Kr. 6«. BftonnfmfntS'Bedlngnngcn: Abonnements> Preis pränumerando i Bierteljahrl. SM Ml., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 2S Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfz. Sonntags- nummer mit iUuflrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt- 10 Psg. Poft- Zlöonnenicnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-geitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deuifchland und Oesterreich, Ungarn S Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postadonnemenis nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Ruoiänieii. Schweden und die Schweiz. ÄH. Jahrg. Crtitclnt llgllch uScr Bntags. 5�� Verlinev Volksblalk. vle Insertion;'Ledllhr Neirägt für die scchsgespallene Kolonel« , eile oder deren Raum KO Psg., für politische und gewerlschaststche Vereins- und Berfammlungs-Anzeigcn SO Psg. �Uleine Snretgen", da» erste(seit- gedruilte) Wort SO Pfg., jedes weiters Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jcdeS weitere Wort S Pfg. Worte über lü Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedittou ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Delegramm- Adresse! nSulaldcioslirat BcrUjf*. Zentralorgan der Ibzialdcmohratifcbcn Partei Deutfchlanda. Redaktion i SW. 68, Ltndcnstraesc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Die„üerbenerung" des Crprcliungsparagrapben. DaS neueste Gclegenheitsgesetz, daS die preußisch-deutsche Reaktion zusammengebraut hat, die Strafrechts- Novelle ist wahrlich das Muster einer„Reform", wie sie hierzulande bei den Vertretern dcS Klassenstaates beliebt ist. Unter einigen Schnipselchen Reformen birgt sie zwei faustdicke, handfeste Verschlechterungen des bisherigen Nechtszustandes. die alles, was gebessert wird, an Bedeutung hunderlsach in den Schatten stellen. Die eine ist der Anschlag auf das elende Bißchen Preßfreiheit, daS die deutschen Zeitungsmänner heute noch haben, der Anschlag auf die dürftigen Rechte der Kritik venuittelst ungeheuerlicher Erhöhung des Strafmaßes und Verkümmerung des Wahrheits beiveii'es: die andere die angebliche„Verbesserung" deö Erpressungsparagraphen. Zum Schluß des Entwurfs zur Abänderung des Straf- gesetzbuchs wird folgende neue Fassung des§ 253, der Be> stimmung über die Erpressung vorgeschlagen: Wer in der Absicht, sich oder einein Dritten einen rechts- widrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Ge- wall oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unter- lassung nötigt, wird wegen Erpressung mit Gefängnis nicht unter einem Monate besliaft. Der Versuch ist strafbar. In der jetzigen Fassung fehlen die im obigen Zitat gesperrt gedruckten Worte. Die Aenderung besteht also in der Einfügung der Bedingung, daß„das Ver- mögen eines anderen dadurch beschädigt" wird. Damit soll nach der Versicherung der Begründung eine Ein- s ch r ä u k u n g dcS Begriffs der Erpressung erzielt werden. Notwendig sei das. weil die bisherige„ungemein weite� Fassung des Begriffs der Erpressung" zur Anwendung auch in zahlreichen Fällen geführt hätte,„deren Be st rasung als Erpressung mit der allgemeinen Auffassung, welche die Erpressung als ein ehrenrühriges Vergehen ansieht, im Widerspruch steht." Das ist nun allerdings in starkem Maße und nur zu oft der Fall gewesen. Der Erpressungsparagraph hat eine der häßlichsten Waffen gegen die Arbeiterbewegung liefern müssen. Die Auslegung dieses Paragraphen, seine Auwendung gegen die kämpfende Arbeiterschaft ist eine der schlimmsten Ausgeburten der Klassenjustiz, seine Geschichte seit Mitte der 80er Jahre eine ununterbrochene Reihe von Schand- säulen für die deutsche Rechtsprechung. Ehrenwerte Arbeiter, die nichts iveiter getan haben, als im Interesse ihrer Berufcgenossen dem Unternehmer bei hartnäckiger Ablehnung der Arbeiter forderungen die Eventualität des Streiks vor Augen zu führen, ivurden auf Grund einer RechtsauSlcgung, wie sie nur dem Kopfe von Richtern entspringen kann, die nie ein Hauch sozialen Enipfindens und Verständnisses gestreift hat. die völlig im Banne der engsten Unternehmer- anschauungen stehen. alL Erpresser verurteilt. Die Scharfmacher in der Richterrobe, die das Bestehen des § 152 der Gewerbeordnung nie geniert hat. obgleich er den Arbeitern daS R e ch t zur K 0 a l i t i 0 n und zum Streik gibt, deduzierten voll Scharfsinn also: Der Angeklagte hat sür sich und seine Kameraden einen rechtswidrigen Vermögensvorteil erstrebt, denn er und seine Kameraden hatten auf höheren Lohn keinen rechtlichen An- spruch und er hat diesen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu erzielen versucht, indem er den Unternehmer durch eine Drohung zu einer Handlung— Erhöhung der Löhne— zu nötigen suchte. Also ist er des ehrenrührigen Vergehens der Erpressung schuldig und mit soundsoviel Monaten Gefängnis zu bestrafen. Der nicht im Bannkreis der Stumm. Krupp, Kirdorf und ähnlicher Scharfmacher wandelnde Sterbliche faßt sich entsetzt an den Kopf, wenn er solche Ausführungen liest, wie sie in Dutzenden von deutschen Gerichtsurteilen im Namen des Königs enthalten sind und die im Namen des Reichs vom höchsten deutschen Gericht, dem Reichsgericht als durchaus richtig bestätigt worden sind. Das Gekünstelte und Geschraubte ist ihnen auf den ersten Blick an- zusehen. Schon die Dcfinierung der angestrebten Lohn- erhöhung als rechtswidriger Vermögensvorteil ist unerhört und kann nur dem Kopfe eines Menschen entspringen, der die Arbeiter als die Hörigen der Unternehmer ansieht, die ver- Pflichtet sind, für ihn zu gleichbleibenden Bedingungen zu arbeiten. Diese Dcfinierung steht im krassesten Gegensatz zu dem in der Gewerbeordnung zwar nicht Positiv verbürgten, aber doch zugelassenen Recht der Arbeiter, ihre Arbeits- kraft so teuer wie möglich zu verkaufen, steht im krassesten Gegensatz zu der Auffassung, daß der Arbeiter eine beim Vertragsabschluß gleichberechtigte Persönlichkeit ist. Dann wird aber auch im Grunde genommen das Koalitions- recht des Arbeiters einfach verneint, wenn man eine Handlung, die zur Nutzung eines Rechts erforderlich ist. und das ist die Ankündigung, daß die Arbeit eingestellt wird, falls die Forderungen nicht bewilligt werden, als strafbare Handlung erklärt wird. Kurz, diese Rechtsauslegung stand zu der Stellung de» modernen Arbeiter» im Arbeits- und Rechts- Expedition: 6M. 68» Lindcndtraesf 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Verhältnis in schreiendstem Widerspruch und war nichts weiter als ein Ausfluß einer Anschauung, die den Arbeiter für ein Geschöpf minderen Rechts als den Unternehmer, als einen Heloten ansah, der sich nicht gegen die Anordnungen des Brot Herrn auflehnen dürfe. Aber das alles hat nicht gehindert, daß diese Mitte der 80cr Jahre zuerst vom Leipziger Staatsanwalt und einem Leipziger Richterkollegium praktizierte Rechtsauslegung bald zum Gemein gut der deutschen Rechtsprechung wurde und daß ihr Geltungs gebiet immer weiter ausgedehnt wurde. Die deutschen Staats anwälte lernten bald, auch den Arbeiter oder Arbeitervertreter als Erpresser zu infamieren, der einen Unternehmer, der den Lohn herabsetzte, zur Zurücknahme dieser Maßregel unter Hinweis auf die Möglichkeit eines Streiks bewegen wollte. Auch der Versuch, den bisherigen Lohn festzuhalten, galt als ein Versuch, einen„rechtstvidrigen" Vermögensvorteil zu erpressen, denn die Arbeiter halten ja auf den Lohn in dieser Höhe keinen Rechtsanspruch l Ja selbst wenn der Unternehmer einen Tarif vertrag brach, war eS möglich, den dagegen remonstrierenden Arbeitervertreter wegen Erpressung zu verurteilen, wie ver schiedene unglaubliche Gerichtsurteile zeigen, denn auch dann konnten die gelehrten Richter keinen Rechtsanspruch der Arbeiter aus den im Tarif festgesetzten Lohn entdecken! Mit dem Essen kam der Appetit; es dauerte nicht lange, so lernten die deutschen Richter auch, den Erpressungs Paragraphen auf Arbeiter anwenden, die ihre Berufskollegen zum Eintritt in die Organisation aufgefordert hatten. Hier niußten die Beiträge, die der angeblich Bedrohte der Gewerk schast gezahlt haben würde, den„rechtswidrigen Vermögens vorteil" vorstellen Die Gewerkschaft hatte ja keinen Rechts anspruch darauf! Mehr als zwei Jahrzehnte hat diese ungeheuerliche Rechte auSlegung, die für das unverbildete Rechtsempfinden ein Faustschlag ins Gesicht ist, die eine sortgesetzte schivere Be� schimpsung der Arbeiterbewegung ist. gedauert, ehe die Reicht regierung das Bedürfnis empfand, ettvas gegen sie zu tun. Schon zu Anfang der neunziger Jahre hat die Sozialdemokratie Anträge eingebracht, die bezweckten, diesem Mißbrauch des § 253 einen Riegel vorzuschieben; mehrfach hat sie wieder auf diesen Schandfleck der deutschen Rechtsprechung anklagend hingewiesen, das Zentrum mußte die sozialdemokratischen An träge für gerechtferttgt erklären— die Regierung rührte sich nicht l Jetzt endlich, wo sie eine Lex Eulenvurg durchdringen möchte, scheint ihr eine Aenderung des Erpressungsparagraphen als Vorspann gut, der den mit dem Anschlag auf die Prest freiheit und die Rechte der Krittk bepackten Karren durch den Hohlweg des Parlaments bringen könnte. (Schluß folgt.) eicndsbilder. In der Statistik verschwindet der einzelne als Individuum. denn die Statistik liefert Massenbilder. So kann ein sicheres Urteil über die besondere Lage eines einzelnen Arbeitslosen nicht ge- Wonnen werden aus der Betrachtung der Gesamttabellen, die sich auS der Bearbeitung des Zählmaterials ergeben, sondern einzig auS der Betrachtung der von ihm ausgefüllten Nnzelkarte. Um. gekehrt jedoch wird man vielfach auS dieser Einzelkarte einen Rück- schluß machen können auf das Typisch« und Allgemeine. Bei unserer Arbeitslosenstatistik fanden sich eine Reihe von Karten, die über die bloße Bcantworwng der gestellten Fragen hinaus Zusätze und Erläuterungen enthielten, die auf den unbefangenen Be» obachter den Eindruck der Wahrheit machen und in ihrem gleich- mäßigen Wiederkehren auf zahlreichen Starten wohl geeignet sind, grelle Streiflichter auf daS durch die Arbeitslosigkeit hervor- gerufene Elend zu werfenl Wir wollen von allen diesen Be- merkungen nur die typischen herausgreifen. Insbesondere zahlreich fanden sich Klagen von Männern zwischen 40 und BO oder wenig mehr Jahren, daß sie, obwohl„kerngesund", trotz heißen Bemühens wegen ihres Alters keine Arbeit mehr finden. Hören wir einige von den Leuten selbst: „Wenn ich nach einer Stelle komme, dann heißt cS:„Wie alt sind Sie?"«44 Jahre!"„Sie sind zu alt," ist die Antwort. Nicht mal als Nachtwächter kommt man an. Wie soll das noch enden?" Ein anderer:„Da ich bei meinem Alter keine Arbeit mehr fand, friste ich mein trauriges Dasein durch gelegentliche Zufalls- arbeit, und das jetzt zwei Jahre." Ein B4 Jahre alter Arbeitsloser schreibt:„Ueberall wegen Alters abgewiesen; einen Mann in meinem Alter will keiner mehr beschäftigen. Leider!" Eine Frau klagt:„... Wenn man hinkommt, da ist man zu alt. wenn man BO Jahre ist. Eine Arbeiterin wird verlangt. BO stehen und warten darauf." Es ist eine den mit den Verhältnissen Vertrauten wohlbekannte Tatsache, daß ein älterer Arbeiter viel leichter arbeitslos wird und viel schwerer Arbeit findet als ein jüngerer. Die Gründe sind mannigfacher Natur. In großen Betrieben fürchtet der Unternehmer vielfach vom älteren Arbeiter eine zu große Belastung seiner Betriebskrankenkasse. Auch stört der ältere Arbeiter die rastlose und intensive Anspannung der Arbeitskraft mit möglichst kurzen Pausen; und obwohl der ältere Arbeiter im einzelnen vielleicht geschickter ist als der jüngere, so erfordert doch sein vielfach in harter Fron schon in der Mitte der vierziger Jahre zermürbter Körper öftere Pausen in der Arbeit. DieS verträgt sich nun nicht mit dem Interesse des Unternehmers, den Betrieb mög- lichst ohne Pausen durchzuführen. Der ältere Arbeiter wird also von ihm abgestoßen. Er wirb gezwungen, tn einen anderen, leichteren Beruf überzugehen, oder er wird gar zu einem Gelegen. heitsavbeiter gemacht. Bei Klagen über Arbeitslosigkeit hört man vielfach den Ein- wand, der Arbeiter solle in der Zeit der Arbeit sparen, dann habe er in der Not. Der qualifizierte und bcsscrbezahlte Arbeiter kann gewiß in guten Zeiten sparen, nnd dieS geschieht auch; sonst würde der Schrei des Elends bei mehr als 100 000 arbeitslosen Arbeitern noch viel lauter ertönen. Aber bei langanhaltender Arbeitslosigkeit oder Krankheit gehen die Spargroschen gar bald zu Ende und Tausende und Abertausende kommen bei ihrem geringen Arbeits- verdienst überhaupt nicht zum Sparen. Müssen wir beispielsweise erst an die Hungerlöhne der Heimarbeiter erinnern?! Hören wir nur einige wenige, aber typische Bemerkungen. Eiye arbeitslose Steppmäntelnäherin schreibt:„Es ist nicht zu vergessen, daß mein Höchstverdienst pro Woche 10 M. ist." Eine eheverlassene Hosen- näherin, die drei Kinder zu ernähren hat. sagt:„Ich verdiene nicht soviel, daß ich mich mit den Kindern satt essen kann. Meine Kinder müssen sehr oft hungrig schlafen gehen." Zuletzt hat die Frau, die Armeminterstützung bezieht, gehandelt, weil sie keine Arbeit hatte. Ein selbständig gewesener Kaufmann sagt, daß er bei einet Arbeitszeit von 3— B Uhr durch Adressenschreiben S M. pro Woche verdient. Da er immerhin Arbeit hat, so konnte er selbstverständ» lich in die Statistik der Arbeitslosen nicht mit aufgenommen werden, ebensowenig wie dieS geschehen konnte mit jener großen Zahl von kleinen Selbständigen, deren Einkommen sich infolge der herrschenden Krise ganz außerordentlich vermindert hat. Es sind dieS ganz besonders Schuhmacher, Gastwirt« und kleine Grün. kram- und Kolonialwarenhändler. Letztere sind ganz besonder! übel daran. Ihre Kundschaft wird in der Krise arbeitslos, nimmt bei ihnen die Ware auf Borg, bis sie schließlich selbst ihren Ver» pflichtungen nicht mehr nachkommen können und den Laden schließen müssen. So schreibt eine jetzt Arbeitslose:„Habe mein Geschäft der schlechten Zeiten wegen schließen müssen und gehörig Schulden hinterlassen. Alles borgte, keiner Arbeit, keiner Geld." Hierher gehört auch die Bemerkung eines Schuhmachers:„Mein« wöchentliche Einnahme beläuft sich auf 15—20 M.; von diese« gehen die Auslagen ab. Ausgaben müssen jeden Monat 120 M, rangeschafft werden. Noch schlechter stehe ich da. wie ein Arbeits» loser." Der Mann ist verheiratet und hat Frau und Kind zu er» nähren. Ein Schleifer schreibt:„Da meine Kundschaft selbst nicht» zu tun hat, so kann dieselbe nichts machen lassen." Wir haben in vorstehendem uns bemüht, typische Bilder herauszugreifen. Leider gehört zu den typischen Bcgleit, erscheinungen der Arbeitslosigkeit auch der S e l b st m 0 r d. Bei der Bearbeitung unserer Statistik ergab sich die Notwendigkeit, bei einer Reihe von Karten Recherchen anzustellen. Diese wurden von durchaus zuverlässigen Leuten ausgeführt, die Gelegenheit hatten« sich von dem herrschenden Elend persönlich zu überzeugen. Ein Arbeitsloser hatte sich inzwischen aufgehängt. Ein anderer, der Frau und drei kleine Kinder ernähren mußte, hatte sich vergiftet, nach Angabe der Hausbewohner wegen Arbeitslosigkeit. Um da» Elendsbild vollständig zu machen, sei noch erwähnt, daß in einem Falle der Arbeitslose von dem Rechercheur nicht mehr angetroffen wurde, da er inzwischen mit Frau und vier Kindern exmittiert worden war. Seine Sachen standen nach Angab» der Porticrfrau im Stall. Auch das dürfte keine einzelne, sota»«! eine typische Erscheinung sein._ Die ßantanlirite. Die europäische Diplomatie macht noch in letzter Stunde den Versuch, den Ausbruch des Krieges zu verhiudern. Nur daß alle diese Versuche mit der großen Schwierigkeit des zwei- deutigen und hinterlistigen Verhaltens der russischen Regierung u kämpfen haben, wodurch die Aussichten, die ein gceinigtes Sorgehen böte, außerordentlich vermindert werden. Zunächst ist Italien mit dem Vorschlag hervorgetreten, daß die Mächte den in der serbischen Zirkularnote vom 10. März ausgesprochenen Verzicht auf territoriale Entschädigung zur Kenntnis nehmen sollen, wodurch die Diskussion der serbischen Ansprüche auf der Konferenz entfiele. Außerdem sollte sich die Konferenz nur mit der Anerkennung der Annexion und der Unabhängigkeit Bulgariens befassen. Außerdem haben, nach einer Meldung des„Matin", Eng» l a n d und Frankreich neuerdings bei M i l 0 w a n 0- witsch dem serbischen Minister des Aeußern, interveniert, der im Gcgönsatz zu dem österreichfcindlichcn P a s i t s ch eine etwas friedlichere Stellung einnimmt, um ihm zu raten, in der Antwort der Belgrader Regierung die äußerste Grenze der Höflichkeit und des Entgegenkommens zu zeigen. Belgrader Meldungen wollen auch wissen, daß der russische Gesandte S e r g e j e w Milowanowitsch ebenfalls geraten habe, den Wünschen Oesterreichs nach Mög- lichkcit entgegenzukommen. Ja. das offiziöse fran- zösische Telegraphenbureau bringt sogar aus Belgrad die optimistische Meldung: Nach umlaufenden Gerüchten soll die serbische Regierung geneigt sein, sich hinsichtlich der Antwort, die sie nach dem neuen Schritt des Grafen Forgach an Oester» reich-Ungarn richten wird, den Anregungen der Mächte zu fügen. Wie es heißt, wäre sie auch bereit, abzu- rüsten, falls ihr die Mächte dazu raten sollten. Doch gerade die letzten Worte, die so vielversprechend lauten, wecken den Ziveifel. Werden alle Mächte zur Ab- rüstung raten oder wird diejenige Macht, welche stch bisher stets von der gemeinsamen Friedensaktion ausgeschlossen hat und gerade diejenige ist. ohne deren Zusttinmung Serbien den entscheidenden Schritt nicht tun wird, ihre Mitwirkung nicht auch jetzt versagen, wird Nußland den Ra! zur Ab- rüstung erteilen? Ist der Einfluß Frankreichs auf den Brindes- genossen groß genug, um neue Winkelzüge zu verhindern? Die nächsten Twge müssen die Antwort bringen. Denn ganz ausgeschlossen ist es noch immer nicht, daß in Serbien angesichts der drohenden Gefahr die Friedenspartei siegt. Wissen dock) auch Meldungen Londoner Blätter von einer der- söhnlicheren Stimmung zu berichten. Da ist es denn immerhin von einer gewissen Wichtigkeit, daß Oesterreich nicht durch allzu rasches Vorgehen diese wenn auch noch so schwachen Aussichten vereitelt. Und diese«! Er- folg scheint die diplomatische Aktion bereits erzielt zu haben. Die österreichische Regierung erklärt, die Absendung ihrer Note an Serbien noch um einige Tage verschieben zu wollen; sie soll statt am Sonnabend erst Montag überreicht werden. Offiziös wird die Verschiebung damit erklärt, daß dann die militärische Vorbereitung beendet und die De- nioustration der Streitkräfte auf Serbien größeren Eindruck machen werde, jedoch geht die Mobilisierung so rasch vor sich, daß dieser Grund nicht zutreffen kann. In Wien selbst behält freilich die pessimistische Stimmung, die namentlich durch das Bekanntwerden deS russischen Konfetenzprogramms außerordentlich verstärkt worden ist, die Oberhand. Die österreichische Presse bezeichnet die russische Note als einen Verrat am Frieden. Serbien, sagt z. V. die„Neue s�r. Presse", wäre längst beruhigt, wenn Nußland einen gemeinsamen Schritt der Mächte nicht der« hindert hätte. Nußland hat die Möglichkeit einer ruhigen Lösung erschwert, in dem unverkennbaren Wunsch, das Ge- schwur auf dem Balkan weiter eitern zu lassen. Rechnet man also auch mit der schreckensvollen Möglich- kelt eines Krieges, so ist doch von Kriegsbegcisterung nicht das geringste zu spüren. Viel eher herrscht das Gefühl der Er- bitter ung vor über die entsetzlichen Aussichten, die die Annexionsdummheit des Herrn v. Aehrenthal der überraschten Bevölkerung eröffnet, und die Opposition der Sozial- demokratie gegen den Wahnsinn eines solchen Krieges, gegen den unsere Genosse» im Parlament wie in der Presse den schärfsten Protesr erhoben haben, findet Zustimmung weit über die Kreise der Arbeiterklasse hinaus. Bulgarien fordert die Anerkennung. Sofia, l8. März. Wie aus NcgirrungSkreisen verlautet, hat die bulgarische Regierung die russische Regierung ersucht, den übrige» Großmächten die sofortige Anerkennung Bulgariens vorzuschlagen, nachdem die Kompcnsationsfrage bereits im Prinzip entschieden sei. Vertrauenswürdigen Nachrichten aus C e t i n j e zufolge soll eine montenegrinische Brigade mobilgemacht und gegen Spizza dirigiert worden sein. England«nd die Konferenz. London, 13. März. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage betreffend die vorgeschlagene europäische Balkankonfe» r e n z erklärte der Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward G r e y: Die britische Regierung hat immer daran festgehalten, baß bezüglich der strittigen Fragen eine vorherige V e r- ständigung zwischen allen Mächten getroffen werden sollte, bevor die Konferenz einberufen wird. Die Verhandlungen sind noch im Gang«. Ich bin außerstande, zurzeit weitere Mit- teilungcn zu machen. Der Ashllieg der italienischen Sozialisten. Rom, Ib. März 1900. DaS Ergebnis der Stichwahlen, deren 11 von 28 zum Vorteil unserer Partei ausschlugen, gestaltet den Wahlausgang vom 7. und 11. März zu einem echten und rechten Sieg der Sozialisten. An Stelle der 26 Mandate, die wir bei der Kanunerauslösung innehatten, verfügt die Partei im neuen Parlament über 42. Es ist dies ein erfreulicher Zuwachs, der nur in dem des JahreS 1000 ein Gegenstück hat, als unsere Partcifraktion von 16 auf 33 Mandate stieg. Aber während der dainalige Fortschritt zum großen Teil dem Bündnisse der Volks- Parteien zu danken war, ist der diesmalige Wahlsieg in vielen Wahlkreisen ohne dieses Bündnis zustande gekommen. Im Piemont, in der Emilia und Romagna sowie in der Lombardei ist das Erreichte ohne Wahlbündnis gewonnen worden, nur in Vcnetien. Toskana, Ligurien und im Latium sind die sozialistischen Mawdate durch die vereinten Kräfte der Radikalen, Republikaner und Sozialisten erobert, wobei freilich die beiden bürgerlichen Partelen der äußersten Linken unS meist nur ein geringes Stimmen- kontingent zuführten. In mehreren Wahlkreisen der Romagna haben sogar die Republikaner bei der Stichwahl sich der Ab» stimmung enthalten, um nicht für einen Sozialisten zu stimmen, weshalb uns z. B. der Wahlkreis Rabeuna II verloren gegangen fft. Mit um so mehr Befriedigung kann unsere Partei auf das Er- gebnis blicken: sie hat von ihren Bundesgenossen, wo sie überhaupt deren hatte, nicht mehr Beistand erhalten, als sie als Gegenleistung bot und hat alle Kräfte der Reaktion gegen sich aufbieten sehen. DaS Mnisterium dürfte mit dem Endresultat der Wahlen nicht gerade zufrieden sein, denn dieses Endresultat ist kenn- zeichnend durch eine gleichzeitige Vermehrung der äußersten Linken und der Klerikalen. Die Republikaner steigen von 18 auf 23. die gladikalen von 31 auf 44, so daß die ganze äußerste Linke nun- mehr 100 statt 74 Sitze innehat. Gleichzeitig steigen die Klerikalen von 7 auf 24. Obwohl sie einen Teil der ministeriellen Mehrheit bilden, dürfte das Ministerium an dieser Machtverstärkung setner Freunde ebenso wenig Freude haben wie an dem Zuwachs der äußersten Linken. Giolitti hat geglaubt, ungestraft alle Kräfte der Reaktion in den Dienst seiner Politik zu stellen. Er meinte, die Klerikalen würden sich damit bescheiden, dem Ministerium gegen den Umsturz Gefolgschaft zu leisten und die Stimmenzahl der Ordnungskandidaten zu verstärken. Aber auch den Klerikalen ist der Appetit beim Essen gekommen. Nahmen sie schon einmal am Wahlkampfe teil, warum denn nicht auch als Kandidaten? So kamen die klerikalen Kandidaturen, die die Regierung nicht ab- lehnen konnte, da sie in zahllosen Wahlkreisen aus die klerikalen Stimmen Anspruch erhob. Und natürlich werden ihr jetzt die klerikalen Freunde ungemütlich werden, weil sie in hohem Maße unpopulär sind und die Negation aller Traditionen des Bürgertums dar- stellen, von denen diese» sich zwar faktisch längst losgesagt hat, an denen eS aber nominell mit einer gewissen Hartnäckigkeit fest- hält. Die 24 schwarzen Freunde werden Giolitti manche böse Stunde machen und ihn immer an die unlautere Quelle seiner Mehrheit erinnern. Sie sind der erste Kern einer klerikalen Partei und fühlen sich als solchen, obwohl der„Osservatore Romano" ihnen diesen Charakter abspricht, weil sie nicht die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes in ihr Programm auf- genommen haben. Was die Ministeriellen betrifft, so haben sie nicht unerhebliche Niederlagen erlitten. Nichts ist aber schwieriger als eine Statistik der italienischen Ordnungsparteien, weil deren Grenzen verschlvimmen und sich je nach der politischen Opportunität des Moments verschieben. Die konstitutionelle Opposition, deren Kern die Gruppe S o n n i n i bildet, büßt 2 Mandate cm und wird also 50 Sitze in der neuen Kammer haben. Die Konservativen fModerati) behaupten mit 26 Mandaten ihren alten Bestand. So bleibt zu Lasten des Ministeriums ein Verlust von rund 60 Mandaten, wodurch seine Mehrheit auf 300 zusammenschrumpft. Das sieht nicht gerade aus wie ein Sieg des„Programms" GiolittiS. In der Praxis freilich stimmen die Klerikalen für das Kabinett und die Konservativen aiich, aber sie nageln dafür das Kabinett auch immtt mehr auf die Notwendigkeit einer reaktionären Politik fest und hemmen jene schier unbegrenzte Anpassungsfähigkeit, die der erste Grund feiner Macht war. Natürlich kann das Ministerium mit der Mehrheit, die ihm bleibt, noch lange fort- wursteln, wenn die Sache Giolitti selbst nicht zum Ekel wird, aber es wird seine politische Ohnmacht und Greisenhaftigkeit gerade den Umständen danken, die es auf die Höhe seiner unheilvollen Diktatur geführt haben. Unserer Parteifraktion erwächst aus dem Siege neue und schwere Verantwortlichkeit. Wollte sie im neuen Parka- ment nur dieselbe Rolle schläfriger und sprungweiser Opposition fortführen wie im alten, so wäre der Sieg den Kraftaufwand wahrlich nicht wert gewesen. Aber es ist zu erwarten, daß die jungen Elemente sowie die allgemeine Verstärkung der äußersten Linken zu einer größeren Energie und Stetigkeit des parlamenta« tischen Kampfes unserer Partei führen werden. An Aufgaben, an denen sich die neue Kraft unserer Fraktion messen kann, wird cS dieser Legislatur nicht fehlen. Die SolidsritSt de; Proletariat! gegen de» Üiiiitungüvshniin». Mit allem Nachdruck sind unsere Genossen im Parlament, ist die sozialdemokratische Presse seit Jahren für die Notwendigkeit ein« getreten, mit England zu einem Uebereinkommen über die Beschränkung d e S Flottenbaues zu gelangen. Un» ausgesetzt haben wir gewarnt, durch die brüske und sinnlose Ab- lchnung der englischen Vorschläge, die radikale Fraktion der liberalen englischen Regierungspartei, durch die Vereitelung ihrer auf die Beschränkung der Rüstungen gehenden Pläne, die nur im Einverständnis mit Deutschland verwirklichdar waren, zur Kapitulation vor dem imperialistischen Flügel zu zwingen. Denn damit wurde England zu einem Wettrüstengedrängt, das den deutschen Flotten- bau selbst vom Standpunkt d«S Flottenenthusiasten sinnlos macht und den Gegensatz beider Länder auf das äußerste steigern muß. Unsere War- nungen haben nichts gefruchtet, Blllow, der Verderber der deutschen Politik im Jimern wie nach außen, hat auch diesen schlimmsten und folgenschwersten aller seiner Fehler zu begehen sich nicht enthalten können. In seinem völligen Unvermögen, kompliziertere internationale Zusammenhänge zu begreifen, hat er für die Vorschläge der eng« lischen Regierung nur schroffe, oft an Hohn grenzende Abweisung gehabt. Dir Folgen dieser verblendeten Politik sind nun eingetreten. Eine Privatdepesche unseres Londoner Korrespondenten schildert die Panik, die die englische bürgerliche Welt bei dem Gedanken erfaßt hat. daß Deutschland imstande sei, ebenso schnell DreadnoughtS zu bauen wie England. Ein wahrer Angstzustand scheint die Parteien erfaßt zu haben. Die Presse bringt aufs neue Leitartikel über die„Deutsche Gefahr". Die bürgerlichen Friedensfreunde gehen in das Lager der Armee« und Flottenenthusiasten über. Rur eine Partei steht fest in diesem Sturme der nationalen Leidenschaft: die Partei der englischen Arbeiter. In der Debatte über das Marine- budget erklärte ihr Sprecher Macpherfen: Die Arbeite rpartet wird das Budget mit allen in ihrer Macht stehenden Mitteln be- kämpfen. Weder das englische noch da« deutsche Prole« tariat wollen den Krieg, den sie beide verabscheuen und hassen. Die britische Arbeiterpartei steht Seite an Seite mit der deutschen Sozialdemokratie. Der einzig« Feind .de? englischen wie des deutschen Proletariats ist das Kapital, gegen da» sie, beide vereint, einen unerbittlichen Kampf führen. Die Arbeiterpartei stimmte geschlossen gegen die Spezial- beratung, die mit 322 gegen 83 Stimmen angenommen wurde. Mit der Arbeiterpartei stimmten kaum zwei Dutzend irischer Nationalisten und Radikaler. Die Erklärung der Arbeiterpartei wird von dem deutschen Proletariat mit warmer Sympathie begrüßt. Unsere nächste Aufgabe ist e», die Situation zu benutzen, um der deutschen Regierung den Bankrott ihrer Politik vor Augen zu führen. Schon beginnt es selbst den deutschen bürger- lichcn Parteien vor den Folgen ihres sinnlosen Thun« zu bangen. Sie wissen, daß der Sieg des Imperialismus in der Armee- und Marinefrag« auch seinen Sieg in der g ollfrage herbeiführen muß, ein Sieg, der für die deutsche Industrie und damit für da» deutsche Proletariat«ine Katastrophe bedeuten kann. In den Beratungen des Martneetat» in der Budget- kommiffion ist von dem blöden Hurrapatriotismus und der „nationalen" Schwindelbegeisterung denn doch schon etwa» weniger zu spüren und die Stimme der Vernunft spricht sogar schon aus manchem bürgerlichen Abgeordneten, wenn auch von solchen Worten bis zur Tat noch ein weiter Weg ist. Die Kommission hat heute beschlossen, die Herren B ü l o w und Schorn zu laden. um Aufklärungen über die Verhandlungen mit England zu verlangen. Wären die Abgeordneten nicht selbst Mitschuldig«, die Politik des Fürsten Bülow müßte morgen strenge Richter finden. Aber wie immer die bürgerlichen Parteien sich verhalte» mögen, die Sozialdemokratie wird mit dieser Politik der un- ausgesetzten Schädigung des deutschen Volke« genaue Abrechnung zu halten wissen. politifcke acbcrficbt. Berlin, den 18. März 1909. Die Gcfinnungsschnüffelei im Heere. Nu» de mßR e i ch s t a g e!(18. März.) Die Rede des Genossen Stückten am Mittwoch hat verschiedene Gemüter staatserhaltendcn Kalibers in Erregung versetzt. Zunächst machte der antisemitische Paulenschläger Liebermann von Sonnenberg seinem Ingrimm über unsere Partei in oft gehörten Anschuldigungen wegen ihrer vaterlandslosen Gesinnung und dergleichen Eigenschaften Luft. Zu einer Hauptattacke hatte sich aber der Herr Kriegs- minister selbst überrascht mit dem erforderlichen rhetorischen Rüstzeug versehen. Er ließ aber vorher erst ein paar liberale Herren sprechen, den Freisinnigen Schräder und den Volks- parteiler Storz, die beide die stets fruchtlos vorgebrachten Klagen über Bevorzugung des Adels in der Armee und gänz- liche Nichtberücksichttgung der Juden bei Reserveoffiziersstcllen wiederholten. Herr Schräder hatte seine Beschwerde er- weitert zu der Forderung, daß die Kluft zwischen Bürgertum und Armee überbrückt werden müsse. Das war aber alles in so väterlich wohlwollendem Tone vorgebracht, daß es die Herren in Uniform nur angenehm kitzelte. Ein bestimmter Fall von Gesinnungsschnüffelei, den Schräder vorgebracht hatte, wurde dann von dem Kriegs- minister v. E i n e m zum Anlaß zu prinzipiellen Erklärungen gegen die Sozialdemokratie genommen. Es handelte sich da um einen Rechtsanwalt Braban d in Hamburg, der. selbst zur liberalen Partei gehörig, bei einer Stichwahl zwischen einem Konservativen und einem Sozialdemokraten. sich nach Schräders Darstellung für W a h l e n t h a l t u n g der Liberalen, nach der des Kriegsmtnisters direkt für die Wahl eines Sozialdemokraten entschieden habe. Jedenfalls war er deshalb als Reserveoffizier verabschiedet worden. Der Kriegs- minister erklärte nun, er sei zwar gegen Maßregelung von Reserveoffizieren, wenn sie sich im Interesse irgend einer staatserbaltenden Partei betätigten, wenn aber ein Offizier oder Reserveoffizier im Sinne der Sozialdemokratie wirke oder ihr nur Vorschub leiste, wie Herr Braband, dann müsse er aus dem Heercsverband ausscheiden. Er leistete sich dabei den lapidaren Satz, ein solcher Offizier habe zu wählen zwischen dem König und seiner Ueberzeugung. Der Herr v. Einem, der selbst sich für den König entschieden hat, ließ eS leider unerürtert. wie er es mit solchen Gesinnungen vereinbaren kann, Hunderttausende von jungen Männern mit sozialdemokratischer Gesinnung hineinzuzwingen in die Armee. Bezeick nend für die Gesiunungstüchtigkeit der bürgerlichen Parteien war es, wie sie sich zu dieser ministeriellen Proklamierung der Gesinnungsschnüffelei stellten. Die junkerliche Rechte, aber auch die Nationalliberalcn, die eigentliche Partei der Bourgeoisie, war rückhaltslos fürGesinnungsschnüffelei. Die Frcisilmigen murrten, »veil sie ja auch nicht ganz unberührt geblieben sind von diesem Verfahren, obgleich das Murren ihrer Bewilligungs- lust nicht Abbruch tun wird. Eine schärfere Gegnerschaft hatte der Pole Brandys gegen dieses Verfahren bekundet und Herr Erzberger brachte für das Zentrum Klagen vor. aus denen hervorging, daß besonders in den Krtegervereinen auch gegen Zentrums- anhängcr ein ähnliches Verfahren eingeschlagen wird, wie es Herr v. Einen» den Sozialdemokraten gegenüber ausdrücklich für erlaubt erklärt hat. Von Kaiholikcnverfolgnngen will der K r i e g S m i n i st e r natürlich nichts wissen. Er gab sich nur große Mühe, durch Auskramung von allerhand Reminiszenzen und unverdauten Leiefrüchten aus den Pamphleten des Reichsverbandes Stimmung gegen die Sozialdemokratie zu machen. Dabei operierte er immer mit dem Begriffe„Armee" und tat, als ob die Sozialdemokratie allen Angehörigen der Armee feindlich gegenüberstehe. Run hat Herr v. Einem gar nicht das Recht, im Namen der gesamten Armeeangehörigen zu sprechen, sondern höchstens im Namen der Offiziere und Unteroffiziere. Ein Plebiszit der Soldaten über die Sozialdemokratie und ihre Auffassung vom Heerwesen würde wahrscheinlich Resultate ergeben, die für die höfischen Leiter der Armee eine höchst unangenehme Ueberraschung bedeuten würde. Zu später Stunde wurde vertagt. Morgen geht die Debatte weiter. Drucksehlerberichtitzun». In dem gestrigen Artikel.Für u n v wider den Militarismus" haben sich einige sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen. So muß eS im ersten Absatz heißen in Zeile 2 statt:. Er erläßt..: Er v e r l i e st... und in Zeile 10 statt:„den Vogel auf den Kopf geschossen" t den Nagel auf den Kopf getroffen._ Eisenbahnfinanzen. Das Abgeordnetenhaus begann am Donnerstag die zwei.e Beratung de« Etats der Eisenbahnverwaltung, die mit einer all- gemeinen Besprechung über die finanztcchnische und wirtschaftliche Seite des Etats einsetzte. Bekanntlich ist dt« Gestaltung de» Eisen- bahnetat» von großem Einfluß auf die Gestaltung des Gesamt- etatS. Nur ein verhältnismäßig geringer Teil der allgemeinen Staatseinnahmen wird durch direkte Steuern aufgebracht, der weitaus größte Teil dagegen durch die Ueberschüsse aus den Betriebsverwaltungen, unter denen wieder die Etsenbahnüberschüsse die Hauptrolle spielen. Nur so erklärt es sich, daß die Eisenbahnen im Laufe der Zeit in erster Linie ergiebige Einnahmequellen für den Staat geworden sind, daß der Finanzmtnister ängstlich darüber wacht, daß die Einnahmen nicht geschmälert werden, selbst auf die Gefahr hin, daß dringend notwendige Reformen unterbleiben. Bon besonderer ftnanztechnischer Beziehung ist der Ausgleichs- fonds, dem einer Resolution der Budgctkommission entsprechend in Zukunft nicht nur die rechnungsmäßigen Ueberschüsse de« Etats, sondern auch ein Betrag des Rcinüberschusscs der Eisenbahnver- waltung durch den Etat zugeführt werden soll, welcher einen bc- stimmten Prozentsatz de» jeweiligen statistischen Anlagekapital» der preußischen EtaatSbahnen übersteigt. Die Redner aller bürger- lichcn Parteien erklärten sich hiermit einverstanden. Ebenso waren sie einig darin, daß eine materielle und ziffernmäßige Begrenzung des ExtraordinariumS in Aussicht genommen werden muß. Für die breite Ocffcntlichkcit haben die rein finanztechnischen AuSein- andersetzungen wenig Interesse. Interessanter sind die Bcmerkun- gen, zu denen sich vereinzelte Redner etwas allzu unvorsichtig hinreihen ließen; so, wenn der konservative Graf v. d. Groebcn sich darüber aufhält, daß auch Reisende dritter Klasse die Speise- wagen der D-Züge benutzen, die doch von Gottes und Rechts wegen den Grafen und Fürsten reserviert bleiben müßten.— Der hoch- feudale Herr glaubt, diesem Uebelstand dadurch abhelfen zu können, daß Reisende dritter Klasse gehalten sein sollen, für den Auf- enthalt im Speisewagen besonderes Eintrittsgeld zu entrichten! ES ist charakteristisch, daß man solche kletnlich-schikanösen Maßnahmen im Zeitalter des Verkehrs zu empfehlen wagt, noch dazu. wo allseitig ctngestl udcn werden mußte, daß ähnliche kleinliche Maßnahmen, z. B. die Jahrkartensteuer, glänzend Fiasko gemacht haben. Wirklich durchgreifende Reformen find im preußischen Verkehrswesen vom Dreiklasscnparlament nicht zu erwarten. Die Konservativen möchten die Personentarife am liebsten noch er- höhen, und auch da» Zentrum erklärte ausdrücklich, daß e» gegen eine allgemeine Herabsetzung der Tarife ist. Konservativ» klerikal ist nicht nur aus dem Gebiete de» geistigen Lebens. sondern auch auf dem Gebiete des Verkehrswesens in Preußen Trumpf. Am Freitag wird die Debatte fortgesetzt. Herrenhaus-Geplänkel. Die pomphaft angekündigte Mirbachiade ist gestern im Herren- haus versiegt wie ein kümmerliches Sommerbächlein: Der streit- bare Graf hat seinen Antrag zurückgezogen— er hat darauf der. zichtet, mit Spatzenworten gegen die Kamme der ReichZerbschaftZ- steuer loszufeuern, weil er und feine Kumpanei de» Siege» doch sicher zu fcfrt und fest darauf bauen zu können glaubt, bah die ReichSnachlabsteuer nicht Gesetz wird! Mirbach hat bei dieser Ge- legenhett— wie gewöhnlich— aus seinem Herzen keine Mörder« grübe gemacht, er hat seinen Jnnkergenossen im Reichsparlament und im preußischen Abgeordnetenhaus das Gewissen geschärft, wie nur ein Meister des Scharfmachen« schärfen kann. Die konservative Ret ch Z tags fraktion soll und wird— so will eS Mirbach, und so befiehlt es Mirbach— den ehernen Felsen bilden, an dem das Schi»klein der Erbschaftssteuer zerschellt, wie die konservative Irak- tion des preußischen Dreiklassenhauscs die eherne Klippe ist, an der die j?estrebungen gegen das elendeste aller Wahsysteme zugrunde gehen. Der gute Mirbach! wenn er als Politiker nur ein Zehntel so tüchtig wäre wie als— Mundheld, dann würde er sich hüten. prophetisch in die Welt zu krähen, daß die Enterbten des Wahlrechts ewig enterbt bleiben müssen, weil heute noch kurzsichtiger Junker« Übermut dem preußischen Proletariat Recht und Gerechtigkeit zu versagen sich erdreisten darf. Und wenn Graf Mirbach wenn auch nicht von der Politik, aber doch von der geschichtlichen Ent- Wickelung eine Ahnung hätte, so würde er sich doppelt hüten, zu sprechen, was er gesprochen hat: am 18. März! Die Oberbürgermeister ritten weiter Attacke gegen Rheinbaben und gegen das Haus der Abgeordneten, Das Lehrerbesoldungsgesetz liegt ihnen im Magen. Die Kommunen— selbst die großen und größten— sollen elend zugrunde gehen, wenn sie gezwungen wer« den, ein paar Batzen mehr als bisher an ihre Lehrer zu blechen. Was aber den Oberstadtvätcrn von Magdeburg, Köln, Branden- bürg, Danzig vor allen Dingen nicht in den Schädel will, das ist der Gedanke der Solidarität. Sie können sich nicht mit der Idee befreunden, daß die größeren, die leistungs- fähigen und zahlungskräftigen Geweiuiuefen auch einmal zu den Sckmlunte-Hallungskosten für eine odrr ein paar weniger gut ge- stellte Kommunen ihres provinziellen BerbawdeS beitragen könnten, Der Lokalfanatismus der Obevbürgermeistec und ihre Klagelieder über das Steuergebaren der preußischen Durchschnittskommune sind im übrigen uns Sozialdemokraten nur allzu verständlich: Ver» bohrte Manchefiermänner, Leute, die auf das Privileg der Haus« besitz« schwören, die WahlrechtSatten taten a la Kiel und Rixdorf zu« neigen, die von modern gerichteten Bcsteuerungsweien, von eigener Regie, von Wertzuwachssteuer und dergleichen nichts wissen wollen, solche Herren mögen wohl dem preußischen Herrenhaus zur Zierde gereichen, aber an die Spitze einer Großstadt des 20. Jahrhunderts passen sie wie der Regenwurm auf die Kirchturmspitze. Der Finauzminister war schwach und rückständig wie immer: er tobt« und wetterte gegen die„pompösen Sckmlbauten', gegen die Waldschulen, kurz gegen alles, was nach Schönheit, Gesundheit. Fortschritt und Vernunft aussieht. Er balanzierte und jonglierte auch mit Zahlen, mußte sich aber vom Tanziger Oberbürgermeister Ehlers sagen lassen, daß vor den„Durchschnittszahlen' des Frei. Herrn van Rheinbaben gar nicht genug gewarnt werden könne. Diese Ohrfeige hat der wackre Finanzkünstler redlich verdient. Ehler? hatte auch als einziger von ollen Rednern des Tage» den Mut der Konsequenz: Sr beantragte die Verweisung aller Vorlagen an die Finanzkommission des Hauses, selbst auf die Gefahr hin, daß der Etat erst gegen Weihnachten zur VcraK, schiedung gelangen könnte...i Schließlich wurde das Lehrerbesoldungsgesetz an eine fünfzehn« gliedrige Kommission verwiesen, die übrigen Vorlagen gehen an die um fünf Mitglieder verstärkte Finanzkommission. Gegen Bülow. Die„Kölnische Volkszeitung', das rheinische Zentrums- o r g a n. erlätzt jetzt eine förmlicheKriegScrklärung gegen Bülow. In einem Leitartikel verlangt sie, datz an der Spitze der Neichsgefchäfte ein gerader, aufrichtiger Staats- mann stehe, welcher seine Ziele nur mit loyalen Mitteln verfolge, den Gegnern mit offenem Visier ohne Hinterhältigkeit und Winkelzüge entgegentrete, aber auch wie Bismarck die Unterstützung aller derer suche und nehme, die zu sachlicher Mitarbeit bereit seien. Soweit das WtlhelmstratzcnpalatS in Betracht komme, werde fett Iahren mit allerhands TrickS ge- wurstelt, deren Spiegelbild die heutige offiziöse Preß- Wirtschaft sei. Das Zentrum scheint jetzt entschlossen zu sein, gegen Bülow die Agressive zu ergreifen. Bisher hat es sich damit begnügt, der Blockpolitik nach Möglichkeit Schwierigkeiten zu bereiten.-- Bebel 4» Jahre Parlamentarier. Gestern erinnerten wir an die Rede, die der Abgeordnete Bebel am 18. März 1809 im norddeutschen Reichstag hielt. Die parla- mentartsche Wirksamkeit Bebels ist älter. Er gehörte bereits den, konstituierenden Reichstag 1807 an und sprach am 14. April 1807 zur BerfassungSfrage. An, 24. September 1807 sprach er zu der Adreßdebatte, am 17. Oktober 1807 zu der Einführung der Wehr- Pflicht. Die Rede vom 13. März 1609 hielt er als Sozial- demokrat, vorher gehörte er der sächsischen Volks- Partei an. Die Ueberschrist unserer gestrigen Erinnerung hätte deshalb richtiger heißen müssen: Bebel 40 Jahre als sozial- demokratischer Redn« im Parlament. Gin„Ultimatum" der Agrarier. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt in ihrer Abendausgabe vom l8. März einen kurzen Artikel, über- schrieben:„Zur Klärung", in dem sie nochmals Stellung zur Stcuerfrage ninimt. Das Blatt schreibt: „Einige Aeußcrungen, die wir kürzlich über unsere Stellung zum sogenannten Besitz st euerkompro miß gemacht haben, scheinen mißverstanden worden zu sein. Man glaubt, hier und da daraus schließen zu können, daß wir zur V e r st ä n d i gu n g neuerdings geneigter feien, als wir es bisher waren. Das ist ein Irrtum. Wir haben lediglich gesagt, daß eS in einigen Punkten abgeändert werden müsse, daß wir aber auch jeden an- deren Weg der Verständigung, wenn er gangbar sei, gehen würden, daß aber schließlich die Nachlaßsteuer nach wie vor unbedingt unannehmbar für uns. sei.... Das Bcsitzsteuerkompromiß haben wir trotz der lebhaften Bedenken durchaus nicht„Preisgegeben", sondern halten vorläufig daran fest, bis etwas Besseres gefunden wird. Was aber die Stachlaß- jtcuer anlangt, so können wir unsere Ansckmuung darüber un- möglich einer Revision unterziehen.... Und wenn die»Frank» surter Zeitung" fragt, ob wir vielleicht mit der Ersetzung!*r Nachlaßsteuer durch eine Steuer auf den Erbanfall einver- standen seien, so müssen wir diese Frage unbedingt und unzwei- deutig verneinen. Für eilte Steuer, die auf die Erbschaften ge- legt wird, die auf Kinder und Ehegatten übergehen, sind wir nicht zu'haben.... Legt man darauf Wert, datz wir bei der auch von uns gewünschten Verständigung dabei sind, so muß man sich wohl oder übel entschließen, die Hand von der Nachlaß st euer und von der Ausdehnung der Erb- schastssteuer auf Kinder und Ehegatten zu lassen. Für eine Rückzugskanonade verknallen die Agrarier immerhin recht viel Pulver. Die Situation ist noch immer sehr wenig geklärt.'_ Prozentpatriotismus der Kohlenbarone. Daß der Patriotismus der Unternehmer mit dem Gewinne steigt, den sie aus Staatslieferungen ziehen, ist genugsam bekannt. Aber immerhin ist eS gut, wenn diese von den Prozentpatrioten selbstverständlich bestrittene Tatsache von neuem unzweideutig belegt wird. In der gestrigen Sitzung der Budgetkommission hat der Staatssekretär deS ReichSmarineamtS in einer schwachen Stunde die für viele Mitglieder verblüffende Mitteilung gemacht, daß er sich allerdings schweren Herzens gezwungen gesehen habe, sich wegen der Kohlenlieferung für die deutschen Kriegs« schi-sse an englische Firmen zu wenden. weil das Kohlensyndikat zu hohe Preise gefordert habe I Erst später sei das Syndikat von 14.8 M. auf 1t M., den von den Eng- ländern offerierten Satz, heruntergegangen. Bürgerliche Blätter werden sich jetzt ob deS Versuches des Kohlensyndikat», das Reich unverschämt zu überfordern, jedenfalls sehr entrüstet stellen, um ihren uneigennützigen Patriotismus um so Heller glänzen zu lassen. UnS überrascht diese Mitteilung nicht, denn was die Kohlenbarone in diesem Falle vergeblich versuchten, ist in den Unternehmerkreisen die allgemein gültige Anschauung. Den Staat, das heißt die Allgemeinheit schamlos hetrügen, gehört zur bürgerliche» Unternehmermoral. Panzerplatten-, Geschoß- und Pulversabrikantcn haben eS vortrefflich verstanden, sich einen entscheidenden Einfluß bei den maßgebende» Stellen unter anderem auch dadurch zu sichern, baß sie hohe Regierungsbeamte und Admirale in die Sinekuren von AufsichtS- ratSposten beriefen. Wurde doch gleichfalls in der Budget- kornmission mitgeteilt, daß der Admiral v. Sack, der, als er noch aktiv gewesen sei, bei Vergebung der Pulverlirferuugen ein ent- scheidendes Wort z» sprechen gehabt habe, nach seiner Pensionierung sofort in den Aufsichtsrat der Firma Krupp mit etwa 100 000 M. Jahreseinkommen berufen worden sei. Das erinnere sehr an russische Zustände, sagte mit Recht selbst der bürgerliche Abgeordnete Erzberger. Die sächsischen Landtagöwahle» erregen jetzt schon eine lebhafte Parteibewcgung. obwohl sie voraus« sichtlich erst Mitte Oktober stattfinden werden. Die verfrühte Reg- samkett ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß diesmal seit 1343 zum ersten Male wieder in allen Landtags« Wahlkreisen Neuwahlen stattfinden, während bisher alle zwei Jahre nur Drittelerneuerung der Mandate stattfand, also nur der dritte Teil der Wahlkreise daran beteiligt war. Dazu kommt, daß man über die Wirkung des neuen Plural- wähl unrechtS vollständig im Dunkeln tappt. AIS sicher ist nur anzunehmen, daß die Arbeiter nach wie vor einftuß- 1 o» bleiben und nur eine minimale Vertreterzahl oder überhaupt keine erlangen werden. Dagegen ist es völlig ungewiß, wie daS neue Bierklassenwahlsystem die Vertreterstärke der bürgerlichen Parteien beeinflussen wird. In dieser Hinsicht führt da« neue Wahlgesetz zu einem Sprung in» Dunkle. Das macht die bürgerlichen Parteien nervös und veranlaßt sie zu einer verfrühten Geschäftigkeit, die in erster Linie durch die zahl- reichen Kandidatenaufstellungen zum Ausdruck kommt, womit die bürgerlichen Parteien so gut wie fertig sind. Die sächsische Sozialdemokratie hat sich von dieser Nervosität nicht an« stecken lassen. Mit Ruhe leitet sie die Borarbeiten ein. sie läßt sich nicht veranlassen, frühzeitig daS Pulver zu verschießen, sie wird aber schlagfertig sein, wen» die Zeit zum Losschlagen gekommen ist. Jede bürgerliche Partei hat angekündigt, selbständig vorgehen zu wollen. Durch die bisherige Kandidatenausstellung rst das auch bestätigt worden. Es werden daher in den meisten Wahl- kreisen vier Kandidaten um daS Mandat ringen, vereinzelt werden eS auch noch mehr sein. Denn schon gibt eS Kreise, wo zwei konservative Kandidaten neben einander existieren. Die Folge davon wird eine große Anzahl von Stich« wählen sein, die bisher bei den sächsischen Landtags« Wahlen so gut wie unbekannt waren, denn unter dem früheren ZensuSwahlrecht, da? bis 1896 bestand, entschied die relative Mehrheit, unter der Herrschaft deS Drei- llassenlvahlrechis ging die Abaeordnetentvabl ja überhaupt nicht in der Oeffcntlichkeit vor sich. Natürlich wird die Sozialdemokratie diesem Tatbestände alle Aufmerksamkeit zuwenden. Die Frage einer einheitlichen Stich ivahlparole wird sicher die Laudeöversamm- lung eingehend beschäftigen. Die Hauptsache aber ist, daß die erste Wahlschlacht mit Wucht geführt und zu einer gründlichen Abrechnung mit der sächsischen Re- aktion und den WahlrrchtSverdcrberv gestaltet wird. Dazu aber wird man unsere Partei gerüstet finden. Die systematische Staatsbemogelung der Agrarier. ES ist bekannt, daß die Herren Junker zwar gern die ihnen durch die agrarische Handels- und Zollpolitik in den Schoß ge- worfenen, der armen Bevölkerung abgepreßten Liebesgaben nehmen, für das Steuerzahlen aber wenig eingenommen sind und den Staatsbetrug direkt zu einem System erhoben haben. Jnter- essante Beispiele dafür teilte auf der nationalliberalen Vertreter- Versammlung für Ost. und Westpreußen, die am 14. d. M. in Danzig stattfand, Professor Heidenhain-Marienburg mit. Er er» zählte dabei u. a.: Ein Landwirt habe seinen Sohn in der Stadt auf der Schule und zahle für ihn jährlich 1200 M. Pension und 300 M. für Schule, Bücher, Tanzunterricht usw. Dieser Landwirt sei nur mit 2 4 00 M. Einkommen eingeschätzt. Ein anderer Landwirt war ebenfalls mit 2400 M. eingeschätzt. Als sein Sohn Kavnllerieoffizier werden wollte, mußte er einen jäbrlichen Zuschuß von 3000 M. garantieren. Er schätzte deshalb ein Einkommen auf 4000 M. ein und ließ sich vom Landrat be- cheinigen, daß er mit dem Rest von 1000 M. noch tandesgemä.ß leben könne. Ein bekannter Ab- leord neter habe einen eigenen Oberförster in seinem Walde, ei aber nur mit 4 M. Einkommensteuer veranlagt. Ein anderer Abgeordneter rechts von der Weichsel habe herausgerechnet, datz er jährlich Tausende zuschieße(von was) und gar keine Steuer zahlen könne. Freiherr V. Buddcnbrock habe im Kreistag erklärt, daß er keine Steuer zahlen könne. Ein Herr des Kreistages bemerkte darauf:„Ich schlage vor, dem Herrn eine Armenunter- stützung zu gewähren!"_ Sprachenkrieg in Elsast-Lothringcn. Der reichSländische LandeSauSschuß hat in seiner soeben be- endeten zweiten Lesung des Etats auch einem Antrage Folg« ge- geben, der. von der Regierung die Einführung des französischen Sprachunterrichts in der Volksschule des deutschen Sprachgebietes verlangt.'Die Regierung hatte den Antrag mit größter Energie bekämpft. Nach ihrer Niederlage macht sie nun die Alldeutschen diesseits und jenseits des Rheins mobil und scheut sich sogar nicht, die eigenen Untergebenen in den Kampf vorzuschicken. So hat ein Komitee bestehend aus zwei Kolmarer Gemeindedirektoren und einem Straßburger UniversrtätSprofessor soeben einen flammenden Aufruf erscheinen lassen, der alle„national" empfindenden Deut- scheu zum Kampfe für die höchsten Güter der Nation, für die Er- Haltung der Muttersprache auffordert. Natürlich ist daS kompletter Unsinn. Kein Mensch in Elsaß-Lothringen, die harinlosen An- tragsteller am allerwenigsten, denkt an eine Verdrängung der beut- scheu Sprache, die die Muttersprache für den größten Teil des clsatz-lothringischen Volkes war, ist und bleiben wird. Lediglich aus Gründen wirtschaftlicher Natur, und um den Interessen des Handels entgegen zu kommen, treten die LandeSauSschußabgeord« ncten für ihren Antrag ein. Erwägungen politischer Natur liegen ihnen vollständig fern. So hat der langjährige Bürgermeister von Straßburg und emstige Polizeiminister Elsaß-LotbringenS. Dr. Back, im LandeSauSschuß zur dritten Lesung deS Etats einen An« trag eingebracht, der sich die Einführung des französischen Sprach« Unterrichts vollständig zu eigen macht, der aber nur verlangt, daß die Gemeinderäte der einzelnen Gemeinden ein Bedürfnis hierzu anerkennen müssen. Da die sachlichen Ausgaben für die Volksschule den Gemeinden obliegen, ist gerade dieser Antrag außerordentlich geeignet, die praktischen Schwierigkeiten, die der Einführung des französischen Sprachunterrichts hindernd im Wege stehen, aus dem Wege zu räumen. Von Dr. Back kann niemand behaupten, daß er die Interessen des Deutschtums jemals vernachlässigte. Dadurch, daß gerade er diesen Antrag einbrachte, hat er natürlich den all- deutschen Schreiern das Konzept gründlich verdorben und deren Gerede eck absurdum geführt. Richte nicht, damit D« nicht gerichtet wirst. Von einem jungen katholischen Mädchen aus Vischel bei Akten« ahr(Eifcl), das sich von seinem Verlobten Mutter fühlt und des- halb vor der Entbindung diesen, einen Pr-'estanten, heiraten möchte, erhalten wir folgenden Brief, der ein lehrreiches Beispiel deS reli- giösen Fanatismus gewisser Geistlichen bietet: Vischel. IV. 2. 00. Mein ehemaliges Pfarrkind! Scoch einmal drängt mich tue Sorge für Dein Wohl, diese Zeilen an Dich zu richten. Du hast das vierte und sechste Gebot übertreten. Dir selbst Elend und Deiner Kirche Schmach bereitet. Tue jetzt loenigstenS den letzten Schritt nicht! Heirate nicht pro- testantischl Wer eine evangelische Ehe vor dem irrgläubischcn Pfarrer schließt, ist von der Stunde an aus der Kirche ausgestoßen, kann kein Sakrament mehr empfangen, wird ohne Priester de- graben!„Wer mich vor den Menschen verleugnet, den will ich vor meinem Vater verleugnen, der tm Himmel ist/ sagt Christus. Heirate katholisch oder gar nicht! Gib Dir Mühe, ernste Mühg und bete, datz Dein Bekannter in kath. Trauung willigt und dann fige ihm, datz Du noch viel Tugend und Tüchtigkeit aus Deiner ugend gerettet hast, um eine Familie glücklich zu machen. Hier wird viel für Dich gebetet. In Deiner Hand liegt Deine ewige Seligkeit und Deine Hölle! ES betet für Dich Dein ehemaliger Seelsorger _(gez.) NeyseS, Pfar. Oertemicb. Die Eisciibahnverstaatlichung. Wien, 18. März. Der Eisenbahnausschuß nahm das Ueber» einkommeu über die Verstaatlichung der StaatSeisenbahn- gesellschoft. der Nordwestbahn und der Südnorddeutschcn VerbindungS« bahn an.-- Schweiz. Das Getreidemonopol. Zürich, 11. März.(Elg. Ber.) In der Expertenkommission für da§ staatliche Getreidemonopok Sab der Verfasser der vorliegenden beiden Projekte. Direktor 7illiet, eine eingehende Uebersicht über den Inhalt des Projektes A, der im wesentlichen folgendes bestimmt: Zum Kauf und Verkauf von Getreide ist allein der Bund befugt. Die Ankäufe werden je nach den Londesbcdürfnislen gemacht, jedoch soll stets ein Vorrat von 1250 000 Doppelzentnern vorhanden sein. Zu dem von der Monopolverwaltung festgesetzten Jahrespreise soll ein gu- schlag von 1 Fr. pro Doppelzentner gemacht werden zur Bildung eines Reservefonds, weiter ein Zuschlag von 90 Cts. zur Deckung der Transportkosten. Die Müller haben zu diesem Preise vom Bunde fremdes und ferner auch das, irländische Getreide zu kaufen, erhalten dafür aber von der Verlvaltung eine angemessene Ber- zinsuna deS Betriebskapitals sowie Amortisation ihrer Einrichtungen, also„Liebesgaben", worüber aber wohl noch zu reden sein wird. Nach dem Projekt B soll die Monopolverwaltung auch den Mehl- preis festsetzen. Frankreich. Der Poststreik. Paris, 18. März. Die vom Heutigen Ministerrat gefaßten Beschlüsse in Angelegenheit deS Ausstandes der Post« und Tele« graphenangestellten sind zwar noch nicht bekannt, jedoch heißt eS, daß sie von schwerwiegender Bedeutung seien und daß dem Präsidenten der Republik ein Dekret unterbreitet worden sei, wonach der UnterstaatSsetretär ermächtigt werde, die streiken- den Beamten unverzüglich abzusetzen. Die Post- Verbindungen in Paris sind völlig unterbrochen. Der Ausstand ist auch in der P r o v i n z in der Zunahme be« griffen. In den meisten größeren Städten, wie Lyon, Marseille, St. Etienne, Toulon, Brest, Havre, Reimes usw. sind die Postbeamten in den AuSstang getreten. Der in der letzten Nacht in Paris abgehaltenen Versammlung wohnten 8000 Beamte bei. Heute morgen haben 136 MilitärtelegrapHisten den Dienst angetreten, doch geht ihre Arbeit nur langsam von statten. Um 10 Uhr bonnittagS erschienen in der Telegraphen- zentrale 80 weibliche und 25 männliche Angestellte, welche jedoch die Arbeit nicht aufnahmen, sondern nach kurzer Zeit wieder ver gänzlich unzureichenden Löhne vorstellig geworden sind, ohne eine durchgreifende Abhilfe dadurch herbeiführen zu können. Eine gewerkschaftliche Organisation ist bis jetzt noch nicht durchgeführt worden, so daß die Streikenden wohl einen schweren Stand haben werden._ Die Aussperrung der Töpfer in Brandis zeitigt immer tollere Blüten. In voriger Woche erschien dort endlich der sehnlichst lange erwartete ArbeitSwilligentrupp in Stärke von etwa 30 Mann, allerdings nicht aus Galizien, sondern aus— der Haupt- und Residenz- siadt Berlin. Die Leute waren harmlos den Lockungen der Agenten gefolgt, es wuroe ihnen„erklärt", ein Streik oder so etwas käme in einer so lammfrommen Gegend wie Brandis überhaupt nicht bor. Um 7 Uhr morgens traf der Trupp ein. nach 9 Uhr waren sie chon von den Ausständigen von der wahren Sachlage unterrichtet und verließen geschlossen den Betrieb. Die Betriebs. leitung ersuchte nun um polizeilichen Schutz gegen dieselben Leute, für die sie ihn erst vor einigen Stunden erbeten hatte! Am Abend desselben Tages holte nun die Leitung zum letzten Ge- waltschlag aus. Es wurde laut Plakat verkündet, daß nunmehr der gesamte Betrieb stillgelegt werde und nur noch weiter beschäftigt werde, wer nicht dem Verbände angehöre. Damit hat die Betriebsleitung endlich ihre Karten aufgeocckt und gezeigt, daß es ihr nur um die Machtfrage, um die Hochhaltung des sogenannten HerrenstandpunkteS zu tun ist. Dadurch wurden noch 85 Hilfsarbeiter ausgesperrt. Verhandlungen, die nunmehr eingeleitet wurden, an denen auch der Bürgermeister teilnahm, hatten keinen Erfolg. Die Werk- leitung verlangt, daß 4 Gehilfen und 3 Hilfsarbeiter draußen bleiben müssen. Dies sind die„Rädelsführer", und denen will man keinen Paroon geben. So wird denn nun der Kampf weitergeführt; die Ausgesperrten machen nunmehr die breiteste Oeffentlichkeit auf die Maßnahmen der Werkleitung aufmerksam, und so sorgt man schon dafür, daß die letztere nicht mehr so leicht außer Atem kommt. Streik im graphischen Gewerbe. In der Graphischen Anstalt GlobuS, Inhaber Robert Mittel- bach in Kötzschenbroda bei Dresden, in der auch die in Radfahrer- kreisen benutzten Radkarten hergestellt werden, sind die Karto- graphen, Steindrucker und Lithographen in den Ausstand getreten. Organisation und die Auslieferung der Verbandsbücher. Die Änt« wort war: Streik aller organisierten Arbeitender Firma! Hustend. Am Rande ber Hungerrevolte. Als am Montag im dänischen Folkelhing die zwene Leiung der Gesetzentwürfe zur Linderung der Not der Arbeitslosen be- ginnen sollte, waren nickt weniger als 300 Polizeileute aufgeboten, um nach preußischem Muster vor dem Rcichstagsgcbäude die Orb- nung aufrecht zu erhalten. Die außerordentliche Maßregel war ein Werk de» früheren Ministerpräsidenten Christenscn, der jetzt Vizepräsident des Folkethings ist und die Verhandlungen zu leiten hatte, weil der erste Präsident infolge der durch Frost verursachten Verkehrsstörungen aus seiner jütlandisdhen Heimat nicht nach der Hauptstadt kommen konnte. Wenn man diesmal solche Angst vor den arbeitslosen Massen hatte, so war das wohl hauptsächlich dar- auf zurückzuführen, daß in den fünf großen Arbcitslosenver- sammlunge» am Sonnabend hier und da Stimmen der Per» zw ei f t u n g laut geworden waren, die, der langwierigen Per» Handlungen müde, zur Selbsthilfe außerhalb der gesetzlichen Schranken rieten. Die verzweifelte Stimmung der Arbeitslosen war auch dadurch zum Auedruck gekommen, daß mir eine der fünf Versammlungen, die den sozialdemokratischen Gesetzesvorschlägen entsprechende Resolution des Organisationskartells annahm, wäh. rcnd die übrigen Versammlungen nichts weniger verlangten, als daß jedem Arbeitskojen wöchentlich aus Staatsmitteln 20 Kronen gezahlt werden, solange seine Arbeilslosigkeit dauert. DaS unge- beuerliche Polizciaufn-bot fand jedoch keinerlei Grund zum Ein- schreiten. Die befürchtete Hunaerrevolte blieb aus. Wohl hatten sich vor dem Reichstagsgel öude große Massen von Arbeitslosen an- gesammelt, von denen nur ein sehr geringer Teil Einlaß in die Zuhörerräume finden konnte, zu irgendwelchen Unruhen kam eS jedoch nickt. Die Verztveifelte Stünmung der Arbeitslosen fand ihren Widerholl in den Verhandlungen des Folkethings, in den Worten der sozialdemokratischen Abgeordneten. So sagte Genosse Ma r t i n Olsen nach einer scharfen Kritik der höchst unzurei- chcnden Vorschläge der Aus'chußmehrheit und trefflichen Begrün- dung der sozialdemokratischen Forderungen:„Es kann nichts nützen, den Kopf in den Sand zu stecken und zu glauben, daß nicktS zu befürchten sei. ES ist etwas zu befürchten! Noch ist alles ruhig, aber wir leben am Rande der Hungerrevolte!"— Die Verhandlungen dauern noch fort. Versamlnlungen. Das Christentum und die Religion der Wahrheit! Die mit dieser Tagesordnung auf den Montagabend einbe» rufen« Versammlung schloß sich der am Sonntag im.Feenpalast" arrangierten Veranstaltung würdig an. Das große Freyersche Lokal in der Koppenstraße war eroruckend angefüllt. Viel« standen in den Gängen und selbst auf der Tribüne hatten sich einige Dutzend Besucher ausgestellt. Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmana wurde ebenso wie der Referent A. Stern mit lebhaftem Hände» klatschen begrüßt. Donnernder Beifall folgte auch dem von warmem Feuer durchglühten Vortrage des Referenten. In der Paus« wurde oaraus ausmerlsmn gemacht, daß„Achtgroschenjungen" anwesend seien. Genosse Hofsmann erklärte, wenn jeder seinen Neben» mann genau ansehe, dann brauchten wir die vom Polizeipräsidium empfohlene Mehltüte nicht anzuwenden.(Stürmische Heiterkeit.� Zur Diskussion meldete sich als einziger Redner ein Vertreter eine» religiösen Sekte, der an die Wiederkunft Jesu und an die Errichtung des fünften Weltreiches glaubt und sich auf ein« Bibelstelle Daniels berief. Es war dem Referenten leicht, dem Redner nachzuweisen, daß Daniels Buch nur im 2. Jahrhundert vor Christi Geburt und nicht in der babylonischen Gefangensckfast geschrieben sein kann und Daniels Aeußerungen keine Weissagung, sondern ein« dichte- rische Schilderung der Zeitverhältnisse darstellt. In seinem Schluß. Wort wies A. H o f f m a n n darauf hin, daß dies die letzte Vev, sammlung nicht sein werde._ AuS der Herren-«nd Knabenkonfektion. Am Montag fand bei Schulz(früher Meudt). Am Königsgraben, eine Branchenversammlung der Herren- und KnabeiikonfektionSschneider statt, in der M i e r über Wirtungen der Krise sprach. Der Redner ging in seinem Bortrage auch aus verschiedene Ereignisse und krasse Mißstände innerhalb der Branche ein und schilderie dabei vor allem die Eni- Wickelung deS Streiks bei der Konseklionsfirma Rosenblatt t» Gotha, sowie das Bestreben der Firma, ihre Streikarbeit hier in Berlin herstellen zu lassen, worüber ja bereits am Donnerstag voriger Woche im„Vorwärts" berichtet wurde. Der Redner war bei dem Zwischenmeister Spitz in der Hirtenstraße, der Streikarbeit auS Gotha von der Berliner Firma Martin u. Flatow über- nommen hatte, vorstellig geworden. Herr Spitz machte das Angebot, die Organisation möge ihm 600 Stück Streikarbeit für 1,40 M. daS Stück gleichsam abkaufen. Die streikenden Konfeklionsschneider in Gotha verlangen nur 1,35 M. für das Stück. Denselben Preis soll auch die Firma Martin u. Flatow dafür erhalten, die ihrerseits dem Zwischenmeister Spitz 1,20 M. zahlt. Dieser suchte also ein gutes Geschäft zu mache», hatte aber selbstverständlich kein Glück. Uebrigens machte er anderen Tages, als ihn der Redner auf der Straße traf. ein bescheideneres Angebot und verlangte für einen Tag Entschädigung in der Höhe von 100 M.. wenn er die Streikarbeit liegen lassen sollte. Inzwischen hat er sich jedoch schon aus anderen Gründen genötigt gesehen, aus die Arbeit zu verzichten. Der Redner berichtet ferner, daß er ebenfalls wegen Streikarbeit aus Gotha bei dem Heimarbeiter He in ach, Hochmeisterstr. 17, vorstellig geworden war, daß dieser aber erklärte, er werde keine Arbeit ablehnen, und unter Hinweis auf .ein Hausrecht dem Organisationsvertreter die Tür wies. Bei den 'vielen Mißständen, unter denen die Konsektionsschneider und Schneiderinnen zu leiden haben, erwähnte der Redner auch die üble Behandlung, die ihnen in einigen Geschäften von den Angestellten, den Konfektionären oder Zuschneidern, geboten wird. Ueber die tirma Stern Gebr. wird geklagt, daß die Schneider dort bei ieferungen stundenlang warten müssen, was ihnen selbstverständlich schwere Verluste verursachte. Solche und ähnliche Mißstände wurden vom Redner sowohl wie in der Diskuision noch aus mehreren anderen Geschäfte» gemeldet, und im Zusammenhang damit wurde vor allem betont, daß der Anschluß an den Schneiderverband und festes Zusammenhalten in der Organisation der einzige Weg sei. um mit den Mißständen auszuräumen und eine veruiinftige Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erzielen. In einer BertrauenSmännerversamnilung deS Holzarbeiter- Verbandes, die am Mittwoch stattfand, hielt Genosse Ritter einen Vortrag über das Einkommensteuergesetz. Dann erstattete Glocke Bericht über die Verhaudluiigeu, welche wegen der Regelung der vertragsmäßigen Arbeitszeitverkürzung seit einigen Wochen in der SchlichtiingSkommission und vor dem Einigungsamt geführt worden sind. Die Verhandlungen endeten bekanntlich mit einem SchiedS- spruch deS Einiglingsamtes, der im„Vorwärts" mitgeteilt ist. Die Versammlung nahm die Ausführungen GlockeS ohne Debatte ent- gegen.__ Letzte JNfacbrlcbtcn und Dcpefchcn. Der Stellvertreter Gottes als Nimrod. Hanau, 18. März.(B. H.) Am Sonntag wurden der „Hanauer Zeitung" zufolge im Zugköbeler Wald zwei Unter- offiziere deS UlanenregimeutS durch einen landgräflichen Jagd« auseher beim Wildern festgenommen. Unter einer Schneelawine begraben. Bern, 18. März.(B. Hsi Am Juchlipaß bei Engelberg wurden vier Skifahrer durch eine Schnee lawinc verschüttet. Zwei befreiten sich, einer wurde tot gefuiiden, der vierte wird vermißt und ist ohne �,_,_._„_ Die Firma verlangte von den Kartographen den Austritt aus der Zweifel tot._____ Lerantw. Redakteur: Hanl Geber. Berlin. Inseratenteil verantw.: kh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u> VerlagSanstall Kaul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu? Beilagen u.Uuterhaltungsbl, Nr. 66. 26. Jahrgang. t. JfilMf des JonunttD" ßeilintt ßolblilnlt. lreitag. 19. Mar;(909. Reichstag 227. Sitzung vom Donnerstag, den 18. März. nachmittags 2 Uhr. Am BnndeZratStisch: v. Einem. Der Platz des Abg. Bebel ist zur Erinnerung an sein erstes darlamentarisches Auftrelen mit einem schönen Nosenstraust geschmückt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung deS Etat? für die Berwaltung des RcichShecrcö. Abg. Licbcrmann v. Sonnenberg(wirtsch. Bg.): Ich protestiere Sogegen, datz der Abg. HäuSler, der schon als Jüngling ins Feld gezogen ist. vom Grafen Oriola mit Bebel in Parallele gestellt wird, der das Heer hastt und bekämpft. Aber sachlich bin ich in allen Punkten, bei denen Herr Hänsler die Zustimmung der Herren Müller« Meiningen und Stücklcn gefunden hat. nicht mit ihm einverstanden. Daß die geheimen Oualifikationsberichte beibehalten werde» müssen. hat der KriegSminister gestern überzeugend dargetan; eS wäre geradezu verderblich für das Heer, wenn sie abgeschafft würden.— Bon der Rede deS Herne Stücklen kann ich nur sagen: als Herr Bebel, besten Eintritt vor 40 Jahren hier gefeiert wird, die Leier schwang, klang sie noch besser, jetzt ist sie schon ausgeleiert, besonders die Walze der Militärminhandlungen.(Schallende Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Stücklen verlangt gute Bewaffnung für da? Volksheer, von dem er träumt, aber wie er so zusammengelaufene Masten gut bewaffnen und im Kriegsfall verpflegen will, da? ist sein Geheimnis. Herr Stücklen spottete über die Tätigkeit von Offizieren als Vorlänzer. Erdachte wohl an die Vortänzer bei VolkSvergnüg u'n gen, die nach jedem Tanz einen Groichen einfordern. fHeiierkeit rechts.) Die Bortänzertätigkeil von Offizieren ist eine sehr harmlose, Herr Stücklen mag sich nur näher danach erkundigen. Protestieren muh ich gegen das Taschen« spiclerkunstsliick, Volk und Sozialdemokratie als gleichbedeutend zu bezeichnen; der innere Feind ist die Sozialdemokratie, und das ist nur ein verführter Bruchteil deS Volkes.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Krieg zu erklären und Frieden zu schliefen, liegt dem Kaiser ob. und das muh auch so bleiben; die Sozialdemokratie will das dem Volke übertragen; in welcher Weise ist mir nicht ganz klar. Zum Schluh will ich noch ganz kurz hier im Plenum die Frage der Zahnpflege im Heere ausführlicher erörtern.(Große Heiterkeit.) Der Redner verbreitet sich über diese Frage sehr eingehend und schließt dann mit einem Hurra für unsere Armee.(Bravo l rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Brandys(Pole): Das Heer soll nicht Politik treiben. Dieser Grundsatz wird nicht innegehalten; so hat bei der KaiiergeburtstagS- fcicr ein hoher Ossizier eine Rede gegen das Zentrum gehalten. Wichtiger noch ist mir ein anderer Punkt: die Frage der Religiosität. Die besten Tugenden deZ Soldaten sind Frömmigkeit und Tapferkeit. Rur alle drei bis vier Wochen ivird ein Soldat zur Kirche kommandiert, und in der Zwischenzeit loird ihm der Kirchcnbesuch verboten. Katholische Soldaten werden vorwiegend in evangelische Gegenden gebracht, wo sie nur mit Evangelischen verkehren können; darunter muß ihr religiöses Gefühl leiden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Konfessionelle Engherzigkeit!) Das ist Tatsache. Katholiken sollten nur in katholischen Garnisonen dienen.— In der Provinz Posen wurde einem Manne von dem Hauptmann seines Sohnes mitgeteilt, dieser sei auf im- erklärliche Weise ans dem Fenster gestürzt. An der Leiche fand man sonderbare Verletzungen, die von Stiche» herzurühren schienen. Eine Aufklärung hierüber konnte der Bater nicht erlangen, doch ivurde festgestellt, daß am Abend ein Streit deS Soldaten mit seinem Unteroffizier stattgefunden hatte; in der Nacht erfolgte dann der.unerklärliche' Sturz auZ dem Fenster! Die Kriegervereine werden zu politischen Zwecken mißbraucht; bei den letzten Wahlen wurden sie direkt in den Dienst der politischen Agitation gegen die Polen und die Sozialdemokratie ge- stellt. Der Vorsitzende de» KricgervereinS zu Rybnik beleidigte den Abg. Dr. Sehda. indem er sagte, er lüge, wenn er behaupte, er stehe ans dem Boden der Verfassung l Trotzdem wnrde dieser Be- leidiger freigesprochen, weil er— in höherem Austrage gehandelt habe!(Hört! hört! bei den Polen.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Trennung nach Konfessionen, die der Vorredner wünscht, können wir nicht billigen; sie geht unS jetzt schon zu weit.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Auch von der Hnrraftimmung, von Rleines feuilleton. Richtliuien für Lufttechniker. Seit dem.großen Jahre' 1S07, das den Wendepunkt in der Geschichte des Lenkballons bezeichnet, bringt fast jeder Tag eine neue.Ftugmaschine" oder ein ncucS.Luftschiff'. In der„Deutschen Zeitschrift für Lustschiffahrt' weist Ingenieur H. Kromer aus Hannover treffend darauf hin, daß durch solche Allkündigungen in Laienkreisen leicht ein falsches Bild von dem Tempo und der Stärke des Fortschritts der Flugtechiük hervorgebracht werden könnte. Prüft man nämlich das, Bleibende im Wechsel', d. h. versucht man festzustellen, wie viel von allen diesen neuen Systemen und Erfindungen talsächlich eine bleibende Stelle in der Erscheinungen Flucht zu behaupten vermag, so merkt man bald, daß das Lebensfähige doch nur einen verhältnismäßig geringen Bruchteil aller Ideen und Borschläge ausmacht. In der Tat gehen alljährlich große Kapitalien an Geld und Geisteskraft auf diese Weise verloren. Die Hauptsache ist ohne Zweifel darin zu suchen, daß sich«ine Anzahl Dilettanten auf dem Gebiete des Luftschiff« und Flugmaschinenbaues versucht, teils um berühmt zu werden, teils um durch einen glücklichen Griff rasch zu Geld« zu kommen. Die meisten dieser Erfinder schaden aber der Sache, der sie ihre Kräfte widmen, ganz außerordentlich und diskreditieren die Gedanken. um deren Ausführung sie sich mit llnzu- reichender Vorbildung und unter Anwendung unzweckmäßiger Mittel bemühen, in hohem Maße._ Bloße Experimente sind heute, wo die Grundgesetze der Ftiegekunst bekannt geworden find, ein schädliches Unternehmen. Mit gutem Grund hat ein hervorragender Fachmann des Mmorbaues, Hugo Gütdner, den WarnungSruf ertönen losten: .Weniger erfinden, mehr konstruieren!' DaS Streben soll sich eben nicht zwecklos darin erschöpfen, etwas Neues zu bringen. Es muß vielmehr wirklich Brauchbare» geschaffen werden. Allerdings gibt »S auch tatfäcklich manchen.Arbeiter', der weit entfernt von aller S-nfationShafcherei und von allen lauten Troinpetenstößen der Reklame in der Stille fein Werk fördert, ohne daß es ihm gelänge, sein Ziel zu erreichen. Such dieser Weg ist falsch. ES sind sehr beherzigenswerte Worte, die Kromer diese» einsiedlerischen Grüblern widmet. Er betont, daß, wenn solche Erfinder ihre mißlungenen und unvollendeten Ver- such« weiteren Fachkreisen zur Kenntnis bringen würden. sie in wirksamer Weise dazu beitragen köunlen. die unnötige Ver- anstaltung und Wiederholung oft sehr gefährlicher und kostspieliger Versuche zu verhindern. Gewiß ist eS nicht wünschenswert, daß sich die Erfinder nur an wenigen schon bekannten Systemen erproben sollen. Es soll mir davor gewarnt sein, aus falschem Erfinderehrgeiz planlose und aussichtslose Versuche zu unternehmen. Di« Vlatinerzcnguns im Fahr, ISO». Das Platin nimmt Nnter ollen Metallen der Erde gegenwärtig eine besondere Stellung ein. Es wird von Wiffenschaft und Technik, weniger von der In« dvstrie. in erheblichen Mengen gebraucht, während die bekannten und im Abbau befindlichen Luger dieses EdelmctalleS spärlich sind der der Vorredner sprach, habe ich nicht? gemerkt; das ist angesichts der Finanzlage auch erklärlich. Die zweijährige Dienstzeit hat sich bei der Jnsanlerie ganz vorzüglich bewährt— trotz der düsteren Prophezeiungen der Fachleute.(Sehr richtig! links.) Die be- dentsamsten Fortschritte in der Geschichte sind oftmals gegen ivider- strebende Fachleute durchgesetzt worden.(Sehr richtig! links.) Die Turnvereine, einerlei welcher Richtung, leisten de? nationalen Wehrkraft die wichtigsten Dienste, indem sie die Jugend stählen und vor Kräflevergcudung und Ausschweifung be- wahren; man sollte daher die kleinliche Schickaniernug der sozial- demokratischen Tuntverewe unterlassen. Redner kommt auf die internationale Lage zu sprechen und bezeichnet die schlechte Finanz- läge Rußlands als beste Friedensgarantie. ES ist zu hoffen, daß der Frieden erhalten bleiot oder miiidesienS die Balkanmächte genötigt werden, sich nur unter einander zu prügeln.(Heiterkeit.) Wir haben den Dreibund, wir leben in guten Beziehungen mit England und Frankreich; Rußland ist ohnmächtig, wenn ihm die Wcstniächte kein Geld pumpen— und daS werden sie nicht tun—; wir haben also durch» aus Veraulaffung, z» erivägcn, ob eS nötig ist, See- und Landmacht in der jetzigen Präsenzstärke zu halten. Die unumschränkte Kommandogewalt bedeutet ganz einfach, daß ein fliest deS absoluten Staates fortlebt(Sehr richtig! links), der dann naturgemäß sich auch über das Heer heraus geltend macht.— Mit dem Institut der Reserve- olfizirre wird politischer Mißbrauch geiüeben. So ist z. B. der Ham- burger Rechtsanwalt Dr. Biabant, nicht etioa, weil er im Verlaute des heftigen Hamburger Verfaffungskampfes seine Wähler ansgcsordcrl bat, soziaideniokratiich zu stimmen, sondern nur. iveil er es ihnen freistellt«. verabschiedet worden.(Hört! hört! links.) Damit schafft man nur Erbitterung und gibt den Sozialdemokraten Agilationsstoff. Wer für die Armee eine Sonderstellung fordert, reißt eine Kluft zwischen ihr und der Nation und handelt nicht im wahren Interesse der Armee. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Starz(stidd. Bp.): Die Abgg. v. Liebert und Bebel be« zeichnen die Gegenpole in der Auffaffmig des Militarismus. ES ist»ichl meine Absicht, heute gegen de» Kollegen Bebel zu polemisieren. Ich sehe den Platz deS Abg. Bebel mit einem Rosenstrauß geschmückt. Heute sind 40 Jahre vcrfloifen, seit der Kollege Bebel zum ersten Male parlamentarisch austrat. Er ist der einzige unter unS, der noch dem norddeutschen Reichstage angehört hat. Ich teile nicht die Ansichten deS Kollegen Bebel, aber gerade als polnischer Gegner möchte ich ihm zu feinem heutigen Jubiläum unsere besten Glückiviiuswe dar- bringen. Bebels sympathische menschliche Eigenschaften sichern ihm die Hochachtung auch jener Kreise, die nicht seiner Parter anhängen.(Zllstimmung bei der Gruppe der Linken und in der Mitte.) Bebel ist ein leuchtendes Beispiel für daS, was flammende Begeisterung auch im einfachen Manne vermag.(Sehr wahr!) Penöllliche Hochachtung darf auch gegen- über dem schmsste» politischen Gegensatz nicht schiveigen, zumal wir jetzt den Kollegen Bebel die Waffen, die er vielleicht manches Mal allzu heftig geschwungen, seltener anwenden sehen. Kollege Bebel war inimer ein warmer Anhänger der Friedens- idee. Auch wir hängen ihr an; aber den ersehnten Weltsrieden werden wir. fürchte ich. sobald noch nicht erleben. Redner tadelt scharf die Ausschließung der Juden vom OsfizierSbcruf, die Maß- gelmig BrabaiilS, die Mißgriffe der Ehrengerichte und die ungleich- mäßige NectitSsplechuitg. wenn eS sich um Uirtergebene und um Vor« gesetzte handelt. DaS Heer soll doch daS Volk in Waffen sein; daS Volk in Waffen hat aber Anspruch auf eine gerechte militärische Judikatur.(Lebhafte Zustimmung links.) WaS die zweijährige Dienstzeit der Kavallerie betrifft, so kann ich doch einige Bedeulcn gegen die Ausführungen deS Kollegen Häusler nicht unterdrücken.(Hört! hört! rechts.) Nicht zu billigen ist aber, daß die Militärverwaltung nicht genügend Rücksicht aus die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung nimmt. DaS zeigt sich bei den Emberufmige« zu den Uebungen. In Ulm klagen die Maler- meistcr, daß Soldaten zum Anstreichen von Verwaltungsgebäuden benutzt werden. Im innersten Kerne ist unsere Armee gesund, darin stimmen wir dem Kriegsmimster zu; aber Kritik müssen wir üben, wo sie angebracht ist. dazu sind wir da.(Bravo I bei den Freisinnigen.) Kriegsminister v. Einem: Herr Schräder sieht die internationale Lage als recht günstig an. Rechts von Deutschland will man keinen Krieg führen, links will man keinen Krieg führen. Wenn das der Fall ftt. so liegt das daran, daß Deutschland sich entschieden auf die Seite seines Berbündetcn gestellt hat und daß ei» starkes Heer hinter dein Willen Deutschlands steht. So Ivird der europäische Frieden dem starken deutschen Heere ver- und eine nennenswerte Vermehrung seit langem nicht erfahren haben. Wenn dieser Zustand weiter anhält, läßt sich voraussehen, daß der Bedarf an Platin bald nicht mehr wird gedeckt werden können und daß eine sehr bedeutende Steigerung des Preises statt- finden wird, der schon jetzt den des Goldes übertrifft. Die An- gaben, die nur über die Platingewinnung in Rußland während deS letzten Jahres veröffentlicht worden siud, werden diese Befürchtung stngern. denn seit langer Zeit ist die Menge des in Rußland ge- wonncncn Platins noch nie so gering gewesen wie im Jahre 1908, und Rußland lieferte 95 v. H. der ganzen Weltproduktion. Aller- dingS scheint dieser Rückgang nicht auf einer Erschöpfung der im Ural vorhandenen Lager zu beruhen, sondern auf einer Willkür» lcchen Einschränkung des Abbaues durch die Besitzer der Bergwerke, die noch bessere Preise zu erzielen hoffen, wenn sie das weiße Edel- metoll noch seltener machen. Nach russischen Gewichten betrug die gesamte Förderung von Platin im Ural während deS vorigen JahreS rund 4800 Kilogramm. Im Jahre 1900 hatte die Erzen- gung noch 805, im Jahre 1901 sogar 1450 Kilogramm mehr be- tvogcn. ES wäre wirklich Zeit, daß noch andere ergiebige Platin- lagcr auf der Erde gefunden würden, damit die Produktion eines für die wichtigsten Zwecke unentbehrlichen Stoffes nicht von der Willkür einiger weniger Leute abhängig bleibt. Der Vulkan der Insel Savaii, der größten und westlichsten der deutscken S a m o a» I n s e l n, ist im letzten Oktober von Dr. Angenheister, dem Leiter des geophysikalischen Observatoriums in Apia, ciner genaueren Untersuchung unterzogen worden. Ein Be« richt über die Ergebniffe wird im„GlobnS' veröffentlicht. ES handelt sich»m daS L a v a f c l d von M a t a u t u an der Nord- küste der Insel, daS jetzt eine Fläck)« von ungefähr 70 Quadratkilo. meter bedeckt. Der Krater liegt etwa 12—13 Kilometer von der Küste entfernt, und der Küstensaum ist von einer 5— 10 Meter dicken Lavaschicht übcrfloffen, die an der AuSbruchstelle und an der Küste bedeutend mächtiger wird. An der Küste ragt die Ladamaff« wie eine sckiroffe Mauer bis zu 50 Meter empor; unter der oberen festen Schicht, die nur zwei Fuß dick und znin Teil noch sehr heiß ist, fließt der Ladastrom von der AuSbruclfftelle unausgesetzt zur Küste. Seinen Weg kann man an den Dampfwölkchen erkennen, die aus den Spalten hervordringen. Der Kratersee ist stet» in starker Bewegung, und es siegen Feuerfontänen bis zu einer Höhe von fünf Metern aus ihm �mf. Die aufquellende Lava gelangt in die unter der festen Decke dahinführenden Gänge durch zwei Tor« zur Nordküste hin und durch einS anscheinend zur Güdküste. Während von einem Abfluß im Süden bisher nichts zu sehen ist. liegen die beiden AuSflußstellen an der Nordküfte etwa 200 Meter voneinander entfernt. AuS beiden ergießt sich die Lava in mehreren Strömen ununterbrochen inZ Meer. Ein feiner, salziger Regen fällt nieder, der die angrenzende vegedation völlig zerstört. Der Forscher konnte bis auf 15 Meter an eine der AuSflußstellen vor- dringen. Drei verschiedene feuerrote Lavaströme flössen auS zehn und 55 Meter Höhe aus der erkalteten Lavamaff«. bald kaSkaden» artig springend, bald an der abschüssigen Wand gleitend, in« Reer. Die Geschwindigkeit war etwa 4—5 Meter in ver Sekunde. Im dankt.(Ein konservativer Abgeordneter ruft: Sehr richtig!) Es kann ja sein, daß, wenn wir mit England, mit Frankreich zu einer Entento cordiale kommen, ivir an eine Herabtttzmig umerer Präsenzziffer denken können. Aber den Welifrieden haben schon andere Leute vorausverkündet und haben sich geirrt. Ich erinnere an den Ab- rüstnngSantrag Virchow, der kurz vor 1800 ans den Reihen der fortschrittlichen Parlei kam. Herr Abg. Schräder winkt ab. Nun. keine Partei läßt sich gern daran erinnern, daß sie sich auch einmal geirrt hat.(Heiterkeit und Zustimmung rechts.) Daß die Lasten der Wehrkraft schtvere und sehr schwere sind, ist wahr. Ich habe in der Kommission wiederholt auf das Spar- samleilSstreben hingeiviesen, das in der HeereSverwalinng herrscht, und ich habe auch erklärt, daß voraussichtlich kein schnelleres Tempo in der Heeresvcrmehrnng in der nächsten Zeit eintreten lvird. Aber meine erste und hauptiächliche Pflicht tst und wird stets sein, für die Schlagkraft der dem scheu Wehrkraft zu sorgen. Wenn ich sagte, daS Volk ruht im Schatten des Heeres, so bedeiiletc das: die Armee schützt daS Volk, und sie hat dazu beigetragen, daß Handel und Wandel blüht.(Lebhafte Zustimmung rechts und bei den Liberalen.) Eine Kluft zwischen Herr und Volk wäre für beide verderblich, und diese Kluft zu schaffen, ist daS eifrigste Streben der Sozialdemokratie.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Parteilag zu Dresden har Bebel die Armee das letzte Boll- iverk der bürgerlichen Gesellschaft genannt, das auch schon ins Wanken gekonimen sei. DaS ist zwar nicht richtig, aber er bat doch hinzugefügt: Wir müsien dieieS Bollwerk in« Schwanken bringen. Die Armee ist älter als die Sozialdemokratie; die Sozialdemokratie aber hat das einzige Sireben, das gute Verhältnis zwischen Armee und Volk entzweizumachen(Große Heiterkeit bei den Sozialdemo» traten.) Jeder Ossizier muß ein Gentleman sein, sonst kann er als ver- traneuswürdiger Führer nicht gellen. Nichts ist mir unangenehmer als die Verfolgung eines MamieS, der der Armee angehört, Ivcgen polilischer Betätigung. Der Reserve- und Landloehroffizier hat daS Wahlrecht und muß sich infolgedessen politisch betätigen, und ich iveise jede Verfolgung für eine solche Betätigmig innerhalb der staatSerhaltende» Parteien weit von' mir. Und ich hoffe auch, daß sie nicht vorkommt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Eine Grenze aber gibt eS für die politische Betätigung, und daS ist die Sozialdemokcatie. Eine Betätigung für die Sozialdemokratie von einem Ossizier— sei eS in der Linie, Reserve oder Landwehr— darf nicht statlfinden. Denn die Soziatdemokratie leugnet die Be- delltnng des Eides.(Znruf bei den Sozialdcmokralen: D a s i st nicht wahr!) Von Sozialdemokraten ist noch netilich im Ab- geordiu'tenhause gesagt worden: Der Eid ist ein ZivirnSsaden, der unS nicht bindet!(Sehr richtig I rechts, Unruhe bei den Sozial- demokraten.) Ich will damit nicht sagen, daß, wenn ein Sozialdemokrat vor Gericht einen Eid schwört, er diesen nicht als wahr und richtig nimmt, ich meine es hier in politischer Bedeutung. Der Fall deS Herrn Bcabant. den der Abg. Schräder erwähnt hat, liegt doch etwas anders. Herr Brabant hat in einer sozial- demokratischen Zeitung aufgefordert, für einen Sozialdemokraten zu stimmen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sehr vernimftig!) Für alle bürgerlichen Parteien sehr unvernünftig l Und für den betreffenden Laiidwehrosfizier ganz besonders unvernünftig. (Sehr richtig I rechts, Zuruf bei de» Sozialdemokraten: Welche? Recht haben Sie, gegen ihn vorzugehen?) Niemand kami zivccn Herren dienen. Wenn jemand Offizier ist, so dient er—(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Seiner lleberzengung I) Er dient dem Könige, oder wenn er seiner Nebcrzengiing dient, so nimmt er vorher feinen Abschied! In dem erwähnten Fall hat lein Ehrengericht getagt, aber der Offizier ist verabschiedet worden und hat nun die Freiheit, zur Sozialdemokratie zu gehen und ihr zu dienen, wie er will. Die Ansicht des Herrn Schräder, daß ein solcher Offizier ein guter Führer sein kann, kann ich nicht teilen. Ich kann jemand als Führer nicht an« erkennen, der damit umgeht, die Armee zu stürzen und der auf seine Fahne geschrieben hat, bei den Soldaten Abscheu vor dem Dienst zu erwecken.(Znruf bei den Sozialdemokraten: Wo den»?) DaS hat ja Ihr Führer Bebel selbst ailSgeiprochen, lesen Sie doch Ihre eigene Presse I Wenn ein bellagenSwerteS Verhältnis zwischen Armee und Voll eintritt, so ist allein die Sozialdemokratie daran schuld.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts. Lachen bei den Sozial- demokraten.) In der vorigen Session hat ein polnischer Abgeordneter über schlechte Behandlung polnischer Soldaten, Verhinderung, in polnischer Sprache zu beichten usw. Klage geführt. Ich habe ihn alifgefordert, mir die betreffenden Briefe zur Versügung zu stellen. Er hat eS nicht getan.(Heiterkeit und Hört! hört! rechts.) In keiner Weise ganzen sind etwa zehn solcher Däche an den beiden AuSflußstellen, die nicht immer an derselben Stelle hervorbrechen, sondern bis- weilen verstopft werden und sich dann einen anderen tzlusflußort suchen. Zischende Siedebctvcgnngen und geringe Explosions- geräusche begleiten den Fall dauernd, und beständig quillt eine mächtige Dampfsäule empor. Alle fünf bis zehn Minuten erfolgen außerdem geräuschvolle heftige Explosionen, die sich vielleicht als eine geysirahnliche Erscheinung ansehen lassen. Notizen. --Kunstabende. Der letzte diesjährige Dichteravend de» Schillcr-TheaterS ist am Montag, den 21., im Bürgcrsaale de» Rathauses Detlev von Lilie ncron gewidmet.— Im Schiller-Theater Charlotienburg findet eine Wiederholung des Richard Wagner- Abends statt. — AuS der Büh» enge nossenschaft. Der Fall Walden ist durch Vergleich beendet worden.— Man fragt sich da, war denn wirliich dieser große Aufwand(Broschüre, iägliche BnllelinS in der Presse Rücktritt deS Vizepräsidenten der Bühnen» geiiossenschaft) dazu nötig, damit Herr Walden von der Genossen» schaft einige hundert Mark mehr bekommt.(Das war deS Pudel? Kern.)— Das.Berl. Tagebl.' hat in den Kämpfen zwischen der Bühnengenossenschaft und dem direktorialen Bühnenverein redlich den Unternehmern die Stange gehalten, und eS erhofft denn auch schon einen baldigen FriedenZschlnß. Die Sorge für die Direktoren demaskiert sich so niigeiiiert, daß die Harmonieprediger die Zeit gar nickt mehr erwarten können, da ,im Reiche Thaliens alles wieder nihig ist'. Als ob die Schauspielerbewegung nicht noch in den allerersten Anfängen steckte und die gepriesene Ruhe ihr Ende bedeuten würde. — Die Fünszigjahrfeier von GonnodS„Faust'. Km Freitag feiert die Pariser Große Oper durch eine.Faust'-Auf» führmig da? fünfzigjährige Bühnenjubiläum der Gounodschen Oper. Am 18. März 1859 erlebte das Werk im Thäcitre-Lyrique seine Ur- aufführung. Der Erfolg war sehr zweifelhaft, die Kritik zeigte sich sehr streng, da? Publilum schtvankle, und die Verfasser sahen sich bald veranlaßt, ihr Werl neu z» bearbeiten. In dieser neuen Form trat die Oper dann ihren SiegeSzug an. der immer noch anhält, obwohl wir sie heute und längst als eine Prosanation des-Faust' empfinden. — Ein amerikantscher Schorn st einliefe. In Krcat FaelS im Staate Montana ist vor kurzem ein riesiger Schorn» stein in Backstcinbau errichtet worden, der unbestreitbar der höchste Schornstein der Welt ist. Sein äußerer Durchmeffer beträgt an der Basis 23,5 Meter und am Kufsatz 15,24 Meter. Er erhebt sich 154,22 Meter hoch auf seinen Fundamenten, die auch noch eme Dicke von fast 7 Metern haben. DaS Gesamtgewicht dieses Schornsteinriesen beträgt 24 964 Tonnen. DaS Mauerwerl ist an der Basi» I.Sd Meter dick, und verjüngt sich nach oben vis auf eine Dicke von 45 Zentimetern. wird ein GelvissenSzwang auf polnische Soldaten ausgeübt. Die Forderung freilich, evangelische Soldaten nach evangelischen, katho« tische nach katholischen Garnisonorten zu legen, mufz ich ganz ent- schieden ablehnen.(Bravo I rechts.) Abg. Erzberger(Z.): Daß das System der Sparsamkeit glänzend ausgefallen ist. wird wohl nieniand behaupten wollen. Nominell sind zwei Millionen, in Wirklichkeit aber ist nur eine halbe Million abgestrichen worden.(HörtI hört I und Heiterkeit.) Das ist der ganze Effekt der Aktion der Vudgeikommission! Seit dem denkwürdigen Tage, da der Reichs« kanzler Sparsamkeit im Heerwesen verhieß, hat sich der Militäretat um t20 Millionen Mark erhöht!(Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Auf so fruchtbaren Boden ist das Samen- korn öer Sparsamkeit gefallen!(Heiterkeit und Sehr gut!) Die Worte des Kriegsministers über die Bundestreue Deutsch- lands gegenüber Oesterreich unterschreiben wir freudig. lieber daS Verhältnis zu England erhalten wir hoffentlich morgen in der Budgetkommission erschöpfende Darlegungen.— Es ist richtig, daß das Zentrum in der Konnnission verschiedenen freisinnigen Abstrich- antragen nicht zugestimmt hat. DaS geschah, weil die Freisinnigen trotz wiederholter Auffordermig seitens des Vorsitzenden sich nicht zur Erlänte- rung ihrer Anträge verstanden haben.(Lautes Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Einem Antrage stimmten wir nicht zu, weil wir keine Ersparnisse auf Kosten der Mannschaften wollen. (Lebhaste Zustimmung im Zentrum.) Bei der Gelegenheit möchte ich ausdrücklich fragen, wann der Nachtragsetat kommt, der die Erhöhung der Mannschaftslöhne bringt. Ich danke Herrn Starz, daß er mich gegen„Witze" des Abg. Grafen Oriola in Schutz nehmen wollte. Aber es war nicht nötig. Graf Oriola macht keine Witze.(Schallende Heiterkeit.) Mit größter Schärfe haben sich Graf Oriola und der Kriegs- ' minister gegen den Abg. HäuSler gewandt. Wir im Zentrum sind stolz darauf, einen verdienten General in unserer Milte zu haben (Lebhaftes Bravo! ini Zentrum), namentlich einen General, der nicht seine Aufgabe darin sieht, zu liegen und stehen, wie der je- weifige Minister liegt und steht.(Erneuter lauter Beifall im Zentrum.) DM Kriegsminister hat den Abg. HäuSler als einen förmlichen Ignoranten hingestellt.(Oho! rechts.) Aber ein Ignorant bringt es in der bayerischen Armee nicht bis zum Generalmajor.(Lebhaste Zustimmung links und im Zentrum.) Kollege Häusler ist vom Grafen Oriola mit dem Abg. Bebel in eine» Topf geworfen. Eine persönliche Herabsetzung kann ich darin nicht sehen, denn ich habe Herr» Bebel stets als einen hochanständigen Mann kennen gelernt. Es ist überhaupt ein Unfug, der getrieben wird, indem man etwas als national ausgibt, dem nicht widersprochen werden darf: und ebenso stark ist der Unfug, zu behaupten, irgend etwas habe ein Sozialdemokrat gesagt und deshalb sei es falsch. Dieser Ausweg wird immer gewählt von demjenigen, der seine eigene Gedankenarmut verbergen will.(Leb- haste Zustinunung im Zentrum.) Sachlich ist der Kriegsminister einigen Anregungen des Abg. HäuSler beigetreten, so in der Frage der militärischen Jugenderziehung. Daß auch Herr Bebel sich dafür ausgesprochen hat, darüber wird sich der Kollege Häusler keine grauen Haare wachsen lassen, ich meine, keine weiteren grauen Haare.(Große Heiterkeit.) Dann hat der Graf v. Oriola uns auch viel Schönes über die Bedeutung der Musik erzählt. Ein süddeutscher Dichter hat das alles schon bester ausgeführt, als er sang: „Liebe ünd Trompetenblasen Helfen zu viel schönen Dingen; Liebe und Trompetenblasen Selbst ein adlig Weib erringen." (Große Heiterkeit.) Gras von Oriola hat damit nur gezeigt, daß er absolut nicht weiß, um was es sich bei der Verminderung der Musikkapellen handelt.(Sehr richtig I im Zentrum.) Bei seinen gestrige» Ausführungen erkannte der Kriegsminister an, daß die Kommandogewalt eingeschränkt ist durch das Budgetrecht des Reichs- tages. Am 13. Dezember 1906 ist uns das Bestehen auf diesem Grundsatz als ganz besonders großes Verbrechen angerechnet worden. (Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum.) Herr Müller-Meiningen fordert mit großer Emphase verfassungsmäßige Garantien. Ein neues Gesetz gibt diese auch nicht. Eine Garante dagegen, daß nian beim Anbliä! eines uniformierten Ministers nicht umfällt wie ein löjähriger Backfisch, gibt kein Gesetz.(Große Heiterkeit. Zuruf bei den Freisinnigen: Das tun Sie I) Nein, darin habe ich keine Er- fahrung.(Lebhafte Zustiinniung und Heiterkeit im Zentrum.) Die Verhältnisse des Militärkabinetts hat der Kriegsminister zu rosig gemalt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten! Er heißt ja Rot- maler! Große Heiterkeit.) Herr v. Liebert sagte einfach, der Reichs- tag habe sich mit den Verhältnissen der Offiziere nicht zu befassen, das sei ein Eingriff in die Kommandogewalt. Daß ein Abgeordneter die Rechte des Reichstages in dieser Weise preisgibt, ist eine neue Erscheinung.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) An der Gasamistärke deS Osfizierkorps fehlen 900 Personen; das ist eine bedenkliche Erscheinung bei der Ueberfüllung aller anderen Berufe. Ein Hauptgrund hierfür ist jedenfalls die Unsicherheit des Bernfes: sie wird schwinden, wenn für die verabschiedeten Offiziere besser gesorgt wird. Ein weiterer Grund ist die Zurücksetzung der bürgerlichen Offiziere gegenüber den adligen und die Protektion! So ist 1903 der Hauptmann, unter welchem der Unteroffizier Vreitenbach 1500 Fälle schwerer und 300 leichterer Soldatenmißhandlungen begehen konnte, bestraft worden, weil er diese Mißhandlungen zugelassen hatte; jetzt ist� er plötzlich unter Umgehung einer ganzen Reihe von Vordermännern zum Major und Divisionsadjutanten befördert. Da ist eL kein Wunder, wenn von Protektion gesprochen wird.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ein anderer Fall ist folgender: Efn Knrassierofsizier hat ein Konunando an die Reitschule in Hannover bekommen, das für besonders ehrenvoll gilt. Dieser Offizier war wegen Ehebruchs mit der Frau eines Kamerade» unter denkbar schwersten Umständen bestraft worden. Der Kriegsminister sagte: jeder Offizier mutz ein Gentleman sein. Ein Gentleinan tut so euvaS nicht.(Kriegsminister v. Einem: Ist auch nicht geschehen!) Dann bitte ich anzugeben, weshalb die Be- strafnng erfolgt ist. Ein weiterer Grund, der von der Offizierskarriere zurückhält, sind die geheimen Oualifikationsberichte.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) In der Zivilverwaltung sind sie seit 1343 ab- geschafft; sie sollten endlich auch bei der Militärverwaltung ver- schwinden.(Sehr richtig! im Zentrum und links.) Die Privatindustrie sollte zu Lieferungen für daS Heer stärker herangezogen werden, da die fiskalischen Betriebe notorisch teurer arbeiten. Um so mehr sollte aber darauf gesehen werden, daß keine Firma eine Monopolstellung erlangt. Man sollte gegenüber der drückenden Hegemonie der Kruppschen Werke auf Stärkung der Kon- knrrenzfirmen Bedacht nehmen. Einseitige Begünstigungen Krupps fcjaben auch noch in der letzten Zeit stattgefunden, wenn ich auch nicht 'oweit gehen will, die verwandtschaftlichen Beziehungen gewisterGenerale Jafür verantwortlich zu mache».(Redner verliest einen diesen Gegen- stand behandelnden Brief eines Arlillerieobersten.) Durch Ring- bildung treiben die LieserungSfirmen die Preise unbillig in die Höhe. Durch unzweckmäßige Organisation der Vergebung der Lieferungen lverden zahlreiche Regimenter in Schulden gestürzt.(Zuruf bei den Freisinnigen: D e r n b u r g I) Ja, Herrn Dernburg könnten wir hier ganz gut gebrauchen. aber man sollte doch denken. daß die Militärverwaltung hier auch ohne Herrn Dernburg Wandel schaffen kann. Wenn evangelische Offiziere ihre Kinder aus gemischten Ehen katholisch erziehen lassen, werden sie entlasten.(Lebhasies Hört! hört! im Zentrum.) Das ist Gewissenszwang l(Sehr wahr! im Zentrum und links.) Gewistenszwang>st es auch, wenn ein Reserveoffizier, weil er aus der evangelischen Landeskirche austritt und sich als Dissident bezeichnet, genötigt wird, seinen Abschied zu nehmen.(Sehr wahr! im Zentruin und links.) Dabei hat sich herausgestellt, daß die Militärvervaltung nicht wußte, was ein Dissident ist!(Hört! hört! und Heiterkeit links.) Ueber die Nachschnüffelei nach der politischen Gesinnung der Rekruten lonn derfreisinniae Abgeordnete Cuno-Hagen interessante Mitteilungen■ machen. Ich bin übrigens auch der Meinung, daß, wenn man etwa die Sozialdemokraten aus dem Heere ausschließen wollte, die Mami- schaft mancher Regimenter bedenklich zusammenschrumpfen würde. Die Kriegervereine werden politisch mißbraucht. Man drangsaliert Kriegervereine, deren Mitglieder Zentrumsanhänger sind. In Ober- schlesicn ist aus einem Kriegerverein auf behördliche Anweisung ein Mitglied ausgeschlossen worden, der als Wahlmann ftir einen Kompromißkandidaten des Zentrums und der Polen gestimmt hat. (Hört! hört!) Dann kann man sich nicht wundern, wenn die Katholiken austreten und eigene Vereine bilden, um die Kamerad- schaftlichkeit zu pflegen.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Der Militäretat legt uns große Lasten auf. Das deutsche Volk weiß sehr gut, daß das Heer eine Stätte der Volkserziehung und der Volkskraft ist. Deshalb aber verlangen wir: Fort mit aller Politik aus dem Heere.(Lebhaftes Bravo I im Zentrum.) Äriegsininister v. Einem: Herr Erzberger hat gesagt, daß ein Offizier, der wegen Ehebruchs mit der Frau eines Kameraden ver- urteilt war. nach der Reitschule in Hannover kommandiert worden ist. Der Chef des Offiziers hat mir ausdrücklich bezeugt, daß irgend welcher Ehebruch nicht vorgekommen ist. Ein Offizier, der Ehebruch mit der Frau eines Kameraden treibt, wird in der Armee unter keinen Umständen geduldet. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Freitag 2 Uhr._ parlamentarisches. Aus der Budgetkommisfion des Reichstags« (39. Sitzung, 18. März.) Staatssekretär v. Tirpitz hielt einen längeren Vortrag, um die ihm von der Kommission gestellte Frage, wo Ersparnisse bei der Marineverwaltung gemacht werden könnten, zu beantworten. Er kam nach vielen Wenn ünd Aber zu dem von seinem Standpunkte aus durchaus selbst- verständlichen Schluß, daß „nichts zu machen" fei, denn wo gespart werden konnte, sei auch bisher schon ge- spart worden I Er habe von dem ursprünglich aufgestellten Etat 27 Millionen von den allgemeinen Forderungen und 5 Millionen von den Bauten gestrichen. Dann sei der Finauzstaatssekretär gekommen und habe nochmals 5 Millionen abgesetzt. Noch weiter herunter- zugehen, sei absolut unmöglich. Aus den Ausführungen des Staatssekretärs verdient im einzelnen hervorgehoben zu lverden: Die Selbstbewirtschaftung habe sich bei der Kleiderbeschaffung gut bewährt. Bezüglich der Kohlenlieferung erklärte Herr v. Tirpitz. daß er sich angesichts der hohen PreiSfordcrnngen drS deutschen Kohlensyndikats gezwungen gesehen habe, sich an das Ausland zu wenden. Mit schwerem Herzen habe er wegen der Kohlenlieferung sich mit 23 englischen Firmen in Verbindung gesetzt, was dann zur Folge gehabt habe. daß d a S K o h l e n s y n d i ka t von 14,03 M. auf 11 M. mit dem Preise herunter gegangen sei! Die Zahl der Beamten sei in der Werksverwaltung allerdings ziemlich hoch, denn es käme auf 7,4 Arbeiter ein Beamter, während in der Privatindustrie nur auf 10 bis 12 und in einem Falle sogar auf 17 Arbeiter ein Beamter entfalle. Das käme zum- teil daher, daß zu sehr nach den umständlichen Vorschriften und nicht nach kaufmännischen Grundsätzen gearbeitet werden müsse I So habe das ReichSmarineamt nicht weniger als 24 Kilogramm Rechnungsbeläge an den Oberrechnungs- Hof eingesandt. Auf die in Kiel bei der Marineverwal- tung vorgekommenen Unterschlagungen übergehend, suchte der Staatssekretär diese nach Möglichkeit abzuschwächen; es handele sich um einen langen Zeitraum, so daß von den Unter- schlagungen beim Maschinenöl auf einen Tag nicht mehr als ein Weinglas voll entfalle! Uebrigens sei, so führte ein anderer Ver- tretcr der Marinevcrwaltung aus, in der Presse viel übertrieben worden; nicht mehrere Millionen seien unterschlagen, sondern bisher sei erst ein Fehlbetrag von.nur" einer Million fest- gestellt worden I Der Abg. Leonhart behauptet, daß bei größerer Aufmerksam- keit die Unterschlagungen früher hätten entdeckt werden müssen. Abg. Erzberger führt aus: Das Submissionswesen lasse gerade bei dieser Verwaltung viel zu wünschen übrig. Bezeichnend sei jes, daß der Admiral v. Sack, der hier als Vertreter des Reichö-i marineauits den Pnlverring in Schutz genommen habe, nach feiner Pensionierung Aufsichtsrat bei Krupp geworden fei!! Er habe in dieser Stellung vielleicht ein Einkonimen von jährlich 100 000 M.,. wozu noch 10000 M. Reichspension komme. Das seien geradezu russische Zustände! Gegen diese Charakterisierung unserer Marineverwaltung protestiert Staatssekretär v. Tirpitz, desgleichen der konservative Ab- geordnete D r ö s ch e r, während der Abg. Leonhart ausführte, daß die allergeringste Aufmerksamkeit genügt hätte, um die vor- gekommenen Unregelmäßigkeiten zu entdecken. Der jetzt verhaftete Obermeister habe sich in der Nähe von Kiel eine sehr teure Jagd gepachtet, obgleich sein ehrliche? Einkommen dazu nicht ausgereicht hätte! Die oberen und mittleren Beamten feien auch viel zu wenig auf den Bureaus, so daß die Unterbeamten und Arbeiter sich selber überlassen wären; namentlich sei das an den Montagen der Fall l Der Abg. S e m l e r kommt nochmals auf die Rede des eng- lifchen Premierministers Asquith zurück und rät an, unter Festhalten an unserem Flottcnprogramm England gegenüber mehr Ent« gegen kommen zu zeigen, dann vielleicht sei eine Verständigung über die Zahl der zu bauenden Kriegsschiffe doch möglich. Nachdem noch einige weitere Redner sich im gleichen Sinne aus- gesprochen haben, schlägt Graf v. Oppersdorf vor. de» Reichs- tanzler und den Staatssekretär des Auswärtigen AmteS v. Echoen z» der morgigen Sitzung einzuladen und sie um Auskunft darüber zu ersuchen, ob England eine Verständigung in der genannten Frage an- geregt habe. Die Kommission stimmte dem Vorschlage zu und beauftragte ihren Vorsitzenden, die erforderlichen Schritte zu unternehmen. Die Kommission zur Beratung der Gewerbeordnungsnovelle verhandelte am Donnerstag über einen Antrag des Abg. S ch a ck (wirtsch. Vg.), der für die Handlungsgehilfen bei einer Dienstzeit von einem Jahre einen Urlaub von 14 Tagen verlangt. Unsere Genossen beantragen, daß nach einer Dienstzeit von sechs Monaten der Handlungsgehilfe Anspruch auf 14 Tage Urlaub erheben kann. Genosse Stadt Hägen begründet den Antrag mit dem Hinweis darauf, � daß von anständigen Prinzipalen schon jetzt auch bei kürzerer Dienstzeit Urlaub gewährt wird, daß aber die Festlegung des rechtlichen Anspriwbes möglich sei. Die Forderung wird einmütig von allen Verbänden der Handlungsgehilfen verlangt.— Ein RegierungSvertreter hält den Antrag für unannehmbar, da er die kleinen Gewerbetreibenden schwer schädigen würde. Manz(frs.) ist sehr für Urlaubserteilung, wünscht aber keinen gesetzlichen Zwang. Die Abgg. Hitze reichischen Genossen bclveisen, daß sie viel gescheiter getan hätten, das allgemeine, gleiche Wahlrecht durch Alletagearbeit, d. h. vornehmlich durch Konsulnvereine und dergleichen zu erobern, als sich auf die Eintagsaktionen der grandiosen Wahlrechtsdemonstrationcn und Eintagsstreiks einzulassen. AuS den Organisationen. Am Sonntag tagte in Offenburg -ine Konferenz deS 6. und 7. badischen Reichstagswahlkrcises(Lahr und O f f e n b u r g). Sie war von 41 Verhetern des 7. und 11 Ver- treteni des C. Wahlkreises besticht. Einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung war die Presse. Man war einstimmig der Ansicht, das„Volksblatt" vorerst unter allen lkmständcn zu halten, da dieses in der Agitation gute Dienste geleistet hat. Der Landesvor- stand soll ersucht werden, dem„Volksblatt", das finanziell ungünstig stehe, einen Zuschuß zu geben oder bei dem Parteivorstand in Berlin einen solchen zu befürworten. Aus dem Geschäftsbericht war zu entnehmeir, daß im verflossenen Jahre fleißig gearbeitet wurde, um die Organisation auszubauen und die Parteipressc zu verbreiten. Wenn das nicht überall gelungen ist, so liegt die Schuld zum Teil an dem schlechten Geschäftsgang, aber auch an den Genossen in den betreffenden Orten. Der Kassenbericht weist im verflossenen Jahre im 7. Wahlkreis eine Einnahme von 789,01 M. auf, dem eine Aus- gäbe von 742.79 M. gegenübersteht. An den Landesvorstand wurden 288,82 M. und an den Parteivorstand in Berlin 49,4b M. entsandt. polireiUebes, Gericvtlicbco ukw. Tic BreSliuicr rote Fahne ist wieder freigegeben worden. Die Beschwerde der Genossen ist natürlich nicht zurnckgezoge» worden._ Hus Industrie und Oandel. Schlachtvieh- und Fleischbeschau im Deutschen Reiche. Nach der Zusammenstellung deS kaiserl. Statistischen Amts er- Aeben sich für das letzte Viertel 1908, im Vergleich mit den gleichen Abschnitten der Vorjahre, folgende Uebersichten. Zahl der Tierce, an denen die Schlachtvieh- und. Fleischbeschau vorgenommen wurde: Demnach war die Zahl ber Schweineschlachtnngen im letzten Jahre annähernd auf den Stand vom Jahre 1994 zurückgegangen. Unter Berücksichtigung des Bevölkerungszuwachses bedeutet das einen Rückgang._ Deutscher auswärtiger Handel im Februar Nach dem Fcbruarhefte der vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenen Monatlichen Nachweise über den auswärti- gen Handel Teutschlands betrug im Februar 1999 im SpezialHandel: I. Die Einfuhr 3 731 281 Tonnen verschiedene Waren, ferner 135 173 Stück, worunter 123 593 Uhren, 11532 Pferde usw., 2. die Ausfuhr 3 499 254 Tonnen verschiedene Waren, ferner 22 995 Stück, worunter 22 338 Uhren, 515 Pferde usw. In den beiden Monaten Januar und Februar d. I. erreichte die Einfuhr 7 377 675 Tonnen gegen 8 224 288 Tonnen im Vorjahre, ferner 218 795 Stück gegen 252 976 im Vorjahre. Die Einfuhr hat also auch in den beiden Monaten nachgelassen, namentlich bei landwirtschaftlichen Erzeug- niffen und mineralischen und fossilen Rohstoffen usw., unedlen Metallen. Die Ausfuhr fiel gleichzeitig weniger; sie belief sich auf 6 821269 Tonnen gegen 6 886 936, ferner auf 69 385 gegen 78 391 Stück im Vorjahre._ Erweiterung deS Dortmunder Hafens. Der Dortmunder Hafen wird, um den wachsenden Bedürfnissen zu genügen, fortgesetzt erweitert. Im vorigen Jahre wurde eine Erweiterung fertig gestellt und schon wieder ist die Anlage eines neuen Hafenbeckens beschlossen worden, und zwar auf Grund eiueS Abkommens mit dem Kohlenstzndikat. Der neue Hafen soll einen Kohlenkipper erhalten. Das Kohlensyndikat, das schon einen großen Lagerplatz am Hafen besitzt, hat nun einen zweiten von der Stadt Dortmund gemietet, wofür an Pachtzins 45 999 M. gezahlt werden. Die Neuanlage wird der Stadt 499 999 M. kosten. Man hofft auf einen starken Verkehr, sobald der Durchstich nach dem Rhein erfolgt ist. Der Hafen hat der Stadt Millionen gekostet und alljährlich er- forterte er enorme Zubußen. Die Arbeiten zu dem neuen Er- wciterungshafcn weroen sofort, als Notstandsarbeiten, in Angriff ge- nommen, d. h., eS dürfen nur einheimische Unternehmer und ein- heimische, in erster Linie arbeitslose Arbeiter beschäftigt werden. Statistisches von den Kraftfahrzeugen. Am 1. Januar 1999 wurden im Deutschen Reiche 41 727 Kraft- wagen gezählt, von welchen 39 475— 04,6 Proz. zur Personenbeförderung und 2252_ 5,4 Proz. zur Lastenbefördcrung dienten. Von den Personcnfahrzeugen waren 29 928= 53,9 Proz., von den Lastfahrzcngcn nur 248= 11,9 Proz. Krafträder. Gegen das Vorjahr ist eine Vermehrung der Kraftfahrzeuge um 5795— 15,8 Prozent eingetreten. Davon entfallen 5231 Kraftfahrzeuge auf den Personen- und 474 auf den Lastenvcrkehr. In der Zeit vom 1. Oktober 1997 bis 39. September 1998 traten beim Verkehr mit Kraftfahrzeugen 5969 schädigende Ereigniffe ein, an welchen 5312 Kraftfahrzeuge beteiligt waren. Im Vergleiche zum Vorjahre hat sich die Zahl der Unfälle um 225 erhöht. Da jedoch eine Vermehrung der Kraftwagen um 15,8 Proz. eingetreten ist, kann von einem Zurückgehen der Unfallzahl gesprochen werden. Bei den schädigenden Ereignissen wurden 2639 Personen verletzt, und zwar 188— 7,1 Proz. Führer und 431— 16,4 Proz. Insassen von jsraftlvagen sowie 2911 c= 78, i Proz. dritte Personen. Ge- tötet wurden 141 Personen, und zwar 12 Führer, 22 Insassen und 197 dritte Personen. Der angerichtete Sachschaden beträgt 811663 Mark._ Großiudustriclle Nebenverdieuste. Die Bcrgbauaktiengesellsckiaft Ilse ist gegenüber den modernen Berglverksricscn eine kleine Aktiengesellschaft, die mit 8 Millionen Mark Aktienkapital für das 1997/8 die Kleinigkeit von 2,4 Millionen Mark Reingewinn erzielte. Der ans den drei Herren G. Schumann, W. Müller und M. Bär bestehende Vorstand erhielt für das letzte Geschäftsjahr außer den festen Bezügen 151 999 M.. also pro Manu rund 59 999 M. Tantieine I Der Aufsichtsrat besteht aus acht Personen, er bekam zusammen für seine Müheleistungen in den letzten beiden Jahren 196 999 und 213 999 M. Mit solchen Jammerlöhnen können die Herren natürlich nicht auskommen, sie find aus Nebenverdienst angewiesen. So ist denn der Generaldirektor der Bcrgbaugesellschafl Jlie, Herr Schumann, noch Aufsichtsratsmitglied in zwei anderen Gesellschaften, Herr Müller nur in einer anderen Gesellschaft. Dafür sind aber die Miv glieder deS AufsichtSrates besser mit Nebenverdienst versehen. Der Kommerzicnrat A. G. Wittekind, nebenbei auch noch Generaldirektor der Mitteldeutschen Kreditbank, ist Vorsitzender im LufsichtSrat von acht Gesellschaften, stellvertretender Vorsitzender in zwei, und gewöhnliches Mitglied in weiteren vier Gesellschaften. Herr I. C. Ertel ist in drei Gesellschaften stellvertretender Vorsitzender des AufsichtSrates und fünfmal gewöhnliches Mitglied, Herr Konsul E. Kunheim muß sich sein Brot nebenbei in vier anderen AufsichtS. raten verdiciien, der Bergwerksdirektor A. Reh ist nebenher einmal Direktor und einmal AussichlSratsmitglied, Dr. I. Stroof ist drei- mal stellvertretender Vorsitzender und dreimal gewöhnliches Mitglied. Dr. K. Sulzbach ist sechzehnmal Aussichtsrat, Grubenvorstand und Vcrwaltungsrat, der Kaufmann M. Brückner fungiert zweimal als Aiifsicbtsratsmitglied und das achte der Aufsichlsratsinitglieder der Ilse, Herr O. Hegenscheidt, ist nur noch in einer anderen Gesellschaft Aussichtsrat. Dies macht insgesamt für die zehn Herren sieben- u n d f ü n f z i g Vorsitzenden-, Berwaltungs- und AufsichtSratSstellen. Das bringt was ein. In die hunderttausende Mark gehen die„Verdienste", die die meisten Aufsichtsräte so im Vorbeigehen einheimsen._ Erntcstatistik 1908. In dem ersten VierteljahrShcfte zur Statistik des Deutschen Reichs 1999 werden die Ergebnisse der Erntestatistik für das Jahr 1998 nntgcteilt und besprochen. Geerntet wurden im Jahre 1993: an Winieriveizen 8 349 797 To., Sommerweizen 413 969 To., Winterspelz.444 198 To., Winterroggen 19 591341 To., Sommerroggen 145 533 To., Sommergerste 3 059 885 Tonnen, Hafer 7 694 833 To., Kartoffeln 46 342 726 To., davon gesunde 44 595 458 To.. Kleehcu 11695 945 To.. Luzernchcu 1 589 143 Tonnen, Wiesenheu 27 976 997 To. Dem Vorjahre gegenüber beträgt die Mehrernte an Brotgetreide 1 253 566 To. oder 9,2 Proz. Sommergerste und Hafer, die hauptsächlich zur tierischen, in gewiffem Umfange aber doch auch zur menschlichen Ernährung dienen, ergaben zusammengefaßt eine Minder- ernte von 1 892 165 To. oder—15,9 Proz. Klee-, Luzerne- und Wiesenhcu ergab einen Mehrbetrag von 4 949 461 To. oder-s- 14,9 Prozent; die Mchrernte an gesunden Kartoffeln betrug 1 886 476 To. oder-j» 4,4 Proz._ Gerichts-Zeitung Urteilsbegründung im saarabischen BcstechungSprozest. Die Gründe der von uns bereits auf Grund eines Privattele- gramms mitgeteilten Urteils gingen dahin: Das Gericht hat bei allen Angeklagten, die in der Bestechungs- angclcgcnhcit schon rechtskräftig bestraft sind, nur auf eine Zusatz- strafe erkannt, wodurch bei vielen die Strafe sich sehr ermäßigt har. Bei den meisten Angeklagten hat das Gericht als erwiesen erachtet, daß sie sich der leichten Bestechung im Sinne des§ 333 des Straf- gesetzbuckzes schuloig, bezw. der Beihilfe schuldig gemacht haben. Wenn die Angeklagten in der Haupwcrhandlung auch die in der Voruntersuchung gemachten Geständnisse widerrufen haben, so haben die Geständnisse deshalb an Beweiskraft nichts eingebüßt, um so weniger, als die Angeklagten Michacly und Bethschncidcr ja auch in der Hauptverhandlung gcstäuoig waren. Dazu kommen die zahl- reichen Zeugnisverweigerungeu, die das Gericht als Geständnisse der Schuld aufgefaßt hat. Es ist als erwiesen erachtet, daß auf der fiskalischen Grube QiSttcworn feit Jahren von Unterbeamten Geld- gefchsnke 6ow den Beegkenken ,n unerlaubter Weise unb zkSar ist regelmäßigen Beträgen angenommen worden sind und zwar in der Absicht, die Geldgeber in pflichtwidriger Weise zu begünstigen. Es ist vollständig ausgeschlossen, daß diese Beträge gesammelt wurden für den„BcrgmannSfreund" oder sonstige erlaubte Zwecke, sondern sie wurden von den Bergleuten gesammelt mit der alleinigen Ab- ficht, ihre Vorgesetzten zu bestechen und sie zum pflichtwidrigen Handeln zu veranlassen, tvas ja auch geschehen ist. AIS festgestellt gilt, daß aus Grube Göttelborn viele Unregelmäßigkeiten aller Art vorgekoinmen sind, die ihre Ursache nur in dem pflichtloidrigen Handeln der Beamten haben. Als nach dem Rcdener Unglück das königliche Oberbergamt eine größere Befahrung der Saargrubcn vornahm, fand man bezüglich der Verbauung nirgends solche Aus- sctzungcn zu machen, wie auf Göttelborn, doS gilt als festgestellt. Gegen die Bergleute hat das Gericht auf ganz milde Strafen er- lannt, nicht weil es sie als die Verführten betrachtet, so doch, daß sie mehr oder weniger unter einem Druck ihrer Vorgesetzten gehandelt haben, vielfach wohl gegen ihren Willen. Dahingegen mußten gegen die Beamten, die ihre Dienstpflicht in der gröbsten Weise miß- brauchten, auf empfindliche Gefängnisstrafen erkannt werden. Das Gericht hat bei den Beamten Abstand genommen, gleichzeitig auf Aberkennung der Wcamtenqualifikation zu erkennen, da eS nur leichte Bestechung angenommen hat. Eine mysteriöse TicbstahlSaffäre beschästigte die 4. Strafkammer des Landgerichts l. Angeklagt war der Viehverkäufer Franz Händel, der bei der Firma C. Sponholz als Verkäufer angestellt war. Am 7. September v. I. hatte er den Auftrag erhalten, für die Firma einen Betrag von 149 999 M. in Gold, Silber und Papiergeld bei der Viehkominissions- und Wechsel- bank einzuzahlen. Unter den Papieren befanden sich auch 13 Stück bundcsstaatliche Privatbanknoten a 199 M. Diese legte der ab» nehmende Beamte, nachdem er sie durchgezählt, zunächst am Schalter- gittcr nieder, und brachte die übrigen Papiere, die er gleichfalls durchgezählt, nach dem im Hintergründe stehenden Geldschrank, ohne an die 13 Privatbanknoten zu denken. Tann kam der Kassierer, nahm das Gold und Silber ab und stellte eine Gesamtquittung aus. Bei der Abrechnung am Abend stellte sich aus der Bank ein Fehlbetrag von 1399 M. heraus und nun erinnerte sich der ab- nehmende Beamte, daß er die 13 Hundertmarkscheine am Schalter- gittcr habe liegen lassen. Es wurde nun angenommen, daß sie sich der Angeklagte H. in einem unbewachten Augenblicke angeeignet habe. Es wurde bei ihm Haussuchung abgehalten, die aber ergeb- nislos blieb. H. protestierte gegen den um ihn herum laut werden- den Verdacht ganz energisch. Da geschah etwas Außergewöhnliches. Auch im Sponholzschen Komtor wurde das Verschwinden der Bank- noten eifrig besprochen uns bei dieser Gelegenheit äußerte einer der Angestellten seine Ansicht dahin: das beste wäre doch, wenn der Spitzbube die 1399 M. anonym zurückschickte. Am anderen Tage lief bei der Bank ein mit 1399 M. beschwerter Brief ein, welchem ein Zettel mit folgenden Worten bcilag:„Auf Anraten meiner Frau schicke die 1399 M. zurück. Schwamm drüber!"— Der Angeklagte bestritt auch im Termin ganz entschieden, der Dieb zu sein. Nach dem Gutachten des Schreibsachverständigen Obersekretär Drogolin rührt der Zettel und die Adresse des Briefes nicht von der Hand des Angeklagten her.— Der Staatsanwalt hält letzteren gleichwohl für überführt und beantragte 3 Monate Gefängnis.— Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung, da nach seiner Ansicht der An- geklagte zwar verdächtig, ahcr nicht überführt erscheine. Bom Bertrieb dänischer Lieber in der Nordmark. Für das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig wurden nach der Okkupation, aber vor Einführung der preußischen Ver- faffung, nämlich am 12. Juni 1865 und ani 28. August 1866, vom damaligen Zivilgouvcrneur Bekanntmachungen erlassen, die ver- schiedene Verbote enthielten. So wurde, wie es heißt,„im Interesse der SickicrHeit im Herzogtum Schleswig" durch die Bekanntmachung vom Jahre 1865 das Absingen„dänischer Lieder, welche in nationaler Beziehung aufreizenden Inhalts sind", verboten. Di« Bekannt- machung von 1866 erstreckte dies Verbot auch auf den Vertrieb der- artiger dänischer Lieder. Mit der Frage, ob diese Verordnungen noch gültig sind, hatte sich gestern das Oberverwaltungsgericht zum ersten Male zu befassen. DaL Kanunergericht hat zwar die Gültig- kcit anerkannt.' Das Obervcrwaltungsgericht kam zu demselben Resultat. Es führte aus, es sei mit dem Kammergcrichi'der Meinung, daß die Bestimmung der Bekanntmachung von 1866 durchaus noch rechts- gültig sei. Nach Wortlaut und Bedeutung werde sie weder durch die Getverbeoronung noch durch das Reichspreßgesctz berührt. Namentlich in bezug auf das Rcichsprcßgesctz teile der Senat durch- aus den Standpunkt des Kammergerichts. Es handele sich gar nicht um ein lediglich gegen Preßerzeugnisse gerichtetes Verbot. ES richte sich u. a. ganz allgemein gegen den Vertrieb dänischer Lieder der näher bezeichneten Art. Wenn bei diesem allgemeinen Verbot Prcßerzeugnisse nicht ausgeschlossen seien, dann widerspreche das nicht dem Prcßgcsctz. Im übrigen schloß sich der Senat dem Bc» zirkSausschuß darin an, daß ein Teil der Lieder des blauen Lieder- buchS in nationaler Beziehung aufreizenden Inhalts sei. Mit Recht sei der Waudcrgewcrbeschein dem Kläger versagt Ivorden, 25. Der»ai Von N. Emgegangene DrucKfcbnften. Von der„Neuen Zeit-(Stattgan, Paul Singer) ist soeben dus Heft deS 27. Labrgangs erlchiciien. Es hat solgenden Inhalt: " all Frcnzel.— Die vcrdorbcnc Suppe.(Da? Fazit der Azcwaffäre.) Trotzky.— Die landwirtschastlichcn Arbeiter und die Ausgaben der Landarbeitergewersschast. Von A. Hoser(Grob-Skaisgirren).— Eine Reform unserer Ernaherung? Von Dr. med. A. Lipschütz.— Literarische Rundschau: Dr. Ernst Horiicfscr, Die Kirche und die politischen Parteien. Von E. Vogthen.— Zeitschrislcnschau. Feuilleton derNeuen Zeit Nr. 15: Philosophieren und Philo- sophic. Von F. Mebcing. Die Entioickelnng des Weltalls. Von Anton Painiekoct. Disjecti rnembra poötao. Von Diesenbach.— Büchcrschau: Sit Märten, Bergarbeiter. Joh. Jörgenlen. I. K. HuySmans. Thcodor Fontane, L'AduItera. Gabriele Reuter, Liselotte von Reckllng.— Lose Blätter: Der neueste Hauptmann. Eine Lcscsrucht. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hejt kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Bersügung. Von der..Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Ardeitertnnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 12 des 19. Jahrganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Der Geschichte ew'gcs Muß.— Frauen, und Kinderarbeit in Sachse». I. Von A. F.— Neue preuhische Schulschmach. Von dl. HCl.— Di« Krankenaussicht und die Au- stellnng weiblicher Krankenkontrolleure. Von Fr. Klceis.— Die Arbeits- kämmen, nach dem s»zialdei» akratischen Antrag. Von gh.— AuS der Bewegung: Von der Agitation.— Adelheid Zeh- Lechhailseil f— Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen, betreffend den Kinderschuh.— Politische Rund- schau. Von II. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Aus dem Eulen« gebirge.— Gcnosscuschastliche Rundschau. Bau A. Fl.— Notizcntcil: Dicnstbotcnfrage.— Frauenarbeit aus dein Gebiet der Industrie, deS Handels- unh Verkehrswesens.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen — Soziale Gesetzgebung.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Fraucnsiimmrecht.— Frauenbewegung.— Verschiedenes. Für unsere Vtütter»nd HauSsrauen: Seele, wirs den Kummer hin. Von Johann EHristinn Günther.— Der Muveriiistinkt der Tiere. I. Von od.— Der Glaube an Aalurwunder und seine Wurzeln. Von M. H. Bacge.— Für die HauSsrau.— Feuilleton: 18. März 1999.— Ein Landjiinler. Von NjkolquS Gogol.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Strenge Barmherzigkeit. Bon?Ibrahain Eman. Frölich.(Gedicht.)— Einer, der stark werden wollte. Bon Rod. Grötzsch.— Am Fuchsbau. Von einem westsälischen Arbeiter.— Schwere Pflicht. Von G. W.(Gedicht.)— Die Korallen. Von Karl Ewald.(Fort- setznng.— Die Prinzessin, die immer daS letzte Wort haben wollte.— Hör zu t(Gedicht.) ie„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der'AboiincinciilsprciS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.. unter Kreuzband 85 Pf. JahreSaboniiement 2,50 M. Verantwortliche? Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für denFnseratenteil derantw,: Th. Glocke, Berlin, Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagi-anstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Stellennachweis Benrletts Pergamentec Stellen'Vermittleriu Mädchen für Alles Hausmädchen Köchinnen Tarif für Herrachaften: von 40—60 Taler Lohn M. 3 von 61— 80„, M. 4 von 81—90„ M. S über 90„ ,, M. 6 Herrsifiaften von außerhalb zahlen mehr. Für Mädchen kostenlos. �Taimai Friedrich■ Stratse 110-11M12 auj Onmlenburgerstr. 54-55-56-503 Fahr- Verbindungen; i Auto-Omnibusse: 4, 4A, 4B und A Omnibusse: 2,5,10,14,18,20,440.48 Stadt- u. Vorortbahn: Stadtball nbof Friedrlchitr. Strassenbahnen: 1,4,12, 16, 18, 19,25. 2«5. 28, 29, 32, 34, 43, 5� 56 Enorm billige Angebote Freitag und Sonnabend Soweit Vorrat* Lebensmittel Freitag und Sonnabend •Soweit Vorrat. 50 000 Dosen Gemüse- und Frucht-Konserven . i.......«.«»«« n... 1�� la Schellüsch pfünd 30" la Rotzungen e«»»«............................... 55" Ia Tafellachs....................."und 55, 80 pf. l.io im Aasschnitt...................... Pfund 65» 90 Pf. 1 25 Getrocknetes Obst und Gemüse Pflaumen ohnestein Pfd.28, 35" Türk.PflaumeiiPfd.|5,23,30" Kalif. Pfirsiche.. Pfd. 50,60 Pf. Kalif. Birnen..»fd. 50,60 Pf. Kalif. Aprikosen Pfd. 5 5, 6 5 Pf. Amerik.Ringäpf. Pfd. 45, 5 5" Franz. Pflaumen Pfd. 3 5, 45 Pf. Getrocknete Karotten"d. 60" Julienne II........ Pfd. 60 Pf. Julienne 1......... Pfd. 80" Leipziger Allerlei. Pfd. 90 Pf. Steinpilze......... Pfd. 1.50 Backobst.....*«... Pfd. 30 Pf. Backobt...... Pfd. 40, 55 Pf. 4000 Pfund Renntierfleisch Rüchen Keule Blatt Ragout Ft. ph. l.oo 90 pt 60 p* 30»« la Kaninchen gestrei«................. stüch 90 1000 Ia. schwere Suppenhühner 1.85 2.oo 2.25 1000 la Brathühner l.eo l.so M Hähne 2.oo Ia Enten.............................. stach 3.25 S.so In der Fleischerei: L L Kalbfleisch Nr. 66. 26. Jahrgang. 2. Srilngf des Jotniirto" Knlim WIKsdlM Ittitnj, 19. Wrz 1909. StadtverordneteD'VerfaiDmlttng. 11. Sitzung vom Donnerstag, den 18. März. nachmittags b Uhr. Ter Vorstcher-Stellvertreter eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr. Es ist ein Schreiben bei chem Vorstand eingegangen, worin von zahlreichen Bürgern dem Stadt v. Hoffmann Dank gesagt wird für sein energisches Vorgehen gegen den Lehrer Holz. Für die Vertretung der Stadt in dem Vcrwalwngsstreitver- fahren wegen Kassierung der Wahl des Stadtv. Mugdan wird der Stadwcrordncte Geh. Justizrat Cassel bestellt. Die Versammlung setzt die Beratung des Stabthaushaltsetats für 1909 fort. Stadtv. Giese(A. L.) referiert über die Etats ,.W aisenbcr- w a l t u n g",..Fürsorgeerziehung". Arbeitshaus in Rummelsburg".„Städtisches Obdach, Desinfektionsanstalt II und Hilfsstation für Geschlechtskranke". Eine Diskussion wird nicht beliebt; sämtliche Etats gelangen en bloc zur Annahme. Das Referat über die Etats„Park- und Gartenver- w a l t u n g".„P o l i z e i k o st e n und Feuerlöschwesen", „Märkisches Provinzialmuseu m".„Statistisches A m t".„G e w e r b c g c r i ch t",„S t a d t b i b l i o t h e k", V o l k s. bibliothcken und Lesehalle n",„Militärange- legenheite n" erstattet Stadtv. Marggraff(soz.-fortschr.). Stadtv. Galland(A. L.) ersucht nochmals den Magistrat, recht bald eine Vorlage wegen Erbauung eines Stadtbibliothekgebäudes an die Versammlung zu bringen und tritt für die bessere Unter- bringung des Stadtarchivs und der Magistratsbibliothek ein. Bürgermeister Dr. Rcilke: Dem letzteren Wunsche wird tun- lichst entsprochen werden. Die Etats werden genehmigt. Referent des Etatsausschusses für die Etats„Gaswerke", „Straßenbeleuchtung",„S t r a tz e n r c i n i g u n g" und Besprengun g",.Gemeinde-Friedhöf e".„Standes. ä m t e r" ist Stadtv. L ö s e r(A. L.). Ein Antrag, den Mindest- lo-m der Arbeiter der Straßenreinigung auf 4 M. festzusetzen, ist von der Ausschußmehrheit abgelehnt worden. Beim Etat der Gaswerke bemerkt Stadtv. Singer(Soz.):' Durch die Zeitungen ist die Nachricht gegangen, daß bei den Gaswerken eine Unterschlagung von 70 000 Mark stattgefunden hat. Der Prozeß hat mit der Verurteilung des Angeklagten geendet. Wir haben ein lebhaftes Interesse, zu hören, wie bei den Gaswerken die Kontrolle beschaffen ist. Ich bestreite nicht, daß auch unter der schärfsten Ueberwachung Unter- schlagungen passieren können; aber die Frage liegt nahe, ob die Kontrolle so ausreichend ist, daß nach Möglichkeit derartige Unter- schlagungen vermieden werden. Wir wissen nicht, aus welchen Ein- zelbeträgen die große Summe von 70 000 M. sich zusammensetzt; Ivahrschcinlich hat eine große Anzahl von Einzelbeträgen dazu ge- hört. Finden Erwägungen statt in der Richtung auf erhöhte und verschärfte Kontrolle? Stadtrat Namslau: Der überaus betrübende Vorgang beruht auf Wahrheit. Wir haben auch Borsorge getroffen, durch schärfere Kontrolle Wiederholungen zu vermeiden, sind aber Betrügern ge- gcnüber ohnmächtig. Wir haben über 250 000 Gasabnehmer; aus dem Kataster derselben werden die Hebelisten hergestellt. Wir bekommen nun die Standaufnahmen aus den uiizelnen Häusern nicht gleichzeitig und regelmäßig; es ist in sehr vielen Fällen die Möglichkeit verschränkt, die Stände gleichmäßig aufzunehmen. Der Betrüger, der die Uebcrtragung aus dem Kataster in die Grundlage für die Rechnungen zu bewirken hatte, hat sich das zunutze gemacht, er hat sich selbst Rechnungen ausgeschrieben, sie mit falschem Stempel versehen, und ist persönlich zu solchen Ab- nehmern gegangen, die auf Treu und Glauben zahlten. Er hat dieses Verfahren jahrelang fortsetzen können; es kommen da Spe- ditionsgcschäfte, ein großes Postamt und andere große Abnehmer in Betracht. Er wäre jetzt noch nicht entdeckt loorden, wenn ihm nicht in einer seiner Rechnungen ein Additionsfehler von 100 M. passiert wäre; es wurde reklamiert, und da stellte sich es heraus, daß die betreffende Rechnung gar picht in der Hcbeliste stand. Jetzt haben wir 2 Personen eingestellt, welche die Aufgabe haben, die Kataster mit dem Vorbogen für die Hebelisten zu vergleichen. Etwas absolut Vollkommenes gibt es leider überhaupt in der Kon- trolle nicht. Stadtv. Singer: Die jetzt getroffene Worbeugungsmaßregcl hätte schon früher eingeführt werden können und sollen. Vielleicht wäre es auch cmpfchleiiÄverl. bei der Ausstellung der Quittungen 2 Personen fungieren zu lassen, damit die Sache nicht auf zwei Augen steht. Die Quittungen müssen von 2 Beamten unterschrieben und dies muß den Konsumenten bekannt gegeben lverden. Wie ist der Mann zu dem falschen Stempel gekommen? Hat er ihn sich machen lassen oder war es ein richtiger Stempel, den er nur miß- bräuchlich angewandt hat? In diesem Falle würde auch eine ge- wisse Nachlässigkeit zu konstatieren sein. Stadtrat Namslau: Die Kontrolle hat schon immer statt- gefunden; der Abteilungsvorsteher war dazu berufen. Aber da es sich um Millionen von Rechnungen handelt, mußte sich dieser auf Stichproben beschränken. Jetzt wird jede Rechnung kontrolliert. Mit den zwei Unterschriften wird nichts gewonnen, denn so gut wie eine Unterschrift sind auch zwei Unterschriften zu fälschen. Ter Betrüger hat sich einen falschen Stempel anfertigen lassen; die Äasjenstempel sind keinem Unbefugten zugänglich. Der Etat der Gaswerke wird en bloc angenommen. Stadtv. Goldschmidt(N.£.1 kommt beim Etat der Straßen- r e i n i g u n g auf den im Ausschuß abgelehnten Antrag zurück. Daß die Betreffenden sich„in guter Lage" befänden, wie die Aus- kunft des Magistrats lautete, könne man doch nur mit Einschrän- kung gelten lassen. In Nixdorf und Wilmersdorf seien die Be- züge und die Skala günstiger. Der Magistrat solle wenigstens die Skala aufbessern, so daß der Höchstlohn schneller erreicht würde. Die Straßenreiniger wünschten ferner bequemere Formen der Lohnzahlung und Beseitigung der weißen Drillichbeintleider im Sommer, zum mindesten für den Tagesdienst. Auch sollte die Urlaubszeit der Straßenreiniger günstiger gestaltet werden; nach zehnjähriger Dienstzeit sollte man 10 Tage gewähren. Unter den Abfuhrunternehmern besteht anscheinend ein Ring, der Magistrat solle eine Untersuchung eintreten lassen oder eine unbeschränkte öffentliche Ausschreibung veranlassen bezw. die Ueber» nähme in eigene Regie erwägen. Stadtv. Marggraff: Ich freue mich der ersten Anregung um so mehr, als die Freunde des Vorredners im Ausschusse dagegen gewesen sind.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Stadtv. Hintze(Soz.): Wir hatten schon in der Deputation, dann im Etatsausschuß beantragt, den Lohn auf 4 M., steigend bis zu 5 M. in Zwischenräumen von 2 Jahren, zu normieren. Im Etatausschuß stimmten Herrn Goldschmidts Freunde dagegen. Heute stellt er sich auf unfern Standpunkt, macht aber keine Probe aufs Exempel, da er keinen Antrag stellt. Wir haben von be- stimmten Anträgen abgesehen, weil wir keine Aussicht haben, bei der Stimmung der Mehrheit und des Magistrats auch nur einen Pfennig von Erhöhungen für die Arbeiter herauszudrücken.(Un- ruhe.) Für die Beamten sind IM- Millionen zurückgestellt für Ge- Haltserhöhungen, für die Arbeiter ist nicht ein Pfennig übrig. In der Markthallendcputatlon sind für die niedrigsten Beamten Lohnerhöhungen von 200— 400 M., für den Direktor sogar 1000 M. vor- gesehen, aber für die Arbeiter ist nichts geschehen. Ich bitte den Magistrat; eine Erhöhung der Arbeiterlöhne in Erwägung zu ziehen. Mit den weiteren Anregungen des Kollegen Goldschmiot bin ich einverstanden. Herr Goldschmidt halle nur früher unseren Wir Anträgen in bezug auf Urlaub sich anschließen brauchen� bleiben bei diesen Anträgen nach wie vor stehen. Kämmerer Dr. Steiniger: Die Anregungen wegen der Ur- laubszeit und der Beinkleider wird die Deputation gewiß nochmals prüfen. Billiger wird die Sache dadurch nicht, daß man für Tag und Nacht verschiedenfarbige Kleidung anschafft. Mit Ningbil- düngen muß man stets rechnen; die Maßnahmen, die man dagegen ergreifen kann, sind ergriffen. In den vergangenen Jahren haben wir ja ausschließlich für die Arbeiter gesorgt, es ist also nur die natürliche Konsequenz, daß wir jetzt auch zu den Beamten über- gehen. Stadtv. Pfannkuch(Soz.): Ich kann den Wunsch des Kollegen Hintze nur wiederholen, daß Herr Goldschmidt seine Fraktions- Mitglieder, die in der Deputation sitzeu. mit den beiden von uns, die dort Mitglieder sind, an einem SWmge zu ziehen veranlassen möchte. In anderen Städten werden die Strahenreinigungs- arbeiter noch besser bezahlt als bei uns; Berlin steht da keines- locgs an der Spitze. Der Kämmerer hebt hervor, daß die jungen Burschen mit 18 Jahren den Sprung auf 3,75 M. machen. Das wird erst jetzt durch den Etat eingeführt; bisher war es noch nicht so! Das ist zudem auch der einzige Fortschritt, den der ganze Etat für die Arbeiter enthält. In der Deputation wurde unser Antrag auf Erhöhung des Tagelohnes um 25, 20, selbst 15 Pfennig abgelehnt. Dl c Ferienzeit anlangend, bin ich der Meinung, daß ein Arbeiter, der ein volles Jahr in einem städtischen Berwaltungsbetriebe beschäftigt war, beab- sichtigt, dauernd in diesem Dienste stehen zu bleiben, daß er also nach einem Arbcitsjahr ebenso gut der Ruhe und Erholung bedürftig ist, als nach 5 Jahren. Im vorigen Jahr hat eine lebhafte Debatte über unseren Antrag auf Uebernahme solcher Betriebe in eigene Regie stattgefunden. Der Magistrat ist hinterher selbst auf den Gedanken gekommen, ob nickt oadurch der Ringbildung entgegen- gewirkt werden könnte; in 2 Abteilungen soll damit ein Versuch gemacht werden. Das Gute hat diese Anregung schon gehabt, daß die Abfuhrunternehmer ihre Forderung für die nächste dreijährige Periode um 20 000 M. jährlich ermäßigt haben, also schon das bloße Gespenst einer städtischen Regie hat dieses gute Resultat gezeitigt. Stadw. Goldschmidt: Auch die Sozialdemokraten führen hier in solchen Fragen oft das große Wort, während sie in den Deputa- tionen sich wie zahme Mäuschen verhalten. Den Urlaub für die Arbeiter schon nach einem Jahre einzufübren, lvar eine Unmöglich. keit; der Magistrat wäre nie dafür zu gewinnen gewesen. Mit meinem Antrag, den Urlaub nach 5 Jahren zu gewähren, habe ich seinerzeit das Erreichbare erreicht. Stadw. Rosenow(N. L.): Die Sozialdemokraten möchten jetzt unserem Kollegen Goldschmidt den Rang ablaufen.(Zuruf des Stavtv. Singer: Postillone!) Damit haben wir jetzt nichts zu tun. Wir konnten ein« einzelne Arbeiterkategorie bei diesem Etat nicht aus der Gesamtheit hevausgreisen. Wir sind deshalb in keiner Weise rückständig. Stadtv. Zhlicz(A. L.): Der Vorwurf des Kollegen Hintze gegen die Mehrheit der Versammlung und den Magistrat ist ganz un- gereckt. Stadw. Hintze: Seit 1901 hat man die Löhne der Arbeiter nur einmal, und zwar 1907, um 25 Pf. erhöht. Im vorigen Jahre sind alle unsere Anträge auf Lohnerhöhung glatt abgelehnt worden. Zahlreiche Beamtenkategorien haben dagegen in jener Zeit Auf- besscrungen erfahren, u. a. auch die Gehälter der Magistratsmit- glieder, der Kämmerer hat also mit seiner Deduktion durchaus unrecht. Wir brancken dem Kollegen Goldschmidt nicht den Rang abzulaufen, die städtischen Arbeiter wisien, was sie von Ihnen zu halten haben. Sie halten hier schöne Reden zum Fenster hinaus (Lachen), während Sie in den Deputationen unsere Anträge nieder- stimmen I Oberbürgermeister Kirschner: ES scheint mir nicht angebracht, einzelne Kategorien der von der Stadt Beschäftigten in dieser Weise gegeneinander auszuspielen. Die Beamtenbezüge müssen nach dem Vorgang von Reich und Staat aufgebracht werden, die Bezüge der Arbeiter haben in der ganzen Welt in der letzten Zeit keine Erhöhung, sondern einen Rückgang erfahren(Rufe: Leider!). Wir leben nicht allein in der Welt, sondern müssen alle diese Faktoren berücksichtigen. Stadtv. Pfannkuch: Ich habe ausdrücklich dargelegt, welche An- strengungen wir in der Deputation gemacht haben, um Lohn- erhöhungen für die städtischen Arbeiter durchzusetzen. Wir haben schließlich eingesehen, daß wir nichts mehr machen konnten. Ich begreife nicht, wie Herr Goldschmidt den Vorwurf erheben kann, w i r hätten keine weiteren Anträge mehr gestellt. Stadtv. Goldschmidt wird bei seiner Wortmeldung mit großer Unruhe empfangen. Er meint, die Sozialdemolraten seien offen- bar sehr empfindlich, wenn von anderer Seite Lohnverbesscrungen für städtische Arbeiter angeregt würden.(Lachen bei den Sozial- dcmokratcn.) Was an solchen Verbesserungen bisher erfolgt sei, wäre von der liberalen Mehrheit der Versammlung aus ins Werk gesetzt.(Oho!) Der Etat der Straßenreinigung wird angenommen. Bei dem Etat der Gemcindefriedhöfe führt Stadtv. Leid(Soz.) unter großer Unruhe der Versammlung, die durch zahlreiche Privatgespräche hervorgerufen wird, schwer ver- ständlich aus: In den Bestimmungen für unsere Gemeindefried- Höfe ist gesagt, daß die Pflege der Gräber nur von den Angehörigen selbst oder von Friedhofsangcstclltcn versehen»"erden kann. Diese Bestimmung hat zu einem Vorfall Anlaß gegeben, der sich auf dem alten Cckaritefriedhof in der Müllerstraße ereignete und auch vor einem Monat Gegenstand einer Gerichtsverhandlung wurde. Es handelt sich um zwei alte Leute, die unter Anklage standen, nieil sie aus Nächstenliebe ein Nachbarqrab begossen hatten. Es soll eine gewaltsame Entfernung der Betreffenden vom Kirchhof stattge- funden haben, wobei der Inspektor höchst ungehörige Aeußerungen getan hat. Akiren diese Maßnahmen in der Tat notwendig? Nach einem anderen Zeitungsbericht hat der Inspektor sich durchaus un- gebührlich benommen, sie von dem Kirchhof verwiesen und die Klage wegen Hausfriedensbruch angestrengt. Es ist zwar vom Gericht in diesem Falle Hausfriedensbruch nicht angenommen worden, aber doch eine Bestrafung mit 10 M. verhängt. Solche Vorkommnisse müssen sich vermeiden lassen, wenn die Kirchhossordnung rcvidiext wird. Ein Mann von 72 und eine Frau von 67 Jahren dürfen nicht wegen solcher Sachen auf die Anklagebank aeschlcppt werden. Der Magisttat ist doch auch dazu da, das Publikum gegen Ueber- griffe der Beamten zu schützen. Oberbürgermeister ktirfchner: Ich bin nicht in der Lage, mich auf diese Mitteilungen, die auf Zeitungsnachrichten beruhen, zu äußern. Ich möchte manches Vorgebrackte in Zweifel ziehen, aber ich sage eine Untersuchung zu. Was die Stellung des Strafantrages betrifft, so hat mir die Sache nickt vorgelegen; wir können aber den einzelnen Beamten, wenn er sich beleidigt fühlt» rechtlich nicht daran hindern, klagbar zu lverden. Stadw. Bitterhoff(A. L.): Ich kann als fiürator des Friedhofes mitteilen, daß das Vorgetragene nicht ganz mit den Tat- fachen übereinstimmt.(Hört! hört!) Die Instruktion sagt aus- drücklich, daß das Begießen fremder Gräber verboten ist. Der Hauptgrund für die Entfernung war aber der unerhörte Skandal, der dadurch hervorgerufen wurde. Daß da ungehörige Worte seitens des Inspektors gefallen sind, muß ich ganz entschieden bestreiten. Er hat den Mann gebeten, die Frau zu beruhigen und lieber den Friedhof zu verlassen, besonders kein Aufsehen zu erregen. Darauf tyat der Mann noch mehr Skandal gemacht und seiner Frau aufs lebhafteste sekundiert, worauf der Jnspckwr von seinem Hausrecht Gebrauch machte. Die gerichtliche Verhandlung hat ja alles auf- geklärt. Das provokatorische Verhalten der Besucher ist der Grund für solche Auftritte. Stavtv. Leid: Im allgemeinen mag eS ja nützlich sein, vorher dem Magistrgt von der beabsichtigten Erörterung irgend welcher Vorfälle Mitteilung zu machen. In diesem Falle ist es nicht ge- schehen, weil der Bericht über die gerichtliche Verhandlung durch die gesamte Presse gegangen ist. Ich habe mein Material auf Grund des gerichtlichen Verhandlungsberichts vorgetragen, der aus der als durchaus objektiv ancrkamiten Korrespondenz Thiele herrührt. Die Zeugen haben doch unter ihrem Eide dasjenige bekundet, was ich vorgetragen habe, während Herr Bitterhoff sich lediglich auf den Inspektor stützt. Der Etat der Eemeindcfricdhöfc Wird genehmigt, ebenso der- jemge der Standesä;ntcr. Stadtv. Leid tSoz.) referiert namens des Ausschusses über den Personalbesoldungsetat und den Etat„V er- waltung der Dienstgcbäude" und der außerhalb derselben gelegenen Bureaus, folvie über die Etats„Geschäftsbcdürf- n i s j e und P r o z c ß k o st e n" und„P e n s io n e n, Witwen- Pensionen und Unterstützungen". Stadtv. Dr. Friedemann(soz.-fortschr.) verlangt Maßnahmen des Magistrats zur Kontrolle sämtlicher auf die städtische Ver. waltung bezüglichen Prozeßnotizen, damit cvcnt. sofort Richtig- stellungen bewirkt werden können. Die erwähnten Etats werden genehmigt. Ueber die Etats der„Wasserwerke" und der„Kanali» sationswcrke und�Güter Berlins" referiert Stadwerord- netcr Sasse nbach(Soz.). Mit 8 gegen 5 Stimmen ist im Ausschuß ein Antrag zur Annahme gelangt, den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, durch welche eine angemessene Erhöhung der Ka na I i so t io nsgebüh r bis zur Höhe von 2 Proz. ab 1. April 1910 herbeigeführt wird. Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Die Frage der Arbeitszeiwerkür« zuna ist bei den Wasserwerken für eine Kategorie von Wasser- werksarbcitern, die Kolonnenarbeiter, durch Einführung des Neun- stundentages gelöst worden. Dadurch ist eine unhaltbare Unstimmig- keit cittstanden. Wenn Arbeiier aus den Werkstätten usw. in die Kolonne geschickt lverden, müssen sie eine Stunde länger arbeiten; auch kommt eventuell der Abzug eines Stunoenlohns vor, der für die Kolonncnarbciter nicht mehr eintreten kann. Die Verwaltung sollte den Neunstundentag allgemein durchführen.— Vor etlva 4 Wochen sind 80 Arbeiter entlassen worden, die zum Teil schon 10— 15 Jahre beschäftigt waren. Die Entlassung sollte zurückzu- führen sein auf eine Straßenbaupolizeiverfügung, wonach in einer gewissen Zeit des Winters das Pflaster nicht aufgerissen werden dürfe. Meinen Bemühungen gelang es, die Entlassung rückgängig zu machen; aber solche Dinge sollten doch in den städtischen Be- trieben überhaupt vermieden werden. Der Etat der Wasserwerke wird genehmigt. Hierauf werden einige kleinere dringliche Vorlagen vorWg- genommen. Sodann lehrt die Versammlung zur Etat- beratung zurück und wendet sich zum Etat der K a n a l i s a- tionswcrkc. Es ist eine Petition eingelaufen, welche auf die Ablehnung der Ausschußresolution ivegen Erhöhung der Kanalisa- tionöabgadc auf 2 Proz. gerichtet ist. Stadtv. Iben(A. L.) kann nicht absehen, welcher Anlaß vor- gelegen haben mag, in dem Ausschusse mit einem solchen Antrag zu kommen. Die Erhöhung bedeute eine um so ungerechtere und einseitigere Belastung der Hausbesitzer, als der Etat ja balanziere. Stadtv. Galland: Ein Teil meiner Freunde ist durchaus be- reit, für die Resolution im Sinne des Kommunalabgabengesetzes zu stimmen. Stadtv. LandSberg(A. L.) ersucht im Interesse der Gerechtiq- keit um Ablehnung der Resolution. Nicht das 1 Proz. Haus- besitzer, sondern die 2 Millionen Berliner hätten den Vorteil von der Kanalisation. Die Kanalisation sei auch keineswegs billig; die Tätigkeit der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer be- züglich der Müllabfuhr sei daneben nicht zu übersehen. Stadtv. Jacobi(A. L.): Schon 1894 hatte der Magistrat 2 Proz. beantragt, und ich habe schon damals dafür gestimmt. Auf diesem Gebiete führt es zu nichts, Prinzipien zu reittn. Bis Ende der vierziger Jahre hatten die Hausbesitzer auch die Strahenreinigungs- Pflicht. Gegenüber einer Erhöhung der 100 Proz. kann doch diese Maßnahme nicht anders denn als das kleinere Hebel betrachtet lverden. Auch die Steuerpolitik der Vororte muß uns eine solche Maßregel als klug und deshalb akzeptabel erscheinen lassen. Stadtv. Haberland(A. L.): Der Vorredner arbeitet mit sehr billigen Gemeinplätzen. Wilmersdorf nimmt nur l�h, Charlottenburg etwa 1% Proz., Steglitz nur 1 Proz., Friedenau aller- dings 2 Proz. Auch die Straßenflächen Berlins sind kanalisiert; die Kosten dafür kann man doch nicht den Hausbesitzern auferlege»; das würde die SIegierung gar nicht genehmigen.(Zurufe: Ab- warten I). Stadtv. Borgmann(soz.): Vom Standpunkt der Gerechtigkeit bitte ick um Annahme der Resolution. Durch Herrn Kollegen Lelndscerg bin ich ganz neu dahin belehrt worden, daß die Kanali- sation ganz selbsttätig funktioniert, daß man da nur auf einen Knopf zu drücken braucht, daß der Inhalt der Röhren ganz von selbst nach den Pumpstationen und von da nach den Rieselfeldern gelangt(Heiterkeit). Die Kosten für die Abfuhr nach dem Muster der Müllabfuhr würden viel teurer sein als die Äanalisations- gebühr. Das Verlangen nach Erhöhung der 1� Proz. ist nicht neu. Nach der Lvanalisicrung ist der Wert des Grund und Bodens von Berlin ganz bedeutend gestiegen, und die Hausbesitzer haben diesen Vorteil ruhig eingesteckt; die Erhöhung der Gebühr ist nur ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit. Der Hinweis auf die Vororte verfängt nicht und daß die Abwälzung auf die Mieter möglich ist, hat Herr Habcrland selbst ausgesprochen. Es kommt auch in Be- tracht, daß auf diesem Wege von den zahlreichen großen Grund- stücken der öffentlichen Verwaltung ein höherer Betrag heraus- zuholen ist.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Dr. Preuß(soz.-fortsckr.): Zweifellos liegt die Kanali- sation im öffentlichen Interesse; aber die Erfüllung desselben drückt sich aus in der Steigening der Grundwette und in der Erhöhung der Mieten.(Lebhafte Zustimmung). Die Vorteile, die der Konflux der Bevölkerung mit sich bttngt, schlagen sich immer wieder nieder in der Erhöhung der Grundrente. Die Zukunft wird uns wohl neben der Erhöhung der KanalisationZ« gebühr auch die der Realsteuern bringen. Wir werden übrigen? einander nicht überzeugen. Damit schließt die Diskussion. Der Etat der KanalisationZ- werke wird genehmigt. In n a m e n t l i ch e r Abstimmung gelangt die Ausschutzresolution mit 63 gegen 29 Stimmen zur Annahme. Stadtv. GSroldt(fr. Fr.) erstattet das Referat über die Etats . Viehmarkt".„Schlachthof".„Fleischbeschau". „Markthallen",„Hafen- und Speicheranlagen", „Straßenbahnen",„FleifchvernichtungS- und Ver- wertungSanftalt Rüdnitz". Ohne jede Debatte werden diese Etats genehmigt. Vor der Beratung über die Vorlage betreffend die Vermehrung der etatsmäßigen Stellen lverden die Verhandlimgen gegen'/,10 Uh' abgebrochen. Sozialem Tie ärztlichen Terroristen. Ter Leipziger Verband der Acrzte hatte seine ganze Hoff- nung darauf gesetzt, daß, wie vor fünf Jahren, auch diesmal die Regierung die Kölner Krankenkassen mit gebundenen Händen den organisierten Acrzten ausliefern werde. Die„Leipziger" glaubten, sie brauchten nur wieder wie 1904 den„Notstand" in der ärztlichen Versorgung der Versicherten künstlich herbeizuführen oder gar einen solchen Notstand nur zu behaupten, und die Regierung X Serbe apportiereir. Zu ihrer Ueber raschung mußten die Herren erleben, daß der Kölner Krankenkassenverband am 1. Februar, dem Tage des Beginnes des Acrztestreiks, nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch qualitativ völlig ausreichend mit Aerztcn versehen war, die sich den Kassen durch langjährige Verträge vcr. pflichtet hatten. Der Spott über die„Aerztlinge" der„Kassenhetzer" und..Selbstverwaltungsduodezfürsten", wie das„Aerzt- liche Vereinsblatt für Deutschland" so schön schrieb, mußte ver- stummen. In Köln war ein Notstand beim„besten" Willen nicht zu konstruieren, trotz der kleinen Besch Werdefabriken, die einzelne A e r z t e angelegt hatten und worin sie von ihnen selbst ausgeheckte Klagen über die ärztliche Versorgung der Kassen- Mitglieder durch harmlose Leute unterschreiben oder abschreiben ließen. Die Aufsichtsbehörde unterbreitete aber die Beschwerden den zuständigen Kassen und diese konnten durchweg nachweisen, daß die Beschwerden der tatsächlichen Grundlage entbehrten. Für die Stimmung unter den Versicherten, denen die„Leipziger" die „Wohltaten" der sogenannten freien Arztwahl gewaltsam ver- schaffen möchten, ist es charakteristisch, daß diesmal nicht einmal die dreißig Unterschriften zusammengekommen sind, deren man vor allem bedurfte, um ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde zu veranlassen. Auf Grund dieser Erfahrungen warf sich der Leipziger Aerztc- verband auf die Orte des Landkreises Köln. Der Sekretär des Verbandes kam eigens von Leipzig nach Köln und versuchte persönlich, die Landärzte zum Vertragsbruch zu ver- leiten: sie sollten den in den Landorten ansässigen Mit- gliedern der Kölner Kasten, die an die dortigen Kasten auf Grund deS Z 67a des KrankenversicherungSgesetzeS überwiesen wurden, die ärztliche Behandlung verweigern, obwohl sie zur Behandlung verpflichtet sind. Die Krankenkasten wandten sich beschwerdeführend an die Negierung, und diese erließ Rundschreiben an die Land- räte und Bürgermeister, worin auf die gesetzliche Verpflichtung der Behandlung überwiesener Versicherter hingewiesen wurde. Der Dezernent der königlichen Regierung zu Köln, Rcgierungsrat Reinbot he, besuchte, da die Angelegenheit eilig war, selbst eine Reihe ländlicher Kaisenvorsitzender und Aerzte auf, um die Sache in Ordnung zu bringen. Dennoch wurds eine Anzahl der ländlichen Kastenärzte vertragsbrüchig, und so schwebt bei dem Kölner Landgericht bereits eine Reihe je SOOt) M. übersteigender Schadenersatzprozesse von Kassen- vorständen gegen Aerzte, die die Behandlung der überwiesenen Kranken verweigert haben. Die Haltung der Regierung, die im Gegensatz zu lS04 neutral und lediglich auf die Respektierung des Gesetzes durch Kassen und Srzte gerichtet ist, löste wahre Wutansälle bei'den„Leipzigern" s. In seiner Nr. 10 schrieb das offizielle Organ des Deutschen Aerzteverbandes, die„Aerztlichen Miteilungen", unter anderem: „Dem königlichen preußischen Regierungsrat R e i n b o t h e wäre es gewiß herzlich zu wünschen, wenn er von den Strapazen seiner Kölner Landfahrten an eineni beschaulichen Plätzchen im stillen Osten der preußischen Monarchie sich erholen könnte." Der Kölner Regierungspräsident Dr. Stein- meister, der seinen Regierungsrat vollständig deckte, wurde von dem Organ des Leipziger Verbandes wie folgt bedroht:„Der Herr Regierungspräsident sollte vorsichtiger sein. Sein Erlaß wird in die öffentliche Erörterung gezogen, und preußische Regierungspräsidenten stehen nicht so fest, daß nicht öffentliche Erörterungen sie um- werfen könnten. Der Herr' Regierungspräsident von Köln mag sich darüber bei seinem ehemaligen Kollegen in Schleswig erkundigen. Auch auf der Kreishauptmannschaft in Leipzig kann er erfahren, ob man dort das Jahr 1904 als angenehme Er- innerung gebucht hat. Möge er sich ähnliches er- sparen; wir meinen'? gut mit ihm." Inzwischen haben die Herren tonn eingesehen, daß ihre Hoff- nungen auf die Abschlachtung der Kölner Regierungsvertreter sich wohl nie erfüllen werden. Sie fahren deshalb in der neuesten Nummer der„Aerztlichen Mitteilungen" Kanonen auf. deren Lauf sich direkt nach Berlin richtet. Das genannte Blatt schreibt:„Wenn die Regierung nicht die Schuld auf sich nehmen will, den Kölner Kampf zu einem Berwüstungskampf zwischen Aerzteschaft und Staat zugeschärft zu haben, so mögen sie schleunig st(!) ihre Kölner Organe in die Schranken zurückrufen.... Denn eine durch Regierungs- maßnahmen herbeigeführte Niederlage der Kölner Aerzte würde keinen Tag praktische Realität gewinnen. Sie würde nur das Signal für die deutsche Aerzteschaft sein, alle Rücksicht fallen zu lassen und für ihre seit einem Jahrzehnt hartnäckig überhörten Forderungen auf der ganzen Linie das Ultimatum zu stellen." Wir wüßten nicht, wo die ostelbischen Agrarier in einer solchen Weise aufgetreten wären, wie es hier die Führer des Leipziger Aerztevereins tun. Die Agrarier sind zwar auch recht häufig bis an die Grenzen deS strafreckstlichcn Nötigungsversuchs gegen Beamte gegangen. Aber so unverblümte strafrechtlickze Nötigungsversuche gegen Beamte blieben den ärztlichen Terroristen vorbehalten. Arbeiterwohnungen und OrtSkrankenkasse. Eine Schlappe hat sich der reaktionäre Stadtrat in Gera vnter Führung des Oberbürgermeisters Dr. Huhn im Kampfe gegen die Ortskrankenkasse und den Bau von Arbeiterwohnungen zu- gezogen.'Die Sache ist folgende: In der Vorortgemeinde Unterm- haus herrscht schon seit Jahren ebenso wie in der Stadt Gera ein ganz empfindlicher Mangel an Arbeiterwohnungen. Eine An- zahl Arbeiter beschloß deshalb, zum Bau von Häusern mit Ar- beiterwohnungen zu schreiten. Der Vorstand der OrtSkrankenkasse der Stadt Gera hat hierzu beschlossen, aus Mitteln des Reserve- fondS Hypotheken in der gesetzlich zulässigen Höhe herzugeben, da die Kaste an dem Bau gesunder Arbeiterwohnungen interessiert sei. Der Stadtrat in Gera als vorgesetzte Behörde in- hibierte aber diesen Beschluß des Kassenvorstandes als ungcsetz- lich! Der Bezirksausschuß gab dem Stadtrat recht, nicht, weil dqr Beschluß des Vorstandes ungesetzlich sei, sondern weil „es sich bei dem Bau der Häuser um kleine Leute handle". Erst das M i n i st e r i u m hat die Beschlüsse deS Stadtrats wie des Bezirksausschusses über den Hänfen geworfen und entschieden, daß der Beschluß des Kassenvorstandcs nicht ungesetzlich, und es zu- lässig sei, daß innerhalb dqr gesetzlichen Sicherheit die Gelder der OrtSkrankenkasse als Hypotheken ausgeliehen werden können. Die Beschlüsse'des Stadtrates und des Bezirksausschusses zeigen so recht die sozialpolitische Rückständigkeit dieser Körperschaften, zu- gleich aber auch, wie leicht„man" es sich bei Eingriffen in das Selbstverwaltungsrccht der Krankenkassen macht. Der NiichtcrnhcitsreverS. Einen originellen Revers hat sich der Fuhrunternehmer Fric- brich Z. von seinem Expedienten ausstellen lassen, wie sich in einer gestern vor dem Berliner Kanfmaiinsaericht stattgehabten Verhandlung ergab. F. war dem Alkohol etwas mehr zugetan, als ihm zuträglich war, denn er kam öfter in allzu animierter Stimmung ins Geschäft. Der Chef ließ sich schließlich einen Re- Vers ausstellen, daß F. in seine sofortige Entlassung willige, wenn er sich noch einmal betrinke. Nach wenigen Tagen bat der Expe- dient himmelhoch den Prinzipal, er möge ihm doch den Revers zurückgeben, er werde sich auch ohnedies nie wieder betrinken. Der Chef vernichtete auch den Revers, aber bald darauf hatte F. eiuen Rausch, von dem er sich nach drei Tagen noch nicht erholt hatte. Er wurde nunmehr entlasten, und der beklagte Prinzipal beruft sich auf den jetzt allerdings nicht mehr vorhandenen„Nüchternheits- revers". Das Gericht wies den Kläger ab. Das unentschuldigte zweitägige Fehlen genügte— auch ohne den Revers— zur sofortigen Entlassung._ Städtische Arbeitslosenunterstützung. Tie Stadtverordneten Ohligs(Westdeutschland) beloilligten in ihrer letzten Sitzung— 16. März— weitere 40 000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen, nachdem der bewilligte Kredit von 60 000 Mark für die Beschäftigung der Arbeitslosen erschöpft ist und be- reits 20 000 M. ausgegeben wurden, aber die Arbeitslojigkeit iwch immer anhält._ Vom Nictzbrauchßßcht bei Stadtverordnetenwahlen. Der Volksheilstättenverein zum Roten Kreuz besitzt in Lhchen in der Mark größere Besitzungen. Der Verein ließ das Nießbrauch- recht eines seiner Gebäude auf seinen Chefarzt, den Stabsarzt a. D. Dr. Pannwitz, grundbuchlich eintragen, damit er als Hausbe- sitzer(bezw. Nießbraucher) bei der am 17. November 1907 statt- findenden Stadtverordnetcnwahl in der ersten Abteilung gewählt werden könne. Dr. Pannwitz wurde mit 7 gegen 5 Stimmen gewählt. Nach vergeblichem Einspruch bei der Stadtvcrordnetenver- sammluiig klagte u. a. der Fabrikant Lindstädt auf Ungültigkeit der Wahl. Der Bezirksausschuß zu Potsdam erklärte auch die Wahl für ungültig. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte am Dienstag das Urteil des Bezirlsaiisschustes aus folgenden Gründen: Dr. Pannwitz sei nicht Hausbesitzer(Nießbraucher usw.) im Sinne des Gesetzes. Der Senat sei zu der Ueberzeugung ge- laugt, daß die grnndbuchliche Eintragung hinsichtlich des Rieß- brauchrechtö nicht in der Absicht erfolgt fei, dem Herrn Dr. Pann- Witz ein wirkliches materielles Nießbrauchrecht einzuräumen, son- dcrn nur um Vorschriften zu erfüllen, die von dem Verein als mehr formaler Natur angesehen worden seien. Wenn er wirklich einen Nießbrauch an dem Garten und an den Bäumen habe, so genüge daS nicht. Es müsse ein Nießbrauch an einem Hause sein. Und daß ihm der in Wirklichkeit nicht habe eingeräumt werden sollen, gehe daraus hervor, daß das Gebäude zu anderen Zwecken diente und das rechnerische Aufkommen daraus anderweitig verwendet werden sollte. Somit sei die Wahl ungültig. Hud der Frauenbewegung. DaS weibliche Geschlecht in der Landwirtschaft. Bei der letzten Berufszählung ist für die Landwirtschaft auch eine Gruppierung nach Eigentümern, Pächtern, Beamten und Lohn» arbeiten! vorgenommen worden. Eine Gruppe A umfaßt in drei Abteilungen: 1. Eigentümer und Miteigentümer. 2. Pächter und Erbpächter. 3. Leitende Beainte und sonstige wirtschaftliche Betriebs- leiter. Da bei der Zählung von 1895 diese Gliederung nicht durch- geführt worden ist, sind Vergleiche im einzelnen über die eingetretenen Verschiebungen nicht möglich, sondern nur für die Gruppe A insgesamt. In einer Gruppe B findet man diese Gliederung: 1. Wirtschoftsbeanite, 2. Anfsichtspersonal, 3. Rechnungs- und Bureaupersonal. Eine Gruppe C umfaßt folgende Abteilungen: 1. Erwerbstätige Familienangehörige, 2. Knechte und Mägde, 3. Landwirtschaftliche Arbeiter und Tagelöhner, welche eigenes oder gepachtetes Land bebauen, 4. Landwirtschaftliche Arbeiter und Tagelöhner, welche kein eigenes oder gepachtetes aber sonstiges Land bebauen und 5. landwirtschaftliche Arbeiter und Tagelöhner, die kein Land bebauen. In der nachfolgenden Aufstellung haben wir die Abteilungen 3, 4 und 5 der Gruppe C und zu den einzelnen Gruppen die Zahlen aus den landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben zusamnien» gestellt. Von den zur laudwirtschaftlichen und gärtnerischen Bevölke- rung Gehörenden wurden danach als Erwerbslätige gezählt— Er- werbstätige im Hauptberuf und Dienende im Haushalt der Erwerbs- tätigen: Eigentümer, Miteigent., 'Pächtern. Be- tnebSleiter• Wirtichafts- beamte (Gntsverw., Jnspektvr.zc.) auch Volant. Aufsichtspers. (Gutsaufseh., Hofmeister, Vögte usw.) RechnungS- u. Bureauperf. Famil.-Angeh. lätigi. Hans- halr oder der Wirtschaft d. Haushalt.- Vorstandes. Knechte Magd. Geh.n.Lehrl. Landwirtfch. Arbeiter, Tagelöhner, geiverbliche Hilfsarbeiter weiblich 1895 1907 412 751 16 800 1576 370 445 682 362 081 530269 280 035 11470 2 487 männlich 1895 1907 l 220 3281 173 400 691 1 595 301 338 731 602 007 Die Zusammenstellungen la 23 647 22 303 2145 610 661 630 733 346664 23114 20747 3102 661 962 449 785 847 696 Zllnahme+. Abnahme— in Prozent weibl. männl. - 32 - 32 -I- 57 -f 86 +258 + 12 + 18 12 — 22 -7,4 + 53 + 10 - 30 + 0,1 sen folgendes erkennen: Die Zahl der Besitzer. Pächter und leitenden BetriebSbeamten ist gesunken. Von dem Rückgang fällt der überwiegende Teil auf das weibliche Geschlecht. Dasselbe gilt von den Wirtschaftsbeamten. Auch hier ist daS weibliche Geschlecht der Hauptleidtragende bei der ein- getretenen Personalverringerung. Jedoch ist in bezug auf die erste Gruppe zu bemerken, daß die Verschiebung vorwiegend bei den Dienenden für den häuslichen Berus eingetreten ist. Da» mämi- licde Geschlecht ist hier mit einem Rückgänge von 6585 auf 2953 beteiligt, während für daS weibliche Geschlecht sich eine weit stärkere Abnahme ergibt, nämlich von 224170 auf 104 357. Ueberhaupt übt der Rückgang in dieser!Bcrnfökategorie auf alle Resultate eine» gewissen Einfluß auS. Bei der relativ sehr großen Zunahme des Bureaupersonals ist das weibliche Geschlecht etwas ün Vorteil gegenüber dem männlichen Personal. Eine enorm« Differenz findet man bei der Gruppe: Familienangehörige, tätig im Haushalt oder in der Wirtschaft des Haushaltungsvorstandes. Den Zuwachs von weit über eine Million stellt fast vollständig das weibliche Geschlecht. In der Hauptsache dürfte die starke Zu- nähme der Beschäftigung von Familienangehörigen auf die Land- flucht der Landproletarier. zurückzuführen sein. Diese kommt auch bei den nächsten Angaben in Erscheinung. Die Zahl der Knechte und sonstigen ländlichen männlichen Arbeiter hat stark abgenominen. Trotz einer Personalzunahme in den gärtnerischen Betrieben ergibt sich insgesamt doch noch ein erheblicher Rückgang. Dieser ist nur teilweise durch Vermehrung des weiblichen Personals ausgeglichen worden. Leseabende. Erster Wahlkreis. Freitag, 19. März, 8'/., Uhr. bei Sieber, Sehdel- straße 30. Vortrag:„Ferdinand Laslalle". Dritter Wahlkreis. Freitag Gewerkschaftshaus, linier Seitenflügel 3 Tr., Saal der Handels- und Transportarbeiter. Rixdorf. Für den 1.-5. Bezirk bei Rößler, Weserstr. 17/18; für den 6.-10. Bezirk bei Kasper, Richardstr. 35; für den 11. bis 15. Bezirk bei Schröder, Nogatstr. 33/34; für den 16.— 20. Bezirk bei Hoppe, Hennannstr. 49. Versammlungen— Veranstaltungen. Rixdorf. Dienstag, den 23. März, bei Hoppe, Hermannsir. 49: Oeffentliche Franenverfammlung. Vonrag:„Die Frau im politischen Kampfe". Genossin Friedländer. Versammlungen. Max Grunwalds Borträge. Die Vorträge über das Erfurter Programm, die Genosse G r u n w a l d vor der 7. und 8. Abteilung des Wahlvcreins des sechsten Kreises hielt, fanden am Montag ihren Abschluß. Zu allen drei Vorträgen fanden sich die Genossen und Genossinnen von Moabit zahlreich in den„Prachtsälen Nordwest" ein, und der Vortragende fand stets eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft.— Gemäß einer Ankündigung am letzten Vortragsabend ging er diesmal auf die Konzentration des Kapitals in der Landwirtschaft zunächst näher ein. In den Parteidtskussionen nahm diese Frage oftmals schon einen breiten Raum ein. Man hat aus den Statistiken von 1895 bis 1907 geschlossen, daß die Marxschen Berechnungen wohl für die Industrie, nicht aber für die Landwirt- schaft zutreffend seien, da in der Landwirtschast die Klein- und Mittelbetriebe sich zahlenmäßig vermehrt haben. Dabei sind nun aber zwei Faktoren von Wichtigkeit zu berücksichtigen, nämlich die Methode der Statistik und die k ü n st l i ch e Hern- mung der natürlichen EntWickelung in der Landwirtschaft, indem die Gesetzgebung ihren Einfluß geltend macht, um bestimmte Ver- Hältnisse herbeizuführen. Die Methode der Statistik ist nicht ein- wandfrei, wo man die Betriebe einfach zählt, ohne zu untersuchen, ob und wie weit sie überhaupt zur Landwirtschaft zu rechnen sind. So hat man in Massen die kleinen Gemüsegärten bei den Groß- städten als landwirtschaftliche Betriebe aufgenommen, obgleich sie als solche doch kaum ins Gewicht fallen. Eine künstliche Hemmung in der EntWickelung ist einmal durch die Zollgesetzgebung zu- gunsten der Agrarier entstanden. Die Züchtung von Vieh, der Anbau von Gemüse ist für zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe lohnend geworden, so daß sie sich halten oder auch vermehren konnten. Ferner hat man durch die sogenannte Nationalisierung des Ostens, durch den Kampf gegen das Polonium viele gro�e Güter aufgekauft und in Klein- und Mittelbetriebe zerschlagen, die man begünstigte durch Gewährung niedriger Zinsen für die Hypotheken, durch geringere Pachtforderungen, durch Anlage von Chausseen und dergleichen. So hat man künstliche Faktoren in die natürliche EntWickelung hineingetragen, die dadurch gehemmt wurde. Aber auch dann, wenn die Landwirtschaft noch nicht den EntwickelungStendenzen folgt, die wir in der Industrie be- obachten, so ist dies kein Beweis gegen die Theorie von Marx, der kein bestimmtes Tempo für die EntWickelung angegeben hat. Im Feuer der Agitation für unsere Sache werden manchmal die Hoff- nungen an Stelle der Tatsachen gesetzt. Die Tatsachen folgen für manchen zu langsam nach, aber sie gehen ihren Gang. Die Eni- Wickelung zum Großbetriebe in der Landwirtschaft ist zum Bei- spiel beim Getreide- und Körnerbau ganz unverkennbar, weil der Großbetrieb sich hier als die einzig mögliche und vorteilhafte Methode für heutige Verhältnisse erwiesen hat. Darüber find sich sogar alle bürgerlichen Oekonomen einig. Der Vortragende erläuterte weiter die einzelnen Absätze im theoretischen Teil des Erfurter Programms und zeigte, wie der Kampf der Arbeiterklasse gegen die herrschende Gesellschaft immer erbitterter werden mutz. Man kann die Arbeiter nicht täuschen mit einer Sozialpolitik, von der man wohl weiß; daß sie ebensowohl im Interesse der Unternehmer als der Arbeiter durchgeführt wird. Man sieht den Sturm kommen, man fürchtet die stetig wachsende Opposition der Arbeitermassen und greift zu BeschwichtigungS- mittel». Der Redner verweilte bei den Krisen, die immer gc- waltiger auftreten und furchtbar den ganzen Weltmarkt erschüttern. Sie liefern den Beweis, daß die Produktivkräfte der Gesellschaft über den Kopf gewachsen sind, wie das Erfurter Programm mit Recht sagt. Die Arbeiter stellen ihre Forderungen auf; sie ver- langen, daß die Arbeit nicht nur durch die Gesellschaft, sondern auch für dieselbe geleistet werde. Die Arbeit ist heute schon in ihrem Produkt das Resultat gemeinsamer gesellschaftlicher Tätigkeit, das sich der Privatkapitalist aneignet zum Schaden der Gesellschaft. Großartige Möglichkeiten, mehr und reicher zu pro- duzieren, bleiben heute unbenutzt, weil dem Privatkapitalismus der Prosit alles gilt, weil die Wohlfahrt und die Bedürfnisse der Menschen für ihn nicht ausschlaggebend sind. Wie der Kampf der Arbeiterklasse notwendig ein politischer sein mutz, legte der Redner weiter dar und erklärte, daß den Arbeitern die politische Gleich- berechtigung zugestanden werden mutz, wenn sie gesetzliche Wege zu ihren Zielen gehen sollen. Werden die gesetzlichen Wege von den Machthabern abgeschnitten, so müssen sich die Arbeiter andere Wege suchen. Darum hatten sie aus dem Gothaer Programm das Wort„gesetzlich" gestrichen, weil man mit Ausnahmegesetzen die Arbeiterbewegung ersticken wollte.— Zusammenfassend erklärte der Redner zum Schluß, daß es sich im Erfurter Programm um zwei Hauptsachen handele, um die Darlegung der gegenwärtigen und zukünftigen EntWickelung der Dinge im wirtschaftlichen Leben und um die Aufklärung der Massen, aller abhängigen Existenzen, darüber, daß im Sozialismus ihre Erlösung liegt. Diese Aufklärung ist so schwierig, weil wir sie nicht ungehindert betreiben dürfen, weil Staat und Gesellschaft uns bitter be- kämpfen, weil wir mit einem mächtigen Gegensatz in Staat und Gesellschaft zu tun haben. Allen Parteien stehen wir im Kampfe gegenüber; wir gelten allen als die Ilmsturzpartei, die alles zer- stören und vernichten will, während wir eifrig bestrebt sind, alle Kräfte der Gesellschaft zusammenzufassen, um bauen zu können, aufzubauen für alle in der Gesellschaft, zur Wohlfahrt und zum Besten aller.(Lebhafter Beifall.) Zahlreiche Fragen wurden dem Redner zum Schluß noch vorgelegt, die er eingehend beantwortete.— Der Vorsitzende hielt dann eine kurze Ansprache, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Vorträge befruchtend auf die Agitationsarbeit in der Partei wirken werden, indem die Hörer weiter tragen und auS- nutzen, was sie durch die Vorträge gewonnen haben. Brnffeaftcn der Redahtion. Inrlfttfifit SvrrchNiind« flnve» Sinbtnftrntye VJr. S,»IBtttet vof. driller EI»«»»«, vier Trevvc», MT* Sabcttiidl Wu-H »v»e»»««ll» abend* dein?»,, dt* 0'/, Übt statt.(«cüi»iic< 7 Uli, eaminbcnb* beginn» die Sbccrtiftiinbe»in 0 Übt. wieder Antrag- ist ein itiichstab«»nd eine.2abl al? Mrrkzeiibr» benntgge». Ärietliibe•Jlmniun wird»IIb» erteilt. Bis znr Beantwortung im Briefkasten tonnen 1�4 Tag« vergeben. Eilige Kragen«rnge um» in der Sprechstunde bor. Zorndorferftrafte 48. Der Betreffende ist Parteigenosse. Selbst- verständlich vertreten parteigcnösstiche Rechtsanwälte auch Nichtpartelgenossen, falls das nicht mit ihren Patteipflichtcn kollidiert.— W. Z. Sitv. Der Gläubiger braucht sich ans Ratenzahlungen nicht einzulassen. Ger die Ladung zur Leistung deS OffenbarungseidcS nicht befolgt, kann auf Antrag verhaftet werden. Der Gläubiger hat die VerhastungSkosten mst 15 M. und einem monatlichen Unterhaltsvorschiig mit 39 M vorauszuzahlen.— P. 100. 1. und 2. Nein.— Hyäne 1879. Unseres ErachtenS liegt Ver- sichcruligSpflicht nicht vor.— I. l. und F. 4. 1. Jdre Frau, nicht aber Sie, sind znr Zahlung verpflichtet. 2. Sie haben 50 Pf. für den ln daS Jahr 1998 und eben so viel für den in dieses Jahr fallenden Teil des MieiSjahreS zu zahlen.— B. 84. Nein.; — I.®. 1#. Die Karten erhallen sie bei der Berwaltung deS Gewerk- schastShauseS, Engeluser 15.— B. St. M. 1. In geringem Umfange. 2. Danach ja.— 31. H. 35. Die Eltern können Zeugen sein.— F. V. 8. Durch persönliche Meldung bei dem gewünschten Truppenteil ttftfer Vorltgllng Sc? LosungtscheineZ.—(B. E. 3. Auf d IreNe Anfrage bei dem Klub, Stralau, Tunnelstr. 17,«rsahren Sie da» Nähere.— Zwei Streitende. Wenn eZ sich um dir LandcSversichcrunls Berlin bandelt, dann am Köllnischcn Park.— Krau L. M. 5. Von dem Beitritt zur anqesragten Kasse können wir nur abraten. Wenden Sie sich an die Ossenbacher Frauenkasse, Prinzenstraße SS.—(f. Nein — E. P. 9. Ihr Gesuch ist zu ridjttn an die SlistungSdcputation des Magistrats. Poststr. 16.— A. V. 100. Vielleicht in einer Werkstatt sür elektrische Anlagen.— A. B. 61. Im königlichen Schauspielhaus. Mel- düngen beim Oberregisseur, Herrn Max Grube. Vorzulegen ist GeburtS- urkunde, Schulabgangszeugnis und der Nachweis des Unterhalts für den mindestens zehn Monate dauernden Kursus.— A. 2ch. 100. Aus der Zivilliste des Königs.—757 S «erlin i7SgSW Zranii.a.M. 759 SW München �LIS Wie» 762 Still Wetter xill et» 2 Dunst 2 bedeckt I halb bd, 1 heiter!— 1 Lwolkenl'— 3 heiter I 1 —5 -0 —3 «tattonen « n S- baparanda 76t SSO Petersburg 762 O Scillh 'lberdeen Pari» 735 S 745 SW 752 SSO i Setter n- t" S? «Ä 4 Schnee—3 2 Schnee—2 7 Regen 1 wolkig 3 wolkig Wetterprognose für Freitag, den 19 März 1909. Wärmer, trocken und vielsach heiter, bei ziemlich lebhaften südlichen Winden. Slmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zeiiwal.Markthallen, Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft schleppend, Preise sür Kalb- und Schweinefleisch nach gebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr knapp, Geschäft rege, fest. Geflügel: Zusuhr genügend. Geschäft ziemlich lebhast, befriedigend. � Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig und Käs«: Geschäft ruhig, Preise unverändert, Preise Preise verändert, Butter Gemüse. Obst undSüdsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst W. Preise wenig verändert. WaflerstandS.Nachrichtei» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. >)-ft bedeutet Much»,— Fall.—*) Unterpegek.—•) Eisstaud Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei 21erantwor«ung. Cbeater. Freitag, den 19. März. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Fidelio. Königl. Schaiispielhans. Kolberg, Neues königliches Opernhaus. L'Eventail. Deutsches. Der Kausmann von Venedig Kammerspiele. Der Graf von Gleichen.(Ans, 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Pech» Schulze. Berliner. Einer von unsere Leut. Lessing. Der König. Nrneo. Die fremde Frau. Thalia. Wo wohnt sie denn! Komische Over. Tiesland. Kleines. Moral. Hebbel. Die junge Welt. Luftspielhaus. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 9. iWaNim. Tp euler.) Die Braut von Messina. Sch»e. Charlottenburg. Rechts herum. Friedrich> Wilbelmftädt. Schau- spielhaus. Der große Komet. Weilen. Der tapsere Soldat. Luisen. Marie, die Tochter des Regiments, Trtonou. LiebeSgewitter. Neues Operette»»« Die Dollar« Prinzessin. Berliner Operetten-Theater 5«, Das Himmelbett,(Ans, 8>,, Uhr.) Bernhard Rose. Krieg im Frieden, Gasttpiel-Theater. SherlockSolmeS, Bürgerliches Schauspielhaus. GriseldiS.(Ansang 8'/.Mp,) Gebrüder Herrnfeld. DMdeiden Bindelband». lllpoiiu. Der junge Papa. Spezia- litäten. Metropol. Donnerwetter->- tadel« tos. Wintergarten. Speziafttäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Paitnge. Spezialitäten, RetchSballen. Slcltiner Sänger, Walhalla. Spezialilälen, Folies Caprice. Insolvent.(Ans, 81/« Uhr.) Kafino. Rußland. Svezlasitäten. Gustav Behrens. Der geprellte Rechtsanwalt. Das Schwalbew nest, Spezialitäten. Ansang 8'/. Uhr. Parodie. Siegel stegeit alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans, 8-/, Uhr.) Urania. Zmibeniirafte 18 19 Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern Messina«, Hörsaal S Uhr: Konstr.-Jngenieur Keßner: Die Walzwerksindustrie, Ster»>"urre, JuvaiidenNr, 07/62. Direktor Dr. P, Schwahn: Die Sonne und die Planeten, L-essinx-Tliester. Frei lag 8 Uhr: Oer König. Sonnabend 8 Uhr: Der König. Sonntag 3 Uhr: Rasenmontag. Abends 8 Uhr: Grlselda. Berliner Theater. Heute VI, Uhr: Einer von anttere JLent'. Morgen: Nur ein Traum._ Neues Theater. WendS 8 Uhr: vis kremäe krau. (La femme X...) Sonnabend bis Montag: Oie(remde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. biöllsieii-Williölmztglüiseltgs Schauspielhaus. Freitag, 19. März. Amang 8 Uhr: Zum erstenmal: Oer xroße Komet. Sonnabend: Der große Komet. Sonntag nachm 3 Uhr: Schlagende Detter, 8 Uhr: Husarenficber. BKOpenickcrstr. 68. Q • Zum 536. Haie: 0* Sherloek Holmes Urania. WiasenschaftlicheB Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas. Hörsaal 8 Uhr; Konstr.-Ingenieor Kcünor: Die Walzwerkindustrie. Invalidenstraße 57/62: Direktor Dr. P. Sohwahn: Die Sonne und die Planeten. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Abend» 8 Uhr: „Kommers Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier BUdern) von George« Feydeau. Morgen und folgende Tage: Die. selbe Vorstellung, Sonniaa, 21. März, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr, Lustspiefiiaiäis7 Abends 8 Uhr: Im Klnbsessel. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans, 8 Uhr. Die junge Welt. Neues Operetten-Theatep, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abend» 3 Uhr: Die Holluppplusesslu. Operette in 3 Akten von Leo Fall, Luisen-Theater. Benefiz: grau Bach und Herr Bach: Marie, die foeliter öesRepeots. Sonnabend nachm. 4 Uhr; Dornröschen. 8 Uhr: Mein Leopold. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Marie, die Tochter des Regiment«. Montag: Mein Leopold._ PWMUfM 132. B Gr. Frankfurter Str. Wends 3 Uhr Krieg im Frieden. WAU- WocheniagSpreise"VQ Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dornröschen, Abends: Das vierte Gebot. Melropol-Theater Titgllch 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Perry, Holden. Bonder, (jtiainpletro. Kettner, Pfann, Thlelacher. werden melier che NM von .Alto« Norton _ überreicht._ Boberl � Steidl Ulilinn Hocrlein! Georse Bonhalr- Truppe! La Sylphe! sowie die hervorragenden KunttkrSOe des Marg-ProyramniB■ Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. eute zum 1. Male:"WB rlseldls. Drama iu 4 Alten von Fr. Halm. Ansang 8'!, Uhr. Sonntag nachm.: Da« Küthchen von Heilbronn. Abends; Wilhelm Teil. ' Heu Crl Schlller-Tlieater. O.(Wallner-Theater.) Freitag, abend« 8 Ubr: Ble Braut van Besslun. Ein Trauerspiel mit Chöre» von Friedrich Schiller. Sonnabend, abend» 8Uhr' Uhurley» Tante. Sonntag, nachm. 3 Uhr; Ein Tolkslolnd. Sonntag, abends 8 Uhr: Charlcya Tante. Heute, Freitag, den 19. März, abends VI, Uhr: 0 rolle komische Vorstellung. Obrenovltch ChriNtltch Georges Milan Neu! 8 Personen. Neul Theron-Truppe. I!! Nur kurze Zettl!! Der Held des TageS ükttero Tiberiot! Pool der unübertreffliche vier» T uCl, b einige Byciclc-Champion. Zum 149. Male: tw o i o,««Rauher, Sonntag in beid. Vorstellungen ungekürzt Dolo, Rae», Tiberle, Milan, Theron-Trupps, d. Känguruh, drest.Aflen. Nachm. ein Kind unter 10 Jahre» frei. Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- faal svioabitS. Alt-SIoablt 48.(Tel. II 2492.) Sonntag, den 21. März 1909: Das Stiftnngsfest. Schwank in 3 Akten v. G. o. Moser. Aus. d. Vorst. 7, Kassenössilung 6 Uhr. Konzeit 6'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Vorverlaus von 10—1 Uhr mittags im Theater-Restaurant. Montag, den 22. März: Solreeder Lusiigeu Sänger._ Brunnen Theater Ladftraße 68. Direktion: Willi Voigt Freitag, den 19. März 1909: Dorn» Uest. Vollsstück m. Gesang i» 3 Slbteilungen von Hugo Schulz. Kassenöffnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Ubr. Schiller-Theater CharlottenOurg. Freitag, abends 8 U h r: Rechts herum. Schwant in 3 Akten v. HnnS GauS. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Burla 8tuart. Sonn abend, abends 8Uhr Ble Kurelluxer. Sonntag, na« m. 3llhr: J ullus Casar. Sonntag, abensS 3 Uhr: _ Bio Karolinger ""Viv. üiaiNUii! Zirkus Busch. Freitag. 19. März, abends 7'/, Uhr: Gr. Gala-Vorstellung. Um ca. 8/49 Uhr: Konsul Peter! Der weltberühmte Assel Um ca.'/,19 Uhr: Herrv Kart fiagenbecks neueste Raubtierdressur. Frl. Martha Modnke/Schulreiterin. Clown Repine m. urfom. Szenen. Schwestern Truzzi, Reitkünstlerin. Um ca.'/.IV Ubr: Auswanherer. d An diesem Schild sind die Läden erkennbar, E. in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. mrnntergHIttg In Konatmlitlon and Ausführung, gleich vorzüglich für Uausgcbranch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. aBEREIX, Eolpzlgcr Straße OS.•— Laden in den verschiedenen Stadtteilen. I ♦ HERREN KNABEN S.LEVY. 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Jugendoersammlung!"•ö Sonntag» den 21. März, abends GVs Uhr» in den Arminhallen» Kommandantenstr. 38/59: ¥ersamniluiig. TageS-Ordnung: Nortrag des Relchstagsabgeordneteu llr. kudvig Frank m Mannheim über: Märzgedanken. Im Anschluß an die Versammlung: Rezitationen von Frl. Maria Holgers. Gemeinsamer Gesang. Zu dieser Bersammluug find alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen herzlichst eingeladen. Der JugendauSschust für Grost-Berlin. Sonntag, den L«. März. abeudS« Uhr, in den Prachtsälen Nord-Weft. Moabit, Wielefstraste: Uir Oroß©«fugendfeier. 282/18*__ I. A.: Wllh. Schenk. iL alhalla Variete-Theater Weinbergsweg 19-20. Rosenth.Tor. i Ansang 8 Ubr. Das grosie März-Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische Uebunaen und dies übrigen Spezialitäten. m Im Tunnel: Jap.Blumenfest. Regi- 1 mentsfap. Tbeaterbes. Hab. sr.Einlr. Ibeiiter VsristS Briiiant (Oltz--Pu««nge) Dresdener Str. S2I3 Annenst. 42/3 Täglich: Austreten von nur erst- tlassigen Spezialitäten bei gänz- lich freiem Enttee, auch Sonntags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. Freitanz. Klnenintogrnph. Wichtig für Hausfrauen! Wir eröffnen am Sonnabend, den 20. März 1S)09: Weiitanburgerstr. 15 einen Fleisch- uJurstterkaal wie geschlachtetes Geflügel und Will Es wird unser Bestreben sein stelS nur sür beste Ware zu den billigsten Tagespreisen zu sargen. Hochachtungsvoll J. MäPldirtZ& Cfl. Heide Freitag, abends 8l/2 Uhr, im Gewertschastshause, Engeluser 1ü: Zik-ung der Ortsverwaltung. Montag, den SS. März, abends S'l, Uhr, bei Anton Boeker, Weberstraße 17: Branchenvers ammlung der Jalousiearbeiter. TageS-Ordnung: 1. Die Bestrebungen der Krankenkassen und die Angriffe aus daS Selbst- verwalwngsrecht. Res.: Franz Schlemminger. 2. Diskussion. 8. Brauch en- angelegenheiten.__ 80/20 Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Stltglledschaft Berlin.—— Sonntag, S1. März, vorm. 10'/. Uhr, im BSnlgntnUt-Binnlno, Holzmarktstraste 7S: Mitglieder-Bersammluufl TageS-Ordnung: 1. Vorttag deS Verbandsvoi sitzenden I. Döring.(DaS Thema wttd In der Versammlung bekanntgegeben.) 2. Verbandsangelegenheiien. 3. Ver- schiedenes. KL. Kollegen I Unsere Konjunktur steigt, seid aus dem Posten, eS liegt an uns, laßt Euch nicht Wetter drücken, rüttelt die Unorganisierten aus l Der Vorstand. I.A.: Otto Riebe. st B.FEDER das gröSte Waren- ud Möbel- Creditbaus Deutschlands. Centrale i II Filiales imwlisi! I Mlnrlei He 88 dinkt n Rumtbalir Thor." ooginübirMitl i.KiiilgtbiriirStr. ■ Unter kulantesten Zahlungsbedingungen■ Herren- Damen- Kinder-Garderobe Manufaoturwaren r. Kleiderstoffe:: Seidenstoffe:: WSsche u Inletts n Drell, Teppiche, Bettvorleger, Gardinen, Stores, Tischdecken, Chaiselongue- y. Steppdecken, Betten, Bettledern eto. eto. Möbel und ftotsterwaren Einzelne Stücke, sowie komplette Wohnungs-Einrichtungen in großer Auswahl und jeder Preislage. Wn/ der geleisteten Anzahlung erhält Jeder| A Q/ w/ sofortgutgeschrieben, der sich nach ge- III u/ / Q schehenem Einkauf au! dieses Inserat 1U/ Q beziehte ALLES AUF KREDIT T Ifheiter-Gesangverein Jorf. Tod es- Anzeige. Am Mittwoch, den 17. März starb plötzlich unser aiteS Mtt- glied, der Tischler Karl votnuick. Der Dahingeschiedene war uns stets ein strebsames, treues Mit- glied. 60/7 Möge ihm die Erde leicht sein l Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 21. März, nach« mittags 2'/» Uhr von der Leichen- Halle des Pantower Gemeinde- sriedhoss in Schönholz aus statt. Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines leider zu früh dahingeschiedenen lieben Mannes, unseres guten Vaters Franz Rehbein sagen wir aus diesem Wege unseren innigsten Dank. Witwe Behbeln nebst Kindern. Danksagung. ssür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden sowie die sinnreichen Worte des Herrn Küster bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere' dem Gesangverein der Rohrer und den Mitgliedern des Wahlvereins meinen herzlichsten Dank. Witwe im in» Kehrend. Danksagun g. Für die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden anläßlich der Be- erdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen ivir allen Freunden, Bekannten und Ver- wandten, insbesondere den Mit- gliedern des Wablvereins Rixdors, des Sparvereins„Einzig" und des Gesangvereins der Maurer(Sektion der Putzer) unseren besten Dank. Berta Banh und Kinder. Danksagung. Sage hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesang- verein„Kreuzberger Harmonie", dem Spar- und Kredilveiein„Eintracht", sowie der Ordner-Kommission der „Freien Bolksbübne"(6. Abteilung) meinen besten Dank für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS. 1515b Witwe �nna Zinke _ nebst Kindern. JerliDer irheiter- Railahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter» Radsabrer.Bundes .Solidarität«. Touren zum Sonntag» den 21. März. 1. Abt. 2 Uhr: Schmargendorf. Start: Bülowstt. 58. 2. Abi. 1 Uhr: Hackenseld«(Volks- garten). Start: Fontanepromenade 18. 3. Abt. 8 Uhr: Zühlsdorf Preis 1,— JH. ♦ Königs iertes i der Erfindungen und Entdeckungen, 1909. Mit 135 Abbildungen.!| Bearbeitet unt. Mitwirkung hervorragend Fachmäniier von P. Hack. Preis 1,20 JH. Expedition d.„Vorwärts" BERLIK SSW., Llndenstr. 69(laden). Nitserem lieben Genossen kbllö frili llfimsvo und Braul zu ihrer Vermählung die besten Glückwünsche. Die Gruppenführer deS 17h Bc- zirks Rixdors. W. P. 0. G. K. Sch. J. Seh. A. L. K. N. F. P. A. F. für den Sttalauer Viertel. Bezirk Str. 340. Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Genosse, der Tischler ümis Hempel (Rüdersdorfer Straffe 21) gestorben ist.> Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. März, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses w Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. Denlscber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daff unser Kollege, der Tischler Collis Hempel am 16. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 13. März, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Fried- richsselde aus statt. Ferner starb unser Kollege, der Tischler Karl Domnick am 17. März. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. März, nach- mittags 21l, Uhr, von der Halle des Pankower Gemeinde-Fried- hoses in Schönholz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/19 Die Ortsverwaltung für den 4. Berliner Reiehstagswaltreisl Sttalauer Viertel. Bezirk Nr. 351a, Teil L Den Mitgliedern zur Nachricht, daü�inser Genosse, der Buch- dtWUrei-Hilssarbeiter ZlUMui K arl Hahn Rominlenersttaffe 38 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am!* Sonnabend, den 20. März, nach.- mittags 3ll, Uhr, vom Trauer- j hause aus nach dem Samariter- Kirchhos in Withelmsberg statt. 216/15 Ter Borftand. Mnd der Buch- und Steiiidruckerei-Biltsarbeiter n. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 17. März früh 8 Uhr starb nach sechswöchentlichem Kranken, lager unser Mitglied der�Saal- arbetter 27/1 Karl Hak» an der Proletarierkrankheit. Ein! ehrendes Andenken bewahrt ihm j Die Ortsverwaltung Berlin. Die Beerdigung findet am• Sonnabend, den 20. d. MiS.,> nachmittags 3>/> Uhr, vom Trauer- f Hause Satnariterstt. 38 nach dem! Markus-Kirchhos in Withelmsberg i statt. 27/1 j Verband der Kupierschiniede Deutschlands. Filiale Berlin Todes- Anzeige. Am 16 März verstarb nach kurzem Leiden unser lang/ähriges Mitglied, Kollege F. Hammarberg. Ehre setnem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus-Kirchhots in Weiffensee, Falkenb erger Weg, aus statt Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Filislverwaltung. Bekanntmachung. Am 25. März 1909 wird die Be» triebs- Krankenkasse der Stadl Bertin nach Alexanderftr. SS-lv, Aleranderplatzpaffage, I. Hos, rechtS I. Ausgang, 2 Treppen, verlegt. Wegen dieses Umzuges bleibt die Kasse am 25. und 26. März 1909 geschlossen. 271/9 Berlin, den 16. März 1909 Den Vccstand der BetriebS-Krankenkafle de» Stadtgemeinde Berlin. _ gez.: v. S ch ulz.__ Berantworilicher Redakteur: Hans Weber» Berlin. Für denJnseratenteilveranttv.: Th. Glocke» Berlin. Druck u.Berlaa:VorwärtSGuchdruckerel u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW- Hr. 66. 36. Jahrgang. %■ tilU des Jonirts" rrtifug, 19. Will! 1009. flu den Gräbern der tGärzkäiapfer. Noch lagen die Schatten der Dämmerung über dem welken schneebedeckten Park, als es bereits aus den einsamen Wegen sich zu regen begann. Einzeln und in kleinen Gruppen trafen sie mit Kränzen beladen ein. Hinter den duukelen Stämmen, deren Konturen sich haarscharf von der blendend weißen Schneehülle abzeichneten, blinkten hier und da die Hclmspihen der Schutzleute auf. Weihevoll breitete sich die Morgenstille über die idyllische Stätte der Toten, nur von der gedämpften Unterhaltung der Ankommenden unterbrochen. Von fern drang das Geräusch der erwachenden Großstadt, das schrille Klingeln der Straßenbahn und das dumpfe Rattern schwerer Lastwagen verschwommen herüber. Allmählich wurde es heller und belebter. Blutrot kämpfte der leuchtende Sonncnball sich seinen Weg durch den dünnen, silbrigen Nebelschleier und grüßte mit flammendem Kuß die schlummernden Opfer der Reaktion. Immer zahlreicher folgten die Besucher. Frauen und Männer. Und schon waltete der Polizeioffizier mit der großen Schere seines wichtigen staats> erhaltenden Amtes. Mit erstaunlicher Routine überflogen die Blicke des Ge- strengen die Inschriften auf den Schleifen nach Thron und Altar umstürzenden Sprüchen. Schon um 8 Uhr begann sich die Menge zu stauen und reihte sich dichtgedrängt längs des Weges auf. Die Schutzleute versahen das höchst überflüssige Amt deS Ordnens. Die Menge selbst hielt musterhafte Ord- nung. Immer reichlicher folgten die Kranzspenden, oft sah man mit Kränzen bedeckte Droschken heranfahren, und die Augen der Wartenden unterzogen sich der nicht immer leichten Aufgabe, die Inschriften zu entziffern. Sensation erregte ein alter Arbeiter, der mit dem— eisernen Kreuz ge- schmückt seine Schritte nach der Schlummerstätte der ge- niordeten Freiheitskämpfer lenkte, ein Umstand, der zu den gelungensten und treffendsten Glossen Veranlassung bot. In den Mittagssümdcn häufte sich der Andrang zu den Gräbern der Märzgefallenen ganz gewaltig. Viele hatten die Essens- pause benutzt, um in aller Elle daselbst einen flüchtigen Besuch abzustatten. Besonders aber lockte die lachende Miene des demokratischen Wettergottes Tausende aus den fernsten Stadt- teilen herbei. • Gegen Mittag fuhren 7 Wagen mit Kränzen von der „Demokratischen Vereinigung" vor. In den Nachnuttagsstunden nahm die Menge der Besucher noch erheblich zu und noch am Abend, kurz vor Toresschluß, stand die Menge bis hinaus an die Landsberger Allee. Irgend welche Zwischenfalle waren im Laufe des Tages nicht zu verzeichnen. Kurz vor V Uhr abends soll, wie man uns mitteilt, ein größeres Polizei- aufgebot den Friedhof betreten und die noch anwesenden Be sucher vom Friedhofe gedrängt haben. « In der Umgebung des Schlosses waren die Polizeiposten verstärkt, nicht gerade auffällig, nur wie zur Vorsicht, als gehöre sich das so am 13. März, an jenem Tage, der einmal den Hohenzollcrnthron ins Wanken brachte. Man konnte nicht wissen, ob etwa vom Friedrichshain her ein Gewitter herausziehen mochte, und da stellte man an verschiedenen Punkten, besonders auf den Brücken, der Kurfürsten-, der Kaiscr-Wilhelm- und der Friedrichs-Brücke, wo sonst ein Schutzmann genügte, deren zwei, drei und vier auf. Im Schloßhof stand noch eine Menge Schutzleute bereit, um äugen- blicklich zu AbsPcrrungSmaßrcgcln schreiten zu können, falls man solche für notwendig hielt. Und als gegen 4 Uhr ein militärisches Schauspiel, die Einbringung von Fahnen. Neu- gierige anlockte, erschienen sofort einige Reihen Schutzleute und sperrten den Platz vor dem Schlosse ab. Die Brücken blieben noch lange Zeit besetzt und die Posten langweilten sich redlich. Die Zensur, welche die Polizei über die Aufschriften der Kranz- schleifen ausübt, wurde diesmal mit einer gewissen Milde gchand- habt, die auffallend absticht von der unverständlichen KonfiSlatioiiS- Wut, der in den Vorjahren so manches Zitat nicht nur aus den Werken unserer flrdhdlSdichier sondern auch Worte deutscher Klassiker zum Opfer gefallen sind. War cS der Einfluß einer milden Stimmung oder die Folge besserer Einsicht, was den Zensor bewog, alle die bekannten Verse und Dichterworte, die er sonst mit energischem Schnitt von den Kränzen trennte, diesmal ungehindert passieren zu lassen? Vieleicht hat man auf der Polizei doch endlich begriffen, daß sie sich selbst der Lächerlichkeit preisgibt, wenn sie Dichtcrwortc konfisziert, die feit Jahren Allgemeingut der deutschen Nation ge- ivorden sind. Aber ganz ohne Konfiskationen ging es auch Heuer nicht ab. Die Obrigkeit trägt daö Schwert und der Zensor die Schere nicht umsonst. Hier und da hat er doch einige Aufschriften abgeschnitten. Man glaube aber nicht, daß die konfiszierten Worte ganz besonders gefährlich waren. Im Gegenteil. Sie sind so wenig aufreizend, daß man sich vergebens den Kopf zerbrechen würde, wenn man nach dem Grunde der Konfiskation forschen wollte. Ja, wir glauben, daß der Zensor selbst in Verlegenheit kommen würde. wenn er jede Konfiskation begründen müßte. Was würde der Mann mit der Schere wohl sagen, wenn man chn fragen würde, weshalb er von einem Kranze, den die Arbeiter aus einigen Fabrikelt in Lharlottenburg brachten, die Widmung abschnitt: „Der Staat muß nntergehn früh oder spät,_ wo Mehrheit herrscht und Unverstand entscheidet." Dem Schicksal der Konfiskation verfielen, soweit wir sehen konnten, die Kranzwidmungen von Arbeitern der Firma A. Borsig, der Firma Bergmann, der Redaktion des Anarchistenblattcö „Der freie Arbeiter" sowie einzelner anarchistischer Vereinigungen. Anscheinend hat nur der launische Zufall entschieden, was ordnungS- widrig und was als ungefährlich zu gelten habe. So passierte es den Arbeitern der Firma Flohr, daß ihnen folgende Widmung konfisziert wurde: „Noch ist kein Fürst so hoch gefürstet, So auSerwählt kein irdischer Mann, Daß. wenn die Welt nach Freihdt dürstet. Er sie mit Freiheit tränken kann." BIS der Beamte die Schere ansetzte, um diesen VerS zu ent- fernen, machte sich der Uebrrbringer den Scherz, zu bemerken:„Aber das ist ja ein Vers von Schiller."—„Das weiß ich", antwortete der Beamte ohne Zögern. Der schalkhafte Ueberbringer de? Kranzes lachte, denn er wußte, daß das Zitat aus einem Gedicht von Ludwig Ubland herrührt.— Im ganzen mögen cS sechs bis acht KonsiS- kationen gewesen sein, mit denen sich der Zensor diesmal begnügte. Eine wirllich auffallende Bescheidenheit un Vergleich zu seinem Walten in den Vorjahren. Den Besuchern deS Friedhofe? war eS also vergönnt, wirklich revolutionäre Dichterworte von den Kranz- schleifen abzulesen. DaS hat der Ruhe. Ordnung und Sicherheit in Preußen natürlich nicht de» geringsten Abbruch getan. In großer Zahl decken die Kränze mit Ihrem frischen Grün die winterlich kahlen Sträuchcr. Glühendrot leuchten die breiten Bänder im Slrahl der Märzsoune. Mit goldenen Lettern künden die Widmungen den Ruhm der Freiheitskämpfer. Außer den Kränzen, welche die Vertretungen der politische» und gewerkschastlichcli Organi- sationeu de? klasscnvewußteu Proletariats gesandt haben, sind von den Arbeitern einzelner Fabriken, besonders der Metallindustrie, einiger Druckereien und sonstiger Betriebe Kränze gestiftet worden. Daneben finden sich Kränze von Turn- und geselligen Vereinen sowie von Patienten der Heilstätten Beelitz und Heinerödors.— Die Hirsch- Dunckcrlchen Gewerkvercine, die früher verhältnismäßig zahlreich an der Ehrung der Märzgefallenen teilnahmen, find diesmal nur durch wenige Kranze vertreten, darunter ein sehr großer von Gewerkvereins- Mitgliedern aus den Betrieben der A. E.- G.— Eine neue Er schemnng an den Gräbern der Märzkämpfer bilden in diesem Jahre die Kränze der Demokratischen Vereinigung mit Schleifen in den Farben schwarz-rot-gold. Solche sind da ans den Berliner Wahlkreisen. aus etwa acht Vororten sowie aus Magdeburg, Köln, Dorp mund, Barmen-EIberfeld, Frankfurt a. M., Aachen, Breslau. Im ganzen sind etwa 200 Kränze niedergelegt worden. Der vom Vorstande der sozialdemokratischen Parier Deutsch. lands gespendete Kranz trägt die Widmungsworte:„Den Kämpfern für Freiheit und Recht." Der Kranz der sozialdemokratischen Fraltion des preußischen Abgeordnetenhauses zeigt die Aufschrift: „O steht gerüstet, seid bereit, O schaffet, daß die Erde, Darin wir liegen strack und starr Ganz eine freie werde." Der Verband der sozialdemolcatischei, Wahlbereine Groß-BcrlinS hat einen Kranz niedergelegt mit der Widmung: „Ihr konntet sterben mit ruhigem Sinn. Wir haben das Baimer erhoben Und legen das hebre, das stolze nicht hin, Eh' nicht die Feinde zerstoben." Ein von der Redaltion des„Vorwärts" gestifteter Kranz trägt die Worte HerweghS: „Reich der Reichen, da stehst du, juchhei! Aber wir Armen, verkauft uird verrate», Deirleir der Proletariertaten. Roch sind nicht alle Märzen vorbei." Die Berliner Gewerkschaftskommission hat einen Kranz namcnS der ihr ihr angefchlofienen Gewerkschaften niedergelegt. Sie trägt die Inschrift: „Aber alle anderen sollen schweigen, Wenn sich Männer ihrem Volke zeige». Schweigen sollen sie und lernen Wie man naher wandeln nach den Sternen. Scheu mit seinem Urteil sich verschließe. Wer herum noch stümpert in der Tiefe. Glaubt ihr denir, ihr lahmen Kiüppelwichter, Daß die Welt nach eurer Weisheit richte?" Auch Gewerkschaftsschule und die Parteischule haben Kränz« ge. stiftet. Die Tavakarbeitcr Groß-BcrlinS mit ihreir Hilfsarbeitern nahmen bezilg auf die sie bedtoheudcn Steuerpläue. Sie schriebe» auf Ihren Kranz die Widmimg: „Trotz Vernichtung Zehiitausenber von Existenzen durch Zoll und Baiiderolesteuer gedenken wir Euer." An die schwere Zeit der Arbeitslosigkeit erinnert die Widmung eines Kranzes von Arbeitern einer Telephonfabrik: „So wird es kommen, eh' ihr denkt. Das Volk hat nichts zu beißen, nichts zu brechen, Durch seine Lumpen pfeift der Wino, Wo nimmt es Brot und Arbeit her." Die meisten Widmungen knüpfen»nmittelbar an die Märzkämpfe an imd geben der Erwartung des Sieges der Freiheit Ausdruck. Meist sind es Zitate aus bekannten Gedichten HerweghS und anderer FreiheitSjänger, sowie Worte auS Schillers Tell, die in früheren Jahren stets der polizeilicheir Zensur verfielen, heute aber weithin im FrühlingSsonnciischciir leuchten und dem Empfinden Ausdruck geben, welches Tausende und Abertausende von Proletariern treibt, am Gedenktage des Freiheitskampfes die Grabstätte der RevolutionS- helden zu besuchen und sich zu geloben, mitzuarbeiten und mitzu- tämpsen an der Verwirklichung der sozialdemokratischen Ideale, mit zuarbeiten an der Verbesicrung des MenschenloseS, wie eS aus gedrückt wird in dem Dichlcrwort, welches die frei organisierten Arbeiter der Schwartzkopffschen Fabrik auf ihre Kranzschleif» setzten: „Frendlos schreitet Ihr bnrch'S Leven, Doch nicht immer soll'S so sein. Unser Ringen, unser Streben Gilt dem LebenSsoimeiischein. Immer fester schließt die Reihen, Immer reicher streut die Saat. Unser Glaube wird uns weihen, Unser Wollen uns befreien Und der Tag des Sieges naht." WS Partei- Ungelegenkeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint Anfang April. Wir ersuchen daher, alle Aenderuligen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 21. Mars, an die nachverzeichneten KommissionSmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genosse» Paul Bartsch. HIV. 23. Lessirigstraße 82. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, L. 53. Darwaldstraße 47.. � Für den III. Wahlkreis an den Genossen Karl König, S. 69. Urvaiistraße 93. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott. 0. 84 Straßmannstraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch. C. 54, Augliststratze 51, Oucrgeb. pari. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 58, Ueckermiinber Straße 17, H. Für Nieder-Barniin an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Bkiiliielithalstraße 24. Für Tcltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr. Rixdorf, Selchower Straße 15— 1ö, IV. Für Potsdam. Osthavelland an den Genossen Aug, ist Paris, Velten, Luisenstraße 17. Für alle übrigen Orte der Provinz find Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Vorsitzenden der Kreise an be» unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen bringend, alle Mit- tcilungeii in Lokalangelcgenhciten für Groß. Berlin dem zu- ständigen KoimnissionSniitglicde. für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzende» des betreffenden KretseS zu übermitteln.»— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lvkallonferenzen der Lokalkrcise so oft gefaßten Beschlutz hin« wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder. unbedingt verpflichtet sind, bor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht ciiizusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem LI. März einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dieS zu brachten. DeS weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelcgenhciten nur durch die oben genannten KommissionS- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission:' RichardHenschel. Berlin dl. 58, Ucckcrmündrr Straße 17, II. Achtung! Fiinftcr Wahlkreis. Am Sonntag, b s n 21. M ä r z, von 8 II h r f r ü h an, wird in der e r st e n. zweiten und dritten Abteilung des Kreises das Fraueiiflugblatt vor- breitet. Wir erwarten, daß sich die Genossen und Gciiossinilen zahl- reich in den Bezirkslokalen cinfiiiden, damit die Verbreitung prompt und schnell erledigt wird. Der B o r st a n d. Der sozialdemokratische Wahlumin deS sechsten Berliner NeichStagSwahlkreises feiert am Sonnabend, den 29. März, im Palasttbeatcr, Burgstraßo, Ecke St. Wolsgangstraße. daS Fest seiueZ 29 jährigen Bestehens. Ein reichhaltiges Programm verspricht einen gemißreichen Abend. Der Eintrittspreis von 25 Pf., an der Kasse 39 Pf., erlaubt cS auch den Minderbemittelten, auf einige Stunden die alltäglicheil Sorgen zu vergessen. Mögen die Parteigenossen von der Gelegenheit regen Gebrauch machen. Rixdorf. Am Sonntag, den 21. März, morgens 8 Uhr, findet eine Flugblatt- und Haudzettelverteilimg statt. Damit die Arbeit schnell von stalten geht, wollen die Parteigenossen sich rechtzeitig in den einzelnen Bezlrkslokalcn einfinden. Der Vorstand. Schöneberg. Der DiSkutierabend über daS Kommunistische Manifest findet heute Freitag, den 19. d. M., abends 8 Uhr, bei I. Wielach, Grunewaldstr. 119, statt. Gleichzeitig weisen wir aus daS am Sonnabend, den 29. d. M., in den.Neuen Raihaussäle»", Meininger Straße 6, stattfiiidende Wintervergnüge» hin und ersuchen um zahlreichen Besuch. Der Vorstand. WilincrSdorf.Halcnsce. Heute Freitag, den 19. März, abends 3 Uhr, findet für Halcnsee eins Haiidzettelverbreitung zu der am Soiiiitag, den 21. März, stattstiidenden Bersaininliing statt. Die Genossen des I. und II. Bezirks haben sich bei Bonczek. Kurfürsten- dämm, diejenigen des III. Bezirks bei Wegner. Johann-Gcorg- Straße 13, einzufinden. Britz-Buckow. Sonntag nachmittag 3 Uhr findet im„Landhaus", Chausseestraße 97, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dabidsohn über:„Die bürgerlichen Pur- teien in den Parlamenten". 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen ans Handzettel- und Flugblattverbreitung. Der Vorstand. KönigS-Wnstcrhailsen und Umgegend. Die Parteigenossen sowie deren Angehörige werden hierdurch auf den am Somitag, den 21. März, abends 6 Uhr, im Lokale deS Herrn Wedhorn statt- fiiidciidei, Walkotte- Abend aufmerksam gemacht. Der BildungS- ausschuß hat sich bemüht, ein gutes und reichhaltiges Programm zusammenzustellen. ES werden daher auch die Genossen der um- liegenden Ortschaften ersucht, sich einige genußreiche Stunden zu verschaffen. Die Bezirksfiihrcr wollen die BillettS am Sonntag mit dem Genossen Grundig abrechnen. Der Vorstand. Hohen-Neucndorf. Am Sonnabend, den 29. März, veranstalten die Genossen von Hohen-Nenendorf und Stolpe einen UnterhaltmigS- abend im Lokal von P. Schmitz, Ruhlvaldstr. 45. ES wird ersucht, für regen Besuch Sorge zu tragen. Mühlenbeck(Bezirk Niedcr-Schönhansen). Sonntag, den 21. März. nachmittags 4 Uhr, findet eine Volksversammliing mi Lokale deS Herrn Barsch statt. Ans der TageSordiumg steht: Vortrag deS ReichötagSabgeordneteii A. Stadthagen über:„Deutschland in der Welt voran". Die WertzuvachSsteiier. Die Nieder• Schön- hausener Genossen treffen sich um 1 Uhr bei Braivogel, Nordend. zur Fackelverbreitung. Schönerlinde.(Bezirk Pankow.) Am Sonntag, den 21. März, nachmittags 4 Uhr, findet im SperrlieSkischcn Lokal eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Konrad Brun? spricht über:„Die wirtschaftliche Lage und die Landarbeiter". Der Vorstand. LerUner I�acdrickten. I» der gestrige» Stadtverordnctciivcrsammluiig wurde die Beratung d eS Stadt hanShaltetarS sortgesetzt. Bei dem Etat der Gaswerke brachte Genosse Singer die von einem Beamten vcrnbtcit Betrügereien zur Sprache, mit denen kürzlich das Gericht sich zu beschäftigen gc- habt hat. Seine Anfrage, ob denn die Verwaltung alles getan habe, um solche Vorkommnisse zu verhüten, wurde vom Stadt- rat Namslau nicht sehr befriedigend beantwortet. Bei dem Etat des S t r a tz e>i r e i n i g u n g S w e s e n s wurde wieder mal von dem Stadtv. Goldschmidt die Gelegenheit bcnntzt, seine„Arbeiterfreundlichkeit" zu bekunden. Stadtv. Marg- graff hielt ihm entgegen, datz die Freunde dieses Freisinns- manneS feine„Arbeiterfreundlichkeit" leider nicht mitmachen. Unsere Genossen H t n tz e und P f a n n k u ch ergänzten diese Fcstnageluiig durch ausführlichere Darlegungen über die echt- freisinnige Art, in der die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung so oft die von der sozialdemokratischen Fraktion gegebenen Anregungen g u r A r b e i t o r- fürs o r g c behandelt hat. Da hierbei auch Herr Gold- schmidt selber nicht gerade gut wegkam, so machte er den Versuch. sich zu wehren, und es kam dann zn einem lebhaften Hin und Her. An der ausgedehnten Debatte be- tciligte sich auch Stadtv. R o s e n o w, der diesmal nicht das „gute", sondern daS„volle" Herz rühmte, das die Stadt für ihre Arbeiter habe. Für den Magistrat sprach zu- nächst der Kämmerer Stetniger und später auch noch der Oberbürgermeister Ki rsch n e r. der von Hintze durch eine Anspielung auf die MagistratLgehälter gereizt worden war. Das letzte Wort hatte Herr G o l d s ch m i d t. der damit schloß, die Gemcindoarbciter seien immer darauf an- gewiesen, wie die liberale Mehrheit dcnke. Stimmt leider nur zu sehr I Auch bei dem Etat der Wasserwerke erfuhr man's aufs neue, datz die Arbeiter, deren Beschwerden und Wünsche hier vom Genoffcn Wehl vertreten wurden« auf die Gnade der liberalen Mehrheit angewiesen sind und von iihr— nichts zu erwarten haben. Mißstände anderer Art waren diejenigen, die bei dem Etat der Gemeinde- j r i e d h ö f e vom Genossen Leid zur Sprache gebracht wurden. Was Leid da auf Grund der in einer Gerichts- Verhandlung unter Eid gemachten Aussagen vortrug, war dem Oberbürgermeister K i r s ch n e r—„noch gar nicht be- könnt". Wenn der Magistrat sich so wenig um diese Dinge kümmert, dann kann man sich allerdings nicht wundern, daß bei dem Herrn Friedhofsinspektor Lüdtke das Selbstbewußt- sein sich immer mehr gesteigert hat. Bei dem Etat der �analisationswerke führte ein Antrag, sich durch eine Resolution für Erhöhung der Kanalisation s- abgäbe auszusprechen, zu einer sehr lebhaften Debatte. Wenn das Portemonnaie der Hausagraricr gefährdet ist, kommt sofort Leben in die Bude. Der eifrigste Wortführer dieser Notleidenden war diesmal Stadtv. Haberland. Für die Erhöhung trat selbstverständlich die sozialdemo- kratische Fraktion ein. deren Standpunkt vom Genossen Borgmann dargelegt wurde. Aber auch bei den frei- sinnigen Fraktionen fand diese Forderung diesmal eine Unterstützung, wie man sie zu anderen Zeiten nicht für nwg- lich gehalten hätte. Die Resolution wurde mit großer Mehr- hcit angenommen. Nun ist es Sache des Magistrats, danach zu handeln._ Gegen die Stadtverordnetenversammlung ist wegen der GültigkeitS- erklärung der Wahl des Stadtverordneten Dr. Mugdan'Klage erhoben worden. Die Berstadtlichung der Polizei, auch der Sicherheitspolizei. forderte ein Antrag unserer Genossen im Roten Hause, der vor einiger Zeit einein Ausschutz zur Vorberatung überwiesen wurde. Dieser Ausschutz hat nach längerer Beratung beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, bei den Staatsbehörden auf Uebertragung der Wohlfahrtspolizei auf die städtische Verwaltung er- neut vorstellig zu werden. Eine ärztliche Untersuchung schulpflichtiger Kinder schildert uns«in Leser in folgender Zuschrift: „Meine sechsjährige Tochter ist zur Schule angemeldet. Meiner Frau wurde vom Schulvorstchcr, Herrn Schaar. Müllerstratze, aufgegeben, am IS. März, vormittags pünktlich 11 Uhr, in der 276. G-meindcschule, Müllerstratze 126a/b, sich mit der Kleinen zwecks ärztlicher Untersuchung einzufinden. Da meine Frau er- krankte, war ich gezwungen, der Arbeit fern zu bleiben und an ihrer Stelle hinzugehen. Ich stelle mich also um Voll Uhr dort ein. Der Warteraum war der Hausflur im Quergebäude des Schulhauses(Miethaus). In demselben befanden sich be- stimmt 60 Mütter mit ebensoviel Kindern. Diejenigen, die keinen Platz fanden, standen auf dem Hof oder auf der Treppe, denn der Flur ist nur 1,26 Meter breit. Der Herr Schuldiener kommt; er will 1l Uhr läuten.„Meine Hcm'chaflen, jetzt müssen Sie aber hier fort, denn es kommen hier die Kinder heraus." Ich fragte, ob wir nun alle nach dem Hof müßten? Antwort:„Wenn Sie wollen, ja." Das Therinometer stand wohl noch unter Null, denn alle Anwesenden stampften mit den Fützen. Wir drückten uns so gut es ging an die Wand, damit die Klasse, welche vom Turnen kam, vorbei konnte. Dann durften wir den Turnsaal betreten. Dieser bestand aus dem Berliner Zimmer mit Küche, natürlich ohne Scheidewand; der ganze Raum war zirka 10 Meter lang, 4,50 Meter breit, 3,40 Meter hoch. Was würde Vater Jahn zu solcher„Turnhalle" sagen? Also in diesem Raum stampften 40—50 Kinder eine Stunde umHerl Ohne den Raum zu lüften, wir alle hinein. Nach kurzer Zeit öffnet sich die Tür. Wir denken, es ist der Arzt, aber es ist der Schukdiener. „Meine Herrschasten, Sie müssen jetzt alle wieder raus, hier kommt die andere Klasse turnen." Da kamen auch schon die Kinder, 40 an der Zahl, und marschierten hinein. Ich fragte den Schul- diener, was denn nun eigentlich werden solle? Antwort:„Ja, lieber Mann, ich weiß es auch nicht." Ich fragte, wo sich das Amtszimmer befindet, um mit dem Rektor Rücksprache zu nehmen. Nachdem er Bescheid gesagt, ging ich nach dem Rektorzimmer. Im Amtszimmer befand sich der Herr Rektor und der Arzt. Ich ent- schuldigte mich, wenn ich stören sollte, und trug mein Anliegen dem Rektor vor; sagte ihm, daß ich um 11 Uhr herbestellt sei, um mein Kind untersuchen zu lassen; es ständen seit V-Il Uhr zirka 60 Frauen und Kinder auf dem Hof und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Der Rektor sagte:„Ich weiß auch nicht, was ich machen soll, denn mir ist nichts bewußt, daß heute die Untersuchung ist. Er habe keine Klasse frei und der Turnsaal sei auch besetzt; um 12 Uhr sei derselbe erst frei. Der Arzt meinte:„Solange können doch die Leute nicht warten." Der Rektor:„Dann nehmen Sie doch die Leute nach Ihrer Wohnung."(Die Wohnung befindet sich Millerstratze 14öa, Dr. Klette.) Der Arzt aber erwiderte:„Das geht auch nicht, denn mein Wartezimmer ist zu klein." Der Rektor: „Na, vielleicht schicken Sie die Leute jetzt nach Hause und bestellen sie zum Nachmittag oder auf einen anderen Tag." Ich wandte ein:„Da werden sich die Frauen aber freuen, denn die schimpfen jetzt schon, daß ihre Männer nach Hause kommen rmd kein Essen fertig finden." Ich machte den Vorschlag, da ich mir nichts Ordent- lichcs mehr von der Untersuchung versprach, der Herr Doktor solle aus seinem Fenster sehen unö wir würden mit unseren Kindern auf der anderen Seite vorbeimarsckiieren, dann wäre ja die Sache erledigt. Mein Vorschlag wurde belächelt. Der Rektor meinte wieder:„Ich kann das Turnen nicht ausfallen lassen, denn wenn jetzt Kontrolle von irgendeinem Vorgesetzten kommt, habe ich den schönsten Aergcr." Der Arzt wollte aber die Untersuchung auch ■nicht länger aufschieben, da er acht Schulen zu untersuchen hätte. Er bat den Rektor zu wiederholten Malen, es doch möglich zu machen und den Turnsaal freizumachen; es dauere, ja nicht lange. Der Rektor klingelte nach dem Schuldiener; dieser erscheint. „Sagen Sie mal. waS machen wir denn; sind denn viel da?" Antwort:„Na, ne ganze Masse." Wir gingen schließlich alle nach dem Turnsaal. Der Rektor sprach mit dem Turnfräulein, worauf diese dann mit den Kindern den Saal verließ. ES war jetzt Vi 12 Uhr. Alles stürzte in den Saal. Der Arzt stellte sich ans Berliner Fenster, legte seine Sachen auf das Fensterbrett und nun ging es los. Den Oberkörper der Kinder freigelegt und einer schob den anderen. ES klingelt; es ist 12 Uhr; auch der Arzt ist mit der Untersuchung fertig. In einer halben Stunde 60 Kinder unter- sucht, macht pro Kind und Untersuchung eine halbe Minute. Jede Mutter zog freudig mit ihrem Kinde von bannen, denn krank war ihr Kind nicht; der Arzt hatte ja nichts Besonderes gefunden. Die Ursache der Unannehmlichkeit war darin zu suchen, daß der Schul- Vorsteher den Arzt zum 15. März. 11 Uhr, bestellt, aber mit dem Rektor niemand Rücksprache genommen hatte, ob auch ein Raum frei ist." Soweit die Zuschrift. Wir haben Notiz genommen nicht so sehr wegen der großen Unannehmlichkeit, die den Müttern an- söbcinend durch das Versehen deS Schulkommissionsvorstehers infolge nicht rechtzeitiger Mitteilung an den Rektor bereitet worden ist, sondern um zu zeigen, daß die Schulärzte viel zu sehr über- bürdet sind. Soll die an sich gute Einrichtung der Schulärzte eine nützliche Wirkung haben, mutz für Vermehrung der Aerzte Sorge ?etragen werden, damit die Kinder gründlicher auf ihren Gesund- eitSzustand geprüft werden können, als das heute leider möglich ist. Nm die Ftniinzen der Deutschen Reformpartei zu resormieren hatte bekanntlich der Reichsbund der Deutschen Rcformpartei eine Versammlung nach den„Gcrmaniasälen" in der Chausscestratze einberufen, in der der Fall Holtz behandelt werden sollt«. Um die Versammlung, über die wir bereits gestern berichtet haben, recht zugkräftig zu gestalten und jedenfalls recht viele Eintrittsgelder a 20 Pf. einzuheimsen, war angekündigt worden, daß Stadtverord- ncter Adolf Hoffmann eingeladen sei. Nun hat Hoffmann eine solche Einladung nicht einmal rechtzeitig erhalten, und. wie sich jetzt herausstellt, tvar der Brief infolge eines Umzugs, in dem Hoffmann begriffen ist, auf der Post liegen geblieben; er erhielt denselben erst am 17. März, einen Tag nach der Versammlung. Aber das kümmerte die Veranstalter nicht, sie kündigten groß- mäulig an, Hoffmann ist eingeladen. Zum Glück ist die Arbeiter- schaft nicht auf den Leim gegangen und hat den Ncformparteilern ihre Groschen hingetragen. Auch�wenn Hoffmann rechtzeitig ein- geladen worden wäre, hatte er besseres zu tun gehabt. Untergang eines Lastkahns. Gestern nachmittag in der zweiten Stunde kam der Schleppdampfer„Paul" der Firma A. Pankau, Stralau, mit vier, mit Kalksandsteinen bcladenen Lastkähnen die Dahme(Wendisch- Spree) abwärts geschleppt. Der letzte, ein Holzkahn, wurde infolge des zirka 0,5 Meter starken Eises in der Nähe der F. Brandtschen Bootswerft in Grünau leck. Trotz der vereinten Anstrengungen des gesamten Personals der Werft und der Schiffer war es nicht möglich, den Kahn über Wasser zu halten; es gelang nur mit Mühe die Familie und die geringe Habe des Schiffers zu retten. Der Kahn mutzte an der Werft ans Grund gesetzt werden. Die Schiffahrt sowie der Betrieb der Werft ist nicht behindert. Es wäre vielleicht möglich gewesen, das Schiff zu retten. wenn der Dampfer mit einer Dampfpnnipe versehen wäre. Die Kindesleiche im Müllkasten. Ein Kindesmord liegt vernrut- lich einem Lcichenfund zugrunde, der aus dem Grundstück Suarez- stratze 27 gemacht imirde. Als die Müllkutscher die auf dem Hofe stehende» Müllkästen leeren wollten, entdeckten sie in einem der- selben die Leiche eines neugeborenen Knaben. Der tote Körper war in eine hiesige Tageszeitung vom 14. d. M. eingehüllt. Auf Ver- anlaffung der benachrichtigten Polizei wurde die Leiche nach dem Schauhause gebracht, wo durch die Obduktion festgestellt werden dürfte, ob hier ein Kindcsmord vorliegt oder ob es sich nur um die Beseitigung einer Leiche handelt. Der Aufklärung bedarf ferner ein Leichenfund, der auf einem Grundstück in der Barfutzstratze gemacht wurde. In einer Per- scnkung des unbebauten Terrains wurde der Leichnam eines Säug- lings männlichen Geschlechts gefunden. Auch in diesem Falle wird erst durch die gerichtliche Obduktion die genaue Todesursache des Kindes festgestellt werden können. Die„Ohnmacht" der Gaunerin. Einen Trick, der vor Jahren in Berlin erfolgreich angewandt wurde, benutzt eine dreiste Schwindlerin seit einiger Zeit in den Vororten. Die Betrügerin, eine etwa 45 Jahre alte Person, sucht solche Geschäfte auf, in denen sich nur ein Verkäufer befindet. Sie verlangt eine Kleinigkeit und bricht plötzlich vor dem Ladentisch„ohnmächtig" zusammen. Natürlich nimmt sich der Verkäufer der„Besinnungslosen" sofort au, und sobald die Frau wieder zum Bewußtsein zurückgekommen ist, bittet sie den Verkäufer, ihr doch ein Glas Wasser zur Erfrischung zu holen. Kehrt dann der Gebeten- mit dem Wasser wieder zurück, so ist die Frauensperson und mit ihr«in Teil des Inhaltes der Kasse verschwunden. Die Schwindlerin, die anscheinend mit recht gutem Schauspielertalent ausgerüstet ist, inszeniert den fingierten Ohnmachtsanfall recht natürlich. Grosse Aufregung verursachte vorgestern abend in dem Hause Hallcschcs Ufer 6 der Selbstmord des 20jährigen Dienstmädchens Änna Schramm, die bei einem Kaufmann in der zweiten Etage des genannten Hauses in Stellung war. Die Sch. hatte sich mit einem Küchenmcsser die Pulsadern beider Hände geöffnet, lief dann aus der Wohnung und rannte mit den Wunden, aus denen das Blut herausströmte, die Treppe hinunter und hinaus. Als Haus- bcwohner dem Mädchen zu Hilfe kommen wollten, lief sie wieder in die Wohnung ihrer Herrschaft hinein und sprang aus dem Küchenfenster auf den gepflasterten Hof hinab, wo sie mit zcr- schmetterten Gliedern liegen blieb. Ein sofort telephonisch herbei- gerufener Arzt der Unfallstation am Tempelhofer Ufer konnte nur noch den infolge Verblutung eingetretenen Tod der Lebensmüden feststellen. Das Motiv zu der Tat ist in unglücklicher Liebe zu suchen. Der Deutsche Arbeiter-Siingerbnud, Gau Berlin nnd Um- gegcnd, hielt am 14. März d. I. in der Brauerei Friedrichshain eine Ausschutzsitzung ab. Aufgenommen in den Bund wurde der Gesangverein„Arion", Wittenberge. Bezüglich der Aufnahme des Vereins„Maiengrutz", Friedrichshagcn, wird Ucbcrgang zur Tagesordnung beschlossen. Das Prcvinzial-Sängerfcst findet am 20. Juni in Fürstcnwalde swtt. Anmeldungen zu dem am 19. Juni stattfindenden Kommers sind an Barowski, Lichtenberg, Gudrun- stratze 5, zu richten, damit Nachtlager zeitig besorgt werden können. Das Abstimmungsergebnis über die Abhaltung des Berliner Sängerfestes ist folgendes: Es haben gestimmt für Sonntag 74 Vereine, für Sonnabend 33 Vereine; 35 Berliner und 46 aus- wältige Vereine haben keine Abstimmung eingesandt. Es bleibt also beim Sonntag. Beschlossen wird, dasselbe im Moabiter Schützenhause abzuhalten. Der Tag wird dem Borstand überlassen, jedoch soll möglichst der Juli genommen werden. Bezüglich der Vcrschmelzungsfrage gibt Kupfer einen kurzen Bericht; endgültige Resultate liegen noch nicht vor. Dasselbe ist auch in Rathenow der Fall. D?d Verein„Eichenkranz". Prenzlau, wünscht seiner geographischen Lage wegen sich dem Gau Pommern anzuschließen. Die Regelung wird dem Hauptvorstande überwiesen. Einem Schreiben des Dirigentenverbandes, dafür ein. zutreten, daß alle Dirigenten von Arbeiter-Gesangvercinen dem Verbände beitreten, um in gesanglicher Beziehung etwas Gutes zu schaffen, wird entsprochen werden. Nächste Uebungsstunde und Ausschutzsitzung am 18. April. Siehe Inserat am 11. April. Seitens der Kontrolleure wird jcbhaft Klage geführt über das Verhalten der Sangcsbrüder in der Bundes-Uebungsstundc. Trotz höflicher Aufforderung der Kontrolleure, doch am Gesang teil- zunehmen, sitzen Sangcsbrüder an den Tischen oder stehen am Schenktisch und stören durch laute Unterhaltung den Gesang. Schließlich müssen sich die Kontrolleure noch allerlei Liebeswürdig- leiten sagen lassen, z. B.:„Uns hat niemand- etwas zu sagen". „Machen wir, wie wir wollen" und anderes mehr. Ein solches Verhalten entspricht nickst der Würde dcS BundcS. Die Kontrolleure sind angewiesen, jetzt strikte vorzugehen und Zuwider- handelnde dem Vorstand zur weiteren Veranlassung zu melden. Gäste haben im Saal keinen Zutritt, sondern haben ans der Galerie Platz zu nehmen. Im Interesse des Gesanges wie des Bundes wird erwartet, daß dem Folge geleistet wird. Zu dem Brande in der Jalousiefabrik Bockstaller wird er- gänzend berichtet: Die sehr bedeutenden Lagervorräte und fertigen Waren, sowie die Betriebsniaschinen— die komplette SauggaS- motoren- und Dynamocmlage— sind mit dem Feuer nicht in Be- rührung gekommen. Desgleichen ist der größte Teil des Fabrik- gebäudes- vom Feuer vollständig verschont geblieben. An den AufräumungSarbeiten wird fieberhaft gearbeitet und ermöglichen die für alle Abteilungen vorhandenen Rescrvemaschinen den Betrieb bereits am kommenden Montag, den 22. d. M.. voll und ganz wieder aufzunehmen und daß die Lieferung keine Störung erleidet. Die Entstehungsursache des Brandes ist auf Reibung einer Transmissionswelle, welche eine Entzündung verursachte, zurück- zuführen. Feuerwehrbericht. Zwei Automobilbrände beschäftigten gestern die Feuerwehr in der Belle-Alliance-Str. 100 und vor dem Hause Unter den Linden 61. In beiden Fällen wurden die Autos stark beschädigt. Zweimal wuroe die Feuerwehr nach der Schönhauser Allee 13Ia und Schönhauser Allee 137 alarmiert, wo der Fußboden in einer Wohnung,«in Schornstein u. a. brannten. Nachts um 3 Uhr brannte in dem Hause Fennstr. 14 die Treppe vom 4. Stock bis zum Dachgeschoß. Zum Glück wurde die Gefahr bald bemerkt und von der Feuerwehr schnell beseitigt. Wegen eines Küchen. brandes rückte der 3. Zug nach der Zlastanienallee 18 aus. Turm- stratze 28 brannten Lumpen. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Friedrichstratze, dem Blücherplatz 2 und anderen Stellen ge- ruken.. � Vorort- JN'admebtem Ripdorf. Stadtvcrordneteu-Versammluug. Am Mittwochabend um 5 Uhr wurde die Beratung des Haus« haltöetats für 1909/10 begonnen. Zuvor stimmte die Versammlung der Begebung eines weiteren Teils der 22 Millionenanleihe in Höhe von Vi Million Mark zu; die Sparkasse der Stadt Magdeburg hat sich zu einem Darlehen in dieser Höhe gegen eine vierprozentigo Verzinsung bereit erklärt. Es folgt die Erstattung des Verwaltungsberichtz für 1908. Hierzu hat der Magistrat den Antrag gestellt, die Druck- lcgung des Berichts nicht mehr wie bisher alljährlich, sondern nur alle 2 Jahre zu bewirken. In den dazwischen liegenden Jahren soll mündlich berichtet werden. Infolgedessen referiert Oberbürger- meister Kaiier über die Verwaltungsangelegenheiten des Jahre? 1903. Er führt unier anderem auS: Die schwere Krise hat auch die Stadt stark mitgenommen. Die Hausgrundsrücke haben nur um 4 Proz.(gegen 13,5 Proz. im Jahre 1907) zugenommen. Nur um 7 Proz.(1907; 10 Prog., 1906: 13 Proz.) hat die Bevölkerung zugenommen. Mehr als 25 000 Einsprüche, Stundungen und Er- mätzigungsanträge hatte die Steuerverwaltung infolge der Arbeits- losigkeit zu verzeichnen. Die gleiche Ursache hat die Armenverwal» tung stark herangezogen. Redner hofft, daß nun aber wohl Besse- rung in der Konjunktur zu erwarten ist. Eine neue Volksschule konnte eröffnet werden; eine weitere ist im Bau. Mehrere Grund- siückSankäufe füc städtische Zwecke wurden perfekt, ebenso der An- kauf des Elisabeth-ÄinderhöspitalS in der Hasenheroe. Tie In- Kstriebnahme des Krankenhauses in Bucko! towd voraussichtlich am 1. Oktober erfolgen können. Ein erfreuliches Bild zeigt die Gasanstalt, deren Ueberschutz daS Soll um 50 000 M. übersteigt. Auch der Ertrag der Märkte war günstig. Der städtische Omnibus- betrieb hat sich gebessert, da der Zuschuß ans 15 000 M. herabginz. Ganz unbaltbar sind die Zustände im Siratzenbahnwesen. Eine einzige Linie ist hinzugekommen; irgendwelche Zugeständnisse smd von der Grotzen Berliner Stratzenbahngesellschast nicht zu erlange». Hier wird nur der Zusammenschluß der Grotz-Bcrliner Kommunen helfen. Die Höherlegung der Ringbahn dürfte in 3 Wochen in An- griff genommen und alsbald die neue Haltestelle am Schnittpunkt der Kaiscr-Friedrichstratze zur Tatsache werden. Wegen der Unter- grundbabn sind die Verhandlungen im vollen Gange, um die so notwendige Schnellverbindung mit Berlin so schnell als möglich zu erlangen.— Zum Etat sich wendend, bedauerte Redner, daß dieser ohne neue Einnahmequellen nicht balanziert werden kairn. Diu Schullasten sind 1009 auf 2260 000 M. gestiegen gegen 1907 mit 1 105 000 M. und 1908 mit 1 866 000 M. Ganz erhebliche Mehr- aufwcndungen wurden veranlaßt durch die Erhöhung der Polizei» kosten, Aufbesserung der Lehrergehälter, die Kapital- und Schulocn, Verwaltung, daö neue Krankenhaus. Diese Ausgaben sind sämtlich laufende, so daß neue Steuern bezw. Erhöhung schon vorhandener zur Deckung nötig sind. Vor dem Angreifen der Sammelsonds mutz gewarnt werden; es entspräche ein zolcher Etatausgleich nicht den Gepflogenheiten vorsichtiger Kaufleute. Stadtv. Abraham pflichtet dem Oberbürgermeister in seiner optimistischen Auffassung der wirtschaftlichen Lage bei. Steuer- erhöhungen müßten möglichst vermieden werden. Weder die Schank- konzessionsstcuer noch die vorgeschlagene Erhöbung der Grundsteuer aus 3 pro Mille für bebaute und 6 pro Mille für unbebaute Grund- stücke ist akzeptabel. Der Grundbesitz, der genug unter Subhasta. tionen leidet, mutz geschont werden. Tie Sammel« und Ausgleichsfonds können wohl zur Deckung des Defizits herangezogen werden. Im übrigen mutz Oer Gedanke eines Zlveckverbandes von Groß- Berlin umfassender gestaltet werden, um die wohlhabenderen Ge- meindcn mehr zu den allgemeinen Lasten(Schulanftvendungen) des Ganzen heranzuziehen. Er fürchte allerdings, daß dabei nichts herauskommen dürste. Stadtv. Groger(Soz.) bemängelt das Fehlen des gedruckten Vcrwaltungsbcrichts, den die bei der Rathausweihe heraus- gekommene Festschrift keineswegs ersetzen kann, wie der Magistrat es in seiner Begründung behauptet. Stadw. W u tz k y(Soz.) wendet sich eingangs seiner längeren Ausführungen gegen die bei früheren Etatsberatungen der sozial« demokratischen Fraktion nochgesagten Skrupcllosigkeit bei Stellung von Anträgen, welche große Kosten verursachen, um deren Deckung diese sich aber nicht kümmern. Dieser blühende Unsinn hat seit dem für die Geschichte Nixdorfs äußerst traurigen 17. Dezember 1908 sich dahin entwickelt, daß man mit Ammenmärchen von der „Schreckensherrschast" angeblich sozialdemokratischer Gemeindcver- waltungen den Spießer gruselig gemacht hat, um das Wahlrechts- attentat zu beschönigen. Diesen Verleumdungen mutz endlich mal entgegengetreten werden. Redner stellt nun— wiederholt unterbrochen von der bürgerlichen Mehrheit— an der Hand der Tat- fachen über die Fälle Gera, Stratzburg und Mülhausen i. Eis., Offenbach fest, daß gerade der sozialdemokratische Einsiutz in diesen Städten Kehraus mit der Korruption gemacht und dem kommunalen Fortschritt die Wege geebnet hat. Nur Niedertracht und Verleum- dung vermag das Gegenteil zu behaupten; trotzdem ist eS in Rix- dorfer Bürgervereinen geschehen. Diese„geistigen Waffen" sind ja auch in der Stadtverordnetenversammlung bei der Beweiskraft des Gummischlauchs angelangt.(Zwischenrufe.) Und das. obwohl vorurteilsfreie Aeutzerungen auZ bürgerlichem Munde über den Fleiß und die Hingabe der sozialdemokratischen Gcmeindevertreter in Fülle vorliegen. kRedner zitiert solche.) DaS ist ja auch in Rix- dorf der Fall gewesen, wo die Sozialdemokraten stets und immer im Dienste der Gesamtheit ihre Pflicht getan haben, allerdings unter dem für jeden Kommunalpolitiker selbstverständlichen Ge- sicbtspunkt, die tragfähigcn Schultern der Besitzenden für die Er- füllung der sozialen Ausgaben in der Gemeinde heranzuziehen. Unter oiesen Voraussetzungen wird die sozialdemokratische Fraktion auch den vorliegenden Etat betrachten. Die alljährliche Drucklegung des Verwaltungsberichts ist eine Notwendigkeit für alle im kommu- nalcn Leben Tätigen, was in erhöhtem Matze ziftrifft, wenn der gedachte mündliche Bericht in der überraschend dürftigen Fonn erfolgt, wie heute vom Oberbürgermeister geschehen. Damit kann man nichts anfangen. Ein Ausbau ist im verflossenen Jahre vom Magistrat zugesagt worden und jetzt erhält man ein Wrack. DaS bedeutet den Krebsgang, den die Versammlung nicbt mitmachen darf. Redner wendet sich dann zum Etat und übt Kritik an der Methode dcS RechnungsauSschusses, der nichts Besseres mit dem Millionenetat und seinem Defizit von mehr als 400 000 M. an- zufangen wußte, als durch sogenannte„Sparsamkeit" hier und da ein paar Hundert Mark und weniger abzustreichen, wobei die schon so mangelhaften Einrichtungen zum Scknden der Allgemein. heit am schlechtesten wegkommen und verschlechtert wurden. Selbst oie Erhöhung des Gaspreises hat der Ausschutz ernsthaft erwogen; gegen einen solchen Rückschritt mutz mit aller Entschiedenheit pro- testiert werden. Am Schlüsse der tagelangen Verhandlungen hat schließlich der Ausschutz nicht mehr ein und aus gewußt und hat den Steuerplan mit einem Fehlbetrag von mehr als 100 000 M. liegen lassen. An solcher Planlosigkeit ist in erster Reihe der Magi- strat selbst schuld, der ein ganzes Bukett Steuerpläne unterbreitet hat— zur gefälligen Auswahl—, anstatt führend und fest den Weg zu weisen. Es mutz überhaupt die Kommunalpolitik groß- zügiger angefaßt werden. Es ist Unsinn, die Politik— wie immer aesagt wird— aus der Kommune auszuschalten. Das Gegenteil ist richtig! Die Gemeinden müssen dahin streben, daß das Drei- klassenparlament in Prcnsten verschwindet»nd durch BolkSver- trrter Gescde gemacht werden, die nicht den Gemeinden un- erichwingliche Pslizcikosten nsw. aufbürden, sondern für Förderung der kommunalen Knltnranfgaben sorgen. Senden Sie— so sagt Redner zu der bürgerlichen Mehrheit— Anbänger des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in den Landtag, anstatt über dessen Knebelung der Kommunen hier zu stöhnen. Aber auch hier an dieser Stelle mutz eine andere Steuerpolitik eingeschlagen werden, um die notwendigen Mite! zu beschaifen. Schon im vorigen Jahre wurde von einer durchgreifenden Steuerreform gesprochen. statt dessen soll wieder am Etat herumgeflickt werden. DaS mutz ■ bei den Sp-ziakberatungen verhindert werden. CBet&ürg'etlheiftet Kaiser versucht die Haltung des Matz,- strats beim Verwaltungsbericht und zur Steuerfrage gegen die — wie er gereizt sagt—„liebenswürdige" Kritik zu rechtfertigen. Er behauptet, daß mit der vorliegenden Form des Berichts die sozialdemokratischen Redner im vorigen Jahre einverstanden gc- Wesen wären, wird aber von dem Vorredner darin widerlegt. Gegen- über dem Stadtverordneten Abraham erklärt er, daß der Magistrat beim Stcuerplan an seinem Standpunkt festhält. Der Berwaltungs- bericht soll bei zweijährigem Erscheinen umfassend ausgestalte: werden. Nachdem Stadtverordneter K o h e für genügende Stärkung der Etatspositionen gesprochen und über zu späte Zustellung des Etats- cntwnrss sich tefchioett hatte— was der Oberbürgermeister künftig für Anfang Januar versprach— hielt der Stadtverordnete Beiß seine übliche Sozialistenfrcsserrede, die von Beschimpfungen der Fraktion und der Arbeiter nur so strotzte. Auch Stadtverordneter B e e rm a n n glaubte nochmals vom Gummischlauch reden zu müssen, um— wie er meinte— die Auffassung, daß er diesen der sozialdemokratischen Fraktion wünsche, zu berichtigen. Er habe ihn nur dem Stadtverordneten Groger zugedacht.— Als auf diese Provokationen die Stadtverordneten Grog er(Soz.) und P a g e l s(Soz.) energisch die Abwehr beschritten und Stadtvcr- ordneter Böske(Soz.) erklärte, daß, wenn die bürgerliche Mehr- hcit sich mit Beiß— der in einem Beamtenwahlflugblatt als „Clown" bezeichnet wurde— identifiziere, sie auf demselben Tief- stand angelangt sei— da brach ein Entrüstungssturm bei der Mehr- heit aus, der durch einen Ordnungsruf gegen Böske nochmals ein- gedämmt wurde. Aber nur vorübergehend. Als Stadtverordneter Grog er(Soz.) darauf feststellte, wie stets der stell der- tretende Vorsteher bei seiner Geschäftsführung mit zweier- lei Maß messe, auch überhaupt unfähig zu seinem Amte sei(Ord. nungsruf) und der Vorsteher sich mit seiner vorübergehenden Abwesenheit entschuldigte, rief Stadtverordneter Böske dem letz- teren zu:„Dann setzen Sie doch nicht solche Schlafmütze dorthin!" Darauf brach ein unbeschreiblicher Tumult aus, der lange Zeit währte und oie Verhandlungen unmöglich machte. Tie bürgerlichen Stadtverordneten sprangen von ihren Plätzen auf und drangen in Gruppen auf die Linke ein, unter heftigen Gestikulationen die Zurücknahme des Zwischenrufs vom Stadtverordneten Böske hei- schcnd, was dieser jedoch entschieden ablehnte, unter Hinweis auf die parteiische Geschäftsführung. Erst langsam legte steh die Aufregung wieder ein wenig und gab einer langen Geschäftsordnungs- vebatte Raum; diese wurde aber immer wieder von neuen Zornes- auSbrüchen hüben und drüben unterbrochen, so daß noch weitere „Ordnungsrufe" erfolgten und schließlich der Vorsteher um Uhr sich außerstande erklärte, die Sitzung fortzuführen. Er vertagte darauf die Verhandlungen auf Donnerstag Uhr. Schöneberg. Ei» heftiger Zusammenstoß ereignete sich gestern vormittag in der Grunewaldstraße. Als dort ein mit Steinen beladener Arbeitöwagen der Firiiia Joseph Beiße! aus der Ebersstraße um- wenden wollte, zogen die Pferde nicht rasch genug an; e§ erfolgte ein heftiger Zusainmeiistoh mit einem Wagen der Linie 62. Durch den starken Anprall wurde der Bordcrperrou vollständig eingedrückt. weshalb der Wagen außer Betrieb gesetzt werden mußte. Personen wurden nicht verletzt. Charlotteudurg. Die Stadtverordnetenversammlung beriet am Mittwoch zu- nächst die Vorlage betreffend den Bau einer Untergrund- bahn zwischen Nollcndorfplatz und Ringbahn an der Neuen Kant- straße. Die Kosten für dies Projekt, die auf etwa 20 Millionen oeranschlagt sind, sollen aus einer neuen Anleihe gedeckt werden. Die Frage, wer den Betrieb auf der neuen Bahn zu leiten haben wird, ist vom Magistrat bisher noch nicht beantwortet worden, es scheint aber, als ob er von einem Regiebetrieb Abstand nehmen und mit der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen nicht nur einen Bauvertrag abschließen, sondern ihr auch den Be. trieb übertragen will. Sollte das nicht gelingen, so denkt der Magi- strat an eine BetriebSgemcinschaft mit Schöneberg, cvent. an den selbständigen Betrieb durch die Stadt Charlotteuburg. Nachdem der Referent Stadtverordneter Dr. F r e n tz e l die Vorlage kurz begründet hatte, erklärte Stadtv. Z i e t s ch das Einverstäildnis der sozialdemokratischen Fraktion, er wünschte aber, daß der Betrieb durch die Stadt selbst erfolgt und daß die Stadt sich bemüht, wenigstens einen Teil des durch die Bahn entstehenden Wcrtzu- Wachses in Form von hohen Anliegerbeiträgen sich zu sichern. Der Ausschuß, dem die Vorlage überwiesen wurde, wird bereits am Freitag zusammentreten, da allseitig die Ansicht besteht, die An- gclcgenheit möglichst zu beschleunigen. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete die Beratung des bereits vor 3 Wochen eingebrachten dringlichen An- träges der Sozialdemokraten: Zur Linderung der Folgen der Arbeitslosigkeit ist von dem Dispositionsfonds ein besonderer Fonds von 10 000 M. loszulösen, aus welchem den zur Empfangnahme einer Unterstützung sich meldenden, unverschuldet arbeitslos gewordenen Charlottenburger Einwohnern, sofern dieselben einen eigenen Haushalt führen, eine Unterstützung in Bar zu gewähren ist. Diese Unterstützung trägt nicht de» Charakter einer Armenunterstützung.— Hierzu lag ein Antrag Stadthagen(natlib.) und Genossen vor: Unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages den Magistrat zu ersuchen, mit auswärtigen, besonders Landgemeinden, bei denen Aroeitermangel herrscht, in Verbindung zu treten, um hiesigen Arbeitslosen, ins- besondere unverheirateten ungelernten Arbeitern Arbeit zu ver- schaffen.— Genosse Z i e t s ch. der den sozialdemokratischen Antrag begründete, wies nach, daß das. was die Stadt bisher füc die Arbeitslosen getan hat. in keiner Weise ausreichend sei. Wolle Charlottenburg seinen Ruf, eine sozialpolitisch fortgeschrittene Ge- meinde zu sein, bewahren, dgnn möge cS dem Beispiel von Nixdorf, Mainz, Karlsruhe und anderen Städten folgen und dem sozial- demokratischen Antrage zustimmen. Ebenso gut wie man für die Arbeiterkolonie, für das Asyl für Obdachlose, für Hoffnungsthal und ähnliche Zwecke Gelder bewilligt habe, rönne man auch etwas für die Unierstützung der Arbeitslosen tun, zumal, La sich dadurch die Armenlastcn verringern würden. Besonders energisch wandte sich der Redner gegen den Antrag Stadthagen, der die Auslieferung der städtischen Arbeiter an die Willkür der Agrarier bedeute. Nach weiterer belangloser Debatte, in der sich Redner aller bürgerlichen Parteien gegen die Zuwendung von Geldmitteln an Arbeitslose aussprachen, beschloß die Versammlung auf Antrag des Vertreters der liberalen Fraktion. Stadtv. W ö l l m e r, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen, in Erwägung, daß 30 000 M. aus laufeuven Mitteln zur Beschäftigung von Ar- beitölosen in Form von Notstandsarbeitcn bewilligt sind und in der Erwartung, daß der Magistrat die Bereitstellung weiterer Mittel zu diesem Zweck verlangen wird, falls die bewilligten nicht aus- reichen. Der Antrag Stadthagen wurde abgelehnt, eine Magistrats- Vorlage, betreffend Nachbewilligung der Notstandsarbeiten, gelangte zur Annahme. Hierauf begann die Durchpcitschung des Etats. Von einer auch nur einigermaßen gründlichen Etatöbcratung im Plenum kann man in Cbarlottenburg schon seit längerer Zeit nicht mehr reden, die erste Lesung des Etats erfolgt gewöhnlich am Schluß einer Sitzung, die mit anderen Gegenständen sehr überlastet ist, 'dann wird der Etat einem Ausschuß überwiesen und hinter der- schlossenen Türen beraten, während die 2. Lesung im Plenum nur eine Farce ist. Dies Spiel wiederholte sich auch am Mittwoch, die ganze sogenannte Etatsberaiung nahm vielleicht 3 Stunden in Anspruch. Beim Etat der Gasanstalten kritisierte Genosse Bartsch die schlechte Beleuchtung, über die in Charlottcnburg allgemein ge- tlagt wird. Stadtrat Cassierer bestritt, daß die Verwaltung hieran irgend ein Vorwurf treffe, er suchte die ganze Schuld auf die ungenügenden Hausleitungen abzcrwälzen.' Genosse W i l k stellte eine eingehende Erörterung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Gasarbeitcr für die bevorstebende Revision Oes Normalctats in Aussicht und wies u. a. auf die Beschäftigung galizischcr Arbeiter in der Gasanstalt hin. Beim Kapitel Allgemeine Verwaltung wurde ein von Zietsch begründeter sozialdemokratischer Antrag aus Ge- Währung von freien Fahrkarten für Stadtverordnete abgelehnt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem sozialdemokratischen Antrag auf Gewährung freier Lernmittel und einem weiteren Antrage, die Summe für Schulbauten um 400 000 M. zu erhöhen. Beim Kapitel„sonstige Gcmeindeeinrichtungen" wurde der Magistrat auf Antrag des Etatsausschusses ersucht, die Herrichtung eines Urnenhains event. in der Jungfernheide ins Auge zu fassen. Ge- nosse Ewald sprach bei dieser Gelegenheit den Wunsch ans, daß gleichzeitig auch auf den Bau eines Krematoriums Rücksicht ge- nommen werden möge. Unter den verschiedenen Einnahmen und Ausgaben befindet sich auch ein Posten für die Unterstützung des Lchrlingshcims. Genosse Zietsch beantragte Streichung der Unterstützung, weil keine Garantie dafür geboten ist, daß der Verein in politisch und religiös objektiver Weise geleitet wird. Tic Mehrheit bewilligte die Unterstützung für den Verein, lehnte dagegen eine Unterstützung für den Arbeiterschwimmvcrein ab, obwohl sie dem bürgerlichen Schwimmverein Charlottenburg 400 M. bewilligte. Zu diesem Etat wurden noch 2 Resolutionen des Ausschusses angenommen, von denen die eine den Magistrat ersucht, mit allem Nachdruck für eine ausreichenve Vermehrung der Polizei- lichcn Sicherheilsmannschaften in Charlottenburg bei der Regierung vorstellig zu werden, während sich die andere gegen den trotz des energischen Widerspruchs der Vertreter von Charlottenburg er- folgten Ankauf der Grundstücke in der Viktoria- und Mwtthäikirch- straße durch den Provinziallanotag aussprach, weil dadurch auch die Charlottenburger Steuerzahler ungerechtfertigt belastet werden. Eine schärfere Fassung dieser Resolution, wie sie Z i e t s ch beantragt hatte, wurde abgelehnt. Zu heftigen Auseinandersetzungen kran es bei dem Kapitel G e m c i n d c st e u e r n. Der EtatsauLschutz hat den Magistrat ge- zwungcn, die von ihm unterbreitete Gemeindcgnindsteuerordnung, die eine wesentliche Belastung des unbebauten Grund nno Bodens vorsah, zurückzuziehen. Die Sozialdemokraten beantragten die Wiederherstellung der Magistratsvorlage. Der Stadwerordneteir- Vorsteher Kaufmann wollte zunächst den sozialdemokratischen Autrag überhaupt nicht zulassen, da angeblich eine vom Magistrat zurückgezogene Vorlage nicht wieder aufgenommen werden dürfe. Allerdings gaben ihm seine Parteifreunde darin recht, aber trotzdem setzten die Sozialdemokraten nach längerer GeschäftsordnungSdebattc die Beratung ihres Antrages, wenn auch in etwas veränderter Form, durch. Stadtv. Hirsch begründete den Antrag mit dem Hinweis darauf, daß der Etatsausschuß den sozialen Grundgedanken der ursprünglichen Magistratsvorlage beseitigt habe und wandte sich scharf gegen die Haus» und Grundbcsitzcrvereine, die fast in jeder Sitzung Eingaben an die Stadtverordnetenversammlung richten, in Venen sie sich als die Vertreter der Allgemeinheit hinzu- stellen suchen und gegen jede steuerliche Belastung protestieren, während ssc in Wirklichkeit in der rücksichtslosesten Weise ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wie vorauszusehen war, schloß sich die Mehrheit unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages dem Vorschlage des Etatsausschusses an. Die Sozialdemokraten stimmten infolgedessen gegen die gesamten Steuern. Nach Erledigung der Etatsberatung bewilligte die Versamm- lung noch 3000 M. zur Unterstützung der durch Hoch» Wasser in der Altmark Geschädigten. Die Vorlage betreffend Bestimmungen über die Errichtung und die Tätigkeit der Arbciterausschüsse für die Arbeiter der Stadt Charlottcnbnrg wurde von der Tagesordnung abgesetzt, sie wird am nächsten Mittwoch beraten werden. Bon einem Löwen zerfleischt wurde gestern morgen auf einem Rummelplatz in der Sophie-Charlotten-Straße in Westend der J2jährige Arbeiter Karl Bodcufeld, der in einer Menagerie angestellt war. Als er gegen 0 Uhr beim Reinigen der Stallung sich dem Lölvenkäfig näherte und mit dem Besen vor demselben Hantiertc, sprang plötzlich ein gewaltiger abessynischcr Löwe gegen daS Gitter, langte mit der Tatze durch die Stäbe und erfaßte den rechten vrm des auf diesen Angriff nicht vorbereiteten Mannes. Da? Tier zog den Arm in den Käfig hinein und zerfleischte ihn vollständig. Die auf da? Hilfegeschrei de? Arbeiters hinzukommenden Wärter schlugen mit eisernen Stangen auf die Bestie und befreiten den Unglücklichen, der sofort besinnungslos zusammenbrach. Bodeufeld wurde nach der Unfallstation in der Kaiser-Friedrich-Straße gebracht und von dort nach Aulegung eines NolvervandeS nach dem Krankenhause Westend überführt. Steglitz. Unter dem Verdacht be? versuchten dreifachen KindcSmordes ist eine Arbeiterfrau Maria Mietzncr von hier verhaftet worden. Die Festnahme der Frau ge schab in Hamburg, wohin sie geflüchtet war. Die M. soll an ihren drei kleinen Kindern einen Mordversuch da- durch verüb: haben, daß sie in ihrer Wohnung einen Brand anlegte. Lichtenberg. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen WahIvereinS Lichtenberg wählte als ersten Vorsitzenden den Genossen Kopvcn« Hagen. Den Bericht von der Krcisgeneralversammlung gab chec Genosse MiruS. Eine Diskussion wurde hierüber nicht beliebt. Ein der Generalversammlung unterbreiteter Antrag, den Gästen auf Wunsch zur Kreisgeneralversammlung daS Material. welche? die Delegierten erhalten, zu verabreichen, ivurde mit großer Majorität angenommen.— Zum Schluß wurde auf das Stiftungsfest, welches am Soimabeud im Schwarzen Adler stattfindet, hingewiesen und um rege Beteiligung ersucht. Friedrichshagen. Eine Märzfcier veranstaltet der hiesige Arbeiter-BildungSauSschuß am kommenden Sonnabend, den 20. März, in Lerchcs Bllrgersälcn, Friedrichstr. 112(Rundteil). Sie wird in Rezitationen von FreihcitZ- dichtungen Ferdinand Freiligraths und anderer, Klavicrsolis und Festrede bestehen. Eintritt IS Pf., Beginn S'/z Uhr. Wir rechnen auf eine der Würde der Feier entsprechende starke Beteiligung der Friedrichshagener Arbeiterschaft. Wcistensee. Die silriiiidunz eine? große» GesangchorcS bezweckt eine Zu- sammcnkunst, die der hiesige Arbeitergesangverein„Freie Säuger" zum Sonntag, den 21. März, mittags 12 Uhr, nach dem Prälaten, Lehdersir. 122. einberufen hat. Es wird daher erwartet, daß alle sangeskundigen Genossen, sowie alle Arbeitersänger aus den hiesigen Vereinen erscheinen. AuS der Gemeindevertretung. Vom 1. April ab wird in der Charlottenburger Straße außer dem am Sonnabendabend statt- findenden Wochenmarkt Mittwochs noch ein Frühmarkt eingelegt. Tiefe Neuerung machte eine Äendcrung der bestehenden Polizei- Verordnung notwendig, die debattelos genehmigt wurde.— Die katholische Pfarrgcmeinde beantragte einen Zuschuß für eine Turm- uhr und verwies auf die Beihilfen, die man seinerzeit der evange- lischcn Kirche im Betrage von 30 000 M. zugebilligt habe, ferner erwähnte diese auch den Zuschuß zum GemcindehauSbau. Genosse Pcukert vertrat den Standpunkt, für solche Zwecke überhaupt keine Mittel zu bewilligen. Genosse Taubmann hob hervor, daß sich au der katholischen Kirchcngemeinde bisher andere ein Beispiel nehme» konnten, da diese noch nie die politische Gemeinde in Anspruch ge- nommen habe. Wenn auch sie sich jetzt an den Gemeindesäckel wende, so nur, weil man mit vollen Händen andere ReligiouSge- meinschaften unterstützt habe. Die Vertretung bewilligte für die beantragte Turmuhr 500 M. Die Beschlußfassung eines Orts- statuts betreffs Pfandleihanstalten rief ebenfalls eine längere De- batte hervor. Vom Gemeindevorstand lag folgender Antrag vor: In der Gemeinde Weißensee ist die Erlaubnis zum Betriebe des Pfandleihgewcrbes und zum gewerbsmäßigen Ankaufe beweglicher Sachen mit Gewährung des Rückkaufsrechtö von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig. Genosse Frentz sah hierin eine Beschränkung der Gewerbcfreihcit. Trotz vieler Reden wurde dennoch gegen die Stimmen unserer Genossen und zwei bür- gerlicher Vertreter das Ortsstatut angenommen. Außerhalb der Tagesordnung wurde auf die Beseitigung der Schneemassen hin- gewiesen. Ein von unseren Vertretern gestellter dringlicher Antrag stand nicht auf der Tagesordnung, derselbe schlummert im Tief- bauamt. Der Vorsteher betonte zwar, daß nach Rücksprache mit dem Tiefbauamt alles Mögliche getan wird, jedoch hat bisher kein Vertreter von außergewöhnlichen Mahnahmen zur Beseitigung der Schneemassen etwas gesehen, mit Ausnahme des Herrn Mewcs, der in einer früheren Sitzung die Zustände vor seinem Grundstück schildrte. Dort scheinen inzwischen auf amtliche Anordnung die Schneemassen beseitigt zu sein, weshalb für diesen Herrn allerdings die Sache erledigt ist. Eine nochmalige Aussprache mit dem Bau- rat sollte bezwecken, Wandel zu schaffen. Bis heute ist aber von Maßnahmen nichts zu bemerken. Vermischtes. Ein Pfarrer als SittlichkcitSvcrbrecher. Große? Aufsehen erregte in Oberschlesien, wie aus Gleiwitz gemeldet wird, der Prozeß, der gegen den SSjährigen Pfarrer Neumaun ans Zabrze vor der Gleiwitzer Strafkammer geführt wurde. Pfarrer Neumann wurde beschuldigt, an minderjährigen Mädchen und an Frauen seiner geist- lichcn Obhut SittlichkcitSverbrechen begangen zu haben. Der An- geklagte wurde zu zlvei Jahre Gefängnis verurteilt. Der Expreßzug im Stationsgebäude. Aus Montreal wird ge- meldet: Der gestern früh hier eintreffende kanadische Pacisic-Exprctzzug blieb auf der Haltestelle Windsorstraße nicht stehen und fuhr in da? Stationsgebäude hinein. Die Lokomotive durchbrach die Mauer des Gebäudes und die zweier Wartesäle. Fünf Personen wurden gc- tötet und zwanzig verletzt. Alle diese Personen befanden sich im Wartesaale. Passagiere des ZugeS wurden nicht verletzt. Wie fest- gestellt wurde, explodierte der Keffel der Lokomotive zwec Meilen vor der Station, wobei der Lokomotivführer getötet und der Heizer verletzt wurde. ....................................»in...... ... Das gerichtlich taxierte Waren-Lager V. A W raus_ n zF � Konkursmasse % % des Teppich-Hauses B. Hurwitz, Rotes Schloß, An der Stechbahn I, Parterre nnd erste Etage null onbedingt WC�fCII JSflf tÖSUtl�i scblcan'Sst verkalltt werden. bc8taidee?n echten Perser-«. Orient-Teppichen x Deutschen Teppichen x Vorlagen x Portieren x Stores x Gardinen x Läuferstoffen Tischdecken x Möbelstoffen x Matten-Teppichen x Paravants x Fellen x Diwandecken x Tüllbettdecken x Gobelins o, Steppdecken werden zu Sp0äiKlIIlgVN lPfVSSVN [Wegen eroßen Andrangs wird der Einkauf 1 I fx,„-„-i, e wri... I I Kontor- and Oesehaftaelnrlchtang soll l'Ur 1 ,\y�w gane delikat im Gesefamack. JOO-Stflek-Kiite M. 3.25 franko j nach jeder Postatation. 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