Nr. 65. No 19 Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando Bierteljährt. 8,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Neue Belt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- BeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehrn an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", bas erste( feltgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben gählen für gwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt IV, Mr. 1983. Zum 18. März. Donnerstag, den 18. März 1909. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Man weiß, daß gerade die laut und frei erhobene Stimme Herr v. Einem hielt es für nötig, in feierlichster Form zu ers des Proletariats das für Freiheit und Freiheit und Brüderlichkeit flären, daß ein solcher Befehl weber ergangen sei, noch überhaupt schwärmende Bürgertum noch in demselben Jahre in die Arme benkbar wäre. Er lasse sich von niemandem vorschreiben, wann und der feudalen Reaktion getrieben und das Volk um den Erfolg was er im Reichstag reben solle, auch nicht vom Militärkabinett. Der 18. März ist für das sozialistische Proletariat fein marr 1851, die ebenso wie bie Bourgeoisie erschreckt waren seiner Siege geprellt hat. Die Demokraten", schrieb Stari Nur er selbst entscheide darüber in eigener Person. Großartig! Welch antiker Charakter, dieser Einem, genannt Tag refignierter Rückerinnerung, sondern ein Tag des Aus- durch die sogenannten Angriffe auf das Privateigentum, ver- Rothmaler! Welche Selbständigkeit gegenüber allen äußeren Einblicks auf die fünftigen Kämpfe. Das Gedächtnis der März fäumten es ebenfalls, sie( die proletarischen Clemente) zu flüssen! gefallenen, die in einem schlichten Winkel des Friedrichshains unterstützen und so wurde nach drei Monaten der Emanzi ruhen, ist fest verankert in dem Herzen des Proletariats, des pation in blutigen Stämpfen und militärischen Exekutionen der legt Zeugnis ab die Unzahl der Riesenkränze, die alljährlich Feudalismus wieder hergestellt, mit Hilfe der gestern nod) am Gedenktage des blutigen Berlin Märzen die Reihen der antifeudalen Bourgeoisie.... Niemals hat eine andere Partei Gräber bedecken, das beweist die Wallfahrt der Zehntausende in der Geschichte einen derartigen Verrat an ihren besten nach der geweihten Stätte der Opfer des glorreichen Sieges- Bundesgenossen, an sich selbst, begangen." tages des Volkes. Aber kein Tag der Totenklage ist dem Proletariate der 18. März, sondern eine Mahnung an die Lebenden, endlich dem Volte die Freiheit zu erstreiten, für die deren Blutzeugen den Heldentod erlitten. Es tut uns ordentlich weh, dem Herrn Kriegsminister sagen zu müssen: Eigentlich hätte man sogar einen Hauptmann a. D., der wegen minderer Intelligenz an der Majorsecke zum Scheitern kam, zutrauen könne, daß er die gronie jenes Bitats aus dem Hunnenfeldzuge erkennen würde. Den ernsthaften Vorwurf, der darin steckt, hat Herr b. Einem dagegen gar nicht einmal zu entkräften versucht, für die heutige Bourgeoisie gift! Wo ist heute, ein halbes auf Das galt für die damalige Bourgeoisie, wie es erst recht den hat er vielmehr bestätigt, den Vorwurf nämlich, daß er, anstatt eine scharfe fachliche Kritit fofort zu antworten, sich Jahrhundert nach der Revolution, das Reich der Brüderlichkeit die Taktik der Bülow und Dernburg zu eigen macht, erst am anderen und Gerechtigkeit? Sieht unsere besitzende Klaffe etwa heute Tage nach sorgfältiger Vorbereitung zu antworten, und zwar dann Denn wie fern sind wir heute, nach einundsechzig Jahren, etwas Anderes in den Männern der Arbeit", als eine vorbei zu antworten. noch dem hehren Ziele, für das am 18. März 1848 das Klasse untergeordneter Wesen?" Führt nicht heute erbitterter Wie hat Herr v. Einem z. B. die Behauptung Häuslers, der Berliner Volt ohne Zagen sein Leben in die Schanzen ge- denn je die besipende klasse den brutalsten Stampf gegen das Abel verde im Heer bevorzugt, zu entfräften gesucht? Wenn es sich schlagen! Was wähnte man in den ersten Wochen nach der Streben des Proletariats, fein geistiges und materielles um Borschläge zur Beförderung handele, dann frage er nie, wer Berschmetterung der feudalen Gewalthaber errungen zu Dasein zu verbessern" und sich ,, ein menschenwürdiges Los zu von den Borgeschlagenen adelig sei und wer nicht. haben, und wie wenig ist selbst von dem wirklich Errungenen sichern" Welche Vorurteilslosigkeit und Güte! Kommen da ein paar geblieben! Wie ein Hohn Klingt heute das Wort der Voss. 8tg." Herren b. 8igewig und v. Köderiz einerseits, ein paar Herren Am 24. März, zwei Tage, nachdem man die gefallenen von dent ,, Reich der Freiheit, der Gerechtigkeit und der echten Meier oder Kulide andererseits in Borschlag, der borurteilsloje Barrikadenkämpfer mit beispiellofen Ehren, an denen sich auch Menschlichkeit"! Das Herr des Proletariats hat sich in den Kriegsminister trifft seine Entscheidung ohne nachzuforschen, wei der König von Preußen beteiligte, im Friedrichshain in die fechzig Jahren enorm vermehrt. Wie aber steht es mit von den Herren adelig ist, wer nicht. Ob dieser Zurückhaltung. Erde gebettet, schrieb die" Voss. 3tg." in einem Leitartikel: feinem Anteil an der materiellen, der kulturellen Wohlfahrt? deren Herr v. Einem sich rühmt, muß selbst der hartgefottenste Wenn eine Nation wie die unsrige, eine Nation von Sämtliche Zenfiten mit einem Einkommen bis zu 3000 Mart Sünder Tränen vergießen, allerdings nicht Tränen der Rührung, 42 Millionen, das Wert ihrer Wiedergeburt be- besigen faum mehr Einkommen, als die paar Prozent der Be- sondern der Heiterkeit. ginnt, so ist das ein großer und heiliger, ein für sienden! Und von den 150 Milliarden des preußischen Weiter: Wie entfräftet Herr v. Einem die Beschwerde über alle Zeiten denkwürdiger Augenblick. Die Volksvermögens besikt die große Masse, besigen neun die verderblichen Einflüsse des Militärkabinetts? Er erläßt Zehntel des Volfes taum mehr nächsten Wochen werden über unsere ganze Zukunft enteil! Die ministeriellen Handlanger der besigenden Selasse aweifellos höchft forrekte Darstellung des Geschäftsganges zwischen mehr als den zehnten Borschriften über dessen offiziellen Wirkungsfreis; er gibt eine scheiden. Findet die große Zeit uns ihrer würdig, so wird prahlen mit dem„ Volkswohlstand", der sich darin zeige, daß Striegsministerium und Militärkabinett. Und was hat er damit Deutschland neben Frankreich und England die erste feit 20 Jahren drei Millionen Erwerbstätiger die Steuergrenze widerlegt? Nichts! Die unoffiziellen, höfifchen Einflüsse, die ihren Stimme führen im Rate aller Völker, so werden wir unter von 900 M. überschritten haben! Als ob eine kleine Erhöhung Weg durch's Militärkabinett nehmen, lassen sich ebenso wenig aus uns ein Reich der Freiheit, der Gerechtigkeit, des proletarischen Einkommens nicht mehr als aufgewogen den Aften therauslesen, wie die Einflüsse der Hofkamarilla in der echten Menschlichkeit erbauen auf Grund- würde durch die täglich wachsende Last der indiretten Steuern, unferem öffentlichen Leben überhaupt. Aber in einer Beziehung hat doch pfeilern, welche keine Macht der Hölle je wieder erschüttern durch den Milliardentribut an die Agrarier, durch den Wucher- der Herr Kriegsminister den Bogel auf den Kopf geschoffen. Er meinte, zins an die Hausbesitzer! wird. " 1 wolle man den Einfluß des Militärkabinetts beseitigen, so müsse Die alten Parteien, die alten unterschiede Ein Reich der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit! Der der Reichstag auf eine Verfassungsänderung hinwirken. Ganz unsere haben von heute an ihre Bedeutung berloren oder Reichtum der Reichen wächst ins Ungeheuerliche, Milliarden Meinung! Aber gründlich muß die Verfassungsänderung fein, fo werden auf Milliarden gehäuft, die Millionenvermögen zählen gründlich muß die Verfassungsänderung sein, daß auf feinem Gedoch völlig geändert. Es gibt nur eine Fahne, die nach Zehntausenden! Wenn aber jetzt 500 Millionen neuer biete des öffentlichen Lebens in Deutschland höfische Einflüsse überFahne des Vaterlandes, der Freiheit und Brüder Steuern aufgebracht werden sollen, so will der Besitz nicht haupt noch zur Geltung kommen können. lichkeit.... Die Verbrüderung aller Streise für die einmal ein lumpiges Fünftel davon tragen! Bor dem Kriegsminister hatte der Konservative Herr v. Byern, gleiche Sache ist das dringendste Erfordernis des Augenblicks. Ein Reich der„ echten Menschlichkeit". Hunderttausende in seinem Militärverhältnis Major a. D., eine militärfromme Rede Männer des Besizes! Hört auf in den Männern find arbeitslos, hungern mit Weib und Kind! Ein preußischer gehalten, die sich aber doch gegenüber den üblichen Verzückungsder Arbeit eine klasse untergeordneter Minister aber nennt die Krise, dies Produkt der kapitalistischen tiraden der Liebert und Oriola vorteilhaft durch einige kritische Wesen zu sehen! Zieht sie zu Euch herauf! Schenkt Anarchie, eine gesunde Erholungspause des Kapitals! Und Ausfälle gegen die Gedenhaftigkeit mancher Dffizierskreise unterschied. eine warme und hochherzige Teilnahme allen Bestrebungen, die Junker, die vom liberalen Bürgertum unterstützten Herren Herr Müller- Meiningen vertrat das freisinnige Blocviertel, welche dahin gehen, ihr geistiges und materielles des Staates, frohlocken, daß ihnen jetzt wieder Hunderttausende indem er die Häuslersche Kritik in milderer Form unterſtüßte und billiger, fügsamer Arbeitskräfte durch die Hungerpeitsche zu auf größere Sparsamkeit im Heerwesen drang. Entschlossen ging Dasein zu verbessern und ihnen ein menschen- trieben werden! aber auch er nicht dem Militarismus an den Kragen. würdiges 208 zu sichern. Nur so werdet Ihr das Und erst die politischen Rechte des Proletariats! Endlich, Das blieb auch diesmal wieder dem Redner der Sozialdemo gesellschaftliche Gebäude auf unerschütterlichen Grundlagen nach den wiederholten Massenfundgebungen der Ent- tratie vorbehalten. Mit erfreulicher Frische und Deutlichkeit errichten. rechteten, erklärt selbst die Regierung, verkündet selbst die präzifierte Genosse Stüdlen die Stellung unserer Partei Und Jhr, Männer der Arbeit! Faßt ein Herz zu Strone eine Wahlreform. Aber die Junker erheben sich sofort au den Fragen der Landesverteidigung und Heeresverwal denen, die bisher durch eine allerdings nur zu in wüster Rebellion gegen diese gänzlich unzulänglichen Zufiche- tung. Er zerpflückte die Verteidigungsrede des Kriegsministers schroffe Scheidewand von Euch getrennt waren. rungen! Die Masse der Bourgeoisie schlägt sich mit offenem Hohn und betonte schließlich mit großem Nachdruck, daß die SozialdemoSagt nicht: Was gewinnen wir bei allen diesen Ver- auf die Seite der junkerlichen Wahlrechtsfeinde, und der Rest tratie als Partei des Friedens und der Völkerberbrüderung zwar änderungen? Was ist der Lohn unserer Aufopferung und des freisinnigen"" Bürgertums beeilt sich, den Wahlrechts- bereit fei, einen Angriff abzuwehren, aber sich nicht dazu brauchen feinden und dem Proletariat immer wieder zu versichern, daß lassen werde, im Interesse der herrschenden Klassen fremde Völker Hingebung? Die Frucht kann Euch nicht sogleich reif es sich natürlich nur um ein kleines, bescheidenes mit Strieg zu überziehen, Erblickten doch die Arbeiter aller Nationen in den Schoß fallen, aber das gestreute Samentorn wird Stonzessiönchen handeln könne, auf dessen Realisierung in den Ausbeutern des eigenen Landes ihre eigentlichen Feinde. zu einem Baume erwachsen, welcher alle gleich die entrechtete Masse des Volkes lammsgeduldig harren Niemals würden wir die Einrichtung des stehenden Heeres mit seinem Schatten bedecken wird. Was Ihr müsse! Denn, so sagte schon die„ Voss. 8tg." vor einundsechzig akzeptieren. Wir berlangten die Bollswehr, da sie zur Ver unmittelbar errungen habt, ist wenigstens das freie Jahren, die Frucht kann Euch nicht sogleich reif in den teidigung des Waterlandes wertvoller sei, als das stehende Heer, Wort. Und so seid denn gewiß, daß, wo die Stimme der Schoß fallen"! aber nicht zum Werkzeug der Unterdrückung im eigenen Lande werden So steht es im März 1909. Und viel anders wird es könne. Wahrheit und Gerechtigkeit nur einmal laut und frei erflingen darf, da bricht sie in unseren Tagen sich auch Bahn, auch nicht sein im März 2009, wenn nicht das Proletariat in da findet sie einen Widerhall in allen edlen Herzen und sie geschlossenem Ansturm feine Rechte erobert! Das Proletariat braucht sich nur seiner Macht bewußt erwächst endlich zu einer Macht der öffentlichen zu werden, braucht sich nur zusammenzuschließen zu einem Meinung, welcher nichts widerstehen kann." einigen Volt von Brüdern und es bildet in der Tat, wenn Ein Reich der Freiheit, der Gerechtigkeit, der echten auch in anderem Sinne, als es das Bourgeoisblatt im Menschlichkeit verhieß das angesehenste Drgan des reichshaupt- Jahre 1848 meinte, eine Macht der öffentlichen Meinung, städtischen Bürgertums. Eine Verbrüderung aller Streife. welcher nichts widerstehen kann"! Freilich fehlte es schon sechs Tage nach der siegreichen Barrikadenschlacht, die in der Hauptsache das Proletariat geschlagen zählte man doch unter 150 Gefallenen, deren Namen man festzustellen vermochte, kaum ein halbes Dußend Bürgerliche!-in diesem Erguß nicht an einer Warnung an " " Für und wider den Militarismus. Der späten Stunde wegen tam nach dem Sozialdemokrater niemand mehr zum Wort. Morgen geht die Debatte weiter. Der Wahnsinn des Flottenwettrüstens. Im englischen Unterhause fand am Dienstag eine große Debatte über das Iottenwettrüsten mit Deutsch. l and statt. Der erste Lord der Admiralität, Mc Kenna, forderte, daß mit Rücksicht auf Deutschlands be= schleunigtes Wettrüsten die Regierung vom Barlament ermächtigt werbe, noch im Laufe des gegenwärtigen Finanzjahres vier weitere Dreadnougths auf Stapel au legen, denn Deutsch land werde nach seinem jezigen Bauplan im Jahre 1911 13 solcher die Arbeiterklasse, sich doch ja vor allzu großer Begehrlichkeit Es ist eigentlich schade um Herrn b. Einem. Der Mann hat Riesenschiffe besigen Würde jedoch der Bau, wie er ber zu hilten und geduldig zu harren, bis die Saat des von Natur viel Mutterwitz und gefunden Humor. Aber fein nommen habe, beschleunigt, so werde Deutschland im Jahre Boltssieges ausgereift sei. Aber das Drgan der liberalen Amt als Kriegsminister scheint lähmend auf die Fähigkeiten ein- 1912 bereits 17 solcher Dreadnougths fertiggestellt haben.- alBourgeoisie und welcher Bourgeois wäre damals gewirkt zu haben, wenigstens soweit sein Berständnis für four, der nach dem Lord der Admiralität das Wort nahm, be nicht liberal gewesen richtete doch auch den pathetischen Scherze in Betracht kommt, die auf seine eigene Kosten gemacht zeichnete, geftübt auf die Ausführungen des Borrebners, das engAppell an die Unternehmer, ferner nicht mehr in dem Prole- werden. lische Flottenprogramm als unzulänglich. Es müsse dafür tariat eine„ lasse untergeordneter Wesen zu sehen", verhieß Da wurde gestern in der Besprechung des Bortvärts" über die gesorgt werden, daß England auf alle Fälle einen Vorsprung vor doch ein menschenwürdiges Los und Gleichheit und Brüder- Militärdebatte der Herr Seriegsminister wegen seiner Schweigetaktit Deutschland behalte. Auch der englische Premierminister lichkeit den Opfern der kapitalistischen Ausbeutung. Erflinge einer ironischen Behandlung unterworfen. Das ist ihm an die Asquith erklärte, daß die deutsche Regierung der englischen erst einmal die Stimme der Wahrheit und Gerechtigkeit laut Nieren gegangen, besonders die Schlußbemerkung, vom Militär- die Zusicherung gegeben habe, daß Deutschland seine Flottenbauten und fret, so werde der Macht der öffentlichen Meinung nichts tabinett aus werde wohl für heute fommandiert werden: Einem nicht beschleunigen werde. Es sei deshalb für die englische Rewiderstehen können. to the front!" gierung unmöglich gewesen, ein Marinebauprogramm vor das Par. n lament zu vimgen, Zvs»uf üct Anmhms gefußt hätte, daß der deutschen Regierung kein Glauben beizumessen sei.... Immerhin schloß auch der englische Premierminister mit den Worten: „Deutschland hat sich im Schiffsbau ungeheuer ent° wickelt und noch mehr auf dem Gebiet der Ausrüstung dieser Kolosse. Er wolle nicht unnötige Beunruhigung im Lande hervorrufen, aber vom nationalen Gesichtspunkt auö dürfe man sich nicht länger mit dem Tröste begnügen, in der Schnelligkeit des Schiffsbaues einen Vorteil zu haben, da Deutschland 30 Monate, England 24 Monate zur Vollendung eines Schiffes brauche. Die Regierung sei darauf bedacht, für die sozialen Reformen Geld zu sparen, aber die Summe, welche im Flotte»etat gefordert werde, sei daö Geringste, was man vom Unter- Haus verlangen könn e." DaS ist also dos Ergebnis des FlottenrüstcnS sowohl in Deutsch- femb als in England, daß der Ausbau der sozialen Gesetz- gebung aus Sparsamkeitsrücksichten aufs äußerste einge- schränkt wird, damit die nötigen Mittel für die Fortsetzung dcö wahnsinnigen Flottenwettrüstens aufgebracht werden können? Wie in Deutschland infolge der ins Aschgraue steigenden Vermehrung der Marineausgaben(sind doch Deutschlands Flotten- ausgaben binnen einen Jahrzehnt um das Fünffache gestiegen) an einen Ausbau der sozialen Gesetzgebung zugunsten der proletarischen Mehrheit des Volkes schon längst nicht mehr gedacht wird, so sollen auch in England die sozialen Ausgaben eingeschränkt werden, damit dem Marinemoloch die ungeheuerlichsten Opfer gebracht werden können! Es bedarf keiner längeren Darlegung, daß ein solches un- sinniges Wettrüsten, das die Nationen in finanzieller und sozialer Beziehung dem Ruin entgegentreibt, schließlich zu einer Kata. strophe führen muß. denn wenn das Wettrüsten in dem bis- herigen Tempo auch nur ein Jahrzehnt hindurch in dem bis» herigen Tempo fortgesetzt werden sollte, werden sowohl England wie Deutschland zum Bankerott getrieben werden. Dieser Einsicht, die allerdings sehr verspätet kommt, scheinen sich selbst das Zentrum, ja sogar einzelne Konservative nicht mehr verschließen zu können. Führten doch in der Budget- kommission bei der Beratung des Marineetats die Zentrumsredner wiederholt aus, daß eS aufs höchste wünschenswert sei mit Eng- Tand zu einer Vereinbarung über den Flottenbau zu kommen. Diese Einsicht kommt— wir wiederholen es— sehr verspätet. Hat eS doch das Zentrum durch seinen Flottenbewilligungscifer erst zu dem aberwitzigen Wettrüsten gebracht. Hätte das Zentrum im Jahre 1900 und bei den seitdem angenommenen beiden Flotten- Gesetznovellen nicht blindlings da rauflos bewilligt, hätte eS die Flottenrüstungen nicht erst zu einem so unsinnigen Maßstabe ausarten lassen, so wäre Deutschland überhaupt nicht in den Konflikt mit England hineingeraten, so würde eine Ver- ständigung mit England viel leichter zu erreichen gewesen sein. Gang abgesehen davon, daß die Panzerplattcnpatrioten dann nicht, wie daS jetzt geschehen wird, alles aufbieten würden, um eine Fortsetzung der deutschen Marincpolitik in dem Maßstabe durch- zusetzen, auf den sich jetzt leider die Panzerplatteufabrikanten eingerichtet haben Z Immerhin wäre es auch jetzt noch nicht zu spät, wenn die Mehrheit der Volksvertretung ernstlich für einen Einhalt des Flottenrüstens und eine Verständigung mit Eng- land zu haben wäre. Ob das aber der Fall ist, steht noch sehr tahin. Auf daS Versprechen des Herrn von Tirpitz, daß nach Ausführung des FlottengefetzcS unsere Flotte„für absehbare Zeit ausreichend" sein werde, ist nicht daS geringste zu geben. Das haben die Staatssekretär« des ReichSmarineamts stets erklärt, um stets von ihren Nachfolgern desavouiert zu werden. Außerdem be- deuten ja bis Ersatzbauten für unsere so außerordentlich ver- stärkte Flotte schon ein fortwährendes Weiter- rüsten insofern, als ja die Ersatzbauten in immer k o- lofsaleren Dimensionen vorgenommen werden. Und wenn auch e i n konservativer Redner erklärte, daß es wohl genüge, künftig nur zwei Schlachtschiffe jährlich zu bauen, so wurde er ja durch einen anderen konservativen Redner desavouiert, der erklärte, daß die Ausführungen seines Frak- tionskollegen„sehr persönlicher Natur" gewesen seien. Auch die nationalliberalen und reichsparteilichen Redner wollten von einer Verständigung mit England nicht das geringste wissen! Dem Wahnsinn des Flottenrüstens wird nur das P r o l e- t a r i a t erfolgreich entgegentreten können. Die arbeitende Klasse. auf deren Schultern ja der Löwenanteil aller durch die Flotten- rüstungen natwendig werdenden neuen Steuern gelegt werden, und die unier dem Stillstand der Sozialpolitik so schwer zu leiden hat. würde geradezu Selbstmord verüben, wenn sie nicht mit dem äußersten Nachdruck das Wettrüsten bekämpfen wollte! Bebel 40 fahre Parlamentarier! - Am historischen RebolutionStage, am 13. März, hielt der Ab- geSrdnete Bebel seine erste Rede im Reichstage. Es war heute vor 40 Jahren, in der 10. Sitzung 1839 der ersten LigiSlaturpcriode >u...... i......, i i J........................ 1'.a flneh eine iliärzcrinnernng. Aikhelm. der spätere„Heldengreis" und Stolz der Hohen- zöllern, spielte in den Berliner Märztagen, wie man weiß, eine recht wenig heldenhafte Rolle. Er war die Seele der militärischen Reaktion und begriff wohl, daß er sich bei dem siegreichen Volke Berlin? keiner übermäßigen Beliebtheit erfreute. Als der Steg des Volkes unzweifelhaft feststand, und sein Bruder Friedrich Wil- Helm lV. jammernd sein GotteSgnadentum fahren ließ, um König von Gnaden des Volkes zu bleiben, zog Prinz Wilhelm von Preußen vor, Sei Nacht und Nebel zu verschwinden. Die Metamorphose des Hohenzollernhelden in die Gestalt eines simplen Postillions ist bekannt uno kann hier übergangen werden. Weniges bekannt u»d auch nicht gan, ohne historisches Interesse sind die weiteren Begebnisse auf jener Hekdenfahrt iwch Ehland, die sich in der Nacht Vom 23. zum 34. März 1848 abspielten. � M r.„ In den„Mitteilungen des Vereins für ine Geschichte BerftnS' (Nr. II. Jahrg. 1908) erzählt ein Herr Franz A besser diese kleine Erinnerung: Am 23. März 1348 nachmittags, kurz vor dem Eintreffen Ith verlin— Hamburger Personenzuges— von den Eisenbahn- bcamten„Polkazug" genannt—, trat der Sekretär Sr. Hoheit des Herzogs Gustav von Mecklenburg, namens FI,r. eilig in das Expeditionsbureau zu Bahnhof Hagen ow und Sat. die Egilipage des Herzogs von Augustenburg noch zu dem inzwischen in den Bahnhof einfahrenden Zuge zu expedieren. Während»e» Unterhandlung mit dem Sekretär Flor gewahrte ich vor dem Bilettschalter zwei Herren, von denen der eine erneu langen Rock trug, das Kinn mit einem Tuch« verbunden hatte und auf dem K»pfz mrt einerFilzmützebekleidetwar. Ich erkminte in diesem Herrn den Prinzen Wilhelm von Preußen, den ich ausgangs der S0er Jahr« auf einer Jagd zu Warlolv in Mecklen- bürg stehen hatte, und machte von dieser Wahrnehmung sofort des Norddeutschen Bundes. Der Drechsler August Bebel, wohn» hast in Leipzig, vertrat den 17. Wahlkreis des Königreichs Sachsen. Am 18. März 1869 stand die erste Beratung der Gewerbe- o r d n u n g auf der Tagesordnung. Eben war ein Schlußantrag des Grafen von der Schulenburg abgelehnt worden, und der Ab- geordnete Duncker hatte sich mit den Ausführungen Dr. Schweitzers und des ZigarrenmacherS Fritzsche zur Frage der Zwangs- unter st ützungSkassen beschäftigt und mit der Phrase ge- schlössen: es möchten„vor den erwärmenden und belebenden Strahlen der Sonne der Freiheit und Gleichberechtigung all die schwarzen und roten Gespenster, welche man gestern hier herauf- beschworen hat, verschwinden wie die lichten Morgennebel eines Frühlingstages". Da sprach der Präsident Dr. Simson:„Der Abgeord- nete Bebel hat das Wort." Nunmehr erhob sich der 29jährige Drechsler, um mit der Er- klärung, er sei erst heute in das Hohe HauS eingetreten, zu bc- tonen, daß tz gezwungen sei, jetzt erst aus die in diesen Tagen gefallenen Angriffe gegen die sozialdemokratische Richtung, zu der er sich ebenfalls bekenne, näher einzugchen. Anknüpfend an die obige Phrase des Abgeordneten Duncker verwies er diesen und dessen politisch-sozialcn Freunde auf England, wo durch einen musterstaatlichen KonstitutionaliSmuS das Volk unumschränkt die Herrschaft ausübe, dennoch aber die Klassengegensätze zwischen Arbeit und Kapital, zwischen Arbeitern und Besitzenden auf eine Höhe gestiegen seien, welche die entschiedensten Anhänger der herrschenden Oekonomieschule nicht zu leugnen wagten. Wenn der Abgeordnete Duncker für seine Charakterisierung der sozialdemo- kratischen Partei als„RückschrittLPartei" sich aus die Ausführungen deS Abgeordneten Wagner von der konservativen und feudalen Richtung berufen habe, so sei es allerdings die Gewohnheit dieses Geheimen OberregierungSratcS, in sozialen Fragen in einer Weise aufzutreten, welche dem cnragiertesten Sozialisten Ehre machen würde. Es stecke eine gewisse Absicht hinter dem Königl. preußischen Hofsozialisten(große Heiterkeit: Bravo!), nämlich die, in der Ar- beiterwelt den Glauben zu erwecken, die preußische Regierung wolle durch irgendwelche Staatsintervention dem Messenelend und der unterdrückten Lage der Arbeiter abhelfen. Auch trotz der ellen» langen Artikel in der regierungsoffiziösen„Norddeutschen Allge- meinen Zeitung" ließen sich die Arbeiter nicht ködern; sie begriffen, daß die Regierung bei dem faktisch vorhandenen Klassengegensatz« einen Nutzen ziehen möchte zu reaktionären Zwecken aus der Spaltung zwischen der liberalen Bourgeoisie und dem Proletariat. (Hört! links.) Die ungeheure Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft habe einen viel zu gesunden Sinn, um auf diesen Regierungsköder anzubeißen. Gegenüber dem Abgeordneten Stumm, der die sozialistische Arbeiterbeivcgung der Tätigkeit einzelner Agitatoren zuschrieb, verwies Bebel auf dieselben Einwände zur Konfliktszeit im Ab- geordnetenhause, wo das Rechtsbcgehren des Volkes vom Minister- tische aus mit denselben Einreden bekämpft wurde. „Ich gebe zu, daß das in gewissem Grade vom Standpunkte unserer Gegner richtig ist: denn wenn man den Arbeitern nicht sagt, was sie zu fordern berechtigt sind, wenn man ihnen nicht nachweist, wie ihre Lage eigentlich gegenüber den anderen Gesellschaftsklassen beschirffcn ist, dann werden sie nie zur Einsicht kommen; und ich begreife daher vollkommen. wenn die Herren sich gegen unsere Agitation mi! aller Gewalt wehren." Er, Bebel selbst, sei noch vor wenigen Jahren ein entschiedener Anhänger der sogenannten Selbsthilfe gewesen, die EntWickelung der tatsächlichen Verhältnisse hätte ihn von der Unzulänglichkeit der bisher angepriesenen Heil- und Rettungsmittel überzeugt. Bebel schilderte dann die Gefahr, welche die staatlichen „Palliativmittelchen" der Unterstützungskassen usw. in den Händen des heutigen Staates mit sich bringen, er stimme den Liberalen darin bei, daß die Verwaltung der Kassen usw. den Arbeitern selbst zu übergeben sei. Gegenüber Miquel, der den Fortschritt des allgemeinen Stimmrechtes als ein besonderes Verdienst des Nord- deutschen Bunde? pries, betont Bebel die Absicht der Negierung, mit diesem System die Massen besser für sich bearbeiten zu können, nicht aber eine richtige Benutzung durch unS zu ermöglichen. Vier Jahrzehnte entschwanden, seit Bebel sein sozialdemo- kratischcS Bekenntnis vor den Junkern und Bürgern des Par- lamentes, vor dem Volke darlegte; es war der erste flammende Protest gegen den kapitalistischen Klassenstaat in der Zeit der auf. steigenden Macht einer liberalen Aera, das prophetische Sehcrwort vom Anmärsche des aus der Tiefe der Knechtung sich aufreckenden und erwachenden internationalen Proletariats. Nichts von dem, was Bebel damals über den süßen Trug deS preußischen Regierungssystems, über die Täuschungslisten der bürgerlichen Sozial- Politik und über die kluge Erkenntnis der deutschen Arbeiterschaft voraussagte, hat die Zukunft widerlegt. Wenn August Bebel, der heute im Reichstage der einzige Vertreter aus den Tagen des ersten Reichstages ist, auf den 13. März 1869 zurückblickt, darf er sich freuen, daß seine Prophetie von der politischen und wirtschaftlichen EntWickelung der Sozialdemokratie selbst seine eigenen Er- Wartungen heute, am 40. Gedenktage, überttoffen hat! dem Sekretär Flor Mitteilung. Letzterer gestand denn zu. daß eS der Prinz von Preußen sei, bat mich inständig, dessen Jnkon- nito zu bewahren und Sorge zu tragen, daß der Prinz nebst Adjutant, sowie seine Equipage ungehindert nach Hamburg Beförderung fänden, Abcsser kani der Bitte nach, und da im Zuge„viele bewaffnete Studenten und Freischärler sich befanden", sorgte er überdies dafür, daß das Coupe ces Prinzen nicht beleuchtet wurde. Der Baumeister Fritze wurde ins Vertrauen gezogen. Er stieg in das Coupe dcS Prinzen und gab sich beim Halten zu Bahnhof Brahlstorf dem Prinzen zu erkennen, mit dem Bemerken, daß es für seine sichere Beförderung nach England besser sei. nicht mit dem Zug« nach Hamburg zu fahren, sondern in Bergedorf auszusteigen und von dort per Wagen nach Ham- bürg zu fahren. Dieser Borschlag wurde von dem Prinzen an- genommen und so gelangte er ohne Unbill und Unannehmlichkeiten unerkannt nach Hamburg und aufs Schiff nach England. Diese Darstellung wird von Angehörigen des verstorbenen Bau- Meisters Fritze nach dessen Erzählungen noch ergänzt. In Nr. 2 der genannten„Mitteilungen" von 1909 wird berichtet: „Während nun der Adjutant, Major v. OelrichS, im Zuge nach Hamburg lveiterfuhr, stiegen der Prinz und Fritze in Bergedorf aus, gingen in das nahegelegene Gasthaus und nahmen das Wendbrot ,m Gastzimmer ein, weil sie befürchteten, bah das Servieren auf dem Zimmer auffallen würde. Dann wurden sie vom Wirte mit der Versicherung in ihre Zimmer geführt, daß am anderen Morgen früh ein Wagen beschafft werden könne. Kaum war der Baumeister Fritze in seinem Zinrmer allein, als es klopfte und der Prinz in großer Erregung bei ihm eintrat und die ganze Nacht in lebhaftem Gespräch mit ihm verbrachte. Frühmorgens hörten beide einen Wagen vorfahren, traten auf den Flur und hörten, wie die Stimme deS Adjutanten unten fragte, ob hier zwei Serren abgestiegen seien. Mit einem lauten „Gott sei Dan!" eilte der Prinz zu dem soeben an- gekommenen Wagen deS preußischen Gesandten in Hamburg, stieg mit seinem Adjutanten hinein und fuhr davon-*. Der Coftitreiit. Paris, 15. März.(Eig. stkr.)1 Wenn jemals ein Konflikt zwischen einer Betriebsleitung und ihren Angestellten durch blinden Autoritätsdünkel, durch Unvcr- ständnis und grobes Dreinfahren provoziert worden ist. so die Aktion der Pariser Tclcgraphenbeamtcn. die jetzt immer weiter um sich greift und vielleicht zum allgemeinen Streik aller Post- und Telcgrapheiibcamtcn. jedenfalls aber zu einer argen Störung des Postverkehrs und damit auch des geschäftlichen Lebens führen wird. Der Unterstaatssckrctär Simhan, ein kleiner Clemenceau in seiner Begabung, alle Dinge in Verwirrung und alle Leute in Aerger zu bringen, spricht jetzt von einer„Revolte". Aber Simhans Postmeisterei ist nichts als eine Kette von Revolten, des Publikums nicht minder alö der Beamten. Anscheinend will Simhan jetzt durch „Schneidigkeit" gegen diese einen Generalpardon des bürgerlichen Publikums für die chronische Unzuverlässigkeit des Telephons und die immer wiederkehrenden Stockungen im Brief- und Telegraphen- Verkehr erwirken. Denn nichts wäre leichter zu vermeiden gewesen als der jetzige Konflikt. Tie Assoziation der Post- und Telegraphen- Beamten ist weit entfernt davon, revolutionär-syndikalistische Propa- ganda zu betreiben. Sie ist eine reine Jnteressenvereinigung, die bei ihren 5kongreßbanketten Minister und Vorgesetzte empfangen hat. Auch sind speziell die Telegraphenbeamten in ihren Anschau- ungen eher gemäßigt, was denn auch die Briefträger bei ihrem miß- glückten Ausstand vor drei Jahren zu ihrem Leidwesen erfahren mußten. Herr Simhan hat alles getan, um seine Bcamtenschasi zu heftigen Ausbrüchen der Unzufriedenheit zu reizen. Unter ihm sind nicht nur ihre Forderungen nach Avfbesscrung ungehört ge- blieben, sondern die Avancementsderhältnisse haben noch eine Ver- schlechterung erfahren, vor allem darum, weil das bisher geltende Vorrücken nach dem Dienstalter zum Teil durch ein Vorrücken„nach Verdienst" ersetzt wurde, wobei dann— durch Präparierung der FührungSlistrn-- die Protektion und die politische Korruption zur Geltung kamen. Vor allem dagegen haben die Telcgraphenbeamtcu protestiert, und bei dieser Gelegenheit appellierte Simhan an die Polizei, die denn auch mit professioneller Kraftauwendung eingriff. Die Situation scheint im Augenblick unentwirrbar. Die Bcamten, über die willkürlichen Verhaftungen, die Maßregelungen, die Polizeiaussicht beim Dienst, die rüde Tonart der Chefs erbittert, finden im Streik die natürlichste, sichtbarste Reaktion; die Regierung wiederum, darin natürlich von der großkapitalistischen Presse unterstützt, versteift sich darauf, zur Rettung der„Autorität" ein Exempe! zu statuieren. Vielleicht steckt die Spekulation dahinter, durch eine künstlich erzeugte Störung des ganzen postalischen Betriebs die letzten Hemmungen im radikalen Bürgertum gegen eine vollständige Konfiskation des KoalitionSreckstS der öffentlichen Angestellten zu besiegen. ES ist Wohl das Bewußtsein, solche Anschläge vereiteln zu müssen, das die Beamten bisher davon abgehalten hat, durch un- nütze„Sabotage"— wie sie ihnen von zweifelhaften Freunden nahe. gelegt wird— ihren Feinden selbst Waffen in die Hände zu drücken. Der bloße Ausstand des ambulanten Postpersonals genügt, den Verkehr zwischen Paris und der Provinz und dem Ausland stillzu- setzen, auf den Telegraphenämtern kann die Beteiligung auch nur eines Teils der Beamtenschaft am Streik die furchtbarsten Ver- legenheiten schaffen. Kein Mensch glaubt an die Zuversicht, die die Regierung noch immer zur Schau trägt. Die Beamten aber können die Chancen ihrer sicher nicht gefahrlosen Aktion nicht besser ge- stalten, als wenn sie neben der Pflicht der Solidarität auch das Interesse erkennen, das sie daran haben, daß die Simhan und Clemenceau nicht von der Spicßerangst vor der„Anarchie" die Autorisation zu schrankenloser Gelvaltpolitik erwirken können. Pari?, 17. März. Der Ausstand dehnt sich in Paris und in der ganzen Provinz weiter aus. Die Briefträger, welche die gewöhnlichen Briefe und Drucksachen verteilen, haben beschlossein sich den Streikenden anzuschließen. Weiter haben die 1500 Tele- graphistinnen und Telcphonistinnen heute nacht eine Versamm- lung abgehalten, in welcher sie sich verpflichteten, die Forderungen der Postbeamten zu unterstützen und heute morgen die Arbeit. nicht aufzunehmen. In zahlreichen Provinzstadten ist die Aufregung groß, und andauernd werden Bersammlungen abgehalten. Die Mehrzahl der Provinzstädte konnte nur eine eingeschränkte tele- graphische Verbindung mit Paris unterhalten. Die Uebermittelung von Telegrammen ist unmöglich geworden, und es ist beschlossen' worden, Telegrammabschriftcn per Post zu versenden. Was die Postbeamten deS Fahrdienstes anbelangt, welche aus den großen Provinzstädten eintreffen, so ist ihr« Zahl stark vermindert, und es ist daher nicht möglich, die Driefsache» im Bahnwagen zu for- tieren. Zurzeit befinden sich im Pariser Zentralamt nicht weniger als 100000 unbestellte Telegramme. 700 Postbeamte sind im Laufe des gestrigen TageS ihres Amtes enthoben worden. In Havre, Nouen und Lyon haben sich die Angestellten dem Streik angeschlossen. Alle Streikenden fordern übereinstimmend die Entlassung Simhans. Andererseits erklärt die Regierung, unter leinen Umständen nachgeben zu wollen. Paris, 17. März. Zu dem Schichtwechsel um 7 und 11 Uhr vormittags im Hauptpostamt in der Rue Grenelle sind die Beamten teils nicht erschienen oder haben, wenn sie er- schienen sind. die Arbeit nicht aufgenommen. Alle Linien nach dem Auslände, ausgenommen die nach Brüssel, sind unterbrochen Die Angst war überstanden, das scheinbar bedrohte Leben ge. rettet— gerettet zu neuen Heldentaten, die er reichlich ein Jahr später an den Standrechteopfern von Rastatt vollbrachte! Aber der Prinz war nicht undankbar: Abesser erhielt den Kronenorden und der Baumeister Fritze ward drei Jahre später noch weit königlicher bedacht. Er erhielt das folgende Hand- schreiben: Coblenz, zum 23. März 1851. Wenngleich drei Jahre vergangen sind, so kommt doch Dank- barkeit niemals zu spat. Als einen Beweis derselben empfangen Sie anliegend ein Ankdenken an den 23. März 1848, an welchem Tage, in der Nacht zum 24., Sie mir Beweise Ihrer Anhänglich- keit, Teilnahme und ivahrenPatriotismuS gaben, dt« ich nie vergessen kann. Ihrer Fürsorge verdanke ich es, daß an jeneil verhängnisvollen Tagen nicht noch Schlimme- res mir begegnete. Dafür Ihnen stets meine Dankbarkeit fu vergegenwärtigen, bitte ich Sie, die beigchende Medaille reunol'ch anzunehmen, damit auch später Glieder Ihrer Familie erfahren, was eines derselben für mich getan! Ihr Prinz von Preußen. Diesem Schreiben lag eine goldene Medaille von 4 Zentimeter Durchmesser bei, die von H. Lorenz modeüiert und in der Berliner Medaillenfabrik von G. LooS geprägt worden ist. Die Borderseite zeigt den Kopf des Prinzen mit der Umschrift: „Fried. Wilh. Lud. Prinz von Preußen", die Rückseite in einem geschlossenen Eichenkranze die eingravierten Worte:„In dankbarer Erinnerung an den 23/24. März 184 8." Die Medaille und das Handschreiben deS Prinzen befinden sich jetzt noch im Besitze eines Sohnes des 1874 verstorbenen Bau- meist«? Fritz«. DaS Hoyenzollern-Museum wird hoffentlich alles aufbieten, um diese wertvollen Erinnerungen au sich zu bringen, damit sie dort erzählen von den großen Märztagen und von den: Angslbeben der Herrschenden, wenn das Volk seiner Stärke sich bewußt wird. Rußland gegen Oesterreich. " Baukontrolleuren aus der Arbeiterklaffe vorsicht. Angefpornt durch das schichten abzuwälzen. Wenn diese Entwicklung fo fort geht, Beispiel der Sozialdemokraten sahen sich auch die Herren vom werden die Herren Nationalliberalen und ihre freisinnigen Die Hoffnung, daß es einer gemeinsamen Aktion der Bentrum veranlaßt, einen befferen Bauarbeiterschutz zu fordern. Ihr Seelenverwandten noch entdecken, daß eine Steuerbelastung Mächte gelingen könnte, den Frieden zu sichern, muß heute Antrag stellte die reichsgefegliche Regelung des Bauarbeiterschutzes der Reichen mit 25 Millionen Mark auch schon genügt, wäh aufgegeben werden. Gerade in diesen tritischen Zeiten, wo bezw. feine Regelung durch Bundesratsverordnung in den Vorder- rend das Volk recht wohl 475 millionen zahlen könnte. Und mit jedem neuen Tage die Aussichten auf die friedliche Bei- grund; nur für den Fall der Ablehnung seitens des Bundesrats solche Verteilung der Lasten nennt man dann mit jener verlegung des serbisch- österreichischen Konflikts dahinschwinden, sollte die preußische Regierung im Wege der Gesetzgebung oder auch Togenen Heuchelei, die eine der widerlichsten Eigenschaften des Liberalismus bildet, einen gerechten Ausgleich". hat die russische Regierung einen neuen Aft der im Wege der Verordnung den Bauarbeiterschutz durchführen. Provokation geübt, um Serbien in seinem Widerstand gegen In einer von tiefer Sachkenntnis getragenen Rede begründete Wollte man tatsächlich so etwas, wie einen Ausgleich die Forderung der Abrüstung zu bestärken. Die auch von einert den sozialdemokratischen Antrag. Geradezu vernichtend schaffen, so böte sich durch eine Uebertragung der Hauptbeuns wiedergegebene, aus Paris stammende Meldung, Defter- war die Kritik, die er an den Unterlassungsfünden der Regierung ftimmungen des englischen Nachlaßsteuergesetzes auf Deutschreich wolle die Konferenz nur unter der Bedingung beschicken, und der Berufsgenossenschaften übte, denen der Bauarbeiterschutz in land dafür die beste Gelegenheit. Der Hamburger Volkswirtdaß auch die Diskussion wirtschaftlicher Fragen inter- Breußen überlassen ist, die aber in Wirklichkeit dafür so gut wie nichts schaftler und Statistiker St. E. May berechnet in einem demnationalen Charakters ausgeschlossen sei, hat sich nicht ausgeben und sogar mit Bewußtsein die Deffentlichkeit zu täuschen nächst im Finanzarchiv" erscheinenden Artikel, den die N. bestätigt. Dagegen hat Rußland plötzlich das unwider- versuchen. Treffend bezeichnete er die Berufsgenossenschaften als Hambg. 3tg." im Auszug mitteilt, daß, auf Basis der englistehliche Bedürfnis gefühlt, die Konferenzfrage in einer arbeiterfeindliche Institutionen, und ebenso treffend führte er aus, daß schen Nachlaßsteuerskala und zwar unter Verzicht Form aufzuwerfen, die die Ablehnung in Wien gewiß die Regierung weder die Straft noch den Willen hat, die Unternehmer auf die Vermögen unter 20 000 Mart, wir zu macht und in Belgrad als Ermutigung der serbischen Forde zur Durchführung des Arbeiterschutzes anzuhalten. Seine Rede bildete einem Steuerertrag von 220 Millionen Mark kommen würrungen aufgefaßt werden muß. Der russische Minister des einen neuen Beweis für das Hand in Hand- Arbeiten der Unternehmer den, einem Ertrag, der um 52 Millionen Mark größer ist, als nach den Veranschlagungen der RegieAeußeren hat die Mitteilung von der österreichisch- türkischen und der Regierung gegen die Arbeiter. Vereinbarung über Bosnien mit dem Hinweis darauf beGas- und Der Vertreter der Regierung, Minister v. Breitenbach, hatte rungsentwürfe Nachlaßsteuer, antwortet, daß die unmittelbare Verständigung zwischen sowohl für den sozialdemokratischen als auch für den von dem Abg. Elektrizitätssteuer und Anzeigensteuer zuDesterreich- Ungarn und der Türkei nicht die Notwendigkeit Dr. Grünenberg begründeten Zentrumsantrag nur ein strittes sammen aufbringen sollen. Jedoch den Wohlhabenden solche Lasten aufzuerlegen, ausschließe, die Frage über Bosnien und die Herzegowina Nein übrig. Der jest glücklich ge a belte Minister der öffentlichen einer Konferenz der Signatarmächte vorzulegen. Arbeiten ist der Typus eines Sachwalters einseitiger Unter- das überläßt man dem perfiden Albion". In Deutschland Die russische Regierung sei daher bereit, sich jetzt mit Desterreich nehmerinteressen, ein Mann, im Vergleich zu dem fogar ein reicht weder die Opferwilligkeit" der Konservativen, noch Ungarn und den anderen Mächten über die Einberufung einer Thielen und ein Budde als sozial angehaucht begeichnet der Patriotismus der Liberalen dazu aus. Für ihn gilt es als festgestellt, daß Konferenz zu verständigen, der die Beratung der bosnisch- werden können. Bertagung der Reichsfinanzreform. herzegowinischen Frage wie auch anderer Punkte des von alles in seinem weitverzweigten Ressort aufs beste geordnet Mit einer Bertagung der Reichsfinanzreform auf den Herbst den Großmächten angenommenen Konferenzprogramms unter- ift: der Bauarbeiterschutz ist gut durchgeführt, die Kontrolle liegt. durch die Organe der Berufsgenossenschaften ist ausreichend, und die beginnt man allmählich in parlamentarischen Kreisen zu rechnen. Damit stellt sich die russische Regierung in den denkbar Unfälle find zum großen Teil auf die Nichtachtung der Gefahren Für das Brausteuergefeß war als Tag des Inkrafttretens der schroffften Gegensatz zu dem österreichischen Standpunkt. von seiten der Arbeiter zurückzuführen. Wozu also Baukontrolleure 1. Juni 1909 vorgesehen. Auf Veranlassung des Staatssekretärs Desterreich hat mit der Türkei ein Abkommen über Bosnien aus der Arbeiterklasse, die doch nur den sozialen Frieden gefährden Sydow wurde das Datum gestrichen, weil sich noch gar nicht überfehen läßt, wann die Steuergesete fertiggestellt werden können geschlossen und ist bereit, diese Abmachung von einer Konferenz würden? bestätigen zu lassen. Rußland aber wünscht eine Be- Noch schwereres Geschütz fuhren die beiden Oberscharfmacher, der ratung, die dann natürlich auch mit einer Abänderung oder bekannte Baurat Felisch( f.) und der Freikonservative Freiherr ,, Liberale" Taten nach Bülows Diktat. Ablehnung des Uebereinkommens enden könnte. Die Kon- b. 8edlig auf, die den Antragstellern, wie es nun einmal in gewissen Der glorreiche Kampf gegen das persönliche Regiment, ferenz würde damit in der Tat zu einem Tribunal, zu Streifen üblich ist, andere Motive unterstellten und so taten, als ob eben der deutsche Liberalismus in den Novembertagen mit einem Gericht über Desterreich, das bereits erklärt sich lediglich um eine politische Demonstration, nicht aber um Maß hat, fich einem solchen unter feinen Umständen nahmen zum Schuge der Arbeiter handle. Herr Felisch versuchte großen Worten und heroischen Gebärden aufnahm, hat bezu stellen. Dadurch, daß Rußland die bosnische Frage als fogar der Regierung vor Augen zu führen, daß im Falle der An- fanntlich vorläufig zu dem erhebenden Resultat geführt, daß eine durch das Uebereinkommen mit der Türkei nicht gelöste, nahme des Antrages nicht nur die Bauunternehmer, sondern auch die Geschäftsordnungskommission des Reichstags, die die sondern als offene behandelt, bekennt es sich ausdrücklich alle anderen Unternehmer und schließlich sie selbst von der sozial konstitutionellen Garantien" borbereiten sollte, nach mehreren durch längeres Nichtstun unterbrochenen Sizungen beschlossen zu dem ja auf seinen Rat hin eingenommenen Standpunkt demokratischen Flut hinweggespült werden würden. der serbischen Regierung und macht aus der Idee der Solche durchschlagenden" Gründe verfehlen natürlich im Drei- hat: Es bleibt alles beim alten. Wieso dieser europäischen Konferenz, die ein Friedensmittel sein sollte, ein flaffenparlament ihre Wirkung niemals. Nachdem sich noch der gewaltige Erfolg des Liberalismus erzielt wurde, darüber Mittel, den Krieg zu schüren. Daß dabei die so- Abg. Dr. Schepp( frs. Wp.) im Sinne des beantragten Bau- werden verschiedene Versionen verbreitet. Die Kreuzzeitung" genannten Erwägungen des Völkerrechts nur Bemäntelungen arbeiterschutzes ausgesprochen hatte, wurde zunächst der sozialdemo- fagte in ihrer Nummer vom 14. März in einer Polemik der diplomatischen Intrigen und Ränke sind, braucht nicht erst fratische Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Frei- gegen eine parlamentarische Korrespondenz, die über eine erwähnt zu werden. Die Verlegung des Bölkerrechts, die sinnigen und der Polen und hierauf auch der Zentrumsantrag, Audienz der Herren Müller- Meiningen und Dr. Junc Bulgarien mit der Unabhängigkeitserklärung, der Einverleibung für den außer den genannten Parteien noch das Zentrum stimmte, berichtet hatte, folgendes: Dstrumeliens und der Konfiskation der Drientbahn vor abgelehnt. So ist der preußische Staat durch das bon Breitenbach, Felisch und Bedlig und ihrer genommen hat, hat die russische Regierung nicht einen Moment blatt einmal bor bem brohenden Yang gehindert, für Bulgarien und für die Anerkennung all Bundesgenossen wieder dieser Verlegungen" einzutreten. Die Berufung auf das sturm der Sozialdemokratie gerettet worden, und die Minister Völkerrecht- im Munde des bluttriefenden Barismus baben nicht nötig, weiter in Angst und Furcht zu leben. Den an sich ein frecher Hohn diente in den Balkan- Schaden haben die Bauarbeiter, mit deren Leben und Gesundheit wirren von Anfang an nur dazu, den Westmächten und Regierung und Landtag ein freventliches Spiel treiben. insbesondere England den Vorwand für die Unterstützung der russischen Intereffen zu liefern. Rußland suchte von Anfang an Desterreich, seinem alten Rivalen auf dem Balkan, alle Die Herren der Ersten preußischen Kammer führten am erdenklichen Schwierigkeiten zu schaffen und erhielt dazu die Mittwoch, nachdem sie ihren Herbst- und Winterschlaf ausgeschlafen Unterstüßung Englands, weil eine Schwächung Desterreichs hatten, eine unschuldige kleine Komödie, ein Scherafpiel auf: Einige der Alleredelsten und Allerbesten taten fo, als hätten fle für dieses eine Minderung der Machtstellung Deutschlands bedeutete. Die Strife auf dem Baltan wäre nie so gefährlich Lust, der preußischen Regierung in die fette Steuerfuppe zu spuden, geworden, wenn nicht der Gegensah der großen und zwar um deswillen, weil das berühmte Regierungskompromiß imperialistischen Nationen in ihr seinen Ausdruck mit allen Parteien des Abgeordnetenhauses( außer den Sozialfände. demokraten) nicht in allen Punkten Gefallen vor den Augen der Daß Rußland auch jetzt noch Serbien zum Striege er- Auchgefeggeber gefunden hat. Es erhob sich ein wüftes Geschimpfe mutigt, geht auch aus der Unterstützung hervor, die es feinen auf die begehrlichen Beamten, nach deren Pfeife das AbKriegsrüstungen angedeihen läßt. Nachdem es vergeblich die geordnetenhaus gar zu luftig getanzt haben soll und die Herren Türkei zu bestimmen versucht hatte, die ferbische Waffen- von Buch, Fürstbischof Kopp u. a. m. verftiegen fich bis zu burchfuhr zu gestatten, hat es jetzt bei Bulgarien durchgefekt, tästerlichen Drohungen, denen Rheinbaben, Preußens freiherrlicher daß das in Salonifi angehaltene Kriegsmaterial über Barna Finanzminister, im Grunde genommen nichts entgegenzusezen nach Serbien eingeführt werde. Daß unter solchen Um- wußte als eine Bitte um gutes Herrenhauswetter. Solchen Bitten ständen Serbien die Hoffnung, daß Rußland es bei einem pflegen sich diese Erlauchten ja nicht zu verschließen, und so wird Striege auch attiv unterstüten werde, nicht aufgibt und in denn nach Beendigung dieser Vorstellung bald alles wieder in schönster feinem verderblichen Widerstande beharrt, ist nach alledem Ordnung und Eintracht sein. begreiflich. Komödie. KleeAna Sonst war nicht viel los. Es wurde ein bißchen gegen die Nachdem die neueste Tat der russischen Regierung die Nachlaßsteuer, gegen die Sozialdemokraten, gegen die katholischen Hoffnung auf eine erfolgreiche Friedensvermittelung der Geistlichen in Bosen und Westpreußen scharfgemacht, und ein Bres. Mächte vereitelt hat, wäre die Erhaltung des Friedens nur lauer Professor, unterstützt vom Magdeburger Oberbürgermeister von dem Siege der Vernunft in Belgrad zu erwarten. Man en be, beschuldigte das Abgeordnetenhaus und die preußische wird das vielleicht noch immer nicht für völlig ausgeschlossen Regierung des rücksichtslosen Vorgehens gegen die städtischen Kom halten dürfen, da in Serbien auch friedensfreundliche munen des Landes- was Rheinbaben nicht auf fich fißen lassen Strömungen vorhanden sind. In einer Unterredung hat der wollte. forbische Minister des Aeußern die Hoffnung ausgesprochen, Trotzdem die Herren vier Stunden lang im Schweiße ihres daß die Handelsbeziehungen mit Desterreich erhalten und Angesichts gearbeitet haben, wollen sie sich heute( Donnerstag) schon auch die militärischen Maßnahmen auf beiden wieder zu löblichem Tun bersammeln, um zum Antrag des Grafen Seiten wieder unterbrochen werden könnten. Die Mirbach, betreffend Stellungnahme gegen jeden weiteren Ausbau serbische Regierung hat es in der Hand, in ihrer Antwort der Reichserbschaftssteuer" Stellung zu nehmen! auf die öfterreichische Note, die Sonnabend in Belgrad überreicht werden wird, das nötige Entgegenkommen zu beweisen und der Striegsgefahr ein Ende zu machen. In Wien herrscht infolge der fortgesetzten Mobilisierung und der Reservisteneinberufungen große Erregung. Der Strieg gilt als wahrscheinlich. Die Regierung fucht vorläufig noch beruhigend einzuwirken. In einer heute im Abgeordnetenhause stattgehabten Dbmänner- Sonferenz erflärte Ministerpräsident Frhr. v. Bienerth auf eine Anfrage, es handle sich jetzt darum, daß die serbische Antwort von österreichisch ungarischer Seite wieder beantwortet werde. Dann erst werde sich die Weiterentwickelung der Dinge ergeben. Er werde jede Gelegenheit benutzen, das Haus über den Stand der Dinge zu informieren. Die Situation sei weifellos ernst, wenn man auch hoffen tönne, daß schließlich die Lösung eine friedliche sein werde. 9 Unterdessen dauern die Truppenverschiebungen an die Grenze fort, und es werden nicht nur an der serbischen, sondern auch an der italienischen und russischen Grenze größere Truppenmassen konzentriert. Politifche Ueberficht. Das wird wieder eine nette Sigung geben! Nene Stenerprojekte. Die nationalliberale Nationalzeitung" bringt folgende mitteilung: In parlamentarischen Kreisen mutmaßt man, daß es gea Tingen werde, zur Reichsfinanzreform auch ohne Nachlaßsteuer, Erbrecht des Staates und Wehrsteuer gegen 100 mil. lionen an direkten Steuern aufzubringen, nämlich 50 bis 60 Millionen durch Ausdehnung der Erbschaftssteuer ( unter Ausschluß der Ehegatten), 15 Millionen durch Gr. höhung der Matrikularbeiträge bon 80 auf 100 Pf. pro Kopf der Bevölkerung und 15 Millionen oder viel leicht auch noch mehr durch eine Coupons oder Quittungssteuer. Unter ben indirekten Steuern bürfte eine Streichholzsteuer figurieren, bon der man an nimmt, daß sie gegen 30 Millionen tragen wird". Nach unferen Erfundigungen müssen hier sehr starke Mißverständnisse obwalten. Uns wird nämlich gefagt, die ge= nannten liberalen Abgeordneten hätten sich aus eigenem Antriebe an den Reichskanzler mit der Bitte um eine Unterredung gewandt, um feine Ansichten tennen zu lernen; der Reichstanzler habe sich aber sehr bebentlich und zurückhaltend zu den liberalen Forbe rungen betreffend die Aenderungen der Geschäftsordnung des Reichstages und der Verfassung geäußert.... Was das Anfragerecht betrifft, so besteht die Gefahr, daß es den Reichskanzler mit belanglosen Dingen um feine Arbeitszeit bringt, es müßte also auf politisch wichtige Angelegenheiten be= schränkt sein, und auszufcheiden wären auch schwebende Gerichts, und Verwaltungsgerichtsverfahren. Wie wir hören, hat der Reichskanzler unter diesen Vorausseyungen eine entsprechende Alenderung der Geschäftsordnung als erträglich bezeichnet. Allzu großen Wert legen ihr die Liberalen aber twohl selbst nicht bei. Die Hauptsache ist ihnen die Erweiterung der Geschäftsordnung, die der Reichskanzler aber als äußerst bedenklich bezeichnet hat. Die Beschlußfaffung über Anträge, die an Interpellationen angeschlossen werden, soll als Grundlage für die angestrebte Gr hebung der Ministeranklage, für die Einführung des parlamen tarischen Regimes dienen. Das ist das Endziel der ganzen Kampagne in der Geschäftsordnungsangelegenheit. Die A6geordneten Jund und Müller- Meiningen haben fich vom Reich stanzler bie Antwort geholt, ein Ministerberantwortlichkeitsgefeß fei für den Bundesrat einfach unannehmbar." Diese Darstellung war für die beiden liberalen Herren und ihre Fraktionen deshalb ganz besonders schmeichelhaft, weil sie in der Stommission das aufgegeben haben, was sie vor einigen Wochen noch im Plenum des Reichstages mit Löwenstimme als zur Sicherung des Vaterlandes unumgänglich notwendig bezeichnet hatten. Nach der Darstellung der Streuzzeitung" haben die liberalen Politiker sich nachträglich beim Reichskanzler Rat erholt, ob ihnen die Regierung auch erlaubt, liberal zu handeln und da sie die Erlaubnis nicht erhielten, so haben sie's vorsichtig unterlassen. B Auf diese für sie entfeglich blamable Behauptung haben die Herren Müller Meiningen und Dr. Jund bis zum 17. März geschwiegen. An diesem Tage haben sie sich zu folgendem Verlegenheitsgestammel aufgerafft: " Die Kreuzzeitung" befpricht am 14. März in einem Artikel Die innere Bolitit der Woche" unfere Unterredung mit dem Herrn Reichskanzler. Wir wissen nicht, an welcher Stelle die Beitung ihre Erfundigungen eingezogen hat, auf jeden Fall ist sie falsch unterrichtet worden, und zwar sowohl über den Anlaß wie über den Inhalt jener Unterredung. Wir lehnen es ab, die burchgängig falschen Angaben des Artikels im einzelnen zu be richtigen." Wenn die Herren weiter geschwiegen hätten, so würde ihre Sache eigentlich noch besser stehen, als nach dieser jammerbollen Erklärung, die doch gar zu deutlich verrät, daß die Sache äußerst faul steht. Die Kreuzzeitung", der die Erklärung offenbar nicht auging, hat sich noch nicht dazu geäußert; man tann gespannt darauf sein, was sie dazu zu sagen haben wird. Der ganze Vorgang ist äußerst bezeichnend für den unaufhaltsamen Niedergang des deutschen Liberalismus. Auch eine„ Wahlreform". Die Summe, die man in den Kreisen der Liberalen aller Der rheinische Provinziallandtag hat sich mit der Ne. Schattierungen für nötig hält, um den sogenannten gerechten form der Landgemeindeordnung beschäftigt. Ausgleich gegenüber den der breiten Masse durch die geplan. Diese Landgemeindeordnung stammt aus dem Jahre 1845. ten indirekten Steuern aufgebürdeten Rasten herzustellen, Sie enthält ein Wahlgefet, das auf dem Dreiklassen. schrumpft immermehr zusammen. Erst redete man davon, daß system beruht, weifer die Bestimmung, daß die Gemeindegerechterweise mindestens die Hälfte oder ein Drittel der eingesessenen, die 150 M. Grund- und Gebäudesteuer zahlen, Berlin, den 17. März 1909. neuen Steuerlast von 500 Millionen Mark vom Befiz ge die sogenannten Meistbegüterten, von vorherein, ohne Bauarbeiterschuh im Dreiklaffenparlament. tragen werden müsse. Dann hieß es mindestens 100 Millionen daß sie gewählt zu werden brauchten, Gemeindevertreter sind; Das preußische Dreifiaffenparlament bewies am Mittwoch von Mart, also nur noch ein Fünftel der Gesamtsumme, müßten als britte Schönheit wäre zu erwähnen, daß die Ge. neuem, daß selbst für den winzigsten Arbeiterschutz in ihm teine unbedingt den starken Schultern" aufgebürdet werden. Jezt meinderatsiigungen nicht öffentlich sind. Mehrheit vorhanden ist. Zum Etat der Bauberwaltung hatten unfere hält man bei den Nationalliberalen schon eine Belastung der Genossen die Einbringung eines Gefeßentwurfs zur Regelung des Vermögenden mit 50 bis 60 Millionen Mark für völlig aus Bauarbeiterschutes beantragt, der insbesondere die Anstellung von reichend und gedenkt 450 Millionen auf die ärmeren Bolts. Ueber die Reformbedürftigkeit der rheinischen Landgemeindeordnung ist in den letzten Jahren im Westen viel geredet und geschrieben worden. Und jetzt hat sich endlich die preuß!schs Staatsregierung veranlaßt gefühlt, dem Provm- ziallandtag einen dahingehenden Entwurf vorzulegen. Der Entwurf beschränkt sich, wie es in der Begründung heißt, „auf das Maß des hervorgetretenen praktischen Bedürfnisses" und der Vertreter der Regierung hob in der Versammlung hervor, die ministeriellen Vorschläge seien„keine großzügige Arbeit, sondern eine kleme Novelle, die nicht über den Rah- men des Mllernotwendigsten hinausgeht". . Bei einer so bescheidenen Einschätzung der eigenen Leistung kann man sich denken, was bei den Vorschlägen der Regierung herauskam: es bleibt bei dem Vorrecht der Meist- begüterten, nur soll von dem Mindestsatz von löst M. minde- stcns die Hälfte auf die Grundsteuer entfallen, weiter soll die Zahl der als Gemeindevertreter berufenen Meistbesteuerten die Hälfte der gewählten Gemeindevertreter nicht über- schreiten, endlich soll für die Gemcinderatssitzungen eine be- schränkte Oeffentlichkeit eingeführt werden. Das ist die Art, wie am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die preußische Regierung Wahlreform treibt. Urb die Abgeordneten des Provinziallandtages? Sagten sie etwas von der namentlich im industriellen Rheinland un- berechtigten Behandlung der Stadt- und Landgemeinden, von der Widcrsinnigkcit des Dreiklassenwahlsystems, von dem Un- recht der Bevorzugung des Agrariertums und von all den übrigen Absonderlichkeiten und Rückständigkeiten der Land- gemeindcordnung des Rheinlandes? Nichts von alledem. Man fand nichts Wesentliches gegen die Regierungsvorschläge einzuwenden, höchstens daß einige Stadtvertreter leise Ein- Wendungen gegen die Benachteiligung der Industrie in den Landgemeinden zu äußern wagten. Die Kommission, die den Regierungsentwurf behandelte, fügte hinzu, daß am Gemeinderccht auch teilnehmen sollten die Aktiengesellschaften, Bergwerksgesellschaften, Kommandit- gesellschasten auf Aktien, Gesellschaften niit beschränkter Haf- tung, weiter wandelte die Kommission die von der Regierung vorgeschlagene beschränkte Oeffentlichkeit der Gemeinderats- sitzungen in eine unbeschränkte Oeffentlichkeit für Gemeinden tnit mindestens SOVO Einwohnern um. Im Grunde bleibt also alles beim Alten. Agrarier und Industrielle haben sich, wie so oft so auch hier wieder mal in die Hände gearbeitet. Die Industriellen lassen das Meistbegiitertenrecht bestehen, dafür bewilligen die Agrarier den Jndustriegesellschaften das Ge- meinderecht. In der Fasiung der Kommissionsbeschlüsse fand dann die„Reform" der rheinischen Landgemcindeordnung ihre Erledigung. Die ganze Hilflosigkeit des rheinischen Bürgertums kam zum Ausdruck in den Worten eines Düsseldorfer Abgeorö- neten, der bei dieser Gelegenheit sagte:„Der Berichterstatter der Kommission hat uns hundert Jahre zurückgeführt. D a- mals war man aber reformfreudiger als heute. Wenn man an die Reforni des Freiherrn von Stein denkt und das vergleicht, was heute hier geboten wird, dann kommt sehr wenig dabei heraus. Es wird dazu kommen, daß wir die Vorlage annehmen, aber teilweise wie ich es tue, m i t R e s i g n a t i o n!" Resignation— daS ist der kümmerliche Rest der ein- stigen Entschiedenheit, womit das rheinische Bürgertum gegen Absolutismus und Rückschritt ankämpfte. Die meisten aber sind auch schon über diese Resignation hinalis: sie haben sich der Reaktion vollends in die Arme geworfen. Gegen die preußische Ausweisnngspraxis. In der letzten Sitzung dcS ö st e r r e i ch i s ch e n Abgeordnetenhauses haben die sozialdemokratischen Abgeordneten Tuppy. Müller und E l d e r s ch eine Interpellation an das Gesamtministerium gerichtet, worin über die AuSweisungs- Praxis der preußischen Behörden Beschwerde geführt wird. Es wird darin folgender vom„Vorwärts" seiner- �eit geschilderter Fall erzählt: Der österreichische Staatsbürger Jgnaz Fischer lebte einige Monate als Metallarbeiter in Breslau. Er wußte, daß die preußische Polizei Ausländern selbst die harmloseste politische Betätigung nicht gestatte, und hielt sich darum vom politischen Leben vollständig fern. Zu Weihnachten sandte ihm seine Mutter ein lleines Geschenk und legte in daS Paket auch fünf sozialdemokratische Bücher, die Fischer zu Hause gelassen hatte. DaS Paket lvurde nun auf dem Zollamt in Breslau geöffnet und die Zollbeamten übergaben diese Bücher der Polizeibehörde zur Prüfung. Die Polizeibehörde stellte die Broschüren, deren Besitz auch in Preußen nicht verboten ist, dem Besitzer nach wenigen Tagen wieder zurück. Am 29. Dezember 1908 fand aber eine Hausdurchsuchung in Fischers Wohnung statt, bei welcher jedoch nichts gefunden wurde. Trotz- dein wurde Fischer am 16. Januar ohne Angabe von Gründen auS dem preußischen Staatsgebiet aus- g e Iv i e s e n. Fischer wendete sich an den österreichisch-ungarischen Konsul in Breslau, der ihm aber achselznckend sagte:„Ja in Preußen, da ist man eben hinter den Sozialdemokraten so her; Sie wissen doch selbst Bescheid l" Es ist eine wahre Schande, heißt eS in der Interpellation weiter, wie deutsche Arbeiter aus Oesterreich im Deutschen Reiche behandelt werden. ES unterliegt aber keinem Zweifel, daß diese AliSweisungSpraxiS dem Geiste deS zwischen Oesterreich-llngarn und dem Deutschen Reiche geschlosienen Handelsvertrages widerspricht. Aus diesem Grunde wird das Gesamtministerium gefragt: Ist die Regierung bereit, von der preußischen Regierung durch daS Ministerium des Aeußern den sofortigen Widerruf der Ausweisung des österreichischen Staatsbürgers Jgnaz Fischer zu verlangen? Ist die Regierung bereit, dem Abgeordnetenhause einen auS- führlichen Bericht darüber zu erstatten, was das Ministerium deS Aeußern getan hat, um die österreichischen Staatsbürger gegen willkürliche Ausweisungen aus Preußen und Sachsen zu schützen, und welche Erfolge seine Intervention erzielt hat? Die Reichstagsnachwahl in Düren-Jülich. AuS Düren wird uns geschrieben: Auf die eindrucksvolle Protestversammlung katholischer Arbeiter ,egen die Zentrumskandidatur des Fürsten Salm-Reifferschcidt-Dyck at das offizielle Zentrum am Sonntag mit einer großen Versamm- lung in der Stadtparkhalle in Düren geantwortet. Fürst Salm gewhte. persönlich zu erscheinen, um seine Kandidatenrede zu halten. Der Herr, der bis vor kurzem noch Mitglied der Deutschen Vereinigung war, entpuppte sich als ein konservativer Groß- agraricr und ein Sozialistentöter schlimmster Art. Vor dem „Ümstiirz" und vor der Expropriation(obwohl er als Agrarier angeblich mit Schaden arbeitet I) verriet er eine Höllenangst. Er verlangte die Zurückberufung der Jesuiten ausdrücklich zu dem Zweck, daß sie dem sozialdemo- iratischcn Umsturz einen Damm entgegensetzen. Wenn die Sozial- dcnwkratie hier in Deutschland eine französische Revolution machen wollte, so würden die„Landhäuser der Bebel" zuerst in Flammen aufgehen. AIS Umsturz bezeichnete der fürstliche Redner auch die Ausschaltung de» Schwedenkönigs durch die Norweger und die Er- oberung einer Verfassung durch die Türken, und inbrünstig bat er seinen Gott, daß er Deutschland vor solchen Erschütterungen bc- wahren möge. Man kann sich denken, weshalb der Fürst sich in feiner Programmrede völlig über die Wahl- rechtsfrage aus schwieg. Mit zornbebender Stimme wandte er sich gegen die Nachlaßsteuer. Er zeterte gegen die„nichts- würdigen Blätter und Menschen, die in einer vom„Simplicissimus" erzeugten Stimmung unseren edclen Kaiser anzugreifen und zu be- geifern gewagt" hätten. Auf das„erste Austreten" dieses„großen" Politikers ini Parlament darf man wirklich gespannt sein. Den christlichen Arbeitern versicherte der' Fürst, daß er stets ein offenes Ohr für ihre Wünsche haben und ihre Bestrebungen an- erkennen werde. Es ist uns rätselhaft, wie das möglich sein soll bei einem Manne, dessen eigene Arbeiter streiken mußten, weil sie mit ihren Familien nicht mit 1,S0 M. Lohn auskommen konnten. Nach dem Fürsten redete ein anderer Zentrumsadeliger: Graf P r a s ch m a, der oberschlesische Magnat und ausgesprochene Wahl- rechtsfeind. Sein Blick war nach Berlin gerichtet. Er pries den Kaiser in den höchsten Tönen und stellte Bülow als Intriganten dar, der nur daraus bedacht sei, das Zentrum auszuschalten. Graf Praschma versicherte, der Besitz sei ohnehin zu scharf be- steuert, dagegen sei die Heranziehung der Kon- sumtiouSartikel der breiten Masse zur Steuer durchaus berechtigt. Schließlich wandte der Graf sich be- zeichnenderweise dagegen, daß man das Zentrum für— demo- kratisch halte! Besonders intereffant ist jedoch in Graf Praschmas Rede folgende Aeußerung: „Wir sehnen»mS, weiß Gott, mcht nach der sogenannten ausschlaggebenden Stellung zurück, die sehr unbequem war. W i r trugen damals die Verantwortung für daö Zu- st anbekommen eines jeden Gesetzes. Von uns hing eS ab. ob eüne Forderung der Re gierung bewilligt wurde oder nicht. Das war ein beständiger Anlaß zu Konflikten. Bequemer ist eS so. wo wir ruhig mitarbeiten, unseren prinzipiellen Standpunkt wahren können, ohne darauf zu sehen, ob die Gesetze ohne uns zustande kommen und wir die Verantwortlichkeit tragen." Wir lassen es dahin gestellt, wie weit das Zentrum hier die Rolle des Fuchses spielt, dem die Trauben der Regierungspartei au- geblich zu lauer sind. Wir begnügen uns, das Geständnis fest- zunageln, daß das Zentrum, so lange es ausschlaggebende Partei war, also von Mitte der neunziger Jahre bis 1907, verantwortlich zu machen ist, was in dieser Zeit der ungeheuren militärischen Aus- gaben, des Zollwuchertariss und der sozialpolitischen Unfruchtbarkeit an dem Wohl und den Rechten des Volkes gesündigt worden ist. Die beiden adligen Redner hatten übrigens nur wenig Beifall. Pie bedenklich gewordenen Mienen der frommen Zuhörer hellten sich erst lvieder auf, als der dritte Redner,„Arbeitersekretär" M i ch s! auS Stolberg bei Aachen, eine Brandrede gräßlichster Art gegen die Sozialdemokratie vom Stapel ließ. Düren-JÜlich ist ein absolut sicherer Wahlkreis des Zentrums. Die rebellisch gewordenen katholischen Arbeiter, denen in der Versammlung natürlich das Wort nicht gewährt wurde, werden das Mandat nicht im mindesten gefährden. Deshalb durste sich das Zentrum in Düren-Jülich einen solchen Kandidaten und solche Ver- sammlungsredner leisten. Ein Grauen aber erfaßt den Normal- menschen, wenn er sieht, wie diese Zentrumswähler den Leuten Bei- fall gröhlen, die sie in der offenbarsten Weise verhöhnen und mit Füßen treten._ Der„gute Ton" im Lager der Staatserhaltenden. In einer AuSeinandersetzimg mit der„Kölnischen Volkszeitung" bemerkt das„AB"est deutsche Tageblatt", ein von nationalkatholischen und landbündlerischen Kreisen unterhaltenes Organ:„Nur frech und rücksichtslos gegen alles, was ihr gegen den Strich geht, größte Nachsicht und maßlose Be- Ichvnigung eigenen Verfehlungen gegenüber. So versteht eben allein die„Köln. Volksztg." den Kampf für Wahrheit, Freiheit und Recht, indem sie diese schöne Devise zu einer häß- lichen Fratze verzerrt."— Cnglancl. Die Mariuedebatte. London, 17. März. Unterhaus. Der Erste Lord der Admiralität M c K e n n a teilte auf Anfrage mit, daß die Zahl derjenigen Hellinge Großbritanniens, die zum Vau der Dreadnought- klasse geeignet wären, sich guf siebzehn belaufe, einschließlich zweier. die solchen Firmen gehörten, die bisher den Bau großer Schlachtschiffe noch nicht unternommen hätten. Mit Aenderungen, die einige Monate in Anspruch nehmen würden, könnten noch weitere zwei Hellinge in Regiernngsdocls und mehrere in privaten DockS brauchbar gemacht weiden. In Deutschland gäbe es gegenwärtig vierzehn solcher Hellinge, zwei weitere würden in kürzester Frist fertig gestellt sein. Ferner sei eine deutsche Helling groß genug, um ein Schlachtschiff nach dem Jnvineible-Typ herstellen zu können, und noch eine andere von dieser Art befinde sich zurzett im Dock einer Privatfirma, die bisher den Bau großer Schlachtschiffe noch nicht unternomnien hat. Nach diesen Erklärungen wurde in der General- diskuffion über den Flottenvoranschlag fortgefahren. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Lee(l), die KrisiS. der die Nation gegenüberstehe, habe daS ganze HauS zu einer einzigen Partei britischer Bürger geeint, die ent- schloffen seien, angesichts der gemeinsamen Gefahr zusammenzuarbeiten. Redner betonie, die Umstände erforderten, daß alle acht Dreadnoughts auf einmal bestellt und so schnell als möglich fertiggestellt würden. ES sei kein Grund zu einer Panik, wohl aber Grund zu einem pronipten, schleunigen Vorgehen vorhanden. Deutsch- land habe in den letzte» zwölf Monaten neun Dread- noughts auf Stapel gelegt, wanim sollte es dasselbe dieses Jahr nicht wieder tun. Deutschlands Bcrechtigimg. Schiffe zu bauen, stehe außer Frage; bezüglich Deutsch- landS Erklärung sage er aber mit aller Achtung vor dieser Erklärung, daß sie in praktischer Hinsicht nicht das Papier wert sei, auf das sie geschrieben sei, wen» sie wirklich überhaupt dem Papier anvertraut sei. Premierminister A s q u i t h unterbrach hier den Redner und fragte, ob Lee einen Unterschied mache zwischen der mündlichen und der schriftlichen Erklärung einer fremden Macht? Lee erwiderte, er wünsche nicht in eine Erörterung ge- zogen zu werden, die den Anschein erwecken könne, als ob er Be- trachtungen anstelle über den guten Glauben Deutschlands.(Beifall.) Schweden. Die Ministerkrise. Stockholm, 17. März. Der König bewilligte das gestern eingereichte Abschiedsgesuch der Minister v. Trolle, Pctersson und Roös. Zum Landwirtschastsminister wurde daS Mitglied der Zweiten Kammer des Reichstages Ingenieur N y a n d e r und zum Minister ohne Portefeuille der Abteilungschcf im Kultusnünistermm L i n d st r ö m ernannt. Staatsminister Lindman übernimmt vor- läufig die Leitung deS Ministeriums des Aeutzeren. Hrnenha. Die Tarifreform. Washington, 17. März. Der Tarifausschuß hat dem Kongreß die Tarifvorlage unterbreitet. Der Vorsitzende er- läuterte die einzelnen neuen Positionen und führte aus, der Ausschuß habe einige Artikel von der Freiliste entfernt und aus andere eine Zollerhöhung gelegt, lediglich zu dem Zweck, die Einnahmen zu erhöhen. Diese Artikel seien meist Luxusartikel, wie Parfümerien, Toilettcnartikel, KakeS, Federn und Gewürze. Wegen ungenügenden Zollschutzes sei eine Zoll- erhöhung erfolgt auf Kohle nteerfarben, Papier- f a b r i k a t e und Erzeugniffe der Lithographie. Zum Teil sehr wesentliche Zollerniedrigungen seien erfolgt bei Chemikalien, Oelcn, Farben, Schwämmen, Töpferwaren, Ersen. Stahlwaren, Maschinen jeder Art, Baumwolle, Farm- Produkten, Fleischwaren, Flachs, Hanf, Jukeivaren, Wolle, Leder, Sckuhwaren, landwirtschastlichen Geräten. Sodann werden auf die Freiliste gesetzt Eisenerz. Häute, Kunstwerke. die mindestens zwanzig Jahre alt find. Der Zoll auf Roheisen und Spiegeleisen wird von vier auf 2'/z Dollars pro Tonne herabgesetzt. Die Zollreduktionen überwiegen die Erhöhungen bedeutend. Die Schutzzölle sind um 40 Proz., die Zölle auf andere Waren, wie zum Beispiel auf Lederwaren entsprechend reduziert. Der Zoll auf raffinierten Zucker ist auf ein zwanzigstel Cent pro Pfund herabgesetzt, der für chlorsaures Kali auf 2 Cents pro Pfund. Der Zoll auf Wolle für Kleidungsstücke ist ziemlich unverändert, der aus Wolle geringeren Grades ist reduziert. Pelze sind mit einem Zoll belegt, der ÜT/g Proz. ihres Wertes beträgt. Die Tarifvorlage sieht Minimal- sowie Maximalzölle vor, die durchschnittlich 20 Proz. höher sind. Der Miniinaltarif soll allen Ländern zugute kommen, die Amerika die Meistbegünstigung einräumen. Die bestehenden Handelsabkommen sind nach Maßgabe ihrer Bestimmungen zu kündigen. Soziales. Das JnnungSschiedSgericht über Tarifdifferenzen im Töpfergewerbe. Am DienStag kamen vor dem Jnnungsschiedsgericht eine Reihe von Klagen zur Verhandlung, die in der unterschiedlichen Aus- leguna des Akkordtarifes für das Töpfergewerbe durch Meister und Gesellen gipfelten. Zwar hatten diese Streitsachen die im Tcpfergetverbe bestehende Schlichtungskommission beschäftigt, doch fehlt dieser die Exekutivgewalt. In anderen Berufen, für die Tarif- Verträge bestehen, wird dieser Mangel durch die moralische Macht der Unternchmerorganisatwncn vollständig behoben. Das scheint im Töpfergewerbe nicht der Fall zu sein. Denn sonst wäre es kaum möglich, daß sich die Arbeiter, um die Entscheidungen der Scklichwngskommisswn durchzuführen, erst noch an das Jnnungs- schicdsgericht wenden müssen. So tlagten am Dienstag allein lä Gesellen gegen den Töpfermeister Karl Preuße, der dem Spruch der Schlichtungskommission nicht entsprochen hatte. Das Jnnungs- schiedsgertcht entschied selbstverständlich ebenso wie die Schlich- tnn�skommission und verurteilte den Beklagten zur Zahlung der Differcnzbeträge. Gleich darauf klagten mehrere Gesellen gegen den Töpfer- meister Karl Jung. Auch diese Streitsache ist bereits vor der Schlichtungskommission verhandelt worden, ohne daß es darüber zu einer Verständigung kam. Tie Berechnung, die die Meister- Vertreter in der Schlichtungskommission über die in Frage stehenden Arbeiten aufmachten, blieb um einige Pfennige hinter der der Ge- sellenvertreter zurück. Hier gab das JnnungSschiedsgericht dem Klageanspruch nur insoweit, als er sich mit der Meisterberechnung deckte, statt und wies die Mehrforderung ob. Von der Beurteilung der Arbeiten durch einen Sachverständigen sah das Gericht ab. da die Kläger ihre Reklamationen nicht sofort angebracht hatten und jetzt die Nachprüfung kaum noch möglich erscheine. Unzulässige Lohnkürzung. Der Glaser Herrman» war bis zum 6. März beim Glaser- meister Gustav Souchard bei einem Stundenlohn von 70 Pf. be- schäftigt. Am Morgen des 2. März sagte ihm der Meister, daß er nur noch 60 Pf. zahlen werde. H. glaubte, daß diese Neuerung von der kommenden Woche ab gültig sein soll und war nicht wenig erstaunt, als er am folgenden Sonnabend bereits für fünf Tage der Woche mit dem niedrigeren Lohn abgespeist wurde. Seiner Forde- rung, den 70 Pf.-Stundenlohn für die ganze Woche noch zu zahlen. entsprach der Meister nicht. H. legte deshalb die Arbeit nieder und klagte nun gegen den Meister beim Jnnungsschiedsgericht auf Zahlung der Lohndifferenz. Das Schiedsgericht hielt es für unzu- lässig und mit den guten Sitten nicht im Einklang stehend, daß dem 5ilägcr mitten in der Lohnpcriode der Lohn gekürzt wird, und ver- urteilte den Beklagten zur Zahlung der geforderten 4 M. An die falsche Adresse. Durch falsche Angabe des Namens oder Wohnortes des Emp- fängers tonnen zuweilen die empfindlichsten Verluste an Zeit und Geld entstehen. Der b. Kammer des Berliner KaufmannsgerichtS lag es gestern ob, zu urteilen, ob der Angestellte den nachweisbaren Schaden auf alle Fälle zu ersetzen hat. Es klagt der Chef des „Deutschen Kolonialhauses". Herr Bruno Antclmann, gegen seine frühere Expedientin Frl. W. auf Schadenersatz in Höhe von 22 M. Dieser Schaden ist unstreitig dadurch entstanden, daß die Beklagte ein für einen Hauptmann W. in Ost-Afrika bestimmtes Paket mit einer falschen Ortsangabe versehen hat. Der Kläger behauptet, daß ihm außer dem unmittelbaren Schaden von 22 M. noch ein indirekter durch den Verlust deS Kunden entstanden ist. A. sieht einen groben Fehler nicht nur in der falschen Adressierung, jon- dcrn vor allem darin, daß die Beklagte das Paket zum Packen ge« geben hat, bevor die Adressen das Kontrollzeichen des Inspektors oder Oberexpedienten trugen. Die beklagte Expedientin wendet dagegen ein, daß sie sich heute, nach zwei Jahren, solange liegt der Fall zurück, nicht mehr entsinnen könne, ob sie die fraglichen Adressen dem Inspektor zum Vergleichen gegeben habe oder nicht, letzterer könne fa auch das Revisionszeichen vergessen haben. Der Fehler selbst sei durch die große ArbeitSLbcrhäufung ensstanden. Die Beklagte trat mit 16 Jahren in die Dienste der Firma und bezog ein Gehalt von 40 M. Nach dreijähriger Tätigkeit hatte sie es auf ein Monatsgehalt von 8S M. gebracht. Dafür mußte sie eine 15-, oft auch 17stllndige Arbeitszeit absolvieren. Wie die Mutter der Beklagten bekundet, mutzte sie oft ihre Tochter um 12 Nhr nachts aus dem Geschäft abholen. Nach der Beratung des Gerichts rät der Vorsitzende dem Kläger, die Klage zurückzuziehen, da er sonst abgewiesen würde. Auge. sichts der ganzen Umstände liegt in dem Verlangen des Klägers nach Schadenersatz eine große Härte. Die falsche Adocssicrung an sich sei noch kein grobes Brrschen, zumal bei einer jugendlichen An- gestellten. Daß aber die Beklagte fahrlässigerwcise die Adressen der Nachkontrolle entzogen habe, sei nicht bewiesen. Ganz ander? läge der Fall, wenn der Fehler einem höheren Angestellten, etwa einem Exp-ditionsleiter passiert wäre. Auf diesen Vorhalt hin zieht der Kläger seine Klage zurück. Letzte ptochnchtcn und DcpcFchcn. Schneeverwehungeu. Stolp i Pommern, 17. März. Amtliche Meldung. Die Strecke BÜIow-Laiienburg zwischen Jerskewitz und Schwarz-Damerkow ist seit heute früh 7 Uhr infolge Schncrvenvehungen unfahrbar. Die Störung wird voraussichtlich bis heute abend 9 Uhr dauern. Eine Erbschaft der freireligiösen Gemeinde. Wiesbaden, 17. März.(B. H.) Dem Vorsitzenden der hiesigen freireligiösen Gemeinde sst vom Polizeipräsidenten die Mitteilung zugegangen, daß dem Verein die Genehmigung zur Annahme der Schlierschen Erbschaft erteilt worden ist. Die Zuwendung soll nach Mitteilungen deS Vorstandes angeblich dem Wert von ca. 150000 M. entspreche». Perantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt PaulSinger 6: Co., Berlin SW, Hierzu 4 Beilagen«.UnterhaltungSbl. 9.65, R.Z.VMS. t f eilnp des Jormirts" Kerliktl Nslksbllltt. mtsm Reichstag» 226. Sitzung vom Mittwoch, den 17. März, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Einem. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Etats für die Verwaltung des Reichshceres. Abg. v. Bycrn(f.): Zu meinem allergrößten Bedauern muh ich hervorheben, daß alles, was hier gesprochen wird, auch im Auslande aufmerlsam verfolgt wird.(Heiterteit.) Deshalb bedauere ich. was Herr Häusler hier über unsere Armee gesagt hat. Die Angriffe auf den Parademarsch sind ungerechtfertigt, im Parademarsch liegt die Musik(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten und im Zentrum), welche die Truppe dem Willen des Vorgesetzten geneigt macht. Ueber den zunehmenden Luxus in den Offizierkasinos wird geklagt. Sind denn nicht auch unsere Zivilhäuser luxuriöser geworden? Jir den Kasinos wird viel weniger Alkohol getrunken als früher, fast möchte ich sagen leider(Schallende Heiterkeit), während jetzt vielmehr Limonade und Apfelwein getrunken wird. Ueber die Länge der Dienstzeit der Kavallerie wollte ich cigent- lich nicht sprechen, da der Äriegsminister eine Denkschrift darüber zugesagt hat. Aber Herrn Häusler gegenüber muß ich doch hervor» heben, daß bei der Kavallerie nicht nur der Man» auszubilden ist, sondern auch das Pferd. In Frankreich ist die Dienstzeit der Kavallerie auf zwei Jahre beschränkt, aber sehr viele Generale be- dauern das, und in der besseren Ausbildung unserer Kavallerie liegt unsere wesentliche Stärke. Der ivkilitäretat ist um 20 Millionen Mark geringer als im Vorjahre. Trotzdem hat die Budgelkommisfion sich bemüht, weitere Abstriche zu machen: aber nicht immer kann ich diese Abstriche billigen. Den Kriegsminister bitte ich. die Musikkorps nicht zu ver- Ileinern. Es ist ja hier nicht der Platz, patriotische Reden zu halten �Heiterkeit i. Zentr. u. b. d. Sozialdem.), ich will auch absehen davon, daß es schön ist, wenn die Truppe die Dorfstraße entlangzieht und schöne Musik macht.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten und im Zentrmn.) Bei Spichecn wurden die Höhen mit Trommelschlag gestürmt; auch der Trommler macht Musik, und zwar im richtigen Moment.(Große Heiterkeit im Zentrum und bei den Sozialdemo- kraten.) Der Wert der Musik zeigt sich, wenn auf dem Schlachtfelde abends der Choral angestimmt wird:„Nun danket alle Gott!"(Zuruf im Zentrum: Hurra!) Wer noch nie gebetet hat, wendet sich dann zum Gebet, und gerade das Zentrum sollte sich freuen, wenn so der religiöse Sinn durch die Musik gefördert wird.(Zust. rechts.) Dringend möchte ich denKricgsminister bitten, nach kleineren Orteil mehr Garnisonen zu legen, und namentlich möchte ich da— man kann ja hier auch Lokalpatriotismus treiben— die Stadt G e n t h i n dem Kriegsminister ans Herz legen. Der Bürgermeister von Genthin hat mir versprockien, wenn dieser Wunsch erfüllt wird, aufs beste für die Garnison zu sorgen.(Heiterkeit.) Ich freue mich, daß der Kriegsminister verfügt hat, daß bei der Vergebung von Lieferungen Handwerker und Handwerkergenossen- schasten möglichst berücksichtigt werden sollen. Dieser Erlaß hat gute Früchte getragen. Leider wird er nicht überall befolgt; so läßt das Bekleidungsamt Stettin in Strafanstalten die Milttär- kleider anfertigen!(Hört! hört! rechts.) Verabschiedete Offiziere sollte der Staat mehr als bisher be- schäftigen; es gibt Stellen genug, die sie bekleiden können: als Turnlehrer, als Inspektoren bei der Alters- und Invalidenversicherung, bei Proviantämtern, bei Postämtern, bei der Steuer- und Zollbehörde, als Lotterieeinnehmer, Standes- bcamte usf. Dann werden wir auch genug Meldungen zu den Offiziersstellen haben und brauchen die fehlenden Stellen nicht mit Feldwebel-Leutenants zu besetzen, wovor ich dringend warnen möchte!— Die Offiziere sollten— das muß auch von konservativer Seite hervorgehoben werden— nicht zu so häufigem Wechsel des Anzugs gezwungen werden. Leider machen unsere jungen Offiziere auch die Mode der Ziviljugend mit und tragen zwischen Nase und Mund statt des Schmuckes des Mannes ein gewisses Etwas, von dem man nicht weiß, ob eS Bart oder angebrannte Zigarre ist.(Schallende Heiterkeit). Wir leben in einer ernsten Die Marseillaise. Keiß kämpft das SanSculottenheer Mit Oesterreichs Söldnern bei Jemappes. jberr Sachsen»Teschen jubelt froh: „5beut sinkt die Republik ins Grab! Sie wird nicht wieder aufersteh'n; Ich hemmte ihren Siegeslauf. And aus dem Grab in alter Pracht Blüh'n neu die goldnen Lilien aufl"— Die Sansculotten kämpfen schwach. Wie sind sie doch so todesmüd.— Da, horch!— Ein Ton durchzuckt die Lust „Wer singt uns denn das Sterbelied?"— Der Flügelmann im ersten Glied, Der singt die Verse uns so wild. Äört ihr den Sang, den heil'gen Sang, Wie er aus heißem Äerzen quillt! O, singe, sing', mein wackrer Freund! Das Lied ist's wert, daß man es singt. <öorch I Auch dein Kamerad fällt ein— Zu zweien es noch besser klingt. Zu zweien nur? Warum nicht gar? Singt doch im Chor, ihr Tapfern all! Spürt ihr des Liedes Zauberkraft? Wie schlägt das Äerz bei seinem Schall!— Der Sang erbraust; er wächst zum Meer Lind reißt den letzten Krieger nüt.— „Allons, enfants de la patrie!" Ja, vorwätts geht's im Siegesschritt. Ein Schrecken packt die Söldnerschar; Ein singend Äeer sah man noch nie.— Llnd ob auch laut der Donner brüllt, Noch lauter braust die Melodie: Zeit.(Zuruf im Zeittrum: O ja! Große Heiterkeit.) Wir müssen das Heer schlagfertig halten; die Furcht vor unserer starken Waffe ist die beste Versicherung für den Frieden.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Müller- Meiningcn(frs. Vp.): Die„Simplicissimus"- Schilderungen aus dem Offiziersleben, die der Vorredner gab, waren mir recht interessant.(Große Heiterkeit.) Darin, daß auch die Rechte jetzt Kritik an gewissen Aeußerlichkeiten des Militarismus übt, glaube ich den veredelnden Einfluß des Blocks zu erkennen.(Stürmische Heiterkeit.) Herr Häusler hat mit Recht zur Sparsamkeit auf- gefordert, aber mit Unrecht uns Freisinnige beschuldigt, das Zentrum bei den Abstrichen im Stich gelassen zu haben.(Widerspruch bei den Sozialdem. und im Zentr.— Sehr richtig I b. d. Frcis. Rufe: Das Zentrum war sich selbst nicht einig!(Widerspruch im Zenttum.)— Herr v. Liebert freute sich, daß der Kriegsminister gegenüber den Abstrichen die Ruhe bewahrt habe. Die zarte Besorgnis um die Ruhe des Kriegsministers freut uns um so mehr, als die Rechte z. B. dem Leiter des Kolonialamts gegenüber nicht so zartfühlend war. (Sehr gut! links und im Zentrum.) Uebrigens sind die Abstriche so gering, daß sie die Nachtruhe des Kriegs- Ministers nicht zu stören brauchten.(Heiterkeit und Zustimmung.) Nöttg ist es, daß die entscheidenden Stellen den Spariamkeits- forderungen des Volkes und der Volksvertretung mehr entgegen- kommen. Sonst werden, auch wenn die Reichsfinanzreform zustande kommt, in Bälde die Finanzen des Reiches wieder dasselbe Bild aufweisen wie jetzt.(Lebhafte Zustimmung links,) Es gibt noch eine ganze Reihe völlig repräsentativer Stellen, die ruhig in Wegfall kommen könnten. Soz. B. der Kommandant von Swine münde, dessen einzige Aufgabe es ist, beim Vorüberfahren der kaiserlichen Flotte Salut schießen zu lassen. Das letzte Mal geschah das nicht einmal, denn der Kommandant war gerade verreist.(Schallende Heiterkeit.) Vielen Ausfiihruugen des Abg. Häusler stimmen wir völlig zu. So dem, was er über die Unübersichtlichkeit des Etats sagte. Aufs schärfste ist gegen konfessionelle und soziale Engherzigkeit bei der Auswahl der Offiziere zu protestieren.(Sehr ivahr I links.) So etwas kann sich in ernsten Zeiteir bitter rächen. (Lebhafte Zustinimung links.) Was Herr Häusler über die Mög- lichkeit der Verkürzung der Dienstzeit der Kavallerie sagte, ist sehr richtig. Auch andere Osfizicre teilen diese Auffassung.(Zuruf des Generals v. Gebsattcl: Nennen Sie uns doch die Offiziere!) Ach, Herr General, das könnte Ihnen wohl so passen!(Stürmische Heiterkeit und Zustimmung linkö.) Ich würde sie nur nennen, wenn ich wüßte, daß ich sie nicht ans Messer liefere.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Liebert hat hier den Paradedrill ge- priesen. Ich muß sagen, dieser Geist schmeckt nicht nach Sedan, sondern nach Jena!(Stürmische Zustimmung links. Unruhe rechts.) Nun zun» Kapitel der Militärmisthandluugen. Zum fünften Male bringen wir unsere sich gegen diese Miß Handlungen wendende Resolution ein!(Hört! hört!) Das ganze Volk fordert die Beseitigung dieses Mißstandes I(Lebhafte Zustiminung links und im Zentrum.) Wieder sind eine ganze Reihe furchtbarer Fälle vorgekommen. (Unruhe und Zurufe rechts.) Wenn wir die einzelnen Fälle hier vorbringen, so heißt es: Einzelheiten gehören nicht in den Reichs- tag; bringen wir keine Einzelfälle vor, so kommt Herr v. Oldenburg und sagt: wir haben kein Material! Wie sollen wir es also machen?(Sehr gut I und Heiterkeit links.)— Redner verweist auf eine Reihe krasser Mißhandlungen, drakonischer Urteile gegen Untergebene und milde Urteile gegen mißhandelnde Vor gesetzte.— Die ernste Kritik des Abgeordneten HSuslcr wird nicht durch de» Spott des Grafen Orwla über die Feldmarschälle Gnrisenau und Bebel widerlegt.(Stürmische Heiterkeit und Zu stimmung links.) Der Resolution des Zentrums über Einschränkung der Zähl der Kontrollversammlungen stimmen wir zu. Nötig ist, daß die Anomalie beseitigt wird, daß die Reservisten während des ganzen Tages, an welchem die Kontrollversammlung stattfindet, unter Militärgerichtsbarkeit stehen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Geradezu erbärmlich ist die Turnerei beim Militär.(Zustimmung links. Lachen, Widerspruch und Unruhe rechts.) Das Turnen scheint noch heute manchen „Ihr Knechte, bebt vor unsrer Wut And unserm Zorn, der Ketten brach! .ha! Angeschwächt ist unser Mut. Wir wählen lieber Tod als Schmach!" „�iardlons, rnarchons!"— Ein letzter Sturm>— Ein letzter Schuß— der Würfel fiel.— And Sieger war die Republik Durch deinen Sang, Rouget de l'Iöle. _ hl»? Walthar«. Adalbert MatkowSky, der Recke unter den heutigen Schauspielern, ist dem Siechtum, das ihn von seiner Wirkungsstätte, dem kgl. Schau- spielhauL, schon längere Zeit vertrieben hatte, am Dienstagabend erlegen. Nur M Jähre ist dieser Kraftmensch alt geworden, der berufen schien, seine großen Talente noch zu höherer, künstlerischer Vollendung zu führen, als seine leiden- schastlich- wilde, ungestüme, ungebändigte Natur es ihm bisher gestattet hatte.' MatkowSky, der am 8. Dezember 1838 in Königsberg geboren war, schien wie nur irgend einer zum Schau- spieler von der Naiur bestimmt. Schon als Junge hatte er zum Zirkus gehen wollen. Als er dann später in Berlin die Realschule besuchte, wurde ihm mit einmal, als er den„Hamlet" gesehen hatte, sein Beruf klar. Er nahm Unterweisung und kam dann mit seinen zwanzig Jahren bereits ans Dresdener Hoflheatcr, später wurde er von Pollini nach Hamburg entführt und seit 1839 gehörte er dem kgl. Schauspielhause an. Die kraftvolle Gestalt, die strahlende Erscheinung, ein mächtiges, dabei klangvolles Organ boten Matkolvsky alle physischen Mittel, um ihn zum traditionellen Helden und Liebhaberdarstellcr zu prä- destinieren. Dabei war er voll sinnlicher Leidenschaft, ei» Drauf- gänger und Stürmer, elementar und robust. Viele» von uns ist er zu viel Komödiant alter Schule gewesen, ein brüllender Tenor und Berserker. Aber es war doch so viel hinreißende Natur und Pracht- volle Wildheit in ihm, daß man des„ganzen Kerls" froh werden konitte. Als„Don Carlos".„Mortimer",„Romeo",„Karl Moor".„Beaumarchais" hat er viele seiner Zeitgenossen entflammt und entzückt. Aber er blieb ein Wildling. de» niemand bändigte, bis er von selber den Weg zu ruhigerer, männlicher Kraft suchte. Im klassischen Drama fand er die Aufgaben, in denen seilt Temperament sich ausleben konnte. Vieles Iviickie ihn» noch, aber nun zerrann ihm sein Leben, das er wohl auch nicht immer bändigen konnte, gerade da, wo er hätte zur Reife schreiten sollen. SonntagSschnee und Wochruschnee. Die chemische Unter- snchung deö geschmolzene» Schnees zeigt deutlich, wie sehr der Schnee luftteinigend wirkt. Deshalb gestatten diese Analysen natürlich auch einen Schluß ans den Reinheitsgrad der Luft. Das Untersuckiungslaboratorium des Londoner Lancct hat diese Erfahrung zum AuSgaiigspunkt eines höchst lehrreichen Vergleiches der Rein- heit der Luft am Sonntag und an Wochentagen genommen. Es ist klar, daß am Sonntag, wo weit weniger Fenerstelle» brennen und auch viele andere Quellen der Luftveruureuiigung versiegen, das Schmelz- waiier des Schnees weit reiner sein muß als sonst. Die ver-t Offizierskreissn zu demokratisch zu sein.(Lachen und Unruhe rechts.) Ich kenne viele Leute, die von den Turnstunden beim Militär her einen wahren Abschen gegen das Turnen bekonimen haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mit den vom Militärkabhiett gepflegten Grundsätzen hängt die Bevorzugung des adligen Elements zusammen. worüber der Oberst Gädke, mit dem wir ja gewiß nicht sympathisieren, ein treffliches Material zusammengetragen hat.— Kollege v. Liebert meinte, das deutsche Offizierkorps sei aus einem Gusse. In bezug auf die Tüchtigkeit stimmen wir dem zu, in bezug auf die Behandlung ist es aber nicht der Fall, und tvir verlangen im Interesse der Armee eine gleiche Behandlung aller Offiziere.(Sehr richtig I bei den Frei- sinnigen. Abg. Kopsch: Sehr gut! Heiterkeit.) Das Verlangen der Bekanntgabe der Qualifikation der Offiziere ist berechtigt und ebenso gut durchführbar wie bei den Zivilbeamten. Herr v. Oldenburg meinte im vorigen Jahre, der Ofstzier stehe in einem persönlichen Ver- hältnis zum König.(Abg. v. Oldenburg(k.): Sehr richtig!) Wir geben das zu, aber das Verhältnis ist nicht nur ein persön- liches, sondern der Offizier ist auch Staatsdiencr und muß durch konstitutionelle Garantien geschützt werden, wenn er nicht auf die Stufe des blödesten Lakaien herabfinken soll.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Die Fälle Dicterici und Bismarck machen eS uns zur Pflicht, eine Reform der militärischen Ehrengerichte zu verlangen. Die Bevorzugung gewisser Stände und der Mangel an Rechts- garantien ist es, was unsere jungen Leute von der Offizierskarriere abschreckt. Wir behaupten, der Kriegsmiuistcr wird weit kommen, welcher dem Offizierstand die notwendigen Garantien schafft. Wir lehnen jede verfassungswidrige Ausdehnung der Kommandogcwalt ab.(Lebhafter Beifall bei den Freisinnigem) Kriegsminister v. Einem: Der Vorredner stellte an die Spitze seiner Ausführungen den Satz, seine Partei würde unter allen Umständen für die Schlag- ferligkeit und Kriegsbereitschaft der Armee eintreten. DaS war mir angenehm zu hören. Aber dann sprach er von einer Herabsetzung der Präsenzstärke und von einer weitgehenden Beurlaubung. Wie das mit der Kriegsbereitschaft sich verträgt, verstehe ich nicht.(Zu- stimmung rechts, Widerspruch bei den Freisinnigen.) Der Abg. Häusler hat eine Reihe von Fragen berührt, an denen ich nicht vorübergehen kann. Der„Vorwärts" hat ja heute schon geschrieben, ich hätte gestern geschwiegen und mit einer gewissen Nonchalance an den Aus- führungen vorbeigehen wollen, nun hätte aber das Militärkabinett wohl gesagt: Einem, vor die Front! Das ist ein ungewöhnlicher Unsinn; ich bin ein vollkommen selbständiger Mann, der allein und auS eigener Entschließung beurteilt, wann und wie er reden wird. Herr Häusler sprach von dem Exerzierreglement; wir niüffen an der zweijährigen Dienstzeit festhalten, um dem Mann den Dienst so beizubringen, daß er ihn gleichsam automatisch versieht und auch für die Zeit der Reserve und Landwehr beibehält. Bezüglich der Kavallerie sagte Herr Häusler, das Feuer beherrsche heute die Schlacht. Ich gebe ihm das alles zu. Aber weiß er nicht, welche Aufklärungsarbeit durch die Kavallerie vor der Schlacht not- wendig ist. Er wies daraus hin, daß der Kriegsminister in Frank- reich, wo bei der Kavallerie die zweijährige Dienstzeit besteht, ge- sagt hat, an der Grenze kann die Kavallerie in jedem Augenblick zu Pferde steigen. Aber fragt mich nur nicht, wie. Frankreich steht mit seiner Kavallerie in den größten Schwierigkeiten.(Zustimmung rechts.) Herr Häusler sagte, tie Armee interessiert sich nicht für die militärische Jugenderziehung. Woher weiß er das? Die Armeeverwaltung interessiert sich außerordentlich für die militärische Jugenderzichnug; ich hoffe, daß wir dahin kommen werden, daß ein recht eifriger Turnunterricht stattfindet und der Sport fleißig gepflegt ivird. Ich hoffe, daß hier auch auf dem Wege der Fortbildungsschule in der bösen Zeit nach der Schulentlassung etwas erreicht wird.(Zu- stimmung.) Herr Häusler hat auch über den Luxus in den Offizierkasiiios gesprochen. Ich würde mich freuen, Ivenn die Armee sich noch mehr des Luxus enthalten hätte, als es in der Mehrheit der Fälle Gott gleichenden Analysen ergaben tatsächlich, daß die Menge der in der Luft schwebenden festen Teilchen: Staub, Kohle, Teer usw. am Sonntag nur etwa ein Fünftel von der gewöhnlichen betrug, die Menge der gelösten Mineralstoffe nur die Hälfte, und die der organischen Substanzen weniger als ein Drittel, während der Schwefelsäuregehalt fast gänzlich verschwand. Ammoniak und Salzgehalt zeigten gleichfalls eine geringe Abnahme. Insgesamt enthielt der c-sonntagsschnee rund ein Fünftel der gewöhnlichen Aerumeinigungen. Besonders bemerkenswert ist das fast völlige Fehlen der Schwefelsäure, das im Verein mit dem übrigen Befnnd deutlich erkennen läßt, daß die Großstadtluft vornehmlich durch Kohlendunst verunreinigt ist. Nichts- deftowcniger ergab sich, daß auch der sonntägliche Schneefall, der das Material zu den Versuchen lieferte, auf die Oberfläche der Graf- schast London nicht weniger als 1S00 Zentner fester Körper in Löfmlg, 2310 Zentner suspendierter Stoffe, 200 Zentner Kohle, 300 Zentner Salz und 20 Zentner Ammoniak niedergehen ließ. Eine Erweiterung dieser Versuche verspricht praktisch wertvolle Ergebnisse und sollte überall gefördert werden. Humor und Satire. Das Kriegsspiel. Der Konflikt wird zugespitzt... Schon gelang cS ihn zu lösen... Die Gemüter sind erhitzt... Nie sind sie so kühl gewesen. t. Wie im Fieber rüstet man... Nein, man ist noch sehr gemütlich„.» Stur mit Blut und Eisen kann.., Nächstens einigt man sich gütlich.», Sicher geht cS morgen loS... Krieg? Den gibt es keines Falles«» � Gestern ein Zusammenstoß... Tief im Friedeil ist noch«lleS.., Und so wechselt das Gerücht, und die Zukunft liegt im Dunkeln; nichts gewiffcs weiß man nicht, doch ich hörte etwa? mnnkeln, daß sich die bewußten AaS- geier erst noch einigen wollen, wie sie den erhofften Fraß unter sich verteilen sollen. Franz. Notizen. — Die Neue freie Volksbühne hat für daS im September beginnende 20. Spieljahr außer den bisherigen Theatern auch noch das Kleine Theater, die Kammerspiele und daS Metropol- Theater fest hinzugepachtct. Die Pachtsumme beträgt jährlich annähernd eine halbe Million Mark.— Im Motropol- Theater wird besonders das Lustspiel und die Gesangöposse eiueS Raimund, Neftroy usw. gepflegt werden.— Weiter sollen allwöchentlich Konzerte veranstaltet werden, in denen besonders die Kammermusik gepflegt werden soll.— Die Lese�bcnde sollen fortgesetzt und durch Abende, die der bildenden Kunst gewidmet sind, erweitert werden. wir heruntergekommen. So hat er tei Dank der Fall ist. Aber der Verallgemeinerung des Abgeordneten in welcher der Kriegsminister um eine Dentschrift für die Dienstzeit| General wurde, von Neisse nach Flensburg bersetzt, obwoh Häusler muß ich widersprechen. Die Mehrzahl der Kasinos find der Kavallerie ersucht wurde, hatten wir keinen Zweifel darüber, auch in Neiffe Die Stelle Des Brigadegenerals frei durchaus einfach( Sehr richtig! rechts); wo sie etwas luguriöser ein- wie sie ausfallen würde. Heute liegt sie vor, und der Kriegss wurde! Dorthin kam ein Offizier aus Trier. Soll das etwa gerichtet sind, beruht dies meist auf Geschenken früherer Offiziere.-minister stellt sich auf den Standpunkt, daß die zweijährige einen Einfluß auf die Schlagfertigkeit der Armee ausüben? Herner hat Herr Häusler von kostbaren Geschenken an scheidende Dienstzeit bei der Kavallerie nicht möglich ist. Wir fürchten, daß Gerade bier wäre bei den großen Kosten, mit denen die Umzüge Borgefekte gesprochen. Solche Geschenke find wohl überall üblich; er fie als Kompenfationsobjekt für die nächste Militärvorlage haben verbunden sind, Sparsamkeit doppelt notwendig. Die aber gerade bei der Armee sind sie meist sehr einfach. will.( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) ,, Germania" hat lezzthin den Fall eines Dffiziers veröffentlicht, der Ferner sprach er vom Repräsentieren. Ein Repräsentieren über das Der Kriegsminister hat erklärt, die Heeresverwaltung habe ein 1884 in Berlin bei einem Garderegiment eintrat, 1897 in ein SeeEinkommen hinaus ist eigentlich eine Dummheit. Eine Notwendig großes Interesse an der förperlichen bataillon fam, wo er bis auf die Stiefel neue Ausrüstung brauchte. feit, das zu tun, liegt für feinen Menschen in der Armee vor.( Hört! Ausbildung der Jugend. Wenige Jahre später fam er nach Hamburg, 1902 fam er in ein Kavalleriehört! rechts. Buruf im Zentrum.) Der kommandierende General muß selbstverständlich Gesellschaften geben, ich spreche hier von weiß ich, daß man Ich weiß nicht, wie sich dieses Interesse betätigt, aber das reginient, und zwar ein Ulanenregiment, wo er wieder neue den Arbeiterturnvereinen jede mögliche brauchte also nochmals neue Ausrüstung. Dann ging er nach Ost Ausrüstung brauchte. Dann fam er als Dragoner nach Gnesen, Untergebenen, welche Vorgefeßte einladen sollen. Des- weiß ich, daß man halb war es nicht schön von Herrn Häusler, zu sagen: Repräsentation Schwierigkeit bereitet und daß man einen Fußballklub vom asien, wozu er wieder neue Ausrüstung brauchte. Nach der Rückkehr ist notwendig, um Starriere zu machen. Wäre das der Fall, so wären Tempelhofer Felde verjagt hat, weil unter seinen Witgliedern wurde er blauer Husar in Mainz, dann wurde er grüner Husar Sozialdemokraten waren.( Hört! hört! bei den Sozialdemos in Stendal und schließlich Krefelder Tanzhufar.( Heiterkeit.) Herr Häusler fagte, es feien Unterschlagungen ganzer Wagen- fraten.) Es hat mich gewundert, daß der Striegsminister bestritt, ladungen vorgekommen. Ich kenne solche Fälle nicht. Wenn man daß in den Offizierlafinos großer Lurus getrieben werde. Es liegen doch eine Reihe von Bublifationen namentlich auch von früheren in wenigen Jahren annähernd 30 000 M. für Uniformen doch eine Reihe von Publikationen folche für die Armee beleidigenden Anflagen ausspricht, so sollte man Offizieren vor, die auf diesen Lugus hinweisen.( Buftimmung ausgeben müssen. auch sagen: da und da ist es vorgekommen.( Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) rechts.) Herr Häuster und Herr Müller Meiningen haben auch Jahre vorgebracht wurden, fagte Als einzelne Fälle im vorigen Das ist des Guten doch wohl zuviel. er wisse von diesen Gestern haben wir aus Zentrumstreifen eine außerordentlich beanstandet, daß die Qualifikationsberichte geheim sind. Es scheint mir, daß vor allem, was geheim iſt, eine eigene Scheu vorliegt.ie auf Wahrheit beruhen. Fällen nichts, und späterhin stellte fich heraus, daß interessante Rede gehört. Der frühere General Häusler ist ( Sehr richtig! links und im Zentrum.) Aber ohne vertrauliche Behander von diesem Lugus nichts weiß, fo Wenn er auch heute fagt, daß jedenfalls ein genauer Kenner des Militarismus. Wir unterschreiben Lugus nichts weiß, so ist das also fein vor allem seine Ausführungen über den Drill, dem die Soldaten Tung mancher Dinge tommt man im praktischen Leben nicht aus. Unter besonderen Berhältnissen kann der Inhalt der Qualifikations- bei den Sozialdemokraten.) Weiter sagte der Kriegsminister, es die fräftig gegen ihn Stellung nahmen: Herr v. Liebert und Graf Beweis, daß der Lugus nicht statt hat.( Sehr richtig! unterworfen find. Freilich erschienen sofort givei andere Kollegen, berichte auch dem Offizier mitgeteilt werden, wenn er seine Stellung scheine eine Scheu vor allem, was geheim ift, zu bestehen. Wir Oriola. Wäre es mit Redensarten getan, so hätte Graf Oriola einen nicht mehr erfüllen fann. Da hatte mein Oberst einen lockeren begreifen diese Scheu, es tönnten dort im geheimen Urteile gefällt glänzenden Sieg über Herrn Häusler davongetragen. Aber Herr Leutnant, Er lieft ihm seinen Qualifikationsbericht vor. Was fagen Sie mm? fragt er. Nun, diefer Leutnant war ein Mann werden, von denen der einzelne Offizier nichts wisse und von Häusler braucht es nicht tragisch zu nehmen, daß man ihm vorwarf, von Selbsterkenntnis. Here Dberft, fagte er, ich hätte gedacht, er es völlig in der Hand hat, ihn so au qualifizieren, daß er aur guter Gesellschaft, jedenfalls in befferer, als in der des Blockdenen seine wirtschaftliche Existenz abhängt, weil der Vorsitzende er ziehe mit Bebel an einem Strange. Er befindet sich da in sehr wäre noch schlechter.( Stürmische Heiterkeit.) Solche Selbsterkenntnis Beförderung nicht geeignet ist. aber ist selten. Und nun wird gefordert, der einzelne soll sich durch diese geheimen Qualifikationsberichte der Schifane und in der Zeit des rauchlosen Pulvers möglichst einfache Uniformen notEs ist fein gweifel, daß liberalismus. Vor Jahren schon hat Bebel darauf hingewiesen, wie über den Qualifikationsbericht befchiveren dürfen. Ich weiß nicht, der Willtür Tür und Tor geöffnet ist und daß Schikane wendig find. Damals lächelte man am Bundesratstische überlegen. wie das gemacht werden soll. Es ist ja ganz undenkbar, und Willkür auch ausgeübt werden. daß über diese Qualifikationsberichte im Offizierstorps gesprochen Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister hat hier ein nettes Ge- damals forderte. Vielleicht geht die Militärverwaltung noch auf ( Sehr richtig! bei den Heute ist aber für den Ernstfall die Uniform eingeführt, die Bebel werden könnte. Damit würde nur Unruhe und Disziplinlosigkeit im Offizierkorps entstehen.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Würden die ständnis gemacht. Er sagte, wenn diese geheimen Berichte beseitigt mehr sozialdemokratische Vorschläge ein, man fann ja nie ausQualifitationsberichte veröffentlicht, so würde die Folge sein, daß werden, so würde man genötigt sein, neben der öffentlichen Lifte lernen.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) noch eine geheime zu führen. Das läuft auf eine Spigelei beim neben diefen öffentlichen Qualifikationsberichten noch andere bestchen Heere hinaus.( Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wiederherstellung gestrichener Positionen angefündigt. Das ist ja Der Abgeordnete v. Bhern hat heute schon wieder Anträge auf würden!( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Oberst würde eben gefragt werden, Sie haben den Der Kriegsminister ist auch auf der Jammer: Wenn einmal die Kommission Abstriche vornimmt, Offizier ja sehr schön qualifiziert. Aber wie ist die Frage der Bevorzugung des Abels in der Armee tommt das Plenum und beseitigt sie wieder!( Sehr wahr! bei den er benn eigentlich?( Seiterkeit und hört! hört!) Ich er eingegangen. Indem er fagte, mit den rein adeligen Regimentern Sozialdemokraten.) Jo kann bezeugen, daß das Bentrum viele Abinnere Sie an die Vorgänge in einem Nachbarlande. Da wurden folle gebrocheen werden, hat er zugegeben, daß Regimenter mit rein striche in der Kommission beantragt hat. Wir haben es dabei die Qualifikationsberichte nicht von den Vorgesezten, sondern von adligen Offizierstorps bestehen. Wenn er aber bestreitet, daß der unterstügt, aber die anderen Parteien ließen es im Stich. ganz anderen Leuten erstattet. Die Offiziere wurden beurteilt nach Adel bevorzugt wird, so ist das nicht richtig. Genau wie beim Aus-( Sehr wahr im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Und ihrer religiösen und politischen Meinung.( Sört! hört! rechts.) Erst wärtigen Amt herrscht auch bei der Armee eine Bevorzugung des Abels. schließlich: Wenn wirklich einmal auch das Plenum Abstriche vornimmt, der neue Kriegsminister entdeckte den Stein der Weisen und sagte: Dabei finden wir in den bevorzugten Regimentern eine Anzahl von so werden die gestrichenen Summen doch verausgabt und erscheinen Ich will die Offiziere nach ihrer dienstlichen Qualifikation an- Brinzen, die durch ihre Repräsentationspflichten während eines großen bann als Etatsüberschreitungen!( Sehr wahr! bei den stellen. Diesen Stein der Weisen haben wir seit hundert Jahren in Teiles des Jahres dem Dienste entzogen werden. Ein solches Regiment Sozialdemokraten.) Bir Sozialdemokraten nehmen eine andere fann sicherlich nicht schlagfertiger sein als eins mit einem bürger- Stellung gegenüber dem Militarismus ein. Nicht um einzelne Herr Müller Meiningen hat lichen Offizierforps.( Buftimmung bei den Sozialdemokraten.) Pofitionen handelt es sich für uns; wir lehnen den ganzen Militärdie staatsrechtliche Stellung des Kriegsministers Merkwürdig ist eins: Der Abel verschwindet desto mehr, je näher die etat ab, weil wir Gegner des ganzen Militarismus find. Und wir besprochen. Ich bin hier als Bundesratsbevollmächtigter. Ich bin Regimenter an der Grenze und in fleinen Garnisonen liegen. Wir sind Gegner des Militarisumus, weil wir ihn für verhängnisvoll für nicht der Bertreter des Reichskanzlers und nicht finden den Adel hauptsächlich in den großen Städten. Es ist ja auch unsere Nation halten.( Lebh. Buftimmung bei den Sozialdemokraten.) nicht der Vertreter des Reichskanzlers und nicht fein Untergebener, ich bin nur in Etatsfragen auf Tatsache, daß die Verfegung eines Offiziers aus der Garde in ein Diefe unsere Auffassung hat neuerdings eine bedeutsame Bestätigung ihn angewiesen. Das beruht eben auf unseren bundesstaat- Linienregiment in Offizierstreifen als Strafe aufgefaßt wird. erfahren von einer gewiß unverdächtigen Seite. Es handelt sich unt die Neujahrsansprache des Kaisers an die kommandierenden lichen Einrichtungen, und daran wird sich nicht gut etwas ändern Offiziertorps als Strafe empfindet, so beweist das, daß wir eben Wenn aber ein Adliger seine Versegung in ein start bürgerliches lassen. Nun meinte Herr Müller- Meiningen, es wäre schlimm, wenn sich die komunandierenden Generäle dirett an den Chef des Militärzwei Arten von Offizieren fabinetts wendeten, ich hätte dann gar nichts mehr zu fagen. Nun, haben.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei den tech- Rede, sondern um die Verlesung eines Artikels des Grafen Schlieffen es ist noch nicht vorgekommen, daß irgend ein kommandierender nischen Truppen ist der Adel außerordentlich schwach vertreten. handele. Hoffentlich hat das Kriegsministerium diesen Artikel geGeneral gegen das Kriegsministerium als die höchste Verwaltungsstelle Da müffen die Offiziere allerdings sehr viele Kenntnisse haben, sehr lesen oder werden auch dort, wie anderswo, solche Artifel remonstriert hätte. Wenn aber ein kommandierender General fleißig sein und viel arbeiten. Und das mag zu den Gewohnheiten von einem Geheimrat zum anderen geschoben?( Seiterfeit und Sehr remonstriert, dann wendet er sich nicht an den Chef des Militär- des Adels nicht paffen.( Sehr richtig! bei den Soziald.) Jedenfalls gut! bei den Sozialdemokraten.) Graf Schlieffen gibt in dem Artikel fabinetts, sondern an den König von Preußen.( Rufe lints: Das ist es Tatsache, daß bei den Reiterregimentern in Berlin fehr viele unserer stets vertretenen Auffassung recht, daß der Strieg bon 1870/71 ist ja dasselbe!) Nein, es ist nicht dasselbe. Wenn aber Herr Adlige find, bei den technischen Truppen sehr wenige. Der Kriegs- die Ursache des latenten Kriegszustandes gewesen sei.( hört! hört! Müller- Meiningen das bedenklich findet, dann muß er den König minister sagte, bei der Beförderung ist nur die Fähigkeit bei den Sozialdemokraten.) Deutschland hat das System des Wettvon Preußen als Kriegsherrn ausscheiden.( Unruhe bei den Freis maßgebend, niemals die adelige Abstammung. Ich habe hier eine rüstens über Europa gebracht!( Sehr wahr bei den Sozialdemo finnigen. Bravo! rechts.) Liste, welche zeigt, daß der Adel und die Bürgerlichen sich bis zum fraten.) Hinterdrein kommt dann im Schlieffenschen Artikel eine SchwarzWas Major etwa die Wage halten, während dann der Adel überwiegt. malerei, deren augenscheinlicher Zwed ist, Stimmung für eine neue Heeresvorlage zu machen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) die Frage der Berücksichtigung des Adels Es sind Nach unwidersprochenen Zeitungsnachrichten soll damals ein fomanlangt, so haben in der Tat gewisse Garnisonen und Regimenter bei der Infanterie 1852 ablige, 2949 bürgerliche Leutnants, 631 mandierender General die beachtenswerte Aeußerung getan haben, begonnen, nur ablige Aspiranten anzunehmen.( hört! hört! links.) ablige, 1467 bürgerliche Oberleutnants, 945 adlige, 1542 bürger- daß der Kaiser sich auf die Armee unter allen Umständen Ich bin damit in feiner Weise einverstanden. Hier muß Abhilfe liche Hauptleute, 501 adlige, 512 bürgerliche Majore, 109 adlige, verlaffen fönne!( Sört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Was ist geschaffen werden.( Bravo 1 links.) Es würde nur zum Schaden der 105 bürgerliche Oberstleutnants, 139 adlige und nur 65 bürger- das anderes als eine Anspielung auf die Vorgänge im Oktober Armee gereichen, wenn man Regimenter erster und zweiter Selaffe fiche Obersten, 75 adelige und 31 bürgerliche Generalmajors, vorigen Jahres?( Sehr wahr! bei ben Sozialdemokraten.) Solche auffommen lassen wollte. Die Regimentsfommandeure sollten nicht 44 adelige, 7 bürgerliche Generalleutnants, 30 adelige und 8 bürger- Aeußerungen sind vergeffen, was die bürgerlichen Offiziere ihrer Regimenter vor dem liche Generale der Infanterie, 1 Generaloberst und 1 GeneralFeinde geleistet haben; ihr Verhalten paßt nicht in die allgemeine feldmarschall, die beide dem hohen Adel angehören. Preußen.( Ünruhe links.) Generale. Es kam bekanntlich nachher heraus, daß es sich nicht um eine eine Provokation der großen Mehrheit des Voltes, Wehrpflicht. Gewiß ist die Geschichte der preußischen Armee auch die Es ist doch auffallend, daß die bürgerlichen Offiziere es nicht und nur dazu angetan, die tiefe Kluft zwischen Armee und Nation Geschichte des Adels, der Gut und Blut für das Vaterland geopfert über den Major hinausbringen; fie bekommen den blauen Brief, wenn noch mehr zu vertiefen.( Sehr wahr! und lebhafte Zustimmung links.) hat.( Stufe bei den Sozialdemokraten: Jena!) Diese Geschlechter fie bis zum Major fommen. Will man etwa behaupten, daß der adelige Von bürgerlicher Seite wird eine Einschränkung der Ehrensind auch heute noch die Quellen eines tüchtigen Offizierserfages. Offizier tüchtiger ist als ber bürgerliche? Die Geschichte lehrt gerade Berichte verlangt. Wir berlangen nicht eine Einschränkung, Aber sie wollen gar nicht, daß das bürgerliche Element zurück- das Gegenteil.( Lebhafte Zustimmung links.) Richtig ist allerdings, sondern eine gedrängt wird.( Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Abg. daß ein bürgerlicher Offizier, wenn er es zum General bringt, ge Abschaffung der Ehrengerichte, b. Biberstein[ f.]: Sehr wahr!) Es ist jedenfalls nicht adelt wird, und die bürgerliche Presse berichtet dann, er sei dieser modernen Femgerichte.( Lebhafte Bustimmung bei den wahr, daß der Adel beim Avancement bevorzugt wird.( Lachen in den Adelsstand erhoben, und merkt gar nicht, wie sehr sie sich Sozialdemokraten.) Von der verhängnisvollen Wirkung der Ehrenbei den Sozialdemokraten.) Das muß ich besser wissen. selbst damit ironisiert. Wir erblicken in der Adelsklasse teine gerichte haben wir neuerdings mehrere Beispiele erlebt. Ich erinnere Ich hoffe, daß der Abg. Müller- Meiningen die Behauptung zurüd besondere Klasse, die besondere Rechte zu verlangen hat.( Lebhafter an den nimmt, daß die sogenannten leichteren Abteilungen im Generalstab Beifall lints.) Wenn der Kriegsminister ebenso wie im vorigen Jahre Fall des Leutnants v. Bismard, den Adligen vorbehalten, die schwierigen den Bürgerlichen überlassen Herr v. Oldenburg- Januschau ein Loblied auf den Adel gesungen der in der Straßenbahn einen Zusammenstoß mit einem Bibilisten. werden.( Lebhafte Zustimmung rechts, Nufe links: Nein!) Man hat, der alles dem Vaterlande geopfert, so müssen wir doch fragen: darf doch nicht tüchtig mit bürgerlich, untüchtig mit adelig gleich- Hat denn der Abel allein die Schlachten geschlagen und die hatte. Wenn der Leutnant v. Bismarck den Zivilisten niedergebrüfe stellen. Wenn man unter den Generalen wenig bürgerliche Soldaten dazu nicht gebraucht? Wir wenden uns gegen diese Herbor- wigt hätte, so wäre ihm die vorläufige Dienstentlassung erspart Namen findet, so kommt das daher, daß tüchtige Offiziere vielfach hebung des Adels im Gegensatz zu dem Bürgertum, das sein Blut auch worden.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere geadelt werden. Nicht der Adel wird bevorzugt, sondern auf dem Schlachtfeld hat lassen müssen.( Lebhafte Zustimmung links.) ferner an den außerordentlich tragisch verlaufenen tüchtigen bürgerlichen Offizieren verleiht die Gnade Sr. Majestät Wenn der Striegsminister fagt, daß er den Adel nicht bevorzugt, so den Adel.( Bravo! rechts.) Nun zum Militärkabinett. mag das zutreffen, weil die Beförderungen gar nicht seine Sache find, sondern Sache des Militärkabinetts. Wenn er sagt, das Militärfabinett sei außerordentlich zurückhaltend und bescheiden, so sagen Renner der Verhältnisse etwas ganz anderes: sie behaupten, daß das Militärkabinett eine Art militärischer Nebenregierung demokraten.) Fall des Bürgermeisters Dieterici im Altenburgschen: Der Bürgermeister, der Reserveoffizier ist, hatte einen anderen Reserveoffizier, der sich ungebührlich benommen hatte, vom Rathaus gewiesen und dann eine Forderung verständigerweise Die verfaffungsmäßig gegengezeichnete allerhöchste Kabinettsabgelehnt. Es fand sich irgend ein Offizier, der den Denunzianten order vom 18. Januar 1861 befreit die Ernennung, Versetzung machte.( Bfui! links.) Der Bürgermeister Dieterici wurde aus dem und Verabschiedung der Offiziere, als Ausfluß der Kommando fei.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister Tod getrieben.( hört! hört! links und im Zentrum.) Der vom Reserveoffiziersstande ausgestoßen und durch Zurüdseßungen in den gewalt, von der Gegenzeichnung. Die Verfassungsmäßigkeit hat in die Privatverhältnisse gar nicht hineinzureden. Nicht er ent- Rathause gewiesene Offizier wurde ja auch zur Entlassung genötigt, dieser Kabinettsorder tann nicht bestritten werden. In fcheidet über die Beförderungen und Verabschiedungen, sondern das die Reichsverfassung ist die Kommandogewalt des preußischen Königs Militärtkabinett. Aber er ist dem Reichstag für alle Maßnahmen der Ver- aber der Denunziant trägt noch heute meines Wissens den angeblich im vollen Umfang übernommen worden. Gewiß engen die Militär- waltung, auch für die des Militärkabinetis verantwortlich, und hat hier vornehmsten Rock.( Sehr gut! und hört! hört! bei den SozialKonventionen mit den übrigen Bundesstaaten und das verfassungs- etwas zu verantworten, wofür er eigentlich nicht verantwortlich gemäßige Budgetrecht des Reichstags die unumschränkte Verfügung des macht werden kann. Wir flagen, daß der Pensionsfonds von Jahr feineswegs gefehlt. An drakonischen Militärgerichtsurteilen hat es in der letzten Zeit Kaisers über die Armee ein; aber die unmittelbare Kommando- zu Jahr größer wird. Das ist wesentlich auf die Tätigkeit des feineswegs gefehlt, Vor allem hat sich wieder die Notwendigkeit gewalt wird dadurch nicht betroffen und Ernennung, Versetzung und Militärkabinetts zurückzuführen. Nach den großen Herbstmanövern gezeigt, mit der albernen Bestimmung zu brechen, daß Reservisten Berabschiedung der Offiziere fließen aus ihr. Das Kriegsministerium und werden regelmäßig eine ganze Anzahl von Dffizieren, die noch acht während des ganzen Tages, an dem die Kontrollversammlung stattder Generalstab, zu dem der Weg durch die Kriegsakademie erfolgt, find Tage vorher völlig gesund waren, auf Befehl von oben von einer findet, unter dem Militärrecht stehen. In Würzburg geraten beim durchaus in der Lage, die Auswahl und Verwendung der Offiziere Krankheit" befallen und müssen in den Ruhestand treten. Die stroßzende Rückweg von der Kontrollversammlung ein Bauer und sein Knecht zu bestimmen. Von Willkür und von der Abhängigkeit der Offiziere Gefundheit mancher dieser Herren möchte man einem arbeitenden in Streit; es trifft sich zufällig, daß der Knecht der militärische bom Militärkabinett zu sprechen, scheint mir also eine große lleber- Proletarier wünschen, der zur Pension beitragen muß.( Sehr Bauer dem Vorgesetzte des Bauers war. Zu Hause bersezte der Knecht einen Stoß. Er wurde dafür vor treibung. wahr! bei den Sozialdemokraten.) In neuester Zeit sind die ver Es soll nicht geleugnet werden, daß der Kriegsminister einmal abschiedeten Offiziere offenbar auch zum Kampf gegen die Sozial- das Kriegsgericht zitiert!( Hört! hört! links.) Das Kriegsgericht mit dem Chef des Militärkabinetts Differenzen haben fann. Solche demokratie gerufen. Ueberall findet man an der Spige von solchen erklärte sich allerdings verständigerweise für unzuständig, aber Differenzen kann er aber auch mit dem Chef des Generalstabes oder Vereinen verabschiedete Offiziere, die ihre Tätigkeit gegen den bas Reichsmilitärgericht hob dies verständige Urteil auf!( Lebhaftes mit einem anderen General haben. Die Entscheidung muß dann Teil der Bevölkerung richten, der bei der Berteuerung der Hört! hört! links.) Ich selbst habe einmal ein interessantes Erempel natürlich bei Sr. Majestät liegen. In meiner Zeit hat das Militär- Lebensmittel ihre Pension mit aufbringen muß. Besonders nobel angestellt. Ich zog, als ich zur Kontrollversammlung beordert fabinett nie in mein Ressort eingegriffen. Ich habe z. B. mit meinem ist das gerade nicht.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Mit wurde, vorher bei allen Instanzen Erkundigungen ein, ob ich an verstorbenen Freunde, dem Chef des Militärkabinetts, Grafen Häfeler, bem gegenwärtigen System der Pensionierung muß gebrochen werden. bem Tage selbstredend nach Schluß der Kontrollversammlungin voller Harmonie gearbeitet. Der Offizier, der sich zur Beförderung nicht eignet, muß an seiner meinem Berufe als Redakteur obliegen tönne. Es ist hier sehr viel Kritik an unserer Armee geübt worden. Stelle bleiben, folange er gefund ist. Ein Arbeiter kann sich auch wurde mir die falomonische Entscheidung zuteil, ich fönne an jenem Aber im Sterne ist unser Heer gesund und tüchtig, und unsere Nation nicht pensionieren lassen, weil ein jüngerer Arbeiter Wertmeister Tage schreiben, was ich wolle, aber was ich gefchrieben, stehe dann Im Schatten unseres ruhmreichen Heeres fann der Staatsbürger den fein jüngerer Kollege Bureauchef geworden ist.( Buftimmung bei mit der militärischen Ausbildung nicht das geringste zu tun haben. hat allen Grund, stolz auf sie zu sein.( Lebhafte Zustimmung rechts.) wird, und fein Brivatbeamter fann pensioniert werden, weil etwa unter der Militärgerichtsbarkeit!( Schallende Heiterkeit.) Fortgesetzt werden Soldaten zu Beschäftigungen verwandt, die Beschäftigungen des Friedens nachgehen.( Lebhafter Veifall rechts den Sozialdemokraten.) Das Militärkabinett ist auch an den massen- mit der militärischen Ausbildung nicht das geringste zu tun haben. und bei den Nationalliberalen.) Da benutzt man Soldaten, um Wege durch Wälder zu hauen, als ob es haften feine Waldarbeiter gäbe; da verivendet man vom Stargarder InfantericRegiment 70 Soldaten als Treiber!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Offfaiere scheinen viele überflüffige Zeit zu haben. Ich las neulich, daß zwei Offiziere als Vortänzer verwandt Abg. Stücklen( Soz.): Versehungen ( Die ersten Ausführungen gehen in der Unruhe des Hauses verloren.) schuld, bei denen ebenfalls mit dem Gelde der Steuerzahler sehr Als der Reichstag im vorigen Jahre eine Resolution annahm, leicht umgegangen wird. So ist ein Infanterieoberft, als er Schließlich Vörden flno.(Schallende Heitcrlekt.) Gehört es auch zum«nilitäri- scheu Dienst, day Offiziere Tanzmeister spielen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Unruhe b. Abg. v. Oertzen(Rp.) Soldaten werden als Kellner in Osfiziecskasinos kommandiert. Und datz es gerade ein martialischer Anblick ist, wenn Soldaten, mit Henkellörben bewaffnet, Einkäufe auf dem Markte für Offiziersfamilien besorgen, wird man auch nicht behaupten wollen.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten und Heiterkeit.) Das; Soldaten während des ganzen zweiten Dienstjahres als Ofsiziersburschen verwandt werden, zeigt, lvie leicht man mit der einjährigen Dienstzeit auskommen könnte. �Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich komme jetzt zu dem wichtigen Kapitel der; Soldatenmis)handlungeu. (Aha! und unartikulierte Lauten rechts.) Als wir in früheren Jahren der parlamentarischen Geschäftslage wegen und weil wir ein gewisse? Zutrauen zur Regierung hatten, das; sie den Misjhandlungen energisch entgegentreten werde, unser Material über die Miffhand- lungssälle nicht �vorbrachicii, behauptet Herr v. Oldenburg schlank- weg, wir besäßen kein Material.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Ach, Herr v. Oldenburg, wir besitzen genügend Material. und zwar solches, das wir ausschließlich aus militärfrommen Blättern entnommen haben I(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Wir können auch leider nicht umhin, unseren großen Glauben an die energische Vekämpfung der Soldatenmißhandlung seitens der höheren Kommandostellen bedeutend eilizuschränke».(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Viel Schuld trägt der Mangel wirklicher Be- Ziehungen zwischen Offizieren und Mannschaft. Dadurch bleiben zahlreiche Uebergriffe der Unteroffiziere den Kompagniechefs nn- bekannt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokr. Widerspruch rechts.) Im Gegensatz zu den drakonischen Urteilen gegen Untergebene sind die Urleile gegen die Soldalenschinder sehr milde. In Düsseldorf wird ein Soldat zu zwei Jahre» sieben Monaten Gefängnis und zur Versetzung in die zweite Klane des SoldatenstandeS verurteilt, weil er in der Kantine über den Durst getrunken und den Unter- osfizier mir dem Schemel geworfen hat. Sein Verhalten ist gewiß' nicht zu billigen, aber die Strafe ist zu hoch. Das Kriegsgericht in Magdeburg verurteilte einen Soldaten zu drei Jahren Gefängnis, weil er einen llnteroffizier auf der Straße gestoßen hat. Sehen wir nun zu. wie Soldatenmißhandlungen„gestraft" werden: In Koblenz hat ein Unteroffizier der Telegraphen- batterie Nr. 2 seine Untergebenen fortgesetzt mißhandelt. Sie mußten z. B. 200 mal hintereinander aufspringen; er ließ ihnen keine Zeit, zu essen; vor dem glühenden Ofen mußten sie den Schemel strecken, bis sie zusammenbräche». Das hat er so monatelang getrieben, und erst als ein Soldat dienstuntauglich wurde, kam die Sache heraus. Ter Vertreter der Anklagebehorde be- antragte gegen den Soldatenschinder sechs Monate Gefängnis. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Gericht verurteilte ihn zu drei Monaten und ließ ihm die Borten!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Er bleibt also Vorgesetzter und kann die Schinderei fortsetzen. Ein Unteroffizier im ßl. Infanterie- Regiment in Breslau wird zu drei Wochen Mittelarrest ver- urteilt. Er hatte einen Soldaten so mit dem Säbel an den Unterleib gestoßen, daß er erkrankte. Anders wird es erst lvcrden, wenn die Militärbehörde jeden Vorgesetzten, der sich an seinen Untergebenen vergreist, als ehrlos behandelt, wie er es verdient.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Noch einige Worte zu dem „Kampf gegen den inneren Feind", der der Armee bekanntlich auch obliegt. Wir haben die unschätz- bare Ehre, dieser innere Feind zu sein.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Freilich ist es ein ungeheurer Widersinn, daß das Volk, welches die Rekruten stellt, welches die Kosten des Militarismus zum größten Teil in der Form indirekter Steuern trägt, als innerer Feind gilt.(Lärm rechts.) Der Herr Kriegs- minister hat schon früher einmal gesagt, daß ein Sozialdemokrat nicht zum Unteroffizier befördert wird. Die Sozialdemokratie im Heere paßt ihm überhaupt nicht; er will lieber gottesfürchtige Soldaten haben. Seine Absichten sind auch in die Praxis über- tragen worden. Kein Soldat wird befördert, von dem bekannt ist, daß er vorher einer freien Gewerkschaft oder gar einem sozial- demokratischen Verein angehört hat. Die Bezirlskommandos schreiben an die Heimatbchörden und erkundigen sich eifrig. So hat sich das Bezirkskommando in Kottbus bei der Heimat- behörde erkundigt, ob ein Gefreiter des Bcurlaubtenstandes. der nach der Uebung zum Unteroffizier befördert werden sollte, auch die rechte königstreue Gesinnung habe. Die Heimatbehörde er- widerte, Nachteiliges sei über den Betreffenden nicht bekannt, er sei nicht bestraft, aber er sei Anhänger der Sozialdemokratie, so daß ihm die königstreue Gesinnung abgehe!(Sehr wahrl rechts.) Nun. Vaterlandsliebe ist etwas ganz anderes als Königstreue. Jeder Sozialdemokrat, der Soldat wird, muß sich also damit ab- finden, daß er die erste Stufe zum Feldmarschall nicht erreicht, daß er nicht Gefreiter wird.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Darüber sind wir freilich weit hinaus. Was Sie aber nicht verhindern können, das ist, daß die Zahl der sozialdemokrati- scheu Soldaten von Jahr zu Jahr mit dem Wachstum der In- dustrie steigt.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Und was wir an Aufklärungsarbeit unter den jungen Leuten leisten können, haben wir getan und werden wir tun. Nur e i n Weg ist für Sie aus der Sackgaffe vorhanden: Sie brauchen bloß zu bestimmen, jeder Sozialdemokrat ist vom Dienst mit der Waffe befreit(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), und Sie sollten staunen, wie viele Sozialdemokraten mit einem Male da wären. Leute aus den allerbesten Kreisen würden, wenn sie für tauglich befunden wären, sofort erklären: Ja, aber wir sind Sozialdemokraten!(Große Heiterkeit.) Die Heeres- Verwaltung muh sich nun einmal uiit der Tatsache abfinden, daß das Heer in steigendem Maße sozialdemokratisch durchsetzt wird. Wir treiben keine Organisation in der Kaserne, wir haben die antimilitaristische Organisation nach französischem Muster ab- gelehnt: wir sagen unseren jungen Leuten: Seid vorsichtig! Denn wir wissen, daß jeder in der Regimentsliste ein rotes Kreuz be- kommt, der als Sozialdemokrat gilt. Eine Anzahl Bekannter von mir sind mit diesem roten Kreuz dekoriert worden(Heiterkeit), und sie haben den Vorteil davon gehabt, daß sie außerordentlich vorsichtig behandelt worden sind, daß man sie vor allem nicht geprügelt hat!(Heiterkeit.) Wenn wir auch keine Organi- sation in der Kaserne treiben, so können Sie uns doch nicht daran hindern, daß wir mit allen Kräften dafür sorgen, daß die jungen Leute Sozialdemokraten sind, bevor sie Soldaten sindl Sehen diese dann, wie man in der Kaserne behandelt wird, sy werden sie wahrlich niemals mehr Nationalliberale werden.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Jetzt werden in der Kaserne Vor- träge über die Sozialdemokratie von Leuten gehalten, die keine Ahnung von der Sozialdemokratie haben. Damit tragen Sie selber die Agitation in die Kaserne. Man macht die Rekruten erst neugierig und veranlaßt sie. ihre Kameraden zu fragen, was denn eigentlich diese verhaßte Partei will. So erreichen Sie das Gegenteil von dem, was Sie beabsichtigen. Jedenfalls wird das Heer in dem Maße, als es mit Sozialdemokraten durchsetzt wird. immer weniger aktionsfähig gegen den inneren Feind. Man wird den Leuten nicht mehr zumuten können, auf Vater und Mutter zu schießen, was sich— nebenbei bemerkt— immer so ausgezeichnet M'i den„christlichen Grundsätzen" verträgt. Sie wert-n uns vor. daß wir immer den Heeresetat ablehnen. Ist das nicht menschlich begreiflich? Sollen wir die Flinten bewilligen, mit denen auf uns geschossen wird? Aber loelchen Eindruck muß es auf das Ausland machen, wcnft fortwährend von dem„inneren Feind" gesprochen wird, der das eigene Volk ist? Muß da nicht der Gedanke entstehen, Teutschland sei am Rande der Anarchie und innerlich nicht so gefestigt, um den Gefahren einer schwierigen Situation zu trotzen?.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten,), Der Militarismus betreibt den Bohkott gegen Gastwirte und Barbiere, wenn sie Sozialdemokraten sind. Ja, selbst dann, wenn diese nur aus Wunsch ihrer Kundschaft sozialdemokratische Zeitungen auslegen. Gerade die Mittelparteiler sollten sich gegen diesen Boykott wenden, der nicht uns, sondern ihre eigenen Mittelständler schlägi. Der Militarismus fördert die Kriegervercine und damit politische Organisationen, die reaktionäre Wahlgruppen darstellen. Beim Kriegervereinsverbandstag in Altenburg war General Wachs angeblich im Auftrage des Kriegsministers an- wesend! Wir fragen, ob er tatsächlich im amtlichen Auftrage atz den Verhandlungen teilgenommen hat. Jedenfalls stellt die amtliche Förderung der Kriegervercine eine politische Agitation dar, die in die Kaserne getragen wird. Wir sind mit anderen Gegnern fertig geworden und werden auch mit den Kricgervereinen fertig werden. Jüngst hat der Kyffhäuser- verband verlangt, daß den Kricgervereinen von der Heeresverwal- tung Gewehre zur Verfügung gestellt würden! Na, dann sollte die Verwaltung schon lieber jedem, der ein Gewehr will, eins zur Verfügung stellen.(Heiterkeit.) Dann hätten wir eine Volks- belvaffnung wie in der Schiveiz. Aber vielleicht bestehen gewiffe Bedenken. Man traut Wohl dem Landfrieden oder uns nicht. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Man wirft uns ja vor, wir seien eine vaterlandswse Partei. Nun, wir kämpfen ehrlich für den Frieden, das stehende Heer aber ist eine fortwährende Fricdcnsgcferhr. Wenn man eine Waffe zur Hand hat, die man jeden Augenblick anwenden kann, dann wächst die Konfliktsgefahr. Vorhin ist erst wieder erklärt worden, man wolle alles tun, um den Frieden zu sichern. Trotzdem hören wir alle paar Monate, wir hätten nahe vor einem Kriege gestanden. Glauben Sie, daß die Arbeiter irgendeines Kulturstaatcs daran interessiert sind, über ein anderes Volk herzufallen? Die Völker haben nie Krieg geführt. die Kriege find stets geführt worden aus dtrnastischcm Interesse oder im Jutcrefse der bcfibenden Klaffen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So lvie wir, denken die Arbeiter aller Militärstaaten: sie sehen im Kriege ein entsetzliches Unglück. Wenn die Völker die Entsdjeidung über den Krieg hätten, so gehörte er längst der Vergangenheit an. Was hat der französische Arbeiter für ein Interesse am Kriege? Unterliegt er nicht derselben Aus- beutung wie der deutsche Arbeiter? Führt er nicht denselben Kampf wie jener gegen die Unterdrückung durch Staat und Bour- geoisie?(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Das arbeitende Volk hat nur einen Feind: das internationale Ausbeutertum, dessen vornehmste Stütze der Militarismus ist, das letzte Mittel gegen das eigene Volk, wenn alle anderen versagen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tie Sozialdemokratie ist nirgends der Feind des Staates, soweit der geographische Begriff in Frage kommt; sie ist stets der Feind der herrschend enKlasse. Diese verfälscht die Begriffe, wenn sie sagt, wir kämpfen gegen das Vater. land. Nicht den Staat als solchen, nein, die Gesellschaft, die in dem Staate herrscht, bekämpfen wir.(Bravo! bei den Sogialdemo- kraten.) Für die arbeitende Klaffe ist das Vaterland heute noch ein Stiefvaterland Wir wollen es für sie zu einem wirklichen Vaterland machen. (Bravo! bei den Sozialdemokralen.) Man höhnt uns, wir wollten, wenn der Krieg erklärt wird erst eine Volksabstimmung veranlassen, ob man sich wehren soll oder nicht. Wenn Deutschland angegriffen wird, dann ist es ganz selbstverständlich, daß es sich zur Wehr setzt. Für einen Angriffs- krieg aber sind die Völker nicht zu haben, wenn bei ihnen die Entscheidung liegt. Wir wollen, daß ei» Volksheer, eine Volkswehr an Stelle des stehenden Heeres tritt. Sie stellen sich darunter wohl so eine Art von Schützcnvercin oder Landsturm vor? Damit beweisen Sie nur, daß Sie den Ge- danken der Volksbewaffnung nicht begriffen haben. Können Sie erwarten, daß das Volk mit Freude und Liebe seine Schuldigkeit tut, wenn es entrechtet wird, wenn es als innerer Feind behandelt wird?(Große Unruhe rechts.) Damit reißen Sie ihm jede Be- geisterung aus dem Herzen. Wir kennen die Stimmung der Masse genau. Es läge im Interesse der besitzenden Klasse, den Bogen nicht allzuscharf zu spannen. Wo steht denn eigentlich der äußere Feind, der Deutschland bedroht? Alle vier Wochen hören wir, wir lebten mit aller Welt in Frieden. Händedrücke und Küsse werde» getauscht und 14 Tage später mehr Soldaten verlangt! Da ist cS wohl mit der Friedensliebe nicht gar so arg. Wer soll unS aber eigentlich angreifen? Die Revanchcleute in Frankreich, die jedes Jahr ein- mal Radau machen, sind genau so wenig ernst zu nehmen wie unsere Alldeutschen. Wenn es nach denen ginge, würden wir ja alle Augen. blicke mit Gott und der Welt uns in den Haaren liegen. Frank- reich hat sich an den Zustand der Dinge gewöhnt. Nur Nußland käme noch in Frage. Vielleicht sucht die deutsche Bourgeoisie noch einmal in Rußland Hilfe bei den Kosaken, weil das eigene Volk zu unbotmäßig geworden ist! Daß aber Rußland jetzt an Krieg denkt, ist ganz ausgeschlossen. Die Bevölkerung Europas seufzt unter den Lasten des Militarismus. Frankreich ist bereits am Ende feiner Leistungsfähigkeit. Will Deutschland aus seiner Finanzkalamität herauskommen, so ist das nur durch Ersparnisse beim Militarismus möglich. Wir müssen ein wirkliches Volksheer haben.(Zuruf des Abg. Gras Oriola.) Wenn der Kriegsminister einmal diese Not- wendigkeit anerkennen würde, so wären Sie, Herr Graf Oriola, sofort davon überzeugt.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Gambetta, der niemals Offizier war, stampfte 1870 ein Volksheer aus dem Boden.(Zuruf: ES war schlecht genug bewaffnet!) Glauben Sie denn, wenn wir ein Volksheer haben, wollen wir es mit Zylinderhüten ausrüsten?(Große Heiterkeit.) Ein Volksheer müßte die beste Bewaffnung haben, die es überhaupt gibt. (Lebhafte Zustimmurng bei den Sozialdemokraten.) Wenn man aber den Paradedrill beseitigt, so kommt man sicher mit einer weit kürzeren Ausbildungszeit aus. Wir versteifen uns nicht gerade auf 20 Wochen, auch über 40 würde man reden können. Aber darüber ist doch kein Zweifel, daß der gemeine Mann in einem Jahre voll- ständig ausgebildet werden kann, wenn die Söhne der besitzenden Klasse in einein Jahre so weit kommen, daß sie sogar als Vorgesetzte entlassen werden.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) In einem Volksheer gibt es natürlich keine glänzenden Uniformen, ebenso wenig würde man da daS schneidige Offizier- korps brauchen können, das wir heute haben. Wenn man in einem Lande geordnete Zustände schafft, wenn man dafür sorgt, daß das Volk in seiner Entwicklung nicht ausgehalten wird, tvenn man nicht alles daran setzt, die Freiheit zu unterdrücken, sondern sie bielmehr entwickelt, so wird ein solches Volk, wenn es angegriffen wird, sein Vaterland mit größter Begeisterung verteidigen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir sind der Ueber- zeugnng, daß das VolkÄheer allein die Möglichkeit bietet, einen Angriffskrieg unmöglich zu machen und aus unserer Finanzmisere herauszukommen. Für das stehende Heer aber, das zur Knebelung des Volkes dienen soll, geben wir keinen Pfennig.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt sich das Haus. Abg. Häusler(Z.). zur persönlichen Bemerkung: Der Kriegs- minister bezeichnete mein gestriges Verhalten als nicht schön, inso- fern ich gesagt haben soll: auch Vorgesetzten gegenüber sei eine Repräsentation nötig, tu» Karriere zu machen. Tatsächlich sagte ich: hier und da herrsche eine solche Anschauung, ohne taß ich sie mir zu eigen machte. Ferner soll ich gesogt haben, es seien ganze Wagenladungen unterschlagen worden. Talsächlich habe ich gesagt, die Kontrolle der Militärverwaltung biete keine Garantie dafür, daß solche Dinge nicht vorkommen. Aber daß sie vorgekommen sind, ist Tatsache. Nächste Sitzung: Donnerstag 2 Uhr. Fortsetzung der heutigen Beratung. Schluß 7 UhQ Sie eril« Verschlechterung der ßerg- getetznovelle. Am Dienstagabend hielt die Berggesetzkommissio?; des preußischen Abgeordnetenhauses die dritte Sitzung ab. Zur Beratung kam zunächst folgender Antrag der Sozialdemo- kraten: „Die Kommission wolle beschließen: An Stelle der Destim- mungen in den 8� L0k und dvis, soweit sie die Sicherheitß« Männer betreffen, treten folgende Bestimmungen: Die Bergreviere iverdcn in Kvntrollbezirke eingeteilt und für jeden Bezirk ein aus der Mitte der beschäftigten Arbeiter- gewählter Grubenkontrolleur bestellt. Die Bezirke dürfen nicht mehr als 2000 Mann Belegschaft umfassen. Der Grubenkontrolleur hat die innerhalb seines Bezirks gc- legenen Gruben und Tagebanten sowie deren Nebenanlagen hin- sichtlich der Sicherheit und Gesundheit der in ihnen beschäftigten Arbeiter zu kontrollieren und an den Untersuchungen über eingc- treten« Unfälle teilzunehmen. Die Werksvcrwaltung hat den Grubenkontrolleur von dem Zeitpunkt der Unfalluntersuchung rechtzeitig Kenntnis zu geben. Das Ergebnis setner Befahrungen hat der Grubenkontrolleur unmittelbar' nach Beendigung der Befahrung in ein von der Werlsverwaltung nach den Vorschriften des OberbergmntS zu beschaffendes Fabrbuch einzutragen und der Bergbehörde sofort Abschrift zu erteilen. Die Eintragungen sind mit Tinte zu be- wirken. Bei der Eintragung darf der Grubenkontrolleur nicht beaufsichtigt werden. Der Betriebsführer hat das Fahrbuch nach jeder Befahrung einzusehen, er ist befugt, seine Bemerkungen zu den Eintragungen zu machen. Die Fahrbücher sind in einem den Belegschaftsmitgliedern jederzeit zugänglichen Raum zur Einsicht für die Belegschafts- Mitglieder und die Bergrcvierbeamtcn aufzulegen. Die Wahl der Grubcnkontrolleure ist unmittelbar und geheim. Sie erfolgt nach den Grundsätzen der Verhält- niswahl. Dabei lann die Stimmabgabe auf Vorschlagslisten. die bis zu einem vom Arbeiterausschutz festgesetzten Zeitpunkt vor der Wahl einzureichen sind, beschränkt werden. Wahlberechtigt ist jeder Volljährige, im Kontrollbczirke be- schöftigte Arbeiter. Wählbar ist, wer 2S Jahre alt ist, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sich befindet, die deutsche Reichs- angehörigkcit besitzt, ß Jahre als Hauer und 1 Jahr auf der oder den Gruben des betreffenden Kontrollbezirkes tätig war, in dem er als Kontrolleur geiviihlt wird. Die Wahlperiode beträgt min- bestens 1 und höchstens 3 Jahre. Wiederwahl ist zulässig. Der Wahltermin ist 4 Wockmt vor der Wahl vom Oberberg- amt bekannt zu geben und die Bekanntmachung sofort durch An» schlag allen Wahlberechtigten zugängig zu machen. Die Grubenlontrolleure erhalten ihre Besoldung aus der Staatskasse." Zur Begründung führte der Antragsteller aus, daß dieser Mo- dnS der Einführung der Grubenkontrolleure den Absichten des letzten Bergarbeiterkongresses entspricht, an dem die polnischen und Hirsch-Dunckerschen Bcrgarbeiterorganisationen teilgenommen Imben. Auch die christliche Bergarbeiterorganisation habe aus dem Kongreß 190ß und der Delegiertenkonferenz 1006 mit den anderen Organisationen gemeinsam beschlossen:„Die Kosten für die Ar- beiterkontrolleure trägt der Staat bczw. das Reich." ES ist also das Verlangen nach freigestellten, vom Staate, den Bcrgbcsitzern und Arbeitern unabhängigen Kontrolleuren eine Forderung samt- licher Bergleute. Die Abschweiikung der christlichen sei erst erfolgt nach Erscheinen der Vorlage. Die Freistellung der Kontrollcure sei notwendig tvegen der sicher erfolgenden Maßregelungen. Vom Zentrum wurde erwidert, daß die Christlichen in einer Denkschrift im Jahre 1001 schon den Standpunkt von heute ver- treten hätten. Wenn der Sicherheitsmann im Betriebe stehe, habe er mehr Fühlung mit den Arbeitern. Das sind dieselben Motive, die der Minister zum Ausdruck gebracht hat. Der Minister fügte noch hinzu, daß der Zweck der Vorlage sei, Ruhe zu schaffen und ein besseres Verhältnis zwischen Arbeit. geber und Arbeitnehmer herbeizuführen! Hiergegen erklärte der sozialdemokratische Vertreter, daß er diese Zwecke der Vorlage nicht verfolge, sondern� nur den einen Zweck: Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Von Zen- trums-Bergarbeiterseite betonte man noch einmal recht lebhaft, daß sie mit dem Minister ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in erster Linie erstrebten. Der Antrag der Soziakoemokratie wurde mit allen gegen die sozialdemokratische Stimme abgelehnt. Dann kam die Beratung des konservativen Vorschlags an die Reihe, der im Prinzip schon in der letzten Sitzung be- sprachen wurde und heute als Antrag vorlag. Der Antrag sieht vor eine Entstehung der Arbeiterausschüsse aus den Sicherheitsmännern und lautet in dem zur Debatte gestellten Teile: „Tunlichst unmittelbar, spätestens aber innerhalb 3 Tagen Nack) erfolgter Wahl der SichcrhcitSmänner wählen die letzteren aus ihrer Mitte die Mitglieder des ArbeiterauSschusseS." Die Antragsteller führten aus, daß es ausgeschlossen sei, mit einem ArbeiterauSschuß von 15 Mann gut zu arbeiten. Allerdings sei im Ruhrgebiet noch kein Sozialoemokrat in den Arbeiteraus- schütz gewählt; sie bezweifelten auch, daß eine positive Mitarbeit mit Sozialdemokraten möglich sei. Sie wollten zum Ausdruck bringen, daß die Werksbesiher auch das Recht haben, in den Ar- beiterauSschuß Mitglieder hineinzuwählen. Gehen die Werksbcsitzcr — was zivcifellos der Fall sein wird— dazu über, ihrerseits Mit- aliedcr zu ernennen, dann könnten 22 Ausschußmitglieder heraus. kommen. Das sei viel zu viel; mehr als 5 Mitglieder dürfen die Arbeiter nicht wählen. Falle das Recht der Ernennung durch die Wcrksbesitzer weg. dann lptte der Werksbesitzer nur noch das Recht, zu zahlen; die Konservativen bezweckten mit dem Antrag, auch den politischen Einfluß auf den Arbeiterausschuß zu beseitigen. Die ernannten Mitglieocr des ArbeiterauSschusseS seien dann die Sichcrheitvmänncr gegen die Sozialdemokratie! Die Nationalliberalen halten diesen Grundgedanken für sehr annehmbar: man mache nicht Gesetze für ftiedlich-schiedliche Zustände. Die große Zahl der Mitglieder sei Vernunftgründen unzugänglich; deshalb müsse daS Recht der Arbeitgeber gewahrt werden. Mit den Anträgen erklärten sich auch die Freikonserva- tivcn einverstanden: Man könne allenfalls den Wcrksbesitzern die Entscheidung darüber lassen, ob sie einen größeren Ausschuß haben wollten. Dem Zentrum war dieser Vorschlag nicht annehmbar; die Zahl 5 für den Ausschutz sei zu niedrig. In so kleinen Ausschüssen erblickten die Bergarbeiter keine Erfüllung ihrer Forderungen. Daß der Werksbesitzer Arbeitcrausschußmitglieder ernennen lann, heiße die Ausschüsse fälschen. Auch der M i n ist er hielt es für daS Zweckmäßigste, die Regie- rungSvorlage anzunehmen, die ja auch durch Bildung von Fahr- abteilnngen zu kleineren Ausschüssen die Handhabe biete. Der Ver- kehr mit größeren Ausschüssen sei empfehlenswerter. Bei Erörtc- rung von Sicherheitsfragen müßte ohnehin der gesamte Ausschuß berufen werden. Die Bezahlung für die Kontrolle müsse auf alle Fälle den Werksbesitzern zufallen, denn eine außerordentliche Be- fahrung könne sehr wohl im Interesse der Grube und ihrer Sicher. heit liegen. Im Saargebiet und in Oberschlesien arbeite mau mit großen Ausschüssen sehr gut. Der Antrag der Konservativen be- deute also eine Verschlechterung des bisherigen Znswndes. Even- tuell sei er mit fakulte-tiber Anordnung einverstanden, nicht aber mit Zwang. DaS System der ernannten Mitglieder verliere sein Recht mit der Schaffung der SicherhcitSmänner. Trotz alledem wurde der konservative Verschlechternngsantrag mit 18 gegen 0 Stimmen angenommen. Nächste Sitzung; Freitag. erster«leMher fogcndgcricMs-Cag. Di« Verhandlungen vom Mittwoch waren, genau ge* ttflfttmen, nur ein„Anhängsel" zum Jugendgerichts-Tag; sie be- standen lediglich in einer Aussprache der Jugend» gerichtShelfer. Den Vorsitz führte diesmal Professor von S o d e n° Berlin, Mitglied des Präsidiums der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge". Er hob einleitend hervor, in unserem öffentlichen Leben sei es etwas völlig Neues, aber sehr Zukmsitsvolles, dasi dem beruflich tätigen Beamten eine frei- willige Hilfsgarde— dem Jugendrichter di« Jugend- gerichtshelfer— zur Seite treten. Das Referat über das Thema„Wie organ ifiert und übt man am zweckmäßig st en die Schutzaufsicht nach der Hauptverhandlung?" wurde gegeben vom Direktor Dr. Polligkeit» Frankfurt a. M. Solle die Schutzaufsicht auch Positives schaffen, so müsse sie nach den Ursachen der Kriminalität der Jugendlichen forschen. Wege zu ihrer Beseitigung suchen und die hierzu geeigneten Persönlichkeiten auswählen. Er wünscht für die notwendigen Ermittelungen berufsmäßige Kräfte, freiwillige aber für die eigentliche Schutzaufsicht. Diese erfordert Vertrauen zu dem guten Kern, der in jedem Kinde n o ch st e ck e. Als Organisationsform der Schutzaufsicht eigne sich besonders die Berufsvormundschaft bezw. Berufs- Pflegschaft. Notwendig sei im Interesse der auswärts unter- zubringenden Jugendlichen ein Uebereinkommen aller deutschen Organisationen für Jugendgerichtshilfe zum Zweck gegenseitiger Hilfe bei Ermittelungen wie bei der Schutzaufsicht. Die Schutz- aufsicht über jugendliche Landstreicher, die einen Hauptzufluß zur Kriminalität bilden, sei erschlvert durch die Zersplitte- rung der deutschen Fürsorgeerz.iehungs» Gesetzgebung. Hieran schloß sich ein Referat des Redakteurs Kroner» Berlin über die Frage, wie dem Schematismus in den Berichte» der Jugendgerichtshelfer zu begegnen sei. Die Diskussion war sehr lebhast. Aus der großen Reihe der Redner seien hier nur diejenigen herausgehoben, die Be- merkenswerteres gaben. Frl. Kopp, Beamtin der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge", will freiwillige Helfer aus allen Kreisen des Volkes nicht Missen und erwartet eine lleberbrückung der Gegensätze von der Einsicht, daß nicht die Menschen, sondern unsere Verhältnisse verwahrlost seien. Dr. Block, Vertreter der Charlottenburger Jugend- gerichtSbeihilfe, erörtert die Vorzüge berufsmäßiger Helfer. Lehrer Frauendienst, Vertreter des Erziehungsvereins für geistig zurückgebliebene Kinder, spricht von der besonderen Schwierigkeit, diesen Kindern Arbeit zu schaffen, und empfiehlt für sie die Ein- richtung von Lehrwerkstätten. Herr Reckes, Bureauchef des „Vereins zur Besserung der Strafgefangenen", tadelt das Vorurteil, das überall und namentlich im Handwerk den Strafentlassenen und auch den Fürsorgezöglingen entgegengebracht werde. Frau W e n d l a n d. Geschäftsführerin vom„Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen", führt aus, Mädchen seien nach Bestrafung »oegen Diebstahl noch schwerer als nach Bestrafung wegen Unzucht unterzubringen. Ein Herr Schröder hat gegenüber all diesen Rufen nach Arbeit für die Gestrauchelten und Wiederaufzurichten» den den Mut, den Segen der— Religion zu preisen und die evangelischen Jünglingsvereine zu empfehlen, deren Geschäftsführer er ist. Assessor H e i I b o r n, Vorsitzender eines Verbandes von Jugendhelfern, verspricht sich und der Gesellschaft von seiner Tätig- keit den ersehnten sozialen Ausgleich. Der Arbeiter werde sich sagen:„Da sieht man doch, daß die besitzende Klasse noch ein Herz hat." Ein Vertreter aus Barmen, Herr Makull(?), stellt das Ziel auf, durch rechte Jugendhilfe das Jugendgericht überhaupt überflüssig zu machen. Lehrer Agahd- Rixdorf, der durch seine Bemühungen um die Aufhellung des Elends erwerbstätiger Schulkinder bekannt ge- worden ist, empfiehlt, sich die Hilfe der Lehrer zu sichern. Eine von ihm eingebrachte Resolution, durch die der Jugendgerichtgf tag erklären soll, die Forderung der Volksschullehrer. als Schöffen bei Jugendgerichten zugelassen zu werden, sei im Interesse der EntWickelung der gesamten Für- sorgebewegung zu unterstützen, wird vom Vorsitzenden weder zur Debatte gestellt, noch auch nur verlesen, weil das in diesem Stadium der Verhandlungen— bei einer bloßen Aussprache der Helfer über ihre Erfahrungen und Wünsche— nicht mehr angängig sei. Amts- gerichtsrat ANmenröder- Frankfurt a. M. meint, gerade unter Lehrern finde man doch auch manchmal sehr rückständige Anschauungen über Verwahrlosung der Kinder. Aus den Reihen der anwesenden Lehrer antworten erregte Zwischen- rufe:„Das ist eine Beleidigung für den Lehrerstand!" Agahd stellt fest, daß jeder Lehrer das Recht haben müsse, Schöffe zu werden, wenn auch nicht jeder Lehrer sich zum Schöffen eigne. Er zieht dann seine nicht zugelassene Resolution zurück. Dieser Zwischenfall, der sich durch seinen etwas stürmischen Verlauf merk- lich aus den ganzen Verhandlungen der drei Tage heraushob, war die einzige Gelegenheit, wo auch mal über die Schöffen der Jugendgerichte ein paar Worte gesagt wurden. Was hätten die Teilnehmer des Jugendgerichts-Tages geantwortet, wenn gar einer verlangt hätte, man solle die Jugendgerichts-Schöffen hauptsächlich aus derjenigen Gesellschaftsschicht nehmen, deren Nachwuchs leider für die Jugendgerichte in Frage kommt, aus der Arbeiter- bevölk erung! Aus dem letzten Teil der Debatte sei nur noch erwähnt, daß Frl. Thekla Friedländer- Berlin Unterbringung der Mädchen auf dein Lande empfahl. Die Frau eines Groß- grundbesitzers aus Pommern— eine Verwandte des Rcichsikanzlers, wenn wir richtig verstanden haben— habe ihr geklagt:„Wir sind sozialgesinnt, wir haben gute Herzen, wir würden die Mädchen nehmen, aber wir bekommen sie ja nicht." Nachdem die Rednerin diesen Schmerzensschrei aus dem guten Herzen einer sozialgesinntcn Großgrundbesitzersfrau zum besten gegeben hatte, wurde Schluß gemacht. In einer letzten Ansprache erinnerte noch Geh. Ober» Rcgicrungsrat Krahne, vortragender Rat im Ministerium des Innern, an Lesiings Wort:„Ein Kind will Liebe." Mit ihr allein könne in der Jugendfürsorge der Sieg errungen werden. So klang„stimmungsvoll" der„Erste deutsche Jugendgerichts-Tag" aus, auf dem von der Hauptursache der Kinderkrimi- n a l i t ä t, von der wirtschaftlichen Miseere der Arbeiterklasse, so wenig die Rede gewesen war. «• �urch zwei Druckfehler war der Bericht über die Diens- tagslverhandlungen entstellt worden. Frl. Dr. Duensing hat erklärt, ohne Mittel sinke die ganze Jugendgerichtshilfe (nicht: Höfe) herab zu einer Spiegelfechterei, und die Er- ziehungsanstalten will Pastor S e i f f e r t- Strausberg nicht »mittelalterlich" schelten(nicht: schalten) lassen. Klus der Partei. Aus den Organisationen. Eine Konferenz des 1. ReichStags-Wahlkreises Remscheid» Lennep-Mettmann tagte am letzten Sonntag zu Elberfeld. Verantwortlicher Redakteur: Hans Mber, Kerlm.. Sur den Vertreten tvakest bis auf Metiniann sämtliche Orte des Kreises mit insgesamt 88 Delegierten, darunter eine Anzahl Genossinnen. Den Bericht über das verflossene Geschäftshalbjahr gab Partcisekrc- tär Faure. Im Gegensatz zu dem Bericht, der auf der letzten Konferenz gegeben werden mußte, war diesmal über einen erfreulichen Aufschwung zu berichten. Trotz der Krise ist eine erhebliche Mitgliederzunahme zu verzeichnen. An Listen- Mitglieder waren vorhanden am l. Juli 1908: 2461; am 1. Oktober: 2893 und am 1. Januar 1999: 3619. Tarunter sind 369 weibliche Mitglieder. Im letzten Halbjahr ist also ein Gesamtzuwachs von 858 Mitgliedern zu verzeichnen. Ein besonders erfreulicher Auf- schwung ist ersichtlich, wenn man die zahlenden Mitglieder in Be- tracht zieht. Hiervon waren vorhanden: am I.Juli 1998: 2288; am 1. Oktober 2291; am 1. Januar 1909: 2697 Mitglieder, also eine Zunahme von 499 zahlenden Mitgliedern. Die Zahl der weiblichen zahlenden Mitglieder ist mit' 259 gleich geblieben. Mit Einschluß von 21 999 Voliskalendern wurden insgesamt 121 999 Schriften und Flugblätter verbreitet. Wahlen zu den Gcmeindc-Kollegien fanden in 3 Orten statt. Unsere Stimmenzahlen sind erheblich gestiegen. Die Einnahmen an Mitglicderbeiträgen in den Mitgliedschaften betrugen 5969,45 M., davon erhielt die Kreiskasse 3759,97 M. Der, wie schon kurz gemeldet, einstimmig als Reichstagskandidat proklamierte Genosse Wilh. D: t t m a n n- Frcmlfurt a. M. war früher im benachbarten Wahlkreis Solingen in dee Redaltion des dortigen Parteiorgans tätig. Eine stark besuchte Kreisparteiversammlung fiir den 14. sächsischen ReichstagSwahlkreiS(Vorna-Rochlitz) tagte am Sonnrag in Frohburg. Im Geschäftsbericht wurde konstatiert, daß unter der Wirkung der Krise, die die Industrie im 14. Kreise besonders han getroffen hat, die Mitgliederzahl von 1381 auf 1343 zurück- gegangen ist. Als Reichstagskandidat wurde einstimmig wiederum der Genosse Schöpf lin aufgestellt. Zur Diskussion über den Entwurf des Organisationsstatuts. Es wird uns geschrieben: Große Ausstellungen sind an dem Entwurf nicht zu machen und auch nicht gemacht worden. Das außerordentlich umständliche Ausschlutzverfahren ist in glücklicher Weise vereinfacht worden. Ich möchte den Bestimmungen aber noch einen, nach meiner Auffassung sehr wichtigen Paragraphen beigefügt wissen, der ungefähr lauten müßte: Der Parteivorstand hat das Recht, ohne daß ein Antrag ge- stellt wird, den Ausschluß eines Parteimitglieds zu verfugen, welches während der Dauer des Kampfes um bestimmte Forde- rungen oder um Abwehr bestimmter Maßnahmen, öffentlich für einen dem Parteiprogramm oder der allgemeinen Parteiauf- fassung bezüglich des Kampfobjelts entgegengesetzten Standpunkt vertritt. Der Ausschluß ist sofort im Zentralorgan der Partei zu ver- öffentlichen und der örtlichen Parteileitung sowie dem Ausge- schlossenen mit kurzer Begründung mitzuteilen. Binnen einer Woche nach Mitteilung kann der Ausgeschlossene Berufung an die Kontrollkommission einlegen. Die Berufung ist in der nächsten Sitzung der Kontrollkommission zu verhandeln. Wird der Ausschluß dort bestätigt, so steht dem Ausgeschlossenen das Recht zu, drei Monate nach Beendigung des Kampfes und ohne dann an eine Frist gebunden zu sein, ein Schiedsgerichts- verfahren gegen sich zu beantragen. Diesem Antrag ist ohne Befürwortung einer Parteiinstanz zu entsprechen. Die Begründung für eine solche Bestimmung liegt geradezu in der Lust. Es kann nicht mehr so weiter gehen, daß gerade in den Momenten, in denen sich die Partei im Kamps befindet„Wahr- heitsucher" sich finden, die unter dem Triumphgeschrei der Gegner plötzlich ihr militaristisches, marinistischcs, koloniales Herz, oder ihre Abneigung gegen gewisse direkte Steuern entdecken. Hier ist rasches, scharfes Eingreisen notwendig, um die Kampflraft der Partei nicht zu schädigen. Wie oft ist der öffentliche Kampf in Versammlungen und Zeitungen nicht schon in unberechenbarer Weise durch solche Disziplinlosigkeiten geschädigt worden. Bür- gerliche Gegner, die in ihrer Entscheidung schwankend sind, werden sich sofort endgültig für den unserer Parteiauffassung feindlichen Standpunkt entscheiden, wenn sie sehen, daß in unseren eigenen Reihen sich Befürworter solchen Verhaltens befinden. Nach Er- ledigung des Kampfes kann dann der Betroffene ein ruhiges Ab- wägen seines Verhaltens herbeiführen, wenn er dazu noch Lust hat. Die Bestimmung im Statut allein, wird schon manchen davor be- wahren, gerade in kritischen Zeiten sein Licht auf den Scheffel zu stellen. AIS Leitmotiv für meine Anregung sei ein Wort Viktor Adlers variert:„Lieber mit der Partei irre gehen, als gegen die Partei Recht behalten." H. Merkel-Mannheim. Ucver den Neberfall auf den Landtags abgeordneten Genossen Rollwage» berichtet die„Fränkische Tagespost": Vor einigen Tagen wurde LandtagSabgeordnerer Genosse Rollwagen in Augsburg von einem gewissen Alsted Gottschling meuchlings überfallen und schwer mißhandelt. Die Verletzungen verursachten zwar starken Blutverlust. sind aber voraussichtlich nicht gefährlich, wenn eine durch Glas« splitter hervorgerufene Beschädigung des einen AugcS nicht dauernde Folgen hinterlaßt. Das Attentat traf den Angegriffenen ahnungslos. — Der Alsted Gottschling ist in Nürnberg und Hof nicht unbekannt. Er soll wegen fortgesetzter Stänkereien gegen Genossen aus der Partei ausgeschlossen werden. Deshalb der Groll des Krakeelers gegen Genossen Rollwagen als Vorsitzenden des sozialdemokratischen Vereins Augsburg. pollrellickies, Oei-l eheliches uftv. Die Justiz im Kampfe gegen die ArbriterkasinoS. Eine neue Perspektive eröffnet sich jetzt den Arbeitern deS Ge- richtsbezirks H a l l e a. S. in ihrem Kampfe ums Versammlungs- recht. Man verweigert der Sozialdemokratie auf dem Lande fast durchgängig die Säle zu Versammlungen. Um sich versammeln zu können, gründeten die Arbeiter schließlich Arbeiterheime, Kasinos usw. und trafen sich in eigenen Lokalen oder Wohnungen von Partei- genossen. Das paßte weder der Polizei, noch den Wirten, die die Groschen„unversammelter Arbeiter" gern nehmen. Die Vor- stände dieser Organisationen wurden wegen Verletzung der Schank- konzessionSpflicht und Vergehens gegen das Gelverbesteuergesetz bestrast. Damit begnügt man sich nun neuerdings nicht mehr, sondern man will nun auch sämtliche Mitglieder der Arbeiterkasinovereine wegen Verletzung der Schankkonzessionspflicht an den Kragen nehmen. Der Anfang wurde am Montag in zwei Schöffengerichtssttzungen zu Halle gemacht, in denen vier An- geklagte zu Geldstrafen von 49 bis 29 M. verurteilt wurden. Die interessante Urteilsbegründung besagt unter anderem: Der eigent- liche Schankgewerbetreibende sei der Verein selbst, da aber der Verein nicht die Rechte einer juristischen Person besitzt, so hafte nicht nur der Vorstand, soudern jedes einzelne Mitglied. Alle Mitglieder der Arbeiterkasinos machten sich strafbar, denn von der Schankkonzessionspflicht seien lediglich die Ofsizierskasinos und dieKantinen befreit. Die Presse vor der RcvisionSinstanz. Wegen Beleidigung von P o l i z e i b e a m t e n ist am 12. November v. I. vom Land- gericht Halle a. S. der Genosse Ernst Daum ig, damals am „Volksblatt für Halle", zu einer Geldstrafe von 699 Mark verurteilt worden. Er hatte einen ihm zugegangenen Bericht abgedruckt, wonach einige Polizeibeamte sich bei oer Ver- Haftung eines betrunkenen Tumultuanten unmenschlich benommen haben sollten.— Die Revision deS Angeklagten wurde am i5. März vom Reichsgericht verworfen. Die rote Kranzschleife. Der Genosse Olling in Castrop hatte bei der Beerdigung eines verunglückten Kameraden einen Kranz mit roter Schleife geiragen, Inseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts� am Grave auch eine kurze Widmung gesprochen, obschon der Geist« liche das verboten hatte. Genosse Olling kam deswegen unter An- klage. Das Schöffengericht in Castrop erkannte auf Freisprechung, weil in dem Vorangehen in einem Leichenzuge, den» Tragen eines Kranzes mit roter Schleife und einer kurzen Ansprache am Grabe leine außergewöhnliche Veranstaltung zu erkennen sei. Es ist sehr vernünftig, wenn so die Geistlichkeit zur Toleranz erzogen wird. Hus der Frauenbewegung. Das Frauenwahlrecht vor dem Unterhause. Am Freitag, den 19. d. Mts., kommt im Unterhause die von Geoffrey Howard mit Unterstützung einer Anzahl Liberalen und Arbeiterabgeordneten eingebrachte„VolksvertretungS- b i l l" in zweiter Lesung zur Verhandlung. Nach diesem Entwurf soll das Wahlrecht allen erwachienen Männern und Frauen gegeben werden mit der einzigen Einschränkung einer dreimonatigen Seß- haftigkeit vor dem 15. Juli eines jeden Jahres. Mit diesem Gesetz wäre so ziemlich die äußerste Grenze der Demokratisierung des Wahlrechts erreicht, denn— nicht bloß: ein Mann eine Stimme, sondern auch: eine Frau eine Stimme, ohne Rücksicht auf Vermögen, Stellung, Bildung usw., gleichgültig, ob verheiratet oder nicht. Es bleibt allerdings die Einschränkung be- züglich der Seßhafrigkeit. Die in der Arbeilcrbewegung tätigen Frauen, wie die Genossinnen Glasier, Bondfield, Macarlhur und andere haben in einem Schreiben an den Abgeordneten Howard und die anderen Träger der Bill ihr volles Einverständnis mir derselben zum Ausdruck gebracht. Anders die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen. Diese erklären sich bekanntlich für die Vorschläge S t a n g e r s. Danach soll nur das gegenwärtig und in der Zukunft für die Männer bestehende Wahlrecht entsprechende Anwendung auf die Frauen finden. ES würde das zu den Millionen Männern, die jetzt in England das Wahlrecht besitzen, nur weitere V/z— 2 Millionen Frauen fügen. Die Mehrzahl der Arbeiterinnen bliebe ausgeschlossen. Die Befürworter dieser Bill behaupten, daß so alle Klassen und Schichten der Bevölkerung— in besonders hoher Zahl auch die Arbeiterinnen— vertreten seien, ohne daß man den Wahlkörper so umfangreich gestalte wie bei jenem. Ferner wird gegen Howards Entwurf noch ms Feld ge- führt(auch von vielen Freimden), daß, wenn er auch das Unterhaus passieren würde, er im Hause der Lords doch zu Fall gebracht werden würde._ Leseabende. Pankow. Freitag, den 19. März, 8>/z Uhr, bei Clemen, Wollank- straße 122. Adlershof. Jeden dritten Freitag im Monat, 8'/� Uhr, im Lokal von Kaul, Bismarckstr. 16. Rummclsburg. Freitag, den 19. März, 8'/z Uhr, bei Tempel. Vor- trag. Genosse Witzle. Groß-Lichterfclde. Infolge eingetretener Hindernisse diesmal nicht am 19., sondern erst am Freitag, den 26. März, im . Kaiserhof". Steglitz. Freitag, den 16. April, L'/z Uhr— nicht am 19. März— bei Rohmann, Schloßstraße 117. Vortrag. Kommunalpolitik. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Montag, den 22. März, 8'/? Uhr, im Lokal von Ertelt, Pfarrstr. 74._ Versammlungen. Märzgebanken. Ter Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis hatte zum Dienstagabend fünf große Volksversammlungen veranstaltet, dem Andenken der revolutionären Märztage gewidmet.„März- gebanken" stand auf der Tagesordnung in allen Versammlungen. Die Erinnerung an jene Tage der Freiheitsstürmc, die in der Ar- bcitcrschaft lebendig geblieben ist, wurde gefeievt, aber die..März» gcdankcn" weilten nicht nur in der Vergangenheit, sie beschäftigten sich auch lebhaft mit unseren gegenwärtigen Verhältnissem Und geoade in Preußen, wo die Arbeiter den Kampf um ihre'politische Gleichberechtigung, den Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht mit Energie aufgenommen haben, da müssen sie um die Märzenzeit der Stürme vom Jahre 1848 lebhast gedenken, als das Volk die Po- litische Freiheit forderte, die ihm heute noch nicht geworden ist. Aus allen Reden in den veranstalteten Versammlungen llana es heraus, und mit Beifall wurde es aufgenommen, wenn die Redner versicherten, daß die Arbeiterschaft nicht ruhen und rasten würde, bis ihr die politische Gleichberechtigung im Kampfe mit den anderen Parteien zugestanden worden ist. Die Arbeiterschaft ist mündig geworden und fähig, ihre Rechte selbst zu vertreten; sie wird be- leidigt, herabgewürdigt durch das Dreitlasscnwahlrecht. Die Ar- beiterschaft ist verraten worden durch das liberale Bürgertum, welches in feiger Angst vor der selbstbewußt auftretenden Arbeiter- klasse schon gewonnene Freiheiten der Reaktion wieder preisgab. Es ist in unseren Tagen selbst reaktionär geworden, es spielt Rc- giernngspartci und steht im Bunde mit den Feinden aller politi- scheu Freiheit der Arbeiterklasse gegenüber. Diese aber weiß, daß sie nur auf sich und die eigene Kraft angewiesen ist. Das Bürger- tum hat keinen Mut mehr, weil es keine Ideale mehr hat. Der Ar- beiterschaft ist die Aufgabe zugefallen, Hüter der politischen Frei. heiten zu sein, soweit solche vorhanden sind, und für ihre Mehrung und Erweiterung Sorge zu tragen. Und die Arbeiterklasse ist sich ihrer großen Aufgabe in vollem Maße bewußt geworden. Sie ist bereit, um ihre Rechte zu kämpfen, sie ist entschlossen zu siegen. Ein Teil der Reden, die im allgemeinen dasselbe zum Ausdruck brachten, war geschichtlichen Reminiszenzen gewidmet, die mit ficht- lichcm Interesse von den Zuhörern aufgenommen wurden. Da wurde an das Versprechen einer Verfassung für Preußen, wie es der König Friedrich Wilhelm III. gegeben hatte, erinnert, ein Ver- sprechen, welches zu halten das Volk erst mit Donnerstimme den König mahnen muhte. Da zogen die Märztage in Frankreich, in Oesterreich und in deutschen Landen an dem geistigen Auge der Versammelten vorüber. Mancher Redner verweilte länger bei dem 18. März von Berlin und feierte das revolutionäre Erwachen des Volkes, welches sich nicht länger narren lassen wollte. Als Redner für die fünf Versammlungen waren gewonnen die Reichstagsabgeordneten Genossen Albrecht-Kalbe-Afchersleben, Emmel-Mühl Hausen, Eichhorn-Durlach-Pforzhcim, Hildcnbrand- Stuttgart, Lehmann-WicSbaden. Der Besuch war überall ein guter, mit Ausnahme der Brauerei Friedrichshain, wo der große Saal verhältnismäßig schwach besetzt war. Genosse Lahmann sprach dort. In dem ,.Urania"-Saal, Wrangelstraße, hielt Genosse Eichhorn, in„Sanssouci" Genosse Hildenbrand einen Bortrag. Bei Litfin sprach Genosse Albrecht, bei Boeker in der Weberstraße Genosse E m m e l. Zahlreich waren auch die Ge- uossinnen aus dem 4. Kreis in allen Versammlungen zu sehen.— Die Redner fanden überall freudige Zustimmung, wenn sie zum Schluß ihrer Ausführungen zu eifriger Werbearbeit für unser« Partei aufforderten, die größer und stärker werden müsse, um ihre Mission erfüllen zu können. Es gilt für Jeden von uns,„März- gedanken" weiter zu tragen, die vielen Trägen und Gleichgültigen aufzurütteln,„der Freiheit Märzsaat" auszustreuen, um März» gedanken ringsum neu erstehen zu lassen. Emsegangene Druchrcbriften. Die letzten Tage von Pompeji. Bd, 1u, 2, Bon E, L. Dulwer.— Bücher deS Deutschen Hauses. Bd, öö/56, Deutsches Hans, Leipzig, Banerugeschichten von G, Wied. 3,59 M. 81. Juncker Berlin, W. 15. Sprüche ,»,d Widersprüche von Karl KrauS. Preis geh, 3,59 M., geb. 4,59 M. A. Langen in München. Biologisches Praktikum für höhere Schulen von B, Schmid. Geh. 2 M,, geb. 2,59 M. B, G, T-ubner, Leipzig._ Buchdruckcrej u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 65. 26. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Abgeordnetenbaus. 55. Sigung, Mittwoch, den 17. März, bormittags 11 Uhr. Ame Ministertisch: b. Breitenbach. Die weite Beratung des Bauetate " wird fortgesetzt beim Titel: Gehalt des Ministers". Es findet zu nächst eine allgemeine Besprechung statt. Abg. Malkewis( f.) verlangt eine Entschädigung der Fischer, die durch den Großschiffahrtskanal Berlin- Stettin und durch die Regulierung der Oder geschädigt sind. Unterstaatssekretär Coelz van der Brügghen: Es ist schwer festzustellen, welcher Schaden durch die Bauarbeiten am Kanal und welcher durch andere Ursachen entstanden ist. Troßdem hat die Regierung wiederholt schon Schadenersatz geleistet. Wenn nicht alle Wünsche befriedigt worden sind, so liegt das nicht an der Regierung, sondern teilweise auch an den hohen Forde Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Faß bender( 8.) erwidert Minister v. Breitenbach: Es ist richtig, daß die staatlichen Baubeamten, die als Schiedsrichter tätig sind, nur Reisekosten und Tagegelder bekommen. Es schweben jedoch Verhandlungen, daß ihnen außerdem noch für ihre schiedsgerichtliche Tätigkeit eine Entschädigung gewährt wird. rungen. Abg. Hausmann( natl.) wünscht die Errichtung von Talsperren an der Eder und der Diemel und eine Beschleunigung des Baues des Schutzhafens in Hameln. Minister v. Breitenbach erwidert, daß die Arbeiten schon im besten Gange seien und nach Möglichkeit beschleunigt würden. Abg. Kindler( frs. Vp.): Meine politischen Freunde sind immer dafür eingetreten, wenn Mittel gefordert wurden, um die Woh nungsverhältnisse der unteren Beamten zu verbessern. Jedoch meine ich, daß in jedem Falle die Bedürfnisfrage geprüft werden müßte. Abg. Graf Spee( 3.) verlangt eine Entschädigung für die Landbesitzer, die durch die Regulierung des Rheins geschädigt würden. Abg. Giemse( 3.) tritt für eine größere Verwendung des Badsteinbaus bei öffentlichen Bauten ein, hierdurch würden auch ganz bedeutende Ersparnisse erzielt. Abg. Dr. Barenhorst( ft.): Es ist sehr bedauerlich, daß die Strohdächer auf dem Lande Donnerstag, 18. März 1909. fosten bon über 13 Millionen Mark im ganzen Deutschen Reich nur ein, dann wirft man ihnen vor, daß sie hetzten! Wir verlangen 1 607 000 M. für Unfallverhütungsvorschriften auf.( hört! hört! Arbeiterkontrolleure, wie wir sie für den Bergbau verlangt haben. bei den Sozialdemokraten.) Für die preußische Baugewerksberufs- Die Arbeiter haben sich allerdings schon selbst helfen müssen und genossenschaft beträgt die Summe gar nur 178 400 m.( Hört! hört! eigene Kontrolleure angestellt. Bei einer Kontrolle des Regierungsbei den Sozialdemokraten.) Das ist eine so winzige Summe, daß rats Hartmann unter Zuziehung eines solchen Arbeiterkontrolleurs man aus ihr ohne weiteres folgern muß, daß die Kontrolle der Un- in Frankfurt a. M. hat sich herausgestellt, daß die Kontrolle der fallberhütungsvorschriften durch die Berufsgenossenschaften eine Berufsgenossenschaften absolut unzureichend war. Man sagt, die abfolut unzulängliche ist.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Arbeiter verstehen verstehen die statischen Berechnungen nicht. Nun, Für die Kontrolle haben die Berufsgenossenschaften technische Auf- viele Unternehmer kennen sie auch nicht. Die hohe Schulbildung fichtsbeamte angestellt. 1905 gab es deren 298, 1906 233 und 1907 allein tut es nicht, mehr wert ist eine jahrelange Erfahrung. wiederum 298. Die preußische Baugewerksberufsgenossenschaft hat Die Unfallrenten, die schließlich gezahlt werden, eriegen 51 solcher Beamten. Nun würde ich gegen diese Bahl absolut nichts wahrhaftig die gesunden Glieder nicht. Wer die zahlreichen Unglücks sagen, wenn diese Aufsichtsbeamten nicht zugleich auch noch R e che fälle, die sich ereignet haben, ansieht, muß erkennen, welches Unglüc nungsbeamte wären.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) und Glend aus dem mangelhaften Arbeiterschutz entstanden ist. Von den 51 haben 49 die Bücher der Arbeitgeber zu kontrollieren.( Sehr richtig! bei den Soz.) Natürlich verlangen wir auch, daß die Da ist es kein Wunder, wenn die Laugewerksberufsgenossenschaft Arbeiterkontrolleure das Vertrauen der Arbeiter besitzen. Wir ersuchen infolge dieser ungenügenden Kontrolle zu dem Schluß kommt, daß Sie deshalb, den Antrag Borgmann anzunehmen, aber bei dem Antrag 52,9 Proz. der Unfälle auf die eigene Schuld der Arbeiter oder auf Hize die Bestimmungen unter a und b, welche den Weg der Verordnung die Schuld der Mitarbeiter zurückzuführen seien, daß 41,6 Proz. borsehen, insoweit abzulehnen, denn die Veränderung auf dem der Unfälle auf Zufälligkeiten oder auf unvermeidliche Betriebs- Wege der Verordnung kann feinen wirksamen Arbeiterschutz bringen. gefahren entfielen und daß nur 3,5 Proz. mangelhaften Gerüsten( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiter müssen zuzuschreiben seien. Ich wundere mich nur, daß man auch für den wissen, auf welche gesetzlichen Bestimmungen sie sich verlassen können. mangelhaften Zustand der Gerüste die Arbeiter nicht verantwortlich Wir bitten deshalb, ein Reichsgesez zum Schuße der gemacht hat. Ich finde es geradezu gewiffenlos, mit solchen Zahlen Arbeiter zur Durchführung zu bringen.( Lebhafter Beifall bei die Oeffentlichkeit irrezuführen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemo- den Sozialdemokraten.) fraten.) Die nordöstliche Baugewerksberufsgenossenschaft hat gleichfalls bewußt die Deffentlichkeit getäuscht! Minister v. Breitenbach: Ich muß der Auffassung des Abg. Leinert widersprechen, daß die Staatsverwaltung den Gefahren, welchen die Arbeiter ausgefest find, gewissermaßen mit verschränkten Armen und passiv gegenüberstehe. Ich muß Einspruch dagegen erheben, daß der Bauarbeiterschutz in Preußen völlig im argen liegt und daß sich niemand darum fümmere. Bei allen Unfällen, die sich ereignen, darf man nicht unterlassen, zu berücksichtigen, daß ein großer Teil der Unfälle auf die Nichtachtung der Gefahren von seiten der Arbeiter zurückzuführen ist.( Sehr richtig! rechts.) Durch die ständige Hantierung gewöhnt sich der Arbeiter an die Gefahren und achtet sie nicht. Anträgen gegenüber, wie sie die Abgg. Borgmann und Hike heute eingebracht haben, hat sich die Staatsregierung bisher ablehnend ver halten. Die Regierung ist auch heute nicht in der Lage, einen veränderten Standpunkt einzunehmen.( Bravo! rechts.) Eine solche Regelung würde auch nicht Rechnung tragen den örtlichen und klimatischen Verhältnissen. Viel zweckmäßiger sind darin bewegliche Polizeiverordnungen, die je nach dem Bedürfnis einer Fortbildung unterliegen. Gegen eine Acnderung der Kontrolle durch Einführung von Arbeitertontrolleuren bestehen nach wie vor grundsähliche Bedenken.( Sehr richtig! rechts.) In erster Linie ist die Erwägung maßgebend, daß der Arbeiter mangels technischer Vorbildung als Kontrolleur nicht geeignet ist. Für die Kontrolle sind notwendig Kenntnisse auf tontruftionellem Gebiete, Kenntnisse der statischen Berechnung, des Gerüstbaues usw. Alle diese Kenntnisse fehlen dem Arbeiter. Ferner würde der soziale Frieden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" Sie hat Bauten in ihrem Bereich untersuchen lassen und dann gesagt: eigentlich seien ja nur 900 Bauten revidiert worden, weil aber auf jedem Bau Anhänger verschiedener Gewerbe arbeiteten, feien nicht 900, sondern 2000 oder sogar 4500 Betriebe untersucht worden!( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gegen eine derartige bewußte Täuschung der öffentlichen Meinung müssen wir entschieden Einspruch erheben. Es gibt im Deutschen Reich keinen einzigen Bundesstaat, in dem die Berufsgenossenschaften, vor allem die Baugewerksberufsgenossenschaft, einen solchen Einfluß auf den Bauarbeiterschuß haben als in Preußen. Die Regierung erläßt zwar Verordnungen, aber sie beziehen sich nur auf sanitäre Vorschriften. Für die Unfallverhütung selbst hat die Regierung noch so gut wie keine Bestimmungen erlassen. Nach einer Erklärung der Regierung, die sie vor mehreren Jahren in diesem Hause abgegeben hat, sind für sie die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften maßgebend.( Sört! hört! bei den Sozialdemo Ein Regierungskommissar: Die Staatsbauber- fraten.) Wenn das der Fall ist, dann hat die Regierung aber noch waltung bevorzugt stets das einheimische Material bei allen öffent- nichts unternommen, um die von den Berufsgenossenschaften auflichen Bauten. Ich verweise Sie nur auf die letzten öffentlichen gestellten Unfallverhütungsvorschriften selbst zu kontrollieren. Sie Bauten in Berlin und Charlottenburg, die Technische Hochschule überläßt auch die Kontrolle ausschließlich den Perufsgenossenusw. schaften. Das ist ein Arbeiterschuh, den wir nicht für richtig halten Abg. v. Böhlendorff- Kölpin( f.): Durch die Baggerarbeiten und dessen Beseitigung wir unbedingt fordern müssen.( Sehr rich werden die Fischer oft geschädigt. Die Baggermeister müßten tig! bei den Sozialdemokraten.) Im Jahre 1903 sind durch einen darauf hingewiesen werden, alle mögliche Rücksicht auf die Fischer Runderlaß des Ministers die Polizeibehörden aufgefordert worden, zu nehmen. Der sehr oft wertvolle ausgebaggerte Boden könnte dem Arbeiterschuß ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ich richte an ferner nutbringend verwendet werden, indem man ihn den An- die Regierung die Frage, welchen Erfolg dieser Runderlaß gehabt liegern zur Verfügung stellte. hat. Derartige Erlasse werden ausgegeben, aber von ihren Ergebnissen erfahren wir nichts. Durch einen Erlaß vom 5. Februar die Verhältnisse sind schon jetzt sehr zugespitzt gefährdet werden. 1905 find die Grundzüge für die Arbeiterfürsorge bei den Bau- Es würde sich hieraus eine Verschiebung des Gleichgewichts zu arbeiten an Wasserstraßen festgesetzt worden. Auch hier möchte ich ungunsten der Arbeitgeber vollziehen.( Sehr gut! rechts.) Dieser so abnehmen. Die Strohbächer haben den großen Vorzug, daß sie wissen, welchen Erfolg dieser Erlaß gehabt hat. Es ist ja sehr Verschiebung des Gleichgewichts kann die Regierung nicht zustimmen. im Sommer das Haus fühlen und im Winter erwärmen. Ich traurig, daß der preußische Staat sich bei der Kontrolle des Bau- Wir haben auch Widerspruch erhoben, als es galt, durch Einmöchte deshalb den Minister bitten, sich des alten Strohdaches arbeiterschußes lediglich auf die Berufsgenossenschaften, die die führung der Streitilausel eine Verschiebung des Gleichgewichts zu wieder anzunehmen. Die alten Strohdächer mögen ja vielleicht Interessen der Unternehmer vertreten, verläßt. Die Berufs- ungunsten der Arbeiter durchzuführen. Endlich sind wir überzeugt, feuergefährlich gewesen sein, in neuerer Zeit hat man es je- genossenschaften sind arbeiterfeindliche Institutionen, und der daß die Sozialdemokratie fich die Gelegenheit nicht entgehen lassen doch verstanden, die Strohdächer feuersicher zu gestalten. Ein preußische Staat hat weder die Kraft noch den Willen, die Unter- würde, diese Kontrolleure ausschließlich als ihre Organe zu behübsches Dach ziert jedes Haus. Wir alle freuen uns, wenn wir nehmer anzuhalten, die Arbeiterschutzbestimmungen durchzuführen. trachten( Sehr richtig! rechts), und versuchen würde, einen schärferen hübsche junge Damen sehen.( Heiterkeit.) Wenn aber die jungen( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb ist meine Be- Drud auszuüben.( Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Tate Damen so riesengroße Hüte tragen, wie sie jest Mode sind, dar.n hauptung begründet, daß der preußische Staat die Menschenleben fache ist allerdings, daß in Bayern Arbeiterkontrolleure eingeführt. wird auch hier das schöne Bild berunstaltet.( Heiterkeit.) nicht in genügender Weise würdigt. Die Berufsgenossenschaften find. Diese gehen aber nicht aus Wahlen der Arbeiter, sondern Minister v. Breitenbach: Die Strohdachfrage hat jezt ein ganz gehen außerordentlich tendenziös bor. Die hannoversche Bau- aus Wahlen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hervor. Aus anderes Gesicht bekommen, denn jetzt ist es gelungen, durch ein gewerksberufsgenossenschaft hat im vorigen Jahre eine Kontrolle dieser Einrichtung fann man bisher aber keineswegs den Schluß neues Imprägnierungsverfahren die Strohdächer feuersicher zu der Bauten vornehmen lassen, dabei aber in einem geheimen Erlaß ziehen, daß sie besonders günstig wirke. Die Zahlen, die machen. Man muß aber erst' mal Erfahrungen abwarten, ob dieses die technischen Aufsichtsbeamten angewiesen, besonders darauf zu bisher vorliegen, beweisen eher das Gegenteil. Danach kommen auf neue Verfahren sich bewähren wird.( Beifall.) achten, welche Erfahrungen sie darüber machen könnten, in- 100 000 Arbeiter in Preußen 1902: 85 Berunglückte, 1907: 74,2 VerHiermit schließt die allgemeine Besprechung. Es folgt die wieweit die Arbeiter selbst die Unfallverunglückte, dagegen in Bayern 1902: 116 Verunglückte, 1907: 105 VerBeratung der Anträge bezüglich des Bauarbeiterschutzes. hütungsvorschriften übertreten. Es wäre viel beffer unglückte.( hört! hört! rechts.) In der Gesamtgegenüberstellung und wichtiger gewesen, wenn die Anweisung dahin ergangen wäre, ergeben sich 1907 für Preußen: 757 Fälle, für Bayern: 1119. Die Abgg. Borgmann( Soz.) und Genossen beantragen: genau zu fontrollieren, ob auch alle Einrichtungen auf den Bauten( Hört! hört! rechts.) „ Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche zur Verhütung von Unfällen vorhanden sind.( Sehr richtig! bei den Staatsregierung zu ersuchen, einen Gesehentwurf zur Regelung Sozialdemokraten.) Sozialdemokraten.) Seitens der Zentralfommission für Bau Jedes Wort des Abg. Leinert war beinahe nnrichtig. Das des Bauarbeiterschutzes vorzulegen, der insbesondere arbeiterschutz in Hamburg wurde 1906 im ganzen Deutschen Reich sind wir ja von den Sozialdemokraten gewöhnt; fie fümmern sich die Anstellung von Baukontrolleuren aus der Arbeiternicht um die amtlichen Zahlen, sondern greifen sich Zahlen aus der tlasse borsieht." Revision sämtlicher Winter- und Sommerbauten Luft. Es liegt auch der Sozialdemokratie gar nicht an einer Verbesserung Die Abgg. Dr. Hike( 8.), Brust( 8.) und Trimborn( 3.) und borgenommen. Die Ergebnisse sind in einem dicken Buche zu der Baukontrolle, sondern sie will nur Arbeiterfontrolleure, um ihre Genossen beantragen: Die Regierung zu ersuchen: a) im Bundesrat auf Vor- sammengestellt worden, das den Behörden eingeschickt worden ist. Macht zu vermehren.( Sehr richtig!) Mit der Einführung von legung eines Gefeßentwurfs oder auf Erlaß einer Bundesrats- Diese Erhebungen der Zentralfommission sind natürlich den Berufs- Arbeiterkontrolleuren würden wir das ganze Baugewerbe der Macht verordnung zum Zweck eines wirksameren Schutzes der Bau- genossenschaften sehr unangenehm, und deshalb hat die Hannoversche der Sozialdemokratie unterstellen.( Sehr richtig! rechts.) Wir haben arbeiter unter Heranziehung von Arbeitern als Baufontrolleure Baugewertsberufsgenossenschaft an die Arbeitgeber ein Schreiben jest fast schon 7000 Millionen für Arbeiterschutzgesetzgebung ausgegeben. Leider haben sich aber die Hoffnungen, die man auf die Arbeitereinzuwirken; b) für den Fall der Ablehnung seitens des Bundes- gerichtet, rates selbst eine solche Regelung im Wege der Gesekgebung oder die Kontrolleure der Arbeiter wegen Hausfriedens- arbeiter ist heute größer als je. Wir haben so gut wie nichts erreicht; schutzgesetzgebung gesezt hat, nicht erfüllt. Die Unzufriedenheit der der Verordnung durchzuführen." bruches anzuzeigen und die Hilfe der Polizei in An- die Kluft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist immer größer Abg. Leinert( Soz.) spruch zu nehmen. geworden. Was der Abg. Leinert über die Unfälle sagte, war alles begründet den sozialdemokratischen Antrag: Ich bitte Sie, unseren( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieses Vorgehen der falsch und übertrieben. Viele Unfälle werden von den Arbeitern Antrag anzunehmen, denn er ist von der allergrößten Wichtigkeit. Unternehmer gegen Arbeiter, die für Leben und Gesundheit selbst herbeigeführt. Es mag den Sozialdemokraten ja nicht andem Urteil Bisher ist auf dem Gebiete des Bauarbeitersschußes fast nichts ge- ihrer Mitmenschen sorgen, überlasse ich der genehm sein, dies zu hören, aber es ist so. Wenn der Antrag anschehen. Wir haben sogar nicht' mal eine fachmännische Bauauf- breitesten Deffentlichkeit. Warum sträubt man sich denn eigentlich genommen würde, so würde das nur bedeuten, daß die Baubetriebe den Die anderen Betriebe ficht, sondern die Polizeibeamten, die alles Mögliche fontrollieren, gegen die durchaus wohlgemeinte Kontrolle der Arbeiter? Sozialdemokraten ausgeliefert würden. werden auch zur Baukontrolle herangezogen. Nur( Abg. Rahardt ruft: Spigeltum!) Wo das Spigeltum würden dann folgen. Wenn die Regierung dem Antrage zustimmen in einigen großen Städten haben die Behörden Fachmänner zur existiert, das sollten Sie doch eigentlich ganz genau wiffen! Spizel follte, dann würden die Fluten der Sozialdemokratie über ihrem Baukontrolle herangezogen. Der ganze Bauarbeiterschutz in fönnen nur vort fein, wo man unanständige Sachen zur Ausführung Haupte zusammenschlagen. Ich bitte Sie deshalb, den Antrag der Preußen stüßt sich bisher nur auf polizeiliche Verordnungen. Des- bringt. Hier aber sollen Arbeiter, die in ehrlichster Weise für ihre Sozialdemokraten einmütig abzulehnen.( Beifall rechts.) halb haben wir unseren Antrag eingebracht, und deshalb verlangen Kollegen eintreten, Spigel sein? Es ist sehr nett, daß Herr Rahardt wir eine gesebliche Regelung. Der Antrag des Zentrums eine derartige Bezeichnung für die Bauarbeiterkontrolleure erfunden genügt uns nicht, denn dieser will die Frage auf dem Wege iner hat, denn die Antwort der Bauarbeiter draußen wird er zu hören beBundesratsverordnung regeln. Eine so wichtige Frage tann tommen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man vill einfach nicht auf dem Wege der Verordnung, sondern nur geseg ch die Arbeiterkontrolleure deshalb nicht, geregelt werden. Was der Zentrumsantrag fordert, steht unseren weil man die ungeheuerlichen Unterlassungen auf dem Gebiete Intentionen nicht entgegen, im Gegenteil, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat das schon seit Jahren gefordert. Auch gegenwärtig liegt im Reichstag ein Antrag Albrecht vor, der verlangt, daß Bezirkskommissionen des Arbeiterschutzes verbergen will. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun hat der Minister 1907 einen neuen Erlaß herausgegeben, in dem er fagt, daß für das platte Land und die fleinen Städte von dem Erlaß polizeilicher Bernungen auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge auch jezt noch abgesehen werden könne.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man einen derartigen Erlaß in die Welt hinausgehen läßt, dann beweist man damit, daß man aus 10 Personen gebildet werden sollen, von denen fünf von den Arbeitgebern und fünf von den Arbeitern zu wählen sind. Den Vorsiz soll ein Mitglied des Reichsversicherungsamtes führen. Die Wahl soll auf drei Jahre erfolgen, und es sollen zu gleicher Zeit Ersaßmänner gewählt werden. Von diesen Kommissionen nicht den ehrlichen Willen zur Durchführung der Arbeiterfürsorge sollen Unfallverhütungsvorschriften ausgearbeitet und nachher nach hat.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Lassen Sie sich geprüft werden. Es ist also nicht ein besonderes Verdienst des einmal Abg. Felisch( f.): Abg. Heine( natl.): Wir sind gern dafür, daß der Bauarbeiter schuß streng gehandhabt wird, aber wir sind nicht dafür, Arbeiter tontrolleure einzustellen; deswegen werden wir gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmen. Abg. Frhr. v. Zedlit( ft.): Meine politischen Freunde werden sowohl den sozialdemokratischen als auch den Zentrumsantrag glatt ablehnen. Wir erblicken in diesen Anträgen geradezu eine nationale Gefahr! Die bisherigen Arbeiterschußeinrichtungen sind durchaus ausreichend. Abg. Dr. Schepp( frf. Bp.): Meine Freunde werden beiden Anträgen zustimmen. Schon im Reichstage haben wir ähnliche Anträge eingebracht. Allerdings muß man nicht glauben, daß mit der Anstellung von Arbeiterkontrolleuren die Unfälle abnehmen werden. Ich bedaure dagegen sehr, daß der Abgeordnete Leinert den Arbeitgebern solche schweren Vorwürfe gemacht hat. Es wird auf beiden Seiten gefündigt. Wenn man Arbeiterkontrolleure anstellt, dann müßten allerdings sämtliche politischen Bestrebungen ausgeschaltet Zentrums, daß es seinen Antrag hier eingebracht hat, sondern die die Berichte über die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter werden.( Lachen rechts.) So groß, wie der Abgeordnete Felisch Sozialdemokratie hat das seit jeher verlangt.( Sehr richtig! bei bei Bahubauten meinte, ist die Macht der Sozialdemokratie noch nicht. Wenn man den Sozialdemokraten.) Um den Arbeiterschutzausbau bekümmert sich gegenwärtig die geben. Sie werden aus ihnen entnehmen, eine wie ungeheuer- bas rote Gespenst aber au die Wand malt, wie es Herr Felisch tat, dann fördert man die Sozialdemokratie. Bekämpfen Regierung eigentlich gar nicht. Sie überläßt die Frage des Ara liche Menschenverachtung auf dem Lande geübt wird. In beiterschukes vollständig den Berufsgenossenschaften. In Preußen der Nähe von Hannover haben Maurerverband und Bauarbeiter fann man sie nur dadurch, daß man die berechtigten Forderungen ist auch die Gewerbeinspektion von der Baukontrolle vollständig verband bei Bahnarbeiten Arbeitsverhältnisse entdeckt, die eines der Arbeiter erfüllt. Deshalb werden wir für die Anträge stimmen. Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte an Die Baracken befanden ausgeschlossen. Die Berufsgenossenschaften aber sind nicht die Ora Kultraftaates unwürdig sein sollten. ganisationen, denen man das wichtige Gebiet der Kontrolle der sich an ein m Zustande, in den man nicht Menschen bringt, sondern genommen. Unfallverhütungsvorschriften überlassen darf.( Sehr richtig! bei der siglir mer war als der Zustand eines Schweineftalles. Von Persönlich bemerkt den Sozialdemokraten.) Die Kontrolle ist deshalb auch sehr mangel. Desir fe ion war keine Rede. Allerdings waren es ausländische Abg. Leinert: Herr Felisch hat meine Zahlen für falsch erklärt. haft. Die Berufsgenossenschaft wendet bei einer Gesamtausgabe Arbet, die unter diesen kulturwidrigen Verhältniffen arbeiten Die Zahlen aber, die ich anführte, waren amtliche Zahlen und der bon 179 Millionen Mart und bei einer Ausgabe für Verwaltungs- Imuf a. Kommen aber dann die Arbeiterorganisationen und greifen lamtlichen Statistit entnommen. Sodann wird der Antrag der Sozialdeswolraten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt. Auch der Zentrumöantrag wird abgelehnt. Der Titel„Gehalt des Ministers' wird bewilligt. Beim Titel„Gehalt des UnlerstaatsselretärS' findet eine längere Debatte über die rigorose Kündigung der RegierungSbaumeister statt, wobei Minister v. Breite ubach eine Milderung der be- stehenden Harten zusagt. Beim Kapitel„Bauverivaltung" wirft Abg. Hammer Die Regierung hätte doch wirtlich auch daran denke» solle», daß sie im Her-reuhause einen Rückhalt finde» würde!(Lebhafte Zustimmung.) Dann wäre auch eine Ge- währ dafür gegeben, dah die unbedingt notwendige Disziplin unter der Beamtenschaft wiederhergestellt worden wäre. Gehälter z» erhöhen unl� die Bezahlung dem lieben Gott und den Sozialdemokraten zu überlassen(Heiterkeit.), ist sehr leicht. (Heiterkeit.) Deshalb wenden wir uns ja auch gegen die Nachlaststcuer, weil wir nicht wollen, das) die Zukunft für die Gegenwart bezahlt! Jeder Mensch muh das, was er ausgibt, auch selber aufbringen! (Sehr richtig!) Der Gedanke der Gesellschaftssteuer war gut und hätte vom Abgeordnetenhause nicht verworfen werden sollen. Viel« leicht denkt das Reich an die Einiührung dieser Steuer, bei der man nicht von der„Aktie deS armen Mannes' und von„Mittelstands- betrieben auf Aktien' sprechen kann.(Sehr richtig!) Einer grttnd- lichen Revision bedürfen die Nebenbezüge der Beamten. Wer Beamter ist. hat seine ganze Kraft dem Staate zu widme» und nicht bei Dritten zu arbeiten. Die Herabsetzung der Stcucrzuschläge auf Eiukomnien von 1200 M. begrüße ich mit Freuden. Wer mit- redet, soll auch mitzahlen!(Sehr richtig!) Nur so wird es möglich sein, den mahlosen und übertriebenen Forderungen entgegenzutreten. Leider sind die Zuschläge nur für drei Jahre bewilligt worden. Aber das liegt daran, dah das gesetzgeberische Talent der Gegenwart nicht sehr hoch ist. Man erläßt Gesetze, die man teilweise selbst nicht versteht. (Heiterkeit.) Die Ausdehnung des KinderprivilegiumS ist eine Ver- besserung. Bei der Novelle zum Einkommensteuergesetz kann man auch angesichts der ihr vom Abgeordnetenhaufe gegebenen Fassimg von einer übermähigen Belastung der minderbeimltelten Schichten nicht reden. Je mehr die Zuschläge wachse», desto mehr wächst bei den Steuerzahlern die Neigung, die Unwahrheit zu sagen. Das Reich ist auf altpreuhischen Traditionen aufgebaut, cS kommt ins Wackeln, wenn wir an diesen Traditionen rütteln! Deshalb mahne ich Sie, an diesen bewährten Traditionen festzuhalten.(Beifall.) Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Den letzten Worten des Vorredners kann ich mich nur anschließen. Ich habe mich im Abgeordnetenhause nach Kräften bc- müht, diese altpreußischen Traditionen hochzuhalten. Der Agitation einzelner Bcamtenkategorien bin gerade ,ch scharf entgegengetreten. Ich muß die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses insofern in Schutz nehmen, als es doch weit zurückgeblieben ist hinter den viel zu weitgehenden Forderungen einzelner Beamtcnzwerge, vor allem der Lehrerschaft. Zu danken ist das der Einigung aller Parteien von rechts bis links.,,.. Es freut mich, daß Herr v. Buch die Gesellschaftssteuer für eine gute Steuer gehalten hat. Aber vor der Uebertraguna der GesellschattSsteuer auf das Reich muß ich doch auf das schärfste warnen. DaS wäre der erste Schritt, dem Reich Konzessionen ans drin Gebiete der direkten Stenern zu machen.(Sehr richtig!) Daß die vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Steuerzuschläge nicht auf die Dauer bestehen bleiben können, ist auch die Ansicht der Staatsregierung. Der W oh nun g s g eld z u s chuß tonnte von Preußen nur provisorisch geregelt werden, well die Regelung im Reiche noch bevorsteht und Preußen mit dem Reich konform gehen muß.(Beifall.) Fürstbischof Dr. Kopp: Ich kann dem Abg. v. Buch darin nicht Recht gebe», daß das Abgeordnetenhaus und die Regierung den übertriebenen Forderungen der Beamten sich gebeugt und nur Er- höhungen über die uriprüngliche Vorlage hinaus beschlossen hätten. An der Vorlage betr. die Aufbesserung der katholischen Geistlichen z. B. ist nichts geändert worden. Fürst Radziwill: In vielen Punkten bin ich mit Herrn v. Bnch durchaus einverstanden. Namens meiner ganzen Diözese muß ich hier aber feierlichen Protest erheben gegen die Ausnahmcmaßregel, die sich gegen die katholischen Geistlichen meiner Diözese richtet. Sie ist einer jener vergifteten Pfeile— ich nehme keinen An- stand, das zu erklaren— die in der Kulturkampfzeit gegen uns geschleudert wurden. Ministerialdirektor v. ChappuiS verteidigt die Ausnahmestellung der katholischen Geistlichkeit in Posen und Westpreußen. Gerade durch die katholischen Geistlichen sind die Sokol- und StraSvereine weitgehend umerstützt worden. Auch der Schulstreit wurde von der katholischen Geistlichkeit gefördert. Unter diesen Umständen konnten wir diesen Geistlichen nicht dieselben Bezüge gewähren wie den anderen Geistlichen. Hoffentlich braucht diese Ausnahmebestimmung nicht dauernd aufrecht erhalten zu werden.(Beifall.) ObcrlandeSgerichtSpräsident a. D. Hamm: Die Geistlichen predigen von den Kanzeln, daß deutsch protestantisch und polnisch katholisch sei. Die Maßnahme richtet sich nicht gegen die Bischöfe, sondern nur gegen die Geistlichen. Möchten aber die Bischöse auS ihr den Mut schöpfen, in Zukunft diesen Geistlichen scharfer entgegenzutreten als bisher. Die Ausnahmestellung ist der erste Schritt auf einem Wege, den die Regierung l ä n g st hatte be- schreiten sollen.(Beifall.) Professor Hillcbrimd- Breslau: DaS Abgeordnetenhaus hat an der ursprünglichen Regierungsvorlage wichtige Aenderungen vor- genommen, die nach vielen Richtmigen eine Verbesserung dar- stellen. Aber gegen manche Einzelheiten müssen doch schwere Be- denlen geäußeri werden. Da ist vor allem die neue schwere Be- lastung der Kommunen zu nennen, vor allein der kleine» Kommniien. Die erheblichen Mehraufwendungen für die Lehrer müsse» notwendigerweise zu einer Zurücksetzung der anderen Kulrur- aufgaben führen. Eine Erhöhung der Lehrergehäiter an mid für sich erkenncn wir als berechtigt an, wenn wir auch die Agitation in Lehrerkreisen vielfach nicht billigen können.(Beifall.) Oberbürgermeister Lcntzc-Magdeburg: Daß eine Erhöhung der Beaiiitenbezüge notwendig war, darüber besteht keine MeiunngS- Verschiedenheit. Aber die Art des Zustandekommens der BcsoldungS- vorlage mutz doch gerade vom Slaiidpnnkt der Kommunen zu mancherlei Bedenken sühren. Sie greift tief ein in die Interessen der kommunalen Schulverbände. Wie hat man die Kommunen bei dieser wichtigen Angelegenheit behandelt! Im Vorjahr hat man uns noch kein Wort gesagt, daß diese Vorlage hier kommen würde. Infolgedessen hatten die Kommunen ihre Haushaltpläne für 190g bereits aufgestellt. ehe diese Besoldungserhöhmigen mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1998 dem Abgeordnelenhause vorgelegt worden waren. Die an sich zu begrüßende Ausdehnung des Kinderprivilegs bringt z. B. der Stadt Magdeburg eine Mindereinnahme von IlOlXX) M. Dafür haben wir nicht den allergeringsten Ersatz, während die Re- gierung sich für den Ausfall an den Steuerzuichlägen schadlos hält. Die Kommunen aber dürfen solche Zuschläge nicht erheben I Am 1. April tritt das Polizeikosteiigeietz in Kraft, die Staats- zuschüsse werden uns mit rückwirkender Kraft entzogen, das Kinder- Privileg wird ausgedehnt und die Stenerzuschläge werden doch auch von den Mitgliedern der Konnnmie erhoben I Wo soll das hinaus? Der Staat beruht auf den Kommune», und wenn diese leiden, dann muß auch der Staat leiden.(Sehr richtig!) In dieser Form darf daher die Vorlage nicht Gesetz werden!(Beifall.) Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben: Als die Regierung im Abgeordnetenhause gegen die aazu weit- gehenden Bcamtenfordernngen auftrat, da stand sie ganz allein, da herrschte im Walde der großen Kommunen tiefes Schiveigen. Da- mals hätten uns die Herren unterstützen und uns nicht heute be- kämpfen sollen, wo wir einer vollendeten Tatsache gegenüberstehen. Geradezu verwunderlich ist, wie der Vorredner sagen konnte. die Kommunen seien auf die rückwirkende Kraft nicht vor- bereitet gewesen. Sie ist feierlich zu Beginn der LandtagSscssion an- gekündigt worden. Von den neuen Lasten deS LehrerbesaldungS- gesetzes entfiel nur der siebente Teil aus die Kommunen. Da kann man doch nicht von einer großen Schädigung der Kommunen sprechen. Wenn das Abgeordnetenhaus beschlossen hat, nur da Staatszuschüsse zu geivähren, wo ein Bedürfiiis vorliegt, so entspricht das nur der Gerechtigkeit. Iii es etwa ge- rechtfertigt, einer Stadt wie Berlm einen festen Staatsbeitrag in Höhe von 435 000 M. zu gewähren? Ich gönne den Groß- städten alles Gute. Aber sollen wir Städten wie Köln, Frank- fiirt a. M. oder Düsseldorf Staatszuschiisse für die Erhaltung der Schulen bewilligen? Wird an dem Grundsatz des Abgeordneten- hauseS gerüttelt, daß nur leistungsschwache Gemeinden unterstiitzt werden sollen, dann wird die Gefahr der Besoldmigskassen herauf- beschworen, die für die Großstädte viel größer ist als die Entziehung der StaatSzuschüsse.(Beifall.) Graf Jork von Wartenburg: Auch nach der Erhöhung der Lehrergehälier werden die Lehrer nicht zufrieden sein.(Sehr richtig!) Der Resolution des Abgeordnetenhauses auf Erhöhung der Gehälter der Mittelschullehrcr sollte die Regierung bald nachkommen. Das entspricht nur der Billigkeit, nachdem man jetzt die Gehälter der Volksschullehrer sehr erhöhl hat. Bei der Beloldungsvorlage selbst bedauere ich. daß keine gehaltliche Besserstellung der RcgierungSräte erreicht ist. Ministerialdirektor Schwartzkopff: Die Staatsregierung würde es tief bedauern, wenn dem Lehrer- besoldungsgesetz hier Schivierigkeiten bereitet ivürden, denn es handelt sich um die Beseitigung eines Notstandes. Es ist gesagt worden, die Lehrer Ivürden nie zufrieden werden. Nun. ich verfolge die Stimmung unter der Lehrerschaft sehr genau und kann sagen: die Stimmung ist nach der Verabschiedung der Vorlage im Abgeordneten- Hause eine wesentlich ruhigere geworden. Die Regierung hrgt daher die feste Zuversicht, daß das Herrenhaus an einigen Meinung»« Verschiedenheiten das eminent wichtige Gesetz nicht scheitern lassen wird. Können nun die Kommunen die neuen Lasten tragen? Wir verkennen nicht, daß die ganze Besoldungsreform die Kommunen schwer treffen wird. Aber gerade die kleinsten Gemeinden haben wenig Grund zur Klage. Die Staatsregierung stellt den Schnlverbänden bis zu 25 Schulstellen die gesamten Mehrkosten zur Verfügung.(Bravo!) Was die Großstädte anlangt, so ist ihnen bisher in der Tat in Form der Staatszuschüsse ein Geschenk geivährt worden. Und zum Ver- schenken haben ivir das Geld wirklich nicht.(Heiterkeit.) Es ist schwer zu beweisen, daß die großen leistungsfähigen Gemeinden unterstützt werden müßten. Für den Etat von Berlin spielen 435 000 M. ebensowenig eine Rolle wie die 110 000 M. Staats- zuschuß für Hannover und die 160 000 M. für Frankfurt a. M. Das sind alles reiche Genieinden, die selbst zahlen können. ES muß ge- lingen, die Bedenken der Kommunen zu zerstreuen. Der Staat wendet erhebliche Mittel auf, während die Kommunen nur einen Ver- schwindenden Teil zu tragen haben.(Beifall.) Graf v. Hohcnthal-Hohenprießnitz: Die Erhöhung der Bezüge der evangelischen Geistlichen ist ein Kunstwerk gesetzgeberischer Mosaik- arbeit: es berücksichtigt alle Interessen. DaS ist herzerfrischend für jeden, dem das Wohl der Kirche am Herzen liegt. Gerade in der gegenwärtigen Zeit müssen Staat und Kirche zusammenarbeiten, wo Monismus«ud Materialismus und noch mehr die christentumfeind- lichen Führer der Sozialdemokratie gegen die Kirche arbeiten. Auch radikale Theologen suchen die Gemeinden zu überreden. Dr. Reinke hat u»S einmal ein Lied davon gesungen, welche Ver- heerimgen Haeckel und Nietzsche in der christlichen Jugend anrichten, und hat uns aufgefordert, Schulter a» Schulter mit dem Kepler- Bund für eine wahre, echte Biologie einzutreten. Für diesen Kampf bedürfen wir eines ausreichend besoldeten PastorenstandeS. Wir freuen uns auch über die Erhöhung der Ruhegehälter der Geistlichen und die Bereitstellung von Mitteln zur Besserstellung der armen Pfarrerivitwen. vergessen sind die Pfarrer, die in der inneren Mission und im Auslände tätig find. Was verdanken wir nicht Männern wie Wichern, Stöcker und Bodelschwingh I (Sehr richtig!) Was bedeutet Kultur ohne Christentum? Die Kirchenregierungen sollten den in äußerer und innerer Mission tätigen Pfarrern zum mindesten Ruhegehälter gewähren. (Beifall.) DaS Haus vertagt sich auf Donnerstag 1>/z Uhr: Schluß- beratnng des Antrages Grafen Mirbach betreffend" Stellungnahme gegen jeden weiteren Ausbau der Reichserbschaftssiencr, BesoldungS- vorlagen(Fortsetzung), lletne Vorlagen. Schluß 0 Uhr._ parlamcntanfcbca, AuS der Budgetkommifsion de» Reichstag». (SS. Sitzung, 17 März.) Die Budgetkommission begann heute mit der Beratung des Marincetats, kam dabei aber nicht über die Erörterung der allgemeinen Frage hinaus. Der Staatssekretär des ReichSmärineamteS, v. Tirpitz, nahm die Gelegenheit war, um in längeren Ausführungen die von dem Bizeadmiral a. D. G a I st e r gegen die Marineverwoltung er- hobenen Vorwürfe der ungeschickten Organisation zurückzuweisen und zu behaupten, daß in lmscrer Marineverwaltung alles aufS beste bestell» sei I Admiral Galster hätte reden sollen, als er noch im Dienste war, und nicht, nachdem er ausgeschieden ist! UebrigenS habe Galster sich nicht in einer Stellung befunden, die ihm in allen wichtigen Dingen de» zu einer sachgemäßen Würdigung erforderlichen Einblick ge- währt hätte. Der Staatssekretär erörtert dann die Möglichkeit eines Seekriegs mit England und welche Taktik Denischland hierbei einzuschlagen hätte, wobei er der Befestigung Helgolands und dem Ausbau der Unterseeflotte einen bedeutenden Wert beimißt. Der Zentrumsabgeordncte Graf v. Oppersdorf regt an. den Wettlauf mit England einzuschränken, was vom Ab-- geordneten Erzberger lebhaft unterstützt wird. Letzterer verweist darauf, daß nach den Berichten über die gestrige Sitzung des eng- tischen Unterhauses der Lord der Admiralität erklärt habe, daß die englische Regierung bei der deutschen eine Verständigung über die Stärke der Kriegsflotte beider Länder angeregt, aber keine Gegen- liebe gefunden habe! Er wünsche zu wissen, wie die Sache sich ver- Kalte. Mit der Behauptung des Reichskanzlers im Plenum d«S Reichstages, daß eine internationale Verständigung über diese Frage nicht angeregt worden sei, stände diese Erklärung des englischen Lords nicht in Widerspruch, denn der Reichskanzler habe von einer internationalen Verständigung gesprochen, während hier nur von einer Abmachung zwischen zwei Staaten die Rede sei. Er verlange, daß man dem Gedanken einer Kontingentierung beim Bau von Kriegsschiffen nähertrete. Abgeordneter Semler fragt entsetzt, ob der ZickzackkurS auch in der Marineverwaltung eingeführt werden solle! Durch das Flortengesetz sei die Zahl der zu bauenden Schiffe festgelegt und müsse innegehalten werden. Abg. Erzberger nimmt noch- mals das Wort und weist darauf hin, daß unsere Weigerung, über die Zahl der zu bauenden Kriegsschiffe mit England ein Abkommen zu treffen, uns wirtschaftlich von großem Schaden sein könne, weil England dann durch die ihm auferlegten Flottenlasten gezwungen werden würde, zum Schutzzollsystem überzugchen, was unsere Ausfuhr nach dort ganz empfindlich schädigen würde. Was nütze uns dann— so rief Erzberger aus— eine große Kriegsflotte, wenn unsere Exportindustrie daniederliegt und unsere Arbeiter beschäftigungslos sind! Dann sind wir zweimal geschlagen! Zum Schluß der Sitzung gab eS noch ein amüsantes Zwischen- spiel: Der konservative Abgeordnete Dröscher, ein mecklen- burgischer Beamter, hielt eine schmetternd« Rede gegen unser« herrliche Kriegeflotte und erklärte feierlichst, daß wir wirtschaftlich nicht in der Lage wären, neben der stärksten Landmacht die zweit- stärkste Seemacht zu fein. Das sei einfach unmöglich, wenn wir uns nicht verbluten wollten. Besser sei es, die Landarmee zu vermehren, denn auf dieser beruhe unsere Kraft; für die vielen Schiffe lieber ein Armeekorps mehr! Doch als Herr Dröscher geendet hatte, erhob sich sein Fraktionskollege Gans Edler Herr zu Putlitz, um ge- messen, aber nachdrücklichst zu erflären, daß sein Vorredner nur in seinem eigenen Namen und nicht in dem der konscr- vativen Fraktion gesprochen habe! Erzberger ersuchte den Staatssekretär noch, die amtlichen Berichte aus dem englischen Parlament zu beschaffen, damit fest- gestellt werden könne, was dort in bezug auf die Einschränkung des Baues von Kriegsschiffen gesagt worden sei. Nächste Sitzung Donnerstag. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung. Die ArbeitSkammerkommissioa führte in ihrer Mittwochsitzung die erste Lesung der Vorlage zu Ende. Die sozialdemokratischen Vertreter hatten zu den Kapiteln „Kostenaustvand" und„Geschäftsführung' eine Anzahl von An» trägen eingebracht, die auf eine wirkliche Selbstverwaltung der Kammern abzielten. Der§ 23 der Regierungsvorlage ermächtigt die Gemeinden. durch Bestimmungen im Ortsstatut die aus sie entfallenden Kosten- teile von den beteiligten Betriebsstätten und Arbeitnehmern zurückzufordern. Ein Antrag der Sozialdemokraten fordert die Streichung dieses Paragraphen, da, wie begründend von den Antragstellern ausgeführt wurde, die Kosten der Erhebung und Beitreibung der auf die Arbeitnehmer und Arbeitgeber ent- fallenden Kostenanteile voraussichtlich höher sein werden als die Kosten, die die Kammern für ihre Tätigkeit erfordern. Der An- trag wurde abgelehnt; angenommen wurden dagegen Anträge der Nationalliberalcn und des Zentrums, die die Kostenerhebung zu regeln versuchen. Nach dem§ 25 der Vorlage soll der Haushalts- plan der Kammern die Genehmigung der Aufsichtsbehörde bedürfen, ebenso die Aufwendungen, die im Haushaltsplan nicht vorgesehen sind. Auch diese Bestimmungen wollte ein sozialdemo- kratischer Antrag gestrichen wissen, um den Kammern ein mög- lichst großes Maß von Selbstverwaltung zu sichern. Die Mehrheit der Kommission lehnte indes auch diesen Antrag ab. Die Verwaltung und Führung der Geschäfte der Arbeitskaimner wollte ein weiterer sozialdemokratischer Antrag einem Ver- waltungSausschuß übertragen, der gemäß§ 29 der Vor- läge von der Arbeitskammer gewählt werden und dem min- drstens je ein Arbritgeber und Arlkeitnehmer angehören sollte. Obgleich in der ersten Lesung im Plenum deS Reichstages mehrere Parteien die Notwendigkeit betont hatten, den Kammern die größtmöglichste Selbstverwaltung einzuräumen, fand auch dieser sozialdomokratische Antrag, der der Autokratie des Vorsitzenden bedeutende Einschränkungen gegeben hätte, keine An- nähme. Abgelehnt wurde auch der Antrag, der Hälfte der Kammcrmitglieder das Recht auf Einberufung einer Sitzung zu ge- währen. Ter 8 29 der Vorlage bestimmt, daß die Arbeitskammern be- rechtigt sein sollen, Ausschüsse zu bilden und mit besonderen Auf- gaben zu betrauen.- ES ist darin nicht ausgesprochen, daß den AuS- schüssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl angehören müssen. Die Diskussion über einen sozialdemokratischen Antrag, der einen Zusatz in diesem Sinne anfügen wollte, ergab eine Er- klärung der RegierungSvertreter, nach der es gestattet sein soll, zur Vorberatung besonderer Aufgaben auch impnritätifche Ausschüsse«inzusetzen! Sollen also besondere Interessen der beteiligten Lr- beitnehmer wahrgenommen werden, so ist die Kammer berechtigt,«inen Ausschuß, bestehend aus Arbeitnehmern, zur Vorberatung der zu er» greifenden Maßnahmen zu bildenl Eine längere Debatte entspann sich beim§ 81 der Vorlage, der als Regel die Oeffentlichkrit der Sitiungen vorschreibt. Anträge der Konservativen und Nationalliberalen ver- langten, daß nur für Ausnahmefälle die Sitzungen öffentlich fein sollten. Ein sozialdemokratischer Antrag forderte das Prinzip der Oeffentlichkeit, verlangte aber auch ausdrücklich, daß nicht der Vorsitzende, sondern die Kammer über Oeffent, lichkeit oder N i ch t ö f fe n t lichk eit der Sitzungen entscheiden soll. Die Abstimmung ergab die Ablehnung sämtlicher Anträge und Beibehaltung des§ 31 in der Fassung der Regierungsvorlage. Zum§ 89 wurde auf Antrag der Sozialdemokraten und de? Zentrums beschlossen, daß in der GeschäflSordnung der Arbeitskammern vorzuschreiben ist, daß die A b st i m m u n g geheim statt» findet, wenn mindestens ein Drittel der Mitglieder da» verlangt. Der§ 40 wurde dahin abgeändert, daß anstelle der Landes- zentralbchörde der Bundesrat ermächtigt fein soll, in Aus- nahmefällcn die Aufsichtsbehörden der Arbeitskammern zu be- stimmen. Der ss 43 nimmt die Betriebe der Heeres- und Marine- Verwaltung vom Gesetz auS. Ein sozialdemokratischer Antrag will diese Ausnahmebestimmung gestrichen wissen, um den Ar- beitern ver Heeres- und Marineverwaltung eine Interessen- Vertretung in den Kammern zu ermöglichen. Auch dieser Antrag wurde nach längerer Debatte abgelehnt, nachdem die Regierungs- Vertreter erklärt hatten, daß die Annahme des sozialdemokratischen Antrages das ganze Gesetz gefährde. Auf eine Anfrage des Genossen Severins, ob die Kammern berechtigt sein sollten, zur Beratung gemeinsamer Fragen zusammenzutreten, erklärte Ministerialdirektor Caspar, daß die fachliche Gliederung nur ein Zu- fammentreten gleichartiger Gewerbszwieige zulasse, eine gemein sanre Beratung der Kam- mern verschiedener Gewerbezweige aber ver- biete. Die zweite Lesung soll am Mittwoch, den 24. März, beginnen. Die Finanzkommission des Reichstags kam am Mittwoch nicht einmal mit der Gencraldiskussion der Weinsteuervorlage zu Ende. Genosse Dr. David als Korreferent bezeichnete die Weinsteuer als ein Glied in der Kette der in- direkten Steuern, das aber dadurch für die Sozialdemokraten nicht annehmbarer werde, daß man die Weinsteuer als Besteuerung eines Luxusgetränks bezeichne. Luxussteuern sind unrationell. Wolle man dem LuxuS wirklich an den Kragen, so sei eS einfacher und rationeller, direkt den Geldbeutel zu besteuern. National- ökonomisch unrationell sei es auch, immer mehr menschliche Arbeitskraft auf die Kontrolle und Erhebung indirekter Steuern zu verwenden, wodurch sie der Produktion entzogen werden. Das widerspricht den allgemeinen nationalen volkswirtschaftlichen Interessen. Auf die einzelnen Bestimmungen der Vorlage eingehend, weist David eine Reihe von Widersprüchen und Unstimmigkeiten nach, so namentlich, daß der Zweck, die reichen Weintrinker, die die feinsten Weine in Fässern im Keller lagern haben, zu treffen, gor nicht erreicht werde, während der kleine Weinkonsument aus dem Mittelstande, der sich den Wein flaschenweise kauft, von der Flaschensteuer wie auch von der Zuschlagsteucr, also zwiefach, getroffen wird. Wo bleibt bei solcher Gesetzgebung die Vernunft uno die Gerechtigkeit? Der wirklich Reiche wird durch das Gesetz nicht erreicht, sondern der Mittel st and wird wieder ganz be- sonders hart getroffen. Dazu sind auch die kleinen und mittleren Weinbauern zu rechnen. Dem kapitalkräftigen Händler wird es cin leichtes sein, die Hauptlast der Steuer auf den wirtschaftlich schwachen Produzenten abzuwälzen; die Vorlage bietet diesem nicht die geringsten Garantien. Daß die Steuer einen Rückgang des Konsums zur Folge haben wird, gibt die Regierung selbst zu; sie nimmt jedoch an, daß sich dieser Rückgang nur auf die ersten Jahre beschränken werde. Dieser Rückgang wird aber den Winzern schwere Wunden schlagen und einen Preisrückgang zur Folge haben. Daher auch der Sturm der Entrüstung unter den Weinbauern, was um so erklärlicher ist, als deren Existenz schon seit Jahren eine schwer bedrückte ist. DaZ geht auch aus dem Rückgang der Weiubergspreise hervor, die in den letzten Jahren um 20 bis SO Proz. gefallen sind, wie David aus einwandsfreiem Material nachweist. Diese Situs- tion durch daS Steuergesctz zu verschärfen, sei ein an den kleinen Weinbauern verübtes sthreicnoes Unrecht, und wenn die ton- angebenden Kreise der Agrarier dabei mitmachen, so ist das um so schlimmer, als diese sich stets ihres Wohlwollens für die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe rühmen. Jedenfalls werde die Sozial. demokratie bei ihrer ablehnenden Haltung verharren. Ministerialdirektor Kühn steht auf dem Standpunkt, daß sich gegen die Vorlage im Prinzip nichts einwenden lasse, wenn auch Einzelheiten verbesserungsfähig sein mögen. Graf Könitz hat die Weinstcuervorlage mit Freuden begrüßt und wundert sich nur, daß dies bei den Sozialdemokraten nicht auch der Fall sei, wie die Rede Davids erkennen lasse. Richtig sei, was David behauptet habe, daß ein Rückgang im Weinbau und ein Preisrückgang für Weinberge eingetreten sei, aber dafür seien die kolossalen Weinpantschereien in jüngster Zeit verantwortlich zu machen; da werde aber das neue Wcingesetz bessernd wirken. Da- durch, daß die Regierung sich auf die Besteuerung der Flaschen- weine beschränkt habe, bleiben allerdings die..feine» Familien", wie sie David bezeichnet habe, ungeschoren. So auch er, der sich seinen Wein in Fässern schicken lasse. Aber er empfinde es als nicht gerecht und das um so weniger, als er doch gern bereit sei, auch seinen Teil zur Weinsteuer beizutragen! Ministerialdirektor Kühn erklärt, daß der Bundesrat die Frage der allgemeinen Wemstcuer reiflich erivogcn. aber der unge- Heuren Schwierigkeiten halber von diesem Vorschlag Abstand ge- nommen habe. Die Kontrolle sei nicht so schwierig und kostspielig wie angenommen werde. Raab von der Wirtsch. Ver. ist mit dem Grafen Kanitz völlig einverstanden, auch bezüglich der Verwunderung über die Stellung der Sozialdemokraten zu der Vorlage, und tritt ebenfalls für eine allgemeine Weinsteuer an. Daraufhin erklärt der Bundes. ratSvertreter für Württemberg, daß feine Siegicrung dem vor- liegenden Entwurf nur zugestimmt habe unter der Garantie der Beschränkung auf die neue Flaschensteuer, aber jedem Versuche einer allgemeinen Weinsteuer sich ganz entschieden widersetzen und auf ihren Schein bestehen werden. Ho r m a n n von den Freisinnigen und Dr. Weber von den Nationalliberalen sind Gegner der Vorlage, müssen aber beide bekennen, daß sie nicht ihre ganze Fraktion hinter sich haben. Der Schatzsekretär S tz d o w bezeichnet als Ausgangspunkt der Vorlage die Erwägung, daß man, da Bier und Branntwein besteuert werden, am Wein, dem Getränk der Wohlhabenden, nicht vorüber- gehen könne. Wäre daS geschehen, so würde die Negierung gerade von den Gegnern der Vorlage, den Sozialdemokraten, als Be- schützerin de? Besitzes gebcandmarkt worden sein. Der ReichSparteilcr Schulz entrüstet sich sittlich über die ab- lohnende Haltung der Sozialdemokraten, die er als Ungerechtigkeit empfindet. Das Volk würde es einfach nicht begreifen, wenn man den Wein steuerfrei lajse. Dr. P? ch l e r vom Zentrum erklärt, daß daS Zentrum freudig für eine Weinsteuer stimmen würde, wenn eS möglich wäre, die Konsumenten besserer Weinsorten— so für 6—8 M. und mehr die Flasche— ordentlich zu treffen. Dazu sei aber die Vorlage nicht geeignet. Anläßlich der Erfahrungen der letzten Wocken habe daS Zentrum sich cntschlosien, um einer Förderung der Arbeiten der Finanzkommission nicht hindernd im Wege zu stehen, sich ab- wartend zu verhalten und bei der Abstimmung über§ 1 in erster Lesung sich der Stimme zu enthalten. Genosse Dr. David wendet sich zunächst gegen den mehrfach laut gewordenen Vorwurf der Inkonsequenz, weil wir nicht für die Weinsteuer zu haben seien, trotzdem Vier, Branntwein und Tabak so hohe Steuern aufbringen müßten! Wir sind als Gegner aller indirekten Steuern auf Genußmittel nur konsequent, wenn wir auch diese als Rechtfertigungssteuer anzusprechende Weinsteuer ablehnen. Wir sind für jede direkte Steuer, die den Besitz tr fft: die Nachlahsteuer, die progressive Einkommens- und Vermögenssteuer, und deshalb versage der Einwurf, daß wir die reichen Weintrinker unbestcuert lassen wollen. Dietrich ist gegenüber der württembergischen Regierung der Meinung, daß die gegebene Zusicherung so gut wie gar keinen Wert habe. Der württembcrgische BundeSratSvertreter bemerkt, daß seine Regierung mit ihrer Zustimmung ein schweres Opfer gebracht habe, aber auf ihr„moralisches Refcrvatrecht" iverde und müsse sie be- stehen, und sei er überzeugt, daß der Bundesrat nicht verlangen Iverde. daß sie auf ihren„Schein" verzichte. Nachdem Raab seiner Verwunderung über die Haltung der freisinnigen Blockbrüder Ausdruck verliehen, die Sozialdemokraten angerempelt und Paaschs und Schweickhardt sich für ihre Person gegen, Graf Kanitz nochmals für die Vorlage aus« gesprochen, letzterer den notleidenden Winzern die notleidenden SchnapSbrenner gegenübergestellt, die sich oftmals das Geld zur Entrichtung der Brennsteuer pumpen müßten, auch sein Bedauern über den geringen Zoll auf ausländische Weine geäußert, wird die Debatte abgebrochen, um morgen fortgesetzt zu werden, Die Kommission für daS Gesetz zur Sicherung der Bauforderungen hat die zweite Lesung beendet und den Bericht fertiggestellt. Vor- aussichtlich ivird sich aber das Plenum erst nach den Osterferien da- mit beschäftigen. Für die Bauarbeiter hat die Kommission eine Verbesserung beschlossen. Es soll der rückständige Lohn bis zur Höhe von zwei Wochen(auch bei Akkordarbeiten) ein u n- bedingtes Vorrecht vor allen übrigen Forde- r u n g e n haben. Natürlich nur dmm, wenn der Bauarbetter seine Forderung rechtzeitig angemeldet hat. Im übrigen ist das Gesetz recht unbefriedigend ausgefallen. Für das ganze Reich soll für V a u g e l d e m p f ä» g e r die BuchführungSpflicht eingeführt werden, damit festgestellt werden kann, ob und inwieweit die Baugelder bestimmungsgemäß verwendet werden. Die übrigen Vorschriften deS GeietzeS gelten nur in denjenigen LandcSteilen,'wo sie durch landesherrliche Verordnung eingeführt werden— voraus- sichtlich also nur in den paar Großstädten, sowie daß der Bau- schwindel von Amtswegen in die B o r o r t e und die mittleren Städte getrieben wird! I Zur Durchführung des Gesetzes ist eine neue Behörde vor- gesehen: DaS Bauschöffcnamt. Die Einrichtung und Zusammensetzung ist aber wieder den Einzel st aaten und den O r t s st a l u t e n überlassen, so daß zur Bekämpfung deS überall gleichen Bauschwindels ein sehr bunt- scheckiges Gesetz herauskommt. Die Kommission für daS NeichSbauIgesetz kielt am 16. d. M. eine Nachtsitzung. Es lagen zwei AbänderungSanträge vor. Der Silber» Arendt will der Reichskasse dadurch billiges Gold beschaffen, daß er aus dem Reservefonds der Neichsbank die Hälfte(etwa 32 Millionen Mark) herausnimmt und dem Reiche überweist. Er möchte gleich- zeitig das Grundkapital durch Ausgabe neuer Anteile um 30 Millionen erhöhen. Der Antrag, für den nicht einmal die Konservativen ein- traren, wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Raab wollte den Reingewinn der Bank in folgender Weise verteilen: Zunächst 3>/g Proz. Dividende an die Anteileigncr, von dem Rest 75 ProzI an das Reich, 16 Proz. an den Reservefonds und die übrigen 15 Proz. wieder an die Aktionäre. Der Antrag wurde von den"Sozialdemokraten lebhaft unterstützt. Gcnoffe Singer erklärte, wir wollten ein Bankgcsetz schaffen, kein Gesetz für die BansierS. Der Antrag wurde schließlich mit 16 gegen v Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten Sozialdemokralen, Antisemiten, Konservative und der Pole, dagegen mit den Liberalen auch die Herren vom Zentrum, die eine überraschende Rücksicht auf das Groß- kapital bewiesen. Ein weiterer Amrag, für die Dividende der Anteilseigner eine Höchstgrenze von 6 Proz. festzusetzen, fand nur die Unterstützung der Sozialdemokraten und Antisemiten. Die Osterferien des Reichstags. Der Seniorenkonvent des Reichstags beschloß am Mitt- wach, die Osterferien am 1. April beginnen zu lassen und die erste Sitzung nach Ostern auf den 20. April festzusetzen. 6ewcrkrcbaftUche� Arbeitslosigkeit und Gewerkschaften. In allen Industrien beginnt sich trotz entgegengesetzter Prophezeiungen der wirtschaftliche Rückschlag immer deutlicher auszuprägen. Und es sind nicht nur d i e Gewerbe, die durch ihre Herstellung der wichtigsten Lebensbedürfnisse am innigsten mit der schnell wechselnden Konsumfähigkeit des Volkes verbunden sind, die unter dem allgenieinen Wirtschaft- lichen Daniederliegen zu leiden haben. In allen Branchen macht sich das gleiche bemerkbar. So zeigt zum Beispiel auch das polygraphische Gewerbe von 1907 zu 1008 eine deutliche Verschlechterung der allgemeinen Lage. In den folgenden Ziffern sind die Arbeitsverhältnisfe deS Deutschen Buchbindcrverbandes, des Getvenfvercins der graphischen Berufe, weiterhin des Buchdruckerverbandes, des Verbandes der Buch- und Steindrnckereihilfsarbeiter, des Ver- bandes der Lithographen ilnd Steindrucker, Photographen- und Lithographenbimdes(beide sind jetzt mit den Litho- graphen und Steindruckern verschmolzen). deS Gutenbcrg- bundes und der Formstecher» und Tylograpßenorganisation nach ihren eigenen Angaben an das Reichsstatistische Amt zu- sainmengestellt. Als Wichtigstes ergibt sich, daß die Mitgliederzahl dieser Organisationen 1907 im Jahresmittel 107 888 betrug, im Jahre 1908 dagegen 1114191 Also hat die schlechte Zeit bis jetzt noch keine Verluste an Mitgliedern gebracht. Die Ar- beitslosigkeit ist seit dem ersten Quartal 1907 fort- gesetzt gestiegen. Fälle von Arbeitslosigkeit gab eS im ersten Quartal 1907 rund 0900. damr 10 800, 14 800 und 13 000. Das erste Vierteljahr 1908 begann mit 11 900, dann stieg die Zahl auf 13 200. 16 900 und 15 800. Die Zahl der Fälle von Arbeitslosigkeit ist demnach fortgesetzt gestiegen. Im Jahres- mittel ergibt sich für 1907 auf 100 Mitglieder 47,2 Fälle von Arbeitslosigkeit, 1908 dagegen 00,61 Die Gesamtzahl der Ar- bcitslosontage stieg von 731 020 auf 1 053 239. Wird ein durchschnittlicher Lohn von 25 M. angenommen, so ergibt sich fiir 1908 ein Lohnverlust von rund 4� Millionen Mark! Ein Drittel davon wurde gedeckt durch die von den Organisationen ausgezahlten Arbeitslosenunter- st ü tz n n g e u, die in dem Jahre die runde Summe von IV2 Millionen Mark erreichten. 1907 war eS nur rund eine Million, die zu diesem Zwecke verbraucht wurde. Gegenüber diesen Leistungen der Arbeiterorganisationen erscheint die Lust der Regierung, der Arbeitslosigkeit zu steuern, bedenklich gering. Und, waS überdies selbstverständlich ist, auch die Länge der einzelnen Fälle von Arbeitslosigkeit hat von 1907 auf 1908 stark zugenommen. Im erstgenannten Jahre kamen auf einen Fall 15 Tage, 1003 waren es 18.2 Tage im Durcki- schnitt. Unter 100 Mitgliedern waren 60,6 im Durchschnitt 18,2 Tage arbeitslos; dies ist das wirtschaftliche Resultat deS Jahres 1908 für das polygraphische Gewerbe. Zu beachten bleibt dabei besonders, daß die in Frage kommenden Arbeiter sehr gut organisiert sind. Es bleiben aber immek noch genug Unorganisierte übrig, denen kein Schutz und keine Hilfe zur Seite steht. WaS ist aus all diesen Uglücklichen aewordeir? Ob die Regierung cS wagen wird, darauf eine Antwort zu geben, erscheint sehr fraglich, Oentfebes Reich. Kiel im Dunkeln? Infolge der Halsstarrigkeit der KohlenyandelSgesellschaft ist der Kohleiimangel bereits so weit gestiegen, baß die städtischen Elektrizitätswerke ihre Abnehmer darauf aufmerksam machen, daß sie wahrscheinlich in de» nächsten Tagen gezwungen sein werden, die Lieferung von elektrischem Strom' einzustellen. Die Folge würde sein, daß Hunderte von Betrieben die notwendige Kraft nicht mehr erhalte» würden, daß in Hunderten von Wohnungen und Läden da? elektrische Licht erlöschen und selbst die städtischen Theater und viele Lokale den Betrieb einstellen müßten, weil es der Firma Diedcrichsen gefällt, den Hafenarbeitern den Lohn zu verweigern, worauf sie mit Recht Anspruch haben. Daß die Kalamität in der Stadt Kiel durch daZ vorgehen der habgierigen Kohlemmporteure einen hohen Grad erreicht hat» deweift folgender Borgang: Im Gesängnisgebäude hangt seit einigen Tagen em Plakat auS mit der Aufschnft: „Arbeiswillige werden angenommen im Kohlenkontor Ring« straße gegen günstige Entlohnung.' Außerdem wurden Handzettel mit der gleichen Aufschnft in jeder Zelle herumgereicht. Jedoch auch dieser Versuch zeitigte nur ein negatives Resultat._ Achtung, Herren- und Damenschneider! Da sich unsere Kollegen in Badcn-Baden gegenwärtig in einer Lohnbewegung befinden und die Unterhandlungen mit dem Arbeitgeberverband zu keinem annehmbaren Resultat führten, auch kein Entgegenkommen von denselben zu erwarten ist, ist es Ehren- Pflicht eineS jeden Kollegen, Badcn-Dadcn so lange zu meiden, bis wir an dieser Stelle den Abschluß cmcs günstigen Resultats melden können. I. A. der Tarifkommission Albert Rätter, Stcfanienstr. 33 III, Baden-Baku. Auch die Damenschneider und Schneiderinnen Hamburgs stehen vor einer Lohnbewegung. Der im Jahre 1366 abgeschlossene Tarif- vertrag, der am 81. Marz d. I. abläuft, ist von beiden Seiten ge- kündigt bezw. bereits aufgehoben worden, da die Arbeitgeber den Vertrag nicht innehielten, statt Zeitlöhne teilweise Stücklöhne ein- führten und statt Werkstattarbeit die Heimarbeit bevorzugten. In Scktionsversammlungen sind sich die Damenschneioer und Schneiderinnen darüber bereits einig geworden, daß ver neu ab- zuschließende Tarif sowohl hinsichtlich der Löhne als auch in Ver- kürzung der Arbeitszeit Verbessernngen enilyrlten und den Zeit- Verhältnissen angepaßt werden müsse, zumal die gezahlten Löhne in Hamburg bedeutend niedriger als in anderen Großstädten sind, wie an einigen drastischen Beispielen gezeigt wurde. Die Verleumder des Bergarveiterverbanbes vor Gericht. Der Bcrgarbciterverband hat eine Anzahl Prozesse anstrengen müssen, um dem Verleumdungsfeldzuge die Spitze abzubrechen, der seit Jahresfrist gegen den Verband geführt wird. Am Dienstag sollten einige dieser Klagen vor dem Schöffengericht verhandelt werden. In zwei Fällen kam es zu einer Äussetzuna, weil die Angeklagten nicht erschienen waren; im dritten Fall handelte es sich um daZ ehemalige Vcrbandömitglicd Spaniol, der dem Untersuchungsausschuß Protokollfälschung vorgeworfen �Hatte. Es kam zu einem Vergleich, wonach der Angeklagte erklärt, daß er den Vorwurf, die Privatkläger hätten im betreffenden Ausschluß- urteil den Sachverhalt ahsschilich falsch dargestellt, nicht aufrecht er- halten könne, die beleidigenden Aeutzerungen nehme er unter dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Der Vergleich wird in der„Berg- arbciterzcitung" und im„Bergknappen" veröffentlicht. Trotz der bisherigen Feststellungen wird der Bergarbeiter» verband noch weitere Klagen durchfechten müssen, da die Zentrums- hlätter nach dem Muster des„Bergknappen" nach immer ihren ffeldzug gegen den Verband mit dem Spaniolschen-Material" ortsctzcn. Hustanck. Auf dem Weg« Sur Einheit. In Frankreich bestehe» zurzeit drei Nationalverbände von Arbeitern der Metallindustrie, die der Former, Mechaniker und Metallarbeiter. Außerdem gibt es noch eine große Anzahl lokaler Vereinigungen, die einem Nationalverbaude noch nicht angeschlossen sind. Aus dem letztjährigcn Metallarbeiterkongrcß in Marseille wurde nun ein Komitee eingesetzt mit dem Auftrage, innerhalb sechs Monaten einen gemeinsamen Kongreß einzuberufen. Als einziger Punkt der Tagesordnung wurde bestimmt, die Einigungsfrage zu behandeln. Das Komitee beruft jetzt den„E i n i g u n g s» k 0 n g r e h" für den 12„ 13. und 14. April nach Paris ein.— Hoffentlich gelingt cS, eine Verständigung»miswen den drei Kon- kurrenzverbanden herbeizuführen. Tarifvertrag schwedischer Staaisbahnarbeiter. Wie wir Anfang diese» JahreS berichteten, waren die im schwedischen Staatsdienst tätigen Arbeiter verschiedener im Bau befindlicher Eisenbahnlinien längere Zeit ausgesperrt. Verhandlungen zlvischen ihrer Organisation und der StaatSbahnverwaltung hatten schon seit Oktober vorigen JahreS stattgeftinden, konnten aber zu keiner Einigtmg ftihren, weil man den Arbeitern allgemein die zehn- stündige ArveilSzeit aufzwingen wollte sowie einen Stundenlohn von nur 28 Oere. Die Arbeiter setzten den ihnen aufgezwungenen Kamps mit aller Energie fort und sorgten auch mit Erfolg dafür, daß die StaatSbahnverwaltung trotz der im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit keinen Ersatz für die Ausgesperrten und Streikenden finden konnte. Im Februar wurden die Verhandlungen wieder angeknüpft, und es ist dann auch endlich Anfang März zum Abschluß eineSTarifvertrageS zwischen der königlichen Eisenbahnverwaltung und dem Schwedt- schen Eisenbahnbauarbeiter-Verbande gekommen, der auf drei Jahre Geltung bat, bei dreimonatiger Kündigimgssrist. Die regelrechte Arbeitszeit ist für da» Soinmerhalbjahr auf 10 Stunden täglich, an den Sonnabenden jedoch auf 7 Stunden, also die Woche auf 57 Stunden festgesetzt, und im übrigen den Lichtverhältnissen entsprechend für drei Monate auf 52, für die übrigen drei Monate auf 46 Stunden die Woche. Der niedrigste Lohn für die ungelernten Bahnbauarbeiter beträgt 38 Oere die Stunde, also IV Oere mehr als zuerst geboten wurde,»nd ist für die LandeSteile mit teurerer Lebenshaltung auf Vis zu 43 Oere bemessen. Für die tolzarbeiter und Schmiede im Bahnbau sind die Stundenlöhne den euerunasverhälttnffen entsprechend auf 43 bis 55 Oere festgesetzt. Bei Akkordarbeit wird der Stundenlohn gar an- ti e rt. womit eine besonders wichtige Fordening der Arveiter erfüllt ist. Für lleberzeit- und Sonntagsnrvcit sind Zuschläge von 50 und 10V Prozent festgesetzt. Außerdem bietet der Vertrag noch eineReiho anderer nützlicher Bestimmungen, wie die. daß der Staat gute Wohnstäiten für die Arbeiter errichten muß in Gegenden, wo eS daran fehlt, für deren Heizung und Reinigung zu sorgen hat, und daß dieMietS- preise dieser Wohnungen nicht von der Bah 11 bau» Verwaltung allein sondern durch Vereinbarung mit den Aroeitern festgesetzt werden. Bei größeren Arbeitsplätzen müssen auch Untcrkunfts- und Tammelräume für die Arbeiter errichtet lorrden. wo, ebenso wie in den Wohnstätten, aus Staatskosten Zeitungen gehalten werden; tvelche darüber hat aller- ding» die betreffende Verivaliung zn bestimmen, jedoch nach An- hörung der Wünsche der Arbeiter. Die StaatSbahnverwaltung hatte viel Wert darauf gelegt, ein allgemeines dauerndes Streikverbot durchzusetzen:«in derartiges Verbot ist nun allerdings in die Vertragsbestimmungen auf» genommen, beschränkt sich jedoch ans die Daner de« Tarifvertrages. Im übrigen find für die Erledigung von Streitigkeiten Regeln(est- gefetzt, die geeignet find, eine unparteiische Entscheidmig so viel wie möglich zu sicher»._ Soziales« Für die Einführung der»erumittelsteihekt erklärt« sich das Stadtparlament in Frankfurt a. M. W nachm infolge deS dauernden Drängens unserer Genoffen auf Ginführung der Lernmittelfreiheit am Dienstag mit großer Mehrheit zum Etat einen Antrag deS SchulauSschusscS em, in dem gesagt wird: Die Stadtverordnetenversammlung erklärt, daß im gegenwärtigen Augenblick« die Einführung der Lernmittelfreiheit mit Rücksicht auf die finanziell« Lage Schwierigkeiten verursacht, daß aber die prinzipielle Einführung der Lernmittelfreiheit auf die Dauer nicht zu umgehen sein wird, und ersucht den Magistrat, baldmöglichst Bedacht darauf zu nehmen, wann die erforderlichen Mtttel dafüv Vereitzustellen sein werden. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Ortsverwaltung Berlin. Geschäftsstelle Berlin C. 54, Muladftr. 10, I. Fernsprecher Amt III, 4518. Donnerstag, den 18. März cr., abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung aller Gruppen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 4). Tages Ordnung: 1. Der mit den übrigen in den Brauereien Berlins und Umgegend vertretenen Organisationen abgeschloffene Kartellvertrag. 2. Drganisationsangelegenheiten. Kollegen! n bieter Versammlung soll eine für unsere Organisation hochwichtige Entscheidung getroffen werden, darum, Kollegen, erscheint Mann für Mann in dieser Versaminlung. 42/ 12* ollegen! Agitiert für Maffenbesuch dieser Bersammlung. Die Ortsverwaltung. 46 eigene Fisch- Dampfer Schellfisch! Kabeljau! Diese beiden prachtvollen, schmackhaften Fischarten wurden in dieser Woche in großen Mengen gefangen. Donnerstag, Freitag und Sonnabend verkaufen wir: ff. großer Schellfisch i. Anschnitt per Pfd. 35 Pf. " 99 Kabeljau 99 39 " 25, Alle anderen Fischarten in großer Auswahl billigst. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft„ Nordsee". Größte Hochseefischerei Deutschlands. Hauptgeschäft: BERLIN C., Bahnhof Börse 8/10. S. Prinzenstraße 94. Verkaufsstellen: 0. Schles. Bahnhof, Bog. 8/9. N. Invalidenstraße 131. 0. Große Frankfurter Str. 85. W. 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März, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des GeorgenKirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Umi zahlreiche Beteiligung ersucht 192/9 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Todes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse, Maler Gottlieb Twiefel ( 2. Gruppe) verstorben ist. 250/6 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. März, auf dem Luisen Kirchhof, Fürstenbrunner Weg, statt. O Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bürstene macher Franz Galikowski am 15. März gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. März, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Thomas Stirchhofes in Nig dorf, Hermannstraße, aus statt, 80/18 Die Ortsverwaltung. H Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe, gute Frau und Tochter 15075 Anna Woller geb. Henze nach furzem Krantenlager am Dienstag, den 16. März, früh 8 Uhr verstorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Karl Woller als Gatte. Bw.Martha Henze a. Mutter. Die Beerdigung findet Freitagnachmittag 32 Uhr auf dem städtis jchen Friedhof, Friedrichsfelde, statt. + Hygienische Bedarisartikel. Neuest. Katalog m. Empfohl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u. B. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 Husten, Heiserkeit beseitigen wunderbar leicht und schnell die Berühmten Hustentropfen bon Otto Reichel. Nur echt mit 99 Marke ,, Medico". Fl. 50 Pf. u. 1 M. Vor Nachahmungen jeder Art sei jedoch dringend gewarnt. In den meisten Drogerien und bei Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr.4. Möbel Schulz Reichenberger Str. 5, Gediegene Arbeit. Aeußerst billige Preise. Auch 752 Ratenzahlung. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: VorwärtsBuchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 65. 26. Jahrgang. nlM im Jotmätlii" Klllim gollislilnlt. Nonmstag, 18. Marz MS. Partei-?Zngelegenkeiten. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für Teltow- Beeskow-Storkow-Charlottenburg. Am Sonntag, den 21. März, nachmittags 2 Uhr, findet im Volkshause zu Charlottenburg, Rosinenstraße 3, die Generalversammlung des Kreises statt. Tagesordnung: i. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Anträge zur Generalversammlung Groß-BerlinS. 4. Sonstige Anträge. Die Delegierten der einzelnen Wahlvercine, die mit Mandaten versehen sein müssen, sind in folgender Anzahl zu entsenden: Nixdorf 16, Charlottenburg und Schöneberg je 6, Cöpenick, Nowawes utsd Treptow- Baumschulenweg je 4, Adlershof, Steglitz und Wilmersdorf je 3, alle übrigen Vereine 2 Delegierte. Die Generalversammlung wird pünktlich eröffnet. Als Gäste haben nur Mitglieder Zutritt; Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zentralvorstand. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, de» 23. März, abends pünktlich 8V2 Uhr, findet im großen Saale von Klicm, Hasen- Heide 13/16/ ein Vortrag mit Lichtbildern über:»Die badische Revolution" statt. Vortragender: Reichstagsabgeordneter Adolf Geck. Eintrittskarten k 10 Pf. sind bei den Abteilungs- und Bezirksiührern sofort zu entnehmen. Offene Kasse findet nicht statt. Da etwas Gutes geboten wird, ersuchen wir um zahlreiche Be- teiligung. Der Vorstand. Charlottcndurg. Der Leseabend für die 3. Gruppe findet nicht beute, sondern erst am Freitag, den 10. d. Mts., bei Kirschkowsky, Beussclstr. 9, statt. Wilmersdorf-Halensee. Am Freitag, den 19. März, abends 8 Uhr, findet für Halensee eine Handzettelverbreitung zu der am Sonntag, den 21. März, stattfindenden Versammlung statt. Die Genossen des 1. und 2. Bezirks haben sich bei Bonczek, Kurfürsten- dämm, diejenigen des 3. Bezirks bei Wegner, Iohann-Georgen- Pratze 13, rechtzeitig einzufinden. Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 21. März, nach- mittags 3 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins in Fredersdorf bei M. Gierke statt. Tagesordnung: Bericht von der Genieindevertreterkonfcrenz und von der Kreisgeneralversammlung. AuSschlutzanträge. Wahl eines Delegierten zur Generalversammlung Grotz-Beriins. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. -st-ndR,� Der Vorstand. Rnddw. Am Sonntag, den 21. März, abends S Uhr. findet im Lokal Palm die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- verein? statt Der Vorstand. Tvebbin. Am Sonnabend, den 20. März, abends 8'/s Uhr. bei Wolfe Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder und Kasse. 2. Bericht von der Gemeindevertreter- konserenz. 3. Delegiertenwahl für Grotz-Berlin. 4. Parteiangelegen- hellen. 6. Verschiedenes. Spandau. Heute Donnerstag, den 18. März, abends s'/z Uhr, Volksversammlung im Lokale von Fritz Bühle, Havelstratze 20. Tagesordnung:„Der achtzehnte März und der Kampf [en das Dreiklassenwahlrecht". Referent: Redakteur offe Wermuth-Berlin. Reinickendorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet bei Gründer, str. 24. der Lese- und Diskntierabend statt. ''J Pirkenwerder. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im radiesgarlen" eure Volksversammlung statt. Genosse U ck 0- st, referiert über»Die Bedeutung des 18. März". Zernsdorf. Die Märzfeier findet heute abend im Lokal von � statt. Die Genossen wollen für zahlreichen Besuch Sorge trogen.___ Der Vorstand. Berliner JVacbrlcbten. Die wilde Jagd. Die berufsmäßig strampelnden Kraftmenschen oder noch mehr ihre Manager, die an der bis aufs äußerste an- gespannten Leistungsfähigkeit des Radrennfahrers schweres Geld verdienen, haben in Beplm einen Sportrummel arrangiert, der in seiner Exzentrizität� weit über die Sportkreise hinaus Beachtung findet. Sie»vollen hinter dem„Lande der un- begrenzten Möglichkeiten!' nicht zurückbleiben und verpflanzten die Mode eines SechstagerrwnM» von New Jork nach Berlin, nach dem Wiriter-Belobrom in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten. Auf den ersten un- schuldigen Blick ein wunderhübsches Schauspiel, diese ge- schmeidigen. sehnigen, in bunten Dreß gekleideten Gestalten, die wie die wilde Jagd in langer Päce über die Holzbahn slitzen. Munter spielt von hoher Empore die Kavalleriemusik flotte Märsche, eine angenehme Abwechselung in dem zeitweise stark eintönigen Sportbilde. Die Logen, für den gepfefferten Achtmarkpreis erreichbar, die numerierten Plätze, die Galerien und der Sattelplatz, auch der der Presse zur Verfügung ge- stellte erste Rang weifen bald klaffende Lücken, bald stick» sie dicht gefüllt, je nach der Tages- oder Nachtzeit. Denn auch die ganzen sechs Nächte hindurch wird gestrampelt und nicht selten dazu auf dem Olymp, wenn irgendein Fahrer einen nicht kommentmäßigen Spurt versucht. wütend getrampelt. Ach. dieses Publikum! Gemischt aus allen möglichen Elementen. Echte Sportbegeisterte, die nicht weichen und»vanken von ihrem Platz, jeden kleinsten Vorsprung ihrer Epezialsreunde mit lautem Hallo und Entgleisungen oder falsche Vorstöße mit protestierendem Gejohle begleiten. Sie sind eingeschworen auf Rad und Holzbahn wie die Fahrer selbst, achten auf alles und jedes-- die peinlichsten Kritiker der Reunleitung. Da unten auf dem Sattelplatz die große, ab und zu flutende Korona des intimeren Radsportzirkels. Die Versuchskarnickel der Fahrradfabriken, in flatternden Schlafmänteln posierend oder sich ruhend nach der Ablösung in dem wie Hundehütten aussehenden Bretterkojen, die sechzig Helfer der dreißig besten Rennfahrer der Welt, Manager und Direktorium in Zylinder und weißer Binde. Dutzende von Rundenzählcrn, mit Notizblock und Bleistift argusäugig die Fahrer betrachtend, die besorgten Gattinnen und andere Herz- allerliebste der Strainpelbrüder, anfeuernd und wohl auch bedauernd, unvermeidliche großschnäuzige Sportfexen, die vom Radrennen so viel Ahnung haben wie der"Agrarier vom Gurkensalat, und last not least neben gewerbsmäßigen Faulenzern des vornehmen Westens jene schönen und weniger schönen, vollbusigen und schmalbrüstigen. riesenbehüteten I Frauengestalten, die überall dabei sind, wo es etwas zu erobern >»srr»,P Ss r.___ l____<. e.......1. stbt— alles das schwirrt bunt und aufgeregt durcheinander. Hunderte, denen es namentlich in den Frühstundcn, beim fahlen Morgenlicht und ohne Rtusik, zu langweilig wird, reckeln sich gähnend vom stundenlang geduldig behaupteten Platz, andere Hunderte und Tausende strömen hinzu. Und das alles, um die Nerven aufzupolieren.... um mit gierigen Augen sich zu berauschen,»vie dreißig Menschen, denen außer der Sportehre freilich auch ein Batzen Gold winkt, ihre Gesund- hcit sträflich aufs Spiel setzen. Wie der Wind, in mörde- rischem Tempo, saust das bunte Nudel von fünfzehn Fahrern, während die andere Hälfte frische Kräfte sammelt. über die in unheimlicher Glätte schillernde Bahn. Jetzt läutet bei der Richtcrtribüne im Jnncnraum scharf und schrill die Glocke, übertönt von wildein Schreien aus tausend Kehlen-- ein gefährlich aussehender Massensturz I Fünf, acht Fahrer wälzen sich im Knäuel am Boden. Aber es ging glimpflich ab, nur Hautabschürfungen und Beulen, die zählen hier nicht. Selbst Magenkrämpfe, Schulter- Verrenkungen, Handverstauchungen. Kopfkoliken bedeuten nicht allzu Tragisches für die abgestunipften Nerven der Berufs- fahrer und ihres Anhanges. Nur»veiter, unaufhaltsam weiter, daß keine Runde verloren geht, ungenützt keine Viertelstunde. Jnuner„aufholen", Stück für Stück, Meter um Meter. Runde um Runde, bald in aufregendem Endkampf kurz vor dein allstündlichen Pistolenschuß mit mächtigem Tritt in die Pedale, bald zielbeivußt init glänzender, halbstundenlanger Führung, die keinen Hintermann passieren läßt. Neues Schreien, Johlen, Pfeifen. Das sportkundige Stammpublikum der weiten Halle sieht den nicht ganz koscheren Fahrern scharf auf die Finger, hat eine„Schiebung" entdeckt und protestiert noch schneller als die Glocke. In wenigen Sekunden ist die Ordnung wiederhergestellt, dann geht die wilde Jagd, mit lauten Zurufen gehetzt, in rasendem Tempo von neuem los. Zwei Favoriten haben den Zwischelifall ausgenutzt. Wie der Blitz stoßen sie vor das Feld, gewinnen mit mächtigem Spurt eine Runde, noch eine Runde. Da... in der Kurve, schon »nieder eine kleine Sensation. Ein Schlapper, der Letzte im Felde, hängt fast besinnungslos nur noch an der Maschine. Wie ein Sack tippt er um, wird von schnell hinzuspringenden Helfern aus den roten Streifen gezerrt. Der Sportmob, eleganter und gewöhnlicher, heult und jubelt vor Schaden- freude. Ter Nervenkitzel ist für die nächste halbe Stunde wieder mal befriedigt. Wann gibt's den ersten Knochenbruch? Wird einer der wilden Renner sich den Schädel zerschmettern? Grausig wär's, aber ein Schauspiel, das mit angesehen zu haben man sich rühmen kann.... Und dieser verschleierte Mord, der lauernde Selbstmord ... nennt sich Sport! Wie heißt's doch? Wo der Sport aufhört. Sport zu sein, fängt die Verrücktheit an. Nein, solche wahnsinnige Fexerei, in der Methode liegt, ist kein Sport mehr. Es ist ein Spielen mit der kraststählenden, volkstümlichen und volksdienlichen Grundidee, die durch jeden vernünftigen, in den Grenzen der Menschennatur bleibenden Sport geht, ein freventliches Spiel mit eigenem und fremdem Leben._ Die WohnungSenquete der Ortskrankenkasse der Kaufleute. Die Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kauf- leute, Handelsleute und Apotheker in Berlin hatte mehrere Jahre hindurch bei ihren Mitgliedern Wohnungsenqueten aufgenommen und veröffentlicht. Der Preußische Landesverband der Haus- und Grundbesitzervereine hatte sich veranlaßt ge- fühlt, gegen die Verwendung von Mitteln der Kasse für diese Enquete bei der städtischen Gewerbedeputation Einspruch zu erheben. Der Magistrat Berlin hatte aber diese Einsprüche vom 22. April und 17. Juli 1307 nach Prüfung der Verhältnisse und weil unzulässige Kosten nicht er- wachsen waren, zurückgewiesen. Der Oberpräsident v. Trott zu Solz hat dann eine Beschiverde des Preußischen Landesverbandes der Haus- und Grundbesitzervereine gegen die Entscheidung des Berliner Magistrats gleichfalls zurück- gewiesen. Daraufhin hat der Handelsininister auf eine neue Beschwerde des genannten Landesverbandes den Magistrats- kommissar angewiesen, der Ortskrankenkasse die weitere Vor- nähme von Wohnungsenqueten unter Strafandrohung zu untersagen. Gegen diese Verfügung des Magistratskommissars hatte die Ortskrankenkasse im Verwaltungswege Einspruch erhoben mit dem Erfolg, daß der Bezirksausschuß in seiner Sitzung vom 2. d. M. sowohl die Verfügung, als auch die Straf- androhung als unwirksam erklärt hat. Herr Holh, der FortbildungSschullehrcr a. D., der vom Stadtschulrat Michaelis im beschleunigte»: Verfahren seines Avites enthoben wurde, hat das Bedürfnis gefühlt, sich öffentlich zu verteidigen. Diesem Zweck sollte eine„große öffentliche Volksversan:mlung" dienen, die von seinen Freunden aus dem antisemitischen„Reichsbund der Deutschen Reformpartei" einberufen worden war, um gegen die„liberale und sozialdemokratische KampfeStveise" zu protestieren. Daneben wollten die Antisemiten dieser Couleur wieder mal die Gelegenheit be- nutzen, ein neues Wässerchen auf ihre dürftig klappernde Mühle zu leiten. Die Versammlung tvar zu Dienstag, um 9 Uhr abends, nach dem„Germania"-Etablisselncnt in der Chauffecstraße cinbe- rufen worden, doch hatte eine Notiz im„Reich" gcinahnt, die Freunde möchten möglichst zeitig kommen, damit nicht die Leute des Stadtverordneten Hossmann, den man ebenso lote Herrn Haitz eingeladen habe, im voraus den ganzen Saal füllen könnten. Nach 0 Uhr war der«weiße(also nicht der große) Saal" noch recht spar- lich besetzt— und als um?LtO Uhr die Versammlung endlich er- öffnet wurde, ließen sich noch keine 100 Personen herauszählen. Auch die Reklame, die in den Schulen durch Zirkulare für diese Veranstaltung gemacht worden war, hatte nichts genützt. Nur wenige der Lehrer hatten die darin ausgesprochene„feste Hoffnung, daß die Berliner Lehrer der Sache ihres Kollegen ihre Teilnahme nicht versagen werden", erfüllt. Daß 20 Pf. Eintrittsgeld gefordert wurden, war weder in der Zeitungs- notiz noch im Zirkular gesagt worden, sonst wär's gewiß noch leerer im Saal geblieben. Das einleitende Referat des Herrn v. Mosch war belanglos. Erwähnung verdient höchstens die von ihm abgegebene Versicherung, Herr Holtz habe in dem Schüleraufsatz den einen Satz, der ihm den Hals brechen sollte, und sicherlich in dieser Absicht böswillig hinein- praktiziert worden sei, völlig übersehen; das habe Herr Holtz selber gesagt, und er würde gewiß nicht so„kreuzdämlich" sein, so etwas stehen zu lassen. Erwähnung verdient das deshalb, weil cS hinter- her den Schneidermeister Donner nicht hinderte, begeistert zu erklären, alle deutschen Männer hätten Herrn Holtz dafür zu preisen, daß er„den Mut gehabt hat, den Satz stehen zu lassen". Der Referent hatte nichts davon gesagt, daß just in dem frggljchen Satz ein Wort mit roter Tinte gus> gestrichen worden ist. Ein Lehrer ging in der Diskussion auf diesen Umstand ein. und er teilte mit, Herr Holtz habe dem Direktor der bctreffe»lden Fortbildungsschule erklärt, diese Streichung rühre nicht von ihm her. Herr Holtz, der schließlich selber das Wort ergriff,»oiederholte vor der Versammlung diese Erklärung. Er bob hervor, das Wort sei zwei mal durchstrichen, während er die Gewohnheit habe, nur einmal zu durchsireichen. Er könne nicht mal bestimmt sagen, ob er de» Aufsatz selber unterschrieben habe. Es seien„sämtliche" Hefte verglichen worden, aber in keinem habe sich Aehnliches gefunden. Hier befindet Herr Holtz sich d e n n d o ch i n e i n e m I r r t u m. Vor uns liegt ein Heft eures seiner damaligen Schüler, da finden»vir in einem Aussatz vmn 23. Januar 1903 ein Wort zwei mal durchstrichen, in einem Auf- satz vom 17. Februar 1908 ein Wort zwei mal unterstrichen, in einem Aufsatz vom 18. März 1908 ein Wort zwei mal unterstrichen. Bei diesem Schüler beginnt der Aussatz vom 3. Februar 1908 über „Die Verwaltung der Stadt Berlin' so(buchstabengetreu):„Wenn wir uns die Frage vorlegen, ist die Verwaltung der Stadt Berlin eine gute so können, wir sie getrost verneinen." Das erinnert doch recht auffallend an den Aufsatz jenes anderen Schülers, der Herrn Holtz„eine Falle gestellt" haben soll. Dort heißt es:„Die Verwal- tung der Stadt Berlin ist die denkbar schlechteste". Von den„Vater- landsverrätern" steht allerdings in dein uns vorliegenden Heft nichts. Aber daß Herr Holtz im Unterricht die„kräftigen" AuS» drücke liebt und dadurch auch den Aufsatzstil seiner Zöglinge be- einflußt, wird er selber zugeben. Als Probe sei aus dem Heft folgender Satz angeführt, den wir in cincin Aussatz„Braucht Deutschland ein starkes Heer und eine starke Flotte? finden:„Es ist von einschneidende»» Werte für jeden jungen Mann, wenn er ein paar Jahre seine Knochen zusammennehmen muß, was man unter dem Namen drillen bezeichnet. Hier lernt er solide leben, wird derb angefaßt rnw bekommt mäßig zu essen. Dadurch erzieht Deutschland eine kräftigen Nachwuchs." Der ganze Holtzl Dieses Heft ist bei der Untersuchung nicht berücksichtigt worden. Eine Einforderung aller in Betracht kominenden Hefte war auch gar nicht möglich,»oril viele der Schüler von 1903 jetzt nicht mehr zu er- reichen sind. Trotzdem erklärt Herr Holtz auch in einer Zuschrift. die das„Reich" ihm veröffentlicht:„In keinem Heft ist auch nur ein Anklang an eine politische Denkung gefunden worden." Es sollte einmal offiziell bekanntgegeben werden, wieviele Hefte über- Haupt noch zusammengebracht werden konnten. Der Stadtschulrat Michaelis sprach im Rathaus nur von„einer ganzen Reihe Hefte". Jene Holtzsche, überaus langatmige Zuschrift, die wir jetzt un „Reich" finden, war auch uns zugegangen, wir glaubten aber aus ihrer ganzen Form fast den Schluß ziehen zu sollen, daß sie nicht aus der Feder eines Lehrers herrühre, sondern eine Mystifikation sei. Herr Holtz erklärt darin, n i e habe er iin Unterricht auf die Schüler politisch eingewirkt, nie habe er in seinen Deutschen Jugendbund„patriotische Denkungen hineinzutwagen versucht". Auch das wiederholte er in der Versammlung, und ein Herr Alfred Diller. Vorsitzender vom„Deutschen Jugendbund", bestätigte eS ihm. Dieser Herr Diller erzählte, er selber habe auch die Versammlungen der sozialdemokratischen Jugendorganisation öfters besucht, bis man in einer Abteilungssitzung ihm„die Tür gewiesen habe, weil man wußte, daß dort bemerkenswerte Sachen zu erfahren wären". Derselbe Herr Diller wies den Vorwurf, daß er etwa die sozialdemokratische Jugeudorganisation habe be- spitzeln wollen,»reit von sich Eine wenig beneidenswerte Rolle spielten in der Versammlung die Lehrer, die sich eingefunden hatten. Herr v. Mosch rief: „Wenn die Berliner Lehrer sich nicht auf die Seite von Holtz stellen, dann sind sie—(hier machte er eine Pause)— sehr klugl Als einige Lehrer hierdurch und durch ähnliche Bemerkungen sich b e- l e i d i g t fühlten und entrüstet sich wehrten, erklärte Herr b. Mosch sich schließlich für einen—„stillen Bewunderer der Lehrerschaft". Die Gemeindeschulen werden mit Beginn dcS Sommerhalb- jahres 1909 wieder um einige vermehrt werden. Gegenwärtig bestehen 295 Gemeindeschulen, von denen mehrere wegen ihrer übermäßigen Klaffenzahl ein sogenanntes Filial(eine einem be- sonderen Leiter unterstellte Gruppe von Klassen)) haben. Die katholische 239. Schule im Schulhause Christburger Straße 7— 11 und die katholische 277. Schule im Schulhause Greifenhagener Straße 26 waren bisher halb Knaben- und halb Mädchenschule, beide werden aber zum April in Schulen nur für Mädchen um- gewandelt, unter Belassung in ihren bisherigen Heimen. Neben ihnen werden in denselben Schulhäusern zum April zwei katholische Schulen geschaffen, die nur für Knaben bestimmt sind, eine 298. Schule im Hause Christburger Straße 7— 11 und eine 297. Schule im Hause Greifenhagener Straße 26. Freilich bedeutet das nicht viel mehr als eine Zerlegung der 239. und der 277. Schule die beide zu groß geworden sind, in je zwei selbständige Schul- organiSmen, wobei da»m die Knabenklaffen für sich und die Mädchenklaffen für sich zusammengefaßt»verden und je ihren eigenen Rektor bekommen. Die 239. Schule ist bis auf 24 Klassen angewachsen, und zur 277. gehören jetzt sogar 26 Klassen, größer durste man beide da nicht werden lassen. Schon so werden nicht mehr allzuviel neue Klaffen hinzugefügt zu werden brauchen, um die neuen Schulen, die 296. und 297., in der üblichen Weise „füllen" zu tonnen. Die 275. Schule für Mädchen im Mietshause Schönhauser Allee 103 und die 292. Schule für Knaben und für Mädchen im Mietshause Koloniestrahe 8 haben jede ein Filial. Das Filial der 275. Schule wird zu einer neuen 298. Schule für Mädchen ausgestaltet, und aus dem Filial der 292. Schule soll eine neue 299. Schule nur für Knaben werden, wofür dann die 292. in eine Schule nur für Mädchen umgewandelt wird. Die neuen Schulen bleiben in ihren bisherigen Heimen neben den Schulen, als deren Filial sie bisher galten. Auch hier hat die Einrichtung der„neuen" Schulen nicht so viel zu bedeuten; denn das Filial der 276. Schule hat schon jetzt 16 Klaffen(neben den 18 eigenen Klaffen der 276. Schule), und das Filial der 292. Schule besteht aus 9 Klassen(neben 18 eigenen der 292. Schule). Von sonstigen Neuigkeiten ist noch zu berichten, daß das katholische Filial der 293. Schule(Frankfurter Allee 4) fortan zur 247. Schule (Rigaer Straße 81) gehören soll, und daß der letzte Rest der „überflüssig" gewordenen ehemaligen 17. Schule für Mädchen im alten Schulhause Ackerstraße 67— ein paar Klaffen, die noch als Filial der im Schulhause Strelitzer Straße 42 befindlichen 207. Schule für Mädchen geführt werden— zu Ostern aufgelöst wird. Nebenbei»vollen wir schließlich noch bemerken, daß in dem Entwurf des Gemei»rdeschuletats für 1909, der soeben erst von der Stadtverordnetenversaininlung festgesetzt worden ist, zuin April fünf neue Schulen versprochen wurden. Wie man sieht, sind aus den„fünf" im Handumdrehen vier geworden— vier, die obenein nur bedingungsweise als„neue" Schulen gelten können. Unerbittlich, Die gegenwärtige Krise benutzen viele Abzahlungsgeschäfte, um gegen Kunden, die infolge Arbeitslosigkeit mit ihren Zahlungen im Rückstand bleiben, recht schroff vorzugehen. Die Sach- läge ist überall die gleiche. Der Kunde ist mit zivei aufeinander folgenden Raten ganz oder teilweise zurückgeblieben und hat soinit seine Bertragspslichten nicht erfüllt. Darauf Klage beim Amts- gexicht auf Zahlung der R.cstschüld oder Herausgabe der Sflchen. Auf©ntirt) des Verkrages erfolgt dann Verurteilung mit sofortiger Vollstreckung. Die Restsumme kann der Verurteilte nicht zahlen und so holt man ihm in den meisten Fällen die Sachen ab, oft ohne noch einen Stuhl dazulassen. Man rechnet die gezahlte Summe als Abnutzung auf, bielfach reicht der gezahlte Betrag nicht einmal dafür und so kommt es, daß der Beklagte nicht nur die Sachen loS wird, sondern obendrein noch zuzahlen muß. Es kommt auch bor, daß sich der Inhaber des Abzahlungsgeschäfts mit seinem Kunden einigt und vorläufig auf Weiterzahlung eingeht. Wird dann aber eine Rate ausgelassen, dann wird das erstrittene Urteil bollstreckt. Und das geschieht alles von Rechts wegen, auf Grund eines richterlichen UrteilspruchcZ. So erging es kürzlich einem Tischler M., der von dem Möbelhändler Scheidt in der Dresdener Straße 8 Gegenstände im Werte von bvl) M. entnommen hatte. 880 M. hatte M. abgezahlt. Arbeitslostgkcit hinderte ihn, seine Zahlungen so einzuhalten, wie vereinbart, und das Ende vom Liede war Klage. Verurteilung und Pfändung. Die gezahlten 880 M. rechnete der gute Mann folgendermaßen auf: Vertrag, Stempel 10 M., Hin- und Rücktransport 16 Mk., Benutzung der Sachen 83 M., Entwertung derselben 275 M. Kläger habe noch zu fordern 9 M. und Herausgabe der Sache. Ein anderes B?ld: Der Arbeiter P. in Rixdorf entnahm von der Firma Julius Glogau, Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Große Frankfurter Straße 137, Sachen im Betrage von 883 3Ä. Nachdem er 358 M. gezahlt hatte, kam er in Rückstand infolge Arbeitslosigkeit. Und nun begann dasselbe Spiel: Klage, Ver- urteilung, Pfändung der Sachen. Die Rechnung, die Julius Glogau aufstellte, war: Transportkosten 12 M. Für Benutzung und Entwertung der Sachen 313 M. Glasau klagt der Kosten wegen nur auf eine Teilforderung von 60 M. oder Herausgabe der Sachen. Das Endresultat ist auch hier: P. ist seine Sachen los und auch seine 358 M., die er innerhalb 1?4 Jahren gezahlt hat. Glogau wie Scheidt sind in ihrem Rechte, wenigstens nach der formellen Seite hin; moralisch aber wird jeder Mensch das Ver- fahren mißbilligen. Wir wissen sehr wohl, daß viele Abzahlungs- gcschäfte oft böse hineingelegt werden, indem Leute Gegenstände auf Leihvertrag entnehmen und dieselben sofort wieder verschärfen. Wir wissen auch, daß in solchen Fällen die Abzahlungsgeschäfte bei eventuellen Klagen noch die Kosten hinterherwerfen. Und deshalb machen auch wir einen Unterschied in den Restanten, solchen, die aus Böswilligkeit nicht zahlen, und solchen, die infolge Unglücks in der Familie oder Arbeitslosigkeit nicht zahlen können. In solchen Fällen, wie den letzteren, von dem Buchstaben des Vertrages Gebrauch zu machen und eine augenblickliche Notlage der Kunden für sich aus- zunutzen, ist ein Verhalten, das aufs entschiedenste verurteilt werden muß. Eine Lehre aber mögen alle diejenigen, die genötigt sind, zu einem Abzahlungsgeschäft zu gehen, daraus entnehmen und die besteht darin, sich ja genau anzusehen, was sie unterschreiben. Der Passus mit den zwei aufeinander folgenden Raten ist für viele schon verhängnisvoll geworden und deshalb empfiehlt eS sich, auf Strei- chung dieses Punktes zu dringen und sich nicht damit zu beruhigen. es wird mit den Vertragsbestimmungen doch nicht so genau ge- nommen. Die an den Amtsgerichten sich tagtäglich abspielenden Prozesse beweisen das Gegenteil. Aenderung in der Berliner Postverwaltung. In der inneren Gliederung der Postverwaltung von Berlin tritt am 1. April in- sofern eine Aenderung ein, als das Postamt SW.13 in der Alten Jakobstr. 169/170 in eine Zweigstelle des Postamts SW.68 in der Lindenstraße umgewandelt wird. DaS Postamt 13 war bisher ein selbständiges Postamt 1. Klosse. Auf den Verlehr mit dem Publi- tum hat die Aenderung keinen Einfluß. Neue Omnibusverbindungrn. Zwisckien der westlichen Leipziger und der südlichen Friedrichstraße besteht zurzeit keine direkte Omnibus- oder Straßenbahn-Verbindung. Dieser viel empfundene Mißstand wird am 1. April d. I. beseitigt. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktiengesellschast legt die Linie 28.Moabit— Hasenheide", welche durch den Tiergarte» fährt, vom Potsdamer Platz aus durch die Leipziger und Friedrichstraße über das Hallesche Tor. Dadurck erhält auch die südliche Friedrichstraße direkte Pferde- omnibuSverbindung mit der Blücherstraße. Ferner wird die direkte Verbindung der nördlichen Potsdamer Straße fPotsdainer Brücke) mit der Kömggrätzer Straße(HallescheS Tor) dadurch hergestellt, daß die von Schöneberg durch die PotS- damer Straße kommende Omnibuslinie 10 vom Potsdamer Platz aus durch die Königgrätzer Straße über das Hallesche Tor in die Belle Alliance-Srraße bis zum Kreuzberg geführt wird. Neuschnee fiel gestern vormittag in Berlin und der Umgegend, obgleich noch große Mengen von Schnee und Eis in den Straßen, auf den Plätzen, Flüssen und Seen vorhanden ist. Besonders in den Vororten liegt der Schnee noch bergehoch. Das Schicksal einer bronzenen KriegSdcnkmünze. Der Invalide August B., jetzt 66 Jahre alt, war in den Kriegs- jähren 1870/71 acht Monate zur Mobilmachung eingezogen und hat schlecht und recht als Obergefreiter seine Pflicht als Vater- landsverteidiger erfüllt. Zur Belohnung erhielt er am 1. Dezember die vom Kaiser und König von erbeuteter Kanonenbronze gestiftete Kriegsdenkmünze für Kombattanten ausgehändigt. Infolge seiner mißlichen Lage glaubte B. im Vorjahre ein Gesuch einreichen zu sollen, in welchem er um die Gewährung eines Ehrensoldes nach- suchte. Vom Polizeipräsidenten erhielt er ablehnenden Bescheid mit der Begründung,„weil er nicht als Feldzugsteilnehmer im Sinne des Gesetzes zu betrachten sei". Zwar sei B. im Feldzuge gegen Frankreich eingezogen worden, habe aber nicht die franzö- fische Grenze überschritten. Ein Gesuch an den Minister des Innern wurde gleichfalls ablehnend beantwortet. Darauf wandte sich B. an den Staatssekretär des ReichLmarineamtS— der Gesuchsteller gehörte seinem Militärverhältnis entsprechend dem 22. See- bataillon an— und erhielt hier gleichfalls einen vom 22. Javiiar 1800 datierten ablehnenden Bescheid. Weiter aber heißt es in diesem ministeriellen Schreiben! „Im übrigen wird noch bemerkt, daß Ihnen die Kriegs- denkmünze aus Bronze(statt aus Stahl) seinerzeit irrtümlich verliehen worden ist, Ihnen somit ein Anspruch auf Anerkennung als Kriegsteilnehmer im Sinne des Gesetzes nicht erwachsen kann." Also in dem Augenblick, da der Invalide ein UnterstützungS- gesuch einreicht, stellt man an den obersten Stellen fest, daß B. 33 Jahre lang die KriegSdcnkmünze aus Bronze zu Unrecht ge- tragen hat, er hätte nur eine solche aus Stahl bekommen sollen. UnS soll wundern, was nun werden wird. Wird nun ein hoch- notpeinliches Verfahren eingeleitet werden, um dem B. die bronzene Denkmünze zu entziehen und wie wird man sich dazu stellen, ihm die stählerne Medaille dafür zu überreichen, die er wie jetzt festgestellt wird, zu Recht zu erhalten hätte. Bielleicht sind noch einige hundert Stück von diesen Medaillen übrig ge- blieben._ Zum Fall Fähndrich weiß der Magistratsoffiziosus zu melden: „Die dem früheren Stadtverordneten Fähndrich von dem Pächter gezahlten 300 M. sind nicht zu Wahl- oder Agitationszweckcn benutzt worden, sondern, wie einwandsfrei bekundet worden ist. dem Pächter schon vor längerer Zeit von F. zurückgesandt worden." Hiernach hätte Fähndrich bor Gericht die Unwahrheit gesagt, indem er behauptete, er habe die 300 M. dem Vorstand der frei- sinnigen Partei zugeführt. Wenn Fähndrich wirllich das Geld nicht für sich behalten, sondern dem Pächter zurückgesandt haben sollte, warum tischte er dann dem Gericht die Erzählung von der Abliefe- rung der Gelder an die freisinnige Psrtcikasse auf? Sonderbar mutet die ganze Erklärung über den Verbleib der 300 M. an. Unter den Räder» des StabtbahnzugeS. Bei Einsteigen in«inen fahrenden Zug ist gestern morgen die 25 Jahre alte Arbeiterin Frieda Hinze aus der Putbuser Straße 32, die in Pankow in einer Zigarrenfabrik beschäftigt war, tödlich verunglückt. Um nach ihrer Arbeitsstelle zu gelangen, wollte sie um 6?L Uhr auf dem Bahnhof Gesundbrunnen in ein Abteil dritter Klasse des Vorortzuges 231 einsteigen, nachdem sich dieser schon in Bewegung gesetzt hatte. Hierbei fiel sie zwischen zwei Wagen auf das Gleise hinab. Man brachte den Zug bald wieder zum Stehen und holte die Verunglückte, die bewußtlos auf den Schienen lag, auf den Bahnsteig herauf. Ein Bahnarzt konnte aber nur noch ihren Tod feststellen. Aeußerlich war sie an der rechten Stirn- seite verwundet. � Durch einen Absturz mit dem Gerüst verunglückte» gestern drei Arbeiier am Lessingtheater, die eine Leitung montierten. Eine der beiden Leitern, zwischen denen das Gerüst angebracht war, hakte aus, und alle drei Arbeiter stürzten in die Tiefe. Während zwei glimpflich davon kamen, erlitt der dritte, der 29 Jahre alte Arbeiter Karl Münster aus der Müllerstraßc 90, so schwere innere Verletzungen, daß er mit einem Tragelorb nach der CharttS ge- bracht werden mußte. Münster ist verheiratet. Bei einer Konfirmationsfeier vom Tode überrascht wurde gestern der Töpfermeister Püschel aus der Philippstraße 9. Nach der Teilnahme an der kirchlichen Feier wer er zu einem Nachbarn eingeladen worden. Als man sich gerade zu Tisch gesetzt hatte, sank Püschel, vom Herzschlage gerührt, tot vom Stuhle. Verhaftet wurde gestern die Schauspielerin Wade aus der Tnftstr. 46, die nach wie vor unter dem Verdacht steht, bei dem Brand in ihrer Wohnung ihre Hand im Spiel gehabt zu haben. Ei» gewerbsmäßiger Heiratsschwindler ist von der Kriminal. Polizei wieder einmal festgenommen worden. Ein schon schwer be- strafter Alfred Krüger aus der Usedomstraße betrieb einen Schwin- del eigener Art. Er trat nicht selbst als Freier auf. sondern spielte den Vermittler. In mehreren Zeitungen machte er bekannt, daß ein Polizeibeamter in gesicherter Stellung eine Schneiderin oder ein besseres Dienstmädchen mit etwas Geld zur Frau suche. Gegen hundert Bewerberinnen meldeten sich. Krüger besuchte eine nach der anderen und stellte sich als Wirt des Beamten vor. Dieser sei dienstlick, verhindert, selbst zu kommen, und schicke ihn, damit er sich vorläufig einmal nach seiner Zukünftigen umsehe. Jeoer er- zählte er, daß gerade sie seinem Auftraggeber am besten gefallen habe. Er versprach auch, bei dem Freier, der ein schöner Mann mit gutem Einkommen sei, ein gutes Wort einlegen zu wollen. Zum Schluß bat er um 3 bis 5 M. für seine Bemühungen, weil er auch ein armer Teufel sei. Man gab ihm aern das Geld. Aus der Kc- schreibung des Schwindlers, eines 40 Jahre alten hageren Mannes mit blonder Perücke und Spitzbart, sah die Kriminalpolizei sofort, daß sie es mit ihrem alten Bekannten Zkrüger zu tun hatte, und nahm ihn fest. Die betrogenen Mädchen haben sich noch lange nicht alle gemeldet. Todcssturz vom Automodilomnibus. Von einem Verhängnis- vollen Geschick wurde gestern abend der 33 Jahre alte Stadtreisende Erich Leon aus der Krausenstr. IL betroffen. L. hatte auf der Heim- fahrt vom Alexanderplatz einen AutomoinlomnibuS benutzen wollen. Als er an die Haltestelle kam. fuhr gerade ein Omnibus ab. L. sprang schnell nuch. glitt jedoch vom Trittbrett ab und stürzte so heftig mit dem Hinterkopf auf daZ Straßenpflastcr, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Man trug den Verunglückten nach der Unfallstation in der Keibelstraße, wo der Arzt aber nur noch den inzwischen eingetretenen Tod konstatieren konnte. Die Leiche wurde ins Schauhaus eingeliefert. Unter dem ortsüblichen Tagclohn bezahlt die deutsche Reichs- Postverwaltung gewisse Kategorien von Angestellten. Man sollte eS kaum für möglich halten, daß im Betriebe der Postverwaltung in Berlin noch Togclohne von 2 Mark 70 Pfennig gezahlt werden. Und doch ist dies der Fall, und zwar in dem in der Köpenicker Straße� befindlichen Posthof. Dort entlohnt man Leute, die als Vadewärter, Lampenreiniger und dergleichen beschäftigt sind, bei einer zehnstündigen Arbeitszeit mit dresen selbst den ortsüblichen Tagelohn hinter sich lassenden Sätzen. Nach zwei Jahren steigt der Lohn um 20 Pf. bis zu dem Höchstlohn von 3,50 M. Eine wahrhaft sürstliche Entlohnung durch die Reichspostbehörde. Feuerwchrbericht. Am Dienstagabend um 11 Uhr kam im Spezialitätentheater in der Kommandantenstr. 79(Havellands Theater) Feuer aus. Bei Ankunft der Feuerwehr brannte dort der Fußboden im Zuschauerraum des Theaters. DaS Publikum blieb auch während oer Anlvescnheit der Feuerwehr ruhig auf seinen Plätzen. Gestern früh brannten Betten und Matratzen usw. in einer Wohnung in der Driesencr Straße 27. In der Elsasser Straße 24 mutzte ein Preßkohlenbrand gelöscht werden. Ferner hatte die Feuerwehr in der Camphausenstr. 11, Charlottcnstr. 84, Grenadierstr. 4 und an anderen Stellen zu tun. Vorort- pfaebriebten. Lichtenberg. Stadtverordnetensibung. EingemeindungSfragen, Wertzuwachs. stener, Etatschmerzen, alles das gab der am Dienstag, den 16. März abgehaltenen Stadtvcrordnetcnsitzung das Gepräge. Nach Erledi» gung mehrerer Dccharaierungen kam zunäcksst die Hundesteuer an die Reihe, die schließlcch der Empörung der Mittelstandspolitikcr zum Opfer fiel. Domit war sckon eine kleine Bresche in den Etat geschossen. Und aller Voraussicht nach wird auch die geplante Scyankkonzessionssteuer abgelehnt werden. Eine lang« Debatte rief der Antrag hervor, die Stadt Berlin mit annähernd 100 000 M. zu den Volksschullastcn in Lichtenberg heranzuziehen. Genosse Grauer trat für friedliche Verhandlungen mit Berlin ein. Stadtv. Hirsch vertrat denselben Standpunkt. Rittergutsbesitzer Reeder hielt ein Verhandeln mit Berlin für aussichtslos. Genosse Düwell regte die Wahl einer Kommission an, die mit Berlin in der Frage verhandeln, ferner in Verbindung mit anderen Vororten Vor- abeiten erledigen soll, die für gesetzgeberische Anträge, weCche die Schaffung eines Groß-Verlin zum Ziele haben, notwendig er- scheinen. Auf Antrag des Genossen Grauer wurde demgemäß beschlossen. Die Magistratsborlage fand Annahme. Bestimmend dafür waren rechtliche Gründe. Eine von unserer Seite einge- brachte Interpellation betreffend Einführung einer Wertzuwachs- steucr förderte eine Antwort des zweiten Bürgermeisters zutage, aus der bekannt wurde, daß er bereits vor mehreren Monaten dem Magistrat einen fertigen Entwurf unterbreitet habe. Weil man aber noch nicht habe übersehen können, daß zur Balanzierung des Etats neue Steuern notwendig würden, habe oer Magistrat sich ablehnend verhalten.— Eine sehr weitsichtige Kommunalpolitik!— Genosse Brühl widersprach einem Antrage, der die Umwandlung einer behrcrinnenstelle an der höheren Mädchenschule in eine Lchrerstclle forderte. Unberührt von den Darlegungen des Redners, der di<; Ungerechtigkeit solcher Maßnahmen nachwies, stimmten die bürger- lichen Vertreter dem Antrage zu. Bürgermeister Dr. Unger gab sodann einige Erläuterungen zum Etat. Er verheimlichte nicht. daß die— rechnerische Balanzierung außerordentlich schwierig ge- lvewn sei. und daß man mit einiger Besorgnis in die Zukunft blicken müsse, wenn auch Pessimismus nkcht am Platze sei. Stadtverordnetenvorsteher Plonz benutzte die Gelegenheit zu einer Rede. in der er in recht wirkungsvoller Weile den Gedanken der Sckaf- fung eines Groß-Berlin propagierte und auch in der Frage der Ein- führung der Wertzuwachssteuer sich nicht mehr unbedingt ablehnend verhielt.— Genosse Düwell setzte die Sonde finanztechnischcr Kritik an. Die kommunale Finanzpolitik sei infolge früherer Sünden durchaus ungesund. Der Etat sei aufgebaut auf Pumpwirtschaft. Die städtischen Werke seien zu sehr als ein Rückgrat der kommu- nalen Wirtschaft betrachtet und ausgenutzt worden. Um hohe Ueberschüsse zn erzielen, habe man seit Jahren bedeutende Aus- gaben, die nicht der Erhöhung d«r Produktivität der Werke dienten, sondern nur der Abstellung von Betriebsstörungen, die aus Fehlern bei der Anlage resultierten, durch Anleihen gedeckt. So sollten auch jetzt wieder 120 000 M. durch Anleihe gedeckt werden, die eigentlich aus Betriebsmitteln der Elektrizitätswerke entnommen lverden müßten. Es handle sich um Summen für Reparaturen und für Befestigung der Fundamente. Diese Arbeiten seien die Folge von groben Fehlern bei der Anlage. Noch schlimmer sei, daß auch die Unkosten für Umbauten usw„ die nur in ganz beschränktem Maße die Leistungsfähigkeit der Werk« steigerten, regelmäßig aus Anleihen bestritten würden. Unzuläßlich sei auch die bisher be- folgte Praxis zu minimaler Abschreibungen. Er(Redner) halte eine Quote von 4 Proz., einschließlich Amortisation für das in- »«stierte Kapital, für die unterste Grenze de? Zulässigen, besonders dann, wenn die Werke so wie in Lichtenberg ausgenutzt würden. Rechne man jedoch mit einer so minimalen Quote, dann ergebe sich für das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk ein Zuwenig in den Abschreibungen von rund 150 000 M. Trotz erheblicher Neu- investierungen Hab« man die Abschreibungen gegen die Vorjahre noch reduziert. Auf solche Weise könne nicht weiter gewirtschaftet werden. Die Balanzierung des EwtS würde diesmal weniger schwierig sein, wenn man nach dem Willen der Sozialdemokraten die Wertzutvachssteucr bereits eingeführt hätte. Das habe der Magistrat verhindert, obwohl die Majorität der Stadtverordneten- Versammlung schon vor einem Jahre sich für die Einführung der Steuer erklärte. Eine der Ursachen, weshalb nicht nur Lichten- berg, sondern viele Kommunen nun in Finanznöten sich befänden, sei die ncudeutsche Wirtschaftspolitik zugunsten der Agrarier. Diese Politik koste der städtische Bevölkerung— Arbeitern und Unter- nehmern— ungezählte Millionen, und darunter müßten auch die Kirnmunen leiden. Jetzt bleibe nichts anderes übrig, als neue Steuerquellen zu erschließen. Niemand habe einen besseren Vor- schlag machen können, so werde die zwingende Not zur Wertzuwachs- steuer greifen lassen. Der zweite Bürgermeister Dr Unger glaul te, den Vorwurf der Pumpwirtschaft zurückweisen zu müssen, erklärte aber, auf daS Tatsachenmaterial Düwellö nicht eingehen zu können. Er sei der Ansicht, für die städtischen Werke brauchten über- Haupt keine Abschreibungen vorgenommen zu werden, weil die Kommune ein sicherer Kreditnehmer sei. Düwell replizierte dahin, daß dieser Standpunkt ja die Pumpwirtschaft verteidige. Genosse Grauer sagte den Herren vom Magistrat dann noch, daß ihre Ver- waltungSpraxis teilweise das stärkste Mißtrauen verdiene, tods Herr Ziethen nicht wahr haben wollte. Die Debatte endete mit der Wahl einer EtatSkommisswn, der von unserer Seite die Genossen Brühl, Grauer und Düwell angehören. iWWchuß Rixdorf. Gegen die dradsichtigte Einführung einer Schanktl protestierten am DienStag die Gast- und Schankwirte J einer öffentlichen Versammlung. Der Magistrat hat, wie' mitgeteilt haben, der Stavtverordnetenversammlmig oft zur Genehmigung unterbreitet, nach welcher in Ziifmifi richtung und bei Veränderung im Besitz von Gastwirt Erteilung der Schankkonzession von der Zahlung einer hängig gemacht wird, die sich zwischen 300 und 1600 Die Einnahme aus dieser Steuer berechnet der Magistrat fü kommende Etatsjabr aus 72 000 M. Der Referent. Rechtso Dr. Cohn-Beclin, führte u. a. aus. daß die geplante Steuer hau sächlich nur von den kleinen Gastwirten aufgebracht werden nui denn eS sei statistisch sestgestellt, daß die große» Gastwirtschaften i drei Jahre ein Mal, die kleinen dagegen in einein Jahre drei f den Besitzer wechseln.— In der Diskussion erklärte ein Rixdo Stadtverordneter, daß der Magistrat unter keinen Umständen der Konzessionssteuer zurücktreten will, daß er bei einer Ableh der Bor läge damit immer wieder kommen werde. Nach sq Meinung wird trotzdem die Stadlverordnetenversainmlung fast schlössen gegen die Vorlage stimmen, da die Steuer ungerecht� unreell sei. Die Gastwirte haben übrigen« in einer Petition an Magistrat auf das Bedenkliche einer Schankkonzessionssteuer' gewiesen und gebeten, die Borlage zurückzuziehen. AnS der Gewerkschastskommission. Die am Freitag abgehck Drlegiertenfitzung erledigte zunächst die Wahl des Ausschusses� die Wahl zweier Vertreter m den örtlichen Jugendausschuß. AM der Beratung über die am 1. Mai abzuhaltenden Versammlnngen empfahl der Ausschuß, am Bormittag deS 1. Mai wie in den jjffc»| jähren drei Versammlungen, eine im unteren, �wei im oberen OrtS» teil abzuhalten. Sinige' Redner waren jedoch der Ansicht, daß in Anbetracht der jeweiligen mißlichen Lage des Arbeitsmarktes und deS UmstandeS, daß der 1. Mai auf einen nicht besonders günstigen Tag fällt, zwei Versammlungen genügen würden. Beschlossen wurde, drei Versammlungen stattfinden zu lassen und zioar in deir Lokalen von Hoppe. HermaniiswaraLß e l s ch, Kneseveckstraße, und im Deutschen Wirtshaus«. Bei gstraße. Letztere« Lokal ist in Aussicht genommen, weil das Thiel zum Abriß kommt. Dem Antrage der Vertreter d«r Gttttokum des MaurerverbandcS. ihrer Organisation ein Versc.nm-limgswkal zur Verfügung zu stellen, bewegt. soll stattgegeben werden. Sitzung der Berliner Gl treler der Transportars Gesellschaft ihren An� nach ihrer Legitimation beim Abschluß von Volks bann noch eingehend von der Mmmisston berichtet. Die Ver- eln das Verhalten der Victoria- 'gegenüber. Die Einkassierer sollen eftagt werden. Weiter wird ersucht, lrrungen nicht voreilig zu sein. All- gemein wurde die Meinung vertreten, mit der Victoria-Gesellschaft überhaupt nicht in Geschäftsverbindung zu treten. ES fehlten die Vertreter der Bäcker und Glaser, letztere waren entschuldigt. Märzfeier. Drr hiesige BildungSauSschuß veranstaltet heute abend 8 Uhr bei Hoppe, Hermannstraße 49, eine Märzfeier, in der Genosse Ledebour über das Thema:„Die Bedeutung des 18. März 1848 für die Demokratisierung Deutschlands" spricht; den gesanglichen Teil der Feier hat unser neu gegründeter GesangSchor„Mannergesangverein Rixdorf" übernommen, so daß man wohl annehmen kann, daß die Feier eine in jeder Beziehung des Tages würdige sein wird. Zur Deckung der Unlostcu findet Tellcrsammlung statt. Wilmersdorf. „Der Kampf um die wirtschaftliche Befreiung der Arbeiterklasse" war das Thema, über das Genosse Heitmann in einer Volks- Versammlung sprach, die Dienstagabend im„Luisenpark" zu Wil- mersdorf stattfand. Seiner Aufgabe, der Bevölkerung die Not- wendigkeit der genossenschaftlichen Organisation darzulegen, erledigte sich der Redner in vortrefflicher Weis«. In der Diskussion wies Genosse Winter unter anderem auf die An- feindungen hin, mit denen die Reaktion im allgemeinen und die Regierung im besonderen den Konsumgenossenschaften entgegen- tritt. Da am Sonntag von den Parteigenossen auch ein Flug- blatt verbrcilet wurde, das auf die Wilhelm saue 27 er« richtete Verkaufs st clle des Konsumvereins Charlotten. bürg aufmerksam machte, s« ist zu hoffen, daß auch in Wilmersdorf daö Interesse der Arbeiterschaft«n der konsumgenossenschaftlick�n Betätigung wachsen wird. Mariendorf. Der hiesig« Wahlvrrrin feiert am 20. März sein Stiftungsfest bei Zierock, Kurfürstcnstr. 44. Das gutgewählte Brogramm ver- spricht einen genußreichen Abend, weshalb die Genossen ersucht werden» lebhaft für den Besuch deS Feste» zu agitieren. Boffen. In die Geschäftspraktiken eines Inkassobureaug Eichwalde. im Gefängnis beffer haben, oder das Geld. wenn er entlassen werde, Einen Unterhaltungsabend veranstaltet der Arbeitergesangberein Die Stichwahl zwischen unserm Genossen Hugo Auris und dem nüblich anwenden. Freie Sänger" am Sonntag, den 21. März, abends 7 1hr, im Kandidaten des„ Ortsvereins", Herrn Kaufmann Riehn, findet Lokal von Kurzner. Da genannter Verein bei Arbeiterfestlichkeiten ſtets bereitwilligst mitgewirft hat, werden die Genossen ersucht, das am Freitag, ben 19. März, abends bon 6½ bis 8 Uhr, gestattete eine Berhandlung verschiedene bemerkenswerte Einblide, stets bereitwilligst mitgewirkt hat, werden die Genossen ersucht, bas statt. Unsere Gegner haben in aller Stille gearbeitet, fie find welche gestern die 1. Straffammer des Landgerichts I beschäftigte. Fest nach Möglichkeit zu unterstügen. Am gleichen Abend hält auch der Turnverein" Jahn" im Lokal sehr siegesgewiß. Die Zusammensehung unserer Einwohnerschaft Angeflagt megen Untreue in Jbealtonkurrenz mit Betrug war der von Dähne ein Vergnügen ab. Der Verein sucht Eintrittstarten aus vorwiegend bürgerlichen Streisen verschafft ihnen dabei einen Raufmann Robert Nathan, während sich dessen Ehefrau Gertrud zum Preise von 60 und 75 Bf. auch unter der organisierten Ar- natürlichen Vorteil. Aber alles bas darf uns unter feinen Um.. wegen Beihilfe hiezu verantworten mußte. Der Angeklagte beiterschaft abzufezen. Die Genoffen werden darauf hingewiesen, ständen veranlassen, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegen Stadt ein Inkassobureau. Im November 1907 erhielt er von dem betreibt unter der Firma Nathan und Leinweber im Nordosten der daß die Arbeiterbewegung von Mitgliedern dieses Vereins nicht teil! Je schwieriger die Aufgabe ist, um so intensiver muß unsere Schneidergesellen Wilhelm Briezke den Auftrag, für ihn ben Bes felten aufs heftigste bekämpft worden ist. Agitation sein. Nur durch Kampf zum Sieg! Rummelsburg. Parteigenossen! Rüttelt alle Säumigen auf, am Tage der Stichwahl ihre Schuldigkeit zu tun. Unser letter Mann muß an die Wahlurne gebracht werden. Heute, Donnerstagabend, pünktlich um 8 Uhr, findet für unseren Ort eine Flugblattverbreituna statt. Jeder muß zur Zahlreiche Opfer von Schmuhinferaten trag von 849 M., welcher in einer Hinterlegungsstelle deponiert war, einzuziehen. Briezte sicherte dem Angeklagten hierbei eine Der Boranschlag zum Etat für 1909 schließt in Einnahme und Provision von 25-30 roz. des einzuziehenden Betrages nach Ausgabe mit 3112 367 M. ab, gegen das Vorjahr ein Mehr von deffen Ablieferung an ihn zu. Nathan versprach, die Angelegen 497 734 M. Der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer, welcher im heit in höchstens vier Wochen zu erledigen. Diese Beit verging, es laufenden Jahre 100 Brogent beträgt, ist für 1809 auf 125 Prozent Angeklagten hörte. Als er sich wiederholt an Nathan wandte, hielt wurde Frühjahr und auch Sommer, ohne daß B. etwas von dem erhöht. Diese unerfreuliche Tatsache der Erhöhung des Gemeinde- Stelle sein. ihn dieser mit allerlei Ausflüchten hin. Schließlich verlor B. die zuschlages ist mit auf die im Vorjahre auf Verlangen des allGeduld, er wendete sich direkt an die Hinterlegungsstelle und ermächtigen Boghagener Grundbesigervereins erfolgte Herab fuhr zu seinem Erstaunen, daß der Angeklagte das Geld bereits setzung des Buschlages von 120 Prozent auf 100 Prozent Potsdam. am 7. Februar ausbezahlt erhalten hatte. Im September schickte zurückzuführen. Unsere Vertreter hatten sich damals entschieden Man sollte annehmen, daß bei den Etatsberatungen von ben ihm der Angeklagte, der vorher in fleineren Beträgen schon gegen die fünstliche Herabjezung des Gemeindezuschlages Stadtverordneten alle Wünsche und Beschwerden angebracht werden. cima 100 M. als Vorschuß" an ihn gezahlt hatte, noch 74 M. mit gewandt und auch flar nachgewiesen, daß durch die Herabseßung in Gegenteil! Unter Gemurmel, Murren usw. wurde z. B. der dem Bemerken, daß er 50 Brsz. für seine Mühemaltung verlange eine um so höhere Heraufschraubung des Gemeindezuschlages in den Etat der Allgemeinen Verwaltung in Einnahme mit und die Angelegenheit damit erledigt sei. Hiermit erklärte fich Folgejahren eintreten muß. Um nun in diesem Jahre nicht noch 379 418 M. und in Ausgabe mit 440 794. festgefeßt, allerdings Brießte aber keineswegs einverstanden, es tam zu einem Briefüber 125 Prozent heraufgehen zu müssen, sind zur notwendigen bei zahlreichen Stimmenthaltungen. Eine sonderbare Taktik. Dafür wechsel, bei welchem sich die beiden Kontrahenten recht niedliche Bilanzierung des États aus dem Ausgleichfonds 50 000 m. ein- hatte der Magistrat aber reichliche Neueinführungen getroffen: dem Worte an den Stopf warfen. Der Staatsanwalt hielt beide Angeftelt worden. Trotz dieser Erhöhung des Zuschlages, der Bürgermeister werden 1000 M. Aufwandsgeld bewilligt, bedingt geklagte für überführt und beantragte gegen den Ehemann 6 Moeine Mehreinnahme von etwa 120 000 m. ausmacht, wie durch durch die besonderen Verhältnisse Potsdams, die an die Repräfen nate Gefängnis und gegen die Ehefrau 100 M. Geldstrafe. Das die Zuführung von 50 000 Mark aus dem Ausgleichsfonds, 40 000 m. tation besondere Ansprüche stellen", in den Registraturen follen aber Gericht erkannte gegen die Ehefrau auf Freisprechung; gegen den aus dem Straßenunterhaltungsfonds und 25 000 m. aus der neuen Wert- billigere Arbeitsträfte eingestellt werden, da die rein mechanische Ehemann N. lautete das Urteil auf 4 Monate Gefängnis. zuwachssteuer finden wir, daß für die paar winzigen sogenannten Arbeit nicht besonderer Ausbildung bedürfe. Befremden erregte es, Wohlfahrtseinrichtungen Mehreinstellungen nicht gemacht worden daß sich der Referent Stabtv. S müfer, felbst ein Beamter, find! Die einzelnen Etatspositionen weisen in ihren Hauptkapiteln dieser Sparpolitik anschloß. Die Kosten der Telephonanschlüsse in Einnahmen und Ausgaben folgende Zahlen auf: Die Ausgaben für den Oberbürgermeister, Bürgermeister und Stadtbaurat haben sich zurzeit wegen Aufforderung zum Verbrechen gegen das für die Gemeindeverwaltung sind mit 293 480 M. gegenüber werden auf den Stadtfäckel übernommen. Die Schulgelder feimende Leben zu verantworten. Gine gewerbsmäßige Ver33 070 M. Einnahmen berechnet. Im Vorjahre waren es 297 896 M. für die Mädchenmittelschule und die Vorschule werden erhöht. Be brecherin namens Muschinski in Zürich, die in vielen deutschen und 70 900 M. Das höhere Schulwesen weist an Ausgaben 299 675 Wt. merkenswert waren die Ausführungen des Bürgermeisters Rodig: Beitungen in der bekannten Weife Pulver und Tropfen gegen und 171 160 M. an Einnahmen auf. Im Vorjahre 219 361 M. Ausgaben In der hiesigen Lokalpresse werden seitens des Mittelstandes be- tegelstörungen angepriesen hat begiv. Heilmittel gegen Wenund 132 360 M. Einnahme. Der Gemeindezuschuß für die höheren wegliche Klagen geführt, daß durch diese Schulgelderhöhung eine ftruationskrankheiten empfahl oder in sonstiger Weise zum Ver= Schulen beträgt mithin im laufenden Jahre 128 515 M. gegenüber Mehrbelastung desselben entstehe. Hierin liegt aber ein schwerer brechen gegen das feimende Leben aufforderte, ist in Zürich ver87 000 M. im Vorjahre. Bon diesen 128 515 M. Gemeinde zuschuß Irrtum. Wir legen den Eltern teine neuen Steuern auf, sondern haftet. In ihrem Besih sind mehrere hundert Briefe von deutentfallen auf das Realgymnasium 66555 M., auf die höhere Mädchen wir vermindern nur das Geschenk, das wir den Vätern fchen Mädchen und Frauen beschlagnahmt, die diese Verbrecherin schule 38 260 M. und auf die Mittelschule 23 700 M. Die Ausgaben bisher gemacht haben. Ein Schüler hat bisher der Stadt 90 M. zur Einsendung ihres angepriesenen Mittels, das 15 M. kostete, für die Gemeinde- Volksschulen sind mit 714 800 m. gegenüber geloftet, ein Gemeindeschüler aber nur zirka 50 M. Eine Bevor darin aufgefordert haben. Diese Briefe sind sämtlich den deutschen 170 790 M. Einnahmen berechnet. Im Vorjahre waren es augung einzelner Klassen seitens der Stadt laffe fich fozial nicht Behörden ausgeliefert und gegen die sämtlichen Briefschreiberinnen 584 025 M. Ausgaben gegenüber 140 250. Einnahmen. rechtfertigen. Die Stadtverordneten waren sprachlos, nur Stadtv. ist Anklage wegen Verbrechen strafbar nach§ 49a St.-G.-B. erhoben. Die hohe Steigerung Der Ausgaben für die Boltsschule ilfe wies darauf hin, daß sich ja die Eltern der höheren Faft in allen Gegenden Deutschlands harren diese unglücklichen im Betrage bon zirfa 100000 m. find fast ausschließlich auf die neue Schulen noch größere Geschenke gefallen lassen. Bei der Opfer jekt ihrer Aburteilung. In allen Fällen führen diese Opfer Lehrerbefoldung wie für die Berzinfang und Unterhaltung des neuen Stadtgärtnerei wollte der Stadtv. Rechnungsrat Richter zu ihrer Verteidigung gleichmäßig an, sie hätten geglaubt, weil 70flaffigen Schulgebäudes in der Marktstraße in Anfegung gebracht auf Kosten ber Arbeiter sparen. Da die Neueinstellung tas Mittel in der Zeitung öffentlich empfohlen fei, hätten sie es worden. Das Kapitel mit dem recht wohltätig flingenden Namen eines weiteren Arbeiters beantragt war, bemängelt er, daß zum fich kommen lassen dürfen. In ihrer Harmlosigkeit haben berArmen-, Waifenverwaltung und Wohlfahrtsamt" ficht eine Ausgabe Beschneiden der Bäume jetzt die beiden Gärtner und ein Arbeiter fchiedene das Mittel fogar ungeniert auf einer offenen Postkarte von 52 550 M. gleich pro Kopf der Bevölkerung etwa 1,05 m. verwendet werden, ein Gärtner und zwei Arbeiter tönnten dies auch bestellt. Nach den übereinstimmenden Gutachten der sämtlichen vor. Im Vorjahre betrug hierfür die Ausgabe pro Kopf etwa tun und das wäre billiger! Er wurde fofort zurechtgewiesen, daß erstklassigen medizinischen Sachverständigen haben die sämtlichen 1,00 M. Die direkten Gemeindeſteuern sollen nach Abzug von man im Winter nicht beide Gehilfen mit rein gärtnerischen Arbeiten angepriesenen Mittel überhaupt keine Wirkung in der gewünschten 121 482 M. Kreissteuern den Betrag von 809 415 M. bringen. beschäftigen könne, ihn aber deshalb nicht gleich auf die Straße und beabsichtigten Weise. Die Anpreisung ist nichts als ein purer Im Vorjahre waren es 617 937 9. Es entfallen von den werfe. Vielleicht richtet Stadtv. Nichter seinen Sparfinn mal auf Schwindel, berechnet für diejenigen, die nie alle werden. In 930 847. diretten Gemeindefteuern auf die Gemeindeeinkommen- ein anderes Gebiet. Bei der Beratung des Kapitels Kirchen Hannover sind fürzlich bereits 2 Frauen, auch Opfer dieser Musteuer 387 500 M., auf die Gemeindegrundsteuer 482 091 M., auf die und Schulwefen entstand eine interessante Debatte über den ichinski, zu Gefängnisstrafen verurteilt. Am Dienstag hatte sich Gemeindegewerbesteuer 56 250 M. und auf die Gemeindebetriebs- Bau einer Kirche in der Teltower Vorstadt. Man befürchtete, baß die Chefrau Dora Brinkmann aus derselben Beranlassung unter Steuer 5000 9. Die Einnahmen aus den indirekten Steuern find durch diesen Bau die jest 26 Proz. betragende Stirchensteuer erhöht Ausschluß der Deffentlichkeit zu verantworten. Die Straftammer auf 235 010 M. berechnet und zwar 35 000 M. Biersteuer, 20 000 m. werden dürfte. Befragt um die Stellung des Magistrats hierzu, ers Hannover verurteilte sie zu 14 Tagen Gefängnis. Hundesteuer, 150 000 m. Umiagftener, 25 000 M. Wertzuwachs flärte der Bürgermeister, daß ein solches Vorgehen sehr schädigend fieuer und 5000 M. Lustbarkeitssteuer, im Vorjahre tvaren für die Stadt wirken würde. Alle Zuziehenden fragen an waren es zusammen 183 500 M., die hierfür angesetzt waren. über die Höhe der Kommunalsteuer und die Kirchensteuer. StadtIm Kapitel Vermögen und Schulden ist für Verzinsung der verordneter Henniger, Mitglied des Gemeindefirchenrats, erklärt, daß Gemeindeschulden eine Ausgabebetrag von 600 410 M. erforderlich, niemand an den Bau einer Kirche dente. Der Prediger in der Telim Vorjahre genügte hierfür noch ein Betrag von 452 555 M. Die tower Vorstadt( zur St. Nikolaigemeinde) ist nach Botsdam gefchickt Straßenunterhaltung fostet der Gemeinde nach Abzug der ordent- und hat nun das Bestreben, sich auch ein Gotteshaus lichen Einnahmen 125 000 m., im Vorjahre 110 000 W. Der Rein- zu schaffen. Eine neue Methode, ohne Geld Kirchen zu bauen, gewinn des Wasserwerts ist auf 144 013 M. gegen 121 110 M. im benn schon eifrig wird durch allerhand Veranstaltungen versucht, Geld Borjahre veranschlagt. Ob dieser Mehrertrag bon 23 000 m. erzielt zusammenzubringen. Sier foll also die Gemeinde felbst nicht ein wird, erscheint noch recht zweifelhaft soll dom diefer Betrag( 20000 M.) mal die treibende Straft sein, sondern nur ein um das Seelenheil allein von den Abnehmern in Ober- Schöneweide durch die feiner Mitmenschen besonders besorgter Einwohner der Teltower VorErhöhung der Wafferbezugsgebühren um 20 Broz, berausgeschlagen stadt. So fagt man und nicht lange, so müssen die Gemeindewverden. Das Kapitel Entwässerung( Kanalisation) schließt mit mitglieder zahlen. 8um erstenmal wird ein außerordentlicher Etat ciner Ausgabe von 207 930 M. gegenüber einer Einnahme von nur vorgelegt, der in Einnahme und Ausgabe mit 2 296 997 M. ab151 820. Der hierzu erforderliche Gemeindezuschuß von fchließt. 56 110 M., der ein Geschenk an die Hausbefizer darstellt, wird den Vorhagener Hausbefizeru mit 10 495 M. und den Rummelsburger Hausbefizern mit fogar 45 615 M. gewährt. Jm vorigen Jabre betrug der Zuschuß für die Rummelsburger Hausbesitzer 39 519 M. Dieser Voranschlag fommt in der nächsten Gemeindevertretersizung, twelche am Freitag, den 19. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, im Rathausfaale stattfindet, zur Beratung. Ober- Schöneweide. Gerichts- Zeitung. Saarbrückener Beamtenbestechungsprozeß. ( Privatdepesche des„ Vorwärts".) 50 Beitragsmarken des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes fotwie ein Portemonnaie mit 7,95 M. Inhalt und eine Werkzeugmarie Saarbrüden, 17. März. Mr. 8059 verloren hat ein Arbeiter auf dem Wege von Ober- SchöneDie Straffammer verkündete in dem Beamtenbestechungsweide bis Sadowa oder in der Bahn nach Friedrichshagen. Da derselbe für den Verlust erfaßpflichtig ist, so wird der ehrliche Finder prozeß heute um 5 Uhr nachmittags folgendes Urteil: gebeten, das Gefundene oder feine Adresse bei Gastwirt Hobel, Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 45, abzugeben. Wankow. Einen feltenen Fund machten gestern morgen Arbeiter in der Kaiser- Friedrich- Straße. An einem Laternenpfahl entdeckten sie ein ausgewachsenes totes Schwein. Der Kadaver war an dem Pfahl festgebunden. Woher der eigenartige Fund stammt, tonnte noch nicht ermittelt werden. Tegel. Der Obersteiger Michaely wird zu einer 8ufasstrafe bon drei Monaten Zuchthaus zu der jetzt von ihm zu berbüßenden Buchthausstrafe verurteilt. Gefängnisstrafen sind verhängt über Fahrsteiger Riß acht Monate, über Fabrsteiger Früh vier Monate, über die Steiger Klasen, Huppert, Prümm, Sid und Flo je awei Monate, die Steiger Andres und Jenat je Srei Monate, Steiger Rollinger ein Monat. Frau Riß zwei Wochen, ein Bergmann zehn Tage, fieben je fünf und drei je drei Tage Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Ueberfall. Deutscher Arbeiter.Abstinenten- Wund. Drtsgruppe Berlin. Freitag, den 19. März, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Vortrag. Eintritt für Gäste 20 Pf. Der Diskutierabend am Sonnabend fällt aus. Freie Jugendorganisation. Abteilung Weißensee. Heute abend 8½ he bei Weber, Friedrichstr. 27. Mitgliederversammlung und Bororte. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin fammlung und Vortrag. Heute abend 9%, Uhr, Rosenthaler Straße 11/12: Ver Charlottenburg, Krummeftr. 42. Zentralverband der Sandlungsgehilfen. Heute abend 81, Uhr: Mitgliederversammlung in den Urminhallen", Kommandantenstr. 58/59. Gäste willkommen. Briefhaften der Redaktion. Die juriftifche vrechstunde finbet Bindenftenke Mr. 3, gweiter $ of. britter Eingang, vier Treppen, wochentäglich abends bon 7 bis 9½ lbr ftatt. Geßffnet 7 1hr Sonnabends beginnt dte Svredande mm G be. Jeber Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Dierfgetchen beizuffigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beautwortung im Briefkasten können 14 Tage bergeben. Eilige Fragen trage man in der Svrechfunde vor. A. 2. 100. 1. Mein. 2. 8wedmäßig ist der Abschluß eines gericht lichen oder notariellen Bertrages, in dem der Bräutigam das borber aufgezeichnete Vermögen seiner Frau anerkennt und auf sein eheliches Nießbrauch- und Verwaltungsrecht verzichtet. O. Nein. A. G. G. 35. Nach§ 2050 ist die Aussteuer zur Ausgleichung bei der Erbauseinandersetzung zu bringen, wenn der Erblasser nichts Gegenteiliges angeordnet hat. Die Ihnen, nicht Ihrer Frau geschenkten Gelder fommen nicht zur Anrechnung. Als Erbschaftsmasse gilt in Ihrem Fall das erhält der Witmer die Hälfte, die andere Hälfte geht an die Kinder. am 5. Dezember 1905 vorhandene Bermögen beider Eheleute. Hiervon 2. G. 100. 1. Eine Rellamation würde voraussichtlich den Erfolg bei Gintommen von 1350-1500. 16 9., bei 1500-1650.21., hab- n, daß Sie um eine Stufe herabgefekt werden. Der Steuerfab beträgt bei 1650-1800 M. 26 m. 2. Das ist nicht erforderlich, aber zweckmäßig. 2. B. O. 1. Wird Strafantrag gegen einen Chebrecher gestellt, so die Anllage. An ihn ist auch der Strafantrag zu richten. Eine Straf richtet sich die Anklage gegen beide. 2. und 3. Der Staatsanwalt erhebt barfeit liegt nur vor, wenn wegen des Ehebruchs die Che geschieden ist. . F. 8. 9. 1. Ja. 2. An das Bolizeipräsidium. S. G. 14. Ja. 1. April ab bereits im Alter von zwei Monaten), eine Steuermarte haben. B. 2. 26. In Berlin müssen Hunde, die drei Monat alt find( vom Mit Maulforb find sie ohne Rücksicht auf das Alter zu versehen. P. G. 17. 1. Nein. 2. Der Kriegsschatz von 120 Millionen lagert im Jultustum mr. m. 10. Wer in der Zeit vom 1. Januar bis zu Spandau 27. März dieses Jahres 70 Jahre alt geworben ist, muß mindestens 720 Marten ausweisen fönnen, um Altersrente zu erlangen. Bur Erlangung der Invalidenrente sind 200 Marfen und der Nachweis erforderlich, baß Erwerbsumfähigkeit vorliegt. Jago 13. 1. Die Verjährung würde erst mit dem ersten Januar 1911 eintreten. 2. Das Amtsgericht, nicht das Gewerbegericht ist zuständig. 8. G. 13. Nein. 23. J. Das ist nicht erforderlich. B. B. 5. 1. Etma 20 bis 30 M. WOOD Die Gemeindevertretung beschloß bei der Etatsberatung es bei der bisherigen Höhe der Gemeindeeinkommensteuer, die einschließlich der Kreissteuer 125 Proz. beträgt, zu belassen. Dagegen wurde die Stanalisationsabgabe von 2 auf 21% Proz. erhöht und das Schulgeld für die Realschule von 80 auf 100 m., das für die höhere Mädchenschule bon 100 auf 120 m. gefteigert. Auch eine Erhöhung des Der eigentümliche Fall, daß ein jugendlicher Straßenräuber Wasserpreises wurde in Aussicht genommen. Eine langjährige von der Ueberfallenen noch vor Gericht ein Geldgeschent erhält, monatlich. 2. Der außereheliche Bater hat ellimente bis zum vollendeten fommunale Streitfrage, ob die Gemeinde oder die Anlieger die ereignete fich gestern in dem Moabiter Kriminalgericht. Wegen 16. Lebensjahre zu zahlen. Einen Anspruch auf Herausgabe des Kindes Kosten der Straßenreinigung zu tragen haben, ist jetzt durch gütliche versuchten Straßenraubes verhandelte die 3. Straffammer bes hat er nicht. C. 100. Das Verbrechen ist nicht verfährt, da die VerEinigung gelöst worden. Die Haus- und Grundstücksbefizer erflärten Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsrats Bienuth gegen fährungsfrist zehn Jahre beträgt. 2. S. 59. Sie haben ein Recht, die sich bereit, zu den Kosten der Straßenreinigung beizutragen, falls den 16jährigen Arbeitsburschen Friz Knütter aus Charlottenburg. Sachen zurückzubehalten, dürfen fie aber nicht verkaufen, können auch diese von der Gemeinde Tegel in eigene Regie übernommen wird. Am 26. Januar d. I., am Frühnachmittag, war die Gesanglehrerin ein und lassen Sie dann in die von Ihnen einbehaltenen Sachen pfänden. Lagerungsgeld für dieselben verlangen. Klagen Sie Ihre Forderung A. gerade im Begriff, das Haus Lüßomstr. 85a zu berlassen, als Weißenfee. M. V. 30. Dem Ofengeschäft gegenüber sind Sie zur Zahlung ver im Borgarten ein junger Bursche auf sie ausprang und sie ohne pflichtet. Sie können aber Ersaz bom Wirt einflagen, wenn nicht Mit großem Interesse folgte die am 15. März cr. im Albrechtshof weiteres mit der Faust ins Gesicht schlug. Bugleich padte, der etwa in Ihrem Wietsvertaag ein solcher Ersatzanspruch dadurch austagende Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Attentäter das lederne Handtäschchen der Ueberfallenen und ber- gefchloffen ist, daß Sie die Reparaturkosten übernommen haben. den beiden Berichten des Genossen Taubmann von der Gemeinde- fuchte es ihr zu entreißen. Es tam zu einem heftigen Ringen, Techniker. Wenden Sie sich an den Direktor der Berliner Handwerker vertreterfonferenza sowie des Genossen Fuhrmann aus der Gemeindes bei welchem die Gesanglehrerin zu Boden stürzte. Erst als der schule. B. B. 1887. Begen allgemeiner Körperschwäche voraussichtlich C. B. 19. Den Unterstüßungswohnsiz erwirbt man vertretung. Genosse Nuelius beauftragte die Gemeindevertreter, für Bortier des Hauses aus dem Fenster kletterte, um der Ueberfallenen dienstunbrauchbar. Abhilfe der schlechten Schulheizung in der Wörtstraße und beffere zu Silfe zu eilen, ließ der jugendliche Räuber sein Opfer los und durch einjährigen Aufenthalt, wenn während dieser Zeit Armenunterstützungen Beschaffenheit der Sigbänke in dieser Schule zu sorgen. Hierauf ergriff die Flucht. Er wurde jedoch von dem Bostaushelfer Sell in nicht gezahlt sind. Die Adressen finden Sie im II. Teil des Adreßbuches". C. R. 83. Der Prozentsaz ist richtig berechnet. 2. W. 25. 1. Drei wurden die Genossen Kohl, Diener, Herfing, D. Nerlich, Ruelius, der Potsdamer Straße eingeholt und zur Polizei gebracht. Es war Monate. 2. Sechs Monate. Röm. Reich. 1. Nein. 2. Etwa seit dem Philipp, Budow, Schmidt and Heinrichs als Delegierte zu den der jetzige Angeklagte Knutter. Die Ermittelungen ergaben, daß 12. Jahrhundert. 5. R. 22. Sie müßten nunmehr bas Gewerbegericht Kreis und Groß- Berliner Generalversammlungen gewählt. Als der Angeklagte tegen zahlreicher Streiche und grober Berfehlungen angehen. Sie haben den Fehler gemacht, vom Gewerbegericht nicht ein Erfatdelegierte fungieren die Genossen Andrée, Christoph und die von seinem in der Proving wohnhaften Bater aus dem Hause go- Urteil zu verlangen. Hätte bas Gewerbegericht durch Urteil seine Genoffin Berg. Die Versammlung beschloß, vom April ab einen jagt war. Der Sechzehnjährige cieb sich schon längere Zeit in unzuständigkeit ausgesprochen, dann war das Amts- und Landgericht zuLeseabend einzuführen. Berlin umber, bis er, um sich Geld zu verschaffen, den Staubanfall ständig. Sekt ist das Gewerbegericht infolge der Abweisung seitens des ausführte. Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts Arbeitstätigkeit brauchen Sie nicht vorzuweisen. Landgerichts zuständig. Notar 20. Solche Bescheinigung über 23. W. 1000. Nein. Spandan. gemäß auf 2 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem MoVorwärts 1909. 1. Es fann sich lediglich um eine geringfügige, von nat der erlittenen Untersuchungshaft. Nach der Urteilsverkündi- der Bolizei oder vom Gericht festzufezende Strafe handeln. 2. Ja. 3. Ja, gung übergab die Ueberfallene dem Gericht drei Mark mit dem menn nicht etwa aus dem Inhalt des Flugblattes geschlossen werden kann, Bemerken, daß ihr der Angeklagte fo leib tue, er folle es entweder daß ein Aufruf oder ein Blatat vorliegt. Diese dürfen auf öffentlichen Die Situng der Gewerkschaftskommission fällt infolge der heute abend bei Böhle stattfindenden Boltsversammlung aus, diefelbe findet erst acht Tage später statt. Witterungsübersicht vom 17. März 1909. morgens 8 1hr. Stationen Better Stationen Begen, Straßen, Pläben nicht verbreitet werden. M. S. 200. Die| Db und Südfrüchte: Bufuhr genügend, Geschäft sehr still, Preise Wartezeit beträgt neun Monate. Indes kann das Amtsgericht hiervon wenig verändert. Dispens erteilen. Information. 1. Eine gerichtliche Eintragung iſt nicht erforderlich. Wollen Sie sie aber durchseßen, so wenden Sie sich an einen Notar, um die nötigen Förmlichkeiten zu beobachten. 2. Wird in einem besonderen Artikel bargelegt werden. 3. Die Invalidenrente sett sich zusammen aus dem Reichszuschuß, dem Grundbetrag und dem Steigerungsfab. Der Reichszuschuß beträgt 50 M. Der Grindbetrag in Lohnklasse I 60, in Lohnklasse II 70, in Lohnflaffe III EO, in Slaffe IV 90 und in Lohnklasse V 100 M. Der Steigerungsfab beträgt für jede Woche der Lohnklasse I 3, der Lohnklaffe II 6, der Lohnklasse III 8, der Lohnflaffe IV 10, der Lohnklasse V 12 Pf. Sind für verschiedene Klassen Warten geklebt, so wird der Durchschnitt der für 500 Wochen in Betracht tommenden Beitragswochen als Grundbetrag gerechnet. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, reise unverändert. Wild: Zufuhr ohne Belang, Geschäft reger, Preise behauptet. Geflügel: Zufuhr Inapp, in Hühnern genügend, Geschäft etwas lebhafter. Breise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft teile etwas schleppend, Preise gut. temperatur. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Wien Wafferstands- Nachrichten der Randesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureau. Rathenow³) am feit 16. 3. 15. 3. Better Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dber, Ratibor am 16. 3. 15. 3. feit Bafferstand cm cm ¹) 1963)+15 -73)-1 cm cm³) Saale, Grochlik Havel, Spandau) 82-8 75 +5 1743)+26 106 2 Nebel-4 Haparanda 766 ND 3 Schnee-1 Petersburg 758D 2 bedeďt -9 Strossen 3 Schnee -2 2 Schnee 0 Scilly Frankfurt 4 Schneeberdeen 752 23 749 28 2 wolfig 1 halb bd.- 1 4 Barthe, Schrimm 333+168 148)<-9 2073)+4 763)+4 Spree, Spremberg) 96 Beeskow 89 eser, Münden -62-7 Minden 10+4 Landsberg 48+4 Rhein, Marimiliansau 284 Nete, Bordamm Elbe, Leitmerit 0 +2 Kaub 106+1 77 +10 Köln 93 +11 Dresden -38 +-47 Nedar, Heilbronn 50 -12 Barby 80 +5 Main, Wertheim 169 3 Magdeburg 78 +1 Mosel, Krier 79 Fall. Eisstand. Sminemde. 75023 gamburg 752 WSW Berlin 751 S Franfj.a.M. 755 SW 757 523 München 4 heiter-2 Baris 757D 1 heiter Wetterprognose für Donnerstag, den 18. März 1909. Beitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Schneefällen, schwachen südwestlichen Winden, etwas fälterer Racht und langsam steigender Tages. Berliner Betterbureau. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Donnerstag, abend38Uhr: Ein Volksfeind. WORKING, Kümmere Dich um Amelie." Schauspiel in 5 Aufz. von H. Ibsen. Theater. Donnerstag, den 18. März Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Siegfried. ( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Acosta. Uriel Deutsches. Die Revolution in Strähwinkel. Rammerspiele. Der Arzt am Scheideweg.( Anf. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Heidelberg. Berliner. Nur ein Traum. Anfang 8 Uhr. Leffing. Griselda. Menes. Die Laterne. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Lazuli. Kleines. Moral. Hebbel. Revolutionshochzeit. Luftspielhaus. Im Klubseffel. Mt Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. Wallner Ein Bollsfeind. Theater.) Schiller Charlottenburg. Die Karolinger. Friedrich Wilhelmstädt. Schan: spielhaus. Schlagende Wetter. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Mein Leopold. Trianon. Liebesgewitter. Neues Operetten. prinzessin. Die Dollar Berliner Operetten Theater Sw. Das Himmelbett.( Anf. 8, Uhr.) Bernhard Rofe. Das vierte Gebot. Gastspiel Theater. Sherlod Holmes. Bürgerliches Schauspielhaus. Schlagwetter Anfang 8 Uhr.) Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Schwant in drei Aften( vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dies selbe Borstellung. Sonntag, 21. März, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Deutsch von W. Lange. Freitag, abends 8 Uhr: Die Braut von Messina. Sonnabend, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Karolinger. Trauerfpiel in 5 Aften von Ernst v. Wildenbruch. Freitag, abends 8 Ubr: Rechts herum. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonnabend, abends 8Uhr: Die Karolinger. Männergesangverein ,, Norddeutsche Schleife" ( M. d. A.-S.-B.) Sonntag, den 21. März 1909, in Kellers Feststälen( Inh. A. Freyer), Koppenstraße 29: Großes Vokal- und Instrumentalkonzert zur Feier des 40jährigen Bestehens unter Leitung des Chormeisters Herrn Paul Kurz und unter Mitwirkung der Herren Richard Kursch, Felix Gutdeutsch und Willy Deckert. Anfang 6 Uhr. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. Hebbel- Theater Apollo. Der junge Papa. Spezia- Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Metropol. Donnerwetter tabelПitäten. Los. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Waage. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Revolutionshochzeit. Gastspiel- Theater. Folies Caprice. Insolvent.( Anf. 8. Köpenickerstr. 68. 8. 84 Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Zum 535. Male: [ 1487b] XIV. Saison! Zirkus Busch. Donnerstag, 18. März, ab. 7, Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Um ca. 9 Uhr: Konsul Peter! Der weltberühmte Affe! Um ca. 10 Uhr: Herrn Karl Hagenbecks neueste Naubtierdreffur. Neu! Clown Pepino mit urkomischen Szenen. Schwestern Truzzi, Reitfünftlerin. Um ca. 10 Uhr: Answanderer. Gustav Behrens. Der geprete Sherlock Holmes Sherlock Holmes WINDSTARTEN Rechtsanwalt. Das Schwalbenneft. Spezialitäten. Anjang 8 Uhr. Parodie. Siegel fiegelt alles. Alles fürs Kind. Dder: Die Folgen eines Rendezvous.( Anf. 8 Uhr.) Zanbenstraße 48/49. Urania. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Mesfinas. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen: Zinn Blet Silber. Sternwarte, Invalidenitr. 57/62. Lessing- Theater. Donnerstag 8 Uhr: Griselda. Freitag 8 Uhr: Der König. Sonnabend 8 Uhr: Der König. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Mein Leopold. Freitag Benefiz: Frau Bach u. Herr Bach: Marie, die Tochter des Regiments. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorns röschen. 8 Uhr: Mein Leopold. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Marie, die Tochter des Regiments. Montag: Mein Leopold. Berliner Theater. DERNHARD ROSE THEATED Heute 7, Uhr: Nur ein Traum. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die Laterne ( Le Passe- partout). Freitag bis Montag: Die fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Gr. Frankfurter Str. 132. Abonnement aufgehoben. Borzugsfarten ungültig. Benefiz für Artur Winkler. Zum 1. Male: Das vierte Gebot.. Robert Steidl Liane de Vries Lillian Hoerlein! George Bonhair Truppe! La Sylphe! sowie die hervorragenden Kunstkräfte des März- Programms! Passage- Theater, Abends 8 Uhr: Tacianu. ??????? Bollsstüd in 4 Arten von Ungengruber. Piloty von Kaulbach Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Entree 50 Pfennig. ZirkusSchumann Heute, Donnerstag, den 18. März, abends 7, Uhr: Brillante Vorstellung. Debüt! 8 1)+ bedeutet Buchs, Unterpegel. Freie Boltsbühne Nächste Aufführungen: Nachtasyl( Gorky) Pechschulze Der Fleck auf der Ehr ( Anzengruber) Der Probekandidat( Dreyer) . im Neuen Schauspielhause Thalia- Theater. Herrnfeld- Theater. Nr. der Mitgliedskarte 6401-7200 5601-6400 19 7201-8000 Sonntag, den 21. März. Sonntag, den 28. März Sonntag, den 4. April Einige Mitglieder zu den Abendabteilungen können sich noch in den Zahlstellen melden. Der Vorstand: G. Winkler. 240/12 Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. Rathgen: Zinn Blei Silber. www Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Schlagwetter. Bergwerksdrama von Ful Hirsch. Anfang 8%, Uhr. Sur gefl. Beachtung! Nur die Abonnenten dieses Blattes zahlen ausnahmsweise heute Donnerstag, 18. März bei Vorlegung dieser Annonce Theater Variété Brillant ( City- Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich: Auftreten bon nur erst flassigen Spezialitäten bei gänz lich freiem Entree, auch Sonntags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorft.: Gr. Freitanz. Kinematograph. Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. glid: Franz Sobanski, Senor und Berad, Grotest- Duo, Jan Nudolphi, Drahtseilfünstler, The 3 Syborgs, Balanc Neuheiten: Ernst Gras, Elsa Lüschou, Bernhard Marr, Lola Grah. Huckebein& Co. Schwant in 1 Aft. Nach der Borstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Tanz. halbe Kassenpreise! Donnerstag, den 25. März: Benefiz Theron- Truppe. Walhalla Obrenovitch Christitch Georges Milan !! Ettero Tiberio!! der Münzenbrecher. Paet, beinige Bycicle- Champion. der unübertreffliche vierDas wirklich borende Känguruh. der Golo, Seeräuber, Vorher: Bracht- Ausstattungs Pantomime Das Riefen- Programm! Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theaterfaal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Donnerstag, den 18. März 1909: Das Stiftungsfest. Schwant in 8 Aften v. G. v. Moser. Anf. d. Borst. 8, Staffenöffnung 7 Uhr. Ronzert 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Montag, den 22. März: Soiree der Lustigen Sänger. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. in ihrer indisch. Tempelszene. 8 Uhr. Metropol- Theater The 6 Sisters Lorrison Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Perry, Holden, Bender, Giampietro, Kettner, Pfann, Thielscher. Casino- Theater Donnerstag, 18. März, Unf. 8 Uhr: Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Schlagende Wetter. Freitag zum erstenmal: Der große Somet. Gonnabend: Der große Komet. a pollo Theater Der beispiellose Erfolg des März- Programms. 10 11hr: 10 Uhr: Alice Norton 8 Uhr: Der junge Papa. Dazu: Die übrigen Svezialitäten. Attraktionen. Unf. 8 Uhr. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Bis Freitag, den 2. April: Rußland. Sonnabend, den 3. April: Zum erstenmal: Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Steidl an der Brückenstr. 2, Jannowitzbr. Täglich S Uhr. Sonntags 7 Uhr. Die altbeliebten Fritz Steidl- Sänger. Parterre- Rest. Entree frei. Urfidele Stimmung a la Brady. die englischen Schönheiten. Das großartige Variété- Programm! 14 erstklassige Attraktionen. Passage- Panoptikum. Princeẞ Fassie die Amazonen- Königin m. ihr. wilden Leibgarde. Das blaue Weib, das Opfer unbarmherz. Tätowation. Alles ohne Extra- Entree. der Mann in Papuss der Flasche! Heute 6. Tag! Puls: normal. Befinden: unveränd. Tag u. Nacht zu sehen Folies Caprice. Anfang 8%, Uhr. Insolvent.< Poffe von 2. Taufstein. Bier- Kabarett u. Berl. Spatzen. In Laufchiger Nacht. D Entree frei. Burleste von W. Geride. 57 Kommandantenstr. 57, Spielplan Allabendlich: Die beiden Bindelbands. Variete Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das große März Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische Uebungen und die übrigen Spezialitäten. Jm Tunnel: Jap.Blumenfest. Regimentsfap. Theaterbef. hab. fr.Eintr. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Neues Programm. Elite- Soiree Tanzkränzch. bon für F. Sobanski. Anfang 7 Uhr. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Der geprellte Rechtsanwalt Schwank in 1 Att. Das Schwalbenneft. Operette und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Hoffmanns Nordd. Sängern Anfang 8%, Uhr, Sonntags 6 Uhr. Jubelnder Beifall Sonntagsjäger in der Klemme. Posse in 1 Att. Berliner Eis- Palast Durchschlagender Erfolg d. Ständige Eisbahn. übrigen großartigen Soiree Programms! Beg. Sonnt. 5, wochent. 8u. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger. Sum 129, Male Der Kompagniehall Anfang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Achtung! E Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Neue Welt Hasenheide 108-114. Täglich: Gr. Bockbierfest. Baron Muckis Bauernkapelle. Original- Garmisch- Partenkirchner Sänger und Schuhplattler. Jeden Dienstag und Donnerstag: Sensationelle Prämiierungen. Anfang 7 Uhr. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 65. 26. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 18. März 1909. Steigerung des Erträgnisses blicken können, so ist dies verwandt worden sind. Für den Beamten- und Arbeiterunterstützungsin erster Linie der Wirkung zuzuschreiben, welche fonds wurden 400 000 m. bestimmt. Zwecks Beschaffung der Mittel die Gründung der Niederlaufiger Brifett für den weiteren Ausbau der Gesellschaft, in erster Linie das neue Verkaufs Gesellschaft speziell auf unsere bis- Hochofen und Stahlwerk in Esch, welches zur Ausnutzung der höhung der Förderung und Brifettproduktion, die wir durch die versammlung eine Stapitalerhöhung von 26 000 000 M. und die fortgesette Verbesserung unser er Betriebsanlagen und deren volle Ausgabe einer Anleihe von 20 000 000 m. vorgeschlagen werden. Beschäftigung während des Jahres erreichen fonnten, zur Steigerung des vorjährigen Erträgnisses beigetragen." Die Bewucherung der Berliner Bevölkerung durch die Kohlenverkäufer. herigen Bertaufspreiie aus fiste. Zudem hat die Erreichen Eisenerzgruben der Geſellſchaft beſtimmt ist, foll der GeneralEs ist an der Zeit, daß sich die arbeitende Bevölkerung Berlins energischer wie bisher mit ihrer Bewucherung durch die Kohlenberkäufer beschäftigt. Auf Anfragen an die Kohlenverfäufer, ob denn nicht auch in Berlin die Preise für Koblen und Briketts herabgesezt Die Gesellschaft verteilt für 1908 nach bedeutenden Rück würden, erhält man überhaupt teine Antwort oder es heißt: Wir stellungen 27 Prozent Dividende, 1907 wurden 24 Prozent gegeben! können nicht billiger verkaufen, uns werden selbst die höchsten Preise Das Berkaufssynditat hat seinen Zweck als Preisschrauber glänzend abgenommen! Damit soll gefagt sein, von den Gruben würden erfüllt. Diesem syndizierten Unternehmertum ist das Volk auf Gnade immer noch die Hochkonjunkturpreise gefordert. Die Grubenbefizer und Ungnade ausgeliefert. Für Niederlausiber Brit ett wieder wenden ein, es fei noch feine Ermäßigung der Selbstkosten sind im letzten Jahre die Preise am Berliner Markt noch erhöht eingetreten, die Arbeiterlöhne ständen noch auf der früheren Höhe. worden. Die Profitfucht feiert immer tollere Orgien. Ganz abgesehen davon, daß die Wucherpreise durchaus nicht mit ben behaupteten Lohnerhöhungen gerechtfertigt sind die riesigen Gewinnsteigerungen der Zeche in der Hochtonjunktur beweisen hinlänglia, wer das Fett von der Suppe schöpft, ist auch die Bes hauptung, die Arbeiterlöhne feien noch nicht gefunken, unwahr! Wie amtlich gemeldet wird, haben die Schichtverdienste der obersten Lohnklasse in den deutschen Kohlenbezirken, von wo Berlin hauptsächlich mit Kohlen und Briletts versorgt wird, durchschnittlich betragen: 4. Quartal 4. Duartal Oberschleften, Steinkohlen Niederschlesien, Ruhrgebiet, " 1907 . 9 1908 4,02 M. O 3,61 5,77 " 4,10 M. 3,73 6,14 4,24 " " 7 19 Mittelpreußisches Braunkohlengebiet 4,01 0 Sie treiben es so toll, daß das ausgewucherte Bolt unmöglich ruhig zusehen kann, wie ihm die Lebensbedürfnisse fortgesetzt berteuert werden. So kann es nicht weiter gehen. Selbst dann noch die schon viel zu hohen Brennstoffpreise steigern, wenn das graue Elend einer umfassenden Arbeitslosigkeit die Wohnungen der Besitzlosen verdüstert, das ist doch ein ungeheuerlicher Skandal. Stahlverbandspolitik. haft beschäftigten Martinierte beranlagte laut Kölnischer Volts Die zunehmende Halbzeugkonkurrenz der in Walzeisen mangel zeitung" den Stahlwerksverband bis zum 30. Juni 1912 einen Ber trag mit der Hüftener Gewerkschaft zu schließen, wonach diese nur noch an brei Walzwerke Halbzeug liefern darf, wogegen ihr der Verband jährlich 4000 Tonnen Halbzeug abnimmt. Wegen der Preise wurde gleichfalls eine Einigung erzielt. Die deutschen Aktiengesellschaften im Jahre 1908. Nach den Ermittelungen des kaiserlichen Statistischen Amts auf Grund der Bekanntmachungen der Gerichte im Reichsanzeiger" wurden im Jahre 1908 151 Gesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital von 162,5 Millionen Mark neu gegründet, gegenüber 217 Gesellschaften mit 260,7 Millionen Mark im Jahre 1907. Die Gründungstätigkeit des vergangenen Jahres ist somit erheblich Aus Induftrie und Fandel. fchwächer gewefen als im Jahre 1907. Massenkündigungen im Industriebezirk. Von den 151 neuen Gesellschaften des Jahres 1908 wurden 72 mit 82,0 Millionen Mark Attienkapital unter Einbringung bestehender Unternehmungen gegründet; für die Sacheinlagen wurden hierbei Der 15. März war für die Arbeiter des rheinisch toeftfälischen 66,5 Millionen Mark in Attien gewährt. Im Jahre 1907 war die Industriebezirks ein Schreckenstag. Massenkündigungen werden von Umwandlung bestehender Unternehmungen in Attiengesellschaften In Dortmund wurde sämtlichen wie die gesamte Gründungstätigkeit größer; im Wege der UmDie Arbeiterlöhne waren also Ende 1908 zum Teil schon erheb. überall gemeldet. lich niedriger als gleichzeitig 1907. Inzwischen tamen aus den Arbeitern des Walzwerts Weber zum 1. April gewandlung waren im Vorjahre 118 Gesellschaften mit 182,8 Millionen Von einer Ermäßigung der Brennstoffpreise ist wegen baulicher und technischer Aenderungen, völlig ſtillgelegt schaften um 443,9 millionen Mart, während 69 Gesellschaften Bergwerksbezirken zahlreiche Meldungen weiterer Lohnreduzierungen. Kündigt, an welchem Tage der Betrieb des Werkes, angeblich Mark Nominalkapital gegründet. Kapitalerhöhungen erfolgten im Jahre 1908 bei 205 Gesellder Berliner Bevölkerung aber noch nichts be werden soll. Sehr schlimm lauten die Nachrichten von den stapitalherabsetzungen in Höhe von 40,0 Millionen Mark vortannt! Im Gegenteil: Kohlen, Kots und Bri Gruben. Von den in der Nähe von Dortmund liegenden nahmen. fetts sind im Jahre 1909 noch teurer geworden! Bechen werden folgende Kündigungen gemeldet: Preußen I, Neben den tätigen Gesellschaften ermittelt das kaiserliche Das bestätigten auch die amtlichen Nachrichten für Handel und 21 Mann, Breußen II 75 Mann, Gneisenau 64 Mann, Scharn- Statistische Amt die Gesellschaften in Liquidation und in Konture. Industrie". Danach mußten im Kleinverkauf( pro gentner), Horft 58 Mann, Viktor 200 Mann. Es ist ganz ausgeschlossen, Im Jahre 1908 traten in Liquidation 73 Gesellschaften mit 80,0 also von dem ärmsten Bevölkerungsteil, bezahlt werden, im daß die Leute am 1. April anderweitig untergebracht werden. und gerieten in Konkurs 16 Gesellschaften mit 10,2 millionen Mart Von den Zechen Scharnhorst und Preußen II werden zudem noch Nominalfapital. Lohnfürzungen in Höhe von 15-20 Pf. pro Wagen Kohlen gemeldet. Vom Leimtruft. Das letzte Jahresergebnis der Aktiengesellschaft Die Löhne sind auf manchen Zechen des Reviers so reduziert worden, für chemische Produkte, vorm. H. Scheidemantel, ist ein sehr günstiges. daß tüchtige Hauer nur noch 100 M. pro Monat herausbekommen. Auf Der Reingewinn beträgt 1231 000 m. gegen 902 000 n. im Vors manchen Gruben werden 6-8 Echichten im Monat gefeiert. Die jahre. Die Abschreibungen betragen 229 000 m. gegen 146 000 M.; Stimmung der Bergleute ist eine sehr gereizte. Allgemein heißt es: also bleibt ein verfügbarer Ueberschuß von 1001 000 m. gegen So kann es nicht weiter gehen! Es scheint, die Herren Gruben barone wollen die Bergleute zur Verzweiflung treiben und so eine Statastrophe herbeiführen. Dazu paßt sehr gut die Meldung, daß auswärts Werbeagenten tätig feien, die Leute ins Ruhrrevier locken wollten, indem sie diesen erzählen, fie tönnten 8-10 M. pro Schicht verbienen, Dem Treiben der Grubenherren muß Einhalt geboten A. E. Clement, Rostod. Dem Treiben der Grubenherren muß Einhalt geboten Steinkohle( Nußkohle) pro 50 Kilogr. Braunkohle " Rots pro Hektoliter. Braunkohlenbrifetts pro 100 Stüd Januar 1908 1909 M. M. 1,56 1,30 1,70 1,50 1,71 1,86 1,12 1,42 In einer Beit schlimmster Wirtschaftskrise, wo jeder Pfennig Mehrausgabe die ohnehin mit Lohnfürzungen und Arbeitslosigkeit furchtbar heimgesuchte besiglose Masse trifft, werden die Preise für ben absolut notwendigen Hausbrand noch hinaufgeschraubt. Das ist eine unerhörte Bewucherung gerade ber dermsten. Das beweisen auch die Preisnotizen der amtlichen " Nachrichten". Die Preise im Großhandel sind nämlich auch in Berlin in den meisten Sorten von Januar 1908 bis Januar 1909 gleichgeblieben oder etwas gefallen. Einzig und allein der ärmste familienbater, der wegen seines geringen Eintommens nur die kleinsten Duantitäten einkaufen fann, muß für alle Sorten Brennstoffe heute noch mehr zahlen als aur Beit der Hochkonjunktur. Wer sind die Urheber der wucherischen Preisschraubereien? Da ift zunächst darauf hinzuweisen, daß die Grubenbefizer in allen Bezirlen ihre Syndikate, Breistonventionen, Verkaufskontore usw. gebildet haben. Der Zwischenhandel ist entweder schon ganz aus geschaltet, oder die großen, mittleren und Kleinen Kohlen usw. Verschleißer erhalten von den Grubenkartellen nur Kohlen usto. zu oft sehr drakonischen Bedingungen. Die Grubenkartelle schreiben den Zwischenhändlern vor, in welchem Bezirle, welche Sorten Kohlen und mit welchen Aufschlägen fie verlaufen dürfen. In Wirklichkeit find heute schon die meisten Kohlenhändler nur noch Agenten der Grubentartelle. werden. Lohnreduktion. Die Rheinischen Stahlwerke ordneten eine 10prozentige Lohnfürzung an. Außerdem wurde wegen Mangel an Aufträgen bie Arbeitszeit in den Feuerbetrieben auf 8 Stunden reduziert. Wirrwarr am Kohlenmarkt. 8u welchen Zuständen die von uns oft beleuchtete Synbitats politit führt, dafür liegen nun einige recht interessante Mitteilungen vor, die sich selbst genügend illustrieren. Wir laffen fie deshalb hier ohne weiteren Kommentar folgen: Ausländische Konkurrenz auf dem deutschen Rohlenmartte. Die neuerdings in größerem Maßstabe nament lich auf dem Wasserwege nach Süddeutschland eingeführte englische tohle hat infolge ihres vergleichsweise billigen Preises besonders bei den Gaswerken großen Erfolg zu verzeichnen. 755 000 M. Der Betrieb dieser Gesellschaft ist fortgesetzt bergrößert worden. Im Jahre 1907 wurden allmählich die folgenden Betriebe fäuflich erworben: Ber. chemische Fabriken Aldenhoven; Union", Fabrit chemischer Produkte, Dammkrug; Chemische Fabrit Ggerpohl, . m. b. H.; Cramer u. Buchholz, Nöhnsal; Louis Spiritus Nachf Wipperfürth, und W. Kohn, Wilhelmsberg; ferner die Fabrit A. C. Clement, Rostoc. Weiter ist die Gesellschaft beteiligt an der Gründung der Sentralgesellschaft für chemische Industrie, G. m. b.. in Berlin, Gesellschaft für Fett- und Delraffination. Die durch die österreichische Gesetzgebung berhinderte Verschmelzung mit der Aftiengesellschaft für chemische Industrie in Wien ist nun so erfolgt, daß der Aftienbesitz gegenseitig ausgetauscht worden ist. Damit wird die Vertruftung der Inochenverarbeitenden deutschen Industrie aber noch nicht abgeschlossen sein. Staatsbestellungen. Für die preußisch- heffischen Staatsbahnen follen erneut 1072 Personenwagen, 382 Gepädagen fowie 7299 Güterwagen verschiedener Gattung für die bestehenden Bahnen, ferner 112 Berfonenwagen und 80 Gepädwagen für die im Etatsjahre 1909 zur Eröffnung fommenden Neubaulinien in Auftrag ge= geben werden. Die Anlieferung sämtlicher Wagen foll bis zum 31. März 1910 beendet sein. Vermischtes. Ein Grubenbrand. Aus Effen( Nuhr) wird gemeldet: Wie ber Bergbauverein mitteilt, nahm der auf Beche Bliefenbach" aus gebrochene Grubenbrand größere Ausdehnung an. Infolgedessen mußte auf Beranlassung der königl. Bergrebierbeamten die Grube Montagabend von sämtlichen Mannschaften geräumt und unter montagabend von sämtlichen Mannschaften geräumt und unter Wasser gesetzt werden. Schnee und Eis verursachen noch immer erhebliche VerkehrsNach einer amtlichen Meldung aus Königsberg i. Br. ist der Güterverkehr auf der Strede Slawianst- Boltawa der Südbahnen und darüber hinaus wegen Schneeverwehung gesperrt. Stolp, 17. März. Amtliche Meldung. Strecke Neustettin- Stolp durch Schneeverwehung seit 16. März 10 Uhr abends zwischen Strecke heute vormittag wieder frei. Schönau und Baldenburg unfahrbar. Voraussichtlich wird die An diese hat sich das bewucherte Bolt vor allen Dingen zu galten. Wie weit die großen, mittleren und fleinen Händler aus Ausfuhr deutscher Kohlen. Infolge des Vordringens eigener Profitfucht noch Aufschläge zu den Brennstoffpreisen bor englischer Stohlen machen sich bei den preußischen staatlichen und nehmen, entzieht sich der öffentlichen Kontrolle. Die Händler privaten Saargruben Absatzschwierigkeiten geltend, welche die Gruben mögen vor der Deffentlichkeit erklären, ob ihnen nötigen, bei anderen Industrien, auch im Auslande für die ausbie fortgefesten Breissteigerungen, insbesondere fallenden Mengen neuen Absatz zu suchen., Daß dies nicht ohne bie Ertraerhöhung der Brennstoffpreise für die Preisopfer geschieht, ist selbstverständlich. Aermsten, bon den Grubenkartellen borge fchrieben ist, ob sie die Schuldigen oder die Mitschuldigen sind. ftörungen. Breisermäßigung für belgische Roble. Infolge Das Volk hat ein echt zu wissen, wer es bewuchert. Seit über 18 Jahren herrscht in eine niedrigerer deutscher Angebote ist der Preis der Magerfeinkohlen für Deutschland Ein namenloses Elend ist über Siegeleien und Stallwerte für den bevorstehenden Sommer von den verheerende Wirtschaftskrise. hunderttausende und Millionen Familien hereingebrochen. Und belgischen Bechen jetzt offiziell gegen den legten offiziellen Preis um twie zeigt der Kapitalismus sein Mitgefühl"? Das Laufiger 1 bis 2 Fr. auf 9,50 bis 10 Fr. die Tonne herabgesetzt worden. Brauntohlensyndikat, ein Hauptlieferant für den Berliner 300 Arbeiter plöglich brotlos geworden. Die Grube BliefenBrennstoffbedarf, berichtet frohlodend, es habe 1908 den Durchfchnittspreis für 1 hektoliter von 21,98 auf 24,54 Pf. erhöht! bach bei Engelskirchen hat plöblich ihren Betrieb eingestellt. In Dabei ist der Durchschnittsschichtverdienst der höchsten Lohntlasse der der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag hatten sich durch Entzün Braunkohlenarbeiter bon 4,28 m. in 1907 auf 4,15 M. im Jahre dung eines größeren Postens trodenen Holzes in der Grube bevart 1908 berabgedrüdt worden! Die Kohlenpreise steigen, die Base angesammelt, daß ein Arbeiten daselbst zur Unmöglichkeit wurde. Selbst die von Herne und Gelsenkirchen telephonisch bea Löhne fallen! In der brandenburgischen Laufis, von woher Berlin im steigenden rufenen Rettungsmannschaften mußten nach verschiedenen Ber. Maße mit Braunfohlenbritetts& versorgt wird, find in suchen das weitere Bordringen aufgeben, was die vorläufige Stillüberraschend furzer Zeit großartige Goldquellen für die Unterlegung der Grube zur Folge hatte. nehmer erschlossen. Was für Riesengewinne dort erzielt werden, Gelsenkirchener Bergwerks- Gesellschaft. In der Aufsichtsratsverrät der Jahresbericht der Braunkohlen und Brikettwerte Ein- figung der Gelsenkirchener Bergiverts- Attiengesellschaft legte der Im Lande des Erdbebens von Dr. A. Zacher. Die vulkanischen tracht". Es heißt darin: Vorstand die Bilanz des Jahres 1908 bor, die mit einem Nohgewinn Statastrophen von 1905 bis 1908. Julius Hoffmann, Verlag, Stuttgart, „ Die Jahresrechnung für 1908 ergibt einen Betriebsüberschuß von 24 142 105,26.( gegen 32 272 368,42. im Vorjahre) ab- Brosch. 3 M., geb. 4 M. Der kleine Serr Friedemann. Novellen von Thomus Mann. bon 8 952 296,38 M., fotvie einen Gewinn auf Zinsenkonto von schließt. Der auf den 17. April d. J. zu berufenden General56 401,93 M., mithin einen Gesamtertrag von 4 008 698,31 W., versammlung soll die Verteilung einer Dividende von 9 Proz. vor- S. Fischer, Berlin. Beh. 80 Bi., geb. 1. Die verlorene Naivität von A. Hörhammer. 197 Seiten.- Torso, gegen 8 458 357,77 m. im Vorjahre. Wenn wir fomit trotz der geschlagen werden, nachdem 11 700 000 m. zu Abschreibungen und das Buch eines Kindes von 2. Märten. 305 Seiten. St. Piper u. Co. ungünstigen allgemeinen Wirtschaftslage auf eine bedeuten del Reserveſtellungen, darunter 600 000 m. für den Spezialrefervefonds, München. Stralsund, 17. März. Amtliche Meldung. Der Postdampferberkehr zwischen Saßnitz und Trelleborg ist noch unterbrochen. Die Eisverhältnisse sind unverändert. Graudenz, 17. März. Amtliche Meldung. Die Betriebsstörung auf der Steinbahn Melno- Culmiee besteht infolge des gestrigen Schneetreibens unverändert fort. Eingegangene Druckfchriften. Sunlicht Seife verleiht Gardinen, Spitzen und zarten Stoffen, ob einfach oder kunstvoll, jenen Zauber von Frische und Reinheit, der das Heim gemütlich und anziehend gestaltet. SunlichtSeite verwende man ohne Zutaten. Aus reinsten und besten Rohmaterialien hergestellt.reinigt sie durch eigene Kraft. Man verwende nur Sunlichtseife. 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