Ar. 59. Nbonnemenk-keawgonzea: toonn«ncntJ• Pr?iZ pränumerando: Licrteljährl. 3�0 SERf, mimatl. 1,10 Mü, wöchenllich 28 Pfg. frei inS Haus. Einzelne Siununer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- BeUage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Einaettagen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sllr Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland » Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crichelnt täglich uStr Ontig«, Vevlinev VolKsblstk. Zentralorgan der foztaldcmokratifchen pavtci Dcutfchlanda. Sit Tnlertlons'Gebfllsr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« zetle oder deren Raum 50 Psg, für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen L0 Psg. „Ateine Snreigen", das erste(seil- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schills- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg- jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditio» ist bis 7 Uhr abends gcösfnet. Telegramm-Adreflet „SMlzllUmhüiat Stlllo". Redaktion: SLl. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Der erste Angriff abgeschlagen! Der Antrag des Kieler Magistrats, die Stadt kollegien möchten die Regierung ersuchen, durch ein Notgesetz für Kiel das DreiNasscnwahlrecht einzuführen, oder richtiger gesagt: der auf Grundlage des Magistratsantrags in letzter Stunde angefertigte Antrag Fuß-Lindemann, der aber an dem Magistratsantrag wenig geändert hat, ist in der Sitzung der städtischen Kollegien am Dienstag nach mehr denn sechs- stündiger Debatte gefallen, weil kein gleichlautender Beschluß des Magistrats und der Stadtverordneten zustande kam. Man muß es dem Magistrat lassen: Er hat sich für die Dreiklassen- Wahl wacker ins Zeug gelegt. Drei Magistrats- Mitglieder eröffneten die Debatte, die beiden Bürgermeister und ein unbesoldeter Stadt- rat, um die Einführung der Dreiklassenwahl zu verteidigen und die Solidarität des gesamten Magistrats in dieser Frage zu bekunden. Aus der Rede des Oberbürgermeisters Fuß er- fuhr man auch, daß die Anregung für die Einführung der Dreiklassenwahl nicht von oben gekommen sei, sondern daß lediglich der Magistrat, und in erster Linie der Obcrbürger- meister selbst die Sache angestiftet habe. Hat doch der Minister erklärt, daß er nur dann die Zustimmung zu einem solchen Notgesetz geben könne, wenn es von der Stadt Kiel selbst mit Nachdruck verlangt werde. Der Magistrat der Stadt Kiel ist also reaktionärer als der preußische Minister des Innern. Das will schon allerlei bedeuten. Alle die Redner, die als Befürworter der Vorlage auf- traten. Magistratsmitglieder sowohl als Stadtverordnete, führten die durch die zu erwartende Mehrheit der Sozial- demokratie drohende Gefahr für die Vorlage ins Feld, nicht einer aber war in der Lage. auch nur im geringsten den Nachweis zu führen. daß die Vertreter der Sozialdemokratie nicht in jeder Be- ziehung ihre Schuldigkeit getan haben; ja von mehreren Seiten mußte ausdrücklich zugestanden werden, daß die sozial- demokratischen Stadtverordneten mit außerordent- lichem Fleiß und großer Gewissenhaftigkeit bei ihrem Amte sind. Von unserem Genossen Niendorf wurde treffend ausgeführt, daß auch eine sozialdemokratische Mehrheit aus einem einzelnen Gemeinwesen keine soziale Republik machen könne, daß es nur die Furcht vor dem Einfluß derArbeiterschaft und deren praktscher k 0 m m u n a l e r T ä t i g k e i t ist. die die Einbringung des Wahlrechtsantrages veranlaßt hat. Die Debatte bot über- Haupt unseren Vertretern Gelegenheit, in außerordentlich ge- schickter Weise nicht nur die fadenscheinige Begründung der Vorlage zu kritisieren, sondern sich auch über die Auf- gaben zu verbreiten, die ein Gemeinwesen zu erfüllen hat. Die wenigen bürgerlichen Gegner der Vorlage beschränkten sich darauf, die Gefahr nachzuweisen, die durch die Einführung der Dreiklassenwahl dem Mittel stände drohe, und hervor- gnheben, daß es das Bürgertum jetzt noch in der Hand habe, wenn eS nur wolle, bei der Wahl die Sozialdemokratie zu schlagen. Gegen die unerhörten Uebergriffe des Magistrats wandte sich keiner dieser Redner, das blieb unserem Genossen Adler überlassen, der einen außerordent- lich scharfen Vorstoß gegen den Magistrat unternahm. Nach- dem auch die Bürgerschaft in ihrer überwältigenden Mehrheit gegen die Einführung der Dreiklassenwahl Stellung genommen habe, müßten eigentlich die Magistrats- Vertreter ihre Sessel räumen! Die Abstimmung ergab, daß von den Stadtverordneten 13 f ü r und 15 gegen den Anwag Fuß-Lindemann waren, ein Stadtverordneter, der als Anhänger des Antrages galt, war durch Krankheit am Erscheinen verhindert, der Magistrat trat geschlossen für den Antrag ein. Damit ist kein gültiger Beschluß zu- standegekommen und der Antrag gefallen. Wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß die über- große Mehrheit der Einwohnerschaft nichts von der Einführung des Dreiklassenrechts wissen will, dann muß man sagen, daß das Häuflein der bürgerlichen Ver- treter, die gegen den Antrag stimmten, sehr klein ist. Und auch diese Leute sind nicht grundsätzlich gegen eine Wahlrechtsverschlechterung; sie meinen nur, das Bürgertum könne jetzt noch durch eigene Kraft die sozialdemokratische Gefahr abwenden, um so mehr, wenn ihm kleineMittel dabei zu Hilfe kommen, beispielsweise Einführung der Bezirkswahl. Erhöhung des Wahl- rechtsalters, längere Ortsanwesenheit als ein Jahr für die Wahlberechtigung. Ja selbst für eine Klassenwahl würden diese Vertreter zu haben sein, wenn sie dem Mittel stände mehr auf den Leib geschnitten wäre! Dann aber ist es in erster Linie das Recht der gesamten Bürgerschaft, den Magistrat zu wählen, was sie sich nicht nehmen lassen wollen. An der Beseitigung dieses Rechtes ist aber dem Magistrat eben so viel gelegen, als an der Drciklassenwahl. Daß sich ein Magistrotskaudidat der gesamten Wählerschaft in einer Versammlung vorstellen muß und daß nachher die gesamte Bürgerschaft das Magistratsmitglied wählt, ist dem Kieler Magistrat schon lange ein Dorn im Auge. .Hat doch der Bürgermeister Lindeniann, der erst vor wenigen Monaten selbst von dieser Wählerschaft zum Bürgermeister von Kiel gewählt worden ist, in der Debatte am Dienstag erklärt, daß das Unfug sei. Der Magistrat will also seine Macht gegenüber der Bürger- schaft erweitern. Die Einführung der Dreiklassenwahl ist also vorläufig gefallen, nicht weil die Mehrheit der Stadtverordneten grundsätzlich gegen eine Wahlrechtsverschlechterung ist, sondern weil die beantragte Verschlechterung keine solche war, die lediglich die Arbeiterschaft traf! Die Gefahr einer Wahlrechtsverschlcchterung wird darum über kurz oder lang wieder auftreten! Wenn die Vorlage auf Ein- führuug der Dreiklassenwahl gefallen ist, dann hat die sozial- demokratische Partei wohl in erster Linie durch ihre geschickte Taktik mit dazu beigetragen. An dem Sounabendnachmittag, als die erste Magistratsvorlage bekannt wurde, waren die bürgerlichen Blätter über ihren Inhalt noch nicht unterrichtet, während die sozialdemokratische„Schleswig-Holst. Volksztg." schon einen Alarmartikel veröffentlichte, der den Inhalt der Vorlage in großen Umrissen wiedergab. Am Montag wurde schon ein Flugblatt über das gesamte Stadtgebiet ver- breitet, das die Einwohner auf die drohende Gefahr ausmerk- sam machte, und bei den Veranstaltungen der bürgerlichen Parteien bildeten die Sozialdemokraten, so weit wie sie dazu in der Lage waren, den Sauerteig, um die Protestaktion wirksam zu machen. Die Sozialdemokratie Kiels wird alles tun, um ihren Einfluß in der Gemeinde weiter zu stärken und sie wird nach wie vor wachsam auf der Hut sein, wenn neue Wahlrechtsverschlechterungsanträge kommen sollten I Das Bcrggcictz in der Ucrböfcrungs- Kommission. Die Berggesetzkommission des Abgeordneten» Hauses hielt am DienStagobend die zweite Sitzung ab. Zur Be- ratung stand zunächst ein Antrag der Freikonservativen, durch den die Regierung ersucht werden sollte. Ermittelungen darüber anstellen zu lassen, wie sich die Einrichtung der Arbeiter- kontrolleure im Auslande, insbesondere in England und Frankreich, seit 1898 bewährt habe. Der Handelsminister erachtete diese Ernnttelungen für überflüssig. Sie würden zu einer un- erwünschten Verzögerung der Verhandlungen führen. Er sei in der Lage, über die gegenwärtigen Resultate zu berichten. Danach wird in England verschiedenfacher Gebrauch von der Einrichtung der Grubenkontrolleure gemacht. Im allgemeinen werden gute Er folge erzielt, die Grubenkontrolleure veranlagten die Beamten zu größerer Sorgfalt. Ebenfalls gute Er- fahrungen seien in Belgien gemacht, ganz besonders in den unabhängigen, vom Minister ernannten Grubenkontrolleuren. In Frankreich seien Klagen wegen zu geringer Un- abhängigkeit borgekommen. Infolgedessen ist durch Gesetz eine größere Unabhängigkeit durch erhöhte Bezahlung ge- schaffen worden. Außerdem sind die Befugniffe der Arbeiterkontrolleure erweitert, sie sollen nicht nur die Schädigungen der Gesundheit und die Gefahren für die Sicherheit der Bergleute kontrollieren, sondern auch ihre Wahrnehmungen gegenüber der Durchführung der anderen sozialen Gesetze mitteilen. Auf Grund dieses Berichts wurde der Antrag zurückgezogen. Darauf wurde in die Beratung eines nationalliberalen Antrages eingetreten, der lautet: „Die Kommission wolle grundsätzlich beschließen: die Einrichtung der SicherheitSmänuer wird auf Steinkohlen- bergwerke beschränkt. Auf anderen Bergwerken können auf Anordnung des Oberbergamtes und nach Anhörung der Gruben- Verwaltung und des SrbeiterausschuffeS Sicherheitsmänner bestellt werden." Zur Begründung wurde ausgeführt, daß die Vorlage enfftanden ist aus Anlaß eines Unglücks in einem Steinkohlenbergwerk. In den Braunkohlen«, Eisenstein- und Kalibergwerken sei eine solche Einrichtung infolge der geringen Gefahren absolut unnötig. Der Handelsminister bat um Ablehnung deS Antrage?. Die Annahme werde nur Beunruhigung schaffen. Die Agitation in der Presse und im Parlament würde dann um so schärfer ein- setzen. Der Minister wie? nach, daß die tödlichen Berunglückungen auch auf anderen Bergwerken außerordentlich hoch sind. Er bemerkte weiter, daß er sehr schwer in der Lage sein würde, eine ablehnende Entscheidung eines OberbergamtcS aufrecht- zuerhalten. Auch die Konservativen erklärten sich f ü r, das Zentrum gegen den Antrag. Von sozialdemokratischer Seite wurde erklärt, daß eS unberechtigt sei, auS politischen Gründen den weitgehenderen Schutz für Leben und Gesundheit der Bergleute abzulehnen. Mit der Erklärung des Ministers würde von den Gewerkschaften dort, wo jetzt die Einrichtungen nicht beschlossen werden sollen, der erhöhte Schutz gefordert werden. ES sei ausgeschlossen, daß jemals Einrich- tungen zum Schutze der Arbeiter geschaffen werden könnten, die zu- gleich Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokraten sind. Die Bergleute forderten die Arbeiterkontrolleure nur aus sachlichen Motiven. Wenn in England ein sachliches Verhandeln mit den Arbeitgebern möglich sei, so liege das im wesentlichen an der Stellung, die die Arbeitgeber gegenüber den Gewerkschaften einnehmen. Hier in Deutschland seien die Berghcrrcn die ärgste» Feinde jeder Gewerkschaftsbewegung. Sie lehnten eS ab, mit den Organisationen zu verhandeln, selbst mit den christlichen. DaS habe aus der Generalversammlung deS Vereins für Sozialpolitik der Kohlenbaron Kirdorf mit unverblümter Deutlichkeit ausgesprochen. Die Abstimmung wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Hierauf wurde ein anderer nationalliberaler Antrag beraten, der dahin ging, die jetzigen gesetzlichen Bestimmungen über den Arbeiterausschuß bestehen zu lassen und eine Sub- kommission zu wählen, die neue Bestimmungen für die Ein- richtung der Sicherheitsmänner schaffen soll. ES wurde hervorgehoben, daß die Aufgaben der Sicherheitsmänner und des Arbeiterausschusses verschiedene seien. Wenn für jede Steiger- abteilung ein Sicherheitsmann gewählt würde, dann könnte der Arbeiterausschuß unter Umständen mehr als 20 Mann zählen. Damit sei dann nicht zu verhandeln. Der Minister hielt an seinen Vorschlägen fest und wies darauf hin. daß dann lauter Sozialdemokraten gewählt würden. Selbst wenn der Ausschuß im Wege der Verhältniswahl zustande kommen würde, dann hätte man zwei Drittel Sozialdemokraten und ein Drittel Gelbe und Christen. Wenn aber die Leute in un- mittelbarer Berührung mit dem Betriebe blieben, sei der politische Einfluß verteilt aus die einzelnen Steigerabtcilungen. Bon konservativer Seite hielt man die Sicherheitsmänner als einen sehr gewagten Schritt. Sie wollten diese Einrichtung mit allen erdenklichen Kautelen umgehen. So sollen die SicherheitS- männer aus ihrer Mitte den ArbeiterauSschuß wählen, etwa in Größe von vier bis fünf Personen. Die SicherheitSmänuer sollten nur dann an den Sitzungen des Arbeiterausschusses teilnehmen, wenn über Fragen der Sicherheit der Grubenbaue beraten werden soll. Der Minister schien den konservativen Anregungen entgegenkommen zu wollen, konnte aber sich noch nicht ent- schließen, eine sofortige Zusage zu geben. Nach diesem Ergebnis scheint es, als ob man die Absicht habe, durch Verquickung von allerhand gesetzlichen Bestimmungen die Ein- richtung der Sicherheitsmänner völlig bedeutungslos zu machen. Es wird sich ja zeigen, ob der Landtag imstande sein wird, mit seinen Vorschlägen Beruhigung unter die Kreise der Ar- beiter zu tragen. Die bisherigen Debatten deuten jedenfalls nicht darauf hin. Die neueste ßlamage. Man muß dem lieblichen Gebilde, das aus den Hotten- tottenwahlen hervorgegangen ist, das Eine zugestehen: es gibt sich wenigstens alle Mühe, für gründliche Ausklärung der geduldigen deutschen Wähler zu sorgen. Denn so etwas Jammer- liches an politischer Feigheit und Impotenz wie diese Block- Majorität ist selbst in Deutschland etwas Neues, und nur das eine Verdienst darf sie beanspruchen, daß sie ihre wahre Natur wenigstens nicht verhüllt. Und diese Majorität findet in der „Oppositionspartei" des Zentrums ihre würdige parla- mentarische Ergänzung. Denn wenn es sonst Aufgabe der Oppo- sition ist, durch ihre Kritik die Majorität vom schlimmsten zurückzuhalten, so hat die Politik des Zentrums diese normale Funktion der Opposition gerade in ihr Gegenteil zu verkehren gewußt. Die Blockmajorität würde lange nicht so gefährlich sein, wenn diese Oppositionspartei nicht jederzeit bereit wäre, das zu verrichten, waL einer der Blockparteien vielleicht zu viel werden könnte und so sorgt die Unehrlichkeit der Zentrumspolitik für die Aufrechterhaltung des Blocks besser als alle Künste seines Erfinders. ja selbst als die Feigheit, Prinzipienlosigkeit und Dummheit der Frei- sinnsmannen. Denn dadurch, daß das Zentrum in Wirklichkeit gar nicht Oppositionspartei ist, sondern die außerhalb Deutsch- lands unmögliche Rolle einer Regierungspartei zur Disposition auf sich genommen hat, macht es erst die Diktatur derKonservativen im deutschen Reichstage zu einer absoluten und erlaubt den Junkern durch das Spiel mit den zwei Majoritäten Forderungen durchzusetzen, an deren Erfüllung sie sonst nicht denken könnten. Zeigte sich das schon in der Beratung der Finanzreform. die immer mehr zu einer ungeheuerlichen Provokation des deutschen Volkes wird, so mit nicht geringerer Deutlichkeit in den Fragbn der Verfassungsreform und der Geschäftsordnung. Die Erregung deS deutschen Volkes und die persönlichenMachtinteressen des Kanzlers zwangen in den Novembertagen den Reichstag zu einer Stellungnahme gegen das per- sönliche Regiment. Die Debatten des Reichstages offenbarten die ganze politische Ohnmacht dieses armen Parlaments und zeigten der Welt daL klägliche Schauspiel, daß die Vertretung des deutschen Volkes in einer politischen Lebensstage kein Mittel hatte. ihren Willen kundzugeben. Denn bei Interpellationen dürfen ja im Reichstage keine Anträge gestellt werden. Als Resultat der Vcrfassungsdebatten ergab sich also als not- wendige Folge zweierlei: Einmal muße dem Reichstage Gelegenheit gegeben werden, in dringenden Fällen seinen Willen zu äußern, sodann mußten durch eine Verfassungsreform wirkliche Garantien geschaffen werden, um unverantwortliche Einflüsse in Zukunft unmöglich zu machen. Wie dies zu machen sei, sagten die sozialdemokratischen Anträge. Sie wurden neben anderen der verstärkten Geschäftsordnungs- kommission überwiesen. Diese begann ihre Arbeit mit den Anträgen, die aus den Interpellationen ein zu Willenskundgebungen brauchbares Mittel machen sollten. Die Beratungen bestanden sozusagen Haupt- sächlich aus Vertagungen und damit brachte es denn diese Kommission in ihrer Arbeitsscheu auch glücklich dahin, die Entscheidung über eine Sache, die in anderen Parlamenten längst mustergültig gelöst ist, vom 7. Dczembei bis zum 9. März zu verschleppen, um dann zu be» schließen, daß— nichts, aderauch gar nichts, zu beschließen seil Wie es zu diesem schmählichen Ausgang gekommen, Haben wir gestern ausführlich berichtet. Es bedurfte dazu der Angst der Freisinnigen vor dem Uebertreten des konser- vativen Verbots, das Recht des Reichstags zu verstärken, ver- mehrt durch jene unglaubliche Ungeschicklichkeit, die immer mit tödlicher Sicherheit zu erwarten ist, wenn sich Herr Müller- Meiningen als parlamentarischer Stratege auftun darf, auf der einen Seite, und auf der anderen der perfiden Strategie des Zentrums, das schließ- lich, nachdem die Freisinnigen„unter Vorbehalt" im Bunde mit Konservativen und Nationalliberalen das Recht der Minderheit auf Antragsstellung abgewürgt hatten, sich auf die Seite der Reaktion schlug und das alte Verbot, .bei Interpellationen Anträge zu stellen, wieder erneuerte. Damit ist die Arbeit dieser ehrenwerten Kommission nun glücklich resultatlos geworden. Das Ergebnis der Ver- fassungsdebatten ist die Aufrechterhaltung der Rechtlosigkeit des Reichstags. An diesem Er- gebnis tragen alle bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme die Schuld. Freisinnige, Zentrum, Konservative und Nationalliberale haben in gleicher Weise dazu beigetragen, den Willen der Junker, der alten Feinde des Reichstags, zu erfüllen und der Volksvertretung in Deutschland vorzuenthalten, was Fran- zosen, Engländer, Belgier, Ungarn, und in der Form der Dringlichkeitsanträge auch die Oesterreicher längst besitzen. Sie haben also wieder einmal echt„nationale" Arbeit ver- pichtet. Es bleibt nur übrig, die Probe aufs Erempel auch im Plenum zu machen. Um ein wirkliches Jnterpellations- recht zu schaffen, dazu bedarf es keiner komplizierten Kom- missionsberatungen. Es genügt eine Abstimmung im Plenum, die das Verbot der Stellung von Anträgen bei Interpellationsdcbatten aufhebt und bestimmt, daß Anträge, die sich auf den Gegenstand der Interpellation beziehen, bei Unterstützung von 1!> Mitgliedern zugleich zur Beratung zu stegen sind._ Oesterreich und Serbien. Tenosse Kau ts ky schreibt in der„Neuen Zeit":' Seit Wochen steht Europa vor der Gefahr eines Weltkrieges. Immer wieder hofft man sie zu beschivören, immer wieder taucht sie von neuem auf. dräuender als früher. So entsetzlich die Perspektive auf den Ruin der ganzen Zivili- sation für lange hinaus, die da ersteht, so lächerlich auf den ersten Blick die Ursache dieser unerträglichen Situation: die Aspirationen eines Zwergstaates mit weniger als 3 Millionen Einwohnern, der Forderungen an eine benachbarte Großmacht stellt, die ihn mit ihren bl) Millionen Menschen leicht erdrücken kann. Und diese Aspira. tionen selbst wieder erscheinen nur als das Werk einiger wahn- witzigen Abenteurer, geführt von einem Operettenkronprinzen lächerlichster Art. Man könnte also glauben, die Schicksale der Welt hingen von den Launen eines unreifen Burschen ab, der uns als Idiot ge- schildert wird. Indes so verrückt ist die bürgerliche Gesellschaft doch nicht, und auch die Serben sind weder so schamlos noch so idiotisch, wie sie jenen Politikern erscheinen, die ihr Wissen von den Balkan- Völkern bei den Gelehrten des„Simplicissimus" holen. Die Serben haben ihre triftigen Gründe für ihre jetzige Haltung. Man könnte annehmen, die Haltung Serbiens sei bloß ein Ergebnis des nationalen Gedankens, der auf einer gegebenen Eni- wickelungsstufe auftaucht und in Serbien dieselbe Existenzberechti- gung hat wie in Deutschland, Italien, Polen, wo er als reaktionärer Faktor die ganze zivilisierte Welt des vorigen Jahrhunderts be- geisterte. Dieser nationale Gedanke der Zusammenfassung aller Serben in einem geschlossenen Großserbien spielt sicher in der jetzigen Situation eine Rolle; aber er erklärt nicht, warum Serbien gerade jetzt es für notwendig hält, das Aeußerste zu wagen und den Übermächtigen Nachbarn zu reizen, noch auch, warum, wie es scheint, die ganze Nation vom Kriegsfieber ergriffen ist. Auf der Entwickelungsstufe, auf der sich Serbien befindet. wird der nationale Gedanke fast nur von den Schichten der Jntelli- genz getragen, daneben noch von Kaufleuten und etwa einer an der Vergrößerung des Staates interessierten Dynastie, aber nicht von der Bauernschaft, die in Serbien die große Masse der Be- völkerung ausmacht, etwa SV Prozent. ES mußren besondere Um- stände sein, die auch den Bauern für die großserbische Idee empfänglich machten. Diese Umstände wurden durch die geo- graphische Lage des Landes und die ökonomische Entwickelung ge- geben. Wohl ist Serbien ein agrarisches Land, fast ohne alle Industrie, aber es blieb nicht unberührt vom 5topitalismus. Die Naturalwirtschaft weicht immer mehr, der Bauer braucht Geld, braucht also einen Markt, und da er keine städtische industrielle Bevölkerung im Lande selbst findet, die ausreichend wäre, ihm seine Produkte abzukaufen, bedarf er aufs dringendste eines auswärtigen Marktes. Leichter und gesicherter Export für seine agrarischen Produkte ist «ine Lebensfrage für Serbien. Bei diesem Export ist es aber in völliger Abhängigkeit von Oesterreich, das gerade an jenen seiner Grenzen vorgelagert ist, die die nächsten und besten Ausfuhrftraßen für Serbien bilden. Etwa 30 Proz. der serbischen Ausfuhr gehen nach und durch Oester- reich. Es sind agrarische Produkte, Obst, Weizen, Hteflügel und Namentlich Schweine. Serbiens ökonomische Existenz hängt also heute gänzlich von Oesterreich ab. Ist die österreichische Handels, und Verkehrspolitik eine für Serbien wohlwollende, dann gewinnt die Habsburgische Monarchie an Serbien einen ergebenen Vasallen. Je mehr dagegen diese Politik darauf gerichtet ist, Serbiens Ausfuhr zu erschweren, desto mehr muß sie die Bevölkerung Serbiens mit äußerstem Oesterreicherhaß erfüllen, und desto populärer muß die großserbische Idee werden, die Vereinigung der in Serbien, Bosnien, der Herzegowina, Dalmatien, Montenegro lebenden Serben(vielleicht auch unter Gewinnung der südungarischen Serben und Kroaten) zu einem selbständigen Staatswesen, das an die Adria grenzt und so für seine Ausfuhr von jedem Nachbar unabhängig ist. Mit der wechselnden Handels- und Verkehrspolitik Oesterreichs wechselt auch die Haltung Serbiens. In den letzten Jahren aber haben sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten aufs äußerste verschlechtert. Oesterreich wird ein Industrieland. Das bedeutet jedoch nicht. baß die Agrarier aufhöreck, es zu beherrschen, sondern— daß sie immer unverschämter werden, daß sie sich das Monopol auf den inneren Markt immer mehr zu sichern suchen— ganz wie bei uns. Immerhin ist Oesterreich noch Agrarland genug— namentlich das für seine Politik so matzgebende Ungarn—, um noch Agrar- Produkte in bedeutenden Mengen auszuführen. Die agrarische Politik Oesterreich-Ungarns hat daher das Streben, die geographische Position gegenüber Serbien dahin zu benützen, diesem Ländchen nicht nur die Ausfuhr nach Oesterreich; iondcrn auch die Durchfuhr durch Oesterreich möglichst zu cp-I schweren, die serbische Konkurrenz nicht bloß auf dem inneren Markte Oesterreichs, sondern auch auf dem Weltmarkt möglichst auszuschalten. Gerade in den letzten Jahren führte das zu Zoll- kriegen, die Serbien an den Rand des Bankrotts brachten und ihm den Mut der Verzweiflung des Bankrottierers einflößten, der alles auf eine Karte setzt, weil er nur noch zu gewinnen, nichts mehr zu verlieren hat. In der Tat ist für Serbien jeder ökonomische Aufschwung aus- geschlossen, wenn es auf seine jetzigen Grenzen beschränkt bleibt und die Herrschaft der Agrarier in Oesterreich nicht gebrochen wird. Kein Wunder, daß die jüngsten politischen Umwälzungen auf der Balkanhalbinsel Serbien mehr als jedes andere der dortigen Länder in fieberhafte Erregung versetzten und ihm den leiden- schaftlichen Drang einflößten, die jetzige Situation um jeden Preis auszunutzen, um irgendwelche Konzessionen zu erringen, die seine elende Lage verbessern. Was hat es dabei zu verlieren— abgesehen von den Ver- heerungen, die jeder Krieg mit sich bringt, die aber doch nur cttvas Vorübergehendes sind? Im schlimmsten Falle findet es nirgends Unterstützung, wird cs von Oesterreich annektiert. Das bedeutet aber für den serbischen Bauern keineswegs den notwendigen Ruin, es kann sogar seine Rettung werden. Er gewinnt dann den Frei- Handel mit Oesterreich und den freien Zugang zum Meere. Frei- lich bleibt er auch dann abhängig von der Eisenbahnpolitik nament- lich der ungarischen Regierung, die sich den Interessen der Süd- slawen in jeder Beziehung feindlich zeigt; aber schlechter als jetzt kann es nicht mehr werden. Im Gegenteil, die österreichischen Südslawen könnten den ungarischen Agrariern gegenüber durch den Zuwachs Serbiens nur an Kraft gewinnen. Der serbische Bauer hat also bei einer Annexion durch Oester- reich nicht so viel zu verlieren, daß er deshalb den Krieg scheuen müßte. Und den Machinationen der österreichischen Agrarier ist es gelungen, seinen Oesterreicherhaß aufS äußerste anzustacheln, so daß er der willige GesolgSmann jener Elemente Serbiens wird, denen die bestehende Situation ebenfalls unerträglich geworden ist, die aber bei einer österreichischen Annexion viel oder alles zu ver- lieren hätten, die daher keinen anderen Ausweg aus der verzweifelten Situation wisien als das Entflammen eines Welt- kricges. Diese Elemente sind vor allem die Dynastie und die In- telligenz. Für Oesterreich tväre es ein leichtes, der Kriegsgefahr ein Ende zu machen. ES braucht bloß den Serben Konzessionen auf dem Wege eines günstigen Handelsvertrages und Garantien für eine von Schikanen freie Durchfuhrspolitik zu gewähren, und die Volksmasse Serbiens ist befriedigt, dessen Kriegspartei aufs Trockene gesetzt. Diese Politik entspräche in jeder Weise den Interessen der In- dustrie und des Proletariats Oesterreichs, dem sie nicht nur die Kriegsgefahr bannte, alle weiteren Rüstungskosten ersparte, sondern auch billigere Lebensmittel brächte. Aber gerade deswegen hat diese Politik keine Aussicht auf An- nähme. Lieber verhängen die Agrarier die entsetzlichsten Opfer an Menschenleben und Wohlstand über ihr heißgeliebtes„Vater- land", als daß sie ihren proletarischen Mitbürgern billiges Brot und Fleisch gönnten! So sind die Aussichten auf friedliche Beilegung des Konfliktes äußerst geringe. Daß aber dieser Konflikt kein rein lokaler ist, sondern einen Weltkrieg zu entzünden droht, daran sind freilich die Agrarier allein nicht schuld. Das ist die Konsequenz deS Imperialismus, dessen Politik die des gesamten Kapitals aller modernen Groß- staaten ist und der sie alle in so schroffe Gegensätze zueinander bringt, daß die äußerste, ununterbrochene Klugheit und Wachsam. kcit dazu gehört, den Frieden ohne Gefährdung durch alle die Klippen und Risse hindurchzuführen, die sich immer drohender um ihn erheben. Ein einziges unbedachtes Wort, geschweige denn ein Krieg in dem europäischen Wetterwinkel, und das Friedensschiff ist gescheitert, der Weltkrieg da. Um so wichtiger für daS Proletariat aller Länder, auf der Hut zu sein und sich nickst fortreißen zu lassen zu einer freudigen Unter- stützung jener Politik seiner schlimmsten Ausbeuter und Unter- drücker, die im Völkermord gipfelt. poUtilcbe OcberHcbt- Berlin, den 10. März 1909. Abgeordnetenhaus. DaS preußische Abgeordnetenhaus versagte am Mittwoch— im Gegensatz zu der wiederholt von ihm geübten Praxis— die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Redakteurs Genossen Grötzsch von der„Görlitzer Volkszeitung" wegen Beleidigung. Die Beleidigung erblickt die SraatSanivaltfchaft in einem Artikel, der sich mit den Wahlrechtsdebatten beschäftigt. Die Mehrheit des Hauses mag wohl selbst einsehen, eine wie traurige Rolle sie bei diesen Debatten gespielt hat; sie fürchtet, daß eine etwaige Gerichts- Verhandlung dem Wahlrechtskampfe zugute konimt und sieht deshalb „großmütig" von der Stellung eines Strafantrags ab. Nach außen verschafft sie dem Hause dadurch billigen Ruhm. Die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Erweiterung des Stadtkreises Linden gab unserem Genossen L e i n e r t Gelegenheit, die grundsätzliche Stellung der Partei zur Ein- gemeindungSfrage zu erörtern und mit Nachdruck dafür einzutreten, daß die Eingemeindung keine Schmälerung des Wahlrechts für einzelne Klaffen der Bevölkerung zur Folge haben dürfe. Der ver- stärkten Gemeindekommisston, der die Borlage überwiesen wurde, gehört u. a. Leinert an. Nach Erledigung de« Gesetzentwurfs betr. Heranziehung der Beamten zur Gemeindeeinkonimensteuer beriet das HauS sodann in erster Lesung die Novelle zum Stempel- steuergesetz. Bekanntlich hat das Plenum bei Beratung der Be- soldungs- und Steuervorlagen der Negiernng in Form einer Resolution ersucht, zur Deckung des noch derbleibenden Mehrbedarfs von 16 Millionen einzelne geeignete Positionen des Stempelsteuertarifs zu erhöhen. Dieser Aufforderung ist die Regierung nachgekommen; sie beantragt u. a. eine Erhöhung des Stempels für Mietsverträge, nicht aber für die Pachtung von Grundstücken zu land- und forft» wirtschaftlicher Nutzung, ferner einen Stempel für Jagdpachtverträge in Höhe von 16 Prozent u. a. m. In fein abgewogener und treff- lich zugespitzter Rede nahm Genosse H e i m a n n zu der Vorlage Stellung. Entsprechend dem sozialdemokratischen Programm erklärte er sich grundsätzlich gegen jede indirekte Steuer. Als genauer Kenner der Verhältnisse geißelte er den Versuch der Regierung, die Wohnungsmieten durch eine so kolossale Erhöhung des Stempels in die Höhe zu schrauben, forderte er weiter, daß die Regierung endlich einmal mit ihren Gescheuken an die Agrarier, die auch jetzt wieder bevorzugt werden sollen, ein Ende macht. Hoffentlich gelingt es der Kommission, der die Vorlage über« wiesen wurde, ihr wenigstens die schlimmsten Giftzähne auSzn- reißen. Donnerstag: Dritte Lesungen des Gesetzentwurfs betr. die Heranziehung der Beamten zur Gemeindeeinkommensteuer, der > Steuervorlagen, de« Wohmmgsgeldzufchusses. � Das ungeduldige Zentrum. Die„Märkische Volkszeitung" ist höchst ungeduldig darüber, daß der Block noch immer nicht in die Brüche gegangen ist. Die Langmut des Freisinns, der sich jeder junkerlichen Zu- mutung fügt, um nur ja nicht als Beschützer der Reaktion abgedankt zu werden, raubt dem Zentrum offenbar die Besinnung. Wenigstens macht die„Mark. Volksztg." den verzweifelten Versuch, den Vater des Blocks, den Fürsten Bülow, durch heftigste Angriffe und durch eine Dennnziation bei den Konservativen endlich zu stürzen. DaS Zentrumsblatt macht den Blockkcmzler dafür verantwortlich, daß die Reichsfinanzreform. deren das Reich in seinen Nöten so dringend bedürfe, schwerlich vor Ablauf eines JahreS zustande kommen werde l Die Frage der Finanzreform aber werde leicht—- und natürlich im agrarisch enSinne!— zn lösen sein, wenn einfach der Freisinn ausgeschaltet werde! Dieser AuS- fchalwng aber widersetze sich Fürst Bülow: „Die„Deutsche Tagesztg." behauptete jüngst. Fürst Bülow habe niemals die Meinung vertreten oder geäußert, daß er nur dann im Amte bleiben werde und könne. wenn die Reichsfinanzreform allein und ausschließlich durch den Block gelöst loerde. Wir können dem Blatte mitteilen, daß Fürst Bülow sich tatsächlich gegenüber liberalen Worl- führern ausgesprochen hat, er wolle das Zentrum nur dann zur Mehrheit stoßen lassen, wenn zuvor der Block schon eine solche st eile." Diese allzu unverhohlene Ungeduld ist nicht gerade sehr klug. Denn der Freisinn wird sich unter solchen Umständen nur nocki heroischer allen reaktionären Zumutungen fligen und dadurch die Erretterrolle des Zentrums überflüssig machen. Je mehr sich freilich Zentrum und Freisinn im Wettlauf um die Gunst der Agrarier diskreditieren, desto besser für uns l— Freisinn und Besitzsteuerkompromisi. Ein Berliner MittagSblatt stellt die Behauptung auf, daß inner- halb der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, die 51 Mitglieder zählt, nur 22 für daS Steuerkompromiß eingetreten sind. Der Rest war dagegen oder enthielt sich der Stimme, und 10 Abgeordnete haben in der entscheidenden Sitzung gefehlt. Als Vertreter der Minorität werden genannt: T r a e g e r, Dr. Leonhardt. Gothein. Neumann-Hofer und Haußmann, wogegen Müller- Meiningen natürlich bei der kompromißfreundliche» Mehrheit sich befindet.— Abgeordneter Naumann gibt in der neuesten Nummer seiner„Hilfe" die Versicherung ab, daß auch er unentwegt mit der Blockmehrheit gehen werde. Gleichzeitig mehren sich aber die Stimmen aus freisinnigen Wählerkreisen, die sich entschieden gegen das Blockabkommen wenden. Sowohl in Rostock als auch in Hirschberg und Biedenkopf haben die dortigen liberalen Organisationen sich gegen die Anträge Gamp- Arendt ausgesprochen. In Hirschberg wird verlangt, daß die frei- sinnige FraltionSgemeinschast unbedingt der Selbstsucht des Bundes der Landwirte gegenüber auf der Forderung der Nachlaß- oder Reichsverinögenssteuer zu bestehen habe. Auf den Block sei dabei gar keine Rücksicht zu nehmen._ Im Kampf um die Nachlasistcuer. Zwar ist die Nachlaßsteuer in der Kommission gefallen. die„Deutsche Tageszeitung" traut aber offenbar dem Landfrieden nicht; denn sie setzt den Kampf gegen diese Steuer mit noch gesteigerter Heftigkeit fort. Sic findet die„Treiberet hinter den Kulissen", die jetzt wieder be- gönnen habe, ganz außerordentlich gefährlich und prophezeit: Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der Kampf um die Nachlaß st euer nochmals in aller Schärfe entbrennen. Der Artikel schließt mit folgendem Appell an die Regierung: „Wir erwarten von den verbündeten Regierungen, insbesondere von der Klugheit des Reichskanzlers, daß er sich nicht täuschen lasi«. Wir lassen uns keinesfalls und keineswegs täuschen." Mit ihrer Behauptung, daß die gesamte Landwirtschaft sich gegen die Nachlaßstcuer erkläre, setzt sich die«Deutsche Tageszeitung" mit der Wahrheit in Widerspruch. Dem konservativen„Neichsbotcn" sind Stimmen aus Landwirtschafts- kreisen über die Nachlaßsteucr zugegangen, die ganz wesent lich anders lauten als die Ansichten, die in dem agrarischen Blatte zum Ausdruck gelangt sind. So wird z. B. aus Fries- land geschrieben: „Mit Ausnahme der Mtglieder des Bundes der Landwirte bedauert man hier in konservativen Kreisen, daß die Nachlaßsteuer nicht durchgeht, weil diese Steuer wirk- lich den Besitz getroffen hätte. DaS Geschrei gegen die Nachlaßsteuer sei lediglich agrarische Mache." Ersparnisse im Heerwesen. Der„Straßburger Post' wird von einem älteren Offizier geschrieben: „Und dann der Luxus, den wir uns mit der reitenden Artillerie leisten. Vierzig Batterien haben wir. brauchen aber für die Kavalleriedivisionen, wenn im nächsten Kriege wieder die gleiche Anzahl wie früher formiert wird, zwölf oder nach Einführmig der Batterien zu vier Geschützen achtzehn. Wir haben also 2J reitende Batterien, die im Kriege keine andere Verwendung finden, wie die fahrenden. Da muß man doch fragen: Warum macht man sie den» nicht zu fahrenden? Zumal wie jeder Artillerist weiß, der in seine Waffe einen vonirteilssreien Blick gc- tan hat, daß die Schießleistungen der reitenden Artillerie unter der Menge der Pferde und der schweren Bekleidung der Kanoniere leiden und daher denen der fahrenden im allgemeinen nicht gleich- kommen. Die Umwandlung würde jährlich etwa eine halbe Million Ersparnis bringen, denn es find etwa 900 Pferde. die damit fortfallen. Frankreich hat auch schon damit begonnen. Früher als die Wege schlecht, das Artillerieinateriul schwer und schwerfällig war, war die größere Beweglichkeit der reitenden Batterien anch im Verband der Infanterie von Werr. Damit ist eS aber jetzt vorbei. Die fahrenden Batterien entsprochen den Anforderungen an Beweglichkeit in vollem Maße und es find infolgedessen auch im Reglement dieselben Gangarten für sie vorgeschrieben. Schon bei"den Nenfonnationen im Herbst 1866 widersetzte sich der damalige Generalinspekteur der Artillerie v. Hindersin einer Vermehrung der reitenden Batterien; doch ver- geblich. Ob die Umwandlung jetzt durchgesetzt werden könnte? Schwerlich! Würde sie doch von mancher«eite als eine Art von Degradation angesehen werden." Daß bei unserem Heerwesen allerhand Etikette- und Repräsen- taiionSrücksichten eine größere Rolle spielen, als der militärische Wert einer Waffengattung, ist ja allerdings nur zu bekannt I Wer zerstört den Mittelstand ¥ Wenn wir den Agitattonsreden auS dem Kreise der sogenannten staatserhaltenden Parteien glauben dürfen, dann hat der Mittelstand leinen gefährlicheren und schlimmeren Feind als die Sozialdemo- kratie. Großindustrielle und Großagrarier im Bunde Ichren die bedrängten Krämer und Handwerker, daß es die Sozialdemolratie auf ihren Ruin abgesehen habe und daß sich ihre Rettung um so sicherer voll- ziehen würde, je energischer sie sich der Bekämpfung der Sozialdemokratie widmen. Wo in Wirklichkeit die Feinde de» Mittelslandes sitzen, das zeigt ein Artikel der„Deutschen Volkspost", amtliches Organ der deutsche» Mittelstandsvereinigung. Darin wird hingewiesen auf die Zustände im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, wo der Mittelstand zunächst in kommunalpolitischcr Hinsicht vom Grostunternehmertum unterdrückt und in steuerlicher Hinsicht benach- teiligt werde. Dann heißt es: „Der Bergbau und die Großindustrie arbeiten aber auch nach anderer Richtung gegen den Mittelstand. Und zwar ist eS die F i r m a Krupp, die hier das Banner trägt, dem immer mehr Großindustrielle folgen. Der Fremde. der nach Essen kommt, wird � nstcmnt sein, daß die Viertelinillionenstadt so wenige Geschäftsleute, so wenige Handwerker, insbesondere Bäcker und Metzger, hat. Nun, das ist einfach. Die Firma Krupp errichtet an allen Ecken und Enden ihre Konsnmanstalten, durch welche sie das in einer Riesenbäckerei hergestellte Brot und das in kolossalen Massen geschlachtete Vieh, Kolonialwaren, Manufakturwaren usw. absetzen läßt.... Krupp hat Nachahmer gesunden, große und kleine. Der Konsumanstalrsgedanke zieht von Werk zu Werk, von Zeche zu Zeche...." Man könnte dem noch hinzufügen, daß die großen Werks- besitzer im Industriegebiet viele Hunderte von mittleren und kleinen Bauern ausgekauft haben, daß da, wo sich einst eine landarbeiiende Bevölkerung nährte, heute die Oefen glühen und die Schlote rauchen im Dienste einiger weniger Jndustrieherren, die so gründ- lich unter dem Mittelstand aufräumen, daß der Sozialdemokratie nicht mehr viel zu tun übrig bleibt. Das mittelständische Organ hadert besonders wider die Firma Krupp, �„die mehr als jede andere Rücksicht auf das deutsche Volt und seinen Hauptpfeiler, den Mittelstand, zu nehmen hätte, deren Größe aus der Steuerkraft des Mittelstandes gewachsen ist, der heute noch jährlich Millionen durch in Deutschland aufgebrachte Steuergelder zufließen. Aber was geht uns das deutsche Volk und der deutsche Mittelstand an I"_ Tie �remdenlegionare. Wie aus Oran telegraphiert wird, verurteilte daS Kriegsgericht im Prozeß gegen die Fremdenlegionäre den Anführer der Deserteure Pal zu 20 Jahren Zwangsarbeit und Degradation. 17 Angellagtcn wurden mildernde Umstände zu- gebilligt. Das Kriegsgericht verurteilte von diesen 17 Angeklagten einen zu 18 Jahren Zwangsarbeit, 20 Jahren Auf- enthaltsverbot und Degradation, zwei weitere zu 15 Jahren Zwangsarbeit und Degradation, einen zu 10 Jahren Zwangsarbeit und Degradation. Die Strafen der übrigen ichwanken zwischen fünf Jahren Zwangsarbeit und zwei Jahren Gefängnis. Alle Angeklagten werden die NichtigkeitS- beschwerde einlegen. Wir hoffen, daß die französische Regierung klug und human genug sein wird, die Grausainleit und Barbarei des Kriegsrechts durch ausgiebige Antoendung des Begnadigungsrechts zu mildern, umsomehr da die Angeklagten nur Opfer ibrer Unbesonnenheit sind, die sie auf die Vorspiegelungen Pols eingehen ließ. Ob Pal selbst nur aus Leichtsinn gehandelr hat oder ob er sich zur Flucht verleiten ließ, weil er für sein Unternehmen genügende Unterstützung suchte, ist noch unaufgeklärt. Ein Zeuge brachte die Desertion in Zu- sammenhang mit einem deutschen Verein, an dessen Spitze der Berliner Professor S a in a s s a stünde, der aber jede Beteiligung an der Affäre in Abrede stellt. Es wird Sache der deutschen Regierung sein, diese Angelegenheit aufzuklären. Im übrigen weckt dieser Prozeß die Erinnerung an jene schmachvolle Phase der deutschen Marokkopolilik, in der diese Desertiousaffäre zu einer Gefahr für de» Frieden zwischen Frank- reich und Deutschland zu werden drohte.— Ultramontane Kulturarbeit. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Bonn beantragte der Führer des Bonner RathauSzentmmS. Zeitungsverleger Hauptmann, beim Etat des städtischen Viktoria- badeS die Schließung eines der beiden Schwimmbassins mit der Begründung, daß es vollkommen genüge, wenn die Männer an vier, die Frauen an drei Tagen baden könnten. Nicht zufrieden mit dieser Fürsorge für das leibliche Wohl der Bonner Bevölkerung, mrternahm der genannte Zentrumsinann auch einen Ritt in das geistige Gebiet. indem er beim Etat des städtischen Orchesters beantragte, zur Er- sparung des städlischen Zuschusses von 20 000 Mark de» Kontrakt mit dem bisherigen Kapellmeister schleunigst zu lösen, mit anderen Worten: Das nach vieler Mühe zustande gebrachte und zu allgemeiner Zufriedenheit wirkende Orchester auS Bonn herauszuwerfen. Beide Anträge wurden abgelehnt. Das Zentrum steht bekanntlich in erster Reihe, wenn es gilt, der Sozialdemokratie vorzuwerfen, daß sie keine positive Arbeil zu leisten vermöge. Das obige Beispiel zeigt, wie die„positive Arbeit" aussieht, die im eigenen Lager des Zentrums verrichtet wird. ,.Germattipcrungs"-Politir der Ansiedelungskommisfiou. Die Denkschrift der AnsiedelungSkommission für das Jahr 1908 hat soeben die G e n e h m i g u n g d e s K a i s e r s zur Vorlage an den preußischen Landtag erhalte» und wird demnächst zur Ausgabe gelangen. In der Denkschrift kommen zum Teil bereits die Wirkungen des Gesetzes Pom 2 0. März 1908 über die Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Ostmarkener nicht die des deutschen Volkes, ja nicht einmal die des österreichischen in seiner großen Mehrheit sind, birgt die große Gefahr in sich, daß sie Deutschland immer mehr von dcr gemeinsamen Aktion der W e st m ä ch t e und Italiens ausschließt und damit die wichtigste Bürgschaft für den Frieden z e r st ö r t. Zwischen dcr rufsisch-scrbischcn Forderung einer Konferenz und der österreichischen Ablehnung muß eine Bermittelung gefunden werden und sie kann gefunden werden, wenn die nicht direkt beteiligten Mächte gemeinsam vorgehen und in Wien und Petersburg für die Aufrcchterhaltung des Friedens wirken. Die provozierte Stellungnahme der deutschen Regierung erschwert aber dieses gemeinsame Vorgehen und drängt Frankreich und England an die Seite Rußlands. Es muß daher mit aller Entschiedenheit gefordert werden, daß die deutsche Regierung nicht Verpflichtungen auf sich nimmt, die mit dem Friedenswillen und den Interessen des deutschen Volkes i m s ch ä r f- sten Widerspruch ständen. In Wien behält die pessimistische Beurteilung die Oberhand. Im ungarischen Parlament hat heute der Minister- Präsident den serbischen Handelsvertrag formell zurückgezogen, was mit dem Eintritt des Z o l l k r ie g e s am 1. April gleichbedeutend tväre, wenn vorher nicht die Verhandlungen eröffnet werden. Aus Serbien und Montenegro liegen wieder Meldungen bor, die bestätigen, daß diese Staaten an den Grenzen des Sandschaks Novibazar Truppen ansammeln, angeblich um aus diesem türkischen Gebiet sich die„territoriale Kompensation" zu holen, für die ihnen russische Unterstützung zugesagt sein soll. In der Türkei werden diese Bewegungen aufmerksam verfolgt und Gegenmaß- regeln getroffen._ Oeftermch. Die Wiedereröffnung des Reichsrats. Wien, 10. März. Abgeordnetenhaus. Das HauS und die Galerien sind dicht gefüllt. Das Kabinett wurde bei seinem Er- scheinen im Saale von den Tschechisch- Radikalen mit an- haltenden Pfui- und Abzugsrufen, von der Linken und den Polen mit lebhaftem Beifall empfangen. Bei andauerndem Lärm der Tschechisch-Nadikalen erklärte Ministerpräsident Freiherr v. B i e n e r t h die 19. Session des Rcichsrats für e r ö f f n e t und lud den Abgeordneten Dr. Funke ei», das Alterspräsidium zu übernehmen. In einer Begrüßungsansprache, welche infolge andauernden Lärms nur zum geringsten Teile verständlich war, sprach Dr. Funke die Hoffnung aus, daß die parlamentarische Session eine erfolgreiche, ungestörte und dauernde sein werde. (Beifall, anhaltender Lärm bei den Tschechisch-Nadikalen.) Der Ernst der inneren und äußeren Verhältnisse fordere ganze Männer, unausgesetzte gemeinsame Tätigkeit und feste Entschlossenheit. Der Alterspräsident sprach sodann die Zu- verficht aus, daß die Abgeordneten das Vertrauen der breitesten Volksschichten rechtfertigen würden. Nach Erledigung der For- malten nahm das Haus durch Stimmzettel unter Namensaufruf die Wahl des Präsidenten vor. Zum Präsidenten wurde mit 237 von 410 Stimmen Dr. Pattai(christl.-soz.) gewählt. Er nahm sie Wahl dankend an, betonte die Notwendigkeit einer Reform der Geschäfts- o r d n u n g, wies auf die wichtigen Aufgaben hin, die das Haus vor Ostern erwarteten und schloß mit einem Appell an das Haus, seine Rechte durch ernste, sachliche Arbeit zu wahren.(Lebhafter Beifall.) Nach der Wahl der Vizepräsidenten Baczynski, Steinwender, Zazvorka, Pogacnik und Laginja hielt Ministerpräsident v. Bienerth seine Programmrcde, während welcher die Tschechisch-Nadikalen ununterbrochene AbzugSrufe und Be- schimpfungen gegen die Minister vorbrachten. Der übrige Teil des Hauses begleitete die Ausführungen Bienerths mit lebhaftem Beifall. Der Ministerpräsident betonte, daß die neue Regierung in ernster und schwerer Zeit vor das Haus trete, skizzierte die auswärtige Lage und sagte: Die Stellung der österreichisch- ungarischen Monarchie wird in dcr krisenhaften Periode, die wir durchlaufen, gegenwärtig durch 2 Akte charakterisiert, durch den erfolgten Abschluß dcr Verständigung mit dcr Türkei und durch die von unserem Gesandten in Belgrad abgegebene bekannte Erklärung. Für den Abschluß des Uebereinkommens mit der Türkei wurden zweifellos große Opfer gebracht, um auf fried- lichem Wege zu dieser Verständigung zu gelangen. Erwägt man. daß uns durch dieses Uebcreinkommen ein unantastbarer Rechts- titel für die Annexion Bosniens und der Herzegowina gegenüber jedermann verliehen und für die Monarchie die sichere Aussicht eröffnet wird, mit der Türkei noch freundschaftlichere und herz- lichere Beziehungen als b'Sher aufrechterhalten zu können, so darf man wohl zugeben, daß diese Opfer nickt umsonst gebracht wurden. Es ist zuversichtlich zu erwarten, daß die Signatarmächte die Nachricht von diesem Uebcreinkommen mit Befriedigung aufnehmen werden. Wohl hat die Spannung der auswärtigen Lage, wenn sie auch noch nicht geschwunden ist, durch dieses Uebcreinkommen um ein Bedeutendes nachgelassen: ungeklärt aber sind heute noch die politischen Be- Ziehungen der Monarchie zu Serbien und Montenegro, die eine Reihe durchweg erfüllbarer und undurch- führbarer politischer Forderungen aufgestellt halien.(Sehr richtig!) Getreu der Methode, die sich bei der Türkei bewährt hat, bestand auf feiten der Monarchie seit allem Anfang die Absicht, auch mit Serbien auf dem Wege direkter Verhandlungen zu einer Wiederherstellung normaler Be- Ziehungen zu gelangen. Die Regierung hat in diesem Gedanken- gang sich durch keinerlei aus dem benachbarten Königreich heraus- dringenden Nachrichten aus ihrem Gleichmut und ihrer ruhigen Zurückhaltung herausdrängen lassen. Die Regierung hat die Zeit wirken lassen, und eS war vor kurzem nötig, der serbischen Regierung durch die Er- klärungen unseres Gesandten in Belgrad Gelegenheit zu einer unmittelbaren Aussprache zu geben. Dank den Rot- schlügen der Mächte ist in Serbien eine Wandlung zu einer realeren und praktischeren Politik nicht auöge- schlössen. In dieser Annahme wird Oesterreich-Ungarn gern bereit sein, die neuen Verhandlungen mit dem Königreich über wirtschaftliche und PerkehrSfcagen mit dem größten Wohlwollen zu führen, wenn Serbien seine Haltung betreffend Bosnien ge- ändert und die Erklärung abgegeben haben wird, daß es wieder zu einem korrekten und sreundnachbarlichcn Verhältnis zur Mo- narchie zurückkehren wolle.(Zustimmung.) Wenn sich also mit der Besserung der auswärtigen Lage die Aussichten auf Er» Haltung des Friedens gehoben haben, so sind die inter- nationalen Verhältnisse doch noch immer so geartet, daß sie Wach» samkeit, Bereitschaft und Zusammenfassung aller staatlichen Kräfte gebieterisch heischen.(Zustimmung.) Darum gilt eS jetzt. Waffenstillstand zu halten und zurückzustellen, was sonst zu ent- zweien vermag, wie das auch in anderen Parlamenten zu ähnlichen Zeiten geschah.(Zustimmung.) Auf die inncrpolitische Lage übergehend, legte der Minister sein Arbeitsprogramm dar. Das engere für die Zeit vor Ostern umfaßt die baldige Erledigung des Relrutenkontin- gents, einer Vorlage, die als staatliche Selbstverständlichkeit be- zeichnet Werden muß. Eine weitere, befristete Angelegenheit sind die Eisenbahnverstaatlichungsvorlagen. Das weitere Programm umfaßt eine ganze Anzahl Gesetzentwürfe von allgemeinem Interesse, insbesondere das Annexionsgesetz. die Sprachen Vorlage und die italienische Rechts- f a k u l t ä t. Am Schlüsse seiner Rede wurde dcr Ministerpräsident lebhaft beglückwünscht. Der Antrag des Abgeordneten Aemce(Soz.), über die Regierungserklärung die Debatte zu eröffnen, wurde abgelehnt. Die nächste Sitzung findet morgen statt. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung der Rekcutenvorlage, im Ein- laus befinden sich vier D r i n g l i ch k c i t s a n t r ä g c. Italien. Die Wahlen. Rom, 10. März. AuS sämtlichen 508 Wahlbezirken liegen jetzt Nachrichten vor. Es sind 209 Ministerielle wiedergewählt, 57 neu- gewählt; Konstitutionelle Opposition 42 wiedergewählt, 2 ncugewählt; Radikale 24 wiedergeivnhlt, 12 neugewählt; Republikaner 12 wieder- gewählt, 5 neugewählt; Sozialisten 18 wiedergewählt, 12 neugewählt; Katholiken 5 wiedergewählt. 11 neugewählt. Es finden 72 Stichwahlen statt. In 13 Wahlbezirken wird das Ergebnis der Wahlen von dcr Wahlprüfmigskommission dcr Kammer entschieden werden; aus vier Wahtbczirken stehen die endgültigen Wahlresultate noch aus. An den Stichwahlen find 144 Kandidaten beteiligt, davon 63 Ministerielle. 8 konstitionelle Opposiiion, 25 Radikale, 28 Sozialisten. 5 Katholiken. 3 Republikaner. 2 Christlichsoziale. Snglanä. Die Heeresvorlage. London, 9. März. DaS Unterhaus nahm nach zweitägiger Debatte, in deren Verlauf über verschiedene strategische Fragen vcr- handelt worden war, den E f f e k l i v b e st a n d der Armee gemäß den von der Regierung im Budget vorgesehenen Aufstellungen an. Ein Antrag der Radikalen, die Heeresstärke um zehntausend Mann herabzusetzen, wurde mit 247 gegen 100 Stimmen abgelehnt. l�uklancl. Eine echtrussische Debatte. Petersburg, 10. März. Die R e i ch s d u m a setzte heute die De- batte über den Etat des MinisieriuinS des Innern fort. Im Verlaufe der Diskussion sprach Deputierter Marko(extrem rechts) die Meinung aus, daß es notwendig sei, die Beamten des Ministeriums an ihre heiligste Pflicht zu erinnern. die Autokratie zu schützen. Von den Beamten werde härifig behauptet, in Rußland bestehe keine Autokratie, sondern eine Verfassung. Derartige Beamte gebe eS hauptsächlich in Petersburg, die Schuld hieran falle auf den Gouverneur des Petersburger Gouvernemeni». In den Ausführungen einiger Vorredner seien M a j e st ä t S- beleidigungen enthalten gewesen, er spreche seine Verwunderung und das Bedauem darüber aus, daß solche Verbrechen im Dnmasaal zugelassen würden. Diese Worte riefen stürmischen Beifall auf der rechten Seite des Hauses, lärmende Zwischenrufe und Zischen links und im Zentrum hervor. Nachdem Ruhe eingetreten ivar, erklärte Präsident C h o m i a k o tv, daß. solange das jetzige Präsidium im Amte sei, eine Majestätsbeleidigung niemals zu- gelassen werden würde. Einer solchen habe sich jedoch Markow in seiner Rede schuldig gemacht.(Andaucrnoer Beifall im Zentrum und links.) Daraushin reichte die extreme Rechte folgende Erklärung ein: Die Fraktion der extremen Rechten hat, da sie es für unzulässig erachtet, daß auf einem Dumaabgeordneten die Be- schuldigung der Majestätsbelcidigung lastet, beschlossen, den Justiz- minister von dem Geschehenen in Kenntnis zu setzen. damit vor Gericht festgestellt werde, ob Markow eine Majestätsbeleidigung begangen hat. wie der Präsident behauptet, oder nicht, wie die Fraktion annimmt. Die Jnterpellationökommission beschloß, eine Interpellation über die langjährigen sanitären Miß- stände in Petersburg einzubringen. Der Bericht der Kom- Mission wirft der Stadtverwaltung vollständige Un- täti gleit auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege vor. Gapon. Paris, 10. März. Der„ M a t i n" veröffentlicht ein Schreiben des russischen Revolutionärs Rutenberg, worin dieser behauptet. daß er eS gewesen sei. dem seiner Zeit vom ZentralauSschuß dcr Revolutionäre der Austrag erteilt worden sei, die Hinrichtung deS Popen Gapon durchzuführen. "Zugenäde�egung. „Arbciter-Jugcnd". AuS dem Inhalt der soeben erschienenett Nr. 4 heben wir hervor: Utopisten. Von Hermann Duncker.— DaS Erdbeben von Messina im Lichte der christlichen Weltanschauung- Das Jugendheim. Von Max Frankenthal.— Der junge Goethe(mit Bild).— Der Generalmajor und die Arbeiterjugend. — Aus der deutschen Jugendbewegung(Kiel, Königsberg).— Politik, Gewerkschaftsbewegung, Kriegsschauplatz usw.—Beilage: Junger Glaube. Gedicht von H. Thurow.—„Das sind die Arbeitsmänner." Von Ernst Almsloh.— Der KönigSleutnant. Von Goethe.— Sprüche, Wissen und Leben usw.— Prometheus. Von Goethe. Eue der Partei. Parteiliteratur. Die„Märzzcitung" ist soeben im Verlag der B u ch h a n d- lung Vorwärts erschienen. Sie geht diesmal über den Rahmen eines Gedenkblattes des VölkerfrühlingS hinaus, sie feiert nicht nur die Freiheitskämpfe vergangener Tage, sie führt bis in die lebende Gegenwart hinein. H. S t r ö b e l schreibt über die Wahlrechtskämpfe unserer Tage und auch der Artikel F. Mehrings„Der Druck von Außen", der die Massenkundgebungen des Proletariats in den Revolutionen des 17.. 18. und 19. Jahrhunderts schildert, geht auS von Erscheinungen der Gegenwart und zieht seine Folgerungen für die Zukunft. An die Frauen wendet sich der Beitrag Berta SelingerS„In d e n K a m p f, P r o l e t ar i e r i n n e n", an die Jugend der Artikel:„Wohlauf, ihr jungen Herzen" von HanS Block. Paul U m b r e i t schreibt„Von den Gelben". Andere Artikel, Gedichte. Glossen und Epigrainme ver- vollständigen den Inhalt des 16 Seiten starken HcfteZ. Das Blatt trägt reichen und trefflichen Bilderschmuck. Das Titelblatt zeigt die Abbildung einer der gewaltigsten Skulpturen des großen Belgiers Konstantin Meunier. Ihm war dcr stolze Trotz des klassenbetvltßten Arbeiters, der den Kampf mit einer Welt von Feinden aufgenommen hat, die größte Offenbarung und die höchste künstlerische Eingebung. Diesen stolzen Trotz gestaltete er in den ehernen Züge» deS Bergarbeiters, den das Titelbild zeigt. Der Schweizer Steinlen. dessen anklagende Schilderungen proletarischen Lebens mit zu dem WirkmigSvollsten gehören, was der Zeichenstift darüber zu sagen vermag, ist mit dm Zeichnungen „Revolution".„Das gelbe Aufgebot" und„Man n kommt unser Tag?" vertreten. Verherrlichend zeigt er die anspornende Kraft deS WeibeS; in ihr sieht er da» Feuer dcr Revolution verkörpert. Unerbittlich grausam ist er in seinem Hohn gegen unsere Gegner. Er weiß, daß sie im Interesse deS Fort- bestandeS ihrer Herrschaft jeden Augenblick bereit sind, sich mit dcr gemeinsten Niedertracht zu verbrüdern. Mitten im Kampf leuchtet ihm aber auch die Zukunft: klar sieht er in seiner Phantasie den kommenden Tag einer befreiten Menschheit aufdänimern. Daß dieser kommen wird, ift ihm kein Zweifel und in der Frage nach dem Wann lebt sciu stolzer Glaube an diese, an unsere Zukunft. VolkS- wcgen Be- �ergarbeiterkoS nennt misia italienische Genosse <5 o r 1 1 n i die ergreifende plastische Gruppe, deren Abbildung die Nummer enthält. ein bei der Arbeit gefallener Bergmann, den die Seinen forttragen. Ein grogeS wuchtiges Mittclbild von Legro S symbolisiert den opferreichen Leidensweg der Freiheit. Vier Zeich- nungcn D a u in i e r s, deS genialen französischen Karikaturisten zeigen, wie lebendig die Schöpfungen seines Stils noch nach Jahr zehnten sind. Das Heft kostet 20 Pf. poUzeUtcbes, Ocrichtiicbca ulw. Unbefangene Richter. Genosse Brenner vom Braun schweizer freund" wurde vom Schöffengericht Brannschweig. leidigung zweier Strastburger Rcichsverbändler zu 40 M. Geld strafe verurteilt. Bereits im Januar fand ein Termin in dieser Sache statt: damals lehnte Genosse Brenner die Nichter als b e- fangen ab, weil sie Mitglieder des Reichsverbandes sind. Die Zugehörigkeit zum Verbände konnte nicht in Abrede ge stellt werden, allein das Landgericht, und auf weiter geführte Be� schwerde auch das Oberlandesgericht erklärten, dag daraus keine Befangenheit des Richters und der Schöffen hergeleitet werden könne. Der Reichsverband wird in der Begründung des ablehnenden Bescheides als ein Berein bezeichnet, der nicht mit anderen Vereinen zu vergleichen sei, weil er weit lockerer gefügt sei als diese. Damit vergleiche man die Ansicht der deutschen Gerichte, wenn ein sozialdemokratischer Redakteur von einem Reichsverbändler wegen des ganz allgemein gehaltenen Wortes.Reichslügenverband" ge- richtlich belangt wird.— In solchen Fällen stellen sich die höheren Gerichte regelmäßig auf den Standpunkt, daß der ReildSverband ein festgeschlossener Verein sei. dessen Mitglieder sich alle durch eine be- leidigende Bezeichnung deS Verbandes beleidigt fühlen und klagen könnten. DaS Schöffengericht billigte übrigens unserem Genoffen Brenner den Schutz des§ ISS in vollem Umfange zu und erkannte nur wegen formaler Beleidigung auf die Geldstrafe. Seilverkfckaftlicbsq. Ein berühmter Streikbrecheragent als Kautionsschwindler. Ein.Bureau zur Beschaffung von Arbeitswilligen" er- öffnete seinerzeit der Bauunternehmer Otto Genske in Berlin. Er verpflichtete sich, besonders, bei Bauarbciterstreiks Arbeitswillige zu liefern. Aber das Geschäft ging schlecht, herzlich schlecht. Er nahm im Januar vorigen Jahres nur 1 M., im Februar 15 M. ein. erst im Mai brachte er es auf 400 M. Auf eine Schuftigkeit mehr oder weniger kam es nun dem smarten Geschäftsmann Genske nicht an und da er es ein- mal auf die Schädigung der Arbeiter abgesehen hatte, so prellte er jetzt seine Angestellten. Er schwindelte ihnen vor. sein Geschäft ginge ausgezeichnet, sicherte ihnen 130 Mark monatliches Gehalt vor und brachte sie dadurch dahin, daß sie ihm eine Kaution stellten. Er versprach, diese auf einer Bank zu hinterlegen, tat das aber nicht. In fünfzehn Fällen er- schwindelte er so durchschnittlich je 600 M. Vom Landgericht Berlin I bekam er dafür ein Jahr Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. Das Reichsgericht bestätigte das Urteil. Uns kamen die Verträge, die Herr Genske mit seinen Angestellten schloß, schon von Beginn an sehr merkwürdig vor. Durch Inserate aufmerksam gemachte Stellungsuchende, die dieserhalb bei uns vorsprachen, haben wir auch un- umwunden unsere Meinung darüber gesagt. Vor der Oeffent- lichkeit kann man das leider nicht so deutlich, daß Leute a la GenSke hinreichend genug gekennzeichnet sind, um ihnen das Handwerk zu legen. Wenn noch niemand bei ihm hineingefallen ist, erzielt ein gewiegter Be- trüger gegen wohlmeinende Warner sehr leicht eine Verurteilung wegen Beleidigung und spielt dann den Entrüsteten über ihm zugefügte„Verleumdungen". Und im Falle Genske hätte natürlich die Scharfmacherpresse dem „Vorwärts" gegenüber mit Wonne in dasselbe Horn geblasen. Ob sie sich ihres Schützlings ans der Zeit des Berliner Maurer- streiks erinnern wird und ob sie ehrlich genug sein wird, ihren Lesern auch seinen Fall mitzuteilen? Lerlln und Umgegend« p,i Lohnbewegung der BauanschlSger. Als die Arbeitgeber den Tarif der Bauanschläger kündigten, da hieß«S, sie wollten die Lohnsätze des alten Tarifs nicht herab- setzen, sondern nur regulieren. Wie sich die Arbeitgeber die Regu- lierung des Tarifs denken, oas haben sie nunmehr bekundet. Kürz- lich fanden Verhandlungen von Vertretern beider Teile statt und da legten die Arbeitgeber einen Tarifentwurf vor, der für eine große Reihe der zahlreichen Akkordpositionen bedeutende Herabsetzungen bringt. 20, 26, 33, ja 40 Prozent sollen nach dem Willen der Arbeit- geber auf viele Positionen abgezogen werden. Nur eine einzige Position wollen die Arbeitgeber erhöhen, nämlich den Stundenlohn. Er soll von 65 auf 70 Pf. erhöht tverden. Dies„Zugeständnis" können sich die Arbeitgeber jedoch ohne Schaden leisten, denn die Bauanschläger arbeiten so gut wie ausschließlich im Akkord— Lohnarbeit kommt fast niemals vor. Ein Teil der alten Sätze des Tarifs ist unverändert geblieben. Die Vorlage der Unternehmer wurde durch die Kommission der Arbeiter einer am Dienstag ab- gehaltenen Versammlung der Bauanschläger vorgelegt. Handke vom Deutschen Metallarbeiterverband gab eine Darstellung der Verhandlungen und überließ eS der Versammlung, sich darüber zu entscheiden, ob sie dem Tarif der Unternehmer zustünmen oder ihn ablehnen wolle. Unter den zahlreichen Diskussionsrednern herrschte nur eine Meinung darüber, daß die Tarifvorlagc unannehmbar sei. Ja selbst die zugestandene Erhöhung des Stundenlohns sei in Wirk- lichkeit keine Erhöhung, denn schon bisher habe sich wohl kein An- schläger in den seltenen Fällen der Lohnarbeit mit 65 Pf. pro Stunde begnügt. Alle Redner traten für strikte Ablehnung der Tarifvorlage ein. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung der Bauanschläger Berlins und der Um- gegend nimmt Kenntnis von dem Vorhaben der Arbeitgeber, welches darauf gerichtet ist, die bisherigen Akkordpreise zu redu- zieren. Da aber die Preise für die einzelnen Arbeiten schon im Jahre 1005 bei Abschließung des gegenwärtigen Tarifs in mini- malet Weise festgesetzt wurden, so kann die Versammlung einer Verschlechterung der Akkordpreise nicht zustimmen. Deshalb er- teilt die Versammlung der Kommission die Vollmacht, den Arbeit- gebern diese Auffassung der Anschläger mitzuteilen. Ferner wird die Kommission beauftragt, die Verhandlungen mit den Arbeit- gebern in der Weise zu pflegen, daß eine Verbesserung des Tarifs zustande kommt."_ Achtung» Herren- und Knabenkonfektionsschneider und Schneiderinnen! Martin u. Flatow, KurstraßeSO, haben die Ver- Mittelung von Streikarbeit für die Firma Rosenblatt. Gotha, über- nommcn. Als Rausreißer haben sich die Zwischenmeistcr Elias, Elisabethstr. 61, Lowien, StrauSberger Straße 15, Heymenk. Hoch- mcifterstr. 17. und Spitz, Hirtenstc. 2l. zur Verfügung gestellt. In Gotha streiken die Konfektionsschneider, weil sie sich mit den niedrigen Löhnen von 13. 17 und IS Pf. pro Stunde nicht mehr zufriedengeben ivollen. Angesichts solcher Löhne ist eine Lohw orderung gewiß berechtigt. Die Berliner Konfektionäre weisen den Berliner Arbeitern gegenüber stets auf die Konkurrenz der Provinz hin. Stellen die Arbeiter in der Provinz Forderungen, so übernehmen fie Streik- arbeit und züchten so die Konkurrenz im Lande draußen. Vom Verband der Schneider sind die Zwischcnmeister darauf aufmerksam gemacht, daß ihnen Streikarbeit in Auftrag gegeben ist. Mit Ausnahme von Spitz, Hirtenstr. 2l, haben alle die weitere An- fertiglllig von Streikarbeit abgelehnt. Spitz hingegen ist auf seine Tätigkeit im Interesse des Unternehmers stolz. Er würde aber auch bereit sein, die Arbeit zu verweigern, wem, ihm der Verband der Schneider für zweieinhalb Wochen den Betrag von 150 M. bezahlen würde. Das ist, so erllärt er. der Lohnaiisfall, der ihn in dieser Zeit bei Verweigerung der Streik arbeit treffen würde. Armer Zwischenmeister! Die Gothaer Schneider verlangen für die hier in Betracht kommende Arbeit 1,35 M.. wogegen die Firma Martin u. Flatow an einen Arbeiter 1.20 M., an den anderen 1.40 M. zahlt. Es ent- spricht den Charaktereigenschaften dieser Leute, sich beim Anfertigen von Streikarbeit selbst noch zu miterbleten. Das von Spitz an den Verband gestellte Ansinnen, ihm den Lohn für die Slreikarbeit aus der Verbandskasse zu zahlen, ist ein Streich, den in ähnlicher Lage einige andere Zwischenmeister vor drei Jahren verübl haben. Damals �handelte es sich um Elberselder Streikarbeit und wurde dieselbe vom Verband der Schneider aufgekauft. In einer Versammlung der Berliner Herren- und Knaben konfeltions-Zwischenmeister konnten wir uns davon überzeugen, daß die für die Uebeniahme von Streikarbeit in Betracht kommenden Zwischcnmeister sich hier als Mitglieder des Vereins aufspielten. Ob dieser Verein dem gelben Arbeiterbund angeschlossen ist, wissen wir nicht. An den bei Zwischenmeistern beschäftigten Arbeitern wird eS liegen, ob von dieser Seite der Unfug und die Schädigung der Arbeitersache weiter betrieben wird. Alle Konfektionsschneider werden ersucht, Streikarbeit zurückzuweisen und die Organisation in Kenntnis zu setzen. Verband der Schneider und Schneiderinnen, Filiale Berlin I. Die Ortsverwaltung: Michael-Kirchplatz 1, part. Berlängerung des Tarifvertrages der Steinmetzen. Die Filiale I des Stcinarbeitervcrbandes hielt am Dienstag in der„Lebensquelle" eine zahlreich besuchte außerordentliche Mit- gliederversammlung ab. in der als erster Punkt der Bericht über die Tarifverhandlungen mit den Unter- n e h m e r n aus der Tagesordnung stand. Der Tarifvertrag der Steinmetzen ist, nachdem er von den Unternehmern gekündigt wurde, am 1. März abgelaufen. Inzwischen hat. wie der Vorsitzende W i n k l e r berichtete, eine Sitzung mit den Unternehmern statt- gefunden, an der von Arbeiterseite der Gesellenausschuh sowie die Vertreter der Ortsverwaltung teilnahmen. Zu eigentlichen Ver- Handlungen ist eS dabei jedoch nicht gekommen. Die Unternehmer erklärten, daß sowohl die Innung wie der Verband der Steinmetz- geschäfte ihrerseits beschlossen hätten, den Tarifvertrag unverändert auf ein Jahr und einen Monat, also bis zum 31. März 1910, zu verlängern. Die Vertreter der Arbeitnehmer hielten es nicht für zweckmäßig, dieses Angebot abzulehnen. Der Redner empfahl nun im Namen der Ortsverwaltung und des Gesellenausschusses der Versammlung» der Verlängerung des Tarifvertrages ebenfalls zuzustimmen. Es sei ja klar, daß die Unternehmer ihr Angebot nicht etwa machten, um den Ablauf des Tarifs auf eine für die Arbeiter günstige« Zeit zu verlegen, und es sei ja hinreichend be- kannt, was das gesamte Unternehmertum zum 1. April!S10 plane, aber das könne kein Grund sein, den Vorschlag abzulehnen. Es komme eben nur darauf an, in der Zwischenzeit so zu agitieren und zu organisieren, daß die Steinmetzen wie die gesamte Arbeiter- schaft zu jenem Zeitpunkte stark gewappnet dastehe.— Die Versammlung erklärte sich mit der vorgeschlagenen Verlängerung des Tarifvertrages gegen wenige Stimmen einverstanden. Hierauf beschäftigte die Versammlung sich mit einem Antrag der Ortsverwaltung und der Platzvertretersitzung auf'Zahlung einer einmaligen Notst an ds Unterstützung an die von der Ar- beitölosigkeit am schlversten betroffenen Mitglieder. Demgemäß wurde beschlossen, daß alle, die über 4 Wochen arbeitslos sind und mindestens 1 Jahr dem Verbände angehören, welche Bedingung jedoch nicht für diejenigen gilt, die erst aus der Lehre getreten sind, die Unterstützung erhalten sollen, und zwar bei über 4 Wochen Arbeitslosigkeit 4 M., bei über 8 Wochen 8 M. und bei über zwölf Wochen 12 M., wozu noch ein Zuschlag von 50 Pf. für jedes Kind unter 14 Fahren kommt. Kranke und von der Krankenkasse auS- gesteuerte Mitglieder erhalten 12 Mk. Ferner soll an durchreisende, vom Verband ausgesteuerte Mitglieder ein Ortsgeschenk in der Höhe der Reiseunterstützung gezahlt werden. Die Unkosten dieser Notstandsunterstützungen sollen, soweit möglich, durch eine Extra- steuer von 2 M. gedeckt werden, die in 4 Raten zu zahlen ist, und zwar bis zum 1. Oktober dieses JahreS. Da gegenwärtig die Steinmetzen, die überhaupt noch Arbeit haben, meist mit einem sehr verringerten Einkommen rechnen müssen, hat man die Er- Hebung der Extrasteuer so lange hinausgeschoben. Achtung, Dachdecker Berlins und Umgegend l Wegen Nichtinne- Haltung des Tarifvertrages ist die Firma Louis Herrmann, Prinzen- Allee 73, bis auf weiteres für jeden Dachdecker gesperrt. Herr Herrmann bietet den Dachdeckern einen Stundenlohn von 75 Pf., während der tariflich festgesetzte Stundenlohn 82'/, Pf. beträgt. Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. Deutfcbe» Reich. Di« Former«nd Gießereiarbeiter der Firma Bobzin in Ueckermünde sind in den Ausstand getreten, um eine Lohn- reduktion abzuwehren.— Vor Zuzug wird gewarnt. Der Kampf der EulengebirgSweber. Treu und mit froher Zuversicht stehen die um ihre Existenz ringenden Weber und Weberinnen der„Vereinigten Buntwebereien vormals B. Neugebauer Söhne und Karl Postpiscksil", im Kampfe. Der bestreikten Firma ist es bis zur Stunde noch nicht gelungen, auch nur einen einzigen der Streikenden wankend zu machen. Durch die am 22. Februar erfolgte Kündigung der Hilfsarbeiter hat sich die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten auf 500 Personen erhöht. Die bisher gepflogenen Verhandlungen sind zum Stillstand ge- kommen. Die noch im Betrieb befindlichen Webereiaufscher ver- suchten am 3. März die Firma auf Grund des alten LobntarifS zur Verhandlung zu bewegen. Die Vertreter der Firma sagten zu. nur verlangten sie, daß von feiten der Arbeiter geeignete Vorschläge gemacht werden sollten. Der Streikleitung gelang es mit schwerer Mühe, die Weber dahin zu bringen, daß der Beschluß gefaßt wurde, in eine Lohnreduktion von 10 Pf. pro Stück zu willigen. Da nun drei bis vier Stücke pro Woche gewebt werden können, so hätte die Lohnreduktion immer noch pro Woche bis zu 40 Pf. betragen. Für d,e Firma wäre die erkleckliche Summe von über 6000 M. pro Jahr als Extraprofit herausgeschlagen worden. Das Anerbieten der Arbeiter wurde von feiten der Firma jedoch zurückgewiesen. Auf Grund des alten Lohntarifs werde überhaupt nicht verhandelt. Auch auf Grund des neuen Lohntariss könnten weitere Zuqeständ» niffe nicht gemacht werden. Es soll bei der horrenden Lossnreduk- tion von über 3 M. pro Woche bleiben! Der Versuch der Weberei- aufsehet, den Frieoen herbeizuführen, war also an der Hartnäckig. keit der Herren gescheitert. Am Sonnabend, den 6. März, ver- suchte die Firma eine neue Maßnahme. Drei Aufseher, der Blatt- stechet, sotvie ein Warenbeschaucr und der Expedient, also sechs Personen mit zusammen 23 Kindern, erhielten die Kündigung, weil deren Frauen nicht als Streikbrecher in die Fabrik kamen. Aber zur Ehre der übrigen Webereiaufseher sei es gesagt, das Solidari- tätsgefühl bewirkte auch hier Wunder. Aus de» einmütigen Protest derselben und die Ankündigung hin. daß einer für all« und alle für einen ständen, wurde die Kündigung wieder zurückgenommen. Einer der gekündigien Aufseher begrub am Kündigungskag« seine Frau. Er erhielt die Kündigung durch den Briefträger an der Totenbahre zugestellt. Des weiteren sollten die Arbeiter der Firma Erxleben in Weigelsdorf Streikarbeit machen. Mit seltener Ein- mütigkeit erklärten diese sich dagegen. Nach wie vor steht also die Situation günstig. Ausland. Für die Arbeitslosen in Dänemark. Der im Dezember vorigen Jahres zur Beratung des sozial- demokratischen Gesetzentwurfs über außerordentliche Maßnahmen zur Linderung der Not der Arbeitslosen eingesetzte Folkethings- ausschuß hat nun endlich sein Gutachten abgegeben. Die Vertreter aller Parteien sind sich darüber einig, daß zurzeit eine außerordent- lich große Arbeitslosigkeit herrscht, und erkennen auch die be- deutende und tüchtige Arbeit an, die die Gewerkschaften mit ihrer Arbeitslosen statt st ik geleistet haben, wün- scheu jedoch, daß in Zukunft der Staat solche Erhc- bungen veranstaltet. Auch darüber ist der Ausschuß sich einig, daß außerordentliche Maßnahmen nötig sind, um den Folgen der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, und daß den Ar- beitslosenkassen außerordentliche Zuschüsse ge- währt werden müßten, damit sie, ohne ihren Mitgliedern allzu schloere Lasten aufzuerlegen, ihren Verpflichtungen nachkommen und überdies auch die ausgesteuerten Mitglieder unterstützen können. Hinsichtlich der praktischen Vorschläge hat der Ausschutz sich in eine Mehrheit und zwei Minderheiten geteilt. Die Mehrheit will den Kommunen für das laufende und das folgende Budgetjahr das Recht erteilt wissen, außerordentliche Zuschüsse zu den Arbeits- losenkassen zu geben, jedoch ohne Vergütung aus der Staatskasse. Dagegen wünscht die Mehrheit, daß zu den kommunalen Hilfskassen neben dem ordentlichen Staatsbeitrag von 250 000 Kronen ein außerordentlicher Zuschuß von 50 000 Kronen bewilligt werde. Ferner soll der Stadt Kopenhagen von den zur Linderung der Not dem llnterstützungsverein überwiesenen 340 000 Kronen ein Drittel au? Staatsmitteln ersetzt werden, und außerdem will man der Hauptstadt das Recht zugestehen, die Einkommensteuer von den gesetzlich festgelegten 2Vi auf 2% Proz. zu erhöhen, doch nur für ein Jahr. �— Die sozialdemokratische Minderheit des Ausschusses hält demgegenüber an dem von ihrer Frok- tion eingereichten Gesetzentwurf fest, wonach die Kommunen das Recht haben sollen, sowohl zu den Arbeitslosen- wie zu den Hilfs- lassen Zuschüsse zu geben, die über das dauernd festgelegte Maß hinausgehen und diese Zuschüsse aus der Staatskasse zur Hälfte und bis zu einer.Höchstsumme von 50 Ocre pro Einwohner ersetzt erhalten sollen. Die Hilfe, die auf Grund dieses Notgesetzes ge- leistet wird, soll selbstverständlich nicht als Armenunterstützung gelten. Unsere Genossen haben ihrem Vorschlage eine ausführ- liche Begründung beigegeben, aus der hervorgeht, daß die Zahl der arbeitslosen Gewerkschaftsmitglieder, die im November vorigen Jahres 13 042 betrug, am 23. Januar bereits auf 20 445 oder 2b Proz. der Gesamtzahl der organisierten Arbeiterschaft gestiegen war. Inzwischen sind noch mindestens 5000 Arbeitslose Hinzuge- kommen. Außerdem muß noch damit gerechnet werden, daß rund 15 000 Leute erwerbslos sind, die keiner gewerkschaftlichen Organi» sation angehören. � Daß die Ueberzeugung von der Notwendigkeit außerordentlicher Hilfe auch bei den reaktionärsten Parteien Eingang gefunden hat. dafür zeugt ein besonderer Vorschlag des konservativen Ausschuß- Mitgliedes Birck, der verlangt, daß den Gewerkschaften, die selbst außerordentliche Mittel zur Unterstützung ihrer Arbeitslosen aus- weisen, auck außerordentlicher Staats, und Gemeindezuschuß in derselbe» Höhe zuteil werde, und daß aus der Staatskasse 150 000 Kronen dafür zur Verfügung gestellt werden, und serner, daß zehn Millionen Kronen Staatsgelder zur Förderung der öffentlichen Arbeiten im Interesse der Arbeitslosen bewilligt werden sollen. Letzte fteefmebten und Depefeben« Der russische Ratschlag und die serbische Antwort. Wien» 10. März. Die..freundschaftlichen«or. stellunge n", welche die russische Regierung am 2. d. M. ,n Belgrad erhob, lauteten: Wir konstatieren mit Befriedigung, daß die Königliche Regierung bei ihrem Beschlutz verharrt, ihre fried- liebende Haltung nicht aufzugeben, daß sie alles vermeidet, was einen bewaffneten Konflikt zwischen Serbien und Oesterreich her- beiführen könnte und daß sie keine militärischen Maßnahmen an der Grenze treffen wird. Wir sind überzeugt, daß die Lebens- interessen Serbiens, Serbien imperativ diese Richtung einer Haltung diktiere, welche einzig und allein den allgemeinen heutigen Be- dürfnissen entspricht. Wir konnten uns außerdem überzeugen, daß die Mächte nicht disponiert sind, der Idee der territorialen Forderungen zugunsten Serbiens ihre Unterstützung zu leihen. Die serbische Regierung sollte daraus den Schluß zichen. daß alle ihre Bemühungen, die Mächte zur Unterstützung der Prätensionen m diesem Sinne zu bestimmen, ohne Resultat bleiben werden und daß sie sich die Sympathien der Stächt e nur so bewahren kann, wenn sie von den territorialen Forderungen absteht, welche sie zu einem bewaffneten Konflikt mit Oesterreich-Ungarn führen könnte. Uns liegt es am Herzen, die Königliche Regierung vor jeder solchen Haltung zu bewahren, welche sie einer solchen Gefahr aussetzen könnte. Wir hoffen, daß Serbien, wie es schon erklärte, seinen Versprechungen, den Ratschlägen der Großmächte zu folgen, treu bleiben wird. Wir halten gleichzeitig dafür, daß die serbische Re- gierung unter den gegebenen Verhältnissen den Großmächten osfm erklären wird, daß sie bei ihren territorialen Forderungen nicht verbleibt, und daß sie alles, ivas sich auf die Lösung der offenen Fragen bezieht, dem Beschluft der Grostmiichte überläßt. Dann werden die Mächte alle ihre Mühen zugunsten der serbischen Intel- essen verwenden können. � Tie Antwort der serbischen Regierung an dte Signatarmachte der Ansicht ausgehend, daß die rechtliche Lage Serbiens gegenüber Oesterreich- Ungarn nach der Proklamation der Annexion Bosniens und der Herzegowina normal geblieben, st. l?at Serbien weder die Absicht, einen Krieg mit der benachbarten Monarchie zu provozieren, noch wünscht es seine� rechtlichen Be- ziehungen zu derselben zu ändern, indem es fortfährt auf Grund der Gegenseitigkeit feine nachbarlichen Pflichten zu erfüllen und mit ihr die in der Vergangenheit gehabten Beziehungen zu unter» halten, welche den gegenseitigen materiellen Interessen entspringen. Fm Geiste des Standpunktes, welchem sich Serbien stets unter- geordnet hat. daß die bosnisch-herzegowinische Frage eine enro- päische Frage ist, und daß es den Signatarmachten des Berliner Vertrages zukommt, sotvohl bezüglich der Annexion als auch be- züglich der neuen Redaktion des Artikels 25 des Berliner Vertrages die Entscheidung zu fällen, übergibt Serbien, auf die Weisheit und die Gerechtigkeit der Mächte vertrauend, seine Sache ohne Re- serve ihnen als den kompetenten Richtern und verlangt be, diesem Anlaß von Oesterreich-Ungarn keine Entschädigungen weder Um- toriale noch politische noch ökonomische. Schneestürme und Ueberschwemmung. Bukarest, 10. März.(B. H.) Seit zwei Tagen wüten surcht- bare Schneestürme in ganz Rumänien, der Verkehr ist verschledent- lich völlig unterbrochen» daS Geschäftsleben stockt, zahlreiche Unfälle sind zu verzeichnen. In der Moldau sind große Ueberschwemmungeu eingetreten, zahlreiche Eisenbahnlinien find unterbrochen» die Stadt Brrlad steht unter Wasser. Der amerikanische Zolltarif. Washington» 10. März.(W. T. B.) Die neue Tarifvorlage sieht Maximal- und Minimalzölle vor. Die letzteren sind, wie ver- lautet, durchschnittlich um zwanzig Prozent niedriger«lS die _______ Maximalzölle._ verantw. Redakteur: Hans Weber» Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagöanstaÜ Paul Singer&. Co„ Berlin SW. Hierzu 3 Beilage««.Uaterhaltuagöbl, St. 59. 26. IahtMg. I KcilM Ks.MM»" Kerlim Ncksdl«�»» Hbgcordmtenbaue. 50, Sitzung, Mittwoch, den 10. März 1909, vormittags 11 Uhr. Äm Mnistertisch: Freiherr v. N h e i n 5 a 5 e n. Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Bericht der Geschäfts- ordnungskommisston betreffend die Ermächtigung zur strafgerichtlichen Verfolgung eines Redakteurs wegen Beleidigung des Abgeordneten» Hauses. Es handelt fich um einen Artikel in der„Görlitzer Volkszeiwng", in dem das Abgeordnetenhaus mit Rücksicht auf die Verhandlungen über die Wahlrechtsreform mit einer Schafherde verglichen wird. Das Haus beschließt gemäß dem Antrage der Kommission devattelos, die Ermächtigung zur strafgerichtlichen Verfolgung zu versagen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Erweiterung des Stadlkreises Linden. Abg. Leinert(Soz.) kritisiert einzelne Bestimmungen der Eingemeindungsberträge: In- folge der hannoverschen Städteordnung, die ein Hohn auf iede Vernunft ist. verlieren eine ganze Reihe von Einwohnern der Ort- schaften, welche eingemeindet werden sollen, ihr Wahlrecht und müssen es sich erst kaufe n. Ich möchte daher an die Regierung die Anfrage richten, wann die zu erwartende neue Städteordnung für Hannover kommt. Ferner sind in den Verträgen ganz unangebrachte Bevor- zugungen der Grundbesitzer in bezug auf die Steuern vorgesehen. Die Werlzuwachssteuer soll erst in sechs Jahren in Kraft treten, während doch gerade jetzt sehr große Wertsteigerungen des Grund und Bodens zu erwarten sind. Das ist eine ungerechte Bevor- zugung der jetzigen Grundbesitzer.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Nach weiterer kurzer Debatte geht die Vorlage an die verstärkte Gemeindekommission. Hierauf wird die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Heranziehung der Beamten zur Gemeinde- einkommensteuer fortgesetzt. Abg. Biereck(frk.) begründet die Einfügung eines neuen§ 1s. wonach in den Gemeinden, in denen neben der Gemeindeeinkommen- fteuer Schulbeiträge für öffentliche Volksschulen(SchulsozietätS- beiträge) erhoben werden, es bis zur Einführung des Volksschul- unterhaltungsgesetzeS bei den alten Vorschriften verbleiben soll. Jedenfalls solle aber die Summe der vom dienstlichen Einkommen zu entrichtenden Gemeindeeinkommen- und Schulbeiträge von 125 Proz. der Staatseinkommensteuer nicht übersteigen. Ein Regierungskommissar wendet sich auS formellen und materiellen Gründen gegen den Antrag. Abg. Dr. v. KrieS(k.) hält den Antrag aus finanziellen Gründen für nicht durchführbar und empfiehlt eine Resolution, wonach eine Mehrbelastung der Beamten in den Landesteilen, in denen noch Sozielätsschulen bestehen, baldigst beseitigt werden soll. Abg. Dr. Heisig(Z.) wendet sich gegen den Antrag Vierecks Abg. Lusensky(natl.) erkennt die Tendenz des Antrages Viereck als berechtigt an. Abg. Frhr. v. Zedlitz(ftk.) hält die Gründe, die gegen den Antrag geltend gemacht worden sind, für nicht durchschlagend. Abg. v. J-zdzrwsk(Pole) erklärt sich gegen den Antrag. Damit schließt die Besprechung. In der Abstimmung wird der Antrag Viereck abgelehnt, die Resolution v. Kries an- genommen. § 2 bestimmt, daß daS Kommunalstcuerprivileg nur für die Beamten wegfallen soll, die nach dem 31. März 1S0S ein getreten sind Abg. Rcinbacher(frf. Vp.) befürwortet einen Antrag, der diese Beschränkung beseitigen und nur den Militärpersonen daS Privileg belassen will. Dieser Anttag wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird debattelos erledigt. Es folgt die erste Beratung der Novelle zum Stempel» st e u e r g e s e tz. Abg. Dr. v. KrieS(k.): Das Gesetz ist von dem Abgeordneten Hause in einer Resolution gewünscht worden und bildet den Schluß� stein der Beamtcnbesolduugsreform. Die Einzelheiten werden in der Kommission zu prüfen sein. Durch die Erhöhung der Jagdschein- abgaben werden namentlich die kleinen Leute betroffen werden. Vielleicht kann man diese Abgabe für reiche Leute, die lediglich zu Sportzwecken jagen, höher ben, essen. Redner beantragt Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Fleuster(Z.) äußert ebenfalls Bedenken gegen eine höhere Besteuerung der Jagdscheine und Jagdpachtverträge. Abg. Dr. Friedberg(natl.) erklärt das Einverständnis seiner kleines feuilleton. Italienische Wahlen. Man muß in Dickens' unsterblichen Ronianen nachlesen, wie zu seiner Zeit die englische Wahlkampagne auf der Basis des rollenden Schillings gemacht wurde, um Analogien mit den heutigen Wahlfeldzügen in Italien zu finden. Es gibt Wahlkreise, wo der Kandidat über 100 000 Lire springen lassen muß. „Früher nahmen die Mutigsten in der Provinz Rom", so führt ein Kenner aus,„das Gewehr und warteten hinter einem Zaun auf den Postwagen und so fanden sie ihren Lebensunterhalt. Jetzt macheus die Mutigen anders. Sowie die Wahlen ausgeschrieben worden find, so bewaffnen sie sich anstatt mit einem Gewehre mit ihrem Einfluß und zielen auf den Kandidaten. So werden sie aus Brigantenchefs zu Chefs der Urwähler. So empfangen sie Geld, das hin- reicht, daß sie bis zur nächsten Wahl leben können. Die Wühler freilich erhalten keinen Pfennig, höchstens gibt man ihnen bei der Abstimmung eine halbe Zigarre. Sie halten sich aber dadurch schadlos, daß sie der einflußreiche Großwähler, der doch der Freund seines mächtigen Abgeordneten ist, bei Prozessen empfehlen muß."... Der Mann hat recht. Der gewöhnliche Romreisende hat keine Ahnung davon, welche patriarchalisch-vorsintflullichen politischen Zustände hart vor den Toren Roms existieren. Vor etwa 8 Jahren hatte der sizilianische Amtsrichter Aguglia sich den Wahlkreis Albano in den albanischen Bergen gekauft. Plötzlich entsteht ihm ein Nebenbuhler in Gestalt eines reichen Bauunternehmers. Der Herr Abgeordnete geht nun von Haus zu Haus und fragt die Wähler:„Wieviel hat Dir der andere gezahlt?"„Zehn Lire." „Gut," sagte er,„ich gebe Dir zwölf dazu." Als der Gegner davon hörte, nahm er alle Osterien in Beschlag und gab den Tag vor der Wahl große Festessen. Was tat der andere? Er ging in das Hauptlokal, wo der edle Gastgeber saß, und begann uneingeladen mit zu bankettiercn. Dann aber hielt er eine Rede zu' seinen Gunsten und erwarb sich den Sieg, weil der gefoppte Gegenkandidat lein Redner war. Die Ausrottung des ZokelS. Der Zobel, eines der kostbarsten aller Pelztiere, wird in seiner sibirischen Heimat immer seltener, dg er in der schonungslosesten Weise vernichtet wird. Der Ausrottung ganz besonders ausgesetzt ist die kostbare Abart, die am Baikalsee vorkommt. Städtchen wie BargusinSk und Sselenginsk sind in Hamburg, London und New Aork durch ihre einzig in der Welt da- flehenden dunklen Zobelfälle bekannt geworden. Die Zobeltiere stellen einen ungeheuren Wert für Sibirien dar, doch sind die besonders dunklen und kostbaren Exemplare schon jetzt unter den Pelzhändlern Sibiriens zu einer Seltenheit geworden. Da sie so selten geworden sind, ist auch ihr Preis gewaltig ge- Freunde mit der Vorlage. Bedauerlich ist, daß die Pachtverträge jetzt weniger herangezogen werden sollen als die Mietsverträge und daß man nicht einen Fideikomnrißsteinpel eingeführt hat. Finanzminister v. Rheinvaben verteidigt die erhöhte Besteuerung der Jagdscheine. Die frühere, viel wesentlichere Erhöhung hat keine Verringerung der Jagdscheine zur Folge gehabt. Herr Fleuster verlangte eine ermäßigte Jagd- scheingebühr für Fannlien. Er will offenbar das Kinderprivileg auch auf diese Steuer ausdehnen.(Heiterkeit.) Die Erledigung des Fidei- kommißstempels wird besser dem zu erwartenden allgemeinen Gesetz über die Fideikommisse vorbehalten. Ein Entwurf zu dieser Materie ist schon ausgearbeitet. Abg. Lüdicke(fk.) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Freunde, in der Kommission an dem Zustandekoinme» der Vorlage mitzuarbeiten. Abg. Traeger(frs. Vp.): Wir erkennen die Notwendigkeit, die hier geforderten Mittel aufzubringen, an und sind auch mit der Art der Aufbringung im allgemeinen einverstanden.(Im einzelnen bleiben die Ausführungen des Redners auf der Tribüne unverständlich.) Abg. Heimann(Soz.): Meine Freunde sind an dem Beschluß, der die Grund- läge dieses Gesetzentwurfes bildet, nicht beteiligt gewesen und daher im Prinzip mit der ganzen Vorlage nicht einverstanden. Wenn wir eine nicht unbedingt ablehnende Haltung einnehmen sollten, so könnte das nur geschehen, wenn an Stelle der neuen Steuern Zug um Zug andere Steuern zum Fortfall gebracht würden. Beispielsweise wenn das zu besteuernde Existenzminimum von 900 auf 1200 M. herauf- gesetzt würde.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Selbstverständ- lich aber hindert unsere prinzipielle Stellung meine Freunde nicht daran zu den einzelnen Positionen Stellung zu nehmen. So haben wir von unserem Standpunkt aus nicht das geringste einzuwenden gegen die einzige neue Steuer unter den im Entwurf vorgeschlagenen: die staatliche Zuschlagsteuer zu den Sätzen der Äireisabgaben für Jagd- scheine. Auch mit der Erweiterung der Anwendung des staatlichen Auflassungsstempels sind wir einverstanden. Wir halten dafür, daß die Unterbindung der Gnindstücksspeknlatton und der dadurch bedingten Heraufschraubung deS Wertes der Grundstücke, die von den Terraingesellschaftcn mit großem Geschick be° trieben wird, nur von Vorteil sein kann. Die Grundstücks- besitzer bilden ja heute ans ihrem Grundbesitz sehr häufig Gesellschaften mit beschränkter Haftung, und die Anteile dieser Gesellschaften werden dann zu Preisen veräußert, die die Wertsteigerung der Grundstücke schon in sich schließen. Im ersten Halbjahr 1908 sollen 180 derartige Gesellschaften gegründet worden sein; bei den meisten derselben wurde, um die Stempel- kosten möglichst zu verringern, das Kapital auf den kleinsten zu- lässigen Betrag von 20 000 M. beschränkt, obwohl es sich häufig dabei um Millionenobjekte handelt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Zeitungsnachrichten zufolge hat der Herr Finanzminister die Oberzolldireltion angewiesen, durch Einsicht- nähme in gewisse Gesellschaftsverträge nachzuprüfen, ob und in welchem Umfange Steuerhinterziehungen durch solche Gesellschaften begangen werden. Wir freuen uns, daß diese vorbereitenden Maß- nahmen so rasch zu gesetzlichen Anordnungen Veranlassung gegeben haben. Ganz anders stehen wir nun aber zu vielen anderen Positionen. So können unbillige Härten entstehen durch Verdoppelung des Steuersatzes ftir Legalisatton von Urkunden. Die lebhaftesten Bedenken haben wir gegen die Verdoppelung der Steuern kür Genehmigung von Lustbarkeiten durch die Ortspolizeibehörde und gegen die zehnfache Er- höhung der Steuer für Genehmigung der Verlängerung der Polizei- stunde für einzelne Wirtshäuser. Das Gastwirtsgewerbe ist heute schon durch die Gewerbesteuer, Mietssteuer, Schank- und Konzessionssteuer sehr belastet, abgesehen von den vielfach bestehenden kommu- n a l e n Lustbarkettssteuern. Es liegt daher kein Grund vor, dieses Gewerbe, das häufig genug unter schwierigen Verhältnissen zu leiden hat, noch mehr zu schröpfe». Von der Einführung eines hohen Stempels für die Erlaubnis- erteilung zum Betriebe des Gesindevennieter- oder Stellenvermitte- lungSgeschäfteS von 50 bis 500 Mark befürchten wir eine noch weitere Verschlechterung der Lage der Stellensuchenden. Die Stellenvermittler werden doch diese Steuer nicht aus ihrer Tasche zahlen, sondern sie werden sie auf die schwächeren Schulten: der Stellensuchenden a b lv ä l z e n, indem sie einfach ihre Gebühren allgemein erhöhen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wünschenswert wäre eS, wenn den sogenannten gemeinnützigen Gesellschaften die Stempelgebühren überhaupt erlassen werden könnten. Ganz besonders müssen wir uns wenden gegen die Erhöhung des Stempels auf Mietsverträge für Mieten von 300—1000 M. von '/10 auf 8/to des Mictszinses. Die Grenze, bis zu der für MietS- stiegen, und sie unterliegen so sehr der Nachstellung, daß sie sehr bald ganz verschwinden werden. Die Kenner des Pelzhandels er- klären, wie der„Nowoje Wremja" aus Sibirien geschrieben wird, daß unter den gegebenen Umständen eine Ausrottung des dunklen Zobels in Sibirien bevorsteht. Man versichert, daß die Ausbeute an dunklen Zobelfellen im Laufe des letzten Jahrzehnts um das Dreifache zurückgegangen ist. Einst wurden Taufende von solchen Zobelfellen auf die Messe von Jrbit gebracht. während man jetzt kaum einige hundert dunkle Zobelfelle in Jrbit kaufen kann. Die Nachfrage ist akfcr eine gewaltige. Allerdings ist die Nachfrage von dem Wechsel der Mode abhängig; die Mode hat aber ihre launische Gunst schon seit Jahren auf dieses Pelzwerk gerichtet und ist ihm auch treu geblieben. Dank der Modetorheit sind die Zobelpreise fast um das Zehnfache gestiegen. Vor 15 bis 20 Jahren konnte man den besten dunklen Zobel zu 20 bis 30 Rubel das Fell kaufen i für ausnahmsweise schöne Exemplare bezahlte man 60 Rubel, während jetzt 150 bis 200 Rubel und noch mehr gefordert und gezahlt werden. Besonders schöne Exemplare werden mit 1000 Rubel pro Stück bewertet. Dergleichen Preise sind früher nie in Sibirien gezahlt worden, aber sie veranlassen den sibirischen Pelz- jäger, daS kostbare Pelztier in seinen geheimsten Schlupfwinkeln auf- Ansuchen und ihm nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer, wenn das Fell nur den halben Wert repräsentiert, aufzulauern. Dieses Abschießen des Zobels im Sommer wirkt besonders nachteilig auf seine Fortpflanzung, da mit den erlegten Weibchen auch der ganze Wurf zugrunde geht. Zobelfelle im Soinmerkleid findet man jetzt in Bargusink, Tschita, Jakutsk, Vlagowescktschxnsk und Mkolajcwsk so viel man wünscht. Obgleich sie um etwa 50 Proz. billiger sind als die Winterfelle, werden sie zur Ausfuhr nach dem Auslande gern gekauft, weil man sie zum Besatz von Kleidern braucht. Da nicht anzunehmen ist, daß die Zobelfelle bald auS der Mode kommen werden, ist die Ausrottung des Pelztieres wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit. Humor und Satire. Furchtbar. Rentier: Ich sag' Ihnen, es war furchtbar zu sehen, wie die armen Leute in der grimmigen Kälte arbeiten. Ich hatte die Ueberzengung. hier muß etwas geschehen!>--.Und waS taten Sie?"— Rentier: Ich trank einen Schnaps! AuS einer Gendarmerieanzeige.„MS ich nachts durch das Dorf patrouillierte, gewahrte ich an einem Hause eine Leiter. Nichts Gutes ahnend, stieg ich hinauf, mußte aber wegen der herrschenden Finsternis von einer AergerniSnahme absehen." Aus der Zeugnismappe eines Apothekers. Ihr „Wachst»" kann ich wirklich als ein reelles Mittel bezeichnen. Ich wandte eS bei meinem drei Monate alten Kinde an, und schon nach Verträge überhaupt Stempel erhoben werden dürfen, muß erheblich herabgesetzt werden. Alle Mietsverträge unter 400 M. sollten stempelfrei bleiben. Seit 1835, wo die bisherige Grenze fest- gesetzt wurde, sind doch die Mieten in allen größeren Städten erheblich gestiegen, und eine einigermaßen annehm- bare Wohnung ist unter 100 M. nicht zu haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Niemand, der sich rühmt, soziales Empfinden zu besitzen, dürfte daher ftir die Erböhung dieses Miets- stempelS eintreten. Es sollte auch zwischen 400 bis 1000 M. noch eine weitere Grenze bei 600 M. gesetzt iverden, und ftir die Wohnungen von 400 bis 600 M. dürste höchstens der jetzige Stempel von ein Zehntel des Mietszinses erhoben werden. Dafür braucht man andererseits mit der Progression nicht bei 7000 M. Miete auf- zuhören.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im schärfsten Gegensatze zu der grojzen Rücksichtslosigkeit, mit der man hier gegen die kleinen Leute in den Großstädten vorgegangen ist, steht die zarte Rücksichtnahme gegenüber der Landwirtschast. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Stempel für dle Ver- Pachtung von landwirtschaftlichen Grundstücken soll auf der bisherigen Höhe belassen werden. In der Begründung heißt es:„Eine stärkere steuerliche Belastung verbietet sich mit Rücksicht auf die oft wenig leistungsfähigen Pächter größerer und mittlerer Grundstücke". ES gibt doch aber auch viele Pächter großer landwirtschaftlicher Grundstücke, großer Domänen, die ja doch selbst große Herren sind und leicht in der Lage wären, einen höheren Stempel zu zahlen. Diese existieren aber für die Steuerverwaltung nicht. Der Arbeiter und der kleine Mann in der Stadt muß bluten, damit die landwirtschaftliche Be- völkerung unbehelligt bleiben kann.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Es wäre eine sehr interessante und dank- bare Aufgabe, einmal all die Vergünstigungen festzustellen, die bei uns in Preußen der Landwirtschaft auf dem Wege der Gesetzgebung und durch die Verwaltungspraxis gewährt tverden, und ihren Wert zu berechnen. Ich glaube, man käme da zu Summen, die den ärgsten Pessimisten in Erstaunen setzen würden. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Von einer Einzelperson, die nicht über das ganze amtliche Material verfügt, ist freilich diese Aufgabe nicht durchzuführen. Ganz im Einklang mit jener Pxaxis steht auch die Behandlung des Fideikomnrißstenrpels. Hier hätte in erster Reihe der Hebel angesetzt werden sollen. Der Herr Finanzminister hat auf die zu erwartende Vorlage über den Fideikommiß verwiesen. Ich glaube, daß diese Vorlage eine Erhöhung des Stempels nicht bringen wird. Und wenn man dann mit einer solchen Anregung kommt, so wird eS heißen, die Regelung dieser Frage passe nicht in das System der Vorlage, sie hätte bei dem Stempelsteuergesetz erledigt werden müssen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden jedenfalls nicht versäumen, den Herrn Finanzminister seinerzeit an seine heutigen Worte zu erinnern. Jedenfalls werden wir ab- warten, in welcher Gestfflt die Vorlage ans der Kommission heraus- kommen wird, und behalten uns unsere Stellung für die zweite Lesung vor.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wolff-Lissa(frs. Vg.) vermißt gleichfalls eine Erhöhung des Ftdeikommißstempels und hofft, daß die Vorlage in verbesserter Gestalt aus der Kommission kommt. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Die Vorlage wird an eine Kommission von 28 Mtgkiedem verwiesen. Hierauf v e r t a g t sich das HauS. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.(Dritte Lesung des BeamtensteuerprivileggesetzeS. Dritte Lesung des Wohnungsgeldzuschußgesetzes. Zweite Lesung des Ge- setzes betreffend die Gebühren der Medizinalbeamten.) Schluß 4 Uhr._ Die CabaWtcucr. Die Finanzkommission des Reichstages beendete am Mittwoch die Generaldebatte über die Tabaksteuervorlage, kam aber nicht mehr zur Beratung der Biersteuervorlage. Raab von der Wirtschast- lichen Bereinigung ist sowohl Gegner des Banderolsteuersystems wie jeder Mehrbelastung des Tabaks. Die Phantasiegebilde des Dr. Lißner nimmt er nicht ernst. Statt daran zu denken, die Tabak» industrie immer aufs neue zu beunruhigen, dürfte es sich empfehlen, dem Monopolgedanken näher zu treten, der heute sympathischer aufgenommen werden dürfte als früher. Ministerialdirektor Kühn empfiehlt, die Banderokestcuer nicht abzulehnen, da sie das gerechteste Steuersystem darstelle. Wenn die vorgesehene Steuer von 70—80 Millionen aus dem Tabak herausgeholt werden solle, so sei dies nur durch die Banderole möglich; denn die Erhöhung der Gewichtssteuer auf ausländischen Tabak von 85 auf 210 M. sei bedenklicher. Dr. Arendt erklärt, zwei Wochen hatte es um vierzehn Tage zugenommen.— Ihre nikotinfreien Zigarren haben mir sehr gut getan. Ich legte drei davon in meine Stiefel und kann nun sehr gut gehen.— � Bestätige Ihnen gern, daß nichts über Ihren Hühneraugentod mit den sieben Kreuzen geht. Es trägt sich wunderbar auf, greift die Bürste nicht an und färbt nicht ab._____(„Lustige Blätter".) Notizen. — Die Schauspieler als Zirkuskünstler. An: 17. April veranstalten die Berliner Schauspieler zugunsten der Pensionskasie der Bühncngenossenschaft eine Vorstellung eigener Art im Zirlus B u s ch. Die Schauspieler selber werden die gewohnten Zirkuskünste und noch einige besondere vorführen. M—„ T a n z d i ch t u» g e n" im Mozartsaal. Die Schwestern Wiesenthal, die sich im vorigen Jahre als an- mutige Tänzerinnen crwieien, werden vom Donnerstag, den 18. bis inkl. Montag, den 22. März, im Mozartsaal gastieren. — Das Abbe-Denlmal in Jena wird nach dem Enk« Wurf van de Veldes zur Ausführung gelangen. In einem tempel- artigen Bau, der mit Reliefs von Meimier geschmückt ist, wird AbbeS Büste von Max Klinger ihre Stätte finden. — Kinder undAlkoholgenuß. OberamtSarzt Dr. Schees in Rottenburg(Wiiltt.) stellte in seinem Bezirk Erhebungen über den Alkoholgenuß der schulpflichtigen Jugend an. Von 4240 Kindern in 63 Klassen hatten überhaupt schon Alkohol genossen 4178 oder 98 Proz. Täglich trinken Alkohol 71 Proz. aller Kinder. Ein halbes Liter und mehr(Bier, Most, Wein) trinken täglich 549 Kinder; ein viertel Liter ö2t4 Kinder(76 Proz.); zehn Schüler genießen täglich ein Liter Bier, einer sogar l'/a Liter. Nach-Branntweiu- genuß wurde nicht gefragt, weil man ihn für ausgeschlossen hielt. Ein Lehrer schrieb indes, daß von seinen 71 Schülern im Alter von 7 bis 9 Jahren 21 schon Branntwein getrunken hätten. Ein anderer schreibt:„Auf Befragen, wer schon Branntwein getrunken, streckten alle die Finger in die Höhe." f — Eine Untergrund-Stufenbahn in New Dork. Um die von dem gewaltigen Straßenverkehr überlasteten New V orker Verkehrswege zu ergänzen, ist jetzt von der Kominunalbehörde der Bau einer großen Untergrund-Stnfcnbahn in Aussicht genommen. Zunächst wird eine Linie gebaut, die unter dem Broadway laufend von der 14. bis zur 42. Straße geht und unter der 34. und 13. Straße Seitenabzweigungen erhält. In jedem Tunnel lausen vier Plattformen mit einer Geschwindigkeit von je 3, 6, 9 und 12 englischen Meilen(gleich 1,6 Kilometer) in der Stunde. Auf der schnellsten! Plattform iverden Sitze errichtet. In dem Entwurf wird ausgeführt,� daß das Auf- und Absteigen von der einen Plattform auf die andere mit größter Leichtigkeit und völlig gefahrlos bewerkstelligt werde» kann. daß er und seine Freunde nicht auf dem Standpunkt ihres Partei- genossen Schmidt- Altenburg stehen und am letzten Ende auch wohl für die Banderolesteuer zu haben seien. Aus dem Tabak müsse mehr Geld herausgeholt werden; dafür haben sich auch weite Volkskreise erklärt. Wen» die Banderolesteuer falle, bleibe nur noch ein Wert- Zuschlag auf die Gewichtssteuer. Die Kommission müsse unter allen Umständen die Finanzreform lösen, dazu sei sie berufen. Der ein- zusetzenden Subkommission sei der Auftrag zu erteilen, 70 bis 80 Millionen aus dem Tabak zu beschaffen! Zenoffe Molkenbuhr hält den Appell des Dr. Arendt an den Patriotismus für sehr wenig am Platze; dazu wäre Zeit und Gelegenheit gewesen bei der Nachlaß- und Erbschaftssteuer. Da hätte der Patriotismus Arendt und dessen Freunde veranlassen sollen, in die eigenen Taschen zu greifen. Jetzt, wo diese Gefahr beseitigt ist und indirekte Steuern in Frage kommen, erinnere man sich erst wieder seiner„patriotischen" Pflicht. Es sei be- zeichnend, daß die Herren von der Negierung der Tabakindustrie stete Fehde ansagen, was sie anderen, namentlich der Groß- industrie oder gar den Großgrundbesitzern gegenüber nicht wagen.— Molkenbuhr rechnet alsdann gründlich mit dem Dr. Lißner ab. Er weist eingehend nach, daß der Herr sowohl bei der Darstellung der amerikanischen Tabaksteuerverhältnisse, wie auch der deutschen vor und nach der Einführung der Tabaksteuer von 1879 überall von falschen Voraussetzungen ausgehend, auch zu unrichtigen Schluß- solgerungen gelangen mußte. Das gerade Gegenteil von dem, was Lißner beweisen wollte, sei richtig, was Molkenbuhr zahlenmäßig be- wies, wobei er sich namentlich in bezug auf die deutschen Vorgänge auf den Mündener Handelskammerbericht und auf Buchauszüge aus den Büchern Hamburger Zigarrenfabrikanten aus den Jahren vor und nach Einführung der Tabaksteuer stützt. Aus den zahlreichen Unterschriften, welche die Petitionen gegen jede Mehrbelastung des Tabaks gefunden, gehe das Gegenteil von dem hervor, was Dr. Arendt be- hauptet, daß nämlich die weitesten Kreise des Volkes der Mehr- belastung zustimmen. Der Widerstand gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer werde mit jedem neuen Angriff wachsen. Die Finanz- not sei doch nur eine von uns immer vorausgesagte Folge der immer mehr anschwellenden Ausgaben für das Heer und und die Marine. Hierzu komme die künstliche Verteuerung der Lebensmittel, worunter gerade die schlechtentlohnten Tabakarbeiter am schwersten mit zu leiden haben. Die dadurch dem Volke ab- geknöpften Millionen fließen aber zum größten Teil in die Taschen der besitzenden Großgrundbesitzer, und dabei wehren diese sich mit den schofelsten Mitteln gegen das Steuerzahlen. Nicht einmal nach dem Tode soll ein Teil des ihnen erwachsenen Reichtums als Nachlaßsteuer in die NeichSkasse fließen. An die Großen wagt man sich mit Steuer- Vorschlägen nicht heran, die ohnehin schon ärmsten und schlechtest- gestellten Arbeiter der Tabakiudustrie aber sollen die Zeche bezahlen. sollen die verderbliche Wirkung einer di» ganze Industrie schwer treffenden Steuer auf sich nehmen. Um das zu verhindern, müßte die ganze Vorlage abgelehnt werden. Dr. Lißner ist der Ansicht, daß er nur mißverstanden sei; er wiederholt deshalb seine gestrige Verteidigung des BanderolesteuerstistemS. Ihm tritt Schmidt- Altenburg nochmals entgegen und widerlegt das von jenem benutzte Zahlenmaterial, zum Schlüsse die Ablehnung der Banderolesteuer befürwortend. Auch Everling ist Gegner der Banderole, trotz der ihm sehr interessanten„historisch-dialektischen" Darlegungen LißnerS; er hofft, daß die Banderole ziemlich einstimmig abgelehnt werde und daß der Subkommission dann die Aufgabe zufalle, einen Weg zu suchen, etwas mehr als bisher aus dem Tabak heraus- zuholen. Da Everling u. a. bedauert hatte, daß die Regierung bei Ausarbeitung der Vorlage nicht genügend Fühlung mit den Tabakinteressenten genommen habe, erklärt der Schatzsekretär S y d o w, daß man das wohl versucht habe, jedoch hätten sich jene sehr zugeknöpft verhalten und jede Mehrbelastung abgelehnt. Werde eine Subkommission beschlossen, so bitte er dieser die ganze Vorlage zu überweisen und nicht zuvor über die Banderole abzustimmen. Dem widerspricht Hormann, der es für richtiger hält, damit erst aufzuräumen. Speck führt einen kleinen Eiertanz auf: Nach verschiedenen „einerseits" und„andererseits" kommt er zu dem Schluß: Der Subkommission die ganze Vorlage zu überweisen und heute nicht über die Banderole abzustimmen. Genosse Molkenbuhr tritt energisch für die Abstimmung ein. um die dreitägige Debatte nicht ganz ergebnislos verlaufen zu lasten. Das fei um so dringender geboten, als die ganze Industrie auf die Entscheidung warte. Wozu solle die Subkommission sich noch mit der Frage beschäftigen, wenn sie leine Mehrheit finde? Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Zentrums auf Ueberw eisung der ganze» Bor- läge, ohne vorherige Abstimmung über die Banderole, mit IS gegen 13 Stimmen angenommen. Dafür stimmten außer Zentrum, Konservativen, Reichspartei Schmidt- Altenburg und ein Pole, dagegen Ratio nalliberale, Freisinnige und Sozialdemokraten. parlamentarisches. Die Arbeitskammerkommission des Reichstages führte in der Mittwochsitzung die Beratung über die ZZ 14—22 zu Ende. Der ß 14 bestimmt, daß für die in den Kammern errichteten Abteilungen nur diejenigen Personen wahlberechtigt und wählbar siird,� die den in den Abteilungen vertretenen Gewerbezweigen angehören. In Konsequenz des in der letzten Sitzung gefaßten Beschlusses über die Wählbarkeit der Angestellten der beruflichen Organisationen fand ein Antrag Annahme, der verlangte, daß auch für die Abteilungen die Angestellten wahlberechtigt sein sollen. Eine neue Bestimmung wurde auf Antrag Manz tsr>.) aufgenommen: daß die Wahl nur unter den Bedingungen abgelehnt werden kann» unter denen das Amt eines Schöffen abgelehnt werden darf. Die§§ 15—19 handeln von dein Wahlverfahren und von der Dauer der Wahlperiode. Zu ß 15 lagen Anträge der Sozialdemokraten und des Abg. Naumann vor. Der sozialdemo- kratische Antrag verlangt die Einfügung, daß die Wahlen an einem S o n n t a g'stattfinden und die Wahlzeit so festzusetzen ist, daß auch die am Wahltag beschäftigten Personen sich an der Wahl beteiligen können. Der Antrag wurde nach längerer Debatte gegen eine starke Minderheit abgelehnt. DaS gleiche Schicksal hatte der erste Teil des Anttages Raumann: bei Verhältniswahlen die Stimmabgabe nicht auf gebundene Vorschlagslisten, sondern auf die Namen zu beschränken, die in den Vorschlagslisten enthalten sind. Dagegen fand der zweite Absatz des Antrages Naumann An- nähme; er bestimmt, daß, wenn nur eine Vorschlagsliste ein- gereicht wird, auf Vornahme einer besonderen Wahlhandlung zu ver- zichten ist. DurH einen besonderen Antrag zum§ 16 verlangten unsere Genossen, auch den Arbeitgebern die Verpflichtung aufzuerlegen, den � Gemeindebehörden auf Verlangen Auskunft über die Art ihres Ge- . werbebetriebeö und über die Namen und die Beschäftigungsart der "�Arbeitnehmer zu erteilen, da, wie die Genossen Bömelburg und zu>Gevering zur Begründung anführten, die Polizeibehörden und �Krankenkassen nicht immer in der Lage seien, die er- verc forderlichen Auskünfte zu geben. Obgleich einer der RegierungS- Vertreter, Regierungsrat Neumann vom preußischen Handels- Ministerium, den Antrag als überflüssig bezeichnete und diese seine Auffassung mit besonderem Eifer zu begründen versuchte, sttmmte die Mehrheit der Kommission dem Antrage zu. Ueber die Rechtsgültigkeit der Wahl soll nach den Bestimmungen des 8 17 der Regierungsvorlage in erster Instanz der Borsitzende der Arbeitskammer entscheiden. Ein sozialdemokratischer Autrag verlangt dieses Recht für die Arbeitskammer, nm der Kammer dadurch die Möglichkeit zu verschaffen, ein Stück Selbstverwaltung auszuüben. Die Mehrheit der Kommission trat dieser Auffassung nicht bei, eS blieb also beim Wortlaut der Regierungsvorlage. Auch der Z 18, der die sechsjährige Wahlperiode bestimmt, wurde in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen, der Antrag der Sozialdemokraten, eine dreijährige Amtsdauer der Mitglieder festzusetzen, dagegen abgelehnt. Der§ 19 verlangt, daß Mitglieder, bei denen Umstände ein- treten, die ihre Wählbarkeit ausschließen, auszuscheiden haben. Ein sozialdemokratischer Autrag will in jedem einzelnen Falle die Arbeits- kanimer entscheiden lassen, ob das betreffende Mitglied der Kammer weiter angehören soll. Auch dieser Antrag fand keine Gnade vor den Augen der Kommission. Der folgende Abschnitt der Vorlage(KZ 29—25) trifft Fest- setzungen über die Aufbringung und Verteilung der Kosten. Zum § 23, der den Gemeindebehörden die Ermächtigung erteilt, die Kosten von den Inhabern der beteiligten Betriebsstätten und den Arbeit- nehmern zu erheben, liegen Anträge der Nationalliberalen und des Zentrums vor, die eine Regelung der Beitragserhebung herbeiführen wollen. Die Beratung darüber wurde in der heutigen Sitzung noch nicht zu Ende geführt._ AuS der Budgetkommission beS Reichstags, (32. Sitzung vom 10. März, vormittags.) Die Beratung begann mit dem Titel BeklcidungSämtcr. Abg. E r z b e'r g e r beklagt die Folgen, welche die Errichtung militärischer Bekleidungsämter für die Kleinhandwerker gehabt haben. Als diese Kreise die Beseitigung des Systems der Oekonomiehand- werker forderten, hätten sie die für sie nachteiligen Wirkungen nicht voraussehen können, namentlich nicht, daß die Bekleidungsämter ihnen die Gesellen wegnehmen würden. Außerdem stelle sich die jetzige Einrichtung erheblich teurer als die frühere, was zum Teil auf die zu starke Besetzung der Aemter mit Beamten zurückzuführen sei. So sei das Bekleidungsamt des GardedukorpS mit elf aktiven Offizieren besetzt, während andere Aemter mit sechs Stellen auskämen. Die Abgg. D r ö s ch e r und Lieber! vertreten den entgegen- gesetzten Standpunkt und halten die neue Einrichtung im Juteresse der Schlagferiigkeit der Armee für geboten. Genosse N o s k e be- zeichnet die Einrichtung der Bekleidungsämter als einen technischen Fortschritt; denn die Vergebung der Arbeiten an Hanwerker würde die Heimarbeit noch weiter fördern. General v. L o ch o w bestreitet gegen Erzberger, daß die Bekleidungsämter teurer arbeiten als private Betriebe; die Vergebung der Arbeiten an Handwerker- genossenschaften stellte sich direkt teurer als jetzt im eigenen Be- triebe! Der Titel wird schließlich ohne weiteren Widerspruch be- willigt. Für Beschaffung des Bedarfs an Tuch werden 9 295 009 M. (736000 M. weniger als im Vorjahre) gefordert. Abg. Erzberger schlägt vor, mit Rücksicht auf den Rückgang der Wollpreise auch von dieser Minderfordcrung noch einen Abstrich zu machen. Bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, daß die Militärverwaltung im Gegen- satz zu der Praxis anderer Reichsämter bei Vergebung ihrer Arbeiten das Mittelpreisverfahren anwendet. Erzberger bezeichnet dieses System wiederholt als das allerrückständigste und verlangt, daß damit gebrochen und der Zuschlag dem Mindest- fordernden erteilt werde. Wenn danach verfahren worden wäre, dann hätten wir für jeden Tornister anstatt 19,99 M. nur 17,86 M. zu zahlen brauchen.— Nach längerer Debatte werden von den hier in Bettacht kommenden Titeln insgesamt 480 000 M. abgestrichen. Weiter wird eine Reso- lution Gothein. wonach bei Lieferungsausschreibungen das Kriegs- Ministerium sich nach dem allgemein geltenden Gebrauch richten soll, angenommen. Für Feuerung, Beleuchtung sind 9 928 600 M. eingesetzt; mit Rücksicht auf den gefallenen Äöhlenpreis streicht die Kommission die gegen das Borjahr mehr geforderten 435 000 M. *«* 33. Sitzung vom 10. März nachmittags. Bei den Ausgaben an, Mieten für Gebäude* fetzt die Kommission die Mehrforderungen von 91600 M. auf 51000 M. herunter. Eine längere Debatte entspann sich über die angeforderte Summe von 2 200 900 M. für Unterhaltung und Pachtung von Uebungsplätzen. Erzberger fragt an, wie groß die Wald- fläche auf den Uebungsplätzen ist und wo die Emnahmen aus den Erträgnissen, namentlich auch aus der Jagdverpachtung hinfließen. Es wird mitgeteilt, daß die Waldfläche ungefähr 80 000 Morgen beträgt; die Erträge seien gering, weil eine forstwirtschaftliche Aus- Nutzung nicht statlsindet. Singer wendet sich gegen die Darlegung eines VertteterS der Finanzverwaltung, der ausgeführt hatte, daß es im Effekt gleich sei. ob die Einnahmen besonders aufgeführt oder die Ausgaben entsprechend gekürzt würden.— Für Manöverkosten werden 2 239500 Mark gefordert. Erzberger wundert sich darüber, daß gerade jetzt, in der Zeit der Finanznot, ein so großes Manöver abgehalten werden soll; damit hätte man doch wohl noch warten können: außerdem würden sich auch die Vergütungen für Flurschäden seht erhöhen, weil eS sich vielfach um die Beschädigung von Weinl bergSanlagen und Tabakpflanzungen handeln werde. Kriegsminister v. Einem entgegnet, daß wir mit den großen Manövern einen gewissen Turnus innegehalten hätten. DaS letzte große Manöver liege bereits ein Dutzend Jahre zurück, so daß eine weitere HinauSschiebung um so weniger zu empfehlen sei, als die übrigen großen Militärstaaten öfter größere Manöver abhielten. Auch die Flurschäden würden nicht außergewöhnlich hohe sein, weil nur Getreidefelder in Frage kommen, Weinberge und Tabakpflanzen nach Möglichkeit umgangen würden. Der Posten wurde bewilligt. Beim Kapitel „Militärlanwesen" werden eine Anzahl Abstriche gemacht, desgl. beim Militärwedizlnal- Wesen und beim Titel„Reisegebührnisse, Umzugskosten und Transportkosten". Nächste Sitzung Donnerstagvormittag: Weiterberatung der heuttgen Tagesordnung. Die ReichstaaSkommission zur Vorberatung eines Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb beendigte in der zehnten Sitzung(am Mittwoch) die erste Lesung.— Zur Beratung standen noch die zurückgestellten Anträge zum Warenverzeichnis. ES lagen die folgenden vor: Sir: hinter 8 10 einen weiteren 8 Ista einzufügen:„Im gewerbsmäßigen Verkehr mit Bier dürfen Ortsbezeichnungen nur zur Kennzeichnung der Herkunft verwendet werden. Wer dieser Vorschrift zuwider bei der Benennung von Bier eine der Herkunft nicht entsprechende Ortsbezeichnung vorsätzlich oder fahrlässig ver- wendet, wird mit Geldsttafe bis zu sechshundert Mark oder mit Haft bis zu sechs Wochen bestraft." H a n i s ch: in§ 10 des Entwurfs am Schlüsse des Absatz 1 einzufügen:„Waren, die durch Versand aus gewissen Orten eine Qualitätsbezeichnung erhalten(Meißner Porzellan, Glashütter Uhren, Solinger Stahlwaren usw.), müssen sowohl in ihren meisten Einzelteilen wie als Ganzes in diesen Orten hergestellt werden. Bei solchen Plätzen muß bei Vertrieb nicht dort her- gestellter, aber für de» Ort eigentümlicher Waren deren Herkunst deutlich aus Firmiening, Lnpreffung und Warenbezeichnung hervorgehen." Sir(Z.) begründet seinen Antrag: Heute würden in allen Städten— auch in bayerischen— Biere als„Münch euer" an- gepriesen, die gar nicht aus München kommen. Wenn man Münchencr Bier trinke, dann müsse es auch in München gebraut sein. Man habe in das Weingesetz Bestimmungen aufgenommeu zum Schutze der Konsumenten, man müsse dasselbe auch mit dem Bier tun. Der bayerische Regierungsvertreter erklärt sich im Auftrage der bayerischen Regierung für den Antrag Sir: der gute Ruf des bayerischen Bieres werde geschädigt. Die Bestimmungen des Waren- schutzes reichen strafrechtlich nicht aus. Hanisch spricht für seinen Antrag. Wer Meißener Porzellan kaufe, müsse vor Betrug geschützt werden; unter der Bezeichnung „Glashüttcr Uhren" kämen ganze Ladungen an, obwohl die Be- zeichnung falsch sei. Der preußische Regierungsvertreter bedauert, sich gegen seinen bayerischen Kollegen wenden zu müssen: Man könue Wein und Bier nicht vergleichen; Wein sei ein Naturprodukt, was beim Bier nicht zutreffe. In Berlin gebe es ein Münchener und ein Böhmisches Brauhaus; man könne diese Brauereien nicht einfach verbieten! Wenn man Warenerzeugnisse mit Ortsbezeichnung einführen wolle. dann müsse man weitergehen: er erinnere nur an die Be- zeichnung„Frankfurter Würstchen" und„Schweizerkäse"! Er bittet die Kommission, die Anträge abzulehnen. v. Brockbausen hält die Anträge für sehr bedenklich, behält sich seine Stellungnahme aber zur zweiten Lesung bor.— C h a r st e n s(frs.) wendet sich gegen die Anträge: Wenn er sich in Berlin drei bayerische Knödel bestelle, dann wisse er ganz genau, daß diese Knödel nicht aus Bayern stammen.— Junck(natl.) wendete sich gleichfalls gegen den Antrag. Genosse B r ü h n e spricht sich gegen die Anträge auS: Man könne das Gesetz nicht mit diesem Ballast beschweren; wenn mau den Anträgen entspreche, dann müsse man alle Arten Waren in das Verzeichnis aufnehmen. Bei der Abstimmung werden die Anträge Hanisch-Sir mit allen gegen vier Stimmen abgelehnt. Zum Berichterstatter wird der Abg. Junck bestimmt.— Vorsitzender Roeren gibt noch bekannt, daß zur zweiten Lesung nur Anträge zur Beratung kommen solle», die gedruckt vorliegen. Sozialee* Abschwächung der Haftpflicht des Unternehmers. Bekanntlich ist durch die Unfallgesetzgcbung die Haftpflicht des Unternehmers gegenüber dem Arbeiter oder dessen Hinterbliebenen für alle Fälle mit Ausnahme der vorsätzlichen Herbeiführung des Unfalls ausgeschlossen. Im 8 136 des Gewerbeunfallversicherunge- gesetzes ist aber der Berufsgenossenschaft ein Prozeßanspruch gegen den Unternehmer für die von ihr gemachten Aufwendungen für den Fall gegeben, daß durch strafgerichtliches Urteil festgestellt ist, das; der Unternehmer den Unfall vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführr habe. Diesen Paragraphen hat das Reichsgericht dieser Tage in folgendem Falle erheblich einengend ausgelegt. Der Mauerer T. war am 27. Dezember 1904 beim Abputzen der Innenwände eines ncugebauten Kesselhauses beschäftigt gc- Wesen, während in diesem Keffelhause zwei brennende Kokskörve aufgestellt waren. Als T. die Arbeitsstelle am Abend verlassru hatte, wurde er von Unwohlsein befallen und verstarb kurz darauf zu Hause an den Folgen einer Vergiftung durch Kohlenoxydgas. Die Schlesisch-Posensche BaugewerksberufSgenossenschaft zu Breslau. welche an die Hinterbliebenen des T. Sterbegeld und Renten- betrage zu zahlen hatte, machte daraufhin Schadensersatzansprüchc gegen den Maurermeister W. und dessen Polier L. geltend. Das Landgericht und Oberlandesgericht Breslau erkannten je- doch auf Abweisung der Klage. Im selben Sinne entschied auch das Reichsgericht auf die von der Klägerin eingelegte Revision. Der erkennende VI. Zivilsenat führt hierzu aus, daß die Bc- klagten von der Strafkammer des Landgerichts Glatz nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt worden seien und daß deshalb dem Oberlandesgericht beizutreten sei, wenn es ausführe, daß der Klageanspruch nicht auf§ 136 Satz 1 des Ge- werbeunfallversicherungsgesetzes gestützt werden könne. Denn der Unfall, auf Grund dessen die Klägerin die Aufwendungen für die Hinterbliebenen des Verunglückten T. gemacht habe, sei der Tod des T., aber nicht eine bloße Körperverletzung. Von diesem Unfall — dem Tode— sei aber nicht durch strafrichtcrliches Urteil fest- gestellt, daß ihn die Beklagten vorsätzlich oder fahrlässig herbei- geführt haben, wie dies 8 136 Satz 1 a, a. O. als Voraussetzung der zivilrechtlichen Haftung verlange. )Siis Induftnc und Handel* Schädlichkeit der Produzentenorganisatione«. Das Wirtschaftsleben, das ja unstreitig einen Stich inS große an sich hat, wird, leider mit mehr oder weniger Erfolg, von einigen Geld- und Trustmagnaten beherrscht. Was sich auch im Wirtschafts- leben ereignen mag, eS tritt sprunghaft auf und man bat stets daS Gefühl, daß irgend eine dieser allmächtigen Persönlichkeiten dahinter steckt und irgend einen spekulativen Zweck damit verfolgt. Diese Geldsürsten beherrschen die Börse, sie beherrschen das Verkehrswesen, sie beherrschen daS Geldwesen und sie beherrschen vielfach die Waren- Produktion, und macheu sie ihren Zwecken dienstbar. Selbst die Presse scheint davon keine Ausnahme zu machen, denn wer diese schroff wechselnde Berichterstattung über de» Markt verfolgt, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß die Wirklichkeit mit diesen spekulativen Stimmungsberichten nicht immer in Einklang gebracht werden kann. Daraus erklärt es sich auch, daß die Em- Wickelung keine gesunde und natürliche, sondern eine sprunghafte ist, und daß Ueberraschungen an der Tagesordnung) sind. Als im Jahre 1907 die bekannte Geldkrifis sich einstellte, war es auffallend, daß die Preise am Eisenmarkte sich im großen und ganzen auf ihrer Höhe hielten. Heute erfährt man nun, daß diese Preis- hochhaltung nicht der natürlichen EntWickelung oder der starken Ein- schränkung, sondern einem direkten Beschlutz zu verdanken war. Es glückte bis vor einigen Tagen diese Politik festzuhalten und sich damals nur widerwillig zu einigen kleineren Preisnachlässe» bc- stimmen zu lassen. Daß eine derartige Preispolittk die natürliche EntWickelung aufhalten muß, liegt auf der Hand. So schrieb die„Rh.-Wests. Ztg." kürzliw vom— amerikanischen Wirtschaftsleben. Aber die Charakteristik gilt auch für die Preis- Politik unserer Rohmaterial-Verbände. Von einem Anpassen der Brennmaterialienpreise an die veränderten Verhältnisse hat man noch nichts gehört. Erst kürzlich noch hat der Arbeitgeberschutzverband deutscher Glasfabriken eine Resolutton beschlossen, in der eS heißt: „Die Absatzbeschränknng in Verbindung mit den neuerdings gewaltig gesunkenen Verkaufspreisen für alle GlaSwaren macht die zuzeiten hochgehender Konjunkturen festgesetzten Kohlenpreise bei dem heutigen Tiefftand der Wirtschaftslage zu einer drückenden Last, dereii Milderung zur Aufrechterhaltung der Bettiebe dringend notwendig ist." Bekannt ist auch, daß mit dem Nachgeben der Preise für Fertig- erzcugnisse der Eisenindustrie, die Roheisensyndikate und der Stahl- Werksverband die Preise für Rohmaterial nicht in entsprechender Weise herabgesetzt haben. Um dem Mißverhältnis zwischen den Preisen zu entgehen, verlangten die reinen Werke ja sogar Aufhebung der Zölle auf Rohmaterial und Halbzeug. Gewährt wurde ihnen eine von Ministervertretern besuchte Konferenz, die nichts schadet und nichts mitzt. Mehr zu tun gegen die Jndnstriemagnaten er- laubt sich keine Regierung in Deutschland. Daß die obige Kritik wenigstens zum Teil die Verhältnisse in unserem Vaterlaude trifft, weiß auch dag zitterte Blatt. ES schreibt in: Anschluß an die wieder- gegebenen Auslassungen: „In kleinerem Maßstabe haben eS ja auch bei uns die Ver- bände versucht, die Preise hochzuhalten, sich aber schließlich dem allgemeinen Drängen und der wirtschaftlichen Entwickelung gefügt, und nach und nach Ermäßigungen(?) eintteten lassen."..» Die viel gerühmten„ Marktregeler" erweisen sich als die erfolgreichsten Störer des Wirtschaftslebens. Arbeiterentlassungen. Wie aus dem Ruhrrevier gemeldet wird, wollen zahlreiche Koblenzechen angesichts der gänzlichen Aussichtslosigkeit in bezug auf baldige Befferung der Lage auf dem Kohlenmarkte nicht mehr länger alle ihre Arbeiter weiter beschäftigen. Es sollen deshalb noch zahlreiche Kündigungen in Aussicht stehen. Hus der Frauenbewegung. Geprellt und genarrt. Geständnis Bur erneuten Verhandlung sind 56 Zeugen vorgeladen, außer dem als Sachverständige die Gerichtsärzte Medizinalrat Dr. Pfleger und Dr. Marg sowie Dr. med. Drohsin. Da für die Verhandlung drei Sizungstage angesezt sind, werden zwei Ersaßgeschworene ausgelost. Der 26 Jahre alte Angeklagte gibt, in Uebereinstimmung mit feinem bei der vorigen Verhandlung schließlich abgelegten Geständnis, Dr. Belter fagt das Drgan mit Bezug auf die Schädlichkeit der des Friedhofes eine Unterredung mit Frau Buchholz gehabt und Kriminalfommissar Weiß trat diefen Angaben im wesentlichen bek auch von unseren Verbänden praktizierten Preispolitik folgendes: soll sie dabei mit Vorsatz und Ueberlegung getötet haben. Es wird und beftritt die Behauptung des Angeklagten, daß er diesem gegenMan muß sich diese tatsächlichen Verhältnisse gegenwärtig noch erinnerlich sein, welche Mühe in der Verhandlung aufge- über sehr scharf aufgetreten sei und ihn dadurch veranlaßt habe, halten, um den in der abgelaufenen Woche erfolgten Preissturz wendet werden mußte, um nachzuweisen, daß Woldenberg zur Zeit nicht die Wahrheit zu sagen. Der Angeklagte erklärte hierzu: ich ohne weiteres zu verstehen. Unseres Erachtens steht die Zolltarif der Tat noch in Grünau gewesen ist, während er behauptete, daß hatte eine Abneigung gegen den Kommissar von dem Augenblick frage mit diesen Vorgängen nur in ganz losem Zusammenhang. er zu dieser Zeit schon wieder nach Berlin zurückgekehrt gewefen an, wo er mir gegenüber trat. Auf Befragen des Justizrats Die Krisis war eine unausbleibliche und sie liefert den untrüg- sei. Schließlich hatte er sich zu einem Dr. Sello bestätigte Kommissar Weiß, daß er an einer Stelle relichen Beweis dafür, daß mit einer einschneidenden Erzeugungsgistriert habe: Der Angeklagte scheine ein Mann zu sein, der Haß einschränkung allein eine wirtschaftliche Krisis nicht überwunden dahin bequemt: er sei bei einer mündlichen Auseinandersetzung und Wut in einer ganz unglaublichen Weise aufspeichere und ihn werden kann, und daß auch ein Trust von der umfassenden mit Frau Buchholz von dieser beschimpft worden, habe sie in der dann mit einem Male zum Ausbruch kommen zu lassen. Stellung und dem umfassenden Einfluß des amerikanischen Stahl- Erregung am Halfe gepact, aber nicht in der Absicht, sie zu töten med. Drohsin- Köpenick, der als erster medizinischer Sachverstän= trufts die wirtschaftliche Entwickelung nicht aufhalten kann, fendern und habe dann zu seinem Entseben gesehen, daß sie tot zur Erde diger bei der Leiche war, bekundete u. a., daß nach den Spuren gezwungen ist, ihr in den Preifen zu folgen. Die Preiskrisis stellt fiel. Erst dann habe er ihr die Schnur um den Hals gelegt, um am Halse der Leiche mindestens zweimal seitens des Täters sehr Die notwendige Reaktion auf das Vorgehen des Stahltrustes dar, einen anderen Anschein zu erwecken. Neben der Frage, ob Mord das Gerichtsarzt Dr. Marg erstattete, zeigte die Leiche die klassischen energisch zugegriffen sein müsse. Nach dem längeren Gutachten, und sie ist unstreitig der Einsicht entsprungen, daß eine Gefundung oder nur Körperverlegung mit Todeserfolg? ist zu beantworten, Merkmale des Erstidungstodes. Der Tod sei zweifellos durch Ver nicht eintreten kann, wenn nicht auch der Preis der Bedarfs- ob schwerer Raub vorliegt, da der Angeklagte das Portemonnaie Merkmale des Erstickungstodes. Der Tod sei zweifellos durch Ver entwickelung und dem Verbrauch sich anpaßt." der Frau Buchholz mit etwa 15 M. Inhalt darunter die omi- schluß der Luftwege eingetreten. Die Frau ist durch gewaltsame nöfen beiden Jubiläumsmünzen an sich genommen hatte. In Erdrosselung betrifft, so sei folgendes zu beachten: Die am Halse an sich genommen hatte. In Erstidung gestorben. Was die etwa noch in Frage kommende dieser Beziehung hatte der Angeklagte behauptet, daß das Portemonnaie der Frau B. aus der Tasche gefallen sein müsse und er der Frau sichtbar gewefenen Blutunterlaufungen sind sichere Anzeichen dafür, daß diese an einer lebenden Person ausgeübte es vom Boden aufgehoben habe. Gewalt den Tod verursacht habe. Dafür, daß die Umschnürung des Halfes an einer noch lebenden Person erfolgt ist, hat sich kein Anhalt ergeben; es muß also in Uebereinstimmung mit der Behauptung des Angeklagten angenommen werden, daß die Erwürgung stattgefunden hat, ehe die Strangmarke umgelegt wurde. Der Täter, der den Verschluß der Luftwege verursacht hat, muß mehr als einmal mit der Hand zugegriffen haben und zwar muß träftig und nachhaltig gedrückt worden sein. Es muß auch mit der Annahme gerechnet werden, daß ein Kampf stattgefunden hat, zu, die Frau Buchholz getötet zu haben, bestreitet aber den Vorsatz denn durch ein bloßes einmaliges Anfassen können die AbschürZu den Kopenhagener Stadtverordnetenwahlen am 12. März, der Tötung und behauptet nach wie vor, daß lediglich ein unglüd- fungen am Arm und an der Nase der Frau nicht entstanden sein. Medizinalrat Dr. Pfleger bestätigte den Befund und alle SchlußDer Angeklagte wo die Frauen der dänischen Hauptstadt zum erstenmal ihr aktives licher Zufall mitgespielt habe. Bei der Begegnung mit der Frau Buchholz sei er mit dieser in Wortwechsel geraten, die Frau habe folgerungen, die Dr. Marg daraus gezogen. und passives Wahlrecht ausnutzen können, haben alle Barteien, selbst ihn durch Schimpfworte erregt und da habe er sie im Merger an betont auf Borhalt: er habe in der vorigen Verhandlung bei die Konservativen, die bislang Gegner des Frauenwahlrechts waren, ben Hals gefaßt und geschüttelt. Sie sei zusammengebrochen, da Gelegenheit feines Geständnisses eine Angabe dahin gemacht, daß in ihre Kandidatenliſten auch eine Anzahl Frauen aufgenommen. er aber glaubte, daß sie sich nur verstelle, habe er in der Erregung er die Frau nicht nur am Halse gepackt, sondern auch geschüttelt Der dänische Frauenbund( Danst Kvindesamfund), der verständig genug war, auf Aufstellung einer besonderen Frauenliste zu verzichten, noch einmal zugefaßt und sie geschüttelt und da habe er zu seinem habe. Die Sachverständigen geben zu, daß schon hierdurch der VerJustizrat Dr. Sello Schrecken wahrgenommen, daß fie tot war. Um den Anschein schluß der Luftwege eingetreten sein könne. hatte zu einer Versammlung am Donnerstag die Kandidatinnen der eines Gelbstmordes zu erweden, habe er der Frau dann die richtete an die Sachverständigen die Frage, ob ihnen aus der Krimiverschiedenen Parteien eingeladen, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich über ihre Ansichten und Absichten zu äußern. Zu Beginn der Schnur um den Hals gelegt und sei mit der Bahn nach Berlin nalstatistik irgendwelche Fälle bekannt feien, wo ein Mörder sein zurüdgefahren. Opfer durch reines Erwürgen zu Tode bringt. Nach seiner Versammlung bemerkte die Vorsitzende, wenn keine sozialdemokra Die beiden Sachver Bei dieser Darstellung verbleibt der Angeklagte trok der Kenntnis feien solche Fälle sehr selten. tischen Kandidatinnen hier zur Stelle seien, so liege das daran, daß Borhaltungen des Vorsitzenden, der ihn auf die unwahrscheinlichkeit ständigen konnten sich auf einen bestimmten Fall dieser Art nicht ein Kongreßbeschluß von Stuttgart den Frauen der Sozialdemokratie dieser Behauptung mehrfach hinweist. Er behauptet, er sei ein fefort befinnen. Die Aussagen des Ehemannes der Berstorbenen berbiete, an anderen als sozialdemokratischen Versammlungen teilzunehmen und dort zu reden. Daß fie Unsinn redete, schien der Lamm", wenn er aber gereizt werde, dann komme es über ihn und und der übrigen Verwandten der letteren ergaben nichts Neues. er fönne sich nicht halten. Frau Buchholz schildert er als eine Es kam hierbei zur Sprache, daß Frau Buchholz von ihrem Manne Dame nicht bewußt zu sein. Die weiblichen fozialdemokratischen lebenslustige und liebebedürftige Frau. Außer mit dieser, die ihm mehrfach recht heftig geschlagen worden sei und daß Wollenberg Stadtverordnetenkandidaten sprechen fortgesetzt in zahlreichen Verwiederholt Geldzuwendungen gemacht, hat er noch mit einer Ar- eine unheimliche Macht über sie gehabt haben müsse, der sie sich fammlungen ebensogut wie ihre männlichen Genossen über unser Pro- beiterin ein„ Berhältnis" unterhalten. Er hatte in der letzten Zeit nur schwer entziehen konnte. Sie soll mehrfach Aeußerungen gegramm, wobei auch jedem Gegner Gelegenheit genug geboten wird, biele Monate hindurch keine feste Arbeit, will aber Aushilfs. macht haben, die erkennen ließen, daß sie Furcht vor dem Angefeine Meinung zu sagen. Sie haben es wirklich nicht nötig, arbeiten verrichtet haben. Außerdem behauptet er, daß er bei flagten hatte und sich gern mit ihrem Manne wieder aussöhnen jenen Damen vom Frauenbund noch einen besonderen Vortrag zu Glüdsspielen und Automatenspielen viel Glüd gehabt habe. Richtig wollte. Nachdem noch eine Reihe von Zeugen und Zeuginnan halten. Uebrigens haben die Klaſſengegenfäße sich diesmal bei den sei es, daß er in den letzten Wochen manchmal unter Geldmangel vernommen worden waren, die allerlei über das Verhältnis der Stadtverordnetenwahlen so zugespigt, daß man eigentlich nur noch gelitten habe, das habe mit dem Aufhören der Zuwendungen seitens Frau Buchholz zu ihrem Ehemanne und zu dem Angeklagten, fobon Sozialisten und Antisozialisten reden kann. die bei den früheren Majoritätswahlen mit der Sozialdemokratie der Buchholz nichts zu tun. Er habe wiederholt der Buchholz Geld wie über die persönlichen und Erwerbsverhältnisse des letzteren alliert waren, tuten nun in das antisozialistische Horn. In der in Verwahrung gegeben, welches sie ihm je nach Bedarf zurückgab. und über einzelne verfängliche Rebensarten desselben bekundeten, Versammlung des Frauenbundes übten mehrere Kandidatinnen der Falsch sei die Behauptung eines Zeugen, daß er am 11. September wurde die weitere Beweisaufnahme auf Donnerstag vertagt. nur noch etwa 60 Pf. besessen habe. Er gibt auf Befragen zu, fonservativen Liste scharfe Stritit an dem Verhalten ihrer eigenen daß er nach der Tat das Portemonnaie der Frau Buchholz an sich Partei und beklagten sich bitter über die Zurückseßung ihres Geschlechts. Eine Kandidatin fühlte sich im Namen ihres Geschlechts genommen und darin etwa 10 M., darunter zwei JubiläumsDer Zentralverband der Schmiede hielt am Mittwoch eine Der Vorfizende hält dem Angeklagten die verschiedenen außerordentliche Generalversammlung in Dräsels Festsälen" ab, geprellt und genarrt" und meinte, man habe bei Auf- weimarkstücke, vorgefunden habe. stellung der Liste so viele Rücksichten auf diesen und jenen nehmen Momente vor, die erkennen lassen, daß Frau Buchholz, die die als Fortsetzung der ordentlichen Generalversammlung vom 24. Femüssen, daß für die Frauen nur zufällig hier und da ein Plaz zum Absicht hatte, sich von ihm zu trennen, sich vor ihm fürchtete, daß bruar, die vertagt werden mußte. Vor Eintritt in die Tagesord Hineinschlüpfen übrig geblieben sei. Wiederum eine andere Staner gedroht haben soll, sie zu erschießen und nach einer Aussprache nung berichtete der Vorsitzende Siering über den Streit der didatin war mit dem Programm, das mit der Liste verbunden ist, mit der Frau B. in Gegenwart von deren Schwager Herzog ein- Kesselschmiede bei der Firma Schwarzkopff in Wildau. Die Arnicht einverstanden und beklagte dessen herausfordernde und gehässige mal äußerte:" Du wirst sehen, daß noch etwas paffiert". In der beiter traten in den Streit, weil ihnen mit einem Abzug gedroht Sprache, und eine Frau Thora Knudsen, die auf derselben Liste Schilderung seines Verhältnisses zur Frau Buchholz bringt der wurde, den sie sich nicht gefallen lassen wollten. Von den 231 Streifandidiert, erklärte auch, daß fie niemals dafür gewesen Angeklagte neue Momente nicht vor. Die Peitschenschnur, die er kenden sind 184 organisiert und 47 unorganisiert. fet, daß die Frauen wahlrecht erhalten follten der Frau um den Hals geschnürt, will er eines Tages auf der Die Diskussion über den Jahresbericht der Ortsverwaltung Diese Damen find also teils mit ihrer eigenen Bartei nicht ein Straße gefunden und zu sich gefteckt haben. Er bleibt bei seiner wurde dann aufgenommen. Die Ortsverwaltung wurde mehrfach verstanden, teils sogar Gegnerinnen des Frauenwahlrechts, auf Behauptung, daß er nach Grünau lediglich zu dem zwed gefahren angegriffen, befonders weil die Agitation nicht rege genug gewesen Grund dessen sie gleichwohl in das Stadtparlament einziehen möchten. sei, um dort das Freibad zu benußen; von dem Aufenthalt der fei und der Mitgliederbestand nicht auf der wünschenswerten Höhe Buchholz in Grünau habe er noch teine Kenntnis gehabt. Der sich befände. Die Entschuldigung mit der schlechten Konjunktur in den Weg geführt, und er sei von einer gewissen Giferfucht be- gefordert, Versammlungen zu veranstalten, um den Berufsangefallen woorden, da er die Frau liebte. Als er dann mit ihr allein hörigen über Vorgänge in der Innung, über den Arbeitsnachweis die Aussprache hatte und sie ihm so böse Worte sagte, habe er den und die Krankenkasse mancherlei Aufflärung zu geben. Die Agi= verhängnisvollen Griff nach ihrem Halse getan. Die Peitschen- tationsfommission sollte es sich angelegen sein lassen, die Mits schnur habe er an jenem Tage nicht mit besonderer Abficht mit- glieder über ihre Rechte in ihrer Stellung zu den Unternehmern genommen, sondern unbewußt in seiner Jadettasche bei fich ge zu unterrichten. Basner fritisierte scharf, daß im Jahresbericht tragen. Auf Befragen erklärt er, vor der Tat habe ein Kampf der Ausschuß in ungerechter Weise angegriffen worden sei( in nicht stattgefunden; die am Arm vorgefundenen Blutunter- einem Streitfall über eine Maßregelungsunterstüßung) und macht dem Vorsitzenden Siering Vorwürfe. Schlinsky, Siering laufungen tann er sich nicht erklären. und Hentschel verteidigen die Ortsverwaltung. Insbesondere weist Siering die erhobenen Vorwürfe zurüd. Er erklärt sich ebenso wie die Diskussionsredner für eine recht wirksame Agitation, fordert aber energisch die Mitglieder auf, die Verwaltung in ihren Bestrebungen zu unterstüßen, denn daran fehle es oftmals noch. Die Neuwahl der Ortsverwaltung ergab das folgende Resultat: Bum 1. Bevollmächtigten wurde Wilhelm Stering, zum zweiten A. Schlinsky, zum Kassierer W. Hentschel, zum Schrifte führer H. Ferchland, zu Revisoren Fr. Wert, S. Timmer= mann und Warzecha gewählt. " Verfammlungen. " 1 Die Ermordung der Frau Buchholz Bufall babe ihm dann die Frau in Begleitung eines älteren Mannes fönnte man nicht immer gelten lassen. Die Verwaltung wurde aufin Grünau. Staatsanwalt Tolti will von dem Angeklagten auch eine Grklärung dafür haben, wie der Angeklagte dazu gekommen, am Schlusse der vorigen Sißung, als ihm die Geschworenen des Mordes für schuldig erklärt hatten, ein auffallendes Benehmen In der Erinnerung unserer Leser ist noch die erste Verhandlung Vor dem Schwurgericht. Der Arbeiter Georg Woldenberg wurde am 22. Januar von den Geschworenen schuldig gesprochen, die am 12. September v. J. in der Nähe des Friedhofes in Grünau erdroffelt aufgefundene Ehefrau des Instrumentenmachers Buchholz mit Vorsatz und Ueberlegung getötet zu haben. Nach dem Wahrspruch der Geschworenen war also der Angeklagte des Mordes schuldig erachtet. Diesem Votum schloß sich das Gericht, weil kein Beweis für die Ueberlegung" erbracht war, nicht an. Es war einstimmig der Ansicht, daß sich die Geschworenen zum Nachteil des Angeklagten geirrt hätten. Die Folge davon war, daß der Gerichtshof die Sache aufhob und sie an ein neues Schwurgericht zu zeigen, indem er, wie von vielen Beugen befundet werde, zum verwies. Vor diesem begann gestern die auf drei Tage berechnete Bublifum hin wiederholt Grimassen geschnitten und sogar die neue Verhandlung. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Bienutta, die Anklage ver- Bunge herausgestedt haben soll, gerade als ob er einen Sieg erJustizrat Dr. Sello: Er müsse dann darauf betritt Staatsanwalt Tolki, der auch in der ersten Verhandlung als rungen habe. Ankläger aufgetreten war, der Angeklagte wird wieder durch stehen, daß er felbft als Zeuge vernommen werde, denn er habe in jenen Augenblicken unmittelbar neben dem Angeklagten gestanden Justizrat Dr. Sello verteidigt. und könne bekunden, welche Gefühle den Angeklagten und ihn selbst erfüllten. Er würde darauf bestehen müssen, selbst auf die Gefahr der Vertagung hin. Aus der Beweisaufnahme, Vorwärts" den Bericht von einer Versammlung des ArbeiterEine Mahnung der Abstinenten an die Partei? Unter diefer Ueberschrift beröffentlichten wir in Nr. 55 des Der Tatbestand fei kurz wiederholt. Die 31jährige Frau Buchholz wurde am 13. September, morgens 6 Uhr, in der Nähe Abstinentenbundes. Wir waren genötigt, in einer redaktionellen Bedes Friedhofes in Grünau als Leiche aufgefunden. Sie war mit einer durch Bindfaden verlängerten Peitschenschnur, die ihr über merkung zu dem Bericht, die Partei gegen den Vorwurf zu vers wahren, daß sie es mit der Junehaltung der in Effen angenommenen ben Kopf geworfen war, erdrosselt worden. Als Täter wurde der Angeklagte Woldenberg festgenommen, der bis etwa zwei Monate soweit sie im Laufe des gestrigen Nachmittags stattfand, ist nur Wurmschen Resolution gegen den Mißbrauch des Alkohols nicht ernst bor der Tat mit Frau Buchholz intime Beziehungen unterhalten wenig hervorzuheben, da die Zeugenbernehmungen sich ganz in nehme. Unsere Verwahrung hat uns zwei Buschriften eingetragen, hatte. Die Frau hatte sich von ihrem Manne getrennt und war dem Rahmen der vorigen Verhandlung halten. Die Beweisauf- eine vom Verbande der Gast- und Schankwirte, die uns der Parteizu ihrer Schwester nach Falkenberg, Rosestr. 5, gezogen. Von hier nahme erstreckte sich auf die Beobachtungen des Amtsgerichtsrats lichkeit und Voreingenommenheit gegenüber den Gastwirten, aus fand eine Versöhnung zwischen ihr und ihrem Ehemanne Mah, sowie der Gendarmen am Orte der Tat nach Auffindung und eine andere des Referenten jener Versammlung, die uns ebenstatt, die am 1. Oktober zur Wiederbegründung eines gemeinsamen der Leiche. Nach der Meinung der Gendarmen war die Peitschen- falls der Parteilichkeit und Voreingenommenheit, aber den Haushaltes führen sollte. Am 12. September ist Woldenberg per schnur am Halse fest zusammen gezogen, die Kleidertasche hing Abstinenten gegenüber, zeiht. Wir mußten die Aufnahme beider Rad nach Grünau gefahren, hat dort auf der Straße in der Nähe etwas heraus, es sah aus, als ob jemand hinein gegriffen hätte. Buschriften ablehnen. Sunlicht Seife eignet sich vorzüglich für alle jene Berufe, die mit Rauch, Russ und Schmutz in direkte Berührung bringen. Sie führt nicht nur eine gründliche Reinigung herbei, sondern erhält auch die Frische der Haut, macht scharfe Mittel unnötig! Sie ist z.B.die freundin des, schwarzen Mannes" nach Beendigung der Arbeit! Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 11. März. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. 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März im LolkShanse zu Charlottenburg, Rosinenstr. 3, statt. _ Der Zentralvorstand. Zur Lokalliste. Im fünften KreiS steht daS Lokal.Lands- berger Kasino", Jich. Alb, Scheruch, Landsberger Str. 39. der Arbeiterschaft zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Lokalkommisston. 2. Wahlkreis. Fricdrichstadt. Druckerei-Nachtarbeiter! Zahl- morgen am Sonntag, den 14. März er., bei Jul. Meyer, Oranien strafee 103..Internes vom Reichstag". Referent: Reichs- tagsabgeordneter Genosse Richard Fischer. Lichtenberg. Sonnabend, den 20. März findet im Schwarzen Adler lJnh. Gebr. Arnhold), Frankfurter Chausiee 5/6 das StiftungS- fest des Wahlvereins statt. BillettS find bei sämtlichen Gruppen- und Bezirksführern zu haben. Berliner JVaebnebten. Ein Kirchenetat. Der Haushaltsplan der Berliner Stadtsynode für 1909 weist eine erhebliche Steigerung auf. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 6440149 M., wovon 5 429000 M. auf das Ordinarium, 1011149 M. auf das Extraordinarium kommen. Im Vergleiche zum Vorjahre sieht das Ordinarium des Voranschlages in Einnahme und Ausgabe ein Mehr von 640500 M. vor. An Kirchensteuern werden(von 20 Proz. der Staatseinkommensteuer) 4 800 000 M. erwartet. Für Aus- gaben werden u. a. in Aussicht genommen: für Verwaltung 336 918 M.. Schuldenverwaltung 702151 M., landeskirch- liche Umlagen 2 209 420 M-, Beihilfen zu Predigergehältern 840680 M., Beihilfen zu Besoldungen für Kirchenbeamte, zu Ruhegehältern usw. 366 841 M-, Beihilfen für Gemeindepflege durch Diakonissinnen 48 000 M.. zur kirchlichen Pflege der konfirnrierten Jugend 45 000 M-, Beihilfen zu sonstigen persönlichen Ausgaben 50 054 M.. Beihilfen zu Bauten und Reparaturen 156 931 M.. Beihilfen zu verschiedenen sachlichen Ausgaben 93 110 M.. für Erwerb. Einrichtung und Unter- Haltung von Kirchhöfen 489 704 M. Auf die außerordentlichen Ausgaben sollen übernommen werden Kosten für Errichtung kirchlicher Gebäude 558 149 M-, für Pfarrer» und Gemeinde- Häuser 453000 M. Wie man sieht, wird der größte Teil der Kirchengelder durch Kirchensteuern— zirka 5 Millionen Mark— gedeckt. Wie viele Arbeiter mögen dazu noch ihren Obolus bei- steuern?_ Eine Betriebsstörung im Tiergarten wurde gestern durch Schmelzwasser für den Strassenbahnverkehr herbeigeführt. In der Lichtenstein-Allee hatte sich durch das von den Rasenflächen ab- fließende Schmelzwasser zwischen der Lichtenstein-Brücke und demGroßen Stern in solchen Mengen angesammelt, daß für die Zeit von Vzs bis >/«S Uhr nachmittags der Straßenbahnverlehr in der Richtung nach dem Westen gesperrt werden mußte. Die die Straße befahrendeit Linien lvurden deswegen über den Lützowplatz, Wichmannstraße und Kurfürstendamm abgelenkt. DaS Obdach der Stadt Berlin beherbergte im Februar in der Abteilung für nächtlich Obdachlose 115199 Personen. Da im Januar 122 019 Personen und im Dezember 105675 Personen beherbergt wurden, so hat diesmal das Obdach in den drei Wintermonaten eine Frequenz von 343093 Personen gehabt. Im vorigen Winter waren beherbergt worden im Februar d6 913 Personen, im Januar 97 324 Personen, im Dezember 77 478 Personen, zusammen 261 715 Personen. In diesem Winter beträgt das Mehr gegenüber dem vorjährigen für die drei Monate zu- sammen 81 378 Personen. So hat die Arbeits l o s i g k e i t gewirkt, sie hat viele Tausende in Rot und Elend gebracht! Diese Zahlen reden eine furchtbare Sprache aber der Berliner Stadtfreisinn stellt sich taub. DaS Kuratorium der städtischen Heimstätten hat in seiner letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Stadtrats Marggraf einstimmig den Antrag auf Errichtung einer Lungenheimstätte für Männer, der von dem Genossen Dr. Wehl gestellt war, angenommen. Diese neue Heimstätte, deren dringende Notwendigkeit dadurch erwiesen ist, daß in Buch nur 150 brustkranke Männer und in Gütergotz 42 Lungen- leidende Aufnahme finden können, während schon jetzt bei 26 Vor- Meldungen die Wartezeit 14 Tage beträgt,— soll nach dem Muster der belgischen Wald-ErholungSstätten, die sich sehr gut bewährt haben, errichtet werden. ES ist geplant, im Anschluß an die Heim ftätt« in Buch oder Gütergotz die neue Anstalt zu bauen. Zur nächsten Sitzung wird der bauausführende Architekt ein fach verständiges Gutachten über die bautechnische Seite der Frage er- statten. Ei« unerwarteter Familienzuwachs hat sich am Dienstag in der Familie des Maurers Robert Burmeister, Weidenweg 62, eingestellt. Die Frau des B. wurde von Drillingen entbunden. Aus einen solchen Zuwachs war B. freilich nicht eingerichtet. Da ist denn guter Rat teuer, zumal B. schon drei Kinder besitzt und obendrein arbeitslos ist. Die Drillinge— drei Mädchen— sind samt der Mutter wohl. Die Brrattmgen über die Reform de? Rettungswesens werden von dem zuständigen Stadwerordnetenausschuß recht gründlich ge- führt. In der letzten Sitzung wurde auf Antrag der Stadtverordneten Singet und Dr. Weyl einstimmig beschlossen, statt des in der Vorlage vorgesehenen drei- bis vierstündigen Turnus für die dienst- tuenden Aerzte der Rettungswachen eine Dienstzeit von zwei Stunden einzuführen, damit auch den prattischen Aerzten der Dienst aus den Rettungswachen ermöglicht werde. Die Verhandlungen «erden am Montag fortgesetzt. Nene Bestimmungen über die Schulpflicht in Berlin. Das Brandenburgische Provinzialschulkollegium hat, wie be- richtet wird, neue und für Berlin sehr einschneidende Bestimmungen über die Entlassung der Kinder nach beendeter Schulpflicht erlassen. BiSber war es in der städtischen Schulverwaltung üblich, daß ein Kind am Schlüsse des Semesters entlassen wurde, in dem es das 14. Lebensjahr vollendete, selbst wenn es nur die Reife der Mittel- stufe, die die vierte und fünfte Klasse umfaßt, erreicht hatte. Jetzt hat daS Provinzialschulkolligium bestimmt, daß die Entlassung erst erfolgen darf, wenn das Schulkind die Reife für die Oberstufe, die dritte, zweite oder erste Klasse, erlangt hat. selbst wenn eS das 14. Jahr schon überschritten hat. Ausnahmen dürfen nur gemacht werden, wenn häusliche Verhältnisse es notwendig machen. Die städtische Schuldeputation hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, diese Bestimmungen erst am 1. Oktober in Kraft treten zu lassen, da die neuen Bestimmungen für die zahlreichen Berliner Schulkinder, die die Oberstufe nicht erreichen, eine große Härte bedeuten. Dr. Egbert Müller-ß. Eine stadtbekannte Berliner Persönlich- keit, Dr. phil. et jur. Egbert Müller, der sogenannte„Geistermüller", ist gestern im 79. Lebensjahre gestorben. Der Mann, der als Ge- heimsekretär im Polizeipräsidium ein sehr reales Amt ausführte, war in seinem Privatleben ein sehr großer Schwärmer und Phantast, der dem Spiritismus huldigte. Durch Vorträge und literarische Schriften trat er 39 Jahre lang für die Idee des Spiritismus ein. und alle Medien und Geisterseher, die vom Gericht als Schwindler entlarvt werden sollten, fanden in ihm einen eiftigen Ver- leidiger. Zum erstennial trat er als spiritistischer Schrift- steller an die Oeffentlichkeit mit einer großes Aussehen erregenden Verteidigungsschrift für den Baueruknaben Karl Wolter, der als vermeintlicher Unfugstifter und Urheber des „Spukes von Resau" zu einer mehrmonatlichen Gefängnis- strafe verurteilt war. Seitdem hat Dr. Egbert Müller wohl in allen Strafsachen, die eine Beziehung zum Spirittsmus haben, wie besonders in den einst viel besprochenen Prozessen gegen das Blumen- medium Anna Rothe, und gegen das Materialisationsmedium Valeska Töpfer eine hervorragende Rolle als Sachverständiger gespielt. Dr. Müller erregte seinerzeit mit seiner Broschüre über den Spiritismus in der Tasckenuhr des Kaisers großes Aufsehen Der Verfasser behauptete, daß der Kaiser ständig den Kleiderzipfel eines Mediums in der Uhrkapsel trage, und daß er diesen Zipfel als einen Glückstalisman betrachte. Der Entdecker dieses Geisterläppchens er- zählte, daß Kaiser Wilhelm diese Geistergabe als ein besonderes Gnadengeschenk erhalten habe. Zum Direktor der Berliner Pflichtfortbildnngsschule ist Stadt- schulinspektor Dr. Grundscheid von der Deputation des Fort- bildungsschulwesens dem Magistrat vorgeschlagen worden. Grund- scheid wird nachgerühmt, daß er sich aus Kleinem heraufgearbeitet habe und daß er sich für den Posten gut eigne. Wie wir einem hiesigen Blatte entnehmen, befanden sich unter den übrigen Be- Werbern Professor Dr. Glatzel und Direktor Haumann. Die Massenerkrankungen im Rudolf Birchow- Krankenhause kamen in einer Versammlung der Wärterinnen und Pflegerinnen zur Sprache, die zu Dienstagabend vom Gemeindearbeiterverband ein- berufen war. Von den Rednern wurde bestätigt, daß die Er- krankungen auf den Genuß von Frikassee zurückzuführen seien. Daß neben den Schwestern auch einige Wärter erkrankt seien, habe seinen Grund darin, daß diese Wärter Nachtdienst hatten und deshalb die Schwesternkost, den sogenannten„zweiten Tisch", erhielten, während sonst die Pfleger eine geringere Kost, den„dritten Tisch", bekommen. Von den einzelnen Rednern wurde über die Beschaffenheit der Kost lebhaft Klage geführt. Das Essen sei viel zu knapp und wenig schmackhaft. Als die Pfleger einmal ungewöhnlich große Porttonen Wurst erhielten, habe sich herausgestellt, daß diese Wurst schnell ver« braucht werden sollte, weil ihre Beschaffenheit nicht mehr einwandfrei gewesen sei. Erst auf wiederholte Beschwerde sei den Pflegern bessere Wurst verabreicht worden. Auch in anderer Beziehung wurden von den Versammelten Beschwerden über die Dienstverhältnisse im Rudolf Virchow-Kranlenhause vorgebracht. Politik in der Pflichtfortbildungsschule. Zu diesem Thema wird uns geschrieben:„Zum Unterrichtsstoff der PflichtfortbildungS. schule gehört auch die Bürgerkunde, durch die unsere Pflichtfort- bildungsschüler mit den Einrichtungen von Staat und Gemeinde bekannt gemacht werden sollen. Die Einführung dieses Unterrichts- gebietes in den Lehrplan der Pflichtfortbildungsschule war eine Notwendigkeit, da es bisher keine als ausreichend zu bezeichnende Gelegenheit gab, durch die unsere heranwachsende Generation zu- sammenhängende Belehrungen über das genannte Gebiet erhalten konnte. Sie mutzte aus den verschiedensten Gelegenheiten und Be- lehrungSmäglichkeiten, z. B. Zeitungen, das Notlvendigste sich selbst zusammentragen. Am natürlichsten war es, daß die politische Partei, der der junge Mann infolge seines Umganges, namentlich aber durch seinen Beruf zugeführt wurde, mehr oder weniger ab- sichtlich und in ihrem eigensten Interesse diese Aufgabe so gut sie es eben bei der gelegentlichen Belehrung konnte, übernahm. Dieser Art der Belehrung, die man eine zufällige nennen könnte, sollte die Pflichtfortbildungsschule eine planmäßige, aber rein sachliche gegenüberstellen. Es ist kaum denkbar, daß ein erwachsener denkender Mensch nicht irgend eine Stellung einnimmt gegenüber unseren staatlichen und kommunalen Einrichtungen, und es liegt für den politisch stark interessierten Lehrer die Gefahr nahe, diese seine eigene Meinung und Stellungnahme in seinem Unterrichte irgendwie zum Ausdruck zu bringn. Trotzdem mutz man es als eine Taktlosigkeit sonder- gleichen bezeichnen, wie der vom Stadtverordneten Hoffmann ge- nannte Lehrer Holz dies getan hat. Der Lehrer Holz mutzte wissen und hat es gewußt, datz er arbeitende Jugend vor sich hatte, zu der er sprach, und zwar nicht erst Anfänger, sondern angehende Ge- sellen, Schüler, die vor dem Abgang standen. Er mutzte sich sagen, daß diese, wenn auch noch nicht äußerlich, so doch in ihrer Ge- sinnung keiner anderen Partei angehören konnten, als der von ihm beleidigten und geschmähten. ES war aber nicht nur eine Taktlosigkeit, sondern sogar eine Pflichtverletzung, was er beging. Denn er hatte die Aufgabe, Tat- fachen zu vermitteln, sachlich zu belehren und nicht zu bekehren oder gar zu schmähen. Und welchen Zwiespalt beschwor er herauf. Wie manches JünglingS Herz, das durch die Schuldisziplin in Schranken gehalten war, mag gebebt haben bei seinen Worten. Als eine Ungerechtig- keit mutzten es viele empfinden, die da sahen, datz die Zettel der „Freien Jugendvereinigung" nicht verteilt werden durften, auch nicht einmal auf der Stratze. während die Zettel seines Vereins, des„Deutschen Jugendbundes", selbst im Schulhause ungehindert passieren durften. So erfolglos, wie Herr Holz als ReichstagSkandidat bei der letzten Reichstagswahl gewesen ist, so erfolglos werden auch seine Bekehrungsversuche an der arbeitenden Jugend sein. Das Leben in der„Freien Jugendvereinigung" zeugt von kraftstrotzender Jugend, die sich ihren Platz an der Sonne nicht nehmen läßt. Sie gewaltsam zu verholzen, geht an das Lebensmark der Partei, die der arbeitenden Jugend helfen will. Die Schule aber ist der allerungeeignetste Platz zu solcher negativen Arbeit. Hoffentlich versäumt die Schuldcputation nicht diese Gelegenheit, um den ihr unterstellten Lehrern solche Extravaganzen zu untersagen. Eigent- lich sollte eä nicht erst nötig haben." » Wie wir hören, ist auf Grund einer eingeleiteten Untersuchung der Lehrer Holz vorläufig von seinem Amt als Fortbildungsschule lehrer suspendiert worden. Es wäre wünschenswert, zu hören, wie Herr Holz sich in seiner Eigenschaft als Gemeindeschullchrcr seinen Schülern gegenüber bewegt.' Lebendig verbrannt. Auf schreckliche Weise hat vorgestern mittag die 79 Jahre alle Witwe Alberttne Vogel, Waisenstr. 16, den Tod gefunden. Die alte Dame hatte in ihrem Wohnzimmer einen kleinen eisernen Ofen zur stärkeren Erwärmung aufgestellt. Gestern mitlag setzte sie sich dicht an den Ofen heran, um sich zu wärmen. Sie schlief hierüber ein und indes fingen ihre Kleider Feuer. Erst als sich die Flammen über die ganze Kleidung hinweg verbreitet hatten, erwachte die Unglückliche. Brennend, einer lebenden Feuer- säule gleich, stürzte sie vom Ofen fort, um aus der Wohnung heraus- zueilen. Mitten im Zimmer brach sie aber zusammen, Hilflos mutzte die Greisin nun verbrennen. Als Hausbewohner durch den starken Brandgeruch aufmerksam gemacht, die Wohnung betraten, fanden sie die Inhaberin als verkohlten Leichnam auf. Die Kleider waren gänzlich vom Körper heruntergebrannt. Die Kindcsleiche im Koffer. Die Ermittelungen der Kriminal- Polizei nach der Mutter jenes Kindes, das auf dem Lehrter Bahn- Hof als Leiche in einem Koffer aufgefunden wurde, haben einen Teil- erfolg gehabt, der wahrscheinlich zur völligen Aufklärung des im- heimlichen Fundes führen wird. Der Koffer, in dem sich die Leiche befand, ist am Sonnabendabend um 7 Uhr in einem Geschäft in der Königstratze gekauft worden. Dort fuhr eine Dame mit einer Droschke vor, die aus dem Innern der Stadt kam, so datz das Pferd mit dem Kopfe nach dem Alexanderplatz zu stand. Sie hatte es ziemlich eilig und kaufte, ohne lange zu wählen, einen Koffer für 19 M. Den inneren Einsatz ließ sie Heransschneiden, weil er sonst für ein Paket, das er ausnehmen sollte, zu klein sei. Dieses Paket lag, mit einem Riemen umschnürt, in der offenen Droschke. Die Dame stieg gleich wieder ein, nahm das Paket und legte es in den Koffer hinein. Hierbei sah sich der Kutscher nach ihr um. Nach der Einpackung wandte der Kutscher um und fuhr nach der Richtung des Schlosses davon. Er mutz die Dame gleich nach dem Lehrter Bahnhof gebracht haben, weil dort der Koffer gegen 7l/2 Uhr schon aufgegeben wurde. Dieser Kutscher, ein älterer Mann mit graumeliertem Schnurrbart, wird ersucht, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei zu melden. Er hatte ein dunkeleS Pferd und einen offenen Wagen. Die Dame ist etwa 28 bis 39 Jahre alt. Sie hat eine schlanke Gestalt und auffallend hellblondes Haar und trug gute Kleidung: einen dichten geblümten weißen Schleier, einen dunkelen Filzhut mit einfacher Garnierung. ein dunkelblaues Samtkostüm mit halblangem Jackett und weiße wollene gestrickte Handschuhe. Beim Abspringen von der Borderplattform eines Straßenbahn- wagenS ist gestern der Oberpostschaffuer Voigt schwer zu Schaden gekommen. Er hatte einen Zug der Linie 16 benutzt und wollte am Neuen Tor auf einen Wagen der Linie 51 steigen, der zu derselben Zeit herannahte. Um jenen Zug noch zu erreichen, sprang V. von der Plattform des noch in der Fahrt befindlichen, von ihm benutzten Wagens herab, glitt ans und fiel so unglücklich, datz er mit der linken Hand unter den Waggon geriet und überfahren wurde. Ihm wurde das linke Handgelenk zermalmt. Auhcrdem erlitt Voigt einen Bruch des linken Oberarmes und, wie auf der Unfallstation in der Eichendorffstratze festgestellt wurde, eine Gehirnerschütterung. Der Schwerverletzte wurde nach der königlichen Klinik in der Ziegelstratze gebracht. Tödlicher Absturz aus dem Hotel. In einem Hotel in der Dorotheeustratze fHotel„Splendid") hat sich vorgestern ein aufregender Vorfall abgespielt. Der 45 Jahre alte Kaufmann Ernst Vlumenthal aus Thorn sollte nach einein Sanatorium in Schlachtensee gebracht werden. Gestern morgen kam er mit einem Verwandten in Berlin an und rastete für einige Zeit in dem Hotel. In einem im« beaufsichtigten Moment ritz der Kranke daS Fenster auf und stürzte sich aus der Höhe des dritten Stockwerks auf die Stratze hinab. Der Lebensmüde zog sich einen dreimaligen Bruch beider Beine sowie erhebliche innere Verletzungen zu. In hoffnungslosem Zu- stände wurde er in die königl. Klinik eingeliefert. Todessturz aus dem Fenster. Der Selbstmord einer greifen Lebensmüden rief heute morgen in der Scheyrerstratze Aufsehen her- vor. Die 63 Jahre alte Witwe Pauline Faber, geb. Geber, die bei Verwandten in der Schererstr. 1 gewohnt hatte, stürzte sich in einem Anfall von plötzlich ausbrechendem Irrsinn aus dem zweiten Stockwerl auf die Straße hinab. Mit zerschmetterten Gliedern blieb die alte Frau auf dem Bürgersteig liegen. Ein hinziigeriifener Arzt konnte bei der Lebensmüden nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde nach dem SchauhauS gebracht. Fenerwehrbericht. Gestern vormittag um 9 Uhr kam ein ge- fährlicher Brand in der Friedrichstr. 74 vermutlich durch Ueber« heizen eines Ofens zum Ausbruch. Es brannte ein Lagerraum der Union, Schreibmaschinengesellschaft im ersten Stockwerk des Quer- gebäudes auf einen mit Kisten usw. bollgepfropften kleinen Hofe. Schon war die Decke zu einem Raum, im Erdgeschoß, in dem eine Menge Holzwolle usw. lagerte, durchgebrannt und das Quergebäudo total verqualmt, als die Züge 19 und 17 erschienen. Sofort wurden mehrere Schlauchleitungen vorgenommen. Ueber die mit undurchdringlichem Qualm angefüllten Treppen und einen Steckleitergang, der am Hanfe aufgerichtet wurde, drangen die Feuerwehrmänner ein. Um Luft zu machen, wurden die Fenster ge- öffnet und dann kräftig Wasser gegeben. Dadurch gelang es, den Brand auf die Räume im Erdgeschoß und ersten Stock zu beschränlen. Nur dem schnellen Wassergeben der Feuerwehr ist eS zu verdanken, daß das Feuer auf das Ouergebäude, ein uraltes HauS, beschränkt blieb. Der 7. Zutj hatte in der Bromberger Sir. 15/16 zu tun. wo Preßkohlen auf einem Eisenbahnwaggon brannten und abgelöscht werden mutzten._ Vorort- JVadmehtem Rixdorf» Einer unerhörten Züchtigungömethode hat sich vor eimgen Monaten der Gemeindeschullehrer Bruno Meyer, der in der Weise- stratze gelegenen Geineindeschule Unterricht erteilt, bedient. Vor mehreren Monaten erschien der Schüler Muzikar mit bloßen und unsauberen Füßen in der Schule. Der Knabe ist der Sohn einer Witwe, die ihre fünf Kinder unter Kummer und Arbeit schlecht und recht ernährt und nicht imstande war. dem Knaben Schuhzcng zu kaufen. In dem Lehrer schien der bloße Anblick der nackten und unsauberen Füße des Knaben hellen Zorn ausgelöst zu haben, denn er hatte nichts Eiligeres zu tun. als dem Jungen Stockschläge auf die Füße zu geben. Die Mutter, empört über die echt türkische ZllchtigungSmethode des JugendbildnerS, ging in die Schule und stellte denselben zur Rede. Bei den nun folgenden Auseinandersetzungen zwischen ihr und dem Lehrer entschlüpften der Frau Mnzikar Bemerkungen, die Meyer als Beleidigung auffaßte und Frau M. wegen Beleidigung verklagte. Vor wenigen Tagen imn hatte sich das Rixdorfer Schöffen- gericht mit der Sache zu beschäftigen. Nach reiflicher Erwägung sprach das Gericht Frau M. zwar der Beleidigung für schuldig. er- achtete sie aber für straffrei. Es sei, so betonte der Vorsitzende.- begreiflich, wenn bei solchem Anlaß eine um das Brot ihrer Kinder schwer arbeitende Mutter in Aufregung gerate. Als wahr hat auch der Gerichtshof unterstellt, datz Meyer zu Frau Muzikar gesagt habe „Sic dusseliges Weib, scheren Sic sich hinaus I' Wie nun berichtet wird, hat dieser Vorfall bereits zur Ein- leitung eines Disziplinarverfahrens gegen M. geführt. Es wäre auch unerhört, wenn ein solcher Mann noch länger mit der Er» giehung der Kinder betraut würde, Schöneberg. Am Schlusse der Versammlung wird angeregt, daß die Berfammlungen in Zukunft, da der Freitag schon start besetzt sei, an einem Sonnabend abgehalten werden und pünktlich um 8% Uhr beginnen sollen. Auf den 14. März wird von dem Bildungsausschuß eine Ver. sammlung der Jugendlichen nach dem Wilhelmshof" einberufen Der Gewerkschaftskommission haben sich neu angeschloffen die Brauer und die Gastwirtsgehilfen. werben. Raterteilung an Boltsschüler bei der Berufswahl. Die Stadtschuldeputation in Schöneberg hat nach eingehenden Beratungen unter Hinzuziehung der Schulbehörden eine Einrichtung getroffen, die dadurch besondere Bedeutung gewinnt, daß Pädagogen, Herzben und Eltern Gelegenheit zu gemeinsamer Tätigkeit geboten wird. Um nach dieser Richtung hin Erfahrungen zu sammeln, ist zunächst für die 14. Gemeindeschule in Schöneberg zur Beratung in der Berufswahl eine Kommission gebildet worden, der außer dem Rektor und den Ordinarien der oberen Klassen, der Schularzt und zwei Vertreter der Eltern angehören. Auch der weiblichen Berufswahl ist in anerkennenswerter Weise dadurch Rechnung getragen, daß eine Lehrerin an den Beratungen gleichberechtigt teilnimmt. Charlottenburg. Stadtverordentensitung. nun Grundstüde persönlich interessiert sind, selbst soviel Geschmad| lebhaften Beifall. In der Diskussion sprach, da Gegner sich nicht Die Gewerkschaftskommission beschäftigte sich in ihrer Tekken befunden, sich an den Verhandlungen und Abstimmungen der Ge- zum Worte meldeten, Genosse W. Schulze. Er nahm Bezug auf den Sigung mit dem Ergebnis der Arbeitslosenzählung am 12., 13. und meindevertretung über diesen Punkt nicht zu beteiligen, umfomehr, Vorwärts"-Bericht, wonach die Schulkinder der Schule fernbleiben 14. februar. Die Zählung hat ergeben, daß in Schöneberg reich als nach§ 108 der Landgemeindeordnung derjenige an Verhand- mußten, weil die Wege so verschneit waren, daß die Kinder nicht lich dreimal so viel Arbeitslose vorhanden sind, als das Ergebnis lungen über Rechte und Verpflichtungen der Gemeinde nicht teil- hindurch konnten. Die Gemeindeverwaltung trage nicht dafür Sorge, der amtlichen Zählung am 17. November vorigen Jahres gebracht nehmen darf, dessen Interesse mit dem der Gemeinde im wider die Wege freizumachen, trozdem genügend Arbeitslose am Orte vorhat. Der Magistrat hatte der Gewerkschaftskommission 546 M., die pruch steht. Eventuell hat der Gemeindevorsteher die Ver- handen seien. Er forderte die Genossen auf, bei der Gemeindebei der vorerwähnten amtlichen Zählung übrig geblieben waren, pflichtung, einen Beschluß auf Ausschließung der Interessenten herbei- vertretung vorstellig zu werden und zu verlangen, daß für Be schäftigung der Arbeitslosen Sorge getragen werde. Hierauf schloß als Beihilfe überwiesen. Die allgemeine amtliche Bählung, die auführen. der Vorsitzende Genosse Schulze die Versammlung. am 16. Februar abgehalten werden sollte, ist dafür in Schöneberg Lichtenberg. unterlassen trorden. Nach der Zählung sind dem Magistrat noch Weißensee. sechs Mann als Rechercheure gestellt worden. Die Recherchen erIn der am Dienstag, den 9. März, abgehaltenen Eibung famen Abgelehnter Amtsmißbrauch. Im Oftober 1906 stand der Kampf gaben aufs neue, daß die Zählung fehr sorgfältig ausgeführt wiederholt Schulverhältnisse zur Erörterung. Zum Punkt: Be- des Herrn Dr. Pape mit der hiesigen Strankenkasse in höchster Blüte. worden war, was auch das Statistische Amt in vollem Umfange an- schaffung von Subsellien für die höhere Knabenschule" beantragte um sich und seine Kampfesweise in ein günstiges Licht zu rücken, erkannte. Dem Magistrat iſt die Arbeitsnot durch die Zählung Genosse Linke die Verweisung an eine Kommission und gab dazu ließ er ein Schriftstück verfertigen, worin angebliche Verfehlungen wiederum sehr deutich vor Augen geführt worden, es bleibt nun folgende Begründung: Zur Erweiterung der höheren Knabenschule des Krankenkassenvorstandes niedergelegt waren, das an alle bürgers abzuwarten, ob die Notstandsarbeiten endlich in weiterem Umfange in Angriff genommen werden und ob bei den Verhandlungen über sollen der Volksschule in der Pfarrstraße erneut sechs Klassen ent- lichen Gemeindevertreter verfandt und auch in dem amtlichen Blatte Die sozialdemokratischen Gemeindevertreter die Unterstüßung Arbeitsloser etwas herauskommen wird. Be- 3ogen werden, so daß wieder eine große Zahl Kinder umgeschult veröffentlicht wurde. mängelt wurde, daß der Raum für den Arbeitsnachweis nicht aus- werden muß. Jest schon liegen berechtigte Klagen vor, darüber, bekamen ein solches Schriftstück nicht zugesandt. Dieses Vorgehen bereichend ist. In dem engen Raum sind oft bis zu 150 Personen, daß Kinder von einem Ende der Stadt zum anderen zur Schule trachteten unsere Genoffen als einen Amtsmißbrauch, da sie als Gemeindein schlechter Luft zusammengedrückt. Hier müßte Wandel geschaffen wandern müssen. Das soll also noch schlimmer werden! G3 vertreter den gleichen Anspruch auf das Schriftstück erhoben wie werden, damit sich der Arbeitsnachweis nicht zu einem Strantheits- empfehle fich, bis zur Fertigstellung des Gebäudes für die höhere ihre bürgerlichen Stollegen. Wollte Herr Dr. Pape nur Privatzvede herd herausbildet. Knabenschule für diese ausreichende Mietsräume zu beschaffen. Das verfolgen, so durfte er wiederum nicht Gemeindemittel verwenden, gegen wandte sich Bürgermeister Biethen aus pädagogischen denn die Anfertigung des Schriftstids und die Bortoauslagen find Gründen. Die gerügten Mißstände seien vorhanden, aber die Ver- auf Gemeindekosten geschehen. Nach alledem wurde der Vorsitzende waltung sei dagegen doch machtlos. Unter Ablehnung des Antrages der Fraktion beauftragt, Beschwerde gegen Herrn Dr. Pape zu Am 23. Oftober 1906 wurde die Beschwerde eingereicht. Linke wurde die Vorlage angenommen. Die Debatte über eine von führen. Jm unseren Genossen eingebrachte Interpellation hatte die Mißstände Der Bescheid blieb zunächst bis zum Februar 1909 aus. in der Schule in der Dorfstraße an der Kirche und zweier Klaffen Jahre 1907 wurde Herr Dr. Pape dispensiert und das Verfahren damit, endigte daß Herr Dr. Pape in Wilhelmsberg zum Gegenstand. Der von unserer Seite ge auf Dienstentlassung gebenen Darstellung der Zustände konnte fachlich nicht widersprochen am 1. Januar 1909 wieder seine Stellung antreten werden. Einige Herren gestatteten sich, von Uebertreibungen zu Jezt hielten es unsere Genossen an der Zeit, sich sprechen. Der Aufforderung, zu sagen, was übertrieben sei, tamen nach dem Schicksal ihrer Beschwerde zu erkundigen, und wandten sich die Herren nicht nach weil sie es nicht fonnten! War doch am an den Landrat. Der Bescheid hat folgenden Wortlaut: Montag bei einer Außentemperatur von 0 Grad in den Klaffen23. Oftober 1906 gimmern eine Temperatur von nur plus 11 Grad festgestellt worden. Auf die Eingaben vom 17. Februar 1909 Da sollen die Kinder, die vielleicht schon mit talten Füßen in die Die in Ihrer Beschwerde vom 23. Oftober 1906 gegen den beSchule kommen, dem Unterricht folgen können. Krant werden foldeten Schöffen Herrn Dr. Bape zu Weißenfee aufgeführten Betönnen sie! Die Berechtigung unserer Klagen war übrigens am fchuldigungen find Gegenstand einer disziplinaren Erörterung ge Abend vorher in der Laukommissionssitung in vollem Umfange wefen. Die mit der Entscheidung befaßten Instanzen haben in fachlich, wenn auch vielleicht mit Widerwillen, insofern anerkannt, beiden Punkten feinen Grund zu der Annahme finden können, Herr als man folgende fofortige Reparaturen vorgesehen hat: Neu- Dr. Bape habe sein Amt bewußt gemißbraucht und bewußt Gemeindedielung aller Klaffen, Anbringung von Doppelfenstern, Betonunter- mittel für Privatzwecke verwandt. Ich bin deshalb nicht in der Lage, lage in den Parterreräumen, event. Einstellung neuer Defen und weiteres zu veranlassen. Ihren Auftraggebern stelle ich anheim, Linoleumbelag auf den Treppen, die in gefahrdrohender Weise ausGraf von Roedern. getreten sind. Herr Bürgermeister Ziethen meinte dazu, es tönne hierbon Kenntnis zu geben. Wir können die Objektivität der mit der Entscheidung betrauten fich fragen, ob das Gebäude solche Reparaturen überhaupt noch wert fei. Die Schulfommission soll sich mit der Frage noch beschäftigen. Instanzen nicht anzweifeln, aber jeder Zaie wird sich die Frage vorIn der Stadtverordnetensizung vertrat der Sprecher der" Liberalen legen, muß denn ein Jurist erst bewußt Berfehlungen begehen, um Vereinigung" mit uns den Standpuntt, es sei am besten, den alten eine Beschwerde gerecht erscheinen zu lassen? Nach all den ReinStall abzureißen und dafür eine anständige Schule zu errichten. fällen, die Herr Dr. Pape bei seinen Maßnahmen in der Hauptsache Verschiedene Herren von der Freien bürgerlichen Vereinigung" be- gegen den Borstand der Krankenkasse erlitten hat, müßte man an fundeten ihr Sachverständnis durch Lärmen und den Versuch, die nehmen, daß der Mann für seinen Bosten wenig geeignet ist. Dann Angelegenheit zu einer reinen Agitationsmache zu stempeln. Es wäre es aber auch an der Zeit, daß der Herr von seinem Posten handelt sich für sie ja nur um Volksschüler, da ist doch Aufregung entfernt wird, den er augenblicklich als Leiter der hiesigen Rechtsnicht vonnöten. Auf die von unseren Genossen geltend gemachten auskunftsstelle inne hat. Die Arbeiterschaft, von der dieses Inſtitut Bedenken, mit Hinweis darauf, daß für die Schule in Wilhelms. in der Hauptsache frequentiert wird, kann solch einem Manne kein berg die Aborte für die Kinder sich zusammen mit denen für Damen Vertrauen entgegenbringen. und Herren einer Gastwirtschaft in einem Gebäude mit einem Ein- Bernau. und Ausgang befinden, meinte der Herr Bürgermeister, die Sache sei nicht so schlimm! Und die erwähnten Sachverständigen erklärten hiesige Arbeitergesangverein Freiheit" die Feier feines StiftungsAm Sonnabend, den 13. d. Mts., abends 81%, Uhr, begeht der ihr Einverständnis mit dieser Ansicht. Jedenfalls hat die Kritik unserer Genossen erreicht, daß nun schleunigst mit den Mißständen festes. Genannter Verein hat stets sein bestes können in den Dienst in der Schule an der Dorfstraße aufgeräumt wird. Die bürgerliche der Arbeiterbewegung am biefigen Drte gestellt. Es ist deshalb Bautommissionsmitglieder hatten zur Zeit gegen den Protest unserer Ehrenpflicht eines jeden Genossen, das Arrangement des Vereins Genossen beschlossen, die Reparaturen bis zu den großen Ferien zu möglichst zu unterstützen. Das Fest verspricht auch ein gemußreiches vertagen. Der Herr Stadtrat, der im„ Lichtenberger Tageblatt" zu werden, da die Vereine aus Röntgental, Schönwalde und Franz. in den letzten Wochen unsere Genoffen als Lügner und feige Buchholz ihr Erscheinen zugesagt haben. Schwindler denunzierte, mußte fich nun in öffentlicher Sizung Nowawes. fagen lassen, daß bei ihm entweder ein intellektuelles oder ein mora. Eine geradezu nagliche Niederlage erlitt die bürgerliche Koalition lisches Manto tonstatiert werden müsse. Und der Herr? Er schwieg bei den am Montag und Dienstag stattgefundenen Gemeindenun in allen Sprachen! Das dürfte genügen als Antwort, wenn vertreterwahlen zur dritten Abteilung. Obwohl von diesen Vereinen er nun wieder in seinem Blättchen mutig schimpft! Eine VorLage, betreffend Aufnahme einer 15 Millionen- Anleihe, fand wider noch am Sonntag eine umfangreiche Hausagitation entfaltet worden spruchslos Annahme. Auf Antrag des Genossen Linke wurde eine war, die sich allerdings nur auf die zuverlässigsten Anhänger er streďte, haben die Bürgerlichen ein blamables Wahlresultat erzielt; Vorlage über Erweiterung des Wochenmarktes am Traveplaße einer und das trotzdem sich die Vertreter von nicht weniger als sechs Kommission überwiesen. Eine Vorlage, die die Erhöhung der Vereinen für die Unterstützung der Herren Carpus, Hiemte und Sundesteuer zum Ziel hat, fonnte nicht erledigt werden, weil unsere Gutsch verbirgt hatten. Von 4186 Wahlberechtigten übten 1247 ihr Genoffen der sofortigen zweiten Beratung ridersprachen. Gegen Wahlrecht aus; es erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten die Einführung einer Schantfonzessionssteuer sprach Genoffe Heckert; Fesser, Gruhl und Hähnchen, wie bereits mitgeteilt, 1176 Stimmen, die Vorlage wurde einer Kommission überwiesen. Herr Ritterguts während 76 Wähler ihre Stimme für die bürgerlichen Kandidaten befizer Roeder widersprach der Forderung, aus der Stadtkasse 500 abgaben. Die Verkündung dieses Resultats durch den BürgerMart für die durch Hochwasser Geschädigten zu ſpenden. Der meister, welcher die Wahl selbst leitete, wurde von unseren Genoffen Regierung müsse zu Gemüte geführt werden, daß sie durch ihre mit lautem" Bravo!" begrüßt. Zum Schlusse möchten wir noch Untätigkeit in der Frage des steuerlichen Ausgeichs für Groß- Berlin dem Wunsche Ausdruck geben, daß alle diejenigen, welche bei der die öftlichen Vororte schwer schädige. Er empfehle dringend, für Wahl für unsere Genoffen ihre Stimme abgaben, ihre sozialdie Hilfsbedürftigen die private Wohltätigkeit in Anspruch zu neh- demokratische lleberzeugung auch dadurch weiter betätigen mögen, men. Die Vorlage wurde jedoch ziemlich einstimmig angenommen. daß sie, soweit dies noch nicht der Fall, dem Wahlverein beitreten In geheimer Sigung berhandelte man über die Anstellung eines und so mit ihren Klaffengenossen den Kampf gegen den gemeinsamen Baurata. Feind ohne Unterbrechung weiterführen. Köpenic. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag auf dem Charlottenburger Straßenreinigungsdepot in der Kaiser- FriedrichEtraße ereignet. Dort sollte der 31jährige Schmied Mag Röner in dem Innern eines Sprengwagens Reparaturen vornehmen. Er stieg zu diesem Zweck durch das oben befindliche Loch in das Innere des Wagens und nahm einen Klempnerofen mit hinein. Nach einiger Zeit bemerkten Arbeitskollegen, daß aus dem Loche Rauch rnd Flammen hervorschlugen. Sie eilten zu Hilfe und fahen zu ihrem Schrecken, daß die Kleider des Schmiedes in Brand geraten waren. Während einige sofort die Rettungsarbeiten bor nahmen, alarmierten andere die Charlottenburger Feuerwehr. Mit vieler Mühe wurde der Verunglückte aus dem Wageninnern herausgeholt. Er war bewußtlbs und sein Körper über und über mit Brandwunden bebedt. In bedenklichem Zustande wurde er in das 28estender Krankenhaus übergeführt. Steglit. Das Opfer einer Rauchvergiftung wurde das dreijährige Söhnchen des Buchbinders Schmitz, Halsteſtr. 61. Während der Abwesenheit der Mutter spielte der Kleine mit Streichhölzern. Er setzte dabei das Bett in Brand und als die Mutter bald darauf zurüdtehrte, fand sie das Zimmer vollständig mit Rauch angefüllt vor. Das Kind Lag in besinnungslosem Bustande auf dem Fußboden. Nach kurzer Beit starb es an den Folgen der giftigen Gafe. Groß- Lichterfelde. " Gerichts- Zeitung. Ueber die Art der Deckung der in diesem Jahre im GemeindeHaushalt sich ergebenden Mehrausgaben von girla 120 000 m. herrscht zurzeit noch böllige Ungewißheit. Die Erhöhung der Gemeinde einkommensteuer um mindestens 15 Broz. zum Ausgleich des Mantos ericheint aus zwei Gründen nicht empfehlenswert: einmal weil fast alle Nachbargemeinden eine wesentlich niedrigere Steuer erheben oder wie z. B. Lankwiz diese herabsetzen, zum anderen weil es sehr leicht möglich ist, durch eine entsprechende Besteuerung der unverdienten Wertsteigerung des Grundbefizes die Mehrausgaben vollauf zu decken. Es unterliegt feinem gweifel, daß eine Erhöhung der Gemeinde einkommensteuer den Zuzug nach unserem Drte, der bisher schon außerordentlich zu wünschen übrig ließ, vollends ins Stocken bringen Könnte. Die Angehörigen der besitzenden Klaffe, bei denen wirt schaftliche Gründe für die Wahl ihres Wohnfizes unter den zahl reichen Vororten teine besondere Rolle spielen, pflegen eine über Kontrolle zu üben die jeweilige Höhe der genaue kommunalen Steuern in den einzelnen Gemeinden und bei der Steuerscheu dieser Schichten ist es durchaus berständlich, daß fie eben jenen Ort als Wohnsitz bevorzugen, ber es in Buntto Steuern am billigsten macht. Der Gemeindevorstand befand sich auf dem Die städtischen Arbeiter waren am Montag zahlreich im Kaiserrichtigen Wege, zunächst von einer Erhöhung der Gemeinde- hof bersammelt, um zu der Ablehnung ihrer Anträge Stellung zu einfommensteuer abzusehen und eine Erhöhung der Grundwertsteuer nehmen. Wie der Referent Kollege Bolenste ausführte, haben die für unbebaute Grundstüde von 3 auf 4,5% 0 borzuschlagen. städtischen Kollegien die Anträge in Rücksicht auf die schlechte Finanz„ Gesindel." Leider ist dieser Satz noch zu niedrig; ein solcher von 6% wäre lage der Stadt abgelehnt. Diese Begründung müffe die größte durchaus gerechtfertigt. Außerdem hätte eine Steigerung der Wert Grbitterung der Arbeiter hervorrufen, da gleichzeitig und im Hin mit welcher Leichtigkeit tatsächliche Feststellungen im Simm zuwachssteuer in Aussicht genommen werden müssen. Diese Steuer blick auf die Teuerungsverhältnisse den Beamten Gehalts- der Anklage feitens des Gerichts erfolgen, wenn es sich um eine in ihrer jetzigen Höhe ist eigentlich mehr Schein als Sein; wenn aufbefferungen im größeren Maßstabe bewilligt wurden. Die Anllage handelt, die einen Arbeiter zur Strecke bringen soll, der schon die Grundbefizer selbst sie als sehr maßvoll erklären, dann Arbeitszeit beträgt in den meisten Betrieben noch zehn von seinem Koalitionsrecht Gebrauch gemacht hat, zeigt wieder nach fann man sich einen Begriff machen, wie lächerlich geringfügig fie ist. Stunden, bei ben Feuerhausarbeitern fogar noch zwölf stehende, am 8. März vor dem Kammergericht verhandelte Straf Der Vorschlag des Gemeindevorstandes hat nun die ganze Grund- Stunden. Für Leştere Gruppe ist sonst überall der Dreischicht fache. besitzergesellschaft auf die Schanzen gerufen, um ihre heiligsten Güter wechsel mit der 8stündigen Arbeitszeit eingeführt. Trog der längeren Als Anfang vorigen Jahres die Hilfsarbeiter der Fabrik von gegen die Belastung von 1,5% 0 zu schützen. Der Verein der Arbeitszeit steht der Lohn um 50 Pf. bis 1 M. pro Tag unter den Hartung in der Wiclefstraße streiften, waren sie durch Gelbe" Haus- und Grundbefizer des Westens" hat in seiner Bersammlung Löhnen der Gasarbeiter Groß- Berlins. Im Elektrizitätswert er erfekt worden. Die anderen alten Arbeiter des Betriebes weigerten schärfften Protest" gegen die Absichten des Gemeindevorstandes halten die Maschinisten und Heizer bei Sonntagsarbeit einen sich, das von den Gelben vorbereitete Material weiter zu bes erhoben und in einer Refolution berlangt, daß der Grundbesig niebrigeren Stundenlohn als an Wochentagen. Bon irgend welchen arbeiten oder Arbeiten zu verrichten, die in den Kreis der Darauf wurden alle geschont, dafür aber die Gemeinde- Einkommensteuer entsprechend fozialen Einrichtungen wie Zahlung der Differenz zwischen Lohn Arbeiten der Hilfsarbeiter fielen. Diese Unverfrorenheit tritt um so und Krankengeld im Krankheitsfall, Alters- und Reliftenversorgung Infolgedeffen entstand eine lebhafte Erregung unter den direkt be erhöht werden solle. alten Arbeiter entlassen und durch Gelbe erfest. traffer in die Erscheinung, als ja gerade die Kommune ist teine Spur vorhanden. Um die Einführung eines infolge der Aufwendungen für die Gemeinde- Agrarier in einer Arbeiterausschusses petitionieren die Arbeiter schon seit Jahren ver- teiligten und anderen Arbeitern. Es fam zu Ansammlungen in der permanenten Finanznot sich befindet. Ausweislich des Etats pro geblich. Dabei sind einige städtische Unternehmungen sehr lukrativ. Gegend. Unter den Personen, die sich eines Tages dort aufhielten, 1909 betragen die von der Gemeinde für die Grundbesizer ver. So ist zum Beispiel im neuen Etat der Ueberschuß der Gasanstalt als die Gelben den Betrieb verließen, befand sich der Arbeiter unerhörte auslagten Pflastertosten die Summe bon mit 60 000 m. eingestellt und das bei einer Arbeiterzahl von zirka en 3. Ein Polizeileutnant hörte von ihm den Ausdruck 478 499,71.! Und von dieser nahezu einer halben Million wird 30 Mann. Nach unwesentlicher Debatte gelangt eine Resolution zur findel und stellte M. fest. Menz wurde darauf angeflagt, weil ein sehr beträchtlicher Teil in absehbarer Zeit überhaupt nicht ein einstimmigen Annahme, worin die Versammelten gegen die An- er andere durch Ehrverletzung zu bestimmen versucht habe, an Bergezogen werden können, weil die meisten Besizer es verstehen, träge entschieden Protest einlegen. Lebhaftes Bedauern fam darüber abredungen ArbeitsErlangung günstiger Lohn- und oder ihnen Folge ihren neben oder auch hinter ihrer Billa an der Straße befind zum Ausdrud, daß tros Einladung fein Stadtverordneter in der bedingungen teilzunehmen Leisten. ชน lichen Garten als selbständiges unbebautes Grundstück, als Bau- Bersammlung anwesend war. Das Landgericht verurteilte ihn auch auf Grund stelle", tatasteramtlich zu deklarieren und auf diese Weise sich von des§ 158 der Gewerbeordnung zu einer Woche Gea der Zahlung der Pflasterlosten für diesen Teil ihres Befigtums zu Alt- Glienicke. fängnis, indem es zugleich groben Unfug annahm. Auf die Revision des Angeklagten hob das Kammergericht das urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurüd. Das Landgericht habe zwar festgestellt, daß Angeklagter den Ruf„ Gesindel" drücken. zur Ge" Bei der am Dienstag, den 9. März, stattgefundenen Wahl eines Auf diese Art verliert die Gemeinde biele Sundert: Gemeindevertreters für die dritte Abteilung wurden von 839 eintausende an Stapital und Zinsen! Aber nicht genug damit; nun wollen die Herren Grundbesiger, die ihre Gärten als Baustellen" geschriebenen Wählern 300 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen erklärt haben, um die Pflasterkosten zu, fparen" wiederum für diese Bau auf den Kandidaten der Sozialdemokratie Lagerhalter Mag to laut getan habe, daß die Arbeitswilligen ihn hören follten. stellen die höhere Grundwertsteuer nicht bezahlen, weil sie winkelmann 274 und auf den bürgerlichen Schlossermeister Nirgends fei aber davon die Rede, daß die Leute ihn wirklich " Gärten" find! Man sieht, diese Kommunalagrarier verstehen sich Lustig 25 Stimmen. 1 Stimme war ungültig. Somit ist unser gehört hätten. aufs Geschäft just ebenso gut wie ein ostelbischer Junter. Sie Genosse gewählt. nehmen auch Liebesgaben in jeder Form und ebenfalls auf Kosten der Allgemeinheit. Auch eine Anzahl Gemeindeverordneter Rüdersdorf- Kaltberge- Tasdorf. " find als Baustellen" und Garten"-Befiger an diesen Fragen Eine öffentliche, gut besuchte Bersammlung tagte am Sonntag persönlich intereffiert; fie stehen mit über 16 000. Pflaster im Lotal von Gräfe, Saltberge. Für den verhinderten Genoffen toften, die auf Grund der geschilderten Verhältnisse von ihnen Schubert- Berlin hatte der Genosse Stegmüsser das Referat über: nicht eingezogen werden können, in der Kreide. Wir nehmen an, Die politische Lage" übernommen. Derfelbe entledigte sich in einem daß die Herren, die an der Erhöhung der Grundsteuer für unbebautel sehr gut durchdachten Vortrage seiner Aufgabe und erntete am Schluß Ein Das festzustellen sei aber erforderlich. Versuch gemäß§ 153 fege voraus, daß das Wort, durch einwelches im Sinne dieses Baragraphen auf andere gewirkt werden sollte, auch von ihnen gehört worden ei. Das sollte nachgeprüft werden. Ferner erachtete das Kammergericht für nicht genügend festgestellt, ob Angeklagter beztvedte, die Gelben zu bewegen, sich zu einer Verabredung zur Er langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen anzufchließen " da Das Landgericht berurteilte den Angeklagten aber- l In Freien Stunden. Heft 9 und 10 find erschienen. Sie bringen vereinbart iff) weiter. 2. Spätestens am 27. Mai müßte die Kündigung für bem fpannenden Roman bon ben 1. Juli in Händen des Wirtes sein. 23. M. 18. Stimmt so. tals. M. legte wieder Revision ein, die Rechtsanwalt die Fortsetzung von Kenilworth J. N. 19. Das Naturalisationsgesuch wäre an den Polizeipräsidenten Dr. J. Friedländer eingehend rechtfertigte. Das Kammer- Balter Scott fowie die Fortsetzung der realistischen Stizze Heijermans zu richten. Für den Fall der Bewilligung find 50 M. zu zahlen. gericht fand das Urteil jezt fehlerfrei und verwarf das Rechts- Trinette". Jede Woche erscheint ein Heft zum Preise von 10 31. D.. 252. 1. Die von Ihnen angeführten Tatsachen würden den Ane mittel, da die tatsächlichen Feststellungen" des Landgerichts spruch auf Ehescheidung rechtfertigen. 2. Ja. Solange Sie die Schlüffelohne Rechtsirrtum" erfolgt feien, eine Nachprüfung etwaiger tatgewalt der Chefrau nicht aufgehoben haben. Für die Schulden seiner Ehefächlicher Irrtümer dem Revisionsgericht aber nicht zusteht. frau hat der Ehemanu in soweit aufzukommen, als die Schulden innerhalb der Schlüsselgewalt gemacht sind. Um die Schlüsselgewalt aufzuheben, ist ein Antrag an das Amtsgericht erforderlich, der etwa folgenden Inhalt hat: Das Recht meiner Ehefrau innerhalb ihres häuslichen Wirkungsfreises, Geschäfte Vermischtes. Es ist in der Tat eine von absoluter Weltfremdheit zeugende tatsächliche Feststellung", ein Arbeiter habe durch den Gebrauch des Bergung der Leichen auf der Zeche Radbod. Wortes, Gesindel" zum Anschluß an eine Bewegung zwecks Erlangung befferer Arbeitsbedingungen bewegen wollen. Das Urteil braucht Wie aus Hamm i. Westf. gemeldet wird, fand auf der Zeche für mich zu besorgen und mich zu vertreten hebe ich hiermit auf und beantrage diefe Aufhebung in das Güterrechtsregister einzutragen. Die Unterschrift unter Gründe, die das Gericht zu dieser völlig verfehlten Annahme be- Radbod gestern vormittag 11 Uhr nach einer Befahrung der zweiten diefen Antrag müßte notariell oder gerichtlich beglaubigt sein. 3. Nachdem wogen haben, nicht anzugeben: es genügt die tatsächliche Fest- Sohle durch einen Untersuchungsrichter und Vertreter der Staats- der Sühnetermin fruchtlos abgelaufen ist, muß der Sachverhalt dem Landstellung", mögen die festgestellten"" Tatsachen" noch so fauſtdicke anwaltschaft die Bergung der ersten Leiche statt. Eine weitere gericht geschildert, die Beleismittel angegeben des Armenrechtes beantragt werden. N. N. Moritstraße. Ja. tatsächliche Irrtümer sein- eine Nachprüfung ist in der Revisions- Leiche wurde gesichtet, konnte jedoch noch nicht geborgen werden, G.. 87. 1. Für Erfrankte und zur Entlaffung Kommende tritt ber instanz nicht möglich. ,, Chriftliche" Berleumdung. " blodnis ba fie teilweise unter Gesteinsmaffen liegt. Die Leichen find mumifiziert und völlig unkenntlich. Die Bergung weiterer Leichen ist mit den Aufräumungsarbeiten täglich zu erwarten. Briefkaften der Redaktion. Die juristische vrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, weiter Sof, dritter Eingang, bier Treppen, Fabriuht womentäglich abende von 7 bis 9% br statt. Geöffnet 7 he Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 1hr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Bahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten tönnen 14 Tage verachen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. und die Bewilligung 2. Im Falle eines Krieges.$. 85. Rechtzeitige Nachersat" ein. Meldung spätestens am Tage vor der Sigung beim Bureau des Reichstages ober am Tage der Sigung im Portal 5 durch persönliche Meldung. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen- Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Bentral- Marktballen. Bufuhr schwach, Geschäft still, Breise unverändert. Bild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Breiie feft. Geflügel: Zufuhr in Hühnern genügend, fonst inapp, Geschäft still, Breise nachgebend. Fische: Zufuhr etwas inapp, Geschäft lebhaft, Preise gut. Butter und ease: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Db und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft fast leblos, Breife wenig verändert. Witterungsübersicht vom 10. März 1909. morgens 8 Uhr. Stationen Barometer ftand mm richtung Wind Windstärke Better Swotnembe 764 DSD 4 bedeckt Berlin Münden Wien Das Mitglied des christlichen" Gewerkvereins der Bergarbeiter Menne in Affeln bei Dortmund hatte verbreitet, unser Genoffe, der Knappschafts älteste Schnier habe als sassierer Strandung eines englischen Dampfers. Bei Cuxhaven strandete, des Bergarbeiter Verbandes während des großen wie von dort gemeldet wird, der englische Dampfer Queen Diga". Streits im Jahre 1905 Gelder gesammelt, sie Die Lage des Schiffes ist sehr gefährdet. aber nicht abgeliefert, also für sich verwandt. Das Gerücht wurde durch die Redereien des„ Christlichen" immer bestimmter, bis es zu einer Bergarbeiterversammlung kam, die sehr stürmisch war, in der unserem Genossen öffentli borgeworfen wurde, er habe die Streitgelder unters schlagen. Nun blieb natürlich nur noch übrig, den Klagetveg zu beschreiten; gegen den verleumderischen Christen“ wurde die Privatflage bei dem Schöffengericht in Dortmund eingereicht, .. 500. Die Parteiorganisation, der Sie angehören, tväre zur die am Dienstag zur Verhandlung stand. Der Angetlagte Entscheidung zuständig. Sie müßten sich dieserhalb mit Ihrem Bezirksführer tonnte für feine Behauptungen auch nicht den in Berbindung seßen. Elvira 100. Wir empfehlen Geschäfte grunds Schatten eines Beweises erbringen. Dagegen konnte fäßlich nicht. G. 333. einen Stoftenanschlag über Höhe der Einrichs Genoffe Schnier durch Vorlegen der Bücher und Belege nach tungen und Betriebskosten fertigt Ihnen eine Werkstatt für elettrische Anlagen 5. 1888. Der Ruderklub Vorwärts", Stralau, Tunnelstr. 17. weifen, daß er jeden Pfennig abgeliefert hat. Auf an. Anregung des Vorsitzenden gab nunmehr der Angeklagte die Er-.. 100. Ueber die Freimaurerei finden Sie alles Wissenswerte in der Camburg flärung ab, daß er sich überzeugt habe, daß Genoise Buchhandlung Borwärts. Nestaurateur, Britzer Straße 32. 1. Gin Fran. Broschüre von Johannes Saffenbach: Freimaurerei", Boltsausgabe 30 Bj., Schnier ehrlich die Streilgelder abgeliefert folcher Vorgang soll sich auf der Rennbahn abgespielt haben. 2. Ueber die habe. Er bat den kläger um Verzeihung und erklärte familiären Berhältniffe fönnen wir Auskunft nicht geben. J. W. 200. sich bereit, sämtliche Kosten des Prozesses zu tragen. Mit dieser auch ohne die martischreierische Annonce wäre Ihr Mißtrauen sehr beErklärung gab sich unser Genosse zufrieden. rechtigt. Wir haben vor derartigen Einrichtungen schon recht oft gewarnt. Also Hand davon. Fleck 22. Da dürfte es doch ratsam sein, eine chemische Baschanstalt in Anspruch zu nehmen. . 2. 13. Wir empfehlen Geschäfte grundsäßlich nicht. Um zu Ihrem Zwede zu gelangen, tönnen Sie das Berliner Abreßbuch zur Hand nehmen. S. p. 5340. 1. Ehebruch wird bestraft, wenn wegen desselben bie Ehe getrennt ist und der klagende Teil Bestrafung beantragt hat. 2. Sie tönnen Widerflage erheben. Poftabonnent Schweden. 1. Ja. 2. Deutsches Konfulat. 3. Von der Buchhandlung Vorwärts fönnen Sie alle Broschüren beziehen. spruch ist zunächst bei der aus dem Kassenstatut ersichtlichen Aussichtsbehörde geltend zu machen. Gegen beren Bescheid ist die slage zulässig. Wien 22. B. Dhne Einsicht in das Staffenstatut nicht zu beantworten. Woas legte 3. O. 100. Bis zur Anstellung der Klage. 5. G. 40. Ja: Charlottenburg. 1. und 2. Ja. Sie müßten in Bien Alage erheben. E. M. 100. Wahrscheinlich ja. G. B. 50. Ja, wenden Sie fich M. G. 77. 1. Falls die Operation an das Vormundschaftsgericht. unbedentlich, wäre es amedmäßig sich derselben zu unterziehen. Verpflichtet find Sie dazu erst, wenn ein endgültiger das aussprechender Bescheid vors liegt. 2. Shrer Frau steht Unterstützung für die Dauer Ihres dortigen Aufenthaltes zu. 6. V. 5 und H. N. 5. Ihre Bekannte muß sablen, es sei denn, sie ist minderjährig. Oberschöneweide 58. 1. und 2. Nein. Mündelgeld 400. 1. Ja. 2. und 3. Unterbreiten Sie den Fall dem Vormundschaftsgericht mit dem Ersuchen Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen und llagen Sie eventuell dann gegen den Brauereibesizer und G. J. 999. 1. Da der Vertrag nicht gegen Ihren Bater auf Zahlung. gefündigt, geht er stets ein Bierteljahr( falls nicht mündlich ein anderes Keine Klaffenjuftig. Sehr milde Richter fand der Sohn eines Wiesbadener RegierungsBaumeisters, der Kaufmann und Landwirt Woas. Der junge Mann hält sich eine bissige Dogge, die schon mehrfach Passanten an gefallen hat. Das legte Mal tam der Herr seinem Hunde noch zu Hilfe, als der Briefträger fich des Tieres zu erwehren fuchte, und fchredlich zerfleischt blieb der Mann auf dem Stampfplate liegen. Trotz viermonatiger Krantenhausbehandlung ist der Briefträger noch nicht völlig wiederhergestellt.- Das Schöffengericht erkannte auf fünf Wochen Gefängnis. bagegen Berufung ein und das Gericht erkannte auf 300 Mart Strafe. Begründung: Wenn ein Mann aus guter Familie eine solche Zat begeht, fo ist anzunehmen, daß er es nicht in einem ganz normalen Zustande tue. Eingegangene Druckfchriften. Am Kommunale Praxis. Heft 9 und 10 find erschienen. Y. April beginnt ein neues Abonnement. Der Preis ist pro Quartal 3 M. Die Berteidiger über den Der Agramer Hochverratsprozek. Prozeß. 182 Seiten. S. Markus, Budapest V. . 26. 1a. Ja. 1b. Nein. 2-4. Der Ane Sozialdemokratisch. Wahlverein Deutscher Holzarbeiter- Verband. des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Am Todes- Anzeige. Mitglied 9. März verſlaus unser Frau Mathilde Barrisch Jagowstr. 13. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. März. nachmittags 3 Uhr, vom Moabiter Krankenhaus aus nach dem statt. ( Zahlstelle Berlin.) Sonntag, den 14. März, nachmittags 5 Uhr: Außerordentliche Branchen- Versammlung der Möbelpolierer u. Magazinarbeiter im Englischen Garten, Alexanderstr. 27. Zages Drdnung: Zemp. n. E. 5°. 4° N. Stationen BarometerStand mm Mind. richtung Windstärke Better Lemp. n. E. 5.E.4° R. 1 Saparanda 771 S 2 Schnee -5 0 Petersburg 775 SO 2 wolfig -12 762DSD 3 bedeckt 3 beiter 1 0 Scilly berdeen 752 ND 765 DND 4 moltig 5 bedeckt 3 2 heiter -6 Paris 751 D 3 bebedt 761 DSD 4 bedeckt 767 D 757 SD 761 DND 1 mollig 2 Wetterprognose für Donnerstag, den 11. März 1909. Troden, aber vorherrschend wollig bei ziemlich scharfen nordöstlichen Winden; nachts Frost, auch am Tage rauh. Berliner Betterbureau Waferstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. am jeit am feit Basserstand Memel, Tilfit Bregel, Jniterburg Beichfel. Thorn Oder, Ratibor 9. 3. 8. 3. Wasserstand 9. 3. 8. 3. cm cm ¹) cm cm) 1813) -0 Saale, Grochlik 84 0 -93) <-2 Havel, Spandau³) 76 703) +2 Rathenow³) 123 114) -8 Spree, Spremberg) 98 Aroijen Frantiurt Landsberg 443)-10 1333) Beeskow 92 190³) +2 Bejer, Münden -81 623) Minden Rhein, Maximiliansau 277 -60 -18 -2 Raub 76 Köln 58 • Dresden Barby Magdeburg -147+-6 Nedar, Heilbronn 42 60%) Main, Wertheim 58 Mosel, Trier 47 Fall. *) Unterpegel. Eisstand. Eisfrei. 5) Schwaches Treibeis. Barthe, Schrimm Reze, Bordamm Ibe, Leitmeriz 3)+ bedeutet Buchs, Jugendversammlung! 字 Sonntag, den 14. März, abends 6½, 1hr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Vortrag Engelufer Nr. 15: Große Versammlung. 1. Bortrag des Rebatteurs Genoffen Karl Wermuth: Fichte bes en Max Grunwald über: Die wirtschaftliche Krife und die arbeitende Ingend". und sein Erziehungsproblem". 2. Diskussion. Nach Schlußber Bersammlung: 80/ 9* Nach dem Vortrage: Freie Aussprache. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen find zu dieser Bersammlung herzlichst eingeladen. Im Anschluß an die Versammlung ist für künftlerische Unterhaltung gesorgt. Heilands- Stirchhofes in Blößenfee Gemütliches Beisammensein. NB. Die Kollegen werden ersucht, mit ihren Frauen zahlreich 282/14 Um rege Beteiligung ersucht 225/8 Der Voritanb. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. zu erscheinen. Allen Bartelgenoffen, Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, daß ich im Hause Schönleinstr. 34 ein Zigarrengeschäft eröffnet babe. Um gütigen Sufpruch bittet Fritz Schwemke. Extra- Unterfügungskaffe Der Jugendausschuß für Groß- Berlin. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Moutag, den 15. März 1909, abends 6%, Uhr: Todes- Anzeige fit Buchbinder homöopathische Poliklinik Mitglieder- Versammlung Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schankwirt Gustav Till ( 18. Bezirk) verstorben ist. 234/13 Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 2, Uhr von der Halle des Rigdorfer Friedhofes( Mariendorfer Weg) aus statt. Der Vorstand. u. verw. Gewerbe zu Berlin. des Berliner Vereins homöo pathischer Merzte ist von der Charlottenstraße 82 nach dem Hahnemann großen Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Zages Drdnung: General- Versammlung aus, outgränser Str. 48 verlegt. Berlin und Wahl derselben. 2. Berschiedenes. 1. Stellungnahme zur Gründung einer heiztechnischen Kommission für am Sonntag, den 14. März, bor mittags präz. 10 Uhr Melchiorstr. 15. Tagesordnung: 1. Berlefung der Protokolle. 2. Bericht des Rendanten und Dechargeerteilung. 3. Statutenänderung:§§ 3, 5, 6, 12 und 17. 4. Verschiedene Staffenangelegenheiten. 13735 Der Vorstand. 3. A.: H. Herzhoff, Borsigender, Rigdorf, Neuterstr. 72, I. Große flottgehende Gastwirtschaft mit Saal, Konzertgarten, Klub. u. Fremdenz, ust., in schöner, industrie Stadt Südhannovers Deutscher Metallarbeiter- Verband reicher Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Hobler Hermann Trümper am 8. März an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. März, nachmittags 4 1hr, von der Leichenhalle des Luther Kirchhofes in Lankwiz aus statt. 0 Rege Beteiligung erwartet 118/2 Die Ortsverwaltung. Dr. Schünemann ( 10 000.) ist mit 10 000 M. Anz. zu erwerben. Stamm- u. BergnügungsTotal fämtl. Gilden u. Gewerkschaften der Stadt. Umsat an Bier 450 hl., Schnaps u. Likör 20 hl., Massen antialkohol. Sachen u. Bigarren, gut befetter Mittagstisch, fast 1600 Logis im L 3., 400 9. Nebenmiete. Off. unt. W. 3 an die Geschäftsst. d. 8tg. 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