Kr. 63. RtonnemefttS'ßedlnsiinsen: ytBonnrnientS. Preis pränumerando i Vicrtcljäbrl. SL0 MI., nionatl. 1,l0 MI., wöchentlich W Pfg. frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Conntags- nunimer mit illuslrierler SonntaaS. Beilage„Die Neue Welt» w Pfg. Post- Slbonnement: l.lll Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. PostabonnenientZ nebmcn an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, iiumänic», Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. vlchelllt täglich außer montags. Bevltnev Volksblntt. vle lnlettlonz-eebgh? beträgt sür die sechSgespallene KalonÄ« zcile oder deren Raum 60 Psg., fit« politische und gewerkschaftliche Vereins« und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(feit« gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wart 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- slcllen-Anzeigen das erste Wart 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über Ib Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnct. Telegramm-Adresse: „SoziaiiKRiolirat Rtrilnrt Zentralorgan der fozialdemokratl feben partes Deutfchlands. Rcdahtson: 8 LI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Quittung. Im Monat Februar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Anchen-Land-Enpen, sozialdemokr. Verein, 4. Quart. 08 46,58. Gros'.-Berlin a konro seiner acht Wablkreise 20 006,— sdarunter: M. S. 30.—, zwei Sch. u. eine p. G. 2.50, Sechserkasse Bezirke 123, 123. 129 10.—, Uebcrschiiss Sonntagsversammlung bei Rabe, 7. und 8. Abt. 17,25, bei Meier, 3 und 4. Abt. 22,30, Unterhaltung-Sabend Süden 61,—, v. Beamten d. Ortskrankenkasse d. Maschinenbauer W., N., D., Sch. u. S. 10,—, Monatsbeitr. Raschle 10,—, Däne 4. Quart. 1,—, Bez. 653a, Laaß 10,—, v. einein Postschweden 1,—, Skatkl.„Einigkeit" durch Willkopf 10,11, A. V. Mister 1,—, Lese- und Diskutierklub „Sakrales" 23.70, A. Zietz, Warschauer Str. 61 10,—, Alt 7,—, Mitglieder der Union-Druikerei 9,85, Gle. 10,—, Ralichklnb„Flieder- duft" 2,15, Sparverein„Eintracht" 3,10, div. Kranzübersch., H. Bucha! durch Schw. 1,40. Tapeziererwerkstatt Rothe, Mebnerstr. 4 5,35, Ueberlch. v. UnterhaltungSabend d. freien Turnerschaft Lankwitz und Vergniignngsvercin„Freiheit" 5,50, Kranzübersch. von den Arbeitern der Fa. Jokart 1,—, A. R.—,60, Hilfsarbeiter der Vorwärts- buchdr., Werkabt. 5.—. Arbeitslose A. S. 20.—. Bergarb.. Radbod durch M. 15,50. 1. Kreis durch H. W. 200,—). Berlin, diverse Beiträge: Dr. R. 25,—. Jule II, Ritlerstrahe 11,50. Die Kontobncharbeiter vom Wedding, Januar und Februar 10,—. Druckerei Ullstein, Abt. Falzerei 21,25. Dr. L. A. 100,—.„Abt." 5,—. Machetes 5,—. M. W. 2,—. Uebersch. v. d. Kranzspende der Arb. der Schultheisz-Braucrei, Abt. 4, Niederichöneweide 15.25. Gutenberg 43,—. Bon der Frauenorganisation noch durch Genossin Baader eingegangen: Greiz durch Genossin Kis; 54,43, Eiscnach durch Genossin Dorris 6,10, Eberswalde durch Genossin Plamann 15.85. Sa. 76,38. A. B. 50.—. P. S. 50.—. Baden-Baden. Wahllrcisbeitrag für 4. Quart. 08 48,45. Bielefeld-Wicden- brück, sozialdemokr. Verein, a konto der Beiträge April bis Dezember 1908 1000,—. Bonn- Rheinbach, Beitrag des Wahlkreises für 4. Quart. 08 2?.—. Bant, sozialdemokr. Verein des 2. hannov. u. 2. oldenb. Wahlkr. 4. Quart. 08 547,23. Breslauer Agitationsbezirk 4. Quart. 08. Wahlkreise: Breslau Land 262.80; Liegnitz 99.88; Brieg 42,36; Ohlan 21,14; Neustadt sOberschlesien) 13,96; Neige 9.80; Leobschütz 5,10; Oppeln 0,40; Sa. 455,44. Breslau, für Flugblätter 93,—. B'urgsteinfurt, Bei- trag des Wohlkreises Steinlurt-AhauS-Teckleuburg für zweites Halbjahr 08 12.70. Backnang, 11. württembergisch. Wahlkreis 4. Quart. 03 37.04. Braunschweig, 1. Wahlkreis(Braun- schweig- Blankenburg) 4. Quart, 08 526,93. Desgleichen 2. Wahl- kreis jHelmstedt-Wolfenbüttel) 4. Quart. 03 117,86. Desgleichen 3. Wahlkr.(Holzmindcn.Gander.shcim) 4. Quart. 03 90,68. Bcuthcn- Tarnowitz, WahlkieiSbeitrag für 4. Quart. 08 42.20. Bern 50,—. Borsigwaldc-Witlenau. v. d. Gemcindcvertretern. Uebersch. von der Gemeindevertreterkonferenz 4.—. Böblingen-Vaihingen, 4. württem- bergischcr Wahllr., 3. U. 4. Quart. 08 208,80. Casseler Agilationsbezirk 4. Quart. 08. Wahlkreise: Cassel- Melsungen 366,66; Eschivegc-Schmalkaldcn 76,—; Rinteln-Hofgeismar 57,—; Fritzlar-Homberg 11,68; HerSseld- Rothenburg 6,42; Sa. 517,78. Chemnitz, a konto der Beiträge des 16. fächs. Wahlkreises für 1908/09 3000,—. CottbuS-Sprcmberg. sozialdemokr. Verein, 2. Halbjahr 08 300,—. Colmar i. E., Beitrag des sozialdemokr. Wahlvereins für 2. Halbjahr 08 32.92. DreSden-Altstadt, sozialdemokr. Verein für 4. Quart. 03 600,—. Dortmund- Hörde, sozialdemokr. Verein 4. Quart. 03(darunter v. Frauen 77,—) 1380,—. Delmenhorst. 3. oldenb. Wahlkr. 3. Quart. 03 49,70(darunter v. Delmenhorst 40.10, v. Ganderkesee 9,60). Einbeck, Beitrag des 11. hannov. Wahlkr. für 2. Halbjahr 03 50,—. Essen, sozialdemokr. Verein für den Wahl- kreis 4. Quart. 03 590,—. EiSleben, Jahresbeitrag für 1908/09 ans den ManSfelder Kreisen 50,—. Falkenberg(Oberschlesien) 18,—. Freibcrg, 9. fächs. Wahlkr. Rest des WahllreiSbeitrageS für 1907/03 45,48. Frankstirt a. M., Wahlkreisbcitrag für 4. Quart. 08 1000,—. Grabow i. M., Beitrag des 3. mecklenb. Wahlkr. für 2. Halbjahr 08 52,60. Goslar. Beitrag deS 13. hannov. Wahlkr. für 2. Halbjahr 08 143,88. Göppingen, Beitrag des 10. Württemberg. Wahlkr., 4. Quart. 03 177,76. Gleiwitz. Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 03 7,36. Harburg, Beitrag des 17. hannov. Wahlkr. für 4. Quart. 03 800,—. Hamm-Soest, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 03 275,20. Heidelberger Agitationsbezirk, 2. Halbjahr 03. Wahlkreise: 12. badi- scher Wahlkreis(Heidelberg) 220,45; 13. badischer Wahlkreis (Vrctten-Eppingcn) 35,35; 14. badischcr Wahlkreis(Buchen- Wertheini) 14,15; Summa 269,95. Hildesheiin, Kreiswahlverein des 10. hannov. Wahlkreises für 2. Halbjahr 08 414,24. Hessen (Grostherzt.) Beitrag für 2. Halbjahr 03. Wahlkreise: Gießen- Griiuberg 135,—; Friedbcrg-Büdingcn 210,—; Darmstadt-Gr. Gerau 450,—; Offenbach-Dieburg 1050,—; Erbach-Bcnsheim 60,—; WormS- Heppenheim 00,—; Bingen-Alzey 30,—; Mainz-Oppenheim 225,—. Sa. 2250,—. Herdain b. Breslau. O. F. 2,—. Itzehoe, sozial- demolr. Zcntralwahlverein f. d. 5. schlesw.-holst. Wahlkr. 4. Quart. 1903 290,56. Köln a. Rh., Reg. W. 20.—. Königsberg i. Pr., sozialdemokr. Verein 3. und 4. Quart. 03 568,88. Äattowitz- Zabrze, Wahlkreisbcitrag für 4. Quart. 08 31,64. Luckenwalde, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 03 136,—. Ludwigshafen a. Rh., a Konto der sechs Pfälzer Wahlkreise für 4. Quart. 08 700,—. Ludwigshafen a. Rh.. Rückzahl. des Gaues Pfalz aus Landtagswahl- Darl. 250.—. Lübeck, sozialdemokr. Verein, 4. Quartal 03 750,—. Melle-Diepholz, Beitrag d. 5. hannov. Kreises für 2. Halbjahr 08 26,92. Mühlhauscn-Langensalza, Beitrag d. KreisvereinS f. 4. Quart. 03 44.72. Meißen, 7. fächs. Wahlkr. f. 2. Halbjahr 08 1400,—. Dlünchen, Gau Sndbayern, 4. Quartal 03, Wahlkreise: München I und II 774.81; Aichach 43.74. Wasserberg 1.29. Weilheim 26.22. Rosenheim 79,29, Traunstein 9.15, Landshut 7,53, Straubing 3,57. Po stau 6,72. Pfarrkirchen 12.18, Kehlheim 1,65, Augs- bürg 183,51, Dillingen 3,63. Jllertiffen 9,60, Kaufbeuren 9,90, Jnnnenstadt Ä>,52, Summa 1202,31. M.- Gladbach, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 08 59.53. Nordische Wafferkante 80 000,—. Olvenstedt, Wahlkr. Wolmirstedt-NcuhaldenSleben, viertes Quart. 08 130,—. Oldenburg(Großh.), 1. oldenburg. Wahlkreis, 4. Quart. 03 126,20. Ratibor. Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 03 12.15. Reutlingen, 6. württemb. Wahlkr., 3. u. 4. Quart. 03 111,08. 2!rclitz. Beitrag d. 7. mecklenb. Wahlkr. für 2. Halbjahr 03 60,—. Siegen. Beitrag des Wahlkreises für 4. Quart. 03 20,52. Salz- wedel-Gardelegen, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 03 21,95. Stuttgart.®. U. 10,—. St. Johann. Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 1908 67,80. Stadthagen, Wahlkreis Schaumburg-Lippe, 3. u. 4. Quart. 1903 65.00. Schwemlingen, 9. württemb. Kr., 4. Quart. 03 125,52. i.Schrainberg. 8. württemb. Wahlkreis, 4. Quartal 08 46, l6. Wmiz- leben, Nestbeitrag deS WahllrciseS für 1908 350,—. Wctzlar-Allen- kirchen, Wahlkreisbeitrag für 3. und 4. Quartal 08 64,—. Wien. M. S. 2,—. Zschopau, 20. fächs. Wahlkreis a Konto der Beiträge sür 1908/09 150,—. In der Quittung in Nr. 37 des„Vorwärts" vom 13. Februar d. I. mutz es unter Karlsruhe heißen: sozialdemokr. Verein des 10. bad. Wahlkreises für 3. Quartal 08 196,50. In der gleichen Quittung mutz es unter Pforzheim heißen: sozialdemokr. Verein des 9. bad. Wahlkreises für 4. Quartal 08 309,18. Berlin, den 12. März 1909. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 69. Line agrarische Liebesgabe. Im Z 19 des preußischen KanalgefxtzeS vom 1. April 1993 hatten die beiden Häuser des Landtages in Uebereinsttmmung mit der Krone beschlossen, Schiffahrtsabgaben auch auf den natürlichen Wasserstraßen zu erheben. Das war ein direkter Verstoß gegen den§ 54 der Reichs- Verfassung, in dem es heißt: „Alls allen natürlichen Wasser st ratzen dürfen Ab- gaben nur für die Benutzung besonderer Anstalten, die zur Erleichterung des Verkehrs bestimmt sind, erhoben werden. Diese Abgabe» soivie die Abgaben für die Bcfahrung solcher künstlichen Wasierstratzen, welche Staatseigentum sind, dürfen die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung der An- stalten und Anlagen erforderlichen Kosten nicht übersteigen. Ans die Flötzerei finden diese Bestimmungen insoweit Anwendung, als dieselbe aus schiffbaren Wasierstratzen betrieben wird." Alle vcrkehrsfreundlichen Kreise, insonderheit auch die süddeutschen Bundesstaaten, die durch die Schiffahrtsabgaben in ihren Interessen aufs schlverste geschädigt zu werden drohten, erhoben Einspruch gegen diesen rücksichtslosen Ver- stoß gegen die Reichsverfassung. Als vollends am 7. Februar 1997 der Minister der öffentlichen Arbeiten in der Budgetkomniission des preußischen Abgeordnetenhauses die Erklärung abgab. daß die Rechtsfrage, ob auf den natürlichen Wasserstraßen, entgegen der Be- stiinmung des§ 54 der Reichsverfassung, Abgaben erhoben werden dürften, für die preußische Regierung durch die Be- schlüsse des Abgeordnetenhauses und der Krone vom Jahre 1995 erledigt seien, interpellierte man die Reichsregierung wegen ihrer Stellungnahme zu dem verfassungswidrigen Vor- gehen Preußens. Die Interpellation war vom 25. Februar 1997 datiert, sie kam aber erst am 1. April 1993 zur Be- ratung, da die Regierung sich mit ihrer Antwort ein ganzes Jahr lang Zeit gelassen hatte. Die sozialdemokratischen und freisinnigen Redner protestierten in der entschiedensten Weise gegen den preußischen Einfall in die Reichs- Verfassung. Unser Gen. Frank wies darauf hin, daß am 19. Dezember 1993 der Reichskanzler ausdrücklich die Erklärung abgegeben hatte, daß nach dem Stand der Reichs- Verfassung und der abgeschlossenen Verträge die Einführung von Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Wasser- straßen unmöglich sei, daß ferner der preußische Handels- minister eine ganz ähnliche Erklärung abgegeben hatte. Er wies gleich den späteren Rednern nach, daß der§ 19 des preu- ßischen Kanalgesetzes vom 1. April 1995 die Reichsverfassung und besonders auch die Rheinschiffahrtsakte und den Elbe- vertrag verletze und damit gegen die vertragsmäßigen Ab- machungen mit Oesterreich und den Niederlanden verstoße. Die Regierung macht sich die Antwort recht leicht. Sie wagt nicht etwa zu erklären, daß der§ 19 des preußischen Kanal- gesetzes nicht im Widerspruch zur Reichsverfassung stünde, sondern sie verteidigte den preußischen Einbruch in die Reichs- Verfassung dadurch, daß sie erklärte, die preußische Negierung werde zur„Klarstellung" der Verfassungsbestimmung den Weg der Reichsgesctzgebung beschreiten, sobald die zwischen Preußen und den übrigen Bundesstaaten geführten Verhandlungen ausreichend gefördert worden seien. Diesem Versprechen ist die Rcichsregierung denn jetzt auch in der Tat durch die Vorlegung eines Gesetzes betreffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben nachgekommen. Dies Gesetz mutet dem Reiche zu, nachträglich die preu- ßische Verfassungsverletzung dadurch zu legalisieren, daß es seinerseits den betreffenden Ab- schnitt des 8 54 dergestalt abändert, daß nunmehr auch Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Wasserstraßen erhoben werden können! Der nue Passus des§ 54, der den oben zitierten jetzigen Wortlaut ersetzen soll, soll folgenden Wortlaut erhalten: „In allen Häfen und auf allen natürlichen Wasser- stratzcn dürfen Abgaben nur für solche Werke, Einrichtungen oder sonstige Anstalten erhoben werden, welche den Verkehr wesciü-- lich erleichtern. Diese Abgaben, sowie die Abgaben, welche auf künstlichen Wasserstraßen erhoben werden, dürfen bei staatlichen Anstalten oder Wasserstraßen die zur Herstellung und Unter- Haltung erforderlichen Kosten nicht überschreiten. Der Bemessung der Abgaben, mit Ausnahme der Abgaben für die dem örtlichen Verkehre dienenden Anstalten, können im Bereiche der Binnen- schisfahrt die Gesamtkosten für ein Stromgebiet oder Wasser st raßennetz zugrunde gelegt werden. Auf die Flößerei finden diese Bestimmungen inso- weit Anwendung, als dieselbe auf schiffbaren Wasserstraßen be- trieben wird." Expedition t 8RI. 68, Lindcnotraooc 69» Fernsprecher: Amt TV- Nr. 1084- Diese Verfassungsänderung, die durchaus der agra- rischen Initiative zuzuschreiben ist, wie wir weiterhin noch nachweisen werden, wird den beteiligten.Bundesstaate dadurch mundgerecht zu machen versucht, daß„Z w e ck v e r- bände" geschaffen werden sollen, die von den an den ge- meinsamen Wasserstraßennetzcn beteiligten Staaten zu bilden und gemeinsam zu verwalten sind. Das Recht, Schiffahrts- abgaben für die Benutzung der natürlichen Wasserstraßen zu erheben, soll dadurch also auf alle beteiligten Staaten aus- gedehnt werden. Jeder Zwcckverband soll die Abgaben nach einem einheitlichen Tarif erheben. Die Einnahmen aus den Schiffahrtsabgabcn sollen nur zur Deckung der Kosten für Herstellung und Erhaltung von Werken. Einrichtungen oder sonstiger Anstalten, die den durchgehenden Verkehr im Gebiet des Verbandes wesentlich erleichtern, verwendet und unter den Staaten nach Maßgabe derjenigen Ausgaben verteilt werden, die ein jeder mit Zustimmung des Verbandes für das gemeinsame Wasserstraßennctz im Schiffahrtsinteresse gemacht hat. Dadurch, daß allerhand schöne Versprechungen in bczug auf den Ausbau der Wasserstraßen, durch die Maiukana- lisation, die Neckarkanalisation, die Oberrheinvcrtiefung usw. gemacht wurden, glaubt nian die süddeutschen Staaten kirre machen zu können, so daß im Bundesrat die vierzehn Stimmen nicht vorhanden fein werden, deren es bedarf, um die Vorlage zu Falle zu bringen. Ob die süddeutschen Staaten sich in der Tat durch die schönen Zusicherungen und die zur Schau getragene Harmlosigkeit ködern lassen werden, bleibt abzuwarten. Das Gesetz, das den modernen Austauschverhältnissen entsprechende Bestimmungen durch die Wiedereinführung reaktionärer Schiffahrtsabgabcn ersetzen will, ist überaus ge» fährlich. Es bestärkt nur die verkehrsfeindliche Auffassung, daß die Aufwendungen für künstliche, resp. Verbesserung der natürlichen Wasserstraßen nicht aus öffent» lichen Mitteln, sondern durch Schiffahrtsabgaben aufzubringen sind. Dergestalt könnte es dahin kommen, daß man entweder bei der Verbesserung der Wasserstraßen ein Schneckentempo einschlägt oder aber die Ausgaben für die Verkehrsverbesserung durch hohe Schiffahrts- abgaben einzubringen sucht. Eine solche Erhöhung der Abgaben aber würde den Verkehr erheblich schä- d i g e n, der Industrie die Rohmaterialien, die Kohlen usw. außerordentlich verteuern, vor allen Dingen aber auch den agrarischen Tendenzen, die Einfuhr ausländischen Getreides möglichst zu unterbinden, in der bedenklichsten Weise Vorschub leisten. Daß diese letztere Gefahr nicht hoch genug veranschlagt werden kann, beweist ja die Geschichte des 8 19 des Kanalgesctzcs, der uns dieses Reichsgesetz beschert hat. Die Rechte des preußischen Abgeordnetenhauses, die an die Bewilligung der Kanalvorlage die Bedingung der Schiffahrtsabgabe knüpfte, ließ es bei ihren Aus- führungen an Deutlichkeit nicht fehlen. So erklärte nach dem Kommissionsbericht ein Vertreter der Rechten wörtlich: ..Der einheimischen Landwirtschaft bringen die großen Ströme durchweg Nachteile, indem sie den ausländischen Produkten als Einfallstor dienen, wodurch die großen Gedanken unserer Schutzzollpolitik durchkreuzt werden." Und der Oberagrarier v. Pappenheim führte aus: „Ich erkläre ganz offen und daran wird auch kein Zweifel sein: ich erhoffe, daß der Import des Getreides in erster Linie durch die Schiffahrtsabgaben ge» troffen wird, und daß durch die verschiedenen Tarifierungcn ein wesentlicher Faktor gefunden wird, um uns die Konkurrenz- Möglichkeit am Rhein zu verschaffen." Die Einführung der Schiffahrtsabgaben bedeutet also nicht nur eine Verteuerung der Kohlen, des Eisens, der Hölzer, der Baumaterialien, sondern vor allen Dingen auch eine Ver- teuerung des aus dem Auslande importierten Getreides für die arbeitende Bevölkerung! Zum Zwecke dieser Ver- teuerung ist ja gerade der 8 19 des preußischen KanalgcsetzeS geschaffen worden, zu dessen nachträglicher Legali- s i e r u n g der nunmehr vorliegende Reichsgcsetz» e n t w u r f betreffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben dienen soll! Der neue Gesetzentwurf ist also im Grunde nichts anderes als eine neue Liebesgabe an die herrschende P a r t e i. die A g r a r i e r I Da bereits im Jahre 1998 der Vertreter des Zentrums im Reichstage dem Agrariertum Helfersdienste geleistet hat und da auch die Nationalliberalcn keine prinzipiellen Gegner des Gesetzes sind, ist die Gefahr einer Annahme keineswegs ausgeschlossen. Das Agrariertum ist ja noch immer bei uns Trumpf! Eine Beseitigung dieser reaktionären, verkehrsfeindlichen. im letzten Ende volksauswuchernden Politik in Preußen und im Reich ist nur von der politischen Er» mannung der großen Masse des Volkes, des Proletariats, zu erwarten! ver relegrzphiiteliitreii!. Daß die Regierung sowohl wie das Parlament säumig ge» Wesen sind, so oft es sich bisher darum gehandelt hat, die Rechte der StaatSangestellten fest- und sicherzustellen, das wagen ernsthafte französische Blätter nicht zu bestreiten. Die konservativen Organe aber wie auch die„gemäßigt" republikanischen sehen in dieser Tat- fache kein Hindernis, sich zur schamlosesten Hetze gegen die streikenden Post- und Telegraphenbeamten herzugeben und die ihnen verhaßte Syndikatsbetvegung der Stavtsangestelltm aller möglichen Sünden und Verbrechen zu zeihen. Dabei kann eZ doch keinem Zweifel unterliegen, daß die taktlose Ungeschicklichkeit des Unterstaatssekretär Simyan einfach das Maß des Zornes zum Ueberlaufen brachte, der in den zurückgesetzten und verärgerten Subalternbeamten seit langer Zeit gärte und kochte. Die Scharfmacherei der reaktionären Presse ist um so läppischer, aks die Bewegung sich bisher— von geringen und geringfügigen Ausnahmen abgesehen— in ruhigen Bahnen bewegt hat; be- rücksichtigt man dazu, daß die Arbeiterschaft ihren Leidensgenosscn im Veamtenrock die größten Sympathien entgegenbringt und daß französisches Temperament zum Ueberschäumen neigt, so ist die Ruhe, mit der sich der Konflikt abgewickelt hat und seinen weiteren Verlaus nehmen zu wollen scheint, doppelt und dreifach be- wundernSwert. Die Telegramme über die Situation in Paris sind zum größten Teil zuungunsten der Ausständigen dermaßen gefärbt, daß es sich nicht lohnt, sie zu beachten. Wir registrieren für heute noch die folgenden: I Paris, 15. März. Heute Nachmittag schein! in den Bureaus des Haupttelegraphenamts die Ruhe wieder eingekehrt zu sein, aber infolge von Störungen, die durch Witterungsein- flüsse hervorgerufen sind, ist die telegraphische Verbindung, be- fonders mit Deutschland, Dänemark und England schwierig. Alle von den ausständigen Beamten verursachten Zerstörungen an den Tclegraphcnapparaten sind behoben. Paris, 15. März. Das Polizeigericht hat heute sieben Post» b e a in t e, die bei den Kundgebungen am Freitag beleidigende Rufe gegen den Unterstaatssekrctär Simyan ausgestoßen haben, zu je sechs Tagen Gefängnis verurteilt. Paris, 15. März. Heute nachmittag veranstalteten Angestellte der Hauptpost, als sie von der Verurteilung mehrerer Postbeamten erfuhren, neuerdings Kundgebungen gegen die Verwaltung. Um -P/2 Uhr erschienen Unterstaatssekretär Simyan und Polizeiprä fckt Lepine mit fünfzig Gardisten, die die Kundgebungen vor dem Hauptpostamt unterdrückten und vier Beamte verhafteten. Nach. her begab sich Lepine zum Ministerpräsidenten Clemenceau zu einer Konferenz. Paris, 15. März. Neue ernste Zwischenfälle erfolgten heute im Zcntralamt der Telcgraphenvcrwaltung in der Rue de Grenelle. Eine Anzahl Telegraphcnbeamte weigerten sich, die Arbeit wieder aufzunehmen und richtete lebhafte Vorwürfe an die Kameraden, welche nachts über gearbeitet hatten und die rückständigen Tele- gramme beförderten. Eine Truppenabteilung mußte requiriert werden, um die Ordnung wiederherzustellen, was jedoch nicht ge» lang. Schließlich forderte der Unterstaatssekretär die Ausständigen auf, entweder die Arbeit aufzunehmen oder den Saal zu verlassen. Die Ausständigen zogen sich hierauf zurück. Paris, 15. März. Nachdem die Postbeamten gestern abend in einer Verfammlung den Generalausstand verkündet hatten, berief Clemenceau die Minister Barthou und Briand zu sich, um mit ihnen Matznahmen zu beraten, welche zu treffen sind, falls die Be- amten ihre Drohungen wahrmachen. In der Konferenz wurde beschlossen, daß alle Beamte, welche an dem Ausstand« teilnehmen, suspendiert werden sollen, eine Maßregel, welche der Vorbote einer endgültigen Amtsentlassung ist. Ferner wurde beschlossen, zur Sicherung des öffentlichen Dienstes das Militär in Anspruch zu nehmen. � � Paris, 15. März. Wie aus der Provinz berichtet toird, dehnt sich die Streikbewegung der Postbeamten auch dort aus, namentlich in Lyon, wo die Postbeamten be» schlössen haben, sich mit den Pariser Kollegen solidarisch zu erklären, ebenso in Marseille, wo Mittwoch eine große Versammlung der Postbeamten abgehalten wird, um zu der Streikbewegung Stellung zu nehmen. VmMches aus Oesterreich. Die österreichische Presse hat vor der reichsdeutschcn eins voraus. Solche harten Verurteilungen wegen Preßvergehens, wie sie in Deutschland alle Tage vorkommen, gehören in Oesterreich zu den unerhörten Dingen. Leider hat diese er- freuliche Tatsache eine bedenkliche Kehrseite— die K o n f i s- kationspraxis. Der Staatsanwalt hat es in der Hand, alle Prcßerzeugnisse, die ihm nicht gefallen, kurzerhand zu konfiszieren. Im objektiven Verfahren spricht dann das Ge- richt sein Urfeil über die beanstandeten Stellen. Bestätigt eS die Konfiskation, so sind die angeblichen verbrecherischen Stellen»mterdrückt, sofern nicht das OberlaudeSgericht als höhere Instanz die Entscheidung aufhebt. Der Verfasser oder der verantwortliche Redakteur geht bei dieser Konfiskationsprapis frei aus, die Gedanken aber werden gemordet. Die Opfer, die die Personen zu bringen haben, sind geringer alS in Teutschland, die Schädigung der Sache aber schlimmer, da diese bequeme Praxis natürlich die Willkür der Justizbehörden großzieht. In ruhigen Zeiten ruht die Waffe der Konfiskation, sobald aber nationale oder soziale Erregungen den Staat durchzittern, so wird sie hervorgeholt und rücksichtslos angewendet. Daß sie nicht nur der politischen Presse, sondern auch der Wissenschaft gefährlich werden kann, zeigt die— schon in der Sonntagsnummer kurz gemeldete— Konfiskation der tschechischen Ucbersctzung des K a u t s k y schen Werkes„Entstehung des Christentum?" zu Pra g. Die Konfiskation ist ein Abkönimling der vormärzlichen Zensur und sie verleugnet ihren Ursprung nicht. Die Zensur war berüchtigt wegen der Verständnislc'ig'eit und Rück- ständigkeit, mit der ihre Träger daS verächtliche Handwerk übten, wegen der lächerlichen Anmaßung, mit der diese subalternen Geister über Dinge zu Gericht saßen, zu deren Beurteilung ihnen jedes Wissen fehlte. Die Konstskations- Praxis zeigt dieselben tvohlbekanntcn Züge. Man weiß nicht, was man an der Konfiskation, die die Prager Staatsanwalt- schaft an dem Buche KautSkyS verübt hat, mehr bewundern soll, die geistige Beschränktheit, aus der heraus hier eine ernste wisfenschastliche Arbeit verstümmelt wird, weil etwas darinnen steht, was mit der Lehre der Kirche nicht im Einklang steht, oder die jammervolle Unwissenheit darüber, daß der gefähr- liche Sozialift gerade in diesen beanstandeten Stellen nichts Eigenes gibt, sondern nur die Ergebnisse bürgerlicher Wissen- schaft darstellt, daß jeder wissenschaftliche Former, der nicht in die Dogmen der katholischen Kirche eingezwängt ist, auch vom staatlichen Lehrstuhle verkünden muß. was die Prager Staatsanwaltschaft als für Staat und Kirche gefährlich glaubt unterdrücken zu müssen. Doch wir brauchen uns nicht lange um eine Charakteristik der Prager Konfiskation bemühen. Beredter als alle Worte, die wir finden können, sind die Taten der Prager Staats- anwaltschast selbst, sind die Stellen aus dem verstümmelten Heft, die der Konfiskation verfielen. Einige Proben. Es wurde konfisziert: .„Wohl gilt Jesuö, wenigstens in den Kreisen der«Auf- geklärten" und„Gebildeten", nicht mehr als Gott, aber immerhin als eine außerordentliche Persönlichkeit, die auftrat mit der Absicht, eine neue Religion zu stiften, und dies auch mit dem bekannten ungeheueren Erfolg auch bewirkte.(Deutsche Ausgabe. Seite 2, letzte Zeile bis Seite S, Zeile ö von oben.) „Fest steht, daß von den urchristlichen Schriften nur die wenigsten von den Autoren herrühren, denen sie zugeschrieben werden, daß sie meist in späterer Zeit als der ihrer Datierung entstanden, und daß ihr ursprünglicher Text durch spätere Ueber- arbeitungen und Zusätze vielfach aufs gröblichste entstellt wurde. Fest steht endlich, daß keines der Evangelien oder der sonstigen urchristlichen Schriftstücke von einem Zeitgenossen Jesu her- rührt.... Als da? älteste Evangelium wird jetzt das sogenannte Markus- Evangelium angesehen, das jedenfalls nicht vor der Zerstörung Jerusalems entstand, die der Verfasser durch Jesus prophezeit werde» läßt, das heißt, die schon vollzogen war, als der Verfasser zu schreiben begann. ES wurde demnach wahrscheinlich nicht früher abgefaßt, als etwa ein halbes Jahrhundert nach der Zeit, in die man den Jesu Tod verlegt. Was es verzeichnet, ist also daS Produkt einer halbhundertjährigen Legendenbildung. Auf Markus folgt LukaS, dann der sogenannte Matthäus, endlich als letzter von allen Johannis, in der Mitte deS zweiten Jahrhunderts, mindestens ein Jahrhundert nach Christi Geburt. Je weiter wir von Ansang an weiterschreiten, desto wunderbarer werden die Evangeliengesckichten. Schon Markus erzählt uns Wunder, aber sie sind noch harmlos gegenüber den späteren.... Andererseits kommt Psieiderer wie auch andere naK ein- gehender Untersuchung zu dem Schlüsse,„daß das Lukas- Evangelium noch nicht von der übernatürlichen Erzeugung Jesu erzählt habe, diese Erzählung vielmehr erst später aufgekommen und dann durch Einfügung der Werse 1, 31 ff. und der Worte «wie man glaubte" in 3, 23 erst nachträglich in den Text ein- getragen worden ist".(Urchristentum I, S. 108.) Angesichts alle? dessen ist eS kein Wunder, daß schon in den ersten Jahrzehnten deS neunzehnten Jahrhunderts die völlige Unbrauchbarkeit der Evangelien als Quellen zur Geschichte Jesu von manchen Forschern erkannt wurde und Bruno Bauer sogar dahin kommen konnte, die Geschichtlichkeit Jesu völlig zu leugnen. Daß trotzdem die Theologen von den Evangelien nicht lassen können und auch die liberalen unter ihnen alle? ausbieten, deren Autorität zu erhalten, ist begreiflich. Was bleibt vom Christentum, wenn die Person Christi aufgegeben wird? Aber um diese zu retten, müssen sie sich gar sonderbar winden und drehen.(Deutsche Ausgabe, Seite 11, Zeile 8 von unten usf.) Diese Zitate ließen sich noch eine ganze Weile fortsetzen— alle Stellen, die der Konfiskation verfallen sind, sind von gleichem Charakter wie die hier wiedergegebenen. Keine von ihnen enthält auch nur die kleinste Beschimpfung des kirch- lichen Dogmas oder gar der Religion. Nicht der leiseste Zweifel kann darüber walten, daß eS sich bei der Konfiskation um ein freches Attentat auf die Freiheit der Wissenschast handelt, daß die Schrift Kautskys lediglich deshalb verstümmelt werden soll, weil sie an die biblischen Schriften den Maßstab der torschung legt, statt sie gläubig als das gcofsenbarte Wort ottes hinzunehmen, wie es die katholische Kirche will! Es ist noch nicht ausgemacht, daß die bornierte Auf- faffung der Prager Staatsanwaltschaft recht behalten wird, daß sie von den Richtern gebilligt wird. Aber daß überhaupt ein Prager Staatsanwalt die Möglichkeit hat. seine Un- wiffenheit und geistige Enge an einer wissenschaftlichen Arbeit zu dokumentieren, das macht die spezielle Prager Blamage zur allgemein österreichischen. Der Fall zeigt, wie dringlich die Reinigung Oesterreichs von dem Schutt der vormärzlichen Zeit ist. DaS Werkzeug dazu ist da, das Parlament des allgemeinen gleichen Wahl- rechtS, das das Proletariat erkämpft hat und das es zur Kulturarbeit nützen will. Aber wie auf dem Gebiete der Sozialpolitik, so stellt sich mich hier der nationale Hader der ernsten Arbeit hindernd in den Weg. In der Freitagsitzung deS Abgeordnetenhauses, in der die wüste Konfisk�tionspraxis in Böhmen von der tschechischen bürgerlichen Fraktion und den Sozialdemokraten an den Pranger gestellt wurde— der sozialdemokratische Sprecher Jarosch geißelte auch die KonfiS- katton deS Kautskyschen Büches— kamen die Deutschbürger- lichen der Regierung zu Hilfe I Denn die Konfiskationen treffen in der jetzigen Situation, wo die Tschechen in der Opposition stehen, zumeist die tschechischen Blätter, und also sind die Deutschen damit zufrieden. Wär'S umgekehrt, so würden wieder die Tschechen die Zensoren schützen l Unser Wiener Bruderblatt, die„Arbeiterzcltnng", schreibt in ihrem Artikel über die Konfiskation des Kautskyschen Werkes zu diesem erbärmlichen Spiel, das die bürgerlichen Parteien des Parla- ments treiben: «Sind die Deutschen der Regierung böse, dann schirmen die Tschechen jede Dummheit und jeden Uebergrist der Bureaukratte. Und weil jetzt der Abwechslung halber die Tschechen der Regie« rung gram sind, ist die Verteidigung der Polizei die Sorg« des deutschen Bürgertums. So werden freilich weder die Tschechen noch die Deutschen den alten Polizeistaat los; aber dieses törichte Treiben, aus dem nur bureaulratische Borniertheit Gewinn zieht, nennt man nationale Politik I" Unsere lvackeren österreichischen Genossen, die die bürgerlichen Parteien klug und tapfer zur Wahlreform gezwungen haben, werden in zäher Arbeit und ununterbrochenem Kampfe diese bornierte„nationale Politik", die beste Schutzwchr der vielen Reste des PolizeistaatS, die im neuen Oesterreich noch bestehen, überwinden müssen. Sie Salßaukrsse. Wachsende Kriegsgefahr. Die serbische Regierung hat endlich ihre A n t- wort auf die Aufforderung der österreichischen Regierung. in direkte Verhandlungen einzutreten, erteilt. Die Antwort erfolgte in letzter Stunde, da die österreichische Regierung bereits entschlossen war, der serbischen eine b e st i m m t e Frist zu setzen, um die weitere Verzögerung unmöglich zu machen. Die Antwort entspricht den pessimistischen Erwar- tungen, die die fortgesetzten KriegSrüstungen und die Kriegs» hetze der Belgrader Presse erwarten ließ, und sie bedeutet eine außerordentliche Zuspitzung des Kon- fliktes. Ihr Wortlaut ist folgender: „In der serbischen Zirkulardcpc,che vom lt>. b. Mts., welche auch der kaiserlichen und königlichen Regierung, wie den Regie- rungen aller übrigen Signatarrnüchi« deS Berliner Vertrages über- reicht wurde, hat die serbische Regierung ihren Standpunkt in der bosnisch-herzegowinischen Frage dargelegt und dabei festgestellt, daß Serbien von der Anschauung ausgehe, daß die rechtlichen Beziehungen zwischen Serbien und Oesterreich» Ungarn un verändert geblieben sind, sotvie daß sie die Aus- Übung der nachbarlichen Pflichten und die Pflege der Beziehungen, welch« den beiderseitigen materiellen Interessen entspringen, auf Grund der Gegenseitigkeit mit ser Nachbarmonarchie fortzusetzen wünscht. Auf Grund dessen ist die königliche Regierung der An» ficht, daß sowohl den materiellen Interessen beiderseits als auch der Lage, welche durch den im Vorjahr abgeschlossenen Vertrag, der in Serbien bereits Gesetzeskraft erlangt hat, geschaffen wurde, am besten entsprochen würde, wenn die Regierungen Oesterreichs und Ungarns den Parlamenten in Wien und Budapest diesen Handelsvertrag zur Annahme unter- breiten würden, obgleich der vorgesehene Termin für dessen Ratifikation abgelaufen ist. Durch die Annahme diese? Vertrages in den Parlamenten würde auch eine Unterbrechung in den Ver- tragsbeziehungen am sichersten vermiede» Nerven, Durch Ktu tverfussg dieses Vertrages würde cnliveder ein verläßlicher Ausgangspunkt für eventuell« neue HandelsvertragSver- Handlungen erlangt werden, oder man würde sich im Gegen- teil auf Grund der Dispositionen der Parlament« und deren agra- rischen Strömungen überzeugen, daß man die Idee d e s A b» schlusses eines Tarifvertrages zwischen �Serbien und Oesterreich-Ungarn überhaupt aufgeben müsse. Für den Fall, daß Oesterreich-Ungarn wegen der Kürze der Zeit oder wegen seiner parlamentarischen Verhältnisse den abgeschlossenen Handels- vertrag in den Parlamenten bis zum 31. März nicht erledigen könnte, ist die königliche Regierung bereit, dem Antrag zuzustimmen, daß die Gültigkeit dieses Vertrages provisorisch bis zum 81. Dezember des laufenden Jahres verlängert tverde." Die Antwort klingt wie Hohn. Statt Aufklärung bringt sie die Berufung aus jene andere Note, deren Zwei- deutigkeit und Hinterhältigkeit nichts weniger als den Willen zum Frieden erkennen ließ. Die serbische Regierung ist so gütig, der österreichischen Regierung den Rat zu geben, den Handelsvertrag in den Parlamenten annehmen zu lassen, aber sie selbst lehnt alle direkten Bexhandlungen ab und fügt ihren Zweideutigkeiten auch nicht ein Wort der Erklärung oder des Entgegenkommens hinzu. Und dies, obwohl die Kriegsrüstungen in Serbien und Montenegro mit ffieberhaftem Eifer betrieben werden und die serbische Presse unausgesetzt den Krieg mit Oesterreich als nationale Pflicht predigt. In O e st e r r e i ch hat das Bekanntwerden der ablehnen- den Antwort die pessimistische Stimmung der letzten Tage noch außerordentlich vertieft. Die österreichische Regierung er- klärt, zwar auch fernerhin die größtmöglichste Zurückhaltung bewahren zu wollen, aber doch auf einer raschen K l ä- rung der Lage bestehen zu müssen. Die serbische Regierung müsse sich entscheiden und der österreichische Gesandte in Bei- grad werde neue Vorstellungen erheben, für deren Beant- wortung der serbischen Regierung eine kurz bemessene Frist gestellt sein werde. Gleichzeitig aber sollen jene Ar- meekorps, die für den Einmarsch in Serbien bestimmt sind, an der Drina, Sawe und Donau z u- sam mengezog en werden. Als Vorbereitung für einen eventuellen Krieg muß auch die Einteilung der Truppen in zwei Armeekorps betrachtet werden, deren Kommandierender der Thronfolger Franz Ferdinand wäre. Generalstabschef wird Feldzeugmeister Langer. Führer des ersten Armeekorps wird Feldzeugmeister Albori, des zweiten Armeekorps General der Kavallerie Hlobucer. In der Tat betrachtet man in Wien den Krieg mit Serbien für wahrscheinlich. Der neuen Vorstellung werde das U l t i m a t u m folgen. Eine nochmalige I n t e r'- vention der Mächte böte nicht allzuviel Aussichten, da in Serbien die Erregung zu groß sei und das serbische Volk mit der Unterstützung Rußlands rechne. Aber nicht nur in dem von der Kriegsgefahr zunächst bedrshten Oesterreich, auch in London und Paris sieht man die Situation im Gegensatz zu dem Optimismus, der bis jetzt die Oberhand hatte, als außerordentlich ge- f a h r d r o h e n d an. Die französische Regierung will noch einmal versuchen, durch eine neue Intervention den Kriegs- ausbruch abzuwehren. Es ist klar, daß dieser Versuch, soll er irgendeine Aussicht auf Erfolg versprechen, die volle Unter- stutzung der deutschen Regierung wird finden müssen. Die Entscheidung über Krieg und Frieden liegt selbst heute noch, nachdem das gefährliche Spiel mit dem Feuer, das Oesterreich begonnen, Rußland und England so erfolg- reich fortgesetzt haben, den serbischen KriegSfuror entzündet hat. weniger in Belgrad, als in W i e n und Petersburg. Hier muß die Entscheidung für den Frieden erzwungen werden, und sie kann vielleicht noch erzwungen werden, wenn Deutschland und Frankreich gemeinsam vorgehen und ihre Bundesgenossen zur Raison bringen. Die deutsche Regierung würde unverantwortlich handeln, wenn sie nicht ein vollständiges EinvernehmenmitFrank- reich zur Aufrechterhaltung des Friedens herzustellen ver- stände. Kriegerische Stimmung. Belgrad, 15. März. Die Skupschtina nahm heut« den Gesetzentwurf über den Mini maltarif in erster Lesung an. In der Debatte führte der Finanzminister auS, die Skupschtina habe den im vorigen Jahre abgeschlossenen österreichisch. serbischen Handelsvertrag angenommen, die Parka- mente Oesterreich-Ungarns hätten daS bisher nicht getan, obwohl das Provisorium am 31. dieses Monats ablaufe. Der Jungradikale Simitsch billigte das Vorgehen der Regierung; der Nationalist R i v n i t s ch erklärte, die Skupschtina würde niemals eine Regierung unterstützen, die versuche, für wirtschaftliche Vorteile die nationalen Interessen zu verkaufen, für die alle Serben Hab und Gut, jaselbstihrLebenopfern würden. Der Fortschrittler Pawlowitsch betonte, Oesterreich- Ungarn wolle wirtschaftliche Fragen mit politischen ver- quicken, aber kein Serbe werde für momentane wirtschaftliche Vorteile nationale Interessen preisgeben. Optimisten. Wien, 15. März. Das«Neue Wiener Tagblatt" veröffentlicht ein Interview mit dem hiesigen serbischen Gesandten, welcher erklärt haben soll, er glaube, daß eS nichtzum Kriege kommen werde. Er kenne die Jniensionen der serbischen Regierung wie die der leitenden österreichischen Kreise. Weder dort noch hier wolle man den Krieg. Daher iverde es möglich sein, die strittigen Fragen, wie immer geartet sie auch seien, auszugleichen und friedlich zu lösen. Frankfurt a. M., 15. März. Der Wiener Korrespondent der «Frankfurter Zeitung" erfährt zuverlässig, daß der Kaiser, der Thronfolger, Aehrenthal, die beiden Regierungen und selbst der Generalstabschef das Acußerfte aufbieten wollen, den Krieg zu verhüten, der nach allgemeiner hiesiger Auffassung eine Vergeudung von Gut und Blut wäre. Türkische Vorkehrungen. Konstantinopel, 14. März. Der heutige Ministerrat soll mit Bezug auf die Haltung Serbiens und die Kriegs- gefahr darüber beraten, welche militärischen Vor- sichtSmaßregeln seitens der Türkei nötig seien. Belgrad, 15. März. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Minister deS Aeußern den serbischen Gesandten in Konstantinopel beauftragt, aufs allerenlschiedenstt bei der Pforte des dort ver- breitete Gerücht, Serbien beabsichtige, den Sandschak zu be- besetzen, zu widerlegen, denn Serbien denke gar nicht an ein derartiges Abenteuer. Die bulgarisch-türklsche Einigung. Sofia, 15. März. Die bulgarische Regierung erhielt auS Petersburg die offizielle Verständigung, daß mit Rifaat Pascha eine volle Einigung über die bulgarische Frage in folgendem Sinne erzielt worden ist: Erstens: die Türkei akzeptiert 185 Millionen als Entschädigung von Velten Bulgariens. gWetftfnSt Von dieser SunM'e wird vor allem die Orient bahn für die ostrumelische Strecke entschädigt auf der zwischen Liaptschew und der Pforte vereinbarten Basis. Drittens: Ruhland streicht so viele Annuitäten der türlischen Kriegsschuld als nötig sind, um mit 5 Proz. kapitalisiert, die Summe von 123 Millionen zu erhalten. Bulgarien wird nur mit dem Betrage von 82 Millionen Rußland gegenüber verpflichtet sein. Weitere Details sind noch ausständig. Die Haltung Montenegros. Cetinje» 13. März. Die Nachrichten italienischer Blätter von großen Truppenlandungen in Spizza entsprechen nicht den Tat- fachen; eine derartige Aktion ist schon aus dem Grunde unmöglich, weil die österreichische Flotte vor Spizza liegt. Oesterreichische Stimmen. Budapest, 13. März. Das ungarische Telegraphen-Korresp.- Bureau äußert sich über die serbische Note folgendermaßen: Die Note ist in ihrem politischen Teile befriedigend. Die serbische Berufung auf die Zirkularnote wird unsererseits nicht angenommen, weil deren Inhalt unzureichend ist. Die serbische Note beweist, daß man sich in Belgrad alle erdenNiche Mühe gibt, unsere Bestrebungen zu v e r e i t e l n, die darauf ge- richtet sind, zwischen der Monarchie und Serbien eine klare Situation zu schaffen und den fortgesetzten Rüstungen ein Ende zu bereiten.— Wien, 15. März. Da der authentische Text der serbischen Antwortnote erst in den Mittagsstunden bekannt wurde, bringen die Nachmittagsblätter noch keinerlei Kommentare. Nur die „Neue Freie Presse" schreibt: Die Antwort der serbischen Regierung ist trotz der Winkelzüge und des Mangels an Geradheit so gefaßt, daßweitereVerhandlungenmöglichsind. poUtifcbc Qebcrlicbt. Berlin, den 15. März 1909. Aenderung des Strafgesetzbuches. Der„Entwurf eines Gesetzes, betreffend Aenderung des Strafgesetzbuches" ist dem Reichstage zugegangen. Die No- belle erstreckt sich auf folgende Materien: Hausfriedens- b r u ch. Arrestbruch, Sicgelbruch, Vereitelung der Zwangs- Vollstreckung, Tierquälerei, Beleidigung, Kinder- Mißhandlung, geringfügige Diebstähle und Unterschlagungen, Erpressung. Der Hausfriedensbruch mit bewaffneter Hand mußte bisher mit Gefängnis bestraft werden; desgl. Sicgelbruch, Arrcstbruch und Vereitelung der Zwangsvollstreckung. Die Novelle sieh! für diese Delikte auch Geldstrafe vor. Ein neuer Paragraph(145b) will boshafts Oualerci oder rohe Mißhandlung von Tieren mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 600 M. ahnden. Bisher wurde nach§ 360 Ziffer 13 öffentliche oder ärgerniserregende boshafte Lluälerei oder rohe Miß- Handlung mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft be- straft. Diese Strafen sollen laut Novelle nunmehr den- jenigen treffen, der die zur Verhütung von Tierquälerei erlassenen Vorschriften übertritt. Im§ 186, dem berüchtigten Beleid, gungsparagraphen, sollen die Geldstrafmaxima von 600 auf 1000 bezw.(bei öffentlicher Beleidigung) von 1500 auf 10 000(Zehntausend!!) Mark erhöht werden, ja— es soll neben der Freiheits- auf Geldstrafe erkannt werden dürfen. Sodann ist folgender Zusatz geplant:... ..Bei einer öffentlich oder durch Verbreitung von Schriften, Abbildungen oder Darftellungen begangenen Beleidigung tritt die Bestrafung ohne Rücksicht ans die Erloeislichkeit der Tatsache ein. wenn diese lediglich Verhältnisse des Privatlebens betrifft, die das öffentliche Jntercste nicht berühren. Eine BeweiSauf- nähme über die bebauptete.oder verbreitete Tatsache ist nur mit Zustimmung des Beleidigten zulässig."__. Beleidigung wider besseres Wissen, die bisher bei An- nähme mildernder Umstände mit Geldstrafe bis zu 300 M. geahndet werden durfte, soll fortan(neben Ge- fängnis(bis mit 3000 M. gebüßt werden. D,e Buße an den Beleidigten soll von jetzt 6000 M. im Maximum b,s auf 20 000 M.(!) erhöht werden. Zu§ 223a wird folgender Zusatz geplant: „Gleiche Strafe(G-fangiiis nickt unter 2 Monaten) tritt ein, wenn gegen eine noch nicht 14 �nhre alte oder wegen Ge- brechlichleit oder Krankheit wehrlose Person, die der Für,orge oder Obhut des Täters untersteht, eine Körperverletzung mittels grausamer Behandlung begangen wird." Aus N o t erfolgte Diebstähle oder Unterschlagungen g e- ringwertiger Gegenstände sollen mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft werden. Die Verfolgung darf nur auf Antrag eintreten. Wird die Tat gegen einen Verwandten absteigender Linie oder gegen den Ehegatten begangen, so bleibt sie straflos. Im Erpressungsparaqraphen(253) soll nach dem neu- vorgeschlagenen Text der Nachdruck auf die beabsichtigte Ver- mögenöschädigung verlegt werden.,. � ,,,. Wir werden die Novelle, die uns bc, Ncdaktwnsschluß zuging, noch einer genaueren Prüfung und Würdigung unterziehen._ Die Steuerschen der Agrarier. Finanzminister v. Rheinbaben ist im preußischen Landtage der Behauptunz entgegengetreten, daß die Großgrundbesitzer sich unter dem Schutz der Landräte der Stcuerpflicht unterziehen. Der „Deutschen Zeitung" sind darauf aus ländlichen Kreisen eine Menge Zuschriften zugegangen, aus denen hervorgeht, daß speziell in Ost» elbien von den Grundbesitzern eine ganz merkwürdige Ein- schätzungSmethode angewendet wird. Die Gutsbesitzer Pflegen die Kosten ihre» Unterhalts mit unter die WirtschaftSunkosten zu buchen; so kommt es. daß sie oft weniger Einkommensteuer cnt- richten als wie der Lehrer. Ein höherer Beamter schreibt dem ge- nannten Blatte: „Während die Lebenshaltung der meisten Grundbesitzer meiner Nachbarschaft über die meintge erheblich hinausgeht, machte ich bei der letzten LandtagSwahl durch einen Blick in die S t e u e r l i st e die Wahrnehmung, daß einer dieser Herren (Haushalt: 2 Inspektoren. 1 Mamsell. 1 Diener, 2 Mädchen, 1 Kutscher, 1 Stallbursche, 4 Kutsch-, 2 Reitpferde, das übrige dementsprechend) weniger als den fünften Teil meiner Einkommensteuer bezahlte. Die Mitglieder der ländlichen Steuercinschätzunaskommisston meinten, daS fei anderwärts auch so. und man zuckt die Achseln, um nicht mit allen in Krieg zu geraten. Wird einer einmal gestellt, indem man ihm nachweist, daß er als großer Herr lebt und als Kossät steuert, so erklärt er, vom Kapital zu leben." Erinnerlich dürfte noch sein, daß vor ein paar Jahren fest- gestellt wurde, daß einer der Führer des Bundes der Landwirte, Freiherr v. Wangenheim, keine Einkommensteuer bezahlte, well er angeblich ein steuerlich faßbares Einkommen nicht hatte. Samoa. Die Lage auf den Samoa- oder Schifferinseln scheint diel ernster zu sein, als die am Sonntag von uns mitgeteilte offizielle Darstellung sie schildert. Schon die Heranziehung mehrerer großer Kriegsschiffe läßt erkennen, daß eS sich um sehr ernste, ausgebreitete Unruhen handelt. Die„Rhein.-Westf. Zeitung" mißt die Schuld daran, daß es soweit gekommen ist, der Eingeborenenpolitik des Gouverneurs Dr. Solf bei, der die Samoaner auf Kosten der Weißen verhätschelt habe. Die wirkliche Ursache scheint aber ganz wo ander» zu liegen. Vor einiger Zeit ist nämlich mitgeteilt worden, daß Land an Weiße nicht mehr abgegeben werden könne, weil der noch vorhandene Grund und Boden kaum noch für die Samoaner ausreichend sei. Es liegt sonach die Vermutung nahe, daß die Samoaner vornehmlich zum Kampf deshalb ihre Zuflucht nehmen, weil der ihnen belassene Boden nicht mehr ausreicht. Das Kolonialamt ist über die Zustände in Samoa schon seit längerer Zeit informiert, hat es aber für gut befunden, die Methode des VertuschcnS anzuivenden. ES muß verlangt werden, daß unver- züglich eine amtliche Darstellung erfolgt. Nach einer Meldung der„Nationalzeitung' wird voraussichtlich, wenn nicht besonders dringliche Verhältnisse ein früheres Eingreifen erforderlich machen, mit der Einleitung der Aktion gegen die Ein- geborenen so lange gewartet werden, bis alle auf der Fahrt nach Apia befindlichen Schiffe dort eingetroffen sein werden. Man hofft an amtlicher Stelle, daß die Demonstration des Geschwaders, die in einer Rundfahrt um die Insel bestehen wird, ohne Blut- vergießen zur Beruhigung des Jnfelgebietes führen wird. Der Rebellensprecher Nauab wird dann voraussichtlich nach einem bereits früher gegen aufständische Haupt- linge angewandten Verfahren nach Neu-Guinea deportiert werden. Als günstig fällt ins Gewicht, daß die samomnschcn Inselbewohner unter sich uneinig sind; namentlich auf Upulo, der Hauptinsel SamoaS, auf der auch Apia liegt, sitzen starke Stämme, auf deren Treue die Regierung mit Sicherheit rechnen können soll. Die Arbeitslosendemonstration als Landfriedensbruch. Am 19. März wird im Gerichtssaal zu Moabit ein gerichtliches Nachspiel der Arbeitslosendemonstrationen des 9. Februar stattfinden. Vier Arbeiter, Echtrop, Tiedemann, Boecker und Schelle, werden vor den Geschworenen er« scheinen, des LandfriedenSbrucheS angeklagt. Wenn die Geschworenen ihnen miloernde Umstände versagen sollten, so droht ihnen Zuchthausstrafe, da sie nicht nur der Teilnahme an der Zusammenrottung, sondern auch der Zer- störung von Sachen bezichtigt werden und Tiedemann überdies als Rädelsführer und Vcrüber von Gewalttätigkeiten gegen Personen angeklagt wird. Werden die Geschworenen die Schuldfragen bejahen? Die bürgerliche Presse ohne Unterschied hat ihr Möglichstes dazu getan. Von der„Kreuzzeitung" bis zum„Berliner Tageblatt" haben die Organe der Satten gehetzt gegen die Hungernden, die es gewagt haben, am Tage des Einzugs des König» von England ihr Elend zur Schau zu stellen, die versucht haben sollten, die Einzugsfeier- lichkeitcn zu stören, und die sich gar dazu hinreißen ließen, etliche Fähnchen von Omnibussen und Läden abzureißen. Keine Ueber« treibung erschien den Ordnungsblättern zu kratz, alles geschah, um das Treiben der Arbeitslosen als höchst staatsgefährliches Ver- brechen hinzustellen. Wir haben diese bedauerlichen, aber im Grunde doch nur zu sehr begreiflichen Ausschreitungen mißbilligt. Wir fordern vom Proletarier Disziplin im Kampfe und unsere Arbeit und die der Arbeiterorganisationen ist darauf gerichtet, disziplinierte Kämpfer zu schulen. Aber wir wissen nur zu gut, daß die Not und das Elend, daS die Krise über die Arbeiter bringt, Verzweiflung ge- bicrt, die gar leicht die Schranken der Selbstzucht durchbrechen kann, und wir verkennen nicht, daß für den darbenden Arbeitslosen der Gedanke, daß die Stadt Berlin 60 009 M. für einen Königs- enipfang gab, etwas furchtbar Aufreizendes hat, daß ihm der An- blick des Festschmucks als eine blutige Verhöhnung seines Jammers erscheinen muß. So werden die Geschworenen, die aus den Reihen der Bour- geoisie genommen werden, die Sache freilich nicht sehen. Ader wir hoffen und fordern, daß sie den Hintergrund der AuS- schrcitrmgen, die die vier Arbeiter auf die Anklagebank brachten, wenigstens als mildernden Umstand, und nicht, wie die OrdnungS- Presse eS tat, als verschärfendes Moment würdigen. Und wenn sie die Taten der Angeklagten Revue passieren lassen, so möchten die Herren Geschworenen einmal annehmen, eö seien nichtarb eitS- lose Proletarier, dir sie verübt haben, sondern über- mutige Söhnchen wohlhabender Eltern. Studen. ten mit guten Wechseln! Und dann sollten sie sich die Frage vor- legen, ob diese Sprößlinge der besitzenden Klassen auch wegen LandfriedenSbrucheS vor die Geschworenen gekommen wären? Die Frage stellen, heißt sie beantworten! Die Erfahrung lehrt unS, daß Studenten, die ähnliches begangen haben wie diese vier Arbeiter, wegen groben Unfugs und Sachbeschädigung angellagt wurden und mit Geldstrafen davonkamen, die ihnen die Karriere nicht verdarben! Nichts Schlimmeres als randalierende Musensöhne haben die vier Arbeiter begangen, die unter eine An- klage gestellt sind, auf die Zuchthausstrafe steht! Arbeitslose Proletarier und Studenten sollen nach deutschem Grundgesetz unter einem Recht stehen! Möchte es der Spruch der Geschworenen am 19. März erweisen! Die Matrikularbeiträge pro IVOS. Eine Ausstellung des RcichSsckatzamteS veranschlagt die von den Bundesstaaten für daS Etatsjahr 1900 zu zahlenden Summen an das Reich wie folgt: Preußen 268 004 743 M.(gegen 1008 mehr 40 838 241 M.). Bayern 44 318 874 M.(mehr 8 541 575 M.), Sachsen 31 887 808 M. (mehr 6 016 558 M.l. Württemberg 15 902 790 M.(mehr 3 036 823 Mark). Baden 14 227 907 M.(mehr 2 687 318 M.), Hessen 8 562 193 Mark(mehr 1622 085 M.). Mecklenburg-Schwcrin 4 428 176 M. (mehr 840 706 M.). Sachsen-Weimar 2 746 806 M.(mehr 519 319 Mark), Mecklenburg-Strelitz 732 500 M.(mehr 138 830 M.), Olden- bürg 3 102 704 M.(mehr 583 872 M.). Braunschweig 3 440 855 M. (mehr 651 680 M.), Sachs en«Meimngen 1903 498 M.(mehr 360 039 Mark). Gachsen-Altenburg 1 462 255 M.(mehr 276 994 M.), Sachsen-Coburg-Gotha 1716 261 M.(mehr 324 813 M.). Anhalt 2 823 725 M.(mehr 440 990 M.), Schwarzburg-SonderShausen 603137 M.(mehr 114 404 M.), Schwarzburg-Rudolstadt 685 934 Mark(mehr 130146 M.). Waldeck 419 044 M.(mehr 79 684 M.), Reuß ä. L. 506 171 M.(mehr 04 042 M.). Reutz j. L. 1 024 184 M. (mehr 104 333 M.), Schaumburg-Lippe 818 604 M.(mehr 60 461 Mark). Lippe 1031 199 M.(mehr 195 655 M.). Lübeck 749 074 M. (mehr 171 604 M.). Bremen 1 861 581 M.(mehr 849 666 M.). Ham- bürg 6 186 650 M.(mehr 1 166 254 M.), Elsaß-Lothringen 12 848 803 Mark(mehr 2 435 297 M.). Insgesamt sind 426889133 M. Matrikularbei» träge, also 80861081 M. mehr gegen das Voriahr aufzubringen._ Eisenbahndefizit in Bayern. Wie die„Fränkische Tagespost" zuverlässig erfährt, beziffert sich der Fehlbetrag der bayerischen Eisenbahnen für doS Jahr 1908 Mf rtmd 8 Millionen Mark. Bessern sich die Einnahmen der Eisenbahnen nicht, so ist auch für das Jahr 1009 mit einer Minder« einnähme von 8 Millionen Mark zu rechnen. Dazu kommt noch ein Mehraufwand für Beamtengehälter von rund 4 Millionen Mark. Das ergibt also für die laufende Finanzpcriode ein Defizit von 20 Millionen Mark._ In den Tod getrieben! Der Selbstmord eines Soldaten war dieser Tage Gegenstand einer Verhandlung vor dem Dresdener Kriegsgericht. Wegen Un- gehorsam?, eigenmächtiger Abänderung eines ihn erteilten Befehles und wegen vorschrifiswidriger Behandlung eines Untergebenen hatte sich der Unteroffizier L a p p t o von der 12. Kompagnie des Schützenregiments Nr. 103 zu veranilvorten. Am Abend des 11. Januar d. I. beging der Rekrut Schubert II Selbst« m o r b lieber die Ursache zum Selbstmord wurde sofort ein« Untersuchung eingeleitet, die folgendes ergab: Schubert wurde eines Tageö bei einer Besichtigung mit einem nicht passenden Tschako an- getroffen. Es wurde festgestellt, daß eS nicht der feinige war, und chrn daher aufgegeben, sich den richtigen Tschako wieder zu ver- schaffen. Schubert gab sich die redlichste Mühe, sich den ihm ge- hörigen Tschako wieder zu verschaffen; indessen vergeblich. Nach einiger Zeit entdeckte der Feldwebel, daß Schubert immer«och den falschen Tschako trug und befahl ihm nun, sich den richtigen oder eine» anderen p a> s e n d e n Tschako zu besorgen. Der Rekrut ging zum Angeflagten, der Kammerunteroffizier war und bat um einen anderen Tschako, was aber abgelehnt wurde. Eines Tages brachte der Feldwebel den Rekruten Schubert zur Meldung. Der Rekrutenoffizier, der mit dem Angeklagten über die Angelegenheit sprach, befahl diesem, am 11. Januar bis abends 7 Uhr die Sache zu ordnen und, falls sich bis dahin der richtige Tschako Schuberts nicht gefunden haben sollte, ihm(dem Offizier) die Sache am anderen Tage zwecks Weiterversolgimg zu melde». Der Angeklaate ließ gleich darauf den Rekrut Schubert zu sich kommen und befahl ihm:„Bis heute abend 7 Uhr melden Sie sich mit dem richtigen Tschako bei mir!" Schubert lief nun verzweifelt hin und her. um den richtigen Tjchako zu finden; es gelang ihm nicht. Noch einige Stunden hielt er sich angsterfüllt in der Kaserne auf, bis er schließlich abendSgegen7Uhr, um welche Zeit er sich mit dem richtigen Tschako melden sollte, Selbstmord beging und zwar aus Furcht vor etwaiger Strafe. Gegen den Kammerunteroffizier wurde ein Verfahren eingeleitet und Anklage erhoben. DaS Standgericht erkannte aber auf Freisprechung, wogegen aber der Gerichtsherr Berufung einlegte und Be- strafung erstrebte. Vor dem Kriegsgericht, das sich nun als VerufungS- gericht mit der Angelegenheit beschäftigte, gab der Angeklagte an, er habe den Befehl des Offiziers falsch verstanden; er habe sich nach keiner Richtung hin strafbar gemacht. Der Offizier dagegen bekundete, wenn er sich auch des genauen Wortlautes seines Befehls nicht mehr erinnern könne, so sei es aber auSgeschloffeu, daß er ihn in dem vom Angeklagten aufgefaßten Sinne gemeint habe. Schubert sei Rekrut und deshalb sei eS für ihn auch äußerst schwierig, den richtigen Tschako zu finden. Der Anklagevertreter plädierte auf Bestrafung des Angeklagten in allen drei Punkten. ES sei, so meinte er, nur noch zu erwägen, ob durch den Ungehorsam ein erheblicher Nach- teil entstanden sei. DieS sei zu bejahen, denn der Angeklagte habe durch den Befehl den äußeren Anlaß zum Selbst« mord gegeben. DaS Kriegsgericht hob nach längerer Beratung das freisprechende Urteil des Standgerichts a u s und verurteilte den Angeklagten wegen vorschriftswidriger Behandlung eines Untergebenen zu— drei Tagen mittleren Arrest!!— franhrcicb. Eine beigelegte Krise. Paris, 14. März.(Eig. Bcr.) DaS Ministerium Clemenceau, Briand, Simhan usw. hat einen Schönheitsfehler. DaS ist Herr C a i l l a u x, der Finanzminister. Man denke: da ist ein Mann, der so wenig Stilgefühl hat, daß er ohne Rücksicht auf die harmonische Physiognomie der Regierung die Grundsätze, die er mitgebracht hat, nicht verabschiedet, der mit Hartnäckigkeit seine Einkommen- steuervorlage— den Beginn einer gerechten Besteuerung in Frankreich—- in der Deputiertenkammer trotz aller Schliche und Tücken offener und heimlicher Gegner durchsetzt, vor der Schluß- abstimmung sie noch in einer Rede begründet, in der die guten Geister der klassischen bürgerlichen Demokratie lebendig werden und der sich sogar weigert, dem Mokvch MariniSmuS den ge- forderten ungemessenen Fraß zu verabfolgen. Welcher Triumph wäre eS für die großen Ausbeuter gewesen, Eatllaux unmittelbar nach seinem Erfolg in der Kammer abgesägt zu sehen! Das bloße Gerücht davon bewirkte auf der Börse eine Haussesttmmung. Ver« mutlich hätte sich auch Clemenceau des lästigen Doktrinärs gar nicht ungern entledigt. Er hätte so die Sympathien, die er bei den Gemäßigten genießt, noch verstärkt. Nur hatte die Sache einen Haken. Gerade weil Caillaux' Abgang die öffentliche Preisgebung der Einkommensteuer bedeutet hätte, wäre er vielen Radikalen un- angenehm gewesen, die dieser Steuer insgeheim ja auf ihrem Weg durch den Senat alles Böse wünschen, aber sich vor den Wählern nicht als Helfershelfer dieses Verrats präsentieren können. Nun bot ja Caillaux auch eine andere Angriffsfläche dar. Der neue Marineminister Picard hatte herausgerechnet, daß, um die Marine instand zu setzen, 800 Millionen notwendig seien. DaS war nun auch den zu den größten Gefälligkeiten an die Marinelieferanten geneigten Patrioten zuviel und bei genauerem Nachrechnen fand Herr Picard, daß es schließlich mit 223 Millionen auch gehe. Herr Caillaux, der kein Geld in den Kassen, im letzten Jahre infolge der Krise große Mindererträge zu verzeichnen und überdies die sichere Aussicht auf ein riesiges Defizit im nächsten Jahre hat, der überdies in Betracht zieht, daß die noch so reduzierte Altersversicherung der Arbeiter und die der Eisenbahner im be- sonderen Geld tosten wird, widerstanid noch immer, sogar als Herr Picard bis auf 100 Millionen heruntergegangen war. Darüber brach nun ein Konflikt auS, der den Charakter einer partiellen oder gar allgemeinen Ministerkrise anzunehmen schien. Ueberraschendcrweise aber hat er mit einem Ausgleich geendet. Herr Caillaux ist bereit, diese Summe von 190 Millionen in sechs Jahresraten abzugeben. Je 30 Millionen sollen für daS laufende und für daS nächste Jahr flüssig gemacht werden und vor allem der anscheinend sehr dringenden Munitionsergänzung dienen. Jährlich 80 Millionen— daS ist wirklich bei Molochs Appetit noch bescheiden. Herr Caillaux hätte dieses Zugeständnis nicht erhalten, wenn ihm nicht die Feststellungen des Rechnungshofes und der Bericht des Abg. B r o u s s e über die Mißbräuche in der Marine- Verwaltung zu Hilfe gekommen wären. Angesichts dieser Eni- hüllungen der ungeheuerlichen Diebereien der Lieferanten wäre es unmöglich, vom Parlament größere Summen zu erlangen, und so entging Clemenceau der Vorwand, Caillaux auszuschiffen. Weil dies nicht im Zeichen des anrüchig gewordenen Marinepatriotismus geschehen konnte, hat sich Clemenceau bemüht, den Konflikt bei« zulegen, der leicht eine ihm sehr unerwünschte Tragweite bekommen hätte.— Italien. Der Wahlsieg der Sozialdemokratie. Rom, 13. März.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Die gestrigen Stichwahlen haben unserer Partei einen grotzeni Erfolg gebracht. Wir haben zwölf Mandate erobert, und das italienische Proletariat besitzt heute 42 Vertreter in der Kammer statt der frufieren 26. Gewählt wurden die Genossen Calda in Bologna, Marangoni in Sampicrdarena, Nofri in Siena, Casalini in Turin, Mu- in Somperdarena, Nofri in Siena, Casalini in Turin, Mu- satti in Venedig, Bocconi in Jesi, Cavallari in Porto- maggiore und Brunetti in Lugo. In Ravcnna ermöglichten die Republikaner durch ihre Wahlenthaltung den Sieg des -„Konstitutionellen" über den Sozialdemokraten. Auch im übrigen war die Wahl der äußersten Link c�n günstig. Die Republikaner sind von 20 auf 23 ge- wachsen, die Radikalen von 34 auf 41. Mit Einschluß der Sozialisten verfügt die äußerste Linke über 106 Sitze in der neuen Kammer gegen 80 in der aufgelösten. Trotzdem bleibt Giolitti Herr der Kammer. Von den 508 Abgeordneten sind 267 ministerielle und auch von den 50 Liberalen, 26 Konser- vativen und 21 Klerikalen droht dem Ministerium vorläufig keine Gefahr. Unsere Partei hat aber nicht nur Mandate erobert, sondern sicher auch einen erheblichen Stimmen- z u w a ch s zu verzeichnen und die Ehren des Sieges in dieser Wahlschlacht der Prinzipienlosigkeit und des persönlichen Haders darf sie mit vollem Recht für sich allein in Anspruch nehmen. Rußland. Eine Polizeieutdecknng. Petcrsvmg, 16. März. Die Polizei hat gestern ein geheimes Waffenlager der Revolutionäre entdeckt und 4.0 Revolver und 3000 Patronen beschlagnahmt. Zwei Personen sind verhaftet worden. Autzerdem ist gestern durch 80 Geheimpolizisten im hiesigen psychoneurologischen Institut eine Haussuchung vor- genommen worden, wobei mehrere Personen verhaftet wurden. Daß hinter solchen Entdeckungen gewöhnliche Lockspitzel zu suchen sind, bedarf bei den russischen Verhältnissen kaum einer Er- wähnung._ Ein Gefänguisdircktor erschossen. Minsk, 14. März. In der Nähe des Gefängnisses wurde heute der Gefängnisdirektor von einem Unbekannten » r s ch o s s e n. Cürhcl. Wahrung des BudgctrcchtS Konstnntinopel, 13. März. Deputiertenkammer. Im Verlaufe der Sitzung traf vom Grohwcfir die Nachricht ein, daß er, da das Finanzjahr heute zu Ende gehe, der Kaminer den Entwurf eines Budgeiprovisoriums vorlegen werde. Die Sitzung wurde hierauf unterbrochen. Um 7 Uhr traf der Gesetzentwurf ein, der für z we i M o n a te ein Provisorium in Höhe von 5 Millionen Pfund verlangt. Der Finanzminister verlangte dringliche Be- Handlung des Entwurfs und legte die Gründe für die ver- spätste Einbringung des Budgets dar. Unter großem Lärm nahm die 5lammer mit 104 gegen 22 Stimmen eine Resolution an, in der der Regierung wegen der Verzögerung dasBedauern ausgesprochen und ein e i n m o n a t l l ch e s Provisorium bewilligt wird, um das Land vor Verwirrung zu bewahren. �entraWUmmKa. Eine Intervention Mexikos. New Jork, 14. März. Ein Telegramm des Ministeriums des Auswärtigen aus Mexiko teilt mit, daß Mexiko in dem zen- tralamerika nischen Streitfalle zum Zweck der Erhal- tung des Friedens vermitteln und mit den Vereinigten Staaten Hand in Hand gehen wolle, was immer für einen Weg die Vereinigten Staaten wählen werden, um den Frieden und den Vertrag aufrecht zu erhalten, den die zentralamcrikanischen Repu- büken auf der Washingtoner Konferenz freiwillig geschlossen haben. Hue der Partei. Das AuSschlnßreferendnm in Holland. Amsterdam, 14. März.(Eig. Ber.) Die Urabstimmung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands über den Beschluß des außerordentlichen Parteitages zu Dcventcr war am 3. März d. I. beendigt; das Rcsullat wurde jedoch erst am Sonnabend publiziert. Es stimmte» 183 Abteilungen und 49 Einzel» Mitglieder. 10 Abteilungen nahmen an der Abstimmung nicht teil. Für Herausgabe einer marxistisch redigierten Wochcnbeilage von „Hct Volk" stimmten 4730 Genossen, 415 d a g e g en, 204 Stimmenthaltungen waren zu verzeichnen. Für Aufhebung der„Tribüne" stimmten 4330, dagegen 773, 270 enthielten sich der Abstiinmung. Für Ausschluß der drei„Tribüne"-Nedakteure stimmten 3712, dagegen 1340. bei 342 Stimmenthaltuitgen. ReichStagSkandidatiir. Eine außerordentliche Kreiskonferenz für den Wahlkreis Leu nep- Re m sch ei d- M e tt m a n n stellte am Sonntag an Stelle des verstorbenen Genossen Meist, der den Wahlkreis von 1893 bis 1895 und von 1903 bis 1900 im Reichstage vertrat, den Genossen Wilhelm Dittmann, Parteisekretär in Frankfurt a. M.. als Reichstagskandidaten auf. Die Beschlußfassung erfolgte ein- stimmig, nachdem mehrere Beratungen voraufgegangen waren. Ncbcrfall auf einen sozialdemokratischen Abgeordneten, Der bayerische Landtagsabgeordnete Genosse Rollwagen in Augsburg ist am Sonnabeud von einigen Leuten, die aus der Partei entferiit werden sollten, angefallen und mißhandelt worden. polireUiebes, Gerichtliches nlrv. Berechtigte Interessen des Redakteurs. Einen argen Reinfall erlebte vor dem Schöffengericht in Stettin der Werlführer der Torfstreufabrik in Karolinenhorst. Diesem war im Slettiner„Volksboten" nachgesagt worden, daß er die Arbeiter gröblich beschimpfte und sie nicht ungeprügelt lassen könne. Einige Fälle roher Mißhandlungen wurden angeführt. Der also Gekenn- zeichnete erhob Privatklage gegen den Redakleur Mehl ich, der aber durch Zeugen nachwies, daß der Mann— Krcnzke ist sein Name— die Arbeiter in der unglanblichsten Weise mit Schimpfworten anzutreiben pflegte. Kropel, Ochle, Wahnsinniger waren die be- liebtesten Kosenamen. Einen Galtzier verprügelte er mit einer mehrere Zoll dicken Leiste, weil er sich krank gemeldet hatte. Einem anderen stülpte er eine Decke über den Kopf, worauf er den wehr- los Gemachten stieß und mit den Füßen trat. Der Mißhandelte hat drei Wochen im Krankenhause gelegen. Als sich der eigene Schwager dieses schlagfertigen Werlsührers beim Besitzer der Fabrik beschwerte, drohte ihm dieser mit Entlassung. falls er gegen Krenzke klage!I Das Gericht nahm an. daß den Arbeitern ein anderer Weg infolgedessen nicht übrig geblieben sei, als sich an die Presse zu wenden. Dem An- geklagten, als dem Redakteur eines Arbeiter blattes, sei daher der Schutz des§ 193 zuzubilligen, um so mehr als der Artikel fach- lich gehalten, die Absicht der Beleidigung nichr erkennen lasse, in ihm auch betont sei, daß der Zweck der Veröffentlichung lediglich der sei, die Abstellung der Mißstände herbeizuführen. Deshalb sei Meblich freizusprechen. Der schneidige Wcrkführer, der die Arbeiter mir„energisch" behandelt haben wollte, dürfte Wenigerbant sein über das Gerichtsattest, das ihm in diesem Urteil ausgestellt worden ist. verantw. Redakt.: öarlAermvth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw.: Die rote Fahne in Arrest. Am Sonntag fand in Breslau unter großer Beteiligung die Beerdigung des Genossen R o u v e l statt, eines BezirköfnhrerS des sozialdemokratifchcn Vereins. In einer Droichke wurde die sozialdemokratische Fahne im Trauerzuge mitgefiihrt. Die Polizei unter« sagte die Enthüllung der Fahne. AlS sie aber späler auf dem Wege zum Friedhofe doch enthüllt wurde, wurde der Wagen von einem starken Polizeiaukgebot umringt und nach der Polizeiwache geführt. Während die Begleiter der Fahne nach Feststellung ihrer Personalien entlassen wurden, behielt man die Fahne auf der Wache, wo sie sich noch jetzt befindet. Gegen das Verfahren der Polizei ist Beschwerde erhoben worden._ Strafkonio ber Presse. Wegen angeblicher Beleidigung zweier Polizisten wurde Genosse S t c i n k a m p vom„B o ch u m e r Volksblatt" zu 600 M. Strafe verurteilt.— Es handelte sich um die objektive Darstellung über die Inhaftierung und De- Handlung eines Arbeitslosen durch zwei Polizeibeamte. Ten Be- nmten wurde— wie gewöhnlich— mehr geglaubt als den Eni- lastungszeugen,'_ Soziales* Tie feinen Geruchsnerven des Herrn Koimnerzienrats. Vor der 5. Kammer deS hiesigen Kaufmannsgerichts trat eine Stenotypistin als Klägerin gegen die Firma August Zeitz u. Co. (alleiniger Inhaber Kommerzienrat August Zeitz) auf. Am zweiten Tage ihrer Tätigkeit war sie entlassen worden, weil sie einen Geruch an sich habe, den der Herr Kommerzienrat nicht vertragen kann. Klägerin suchte einen hiesigen Arzt auf, welcher ihr folgendes Attest ausstellte: „Frl. S. erscheint heute bei mir zwecks Feststellung ihreS Ge- sundheitszustandes, speziell darüber, ob an ihrem Körper abnorme Gerüche wahrnehmbar seien! Das Resultat meiner Untersuchung ist, datz Fräulein S. vollständig gesund ist. Sie bietet keinerlei Zeichen von Schweitzfutz, der Mund ist vorzüglich in Stand gehalten. Es ist keinerlei Abnormität am Körper nachweisbar, speziell nichts, was üble Gerüche verbreiten könnte." Klägerin hatte sich der Firma zur Verfügung gestellt und erhielt folgenden charakteristischen Brief: „Wir bestätigen den Eingang Ihrer Zuschrift vom 8. cr. und müssen Ihnen erwidern, datz wir unsere sofortige Kündigung aufrechterhalten. Der§ 70 des Handelsgesetzbuches berechtigt den Prinzipal, obne Einhaltung einer Kündigungsftist zu kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt; dieser Fall war hier ohne weiteres gegeben, denn wenn wir es uns auch lieber versagen möchten, auf den Grund selber näher einzugehen, so wollen wir doch zu Nirer Lrientierung bemerken, datz alle mit Ihnen zusammen beschäftigt gewesenen Damen einstimmig erklärten, in der durch Sic liervor- gerufenen schlechten Luft unmöglich weiter arbeiten zu können. Nach Z 62 des Handelsgesetzbuches sind wir aber verpflichtet, unsere Geschäftsräume so einzurichten und zu unterhalten, datz unsere Angestellten gegen eine Gefährdung ihrer Gesundheit ge- schützt sind. Aus diesem Grunde mutzten wir Ihre sofortige Kündigung aussprechen. Hochachtungsvoll Ehannon Registrator-Eompagnie Aug. Zeitz u. Co." Der Antrag der Klägerin verlangte Zahlung des Gehalts für 2 Monate und Herausgabe von Originalzeugnissen. Aus die schrist- liche Aufforderung, die Zeugnisse herauszugeben, hatte die Firma geantwortet:„Wir sind bereit, Ihnen Ihre Zeugnisse ans- zuhändigen, wenn Sie dagegen erklären, daß Sie auf alle Ansprüche an unsere Firma verzichten. Die Vergütung für die von Ihnen hier geleisteten Dienste würde Ihnen natürlich bezahlt werden." ?n der Verhandlung wurde festgestellt, daß in einem nach dem Hof belegenen Zimmer, in dem fast den ganzen Tag Licht brennen mutz, 8 Damen arbeiten müssen. Diese 8 Damen hatten schriftlich erklärt, datz sie mit der Klägerin nicht zusammen arbeiten könnten infolge ihres Geruches. Die Beklagte wurde verurteilt, sofort die Zeugnisse heraus- zugeben und für die Tauer der Kündigungszeit das Gehalt zu zahlen._ Ein neues Wahlsystem im Allgemeinen Knappschaftsverein Bochum. Eine Versammlung fast sämtlicher Knappschaftsältcsten des Allgemeinen KnappschaftSvercins Bochum fand am Sonntag in Bochum statt, um Stellung zu einer neuen Wahlordnung zu nehmen, durch die die Verbandsvertreter mit Leichtigkeit kalt gestellt werden können. Bisher, d. h. auch unter dem neuen Knappschafts- statut, waren der Knappschaftsälteste sowie sein Stellvertreter in einem Wahlgang zu wählen, und zwar waren die Stimmzettel mit zwei Namen zu versehen. Derjenige, ans den die meisten Stimmen entfielen, war KnappschaftSältestcr, derjenige mit den zweitmcisten Stimmen Ersatzmann. Mit Ende 1910 scheiden die letzten christlichen Vertreter aus dem Vorstande des Knappschaftsvereins aus. Da die Verbands- ältesten die Mehrheit haben, würden nach der Ergänzungswahl zum Vorstande den 15 Werksvertretern 15 Verbandsältcste gegenüber- stehen. Der Zustand, datz die Werksvertreter ihre Pläne mit Hilfe eines oder mehrerer Arbeitervcrtrcter durchdrücken können, hörte dann endlich auf. Da kam nun unlängst der Handclsminister mit einer Verftigung, wonach eine im neuen Statut enthaltene er- gänzende Bestimmung zum 8 80(Abs. 7) so auszulegen sei, daß nur ein Name auf dem Stimmzettel stehen sollte. Das praktische Resultat wäre folgendes: Wenn in einem Sprengel(Wahlbezirk) z. B. im ganzen 400 Stimmen abgegeben wären und der Verbands- kandidat davon 350, der christliche oder der Zechenkandidat 50 Stimmen bekommen, so ist ersterer Aeltester, letzterer Ersatz Uteinn. Erhält nun der Aelteste einmal keine Arbeit oder doch keine, die er von seiner Wohnung aus(die im Sprengel liegen mutz) er» reichen kann— und das läßt sich ja leicht bewerkstelligen— so ist man ihn los, und der Ersatzmann mit seinen 50 Stimmen rückt in sein Amt! Die Versammlung protestierte nun entschieden gegen den Be- schlutz des Knappschaftsvorstandes und beschlotz, die Anberaumung einer außerordentlichen Generalversammlung zu beantragen. In dieser soll dafür Sorge getragen werden, datz das Statut jeden Zweifel über die Bedeutung der strittigen Bestimmung ausschließt. Ferner wurde eine Kommission gewählt, die die Forderungen aus- zuarbeiten hat, die auf dem Gebiete des Knappschaftswesens zu stellen sind._ GewerhFcbaftUcbes. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter'. Eine eigentümliche Auffassung vom Akkordbertrag scheint der Inhaber der Drehrollenfabrik vormals Plaen, jetzt Müller, Watzmannstraße 25/20, zu haben. 5 Schlossern wurde am letzten Sonnabend bei der Lohnzahlung ein Teil des Lohnes abgezogen mit dem Bemerken, datz die alten Akkordpreise nicht mehr gezahlt würden. Die Arbeiter waren weder vorher verständigt worden. noch war ihnen bei Uebergabe der Arbeit gesagt, datz die alten Preise nicht mehr gezahlt würden. Selbstverständlich protestierten die Arbeiter. Darauf erklärte ihnen Herr Müll er jun.: I�nt- weder. Sie arbeiten für das Geld, oder Sie machen, daß sie raus kommen I" Dieser junge Mann trat auch in derselben Weise dem Vertreter unserer Organisation gegenüber auf. als derselbe ber- suchte, in derselben Angelegenheit mit der Firma zu verhandeln. Er erklärte unserem Vertreter, datz er Leute genügend für das Geld bekäme, welches bei der Firma verdient würde. Dabei wird uns von den dort beschäftigt Gewesenen erklärt, daß nach den Ab- zügen höchstens 20—21 M. pro Woche zu verdienen seien. DaS Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaU Gelüerbegericht. an KekcheS sich die Entlassenen wenden, dürste der Firma klarmachen, datz die Bestimmungen der Gewerbeovdung über der Weisheit der Inhaber der Firma stehen. Wir warnen die arbeitslosen Kollegen, wenn sie sich vor Schaden bewahren wollen, bei der Finna Arbeit zu nehmen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverlvaltung Berlin. Die Lohnbewegung der Kostümschneiber und-Schneiderinnen. Den großen Saal der Arminhallen füllte am Sonntag eine Ver- sammiung der Kostüinschneider und-Schneiderinnen, um die Antwort der Arbeitgeber auf die eingereichten Forderungen zu ersohren und Stellung dazu zu nehmen. Der Referent Kunze wies zunächst darauf hin, datz die Arbeit- geber der Kostümbranche sich, wie vorauszusehen war, organisiert haben, und bemerkte, daß dies keineswegs als ein Hebel, sondern vielmehr als ein Vorteil für die Bewegung anzusehen sei, da ja hierdurch möglich werde, einen Tarifvertrag von Organisation zu Organisation abzuschlietzen sowie eine gemeinsame Kommission zur Ueberwachung des Tarifes einzusetzen. Zugleich aber zeige sich um so deutlicher, datz die Bewegung der Kostümschneider Berlins nicht loszulösen sei von der Situation im� Reich. In 35 Städten Teutschlands, wo der Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe Filialen hat, sind von den Herrenmatzschneidern, und in einer Reihe von Städten, wie Frankfurt a. M., Hamburg, Karlsruhe, Wiesbaden, auch von den Kostümschneidern Forderungen gestellt. Die Arbeitgeber der.Kostümbranche haben sich nun in allen den Städten, mit einer einzigen Ausnahme, erst in den letzten Wochen organisiert, und auch in Berlin kommen sie erst dazu, nachdem sie sich der Einsicht, daß die große Masse ihrer Arbeiterschaft hinter den Forderungen steht, nicht mehr verschließen konnte. Er- fahrnngsgemätz macht sich in einer so jungen Arbeitgeberorgani- sation in der Regel ein gewisses Draufgängertum bemerkbar. Man pflegt die Forderungen der Arbeiter einfach für unannehmbar zu erklären und glaubt damit über die Sache hinwegzukommen. So läuft denn auch die Antwort des„Verbandes der Berliner Damenmatzschneidereien" darauf hinaus, datz seine Versammlung die Forderungen„schon aus Rücksicht auf die allgemeine Wirt- schaftliche Lage" für unannehmbar erklärt habe, worauf jedoch die Bemerkung folgt, datz man bereit sei,„die Wünsche der Ar- beiter anzuhören". Die Ortsoerwaltung des Schneiderverbandes erwiderte darauf in einem Schreiben vom 9. März, datz die Wünsche der Arbeiter ja in der eingereichten Tarisvorlage enthalten seien, so datz weitere Mitteilungen darüber überflüssig wären. Ter Arbeitgeberverband möge nun bis zum Freitag, den 12. März, mit- teilen, wann er bereit sei, zu verhandeln. Daran wurde noch die Bitte geknüpft, mitzuteilen, welche Firmen dem Verbände an- gehörten, damit, wenn Verhandlungen zwischen den beiden Organi- sationen stattfänden, solchen Firmen, ans die sich diese Verhand- lungen bezögen, nicht unnötigerweise Ungelegenheiten bereitet würden. Hierauf erwiderte der Arbeitgeberverband, datz die Frist für die Festsetzung der Verhandlungen zu kurz bemessen sei. da man die Sache erst einer Mitgliederversammlung vorlegen müsse, datz aber die Antwort bis Montag, den 15. März, erfolgen werde. Ferner ist bei Verhandlungen der Schlichtungskommission der Herrenmatzbranche von Arbeitgeberseite geäutzert werden, datz An- fang dieser Woche in der Kostümbranche verhandelt werden solle. Der Redner machte darauf aufmerksam, datz mit den somit in Aus- ficht gestellten Verhandlungen noch keineswegs etwas Positives er- reicht sei, da ja die Gefahr bestehe, datz sie nur formeller Natur sein würden. Jedenfalls werde sich erst durch die Verhandlungen herausstellen, wie die Situation liegt.— Von den einzelnen Arbeit- gebern hat im Laufe der Woche noch eine Firma bewilligt, und zwar den Tarif erster Klasse, während zwei Firmen um Verhand- lungen nachsuchten. Im übrigen sind einem Teil Firmen die Forderungen erst im Laufe der Woche zugestellt worden. Die Vertrauensmännersitzung der Kostümbranche hat sich mit der Frage befaßt, ob in der gegenwärtigen Situation Ueberstunden gemacht werden dürfen, und dies einstimmig verneint. Dies wird denn auch befolgt, und nur in vereinzelten Fällen, wo ganz besondere Umstände vorliegen, können einmal mit Genehmigung der Organi- satwn Ueberstunden zugelassen werden. Im übrigen hob der Redner hervor, datz die Situation im Schneidergewerbe Deutsch- lands gegenwärtig wieder äußerst gespannt ist, und datz demgemäß auch die Kostümschneider und-Schneiderinnen Berlins sich nicht durch irgendwelche Redensarten der einzelnen Arbeitgeber täuschen lassen dürfen, sondern einmütig den Beschlüssen ihrer Organisation entsprechend zu handeln haben. Mit der Antwort des Arbeitgeber- Verbandes wird sich eine weitere Versammlung beschäftigen.— Die Diskussion ergab, datz die sehr zahlreich besuchte Versammlung mit den Ausführungen des Referenten durchaus einverstanden war. Achtung, Schuhmacher! In der Reiseschuhfabrik von M. Engländer, Gormann. stratze 14, haben sämtliche Arbeiter wegen Lohndifserenzen di» Arbeit niedergelegt. Deutsches Reich. Zur Aussperrung der Töpfer in den sächsischen Tonwerken in Brandis bei Leipzig ist nun auch die allgemeine Aussperrung der dort beschäftigten Ziegelei- arbeiier gekommen, weil sich diese geweigert haben, die Streikarbeit der ausgesperrten Töpfer zu verrichten. Ein gewisser Rieden- thal hatte schon am letzten Donnerstag einen Transport Arbeits- williger von Berlin nach Brandis gebracht, die an die Stelle der Ausgesperrten treten sollten. Der Leitung des Fabrikarbeiterver- bandes ist es aber gelungen, die Arbeitswilligen von ihrem Vor- haben abzubringen und zu veranlassen, daß sie wieder nach Berlin zurückkehrten. Der Zuzug aller Fabrikarbeiter, besonders der Ziegeleiarbeiter nach Brandis ist streng zu vermeiden. In der Silberwarenfabrik Paul Sandig«. Co. zu Liegnitz ist ein Streik ausgebrochen. Seit 2 Jahren arbeiten die dortigen Silberarbeiter auf Stundenlähn. Jetzt soll wieder Akkordarbeit eingeführt werden, was die Arbeiter verweigerten und mit der Arbeitsniederlegung beantworteten. Zuzug von Silberarbeitern jeglicher Art ist fernzuhalten. Bor allem seien die Silberarheiter von Dänemark, und Oesterreich gewarnt. Alle arbeiterfreundlicheo Blätter werden um Abdruck gebeten. Versammlungen. Bor einer Jukienbversammlung, die am Sonntagabend im Gewerkschaftshause stattfand, hielt Genosse Max Grunwald einen Vortrag über das Thema:„Die wirtschaftliche Krise und die ar» beitende Jugend". Sehr aufmerksam folgten die zahlreich Ver- sammelten den interessanten Ausführungen des Redners. Zur Diskussion meldete sich nur ein Redner, der die Jugendgenossen aufforderte, fest zusammenzuhalten und eifrig zu lernen und zu streben, um sich für den Lebenskampf auszurüsten. Der Vorsitzende ließ dann eine kurze Pause eintreten, wonach der angekündigte Unterhaltungsabend begann.— Am Sonnabend nahm ein ChkluS von Vorträgen für die Jugend im Saal 8 des GewerkschaftShauses seinen Anfang. Neue Hörer werden auch am nächsten Sonnabend noch Willkommen sein. letzte JVacbricbten und Oepefcben« Zum Nntergnng der„Margaretha. Haag, 15. März. Bei Hoek van Holland sind drei Leichen des deutschen Schiffes„Margaretha" ans Ufer geschwemmt worden. Eine Frauenleiche trug einen Ring mit der Inschrift„Wählers". Man nimmt an. daß diese Frau die Gattin des Kapitäns des Schiffes war. Die beiden anderen Leichen sollen diejenigen bei Kapitäns und eines Matrosen sein.(Siehe auch Vermischtes.) Zaul Singer Lc Co..BerIinL)V7�Hiersu2Bcilagen u.NnterbaltunLsbl7 Ar. 63. 26. Jahrgang. 1 Mm Its Jormärts" Kerlim Polbblitt Dienstag. 16. Marz IM. Ein „Lriter Deutscher ZugevSgerlchtt-rsg" ist für die drei Tage vom 15.— 17. März nach der Reichshauptstadt Berlin zusammenberufen worden. Um sein Zustandekommen hat die.Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge" sich bemüht. Die Verhandlungen finden statt im Rathaussaale der Rachbarstadt Charlottenburg. Die Jugendgerichte find in Deutschland noch sehr jung— das erste wurde im Januar 1908 eröffnet. Sie find, wie wir mehrfach betont haben, bislang in Deutschland lediglich Schöffengerichte wie andere Schöffengerichte. Jedoch soll der Vorsitzende den Vormund- schaftssachen möglich nahe stehen. Von übereifrigen Optimisten wird ihnen aber bereits nachgerühmt, daß sie„sich bewährt" haben. Der „Erste Deutsche Jugendgerichts-Tag" soll Vertretern der Rechtspflege und der Jugendfürsorge Gelegenheit geben zu einer Aussprache darüber, welche Erfahrungen bisher mit den Jngendgerichten gemacht worden sind, und welche Forde- r u n g e n für ihre weitere Ausgestaltung sich daran knüpfen. Die Beteiligung an diesem Jugendgerichts-Tag ist sehr stark, auS allen Teilen Deutschlands sind Richter. Staatsanwälte, Pädagogen, Pastoren, Mitglieder von Jugendfürsorgevereinen, Vertreter staat- licher und städtischer Behörden erschienen. Am Montag wurde der Jugendgerichts-Tag vom stell- vertretenden Vorsitzenden der„Deutschen Zentrale für Jugend- fürsorge" Staatsminister z. D. H entig mit einer Begrüßungsansprache eröffnet, die auf die Bedeutung der Jngendgerichtsbewegimg hin- wies und die Jugendgerichte als ein erfolgversprechendes Mittel zur Hcrabminderung der Kriminalität der Jugendlichen bezeichnete. Die Leitung wurde dann übernommen von dem zum ersten Vor- sitzenden des Jugendgerichts-Tages erwählten AmtsgerichtSrat Dr. K ö h n e, dem Jugendrichter am Aintsgericht Berlin-Mitte. lieber „das Jugendgericht im Vorverfahren" referierten Staatsanwalt Welle nkamp-Magdeburg und Oberamtsrichter Risi-München. Wellenkamp betonte, gegenüber dem Jugendlichen müffe nicht die Anwendung des Vergeltungsprinzipes, sondern die Abwehr der Verwahrlosung der Zweck des Verfahrens fein. Er meint, daß das auch der Staatsanwalt leisten könne, wenn alle bei der Staatsanwaltschaft anhängig werdenden Strafsachen gegen Jugendliche in der Hand» eines geeigneten und dazu bereiten Dezernenten vereinigt werden. Den Organen der freiwilligen Jugend- fürsorge will W. nicht gestatten, daß sie Schritte tun, die auf tat- sächliche Feststellungen zur Schuldfrage abzielen. Nur ausnahms- weise will er sie zu Aeuherungen über die Schuldfrage zulassen, wenn es sich um Schulkinder und um geringe Delikte handelt. Auch gutachtliche Aeusierungen der Fürsorgeorgane über die Notwendig- kcit vormundschaftlicher Maßnahmen und über die Voraus- fetzungen der bedingten Begnadigung seien zu wünschen. Die Frage, ob der jugendliche Täter die erforderliche Einsicht besessen habe, sei schon im Vorverfahren zu beantworten, und bei V e r- n einung sei das Verfahren einzustellen. Im Zweifelsfalle solle der Staatsanwalt gutachtliche Aeußerungen der Fürsorgeorgane einholen und seine Enrscheidung nach persönlicher oder richterlicher Vernehmung des Beschuldigten treffen. W. steht auf dem bei einem Staatsanwalt begreiflichen Standpunkt, daß gegenüber dem jugendlichen Beschuldigten das Legalitätsprinzip zu durchbrechen sei, und daß dem persönlichen Ermessen des Staatsanwalts ein reichlich bemessener Spielraum gewährt werden müsse. Weshalb nicht durch Gesetz, ohne der Willkür Tür und Tor zu öffnen verkehrten Anklagen, vorgebeugt werden könne, verrät er nicht. Auf den Vertreter der Anklagebchörde folgte als Korreferent der Richter. R i ß wünscht, daß der Jugendliche möglichst vor der kleines feiiilleron. Sven Hrdin über Tibet. Am Sonntag hielt Sven Hedin in der Singakademie einen öffentlichen Vortrag über feine letzten Reisen in Tibet, die drei Jahre und drei Monate gedauert haben. Wer gehofft hatte, von Land und Leuten, von Elhnographie, von sozialen und wirtscbaftlichen Verhältnissen etwas zu hören, war sehr enttäuscht. Man bekam einen ziemlich trockenen Bericht über Hedins eifrigen und mit mancherlei Abenteuern verknüpften Kampf gegen die„weißen Flecken", die sich noch in der Karte Tibets finden. Kurz es sprach ein Geograph,>er neue Gebirge(im sogenannten Transkinayalc), neue Pässe, die wahre Ouclle des Brahmaputra als erster Europäer besucht und kartographisch festgehalten hat. Es sprach ein Fachmann, der uns mit einer Unmasse von gleichgültigen Namen bombardierte, aber kein anschaulicher Schilderer, keiner, der uns LandschastSeindrücke oder Einblicke in die Seele dieser Völker ver- mittelte, von denen er nur einige kuriose und(angeblichs witzige Details bot. Aber Hedin schätzte zweifellos das bourgeoise Publikum, dem er eine Sensation ist, wie irgend etwas anderes, richtig ein. Die Leute wollen den nun einmal berühmt gewordenen Mann sehen, hören und wenigstens„etwas Amüsantes" mit nach Hause nehmen. Und so erzählt er denn— etwas schwerfällig k- von den beiden Lamasekten. die sich(angeblich) nur dadurch unterscheiden, daß die eine die Gcbetsmühle nach rechts und die andere sie nach links dreht, und von den Pilgern, die einen heiligen Berg besteigen, indem sie den Weg mit ihrem Körper hinaufmessen. �(Die aufgeklärten Berliner lachen— als ob man desgleichen nicht in jeder Religion fände.) Oder von der Sitte, daß mehrere Tibetaner eine Frau haben, z. B. drei Männer zwei Frauen. Also jeder nur zwei Drittel, und daS ist nach HedinS Geschmack schon zu viel.(Die freigeistigen Berliner Bourgeois, die dergleichen Polyandrie— in der europäischen Form ausgchaltener Frauen— natürlich längst kennen, kichern.) Einmal war aber der Vortragende loirklich witzig, ohne daß seine Hörer es merkten. Wenn man die höfliche, langmütige, ent- gegenkommende Art betrachtet, mit der tibetanische Beamte den gegen alle ausdrücklichen Verbote wieder ins Land gedrungenen Fremdling behandelten, so muß man aufrichtig und ehrlich be- kennen: diese Tibetaner sind dem regierenden Durchschnittspreußen unendlich an Kultur überlegen. Man vergleiche etwa die preußische Methode, nach der ehrenwerte, harmlose Ausländer in Nacht und Nebel aus dem Lande gejagt werden, mit der tibetanischen, die es dem als Feind des Landes angesehenen Hedin erlaubte, seine Reisen noch ruhig fortzusetzen und die Nückkehrroute selber zu bestimmen. ES ist sicherlich schwer, ein der Materie innerlich gleichgültig gegenüberstehendes Publikum für geographische Forschungsergebnisse, die keinen Kurswert haben, zu interessieren. Besonders einem Aus- länder, der unsere Sprache nicht ganz beherrscht und in zwei Stunden fertig sein muß. Aber daß der hervorragende Reisende keine höheren Anforderungen an sich und seine Hörer stellt, ist doch sehr bezeichnend für unsere Zeit. � Theater. Neues Theater:„Die Laterne", Lustspiel von Georges Thurmer. Statt des Schwanks, den der ftanzösische Hauptverhandlung bewahrt bleibe. Schon deshalb müsse noch im Vorverfahren die Frage nach der erforderlichen Ein- ficht geprüft werden, und zwar auch vom Richter. Eine Ver- eidigung in der Hauptverhandlung sei nur dann zu veranlassen, wenn davon eine Ausklärung der Sache oder eine günstige Ein- Wirkung auf den Angeklagten zu erwarten sei. Nur zu oft werde durch unrichtige Verteidigung dem Jugendlichen die Meinung bestärkt, daß seine Tat gar nicht so schlimm sei. R. glaubt eine Ein- s ch r ä n k u n g der Verteidigung um so eher empfehlen zu dürfen, da ja in dem Verfahren gegen Jugendliche nicht die Hauptverhandlung, sondern das Vorverfahren das wichtigste sei. Er schloß unter leb- hafler Zustimmung der Zuhörer mit der Mahnung, daß die Ein- richtung der Jugendgerichte, so sehr man eine Berücksichtigung der Eigenart der Jugendlichen und der besonderen Ursachen ihrer Tat wünschen müsse, doch nicht zu einer Verweichlichung der Rechtspflege führen dürfe. In der Diskussion empfahl der Generalstaatsanwalt Dr. v. Rupp-Stuttgart den Staatsanwälten, im Verfahren gegen Jugendliche„sich der größten Bescheidenheit zu befleißigen", was ja„sonst nicht ihre Aufgabe" sei. Auch er forderte aber für den Staatsanwalt das Recht, über die Frage der Einsicht zu ent- scheiden. Amtsgerichtsrat Fischer, Jugendrichter in Berlin, warnte davor, das Schwergewicht schon in das Vor- verfahren zu legen, das ohnedies als inquisitorisch viel angegriffen werde. Aufgabe des Jugendrichters sei übrigens oft, die Jugendlichen nicht zur Bestrafung zu bringen, sondern sie zu versorgen, durch Beschaffung von Arbeit oder durch Unterbringung in Fürsorgeanstalten. Amtsgerichlsrat Hartman»-Charlottenburg verspricht sich mehr Gewinn von der freiwilligen Mitarbeit der Gesellschaft, wie sie durch die Fürsorgevereine geleistet werde, als von der Tätigkeit der Behörden. Oberlandesgerichtsrat K l o ß- H a m m weist hin auf die in Westfalen bestehenden Fürsorgeausschüffe und deren Zusammenwirken mit den Gerichten. Staatsanwaltschaftsrat Kessel-Hannover will zur Entscheidung über die Frage der Einsicht den Vormundschaftsrichter mit heranziehen. Landgerichts direktor Schlaffner-Passau sagt den Verteidigern nach, daß sie„alle schönen Eigenschaften des Buben oder des Mädels hervor heben, die sie selber ihnen andichten". Für Jugendliche brauche man keinen Verteidiger, den ersetze da der Staatsanwalt, der ja nur der Wahrheit zum Recht verhelfen solle.( I) Frau Ehrlich V e r l i n forderte, daß bei Feststellung des Vorhandenseins der er- forderlichen Einsicht der Arzt mitwirke und daß im Falle der Verneinung das Gericht eine etwa notwendige ärztliche Bc Handlung anordnen dürfe. In der Nachmittagssitzung referierten über „daS Jugendgericht vor, in und nach der Hauptvcrhandlung" der Jugendrichter AmtSgerichtörat Fifcher-Berlin und der Jugendrichter AmtsgerichtSrat Allmenröder- Frankfurt a. M. Fischer weist der H a u p t b e r h a n d l u n g die Aufgabe zu, Aufklärung zu bringen über die Persönlichkeit deS Jugend- lichen, über feine Anlagen, sein Vorleben, seine Umgebung. Ermittelungen hierüber seien durch besondere Helfer des Jugendgerichts vorzunehmen. Verteidiger seien in schwierigen Fällen nnentbehrlich, zuzulassen seien nicht nur Recktsanwälte. sondern auch andere Personen, besonders Frauen. Kinder- und Nervenärzte seien als Sachverständige heranzuziehen, weil oft die körperliche und seelische EntWickelung der fügend- lichen Angeklagten nicht normal sei. Bei Verurteilung zu Freiheitsslrasen sei Strafaufschub mit Aussicht auf Be- gnadigung zu empfehlen. Als Ergänzung der strafrechtlichen Maß- nahmen seien vormundschaftsrichterliche Maßnahmen nötig, ein Ein greifen der Jugendfürsorge, eventuell Fürsorgeerziehung, doch sei diese noch so sehr in den Anfängen, daß jeder Jugendrichter eS sich tausendmal überlegen solle, ehe er zu diesem Mittel greife. Ein kräftigerer Ton kam in die Verhandlungen durch daS Titel vermuten ließ, erschien zur angenehmen Ueberraschung ein Stück, das auf die"Bezeichnung Lustspiel wohl ein Anrecht hatte. Der Verfasser besaß einen höheren Ehrgeiz als den. durch ein paar unter Vergewaltigung von Logik und Natur herbeigezerrte spaßhafte Situationen ein flüchtiges Lachen aus den Zuschauern herauszukitzeln. Eine Charaklerkomödie lag ihm im Sinne. Und wenn er bei der Ausführung auch wiederholentlich in die Manier schablonisierender Thealerkarikatur zurückfällt und mit einem frostigen Epigramm schließt, es sind doch Ansätze genug vorhanden, die ein lebendigeres Interesse ermöglichen. Sehr hübsch ist gleich im Anfang daS Verhältnis der beiden Brüder skizziert: des launenhaften, kraß egoistischen Lionel, des Lebemannes und Frauenlieblings, der sich durch skrupellose Manöver zum Chef eines der einflußreichsten Sensationsblätter, der„Laterne", heraufgewunden bat, und des gediegenen, anspruchslosen Arbeits- nienschen Eugen. Ohne eigentlichen Neid empfindet er darum die blinde Bewunderung, die alle, voran die eigene Mutter, dem vom Erfolg Be- güi�tigten entgegenbringen, darum nichtweniger hart als Ungerechtigkeit. Lionels Physiognomik findet in der Schilderung, wie dieser Herr. der aus lauter Unparteilichkeit jede Unterstützung von Verwandten ablehnt, und seinen miserabel gezahlten Unterredakteuren den Segen der Genügsamkeit predigt, den Proteges galanter Damen gegenüber sich großmütig erweist, eine drastisch pointierende Er- gänzung.— Die'Szenen auf der Redaktion, die diesen Faden weiter- spinnen, vergröbern ihn zugleich und fallen damit teilweise aus dem Komödienstil heraus. Indes das weitere— eine frivole Attacke Lionels auf eine kleine im Grunde brave Frau, das Dazwischentreten des jüngeren Bruders und der Umschwung, den seine von der Kraft gütiger Liebe getragenen Worte in der Schwanlenden hervorrufen— lenkt wieder in die Bahnen intimerer Analyse. Wie sich Jaqueline dem braven Burschen, ihrem Netter, in inniger Dankbarkeit verbunden fühlt, und wie sie doch in ihrer Phantasie das glänzende Bild dcö Bruders nicht vergessen kann, wird in einigen Gespräche» des letzten Aktes fein, in ironisch-tragischcr Färbung an- gedeutet und beleuchtet noch schärfer als alles �Frühere Schicksal und Gegensatz der beiden Meuschcntypen. Daß es indessen schließlich Lionel selbst ist, der in einer unverschämten Herrenlaune gekränkter Eifersucht JaquelineS und Eugens Hände ineinander legt, schwächt freilich dann die Wirkung außerordentlich ab. Der Kontrast der Brüder kam in dem Spiel der Herren N e u ß und Schwaiger lebensvoll und überzeugend zun» Ausdruck. Gut war auch Herr Schind ler in der drolligen Episodenrolle eines jüdischen Bankier, Frau N e i ch e n b a ch als Mutter; ganz vortrefflich Meta Jäger in der Figur der kleinen Jaqueline. 6t. Münchener Theater: Heijermanns sozialer Traktat: Seltsame Jagd hatte bei seiner Uraufführung im Schauspiel- hause freundlichen Erfolg. Den Mädchenverfiihrern. die dann ihre natürlichen Kinder der Pein überlassen, wird in einer Reihe Unglück- licher vaterloser Geschöpfe ihre Herzlosigkeit vor Augen geführt. Durch dieses lebendige Elend und durch eine Pastorale Moralpauke eines Tugendmädchens, das im Nebenberuf Krankenschwester ist, wird das Gewissen eines Lebemannes geweckt, der nnn die felt- fame Jagd nach seinem illegitimen Sprößling beginnt. Er findet Kornefcrat von Allmenröder, der über das in Frankfurt a. M. übliche Verfahren berichtete. Auf Grund der Vernehmungen werde vor der Hanptverhandlung oft dem Staatsanwalt vom Richter nahegelegt, das Verfahren einzustellen. Man sei in Frankfurt in diesem Punkte„gar nicht so schüchtern". Dabei komme es auch nicht immer daraus an, daß die Einsicht gc- fehlt habe. Hauptsache sei ja. daß nicht durch d a S Strafverfahren mehr Schaden als Nutzen ge- stiftet werde. Man müsse es verstehen, sich in die Seele des Kindes chineinznversetzen. Zu Jugendrichtern solle man„Leute nehmen, die selber in ihrer Jugend nicht so ganz"— hier unterbrach schallende H e i t e v* k e i t den Redner. Später bekannte der Redner koon sich selber; „Wenn wir auf dem Lvnde einen Apfel stahlen, je«, das tixir ein Vergnügen. Kein Mensch fragte danach, außer dem Schütz, der uns die Hosen voll hieb. Aber hier in der Großstadt muß ein Kind vielleicht erst durch ein Kellerloch steigen, und dtinn ist das ein Ver- gehen, das schwer bestraft werden soll, bloß ty-eil der Äpfel nicht am Baum hängt." In der Diskussion empfahl Geh. Sanitätsrat D r. Taube, die nicht normalen Kinder schon in der Vorunter- suchnng durch den Arzt begutachten zu lassen. Direktor Major, Vorsteher einer Erziehungsanstalt in Berlin, forderte, daß es bei geistig minderwertigen Kindern gar nicht erst zur Hauptverhandlung komme. P a st o r C r u s e m a n n, der sich der Jugendfürsorge im Obdach der Stadt Berlin widmet, knüpfte an an die AuS- sührungen Allmenröders über die Leichtigkeit, mit der ein Kind zu G e s e tz e s V e r l e tz u n g en gelange. Er erinnere sich solcher Vorkommnisse aus seiner eigenen Jugendzeit, und dasselbe sei ihm von anderen Pastoren und auch von Richtern mitgeteilt worden. Die Schuld des einzelnen sei bei der Verwahrlosung der Kinder gar nicht so groß, viel größer sei die Schuld der Gesell- sch aft— aber da? Kind werde verurteilt. In den Fiirsorgehiiuscrn sei der Erfolg— gleich Null. Aus Hamburg berichtete Fräulein Anna Schulze, Vorsteherin der dortigen Zentrale für Jugend- fürsorge, daß ihr am Jugendgericht die Stellung einer Vertrauens- person eingeräumt worden sei. Direktor Dr. Kluge, Vor- steher der Anstalt für Epileptische, Säilvachsinnige usw. zu Potsdam, erklärte, daß bei richtiger Behandlm� solcher Kinder sehr wohl Erfolge zu erzielen seien. Dr. Voigt, der beim Frankfurter Jugendgericht als Psychiater fungiert, bekommt dort alle Jugend- lichen zur Begutachtung und zwar schon im Vorverfahren. Im Schlußwort rechneten die beiden Referenten mitein- ander ab. Fischer erklärte, c r fühle sich als Richter dem Gesetz Untertan, von dem er nicht abweichen dürfe. Allmenröder wies den aus dieser Erklärung herausklingenden Vorwurf zurück, daß man in Frankfurt sich über die gesetzlichen Bestimmungen hin- wegsetze und im Verfahren gegen Jugendliche seine eigene Prozeßordnung habe. Gesetzliche Bestimmungen seien eben für den einen ein Hindernis, für den anderen eine Förderung. Er könne nur wünschen, daß man auch Erwachsene nicht nach Schema F, sondern individuell behandele. Hoffentlich werde die Jugendgerichts- bewegung zu der Erkenntnis führen, daß auch das Verfahren gegen Erwachsene nach dieser Richtung hin zu ändern sei. Hiermit schlössen die Verhandlungen des ersten TageS. Bus Induftrie und Handel» Der Balkan als Absatzgebiet der deutschen Industrie. Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte, der auch ein guter Freund sein kann. An dieses Wort wird man erinnert, wenn man das Verhältnis der deutschen Industrie zu Serbien betrachtet, welches feit 1997 mit Oesterreich-Ungarn einen Zollkonflikt auszutragen sich beniüht. In dem Maße, als die Industrie Oesterreich-UngarnS in Serbien verlor, drang die deutsche vor. Noch 1995 lieferte Oesterreich- nicht daS Kind, wohl aber den Tod bei Rettung eines fremden Kindes aus dem Wasser. Er hat also gesühnt, aber die Kranken- schwestcr, die er liebt, wird nun ihrerseits im Gewissen aufgerüttelt durch diese Tat der Liebe, während sie nur die Worte der Liebe hatte. Technisch zerfließt das Stück wieder, dennoch ist es bühnen- mäßiger als die früheren, aus der grauen Anklagesphäre weiter in die Seichtigkeit gerückt. m. Pariser Theater: DaS Thöatre Antoine hat ein älteres, aber stark umgearbeitetes Drama von Donnay und Descares:„I-sCIairierv"(Die Lichtung) wieder in den Spielplan aufgenommen. ES schildert daS Leben in einer an- archistisch-kommuniftiichen Kolonie und will zeigen, daß die Ver- wirklichung solcher Theorien daran scheitert, daß die Menschen ihre Leidenschaften und ihre Borurteile in das neue Milieu mitbringen. Für bürgerliche Gemüter, die von den Auffassungen deS Wissenschaft« lichen Sozialismus und der proletarischen Klassenbewegung keine Ahnung haben, mag darin eine„Widerlegung" des Sozialismus liegen. Weniger harmlosen Leuten, die gleichivohl den Autoren diesen Versuch mit untauglichen Mitteln nachmachen wollen und sich an die dramatischen Qualitäten deS Stückes halten, werden allerdings nicht so leicht befriedigt sein. Doch soll den Autoren zugestanden werden,> daß sie sich einer natürlichen, von Gehässigkeit freien Charakter- Zeichnung befleißigt und im ganzen von geschmacklosen Ueber- lreibungen fern gehalten haben. Die Vertreter der bourgeoisen Welt kommen sogar schlechter weg als die Pioniere der neuen Gesellschaft. Dies Stück hat seinerzeit das Verdienst gehabt, als eines der ersten die Psychologie des von sozialistischen Idealen erfüllten Arbeiters auf die Bühne gebracht zu haben. Es hat noch keinen besseren Nach- folger gefunden, was bei dem bürgerlichen Charakter des heutigen Theaters weiter nicht wundernehmen kann. In der> glänzenden Darstellung, die cS jetzt findet, bietet es eme gute Abendunterhaltung. _?. Notizen. — Die kunstsinnige Polizei in Schöneberg bat nun doch ein Einsehen gehabt: das Tanzspiel der Schwestern Wiesen- t h a l im Mozartsaale ist gestattet worden. Wieviel Meter Hosen- stoffe die Einsicht haben vermitteln müssen, oder ob die Tänzerinnen im Dunkeln aufzutreten haben, wird leider nicht verraten. — Der Fall Waiden. Herr Waiden bestreitet in einer Zuschrift an uns, daß er sich gegen die Bühuengenosseuschast Vertragsverletzungen habe zu schulden kommen lassen und daß seine Entschädigungsforderung(3990 M.) zu hoch gewesen sei. Im übrigen ist Klage eingereicht. — Eine Saurierexpedition hat das geokogisch-palä- ontologische Institut der Universität Berlin auf zehn Monate nach Deutsch- O st afrika entsandt. Sie soll Skelette jener aus- gestorbener Saurier ausgraben, die Professor FraaS in Kreide- schichten Ostafrikas entdeckt hat. Dieselben Riesentiere— der riesige Diplodokus, den Carnegie im Abguß nach Berlin gestiftet hat, ge- hört auch dazu— finden sich in Nordamerika wie in Afrika; es muß also eine ftühere Verbindung zwischen Aftika und Amerika an- genommen werde». kwgarn 60,04 Proz. de? gesamten JmpurtS Serbiens, 1906 noch 50,10 und 1907 nur mehr 36,27 Proz. D agegen hob sich Deutsch lands Absatz, welcher 1905 11,57 Proz. dar serbischen Gesamteinfuhr ausmachte, 1906 auf 21,96 und 1907 c mf 28,79 Proz. Auch die anderen europäischen Industriestaaten Hab en aus dem. serbisch-öster reichischen Zollkonflilie Nutzen gezogen und sie haben auch von Serbiens Ueberschust an landwirischch'tlichen Produkten mehr abgenommen als in früheren Iah» m. Aber freilich, die geographische Lage des Keinen B, rlkanstaates bringt es mit sich, daß er vorwiegend w»f Oesterreich» Ungarn angewiesen ist. Oesterreich-Unzarn ist Serbiens erster Lieferant in den meisten Jndnstrieartikelu grivefen, so lange es sein hauptsäch lichster Käufer für die Erzeugnisse der Bietzzucht und Landwirlschaft war. Zwischen Deutschland mid Serbien besteht das Prinzip der Meistbegünstigung. Schwierigkeiteir in dem Zollverhältnissen können es also keines falls sein, die die deutschen Exporteure vom direkten �Geschäft zurüa'halten. Die Vorzugszölle, ine Deutschland bei der (jl�ifichr nach Serbien genießt, find im österre ichisch-serbischen Handels vertrag begründet, der bis 1. April dieses Iah res provisorische Geltung hat. öbr�efichts der Spannung zwischen Serbien und Oesterreich Ungarn, dr� nach-.en letzten Meldungen ger-rde im Hinblick auf den wirtschaftlichen Ben.lehr noch zugenommei, hat, ist die Ge staltung der VerfstiltV'sse nach dem Ablansb-rmin zweifelhaft gc worden, so daß mid der definitiven Ablehnung des Handels Vertrages gerechnet we.rden mutz, um so n«ehr, als die Agrarier Oesterreich-Üngarns hitziger demr je dagegen Sturm laufen. Der Abbruch des HaudelöveruehrS zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien würde auch eine Vcrschlechtcrung der deutschen Export� bedingungen zur Folge haben. Andererseits ist es sicher, daß eine Verstärkung der deutschen Ausfuhr nach Serbiien auch für den Export Deutschlands»ach den übrigen Bal» anftaate n günstig wäre, wenn nicht die auSw'ärtige Politik Deutschlands zn sehr im Kielwasser der österreichischen Politik sich bewegte.... Die Entwickelung des deutschen BalkanhandelS in der Ein- und 1907 Rumänien.... 63,6 Serbien..... 13,7 Bulgarien.... 14,4 Griechenland... 11,4 Türkei(europäische).Y 53 2 Montenegro... Y' Wenn auch der Hands« mit Serbien und Bulgarien nicht so stark werden wird toie der mit Rumänien und der Türkei, einer erheblichen Steigerimg ist er schon noch fähig. Starker Rückgang des Utberschusses. Wie aus der am Montag abgehallenen Ausficktsratssitzu.ng des Phönix mitgeteilt wird, ist der letzte Semestralabschluß mit dem Bruttoüberschuß um rund fünf Millionen Marl ungünstiger ausgefallen, als der der Parallelzeit des Vorjahrcs. Vom amerikanischen Eisenmarkt. Die Eisempreise find am Samt abend wieder um>/z Dollar zurückgegangen, auf 15,75—16,25 Dollar. Trotz der starken Einschränkung übersteigt die Produktion doch noch erheblich den Verbrauch._ Bus der Frauenbewegung. Für die politische Gleichberechtigung. Die sozialistische Partei in den Vereinigten Staaten hat jüngst wirkungsvoll verlaufene Demonstrationen zugunsten des Frauen- stimmrechts veranstaltet. In allen größeren und in vielen kleineren Städten des Landes fanden am gleichen Tage von der sozialistischen Partei einberufene Versammlungen statt, in denen für die politische Gleichberechtigung der Frauen demonstriert wurde. Die sozialistische Presse gab Sondernummern heraus, die der Propaganda des Frauen- stimmrechts gewidmet waren. In der Wochenausgabe der.New Yorker PolkSzeitung" wird illustriert, wie.die Partei in den Vereinigten Staaten in der jüngsten Zeit die Bewegung unter den Frauen ge- fördert hat. Da kann verzeichnet werden, daß an der letzten nationalen Parteikonvention mehr Frauen teilnahmen als je zu- vor, daß das Parteiprogramm eine neue„Planke" enthält, welche die Partei zu aktiver Propaganda für die politischen Rechte der Frauen verpflichtet. Es wird ferner erinnert an die Gründung des nationalen Frauenkomitees der Partei, an die Gründung zahlreicher lokaler Frauenkomitees, an die erste Konferenz sozialistischer Frauen des Staates New York, an die Gründung der.Gesellschaft sozia- listischer Frauen", an die Verschmelzung dieser neuen Organisation mit dem bisherigen Sozialdemolratischen Frauenverein.— Und die Früchte dieser Tätigkeit zeigen fich I Ueberall im Lande regen fich die Frauen; in immer mehr Staatsparlamenten muß man stch mit der Forderung dcs Frauenstimmrechts beschästigen. Die proletarische Frauenbewegung marschiert— vorwärts Der Bund für Mutt�rschnti" bittet dringend um Arbeit für Stenotypistinnen. Sekretärinnen, Lehrerinnen. Wirtschafterinnen, Dienstpersonal. AuSbefierinnen. Ganz besonders sucht er Stellung in Keinem Hanshalt, wo Mutter und Kind zusammenbleiben können. Er erbittet billigen Wohnungsnachweis für Mütter und Kinder. Für jede Gabe an Wäsche. Kleidung und Geld ist der Bund von Herzen dankbar.— Bureau: Berlin-Wilmersdorf, Trautenaustr. 20. Sprechstunden täglich von 9—1» außerdem Dienstag und Freitag abends von 7—9. Gericbcs-Reitling. Die Schnapsflasche im Gemeinberat. Eine Verhandlung, die gestern vor dem Schöffengericht Ebers- Walde stattfand, machte die Oeffentlichkeit mit recht idyllischen Zu. ständen bekannt, welche bei den Gemeinderatssitzungen in Klobbicke (Kreis Oberbarnim) herrschen. Angeklagt war einer der Gemeinde- schössen, Bauerngutöbesitzer Keller. Er soll den Gemeindevorsteher Schiele durch Behauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen be- leidigt haben. Als Zeugen traten mehrere Mitglieder de� Ge- meindevorstandcs aus der Gemeindevertretung auf. Durch die sehr eingehende Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß in den Sitzungen der Gemeindevertretung die Schnapsslasche die Runde machte. Die Sitzungen fanden in der Wohnung dcs Gemeindevorstehers statt. Manchmal stand die Schnapsflasche schon von Anfang an auf dem Tisch deS Hauses, manchmal wurde sie während der Sitzung aus dem Schlafzimmer des Gemeindevorstehers geholt und ging dann in der Sitzung von Mund zu Mund in der Runde der würdigen Gemeindeväter von Klobbicke. Hin und toieder— das scheint aber nur selten gewesen zu sein— erschien die Schnapsflasche erst nach Schluß der Sitzung und bot den Gemeindehauptern Stärkung nach vollbrachtem Werke.— Der Vorsitzende dcS Gerichts bemerkte: Die Gemeindevertreter von Klobbicke hätten die Schnapsflasche wohl der Bedeutung der jeweiligen Tagesordnung gemäß gehandhabt. Nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten habe man erst nach Schluß der Sitzung die Schnapsflasche kreisen lassen, während sie für gewöhnlich schon während der Sitzung herumging. Nach der Angabe eines Zeugen wurden den Gemeindevertretern sogar zwei Sorten Schnaps offeriert: eine Flasche Korn und eine Flasche Num, Der Rum wurde mit Rücksicht auf eigen Fein- schmeckcr aufgetischt, der dem Korn keinen Geschmack abgewinnen konnte. Zwei Mitglieder der Gemeindevertretung sollen dem Schnaps des Gemeindevorstehers öfters so stark zugesprochen haben. daß sie betrunken wurden. Tatsache ist, daß einer dieser beiden, der frühere Gemeindevertreter Klockotv, einmal nach Schluß einer Gemeindesitzung nicht selbst den Heimtvcg finden konnte und dcs- halb von zwei trinkfesteren Kollegen nach Hause geleitet werden mußte. Als der Angeklagte einen der Zeugen nach diesem Vor gang fragte, sagte der Zeuge:„Na, Du wcest doch, dat Klockow schon immer besoffen war, wenn er in die Sitzung jekommen is." In bezug auf den anderen Gemeindevertreter, Spengler, der sich auch in den Sitzungen betrunken haben soll, erklärte der Zeuge:„Mit den is et ebenso wie mit Klockow'». Der konnte ja ooch nicht viel verdragcn, ecn oder zwee Schnäpse, dann hatte er schon jenug"— Der Verteidiger warf hier die Frage auf, wie denn der Gemeinde Vorsteher einen Mann, der so wenig vertragen kann, mit Schnaps traktieren könne.„Ra",— sagte der Vorsitzende dcs Gerichts unter allgemeiner Heiterkeit—„wenn sie alle Schnaps bekamen und der eine hätte nichts bekommen, das würde ja einen schönen Krach ge geben haben." Bei so gemütlichen Zuständen in der Gemeindevertretersitzung braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Geschäfte nicht mit der notwendigen Sicherheit erledigt wurden. Es kam auch vor Gericht zur Sprache, daß zwei Gemeindebcschlüsse über Straßen- und Brückenreparaturen nicht ins Protokollbuch eingetragen waren. Einige Zeugen bestritten jedoch, daß in diesen Fällen formelle Be. schlüsse gefaßt worden seien. Sie meinten, diese Angelegenheiten seien nur besprochen worden, und wußten nicht einmal, ob diese Besprechungen in der Sitzung selbst oder nach derselben stattfanden. Denn es ging durchaus nicht förmlich in den Gcmeindevertreter- 'itzungen zu. An die Sitzungen schloß sich meist ein„gemütliches Beisammensein" der Gemeindevertreter, und zwar so unmittelbar, daß der Gemeindevorsteher gar nicht in aller Form die Sitzung für geschlossen erklärte. Nach diesem Ergebnis der Beweisaufnahme riet der Gerichts- Vorsitzende dem Gemeindevorsteher, den Strafantrag zurückzuziehen, wenn der Angeklagte erkläre, er habe ihn nicht beleidigen wollen. Es würde doch im Interesse der Gemeinde Klobbicke liegen, meinte der Vorsitzende, wenn die Sache in dieser Weise aus der Welt ge- chafft würde. Das sahen denn auch die gemütlichen Gemeinde- Väter ein. Sie einigten sich dahin, auf Zeugengebühren zu ver- zichten, damit die Kosten, in die sich der Angeklagte mit dem Ge» meindcvorsteher teilen will, nicht zu hoch werden. Dann nahm der Gemeindevorsteher den Strafantrag zurück. Ein Amtsrichter für Prügelstrafe. Am letzten Freitag stand ein wohnungs- und arbeitsloser Ar» beiter Anton K. vor dem Schöffengericht in Solingen' unter der Anklage der Sachbeschädigung. Er hatte am 2. d. M. eine Spiegel- glasscheibe im Werte von 100 M. zertrümmert. Der Angeklagte war im vollen Umfange geständig und legte dar, er habe die Tat begangen, um sich ein warmes Unterkommen und Nahrung zu ver- chaffen. Er habe keinen anderen Ausweg gesehen, sich auf andere Weise Unterkommen zu verschaffen, nachdem er sich vergeblich um Arbeit bemüht und auch von der Stadt abgewiesen worden fei. Während der Amtsanwalt für den schon mehrfach bestraften Ange- klagten eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen beantragte, erkannte das Gericht auf 6 Wochen Gefängnis. Der Borsitzende, Amtsrichter Dr. Feldner, bedauerte in der Urteilsbegründung, bah dem Gericht nicht die Möglichkeit, auf Prügelstrafe zu erkennen, gegeben sei. Das Entehrende einer Gefängnisstrafe scheine dem Angeklagten nicht mehr bewußt zu sein. Wenn der Angeklagte ernstlich Arbeit gesucht hätte, würde er vorübergehend auch solche gefunden haben. Die unschöne Tat des Angeklagten ist gewiß nicht zu billigen. Aber weniger soziales Verständnis als die Aeutzerung des Amts- richters enthält sie auch nicht. Es scheint das Amtsgericht nicht zu ehen, wie es in� seinem Bezirk aussieht. Sonst hätte die Be- merkung, daß bei der enormen Arbeitslosigkeit in Solingen, wer Arbeit sucht, sie auch finde, nicht fallen können. Amtsrichter Dr. Feldner ist derselbe Richter, welcher im vorigen Jahre sich durch drakonische Urteile gegen Wahlrechtsdemonstranten und Streiksünder, die die„Ehre" der Arbeitswilligen beschädigt haben sollten, in dortiger Gegend einen unrühmlichen Namen er- warb. Allerdings wurden diese Urteile von der Berufungsinstanz entweder ganz kassiert oder einer Revision unterzogen. Ein Richter, der die Bestrebungen der Arbeiterklasse nach besseren Lebens, und Arbeitsbedingungen nicht versteht, ist in letzter Reihe dazu berufen, einem wohl unorganisierten Arbeiter Vorhaltungen über eine Ver- zweiflungStat zu machen, die in letzter Linie doch darauf beruht, öaß die bestehende Gesellschaftsordnung eine Beseitigung der Ar- beitslosigkeit ablehnt und daß die Stützen der Gesellschaft die Be- 'trebungen der Arbeiterklasse bekämpfen, die Mängel dieser Gesell- chaftsordnung zu beseitigen_ Der schießende Referendar. In der Strafsache gegen den Referendar Harry von Jgek, der in der Nacht zum 2. Februar d. I. den Steinsetzmeister Marschner in Oranienburg durch einen Revolverschuß so schwer verletzte, daß M. einige Tage später an den Folgen der Verletzung verstarb, ist die Voruntersuchung nunmehr abgeschlossen. Es wird behauptet, der Getötete selbst, der trotz seiner Verletzung vor seinem Tode noch bei Karer Besinnung war, sei vom Untersuchungsrichter eidlich vernommen worden und habe als Zeuge bekundet, daß er, bevor der Schutz fiel, seinem Kutscher laut zugerufen habe, wenn die Leute Sie nicht zufrieden lassen, hauen Sie ihnen mit der Peitsche ins Gesicht", und daß er(Marschner) als ihn der Schuß traf, eben im Begriff gewesen sei, den Strock zu nehmen, um damit zu schlagen. Ter Angeklagte behauptet, daß er nicht die Absicht gehabt hak«, den Marschner zu treffen oder gar ihn zu töten. Er habe lediglich, weil er schwere Mißhandlungen seitens des sehr aufgeregten und ihn mit Stockschlägen bedrohenden Marschner befürchtet habe, einen Schreckschuß abgeben wollen, der ganz gegen seinen Willen den ihm bis dahin völlig unbekannten M. getroffen habe. Daß der Ange- klagte an jenem Abend einen Revolver bei sich führte, wird damit erklärt, daß seine Wohnung sehr einsam gelegen ist und er einmal in früherer Zeit von einem Strolch überfallen worden war. Die Anklage steht auf dem Standpunkt, daß eine Tötung des Marschner 'eitens des Referendars von Igel nicht beabsichtigt war. Es ist >aher nicht wegen Mordes oder Totschlags, sondern nur wegen Körperverletzung mit tötlichcm Ausgang Anklage erhoben. Für die Hauptverhandlung von dem Schwurgericht deS Landgerichts III t der 23. März anberaumt.__ Weils der Herr Pfarrer sagte. Vor dem Schöffengericht ThierSheim(Oberfranken) hatte sich eine Fabrikarbeiterin wegen übler Nachrede zu verantworten. Im katholischen BereinShaus zu Arzbera hatte sich der Pfarrer in pättr Nachtstunde am Biertisch mißfällig über den dortigen Kon- nmvcrein ausgesprochen. Die Angeklagte, die dabeisaß, hatte nichts eiligeres zu tun, als am nächsten Tage diese Aeutzerung in der Fabrik weiter zu verbreiten. Auf die Frage des Vorsitzenden. warum sie daS gemacht.Hab« und ob sie keinen Zweifel über sie Wahrheit des Gesagten gehabt hätte, meinte die Angeklagte: Weils der Herr Pfarrer gesagt hat, glaubte ich, eS fei wahr." Das Gericht war dieser Argumentation gegenüber nicht taub und sprach nur eine geringe Geldstrafe über die Angeklagte aus. Versammlungen. Protestversammlung gegen die Millionenzuwcndunge» an die Staatskirche. Di« am Sonntag abgehaltene Versammlung mit der TageS- ordnung:„Das heutige St astschrtventum vor dem 'Richterstuhl Jesu von Nazareth!" nahm einen überaus imposanten Verlauf. Gut 4000 Menschen füllten die Rieseil- Halle des„Fcenpalastcs" in beängstigender Fülle und rings herum auf den Galerien reihten sich Kops an Kopf Männer und Frauen. Schon um 11 Uhr wurde der Saal polizeilich abgesperrt, ob- gleich die Versammlung erst auf Uhr anberaumt war. Viele hunderte mußten wieder umkehren. Tie Polizei hatte umfassende Maßnahmen getroffen. An den bekannten Stellen, besonders in der Börse waren Mannschaften in großer Zahl untergebracht und nie Querstraßen der Burgstraße mit einem Polizeikordon besetzt. Vor dem Versammlungslokal waren mehrere Offiziere, nebst einem beträchtlichen Aufgebot von Schutzleuten postiert, die sich jedoch ziemlich reserviert verhielten. Landstagsabgcordneter Adolf Hoffmann eröffnete die Versammlung mit einer von leiden- schaftlicher Wucht und beißendem Sarkasmus getragenen Ein- leitungsrede, in der er besonders die Gehälter der oberen Geistlich- keit einer rücksichtslosen Kritik unterzog und unter anderem darauf hinwies, daß manche von ihnen sich auf über 42 000 M. stehen. Manche erreichten noch ein höheres Einkommen, es liehe fich aber nur in einzelnen Fällen genau feststellen. Die meiste Schuld aber an diesen Zuständen trügen jedoch diejenigen, die sich gleichgiltig gegenüber diesen Tatsachen verhalten. Das Volk könne derartige Vorkommnisse verhindern, wenn es die Konsequenzen daraus ziehe. Die sieben Sozialdemokraten im Landtag könnten es nicht allein bewirken. Redner erklärt, oaß es leicht wäre. z. B. den kleinen Beamten ihr geringes Gehalt wesentlich aufzubessern, man brauchte nur denen etwas abzuziehen, die in den fetten, einträglichen Pfründen sitzen. Auch sollten die Pfarrer im Interesse ihres eigenen Ansehens auf das Steuerprivileg verzichten, da sie bei ihrem Einkommen reichlich in der Lage seien, ihrer Steuerver- pslichtung als Staatsbürger nachzukommen. Redner schließt unter tosendem Beifall mit dem Ruf, hineinzugehen in die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen und mitzukämpfen im großen Klilturtampse der modernen Arbeiterschaft. Los von der Kirche, die mit dem großen Nazarener und seinen Lehren nichts zu tun hat!(Stürmischer, langanhaltendcr Beifall.) Hierauf nahm Pastor a. D. Adolf Stern das Wort zu seinem Vortage, den er mit einem ergreifend schönen Gedicht ein- leitete. Draußen, erklärte der Redner anknüpfend, breite sich ein kaltes, weißes Leichentuch über Flur und Wald. Aber wir wüßten, daß darunter die Kräfte der Natur weben, und wenn im Frühjahr die warme Frühlingssonne die verborgene Saat wach küpe, dann ersprieße und erblühe alles in lebendiger, erquickender Fülle. Ein gewaltiges Schauspiel, für uns aber zugleich ein Bild und Gleichnis der Auferstehung der Menschheit! Heute liege sie noch in den Fesseln, Lüge und Herrschsucht regierten und die schöpferische Ur- macht der allumfassenden Liebe schmachte in Ketten. Aber der Freiheitsdrang sei erwacht, die Sklaven rüttelten an ihren Fesseln, getvaltige, heiße Kämpfe auf wirtschaftlichem und politischem Ge- biete spielten sich ab. Das heilige Feuer der Liebe sei in die Herzen der Gedrückten gedrungen, das Ringen um eine Welt- anschauung sei entfacht und treibe uns zu großen Taten. Daraus chöpften wir Mut zu neuen Kämpfen. Wie eine ungeheure Eisen- walze bewege sich der Kapitalismus über die Erde und zerreibe die Menschen unter seinem fürchterlichen Drucke. Redner streift die Krise, die Arbeitslosenfrage, die Heimarbeit und den Militarismus, der schließlich ob der Ucberlast zum Kriege führen müsse. Heute werde die einzelne Persönlichkeit entrückt, die Menschen seien nur Zahlen. Im Haschen nach Kapital, Macht und Reichtum hätten die Besitzenden und Herrschenden das Wort Jesu:„Was nützet es, wenn er die ganze Welt gewönne völlig vergessen, Redner entwirft in knappen Umrissen ein historisches und soziales Bild von dem alten Römerreiche, seinem Prasser- und Schlemmerlebcn, einer Grausamkeiten gegen die Armen und Sklaven und seinem allmählichen Verfall. Unsere heutige Zeit gleiche der damaligen. Schlingen sich nicht Eisenarme um den Einzelnen, daß er nur noch ein Rädchen ist in dem gewaltigen Getriebe. Jesus sei damals nicht verstanden worden, heute klinge es ebenso weltfremd, wenn man das Wort wiederhole:„Was hülfe es dem Menschen Das schlimmste jedoch sei, daß wir ein Staatschristentum haben, das sich auf Jesus beruft, sich aber weit entfernt hat von dessen Lehren. Es verherrliche die bestehende kapitalistische Gcsellschafts- ordnung, nenne dieselbe göttlich und gebiete den Armen, in Demut verharren, nicht zu kämpfen, nicht diese Welt umzugestalten. In allen Kirchen erkenne man den Militarismus als nottvendig an, im Kriege bete man für den Sieg der eigenen Waffen. Wohl tauche noch in alter Erinnerung das Wort aus:„Liebet Eure Feinde wie Euch selbst", aber in Wirklichkeit diene man dem Kapitalismus. Das heutige Staatschristentum bete Jesus alz Gott an, doch�vcr- gißt es die Forderungen, die dieser gestellt, zu erfüllen. Schon kurze Zeit nach Jesus' Tod hätten sich die Stachfolger in klaffenden Widerspruch zu seinen Lehren gestellt. Bald wurde verkündet, der Mensch habe einen bestimmten Glauben anzuerkennen, ein Dogma wurde aufgestellt. Jesus aber habe die Tat verlangt, das Eintreten Kr Liebe. Im Streben nach Macht und Reichtum habe die Kirche vergessen, daß sie das Salz sein solle, das weiter dringt ins Volk. Der Glaubenshaß sei eingerissen und habe, sehr bald auch die Kirche ergriffen. Luther habe wohl in der Reformation das mutige Wort , �sprachen:„Hier stehe ich und kann nicht anders!" Aber in den Bauernkriegen habe er hernach auf feiten der Unterdrücker ge- landen. Die Reformation habe die Kirche ihrer Macht beraubt. Heute stehe sie im engsten Bunde mit dem Staate und behaupte sich im gewaltigen Geisterkampfe nur durch Staatshilfe. Sie hat sich verpflichtet durch die Tat, den Herrschenden zu dienen, das sei. die schwerste Anklage. Wohl gebe es evangelische Geistliche, die sozial und modern dächten, aber sich mit ihren Anschauungen nicht offen herauswagen. Er aber sage: Tie Wahrheit verpflichtet! Der inneren Stimme müsse man gehorchen, unbekümmert um die Folgen. Wer schweige, dessen Persönlichkeit werde mit der Zeit gebrochen, zermürbt, daS sei Geistesgeseh, denn die stete Heuchelei lähme die innere Kraft. Ein wahrer Mann dürfe kein Wort sprechen, das nicht der lauterste Ausdruck feines innersten Erlebens sei. Viele Geistliche aber benutzten auch die Kanzel, um die heftigsten Bann- fluche gegen die Kämpfer für Menschenrechte zu schleudern. Würde i>as Wort wahr:„Wer herrschen will, soll dienen", so träte die größte Umwälzung ein, die je die Weltgeschichte aufzuweisen hätte. dann würde auch die Kirche aufhören zu existieren. Der Geist der Lehren Jesu komme in dem Ruf der kämpfenden Arbeiterschaft zum Ausdruck: Proletarier aller Länder vereinigt Euchl Redner schließt:„Höher hinauf! Baue her Wahrheit Reich, das alle Völker vereint, sei selbst tragender Stein— schönerer Preis wird Dir nicht!—--— Sinkt Dir dereinst die Kraft, wenn langsam schreitet der Tod, stirbt ooch nicht Dein Werk: Größtes hast Tu gewollt!"(Brausender Beifall.) Zur Diskussion meldete sich niemand. Nach einem kernigen Schlußwort des Genossen Adolf Hoffmann löste sich die imposante Versammlung auf. Die Polizei bekam keine Arbeit, die kolossale Menschenmenge verteilte sich ruhig nach allen Richtungen. Lriekkatten der Redaktion. Di» fiirlfmifit Svrc-UfNlnv« ftnvei Linvenftrah« Vir. 3, jwrll-r ©of, dritter«innaug. vier Drcdven.(KM- ffabrituhl"VQ wochentägli» abends von 7'/« dt»»'/» Udr ftatt. Geösfue« 7 Ubr Tunnad-Iid»»Ciiimit die evrechftniid« am 0 Udr. Jeder«iifro«» t«->v «uchstabe und eiue ZabI«l» Merkzeichen deizMüge». vrieilich-«ntwori wirb»ich, erteilt. viS zur«eanltnorwng im Vrieikasten könnet» llDage bcraebcii. Silin« fttagcn träne man in der Evicchstnude vor. Alter Abonnent. Lehnen Ei« die Zahlung der hohen Stellen- vermittelungSgebühr ab und lassen Sie es aus einen Prozctz antommc». - 9)1. 37. Die Versicherungsanstalt ist berechtigt, aber Nicht verpsüchtet aus Antrag Aufnahme in eine Heilanstalt zu bewilligen ohne Rücksicht aus die Zahl der geklebten Marken.— Verwalter S. Wenn die vorgesetzte Behörde eS gestattet,«st ein Schutzmann zur Uebernahme einer Berlvalter- stelle berechtigt.—»urt 30. Sie sind im Irrtum. Der Vermieter kann Efiüllung deS Vertrages verlangen.— Auguste H. Für durch Zufall zerbrochene Scheiben hastet der Wirt, falls nicht durch den MielSoerlrag die Rechtslage umgekehrt geregelt ist. Die meisten MictSvetträge enthalte» solche Klauseln.— A. P. SV. Verträge, die In der Absicht geschlossen werden, Gläubiger zu benachteiligen, find ohne Rechtsgülligleit und können strasrechuich versolgt werden. Die Frau hastet nicht kür die verlangt eine schöne Beleuchtung. Verwendet das garantiert rein amerikanische Sicherheitspetroleum und Euer Wunsch ist erfüllt Erhältlich in allen Geschäften, wo das bekannte Plakat mit dem Indianerkopf aushängt Keine VerweclisSung mit Osterr.(gallzlsch.) Petroleum. Inhalt Her Inserate Abernimmt die Redaktion FSr de« � dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Uhearer. Dienstag, den 16. MSrz. Königl. Opernhaus. SIektra.(An- sang 8 Uhr.) Ansang VI, Uhr. Königl. TchausPtelhauS. Der Schlagbaum. Deutsches. Revolution in Kräh- Winkel. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.(Ans. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Alt-Heidelberg. Ansang 8 Uhr. Lesfing. Griselda. Steves. Die Laterne. Berliner. Einer von unsere Leai'. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Tosea. Kleines. Moral. t ebbet. Revolutionshochzeit. uftspielhauS. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller O. iWallner» XOeuiei.) Rechts herum. Schöne Charlottenburg. Komtesse Guckerl.! Friedrich- Wtlhelmstädt. Schau. spielhauS. schlagende Wetter. Weste«. Der tapsere Soldat. Luisen. Mein Leopold. Triano». Liebesgewitter. Neues Operetten. Die Dollar» prmzessin. Berliner Operetten-Theater 8 Vi. DaS Himmelbett.(Sfns. 8'/, Uhr.) Bernhard Rose. Wohltäter der Menschheit. Gastspiel- Theater. SherlockHolmeS. Bürgerliches Schauspielhaus. Ge- schlössen. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelband». Bpolto. Der junge Papa. Spezia- litäten. Metropol. Donnerwetter-» tabel- los. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Huverlaud. Spezialitäten. Vaitagr. Spezialitäten ReichSdallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten Folies Capriee. Sin lediger Ehe- mann.(Ans. 6ll, Uhr) Kasino. Ruj.Iand. Sveztalitäten. Gustav BehreuS. Der geprellte RechtSantvalt. Das Schwalben- «est. Spezialitäten. Ansang 8'/. Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles särs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. «>/, Uhr.) Vrania. Tanbenstraste IHU9. Abend» 8 Uhr: Aus den Trümmern MesstnaS._„. ,, Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. PotoniS: Di- Entstehung der Kohle und der brennbaren Gesteine über« Haupt. Sternwarte, Jndalidensir. 67162. Lessing-Theater. Dienätao 8 Uhr: Gritelda. Mittwoch 8 Uhr: Oer König. Donverstag 8 Uhr; Gritelda. SsrNnsr Theater. Heute 8 Uhr; Einer von unsere I-ent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Ab-ndS 8 Uhr: IMe Idaterne (Le Passe-partont). Donnerstag: Ola Laterne. Freitag: PI»(rewde Frau._ Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. hysiMilhöMlUll Schauspielhaus. Dienstag, 16. März, Anfang 8 Uhr: Schlagende Wetter. Mittwoch: Husarenfleber. Donnerstag: Schlagende Wetter. Freitag z. I.Male: Der große Komet. Lustspielhaus. Abends 3 Uhr: Im Klnbsessei. XencB Operetten-Theater. «ochissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abend» 8 Uhr: vle Dellarprlnuesslu. Operette in 3 Alten von Leo Fall. Hebbel-Ttieater Königgrätzer Str. 57(58. Ans. 8 Uhr. Zum 50. Male: Revolutlonshochcelt. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „KOmmere Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und folgende Tagt: Die- selbe Borstellung. Sonntag, 2l. März, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr.__ Schiiler-Theater. Luisen-Theater. Abend? 8 Uhr: Mein Leopold. Mittwoch: Bis früh um Fünse. Donnerstag: Meln Leopold. Freitag Benefiz: Frau Bach u. Herr Bach: Marie, die Tochter des Re- ginienlS. � Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dornröschen. 8 Uhr: Mein Leopold. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Marie, die Tochter des Regiments. Montag: Mein Leopold. 0««pvulckeMtr.«8. g Zum 583. Mal©; w* Sherloek Holmes O.(Wallner-Theater.) DiroStag, abend» 8 Uhr: Rechts herum. Schwank in 3 Akten v. HanS GauS. Mittwoch, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Donnerstag, abendSsUhrt Ein Volkatelnd. Urania. WlaaenBchaftlicheB Theater. Taubenatraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den TrQmmern Messinas. Hörsaal 8 Uhr; Professor Dr. Potoniä: Die Entstehung der Kohle und der bronnbaren Gesteine überhaupt. (Sr MIM Frankiurler Str. t32. Abend» 8 Uhr MIM dJensehheit Schauspiel in 3 Alten von Philippe. OV WocheniagSpreise. VU Miitivoch: DaS Warenhaus-Fräulein. HelropoITIlesiter TUgllch 8 Uhr: DonneiMer-fadellcs! HevueinlOLildern v. llnl. Preund. Musilc von Paul Lincke. Regia Direktor Schulte. Perry, Holden. Bender, Crlumpletro. Kettner, Plann, Thiel»eher. Der beispiellose Erfolg dos März-Programms. lo ilhr: 10 Uhr: .AI!«« Norton 8V, Uhr: Der junge Papa. Dazu: Die übrigen Spezialitäten- Attraktionen. Ans. 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Schiller> Theater Charlottenburg. Dienstag, abend« 8 Uhr; Komtesse Rnekerl. Lustspiel in 8 Akten von Franz von Schöuthan und Franz Koppel-Ellseld. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Karolinger. Donnerstag. abe»b«8llhr: _ PI© Karolinger. Rebrttder Herrnfeld- Anfang ThOdfOl**or*erk, 8 Uhr. lUCfllCr. it-g Uhr. 67 Kommandantenstr. 67. _ Spielplan BV Allabendlich:-W> Die beiden Bindelbands. Die Original- Klabrias-Partie. Beide Komödien mit Anton und Donat Ilcrrnfeld in den Hauptrollen. Qalast� Theater _B Burgstraß« 24, 2 Minuten vom w Bahnhos Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr. Ad 16. März: 10 MnstkrSkte allererst©» Ranges.-MM Zipnerfriedel. Schauspiel in 1 Akt. BM- BorzugSkarten wochentags gültig zu Haiben Preisen überall MWWMWWWWWWWWWWWWMWW» EiHIIan Hoerleln k George Itonhair- Truppe! l-a Sylphe! sowie die hervorragenden Kunstkräfte des Rärs-Programms! Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal BkoabitS. Alt-Roabit 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 18. März 1909: Das Stiftungsfest. Schwank in 3 Akten v. G. v. Moser. Ans. d. Vorst. 8, Kassenöffnung 7 Uhr. .üonze.t TL Uhr. 'Nach der Vorstellung: Danz. Montag, den 22. März: Soiree der Lustige« Säuger. W.jtfoacbs Theater Direkllon: Roh. Olli, vruimenstr. 16. Die Geier-Wally. Charattergemäide a. d. Banernlcben. Ansang 8'/, Uhr. Entree Sv Ps. Donnerstag: Benefiz: Adolji: Spihenkönigin. Sonnabend Extravorstellvng: karl oel» oder: KLoig und Länger. Heute, Dienstag, den 16. März, abends 7'/, Uhr: Gr. Extra-Toratellnng. Ii! Nur kurze Zeit l l l Dhrenevltch Ohrlstltch Lcorgcs dlllan tZ Tiberlo?S der Held de» Tage», als RUnuenbrechor, Pool der unübertreffliche HCl, 4 dein. Bycicie- Champion. Adolf und Ooco, die Unvergleichlichen. Da» einzig boxende Känguruh. Sm" Um 9-/, Uhr:"W« O 1 O j Seeriluber, mit farbenprächtiger Ausstattung. sUisils 't' T;: fer Robert Steldl Liane Vrlis Weinbergiweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Ubr. DaS grosse März.Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische uebungen und die übrigen Spezialitäten. Im Tunnel: lag Biumeniost. Slcgi- mentstap. Theaterbes. Hab. sr.Eintr. Casino-Theatep Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr. Kis Freitag, den 2. April: ÄnBIai» d. Sonnabend, den 3. April: Zum erstenmal: Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert, pssssge-ksooplillllm. B* Prinzeß Fassie Berlin I die Amasonon-Königin m. ihr. wilden Leibgarde. Das hl an© Weib, VBuuantta der Mann in IL a Jllt»» der Flasche I 10 Tage und 10 Nächte aus. rechtstehend in seinem gläserne» GesängniS. Dag und Nacht zu sehen! Ltänclixe Eiisballn. Bis 12 Uhr nachts geSffneL Konzert und Kunstlaufen. Theater Varl6t6 Brillan (Clty-Pas»agc) Dresdener Str. 62,3 Annensl. 42/3 Täglich: Austreten von nur erst- llaisigen Spczialilätc» bei ganz- ltch freiem Entree, auch Sonn- tags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. ssreitau». Klnematogrraph. Schulden de» Mannes. Zweckmäßig ist«S, durch notariellen oder gerichi- lichen Berirag das Eigentum der Frau sicherzustellen.— Berta S. Nein. — A. G. IUI. Nein. ES kann aber nicht strafrechtlich vorgegangen, sondern nur aus Erjüllung des Vertrages geklagt werden.— M. Sch. 1. DU Anerkennung des Darlehen», aber nicht die Verpjändung aus dem Schein ist rechtsgültig, weil eine Uedergabe nicht stattgefunden hat. 2. Ja. 8. Ja.— tü. S. 100. 1. Ja: aber die Ehefrau würde mit Aussicht aus Ersolg die Herausgabe ihres Kindes bei Gericht erwirken können. 2. Ja. — A. B. 75. 1. Leider nein. 2. Veranlassen Sie den Konkurrenten zur Erhebung der Klage.— F. F..1. Für den Fall einer Klage würden Sie zur Zahlung des vollen Wertes der Preise voraussichtlich verurteilt werden. — H. M. und R. M. Ja.— W. ft. 106. Der Wirt geht vor und hat Anrecht aus den Erlös in der Höhe der rückständigen Miete und eine» ferneren Jahrcsbetrages.— R. W. L. Die Steuern sind noch nicht verjährt, auch ist die Lohnbeschlagnahme zulässig.— W. W. 88. Nein. — H. R. 50. Ihnen steht nur ein Anspruch aus Herausgabe Ihres Ver- mögens zu.— Nehringstrafte 9. Nach der herrschenden Ansicht wäre ein Nachdienen möglich.— X. X. 100. 1. Die Betrcs; enden sind nichl ver- sicherungspsiichtig. können aber der Kasse als sreiwillige Mitglieder beitreten. 2. Eine solche Klage hätte Aussicht aus Ersolg.— R. P. 7. Eine ge- schieden« Frau ist berechtigt, ihren Familiennamen wieder anzunehmen. War sie vor der Eingehung der geschiedenen Ehe verheiratet, so kann sie auch den früheren Galtennamen annehmen. Die Wiederannahme des Namens ersolgt durch Erklärung zu Protokoll de? Standesbeamte». Die Kosten sind unerheblich. WasserftandS-Nackirtebten. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Uuterpegel.—•) EiZstaud. Wetterprognose für Dienstag, den 16. März 1909. Vielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Regensällen, und schwachen nordwestlichen Winden: nachts Frost, um Mittag ziemlich milde. Berliner Welterbureau. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markihallen-DIrektion über de» Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäst schleppend, Preise sür Bullen- und Hammelfleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr sehr knapp, Geschäst lebhaft. Preiie fest. Geflügel: Zufuhr knapp, in Hühner» über Bedarf, Geschäst rege, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr. gering, Geschäft ziem- lich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig. Preist unverändert. Gemüse, Obst und Südjrüchte: Zu- fuhr genügend, Geschäft rubig, Preise fest WttteruiiqsiiberNcht vom 15. Marz 1909. morgens 8 Uhr. Kftnlgstadt» Kasino« Holzmarktstr. 72. Taglich: Frans Sobanskl, Senor und Berad. GroteSk-Duo, Jan Rndolphi, Drahtseilküiistler, Ihr S Syborgs, Balanc Neuheiten: Ernst Gra», Elsa Lüschou, Bernhard Marx, Lola Gray._ rajr* Huckeboin A Co.-H» Schwant in 1 Alt. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonnlug D a n z. Donnerstag, den»>. März: Benefiz für F. Sovanskt. Anfang 7 Uhr. Allerlei-Theater. SchUnbansor Allee 148. Dienstag, den 16. März 1909 s Dorns Uest. Volks stück m. Gesang in 5 Abteilungen von Hugo Schulz. Kassenössnung 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Weit ( Hasenheido 108— 114. Täglich:« Gr. Bockbierfest. J Baron Muckts Bauernkapelle.» i Original-Garmlsoh-Partenkirchner> 4 Sänger und Schuhplatiler.• Jeden Dienstag und Donnerstag: � J Sensationelle Prämiierungen. R Anfang 7 Uhr, Entree 30 Pf. ß « Sonnt. 4 Uhr. Sonnt. 60 Pf. k RUWSMMMW'IWMWWMW'MMMMWWU» Steldl BiückinsB. 2, Taglieh 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. attbellebten FfltZ 8tAA»M. Parterre Rest. Entree frei. Urfidele Stimmung a ia Brady. Bier-KaliaretiuJerL Spatzen. OV Entree frei.-Mg Zirkus Busch. Dienstag. 16. März, ab. 7'/,Uhr: «aln-Ahend. Um ca.°/.8 Uhr: Konsul peter! Der berühmte Menschenaffe l Um ca. ll,lO Uhr: ßtlkv Karl Kagtilbtcks V neueste Nattbtierdreffur. Um ca.'/.IV UHr: Auswanderer. Vorher außerdem: Debüt! Clown Peplno mit urkomischen Szenen._ Gumpen aller Art für Ahessinier und Kesselbrunnen, iauche- pumpen usw. in bester Ausführung zu den i billigst. Preisen. 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Gaskaution............... Geschäftsanteil-Konto: 9 Genossen mit 9 Anteilen.. Guthaben der Genossen am 1./10. 07 .„, Vermehrung Waren-Kreditoren....... Akzevte........... ä 150,00 . 4449,94 . 2882,94 Gewinn- und Verlust-Konto: 10 Proz. Reservesonds-Konto.. 40 Proz..�ilssreservesonds-Konto 50 Proz. Guthaben der Genossen Konto....... Gesamt-Gewinn........ . 234,76 . 939,06 . 1173,82 Aktiva 202,47 1340,- 11 914,78 3 141,- 807,95 4 750,75 50,— Passiva 1350,- 7 382,88 7 831,68 3 344,75 2 347,64 och Zugang stattgesunden.'Die Hast- betrug bei Beginn und am Schluß des Geschäftsjahres 1350,— M., 22 206,95 I 22 206,95 Die Zahl der Genossen belrug bei Beginn und am Schluß des Ge. schästsjahres 9. Es hat weder Ab- no' summe betrug bei Beginn und am Eck entsprechend 9 Anteilen zu je 150,— M. Weisiensee, den 13. März 1909. Genossenschaftstischlerei Weitzensee. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. 0. Weckerling. Fr. Baumann. 104/12 Keichel's echter Wacholder-Extrakt».».„nedico" ! wird mit vielseitigem Erfolge gegen Rheumatismus. Gicht, Ischias. Hämorrhoiden, Magenschwäche. Frauenleiden, Blasen- und Nierenleiden, Husteitleiden, Asthma-e. gebraucht, ist schleim- lösend aus Brust und Lunge, treibt Erkältungen aus dem Körper, regt Appetit u. Verdauung an und ist ein Blutreinigungsmittel sondersgleichen. Unerreicht in seiner, für alle Teile des Organismus »oohllättgen Wirkung. Taufende verdanken ihm ihre Gesundbeit k Garantiert rein und unverfälscht nur in Flaschen mit Marke „Medieo«& 75 Ps.. 1,50 und 3,50, große Bl-chkanne M. einzig echt von* n#4n Rnü�kal Berlin SO. 43, F.-Anschlüsse UllD nisicneij Lisenbaimstr.«. IV. 4751, 4752, 4753. \ Wo in den Drogerien und Apotheken nicht erhältlich, hier frei HauS. snmmn'Man verlange aus- Mnrlinn und nehme kemeSsallS ulllulljs. drücklich Marke lut-UIl-U andere Füllungen. M ein Trhimpti! CARUSO Zigaretten nur 5 Pfg. per Stück! •.,'. 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Bekannten und Kollegen die traurige Nach- richt, daß am 14. März meine liebe Frau, unsere gute Mutter Agnes /Vlukle geb. Herllch im 43. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigt ttesbetrübt an Köpenick, den 15. März 1909. •loh. Mühle Maschinist nebst Kindern. die Bei wvl 4 Auguste-V!kloria-Str. 18, aus statt. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Per- sonal und Firma Scheir u. Herz, den Kollegen und Kolleginnen der A.E.G., dem Personal und Firma Teschner, sowie dem Gesangverein»Nord- für die herzliche Teilnahme und zahl- reichen Kranzspenden am Grabe unserer geliebten Tochter, sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. Emil Flichtbell nebst Frau und Kindern. 4932 Dr. Schunemann Spezial-Arzt für 56232* Bant- and Harnleiden, Franenkrankhelten. Frledricbstr. 203. Ecke Schützenstr l»-S, 5-7, Sonnt. ,0-12 Uhr + kl U Bruch- Pollmann empfiehlt seinLager in Bruch- _ handagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspentorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant sür Orts, und Hllss-Krankenkasten. Berlin Ä.,* jetzt liOthringer Straße 00. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u, weich am Körper. Kliuneit- and ßransbindtm von Kaveri«efer,. llvl Ullliavntn-Slraße 2. Leihhaus GelegenheitskSuke vsrtaU. Geld- und Silhersachen, Brillanten etc. E�Riuersu.PriiizenstP.Zfi1 Oellkatest-Pfliumen-Mus br SSPfoodEm Elmtr Mk.4.- . E9„.. Wanne 8.15 •b blur, Cträsst grollt l Versand Gesellschaft Magdeburg 90 Post». 16«. Neu-EFseheinungen: Das thearetische System von Karl Man. Bon Q. B. Bändln. AuS dem Englischen Übersetzt von Luise KautSty. Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Karl Kautvky. Preis 2.50 M.. geb. S,- M. Zur Reform der Strafprozeßordnung. Von* Dr. Bazxo Heinemann, Rechtsanwalt. Preis 75 Ps. Statistisches Jahrbuch für den preußisch euStaat fjjr 1908. Preis 1.— M. Expedilion des„Vorwärts" Berlin SW. Lindenstr. 69, Laden. SozialdemoMekWereio des 6. Herl. Reieiistapaüreisei Todes-Anzeigc. Am 14. März verstarb unser Mitglied, der Arbeitersekretär Franz Rehbein Stettincr Straße 67. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. März, nachmittags 31/, Uhr, von der Leichen- balle des städttschen Friedhoses, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/16 Der Vorstand. Verband der IsbrUeiler Deutschlands. Berwaltuug Groft-Berliu. Den Mttgliedern hiernttt die traurige Nachricht, daß unser lang- jähriger treuer Mitarbeiter Franz Rehbein am Sonntag, den 14. März, nach achttägigem Krankenlager an Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den>7. März, nachmittags aus statt. Rege BeleUigung erwartet 63/9_ Die OrtsverwaltunB. Am Sonntag srüh verstarb mein lieber Mann, der Arbeiter Raul He�de. Beerdigung Mittwochnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des DreisaltigkeitZ-KirchhosS, Marien- dorser Weg, auS. 1472b Witwe Berta Heyde, Wilhelmstraße 10. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Paul Heyde am 14. d. M. an Lungenieiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke» 1 Die Beerdigung findet«an Mittwoch, den 17. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS DreiialtigkettSkirchhose», Mariendorser Weg, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nschruk. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Hanl Lnusnioll am 12. d. M. an Lungenleldett gestorben ist. Ehre seinem Andenken t 113/9_ Pia Orltverwaitung. Freie VolksbQlme. Am Sonnabend, den 13. März, verstarb nach kurzem Kranken, lager unser langjähriger lieber Lrdnerkollege Hermann Zinke 6. Abteilung. Sein ausrichttger, liebevoller Charakter, sowie sein steter Pflicht- eis er werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet Dien»- tag, den 16. März, nachmittag» 4 Uhr, von der Halle des neuen /sakobj. Kirchhofes in der Her- mannstraße, aus statt. 1480b Die Ordnerkommisfion. M-Warni der Maurer DeutsehhHids. Zweigverein Berlin. Sektion der Patzer. Unseren sowie den Milgüedeni des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Hermann Rauh an Lungenkatarrh am 14. März im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. März, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Rttdorfer Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 138/10 Der Vorstand. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten,-sbesondere der Wagenbauer-Krankenkasse. dem Kranken- und Unterstützungsverrin der Schmiede, dem Biogemischen Verein Rixdors und den Kollegen der Firma Schwartzkovfi, Werk Wildau, meinen ausrichtigsten Dank sür die rege Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes. HVltve Jda Brasalck nebst Kindern. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW. Hr. 63. 26. Jahrgang. 2. KtilM iles.Amörls" Ärlim WlisdlM Dlkilstllg. 16. Mörz 1969. Partei-)ZngelegenKeiten. Au die Parteigenossen Berlins nnd der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint Anfang April. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 21. März, an die nachverzcichneten Kommissionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, NAV. 2� Lessingstrasse 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, L. 63, Bärlvaldstraße 47. Für den IH. Wahlkreis an den Genossen Karl König, 8. 6V, ttrbcmstrasse 03. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, O. 84, Strassmannstrasse 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, d 54, Anguslstiajze 51, Quergeb. pari. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, ü. 58, Ueckcrmünder Strasse 17, II. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, O. 112, Blumenthalstrasse 24. Für Tcltow-Beeskow an den Genossen Karl Aohr, Rixdorf, Selchoiver Strasse 15—16, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen August Paris, Velten. Luiscnslrasse 17. Für alle tibrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsivenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelcgenheitcn für Gross-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitglicde, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wicdrrliolt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokalkreise so oft gefatzten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. � Alle nach dem 21. März einlaufenden Meldungen kännen nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: RichardHenschel. Berlin dl. 58, Ucckermünder Strasse 17, II. Vierter ReichstagSwahlkreiS. Märzzcdanken ist daö Thema in fünf Volksversammlungen, die heute Dienstagabend 8 Uhr im Kreise stattfinden und zwar in den Lokalen: Brauerei Friedrichshain; Boeker, Weberstr. 17; Litfin, Memeler Strasse 67; Sanssouci, Kottbuser Straße und Urania, Wrangelstrasse. Der Vorstand erwartet zahlreiches Erscheinen. Schöneberg. Heute abend 8 Uhr in den Neuen RathauSsälen, Meininger Strasse 3: Volksversammlung. Genosse Fritz Zubeil spricht über: Die Frau im politischen Kampf. Steglitz. Heute abend 8'/2 Uhr: Oeffcntliche Versammlung im „Birkenwäldchcn". Frau Klara Wehl spricht über:„ D i e F r a u in der Politik". Der Vorstand. Friedenau. Die Mitgliederversannnlung de? WahlbercinS findet heute abend 8lU Uhr, im„Rheinschloss", Rheinstr. 60 statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen Kurt H e i n i g über:„Die MSrztage des JahreS 1843". Ersatzwahlen zum Vorstand usw. Lichtenberg. Heute abend findet im Lokal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, die Generalversammlung deS sozialdemo« kratischen Wahlvereins Bezirk Lichtenberg statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 2. ErgänznngSwahl zum Vorstand. 3. Anträge. Nieder-Schönrweide. Die Mitgliederversammlung des Wahldereins findet heute abend 8'/s Uhr im Lokal„Waldhaus Barbarossa", Jnh. Kolbe. Berliner Str. 81, statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem auch Gemeindeangelegenheiten, Aufnahme neuer Mit» glicder. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Ober-Schöneweid«. Die Genossen werden nochmals auf die am 18. März, abends 8 Uhr, statlfindende Märzfeier hingewiesen. Vor- trag von Frau Rüben über:„Das Leben einer Revolutionärin aus dem Jahre 1843", verbunden mit Rezitation und Gesang. Der Eintrittspreis ist 20 Pf. und sind noch Billetts bei den Bezirksleitern zu haben. Der Borstand. Karlshorst. Heute abend: Mitgliederversammlung im.Fürsten- bad". Vortrag deS Genossen Giebel über:„Die deutsche Revolution". Am 20. März im gleichen Lokale: Märzfeier. FriedrichShagen. Heute abend 8 Uhr findet eine Volks- Versammlung statt bei Conrad, Friedrichstr. 137. Genosse Reichs- tagsabgeordneter Stadthagen spricht über das Thema:„Deutsch- land nach aussen hui, nach innen pfui". Scheukendorf bei Königs- Wusterhausen. Am Mittwoch, den 17. März er., abends 7 Uhr. findet im Vereinslokal der Zahl- abend statt. Tegel. Heute abend 8'/g Uhr Mitgliederversammlung� bei Klippenstein. Spandauer Strasse 4. Tagesordnung: Vorwag über: „Die Frau im Klassenkampf". Wahl von Delegierten. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Verschiedenes. Teltow. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute abend 8 Uhr im Lokale des Genossen W. Bonow, Zehlendorfer Strasse 4, statt. Spandau. Donnerstag, den 18. März,_ abends 8l/a Uhr grosse Volksversammlung im Lokal von Fritz Bühle, Havelstrasse 20. Tagesordnung: Der achtzehnte März und seine Bedeutung. Referent Redakteur Genosse Mermuth- Berlin. Potsdam. Am Mittwoch, den 17. März, abends 8'/» Uhr, findet in allen Bezirken Zahlabend statt. Berliner JVaefmebten. Von der Armenpflege in Notstandszeiten. Je mehr die Arbeitsgelegenheit sich mindert und die Gr- werbsmöglichkeit eingeschränkt wird, desto häufiger und dringender wird von Notleidenden die Hilfe der öfsentlichen Armenpflege angerufen. Das ist eine Erfahrung, die immer Wieder gemacht wird, so oft in der ArbeiterHevölkermig der k N o t st a. n d zu a u ss e r g e w ö h n l i ch e r Höhe sich I steigert. Auch gegenwärtig befinden wir uns wieder in einer Periode, die den Organen der Armenpflege Berlins eine Hochflut von Bittgesuchen gebracht hat. Ter Armenverwaltung war es in den Jahren 1Il)6 und 19st7 gelungen, die Zahl der Almosenempfänger durch „strengere Prüfung der Bedürftigkeitsfrage" herabzudrücken. Im Jahre 1908 aber hat die Not einen Strich durch alle Be- rechnungen gemacht, indem sie zu einer erneuten und sehr erheblichen Mehrung der Almosenempfänger führte. Bis auf 34 219 schwoll die Zahl der Almosenempfänger im Januar 1909 an, während im Januar 1908 nur 33 197 Almosem empfänger unterstützt wurden. Die Aufwärtsbewegung trat deutlich schon im Frühjahr 1908 hervor. Im Januar, Fe� bruar, März 1908 blieb die Zahl der Almosenempfänger mit 33197, 33156, 33244 noch unter derjenigen aus denselben Monaten von 1907 mit 33 532, 33 494. 33 375. Aber vom April ab kehrte sich das Verhältnis um, und von da an haben sänitliche Monate des Jahres 1908 mit eiitem Mehr an Almosenempfängern gegenüber denselben Monaten des Jahros 1907 abgeschlossen. In den zehn Monaten von April bis Januar(folgenden Jahres) wurden unterstützt im Jahre 1907: 33 203, 33 212, 33 082, 33 240, 33 199, 33 172. 33 274, 33 139, 33 106, 33 197 Almosenempfänger, ober im Jahre 1908: 33 338, 33 311. 33 392, 33 472, 33 366, 33 566, 33 699, 33 971, 34 069, 34 219 Almosenempfänger. Wir haben Grund zu der Vermutung, dass in der Armenvcrwaltung unserer Stadt an leitender Stelle diese in 1908 erneut eingetretene Aufwärtsbewegung entweder überhaupt nicht beachtet oder mindestens unterschätzt worden ist. Befindet man sich dort in dem Wahn, die in 1906 und 1907 glücklich zustande gebrachte Ab- wärtsbewegung dauere noch an? Oder hofft man, daß die Flut schon in allernächster Zeit sich wieder eindäinmen lassen und zum Stillstand kommen werde? Bereits in unseren Be- trachtungcn über das Armenwesen im neuen Stadthaushalt- etat haben wir darauf hingewiesen, dass in dem Etat für 1909 der Gesamtbetrag der an der Almosenempfänger zu zahlenden Unterstützungen niedriger angesetzt worden ist, als im Etat für 1903. Da in den dem Etatentwurs beigcgcbencu Erläuterungen zu diesem Ausgabeposten ausdrücklich hervor- gehoben wird, dass„die ungünstige Gestaltung der Wirtschast- lichen Verhältnisse und die Steigeruna der Lebensmittelpreise höhere Unterstützungen erforderlich machen werden", so bleibt nur die Annahme übrig, dass in der Armenverwaltung schon für die allernächste Zeit eine erneute Minderung der Almosenempfänger erwartet wird. Man komme uns hier nicht mit der billigen Weisheit, dass bei Etatsaufstellungcn eben der Durchschnitt aus den drei letzten Etatentwurf berücksichtigt werde. Nach dieser Schablone einen Etatentwurf zurechtzumachen, ist eine Aufgabe, die vom dienstjüngstcn Schreiber des Rathauses, ja fast von jedem Schuljungm gelöst werden kann. Aussergewöhnliche Verhältnisse erfordern aber, dass man sich von der Sckiablone frei macht und entsprechende Mass- nahmen trifft. Die Armenverwaltung hat bei den Unter- stützungen für Almosenempfänger ein Mehr von vornherein nicht für nötig gehalten— und den Freisinnigen der Stadt- verordnetenversammlung da noch die Bewilligung eines Mehr zumuten zu wollen, das wäre ein aussichtsloses Beginnen ge- wesm. Die Gewährung der„höheren Unterstützungen", die durch die ungünstige Gestaltung der wirtschaftlichen Ver- Hältnisse und die Steigerung der Lebensmittelpreise erfordert werden, ist bei der mässigen Höhe des Gesamtbetrages nur möglich, sofern tatsächlich die Zahl der Almosenempfänger nicht weiter steigt, sondern heruntergeht. Wenn sie nicht auf natürliche Weise heruntergehen will, so wird sie durch not- gedrungene Nachhilfe heruntergedrückt werden müssen. Genosse Nchiein ist am Sonntag plötzlich verstorben. Er ist ganz unvermutet im blühendsten Maimesalter himveggerafft worden. Rehbein war von Beruf Landarbeiter. Als er a» der Dreschmaschine den rechten Arm verlor, sah er sich, der damals bereits eine starke Familie zu ernähren hatte, genötigt, einen anderen Beruf zu suchen. Nachdem er eine Zeitlang als Zeitungsausträger von dem Kieler Partciblatt beschäf- tigt worden war, wurde ihm, da er sich durch eifrige Betätigung an der Parteibewcgung hcrvorgetan hatte, die Zeitungskolportage für das Jndustriedorf Ellerbeck bei Kiel übertragen. Hier stellte er seine Kraft und nicht gewöhnliche Intelligenz mehrere Jahre lang in den Dienst der Partei. In der gleichen Eigenschaft als Kolporteur und Lolallorrespondent des Kieler Parteiorgans kam er dann nach Elmshorn, von dort im Jahre 1901 nach Berlin, wo er als Berichterstatter bis zum Jahre 1007 für den„Vorwärts" tätig war. Nach seinem Abgange vom „Vorwärts" war er bei der Berliner Gcwcrlschaftkkominissioii als Hilfsarbeiter beschäftigt.— Der früh Verstorbene war ein typisches Beispiel für die im Proletariat schlummernde Bildungsfähigkeit. Mit eisernem Fleiß und äußerster Energie arbeitete sich der ehemalige Landarbeiter zum Journalisten empor, obwohl ihm schon seine Ler- stünimelung, der Verlust des rechten Armes, rein körperlich die grössten Schwierigkeiten bereitete. Sein stüheS Hinscheiden ist um so bedauerlicher, als Rehbein seine Fähigkeiten und Kenntnisse wahr- scheinlich im Dienste der proletarischen Landarbeiterbewegung, die ihm besonders am Herzen lag, mit Erfolg hätte verwerten können „Trlchinrnfrcie" VcrcinSkatholikc», In die Geheimnisse der katho- lischen VereinSwühlerei läßt ein dem VereinSredakteur der„Märkischen VolkSzcitung" wieder mal durch die Finger gerutscher Bericht über den katholischen Gesellenverein„Zentrum" tiefen Eistblick tun. EL ist ja allgemein bekannt, daß die katholische Geistlichkeit in Berlin die Vereinsbrüder vollständig an der Strippe hat. In dem vorliegenden Falle werden sogar die Erwachsenen wie unmündige Kinder be- handelt und aus Kommando an die Kommunionbank geführt. Der betreffende Vereinsbericht macht nämlich öffentlich bekannt, dass die- j-nigen Mitglieder, welche der„öffentlichen Pflicht" nicht genügen und nicht de» Nachweis erbringen, dass sie zum Abendmahl gegangen sind, laut Statut aus den, Verein ausgeschlossen werden.„Nach der Predigt finden sich die Mitglieder im VcreinSlokal zur Kaffeetafel zusammen." Fehlt noch der Zusatz—„und zur Theatervorstellung mit Tanz", wobei der Hochwürdlge die Polonäse anführt! Den Nachweis der Beteiligung an der Kommunion erbringen ist übrigens gut. Unsichere Kantonisten müssen eS schon sein, dass man den AbendmahlSzwang ausdrücklich im Vereinsstatut fest- nagelt. Da darf man sich allerdings nicht wundern, daß die Berliner katholischen Gesellcnvereine. wie neulich die„Märlische" ebenfalls ausplauderte, in zwei Jahren um mehr als ein Drittel in ihrer Mitgliederzahl zurückgegangeu sind. Em Arbeiteriimenheim ist vom Verein Fraucnwohl auf dem Grundstück Alt-Moabit SS errichtet und am Sonntag eingeweiht worden. Das Heim besteht aus einem vierstöckigen Hause mit vierzehn Fenstern Front, hat etwa 80 Zinnner und soll, uin dein Schlafstellenunwesen entgegenzutreten, ungefähr 100 jungen Fabrik- arbeiterinnen Wohn- und Schlafgelegenheit bieten, wofür monatlich nur 5—10 M. zu entrichten sind. Eine dem Heim angegliederte Koch- und HauShaltungSichule soll junge Mädchen des Arbciter- standes zur Wirtschaftlichkeit erziehen. In der Kochschnle wird auch der Mittagstisch für die Arbeiterinnen(Portion 35 Pf.) zubereitet. Das Heim besitzt ferner eine Bibliothek, eine schöne Blumenhalle mit breiter Hoslerrasse und einen Garten. Die grosse Kaffeestube des Heims ist auch den Männern geöffnet. Sonntags finden Unter» Haltungsabende statt. Eine Anzahl Zimmer sind für den Aufenthalt von Damen bereitgestellt, welche sich dem Studium sozialer Frauen- arbeit an der Quelle widmen wollen. Die Oberleitung des Heims liegt in den Händen des auf dem Gebiete der Jugendfürsorge und Haushaltniigslchre bewährten Fräuleins Balderser. Schmarotzer. Uns wird geschrieben:„Meine Berufsgeschäfte bringen eS mit sich, daß ich jeden Tag die Stadtbahn von Baumschulenweg bis Jannowitzbnicke benutze. Mit dem gleichen Zuge fährt in der Regel auch der Geistliche des genannten Vorortes. Am gestrigen Tage benutzte derselbe mit mir dasselbe Abteil. Kurz vor der Abfahrt des Zuges drängte sich noch ein Mann in den Wagen und versuchte dem Pfarrer nahe zu kommen. Dieses gelang nicht so bald, weil dieser sich mit einer Dame bis Treptow unterhielt. Kanin halte dieselbe jedoch den Wagen verlassen, da drängte sich die Ge- stall auch schon dem Pfarrer in der widerwärtigsten Weise auf. Der Mann stellte sich als arbeitsloser Metallarbeiter vor, der ivegen seines christlichen Glaubens keine Arbeit bekommen könne. In Nicder-Schönewcide wären die Roten so stark vertreten, dass dort ein Christ, der ans seiner Gesinnung kein Hehl mache, nicht arbeiten könne. Der schlimmste Terrorismus würde gegen ihn geübt. Seitdem einige Rote 1—2 Jahre Gefängnis wegen TerrorismnS erhalten hätten, seien diese etwas vorsichtiger geworden, aber man verfolge die christlichen Arbeiter und ihn insbesiindere auf Schritt und Tritt. Der Herr Pfarrer möge doch versuchen, ihn in Baum- schnlenweg in einem Betriebe unterzubringen. Dein Geistlichcn schien die Unterhaltung ersichtlich recht unangenehm zu sein. Er erklärte Sem Manne recht deutlich, dass doch seine Gesinnung nichts mit dem Arbeitsverhältnis zu tun habe, dass in der gegenwärtigen schweren Zeit jeder Arbeiter froh sei. Beschäftigung zu haben und sich kaum dazu hergeben würde, dadurch seine Arbeit aufs Spiel zu setzen, dass er in der Weise, wie geschildert, vorgehe. Ferner würde ein Arbeitgeber einen christlichen Aroeiter, wenn dieser seine Arbeit ver- st ä n d e, doch nicht in erster Linie entlassen I Der„Christ" schien zu glauben, dass er sich noch dringender empfehlen müsse, denn er fing nun an zu schimpfen auf die Mai- feier. die Streiktaktik deS Buchbindervcrbandes, die Führer der Roten usw. usw. Am Schluß dieser Kanonade wiederholte er dann seine dringende Aufforderung für Arbeit zu sorgen noch einmal, worauf er von dem Geistlichen eine Antwort nicht mehr bekam. Dieser verließ im Sturmschritt das Abteil, anscheinend froh, den widerliche» Menschen los zu sein. Ein Muster- beispiel, wie die GewerkschaftSchriftcn arbeiten I Ich habe mich zwingen müssen, dem Burschen nicht gehörig die Meinung zu sagen. Aber wie man diese Sorte Leute kennt, wäre dann wieder ihr bekannte? Terrorismusgeschrei angestimmt worden. Darum läßt man die widerliche Gesellschaft laufen, hängt aber ihr ver- halten niedriger."_ Zum Fall Fähudrich teilt die.Freisinnige Zeitung" mit:„Der frühere Stadtv. Fähudrich in Berlin hat bekanntlich vor Gericht be- hauptet, dass er dw 300 M., die er zu unrecht angenommen hat,„dem freisinnigen Wahlfonds zugeführt" habe. Angesichts der nichtsnutzigen Angriffe, die infolge dieser Behauptung von gegnerischer Seite gegen die Freifinnigen gerichtet worden sind, erscheint eine Äufllärung, wo die 300 M. geblieben sind, dringend erforderlich. Herr Fähndrich hat die Pflicht, zu erklären, welcher freisinnigen Organiiation er die Suinnie zngesührt haben will. Auf Erkundigungen bei den in Betracht kommenden freifinnigen Organisationen haben wir bis jetzt einmütig erfahren, daß nirgends von Herrn Fähndrich der genannte Betrag eingegangen ist. Sollte Herr Fähndrich nicht selbst Ausklärung geben, so wird auf dem in nächster Zeit stattfindenden Berliner Parteitag versucht werden, Klarheit zu schaffen." Weiter bemerkt die„Freis. Ztg." zu unserer Acusserung, dass eS gerade sie gewesen sei, die bei Versehlungen einzelner Angehörigen einer Parte: die Taktik verfolgt habe, die betreffende Partei in ihrer Gesamtheit für derartige Verfehlungen verantwortlich zu machen, dass diese Behauptung eine Unterschiebung sei und sie hierfür von uns den Beweis erwarte. Die„Freisinnige" soll nur einige Monats- bände ihres eigenen Organs durchblättern und sie wird finden, dass mehr wie einmal der Umstand, daß ein armer Teufel in seiner Not sich an ihm anvertrauten Geldern von Arbeilsbrüden: vergriff, von ihr unter dein Rubrum:„Unterschlagung sozialdemokrati« scher Kassenbcamten" hämisch glossierend gebucht wurde. Polizeilich aufgelöst wurde eine Versammlung deS Polnischen Gewerkschaftsverbandcs, welche in einem Lokale in der Grossen Frankfurter Strasse stattfinden sollte. Der überwachende Beamte verlangte, dass die Verhandlungen in deutscher Sprache erfolgen, worauf der Einberufer erklärte, dass diese Forderung im neuen Vereinsgesetz nicht begründet sei. da eS sich nicht um eine öffentliche Versammlung, sondern die Vereinsversammlung eines gewerlschast- lichen Verbandes handle. AIS die Verhandlungen in polnischer Sprache begannen, löste der Beamte die Versamnilung ans, mit der Begründung, daß die Behörde die öffentlich im hiesigen Polenblatte angelündigte Versammlung, zu der auch NichtMitglieder Zutritt haben, als öffentliche Versammlung im Sinne des Vereinsgesetzes ansehe und daher ans dem Verlangen, dass deutsch verhandelt werde. bestehen müsse. Der Einberufer wird gerichtliche Entscheidung be- antragen. Der Schauplatz eines NcvolverattcutatS war Sonntag früh das Lokal der Witwe Anna Schreiber in der S ch a r n h o r st st r a 6 e 5. Dort erschien kurz nach 7 Uhr der 20jährige Handelsschüler Alois Ganzler, der erst vor einigen Tagen aus Budapest zugereist ist und 'ich in dem Hotel„Oldenbnrgcr Hof" Student Alois v. L i ch t e n» e l s nannte, und feuerte ohne jeden Wortwechsel zwei Revolver- schüsse auf die 20jährige Sticstockitcr der Wirtin, Ursula Sade- Iv a t e r, ab. Während daS Mädchen schwerverletzt in dem Lokal liegen blieb, ergriff der Attentäter die Flucht. Nachdem er einige Stunden planlos in Berlin umhergeirrt war, stellte er sich der Polizei s e l b st. Einbrecher mit Chloroform machten am Sonnabend in der Kleinen Rosenthalcr Strasse 11 eine erhebliche Beute. In diesem Hause hat der Grossdcstillateur Franz Börkel aus der Rosenthalcr Strasse 67, ein Mann von 43 Jahren, seine Privatwohnung. Vörkel pflegt nachmittag« ein paar Stunden zu schlafen. Als er vorgestenr abend um 0 Uhr noch nicht wieder ins Geschäft ge- kommen war, sandte man seine Tochter nach der Wohnung, damit sie einmal nochsehe. Das Mädchen fand die Tür mit einem Nachschlüssel geöffnet und in der Wohnung alles durcheinandergeworfen. Vörkel lag im tiefsten Schlaf im Bette. Hausgenossen rüttelten ihn zwanzig Minute» lang, bis er endlich aufwachte. Dann bekam er heftiges Erbrechen, das sich 1% Stunden lang wiederholte. Ein Arzt stellte nun Chloroformvergiftung fest. Einbrecher hatten den Mann betäubt und ihm miö der Hosentasche ein Portemonnaie mit tausend Mark in Papier, Gold und Silber gestohlen. Ausserdem hatten die Verbrecher drei goldene Uhren und Ketten von der Frau, der Tochter und der Verkäuferin Fränlem Helene Wenzlasf»ich fünf goldene Armbänder erbeutet. Die Täter sind wahrscheinlich zwei Männer und ein Frauenzimmer, die um 6'/, Uhr da» Haus ver» lieben. Kurz vorher hatte eine Arbeiterfrau Fechner, die tm Hofe einen Stock höher Vörlel gegenüber wohnt, in dessen Wohnung Licht tesehen._ Vom Berliner RettungSwesen. Der Ausschuß, der sich mit der Neugestaltung de? Berliner Rettungswesens beschäftigte, tagte gestern abend. Die von den sozialdemokratischen Mitgliedern des Ausschusses gestellten Anträge gelangten zur Annahme. Demnach wird 1. Der ärztliche Nachtdienst mit 10 M. bezahlt, während die Magistratsvorlage nur 8 M. gewähren wollte. 2. Jedem Hilfesuchenden ist auf den Wachen die erste Hilfe zu leisten. ES soll dadurch verhütet werden, daß Zustünde a la Köln einreißen, wo sich belanntlich die Aerzte geweigert hatten, Hilfe, auch gegen Bezahlung, zu leisten. 3. Die bisher den Krankenkassen gewährten Sätze bleiben be- stehen. Der von unseren Genossen gestellte Antrag auf Bildung eines Kuratoriums, dem Vertreter der Krankenkassen als Deputierte angehören müssen, wurde mit 3 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Die Verhandlungen werden nächste Woche fortgesetzt. Einem großen Bettelschwindel hat die Kriminalpolizei ein Ende gemacht. Unzählige mildherzige Menschen erhielten in der letzten Zeit eine.herzliche dringende Bitte" durch die Post zugesandt. Dieser Aufruf, der in beweglichen Worten das Elend eines Unter- stützungsbedürstigen schildert, ist unterzeichnet von Pastor Korth von der Sophiengemeinde, Frau v. Bärensels-Warnow, geb. Gräfin v. Oeynhausen, und Landgerichtsrat a. D. Niemir. Wie sich jetzt herausstellt, ist mit der Gutgläubigkeit der Unterzeichner schwerer Mißbrauch getrieben worden. Die ganze Erzählung von dem Un- glück des Mannes ist Schwindel. Der Unternehmer des großen Raubzuges ist ein gewisser Düsing, angeblich ein verkrachter Gutsbesitzer m Mecklenburg. Helfershelfer war ein mehrfach bestrafter Arbeiter Paul Gley vom Elisabethufer 59. „Romantik in Mufik und Dichtung". So lautete das Leitmotiv zu dem Vortragsabend, den der Sozialdemokratische Wahlverein für den vierten Berliner Reichstags- Wahlkreis am letzten Sonntag in Freyers Festsälen veranstaltete. Der Hauptakzent des Programms, dessen dichterisch-rezitatorischen Teil(mit Poesien von Freiligrath, Heine und Karl Henckell) Eduard V. 2Bint eistet n übernonmien hatte, beruhte auf musikalischen Reproduktionen. Hierzu hatte sich Leo Kestenberg mit trefflichen Instrumental- und GesanaSkünstlern verbunden. So hörten wir Anni Bremer Lieder verschiedener Meister der romantischen Epoche und solcher aus der Gegenwart singen, und zwar mit Verständnis- inniger Anpassung an deren Stilcharakter in einer wohltuenden freien Vortragsweise. Sehr willkommen zu heißen ist das Bemühen, Werke der.Kammermusik" vorzuführen, um hierdurch auch dem Proletariat die intimsten aller musikalischen Genüsse zugänglich zu machen. Beethovens köstlich klare„Frühlings-Sonate"— für Klavier und Geige— gab den stimmungsvollen Grundakkord. Dann folgte Frederic Chopin, der große Romantiker auf dem Klavier. Erst be- kamen wir, von Kestenberg interpretiert. Chopins poesiegewaltige „Ballade" zu hören: dann eine seiner.Polonaisen" für Klavier und Violoncello.'Den Beschluß machte das.zweite Trio" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Herren I. M i t n i tz k y (Violine) und Marix Loewenson(Violoncello) verstanden es. im Iusammenspiel mit Kestenberg, uns einen löst- lichen Ohrenschmaus zu bereiten. Nicht minder freut es uns aber auch, konstatieren zu dürfen, daß das Interesse an wirklichen Kunst- darbietungen in den Kreisen der Arbeiter wächst und sich aus- breitet. Die Uhr im Briefkasten. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 30. Januar d. I. ist m einem Postbriefkasten eine goldene Zylinder- Remontoir-Damenuhr mit der Nr. 83 284, die vermutlich gestohlen war, gefmtden worden. Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei zu den Alten 1026. IV. 39. 09. Radrennen in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten, 14. März. Die Rennen des Sonntags erfreuten sich einer sehr guten Besetzung. Der.Große Winterpreis", gestiftet vom Ber- läge„Bühne und Sport" mit Preisen von 200, 100, 60, 30 M. und einem Ehrenpreise im Werte von 50 M.� wurde von 12 Fahrern bestritten, unter ihnen auch der Australier Clark, dem der Ruf als zurzeit bester Fahrer voraufgeht; ihm standen der Franzose Poulain, der Hannoveraner Henri Mayer und der bekannte Willr Arend gegenüber. Clark gewann überlegen mit 10 Längen vor Poulain, dem dichtauf Mayer folgte z Arend hatte aufgegeben. Aufrichtiger Beifall wurde dem Australier auf seiner Ehrenrunde zuteil. In den Vorläufen ausgeschieden: Tetzlaff. Scheuermann. Wegener, Peter, Fr. Hoffmann, Kudela, Stabe. Techmer.— 10Kitometerrennen ohne Führung für Fahrer der Klasse B. 50, 30, 20, 10 M. 1. S t e r b a; 2. Vogt, 3. Stechun, 4. v. Natzmer. Führungspreise bei jedem Kilometer gewannen Vogt, Thiein, Nowack(4), Saldow(2), Stechun(2). Acht Fahrer endeten unplaciert. In den beiden Vorläufen über je 5 Kilometer 24 Fahrer, von denen je die sechs Ersten in den Endlauf kamen.— Den Schluß bildete ein 30 Kilometerrennen mit Motor-Schrittmachern, 1500, 1000, 500 M. 1. F. T heile in 38 Min. 26% Sek., 2. F. Ryser, 2% Runden; 3. Robl, 2% Runden zurück. Theile zeigte sich seinen Gegnern überlegen; beim Ablassen hinter Ryser und Robl an dritter Stelle fahrend, holte er zusehends auf, ging zuerst an Robl und in der 28. Runde auch an Ryser vorbei; er behauptete bis zum Schluß unangefochten die Spitze und überholte seine Gegner zwei- mal. Auch in den Vorläufen zeigte sich Theile als ein hervorragend auter Fahrer; trotz des Wechsels feiner Maschine infolge Reisen- schadens und eines Verlustes von zwei Runden gegen Stellbrink machte er seinen Verlust wieder gut; Stellbrink, dessen Führungs- Maschine zum Schluß versagte, hatte aufgegeben. Gestern, abends 10 Uhr, begann das Sechstage-Rennen. das ohne jede Unterbrechung Tag und Nacht gefahren wird und das am nächsten Sonntag, abends 10 Uhr, endet. 32 Fahrer be- streiten das lange Rennen; je zwei bilden eine Mannschaft, von der ständig ein Fahrer tätig sein muß. Die Ablösung kann beliebig oft erfolgen. Außer unseren besten deutschen beteiligen sich auch französische und amerikanische Fahrer an dem austerbenden Kampfe. Die Starterliste ist folgende: Althoff-Conrad, Arend- Rofenlöcher, Brocco-Passerien, Carapezzi-Pawke, Contenel-de Marx, Heiny-Hoffmann, Gebrüder Jacquelin, Kudela-Stabe, Mac Farland- Moran, Peter-Tommy Hall, Poulain-L. Georget, Robl-Theile, Ryser- Scheuermann, Stellbrink-Techmer, Stol-BertheS, Tadcwald-Rudel. Ain Schluß des Rennens werden wir einen Bericht über den Ber- lauf desselben bringen. Bei der Vcrsainmlung im Feenpakafi am Sonntag hat ein Ar- bester sein Portemonnaie mit 9,75 eingebüßt. Der ehrliche Finder wird gebeten, seine Adresse an die Spedition des„Vorwärts", Lausitzer Platz, gelangen zu lasten. Im ZirkuS Busch werden seit Sonnabend Karl Hagenbecks neueste Raubtierdresturen gezeigt. Der Dompteur Schilling führt acht prächtige Löiveu und fünf große Eisbären vor und stellt damit die verschiedensten Gruppen. Zeugengcsuch. Personen, die am Mittwoch, den 10. März, abends 9% Uhr, gesehen haben, wie ein Arbeiter, der eben vom Omnibus(Linie 24) abgestiegen war, an der Ecke Elsasser- und Gartenstraße von einer Autontobildroschke überfahren und so schwer verletzt wurde, daß er nach dem Krankenhause gebracht werden nilißte, werden um Abgabe ihrer Adressen ersucht an Willi Litzke, Hussitenstr. 7._ Mittelfeuer in Berlin SO. Durch die Meldung..Mittelfeuer" wurden sechs Löschzüge der Berliner Feuerwehr gestern abend gegen 9 Uhr nach der P ü ck l e r- st raffe 24 getufen. Auch Branddirektor Reichel eiste sofork dort- hin. Wie sich herausstellte, wütete ein gefährlicher Brand in der Berliner Jalousiefabrik von I. Bock staller. Die Firma hat ihre Arbeits- und Lagerräume in den drei Stockwerken des Ouergebäudes und Seitenflügels und stellt vornehmlich Stab- und Rolljalousicn, sowie Türverdachungen her. Der Brandherd lag im Erdgeschoß. Von hier hatten die Flammen durch den Transmissionsschacht einen Weg nach den oberen Etagen gefunden. Als die Feuerwehr den Löschangriff eröffnete, standen schon alle drei Stockwerke teilweise in Flammen. Die Rohrführer hatten einen schweren Stand, da sich eine starke Verqualmung geltend machte. Erst nachSem dem Rauch einigermaßen Abzug verschasft worden war, könnt» dem Feuer wirksam begegnet werden. ES dauerte etwa eine Stunde, bis die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Im ganzen wurde mit fünf Schlauchleitungen Waster gegeben. Alle drei Etagen haben durch Feuer und Waster stark gelitten. Mit den AufräumungZarbeitcn hatte die zweite Kompagnie der Feuer. wehr noch bis Mitternacht am Brandplatze zu tun. lieber die Cnt- stehungsursache des Brandes ist zwar sicheres noch nicht ermittelt. doch wird Brandstiftung vermutet. Feuerwehrbericht, vorsätzlich mit Petroleum begosten und dann angezündet wurden in der letzten Nacht Kartons ufw. in einem Schuhwarengeschäft in der Stolpischestr. 42. Der Zug auS der Oderberger Straße war schnell zur Stelle und es gelang die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. Die benachrichtigte Polizei hat mehrere Personen sistiert, aber später wieder entlassen. Gleichzeitig um 1 Uhr nachts wurde die Feuerwehr nach der Urbanstr. 187 ge- rufen, wo sie mit Erfolg einen Sauerstoffapparat zur Rettung einer schwerkranken Person benutzte. Böswillig wurde die Feuerwehr nach der Alcxandrinenstr. 110 alarmiert. Der 17. Zug war schnell nach dem Meßpalast ausgerückt, konnte dort aber keine Gefahr entdecken. Der Täter ist nicht ermittelt. Zwei Kellerbrände beschäftigten die Feuerwehr in der Elbinger Straße 89 und Weinmeister- straße 14, wo Lumpen, Papier, Späne, Stroh usw. brannten. Der 15. Zug hatte in der Klopstockstr. 36 zu tun; dort war aus Unvorsichtigkeit ein Brand entstanden. Ein gefährlicher Brand, der in einer Tischlerei ausgekommen war. beschäftigte den 5. Zug längere Zeit in der Köpenicker Str. 36. Wegen eines Wohnungsbrandes wurde die Feuerwehr nach der Elberfelder Str. 9 alarmiert. Wegen eines Atelierbrandes wurde am Sonntagnachmittag um 5 Uhr der 19. Zug nach der Mohrenstr. 19 alarmiert, wo daS Atelier von Zander u. Labisch in Flammen stand. Diese hatten dort schnell Nahnmg gefunden, so daß die Feuerwehr tüchtig Wasser geben mußte, um die Gefahr zu.beseittge». Verbrannt sind besonders photographische Papiere. Vorort- JVadmcfotcn. Rixdorf. In drei außerordentlichen Sitzungen, und zwar am Mittwoch, den 17., Donnerstag, den 13., und Freitag, den 19. März, wird die Stadtverordnetenversammlung sich unter anderen wichtigen Gegen- ständen mit den Beratungen des Etats beschäftige«. Nieder-Schönhansen. Mit der Durchberatung des Etats hatte sich die letzte Sitzung der Gemeindevertretung zu beschäftigen. Bürgermeister Abraham gab zum Etat selbst einen kurzen Ueberblick über die finanzielle Lage der Gemeinde. Die wirtschaftliche Krisis habe ihre Wirkung auch auf die hiesigen Verhältnisse nicht verfehlt und werde der Ueberschuß in diesem Jahre geringer sein und etwa 1000 M. be- tragen. Die Schulverwaltung sowie die Straßenreinigung er- fordern immer höhere Kosten, es seien zirka 100 000 M. durch neue Steuern zu decken. Um das Manko zu decken, müsse die Grund- wertsteuer erhöht werden, wenn von einer Erhöhung der Gemeinde- einkommensteuer Abstand genommen werden soll. Ferner wies er darauf hin, daß der Ausgleichfonds in diesem Jahre erhalten bleibt. Der Voranschlag weist in Einnahme und Ausgabe die Summe von 1 491 100 M. auf(im Vorjahr 1 116 200 M.) somit ein Mehr von 374 900 M Die Einzeletats gestalten sich folgendermaßen: A. Ordentliche Verwaltungen: Allgemeine Ver- waltung: 53 900 M. Einnahme, 167 900 M. Ausgabe; Steuerver- tvaltung 435 000 M. Einnahme, 43 900 M. Ausgabe; Stratzenver- waltung: 11200 M. Einnahme, 111300 M. Ausgabe; Armenver- waltung: 9500 M. Einnahme, 23 100 M. Ausgabe; Volksschulen 10 300 M. Einnahme, 156 200 M. Ausgabe; Höhere Mädchenschule: 11 500 M. Einnahme, 22 500 M. Ausgabe; Höhere Knabenschule: 4600 M. Einnahme. 9000 M. Ausgabe; Friedhofsverwaltung: 6500 M. Einnahme, 3900 M. Ausgabe. B. Betriebsverwaltungen: Wasserwerk: 83900 M. Einnahme und Ausgabe; Kanalisation: 168 400 M. Einnahme und Ausgabe. C. Außerordentliche Verwaltung: 696000 M. Einnahme und Ausgabe. In den Armenetat wurden wieder 600 M. für die Berliner Ferienkolonie eingestellt, dafür sollen bedürftige Kinder aus der Gemeinde Aufnahme finden. Für die Volks- und Schulbücherei sind je 100 M. mehr eingesetzt worden. Weitere Mittel für soziale Einrichtungen sind in dem Etat nicht enthalten. Die Kosten der AmtSverwaltnng, welche 29 477 M. betragen, sind um 3000 M. höher veranschlagt, jedoch soll diese Position so bleiben, da an die Große Berliner Straßenbahn 6000 M. Steuern zurückbezahlt werden müssen, die im Jahre 1901 zu viel erhoben wurden. Bezüglich der Amtsvertvaltung wurde die Anfrage gestellt, ob sich durch die Amts» niederlegung des Amtsvorstehers die Kosten verringern. Hierzu bemerkte der Bürgermeister, daß die Kosten sich um 2400 M. ver- ringern, wenn leine Person zum Amtsvorsteher ernannt werden sollte, da dann oas Gehalt des Amtsvorstehers in Wegfall kommt. Ueber die zu erhebenden Steuerzuschläge entspann sich eine lange Debatte, in der die meisten Redner der Ansicht stnd, es bei dem 120 prozentigen Gemeindeeinkommensteuerzuschlag zu belassen. Da eine Einigung in dieser Frage nicht erzielt werben konnte, wurde die weitere Beratung des Etats vertagt. Hierauf wurde noch die Abänderung der Grundwertsteuer beschlossen,«S werden erhoben für bebaute Grundstücke 2Va und für unbebaute 5 pro Mille. Eichwalde. Die Stichwahl zur Gemeindevertretung beschäftigte am Sonntag eine öffentliche Versammlung des Grundbesitzer- und VerfchönerungS- Vereins. Von mehreren bürgerlichen Rednern wurde den un- abhängigen Wählern empfohlen, tn der Stichwahl für unseren Genosse» A l l r i tz einzutreten. Auch von mehreren Genossen wurde darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, einen Mann zu wählen, der in der Gemeindevertretung nicht seine persönlichen Interessen vertritt, sondern die Interessen der Allgemeinheit wahrnimmt. t öffentlich setzen die in der Versammlung den Ausführungen eifall zollenden bürgerlichen Herren ihre Sympathie am Wahltage in die Tat um. NowaweS. Aus der Gemeindevertretung. Die Einführung und ver- Pflichtung deS Genossen Hähnchen, welcher an Stelle des Genossen Gomoll zum Gemeindevertreter gewählt worden ist. er- folgte in der am Freitag stattgefundenen Gemeindevertretersitzung. Dem vorgelegten Kostenverteilungsplan für die Pflasterung der Lindenstraße gab die Vertretung ihre Zustimmung. Danach be- tragen die Gesamtkosten für die Pflasterung 171 600 M-, wovon jedoch abzusetzen sind ein Beitrag deS Kreises von 39 203 M., dazu oer Wert des über den normalen Trottoirstreifen vorhandenen Mosaikpflasters, welches den Anliegern, vor deren Häufern das Pflaster lag, zum halben Wert wieder in Anrechnung gebracht wird, von 2614 M.. sowie des verwendeten alte« EinfahrtS- Pflasters von SS M., sodaß eine Summe von ISS 106 M. szu decken bleibt, wovon aus die Anlieger 50 Prozent, gleich 67 553 M. zur Verteilung kommen; es beträgt der Anliegerbeitrag für daS lausende Meter 23,44 M., für die Einfahrten bei Reihenpflaster 31,79 M.. bei Doppelmosaik 8,33 M.— Bei der Beschlußfassung über Entgegennahme der Auflassung des von der Gemeinde gekauften Fritzscheschen Grundstücks in der Kreuzstraße fragte Genosse Gruhl, waS nun mit dem Hause geschehen soll, woraus der Bürgermeister erklärte, daß darüber noch nichts beschlossen werden könne, da die Gemeinde erst wissen müsse, welche Anforderungen daS neue LehrerbesoldungS« gesetz an die finanziellen Mittel der Gemeinde stelle.— Der vor- gelegte Vertrag zwischen der Gemeinde und den Separationsinter« essenten im Neuendorfer OrtSteil auf kostenlose Uebereignung sämtlicher Gräben der letzteren an die politische Gemeinde wurde genehmigt. Die nun folgende Besprechung über den Bau eine? neuen Ghm- nasiumS zeitigte eine längere Debatte. DaS Resultat der ganzen Debatte war ein Beschluß, in der nächsten Sitzung eine Kommission zu wählen, die sich mit der Sache weiter beschäftigt und die Be« sichtigung von Gymnasien der Umgegend vornimmt. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf die Beschluß« fassung über Grundsätze bei Vergebung von Leistungen und Liefe- rungen, von Bewerbungsbedingungen und Bertragsbedinaungen betr. die Ausführung von Leistungen und Lieserungen, insbesondere Bauten, für die Gemeinde NowaweS. Die vorgelegten Entwürfe wurden debatteloS genehmigt. Aus den Bestimmungen verdient erwähnt zu werden, daß an Generalunternehmer sowie an Firmen, die für sich in Strafanstalten arbeiten lassen. Arbeiten möglichst nicht vergeben werden. Den Zuschlag erhält das annehmbarste Gebot. Bei gleichen Preisen entscheidet das Los. An Kommissionsverhandlungen über Vergebung von Leisttmgen und Lieferungen dürfen Kommissionsmitglieder, die sich um Lieferungen usw. be« werben, nicht teilnehmen. Ebenso dürfen Kommissionsmitglieder, die an den Verhandlungen bereits teilgenommen haben, um Leistungen oder Lieferungen sich nicht bewerben noch sonst irgendwie beteiligen. Die Bewerber erkennen mit ihrem Angebot die von den in der Gemeinde bestehenden Tarifgemeinschaften vereinbarten Lohnsätze und Arbeitsbedingungen, sowie die Schiedsgerichte dieser Gemein- schaften für Lohnstreitigkeiten an. Bei nicht vertragsmäßiger Vollendungsfrist einzelner Arbeiten bleibt es dem Gemeinde- Vorsteher vorbehalten, eine angemessene Verlängerung der Frist zu bewilligen. Bei Ausbruch eines Generalstreiks hat der Gemeindevorstand die Wahl, entweder die Fortsetzung der Arbeiten zu verlangen oder die Vollcndungsfrist zu verlängern. Der Unter- nehnter hat jederzeit auf Erfordern Auslunft zu erteilen über die mtt seinen Handwerkern und Arbeitern abgeschlossenen Verträge. Kommt ein Unternehmer seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Handwerkern und Arbeitern nicht nach, so ist der Gemeindevorstand berechtigt, die von dem Unternehmer geschuldeten Beträge für desien Rechnung unmittelbar an die Empfangsberechtigten zu zahlen. Der Unternehmer oder desien Stellvertreter muß sich auf Verlangen de« GemeindevorslandeS auf der Baustelle einfinden, so oft es nach Ermessen des letzteren notwendig ist. Die auf dem Bau beschäftigten Angestellten und Arbeiter des Unternehmers sind bezüglich der Bauausführung, der Aufrecht- erhaltung der Ordnung auf dem Bauplatze den Anordnungen des GemeindevorstandeS beziehungsweise dessen Stellvertreters unter- warfen. Im Falle des Ungehorsams kann soforttge Entfermmg von der Baustelle verlangt werden. Spandau. In voriger Woche fand im Lokale des Genossen Böhle eine ge» meinsame Sitzung sämtlicher Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre statt, in welcher Genosse Ritter- Berlin über.Konsumgenossen- schaft und Arbeiterbewegung" sprach. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall entgegengenommen. Nach einer längeren DiS- kussion wurde eine Resolutton einstimmig angenommen, wonach sich die anwesenden Funktionäre verpflichten, energisch in eine Agitation für den am Orte bestehenden Konsuntverein.Merkur" einzutreten. Die Versammelten wählten eine fiinfgliedrige Kommisston, die die weitere Agitation für die Genossenschaftsbewegung zu betteiben hat. In die Kommission wnrden die Genossen R i tz m a n n. Hornig. Busse. Pieck und Born gewählt. Nicht vertteten waren in der Sitzung die Böttcher, Brauer, Gemeindearbeiter, Holzarbeiter, Maurer. Schneider und Töpfer. Sämtliche» Delegierten zum Unterrichtskursus des vildungS» auSschusseS zur Mitteilung, daß am Mittwoch, den 17. März, abends 8 Uhr, bei Schröter eine Sitzung stattfindet. Die LegitimattonS- karte» sind mitzubringen. Der BildungSauSschuß. Vernrilcbtes. Schiffskatastrophe. Der norwegische Datnpfer„MaSeot" ist am Sonnabend auf der Fahrt von Rotterdam nach South ShicldS zwanzig Meilen westlich vom Feuerschiff„MaaS" mit dem deutschen Bollschiff. Margaretha" daS sich auf der Fahrt von Jquique nach Hamburg befand, zu- sammengestoßen, wobei die„Margaretha" zum Sinken gebracht wurde. Die Besatzung der„Margaretha" ist bis auf wenige um- umgekommen.„Mascot" hat nur unbedeutende Beschädigungen er« litten. Nach«wer Meldung aus L o w e st o f t ist an der englischen Küste gestem ein Fischerboot eingetroffen, an dessen Bord sich neun Ueberlebende von dem nach einem Zusammenstoß mit dem norwegischen Dampfer„MaSeot" gesunkenen deutschen Bollschiff „Margaretha" befanden._ BergmcmnStod. Auf Zeche Erin bei Castrop wurden. wie aus Dortmund berichtet wird. zwei Bergleute getötet, indem sie einen Pfeiler hinabstürzten. Die Leichen konnten berettS geborgen werden. Eine in Gefahr schwebende Zeche. AuS Esten a.R. wird berichtet: Infolge einer telegraphischen Benachrichtigung, daß in der Grube Bliesenbach ein Grubenbrand ausgebrochen set, wurden durch Ver- mittelung deS Bergbauvereins RettungSmmmschaften der Gelsen- kirchener BergwcrkSgesellschast und der Gesellschaft Hibernia ersucht, sofort Hilfe zu leisten. Diese sind sogleich abgegangen und kurze Zeit nach der Benachrichtigung eingetroffen. Infolgedessen gelang es, die in großer Gefahr schwebende Zeche vor dem völligen Er» säufen zu retten. Der Bergbauliche Verein ergänzt die Meldung über die Zeche Bliesenbach dahin, daß durch den auf Bliesenbach auSgebrochenen Brand die Bedienungsmannschaft der Wasserhaltungsmaschinen infolge der Dämpfe zum Rückzug gezwungen wurde. Durch das rechtzeitige Eintreffen der Rettungsmannschaften gelang es, die Gase zu beseitigen, sodaß der Betrieb der Maschine wieder auf- genommen werden konnte. Wenn der Betrieb der Wasserhaltungs- Maschinen noch ein Stunde länger hätte ausgesetzt bleiben müssen, wäre die Zeche infolge des Wassereindranges ersoffen. Madame Steinheil angeklagt. Wie aus Paris gemeldet wird, ist die Untersuchung über die Angelegenheit der Witwe S t e i n h e i l beendet. Der Untersuchungs- richter teilte der Witwe mit, daß die Untersuchung genügend Verdachtsmomente gegen sie ergeben habe, um sie unter Anklage stellen zu lönnen, mit Vorbedacht ihren Gatten und ihre Mutter getötet zu haben. Der Untersuchungsrichter legte der An- geklagten olle diesbezüglichen Punkte auseinander. Die Witwe Steinheil erhob energisch Widerspruch gegen diese Behauptung. Die Akten des Untersuchungsrichters werden der Anklagekammer nun- mehr zur Prüfung unterbreitet werden. Frau Steinheil ist nach dem St. Lazarus-Gefängnis zurückgebracht worden und wird dies nur verlassen, um als Hauptangeklagte vor dem Schwurgericht zu erscheinen It Morgen Mi�woch, den t7. März. abendS 8'la Uhr. bei Freyor, Koppenstraße 89: Vertrauensmänner-Versammlung für sämMvke SsÄrks nnü Sranchen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„TaS Einkommensteuergesetz". 2. Die weitere» Verhandlungen vor dem EinigungS- amt und der Schiedsspruch. Sßf Jede Werkstatt muß vertreten sein.— Mitgliedsbuch aedst Vertranensmännerkarte legitimiert."Öpfj 60/14 Die Ortsverwaltong. Maschinenarbeiter, ��»g! Montag, de» LS. MSrz. abendS 8ll. Uhr. im Gewerkschaftshause. Eugelufer 15(Saal IV): Branchen-Versammlung. gjST* Näheres Sonntagsinserat."TDQ Die Bpanchenkommlnslon. Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands ■ Berlin II.' Mittwoch, den 17. März, abends«>/, Uhr, im Gcwerkschaftshause> Engelufer 15(Saal VIII): Mitglieder-Bersammlung. TageS-Ordnung: 1. Die EntWickelung der Arbeiterbewegung. Referent Genosse Deutzer. 2. Wahl der Seltionslcitung. 3. Gewerkschaftliches. Iß?- Da diese Versammlung die letzte unter dem alten System ist und ivichtige Angelegenheiten besprochen werden müssen, so ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. 171/11___ Die Ortsverwaltnng. « Michaelkirchplatz 1, pari. Filiale Berlin I. Tel.: A. IV, 9897. Achtung! Achtung! Kostümschneider» Schneiderinnen Dienstag, den IS. März, abendS 7'/, Uhr, im GewerkschaftShause, Engelufer 15: üf- Versammlung TM TageS-Ordnung: Die Slntwort der Arbeitgeber auf unsere Forderungen und Unsere Srelluug hierzu. Resercnt: Kollege: Kunze. Der wichtigen, in dieser Versammlung stattfindenden Beschlußfassung wegen ist vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. 162/8 Die Drtsvenvaltuag. HilnM ib Hin Miils. USwelgrereln Berlin. Sektion der Gips» und Zementbranche. Imi Mitglikder-Urrsümmlüngkü Mittwoch, den 17. März 1909. abends 8 Uhr: für die Gruppe der Zsmenttvrer, Lwsvbslor«. Kilfsarbeifev im Lotale„Lebensquelle«, Kommandantenstratze SO. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Konferenz der Bctonbanbranche am 5. und v. Zlpril. Referent Kollege O. Haese. 2. Wahl der Delegierten. 3. Verschiedenes. 130/13* Gruppe 5taIlUaZpatin6r bei Jannaschk, Juselstrafte 10. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Grnppenangelegenheiten. IMV Der wichtigen Tagesordnung wegen ist daS Erscheinen aller Mitglieder der beiden Gruppen unbedingt ersorderlich. Die Brappenveret&nde. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Schöneberg. Mittwoch, den 17. März 1909, abends 8 Uhr» Geffentlillst Agitutiuus-Nkrsumnltuug in den„IVenen Itathnusnillen", Melningerstr. S. TageS-Ordnung: Wer schützt die Interessen der Holzarbeiter? Referent: Kollege Becker vom Zentralvorstand. Zu dieser Versammlung sind alle in Schöncberg und Wilmersdorf wohnenden Holzarbeiter aller Branchen eingeladen. 80/10 Die OrtsTerwaltanff. no«» Ortsoenvattnng LorUn. Geschäftsstelle Berlin 0. 54, Mulackftr. 10, I.— Fernsprecher Amt m, 4518. Donnerstag, de» 18. Miirz ct., abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung = aller Gruppen im Gewerkschaftshanae, Engeluser 15(Saal 4). TageS-Ordnung: 1. Der mit den übrige» in de» Brauereien Berlins«nd Um- hegend vertretenen Organisationen abgeschlossene Kartellvertrag. 2. Organisationsangelegenheiten. ®rtrföAt-Kalbc-AschcrSlcbcn. k!mi«el> Muhlhausen. Dlekkoin-Durlach-Pforzheim. nilSenkranU-Stuttgart. I.eI»mtti»r»-WicSbadcn. 216/12«__ Der Einbernfcr; Panl HofTnianu, Oppelner Str. 47. 6. Wahlkreis. Dienstag, den 16. Marz 1969, abends 8'/- Uhr: Mm SM plitiit Mnlnnp: irndts Festsäle, Delforter Straße 15. F. Wilkes Festsäle, Krnnnenjtr. 188. Gebr. Cranz' Festsäle, Kösliner Str. 8. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. Obiglos Festsäle, Schwedter Str. 23/24 Swinemünder Geseilschaftsiians, Swinemünder Strafte 42. Berliner Bock-Brauerei(Abteil. II) CHaufseestrafte 64. Bentseber Kürsebner-Verband ■'■■ Filiale Berlin. n. i Bureau u. Arbeitsnachweis: Baniimstratze 2l, vorn pari. Tel.: Amt VII 5789. Mitttvoch, den 17. Miirz 1909. abeudS 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung im.Ilten Schützenhause, Linienstr. 5. TageS-Ordnung: 1. Vortrag der Genosstn GcrtruS Hanna über:.Die Arbeiter- Nasse im Kampfe u»,ü Dasei»-« 2. Diskussion. S. GewerlfchastlicheS. 4. VerschiedelieS jMs- Um zahlreiche Beteiligung ersucht"90 102/4_ Ble OrtsvenvaltHng« Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Kindernahrung„ Diarrhöe. Krankenkost vSrmKSfSrrh. etc. Schutrm.rke Unsere ceJuen Bier.»Int Ober.lt tu btben. In Flaschen 1 10 Pf. In Kannen u. Syphons Ltr. 85 Pf, i NO. IS. Tel. VII, 1670, 2088, 3128. iMSCHES! BRAUHAUS Ä ' Sport. Cigarettensteuer-Zeichea bieten an sich heinerlei Gewähr dafür, dass die Qualität der Cigaretten� dem Preis der Banderole entspricht. 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