Nr. 58. Hbonnements-Bedinaungcn: MonnementS- Preis pränumerando i Sierteljährl. 330 SKf., monatl. 1,10 SHt, wöchcnllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nuiumer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» SQionncmetU; 1,10 iviark pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Mari pro Monat. PostadgnnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemart, Holland. Italien, Lurcmburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. Crfödnt tZzil» süßer lll»ot»g». »m Verlinev Volksblcltk. Die TniertJonS'Gfbfibf Leirägt für die fschsgefpaltenc Kolonel- xeile oder deren Raum 50 Pfg., für poliiifche und gewcrlfchaftliche Vereins- und Vcrfaninilungs-Anzeigcn L0 Pfg. „Nlelne Sn-cigen", das erste lfett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stcllengeluchc und Schlaf- stcllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inüsscii bis SNhrnachnüttags indcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm- Adresse: „SHiaiftmokrat ntriln", Zentratorgan der fosialdcmokrati fchen Partei Deutfcblanda. (Udahtiont SM. 68, Lindetietrasse 69. Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 10. März 1909. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. 3er englische li'.ommiisionsbericht über flnnut und ilrdeitsloiigkeit. III. Die Armutsstatisiik deS Vereinigten Königreichs wird festgestellt, indem die Behörden die öffentlich unterstützten Personen an zwei Tagen im Jahre(1. Januar und 1. Juli) zählen lassen. So wurde die Zahl dieser Personen am t. Juli 1W7 auf 868276 oder auf 21,3 pro 1000 der Bevölkerung festgestellt, am 1, Januar 1908 auf 923671 oder 22,9 pro 1000 der Bevölkerung. Diese Zahlen geben indes keinen genügenden Einblick in die vorhandene und öffentlich unter- stützte Armut, da sie nur auf Zählungen an einzelnen Tagen beruht. Eine Statistik, die das ganze Jahr umfaßt, lvurde im Jahre 1906/07 von der Lokalregierung des Vereinigten Königreichs aufgenommen, wobei sich ergab, daß die Zahl der verschiedenen Personen, die im Laufe des Jahres unterstützt wurden, sich auf 1 709 430 oder auf 47,7 pro 1000 der Bevölkerung belief. Darunter waren 526 449 erwachsene Männer, 618 673 erwachsene Frauen, 564 314 Kinder. lieber die Altersstufen der öffentlich unterstützten Personen giebt die Armenzählung vom 31. März 1906 genaue Aus- kunft, die tabellarisch wie folgt zusammengesetzt ist: Zahl der unter- �0 1000 der Altersgruppen Insassen von �°°°�ewen � Altersstufen iliiict 5 Jahre.... 5 bis unter 15 Jahre. 1:* ,,„„. . 0„„"O ,,. "O„„ so„. 45„„ 55„ 55„„ C5„ 05 ,, 11 i 0 ,,. < 5 ,,„ 85„• 85 Jahre und darüber. Irrenhäusern, Krankenhäusern usw.) 51 767 179 854 22 588 38189 58 401 56 252 91539 188 125 117 231 18 030 13,6 26.6 � 8,8 6.6 13,3 17,9 43,3 163,0 275,9 353,1 Insgesamt.. 817 012 23,6 Die Altersstufen zwischen 15 und 35, die zu den besten Arbeitsjahren gehören, zeigen die kleinsten Armutszahlen. Dann wachsen die Llrmutszahlen nüt den zunehmenden Altersstufen. Das Verhältnis zwischen Inckoor und Outckoor rollok ist wie 32: 68, das ziemlich konstant ist. Die Bewegung der öffentlich unterstützten Armut oder deS Pauperismus in den letzten vier Jahrzehnten ist in folgender Tabelle veranschaulicht: Durchschnittszahl Durchschnitt Abnahme in Proz. Perioden der unterstützten pro 1090 der gegen die vorher- Personen Bevölkerung gehende Periode 1871/72 bis 1879/30 747 936 31.2— 1889/32 biö 1887/83 711 625 26.6 4.6 1638/89 bis 1895/96 694 094 23,8 2.8 1896/97 bis 1905/06 718 444 22,2 1.6 1906/97.... 709 169 22,3— 1907/08.... 772 316 22,1— Die erhebliche relative Abnahme in der zweiten und dritten Periode ist einer strengeren Handhabung der Armen- gesetze zuzuschreiben. Dagegen ist die relative Armut in der Periode 1896—1908 konstant geblieben. Allein in der Zu- sammensetzung der Zahl der öffentlich unierstützten Personen ist eine Verschiebung vorgekommen. Ein Vergleich der Periode 1871— 1879 mit der von 1896—1905 zeigt, daß im letzten Jahrzehnt die Zahl der unterstützten Männer um 18,4 Proz. ngenommen, während die Zahl der öffentlich unterstützten rauen und Kinder um 20.3 Proz. abgenommen hat. Trotz der relativen Abnahme des Pauperismus sind die Kosten der Armenverwaltung relativ und absolut gestiegen. Folgende Tabelle zeigt das Wachsen der Kosten in den letzten vier Jahrzehnten: Kosten der Armen- Pro Kopf der Jahre Verwaltung Bevölkerung Pfund Slerling Mark 1871—72.... 8007 403 7,02 1879—80.... 8 015 010 6,30 1887—88.... 3 440 821 6.06 1895—96.... 10215974 6.70 1905—06.... 14 685 933 8.58 Die Zunahme der Ausgaben kam hauptsächlich bei der Inckoor reliek, also in den Arbeitshäusern. Asylen und Kinderheimen vor. In den Jahren 1871—1880 beliefen sich die Kosten der Armenverwaltung pro Kopf der unterstützteil Person im Jahrcks- durchschnitt ans ungefähr 200 M.; in den Jahren 1896—1906 ungefähr 295 M. Beim Schluß der Uebersicht über die Armutssiatistik bc- merken die Berichterstatter:„Es ist sehr unangenehm, be- merken zu müssen, daß. ungeachtet des allgemein angenommenen sittlichen und materiellen Fortschritts und ungeachtet der enormen jährlichen Ausgaben von beinahe 60 Millionen Pfund Sterling(1200 Millionen Mary für Arinenverwaltuug, Sanitätsweseil und Schulwesen, wir unter uns eine große Armee von Personen haben, die außerstande sind, sich zu er- halten— eine Armee, die in den letzten Jahren die Tendenz zeigt, der Zahl nach eher zu wachsen als abzunehmen. ä1 F Welchen Umständen ist dieser Rückgang geschuldet? Er kann nicht dem Mangel an Aufwendungen zugeschrieben werden. Ist vielleicht die kostspielige und unistäudliche Maschinerie, die wir errichtete», mangelhaft, und wenn ja, wo liegt der Fehler, der ste verhindert, ihren Zweck zu erfüllen? Ist das Material, an dem sie arbeitet, den angewandten Hilfsmethoden weniger zugänglich geworden? Die Vorschläge, die wir später machen werden, dürsten eine Antwort auf diese Fragestellung geben, aber die statistische Uebersicht über die gemachten Aufwendungen und die erzielten Resultate zeigt, daß etwas in unserer sozialen Organisation recht krank ist, und waS auch die Uebel sein mögen, so sind sie nicht so beschaffen, daß sie durch noch so reichliche Wohltätigkeit und öffentliche Auswendungen gemildert oder beseitigt werden könnten." IV. Ueber die U r s a ch e n d e r A r m n t, die gesondert von der Arbeitslosigkeit behandelt wird, gehen der Mehrheits- und der Miildcrheitsbericht auseinander. Die Mehrheit kann sich zwar der Erkenntnis nicht verschließen, daß sie in den wirtschaftlichen Verhältnissen liegen, aber sie bemüht sich, sie mit den sozial- politischen und gewerkschaftlichen Forderungen der Arbeiter und mit den Charakterschwächen der Armen in Verbindung zu bringen. Nach dem Mehrheitsbericht ist die erste Ursache der Armut das zunehmende Alter der Arbeiter. Es darf im allgemeinen gesagt werden, daß, wo moderne Maschinerie gebraucht wird, auch das Tempo der Arbeit eine Beschleunigung erfährt— eine zunehmende Spannung, die den alternden Arbeiter hart mitnimmt. Diese Tendenz wird erstens verschärft durch die Notwendigkeit, GeWerk- schaftslöhne zu verdienen, die der Unternehmer den langsameren und minder gewandten Arbeitern nicht zahlen will; zweitens durch das Haftpflicht- und Unsallsentschädignngs- gesetz, das den Unternehmer veranlaßt, bei der Auswahl seiner Arbeiter sorgfältiger zu Werke zu gehen. Eine große Zahl von Sachverständigen sagten vor der Kommission aus, daß die finanzielle Verantwortlichkeit der Unternehmer für gewerb- liche Unfälle es den älteren und schwächeren oder nnt irgend einem Gebrechen behafteten Arbeitern schwerer geniacht habe, Beschäftigung zu finden. Die zweite Ursache glaubt die Mehr- hcit zu finden im Trinken- und Wetten der Arbeiter. Die dritte Ursache in derjenigen Arbeiter-schicht, die unqualifiziert und nur gelegentlich beschäftigt ist. Die gelegentlich be- schäftigten Arbeiter liefern die größte Zahl der öffentlich unter- stützten Personen. Eine weitere Ursache des Pauperismus liegt an den gefährlichen Gewerben, die die Arbeiter frühzeitig gesundheitlich ruinieren und sie der Armenverwaltung anHeim- fallen lassen. Die gegenwärtig bestehende Armenverwaltung erwies sich als unfähig, diese Uebel zu heilen. Die Arbeitshäuser haben eine degradierende, charakterschwächende Wirkung und für die außerhalb des Arbeitshauses unterstützten Personen wird nichts getan, sie wieder zu selbständigen Bürgern und nützlichen Mitgliedern derGesellschast zu machen. Dcm64eiste der herrschenden Gesetzgebung sind diese Ziele fremd. Der Mehrheitsbericht schlägt deshalb folgende Aenderungen in der Armengesetz- gcbung vor: Die Einrichtung der Armenräte und des ihnen unter- stehenden Verbandes wird abgeschafft. Die Armenverwaltung soll auf die Grafschaft(Munizipalität) übergehen. Tie Stelle der Armeuräte wird von Kommissionen des Munizipalrats übernommen. Diese Kommissionen bestehen zgr Hälfte aus Munizipalräten, zur anderen Hälfte aus ernannten Gcmeiudebürgern. Für alle Zwecke der öffcnt- lichen Unterstützung sind die verschiedenen Gemeinden Londons zu einer Einheit zusammenzufassen und einheitliche Armen- steuern festzusetzen.(Bis jetzt hatten die verschiedenen Ge- meinden Londons ihre besonderen Armenvcrwaltungcn und Armcnsteuern, woraus sich ergab, daß die reichen Gemeinden geringe Armensteuern, während die armen Gemeinden hohe Armensteuern hatten.) Die Stellung der höhereu Beamten der Armenverwaltung sollte gehoben werden, um bessere Kräfte für den Dienst zu erhalten. Für mittellose Kinder muß außer- halb des Arbeitshauses gesorgt werden: in diesen Fällen ist Öut-ckoor reliek einzig und allein am Platze: also durch Weg- geben in Pflege und in die Lehre. Das gemischte Arbeitshaus, in dem die verschiedenen Klassen von Armen, Frauen und Männer, jung und alt untergebracht werden, sind ab- zuschaffen. An dessen Stelle treten Heime, wo die Armen je nach Alter, Charakter, Führung, Beschäftigung und Geschlecht aufgenommen und behandelt werden. Die Unterstützung außerhalb dieser Heime soll genügend sein und die Unter- stützten sollen sorgfältig bewacht und beraten werden.— Diese Aenderungen treffen indes nicht das Wesen des Armutsproblcms. Sie sind tatsächlich nur Namensänderungen. Die Arbeitshäuser sollen nunmehr Heime genannt, aber keineswegs abgeschafft werden; es soll nur eine bessere Klassifikation eintreten. Was früher Armenrat hieß, soll jetzt Munizipalrat oder Komniissionsbeisitzer genannt werden. Anders der Minderheitsbericht, mit dem wir uns demnächst beschäftigen werden. Qnter Vorbehalt. In der GeschäftsordnungSkom Mission sollte am S. März die Entscheidung über daS Antragsrecht bei Interpellationen fallen. Die Freisinnigen hatten in der voraufgehenden Sitzung den Wunsch ausgesprochen, daß man ihnen Zeit lassen möge, mit ihren Fraktionskollegen zu konferieren, da sie ohne weiteres nicht in der Lage seien, sich zu entscheiden, ob sie dem sozialdemokratischen An- trag, der das Recht der Minderheit auf Antragstelluug sichern will. zustimmen dürsten. Diesem Wunsche entsprechend war die Abstimmung über den K 33a vertagt. In der Sitzung vom 9. März gab nun- mehr vor der Abstimniung der Wg. Müller- Meiningen namenS der freisinnigen FraltionSgemeinschaft die Erklärung ab, da ihr Ver- halten im Plenum wesentlich von der Annahme der Anträge auf Einführung der sogenannten kleinen Anfvigen abhänge, würden sie zunächst„unter Vorbehalt" gegen den Autrag der Sozialdemokraten stimmen. Ledebour erwiderte, bei den Freisinnigen scheine der Vorbehalt zu einer konstitutionellen Einrichtung zu werden. Zweimal sei nun schon ver- tagt worden, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich Klar- heit zu verschaffen, welche Stellung sie denn eigentlich in dieser Frage einnehmen sollte und doch kommen sie jetzt nur zu einer Abstimmung„unter Borbehalt". Sie möchten aber doch wenigstens in der Anwendung der VorbchaltSklausel konsequent sein. Bei der Finanzreform hätten sie unter Vorbehalt für ein Kompromiß gestimmt, um die Weiterberatung zu ermöglichen. WeShalb stimmten sie nicht jetzt unter Vorbehalt für den sozialdemokratischen Antrag, dann sei dessen Annahme gesichert. Müller- Meiningen meinte indes, die Nbsiinimnng unter Vorbehalt bedinge, daß sie sich.für die KomniissionSfassung erster Lesung entschieden. Die Ab- stimmung ergab nunmehr entgegen dem sozialdemokratischen Antrage die Annahme deS folgenden Satzes: „Falls gegen die Zulassung eines Antrages Widerspruch von mindestens 89 Mitgliedern erhoben wird, beschließt darüber der Reichstag sofort ohne vorherige Diskussion." Dagegen stimmten Sozialdem okraten und Zentrum, dafür die Blockparteien, und zwar die Freisinnigen„unter Vorbehalt". ES kam nun zur Diskussion des Absatzes 2 de?§ 33a, der bezweckt, daß die Abstimmung über Anträge bei Jnter» pellntionen vertagt werden muß, wenn eö mindestens 36 Mitglieder verlangen. Die Abstimmung soll dann in den drei nächsten SitzungStagcn vorgenommen werden. Graf W e st a r p(k.) meinte. es müsse Vorkehrung getroffen werden, daß eine Kommissionsberatung über solche Anträge gesichert werde, da ja die Sozialdemokratie imstande sei, in ungeeigneten Momenten der Regierung Verlegenheiten zu bereiten. Gehe sie doch auch mit „un gesetzlichen Straßen de in on st ratio ncn" vor. Singer richtete an den Vorredner die Frage, wo denn in irgend einem Gesetz etwas stände, daß Straßendemonstrationen„un- gesetzlich" seien. Hätten denn etwa auch die Straßendemonstranten in der Wahlnach� und die Herren, die an diese Demonstranten Reden aus dem Fenster hinaus gehalten hätten, nach Ansicht de? Grafen Westarp sich ungesetzlich benommen? Er geißelte dann aber auch in äußerst scharfen Worten diese Methode, völlig ungerecht- fertigte Vorwürfe, die mit der Sache, die unö beschäftige, obendrein gar nichts zu tun hätten, in die Erörterung von GeschäftsordnungS- fragen hineinzuwerfen. Graf W e st a r p beklagte sich zwar sehr erregt über den„Ton" SingerS, vermied cS aber auf die ihm vor- gelegten Fragen eine Antwort zu geben. Die Herren I u n ck(natl.) und Kirsch(Z.) regten an, der Sicherheit halber zu bestimmen, daß auch die Abstimmung über Anträge auf Kommissionsberatung auf drei Tage verschoben werden könnten. Graf Westarp(k.) brachte dann aber noch einen An« trag cm, daß die Kommissionsberatung sogar von einer Minderzahl von 50 Mitgliedern erzwungen werden könne. Er glaubte, diesen Antrag unterstützen zu können mit dem Hinweis darauf, es sei auch nötig, daübcr Klarheit zu schaffen, ob der Reichstag auch das Recht habe, Tadelsvoten gegen die Regierung abzugeben, was er un- bedingt verwerfe.— Lederbour bekämpfte den Antrag Westarp, eer auf eine neue Beeinträchtigung des Rechtes der Initiative hinauskomme, und zeigte an den letzteren Ausführungen des Grase» Westarp, wie bedenklich es sei, wenn Herren, die den gesamten früheren Beratungen nicht beigewohnt haben, sofort. nachdem sie in die Kommission eingetreten sind, Anträge ein- bringen und Fragen anschneiden, die in den früheren Beratungen längst erledigt wurden. Die Abstimmung ergab nun folgendes: Der Antrag Westarp wurde gegen die zwei konservativen Gruppen abgelehnt. Der Antrag Jungck-Kirsch angenommen und dann der g e- s a m t e Absatz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten gleich- falls a n g e n o m m e n. Bei der Avjnmmung Aber den gesamten § 38a kam es aber zu dessen Ablehnung. Dafür stimmten nur die Nationallibcralcn und Freisinnigen, dagegen die Sozialdemokraten und das Zentrum, beide, weil sie ihren Erklärungen gemäß unter keinen Umständen dem Prinzip zustimmen wollten, daß die Mehrheit das Antragsrecht der Minder- hcit zerstören könne; die Konservativen aber, weil sie über- Haupt keine Anträge bei Interpellationen haben wollen. Diese Abstimmung hatte ein Vakuum ergeben, indem nunmehr über Anträge überhaupt nichts gesagt war. Auf eine frühere An- regung des Vorsitzenden Jungck hin hatte ftir diesen Fall der Abg. Kreth(k.) einen Antrag eingebracht, der unter Benutzung der gegenwärtig rechtsgültigen Bqnmmungcn die Einbringung von Anträgen überhaupt untersagt. Dieser Antrag wurde angenommen gegen die Stimmen der Sozial- demokratcn der Freisinnigen und des Zentrums- abgeordneten Kirsch, weil nun plötzlich die Mehrheit der Zcntrumsleute aus die Seite der Konservativen und National» liberalen hinüberschwenkten. In den Auseinandersetzungen über diesen Ausgang wurde von sozialdemokratischer Seite betont, daß sowohl die schwankende Haltung der Freisinnigen wie die der ZentrumSpartsi cs Lewirkt Haie, vaß es zu einer Formulierung �cs Antragsrechts überhaupt nicht gekommen sei, trotz mehr- wöchiger Beratung, und dah deshalb im Plenum erst die Ent- scheidung getroffen werden muh. Tann wurde noch in die Beratung der Anträge betreffs der sogenannten„Kleinen A n f r a a c n" eingetreten, ohne daß sie zu Ende geführt wurde.— Line liiederlage der Kieler Sshlrechts- räuber. (Privatdepesche d eS„Vorwärts".) Kiel» den v. März. Die Stadtlokkegien verhandelten heute über den Antrag des Magistrats, die StaatSregierung zu ersuchen, durch ein N o t g e s e tz die D r e i k l a s s e n w a h l für Kiel einzuführen. Die Debatte wuchs sich zu einer Soziali st endebatte grohen Stils aus. Der Oberbürgermeister Fuß berichtete zunächst über die Ver- Handlungen mit dem Minister in Berlin. Der Minister habe die Geheimhaltung der Verhandlungen gewünscht. Im weiteren habe er erklärt, das; er nur dann seine Zustimmung zu dem Notgesetz geben könne, wenn die Kieler selbst mit Nachdruck ein solches verlangen. Auf die Frage der Deputation, ob eine andere Regelung der Wahlrechtssrage möglich sei, habe er erklärt, dag eine Aenderung nur i in Rahmen des Drei- klassenwahlrechts erfolgen könne. Der Oberbürgermeister kam dann auf die Obstruktion der Sozialdemokratie in der Sitzung am Sonnabend zu sprechen. Er warnte die Sozialdemokratie, auf diesem Wege weiter zu gehen und erklärte, daß er nicht die Absicht habe, nach Ablauf seiner Dienstzeit im Jahre 1912 weiter im Amte zu bleiben. Er sei zu alt und habe NuyebedürfniS. Er werde sich aber durch Drohungen nicht aus dem Amt bringen lassen. Der Bürgermeister Lindemann, der erst seit vier Monaten in Kiel ist, aus Magdeburg hierherkam, und der vor seiner Wahl auf die Anfrage deS liberalen Vereins erklärt hatte, er glaube nicht, daß sobald eine Aenderung deS Kommunalwahlrechts bevorstehe, hielt eine Kriegervereinsrede für daS D r e i k l a s s e n w a h l s y st e m, in der er in schwärzesten Farben die Gefahr einer sozialdemokratischen Mehrheit schilderte, auch die Magistratssitze würden dann von den Sozialdemokraten besetzt werden. Die Genossen Adler, Rindfleisch und Niendorf griffen wiederholt wirkungsvoll in die Debatte ein. Adler fertigte den Bürgermeister Lindemann ab und sprach deutlich aus, daß die Sozialdemokratie nicht gewillt sei, wie ihr von bürgerlichen Blättern unterschoben wurde, ständig Obstruktion zu treiben. Sie habe durch ihr Verhalten am Sonnabend zeigen wollen, daß auf dem Rathaus« noch Leute sitzen, die sich nicht alles voin Magistrat bieten lasten. Der Magistrat und besonders der Oberbürger- meister Fuß hätten nicht mehr das Vertrauen der sozialdemokratischen Stadtverordneten. Niendorf und Rindfleisch wiesen nach, daß die sozialdemokratische Mehrheit für die Stadt Kiel keine Gefahr bedeuten würde. Das kommunale Wahlprogramm der Sozialdemokratie zeige deutlich, daß sie in eifriger Weise bestrebt sei, das Wohl der Kommune zu fördern. Die Verhandlungen nahmen einen sonst nicht im Kieler Stadt- Parlament gewohnten lebhaften Verlauf. Sie begannen um 1l> Uhr vor- mittags und endeten kurz vor 7 Uhr abends bei einer zweistündigen Mittagspause. Kurz vor 7 Uhr erfolgte die prinzipielle Ab- stimmung über den MagistratSuntrag, die auf Antrag der Sozialdemokraten eine namentliche war. Von den Stadt- verordneten stinimten 10 Sozialdemokraten und 5 Bürgerliche gegen den Magistratsantrag und 13 dafür! Der Magistrat stimmte geschlossen dafür. Ein Stadtverordneter, der als Befür- w o r t e r der Vorlage gilt, war durch Krankheit entschuldigt. Unter den bürgerlichen Stadtverordneten, die mit den Sozialdemokraten gegen die Vorlage stimmten, waren auch der freisinnige Landtagsabgcordnete Hoff und der Ministerdeputierte Jürgensen. Die Vorlage des Magistrats ist damit gefallen und die Gefahr der Dreiklastenwahl für Kiel vorläufig abgewendet. Das Ab- stimmungZresultat wurde von den sozialdemokratischen Stadt- verordneten und dem größten Teil der Tribüne mit lebhaftem Bravo aufgenommen._ poUtifcbe üeberlicbt. Berlin, den 9. März 1909, Weingesetz. Aus d e in Reichstag, 9. März'. Die ziveitc Be- i'ahtng des Weingeseßes wurde heute begonneil. aber nicht zu Ende geführt. Man kam nicht einmal ans einer Art General- debatte heraus, da die Vertreter der verschiedenen Wein- gegendcn die abweichenden Auffassungen, die über die Wein- fragen herrschen, zum Vortrag zu bringen strebten. Das Ge- setz soll bekanntlich den Weinfälschungen nach Möglichkeit ent- gcgenwirken. Die Kommission ist nun bestrebt gewesen, den verschiedenen Interessenten gerecht zu werden, sowohl den Weinbauern wie den Großweinbergbesitzern, den Händlern, aber auch dem Publikum. Das ist natürlich unmöglich. Kein Interessentenkreis ist befriedigt. Ueber den Grad der zu- lässigen Verzuckerung und VerWässerung sowie über die Zu- lässigkeit des Verschnstts mit ausländischen Weinen gehen die Meinungen wesentlich auseinander. Genosse David suchte die Härten zu bekämpfen, die den kleinen Winzern aus der Vorlage erwachsen und warnte eindringlich vor Ueberspan.- nung des Bogens. Als die Vertagung beschlossen war, gab es noch eine Ge- schäftsordnungsdebatte über die nächste Sitzung. Schließlich drang der Präsident mit seinem Antrage durch, die nächste Sitzung erst Donnerstag abzuhalten, damit der Mittwoch für Ssto Bndgetkommission frei bleibt. »- Wohnungsgeldzuschich und Kommuualsteuerprivileg. Am Dienstag beschäftigte sich daS Abgeordnetenhaus von neuem mit der Vorlage betreffend den WohnungSgeld Zuschuß der Beamten. Nach langlvierigen Verhandlungen zwischen Regierung und bürgerlichen Parteien hatte man sich endlich auf daS von uns bereits mitgeteilte Kompromiß verständigt, ein Kompromiß, das zwar den Fordenmgen eines großen Teils der Beamten, namentlich der unteren und mittleren Beamten, auch nicht entfernt gerecht wird, daS aber doch einen gewisten Fortschritt bedeutet. Mit Rücksicht hierauf konnte sich auch der FraktionSredner der Sozialdemokratie, Genosse Ströbek. damit einverstanden erklären. Sttöbel beschränkte sich nicht darauf, die Beamtenbesoldung, von der ja der WohnungSgeldznschuß einen Teil bildet, zu kritisieren, sondern er benutzte auch die Gelegenheit, den Herren von der Rechten, die sich so häustg über den sozialdemokratischen Ton beschiveren, gehörig dm Text zu lesen und ihnen ihr eigenes, oft sehr un- anständiges Benehmen vor Augen zu führen. Obwohl Slröbel mehrmals den vor ihm sitzenden Konservativen v. Pappenheim apostrophierte, der sich bekanntlich besonders geschmackloser Zwischen- rule gegen Sozialdemokraten bedient hat, erwiderte weder der direkt herausgeforderte Herr v. Pappenheim, noch einer seiner Freunde-- ein Beweis dafür, daß der Hieb gesessen hat. Den zweiten Teil der Sitzung füllte die Beratung des Gesetz- entwurfs betreffend Aufhebung des Kommunalsteuerprivilcgs. Entgegen der ursprünglichen Regierungsvorlage, die nur die nach dem 1. April zur Anstellung kommenden Beamten zur Gemeinde- einkommensteuer heranziehen wollte, hat die Kommission das Privileg auch für Lehrer, Geistliche und untere Kirchendiener auf- gehoben. Die konservativ-Ilcrikale Mehrheit beseitigte nun im Plenum die den Geistlichen auferlegte Pflicht, so daß nach den neuesten Beschlüssen nur Beamte, Lehrer und untere Kirchendiener, nicht auch Geistliche, Eemeindeeilikommensteuer zu zahlen haben. Die Geistlichen können wohl ihren Nebenmenschen predigen, daß sie ihre Pflichtm zu erfüllen haben, ihnen selbst aber werden die Lasten ab- genommen. Der sozialdemolratischen Fraktion wurde es durch die Mehrheit, die ivieder iu ihre alte Wortabschneiderei zurückstel, unmöglich ge- macht, ihre Stellung zu präzisiere». Am Mittwoch stehen kleinere Vorlagen und die neuen Stempel- steuergesetze auf der Tagesordnung. Kompromistliches. Die Kompromißverhaiidlungen zwischen den Blockparteien sind unter der Aegide des Herrn Gehcimrats v. Loebell in vollein Umfange tvieder aufgenommen. Dabei ist, wie das „Verl. Tagebl." zu berichten weiß, den Führern und Sprechern der freisinnigen Fraktionsgemeinschast. den Abgg. Wiemer, Müller-Meimngen und Payer seitens des Geheimrats v. Loebell nahegelegt worden, sich zunächst zur Bewilligung der indirekten Steuervorlagen der Verbündeten Negierungen zu verpflichten; doch ist es bei diesen Besprechungen bisher zu keiner Einigung gekommen. An den bayerischen Gesandten in Berlin soll heute ein Beschluß der bayerischen Regierung gegangen sein, wonach diese den Blockantrag zur R e i ch s fi n a n z r e f o rm entschieden ablehnt. *• Die„K r e n z- Z e i t u n g" hat sich das niedliche Vergnügen geleistet, die fteuc. graphischen Berichte des Reichstages daraufhin zu untersuchen, mi sich im Jahre 1906 bei der Beratung der damaligen Erbschaftssteuervorlage die Herren Wiemer, Müller- Meiningen, Paaschs und Weber zu der Frage der Besteuerung des an direkte Nachkommen und Ehegatten fallenden Erbes gestellt haben. Die Blütenlese, die sie bietet, ist recht interessant. Dr. Wiemer sagte z. B. am 10. Januar 1906: „Viel umstritten ist die Frage der Besteuerung der Erbanfälle an Deszendenten. Es stehen mancherlei Bedenken auch nach unserer Meinung dieser Besteuerung entgegen. Ich kann, ohne vorläufig eingehende Ausführungen darüber zu mache», vieles von dem unterschreiben, was der preußische Herr Finanzminister in der ersten Lesung des Etats darüber ausgeführt hat. ES läßt sich nicht verk-mien, daß eine solche Besteuerung der Deszendenten einen Eingriff in die Familien- einheit enthält: vielfach tragen erwerbsfähige Familienmitglieder dazu bei. durch ihre Arbeil das Familienvermögen zu erhalten und zu vermehren. Es läßt sich auch nicht verkennen, daß unter Umständen dieses Eingreifeil in die intimen Familienverhältnisse äußerst peinlich wirken kann bei dem Tode des betreffenden Erb- lassers." Derselbe Abgeordnete machte am 11. Mai 1906 folgende AuS- führungeil: „Wir wollen auch nicht die Besteuerung auf D e sz en d e Ii t e u und Ehegatten ausgedehnt wissen. Allerdings ist diese Frage für meine Freunde keine Prinzipien-, sondern eine ZweckmäßigkcitSfrage; es lassen sich manche Gründe dafür, aber auch manche Bedenken dagegen anführen. In der ersten Lesung habe ich einige dieser Bedenken gekennzeichnet, und ich bin auch heute der Meinung, daß diese Bedenken uns zur Ablehnung des jetzt wieder gestellten Antrages auf Aus- dehnung der Steuer auf die Deszendenten veranlassen müßten. Eine solche Maßnahme entspricht nicht der deutschen RechtSauffassung von der Einheit des Familienvermögens. Tragen doch auch vielfach die Kinder dazu bei, erst das Vermögen zu schaffen, daS nachher ver- erbt werden soll." Der nationalliberale Abgeordnete Dr. Paasche erklärte am am 21. November 1903: „Auch in der Mitte meiner Freunde sind die lebhaftesten Be- denken gegen diese Nachlaßsteuer vorhanden, die nicht zu beseitigen sind,«ie liegen nicht etwa darin, daß wir nicht wollen, daß das Vermögen als solches besteuert wird, sondern sind darin begründet, daß selbstverständlich bei einer so hohen Steuer, die bei Erbschaften zwischen Ehegatten, Kindern und Eltern bis zu 3 Proz. und vielleicht sogar noch höher geht, die Einschätzung eine so rigorose und so schikanierende sein muß— loie es tatsächlich schon heute bei der Erbschaftssteuer ist—, daß ich einer Verallgemeinerung nicht das Wort reden kann und der festen Ucberzeugimg bin, eine solche Steuer wird namentlich in ländlichen und kieinbürgerlichen Kreisen eine derartige Erbitterung hervorrufen, daß ich ungern die Ver- antwortnng dafür übernehmen mochte. Die„Kreuz-Ztg." hat damit erwiesen, daß die Abneigung gegen die Nachlaßsteuer sich bis tief in die Reihen der Freisinnigen und Nationalliberalen erstreckt. Allerdings können die Freisinnigen mit gleichem Recht den Spieß umkehren und nachweisen, daß früher die Agrarier für die Nachlaßsteuer eingetreten sind. Beiden Parteien gilt eben daS Prinzip nichts, der Profit alles!--- Konservative Hetze gegen die Sozialpolitik. Die„Kreuz-Zt g.", das führende konservative Organ, hält den Sturmlauf der Malkewitz, Hammer und Konsorten gegen die Sozialpolitik offenbar für noch nicht eindrucksvoll genug. Sie setzt den konservativen Vorstoß gegen den Arbeiterschutz durch einen Leitartikel fort, in dem es heißt: „ES war an der Zeit, daß sich einmal eine ernst mahnende Stimme dieser einseitigen Sozial- Politik gegenüber crbob. Dies geschah am Sonnabend im Abgeordnetenhause, wo bei Beratimg des Etats für die Handels- und Gcwerbeverwaltung der bekannte konservative Verfechter ge- werblicher Mittelstandsinteressen, Abg. Malkewitz forderte, daß der fortgesetzten Belastung der Arbeitgeber durch sozial- politische Bestimmungen ein Halt geboten werden müsse.... Bezeichnend ist, daß der„Vorwärts" diese verdienstliche Warnung mit Schimpfereien und Drohungen begleitet. Er schreibt, die„Dreiklassenmänner" suchten die sozialpolitische Reichs- gesetzgebung zu durchkreuzen und bei ihrem Einflüsse be- deute ihr Vorgehen die bedenklichste Gefährdung des Arbeiter- schutzes. Schon allein um diesen„unheilvollen Einfluß der Junker und Schlotbarone" auf die Regierung zu brechen, gebe es kein dringenderes Erfordernis als die Einführung des gleiche» Wahlrechts für Preußen. Aus diesen Worten sieht man, welch b e- deutenden Wert für die Sozialdemokratie das sozalpolitische Experimentieren hat. Arbciterschutz und Arbeiterversicherung in ihrer die Arbciterwohlfahrt fördernden Wirkung sucht die sozialdemokratische Partei stets möglichst herabzu- setzen; aber sie erkennt sehr gut, welch' unschätzbare Bedentung der sozialpolitischen Gesetzgebung in manchen Stücken für die sozial- demokratische Agitation innewohnt. DaS hat man denn auch in Iveiien Kreisen der Bevölkerung erkannt, und deshalb sind w!- davon überzeugt, daß die ernste Mahnung der konservativen Ahgeordnetcnhausftaktion im Lande lebhaften Widerhall wecken wird." Die Arbeiter werden sich nach dem Vorbild der notleidenden Agrarier doppelt zu rühren haben, um dir reaktionären Bremsversuche unwirksam zu machen 1 Verden-Hoya. Die Nationalliberalen habe» den Wahlkreis Verden-Hoya ver- koren. Bei der gestrigen Stichwahl ini Reichstagswahlkreise 6 Hannover erhielt von Dannenberg sWelfe) 13ö7S, Dr. Heiligenstadt (natl.) 10 119 Stimmen. Erstcrer ist somit geioählt. Der Wahlausfall bedeutet eine jämmerliche Nieberlage des NationallibcralismuS. Bei der letzten allgemeinen ReichstagSwahl im Jahr 1907 wurde der nationallibcrale Kandidat Held schon im ersten Wahlgange gewählt niit 13 851 gegen S9I5 welsische und 3491 sozialdemokratische Stimmen. Ebenso wurde 1903 Held, wenn auch erst in der Stichwahl, mit 11 165 gegen 7103 Stimmen gewählt. Erfolg der preustischcn Polcnpolitik. Die preußische Polenpolitik hat trotz der Hunderte von Millionen die sie im letzten Jahrzehnt' gekostet hat, lediglich den Erfolg erzielt die Polen aufs äußerste zu erbittern, nicht aber ihnen irgend welches Terrain abzugewinnen. Soweit in einzelnen östlichen Gegenden eine Verminderung der polnisch sprechenden Bevölkerung in ihrem Verhältnis zur deutschen Bevölkerung erfolgt ist, erklärt sich diese Abnahme lediglich aus dem Wegzug polnischer Arbeiter nach dem Westen in die rhcinisch-westfälischen Jndustriereviere, in denen ganze polnische Ortschaften entstanden sine». Nach einer Aufstellung des Direktors des Statistischen Amtes in Posen, Dr. Franke wurden im preußischen Staate 1890 insgesamt 2 922 475, im Jahre 1900 3 305 749 und 1905 3 646 446 Polen, Masuren und Kastuben gezählt. Hiervon entfielen auf die vier östlichen Grenzprovinzen 1890 96,56 Proz., 1900 93,23 Proz. und 1905 90,43 Proz. Diese rasch abnehmenden Prozentsätze des preußischen Ostens bedeuten ein schnelles Wachstum der polnischen Bevölkerung in den westlichen Landesteilen, in welche die Polen in immer größerer Zahl abgewandert sind. Die Polen haben sich in der Zeit von 1890 bis 1905, absolut genommen, fast in allen Teilen Preußens stark vermehrt, besonders erheblich ist ihre Zunahme jedoch in den Regierungsbezirken Düssel- dorf, Arnsberg, Münster, Potsdam, sowie in Berlin gewesen. Im Bezirk Düsseldorf ist die Zahl der Polen von 4672 auf 45 623, in Arnsberg von 20131 aus 97 703, im Münsterlande von 6490 auf 40 723, in Potsdani von rund 9000 auf 30 000 und in Berlin von 12000 auf 24 000 gestiegen._ Katholische Arbeiter gegen das Zentrum. In dem rheinischen Wahlkreise D ü r e n- I ü l i ch hat da' Zentrum au Stelle deS gestorbenen Grafen Hompesch den F ü r st e n S a l m- D y ck- R e i f f e r s ch e i d t als SieichstagSkandidaten auf- gestellt. Viel weiß die Oeffenllichkeit nicht über diesen Herren- häuSIer; aber was sie weiß, das genügt vollauf, um den Herrn als einen patriarchalisch-agrarische» Antisozialpolitikcr schlimmster Art zu kennzeichnen. ES sei nur daran erinnert, daß vor einiger Zeit auf einem Gute des Fürsteu die Landarbeiter streikten, weil sie als Familienväter nicht mehr für 1,50 M, täglich im Sommer und 1,30 M. im Winter arbeiten wollten. Am verflossenen Sonntag haben die katholischen Arbeiter sich >nit der fürstlichen Kandidatur befaßt. Im Äaisersaal in Düren drängte sich eine tausendköpfige Menge katholischer Arbeiter, bis- heriger treuer ZentrumSanhäuger. Das vage Bewußtsein, vom Zentrum betrogen und verkauft zu werden, kam in dieser Ver- sammlung zu elementarem Ausbruch. Sticht von unbekannten Leuten war die Versammlung einberufen, sondern von Männern, die jahrelang Vertraueiisäiiiter in der Zentrumspartei oder in den Zentrumsgewerkschaften bekleidet haben. Von der katholischen Arbeiterschaft waren sie zu der Versammlung gezwungen worden. Die Wahlkomitees der beiden Kreise, auS denen sich der Reichstags- Wahlkreis Düren-Jülich zusammensetzt, hatten, ohne die Wähler irgendwie zu fragen, autokratisch den Fürsten aufgestellt, darauf vertrauend, daß der Kreis einer der bombensicheren des Zentrums ist. Der die Versammlung eröffnende christliche EcwerlschaftSleitcr M n s ch e n i ch teilte mit, die Arbeiter hätten sich an das Wahl- komitee deS Zentrums gewandt, damit man bei der Kandidaten- aufstellung die im Wahlkreise zahlreich vertretene Arbeiterschaft bc- rücksichtige; aber man habe sie nicht beachtet, sondern einen Fürsten aufgestellt, der allen die Arbeiter interessierenden Fragen fremd gegenüberstehe, der auf seinem Schloß, bei der Bewirtschaftung seiner vielen Güter und beim Jagdsport groß geworden sei. Ein ohrenbetäubender Beifall erscholl, als der Redner mit erhobener Stimme erklärte:„Die Arbeiter brauchen und wollen keinen fürstlichen Vertreter!" Als erster Diskiiisionsredner trat ein christlicher Gewerkschaftssekretär fiir die offizielle Kandidatur ein. Zwar sei, meinte er. vieles in der Zentnmispolitik zu verurteilen; besonders könne er sich mit dem letzten Vorgehen des Zentrums in der Steuerfrage nicht einverstanden erklären; aber die Ausstellung eines auf dem Boden des Zentrums stehenden Gegenkandidaten sei aus- sichtSloS. Der Fürst Salm sei ein Mann, der alle Stände vertreten wolle. Hohngelächter der Versammlung war die Antwort. Anderen Rednern, die die fürstliche Kandidatur zu retten suchten, erging e-S nicht viel besser. Selbst nicht das rote Gespenst, das gerisiene Demagogen an die Wand malten, wollte verfangen. Redner gegen die„arbeiterfeindliche Sozialdcmolratie", die man ehedem bejubelt hatte, wurden diesmal mit eisigem Schweigen aufgenommen. Die Freunde des Fürsten schickten zahlreiche gewiegte und in allen Kniffen erfahrene Redner ins Feld; die Gegenseite verfügte über nur wenige, ungeübte Sprecher. Und dennoch errangen diese fast allgemeine Zustimmung. Mit Nachdruck wurde immer wieder gefordert:„Hinweg mit dem F ü r st e Ii l" Aufs höchste stieg die Empörung, als die Arbeiter erfuhren. mit welchen Pratiken man beim Zentrnmswahlkomitee die Aus- schaltung der Arbeiter betrieben hat. Von der Unterschlagung von Briefen war da die Rede, und man erfuhr, daß die Dürener ZentrilmSpresie die Ausiiahme der Anzeige für die Versammlung verweigert hat. Redner, die das Zentrum verteidigen wollten, wurden nun niedergeschrien. Schließlich, nachdem die nicht sehr zahlreichen Anhänger des Fürsten den Saal verlassen hatten, wurde das Komitee beauftragt, Schritte zur Aufstellung einek den Arbeitern geuehmenKandidaten zu tun. Nationallibcraler Parteitag. In der letzten Sitzung des Zentralvorstandes der national- liberalen Partei wurde der geschäftsführende Ausschuß beauftragt. die Vorbereitungen für den diesjährigen allgemeinen Ver- tretertag der Partei zu treffen. Dieser soll im letzten Drittel de§ Septembers in Eisenach stattfinden, und damit zugleich die SO-jährige Erinnerungsfeier für den Nationalverein verbunden werden, zu dem am 14. Nugust 185S der Grundstein in Eisenach gelegt wurde.— Die Balkankrise. Die serbische Note. Der„Petit Parisien" teilt mit, daß Serbien Montag nach- mittags die Z i r k u l a r n o t e an die Mächte und speziell an Oesterreich abgesandt hat. In dieser Note erneuert die serbische Negierung die Versicherung ihrer friedfertigen Ab- sichten und verzichtet auf alle territorialen An- spräche. In dem Text heißt es weiter, daß die Vorschläge des Grafen Forgach über die Erneuerung des Handelsvertrages günstig aufgenommen werden. In Petersburg wird die Note als erfreuliches Symptom angeschen und in einem Interview soll Jswolsli erklärt haben, er werde einen Krieg nicht zulassen. Diese günstige Beurteilung der serbischen Note nimmt umsoweniger Wunder, als ihr Inhalt ja von der russischen Regierung der serbischen diktiert worden ist. Uin so skeptischer wird man aber diesen immer aufs neue wiederholten Beteuerungen nach den schlechten Erfahrungen, die man mit der serbisch- russischen Wahrheitsliebe gemacht hat, gegenüberstehen. Serbien handelt in allen Stücken nur als der gefügige Vasall Rußlands, dessen Friedensliebe nur die eine Bürgschaft aufzuweisen hat: die völlige Desorganisation der Armee, die in der geheimen Duma- fitzung sogar der russische Kriegsminister mit halben Worten zu- gestehen mußte. In Wien ist man auch viel pessimistischer. Man bezweifelt die Meldung des Pariser Blattes und hält die Situation noch immer für gefahrdrohend. Es ist dabei nicht zu verkennen, daß die lange Dauer der Krise und die unerträgliche Ungewißheit des schließlichen Ausganges den Einfluß der österreichischen Kriegspartei mit dem Thronfolger, dem Urheber der Annexionspolitik an der Spitze. gestärkt hat. Die Rüstungen haben Oesterreich bereits mehr als eine Drittel nrilliarde Kronen gekostet, und jeder weiter Tag erfordert 150000 Kronen. Auf diese Ausgaben beruft sich die österreichische Regierung bei ihrem Verlangen, von Serbien endlich Klarheit zu erlangen. Ob und wann die serbische Nation diese Klarheit endlich bringen wird, muß abgewartet werden. Tie Turchsnhr des Kriegsmaterials. Konstantinopcl» 0. März. In amtlichen Kreisen wird erklärt, daß der gestrige M i n i st e r r a t keine endgültige Entscheidung wegen der serbischen Kriegs Materialtransporte ge- troffen habe. Man glaubt, daß die Erlaubnis nicht erteilt werden wird, wenn nicht Serbien befriedigende Aufschlüsse über den Zweck der großen Käufe von Kriegsmaterial gibt. '.lnruhen im Sandschak Novibazar. Konftantinopel, 9. März. Nach amtlichen auf der Pforte ein- gelaufenen Meldungen macht sich im Sandschak Novibazar eine bedenkliche serbische Bandenbewegung bemerkbar. Infolgedessen wurden die dortigen Militärkommandanten ange- wiesen, die umfassendsten Gegenmahregeln zu treffen. Kattaro. 9. März. Aus Montenegro einlaufende Mel- düngen besagen, daß sich dort eine starke militärische Be- wegung bemerkbar macht. Größere Militürabteilungen haben sich an die Grenze des Sandschaks Novibazar begeben. Es zirku- lieven Gerüchte, daß Serbien und Montenegro einen Teil des Sandschaks Novibazar besetzen werden. Bulgarische Rüstungen? Konstantinopel, 8. März. Sabah meldet, daß Bulgarien gegenwärtig öffentlich und in noch größerem Umfange als früher seine militärischen Vorbereitungen fortsetze. Es habe abermals die Mobilmachung der achten Division angeordnet. Tie Lionsercnzfrage. London, 9. März. Im Unterhaus richtete heute der irische Nationalist Dillon an den Staatssekretär Grey die Frage, lvelche Schritte in der Richtung auf das Zustandekommen einer europäischen Konferenz geschehen seien, die sich mit der durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina geschaffenen Lage beschäftigen würde, und für welchen Zeitpunkt der Zusammen- tritt der Konferenz erwartet werden dürfe. Der Staatssekretär erwiderte: Es gehen beständig Mit- keilungen zwischen den Mächten hin und her zu dem Zweck, die allgemeine Verständigung zu fördern. Da Interessen anderer Mächte wesentlich berührt werden, kann ich gegenwärtig keine weiteren Aufschlüsse geben. Tie Verhandlungen sind nicht weit genug fortgeschritten, daß ich sagen könnte» wann die Konferenz wahrscheinlich zusammentreten wird. frankreidv Die zweite Serie der Ersatzwahlen. Paris» 8. März.(Eist. Ber.) Ungefähr mit derselben Wahrhaftigkeit, womit sie die gestrige Kundgebung der Pariser Arbeiterschaft bei der Eni- hüllung des Denknials FloquetS als„einige Zwischenfälle" hinstellt, kann die radikale Regierungspresse das Resultat der gestrigen Wahlen als einen Erfolg ihrer Patrone interpretieren. In der Tat hat die sozialistische Partei in der Stichwahl weder Crenneux in Marseille noch Renaudel in Toulon durchgebracht, und besonders dieses erfreut das Herz der Regierungsradikalen. Nun stand in beiden Wahlkreisen die Sache in Wirklichkeit so, daß ein sozialistischer Sieg nur dann möglich gewesen wäre, wenn die ganze radikale Wählerschaft den demo- kratischen Prinzipien und Traditionen den Vorrang vor den Älassenintercssen und der Klassenangst gegeben hätte. Iaures und die„Humanitö" haben mit einem auf- fallenden Optimismus darauf gerechnet und so fällt denn über ihre Siegesfreude über die gestrigen Erfolge ein Schatten, den nur diese ungerechtfertigte Einschätzung erklärt. Der Sieg Renaudels hätte ja allerdings den baldigen Sturz Clemenceaus zur ziemlich sicheren Folge gehabt, während jetzt die radikalen Ratten vielleicht noch an die Rett- barkeit deö Regiernngsschisfes glauben werden. So wüuschbar der Fall einer Regierung ist. die, wie sie erst gestern wieder glorreich gezeigt hat, ihre Sache nur noch auf die Kraft der Polizistenfäuste stellt. so ist für die sozialistische Politik die Hauptsache das Wachsen der sozialistischen Bewegung selb st und in diesem Sinne dürfen die Genossen der geeinigten Partei mit den Wahlergebnissen überaus zufrieden sein. «ic haben ein Mandat aus eigener Kraft er- obert und in einen: anderen Wahlkreise sind sie nur ein paar hundert Stimmen davon entfernt geblieben. Der vierte Wahlkreis von Lyon war Besitzstand der Radikalsozialisten, nun ist Genosse R o g n o n, Bildhauer, dort gewählt. Er erhielt 4513 Stimmen— gegen 2658 im Jahre 1966— die radikalen Stinnncn aber fielen von 5774 auf 2270 Stimmen. Im ersten Wahlkreise von Amiens war 1906 ein Radikalsozialist mit 12 590 Stimmen gegen 6937„liberale", d. h. rcaktioimre gewählt worden. Diesmal hat Genosse L e c o m t e, Buch- drucker, 8396 Stimmen bekommen, die Reaktionäre gingen auf 5368, die Radikalen gar auf 3326 zurück! Erfreulich ist auch das Anwachsen der sozialistischen Stimmen in» Wahlkreis von Doullens(Departement Sommc). Genosse Myreus, Gymnasialprofessor, steht mit 3222 Stimmen an zweiter Stelle, allerdings ohne viel Aussichten für den zweiten Wahlgang. 1906 hat aber die Partei in diesem Bezirk nur 605 Stimmen anfgebracht. Wie stark die Abkehr vom Radikalismus ist, zeigt die Stimmenzahl von 2151, die dcrH ervöist Jobert, der eine Agitation im Sinne seiner Richtung betrieb, im ländlichen Departement Ionne aufbrachte. Wie die Fortschritte des Sozialismus den Ilcbergang breiter Wählerschichtcn vom Radikalismus zur geeinigten Partei anzeigen— eine Tatsache, die auch das„Journal des Debats" als das charakteristische Merkmal des gestrigen Wahltages anerkennt— so geben sich innerhalb der noch bei den Radikalen zurückbleibenden Wählerschaft direkt entgegengesetzte Tendenzen kund. die den alten Parteiverband schließlich sprengen müssen. In Toulon hat Renaudel gestern ein Mehr von 1700 Stimmen gegen die Hauptwahl aufgebracht. Es stammt von altradikalen Wählern, die der von Pelle tan ausgegebenen Parole folgten, dem Aufruf des radikalen Parteivorstandes zum Trotz für den Sozialisten zu stimmen. Die große Mehrheit der radikalen Wühler aber stimmte �lieber für den Kandidaten der sozialen Reaktion. Dem Siege des Pseudo» radikalen Petin aber st cht die Stichwahlniederlage des redlichen Radikalsozialisten Prof. Levy-Ulmann im Pas-de-Calais gegen- über, Ivo die demokratische Union, trotz der berühmten republikanischen Solidarität, dem Konservativen, das heißt Antirepublikaner zum Siege verhalf. Die gestrigen Wahlen beiveisen so, daß nicht nur der Block im combistischen Sinne ein leeres Wort geworden ist, sondern daß der fort- schreitende Klassenkampf sogar dem Block des bnrger- lichen Fortschritts ein Ende gemacht hat. An seiner Stelle steht jetzt der der Gesellschastsrcttung und Clemenccau ist sein Prophet. Italien. Die Wahlen. Rom, 9. März. Von 508 Wahlen waren bis mittag 477 Resultate bekannt. Es sind 214 Ministerielle wiedergewählt und 61 ncugelvählt, 40 von der konstitutionellen Opposition wieder- gewählt, 2 neugewählt. 22 Radikale wiedergewählt, 9 neugcwählt, 12 Republikaner wiedergewählt, 5 neugewählt, 18 Sozialisten wiedergewählt, 10 neugewählt. 4 Katholiken Wiedergewählt, 11 neu- gewählt. In 69 Wahlkreisen kommt es zur Stichwahl. RulUanck. Tie Desorganisation der Armee als europäische Friedensbürgschaft. Petersburg, 9. März. In der gestrigen geheimen Abend- sitzung der Reichsduma waren der Kriegsministcr, der Marine- und der Finanzminister anwesend. Der Führer der Oktobristeu G u t s ch k o w erstattete als Präses der HcereSkommission Bericht über den Gesetzentwurf betreffend Bewilligung eines außerordent- lichen Kredites für unaufschiebbare Bedürfnisse der baltischen Flotte. Gutschkow beantragte die Bewilligung von 7 485 000 Rubeln. S a w i t s ch(Monarchist) warf dem Minister vor, daß er die für die Kriegsbereitschaft der Flotte dringend nötigen Forderungen nicht rechtzeitig eingebracht habe. Für die Ar- beitsgruppler stimmte Bulat gegen den Kredit, da seine Partei von der Kommission ausgeschlossen gewesen sei, ebenso stimmten die S o z i a l i st e n. T s ch e l m u k o w(Kadett) war für Bewilligung der Kredite, da die Forderungen des Ministers zum Schutze der baltischen Küste unabweisbar seien. Mehrere Redner der Rechten sprachen sich auch für die Vorlage aus. die darauf in allen drei Lesungen angcnonimcn wurde. Die Duma votierte sodann die Forderung deS Kriegsministeriums von 40 Millionen Rubel für Komplettierung von Kriegsvorräten und Munition, lieber die Vorlage referierte Gutschkow in längerer Rede, in der er unter anderem aus- führte: Unser strategischer Mißerfolg war kein Zufall, sondern die Folge der inneren Mißstände unserer militärischen Or- ganisation. Wir erwarteten, daß diese Lehre, die Rußland beinahe an den Rand des Verderbens brachte, die Regierung zwingen werde, der Schaffung von Ordnung in der Landesverteidigung ihre ernste Aufmerksamkeit zu schenken. Wir hofften.daß das Verantwortungs- gefühl die Träger der Gewalt aus die gebührende Höhe heben werde. Wir sind in die Duma gekommen, bereit, schwere Opfer zu bringen und haben die Bewilligung der vom KriegSministerium geforderten Kredite niemals verweigert. Dreimal ist in den letzten ändert- halb Jahren ein Kriegsgewittcr heraufgezogen: drei- mal hätten wir zur Abwehr dieser Gefahr bereit sein müssen. In materieller Hinsicht sind ztveifellos einige Verbesserungen ein- getreten, jedoch von denjenigen Gebieten des Militärwesens, die unserer Kritik nicht unterliegen, kann letzteres nicht behauptet werden. Wir sehen dort k c i n e n g ti» st i g e n A u f sch w u n g. Redner führte weiter aus, er sei überzeugt, daß die Ver- nunftund Mäßigkeiti» deraus wältigen Politik Rußlands durch das Bewußtsein der st r a t e g i- schenSchioächedesLandes hervorgerufen sei. Wenn diese Politik unpopulär sei, so sei sie doch im gegenwärtigen Augenblick richtig. Wenn Ruhland die Geduld nicht schließlich reißen werde, so würden bei den Nachbarn die Gelüste immer noch größer werden. Wir können uns, fuhr Redner fort, nicht in die Lage Persiens oder der Türkei begeben, die von der Gnade oder der Eifersucht ihrer Ztachbarn leben. Wir stehen vor der quälendeil Frage, ob der Zustand der Landesverteidigung dem erhabenen Führer der Armee bekannt ist, und ob die, auf denen die Beraut- Wartung liegt, den sittlichen.Mut haben, ihm ein wahres Bild von diesem Zustand zu geben. Man kann über die Duma und ihre Rechte verschiedener Ansicht sein, in der Pflicht aber, unserem Monarchen die Wahrheit zu enthüllen, müssen wir uns vereinigen. Ich hoffe, daß unsere«stimme den Thron erreichen und dort jenes bange Gefühl hervorrufen wird, von dem wir allein die Wiedergeburt unserer Landesverteidigung und die Sicherheit unseres Vaterlandes erwarten können.(Stürmischer Beifall rechts und im Zentrum.) Nach Gutschkow befürwortete im Namen der Kadetten General Vobuanski die Verringerung des Heeres und eine gründliche Reorganisation der gesamten Armee. Ferner verlangte er Befreiung der Truppen von Dienstleistungen in der inneren Politik. Kriegsminister Roediger stellte angesichts des Waffen- starrenden Europas für die nächste Zeit wettere Heercsreformen in Aussicht. Woiloschnikow(Sozialist) verweigerte im Namen des russischen Proletariats dem gegenwärtigen Regime jeden Kopeken. Markow II(Extreme Rechte) betonte, daß die Besetzung der Führerjtellen im Heere Sache des Monarchen sei und dessen Handlungen nicht kritisiert werden dürften. Er protestierte dann gegen den K r i e gs m i n i st e r, der gewisse Mißstände in der Armee kritisiert habe, wozu er nicht be- rechtigt sei.(!) Hierbei schlug der Redner laut auf das Pult und erhielt einen Ordnungsruf vom Präsidenten. Der Kriegs- minister verwahrte sich dagegen. Persönlichkeiten an leitender Stelle im Heere kritisiert zu haben; er habe nur gesagt, ideale Zustände seien erst allmählich erreichbar. perHen. Die Kämpfe«m Täbris. Täbris. 8. März. Gestern gingen die Reiter Samad KhanS zum Angriff über. Die Revolutionäre konnten nickt schnell genug größere Streitkräfte zusmnmeiiziehei?, und mußten daher sechs Straßen des Stadtviertels Ehoknabad räume». Die nachdringenden Reiter plünderten und steckten einige Häuser in Brand. Als die Revolutionäre nach einstündigem Kampf Ber- stärkungen erhielten, zwangen sie die Reiter zurückzuweichen und machten einige Gefangene. Klus der Partei. Der Organisationöcntwurf in den Organisationen. Die Generalversammlung des Wahlkreises Dortmund« Hörde beschloß, beim nächsten deutschen Parteilage zu beantragen: „Falls der regelmäßige Partei'.ag wie bisher im Monat September jeden Jahres stattfinden soll, den K ti des Organisations- entwurfs dahin abzuändern, daß das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen vom 1. April bis 31. März läuft. Ablehncndcn- salles ist der§ 9 des Entwurfs dahin abzuändern, daß der Parteitag im November jeden Jahres stattzufinden habe. Im§ C ist dementsprechend die Berichterslattuiig der Kreisvereine an den Pacteivorstand bis zum 15. August verlängert festzusetzen." Zum Parteitage wird der Wahlkreis drei Delegierte entsenden. AuS den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Dort« mund-Hörde hielt am letzte» Sonntag seine General- Versammlung ab. Der Geschäftsbericht des Vorstandes umfaßte das letzte Halbjahr. Trotz der Krise, deren Wirkungen auch im Jndustriebezirk sich außerordentlich scharf bemerlbar machen, sind in der Organisation erfreuliche Fortschritte nach jeder R i ch r u n g hin zu konstatieren. Der Verein zählt nunmehr 61 Filialen. Beim vorigen Geschäftsabschluß betrug die Mirglieder- zahl 6707. Im letzten halben Jahre stieg die Zahl der männlichen Mitglieder um 519. ES sind also beim diesmaligen Geschäfts- abschluß 7126 organisierte Genossen vorhanden. Hierzu kommen seit dem I.Oktober die weiblichen Mitglieder, deren Zahl damals 1l 10 betrug und inzwischen auf 1401 gestiegen ist. Die Gesamtmitgliedschaft der Kreisorganisation stellt sich somit auf 8527. Ein Flugblatt gegen daS persönliche Regiment wurde in 120 000 Exemplaren verbreitet. Die„Arbeiterzeitung" hatte im Bereich des Wahlkreises im letzten halben Jahre einen Abonnentenzuwachs von 2500 zu verzeichnen. Unser Parteiorgan wurde um zwei Beilagen erweitert: uin die Frauenbeilage„Die Genossin" und die Jngendbeilagc„Der junge Kamerad". Bei den Kommunalwahlen, die letzten Herbst vornehm- lich in den ländlichen Orten vorzunehmen waren, wurden in zwölf Orten sozialdemokratische Kandidaten gewählt. Die Partei brachte bei diesen Wahlen 2814 Stimmen auf, mehr als die verschiedenen gegnerischen Parteien insgesamt. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter de» Wahlkreises beträgt nunmehr 69.— Gemäß den Beschlüssen des Hamburger Gewerkschaftskongresses und des Nürnberger Paneitageö hat sich auch hier eine Jugend- k o m m i s s i o n gebildet, die ihre Tätigkeit zu Beginn deS JabreS aufgenommen und überall die Vorarbeiten zu einer mtenstvon Agiiailon unter der arbeitenden Jugend getroffen hat. Es bestehen schon eine ganze Reihe Organisationen mit einem erfreulichen Mitgliederbestand. ES ist zu erwarten, daß die Jugendorganisation im Laufe des nächsten Jahres große Fortschritte zu verzeichnen haben wird.— Der Kassenbericht verzeichnet für das halbe Jahr eine Einnahme von 15 832,69 M.; darunter befindet sich ein Posten für 34 657 Beitragsmarken a 30 Pf. 10 397,16 M. An den Parteivorstand in Berlin wurden abgeführt 2101,10 M.» an den Landesvertrauensmann 1608 M. Aus den Beschlüssen ist mitzuteilen, daß ein Antrag, die Maifeier diesmal auf den folgenden Sonntag zu verlegen, mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Außerdem wurde ein Beschluß zum Organisationsstatut gefaßt, der an anderer Stelle ver- zeichnet ist._ Soziales» Staatliche Arbeitslosenversicherung in Bahertt. Auf der vom Ministerium de» Innern einberufenen Konferenz, die im November v. I. in München tagte, wurde nach einer allgc- meinen Erörterung der Arbcitsloseusrage ein Referent, der Nürn- berger Rechtsrat Fleischmann, und zwei Korreferenten, der Jen- trumsabgeordnete Graf Pestalozza und der sozialdemokratische Ab- geordnete Simon bestimmt und beauftragt, einer späteren Kon sc- renz Vorschläge zu machen. Die Berichte sind jetzt an das Ministe- rium abgegangen. Fleischmann hat mit seinen„Normalsatzungen" ein Machlvert geliefert, das ganz den reaktionären Geist der Nürn- bergcr Stadtverwaltung atmet/ an der er als Jurist angestellt ist. Er ist weiter nichts als eine verböserte Auflage des bekannten Berner Slsslems» das bekanntlich überall, wo es angewandt wurde, schlechte Erfahrungen gezeitigt hat. Die Arbeiter sollen sich selbst gegen Arbeitslosigkeit versichern und Beiträge an die von den Ge- meindcn zu errichtenden Arbcitslosenversickierungskassen bezahlen; dabei werden die Nichthcimatberechtigien ausgeschlossen, die Unter- ftützung ist nur unter erschwerenden Bedingungen zu erlangen, sie wird erst nach einer Karenzzeit von zwei Jahren ausbezahlt, Ar- beitcr, die dadurch arbeitslos werden, daß sie eine Stelle selbst kündigen, bekommen nichts, bei der Zuweisung von Arbeit an die Arbeitslosen wird Streikarbcit nicht ausgeschlossen, nur braucht sie der Betreffende nicht anzunehmen uiw. Die BerwaltungSkoste» oll großmütig die Gemeinde tragen, daß sie oder der Staat aber onst noch was leisten sollen, davon ist mit keinem Wort die Rede. Die Verwaltung ist so raffiniert zusammengesetzt, daß der Einfluß der Arbeiter ausgeschlossen ist. Diesem freisinnigen Machwerk kündigt Genosse Simon in seinem Bericht schon im voraus ein vollständiges Fiasko an; dann bespricht er die verschiedenen bisher angewendeten Systeme der Arbeitslosenversicherung und empfiehlt, in erster Linie das söge- nannte Genter System zu wählen, das die Unterstützung in Form von Zuschüssen an die Gewerkschaften gewährt. Die Unorganisierten könne man dabei ebenfalls berücksichtigen, wenn man be- stimmte Beiträge festlege und jedem arbeitslosen Mitgliede den- selben Zuschuß aus Staats- oder Gcmeindcmitteln gewähre, den die Gewerkschaften erhalten. Die Ausführung ist so gedacht, daß die Gemeinden einen bestimmten Fonds gründen, ccm alljährlich ein bestimmter Betrag überwiesen wird. Aus diesem Fonds sollen die Gewerkschaften für jeden Arbeitslosen einen Zuschuß von 60 Pf. pro Tag erhalten, ebensoviel die Unorganisierten, die der oben vor- geschlagenen Arbeitslosenkasse beitreten. Die Gewerkschaften müßten den städtischen Zuschuß verauslagen und allmonatlich eine Liste mit den Namen der betreffenden Arbeitslosen, Angabe ihrer letzten Arbeitsstelle usw. dem Magistrat zur Prüfung einreichen, worauf der Zuschuß ausbezahlt wird. Aus Staatsmitteln müßte den Gemeinden mindestens ein Drittel der verausgabten Summe ersetzt werden. Die Arbeitslosen müßten sich auf dem Arbeitsamt täglich zur Kontrolle melden und ihnen nachgewiesene, für sie passende Stellen annehmen. Die Verpflichtung, unter dem taris- lichen oder ortsüblichen Lohn Arbeit anzunehmen, darf nicht auf- erlegt werden, da dies der Lohndrückcrci Vorschub leisten würde. Die Gcwortschaften müßten ihre Statuten und Unterstützungsrcglc- ments dem Magistrat einreichen, solvie einem dazu angestellten magistratischcn Beamten Einblick in die Bücher der Arbeitslosen» lasse gewähren. Gewerkschaften, die gegen die Satzungen verstoßen oder deren Beamte dazu beitragen, daß der gemeindliche Zuschuß an Unberechtigte bezahlt wird, tverden auf ein Jahr vom Bezug des gemeindlichen Zuschusses ausgeschlossen. Wenn dieses System zunächst in den größeren Städten durchgeführt, daneben die städtischen Arbeitsämter besser ausgebaut und planmäßig für Winterarbeit gesorgt würde, bei denen in erster Linie Bau- und Erdarbeiter zu beschäftigen wären, so loürde nach Simons Ansicht der Boden vorbereitet, aus dem sich später eine Staats- oder Reichs- Arbeitslosenversicherung aufbauen könne. Auf keinen Fall aber dürften die Vertreter der Kommunen bloß nach dem Staat rufen und, weil dieser zurzeit selbst nichts tut, jedes Eingreisen der Gemeinde vertage». GewerhrcbaftUcbe� Schwarze Liste. _ In Verlin, Hamburg, Kiel sowie an der Unkettveser und einigen bedeutenderen Binnenwasserplätzen besteht eine eigen- artige Industrie, die geschickte Spezialarbeiter erfordert und dafür den— Unternehmern ungeheure Gewinne bringt. Es ist dies der Jacht- und Bootsbau. Die meisten der jetzigen Bootswerfteigner haben sich aus kleinen Anfängen in die Höhe gearbeitet. Ursprünglich meist reine Praktiker, gaben sie sich entweder dem theoretischen Studium deS Jachtbaues hin oder wustten sich die Mitarbeit gewiegter Konstrukteure zu sichern. Dadurch und durch die peinlich saubere und ge- wissenhafte Arbeit ihrer Angestellten kamen sie in die Höhe. Da es sich um die Befriedigung eines Luxusbedürfnisses bandelte, wurden natürlich Liebhaberpreise für die hergestellten Jachten und Boote gezahlt und ungeheure Gewinne aus den Betrieben herausgeholt. Solange die Arbeiter unorganisiert waren, partizipierten sie daran nicht. Jetzt wo sie ihren Anteil verlangen kommen, rückt man ihnen ganz nach Art der groß- industriellen Scharfniacher zu Leibe. Vor uns liegt folgendes Schriftstück: Bcrcin der Flußschiffswerften Teutschlands. Fernsprecher: Amt 2, Nr. 702 und 3223. Hamburg, den 3. März 1909,• Eimsbüttcler Straße 34. P. P. ES dürfte Ihnen bekannt sein, daß die Flutzschiffswerften Deutschlands sich im vorigen Jahre zu einem Verein zur Wahrung ihrer Interessen zusammengeschlossen haben. Obgleich wir noch nicht das Vergnügen haben, Sie als Mitglied dieses Zusammen- schlusses rechnen zu dürfen, so glauben wir doch annehmen zu können, daß Sie unseren Bestrebungen freundlich gegenüber- stehen und erlauben uns aus diesem Grunde heraus, Ihnen die ergebene Bitte vorzutragen, uns in dem uns aufgezwungenen Kampf mit den Werftarbeitern, welcher am 1. März ausgebrochen ist, zu unterstützen. Zur gefälligen Kenntnisnahme gestatten wir uns hinzu- zufügen, daß wir den Tarif, welcher bis zum 1. März zwischen der Gruppe Berlin mit den Werftarbeitern bestand, gezwungen waren, zu kündigen. Die Arbeiter reichten uns hierauf Forde- rungen auf Erhöhung des Lohnes und Zeitverkürzung ein, ohne die auf ihren eigenen Antrag gestellten Verhandlungen ab- zuwarten. Es handelt sich deshalb hier um einen frivolen Streik, der nicht allein die Interessen unserer Mitglieder schädigt, sondern auch diejenigen aller Flußschifsswerften. Wir glauben deshalb auf Ihre Unterstützung dahingehend rechnen zu dürfen, daß Sie die auf der beiliegenden Liste näher bezeichneten Ar- beitcr bis nach Beendigung dieses Streiks nicht einstellen. Wir sprechen Ihnen im voraus unseren verbindlichsten Dank für Ihre Unterstützung aus und halten uns zu Gegendiensten jeder- zeit zur Verfügung. Indem wir uns der angenehmen Hoffnung hingeben, daß Sic die Bestrebungen unseres Vereins prüfen und sich uns ebenfalls anschließen, stehen wir Ihnen mit Auskünften gerne zu Diensten. Hochachtungsvoll (Stempel.) Verein der Flußschifsswerften Deutschlands. (gez.) T h i e m a n. Die angehängte Liste enthält 29 Namen von Bootsbauern tmd Tischlern der Werft von Engelbrecht in Zeuthen, die neben Segeljachten hauptsächlich Lurusmotorjachten baut. 9 Bootsbauer und Tischler der Liste gehören zur Schiffswerft und Maschinenfabrik„Anker" in Runimelsburg, deren Spe- zialität jene flinken und eleganten stählernen Fährboote sind, die jetzt zu Hunderten die Gewässer der Berliner Umgebung bevölkern. 9 Bootsbauer, Schiffsbauer, Tischler und Schlosser läßt die Bootswerft von Albert Buller in Spandau in Verruf erklären, und S Bootsbaucr, Tischler und Eisen- schiffsbauer schließlich die Werft von Klause u. Müller in Stralau, ein neueres Unternehmen. Schaden für die Arbeiterschaft wird ja hoffentlich die Liste nicht anrichten. Die kleineren Werftbetriebe neueren Datums werden sich hüten, beim Eingang von Aufträgen so tüchtige Arbeiter, wie etwa die der Firma Engelbrccht, auf der Straße liegen zu lassen. Dies ganze Vorgehen aber auch dieser kleinen Gevnegroße im Chorus der Scharfmacher ist so charak- teristisch, daß wir es unseren Lesern nicht vorenthalten wollten. Serlin unck Umgegend» Scharfmachertheorie. Heber„Neuere Lohntarife' sprach im Verein deutscher Kalkwerke. der seine 13. Hauptversammlung im Architektenhause in Berlin ab- hielt, Dr. Tänzler vom Verein deutscher Arbeitgeberverbände. Er ermahnte die Anwesenden, wenn möglich keine Lohntarife abzuschließen, da hierdurch die. Interessen der Arbeitgeber für immer geschädigt würden. Im übrigen sei die beste Taktik die, engen Zusammenschluß niit den Arbeitgeberverbänden zu suchen. Achtung, Metallarbeiter! Die Kesselschmiede bei der Firma Schwartzkopff in Wildau bei KönigS-Wustcrhausen befinden sich noch im Streik. Da auch eine Anzahl Kollegen anderer Branchen seitens der Betriebsleitung wegen dieses Streiks ausgesperrt sind, so ist die Firma Schwartzkopff bis auf weiteres für jeden Metallarbeiter gesperrt. Im Auftrage der beteiligten Organisationen: Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiter und Arbeiterinnen! Die Differenzen bei Bosse, Wiener Str. 03, find noch nicht erledigt. Die Arbeiterschaft dieser Firma steht noch im Streik. Deshalb ersuchen wir alle Kollegen und Kolleginnen, jedes Arbeits- angebot dieser Firma zurückzuweisen. Die Firma Bosse ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Stellungnahme zur Kündigung des Schlossertarifs. Am 1. Juli d. I. läuft der Schlossertarif ab, falls er be- stimmungsgemäß gekündigt wird. Sonst läuft er ein Jahr weiter. Mit dem Bauschlossertarif läuft auch der Tarif in den einzelnen Geldschranlsabriien ab. Da der Tarif spätestens am 31. März gekündigt werden müßte, so mußte jetzt zu der Frage Stellung ge- nommen werden. Dem Zwecke diente eine allgemeine Versamm- lung der Schlosser Berlins und Umgegend, die zum Montag vom Deutschen Metallarbeiterverband einberufen worden war. Die Ver- sammlung war äußerst zahlreich besucht. Sie füllte den großen Saal des Gewerkschaftshauses bis zum letzten Platz. Cohen hatte das Referat. Die Vertrauensmännerkonferenz habe sich, so führte er aus, auf folgende Resolution geeinigt:' „Die Konferenz beschließt, der am 3. März stattfindenden Versammlung vorzuschlagen, den Schlossertarif für Berlin� der am 1. Juli abläuft, trotz verschiedener ihm anhaftender Mangel nicht zu kündigen. Sollte er aber von den Arbeitgebern ge- kündigt werden, dann behalten sich die Schlosser vor, eine Vor- luge auszuarbeiten und den Unternehmern zu unterbreiten, durch welche die Mängel im jetzt bestehenden Tarif beseitigt werden.' "•Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Wenn Wik von einer Kündigung Abstand nähmen, sagie Cohen, sei es ganz gewiß nicht deshalb, weil wir etwa meinten, daß der Tarif ideal wäre. Nein, die Gründe seien ganz andere. Wir hielten die gegenwärtige Zeit einfach nicht für angebracht, uns in solche Kämpfe, sagen>vir, unnötigerweise einzulassen. Wenn wir aber von der anderen Seite zum Kampfe gezwungen würden, dann wollten wir auch, daß aus den Verhandlungen etwas heraus- komme. Redner schloß mit der Mahnung, ruhigen Blutes die Situation zu überschauen und zu würdigen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der einige Redner für Kündigung des Tarifs eintraten, während von anderer Seite angeregt wurde, die Angelegenheit erst in Werkstattsitzungcn durch- sprechen zu lassen und sie dann, in einer anderen Versammlung zur Entscheidung zu bringen. Cohen suchte in längeren Aus- führungen im Schlußwort nächzuweisen, daß es eine taktische Un- klugheit wäre, wenn die Schlosser den Tarif kündigten. Der An- trag, in 14 Tagen eine neue Versanunlung abzuhalten, wurde an- genommen. Dieser Versammlung soll die obige Resolution zur Beschlußfassung darüber vorgelegt>r wendet sich gegen den Antrag Hormann. Abg. Freiherr v. Hehl zu Herrnsheim snall.): Persönlich halte ich die von der Kommission gewählte Fassung des Gesetzes sür die beste. sHört! hört! im Zentrum.) An dem 8 6b halte ich unter ollen Umständen fest; sollte er, weil die Regierung sonst das Gesetz scheitern lassen will, wieder fallen gelassen werden, so würde ich gegen das ganze Gesetz stimmen. Abg. Dr. Rösickc(I.): Den gestellten AbänderungSanträgcn können sich meine politischen Freunde nicht anschließen; sie stellen keine Verbesserung dar, sondern eine Verschlechterung; speziell würde die Annahme des Antrages Paaschs unsere Weine im Auslande geradezu diskreditieren. Den Antrag§ 6b wollen auch meine Freunde aufrechterhalten wissen, das ist im Interesse, der Reellität des Weinhandcls notwendig.(Bravo! rechts.) Abg. David(Soz.): Wir haben unS' in der Kommission darauf geeinigt, daß bei der Zuckerung nur 20 Proz. der gesamten Flüssigkeit Zusatz sein darf, und an dieser Bestimmung halten wir entgegen dem Antrag Paaschs fest. Das Gesetz soll in erster Linie den Konsumenten nützen; dann aber auch den Produzenten und den Händlern. Der Vermittler zwischen Produzent und Konsument erfüllt eben eine volkswirtschaftliche Funksion, und deshalb müssen auch seine Interessen im Auge behalten werden. Geschieht das, so bedeutet das Gesetz einen Schutz des soliden WeinhandelS gegen die unsolide Konkurrenz. Und dann werden manche Bedenken der reellen Weinhändlcr dagegen schwinden. Dies vorausgeschickt, muß ich aber doch Bedenken gegen die von der Kommission gewählte Fassung deS§ 3 äußern. Der Passus über die Zweckbestimmung des ZuckernS in diesem Para graphen wird zu den mannigfachsten Prozessen Veranlassung geben. Selbst wenn jemand nur 10 Proz. oder 5 Proz zusetzt, so kann ihm auf Grund dieser Bestimmung ein Prozeß an- gehängt werden, der seine ganze Existenz vernichtet. Bei einem solchen Prozeß auf Grund der Zweckbestimmung würde die Beweis- iührung durch Sachverständige geschehen. Beide Parteien würden Sachverständige anführen, welche die verschiedensten Urteile abgeben Nehmen Sie daher den ersten Antrag Paaschs an, welcher diese Zweckbestimmung streichen will. Dann ist wenigstens Rechlssicher heit geschaffen und klar gesagt: bis zu dieser Grenze darf gezuckert �werden, bei Zuckerungcn unterhalb dieser Grenze bleibt eS dem sachverständigen Ermessen der Produzenten Lberlaffen. Wenn die Traube ausgereift ist und einen guten Wein gibt, so würde der Produzent riskicreu, durch Zuckern eine solche Verschlechterung der Qualität herbeizuführen, daß die Vermehrung der Quantität diesen Schaden mcht ausgleicht.(Sehr richtig l bei den Nationalliberalen.) Ter Antrag Horinann will die Zeit für die Zuckerung vom 31. Dezember bis zum 31. Januar hinausschieben. Hieraus machen meine Freunde natürlich keine prinzipielle Angelegenheit. Für den späteren Termin führen die Herren von der Mosel an. daß sonst gerade die Produzenten der Moselweine gezwungen würden, zu zuckern, bevor sich die Notwendigkeit dazu herausstellt. nur um die Frist nicht zu versäumen. Wir sind bereit, dieses Argu- ment auf uns wirken zu lassen, aber keineswegs, um eine Ans- nahmebestimmung für die Mosel zu machen, sondern wir wollen eine einheitliche Bestimmung für das ganze Reich.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der DcklarationSzwang im§ 6d scheint ja noch einmal Er- örterungen hervorzurufen, wenn es wirtlich richtig ist, daß die Regierung gesagt hat, sie wolle das Gesetz daran scheitern lassen. Im allgemeinen stehen wir auf dein Standpunkt einer möglichst weit getriebenen Deklarasion. Hier handelt es sich zunächst darum, ob deutscher Weißwein, der mit ausländischem Weißwein verschnitten ist, auch als solcher Verschnittwein deklariert werden soll. Irgend- eine Benachteiligung des Auslandes kann darin nicht gefunden werden, und in bezug auf die Ehrlichkeit und Wahrheit ist es ein Fortschritt. Weiter verlangt der 8 6b, daß ein Gemisch von Weiß- wein und Rotwein nicht schlechtweg als Rotwein, sondern nur unter einer die Mischung kennzeicknenden Bezeichnung in den Verkehr gebracht werden darf. Wenn man Most von Trailben hat, der als Weißwein gar nicht verwendbar ist und wenn man diesen nun durch Rotwein zudeckt,— denll Rotwein färbt sehr stark— und dies Produkt dann dem Publikum alS„Rotwein" vorgesetzt, so ist das ein Betrug, eine Fälschung, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen; denn es ist kein Rotwein, sondern rotgesärbter Weißwein.(Lebhafte Zustinimuug bei den Sozialdemokraten.) Rotwein wird auch als Krankenwein benutzt, und ein solches Produkt würde geradezu gesundheitsschädlich sein. Deshalb verlangen wir diese Dcllarierung, und der Widerstand der Regierung ist in keiner Weise gerechtfertigt.(Lebhafte Zu- stiinnmng,) Ihren Widerstand gegen die Kontrolle durch da? ganze Reich hat die Regierung damit begründet, daß die Beamten nicht genügend beschäftigt sein würden. Ich verweise darauf, daß seit Jahren ein Gesetz aussteht, welches die Nahrungsmittelkontrolle überhaupt regeln will.(Sehr richsigi bei den Sozialdemokraten.) Würden wir eine solche Nahrnngsmittelkontrolle durch das ganze Reich be- kommen, so würden alle Schwierigkeilen gegen die Äufsichtsbeamten im Weinbau schwinden. Möge daher das an sich sehr wichtige Wein- gesetz ein Ansporn sei», daß uns möglichst bald das noch viel wicktigere Gesetz vorgelegt wird,»welches die Nahrnngsmittelkontrolle überhaupt regest.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hormann(frs. Vp.): Das Gesetz, wie es aus der Kommission hervorgegangen ist, ist so, daß Weinhandel und Weinbau damit aus- kommen können— aber eben auch nur auskommen können. Auf den vielen bedenklichen Kautschuk im Gesetze hat schon Kollege Dr. David hingewiesen. Solange keine Bestimmungen über die KontrollauSllbuug getroffen sind, werden die Kontrollvorschriften nur ein Anreiz zur Ucbertretung seilt.(Beifall bei den Freisinnigen.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg bittet um Annahme des Antrages Hormaim, als Endtermin der Zuckerung statt des 31. De- zember den 31. Januar zu normieren und so de» Winzeni größere Bewegungsfreiheit zu geben. Auf das eindringlichste möchte ich vor Annahme des§ 6b warnch,. (Hört! hört!) Das völlige Verbot des Verschneidens ausländischer Weine würde eine differenzierte Behandlung der ausländischen Weine gegenüber den inländischen bedeuten, die mit Geist und Buchstaben der Handelsverträge nicht vereinbar ist.(Sehr richtig! und Hört! hört! links.) Dem Beschluß der Kommission auf Anstellung von Sachverständigen sür das ganze Reich schließen sich die verbündeten Regierungen an und werden dafür sorgen, daß beim Jukraftsteten dieses Gesetzes diese Sachverständigen bereits vorhanden sind. Rleines feuillcton. Die Schauspieler und der Bühnenverein. In der soeben er schienenen Kunslnummer der„Dokumente deS Fortschritts"(Verlag Georg Reimer, Berlin) gibt der Schauspieler F. Rolan eine eindring- liche Schilderung der Zustände im Theaterwesen. Er läßt uns einen tiefen Blick in die Kulissen tun, läßt uns erkennen, welche Summe von Elend hinter dem so oft zum Lachen und Lächeln gezwungenen Künstler lauert, welch' Sklave seines Direktors der Schauspieler bis dato war. Er schreibt u. a.:„Die meisten Paragraphen des Kontraktes lauten überhaupt: Das Mitglied ist„ver- pflichtet"..., die Direktion ist„berechtigt".... das Mit glied„verzichtet"..., die Direktion„behält sich das Recht vor"... Nur in ganz wenigen Fällen„darf" das Mitglied Den Satz: der Direktor ist„verpflichtet"... habe ich. trotzdem ich viele Kontrakte vieler Direktoren gelesen habe, noch nirgends ge- fanden, llsiir in einem Punkte steht dem Mitglieds ein unbestreit- bares Recht zu, nämlich dann, wenn es dem Herrn Direktor pränn- merando einen Monat Arbeit geleistet hat, und der Direktor Post- uumerando die Bezahlung verweigert. Dann„dars" der Schau- spieler weitere Pränumeraudoarbeit verweigern. Wenn auch bisher die deutschen Schauspieler aus Mangel an Einheit und zielbewußter Führung sich die unglaublichen, dem sozialen Empfinden hohnsprechenden Verlragsbeslinimnngen gefallen ließen, so darf man doch nicht glauben, daß sie deshalb damit zufrieden gewesen wären. Kraft des vorhandenen Kapitals diktierten die Direktoren die Vertragsbedingungen, aus denen klar und deutlich hervorgeht, daß niemand es wagen darf, an ihrer Ehrenhaftigkeit zu zweifeln, während sie von dein Schauspieler das Gegenteil anzunehmen geneigt sind. Wird z. B. ein Schauspieler krank und meldet dies seiner Direktion, so behält sich diese das Recht vor, die Krankheil so lange für Schwindel zu halten, bis ihr angestellter Vertrauensarzt das Gegenteil bc- kündet. Zcugn-sse von Hausärzten haben der Direktion gegen- über keine Gültigkeit. Erklärt der Theaterarzt, er könne die Krankheit nicht konstatieren, so muß das Mitglied spielen. Die Wut über solche beschämende Bestimmungen kommt am besten zum Ausdruck durch die in Theaterkreisen kursierenden Garderoben- ivitze. Zum Beispiel: Wenn ein(Schauspieler während der Vor- stcllung ans offener Szene stirbt, so macht er sich dadurch eines groben Vertragsbruches schuldig, und seine Erben sind ver- pflichtet, der Direktion den erwachsenen Schaden in Höhe der Einnahme eines ausverkauften Hauses zu ersetzen. Anger- dem verfällt der Direktion die vereinbarte Konventionalstrase. Dagegen verbleibt die Leiche im Besitz der Direktion, so lange es angängig ist. und hat nach wie vor ihre ganze Kraft zur Verfügung zu stellen für stumme Rollen, Komparserie und Statisterie. Die Desinfektlonskostcn sind von de» Erben zu tragen. Das Geschichtchen ist noch nickt einmal zu Ende, die innere Empörung, die nur. den Witz, von Mund zu Mund erzählt, als Ventil hat, zeitigt derbere Aeußerungen, die sich nicht wiedergeben lasten. Weiter! Die Direktion behätt sich einseitiges Kündigungsrecht vor: nach 14 Tagen im Probemonat, zum Ablauf der ersten Spiel- zeit bei zweijährigen Kontrakten, zum Ablauf der ersten und dritte» Spielzeit bei fünfjährigen Verträgen, während der Schauspieler unbedingt gebunden ist, ob ihm das Engagement gefällt oder nicht. In Krankheitsfällen entfällt sofort daS Spielhonorar, meist die Hälfte der Gage betragend; nach kurzer Zeit, oft nach einer Woche, ist der Direktor berechtigt, den Vertrag für gelöst zu erklären. Wird aber ein Mitglied gar kontrakt- brüchig, so ist eine einzige Strafe gar nicht mehr ausreichend, das Vergehen zu sühnen. Erstens verfällt die vereinbarte Kouventional- strafe, meist in Höhe einer Jahresgage. Hat das Mitglied diese aber bezahlt, so ist es nicht etwa frei, sondern muß weiter seinen Ver- pflichlungen gegen die Direktion nachkommen und tut es das nicht, so treten die Bestimmungen in Kraft, nach denen es an keiner dem Bühnenverein angehörenden Bühne mehr auf- treten darf für die Dauer von drei bis fünf Jahren. Tritt der Kontrakt- brüchige an einer Nichtvcreinsbühne auf, so gelten diese Bestim- mungen gar bis zu fünf Jahren nach Ablauf des gebrochene» Ver- träges. Man sieht, daß das Geschichtchcn von den Verpflichtungen des toten Schauspielers auf ganz realem Boden gewachsen ist. So stand es zu lesen in dem neuen Vertrage, den der Bühnen- verein einstimmig angenommen hatte und den die deutschen Schau- spieler in der Delcgierrenversamnilung vom Dezember 1968 ebenso einstimmig abgelehnt haben. Zum'ersten Male waren die Tele- gierten einig, daß es unwürdig sei, einen solchen Vertrag zu sank- tionieren. Es soll in Zukunft von zwei Gleichberechtigten ein Vertrag ge- schlössen werden. Der eine zahlt und der andere leistet, und der Vertrag soll beiden Teilen gleicher Weise Rechte und Pflichten auf- erlegen. 'Daß der Bühnenberein den Versuch macht, die sehr lebcns- kräftige Bühnengenostenschaft totzuschweigen, ist fein Privatvergnügen. Sie lebt und wirkt weiter. Daß der Bühnenverein aber den unwürdigen Versuch gemacht hat, die Pensionsanstalt der Schauspieler zu zer- stören, daß er durch Schädigung der Invaliden, der Greise und Witwen die Schauspieler niederzwingen will, hat ihn nm den letzten Rest der Sympathie gebracht, und der Schauspieler darf stolz sagen, daß die gesamte Oeffentlichkeit auf seiner Seite steht. Humor und Satire. S ch Iv e i n e. Adolf Wagner stieg auf den Katheder. „Gott zum Gruß. Ihr Herrn!" sprach er.„Jeder, Den ich hier erblick' i» diesem Kreise Hohen Adels, liebt nach Väter Weise Unsre dculsche Heimat. Ihr zu dienen, War von je die höchste Ehre Ihnen!" Bravo! Bravo! schrie's von jeder Bank, Schrie'S von recht und links und mittenmank, Bravo, Wagner I Ei, wie Donnerhall Braust zum Redner dieser Frendenschall. „Ergo", fuhr Professor Wagner weiter� (Und der Jubel stimmt' ihn sichtlich heiter), „Ergo, weil lvir so die Heimat lieben, Glühend lieben und mit heißen Trieben, Wollen wir nicht bloß mit Worten prahlen, Nein, wir wollen alle krästig zahlen!" Pfui und Pfui! so brüllt's von jeder Bank, Brüllt's von rechts und links niid mittenmank Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön warnt ebenfalls ein- dringlich vor Annahme des§ 6d. Äbg, Dr. Blankcnhorn(natl.) bedauert lebhaft die ablehnende Regierungserklärung, da gerade der 8 6b für den deutschen Weinbau von allergrößter Wichtigkeit sei, scheint aber trotzdem das Gesetz nicht an der Ablehnung dieser Bestimmung seitens der Regierungen scheitern lassen zu wollen.(Manche Einzelheiten bleiben unver- ständlich, da Redner vom Platze aus spricht.) Abg. Stanffer(wirtsch. Bg.) wendet sich gegen den Antrag Hormann, die Frist für die Zuckenmg bis zum 3t. Januar auSz»- dehnen. Weiter spricht der Redner für Aufrechterhaltnng des 8 6 b. Abg. Naumann(frs. Vg.): Der Gesetzeutwnrs ist entstanden aus dem Wunsch, die Qualität des Weines zu schützen. Wie man mensch- lichen Schwächen Rechnung trägt, trägt man auch der Schwäche des Weines Rechnung und gestattet die Zuckerung bei saurem Wein. Aber der Grundgedanke des Gesetzes würde verschwinden, wenn man die Zweckbestimmung bei der Erlaubnis der Zuckerung im 8 6 streichen würde, wie es der erste Antrag Paasche will. Ich bitte daher, diesen Antrag abzulehnen. Weiter beantragt Herr Paaiche, die Zuckerung bis zu einem Viertel statt bis zu einem Fünftel zu gesiatlen. Je weiter man hierbei geh:, desto mehr entfernt man sich vom Wein. Deshalb habe ich mich gewundert, daß mein Parteigenosse Hormon» nicht nur selbst dieser Bestimmung zustimmte, sondern auch hoffte, daß seine Partei- genossen ihm zustimmen werden. Ich kann diesem Antrag Paasche nicht zustimmen, und ebensowenig dem Antrag Hormann, der die Frist zur Zuckerung bis zum 31. Januar hinausschieben will. � Abg. Gräfe(Antis.) tritt gegen alle AbänderungSanträge für die Vorschläge der Kommission ein und bezeichnet eS als unerhört, daß die Regierung das Gesetz scheitern lassen will, wenn man verlangt, daß ein fremder Wein nicht alS deutscher bezeichnet werde. Geh. RegierungSrat Frhr. v. Stein: Der 8 6b ist überflüssig, da die notwendigen Bestimmungen, welche die Reellität deS Handels garantieren sollen, schon in 8 6a enthalten sind. Hierauf vertagt sich das Haus, Präsident Graf Stolbcrg schlägt vor, morgen sitzungsfrei zu lassen, da die Budgettommission den Tag für ihre Arbeiten zu haben wünsche. Abg. Dahlem(Z.) widerspricht diesem Vorschlage. Abg. Ledebour(Soz.): Auch ich bitte, morgen die Sitzung nicht ausfallen zu lassen. In der Vudgetkommission wird überflüssig viel geredet.(Große Heiterkeit.) Wir haben wiederholt daraus hin« gelviesen, daß alle möglichen Dinge dort vorgebracht werden, die ins Plenum gehören.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demolraten.) Die Budgetkommission kann aus andere Weise dafür sorgen, daß sie fertig wird als dadurch, daß sie alle Abgeordneten, auch die. die keiner Kommission angehöre», einen Tag zu feiern zwingt. Die Abgg. Erzberger(Z.), Basscrmnnn(natl.), Frhr. V. Hrrt- ling(Z.) schließen sich dem Vorschlag des Präsidenten an. ES wird mit großer Mehrheit beschlossen, daß morgen sitzungsfrei sein soll. Nächste Sitzung: Donnerstag, 2 Uhr: Fortsetzung der Beratung des Weingesctzes, Gesetz zur Beseitigung der Doppel- besteuerung. Schluß 6'/, Uhr. Hbgcordmtcnbaiiö« 49, Sitzung, Dienstag, den 9. März» mittags 12 II h r. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der N o b e l l e zum Gesetz, betreffend die Gewährung von Wohnnngsgcld- zuschüsscn an die unmittelbaren Staatsbeamten. Die Kommission(Berichterstatter Abg. Schröder-Kassel(ntl.) hat die Unterscheidung zwischen verheirateten und unver- heirateten Beamten fallen gelassen, ferner beschloffcn, daß die Orte, die nach den bisherigen Kommissionsbeschlüssen deklassiert blieben, in d i e Ortsklasse einzureiben sind, die ihrer bisherigen Stellung in der Servisklasseneinteilung entspricht, und endlich festgelegt, daß die nächste Revision des Ortsklapenverzeichnisscs er- Jeder Adelige wurde blau. Brüllte rasend wie die Heimatsau. Nämlich— sagte Wagner— opferwillig Ist die wahre Liebe. Man soll billig Nicht bloß jene Leute zahlen lassen. Welche, wie man sagt, die Heimat hassen. Nein, man soll in adeligen Kreisen Der Gefühle Wahrheit auch beweisen. Halt Dein Maul, DeS Adels Liebe rostet, Wenn'S nichts trägt, int Gegenteil was lostet. Alter Wagner, ich bin kein Professcr, Aber dieses weiß ich wirklich besser. (Peter Schlehmil im„Simplicissimu?".) Notlze«. — Neue Dramen. Stlara V i e b i g? neues Drama„Dat letzte Glück" wird demnächst im Frankfurter Stadtthcater aufgeführt: H e i j e r m a n s„Seltsame Jagd" wird in München die erste deutsche Aufführung erleben. — Zwei Violinkonzerte HahdnS neu aufgefunden! Im vorigen Jahre wurde die musikliebendo Welt durch die Mitteilung überrascht, daß ein noch nicht veröffentlichtes Violinkonzert von Mozart wieder aufgefunden sei. Jetzt teilt der Verlag von Breitkopf«. Härtel in Leipzig mit, daß er in seinen Manuskripten zwei Violinkonzerte aufgefunden habe, die seit 146 Jahren dort unbekannterweise gelagert hätten. Joh. Gckttl. Im. Breitkopf, der Sohn des Begründers der Firma, hatte Ende der fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts eine Zentralstelle für Bezug handschriftlichen Ailfführliiigsmaterialö eingenchtet, und in dem Reste dieses Lagers fanden sich die Stimmen zu beiden Konzerten, die beide bisher als verschollen galten. Die Konzerte stammen«iL? den Jahren 1766 bis 1739. Die langsamen Sätze der Konzerte sollen zu den besten Adagios gehören, die Haydn geschrieben hat. — Eine„deutsche Gesellschaft für Soziologie" (GesellsckaftSwissenschast) wurde am Sonntag in B e r l i n gegründet. Dein Vorstand gehören u. a. die Professoren Herkner, Simmel, Tönnies an. Im Ausschuß befinden sich auch die Genossen Eduard Bernstein und David. —.Leo T o l st o i soll nach einer an deutsche Zeitmigcn ge- langten Mtiteilnng an einem Werk arbeiten, deren Stoff der letzten russischen Revolution entnommen ist. Die Aufstände in Moskau, Sebastopol, Kronstadt und Sweaborg, die Rebellionen in Tichita und Tafchkend, der Januartag in Petersburg und die großen Streiks sollen darin zur Darstellung gelangen. — Altgermanisches Nähzeug wurde fast völlig er- halten in einem germanische» Grabe aus der Zeit vor Christi von Frl. Mestorf, der Direktorin des Museums Scküeswiger Altertümer in Kiel, gefunden. Es war, wie die„Franks. Ztg." berichtet, einer Frau mitgegeben und. ruhte in einem Steinkasten. ES fanden sich da eine Schere, die nach unseren heutigen Begriffen recht grob und plump gearbeitet ist. ferner ein aus Horn gefertigtes Messerchen mit einer Schneide aus Eisen, ein Pfriem und mehrere Dornen, die die Nadel ersetzten. Auch ein„Genidelsteiu" lag bei, ein Stein, der zum Glätten der Nähte bestimmt war. Die Flächen des aufgefundenen SieineS find noch spiegelglatt. folgen solle mit Wirlung vom I. April fgtl. Das Slaats- ministerium wird ermächtigt, in der Zwischenzeit bei hervor- tretendem Bedürfnis in besonderen Ausnahmefällen die Einreihung einzelner Orte oder Ortstcile in eine andere Ortsklasse anzu- ordnen. Abg. Frhr. t>. Maltzahn(f.): Daö Kompromiß befriedigt uns zwar durchaus nicht, aber es ist als Provisorium annehmbar. Da- durch, daß nur ein Provisorium geschaffen wird, ist die Möglich- keit gegeben, später die Beschlüsse im Reich mit denen in Preußen rn Ucdcreinstiiiimung zu bringen. Die Beseitigung der Differen- zierung vcn verheirateten und unverheirateten Beamten be- grüßen wir. Abg. Schmcdding(Z.): Die übergroße Mehrheit meiner Freunde wird für das Kompromiß stimmen, da es immerhin eine Reihe von Verbesserungen gegenüber den früheren KommissionS- beschlüssen enthält. Ein Teil meiner Freunde hält die Herauf- setzung deS Wohnungsgeldzuschusses um nur 33� Proz. statt um 80 Proz. für zu gering und wird daher gegen die Kommissions- bcschlüsse stimmen. Abg. HauSmann(ntl.) begrüßt es. daß die Kommission einen gangbaren Weg für die Zwischenzeit bis zur endgültigen Regelung der Frage des Wobnungsgeldzuschusses gefunden habe. Abg. Briitt(frf.): Auch meine Freunde stimmen den Kam- missionsbcschlüssen zu, wenn auch teilweise mit sehr schtverem Herzen. Ganz unverständlich für den gesunden Menschenverstand ist die Differenzierung der Berliner Vororte. Von der Verringerung der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses von 50 Proz. auf '•'ä'A Proz. werden besonders die Beamten betroffen, die bei der Besoldungsvorlage nicht bedacht worden sind.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Gyßling(frs. Vv.): Wir begrüßen es mit Freuden, daß sich alle Parteien auf den Antrag der Kommission vereinigt haben und daß die Frage des Wohnungsgeldzuschusses nicht zum Spiclball der Parteien gemacht wird. Die Unterbeamten sind durch das Kompromiß in jeder Weise benachteiligt, während nach der Re- gierungsvorlage ein Teil der Unterbeamten überhaupt keine Er- höhung des Wohnungsgeldzuschusses bekam. Die Differenzierung der Junggesellen wird hoffentlich für immer begraben sein. Abg. Pcltasohn(frs. Vg.) begrüßt das Zustandekommen eines einheitlichen Beschlusses der Kommission ebenfalls mit Genug- luung. Abg. Ströbcl(Soz.): Ich habe in der Kommission gegen den Kompromißantrag gc- stimmt, um dadurch der Ueberzcugung Ausdruck zu geben, daß erden berechtigten Wünschen namentlich der unteren und mittleren Beamten nicht genügend Rechnung trägt. Wir werden heute dafür stimmen, aber nicht ohne daß ich vorher dem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck gegeben habe, daß diese Wünsche der unteren und mittleren Beamten so wenig berücksichtigt worden sind. Es war ein Fehler, daß daö Wohnungsgeldzuschutzgesetz nicht in Ver- bindung mit der Bcamtenbesoldung beraten wurde.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES wurde bei der Beratung der Be- amtcnbesoldung immer auf die zu erwartende Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses. namentlich für die unteren Beamten, hin- gewiesen. Ich habe schon damals der Befürchtung Ausdruck gc- geben, daß man den Ausgleich zwischen den unteren und mittleren Beamten dadurch herbeiführen werde, daß man die mittleren Be- amtcn statt um 50 nur um 33� Proz. und die unteren Beamten nicht über 33 Proz. erhöhen werde. Diese Befürchtung ist leider eingetroffen. Der Zuschuß beträgt nun 30 M. im Durchschnitt iveniger als nach der Regierungsvorlage. Das wurde nötig durch die Reklassierung der früher deklassierten Orte. Gerade bei den Unterbeamten wäre eine stärkere Erhöhung deS Wohnungsgeld- zuschusses absolut notwendig gewesen. Er beträgt jetzt nach der Er- höhung um 33)4 Proz. 150—480 M., im Durchschnitt 300 M. Das ist viel zu wenig. Wenn man auch darauf hingewiesen hat. daß die unteren Beamten bei der Besoldungsreform um 20 Proz. auf- gebessert sind, die mittleren nur um 15 Proz., die höheren Beamten um 7)4- Proz., so hätte man statt dieser schönen Prozentzahlen licbar die konkreten Zahlen anführen sollen. Dann hätte sich er- geben, daß eine. Aufbesserung um TVs Proz. bei den höheren Be- -unten in der Tat mehr als das Doppelte des Betrages ausmacht, den eine 20prozentige Erhöhung bei den Unterbeamten bedeutet. Im Durchschnitt wird der Zuschuß für die Unterbeamten um 77 M. erhöht, bei den mittleren Beamten aber um 133 M. usw. und in Klasse I um 328 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Selbst wenn man die 50proz«ntige Erhöhung vom Jahre 1S06 hinzurechnet, so ergibt sich, daß bei den unteren Beamten der Zuschuß nur um 150 M. gegenüber 328 M. in Klasse I aufgebessert ist. Wenn man also davon spricht, daß seit 1900 der Wohnungsgeld- zuschuß der Unterbeamten um 100 Proz. aufgebessert ist, so beweist das nur, wie gänzlich unzulänglich der Wohnungsgeldzuschuß vor dem Jahre 1900 ivar.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) An- gesichts dieser Tatsachen waren die Angriffe des Herrn b. Pappenheim de» der dritten Lesung der Bcsoldungsreform gänzlich unberechtigt, der mir Unwissenheit oder Böswilligkeit vorwarf, weil ich nicht von der IMprozentigen Erhöhung für die Unterbeamten gesprochen hätte. Diese Art der persönlichen Angriffe scheint ja zu den Gepflogen- Helten des Herrn v. Pappenheim zu gehören, denn auch meinem Freunde Leinert gegenüber hat er dieselben Ausdrücke gebraucht. Es hat sich also gezeigt, daß Herr v. Pappenheim der Erziehung außerordentlich bedürftig ist. Dadurch ist ja auch die Lex Pappen- heim nötig geworden, durch welche alle Zwischenrufe wie„Bengel", „Frechheit" usw., die den schönen Kammerherrnton beweisen, in Zukunft aus dem amtlichen Stenogramm herauöbleibcn sollen. Wir werden uns mit Geduld und Nachdruck dem Erziehungswerk widmen. (Zuruf rechts: Herr Hoffmann!— Abg. Hofsmann(Soz.): Gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Heiterkeit.) Wir brauchen wohl manchmal kräftige Ausdrücke zur Kennzeichnung des Standpunktes einer Gruppe, aber persönliche Ungezogenheiten ohne Provokation begehen wir nicht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Spannung zwischen den einzelnen Klassen des Wohnungsgeld- zuschusses ist noch viel zu hoch. Es ist durchaus unsozial, wenn man den obersten Beamten zwar eine anständige Wohnung zahlt, aber den-unteren Beamten höchstens ermöglicht, eine Zweizimmer- Wohnung zu mieten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß die Mittel für eine Erhöhung des Zuschusses an untere und mittlere Beamte durch Sparsamkeit an geeigneteren Stellen sehr wohl aufzubringen wären, haben wir Ihnen wiederholt nächste- wiesen.■ Ich erinnere an die Gehälter der Geistlichen, an die 300 000 M. für den Geheimfonds der Polizei usw. Nun, die Sache -ist ja noch nicht endgültig gelöst. Ich hoffe, daß man sich im Jahre 1911 nicht nur mit einer Neuregelung der Ortsklassen begnügen. sondern das ganze System des Wohnungsgeldzuschusses in einer Weise umgestalten wird, daß die Forderungen der unteren und rnittleren Beamten besser befriedigt werden als durch dieses Kam- promitz.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. In der Abstimmung werden die Kompromißanträge ange- noiumen. Ebenso wird das Mantelgesetz in der Fassung der Kommission angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Heranziehung der Beamten zu? Gemeinde- e inkom m en sie u e r. Die Kommission hat im 8 1 das Kommunalsteuerprivileg der Geistlichen, Elemcntarlchrer und der bisher bevor- rcchtis'ten unteren Kirchendiener, soweit sie nach dem 31. März 1909 in das Amtsverhältnks eintreten, beseitigt. Abg. v. d. Groebcn lk.) befürwortet einen Antrag der Konser« vativen. den Geistlichen das bisherige Kommunalsteuerprivileg zu belassen. Abg. Dr. Heilig(Z.) tritt für einen Antrag deS Zentrums auf Wiederherstelllmg der Regierungsvorlage ein. Ministerialdirektor v. Shoppuis tritt für das Steuerprivileg der Oleistlicheii ein. Ministerialdirektor Dr. Schwarskopff bittet gleichfalls dringend, die Regierungsvorlage auch hinsichtlich der Lehrer wieder- herzustellen. Abg. Ecker(natl.1 erklärt, daß seine Freunde trotz wichtiger Bedenken für die Aufhebung des Steuerprivilegs der Lehrer und Geistlichen stimmen würden, da aus den Kreisen dieser Beamten vielfach Wünsche auf Gleichstellung mit den übrigen Beamten laut geworden wären. Abg. Ziethen(frk.) tritt für die Kommissionsbeschlüsse ein. Abg. Waldstein(frs. Vg.): Uns befriedigen die Kommissions- bcschlüsse sehr wenig. Wir halten eine Gleichstellung aller Beamten, auch der Lehrer in bczug auf ihre Rechte und Pflichten für ge- boten. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Abg. Hirsch(Soz.) stellt zur Geschäftsordnung fest, daß ihm durch den Schlußantrag die Möglichkeit genommen sei, die Stellung seiner Freunde zu den Kommissionsbcschlüsscn darzulegen. In der Abstimmung wird der Antrag H e i s i g auf Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage gegen die Stimmen des Zen- trums und der Polen abgelehnt, der konservative An- trag, das Steuerprivileg der Geistlichen aufrecht zu erhalten, wird mit den Stimmen der Konservativen, des Zentrums und der Polen angenommen. Hierauf vertagt daS Haus die Weiterbcratung auf Mittwoch 11 Uhr.(Außerdem Beratung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Linden und erste Beratung des StcmpelsteuergefetzeS.) Schluß 5 Uhr._ Die Parteipresie zum Cntumrf des Organilalionsstatuts. I. „Dresdener LoNSzeitung": „Eine durchgreifende Aenderung trifft der Z 7: Teilnahme am Parteitag betreffend... Weim auch die Höchstzahl von sechs Delegierten für Kreise über 18 000 Mitglieder nicht als übertrieben angesehen werden kann, so ist vielleicht doch zu cmp- fehlen, um ein allzu großes Anwachsen deS Parteitages, worunter zweifellos die Berhandlnngsmöglichkciten leiden, zu verhindern, eine geringere Zahl als Höchstzahl anzunehmen. Mit dem Prinzip der verhältnismäßigen Vertretung sind wir aber durch- auseinverstandcn... Und sowie die Partei zu einer festen, zu- sammengeschlossencn Organisation wurde, war sie die notwendige Folge. Der Passus, daß unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein soll, ist sehr unbestimmt gehalten und dürfte wohl eine präzisere Fasiuiig am Platze sein, wenn man ihn nicht gänzlich fallen lassen will. Schon unter dem bisherigen Zustand war immer eine ganz stattliche Frauendelcgatton auf dem Parteitag zu finden. Und es ist wohl anzunehmen, daß die Genossen in ven meisten Fällen, in denen 3 oder mehr Delegierte zu wählen sind, eine Frau missenden, wenn eine nennenswerte Mitgliedschaft von Genossinnen vor- handcn ist. An der Zulassung der Rcichstagsabgcordnetcn als vollberechtigte Teilnehmer am Parteitag ist nichts geändert worden, obgleich schon seit jeher einzelne Stimmen laut wurden, die einer Aenderung dahin, daß sie dieses Recht ver- lieren oder wenigstens nur eine Vertretung zugelassen werden soll. da? Wort redeten. Wir stehen nicht aus biesem Standpunkt, meinen vielmehr, daß die Reichswgsabgeordncten doch in hohem Maße die Vertrauensleute der Partei sind. Es dürfte ivohl auch nicht stimmen. wie ein Parteiblatt schrieb, daß der Zufall einen Genossen zum Reichstagsabgcordnctcn mache. Ein Genosse muß doch in der Regel — Ausnahmen bestätigen sie nur— eine intensive und langjährige Parteitätigkcit hinter sich haben, che er zu diesem Ehrenposten berufen wird. Ein vollständiger Ausschluß vom Parteitag müßte naturnotwendigerweise die Konsequenz nach sich ziehen, daß auch von den einzelnen Landcsparteitagen usw., auf denen jetzt nicht nur die Reichstagsabgeordneten des in Frage kommenden Bezirks, sondern auch die eventuellen Landtagsabgeordneten zugelassen sind, ausgeschlossen werden müßten. Die Folg« würde in den meisten Fällen ihre Delegation durch den von ihnen im Reichstage ver- tretcncn Kreis sein und diese Mandate würden dann den übrigen Genossen entzogen. Eine Vertretung der Fraktion hätte aber ziem. liche Schwierigkeiten, da doch nun einmal verschiedene Ansichten über gewiss« Fragen vorhanden sind. Am besten bleibt es also bei dem bisherigen Modus. ... Tie Ausschlußgründe sind durch die Bestimmung erweitert, daß zur Partei nicht gehören kann, wer wiederholt in be- wußter Weise die Parteiinteressen schädigt. Ein etwas auslegungsfähiger kautschukartiger Satz, der hier unb da leicht zu unbeabsichtigten Folgen führen könnte. Unserer Meinung nach wäre cS richtiger und bestimmter, zu sagen:„Wer sich beharrlich den Beschlüssen des Parteitages und der Parteiorganisationen nicht fügt." «Leipziger B-lkSzeitung": .. Die wichtigste Aenderung ist in den Bestimmungen über die Zusammensetzung des Parteitages enthalten; hier wird«ine Art Proportionalvertrcung eingeführt... Aus der Fassung dieser Be- sttmmnng scheint hervorzugehen, daß die volle Zahl der Delegierten zu wählen und ein Verzicht unzulässig ist... Die neue Bestimmung entspricht ohne Frage der Gerechtigkeit. Tie großen Wahlkreise, die die Hauptträger der Parteibewegung bilden, die die größten Geldsummen aufbringen und die Hauptlast der Agitation zu tragen haben, sie kommen hiermit endlich zu einer ihrer Stärke entsprechen- den Vertretung auf dem Parteitage, ohne daß die kleineren Wahl- kreise des ihnen zustehenden Einflusses beraubt werden. So er- freu! ich diese Neuerung anmutet, so bedauerlich ist, daß die zweite Bestimmung über die Zusammensetzung des Parteitages beibehalten sst: wonach die gesamte Reichötagsfraktion nach wie vor zur Teil- nähme an den Parteitagen ohne weiteres berechtigt ist. Dies« Be- stumnung ist ein alter Zopf aus einer Zeit, wo sie noch Sinn und Verstand hatte, aus der Zeit deS Ausnahmegesetzes und vorher, wo die Bcveutung der Fraktion bei der losen Form und der relativen Schwäche der Organisation natürlich viel größer für die Partei ivar als jetzt. Heute liegt auch nicht der mindeste Anlaß mehr vor, der Rcickistagsfraktion eine Extrawurst zu braten. Bei ihrer numerischen Stärke, die bei den kommenden Wahlen hoffentlich noch ganz gewaltig steigen wird, wäre ihr durch eine volle Ver- tretung auf den Parteitagen ein nicht zu rechtfertigender Einfluß eingeräumt. Wir halten überhaupt dafür, daß die parlamentarische Vertretung der Partei nichts mit ihrer Organisation zu tun hat. daß sie keine durch das Statut anerkannte Sonderstellung einnimmt. An anderer Stelle des Entwurfs ist ein veraltetes Vorrecht der Fraktion glücklich beseitigt worden. Bisher mußte bekanntlich ein außerordentlicher Parteitag einberufen werden, wenn die Mehrheit der Reichstagsfraktion es verlangte. Dieses Vorrecht will der Entwurf beseitigen. Warum aber auf halbem Wege stehen bleiben? Man beseitige auch das letzte Vorrecht der Fraktion und erkenne damit auch formell an, was wir tatsächlich alle Tage anerkennen, daß der zufällige Besitz eines Rcichstagsmandats seinem glücklichen Inhaber noch keine vermehrten Rechte in einer demokratischen Be- wcgung einräumt. Was die Gliederung der Partei angeht, so scheint uns die De- stimmung in§ 4 zu tveit zu gehen. Nach ihr müssen Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, diesen eine Vertretung im Vorstand gewähren. Die Unabhängigkeit der Genossinnen von dem häufig nur platonischen„Wohlwollen" der Genossen, die hier durch- gesetzt werden soll, ist sicherlich zu begrüßen, aber in ihrer vollendeten Bedingungslosigkett scheint uns jene Bestimmung nicht recht passend. auch nicht immer durchführbar. Ein wenn auch noch so niedrig angesetzter Prozentsatz der organisierten Frauen im Vergleich zu dem der Männer scheint uns hier vonnöten zu sein. Daß wir die Erweiterung des Parteivorstandes durch cm weibliches Mitglied freudig begrüßen und als notwendig anerkennen, versieht sich von selbssi Eine präzisere Fassung oder zum mindesten einer authentischen Interpretation bedarf nach den Erfahrungen des Nürnberger Partei- tags fraglos der§ 3 des Entwurfs, der den Landesorganisationen die„selbständige Führung der Parteigeschäfte" zuloeist, sowie§ 7, der den Parteitag als die„oberste Vertretung ver Partei" anerkennt. Durch die Erklärung der 60 ist bekanntlich die organisatorische Einheit der Partei— bisher nur auf dem Papier— zerrissen. Wenn man cs nicht zu einem wirklichen Bruch kommen lassen will, ist der Parteitag genötigt, hier auszusprechen, was ist. Da einmal in Nürnberg die Frage ausgeworfen ist, so muß in Leipzig die Ant- wort folgen. Eine aus Lässigkeit oder Absicht unverstopft gelassene Lücke könnte sich später schiver rächen. Ebenso bedarf nach den Erfahrungen, die wtr mit den baye- rischen Genossen gemacht haben, die Bestimmung des§ 5 des Entwurfs einer Ergänzung, wonach mindestens 20 Proz. der erhobenen Mitgliederbeiträge an die Zentralkafle abzuliefern sind. Die baye- rische Landcsorganisation hat bekannllich in ihrem Statut eine, wie Genosse G e r i s ch in Nürnberg sagte, abscheuliche Bestimmung, wonach der Parteibetrag zur Hälfte zerlegt wird in einen eigent- lichcn Partetbeitrag und einen lokalen Zuschlag. Die 20 Proz., die nach Berlin abzuliefern sind, beziehen sich nun bloß aus den eigentlichen Parteibeitrag, wodurch die Leistungen an die Gesamt- Partei, wie ebenfalls Genosse Gerisch schon in Mannheim aus- führte,„zwar in legalisierter Form, aber in schroffstem Gegensatz zu dem Sinn und Geist des Organisationsstatuts und entgegen allen Parteitraditionen auf das äußerste Minimum herabgedrückt" werden. Wie stark durch dieses illoyale Vorgehen die Parteikasse geschädigt wird, geht daraus hervor, daß beispielsweise 1906 ganz Bayern nur die Hälfte von dem abgeliefert hat, was München und Nürnberg ollein hatten abliefern müssen. Bei der Berichterswttung über den Nürnberger Parteitag erklärte nun der Referent Schmitt in München kühl, daß die bayerischen Genossen gar nicht daran dächten, von ihren„nach reiflicher Ueberlegung aufgestellten Grundsätzen" abzuweichen. Auch hier wird der Leipziger Parteitag zu entscheiden haben, ob sich die Gesamtpartei mit dieser Art„selbständiger Führung der Parteigcschäfte" durch die Landesorganisationen einverstanden erklären will." „BolkSstimme"(Chemnitz); .. Der Beitrag wird auf mindestens 30 Pfennig für männliche, 20 Pfennig für weibliche Mitglieder festgesetzt. Diese Schablonisierung ist sehr erfreulich, um endlich den in höchstem Maße ungerechten Zustand beseitigen zu Helsen, daß unsere ärmsten ErzgebirgSkreise nach dem Beschluß der Landesorganisationen einen Beitrag von 10 Ps. wöchentlich zu zahlen verpflichtet sind, während Berlin und andere leistungsfähige Großstädte sich mit wesentlich geringen Beiträgen der Partei gegen- über abfinden. DaS Ausschlußversahren ist wesentlich vcr- einfacht worden, indem an Stelle der Gcscnntpartei in erster Instanz die Landesorganisation gesetzt ist. Rein rechtlich ist zu bemerken. daß es an einer Bestimmung über diejenigen fehlt, die nach Beginn eines Ausschlußversahrciis aus der Partei austreten, um später ohne Schwierigkeiten vielleicht an anderen Orten wieder Mitglied zu werden. Viel Wert haben juristische Klauseln über die Mitglied- schaft im Parteistatut nicht. Für die D e l e g i e r t e n w a h l zum Parteitag lvird ein Proportionaiwahlverfahren vorgeschlagen, dos die Macht der mitgliedjlackeil Großstaötorganisationcn, die sie bisher kraft ihrer größeren Geldmittel besaßen, statularisch festlegt. Ob die Grenzen richtig abgesteckt sind, bedarf der Prüfung. Die zurückgebliebenen Gegenden sollten ihre agitatorischen Interessen auf dem Parteitag in weitestem Maße vertreten können. WünschcnSwerl bleibt für die Beschickung des Parteitages eine Bestimmung, daß im Unvermögensfalle für die Kreise die Landcsorganisation die Tele- gationskosten trägt. Unbedingt zu fordern ist im Anschluß an den Proporz zum Parteitag die Anordnung, daß auch die Telegierteu durch UrWahl und bei mehr als einem nach dem Proportionalwahl- system bestimmt werden. Den organisierten Frauen ist mit vollem Recht weit entgegengekommen worden. Ihre Rechte sind groß, aber ihre agitatorischen Aufgaben emsprechcn ihnen. Einen alten Wunsch läßt das Statut unerfüllt: Der„Vor- w ä r t s" bleibt Zentralorgan, iviro nicht den Berliner Genossen als ihr Blatt ausgehändigt. Es ist ganz unverständlich, tvas tu einer Zeit, in der fast alle Parteiblättcr Eigentum der Partei- genossen geworden sind, cm Zentralorgan soll. Alle Parteiblütter können verpflichtet werden, Veröfseiillichuiigen des Parteivorstandes an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu verössentlichen, und alle unterstchen der Aussicht des Parteivorstandcs, der oar- über wacht, daß ihre prinzipielle und taktisehe Haltung die Partei nicht schädigt. Was soll da noch die Sonderstellung des„Vorwärts". die seiner Bedcütung nicht entspricht und schon schwere Kämpfe in der Partei verursacht hat, die sich vielleicht in Zukunft wiederholen könnten?" „Sächsische« Bolksblatt"(Zwickau): .... Gegen die Höhe der Beiträge wird kaum etwas«inzu- wenden sein. Vielleicht wird mancher Genosse die Höhe der Bei- tragsleistung der weiblichen Mitglieder beanstanden, weil nun einmal die weiblichen Mitglieder sich zumeist auS Ehefrauen rekrutieren. Allein c8 ist dabei nicht außeracht zu lassen, daß die „Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder dafür unentgeltlich geliefert werden soll. Einem schon längst ausgesprochenen Bedürfnis kommt der ß 7 entgegen, der vom Parteitag handelt. Er räuint damit auf, daß Wahlkreise, die tu finanzieller und anderer Beziehung sozusagen das Rückgrat der Partei bilden, durch Wahlkreise majoristert werden können, in denen die Parteiorganisation noch auf sehr schwachen Füßen ruht... Tie Aenderung ist nur zu begrüßen. Auch die vorgeschlagene Staffelung erscheint uns angemessen... Nicht befreunden können wir uns dagegen damit, daß nach wie vor sämtliche Mitglieder der Reichstagsfraktion allein schon auf Grund dieser Eigenschaft berechtigt sein sollen, an den Parteitagen teilzunehmen... Zwar hat Wollmar bereits auf dem Parteitage in Jena sich lebhaft dagegen gewandt, dieses Recht der Reichstags- frattion irgcnowie zu beschneiden, damit sich die Abgeordneten gegen etwaige Angriffe aus der Mitte des Parteitages verteidigen könnten; allein diese Begründung wirkte schon damals auf uns nicht gerade überzeugend. Eine Delegation aus der Mitte der Fraktion würde denselben Zweck erfüllen, ganz abgesehen auch davon, daß es doch jedem Reichstagsabgeordneten unbenommen ist, falls er etwa Angriffe auf seine Person zu gewärtigen hat, sich in irgend einem Bezirke um«in ParteitagSmandat zu bewerben. Der Zustand, wie er jetzt besteht, legt der Partei große Opfer auf. die eine weit bessere Verwendung zu anderen Zwecken finden könnten.. parlamentarifcbes. In der Finanzkommission des Reichstags wurde am Dienstag die Generaldiskussion über die Tabakstrurrvorlage fortgesetzt. Nachdem Ministerialdirektor Kühn daS Banderole- steuersystem gegen alle Angriffe in der vorigen Sitzung verteidigt hat. wird dieses von Schmidt- Altenburg gründlich zerzaust und als völlig unannehmbar bezeichnet. In gleicher Weise wird eS von Hormann bekämpft. Darauf ergreift der neueste Tabaksachverständige der Regierung, Dr. L i ß n e r, da« Wort, In längerer, fließender Rede entrollt der Herr von den segensreichen Wirkungen der Bauderolesteuer— wie Siltart später richtig bemerkte—„ein so wunderbares Ge- mälde", daß es schier als ein gegen daö allgemeine Wohl deS gc- samten deutschen BolkeS gerichtetes verbrechen erscheinen irniß. Gegner dieses Systems zu sein. Alle Bedenken, wie Rückgang des Konsums, Lohnrückgang, Arbeitslosigkeit, Gefährdung, ja Veniichtiing der Kleinfabrikation, beseitigte er spielend unter Hinweis auf die Er- sahrungen, die man angeblich in Amerika mit der Einführung des Systems gemacht hat. Die von Molkenbuhr in der vorigen Sitzung und von Schmidt heute bestätigten trüben Erfahrungen, die man 1878/79 mit der Einführung der Tabaksteuer in Deutschland gemacht hat, existieren für Herrn Liener nicht. Im Gegenteil: die Folgen jener Steuereinführung sind nach ihm nur segenS- reiche, die Tabakinduftrie fördernde gewesen! DaS von ihm entworfene„wunderbare Gemälde" führte dazu, daß daS Zentrum, lvie S i t t a r t erklärte, alle die voir Müller-Fulda in der vorigen Sitzung gegen die Vorlage geltend gemachten Bedenken nun, dreimal unterstrichen, aufrecht er- hält! Da Schmidt-Altenburg der Regierung ein Mehr bou 30 Millionen aus dem Tabak angeboten hat, kommt das Zentrum auf seinen frühere» Vorschlag zurück, dann lieber die Zucker- steuer in der bisherigen Höhe beizubehalten, die Tabaksteuer aber ganz in der Versenkung verschwinden zu lassen. Gegen die Banderolesteuer erklärte sich auch der National- liberale Dr. C o n tz e, und nur K r e t h bekannte sich als Freund dieses Systems, ist aber auch bereit, für eine andere Form zu stimmen, wenn nur die von der Regierung geforderte Summe herausspringt. Der Reichsschatzsekretär nimmt seinen Sachverständigen Lißner gegen Sittart in Schutz und erklärt abermals sehr energisch, dast die dem Tabak zugedachte Suinme herausgeholt werden müsse! Dadurch, dah man etwa jetzt die Vorlage ablehne, werde der Tabakindustrie keine Ruhe geschaffen. Eine Vorlage werde immer der anderen folgen, bis der Tabak mehr bringe als bisher! Die von Schmidt angebotenen 30 Millionen seien nicht genügend. Der Tabak könne und müsse mehr ergeben. Genosse Kaden antwortet darauf, dost das energische Auftreten des Staatssekretärs den Besitzenden gegenüber angebrachter gewesen wäre als den arnien Zigarrenarbeitern gegenüber. Merkwürdig sei ferner, dast man sich mit der Forderung indirekter Steuern so auf das Aus- land berufe, was bei den direkte» weniger stark betont worden sei I Die Drohung, dah die Tabakindustrie keine Ruhe bekommen werde, sei schon von mehreren Ministern ausgestotzen, die jetzt längst a. D. seien. Aus eigener praktischer Erfahrung mit den triftigsten Gründen die Vorlage bekämpfend als verderbenbringend für die mittleren und kleinen Betriebe, ganz besonders aber für Tausende von Arbeitern. die dadurch direkt dem Hunger überliefert werden, schliefet er mit der Aufforderung, sofort Klarheit zu schaffen und die beantragte Subkommission sowohl wie die gesamte Borlage glattweg ab- z u l e h n e n. Der Schatzselretär S y d o w bestreitet die Richtigkeit der Be- hauptung Kadens, dafe das Deutsche Reich seit den letzten 20 Jahren seine Aufgabe darin gesehen habe, alle Lasten den armen Leuten aufzubürden, was schon durch die Sozialpolitik, die dem Reich doch auch Geld koste und nur den Arbeitern zugute komme, zur Genüge widerlegt werde. Auch im Banderolesteuersystem komme die Ge- rechtigkeit nicht zu kur,. denn der reiche Raucher solle für seine teure Zigarre eine höhere Steuer bezahlen als der arme für seine billige. Darauf folgte Vertagung. Die Debatte soll am Mittwoch fort- gesetzt und nach der wahrscheinlichen Ablehnung der Vorlage soll dann mit der Beratung der B i e r st e u e r begonnen werden. Die Kommission zur Beratung der Gewcrbeordnungsnovelle verhandelte am Dienstag über die Einführung von HandelSinspektorea im Handelsgewerbe. Sowohl von unseren Parteigenossen wie auch von dem Abg. Schock(wirtsch. Vg.) wird die Einführung der Handels- inspektoren verlangt. Unsere Genossen beantragen ferner, dafe auch das Transportgewerbe unter die Aufficht der Gewerbeinspektoren gestellt wird. Von den Regierungsvertretern wird erklärt, dafe die Anträge unannehmbar find. Näher begründet wird der ablehnende Standpunkt der Regierung nicht. Genosse Hoch weist darauf hin, wie unhaltbar der Zustand ist, dafe Schutzbestimmungen, die im Handelsgesetzbuch und der Gewerbe- ordnung enthalten sind, keine Ueberwachung zur Seite steht. Trotz der verschiedene» Organisation der Handlungsgehilsen sind alle einig in der Forderung, nicht der Polizei, sondern besonderen Inspektoren die Ueberwachung der Schutzvorschriften zu übertragen. Vorläufig haben sich die Handlungsgehilfen damit geholfen, Kommissionen zu bilden, die Denunziationen gegen die Prinzipale einreichen müssen, um die Be- achtung der Gesetze zu erzwingen. Da der Vertreter der sächsischen Regierung diese Selbsthilfe für empfehlenswert hält, so wendet Hock ein, dafe diese Einrichtungen nicht angemessen find und die tarmonie. die die Herren zwischen Unternehmern und Angestellten erbeiführen wollen, darüber sehr in die Brüche geht. Besser wird die Kontrolle natürlich sein, wenn sie den Handelsinspektoren über» tragen tvird. Ein Antrag Hitze/z Bcrgisch-Märkische Bank......... 8l/3 S'/2 Es sind fast gar keine Verändermrgen eingetreten. Bei de» Grofebanken interessiert noch der Ausweis der rechnungSmäfeigen Reingewinne. Deren Summe ist um'/s Million Mark gestiegen. bei Vergröfeerung des Aktienkapitals um 10 Millionen Mark. Die Reserven machen nur 30 Prop. des Aktienkapitals aus. Der erzielte Reingewinn der acht Banken entspricht dem Jahresverdienst von 117 700 Personen, wenn man als Durschnittseinkommen 1000 M. annimmt. Von sechs Banken— es sind die oben aufgeführten mit Ausnahme der Deutschen Bank und der Darmstädtcr— liegen auch Angaben über die an den Vorstand und AufsichtSrat gezahlten Gewinnanteile vor. Danach wurden hierfür abgestofeen für 1907: 9,91 Millionen Mark und für 1908: 10,53 Millionen Mark. Diese Gewinnanteile allein machen so viel anS, als 10 000 Familienväter für eine ganze Jahresleistung an Lohn erhalten. Dafe die glücklichen Empfänger überzeugt find, in der besten Gesellschaftsordnung zu leben, finden wir erklärlich— viele andere Menschen werden die gegenteilige Auffassung haben._ Die Krise. Eine weitere Einschränkung der Produktion— biö 5 Proz.— eintreten zu lassen, beschloß das„Internationale Spiegel- glaSsyndikat". Preiserhöhung. Der Gcsamtausschufe der EpiriinS-Zentrale hat eine Preiserhöhung um 5 M. beschlossen, von der nnr der Preis für vollständig denaturierten Branntwein ausgenommen iit» Die chemische Industrie. Unter den Jndusiriezweigen, die sich eine Weltstellung eroberten, zählt als einer der ersten die chemiscbe Industrie. An der Berliner Börse werden nicht weniger als 31 Werte derselben gehandelt, die ein Noniinalkapital von 262 Millionen Mark mit einem Knröivctt von 692 Millionen Mark oder einem Durchschnittswert von 260 Proz. repräsentieren. Dabei sind ivichlige Werte, wie die der Zement-, Kali- und Sprengstoffindnstrie nicht einmal mitgerechnet. Die Höhe der im legten Jahre gezahlten Dividenden betrug 54 Millionen Mark. Dividendenlosigkeit ist bei den Unternehmungen der chemischen Industrie so gut wie unbekannt. Zurzeit bestehen etwa 7500 Betriebe mit 175 000 Arbeitern. Drei Fünftel der Produktion, im Wette von 600 Millionen Mark, kommen für den heimischen Konsum in Betracht; mit zwei Fünfteln ist diese Industrie auf den Expott angewiesen.— Diese Angaben zeigen. welch kolossale Werte in der chemischen Industrie investiert sind und dafe niit einem Nominalkapital von 262 Millionen Mark das Vier- fache an Umsatz erzielt wird. Zweitens ergibt sich, dafe die Divi- dende für eine Handvoll Akiionäre etwa 5 Proz. des Umsatzes ans» inacht. Ans die Arbeiter verteilt, hätte die Erhöhung des Lohnes durch die Dividende über 300 M. ausgemacht. Wenn die chemische Industrie schon nicht den Arbeiter dick werden läßt, dem Aktionär ringt sie die Gefahr der Fettleibigkeit, ohne dafe die Chemie mit diesem Fett etwas Rechtes anfangen könnte. Hus der Frauenbewegung. Frauenrechtlcrische Wahrheitsliebc. Im Anschluß an eine Registrierung der über die SuffragctteS verhängten Verurteilungen bemerkte Fräulein Dr. Anita Augspurg in Nr. 3 der von ihr geleiteten„Zeitschrift für Frauenstimmrecht": „Merkwürdig genug äußert hierzu der„Vorwärts" sein Be- dauern darüber, daß diese namhaften Opfer nicht einer großen und würdigen Sache gebracht worden seien!!" Merkwürdig genug gibt Fräulein Dr. Augspurg die betreffende Aeufecrung des„Vorwärts" nicht korrekt wieder. Sie lautete nämlich wörtlich:„Zu bedauern bleibt, daß diese nicht un- beträchtlichen persönlichen Opfer nicht für ein grofees, der ge- samten englischen Frauenwelt zugute kommendes Ziel eingesetzt werden." Fräulein Dr. Augspurg konnte die wortgetreue Acufeerung des „Vorwärts" nicht brauchen, weil sie ihr nicht in den Kram pafete. Von ihren Leserinnen ahnen die allermeisten nämlich gar nicht. was die„Vorwärts"-Leserinnen längst wissen, dafe der Kampf der Suffragettes nicht der politischen Befreiung aller Frauen, sondern einem beschränkten Damen-Wahlrccht gilt und dafe diese in ihrem innersten Kern reaktionäre Maßregel nur die Macht der herrschenden Klaffe in England vermehren würde. Auch über die bedenkliche Tatsache, dafe ein erheblicher Teil der Suffragettes das von ihnen vertretene, an 17 verschiedenen Eigen- tumS- oder Besitzqualifikationen gebundene Wahlrecht ein- gestandenermafeen als einen Wall gegen die Demokrati- s i e r u n g des Stimmrechts betrachtet, schwieg sich die„Zeit- schrift für Frauenstimmrecht" ebenso wie die übrige deutsche frauen- rechtlerische Presse bisher völlig aus.... Unsere radikalen Frauenrechtlerinnen mit Fräulein Dr. Augspurg an der Spitze behaupten, voll und ganz und unentwegt auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts zu stehen. Wenn sie es trotzdem fertig bringen, die Suffragettes kritiklos zu verherrlichen, so ist das gelinde gesagt: inkonsequent! Der„Vor- wärts" aber ist ein konsequenter Vertreter des allgemeinen Wahlrechts._ Eine Frauenkonfercnz für Niederösterreich hat Sonntag, den 28. Februar, in Wien getagt. 89 Delegierte waren anwesend, davon waren 20 auch Delegierte des gleichzeitig tagenden Landespartci» tags der niederösterreichischcn Sozialdemokratie. Die Konferenz beriet über den Ausbau der politischen Frauqn- organisation in Niederö st erreich. Vor einem Jahre hat der Landesparteitag auf Antrag der Genossinnen beschlossen, freie politische Frauenorganisationen zu gründen, die die sozio- listischc Agitation unter den Frauen zu leiten haben. Innerhalb eincö Jahres sind in acht Orten solche Organisattonen gegründet worden, die zusammen fast 1000 Mitglieder haben. Aufeerdem bat der Berein sozialdemokratischer Frauen und Mädchen in Wien 1200 Mitglieder, so dafe in Niederösterreich 2200 proletarische Frauen politisch organisiert sind. Auch die Verbreitung der„Arbeite- rinnenzeitung" hat in Nicderöstcrrcich ganz erfreuliche Er- folge aufzuweisen. Jahrelang wurden in Niederösterreich nur MO bis 400 Exemplare gelesen, gegenwärtig 8000 ohne Wien. Die 51onfercnz hatte den Genossinnen eine Richtschnur für planmäfeigcs Arbeiten zu �eben, um die Mitglieder wirklich mit sozialistischem Geiste zu erfüllen und um neue Orte in die Orgamsation ein- zubeziehen. Auch über das Frauen Wahlrecht wurde ge- sprachen und die Notwendigkeit betont, durch unablässige Agitation das Verständnis der Frauen für daS Frauenwahlrecht zu vertiefen und sie auf einen Kampf um politische Rechte vorzubereiten. Ein- Genossin wurde zur LandesvcrtrauenSperson gewählt, die sich vor- wiegend mit der Frauenagitation zu befassen hat. Dem Landes- Parteitag wurde über den Verlauf der Konferenz berichtet. Der Landessekretär hatte schon in seinem Bericht der Freude über die Fortschritte in der Arbeiterinnenbewegung Ausdruck gegeben und baite mit Genugtuung auf die grosse Zahl der weiblichen Delegierten hingewiesen. Es wurde auch eine Genossin in die Landes- Vertretung gewählt, und zwar Genossin Schlesinger. In drei Landcsvert.retungen sind jetzt schon die Genossinnen vertreten, und selbstverständlich auch in der Rcichsparteivertretung. Diese Landcsfrauenkonfcrenz war die dritte, die seit Oktober 1908 stall- gefunden hat. Schon im April wird die Landcsftauenkonfcrcnz sürMahrcn stattfinden, was vor wenigen Tagen von der mährischen Landcsparteivcrtretung auf Antrag der Genossiimen beschlossen wurde._ Gerichtö- Zeitung* Stadtverordneter Fähudrich unter Anklage, Unter der Anklage des Betruges hatte sich der frühere lang- jährige Stadtverordnete Stephan Fähndrich gestern bor der Straf- kammer zu verantworten. Er hat sein Mandat niedergelegt, als die Angelegenheit, um die es sich hier handelt, der Staatsanwalt- schaff übergeben worden war. Der Angeklagte Fähndrich war seit Anfang der neunziger Jahre Mitglied der städtischen Gruno- eigentumSdeputation. Zu seinen Obliegenheiten gehörte auch die Erledigung der Vorarbeiten bei der Verpachtung städtischer Grund- stücke. Im Mai 1907 waren in Rummelsburg drei städtische Wassergrundstücke zu vermieten, darunter eine Parzelle 63, die bis dahin an einen gewissen Hanne vermietet gewesen war. Dieser ging in Konkurs. Es hatte der Schiffswerftbcsitzer Fricscckc, der in der Hanneschcn Anlage eine grössere Geldsumme investiert hatte, ein sehr lebhaftes Interesse daran, dafe nunmehr ihm die Parzelle 63 zur Pacht überlassen würde. Ausser ihm reflektierten noch zwei andere Personen auf diese Parzelle, nämlich der frühere Pächter Hanne und der Rentier Otto Münchow. Letzterer hatte wahllveise aus eine der drei in Frage stehßndcn Parzellen re- flckttert und für die Parzelle ein Gebot von 1800 M. abgegeben. Als Herr Friesccke seinerseits zu dem Angeklagten kam, um mit ihm Rücksprache über die Verpachtung zu nehmen, machte er ein Gebot von 1500 M. und erhielt vom Angeklagten die Antwort, dafe auch ein anderes Gebot mit einer höheren Summe vorliege. Bei wiederholten weiteren Verhandlungen hatte der Angeklagte, der in- zwischen aus den Akten ersehen hatte, dafe ein Gebot des Herrn Münchow von 1800 M. vorlag, Herrn Friesecke zugeredet, sein Gebot doch zu erhöhen. Dieser erklärte aber, dafe er unmöglich bis auf 1800 M. gehen könne, Nun verlangte der Angeklagte, dafe FrieseSe 300 M. zu irgendwelchen wohltätigen Zweiken zahlen solle und erklärte sich bereit, alsdann zu versuchen, den anderen Reflektanten zur Abstandnahme von seiner Offerte zu bewegen. Herr Friesecke gab die 300 M. her und der Angeklagte setzte sich »uu mit Herrn Münchow in Verbindung. Da dieser inzwischen erkannt hatte, daß die Parzelle 3 für seine Zwecke gar nicht sehr geeignet war, gelang es dem Angeklagten, ihn zu bewegen, von seiner Offerte Abstand zu nehmen und eine ganz andere, viel teurere Parzelle zu pachten, die bisher nur 2200 M. gebracht hatte und nun zu 2850 M. verpachtet wurde. Der Angeklagte glaubte, auf diese Weise die kollidierenden Interessen der Reflektanten in Einklang gebracht und auch das Interesse des Magistrats gewahrt zu haben. Herr Friesecke bekam den Zuschlag zu 1500 M. Da ihm für seine Zwecke die Parzelle zu groß war, wollte Herr Friesecke einen Teil an Herrn Hanne abvermieten und bei der Fixierung des Mietspreises kam es gelegentlich zur Sprache, daß Herr Friesecke außer der Pacht von jährlich 1500 M. ja noch 300 M. an Herrn Fähndrich habe zahlen müssen. Anscheinend ist dann durch Herrn Hanne dem Magistrat Mitteilung hiervon gemacht worden und so ist der Stein ins Rollen gekommen. Der Angeklagte hatte anfänglich bei seinen ersten Der- Aehmungen überhaupt bestritten, die ihm ohne Quittung gezahlten 300 M. empfangen zu haben. Später hat er erklärt, daß ihm diese Summe nicht etwa— wie von der Staatsanwaltschaft behauptet wurde— zur Zahlung an die Armenkasse oder zur Zahlung an Münchow als Abstandssumme, sondern zu seiner eigenen bis- kretionärcn Verfügung überlassen worden sei. Er habe die Summe dem freisinnige» Wahlfonds zugeführt.— Der Zeuge Frieseckr er- klärte, daß er sich in keiner Weise geschädigt fühle, auch nicht etwa Strafanzeige erstattet habe. Er wisse nicht mehr genau, was ihm der Angeklagte gesagt, als er 300 M. von ihm verlangte; jedenfalls sei es ihm selbst sehr gleichgültig gewesen, zu welchem Zweck die 300 M. verwendet wurden, denn ihm sei eS lediglich darauf angekommen, den Zuschlag gerade für diese Parzelle zu erhalten.— Der Zeuge Hanne hat den Eindruck gehabt, die Ansicht des Herrn Friesecke sei dahin gegangen, daß die 300 M. als Abstandszahlung an Herrn Münchow hätten gezahlt werden müssen.— Staatsanwalt Dr. Klee hält den Angeklagten des Betruges für überführt, denn et habe Herrn Friesecke vorgespiegelt, daß der andere Reflektant nur gegen Zahlung von 300 M. Abstandsgeld von seiner Offerte zurücktreten würde. Eine Amtsunterschlagung liege nach seiner Meinung nicht vor, da er die Geldsumme gleich von Anfang an nicht als amtliches Geld empfangen, sondern die Absicht verfolgt hatte, bei dieser Gelegenheit privatim etwas herauszuschlagen. Da es sich hier um einen Stadtverordneten handelte, dem man be- scndcrcs Vertrauen entgegenbringe, so sei eine empfindliche Strafe — 3 Monate Gefängnis— angebracht.— Daß der Angeklagte das Geld wirklich zu Wahlzwecken verwendet hat, ist von keiner Seite angezweifelt worden.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer plädierte auf Nichtschuldig. Die Tatbestandsmerkmale des Betruges oder der Amtsunterschlagung lägen nicht vor, vor allein aber sei ein eigen- nütziges Geldmotiv bei einem Manne ausgeschlossen, der jährlich mehr als das zehnfache zu Wahlzwecken aus Eigenem geopfert. Ob der Angeklagte nach allen Reglements korrekt gehandelt, könne dahin gestellt bleiben.— Das Gericht war der Meinung, daß weder Betrug noch Amtsunterschlagung vorliege, der Angeklagte sich aber des Vergehens im Amte im Sinne des§ 331 St.-G.-B. schuldig gemacht habe, da er als Beamter für eine in sein Amt einschlagende, an sich nicht pflichtlmdrige Handlung, ein Geschenk gefordert und angenommen habe. Seine Motive mögen nicht un» edle gewesen und auf politischen Fanatismus zurückzuführen sein; jedenfalls sei die Handlungsweise des Angeklagten nicht schon und enthalte einen Vcrtrauensbruch. Das Gericht verurteilte deshalb den Angeklagten zu 150 M. Geldstrafe, evtl. 10 Tagen Gefängnis. Das Reichsgericht würde durch eine Revision unseres Wissens zum ersten Male in die Lage kommen, die vom Landgericht und früher vom Oberverwaltungsgericht bejahte Frage nachzuprüfen, ob ein Stadtveordnetcr Beamter ist. sofern er einer auf Grund der Städteordnung gebildeten Deputation angehört. Schutz vor Schutzleuten. Ein Zusammenstoß mit Schutzleuten hat den Kutscher Grellack auf die Anklagebank gebracht. Nach der Anklageschrilt soll er sich schuldig gemacht haben einer Ucbertretung der Straßenpol, zeiver- Ordnung, de» ruhestörenden Lärms, der Beamtcnb-l«,digung und des Widersiandes gegen die Staatsgewalt.— Das Schmfengerrcht hat am 7. November vorigen Jahres den Angeklagten fretgesprochen. Aus den Urteilsgründen ist folgender Tatbestand eriichtlich: Am 31. Juli v. I. hielt in der Linienstraße, unweit der Rosenthaler Straße, ein mit Mehlsäcken beladener Wagen,-er Führer dieses Wagens, der Angeklagte, befand sich m,t anderen Kutschern in einem Schanklokal, von wo aus er den �vagen im Auge behalten konnte. Nach ganz kurzer Zelt— die Kutscher fingen gerade an das erste Glas Bier zu trinken kam der Schutzmann Meldau in das Lokal und forderte den Angeklagten auf, herauszukommen. Der Angeklagte g,ng sofort mit. Der Schutzmann zeigte dem Angeklagten«ine kleine wunde Stelle am Körper des Pferdes und sagte. daS Pferd habe sich wundgelaufen. es sei eine Tierquälerei, mit dem Pferde weiterzufahren. Der Angeklagte erwiderte: Die unbedeutende Wunde rühre von einen, Hitzpickel her. Weiter soll er zu dem Schutzmann gesagt baben: „Das ist doch keine Tierquälerei. Sie sind mir viel zu dumm. Das Schöffengericht hielt nicht für festgestellt, daß der Angeklagte diese Aeußerung gebraucht und den Schutzmann Meldau damit gemeint habe. Das Gericht hielt es für möglich, daß jemand aus der Menge, welche sich angesammelt hatte, das Wort„dumm" gesagt haben werde. Weiter heißt es in der Urteilsbegründung des Schöffengerichts: Keiner der Zeugen habe bekunden löimen, daß der Angeklagte ruhestörenden Lärm verursacht habe. Ebensowenig sei erwiesen, daß er sein Fuhrwerk ohne Aufsicht und in Verkehrs- bindernder Weise auf der Straße Hab- stehen lassen. Denn der Angeklagte habe sich erst wenige Minuten im Schanklokal be- fundcn, van wo er sein Fuhrwerk im Auge behalten konnte, als ilm der Schutzmann Meldau herausholte. Als Meldau hierauf den Angeklagten aufgeschrieben hatte, habe er von ihm verlangt, mit zur Wache zu kommen. Es habe nicht aufgeklärt werden können. ob sich der Angeklagte geweigert habe, dieser Aufforderung Folge zu leisteu und dem Schutzmann sofort an die Gurgel gespruiigeu (ei, oder ob der Angeklagte bereit gewesen sei, mit nach der Wache zu gehe», aber nur das völlig berechtigte Verlangen au den Schutz- mann gestellt habe, sein Fuhrwerk mit vor die Wache führen zu dürfen, und ob ihn Meldau nun am Kragen gepackt und dann der Angeklagte, um diesen rechtswidrigen Angriff abzuwehren, den Beamten an der Uniform gepackt habe. Das Verlangen des Meldau, der Angeklagte solle mit zur Wache kommen, sei völlig ungerechtfertigt. Meldau habe sich das Nationale des Angeklagten sowie die am Wagen angebrachte Firma aufgeschrieben. Das hätte ihm genügen müssen. Aus welchem Grunde er dennoch den Angeklagten mit zur Wache nehmen wollte, das habe Meldau selbst nicht an'.uaeben vermocht. Als Meldau das Verlangen an den Angeklagten gestellt habe, mit zur Wache zu kommen, habe er sich zweifellos nicht mehr in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befunden. Meldau sei bei weitem über die Grenzen seiner Amts- fuiiition hiuausgegaiige». Denn der Schutzmann sei dazu da, die Ruhe und Ordnung auf den Straßen aufrechtzuerhalten, nicht aber sie zu stören. Das würde aber eintrete», wenn man das Vorgehen Meldaus billigen würde, denn wenn der Beamte befugt wäre, jeden Kutscher, trotzdem er dessen Nationale und die Firma des Arbeitgebers bereits festgestellt hat, mit nach der Wache zu nehmen und dort längere Zeit festzuhalten, so würde er gerade Verantwortlicher Redakteur.: Hans Weber, Berlin vsrankasscn, daß das Fuhrwerk längere Zeit undeauffichiigt auf der Straße stehe, was doch der Schutzmann verhüten solle.— Ferner ist vor dem Schöffengericht festgestellt worden, daß der An- geklagte, der durch mehrere Schutzleute nach der Wache gebracht wurde, das Hans, in dem sich die Wache befindet, unverletzt be- treten hat. Als er die Wache wieder verließ, blutete er stark an einer Kopfwunde und wurde vo» zwei Schutzleuten nach der Un- fallstation gebracht. Außer der Kopfwundx fanden sich laut ärzt- lichem Attest noch verschiedene blutunterlaufene Stellen und Haut- abschürfungen am Körper des Angeklagten. Wie er zu den Ver- letzungen gekommen ist, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Nach Angabe der Schutzleute soll sich der Angeklagte die Verletzungen durch— Hinfallen auf der Treppe zum Wachlokal zugezogen haben. Nach ärztlichem Gutachten rührt die Kopfwunde von einem Schlage mit einem stumpfen Instrument her. Auf Grund dieser Feststellungen ist das Schöffengericht zur Frei- sprechung des Angeklagten gekommen. Anders urteilte dagegen gestern die von der Staatsanwalt- schast angerufene Berufungsinstanz(6. Strafkammer des Land- gerichts I). Mehrere Zeugen, die in der ersten Instanz ganz de- stimmte Angaben zur Entlastung des Angeklagten gemocht hatten, tonnten sich der wesentlichsten Vorgänge jetzt nicht mehr erinnern oder doch nichts sicheres mehr sagen. Das ist begreiflich, denn seit der Schöffengerichtsverhandlung find bereits vier Monate ins Land gegangen. Zeit genug, um Vorgänge, die jemand im Juli vorigen Jahres gesehen hat, aus dem Gedächtnis teilweise ent- schwinden zu lassen. Auffallenderweise hat sich aber in dem Ge- dächtnis eines Zeugen die entgegengesetzte Entwickelung vollzogen. Dieser Zeuge ist der Schutzmann Meldau. Wie sich aus dem an- geführten Schöffengerichtsurteil ergibt, hat selbst Meldau in erster Instanz in verschiedenen wesentlichen Punkten nichts zur Be- lastung des Angeklagten anführen können. Inzwischen aber hat er sein Gedächtnis sorgfältig geprüft. Als er jetzt vor den Zeugen- tisch trat, breitete er einen großen beschriebenen Bogen Papier vor sich aus und benutzte ihn fleißig zur Unterstützung seines Ge- dächtnisses. Jetzt wußte der Zeuge Meldau in jedem einzelnen Punkt ganz genau und ohne Besinnen gerade das anzugeben, was zur Rechtfertigung feines Verhaltens und zur Belastung des An- geklagten diente. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen- feld, suchte durch Fragen die Widersprüche zwischen den früheren und den jetzigen Aussagen Meldaus festzustellen. Auf solche Fragen gab der Zeuge öfter ganz unsichere»nd ausweichende Antworten. Ja, einmal verweigerte er auf eine zweifellos zur Sache gehörige Frage die Antwort überhaupt und mußte erst durch den Vor- sitzenden auf seine Pflicht, zu antworten, hingewiesen werden. Durch diese Verschicbungen in den Zeugenaussagen bot die Verhandlung in zweiter Instanz allerdings ein anderes Bild, als die Beweiserhebung in erster Instanz. Der Verteidiger kam nach eingehender Würdigung der Zeugenaussagen zu dem Schluß, daß er der heutigen Zeugenaussage des Schutzmanns Meldau wegen mancherlei UnWahrscheinlichkeiten keinen Glaube» beimessen könne und deshalb auch in dieser Instanz die Freisprechung des Ange- klagten beantragen müsse. Das Gericht maß jedoch dem Schuhmann Meldau vollen Glauben bei, erachtete dessen Aussagen auch durch einzelne andere Zeugen als in manchen Punkten bestätigt und verurteilte den An- geklagten wegen Uebertretung in drei Fällen zu 15 M. Geldstrafe sowie wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung des Schutzmanns Meldau zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen! Der Fall ist einer der vielen, die beweisen, daß die Zulassung der Berufung zugunsten der Staatsanioaltschaft selbst für die Fälle, in denen neue Momente nicht beigebracht werden können, der Ermittelung der Wahrheit und der Förderung des Rechts wenig dienlich ist. DaS Berufungsurtcil hat die Boantwortung der Frage, wie kam es, daß der Angeklagte in schwer verletztem Zustande die Wache verließ? nicht die Würdigung zuteil werden lassen, die einem Richter leichter wäre, wenn er als Kutscher einmal unter ähnlichen Umständen arretiert wäre. Fünf aus allen Teilen der Bevölkerung gewählte Richter hätten auch in zweiter Instanz eine Freisprechung für gerechtfertigt erachtet. Intimes a«S einer Armenkommifsion, wurde zur Sprache gebracht im Zusammenhang mit einer privaten Beleidigungsklage, die vor dem Landgericht I(Strafkammer 0) am Dienstag verhandelt wurde. Die Affäre, über die da cntschicden werden sollte, hatte sich in der Annenkoinmission 125c(Teil vom Bötzowviertel) abgespielt. Der zu dieser Kommission gehörende .Herr Schumacher» Schutzmann a. D. und jetzt Zigarrenhändler, fühlte sich beleidigt durch den früheren Schankwirt und jetzigen Kolonial- Warenhändler Schreiber, der als Bezirksvorsteher gleichfalls zur Armenkommission gehört. Anfang Januar beschäftigte das Amts- gericht Berlin-Mitte sich mit dieser Sache. Der klagende Schumacher wurde damals abgewiesen, aber gegen die Freisprechung Schreibers legte er Berufung ein. Genugtuung erwartete er nun vom Land- gericht Genugtuung dafür, daß Schreiber dem Armenkommissions- Vorsteher Heinrich gesagt hatte. Schumacher habe in einer Kam- missionssitzüng den Herrn Vorsteher einen abgebrühten Menschen genannt. Wieso hier Herr Schumacher sich beleidigt fühlen konnte, wird für einen schlichten Laienverstand nicht sofort ilar sein. Vor Gericht gab er selber zu, daß er in der fraglidhen Sitzung in einer sehr erregten Debatte den Ruf:„Sic sind ein ganz abgebrühter Mensch!" ausgestoßen hatte. Er behauptete aber, das habe nicht dem Bor- steher, sondern einem anderen Mitglied der Kommission gegolten. llnd darum schleppte er Schreiber zweimal hintereinander vor Gericht! Schreiber hatte jene Aeußerung, die er als gegen den Vorsteher gerichtet aufgefaßt hatte, nicht aus Klatschsucht diesem hinterbracht, sondern sie ihm am' nächsten Tage nur aus dessen aus- drückliche Frage mitgeteilt. Eigentlich ist ja die ganze Geschichte höchst gleickigültig. Sie wird auch nicht dadurch interessanter, daß .die Schimpferei später zu dem Antrag führte, Schumacher aus der Kommission auszuschließen. Ter zuständige Avmcnkreis und die Armendirektion wurde» damit bemüht, aber zum Ausschluß kam es nicht. Beachtung verdient nur der Verlauf jener stürmischen Kom- missionssitzüng und der äußere Anlaß des Krakeels. Vor dem Landgericht wurde von den streitenden Parteien dafür gesorgt, daß das alles in ausführlicher Breite erörtert wurde. Tie Kommisston hatte darüber zu entscheiden gehabt, ob eine arme Frau dauernd unterstützt werden sollte. Ein schriftliches Gut- achten des Armenarztes sprach sich dahin aus. die breits K7jährigc Frau leide an Gicht und sei erwerbsunfähig. Herr Schumacher bemängelte das Gutachben und behauptete, die Frau sei noch erwcrbs- fätzig. In der nächsten Sitzung, zu der auch der Arzt geladen wurde. hatte Schreiber über die Sache zu referieren. Als er Schumachers abfällige Aeußerungcn über das Gutachben des Arztes erwähnte, sprang Herr Schumacher erregt aus, und es kam nun zu einer turbulenten Szene. Wir wollen hier nur mitteilen, was die be- schworenen Zeugenaussagen ergeben haben. Die Herren seien alle sehr aufgeregt gewesen. Worte seien hin und her' geflogen, es sei viel durcheinander geschimpft worden, der eine habe geschrien: „Das ist eine Unverschämtheit!", ein anderer habe geanblvortet: „Sie frecher Mensch!", und schließlich sei das Wort gefallen:„Sie sind ein ganz abgebrühter Mensch!" In der Gerichtsverhandlung kam nicht zur Sprache, daß irgend einer der Herren, die einander in dieser Weise mit Schimpftoörtern traktiert hatten, deshalb zum Richter gelaufen sei. Nur der ganz nebensächliche Umstand, daß man hinterher darüber uneinig war, wem der Titel„abgebrühter Mensch" zugeteilt worden sei, hatte zu der vorliegenden Beleidi- gungsklage geführt. Sic endete, wie vor dem Amtsgericht, so auch hier mit Freisprechung Schreibers, dem der Wahrheitsbeweis ge- lungeu sei und Wahrnehmung berechtigter Interesse» zugebilligt werden müsse. Sehr peinlich schien die Affäre dem Vertreter der Armcndirektion zu sein, dem Bürgerdeputiertcn Ehrenbaum. Der Herr war als Zeuge geladen, beteiligte sich aber an dem Einigungsvcrsuch des Vorsitzenden. Ten Angeklagten Schreiber, der hartnäckig imnier wieder ablehnt«, beschwor Herr Ehrenbaum mit den Worten:„Wir wollen ja gern die Kosten trägen." Wen dä? ArmendircktionS« Mitglied mit„wir" meinte, blieb unklar. Laßt betteln sie gehen» wenn sie hungrig sind! Wie die polnischen Blätter übereinstimmend melden, hat auf Betreiben des Landrats v. Tilly des Kreises Posen-Wcst die Sinnersche Fabrik in Luban eine große Anzahl polnisch sprechender Arbeiter entlassen und an deren Stelle deutsche Ansiedler der nahe» belegenen Arbeiterrentengutskolonie Zabikolvo eingestellt.— Wie in einer kürzlich stattgefundenen Gerichtsverhandlung der als Zeuge vernommene Pastor Schatz zeugeneidlich bekundete, ist der Fabrik- bcsitzer Sinner, ein eifriger Förderer oer genannten Rentcnguts- kolonic, und hat in den Vorjahren während der winterlichen Arbeitslosigkeit dem Pastor Sckiatz größere Geldbeträge zur Unter- stützung der arbeitslosen Kolonisten überwiesen. Diese waren so beträchtliche, daß Pastor Schatz mit seinen Anerbieten bei einigen der Kolonisten auf Widerstand stieß und diese die Annahme der Unterstützungen verweigerten.— Die polnisch sprechenden Arbeiter dagegen können ruhig Hungers sterben. Die Hauptsache bleibt, daß die mit vielen Opfern begründete, der Evangclisation des Ostens dienende Ansiedelungskolonie nicht zugrunde geht. Vermischtes» kommen jetzt Auch gestern Neue Lawinensturze. Nach den starken Schneefällen der letzten Tage aus den Alpen Nachrichten über Lawineukatastrophen. haben in Kärnten und den italienischen Alpen zwei niedergehende Lawinen großes Unheil angerichtet. Ein Telegramm aus Graz meldet: In Lugga im Leschachtal in Kärnten zerstörte gestern eine Lawine zwei Häuser, drei Mühlen und drei Scheunen. Acht Personen wurden getötet, darunter ein Oberlehrer mit seiner Familie. Ein Telegramm aus Innsbruck meldet: Im Zoldotal wurden durch eine Lawine 18 Personen getötet. Die Leichen konnten ge- borgen werden. In den Dolomitentälern an der tirolisch-italienischen Grenze erreicht der Neuschnee in manchen Orten eine Höhe bis zu 2 Metern. In Nordtirol herrscht seit zwei Tagen Tauwetter, daS die Lawinengefahr vergrößert. Bei Belvedere wurden, wie aus Venedig berichtet wird, sechs Personen durch einen Lawinensturz getötet. In der Ortschaft Corli- celle wurde durch eine Lawine daS Kirchendach eingeschlagen und eine Person getötet._ Von Gesteinsmassen erschlagen. Dortmunder Meldung zufolge ereignete sich auf der Zeche Gneisenau gestern durch hereinbrechende GesteinSmasscn ein schwerer Unglücksfall. Zwei Arbeiter wurden erschlagen. Ucber ein Eisenbahnunglück wird amtlich aus Stolp gemeldet: Am 9. d. M. morgens 5 Uhr 49 Minuten entgleisten auf Bahnhof Schönau infolge Zusammenstoßes mit einem Rangierzug zwei Wagen aus dem gemischten Zuge 670, welcher das auf Halt stehende Einfahrtssignal überfahren hatte. Leichwerletzt wurden die Reisenden: Besitzer Andreas Wollenschläger aus Pankahl, Karl Hartmann aus Briesenitz, Karl Stewe aus Abbau-Rummelsburg, Hermann Mischka aus Grinden bei Reinwasser, ferner der Hilfsheizcr Kapke und der Schaffner Fröhlich. Der Materialschaden ist bedeutend. Der Ver- kehr wird durch Umsteigen aufreckiterhalten. Das HauptgleiS ist seit 11 Uhr 40 Minuten vormittags wieder frei. Bmfkaftcn der Redahtion. Sl« fiiriftififie evreiftfmnö« finde, Lindcnftraste Nr. 3, zweiter Hos, dritter Eingano, vier Treppe», WV Fabrftiihl wockentäglich abends von?>/, dt« 9'/, Nor statt. tSeöiine» 7 Übe EonnabrndS beoimit die evrechstuude um>>!». morgens 8 Ilstr. Ltationen Hamburg Berlin Franis.a M München Wien etationm eS B— KS Wetter w« c�1 II w3» Havaranda 774 SSW Petersburg 775 SO Seilly(748 3 Aberdeen 7 54 O Paris 755 SO I! 9 bedeckt.—4 2 wollig— 9 2 wolkig 5 bedeckt 2 bedeckt 6 8 — 1 tMetterprognolc für Mittwoch, de» 10. März 1909. Bielfach heiter, nachts etwas kälter, am Mittag ziemlich mild bei mäßigen östlichen Winde»; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrichten der LandeZanstalt für Gewäsicriunoe, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. l)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unterpegel.—•) Eisstand. *) Grundeis.—') Schwaches Treibeis.*) Mäßiges Treibeis.) Für denJnferatenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsgnstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 58. 26. Jahrgang. 2. KW des Jotiiinrts" ßtrlintt Pulkolilult. iittuiuif), 10. Marz 1909. Heute Wtwoch: Zahlabenä in Lrok-Verlin. Partei- 5Zngelegenkeiten. Achtung! Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend! Am heutigen Zahlabend gelangen die Protest bogen, auf ivclchen Unterschriften gegen die drohende Erhöhung der Tabaksteuer gesainmelt werden sollen, zur Ausgabe. Wir bitten die Genossen Groß-Berlins, denen es möglich ist, bei Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten Unterschriften zu sammeln, für Einzeichnung in die Protest listen eifrig tätig zn sein. Die Bogen sind dann an die Kreis lcitungen zurückzuliefern. Gemäß stüherem Beschlüsse soll zugunsten der im Handels- und Transportgewerbe Beschäftigten ein Flug blatt über die Sonntagsarbeit verbreitet werden und zwar nur in den sechs Berliner Kreisen. Das Flugblatt wird heute an die Kreise versandt und bitten wir, dafür Sorge zu tragen, daß die Verbreitung noch in dieser Woche stattfindet. Die Fragebogen des Ma� gistrats, auf welche das Flugblatt Bezug nimmt, sind seit gestern ausgegeben. Da nur offene Verkaufs st eilen, Läden oder Keller in Frage kommen, so wird sich dies leicht er- 7nöglichen lassen, umsomehr als eine Abholung oder Ein- sammlung von Unterschriften diesmal fortfällt. Auf die gewohnte Arbeitsfreudigkeit der Genossen rechnen wir auch diesmal. Mit Parteigruß! _ Der Aktionsausschuß. Lierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 14. März, findet in Kellers Festsälen, Koppensir. 29, ein Kammermusikabend, verbunden mit Gesang und Rezitationen, statt. Das Arrangement verspricht einen genußreichen Abend. Billetts a 69 Pf., einschließlich Garderobe, sind zu haben bei den Bezirksführern sowie im Bureau des Wahl- Vereins. Stralauer Platz 1/2. Billett zur Matinee am ersten Osterfeiertage kostet 39 Pf., n i ch t 60 Pf., wie irrtümlicherweise im Mitteilungsblatt steht. Der Vorstand. Friedrichshagen. Zum heutigen in sämtlichen Bezirken statt- findenden Zahlabend werden die Genossen ersucht, zwecks Neu- regelung der Hauptnummer ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Der Vorstand. Erkner. Heute, Mittwoch, findet die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 2. Stellungnahme zur Maifeier. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsängelegenheiten. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Heute Mittwoch, den 19. März, abends S'/a Uhr, findet im Lokale des Genossen Joch, Köpenicker Str. 43, ein Zahl- abend statt. Der Vorstand. Frcdersdarf-Petershagen. Donnerstag abend 8 Uhr Zahlabend uk Lokale von Max Girke, Fredersdorf. Hohen-Neuendorf. Der Zahlabend findet im Lokal von P. Schmitz, Ruhwaldstr. 45, statt. Die Sammellisten sind mitzubringen und ab- zurechnen. Der Vorstand. Bernau. Morgen, Donnerstag, Zahlabend in den bekannten Lokalen. DeS weiteren weisen wir darauf hin, daß die Bibliothek jetzt Montags von 8bis9Uhr abends für Partei- und GewerlschaftSgenofien geöffnet ist. berliner J�admcbten. Warnung! Auf einer mit dem Stempel der Berliner Gewerkschafts- kommission versehenen Liste suchte gestern ein Mann im Hause Biebrichstr. 9 in Rixdorf für bedürftige Arbeitslose Geldbeiträge einzusammeln. Die Berliner Gewerkschaftskommission ersucht uns mitzuteilen, daß eS sich hier um einen Schwindler handelt. Da derselbe auch anderswo sein Treiben fortsetzen dürste, so sei hiernnt vor ihm gewarnt._ Schultinberspcisung und Privatwohltätigkeit. Die Veranstaltungen zur Schulkinderspeisung, die vom Magistrat für das bevorstehende Etatsjahr geplant werden, sind vcn der Stadtverordnetenversammlung am vorigen Donnerstag nicht sofort gutgeheißen worden. Die Vorlage des Magistrats wird geprüft werden in einem Ausschuß, dessen Einsetzung beschlossen wurde. Der Magistrat will einstweilen es in der Hauptsache noch bei dem bisherigen Zustand belassen, daß der Ve-rcin für Kindervolk s'küchen die Speisung bedürftiger Schulkinder ausführt und hierfür von der Stadt Be- zahlung erhält. Der Verein besitzt seit langem die erforderlichen Einrichtungen und hat daher durchzusetzen vermocht, daß der Magistrat sich ihm fügte. Ob es dem Magistrat so sehr schwer geworden ist, sich zu fügen, das wollen wir ununtcrsucht lassen. Daneben wünscht aber die Magistratsvorlage, daß in einer Ge- mcindeschule die Probe gemacht werde, ob eine Speisung im Schulhause selber möglich ist. Hoffentlich werden diese Versuche nicht so arrangiert, daß sie unfehlbar— mißlingen müssen. Im Verein für Kindervolksküchcn scheint man allerdings schon jetzt der Meinung zu sein, daß die Sache so enden werde. In der Generalversammlung des Vereins, die vor einigen Tagen stattfand, wurde auch der den Stadtverordneten vom Magistrat vorgelegte Plan erörtert, und es wurde— noch ehe die Stadt- verordnctenversammlung ihn angenommen hat— in vollen Tönen der Sieg der»Privatwohltätigkeit gefeiert. Der Ver- rinSvorsitzendc Herr Abraham bezeichnete es als bedenklich, die Speisung bedürftiger Kinder in enge Verbindung mit der Schule zu bringen. Es könne da leicht, meinte er, in weiten Kreisen der Bevölkerung die Meinung entstehen, daß die Schule geradezu die Verpflichtung habe, neben freiem Unterricht auch noch freie Speisung zu gewähren. Dadurch werde das Verantwort- lichkeitsgefühl der Eltern herabgemindert, ja, eS müsse das zu einer vollständigen Umwälzung der Anschauungen über die Pflichten der Eltern gegen ihre Kinder führen. Das sind die- selben Redensarten, wie wir sie vom Berliner Freisinn so oft im Stadtverordnetensaalc gehört haben. Herr Abraham und seine Leute bliesen früher nicht so forsch in dieses Horn. Sie haben sich nunmehr als gelehrige Schüler der Wortführer des un- entwegten Stadtfreisinns bewährt und sprechen gläubig nach, was von jener Seite über die angebliche Gefahr, durch solche Veran- staltungcn die„Begehrlichkeit" des Volkes zu steigern, geschwatzt worden ist. Herr Abraham äußerte die Befürchtung, wenn die Stadt durch Vermittlung der Schule den Kindern die Nahrung liefere, so würden viele Eltern dadurch veranlaßt werden, auch noch die Kleidung der. Kinder von der Stadt zu fordern. Das erinnert an jene berüchtigte Aeußerung des echtfreisinnigen Stadtverordneten Jacobi, der einmal vor seinen I wohlhabenden Wählern dieses Zukunftsbild ausmalte und zornig ' klagte, dann bleibe der Arbeiterbevölkerung, die für alles das nicht einmal„danke" sage, schließlich nur noch die Erzeugung der Kinder. Zu dem Plan, zunächst probeweise in einer Schule eine Speisung der Kinder vorzunehmen und den Versuch ein Jahr lang durchzuführen, machte Herr Abraham die Bemerkung, er hoffe dessenungeachtet, daß die Tätigkeit des Vereins nicht aufhören werde und daß noch auf lange Zeit hinaus die Ansicht sich be- hauptcn werde, die Schulkinderspeisung sei der Privatwohltätigkeit zu überlassen. Der Leiter des Vereins für Kindervolksküchen glaubt offenbar, die freisinnigen Pappenheimer zu kennen und ihrer sicher zu sein. Die Vrommpbriicke. An der Stelle der alten Eisen- bahn brücke, die im Zuge der Eisenbahnstraße über die Spree hinüber führte und wenigstens für den Fußgängerverkehr eine Verbindung zwischen Köpenicker Straße und Mühlenstraße bildete, ist eine neue Brücke errichtet worden, die nun auch dem Wagen- verkehr dienen wird. Die Brücke, die noch während der Bau- ausführung die neue Bezeichnung„Bromniybrücke" erhielt, geht jetzt ihrer Pollendung entgegen und wird hoffentlich noch in diesem Pahre drm Verkehr übergeben werden können. Die schmalen Zu- gänge, die von der Köpcnickcr Straße wie von der Mühlenstraße zu der Brücke hinleitcten, mußten in eine breite, sich der Fahr brücke anpassende Zufahrt st ratze umgewandelt werden. Auf der Seite der Mühlenstraße stellten sich der Ver- breiterung des Brückcnzuganges keine erheblichen Schwierigkeiten entgegen; dort ist bereits vor einigen Jahren in der Bauflucht- linie der künftigen Zufahrtsstraße, die übrigens im voraus den Namen„Brommystraße" erhielt, ein neues Wohnhaus errichtet worden. Länger dauerten die Vorarbeiten zur Verbreiterung des Vrückenzuganges an der Köpenicker Straße, weil hier mit dem Militärfiskus wegen Hergäbe eines Teiles der alten Pionier- kaserne verhandelt werden mußte. Der erforderliche Streifen des Kasernengrundstückes wurde schließlich laus Grund eines von den Gemeindebehörden im Jahre 1997 gefaßten Beschlusses) aus- getauscht gegen ein Stück des Plänterwaldes, das als Pionier- Übungsplatz gebraucht wurde. Der in die künftige Zufahrtsstraße hineinragende Teil des Kasernengcbäudes ist bereits vor längerer Zeit geräumt worden und soll nun endlich fallen. In der neuen Baufluchtlinie ist eine neue Giebelwand aufgeführt worden, die den zu beseitigenden Teil des Gebäudes abtrennt. Der Abbruch dieses Gebäudeteiles ist von der Stadtbauverwaltung öffentlich ausgeschrieben worden und wird demnächst erfolgen. Fernsprcchtelegramme in den Berliner Vororten. Die lieber- Mittelung von Telegrammen durch den Fernsprecher ist im Publikum immer noch so wenig bekannt, daß die Postverwaltung erst vor wenigen Tagen darauf hinweisen ließ. Es werden auf Antrag so- wohl ankommende Telegramme an die Teilnehmer zugesprochen, als man auch Telegramme durch den Fernsprecher aufgeben kann. Be- sondere Einrichtungen bestehen für die Nachbar- und Bororte Ber- lins. Hier ist das Verfahren nicht nur für den Verkehr der Fern- fprcchteilnehmer init ihrer eigenen Vermittelungsstelle, sondern auch für den unmittelbaren Verkehr mit dem Haupttelegraphcnamt in Berlin zulässig. Die Teilnehmer in den Nachbar- und Vororten können also ihre Telegramme zur Weiterbeförderung gleich un- mittelbar beim Haupttclegraphenamt in Berlin am Fernsprecher auf- liefern und sich die für sie eingebenden Telegramme von da aus zn- sprechen lassen. Die Anträge sind an das Haupttclegraphenamt m Berlin oder an die Vermittelungsanstalt des Orts zu richten. Die Beförderung der Telegramme wird dadurch wesentlich beschleunigt. Die Gebühren sind dieselben wie für Berlin selbst. Die zn- gesprochenen Telegramme werden den Empfängern außerdem in einem verschlossenen Umschlag durch die Post übersandt, wobei die Zusprechgebühr zur Einziehung gelangt. Für abgehende Telegramme beträgt die Aufnahmegebühr 1 Pfennig für das Wort, mindestens 29 Pfennig.. Die Gebühren werden monatlich von den Teilnehmern eingezogen. Die Erkrankungen im Nudolf-Birchow- Krankenhaus, über die wir berichtet haben, geben zu keinerlei Beunruhigung Anlaß. Alle Wärter und Pflegerinnen, die von dem Unwohlsein befallen wurden, sind dienstfähig geblieben. Die eingehenden bakteriologischen Unter- suchungen haben ein negatives Ergebnis gehabt, so daß sich der Verdacht verstärkt, daß die Erkrankungen nicht vom Fleisch her- rühren, sondern von den Morcheln, die dem Frikassee zugesetzt waren. Die Morcheln selbst sind zwar durchaus vorschriftsmäßig behandelt worden, aber die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß ihnen einzelne von ihnen schlver zu unterscheidende und be- kanntermaßen gesundheitsschädliche Morcheln versehentlich von den Sammlern beigemischt waren. Die Untersuchungen darüber sind noch nicht abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit wird mitgeteilt, daß vor einiger Zeit eine eingehende Besichtigung des Virchow-Kranken- hauses, ohne daß eine vorherige Ansage erfolgt war, durch Vertreter des Ministeriums fiir Medizinalangelegenheiten vorgenommen wurde. Die Besichtigung hat am 19. Dezember stattgesunden. An ihr nahmen vom Ministerium teil der Geheime Obermedizinalrat Dr. Dietrich und der Geheime OberregiernngSrat Frhr. v. Zedlitz und Neukirch, ferner vom Polizeipräsidium der Geheime Medizinal- rat Dr. Wchmer. Die Besichtigung dauerte 3>/z Stunden. Es wurden neben verschiedenen Krankenstationen besonders die Küche mit Fleischkeller, das Aerztekasino, das Schwesternheim nebst den Räumen fiir den Schwesternunterricht nnd die staatliche Prüfung besichtigt. In dem darüber erstatteten Bericht wird bezeugt, daß sämtliche Kranken- und Wirtschaftsräume Ordnung und Sauberkeit zeigten. Die Revisoren ließen sich in der Küche das große Fleisch« Hackmesser auseinandernehmen und in allen Einzelheiten vorzeigen; sie fanden es sauber, obwohl eS eben gebraucht war. Auch dem Fleischkeller sagen sie die peinlichste Sauberkeit und Trockenheit nach. Sie beben hervor, daß an der Spitze des VerpflegungS- betricbes jetzt ein Magazinverwalter steht, der jahrelang bei Borchardt und Adlon angestellt gewesen ist; unter ihm stehe eine Oberköchin dem eigentlichen Küchenbetriebe vor, in dem drei weitere Köchinnen, 28 Hausmädchen und 7 Hausdiener beschäftigt seien. Die Fleischkammer werde durch einen Oberschlächter und eine Anzahl Gesellen besorgt. Die Inspizienten kosteten daS Essen, sowohl der Kranken wie der Schwestern, und fanden eS schmackhaft und auch in den Pavillons ausreichend warm. Der Stadtverordnetenvorstcher-Stellvertreter Cassel und Genossen von der Fraktion der Linken haben der Stadtverordnetenversammlung folgenden dringlichen Antrag unterbreitet: Die Versammlung ersucht den Magistrat um Auskunst, ob die Nachricht von der Erkrankung mehrerer Wärter und Wärterinnen im Rudolf-Virchow-Krankenhause infolge des Genusses von Speisen aus Wahrheit beruht, und welche Schritte der Magistrat, falls sich diese Nachricht bestätigen sollte, zu unternehmen beabsichtigt, um in Zukunft derartige Uebelstände zu beseitigen. Ein Unfall, der noch der Aufklärung bedarf, ereignete sich am 29. Februar Das Stiftungsfest des Wahlvcrrins findet am Sonnabend, den 13. März, im Lvlal des Genossen Adolf Bcrger, Berliner Straße 114 statt. Da weder Mühe noch Kosten gescheut worden sind, um den Genoffen mit ihren Familien, Freunden und Bekannten einige an- genehme Stunden zu bereiten, wird reger Besuch erwartet. Steglitz. Ei» würdiges Scitcnstllck zu unserer Badeanstalt scheint der Regenwasserkanal zu werden, den die Gemeinde mit einem Kosten- aufwand von zirla l'/z Millionen Mark bauen läßt. Infolge einer Interpellation eines Gemeindevertreters in der Gcmeinderalssitzung erfuhr die Oeffenllichkeit, daß eine größere Strecke dieses Kanals in der Nähe der Panseschen Badcansialt geborsten ist. Fehlerhafte Projektierung und Ausführung soll die Ursache sein. Ein Sach- verständigengutachten erklärt den völligen Abbruch und Neubau der schadhaften Strecke für geboten. Die Bauverwaltung, zu der man allerdings nach den bisherigen Leistungen wenig Znvrrtrauen haben tann, glaubt mit einem Kouenaufwand von zirka 2000 M. die Riffe verUcistern zu können. � Wie vorauszusehen war. haben die hohen Preise in unserem„Stadtbad" bewirkt. daß die Benutzung eine sehr spärliche war. Deshalb sah sich der Gemeinde- vorstand gezwungen, eine Herabsetzung der Preise zu beautrageu, die auch angenommen wurde. Es kästet Nunmehr ein Schwimm- bad 40 Pf., 10 Karren 8 M.. ein Wannenbad 50 Pf, 10 Karten 4 M. Daiür sind ober die ermäßigten Preise Mittwochs und Sonnabends, die nur 30 resp. 40 Pf. betrugen, in Wegfall gekommen. Das nennt man in Steglitz„Herabsetzung der Preise"!— Den Betrieb der der Gemeinde gehörigen Grunewald- bahn hatte bisher die Firma Siemens u. Halste. Mit dem 1. April d. I. tritt der Kreis Teltow an deren Stelle. Die Gemeinde zahlt für die ersten 130 000 Wagenkilometer 271U Pf. per Kilometer, darüber hinaus 25'/- Pf. Der Vertrag läuit bis 1. April 1012 Beschlossen wurde weiter die Pflasterung der Schützenstraße zwischen Birkbuschstraße und Lichterfelder Grenze, so datz auch dieser Schand- fleck endlich verschwindet, und die Durchlegung und Pflasterung der Mittelstraße. Die Wahlvercmsvcrsammlung am 3. d. MlS. Hörle mit großem Interesse einen Bortrag deS Genossen Wurm über„Darwin und Darwinismus". Nach Bestätigung von sieben Anfnahmegeiuchcn teilte der Vorsitzende, Genosse A ß m a n n, das Resultat der Arbeits- losenzählung mit, wie eS schon ini„Vorwärts" veröffentlicht ist. Bei der kürzlich aufgenommenen Statistik wurden 452 Wablvereius- Mitglieder beftagt, von denen 337 gewerkschaftlich organisiert und 106' aus der Landeskirche auSgeichieden sind. Der siebente Bezirk fehlt bei dieser Ausstellung noch. Unter den 115 Nichtorganisierten befinden sich eine größere Zahl Selbständige. In den B i l d u n g ö- ausschnß wurden gewählt: Genossin Schulz und die Genossen Fenske, Lindner. Schmidt, Spließgart, Winkel- mann und Wiebold. Zur Generalversammlung von Groß- Berlin wurden delegiert die Genossen Borchardt, Höhn und Franz Krug. Der Antrag des Vorstandes, unsere Versamm- lungen in Zukunft am letzten Dienstag jeden Monats abzuhalten, wurde einstimmig angenommen. Die nächste Versamm- lung findet bereits am DienStag, den 30. März, statt. Nach Mit- teilung deö Vorsitzenden findet am Dienstag, den 16. März, eine ö s s e n t l i ch e F r a u e n V e r s a m in l u n g, zu der auch die Ge- nassen eingeladen sind, im„Birkenwäldchen" statt, Frau Weil hat dos Referat übernommen. Zur Agitation zu dieser Versammlung wird am Sonntug, den 14. März, ein Flugblatt verbreitet. Bis auf den 4. Bezirk sind nunmehr die Neuwahlen der Bezirksführer erfolgt, die Geiväblten wurden vom Vorstand bestätigt. Gegen die geplante Tabaksteuer wurde eine Protestresolution einstiiiimig angenommen. Großer Umzug. Am 28. März wird die Post ihren gesamten Dienslbetrieb nach dem neuen Postgebäude, Bergstraße 1, verlegen. Au diesem Tage wird das bisherige Hauptpostamt Albrechistraße 14a, das schon längst den Bedürfnissen nicht mehr genügte, geschlossen. Auch das im Hause Schloßstraße 25 befindliche Zweigpostamt nimmt leisten Domizilwechsel vor. Vom 10. März ab wird es sich Feld- straße 24/25(Ecke Schloßstraße) befinden. ES ist nur Wochen- tags von 8 Uhr vormiiiags bis 7 Uhr abends geöffnet. Paket- amiahme nur im Hauptpostamt. Zernsdorf. Ucder die gegenwärtige politische Lage referierte am Sonntag in einer Volksversammlung im Knorrschen Lokale Genosse Fritz Z u b e i l. Die Versammelten nahmen die eingehenden und treff- lichen Ausführungen des Redners mit großer Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall entgegen. Zum Schluß richtete der Vorsitzende an die Anwesenden die Mahnung, für die Organisation und die Arbeiterpresse zu agitieren. Der Gesangverein„Freie Sänger" hatte die Versammlung durch Gesang eingeleitet und auch beendigt. Weihensee. Auf der Straße erschossen hat sich der Rohrleger Wilhelm George, Wilhelmstraße 27. Als Grund der Tat werden geschäftliche Verluste angegeben. Tegel. Auf schreckliche Weise ist der 35 Jahre alte Schirrmeister Sckiweiuegrube, der in den Borsigwerken beschäftigt war, um seine rechte Hand gekommen,©ch. wollte auf dem Dampfhammer eine Eisenplatte zurichten. Der zehn Zentner schwere Hammer sauste aber hernieder, ehe Sch. die rechte Hand von der Platte wegziehen konnte. Infolgedessen wurde sie vollständig zennalmt. Nach An- legmig eines Notverbandes fand der Verunglückte im Paul-Gcrhardt- Stift Aufnahme. Schönwalde(Bezirk Pankow). Die Ersahwahl zur Gemeindevertretung findet morgen, Donners- tag, den 11. März, nachmittags von 2—4 Uhr, im Lokal von Stech statt. Die Kandidaten der Sozialdemolratie sind die Genossen Hermann Ernst, Töpfer und Wilhelm Kohly, Maurer. Parteigenossen! Trotz der ungünstigen Wahlzeit ist eS Pflicht eines jeden Genossen zur Wahl zu erscheinen und seine Stimme dem Kandidaten der Sozialdemokratie zu geben. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Wilhelmsruh-Niederschönhauscn-West. Die KousumvcrciuSbcwcgung, ihre Zwecke und Ziele behandelte in der Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Lang Hammer. Nach dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrage traten samt- liche Diskussionsredner dafür ein, daß auch ani hiesigen Orte, durch rührige Agitation die Eröffnung einer Verkaufsstelle erfolgen müsse. Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige Annahme. Der Bericht des Gemeindevertreters Genossen Haichick löste eine lebhafte Diskussion aus. Nachdem noch unter Vereinsangelegeiiheiten interne Angelegenheiten des WahlverciuS erledigt worden, erfolgte Schluß der gut besuchten Versammlung. Nowaives. Bei der Gemeindcvertrcterwahl erhielten die. Kandidaten der Sozialdemokratie 1171 Stimmen, während auf die bürgerlichen Kandidaten ganze 76 Stimmen entfielen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Montagnachmittag in der Lokvmotivensnbnk von Orenftein u. Koppel. Der Arbeiter Hasselberg. Lindenstr 41 wohnhaft, war in der Kesselschmiede mit einer Reparatur der elektrischen Leitung beschäftigt, als er plötzlich von einem heranfahrenden Kran erfaßt und an die Wand gedrückt wurde. H. erlitt hierbei schwere innere Verletzungen, daß seine Uebersührung WS Oberlin-KrankenhauS notwendig wurde. Sein Zustand ist bedenklich. Da sich' ein ähnlicher Unglücksfall bereits früher ereignet hat, dürfte es an der Zeit sein, daß die Betriebs- lcitung dieie Arbeiten unter Ailwciidimg größerer Vorsichtsmaßregeln ausführen läßt. Spandau. Die letzte Kreiskonferenz hat einen Antrag von Spandau an- genommen, der sich ans gemeinsame Veranstaltungen mit bestimmten Aktionen mit Groß-Berlin bezog. Um Mißdeutungen dieses Be- schlusseS vorzubeugen, geben wir auf Wunsch den Wortlaut deS An- träges wieder: er lautet: „Bei alle» Aktionen, welche über Groß-Berlin stattfinden, das find Demonstratioiicii, Protest- und Masseiwersaimiilungen, ist daS dazu erforderliche Material direkt vom Brandenburger Provinzial- Sekretariat an den Vorsitzenden des Spandaner WahlverciuS zu übersenden, damit diese Versammlungen an demselben Tage statt-> finden können wie die in Groß-Berlin, da Spandau mit„Groß- Berlin" wirtschaftlich eng verbunden ist. Desgleichen fordern die Genossen von Spandau, daß bei solchen Anlässen die Versamm- lunqsanzeigen unter denen von Groß-Berlin im„Vorwärts" mit veröffentlicht werden. Der Konsumverein Merkur hielt vergangene Woche seine Ge- neralveriammlung ab. Der Bericht des Vorstandes über die Ge- schästslagc voni ersten Onartal des laufenden Geschäftsjahres, den der Geschäflssübrer Genosse Hornig erstattete, ergab, daß sich der Umiatz von 10 724 M. im Vorjahre auf 11 344 M. erhöbt, wodurch sich die Unkosten von 10,7 Proz. im Vorjahre aus 0,0 Proz. er- niedrigten. Die Spareinlagen erhöhlen sich um 300 M.. ein Darlehen von 1255 M. wurde gekündigt und znrückgezahir. ES wurde vom Geichäflsführcr fcstgestelli, daß der Verein zwar langsam, aber sicher vorwärts komme. Interesse erregte die Mftteiluug. daß eS der GroßeinkanfSgesellschaft gelungen ist. die Erlaubnis zum Bau einer Seiienfabrik zu erhalten. Dieselbe soll noch in diesem Jahre in Gröba(Sachsen) errichtet werden. Es wird zu diesem Zweck eine Anleihe von l Million Mark ausgeschrieben. Jeder Genossenschaftler tann Anteilscheine von 500, 100O und 5000 M. erwerben. Es wurde beschlossen, das Eintrittsgeld von 1 M. auf 50 Pf. herab- zusetzen. Potödam.. In der letzten WahlvcrrinSvcrsammlnng gab der Vorsitzende, Genosse Ziem an», einen eiiigeheuben Bericht über die letzte Rrcisgeiieralversammlniig in Staaken. Genosse Staab bednucrt, daß so wenig Gewerkschaftsmitglieder politisch organisiert sind. Gerade Potsdam ist infolge der Lauheit der Arbeiterschaft noch, weit zurück.— Am 2. Osterfeiertag veranstaltet der Wahlverein ein Vergnügen.— Zur Frage der Maifeier soll erst in der nächsten Versammlung Stellimg genommen werden, da seitens der Zentral- stelle eine Resolution zu erwarten ist und die örtlichen Vertretungen dazu in gemeinsamer Sitzung erst Stellung nelMen wollen.— Der Vorsitzende macht zum Schluß auf den seitens des BildungS- ausichusseS am 14. März zu veranstaltenden Märzdichter-Abend auf- mertfam. Er ersuclit, eifrig für den Besuch dieses KunstabcndS zu agitieren. Eintrittskarten sind bei allen Gewerkschnfisvorständen zu haben. Bernau. Die Beschäftigung der Arbeitslosen fordert eine MagistratSvorkage, die in der letzten Stadtverordlietenversammlniig zur Verhandlung kam. Wie wir bereits berichteten, hatten sich eine große Zahl Arbeitsloser nach dem Rathause begeben und Arbeit gefordert. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt 175 Die Versammlung wählte eine Notstmidskommission. bestehend aus drei MaaistratSmitgliedern im d vier Stadverordneten, welche für Arbeitsgelegenheit Sorge tragen soll. Bon unseren Genossen gehören Helbig und Wünsche der Koin- Mission an. Bereits am Montag wurden 150 Arbeitslose cingestelli und einstweilen mit Reinigung der Straszen beschäftigt. Sodann ivurde in die Beratung des Etats für 1903,10 eingetreten. Um der Gemeinde gröszere Einnahmen z» verschaffen, beantragten unsere Genossen, der Magistrat möge in Bälde eine Vorlage betreffend die Einführung einer Wertznwachsstcuer der Versammlung unterbreite». Ter Autrag wurde gegen die fünf Stimmen unserer Genossen ab- gelehnt. Demselben Schicksal verfiel ein weiterer Antrag unserer Genossen betreffend die Anstellung eines Schularztes. Der Etat, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 30(1000 M. balanziert. wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Alsdann wurde der Magisiratsvorlage betreffend den Anlauf einer Börnickcr- dammwiese zum Preise von 10 500 M. zugestimmt. Der Vertrag mit dem Zivilingenieur Prinz wegen der Vorarbeiten zur Anlage einer Wasserleitung, sowie die Verausgabung der Bohr- und Erd- arbeiten hierzu wurde von der Versammlung genehmigt. Eingegangene DmcKMmften. Handwerker und Handwerker-Kummer. 2Z Pf. Eine Beirachltttiz von Wernitz. Berlin S\V., Älücherplatz 1. Geschlecht und Gesellschast. Heft 12. Herausgegeben von K. Van- scloiv, Selbstverlag, Berlin S\V. 11. Schriften der Internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiierschutz, Hest 6. i M. G. Fischer, Jena. Geschäftsbericht 1SV8. Melallarbeiter- Verband Braunschweig. III Seiten. Selbstverlag.__ Für den Jnbalt � die der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwvrtung. Cheater. Mittwoch, den 10. März. Anfang VI, Ilhr. König!. Opernhaus. Cosi fan tuttc. Königl. Schauspielhaus. Kolberg. Deutsches. Revolution in Kräh- wiuiel.(Ans. 8 Uhr.) K a m ui c r sp i e I e. Der Gras von Gleichen.(Ans. L Uhr.) SUisang 8 Uhr. Lesjiug. Der König. Rrues Schauspielhaus. Ali- Heidelberg. Berliner. Einer von unsere Lcui'. Dhalia. SSo wohnt sie denn? Komische Oper. Lazuli. Rita Sacchetto.(Ansang 7'/, Uhr.) Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Hebbel. RevowtionShochzeit. Vnsispielhaus. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller o.(ü&alluci. iutuici.; Das Erbe. Tch»e. Charlottendnrg. Charleys Tante. Friedrich- Wilbelmftädt. Schau- spielhaus. Schlagende Wetter. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. DaS Mädchen aus Irr- wegen. Trianon. Der Satyr. Neues Overctten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Lperetten-Dheater 8«. Das Hiinmelbelt.(Ans. 89z Uhr.) Bernbard Rose. Wohltätigkeiisvor- ftellung. Gastiptel-Dheater. SherlockHolmeS. Bürgerl. Schauspielhaus. Uriel Acojla. Gebrüder Herrnfcld. Die beiden Bindelbands. AP"bo. Der junge Papa. Spezia- litäten. Met>ovol. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. <5arl Hnverland. Spezialitäten. !vnllugr. Spezialitäten Reichsbnllen. Steitiner Sänger. Walballa. Sveziaiiiälen. Zolics Caprice. Ein lcdiger Ehe- mann.(Ans. 6'/. Uhr.) Kasino. Nutzland. Spezialitäten. GiimM Behrens. Der geprellte Rechtsanwalt. Das Schwalben- nesl. Spezialitäten. Anfang 89. Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— 'Alles sürS Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. 89, Uhr.) llrania.?,>»dr>>Iirahe IKisit. Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern Messinäs. Hörsaal 8 Uhr: Dr. SS. Berndt: Aus der Vergangenheit der Tier. welr. Ste>»»-ar»e. Jnvalidenttr. STI02. Lesslng-Theater. Mittwoch 8 ltt,r: Der König. Donnerstag 8 Uhr: Grisalda. Freitag 8 Uhr: Der Bund der Jugend. Berliner 7heater. Heute 8 Uhr; Einer von unsere I.ent'. Morgen; Einer von unsere Leut'. Neues Theater. dlnsang 8 Uhr. Die fremde Frau. (La femme X...) Donnerstag u. Freitag: Die fremde Frau. Sonnabend zum erstenmal: 01» Laterne(Passepnrlout). Ideiuer aes Westens. AUubenMid) 8 Ubr: Der tapfere Soldat. Frihdrich-Wilhelmstädtisches Scheuspieliiaus. Mittwoch, den 10 Mär,. Ans. 8 Uhr: Schlagende Wetter. Doimerolag: Schiagende Welter Freitag: Kcan. Sonnabend: Hufarenfieber. t-usispisItRSus. Abends 8 Uhr: Tin jltenen Opcrotton-Thouter, SchWauerdamm 25, a. d. Luisensir. AbendS 8 Uhr: VI« Vollnrprinvvaaln. Operelte in 2 Akie» von Leo Fall. Hebbel-�keater Königgrötzer Sw. 57158. Ans. 8 Uhr. Revoiutionshocbzeit. .J K-ipenickcratr. 68. 0 Zum»SS. Male: Sherloek Holmes Ui'aiLta. Wissenschaftliehes Theater. Taubenstraße 43/13. Abends 8 Uhr; Auf den Trümmern Messinas. ftörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt; Aus der Vergangenheit der Tierwelt. Residenz-Theater. — Direltion: Richard Alexander.— AbendS 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Schwanl in drei Atten(vier Bildern) von Georges Feydcau. Morgen und folgende Tage: Die» selbe Vorstellung. Sonnlag, 14. März, nachm. 3 Uhr: Der Prinzgemahl._ Luisen-Tiieater. AbendS 8 Uhr: Donnerstag: Tie goldene Lebens- lüge. Freitag: Dorf und Stadt. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn- röschen. 8 Uhr: Mein Leopold. Sonnlag Nachmittag 3 Ubr: Das Mädchen aus Irrwegen. 8 Uhr: Mein Leopold. Montag: Der Störenfried und: Die Dienstboten._ ERNimDSETIIEAT Gr. Frmikinrier Str. 132 WohltätigkeiiS-Vorstellung s. hilssbedürstige Veteranen von 84, 66, 70/71 und deren Hinterbliebenen, veranstaltet o. Lokalkommisiariat d. Nationaldanl Krieg im frieden. Ansang 8 Uhr. WocheiitagSpreise. Metropol-Thester Tüslich 8 Ehr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. JuL Freund. Musik von Faul Lincke. Regie Direktor Schulte. MuHsary— Porry Holden— Itendor dampietro— Kettnep Pfann— ThJelscher. Ter beispiellose Erfolg des März-ProgrammS. 10 Ubr: 10 Uhr: Hnmpistl-HuinKtl The Telaedoo t»luart? Ocbert Holling AM- 8" 8'■'TJeU Der junge Papa. i�vkAKKvr-l'keiTtvZ'. Schiller-Theater vharlatteaburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Oharlejr, Tante. Schwant in 3 Sitten von Branden Thomas. Donnerstag. abendS8llhr: Hie Karolinger, F r e> I a g. a b e II o s 8 Uhr: Hooht» hemm. O.(Wallner-Tbealer.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Ha» Erbe. Schauspiel in 4 Auszügen von Felix Philippi. Donnerstag, ab e n dS8Uhr: Hechts hemm. Freilag. abends 8 Uhr: Has Erbe. Heule Mittwoch, den 10. März, abends 79, Uhr: Nur kurzeS Gasiipicl: Rithlow, amerikanisclte Lynchjustiz! Tiberio Paci Qolo, der Seeräuber. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. IMe Känber. Ansang 89, Uhr. Donnerstag: Oer Salontireler. Freilag PSpe- o vi bä t l Gebrüder Bermreld- Anfang Thaotap Vorverk. 8 Uhr. lUCdlCr. 11-2 Uhr. 67 Kommandantenstr. 57. Spielplan SCF* Allabendlich:"MM Die beiden Bindelbands. Sie Original- Klabrias- Partie. Beide Komödien mit Anton und Honat Herrnleld in den Hauptrollen. W.Koacks Thsatsr Dlrettto» Hob. Olli. Srniineintr. 16. SensationScrfolg! Der flonipur von London. Sherlock Holmes, Deletliv: F. G I n t h als Gast. Ansang 89, Uhr.(fntiec 80 Ps Somiabcnd grotze Extravorstellung: Die Geier-Wally. George Ronhnlr- Trappe, iliur Ische Spiele, sowie die hervorragenden Kunstkrafte des neuen Programms! �nalast- Theater Burgstrage 24, 2 Rttnutcn vom Bahnhof Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntags VJ, Uhr. Aas großartige MäGrogr. Etelhe«toll Georg; Galler Hargaerlte n. Adrlel 12 Attraktionen 12 Seine Geliebte. e chwanl m l Alt. Famillentartcn. mocheut halbe Preise, überoll gratis zu haben. 1 Passage-lüeater.] Abends 8 Uhr: T a c i a n u. j,»,,,???? \ Piioty von Kaulbach; « in ihrer indisch. Tempelszene.| j Ibe 6 Sista Lorrison> t die englischen Schönheiten.| ( Das großartige» J VarlEtd-Prosramm! j 14 erstklassige Attraktionen. IH alhalla- Itariefe-Theater Gustav Behrens- Theater. Der geprellte Rethtsaiiivalt. Schwant in I Att. Das Zdiwalbenuest. Operette «nd die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Anfang 89. Uhr, SonniagS 6 Uhr. | Weinbärgswcg 19-20, nosentn.Tor. Ansang 8 Uhr: DaS grosie l März-Programm mit seinen Zlttraktionen. I Im Tunnel: Jap.Blumenfe»!. Reai. 1 mentslap. Thcaterbes. Hab. sr.Einir. BssZAge-BsnoMum. B Prinzeß Fassie Berlin I die Amazonen-Königin mit ihrer wilden Leibgarde Vas blaue Weib, das Opter unbarmherz.Tätowation. Alles ebne Eztra-Entree. XIV.»Saison! Zirkus Busch. Mittwoch, 10. März, ab. 79, Uhr: Große Galavorstcllans. Kurzes Gastspiel! Herr Otto Schumann als Schub reifer. Die jugendlichen Reit- tünstlcrinnen Slgi Trnazl! Sign. Corrade m. s. Wundcresel. . Um S Ubr: Der Original- Konsul Peter! Um 9'/, Uhr: Auswanderer! Orig.-PrachtauSst.-Pant. d.F. Busch. VaskuQ'7hsatsn Lothringer Sw. 37. Täglich 8 Uhr. Lis Freitag, dett 2. April: ]£ u ß 1 a ii d. ■ Sonnabend, den 3. April: Zum erstenmal: Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Stadt-Theater Moabit. Größttr und vornehmster Theater- saal Moabits. iMt-Hoablt 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 11. März 1909: Mutter und Sohn. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte ... virch- Pfeiffer. Ans. d. Vorst. 8, Kaffcnössnung 7 Uhr. Konzeit 79, Uhr. feiles Caprice Nur noch einige Tage! Ein lediger Ehemana. Anfang 89« Uhr. Wir offerieren unseren Lesern eine Anzahl Bücher >>> » Fauna«nd Flora des MeereS. Von Dr. Friedrich Knauer. Bon der Erdatmosphäre zum Hiiiinlelsranme. Bon Pros Dr. Wilhelm Foerster. Waö wir vom Monde lvissen. Von Th. Fauth. Vau und Leben der Blüte. Bon Oskar Metze.' Jeder Band statt 1.S0M. nnr ßß Pf. Der Jude. Historischer Roman» von E. Spindler. DaS Halsband der Königin.> Roman von Alexander Dumas, Die Annen und Elenden. Roman von Vittor Hugo. Die Mohikaner von Paris. Roman von Alexander DumaS. Die Nonne von Gnadenzell. Siltcngemälde des 1s. Jahr-[ hundert» von C. Spindler. Krieg und Frieden. Historischer Roman von Leo Tolftol. Jeder Band btosch W pf.. geb. 1.30 M. Bagabonde«. Von Hans Ost. wald. Preis 1.80 M. Der Gifthändler. Roman von George» Ohnet. Preis 1,80 M. Durch daSLaud der Chinesen. Von W. Eoucheron- Aamot.! Reich illustriert, gut ge< bnndcn. Statt s M. nnr 1 M. Die Geschichte Ostasieus nach! dem Frieden von Shimo- noseki. Von W. Coucheron- Aamot. Reich illustriert, gut gebunden. Preis statt 5 M. NUr 1 M. Berlin SW..• Lindrnstrastr 69. Laden. I.MWWW»«WM»»»»»»»WWWWl Wer an Blutarmut, Schwäche, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit te. leidet, dem seien nachstehende Urteile über den Lamschcider Stahlbrunncn zur Beachtung empfohlen: Kreisarzt Dr. R. In allen Fällen sahen wir die Shmplonie der Chlorose scbr bald verschwinden und einem körperlichen und seelischen Woblbesjuden Platz machen, das um so schneller eintrat, je schwerer die einzelnen Fälle varen. Die Patienten erholten sich merkwürdig schnell. Oedeme und Schmerzen In den Füsien vetlchwanden, der Appetit nahm zu, die Kopfschmerzen liesie» nach, gesunder Schlaf ftelllc sich ein, die Müdigleil machte einer gewissen Arbeiissreudigkcit Platz. Dr. med. Z. Vor mir liegen eine Menge Berichte von Kranken, welche eine Kur mit Lamschcider Stahlbrunnen aus mein Anraten, aber nicht unter meinen Augen gemacht baben. Alle diese Patienten rühmen überetnstimmcnd die sehr bald zu Tage getretene Um- Itimmung der VerdauungSoorgänae, die bedeutend ge- steigerte Esilust, die Vermehrung der Harnausscheidung, und find voll des Lobes über die meclwürdige Lcichtvcr« daulichkeit deS Wassers.— Trinkkuren im Hause warm empfohlen Sei Pintarmut, Bleich, sucht, versch. Arten von Fraucillrantheiten, Magen, und Darm- leiden, Ncrvenlrankhettcn. blutarmen Zuständen, bei denen eine Mebruug der Btutmenge und Besserung der Blut» bcschassenhctt notwendig ist. z. B. nach grotzcn Blutverinsten infolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nckch über- standenen erschöpfenden JnsektionSkranlbeitcn, wie Influenza usw.— Broschüren kostenlos durch: Lamschctdcr Stahibeunnen, Düsseldotj XV. 164. Sanssouci, l'ZTl Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch: Benefiz für die Hausaugesttllttu von 8anG»oaet nnter Mitwirkung d. Volks- Ouartctts Gerhnrüx. (Reichhaltiges, inter» effauteo Programm.) Leg. Sonnt. 5, wochenl. 8 U, Morgen: Soiree ran Hoffmanns Norddeutschen Sänger. Freitag: Extra° Dhcatcr-Abend. Keiehshallea-Theatel Mim Silier. Zum 131. OTat«; i Ansang wochenL 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. - Kasino. Holzmarktsw. 72. Gänzlich neues Programm mit Emn� 8ob»nBkl Liffy Jetta, Ernst Gras, Mr. Noster, Elsa Lüschou, Bernhard Marx, Lola Gray, The.lolinnto»» Eguili- bristislycr 5tculen-Jongleur>Akt. Slezrel Mlexrelt alle». Schwank mit Gesang von O. Ztichter. sdesler Vsriels griltsn! it)lt>-Pa�r>aS!e) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 1 Täglich: Ausirclcn von nur erst- Nassigen Spezialitäten bei gänz>> lich freie.» Entree, auch So»n-k tags. Sonnabend und Sonnlag| nach der Borst,: Gr. Freitanz. ��I�nemato�m�b�� Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet Rouzort und Kunstlaufen. lffeue Sielt Hasenheido 103—114. « Im RicsenMnale: «„Das" Bockbierfest Original-AIpen'Deknratlon. 3 Rutschbahn. Wasserfall. < Jeden Dienstag, Mittwoch, Oonners- •j tag: Gr. Tanz- Btcunion. , Anfang 7 Uhr. i- Sonnt 4Dhr. I Entree 30 Pf. - Sonnt. 50 Pf. Barzahlung oder Teilzahlung (lots 01»,»w» reolle Quallttti Denkbar glinsUgste BediogungMl Si» Netto 9 Pjd. 3,50 M. Fcr- Räucherwurst für 9 M. Bei 1 Kolli Käse Wurst zusani. alles jianko Deuischland gegen Nachnahme od Voreinsendung. (Sigene grofte Schweinemast: sied er Versuch sichelt mir dauernde Kund-n. Krumbach, 432L' Käserei, Brüssow il./M. IlelÜtulesi'kÜZUlueii-Isluz br ZS psuncl Lm timer- 29.... tVanne.. S.ZS ad hier. Gefässe gratis! Versand-Gesellschafi iY\agdeburg 90 Postf. 164. Billige Rohtabake.* Nax Jucoby. Strelitzerstr. 52 116 899 530,27 M. Llbschreibungen.......... 1 400 000,—„ (Außerdem sind noch abgeschrieben sür 1903 auf Bahnkörper, Bahnböse, Werfstätten und Wagen 200 000,— M., welche dem Bahntörper-Aniortisationsjonds überlvicsen sind.) Maschinen-Konto nach Abschreibung von.. 19 470,50 M. Mobilien-Konto,,... 4 506,12, Utensilien-Konto................ Pscrdc-Konto»ach Abschreibung von... 17 605,— M. Geschirt-Konto................. Bekleidungen-Konto nach Abschreibung von. 365 933,52 M. Bnvcnturcn-Kento, Bestände an Materialien und Futter. Kontokorient-Konto, verschiedene Guthaben...... Kassa-Konto, Bar am 3t. Dezember 1903....... Konto Kautionen bei Behörden, bei diesen hinterlegt.,. Essekten- u. Dokumentc-Konto, Effekten- u. Hypothekenbestände als Anlage des Reservefonds......... und dcS Bahnkörper- ZlmortisatioiisfondZ..... Effekten des Bcamten-KautionssondS...... Nicht begebene 3Va"U Obligationen......... 4 115 499 530,27 175 234,48 1,- 1,— 1,- 1- 1,— 2 665 712,61 9 671 547,75 19 940,90 567 012,52 5 181 741,50 18 740 491,90 336 381,18 313 000,— 380 000,— Passivs. Attienkapttal-Konto............... S'/j°U Obligattoneii-Kapital-Konto.......... 4 0/p r,»»....... Hhpotheken-Konto................ Dividenden-Konto, noch unbehobene Dividenden.... S'l,°U Obligationen-Auslosungs-Konto, unbehobene Obligationen und Zinsen....... S'/j'/•*-Zinsen-Konto, Zinsen per 1. Oktober bis 31. Dezember 1908...... Reservcsoiids-Kovto............... Bahnkörper-ZlniortisationsfondS-Konto........ Bcomtenkautionen-Konto............. taslPflicht-Veisicherungssonds-Konto......... ontokorrent-Konto, verschiedene Gläubiger u. Bar-Kautionen ErncuerungSsonds-Konto I............ .* n m H,........... Gewinn- und Berlust-Konto............ Gewinn- 153 550 598,11 100 082 400,— 3 543 200,— 687 000,— 1 726 000,— 7 650,75 49 004,— 28 264,25 10 105 390,81 19 344 985,13 333 783,18 201 258,43 2 262 344,61 3 975 517,97 1 257 125,25 9 946 673,73 153 550 598,11 und Verlust-Konto am 31. Dezember 1908. Soll. Hypotheken-Zinsen-Konto............. 68 941,75 K/z'lo Obligationen-Zinsen-Konto.......... 141 987,10 4 ir»........... 20 760,— Gesamtabfchreibungen.............. 2 007 515,14 Abgaben an die Gemeinden Enieuenmgsfonds-Konto I, Zuweisung aus den Betriebs- Einnahmen n.§ 39 des Statuts ,,,„ II, Zuweisung auS 1908.... Saldo, Reingewinn............... Haben. Gewinn- und Verlust-Konto, Gewinnvorlrag aus 1907.. Jiitcressen-Konto, ciiigenommene Zinsen....... Betriebs-Konto sämtlicher Linien Die Einnahmen betragen.. 38 496 352,50 M. , Ausgaben,.. 21 509 950,44. 2 650 747,61 2 300 000,— 360 000,— 9 916 673,73 ' 17 496 625,33 23 204,41 647 010,86 Bleibt Ueberschng...... 16 926 402,06 17 496 625,33 Berlin, den ß. Februar 1909. Die Direktion. geg. Dr. Micke, geg. Koehler, geg. Meyer. Nach vorgenommener Prüfung der Belege und Bücher der Gesellschaft bescheinige ich hiermit die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Ucbeieins.iminung der vorstehenden Bilang, sowie des Gewinn- und Verlust- Kontos mit denselben. Berlin, den 6. Februar 1909. geg. Oskar Zwickau, _ öffentlich angestellter, beeidigter Bücherrevisor. Zurückgekehrt 47/12* Dp. Badt, Bfcnc KönlgstraBe 32. Verleih*1 nstltnt: Friedrichst.llS/l, a.OraBg. "Sot. Eteg. Frack, Gehrock 1.50.Hole 1,00, Beste 50Ps. � wito fßäHiinG Kleine Kamen» beachten 103 Sie W estmanns selten günstiges FrUtaJahrsangebott Originalmodelle 1909 hochelegante Fassons, hochmoderne Stoffe, nnr letzte htenhelten, jetzt schon f III* dl© MÜlft© des Wertes! Reisemuster! Kopien! jeder Größe, auch für die stärksten Figuren, vorrgtig! 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Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit allen Be- kannten und Kollegen herzlichen Dank. pi-au öerta krancke nebst Tochter u. Schwiegereltern. Orts- Krankenkasse der StoM Mllkbnz. Rechnungs-Abschluft 1908, Einnahme. Mark I. Barbesland v. 1. Jan. 20 023,63 2. Zinsen...... 10020,13 3. Eintrittsgelder... 1,25 4. Beiträge..... 898 688,64 5. Ersatzleistung sür gewährte Krankenunter- stützungen.... 11 279,06 6. Ersatzleistung von Be. russgenossenschafte». 10 022,27 7. Ans verkauften Wert- papieren usw....— 8. Aufgenommene Dar. lehen, durchlaufende Posten...... 179 872,07 0. Sonstige Einnahme» 4 295,72 Summa 1 134 202,77 Ausgabe. Mark 1. Für ärztI.Bchandlung 88 833,84 2. Für Arznei u. sonstige Heilmittel.... 122 349,58 3. Krankengelder: a) an Mitglieder. 345 264,74 b) an Angehörige. 13 858,12 4. Ilntcrstützung au Wöchnerinnen... 20 433,25 5. Sierbegelder... 14 856,20 6. Kur-u.Verpflegungs. kosten inHeilmistalten 148 189,78 7. Ersatzleistung sür ge« währte Krankenuntcr. stützimg..... 8 339,55 8. Zurückgezahlte Bei- träge U.Eintrittsgelder 1 739,18 9. Für Kapitalanlagen. 36 442.23 10. Zurückgez. Darlehen 186 135,59 11. Aerwaltungskosten: a) persönliche.. 75 971,27 b) sächliche... 15 502,72 12. Sonstige Ausgaben. 4 606,72 Summa 1 Summa der Einnahmen 1 Summa der Ausgaben. 1 Bestand am 1. Januar 09 56 680,00 Erkrankungssälle der männ» lichen Mitglieder.... 6 877 Erkrankungssälle der Weib- lichen Mitglieder....«626 Krankheitstage dermännlichen Mitglieder...... 147 273 Krankheitstage der weiblichen Mitglieder...... 122 505 Sterbesälle der männlichen Mitglieder...... 103 Sterbesälle der weiblichen Mitglieder......«9 Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug am Schlug des JahreS 1908 21612, die des Vorjahres 18 789, mithin mehr: 2823. 271/6 Der Vorstand. 07? 522,7? 134 202.7? 077 522.7? E. G. m. b. H. Bilanz vorn 31. Dezember 1908. ■AtlitiVtte Kassenbestand..... 339.86 Warenbestand..... 14 510.75 Inventar-Konto.... 5 135.— Debitoren-Konto.... 8 103.96 Bank-Konto..... 8 024.50 Kautions-Konto.... 300.— Summa Mark 36 414.07 Passiva. Kreditoren-Konto...« 5 003.10 Anteil-Konto..... 4 000.— Darlehen-Konto.... 26 226.— Unkosten-Konto.... 1 080.— Reservefonds-Konto... 79.93 Reingewinn..... 25.04 Summa Mark 36 414.07 Am Ansänge dcS GeschästsjahreS war die Zahl der Mitglieder 18. Die Gesamtsumme der Geschästsanteiie betrug 4500 �M., der Hastsumme ebenfalls 4500 M. Ausgetreten sind zwei Mitglieder. Die Geschästsanteiie, ebenso die Hastsumme haben sich um 500 M. verringert. 1366b Mftbeltadrlk Zukunft eingetragene Genosscnschast mit be- schränkt« Hasipflicht. Karl Adebahr. H. WeinhorsL Fr. Hauinersen. teppdecken 8 WWW kaust man nur am besten u. billigsten direkt in d. Fabrik Iternhard Strohmandel, Berlin s. i«, 72 Wallsfraße 72 : loachimsthaleretr. 25/26 teSieppdeckcn werden ausgearbeitet. Ist. Preiskatalog gratis. Vödes» Anzeige. Am Sonnabend, den 6. März, verschied unser Kollege, der Schleiser 1365b Kar! Inders nach schwerem dreijährigen Krankenlager. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Arbeiter 6er kürms Schubert& Werth. Die Beerdigung findet am 11. März, nachmittags 4,/a Uhr, von der Leichenhalle dcS Fried- hoss der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee 14— 16 aus statt. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleiser Kar! Inders am 6. März an Gehirnerweichung gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Freireligiösen Fried- hoses, Pappel-Allee, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter ftjäotk Müller am 6. März 1909. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes der Himmel- fahrts-Gemewde w Nordend aus statt. Ferner starb unser Mtglled, der Rohrleger Eimst Niemeier am 8. März am Lungenkatarrh. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach- mittags 3�, Uhr, von der Leichen- Halle des PhilippuS-Apostcl-Kirch- hos aus aus dem städtischen Fried- hos in der Müllerstraffe statt. Rege Beteiligung erwartet 211/13 Oie Ortsvsrwaliung. ■aammBBBnmaMMmaamaaBs Zenlral-Rranken- d. Sterbekasse der dsutschen Waptiauer. Ortsverwaltung Rixdorf. Todes- Anzeige. Am 7. März verstarb unser Mitglied, der Arbeiter KnsKsv THI an Nieren» und Herzleide» im Alter von 43 Jahren. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach- mittags 2'l2 Uhr, von der Leichen- balle des Rirdovscr Friedhojes, Mariendorscr Weg, auS statt. 243/06 Die Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Montag srüh 6 Uhr entschliej I sanft nach kurzem, schwerem Leiden I im 43. Lebensjahre mein lieber 1 Mann, unser guter Vater, Bruder! und Schwager, der Rcstaurateur| Max Hackbart Dies zeigen ticsbctrübt an Zlinna Hackbart geb. BrDhl Ernst Haekbart, Sohn Berlin K., Stargarder Straffe 60. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhausc aus aus dem Kirchhofe der Ge- orgengemeinde, Landsberger Allee, statt. 1360b Am Montag, den 8. März, starb nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter .Anna Krause geb. Stephan. Die? geigt tiesbetrüht au Hermann Krause nebst Kindern. Rostockerstr. 19 II. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Heilands-FAedhofes in Plötzensee aus statt. 13591' Libü Tasse Pfennig UeberaU zu haben! m/g praktififie Berlinerin verwendet nur Bouillon-Würfe!„Krone". Es gibt nichts Besseres! Lassen Sie sich kein anderes Fabrikat aufreden! fläbmittel'Qeseltfitiaft„Krone" Wifiaelis& Co.» 9- m. b. 0., Berlin,<5Ä?. 29. verantwortlicher Redakteuri LanS Weber, Berlin. Für denJnseratenteil vercmtw.: Th. Glocke» Berlin. Druck U. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Kr. 58. 26. Jahrgang. 3. Knkge des Jonuärts" Krliucr WlksdlM »itfw«, io.»i im NiMhsMicher Nochenbericht. Berlin. 6. Aiörz 1309. Die Lage am Geldmarkt.— Ein Urteil über den Eisenmarkt.— Die Lage in der Äolileniudustrie.— Auf Soften der Arbeiter. Alle Hoffnung auf baldige Besserung der Ivirtschaftlich-.'n Vcr- Wtnisse beruht auf dem billigen Kredit. Tiefer soll die Unter- nehmungslust anfachen. Tatsächlich liegen die Verhältnisse am Geldmarkt aber noch gar nicht so günstig, als es nach dem Reichs- bankdiskont erscheinen mag. Besonders auf dem Hypothekenmarkt macht die Geldbeschaffung noch groge Schwierigkeiten. Die Zins- rate» die für erststcllige Gelder verlangt wird, geht oft um Hü Proz. über den offiziellen Kurs hinaus. Da kann von einer besonderen Billigkeit, die zu spekulativen Unternehmungen in der Wohnungs- Herstellung anreizen könnte, nicht gut die Rede sein. Und es kann fraglich erscheinen, ob sich die Geldverhältnisse noch viel günstiger gestalten werden. Tie agrarische Wirtschaftspolitik hat auf der ganzen Linie, teilweise gefördert durch die Politik der Produ- zcntenorganisationcn, das Preisniveau fast sämtlicher Waren vcr- fchicdentlich ganz erheblich erhöht. Das hat mit den Bcaleitum- ständen, z. B. Vergrößerung der Lohnsumme und den sonstigen Selbstkosten, eine einschneidende Erhöhung des Umlaufskapitals im Gefolge. Das allein schon übt auf den Geldmarkt einen großen Einfluß aus. Hinzu kommt, daß einerseits aus denselben Ur- fachen, andererseits aus den ohnehin wachsenden Aufgaben der Kommunen auf sozialem und kulturellen, Gebiet deren finanzielle Ansprüche an den Geldmarkt ganz enorm steigen. So treten nun schon wieder viele Stadtverwaltungen mit hohen Anleihen hervor. Während der Zeit des exorbitanten Kursstandes hat man sich ein- geschränkt, teilweise die schwebende Schuld anschwellen lassen, nun, da sich für die Geldbeschaffung günstigere Aussichten eröffnen, wird versucht, für mehrere Jahre durch Stadtanleihcn den Voraussicht- lichcn Bedarf zu decken und zugleich die Lasten der Bankschulden sowie der kurzkristigen, hochvcrzinslichen Anleihen abzustoßen. Es kommen damit Ansprüche an den Markt, die in Verbindung mit der Erhöhung des in der Produktion und im Handel zu investierenden Kapitals eine noch größere Flüssigkeit am Geldmarkt mindestens außerordentlich erschweren. Hochgespannte Erwartungen, die auf noch weitergehende Geld- verbilligung sich gründen, werden sich wohl nicht verwirklichen. Somit erscheint die Lage wenig tröstlich. Bemerkenswert sind zwei Stimmen aus der Eisen» und Kohlenindustrie über die AuS- sichten für das laufende Jahr. Die Kaitowißer Eiscnbahndirektion hatte kürzlich eine Konferenz mit Vertretern der schlcsischen Eisen- und Kohlenindustrie veranlaßt, um einen Ueberblick über die mut- maßliche Entwickelung des Güterverkehrs im Jahre 1909 zu gc- Winnen. Gehcimrat Hilger von der Bereinigten Königs- und Laurahütte äußerte sich über die Lage am Eisenmarkt in der Hauptsache folgendermaßen: Ter Ausblick in die Zukunft der beut- schcn Eisenindustrie sei wohl noch niemals so unklar gewesen wie gegenwärtig. Der Markt in Baueiscn habe eine ganz erhebliche Belebung erfahren. Der Versand im Januar 1909 fei gegen De- zcmber 190L um rund 0-1000 Tonnen und gegen Januar 1908 um 68 000 Tonnen gestiegen. Ob das nur künstlich zurückgehaltener einmaliger Bedarf oder der Bedarf einer natürlichen Entwickelung sei, müsse die Zeit lehren. Was die Aussichten für die Zukunft betreffe, so sei es keineswegs schivcr zu prophezeien. In Form- eisen dürfe man von dem billigen Gcldstande einen loeitercn Auf- schwung erwarten. In Eiscnbahnmaterialie» hänge alles davon ab. welche Bestellungen seitens der Eisenbahnverwaltung heraus- gegeben würden. Bisher sei der Staat leider nur in den guten Jahren mit bedeutenden Anforderungen als Besteller aufgetreten, Während er in den schlechten Perioden mit seinen Bestellungen sehr zurückgehalten habe. Die Industrie sei dadurch in eine sehr mißliche Lage geraten. Alles in allem möchte Redner seine Mei- nung dahin zusammenfassen, daß im obcrschlcsischcn Revier das laufcrche Jahr vielleicht eine unbedeutende Verminderung der Vcr- sandmengen der Eisenindustrie gegenüber dem Vorjahr bringen könne, daß aber, soiveit die Voraussicht überhaupt rcicbe und die vorgetragenen Vorausschungcn sich verwirkliche», die Rohstahlcr- zcugung sich m Obcrschlcsien nicht allzuweit von 1 Million Tonnen und die Roheisenerzeugung sich, obwohl mehrere Hochöfen einge- stellt seien, nicht allzulvcit von 900 000 Tonnen entfernen tverde. Im allgemeinen habe man, was die Eisenindustrie anbetreffe, in diesem Jahre mit den Vcrsandzahlcn des Vorjahres zu rechnen.— Die Gestaltung der Verhältnisse in den letzten Wochen läßt leider kaum noch Zweifel, daß die von Herrn Hilger erwähnten Käufe tatsächlich in der Hauptsache nur Spekulationsorders waren, die die Hoffnung auf baldige starke Belebung am Baumarkt heraus- gebrächt hatte. Jetzt bleiben die Spezifikationen aus und die Vcr- zugserklärungen haben bereits wieder begonnen, denen die Zloangsverkäufe folgen lverdcn, die sicher nicht zur Stärkung des Vertrauens für die nächste Zukunft beitragen. Daß die auf den billige» Geldstand gegründeten Erwartungen gerade nicht auf sehr sicheren Füßen stehen, ist oben bereits dargelegt. Weniger optimistisch als Herr Hilger beurteilte Bcrgrgt Williger von der K'attowitzcr Aktiengesellschaft die Wirtschaftslage. Seine Hauptgedanken waren diese: Aus ganz allgemeinen Gründen müsse man annehinen, daß eigentlich die Situation im Jahre 1909 nicht schlechter werden könne, als sie sich in der letzten Zeit dar- gestellt habe, denn die Bevölkerung Teutschlands wachse und wolle leben und arbeiten; dazu steige die Lebenslzaltung jedes Einzelnen und daraus müsse man schließen, daß der Absatz und der Verkehr sich doch mindestens auf der bisherigen Höhe halten würden. Für eine Verschlechterung des Geschäftsganges kämen folgende Momente in Betracht: Die allgemeine Konjunktur sei eine außerordentlich unbefriedigende, dabei drohten der Industrie wieder neue Lasten. und allgemein sei bekannt, wie einschneidend die neuesten Maß- regeln der Gewerbeordnung auf die Selbstkostcnbildung der In- duftric wirken würden, dazu kamen»och außerordentliche Steuer- lasten für die Industrie, was unfehlbar auf einen Rückgang der Industrie und somit auf den Eesamtvcrbrauch von Kohlen ein» wirken würde. Unternehmungslust, um neue Gründungen und neue Betriebe in der Industrie aufzunehmen, bestehe nicht und es erscheine sicher, daß viele Betriebe, die die fortgesetzten Verluste nicht mehr tragen können, schließlich zur Einstellung kommen müßten. In Tculschlaiid kenne man»och nicht das amerikanische System, wonach man in Zeilen des schlechten Geschäftsganges rücksichtslos die Arbeiter vor die Türe fetze und den Verrieb schließe, sondern man beschäftige auch jotzt noch trotz schwerer Verluste die Arbeiter fortgesetzt weiter. Das werte und müsse sich aber ändern, denn auf die Dauer seien eben Verluste, wie sie sich in vielen Industrie- zweigen jetzt schon zeigen, nicht zu ertragen. Die Borräte an Kohlen auf den Gruben und bei den Verbrauchern in den Groß- städtcn seien außerordentlich groß, die auf der Oder liegenden Mengen schätze man allein auf 130 000 Tons. Bezüglich der in Anregung gebrachten deutschen Kohlcnpro- duktionSstcuer von 00 Pf. per Tonne meinte Herr Williger, daß sich für Obcrjchlesien ein bedeutender Teil dieser Steuer nicht auf den Konsum abwälzen lasse, denn es fei klar, daß Oesterreich- Ungarn sie nicht übernehmen würde. Die Hoffnung auf ein gutes Baugeschäft dürfte nicht über- trieben werden. Ausschlaggebender für eine günstige Beurteilung der Situation als die vorigen fei aber der Gesichtspunkt, daß nach ! einer Anficht die innere Kraft des oberschlesischcn Bergbaues und üc Zwangslage, in der er sich befände, allein dafür sorgen würde, den Absatz zu heben. Oberschiesten werde sich mit Gewalt, selbst mit Preisänderungen»ausdehne» müssen, und daß man dies ivohl vorhabe, ergebe sich schon ans den Maßnahmen, die zur Bekämpfung der englischen Kohleninvasion bereits getrosten' seien. Zunächst tverde sich das Bestreben darauf richten müssen, wieder in Berlin festen Fuß zu fassen; daß die englische Einfuhr hier noch weiter steige, könne nicht geduldet werden. Sie sei binnen zehn k Jahren von 8 aus 36 Proz. der Beteiligung am Konsum gestiegen. k während in gleicher Zeit Obcrschbesicn von 71 Proz. auf 44 Proz. | heruntergegangen wäre. Zu helfen sei durch die Schaffung gün- stiger Frachtsätze. Herr Williger sieht wenige Lichtpunkte. Er rechnet auf die natürliche Steigerung der Bedürfnisse infolge der Bolksoermeh- rung; weiter will er für Lberschlesien die Verhältnisse günstiger gestalten durch Verdrängung ausländischer Kohlen. Dieses Moment hat demnach hauptsächlich nur lokale Bedeutung. Anders verhält es sich mit dem zur Erreichung des Zieles in Aussicht genommenen Mittel. Durch Prciskämpfe soll event. der Markt für oberschlcsische Kohlen crweilert und Preiskonzessionen sollen auf Kosten der Löhne gemacht werden. Herr Williger ist kein Gemütsmensch. Ohne daß seine Ausführungen bisher irgendwo Protest hervor- gerufen hätten, ist von ihm der Grundsatz vertreten worden„rück- sichislos" auf Kosten der Arbeiter das Kapital vor Verlusten aus Krisenperioden zu schützen. Wenn lediglich das die Erwartung auf günstigere Verhältnisse rechtfertigt, dann hat die Arbeiterschaft sicher keine Ursache, in ergebener Hoffnung auf Besserung zu warten, dann hat st« alle Veranlassung, sich zu energischer Gegenwehr zu rüsten. Auch die Vorgänge in anderen Bcrgbaubezirkcn lassen darauf schließen, daß nian mit dem Plane umgeht, die Löhne ordentlich zu beschneiden. Im Rnhrrcvier sind enorme Mengen Brennmaterialien aufgestapelt, an Koks allein zirka% einer Jahresproduktion. Wie von dort verlautet, betrachtet man die Läger gewissermaßen als Reserve, falls es zu Konflikten mit den Arbeitern kommen sollte. Konflikte„befürchtet" man wohl, weil die Absicht vorherrscht, die Arbeitsverhältnisse noch weiter zu verschlechtern. Das Untcrmchmertum treibt wieder mal ein gefähr- liches und schamloses Spiel. D. Der Streit um die>,ßadbod"»Spende. Was die bürgerliche Presse über die Klage der Witwen von Radbod mitgeteilt lzat, ist g r ö ß t e n t c i l s f a l s ch. Es ist n i ch t richtig, daß die Klage sich gegen irgendeine Bant oder gegen den Kronprinzen richtet. Tie Rechtsanwälte Frank und Elias in Dortmund haben Klage eingereicht gegen ein Lokalc- komitee in Hamm. Es wird beantragt, das Landgericht wolle die Beklagten verurteilen: 1. prinzipaliter: anzuerkennen, daß sie verpflichtet sind, die Beiträge, die für die. Hinterbliebenen der Per- »nglückten der Zeche„Radbod" bei ihnen gezahlt sind, anteilig an die Klägerinnen zu verteilen und die Bctlagten zu verurteilen, die rechnungsmäßig auf die Klägerinnen entfallenden Anteile der Summe an diese zu zahlen; 3. cventualiter: die gesammelten Bei- träge dergestalt zur Auszahlung einer Rente für die Hinter- bliebencn zu verwenden, daß die Summe mit Ablauf der vcrmut- lichen Lebensdauer der in Betracht kommenden Hinterbliebenen ausgezahlt ist. Ferner wird beantragt, das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erkläre». Ein frommes Zentrumsblatt schrieb von rabiaten sozialistischen Witwen; die..Köln. Ztg." meinte, daß. durch das Vorgehen der Frauen jedes Shmpathiegcfühl für sie erstickt iverden müsse. Solche Stimmungsmache wird am besten durch die Begründung der Klage gckennzcicynct. Diese weist darauf hin. daß etwa IVs Millionen M a r! gesammelt worden seien. Die Unterstützung der Hinter» bliebenen ist nun aber in der Form beschlossen, daß die Witwen eine Jayresrente von 100 M., die Halbwaisen von 70 M. uiid die Bollwaisen von 100 M. erhalte il. Diese Beträge sollen gezahlt werden als Zusatzrcnte zur Unfall- rente. Wenn eine Witwe sich verheiratet, soll die Rentenzahlung aufhören, jedoch eine Abfiirdung in Höhe von 300 M. gezahlt iverden. Für die Waisen ist die Rente bis zu ihrem 16. Lebens- jähre vorgesehen. Die Klage hebt hervor, daß Witwen vor- handelt sind, die nur eine M o n a t s r e n t e von 2 7 M. erhalten, ganze Familien, denen der Er- nährcr fehlt, nur 0 0— 6 0 Mark! Was nützen hier die paar Mari Zusatzrcnte aus der Spende? Die Klage verlangt Auszahlung des Kapitals, wenigstens zu Lebzeiten der Hinterbliebenen. Das Komitee hat verfügt, daß nur die Zinsen zu verteilen seien. Die Klage geht von folgendem Standpunkt aus: Zwischen den Spendern und Hinter- bliebenen ist gewissermaßen ein Vcrtragsvcr- h ä l t n i s entstanden. Die Sammler, also die Mitglieder des Lokaltomitees, das den Aufruf erlassen Hai, sind als Beaus- tragtc der Spender anzusehen. Sie können aber auch als Geschäftsführer der Hinterbliebenen betrachtet werden. Ter Wille der Spender war, die Hinterbliebenen mit ihrer Gabe direkt zu beschenken. Im U n tc r st ü tz u n g s a u s- ruf des Hammer Lokalkomitees ist ausdrücklich auf die ..augenblickliche Notlage" hingewiesen. Kein Spender dachte daran, zu eine in Kapita! bei st euer n zu wollen, von dem den Hinterbliebenen nur die Zinsen zufließen sollten. Nach den Berechnungen eines Mathematikers ergebe sich, daß bei der beabsichtigten Rentenzahlung noch nach zwanzig Jahren das volle Kapital vor- ha»den sein werde. Bald komme dann die Zeit, daß kaum noch ein Bezugsberechtigter vorhanden sei. Der Wille der Spender tverde dann nicht erfüllt; das Geld bleibe den Hinter- blieben cn, den einzig Berechtigten, vorent- halten. Wer weiß, wer dann später über das Geld verfügt, und wie darüber verfügt wird. Der Fonds wird schließlich zur Sage. Im Ruhrrevier wird schon von anderen Fonds erzählt, daß nie- in a l s Abrechnung erfolgte, von denen niemand sagen könne, Ivo sie sich befänden. Noch jüngst war von einem ähnlichen Fonds die Rede: von de in mehrere hunderttausend Mar! betragenden Unter st ützungsfonds der Zeche„Louise Tiefbau". Viele Jahrzehnte lang dachte lein Mensch mehr an diesen Fonds, bis ein Beamter zufällig daran erinnerte. Heute ist die Zeche stillgelegt, die Belegschaft längst entlassen, ober der Fonds ist nicht ausgezahlt worden. Wo ist er nun geblieben? Kein Mensch weiß das! Von anderen Fonds und Sammlungen werden ähnliche Geschichten erzählt. Wenn das bedacht wird, scheint schon darum die Klage der Witwen als durchaus berechtigt. Die beleidigenden Borwürfe gegen sie entl>ehren jeder Grundlage. Das Geld ist für die Witwen und ihre Kinder gesammelt, nicht um einen Reptilienfonds anzulege». Arbeitszeit und Cöbne in der Holzindustrie. Im November 1906 hat her Vorstand des Deutschen Holz- arbcitcrverbandes eine statistische Erhebung über die Ar- beitsverhältnisse in der Holzindustrie veranstaltet. Die Er- gebnisse dieser Arbeit sind nunmehr unter obigem Titel in Buch- form erschienen.(Kommissionsverlag von I. H. W. Dich Nachf., Stutigart 1908.) Die Bearbeitung gestaltete sich schwierig durch die große An- zahl der vertretenen Berufe. Dem Holzarbeitcrverbande gehören an: Tischler, Drechsler, Bürsten- und Pinsel- in a ch c r. Korbmacher, K o r k s ch n c i d e r, Stellmacher, B c r g o l d c r. P a n t i n c n in a ch e r, K i st c n m a ch e r. Spiel- warcnarüeiter und eine als„Divers e" bezeichnete Gruppe sonstiger Holzarbeiter. Die Berufe Tischler und Drechsler zer- gliedern sich iviedcr, erstercr in 16. letzterer in 4 Spezialbranchcn. Insgesamt wurden von der Erhebung betroffen: 15 168 Bc- triebe mit 311 400 Beschäftigten. Dabei sind Itnter- nehmcr, technisches Personal und Werrführer nicht mitgezählt. Der tatsächliche Umfang der gesamten Holzindustrie ist aus Grund 1 der Berichte der Berufsgeiwssenschokten zu berechnen versucht. Danach dürfte die Zahl der gesamten Holzarbeiter etwa 080 000 betragen; die Zahl der Ermittelten ist demnach groß genug, um aus den von diesen gemachten Angaben wertvolle Schlüsse auf die Verhältnissen in der Gesamtindustrie zu ziehen. Die Untersuchungen über die Größe der Betriebe er- geben, daß fast die Hälfte aller Betriebe solche mit nur 1 bis 0 Bc- schäftigten sind. Das wirtschaftliche Schwergewicht ruht aber trotz- dem in den größeren Betrieben, denn die größere Zahl der Är- beitcr ist in Betrieben mit über 30 Beschäftigten tätig. Einzelne Berufszweige, wie Waggonbranche, Nähmaschinenfabrikation und Wersten, iverden fast nur großindustricll betrieben; in anderen, z. B. in denen der Stellmacher, Pantinenmacher und Korbmacher» haben Großbetriebe erst sehr wenig Fuß zu fassen vermocht. Die beiden Hauptfragen der Statistik suchten die Arbeits- zeit und den Lohn zu ermitteln. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit beträgt für alle Beteiligten zusammen- genommen 07,0 Stunden. Die Entwickelung der Arbeitszeit nach den bisherigen Vcrbandsstatistikcn spiegelt sich in folgenden Zahlen wieder: 1893 1897 1902 1900 61,5 Std. s09,3 Std. 08,3 St d. 07.0 Std. Im Jahre 1893 hat der Deutsche Holzarbcitcrvcrband den Schauplatz der wirtschaftlichen Kämpfe betreten. Wie die gleichen Zahlen zeigen, hat seitdem unaufhörlich eine Verminderung der Arbeitszeit stattgesunden; in den 13 Jahren bis zur letzten Statistit beläuft sich die V e r k ü r z u n g auf 4lh S t u n d c n in der Woche. Auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Organi- sation und Arbeitszeit braucht hier nicht besonders hingewiesen werden. Der Holzarbeitcrverband ist hinlänglich dafür betannt, daß er die Verkürzung der Arbeitszeit stets in die erste Reihe seiner Forderungen gestellt hat, und vornehmlich dieses Prinzip hat ihn in die schweren Kämpfe der letzten Jahre hineingestürzt. Um so erfreulicher ist es, daß, wie die Ergebnisse zeigen, die großen Opfer nicht vergeblich gebracht wurden. In der Gesamtindustrie sind allerdings einige Bcrufszwcige, in denen die Arbeitszeit erheblich über den allgemeinen Durch» schnitt hinausgeht. So beträgt der Durchschnitt bei den Säge- iverksarbcitern 63,8, in der Spielwarenbranche 63,0, bei den Pantinenmachcrn 59,9 Stunden. Am günstigsten stehen die Musik- instrumentenarbeitcr, die nur durchschnittlich 04,4 Stunden pro Woche arbeiten. Unter den 694 Orten, die an der Statistik beteiligt sind, gibt es immer noch 73, in den der Arbcitsdurchschnitt 63 Stunden pro Woche übersteigt; darunter sind noch 11 Orte, in denen der Durchschnitt sogar über 66 Stunden hinausgeht. Am meisten haben die S äg c w e r k s arbeitcr unter langen Ar- bcitszeitcn zu leiden. Es gibt da eine Reihe von Betrieben, in denen die regelmäßige Arbcitsdaucr 75, 78, 83, 84 und 88 Stunden beträgt; für eine Sägerei mit 34 Arbeitern in Zwiesel ist die Dauer der regulären Arbeitszeit sogar auf täglich 16, wöchentlich 96 Stunden angegeben. Einen interessanten Einblick in die Bewegung der Arbeits- zeiten bietet eine nach Stundenzahl geordnete Äusstellnng. Von je 100 Beteiligten hatten eine wöchentliche Arbeitszeit von Stunden: bis 01 02/04 00/57 08/60 61/63 64/66 über 66 1906... 4.0 32.1 16.7 37.0 3.0 0.0 0.7 1903... 2.1 32.1 13.0 49,1 0.1 7.8 0,8 1897... 1.5 12.0 14.4 47.4 9.9 12.9 1,6 1893... 0.4 3.4 10,5 48.0 12,4 21,9 8,4 Nach der letzten Statistit arbeiten 03,3 Proz. aller Beteiligten nur noch bis 07 Stunden die Woche, während es im Jahre 1893 erst IIP Proz. lvarcn. Andererseits waren damals noch 37,7 Proz. der Erfaßten über 60 Stunden beschäftigt, während dieser Prozent- satz diesmal auf 9,2 Proz. heruntergesunken ist. lieber ihren Lohn haben 167 377 erwachsene Arbeiter An- gaben gemacht. Außerdem 7379 Arbeiterinnen und 2356 Jugend- lichc. Bon den Arbeitern sind 76 121— 40,0 Proz. im Akkord und 91 106— 04,0 Proz. im Lohn beschäftigt. Den stärksten Prozentsatz von Akkordarbcitern, nämlich 89,8 haben die Pantinenmacher, denen die Körbmacher mit 89,1, Bürstenmacher mit 72,7, Drechsler mit 68,4 Proz. usw. folgen. Am wenigsten verbreitet ist die Akkordarbeit bei den Maschinenarbcitern. Der Durchs chnittsvcrdicn st für alle Beteiligten zu- sammcngenommen beträgt 20,18 M. in der Woche und hat seit 1893 folgende Entioickclung genommen; 1893 1897 1902 1906 18.69 M. 19,96 M 21,79 M, 23,18 M. Das ist seit 1902 eine Steigerung um 3,39 M.» währeud diese in den früheren Epochen nur 1,83 M. rcsp. 1,27 erreichte. Es war einerseits die unerhörte Preistreibcrci in Lebensmitteln und Wohnungsmieten in den letzten Jahren, andererseits eine gute Geschäftskonjunktur, was uns unausgesetzt Anlaß zu Lohnkämpfcn bot uiid Erfolge sicherte. In welchem Umfange die erzielte Lohn- stcigcrung nur die Verteuerung der Lebensbedürfnisse kompensiert, ist hier nicht zu untersuchen. Ohne Frage aber ist cS immer erst die Macht der Organisation, die die Unternehmer zu Lohn- crhöhungen veranlaßt. Aus diesem Grunde sind auch die Zahlen über die Lohncntwickelung ein Spiegel, in dem sich deutlich die Wirksamkeit der Organisation abzeichnet. Fast durchweg in allen Berufen ist der Atkordvcrdicnst höher als der im Lohn. Für die Gesamtheit ist das Verhältnis: Akkord 26,00 M., Lohn 24,09 lR. Ein lebendiges Bild von den tatsächlich gezahlten Löhnen gibt eine Zusammenstellung nach L o h n k l a s s e n. Danach verdienten: bis 10 M.... 10 814 Arbeiter--- 6.0 Proz.(11.2) über 10„ 20„... 30344„=18,2„(30,1) „ 20„ 25„... 45056=27,1„(85,0) A (19,0) ( 4,1) „ 25„ 30„... 46899„=28,2 „ 30.. 35„... 20004..= 12.3 .. 30....... 12 902= 7,7„ j Die in() beigefügten Zahlen geben das Verhältnis von 1992 an. Aus der Aufstellung ist deutlich zu ersehe», wie der Vor- marsch aus den unteren Klassen nach den oberen sich vollzieht. 1002»lußtcn noch 41,3 Proz. der Beteiligten mit einem Verdienst von 20 M. und weniger sich begnügen, nunmehr sind es nur noch 24,6 Proz.; auf der anderen Seite ist die Zahl der mit über 20 M. Entlohnten von 23,1 auf 48,2 Proz. gestiegen, Die A r b c i t c r i n Ii c n sind nur für einige Berufe von größerer Bedeutung; dazu gehören die Blcistiftindustrie, in der auf 100 Arbeiter 110,4 Arbeiterinnen entfallen, ferner die Bürsten- industric(50,2), Korksckneidcrei(38,0), Spiclivarenindustrie(32,8) und andere. In der Tischlerei kommen auf 100 Männliche nur 1,0 Weibliche. Die Arbeitszeit ist durchweg die gleiche wie bei den Arbeitern, der Lohn dagegen erheblich niedriger. Bei 7370 Arbeiterinnen, die Angaben über ihren Verdienst machten, beträgt der G e s a in t d u r ch s chn i t t 10,30 M. pro Woche. Von den Beteiligten, hatten 105= 2,6 Proz. einen Wochenverdienst von nur 5 M. und noch weniger, 3890— 02,7 Proz. 5 bis 10 M.» 2704_ 36,6 Proz. 10 bis 15 Tl., 533— 7,2 Proz. 15 bis 20 M. und nur 66— 0,9 M. verdienten mein: als 20 M. in der Woche. Das sind die Hauptergebnisse der Statistik. Außerdem sind in zahlreichen Tabellen eine Menge von Einzelheiten dar. gestellt, die für die Bcrnfsangehröigen von allergrößtem Interesse sein werden. Für die Allgemeinheit genügt es. einen summarischen Ueberblick über die Fortschritte in den Arbeitervcrhältnissen zu bekommen. Für den Kampfbezirk des Holzarbcitcrverbandes haben 13 Jahre Tätigkeit 4.0 Stunden Arbeitszeit- Verkürzung und 6,49 M. Lohnerhöhung in der Woche gebracht. Hunderttausenden von Holzg�hejtern sind diese Verbesserungen zugute gekommen. Und der Holzarbeiter- verband, als treibende Kraft in dieser Entwickelung, darf mit Recht stolz apk die Kulturarbeit sein, die er damit leistete! Terwaltangsstclle Berlin II. 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