Mr. 61. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. BoftAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breislifte. Unter Streuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 80 fg. Kleine Anzeigen", bas erste( fettgebruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Chriftlichnationale Gewerkschaftsorgane gegen die agrarische Politik. Sonnabend, den 13. März 1909. " Der Arbeiter", Drgan des Verbandes süddeutscher. katholischer Arbeiterbereine, bespricht die Berliner Arbeitslofenzählung und begleitet die agrarischen und polizeilichen Abstreitungen mit diesen Säßen: Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. „ Auch auf dem Gebiete der Krankenversicherung werden bie land und forstwirtschaftlichen Arbeiter als Stiefkinder behandelt. Wir sind keine Gegner der Landwirtschaft, im Gegen teil die Gewerkschaftsstimme" hat seit Jahren Verständnis für die Bedürfnisse der Landwirtschaft auch in den industriellen Arbeitertreisen zu verbreiten gesucht. Aber das darf hier ruhig gesagt werden, daß die Landwirtschaft in der Fürsorge für ihre Arbeiter wirklich weit zurück ist und vieles nachzuholen hat. Die Landwirte sind ja auch keine grundsäßlichen Gegner der Sozialpolitik. Im Gegenteil, ihre Vertreter stimmten immer mit Freude zu, wenn für die Industrie besserer Arbeiterschutz gefordert wurde. Vorausbedingung war, daß den Landwirten feine Ausgaben erwuchsen. Heiliger Florian, verschon' mein Haus, zünd' andre an", nach diesem Grundsatz haben sie gerne Sozialpolitik getrieben." " Hunderttausend Arbeitslose hat man vor wenigen Tagen in Berlin gezählt; also ungefähr die Einwohnerzahl einer Großstadt befindet sich in einer Lage, in der man am Abend nicht weiß, was und woher man am nächsten Morgen effen soll. Ja, aber der Staat, die Kommune hilft doch diesen Leuten, höre ich Der Protest der Dürener katholischen Arbeiter gegen die fagen. Freilich, die Polizei läßt eifrigst feststellen", inwies weit diese Zahlungen, die meist von den Gewerkschaften verfürstliche Zentrumskandidatur deutet auf eine große Mißanstaltet werden, auf Richtigkeit beruhen, und sie fühlt sich überstimmung der katholischen Arbeiter über die konservativglücklich, wenn sie ein paar hundert Arbeitslose weniger herausagrarische Politik des Zentrums. Selbst dieser geriffenen bringt. Denn für den, der nicht säuberlich als ein am Hungertuch Demagogenpartei wird es eben auf die Dauer unmöglich, Nagender in den Polizeiakten eingetragen ist, gibt es teine ArbeitsDaß solche Zustände noch möglich sind, dafür mögen die mit dem üblichen Hinweis auf die heiligen Gebote der losigkeit. Und der nicht registrierte" Arbeitslose wird deshalb christlichnationalen Kritiker nur getrost nicht zuletzt die ZenMutter Kirche" die bisher beispiellos irregeführten tathonach dem Muster eines Philofophen, der allerdings in dem trumspartei verantwortlich machen, die Partei, in deren lischen Proletarier um ihr gutes Recht zu betrügen. Die Buntte feine praktischen Erfahrungen gemacht haben dürfte Gefolgschaft sich die christlichen Gewerkvereinsorgane und Kuhhandelei um die sog. Reichsfinanzreform gefällt auch seinen Hunger wohl nur als„ Einbildung" betrachten." dem politisch regsamen Teil der katholischen Arbeiter immer Wenn der Vorwärts" die bürgerliche Gesellschaft in Führer meistens befinden. Weniger im Reichstag als im preußischen Landtage treten die Zentrumsparteiler vereint weniger, und ihre Stimmung über die agrarischen Unverschämt so scharfer Weise anflagt wie hier der katholische Arbeiter", heiten spiegelt sich wider in den Organen der chriftlich dann erhebt sich auch in der Zentrumspresse ein Heulmeiern mit den konservativen preußischen Junkern gegen die Landnationalen Gewerfvereine, deren Mitglieder bekanntlich über- über verwerfliche Uebertreibung und Hegerei", und im arbeiterrechte auf. War es doch der Zentrumsabgeord wiegend katholisch sind. im Landtag stimmen mit den Konservativen und Liberalen nete Schmedding, der unter dem Beifallsgebrüll der Das Niederschreien des konservativen Gelehrten Professor die Herren Ultramontanen ein Beifallsgeheul an, wenn irgend Junker gegen die Schnapsrenten" der unfallverletzten Landarbeiter losging! Cind es doch Petitionen von ZentrumsAdolf Wagner gibt mehreren christlichnationalen Gemert- ein Klopffechter wegen angeblicher Ausnutzung der Arbeits- arbeiter losging! Sind es doch Petitionen von Zentrumsvereinsorganen Veranlassung, ihrem Groll gegen die Un- losigkeit zu agitatorischen Zwecken" die Sozialdemokratie agrariern, die vom Reichstag fordern, er solle für das Abquetschen der Unfallrenten von 20-25 Broz. sorgen! Alles, erfättlichkeit der Agrarier Ausdruck zu geben. So schreibt anbellt. was die christlichnationalen Organe Treffliches über die die ,, Chriftliche Baugewertschaft" mit kräftigen Worten: Was für einen Vorteil die 2andarbeiter von dem agrarische Unersättlichkeit, Arbeiterfeindschaft und Steuerscheu Die diesjährige Zirkus- Busch- Versammlung befaßte fich mit Rollfegen einheimsten, das sagt den ostelbisch- preußischen schreiben, trifft im gleichen Maße die ultramontanen wie die der Reichsfinanzreform. Die von der Regierung vorgeschlagene Junkern und ihren agrarischen Zentrumsgenossen ein christlich konservativen Agrarier. Erbschafts- und Nachlaßsteuer hat den Zorn der Großagrarier nationales Blatt. Die Gewerkschaftsstimme" Das sollten die christlichnationalen Organe ihren Lesern wachgerufen, und fuhren sie gegen diese das schwerste Geschütz auf. Drgan des christlichen Verbandes der Staats-, Gemeinde-, aber auch mitteilen, womit allerdings Klarheit über das unZu dem Zwecke, d. h. um nichts zahlen zu brauchen, decken sie sich Verkehrs-, Hilfs- und sonstiger Industricarbeiter Deutschlands, natürliche Bündnis der christlichnationalen Arbeiterführer mit mit dem Mantel der Königsliebe und der Baterlandsliebe. Was hierin die Busch- Versammlung leistete, ist geradezu abstoßend. behandelt in ihrer letzten Nummer wieder die Landarbeiterfrage. der Zentrumspartei geschaffen würde. Wie diese ArbeiterDiese Herren find fähig, bei bejagter Steuer von dem Scherflein Herr Abg. Arendt aus Labiau wußte kürzlich das Land- führer, die in ihren Zeitungen ein so vernichtendes Urteil der Witwen und Waisen zu reden, sind aber im gleichen Augenüber die konservativ- flerifale Agrar- und Sozialpolitik fällen, blic bereit, Hunderte von Millionen neuer Steuern, ohne mit der trozdem mit diesen Volksfeinden gehen können, ihnen zu Wimper zu zuden, auf die breite Masse der ärmsten Bevölkerung Diensten sind, das ist Politikern, die auf Konsequenz halten, zu werfen, von der ein erheblicher Teil unter 900 W. Jahreseinfach unverständlich. Daß die gegängelten Arbeiter verdienst hat. Ja, sie sind bereit dazu, um eben jede weitere Beaber trotz aller Bertuschung diesen flaffenden Zwiespalt Taftung von sich abzuwälzen im Namen der Königs- und Vaterlandsliebe! Schlimmer fann man den Hohn nicht treiben. awischen Worten und Taten erkennen werden, dafür ist uns angesichts der agrarischen Hochkonjunktur in der Aera Bülow gar nicht bange. Gewaltigen Jubel und Beifall ernteten die Regiffeure. Und das ist gerade die Bestätigung der Gesinnung, die in Großgrundbefizerkreisen herrscht. Und diese rücksichtslose Gesellschaft beklagt sich über Arbeitermangel! Ja, man fann angesichts dieser Kundgebung die Arbeiter nur warnen, in landwirtschaftliche Dienste, wenigstens bei diesen Großagrariern, zu treten. Man tann doch nicht seinen ärgsten Gegner unterstützen. Das schließt nicht aus, daß wir etwa die Bedeutung der Landwirtschaft für unser Wirtschaftsleben verkennen. Wir sind auch immer Freunde der landwirtschaftlichen Zollschutzgesetzgebung gewesen, da wir sie zur Stärkung der Landwirtschaft für notwendig hielten. Bei so viel Uebermut und Rücksichtslosigkeit, wie sie sich hier geoffenbart hat, dürfte in weiten deutschen Boltstreifen bald eine Nevidierung der Ansichten nach dieser Richtung hin eintreten." Der Vollständigkeit halber hätte das christliche Bauarbeiterblatt seinen Lesern nur auch mitteilen sollen, daß das Zentrum ebenfalls gegen die direkte Besteuerung des Besizes durch Nachlaßsteuer usw. ist, daß es dadurch die Landwirtschaftsbündler tatkräftigst unterstützt und daß ohne das Widerstreben des Zentrums gegen die Nachlaßsteuer die Konservativen sich zu ihr bequemen müßten! Wie sich das proletarische Klassengefühl allen Abtötungsbersuchen zum Troß auch in der christlichnationalen Arbeiterschaft lebendig erhält, dafür liefert der Christliche Bauhandwerter" in folgenden Säßen einen schönen Beweis: Schelten." " " arbeiteridyll so schön zu schildern; er erntete freudige zu ſtimmung bei allen konservativen und ultramontanen Agraricru. Die christlichnationale Gewerkschaftsstimme" aber schreibt: Die Landarbeiter sind die Stieffinder des deutschen Boltes. Während alle Schichten des Volles in den letzten Jahrzehnten mit mehr oder weniger Erfolg für eine Hebung ihres Standes wirken konnten, sind die Landarbeiter auf der alten Linie stehen geblieben. Nichts ist geschehen, um ihre Lage zu verbessern. Sie selbst. ihre Frauen, ihre Kinder sind den größten Entbehrungen ausgesetzt, fie müssen bei niedrigen Löhnen oft die schwersten törperlichen Arbeiten verrichten. Diese Tatsachen im allgemeinen haben hunderttausende tüchtiger Arbeiter vom Lande fortgetrieben. Der gordifche Knoten. Was den Landarbeiter vor allem drückt, das ist seine HilfDie derzeitige politische Situation ist nicht nur heillos lofigkeit, die durch Arbeitsvertrag festgelegt ist. Da gibt es fein Man berAbwägen von Pflichten und Rechten, sondern einseitig, ganz nach berwirrt, sondern mehr noch grotest. der Willfür des Gutsbesitzers sind die Verträge abgefaßt gegenwärtige sich doch nur, um was es sich eigentSo lebt er im ewigen Einerlei des Alltagslebens dahin, ohne lich handelt. Nicht etwa darum ist zwischen den jemals an eine Hebung seiner Lage denken zu können. bürgerlichen Parteien und innerhalb der verbündeten NeWas ist ihm an Erholung geboten? Die Wohnung gierungen der Streit entbrannt, ob von der halben des ledigen Landarbeiters, des Knechtes ist nicht selten der Stall. Milliarde neuer Steuern ein größerer oder kleinerer Er arbeitet mit seinem Vieh, er wohnt bei seinem Vich. Da wird das Gemüt abgeftumpft, das Herz wird leer und unempfindlich Teil durch dirette Steuern aufzubringen sei! Nein: der für höhere Dinge. Man klagt oft über Roheit des landwirtschaft. Reichsschatzsekretär Sydow erklärte ja erst heute wieder in lichen Personals. Man tue etwas für Sebung feines Gemütes, der Finanzfommission, daß durch eine Besteuerung des beschaffe ihm gute, gesunde Wohnungen, leite den Knecht an, sein Besites nicht mehr als 100 Millionen aufgebracht Zimmer in Ordnung zu halten, es auszuschnüden, und mancher werden könnten, die übrigen 400 Millionen seien durch Snecht wird ein Musterarbeiter werden. Wenn der Knecht teinen indirette Steuern zu decken! Und unter allen anderen Aufenthaltsraum als den Stall fennt, oder eine schmutzige bürgerlichen Parteien herrscht darüber auch vollste EinGefindestube, dann muß er am letzten Ende seine Erholung in dem mütigkeit! Man will vier Fünftel aller neuen Steuern auf Wirtshause suchen. die Die von den Gütern den Berheirateten gestellten Wohnungen die große nichtbefizende Masse des Voltes abwälzen, man will sind oft nicht viel besser als ein Stall. Dazu dann oft noch bittere nur ein Fünftel durch dirette Steuern aufbringen! Not. Da ist es natürlich, daß der Arbeiter seine freie Zeit im Man sollte meinen, daß dies von allen bürgerlichen „ Die deutschen Großagrarier sind keine Freunde der deutschen Wirtshause verbringt und schließlich noch während der Arbeit dem Parteien geplante schamlose Attentat auf die Taschen des Arbeiterversicherung. Aus rein egoistischen Motiven, da sie glauben, Alkohol zuspricht." ohnehin unter der Krise seufzenden arbeitenden Voltes von der Zug nach der Stadt werde dadurch gefördert. Als Prämien Diese Anklagen erhebt gegen die Agrarier das Blatt eines ihnen selbst als eine solche Ruchlosigkeit empfunden würde, auf Faulheit usw. gelten ihnen verschiedene Versicherungsarten, christlichnationalen Gewerkvereins, dessen Vorsitzender der daß fie genug damit zu tun hätten, sich gegen ihr besonderer has richtet sich gegen eine kommende Arbeitsdem bayerischen Landtagszentrum ange- bie Empörung der Massen durch engsten Zusammenschluß Iosenversicherung. Und dabei bekommen die deutschen Arbeiter nur den Reichszuschuß der Invaliden- und Altersrente von jährlich hörende Abgeordnete Oswaldist! Hunderte Mil- möglichst zu salvieren. Beweist es doch eine maßlose Ver50., die übrigen Versicherungen werden durch Beiträge der lionen Mart haben die Agrarier aus den Nahrungsmittel- a chtung des arbeitenden Volkes, daß angesichts einer solchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgebracht. Die Agrarier be- zöllen gezogen, der Landarbeiter aber ist auf der alten Linie Situation die bürgerlichen Parteien sich noch den Lurus gekommen dagegen Hunderte von Millionen durch die Zollschutzgesetz stehen geblieben", für ihn ist nichts geschehen", um seine Lage hässiger Spezialraufereien unter einander leisten zu können gebung, die von der breiten Voltsmasse getragen werden müssen. zu verbessern. Bittere Not, schwere Arbeit und Entbehrungen, glauben! Die Regierung forderte die Nachlaßsteuer zur AufSie find also die stärksten Almosenempfänger des Staates, und stallähnliche Wohnungen, geistige Versumpfung- das ist das bringung des einen Fünftels, das der Besitz zu der denen steht es wahrlich schlecht an, den anderen Dieb zu Ros der Landarbeiter. Als die Rollkampagne tobte, da wurde 500 Millionen- Belastung beisteuern sollte. Aber So charakterisiert das christliche Blatt die Aus- von den konservativen, ultramontanen und nationalliberalen Agrarier in ihrem beispiellosen Egoismus und ihrem fressenden powerung der breiten Volksmasse durch die agrarische Zollpolitik! Agrariern beteuert, der Schutz der Landwirtschaft" würde Neid gegen das mobile Kapital wollen nicht einmal das Mit voller Bucht richtet sich diese verurteilende Kritit des Zoll- auch den 2andarbeitern zugute fommen. Das war das Scherflein einer solchen Erbschaftssteuer auf dem„ Altare des witchers gegen die 3entrumspartei, die sich ja rühmt, argument, mit dem auch die christlichnationalen Gewerf Baterlandes" opfern. Sie möchten diese zwanzigprozentige das Zolltarifgesetz durchgebrückt zu haben, und nun erklärt bereinsführer für die Zollerhöhung agitierten. Was die Opferwilligkeit ausschließlich auf die Industrie oder die auch das Organ der Gewerkschaft, deren Vorsigender der Christliche Gewerkschaftsstimme" jest beflagt, das haben die Börse abwälzen- oder aber, da das nicht geht- auf ist, die Sozialdemokraten voraus gesagt. Wir wußten eben, wie den Mittelstand und selbst das kleine ArbeitsBentrumsabgeordnete Wiedeberg Zöllnerei als einen Att zur Bereicherung der Großagrarier es kommen würde, da wir den agrarischen Heißhunger richtig eintommen! Und es war wieder einmal der Freisinn, einschätzten. Hunderte Millionen Mark, so schreibt der Christ- der durch die Zustimmung zu dem Besitzsteuerkompromiß der Ueber die Behandlung Wagners durch die„ Edelsten und liche Bauhandwerker", find den Agrariern aus den Taschen agrarischen Steuerbrüdebergerei und. des ausgewucherten Volfes mehr zugefloffen. Die Landarbeiter Versuch, auch durch diese dirette Besteuerung abermals Besten" urteilt der„ Christliche Bauhandwerker": So behandelten hochmögende Grafen und Rittergutsbesiger gingen leer aus, fie leben heute noch ohne Verbesserung ihrer die kleinen Einkommen zu belasten, den Junkern Handeinen in Ehren ergrauten Professor, dessen Verdienste um die Lage, find hilflos und rechtlos den Gutsbesikern ausgeliefert. Langerdienste leistete. Das war selbst seinen Anhängern im Landwirtschaft ungeheuere sind. Da sind wir Wilde doch bessere Seit Jahrzehnten fordert die Sozialdemokratie die volle Koa- Lande zu stark: allerorten regt sich der Protest gegen das Menschen; in einer Arbeiterversammlung wäre das nicht möglich litionsfreiheit auch für die Landarbeiter, Abschaffung der Ge- jammervolle freisinnige Stompromiß. findeordnungen, Einbeziehung der Landarbeiter in die Sozial gewefen! Mit diesen Hochmögenden Grafen und Ritterguts- gefeßgebung: Bemühungen, die sämtlich durch die konservativbesitzern steht bekanntlich die Zentrumspartei auf dem besten flerifal- nationalen Reaktionäre vereitelt worden sind. Die„ Chriftliche Gewerkschaftsstimme" schreibt an einer Fuße. Alle Minen läßt sie springen, um den konservativfleritalen Block auch im deutschen Reichstage zu etablieren. anderen Stelle in derselben Nummer: aus den Taschen der Aermsten dem Das Besitzsteuerfompromiß ist also gefährdet, um so mehr, als sich auch die mittel- und füddeutschen Bundesstaaten heftig dagegen wenden! Und auch in nationalliberalen, ja felbst in tonservativen Streisen erhebt sich die FordeIrung, auf die Nachlaß steuer zurückzugreifen. Nach allen Gesetzen der politischen Logik läge nichts Näher, als daß sich deshalb doch schließlich die Junker zur Nachgiebigkeit bequemten und die N a ch l a ß st e u e r schluckten. Aber die Begehrlichkeit der Junker ist eben maßlos und wird emsig geschürt durch das Zentrum. Das Zentrum läßt sich in dieser Aufputsch ungswktik einmal von seinen agrarischen Interessen, dann aber auch von seinem Haß gegen den Block und semen Vater, den Fürsten Bülow, leiten I Es macht die krampfhaftesten Anstrengungen, den Blockkanzler zu stürzen. Und nicht nur Zentrumsblätter, sondern auch in der «ationalliberalen Presse prophezeit man ernstlich den S t u r z B ü l o w s. Wird sich aber Bülow stürzen lassen, ohne nach Art der Silvesterstrategie noch einen letzten V e r z w e i f. lungs st reich, den einer neuen Reichstags- auflösung, versucht zu haben? Freilich wäre das Experiment ein ungeheuer gewagtes— aber einem Bülow ist schließlich auch das Unglaublichste zuzutrauen! Alles läuft in der Hauptsache auf die Frage hinaus: wer wird sich unterwerfen? Werden die Agrarier nach- g e b e n, obwohl sie sich bereits auf eine unerbittliche Oppo- sition gegen die Nachlatzsteuer festgelegt haben und eine Nach- gicbigkeit ihrerseits die schwerste Erschütterung des Prestiges der Landbündler bedeuten würde— oder wird Bülow auf der Strecke bleiben? Die Sozialdemokratie kann in aller Seelenruhe der Entscheidung harren. Sie hält, wessen sich.das Agrariertum wohl mit minder ehrlicher Zuversicht rühmt, ihr Pulver trocken und ihr Schwert geschliffen! Ob Bruderkrieg, ob Koalition der Bourgeoisie: der Sozialdemokratie steht auf alle Fälle ein ebenso schwerer wie dankbarer Kampf bevor! ver Umgang äer italienischen Wahlen. Rom, den S. März.(Eig. Ber.) Das itaUenischc Proletariat hat alle Ursache, mit dem Ergebnis des ersten Wahltages zufrieden zu sein. In der aufgelösten Kammer verfügte unsere Partei über 26 Mandate, und am 7. d. MtS. hat es im ersten Wahlgang schon 32 Mandate erobert, während noch 27 unserer Genossen in Stichwahl stehen! Wohl hat die sozialistische Partei auch Verluste erlitten; sie hat sechs Mandate eingebüßt und wird in der Stichwahl wohl noch ein weiteres verlieren. Wer von diesen Verlusten waren vier längst vorausgesehen worden: die Wahlkreise von Bozzolo, Veronal, Biandrate und S c i a c c a mußten von vornherein als ver- loren gelten, so daß in Sciacca überhaupt kein Parteikandidat auf- gestellt lvorden war. Ein schwerer und unerwarteter Schlag für die Partei war dagegen der Verlust der Wahlkreise von Empoli, Macerata und O st i g l i a, die als zun» festen Partcibestand gehörig gegolten hatten. Am schmerzlichsten ist der Verlust von Ostiglia, daS seit drei Legislaturperioden vom Genossen Gatti, der diesmal durch den Genossen Zanardi ersetzt worden war, vertreten wurde; der Parteikandidat erhielt 3714 Stimmen— 300 mehr als bei den vorletzten Wahlen—. der Gegner 3828. Aber diese Verluste werden reichlich und überreichlich aufgewogen durch die Zahl und Bedeutung der Siege, die die Partei am vorigen Sonntag errang. Den sieben verlorenen stehen 13 neu eroberte Wahlkreise gegenüber, ungerechnet der 27 Stichwahlen, an denen unsere Partei beteiligt ist. Unter diesen Siegen sind solche von besonderem Werte, wie die Verdrängung des Klerikalen Santini in Rom II durch B i s s o l a t i. der Sieg ThiesaS in Genua I, die Wahl des Maurers O u a g l i n o in B i e l I a. die Wieder- eroberung von Turin IV. wo Nofri 43S2 Stimmen erhielt. Ueberhaupt haben bei dieser Wahlschlacht die großen Städte, die in Italien nicht gerade zu den Hochburgen der proletarischen Organi- fation gehören, sich rehabilitiert. Wenn auch der Wahl BissolatiS in Rom mehr der Charakter einer antiklerikalen, als einer sozialisti- schen Kundgebung zukommt, so bezeichnet sie doch die Eroberung eines Mandats, das stets in klerikal-konservativen Händen gewesen war und als uneinnehmbar galt; außerdem wurden in Rom zwei Republikaner gewählt. Noch besser schließen Florenz und Turin ab: in Florenz ist Pieraccini neugewählt. P e S c e t t i wiedergewählt und ein drittes der vier Mandate ist einem Republikaner zugefallen. In Turin hat sich M o r g a r i fast kampflos behauptet, Nofri ist gewählt und C a s a l i n i um fünfzig Stimmen in Stichwahl gekommen. Venedig hat in allen drei Wahlkreisen Sozialisten zur Stichwahl gebracht. In Mailand freilich ist lediglich der alte Bestand behauptet worden,' aber nan, entlich T u r a t i ist mit imponierender Stimmenmehrheit, ö17ü gegen 2451 Stimmen, durchgekommen. Was die übrigen Siege betrifft, so waren sie zum Teil von uns vorausgesehen worden. Daß Prampolini in Reggio Emilia gewählt werden würde, schien von vornherein sicher, aber erstaunlich ist, daß er rund 5000 Stimmen erlangte. Auch die Wahl Bentinis in Castelmaggiore und PodreccaS in Budrio waren mit Bestimmtheit zu erwarten. Unerwartet und daher doppelt erfreulich kommt dagegen die Wahl Merlanis in Valencia, ManciniS in Pesaro, Trapaneses in Orvieto und MilanoS in Paterno(Sizilien). In diesen drei Kreisen ist freilich der Sieg mit knapper Mehrheit errungen worden. lieber den Ausfall der Stichwahlen darf man sich keinen Illusionen hingeben. Bekanntlich pflegt im zweiten Wahlgang die Regierung alle ihre Machtmittel gegen unsere Kandidaten aufzubieten. Wesentlich für den Ausgang mehrerer Stich- wählen wird das Abkommen sein, das man mit den Republikanern zu treffen hat. Besonderes Interesse hat die Stichwahl in Comacchio(Ferrara), wo der Syndikalist Marangoni gegen einen klerikalen Konservativen kämpfen wird; in Neapel steht Genosse Ciceotti in Stichwahl mit einem seiner neun Gegenkandidaten, ein Kampf, dem deshalb be- sondere Bedeutung zukommt, weil die sozialistische Partei die einzige in Neapel ist, die cS bis jetzt gewagt hat' der Kamorra die Zähne zu zeigen. Da viele endgültige Resultatt »»ch fehlen, ist eine genaue Ueberstcht über die Aussicht der Stich- wähl zurzeit noch nicht möglich. Ob die Mehrheit des Ministeriums auch nur in geringein Maße durch den Wahlausgang erschüttert wurde, läßt sich bisher nicht übersehen. Daß die Ministeriellen nicht zufrieden sind, läßt sich aus dem Verhalten der.Tribuna* entnehmen, die es nicht ver- schmäht, sieben der von der Partei eroberten Mandate ihren Lesern einfach zu unterschlagen. Bis jetzt sind den Republikanern und Radikalen 47 Mandate gesichert gegen 41, die sie in det vorigen Kammer hatten; weiter sind sie an 18 Stichwahlen beteiligt. Auf alle Fälle wird w der neuen Kammer die äußerste Linke eine nicht unwesentliche Verstärkung erfahren. Wie die Klerikalen abschneiden, ist noch nicht zu übersehen. Eingebüßt haben sie keines ihrer Mandate. Die Shndikalfften haben sich überall außer in Comacchio, wo auch die Partei für ihren Kandidaten stimmte, mit recht kümmer- lichen Abstimmungen begnügen müssen. So haben sie in den Mai- länder Wahlkreisen 7, 9, 13, 103 und 117 Stimmen davongetragen; in Parma einige 500, in Sanpierdarena 270. Aber diese 270 Stimmen haben genügt, um Genossen Chiesa in die Stichwahl zu bringen. Fast überall ist ein sehr bedeutender Stimmen- zuwachS der sozialistischen Kandidaturen zu verzeichnen. Die Arbeiterschaft Italiens hat gezeigt, daß die Lehre verletzten fünf Jahre für sie unverloren war. Die Gegner haben ihr überall nach Kräften den Sieg streitig gemacht. Was erzielt worden ist. ist ein Ergebnis äußersten Kraftaufwandes; die Statistik der Stimmen- zahl wird zweifellos zeigen, daß der 7. März eine weitere Stufe bezeichnet jenes stetigen mühe- und kampfvollen Aufstieges, den das italienische Proletariat unternommen hat, auf dieselben Methoden gestützt, auf dieselben Ziele gerichtet, wie die klassenbewußte Arbeiter- schaff der ganzen Kulturwell. Die Kriegsgefahr beschworen? AuS Wien wird uns vom 11. März geschrieben: Darf die Welt aufatmen, daß die Kriegsgefahr, die seit Monaten auf ganz Europa lastet, beschworen sei? Hai man in der serbischen Zirkularnote, die heute durch die serbischen Ge- sandten den Kabinetten alker Großmächte überreicht wurde, jene Wendung zu erblicken, die von der Drokxung des Krieges fernab führt und eine Periode der Beruhigung einzuleiten bestimmt ist? Die Diplomaten und ihre Offiziösen be- haupten es, aber die Völker haben-trotzdem alle Ursache, auf der Hut zu sein und des im Osten glimmenden Feuers zu achten, das unvermutet zu einem Brande entfacht werden könnte, der den Frieden Europas verzehrt. Würde es auf Worte ankommen, so wäre die serbische Note untadelig, und man würde den ganzen Konflikt zwischen Serbien und Oesterreich-Ungarn als erledigt erachten können. Denn Serbien erklärt den Mächten mit den bestimmtesten Worten, es verlange von Oesterreich-Ungarn„aus diesem An- laß" keine Entschädigungen,„weder territoriale, noch poli- tische, noch ökonomische": es übergebe vielmehr seine Sache „ohne Reserve" den Großmächten als dem„kompetenten Gc- richte". Aber damit sagt Serbien nur etwas, was selbswer- ständlich und wovon das Gegenteil zu sagen eben unmöglich war. Denn daß Serbien„aus Anlaß" der Umwandlung der Okkupation in die Annexion keinerlei Rechtsanspruch ge- Wonnen hat, dgß es also keinen formulieren und erheben kann, ist klar; denn Serbien gehört überhaupt nicht zu den Signatarmächten des Berliner Vertrages, und ihm ist mit der Annexion weder ein Besitz, noch irgendein rechtlicher An- spruch geschmälert worden. Nach der„Zession" der Souve- ränität durch die Türkei an Oesterreich-Ungarn erscheint die AnnexionLfrage juristisch als bereinigt: wo ein Rechtsgrund mangelt, kann ein Rechtsanspruch natürlich nicht aufgebaut werden. Freilich ist sie nur j u r i st i s ch erledigt, und das nimnit der serbischen Erklärung für die Frage, die die europäische Welt bewegt, für die Frage der Kriegsgefahr, jeden Wert. Würde der Streit zwischen Serbien und Oester- reich-Ungarn vor einem Handelsgericht zu entscheiden sein, so würde ihn Serbien wohl verlieren, denn formell steht alles Recht auf Seite der Großmacht, und das kleine Land, das heute von Waffen starrt, vermag sich auf keinen wie immer gearteten Rechtstitel zu berufen. Aber Kriege werden nicht bloß geführt, um Rechtsansprüche durchzusetzen, gewöhnlich ist ihr Beweggrund die Frage nach der Macht. Und ob mit einem Rechtstitel ausgestattet oder' nicht: Serbien sieht in der Annexion die Tatsache, die ihm die Möglichkeit, Bosnien und Herzegowina in seinen Besitz zu bringen, endgültig zu entziehen scheint. Solange die Länder von Oesterreich- Ungärn nur besetzt waren, waren sie der Großmacht noch nicht einverleibt, und wenngleich der Gedanke Serbiens, sie Oester- reich zu entreißen, damals wahrscheinlich nicht weniger aben- teuxrlich war als er es jetzt ist, so hat dennoch erst die Annexion, die den serbischen Hoffnungen ein so schneidendes Ende bereitet hat, die Illusionen zu Machtansprüchen er- hoben. Die Frage ist also nicht, was Serbien sagt; die Frage ist, was Serbien zu tun gedenkt. Und darauf gibt die Zirkularnote, so gewandt die eigentlichen Absichten in ihr auch verschleiert werden, eine Antwort nicht. Wer erwartet hat, daß Serbien erklären werde, es erkenne die Anstexion an, und wolle sich mit ihr abfinden, indem es seinen Willen auf Erwerb und Besitz des einstmals okku- Vierten, nun von Oesterreich-Ungarn einverleibten Landes aufgebe, der ist gründlich enttäuscht worden. Und wer ge- meint hat, von dem aufgewühlten Lande eine solche Er- klärung gewärtigen zu können, der hat die politische, die nationale und die wirtschaftliche Lage, in der Serbien, gleichermaßen durch eigene wie durch fremde Schuld, heute steckt, gründlich verkannt. Die Wahrheit ist, daß Serbien seine Hand nach den zwei Ländern ausstreckt, deren Besitz ihm die nationale Einheit und wirtschaftliche Entwickclung verbürgen soll, ohne die es also nur ein staatlicher Torso bleibt. Daß cS sich in diesem Streben durch den Mangel an Rechtstiteln nicht aufhalten lassen wird, ist selbstverständlich; findet es doch sein Recht in den Notwendigkeiten seines nationalen Lebens, die einem Volke als Grund noch immer genügt haben und jedem aus- reichender erscheinen denn Traktate und vergilbte Perga- mente. Deshalb ist es ganz klar, und daS Gegenteil zu behaupten, scheint eine Torheit: daß die Gefahr des Krieges nur von Serbien droht; denn sie droht immer nur von dem fordernden Teil. Gerade derjenige, der die Situation des wie in einem Käfig eingcfangenen Landes unbefangen zu beurteilen vermag, gerade der muß anerkennen, daß den Krieg nur Serbien will: weil Serbien es ist, welches die Landkarte verändern, durch den Krieg etwas durchsetzen will, was ihm ohne Krieg nicht werden kann. Daß es in seiner wilden Entschlossenheit, die das kleine, vor Jahr und Tag noch ganz unbeachtete Land, heute zum Schrecken Europas gemacht hat— dürften doch alle Staatsmänner Europas nun jeglichen Tag Wohl zuerst fragen, was Serbien mache und was in Serbien geschieht— auf alle Größenverhältnisse ver- gcssen kann und unter Umständen auch den Krieg mit einer großen Militärmacht zu wagen imstande ist, kann gleichfalls nicht bezweifelt werden, wenngleich die Zirkularnote anzu- deuten scheint— und darauf beruht nun im Wesen die Friedenshoffnung—, daß trotz aller Rüstungen und Rada- montaden Serbien einen Krieg scheuen wird, bei dem es der helfenden Unterstützung, ja auch nur der Billigung Rußlands entraten müßte. Aber dieses Zurückweichen wird und kann nach der Sachlage nur ein vorläufiges sein; immer wird Oesterreich-Ungarn diesen Feind im Rücken haben und jede internationale Verwickelung wird ihm dadurch gesteigert werden, daß Serbien auf den Moment, der ein Losschlagen ermöglicht, lauern wird. Die serbische Kriegsgefahr, die in der nationalen Leidenschaft des serbischen Volkes seine Wurzeln hat, wird über Europa lange, brüten. Damit soll natürlich nicht gesagt fem, die Macht- haber in Oesterreich-Ungarn unter Umständen an den Ausbruch eines Krieges nicht schuld werden könnten, und�ichou gar nicht, daß sie an der Gefahr des Krieges keine Schuld tragen. Alle diplomatischen Finessen beiseite gesetzt, handelt es sich darum, daß die Militärmonarchie, vor die Möglichkeit eines Krieges gestellt, den frevlerischen Entschluß fassen könnte, ihn selbst herbeizuführen: wie es innerhalb der letzten Monate wohl mehr als einmal der Fall gewesen ist, und wie es, wenn seine Feinde Oesterreich nicht abschrecken und seine Freunde es nicht zurückhalten, wieder geschehen kann. Für Oesterreich-Ungarn kann es aber, wenn es die Kriegsgefahr bannen und den Krieg vermeiden will, heute keine andere Politik geben, als die des ruhigen Abwartens— des AbWartens, bis sich in Serbien die Besonnenheit einstellt, die einen Krieg mit einer zehnfachen Uebermacht als einen aus- sichtslosen und darum unsinnigen erkennt. Die Machthaber in Oesterreich-Unggrn in diesem Abwarten festzuhalten und vor jedem militärischen Uebermut zu bewahren, ist also die Aufgabe, die denen obliegt, die den Krieg hindern wollen. also vornehmlich der Sozialdemokratie. Aber die Erkenntnis dieser Aufgabe schließt auch jede Ermutigung der serbischen Ansprüche aus, woran sich gar nichts ändert, wie das Urteil über ihre Berechtigung beschaffen sein mag. politische(ledersicbt. Berlin, den 12. März 1909. Die Beratung des Fforstetats. Die Beratung des Forstetats, die im Abgeordnetenhauss am Freitag begann und am Sonnabend fortgesetzt wird, bewegte sich diesmal auf höhrrem Niveau als in früheren Jahren. Genosse Borgmann regte eine Frage von prinzipieller Bedeutung, die Frage der Verpachtung der Staatsforsten, an. Gestützt auf ein reich- haltigeS Material, namentlich auf Zuschriften aus Försterkreisen, konnte er nachweisen, daß dabei nicht nur der FiskuS selbst ein gutes Geschäft machen, sondern daß auch die Lage der Förster, die sich heute weit schlechter als die Oberförster stehen und oft zu unter- geordneten Diensten mißbraucht werden, dadurch gebessert würde. Der LandwirtschastSminister v. Arnim verhielt sich dieser An- regung gegenüber genau so ablehnend wie die Mehrheit»- Parteien. Allgemeine» Erstaunen erregte e», als Borgmann einen Brief vorzeigte, der ihm offenbar von einem Mitg liebe de» HauseS zugegangen ist,— er war auf einem amtlichen Bogen ge- schrieben— worin diese» Mitglied, allerdings ohne Nennung seine» Namens, die sozialdemokratische Fraktion bat. die Frage der Forst- Verpachtungen zur Sprache zu bringen. Den Herren von der Bourgeoisie war die Mitteilung BorgmannS recht unangenehm, aber all ihr Reden und ihre umstrickten Verdächtigungen können die Tat- fache, daß der Brief nun einmal existiert, nicht aus der Welt schaffen. Der Brief ist nicht weniger echt als die Zuschriften der Förster. mögen sie nun dem Minister und seinen Freunden angenehm sein oder nicht. Selbst unter diesen Beamten bricht sich allmählich die Ueberzeugung Bahn, daß allein die Sozialdemokratie die wahre Ver- treterin ihrer Interessen ist._ Professor Delbrück über die Stcuerhinterziehungcu. In der letzten Nummer der„Täglichen Rundschau" setzt Professor Delbrück seine Polemik gegen die bündlerischen Gegner der Nachlaßsteuer mit ebenso viel Eifer als gewichtigen Gründen fort. Er schreibt unter anderem: „Ich habe in den.Preußischen Jahrbüchern"(Märzheft) nachgewiesen und diesen Nachweis in einem Artikel im„Tag" (2. März) ergänzt, wie außerordentlich schlecht unsere Steuer- Veranlagung ist. In Preußen hat die letzte Vermögen»- Veranlagung 9t, 6 Milliarden ergeben, während nach meiner Berechnung 155 Milliarden steuerbares Vermögen vor- Händen find. Ich gebe zu, daß in dieser Berechnung Ansätze sind, die sich anzweifeln lassen.... Zwar sind mir in der Preise noch keine Fehler in der Rechnung nachgewiesen worden, aber ich selbst habe bereits auf Grund neuer Informationen einige Korrekturen vorgenommen, und werde im nächsten Heft der.Preußischen Jahrbücher" noch einmal das ganze Zahlenmaterial in revidierter Form vorführen. Soviel aber kann ich schon jetzt sagen, einiges geht herunter, anderes geht heraus, eine wesentliche Veränderung wird sich nicht ergeben. Der Unterschied zwischen 9t, 8 und 155 Milliarden ist ja so horrende, daß, selbst wenn eS gelingen sollte, die 155 auf 150, auf 140 oder gar auf 130 herunterzurechnen, der entscheidende Satz, daß die Ber- anlagungen weit unter dem wahren Wert bleiben, davon gar nicht berührt wird. Nun ist es aber sicher, daß die Veranlagungen zur Einkommen st euer noch viel schlechter sind als die zur Vermögen»- st euer. Die Vermögenssteuer ist ja so gering, daß es sozusagen gar nicht der Mühe wert ist, zu gering zu deklarieren; bei der Einkommensteuer aber, die mit den hohen Zuschlägen belastet ist, scheffelt jede Stufe herauf oder herunter gewaltig. Eine direkte Kontrollrechnung, wie hoch tatsächlich das Volks- cinkommen im Vergleich zum versteuerten Einkommen ist. existiert leider nicht, aber da schon die Vermögenssteuer so weit hinter der Wahrheit zurückbleibt, so kann man eS psychologisch als gewiß ansehen, daß es bei der Einkommensteuer in noch viel höherem Matze der Fall ist." Professor Delbrück betont wiederholt, daß das beste Mittel gegen eine Hinterziehung auch der Einkommensteuer die Nachlaß- steuer sei. Die Junker behaupten ja nun, daß ihnen da» mobile Kapital an Virtuosität in Unterschlagung von Steuern noch weitaus überlegen und daß c» deshalb ungerecht sei, gerade den Grundbesitz in möglichster Vollständigkeit zur Steuer heran- zuziehen. Mit den Steuermogelcien des mobilen Kapitals mag c» ja nun auch seine volle Richtigkeit haben; allein wenn die Konfer- vativen sich trotzdem nicht scheuten, die Deklarationspflicht der Arbeitgeber für alle Arbeitereinkommen bis zu 3000 M. einzuführen, so ist es nur billig, daß jetzt auch sie einmal energisch herangezogen werden!—_ „Wildgewordene Profefsores." Die„Korrespondenz des Bundes der Land- Wirte" ist natürlich empört darüber, daß sich zu Adolf Wagner auch der gleichfalls konservative Professor Hans Delbrück gesellt hat, der noch schonungsloser als Wagner die Steuerdrückebergerei des Großgrtind- besitzes geißelt. Die bündlerischc Korrespondenz veröffentlicht zur Abivehr eine„ironisierende" Zuschrift eines Agrariers. der Herrn Delbrück bestreitet, daß er konservativ sei. DaS sei eilt„Mißbrauch deS Wortes". In der Zuschrift heißt eS dann: „Das Verständnis deS Herrn Delbrück für die Geschichte seiner Zeit, für ihre gewaltigen wirtschaftlichen Kämpfe und für die Täligkeit de» Bundes in diesem Kampf ist so abgrundtief, daß Herr Delbrück zweifellos sofort Professor werden müßte— wenn er eS nicht schon wäre. Wir glauben ja gern, daß der Regierung und den ihr zurzeit nahestehenden sozialen Weltbeglückern jede gesunde und kräftige Reaktion gegen den zunehmenden Staats» soziaNSmuS äußerst fatal ist. Mer wenn man stch über einen sachlichen Gegner ärgert, so muß man nicht schimpfen, verehrter Herr Professor! ES gibt wirklich nichts mehr, was man dem willigen deutschen Zeitungsleser nicht bieten dürste, wenn man„Professor" ist. Diese wild gewordenen Professoresa la Hans D— elbrück (wir hätten fast geschrieben Dampf), die heute zu allen politischen Tagesstagen Stellung zu nehmen für unerläßlich halten, fangen an zur komischen Figur zu werden. Dementsprechend schätzen praktische Politiker sie ein." Wenn es noch eines Beitrages dafür bedurft hätte, wie „praktische Politiker" des Konservatismus die W i s s e n s ch a f t und ihre Vertreter einschätzen, selbst wenn sie eine streng konservative Weltanschauung vertreten, so lieferte ihn diese„Jronisierung". Der ebenso brutale wie stupide Haß gegen alles, was auch nur ein Fünkchen sozialen Pflicht- gefnhls besitzt, gelangt in solch albernen Anpöbelungen zum Rassischsten Ausdruck I_ Ein freifinniger Rechtsanwalt gemafiregelt! Man schreibt uns: In einer Versammlung in dem Städtchen Waren sMecklen- burg-Schwerin) hauen vor einigen Wochen die Freisinnigen eine Äuseinandersetzung mit den Konservativen. Der Rechtsanwalt Dr. Tobias- Rostock führte als Referent u. a. aus: Nach der VersasiungSvorlage der Regierung solle der Landesherr das Recht bekommen. Gerichtsverfahren vor dem Urteilsspruch niederschlagen zu können. Dieses„Abolitionsrecht" brachte Tobias in Verbindung mit dem Eulenburg-Prozeß und meinte, solche Leute wie Eulenburg würden sich dann in einem Lande wie Mecklenburg glücklich fühlen können. Wegen dieser Kennzeichnung wurde Dr. Tobias vor dem Ober- staatsanwalt eröffnet, daß ein Ermittelungsverfahren gegen ihn ein« geleitet werde, denn durch die Äeußerung habe er sich der Achtnng verlustig gemacht, die sein Beruf erfordere. Bisher hatte die mecklenburgische Staatsgewalt immer ihre liebe Not mit der Sozialdemokratie. Nun haben, seit dem Inkrafttreten des neuen Vereins- und Versammlungsrechts, auch die Freisinnigen sich in die Oeffentlichkeit gewagt. Und sofort ist die Sicherheit des Staates in Gefahr I Es sei schließlich noch erwähnt, daß Tobias in jener Versammlung auf eine Anfrage hin erklärt hatte, der junge Großherzog von Mecklenburg habe 2 Millionen Mark Schulden, worüber besonders der Bürgermeister von Waren, Dr. Klockow, ganz aus dem Häuschen geriet._ Ein Monsterprozeß gegen russische Studenten. Von Dresden wird die Verhaftung russischer Studenten gemeldet. Es soll sich um die Einleitung eines Prozesses wegen Geheimbündelei handeln, in den auch russische Studenten anderer Hochschulen hineingezogen werden sollen, denn die „Dresdener Nachrichten" teilen mit, daß auch in Mittweidarussische Studenten verhastet wurden, von denen man zwei wieder entließ. Die Verhafteten werden nach Dresden über- geführt. Bei den in Dresden Verhafteten wurde eine umfang- reiche russische Korrespondenz gefunden.— Die deutsche Kolonialpolitik und die Sozial- demotratie. Mr erhalten folgende Zuschrift: Auü Alrenburg wird mir der Bericht deS.Schmöllner Tageblatts" über eine Rede eingesandt, die der uationalliberale Abgeordnete Fuhrmann am 3. März in S ch ni ö l l n gehalten hat. Im An- schluß an Lobeserhebungen über die kapitalistische Kolonial- Politik deS Deutschen Reiches heißt es in dem Bericht: „Der Herr Lieferent gab der Hoffnung Ausdruck, daß man auch in_Kreisen der Arbeiterschaft hierfür Verständnis finden werde. So habe z. B. ein sozialistischer Abgeordneter dem Referenten gegenüber geäußert, daß die von der sozialistischen Partei geübte Kolonialpolitik hauptsächlich das Werl des Abg. L e d e b o u r sei, welcher jedoch, wie Redner be- merkte, kaum zehn Anhänger habe. Die Partei werde inS- besondere durch die alten Führer derselben regiert, denen aller- dings unter dem Sozialistengesetz jegliches Vatcrlandsgefllhl auL dem Herzen gerissen wurde: aber eS wachse eine neue Generation heran, die eine andere Richtung einschlagen werde." Dieser nationalliberale Weisheitserguß wäre jedenfalls ein ge- fundenes Fressen für den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratte. Ich habe deshalb zunächst dem Herrn Abg. Fuhr- mann persönlich jenen Bericht vorgelegt, um zu erfahren, ob er wirklich die ihm in den Mund gelegten Aeußerungen getan hat. Er erklärte, dem Sinne nach seien seine Aeußerungen richtig wiedergegeben; er habe aber nicht gesagt,.ein sozialistischer Abgeordneter", sondern „ein Sozialdemokrat" habe ihm jene Mitteilung gemacht. Ferner habe er nicht gesagt, es gäbe„kaum zehn Anhänger" meiner Ansichten über Kolonialpolitik in der sozial- demokratischen Partei; er habe jedoch„eine ähnliche drastische Wendung" gebraucht, um anzudeuten, daß nach Mitteilung seines Gewährsmannes nur eine kleine Minderheit meiner Ansicht sei. Zu den Behauptungen, zu denen sich somit nach dieser Ver- klansulierung der Herr Abg. Fuhrmann bekennt, habe ich nunmehr folgendes zu bemerken: Ueber Herrn Fuhrmanns Hoffnung auf das Heranwachsen einer neuen Generatton innerhalb der Sozialdemokratie, die eine andere Richtung einschlagen werde, brauche ich kein Wort zu verlieren. .Hoffnungen" lassen sich nicht widerlegen. In den Reiben unserer Parteigenossen jedoch werden Herrn Fuhrmanns Hoffnungen nur Heiterkeit erwecken. Was die Behauptting anbetrifft, die von der sozialdemokratischen Partei vertretene Kolonialpolitik sei.hauptsächlich das Werk deS Llbg. Ledebour" und nur eine geringe Minderheit stimme ihr zu, so stelle ich dem die folgenden Tatsachen entgegen: Längst ehe ich in den Reichstag eintrat, hat Genosse Bebel unter Zustimmung der ganzen Partei die nämliche Stellung zur Kolonialpolitik ein- genommen wie ich. Meine Ausführungen im Reichstag« haben stets die volle Billigung der Fraktion wie unserer Parteikongresse gefunden. Sticht ich, sondern diejenigen Parteigenossen, die eine andere Auffassung von der Kolonialpolitik haben, befinden sich somit innerhalb der Partei in einer verschwindenden Minderheit. Was also die Behauptungen BeS geheimnisvollen GewährS- mannet) deS Herrn Fuhrmann anbetrifft, so werden sie sich vielleicht wieder in lauter.Mißversländnisse" auslösen. Sollte aber wirklich ein Parteigenosse einem gegnerischen Abgeordneten so etwa? gesagt haben, so hat er wohl die Güte, aus diese öffentliche Aufforderung hin sich zu melden, um auch öffentlich die Beweise für seine Be- hauptungen zu erbringen._ G. Ledebour. Die Balkankrise. Ueber die serbische Antwortnote sagt das Blatt des Wiener Auswärtigen Amtes: „Das Hauptmerkmal der serbischen Zirkularnote besteht in der unklaren und gewundenen Textienmg. Einer Ergänzung bedarf die Note hauptsächlich deshalb, weil sie auffallenderweise die seit fünf Monaten betriebenen und gegen uns gerichteten Rüstungen Serbiens außer acht läßt, einer Verdeutlichung vor allem dort, wo sie von der Regelung der schwebenden Differenzen handelt. Serbien erhebt seine Prätensionen nicht mehr direkt gegen uns, sondern überantwortet seine nicht näher definierte„Sache" den Mächten, also offenbar der europäischen Konferenz. Nun ist aber eine Konferenz, vor welche die bosnische Angelegen- heit in dem anscheinend von Serbien gewünschten Zustande, nämlich im Zustande einer noch nicht geregelten Frage, gebracht würde, undenkbar oder wenigstens für uns nicht annehmbar. Die bosnische Angelegenheit ist durch unsere Entente mit der Türkei materiell erledigt und die Signatarmächte, welche die Tatsache der Annexion nie angefochten haben, werden nicht die von Serbien angeregte Ent- scheidung zu treffen, sondern sich nur über die formelle Fina- l i s i e r u n g des von uns vorgenommenen staatsrechtlickien Aktes auszusprechen haben. Daher ist es nicht rechl verständlich, warum Serbien den Wert seiner Verzichterklärung hinsichtlich territorialer Forderungen durch eine ausweichende Berufung auf die Signatarinächte beeinträchtigt. Von diesem Punkte ab- gesehen ist der Gefamteindruck, den man von der Note erhält, der, daß sich aus ihr trotz der unklaren und aus- weichenden Sprache immerhin etwas von dem guten Willen der serbischen Regierung herausspüren läßt und daß sie vielleicht als Beginn einer Konversation gedacht war. Erledigt ist die Angelegenheit durch die Note freilich nicht. und wir haben nach wie vor abzuwarten, was Serbien unS auf unsere bestimmten Anfragen erlvidern wird." Diesen Standpunkt der österreichischen Regierung macht sich auch die deutsche zu eigen. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: .In Wien und hier wird hervorgehoben, daß das serbische Verlangen,„alle seine Ansprüche" von einer europäischen Konferenz geprüft und entschieden zu sehen, auf die Entschließungen der Mächte ohne Einfluß sein dürfte. Denn alle Mächte sind sich stets darüber einig gewesen, einer etwaigen Konferenz ein scharf umgrenztes Programm und nur solche Fragen zu unter- breiten, über die vorher eine Verständigung unter den Konferenz- teilnehmern stattgefunden hat." Diesem Standpunkt, daß eine Konferenz nur die Aufgabe haben könne, von bereits getroffenen Abmachungen Kenntnis zu nehmen, soll sich auch die Türkei angeschloffen haben. In Belgrad scheint momentan größere Ruhe eingetreten zu sein. In der Skupschtina wurde die Verlesung der Zirkularnote durch den Minister des Aeußeren dcvattelos zur Kenntnis genommen und dann das Budget beraten, dessen durch die Kriegsrüstungen entstandenes Defizit durch Wprozentige Steuerzuschläge gedeckt werden soll. Dagegen kommen aus Rußland wieder ungünstige Nach- richten. Die russische Regierung soll in der Tat versuchen, die Türkei zur Abtretung eines Gebiets st reisenS von dem Sand- schal Nowibazar an Serbien zu bewegen, um so die Verbindung Serbiens mit Montenegro möglich zu machen, ein Vorgehen, das in Oesterreich neue Besorgnisse erweckt. Dazu kommen Meldungen, die von Kriegsvorbereitungen Rußlands gegen Oesterreich zu erzählen wissen. Ob sich diese Meldungen bestätigen, bleibt allerdings abzuwarten. Die Konferenz gesichert? Wien, 12. März. Das„Neue Wiener Abendblatt" meldet aus Rom. in diplomatischen Kreisen halte man die Konferenz für ge« sichert, da hinsichtlich der wirtschaftlichen Kompensationen, welche Serbien und Montenegro erwarten, die Mächte nur ein p r i n- zipielleS Votum zu formulieren gedenken. frankreick. Wie Azew Gapon töte« ließ. Paris, 11. März.(Eig. Ber.) Das Zentralkomitee der russischen Sozialrevolutionäre veröffent- licht den Bericht RutenbergS, der die Tötung Gapon S organisiert hat. Wenn es noch eitles Beweises für die Ver- logenheit Stolypins bedurft hätte, der Azew nur als einen auf Ver- hütung von Attentaten bedachten, von jeder Provokation weit entfernten Spion gelten lassen wollte, so liefert ihn dieser Bericht. Erzeigt nämlich, daß Gapon gegen den Willen des Zentral» komitees infolge einer tückischen Intrige AzewS getötet worden ist. Rutenbcrg, der nach den Januartagen von IVOS in freundschaftlichen Verlehr mit Gapon getreten war, hatte im Februar 1006 von diesem den Auftrag erhalten, in die Dienste der russischen Polizei zu treten und sich mit RatschkowSkh ins Ein- vernehmen zu setzen. Die Polizei hatte damals einen Preis von 106 000 Rubeln auf die Auslieferung der Kampforganisation gesetzt. Rutenberg, der auch sonst die Spitzelrolle Gapons aufhellen konnte, erstattete dem Zentralkomitee die Anzeige. Dieses war der Meinung, daß man mit der noch fortdauernden Popularität GaponS rechnen müsse, daß also die Tötung deS Verräters nur zugleich mit der RatschkowSkyS— also in klaAranti— vollzogen werden dürfe. Derjenige, der diese Anschauung am nachdrücklich st en vertrat, Ivar— wie das Komitee jetzt in einem Anhange an den Bericht feststellt— Azew. Azew war aber auch derjenige, der Rutenberg die Entscheidung des Komitees bekanntgeben sollte. Und er gab ihm die Order, Gapon allein zu töten, wenn eS anders nicht mög- lich sei. Gemäß den Azewschen Instruktionen gab nun Rutenberg, dem die Kampforganisation die notwendigen Mittel zur Verfügung stellte, alle Beziehungen mit den Organisationen der Partei auf. Er erklärte sich Gapon gegenüber zu der ihm zugedachten Rolle bereit, und eS wurde ein Rendezvous mit Ratschkowsky verabredet. Dieser kam jedoch nicht, mit der Begründung, daß ihm Rutenbcrg durch Auslieferung von Dokumenten erst den Beweis liefern müsse, daß er Vertrauen verdiene. Azew hatte ihn offenbar von dem Schicksal, das ihm drohte, unterrichtet. Azew drang nun in Nutenberg, Gapon allein zu töten, wozu sich dieser auch nach anfänglichem Verzicht auf das ganze Unternehmen entschloß. Gapon wurde am 28. März 1906 in Ozerki getötet. Als Azew Rutenbcrg zur Tötung Gapons anttiev, wußte er ganz genau, daß er damit den Absichten des ZentratkomiteeS zuwider- handelte. Drei Tage vor Gapons Tötung hatte das Zentralkomitee beschlossen, das Ehrengericht zu beschicken. daS über Gapons Verhalten urteilen sollte. Als Rutenberg nach vollbrachter Tat die wirkliche Order des Zentralkomitees erfuhr, forderte er ein Verfahren gegen sich. Aber er bekam nur die Erklärung, daß ein „Mißverständnis" vorgelegen habe. Azew hatte sich Gapons entledigt, so wie er sich TatarowS entledigt hat, mit Hilfe der Sozialrevolutionäre, die ihm blindlings vertrauten, trotz solcher „Mißverständnisse". Englsncl. Die indischen Reformen. London, 11. März. Oberhaus. Die dritte Lesung der GcsetzeSvorlage zur Einführung von Reformen in Indien wurde einstimmig angenommen. Während der Tpezialdcbatle wurde ein Antrag der O p p o s i t o n auf Streichung eines Zusatzes trotz des Widerspruchs der Regierung an- genommen. Aber es ist nicht zu erwarten, daß die Opposition fest bleiben wird, falls die Regierung den betreffenden Zusatz wiederherstellen wird, wenn die Gesetzesvorlage vor das Unterhaus gelangt. In der Begründung bei der dritten Lesung hob der Staatssekretär fü�. Indien ViSconnt Morley nachdrücklich die Wirkung hervor, welche die Gesetzesvorlage und die Politik der Regierung in bezug auf die Verminderung der Spannung in Indien hervorgerufen haben und teilte autoritative Berichte aus Indien mit, die energisch in Abrede stellen, daß JudiM' sich in einem Zustande allgemeinen Aufstandes befinde und erklären, daß nur vereinzelte Ausschreitungen zu erwarten seien, die keineswegs auf eine weitverbreitete Ein- pörung hindeuteten. RulUancl. Der Streit um die Majestätsbeleidigmig. Petersburg, 11. März. Der Präsident der Duma Choinjakow hat den Brief des Abgeordneten Markow mit einem Schreiben beantwortet, in welchem er zunächst bemerkt, er habe ans dem Brief des JnstizmmisterS nicht ersehen, daß dieser eine gerichtliche Behandlung der Angelegenheit im Prinzip richtig befunden habe. Zum Tatbestande übergehend bemerkt Chomjakow, Marlow habe einige Abgeordnete der Majestätsbeleidigung und das Präsidium gesetzwidriger Untätigkeit beschuldigt. Laut Gesetz genießen die Abgeordneten vollkommene Meniungsfreiheit und unterliegen bloß der disziplinären Kontrolle des Präsidenten, Aus dicicm Grunde habe ich, schreibt Chvmjalow, Ihnen die Be- merknng gemacht. Was meinen Ausspruch: Sie beleidigen die Majestät, anbetrifft, so meinte ich damit, daß Sie, wie aus Ihrer Rede hervorgeht, aus den Reden anderer Abgeordneter auf eine unzulässige Identität zwischen der Regierung und der unantastbaren Person des Monarchen geschlossen haben. Mit meiner Bemerkung beabsichtigte ich nicht, Sie eines Verbrechens zu zeihen. In Ihrem Briefe weisen Sie darauf hin, daß die einzige Person, welche gegen Sie Anklage erheben könne, der Präsident der Retchsduma sei. Jedoch gibt keine gesetzliche Be- stimmung ein Recht zu einer solchen Behauptung. Infolgedessen habe ich keinen Grund. Ihrer Bitte Fokge zu leiste». Hus der Partei. Zur Maifeier. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins- zu Brandenburg ist beschlossen worden, gemäß dem Beschlüsse des Parteitages zu Nürnberg, von allen in Betrieben der Arbeiter- bewegung Angestellten am I.Mai einen Tagelohn einzu- fordern, lieber die Debatte der Versammlung über diesen Punkt berichtet die„Brandenburger Zeitung": Brachwitz erklärte sich mit dem Antrage(des Vorstandes) eiu- verstanden, meinte aber, daß mit dem so gewonnenen Gelde keine große Unterstützimgöaklion für die Maiausgesperrten ins Werk zu setzen fei. Von ungefähr 67 Parteigenossen am Orte, für die der Beschluß Geltung haben sollte, würden höchstens 400 M. ausgebracht.� Damit sei für den gedachten Zweck wenig anzufangen. Lieber möge inan das Geld für die Gründung eines Herbergsbausonds verwenden. Schmnckert wandte sich gegen den Antrag; er bestritt dem Parteitag das Recht, über den Geldbeutel der Parteigenossen zu verfügen und erklärte namens der im hiesigen Parteigeschäft beschäftigten Buchdrucker, daß sie sich dem Beschluß nicht fügen würden. Pfund 1.10 Pfand 95 Pt. T Pfund 1.00 la magerer u. fetter Speck. Pfund 85 Pf. uspola Getrocknete Pflaumen I... Pfund 0.28 99 99 II. Pflaumen ohne Stein... Gemischtes Obst I. II. Auf Teilzahlung. Möbeleinrichtung Stube und Küche, Anzahlung 15 Mart. Berlieben gemejene Wöbel spottbillig, Pfund 0,18 .. 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