozialdemokratischen Antrages auf Alexanderplat transportiert worden. Einer von denen, die am erhöhungen oder sonstige Vorteile infolge des eingesandten Tarif- außerordentliche Staatszuschüsse zu den Hilfs- und Arbeitslosena Montag wider Willen Gäste des Polizeipräsidiums waren, teilte bertrages angeboten werden, sollen sie stets darauf dringen, daß faffen zu beschleunigen, ist die Arbeitslosendeputation am gestrigen mit, daß er in der Belfe, wo er von morgens 9 bis nachmittags nur unter hinzuziehung ihrer Organisationsleitung verhandelt Montag bei dem betreffenden Follethingsausschuß vorstellig ges 5 Uhr eingesperrt war, Ungeziefer bekommen habe. wird, da nur auf diesem Wege ein dauerndes und sicheres Tarif- worden. verhältnis geschaffen werden kann. Um die Bewegung zu vollem Erfolge zu führen, ist es selbstverständlich notwendig, daß in allen Werkstätten für eine feste und starke Organisation gesorgt wird, Referenten wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen, und auch die Diskussion zeigte, daß die Kostümschneider und Schneiderinnen mit ganzer Kraft hinter ihren Forderungen stehen. des gelben Arbeitsnachweiſes nach dem Betriebe gesandt, doch scweit es daran noch mangeln sollte.- Die Ausführungen bes Letzte Nachrichten und Depeschen. Ueber den Streif selbst wurde in der Versammlung berichtet, daß der Unternehmerverband Verhandlungen angebahnt hat, welche am Mittwoch stattfinden. Arbeitswillige seien durch Vermittelung seien das zumeist solche Elemente, die der Unternehmer zu anderen Beiten nicht in seinem Betriebe aufnehmen würde, die ihm also auch jetzt nicht viel helfen könnten. Gewerkschaftliche Notstandsunterstützung. Die Sektion der Buzer nahm am Montag in einer Generalversammlung Stellung zu dem von einer fünfgliedrigen Kommission und dem Vorstande ausgearbeiteten Entwurf zu einer einmaligen Notstandsunterstügung. Derselbe lautet: Achtung, Gummiarbeiter! Troß der Versicherung der Firma Schwarz u. Co., daß die Stellen der Ausständigen besetzt wären, stellt sich von Tag zu Tag immer flarer heraus, daß dem nicht so ist, und daß trotz der direkt krampfhaften Versuche, für die Streifenden Ersatz zu schaffen, dies der Firma bis dato nicht geKollegen, die seit dem 1. Januar 1908 dem Verbande an- lungen ist. Es werden z. B. in der„ Gummizeitung" Nr. 22 bom gehören und dem Lokalfonds beigesteuert haben und vom 30. No- 26. Februar technische Gummiarbeiter und Vorarbeiter aller Art bember 1908 an gerechnet fünf Wochen arbeitslos sind, erhalten gesucht, jedoch sollen selbe erstens selbständig arbeiten können und aus der Lokalfaffe 12 M. Für jede weitere arbeitslose Woche einer Organisation nicht angehören. Wie berträgt sich nun diese 1 M. mehr, steigend bis zu 18 M. Außerdem wird für jedes Cache mit der Behauptung der Firma, daß der Betrieb besetzt Kind unter 14 Jahren 1 M. gezahlt, aber nur einmal. Für un- ist? Die Ausständigen denken gar nicht daran, zu Kreuze zu berheiratete Kollegen gilt die Unterstützung von 12 M., aber ohne friechen, liefert doch die Firmenleitung selbst den besten Beweis, Steigerung. Beitragsreste sowie Streitbeiträge von 1907 find von daß fie ohne erfahrene Gummiarbeiter nicht auskommen fann. Pflicht der Unterstützung in Abzug zu bringen. Die Ausschreibungen der eines jeden Gummiarbeiters ist es, benannten Betrieb strengstens Quittungen erfolgen durch Vorlegung der Verbandspapiere und Winterzu meiden. tarte im Gewerkschaftshause, Saal 11, und zwar am 3., 4., 5. und 6. März in der Zeit von 8-12 vormittags und von 3-7 Uhr nachmittags. Die Auszahlung selbst erfolgt im Bureau III, Zimmer 58. Krantenwochen, für die Unterstüßung gezahlt wurde, In der Zigarrenfabrik von Gebr. Jedide zu Dresden ist gelten nicht als arbeitslose Wochen. Die Frostwochen werden wegen Maßregelung eines Mitgliedes des Arbeiterausschusses ein hierbei berücksichtigt. Wer bis Sonnabend, den 6. März 1909, Streit ausgebrochen; es kommen ungefähr 100 Arbeiter und Arsein Geld nicht abgehoben hat, berliert seine Anrechte darauf. beiterinnen in Betracht. Es wird gebeten, Zuzug fern zu halten. Dieser Antrag wurde nach einer sehr lebhaften Diskussion angenommen. Fabrikarbeiterverband, Berwaltung Berlin. Deutsches Reich. Maßregelung. Unternehmer- Freude. Seilbruch. Mühlheim a. d. Ruhr, 2. März.( B. H.) Auf der Zeche Hume boldt, Aktiengesellschaft Mühlheimer Bergwerksvereine, rig bei der Beförderung von Stolen ein Seil, wobei 4 Bergleute mit den beladenen Wagen in die Tiefe stürzten. Zwei wurden getötet, während die beiden anderen in das Essener Krankenhaus gebracht werden mußten. Einer von ihnen ist bereits seinen Verlegungen erlegen, für den anderen besteht wenig Hoffnung auf Erhaltung feines Lebens. Wildgewordene Royalisten. Paris, 2. März.( W. T. B.) Heute nacht begabench nach einer unter dem Vorsiz des Royalistenführers Andre Buffet ab. gehaltenen Bersammlung zahlreiche Mitglieder des hiesigen royalistischen Jugendvereins les camelots du roi nach dem bes nachbarten Städtchen Sunesnes und versuchten daselbst, das ZolaDenkmal zu zerstören. Die Polizei verhinderte das und nahny mehrere Verhaftungen vor. Zehn Naphthawerke in Flammen. Baku, 2. März. Die Naphthawerke von Bibi- Gibat stehen in Flammen. Bei Subalow brannten fünf Werke und ein Erdspeicher nieber, bei Rothschild ein Werk, bei Schi bajew Die Bittauer Handels- und Gewerbefammer beschäftigte awei und bei der Gesellschaft Wotan gleichfalls zwei Werke. bruar bijes gabres iſt das Reſultat ber zahlen sich in ihrer letzten Sibung mit der Frage, ob die Ausgabe von Zwei der Brandstiftung verdächtige muhammedanische Bauern vorstande noch nachzutragen. Es wurden gewählt: Ernst Schulze, 1., Wilhelm Nordmann, 2. Vorsitzender, schwarzen Listen gefezwidrig sei. Sie stellte sich jedoch auf den wurden verhaftet. Das Feuer ist im Abnehmen begriffen. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierau 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Aus der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Fe Nr. 52. 26. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 217. Gigung vom Dienstag, den 2. März, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Dernburg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Etats für die Schußgebiete und das Reichs tolonialamt. Mittwoch, 3. März 1909. darin auch nicht unterliegt jetzt der richterlichen Entscheidung. Hinsichtlich der Reso- dem unsichtbaren Feinde, dem Fieber, auszusetzen.( Lebhafte Bu lution ist folgendes geschehen: Es ist eine Verordnung erlassen, ſtimmung.) wonach in Togo der Verkauf von Kronland nur mit Genehmigung Bei den paar Gerichtshöfen der südwestafrikanischen Kolonie des Gouvernements erfolgen fann. Dadurch soll erreicht werden, daß schweben 20 000 Prozesse, also im Durchschnitt 4 auf jeden Farmer! das Land nicht zu Spekulationszwecken, sondern zu wirtschaftlichen( Lebhaftes Hört! hört!) Das zeigt, daß die dortige Rechtspflege Zweden verkauft wird. einer gründlichen Reform bedarf. Redner kommt auf die Abg. Ledebour( Soz.): Die Zurücknahme von Kronland, das Diamantenfunde zu sprechen und betont die Notwendigkeit, dem an die Logogesellschaft für ein Ei und ein Butterbrot verkauft ist, Reiche angemessene Einfünfte aus den Diamantenfeldern zu sichern. darf nicht etwa dazu führen, daß nicht etwa auch von den Ein- Staatssekretär Dernburg verteidigt sich gegen den Vorwurf des Die Beratung beginnt beim Etat für das Schutzgebiet Name- geborenen Land zurückgenommen wird. Es wird ja schwierig sein, Vorredners, lässig im Betreiben des kolonialen Bahnbaues zu ſein: run, Titel I: Besoldungen. das Kronland und das den Eingeborenen zustehende Stammes In der Aera der Reichsfinanznot kann ich nicht mit dem Vorschlag Abg. Dr. Goller( frf. p.): Ich bitte die Verwaltung dringend, land immer zu unterscheiden. Es wäre also einfach gerecht, fommen, Bahnen zu bauen, deren Rentabilität noch nicht feststeht. alle Religionen gleich tolerant zu behandeln und die einseitigen alle Religionen gleich tolerant zu behandeln und die einseitigen die Gingeborenen im Besize ihres Landes zu lassen, ohne( Sehr richtig.) Man muß schließlich doch neben dem Interesse der Christianisierungsbestrebungen nicht zu unterstützen. Eine Bevorzugung sich in eine genaue Untersuchung der Rechtmäßigkeit des Besiges Schutzgebiete auch das Interesse der Heimat im Auge behalten. Ich der Chriften würde nicht gerade die besten Elemente der Neger dem einzulassen.( Staatssekretär Dernburg nickt zustimmend.) Ich freue wünsche nichts sehnlicher, als daß der Zeitpunkt des Baues der Bahn Christentum zuführen. Meine Genugtuung möchte ich ausdrücken mich, daß der Staatssekretär dieser Meinung zustimmt. In bezug Keetmanshoop- Windhuk recht bald herannaht. Zurückommen muß ich nun auf meine heute von Herrn Semler über die Entwickelung der Eisenbahnen und der Verkehrsverhältnisse auf die Resolution, sagt der Staatssekretär, fei uns insofern entin Kamerun. Zum Schluß möchte ich mich eines armen Ver- gegengekommen, als eine Verordnung erlassen sei, die den Verkauf zitierte Aeußerung, die geringe Zahl der farbigen Arbeitskräfte sei wandten annehmen, der im Nordwesten von Kamerun haust, des von Kronland an bestimmte Bedingungen knüpft, Das betrifft aber die Folge einer den Landesverhältnissen nicht angepaßten Art Eine Kritik der Kriegführung und des Gorilla.( Heiterkeit.) Diese seltene Art der Menschenaffen sollte nur das Kronland, welches jetzt verkauft wird, und allerdings ist der Kriegführung. man vor der Vernichtung bewahren.( Bravo! bei den Freisinnigen.) es wünschenswert, auch diesen Verkauf an gewiffe Bedingungen Generals Trotha lag mir fern, ich bin Abg. Erzberger( 3.): In die verwandschaftlichen Beziehungen zu knüpfen. Der Zweck der Resolution ist aber, daß das Land, sachverständig. Die Leistungen unserer Truppen stehen außer allen des Abg. Goller mit dem Gorilla will ich mich nicht einmischen den Regern erworben hat, unter den Betriebszwang gestellt wird, friege mit ihren Folgen stets ein Unglück für die Kolonien find. Sie welches früher in wenig einwandsfreier Weise die Gesellschaft von Zweifel. Darum aber fann man doch anerkennen, daß KolonialBustimmung im Zentrum), ich habe nach dieser Verwandtschaft keine also auch solches Land, auf welches der Besitz der Togogesellschaft bringen wenig friegerische Ehren und noch weniger ethische Werte, Sehnsucht.( Sehr richtig! im Zentrum.) Jch protestiere dagegen, daß die Kolonialpolitik nur im nationalen Interesse geführt wird anerkannt ist, sollte dem Betriebszwang unterworfen werden, um zu und die Kosten müssen die Sieger selbst tragen! Während man in und nicht auch im christlichen Interesse.( Lebhafte Zustimmung im berhüten, daß es zu Spekulationszwecken liegen bleibt, wie wir es anderen Kriegen fremdes Porzellan zerschlägt, zerschlägt man im Zentrum.) Wollte man nach dem Vorschlage Gollers den Missionen bedauerlicherweise in Südwestafrika erlebt haben. Wenn Ver- Kolonialkrieg fein eigenes Borzellan. Schwierigkeiten machen, in mohammedanisches Gebiet einzubringen, ordnungen hierzu nicht ausreichen, so möge der Weg der Gesetz Rohrbeck ist die Ansicht ausgesprochen, überall, wo Weiße arbeiten ( Sehr richtig! bei den Sozial fönnen, seien die Schwarzen dem Untergang geweiht und diesem Zwed so würde man dirett gefezwidrig handeln.( Sehr richtig! im Zentrum.) gebung beschritten werden. demokraten.) müßten auch die Kolonialfriege dienen. Eine solche Auffassung Ich habe verlangt, daß man bei Bewerbungen um Aemter unter sonst gleichen Umständen Christen bevorzugen folle. Ich konstatiere, Staatssekretär Dernburg: Auf dem Wege der Gesetzgebung einen entspricht nicht unserer Stellung als Schuhmach tund dem ethischen daß diesem bescheidenen Wunsche im deutschen Reichstage von Herrn Betriebszwang einzuführen, fann ich nicht in Aussicht stellen. Der Empfinden des deutschen Volkes.( Lebhaftes Sehr richtig!) Goller widersprochen wird.( Hört! hört! im Zentrum.) Hoffentlich hört frühere Berkauf hat unter bestimmten Bedingungen stattgefunden. lange ich an der Spitze des Kolonialamtes stehen werde, wird ( Lebhaftes der Staatssekretär auf seine Wünsche nicht.( Bravo! im Zentrum.) Man fönnte jetzt also diese Rechte nur gegen Entschädigung ein- solchen Auffassungen nicht Raum gegeben werden. Staatssekretär Dernburg: Den Missionen macht die Verwaltung schränken. Eine teilweise Konfiskation des Landes auf dem Wege Bravo!) Es ist über feine Schwierigkeiten, ich möchte aber die Missionen bitten, die der Gesetzgebung durchzuführen, kann ich schon mit Rücksicht auf die Konkurrenz der beiden Konfessionen zu beseitigen; vielleicht tönnen Wirkung, die es in unserer Heimat haben müßte, niemals empfehlen. fie eine territoriale Teilung eintreten lassen. Dem Wunsche nach( Zustimmung rechts.) Ich vertrete hier einen anderen Standpunkt Schonung der Gorillas wird bereits Rechnung getragen; am als Herr Ledebour, der den Standpunkt seiner Partei vertritt.( Bravo! 6. Mai 1908 hat der Gouverneur eine entsprechende Verordnung rechts.) erlassen. Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird be willigt; debattelos wird der Rest des Etats für Kamerun nach den Beschlüssen der Budgetkommission bewilligt. Es folgt der Etat für das Schuhgebiet Zogo. Beim Rapitel, 3ivilberwaltung ergreift das Wort Abg. Ledebour( Soz.): Vielfach, auch von Herrn Mängel in der kolonialen Rechtspflege Co geflagt worden. Solche sind auch unzweifelhaft vorhanden; aber was die vom Vorredner beklagte Ueberflutung der folonialen Gerichte mit Prozessen betrifft, so tragen doch nicht die Gerichte schuld daran, sondern die, die die Gerichte belästigen.! Die Bestimmung, daß Eingeborene nicht beeidigt werden, scheint mir nicht glücklich zu sein, obwohl man sie damit verteidigt hat, daß man die Eingeborenen vor Meineiden bewahren müsse. Herr Semler wünscht ein Eingreifen des Reichs, um sich Gewinn an der Diamantenausbeutung in Südwest- Afrika zu sichern; er meint, das liege in sozialem Interesse. Ein Beschneiden von Be figrechten aber, lediglich weil das Reich Vorteil davon hat, scheint mir nicht sozial, sondern schon mehr sozialistisch.( Lachen bei den Sozialdemokraten. Bravo! rechts.) Abg. Ledebour( Soz.): Mit meinen Ausführungen vertrete ich hier nicht den Standpunkt meiner Partei, sondern den der Mehrheit des Reichstages, was allerdings sehr selten vorkommt. Wenn der Herr Staatssekretär fagt, wir fönnen feine Geiege erlassen, welche die bestehenden Besigrechte einschränken, schon mit Rüdsicht auf die Wirkung, die das in der Heimat haben müßte, so wünschte ich nur, daß er Gelegenheit gehabt hätte, diese Mahnung an die Herren zu Im vorigen Jahre hat der Reichstag eine Resolution an- richten, welche die polnischen Ansiedelungsgesetze erlassen haben.( Lebgenommen, der Reichskanzler möge Anordnungen treffen, durch hafte Zustimmung b. d. Sozialdem. Staatssekretär Dernburg zuckt welche die im Schutzgebiet Ostafrika gültigen Bestimmungen, be- mit den Achseln.) Das Prinzip iſt in beiden Fällen dasselbe: Hier treffend den Betriebsawang für Plantagenländereien sinngemäß aber, den Polen gegenüber, hat man die Beschränkung der BesitzAbg. Erzberger( 8.) lobt die vom Gouverneur v. Schuckmann auch für das Schußgebiet Togo in Kraft gesetzt werden. Diese rechte für notwendig gehalten, während man in Togo den BetriebsResolution war notwendig geworden, weil sich Spekulanten in einer awang nicht einführen will, der noch gar nicht einmal eine An- erlassene Verfassung für Südwestafrifa als ein staatsmännisches Dokument ersten Ranges. Es ist getragen von dem Geist der Teineswegs einwandfreien Weise einen großen Teil der Togo- taſtung des Besitzrechtes ſelbſt iſt.( Sehr richtig! bei den Sozial Selbstverwaltung; die weiße Bevölkerung dort gibt der in der bemofraten.) Da fagt man, das geht nicht, das greift in die Ländereien zuungunsten der Eingeborenen angeeignet haben. Die Das zeigt nur wieder einmal, daß die Heimat auch das schöne Beispiel, daß sie sich bereit erklären, Steuern Kolonialverwaltung selbst war mit der Mehrheit des Reichstages heiligsten Besitzrechte ein. einverstanden, daß diese Ländereien teilweise wieder in den Besiz Herren von der Regierung eine ganze Ladung von Grundfäßen auf zu zahlen.( Heiterkeit.) Daß das Wahlrecht zu den Kommunen den Deutschen gegeben ist, billigen wir, wir wollen der Neger übergeführt werden sollten. Die hierzu getroffenen Mag Lager haben, von denen je nach Bedürfnis bald dieser, bald jener doch die deutschen Kolonien vornehmlich mit Deutschen beregeln genügten an sich aber nicht, um das Treiben der Spekulanten herangezogen wird.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) siedeln. Ebenio find wir damit einverstanden, daß die Das Kapitel wird bewilligt. in genügender Weise zu hindern. Den Rechtsnachfolgern der Spefu lanten der Togogesellschaft blieben noch so viel Ländereien übrig, daß die Gefahr bestand, sie würden sie brach liegen lassen, um fie später bei der Anlage von Eisenbahnen oder von Ortschaften zu Spekulationszwecken zu verkaufen. Dem sollte durch die Resolution begegnet werden. Es sollte eine fchrittweise Zuführung der Lände reien zum Kulturbetrieb erfolgen. Ich frage nun die Kolonialverwaltung, welche Maßnahmen ergriffen sind, um diese Resolution zur Durchführung zu bringen. Staatssekretär Dernburg: Es ist eine Kommission gewählt worden, die feststellen soll, ob den Eingeborenen genügend Land gelaffen ist, und weiter sollte sie sich mit der Frage der Ablösung der Ländereien beschäftigen. Die Kommission hat festgestellt, daß im allgemeinen die Eingeborenen über hinreichendes Land verfügen. Weiter aber hat sie festgestellt, daß die Togogesellschaft zu Landabtretungen noch verpflichtet ist. Hiergegen hat Sie Gesellschaft jedoch den Weg der Klage beschritten, und die Frage Kleines feuilleton. nur Der Rest des Etats für Togo wird debattelos be Schwarzen das Wahlrecht nicht haben; im Gegensatz zu den Sozial willigt. Es folgt der Etat für Süd testafrika. Beim Titel„ Gouverneur" betont demokraten würden wir das nicht für zweckmäßig halten. Die Intereffen der Schwarzen werden durch einen für sie ernannten Kommissar genügend gewahrt.( Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Auch mit der Einschränkung der Staatsaufsicht sind Abg. Dr. Semler( natl.) die Notwendigkeit, mit dem Urteil fiber wir einverstanden und empfehlen die Kommunalverfassung für den neuen Gouverneur vorläufig zurückhaltend zu sein. Ueber denkampf der Südwest- Afrika manchem einheimischen Minister zum Studium. Systeme Trotha und Dernburg will Redner noch fein abschließendes Urteil( Heiterkeit). Wichtig wäre es, die Gemeinden genügend abgeben. JmOvambolande soll eine deutsche Residentur errichtet werden. mit Land auszustatten; außerdem müssen sie selbständige Steuern Ein gutes Seemannswort sagt: Es ist leichter, eine Flagge auf haben, vor allem sollte überall die Wertzuwachssteuer einzuhissen, als sie mit Ehren herunterzuholen.( Sehr richtig!) Die geführt werden. Den Gouverneur möchte ich bitten, den Handel mit Residentur soll zum Schutz der armen Ovambostlaven gegen ihre Gewehren, Munition und Alkohol nach dem Ovamboland mit allen Kapitäne dienen. Das ist ein schöner, das ist ein erhabener Zwed; Mitteln zu verhindern. Auch die Schuztruppen müssen sich jeder aber wir müssen die Folgen bedenken, die ein solches Vorgehen haben Offupation in Ovamboland enthalten und sich höchstens auf die fann. Statt mit Residentur und Stationen soll man lieber mit Abwehr von Angriffen beschränken. Ein Aufstand in Ovamboland einer Bahn ins Ovamboland vorrücken. Ich trage keine Sehnsucht, wäre das Furchtbarste, was uns begegnen tönnte, der Herero- Aufunsere tapferen Truppen einem Ovambokriege und dem Kampfe mit stand wäre dagegen gar nichts. Theater. " Der Jbsen 8yklus des Bessing Theaters fand am Montag mit dem dramatischen Epilog:, Wenn wir Toten erwachen" seinen Abschluß. Die Vorführung der gesamten modernen Dramen des großen Fragers und Verneiners gestaltete sich zu einem Triumph für Darsteller und Regie des Lessing- Theaters. Der menschliche Fuß als Greiforgan. Wer erotische Länder Besucht, pflegt sich gewöhnlich darüber zu wundern, mit welcher Geschicklichkeit die dortigen Arbeiter bei oft recht komplizierten Berrichtungen den Fuß als dritte und vierte Hand zu gebrauchen verstehen. Man muß aber im Auge behalten, wie Geheimrat v. Bälz Immer ist uns noch Jbsen der erste Dramatiker der Zeit. fürzlich im Württembergischen Anthropologischen Verein aus Steiner hat tiefer geichürft, teiner das Haltlose und Morsche im führte, daß unser Fuß diese bemerkenswerte Funktion erst ein- modernen, vom Kapitalismus und seinen Begleiterscheinungen gebüßt hat. Indianer z. B. spannen mit dem Fuß den Bogen forrumpierten Menschen unerbittlicher bloßgelegt, feiner mehr ger und nehmen mit ihm den Speer auf. Eine anthropologische Betrümmert an überlebten Jdolen als Jbsen. Er hat mit trachtungsweise, die alle Menschenrassen berücksichtigt, ist auch bitterem Ernst gerungen unt wahrhaftigere und tiefere weit davon entfernt, solches Können als Zeichen einer niederen Lebensauffassung und Gestaltung. Bei diesem Suchen mußte Raffe zu bezeichnen. Bei uns Europäern ist vor allem das Schuh- er nach Anlage und Zeitverhältnissen Schleier herunterreißen, Lebenswvert an diesem Verlust schuld. Auch in Ostasien hat bei Chinesen lügen aufdecken und Illusionen zerstören. Der junge Jbsen war und Japanern die große Behe samt der zweiten noch diese Greif- mit den großen Forderungen ausgezogen, der alte zeigte, was im traft, und in Japan geborene Europäerkinder lernen von den Leben unserer Tage daraus wird, und verzweifelte daran, das neue, jungen Eingeborenen bald das Kneifen mit zwei Zehen. Arm- höhere Leben anders als in Andeutungen und Schlußresümees zu lose Menschen haben meist die Kunst, mit dem Fuß zuzugreifen, geben. Der Gestalter und Dramatiker aber, der sich seinen eigenen vollkommen ausgebildet. Anatomisch bedingt ist diese Funktion Stil gefchaffen hatte, awang alles in seinen Bann, auch wenn fpäter durch das Abstehen der großen Behe, ihre attive, nicht bloß passive die Verknüpfung realistischer Vorgänge mit manchmal dunklen und Beweglichkeit und durch ihre relative Kürze und Daumenartigkeit. nicht lebendig gewordenen Symbolen fremd anmutete. Bei uns hindert nur das Schuhwerk die Ausbildung der dazu ge Der Zyklus des Leffing- Theaters bewies, daß Jbsen noch unhörigen Muskeln. Der Fuß als Ganzes macht geradezu erst heimlich lebendig ist, daß die Jüngeren, die er zu fürchten schien, den Menschen, da er im Tierreich durchaus einzig ist. Der ihn nicht zu verdrängen vermochten. Noch sind die alten Probleme, Affe hat bloß vier Hände, und nur der Mensch besitzt einen Fuß, nur daß unsere Dramatiker sich nicht mehr an sie wagen und ihre der als reine Stüße für den Körper dient. Hierdurch wird, meint artistischen Stünste in allen Stilarten und Stoffen zweier JahrGeheimrat v. Bälz, ein interessantes Streiflicht auf die Ab- taufende spielen lassen. Wo ist ein Dichter und Menschenformer von stammungslehre geworfen. Sit fie richtig, so muß es ein Wesen dem Ernst, der Tiefe und auch nur dem Können Jbsens? Wo sind gegeben haben, bei dem die hinteren Extremitäten nicht Trag die berufenen Nachfolger, die zu neuen Zielen wiesen, die im Posiorgane, sondern auch fürs Greifen geeignet gewesen sind. Von tiven vollendeten, was der Zerstörer Jbsen begonnen: den Neubau diefem müßten dann zwei Abzweigungen ausgegangen sein: die gesellschaftlicher Ideale? eine führt zum Affen, wobei diese Extremitäten allmählich Sände werden; die andere zum Menschen, wobei aus der Halbaffenhand sich direkt der Fuß als Trage und noch Greiforgan herausgebildet hat. Unnatürlich wäre es, anzunehmen, daß der menschliche Fuß den Umweg über eine richtige Affenhand gemacht hat. Dies wäre also mit ein Beweis gegen die direkte Abstammung ves Menschen vom Affen. Der Stenogramme ganzen Ballen, Gesprochen hab' ich allerdings, Gedroht? ist mir nicht eingefallen! Ich stehe auf dem Standpunkt heute: So kann es nicht mehr weiter gehn, Und deshalb mein' ich, lieben Leute, Es muß bald irgend was geschehn. Die Gozis, die in Deutschland hausen, Die sind mir viel zu subversiv, Das nimmt ein Ende' mal mit Grausen, Drum denke ich, definitiv, Man fegte diefe Rasselbande Db jung ob alt, ob groß ob flein Mit starrem Besen aus dem Lande, Doch soll dies teine Drohung sein. Jch Royalist, Germanus civis, Und staatserhaltend bis ins Mart, Ich tret' nicht auf die Spur Caprivis, Denn der war schwach, und ich bin start. Wie schön wär's, ein Gefeß zu schmieden, So dent' ich mir's im Umriß nur: Die Nötesten in Del zu sieden, Besonders diefen Ledebour! Man könnt' sie auch zu Bratflops haden, Der Paragraph müßt' noch hinein, Und mit geglühten Eisen zivacken, Doch soll dies feine Drohung sein Es gibt auch Kerker, Flinten, Säbel, Es gibt auch noch ein Standgericht; Doch liegt das noch im Zukunftsnebel, Und prinzipiell: ich drohe nicht! ( Lustige Blätter".) Notizen. ältere worden, wie nie zuvor. Nur so tonnte sie Jbsensche Menschen auf Mit Jbsen ist unsere Schauspielkunst verinnerlicht und vertieft der Bühne lebensfähig machen, und nur im gleichwerten Zusammens ipiel den Organismus seiner Personen verwirklichen. Das LessingTheater hat bewiesen, daß sein jahrelanges emsiges Mühen um den absenstil nicht erfolglos geblieben ist. Man mag die eine oder die demnächst im Deutschen Theater aufgeführt wird, ist im Verlage -Josef Ruederers Komödie Wolfenkududsheim, andere Jbsen- Rolle, meinetwegen auch das eine oder andere Jbsen- der„ Süddeutschen Monatshefte" in München erschienen. Ein neues Element hat der japanische Chemiker Ogata von der Drama auf anderen Bühnen vollendeter dargestellt finden, das GeTheaterchronit. Frank Wedekinds Universität Tokio in den Mineralien Thorit, Reinit und Molybdänit famtwert hat hier seine Stätte fongenialer Wiedergabe gefunden. satirische Komödie Die junge Welt" wird am 12. März ab gefunden. Beiläufig sei bemerkt, daß der Reinit ein nach dem deutschen Wenn am Montagabend Direktor Brahm im Namen aller dankte im Hebbel- Theater als außerordentliche Veranstaltung der Akademischen Geographen Rein benanntes, zuerst in Japan entdecktes Mineral ist.( und Wiederholung des Zyklus verkündigte), so wollen wir das Bühne mit Schauspielern des Hebbel- Theaters aufgeführt. Das neue Element hat nach der Mitteilung von„ English Mechanic" Wort wörtlich genommen wiffen: die Gesamtarbeit aller Mitwirkenden den Namen Nipporium erhalten, jedoch ist anzunehmen, daß er hat uns diesen Ibsen- Zyklus beschert. eigentlich Nipponium, nach der größten japanischen Insel Nippon, heißen soll. Seinem Atomgewicht nach würde das neue Glement zwischen die Elemente Molyödän und Ruthenium zu stehen kommen. Es kommt in fleinen gelben oder roten Kristallen von solcher Härte vor, daß man Glas damit rigen kann, befindet sich jedoch in dieser Form mit Kiefelsäure und Zirkon vereinigt. Humor und Satire. Keine Drohung. Bernhard: Da, Schockmillionenschwerenot, Sagt mir doch eins: hab' ich gedroht? Ich blättre rechts, ich blättre lints Ein englisch- amerikanisches Theater wird unter Leitung von Meta Iling, die auf deutschen wie englischen Bühnen tätig gewesen ist, vom Mai ab als Reisetheater in Deutschland verwirklicht werden. Jm Oktober wird es in Berlin mit englischen Stüden gastieren. Besondere Schüleraufführungen find geplant. Sven Sedin hält in Berlin am 14., 16., 21. und 22. März öffentliche Vorträge über feine legte Tibetreife. Deutsch-Siidivestafrika hat no«t> immsr zu leiden unier den Landgesellschaften. Die Landkommission sollte nicht nur beraten. sondern es sollten auch Berichte an den Reichstag erstattet werden. Die deutsche Kolonialgesellschaft für Dentsch-Südwestafrika hat es verstanden, alle Lasten von sich abzuwälzen, alle Rechte aber zu behalten. Wichtiger noch als die Landfrage ist die Bergrcchtsfrage; leider ist das Bergregal fast ganz in den Händen von Gesellschaften. nur zu einem sehr lleinen Teil im Besitz des Reiches. Trotz aller Abschreibungen verteil» die deutsche 5iolo»iasgcsrllschaft seit 19(13 jedes Jahr 20 Proz. Dividende, und ähnlich die anderen; sie könnten also sehr erhebliche Abgaben leisten. Dabei werden die Ge- sellschaften immer übermütiger, sie meinen, sie brauchen sich um die Verwaltung überhaupt niclit zu kümmern I So hat die deutsche Kolonialgesellschaft einem Erlast des BezirlSamtmaunS gegenüber gerade erklärt: „Wir pfeifen auf de» Erlaß!" Es must eine klare Auseinandersetzung mit den Gesellschaften erfolgen.(Zustimmung im Zentrum.) Der wundeste Punkt in den Kolonien, vor allem in Südwest- afrika, ist die Justizpflege. England hat keine Mittel gescheut, um in seinen Kolonien eine gute Rechtspflege einzuführen. Das sollten wir uns zum Muster nehmen. Wir haben in den Schutzgebieten die Konsulargerichtsbarkeit. Wurden �deren einzelne Bestiintnuiigen bekannter sein, so hätte sich im Reichstage längst der lebhafteste Wider- spruch geltend gemacht. Wenn die koloniale Rechtspflege, wie sie den Meisten gegenüber geübt wird, viel zu wünschen übrig lästt, so liegt die Rechtspflege, die man den Schivarzen angedeihen lästt, vollends im Argen.(Sehr wahr I ini Zentrum und bei den Sozial- demokraten.) Da verbietet z.B. ein Bezirksamt kurzerhand schwarzen Angeklagten die Zuziehung eines Rechtsanwalts!(Hört I hört I) Der Erlast des südwestasrikanischen Gouvernements, der die Ehe zwischen Weihen und Bastarden verbietet, ist weder niit dem Bürger- lichen Gesetzbuch noch mit der kirchlichen Anschauung in Einklang zu bringen und austerdem ein Schlag ins Wasser; denn die b e- treffenden Paare lassen sich einfach in Kap- stadt trauen, ivenn sie dann zurücklehren, wird ihre Ehe an- erkannt!(Hört! hort l) Gouverneur v. Schuckmann: Da? Ovamboland fällt zum gröstten Teil unter die deutsche Interessensphäre. Von den OvamboS sind wir gebeten worden, sie vor Uebergriffen von feiten untergeordneter portugiesischer Grenzbehörden in Angola zu schützen. Das Ovamboland ist ein weit ausgedehntes Gebiet. Selbstredend denken wir nicht daran, dies Gebiet durch den zu ernennenden Komnussar beherrschen zu lassen. Bei etwaigen Unruhen würde er ebenso weichen müssen ivie die Missionare. Dah dieser Kommissar in die inneren Angelegenheiten der OvamboS ein- greifen soll, ist ein groster Irrtum deS Abgeordneten Scmler. Es handelt sich nur um Schutz der Arbeiter aus dem Ovambolande, die in unserem Schutzgebiet tätig sind. Natürlich wird sehr viel auf die Person de? KoininissarS ankommen. Er nrnst ein Mann von groster Geschicklichkeit und erprobtem Taktgefühl sein. Einen Ovambokrieg würde natürlich auch ich für das gröstte Uebel halten.(Sehr richtig I)— Weitere Aussührnngcn des Redners bleiben zunächst unverständlich.— Die Hottentotten haben eine Strafprozehordnung, die manchen Vorzrig, namentlich den der Kürze, vor der deutschen hat. l Schallende Heiterkeit.)— So vermessen bin ich nicht gewesen, die Ehen zwischen Weißen und Farbigen zu verbieten; sie werden nur nicht mehr eingetragen. Das war der Wunsch der ganzen weißen Bevölkerung. ES werden jetzt sehr viele Ehen zwischen Weißen geschlossen, und wir bekommen ein sehr hübsches. netteS Material.(Schallende Heiterkeit.)— Herr Abg. Noske scheint bedeutsame organisatorische Fähigkeiten zu besitzen. Ich möchte dieselben gern in Siidwestafrika verwenden.(Große Heiter- keit.) Ich bitte daher Herrn Noske, mich nach dort zu begleiten (Erneure Heiterkeit) und zunächst einmal die hier entwickelten An- sichten im Bürgerverein von Swakopmund vorzutragen. Für gute Aufnahme kann ich allerdings nicht stehen.(Schallende Heiterkeit und lebhafter Beifall rechts.) Abg. Ablaß(fts. Vp.): Der Staatssekretär ist auf den Kern der Frage, auf die eS ankommt— ob die Richter in den Schutz- gebieten überhaupt richterliche Funktionen ausüben dürfen— gar nicht eingegangen. Gegen die Rechtsprechung in den Kolonien herrscht berechtigtes Mißtrauen. Dem Satz des Staats- sckretärS, er bekomme keine brauchbaren Richter für die Kolonien, müssen wir entschieoen widersprechen; wäre es so, so wäre daS ein bedenkliches Zeichen für den Wert unserer Kolonien. Auch für die Rechtsprechung in den Kolonien brauchen wir festangestellte Richter. nicht kommissarisch beschäftigte Hilfsrichter.(Bravo I bei den Frei- sinnigen.) Staatssekretär Dernburg: Das Reichskoloniakamt steht auf dem Standpunkt, daß die Bestallung der Richter ordnungsmäßig erfolgt ist, daß über die Zuständigkeit des Gerichts das Gericht selbst zu bc- finden hat und daß deshalb in ein schwebendes verfahren nicht ein- gegriffen werden kann. Diesen Standpunkt des Reichskolonialamts habe ich in der Vudgetkommission bereits vertreten, auf ihm stehe ich auch jetzt noch. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 2 Uhr.(Außerdem Postetat und Gesetz betreffend die Fernsprech- gebühren.) Schluß S'/z Uhr. Mgeorcknetendaus. 43. Sitzung. Dienstag, den 2. März 1909. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Mottle. DieziveiteLesung desEtatSdeSMinisteriumS des Innern wird fortgesetzt. Abg. Dr. Hager ich. (Heiterkeit.) Ich habe sofort verfügt, daß die Bestimmungen des neuen Vereinsgesetzes in loyalster Weise durchzuführen seien. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Unsere Anschau- ungcn über die Loyalität sind allerdings verschieden; ich halte eS für loyal, einen Eid, den ich dem Könige geleistet habe, auch zu halten.(Abg. Hoffmann: Das war sehr schön gesagt!— Heiterkeit.) Wie liegen nun die Dinge in meinem Bezirk? Alt-Trewitz ist eine Vorstadt von Küstrin; sie besitzt teils eine landwietschaft- liche Bevölkerung, teils eine gewerbliche Bevölkerung, welche die Sozialdemokratie auf die Höhe ihrer Kultur hinaufzubringen sucht. (Heiterkeit rechts.) Zwischen diesen beiden Bevölkernngsklassen herrscht eine starke Spannung.(Rufe: Gott sei Dank! rechts.) Liebenswürdig und amön wie die Sozialsemokraten sind', arbeiten sie dort unter Führung des Abgeordneten Borgmann.(Aha! rechts.) An demselben Tage, an dem ein großer Sängerumzug dort stattfinden sollte» wollten die Sozialdemokraten auch einen Umzug halten. Da bekomme ich als Landrat einen Notschrei aus der Gemeinde, es würde rettungslos zur Schlägerer kommen,(Heiterkeit rechts), die ganze Sache sei nur provozierr. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Als erster Bc- amtcr deS Kreises habe ich eS da allerdings für meine Pfkicht gehalten, die öffentliche Ordnung dadurch zu sichern, daß ich den Amtsvorsteher angewiesen habe, den Umzug nicht zu dulden(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Andererseits habe ich auch an- gewiesen, Umzügen, die mit denen anderer Parteien nicht kollioieren, nicht da? geringste Hindernis zu bereiten. Gestatten Sie mir noch ein kurzes Schlußwort: Mein Wahlkreis ist ja zur Domäne des Vorredners geworden.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.» Die Sozialdemokraten haben versucht, in der Ortschaft Giistebiefe«ine Gastwirtschaft zu bekommen.(Präs. v. Krächer: Das gehört doch nicht hierher!) Das Oberverwaltungsgericht hat sich der Ansicht des Kreisausschusses, daß kein Bedürfnis vorläge, angeschlossen. Trotzdem hat sich Herr Borgmann mit seinem ganzen Anhang so und so viel Strafmandate wegen Verstoßes gegen die Schani- konzession zugezogen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Das ist die berühinte Gesetzmäßigkeit der Sozialdemokraten!(Als der Redner die Tribüne hinabsteigt, nickte ihm Minister v. Moltke freundlich zu.) Abg. Trimborn(Z.) beschwert sich über die zu frühe Pensro- nierung nichtrichterlicher Beamten. Minister des Innern v. Moltke: Die allgemeinen Angriffe gegen die Landräte weise ich mit Entschiedenheit zurück.(Beifall rechts.) Ter Abg. Bell tat so. als wenn ich eine Verfügung erlassen hätte, die Landräte sollten eine Antizentrumspolitik treiben. DaS ist nicht geschehen. Daß die Regierung manche Kandidaten, die dem Zentrum erwünscht sind, nicht unterstützt, begreife ich, denn das Zentrum paktiert häufig mit Sozialdemokraten und Polen.(Sehr richtig! rechts.) Die Landräte haben A n e r keji n e nS- wertes für die preußische Monarchie geleistet. Wir können auf sie st o l z sein.(Lauter Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(freikonf.); Die Polen schreien wie die Sozialdemokraten immer über Gewalt. Wenn die Zentrums- männer polnische Kandidaten unterstützen, dann dürfen sie sich nicht wundem, wenn die Regierung gegen sie vorgeht.(Stürmischer Beifall links, Lärm im Zentrum.) Gewiß, die Unabhängigkeit der Beamten soll hochgehalten werden. Aver die Beamten müssen auf dem Boden des Staates stehen.(Stürmischer Beifall rechts.) Wer deutsche Katholiken zur Wahl eines Polen veranlassen will, ist ein Verräter der deutschen Sache, ein Landesver- rät er.(Stürmischer Beifall rechts. Lang anhaltenöer Lärm im Zentrum.) Einen solchen Verrat hat der Rittergutsbesitzer im Kreise Lissa begangen, dessen sich das Zentrum hier angenommen hat.(Hört! hört! rechts.) Mit solchen Verrätern an der deutschen Sache darf niemand gemeinsame Sache machen und wir danken dem Lanvrat von Lissa für sein entschiedenes Auftreten.(Stürmischer Beifall rechts und bei den Nationalliberalen, großer Lärm im Zentrum.) Abg. Dr. Bell(Z.): Wir erwarten keine Nnterstü�ung von der Negierung. Wir brauchen auch eine solche Unterstützung nicht. (Sehr richtig! im Zentrum.) Aber wir erwarten, daß der Minister die Landräte anweist, die Zentrumspgrtci mit dem gleichen Maß SU«essen Bte bis öhbeteu ParteieT».'(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Graf Praschma(Z.): Wir verbitten uns auf das ent- schiedcnste, daß Freiherr v. Zedlitz hier vorgibt, im Namen der Deutschen zu sprechen. Wir fühlen uns auch als Deutsche.(Stur- mische r Beifall im Zentrum.) Abg. Haarmann-Altena(natlib.): Wir stehen vollständig auf dem Standpunkt des Freihern v. Zedlitz.(Großer Lärm im Zentrum.) Wir fühlen uns da eins mit allen Deutschen, die deutsch und national fühlen.(Stürmischer Beifall rechts und bei den Nationalliberalen. Große Unruhe im Zentrum.) Abg. Graf Praschma(Z.): Auch diese Ausführungen verbitten Bir uns. Wir fühlen ebensogut deutsch und national wie die NationalliberaKn.(Lebhafter Beifall im Jentrum.) Damit schließt die Debatte. Abg. Bergmann(Soz.) persönlich: Der Abg. v. d. Osten hat gesagt, das Sängersest und unsere Versammlung hätten an ein und demselben Tage stattfinden sollen. Das ist nicht wahr! Das Sängerfest war vier Wochen früher! Der Abg. 6. d. Osten hat weiter gesagt, ich sei bestraft worden. Auch daran ist kein Wort wahr.(Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. d. Osten(kons.) persönlich: Nicht Herr Borgmann, aber seine Hintermänner sind wegen Uebertrctung des Vereins- gesetzes bestraft worden.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Nach unwesentlicher Debatte wird die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Schluß 4 Uhr. sslls Zsaksblev. Am 25. Oktober vorigen Jahres sollte in Herrn sohr bei Dudweiler(Snarabieu) eine öffentliche Bergarbeiterversammlung stattfinden, zu welcher Genosse LeimpeterS-St, Johann das Referat übernommen hatte. Die Versammlung konnte jedoch nicht abgehalten werden, weil die„königlichen" Kumpels sich nicht bis in den Saal getrauten, sondern in der Wirtsstube fitzen blieben, ob- schon der„christliche" Vertrauensmann in einer vorher statt- gefundenen lWitgliedcrversammluiig die„Christlichen" aufgefordert hatte, geschlossen in die„rote" Versammlung zu gehen, um Genosse Leimpeters.auszuheben". Unseren Genossen wurde mitgeteilt, es habe die Absicht bestanden, unsere Genossen mit einer Tracht Prügel nach St. Johann zu schicken. Als die.Christlichen" sich zu feige zeigten, in die Versammlung zu konimen, setzten sich unsere Genossen in die Wirtschaft mitten unter sie, hörte» ihnen ruhig zu, wie sie Spottlieder auf die Sozialdemokratie sangen und„Nieder mit der Leim petereil riefen. Als das nicht zog, trat der Bergmann Johann G e i d an Leimpeters heran, zeigte mit dem Finger auf ihn und rief: Kameraden I Ich warne Euch vor diesem LeimpeterS I Der hat die Arbeiterschaft an der Saar schon zweimal verraten und verrät Euch auch zum dritten Mal. Bei der Neichstagsivahl hat er von der Burbachcr Hütte 10000 M. bekommen, wofür er den Wahlkreis an die Nationallibcralen ausgeliefert hat." LeinipeterS hielt dem„Christen" entgegen, er solle sich etwa? vorsichtiger ausdrücken. Denn wenn er ihn verklagte, würde er be- straft werden. Darauf erwiderte Geid dann wörtlich: „Du wirst mich nicht verklagen, weil Du sehr gut weißt, daß ich Dir am Gericht nachweisen kann, daß Du die 10000 M. von der Burbacher Hütte wirklich erhalten hast. In Algriugen habe ich Dir dasselbe schon in einer öffentlichen Bergarbeiterversammlung vorgehallen, habe Dich damals aufgefordert, mich zu verklagen, ober Du hast es nicht getan, weil Du recht gut wußtest, warum. Du wirst mich auch jetzt nicht verklagen, dafür ist mir gar nicht bonge. Früher war ich auch Sozialdemokrat, aber nachdem ich gesehen habe, dast die Führer die Arbeiter verkaufen, bin ich zu den„christlichen" übergetreten." Gegen diese bestimmten Behauptungen, die von den„Christ- lichen" mit wahrem BeifallSgebrüll applaudiert wurden, war nichts anderes möglich, als dem Manne Gelegenheit zu aeben, den Beweis zu erbringen. So erhob LeinipeterS Privatllage. Da Geid inzwischen nachM e r l en b a ch verzogen ist, fand die Verhandlung am 20. Februar vor dem kaiserlichen Schöffengericht zu F o r b a ch statt. Am Gericht verlegte Geid sich zunächst anfs Leugnen. Mehrere Zeugen bekundeten, daß der Angeklagte die oben wiedergegebcne Aeußerung getan. Das gab dann der Angeklagte schließlich auch zu. Der Zeuge General- direktor Weisdorfs von der Burbacher Hütte be- kündete, daß er Lcimpctcrs persönlich nicht kenne, nie mit ihm verhandelt hätte, noch habe L. jemals einen Pfennig von der Burbacher Hütte ausgezahlt erhalten. Auch davon wisse er nichts, daß L. Geld von der nationalliberalen Partei bekommen habe, wie der Angeklagte im Termin behauptete. Einen Vergleich lehnte LeimpeterS ab. da er ein Ge- richtsurteil haben müsse, um dieser Seeschlange endlich den Kopf zu zerlreten. Ihm liege absolut nichts an der Höhe der Strafe, im Gegenteil bitte er, den Angeklagten möglichst gelinde zu bestrafen. Das Urteil lautet: Der Angeklagte hat sich der öffentlichen schweren Beleidigung schuldig gemacht, jedoch ist nicht erwiesen, daß er wider besseres Wissen gehandelt hat. Es ist als erwiesen erachtet, daß er die beleidigenden Aeusterungen im Sinne der Anklage öffentlich erhoben hat und daß der Vorwurf: der Privatklägcr habe sich für 10 000 M. bestechen lassen, habe die Arbeiterschaft verkauft, die schwerste Beleidigung ist, die einem Manne im öffentlichen Leben gemacht werden kann, konnte dem Angeklagten nicht zweifelhaft sein. Er hat nicht den Versuch gemacht, für seine Behauptungen den Wahrheitsbeweis anzutreten, hat mithin höchst leichlfertig. wenn nicht ftivol gehandelt und verdient eine exemplarische Begrafung. Das Gericht hat nur deshalb von einer empfindlichen Ge- fängnisstrafe Abstand genommen, weil der Privattläger selbst gebeten hat, davon abzusehen. Es wurde deshalb auf eine Geldstrafe— und wiederum auf Wunsch des Privatklägcrs so niedrig— von 30 Mark evcnt. 0 Tage Gefängnis und Tragung der Kosten erkannt. Der Antrag, das Urteil in der„Bergarbeiter- Zeitung" und im„Bergknappen" zu publizieren, hat das Gericht abgelehnt, weil diese Zeitungen zu weit vom Gerichtsort erscheinen. Dafür wird dir Publikationsbefuanis dem Privatkläger zuerkannt, das Urteil acht Tage im Gemeindekasten von Merlenbach auf Kosten des Angeklagten auszuhängen. Geid mutz die Strafe tragen. Die wirklich Schuldigen und Verurteilren find aber jene Hetzer gegen die Sozialdemokratie, die sich im Hinterhalt halten und als Muster» christen andere zu verleumderischen Behauptungen aufreizen. parlamentarilebes. Obligatorische Arbciterausschüsse. Die Kommission zur Beratung der GewerbeordnungS» Novelle trat in der Sitzung am Dienstag in die Weiterberatung der Bestimmungen über die Fabrikordnung ein. Zu 8 134 e beantragen unsere Genossen, daß die über die Arbeiter verhängten Strafen sofort zur Kenntnis gebracht werden müssen. Die Kommission stimmt dem Antrage zu. Di« Beratung geht alsdann zu Anträgen betr. die Gestaltung des Arbeitcrausschusscs über. Das Zentrum beantragt die Ein- führung eines obligatorischen ArbeiterauSschusseö in allen Betrieben, welche 20 und mehr Personen beschäftigen. Die Ausschüsse sollen beftrgt sein, Anträge. Wünsche und Beschwerden der Arbeiter zur Kenntnis des BctriebsunternehmerS zu orinnen. Bisher stand es im Belieben des Unternehmers, Arbeiterausschüsse einzuführen.— GieSberts(Z.) begründet den Antrag damit, fcaß HMer die Großindustrie sich vielfach der Einführung der Aus- schuss« findersetzt hat. Solche Unternehmer müssen geztvung?» tve?« den, die berechtigten Anforderungen zu erfüllen.— Für den Antrag sprechen sich auch die Freisinnigen, die Konservativen und ein Vertreter der Nationalliberalen aus. Bahn(natl.) erklärt sich gegen die ArbeiterauSschüsse. Genosse Stadthagen erklärt sich für die Einführung des obligatorischen Arbeitcrausschusses, wünscht aber, daß demselben weitere Befugnisse gegeben werden, als der Zeutrumsantrag vorsieht. Redner begründet den Antrag unserer Genossen, der dem Ar- beiterausschuß folgende Befugnisse geben will: Er ist bor Erlaß der Arbeitsordnung zu hören. An sich zu- lässige, aber von den gesetzlichen Vorschriften abweichende oder diese ergänzende Bestimmungen der Arbeitsordnung sowie die Festsetzung der Grundsätze über die Verwendung und Verwaltung der Straf- gelber bedürfen keiner Bestimmung. Der Arbeiterausschuß hat über die Verwendung und Verlvaltung der Strafgelder Rechnung zu legen. Er hat bei der Durchführung und Beaufsichtigung der sicher- heit-polizeilichen und Unfallverhütungsvorschriften mitzuwirken. Er hat das Recht, die Betriebe zu kontrollieren und auf Beseitigung vorgefundener Mißstände zu dringen, falls nicht von Arbeitern ge- wählte Kontrolleure vorhanden sind. Er hat alle Beschwerden über Mißstände bei der Verwaltung vorzubringen. Er hat bei Diffe- renzen und Beschwerden über unzureichende Löhne und Akkordsätze mitzuwirken und auf möglichste Verständigung hinzuarbeiten. Strafen, die 1 M. übersteigen, dürfen ohne seine Zustimmung nicht festgesetzt werden. Der Arbeiterausschuß hat nähere Vorschriften über die rechtliche Stellung(insbesondere über die Entiassungs- gründe, die Pflichten und die Art der Lohnzahlung durch die Ar- beiter) der Kontrolleure festzulegen, falls solche durch unmittelbare und geheime Wahl der Arbeiterschaft gewählt sind. Die Mitglieder der Arbeiterausschüsse verschen ihr Amt unentgeltlich. Notwendige Auslagen und in Wahrnehmung ihrer Obliegenheiten entgangener Arbeitsverdienst sind ihnen zu erstatten. Wo ein ständiger Arbeiter- ausschutz nicht besteht, stehen die sonst einem solchen obliegenden Be- fugnisse einem Vertrauensmann zu, der in direkter und geheimer Wahl durch die Mehrheit der Arbeiter gelvählt wird. Dem Unter- nehmer und seinen Angestellten ist es untersagt, die Arbeiter in der Uebernahme oder Ausübung eines gemäß diesen Vorschriften ihnen übertragenen Amtes zu beschränken. Vertragsbestimmungen, welche diesem Verbote zuwiderlaufen, haben keine rechtliche Wir- kung. Gegen den Antrag unserer Genossen erklärten sich samtliche Redner der bürgerlichen Parteien. Besonders wendet sich Manz (Freist) gegen die Einführung der Arbeiterkontrollcure in der Industrie. Für den Bergbau möge das zweckmäßig sein. Der Antrag unserer Genossen wird abgelehnt, der An- trag des Zentrums angenommen; dagegen stimmt nur der Abg. Bahn(natl.). Bei§ 134 h beantragen unsere Genossen, daß nicht mehr die Vorstände der Fabrikkassen oder die Knappschaftsältesten den Fabrik- ausschutz ersetzen können. Ferner wird die gleiche, unmittel- bare und geheime Wahl für den Ausschutz verlangt. Aus Ein- führung der unmittelbaren und geheimen Wahl zielt auch ein Zentrumsantrag ab, der aber den Ersatz der Ardeiterausschüsse durch Krankenkassenvorstände, Knappschaftsälteste oder vor 1891 bestehende Organe zulassen will, wenn dies« unmittelbar und ge» heim gewählt sind. Ferner will der Antrag, datz auch die Verl>ältniS. ivahl zulässig ist. Wenn mehr als 20 Arbeiterinnen im Betriebe beschäftigt sind, wählen diese im besonderen Wahlgang aus ihrer Mitte ihrer Anzahl entsprechend Mitglieder in den ständigen Aus- schütz. Das Wahlrecht für den Ausschutz sollen alle volljährigen Arbeiter haben. Die Wählbarkeit kann durch die Satzungen auf diejenigen Arbeiter beschränkt werden, welche mindestens 25 Jahre alt sind. Der Zentrumsantrag wird angenommen, der Antrag unserer Genossen abgelehnt, nachdem aus unserem Antrage die Forderung der geheimen Wahl in den Zeutrumsantrag über- nommen ist. Nächste Sitzung am Donnerstag. ÄuS der Budgetkommission deS Reichstags. (26. Sitzung vom 2. März.) Die in der vorigen Sitzung beschlossene Vorlegung der Lieferungsverträge soll in der Weise erfolgen, daß eine aus drei Abgeordneten bestehende Subkommission Einsicht nimmt und der allgemeinen Kommission Bericht erstattet. Zum Ausbau des Telegraphen- und Fernsprechnetze? werden 45 000 000 M. angefordert. Ein Regierungsvertreter legt dar, daß der Ausbau des unter- irdischen Leitungsnetzes notioendig und mit Rücksicht aus Be- schädigungen der oberirdischen Leitungen durch Schneewehen und Sturm auch wirtschaftlich sehr vorteilhaft sei. Trotzdem verlangte der Referent die Herabsetzung der Summe um 3 Millionen Mark. Abg. Singer wendet sich gegen den verlangten Abstrich und er- klärt, daß"er lieber einer Hinauf setzung das Wort reden würde. Auch der freisinnige Gothein und selbst der konservative Dö scher sprechen sich in gleichem Sinne aus. Die Abstimmung ergab die Kürzung des Postens um 3 Millionen Mark mit einer Stimme Mehrheit. Für den Abstrich stimmten Zentrum, National- liberale und das polnische Mitglied. Mit der gleichen Mehrheit und gleicher Konstellation der Parteien wurde von den zurück- gestellten Posten für Materialien und Arbeiten zur Unterhaltung der Telegraphenlinien die Mehrforderung von 3 272 000 M. ge- strichen. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich über das Privileg der Portosreihcit» welches die regierenden Fürsten, deren Frauen und Witwen noch besitzen. Abg. Erzberger behauptet, datz mit diesem Privileg geradezu Unfug getrieben werde, was den Staatssekretär K r ä t k e zu einer längeren scharfen Entgegnung veranlaßte: Es handle sich hier um ein gesetzlich gewährleistetes Recht der Fürsten, dessen Ausübung man nicht als Unfug bezeichnen dürfe. Erzberger entgegnet, daß er im Besitz eines PostabschnitteS sei, wo eS sich um eine portofreie Sendung von Wild handle. Die Gutsvcrivaltung schicke das erlegte Wild portofrei nach Berlin. Von dem Mitgliede der polnischen Fraktion wird darauf verwiesen, daß auch Beamte mit dem Postaversum Mißbrauch treiben. Ein Obcrschulinspcktor in Meine! habe zu einer Versammlung deS OstmarkcnvereinS durch aversfreie Briefe eingeladen! Abgelehnt wurde schließlich gegen eine erhebliche Minderheit eine Resolution, durch welche die Re- girung aufgefordert wird, eine Vorlage auf Aufhebung des Post- Privilegs einzubringen. Beim Etat der Reichsdruckerri (die dem Reichspostamt unterstellt ist) wurde vom Abg. Erz- berger bezweifelt, daß der Posten eines Kurators, der von einem Regierungsrat im Nebenamt verwaltet wird, notwendig sei. Ein Rcgierungsvertreter sowie der Staatssekretär baten, den Posten zu bewilligen, denn der Kurator sei notwendig, schon um den Ber- kehr zwischen Druckerei und Reichspostamt zu vermitteln, dann auch, um ein« strenge Kontrolle zu üben. Von sozialdemokratischer Seite wurde demgcgegenüber darauf verwiesen, daß der Direktor in privaten und mich in Staatsbetrieben der erste Beamte sei, nur bei der Reichsdruckerei werde ihm noch ein„Kurator" auf die Nase gesetzt. UebrigenS habe dieser Kurator seinerzeit auch nicht ver- hindert, daß der O Hermaschinenmeister die für Makulatur er- klärten Reichslassensdheine mit nach Hause nähme und später in Verkehr brachte. Ter Posten wird gegen die Stimmen der National- liberalen und Konservativen g e st r i ch c n. Zur Versicherung der Gebäude und Vorräte gegen FeuerS- gcfahr auf einen fünfjährigen Zeitraum sind 21 100 M. angefordert. Abg. Erzberger weist darauf hin, daß das Reich fein eigener Versicherungsträger sei und bei Gesellschaften nichts versichere. Nicht einmal die großen Proviant, und AusrüstungSlager seien versichert. Es fehle jeder Grund. wcShalb nun gerade bei der Reichsdruckmi eine Ausnahme aeinaÄt werden solle. Nachdem diese Anschauung auch noch von airdeftt Seite Unteqmtzung erhaktet hatte, wurde der Posten gestrichen und die Wefterversichexung damit abgelehnt. Nächste Sitzung Mittwoch: Beratung des Militäretats Euq der parte!» Ein Sozialdemokrat als Gegner der Nachlaszsteuer! Daß sich die Agrarier zur Rechtfertigung ihrer Zollpolitik auf Sozialdemokraten berufen können, an diesen wenig erfreulichen Zustand haben wir uns jetzt all- mählich gewöhnt. Daß sie nun aber auch für ihre Steuer- Politik oder besser für ihr Stcuerdrückeberger- t u m sich auf das Zeugnis eines angeblichen Sozialdemo- kraten stützen können, das ist eine bittere Errungenschaft der letzten Tage. Die„Münchener Post" veröffentlicht folgendes Schreiben, das dem Genossen Karl Kantsky auf seine hier wiedergegebene Anfrage an die„Münchener Post" zu- gegangen sei: „Werter Genossel In Ihrer vorläufigen Anzeige meiner Schrift: Oekonomisch« und politische Entwickelungstendenzen in Deuischland zitieren Sie aus einem Versammlungsbericht der„Münchener Post" vom 26. Januar den Satz:„Dr. Schulz wandte sich gegen die Nachlaß- steuer, durch die die Landwirtschaft ungerecht belastet würde" und suchen meine Gegnerschaft gegen die Nachlaßsteuer als eine Kon- sequenz des theoretischen Standpunktes hinzustellen, den ich in dem genannten Büchlein entwickelt habe, um gegen dieses, wie ich wohl sagen darf, in einer nicht ganz sachlichen Weise Stimmung zu machen. An Ihren Ausführungen ist richtig, daß ich in der Tat vor einigen Wochen in einer Münchencr Versammlung, die durch die Person des Redners(Professor Sieveking-Zürich), den Inhalt seines Vortrags und die Zusammensetzung des Auditoriums einen überwiegend akademischen Charakter erhielt, vom Standpunkt des Agrarpolitikers aus einige Bedenken gegen die Nachlaß« steuer in der von der Reichsregierung vorge- schlagenen Form geltend machte, weil sie eine ungerechte VorauÄbelastung des Kapitals und der Arbeit der von ihr be- troffenen landwirtschaftlichen, insbesondere bäuerlichen Bevölkerung zur Folge haben müsse. Ich halte es im gcgcnwäriigen Zeitpunkt nicht für zweckmäßig, diese Eirnveudungen unter Benutzung des mir reichlich zur Verfügung stehenden Tatsachenmaterials ausführlich zu begründen, und bemerke nur, daß ich bereits an einer mit 26 000 M. beginnenden Besteuerung des Erbanfalls an Teszedenten und Ehegatten auch vom Standpunkte des landivirt- schaftlichen Betriebes aus erheblich weniger Ausstellungen zu machen habe und das Vorgeschlageire Erbrecht des Reiches sogar leb- Haft begrüße. Nach Abwägung der Vorteile und Nachteile, welche die Aus- dchnung der Reichserbschaftssteuer auf Deszendeten und Ehegatten einerseits und eine Reichsvermögenssteucr andererseits mit sich bringen, stellte ich in jener Versammlung ausdrücklich die Forde- rung aus, eine Reichsvermögenssteuer mit erheblich höherer Progression, als Professor Sieveking empfohlen hatte, einzuführen; demr obwohl auch eine Vermögenssteuer, wie besonders Fuisting, der ausgezeichnete Kenner des preußischen Steuerwesens gezeigt hat, bei der geringeren Vermogenöliuduna in der Landwirtschaft und ihrer leichteren Erfaßbarkeit eine stärkere Belastung der länd- lichen Bevölkerung bedeutet, halte ich eine Reichsvermögenssteucr doch immerhin für eine, die verschiedenen Berufstlasscn gleich- mäßiger treffende, weniger rohe und gerechtere Form der höchst notwendigen kräftigeren Heranziehung des Besitzes zur Tragung der Reichslasten. Es gereicht mir zur Genugtuung, daß auch unsere Reichstagsfraktion die Forderung einer Rcichsvermögensstcuer, die bei genügender Berücksichtigung der verschiedenen Ertragsfähigkeit der einzelnen VcrmögenSinassen nicht im entferntesten einen so leidenschaftlichen Widerstand in der ländlichen Bevölkerung hervor- gerufen hätte, und die zeitweise sogar auf eine Mehrheit im Reichs- tage rechnen zu dürfen schien, neuerdings in den Vordergrund ihres Kampfes um eine gerechte Steuerrform gerückt hat.(?) Aus diesen Ausführungen ergibt sich, daß meine Stellimg- nähme zu den Reichssteuervorlagen durchaus von dem in der heutigen Finanzwisscnschaft zur allgemeinen Anerkennung gelangten gerechten Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit bestimmt ist. Einen inneren Zusammenhang zwischen meinen Ausführungen in der Münchener Versammlung und der in dem genannten Büchlein ettvickelten Theorien kann ich nur insofern zugeben, als beide auf einer gewissen Kenntnis der landwirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland beruhen. Endlich niuß ich betonen, daß die von mir vertretenen An- schauungen, wie es ja bei wissenschaftlichen Darlegungen natürlich ist, meine individuelle Uebcrzeugung darstellen und daher gegen die Politik und Taktik der süddeutschen Parteiorganisationen nicht ausgenützt werden dürfen. Mit parteigenöffischcm Gruß Dr. S ch u l z." Ein Sozialdemokrat also als Sachwalter des Groß- bauerntums!(Klein- und Mittelbauern werden, wie mehrfach nachgewiesen worden ist, von der Räch- laßsteuer nicht betroffen.) Ein Sozialdemokrat als Be- kämpfer einer Besteuerung wohlhabender Erben, in einem Augenblick, wo die arbeitende Bevölkerung durch neue in- direkte Steuern belastet werden soll. Ein Sozialdemokrat, der trotz der vielen erheblichen Erleichterungen. die die Negiernngsvorlage für die landwirtschaftlichen Nach- lasse enthält, davon redet, daß die Nachlaßsteuer„e i» e ungerechte Borausbelastung des Kapitals und der Arbeit der von ihr betroffenen landwirtschaftlichen, ins- besondere bäuerlichen Bevölkerung zur Folge haben müsse"! Kein Wunder, daß sich die agrarische Presse diesen fetten Happen nicht entgehen läßt. Brühwarm serviert ihn bereits am Dienstagabend die„Deutsche Tageszeitung" ihren jeden- falls freudig erstaunten Lesern, und vergnügt zieht sie die schöne Nutzanwendung: „Seine(Dr. Schulz') Haltung in der Steuerfrage ist aber wohl ein weiterer schlagender Beweis für die maßlose U n- ehrlichkeit und Unverfrorenheit des Vorwurfes, daß die Vertreter der Landwirtschaft bei ihrem Widerstände gegen die N a ch l a ß st« u e r sich nicht von sachlichen Gründen leiten ließen." So wird den Landbündlern der Rücken gesteift von einem angeblichen Anhänger der Sozialdemokratie und der Arbeiterschaft die Abwehr der unverschämten Anschläge auf ihren schmalen Beutel erschwert! Und das um der Groß- grundbesitzer und Großbauern mit mindestens 20 000 M. Vermögen willen! Toller kairn's wohl nicht mehr kommen I Dir Spaltung in der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands. Amsterdam, 1. März. Infolge des Parteitagsbefchlnsieö zu Deventer hat Genosse Henri Polak sei» Amt als Lorsitzender des Verbände« der Gewerkschaften Hollands niedergelegt. Polak steht auf der Seite der Marxisten, und ihm erscheint ein Zusaminenwirlen mit der sozialdemokratischen Kammerfraklion nicht möglich. Polak ist ebenfalls aus dem Verwaltuiigsausschuß von„Hct Volk" ausgetreten. Der Parteivorstand hat i» seiner am Tonn- abcnd abgehaltenen Versammlung bereits Jan Sl. va» Zütphe». Tchrift- siihrer des Diamantarbeiterverbandes, an PolalS Stelle ernannt. In derselben Bersamrnlnng hatte der Parteivorstand eine Be- sprechung mit dem Borstand der Abteilung Urrecht, in der beschlossen wurde, da Genosse Mendels schon auf dem Deventer Parteitag aus der T. D.% P. ausgetreten ist, seine Aufstellung als Kandidat der Partei im vierten Utrechter Wahlkreis zurückzunehmen. Außer- den, war der Parteivorstand der Ansicht, daß Mendels seine Sitze im Utrechter Geineinderat und in den Provinzialstaaten von Utrecht zur Verfügung der Partei stellen müsse.—(Wie ,Het Voll" meldet, Hat Mendels diesen Schritt bereits getan.) « Der Partcivorstand der S. D. A. P. wird als Wahlplat- form für die Kammerwahlen des Sommers dem zu Ostern statt- findenden ordentlichen Parteitage vorschlagen: Allgemeines Wahlrecht. Staatspension für Invaliden und Greise, Zehnstundentag. Erweiterung der Unfallversicherung und Regelung der Wohnungsfrage. DaS auf dein Deventer Parteitag beschlossene marxistische Wochenblatt, das als Beilage von„Het Voll" gegeben werden soll, wird, einem Beschluß des ParteivorstandeL zufolge, am 1. April zum ersten Male erscheinen. Leider beginnt»Het Volk" einen Kampf mit ver- g i f t e t e n W a s f e n gegen die ausgetretenen Marxisten. Das Zentral- organ der S. D. A. P. gibt wöchentlich eine humoristische Beilage, den Notenkraker. Dessen letzte Nmmner enthält folgendes Biid: Ein grinsender, fettleibiger Bourgeois, den Kapitalismus darstellend, schwingt in jeder Hand einen riesigen Holzsäbel. Auf dem einen ist ein gelrönter Säugling abgebildet, da« Baby der Königin Wilhelmina darstellend, das in Kürze geboren werden soll und mit dem die bürgerlichen Parteien in der Wahlkampagne als mit einem Mittel, die »patriotische" Begeisterung des Volkes anzufeuern, operieren. Der andere Säbel zeigt das Titelbild der.Tribüne", die mit dem Kopse ihres Redakteurs Whnkoop geschmückt ist. Das ganze ist über- schrieben: Die Waffen des Kapitalismus. So werden also die ausgetretenen Marxisten als Handlanger des Kapitalismus vor den Lesern von„Het Volk" verdächtigt, auf eine Stufe mit Gelben und ähnlichem Gesindel gestellt I Wir können es verstehen, wenn in dem Kampf zwischen den beiden Parteigruppen scharf zugefaßt wird, das ist nach solchen Trennungen erfahrungsgemäß nicht zu vermeiden, so bedauerlich eS auch für die Arbeiterbewegung ist. Aber verlangen kann man, daß die„Het Volk"-Redaktion die ehrliche Ueberzeugung der Ausgetretenen nicht antastet oder wenigstens nicht Darstellungen gibt, die in der Oeffemlichkeii zuni mindesten die Deutung hervorrufen müssen, die Ehrlichkeit der Marxisten solle bestritten werden! Die S. D. A. P. wird durch solche Kampfesweise, wie sie in diesem Falle beliebt worden ist, nur ein Gefühl des Mißbehagens in den Reihen der internationalen Sozialdemokratie erregen und den Verdacht, daß sie keine guten Waffen gegen die Ausgetretenen hat. Soziales. Hebcnkliche Wege der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten. Zu unseren gestrigen Ausführungen über die Generalversamm- luvg der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten erhalten wir von deren Generalsekretär, Herrn Pro- fcjsor Blaschko, die nachfolgende Zuschrift: „Sehr geehrte Redaktion? lieber unsere an, Sonntag abgehaltene Generalversammlung bringen Sie in Ihrer Zlummer vom Dienstag, den 2. März, einen Bericht und knüpfen daran einige abfällige Bemerkungen. Diese Bemerkungen wären vollauf berechtigt, Ivenn der Bericht selber richtig wäre. Er ist aber nicht nur im ganzen völlig unzutreffend, er gibt auch in vielen Einzelheiten gerade das Gegenteil des Gesagten wieder. So habe ich u. a. in meinem Jahresbericht die Maßnahmen der bayrischen Regierung gegenüber den Kur- Pfuschervorträgen nicht den übrigen deutschen Regierungen zur Nachahmung empfohlen, sondern ausdrücklich meine Bedenken gegen dieses rigorose Vorgehen lzervorgehoben. Weiterhin läßt mich der Bericht in der Diskuffion von Dingen reden, die ich weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach überhaupt berührt Habel Und so ist der Inhalt fast aller anderen Diskussionsredner falsch wiedergegeben. Daß in einer freien Diskussionsgesellschaft wie die unsrige ist, sich auch einmal ein Diskussionsredner für die Lokalisierung der Prostitution erwärmt, kann schon vorkommen. Das besagt aber nicht das Mindeste über die Stellung der Gesell- schaft zu dieser außerordentlich schwierigen und strittigen Frage. Dabei ist das, was den Hauptinhalt der Verhandlungen aus- machte, in dem Bericht überhaupt nicht wiedergegeben: Fast alle Redner nämlich stellten sich einmütig auf den Boden des reform- freundlichen Ministerialerlasses von 1L07(der nebenbei bemerkt, ich sehr energisch gegen Bordellierung ausspricht); übereinstimmend wurde festgestellt, daß dieser Erlaß mit ver- schwindcirden Ausnahmen nirgends zur Ausführung gelangt sei und daß an diesem Mißerfolge ausschließlich der passive und leider auch der aktive Widerstand der ausführenden Polizeiorgam schuld sei. Sie Iverden zugeben, daß die Vorwürfe, welche Sie in dem Bericht unserer Gesellschaft machen, hiernach nicht mehr aufrecht zu erhalten sind. A. Blaschko." Unser Bericht war der als zuverlässig bekannten Friedländer- fche» Corresponienz entnommen. So bedauerlich es ist. daß dieser Bericht diesmal nach der Zuschrift Unrichtigkeiten aufweist, so er- freulich ist eS für uns, daß die Darlegungen, gegen die wir uns sachlich wenden mußten, der Auffassung der Mehrheit der Gesell- schaft und ihres Generalsekretärs nicht entspricht und deshalb die von uns gegen neue Wege, welche die Gesellschaft zu wandeln schien, erhobenen Befürchtungen grundlos sind. Wichtiger Grund zur BertragSauflSsung. Der Kürschner K. klagt gegen die Firma Jacob u. Bräutigam auf Herausgabe der ihr beim Antritt üvergebenen Zeugniffe bezw. 300 M. Schadenersatz. Die Beklagte hat Widcrllagc auf Zahlung von 500 M. Schadenersatz wegen Kontraktbruch erhoben. Kläger war vom 23. November 1908 bis 13. Februar d. I. im Betriebe der Beklagten tätig. Der Vertrag war aber bis zum 31. Dezember dieses Jahres abgeschlossen. Kläger hat vorzeitig aufgehört, weil ihm seine Arbeit sortgesetzt bemängelt worden und ihm der Betrieb zu schmutzig und unordentlich war. Durch Zeugen wird bestätigt, daß die Betriebsräume während der Saison nicht regelmäßig gefegt und aufgewischt würden. Die Beklagte ermäßigte ihren Schaden- ersntzanspruch, weil sie den angeblich erwachsenen Schaden nicht nachweisen konnte und fordert nun auf Grund des§ 124b der Ge- Werbeordnung für eine Woche den ortsüblichen durchschnittlichen Tagelohn als Schadenersatz. Das Gericht verurteilt die Beklagte zur Herausgabe der in ihrem Besitz befinolichen dem Kläger gehörenden Zeugnisse: denn diese sind der Beklagten vom Kläger freiwillig übergeben worden, ohne daß die Uebergabc derselben zur Bedingung für das Zustande- kommen des Vcrtragsverhältnisses gemacht word.n war. Es bc- steht deshalb nur ein Verwahrungsvertrag. Die Beklagte kann auf Grund des 8 273 des Bürgerlichen Gesetzbuches ein Zurück- behaltuirgsrecht hieran nicht geltend machen. Der Widerbeklagte wurde verurteilt, an die Widerklägerin 20,30 SR. zu zahlen. In .der Begründung hieß es, für ein Recht zur sofortigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses komme, da das Arbeitsverhältnis auf über ein Jahr abgeschlossen worden ist. der§ 124» zur Anwendung. Danach ist der Kläger bezw. Widerbeklagte zur sofortigen Auf- lösung dcS Arbeitsverhältnisses berechtigt, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die vom Kläger angeführten Gründe habe aber das Gericht nicht als so außerordentlich wichtig erachten können, daß sie zur sofortigen Auflösung berechtigen. Deshalb mußte die Ver. urteilung erfolgen. Verantwortlicher Redakteur: HanZ Weber. Berlin. Für den '_ De! der Berechnung des Schadens hat das Gericht offenstchtstch irrtümlich dem Beklagten 2,00 M. zu viel zugebilligt; die Arbeits- Woche bestand nicht in 7, sondern in 6 Tagen. Vorstandsntzung des Deutschen StädtetagcS. linier dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner(Berlin) trat am Montag der Vorstand des Deutschen Städtetages zu einer Sitzung zusammen, der u. a. die Oberbürgermeister Beutlcr(Dres- den), v. Berscht(München), Bender(Breslau). WilmS(Posen), v. Schuh(Nürnberg), Wallras(Köln), Stadtrat Namslau (Berlin), Stadtverordnetenvorsteher Michelet(Berlin) beiwohnten. Der Vorstand beschloß nach längerer Debatte, gegen den dem Reichs- tage unterbreiteten Gesetzentwurf betreffend die Errichtung von ArbeitSkammrrn Stellung zu nehmen und zwar besonders mit Rück- ficht auf die durch das Gesetz den Städten auferlegten Kosten. Ferner protestierte der Vorstand des Deutschen Städtetages gegen den Beschluft des Reichstages, den Militärauwärtcrn die Militär- dienstzcjt voll anzurechnen._ Ankauf der Lübecker Straftenbahn. Nachdem die Allgemeine Lokal- und Straßenbahn-Gescllschaft ihre Forderungen für ihren Lübecker Betrieb von 3 850 000 M. auf 3 600 000 M. ermäßigt hat, beschloß am Montag�die Lübecker Bürgerschaft in geheimer Sitzung mit 84 gegen 14 Stimmen den Anlauf der Bahn für die genannte Summe. Tie Krankenkassenwahl in Köln-Nippes fand gestern statt. Die Ortskrankenkasse Köln-Nippes war die einzige im ganze» Kölner Bezirk, die sich noch in den Händen der sogenannten Christlichen befand. Vor einigen Wochen gelang es den freien Gewerkschaften, die Kasse mit 56 Stimmer, Mehrheit zu erobern. Darauf fochten die Zentrumschristen die Wahl an mit der Begründung, die Frist zwischen Ausschreibung und Wahl sei um einen Tag zu kurz gewesen, obwohl die Christlichen, die ja im Vorstand saßen, die Wahl selbst ausgeschrieben hatten. Die Wahl wurde in der Tat für ungültig erklärt. Am Montag nun haben die Mitglieder der Kasse in ihrer großen Mehrheit den Zentrumsleutcn die Antwort gegeben! Die 102 Vertreter der freien Gewerkschaften wurden mit 796 gegen 685„christliche" Stimmen abermals gewählt. Die Mehrheit stieg also auf III Stimmen. Im heiligen Köln sind demnach die Zentrums- gcwerkschaften aus sämtlichen Krankenlassen hinausgewählt worden. Das Koalitionsrecht der Schutzleute. Vor einiger Zeit nahm daS Nürnberger Gemeindekollegium einen Antrag der Sozialdemokratie an, worin der Magistrat ersucht wurde, den Schutzleuten uneingeschränktes Koalitionsrecht zu ge- währen, und entgegenstehende Beschlüsse aufzuheben. Der Antrag war dadurch veranlaßt, daß der Magistrat den Schutzleuten die Zu- geHörigkeit zu einem früher bestandenen Schutzmännervereine verboten hatte, als der Verein sich einem bayerischen Landesverbände anschließen und wirtschaftliche Fragen erörtern wollte. Auf den An- trag der Sozialdemokraten hin hat der Magistrat endlich seinen ab- lehnenden Standpunkt aufgegeben. Dem städtischen Bediensteten- Ausschuß wurde eröffnet, daß der Gründung eines Vereins der Schutzleute nunmehr nichts mehr im Wege stände. Em der frauenbenegung. Das Fraucnwahlrccht in Oesterreich. In Oesterreich haben die Gemeindesteuern zahlenden Frauen ein indirektes Wahlrecht, d. h. sie können einem Wähler eine Voll- macht ausstellen, der dann für sie wählt. Die Frauen verlangen nicht nur das Wahlrecht zu den Parlamenten und den Gemeinden, sondern au chzu den gewerblichen Institutionen. Sie toollen überall dabei sein, wenn über ihre Interessen beraten wird. Die öfter- rcichischen Arbeiterinnen besitzen das Wahlrecht zu den Kranken- lassen. Sie können sowohl gewählt werden, als auch wählen. Leider ist die Zahl der weiblichen Delegierten in den Ausschüffen noch eine sehr kleine, trotzdem die Zahl der arbeitenden Frauen stetig zu- nimmt. Wenn in Oesterreich keine Erweiterung des Frauenwahl- rechtes zu erreichen ist, trägt die Indolenz der bürgerlichen Frauen viel dazu bei. Nur ein kleiner Kreis von Frauen bringt den Kämpfen um Gleichberechtigung Interesse entgegen. Seine Zahl ist viel zu klein, als daß sie heute, wo nur die Diasse etwas erreichen kann, eine weitgehendere Wirkung ausüben könnte. Es fehlt an einer zielbewußten Agitation und an einem wirkungsvollen Pro- gramm. Die Durchschnittsbildung der bürgerlichen Frau steht in Oesterreich auf einem tieferen Niveau als in den anderen Staaten, Ivo die Mädchen oft vernünftiger erzogen werden. Die Arbeite- rinnen stehen in Oesterreich als die einzigen Kämpfcrinnen für Frauenrechte allein._ Leseabeude. Dritter Wahlkreis. Donnerstag, den 4. März, S'/z Uhr, im®c> werkscyaftShause, linker Seitenflügel Hl, Saal der Handels- und Transportarbeiter._ Gerichts-Zeltung. Tie Autorität eines priigelnden Pädagoge» findet bei den Schulbehörden wie bei den Gerichten jeden nur m2g- lichen Schutz. Auch dem Gemeindefchulrektor Adolf Neumann II von der 43. Knabcn-Gemeindefchule(Grünthaler Strafte), der im Juni v. I. einen zwölfjährigen Schüler Kramer allzu eifrig geprü- gelt hatte und dann von der erregten Mutter beschimpft worden sein sollte, ist der Schutz nicht versagt worden. Kramer, der geimpft worden war, hatte am Tage der Kontrollierung des Jmpferfolges — am 3. Juni— sich etwas verspätet, war aber immer noch zeitig genug bei dem Jmpfarzt im Schulhause an der Kristiania-Straße eingetroffen, so daß dieser ihn noch besichtigen und ihm den Impf- schein aushändigen konnte. Als am anderen Tage ein Lehrer dem Rektor Neumann irrtümlich meldete, Kr. sei bei der Jmpfkontrolle ausgeblieben, langte der Herr Rektor sich den Jungen heraus und strafte ihn nachdrücklichst ab. Am nächsten Tage ging die Mutter zum Rektor, um ihm Vorhaltungen zu machen. Da er ihr in einer sie verletzenden Weise entgegentrat, so kam es zu einem erregten Wortwechsel, und schließlich soll Frau Kr. ihm im Weggehen eine beleidigende Aeußerung zugerufen haben. Wegen dieser Aeußerung stellte die Schuldcputation, an die der Herr Rektor be- richtete, Strafantrag gegen Frau Kramer. Von den Schöffen des Amtsgerichts Berlin-Wedding wurde darauf über die noch völlig unbescholtene Frau eine Gefängnisstrafe von 5 Tagen verhängt. Frau Kr. legte gegen dieses harte Urteil Berufung ein und stand nun gestern vor dem Landgericht III(Strafkammer 2). Es war dafür gesorgt worden, daß jene Prügelleistung des Reliors Neumann diesmal etwas gründlicher geprüft wurde. Die Angeklagte wiederholte die frühere Schilderung, daß ihr Sohn, obwohl er zur Jmpfkontrolle gegangen war, vom Rektor N. schwer gezüchtigt worden sei. und daß der Junge ihr erzählt habe, Herr N. habe ihn„Hund" geschimpft und ihn sogar mit dem Fuft gestoften. Ucbcr alles das habe sie sich sehr aufgeregt, und am an- deren Tage habe sie den Rektor nach dem Grund der harten Be- strafung fragen wollen. R. aber habe ihr sofort gesagt, nun wun- dere er sich nicht mehr, daß der Junge so sei, sie sei ja ebenso. Das habe sie wieder erregt, und da habe sie ihn dann einen großen Flaps genannt. Hier hielt der Vorsitzende ihr vor, daß sie vor dem Amts- gerecht überhaupt bestritten habe, geschimpft zu haben. Sie tt» widerte, dort sei sie gar nicht dazu gelangt, sich richtig auszu- sprechen. In der Tat hat selten eine Angeklagte sich so wehr- und hilflos verurteilen lassen, wie in jener Verhandlung Frau Kr., die damals dem Gericht nicht einmal das ärztliche Attest über die Wir- kungcn des Neumannschen Rohrstockes vorlegte. In der Verhand- lung vor dem Landgericht wurde auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Kurt Rosenfeld, der der Angeklagten gestern als Verteidiger zur Seite stand, das Attest verlesen. Es ist an dem auf die Ab- strafung des Jungen folgenden Tage ausgestellt worden und gibt eine Vorstellung davon, wie der Herr Rektor darauflos gehauen haben muß. Bescheinigt werden zahlreiche Striemen) Hautvcrfär- Hungen usw., die der Arzt auf dem geimpften Oberarm, auf dem Unterarm, auf beiden Schultern, auf dem Rücken, auf einem Ober- schenke!, am Kniegelenk, auf der Wade, am Fußgelenk vorfand. „Man kann," schreibt der Arzt,»heute noch von der Haut die Schläge ablesen, ich zähle mindestens fünfzehn." Eine der vier Impfstellen liege„inmitten einer fünfmarkstückgroften blaugelbcn Verfärbung der Haut", und eine Wade zeige„eine Durchtrennung der Haut, in der Länge iMs Zentimeter, in der Breite � Zentimeter". Das Attest spricht schließlich noch von einer Beule am Kopf und von Schmerzen in der Bauchgcgcnd. In der Beweiserhebung wurde vom Fortbilbungsschuldirektor Fraucndienst. der sein Bureau im Gemeindeschulhause an der Grünthaler Straße hat, bekundet, er habe Frau Kr. aufgeregt vom Rektor herunterkommen sehen und habe dann durch ein Fenster den Ruf„ganz großer Schuft" gehört.' Er erzählte dem Gericht auch. wie N. die Prügelcxekution ihm dargestellt habe. N. habe dem Jungen nur„ei» paar Hiebe" gegeben. Daß es fünfzehn gewesen seien, das sei— so behauptete Herr Frauendienst, der nicht dabei gewesen war—„einfach ausgeschlossen". Rektor Neumanns Zeugen« aussage war diesmal ausführlicher als vor dem Amtsgericht. Da- mals hatte er nicht erwähnt, daß Kr. doch noch zur Jmpfkontrolle gekommen war; gestern bekundete er es selber. Er gab sogar an, nach vollzogener Abstrafung habe der Junge es ihm gesagt. Somit wurde durch seine Aussage festgestellt, daß er gestraft hatte, ohne vorher dir Sache hinreichend untersucht zu haben. Herr N. vertrat allerdings die Ansicht, der Junge habe sich eben schon durch die Verspätung strafbar gemacht. Im übrigen sei er ohnedies ein Taugenichts gewesen, habe doch die Mutter selber ihm mal über Verfehlungen berichtet, die er sich außerhalb der Schule habe zu schulden kommen lassen. Auch habe er an jenem Tage nicht dem Befehl Folge geleistet, sich zu bücken und sich prügeln zu lassen, da babe er„also sich widersetzlich gezeigt". Der Junge habe nach dem ersten Schlag sich auf die Dielen geworfen, darauf habe N. ihn„ge- züchtigt, wie crs verdiente", doch habe cr nicht an den Kopf ge« schlagen und nicht mit dem Fuß gestoßen. Am folgenden Tage habe N. der sich beschwerenden Mutter gesagt, nun wundere er sich nicht mehr, daß der Junge so fei. Schließlich habe Frau Kr. weg- gehend ihn in heftiger Erregung einen„ganz großen Schuft" ge- nannt. Der Verteidiger nötigte den Zeugen Rektor Neumann zu dem Bekenntnis, daß nach den geltenden Bestimmungen nicht auf Arme oder Beine geschlagen werden dürfe. N. entschuldigte sich, cr habe das nicht gewollt, aber was sollte er machen, wenn der Junge sich nicht willig prügeln lasse, cr als Rektor könne doch nicht so aus der Klasse wieder hinausgehen, dadurch würde er seine Autorität untergraben. Dieser Meinung war wohl auch die Schuldeputation, als sie in einem Bescheid, den Herr N. dem Gericht vorwies, die Leistung seines Nohrstockcs für gerechtfertigt mit Rücksicht auf das Verhalten des Knaben erklärte. Wie diese Erziehungsmethode von Unbefangenen beurteilt wird, das ersah man aus der Aussage einer Zeugin Frau Schmidt. Ihr sei der Zeuge sofort nach der Heim- kehr aus der Schule gezeigt worden, er habe an der Wade eine blutende Wunde gehabt und sich überhaupt in einem Zustand bc- funden, daß ihr bei dem Anblick„ganz schlecht geworden" sei. Der Verteidiger beantragte, die Angeklagte freizusprechen oder, falls die Beleidigung als erwiesen angeschen werde, die Freihcits- strafe in die geringst zulässige Geldstrafe umzuwandeln. Da der Junge die Kontrolle nicht versäumt hatte, so sei die Züchtigung unberechtigt gewesen. Die Weigerung, eine unverdiente Strafe hinzunehmen, könne doch nicht als Widersetzlichkeit aufgefaßt werden. Rektor N. habe jetzt selber zugeben müssen, daß cr das Maß des Erlaubten überschritten habe. Aus dem Attest sei zu schließen, daß cr blindwütig darauf losgeschlagen habe. Mit Recht habe die Mutter sich hierüber aufgeregt, wie wenn ihr selber diese Behandlung widerfahren sei. Das harte Urteil des Amtsgerichtes, fünf Tage Gefängnis für eine noch unbescholtene Frau, könne nicht aufrechterhalten werden. Der Staatsanwalt war anderer Mei- nung. Rektor N. sei berechtigt gewesen, den Jungen gehörig zu züchtigen, er habe angesichts der ganzen Klasse geradezu„in der Notwehr gehandelt", um sein Ansehen nicht untergraben zu lassen. Frau Kramers Erregung sei unbegründet gewesen» sie habe die Strafe verdient. Der Verteidiger betonte noch einmal, für die Frage der Ueberschreitung des ZüchtigungsrcchteS seien die gel- tcndcn Bestimmungen maßgebend, nicht die Ansicht des prügelnden Pädagogen. Das Urteil umging diese Frage. Es erkannte jedoch cm, daß die Angeklagte eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes an- nehmen und daher erregt sein konnte. Mit Rücksicht hierauf wurde die Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe von 30 M. umgewandelt. Eine Anklage wegen Kindesraubes führte gestern die Schauspielerin Frau Else Kopsch vor den Straf» richtcr. Wegen Beihilfe war die Rentiere Olga giötscher, die Mutter der Frau K., vor der zweiten Strafiammer des Land- gcrichts III mitangcklagt.— Der Anklage lag ein heftiger Kampf um ein Kind zugrunde, welchen zwei getrennt lebende Ehegatten mit seltener Hartnäckigkeit geführt haben. Der Schauspieler Erich Kopsch ging vor etwa drei Jahren mit seiner jetzt unter Anklage stehenden Ehefrau die Ehe ein, die anfänglich auch glücklich war. Schon im Jahre 1907 kam es zu Differenzen, die zu einer Ehe- scheidungsklage führten. Die Angeklagte behauptet, von ihrem Manne wiederholt in der schlimmsten Weise mißhandelt worden zu sein, auch habe er sie des Ehebruchs mit einem Zahnarzt beschuldigt und behauptet, das der Ehe entsprossene Töchterchcn wäre nicht sein Kind. Der Ehemann wiederum behauptete, daß seine Frau hinter seinem Rücken Schulden gemacht habe, die ihn völlig ruiniert hätten. Es kam zu einer Trennung und der Ehemann erwirkte durch eine einstweilige Verfügung, daß ihm das Er» giehungsrecht des Kindes zugesprochen wurde. Alle Ermittelungen nach dem?lufenthaltsort des Kindes blieben jedoch fruchtlos. Er erzielte sodann ein vollstreckbares Urteil aus Herausgabe dcS Kindes und nahm in Begleitung eines Gerichtsvollziehers förm- liche Haussuchungen vor. Als alles nichts fruchtete, erstattete er gegen seine Ehefrau Anzeige wegen Kindesraubes. Seine Schwiegermutter sollte sich hierbei der Beihilfe schuldig gemacht haben, da sie jede Auskunft über den Verbleib des Kindes ver- weigerte. Das Kind wurde schließlich in Nürnberg entdeckt, wo es von der Angeklagten in Pflege gegeben worden war. Der Staatsanwalt hielt die Ehefrau K. des Kindesraubes für über- führt und beantragte drei Tage Gefängnis, gegen die Frau R. die Freisprechung. Justizrat Dr. Stern beantragte die Frei- sprechung, da die Ehefrau erst nach ihrer Uebersicdelung nach Nürn- berg Kenntnis davon erhalten habe, daß sie zur Herausgabe des Krudes verurteilt sei. Das Gericht schloß sich auch dem on und erkannte gegen beide Angeklagte auf Freisprechung. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck».Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer Li Co., Berlin SW, Nr. 52. 26. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Kreis- Generalversammlung des Kreises PotsdamSpandau Ofthavelland. = HungerMittwody, 3. März 1909. zu zeichnen, ging ein gut Teil Urteilskraft verloren. Sie fahen nicht an den Kreuzungen, weil die Weichen infolge der Verstopfung durch auch die Talmiseite der glänzenden Medaille mit dem Bilde Frau Schnee und Eis nicht funktionierten. Ununterbrochen wurden große Berolinas oder wollten sie nicht sehen. Mengen Salz gestreut; gentneriveife wurde dieses zum Schmelzen Für die Tiere ist der Wie oft habe ich das mächtige Reich der Dame mit dem bären- des Schnees auf das Geleise geworfen. Schneefall geradezu eine Plage geworden. Nur mit Aufbietung oft In Staaten wurde am Sonntag die Kreis- Generalversamme geschmückten Wappen nächtlicherweile durchstreift. Nicht mit Effekt- der letzten Sträfte fonnten die abgetriebenen Pferde die Stampen an Große Steigungen, wie die in der lung abgehalten. Es waren nach der vom Kreisvorsitzenden, Ge- hascherei, nicht auf der lüsternen Jagd nach nächtlichen Senfationen, den Brücken überwinden. noffen Paris- Belten verlesenen Präsenzliste anwesend: der Kreis- aber doch mit dem durch die Verhältnisse gegebenen Mute und der Veteranen-, Lichterfelder-, Brunnen-, Frieden-, Bellealliance-, KazbachAusdauer vorstand, 22 Delegierte aus 16 Ortschaften, die 3 Kreisrevisoren, zähen Feinschmeckers. des journalistischen Und und anderen Straßen, waren gestern selbst mit doppeltem Gespann der unter vom Provinzialsekretariat Genosse Schmidt- Berlin, von der Agi- für den, eisernem Zwange nicht ans Ver- kaum zu nehmen. Die Kutscher verzichteten einfach darauf. tationskommission Genosse Herbst- Berlin, und vom 6. Wahlkreis gnügen und nicht die Nachtruhe ant denken darf, den Die zur Hilfeleistung benötigten Arbeitskräfte holt sich die Genoffe Müller- Berlin. Es hatten sich außerdem noch eine An- müden Körper von Straße zu Straße, von Stadtviertel zu Stadt- Straßenreinigung aus den Aſylen und Wärmehallen; außerdem hörer eingefunden. Genosse Thomas gedachte auch des abwesenden für den hat die nächtige Weltstadt noch ganz andere Kost zahl Parteigenossen von Staaten, Spandau und Cladow als 3u- viertel schleppen muß, im Kampfe ums Dasein feinen Lichtblick fieht, werden aber auch Arbeitskräfte direkt in den einzelnen Depots an genommen. Diese Depots befinden sich an folgenden Stellen: Genossen Liebknecht und hofft, daß es der Werbearbeit der Genossen Alexanderplatz 3/4, Ratswagegebäude; Rungestr. 32/34; Planufer gegengelingen werde, denselben im Wahlkreis bei der nächsten Reichs- fost. Aber macht denn Hunger nach dem alten Worte nicht die über Nr. 32; Zimmerstr. 15; Wartenburgstr. 12, im Gemeindeschulhaus; Stadtbahnbogen 184; Kesselstraße 36/37; tagswahl zum Siege zu führen. Genosse Paris- Velten übermittelt Augen hell? Wahrhaftig, ich schäme mich nicht des Eingeständnisses. Stadtbahnbogen 183; Seibelstraße 31/32, Gee Grüße des Genossen Liebknecht und erstattet dann zum ersten Ich hab's erfahren mehr als einmal auf solcher qualvollen Wanderung Linienstraße 150: Oderbergerstraße 16; meindeschulhaus, ferner Anbau; Andreasstraße 56, 8. Markthalle; Punkt der Tagesordnung den Bericht des Vorstandes. Aus dem durch die Großstadtnacht.... felben ist folgendes zu entnehmen: Es wurden in der Berichtszeit Eifig wehte mir der Nachtwvind um die Ohren. Eine Nacht war's, Mariannenplag 13; Wiesenstraße 66, Gemeindeschulhaus; Wilms50 000 Flugblätter einschließlich 13 000 Kalender(„ Märkischer in die man nach landläufigem Worte feinen Hund hinausjagt. Und straße 20, Feuerwachgebäude; Berlichingenstr. 21/23, Gemeindeschul Wolfsbote") verteilt. In Potsdam und Spandau bestehen BildungsMemeler Straße 30; Gröbenufer 7, Gemeindeschulhaus; Ringbahnausschüsse. Jugendorganisationen sind vorhanden in Potsdam und jetzt hatten es die weltstädtischen Paradeköter und Kettenhunde beffer haus; Dennetvizstraße 24a; Limburger Straße, Fahrzeugdepot 3; 9 und 10; Stadtbahnbogen 407; Terrainstreifen Spandau. In Belten hat man sich auch damit befaßt. Es empfehle als so mancher Obdachlose. In dichten, schweren Flocken fiel der Schnee, bogen 8, 9 und 10; dem Wasserhebewerk Belforter Straße, Ccke Dieden sich auch, in anderen Orten der Frage näher zu treten. Gemeinde Menschen und Tiere mit seiner weißen Decke einhüllend. Gespenstisch auf und Stadtverordnetenwahlen haben in der Berichtszeit nicht statt leuchteten die elektrischen Bogenlichtlampen durch das Schneegestöber hofener Straße; Christianiastraße, Gemeindeschulhaus; Diestelgefunden. Diese Frage müßte aber stetig im Auge behalten werden. in den Vorstädten konnte man nur wenige Schritt weit vor den meherstraße, 4. Realschule; Elbinger Straße 29; Ehrenbergstraße, An der Gemeindevertretertonferenz in Berlin haben aus dem Kreise Augen sehen. Was sich gewerbsmäßig oder vergnügungsfüchtig auf Gemeindeschulhaus; Willdenowstraße 20; Stadtbahnbogen 396; 12 Delegierte teilgenommen. Bei der Lokalfrage hat sich wenig der Nachtstraße umhertreibt, tar längst in die Wohnungen und Stadtbahnbogen 479; Königgräger Straße 63; Reichenberger geändert. Lokale stehen zur Verfügung: in Potsdamt 2, Spandau 5, Nachtlokale geflüchtet. Berlin bei Nacht hatte sich unter dem Szepter Straße 66, Feuerwachgebäude. Welten 6, Marwis 3, Hennigsdorf 4, Kremmen 1, Behlefanz 1, Böbow 1, Nauen 1, Reßin 1, Geltow 1, Bornstädt 1, Staaten 1, von Allmutter Natur mit einem Schlage verändert. Fast wie ausDie Beratungen des städtischen Etatsausschusses bieten nicht Sommerfeld 1, Beez 1; zusammen 30. Neu hinzugekommen ist in gestorben schienen unter dem Einfluß der grimmigen Kälte die viel Ausbeute für die weitere Deffentlichkeit. Beim ArbeitshausCladow 1. Berloren ist das letzte Lokal in Seegefeld. Der Wirt sonst belebtesten Nachtgegenden. Verzweifelt, den Kopf voll von ebat wurde von sozialdemokratischer Seite wieder auf das UngeSchöneberg hat unter nichtigen Gründen sein Lotal entzogen, troß- Selbstmordgebanken, stapfe ich energielos durch den fich hier hörige der Beschäftigung von Häuslingen im Rathause hingewiesen, dem seinerzeit die Parteigenossen von Falkenhagen- Seegefeld un- und da schon zu fleinen Bergen türmenden Schnee. Ein Glück, daß wo die Leute der Schaulust des größeren' Bublifums preisgegeben entgeltlich beim Bau des Lokales geholfen. In Spandau ist das die Stiefel ohne„ Wasserleitung" waren. Aber bald drang die Nässe seien. Dieser Hinweis fand aber keinerlei Verständnis; es wurde in Parteisachen wurden gezahlt 244,35 M. Außerdem hat der unaufhaltsam doch durch. Jetzt noch nach dem eine halbe Meile gemeint, die zu dieser Arbeit Herangezogenen empfänden diese Geitsche Saalboykott in Spandau bis jetzt 1165,50 m. gekostet, da- entfernten Obdachlosen- Asyl, diesem scheußlichen Orte, den der Beschäftigung als ein besonderes Bergnügen. Eine längere Debatte von zahlten die Gewerkschaften 700 M., die Partei 465,50 M. Es schuldlos Unglückliche nur in der äußersten Not aufsucht? Nein, es entspann sich über die Abschlüsse der Mehllieferungen; wobei wieder der Gedanke eines Proviantamtes der Stadt Berlin zum Ausdruck savebt in dieser Sache noch eine Entschädigungsflage über 2000 war ja längst zu spät dazu. Und gestern fanden hunderte keinen gebracht wurde. Irgend ein positives Ergebnis hatte die Diskussion Bald Mitternacht zeigte die nicht. Mart. Die Presse hat infolge der Krise einen kleinen Rückschritt Einlaß... Alles überfüllt! erkennbare zu verzeichnen. Die Abonnentenzahl betrug 1907/08: beim Vor- im Echneeschleier faum mächtige Mathausuhr. Dem Gewerbe- und Kaufmannsgericht sollen in Bälde die wärts" 1328, bei der„ Brandenburger Zeitung" 2105, 1908/09: weiter, immer weiter durch Schnee und Gis, daß die erstarrten alten Räume des Märkischen Museums zur Verfügung gestellt beim„ Vorwärts" 1164, bei der„ Brandenburger Zeitung" 2080. Ueber die Tätigkeit der Wahlvereine ist zu berichten, daß 43 Glieder nicht vollends einfrieren und den Dienst verfagen. Und werden. Zur Sprache gebracht wurde auch, daß der Magistrat im Vereinsversammlungen, 58 Wahlversammlungen und 24 öffentliche dabei schlägts erst 8wölf vom nächsten Kirchturm. Wie wird diese Vorjahre es abgelehnt hatte, im Gegensatz zu vielen Vororten, den Gewerbe- und Kaufmannsgerichtstag in Jena zu beschicken. Vom Versammlungen abgehalten wurden. Die Zahl der politisch orga- für den Armen, den Heimatlosen fürchterliche Nacht enden? Biellos und planlos wandere ich nein, fliege ich durch die Magistratsvertreter wurde bemerkt, daß es jetzt mit Kongressen nisierten Genossen beträgt 2066. Erfreulich ist, daß bereits 114 etwas reichlich bemessen sei, andererseits sei Berlin durch den VorGenossinnen organisiert sind. Die Agitation unter den Land- Straßen. Nur nicht viel denken, nur nicht sich quälen mit sitzenden vertreten gewesen. arbeitern werde man dadurch verbessern, daß man beabsichtigt, Selbstfoltern... Weiter, immer weiter. Jetzt bin ich am Beim Etat der Straßenreinigung beantragten die sozialdemo einen Landarbeiterverband zu gründen. Die Fadel" wurde in anderen Ende der Stadt. Mindestens zwei Stunden müssen fratischen Vertreter, den Mindestlohn von 3,75 auf 4 M. festzuüber 700 Gremplaren verteilt. Der Kassenbericht, den der Genosse doch wohl verflossen sein. Erst Eins hallt's gleich darauf setzen. Dieser Antrag fand aber weder beim Magistrat noch bei der Frahm- Bellen erstattet, weist eine Einnahme( einschließlich eines mir wie zum Menetekel, dumpf aus der Höhe hernieder. Mehrheit des Ausschusses Gegenliebe, er verfiel dem Schicksal der Bestandes von 927,85 M.) von 2615,51 M. und eine Ausgabe von Noch halten die Kräfte aus. Oh, das eiserne Muß bringt noch viel Ablehnung. Der Hinweis, daß städtische Arbeiter, die arbeits 2641,45 M. auf. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung: Agitation und mehr fertig. Aber allmählich, so im rasenden Schneegestöber, mit unfähig sind, aber infolge ihrer Dienstzeit sich den Anspruch auf Organisation" referiert Genosse Schubert- Spandau. Er nagendem Hunger und bleiernem Schlafgefühl, verwirrt sich der Ruhegeld verdient haben, oft viele Monate warten müssen, che fie das Ruhegeld erhalten und immer erst um Vorschüsse bitten müssen, schildert die eigenartigen Verhältnisse des Kreises, namentlich in Geist, wird der Körper zur Maschine. Wie die nächsten drei soll beachtet werden. Vom Magistrat wurde zugesagt, die AnSpandau durch die Staatsarbeiter. Es müsse versucht werden, ein Stunden nein, die nächsten drei Jahre in dieser einen gelegenheit im Auge zu behalten, vielleicht ließe sich eine Einheitbesseres Verhältnis zwischen der Zahl der abgegebenen Wahl- Nacht vergingen ihr fragt mich umsonst danach. Und lichkeit in dieser Sache bei den verschiedenen Verwaltungen herbei. stimmen und der Zahl der organisierten Genossen herzustellen. es plötzlich wieder hell in mir, sah ich führen. Ebenso müssen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die in dann wurde sehr großer Zahl nicht politisch organisiert sind, herangezogen wieder Menschen, fühlte wieder wie ein Mensch die schneidende werden. Er kennzeichnet das Spizelwesen unter den Staats- Kälte. Abermals suchte ich Zuflucht unter einem Hausflur. Geht In Fachkreisen erregt es großes Aufsehen, daß für die Bedürf arbeitern in Spandau, das der konservative Neue Wahlverein denn der leibhaftige Satan um, daß immer von neuem, wenn der nisse der Provinz Brandenburg eine Reihe Grundstücke angekauft organisiert, und den Terrorismus der Polizei und sonstiger Be- ich kaum für ein paar Minuten Schutz gefunden, worden sind zu einem ganz ungewöhnlichen hohen Preise. hörden. Zum Schluß empfiehlt er, mehr Fühlung mit den Ge Bligableiter" argwöhnisch hinter mir her ist? Und ich handelt sich um die Ankäufe der Grundstücke Matthäitirchstraße 17, verfschaften zu suchen, die Staatsarbeiter, Beamten und Landarbeiter aufzuklären. In der Diskussion wurde unter anderem stehe apathisch nicht mal mehr Rede und Antwort, wandere Königin Augustastraße 21, 18, 17, Wiktoriastraße 19. Der Preis für von Spandauer Genossen die Erklärung abgegeben, daß die un- weiter, immer weiter.... Warum muß ich, gerade ich, der die ersten beiden Grundstücke Ede Matthäitirchstraße stellt sich auf zum Unglüd geboren, es schlechter haben als tausend und 20 753 M., derjenige der drei Grundstücke Ede Viltoriastraße erquidlichen Streitverhältnisse begraben werden sollen. auf 22 480 M. für die Quadratrute, wobei noch Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft Anträge. abertausend Nachtfalter Spree- Babels? Da... an der Ede... fogar berücksichtigen ist, daß die 73 refp. 109 Quadrat Unter ihnen sei hervorgehoben der Antrag Pieser, der die Dele- ein hellerleuchtetes Nachtcafé. Wenn ich hineingehe, nach Herzenslust zu gation zum Barteitag durch Urwahl vorgenommen wissen will. Der bestelle und dann kommen lasse, was da kommen will? Wahrhaftig, Antrag wurde abgelehnt. In einem Antrag fordert Spandau die der Plan nimmt festere Gestaltung an. Der Hunger macht zu allem gleichzeitige Teilnahme mit Groß- Berlin an allen Aftionen. Der fähig. Doch der Verstand gewinnt die Oberhand. Weiter... immer felbe wurde angenommen. Annahme fand auch ein Antrag, nach weiter... bis der Tag graut und das furchtbare Gespenst der Not welchem dem Vorstande aufgegeben wird, den„ Vorwärts" zu verpflichten, zu der Kreisversammlung einen Berichterstatter zu wenigstens für Stunden sich verkriecht. Ein Nickel nur, und ich finde entfenden. Unter" Verschiedenes" regt Genosse Staab- Potsdam mit den schlotternden Knochen rettenden Unterschlupf in einer Frühan, in den Wahlbereinen zu dem Entwurf des Organisationsstatuts destille, in einem Kaffeefeller. Vergebens durchwühle ich zum zehnten Stellung zu nehmen und eventuell Anträge bis zur nächsten Male alle Taschen. Siedendheiß steigt entsegliche, wahnsinnige Wut Generalversammlung einzubringen. Zum Schluß wird noch die in mir auf. Jit es der Hunger oder bloß das Gefühl des Verborgeschritten, um noch Stellung dazu zu nehmen. Genosse Baris lassenseins? Dem Milchmann da drüben möchte ich die gefüllten zu rechtfertigen. Landrat v. Oppen( Freienwalde) führte aus, daß Maifeierfrage angeregt und allgemein bedauert, daß die Zeit so Blechkannen entreißen, bort dem Bäckerjungen seine warme, duftende Ware. Oder soll ich die Treppe hinaufschleichen, die Frühstücksbeutel die Provinzalverwaltung hier an ihrer bisherigen Stelle bleiben, abhängen? Soll ich, um meinen furchtbaren Hunger zu stillen, erst und zweitens, ob sie einen Morgen Land für 4 Millionen Mark anfaufen wolle. Die Kommiffion sei zu der Ueberzeugung gekommen, zum Diebe werden? .. Und noch einmal, das letzte Mal, stegt über das Aufwallen daß es nicht im allgemeinen Intereffe liege, von hier weg nach der der Wut die Vernunft. Es ist die Erkenntnis, daß in der Weltstadt Provinz, nach irgend einem Vorort zu ziehen. Nun seien Verkaufsmit all ihrem grauenbollen Glend viele Tausende gleich mir leiben, offerten mit 48stündiger Frist auf Annehmen und Ablehnen einsich selbst und den Glauben an die Menschheit nicht verlieren..bag ein tatsächlicher Anlauf ohne Borbehalt bereits stattgefunden gegangen. Und nun machte er die allgemein überraschende Mitteilung, habe. Unter den bestehenden Verhältnissen habe man handeln Steglit. Heute, Mittwoch, den 3. März, abends 8½ 1hr, bei und immer noch hoffen. Schellhase, Ahornstr. 15 a: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. müssen. Wagemut habe ja auch immer das größte geleistet. Als Der gestrige Schneefall besonders fach und ortskundig sei Abgeordneter Polizeipräsident Tagesordnung: 1. Darwinismus und Sozialismus. Referent: Genosse Wurm. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bildungs- erinnerte an den vor zwei Jahren, wo der gesamte Straßenbahn v. Stubenrauch zugezogen worden. Er habe den Preis als hoch, ausschusses. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung und Dmnibusverkehr zeitwveilig ganz eingestellt werden mußte. Durch sehr hoch, aber als angemessen bezeichnet. Der Abgeordnete Groß- Berlin. 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die die enormen Schneemassen, die gestern unaufhörlich umherwirbelten, Stadtverordnetenvorsteher von Charlottenburg Kaufmann richtete Der Vorstand. Versammlung wird pünktlich eröffnet. wurde der Verkehr besonders in den Außenbezirken erheblich bes feinen schwersten Vorwurf dagegen, daß Provinzialverwaltung und einträchtigt. Um die Straßen für den Fuhrberkehr frei zu halten, Provinzialausschuß auf die unerhört furze Frist von 48 Stunden hatte die städtische Straßenreinigung gestern früh 2500 Hilfskräfte fich zum Anlauf entschieden hätten. So dringlich könne eine Sache eingestellt und eine große Anzahl Privatfuhrwerke für die Schnee- unmöglich sein, daß man nicht die berufenen Organe hätte hören abfuhr beschafft. Leider erfährt die Straßenreinigung ganz erfönnen. Der durch den vollzogenen Anlauf geschaffene traurige Bu hebliche Schwierigkeiten durch den fortwährenden Schneefall und stand könne nicht hindern, die Angelegenheit fachlich zu prüfen und Sturm sowie durch die mangelhafte Reinigung der Bürgersteige. die Genehmigung zu versagen, wenn der Preis zu hoch sei. Dieser Anstatt den Schnee von den Bürgersteigen sofort ordnungsgemäß sei aber nicht angemessen, sondern ganz abnorm. Ein Sachfortzuschaffen, lassen die meisten Hausbesizer den Schnee längere verständiger habe ihm erklärt und durch Vergleichung mit anderen Zeit liegen. Auch die Reinigung der Rinnen an den Bürgersteigen, Grundstücken in der Gegend der Potsdamer Brücke belegt, daß die die dem Hausbesizer obliegt, wird in den allerwenigsten Fällen vor- bewilligten Preise 20 753 und 22 480 M. für die Quadratrute, abgenommen. Dadurch erwächst der städtischen Straßenreinigung, die solut nicht zu verstehen seien. Wenn die Genehmigung nicht erteilt fortwährend auf das Freihalten der Ninnen bedacht sein muß, eine werde, so wünsche er den Herren, die den Kauf abgeschlossen haben und dafür verantwortlich sind, mit einer G. m. b.. ein gutes Geungeheure Arbeitslast. fchäft. Auch ohne jährlich 80 000. zu verschenken, hätte die Provinz später noch zu einem angemessenen Preise kaufen können. bezügliche Resolution zugehen werde. Es wird noch die Petition der Tabatarbeiter gegen die Besteuerung in Grinnerung gebracht. Um 7% Uhr schließt Genosse Paris die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Partei- Angelegenheiten. Tempelhof. Heute Mittwoch, den 8. März, abends 81% Uhr, findet im Wilhelmsgarten", Berliner Straße 9, eine Voltsversamm Tung statt. Tagesordnung: 1. Die herrschende Arbeitslosigkeit und was gedenken Staat und Gemeinde dagegen zu tun? Referent: Die ArbeitsStadtverordneter Groger- Rigdorf. 2. Diskussion. losen sind besonders zu dieser Versammlung eingeladen. Berliner Nachrichten. ruten Neberzahlte Grundstücke. Es nicht netto Bauland sind, sondern daß das Vors gartenland in Abzug gebracht werden muß. Für die fünf Grundstücke ist insgesamt ein Kaufpreis von 3 965 000 M. bei einem Mietsertrag von 98 654 m. bezahlt worden, also mehr als der 40 fache Mietsertrag. Bei einer nur 4prozentigen Verzinsung des Kaufpreises werden jährlich rund 75 000 M. zugelegt werden müssen. In der Sitzung des Provinziallandtages für die Provinz Brandenburg am Montag kam diese ungeheure Ueberzahlung zur Der Landesdirektor Freiherr v. Manteuffel sowie der Sprache. Landrat b. Oppen ersuchten um nachträgliche Zustimmung. Der Ausschuß des Provinziallandtages suchte feinen Vorschlag In der weiteren Debatte bezeichneten Kreisdeputierter v. Freier, Bürgermeister Wilfe- Steinickendorf, Bürgermeister Matting- Charlottenburg und Bürgermeister Werner- Rottbus die Preise als exorbitant; verschiedene Redner tabelten auch, daß der Ausschuß abgeschlossen habe ohne Genehmigung des Provinziallandtages. Schließlich genehmigte der Landtag die Häuseranläufe mit 25 gegen 12 Stimmen. Ein schönes Gegenstüd zu der Mahnung des Reichskanzlers zur Sparsamkeit. Großstadt- Gespenster. Woher in aller Welt ich die seltsame Vorliebe für den Bauber Um der Schneemaffen Herr zu werden und den Verkehr zu erber nächtlichen Großstadt habe! Liegt's am verschlossenen Tempera ment des Menschen, dem der Hang zur Einsamkeit durch das Gegen- möglichen, arbeitet jetzt die städtische Straßenreinigung nach einem teil vom Glück zur zweiten Gewohnheit wurde, der sich tröstet und einheitlichen Plane mit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft gemeinsam an der Säuberung der Hauptverkehrsstraßen. Auch die aufrichtet an fremdem Leide, wovon das Dunkel der Großstadt- Omnibus- und andere Gesellschaften sind bemüht, den Schnee aus nacht so unendlich viel auf die Straße wirft? Dder ist's bloß dem Wege zu schaffen. Da wo es möglich ist, wird der Schnee in die Spezialität des modernen Zeitungsmenschen, der in die die Einsteigeschächte der städtischen Kanalisation geworfen tiefften, dunkelsten Höhlen des Elends und des Lafters hinab- und nach den Rieselfeldern befördert; ferner werden stellenweise die taucht, dem die schaurigsten Schattenseiten des Weltstadtlebens, Schneemassen in die offenen Flußläufe geworfen. Hierbei muß um die lautere Wahrheit zu schildern, so vertraut sein sollen wie die aber große Vorsicht geübt werden, damit nicht Schmutz usw. die glänzende, buntfchillernde Lichtfülle der deutschen Metropole? Noch Flußläufe verunreinigt und die Schneemaffen die Schächte verstopfen immer berühren sich die Gegensätze. Wer nur die Lichtseiten welt- und andere Unzuträglichkeiten entstehen. Trotz aller Mühen war Det Schrecken der Theaterbesucher, der seinen Schwindel an faft es aber selbst den vereinten und unausgesezten Anstrengungen städtischen Treibens sieht und liebt, der darf auch nur mit halbem gestern nicht möglich, den Verkehr immer aufrecht zu er allen, auch den föniglichen Theatern und den beiden Zirkussen betrieb, Hirn urteilen, mag ihm das so leicht durchgehende Herz noch so sehr halten. Bald war es ein Fuhriverk, das auf den Schienen fonnte endlich gestern abend unschädlich gemacht werden. Er ver überquellen. So vielen schon, die sich berufen fühlten, nur lichtvolle liegen geblieben war und von den ermatteten Pferden nicht vor- faufte Gutscheine auf Einlaßkarten, die den Namen eines Journalisten Bilder der machtgebietenden Weltstadt an der Spree mit der Feder wärts gebracht werden konnte, bald war es eine Verkehrsstörung Dr. Klingenberg trugen und brachte oft Angehörige der besten Ges Wagen gehoben. Der Maschinist batte einen Holzkasten durch den Kran auf die Zille niedergelassen und sollte die Hebel einschalten, um einen gefüllten Steinkasten nach dem Wagen zu transportieren. Da dies Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht kam in der Dall nicht geschah und Bleyle auch die Zurufe seitens der Arbeiter undorfer Straße 14 Feuer aus. Die Dachkonstruktion, Schaldecken und beachtet ließ, so begaben sich mehrere derselben nach der Kranplatte, anderes standen bei Ankunft des 16. Zuges in Flammen, die aber bald gelöscht werden konnten. Durch Umfallen einer Petroleum- wo sie den Maschinisten neben dem Umschaltehebel leblos auflampe entstand nachts in der Wilhelmshavener Str. 26 ein Brand, fanden. B. wurde nach der Unfallstation in der Berliner Straße Wilhelm- Str. 18a brannten Möbel in einer Badestube und Buckower eingetretenen Tod des Mannes feststellen konnte. der auf seinen Herd beschränkt werden konnte. In der Kaiser- gebracht, wo der Arzt nur noch den infolge elektrischen Stromes Es wird an Straße 4 ein Schornstein. Um einem Stranfen Hilfe zu leisten, genommen, daß Bleyle bei einer unvorsichtigen Bewegung mit wurden Samariter nach der Kopernikusstr. 18 entsandt. Leider ver- der Hand die Starkstromleitung berührt hat und dabei den augengeblich; als sie erschienen, war der Kranke schon tot und ein Arzt blicklichen Tod fand. zur Stelle. Wegen einer Ueberschwemmung durch Blazen eines Wasserrohrs erfolgte ein Alarm nach der Niederwallstr. 25. Ferner hatte die Feuerwehr in der Wrangelstraße und an anderen Stellen au tun. Steglit. fchaft in die peinliche Lage, ihre Persönlichkeit in den Theater- des Vereins von Freundent Ser Treptow- Sterne[ ber elektrischen Ziegeltransvortgesellschaft angestellt war. Ein Stein Bureaus feststellen lassen zu müssen, wenn sie die in gutem Glauben warte" am Mittwoch, den 3. März 1909, abends 8½ 1hr, im fahn, der im Eise festgelegen und vor drei Tagen die Ladestelle am gekauften falschen Gutscheine an den Kassen vorlegten. Gestern Hörsaal der Treptow- Sternwarte( Restaurant Snape, vormals Quisenufer erreicht hatte, wurde dort entladen. Die Steine wurden wollte der freche Betrüger am fgl. Opernhaus einer Dame einen Benner, Treptower Chaussee 21/22). Mit dem großen Fernrohr mittels des städtischen elektrischen Kranes, den B. bediente, auf den folchen Gutschein anschmieren. Diese wußte aber, daß gestern kein wird vor und nach dem Vortrage der Mond gezeigt. Damen Berkauf im tgl. Opernhaus stattfand und war entschlossen genug, und Herren haben zu dem Vortrage, der mit vielen Lichtbildern den aufdringlichen Schwindler der Polizei zu bezeichnen. Es handelt ausgestattet ist, als Gäste Zutritt. fich um den 28 Jahre alten, wegen Betruges und Urkundenfälschung mehrfach auch mit Zuchthaus- bestaften Schneider Karl Jahnte. Er war noch im Befig vieler Karten und Briefe, die noch nicht für die Theater ausgefüllt waren, vielmehr nur den mit einem zusammengesetzten Stempel aufgedrückten Namen„ Dr. Klingenberg" trugen. Diese Sachen will er in einem Café von dem großen Unbekannten erhalten haben. Jahnke wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Hungerrünstlerin Miß Claire de Serval feßt die nur bis jetzt mit Erfolg und bei guter Laune fort. Sie befindet sich in Barade V und steht unter der Behandlung des Prof. Stöchelin. Aus der Selbstmordchronik. Der Ehefrau in den Tod gefolgt ist gestern abend um 8% Uhr der 34 Jahre alte Maler Hermann Rosinski aus der Nostizstraße 33. Vor 5 Jahren heiratete er seine um 6 Jahre jüngere Frau, die ihm zwei Kinder, einen jetzt 4jährigen Knaben und ein 1½ Jahr altes Mädchen, schenkte. Die Ehefrau wurde vor 4 Monaten von einem Blutsturz befallen und starb vor drei Tagen in einer Lungenheilanstalt. Die beiden Kinder befinden sich in Pflege. Nosinski verdiente wenig und war in Schulden geraten. Er verzweifelte am Leben und jagte sich im Bett liegend eine Revolverfugel in die rechte Schläfe. Auf einem darüber Beschwerde, daß der Magistrat noch nicht zu der in voriger Vor Eintritt in die Tagesordnung führt Stadtv. Küter( Soz.) Bettel nahm er Abschied von Verwandten. In einem D- 3Zug Hermann Gädtte aus der Ravenestraße. G. hatte sich längere Zeit außerhalb aufgehalten und war gestern mit dem furz vor 8 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof eintreffenden D- Zug wieder zurüdgefehrt. Kurz vor der Einfahrt in die Bahnhofshalle zog er plözlich einen sechsläufigen Revolver hervor und jagte sich zum Entfehen der übrigen Fahrgäste in einem Abteil zweiter Klasse eine Stugel in die rechte Schläfe. Tödlich getroffen brach der Lebens. müde zusammen. Er wurde nach der Ankunft des Zuges auf dem Bahnhof sofort nach der nahen Rettungswache in der Köthener Straße gebracht, starb, aber bereits auf dem Wege dorthin. Bei der Leiche wurde ein Bettel vorgefunden, in dem G. mit kurzen Worten von seiner Braut Abschied nimmt. Andauernde Krankheit Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Stadtverordnetenversammlung. Die Gewerkschaftskommission nahm in einer außerordentlichen Sigung einen Vortrag des Genossen och über„ Licht- und Schattenfeiten der Tarifverträge" entgegen. Der Referent legte in seinem Vortrag die Entstehung und das Wesen der Tarifverträge dar und bemerkte zum Schluß, daß, wenn die Arbeiter für genügende Aufklärung und starte gewerkschaftliche und politische Organisationen sorgen, diefelben dann auch ihre Mängel verlieren Eine Bewürden. Dem Referat folgte eine furze Diskussion. vereinsvorständen von Stegliz, Friedenau, Lichterfelde und Lichtersprechung zur Maifeier wurde bis zur Rücksprache mit den Wahlerschossen hat sich gestern morgen der 35 Jahre alte Oberkellner/ Sibung von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten felder Kartell zwecks Zusammenarbeitens vertagt. Hatten G. zu der Verzweiflungstat veranlaßt. Die Leiche wurde in das Schauhaus eingeliefert. Großfeuer auf dem Görlitzer Güterbahnhof. Interpellation betr. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit Stellung genommen hat. Es wäre Pflicht des Magistrats gewesen, der heutigen Versammlung Aufklärung zu geben. Bei jeder Gelegenheit habe man wohl viele Worte für die Arbeitslosen, aber an Taten lasse man alles bermissen. Stadtv. Hepner( Unabh. Vereinig.) hält es nicht für ratsam, jetzt auf die Angelegenheit einzugehen. Stadtv. Ob ft( Soz.) ist gegenteiliger Ansicht, er hält es für notwendig, näher auf die Angelegenheit einzugehen. Der Magistrat schwieg sich jedoch aus und auch die anderen Fraktionen hielten es nicht für nötig, zu der Angelegenheit das Wort zu nehmen. hebung direkter Gemeindesteuern in Schöneberg wird nach kurzer Eine Vorlage des Magistrats betr. die Ordnung für die ErDebatte mit einem vom Stadtv. Moltenbuhr( Soz.) gestellten Abänderungsantrag angenommen. Darauf ging die Versammlung zur Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats über. Die Tat eines irrfinnigen Studenten rief vorgestern nachmittag in der Schloßstraße großes Aufsehen hervor. Ein in der Schloßstraße 130 bei seinen Eltern wohnhafter Student der Medizin stürzte sich in einem Anfall von plötzlich ausbrechendem Frrsinn aus dem Fenster der im zweiten Stockwerk belegenen elterlichen Wohnung auf die Straße hinab. Passanten trugen den jungen Menschen nach der Wohnung hinauf und riefen einen Arzt herbei. Dieser veranlaßte die Ueberführung des schwerverlegten Lebensmüden nach der Charité. Eichwalde. Zu der von uns gebrachten Notiz über die Amtsenthebung des vorsteher Herr Lehmann folgendes mit: Der Gemeindevorsteher B. Gemeindevorstehers Beschorner teilt uns der stellvertretende Gemeindeist nicht feines Amtes entfest, sondern er hat, infolge der gegen ihn aus persönlicher Feindschaft erhobenen Beschuldigungen krank geworden, sein Amt zum 1. April cr. freiwillig niedergelegt. Es ist falsch, daß B. schon einmal feines Amtes entsetzt war und von der Gemeindevertretung wieder gewählt wurde. Borsigwalde- Wittenau. wehr anrückte, war auch die Görliger Straße bereits mit undurch zu Stadto. Salinger( lib. Fraft.) beantragte, den Beitrag an davon abhängig, daß die Terraingesellschaft 3000 m. jährlich zuzahlt, Nowawes. Ein gewaltiger Brand kam gestern nachmittag auf dem Görliger Güterbahnhofe zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr bis in Unverändert genehmigt wird der Gtat der DesinfektionsDie Nacht hinein. Das Feuer zerstörte ein großes Möbellager der anstalt( Einnahmen 870 M., Ausgaben 17 450 M.), der FriedBerliner Möbelfirma Gebrüder Thonet, das in den ausgedehnten hofsetat( Einnahmen 105 163 M., Ausgaben 81 298 M.), der Kellereien eines Güterschuppens untergebracht war. In der zweiten Gtat der Hochbauberwaltung( Einnahmen 1100 M., Aus- Die Jahresrechnung der Gemeinde- und Steuerkaffe für 1907 Nachmittagsstunde bemerkten plöglich Eisenbahnarbeiter, die auf gaben 45 700 M.), der Grundstücsetat( Einnahmen 20 750 ergab eine Einnahme von 2 292 597,59 M. und eine Ausgabe von dem Versandschuppen beschäftigt waren, dichten Nauch aus Mark, Ausgaben 11 156 M.) und der Etat der Fortbildungs- 1821 406,54 M. Bei der Vergebung von Arbeiten zur Herstellung dem Kellergeschoß dringen. Wenige Augenblicke später schlugen schule( Einnahmen 9170 M., Ausgaben 40 242 M.). Gleichzeitig einer Nachriefelungsanlage an dem Borsigwalder Klärwert entspann auch schon helle Flammen aus den Kellerfenstern, 10 wird der Magistrat um eine Vorlage wegen Errichtung einer obli- fich eine rege Debatte. Unsere Genossen wiesen darauf hin, daß daß die Arbeiter schleunigst die Flucht ergreifen mußten. gatorischen Fortbildungsschule für Mädchen ersucht. girfa 180 Arbeitslose am Drte vorhanden seien; die Gemeinde hätte Mit unheimlicher Schnelligkeit griff das Feuer um sich und entwidelte Größere Auseinandersetzungen brachte der Etat für Wohl- die Pflicht, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen. Die Uebernahme eines dabei eine derartige Berqualmung, daß bald das umliegende Terrain fahrtspflege. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, Vertrages der Terraingesellschaft mit der Eisenbahndirektion, den in dichten Nauch gehüllt war. Als der erste Löschzug der Feuer- den Beitrag für die Schöneberger Vollstüche von 750 auf 1000 m. Uebergang in der Hempelstraße betreffend, wurde gegen die Stimmen wird Funserer Genossen angenommen. Reztere machten ihre Zustimmung dringlichem Qualm angefüllt. Der Brandoffizier gab unverzüglich an alle Wachen der Feuerwehr die Nachmeldung Großfeuer", worauf die Unfallstationen zu streichen. Stadtv. Dr. Friedemann dieselbe verpflichtete sich nur zu 760 M. Zur Anfertigung von in furzer Aufeinanderfolge noch acht weitere Löschzuge am Brand( lib. Frakt.) schließt sich dem an. Er hält die Unfallstationen für Spezialplänen für die Kanalisation wurden 5000 m. bewilligt, es plage eintrafen. Auch Branddirektor Neichel war bald zur Stelle. Erwerbsgesellschaften, die als Rentenquetschen dienen. Stadtv. sollen zum Frühjahr 10-11 Stilometer Straßenzüge fanalisiert Da angenommen wurde, daß bei dem Großfeuer auch Menschen- Magnan( Soz.) ist der Meinung, daß die Unfallstationen feinen werden. Die Ausgaben hierfür betragen 800 000 m2. Zu einer Yeben in Gefahr sein könnten, wurden auch die drei nächstliegenden Einfluß auf die Festsetzung der Unfallrente haben. Den Beitrag heftigen Debatte tam es bei dem Gesuch der Gemeindebeamten um Unfallstationen 3, 8 und 16, sowie die Wachen des Verbandes für an die Unfallstationen ganz zu streichen halte er nicht für richtig. Erhöhung der Mietsentschädigung. Dem Antrage der Bürgerlichen, erste Hilfe alarmiert. In furzer Zeit waren mehrere Aerzte und Jedoch muß verlangt werden, daß der Stadt Schöneberg ein Auf diese Angelegenheit in geheimer Sigung zu beraten, traten unsere Heilgehilfen und auch zwei Krankenwagen zur Stelle. Bei der enormen fichtsrecht eingeräumt wird. Die Streichung des Beitrages wird Genossen entgegen. Ein Antrag unserer Genossen um Einführung Berqualmung hielt es anfangs schwer, den eigentlichen Brandherd darauf abgelehnt. der Wertzuwachssteuer stieß trog eingehender Begründung bei den festzustellen. Man glaubte allgemein, daß das Feuer vom Keller Der Beitrag zu den Ferienausflügen des Frauen und Gegnern auf starten Widerspruch; die sonderbare Zusammensetzung auch einen Weg nach dem Schuppen selbst gefunden hätte. Erst als Mädchen- Bildungsvereins Schönebergs wird auf Antrag der sozial- unseres Dorfparlaments ließ etwas anderes auch nicht erwarten. dem Nauch einigermaßen Abzug verschafft worden war, stellte sich demokratischen Fraktion von 800 auf 1200 m. erhöht. heraus, daß das Feuer nur in den Kellereien wütete. Bon allen Dem für innere Einrichtung eines zweiten Pavillons in Sterns Seiten wurde unausgesezt Wasser gegeben. Im gangen waren berg eingesetzten Betrage von 15 000 2. wird von Stadtv. Hepner Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlver19 Schlauchleitungen gelegt. Trotz der ungeheueren Waffermengen,( Unabh. Bereinig.) entgegengetreten. Zur Bekämpfung der Tuber- eins, welche fich hauptsächlich mit den bevorstehenden Gemeindedie in die Kellerräume geschleudert wurden, konnte das Feuer doch tulose müsse seiner Meinung nach jeder nach seinen Kräften bei- wahlen beschäftigte, tagte am Donnerstag in den„ Deutschen Fest= nur langsam zurückgedrängt werden. Die Flammen fanden immer tragen. Schöneberg habe aber für diese Zwede schon fabelhafte fälen". Nachdem die Versammlung in üblicher Weise das Anneue Nahrung. Gegen 4 Uhr galt die Hauptgefahr für Summen ausgegeben, die in feinem Vergleich zu den Aufwendun- denken des verstorbenen Genossen Buche geehrt hatte, referierte beseitigt und ein Teil der erschöpften Mannschaften konnte entlassen gen anderer Städte stehen. Die Wohltätigkeit ist ja eine ganz gute Genosse Denter- Waidmannsluft über:" Kommmunalpolitik in werden. Die Kellerräume mit dem gesamten Möbellager sind aus- Sache, aber sie muß sich auch in den richtigen Grenzen halten. Die Thorie und Praxis". Der Vortrag wurde mit starkem Beifall gebrannt. Der angerichtete Schaden beziffert sich auf über teloffalen Geldaufwendungen sind um so auffallender, als Schöne aufgenommen. Im Anschluß hieran teilte der Vorsitzende Krohn50 000 M. Auch der Schaden für den Eisenbahnfiskus ist nicht unberg die niedrigsten Sterblichkeitsziffern aufzuweisen hat. Redner berg mit, daß Genosse Gomoll sein Mandat als Gemeindevertreter beträchtlich. Die Aufräumungsarbeiten hielten die Feuerwehr bis beantragt, die Angelegenheit nochmals an den Giatsausschuß niedergelegt hat, da er die Absicht hat, in nächster Zeit den Ort in die Nachtstunden hinein am Brandplaz fest. zu verlassen. Die Versammlung stellte als Kandidaten für Gomoll bürgerlichen Lager und forderte die Genossen auf, die Zeit bis den Genossen Hermann Hähnchen auf. Hierauf gab Genosse Bruhl eine interessante Schilderung über die Wahlsituation im betonte, daß, falls die Wahl durch die Machinationen der Gegner bürgerlichen Lager und forderte die Genossen auf, die Zeit bis zur Wahl zur intensivsten Agitation zu benuben. Genosse Lange in einem gesperrten Lokal stattfinden sollte, die Genossen es dem Wirt fühlen lassen müssen, daß sie nur gezwungenerweise sein Lofal besuchen. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Organisationen der Metallarbeiter, Holzarbeiter, Maurer je 30 M., der Maler 10 M., der Schneider 3 M., der Transportarbeiter 5 M. zur BeDes weiteren nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß die streitung der Wahlkosten an den Wahlverein abgeliefert haben. Genossen Kreth und Bubert je ein Strafmandat über 3 M. erhalten haben, weil sie bei den letzten Wahlrechtsdemonstrationen an einem unerlaubten Aufzuge teilgenommen haben. Genosse Bubert hat außerdem noch eine freundliche Einladung zu einem bei seiner Verhaftung des Widerstandes gegen die Staatsgewalt Termin vor dem Potsdamer Schöffengericht erhalten, da er sich schuldig gemacht haben soll. Weit der Aufforderung, das Wahltomitee bei seinen Arbeiten tatkräftig zu unterstützen, schloß hierauf der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. zurüdzuberweisen. Das Polizeipräsidium teilt mit: Vermißt. Am 12. Oftober zuzustimmen, sondern die geforderte Summe zu bewilligen. Schöne Stadtv. Küter( Soz.) ersucht, dieser Zurüäverweisung nicht Berlin geboren, aus feiner Wohnung in Weißensee, Heinersdorfer Tuberkulose aus. Selbst zugegeben, daß Schöneberg die niedrigsten 1908 hat sich der Tapezierer Paul Schlick, am 9. Dezember 1887 zu berg gibt immer noch verhältnismäßig wenig zur Bekämpfung der Straße 36, entfernt und wird seitdem vermißt. Er ist mittelgroß. Sterblichkeitsziffern aufzuweisen hat, so müsse man sich doch fragen, hat volles dunkelblondes Haar, hohe Stirn, graublaue Augen, boll- ob nicht gerade die gemachten Aufwendungen dazu beitragen. Die ständige Zähne, frische Gesichtsfarbe, schlanke Gestalt. Bekleidet war Anstalt in Sternberg tann auch gar nicht alle fich Meldenden aufer mit bunkelblauem Jadett, gestreifter Hose, schwarzen Schnür- nehmen; ein Beweis, daß die Notwendigkeit der Ausgaben vor schuhen, schwarze dünne Strümpfe, hohen Stehumlegekragen, weißes handen ist. Chemisett, brauner Krawatte, graubraunem Schlapphut. Er führt ein weißes Taschentuch gezeichnet P. S., sowie ein braunledernes Vorredner. Wenn die Angelegenheit nochmals an den StatsausStadtv. Bobel( lib. Graft.) ist derfelben Anschauung wie der Bortemonnaie, in welchem sich eine Marke mit der Aufschrift" off" schuß zurüdverwiesen wird, so kann die in Aussicht genommene befindet, bei sich. Da bisher auch nicht das geringste über sein Gröffnung am 1. April nicht erfolgen. Verbleiben ermittelt ist, so wird vermutet, daß er sich das Leben geStadtb. Magnan( Soz.) weist darauf hin, daß die tubernommen hat, irgendwo tot aufgefunden und als Unbekannter beerdigt worden ist. Bersonen, die über den Verbleib des Ver- ulosen Strankheiten ansteckend sind. Die Aufwendungen zur Bemißten irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, und andere davor zu schützen. Daher kann bei diesen Ausgaben fämpfung dieser Strankheiten verfolgen auch den Bwed, sich selbst ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 312 IV 50 09 mit- on einer Wohltätigkeit nicht die Rede sein. Pflicht der Gemeinden ist es, in dieser Beziehung so viel als möglich zu tun. Am 7. Auguft v. J., nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, wurde der Ansicht des Stadtverordneten Hepner anschließen. Redner Auch Stadtb. Linicus( Unabh. Bereinig.) kann sich nicht auf der Chauffee bei Pichelsberge, in der Nähe des Restaurants wünscht nur, daß sich die städtischen Störperschaften mehr Einblick in Gemeindevertreterwahl für die zweite Slafie zeigen wieder recht Kaisergarten", der Schüler Erich Grenzel aus Spandau von einem die Berhältnisse des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose ver- Gemeindevertreterwahl für die zweite Slasie zeigen wieder recht Lastwagen überfahren und ist an den schweren Verlegungen geftorben. Der Wagen war mit Eisenteilen, die für den Brückenbau schaffen. zuteilen. nommen. Die Vorbereitungen der bürgerlichen Parteien zur bevorstehenden heitere Momente. Bekanntlich sind in dieser Abteilung drei Vertreter am Stößenfee bestimmt waren, geladen. Gleich, nachdem der Der Stadtv. Hepner sieht hierauf seinen Widerspruch zurüd, au wählen, da die bisherigen Vertreter Mielenz, Brillwitz und Dartsch Unfall passiert war, erschien an der Unfallstelle ein Droschken- worauf die geforderte Summe bewilligt wird. Jedoch wird der ausgeloft find. Von diesen drei Herren hat Herr Mielenz von vornautomobil, deffen Insassen dem verunglückten Knaben die Magistrat ersucht, einen giffernmäßigen Nachweis vorzulegen, herein auf eine Wiederwahl verzichtet, während die Herren Dartich erste Hilfe leisteten und ihn in dem Automobil in das Kranken- welche Beträge andere Städte von der Größe Schönebergs sowie und Brillwitz eine Kandidatur wieder annehmen würden. Die Aufhaus zu Spandau schafften. Der Führer des Automobils hielt mit die Bororte von Berlin für die Bekämpfung der Tuberkulose auf- ftellung der Kandidaten ist nun aber bei den Bürgerlichen durchaus demselben, als er zu der Fahrt nach Pichelsdorf engagiert wurde, wenden. Weiter wird der Magistrat um eine Vorlage wegen Gin- nicht eine so einfache Sache, denn im vorliegenden Falle sind es am Bellealliance- Platz. Nach Beendigung der Fahrt wurden die richtung einer Schulzahnklinik ersucht. Der gesamte Etat für die nicht weniger als neun Vereine, welche Anspruch auf Berücksichtigung Jusassen nach der Lindenstr. 3 am Bellealliance- Platz zurückgebracht. Wohlfahrtspflege schließt demnach ab mit einer Einnahme von ihrer Borschläge bei der Kandidatenaufstellung verlangen. Bestimmte Grundsätze werden natürlich von den einzelnen Bereinen von den Der Führer des Automobils, dessen Vernehmung von Wichtigkeit 8820 M. und einer Ausgabe von 154 963 M. ist, wird ersucht, seine Adresse zu den Aften 691. IV. 58, 09 bei dem Der Etat des städtischen Arbeitsnachweises( Ein- an Wählenden nicht verlangt, was bei der Prinzipienlosigkeit des föniglichen Polizeipräsidium einzureichen, oder sich im Präfidial- nahmen 4210 M., Ausgaben 18530 M.) wird unverändert ange- einen oder anderen Standidaten hängt einfach davon ab, ob er in Bürgertums ja selbstverständlich ist, sondern die Aufstellung des gebände, zwei Treppen, Zimmer 381, wochentags 9 bis 2 1hr, einDer bereits in der vorigen Tigung eingebrachte Antrag, zur mit der nötigen Energie zu vertreten. der Lage ist, die Interessen des einen oder anderen Klingels zufinden. Milderung der in oer Altmark durch die Ueberschwemmung Die bisher borverursachten Not einen Beitrag aus städtischen Mitteln zu bewillie geschlagenen Kandidaten find die Gemeindevertreter Brillwig und gen, wird einstimmig angenommen, mit dem Zusatzantrag, auch das Dartsch( letzterer von Beruf Eisendreher und als solcher Nenommier Zahngebiet zu berüdfichtigen. arbeiter der zweiten Abteilung), fotvie Vorschullehrer Reiff, Direttor Rohl von der höheren Mädchenschule, Rentier Philipp und ein Herr Bala von der demokratischen Vereinigung, welch lettere demnach bezeichnenderiveise auch zu dem Block gehört; im ganzen sind also sechs Personen vorgeschlagen, während nur drei gebraucht werden. Um nun eine Vereinbarung über die Kandidatenaufstellung herbeizuführen, haben bereits verschiedene Delegiertensizungen der in Betracht kommenden Vereine stattgefunden, die aber bisher mit einem negativen Resultat endigten, da kein Verein von seinen Vors fchlägen zurücktreten will. Es soll deshalb, wie wir hören, demnächst eine Wählerversammlung der zweiten Slaffe stattfinden, in der man die Kandidatenfrage zu lösen gedenkt. Leider ist die Sozialdemokratie Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Brauerei von Oswald Berliner in der Bernauer Str. 14 augetr gen. Der dort bedienstete Sattler Rudolf Horte fiel von einem Baffin im Reffelraum fo unglücklich, daß er zwischen das Einstimmig angenommen wird auch der Antrag, worit der Bassin und die Außenwand des Gebäudes zu liegen fam. Da er von dem Brauereipersonal aus seiner gefährlichen Lage nicht befreit werden konnte, mußte die Feuerwehr alarmiert werden. Diefer gelang es, den Verunglückten hervorzuholen. Horte, der einen Bruch des rechten Unterschenfels erlitten hatte, wurde nach dem Lazarus- Krankenhause übergeführt. Magistrat ersucht wird, gegen die beabsichtigte Erhöhung der Tele. phongebühren als eine einseitige Mehrbelastung der städtischen Be. völkerung an zuständiger Stelle energischen Protest einzulegen. Die Versammlung nahm dann noch davon Kenntnis, daß der Stadtb. Menting( Ifb. Bereinig.) sein Mandat nievergelegt hat. Charlottenburg. Reber Sternmythen bei den Indianern und Naturwissenschaftliches aus Kalifornien" spricht Fräulein Malwine Lampa Durch elektrischen Strom getötet wurde gestern nachmittag der dius aus Kalifornien am 223. Vortrags- und Beobachtungsabend 30 Jahre alte Mafchinist Bleyle aus der Mommsenstr. 51, der bei erhalten. nicht in der Lage, mit eigenen Kandidaten sich an der Wahl der zweiten] entgegenkomme. Er legte die Instruktion des Magistrats vor, Ehepaar aus Weißenthurm und ein Unbekannter geborgen worden. Klaffe zu beteiligen, da zu dieser Abteilung nur die Steuerzahler wahl- wonach das Begießen der Gräber durch die Angehörigen oder die Sieben Personen wurden schwer verletzt. Der Backwagen und der berechtigt sind, die über 122 M. Steuer jährlich entrichten und sich Dienstboten geschehen kann, fremden Personen das Begießen und erste Personenwagen sind zertrümmert, beide Maschinen schwer bes unter diesen Wählern nur wenige Parteigenoffen befinden. Wäre die Pflege der Graber aber nicht gestattet ist. Geh. Rat Friebel schädigt. Der Durchgangsverkehr wird aufrechterhalten. das Gegenteil der Fall, würden die bürgerlichen Wähler wohl erklärte auf Befragen des Verteidigers, daß die Beamten nach schneller einig werden, denn der Kampfruf: Gegen die Sozials dieser Instruktion sich zu richten haben, es aber dem Taft der BeDie amtliche Meldung hierüber besagt: Der zwischen Köln und demokratie!" hat auch bei uns noch immer die heterogensten amten überlassen bleiben muß, ob sie auf dem Wortlaut der In- Frankfurt a. M. berkehrende Personenzug Nr. 256 stieß heute vorElemente zusammengeschweißt. Unter den jetzigen Verhältnissen struktion bestehen zu müssen glauben. Rechtsanwalt Liebknecht mittag 10 Uhr 15 Min. beim Durchfahren des Güterbahnhofes wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die Komödie der Kan- beantragte die Freisprechung der beiden Angeklagten. Nach seiner Koblenz( Rhein) mit einer Güterzuglokomotive zusammen. Drei didatenaufstellung zu Ende gespielt ist. Für die Arbeiterschaft ist Ansicht hätten es die Beleidigten an dem Tatt fehlen lassen, der Reisende, Schwenumsteinfabrikant Dellig und Frau fowie Schüler diese Sache insofern interessant, als dadurch wieder einmal gezeigt mit Rücksicht auf die Dertlichkeit die Besucher des Friedhofes von Wilh. Silv. Rfinz aus Weißenthurm wurden getötet und Jos. Bickel wird, in welcher Weise unter dem Dreiflafsentvahlunrecht Kan dessen Beamten beanspruchen dürfen. Die Aussagen der Zeuginnen aus Kottenheim leicht verletzt. Außerdem wurden acht Bes didaturen zustande kommen; das muß für uns ein Anfporn fein, liegen teinen Zweifel darüber, daß der Inspektor und der Vor- dienstete schwer und sechs leicht verletzt. Materialschaden erheblich. den Kampf gegen dieses System in der schärfsten Weise durch Orga- arbeiter die Friedhofsbesucher in einer so rigorosen Weise behandle, Der Verkehr wird unter Benuzung der Nebengleife aufrechtnisierung und Aufklärung der Maffen zu führen, bis an Stelle des daß durch diese bureaukratische und schematische Behandlung die Geldjacks- und Hausbefizerprivilegs ein freies Wahlrecht zur Herr Gefühle der Kirchhofsbesucher schwer verletzt werden müssen. Es schaft gelangt, das der Arbeiterschaft die ihr gebührende Bertretung sei schwer verständlich, wie man mit zwei anständigen alten Leuten, Verband der Bäcker und Konditoren. Heute avento 8, Uhr im in den gesetzgebenden Körperschaften sichert. die nur ihre Nächstenliebe betätigten, in solcher Weise vorgehen Gaal 3 des Gewerkschaftshauses: Außerordentliche Mitgliederversammlung, fonnte, wie es hier geschehen. Keinesfalls liege Hausfriedensbruch Refes und Disfntierfinb" Südost". Heute abend 8 Uhr bet bor. Staatsanwalt Dr. Haver wies diese Vorwürfe als ungerecht Solksdorf( Nachf. Heinrich Neithardt), Görlitzer Str. 58: Stzung. Gäste zurück. Selbst wenn man zugeben wollte, daß in den hier vor willkommen. Sozialdemokratischer Leses and Diskutierklub„ Karl Marr". die doch noch der Nachprüfung bedürften getragenen Fällen die Beamten sich in ihren Ausdrücken vergriffen haben sollten, so heute abend 8%, Uhr bei Hummel, Sophienstr. 5: Sigung. Gäste will. liege doch kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß die Angeklagten sich der Beleidigung schuldig gemacht haben. Deshalb sei die Berufung zu verwerfen. Das Gericht fah keinerlei Veranlassung, an den Aussagen der beiden Peamten zu ziveifeln. Das Begießen fremder Gräber sei wohl auf allen Friedhöfen verboten. Wenn es oarüber zu Zusammenstößen zwischen den Beamten und den beiden Angeklagten gekommen, so haben ausschließlich die letzteren die Schuld daran. Ob die Beamten sich in anderen Fällen tadelnswert benommen, habe der Gerichtshof hier nicht zu entscheiden. Da nach Ansicht des Gerichts Hausfriedensbruch auszuschalten sei, so wurde die gegen die Angeklagten erkannte Strafe auf je 10 m. Geldstrafe herabgesetzt. Wird der Magistrat die bekundeten Roheiten des Inspektionspersonals zum Anlaß von Schritten gegen diese nehmen? Gerichts- Zeitung. Friedhofsmißstände tamen in einem Strafprozeß, der gestern die 3. Straffammer des Landgerichts III in mehrstündiger Verhandlung beschäftigte, zur Sprache. Der 72jährige ehemalige Musiker Näuscher und seine 67jährige Ehefrau hatten sich tegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung zu verantworten. Das alte Ehepaar hat längere Zeit in Rußland gelebt und ist hierher übersiedelt, um das Grab ihres Sohnes auf dem alten Charitéfriedhof in der Müllerstraße, dem jetzigen Gemeindefriedhof der Stadt Berlin, gu pflegen. Die alten Reute verweilten fast täglich an diesem Grabe, begoffen es sorgfältig und pflegten es liebevoll. Das Nachbargrab in der nächsten Reihe war von der Witte des dort ruhenden Berstorbenen, Frau 2., der Kirchhofsverwaltung gegen Entgelt zur Pflege übertragen worden. Frau 2. behauptet, daß diese Pflege eine unzureichende war, und da sie wöchentlich nur zweimal nach Berlin fommt, bat fie bie beiden alten Leute, doch auch dieses Nachbargrab hin und wieder zu begießen. Die Angeklagten famen aus Nächstenliebe dieser Bitte unentgeltlich nach. Der Vorarbeiter Behrend will ihnen dieses Begießen fremder Gräber wiederholt als der Besuchsordnung zu wider untersagt und sie wiederholt berwarnt haben. Als die Angeklagten nach den Beobachtungen des Borarbeiters Behrend dennoch nicht von dieser Liebestätigteit abließen, kam es an givei Tagen zu unliebfamen Szenen auf dem Friedhofe. Der Vorarbeiter B. behauptet unter dem Widerspruch der Frau N., daß diese ihm auf seinen Vorhalt, schon wieder ein fremdes Grab begossen zu haben, mit sehr häßlichen Schimpfworten geantwortet habe, so daß er sich genötigt gesehen habe, den Inspektor Lüdtte herbeizuholen. Als dieser sie zur Rede stellte, soll sie sich dahin geäußert haben: Jetzt Tommt der Bollgefressene mit dem Hungrigen. Wir haben doch hier feine russischen Zustände; Sie denken wohl, Sie sind auf dem Kasernenhof." Die alte Frau bestritt, solche Beleidigungen aus gestoßen zu haben. Sie will auch das Nachbargrab gar nicht be Jossen, sondern nur die Umgebung ihres Grabes und damit zugleich des Grabes der Frau&. durch Harken sauber gemacht haben. Als ie der Aufforderung des Inspektors zum Berlassen des Friedhofes, die in sehr barschem Tone erfolgt fei, nicht nachgekommen, weil ie ein Recht habe, an dem Grabe ihres Kindes zu verweilen, sei sie von zwei herbeizitierten Arbeitern gewaltsam vom Friedhof ntfernt worden. Der Inspektor und der Vorarbeiter behaupten Jemgegenüber, daß sich die Angeklagte sehr ungebührlich betragen gabe. Gin zweites ähnliches Renkontre hatte der Angeklagte R. Auch er wurde von zwei Männern zum Inspektor geführt und dann gewaltsam vom Kirchhof verwiesen. Diese beiden Abenteuer hatten für die beiden alten Leute eine Anflage wegen Beleidigung im Gefolge. Das Schöffengericht Berlin- Wedding hielt sie auch für über. führt, Schimpfworte gegen den Inspektor und den Vorarbeiter gebraucht und sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben und verurteilte sie zu 20 M. Geldstrafe. -Vermischtes. Schneestürme. tommen. dof. Briefkaften der Redaktion. Die furifiifche Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Dritter Eingang, bier Treppen, womentäglich abends von 7 bis 9% tur statt. Geöffnet 7 hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Werfzeichen beizufügen. Briefliche Aurwort wird nicht erteilt. Dis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage ver geben. Eilige fragen trage man in der Evrechstunde vor. D. B. 17. Invalidenversicherungspflicht liegt vor, Strankenversicherungspflicht nur, wenn es sich um eine Heimtarbeiterin handelt, die in einem Berliner Geschäft arbeitet und selbst in Berlin wohnt. N. 99. Ihre Frau tönnte noch heute Herausgabe des auf sie entfallenden Erbteils verlangen. G. 1865. 1. erheben Sie Widerflage aus den von Ihnen angeführten Gründen. 2. Das Gesetz bezeichnet nicht bestimmte Gegenstände als una pfändbar, sondern erklärt, daß bie unentbehrlichen Gegenstände unpfändbar find. Was danach unpfändbar ist, ist von Fall zu Fall vom Gericht zu entscheiden. 3. bis 5. Ja. P., Wiener Str. 1. Das Gesuch müssen Sie an das Ministerium des Innern richten. 2. Das kann verlangt werden. 3. Das ist nur möglich, wenn der Polizeipräsident der Namensänderung zustimmt. Die Erlaubnis den Namen zu ändern würde 50 M. Kosten. Nicht nur in Berlin und seiner Umgebung, sondern auch im 6. B. 116. Leider ja. 99. Ohne Genehmigung des Wirtes nicht. Reiche, ja selbst im Auslande haben Schueestürme am geftrigen Tage W. 46. Unseres Erachtens würde eine Stlage gegen den Wirt Aussicht große Verkehrsstörungen hervorgerufen. auf Erfolg haben. Aus Dresden wird be- fann die Angaben verlangen. 2. Ja. 3. und 4. Unseres Grachtens ja. Müncheberg 42. 1. Rein. Die Steuerfommission richtet: Hier herrscht seit der vergangenen Nacht ununterbrochener Aber die Sache wird verschieden entschieden. 5. Rein. S. M. 76. Cine C. P. 15. Falls der Juhalt Ihres Schneefall, so daß sich bereits im Straßenverkehr mannigfache Selage hätte Aussicht auf Erfolg. Mietsvertrages dem nicht entgegensteht: ja. 2. G. 25. Ste können Störungen bemerkbar machen. Ein Telegramm aus München befagt: Seit gestern abend der Sache nur befaßt, wenn minderjährige Erben vorhanden sind oder ohne Anrufung des Gerichts den Nachlaß teilen. Das Gericht wird mit herrscht hier ein starker Schneefall, der heute vormittag 10 Uhr noch einer der Erben das Gericht anruft. Rummelsburg 8. anhält. 2. 3. 100. 1. Oftober 1908. Die Temperatur beträgt wenige Grade unter Null. Der 2. Nein, aber zwedmäßig. starte Schneefall hat in dem Straßenbahnverkehr in mehreren Fällen schule, die Ihrer Wohnung zunächst liegende ift Navenéstraße 12, abends. R. P. 63. 1. Durch Teilnahme am Unterricht an der Fortbildungsgroße Störungen verursacht. Die mit Zug 27 in Berlin fällige Boft 2. Sm Jahre 72-79. Breslau 232 und A. S. 10. Die Zentrale aus Italien ist wegen Niedergehens einer Lawine am Brenner aus für Auswanderer, Berlin W., Schellingstr. 4, wird Ihnen Auskunft geben. geblieben. In Südtirol haben Schneefälle große Verkehrsstörungen hervor gerufen. Jetzt ist Tauwetter eingetreten. Hierzu wird aus Bozen gemeldet: Biele Gebirgsstraßen sind durch Lawinen gesperrt. Der Bugverkehr im Pustertale ist gänzlich eingestellt. Auf der Brennerbahn erleiden die Personenzüge große Verspätungen. Die Güterzüge berkehren gar nicht. Telephon und Telegraph sind gestört. Wegen des Tautvetters besteht Ueberschwemmungsgefahr. Die Wiener Neue Freie Presse" meldet aus Klagenfurt: Die heftigen Schneestürme der letzten Tage haben eine Reihe von Bertehrsstörungen zur Folge gehabt. Lissabon, 2. März. Aus dem ganzen Lande werden heftige Kälte und außerordentliche Schneefälle gemeldet. Vielfach find Verkehrsstörungen eingetreten. An der Stüfte haben sich eine Anzahl Unfälle ereignet. Mehrere Fischerboote sind verloren gegangen und ihre Infaffen ertrunken. Zu der gestrigenn Berhandlung vor der Straffammer als Berufungsinstanz hatte Rechtsanwalt Liebknecht noch den Stadtältesten Geh. Regierungsrat Friedel, den früheren Dezernenten für die städtischen Friedhofsangelegenheiten, als Sachverständigen, Eine Militärabteilung von einer Lawine verschüttet. Aus Inns und außerdem noch mehrere Zeuginnen geladen, die bekunden sollten, brud meldet die„ Münch. 8tg.": Gestern begab sich eine Abteilung taß der Juspektor und der Vorarbeiter häufig bei kleinen Ver- Tiroler Kaiserschützen von 25 Mann und 6 Offizieren, darunter anlassungen sehr schroff und rücksichtslos gegen die Besucher dieses Sriedhofes vorgehen. Eine Frau Gabriel behauptete, daß der Ver- Obersten, von Trient durch das Suganatal nach Lavarone. Jezt walter sehr rigoros sei und fast alle Tage Leute vom Kirchhofe ist in Trient die Nachricht eingegangen, daß die ganze Abteilung herunterfliegen". Eine Frau Schneider bekundete: Als fie eines von einer Latvine verschüttet worden sei. Einzelheiten fehlen noch. Tages am Grabe ihrer Schwester gesessen, habe ihr der Inspektor Ein Hilfszug ist abgegangen. Die Höhe des neu gefallenen Schnees cus ziemlicher Entfernung entgegengeschrien:„ Wenn Sie nicht in in der dortigen Gegend beträgt 1,40 Meter. Einer Meldung aus acht Tagen noch einmal 25 M. für die Grabstelle, deren Zeit ab- Junsbruck zufolge geschah das Unglück auf der Straße nach Chiesa, gelaufen ist, bezahlen, nehme ich Ihnen das Grab weg!" Ale fie im Suganer Tale. Nachts gingen von Trient und Levico Militärspäter bei dem Inspektor vorbeigekommen, habe ihr diefer zu hilfszüge mit Mannschaften des 88. Infanterieregiments ab. Die gerufen: Sie können wohl schwer hören? Warum antworten Sie fich doch nicht für einen Friedhof", darauf aber die Burechtweisung unglüd im Balsuganatal vorliegen, fonnte bisher auch nicht ein nicht?" Sie habe geantwortet, das laute Sin- und Herrufen schide Bergungsarbeiten hatten bisher noch fein Ergebnis. von Herrn Lübtte empfangen: Halten Sie die große Schn... sonst werde ich Sie vom Kirchhof herunterweisen." Auch habe sie Mann der verunglückten Militärpatrouille geborgen werden. Es beBorte wie dämliches Weib" und dergleichen gehört. Eine steht beinahe keine Hoffnung, die Berunglüdten Schwester dieser Zeugin erzählte einen Vorfall, wo einmal aut lebend auszugraben. An der Unglüdsstätte arbeiten seit Sem Stirchhofe eine Kaye angeschoffen und dann die Hunde auf fie heute früh drei Kompagnien Militär und eine große Anzahl Bibilschetzt worden seien, die sie zerrissen hätten. Eine Frau Kopp personen, zusammen über 500 Mann. befundete, daß tagtäglich Standal zwischen Vorarbeitern und Bublt= fum entstehe, und das Publikum über die Behandlung, die ihm guteil werde, vielfach empört sei. Wie weit an diesen Vorgängen die Leamten oder das Publikum schuld hatte, bildete nicht weiter den Gegenstand der Beweisaufnahme, da hier nur die den Anneflagten zur Last gelegten Beleidigungen in Frage standen. Inspektor Lüdtke behauptete, daß er dem Publikum immer höflich Für den Juvalt der Inferate tibernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 3. März. Anfang 7 Uhr. Conigl. Opernhaus. Lohengrin. ( Anfang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Die Journalisten. Deutsches. Revolution in Strähwinkel. Stammerspiele. Der Graf Mt von Gleichen.( Anf. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Leffing. Der Stönig. Berliner. Einer von unsere Leut'. halia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Hoffmanns Er zählungen. Stenes. Die fremde Fratt. leines, Moral. Sebbel. Revolutionshochzeit. Lustspielhans. Im Klubjesjel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Baner poter.) Rechts herum. Sher Charlottenburg. Erbe. 0 Das • Friedrich Wilhelmstädt. Schan: Weften. Der tapfere Soldat. spielhaus. Husarenfieber. Quijen. Dorf und Stadt. Trianon. Der Satyr. Neues Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Moje. Wohltäter der Menschheit. Nachmittage 4 Uhr: Minna bon Barnhelm. Gastspiel Theater. Sherlock Holmes. Bürgerl. Schauspielhaus. Der Salontiroler. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Der junge Papa. SpeziaIitäten. Metropol. Donnerwetter ( 08. tabel Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Vassage. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Ein lediger Eyemann.( Amf. 8 Uhr.) Rafino. Rußland. Spezialitäten. Soweit offizielle und private Meldungen über das LawinenNein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Sentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Wilb: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Breise fast unverändert. Zufuhr knapp, Geschäft lebhaft, Preise befriedigend. Geflügel: 8ufubr inapp, Geschäft lebhaft, Breife gut. Fische: Bujuhr genügend, Geschäft ziemlich belebt, Preise befriedigend. Butter und Raje: Geschäft Gemüse, DBß und Südfrüchte: ruhig, Breise unverändert. Zufuhr genügend, Geschäft sehr still, Breise fest. Witterungsübersicht vom 2. März 1909, morgens 8 Uhr. Statonen Barometer stand mm Wind Bunzi Windstärke Better 2 bededt Temp. n. T. 5°. 4° R. Stationen Baronieter stand mm richtung Wind Windärle -2 Haparanda 758 N -4 Betersburg 752 SS -3 Scilly Wetter Temp. n. 6. 2 bedeckt-18 3 Schnee 3 Schnee 3 bedeckt -2 berbeen 4 Baris 752 ND 748 G 748 NND 2 wolfig 3 Schnee 3 bedeckt 3 Stinembe. 750 DND 3 bedeckt Hamburg 750 NND Berlin 747 NO Franks.a.m. 746 N Münden 742 5 Schnee Wien 741 D 2 bedeckt Wetterprognose für Mittwoch, den 3. März 1909. Borwiegend trübe mit länger anhaltenden Schneefällen, leichtem Frost und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Betterbureau Wasserstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Bregel, Snsterburg Memel, Zilfit Beifel, Thorn Dber, Ratibor Strossen Barthe, Schrimm Frankfurt Landsberg Reze, Bordamın 15e, Reitmerig Dresden Barby Magdeburg Ein folgenschwerer Eisenbahnzusammenstoß wird vom gestrigen Tage aus Koblenz gemeldet: Auf dem Bahnhof Koblenz- Lüzel fuhr heute vormittag 10 Uhr 18 Min. der Personenaug Köln- Koblenz gegen eine rangierende Güterzugmaschine. Bis gegen mittag sind, der„ oblenzer Zeitung" zufolge, drei Tote, ein Schwaches Treibeis. Urania.. Zandenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Abends 8 Uhr: Dr. van Bemmelen: Der Krakatau nach 25 Jahren. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Der Mensch als Gegenstand zoologischer Forschung. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Lessing- Theater. Mittwoch 8 Uhr: Der König. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Freitag 8 Uhr: Der König. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Morgen: Einer von unsere Leut. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau. ( La femme X....) fremde Frau. Morgen und folgende Tage: Die am feit 1. 3. 28. 2. am feit 1. 3. 28. 2. Wasserstand cm om ¹) cm cm ¹) 176)-1 Saale, Grochlitz 92+2 5°) 663) -3 -2 Havel, Spandau ³) Rathenow³) 124 78 -10 Spree, Spremberg) 91 138 0 204 50 52) 15 Beeskow Befer, Münden 103 +3 -74 0 Minden -9 Rhein, Mayimiliansau 283 -15 Raub 87 -61 Köln 74 -12 -178 Redar, Heilbrom 46+14 751) -4 Main, Wertheim 120 724) Mosel, Trier -1 83-10 Fall. Unterpegel. *) Eisstand. 3)+ bedeutet Buchs, Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Rechts herum. Schwank in 3 Alten v. Hans Gaus. Donnerstag, abends8ubr: Die Brant von Messina. Freitag, abends 8 Uhr: Rechts herum. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Eino Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt Abends 8 Uhr: Donnerstag, abenb88br: Dr. van Bemmelen: Der Krakatav Rechts herum. Freitag, abends 8 1 br: 8um erstenmal: Die Karolinger. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: nach 25 Jahren. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Der Mensch als Gogenstand zoologischer Forschung. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Friedrich- Wilhelmstädtisches Kümmere Dich um Amelie." Operette in 3 Uften von Leo Fall Schauspielhaus. Schwant in drei aften( vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und folgende Lage: Die Sonntag, 7. März, nahm. 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Mittwoch, 3. März, Anfang 8 Uhr: felbe Borstellung. Husarenfieber. Donnerstag: Rean. Freitag: Kean. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Guſtav Behrens. Gallspiel d. Mr. DERNHARD KOSE THEATER Im Klubsessel. Latouré. Spezialitäten. Anfang 8% Uhr. Parobie. legel fiegelt alles. Alles fürs Kind. Dber: Die Folgen eines Rendezvous.( Anf. 8 Ubr.) Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Wohltäter d. Menschheit Wochentagspreise. Hebbel- Theater Königgräßer Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mithooh, ben 3. März 1909: Benefiz für Frl. Else u. Fredi Lindner: Luisen- Theater. Dorf und Stadt. Donnerstag, Freitag: Bis früh um Rinfe. Sonnabend nahm. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Abends: Bis früh am fünfe. Borell v. grau nje Der Leiermann n. fein Pflegefind. Bollsstüd mit Gelang in 5 Aften von Charlotte Birch Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen auf 3rrwegen.& Uhr: Bis früh um fünfe. Montag: Der Störenfried und: Die Dienstboten. Zirkus Schumann Mittwoch, 3. März, abds. 7, Uhr: Große Vorstellung. Neu! Neu! !! Amerikanische Lynchjustiz!! Mr. Fred Rithlow wird gefesselt bom Pferde im Galopp geschleift, verkleidet und entfesselt fch während des Schleifens. Nur noch einige Tage: Tiberio, ünzenbrecher, hebt einen Elefanten! 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Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 4., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Emmaus Gemeinde, Hermannstraße aus. = Grünau! Sonntag, den 7. März 1909: großes Schlachtefest verbunden mit musikalischer Unterhaltung. Hierzu ladet alle Freunde und Bekannte bestens ein 2582* Gustav Lindenhayn, Friedrichstr. 2, Telephon 17. + Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderobe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten!* Ziehung 18., 19., 20. März WohlfahrtsGeldStets neues Soiree- Progr. Lose 3.30 Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. M. I. Serie. Lotterie zu Zwecken der Deutschen Sdiutzgebiete. Porto u. Liste extra 30 Pfennig. 330 000 Lose. 10167 Gewinne ohne Abzug Mark. Reichshallen- Theater 4001100 Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnieball. Militärische Humoreske bon Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 71. Hauptgewinne Mark: 75000 40 1000 30000 Gustav 20000 Behrens- 10000 Theater. U. S. W. 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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. d. Mts., nachmittags 25 Uhr von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhojes, Nordend Niederschönhausen aus statt. 176/5 1 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Weißensee. Nach langem, schwerem Leiden verschied am 1. März unser Mitglied, der Bergolder Ferdinand Jeziorski. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 4, Uhr, auf dem Emmaus Kirchhofe, Bahnhof Hermannstraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 80/6 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Wladimir Zdrawkowitsch am 1. v. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 4. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Moabiter Strankenhauses nach dem Russischen Friedhof aus in Tegel statt. Rege Beteiligung erwartet 112/14 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Otto Meinke am 1. März gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 4. März, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobikirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 88/7 Die Ortsverwaltung. 9999999999999# 6666<<<<<<<<< Kostüme jetzt fast umsonst! Wert bis M. 50,-, M. 80,-, M. 150,- M. 240, jetzt nur M. 8,-, M. 14%, M.23,-, M. 40, Einige Persianer- Jacketts ganz bedentend unter Preis! Gratis in den Vormittags, Reisecapes stunden ein elegantes an jeden Käufer schon von M. 20.- an. Eigene Ateliers! Eigene Ateliers! Nur gute Stoffe und beste Zutaten! Die sich jetzt bietende günstige Einkaufsgelegenheit darf nicht versäumt werden. 9999999999999 0 6466EEEEEEEEE Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstr. 37a kein Eckhaus, 2. Haus und Das blaue Weth. 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M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Urban- Krankenhauses nach dem Jacobi- Kirchhof, Her mannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/1 Die Verwaltung 2. Todes- Anzeige. Am 1. März berschied nach furzem schweren Leiden mein lieber Mann, der Marmorschleifer Albert Huwe im 44. Lebensjahre. Dies zeigt allen Freunden und Bekannten tiefbetrübt an Die trauernde Witwe. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 4. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Weißenseer Friedhofes, Röldestraße, aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein Bezirk Weißensee. Den Genossen zur Nachricht, daß unsere Mitglieder Albert Huwe und Georg Knorn verstorben sind. Ehre ihrem Andenken! Genoffe Hawe wird am Donnerstag, den 4. März, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Weißenseer Gemeinde- Friedhofes, Röldestraße, aus beerdigt. Genoffe Knorn am Mittwoch, den 3. März, nachmittags 3 Uhr, bom Trauerhause, Gocthestr. 14, Weißensee, nach dem Friedhof der Markus Gemeinde in HohenSchönhausen. Alle Genossen werden um rege Beteiligung ersucht. 18/2 Der Vorstand. Zentral- Verband der Steinarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin II. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer alter Sampfgenosse, der langjährige Weißenseer Bezirkstassierer Albert Huwe am 1. d. M. an Blutvergiftung im Alter von 44 Jahren ber storben ist. Wir werden ihn dauernd in Andenken halten. am Die Beerdigung findet Donnerstag, den 4. März, nachmittags 5 1hr, von der Leichenhalle des Weißenseer Friedhofes, Röldestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 171/8 Die Ortsverwaltung. Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Nauchbruder Albert Huwe am 1. März verstorben tft. Beerdigung: Donnerstag 5 Uhr, Weißenseer Friedhof, Nöldestraße. Rauch- Klub„ Alles roocht". Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Gustav Rönnberg sage ich allen Freunden und Bekannten, fowie den Genossen des 6. Bezirkes in Nigdorf, dem Deutschen Metallarbeiterverband, dem Chef und den Kollegen von Beka Rekord", dem Gefangverein Gleiche Brüder", und dem Statverein Alt- Heidelberg" meinen herzlichsten Dank. 12636 Wwe. Berta Rönnberg nebst Eltern und Schwiegereltern. " Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloce, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 52. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Verfammlungen. Der Wahlverein für den vierten Reichstagswahlkreis fegte in der am Montag in Stellers Saal abgehaltenen Generalversammlung die Diskussion fort, welche am 23. Februar nicht zu Ende geführt werden konnte. Zur Diskussion standen die Berichte des Vorstandes und der Kommissionen. Jedoch wurde fast ausschließlich über die Klagen und Beschwerden gesprochen, welche Mussial in der vorigen Versammlung gegen die Redaktion und gegen die Geschäftsleitung des Vorwärts" erhoben hatte. " " PP Mittwody, 3. März 1909. Aber das, gehung des verantwortlichen Redakteurs den Redakteur, welcher den durch den Berfasser ausfindig gemacht, von diesem vor der Ver Artikel verfaßt hatte, verklagen. Diesen Brief, über dessen Zurück- öffentlichung des Artikel Kenderungen verlangt und schließlich dem behaltung durch die Redaktion Mussial sich beflagt, habe die Redakteur mit einer Klage gedroht habe. Durch seine Stellung im Redaktion deshalb behalten, um ihn für eine Widerklage benutzen Borwärts"-Betriebe habe Mussia! Kenntnis von dem Verfasser zu können, wenn Mussial seine Drohung ausführe und den Ne- des Artikels bekommen. Wenn er diese Kenntnis benutzen wollte, batteur verflage. um mit einer Klage gegen den Verfasser vorzugehen, so sei das Studer sagte: Nach dieser Darstellung erscheine die Angelegen- ein Vertrauensbruch. Wegen dieses Vertrauensbruchs sei er entlassen heit Muffial allerdings ganz anders, als twie sie Mussial felbft worden. vorgetragen habe. Hätte man diesen Sachverhalt früher gekannt, dann Singer ging ebenfalls auf den Grund der Entlaffung ein. würde Mussial iveniger Zustimmung gefunden haben. Er sagte, die hier vorgebrachten Einzelfälle seien seit Jahren im Bethge gab derselben Ansicht Ausdrud. Aus der Verlesung des Einverständnis mit den beteiligten Arbeitern erledigt worden. Auch Prozeßberichts fei hervorgegangen, daß das tatsächlich darin stehe, sei die Firma immer bemüht gewefen, ein gutes Einvernehmen mit Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte 2 anghammer: was nach Wussia Is Behauptung fortgelassen sein solle. Mussial den Arbeitern und Angestellten des Geschäfts aufrecht zu erhalten. Der Vorwärts"-Bericht über die vorige Versammlung lasse ihn habe sich nicht so verhalten wie er sich als Barteigenosse hätte ver- Ueber diese Fälle wolle er nicht reden, sondern nur über die fagen, russial habe dem Reichsverband in die Hände gearbeitet. halten müssen, ihm sei nur das widerfahren, was ihm nach Gründe der Entlassung Mussials. Daß Mussial bon seinen Das habe er nicht gesagt. Seine Ausführungen seien vielmehr seinem Verhalten gebühre. In seinen weiteren Ausführungen be- Kollegen die einzelnen Teile des Manuskripts erhalten habe, dahingegangen: Durch die Artikel, welche Mussial im„ Korrespondent" spricht Redner die Pankower Angelegenheit sowie die Freythaler- das halte er( Singer) nicht für einen Vertrauensbruch. veröffentlichte, habe der Reichsverband indirekt Material gegen die Ernst. daß Mussial von dem, was er in seiner Eigenschaft als AnPartei erhalten. Müller sprach zum Bericht der Agitationskommission. Er gab gestellter des Vorwärts" erfahren habe, in feinem persönlichen Durch Zwischenrufe aus der Versammlung wurde behauptet, verschiedene Hinweise auf die Landagitation und forderte, daß für Interesse ausnuten wollte. Das sei eine Verlegung des RedaktionsLanghammer habe so gesagt, wie es im Vorwärts"-Bericht die Gewinnung der Landbevölkerung mehr als bisher getan werde. geheimniffes, ein so grober Vertrauensbruch, daß die Firma nicht steht. Auch Muffial schloß sich dieser Behauptung an. Meier hatte auch an der Tätigkeit der Agitationskommission anders gekonnt habe, als denjenigen zu entlassen, der sich dessen Der Vorsitzende Paul Hoffmann bemerkte: Mussial habe einiges auszusetzen. Zur Angelegenheit Mussial meinte er, es fei schuldig gemacht habe. Für ein voit allen Seiten altin der vorigen Bersammlung gesagt, ein gegen ihn gerichteter Mus- auf beiden Seiten gefündigt worden, und im Falle Freythaler gefeindetes Kampforgan wie es der„ Vorwärts" ist, fei fchlußantrag fei vom Vorstande des Wahlvereins abgelehnt worden, Ernst stimmte er den Ausführungen Bethges zu. es unerläßlich, daß das Redaktionsgeheimnis gewahrt werde, deshalb sei ihm die Gelegenheit genommen, sich gegen die ihm ge- Muffial bestritt, daß er einem Kollegen gegenüber den Prozeß- daß die Mitarbeiter vor Verfolgung geschützt werden, indem machten Vorwürfe zu rechtfertigen. Hierzu erkläre er( off- bericht als zutreffend anerkannt habe. Er bestritt auch, in seinen Brief ihre Namen nicht bekannt gegeben werden. Was der Setzer mann): Der Ausschlußantrag sei abgelehnt, weil der Vorstand an die Redaktion des Vorwärts" einem Redakteur mit am Vorwärts" erfahre, das habe er unter allen Umständen in dem Artikel, auf den sich der Antrag stüßte, eine ehrlose der Klage gedroht zu haben. Weiter fagte der Redner, er sei für sich zu behalten und keinen Gebrauch davon zu machen. Handlung nicht finden konnte. Es sei aber nicht richtig, daß dem auf Verlangen der Redaktion entlaffen, aber der Arbeiterausschuß habe Muffiat hätte, wie jeder Borteigenosse, das Recht gehabt, gegen Genossen Mussial durch Ablehnung des Ausschlußantrages die anerkannt, daß er keinen Vertrauensbruch begangen habe. In das, was der„ Borivärts" beröffentlichte, seine Maßnahmen Gelegenheit, sich zu rechtfertigen genommen sei, denn Mussial seinem Artikel, den der Borwärts" nicht aufgenommen habe, habe zu ergreifen, aber er durfte nicht das Redaktionsgeheimnis durch hätte doch gegen den Beschluß des Vorstandes an die General- er in der schärfsten Weise gegen die" Post" Stellung genommen. brechen, um im persönlichen Interesse gegen den Verfasser eines Artikels bersammlung appellieren können. Er verwahre fich dagegen, daß ihn der Vorwärts" mit der" Post" vorzugehen, der ihm nur in seiner Eigenschaft als Seger bekannt auf eine Stufe stelle. geworden war. Mussial habe dem Verfasser des Artikels mit Mahlo fagte, Tausende von Verbandsmitgliedern und das einer Klage gedroht. Der Brief, dessen Eristenz Mussial bestreite, gesamte Personal des Vorwärts hätten sich auf seine und fei vorhanden und könne jederzeit vorgelegt werden. Daß ussiais Seite gestellt. Er habe Mißstände im Vorwärts"- Muffi al über den verantwortlichen Redakteur hinaus den Betriebe aufgedeckt und deshalb sei er der Geschäftsleitung un- Verfasser des Artikels mit einer Klage bedrohte, das fei bequem gewesen. Der Prozeßbericht sage das Gegenteil von dem, der ärgste Vertrauensbruch, den mant sich denken fönne. was sich in der Gerichtsverhandlung abgespielt habe. Hiernach habe das Geschäft nicht anders handeln können, als Senorr meinte, es sei jegt nachgewiesen, daß der Vortvärts" Mussial zu entlassen. Nur dieser Fall sei für die Enteinseitig berichtet habe. laffung maßgebend gewesen. Mit dem, was früher geschehen sei, fönne die Entlassung nicht in Verbindung gebracht werden. " 22 Mussial erhielt vor Schluß der Diskussion durch Beschluß der Versammlung nochmals das Wort. Er blieb dabei, daß er entlassen worden sei, weil er der Geschäftsleitung ein unbequemer Mahner gewesen sei. Hierauf begann die Diskussion. Davidsohn trat der von Mussial aufgestellten BeHauptung entgegen, daß der Bericht des Vorwärts" über den Prozeß Rich. Fischer gegen die" Post" nicht der Wahrheit entfpreche. Der Redner berief sich darauf, daß Massini in der aus Anlaß des Prozesses abgehaltenen Buchdruckerversammlung sich auf eine Heußerung Musiials berufen konnte, der am Abend des Prozeßtages zu einem feiner Kollegen gesagt habe, der„ Vorwärts". Bericht entspreche den Tatsachen. In der vorigen Versammlung hatte Mussial behauptet, er habe vor Gericht gesagt, er fei Jentsch, einer der Firmenträger des„ Bortvärts"-Geschäfts, überzeugt, daß Fisher keine Schmiergelder genommen habe, der ging fehr ausführlich auf die Tätigkeit ein, welche Mussial " Vorwärts"-Bericht habe diese Aeußerung aber nicht wieder- während seiner Beschäftigung im Vorwärts" entfaltet hatte. Der gegeben. Da vidjohn verlas die betreffende Stelle des Berichts Stedner zeigte an der Hand von Einzelfällen, daß Musfial Beund stellte dadurch fest, daß die angegebene Aeußerung Mussiais schwerden des Personals seit Jahren in einer Weise ausgenugt habe, fogar zweimal in dem Bericht enthalten ist. Einmal hat er die nur unseren Geguern Freude machen konnte. So sei Mussial gefagt, daß er felber nicht an die Schmiergeldergeschichte glaube, und auch nur deshalb von der Post" als Beuge geladen worden, weil dann, daß auch unter dem gesamten Personal des„ Vorwärts" feiner er im„ Korrespondent" einen Artikel gegen Fischer berDie Versammlung nimmt Kenntnis von den Beschwerden des ist, der daran glaubt. Das steht auch ausdrücklich im Bericht öffentlicht hatte, durch den Fischer zur Strecke gebracht Genossen Muffial gegen den Vortvärts". Nach reiflicher Aufdes„ Vorwärts". Ferner verwies Davidsohn darauf, daß werden sollte. Mussial sei nicht entlassen worden, weil Klärung hat die Versammlung diese Beschwerden als haltlos erMuffial, ehe der Bericht und der den Prozeß behandelnde Artikel er Beschwerden vorgebracht habe. Diese habe die Geschäftsleitung kannt und geht über die Angelegenheit zur Tagesordnung über. im Vorwärts" veröffentlicht waren, von dem betreffenden Redakteur stets geprüft und im Einverständnis mit den Beschwerdeführern zu Durch die Annahme dieser Resolution wurden als erledigt ers Aenderungen verlangte. Das sei abgelehnt worden. Ein oder erledigen versucht; Muffial sei lediglich deshalb entlassen worden, achtet eine im entgegengesetzten Sinne gehaltene Resolution von zwei Tage später habe Mussial der Redaktion einen Gegenartikel weil er dadurch einen Vertrauensmißbrauch begangen habe, daß er Musfial sowie ein Antrag auf Ausschluß Musfials und ein Antrag eingesandt mit einem Briefe, worin er drohte, er werde unter Ueber- sich in der Seßerei das Manuskript des Prozeßartikels verschafft, das auf Einsetzung eines Schiedsgerichts. " " Hierauf wurde mit sehr starker Mehrheit folgende vom Genossen Bethge beantragte Resolution angenommen: Die Aussteuer am grünen Mochzeitstag Sunlicht Seife verwenden alle Frauen, denen es an der Erhaltung ihrer Aussteuer gelegen ist! Die Milde und Reinigungskraft dieser Seife ist unübertroffen, denn sie ist reine Seife und nur diese bietet Garantie gegen die vorzeitige Abnützung der Wä sche! Chemische Waschmittel zweifelhafter Art sind daher zu vermeiden! 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Mitgliedsbuch legitimiert! Metallarbeiter Notizkalender 1909, Stück 60 Pf., find im Bureau zu haben. 112/12 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher Melchiorstraße 28, part. Filiale Berlin. 2C. Fernspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den 4. März, abendo 8%, 1hr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ilfer 15: Deuticher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlín. Sonnabend, den 6. März, abends 8 Uhr: → Großes Kostüm- Fest ( Sommer- Fest der Bauern zu Trillersdorf in Tirol) in den Sälen der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Billetts à 50 Pfennig sind bei den Beitragssammlern, im Bureau und in folgenden Lokalen zu haben: Grumbach, Schönleinstr. 6; Zehrend, Hasenheide 9( gegenüber der " Neuen Welt") und London, Rixdorf, Weichselstr. 8( Ideal- Passage). Die Verwaltung. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektionsversammlung der Lackierer Achtung! Fliesenleger, Puger u. der Gips- u. Zementbranche! Maurer sowie alle Mitglieder der Sektionen der Zages Drbnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Genossen G. Schubert:„ Die Volksschule, wie sie ist". 2. Distussion. 8. Verschiedenes. Bahlreiches Erscheinen erwartet Orts Krankenkasse 4. der Photographen zu Berlin. Die Sektionsleitung. KonkursmassenAllen Mitgliedern des Zweigvereins Berlin bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß von dieser Woche ab die Beitragszahlung beginnt und damit für die arbeitslosen Kollegen die Abstempelung der Arbeitslosigkeit im Verbandsbuche jede Woche Mittwoch, Donnerstag und Freitag, für die Buzzer Freitag und Sonnabend während der Arbeitszeit von 9-5 Uhr in den bekannten Bezirkslokalen gegen Vorzeigung der Invalidenkarte borgenommen wird. Im Interesse eines jeden Mitgliedes ist es, sich bei Arbeitslosigkeit bestimmt jede Woche zur Kontrolle zu melden. Bekanntmachung. Bertani Kisten- Fabrik 136/10 Die VII. Abänderung zum Statut wonach alle die Stasse betreffenden ist vom Bezirksausschuß genehmigt, R. Fehse& Co., Bekanntmachungen im Vorwärts" Berlin, Alte Jakobstraße 18/19. und im Photograph" beröffentlicht Hobelmaschinen, werden. 271/2 Berlin, den 26. Februar 1909. Der Vorstand. Karl Graefe, Felix Meifer, Borsigender. Schriftführer. Spundmaschinen, Streissägen, Benbelsägen, Nagel maschinen, Elektromotore, Hobelbänke, Kontoreinrichtung, Pferde, Wagen und dergleichen spottbillig. 201/11 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzelgen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. geführt: 3.45, 4.45, 5.25 ujw. mit 17759* Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade8,11.( Stdtb.Börse). Frack Verleih- Institut: Der Zweigvereins- Vorstand. 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