Nr. 60. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abenas geöffnet. Telegramm- dresse: Sozialdemokrat Berlin Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 12. März 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Die Wandlung in der Arbeits- blieben und baben die Ueberzeugung der Arbeiterſchaft von der Not- finden? Oder werden fie schließlich doch den Widerſtand der Konföderation. gewandte Journalisten. Trotzdem sind ihre, von der bürgerlichen zu regen beginnt, sich schließlich doch, trotz der ultramontanen Breffe lärmend übertriebenen Erfolge an der Oberfläche haften ge- Anfachung der agrarischen Glut, mit der Nachlaßsteuer abwendigkeit des Kampfes um die politische Macht nicht auszurotten füddeutschen Regierungen brechen und die Besitzsteuer durchvermocht. Eine Welle neu- proudhonistischer und neu- blanquistischer brücken? Oder aber: wird sich aus dem chaotischen Widerstreit Stimmungen ist über das Proletariat hinweggegangen, einige hat der Interessen ein allgemeiner konflitt entwickeln, Paris, 8. März.( Eig. Ber.) fie umgerissen, viele haben sich halb aus Vertrauen, halb aus der entweder Bülow stürzt und dann den konservativ- ultraDer Sieg des Neutralisten Niel bei der Wahl des Sekretärs Schwäche von ihr tragen laffen aber sie beginnt sich zu ver- montanen Block wiederherstellt oder aber gar zu der tollen Komödie der Arbeitskonföderation beschäftigt die ganze Presse. Eigentlich mehr, laufen. Es entbehrt nicht der Jronie, daß diese Wendung in dem einer neuen Reichstagsauflösung führt? Den Kombinationsals das Ereignis an sich rechtfertigt. Denn das Wahlresultat, die Augenblic offenfundig wird, da der Zufall der fyndikalistischen politikern eröffnen sich wahrhaft unbegrenzte Möglichkeiten! Nichts überdies nur relative Mehrheit von einer Stimme ist von Streitig Schule die Mittel in die Hände gespielt hat, der Deffentlichkeit ein leichter, als sich in den verwegenſten Prophezeiungen zu ergehen. feiten perfönlicher und administrativer Natur nicht unbeeinflußt ge- Tagblatt wie als ein Zeichen wachsenden Einflusses darzubieten. Wir verzichten darauf, uns an dieser Konjefturalpolitik zu wesen. Die viel wichtigere Tatsache aber, daß nämlich schon die Daß die Wahl Niels für die Utopie des sozialen Friedens" fein beteiligen. Wir können das um so eher, als sich die SozialMehrheit des Marseiller Kongresses nicht viel mehr als ein Drittel Pfand und feine Hoffnung ist, sehen die Organe der kapita- demokratie in der beneidenswerten Lage befindet, jeder Will sich der organisierten Arbeiter und zumeist die rückständigeren Organi- listischen Bourgeoisie, die in politisch- ökonomischen Dingen Eventualität mit Gleichmut begegnen zu können. fationen repräsentierte, spielt für die oberflächlichen Beurteiler keine Rolle, einen viel schärferen Blick haben als die kleinbürgerlich- radikalen der Freisinn vollends unmöglich machen uns fann das die hinter den agierenden Berfonen nicht die wirkenden sozialen Kräfte Räsonierer und Erfolgsjäger, wohl ein: der Figaro", der" Temps", recht sein. Wird der Freisinn durch das Zentrum aus seiner zu suchen gelernt haben. Zu diesen oberflächlichen Beurteilern ge- das" Journal des Débats" kommen zu einem recht pessimistischen Position wieder herausgeworfen wir brauchen unsere hören vor allem die Syndikalisten selbst und ihre scheinbaren Anti- Urteil, das ungefähr darauf hinausläuft, es sei für die Besißenden Tränen nicht mit denen des Freisinns zu vereinigen. Stürzt poden, die Sprecher der parlamentlerischen Demokratie. Wie die nicht beffer, ja eigentlich gefährlicher, langsam geröstet, statt schnell Bülow so trauern wir ihm nicht nach. Räme es gar zu Blätter des Blockradikalismus, vom Jammer des eigenen Partei- berbrüht zu werden. Liegt diese Beurteilung auch in der Linie einer Reichstagsauflösung nun, die Sozialdemoverfalls bedrückt, im Verknistern des anarchosozialistischen Stroh einer Politit, die alle fozialfonservativen Elemente zum Kampf tratie hat noch niemals einen Stampf gescheut. feuers einen Hoffnungsschimmer erblicken und sich einzureden suchen, gegen das Proletariat zusammenfassen und die demokratische Blocks darüber, wie dieser Wahlkampf zu führen wäre, kann ein daß der Klassenversöhnende Ministerialismus eine fröhliche Urständ politik endgültig abtun will, so ist sie trotz und vielleicht gerade Sozialdemokrat auch nicht einen Augenblick im Zweifel sein. zu feiern berufen sei, so verfallen die besiegten Syndikalisten in wegen dieser Interessiertheit besser begründet. Kommt der blinde Wir sind gerüstet, mag das Spiel beginnen! wüftes Schimpfen und Toben gegen den neuen Sekretär und gegen Revanchedurst der Syndikalisten den Kapitalisten nicht zu Hilfe, so diejenigen, die zu seiner Wahl beigetragen haben. Das Tagblatt wird eine Gewerkschaftsbewegung, die immer größere Massen des ,, Revolution" vermag sich gar nicht zu beruhigen. Mit der banalen Broletariats zusammenfaßt und zusammen hält, der Bourgeoisie Demagogie, die die Ursachen aller Niederlagen im„ Verrat" einzelner dauernde und größere Bugeständnisse abzwingen, als die Sturmläufe Personen sucht, verdächtigt sie Niel, der Kandidat der Regierung" der letzten Jahre vermochten. Gerade die jetzige Krise macht es der gewesen zu sein und scheut vor den gröbsten Beleidigungen der bedeutendsten syndikalistischen Organisation, den Bauarbeitern, sehr größten Arbeiterorganisationen nicht zurück. Und das tun Leute, fühlbar, wie unsicher die Macht einer Gewerkschaft ist, die eine jäh die ihre anarchistlerischen Tendenzen immer hinter der heuchlerischen emporgekommene Schöpfung jenes„ Elans" ist, den die Metaphysiter Formel versteckt haben, die Konföderation folle nicht Meinungen, des Syndikalismus so verehren. sondern die Interessen der ganzen Arbeiterschaft vertreten. Was weiter ist bei der Wahl besiegt worden, als die Meinung, die die Minorität der Konföderation über die zweckmäßigste Tattit propagiert hat? Und Und wenn die bürgerlichen Parteien sich wegen der indiretten Steuern raufen, wenn, nach der Frantf. 3tg.", an Stelle der Steuern auf Inserate, Elektrizität und Wein eine Erhöhung des Kaffeezolles und eine Sohlensteuer treten sollen, so ist auch dieser Auswechselungspolitik gegenüber der Standpunkt der Sozialdemokratie gegeben. Handelt es sich doch um die gleiche Politik der Volksa usplünderung durch indirette Steuern, um der besigenden Minderheit das Zahlen direkter Steuern zu ersparen. Daß aber die Gewerkschaften die Grenzen ihrer Macht, ihre Wie die Dinge sich auch entwickeln mögen: an einer BrandBeschränkung auf die Hebung der Arbeiterklasse innerhalb der markung der Politik der wie immer gearteten Voltstapitalistischen Wirtschaftsordnung einsehen und darum die unlogifche ausraubung durch die sogenannte Finanzreform wird es Verknüpfung der Neutralitätsidee mit der Jdee der sozialen Revolution die Sozialdemokratie nicht fehlen lassen! aufgeben werden, dafür wird vor allem die Entwickelung der Klassenda Schimpfereien durchklingt und der in den klagen, daß nach einer solchen fämpfe ſelbſt forgen. Bor einiger Zeit, in einem Augenblid, ba bie Rheinbaben als Rheinbaben als Konkurrent Dernburgs. " Nicht ohne Komit ist der Jeremiadenton, der zwischen diesen Wahl keine Hoffnung mehr auf eine Aktion des Proletariats bleibe, oge der syndikalistischen Agitation gerade sehr hoch ging, konnte Um die Behauptungen des konservativen Professors eine fatale Aehnlichkeit mit dem Gejammer mancher royalistischer man im Figaro" die Gutachten der Unternehmer lesen, Blätter aufweist, die über der französischen Nation das Kreuz machen, die die Meinung aussprachen, die eigentliche Gefahr liege Delbrück zu widerlegen, der die Feindseligkeit der Agrarier weil sie sich von den royalistischen Randalbrüdern zu feiner Tat" nicht im Syndikalismus, trop feines oft so gewalttätigen gegen die Nachlaßsteuer auf die Furcht zurückgeführt hatte, auf im sondern Sozialismus, der, mit Ernsthafter freilich find die Drohungen zu aufmuntern läßt. einer bisher geübten tolossalen Steuerdefraudationen nehmen, die darauf hinweisen, daß man den neuen Sekretär weniger abenteuerlichen Taktit, das Prinzip der bestehenden ertappt zu werden, hat der preußische Finanzminister bor die Notwendigkeit stellen werde, die bon ihm be- Gesellschaftsordnung selbst angreife. Ift Niels Tattit beffer als in der Berl. Korrespondenz" eine Darstellung des preußischen tämpften Rongreßbeschlüsse über den Antipatriotismus" usw. die der revolutionären Gymnastiker, so wird die Arbeiterschaft noch Vermögensbestandes veröffentlichen lassen, die es an Kühn. auszuführen. Hier liegt die Absicht einer Herausforderung erkennen müssen, wie unzureichend sein Prinzip ist, daß die heit der Schätzungen beinahe mit den famosen Kolonial offen, die unleugbar zu Auseinandersetzungen führen müßte, die die organisierte Arbeiterklasse in ihrem Kampf für die Aufhebung des bilanzen Dernburgs aufzunehmen vermag. In der RheinEinheit der Gewerkschaftsorganisation in Frage stellen würden. Wie Lohnsystems das Problem des Staates- die Frage, ob er babenschen Darstellung heißt es: " Von dem von Steinmann- Bucher ermittelten Gesamtbetrage die Beurteilung der Wahl die Verständnislosigkeit der syndikalistischen anarchistisch zu zerstören oder sozialdemokratisch zu erobern find ferner nicht nur, wie es in dem Artikel der Preußischen Bolitiker beweist, so diese Absichten ihre Strupellosigkeit. feials nebensächlich behandeln könne. Noch findet diese Meinung Jahrbücher" geschieht, die Eigentumswerte der produktiven und Gerade fie haben bisher die Konföderation als ein bloßes Ver- int Frankreich viele Anhänger und die sozialistische Partei werbenden Reichs- und Staatsanlagen, sondern auch noch zahl ständigungsorgan, einen„ Briefkasten" behandelt, die Kongreß selbst hat ihr viele Konzessionen gemacht. Es ist sicher eine ganz reiche andere Werte, die der preußischen Ergänzungssteuer nicht beschlüsse als einen Ausdruck der in der Konföderation vor- besondere Merkwürdigkeit, daß das Tageblatt der Partei, die unterliegen, in Abzug zu bringen. Es sei nur hingewiesen auf die den Steuerpflichtigen gehörigen Möbel und herrschenden Anschauungen, nicht als ein alle Organisationen Sumanité", so ziemlich die einzige französische bindendes Aktionsprogramm. 8eitung ist, die über die Wahl in der Konföderation Hausgeräte, deren Wert auf 20 milliarden Mark zu veranschlagen sein dürfte, auf die in ausländischem GrundDer Zorn der Besiegten ist ja zu begreifen. Er quillt aus dem teine Meinung ausgesprochen hat. Bei aller Erwägung der befiz und in ausländischen gewerblichen Anlagen angelegten Sta Bewußtsein einer Schwäche, deren Maß durch die Schlappe in der Vorteile, die man sich seinerzeit von der für alle Richtungen offenen pitalien und auf alles Vermögen, einschließlich des Grundbefizes letzten Woche nicht gegeben ist. Wit Niel siegt zunächst tein neues gewerkschaftlichen Tribüne versprochen hat, überrascht es doch, daß und der Gewerbebetriebe, der Gemeinden, Kreise, Provinzen, Brinzip, sondern eine neue Tattit. Theoretisch steht Niel den in gewerkschaftlichen Dingen jedermann in der„ Humanité" seine Kirchen und Stiftungen. Von der preußischen Ergänzungssteuer ausgenommen die Redaktion. Syndikalisten noch viel näher als den Gewerkschaftlern anderer Meinung äußern darf find ferner bekanntlich befreit auch alle Vermögen, welche die Höhe von 6000 Mart nicht übersteigen. Nach den Länder. Auch er glaubt er hat dies erst dieser Tage in einer Diese bis zum äußersten getriebene Zurückhaltung hat aber die hierüber vorhandenen Anhaltspunkten ist der Wert dieser Verprogrammatischen Rede dargelegt- daß die Gewerkschaft sich selbst Humanité" nicht einmal vor der Gehässigkeit der Syndikalisten mögen auf mindestens 30 Milliarden Mart zu vers genüge" und im stande sei, durch ihren Kampf gegen das Unter- bewahrt, denn in der„ Revolution", die allerdings auch an der Veranschlagen." nehmertum nötigenfalls mittels des Generalstreits das Lohnsystem drießlichkeit des erfolglofen Konkurrenten leidet, greift fie Merr Daß Herr v. Rheinbaben den Wert der Möbel und abzuschaffen. Also auch für ihn ist die Eroberung der beim heftig wegen ihrer stillen Begünstigung" Niels an. Ihr aber auch durch die strikte Neutralität in Hausgeräte der Steuerpflichtigen der Ergänzungspolitischen Macht eine Angelegenheit, die die organisierte Schweigen wird Denn Steuer auf 20 Milliarden veranschlagt, um die viel zu niedrige Arbeiterklasse als solche nichts angehe, viclmehr wie der den gewerkschaftlichen Fragen nicht vollständig erklärt. Kampf gegen den Krieg speziellen Organisationen von Barteien zu mag es für den Nielschen Neutralismus unwesentlich erscheinen, Einschätzung der preußischen Vermögen zu erklären, ist ein überlassen sei, die der Redner mit einigem Hochmut behandelt, ob die Arbeiterschaft anarchistisch oder sozialistisch denkt, so ist doch starkes Stück! Denn da nur 1 Millionen Steuerpflichtige Trotzdem war es für die zur Erkenntnis des Wesens der sozialistischen offenbar, daß der sozialistischen Partei, die sich ja nicht vorhanden sind, würde danach auf jeden Steuerpflichtigen ein Aktion vorgedrungenen Gewerkschaften eine praktische Notwendigkeit, selbst für überflüffig halten kann, die Taktik und die leitenden Ge- Wert an Möbeln und Hausgeräten von mehr als 13 000 m. für Niel zu stimmen. Er bertritt den taktischen Grundsay, daß die fichtspunkte der gewerkschaftlichen Aftion nicht gleichgültig sein entfallen! Und das, obwohl die Hälfte der 1 Millionen Revolte" nicht mit Gewalttätigkeit identisch sei, was genau Laffalles tönnen. Voraussichtlich aber werden diefelben Umstände, die die nur ein Vermögen von 6000-20 000 m. verſteuert! Wort von der Revolution im Heugabelsinn" wiedergibt. für die, zur vollen Werbetraft der Gewerkschaften nötige, unbedingte und der Entschiedenheit der sozialistischen Partei zugute kommen. Schäßung, daß das Vermögen der preußischen Bevölkerung Ausschließung der Politik aus den Fachorganisationen. Etwas Der französische Sozialismus hat jetzt einen wichtigen Helferden mit weniger als 6000 Mr. Vermögen 30 Milliarden beanderes wollen die Sozialisten auch nicht. Nur, daß fie bürgerlichen Radikalismus, dessen Bankrott dem Proletariat die trage! Danach wäre pro Stopf der gesamten preußischen Beselbst natürlich einen führenden Einfluß in den Gewerk- Wahrheit des Klaffenkampfes, aber auch die Notwendigkeit des bölferung ein Vermögen von mindestens 800 Mart schaften zu erlangen trachten, weil nur der lebendige sozialistische Kampfes um die politische Macht außer allem Zweifel stellen wird. borhanden! Daß das Unsinn ist, liegt auf der Hand; wird doch von anderer Seite das Vermögen sämtlicher nicht Geist diese auf der Bahn des Klassentampfes erhalten und vor VerErgänzungssteuerpflichtigen auf noch nicht 10 milliarden finken in Zünftlerei bewahren kann. Das Lieblingswort der Syndis kalisten von den intelligenten, energischen Minoritäten mag hier geschätzt! feine Anwendung finden mit dem Ziel, fich selbst aufzuheben, in Mehrheit mit sozialistischem Bewußtsein " Er ist Klärung in den Gewerkschaften befördern werden, auch der Klarheit Ebenso ungeheuer ungeheuer übertrieben ist die Cohu- Wabohu. Diese fühnen Schätzungen leistet sich aber Herr v. RheinSteuerhinterziehungen in Schuß zu nehmen. baben nur, um die Agrarier gegen den Verdacht gewaltiger Politifche Ueberlicht. der Durchdringung des ganzen Proletariats oder doch seiner großen Die diretten Steuern stehen noch ebensowenig fest wie Die Reichsfinanzreform bildet zurzeit ein wüftes Chaos. Mehr als die immerhin aus vorübergehenden Stimmungen die indirekten Steuern. Die Nachlaßsteuer schien nur für erklärbare Abneigung der Arbeitermassen gegen die Erneuerung einen Augenblick durch die famose Besizsteuer ersetzt. Jetzt der„ revolutionären Gymnastit" muß die Syndikalisten die Erkennt machen die süddeutschen Regierungen anscheinend energisch nis bedrücken, daß ihr Versuch, die ganze sozialistische Bewegung gegen die Besigsteuer" Front. Da gleichzeitig dem Freisim auf ihre Mühle zu leiten, sich als aussichtslos erweist. Sie haben in seinen eigenen Reihen lebhafte Opposition wegen seines ein paar Jahre auf einem für sie überaus günstigen Gebiet ge- Umfalls in Sachen der Nachlaßsteuer erwächst, ist die Besitzarbeitet, in einer verfallenden Demokratie, die dem Proletariat das Steuer wiederum ernsthaft in Frage gestellt. Was wird also Schauspiel des erbitternden Berrats fozialistischer Politiker bot. werden? Werden die Konservativen, in deren Kreisen sich Fülle von Rednern wie zum Beingefeß ist seit Jahren nicht Eine Schar von Intellektuellen stellte ihnen begabte Theoretiter und ebenfalls Opposition gegen die Haltung der führenden Agrarier vor das Haus getreten. Als heute, am zweiten Tage der " Berlin, den 11. März 1909. Das Gesetz gegen die Weinpantscherei. Aus dem Reichstage.( 11. März.) Eine che der indes Arbeitslosigkeit und Notstand in Hamburg. # zweiten Lesung, die Generaldebatte geschlossen wurde, waren heit des Betriebes erhöhen, noch im mindesten die Sozialdemokratie Sprache der Belgrader Blätter läßt aber vorläufig wenig Hoffnung noch acht Winzervertreter auf der Rednerliste, die sich zum und die von ihr verhetzten Massen jetzt oder in Zukunft befriedigen, auf die Erfüllung dieser Erwartungen. Dort faßt man die Antwort Teil bei den einzelnen Titeln ihrer Reden entledigten. Immer vielmehr ist er nur geeignet, die Disziplin im Bergbau zu unter- als Aufrechterhaltung aller serbischen Forderungen auf, für die die noch wurde um das Maß der Verzu derung gefämpft, graben, die noch nicht den politischen Hezern unterworfenen Arbeiter russische Unterstützung gewiß sei. in deren Botmäßigkeit hineinzutreiben und dem Bergbau neue Lasten doch blieb es schließlich in der Abstimmung bei der Kom- aufzubürden." Für den Fall, daß die Arbeiterkontrolleure eingeführt Die serbische Waffendurchfuhr. missionsfassung: daß nicht mehr als ein Fünftel der als werden, verlangt die Resolution: 1. Die Trennung der Sicher- Konstantinopel, 11. März. Wie verlautet, hat die Pforte die Wein verkauften Flüssigkeit aus Zuckerwasser bestehen darf. heitsmänner von den Arbeiterausschüssen. 2. Die Erlaubnis zur Durch fuhr des in Saloniki lagernden sowie Ob sie wahrlich die Pantscherei wirklich hindern wird, das ist Sicherheitsmänner treten nur in Tätigkeit, wenn mehr als die des von Marseille unterwegs befindlichen serbischen Kriegsmaterials noch höchst fraglich. Genosse Lehmann wenigstens sprach älfte der Belegichaft der betreffenden Steiger erteilt. Maßgebende türkische Militärkreise erklären sich entschieden die Befürchtung aus, daß das Gesetz zwar arge Schikanen oder Fahrabteilung dies wünscht. 3. Die Bezahlung gegen die Durchfuhr serbischen Striegsmaterials. Jeni Gazetta" herbeiführen, aber den gewünschten Zweck doch nicht voll der Sicherheitsmänner hat durch den zu erfolgen, der sie in fagt, daß die Pforte infolge der Schritte einiger Botschaften Anspruch nimmt. 4. Eine Ausnahmestellung der Sicherheits- die Durchfuhr serbischen Kriegsmaterials erlaubte, ferner erreichen werde. Ein neuer§ 6b, der es verbietet, daß deutsche Weine, männer durch Einschränkung ihrer Kündigungsmöglichkeit darf unter die Durchfuhr von Dynamit und anderem Explosivmaterial in feinen Umständen geschaffen werden. fleinen Teilen unter der Bedingung, daß sie für Minen verwendet die mit ausländischen verschnitten sind, als deutsche Weine werden. Jeni Gazetta" fügt hinzu, daß in einem Augenblick, wo in den Handel gebracht werden, wurde von der man derart für die Erhaltung des Friedens tätig sei, Regierung für unannehmbar erklärt aus Wie vor einigen Wochen mitgeteilt, hat der stolze Senat der man unmöglich einen Beschluß gutheißen könne, der die Stärkung Rücksicht auf die Verträge mit fremden Staaten. Die Republit Mammonia es abgelehnt, eine Deputation Arbeitsloser zu Serbiens erleichtere, dessen Haltung fortwährend drohend Der in militärischer Hinsicht gut informierten Zeitung Zentrumsabgeordneten Roeren und Erzberger hatten empfangen, was von den Arbeitslosen als eine Mißachtung, von der sei. einen Vermittelungsantrag eingebracht, ab- Gesamtarbeiterschaft als eine Brüsfierung empfunden wurde. In Sabah" zufolge hat der Belgrader Militärattaché telegraphiert, gelehnt wurde, nachdem Genosse David nachgewiesen hatte, zwischen hat die Arbeitslosigkeit immer größere Dimensionen an daß Serbien in den letzten Tagen seine militärischen daß er völlig unlogisch sei. Nunmehr stimmte das Zentrum genommen. Zu den Opfern der wirtschaftlichen Depression sind noch Rüstungen sehr beschleunigt hat. Der serbische Standpunkt. ,, unter Vorbehalt" für den§ 6b. In der dritten die vielen Taufende von Arbeitslosen hinzugefommen, die infolge Lesung soll eine Einigung mit der Regierung versucht werden. der falten Witterung seit Wochen und Monaten keinen Verdienst Belgrad, 11. März. Offiziös wird folgendes bekannt ges haben. Zwar hat vor einiger Zeit die Hamburger Bürgerschaft Schließlich wurde noch das Doppelbesteuerungseinem Antrage des Senate, 200 000 m. für Notstandsarbeiten zu geben: Mit der Veröffentlichung der serbischen Zirkularnote und gesetz in zweiter Lesung erledigt. Dann vertagte sich der bewilligen, zugestimmt, aber diese Arbeiten fonnten bislang wegen der Billigung der Antwort der serbischen Regierung auf die serbischen Reichstag bis Dienstag, weil inzwischen die Kommissionen des Frostes nicht ausgeführt werden. Abgesehen von 10 000 W. für die Vorschläge durch die Stupsahtina betrachtet man die Angelegenheit arbeiten sollen. Speifung bedürftiger Schulkinder ist bisher nichts für die Arbeitslosen als vorläufig erledigt und wird nunmehr die Stellunggeschehen. Soweit diese gewerkschaftlich organisiert sind, haben sie nahme der Mächte, namentlich Desterreichs, abwarten. Steuerdebatten im Landtag. einen Rückhalt an den Einrichtungen ihrer Organisationen, die Das Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag den Gefeßentwurf biele Sunderttausende für Arbeitslosenunterstützungen In Serbien selbst ist man mit dieser Politik zufrieden, weil namentlich das Konferenzprojekt in den Vordergrund betreffend die Heranziehung der Beamten, Lehrer berausgabt haben. Wie aus der Abrechnung der Mitgliedschaft des Metall- gerückt ist. Sollte die Konferenz nicht zustandekommen, so würde und unteren Kirchendiener zur Gemeindeeinkommensteuerarbeiterverbandes im wesentlichen nach den Beschlüssen zweiter Lesung gegen die arbeiterberbandes ersichtlich ist, find im vergangenen Jahre die bosnische Frage offen bleiben und Rußland die im wesentlichen nach den Beschlüssen zweiter Lesung gegen die breimal soviel an Unterstützungen Arbeitsloser verausgabt worden Annettion nicht anerkennen. Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten an. Die ab- als 1907, über 150 000 m. gegen 50 000 M.! lehnende Haltung der Sozialdemokraten begründete Genosse Hirsch Der sich immer drückender bemerkbar machende Notstand in der damit, daß es seinen Freunden nicht möglich sei, einer solchen Halb- Arbeiterschaft scheint nun auch dem Senat nicht ganz unbekannt heit zuzustimmen. Es sei ein Unrecht, daß man die Geistlichen geblieben zu sein. Vor einigen Tagen ließ er durch die Armenauch ferner steuerfrei lassen wolle, während man alle anderen direktian bekanntgeben, daß Arbeitslose Kohlenzeichen und sonstige Schichten der Bevölkerung immer und immer aufs neue belaste. Unterstützungen entgegennehmen könnten, welche Zuwendungen nicht St. Gallen die Arbeitslosenkasse des Typographenbund mit je Da sollten es die Geistlichen für ihre Ehrenpflicht halten, freiwillig den Charakter der Armenunterstützungen tragen sollen. " auf das Privileg zu verzichten. Den Lehrern habe man das Privileg genommen, aber die Forderung, ihnen dafür das passive Wahlrecht zu gewähren, lehnte man ab. So habe denn der Entwurf eine Gestaltung erfahren, die es seinen Freunden unmöglich mache, dafür zu stimmen. Schweiz. Das Genter System. Bisher subventionierten die beiden Kantone Bafel und Ferner lag in der Sigung der Bürgerschaft am Mittwochabend 400 Fr. jährlich. Dazu ist der Kanton Zürich mit 300 Fr. gekommen. ein Antrag des Senats vor, zwei gemeinnügigen Gesellschaften je In Basel erhielt ferner die Arbeitslosentasse des Arbeiterbundes, die 10 000 m. zur Speisung von Schulkindern bezw. zur Speisung von eine an sich selbständige Organisation ist, einen Jahresbeitrag von Arbeitslosen zu betvilligen. Der Antrag fand einstimmige Annahme. 2000 Fr. Jezt hat der Kanton St. Gallen ganz allgemein die EinSollten die verheerenden Wirkungen der Arbeitslosigkeit einiger richtung getroffen, an derartige Institutionen 30 Broz. der Ausgaben maßen paralysiert werden, dann müßten solche Summen bewilligt zu entrichten. Es haben demnach für 1908 erhalten: TypographenNachdem das Haus nach unwesentlicher Debatte das Gesetz be- werben, wie sie bei verschiedenen sogenannten patriotischen bund 311 Fr., Zeichnerverband 661 Fr., Stickerorganisationen an treffend die Wohnungsgeldzuschüsse für die Beamten end- Anlässen, Raiser besuchen usw. verpulvert worden find. Zum gültig genehmigt hatte, begann die Schlußberatung der Steuer- Empfang der Bundesschüßen im Juli find 3. B. 60 000 2. verschiedenen Orten 343 Fr., total 1315 Fr. Es muß nun Sache der vorlagen. Genosse Heimann übte schonungslose Kritik an dem bewilligt worden. Dann wird wieder die Rede sein von dem„ gast- Gewerkschaften sein, in der ganzen Schweiz die Subventionierung freien" Hamburg. Mit dem sozial empfindenden Hamburg ist ihrer Arbeitslosenkassen zu verlangen. Berhalten der Mehrheit, die im Gegensatz zu den ursprünglichen weniger Staat" zu machen. Sozialdemokratische Wahlerfolge. Absichten der Regierung schon die Einkommen von 1200 M. an mit Die politisch verdächtigen Lehrer. Buschlägen belasten wolle. An der Hand einwandfreien Materials Zürich, 9. März.( Eig. Ver.) Am Sonntag fanden in mehreren führte er den Nachweis, daß die Gesezgebung nicht nur in Preußen, Um eine in Aschersleben( Regierungsbezirk Magdeburg) Kantonen die Parlamentswahlen statt. Jm Kanton Aar sondern auch in Deutschland darauf gerichtet sei, den Minderbemittelten freigewordene Lehrerſtelle bewarb sich fürzlich ein auswärtiger ga u stieg die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter von 2 auf 6. immer neue Steuern aufzuerlegen, die Besitzenden aber zu schonen. Lehrer. Als ihm die Schriftstücke, die er bei seiner Bewerbung mit Die vier neuen Mandate waren zwar von den Bürgerlichen unserer Sichtliche Unannehmlichkeiten bereitete unser Redner den Herren eingesandt hatte, wieder zugestellt wurden, fand er darunter einen Bartei von vornherein ohne Kampf überlassen worden, aber auch von der Rechten, als er sich auf zwei ihrer eigenen Anhänger, auf Fragebogen, den der boshafte Zufall dazwischen gemengt hatte. Der Partei von vornherein ohne Kampf überlassen worden, aber auch von der Rechten, als er sich auf zwei ihrer eigenen Anhänger, auf Fragebogen enthielt einige Fragen an die vorgesetzte Behörde des diese Konzessionen beweisen die fortschreitende Erstarkung unserer die Professoren Delbrück und Wagner berief. Zwar sprang der Lehrers und zwar die folgenden: Bewegung in diesem Kanton. Finanzminister seinen bedrängten Freunden bei, aber die Ausführungen des Freiherrn v. Rheinbaben vermochten nicht den Eindruck der Rede Heimanns abzuschwächen. Hatte sich die Debatte bis dahin auf sachlichem Boden bewegt, so wurde es anders mit dem Augenblick, wo Herr Bachnide von der Freisinnigen Vereinigung die Tribüne bestieg und sich, um die schwächliche Haltung des Freisinns hinter schönen Phrasen zu verhüllen, in albernen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie erging. Die gebührende Antwort wurde ihm durch den Genossen Sirf zuteil, der die Abhängigkeit des Blockfreisinns von den Konservativen ironisierte und den Verschleierungen Bachnides gegenüber die nadten Tatsachen Revue passieren ließ. Die Mehrheit schickte außer Herrn Bachnicke auch noch Herrn Dr. Friedberg gegen unseren Genossen ins Feld, um dann durch einen Schlußantrag unseren Rednern Hirsch und Ströbel das Wort abzuschneiden. Die Vorlage selbst gelangte gegen die Stimmen der Sozialdemokratie zur Annahme. Aenderung des Strafgesetzbuchs. In der Donnerstagssigung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderung des Strafgesetzbuches die Zustimmung erteilt. Die Zentrumsminierer. Die Germania" gibt sich den Anschein, als ob ihr das " Weiterbestehen des Blocks ganz gleichgültig sei. Sie schreibt: " 1. Welcher politischen Richtung gehört Herr X. an? 2. Ist er politisch schon hervorgetreten? 3. Hat Herr X. ein angenehmies Aeußere? Im Kanton Waadt ist hingegen die Zahl der sozialdemofratischen Vertreter im Großen Rate von 10 auf 9 zurückgegangen und diese haben sie auch nur von den Bürgerlichen zugestanden erDie preußischen Lehrer haben wirklich noch wenig Ursache halten. Es steht leider in diesem Kanton infolge der Tatenlosigkeit gegeben, daß man an ihrer politischen Zuverlässigkeit zweifeln in den eigenen Reihen und der syndikalistischen Verirrung durchaus könnte Dem oben geschilderten reiht sich das folgende würdig an: unbefriedigend mit der Sozialdemokratie. Sie könnte aber start Ein Antrag, in die Ascherslebener Schuldeputation auch einen Volksschullehrer hineinzuwählen, wurde vom Wahlausschuß und und erfolgreich ſein. später vom Plenum der Stadtverordnetenversammlung gelehnt. Eine Eingabe der Lehrerschaft gegen diesen ablehnenden Befchluß hatte den Erfolg, daß der Magistrat und die Schuldeputation einen Rettor wählte, der sich im Gegensatz zur Lehrerschaft befindet! Riefenmanöver. frankreich. Tippelskirch- Rechnungen. Paris, 11. März. Der Deputierte Brousse, Berichterstatter der Rechnungskommission der Kammer, hat im Matin" einen Aufsatz über die Rechnungen der Marine von 1902 bis 1907 veröffentlicht, in dem er darauf hinweist, daß die von der Marinebesonders großen Umfanges angefegt. Es sind daran beteiligt das Lebensmittel, Panzerplatten, Kessel usw. den Unternehmern einen Das Kriegsministerium hat für den kommenden Herbst Manöver verwaltung abgeschloffenen Marinelieferungsverträge für Kohlen, 13. und 14. Korps, ferner fünf bayerische Divisionen. Das Manövergelände liegt in Württemberg, in einer Gegend, in der voraus ganz außergewöhnlichen, geradezu mißbräuchfichtlich besonders hohe Flurentschädigungen erwachsen werden.lichen Gewinn verfchafft haben. Außer den von der Dieses Manöver dürfte das teuerste von allen werden, die bis jetzt Marineverwaltung gezahlten übermäßigen Preisen hätten stattgefunden haben. Die Balkankrise. Die serbische Note. viele Lieferanten noch übertriebene Prämien bezogen. So habe ein Lieferant von 37 Unterseebootsmotoren im Werte von 1 056 000 Fr. nicht weniger als 540 480 Fr. Prämien erhalten und dadurch bei seiner Lieferung einen Nußen von 95 Prozent Die serbisch- russische Antwortnote setzt, wie zu erwarten war, erzielt. Demgegenüber erklärte der frühere Marineminister Thomson 11 Holland. Blei statt Brot. berief das abscheuliche Spiel mit dem Frieden in der alten Weise fort. einem Mitarbeiter des„ Matin", daß die von dem Deputierten In liberalen Blättern wird es wieder einmal mit der Sie ist in ihrer gewollten Zweideutigkeit und Hinterhältigkeit ein Brouffe gegen die Marineverwaltung erhobenen Angriffe ungerechtZentrumsangst versucht, die schon des öfteren hat helfen müssen. Klassisches Dokument des diplomatischen Zutrigenspiels, das die fertigt, mindestens aber start übertrieben seien. Serbien vers Das Zentrum, so wird erzählt, das stets den Willen zur Macht russische Regierung mit der österreichischen treibt. gehabt hat, der den Liberalen fehlt, ist jetzt eifrig an der Arbeit, sichert seine Friebensabsichten, aber es hütet sich, seinen Willen fundsich von dem Regierungsbann zu befreien und beim Kaifer wie bei zutun, die Rüstungen einzustellen, fährt vielmehr fort, der Regierung einen Umschwung der Stimmung herbeizuführen. feine Kriegsvorbereitungen mit allen Kräften zu fördern. Es be Finsterwolde( Provinz Groningen), 11. März. Gestern Es werden auch verschiedene Hofwürdenträger, Großgrundbesizer uſtv. genannt, die beim Kaiser für das Zentrum arbeiten hauptet, nichts, nicht einmal wirtschaftliche Stompensationen abend fand ein Zusammenstoß zwischen Arbeitsfollen. Soffen wir, daß dieser Wint seine Wirkung tue bon Defterreich zu fordern, aber gleichzeitig verlangt es von den losen und Gendarmerie statt, wobei lektere von der und die Liberalen zur frohen Steuertat be- Mächten, fie sollten als kompetente Richter Desterreich vor Feuerwaffe Gebrauch machte. Mehrere Personen wurden geistere. Wir haben keinen Grund, die berufenen Steuer- das Forum ihrer Konferenz ziehen und erklärt, von ihnen Gerech verwundet. macher zu beneiden und aus der Arbeit au ber- tigkeit", das heißt natürlich Erfüllung der serbischen Forderungen zu Rußland. drängen." erwarten. Das einzig halbwegs Günstige, das man vielleicht Man sollte in der Tat glauben, daß das Zentrum alles aus den serbisch- russischen Verhandlungen herauslesen kann, iſt Das verhöhnte Barlament. Interesse daran hat, daß sich der Freifinn als Geburtshelfer der die Erklärung der russischen Regierung in ihren freund- Petersburg, 11. März. In der gestrigen Abendsizzung der agrarischen Finanzreform bis auf die Knochen blamiert. Um so unverständlicher ist da nur der Eifer, mit dem die Märt Vollschaftlichen Ratschlägen", die sie Serbien erteilt, daß die terri- Reichsduma wurde über eine an den Finanzminister geZeitung" in Bülow Stürzerei macht. So schreibt sie torialen Forderungen teine Aussicht auf die richtete Interpellation wegen ungefeglicher Emission heute wieder: die Regierung garantierten Obligationen von Unterstüßung irgendeiner Macht finden werden. Hier von durch die Regierung Antwort In seiner Durchlaucht! eröffnet sich vielleicht ein Aus weg, wenn die österreichische Re- Privateisenbahnen verhandelt. Fürst Bülow, der einstens vom Kaiser als Bernhard angerebet gierung jene Nachgiebigkeit beweist, die im Interesse des Friedens sich Finanzminister Kotowgow auf besondere persön wurde, den der Kaiser duzte, wird heute vom Kaiser nur noch mit von ihr gefordert werden muß und ihren ablehnenden Standpunkt liche Anweisungen des Kaisers, erklärte, die UnDurchlaucht angeredet. Trotz aller Ausstreuungen der Bülowianer der Konferenz gegenüber modifiziert, da sie jetzt die Gewißheit be- gelegenheiten mit Eisenbahngesellschaften Regierungs halten wir diese Meldung aufrecht. In den nächsten Tagen figt, daß keine territorialen Ansprüche an sie gestellt werden. Frei- garantien unterlägen nicht der Kompetenz der Duma schon tönnen Umwälzungen eintreten." Oder ist das nur ein Spiel mit verteilten Rollen? Will man lich wird Serbien auch dann nicht um direkte Verhand- und schloß, er müffe annehmen, daß die Interpellation auf Oder ist das nur ein Spiel mit verteilten Rollen? Will man bem braven Freifinn eine solche Angst einjagen, daß er aus Furchtungen herumfommen, die ja schon der Ablauf des Handels- Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen beruhe. Hierauf erklärte Vizepräsident Baron Mehendorff. er tönne weitere De. bor dem schwarzen Mann politische Selbstentleibung bertrages nötig macht. Vor allem aber muß die Abrüstungsfrage gelöst werden, batten über diese Interpellation nicht zulassen, da der Finanzda, solange die Kriegsrüstungen dauern, von einer Befferung der minister sich auf persönliche Instruktionen des Kaisers berufen habe, Lage keine Rede sein kann. Hier wird es neuer Anstrengungen der die nicht das Thema einer Verhandlung der Duma sein dürften. Die Gewerbeordnungskommission des Reichstages hat am nicht direkt beteiligten Mächte bedürfen, die aber nur bei einem 8u- Einem Protest des Abgeordneten Miljutow erklärte Meyendorff Donnerstag gegen die Stimmen der Freisinnigen, Konservativen fammengehen der deutschen Regierung mit den West nicht Folge geben zu können. und Nationalliberalen den Ladenschluß für das ganze Reich um mächten Erfolg versprechen. Die deutsche Regierung darf sich nicht Hierauf beantwortete der Justizminister das wegen des 8 Uhr, an Sonnabenden um 9 Uhr, beschlossen. Der Ver verleiten lassen, österreichische Sekundantenpolitik zu machen, fie muß Martow- 8wischenfalls von der extremen Rechten an ihn treter der, Regierung erflärte den Beschluß für unangerade jetzt mit Saltblütigkeit und Besonnenheit die Interessen gerichtete Schreiben und kam unter Anführung der einschlägigen. nehmbar. Deutschlands an der Erhaltung des Friedens und nichts anderes Gefeßesbestimmungen zu dem Schluß, daß kein gefeglicher bertreten. Grund vorliege, der Forderung der Fraktion nach gerichtlicher Gegen die Berggefehnovelle eine Majestätsbeleidigung In Wien wird die serbische Note als eine geringe Besse Entscheidung, ob Markow wendet sich auch die Bochumer Handelskammer. In ihrer jüngsten Sigung nahm fie nach einem Referat des Bergwerfdirektors rung der Situation aufgefaßt. Doch erwartet man noch eine begangen habe oder nicht, stattzugeben. Nach diesem Bescheid Haßlacher Gelsenkirchen eine Resolution an, in der der unver- direkte Antwort Serbiens auf den Schritt des Grafen Forgach. richtete der Abg. Markow an die Duma ein Schreiben, in welchem blümteste Scharfmacherstandpunkt zum Ausdrud tommt. Es heißt Andererseits wird aber auch erklärt, daß eine wirkliche Beruhigung er den Präsidenten ersucht, gegen ihn eine formelle Anklage darin u. a.: Der vorliegende Gefeßentwurf wird weder die Sicher erst Platz greifen könne, wenn Serbien seine Rüstungen einstelle. Die wegen Majestätsbeleidigung zu erheben, da nach der übt? Der Achtuhr- Ladenschluß 0 unannehmbar! = der Antwort des Ministers sonst fein gerichtliches Verfahren gegen ihn eingeleitet werden könne. Es sei dies, schloß Markow, eine moralische Pflicht des Präsidenten, um entweder seine vollkommene Rehabilitierung oder seine Verurteilung herbeizuführen. Parlamentarifches. Jm§ 139e wird der notgehender Debatte, den 1. Mai in der althergebrachten Form durch Ladenschluß für offene Bertaufsstellen, Arbeitsruhe zu begehen. Wie bisher findet vormittags eine geregelt. Das Gesetz bestimmt den Neunuhr- Ladenschluß. Unsere Feier und nachmittags ein Feftzug mit Musik und Fahnen von der Genossen beantragen den Achtuhr Ladenschluß. Den gleichen An- Stadt nach einem Vorort statt. Ein Antrag, von einer all. gemeinen Arbeitsruhe abzusehen und die Feier am trag stellt der Abg. Schad. Abend durch zwei große Demonstrationsversammlungen zu begehen, Genosse Hoch bedauert, daß eine große Anzahl Ge- wurde gegen eine starte Minderheit abgelehnt. Die meinden den Achtuhr- Ladenschluß noch nicht durchgeführt haben; metallarbeiter haben die Arbeitsruhe verworfen. Die Finanzkommiffion des Reichstags begann am Mittwoch deshalb ist eine allgemeine Borschrift für alle Orte Unsere Toten. wendig. Es ist ein unleidlicher Zustand, daß in Berlin der die Beratung der Braufteuervorlage. Achtuhr- Ladenschluß eingeführt ist, während einige Vorortgemeinden In Mannheim starb am Dienstag der Genosse Heinrich den Neunuhr- Ladenschluß haben. Die Geschäftsleute be- Schaefer, der Parteisekretär des Wahlkreises Mannheim und des Die Beratung begann mit§ 6 der Vorlage, der folgende schweren sich mit Recht darüber, daß in ein und derselben Straße badischen Landesvorstandes, als deffen Mitglied er erſt vor kurzem, Die Steuer beträgt für jeden Doppelzentner des nach§ 5 ein Teil der Geschäftsleute je nach der Zugehörigkeit zur Gemeinde nach dem Offenburger Parteitage, von den Mannheimer Genossen Absatz 3 berechneten Gesamtgewichts der in einem Brauerei um 8 Uhr schließen muß, der andere Teil um 9 Uhr. Ein Re- er vom badischen Parteitage Heimgekommen war, einer Blinddarmwiedergewählt worden war. Genosse Schaefer hatte sich, nachdem betriebe innerhalb eines Rechnungsjahres steuerpflichtig ges gierungsvertreter erklärt den Antrag für unannehmbar. operation unterziehen müssen; eine Bauchfellentzündung, die am wordenen Braustoffe: Desgleichen lehnen die Abgg. Manz( frf.) und Schulz( Np.) fünften Tage des Krantenlagers eintrat, machte die Kunst der Aerzte den Antrag ab; das Zentrum beantragt den Achtuhr- Ladenschluß, zuschanden. an Sonnabenden den Neunuhr- Ladenschluß. Der Antrag des Zentrums wird angenommen, die anderen Anträge a b gelehnt. Staffelung vorfieht: von den ersten 250 Doppelzentnern • " folgenden 1250 Doppelzentnern " " " 1500 2000 " " 1 " " " · " . 14 M. 15 16 " " 18 20 " 1 dem Rest. Dazu hat der Abg. v. Gamp den Antrag gestellt, die Staffelung folgendermaßen vorzuschreiben: von den ersten 250 Doppelzentnern 10 M. " folgenden 750 des Bieres. " " " 1 12 500 " 12 16" 20 " Jm§ 139e Abf. II Biffer 2 fann die Ortspolizei behörde an 40 Tagen im Jahre die Geschäftszeit bis 10 Uhr abends gestatten. Unsere Genossen und Abg. S ch a d( wirtsch. g.) wollen die Bestimmung streichen. Abg. Hize( 3.) ist gegen diese Anträge. Die Ausnahmen sind insbesondere für die Zeit vor Weihnachten notwendig. Die Anträge werden abgelehnt. Unsere Genossen beantragen, den Ladenschluß auch für Heinrich Schaefer ist nur 45 Jahre alt geworden, aber lang ist die Reihe der Jahre, die er im Dienste der Partei verbracht hat. Denn schon als junger Schreinergeselle trat er in den achtziger Jahren in Frankfurt a. M. der Partei bei, und wie eifrig er dort unter dem Ausnahmegesez gearbeitet hat, das zeigt der Umstand, daß er unter den Genossen war, die am Weihnachtsabend 1886 das Gebiet des Frankfurt- Offenbacher Belagerungszustandes verlassen mußten. Schaefer begab sich nach Mannheim. Von der Polizei von Werkstatt zu Werkstatt verfolgt, gelang es ihm nicht, eine dauernde dem Nest" Arbeitsstätte zu finden, zeitweise mußte er Mannheim ganz ber Der Abg. Zehnter erstattete Bericht über die" Petitionen. lassen. Erst furz vor dem Fall des Ausnahmegesetzes war es ihm Der Inhalt betont im wesentlichen, daß die Produktionstosten ges Steigert feien; daß der Anti- Alkoholismus zugenommen habe; der Barbiergeschäfte einzuführen. Dieser Antrag wird nur von möglich, festen Fuß in Mannheim zu faffen. Im Jahre 1901 trat Schaefer in den Dienst der Ortskrankenkasse; 1903 vertauschte er die Obstweinverbrauch habe sich erhöht und mache konkurrenz, ebenso unseren Genossen und dem Abg. Schad unterstützt, von den übrigen Stellung mit der des Parteisekretärs für den Wahlkreis Mannheim. die alkoholfreien Getränke; der Stursstand der Aftien sei zurüd Mitgliedern der Kommission abgelehnt. Hier war er auf seinem Blaze. Seine gewissenhafte Geschäftsgegangen; die geforderte Steuererhöhung tönne nicht auf den Konsum Zur Debatte stand hierauf ein Antrag Schad( wirtsch. Vg.): führung und seine genaue Kenntnis der badischen Parteiverhältniffe abgewälzt werden. Einzelne Petitionen wünschen eine Sontingentierung In Schreibstuben, Kontoren und Lagerräumen den männlichen wird die badische Partei sehr entbehren. Das Andenken des der Bierproduktion, mit eventueller Reduzierung der Produktion von Angestellten einen Marimalarbeitstag von neun Stunden, den weib- treuen Rämpfers und Arbeiters wird von der Arbeiterschaft in Ehren 10-15 Proz. Andere Petitionen wünschen die Besteuerung alkohol- lichen Angestellten eine achtstündige Arbeitszeit zu gewähren. Unsere gehalten werden. freier Getränke. Mäßigkeitsvereine sind für höhere Besteuerung Genoffen beantragen eine 14stündige Ruhezeit und eine zweistündige 45. Jahre, Genosse Jean Haud. Auch er, der Sohn blutarmer In Ludwigshafen verschieb am Montag, ebenfalls im Abb. Gamp tritt für seinen Antrag ein und erklärt, seine Pause in der Arbeitszeit. Die zweistündige Mittagspause wird auch Weber zu Lambrecht, hat sich in jugendlichen Jahren der SozialFraktion sei für höhere Besteuerung des Bieres. Es sei nicht seine vom Abg. Schad gefordert. Abg. Sise( 3.) beantragt eine zwölf demokratie angeschloffen. Bald wurde er der Vertrauensmann der zwölf- demokratie Absicht, die geforderten Mehrbeträge noch zu erhöhen. Für die Be- stündige Ruhezeit und eine neunstündige Arbeitszeit. Die Mittags- Lambrechter Genossen in den schlimmen Jahren des Ausnahmesteuerung alkoholfreier Getränke trete er ein, aber die Kontingentierung pause foll 11 Stunden betragen. Nur wenn die Arbeitszeit acht gefeßes wußte er mit Feuereifer die Verbreitung der Parteischriften des Braugewerbes, über die in zweiter Lesung vielleicht eingehend Stunden oder weniger betrage, könne die Baufe auf eine halbe den Polizeiverfolgungen zum Troß zu bewirken. Im Jahre 1889 geredet werden könnte, erregt ihm Bedenken. Stunde gekürzt werden. An 50 Tagen im Jahre sind Ausnahmen wurde er als" Mädelsführer" bei einer Lohnbewegung feiner Berufss genossen der Lambrechter Textilarbeiter, gemaßregelt. zulässig. Die Regierungsbertreter erflären sich gegen die lang mußte Haud sich als Steinarbeiter bei ungewohnter harter Anträge; auch der Abg. Manz( frs.) hält die Anträge für unan- Arbeit durchschlagen, dann wurde er im Jahre 1890 als Annoncen afquifiteur für Ludwigshafen an die neugegründete Mannheimer nehmbar. Die herkömmlichen langen Arbeitszeiten werden ganz bon Bollsstimme" berufen. In dieser Stellung hat er sich eifrig betätigt selbst verschwinden. Genosse Stadthagen weist darauf hin, daß und seiner treuen Arbeit mit verdankt es die Ludwigshafener Abg. Sped( 3.) weiß nicht, wie nach der beabsichtigten Er- in Neuseeland für die Angestellten in Kontoren die Arbeitszeit um Organisation, daß ihr Organ, die Pfälzische Post", sich aus dem höhung der Biersteuer der bayerische Etat im Gleichgewicht gehalten 5 Uhr beendet sein muß, an Sonnabenden um 1 Uhr. Kopfblatt der Mannheimer Boltsstimme" zum selbständigen Organ werden kann. Die Kontingentierung des Braugewerbes fei äußerst Da Abg. Merkel( natl.) sich gegen den Magimalarbeitstag entwideln fonnte, das jetzt in eigener Druderei und in eigenem bedenklich. So hätten bekanntlich Biegelfabrikanten sich angeboten, wendet, hält Abg. Scha& dem entgegen, daß die nationalliberale Hause hergestellt wird. Mehrfach haben die Ludwigshafener Geeine Reichssteuer zu tragen, wenn die Ziegelproduktion fontingentiert werde. Es gehe nicht an, so in die Produktionsverhältnisse ein- Parei Resolutionen eingebracht habe, die eine Regelung der Arbeits- mossen den verdienstvollen Kämpfer zu Vertrauensposten in der zugreifen und die Konkurrenzmöglichkeit zu beschränken. Für die zeit verlangen und vom Reichstage angenommen wurden; man wisse Organisation berufen; so gehörte er auch dem pfälzischen Gaubaherische Exportbrauerei eigene fich die Kontingentierung nicht; er nicht, was man sagen folle, wenn jetzt bei der praktischen Aus- borstande an. Ehre seinem Andenken! fei prinzipieller Gegner derselben. Werde sie in Angriff genommen, führung dieser Forderung die nationalliberale Partei einen ganz so frage es sich, ob die Bundesregierungen darauf eingingen. Die entgegengesezten Standpunkt einnimmt. borgelegte Steuerffala, auch der Antrag Gamp stehe nicht im Einllang mit dem verfassungsmäßigen Schutz der Julandsproduktion der Einzelstaaten, der die Uebergangsabgabe betreffe. Diese Art der Staffelung sei: nicht richtig. Er fönne nicht für die Vorlage ein treten. Mehrere feiner Freunde seien bereit, höhere Steuererträge aus dem Bier zu holen, nur nehmen sie Anstoß an der großen Beeinträchtigung der Einzelstaaten. Der Schatzsekretär Sydow erwiderte, es sei sehr schwer, die alkoholfreien Getränke zu besteuern; es fämen allein zirka 6000 Selterwasserbetriebe in Betracht. Durch diese Besteuerung würden die Mäßigkeitsbestrebungen eingeschränkt, was doch gewiß niemand wolle. Gamp solle erst genau darstellen, wie er sich die Wirkungen seiner Staffel dente. Ministerialoirektor St it hn erwiderte, die Vorlage wolle den Weg bezeichnen, auf dem höhere Steuererträge aus dem Bier gewonnen werden sollen. Ueber Einzelheiten werde ja in der Beratung Auf Klärung gegebent. Abg. Dr. Weber( natl.) erflärt für seine Fraktion die Bereitwillig feit, aus dem Brauereigewerbe neue Mittel für die Reichsfinanzen schaffen zu helfen. Sped befinde sich mit seinen Aeußerungen im Gegensatz zu denen des Abg. Spahn, der vor acht Tagen sagte, seine Partei tolle mitarbeiten, die Finanznot zu beseitigen. Redner wünschte eine Gefeßvorlage über eine andere Nichung der Schank gefäße. Er habe gehört, daß Verhandlungen mit den verbündeten Regierungen hierüber im Gange feien. Bei der Abstimmung wird der Antrag Size angenommen, die anderen Anträge werden abgelehnt. Die nächste Sizung findet am Donnerstag statt. Aus der Budgetkommission des Reichstags. ( 34. Sigung vom 11. März.) Abg. Gothein fragt an, in welcher Weise die Militärverwaltung ihre Verträge wegen der Sohlenlieferung abschließt und welche Preise sie bezahlt. Die Antwort lautet, daß die Kohlen zumeist von den preußischen fiskalischen Gruben bezogen würden und daß den Militärbehörden ein erheblicher Preisnachlaß gewährt werde. Eine längere Debatte entspann sich über die bei Kadetten anstalten vorhandenen Musikkapellen. Erzberger wünscht die Aufhebung dieser Kapellen, denn von all den Gründen, die für die Beibehaltung der Musiflorps bei den Regimentern sprechen, fönne hier kein einziger angeführt werden. Der Abg. Semler wünscht, daß die Musit nicht nur beibehalten, sondern auch noch ausge dehnt wird, weil die Pflege der Musik die jungen Leute von Dummheiten abhalte und sie für edle Dinge begeistere. " " Ein Jahr Der Ausschluß der Redakteure der Amsterdamer Tribüne". Die Urabstimmung, die die holländische sozialdemokratische Bartet wegen der Beschlüsse des Parteitages zu Deventer vornahm, hat die Beschliffe des Parteitages bestätigt. Somit sind also definitiv die Tribüne" Redakteure aus dem Parteiverbande ausgeschlossen. Die für Sonntag einberufene Versammlung der Tribüne"-Anhänger wird denn auch die Gründung einer neuen Partei beschließen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Straffonto der Presse. Von der Straffammer zu Weima wurde Genosse Georg Pfeifer von der Weimarischett Volkszeitung" in Jena wegen Beleidigung der weimarischen Die Straftat foll in Justiz zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. einem Artikel begangen sein, der sich mit den Vorgängen in der Straffache des Dr. Wernsdorff befaßt. Beantragt waren sechs Monate. Wegen Beleidigung eines Pfarrers wurde Genosse Barth bom Volksfreund" zu Sonneberg zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Außerdem erhielt er wegen Beschimpfung firchlicher Gebräuche 14 Tage Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte nur eine Woche beantragt. " Da3. Abg. Zubeil bemerkt, die Stener von 1906 sei von den Brauern Weiter regt der Abg. Erzberger an, die Pensionspreise für auf die Gastwirte abgewälzt werden, die sie ihrerseits wieder auf die Böglinge wohlhabender Eltern zu erhöhen; ihm schließt sich der Bom Landgericht Erfurt wurde Genosse Betold bom die Arbeiter respektive Konsumenten abzuwälzen suchten. Die Abg. Singer im wesentlichen an. Oberst en del teilt mit, Parteiblatt Thüringer" zu 100 m. Geldstrafe vers Arbeiterschaft, auf die die jezt geforderte Steuererhöhung wieder daß heute bereits eine Abstufung der Pensionspreise nach der Verurteilt, weil er einen Rechtsanwalt beleidigt haben soll. abgewälzt werden solle, sei nicht gewillt, diese Saft zu tragen. Es mögenslage der Eltern bestehe. Die Preise schwanken zwischen Schöffengericht als erste Instanz hatte 75 M. Geldstrafe für aus sei nicht ausgeschlossen, daß die neue Steuer einen Kampf herbei- 350 bis 800 m. jährlich. Aus der Kommission heraus wird der reichend gehalten. führe, der geradezu eine Vernichtung von Brauereien und ungezählten höchste Preis für zu niedrig gehalten, denn damit seien ja nicht Gastwirten zur Folge haben könne.( Hört! hört!) In die schwierigste einmal die Selbstkosten gedeckt. Erzberger beantragt, den ReichsLage kämen die Gastwirte, die sowieso schon unter den jezigen tangler zu ersuchen, behufs Schaffung weiterer Steuern auf Bier, auch kommunalen, zu leiden hätten. Warum Freistellen die Erziehungsbeiträge der Kinder feten den Abgeordneten die Erhebungen nicht zugegangen, die die wohlhabender Eltern zu erhöhen. Diese Resolution Regierung über das Gastwirtsgewerbe vornehmen ließ? Seit wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. 1906 sei ein großer Rückgang im Braugewerbe eingetreten. Beim Titel Redner spricht zum Schluß gegen eine Besteuerung alkoholUnteroffizierschulen freier Getränke, burch die ebenfalls die Arbeiter zuerst werden 354 700 M. für Kasernenmieten usw. gefordert. Borgefehen getroffen würden. Seine Fraktion lehne jebe Belastung des Bieres ist, daß die Unteroffiziervorschule von Jülich nach Biebrich und ab; man solle direkte Steuern auf die Besigenden legen. die dort befindliche Unteroffizierschule nach Weg lar verlegt werde. Der tonfervative Abg. v. Richthofen trat für die Vor- Auf Antrag des Berichterstatters Erzberger wird mit Inapper Mehr lage ein. heit beschlossen, den Posten für Weglar zu streichen, so daß Sasferretär Sybom erklärte, es bestehe bei den bere denmach die beabsichtigten Verlegungen borläufig nicht vorgenommen bündeten Regierungen die Geneigtheit, eine andere Eichung der Schantgefäße herbeizuführen; dem Reichstage würde demnächst eine Für Vorlage unterbreitet werden, nach der die Schankgefäße statt nach Behnteln nach Zwanzigsteln geeicht werden sollen. werden. Unterrichtsgelder der Truppen Ein bayerischer Bundesratsvertreter erklärt, daß die verfassungs- verden 756 568 M.( 371 055 M. mehr als im Vorjahr)' gefordert. mäßigen Garantien für die Inlandsproduktion der Einzelstaaten Die Kommission hatte früher selber mehrfach den Wunsch ausnicht gefchmälert werden dürften. Der Abg. Wiemer( frf.) gesprochen, daß der Kapitulantenunterricht ausgedehnt werde, entgegnete dem Abg. Speck, er und seine Freunde hätten dem um den Unteroffizieren das erforderliche Maß von Wissen für ihren Kompromiß über die Besitzsteuer nur unter Vorbehalt zu Beruf zu gewähren und ihnen beim Uebertritt in den Zivildienst gestimmt, um versuchen zu fönnen, was an indirekten Steuern ein- eine Stelle zu bieten, zu deren Ausfüllung einige Stenntnisse gezuführen möglich sei. Man werde um eine Besteuerung des Bieres hören. Oberst Wendel teilt mit, daß die Unteroffiziere neben nicht Herum kommen. Das Brauereigewerbe habe sich mit ber Not- einer guten Volksschulbildung auch Unterricht im Französischen wendigkeit der neuen Steuer abgefunden. Nun müsse untersucht erhalten sollen! Allgemein war die Kommission der Ansicht, daß es werden, wie die Steuer am besten zu gestalten sei. Den Gedanken besser sei, wenu der Unterrichtsplan nicht so weit gesteckt, dafür aber einer Kontingentierung solle man aufgeben. Die Staffelung der das Lehrziel erreicht werde. Regierungsvorlage sei die bessere. Die geforderte Summe von 100 Millionen lasse sich vielleicht etwas herabsetzen. Ileber die Frage der Besteuerung alloholfreier Getränke müsse eine gründliche Prüfung erfolgen. Der baherische Zentrumsabgeordnete Steindl spricht scharf gegen, der Antisemit Raab für die Vorlage; nur folle die tommunale Bierbesteuerung in Wegfall kommen. Nächste Sigung: Freitag 10 Uhr. Beim Kapitel Militärge anguiswesen wird mitgeteilt, daß seit Einführung der zweijährigen Dienstzeit die Zahl der Gefangenen ständig zurüdgegangen ist. Für Verpflegung werden daher rund 120 000 W. weniger angefordert. Die Kommission strich von der noch verbleibenden Restsumme von 244 900 m. noch 3000 m. ab. Beim Kapitel Aus Induftrie und Bandel. Streiflichter auf die wirtschaftliche Lage. Troß der Ermäßigung der meisten Rohstoffpreise und der Geldverbilligung am offenen Martte macht die Gesundung der industriellen Verhältnisse nur sehr langsame, faum merkbare Fortschritte. Die wenig günstige Lage des Außenhandels spiegelt fich in der kürzlich veröffentlichten Uebersicht wieder. Die Gesamteinfuhr des Jahres 1908 stellte sich dem Werte nach auf 8738 gegen 9903 Millionen Mart im Jahre vorher. Die Ausfuhr betrug 6841 gegen 7101 Millionen Mark. Dabei erfolgte die Berechnung der Werte nach den für das Jahr 1907 festgesetzten Einheitswerten, während andererseits die Ausfuhr billiger und schwerer Waren überivog. Die Verkehrseinnahmen der Eisenbahnen bewegten sich im Einklang mit der geringeren Betätigung von Handel und Industrie in absteigender Linie. Im Dezember 1908 war der Güterverkehr um 5,3 Millionen Mark niedriger als im Dezember 1907. Die Mindereinmağme fällt umsomehr ins Gewicht, als die Flußfchiffahrt durch niedrigen Wasserstand beeinträchtigt und der regelmäßige Verkehr auf der Elbe während des ganzen Monats sogar eingestellt war. Im Januar und Februar tamen aus den Kreisen der Eisen- und Textilindustrie hoffnungsvollere Berichte. Aber die Befferung ist nur schwach. Insbesondere gilt dies von der Textilbranche. Die Ursachen liegen zu Tage: ungünstige Witterung, massenhafte Arbeits- und Berdienstlosigkeit der arbeitenden Vevölkerung, hohe Lebensmittelpreise, weltpolitische Beunruhigung. Die Aufwendungen für Bekleidung werden auf das notwendigste eingeschränkt. Bedeutend gesunken ist der Export von Konfettions artikeln: von 122,70 Millionen Mart im Jahre 1907 auf 104,28 Millionen Mart im Jahre 1908. Bei Berücksichtigung der Preisfentungen gelangt man zu einem noch stärkeren Rückgang, von dem insbesondere die Ausfuhr nach Nordamerika und England betroffen wurde.. verzeichnet die SchiffbauEine regere Beschäftigung industrie. So lassen die zwei größten Werften in Hamburg, die vor kurzem die Arbeitszeit reduzierten, wieder voll arbeiten und Die Kommission zur Beratung der Gewerbeordnungsnovelle fezte fragt Erzberger an, warum in der Artilleriewerkstatt zu Spandau stellten eine größere Anzahl neuer Arbeiter ein. Die Schiffahrt am Donnerstag die Verhandlungen über eine nachts gearbeitet wird, während die Tageszeit völlig ausreiche, selbst wird durch die zunehmende Auswandererbewegung, die Ers um die vorhandenen Aufträge auszuführen. Es werden zwei Re- höhung der Zwischendecksraten und den langsam fich hebenden Export folutionen angenommen; die eine verlangt die Aufhebung der Nacht- ettvas belebt. arbeit und die andere die Errichtung einer Arbeiterpensionskaffe. Nächste Sigung Freitag. Fortsetzung der heutigen Beratung. Mindestruhezeit für die Handlungsgehilfen fort. Der§ 139 d bestimmt die Ausnahmen für die Innehaltung einer zehnstündigen Ruhezeit. Die Ruhezeit soll durchbrochen werden bei Arbeiten, die zur Verhütung des Verderbens von Waren un verzüglich vorgenommen werden, bei Aufnahmen der Inventur und an 30 Tagen, die die Ortspolizeibehörde bestimmt. Genossen beantragen, die 30 Ausnahmetage zu streichen. Abgeordneter Schad( wirtsch. Vg.) beantragt, in den Ausnahmefällen die Ruhezeit auf mindestens drei Stunden zu bemessen. Die Anträge werden abgelehnt. Unfere Artillerie und Waffenwesen Aus der Partei. Die Maifeier. Der Sozialdemokratische Verein übed beschloß jin einer von 600 Mitgliedern besuchten Versammlung nach ein Dem Ueberfee- Handel eröffnen sich günstigere Aussichten, soweit China und Japan in Betracht kommen, wo die großen Importlager nahezu geräumt sein sollen. Mit Sibirien ist das Geschäft lebhaft im Gange. Gute Nachrichten liegen vor aus Java, Australien, Südafrika, Argentinien, Chile, Megifo; ungünstigere aus allen oftindischen Gebieten, aus Brasilien, Peru, Venezuela. In den Vereinigten Staaten muß man sich noch immer mit den Hoffnungen begnügen; die Gegenwart ist nach wie vor unbefriedigend. Aber die Kapitalisten denken mit Uhland: Es muß doch Frühling werden dann wird sich alles wenden! Rheinisch-WefiMfcheS KohlensyndUat. Wie gemeldet wird, soll die prozentuale Einschränkung für das II. Quartal wieder in der jetzt bestehenden Höhe festgesetzt werden, nämlich: 40 Proz. für Koks, 22 Proz. für Briketts und 20 Proz. für Kohlen. (5cmvkkhaft\ichc$. Berlin und Umgegend. Gesetzwidrige Freiheitsberaubung durch die Berliner Polizei. Die Arbeiter haben das unbestrittene Recht, nicht nur zu streiken, sondern auch Posten auszustellen, welche die zu- ziehenden Arbeitswilligen darüber aufklären, daß in der be- treffenden Fabrik gestreikt wird. Auf der anderen Seite aber nimmt die Polizei für sich das Recht in Anspruch, jeder Person den Aufenthalt an irgend einer Stelle der Straße zu unter- sagen, falls ein Polizeibeamter befürchtet, die betreffende Person könnte durch ihre Anwesenheit an der be- treffenden Stelle möglichenfalls eine Störung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit verursachen. Solche„Befürchtungen" hat die Polizei jedesmal, wenn die Arbeiter bei einem Streik Posten ausstellen. Mögen die Streikposten auch ihre Tätigkeit streng im Nahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse entfalten, das schützt sie nicht vor den „Befürchtungen" der Polizei. So wird denn jedem, den die Polizei für einen Streikenden hält, der Aufenthalt in der Nähe des bestreikten Betriebes untersagt. Das Recht des Streikpostenstehens ist ans diese Weise praktisch völlig beseitigt, die Durchführung des Streiks ist bedeutend erschwert und die Streikenden sind der Willkür der Polizei überliefert. Wie die Polizei in die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiter glaubt eingreifen zu müssen, das kann man jetzt täglich in der Wiener Straße beobachten. Dort, im Hanse Nr. 43 befindet sich der Betrieb der Firma Bosse u.�Co., deren Arbeiter und Arbeiterinnen zurzeit streiken. Während des Tages ist hier nichts Besonderes zu bemerken. Aber nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr rückt regelmäßig ein starkes Polizeiaufgebot an. Am Görlitzer Bahnhof werden die ersten Schutzmaunsposten aufgestellt. Dann weiter, die Wiener Straße entlang, in kurzen Zwischenräumen ein Schutzmanitsposten nach dem anderen bis über die Glogauer Straße hinaus. Außerdem einzelne Schutzleute. welche in nächster Nähe der Bosseschen Fabrik auf und ab pairomllieren. Als Befehlshaber der Truppe sind nicht»veniger als drei Polizeioffiziere zur Stelle. Das starke Polizeiaufgebot fesselt natürlich die Neugier jedes zufälligen Straßenpassanten. Man bleibt stehen und sieht sich um, ob man nicht ergründen könne, was hier eigentlich los ist. Doch sogleich naht ein Schutzmann.„Bitte weitergehen", sagt er. wenn man so gekleidet ist, daß es zweifelhaft erscheint, ob man ein Arbeiter oder„etwas Besseres" ist. Läßt die äußere Erscheinung auf einen Arbeiter schließen, dann erfolgt die Aufforderung zum Weitergehen schon weniger höflich. Glaubt aber der Schutzmann einen der Streikenden zu erkennen, dann macht er schon von ferne energische Arm- bewegnngen, deren Bedeutung den Betreffenden dann durch nicht niiuder energische Worte klar gemacht»vird. Erhebt ein also„Aufgeforderter" Einwendungen gegen das Verhalten des Schutzmanns, dann wird er ohne Umstände nach der Polizei- wache geführt. Zwischen 4 und 5 Uhr verlaffen die Arbeitswilligen in Verschiedenen Trupps nacheinander die Fabrik. Belastet mit der Schuld des Arbeiterverrats trotten sie, sorgsam von der Polizei bewacht, die Straße entlang. Daß keiner der Streikenden sich den Arbeitswilligen nähert, daß keiner ein mahnendes Wort an sie richtet, das zu verhindern, hält die Polizei für ihre Aufgabe. Deshalb erscheint sie jeden Abend und jeden Morgen in aufsehenerregender Zahl in der Wiener Straße. Ueber das sonstige Vorgehen der Polizei anläßlich des Streiks bei Bosse teilen uns die Streikenden mit, daß ihnen das Postenstchen unmöglich gemacht worden ist. Jeder Streikende. der sich in der Nähe der Fabrik sehen läßt, läuft Gefahr, sistiert und längere Zeit der Freiheit beraubt zu werden. Es sind schon Streikende festgenommen worden, die nicht einmal erst zum Fortgehen aufgefordert wurden. Eines Tages stand der Firmeninhaber mit einem Polizeileutnant vor dem Haustore. Sobald einer der Streikenden die Straße entlang kam und der Firmeninhaber auf ihn zeigte, ließ ihn der Polizeileutnant nach der Wache bringen. Zahlreiche Sistierungen von Streikenden, die gegen kein Gesetz, gegen keine polizeiliche Anordnung gefehlt, sind bereits vor- genommen worden. Fast täglich kommen mehrere derartige Fälle vor. Die Sistierten sind nach der Feststellung ihrer Personalien nicht wieder entlassen, sondern bis zum Abend in Gewahrsam behalten worden. Die Polizei befolgt die Praxis: Jeder, der im Laufe des Vormittags sistiert wird, ob Streikender oder nicht, wird mit dem grünen Wagen nach dem Alexanderplatz gebracht, dort in eine Zelle gesperrt und um 5 Uhr endlich in Freiheit gesetzt. Wer am Nachmittag sistiert wird, muß auf der Polizeiwache bis 5 Uhr verweilen, eher wird er nicht freigelassen. Mindestens 12 Streikende haben bis jetzt in den Gefängniszellen am Alexanderplatz verweilen müssen. Sie sind ihrer Freiheit beraubt worden, obgleich sie sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht haben. Keiner der Be- amten, mit denen sie in Berührung kamen, konnte ihnen sagen, weshalb sie eingesperrt worden sind. Vielleicht beruft sich die Polizei in diesen Fällen unbegriindeter Freiheits- beraubung auf ihr vermeintliches Recht, Vorkehrungen gegen Ordnungsstörungen zu treffen, die nach den Be- fürchtungen der Polizei vielleicht eintreten könnten, wenn die Streikenden nicht eingesperrt werden. Durch welche Auslegungs- künsie zweifelhafter Gesetzesbestimmungen die polizeilichen Maßnahmen auch begründet werden mögen, sie bedeuten in der Praxis die Aufhebung der aus dem Koalitionsrecht fließenden Befugnisse der Streikenden, einen Eingriff in Wirt- schaftliche Kämpfe zugunsten des Stärkeren und zum Nachteil des Schwächeren. Es ist geradezu empörend, daß Staats- bürger, die sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht haben, nach Ermessen eines Polizeibeamten für einen ganzen Tag ihrer Freiheit beraubt werden können. Oeutkcheo Reich. Auf dem Wege zur Einigung. Am Sonnabend beginnen in Solingen unter Leitung des Partei» Vorstandes und der Generalkommission Verhandlungen zwischen den Vorständen des Industriearbeiter-(Solinger Fach- vereine) und Metallarbeiter-VerbandeS, welche die An- bahnung friedlicher Verhältnisse zwischen beiden Verbänden zum Ziel haben. Für die Verhandlungen find einige Tage in Aussicht Veräntw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: genommen. Seitens des Parteivorstandes sind die Genossen E b e r t und Müller, seitens der Generalkommission die Genossen Legten und Silberschmidt delegiert. Wir haben den hoff- nungsvollen Wunsch, daß es gelingen möge, die Kluft zu überbrücken, welche unsere Gewerkschaftler und indirekt auch die Parteigenossen seit Jahren trennte._ Der Terrorismus der Gelben vor Gericht. Seit langer Zeit schon fähren die Organisationen der Metall- und Holzarbeiter einen erbitterten Kampf mit der auch über die Grenzen Sachsens hinaus bekannten Firma NäHinaschineufabrik Biesold u. Locke in Meißen. In diesem Betriebe, der zirka 000 Arbeiter zählt, wird systematisch darauf hingearbeitet, die Gewerkschaftsorganisationen zu zerstören und dafür einen für die Interessen der Firma gegründeten Geselligkeitsverein zu propagieren. Dieses System kennzeichnete mit scharfen Worten ein vom Gauleiter des deutschen Holzarbeiter- Verbandes, Genossen Gerlitzke- Dresden, gezeichnetes Flugblatt, in dem besonders der vor mehr als Jahresfrist von Altenlmrg nach Meißen gekommene Reichsverbäudler Obermeister Groß angegriffen wird. Letzterer erhob deshalb Klage gegen Gerlitzke, die am Montag vor dem Schöffengericht Meißen zur Verhandlung kam. Die Verhandlung gestaltete sich nun zu einem schwere» Reinfall des Klägers. Alles tvaS bezüglich des von Groß und seinen Trabanten geübten Terrorismus gegen die Organisierten bisher in der Parteipresse und in den Gewerkschaftsversammlungen gesagt, aber von jener Seite als Verleunidung bezeichnet wurde, fand hier seine Bestätigung. Die nach Arbeit Nachfragenden mußten zuerst ihren Beitritt zum„Geselligkeitsverein" erklären, ehe sie Arbeit erhielten. In der Fabrik wurden sie dann, von Handlangern des Groß bespitzelt. In einem Falle wollte ein solcher Spitzel gesehen haben, wie der Zeuge auf einem vom Geselligkeitsverein zur Kranken- kassenwahl ausgegebenen Stimmzettel die darauf verinerkten Kandidaten durch andere ersetzte, darauf erhielt er von Groß einen Vor- halt und die Entlassungsandrohnng. Derselbe Zeuge erhielt den Arbeitsplatz eines entlassenen Verbändlers und gleichzeitig erfolgte ei» erheblicher Abzug von den Akkordpreisen. Zeuge hatte in neun Wochen 79,02 M. verdient. Ein Werkmeister sagte aus, daß ihm Groß die Entlassung gab, weil er dem Geselligkeitsverein den Rücken kehren wollte. Wer von den Organisierten zum Geselligkeits- verein übertrat und dem Groß oder seinen Handlangern das Ver- bandsbuch abgab, erhielt das Versprechen auf dauernde Arbeit, während eine größere Zahl Organisierter, die zum Teil zehn Jahre und länger im Betrieb waren, sich aber nicht beugten, die Entlassung bekamen. Ihre Stellen wurden durch Mitglieder des Geselligkeitsvereins besetzt. Diese Zeugenaussagen waren für Groß vernichiend. So kam es, daß dem Angeklagten bezüglich des unter Anklage stehenden Passus im Flugblatt:„Der sogenannte Spar- und Unterstützungsverein in der Firma B i e s o l d u. L o ck e, der von Herrn Obermeister Groß und seinen Trabanten mit Zustimmung der Direktion gegründet ist, wird durch Gewaltmittel, wre Maß- regelnngen und Entlassungsandrohung propagiert," zuerkannt wurde, daß er in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Er wurde trotzdem wegen formeller Beleidigung zu 40 M. Geldstrafe verurteilt, weil da» Gericht die Worte„Ausbeuter und Pascha" mit auf Groß bezog. Der moralisch Verurteilte ist aber, wie aus obigem hervorgeht, der Kläger Groß. Ein klägliches Fiasko der national-gelven Scharfmacherpolitik. Den Führern der„Gelben" heftet sich das Unglück an die Fersen. Kaum haben in Augsburg ihre Zwangsmitglieder offen revoltiert, so kündigt bereits wieder eine neue Niederlage für die gelben Streikbrecherprotektoren sich an in dem Bankrott der „Crimmitschauer Nationalen Volkszeitung", die, wie uns berichtet wird, am 31. März 1909 ihre traurige Tätigkeit einstellen wird. Das Crimmitschauer Unternehmertum, das tief, sehr tief in den Beutel hat greifen müssen, ist weiterer Opfer und Blamagen müde, die ihm das Blatt in reichstem Maße beschert hat. Dem„Redakteur" deS sehr zusammengeschrumpften Hetzorgans ist schon gekündigt worden; die Setzmaschine ist verkauft. Der Ab- bruch hat bereits damit begonnen,' daß man dem Maschinensetzer, der aus Mangel an Stoff nicht voll beschäftigt ist, den tarifmäßigen Lohn verkürzen wollte._ Kinder als streikende Bauarbeiter. AuS Niederbayern meldet der Jahresbericht deS Gewerbe- inspektorS:„Von besonderem Interesse ist ein Kinderstreik, der sich ganz regelrecht und mit Erfolg abgewickelt hat. Nach dem Wieder- aufbau abgebrannter Bauernhöfe zu Alburg wurden schul- Pflichtige Kinder in gesetzlich unzulässiger Weise... ver- toendet. Am ersten Tage wurde diese Tätigkeit jedem Kinde mit 60 Pfennig vergütet. Die Kinder beschlossen dann einmütig, ihre Arbeit einzustellen, wenn nicht 80 Pfennig bezahlt würden, was so- dann zugestanden und die Arbeit fortgesetzt wnrde. Busland. Das Streikpostcnverbot in Zürich ist vom Stadtrat wieder auf- gehoben worden, nachdem die Bürgerverbändler keine neuerlichen nächtlichen Ueberfälle ausgeführt haben. Das Streikpostenrecht iu der Stadt Zürich hängt demnach von dem Wohlverhalten oder den Exzeffeir der„echt russischen Leute" im Bürgerverbande ab. Berhandlungen über die Arbeitskonflikte in Dänemark. Die von der dänischen Arbeitgebervereinigung zum 15. März angekündigte Massenaussperrnng wird wohl vorläufig nicht zustande kommen. Es haben bereits Verhandlungen zwischen den geschäfts- führenden Ausschüssen der Arbeilgebervereinigung und des Verbandes der dänischen Gewerkschaften staltgefunden und zwar mit dem Er- gebnis, daß neun besondere Konnnissionen eingesetzt wurden, die über die in verschiedenen Berufen vorliegenden Tarifkündigungen, sowie auch über die Aussperrung in der Schuhindustrie verhandeln sollen. Inzwischen werden die Verhandlungen zwischen den Gesamt- verbänden der beiden Parteien fortgesetzt. Es ist unter diesen Um- ständen kaum anzunehmen, daß das dänische Unterirehmertum bereits am kommenden Montag 40 000 Mann aus der Arbeit schmeißen wird, wenn man auch damit rechnen muß, daß eS die traurige Lage, in der sich die Arbeiterschaft infolge der furchtbaren Wirtschaflskrise befindet, in vollem Maße auszunutzen sucht. Versammlungen. Der Wahlverein für den vierten KreiS hielt am Montag eine Generalversammlung ab, welche den Rest der in der vorigen Ge- neralversammlung nicht erledigten Tagesordnung behandelte.— Zunächst beantwortete Genosse Barenthin einige Fragen, welche in der ersten Generalversammlung zum Kassenbericht ge- stellt worden waren.— Dann wurden die Anträge zur Verbands- generalversammlung beraten. Der erste dieser Anträge verlangte die Einführung des Wochen- abonnements aus den„Vorwärts" zu 25 Ps. Mehrere Redner befürworteten den Antrag, indem sie ausführten, seine Annahme würde den Arbeitern die Bezahlung des Abonnements erleichtern, die Zahl der Restanten vermindern und die weitere Ausbreitung des„Vorwärts" begünstigen Büchner(Mitglied der Preß- kommission) vertrat in längeren Ausführungen den Standpunkt, daß das Wochcnabonncmcnt den von den Vorrednern erwarteten Erfolg nicht haben, aber erhebliche Einnahmeausfälle mit sich bringen würde. Lusche schloß sich diesem Standpunkt an und verwies darauf, daß ein Wochenabonnement von 25 Pf. eine Ver- billigung des Abonnements bedeute» eine solche aber nur vom Parteitage beschlossen werden könne.— Ferner wurde darauf hin- gewiesen, daß jeder, der es will, schon jetzt den„Vorwärts" im Wochenabonnement zu 28 Pf. beziehen kann.— Angenommen wurde schließlich ein Antrag, welcher besagt, anstelle des Monats- Ih. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buckdr. u. VerlagSanstalt ist das Wochenabonnement einzuführen.— Der Antrag, weichet das Wochenabonnement auf 25 Pf. herabsetzen will, wurde ab- gelehnt. Mehrere Anträge bezogen sich auf die Gratislieferung deS „Vorwärts" an arbeitslose und kranke Rtitglieder des Wahlver- eins.— Die meisten Diskussionsredner bezeichneten es als einen unhaltbaren Zustand, daß die Arbeitslosen bczw. Kranken, die schon nach den jetzt geltenden Bestimmungen den„Vorwärts" gratis bekommen, ihn persönlich vom Spediteur abholen muffen.. Angenommen wurde ein Antrag, welcher besagt, daß es bei der Eratislieferung, wie sie jetzt besteht, bleiben solle, jedoch sollen die Gratisexemplare nicht mehr abgeholt, sondern den Erwerbslosen ins Haus geliefert werden. Das Bestellgeld soll entweder vom Wahlkreisverein oder vom Verband für Groß-Berlin bezahlt werden. Ohne Debatte wurde ein Antrag angenommen, welcher ver- langt, daß die Lese- und Diskussionsabende der Frauen nicht mehr am dritten Freitag, sondern am vierten Mittwoch im Monat veranstaltet Iverdcn. Ein auf Abschaffung der Parteibons gerichteter Antrag wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, weil derselbe zurzeit gegenstandslos sei, da die Antragsteller den Antrag nur für den Fall empfehlen, daß der ordentliche Beitrag erhöht würde. Ein anderer Antrag will die Delegierten verpflichten, auf der Verbandsgeneralversammlung dafür zu stimmen, daß der Beitrag weder für männliche noch für weibliche Mitglieder erhöht werde. — Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, auch über diesen Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Ein Antrag, welcher besagt, die einseitige Berichterstattung des„Vorwärts" üb.cr die Pankower Angelegenheit sowie die Zahlung des noch nicht fälligen Gehalts an Freiwaldt sei zu ver- urteilen, wurde ohne Debatte durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.— Die vorgeschlagenen 148 Delegierten zur Gencralver- sammlung des Verbandes wurden bestätigt. Den Bericht der Besckwerdekonimission erstattete Genosse Nigbnhr. Der Vorstand hat der Kommission 154 Sachen zu- gewiesen. Davon waren 137 Anträge auf Ausschluß, von diesen hatten 121 ihre Ursache in Nichtbeteilignng an der LandtagSwahl. Von den übrigen 16 Ausschlußanträgen wurden 4 angenommen, in 6 Fällen wurden Rügen erteilt, in 2 Fällen traten die Be- schuldigten freiwillig aus, 3 Fälle wurden zurückgestellt und 3 An- träge abgewiesen. Von den 121 Anträgen auf Ausschluß wegen Nichtbeteiligung an der Landtags Wahl wurden 36 angenommen, 13 durch Rügen erledigt und 67 als unbegründet zurückgewiesen. — In 17 sonstigen Beschwerdcfällen wurden 11 Rügen erteilt, die anderen teils durch Vergleich, teils in anderer Weise erledigt.— Der Bericht wurde ohne Debatte entgegengenommen. Die Dachdecker hielten am Sonntag eine außerordentliche Ver- sammlung ab. Görnitz empfahl, die Meldepflicht der Kollegen auf dem Arbeitsnachweis in der Weinstr. 11 in der früher üblichen Weise zu regeln, d. h. wer sich einschreiben läßt, hat sich mindestens jeden dritten Tag zur Kontrolle zu melden, nicht, wie es jetzt der Fall ist, jeden sechsten Tag. Dies war wohl für die schlimmste Zeit des Winters, da ja doch keine Arbeit einlief, im Interesse der Kollegen geboten, für die Dauer kann es aber dabei nicht bleiben. Die Versammlung stimmt dem zu. Mit dem 15. d. M. soll der Beschluß in Kraft treten. Ueber die Frage,„wie wir unseren Zeitungsversandt zu gestalten denken" berichtet I. M a l ch e r t namens der dazu eingesetzten Kommission. Dieselbe ist der Ansicht, daß der Antrag Görnitz, die Zeitung, die seit dem 1. Januar 1909 wöchentlich erscheint, vicrzehntäglich zu versenden, d. h. wenn zwei Nummern erschienen sind, nicht angängig ist. Die meisten Redner in der vorigen Versammlung, mehr noch die Versamm- lungsbesucher selbst, haben zu erkennen gegeben, daß sie auf wöchentliche Zustellung der Zeitung bestehen, nur daß über das „Wie" Meinungsverschiedenheiten bestanden. Die Kommission kam nun zu dem Entschluß, der Versammlung zu empfehlen, das jetzige System, die Zeitung per Postzeitungsliste durch die Reichs- post zu versenden, beizubehalten und von den Mitgliedern statt 20 Pf., die jetzt nicht mehr ausreichen, 30 Pf. zu erheben. In der Debatte traten außer Görnitz alle Redner für den Kommissions- antrag ein, einige beantragten sogar 40 Pf. Der Kommissions- antrag wurde schließlich gegen 3 Stimmen angenommen. Auf Vorschlag Görnitz nahm die Versammlung folgenden Antrag des Vorstandes an: „Für diejenigen Mitglieder, die aussetzen müssen, ihre In- validenkarte sich aber nicht geben lassen, um die Arbeitslosigkeit nachweisen zu können, werden Kontrollkarten eingeführt. Diese sind in jeder Zahlstelle zu babcn, müssen mindestens 4 Stempel in der Woche aufweisen, da sonst eine Beitragsbefreiung nicht er- folgt. Die Kontrolle findet täglich von 8— 11% Uhr vormittags statt." H. Mehrlcin kritisiert eine Stelle in dem Geschäftsbericht unserer Filiale Seite 4, wo es heißt: „... daß die Majorität in den Versammlungen sich für Erhöhung der Beiträge entschied, während die Majorität der Mitglieder zweifellos gegen eine Erhöhung der Beiträge war." Eine solche Behauptung sei ihm noch nicht in irgendeinem Ge- schäftsbericht oder auch an anderer Stelle vor Augen gekommen. Weiske erklärt hierauf, dies sei gar nicht die Ansicht des Vor- standes, es sei nur die persönliche Auffassung G ö r n i tz's. Die Vorstandssitzung, die sich mit dem Geschäftsbericht befassen sollte, dehnte sich schon bis 1% Uhr nachts aus, so daß dann Gärnitz den Bericht den Vorstandsmitgliedern einzeln auf dem Nachweis vorlegte. Daß hierbei der Bericht so ausgefallen sei, wäre unter diesen Umständen nicht zu verwundern. In Zukunft kann dies nicht mehr vorkommen._ Letzte I�admcbten und DepeFcben. Amnestie in Bayern. München, 11. März.(B. H.) Der Prinzregent hat anläßlich seines Geburtsfestes eine große Anzahl Personen, die zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt waren, begnadigt. Ein Unhold- Gießen, 11. März.(W. T. B.) Das Schwurgericht verurteilte den Schuhmacher Reif wegen Tötung des zehnjährigen Heinrich Abel zu lebenslänglichem und wegen Sittlichreits- Verbrechens zu zehnjährigem Zuchthans. Tatkräftige Hilfe. Paris, 11. März.(W. T. B.) Der Senat hat die Vorlage be- treffend Bewilligung eines Betrages von einer Million Francs für die durch das Erdbeben geschädigte Bevölkerung Süditaliens angenommen._ TyPhnScPidemie In Madrid. Paris, 11. März.(B. H.) Wie von der spanischen Grenze berichtet wird, hält die spanische Zensur sämtliche Telegramme auf» welche über die ernste sanitäre Lage in Madrid berichten. Der TyphuS greift immer mehr um sich. Gestern erkrankten auf offener Straße drei Personen an Typhus. Alle Hospitäler sind überfüllt. Im St. Johanncs-Hospital werden 300 Typhuskranke verpflegt. Hungersnot! Konstantinopel, 11. März.(W. T. V.) Der Osmanische Lloyd meldet, daß im Wilajet Uesküb infolge Mißernte und der serbischen Grenzsperre große Not eingetreten sei, In Oberalbanien herrsche Hungersnot und Hungertyphus. »..BerlinLW. Hierzu 3 Beilagen u.UntcrhaltungSbl. it. 60. 26. AahtMg. 1. Krilüße im„Mwiills" Knlim NcksdlM Freitag. 12. Mörz 1909. Reichstag� 221. Sitzung vom Donnerstag, den 11. März, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratstische: v. Schoen, v. Bethmann Hollweg. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be- Nltung deS Entwurfs eines Weingesetze ö. Die Beratung beginnt bei§ 3, der die Zuckerung bis zu einem Fünftel der gesamten Flüssigkeit gestattet, um einem Mangel an Zucker bezw. Alkohol oder einem Uebermaß an Säure insoweit ab- zuhelfen,„als es der BesÄaffenheit des aus Trauben gleicher Art und Herkunst in guten Jahrgängen ohne Zusatz gewonnenen Cx Zeugnisses entspricht." Abg. Paasche snatl.) beantragt, die im letzten Satz enthaltene Zweckbestimmung zu streichen und die Zuckerung bis zu einem .Viertel" statt einem„Fünftel" zu gestatten. Abg. Dr. Thaler sZ.) beantragt für die Zweckbestimmung die Fasiung:„als es notwendig ist, um ein Erzeugnis zu gewinnen, wie es in guten Jahrgängen in der betreffenden Lage ohne solchen Zusatz erreicht wird." Weiter bestiinmt der g 3, daß die Zuckerung nur in der Zeit bom Beginn der Weinlese bis zum 31. Dezember vorgenommen werden darf. Die Abgg. Hormann sfrs. Vp.) und M ü l I e r- Iserlohn sfrs. Vp.) beantragen, diese Zeit bis zum 31. Januar auszu- dehnen. Abg. Spindler sZ.): Für die Zuckerung hat der Kommisfions- Vorschlag das Richtige getroffen, daß nur 20 Proz. Zusatz sein darf; ich bitte daher, den weitergehenden Antrag Paasche abzulehnen. Dagegen schließe ich mich dem weiteren Antrag Paaschs, der die Zweckbestimmung streichen will, an, ebenso dem Antrag Hormann, die Zeit für die Zuckerung auszudehnen. Die Kommission hat einen§ 6a ein» gefügt, wonach ein Verschnitt aus verschiedenen Erzeugnissen nur dann nach einem Auteil benannt werden darf, wenn dieser die A r t be- stimmt und wenn der Verschnitt ausschließlich aus ungezuckerten Be- standteilen besteht. Hierfür haben die Abgeordneten Noeren und Erzberger beantragt, zu bestimmen, daß nur dieser betreffende An- teil ungezuckert sein muß. Doch bitte ich, diesen Antrag abzu- lehnen und die Fassung der Kommission anzunehmen. Die Kom- Mission hat auch einen Z 6b eingefügt, wonach mit ausländischem Wein verschnittener deutscher Weißwein nicht als deutscher Wein in den Verkehr gebracht werden darf. Da die Regierung an dieser Be- stimmung das ganze Gesetz scheitern lasten will, so könnte man ihn fallen lassen, falls die Regierung der von der Kommission vor- geschlagenen Resolution zustimmt, daß bei Aufstellung der Grundsätze für den Vollzug des neuen Weingesetzes zur besseren Kontrolle bestimmte Einfnhrstatronen für Weine, Trauben und Traubenmaische benannt und die Vorlage amtlicher Bescheinigungen über Herkunft und Rein- heit der Weine verlangt werden. Im ganzen wird das Gesetz dem deutschen Weinbau zum Segen gereichen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Die Zweckbestimmung bei der Zuckerung zu streichen habe ich beantragt, um unnötige Belästigungen »nd Prozesie zu vermeiden. Daß gute Weine gezuckert werden, ist nicht zu befürchten; das verbietet dem Winzer und ebenso dem Händler sein eigenes Interesse. Deshalb kann man auch, wie mein zweiter Antrag es will, die Grenze für die Zuckerung höher be- messen: tatsächlich gibt eS Produkte, bei welchen diese höhere Grenze notwendig ist. Geh. RegierungSrat Frhr. v. Stein wendet fich gegen die Ausführungen PaascheS: es fei nicht richtig, daß das eigene Jnter- esse die Winzer abhatte, auch gute Produkte zu zuckern. Abg. Preiß(Elf.): Die Zweckbestimmung für �ie Zuckerung im § 3 muß beibehalten werden. Auch die Grenze der Zuckerung darf nicht erweitert werden noch über die Forderung der Kommission hinaus. Ich bitte daher, beide Anttäge Paasche abzulehnen. Redner tritt ferner dafür ein, als Endtermin der Zuckerung den 31. De- zember beizubehalten. Abg. Lehmann-Wiesbaden(Soz.): Wenn wir mich mit Engelzungen reden würden, wir würden die Regierung doch nicht überzeugen. Das Gesetz bleibt auf halbem Wege stehen. Man verbietet die Zuckerung nicht während des kleines Feuilleton. Die Zentralafrika-Expedition des Herzogs AdolfFriedrich zu Mecklenburg, deren wissenschaftliche Ergebnisse jetzt in knapper Uebersicht in den Ausstellungshallen am Zoo zur all- gemeinen Besichtigung stehen, zog in den Jahren 1307/08 mit einem Stabe von Fachgelehrten vom Endpunkt der Ugandabahn aus westwärts der großen Seen in verhältnismäßig unbekannte Teile deS Innern und kehrte, dem Laufe des Kongo folgend, zurück. In der Ausstellung ist vor allem bemerkenswert die Fülle vor- trefflicher photographischer Aufnahmen. Die W a t u s s i von Ruanda, sehnige Gestalten von 1,33 bis 2 Meter Höhe mit scharfen semitischen Gesichtern und guter Haltung, haben so gar nichts Rogerhaftes an sich. Sie sind ein kriegerisch disziplinierter Stamm, der trotz der geringen Zahl durch innere Ueberlegenheit vier Millionen andersrassiger Völker in Schach zu halten versteht. Ein Bild zeigt uns, wie sie 2,50 Meter hoch springen, und das ohne Sprungbrett. Die lebensgroße Photographie eines nackten 12jährigen Mädchens aus Mpororö stellt eine nach unseren Be- griffen untadelig erblühte Schönheit dar. Alle diese sorgfältigen Aufnahmen sind schon deshalb von großem Wert, weil unsere bis- herigen Reisewerke von eiligen und unterexponierten Knipsercien angefüllt sind, die eine unbegründete Vorstellung von der ab- soluten Häßlichkeit der Naturvölker großgezogen haben. Die ein- geborene Kultur dieser Zentralafrikaner wird durch eine Auswahl ihrer keramischen, Textil- und Metallarbeiten vorgeführt, die von Fleiß und gefälligeui Schönheitssinn zeugen. In der geographi- schen Abteilung ist die Zeichnung der Rauchsäule vom Ausbruch des Namlagira(7. November 1307) interessant, die sich aus einem schmalen Anfang zu kolossaler Breite und zu einer Höhe von 3000 Meter entwickelt. In der zoologischen Abteilung kommen Interessenten für Käfer, Schmetterlinge, Vogelbälge, Geweih- schädel und besonders für die große tropische Jagdbeute vollauf aus ihre Rechnung. Eine uralte chinesische Mauer. In der Londoner Royal Geographica! Society hat der bekannte Forschungsreisende Dr. M. A. Stein, der jetzt nach dreijährigen gicisen im Herzen Zentralasiens nach England zurückgekehrt ist, über die Ergebnisse seiner Forschungsfahrten Bericht erstattet. Von besonderem Jnter- esse ist dabei die Auffindung einer uralten chinesischen Mauer, die von Anshi aus sich 220 Kilometer weit in eine kahle leere Wüste erstreckt, die heute nur selten von Menschen betreten wird. Un- gcfähr fünf Tagereisen von der Tun-Huang-Oase stieß Dr. Stein auf die Ueberreste zweier alter Wachttürme, und bald gelang es nun auch, die Mauer aufzufinden, die diese Türme ehedem ver- banden hatte. Sie bildete einen Teil eines gewaltigen alten GrenzsestungssHstems, das in derselben Weise angelegt ist, wie die große Mauer an der Kansu-Grenze; in Abständen von zwei bis drei englischen Meilen war die Mauer mit großen massiven Wacht- türmen bekrönt, die einen weiten Fernblick gestatteten. Bei den aufgefundenen beiden Turmruinen wurden Ausgrabungen veran- staltet, die sehr interessante Resultate ergaben. Es fanden sich zahlreiche alte chinesische Inschriften und Dokumente, meist in Holz oder Bambus eingegraben; aus ihnen ging unzweideutig hervor, ganzes Jahres, sondern nur während dreier Monate. Man schlägt Bestimmungen vor, deren wahrer Sinn ist, die Znckerung von be- hördlicher Genehmigung abhängig zu machen, und scheut sich dann doch, ohne Umschweife das in das Gesetz hineinzuschreiben, wohl, Iveil Oesterreich damit schlechte Erfahrungen gemacht hat und es selbst den Vätern des Gesetzes nicht angängig erschienen sein mag. über die Znckerung Bürgermeister und sonstige Polizeibeamte ent- scheiden zu lasten. Wir werden dem Antrag Paasche zustimmen. die Zweckbestimmung für die Znckerung zu streichen.— Der zweite Absatz des§ 5 verlangt, daß jeder, der Wein gewerbsmäßig in Verkehr bringt, verpflichtet fein soll, dem Abnehmer mitzuteilen, ob der Wein gezuckert ist. Ein Antrag Hormann verlangt,! diesen Passus zu streichen. DaS würde aber das ganze Gesetz zu einem sehr wesentlichen Teile wirkungslos machen, da ja nach ß 3 die Nach- zuckerimg im nächsten Jahre gestaltet ist. Die Frage der Buch- kontrolle ist keine prinzipielle. Man geht bei ihr bon der Voraus- setzung aus, daß der Weinfälschcr so dumm ist, in seine Bücher eS einzutragen, lvcnn er Chemikalien oder Zucker in großen Mengen zur Fälschung des Weines einkauft I Der Schwindler aber kauft gegen bar und steckt die Rechnungen sofort in den Ofen. Da- gegen kann auch die Biichführnng nicht nützen.— Auf die Maximal- bestimmung bei der Zuckeruug lege ich den größten Wert. Die Kommission hat sich darauf geeinigt, 20 Proz. Zuckerwasser zuzu- lassen. Ich habe Privatleute gesprochen, die hierüber geradezu ent- setzt waren. Der Z 6b, der verbietet, daß Verschnitte aus deutschem weißen Weine mit ausländischen Weinen nicht als deutsches Erzeugnis in den Handel kommen, soll nach den Ausführungen des StaalS- sekretärs v. Schoen gegen den italienischen Handelsvertrag ver- stoßen. Meine Partei wird sicherlich nicht die Hand dazu bieten, irgend welche Erschwernisse im Verkehr herbeizuführen. Aber nach dem, was hier ausgeführt ist, glaube ich nicht, daß ein Verstoß gegen den italienischen Handelsvertrag vorliegt. ES müßte denn gerade fein, daß bei den Verhand- lungen den Italienern Versprechungen gemacht sind, daß italienische Weine mit deutscheil verschnitten als deutsche verkaust werden dürfen. In diesem Falle wäre die Regierung freilich in einer prekären Lage, doch kann ich nicht glauben, daß sie solche Ver- sprechungen gemächt hat. Dagegen ist zu befürchten, daß das Publikuni die fremden Weine auch als fremde sehr gern kauft— die Mode tut hierin sehr viel— und daß dadurch der deutsche Wein- bau geschädigt wird. Wir behatten uns weitere Anlräge noch für die dritte Lesung vor, doch hoffen wir. daß die Regierung das Gesetz nicht scheitern lassen wird, das immerhin gewisse Vorteile bringt. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schüler(Z.): Die Anträge des Herr» Dr. Paasche bedeuten direkt eine Prämiierung der Zuckerung. Auf das allereiltschiedenste sind die Vorwürfe des Abg. Hormailn gegen die Winzer zurückzu- weisen. Die Weliihändlcr und nicht die Winzer sind eS, die den Wein verlängern. Die Verfehlungen der Winzer verhalten sich zu denen der Weinhändler wie 1: 100! Hoffentlich widerfährt bald den Winzern ihr Recht, so daß dies die letzte Rede ist. die ich zugunsten des reinen Weines zu hatten brauche!(Lebhafter Beifall im Zentr.) Abg. Frhr. v. Wolff-Mcttcrnich(Z.) bleibt fast völlig unver- ständlich. Im Gegensatz zum Vorredner scheint er für die Anträge Paasche(Zuckeruug bis zum Viertel» und Hormann(Zulassung der Zuckerung bis 31. Januar statt 31. Dezember) zu sein. Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim(natl.) führt aus, daß der Deklarationszwang keineswegs eine differenzierte Behandlung der ausländischen Weine zugunsten der deutschen bedeute. Abg. Wicland(südd. Bp.) wendet sich gegen die Anträge Paasche und Hormann: In Norddeutschland wird viel Wein getrunken(Bei- fall.), besonders in Berlin.(Zuruf: In Bremen auch!) Das weiß ich nicht; ich war nämlich noch nicht in Bremen.(Bedauernde Zu- rufe— Heiterkeit.) Der ichlichle Mann aus dem Volke hat Anspruch auf einen gulen reinen Tropfen I(Lebhafter Beifall und Heiterkeil.) Abg. Dr. Thaler(Z.) begründet einen Antrag, wonach im Z 3 die Normierung des Zuckerzusatzes beseitigt und der Zuckerzuiatz un- beschränkt soweit zugelassen werden soll, als es nötig ist, um minderen Jahrgängen die Süße der guten Jahrgänge derselben Lage zu geben. Abg. Grcgoire(Lothring.) ist im allgemeinen mit dem Gesetze einverstanden. Einzelheiten bleiben bei der herrschenden Unruhe, die Vizepräsident Kaempf und Präsident Graf Stolberg ver- gebens zu beseitigen suchen, unverständlich. daß diese Grenzbefestigungen am Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. errichtet wurden, in den Tagen, da unter der Herrschaft des Kaisers Wu-tu die Chinesen nach Zentralasien bordrangen. Genau datierte Dokumente zeigten, daß bereits vom Jahre 33 v. Ehr. an die Mauer und die Türme mit ständigen Garnisonen belebt waren und blieben; aus mehreren Anzeichen geht hervor, daß die Besatzungen noch in der Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts die Mauer bewachten. Sie war als Verteidigung gegen die von Norden her andringenden Raubvölker errichtet, die Vorfahren jener Hunnen, die einige Jahrhunderte später auch über das Abendland hereinbrachen. Neben den Ruinen der Wachttürme fand man nach kurzer Grabung unter Schutt und Sand eine große Anzahl von Holzinschriften. Die aufgefundenen Gegenstände sind außerordentlich viel älter als alles, was bisher in Zentralasien ge- funden wurde; gemeinsam mit den alten Waffen und den lieber- resten von Möbeln vermitteln sie ein anschauliches Bild von der Lebensweise der Krieger, die an dieser abgelegenen' Grenze das Reich bewachen. Mit der Unterdrückung der Schlafkrankheit, die große Teile de? inneren Afrika und von den deutscheu Schutzgebieten nainernlich Ostafrika in schwerer Weise bedroht, ist man im Lauf der letzten Jahre so weit vorlvärts gelonunen, daß eine hervorragende Autorität bereits ihre Ausrottung nur als eine Frage geeigneter und ge- nügender Organisalioir und Verwaltung bezeichnet hatte. Seit man namentlich durch die Arbeiten deutscher Forscher, und unter diesen wieder besonders durch Robert Koch, die Rolle, die die Tsetsefliege bei der Uebertragung dieser Krankheit auf den Mensche» spielt, kennen gelernt hat, wird inan in der Vernichtung dieses Insekts das wichtigste Ziel erblicken müssen. Immerhin bleibt noch recht viel zu tun. ehe man in der Sorge um die Bekämpfung dieser entsetzlichen Volksgeißel Afrikas wird nachlassen dürfen. Das eben herausgegebene dritte Bulletin des englischen„Schlaikrankheits- BnreauS" bringt eine Auslastung von dessen Leiter Dr. Bagshawe' worin dieser die Venrnitung, das; unter den heutigen Bedingungen die Seuche unterdrückt werden könnte, als ganz unvernünftig und alle Veriuche zur vollständigen Vernichtung der Tsetsefliege oder auch nur zur wesentlichen Verringerung ihrer Zahl als eine Sisyphusarbeit bezeichnet. Wahrscheinlich wird es nur einen sicheren Weg zu ihrer Bewältigung geben. nämlich die Benutzung natürlicher Feinde dieses Insekts Vorläufig ist aber gerade über diesen Punkt noch wenig bekannt, und es be- ruht mehr ans Vermutung, daß einige Pilze und außerdem Fleder- niäuse, Vögel, Ameisenfresser und manche Reptilien der gefährlichen Fliege nachstellen; solche Feinde müßte man auf das Insekt lo-Z- lassen und sollte außerdem vielleicht gewisse Pflanzen zur Hilfe an- rufen, z. B das Gras Citronello, das der Fliege höchst unangenehm zu sein scheint. Theater. Pariser Theater. Aus Paris wird uns geschrieben: Das O d e o n hat ein Versstiick„Beethoven" von Raonl F a u ch o i s mit überaus starkem Erfolg aufgeführt. Es ist eine Frucht des Bcethoven-KultS, der auch in Frankreich feine Wurzeln immer tiefer treibt. Daß allerdings bei dem Unternehmen, die Lebenstragik des Meisters in die Formen des traditionellen Theaterstückes zu pressen. Leid und Sieg dieses Genius ins Effektmäßige, Deklamatorische ver- Ein Blockantrag auf Schluß der Debatte wird mit großer Mehrheit angenommen. Unter Ablehnung aller Abänderungsairträgs wird der 8 3 in der Fasiung der Kommission angenommen, ebenso die§Z 4, 5, 6. Bei§ 6a bittet der Abg. Vogt-Hall(wirtsch. Vg.), dem Antrage Roeren-Erzberger zuzustimmen, da ja der§ 6d an dem Widerspruch der Regierung scheitern werde. Abg. Dr. David(Soz.): Die Annahme des Antrages Roeren-Erzberger wäre ein rechtet Schildbürgerstreich. Eben ist angenommen, daß Weine die Namen aus nahegelegenen Gemarkungen führen dürfen. Tatsächlich kommt in Geisenheim gewachsener Wein vielfach als„Rüdesheimer" in den Handel, und dies darf auch weiierhiu geschehen, nachdem der § 6 angenommen ist, sogar, wenn man bis zu'/z Zuckerwasser hineingießt. Wenn aber auch nur eine ganz geringe Ouantitüt wirklicher Rüdesheimer hineingegossen wird, so soll er nach dem Antrage Noeren- Erzberger nicht Rüdesheimer genannt werde» dürfen.(Große Heiterkeil.— Abg. Erzberger(Z.) ruft: Das tut kein Mensch I> Das wäre neu, die Weine des Nheingaues kommen vielfach als Rüdesheimer in den Handel und enthalten auch wirklich einen Teil Rüdesheimer. Abg. Erzberger(Z.): Der von Dr. David konstruierte Fall kommt in der Praxis nicht vor, niemand ist so töricht, schlechten Wein in guten zu gießen.(Heiterkeit.) Weil Z 6d für die Regie- rung ilnannehmbar ist, ist unser Antrag notwendig. Abg. Dr. David(Soz.): Die Begründung, Iveil die Regierung bei Z 6b nein sagt, sollen wir in 8 6a einen Unsinn beschließen, reicht doch nicht aus.(Sehr richtig!) Herr Erzberger meint. eS sei töricht, besseren Wein in schlechteren zu gießen. Das ist aber gerade das Wesen des Verschnitts; nur soll dann nach dem Antrage der Wein nicht nach der besseren Sorte benannt werden dürfen, sonder» nur nach der schlechteren. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Roeren-Erzberger wird gegen eine kleine Minderheit abgelehnt,§ La in der Fastung der Kommission angenommen. Zu 8 6b erklärt Abg. Bogt-Hall(wirtsch. Vg.), die Weigerung der Regierung. diesen Paragraphen anzunehmen, zeuge von wenig deutschem Empfinden. Präs. Graf Stolberg rügt diesen Ausdruck als unparlamentarisch. Abg. Bcckcr-Köln(Z.) meint, daS„Unannehmbar" der Regierung fei nicht tragisch zu nehmen. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Mit einem so ernsthaften Wort wie„unannehmbar" scherze ich nicht. Damit schließt die Diskussion.§ 6b wird mit großer Mehrheit angenommen. Der Rest des Gesetzes wird nach unwesentlicher Debatte— die AuSführmigen der einzelnen Redner werden mit großer Unruhe ent- gegengcnoi'nnien und mit ironischen Bravorufen begleitet—- nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Die Resolutionen der Kommission, welche bestimmte Einfuhr- stationen für Weine sowie bei neuen Handelsverträgen Beseitigung der Vergünstigungen für ausländische Rotweine zum Zwecke des Verschnitts verlangen, werden debattcloS angenommen. Es folgt die zweite Lesung der Novelle über Beseitigung der Doppelbesteuerung. Abg. Göring(Z.) trägt die Beschwerde eines im Saarredier be» schästigten Bergarbeiters vor, der zu Unrecht doppelter kommunaler Besteuerung unterworfen worden ist, und bittet, daß die preußischen Steuerbehörden zur Rückerstattung der zu Unrecht erhobenen Summen angehalten werden mögen. Abg Dr. Neumann° Hofcr(frs. Vg.): Bei der Stimmung des Hauses ist eine eingehende und angemessene Behandlung des Gegen- standes nicht möglich. Beseitigung der kommunalen Doppelbesteue- rung ist dringend notwendig. Das kleine Lippe ist mit gutem Bei- spiel vorangegangen; möge namentlich Preußen bald dem Beispiel folgen.(Beifall links.) Abg. Binder(Soz.): Unser Antrag, daS Gesetz auch auf Gewerbebetriebe auszudehnen, ist zwar abgelehnt, aber in anderer Fastung doch im Gesetz ent» hakten; wir werden dem Gesetz daher zustimmen. Nach unwesentlichen weiteren Bemerkungen wird daS Gesetz in der von der Kommission beschlossenen Fasiung angenommen. seichtet werden müßte, war unvermeidlich, indes spricht auch aus den elegant abgeschlissenen Tiraden des Verfassers ein überzeugender Ton aufrichtiger Verehrung und Hingabe. So stellt sich das Drama, das Episoden aus Beethovens Lebensgeschichte von der Franzosen- zeit bis zu seinem Tode in freier AuSspinnung aneinanderknüpft, als eine Art Festspiel dar, das dem großen Meister mehr dienen, als sich seiner bedienen will. Und ans diese Wirkung war die ganze Aufführung gcstimml. Der Verfasser hat nicht seinem unleugbar sehr starken Theatertalent, sondern Beethoven selbst die Hauptaufgabe vorbehalten. Beethovensche Musik begleitet die Szenen, wo sich des Meisters Seele aus der Oual der Erscheinungswelt zu den ewigen Gefühlen emporhebt. Beethovensche Ouvertüren leiteten auch die drei Akte ein. So be» kommt das Publikum ein ganzes Beethoven-Konzert, vom Orchester Colonne, der vornehmsten philharmonischen Kapelle in Paris aus- geführt, zu genießen und darin kann man wohl auch die Bürgschaft für eine größere Zahl von Aufführungen sehen. Andernfalls wäre es um die ausgezeichnete Regie- und JnszenierungSarbeit schade. bei der A n t o i u e von dem bekannten Zeichner I b e l S unterstützt worden ist. In dem Beifallsjubel am Schluß aber klang stärker noch als die Anerkennung für den Autor und die Mitwirkenden der Dank an den Genius, der die Menschen aller„Vaterländer" in ihre gemeinsame Heimat trägt._ Notizen. — Musikchronik. Die Neue freie Volksbühne ver- anstaltet als viertes und letztes ihrer diesjährigen Konzerte unter Leitung Oskar Frieds am Sonnabend einen Liszt-Wagner» Abend im Blüthuer-Saale. — Differenzen in der Bühnengenossenschaft. Die Bühnengenossenschaft gab seit dem 1. Januar ihr Organ in neuer Form heraus und hatte den Schriftsteller Herwarth Walden mit der Redaktion betraut. Dem neuen Redakteur wurde indes schon am 14. Februar gekündigt. Herr Walden hat nun eine Broschüre geschrieben, worin er gegen die Kündigung und das ganze Anslellungsverhältnis protestiert. Eine Reihe Literaten haben seine Partei ergriffen, und Emannel Reicher, der Waldcns Behandlung nicht billigt, hat sein Amt als Vizepräsident der Genostenschast niedergelegt. — Sven H e d i n ist in Berlin eingetroffen und hält heute seinen ersten Vortrag über die letzte Tibetreise. Er ist natürlich von den Aussragern der Klatschpresse bereits gehörig heimgesucht worden. Man erfährt da vor allem, daß er im Hotel die Fürstenzimmer be- wohnt und im Herbst sein neues Buch herausgeben wird. Hedin benutzt dt? Neugier der lächerlichen Kerle, die man ihm auf den Hals schickt, um gehörig Sieklame für sich machen zu lassen. Im Zeitalter deS geschäftlichen Wissenschaftsbetriebes ist ja das nicht Auffälliges, aber würdig ist eS trotzdem nicht. — Der 57 u n st h i' st o r i k e r Alwin Schultz ist in München im Alter von 71 Jahren gestorben. Er war in Breslau und Prag als Lehrer an der Universität tätig und hat außer einer Reihe von Arbeiten aus der Breslauer und schlcsischen Kunsigeschichle fich bekannt gemacht durch eine populäre Kunstlehre und-geschichte(Kunst und Kunstgeschichte 1883) und zwei größere Werke:„Deutschs Sittengeschichte des 14. und IS. Jahrhunderts" und„Häusliches Leben im Mittelalter". Abg. Bogt-Hall(wirtsch. Vg., zur Geschäftsordnung)? Mft meiner Bemerkung zu Z 6b des Wemgesetzes habe ich die Herren vom Bundesrat nicht beleidigen wollen.(Große Heiterkeit.) Debattelos werden einige NechnungSsachen in dritter Beratung «kledigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: DienZtag 2 Uhr.(Dritte Beratung deS Wein. Sesetzes und des Gesetzes zur Beseitigung der Doppelbesteuerung. dann zweite Beratung des Militäretats.> Schluß»/«? Uhr._ /ZbgeorÄnetenKaus. s k. S i tz u n g. Donnerstag, den 1l. März 1909, vormittags 11 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Heranziehung der Beamten, Elemeutarlchrer und unteren Kirchendiener zur Ge- mcindeeinkommensteuer. Abg. v. d. Grocbe»(!.) begründet einen Antrag: eine in der zweiten Lesung gestrichene Bestimmung wiederherzustellen, wonach den Kreisen die 100 Proz. übersteigenden Zuschläge zur Gemeinde- einkommensteuer verbleiben sollen. Im Fall- der Ablehnung dieses Antrages würden seine Freunde gegen das Gesetz stimmen müssen. � Abg. Ecker(natl.) wendet sich gegen den Antrag, weil dadurch völlig neue Beziehungen zwischen den 5treiseil und den Beamten ge- schaffen würden. Im übrigen würden seine Freunde trotz der Sonoerstellung der Geistlichen für die Beschlüsse zweiter Lesung stimmen. Em Regierungskommissar betont demgegenüber, daß SS sich lediglich um die Art der Abrechnung zwischen Gemeinden und Kreisen handele; das Dienstverhältnis der Beamten werde dadurch gar nicht berührt. Abg. Reinbacher(frs. Vp.) befürwortet einen Antrag, wonach das Kommunalsteuerprivilcg auch für die Geistlichen beseitigt wer- den soll. Abg. Hirsch(Soz.): Für den Antrag v. d. Groeben sind meine Freunde nicht zu haben. Sollte die Rechte im Falle seiner Ablehnung gegen die Vorlage stimmen, so würden wir das Schauspiel erleben, daß die äußerste Rechte und die äußerste Linke gemeinsam dagegen stimmen. So wie die Vorlage aus der zweiten Lesung gekommen ist, ist sie für uns unannehmbar. Ich habe bei der ersten Lesung betont, daß wir die Aufhebung des Privilegs für Beamte. Lehrer und Geist- liche fordern. Die Kommission hat sich unserem Standpunkt ge- nähert und wenigstens die Geistlichen, Kirchendiener und Lehrer in das Gesetz hineinbczogen. Aber nachdem das Haus durch seine Beschlüsse in der zweiten Lesung die Kommissionsbeschlüsse wesent- lich verschlechtert hat. können wir der Vorlage unsere Zustimmung nicht geben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der Debatte ist eine sehr weitgehende Rücksichtnahme auf die kirchlichen Gemeinden hervorgetreten, die den politischen Gemeinden gegen- über niemals geübt wird. Den politischen Gemeinden werden immer mehr Lasten auferlegt, während andererseits die kirchlichen Gemeinden in ganz unangebrachter Weise geschont werden. Ich erinnere an das neue Lehrerbesoldungsgesetz, an das Gesetz über die Polizeikosten und an die Beschlüsse bei den Steuervorlagen.— Dem Antrag der Freisinnigen werden wir zustimmen, weil wir eS für richtig halten, daß die Geistlichen die gleichen Lasten zu tragen haben wie alle andere» Beamten. Sie haben alle Schichten der De- völkerung herangezogen, um die Lasten der Beamtenbesoldung zu tragen, Sie haben sich selbst nicht gescheut, die Einkommen von 1200 M. mit neuen Steuern zu belegen. Unter diesen Umständen ist es am wenigsten angebracht, die Geistlichen von den Lasten aus- zunehmen; sie sollten freiwillig auf ihr Privileg verzichten. Wenn wir prinzipiell die Gleichstellung der Beamten, Lehrer und Geistlichen in bczug auf ihre Rechte und Pflichten fordern, so verlangen wir natürlich auch das passive Wahlrecht. Man sagt. man könne die Geistlichen nicht in den Wahlkampf hineinziehen. Aber die Geistlichen mischen sich ja auch in die politischen Mmpfe «in. Ebenso wie es in dem großen politischen Kampfe Geistliche gibt, die eine Taktik einschlagen, die ihrem Stande nicht zur Ehre gereicht, wie es andererseits Geistliche gibt, die auch im politischen Kampf durchaus die Grenze zu halten wissen, wird das auch in den Gemeinden der Fall sein. Selbstverständlich verlangen tvir das passive Wahlrecht auch für die Lehrer. Die Volksschule wird darunter nicht leiden. Denn die Mehrzahl unserer Volksschullehrer besitzt den für den politischen Kampf notwendigen Takt. Wir haben ja in den Gemeindevertretungen bereits höhere Lehrer, die sich durchaus bewährt haben. Es ist zu hoffen, daß in großen und kleinen Gemeinden die Elementarschullehrer eine Tätigkeit ent- falten, die der Volksschule nur zum Segen gereicht und wovon naturgemäß auch die heranwachsende Jugend großen Vorteil hat. kann nur noch einmal erklären, daß wir dem Gesetze, nach den erschlechterungen, die es in zweiter Lesung erfahren hat, nicht zu- stimmen können. Wir würden gern für die völlige Aufhebung des Privilegs stimmen, können aber eine Vorlage nicht annehmen, die Hur etwas Halbes bringt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Rirmdufir(fk.) tritt als Geistlicher für die Beseiti. gung des Privilegs der Geistlichen ein! Wir wollen dem Staate geben, was des Staates ist, und wollen, daß die Parole zur Wahr- heit w,rd: Heraus aus der Pastorenlirche und hinein i» die Ge- meindekirche! Abg. Wolff-Lissa(frs. Vg.) spricht ebenfalls für die Beseitigung beS Privilegs der Geistlichen. In der Abstimmung wird der freisinnige Antrag abgelehnt, der Antrag v. d. Groeben angenommen. Der Rest des Gesetze? wird unverändert angenommen, ebenso das Gesetz in der Gesamtabstim- mung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Hierauf wird das Gesetz betreffend die W o h n u n g s(sie l d- zuschüsse für die Beamten nach kurzer Debatte in dritter Lesung angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes betreffend die Abänderungen des Ein- kommenstcuergesetzcs und des Ergänzungssteuergesetzes. Abg. vom Rath(natl.) polemisiert gegen frühere Angriffe des Zlbg. v. Hennings. Abg. Heimann(Soz.): Das ursprüngliche Vorgehen'Oer Regierung bei diesem Gesetz, die Lasten der Beamtenbesoldung auf die Schultern der Besitzenden gu legen, zu deren Gunsten im Reich die Wirtschaftspolitik gemacht wird, war eigentlich selbstverständlich. Aber wir sind an solche Selbstverständlichkeiten hier so ivenig gewöhnt, daß wir die Vorlage freudig begrüßt haben. Doch hat sich wieder gezeigt, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Der Herr Fi, ranzminister ist auch in dieser Beziehung von einem Saulus zu einem Paulus geworden und verteidigt heute die Beschlüsse der zweiten Lesung, wonach auch die kleinen Einkommen mit den Steuerzuschlägen belegt werden sollen. Der konservative Redner hat bei der zweiten Lesung sogar die Erwartung ausgesprochen, daß die Regierung in Zukunft keine Steuervorlage mehr bringen werde, in der von dem Grundsatz, daß auch die kleinen Einkommen zu der Steuer herangezogen werden müssen, abgegangen werde. Da die Regierung sich in Preußen ja stets willenlos den Diktaten der konservativen Partei unter- ordnet, so ist nach diesen Worten eine Verbesserung unseres Ein. kommensteuergesetzes auch in Zukunft nicht zu erwarten. Zweifel- los bedeutet die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt eine ganz un- billige Härte für die Massen der Bevölkerung. Es wird einen, Manne mit 1200 M. Einkommen zweifellos viel schwerer, 60 Pf. mehr Steuern zu zahlen, als die Mehrzahlung von 30 M. für einen Mann mit 10 000 M. Einkommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf der letzten Öencralversammlung der Steuer» und Wirtschaftsreformer hat oer konservative Herr v. Bodelschwingh unter allgemeinem Beifall ausgeführt, daß es auch bei Einkommen von 10 0000 M. schon außerordentlich knapp zugeht und jede Bc- bastuug als drückend empfunden wird. Wenn es richtig ist,— ich will es dahingestellt sein lassen— so können Sie sich sa ausmalen, wie sehr die Arbeitereinkommen von jeder, auch der kleinsten Neubelastung empfindlich getroffen werden. Prof. Wagner hat auf dieser Versammlung sehr richtig betont, daß dem kleinen Manne von seinem Einkommen nichts übrig bleibt. Uebrigens hat diese Generalversammlung ein geradezu typisches Bilo von der Unduldsamkeit geboten, mit welcher die Herrn Agrarier gegen jede ihnen unbequeme Auffassung vorgehen. Jahrzehnte hindurch haben die Herren dem Professor Wagner zugejubelt, wenn er eine ihnen genehme agrarische Wirtschaftspolitik wissenschaftlich verteidigte, und haben seine Autorität gegen uns in Feld geführt. In dem Augenblick aber, wo dieser Mann in einem nebensächlichen Punkte nach seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung Anschauungen vertritt. die den Herren nicht genehm waren, weil sie gegen ihre materiellen Interessen verstießen, wurde er von ihnen in einer Weise angegrif- fen, die er selbst als unwürdig bezeichnet hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Käme Herr Professor Wagner in eine Arbeiterversammlung, um dort seine zollpolitischen Anschauungen zu vertreten, so würde er zwar sicher keinen Arbeiter bekehren, aber man würde ihn dort mit der Ruhe anhören, wie es seiner wissen- schaftlichen Stelluim gebührt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten. Lachen rechts.) Professor Wagner hat nun bei seinen Ausführungen natürlich nur von den jetzt schon im Reich bestehenden indirekten Steuern gesprochen. Nach den Nachweisungen des Reichsschatzamts beziffern sich diese auf 19 M. pro Kopf, das heißt: eine sünfköpfige Familie ist mit 95 M. belastet. Dazu kommt nun noch der Tribut, den die Arbeiterfamilien infolge der durch die Zollerhöhung herbeigeführten Verteuerung der Lebensmittel an die Landwirtschast zu zahlen haben, und zu diesen schweren Lasten sollen nun noch im Reich neue ungeheure Opfer treten, die im einzelnen auf den Kopf der Bevölkerung nicht auszurechnen sind, die im ganzen aber etwa 100 Millionen Mark im Jahre betragen werden. Für Preußen kämen dann noch die jetzt zu beschließenden Zuschläge hinzu.— Was das Kinderprivileg anlangt, so hat ja mein Freund Hirsch be- reits nachgewiesen, daß>davon die größeren Einkommen viel mehr Vorteil hoben. Wenn man die Geringfügigkeit der Zuschläge be- tont, muß man andererseits bedenken, dag aus den schon vielfach erörterten Gründen die Kommunen ebenfalls Zuschläge zur Ein- kommensteuer erheben werden, und da ihnen eine Staffelung dieser Zuschläge nicht erlaubt ist, so drücken auch diese Zuschläge wieder diejenigen, die eä am wenigsten vertragen. Der Oberbürgern, eister Funk-Elberfeld hat dies in einer Petition im Auftrage des Vor- ftandes des rheinischen Städtetages ebenfalls betont. Bei dieser Sachlage sollten die Mitglieder dieses Hauses, die selbst Gemeinde- Vertreter sind oder Einfluß auf die Gemeindevertretungen in ihrem Wahlkreise haben, wenigstens dafür eintreten, daß in den Kom- munen die Wertzuwachssteuer eingeführt wird. Nach Hunderten von Millionen, ja nach M i l l i- arden beziffert sich die Wertsteigerung, welche der Grundbesitz in allen aufblühenden Kommunen in den letzten Jahrzehnten er- fahren hat. Es bietet sich hier also eine reichlich fließende Steuerquelle, die auch allen Anforderungen entspricht, welche man an eine gut« und gerechte Steuer stellen kann.(Sehr wahr! bei den Sozial» demokraten.) Wenn die Herren dann sehen werden, wie die Ein. führung der Steuer an dem Widerstand der Grundbesitzer scheitern wird, dann wird die Ueberzeugung von der Schädlichkeit des Haus- ksitzerprivilegs in immer weitere Kreise dringen. Das wäre vielleicht der einzige gute Erfolg dieser Vorlage.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es ist von allen Seiten so hingestellt worden, als ob man in der Besteuerung der großen Einkommen bereits an die Grenz« des Möglichen gegangen sei. Solchen Behauptungen gegenüber find die Feststellungen der neuen vergleichenden Uebersicht über die Ergebnisse der Veranlagung zur Erganzungssteuer sehr interessant. Aus diesen amtlichen Nachweisungen ergibt sich, daß das ver- anlagte Bermögen der Zensiten in Preußen in den Jahren 1908 bis 1910 gegenüber der Periode 1905 bis 1907 um 9 240 000 000 Mari gestiegen ist.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist fast das Doppelte ver Kriegsentschädigung, die 1871 Frankreich auferlegt wurde.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) 91653 Millionen werden von genau IVt Millionen Zensiten versteuert. Räch Prof. Delbrück ian» man sagen, daß dazu noch 60 Milliarden etwa kommen, die bisher gewußt haben, sich der Steuer zu ent- ziehen(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) und die. wie Pro- fcssor Delbrück ausführt, zum größten Teil in der Landwirt- schaft stecken. Prof Delbrück sagt darüber: ..Wer sein Einkommen und sein Vermögen auf dem Lande hoch deklariert, macht sich dadurch in der Nachbarschaft unbeliebt, da man fürchtet, nach diesem Beispiel auch stärker herangezogen zu werden. Mir sind darüber die erbaulichsten Geschichten aus den Kreisen der Gutsbesitzer erzählt worden. Die Veranlagungs- kommissionen sind bei ihrer Nachprüfung milde, da an ihrer Spitze der Landrat steht(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten), der crnrch Rücksichten der Politik und der Karriere gezwungen ist, es mit den Grundbesitzern nicht zu verderben." (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ausgezeichnet! Lachen rechts.! Sie lachen, das sägt aber kein Sozialdemokrat, sondern eine kon. se,vative Autorität! Im übrigen ergibt sich aus der amtlichen Uebersicht, daß fast die Hälfte aller Zensiten noch nicht den zwölften Teil des gesamten Bcrmögens in Preußen besitzen und daß 21 00» Zensiten, also noch nicht ein Siebzigstel aller Zensiten, mehr als ein Drittel des gesamten Bermögens in Preußen ihr Eigen nennt. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Zahlen beweisen, wie sich bei uns das Nationalvermögen vermehrt und wie es sich immer mehr in wenigen Händen konzentriert; sie beweisen auch, daß die neue Belastung bei den großen und größten Einkommen als solche überhaupt nicht«spürt wird.(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten.) Trotzdem scheut man sich nicht, in Preußen auch bei den kleinsten Arbeitereinkommen noch Zu. schlage zu erheben und dem Reiche in Form der Konsumsteuern ricle Hunderte von Millionen aus den Massen herauszuziehen, während die Besitzenden kaum dazu zu bekommen sind, unter allen möglichen Kautelen einen kleinen Bruchteil der Reichslasten au; ihre Schultern zu nehmen. Sie haben die Macht und daher auch das Recht, die Steuern in der Ihnen geeignet erscheinenden Weise auf die verschiedenen Klassen der Bevölkerung zu verteilen. Aber Sie werden weder uns noch die hinter uns stehenden Massen über- zeugen können, daß die Verteilung von Ihnen in einer Weis« vor» genommen wird, wie es die Gerechtigkeit erforderte.(Bravo! fiel den Sozialdemokraten.) Abg. Graf v. d. Groeben(k.) verteidigt den Abg. Hennigs gegenüber dem Abg. v. Rath. Finanzminister v. Rheinbaben: Gegenüber den Ausführungen des Abg. Heimann muß ich erneut darauf hinweisen, daß 75 Proz. der jetzt beschlossenen Zu. schlage von 0,38 Proz. der Bevölkerung aufgebracht werden. Nicht nur die großen Vermögen haben zugenommen, sondern auch dre Einkommen von 000 bis 3000 M. 1892 versteuerten diese Ein» kommen 2 481 000 000 M., 1908 6 400 000 000 M.(Hört, hört! rechts.) Gegenüber dem von Herrn Hamann angeführten Bor- Wurf deS Professor Delbrück, daß die Landräte Steuerhinter. Ziehungen begünstigen, muß ich diese in Schutz nehmen. Zunächst gehört zu dem steuerlickien Begriff des Vermögens nicht das Ver- mögen, ivelches sich im Auslande befindet, ferner auch nicht das Vermögen, daS in Hausgeräten usw. angelegt ist. Dies Ver- mögen schätzen wir auf 20 Milliarden. Ferner ist auch der ganze Besitz, der 6000 M. nicht erreicht, nicht zur Besteuerung herange. zogen. Von dem angeblichen Fehlbetrag von 66 Milliarden er klären sich etiva 50 Milliarden auf diese Weise. Im übrigen gebe ich zu, daß es noch sehr viele Leute gibt, die nicht die Steuern zahlen, die sie zahlen müssen.(Sehr richtig!) Rund 1400 000 Steuereinschätzungen mußten berichtigt werden, das mehr veran lagte Einkommen betrug 2 Milliarden, und es sind dadurch 83 Mib lwnen M. Steuern mehr erzielt worden.(Hört, hört!) Den Porwurf gegen die Landräte weise ich wiederholt mit Entschiedenheit zurück.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Pachnickr(frs. Vg.): Gegenüber Herrn Heimann muß ich bemerken:«Du sprichst vergebens viel, um zu verjagen, der anidcre hört von allem nur das Rein!" Würde Herr Heimann etwa für die Vorlage stimmen, wenn wir wirklich die Einkommen von 1200 bis 1500 M. zuschlagsfrei ließen? Die Sozialdemokratie handelt auch heute den Becmüen gegenüber nach der Grillenberger- scheu Taktik:„Wir gönnen dar Unteroffizieren jede Aufbesserung, aber wir bewilligen ihnen keinen Groschen." Die Sozialdemokratei, übertreiben gigantisch, wenn sie in der Mehrausgabe von viertel- jährlich 15 Pf. eine schwere Gefahr für den Arbeiterstand erblicken. Wenn wir der Steuervorlage zustimmen, so deshalb, weil«s sich um ein Provisorium handelt. Prinzipiell stehen Nachlaßsteuer und Vermögenssteuer nach wie vor an erster Stelle in unserem Steuer» Programm.(Bravo! bei den Freisinnigen.), Abg. Hirsch(Soz.): Es war sonderbar, daß die Rede des Herrn Vorredners zn dieser Vorlage wesentlich aus Angriffen g«Ven die Sozialdemokratie bestand. Es ist mir ja psychologisch erklärlich, daß das böse Ge- wissen Herrn Pachnicke nicht in Ruhe läßt(Lachen bei den Frei- sinnigen) und daß er, um die berechtigten Vorwürfe, die in der Oeffentlichkcit gegen daS Verhalten seiner Freunde erhoben worden sind, von sich abzulenken, nun gegen die Sozialdemokratie polemi- siert. Herr Pachnicke behauptet, wir stellten Anträge auf Ver- besserung von Beamtenbesoldungen, kümmerten uns aber nicht darum, wie daS Geld aufgebracht wird. In der Kommission aber sind gerade von uns Apträge zur Beschaffung der Mittel gestellt worden, freilich in anderer Weise, als es den Intentionen deS Herrn Pachnicke entspricht. So ist unser Antrag auf Verdoppelung der ErgänzungSstcuer gegen die Stimme des sozialdemolratischcn Ver- treters abgelehnt worden. Nun vertröstet uns Herr Pachnicke daraus, daß seine Freunde später bei einer organischen Siegelung des Einkommensteuergesetzes mit uns dafür stimmen würden, daß die Steuererhöhung erst mit 7000 M. beginnt. Ich fürchte nur. daß Herr Pachnicke und seine Freunde dann von den Konservativen nicht die Erlaubnis bekommen werden, so zu stimmen, wie sie es dem Programm entsprechend tun müßten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Pachnicke sagte weiter, wir haben kein Recht, von dem Untergang« des Arbeiter, oder Mittelstandes zu sprechen, wenn bei 1200 M. Einkommen noch vierteljährlich 15 Pfennig mehr Steuer gezahlt werden müssen. In solchen Uebertrcibungen hat sich nie- mand ergangen. Unserer Meinung nach aber sollten die Einkommen bis 1200 oder auch bis 1500 M. vollkommen steuerfrei bleiben. Vergessen Sie nicht, daß Sie auch durch die-Erhöhung des Miets- stcmpels diese Einkommen noch mit 1 M. mehr pro Jahr belasten. Man soll nicht den Minderbemittelten immer dadurch etwas vor- machen, daß man sagt, es handele sich ja nur um ein paar Pfennige. Sie müssen bedenken, daß man überall, an allen Ecken und Enden. darauf ausgeht, die Minderbemittelten zu belasten.(Scbr wahr! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Sie richten sich selbst dadurch,»venu Sie denen, welche gegen diese Lasten protestieren, nichts weiter entgegensetzen können, als nur Lachen. Die Frei- sinnigen wollten bei der ersten Beratung, daß die Einkomme»» bis zu 10 000 M. freigelassen werden sollen. Trotzdem haben sie danu schließlich dem Kompromiß zugestimmt, wonach schon die Einkommen von 1200 M. bluten müssen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Man sollte sich nicht darauf berufen, daß es sich nur um eine vorläufige Regelung handelt. Was Sie hier tun, ist der erste Schritt, und Sie werden nachher nicht mehr zurück können. Sie können dann froh sein, wenn nicht noch eine neue Belastuirg dieser geringen Einkommen erfolgt. Daß diese geringen Ein- kommen dann entlastet werden, daran denkt im Ernst ni»nand. Darüber sollten Sie sich klar werden vor Ihrer Abstimmung. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Pachnicke(srs. Vg.): Im Gegensatz zu Herrn Heimann hat Herr Hirsch sachlich gesprochen. Durch Ihre standige Verne, nung niacht sich die Sozialdemokratie selbst einflußlos.(Sehr richtig! Al�z�Tr. Frtedberg(natl.): Durck die Gewerkschaftsbeiträgc werden die Arbeiter von den Freunden veS Herrn Hirsch viel höher belastet, als durch diese Vorlage. UnS kommt es nur darauf an, daß in der Belastung der einzelnen BcvölkerungSklassen das richtige Verhältnis gewahrt wird. Den Sozialdemokraten aber kommt es ja doch auf die innere Wahrheit ihrer Ausführungen nicht«w, sie wollen nur ein Agitationsmittel haben.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Hirsch(Soz.): Wenn Herr Pachnicke behauptete, baß ich im Gegensatz zu meinem Freunde Heimann unsachlich gewesen bin, lag es nur daran, daß ich zufällig nach Herrn Pachnicke zu Worte kam.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Friedberg hat für seine Behauptung, uns käme es nur darauf an, ein Agita- tionSmittel nach außen zu haben, auch nicht einen Schimmer von Beweis erbracht. Ich muß es ebenso wie er für mich in Anspruch nehmen, daß ick innerlich von der Wahrheit meiner Behauptungen durchdrungen bin. Durch den Schluß der Debatte ist es mir leider unmöglich gemacht, auf die interessant« Frage einzugehen, wie es mit den Gewerkschaftsbeiträgen der Arbeiter bestellt ist. Aber das kouiimt noch.. M Hierauf wird das Gesetz nach den KommisslonSbeschlussen auch in der Gesamtabstimmung angenommen. Ebenso wird daS Mantel gesetz in der Gesamtabstim mutiz angenommen. Hierauf wird daS Gesetz, betreffend die Gebühren der Medizinalbeamten in zweiter Lesung nach längerer Diskussion in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse ange- n o m m e n. Damit ist die Tagesordnung erschöpst. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(Extraordinarium deZ Ge- stütsetats. Etat der Domänen-, und Forstverwal- t u n g.) Schluß 5 Uhr._ Die iParteipresse zum Entwurf des Orgaoliationsitatuts. IL . Brandenburger Zeitung": „Sehr bedeutsam ist.. die Einführung des Mi n best- m o na t s b e i t r a ge S für männliche Mitglieder auf 30 Pr Einige Blätter halten diesen Betrag für zu n i ed r i g.... Es sei zugegeben, daß die fii»anziellen Anforderungen an die Partei- organisation ständig größer werden und daß auch die Erhebung eines WochcnbeitrageS ein sehr vorteilhafter Modus ist. Dennoch aber dürfen die bei erhöhten Beiträgen auch erhöhten Schwierigkeiten der Agitation nicht außer acht bleiben. Zu- nial unsere auf dem Lande tätigen Genossen wissen ein Lied davon zu singen. Dorf doch auch nicht vergessen werden, daß es(leider!) sogar noch zwei Kreise gibt, die bisher nur 15 Pf. Monatsbeitrag battcn, und 00 zahlen nur 20 Pf., 45 wiederum nur 25 Pf. Es kann daher mit der im Entwurf vorgeschlagenen Einheitsregelmig von 30 Pf. monatlich durchaus sein Bewenden haben, zumal es ja größeren und leistungsfähigeren Kreisen unbenommen bleibt, über diesen Normalsatz hinauszugehen. Acußerst anfechtbar erscheint uns nun aber mancherler bei den Bestimmungen für die weiblichen Mitglieder. Z»lnächst haller wir es für verfehlt, daß die Frauenzeitschrift„Gleichheit" gratis geliefert werden soll. Wir wollen einmal davon absehen, daß die„Gleichheit" heute selbst für viele freiwillige Abonnen- tinnen zu schwer verständlich ist: dem ließe sich durch eine Volks- tümlichere Schreibweise abhelfen. Aber bei der Gratislieferung erlahmt erfahrungsgemäß teilweise nicht nur das Interesse am Blatte selbst, sondern es verschwindet auch ein äußerst dankbares spezielles NgiiationSgebiet für unsere Genossinnen.... Das geht .... zu weit, mag man schon aus Grünpen der Zweckmäßigkeit einige Sonderrechte der weiblichen Mitglieder, wie z. B. die obligatorische Vertretung im Vorstande und die möglichste Be- teiligung an Delegationen für praktikabel halten. Hiermit sind wir bei der Frage der Delegation zum Parteitage angelangt.... Es soll... eine Art Proportional- system eingesührt werden, womit man sich im Grunde natürlich einverstanden erklären kann. Ueber die Abstufung selbst dagegen wird man verschiedener Ansicht sein dürfen. Vereine, die bis 1600 Mitglieder zählen, sollen nur einen Delegierten entsenden, während Wahlkreise mit 1600—3000 zwei, solche mit 3000—6000 drei. Ver- eine mit 6000— 12000 vier, bis 18 000 fünf und über 18 000 sechs Delegierte zu schicken haben. Es scheint, als wären diese Zahlen als bindende Norm gedacht, so daß ein Verzicht auf die volle Zahl der zu Delegierenden nicht statthaben kann. Demgegenüber halten wir die an sich zwar berechtigte Steigerung der Vertretung größerer Kreise für übertrieben. Ein sechsfaches Uebergewicht über kleinere, an sich jedoch immerhin gleichberechtigte Äreisorgani- sationcn ist keineswegs vonnöten und widerspricht gar zu sehr den Interessen der Minderheit. .... Jedenfalls schiene uns eine Minderung der Teilnehmer auf diese Weise gerechtfertigter als durch die schon vielfach und auch wieder im„Vorwärts" vorgeschlagene, im Entwurf aber nicht sanktionierte AusschlictzungderReichstragsfraktion vom Parteitag. Man kann doch unmöglich davon reden, daß der Besitz eines Rcichstagsmandats eine Sache des Zufalls sei. Die„Leipziger Volkszeitung" aber tut es und macht sich dadurch einer Verkennung der tatsächlichen Lage schuldig. Wir wissen uns im allgemeinen mit unserem Leipziger Bruderblatt von einer U c b e r s ch ä tz u n g des Parlamentarismus völlig frei. Aber wie die Verhältnisse nun einmal liegen, sind wir in fast allen Dingen mit dem Parlamentarismus so verwachsen, daß wir die Zulassung der NeichStagsabgeordneten als vollberechtigte Teilnehmer durch- aus billigen.(Eine„Vertretung" der Fraktion läßt sich schon ganz und gar nicht einheitlich und präzise zustande bringen.) Jeder Reichstagsabgeordnete steht wie im politischen so auch mitten im Parteileben und solange sich nicht das Gegenteil erwiesen hat (wofür sein Verhalten auf dem Parteitag eine gute Probe ist), muß angenommen werden, daß er mit seinen Wählern auch in allen wichtigen Parteifragen einer Meinung ist. Zudem spielen ja auch auf den Parteitagen politische und parlamentarische Fragen eine eminente Rolle, bei denen die Abwesenheit der Reichstags- abgeordneten geradezu vom Uebel wäre. Ließen sie sich aber von ihrem Kreise eigens delegieren, was wohl in den meisten Fällen geschehen würde, so würden gerade dadurch den übrigen Genossen diese Mandate entzogen. Es handelt sich hier ebensowenig um ein „undemokratisches Vorrecht" wie bei der jetzt ganz selbstverständ- lichen Teilnahme der Landtagsabgeordneten bei den Landespartei- tagen usw. Viel eher könnte man sich fragen, warum denn das neue Statut die vom Parteivorstand berufenen Referenten bei allen Abstimmungen als vollberechtigte Teilnehmer gelten lassen will, wo es sich bei der Auswahl bisweilen doch nur um seine Kenntnisse auf einem ganz speziellen Gebiet zu handeln braucht. Eher sollte man, solange der„Vorwärts" Zentralorgon ist, ihm als politischen und vielleicht auch der„Neuen Zeit" als Wissenschaft- lichen Mittelpunkt durch je einen Vertreter offiziell Sitz und Stimme gewähren..," „Volksblatt für Halle": ...... Im vorigen Jahre hatten noch 2 Kreise nur 15 Pf. Wonatsbeitrag. 99 hatten 20, 45 25, 106 30, 1 35 und 24 40 Pf.. während 82 Wahlkreise abgestufte Beiträge von 10 bis 40 Pf. erhoben. Einen Wochenbeitrag von 5 Pf. hatten 2, von 10 Pf. 42 Wahlkreise. Die Kommission wünscht, daß der Min» destbeitrag für männliche Mitglieder 30 Pf., für weibliche Mitglieder 20 Pf. betragen soll. Dem Vorschlage kann man an- gesichts der großen Aus- und Aufgaben der Organisationen un- eingeschränkt zustimmen, obgleich freilich der beste Modus der Wochenbeitrag bleibt. Selbst in Kreisen mit der ärmlichsten Bevölkerung hat sich ein W o ch e n b e i t r a g von 10 Pf. bewährt und wird gern gezahlt, wie mehrere Kreise in Sachsen, wo er jetzt allgemein eingeführt wird, und andere Kreise beweisen. So notwendig eine Proportionalvertrctung(auf dem Partei- tage) ist, so sehr wird sich über die Art der Steigerung reden lassen. Die Demokratie erfordert wohl eine gerechte Vertretung aller Mitglieder, doch ist eine freiwillige Organisation kein Zwangsstaat mit Klassen und entgegengesetzten Interessen der Klassenangehörigen. Deshalb liegt keine Notwendigkeit vor, die absolute Zahl hier entscheiden zu lassen. DoS hat die Kommission auch nicht getan und konnte es nicht tun. Allein ihre Steigerung der Vertretung erscheint trotzdem noch zu stark, da kein Anlaß vorliegt, einem Kreise ein sechsfaches Uebergewicht gegenüber einem anderen auf dem Parteitage zu verleihen. Mancherlei Be- denken sprechen gegen den Vorschlag der Kommission. Es wird völlig genügen und keinerlei Interessen der großen Kreise ver- letzen, wenn die Höchstzahl der Vertreter eines Kreises auf drei, im äußersten Fall vielleicht auf vier gesteigert wird. Praktisch würde das wohl zur Folge haben, daß die Parteitage in der gleichen Stärke wie bisher zusammentreten, nur wäre die Zu- sammensetzung eine gerechtere, indem schwache, aber in der Nähe des Parteiortes gelegene Kreise verhindert würden, mehrere De- legierte zu stelle». Die Parteitage sind heute schon umfangreich gnug— in Nürnberg tagten 369 Parteigenossen— so daß eine Vergrößerung der Zahl nicht wünschenswert erscheint.... Die Forderung, daß die Reichtsagsfraktion nicht vollzählig zur Teilnahme berechtigt sein soll, sondern eine Delegation zu entsenden habe, ist sehr alt.... Die Abgeordneten sind als Vertreter des Volkes ins Parlament gewählt und nicht auch zu- gleich für 6 Jahre aus den Parteitag. Der Parteitag soll jeweilig die Stimmung und Anschauung der Partei widerspiegeln, was nur möglich ist. wenn die Parteiorganisationen das Recht und die Freiheit haben, jedesmal die ganze Zusammensetzung des Parteitages zu bestimmen. Die Delegierten haben sich vor- her in össentlicher Parteiversammlung zu den wichtigsten Auf- gaben des Parteitages zu erklären, und sie werden nur gewählt. wenn ihre Stellungnahme zu Partei fragen der Mehrheit der Parteigenossen entspricht. Das ist der einzig mögliche Weg, Parteitagsbeschlüsse herbeizuführen, die der Mehrheit der Par» teigenossen(und nicht etwa nur der Mehrheit der Partei- taasteilnchmer) entsprechen. Der Reichstagsabgeordnete ist aber als solcher nickt wegen seiner Stellungnahme in inneren Pavteifragen als Mitglied aus den Parteitag gewählt, er ist in dieser Beziehung„unabhängig".... Wir empfinden es als einen Mangel, daß sich die Kommission nicht mit der Frage der Ur- a b st i m m u n g beschäftigt zu haben scheint..... Die Mög- lichkeit einer Urabstimmung der Gesamtpartei über wichtige Par- teifragen muß endlich vorgesehen werde». Die Urabstiininung ist in jeder Beziehung ein belebendes Moment für die Partei. Eine Anzahl Kreise hat bereits in ihrem Gebiete die Urabstimmung über wichtige lokale oder den Kreis betreffende Parteifragen, De- legiertenwahlen, Aufstellung des Reichstagskandidatcn usw. ein- geführt. Damit sind wohl überall gute Erfahrungen gemacht worden. Heute hat der alljährlich stattfindende Parteitag allein in allen Fragen zu entscheiden, die die Partei aufs tiefste erregen und Lebensfragen sein können. Hier muß die Partei die Mög- lichkeit haben, die Beschlüsse vor sämtliche Parteigenossen zu bringen und sie in einer Urabstimmung auf ihre Richtigkeit zu prüfen, zumal wir gerade beim letzten Parteitage erlebt Hecken, daß seine rechtmäßige Zusammensetzung planmäßig bezweifelt wurde. Die Partei braucht in großen Fragen völlige Klarheit über die Anschauungen ihrer Mitglieder, was einwandfrei nur durch eine Urabstimmung zu erreichen ist. Nichts ist gefährlicher für uns, als wenn wir uns irgendwie über uns selbst und unsere eigenen Reihen täuschen? Eine Urabstimmung erweckt aber auch das Interesse jener Genossen, die leider vielfach abseits vom Versanlmlungsbesuch und sonstiger Pnrteitätigkeit stehen, ebenso jener, die sich gewohnheitS- mäßig nicht viek um Parteifragen kümmern mögen. Eine Ur» abstimmung im kleinen Wahlkreise wirkt hier schon in jeder Weise anregend und fördernd ein, wieviel mehr erst eine solche der Ge- samtpartei. Da unsere Parteiorganisation jetzt so vorzüglich, ja fast bureaukratisch genau, durch die deutschen Vaterländer funktioniert, ist eine Urabstimmung durch das ganze Reich, technisch betrachtet, ohne jede Schwierigkeit durchzuführen... Cnnoniimg der Frau ßucfcholz bei Grünau. Am gestrigen Sitzungstage verlangte der Staatsanwalt T o l! i von dem Angeklagten Aufklärung darüber, was er denn mit dem Umlegen der Peitjchenschnur um den Hals der Leiche bezweckte. Ihm wurde vorgehalten, daß der Anschein eines Selbstmordes hierdurch doch unmöglich erweckt werden konnte. Der Angeklagte blieb dabei, daß er geglaubt habe, durch das Umlegen der Schnur die Tat zu verdunkeln. Der Borsihende ließ sich noch einmal von dem Angeklagten im einzelnen den Vorgang schildern, wie er sich abgespielt haben soll und stellte fest, daß der Angeklagte den Kopf der am Boden liegenden Frau mit der einen Hand hochgehoben und dann die Peitschenschnur, die am hinteren Teile des Halses fest zugeknüpft war, umgelegt haben müßte. Dazu würde doch ein hoher Grad von Ruhe und Kaltblütigkeit gehören, während man dcch annehmen müßte, daß ein Mensch, der plötzlich sieht, was er mit einem unglücklichen Handgriff angerichtet, vor Schreck und Entsetzen eines ruhigen Gedankens gar nicht fähig wäre. Wie der Zeuge Herzog, der Schwager der Getöteten, bekundete, bat der Angeklagte Frau Buchholz am Tage vor der fluchtähnliche, i Abreise nach Breslau Lorhaltungen über diesen ihren Schritt ge- macht und sie gefragt:„Wollenberg will wohl zu viel Geld von. Dir haben?" Darauf hat sie geantwortet:„Ach, wenn es Iveiter nichts wäre! Meinetwegen könnte er alles bekommen, was ich Habel" Zeuge Herzog hat ihr dann weiter vorgehalten, daß sie doch bei ihrem Manne bleiben solle, der doch ein solider, arbeit- samer Mann se-, während, wenn sie mit Wollcnberg zusammen. zöge, ihr das Schicksal blühen würde, schließlich durch Unzucht ibren Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Diesen Gedanken hat Frau Buchholz mit Entrüstung und niit den Worten zurückgewiesen:„Lieber würde ich sterben, che ich mir auf solche Weise Geld verdiente!" Zwei Frauen, bei denen der Angeklagte nach- einander gewohnt hat, gaben diesem ein gutes Zeugnis. Die eine dieser Zeuginnen hat auch Frau Buchholz kennen gelernt, die der Angeklagte als seine Braut bezeichnete. Justizrat Dr. Sello suchte durch Befragen dieser Zeugin die Ansicht zu widerlegen, daß der Angeklagte eine Art Blutsauger gewesen sei, unter dessen Joch die Frau Buchholz zu leiden gehabt habe. Die Zeugin bestätigt, daß nach ihren Wahrnehmungen der Angeklagte in bestem Einver- nehmen mit Frau B. gestanden habe. Er habe gesprächsweise auch einmal geäußert, daß er diese Frau gern heiraten würde. Ein Zeuge, der mit dem Angeklagten bekannt war. hat mit ihm am Tage vor der Tat eine Radfahrt nach Lichtenberg gemacht und lvar von ihm aufgefordert worden, am nächsten Tage doch mit ihn, nach Grünau zu radeln. Er wäre dieser Aufforderung auch nachgekommen, wenn er nicht durch Unwohlsein daran gehindert worden wäre. Zwei Gastwirte, in deren Lokalen der Angeklagte verkehrte, geben ihm das Zeugnis eines im allgemeinen ruhigen, nüchternen und nicht zanksüchtigen Mannes» der aber gelegentlich auch ein- mal aufbrausen konnte. Der Angeklagte verblieb dabei, daß er die durch einen langen Bindfaden verlängerte Pertschenschnur nicht zu verbrecherischein Zwecke am Tage seiner Fahrt nach Grünau erst zu sich gesteckt, sondern unbewußt bei sich getragen habe. Justizrat Dr. Sello be- zweifelte, daß jemals bei Erdrosselungen eine so lange Schnur in Anwendung gebracht sein dürfte.— Es wurden alsdann alle die Zeugen vernommen, die am kritischen 12. September in Grünau den Angeklagten entweder gesehen oder sonstige Wahrnehmungen gemacht haben. Diese Bekundnngen deckten sich mit den Aussagen derselben Zeugen in der vorigen Verhandlung.— Die Zeugin Frau Müller hat am 12. September kurz vor und nach 8 Uhr von ihrer Wohnung aus gehört, lvie ein Mann und eine Fvau, die ihr nicht sichtbar waren, sich heftig zankten. Die beiden Personen be- fanden sich auf dem Wege,>vo später die Leiche gefunden worden ist. Es hat sich nach der Meinung der Zeugin so angehört, als ob die Frau mit dem Manne rang, denn die Frau habe wiederholt geschrien:«Laß mich los!" Unmittelbar darauf sei es ganz still gewesen.— Ein Zeuge hat gesehen, wie der Angeklagte, der sein Rad führte, mit Frau Buchholz seines Weges ging. Der Angc- klagte hat dabei heftig auf sie eingeredet und in einem Augenblicke der Erregung sein Rad wütend aus die Erde geworfen. Die beiden sind dann weitergegangen, nach etwa 50 Schritten ist der Angeklagte zurückgegangen und hat das Rad geholt. Der Zeuge Wilhelm Kißuer wollte am 12. September abends den um 7,13 Uhr aus Grünau abgehenden Zug benutzen. Bei dem Bahnübergang bei der Viktoriastraße ist ihm der Angeklagte dadurch aufgefallen, daß er heftig aus seine Begleiterin einsprach und eS zwischen beiden zu einem lauten Disput kam. Das Paar ist dann nach dem Oeffncn der Schranke in die mit Bäumen besetzte Wilhelmstratze hinein- gegangen. Der Vorsitzende verwies darauf, daß die Zeugin Müller den von ihr gehörten Streit zweier Personen in der Nähe ibres Hauses zwischen 8 und 8)4 Uhr wahrgenommen habe, der Angeklagte also nach der Bekundung des Zeugen Kißner eine volle Stunde mit der Buchholz gesprochen haben müsse. Der Borsitzende wünschte vom Angeklagten nähere Angaben über den Inhalt des langen Gesprächs. Woldenberg erklärt hierzu: er habe mit der Frau zuerst dar- über gesprochen, warum sie sich denn vor ihm verberge und ihm gar nicht geschrieben habe. Darüber sei es zu heftigeren Worten gekommen, die Unterhaltung sei dann aber wieder friedlicher ge- worden und k-abe sich über alle möglichen Dinge, insbesondere auch über die Gestaltung der Zukunft unterhalten. Zum Schluß sei er mit Frau Buckholz wieder l)eftiger zusammengeraten und als sie dann Schimpfworte gegen ihn gebrauchte, habe er sie in der Er- regung in der schon geschilderten Weise am Halse gepackt. Erwürgung? Staatsanwalt Tolki richtete noch eins Frage über den Befund der Lunge der Verstorbenen an den Sachverständigen. Wie ihm von medizinischer Seite mitgeteilt worden, könne aus dem Befunde der Lunge ein Rückschluß gezogen werden auf die Art des Todes und namentlich darauf, ob e»ne sogenannte reflektorische Hemmung durch einen einzigen unglücklichen Handgriff oder eine richtige Würgung stattgefunden hat. Gerichtsarzt Dr. Marx: Die auf der Lunge festgestellten so- genannten Tardieuschen Flecken habe man früher für ein sicheres Zeichen fiir eine gewaltsame Erstickung angesehen. Jetzt stehe man auf dem Standpunkt, daß aus solchen Flecken allein ein absolut sicherer Schluß nach der angedeuteten Richtung hin nicht gezogen n-rrden könne. Sie haben hier aber eine gewisse Bedeutung in Verbindung mit den übrigen Blutaustritten in der Augenbinde- haut, auf der Gesichtshaut usw. Es ergebe sich daraus, daß nicht bloß ein einmaliges Zupacken in Frage gestanden haben könne, sondern es lagen die klassischen Merkmale des ErwürgungStodes vor.— Ter als Zeuge vernommene Bruder des Angeklagten, Monteur Woldenberg, erklärt auf Befragen des Verteidigers, daß sein Bruder öfter von ihm Geld geborgt erhalten habe, wenn er in augenblicklicher Verlegenheit war und daß er zu jeder Zeit Geld von ihm hätte bekommen können. Er halte es für ganz ausge» schlössen, daß sein Bruder, um eine Bagatelle von 14 M. zu er- halten, die er an Miete schuldete, einen Mord begehen konnte. Sein Bruder sei nervös und leicht erregt und es habe Momente gegeben, wo man sich fragen mußte, ob es in seinem Kopfe ganz richtig sein könne. Der Angeklagte habe selbst einmal gesagt, er glaube selbst, daß es bei ihm nicht mehr ganz richtig sei. Die Sitzung wurde auf heute 9% Uhr vertagt. ES soll dami noch eine kurze Zeugenvernehmung stattfinden und die Plaidohers gehalten werden. Stadwerordueten- Versammlung. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 11. März, nachmittags 5 Uhr'. Der Vorstehcr-Stcllvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5Va Uhr und veranlaßt zunächst die Einführung des neu- gewählten Mitgliedes, Schuldircktor Dr. Knau er, der darauf aus die Städteordnung verpflichtet wird. In seiner Einführungr- rcde widmet der Vorsteher-Stellvertretcr einen breiten Raum dem Hinweis auf den Neid und die Mißgunst, die die Stadt Berlin trotz ihrer Leistungen und ihres steten Bemühens um Fortschritte in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung von den ver- schiedensten Seiten ständig erfahren müsse. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Stadtschulrat Michaelis: Der Stadtv. Hofsmann hat in der vorigen Sitzung auf Vorkomnmiffe im bürgerkundlichcn Unterricht in einer Pflichtfortbildungssckule hingewiesen die geeignet waren, Aufsehen zu erregen. Er hat ein Heft eines der Schüler vorgelegt, in dem sich der Satz fand:„Die Berweltiing der Stadt Berlin ist die denkbar schlechteste; den Grund darin haben wir darin zu suchen, daß im Stadtparlament meist Vaterlandsverräter sitzen, welche die Antisemiten nicht zu Wort« kommen lassen." Darunter stand die Zensur„Fast gut". Ich habe festgestellt, daß das Heft von einem Schüler herrührt, der Ostern die Pflichtfortbilduiigs- schule verlassen hat. Die von Herrn Hosfniann behunpteten Tat- fachen sind richtig.(Hört! hört!) Der Lehrer hat jetzt angegeben, daß er den Schülern eine solche Unterweisung nicht gegeben, sondern rein sachlich auf die Steinsche Städ.teordnung und die Selbstvcr- waltung hingewiesen hat. Die Vergleichung einer ganzen Reihe von Heften der Mitschüler des Betreffenden hat diese Angabe be- stätigt, sie enthalten eine ähnliche Bemerkung �wie diese nicht. Einer der Mitschüler hat angegeben, daß der Schüler selbst er- klärt hat:„Jetzt will ich noch ganz was anderes hinschreiben und nachsehen, ob der Lehrer es unkorrigiert läßt." Der Lehrer hat das unkorrigiert gelassen und unterschrieben„Fast gut!"(Heiter- keit.) Seinen Schülern gegenüber hat er niemals irgendeine Par- teilichkeit bewiesen; gerade diejenigen, gegen welche sie sich hätte richten müssen, bekunden das. Bezüglich der Zensur„Fast gut" gibt er jetzt an, er hätte die Arbeit nur auf die Orthographie hin durchgesehen; die Vergleichung der Hefte bestätigt das nicht, die Arbeiten sind nach dem Inhalt zensiert worden. Der Lehrer hat einen solchen Defekt an pädagogischem Wissen und Können be- wiesen, daß die Schuldeputation ihn nicht für geeignet hält, weiter an einer Pflichtfortbildungsschule zu wirken. Die weiteren Er- Mittelungen haben ergeben, daß der Lehrer außerhalb des Unter- richts allerdings versucht hat, in die Schiller parteipolitische Ten- dcnzen hineinzutragen(Aha!) und das bestärkt uns in unserer Meinung. Seine Unterrichtstätigkcit an der Pflichtfortbilduiigs- schule dürfte mit der Stunde ihr Ende erreicht haben.(Beifall.) Vom Stadtv. Cassel ist der dringliche Antrag ein- gebracht: Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat um Aus- kunft darüber zu ersuchen, ob im Virchow-Kran kenhaus wiederum zahlreiche Erkrankungen von Krankenschwestern und Wärterpersonal infolge Genusses von unzuträglichen Speisen ent- standen sind, ob die Ursachen dieser Erkrankungen bereits fest- gestellt sind. welche Maßnahmen der Magistrat zukünftig zwecks Per- Hinderung derartiger Erkrankungen zu ergreifen gedenkt. Gegen die Dringlichkeit wird Einspruch nicht erhoben; der Antrag kommt noch heute zur Verhandlung. Als Bürgerdeputierter wird in die Direktion des Märkischen Museums Prof. Dr. Schiff, Landgrafenstr. 3a, gewählt. Die Versammlung setzt hierauf zunächst die Etatberatung für 1909 fort. Das Referat über die Etats„B a d e a n st a l t e u",„Desinfektionsanstalt in der Reichenberger Straße",„.Heimstätten für Genesende",„Zentrale Buch" und„Städtisches UntersuchnngS- amt für hygienische und gewerbliche Zwecke" erstattet"Stadtv. Barth(A. L.). Eine längere Erörterung im Ausschüsse hat nur der Etat der„Zentrale Buch" verursacht, über deren unVerhältnis- mäßigen Heizmatcrialverbrauch lebhafte Klage geführt worden ist. Stadtv. Salinger(N. L.) bittet um baldige Errichtung einer Volköbadeanjtalt im Nordosten. Stadtrat Venzktz: Der Magistrat ist mit Erwägungen in dieser Richtung befaßt; auch die eventuelle Verwendung des„Ordonnanz- Hauses" wird dabei erwogen werden. Zur„Zentrale Buch" bemerkt Stadtv. Gottfried Schulz(Soz.): Unserer vorjährigen Ali- regung, die abgelehnt wurde, hat sich jetzt der Magistrat angeschlossen, indem eine Kommission prüfen soll, ob die IV. Jrrenaiistalt an die Zentrale angeschlossen worden oder eine eigene Zentrale er- halten soll. Wir hatten damals ausgeführt, daß durch den An- schluß gewaltige 51osten entstehen würden. Wird die IV. Irren- anstatt angeschlossen, so liegt die Zentrale nicht mehr zentral. Wir haben also mit unseren Einwänden recht behalten. Es wurde nun vom Kollegen Gelpcke ausgeführt, daß die Zentrale Buch unver» hältnismäßig viel Kohlen verbraucht und daß also dort z. B. im Vergleich zu den Wasserwerken irrationell gewirtschaftet werde. Der Magistrat hat nuil bereits die Anstellung eines besonderen Heizinspektors beantragt. In unserer Kämmereiverwaltung wer- den nach einer von mir aufgestellten Berechnung jährlich über 2 Mill. Mark Kahlen verbraucht; 5 Proz. Ersparnis würden hier schon 100 000 M. bedeuten. Für 86 000 M. werden wir nun wohl schwerlich einen tüchtigen Mann bekommen, dieses Gehalt ist zu niedrig. Wir brauchen eine wirklich erste fachmännische Kraft. Im Friedrüh-Wilhelm-Hospital habe ich festgestellt, daß über 300 Zentner Kohlen in diesem Jahre geliefert worden sind, die als reine Schieferkohle gar nicht zu verwerten waren. Daß tzuiidert- taufende in Buch gespart werden könnten, ist allerdings eine Ueber- treibung, denn es sind nur 413 000 M. eingestellt und davon für Kohlen wirklich verbraucht nur 297 000 M. Man darf dabei auch nur ähnliche Anstalten in Vergleich ziehen, wie das Virchow- Krankenhaus oder Herzberge, nicht aber ein Kraftwerk, wie die Wasserwerke, wo keine Wärmeeinheiten erzeugt werden. In Buch werden 20 Millionen Wärmeeinheiten erzeugt, 1 Million kostet also bei 12 Stunden Heizzeit rund 12 375 M., beim Virchoiu- Krankenhaus dagegen rund 20 000 M. bei 24 Stunden Heizzeit. Bei Wuhlgarteu und Herzberge ist die Heizung als Blockheizung bereits teurer. In Buch kostet die Stunde zirka 6 M., in Wühl- garten 7,20 M. Diese Verhältnisse muß sich jeder, der an den Zuständen in Buch Kritik üben will, gegenwärtig halten. Stadtv. Herzberg(Fr. Fr.): Die Meinung, daß man nicht zu sehr zentralisieren dürfe, ist durch die neueren Erfahrungen durch- aus uberholt. Der Etat der Zentrale Buch ist ein papierner Etat, der an sich nicht erkennen läßt, daß da eigentlich mit Verlust ge- arbeitet wird. Man operiert da vielfach mit fiktiven Werten. Der Ansatz von 17 Pfennigen als Selbstkosten der Förderung des Passers ist unweigerlich zu hoch; ein warmes Wannenbald kommt aus 13 Pfennig, die Wäsche auf 26 Pf. pro Kilo zu stehen. Der Preis für elektrische Energie, für Dainpflieferung ist enorm hoch angesetzt. Ein Gutachten des Dampfkesselrevisionsvereins läßt die in Buch verwertete Steinkohle als minderwertig, aber nicht als die erstklassige Kohle erscheinen, die hier verwendet werden müßte. Notwendig wäre die Anstellung eines hochbesoldeten Beamten lediglich zur Ueberlyachung sämtlicher städtischen Betriebe. Der müßte ganz selbständig und unabhängig sein. Stadtv. G. SÄulz: Daß 13 Pf. für daS Bad in Buch zu teuer ist, ebenso die Wäsche mit 26 Pf. pro Kilo, liegt daran, daß Buch noch nicht völlig ausgebaut ist. Nkan sollte etwas rascher an den Ausbau emeS Tuberkulosenheims in Buch hcrangeheli; dann kann auch die Zentrale besser ausgenutzt werden. Beim Kohleiicinkauf muß der Gehalt und die Heizkraft durch chemische Analyse festgestellt werden. Stadtrat Mielenh: Die Zentrale Buch befindet sich noch in unfertigem Zustande und kann noch nicht normal arbeiten. Immerhin gehen nicht unbedeutende Mengen von Wärme zurzeit verloren. Für die Beschaffung guter Kohle haben wir uns stetig bemüht. Die Selbstlosten für Wäsche sind feineswegs enorm hoch; wir waschen noch 25 Broz. billiger, als die Tarife der Berliner Waschanstalten ausweisen. Der Heiztechniker in Buch bemüht sich andauernd, die Anstalt auf der Höhe zu erhalten. Der Wunsch des Baurat Herzberg wird sich ja erörtern lassen. Oberbürgermeister Kirschner: In Buch handelt es sich um eine ganz eigenartige Anstalt; wir haben im Magistrat die Prüfung nach der Verwaltungs- und nach der technischen Seite hin durch je einen Sachverständigen schon früher beschlossen. Zu dem gewünschten Betriebsamt würde sich unser Seizbureau unschwer erweitern lassen; ein besonders unabhängiges Betriebsamt, das in jedem Betriebe Anordnungen treffen könnte, scheint mir in einer geordneten Verwaltung unmöglich; jedenfalls muß der dankenswerten Anregung auf anderem Wege weiter nachgegangen werden. Nach einer kurzen Erwiderung des Stadtv. Herzberg wird der Etat für die Zentrale Buch bewilligt. wenn sie Gesek wird, sich ohnmächtig zu fügen haben, fonnte nicht ausgefonnen werden. Hoffentlich gelingt es noch in letter Stunde, dieses Unglück abzuwenden. Der Antrag Bamberg wird einstimmig an genommen. allen Respekt vor meinem Freunde Manaffe, aber mem er dort zwei Tage liegt, jo tann er doch kein Kronzeuge über das Eſſen im Virchow- Krankenhause sein. Ich bestreite ja gar nicht, daß der Küchenverwalter ein tüchtiger und gewissenhafter Materialienverwalter ist, von der Küche versteht er aber nichts. Und darum handelt es sich. Stadtv. Dr. Mugdan( A. 2.): Nach meiner Ansicht handelt es fich wohl mehr um eine chemische Vergiftung, als um eine Bilzvergiftung. Aber das ist jetzt gleichgültig. Herr Dr. Wehl wollte mit unangenehmen Enthüllungen kommen; sie sind unangenehm gewesen, aber nur für ihn.( Zustimmung.) Denn es handelt sich um feinen Brief aus dem Hause Adlon, sondern um einen ganz anderen Brief. Die Vorlage betr. den Ankauf von Ländereien in der Königlichen Tegeler Forst für Anlage neuer Wasserwerte wird nach einer kurzen Debatte, an der sich Stadtv. Dr. Weyl und Stadtrat Rumschötter beteiligen, angenommen. Die Versammlung geht hiernach über zur Beratung des dringlichen Antrages Cassel wegen der neuerlichen Erkrankungen im Virchow- Krankenhaus. Stadtv. Dr. Levy( A. L.) erinnert an den früheren Fall der Massenerkrankungen in diesem Krankenhause, das den Stolz Berlins Stadtv. Dr. Wehl: Herr Dr. Mugdan hat in seiner Jungfern. bilde, und betont, einen wie schlechten Eindruck die Wiederholung rede mir Dinge unterlegt, die ich nicht gesagt habe; ich habe mit nachy so furzer Zeit in der Bevölkerung machen müsse. teinem Wort vom spottschlechten" Essen im Rudolf- VirchowZu dem Etat des Untersuchungsamts" bemerkt Stadtrat Weigert: Durch einen bedauerlichen Zufall haben Krankenhause gesprochen. Ich habe von einer Notiz in einer Stadtv. Dr. Weyl( Soz.): Am 17. November haben wir eine zahlreiche Wärter und Krankenschwestern Unbequemlichkeiten davon öffentlichen Zeitung gesprochen und davon, was in vielen Kreiſen Resolution angenommen, wonach in die Zahl der städtischerseits getragen. Der von der Direktion des Krankenhauses an uns er- über die Küchenorganisation unserer Strankenhäuser gesagt wird. borzunehmenden unentgeltlichen Untersuchungen auch die Tuber- stattete Bericht befagt, daß in der Nacht zum Montag zahlreiche Ich habe ebenfalls gleich davon gesprochen, daß ich einen Brief mit kulose in den bekannten Vertrag mit den Staatsbehörden aufge- Erkrankungen eingetreten feien, die aber eine Dienstunfähigkeit der Unterschrift des Herrn Dr. Sternberg aus dem Hause Adlon nommen werden sollte. Seitdem sind 3 Monate vergangen. Der nicht zur Folge hatten. Das Mittagessen hatte aus Blumenkohl- in Händen habe. Prüfen Sie doch die Sache; ich verlange ja garPolizeipräsident hat inzwischen angeordnet, daß für die dem suppe, Sühnerfrikassee, Apfelsinencreme mit Schlagsahne( Heiter- nicht, daß Sie mir ohne weiteres glauben. Mit der Erkundigung Staate reservierte Hälfte der Stadt an den zwei amtlichen Stellen feit) bestanden. Das Essen habe tadellos geschmeckt; es war das liegt die Sache so, daß, wenn Herr Runge etwas anderes erauch tuberkuloseverdächtiges Material unentgeltlich untersucht Essen für den zweiten Tisch; auch die Wärter, die Nachtwache Härte, als mein Gewährsmann, der mir ebenso ein Ehrenmann wird; in dem der Stadt vorbehaltenen füdlichen Teil wird aber hatten, wurden damit beköstigt. Das gleiche Effen erhielten auch ist wie Herr Runge, ich doch jetzt nicht einfach sagen werde: der das tuberkulojeverdächtige Material nicht untersucht. Was ist zwei Patienten; auch diese erkrankten; im ganzen wurden 146 Er eine hat recht und der andere hat unrecht.( Große Unruhe.) Das seitens des Magistrats in dieser Sache geschehen? Stadtrat Straßmann: Diese Frage hat den Magistrat noch drei Schwestern schonungsbedürftig; auch sie sind inzwischen wieder frankungsfälle gezählt. Am Tage darauf waren aber nur noch Schriftstück wird Ihnen zugestellt werden. nicht beschäftigt; fie steht auf der Tagesordnung für morgen. dienstfähig geworden. Die batteriologische Untersuchung wurde soStadtv. Wurm( Soz.): In dem Etat steht für die Unter- fort eingeleitet; von dem Frikassee war nichts mehr vorhanden suchung der Gebrauchsgegenstände für sämtliche Verwaltungen nur( Seiterfeit). Die Bestandteile waren tadellos. Eine bakterielle ein Betrag von 3000 M. Das Amt besteht jetzt 11 Monate; im Ursache der Erkrankungen erscheint ausgeschlossen; es scheint, daß ganzen sind bereits für 28 000 M. Untersuchungen ausgeführt den Morcheln giftige Lorcheln beigemischt waren; bon den woorden, obwohl noch keineswegs bis jetzt alle Verwaltungen ihre Schwestern, welche die Morcheln nicht genossen haben, sind vier geSachen in das Untersuchungsamt schicken. Das ist aber dringend fund geblieben. Außerordentlich bedauerlich ist, daß ein solcher notwendig. Besonders bei Submissionen ist oft die Art, wie Bufall zum zweiten Male im Virchow- Krankenhaus vorkommt, wo ein Urteil über die Güte der Waren gefällt wird, sehr oberflächlich; ein so tüchtiger Verwaltungsdirektor wie Geheimrat Ohlmüller Bersönlich bemerkt Stadtv. Dr. Wehl: Ich habe das Material es muß die genaue Feststellung des Wertes, nicht bloß eine Ab- an der Spike steht. Seit der unliebsamen Fleischvergiftung im schätzung, erfolgen. Die Unkosten der Untersuchung sind ja ver- September haben wir die Oberföchin gewechselt; die neue Oberhältnismäßig sehr gering. Um nicht die Meinung aufkommen zu föchin erfüllt ihre Obliegenheiten zur vollen Zufriedenheit. Die laffen, daß die Verwaltungen sich nach einem so geringen Betrage Zahl der Köchinnen ist von zwei auf drei vermehrt worden,/ fo daß im Stat zu richten haben, betone ich, daß die Verwaltungen ohne ieder Tisch eine besondere Köchin hat. Der Küchenverwalter ist Rüdsicht darauf verpflichtet sind, die Sachen untersuchen zu lassen. ebenfalls seit einigen Monaten durch einen neuen ersetzt worden, Kämmerer Dr. Steiniger: Die Summe von 3000. ist im mit dem die Verwaltung vollständig zufrieden ist. Daneben ist November veranschlagt worden. Zutreffend ist, daß die Verwal- noch ein besonderer Materialieninspektor eingestellt worden. Daß tungen, soweit sie die Untersuchung mit eigenen Kräften nicht zu das Unglüd eintrat, hat weder an dem Personal, noch an den bewältigen vermögen, das Untersuchungsamt in Anspruch zu nehmen Speisen gelegen. Pedauerlicherweise hat auch hier wieder die Bresse sich sofort auf die Glossierung des Vorfalls geworfen und sich großer Uebertreibungen schuldig gemacht. haben. Stadtv. Dr. Kuhlmann( Fr. Fr.) schließt sich dem Wunsche des Stadtv. Wurm an. Nach einigen weiteren kurzen Bemerkungen des Stadtrats Straßmann und des Stadtv. Dr. Langerhans wird der Straßmann und des Stadtv. Dr. Langerhans wird der Etat bewilligt. Der Stadtv. Bamberg( A. 2.) hat mit Unterstüßung von Mitgliedern aller bürgerlichen Fraktionen den Antrag einge Den Magistrat zu ersuchen, schleunigst dem Reich 8tage das Ersuchen zu unterbreiten, dem ihm von der Reichsregierung vorgelegten, die Berliner Bevölkerung auf das schwerste schädigenden Entwurf betreffend die Erhöhung der bracht: " Stadto. Dr. Mugdan: Ich habe nicht gesagt, Dr. Wehl hätte behauptet, das Essen wäre spottschlecht. Nur aus der Diskussion fonnte geschlossen werden, das Effen sei schlecht. Das Haus Adlon steht mit dem Dr. Sternberg in keiner Beziehung; dieser hat nur einen Briefbogen mit der Firma benutzt. Ich habe zu bem Kollegen Runge mehr Vertrauen als zu der anderen Mitteilung. die doch auf Geschwätz beruhen kann. Damit schließt die Debatte. Stadtv. Dr. Levy zieht den Antrag als erledigt zurüd von dem Dr. Sternberg mündlich auf Ehrenwort als tatsächlich richtig mitgeteilt erhalten und ihm gefagt, ich würde es unter Nennung seines Namens und unter Berufung auf ihn öffentlich vortragen, wenn er es mir schriftlich geben würde. Eine Stunde später schidt er mir den Rohrpostbrief aus dem Hause Adlon. Soweit stehe ich also auch für dieſe Mitteilungen ein. Um 10 Uhr vertagt die Versammlung die übrigen Beratungsgegenstände, Soziales. Tiefstand eines Schiedsgerichtsvorsitzenden. Anläßlich einer Berufungsverhandlung vor dem Schiedsgerich für Arbeiterversicherung in Chemnis in Sachen eines Gutsbesikers gegen die forst- und landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft wegen Weitergewährung der zuletzt in Höhe von 20 Broz. bezogenen Unfallrente bemerkte der Vorsitzende, Oberregierungsrat Dr. Heymann, unter Hinweis auf das ärztliche Gutachten, das den Kläger für böllig erwerbsunfähig erklärte:" Es gibt eine neue Krankheit, die feit dem Bestehen der Versicherungsgesetzgebung aufgekommen ift; fie besteht darin, daß Unfall- und Invalidenrentner meinen, fie müßten ewig die Rente behalten. Das beste Heilmittel für Nervöse ist Arbeit, denn bei der Arbeit denken sie nicht soviel an sich und ihre Beschwerden." Der Rententläger verwahrte sich dagegen, daß er ohne Not flage und daß der ärztliche Gutachter besser wissen könne als er, ob er ohne Beschwerden und Schmerzen arbeiten könne. Sein Anspruch wurde aber zurüdgewiesen. Ein Mann mit so voreingenommener, völlig verkehrter Ansicht dürfte wenig zum Borfißenden eines Schiedsgerichts, das unparteiisch sein soll, fich eignen. Die neue Krankheit", die der Vorsitzende konstatieren zu dürfen glaubt, ist eine Erfindung, die schon vor Bestehen der Versicherungsgefeßgebung von einigen Aerzten gemacht wurde, die die traumatische Neurose zu erkennen nicht in der Lage waren. Bei Unfällen im Eisenbahnbetriebe wurde vor etwa vier Jahrzehnten genau dieselbe Ansicht von ärztlicher Geite produziert, bis vorurteilsfreie, insbesondere englische Aerzte das völlig unhaltbare solcher Ansicht darlegten. Seit einigen Jahren gibt es eine Reihe von Aerzten, die in stärkerer Weise Unfallverlegte und Invalide durch Wiederkäuen der alten Mär schwer schädigen. Nicht mit Unrecht läßt sich behaupten und ist von verständigen Aerzten eingehend dargelegt, daß die Schwierig keiten, mit der der Weg zur Erlangung einer Rente gepflastert ist, insbesondere die Quälereien einiger Aerzte, die Krankheiten geradezu steigern und die Fälle unheilbarer Neurose außerordent lich vermehren. Zu bedauern ist, daß an Stelle sachverständiger Arbeiter und Arbeitgeber fast nur sogenannte Vertrauensärzte seitens bieler Schiedsgerichte über den Grad der Erwerbsfähigkeit vernommen werden. Stadtv. Dr. Weyl: Mit diesem Angriff gegen die Presse hat der Magistratsvertreter seiner Sache keinen guten Dienst geleistet. Die Zeitungen haben ja weniger berichtet, als er selbst; ich habe in feiner Zeitung die Zahl von 140 Erkrankungen, sondern überall nur die Zahl 90 gefunden. Außerdem finde ich merkwürdig, daß er der Bresse vorwirft, daß sie ein solches Borkommnis gloffiert. Wenn dort innerhalb 6 Monaten zum zweiten Male etwas der artiges passiert, so ist es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Presse, darauf hinzuweisen; dafür sollte die Verwaltung der Preffe dankbar sein. Man wird erinnert an die Aeußerung des Bürgermeisters, daß im September sofort nachgeforscht worden sei, wie Telephongebühren, die Zustimmung zu verfagen." Stadtv. Jacobi( A. 2.): Wie bei der Erhöhung des Ortsportos die Nachricht von der Fleischbergiftung in die Breffe gelangt war! für die Zweipfennigfarten geht ein Sturm der Entrüstung über auch in anderen Krankenhäusern wird Frifassee gegeffen, und von die geplante Telephongebührenordnung durch die städtische Bevölke- solchen Erkrankungen ist da keine Rede gewesen. Sollten nicht doch rung. Gegen Herrn rätte war ja selbst herr von Pod- organisatorische Mißstände in der Küchenverwaltung bestehen? bicisti ein Fortschrittsmann. Durchschnittlich wird der Schon im September 1908 wies ich auf die Notwendigkeit der DeBerliner Telephoninhaber von jetzt ab statt 180 m. 334 M. zahlen, zentralisation der Küche hin; das Kochen in den großen Steffeln ein Aufichlag von d5 Broz.! Das nennt man heute Mittelstands: müsse Mißstände herbeiführen. Unter dem Titel eines sachkundigen politit", richtiger sollte man von kulturfeindlichen Bestrebungen Küchenberwalters", wie er im Etat für 1909 genannt wird, versteht sprechen. Im Reichstage haben unjere Kollegen Kämpf und man doch einen wirklich Sachverständigen. Mir find aber MitSinger schon den Kampf dagegen mit großem Nachdruck aufge- teilungen zugegangen, wonach der jezige Inhaber diesen Namen nommen; an uns ist es, diese Aktion zu unterstüßen, indem wir nicht verdient. Der Herr foll vorher in den großen Restaurants von Borchardt und Adlon dieses Amt ausgeübt haben; das sei doch den Magistrat ersuchen, beim Reichstage vorstellig zu werden. Stabtb. Singer( S03.): wir werden für den Antrag stimmen. die beite Schule. Ich habe in Erfahrung gebracht, aus dem Betriebe Ich möchte aber die Frage nicht nur einseitig vom Berliner Stand- Adlon selbst, daß der Küchenverivalter Behrendt bei Adlon jeden punkt auffaffen; so schwer auch Berlin davon betroffen wird, so falls kein Küchenverwalter, sondern Materialienverwalter war; bei stehen doch auch andere Städte, es stehen Handel und Industrie Adlon befam er 200 Mt. monatlich, bei uns bekommt er 2900. hier einer Vorlage gegenüber, die sie aufs schwerste bedroht. Charat- nebst freier Wohnung und Heizung. Der Mann ist also gar kein Das Schreiben aus dem Hauſe teristisch ist, daß bei der Post Reform“ und„ Berteuerung" iden- fachkundiger Küchenverwalter. tisch ist. Die Herren von der Regierung können sich eben eine Adlon an mich betont, daß er mit der Küche nichts zu tun gehabt Reform gar nicht anders denn als eine Verteuerung auf dem Ge- hat; er war ein kaufmännischer Angestellter, durch den die Waren biete des Handels und Verkehrs denten. Das hat sich seit Jahren abnahme nach der quantitativen Seite erfolgte. Diese Stellung allmählich eingebürgert; nran glaubt dem Handel und hat er mit großer Pflichttreue bei Adlon bekleidet, aber KüchenVerkehr die Lasten auflegen zu müssen, welche man sich berwalter war er nicht, er müßte sich denn gerade seit dem 1. De scheut, in Form von Sirekten Steuern vom Besit von zember hineingearbeitet haben. In unsere Verwaltung hineingekommen ist er ohne jedes der Gesamtheit zu nehmen, Um das platte Land und die Landwirtschaft zu entlasten und dort Erleichterungen ein- 3eugnis von der Firma; das Zeugnis liegt noch dort.„ Kein auführen, werden nicht der Allgemeinheit größere Lasten auferlegt, Mensch hat sich nach Behrendt erfundigt", heißt es weiter in dem sondern den anderen Berufskreisen durch Erhöhung der Verkehrs. Priefe.( Lebhafte Unterbrechungen; zurufe: Hat Ihnen Adlon gebühren. Einer solchen Politik muß auf das allerschärfste ent- das selbst geschrieben?) Der Brief ist von dem Dr. Sternberg nach gegengetreten werden. Daß in der Postverwaltung das Ber- Rücksprache mit den maßgebenden Personen aus dem Hause ständnis für die Notwendigkeiten des Verkehrs gänzlich durch Adlon an mich gerichtet.( Erneute Burufe.) Der Hausturator ben Fiskalismus unterdrüdt wird, ließe sich an zahlreichen Vor- Runge hat mir gesagt: der Bürgerdeputierte Wienstrud fennt den lagen nachweisen. Auch diese Telephonvorlage wird begründet mit Mann, darum haben wir ihn genommen. Hiernach ist für mich die der Notwendigkeit der Vermehrung der Telephonstellen auf dem Organisation der Küchenverwaltung des Krankenhauses teine ein Der Uhrmacher Merklin flagte gestern vor der Kammer 5 des platten Lande. Bei unseren Kampf gegen die Vorlage handelt es wandsfreie; an der Spike eines solchen Betriebes muß eine ge- Gewerbegerichts gegen den Uhrenfabrikanten Otto Frik auf sich nicht darum, dem platten Lande die Verkehrserleichterungen schulte Kraft stehen. Eine ganze Reihe hervorragender Aerzte Zahlung des rückständigen Lohnes für zwei Tage und einer Lohnzu entziehen, wir halten im Gegenteil es auch für eine Stultur- sympathisieren mit der Anregung der Dezentralisierung der entschädigung für 14 Tage. Kläger war am 4. und 5. Dezember aufgabe, möglichst weit ins platte Land hinein mit diesen Ver- Nüchen. Auch diesem neuen peinlichen Vorkommnis liegen or durch Krankheit an der Arbeit behindert. Am 7. Dezember wurde kehrsanlagen zu bringen. Wir betonen das, weil unsere Gegner ganisatorische Mißstände zugrunde." Der Küchenverwalter hat er entlassen, weil er dem Verlangen des Beklagten, ein ärztliches glauben unsere Bewegung gegen die Vorlage sei nur von der gekostet", sagt der Stadtrat; soll damit Sachverständnis bekundet Attest über die Krankheit beizubringen, nicht entsprach. Zeugen Abneigung gegen das platte Land getragen. Wir sind gern bereit, werden? Das geht doch dem betreffenden Herrn ab. Auch Geh. befundeten, daß eine nur dreitägige Kündigungsfrist vereinbart diese Erleichterungen zu bewilligen; man verlangt aber, daß die Rat Ohlmüller fann nicht alles übersehen. Es ist hier ja auch war. Die Zimmerwirtin des Klägers sagte aus, daß Kläger an Kosten dafür getragen werden von denen, die davon keinen Ruben eine Buschrift aus den Schwesternfreifen verbreitet worden, welche den in Frage stehenden Tagen zu Haus gewesen und im Bett ge haben, und das ist durchaus ungerechtfertigt. Was die Gebühren noch andere Anklagen erhebt.„ Der rechte Mann an den rechten legen habe. selbst betrifft, fo follte unter Festhaltung der Pauschalgebühr Ort", der fachkundige" Küchenchef muß auf den ihm vielleicht ge- Das Gericht unter Vorfib des Magistratsrats Dr. Bölbling eine Differenzierung vorgenommen werden; ich würde mich nicht bührenden Posten des Materialienverwalters, und an die Spike verurteilte den Beklagten zur Zahlung des geforderten rückständigen ablehnend dagegen verhalten, daß Leute, welche in außerordentlich der Küche nicht eine. Oberköchin, sondern ein professioneller Lohnes und einer Entschädigung für drei Tage. Die Mehrhohem Maße die Einrichtungen in Anspruch nehmen, etwas mehr Küchenmeister! Dann, aber auch nur dann werden wir vor ähn- forderung wurde abgewiesen. Das Gericht nahm an, daß Kläger zu zahlen haben( Zustimmung). Insoweit unterscheide ich mich lichen Vorkommnissen bewahrt bleiben! bon dem Vorredner. Im einzelnen die Notwendigkeit des Fronttatsächlich an den beiden Tagen frank war. Es wird nicht au jeder Krankheit sofort ein Arzt zugezogen. Die Tatsache der Krankheit machens gegen die Vorlage nachzuweisen, ist unnötig. Mit den ist aber durch die Aussage der Zimmerwirtin des Klägers erwiesen. Vororten bilden wir eine wirtschaftliche Einheit, wir haben also alles Interesse daran, daß der Verkehr mit diesen für uns einheit lich, gut und billig gestaltet ist. Wir büßen jetzt die Politik der neuen Handelsverträge, wir müssen die Berteuerung aller LebensBedürfnisse jest bezahlen. In den Stoßseufzer nach Herrn ton Podbielski fann ich dem Vorredner nicht zustimmen; er würde genau wie Herr Krätke heute nach der Pfeife der Agrarier tanzen müssen. Heute muß die Regierung, um die Willfährigkeit dieser Partei für ihre militärisch- marinistischen Zwede zur Berfügung zu haben, mit Zugeständnissen an die Agrarier bezahlen. Veber den Erfolg einer Petition mache ich mir feine Illusionen; dennoch muß der Versuch gemacht werden. Immerhin wird viel leicht die Vorlage, wie sie jekt gemacht ist, eine Mehrheit nicht finden, sondern Abänderungen erfahren. " Stadtv. Runge( A. L.): Auf den Unterschied zwischen einem Materialien und Küchenverwalter will ich nicht eingehen. Herr Dr. Wehl bemängelt, daß der Küchenverwalter ohne ein Zeugnis von Adlon engagiert sei. Ich bin selbst bei Adlon wegen des Mannes eine halbe Stunde gewesen; Adlon empfing mich mit den Worten: Ihr Besuch ist mir sehr unangenehm, denn Sie wollen mir den Herrn wegholen".( Hört! hört!) Wir können also den Vorwurf des Herrn Dr. Wehl nicht auf uns fißen lassen. Ich bin heute noch 2 Stunden länger als Stadtrat Weigert im Krankenhause gewesen, habe mit 2 Schwestern, 2 Wärtern und 6 Patienten gesprochen, darunter einem Arbeiter und einem Agenten; durch weg hat man mir versichert, daß das Essen gut und reichlich sei und auf Wunsch der Teller nachgefüllt werde. Auch der Fraktionsfreund des Herrn Dr. Wehl, der Stadtv. Manasse, der augenblicklich im Rudolf- Virchow- Krankenhause ist, hat sich lobend über das Essen ausgesprochen.( Beifall.) Ist ein ärztliches Attest erforderlich? Groß- Frankfurt. Seit vielen Monaten schweben zwischen der Stadt Frankfurt am Main und den Gemeinden des Landkreises Frankfurt Verhandlungen über die Eingemeindung dieser Vororte. Nun ist es endlich gelungen, mit sämtlichen elf Gemeinden Eingemeindungsverträge abzuschließen. Am letzten Montag stimmte auch die aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. bestehende Eingemeindungskommission einstimmig den Verträgen zu. Als Termin der Eingemeindung ist der 1. April 1910 in Aussicht genommen. Die Gesamtfläche der einzugemeindenden Orte beläuft sich auf 4085 Heftar, und da der Stadtbezirk Frankfurt a. M. gegenwärtig ein Gebiet von 9390 Hektar umfaßt, wobei der Stadtwald mil 3421 Hektar Fläche inbegriffen ist, so wird das Frankfurter Stadtgebiet auf 13 475 hektar und die Einwohnerzahl auf 400 000 an wachsen. Stadtv. Dr. Friedemann( soz.- fortschr.): Den Wunsch einer Stadtv. Rosenow( N. 2.): Ich beklage die Worte des Stadtgewissen Differenzierung teile ich mit dem Vorredner. Die Pausch- rats über die Presse; ohne die Presse hätten wir vielleicht von der gebühr muß bleiben; die Zählung sämtlicher Gespräche wird zu Sache überhaupt nichts erfahren. Herr Dr. Wehl hätte seine höchst ben bösesten Unzuträglichkeiten führen. Es liegt auch gar kein einseitig vorgetragenen Beschwerden erst in der Deputation vorGrund zur Entlastung der kleinen Städte zuungunsten der großen bringen follen.( Sehr richtig!) vor. Und ist denn eine Erhöhung der Gebühr überhuapt nötig? Stadtv. Dr. Weyl: Mich interessiert das Schreiben ber Die alte Sturzsichtigkeit, die sich in der Angst vor Tarifermäßigungen Schrestern nicht, wohl aber die organisatorische Frage der Küchenzeigt, sollte doch endlich überwunden sein. verwaltung in unseren Krankenhäusern. Was ich vortrug, hat Stadtv. Rosenow( N. 2.): Die neue Telephongebührenordnung bereits am 10. März aus der Feder des Dr. Sternberg in der ist eine eigenartige Illustration zu dem von sehr hoher Stelle ver- Berl. Allg. 3tg." gestanden.( Buruje.) Wenn es überflüssig ist, tündeten Erfahrungssap: Wir leben im Zeichen des Verkehrs." darüber zu reden, so forgen Sie doch zunächst dafür, daß so ettvas Etwas Teuflischeres als diese Vorlage, der die Angeschlossenen, I an unseren Krankenhäusern nicht mehr vorkommt. Ich habe auch I mügend, Geschäft still, Breise fast unverändert. Verantwortlicher Redakteur: Sans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Bufuhr stark, Geschäft etwas reger, Breise teilweise nachgebend. Bild: Bufuhr mäßig, Geſchäft ruhig, Breife feft. Geflügel: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft lebhaft, Breise gut. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüje, Obst und Südfrüchte: Zufuhr ge Nr. 60. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt! Druderei Nacht. arbeiter! Bahlmorgen am Sonntag, den 14. März, bei Julius Meyer, Dranienstr. 103. Internes vom Reichstag." Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Richard Fischer. Der Vorstand. Schilbow- Blankenfelde( Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, den 14. März, nachmittags 3 Uhr, findet in Mönchsmühle im Lokal des Herrn Florian Knappe die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Friz Braun:" Gewerk schaften und Unternehmerverbände". 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegenheiten. Treffpunkt der Schönhauser Genossen Punkt 2 Uhr bei Bratbogel, Nordend. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Stadtverordneten Freitag, 12. März 1909. es wurde für nüßlich befunden, das Pissoir zu verkleinern, um Aufflärung der Angelegenheit bei der Kriminalpolizei zu melden. den Klosettraum dafür zu vergrößern. Kosten und Versäumnisse werden ihm vergütet. P In einem anderen Falle mußten Zeichenlehrer genauen Der Tod im Asyl. Im städtischen Obdach in der Fröbelstraße Bericht über den Zeichenunterricht an die Schulaufsichtsbehörde wurde gestern ein etwa 60 Jahre alter Mann, der sich August erstatten und dabei erwähnen, daß an den Zeichenunterlagen Schmud nannte, vom Tode überrascht. Der alte Mann hatte sich einiges auszusetzen sei. Darauf Rückfrage an die städtische schon längere Zeit ohne Obdach befunden und war oft Gast in Schulverwaltung um Aeußerung. städtischen Asyle. Die Leiche wurde im Schauhause untergebracht. Wilmersdorf. Am Sonntag, den 14. März, morgens 5 Uhr, Und so fönnten noch eine ganze Reihe Vorkommnisse Von einem Automobil überfahren und tödlich verletzt wurde findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genoffen wollen fich mitgeteilt werden, die beweisen, in weld)' geradezu gestern vormittag der Staufmann Friedrich Lütte, Huffitenfir. 7. Aut rechtzeitig in den einzelnen Bezirkslokalen einfinden. Für Halensee, Kleinlicher Weise die Schulaufsichtspflicht ausgeübt wird. Formell ber Ecke der Invaliden- und Gartenstraße hatte 2. den Straßen Bezirk 1-3, tommt diese Verbreitung nicht in Betracht. Steglis. Am Sonntag, den 14. März, findet eine Flugblatt- arzt in Bewegung segen; aber jeder verständige Mensch weiß, warnungssignal gab, nicht mehr ausweichen und wurde umgerissen. scheinen die Aufsichtsbehörden im Recht, wenn sie den Kreis- damm überschreiten wollen und dabei nicht das Herannaben einer Automobildroschte beobachtet. Er konnte, als der Chauffeur ein berbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Der Vorstand. was für kleine Verhältnisse passen mag, ist für eine Großstadt Die Räder des Kraftwagens gingen ihm über die Brust hinweg. Bezirk Waidmannsluft. Die Mitgliederversammlung des Wahl- eine direkte Plage. Die Art, wie in vorliegenden Fällen von In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte in das vereins findet Sonntag, den 14. März, nachmittags 4 Uhr, in Borsig- den Aufsichtsbehörden revidiert wird, wirft direkt lächerlich Strankenhaus Moabit gebracht. Der Zustand des 2. ist hoffnungslos. walde bei Woitschach statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen und ist nur geeignet, diese Behörde dem Spott und dem Hohn Redakteurs Hans Block über„ Die französische Kommune". Vereins- der Bevölkerung zu überliefern. Andererseits hat die Sache Schleuse ist die Leiche eines unbekannten Mannes aus der Spree Der Tote mit dem Erfahreservepaß. An der Charlottenburger angelegenheiten. Verschiedenes. Wittenau. Am Sonnabend, den 18. März, abends 29 Uhr, Die Arbeit der städtischen Schulbehörden durch eine fortgesetzte auf den Namen des am 15. März 1873 zu Baruth geborenen Stauf insofern auch eine ernste Seite, als sie zeigt, in welcher Weise gelandet worden, bei der man einen Erfagreferveschein vorfand, der findet im Bergschloß- Restaurant in Waidmannslust ein von den Wittenauer Genoffen arrangierter Unterhaltungsabend statt. Da Nadelstichpolitik erschwert und beeinträchtigt wird und auf manns Johannes Karche ausgestellt war. Ob St. der Tote ist, konnt alles getan ist, um den Besuchern einige angenehme Stunden zu welche Weise Beamte ihre Zeit totschlagen. Da redet man noch nicht festgestellt werden. verschaffen, wird um zahlreichen Besuch gebeten. immer von Sparsamkeit im Staatshaushalt. Wenn der Der neue große Pharus- Berkehrsplan Groß- Berlin 1909 ist mus Der Vorstand. Landtag die Stellen für diese Funktionen erheblich herabsetzen mehr unverkürzt in Buchhandlungsausgabe erschienen. Der viel würde, würden Staat, Stadt und Bevölkerung nichts ver farbige Plan hat nachstehende Begrenzung: Nördlich Tegel, östlich lieren. Uebrigens eine schöne Charakteristik der Selbst- Köpenid, südlich Teltow, westlich Potsdam. Auch dieser Plan zeigt verwaltung der Gemeinden! die bekannten Vorzüge der Pharus- Pläne: Uebersichtlichkeit und Deutlichkeit. Wir finden auf demselben eine übersichtliche Angabe der Bom Zweckverbande Groß- Berlin. Bereits im Dezember 1906 Verkehrsverbindungen, Bost und Gemeindegrenzen, des bebauten und hatte der Schöneberger Magistrat einem Beschluß der Stadt- unbebauten Geländes, fahrbarer und projektierter Straßen, sowie berordnetenversammlung Folge gegeben und sich mit der Bildung eine bildliche Darstellung der hervorragenden Baulichkeiten. einer gemischten Deputation einverstanden erklärt, deren Aufgabe es fonders als Wandplan wird er jedem Bureau gute Dienste leisten. sein sollte, die Grundsäge für die Bildung eines Zweckverbandes Dem Plan ist ein vollständiges Straßenverzeichnis Groß- Berlins Groß- Berlins festzulegen. Im April 1908 wurde beichlossen dem mit Aufführung der Linien der Straßenbahnen, Omnibuss Magistrat Berlin die Anregung zu geben, eine zwanglose Drgani- gesellschaften usw. beigegeben. Der Plan ist für den Preis von fation der Gemeinden Groß- Berlins zu schaffen, damit in 2,50 M. in jeder Buch- und Papierhandlung sowie im Pharusperiodischen Zusammenfünften Vertreter der interessierten Ge- Verlag, Lindenstr. 3, erhältlich. meinden gemeinsame Fragen gemeinsam erörtern können." Die Tonnten zu Beginn ihrer gestrigen Sitzung die Meldung ent- Initiative zur Verwirklichung einer solchen Organisation wurde in Spannend und ohne jeden Unfall verlaufene Rennen, die sich nicht Radrennen in den Ausstellungshallen am 300, 10. März. gegennehmen, daß dem Berliner Stadtfreisinn, der sich durch einer Buschrift an den Magistrat Berlin anheimgegeben. Im minder interessant gestalteten, als die hinter Motorführung geden Fortbildungsschullehrer Solk beleidigt November 1908 fand im Berliner Rathause eine Borbesprechung fahrenen Dauerrennen, bei denen oft die besten Fahrer infolge Ver fühlte, sofortige Genugtuung verschafft worden ist. Vor Ein- statt, ant der die Vertreter von Charlotttenburg, Schöne fagens ihrer Führungsmaschinen ins Hintertreffen geraten. Ein tritt in die Tagesordnung nahm Stadtschulrat berg, Rigdorf und und Lichtenberg teilnahmen. Man einigte geleitet wurden die sportlichen Kämpfe durch ein Prämien Michaelis das Wort, um zu erklären, daß auf Grund der sich nach längerer Beratung dahin, daß zunächst die fahren über 10 Kilometer für Fahrer der Klasse B. 50, 30 und Angaben, die in der vorhergehenden Sizung von dem Stadtv. Bertreter der beteiligten sechs Städte und von den zwei Kreiſen je 20 M., außerdem dem Ersten bei jedem Kilometer eine Prämie von Genossen Hoffmann über das Wirken des Herrn Holz zwanglosen Besprechung eingeladen werden sollten. die größte der Landgemeinden in das Berliner Rathaus zu einer 5 M. 1. Vierd in 14 min. 37 Set., 2. Großmann, 3. Saldoi. gemacht worden waren, unverzüglich eine Untersuchung ein- zweiten am Montag, den 8. b. M., abgehaltenen Sigung, an der Großmann, Saldow. 24 Fahrer im Rennen. Verfolgungs In einer Führungspreise gewannen Sterba( 4), Stechern( 2), Hamann, Nowack, geleitet worden sei. Der in einem Schüleraufsaß enthaltene nur Friedenau und Schöneberg teilnahmen, während Charlotten- Matich Theile Georget. Dem Sieger 100 m. Theile Angriff gegen die Stadtverwaltung fei zwar eigener Einfall burg, Wilmersdorf, Lichtenberg und Weißensee schriftlich ihre Zu- erreicht seinen Gegner in der 11. Runde in 2 Min. 18% Set. des betreffenden Schülers gewesen, aber Lehrer Holz habe den stimmung erklärten, wurde dieser Vorschlag zum Beschluß erhoben. 50 Kilometer Rennen. 100, 50, 30 M.; außerdem Aufsatz nicht beanstandet. Hiermit habe Herr Holz einen Man darf von einer solchen mit voller Aktionsfreiheit ohne ge- dem Ersten bei jedem 5. Kilometer eine Prämie von solchen Defekt in seinem pädagogischen Können bewiesen, daß bundene Marschroute arbeitenden Organisation erwarten, daß nicht 10 M. 1. Kudela in 1 St. 22 Win. 17 Set; 2. Techmer, die Deputation ihn seines Amtes habe entheben nur manche Mißstände in der Entwickelung Groß- Berlins beseitigt 3. A. Stellbrint, 4. Rubel. R. pl.: Conrad. Führungspreise ge müssen. Sehen Sie, Herr Holz, so furzen Prozeß macht werden, sondern daß sich auf diesem Wege allmählich eine wirkliche wannen: Rubel, Kudela, Poulain( 7). Aufgegeben: Stabe( Reifensich auf verschiedenen Gebieten betätigende Interessengemeinschaft schaden), Hoffmann, Contenet, Poulain, Arend, Althoff, Tadewald die Stadtverwaltung mit einem Lehrer, der einen Schüler der sich um Berlin gruppierenden Nachbargemeinden heranbildet. auf den Freisinn schimpfen läßt. Was würde einem Hall. Dreizehn Fahrer beginnen das lange Rennen, bei dem es Lehrer geschehen, der selber vor Arbeiterföhnen auf die So- tuberkulose, die eine Anzahl Fürsorgestellen unterhält und in der Glockenzeichen bekanntgegeben wurde, daß eine Prämie zu gewinnen 20 000 m. städtische Beihilfe ist der Auskunftsstelle für Lungen- wiederholt zu scharfen Borstößen tam, namentlich wenn durch ein zialdemokraten schimpfte? Die Beratung des Stadhaushaltsetats föniglichen Charité die Hauptstelle hat, noch vor entgültiger Fest- fei; merkwürdigerweise fomite der Franzose Poulain deren sieben fegung des städtischen Etats gewährt worden. Diese Lungenfürsorge- einheimien. Stabe schied dauernd aus; lange blieben die anderen turde fortgesetzt, aber sie kam nicht viel vom Fleck. Beim stellen haben bisher eine recht dankenswerte Tätigkeit entfaltet und zusammen; erst nach dem 40. Kilometer lichtete fich infolge eines Etat der Badeanstalten wurde vom Magistratsvertreter man tann ihnen die städtische Hilfe neben der staatlichen- der Staat glänzenden Vorstoßes von seiten Stellbrinks das Feld; dieser mitgeteilt, daß beabsichtigt wird, für Berlin NO. eine Bade- zahlt 40 000 M.- nur gönnen. gewann fast eine Runde Vorsprung, die meisten gaben auf. anstalt auf dem Grundstück des Ordonnanzhauses zu erStellbrink an der Spize vor Kudela, Techmer, Nudel und Conrad, Bom Schuldrill. Die in Berlin erscheinende Pädagogische so wogte der Kampf in den letzten Runden; schon glaubte bauen. Um die Zentrale Buch entspann sich eine leb- Beitung" bringt aus der in Hamburg erscheinenden Pädagogischen man, daß Stellbrint als Erster über das Bielband gehen würde, da hafte Debatte. Genoffe Gottfr. Schulz machte hier Reform" eine bisfige Notiz über Prüfungsdiktate". Es werden schoß Kudela in der letzten Runde, gefolgt von Techmer vor, so daß längere heiztechnische Ausführungen, und Stadtv. Herz- darin einige Diktatiäße mitgeteilt, die die schwierigen Wörter aus Stellbrink auf dem dritten Play vor Rubel endete. Den meisten berg schlug vor, ein besonderes Betriebsamt zu schaffen. dem durchgenommenen Uebungsstoff in passender Zusammenstellung Beifall erhielt für sein gutes Fahren trotzdem Stellbrink, der auf Diesen Vorschlag lehnte Oberbürgermeister Kirschner als enthalten". Alls sehr gelungen" werden die folgenden Säße ver- Verlangen eine Ehrenrunde fuhr. Damit auch die Freunde des. undurchführbar ab. Beim Etat des Untersuchungs- spottet, die in einer Volksschule Hamburgs diftiert worden seien: Motorgetnatters nicht zu kurz kamen, bildete den Schluß ein amtes für hygienische und gewerbliche Zwecke ergriffen Die Geubernante schilderte ihrer Cousine im Feuilletonstil den Be- Motorrennen über 10 Stilometer, 50, 30, 20 m. 1. Meinunsere Genossen Weyl und Wurm das Wort, um auf noch such der Passagiere auf der Plantage".„ Auf dem Rain am Moor hold in 10 Min. 49 Set.; 2. Reckzeh, zwei Runden zurüd; bestehende Mängel dieses Instituts hinzuweisen. gelände entlang schlich der Weidmann zum Mohrrübenfelde". 3. Krüger, acht Runden zurück. In zwei Vorläufen über je fünf „ Ein närrisches Märchen erzählt bon einer Waise, die Kilometer ausgeschieden Hartwig und Porte. Der Besuch war Mehr wurde vom Etat gestern nicht erledigt. Es folgte auf einer Mähre mit struppiger Mähne in der Strenge des Winters wieder sehr gut. bann die Beratung des Antrages, der zum Kampf gegen die durch ein Föhrenhein ritt." Hinzugefügt werden dann noch die Verteuerung des Telephons aufrief. Stadtverord- folgenden Säge:" Der Mohr saß am Denkmal im Moor und ver- Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 7. d. M. ist in Budapest neter Jacobi begründete ihn, sprach aber etwas zu ein- gehrte fein färgliches Mahl".„ Ein junger Fant fand ein Pfand; im Hotel Continental ein zirka 60 bis 65 Jahre alter Mann, ein Pfund Fondants wäre feitig nur vom Standpunkt des Berliners aus. Genosse ein befferer Fund gewesen." 1,75 bis 1,80 Meter groß, graue Haare, grauer Schnurrbart und stach einer Ahle alle Vollbart, mangelhafte Zähne, tot aufgefunden worden. Der Un Singer geißelte die gesamte Politik der Verteue- Der Schuster in der Allee rung, die von der Regierung getrieben wird. Er unterließ ale tot." Aus der Notiz geht nicht hervor, ob diese Säße bekannte, welcher einen lintsseitigen Hodenbruch gehabt hat, hat sich nicht, auch hervorzuheben, daß jezt das Bürgertum der Städte gleichfalls irgendwo in einer Schule diftiert oder nur von Kaufmann Max Berger genannt und wollte angeblich aus Berlin einem übertreibenden Spötter erfunden wurden. Möglich wär's zugereist sein. Mitteilungen über die Persönlichkeit des Unbekannten erntet, was der zum Agariertum in ein Hörigkeitsverhältnis schon, daß auch diese Stilblüten dem„ Leben" der Schule werden im kgl. Polizeipräsidium, Zimmer 324 II oder in jedem geratene Block freisinn gesät hat. Die freisinnige Mehr- entnommen sind. Wir selber möchten die hier mitgeteilte Lifte Polizeirebier entgegengenommen. heit der Versammlung nahm diesen Rippenstoß schweigend hin. noch vermehren um einen Diktatsaz, der auch nicht übel ist. Jrren Den Schluß des Abends bildete die an den Magistrat gerichtete Anfrage über die Vergiftungserscheinun gen, die erneut im Birchow- Krankenhaus vorgekommen sind. Da wiederum nicht wärter oder Kranke, sondern Schwestern davon betroffen worden waren, so hatte Mittwoch die Etatsberatung fort. Es ging im Fluge durch Die Stadtverordneten- Versammlung von Wilmersdorf setzte am der Freifinn sich beeilt, Aufklärung zu fordern. Stadtv. Lewy bie verschiedenen Etatspositionen, die nur nach Ziffern genannt bermied es aber, der Krankenhausverwaltung irgendwie zu nahe zu treten. Stadtrat Weigert erklärte alles aus Wegen Unterschlagung von Mündelgeldern ist der ehemalige und dann genehmigt wurden; doch ließen die wenigen Gelegen einem ,, bedauerlichen Zufall", von dem er die Aufmerksamkeit Variétédirektor Franz Grüger, genannt Dorn, gestern verhaftet heiten, bei denen es zu Auseinandersetzungen kamen, immerhin worden. Grüger stand früher jahrelang mit einem zweiten Direktor etwas vom Geifte der Stadtväter verspüren. Der Stadtverordnete dadurch abzulenken suchte, daß er auf die Presse schalt. Ge- an der Spitze des Wintergartens und lebte in glänzenden Ber- Dr. Heinis hielt es für notwendig, daß die Wilmersdorfer Bürnoffe Weyl forderte organisatorische Aenderungen des hältnissen. Später war er Direktor eines hiesigen Weinhauses und gerschaft ihre Abneigung gegen einen erweiterten Zwedverband Küchenbetriebes im Virchow- Krankenhause. Als er erzählte, auch dort noch sehr gut gestellt. Aber seine Einkünfte reichten nicht fundgebe. In Zeitungsnotizen sei darauf hingewiesen worden, daß wie man dort sachkundiger Küchenverwalter" wird, erhoben aus, und so ließ er sich verleiten, das Vermögen seiner beiden der Ort sich mit sozialpolitischen Lasten nicht besonders abgebe und fich zur Abwehr die Stadtvv. N unge und Rosenow und Mündelfinder aus seiner ersten Ehe anzugreifen. Die Vormundschaft daher seinen Einwohnern leicht günstige Steuerbedingungen bieten - zuletzt, doch seiner Meinung nach nicht als Geringster entdeckte die Unterschlagungen, und das Bormundschaftsgericht stellte tönne. Derartige Vorhaltungen dürften die Bürger aber nicht irre auch Herr Mugdan, der offenbar den Augenblick gekommen bei einer Nachprüfung fest, daß 15 000. fehlen. Grüger wurde machen. Wir nehmen das Recht für uns in Anspruch," so sagte der glaubte, wo er sich in seiner Spezialität als„ Sozialisten- daraufhin von der Staatsanwaltschaft gesucht, war aber längere Zeit Herr," den eigenen Weg, der uns so glücklich weit gebracht bernichter" produzieren könne. weder in seiner Wohnung auf Westend noch in Berlin zu finden. hat, auch weiter zu beschreiten und richten an den Magistrat Gestern wurde er endlich in einem kleinen Hotel in der Invaliden- die Bitte, es bei den bisherigen Steuerverhältnissen bewenden zu straße ermittelt, festgenommen und dem zuständigen Landgericht III lassen." Dies frische Bekenntnis zur eigennüßigen Kirchturmspolitik an einem Ort, der ohne Berlin ein arniseliges Kofsäthenzugeführt. nest wäre, wurde von der Versammlung mit demonstrativem BeiDie Kindesleiche im Koffer. Der geheimnisvolle Fund auf dem fall begrüßt. Bedenken wurden in der Stadtverordneten- Vernimmt Formen an, die ein allgemeines Kopfschütteln in weiten Lehrter Bahnhof ist noch nicht weiter aufgeklärt. Die Obduktion sammlung laut wegen des eigentümlichen Häuserkaufs, den der Kreisen hervorrufen müssen. Das Aufsichtsrecht des Provinzial- der Kindesleiche konnte die Todesursache nicht mehr feststellen. Die Provinzialausschuß voriges Jahr vorgenommen hat. Beschulkollegiums über das Schulwesen wird von dieser Behörde Verwesung war schon zu weit fortgeschritten. Ob ein Verbrechen kanntlich hat diese Körperschaft für die Grundstücke in der Viktoriain der sonderbarsten Weise aufgefaßt und ausgeübt. Man borliegt, läßt sich deshalb noch nicht sagen, das könnte erst durch straße, die später zu Verwaltungszweden dienen sollen, den geandere Tatsachen festgestellt werden. Vielleicht liegt der in der waltigen Preis von vier Millionen Mark gezahlt und dadurch die begnügt sich nicht mehr, die Aufsicht auf den Unterricht zu Kriminalistik nicht seltene Fall vor, daß sich die Mutter von der Gemeinden der Provinz ganz erheblich belastet. Stadtverordneter beschränken, sondern steckt seine Nase überall hinein. So fand Leiche des heimlich geborenen und eines natürlichen Todes ge- Schwarz fragte den Stadtverordnetenvorsteher Dr. Bedmann, ein Revisor bei seiner Revision, daß die Tür einer Klasse in storbenen Kindes nicht hat trennen können. Darauf deutet auch die der die Stadt Wilmersdorf auf dem Provinziallandtag vertrat, nach einer Gemeindeschule in der Schmidstraße gestrichen werden umwickelung mit so vielen Kleidungsstücken hin. Der fort feiner Stellung in dieser Angelegenheit. Man horchte auf eine müßte. schreitende Verwesungsgeruch erforderte immer neue Umhüllungen, Antwort: doch der Vorsteher fuhr stracks mit der Verlesung der Darob großes Protokoll an die Aufsichtsbehörde, von da bis sich endlich die Beiseiteschaffung der Leiche doch nicht weiter Statstitel fort, als Herr Schwarz feine Ausführungen beendet hatte. Schreiben an die Berliner Schulverwaltung, auf das natürlich verschieben ließ. Nach der Art der Verpackung scheint es, daß die Die Versammlung aber erklärte durch ihr Stillschweigen, daß sie Mutter mit der Leiche von auswärts nach Berlin gekommen ist. mit dieser„ Erledigung" der Unannehmlichkeit einverstanden war wiederum an die höhere Schulbehörde über die ergriffenen Der Kutscher, der sie mit seiner offenen Droschke nach der König- Weiter verlangte Stadtverordneter Dr. Leidig, daß wie in Maßnahmen berichtet werden muß. Ganz besonders scheinen straße 21 fuhr, hat sich noch nicht gemeldet. Während die Dame anderen Orten, so auch in Wilmersdorf die Frauen zur Armenbestimmte Revisoren ihre Nase mit Vorliebe in die Klosett- bei dem Täschner- und Sattlermeister Dance in dem Hause Nr. 21 und Waisenpflege herangezogen werden sollen. Von dieser räume zu stecken. In einem Falle wurde gefunden, daß die den Stoffer kaufte, hielt der Wagen auf der gegenüberliegenden anderswo seit Jahren bestehenden Reform weiß man hier noch Alofetträumte etwas zu klein, das Pissoir etwas zu groß sei, Seite der Straße. Der Kutscher wird dringend ersucht, sich zur nichts. Ein Stadtrat erklärte, daß in der Armenpflege der Stadt Die Schikanierung der Stadt Berlin durch die Schulaufsichtsbehörden " wir nicht, so war es die Pädagogische Zeitung", in der wir vor Jahren lasen, in einer Gemeindeschule Berlins sei den Kindern diftiert worden:" Vor dem Schokoladenladen laden Ladendiener eine Ladentür ab." Lob und Preis gebührt dem Pädagogen, der eine iebe- bazu bringt, solche Aufgaben des Schuldrills annähernd ganze Stlaffe- wenn auch nur mittels des nötigen Quantums fehlerfrei zu lösen. Vorort- Nachrichten. Wilmersdorf. fich ein lolches Bedürfnis noch nicht geltend gemacht habe', in der Waisenpflege könne man sich sie die Sache einmal überlegen. Kleine Reibereien gab es, als Stadtverordneter Rosen bäum beantragte, für den Fall, daß einmal neben dem jetzt bestehenden Kinderheim ein neues errichtet werden sollte, sich von der kirch- licheu Leitung eines solchen Instituts zu emanzipieren und es der städtischen Vertoaltung zu unterstellen. Ein Stadtverordneter von streng konservativer Richtung, im Nebenamt Ghmnasialdirekror, ging seine Kollegen an, es doch bei dem bisherigen Modus bewenden zu lassen; daS Paul Gerhardtstift, dem das jetzige, von der Stadt mit 1500. SM. unterstützte Kinderheim unterstehe, sei übrigens inter- konfessionell. Die Versammlung nahm schließlich einen Antrag des Herrn Rosenbaum an, wonach neue Kinderheime eine Welt- l i che Leitung erhalten sollen! ein weiterer Antrag desselben Herrn, das Kinderheim der städtischen Wohlfahrtsdeputation zu unterstellen, wurde hingegen inkonsequenterweise mit 10 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Das vordem interkonfessionelle Paul Ger- harotstift war jedoch mit einem Male wieder konfessionell, als es sich der Parität halber darum handelte, eine katholische Kranken- Pflegerin zu subventionieren, weil man doch auch zur Unterstützung der evangelischen Schwesternpflege des hier genannten Instituts SMitiel bewilligt habe. Nachdem die Stadtverordneten-Versaminlung dann noch beschlossen hatte, daß ein Stadtkämmerer und zivei u it besoldete Magistrats Mitglieder neu ein- gestellt werden tollen, nahm sie schließlich den Etat im ganzen an. Sodann erklärte die Versammlmig sich mit zwei neuen Orts- st a t u t e n einverstanden, die die Anstellung der städtischen Beamten und das Ruhegehalt der besoldeten Magistrats Mitglieder regeln. Porher schon hatte nian ohne Debatte die neue Grund- steuerordnung genehmigt. Chnrlotteuburg. Di« Charlottenburger Feuerwehr hatte gestern früh einen großen Dachstuhlbrand in der Goethestraße 17 zu löschen. Das Feuer wurde um S'/z Uhr gleich von drei Seiten, als die Flammen schon aus dem Dache emporloderten, gemeldet. Brandmeister Stüde traf mit der Siidivache zuerst an der Brandstelle ein und ließ sofort gegen den Brandherd im Vorderhause vier Schlauchleitungen von Dampf- spritzen vornehmen. Branddirektor B a h r d t traf bald darauf mit den übrigen Zügen ein und leitete die Löschungsarbeiten. Bereits um 0,40 Uhr war die Gewalt des Feuers gebrochen. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist in großer Ausdehnung niedergebrannt. Um S'/« Uhr konnte die Feuerwehr, die mit großer Umsicht vorgegangen war, wieder abrücken. Die Entstehung ist noch nicht aufgeklärt, vermutlich liegt Fahrlässigkeit vor. Sämtliche Bodenräume standen offen, nicht eiiier war verschlossen. Es wurde auch festgestellt, daß die Bäcker- jungen früh morgens aus Bequemlichkeit über den Boden gehen, um sich den Weg vom Vorderhause zum Seitenflügel abzukürzen. Der Schaden trifft einige Mieter recht hart; sie haben wertvolle Sachen eingebüßt und sind nur gering oder gar nicht versichert. Rummelsburg. Dem Tätigkeitsbericht des hiesigen GewerbegerichtS für das Jahr 1908 ist zu entnehmen, daß im verflossenen Jahre 134 Klagen anhängig gemacht worden sind, hinzu kamen noch S un- erledigte Klagen auS dem Vorjahre. Zur Erledigung sind 133 Streitsachen gekommen. In 6 Fällen erhoben mehrere Kläger durch gemeinschaftlichen Antrag Klage; es betrug die Höchstzahl der zu einer Streitsache vereinigten Kläger 13. Die Zahl der Kläger sämtlicher Klagen betrug 157, hierunter befanden sich 134 männliche und 23 weibliche Kläger. !An denanhängig gemachten bczw. verhandelten 139 Klagen waren beteiligt: das Baugewerbe mit 61, Fabriken aller Art mit 5 und die übrigen Handwerker und Gewerbe mit 73 Klagen. Hiervon entfielen auf die hauptsächlich beteiligten Berufe: Maurer und Putzer 32, Tischler und Einsetzer 10, Angestellte verschiedener Betriebe 18, Näherinnen 12, Arbeiter 15, Schankgewerbe 8, Bäcker- gewerbe 5 Klagen. Die übrigen 89 Streitsachen verteilten sich auf die verschiedensten Berufe mit ein. zwei und drei Klagen. Sämtliche Klagen waren von Arbeitnehmern gegen Arbeitgeber angestrengt. In 93 Fällen wurden Ansprüche aus Zahlung rück- ständigen Lohnes, in 30 Fällen Ansprüche auf Zahlung von Lohn wegen unrechtmäßiger Lösung deS Arbeitsverhältnisses, in 6 Fällen auf Zahlung von Entsckstidigung wegen Einbehaltung von Arbeitspapieren, in iveiteren 0 Fallen Ivurden Ansprüche auf Zahlung einer Entschädigung für Nichtcinstellung und in 3 Fällen wurde auf Herausgabe von Kautionen Klage erhoben. Der Wert des Streitgegenstandes betrug in 61 Fällen bis 20 M., in 47 Fällen mehr als 20— 50 M., in 24 Fällen mehr als 50—100 M. und in 3 Fällen über 100 M. Von den Rechtsstreitigkeiten fanden durch Zurücknahme 22, durch Vergleich 37. durch Verzicht 10 und durch Anerkenntnis 2 Fälle ihre Erledigung. Durch rechtskräftiges Ver- säumnisurteil kamen gegen den Kläger 6 und gegen den Be- klagten 17 Fälle zur Erledigung. Verurteilung nach dem Klage- antrage fand in 10 Fällen, teilweise Verurteilung in 17 Fällen und Abweisung der Klage in 0 Fällen statt. Von den 185 not- wendigen Terminen wurden vom Vorsitzenden allein 145 und vom Spruchgericht 40 wahrgenommen. Vor dem Vorsitzenden allein fanden hierzu 40 Terminstaye. vor dem Spruchgericht(mit Beisitzern) dagegen nur 10 Terminstage statt. Von den durch Endurteil erledigten 33 Klagen wurden in weniger als einer Woche 15, in 1—3 Wvchen 2, in 2— 4 Wochen 6, in 1— 3 Monaten 7 und nach mehr als 3 Monaten 3 Fälle erledigt. Recht auffällig erscheint nach diesem Tätigkeitsbericht die verhältnismäßig hohe Zahl von Fällen(dreiviertel), die ohne das Spruchgericht zu passieren bereits vom Vorsitzenden allein erledigt worden waren— wenn auch nicht zu verkennen ist, daß ein Teil Klagen in Un- lenntnis der gesetzlichen Bestimmungen eingereicht werden, und daß diese Klageanträge dann nach näherer Aufklärung durch den Vorsitzenden vom Kläger zurückgezogen werden— so erscheint aber doch in Anbetracht, daß fast sämtliche Klageanträge(123) in der Gerichtsschreiberei zu Protokoll erklärt wurden— wobei doch be° rcits eine gewisse Rechtsbelehrung ausgeübt wird, diese hohe Zahl befremdlich. Die Gewerbegcrichtsbeisitzer auS dem Kreise der Arbeitnehmer haben bereits auf Grund der Ergebnisse früherer Tätigkeitsberichte darauf hingewiesen, daß die Praxis der Vergleichung wie die Rechtsbelehrung auf Zurücknahme von Klageanträgen allem An- schein nach beim Rummelsburger Gewerbegericht etwas gar zu rührig betrieben wird. Es ist hierin zwar diesmal insofern eine Besserung zu konstatieren, als di« Zahl der Spruchgerichtstermine bei der gleichen Anzahl Klagen von 27 im Jahre 1907 auf 40 im Berichtsjahre gestiegen sind. Immerhin erscheint doch auch noch die Zahl von 38 Zurücknahmen und Verzichte bei nur 139 Klageanträgen außerordentlich hoch. Eine nähere Spezialisierung der für die häufige Zurücknahme in Betracht kommenden Gründe wäre wohl nicht von der Hand zu weisen. Ebenso würden wohl auch spezialisierte Angaben über die Resultate der von den Vor- sitzenden allein erledigten Vergleich« sehr zur Vermeidung et- waiger falscher Schlüsse beitragen. Alt-Glienicke. Die Gemeindevertretung befaßte sich in ihrer letzten Sitzung ein- gehend mit dein von Genoffen Gerlach gestellten Antrag betreffs einer kommunalen Beihilfe an Arbeitslose. Der Antragsteller ver- wies darauf, daß bei der letzten ArbeitSlosenzählung über 200 Arbeitslose am Orte ermittelt worden seien. Zugleich brachte der Redner einige Fälle bitterster Slot zur Sprache. Wenn von diesen Aennsten die Unterstützung der Gemeinde bisher nicht in An- spruch genommen worden sei. so nur deshalb, weil dieselbe ihre politischen Rechte nicht verlieren wollten. Es wäre min Pflicht der Gemeinde, auck ihrerseits für dieselben etwas zu tun. Er be- antragt« aus diesem Grunde 2000 M. für die Arbeitslosen zu be- willigen; diese Unterstützung dürfe jedoch nicht den Charakter einer Armeniinterstütznng tragen. Die bürgerlichen Vertreter waren der An- ficht, daß 1000 M. genügen würden. Unsere Genossen bcharrten jedoch mit Entschiedenheit auf ihren Antrag. Für diesen Antrag stimmten die Herren Möbius. Echellenberger, unsere vier Genossen und der Gemeindevorsteher, dagegen die Herren Hannemann, Thiele, Parten» heimer, Beuster und Dr. Herbrand. Der Antrag unserer Genossen wurde somit mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Dann wurde die Armenkommisffon ermächtigt, an verheiratete Familien« Väter sowie an die Witwen mit Kindern, die infolge der Arbeits- losigkeit in Not geraten sind, eine Unterstützung von 12 M. zu ge- währen. Den Charakter einer Armenunterstützung trägt diese Unterstützung nicht. Des weitereu wurde der Gemeinde ausgegeben, sofort die Arbeitslosen durch Ausnahme von größeren Arbeiten. Straßen- reinigung. Planierung usw., zu beschäfligen. Als Arbeitszeit wurden neun Stunden bei einem Stundenlohn von 40 Pf. seft- gesetzt. Adlershof. Den Vorwärt-Zlescrn zur Kenntnis, daß die Geschäfte der Spe- dition des Vorwärts vom 15. März ab provisorisch in die Hände des Genossen Karl Schwarzlose, hier, Hoffmannstraße Olli, übergegangen sind. Eichivalde. Bei den Gcmeiiidevertreterwahlrn wurden in der ersten Ab- teilung Rentier Benecke und in der zweiten Rentier Skaurnnger gewählt. In der dritten Abteilung ist das Stimmenverhältnis folgendes: Der Kandidat des OrtSvereins(Siiehnsche Richtung) er- hielt 02 Stimmen, unser Genosse A l l r i tz 01 und der Kandidat des Grundbesitzervereins 35 Stimmen. ES findet somit Stichwahl statt zwischen dem Kandidaten des Ortsverens Kaufmann R i e h n und unserem Genosse» A l l r i tz. Die Wahlbeteiligung war von allen Parteien eine äußerst rege. Am Abend vor der Wahl hatte der„Ortsverein' noch ganz plötzlich eine öffentliche Versammlung nach Wiechels Gesellschaftsbaus einberufen, um angeblich gegen das Flugblatt des Grundbesitzer- Vereins zu Felde zu ziehen. Herr Kaufmann Riehn hatte hierzu das„Referat" übernommen. Die heftigsten Ausfälle gegen die Gemeindevertretung und Mitglieder des Grundbesitzervereins bildeten den„Inhalt" desselben. Dem Sinne nach, die Worte suchten aller- dings denselben zu verschleiern, hieben unter anderem sogar der hiesige Pastor Lützow sowie der Hauptlebrer Schwahn in dieselbe Kerbe. Unsere Genossen Molkenthin, Seifert. Mahle und Kimmritz kennzeichneten das Gebaren der sich befehdenden Cliquen in aus- gezeichneter Weise. Mit Recht wiesen sie daranf hin, daß durch solche Umtriebe daS Ansehen unserer Gemeinde außerordentlich ge- schädigt wird. Sie empfahlen den Versammelten das Eintreten für die Kandidaten der Sozialdemokratie. Die Stichwahl findet am Freitag. � den 19. d. M., abends von 0>/g bis 8 Uhr statt. Da die Wahlzeit eine für uns ziemlich günstige ist und verschiedene Arbeiter, die wahlberechtigt waren, zur Wahl nicht erschienen sind, sind die Aussichten für uns nicht ungünstig. Zusammen wurden von den beiden bürgerlichen Parteien zirla 50 Papierstimmen abgegeben. Weistenfee. Nach dem Tätigkeitsbericht deS GewerbegerichtS wurden im Jahre 1908 249 Klagen erhoben. Hiervon sind 8 von 1907 über- nommen worden. Erledigt wurden 245, unerledigt blieben 8, vertagt sind 4 Sachen. Von den Klagen sind erhoben worden von Arbeitern gegen Arbeitgeber 249, von Arbeitgebern gegen Arbeiter 8. Der Wert des Streitgegenstandes betrug bis 20 M. 98 Klagen, 20 bis 25 M. 06 Klagen, 50—100 M. 08 Klagen, mehr als 100 M. 19 Klagen und 0 Klagen, in denen der Wert nicht festgestellt wurde. Die geringste Klagesmnme betrug 1 M., die höchste 928,72 M. Von den Rechtsstreitigkeiten sind erledigt 43 durch Zurücknahme, 107 durch Vergleich, 11 durch Anerkenntnis: durch rechtskräftiges Versäumnis- urteil gegen 8 Kläger und 33 Beklagte, durch Endurteil und zwar nach dem Klageantrage 12. teilweise Verurteilung 3, Abweisung der Klage 15, Ruhenlassen 12. Wegen Unzuständigkeit wurde eine Klage abgewiesen, in einer Sache wurde Berufung eingelegt. 07 Klagen sind in weniger als 1 Woche erledigt, 73 in 1 bis 2 Wochen, 05 in 2 Wochen bis 1 Monat, 32 in 1—3 Monat und 8 in mehr als 3 Monaten. ES ergingen 120 Beweisbeschlüsse. Zeugen und Sachverständige gelangten 73 zur Vernehnmng. Abgehalten wurden insgesamt 78 Termme, wovon 48 ohne Zuziehung der Bei- sitzer und 30 mit Beisitzer stattfanden. Als EinigungSamt trat daS Gewerbegericht im Berichtsjahre nicht in Tätigkeit. Im abgelaufenen Geschäftsjahre des KaüsmannSgerichtS wurden 29 Sireitsachen und zwar ausschließlich von Handlungs- aehilfen anhängig gemacht. Hierzu kommt noch eine aus dem Vorjahre übernommene Streitsache, so daß im ganzen 30 Sachen zu erledigen waren. Eine davon mußte am Jahresschluß als un- erledigt ins neue Jahr übernommen werden. ES fanden 8 Termine ohne Zuziehung und 15 Termine mit Zuziehung von Beisitzern statt. Die geringste Klagesumme betrug 9,50 M., die höchste 1533,25 M. Als EinigungSamt trat das Kaufmannsgericht im Berichtsjahre nicht in Tätigkeii. Das KaufmannSgcricht gehört ebenso wie das Gewerbegericht dem Verbände deutscher Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte an. NowaweS. Die Wahlen zur zweiten Klasse der Gemeindevertretung, welche am Mittwoch stattfanden, wiesen eine lebhafte Beteiligung auf, die darin ihre Ursache hatte, daß die bürgerliche Koalition in die Brüche gegangen war und sich zivei Listen gegenüberstanden. Die Sozialdemokratie hat infolge ihrer numerischen Schwäche in der zweiten Abteilung von einer Wahlbeteiligung abgesehen. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Es haben erhalten: Prillwitz 180. Reiff 173, Nohl 114, Lachmann 104, Dartsch 84. Philipp 96. Penter 45 Stimmen; gewählt sind Prillwitz und Reifs, während zwischen Röhl und Lachmann Stichwahl stattfinden muß. Interessant ist daS Wahlergebnis insofern, als der einzige bürger- liche Arbeiter, der dem Gewerkverein angehörige Elsendreher Dartsch, nicht wiedergewählt worden ist, sowie durch den Umstand, daß die Angehörigen der 2. Abteilung das Hauptgewicht bei der Wahl darauf legten, Leute in die Vertretung zu bekommen, welche die Interessen der Grundbesitzer des südlichen(Sieuendorfer) Orts- teilS mit besonderem Nachdruck vertreten. Reinickendorf. Eine reichhaltige Tagesordnung hatten die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Mittwoch, den 10. d. MtS.. zu erledigen. Von Berlin wie von verschiedenen anderen Interessenten waren gegen einzelne neu ausgearbeitete Teile des Bebauungsplanes Ein- sprüche erhoben worden, von denen 10 als berechtigt anerkannt werden mutzten und vom Geineindeborstand Abänderungen vor- geschlagen wurden. Auch mit der Stadt Berlin ist wegen Fort- sührung der an der Weichbildgrenze endenden Straßen eine Einigung erfolgt. Di« Gemeindevensammlung stimmte nach kurzer Debatte den Abänderungsvorschlägen zu. Auf Antrag des Kuratoriums für das Realproghmnasium wurde daS Sckmlgcld hierfür von 120 auf 140 M. und das der Vorschule von 100 auf 120 M. gleichmäßig für Einheimische und Auswärtige erhöht. Ten Polizei- und Exekutiobeamten soll an Stelle der bisher gelieferten Dienstkleidung Kleidergeld, pro Jahr 125 bezw. 150 M., gewährt werden. Die Gemeindevertretung stimmt dem zu. Mit dem Des- infektor wird ein neuer Dienswertrag vereinbart. In demselben wird ihm ein Mindesteinkommen von 900 M. pro Jahr gewähr- leistet, außerdem soll er durch die Gemeinde gegen Unfallgefahr bei Ausübung seiner Vercichiungen versichert werden. An vom Desinfektor zu erhebenden Gebühren werden festgesetzt: Für jede angefangene halbe Stunde Arbeitszeit 50 Pf., für Hin- und Rück- tronsport der Desinfektionsmittel 1,50 M.. für Hin. und Rück- transport zu desinfizierender Gegenstände zur Desinfektions- anstatt 9 M. Diese Gebühren sollten nicht erhoben werden, wenn das Familienoberhaupt mit einem Einkommen von weniger als 1500 M. zur Steuer veranlagt ist. Aus Antrag unserer Genossen und des Sanitätsrais Dr. Berliner wird dieser Satz auf 1800 SN. erhöht; aber auch bei höheren Einkommen sollen nach Prüfung der Umstände die Gebühren ganz oder teilweise erlassen werde». Bei gemeingefährlichen Krankheiten erfolgt die Desinfektion in allm Fällen gratis. Von der Gemeindevertretung wurde sc- wünscht, die Gebührenordnung in der liberalsten Weise zu Hand« haben. Nachdem der Bürgermeister das zugesagt� hatte, wurde der Vertrag mit dem Desinfektor genehmigt. Sodann folgten Wahlen. In di« Finanzkommission, die um zwei Mitglieder ver- stärkt wurde, wurden gewählt die Gemeindevertreter Pohl. Becker und unser Genosse Köhn. Mit der Firma Fleck Söhne schwebten seit Jahren Differenzen über den Anschluß an das Bahngleis. Diese Firma war, entgegen den getroffenen Vereinbarungen plötzlich geringer Abänderungen wegen nom Ver- trog zurückgetreten, wodurch das Gleis an ihrem Grundstück ein unnatürliches Ende fand und den dahintccliegenden Fabrik- ctablisseincntS der Bahnanschluß abgeschnitten wurde.� Nachdem der Gemeinde, der Besitzerin des Industriegleises, für die er- forderlichen Flächen das Enteignungsrecht verliehen und das Verfahren eingelectet worden war, kam die Firma schnell zur Be- sinnung und war zu einem Vergleich bereit. Da derselbe für die Gemeinde ziemlich günstig war, stimmte die Gemeinde- Vertretung dem zu. Der Punkt: Genehmigung einer neuen Grundsteuerordnung wurde nach einer lebhaften und längeren Geschäftsordnungödebatte von der Tagesordnung abgesetzt und soll in der zum Montag, den 15. März, anberaumten neuen Ge- meindevcrtrctcrsitzung verhandelt werden. Dieser Gegenstand wird voraussichtlich zu harten Kämpfen Anlaß geben. Der Grund ist folgender: Der Voranschlag des Gemeindectats für 1909/10 schließt infolge der erhöhten Beamten- und Lebrergehälter, aber auch infolge von Mindereinnahmen aus der Wertzuwachssteuer. resultierend aus der durch die wirtschaftliche Krise bedingte Stockung am Grundstücksmarkt, mit einem Defizit von 50 000 M. ab. Während ein Teil der Bürgerlichen in der Gemeinde- Vertretung dieses Defizit durch eine Erhöhung des Kommunalzuschlages von 100 aus 120 Proz. ausgleichen will, suchen die anderen(Fabrik- und Hausbesitzer) das Defizit durch stärkere Belastung des unbebauten Grundbesitzes zu beseitigen. Die neue Grundsteuerordnung sieht deshalb eine eineinhalbiache Be- lastung des unbebauten gegenüber den bebauten Grundstücken vor. Auch hier spielt der leidige Konkurrenzkampf, den Berlin mit seinen Vororten und diese selbst untereinander ausfechten, wieder seine nicht unbeträchtliche Rolle. Nicht aus Liebe zur nichtgrund- besitzenden Bevölkerung wollen die Hausbesitzer diese Einwohner- schickst schonen, sondern weil sie sonst ein Ab- oder vermindertes Zuwandern bemittelter Kreise nach oder von solchen Gemeinden befürchten, denen es nochmals gelungen ist, den Etat mit 100 Proz. Äommunalzuschlag zu balancieren. Und ein solches Abwandern oder vermindertes Zuwandern bedeutet: Leerstehen größerer Wohnungen und damit Wertverminderung der bebauten Grund- stücke. Die Fabrikbesitzer haben insofern ein Interesse an diesex Art des Ausgleiches des Defizits, als ihnen sonst die Erhöhung des Gewerbesteuerzuschlages der 1. und 2. Klasse von 200 auf 250 Proz. winkt. Dies der Grund zur bitteren Fehde. Unsere Genossen sind diesmal die lachenden Dritten. Sie bilden daS Zünglein cm der Wage und geben den Ausschlag. Sericbts- Leitung. TerroriSmuS der Reichsverbäodler» AuS Bromberg wird uns geschrieben: Freigesprochen von der Anklage des 8 1�3 der Gewerbeordnung wurden hier am 27. Februar vier Zimmerer. Dieser Fall angew- lichen Terrorismus, der im August borigen Jahres durch die Reichsverbandspresse die Runde machte, kam vor dem Amtsgericht zur Verhandlung. Angeklagt waren die Genossen Müller, Wiese, Osielsk und Breidt. Ihnen wurde zur Last gelegt, einen Zimmerer Fcnski mit Namen an freiwilliger Arbeit gehindert und ihn mit Gewalt zum Beitritt in den Verband der Zimmerer veranlaßt zu haben. Der Tatbestand war nach den Darlegungen der Angeklagten folgender: Fcnski wurde wegen rückständiger Beiträge im Berband der Zimmerer gestrichen. Dies gab dem Restanten Anlaß, die Verbandseinrichtungen und besonders auch die Führer in der unschönsten Weise runterzumachen. Eine Mitgliederversammlung sowie auch eine Vorstandssitzung beschäftigte sich mit den ge- meinen Verdächtigungen des Fcnski. Das Resultat war. daß der Betreffende auf drei Monat« von der Wiederaufnahme auS- geschlossen wurde. Dies wurde ihm auch mitgeteilt. Trotzdem verlangte er, wieder aufgenommen zu werden. Gleichzeitig setzte er seine Verdächtigungen fort. Von feiten der Organisation wurde ihm nun aber nahegelegt, entweder anständig zu sein, oder aber eS müßten andere Mittel gegen ihn angewandt werden. FenSki verließ dann die Baustelle und arbeitete auf einer anderen deS- selben Meisters weiter. Die Rcichsverbandspresse fand darin eine Art Terrorismus und stellte die Tatsachen direkt auf den Kopf. Inzwischen nahm sich auch die Staatsanwaltschaft der Sache an und stellte Strafantrag gegen die vier wegen Vergehens gegen § 153. In der Verhandlung gab Fenski als Zeuge an, daß er eS mit seiner Mitgliedschaft gar nicht ernst genommen hat. Er be« hauptete auch, daß er auf Veranlassung der Angeklagten vom Bau entfernt worden sei und machte eine Reihe sich widersprechender Angaben. Der Amtsanwalt beantragte damals gegen jeden der Angeklagten drei Tage Haft. Das Gericht folgte nach kurzer Be- ratung dem Antrage dcS Verteidigers auf Freisprechung samt- licher Angeklagten._ Vermilcktes. lleber ein furchtbares Drama wird vom gestrigen Tage anS G l a tz berichtet: In dem kleinen Grenzorte Böhmisch-Schade schlug die Witwe Kneisel de» Gemeindesekretär John, der ein ihr geliehenes Darlehn zurückforderte, mit einem Beile nieder und zündete ihr HauS an. Sodann eilte die Täterin nach dem Wohnhause des Ermordeten, tötete dessen Frau durch Messerstiche uud schließlich sich selbst. Aus dem Hochwassergebiet. Einem gestern mittag veröffentlichten amtlichen Bericht der Rathenoiver königlichen Wasserbauinspeklion zufolge ist die Bruchstelle des Elbe-Haveldeiches bei Dom-Mühlen» holz durch einen provisorischen Damm aus Faschinenpackwerk ge- schloffen worden, sodaß bei dein befürchteten nochmaligen Steigen des Wassers der Elbe ein Durchströmen an der Bruchstelle aus- geschloffen ist. Arbciterrisiko. Durch vorzeitige Explosion eines SprengschuffeS wurden dem„RiesengebirgSboten" zufolge bei Kaiserswaldau vier Arbeiter schwer verletzt. DaS Befinden zweier ist hoffnungslos. Ein Schweinepriefier. Nach einer Meldung aus Karlsruhe wurde wegen sittlicher Verfehlungen gegen junge Mädchen vom Konstanzer Staatsanwalt Haftbefehl gegen den katholischen Pfarrer in Klustern erlo�-n. Der Pfarrer ist deshalb in die Schweiz geflüchtet._ eSafferitandS-Nachrichten der Landes an italt für Äewässcrtunde, mitgeteA vom _ Berliner Wetterbureau.__ Wasserstand Memel. Tilsit V r e g e l. Jnstervmg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, schrimm . Landsberg Netze, Vordanim Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau») , Rathenow'j Spree, Svremberg») . BeeStow Weser, Münden Minden Rhein, MaximUtanSau . Kaub , Köln Neckar, H-ilbron« Main. Wertheim Mosel. Trier >t 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Un'-rvegtl.— 1 Tjzstoud Eingegangene Druckfchriften. Bon der Nenen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) it foeben das 24. Heft des 27. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Der permanente Selbstmord. Desterreich und Serbien. Von K. Kautsky. Bemerkungen Der Wahlkampf in Italien. Bon Dda Olberg( Nom). zur Frage der Einheit der Arbeiterklasse Von Karl Rader. Christliche" Stonsumbereine. Von Eugen Brager. Literarische Rundschau: Der Altobolismus. Seine strafrechtlichen und sozialen Beziehungen. Seine Betämpfung. Von Dr. Siegfrieda. Dr. Bernhard Rost, Die Wert und Preiss theorie mit Berüdsichtigung ihrer dogmengeschichtlichen Entwickelung. Von G. Edstein. D. Poensgen, Das Wahlrecht. Von K. K. Professor Dr. Adalbert Horkschansty, Die königliche Bibliothek zu Berlin, ihre Geschichte und ihre Organisation. Von N. R. Desterreichische Konsumvereinsliteratur. Bon H. Fleißner. Notizen: Dr. Schulz und die Nachlaßsteuer. Bon K. K. Zeitschriftenschau. Briefkaften der Redaktion. Geöffnet Herrn und außer zahlreichen fleineren Beiträgen noch die dramatische Satire| Jahre zurüdliegenden Binsen find verjährt. 5. S. 100. 1. Nur, fent Musketier Nuschte" von Rudolf Franz. Der Preis der 16 Seiten starten der Wirtin ein Verschulden zur Laft zu legen ist. 2. Wenden Sie fich an Genoffen Simanowski, Engelufer 15. 3. Deutsche Bank. 4. Uns nicht beNummer ist 10 f. fannt. 5. Nein. 5. 2. 21. Die Wartezeit für Frauen bis zur zweiten Heirat beträgt 10 Monate vom Tode ihres früheren Ehemannes ab ge rechnet. Das Amtsgericht erteilt aber auf Antrag Dispens von Erfüllung der Wartezeit. 8wedmäßig ist es, dem Antrage das Atteft ciner Hebamme Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3. zweiter oder eines Arztes darüber beizufügen, daß andere Umstände nicht vorliegen. britter Eingang. vier Treppen, of, Fahrstuhl M. M. Eine Klage bei dem Amtsgericht hätte Aussicht auf Erfolg. R. 3. 13. Das können Sie gegen den G. 1. 3. 1. Ja. 2. Nein. Ibr wochentäglich abends bon 7 bis 9%, Ihr statt. Sonnabende beginnt die Sprechstunde nm 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein Willen des Wirtes nicht. Zulässig wäre es, den gesamten bis zum Oktober A. J. 60. Solange das Armen Buchstabe nud eine Babl ale Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort laufenden Mietszins zu hinterlegen. G. 2. 36. Sie können an irgend einen wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage recht nicht entzogen ist, nein. vergehen. Eilige Fragen trage man in der Evrechstunde bor. Notar fich wenden, und brauchen den Bertrag nicht zu hinterlegen. 11. 11. 115. 1. Der Wirt geht vor. Die Möbel haften für die ganze A. 2. Schönbrück. Nach der herrschenden Gerichtspraxis steht dem beBertragsdauer. 2. Wenn auch die Stosten bezahlt werden, erfolgt die Rüd- treffenden Forstbeamten das Recht der Visitation zu.. M. 100. Eine über. 2. Ja. 3. Das ist nicht erforderlich; der Birt geht in jedem Fall vor. Leider würde im Wege des Prozesses nichts zu erreichen sein. schaffung. A. O. 30. 1. Der Vertrag geht auf den neuen Inhaber Klage gegen den Birt hätte leider wenig Aussicht auf Erfolg.- A. B. 100. W. 9. Nein. E. V. 58. Das Gehalt steht Ihnen zu. Der Abzug des Krankengeldes B. 2. 2435. 23. Sie leben auch ohne besonderen Vertrag außer ift unzulässig. Indes schwankt die Gerichtspragis betreffs dieser Frage. Gütergemeinschaft. 8wedmäßig ist es aber, vor der Heirat zu notariellem G. 5. 1000. 1. Ja, falls dem nicht etwa die Statuten entgegenstehen. oder gerichtlichem Protokoll das Vermögen Ihrer Ehefrau anzuerkennen 2. Nein. J. N. P. Es müßte erst Klage erhoben werden. und auf das eheliche Niesbrauchs- und Verwaltungsrecht zu verzichten. Das angemessene Vom Wahren Jacob wird die 6. Nummer des 26. Jahrgangs in 2. F. 28. Nein. Altersrente wird erst gezahlt, wenn das 70. Lebens. Saton. Eine Rückforderungsflage wäre erfolglos. den nächsten Tagen erscheinen. Beelit 3. 1. Nur wenn Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die jahr vollendet ist. R. E. 20. 1. Nein. 2. Wenden Sie sich an Ges Honorar schwankt zwischen 10 und 30 M. beiden farbigen Bilder Märzgefallene" und Weltkinematograph und seine nossen Simanowski, Engelufer 15. 3. Leider nur, wenu ein Verschulden arglistig Sie gehindert sind, die wirkliche Lage zu erkennen. 2. Gs hätte Wirkungen", sowie die weiteren Jllustrationen Familienbesuch"," Im Schuße des Wiries borliegt. R. 2. 150. Wenn eine wirkliche Verlobung nur eine Klage auf Beseitigung des Misstandes und auf Schadenersatz des Zirkus Busch", Amerikanisches", Die unfittliche Erbschaftssteuer"," Ab- borlag, ja. D. 33. Der Antrag auf Bewilligung der Invalidenrente Aussicht auf Erfolg. 3. Nein. E. W. G. 23. Weitere Schritte an die neigung", tglife"," Der wütige Stier", Ein modernes Märchen mit müßte, wenn Ihr Schwiegervater in Berlin lebt, an den Magistrat, Ab- Waisendirektion wären aussichtslos. Sie könnten es mit einer schriftlichen realistischem Ausgang", Aus Wien" und Lebenslauf des Patrioten Rot- teilung für Versicherung, am Köllnischen Part, gerichtet werden. Nach Eingabe an das Vormundschaftsgericht versuchen, wenn Ihnen Beweismittel foller". Der tertliche Teil der Nummer bringt die Gedichte Bum acht gewiesen werden müßte, daß Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliegt. dafür zur Seite stehen, daß das Interesse der Kinder gefährdet ist. 2. 13. Ja. E. B. 24. Sie müßten sich an die Innung wenden. B. B. 17. Ja. G. S. 78. Unseres Erachtens haben Sie bie zehnten März"," Der wilde Wagner"," Die Sau"," Das Marokkoabkommen", Guter Rat", Borfrühlingsahnen"," Epigramme"," Der deutsche Frauen- F. T. 3. Verjährung tritt in Ihrem Falle in fünf Jahren ein. Roften nicht zu tragen. Indes herrscht teine übereinstimmende Brayis M. M. 34. Ja. W. S. 7. Nezu. bund"," Der Messerstecher"," Das Lied der Arbeit"," Die Lohndiener des M. 800. Es bleibt mur der Weg der Klage übrig. Die länger als vier der Gerichte über diese Frage. Die„ Neue Zeit erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft foftet 25 Pf. " Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 12. März. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Iphigenie in Aulis. Versiegelt. Königl. Schauspielhaus. Mrs. Dot. Deutsches. Revolution in Strähwinkel. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.( Anf. 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Leffing. Der Bund der Jugend. " Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas. Hörsaal 8 Uhr: Konstr.- Ingenieur A. Keßner: Die Technik des Schmiedens. Invalidenstraße 57/62: Direktor Dr. P. Schwahn: Die Welt der Fixsterne und Nebelflecke. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Einmalige Aufführung: Nenes Schauspielhaus. Alt- Heidel Die junge Welt. berg. Berliner. Einer von unsere Leut'. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Neues. Die fremde Frau. Kleines. Moral. Hebbel. Die junge Welt. Luftspielhaus. Im Stlubfeffet. Residenz. Kümmere dich um Amelte. Schiller 0.( Wallner Theater.) Das Erbe. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Affen von Leo Fall. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Schiller Charlottenburg. Rechts Kümmere Dich um Amelie." herum. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Kean. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Dorf und Stadt. Trianon. Liebesgewitter. Nenes Operetten. Die Dollar. prinzessin. Berliner Operetten Theater SW. Das Himmelbett.( Unf. 8, Uhr.) Bernhard Roje. Das Warenhausfräulein. Gastspiel- Theater. Sherlod Holmes. Schwant in drei Alten( vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und folgende Lage: Die felbe Borstellung. Sonntag, 14. März, nachm. 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Bürgerl. Schauspielhaus. Schlag- Dorf und Stadt. wetter.( Anf. 8 Uhr.) Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Apollo. Der junge Papa. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter tabel Ios. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Vasage. Spezialitäten. Reichshallen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn röschen. 8 Uhr: Mein Leopold. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen auf Irrwegen. 8 Uhr: Mein Leopold. Montag: Der Störenfried und: Die Dienstboten. Stettiner Sanger. DERNHARD ROSE THEATED Walhalla. Spezialitäten. Folies Caprice. Ein lediger Chemann.( Anf. 8 1hr.) Rafino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Der geprellte Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr Das Warenhaus- Fräulein Rechtsanwalt. Das Schwalben- Bolfsstüd in 5 Aften von Bopper. nest. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Sonnabend: Parodie. Siegel fiegelt alles. Fräulein. Alles fürs Stind. Dder: Die Folgen eines Rendezvous.( Anf. 82 Uhr.) Urania. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas. Das Warenhaus. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi. Sonnabend, abends 8uhr: Rechts herum. Sonntag, nadm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Erbe. Zirkus Schumann Heute Freitag, den 12. März, abends 7, Uhr: Große komische Vorstellung. Nur noch einige Tage Tiberio der Münzenbrecher, hebt einen Elefanten. Amerikanische Lynchjustiz! Mr. Rithlow wird gefesselt am Erdboden gefchleift. Paet, das Weltwunder als Radfahrkünstler. In prachtboller Ausstattung: Golo, der Seeräuber. Sonntag in beid. Borstellungen ungefürzt: Golo, Paet, Tiberio. 765 Robert Steidl Liane de Vries George Bonhair Truppe, ikarische Spiele, sowie Schiller Theater Charlottenburg. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Freitag, abends 8ube Bis Freitag, den 2. April: Rechts herum. Schwant in 3 Alten v. Hans Gaus. Sonnabend. abends 8 Uhr: Die Karolinger. Sonntag. nach m. 3 Uhr: Julius Cäsar. Sonntag, abends 8 Uhr: Rechts herum. XIV. Saison! Zirkus Busch. Freitag, 12. März, abends 7, Uhr: Komischer Gala- Abend. Um ca. 9 Ubr: Der weltber. Affe Konsul Peter! Nur noch wenige Lage! Herr Otto Schumann, Schulreiter. Ferner: Der unverwüstliche Gigerlclown Alfred Daniels. Sigr. Corrado m. dem Wunderesel. Clown Francois mit d. dressierten Elefanten- Baby. Um ca. 9%, Uhr: Auswanderer! Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Bum erstenmal: Novität! Schlagwetter. Bergwerksdrama von Jul. Hirsch. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Uriel Acosta. Abends: Schlagwetter. Brunnen- Theater Badftraße 58. Direktion: Willi Voigt. Freitag, den 12. März 1909: Ein gemachter Mann. Bolksstück mit Gesang in 5 Bildern bon Ed. Jacobsohn. Staffenöffnung 7 Uhr. Anf. 81, Uhr. alast- Theater Pal Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Rußland. Sonnabend, den 3. April: Bum erstenmal: Ackermann. Sonntag Uhr: Mutter Gräbert. Neue Welt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Bockbierfest. Baron Muckis Bauernkapelle. Original- Garmisch- Partenkirchner Sänger und Schuhplattler. Jeden Dienstag und Donnerstag: Sensationelle Prämiierungen. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnt. 4 Uhr. Sonnt. 50 Pf. Steidl Brückenstr. 2, an der Jannowitzbr. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. * Die altbeliebten Fritz Steidl- Sänger. Parterre- Rest. Entree frei. Urfidele Stimmung a la Brady. Bier- Kabarett u. Berl. Spatzen. BF Entree frei. Königstadt= Kasino. Holzmarktstr. 72. Gänzlich neues Programm mit Franz Sobanski Lissy Jetta, Ernst Gras, Mr. Noster, Elsa Lüschou, Bernhard Marg, Lola Gray, The Johnstons Equili bristischer Seulen- Jongleur- Akt. Siegel siegelt alles. Berliner Eis- Palast want mit Gesang von D. Richter. Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. 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Freitag 8 Uhr: Jbsenzyllus, erste Borstellung: Der Bund der Jugend. Sonnabend 8 Uhr: Der König. 00 Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Zum 529. Male: Sherlock Holmes Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Perry Holden Bender Giampietro Kettner Pfann Thielscher. Anfang Theater. Vorverk 8 Uhr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Spielplan Allabendlich: Die beiden Bindelbands. Die OriginalKlabrias- Partie. Beide Komödien mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Neues Theater. Pollo Walhalla a Theater Die fremde Frau. Der beispiellose Erfolg des Gennabend zum erstenmal: Die Laterne. Sonntag: Die Laterne. Montag: Die fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Freitag, den 12. März, Anf. 8 Uhr: Kean. Sonnabend: Husarenfieber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. März- Programms. 10 Uhr: 10 r: Alice Norton Humpsti- Bumsti The Telsedos? Stuart? Gobert Belling 815 Der junge Papa. Theater Variété Brillant ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten von nur erst flaffigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Sonntags. Sonnabend und Sonntag, nach der Borst.: Gr. Freitanz. Kinematograph. Varieté Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8 Uhr: Das große März Programm mit feinen Attraktionen. Im Tunnel: Jap.Blumenfest. Segimentstap. Theaterbef. hab. fr.Eintr. Passage- Panoptikum. Bum Prinzeß Fassie erften. Male in Berlin! die Amazonen- Königin mit ihrer Etelke Stoll Georg Gailer Marguerite u. Adriel 12 Attraktionen 12 Seine Geliebte. Schwant in 1 Aft. Familienkarten, wochent. halbe Preise, überall gratis zu haben. Folies Caprice Nur noch einige Tage! Ein lediger Ehemann. Anfang 8%, Uhr. Mittwoch, 17. März: Premiere Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theaterfaal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Sonntag, den 14. März 1909: Mutter und Sohn. Schauspiel in 5 Atten von Charlotte Birch Pfeiffer. Anf. d. Borst. 7, Staffenöffnung 6 Uhr. Konzert 62 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Vorverkauf von 10-1 Uhr mittags im Theater- Restaurant. Montag, den 15. März: Soiree der Luftigen Sänger. Preis pro Flasche gegen Nässe. 10 Pf. Ueberall käuflich. Alleinige Fabrikanten A. M. Riedel& Co., Chemische Werke, Charfottenburg 5, Oranienstraße 11. Fernspr. Charl. 2061. Ohne jede verkaufe ich Pianos Anzahlung 234L* erstklassiges Fabrikat( 9X prämiiert Staatsmed.), in allen Holz- u. Stilart., von wunderb. Tonfülle( Flügelton), geg. kleine monatl. Teilzahlung, ohne jed. Preisaufschl. Für jedes Instrument gewähre ich 20 jähr. schriftliche Garantie. Conrad Krause Nchfg., Ansbacher Str. 1 Eck. Kurfürstenst. Tel. Ch. 10410 Auch Sonntags geöffnet. Haar Haarblondin erhalt jede Dame mit W. 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Bote & Bock, Wertheim usw., Orchesterbureau Lützowstr. 76, Tages- und Abendkasse am Konzerttage. 289/ 9* Donnerstag, 18. März, 8 Uhr: XXI. Sinfonie- Konzert. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Extra Theater. Abend. Gastspiel d. Neuen Deutsch. Freien Boltsbühne: Uraufführung: Novität! Novität! Dämon Liebe. Schauspiel in 4 Alten von Jul. Kiechhäfer. Achtung! Brauereiarbeiter. Achtung! Wegen Maßregelung von drei Kollegen reichten die im Brauereiarbeiter- Berband organisierten Arbeitnehmer der Brauerei Engelhardt Nachf., Pankow, die Kündigung zum Freitag, den 19. März, ein. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, 14. März, abends 7 Uhr, im Königstadt- Kasino", Holzmarktstr. 72( Ecke Meranderstr.): Vortrag des Reichstagsabg. Emil Eichhorn über: Genossen Die Brauerei Engelhardt Nachf., Bankow, ist hiermit für organi- Deutsche Freiheitsdichter der Märztage. fierte Brauereiarbeiter gesperrt. Zentral- Verband deutscher Brauereiarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Tischler- Verein E. H. No. 89. Sonnabend, den 13. März, abends 8, Uhr, Melchiorstr. 15: Verfammlung. Bortrag von Herrn C. Böttcher: Kartelle und Trufte. Vereinsangelegenheiten. Der Vorft and. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 20 Pf. Garderobe frei. 6/8 Deutscher Metallarheiter- Verband. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Sonntag, den 14. März 1909, vorm. 10 Uhr: Orts- Krankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter Branchen- Versammlung und verwandten Gewerbe zu Berlin. der 1. Die Wahlen von 140 Bertretern der versicherungspflichtigen und Wickler, folierer und verwandten Berufskollegen und 9 Vertretern der freiwilligen Mitglieder für die Generalversammlungen pro 1909/10 gemäß§ 44 des Statuts finden statt am Sonntag, den 21. März 1909, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. Es wählen: Abteilung I( S. und SO.): 38 Vertreter im Märkischen Hof, Admiralstraße 18 c. Abteilung II( W., SW. und O.): 25 Bertreter im Lolal von Emil Schmidt, Lindenstraße 3. 2. Hof parterre. Abteilung III( N. und NW.): 60 Bertreter in Raabes Festfälen, Stolberger Straße 23. Abteilung IV( O. und NO): 17 Bertreter im Lokal von Albert Trebus, Fürstenwalder Straße 17. Kolleginnen Berlins und Umgegend im Swinemünder Gesellschaftshause, Swinemünder Str. 42. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Branchenkommission und Neuwahl derfelben. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 14. März 1909, vorm. 10 Uhr: Versammlung Abteilung( Freiwillige Mitglieder): 9 Vertreter im Lokal von Start aller in der Schraubenbranche beschäftigten Einrichter an Rut( Drei Raben), Neue Schönhauser Straße 20. Die Wahlen find geheim. Abgabe der Stimmzettel von 10 bis 1 Uhr. Die Stimmzettel dürfen nicht mehr Namen enthalten, als in den einzelnen Abteilungen Vertreter zu wählen sind. Ferner müssen die Stimmzettel enthalten: Vor- und Zunamen, die genaue Wohnung und die Buchnummer der zu wählenden. Stimmzettel, welche obige Angaben nicht oder mehr Namen enthalten, als in der betreffenden Abteilung zu wählen sind, find ungültig. Um 1 Uhr nachmittags wird der Wahlatt geschlossen und beginnt darauf die Ermittelung des Wahlresultats. Wahlberechtigt und wählbar sind nur Mitglieder, welche das 21. Lebens. jahr erreicht haben und sich im Besiz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Automaten und Einzelbänken im Gewerkschaftshause( Saal 5), Engel- Ufer 15. Zages Ordnung: 1. Lohn- und Affordsystem. 2. Diskussion. Montag, den 15. März 1909: Bezirks- Verfammlungen Das Legitimationsbuch oder die Legitimationstarte ist am Eingabe des für die gefamte Verwaltungsstelle Berlin Bahllokals und bei Abgabe der Stimmzettel vorzuzeigen. Die Herren Beg. Sonnt. 5, toochent. 8 U. Arbeitgeber bezw. Betriebsunternehmer werden dringend ersucht, die zum Zwede der Wahlen besonders angefertigten Legitimationstarten zuvor im Kaffenlokal abheben oder aber den Mitgliedern ihre Legitimationsbücher mit dem Tagesstempel des Wahltages versehen an diesem Tage aus. händigen zu laffen. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger. II. Die ordentliche Generalversammlung der Vertreter der Arbeit. geber und Arbeitnehmer findet am Montag, den 29. März 1909, abends 8, Uhr, in Schulz' Prachtsälen, Am Königsgraben 14a, Male: ftatt. Bum 123, Male: Der Kompagnieball Anfang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Tages- Ordnung: in folgenden Lokalen: Uhr. Markgrafen- Säle, Mark. 1. Osten- Lichtenberg: Litfin, Memeler Str. 67, abends 2. Stralau- Rummelsburg: grafendamm 34, abbs. 8%, Uhr. 3. Weißensee: Roßkopf, Königchauffee 38, abends 8%, Uhr. 4. Süden: Lokal Süd- Ost, Waldemarstr. 75, abends 8%, Uhr. 5. Rixdorf: Thiel, Bergstr. 152, abends 8%, Uhr. Miethes Festsäle, Schönes 1. Bericht des Borstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Be 6. Westen- Schöneberg: berg, Hauptstr. 5/6, abbs. 8%, Uhr. richt der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung und Erteilung der Decharge, 3. Verschiedenes. Nach Schluß dieser Generalversammlung findet in dems selben Lokal eine Generalversammlung der Vertreter der arbeitnehmenden Mitglieder behufs Vornahme der Wahlen von zwei Borstandsmitgliedern statt. III. Die Wahlversammlung der Arbeitgeber zur Bahl der Bertreter zu den Generalversammlungen vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1910 findet am Mittwoch, den 24. März 1909, abends von 8-9% Uhr, im Berliner Rathaus( Fraktionszimmer), Jüdenstraße, statt. Bu wählen sind 70 Vertreter,§ 44 des Statuts. Die Wahlen find geheim und finden mittels Stimmzettel statt. Nach Schluß dieser Wahlversammlung findet die Ordentliche Generalversammlung Der geprellte Rechtsanwalt. der Bertreter der Arbeitgeber in demselben Lotale statt. Schwank in 1 Aft. Das Schwalbenneft. Operette und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Tages Drdnung: Bahl von einem Vorstandsmitgliede für die 8eit vom( 1. April 1909 bis zum 31. März 1912. Das Mandat legitimiert. Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kaffenbücher notwendig ist, müssen bis zum 21. März 1909 mündlich oder schriftlich behufs Beantwortung derselben in der Generalversammlung dem BorAnfang 8%, Uhr, Sonntags 6 Uhr. stande mitgeteilt worden. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter ( E. H. Nr. 29, Hamburg). Filiale Berlin IV. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. Das Mandat legitimiert. Am Sonnabend, den 13. März 1909, verlegen wir unsere Bureauräume von der Neuen Schönhauser Str. 16, nach der Lottumstraße 9. 8 Uhr. 7. Charlottenburg: Volkshaus, Rofinenstr. 3, abds. 8, Uhr. 8. Steglitz: Schellhase, Ahornftr. 15, abends 8%, Uhr. 9. Moabit: Prachtsäle Nordwest, Wiclefftr. 24, abends 10. Norden: Germaniasäle, Chauffeeftr. 110, abends 8% Uhr. 11. Norden: Raabe, Rolberger Str. 23, abends 8%, Uhr. 12. Norden: Franke, Babftr. 19, abends 8%, Uhr. 13. Norden: obiglo, Schwedter Str. 23, abends 8%, Uhr. 14. Tegel: Eichbornsäle, Eichbornftr. 60, abends 6 Uhr. 15. Spandau: Gottwald, Schönwalder Str. 80, abends 8%, Uhr. 16. Oberschöneweide: Lokal Hasselwerder, abends 17. Köpenick: Schulz, Kaulsdorfer Str. 3, abends 8 Uhr. Tages Ordnung in allen Bersammlungen: 1. Bericht von der außerordentlichen Generalversammlung. 2. Stellungnahme zur Generalversammlung am 4. April. 3. Aufstellung von Kandidaten zum Verbandstag in Hamburg. Außerdem in Stralan- Rummelsburg und Tegel als 4. Punkt: Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. 6 Uhr. Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Wegen des Umzuges bleibt das Staffenlokal vom 13. mars.Metallarbeiter- Notizkalender Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß mittags 12 Uhr ab, bis einschließlich den 15. März gefchloffen. die Wahl der Delegierten zur General- Vom 16. März ab ist das Bureau wieder von 9 Uhr vormittags Stück 60 Pf., sind im Bureau zu haben. bersammlung am Sonntag, den 14. März, von vormittags 10 bis bis 2 Uhr nachmittags, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, 3 Uhr nachmittags bei Merkowski, geöffnet. Andreasstr. 26, stattfindet. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 13876 Die Ortsverwaltung. Von 38 M.an fertige Anzug oder Paletot von neuesten, reinwollenen und dauerhaften Stoffen, prima Zutaten, zwei Anproben, Garantie für modernen und korrekten Sitz. Bei Selbst- Stoff- Lieferung von 20 Mark an beste Verarbeitung. A. Lipp, Kaiserstr. 25a. Alexanderplatz. 203/1 und Käse Wurft Bersend. ganz Uckermärfer Bostkolli von Inhalt für ner hochfeine in Kolli 9 Pfd. 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Verband der haugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. ( Sektion der Töpferträger.) Montag, den 15. März, abends 8 Uhr, im Nosenthaler Vereins: haus, Nosenthaler Straße 57: Mitglieder- Versammlung Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Paul Ackermann am 7. März gesterben und am Mittwoch, den 10. März, beerdigt murde. 136/12 Ehre seinem Andenken! Der Sektions- Borstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unter Mitglied, der Schloffer Paul Zeiske am 2. d. M. an Lungenleiden geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. 113/4 Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sollege, der Tischler Alexander Salbach am am 10. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 13. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Elias Kirchhofes in Nieder Schönhausen( Nordend) aus statt. 80/11 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am 9. März verstarb unser Mitglied Emil Richter ( Bezirk Südost) im Alter von 31 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 12. März, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes in Rirdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 192/8 Der Vorstand. Steinarbeiter! Berlin I. Die Auszahlung der in letter Vers sammlung beschlossenen Notstands unterstützung erfolgt am Sonnt abend, den 13. März, vormittags vont 9-12 Uhr, nachmittags von 3 bis 6 Uhr, und Sonntag, den 14. März. vormittags bon 9-12 Uhr, bei M. Faber, Stephanstr. 11. Später erhobene Ansprüche werden nicht berücksichtigt. Bezugsberechtigt find über vier Wochen arbeitslose sowie aus der Strankenkasse ausgefteuerte frante Kollegen, sofern sie mindestens ein Jahr organisiert sind. Ausnahmen werden nur mit erst aus der Lehre getretenen Verbandsfollegen gemacht. Mitgliedsbuch, Invalidenkarte und Krankenkassenbuch find mitzubringen. Die Ortsverwaltung. 171/10 Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeitew Radfahrer Bundes Solidarität". Touren zum Sonntag, den 14. März. 1. Abt. 2 Uhr: Baumschulenweg. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt. 1 Uhr: Saatwinkel( Jägerhaus). Start: Fontanepromenade 15. 3. Abt. 8 Uhr: Gosen, Lindenhos ( Wiesmann). 1 Uhr: Familientour Hirschgarten. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 4. Abt. 8 Uhr: Wernsdorfer Schleuse. 2 Uhr: Grünau( Jägerhaus). Start: Süstriner Plaz. 5. Abt. 1 Uhr: Bernau. Start: Elysium. 6. Abt. 1, Uhr: Kaulsdorf( Mees). Start: Oberberger Str. 28 7. Abt. 2 Uhr: Saatwinkel( Jägers Um rege haus). Start: Stösliner Straße 8. Tagesordnung wird in der Versammlung befannt gegeben. Beteiligung ersucht 29/5 Der Zweigvereinsvorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Einsetzer. Sonntag, den 14. d. Mits.: Bezirksversammlung in dem bekannten Loftale. 80/10 8. Abt. 1, Uhr: Schönholz( Ramlow). Start: Bremerstraße 44. 9. Abt. 12 Uhr: Bichelswerder ( Freund). Start: Schillingstr. 15. 10. Abt. 2 Uhr: Baumschulenweg. Start: Weberstr. 17. 10/5 Willy Michalsky, Zentral- Fahrwart. barlottenburg F.Kunstmann Wallstr1 Moderne Uhren u.Goldwaren Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 60. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mehr Schutz unferen Kindern! Kinderarbeit! Das war und ist noch heute der Ruf des profithungrigen Sapitals. Die Gewerbeordnung und das Kinderschutzgefeh haben zwar eine Einschränkung, aber leider kein Verbot der Sindererwerbsarbeit gebracht. Zudem find die erwerbstätigen Kinder in der Landwirtschaft und bei häuslichen Diensten immer noch der schrankenlosen Ausbeutung preisgegeben. Aber auch für jene Kinder, die in gewerblichen Betrieben und als Botenganger tätig sind, steht der gesetzliche Schuß zum guten Teil nur auf dem Papier. Erklärlich genug! Die Gewerbeinspektion so wenig als die Gewerbepolizei, denen die Ueberwachung des Gesezes obliegt, ist deswegen um einen einzigen Beamten vermehrt worden. inzigen X Im Interesse der Proletarierkinder und im Interesse der gesamten Arbeiterschaft liegt es jedoch, daß die Kindererwerbsarbeit beseitigt wird, und daß, solange ein solches Verbot noch nicht besteht, dem geltenden Recht Beachtung verschafft wird. Im Interesse der Proletarierkinder ist dies dringend notwendig, weil die Erwerbsarbeit, die dem Umfang und der Schwere nach die Kräfte der Kleinen gar oft übersteigt, deren Gefundheit schädigt, mindestens die Körperentwickelung hemmt. Freitag, 12. März 1909. In Gast und Schankwirtschaften darf kein Kind unter 12 Jahren beschäftigt werden und Mädchen nicht zum Bedienen der Gäste. (§§ 16 und 17.) Die Beschäftigung eines fremden Kindes ist nur gestattet, wenn der Arbeitgeber eine von der Ortspolizeibehörde ausgestellte Arbeits farte für jedes Kind besitzt.(§ 11.)" Wird ihr aber auf die Dauer damit geholfen? Niemals! In Fremde Kinder dürfen nicht beschäftigt werden in Gafts und den Kleinen ziehen sich die Erwachsenen selbst die Konkurrenten Schankwirtschaften. und Lohndrücker heran. Weil die kindliche Arbeitskraft billiger Eigene und fremde Kinder unter 12 Jahren dürfen als Botenist, findet sie Verwendung. Der große Umfang der kindlichen Er- gänger( beim Brot, Zeitungs-, Milchaustragen usw.) nicht be werbsarbeit wirkt somit schon lohndrückend; hinzu kommt noch, daß schäftigt werden, und über 12 Jahre alte Kinder dürfen Sonntags dort, wo die Ausnutzung findlicher Arbeitskräfte allgemein üblich in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags nur 2 Stunden ist, wie z. B. in der Heimindustrie, die Unternehmer diesen Umstand arbeiten, wobei die Zeit des Gottesdienstes frei bleiben muß.(§§ 9 bei der Kalkulation berücksichtigen, und deshalb die Lohnsätze der und 13.) Erwachsenen niedriger normieren. In der Folge zicht der Unternehmer allein den Vorteil aus der Ausbeutung kindlicher Arbeitskraft. Würde dagegen ganz allgemein die Kinderarbeit ausscheiden borläufig soweit, wie das geltende Recht dies vorsicht und würden daneben die Erwachsenen sich stramm organisieren, so fönnten sie in Bälde ohne Kinderarbeit einen höheren Verdienst erzielen, als heute mit derselben. Sie brauchten dann nicht Am treiber und Aeusbeuter ihrer eigenen Kinder zu werden; sie hätten dieser vielmehr die Jugend erhalten und die bessere Entwickelungslichtet i sospets, thres Geistes jolie ilres Charafters. Im Interesse des gesamten Proletariats ist es deshalb dringend notwendig, immer von neuem die Erkenntnis von der Schädlichkeit und Verwerflichkeit der Kinderarbeit weiteren Kreisen zu vermitteln, damit immer breitere Schichten der Bevölkerung erneut ein vollständiges Verbot der Kinderarbeit heischen. Aber auch, damit die Zahl der Genossen und Genossinnen wächst, die nach besten Kräften mitwirken an der strikten Durchführung der bestehenden Schußborschriften an einigen Orten, so in Berlin, Leipzig, Dresden, Meißen, Hamburg, Altona und Ottensen, sind zu dem letzteren Zwede Kinderschutzkommissionen Aus der Frauenbewegung. Das Franenwahlrecht vor dem Staatsparlament von New York. Jm Staatsparlament von New York ist eine Reihe von An trägen eingelaufen, die das Wahlrecht für die Frauen fordern. Diese Die Schädigung der Störperentwickelung und der Gesundheit Anträge gelangten zur Vorberatung an eine vereinigte Stommiffion der Kleinen zeigt sich, je nach ihrer Veranlagung und der Art der der beiden Häuser des Parlaments, die kürzlich eine Sigung hielt, Erwerbsarbeit und der Verschiedenartigkeit der sonstigen Lebenszu der die Freunde und Gegner des Frauenwahlrechts eingeladen haltung, natürlich in verschiedener Weise. Bei der Heimarbeit waren, um ihre Gründe vorzutragen. Die Gegner, sämtlich Frauen, finden wir z. B., daß infolge des Mangels an Bewegung und an famen zuerst zum Wort. Unter diefen Frauen trat die Präsidentin frischer Luft der Appetit der Kleinen leidet, sie Magenbeschwerden gegründet worden. Diese Kommissionen haben zum Teil schon eine der Anti- Frauenstimmrechts- Vereinigung von Buffalo mit der Be bekommen, abmagern, die Wangen bleich werden, Rhachitis und bekommen, abmagern, die Wangen bleich werden, Rhachitis und Strofulose sich einstellen, und in deren Gefolge weitere Gesundheitsrecht segensreiche Tätigkeit entfaltet. Sie sind gebildet aus Frauen, hauptung auf, die arbeitenden Frauen würden feinen Nuzen vom die innerhalb der Arbeiterbewegung bereits geschult sind und die Wahlrecht haben, denn schädigungen. Manche Arbeiten, bei denen die Augen fortgesetzt arbeitslos, trogdem fie das in New York feien 500 000 Männer das Wahlrecht hätten. Eine andere Frau start angestrengt werden, schädigen das Sehvermögen dauernd. nun alles tun, um dem geltenden Rechte Beachtung zu verschaffen. Sache der organisierten Arbeiterschaft ist es, diese Kommissionen meinte, der Gedanke der Teilnahme der Frauen an den Kinder, die als Botengänger tätig sind, holen sich oft genug Herz- in ihrer Tätigkeit wirksam zu unterstützen, wozu übrigens die Re- Wahlen fei nichtsnußig und von den Mormonen im wilden worden. Zwei Stunden lang wurden Nicht minder als die förperliche leidet die geistige Entwickelung solution 172 des Mannheimer Parteitages die Genossen und Ge- Westen ausgehedt nossinnen verpflichtet. die dümmsten Gründe aller Art von den Gegnerinnen vors der Kinder infolge der Erwerbsarbeit. Sie kommen müde, unEine erfolgreiche Bekämpfung der Kinderausbeutung bedingt gebracht. Dann erhielten die Freunde der politischen Gleichs ausgeruht in die Schule, können dem Unterricht nicht folgen, haben die Kenntnis des Kinderschutzgesetzes vom Jahre 1903. Die tlar berechtigung der Frauen das Wort. Von der sozialistischen Partei auch meistens teine Zeit für ihre Schularbeiten, bleiben zurück und übersichtlich gehaltene Broschüre der Genossin Käthe Dunder, waren verschiedene Frauen anwesend, die aber das Wort nicht mehr und verlieren schließlich das Interesse am Unterricht. Auf diese die in jeder Parteibuchhandlung für 40 Pf. zu haben ist, erleichtert erhielten, nachdem die übrigen Frauen ebenfalls zwei Stunden lang Weise wird ihnen die ohnehin spärlich fließende Bildungsquelle, die Information sehr. Die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes ihre Gründe vorgebracht hatten. Wirkungsvoll war die Rede einer die unsere Kinder in dem Volksschulunterricht besiken, noch ver- geben wir in folgendem, und hoffen damit, das Interesse unserer Gewerkschaftlerin, die mit erschütternden Worten das Elend der Stopft. Frauen und Mädchen in den Fabriken schilderte und das Stimmrecht Der Mangel an Wissen und intellektueller Entwidelung raubt Refer für das Gesetz und dessen Innehaltung zu fördern. der Frauen forderte, damit die Arbeiterinnen eine Waffe gegen ihre bem späteren Menschen sehr viel Lebensfreude und Lebensgenuß, hemmt ihn in seinem Forttommen sowie in seinem wirtschaftlichen Ausbeuter erhielten. Eine Frau machte geltend, daß die Gegnerinnen Aufstieg. Zu der törperlichen und geistigen Schädigung tommt des gleichen Wahlrechts fich nur aus einigen Hunderten reicher Frauen zusammensetzen, die ihre Zeit in den Klubs totschlagen und schließlich noch die fittliche. das Boltsleben nicht kennen. Zum Schluß wurde darauf hingewiesen, daß die Entscheidung in dieser Frage nicht bei dem Parlament, sondern bei den Wählern liege; dort müsie die Agitation entfaltet werden. Eine Voltsabstimmung wird über die Frage entscheiden. Versammlungen Veranstaltungen. Wir denken, wenn wir von fittlicher Schädigung der Kinder reden, nicht nur daran, daß z. B. dem Kegeljungen Schnaps und Bier verabfolgt und er dadurch geradezu zum Trinter erzogen wird, oder daß die fleinen Blumenverkäuferinnen, die in die Gastwirtschaften tommen, rohe Späße oder Boten hören, vielleicht gar verführt werden, daß die kleinen Zeitungsträger in Versuching kommen, von den eingesammelten Abonnementsgeldern etliche zu bernaschen, damit zum Diebe und in der Folge zum Lügner werden, usw., bielmehr verstehen wir unter fittlicher Schädigung den ganzen Kompler von schädlichen Einflüssen auf die Charakterentwidelung der Kinder, dem fie bei der Erwerbsarbeit ausgesetzt sind. Dazu gehört vor allem auch, daß die erwerbstätigen Sinder nimmer die Arbeit lieben lernen. Müffen fie tagaus tagein dieselbe Arbeit machen, die der Qualität nach ihnen nicht behagt, der Quantität nach ihre Kräfte übersteigt, zur Zeit, da ihre Alterskameraden fpielen, tollen, fich bergnügen, da tverden fie die Arbeit haffen und verachten lernen. Wir jedoch wünschen, daß unsere Kinder die Arbeit lieben und achten lernen, daß ihnen die Arbeit die Quelle der Freude und die Grundlage der Entwickelung ihrer Körper- und Geistesträfte wird, aber nicht zu deren Abstumpfung und Ertötung führt. Die Arbeit soll Erziehungsmittel fein. Darum fordern wir mit allem Nachdruck wieder und wieder: Her mit dem Handfertigkeitsunterricht für die Bolksschule! Und: Fort mit der Erwerbsarbeit für Kinder! Gewiß, wir wissen: die Not ist es, die die Eltern veranlaßt, zu dulden oder zu veranlassen, daß die Kinder mitverdienen. Für den Moment wird der einzelnen Familie damit ein wenig geholfen, um so mehr, je mehr man mit jedem Pfennig rechnen muß. Die Beschäftigung schulplichtiger und vorschulpflichtiger Kinder ist gänzlich verboten: in Fabriken, auf Bauten aller Art, in Betrieben von Ziegeleien, Brüchen, Gruben, beim Steineklopfen, im Schornsteinfegergewerbe, in dem mit dem Speditionsgeschäft verbundenen Fuhrwerksbetriebe, beim Mischen und Waalen von Farben, bei Arbeiten in Kellereien und ferner in einer ganzen Reihe von gesundheitsschädlichen Betrieben, die im Geseh näher bezeichnet find, so z. B. auch bei der Tabatfabrikation.( Siehe die schon erwähnte Broschüre der Käthe Dunder:" Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung.") Die Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes. Für die Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern in der Hausindussie( Heimarbeit), im Betrieb von Werkstätten, im Handels- und Verkehrsgewerbe, in Gast- und Schankwirtschaften fowie als Botengänger gelten folgende Vorschriften: Eigene Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden. Eigene oder fremde Kinder unter 12 Jahren dürfen in der Wohnung oder Werkstätte einer Person für britte nicht beschäftigt werden.(§ 13.) Fremde oder eigene Kinder dürfen nicht vor 8 Uhr früh und nicht nach 8 Uhr abends beschäftigt werden.(§§ 5 und 13.) Vor dem Vormittagsunterricht dürfen Kinder überhaupt nicht beschäftigt werden.(§ 5.) Gleichfalls nicht nach 8 Uhr abends. Nachmittags darf die Beschäftigung erst eine Stunde nach Beendigung des Unterrichts beginnen.(§ 5.) Die Beschäftigung darf nicht länger als 3 Stunden, in den Ferien nicht länger als 4 Stunden täglich dauern.(§ 5.) Den Kindern muß eine zweistündige Mittagspause gewährt werden. An Sonn- und Festtagen dürfen eigene wie fremde Kinder nicht beschäftigt werden in Werkstätten, sowie im Handels- und Vertehrsgewerbe. Völkerfrühling Preis 20 Pfennig. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 15. d. M., 129 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstraße 72: Bortrag, Herr Weiß, Redakteur des Kunstgewerbezeichner": Die moderne Anfichtspostkarte als Geschmadsverderber". Mariendorf. Freitag, den 12. März, 8 Uhr, bei Löwenhagen, Chausseestr. 27: Reseabend. Witterungsübersicht vom 11. März 1909. morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm richtung Bind Windstärke 763 2Better Swmembe. DSD 5 bebedt Hamburg 761 OND 2 bedeckt Berlin 761 ND Franfi.a M 755 NO Müngen 755 GD 757 SD Bien No dom do to emp. n. 6. 5° C. 4°. Stationen Barometer stand mm Qu 4 Haparanda 767 SS -2 Petersburg 774 SD 3 bededt-3 Scilly 2 heiter 1 berdeen 1 wolftg-3 Baris 3 woltig richtung Windstärke 754ND 768 NO 754 Still Better Bot=' Dog -13 4 bedeckt 4 1 Dunst 5 bedeat 4 4 bedeckt 3 wolfig-1 Wetterprognose für Freitag, den 12. März 1909. Salt und veränderlich, vorwiegend trübe bei ziemlich scharfen östlichen Minden; feine erheblichen Niederschläge. Berliner Betterbureau März- Zeitung 1909 Künstlerische Ausstattung. 16 Seiten Tert mit zahlreichen Illustrationen von Legros, Meunier, Sortini, Steinlen u. a. Artikel von Hans Block, Frana Mehring, Bertha Selinger, Paul Umbreit u. a. Zu beziehen durch alle Partei- Speditionen und Kolporteure. Persil Das vollkommenste, wirklich selbsttattgo Waschmittel von unerreichter Wirkung; gibt mühelos blendend weisse Wäsche bei grösster Scho nung des Gewebes. Pakete à 35 und 65 Pfg. Ueberall erhältlich. Alleinige Fabrikanten Henkel& Co., Düsseldorf In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich. Fabrik- Niederlage für Berlin und Vororte: Joh. Schmalor, Berlin N., Andere Marken werden grösserer Vorteile wegen von manchen Händlern lieber verkauft. Der Cigaretten Kenner lässt sich aber dadurch nicht irre führen, sondern verlangt nur JOSETTI CARETTES JOSETTI VERA CIGARETTEN, weil er weiss, dass diese die preiswertesten und besten sind. Josetti Vera m. u. o. M. 10 Stück 30 Pfg. 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Montag: Das Christentum und die Religion der Wahrheit. Ein Mahnwort an alle, die Ohren haben zu hören. Die Herren Geistlichen der Staatskirche sind besonders eingeladen. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Massenbesuch erwartet Der Einberufer Adolf Hoffmann, Berlin, Blumenstraße 14. 6. Wahlkreis. Sonntag, den 14. März, abends 6 Uhr, bei Raabe, Kolberger Straße 23: Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Zages Drdnung: 225/ 9* Bortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Ströbel über: Bilder aus dem Dreiklassenparlament. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer: E. Ernst, Wöhlertstraße 9. adbe Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Bersammlung: Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Ab 1. 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