N». 69. UtiannenHlitS'Sedlnaonseil: Abonnements- Preis pränumerando 1 Siertcljährl. 8�0 Ml., oionall. 1,10 Mk., wöchentlich LS Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummct mit illuslriertcr Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Däncmarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crfitdnt ttz«» aaBtr mtatags. Vevlinev Volksblatt. 36. Jahrg. B>e TnkrtlonS'Gc6üf)r kelrZgt für die sechsgespaltene Kolonel» gelle oder deren Raum BO Pfg., für politische und gcwcrlschaslliche Bercins« und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine ZZn-«ig-n". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weilcre Wort 10 Pfg. Stellengeiuchc und Schlaf» flcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg» jedes weilcre Wort S Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnierale für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition gpgegcben werden. Die Expcdllion ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm. Adresse: „SozialiURieHrat RtrllB* Zcntralorgan der fozialdemokrati feben parte» Deutfcblands. Redaktion: SCQ. 68, Lindcnetrassc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 23. März 1909. Expedition: 8M. 68, Lindcnatrasae. 69. Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981» canMittschaftliche betriebe. 1. Der antikollektivistische Bauernschädel, den vor genau zwanzig Jahren der alternde S ch ä f f l e als Argument gegen den Sozialismus in die nationalökonomische Literatur ein- führte, bildet heute noch ein Trostmittel für alle die, die an der Erhaltung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung tat- sächlich oder in falschem Wahn interessiert sind. Als der Verfasser der„Quintessenz des Sozialismus" dieses Büchlein in Vergessenheit bringen wollte und deshalb daranging, die „Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie" dem Spießbürger zu beweisen, waren eben die Zahlen der Berufszählung vom Jahre 1882 bekannt geworden. Sie lehrten, daß auf je 1000 Erwerbstätige im Deutschen Reiche 434 in der Land- und Forstwirtschaft, 337 in der Industrie und im Bergbau und 83 im Handel Tätige kamen, daß somit in der Land- und Forstwirtschaft mehr Erwerbstätige festgestellt wurden als in Industrie, Bergbau und Handel. Auch heute sucht der Ver- teidäger des kapitalistischen Ausbeutungssystems Trost in den Ergebnissen der landwirtschaftlichen Betriebsstatistik. Ob ein Schäffle heute noch in dem Bauernschüdel die Garantie für die Herrschaft des Privateigentums sehen würde, glauben toir bezweifeln zu dürfen. Schon die Ergebnisse des großen Zählwerkes� 1895 zeigten, daß das Deutsche Reich ein Industriestaat geworden war. Von den Resultaten der vorletzten Berufszählung ausgehend, schrieb der Leiter des deutschen statistischen Amts van der Borg ht: „Seitdem(seit 1882) haben also in der wirtschaftlichen Arbeit des Volkes die nicht landwirtschaftlichen Berufe an Bedeutung zugenommen. Handel und Verkehr umfassen in Groß- britannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika einen größeren, in allen anderen Kulturländern einen kleineren Prozentsatz als im Reich, und die absolute Zahl der in diesen Berufen erwerbstätigen Personen ist nur in den Vereinigten Staaten yrößcr, dagegen schon in Groß- britannien— wenn auch nicht erheblich— kleiner." Heute würde auch Herr van der Borght kaum mehr fortzufahren wagen:„daß die deutsche Volkswirtschaft sich auf landwirt- schastliche und gewerbliche Arbeit in gleichem Maße stützt, eine einseitige EntWickelung also zu vermeiden gewußt hat." Das kaiserliche statistische Amt kann zwar in den Gang unserer wirtschaftlichen EntWickelung nicht bestimmend ein- greifen, der Entfaltung der industriellen Kräfte keinen Hemm- schuh anlegen und die Bedeutung des Deutschen Reichs als eines Agrarstaates nicht stützen: was es aber tun konnte, geschah, indem man sorgsam bemüht war, die Bedeutung des landwirtschaftlichen Jnteressenkreises in den Ergebnissen der Berufszählung möglichst groß, größer erscheinen zu lassen. als sie tatsächlich war. Die agrarische Beeinflussung der Verwaltung des Reichs macht nicht einmal Halt vor der Statistik. Die tendcnziöseFragestellung des Landwirt- schaftsbogcns der Berufs- und Betriebszählung vom 12. Juni 1007 wird besonders klargestellt durch die mit dem Datum des 5. Juni 1007 herausgegebene Sondernummer der„Stati- stischen Korrespondenz"(Verlag des Königlichen statistischen Landesamtes in Berlin. Verantwortlicher Herausgeber: Dr. E. Blenck, bekanntlich der oberste statistische Beamte in Preußen). In dem Kommentar zur Landwirtschafts- kart� heißt es: „8. Land- und Forstlvirtschaftskarten sind überall da auszustellen, wo eine Boden fläche, wenn auch von kleinstem Umfange, landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich be Wirtschafter wird: nur Ziergärten, auch solche, in denen nebenher ein unbedeutender Anbau von Nutz- pflanzen stattfindet, sind hiervon ausgenommen. Ob eine Land- wirtschaftskarte auszufüllen ist, hängt nicht von der Größe der bewirtschafteten Fläche ab, auch nicht davon, ob der Ertrag in der eigenen Haushaltung verbraucht oder ob> er verkauft wird, ebensowenig 4chvon, ob das bewirtschaftete Land Eigentum, Pach- tung oder sonst dem Bewirtschaftcr überwiesenes Land ist, auch nicht davon, ob die bewirtschaftete Fläche zur Grundsteuer ver- anlagt ist, oder ob der Betrieb beitragspflichtig für die land- wirtschaftliche Berufsgenossenschaft ist. Der Umstand allein, daß eine Fläche landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich� benutzt wird, ist entscheidend für die Ausstellung einer Land- wirtschaftskarte. In gewissen Grenzfällcn bei sehr kleinen Flächen, wo man Zweifel darüber haben kann, wird nach der Sachlage zu urteilen sein: ist der Anbau von Nutzpflanzen für die betreffende Haushaltung von einer gewissen wirtschaftlichen Bedeutung, so wird ein Landwirtschaftsbetrieb zu zählen sein, andernfalls nicht. Wer die Gartenwirtschaft nur zum Ver- gnügen betreibt und sich das Pfund selvstgezogenrn Spargels 5 M. kosten läßt, braucht für seinen Garten keine Landwirt. schaftSkarte auszufüllen; die Haushaltung kleiner Leute dagegen. die auf wenigen Ar Landes einen Teil ihres Kartoffelbedarfs baut und dergleichen, hat einen Landwirtschaftsbetrieb.— Auch für das Deputatland von landwirtschaftlichen Tagelöhnern ist eine Pandwirtschaftskarte aufzustellen. TaS Deputatland ist aber von dem des Gutsbesitzers usw. alsdann abzuziehen(nicht doppelt anzurechnen)." Die„Neue Zeit" kommentierte diese Anweisung der ober- sten statistischen Stelle Preußens scharf in ihrer Nummer vom 6. Juli 1007: „Die Tendenz, die Zahl der landwirtschaft- lichen Betriebe möglichst groß erscheinen zu lassen, kommt hier mit einer--- Ungeniertheit zum Ausdruck, die den extremsten Gegensatz zu der Diplomatie bildet. Man beabsichtigt durch die Tendcnzstatistik die Zahl der selbständigen Landwirte sehr groß erscheinen zu lassen und damit den Glauben zu erwecken, daß die Industrialisierung Deutschlands sich ver- langsamt und die aararische Politik ihre wirtschaftliche Berech- tigung habe. Man kann nicht früh genug zur größten Vorsicht bei der Benützung der Landwirtschaftsstatistik mahnen." Die sozialistische Äritif hatte schon früher eingesetzt, in- dem sie über die Fragebogen schon vor der Erhebung richtig urteilte: „... die Land- und Forst wirtschaftskarte (ist) direkt von der Absicht diktiert, den Umfang des land- wirtschaftlichen Besitzes nicht erkennen zu lassen, den Per- sonenkreis möglichst groß erscheinen zu lassen, womit im Sinne der Agrarier leicht zu erkennende Tendenz- statistit getrieben werden, uns den Verteidigern der These von der Vermehrung des landwirtschaft- lichen Kleinbetriebs und des Nicht st attfindens einer Akkumulation in der Landwirtschaft Material geliefert werden soll. Diese Absichten gehen aus der Anleitung zur Beantwortung der Fragen in der Land- und Forstwirtschaftskarte klar hervor. So sollen über Fläche und BcsitzvcrhältniS die Angaben von demjenigen gemacht werden. der die Bodenfläche bewirtschaftet und den Ertrag, gewinnt, bei „verpachteten Grundstücken vom Pächter, nicht vom Eigentümer". bei„Grundstücken, die auf Halbpacht oder gegen einen anderen Ertragsanteil vergeben find, vom Antcilpächter(Teil- bauer), nicht vom Eigentümer",„Grundstücke, die als Teil des Lohnes an Tagelöhner, Arbeiter usw. ausgegeben und von diesen selbst bcwirtschastet werden(sogenanntes Deputatland, zum Beispiel Kartoffelland, Leinland) vom Tagelöhner usw.. nicht vom Dicnstherrn oder Arbeitgeber; Deputatland, welches vom Dienstherru zwar bestellt wird, dessen Ertrag aber dem Deputa- tisten(Tagelöhner oder Arbeiter) zukommt, ist von der Betriebs- fläche des Dienstherrn ausguscheiden und bei der Haushaltung des Deputatisten(Tagelöhners oder Arbeiters) anzugeben..." Auch sonst ließen sich aus der Land- und Forstwirtschaftskarte für das Königreich Preußen Stellen zitieren, welche des größten Beifalls des Bundes der Landwirte sicher sind. Man wird jedenfalls gut tun, bei Benutzung der agrarischen Ergebnisse den Inhalt deS Fragebogens und der amtlichen Anleitung zur Beantwort-ung der Fragen im Auge zu behalten." Nun, wo die vorläufigen Ergebnisse der preußischen Landwirtschaftsstatistik vorliegen, muß auf die sozialistische Kritik der Erhebung dieser Zahlen hingewiesen werden. Zum Glück gibt es auch Möglichkeiten der Kritik und der Korrektur tendenziöser Statistik. Die Agrarier selbst und die mit ihnen Verbündeten Pastoren und Bureaukraten klagen und jammern ja ohne Unterlaß über die Entvölkerung des Landes, über den steigenden Mangel an ländlichen Arbeitskräften, was nian schon feit Lengerke so schön die„ländliche Arbeitsfrage" nennt. Immer wieder denkt man, wie schon Miquel, der Liebling der Agrarier, an die Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen im Interesse der landwirt- schaftlichen Besitzer. Die staatlichen Maßnahmen gegen die Landflucht ist eines der Probleme, das dem Bund der Land- wirte besonders beschäftigt. Die Tatsache der Entvölkerung der durch das Vorherrschen der Landwirtschaft charakterisierten Gebiete im Deutschen Reiche beweist trotz aller tendenziösen Statistik das Zurücktreten der agrarischen, das Vorwärts st ürmen der industriellen Macht- f a k t 0 r e n im deutschen Wirtschaftsgebiete. Dr. Walter C l a a s e n, ein ehemaliger Sozialdemokrat, kein agrarischer Reformer der Sozialdemokratie, sondern wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Bureau des Bundes der Landwirte, klagt in dem im Jahre 1008 erschienenen Buch„Die deutsche Land- Wirtschaft":„Sechs Millionen Menschen, Nachkommen derer, die 1870 im ostelbischen Lande lebten, haben die Heimat ver- lassen. Fast zweimal soviel Menschen sind im übrigen Deutschland denselben Weg in die Städte gegangen, den Weg der Revolution.... Die Landwirtschaft verschlechtert sich beständig, da ihr die entzogenen Kräfte— und es sind die besten— fast nie zurückerstattet werden. Und an einer anderen Stelle seines Buches jammert der frühere Sozialdemokrat: „Von 1859 an und besonders seit 1879 beginnt der Massen- Übergang zur Industrie und gleichzeitig auch der mächtig an- wachsende Andrang der gebildeten Klassen nach den Städten. In O st e l b i e n verminderte sich die landwirtschaftliche Bcvöl- kerung von?Vs Millionen im Jahre 1849 auf etwa 6 Millionen im Jahre 1995, während die gewerbliche Bevölkerung fast aufs Doppelte wuchs. Die Landwirtschaft, die 1849 noch drei Viertel der ostelbischen Bevölkerung ernährte, ernährte 1992 nicht mehr drei Zehntel. Von den Nachkommen der Kossäten und Tagelöhner, die 1849 noch fast alle auf dem Lande lebten, ist die Hälfte in die Städte gewandert. Von den Einwohnern des Deutschen Reiches wurden 1849 wahrscheinlich noch mehr Prozente durch die Landwirtschaft ernährt, als in Ostelbien allein, also mehr als 75, 1879 immer noch an 95, 1882 waren es noch 42,5, 1895 35,8 und heute sind es sogar schon unter 89 Proz." Bei der Kunst, Statistik zu frisieren, die Dr. Claasen wohl im wissenschaftlichen Bureau des Bundes der Landwirte erlernt hat, kommt er übrigens ohne jede Begründung und Erklärung zu dem lustigen Satze:„Immerhin stehen heute noch etwa 52 Proz. aller deutschen Familien mit der Land- Wirtschaft durch die Tätigkeit ihres Oberhauptes in irgend- welcher Verbindung, worunter allerdings auch Wohl die Berliner Laubenkolonisten ustv mit inbegriffen sind." Und nach diesem Satze, der fast wie Selbstironie klingt, heißt es weiter:„In Orten mit weniger als 2000 Einwohnern lebten Ende 1005 42,6 Proz. des deutschen Volkes. Von diesen gehörte etwa ein Viertel nicht mehr dem landwirtschaftlichen als ihrem Hauptberufe an. Von dem gesamten preußischen Nationaleinkommen flössen um 1800 drei Viertel, heute nur kaum ein Fünftel aus der Landwirtschaft." Das klingt doch ganz anders, als der von dem gegenwärtigen Chef der amt- lichen Statistik des Deutschen Reiches niedergeschriebene Satz: ...... die deutsche Volkswirtschaft stützt sich in gleichem Maße auf landwirtschaftliche und gewerbliche Arbeit, eine ein- feitige EntWickelung hat sie also zu vermeiden gewußt." Bei dieser Zurechtrückung offenkundiger wirtschaftlicher Tatsachen zur Freude der Agrarier muß die deutsche Landwirtschafts- statistik, die unter Führung des Herrn van der Borght in Angriff genommen und ausgeführt wurde, das schärfste Miß- trauen herausfordern. Für die van der Borght, Blenck und anderen maßgebenden geheimen und sonstigen Räte in der amtlichen Statistik sind die Berufs- und Äetriebszählungen Verwaltungsstatistik im schlechten Sinne des Wortes. Sie sollen, soweit das irgend möglich ist, erweisen, daß die agra- rische Politik im Reiche und in Preußen nicht im Widerspruche mit den Ergebnissen der wirtschaftlichen Bestandaufnahme steh! Und doch wäre eine objektive Feststellung der Wirt- schaftlichen Entwickelungstendenzen und Tatsachen in der deutschen Landwirtschaft ein dauernder Gewinn für Wisse,'- schaft und Leben, für Theorie und Politik. ver poltitreiß. Die streikenden Beamten haben der Regierung den Beweis geliefert, daß ihr Machtdünkel ein schlechter Berater war. Ihre Hoffnung, die Streikenden durch Militär ersetzen zu können, hat sich als eitel erwiesen und vor Vernichtung ihres Koalitionsrcchtes schützt die Beamten die Solidarität der Arbeiter, für die jede Antastung des Koalitionsrcchtes den Kriegsfall bedeuten würde. So hat das Komitee des Syndikats der franzö- fischen Eisenbahnlinien beschlossen, unverzüglich Maß- nahmen zu ergreifen, um mit den in Betracht kommenden Gruppen Beratungen zu pflegen für den Fall, daß die Regierung versuchen sollte, den Ausständigen gegenüber Zwangsmaßregeln anzuwenden. Deshalb mußte die Regierung versuchen einzulenken. Clcmenceau und B a r t h o u empfingen eine Deputation der Streikenden und erklärten ihnen, daß sie zwar über die Demission des Hauptschuldigen, des Postministtas SimhanS nicht verhandeln wollten, daß aber wegen des Streiks keine E n t- lassungen stattfinden werden, falls bis Dienstag die Arbeit aufgenommen werde. Außerdem aber erschien bereits eine offizielle Verlautbarung, das die von Simyan zuungunsten der Streikenden abgeänderten Avancementsbedingungen in einer den Forderungen der Beamten entsprechenden Weise ändere. Die Streikenden haben damit bereits zur Hälfte gesiegt. Angesichts dieser Sachlage empfahl das Streikkomitee die Wiederaufnahme der Arbeit. Gestern stattgefundene Streikversammlungen haben aber dieses Verlangen abgelehnt, solange Simyan nicht demissioniert habe. Deshalb fand heute eine neue Versammlung statt, die von ungefähr 9999 Beamten besucht war. Unter stürmischen Beifallskundgebungen wurde die Fortsetzung des Streiks beschlossen. Es wurden 12 Delegierte ernannt, welche beauftragt wurden, sich zum Kabinettschef und Minister der öffentlichen Arbeiten zu begeben, um von diesem den R ü ck t r i t t des Untcrstaatssekretärs Simyan, sowie das schriftliche Versprechen zu verlangen, daß keine Amts- enthebung gegen Ausständige verfügt werde. Hierauf löste sich die Versammlung auf. Um 3 Uhr sollten die Delegierten in einer neuen Versammlung üblfl: das Ergebnis der Schritte bei Clemenccau Rechenschast ablegen. Auch die Untcrbeamten, welche die Wiederaufnahme der Arbeit für heute beschlossen hatten, hielten eine Versammlung ab, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, den Ausstand weiter fortzusetzen. Es wurden Delegierte er- nannt, die sich zu C l e m e n c e a u begeben sollten, um ihm zu er- klären, daß der Ausstand einen rein persönlichen Charakter trage. Clemenceau und Barthou erklärten den 12 Delegierten gegenüber, daß sie unter keinen Umständen die Frage deS Rücktritts des Unterstaatssckrctärs Simyan diskutieren wollten. Clcmenceau erklärte weiter, irgendwelche Bedingungen seitens der Ausständigen nicht entgegen nehmen zu wollen, da die Regierung bereits Entgegenkommen gezeigt habe. Unter diesen Umständen ist die Beilegung des Konfliktes wieder hinausgerückt worden. Um einen unfähigen Beamten zu halten, wie es das verrückte Äutoritätsprinzip will, fügt die rcpu- blikanische Regierung dem Lande den schwersten Schaden zu und treibt die Beamten, die durchaus keine Sozialdemokraten sind, in immer größere Erbitterung hinein. Eine Interpellation der Sozialisten. Paris, 22. März. Kammer. Genosse R o u a n e t brachte heute seine bereits angekündigte Interpellation über die U n- genauigkeit der am Freitag von Barthou gemachten An- gaben ein. Der Interpellant behauptet, daß die dreifache Art, nach der die Beförderung vollzogen wurde, durch keinen Erlaß ab- gcschafst worden sei und appellierte an atze Minister, sie möchten sich versöhnlich zeigen und sich nicht auf die Staatsraison be- rufen. Minister Barthou erwiderte, die Debatte sei ab- geschlossen, er gestatte nicht, daß man an seiner am Freitag ab» gegebenen Erklärung, und zwar in ihrem ganzen Umfange, zweifle. Die Beamten hätten nach ihrer Besprechung mit der Regierung nicht den geringsten Zweifel gehabt, daß die dreifache Art der Be. förderung abgeschafft sei. Der Staat als Arbeitgeber wollte mit dem Empfange der Abordnung den Industriellen ein gutes Beispiel geben. Er"hoffe, daß die Wiederaufnahme der Arbeit morgen allgemein sein werde, ohne daß die Negierung von ihren Rechten Gebrauch machen müßte. Gauthier de Clagnh warf in einer kurzen Zwischenbemerkung der Regierung vor, den Unter- staatssekretär Simhan geopfert zu haben. Barthou pro- t e st i e r t e heftig und sagte, die Regierung habe es vielmehr ent- schieden abgelehnt, über diese Frage mit den Ausständigen zu ver- handeln. Ueberdics beweise der Empfang der Abordnung keines- wegs, daß die Regierung den Beamten das Streikrccht ge- währe, er hoffe, daß die Kammer das Vorgehen der Regierung billigen werde.(Beifall links.) Einige Abgeordnete beantragen die einfache Tagesordnung. Diese wurde von Barthou abgelehnt, der die Vertrauensfrage stellte. Die einfache Tagesordnung wurde mit 319 gegen 210 Stimmen verworfen, hierauf nahm die Kammer mit 344 gegen 138 Stimmen eine Tagesordnung an, deren Eingang lautet: Die Kammer vertraut auf die Regierung, billigt ihre Erklärungen und weist jeden Zusatz zurück. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. In der Probinz. Paris, 2i. März. Die S tr e i k l ag e ist in Lille, Mar- seille und Lyon unverändert. Das Zentralkomitee der Union der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter nahm in der Ar- beitsbörse eine Tagesordnung an, in welcher die Arbeiter erklären, sofort eine Propagandaaktion ins Werk setzen zu wollen, mit dem Ziele, alle Organisationen der Staatsarbeiter in die Ausstandsbewegung hineinzuziehen, falls die Verwaltung den Postbeamten nicht Genugtuung gewährt. Me ManMc. Es ist das Grab der niilitärischen Stärke Rußlands, auf dem immer wieder die Friedenshoffnung aufgepflanzt wird. Aber gerade Rußlands Schwäche hat den Balkanfragen erst ihre bedrohliche Bedeutung gegeben. Die Niederlage im japanischen Kriege hat Rußland den Weg nach dem fernen Osten verlegt und es gezwungen, die schon verlassene Richtung seiner Politik wieder aufzunehnicn, deren letztes Ziel die Vorherrschaft Rußlands auf dein Balkan und die Einver- leibung Konstantinopels bildet. Diese Aenderung der russi- schen Politik hat Oesterreich veranlaßt, zuerst durch das Projekt des Sandschakbahnbaues, dann durch die Annexion Bosniens dem alten Rivalen zuvorzukommen und die eigene Stellung auf dem Balkan zu stärken. Rußland konnte dies und kann es auch heute nicht mit Gewalt hindern, denn dazu ist es zu schwach. Aber seine Diplomatie war perfid genug, um durch Erregung eitler Hoffnung das erregte Serbenvolk in einen Kampf hineinzutreiben, der, mag er auch für die Serben ein fürchterliches Unglück bedeuten, doch— und dies ist Rußlands Interesse— für Oesterreich eine starke finanzielle Schwächung und eine beträchtliche Bindung militärischer Machtmittel— vielleicht für längere Zeit— bedeutet. Die Serben sind so zum Kanonenfutter für Rußland bestimmt und haben die Funktion, die Stärkung der Stellung Oesterreichs zu vereiteln, bis die russische Wehrmacht notdürftig reorganisiert ist. Die Schwäche Rußlands aber hat dieses Reich auch in verstärkte diplomatische Abhängigkeit von Frankreich und Eng- land gebracht. Der deutsch-englische Gegensatz vor allem, den die verderbliche Kolonial- und Marinepolitik erzeugt hat, hat die englische Diplomatie in den ersten Phasen des Konflikts zur Unterstützung der russischen verleitet, um in der Schwächung Oesterreichs zugleich die des verbündeten Deutschen Reiches zu erreichen. Herr Jswolski, der in Buchlau der Annexion im voraus zugestimmt hatte, kehrte nach dem Besuch von Paris und London als der erbitterte Bekämpfer der österreichischen Politik zurück, deren Resultate er durch eine europäische Konferenz wieder zunichte zu machen hoffte. Unterdessen aber hat das Werk der russischen Diplomatie in Belgrad seine Wirkung getan und dort eine nationale Er- rcgung geschaffen, die es außerordentlich zweifelhaft machen muß, ob der serbischen. Regierung ein Rückzug noch möglich ist. Soll dieser aber doch noch möglich sein, so nur, wenn die serbische Regierung ihrem Volke zeigen kann, daß sie sich nicht frcüvillig, sondern nur gezivungen zur Unckehr entschließt. Einen solchen Zwang kann aber nur die Erklärung Rußlands darstellen, daß Serbien die österreichischen Forderungen er- füllen und abrüsten müsse, da auf irgend eine Unter- stützung Rußlands nicht mehr zu rechnen sei. Eine solche Er- tlärung aber bedeutete für die russische Regierung einmal den Bankerott ihrer bisherigen Politik: aus einer Bekämpferin müßte sie zu einer Erfülleriu der österreichischen Forderungen werden. Sodann müßte ein solches Vorgehen in Serbien selbst als völlige Preisgabe empfunden werden und aus den Vasallen Rußlands enttäuschte und daruni immer erbittertere Gegner machen. Rußlands Stellung auf dem Balkan erführe dadurch eine weitere Schwächung. Aber Rußland ist zu schwach, um selbständig handeln zu können; es ist diplomatisch wie finanziell auf die Hilfe Frank- reichs und Englands angewiesen. Uich für Frankreich be- deuten Wirren im Orient die Gefährdimg eines Milliarden- besitzeS, während England zwar an der Rivalität Oesterreichs und Rußlands, die ihm die Stellung eines sich freuenden Dritten gewährt, Interesse hat. aber nicht an kriegerischen Entscheidungen, in die es nicht entscheidend eingreifen kann und die vielleicht Oesterreich für die nächste Zeit eine über- ragende Stellung geben könnten. So erklärt es sich, daß die russische Diplomatie jetzt durch die englische und französische korrigiert wird, die versuchen. Rußland zu einer gemeinsamen Aktion in Belgrad zu bewegen, die die österreichischen Forderungen erfüllt und die Abrüstung vorbereitet. In derselben Richtung bewegt sich der italienische Vorschlag. das Programm der Konferenz den Wünschen Oesterreichs gemäß so zu begrenzen, daß eine Erfüllung der serbischen Forderungen von vornherein ausgeschlossen bleibt. England hat in Wien nochmals gefragt, welche Forderungen Serbien erfüllen müsse, um wieder in normale Beziehungen zu Oesterreich zu gelangen. Oesterreich soll darauf geant- wartet haben, es habe keine neuen Mitteilungen zu machen. Das würde bedeuten, daß Oesterreich durch die Schroffheit, mit der es von Serbien die Einleitung direkter Verhandlungen verlangt, die gemeinsame Aktion der Mächte überaus erschwert, ein Vorgehen, das auf das schärfste verurteikt werden müßte. Doch ist es fraglich, ob diese Mel- dung richtig ist. Es ist aber auch nicht das Entscheidende. Denn in Wirklichkeit existiert diese gemeinsame Aktion der Mächte vorläufig gar nicht, weil bisher die russische Regierung sich auch von jeder gemein- samcn Aktion ausgeschlossen hat. So lange aber Ruß- land dem Druck seiner Verbündeten nicht nachgibt— und dies ist nicht allzu wahrscheinlich— so lange bleiben die Aussichten für die Erhaltung des Friedens überaus ge» ringe. Eine Erklärung des österreichische» Ministerpräsidenten. Wien, 22. März. Abgeordnetenhaus. Vor Hebergang zur Tagesordnung gab Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth folgende Erllärung ab: Ich halte mich für verpflichtet, dem hohen Hause im gegenwärtigen Zeitpunkte einige Mit- teilungeu über die auswärtige Lage nach ihrem augenblicklichen Stande zu machen. Wie ich bereits in der Lorwoche mit- zuteilen in der Lage war, hat die Note, welche die serbische Re- gierung in BcantworMng unserer unlängst in Belgrad unter- nommencn Demarche an uns gerichtet hat, unseren Er- Wartungen nicht entsprochen. Nach den bisher an uns gelangten Nachrichten habe ich hinzuzufügen, daß die serbische Ant- wort auch seitens anderer Kabinette als unbefriedigend erachtet worden ist. Wir haben es unterlassen, auf die serbische Note sofort zu antworten, weil eine umgehende Erwiderung auf dieselbe eine weitere Verschärfung der Situation im Ge- folge gehabt hätte. welche wir, soweit es von uns abhängt, ver- meiden wollen. Das Ziel unserer Politik ist die Sicherung und Kon- solidierung des durch die AnnexionSerllärung geschaffenen Zustandcs. Wir hegen keine aggressiven Absichten und verfolgen keine Prestige-Politik. Serbien hat demnach nochmals Zeit, über seine Lage klar zu werden und uus gegenüber ein- zulenken. Wir ziehen es ober auch aus dem Grunde vor, nnS mit der Beantwortung der jüngsten serbischen Note nicht allzu sehr zu beeilen, weil wir erfahren haben, daß andere Mächte Serbien neuerdings Ratschläge erteilen wollen, welchen dieses diesmal hoffentlich vollkommen Rechnung tragen wird. Wenn wir aber auch, wie anS dem Gesagten hervorgeht, fortfahren, die g r ö ß t e G e d u l d an den Tag zu legen, so erfiillen wir doch andererseits nur eine Pflicht gegen uns selbst, wenn wir auf die baldige Be- endigung des unhaltbaren Zu st andes an unserer Grenze(lebhaste Zustimmung) mit allem Nachdruck hin- wirken. Wir bleiben jedoch auch heute unserer bisherigen Methode treu, indem wir Serbien die Hand reichen, damit, wenn dieses zur Erkenntnis seiner Situation gelangt ist, eS sie ergreifen kann.(Beifall.) Für die Mobilisierung. Belgrad, 22. März. In der Skupschtina sprach der Altradikale W i s i t f ch in einer Anfrage an den Ministerpräsidenten von der Mobilisierung der österreichisch» ungarischen Grenzkorps und meinte, die serbische Regierung wende diesen Vorgängen keine Aufmerksamkeit zu und treffe nicht die not- wendigen Maßnahmen. Obgleich die Regierung die serbische Sache den Großmächten anvertraut habe, müsse sie doch die notwendigen militärischen Matznahmen und die Mobilisierung anordnen, um nicht überrascht zu werden. Markowitsch(Jungradikal) verwies darauf, daß die bevor- stehende Antwort der serbischen Regierung auf die Vorstellungen der Großmächte von der größten Tragweite für die Zukunft des serbi- schen Volkes fei, und forderte, daß die Regierung jedesmal vor Absendung der Antworten von nun ab die Meinung der Skupschtina einhole. Serbische Rüstungen. Serajewo, 22. März. Die serbische Kriegsverwaltung hat, wie neuerdings verlautet, die R e s e r v i st e n des ersten Aufgebots entlassen und die des zweiten zu einer Waffenübung ein- berufen. Man erblickt hierin ein Anzeichen dafür, daß die Zeit bis zu einem eventuellen Ausbruch der Feindseligkeiten benutzt werden soll, um weitere Mannschaften militärisch aus- zubilden und die Rüstungen zu vervollständigen. Die Haltung Bulgariens. Sofia, 21. März. In Besprechung des österreichisch-serbischen Konfliktes sagt die offiziöse„Wreme": Die öffentliche Meinung in Bulgarien hat sich bisher mit dem Konflikt wenig befaßt, schließlich drängt sich aber die Frage auf. welche Haltung sie bei einem eventuellen Kriege einnehmen wird. Die russische Presse hat in letzter Zeit den Wunsch geäußert, Bulgarien an der Seite Serbiens zu sehen. Bulgarien könnte wohl alles Böse vergessen, das es von serbischer Seite erfahren hat, vielleicht auch die serbischen Missetaten in Mazedonien. Keineswegs aber kann Bulgarien seine eigenen realen Interessen aufgeben und sich den Haß eines anderen Staates zuziehen, bloß um u n- nütze Opfer zu bringen, welche die nationalen und staatlichen Interessen schädigen würden.— Zum Oeriländnis der flottendedatte. London, 2V. März.(Eig. Ber.) ES ist zweifellos, daß die herrschenden Klassen GroßöritantticnS in eine gewisse Panik über die deutschen Flottenrüstungen geraten sind. Die Gründe für diese Stimmung sind wie folgt: 1. Der Engländer stellt sich Deutschland als eine große Kaserne vor, in der alle erwachsenen Männer gedrillt und kriegsbereit seien: eine Nation in Waffen, die willenlos, automatisch dem obersten Kriegsherrn gehorche. Und die leitende Diplomatie dieser Nation habe kein anderes Motiv als niilitärische Größe, maritime Herrschaft und wirtschaftliche Blüte. 2. Diese Nation von 69 Millionen Menschen ist in einen Gegensatz zu England geraten, daS unmilitärisch und nur lose or- ganisiert ist. Die Briten verabscheuen militärischen Zwang und lieben die bürgerliche Freiheit, die sich nur auf Kosten militärischer Schlagfertigkeit und strammer Organisation entwickeln kann. 3. Großbritannien ist eine Insel. Seine Existenz hängt von der Seeherrschaft ab. Sein Reich könne deshalb nur so lange be- stehen, als seine Flotte allen Flotten seiner Nachbarstaaten überlegen ist. Der größte Teil seiner Nahrungsmittel und seiner Rohstoffe sind überseeischen Ursprungs. Sein Reich wird nur durch die Flotte in ein ganzes verbunden. Wird Großbritannien nur auf kurze Zeit von der See ausgeschlossen, so verhungert seine Bevölkerung und sein Reich fällt auseinander. 4. Seit dem Jahre 1898 macht Deutschland Anstrengungen, eine große Seemacht zu werden. Die Landmacht genügt ihm nicht mehr. Aber bis zum Jahre 190S waren die Aussichten Deutschlands, eine große Seemacht zu werden, nur gering, da die englische Flotte eine große Ueberlegenheit besaß. In jenem Jahre begann aber England. Schlachtschiffe vom Typ Dreadnought zu bauen, der die früheren Schiffstypen nach und nach verdrängt. Die neue Dread- nought-Aera hat es allen reichen und technisch ausgerüsteten Staaten ermöglicht, im Flottenbau mit England zu rivalisieren, denn die frühere Flottenüberlegenheit ist durch den Dreadnoughtthp beseitigt worden. 5. Zuerst glaubte England, daß es trotz alledem einen großen Vorsprung in den Dreadnoughtbauten habe. Seine Regierung nahm an, Deutschland besitze noch nicht die nötigen technischen Hilfsmittel. die eS ihm ermöglichen würde, mit England Schritt zu halten. Noch im Jahre 1998 gab die britische Regierung dieser Meinung öffent- lichcn Ausdruck. Zudem erhielt sie von der deutschen Regierung die offizielle Mitteilung, daß letztere nicht die Absicht habe, ihr Flottenprogramm zu beschleunigen. Diese Mitteilung war jedoch n i ch t m Form eweS Versprechens gegeben. 6. Im Oktober 1908 erfuhr aber die britische Regierung auf ge» heimem Wege, daß Deutschland sein Flottenprogramm nicht nur be- schleunige, sondern auch, daß die deutschen Reeder und die Firma Krupp alle Vorbereitungen treffen, damit so rasch als nur technisch möglich, Dreadnoughts gebaut lverden konnten. Die unter 5 und 6 angegebenen Umstände teilten der Premier» minister ASquith und Marineminister Mac Kenna in den letzten Tagen dem Unterhaufe mit, um die Größe ihres Flottenetats zu rechtfertigen. Diese Mitteilungen haben die Panik verursacht, da aus ihnen geschlossen wurde, daß die deutsche Regierung— trotz aller Ableugnungen— eine Flotte schaffe, um England die Spitze zu bieten und seine Seeherrschast, also seine Existenz zu ver- Nichten. »»» In den nächsten Tagen wird Mr. Balfonr folgende? Miß- trauensvotum gegen die Regierung im Unterhause begründen: „Das Haus ist der Ansicht, daß die von der Regierung dar- gelegte Politik betreffend den Bau von Linienschiffen neuesten Typs nicht genügt, den Schutz des Reiches zu sichern". Dann wird der linksliberale Abgeordnete Mackarneß den Premierminister fragen, wann die britische Regierung an die deutsche mit dem Vorschlage herangetreten sei, eine Einschränkung des Flotten- etats herbeizuführen. •«' Im ganzen Lande ist die Flottenagitation tätig, die selbstredend eine Stärkung der antideutschen Strömung zur Folge hat. Die „patriotischen" Wogen gehen hoch, um so höher aber ist die PrinzipienfestigleitderArbeiterpartei anzuschlagen, die einzig uud� allein aus der internationalen prole« tarischen Solidarität fließt. K e i r Hardts hat in einer öffentlichen und stark besuchten Volksversammlung in Nord-London Deutschland verteidigt- Die Versammlung schloß mit einem Gruß an die deutsche Sozialdemokratie. .» Die Verhandlungen mit Deutschland» London, 22. März. Unterhaus. George Faber richtete an den Premierminister A s q u i t h die Frage, ob er im Hinblick auf die jüngst vom deutschen Staatssekretär der Marine v. T i r» p i tz abgegebene Erllärung, daß der deutschen Regierung von der englischen Regierung kein Vorschlag bezüglich einer Flotten» Abrüstung gemacht worden sei, eine Erklärung daniber geben könne, was zwisdien den beiden Regierungen bezüglich einer beider- seitigen Herabsetzung der Marineausgaben vorgegangen sei. Auch andere Mitglieder des Hauses, konservative wie liberale, richteten Fragen gleichen Inhalts an den Premierminister, der alle Fragen wie folgt beantwortete: Ich muß auf die Erklärung veriveisen, die ich am letzten Dienstag in diesem Hause abgegeben habe, die die genauen Tatsachen darlegt, und an der ich in jeder Hinsicht festhalte. Die Angelegenheit ist im vergangenen Jahre mehr denn einmal Gegen st and nicht formellen Gedankenaustausches zwischen bei- den Regierungen gewesen und zwar von unserer Seite in der Absicht, uns zu vergewissern, ob irgendwelche Vorschläge der Art, wie sie in den an mich gestellten Fragen bezeichnet werden, in Erwägung gezogen werden würden. Wir haben keinerlei Vorschläge gemacht, weil man uns zu verstehen gegeben hatte, das deutsche Flottenprogramm sei gesetzlich festgelegt und in keiner Weise von den, Großbritanniens abhängig. Soviel ich weiß, liegt ein authentischer Bericht über die Bemerkungen, die Staatssekretär v. Tirpitz in der Budgetkommission des Reichs- tages gemacht haben soll, nicht vor. Doch wird, wie ich aus den deutschen Zeitungen ersehe, der deutsche Staatssekretär des Aus- wältigen alsbald die Gelegenheit lvahrnehmen. über die Sachlage Mitteilungen zu machen. Ich zweifle nicht, daß über feine Er- klärungen ein vollständiger Bericht erstattet werden wird, und ich behalte mir ieden weiteren Kommentar vor, bis wir diesen Bericht vor uns haben. Hierauf richtete Mackarneß an Asquith die Anfrage, ob zu irgendeiner Zeit, seit der britischen Regierung im Herbste ver- gangcncn Jahres die Mitteilung zugegangen sei, daß im deutschen Flottenprogramm der Bau von vier Schiffen beschleu- nigt werden solle, freundschaftliche Nachfrage irgend- welcher Art an die deutsche Regierung gerichtet worden sei, um sich über Ausdehnung und Zweck dieser Beschleu ni- g u n g zu vergewissern. Asquith erwiderte, daß der Staats- fckretär de? Auswärtigen Sir Edward Grey alsbald die Gelegen- heit ergreifen werde, eine Erklärung abzugeben, die diesen und andere Gegenstände umfassen werde, welche so befriedigender, als durch Frage und Antwort klargestellt werden könnten. Das Tadelsvotum, das von der Ovposition eingebracht werden solle, werde dem Staatssekretär die Gelegenheit geben, seine Erklärung zu machen. poUtifchc Ocbcrficbt* Berlin, den 22. März 1809, Die Militärverwaltung. Aus dem Reichstage.(22. März.) Nach der Gencralanseinandersetzung mit dem Kriegsminister verzettelte sich die Debatte zum Militäretat bei den einzelnen Titeln über alle möglichen Dinge. Genosse Zubeil, ebenso wie der Zentrumsabgeordncte Pfeiffer nahmen sich der Zivil- musiker an, denen durch die Militärmusiker eine unschöne Konkurrenz gemocht wird. Die Klagen darüber sind seit Jahren von der Sozialdemokratie wie von anderen Parteien im Reichstage vorgebracht worden, ohne daß bisher ein Erfolg erzielt wurde. Dann brachte der konservative Abgeordnete Sieben- b ü r g e r die agrarische Forderung vor, daß die Garnisonen möglichst in kleine Orte verlegt würden, damit die Soldaten dem Landleben nicht völlig entfremdet würden. Die Re- gierung würde nämlich herzlich gern auch diesen agrarischen Wunsch erfüllen. Dem steht aber das militäiische Interesse viel zu schroff entgegen. Wollen die Agrarier sich die verabschiedeten Soldaten als Landarbeiter in größerem Maße zurückholen, so werden sie doch wohl höhere Löhne zahlen müssen als bisher. Der Volkspartei» liche Abgeordnete W i e l a n d hielt es für angebracht, zur Verherrlichung der Kncgervereine eine Pauke zu halten, die als Festrede bei dem Stiftungsfest seines heimischen Vereins in Göppingen sich sehr gut ausnehmen wird, die im Reichs- tag aber nur Heiterkeit erweckte und mit allseitigen ironischen Vravos begleitet wurde. Schließlich brachte Genosse Zubeil noch das unglückliche Schicksal eines Soldaten zur Sprache, der im Winter über in Untersuchungshaft gehalten wurde und vergebens es zu er- reichen gesucht hatte, daß seine Zelle ausreichend geheizt würde. Infolge der fürchterlichen Kälte hat er den Gebrauch seiner Gliedmaßen verloren. Er ist völlig arbeitsunfähig gc- worden. Die Militärverwaltung weigert sich aber, ihm, trotz- dem er eine Familie zu ernähren hat, über seine Pension von 9 M. monatlich hinaus eine Unterstützung zukommen zu lassen. Auf diese kompromittierende Feststellung hin schwieg die M ilitärverwaltung. Morgen Fortsetzung des MUitäretatS. Abgeordnetenhaus. Tin Montag setzte das MgeordnetenIjauZ die Beratung des Etats der Eisenbahn Verwaltung fort. Zunächst streiften verschiedene Redner, namentlich Redner deS Zentrums, nochmals die Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter. So regte Abg. v. S avig n y sZ.) die Einstellung eines neuen Fonds zur Bewilligung höherer Pensionen für Eiscnbahnarbeiter an, Abg. König(Z.) wünschte gleichfalls eine Erhöhung der Pensionsbezüge und eine Erweiterung des Erholungsurlaubs für die Bahnarbeiter, und Abg. S ch w e d e r snatl.) nahm sich besonders der Hüttenarbeiter am Dieselben Herren, die am Sonnabend dem Oberscharfmacher Freiherrn v. Zedlitz und dem Minister v. Breitenbach garnicht genug zujubeln konnten, als diese beiden.Sozialpolitiker" unserm Genossen Leinert ob seines Eintretens für die Staatsarbeiter abkanzeln zu können glaubten, wagten es jetzt, sich als Befürworter von Arbeiter- wünschen aufzuspielen. Dies Manöver ist nur allzu durchsichtig, es wird den Herren auch nichts nützen, da die Eisenbahnarbeiter Unter- scheidungsvermögen genug besitzen, um zu erkennen, wo ihre wahren Vertreter ün Parlament sisen. Daß nach Ansicht des Ministers alles in schönster Ordnung ist und daß die Eisenbahner eigentlich die am besten entlohnten und am besten behandelten Arbeiter sind, bedarf keiner besonderen Erwähnung. In der weiteren Debatte kamen die Vertreter lokaler Jnteresien zur Sprache. Zahlreiche Redner wünschten Zugverbindungen für ihren Wahlkreis, Umbauten oder Erweiterung von Bahnhöfen und dergleichen. All' das, was sie während des Wahlkampfes den Wühlern, denen große politische Gesichtspunkte allgemeiner Natur fehlen, versprochen hatten, brachten sie nun vor. Der einzige Zweck, den sie damit erzielten, war der. daß das Haus sich unheimlich schnell leerte und daß bald auch auf den Tribünen der letzte Zuhörer in festen Schlaf versank. Morgen: Fortsetzung und kleinere Vorlagen. Das Uebereinkommen mit England. Die B u d g e t k o m m i s s i o n hat heute so etwas wie Mannhaftigkeit gezeigt. Sie hat den Antrag unseres Gc- nassen Singer angenommen, die Beratung über die Flotten- Neubauten vorschoben und statt dessen den Etat„Reichskanzler und Reichskanzlei" auf die Tagesordnung gesetzt. Fürst B ü l o w hat eben durch sein Nichterscheinen und seine Aus- kunftsverweigerung über die englischen Vorschläge zur Ein- schränkung des Flottenbaus sogar die bürgerlichen Abgeord- neten zum Widerstand gegen eine solche verächtliche Behand- lung des Reichstags aufgestachelt. Es wird allerdings abzuwarten sein, wie lange die Entschlossenheit der Herren vorhalten wird und namentlich, ob sie ihr Budgetrecht so handhaben werden, daß der Kanzler seine Politik wird ändern und mit England in die täglich dringender werdenden Ver- Handlungen über die gegenseitige Beschränkung des Flotten- baus eintreten wird müssen. Aus der Geschäftsordnungskommission. In der letzten Sitzung wurde die Debatte über die so- Der Streik der Granitsteinmetze« zu Reichenbach r. Cben* Wald(Firma Deutsche Steinindustrie vorm. M. L. Schleicher) ist nach elstvöchentlicher Dauer erfolgreich beendet worden. Die be- absichtigten Reduzierungen der bisherigen Tarifpreise konnten nicht nur zurückgewiesen werden, sondern die Firma mußte sich zu Auf- besserungen bequemen. Ter neu abgeschlossene Tarif gilt auf zwei Jahre._ Ein Scharfmacher-Bor,„»tz. Der„Südwestdeutsche Arbeitgeber-Verband der Transport.» Handels- und Verkehrsgewerbe" hat folgendes Kündigungsschreiben an die Ortsverwaltung Heidelberg des Deutschen Transportz- arbeiter-Verbandes, Sektion Glasreiniger, gerichtet: „Im Auftrage unseres Mitgliedes, des Herrn Christian Jung, hier, Erstes Heidelberger Reinigungsinstitut, dessen Voll- macht hier beiliegt, kündigen wir hiermit den zwischen Ihnen und ihm am 13. April vor. Js. abgeschlossenen Tarifvertrag, Welcher demgemäß mit 31. März d. I. seine Gültigkeit verliert. Eine Lohnverschlechtcrung für seine Angestellten soll durch diese Kündigung im Betriebe des Herrn Jung nicht eintreten» dagegen bcabsichtigt derselbe, keinen Vertrag mehr mit Ihrem Verbände abzuschließen." Gezeichnet: Adolf Wölfs, C. W. Kratzert. Generalsekretär. Vorsitzender. Das Schreiben ist ganz charakteristisch für die Bestrebungen welche die jetzige Krise beim Unternehmertum wachgerufen hat. Die Verträge, die man in Zeiten guter Konjunktur angenommen hat, um die Vorstöße der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lohn. und Slrbeitsbedingungen nicht zu oft wiederkehren zu sehen, wünscht man jetzt zu allen Teufeln. Und zu Lohnverschlechterungen wird sich dann in der vertragslosen Zeit Gelegenheit genug finden. Der Bund der technisch-indnstriellen Beamten gegen den sich, wie erinnerlich sein dürfte, im vorigen Jahre der unter dem Stamcn Eeheimerlaß bekannte Vorstoß der bayerischen Metallindustriellcn richtete, hat im Jahre 1908 sehr gute Fortschritte gemacht. Sein Mitgliederbestand ist um 2244 Mitglieder und 532 Hospitanten (Studierende) gewachsen, so daß sich für Ende 1903 eine Gesamt- zahl von 13 002 Mitgliedern und 785 Hospitanten ergibt. Daß der Bund trotz des oben erwähnten Slngriffs, der ihn zur Erhebung einer Extrasteuer von 6 M. pro Mitglied nötigte, und trotz der all. gemeinen Wirtschaftskrisis eine so günstige EntWickelung genommen hat, darf wohl als ein gutes Zeichen für seine Zukunftsaussichtcn angesehen werden. Während der Bund Ende 1907 an 112 Orten mit 77 OrtS- gruppen und 25 Zahlstellen vertreten war, zählte er am Ende des Vorjahres 160 Berlualtungsstellen. Die größte Verwaltungsstelle ist nach wie vor Berlin mit 3347 Mitgliedern. Diese Ortsgruppe hatte im Berichtsjahre eine schwere innere Krise durchzukämpfen; ihre günstige EntWickelung— eingetreten sind 950, ausgetreten €84 Mitglieder— zeigt, daß sie den Konflikt gut überstanden hat. Das Vermögen des Bundes beträgt zirka 200 000 M. Als cha- rakteristische Zeichen für die wirtschaftliche Konjunktur des JahreS 1908 kann man die Tatsache ansehen, daß der Bund für Unter- stützung von Stellunglosen nicht weniger als 35 445,08 M.— an 358 Stellunglose— ausgezahlt hat. Bezeichnend für die ungünstige rechtliche Lage der Privatangestellten ist es auch, daß der Rechts. schütz des Bundes im Berichtsjahr einen Aufwand von 14 000 M. erforderte. Es wurden im Laufe des Jahres 123 Prozesse geführt; die Summe der erstrittenen Gehälter betrug 24 376 M., die Zahl der erstrittenen Zeugnisse 21» die erteilten Rechtsauskünste be- liefen sich auf 1500. Die Münchener FliesenlegergeschLfte haben heute ihre samt- lichen Slrbeiter ausgesperrt, weil über ein Geschäft wegen Nicht- einhaltung des TarifeS die Sperre verhängt war. Tluslanck. Streikbewegung in der italienischen Zuckerindustrie. In der italienischen Zuckcrindustrie bereitet sich eine auS» gedehnte Streikbewegung vor. Der Trust der italienischen Zucker- sabriken hat im vorigen Sommer mit dem Zentralverband der Zuckerarbeiter einen Tarifvertrag abgeschlossen, der bis zum 3l. Juli d. I. in Kraft bleiben soll. In diesem Tarifvertrag war ein Minimum von Arbeitern festgesetzt worden, dessen Bestand auch nach Ablauf der Hochsaison nicht verringert werden sollte. Die Unternehmer haben diesen Paragraphen das Tarifvertrages verletzt. was im Verein mit Differenzen über die Fabrikordnung zum Slus» stand der Zuckerarbeiter in Massalombarda führte. Da in dieser Stadt die Beamten des Trusts die Produktion»n beschränktem Maße fortführten, boykottierten alle Zuckerraffinerien Italiens den Rohzucker von Massalombarda. Die Unternehmer ihrerseits sperrten die Arbeiter in Pontelagoscuro und in A n c o n a aus. worauf die Arbeiter antworteten durch Proklamierung des Streiks in den fünf Zuckerrafsinerien des Trusts: Bologna, Ancona, Sampierdarcna, Pontelagoscuro und Sine« g a l l i a. Ganz eigenartig ist die Situation in Ancona, wo die ausgesperrten Arbeiter sich drei Tage lang geweigert haben, die Fabrik zu verlassen, weil diese Fabrik mit einem städtischen Zuschuß von 250 000 Lire gegründet worden war, offenbar nicht zu dem Zweck, die Arbeiter auszusperren. Weiter machten die Arbeiter geltend, daß der vorige Besitzer 200 000 Lire zugunsten der Arbeiter deponiert und in der Fabrik angelegt hätte, weshalb sie als Mit- besitzet sich nicht aussperren lassen, sondern den Betrieb auf eigene Rechnung weiterführen wollten. Nachdem nun aber der ollgemeine Ausstand in allen Zuckerraffinerien proklamiert wurde, haben auch die Arbeiter von Ancona den Streik erklärt und die Fabrik verlassen. Letzte jVacbncbten und Depcfcbcn. Das Wettrüsten. London. 22. März.(W. T. B.) Unterhaus Fortsetzung. Lord Lonsdale fragte bei Mc. Ken na an, ob die Regierung im letzten Juli gewußt habe, daß die Firma Krupp eine große Anleihe aufgenommen habe, zum Zweck der Erweiterung ihrer Werke in- folge der Aufträge, welche ihr die deutsche Regierung gegeben habk, um ihr Schiffsbauprogramm zu beschleunigen. Mc. Kenna er- widerte, die Vergrößerung in den Kruppschen Werken und die zu ihrer Durchführung aufgenommenen Mittel seien bei der Admi- ralität schon vor dem genannten Datum sehr wohl bekannt gewesen und es sei teilweise infolge dessen geschehen, daß die für Erbauung eines Linienschiffes in Deutschland nötige Zeit um neu« Monate sich verringert habe. Die in Frage stehende Erweiterung habe zweifellos vorher angezeigt, daß der Schiffsbau beschleunigt, d»e individuellen Schiffstypen ausgestattet werden würden und daß die zahlreichen Verzögerungen, die früher stattgefunden hätten, ver» schwinden würden. Zu gleicher Zeit brauchte dies jedoch keines. Wegs anzuzeigen, daß von feiten der deutschen Regierung die Absicht bestände, auch die Fristen für den Beginn der nach dem Flottcngesetz genehmigten Schiffe früher zu legen» Tynamitcxplosion. Kreuznach, 22. März.(W. T. B.) Im be�barten Dorfe Schwarzerden ist das HauS deS Nachtwächters Wilh. Horbach durch eine Dynamitbomb«, die in verbrecherischer Absicht»n dem Ofenrohr verborgen worden war, in die Luft gesprengt worden. Horbach hatte kurz vorher sein HauS verlassen. zo..BerIinLW. Hierzu 3 Beilagen tt.ttntcr&altuaollL it. 69. 26. IllhtMg. L Icilngt Ks Jotmätls" olkeMatt. Dienstag. 23. Marz 1909. Reichstag 891. Sitzung vom Montag, den 22. März, nachmittags 2 Uhr. Nm Bundesratstisch: v. S ch o e n, v. Einem. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Etats für die Verwaltung des Reichshceres. Die Beratung beginnt bei dem Titel„Offiziere in sonstigen besonderen Stellungen", bei welchem die Kommission von den ge- forderten 400 000 TO. 100000 TO. gestrichen hat. Die Abgg. O r i o l a snatl.), v. B y e r n st.), v. L i e b e r t(Rp.), Behrens(wirtsch. Vg.) beantragen, diese 100 000 TO. wieder einzusetzen. Der Antrag wird abgelehnt, es bleibt bei dem Beschluß der Kommission. Mit der Minderheit stimmen die Abgg. Eickhoff (fteis. Vp.) und Dr. Doormann streif. Vp.). Beim Titel.Beamte und Unterzahlmeister" hat die Kommission beschlossen, von den 206 O b e r v e t e r i n ä r e n IS als«künftig Wegsallend" zu bezeichnen. Die Abgg. v. E l e r n sl.), v. B y e r n st.), v. L i e b e r t(Rp.), Behrens(wirtsch. Vg.), v. Schubert(natl.) beantragen, diesen Zusatz zu streichen. Oberst Wandel bittet namens der Militärverwaltung um An- nähme dieses Antrages. Abg. Dr. Dröscher st.) befürwortet den Antrag. Abg Erzberger(Z.) verteidigt den Standpunkt der Kommission. Oberst Wandel: Die Militärverwaltung wünschte die Reorgani- sation des BeterinärkorpS bereits zum 1. April ISOS durchzuführen, mußte diesen Wunsch aber wegen Mangels an Mitteln zurückstellen. Unterstaatssekretür im Reichsschatzamt Twele: DaS Reichsschatz. amt ist mit der Militärverwaltung einig darin, daß im nächsten Jahre die Mittel für diesen Zweck flüssig gemacht werden müssen. Der Antrag v. E l e r n und Genossen wird angenommen, auch das Zentrum stimmt dafür! Den Titel.Reitendes Feldjägerkorps" beantragt die Kommission. von 31 036 M. auf 15 543 M. herabzusetzen und zuzufügen:„Das Reitende Feldjägerkorps kommt am 1. Oktober ISOS in Wegfall". Der Abg. Rogalla v. Bieberstein(k.) befürwortet einen Anttag seiner Partei, die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Staatssekretär des Auswärtigen v. Echoen bittet um Wiederher- stellung des gestrichenen Titels. Abg. Frhr. v. Hertling(Z.) erklärt sich durch die Ausführungen der Vorredner überzeugt und tritt ebenfalls für Wiederher- stellrmg ein. Abg. Dr. Semler(natl.) äußert sich in demselben Sinne. Der Antrag auf Wiederherstellung wird gegen Sozialdemolraten und Freisinnige angenommen. Beim Titel„Pensionierte Offiziere und Militär ä r z t e" rügt Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) unter ausführlicher Darlegung eines Einzelfalles die Nichtzulassung der Angehörigen katholischer, Duell und Mensur verwersenoer studenttscher Verbindungen und Vereine zur Beförderung zu Reserveoffizieren. Auch Angehörige der eben- falls das Duell verwerfenden protestantischen Studentenverbindung „Wingolf" werden nicht zu Reserveoffizieren befördert. �(Lebhaftes Hört I hört! im Zentrum und links.) Wir verlangen Aufklärung vom Kriegsminister.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Kriegsminister v. Einem sagt Rektifizierung des oder der betreffenden Bezirkskommandeure zu.(Bravo I im Zeittrum.) Beim Titel«Mannschaften" weist Abg. Zubeil(Soz.) auf die trotz aller Klagen nicht abnehmende, sondern zunehmende Konkurrenz hin. die die Mililärinusiker den schwer um ihre Existenz ringenden Zivilmusikern bereiten. Die Zivilmusiker müssen doch auch zur Unterhaliung des Heeres beitragen, sehen sich aber durch die Kookurrenz der Militärniusiker in jeder Weise beeinträchtigt. ES gibt eine Anzahl Regimenter, deren Kommandeure geradezu das auhexdienstliche Musizieren der Militärkapellen begünstigen. Auch in Berlin wird die Konkurrenz der Militärmusik den Zivil- musikern immer gefährlicher und schädlicher. Jetzt haben schon eine Anzahl Berliner'Nachtcafös Militärmnsik.(Hört I hört! b. d. Soz.) Die Musiker, welche da von 8 Uhr abends bis 3 Uhr morgens musizieren, können doch am anderen Tage keinen Dienst verrichten (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Bei den Zivilberufs- musikern liegt die Nachtarbeit im Beruf, sie müssen am Tage ruhen. Wenn aber die M i l i t ä r m u s i k e r nachts für private Kleines feuilleron. Rudolf Gottschall ist am Sonntag in Leipzig gestorben. Mit ihm ist der letzte Vertteter der.Jungdeutschen" aus der Vormärz- lichen Zeit dahingegangen. Er hat wie die anderen seiner Generation (er war am 30. September 1823 als Offizierssohn in Breslau ge- boren) die literarischen Vorpostengefechte des liberalen Bürgertums mitgelämpft und für seine politische Gesinnung büßen müssen: die Tore der erstrebten akademischen Lehrtätigkeit wurden ihm vor der Nase zugemacht. Er wurde dann Dramaturg und schließlich und für immer Schriftsteller. Der radikale Dichter, der.Robespierre" und„Die Marseillaise" dramatisch be- handelte und 1848.Barrikadenlieder" sang, betätigte sich als gemäßigt-liberaler Journalist und landete 1864 als Redakteur der in Leipzig erscheinenden.Blätter zur literarischen Unterhaltung" und der Zeitschrift„Unsere Zeit". Die neue prenßisch-deutsche Herrlichkeit besang Gottschall_ in ebenso schwülstigen Wortprächten wie vorher die Revolution, und es war denn auch ganz in der Ordnung, daß Wilhelm I. ihm später den erblichen A?el applizierte. Der Geheime Hofrat hatte inzwischen in Leipzig, seiner Hochburg, eine regelrechte literarische Diktatur eingerichtet. Er übte souveräne Kritik und ernannte sich gleichzeitig selbst zum ersten Dichter und Dramatiker seiner Zeit. Und es gab sogar Leute, die eine Zeitlang daran glaubten. Und doch war Gottschalls ganzes, kaum übersehbares Schaffen(Dramen, Gedichte, Epen und Romane) epigonenhaft, ohne künstlerische Gestaltungskraft und echtes, tiefes Empfinden. Mochte er pathetisch- rhetorisch einherstolzieren oder nach Skribeschen Muster Jntrigenlustspiele kalkulieren(das Lust- spiel„Pitt und Fox" hat sich am längsten behauptet), er war nie mehr als est: Könner, der von anderen übernommene Fornren'wohl zu Hand- haben, aber nicht mit neuem Leben zu erfüllen verstand. So war er denn auch alS Kritiker kein Anreger und Führer zu Neuem und »mf neuen Wegen. Als Theater- und Literaturpapst wandte er die Gesetze an, die er ein- für allemal als Aesthetiker aufgestellt hatte, und ivar nun sehr empört, als die deutsche Literatur sich nicht danach richtete Die Naturalisten haben manchen Strauß mit ihm auszu- stchten gehabt. Denn immer noch war er in Leipzig eine Macht. Dann freilich drückte ihn die Entwickclung inrmer mehr in den Hintergrund Mochte er auch fortfahren. Dramen und Romane zu schreiben(äuf dem Tisch des Toten lag ein beinahe vollendeter Vierbändiger Roman), er hatte kein Echo mehr. n, Die Zusammensetzung der Sonne. Wie sehr das menschliche Wissen noch immer Stückwerk ist, beweist die Tatsache, daß trotz aller Triumphe der Photographie und insbesondere der Spektral- analyse. dieses Zaubcrstalvs für die Erforschung der Gestirne, über die Zuiammensetzuna auch der Sonne nur unsichere und schwan- kende Vorstellungen bestehen. Im letzten Heft des„Astrophhsical Journal hat der Physiker Hermann Schulz eutgegen anderen An- jchauungen wieder einmal die Behauptung verfochten, daß der Kern Zwecke arbeiten, muß man ja meinen, daß sie bei der Truppe über- Haupt nicht gebraucht werden.(Zustimmung bei den Sozialdemo- traten.) Darin wird man noch bestärkt durch die Angebole, welche Militärmusiker manchen Kapellmeistern machen, indein sie sich für den ganzen Winter anbieten und versichern, daß sie hierzu Urlaub bekommen I(Hört I bört l bei den Sozialdemokraten.) Ein weiterer Unfug ist, daß das Militär in der Manöverzeit bei nachtschlafender Zeit mit klingendem Spiel durch die Straßen zieht und den Bürgern die Nachtruhe raubt. Der Arbeiter, der nachts auf der Straße nur ein Liedchen pfeift, wird sofort festgestellt und mit einem Straf- mandat bedacht.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Mit welchem Recht nimmt sich die Militärbehörde diese Störung der Nachtruhe heraus? Der Kriegsmimster sollte für Abhilfe sorgen. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Horn(Z.) dringt auf endliche Erhöhung der Mannschafts- löhne und bittet um wirksamen Schutz der Rekruten vor Mißhaud- lung durch die älteren Jahrgänge. Er bittet ferner um Ausdehnung des Erntelirlaubs und um Amnestierung der elsaß-lothringischen Fahnellflüchtigen. Das Kapitel wird bewilligt, die Resolutionen der Kom- Mission aus Ersetzung der dritten Leutnants durch Feldwebelleutnants, auf Einschränkung der Zahl der Militärmusiker und ihrer privaten Tätigkett und auf Einführung von Geldstrafen statt Haftstrafen bei geringeren militärischen Vergehen des Beurlanbtenstandes werden angenommen. Beim Kapitel Ratnralverpflegung weist Abg. Zubeil(Soz.) auf den zu teueren Einkauf der Lebens- und Genlißmittel durch die Militärverwaltung hin. Die Postbeamten können ihre Kantinen boykottieren, wenn ihnen, wie Abg. Kopsch hier einmal ausgeführt hat, schlechte und teuere Waren verkauft werden. Arbeiter der Privatindustrie können meist ebenfalls ihre Kantinen boykottieren. Die Soldaten aber sind leider nicht in der- selben Lage. Umsomehr sollte es die Militärverwaltung als ihre Ehrenpflicht betrachten, den Mannschaften in den Kantinen-gute und billige Waren zu bieten..Kollege Kopsch hat hier schon einmal ausgeführt, wie auf Truppenübungsplätzen, zum Beispiel auf dem Schießplatz von Döberitz, Kantinen in großer An- zahl an großkapitalistische Generalpächter verpachtet werden. Diese bekümmern sich perfönlich gar nicht um den Zustand der Kantinen. Die Rationen sind knapp, die Backware alt und hart, die Flaschen und Gläser sind häufig schmutzig.(HörtI hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Angestellten des Geiieralpächters sind auf Prozente angewiesen, wodurch sie natürlich angereizt werden, auS den Soldaten möglichst viel herausznwirtschaflen. Vizepräsident Dr. Paasche ersucht den Redner, sich nicht zu weit vom Etat zu entfernen. Abg. Zubeil(fortfahrend): Die Zustände in den Kantinen stehen doch im engen Zusammenhang mit dem Kapitel„Naturalverpflegunng". (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Truppenübungs- platz in Döberitz bekommt der Soldat in der Kantine die not- wendigen Genußmittel nur gegen Marken, in die er vorher sein bares Geld umsetzen muß. Wenn er später entlassen wird und für seine übriggebliebenen Marken wieder Geld haben will, findet er die Kasse geschlossen und muß die Marken, für die er bares Geld ge- zahlt hat, als Andenken mitnehmen I(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) Weiter ist auch Klage darüber zu führen, daß die Reservisten bei ihrer Einziehung durch die Bezirkskommandos ge- zwangen werden, für ein Frühstück, bestehend aus zwei trockenen Schrippen, einem paar Würstchen und einem Topf Kaffee, das kaum 20 Pf. wert ist, 30 Pf. zu zahlen! Der Kriegsminister sollte auch hier für Abhilfe sorgen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Bekleidung und Ausrüstung der Truppen' bringt Abg. Irl(Z.) Klagen der Handwerker vor: Die Bekleidungs- ämter bereiten den selbständigen Schneidermeistern drückende Kon- kurrenz. Dadurch wird die Uuzusriedenheit vermehrt. Abg. GanS Edler zu Putlitz(k.) verteidigt die Bekleidungsämter, wünscht aber, daß sie den selbständigen Handwerkergenossenschaften möglichst viel Arbeit zuweisen. Abg. Gothein(srs. Vg.): Wir schwärmen nicht für die Bekleidungs ämter; da sie aber niln einmal da sind, sollte wenigstens darauf gesehen werden, daß die in ihnen beschäftigten Handwerker nicht zu einseitigen Maschinellarbeitern degradiert werden, die zum Beispiel ausschließlich Achselklappen verfertigen. An der Spitze der Bekleidungs ämter stehen Offiziere, die doch zunächst keine Sachverstäudigen sind. Man sollte die Vorstände tvenigstens, wenn sie sich eingearbeitet haben, möglichst lange in ihrer Stellung lassen. der Sonne sich in flüssigem Zustande befinde. Diese Theorie wurde von dem berühmten Kirchhoff aufgestellt und dann von dem Astto- nomen Zöllner mit einigen Abänderungen vertreten. Seitdem sind namentlich die Untersuchungen über die Temperatur der Sonne weiter fortgeschritten und haben zu neuen Zweifeln geführt. Ge- rade aus ihren Ergebnissen, wonach die mittlere Temperatur der Sonne ungefähr 5400 Grad wäre, zieht Hermann Schulz den Schluß, daß ein flüssiger Sonnenkern alle Eigenschaften unseres Muttergestirns am besten erklärt. Er folgert auch, daß nach man- cherlei Erscheinungen der Fixsternwelt auch viele andere Sterne nicht lediglich aus glühenden Gasen bestehen mögen. Fast gleich- zeitig haben die„Astronomischen Nachrichten" noch eine weitere Sonnentheorie veröffentlicht, die den russifchen Astronomen Amaf- tunsky zum Urheber hat. Dieser will die Beobachtungen an den Sonnenslecken, den von� diesen gebildeten Zonen, den Ausbrüchen von glühenden Metalldämpfen und Gasen usw. dadurch erklären, daß die Sonenflecken durch das Entweichen erhitzten Dampfes aus den niederen Schichten der Sonnenatmosphäre verursacht und daß die dadurch entstehenden trichterförmigen Löcher mit Wolken der Photosphäre ausgefüllt werden. Die Bcrfälschnng des Hackfleisches. Es besteht vielfach die Sitte oder, richtiger gesagt, die Unsitte, gehacktes Fleisch von Rin- dern und Schweinen roh und unznbereitet zu verzehren. Um nun diesem Fleisch eine einladende rote Farbe zu geben, setzen manche tleischer schwefligsaures Natron hinzu, das eine nur dem geübten uge verdächtige intensive Rotfärbnng bewirkt, die von den Käufern gewöhnlich als ein Zeichen besonderer Frische angesehen wird. Da gehacktes Fleisch nur dann seine rote Farbe beibehält, wenn es ans frischem Fleisch hergestellt wird, und die gewöhnliche käufliche Ware, wenn sie aus Resten und Abfällen besteht, schnell mißfarbig wird, ist jener Kunstgriff in seiner Entstehung wohl be- greiflich. Jedenfalls aber ist es die Pflicht der zuständigen Organe, ihr entgegenzutreten, da nach gerichtlicher Entscheidung zweifellos eine irreführende Nahrungsmittelfälschung vorliegt. Leider ist jedoch die Unsitte, wie aus einem Bericht des klinischen Jahrbuches hervorgeht, verbreitet, und die Aufsicht ist lange nicht stark genug. um sie zu verhindern, da von 150 Proben von Hackfleisch, die von ebenso viel Fleischern in Halle a. S. entnommen wurden, nur 15 frei von schwefliger Säure waren, während alle übrigen mehr oder minder große Mengen davon enthielten. Diese Proben wurden heimlich durch Angestellte des hygienischen Instituts der Universität Halle eingesammelt. Bei der amtlichen Kontrolle, wo Polizeibeamte in Zivil 20 Proben nahmen, enthielten nur 4 davon schweflige Säure. Dies beweist, abgesehen von der zu kleinen Zahl der Proben nur, daß es von großem Belang ist, wenn diese von besonders ge- eigneten und sachkundigen Organen ciligcsammclt werden. Gleiche Erfahrungen wurden auch in Frankfurt a. O. gemacht, wo nur 8,60 v. H. der von Polizeibeamten, dagegen 18,4 v. H. der von Nahrungsmittelchemikern genommenen Proben zu beanstanden waren- Generalmajor v. Lochow: Die Offiziere, die an der Spitze der Bekleidnngsämter stehen, erhalten gute fachmännische Ausbildung. Abg. Irl(Z.) wirft dem Freisinn Feindschaft gegen das Hand- werk vor. Abg. Dave(fcs. Vg.): Wir Freisinnigen sind keine Feinde des Handwerks; wir verschmähen es aber, im Handwerk unerfüllbare Illusionen zu erwecken. Das Kapitel wird bewilligt und die KommissionS- R e s o- l u t i o n, welche die Heeresverwaltung zur Nachachtung der bei anderen Ressorts geltenden Regeln für Vergebung von Arbeiten in Submiision auffordert, ein st immig angenommen. Beim Kapitel„Garnisonverwaltung" bittet Abg. Siebenbürger(k.), die kleinen Städte mehr mit Garnisonen zu bedenken. Im Namen der Stadt Gollnow habe ich die Erklärung abzugeben(Große Heiter- keit), daß die Stadt gern bereit ist, einen Platz zum Bau einer Kaserne unentgeltlich abzutreten. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Militärmedizinalwesen" klagt Abg. Dr. Arning (natl.) über den Mangel an Assistenzärzten. Beim Kapitel„Reisegebührnisse, Umzugskosten usw." bewerkt Abg. Stücklcn(Soz.): Bei diesem Kapitel, welches mehr als 12 Millionen erfordert, könnte sehr erheblich gespart werden. In der„Franks. Ztg." hat ein Offizier erzählt, er kenne einen General, der seinen ganze» Haushalt aus ersparten Tage- und Reisegeldern bestritten habe! Es sollte bei den Fahrtgeldern nicht mehr erhoben werden dürfen, als wirk- lich verausgabt ist. Auch könnte man sehr erheblich sparen, wenn man die Offiziere nicht von einer Grenze des Reiches nach der anderen versetzen würde; selbst bei den Bezirkskommandos werden die Offiziere versetzt, wozu gewiß kein Bedürfnis vorliegt. Besonders kraß ist der Fall eines Brigadegenerals, der nach Döberitz ging und um Tagegelder erheben zu können, eine Ordonnanz und einen Schreiber in Berlin ließ, wodurch der An- schein erweckt werden sollte, als sei der Sitz der Brigade noch Berlin, während tatsächlich das gesamte Personal bis auf zwei Personen in D ö b e r i tz war, wo auch die Geschäfte der Brigade erledigt wurden!(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Sehr kraß ist auch der Fall eines Obersten in Charlottenburg, der innerhalb der Stadt umzog und dafür 5 0 0 Mark erhob l(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine eingehende Reform wäre bei diesem Kapitel sehr angebracht.(Sehr richtig l bei den Sozial- demokraten.) Generalmajor v. Lochow: Ich kann mir nicht denken, daß die Fälle sich so verhalten, wie vorgetragen; vielleicht übergibt Herr Stückten uns sein Material. Das Lkapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Militärerziehungs- und BildungSwesen' wünschte die Regierungsvorlage die Verlegung der UnteroffizierSschule von Biebrich nach Wetzlar. Die Kommisston hatte sich dagegen aus- gesprochen. Abg. v. Ekern(k.) und Wg. Behrens(Wirtsch. Vg.) sprechen sich für die Verlegung aus. Abg. Gothein(srs. Vg.)(von der Rechten mit grunzender Unruhe empfangen): Auch wir haben gegen die Verlegung nichts einzu- wenden.(Schallende Heiterkeit.) Die Verlegung wird beschlossen. Beim Titel„Turnanstalten" ergreift das Wort Abg. Wieland(südd. Vp.): Ich muß die Kriegervereine gegen die vielen Angriffe bei der Generaldebatte in Schutz nehmen. Ich bin selbst alter Kriegervereinler.(Ironisches Hurra! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Paasche: Das gehört jetzt nicht hierher. Abg. Wieland: Ich will nur sagen(Große Heiterkeit.), daß it. den Knegervereinen die brüderliche Kameradschaftlichkeit gepflegt wird. Daß sie kein Feld für die Sozialdemokratie sind, ist selbst- verständlich.(Lebhafter ironischer Beifall im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Beim Kapitel„TOilitär-Gefängniswesen" ergreift das Wort Abg. Zubeil: Ein Musiker, der bereits fünf Jahre gedient hatte, wurde wegen einer Verfehlung, die er sich im Zivilleben zuschulden hatte koinmen lassen, in Untersuchungshaft genommen, und zwar im Januar. Während des ganzen Winters bat er den Aufseher unausgesetzt, seine Zelle etwas besser zu heizen. Dieser erklärte jedoch, er habe von der Garnisonverwaltung nicht mehr Kohlen zur Verfügung. Der Mann, der nicht in Strashaft, sondern in Untersuchungshaft saß. erkrankte infolgedessen und ist vollkommen unbrauchbar geworden! Er bezieht jetzt eine Jnvalidenpension von monatlich 9 M., (Hört l hört I) also jedenfalls zu wenig zum Leben,(Sehr wahr I bei Theater. ?r e t e Volksbühne(im Neuen Schauspielhaus): Nacht« von Maxim G o r k i. An dieser Aufführung der erschütternden Barsllßertragödie werden die Vereinsmitglieder ihr wahrhaftes Ge- nügen haben. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn wrr sie an die Spitze aller im laufenden Spieljahr dargebotenen Veranstaltungen stellen: so vortrefflich hat hier die Regie ihres schwierigen AmteS gewaltet, und so recht mit sattem künstlerischem Behagen sind alle die Elendsgestalten aus seelischer Tiefe herausgehoben und charakte« ristisch herausgearbeitet worden. Fast jede Rolle, auch die kleinste, hat ihre beste Vertretung gefunden; und wie im einzelnen, man darf sagen, vollendete darstellerische Leistungen zutage traten, so be- eiferten sich sämtliche Mitwirkende, ihr Können zu zeigen. DaS Milieu war echt, das szenische Znsammenspiel sukzessiv bis zu wuch- tiger dramatischer Schlagkraft gesteigert. Es waren Menschen, die da. befreit von jeglicher Lebenslüge, in aller ihrer sozialen, aber auch seelischen Nacktheit vor uns hingestellt wurden. Und hinter allen Schicksalen dieser Enterbten, zwischen alles zynische oder ver» zweifelte Anflachen schluchzten laut und leise bitterste Tränen. Man steht unter dem Banne dieser Tragik und geht erschüttert, doch nicht abgestoßen, aber nachdenklich aus dem Theaterraum... o. k. Humor«nd Satire. Lied der Ehrenmänner. Hurra, man schränkt die Wahrheit esttz nun mutz sich alles ändern! O welche Lust, ein Schuft zu sei» in deutschen Vaterländern! Nun dürfen wir doch ungeniert jedwedes Schäflein scheren, und wenn uns jemand denunziert, so woll'n wir uns beschweren. Was hilft ihm dann sein lautes Schrei'N i kein Zeuge darf mehr sprechen l Man sperrt ihn wohl zwei Jahre ein und läßt ihn Buße blechen. Die Buße fließt in unfern Sack, sie geht bis zwanzigtausend... So leben wir, wir Lumpenpack, kutschierend, trinkend, schmausend. Und wir, die wir uns amüsier'n laut hundertfünfundsiebzig, wir werden gleichfalls profitier'n, denn als Effekt ergibt sich: Des Urteils ganze Schwere fällt auf die Verleumderstirnen. Wir kriegen zu dem Spaß noch Geld, ganz so wie richt'ge Dirnen. Ära«» ■% den Sozialdemokraten) zumal da er Familie üat.(Hörti hört! Ich möchte die Militärverwaltung dringend bitten, den Mann für die schweren Nachteile zu entschädigen, die er in der Untersuchungs» Haft erlitten hat.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das Kapitel wird bewilligt, ebenfalls eine Reihe weiterer Titel. Hierauf vertagt das Haus die Wciterberatung auf Dienstag 2 Uhr.(Auverdem Penfions- und Jnvalidenfonds; 3, Lesung des AutomobilgesetzeS.) Schlug tiV« Uhr._ parlamcntanrcbcö. Aus der Bubgetkommission des Reichstag?, (42. Sitzring, 22. März.) Bei der Beratung des Allgemeinen WerftbetrieveS fragt Genosse Ledebour an, ob und inwieweit bei Vergebung von Arbeiten die vom Reichstag gefafete Resolution beachtet worden sei: in erster Linie die Unternehmer zu berücksichtigen, welche die mit den Arbeiterorganisationen vereinbarten Lohntartfe anerkannt hätten. Admiralitätsrat Hanns entgegnet, daß hierüber nicht ein einzelnes Ressort, sondern der Bundesrat zu entscheiden habe. dessen Entschließungen dem. Reichstage zugestellt würden. Genosse Ledebour findet diese Anttvort in jeder Beziehung ungenügend. Jedenfalls aber stehe fest, daß der Bundesrat es bisher nicht für der Mühe wert gehalten habe, zu der Resolution Stellung zu nehmen. Das zeuge von geringem Respekt dem Reichstage gegenüber. Dieser müsse aber verlangen, daß seine Resolutionen beachtet werden und der Bundesrat hierzu feine Entschließungen bis zur nächsten Budgetberatuug fasse, damit der Reichstag wisse, woran er sei. Er empfehle, das Gehalt des Reichs- ikanzlcrS solange nicht z» bewillige», bis die Beschlüsse deS Bundes- rats über die ihm überwiesene» Rcsolutione» vorliegen. Abg. Erzberger beklagt sich gleichfalls über die dilatorische Behandlung dieser Frage durch den Bundesrat und wendet sich gegen den Abg. Semler, der den Bundesrat zu entschuldigen versucht hatte, weil der Reichstag zu viele Petitionen fasse. Abg. L e'o n h a r d t behauptet, daß bei der Vergebung von Arbeiten die Marineverwaltung vielfach in einer Weise verfahre, welche die schärfste Kritik herausfordere. So sei ihm ein Fall be- kannt, wo die Scheibeureparatur in Stundenlohn vergeben sei, was — da jede Kontrolle fehle— dem betreffenden Unternehmer einen Reingewinn von mindestens 60 iXX) M. jährlich bringe. Einer Antwort wurde Abg. Leonhardt von der Marine» Verwaltung nicht gewürdigt!— Die Kommission setzte von den geforderten 4 öö2 000 M. 100 000 M. ab. Von dem Titel„Instandhaltung der Schiffe und ihres Inventars", für welchen 22 040 000 M. eingestellt sind. werden mit Rücksicht auf den Rückgang der Matertalienpreise 600 000 Mark abgesetzt. Beim Titel.Zentralverwaltung für das Schutz» gebiet Kiautschou" bemängelt Erzberger die hohen Ver- waltungskosten: das Gebiet sei nicht größer als der Bundesstaat Bremen, so daß die für die Zentralbehörden aufgewendete Summe von 146 000 M. viel zu hoch sei. Die Kommission einigte sich auf eine Resolution, in welcher eine Vereinfachung der Zentral- Verwaltung verlangt wird. Bor Eintritt in die Beratung über die»einmaligen Aus- g a b e n � beantragt Genosse Singer, die Beratung so lange auszusetzen, bis der Reichskanzler über die Richtigkeit der vom englischen Prcmiermiuister Asquith in bezug auf die an die deutsche Regierung gerichtete Anfrage der Budget- kommission Auskunft gegeben habe. Der Vorsitzende Frhr. v. G a m p wendet sich gegen den Antrag und verweist auf das Schreiben des Reichskanzlers, in welchem es heiße,»daß er in Aussicht genommen habe, dem Herrn Staatssekretär b. Schoen eine Erklärung abgeben zu lassen, soweit ihm d aS ei n fch läg i g e, noch zu beschaffende Material das für nützlich erscheinen lasse". Der Reichskanzler sei also zurzeit garnicht in der Lage, die gewünschte Auskunft zu erteilen, weshalb er(Gamp) von einer Vertagung der Beratung deS Marineetats abzusehen bitte. Genosse Singer entgegnet, daß der angeführte Grund nicht stichhaltig sei; denn was wolle der Kanzler noch für Material be- schaffen? Es handle sich einfach darum, ob die im englischen Unter« haus gemachten Mitteilungen, daß die englische Regierung mit Vor» schlügen zu einer Ermäßigung der Schiffsbaulasten an die deutsche Regierung herangetreten sei, diese aber jede Unterhandlung darüber abgelehnt habe, wahr sei oder nicht. Hierüber solle der Reichskanzler Auskunft geben; die Kommission habe die Auskunft gewünscht, um j« nach dem Ausfall der Antwort daraus budgetärr Konsequenzen zu ziehen. TS fehle jeder Grund, den gefaßten Beschluß aufzuheben. Im Gegenteil: wenn er nicht gefaßt w äre, so müßte er angefichtS der allgemeinen Erregung, die nach den englischen Mitteilungen sich überall zeige, jetzt erst recht gefaßt werden. Ohne Zweifel werde die Angelegenheit beim Reichsmarineamt im Plenum behandelt werden, bevor der Etat deS Reichskanzlers in der Kommission er- örtert worden sei. Die Kommission einigt sich schließlich dahin, in der Beratung d«S Marineetats fortzufahren, die Titel 16—22, welche lauter e r st e Raten enthalten, auszusetzen und vor ihrer Erledigung den Etat»Reichskanzler und Reichskanzlei� auf die Tagesordnung zu setzen. Eine längere Debatte entspann sich über die Vergebung der Lieferung von Panzerplatten und die Monopolstellung, welche hierbei die Firma Krupp einnehme. Graf Oppersdorfs teilt mit, daß die anderen Firmen sich scheuten, Offerten zu machen, weil die Schießproben auf dem der Firma Krupp gehörenden Schießplatz bei Meppen abgenommen wüxden und weil man von ihnen verlange, daß sie bei billigeren Preisen besseres Material liefern. Genoffe Singer führt aus, daß wir bisher ohne Zweifel zu viel bezahlt hätten; denn es sei ganz ungeheuerlich, daß bei der Festsetzung der Selbstkosten 10 Prozent Dividende mit hineingerechnet worden seien. Die Beratung wurde hier abgebrochen. Nächste Sitzung DienS- tag. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt der Etat deS Reichskanzlers, wobei voraussichtlich die Vorgänge im englischen Unterhause zur Erörterung kommen werden. Die Berggesetzkommission be» Abgeordnetenhauses hielt am Freitagabend wieder eine Sitzung ab. Nachdem in der letzten Sitzung beschlossen worden war, daß der Arbeiterausschuß durch die Sicherheitsmänner gewählt werden soll, gelangte jetzt der konservative Verschlechterungsantrag, der die Vorlage ersetzen soll, gur Beratung. Zunächst stand Z 80 i zur Debatte. Er lautet: „Auf denjenigen Bergwerken ooer selbständigen Betriebs» anlagen, auf welchen in der Regel mindestens 100 Arbeiter be- schäftigt werden, müssen Sicherheitsmänner(§ 30 f, g) und ein Arbeiterausschuß(8 80 k, i) vorhanden sein." Von sozialdemokratischer Seite und vom Zentrum wurde be- Antragt, statt 100 Arbeiter 20 zu setzen. Der Antrag wurde mit allen gegen 8 Stimmen abgelchnt. Sodann kam Z ,80 k n zur Beratung: „Die Zahl der Sicherheitsmänner ist so zu bestimmen, baß auf jede zur Zeit der Wahl bestehende Steigerabterlung ein Sicherheitsmann entfällt." Hierzu beantragte der sozialdemokratische Vertreter, daß ans eine Steigerabteilung„mindestens" ein Sicherheitsmann ent- falle. Der Antrag wurde gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. s 80 k, b bestimmt: 1. Die Wahl der Sicherheitsmänner erfolgt nach Steiger- abteilungen. Jede Steigerabteilung wählt aus ihrer Mitte einen Sicherheitsmann; hie Wahl ist unmittelbar und geheim. Der sozialdemotratifche Vertreter beantragte, die Wahl der Vertreter für alle Steigerabteilungen gemeinsam nach den Grundsätzen der Verhältniswahlen vorzunehmen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt gegen zwei Stimmen. Nunmehr gelangten die Bestimmungen über das aktive Wahlrecht zur Beratung. Diese lauten: 2. Zur Wahl berechtigt sind nur bolljährige Arbeiter, welche seit Eröffnung des Betriebes oder mindestens ein Jahr ununter- brachen auf dem Bergwerk gearbeitet haben. Von sozialdemokratischer Seite wurde beantragt, daß alle zur Zeit der Wahl auf dem Bergwerk beschäftigten Arbeiter Wahl- berechtigt sein sollen. Das Zentrum beantragte, daß alle voll- jährigen Arbeiter, welche mindestens ein Jahr Bergarbeit ver- richtet haben, das Wahlrecht besitzen sollen. Dagegen verlangten die Nationallibcralen, zur Wahl berechtigt soll nur der Arbeiter sein, der mindestens 25 Jahre alt ist und der unterirdischen Beleg- schaft seiner Grube ununterbrochen entweder seit Eröffnung dqs Betriebes oder feit mindestens drei Jahren angehört. Ueber diese Anträge wurde lebhaft debattiert. Der Minister erklärte sich gegen diese Beschränkungen, die die Nationalliberalen schaffen wollten. Die Freikonservativcn waren damit einder- standen, sie haben angeblich keine guten Erfahrungen mit den Ar- beiterausschüssen gemacht. Der nationalliberale Antrag wurde im Laufe der Debatte zurückgezogen, was die Frcikonservativen lebhaft bedauerten. Der Sozialdemokrat betonte, daß, wenn man solche Beschränkungen einführe, eS doch besser sei, man überlasse den Werkbesttzern die Auswahl der Sicherheitsmänner. ES sei ganz un- gerechtfertigt, Bedingungen an daS Wahlrecht zu knüpfen, die nicht von dem Arbeiter abhängig sind. Wenn ein Arbeiter noch nicht ein volles Jahr auf der Grube beschäftigt ist, so ist das nicht Schuld des Arbeiters; da aber auch dessen Leben und Gesundheit zu schützen ist, so muß ihm auch die Möglichkeit gegeben werden, die Auswahl der Personen mit vorzunehmen, die für seinen Schutz eintreten sollen. Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen eine und der Jen» trumSantrag gegen 7 Stimmen abgelehnt. Ueber Las passive Wahlrecht bestimmt die Vorlage und der konservative Antrag folgendes: Die Sichcrheitsmänner müssen mindestens 30 Jahre alt fein und feit Eröffnung des Betriebes oder mindestens drei Jahre un- unterbrochen auf dem Bergwerke gearbeitet haben. Sie müssen mindestens 5 Jahre unterirdisch und davon mindestens 2 Jahre als Hauer beschäftigt geivesen sein. Wähler und Stcherheits. männer müssen die bürgerlichen Ehrenrechte und die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen, die Sicherhcitsmänner überdies der deutschen Sprache in Wort und Schrift mädhtig sein. Eine Unter- brechung der Arbeit liegt nicht vor, wenn Arbeiter unmittelbar nach Beendigung einer militärischen Dienstleistung, eines Aus- Standes oder einer Aussperrung wieder zur Beschäftigung auf »emselben Bergwerk angenommen werden, ohne inzwischen auf einem anderen Bergwerk beschäftigt gewesen zu sein. Hierzu wurde von den Sozialdemokraten und vom Zeqtrum beantragt, das Alter auf 25 Jahre und die ununterbrochene Be. schäftigung auf ein Jahr herabzusetzen. Die Nationalliberalen waren hier wieder bereit, erhebliche Verschlechterungen herbeizu- führen. Sie beantragten, daß als Vertreter nur gewählt werden könne, wer 30 Jahre alt ist, und dann 2. der unterirdischen Belegschaft seiner Grube entweder seit Eröffnung des Betriebes oder ununterbrochen mindestens V Jahre als Hauer angehört; 8. feit 5 Jahren nicht wegen Uebertretung bergpolizeilicher Vor- fchriften bestraft worden ist; 4. weder selbst Gast- oder Schankwirtschast betreibt noch den- selben Hausstand mit einem Angehörigen teilt, der ein solches Ge- werbe betreibt, und 5. nicht Knappschaftsinvalide ist. Die Bestimmungen über bjährige ununterbrochene Beschäfti» gung und wegen Uebertretung polizeilicher Vorschriften zogen die Nationalliberalen im Laufe der Debatte zurück. Sie behielten sich aber vor, für die zweite Lesung eine bessere, d. h. für die Arbeiter ungünstigere Fassung zu beantragen. Bei der Abstimmung wurden die Anträge, daS Alter auf 25 Jahre herabzusetzen, mit allen gegen 0 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten nur die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Polen und Freisinnigen. Die Herabsetzung der ununterbrochenen Beschäftigung auf ein Jahr wurde mit allen gegen zwei Stimmen(Sozialdemokrat und ein Zentrumsmitglied) abgelehnt. Ebenso der Zentrumsantrag be- züglich der einjährigen Bergbauarbeit. Gegen die Stimme des Antragstellers wurde auch der Antrag der Sozialdemokraten, hinter unterirdisch einzufügen:»oder im Tagebau" abgelehnt. Der Antrag Hirsch, betreffend die Gastwirtschaft, wurde mit 16 und der bezügltch der KnappschastSinvaliden mit 13 Stimmen an» genommen. Dann wurde über den dritten Absatz des Z 80 k V beraten, der lautet: Die Sicherheitsmänner sind auf mindestens ein und auf höchstens fünf Jahre zu wählen. Der Wahltermin ist 4 Wochen vor der Wahl bekanntzugeben. Der Sozialdemokrat beantragte, statt fünf Jahr« drei Jahre zu setzen, das Zentrum wollte vier Jahre festgesetzt wissen. Diese Anträge wurden jedoch mit vier bezw. neun Stimmen abgelehnt. Danach wurde die Beratung abgebrochen. »• Der Erfolg der ersten Beratung bezüglich des Wahlrechts und der Sicherhcitsmänner ist also, daß die Nationalliberalen mit ihren Verschlechterungsanträgen durch- gedrungen sind. Bei der zweiten Lesung werden wir noch schönere Dinge erleben. Nach dem bisherigen Gang der VerHand- lungen ist gar nicht darauf zu rechnen, daß irgend welche Ver» besserungen in der Gesetzesvorlage Aufnahme finden. Die Freunde der Bergarbeiter stehen einer kompakten arbeiterfeindlichen Ma- jorität gegenüber._ Der KapstaNsmus in der Glaslndnftrle. Vor einigen Monaten zirkulierte die Mitteilung durch die Presse, daß ein Ingenieur Owen eine Maschine erfunden habe, die selbsttätig und unabhängig von jeder Handarbeit die Mässenher- stellung von Glasflaschen möglich macht. Ueber diese Erfindung hatten auch wir berichtet. Die Einführung dieser neuen Flaschen. Maschinen bedeutet für die Glasindustrie ein wichtiges Ereignis. Hat sich doch durch die Owensche Maschine auch hier die Maschinen. Wirtschaft angekündigt, um den gelernten Arbeiter durch den un- gelernten Arbeiter und durch die mitarbeitende Frau zu ersetzen. ?in einer Sammlung technisch-volkswirtschaftlicher Mono- ien. die kürzlich L. S i n z h e i m e r im Verlage von Klink- Hardt herausgegeben hat. wird auch der EntWickelung der Glas» industrie eine besondere Studie gewidmet. Es zeigen sich auch hier interessante Wechselbeziehungen zwischen den Fortschritten der Technik und der Neuorganisation der Arbeit, die in jeder Etappe notwendig wurden. Zunächst macht sich der Einfluß der Tecbnik in der Glasindustrie auf die Veränderung des ProduktionSorteS geltend. Noch in den ersten Jahrzehnten deS 19. Jahrhunderts ehen wir den Standort der deutschen Glashütten fast nur in den waldreichen Gegenden gelegen. Der Spessart und der Schwarzwald, Bayern, Thüringen und Schlesien sind die Gebiete, in denen die Glasfabriken ihren Sitz haben. Vor allen Dingen aber war es Böhmen, das alle anderen Gebiete Deutschlands durch die Menge und die Güte der Produkte übertraf. Heute dagegen hat sich nur ein Teil der Glasindustrie in diesen Gegenden erhalten können, deö größte Teil ist aus den Waldungen in die Ebenen, in die Nähe der Kohlenlager gezogen. Die Ursachen dieser Veränderungen des Produktionsüandortes liegen vor allen Dingen in der Aenderung der Feüetungstechnik. An Stelle des HokzeS als Brennmakerial trat die Anwendung der Kohle; die Glasindustrie siedelte sich daher vornehmlich in den Kohlengebieten an, an der Saar, am Rhein und in Schlesien. Weiter zeigt sich auch hier die Wirkung der Technik auf die Produktivität der Arbeit und auf die Ermäßigung der Produktions- kosten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war es Friedrich Siemens, der durch das sogenannte Regenerativ-Gasshstem die Produktion auf eine neue Grundlage gestellt hat. Nicht nur konnte man jetzt viel höhere Temperatur als bisher erzielen; man hatte auch ihre Regelung völlig in der Hand, ohne von Zufälligkeiten ab- hängig zu sein, die früher so oft die Ofenhitze plötzlich gesteigert oder wieder vermindert hatten. Die Anwendung dieses neuen Heiz- systems brachte eine eminente Brennstoffersparnis und kürzte den Schmelzprozeß erheblich ab. Eine andere wesentliche Verbesserung lag in der Veränderung der Stoffe. Bis zum Ende deS 18. Jahr- Hunderts waren die in der Glaspröouktion verwendeten Rohstoffe Naturprodukte, Rohsoda, Quarz, Pflanzenasche. Durch die Entdeckung von Leblanc wurde erreicht, aus Koch- falz Soda in unbegrenzten Mengen herzustellen. Es beginnt da- m:t zugleich die Ausbildung der technischen Großindustrie, die durch die Analysen und Produktionsmethoden die billigen Ersatzprodutte für die Glasfabriken herstellen konnte. Die Technik bewirkte dann auch noch eine weitere Steigerung der Produktivität durch die Ver- änderung in der Menschenkraft. Die Stuhlarbeit, wie die Her- stellung der Glasgegenstände aus freier Hand genannt wird, wird verdrängt durch die Formarbeit, die flüssige Glasmasse wird durch mechanische Hilfsmittel in eine Form getrieben und dann gepreßt. Hand in Hand mit diesen Verbesserungen geht die Arbeits- t e i l u n g. Noch End« des 18. Jahrhunderts hatte z. B. in Franken ein Glasmeister nicht nur das ganze Werk zu dirigieren, sondern auch den Ofen zu bauen, die Schmelztiegel zu verfertigen und die Mischung der Glasmaterie zu besorgen. Neben den eigentlichen Glasmachern waren nur noch die eigentlichen Ofenheizer beschäftigt. Eine ganz andere Arbeitsteilung dagegen zeigt eine moderne Glashütte. Für die Verarbeitung des Glases vor dem Ofen sind die qualifizierten Arbeiter beschäftigt. Der gelernte Arbeiter ist hier immer noch notwendig, weil das gleichmäßige Aufblasen des Glases. die Verteilung der Wandstärken in der gewünschten Gleichmäßigkeit sich erst durch langjährige Uebung und sorgfältige Ausbildung er- lernen läßt. Besonders die Erzeugung der oft so kunstvoll verzierten Kristallgläser und anderer LuxuSgegenstände erfordert ein sorg- fältig geschultes Arbeiterpersonal. Neben dieser Arbeiterkategorce aber kommen noch diejenigen Hilfskräfte in Frage, die nicht uu- mittelbar an der Glascrzeugung beteiligt sind. Hier findet mau die handwerksmäßig ausgebildeten Hafcnmacher, Tischler und Schlosser, welche die Hafen. Ofensteine, Holz- und Metallformcu und Werkzeuge anzufertigen haben. Außerdem wird noch eine große Zahl ungelernter oder höchstens angelernter Arbeitskräfte ver- wendet. Zu ihnen gehören die Leute, welche die Zerkleinerung und sonstige Zubereitung der verschiedenen Materialien besorgen, ferner die Äohlenwärter, Schürer, Packer und dergleichen. Je mehr in der Glasindustrie die Massenfabrikation vorwärts schreitet, desto geringer wird die Zahl der gelernten Arbeiter, desto umfassender kann die Maschine eingeführt lverden, die dann wiederum nur ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte benötigt. Am klarsten zeigt sich die Erscheinung heute schon bei der F l a s ch e n fa b r i k a t i o n. Die Owensche Flaschcnmaschin« ist die vorläufige Lösung des Problems, auf diesem Gebiete die Arbeit der Menschen auszuschalten. Die vielen Versuche, die seit den achtziger Jahren nach dieser Richtung gemacht wurden, haben end- lich in den letzten Jahren ihr Ziel erreicht. Allerdings hatte man schon längere Zeit die sogenannten Flaschenblasemaschinen in An- Wendung, die an Stelle der Lungenkraft des Arbeiters die Wirkung eines Pretzluftgebläses setzten. Die bewegende Kraft wurde ent- weder durch Dampfmaschinen oder auf elektrischem Wege hervor- gebracht. War auch die Arbeit des Blasens von der Maschine übernommen, so hatte der Arbeiter selbst das Glas aus dem Ofen zu schöpfen und in die Form einzugießen, den Luftzutritt zu regulieren und die fertige Flasche wieder herauszunehmen. Dieses System machte daher auch den gelernten Arbeiter noch nicht überflüssig, da lange Uebung und Vertrautheit mit der Behandlung geschmol- enen Glases nötig war. um gerade die richtige Menge GlaS in er Form einzufüllen. Die spater konstruierten Maschinen gingen wieder einen Schritt weiter und übernahmen auch die Regulic- rung des Luftzutrittes, so daß dem Arbeiter nur das Aufnehmen des' Glases derblieb. Die Stärke des Luftdruckes wird dabei durch ein Manometer und die Zeitdauer durch ein Uhrwerk erkenntlich gemacht. Das System Owens hat auch die Arbeit des Glasaus- nehmens der Maschine übertragen, so daß nun ein vollkommer. automatischer Betrieb eingerichtet ist. Durch regelmäßig« Um- dvehung tauchen die sechs Arme der Maschine in die Wanne ein, durch saugende Luitwirkung wird das genau gewünschte Ouanhirn herausgeschöpft und die Flasche in eine Vorform und in eine End- form ausgeblasen. Je vier Flaschen werden auf einmal auto- matisch in einer Verschmelzmuffel vollendet und schließlich gleich- falls auf automatischem Wege in den Kühlofen abgelegt. Natürlich hat den Vorteil dieser technischen Erfindung sich nur der Kapitalist zunutze gemacht. Kaum wurden die ersten Mit- teilungen über erfolgreiche Versuche bekannt, die der Ingenieur Owen mit seiner Maschine ausführte, so legten die vereinigten Unternehmer diese Erfindung mit Beschlag. Der europäische Verband der Flaschen fabriken hat die Owenspatente für 12 Millionen Mark gekauft und wird nun die Anwendung der Maschinen und die Regelung der Produktion einheitlich vor- nehmen. So hat diese wichtige Erfindung auch hier zü einer Art Trustbildung geführt und die Leitung der Produktion zentralisiert. Die Glasindustrie, besonders in der Flaschenfabrikation, be- sitzt jetzt eine Arbeitgeberschaft, die mit allen, auch klar gegen das Gesetz verstoßenden Mitteln die Arbeiterbewegung niederzuringen sucht. Nach oen Bestimmungen der Bereinigung deutscher Flaschen- fabriken müssen sich die Mitglieder„unter Ehrenwort verpflichten, von anderen Mitgliedern keine Arbeiter zu beschäftigen, welche als Aufwiegler tätig sind und sozialdemokratische Tendenzen verfolgen." Desgleichen haben die Vereinsmitglicder die Verpflichtung,„die Namen derjenigen Arbeiter sich gegenseitig mitzuteilen, welche von ihnen als Aufwiegler oder wegen Hervortretenz einer sozialdemo- kratischen Gesinnung entlassen worden sind." Trotzdem ist die Staatsanwaltschaft gegen die Glasbarone noch nicht mit einer An- klage vorgegangen. Der Kapitalismus führt also auch hier zu den gleichen Er- scheinungsformen, wie in anderen Industrien. Die Maschinen- arbeit verdrängt die Handarbeit, unterdrückt den Kleinbetrieb und führt zu immer erbittertem gewerkschaftlichen und politischen Klassenkampf, der zwischen Arbeiter und Unternehmer geführt werden muß._ Hus der Partei. „Fluchtverdacht." Zu Straßburg i. G. wurde bekanntlich der Parteisekretär Genosse Knauf wegen angeblicher Majestätsbeleidigung ver- haftet. Seine Beschwerde gegen die Hafkanordnung wurde gestern abgelehnt. Es soll— Fluchtverdacht vorliegen. Selbstverständlich ist der Fluchtverdacht vollkommen unbegründet. Der Landesvorstand der elsaß-lothringischen Partei hat Schritte unternommen, um die Haftentlassung gegen Kaution zu erlangen. Zur Maifeier. Die Parteigenossen in Altenburg und Ronneburg (Sachsen-Altenburg) haben beschlossen, von einer Tagesfeier am 1. Mai abzusehen. Von der Arbeitsruhe soll gleichfalls Abstand gc- nommcn werden. Das Schwergewicht der Feier soll auf die Abend- Veranstaltung gelegt werden. In Eisenberg und Schmölln dagegen wird— soweit es möglich ist— der 1. Mai durch Ar» beitsruhe gefeiert. Pfarrer md Jesu» Lier die Sozialdemokratie. In Schwäbisch Gmünd in Württemberg hatte auf Veranlassung deö sozialdemokratischen Verein? ein Redakteur unsere? Stuttgarter Parteiorgans in überfüllter Volksversammlung über da? Thema: „Kirche und Sozialdemokratie� referiert. In der Dis- luffion trat der evangelische Stadtpfarrer Lamparter dem Redner entgegen, allerdings mit wenig Erfolg. In einer vom evangelischen Arbeiterverein veranstalteten Volksversammlung sprach sodann Pfarrer Lamparter über das gleiche Thema. Einige seiner Ausführungen sind so interessant, dag sie verdienen, fest- gehalten zu werden. Der Redner bestritt entschieden, dah die Kirche eine Feindin der Sozialdemokratie sei, die materialistische Weltanschauung jedoch bekämpfe die Kirche.„Aber ich gebe zu: auch in der Bekämpfung der Sozialdemokratie von feiten der Kirche, so- «et- eS sich dabei nicht um eine Abwehr der materialistischen Welt- anschauung und eine Verteidigung der religiösen Güter gehandelt hat, ist manchmal gefehlt worden...Man wird nicht sagen können, daß, wenn das sozialdemokratische Pro- gramm sich verwirklichen würde, die Pflege reli- giösen Lebens und die Befriedigung der reli» giösen Bedürfnisse nicht mehr möglich wäre. Und deshalb muß die Kirche von aller Bekämpfung der Sozialdemokratie als wirtschaftlicher und politischer Partei sich fernhalten. Die sozialdemokratische Parte! war die erste— das muß man ihr zugestehen, das ist ein Zeuguis der Geschichte und der Wahr- heit— die zielbewußt und tatkräftig für dir Interessen der Wirtschaft- lich Schwachen eingetreten ist." So der evangelische Pfarrer. Fast noch weiter ging der Jesuitenpater Seiler, der am IS. März in der Marienkirche in Stuttgart über„Christentum und Sozialdemokratie' sprach. Der Jesuit stellte zunächst die Frage:„Welche Umstände haben denSozialis- mus geboren?' Diese Frage beantwortete er dem Zentrums- organ„Deutsches Volksblatt' Nr. 62 vom 17. März IVOS zufolge also: „War eS der Haß gegen das Christentum? Ganz gewiß: Nein! Zunächst war es der Haß gegen den Kapitalismus. Sein Entstehen trägt folgende Merkmale: An Stelle des Klein- betriebeS war durch die wirtschaftliche EntWickelung der Groß- betrieb entstanden. Än Stelle der Produktion für den Selb st gebrauch trat die Produktion für den Welthandel, das heißt die Warenproduktinn. Die Produktions- mittel sind in den Händen weniger Einzelner, die Masse d-r Arbeiter sind besitzlose Proletarier. In der b e st e h e n d e n Wirtschaftsordnung ,st eine Aenderung dieser Lohnsklaverei unmöglich, die Rettung liegt nur in der völligen Abschaffung des Vrivateigentums an Produktionsmitteln. Der Staat der Zu- kuntt'st eine große Wirtschaftsgemeinschaft, in welcher alle in oleichem Maße Anteil an den Produktionsmitteln, alle gleiches Reckt aui Arbeit haben.' Scklteplich bezeichnete der Redner den internationalen Sozia- ßBinus ais Schattenbild der internationalen Größe! de« c: h r.t st e n t u m s.' Also nicht mehr Schattenbild der Hölle Meljritüm man zunächst nicht verlangen. Aus dem russischen Parteileie». Vor kurzem fand in Rußland ein Kongreß der sozialdemokratischen Partei Litauens statt, auf welchem die Organisationen in Wilna, Grodno, Wileiki, Suwalk und Kowno vertreten waren. Die Berichte der Delegierten ergaben daS bekannte Bild des Zerfalls der Organ!-. fatton während des verflossenen Jahres. Aber zugleich machte sicy in der letzten Zeit eine Wendung zum besseren bemerkbar. In den Kreisen der Arbeiter und Bauern zeigt sich ein verstärktes Interesse für politische Fragen; eS wächst die Nachfrage nach Parteiliteratur und Agitatoren. Aus den Resolutionen des Kongresses ist hervorzuheben, daß„die Hauptaufgabe der Partei darin be- stehen müsse, den Defensivkampf gegen die geschlossenen Kräfte der Realtton und des Kapitals zu organisieren und die revolutionäre Energie für den weiteren Kampf des Proletariats anzusammeln.' In der Resolution über die Parteiarbeit in den Städten empfiehlt der Kongreß„allen Parteimitgliedern, an allen parteilosen Arbeiter- organisattonen. kulturellen wie gewerkschaftlichen, teilzunehmen, um diese Organisationen im Sinne der Sozialdemokratie zu beeinflussen, und desgleichen Gruppen aus Parteimitgliedern innerhalb derselben zu bilden.' Zugleich wird empfohlen, aus den Fabriken und Hand- werksbetrieben sozialdemokratische Gruppen zu bilden. Zur Frage der Vereinigung mit der Sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei Rußlands nahm der Kongreß einen detaillierten Entwurf an. Bor kurzem fand auch eine Konferenz der fozialdemokrattschen Organisation Kleinrußlands„Spilka'(die zum Bestände der sozial- demokrattschen Arbeiterpartei Rußlands gehört) statt, auf welcher die Organisationen in Hömel, Schostak, Woronez, Krolewez, Ber- ditschew. Schitomir, Nowgorod-Wolynsk und die ausländische Gruppe der.Spilka' vertreten waren. Die angenommenen Resolutionen (über die Tätigkeit der Dumafraktion, über die Parteiagitation usw.) tragen einen menschewistischen Charakter. Die Konferenz lehnte es ab. das seit einiger Zeit erscheinende Blatt„Prawda' als das Organ der.Spilka' zu betrachten._ Sozialdemokratische Dumaabgeordnete im Gefängnis. Der frühere Abgeordnete der zweiten Duma, Genosse Lomta- tidse, der im Hochverratsprozeß der sozialdemokratischen Fraktion zur Zwangsarbeit verurteilt wurde, im Gefängnis schwer erkrankte und vor ewiger Zeit nach dem Sebastopoler Gefängnis transportiert wurde, wandte sich an die sozialdemokratische Fraktion mit der Bitte. wegen seiner Ueberführung nach dem Krankenhause nach- zusucken. Er teilte mit, daß außer den allgemeine» entsetzlichen Be- dingungen deS Gefängnislebens, die im Gefängnis statt- findenden Hinrichtungen einen besonders niederdrückenden Ein- fluß auf ihn machten. In dem ärztlichen Zeugnis, das er der Fraktion zustellte, heißt es, daß seine beiden Lungen und der Kehlkopf von der Schwindsucht betroffen seien und daß der weitere Aufenthalt im Gefängnis sein Leben bedrohe. Dieser Tage erhielt die Fraktion ein Telegramm aus Sebastopol, in welchem das Befinden Lomtatidses als s e h r e r n st bezeichnet mid seine Ueberführung nach dem Krankenhause verlangt wird. Zu gleicher Zeit erhielt die Fraktton einen Brief des Mitgliedes der dritten Duma, Genossen K o i s o r o t o f f, der gegenwärtig eine elfmonarige Gefängnisstrafe verbüßt. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht, die Behandlung entsetzlich. So mutz er z. B. mit Kriminalgefangenen in einer Zelle sitzen, wird äußerst schlecht ber- pflegt und bekommt keinerlei Bücher oder Zeitungen, ja selbst nicht die stenographischen Dumaberichte ausgehändigt. Klagen beim Staatsanwalt führten zu keinem Erfolg.— „Das Echo des Bundes", so betitelt sich das vor kurzem erschienene ausländische Organ des jüdischen Arbeiterbundes. Der Zweck dieser, in russischer Sprache redigierten Zeitschrift ist derselbe» wie ihn der vorrevolutionäre „Bote des Bundes', der direkte Vorgänger des„Echo" verfolgt hatte, nämlich:„Die Herstellung eines engen Kontaktes zwischen der revolutionären Bewegung des jüdischen Proletariats und jener auf dem Standpunkte der Sozialdemokratie stehenden Intelligenz, die eine Annäherung an dieses zum bewutztseinserfüllten Leben aufgewachten Proletariat suchen wird.'— Aus dem reichen Inhalt des Heftes sind hervorzuheben: der Artikel„Früher und jetzt", der die gegenwärtigen veränderten Bedingungen der sozialdemokratischen Arbeit in Rußland bespricht, ferner„Die A z e w a f f ä r e", worin das Fiasko der terroristischen Taktik dargelegt wird, zwei Arttkel über die Organisationsfrage, genauer: über legale und geheime Tätigkeit, wobei die Anhänger einer seden von ihnen zu Worte kommen, u. a. mehr. Außerdem enthält die Nummer eine gedrängte Wixdergabe der wichtigsten Ausführungen aus dem jüdischen Zentralorgan des Bundes(„SttMme des Bundes"). Tom Mann in Australien. Tom Mann, der bekannte englische Sozialist und Organisator, der vor etwa 8 Jahren nach Australien auswanderte, hat dort eine ungeheure Popularität erworben. Als Agitator ist er unermüd- lich, alle Teile der Kolonie bereist er und hält Versammlungen ab, die sich immer starken Besuches erfteuen. Auch als Organisator hat er sein Geschick bewiesen, denn gerade er hat viel zur Bildung der sozialistischen Partei Australiens beigetragen. Durch sein in Melbourne erscheinendes Blatt„TKe Socialist" wirkt er unablässig für die Verbreitung des sozialisttschen Gedankens unter der australischen Arbeiterschaft. Von der bürgerlichen Klasse wird er gefürchtet und gehatzt. So wurde ihm kürzlich von den Behörden von Neu-Südwales untersagt, in Versammlungen zu reden. In Bröken Hill dauert nämlich seit Wochen ein Streik der Bergleute, die Tom Mann in ihrem Kampfe wirksam unterstützt hatte. Daher das Verbot! Die Arbeiterschaft aber wußte sich zu helfen. Sie wollte den beliebten Redner vor seiner Abreise nochmals hören, und so wurde eine Versammlung auf der Grenze zwischen Neu- Südwales und Süd-Australien einberufen; Tom Mann sprach von jenseits der Grenze. Von Bröken Hill aus hatte ein von der Arbeiterpartei gestellter Extrazug gegen 4006 Menschen herbeigeführt. Die bürgerliche Presse muh selbst zugestehen, daß etwas AehnlicheS wohl in ganz Australien noch nie dagewesen ist._ Mit Staunen und Unbehagen sieht man die wachsende Popularität des sozialistischen Agitators, dessen Lehren auf immer größeres Ver- standnis bei der Bevölkerung stoßen. Selbstverständlich ist Tom Mann längst nicht mehr allein, der Sozialismus hat in Australien außer ihm eine ganze Anzahl der tüchtigsten Verfechter gesunden. poiirellicdes, Ocricbtlicheo ulw. ES gibt keine Klassenjustiz. Als an einem Sonntag im Januar d. I. die ländlichen Ort- schaften des Wahlkreises Mühlhausen-Langensalza-Weißensee mit einem Flugblatt über das persönliche Regiment belegt wurden, verbreiteten zwei Genossen diese Flugblätter auch in Tennstedt. Ein Landwirt, der mit seinem Gefährt auf der Straße hielt, war auf die von HauS zu HauS gehenden Fluglattverteiler aufmerksam geworden und bat sie neugierig um ein Exemplar der Blätter. Sie kamen der Bitte in gefälliger Weise nach, doch das Auge des Gesetzes hatte sie schon bei der„strafwürdigen" Handlung bemerkt. Jeder der beiden Genossen erhielt vom Schöffengericht Tennstedt eine Gefängnisstrafe von acht Tagen zudiktiert I In der Begründung deS Urteils wird ausgeführt, daß beide Sünder ver« sucht hätten,„die Einwohner des Ortes in Aufregung zu versetzen'! Aus Geldstrafe wurde nicht erkannt, weil diese Ntcht von den Angeklagten bezahlt würdet Widerstand gegen die Strafgewalt durch Erinnerung an die 1848er Revolution. Der Erste Strafsenat des Reichsgerichts verwarf am Montag die vom Genossen Thieme in Frankfurt a. M. eingelegte Revision gegen das Urteil der Strafkammer, die ihn wegen„Widerstandes gegen die Strafgewalt" zu 200 M. Strafe verurteilt hatte. Er hat das Verbrechen begangen, im Schaufenster der Buchhandlung unseres Frankfurter Partei- blattes Bachs„Geschichte der Wiener Revolutton' auszuhängen, auf dessen erster Seite ein alter Auftuf an die Soldaten nach- gebildet war. Das Gettcht nahm an, dem Angeklagten sei es nicht bloß darum zu tun gewesen, Käufer anzu- locken, sondern er habe gleichzeitig antimilitaristtsche Agitatton tteiben wollen.— Das Frankfurter Urteil hatte Kopfschütteln und Hohngelächter in der ganzen zivilisierten Welt hervor- gerufen, denn seit Jahren wird das Werk unbeanstandet in ganz Oesterreich verkaust. Daß das Reichsgericht, das ja von Jahr zu Jahr immer mehr in Formalismus verknöchert, dieses unglaubliche Urteil bestätigt hat, wird das Ansehen der deutschen Justiz ganz gewiß nicht heben.— Die„loyale Handhabung" des Reichsvereinsgesetze». In Löbtau(Ostpreußen) hatte der Parteisekretär Genosse Linde zu einer Kassenrevision des Kreisvereins 12 Personen, darunter 2 NichtMitglieder, brieflich eingeladen. In dieser Zu- sammenkunft wurden auch politische Angelegenheiten erörtert. Die Polizei machte daraus eine„öffentliche Versammlung", und der Amtsanwalt wollte die Bestrafung des Genoffen Linde wegen Ucbertrctung des Vereinsgesetzes herbeiführen. Das Schöffengericht erkannte indes auf Freisprechung, ohne allerdings dem Ge» Nossen Linde die Unkosten zu ersetzen. Das Gericht erklärte: es komme nicht darauf an, ob politische Angelegenheiten erörtert worden seien oder nicht; die Versammlung könne nur dann eine öffentliche sein, wenn sie von vorn- herein als öffentliche geplan tu nd zu dem Zwecke einberufen worden sei, politische Angelegen» heiten zu erörtern; die Versammlung bekomme auch noch nicht den Charakter einer öffentlichen, wenn an ihr zufällig einige NichtMitglieder tetlnehmen. Der Amtsanwalt wird gegen dieses Urteil Berufung einlegen. Inzwischen wird schon wieder eine neue Aktion geplant. Es finden Vernehmungen der Teilnehmer einer Mitgliederver- s a m m l u n g statt, die in Labiau abgehalten Warden ist. Auch durch die Abhaltung dieser Versammlung soll Genosse Linde daS Vereinsgesetz überireten haben. Der Bürgermeister hat bei der Vernehmung der Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins gesagt, sie möchten lieber zur Kirche gehen und sich die Predigt des Pastors anhören, statt der Versammlung des Linde beizuwohnen!— Man hat sich in Labiau sogar den Kops darüber zerbrochen, ob Genosse Linde wegen„versuchter lieber- tretung" des Reichsvereinsgesetzes zu bestrafen sei. Es hat nämlich eine Versammlung stattfinden sollen, aber sie ist schließlich abgesagt worden, und deshalb sollte hier wenigstens der„Versuch" bestraft werden! So wird in Ostpreußen das Reichs- Vereinsgesetz gehandhabtl— Sericbts- Leitung. Ein umfangreicher Pferbcwursischwindel liegt einem Strafprozeß zugrunde, der gestern vor der 1. Straf» kammer des Landgerichts III begann und vermutlich etwa eine Woche in Anspruch nehmen dürste. Angeklagt wegen Betruges und wissentlichen Berkaufs verfälschter Nahrungsmittel sind folgende Personen! 1. Der Schlächter Karl Behnke aus Weißensee, 2. dessen Ehefrau Auguste B. geb. Holzapfel, 3. der Schlächter Franz Kaulisch, 4. der Händler Anton Fettig aus Karlsruhe, b. der Händler Gustav Krüger aus Pankow, 6. dessen Ehefrau Berta K. und 7. der Händler Hermann Schroller. Gegen den nichterschienenen Ange- klagten Fettig wurde Haftbefehl erlassen. Zu der Verhandlung sind etwa 100 Zeugen geladen, die von dem Vorsitzenden auf die einzelnen Verhandlungstage in kleineren Gruppen verteilt worden sind. Der als Rohwurstfabrikant schon seit langem bekannte Ange- klagte Karl Behnte übernahm im Jahre 1901 von dem Roßschlächtcr Weimann die in Weißensee, Charlottenburger Straße 78, gelegene Roßwurstfabrik. Hier verfertigte B.„Prima Salami- und Schlack« wurst, Blockwurst, Mettwurst und Polnische Wurst", die er dann als durchaus reelle aus Schweine- und Rindfleisch bestehende Wurst in den Handel brachte, die tatsächlich aber aus prima„Hottehüh" unter Zusatz von Schweinefleisch bestand. Wegen dieses betrüge- rischcn Verlaufs von Roßwurst wurde Behnke schon im Jahre 1902 von der Strafkammer des Landgerichts I zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt. Auf seine Revision hob das Reichs- gericht aus einem formellen Grunde dieses Urteil auf, jedoch ist ein neues Urteil bisher noch nicht ergangen. Im November 1902, bald nach diesem Prozeß, änderte Behnke seine Firma. Inhaberin wurde seine Ehefrau, während sein früherer Geselle, der jetzige Mitangellagte Kaulisch, Geschäftsführer wurde. Behnke selbst wurde Reisender und eröffnete in seinem früheren Wohnorte St. Johann- Saarbrücken ein« Niederlage. Kaulisch wurde der technische Leiter der Wurstfabrik, während Frau Behnke mehr die kaufmännische Leitung, insbesondere die Expedition der Roßwurst nach außerhalb übernahm. Nach außen hin blieb der Geschäftsbetrieb ein ganz unverfänglicher, denn die Geschäftsbriefbogen trugen den Harm- losen Aufdruck:„Karl Behnke, Wurstfabrik mit Kraftbetrieb, Neu- Weißensee bei Berlin, Charlottenburger Straße 78". Der Betrieb nahm von Anfang an einen sehr großen Umfang an, Abnehmer wurden mehrere hundert Geschäftsleute, darunter hauptsächlich Delikatcßwarenhändler und Gastwirte in allen Gegenden des Reiches. Wie aus den beschlagnahmten Geschäftsbüchern hervor- ging, wurden wöchentlich weit über 20 Zentner Pferdewurst versandt. Viele Firmen, darunter auch verschiedene Berliner, ließen sich die Wurst unter einer Deckadresse senden. Die Angeklagten weigerten sich bisher, nähere Auskunft hierüber zu geben. Während Behnke hauptsächlich Elfaß-Lothringcn, insbesondere Metz, Straß- bürg, Montignh, Plantieres usw. mit Pferdewurst versorgte, hatte der Mitangeklagte Krüger, der von Behnke seine Wurst bezog, seine Absatzgebiete mehr in Frankfurt a. M., Dortmund. Pirmasens und in Bayern. Der Angeklagte Krüger, der früher bei Behnke als Kutscher bedienstet war, hatte sich mit dem ehemaligen Schlächter- gesellen Schroller zusammengetan und später unter der hoch- tönenden Firma:„Gustav 5ttüger u. Co." einen Pferdewurstvertricb eröffnet. Er bezog den größten Teil der von ihm in den Verkehr gebrachten Pferdewurst aus der Rotzwurstfabril von Malinowsky, sehr viel aber auch von Behnke. Krüger, der vielfach mit seinem „Ehrenwort" versicherte, daß seine Wurst durchaus reell aus Schweine- und Rindfleisch angefertigt sei, lieferte u. a. auch an die Kantine des Regiments Nr. III in Rastatt und an das Ulanen- regiment Nr. 12 in Saarburg. Welchen Umfang der Geschäfts- betrieb der Firma Krüger u. Co. schon angenommen hatte beweist, daß Schroller allein an eine Firma in der Zeit vom 2. April bis Mitte September 1902 für 20 944 M. Pferdewurst als„ff. Schwarz- Wälder und Thüringer Wurst" geliefert hatte. Krüger bezog allein von dar Firma Malinowsky monatlich etwa 100 bis 120 Zentner Pferdefleisch— Schließlich ist auch der Angeklagte Fettig a« den, Rotzwurstvertrieb Engros beteiligt, der schon seit Jahren von seinem Heimatort Steinmauern aus mit Behnke in GeschäftSvcr- bindung stand. Er verlegte fein Geschäft dann nach Karlsruhe, von wo er in etwa 4 Monaten für über 3000 M. Pferdewurst in Verkehr brachte. Er behauptet, selbst nicht gewußt zu haben, daß ihm von Behnke Roßwurst geliefert worden war. Die Angeklagten Behnke dagegen behaupten, daß dem Fettig die Zusammensetzung der Wurst sehr wohl bekannt gewesen sei. In dem Vorverfahren haben die Behnkeschen Eheleute und auch Kaulisch zugegeben, daß in der Weißenseer Fabrik nur Roßwurst hergestellt worden sei Dagegen bestreiten sie, die Wurst durch unverfängliche Inserate empfohlen zu haben. Auch stellen sie in Abrede, daß sie die Wurst als reelle Wurst aus Rind- und Schweinefleisch angeboten und verkauft haben. Sie räumen jedoch ein, daß sie den Bestellern niemals mitgeteilt haben, daß es sich um Pferdewurst handele, wollen aber der Ansicht gewesen sein, daß diese schon aus dem billigen Preise eS erkannt haben mußten.— Das Urteil werden wir mitteilen. Bor dem Schwurgericht in Güstrow hatte sich wieder eine mecklenburgische Ordnungsstütze zu vcrant- Worten und zwar der Senator Nagel aus Marlow. Wegen „Unterschlagung amtlicher Gelder, unrichtiger Buchführung und Betruges", begangen von 1005—1908, verurteilte ihn das Gericht zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. Obwohl in der Geschäftsführung Nagels wiederholt Ordnungswidrigkeiten vorkamen, ließ man ihm die drei Kassen, die er für die Stadt verwalten sollte, in Händen. N. entschuldigte sich vor Gericht damit, daß er— an Ohrensausen leide. Sein gutgehendes Geschäft ließ N. vor seiner Verhaftung auf semen Sohn überschreiben. Von demselben Gericht wurde der 23 Jahre alte Schweizer Jos. Jablonski aus Russisch-Polen zum Tode verurteilt, weil er im Streite den Gutsbesitzer Strohmcier, bei dem er arbeitete, er- schlagen hatte. �J. bestritt, daß er seinen Dienstherrn habe töten wollen, er habe ihn nur geschlagen,„damit er keinen Menschen mehr ärgern solle". Die Leiche wurde damals im Viehhaus unter Säcken und Stroh gefunden. l» Kn Arbeitsnachweis i Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hol I. Amt 3. 123S. CtiariiSsteaB» 3. Hos Ol. Amt 3, 1937. Mittwoch, den 24. März, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung der SrshtsrbeNer ßerlins u. llmgegenck im Gewerkschaftshause, Engeluser 15, Saal 3. Ta !. Vortrag des Genossen elec'" >es«Ordnun� krätzig. 2. Dis 'ussion. , 3. Verbands- und Brauchenangelegenheiten. 113/15 Kollegen I Mit Rücksicht daraus, daß beim 3. Punkt der Tagesordnung wichtige Angelegenheiten zur Sprache kommen, ist es Pflicht eines jeden Kollegen, sür guten Besuch der Versammlung zu agitieren. Gnavoui««, Ziseleure!"Wff Mittwoch, den 84. März, abends Sll, Uhr: lfo>*iBSammliinn im"Dresdener Garten-, Versammlung Dresdener Straße 45. Tages-Ordnung: Vortrag. Diskussion. Verschiedenes.— Zahlreichen Besuch erwartet ___ Die Ortsverwaltung. WM öMMselilsger WM Mittwoch, den 24. März, abends 8 Uhr, in den Andreas-Fest säten, Andreasstr. 21: Allgemeine Versammlung (krßauan{(|)lä(ierllkrUD$ u.llmg. Tages-Ordnung: 113/13* 1. Bericht über die letzte» Vcrhandlunge» mit den Arbeitgebern. 2. Diskussion. Kollegen I In dieser Versammlung werden Sie Mitteilungen erhalten, waS die Arbeitgeber beabsichtigen. Da aber auch unsere Stellungnahme sür die nächste Zeit genau sestgelegt werde» muß, so ist es Pflicht eines jeden von Ihnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Keiner dars schien. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Verein der Bauanschlüger. Deutscher Mctallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Mittwoch, den 84. März, abends 8 Uhr, im„Volkshaus-. Rosinenstraste 3: Große Hgifations' Versammlung für sämtliche Holzarbeiter Charlottenburgs. TageS-Ordnung: 1. Wer schützt die Interessen der Holzaroeiter? Reserent: Kollege 8. Niiller, München-Gladbach. 2. Diskussion. 81/4_ Pie Ortoverwaltnag. Herzte! Cavctc Vereinigte freie eingefchriebenen Rilfsbaffcn von Berlin und Gtngegend =(Verband Hamburg).-------------- Der Verein Berliner Hilfskassenärzte befindet sich in einem ihm seitens der Kassen aufgedrängten Kampfe. Die Hilsskassen beabsichtigen, neue Aerzte anzustellen, um die Organisation der bisherigen Aerzte zu vernichten. Die zu diesem Zwecke einer Anzahl hiesiger Aerzte zugeschickten Verträge sind un annehmbar und nach dem noch in Geltung befindlichen Vev trage rechtlich unwirksam. Die Verttagskommission der Aerzte- kammer kann unmöglich die neuen Verttäge genehmigen. Wir bitten die Herren Kollegen, die ihnen zugesandten Formulare nicht zu unterschreiben bezw. ihre-Unterschrift zurückzuziehen, bevor der Vertrag von der Gegenseite unterzeichnet ist. Zu näherer Auskunft sind bereit: Dr. Brauer, Brandenburgstraße 35; Dr. Sternberg» Reichenbergxr Straße 86; Dr. Gebert, Lindenstratze 7. und der Borstand der Ortsgruppe Berlin deS Leipziger Wirtschaftliche« Verbandes. si/io Der Vorstand des Vkreins Derliner Hilfskasstnarstt. Erklärung. Der in dem obigen Inserat enthaltene Hinweis, die HilsSkasien beab- sichtigen, die Organisation der Aerzte zu vernichten, ist eine den Tat- fachen nicht entsprechende Behauptung. Wir haben noch niemals einem der Aerzte zugemutet, sich einer Organisation nicht anzuschließen oder gar aus ihrem Verein auszutreten. Die bisherigen Verträge enthielten den Passus, daß jeder sür die HilsStassen tätige Arzt dem Verein Berliner Hilsskassenärzte angehören müsse. DaS hat zu Unzuträglichleiten insosern gcsllhrl, als die Aerzje in den Vororten wie Köpenick, AdlerShos und Lohanntsthal sich weigerten, Beiträge an den Verein zu zahlen, die höher waren als daS zum Teil sür ihre Müheleistung bezogene Honorar und des- halb aus dem Verein austraten. Diese Berpflichtung fehlt im neuen Bertrage. Die geschäftsführende Kommission der Freie« Hilfskassen. 283/2_ I. 31: Paul Schneider__ KAMWO PMW Carmen Sylva Cigaretten Beste Qualitäten Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Beichstags-Wahlhreises. Dienstag, den 23. März er., abends SVs Uhr: General Nersinnmlnng ja den Gerifiania- Prachtsälen, Chausteestr. M TageS-Ordnung: l. Wahl des ersten Vorsitzenden. 2. Antrag auf Entschädigung der Beztrksführer und Erhebung eines Extrabeitrages von vierteljährlich 10 Pf. 3. Antrag auf Ausschluß des Mit- gliedes Paul Fiedler. 4. Erledigung sonstiger Anträge. Mitgliedsbuch legitimiert.—— 225/17* Der Torstand. Zwcigverdn Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 24. März, abends 8 Uhr, in den Neuen Arminhallen, Kommandantenstr. 38/39: General sVersammluns:. TageS-Ordnun g: t. JahreS- und Kassenbericht deS SektionSvorstandeS. 2. Neuwahl des SektionSlelterS, der Revisoren und der Mitglieder der Schlichtungskommissionen. 3. Beschlußfassung über die Verschmelzung der Lokalkasse. 4. Verschiedenes. 13(5/14* Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Per Sektlonsvorstuiul. i r ül Zweigverein Berlin. Freitag, den 26. März, abends 8 Uhr, im Saal 4 des GcwerkschaftshauseS, Engelufer 15: Generalversammlung: aller zum Zweigverein gehörenden Sektionen, Zahlstellen u. Bezirke. TageS-Ordnung! 136/16* 1. Geschäfts- und Kassenbericht für das Jahr 1908. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Nitgliodedueh wgitiiniset, ohno dassslb« kein Zutritt._ Der Zweigvereinsvorstand. Rixdorf. Donnerstag, den 25. März, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstraße 151/152: Oeffentliclie Versammlung der Maurer. Vortrag des Kollegen Otto Lehmann über:„S)ie gegSMvärtigS Situation im Saugeuierbe und unsere nächsten Aufgaben'*, ise/is Das Erscheinen aller Kollegen erwartet Per EiirKcmFer. JOStßl JUNO CIGARETTEN kOnnfen nicht so billig verkauft werden, wenn Ihr«ussergewOhnlich grosser Konsum nicht Ihre Herstellung in so hervorragender yualititt und zu so wohlfeilein Preise ermöglichte. Dass sie In so grossen Mengen geraucht werden, ist lediglich ein Beweis ihrer allgeioeia ancrHaflfltto Güte and VorzügUcbkeiL Josetfl-Jano n. o. o. MandtlSefe ■'* �v-�vovr.' CS.-'/ CI&ftFtiTf« tülibti-tt rNflltzfr S0�Hi ei Sarette• Io�ess i Ci Sa rette? Gumpen aller Art kür Abessinier und Kesselbrunnen, lauche- pumpen usw. in bester Ausführung zu den billigst. Preisen. Kataloge gratis Paul Gries, Berim so. is. Köpenicker StraBe 44. WM Spandau. Orts-Kraitee der flandwerker Am Mittwoch, den 31. März er., abends 8 Uhr: General-Versammlung DM- im Boten Adler."MQ Tagesordnnngi 1. Bericht der RechnungsprüsungS« kommisfion. 2. Verschiedenes. 271/17 Der Vorstand. A. Lud ewig, Vorsitzender. Bäckereigenossenschaft Bolksbrot, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz per 30. Sept. 1908. Aktiva An Kaffa-Konto..., „ Betriebs-Konto.. „ Bäckerei-Utensilien- Zkonto „ Gas-Kautions-Konto. „ Gerichtskosten- Borschuß Konto..... , Wechselgeld, Bestandkasse Konto..... „ Bert. Spar- u. Bauverein- Anteil-Konto.. „ West. Spar- u.Wirtschasts- genossenjch.-Anteil-Konto l*a«»lva Mk. Ipf 453141 4642 4300 HO 75 640— 15215 10- 10338.61 Per Geschäftsanteile der Ge- Nossen...... „ Dariehn-Konto... „ Kreditoren-Konto.. „ Generalunlosten-Konto „ Reservesonds-Konto „ Hilssreservesonds-Konto „ Gewinn- und Verlust-K. Mk. pi 1880 4550 959 10 401 41 654ch9 32lll 1861140 l0338s61 Im Laufe deS Gefchäflsjahres sind insolge Ablebens 1 Genosse und infolge Kündigung zum 30. September 1908 2 Genossen ausgeschieden, desgleichen insolge Ablebens zum 30. sep- lember 1907 1 Genosse, die zusammen 14 Geschöstsanteile gezeichnet halten. Am Jahresschluß gehörten der Ge« nossenfchast 178 Mitglieder an, deren Hastsumme 1880 M. betrug. Das Geschäsisguthaben hat sich im Geschäftsjahr um 606 M. vermehrt, die Haslsumme um 70 M. vermindert. B e r l i n. 22. Mär, 1906. Der Vorstand. 104/16 l..6erz. Ouncker. A. Fielitz. Kohllahn. Bester Metallputz mit dem PUTZTEUERl von25Pfgn Überall käullkh. list H.Pfau, ®c"a Dircksenstraße 20 wischen Bahnhof Alexanderplatz und sioiizeipräsidium.— Amt VII, 13799. Für Damen weibliche Bedienung.* Lieserant sür alle Krankenkassen. Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silbersachen, Brillanten etc. Itkeliue�to.PriiizeDstrifl1 X Mflccr WÜBZE Man verlange auch beim Nachfüllen ansdrnillich eckte BAtZSI- Würze und lasse sich nichts anderes aufrede». ist eimig und altbeväbrl, die stets gleichmäßige Oualität, die unvergleichliche Feinheit deS damit erzielten Wohlgeschmacks und ihre AuSgiebigkell zeichnen MaggiS Würze vor allen Produkten, die zum gleichen Zweck angepriesen werden, hervorragend aus. — Prodefläschchen 10 Pfg.— „MAGGIs gute, sparsame Küche".! Veräntivortlicher Redakteur: Han» Weber. Berlin. Für denLnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuckdruckerei u. Verlaasuuitall Nr. KS. 26. Jahrgang. 2. Kcilagt Ks Jnmtts" All« IsllisMnlt. Ditlistllg, 23. Marz l90S. VirttchsMhei' Wochenbericht. Berlin, 20. März Zg09. BSrsenstimmung— Die Lage am KohZenmarkt— Aus der Eisen- Industrie— Berbanddsorgcn— Getreideausfuhr— Preissteigerung. Die Börsen haben einen Trost: sie können für ihre schlechte Verfastung die Serben verantwortlich machen! Lange muhte Marokko das Karnickel sein, nun ist es der Balkan. Tatsächlich spielen die beiden Faktoren für die derzeitigen wirtschaftlichen Verhaltnisse aber eine nur ganz untergeordnete Rolle. Wenn in den nächsten Tagen das Kriegsgespenst verscheucht ist, hat sich die Lage am Arbeitsmarkt noch um nichts gebessert. Und wenn es doch zum Kriege kommen sollte? Dann freuen sich die Kriegsmaterial- lieferanten—, für sie erblüht Hochkonjunktur. Abgesehen von diesen Perspektiven ist es mit guten Aussichten schlecht bestellt. Die Lage wird teilweise gekennzeichnet durch eine Jnternationalität, die mit„Schutz der heimischen Arbeit" nichts zu tun hat. Das rheinisch-wcstfälische Kohlensyndikat hat sich, unter- stützt vom Fiskus, erfolgreich bemüht, die Brennmaterialienpreise ,n Deutschland auf exorbitanter Höhe zu halten. Das benutzen englische Grubenbesitzer, um ihren Produktionsüberschuß bei uns unterzubringen; mit Erfolg machen sie der deutschen Kohle in Teutschland den Markt streitig. Und was ist die Folge? Werden die Preise der deutschen Erzeugnisse herabgesetzt? Gewiß, und so- gar sehr erheblich! Aber nicht für die deutschen Abnehmer, sondern für das Ausland. Die in fiskalischen und in Privatgruben ge- förderte deutsche Kohle, die durch die englische vom heimischen Markt verdrängt wird, sucht dafür zu sehr reduzierten Preisen Unterkommen auf dem Auslandsmarkt. Und diese Art„Markt- rcgelung" kann noch größeren Umfang annehmen, denn für den deutschen Kohlenbergbau kommt die volle Wucht der Krisis jetzt erst allnmhlich zur Geltung. Am 15. März sind im Ruhrrevier massen- Haft Arbeiter gekündigt worden; wie verlautet, sollen noch größere Schübe folgen. Und die Löhne werden stark reduziert. Schon das Fahr 1008 brachte gegenüber 1007 eine Einkommensverminderung von durchschnittlich 35 M. pro Kopf der Belegschaften. Nun werden erneut Abzüge bis zu 20 Proz. angeordnet. Das gibt enorme Aus- fälle in den Lohnzahlungen, was wiederum unangenehme Folgen für das gesamte gewerbliche und geschäftliche Leben mit sich bringt. Auch der Eisenindustrie eröffnet sich noch keine Aussicht auf Besse- rung. Welchen Umfang die Produktionseinschränkung bisher schon angenommen hat. kann man ungefähr aus dem Koksverbrauch schlußfolgern. Wie z. B. der Geschäftsbericht der Hibernia für 1003 ausweist, tvar dieses Unternehmen genötigt, die Koksproduk- tion um fast 50 000 Tonnen gegen das Vorjahr zu vermindern. Trotzdem muhte man noch 178 880 Tonnen lagern. Das ergibt zusammen eine Verbrauchsverminderung von 28 Proz. Der Roh- cisenmarkt ist denn auch in sehr schlechter Verfassung. Die Preise müssen immer weiter herabgesetzt werden. In den letzten Tagen wurde Luxemburger Roheisen— Düsseldorf— zu 43— 46 M. angeboten. Die gleiche Qualität kotierte in �'sseldorf im Jahresdurchschnitt: 1904 1906 1907 52 M. 66 Vj M. 72Vi M. DaS kennzeichnet die Situation! Wie es in der weiterver- arbeitenden Industrie aussieht, das illustriert eine Darlegung in einer kürzlich abgehaltenen Vollversammlung des Vereins der märkischen Kleineisenindustrie. Der Vorsitzende erklärte, die Gegensätze zwischen der Großeisen- und der weiterverarbcitenden Industrie verschärften sich immer mehr. Das habe zu dem Antrag der reinen Walzwerke auf Beseitigung der Zölle auf Rohstoffe und Hglbzeug geführt, zu dem die reinen Walzwerke in ihrer Be- drängnis. in die sie durch ihre Rohstofflieferanten geraten seien, als zu ihrem letzten Notanker gegriffen hätten. Es sei zu hoffen, daß er für die Grobeisenindustrie eine Mahnung bedeute, den Bogen nicht zu überspannen. Die Regierung dürfe sich nicht darauf beschränken, die hier in Frage kommenden Verhältnisse mit einigen Mitgliedern der Feinblechindustrie zu besprechen.— Auch diese Mahnung wird nichts nutzen. Der Gang der wirtschaftlichen Eni- Wickelung läßt sich schließlich wohl hemmen, aber nicht aufhalten. Sein hervorstechendes Merkmal ist: Vernichtung der Kleinen durch die Großen! Und diese sind bereits so stark, daß auch die Regierung es nicht mehr wagt, sie an der unlauteren Ausnutzung ihrer Wirt- schaftlichen Ueberlcgenheit und Monopolmacht zu hindern. Der letzte Marktbericht des Stahlwerksverbandcs ist von der üblichen Sucht diktiert, die Lage möglichst günstig erscheinen zu lassen, wobei er wie gewöhnlich erkennen läßt, daß man die Ver- Hältnisse als sehr trübe beurteilt. Es wird berichtet: Der Abruf von Halbzeug aus dem Jnlande hält sich aus der früheren„Höhe". Auf dem Auslandsmarkt ist keine Aenderung seit dem letzten Be- richt zu bemerken. Die Bestellung des Hauptbedarfs der Reichs- eisenbahnen ist eingegangen. Den Lieferungstermin hat die Be- stellerin, im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten, ziemlich weit s!) hinausgerückt.— Eine städtische Verwaltung gab größere Aufträge auf Lieferung von Rillcnschienen. Das Schienengeschäft war in der letzten Woche weniger lebhaft. Aus dem Auslande gingen Aufträge zur Lieferung sdstoercr Schienen in befriedigendem Umfange cin.A- Im Jnlande ist die Frühjahrsbelcbung in Formeisen noch nicht eingetreten. In einer ganzen Unzahl größerer Städte liegt aber ein umfangreicherer Baubcdarf als bis- her vor. Die Absatzschwierigkeiten und in ihrem Gefolge heftige Kon- furrenzkämpfc, die der deutschen Eisenindustrie aus der Gesamt- Wirtschaftslage erwachsen sind, haben auch eine Menge von Ver- ibandssorgen ausgelöst. Die Bestrebungen, die auf eine Kartcllicrung des Stabeiscns hinzielen, waren bisher wenig erfolgreich. Man steckt immer noch im Stadium unverbindlicher Besprechungen. Kürz- lich hat der Stahlwerksverband eine Rundfrage ergehen lassen, in der um prinzipielle Stellungnahme der Werke in der Frage eines ©tabeiscnverbandes ersucht wird. Die meisten Befragten haben darauf gar keine Antwort gegeben. In den letzten Tagen versandte ein Ausschuß an die Stabeisenwerke ein Rundschreiben, nach tvelchern nunmehr in Aussicht genommen ist, eine Art Ausfuhrkonvcntion zu bilden. Es ist eine Ausfuhrvergütung von 15 M. pro Tonne vor- gesehen. Dazu hätte jedes Mitglied des Stabcisenverbaudcs bei- zutragen. Ter Jnlandpreis würde um 15 M. erhöht werden. Um das zu ermöglichen, sei aber auch mit einer Einschränkung der Er- zcugung zu rechnen. Im übrigen werde den Werken beim Verkauf freie Hand gelassen. Tie Vereinbarung solle am 1. Juli in Wirt- samkeit treten, und zwar mit Gültigkeit bis 30. Juni 1910. Mit den reinen Walzwerken und den Martinwerkcn sei bisher noch nicht verhandelt worden. Nach den letzten Nachrichten ist auch dieser Vorschlag ins Wasser gefallen.— Nach vorausgegangenen Besprechungen war für den 12. März eine Versammlung sämtlicher Grobbleche produzierender Werke nach Köln einocrufen. Wenn es hier auch noch nicht zu einer enogültigen Verbandsgründung kam, so zeitigte die Aus- spräche doch die Vorbedingungen dazu.— Die bestehende Lokomotivkonvention läuft am 31. März ab. An dem Wiederzustandc- kommen des Auslandvcrbandes wird weniger gezweifelt, dagegen hegt man Befürchtungen wegen des Jnlandvcrbandes, weil die be- kannten Borsigwerke Schwierigkeiten machen.— Im Siegerlande haben mehrere Hütten eine Roheisenverkaufsvcreinigung gebildet. Auch trägt man sich hier mit dem Gedanken, für die Hütten ein gemeinsames Stahlwerk zu errichten.— Der erstrebte Zusammenschluß der Verzintercien ist perfekt geworden.— Dagegen scheint das jung« Kind unter den Verbanden, das die Stifte und Drähte vor einigen Monaten glücklich unter den Organisationshut brachte. schon wieder in die Brüche gehen zu wollen. Als sich Ende 1908 aus dem Drahtniarkte etwas Leben regle, glaubte mau gleich, die Kreisbäume in den Himmel wachsen lassen zu können. Der fix gegründete Verband diente als Preishcbel— und prompt war es mit der besseren sionjunktur für den„geschützten" Artikel vorbei! Tie vereinbarten Preise ließen sich nicht halten; die Verbands- Mitglieder beachteten im Wettlauf nach Aufträgen die Verein- barungcn nicht. Nach neueren Vereinbarungen sollen aber die Aus- landspreise nicht reduziert werden. In krassem Gegensatz zu den industriellen Verhältnissen steht die Entwickelung am Getreidemarkt: die Ausfuhr wird immer noch forciert und die Preise schnellen weiter in die Höhe! Nach amt- lichen Angaben wurden in den 7 Monaten, von August 1908 bis März 1909. ein- aus- Demnach be- geführt geführt trug die dagegen im Doppcl- Doppcl- Nctto-Einfuhr Lorjahr zenluer zentner resp. Ausfuhr Roggen... 1355 427 5 837 595— 4 482 168+ 1 373 942 Weizen... 11038 550 3 056 183+ 7 982 367+12 864 414 Anb Äste! llöS 367} 138964 707 830+14 080 299 Hafer... 2119 179 2338686— 219507— 1350978 Mais... 3 657 373 224 259+ 3 433 114+ 6146 992 Roggenmehl. 10 330 571 086— 560 756— 382 088 Weizenmehl. 123 686 1 049 516— 925 830— 407 133 ES ist also im Verhältnis zum Vorjahr die Jnlandvcrsorgung durch den Außenhandel bei Roggen um 5$i Millionen Doppelzentner, bei Weizen um 5 Millionen Doppelzentner, bei Mais um 2K Mil- lionen Doppelzentner, bei Roggcnmehl um 178 668 Doppclzentner und bei Weizenmehl um 518 717 Doppelzentner zurückgegangen. Wie dagegen die Preise gestiegen sind, zeigt diese Zusammen- stellung: Weizen notierte in Berlin Jahresdurchschnitt Anfang 20.März 1900 1902 1904 1900 1007 1908 1909 1909 152 M. 163 M. 174 M. 180 M. 206 M. 211 M. 200 M. 236 M. So geht es mit der Preistreiberei, die durch starke Ausfuhr gefördert wird, lustig weiter. Und das Volk stöhnt unter der Last der Arbeitslosigkeit und unerschwinglichen Lebensmittelpreise. I). Zwei Krieke. I. Cla renS, den 09. Sehr geehrter Herr Redalteurl Sie werden wohl die Güte haben, im Interesse der Wahrheit folgende Zeilen in Ihrer werten Zeitschrist zum Abdruck zu bringen. Ich wurde erst gestern auf den Artikel in der Sonntagsnununer vom 21. /IL 09 Ihres„Vorwärts" aufmerksam gemacht, der sich mit der Kritik meines vor kurzem erschienenen Buches„Karl Marx über die menschliche und kapitalistische Wirtschaft" beschäftigt. Ich übergehe mit Ruhe alle die Schimpsworte, die Ihr ge- ehrter Herr Rezensent an meine Adresse richtet. Ihr Herr Rezensent schreibt:„Ueber Fragen des Geschmacks will ich mit dem Autor nicht streiten," somit kann ich mich in dieser Beziehung nur mit der Benierkung begnügen, daß es allerdings nicht mein Ge- schmack ist, durch Schimpfen und willkürliche Auslegungen, an die keine Widerlegung anknüpft,(denn höhnische Ausrufungszeichen sind wohl kaum als eine Widerlegung aufzufassen) anderen Autoren gegenüber meine kritische Ueberlegcnheit zu beweisen. Ihr Herr Rezensent ist zioar der Meinung, daß eS nicht der Mühe lohnt auf mein„Machwerk" näher einzugehen, doch erwähnt er selbst, daß Charasoffs Schrift von anderer Seite rühmend besprochen und den Arbeitern als Bildungsmittel empfohlen wurde. Nun muß er sich selbst überlegen, ob die Redaktionen der„Fränkischen Tagespost", sowie des„Züricher Volksrecht", die mein Buch„rühmend besprochen" haben,„von anderer Seite" sich durch bloße Schimpfworte, als da sind:«Dieses Machwerk",„Un- sinn",„dieses kindische Geschwätz",„abgeschmackt",„Verwirrung" und Gehirnvcrkleisterung" und a. m. einschüchtern lassen und ihre durch ausführliche Rezensionen bekräftigte Empfehlung meines Buches zurückziehen werden. Ich glaube gerade das Gegenteil davon. Ich glaube, daß alle vernünstigen Leute, gleich nur. nach Beweisen fragen werden. Und was bietet Ihnen nun in dieser Hinsicht Ihr geehrter Herr- Rezensent?„Nach Charasoffs Auffassung gehört nämlich der Mehr- wert," so schreibt er,„auch zu den Produktionslosten." Das ist allerdings ein Unsinn, denn der Mehrwert entsteht erst am Ende des Produktionsprozesses. Ich spreche jedoch nicht von dem Mehrwert, sondern von der Mehrarbeit, und wenn ich auch zuweilen statt von der Mehrarbeit von dem Profit spreche, so definiere ich zugleich den Profit als eine Zahl, die angibt, um wieviel der kapitalistische Rohgcwinn über den kapitalistischen Auslogen steht, und deren Ursprung in der Mehrarbeit zu suchen ist. Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, zitiere ich dabei in meinem Buche nicht den„Marx meiner Phantasie", sondern den wirklichen Marx, bei welchem zu lesen ist:„Der uns Mehrwert be- stehende Teil des Warenwertes kostet dem Kapitalisten nichts, eben weil er dem Arbeiter unbezahlte Arbeit kostet.... Die kapita- listische Kost der Ware mißt sich an der Ausgabe in Kapital, die wirkliche Kost der Ware an der Ausgabe in Arbeit.(„Kapital" Bd. III, A, S. 2-3.) Daraus folgt aber, daß die Mehrarbeit, wie jede gesell- schaftliche Arbeit, zu den wirklichen Produltionskostcn gehört, dagegen bildet sie für den Kapitalisten den Profit, oder einen Ueberschuß über die kapitalistischen Produktionskosten, da diese letzteren sich nur in Kapital messen, und da die Mehrarbeit bekannt- lich nicht in den Begriff dcS Kapitals eingeht. „Damit aber Herr v. Charasoff sich nicht beklagen kann, daß er ungehört verurteilt werde," greift Ihr Herr Rezensent ein anderes Beispiel meiner Weisheit aus meinem Buche heraus. Und zwar verfährt er dabei auf folgende wenig überzeugende Weise. Er schreibt den Anfang des X. Kapitels, das den Titel führt: „Die allgemeine Krise", ab und zwar den Teil, wo ich in gedrängten Worten das bisher Erörterte resümiere und den Leser auf die weitere Darstellung vorbereite. Mit diesem Text, der mit der Krisentheorie noch nichts zu tun hat, setzt er meine weiteren Worte in Wer- bindung, die sich keineswegs unmittelbar an das Abgeschriebene an- lehnen, und überführt mich auf diese Weise der unsinnigen Behauptung, daß der leitende Gedanke der Marxschen Krisenlheorie in dem Streike der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Produktionsweise, d. h. in dem in den vorigen Kapiteln ausführlich besprochenem Klassenkampfe zu suchen sei. Demgegenüber mache ich meinen verehrten Kritiker auf jenen PassuS deS 10. Kapitels aufmerksam, den er gerade unter- drückt hat, und wo in klaren Worten zu lesen ist, daß der leitende Gedanke der Marxschen Krisentheorie in der Lehre von der fallenden Profitrate gegeben ist:„denn mit der Entwickelung der Produktivität" wird der Mensch durch die Maschine ersetzt, die tote Arbeit schwillt im Verhältnis zur lebendigen an und die Profitrate sinkt beständig anstatt zu steigen.(S. 80.) „Und dieses kindische Geschwätz" ist bei mir durch eine Reihe von Zitaten aus Marx erhärtet, von welchen hier nur.eins an- gebracht sein mag(Siehe S. 85 meines Buches):„Sinlt die Profit- rate, so(entsteht) einerseits Anspannung des Kapitals, andererseits Schwindel und allgemeine Begünstigung des Schwindels durch leiden- schaftliche Versuche in neuen Produktionsuicthoden. neuen Kapitals- anlagen, neuen Abenteuern, um sich irgend einen Extraprofit zu sichern, der von dem allgemeinen Durchschnitt unabhängig ist und sich über ihn erhebt."(Kapital III, A, S. 271.) Empfangen Sic, bitte, sehr geehrter Herr Redakteur, im voraus meinen Dank für den Abdruck dieser Zeilen, sowie die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung. Dr. G. Charasoff. LL Lana in Tirol, 19. März 1909. Geehrte Redaltion! Entschuldigen Sie, daß meine Antwort auf den Brief des Herrn v. Charasoff etivas verspätet eintrifft; doch hat mich Ihre Zuschrift erst hier erreicht, und da ich begreiflicherweise Herrn Charasoffs Broschüre auf Reisen nicht stets mit mir führe, mußte ich mir sie erst wieder zusenden lassen. Dies war deshalb notwendig, weil mich Herr v. Charasoff beschuldigt, ich hätte mit meinem Zitat aus seinem Buch den klaren Sin» seiner Ausführungen entstellt oder gar gefälscht. Ich bin daher genötigt, an die Langmut Ihrer Leser zu appellieren und noch einen Absatz aus jener Schrift hierher zu setzen, indem ich eS ihnen überlasse zu entscheiden, ob dieser Passus irgendwie in engerem Zusammenhange mit Marx' Krisentheone steht als die Kostprobe, die ich ihnen in meinem ersten Artikel vorsetzte. Im direkten Anschluß an die dort zitierte Stelle fährt Herr v. Charasoff fort: „Andererseits sieht aber auch das Individuum im Laufe der Entwickelung ein, daß es ihm nicht ans den Profit selbst, sondern auf die Profitrate ankommt. Die Gesellschaft mag ihm einen immer wachsenden Profit zusichern— es verlangt eine steigende Profitrate. Diese kann eS aber nicht von der Gesell- schaft verlangen, denn mit der Entwickelung der Produktivität wird der Mensch durch die Maschine ersetzt, die tote Arbeit schwillt im Verhältnis zur lebendigen an, und die Profitrate sinlt bc- ständig, anstatt zu steigen. Das Individuum wird mit den Folgen des geschlossenen Vertrages selbst unzufrieden: Es will nicht mehr produzieren, es streikt gegen die Gesellschaft. In diesem Streik muß es aber unterliegen, denn gegen die Gesellschaft läßt sich nicht streiken." Ihre Leser mögen mir verzeihen, daß ich diesen ganzen Unsinn in Ergänzung des schon früher angeführten zitiere. Herr v. Charasoff bat es so gewollt. Ich hatte in meiner Einfalt ihn zu schonen ge- glaubt, indem ich von dem kostbaren Streik seiner„Individuen"(lies Kapitalisten) nichts ausplauderte. Mit Marx' Krisentheorie hat diese erlauchte Idee natürlich ebenso viel und so wenig zu tun wie die ersten beiden Absätze. Wenn Herr v. Charasoff diese nun als Resümee seiner ganzen Darstellung anspricht, so überhebt er mich damit der Mühe, über deren Wert noch ein Wort zu sagen. Er beruft sich auf zwei Parteiblätter, die sein Buch gelobt haben. Aber gerade dieser Umstand zwang mich eben auf dieses Buch näher einzugehen, das man sonst vielleicht mit mitleidigem Stillschweigen hätte übergehen können. Ich hatte die Namen der beiden Blätter nicht erwähnt, weil es mich tief schmerzt, daß solche Entgleisimgen in unserer Parteipreffe möglich sind. Damit aber diese höchst unangebrachten Empfehlimgen nicht noch mehr wiß- begierige Arbeiter verleiten, ihre ersparten Groschen für einen, wenn auch vermutlich recht gut gemeinten, so doch völlig miß- lungenen Versuch hinauszuwerfen, die Marxschen Theorien in die Sprache des HandluiigSkominiS zu übersetzen, sah ich mich ge- zivilngen, eine deutliche Warnung auszusprechen. Diese richtete sich naturgemäß an die lerneisrigen und wissenSdurstigcn Leser Ihres Blattes. Daß es mir nicht möglich sein würde, in wenigen Zeilen auch Herrn v. Charasoff und seine literarischen Gönner von der Unsinnigkeit seines Versuches zu überzeugen, war mir von vorn- herein klar. Ein Mensch. der eS zustande bringt, Marx zu seinen bürger- lichen Gegnern sagen zu lassen,«es gibt ja gar leinen Prosit,— bei einer richtigen Buchführung, meine ich", und Leute, die auch das für Weisheit halten, haben damit allein schon genügend dargctan, daß sie von Marx' Lehren nicht den leisesten Schimmer haben. Herr v. Charasoff zeigt das noch ausführlicher nicht nur in seinem Buch, sondern auch in seiner Zuschrift, am klarsten vielleicht in seiner Art, Marx zu zitieren. Mit entschieden größcrem Recht hätte er sich z. B. auf Goethes Satz berufen können:„Vernunft wird Unsinn"; denn dieser hat mit seiner Marx-Jnterpretation wesentlich mehr zu tun als jene von ihm herangezogenen Belegstellen. Herr v. Charasoff wird gewiß sich auch jetzt als gekränkte Un- schuld fühlen. Es ist eben unniöglich, jemand zu überzeugen, der die ihm gegenüber vorgebrachten Argumente überhaupt nicht versteht. Der„Vorwärts" ist aber nicht der Ort, um Herrn v. Charasoff in die Grundlchrcn deS Marxismus und der politischen Ockonoinie überhaupt einzufahren. Dazu sind ja schließlich auch unsere populär gehaltenen Parteischriften da. die freilich auch mit Fleiß und Aus- merksanileit studiert sein wollen. G. Eckstein. Um Induftm und Ftendd. Die soziale Schichtung in Preußen. Die amtliche„Statistische Korrespondenz" bringt auf Grund der gewerblichen Bctriebsstalislik in den Jahren 1895 und 1907 einen Ariilel über die soziale Schichtung der in den Gclverbebetricbcn Preußens beschäftigten Personen. ES winden 1007: 8 380 821, 1895: 6 876 083 beschäftigte Per- soncn ermittelt; das ist eine Zunahme um 2 456 829— 41,81 Proz. in zwölf Jahren. Unter der gelverblich tätigen Bevölkerung Preußens befanden sich nach dem Geschlechte getrennt: Zunahme: absolut in Proz. 1895-1907 M. M. Inhaber, Betriebsleiter..... VerwaltungS-.Kon« torpcrsonal...(28. Tech», u. AnfsichtS- lM. personal....(W. Gehilfen und Ar- bciter..... Mithelfende Familienangehörige. 1895 1 285 253 363 380 173 439 9 012 68 996 1 415 M. 3 132 853 640 291 28 323 167 121 1907 1 333 731 382 659 316 500 58 536 194 204 6 749 4 578 378 944 981 82 787 434 387 f i + + 48 478 19 279 143 061 49 524 125 208 5 834 1 445 525 298 690 54 464 267 200 3,77 5,31 82,48 549,53 181,47 376,06 46,14 46,22 102,30 159,02 „ r,m„, M. 4688864 6505600+ 1816 736 38,75 Zusammen..- 1 187 219 1 827 312+ 640 093 53,02 Die BetriebSinhaber und Betriebsleiter weisen eine nur geringe Zunahme(4,11) ans. Der geringen Zunahme der Inhaber steht eine ungemein starke deS BerwaltiingS-, Kontor- und Bureanpersonals sowie des technischen und Aufsichtspersonals gegenüber: 105,55 beziehungsweise 185,40 Proz. Die verhältnismäßige Zunahme ist beim weiblichen Personal diel stärker als Beim männlichen. Die übrigen gewerblich Beschäftigten Personen, nämlich Gehilfen und Arbeiier sowie mit- helfende Fannlienangehörige weisen 1907 ein Mehr auf gegen 1895 um 2 965 915— 51,98 Proz., die männlichen um 1 499 989 gleich 47,45 Proz. und die weiblichen um 565 956= 69,58 Proz. Wie bei den vorher besprochenen Schichten ist auch hier die gewerbliche Tätigkeit deS weiblichen Geschlechts viel stärker gestiegen als die des männlichen. Zum Teil geschah daS durch die Heranziehung der weiblichen Familienangehörigen znr Mithilfe, z. B. in Kunst- und HaudelSgärtnereien, im NahrungSmittelgewerbe(Bäcker, Fleischer usw.), Bekleidungsgewerbe, Handelsgewerbe sowie Gast- und Schankwirt- schaft, Gewerbe, die das eigentliche Gebiet der Mitarbeit der Weib- lichen Familienangehörigen ausmacht. Der Arbeitsmarkt. Ueber die Lage am Arbeitsmarkt im Februar dieses JabreS Be- richtet„Der Arbeitsmarkt": Die ganz ungewöhnliche Witterung deS Monats Februar hat einen abermaligen Rückschlag am ArbeilSmarkt bewirkt. Der starke Frost, die bedeutenden Schneefälle, endlich die Ueberschweinmungen in einzelnen Gegenden Deutschlands— alles kam zusammen, um die Arbeitsgelegenheit wesentlich zu Beeinträchtigen. Die Arbeiten im Freien, vornehmlich die Bautätigkeit litten unter dem Witterungs- eiiiflufj, und die durch Eishacken, Schneeschippen usw. veranlahte Mehrarbeit vermochte einen Ausgleich nicht entfernt zu schaffen. Der Andrang am Arbeitsmarkte nahm daher von Januar auf Februar ganz erheblich zu, während die Regel ein Rückgang des An- dranges zu sein pflegt. Im Vorjahre war allerdings auch'schon eine AuSnnhme eingetreten, der Andrang war etwas gestiegen; doch war im laufenden Jahre die Steigerung erheblich stärker. Der An- drang, der im Januar erst um 36,4 größer gewesen war als im Borjahr, ging im Februar um 45,5 über den vorjährigen hinaus. ES meldeten sich nämlich bei den an die Berichterstattung des „NrbeitsmarkteS" angeschlossenen Arbeitsnachweisen auf je 100 offene Stellen im Februar 198,9 Arbeitsuchende gegen 153,4 im Februar 1908. Von Januar auf Februar ist in diesem Jahre eine Steigerung um 14,0 eingetreten, während der Andrang in der VerglcichSzeit des Vorjahres nur um 4,8 hinaufgegangen war. Von den 110 Arbeitsnachweisen mit vergleichbaren Daten, deren Berichte rechtzeitig bei der Redaktion eingingen, weisen im Vergleich zum Februar vorigen Jahres 84(darunter 4 ausländische) eine Zu- nähme und 26(darunter 5 ausländische) eine Abnahme des An- drangcS auf. Nach Weglaffung der ausländischen bleiben zur Ver- gleichung der Summenzahlen 101 Orte des Deutschen Reiches übrig, aus denen vergleichbare Daten gemeldet wurden, und zwar ins- gesamt: Im Vergleich zum unmittelbar vorangegangenen Monat Januar zeigt der Februar eine Zunahme des Arbeitslosenandranges. Der- selbe hat an 55 Orten(darunter vier ausländische) abgenommen. und an 50(darunter vier ausländische) Orten zugenommen. Nach unserer Prozentrechnung kamen auf 100 offene Stellen Arbeit- suchende: im Januar 1909. , Februar 1909 männl. 250,3 239,4 wcibl. 92,8 89,8 zusammen 184,9 193,9 Die Verschlechterung des Arbeitsmarktes im Februar kommt auch darin deutlich zum Ausdruck, daß die Zahl der männlichen Veschäf- tigten im Februar eine Abnahme erfahren hat, während sie in den drei letzten Jahren von Januar auf Februar regelmäßig gestiegen war. Die Zunahme, die die Gesamtzahl der Beschäftigten aufwies, ist ansschließlich durch die Neueinstellung weiblicher Arbeitskräfte veranlaßt. Bei 1426 Krankenkassen, die an den„Arbeitsmarkt" berichtet haben, stellte sich die Mitgliederziffer wie folgt: Termin I. Februar 1. März Versicherungspflichtige Mitglieder Darunter erwerbs- unfähige Kranke männl. weibl. insgesamt männl. weibl. inSges. 1 486 336 1 485 357 623 365 625 026 2 109 751 2110 383 67 356 64 325 28 229 27 962 95 585 92 287 Die Abnahme, die die Zahl der männlichen Beschäftigten erfuhr. war auch absolut geringer als die Zunahme der weiblichen Be- schäftigten. Die Bewegung der versicherungspflichtigen Mitglieder von Januar und Februar stellte sich absolut und in Prozent des Bestandes vom 1. Febrar wie folgt: männlich weiblich zusammen absolut— 1029 4- 1661 4- 632 in Prozent—0,08-j-0.27+0,03 Zum Teil ist die Zunahme der weiblichen Beschäftigten als eine Reaklion gegenüber dem ungelvöhnlich starken Rückgang im Januar aufzufassen: eine Anzahl Arbeiterinne», die im Januar unter dem Eindruck des ungünstigen Weihnachtsgeschäfts entlassen worden waren, konnten wieder eingestellt werden. Eine merkliche Verschlechterung erlitt, wie schon erwähnt, die ohnehin schon sehr unbefriedigende Arbeitsgelegenheit im Baugewerbe. Der starke Frost hemmte die Arbeiten überall: die Stockung der Bautätigkeit erreichte im BcrichtSmonat einen seit Jahren nicht ge« kannten Grad._ Die Ludwig Löwe-A.-G. weist für daS letzte Geschäftsjahr einen Bruttogewinn von 2 992 296 M. aus, gegen 3 124 923 M. für 1907. Der verbleibende Reingewinn stellt sich aus 1 342427 M.— 1 349 844 Mark—. Der Aussichlsrat erhält 56 922 M. Tantieme, für die Aktionäre werden 16 Proz. Dividende ausgeschüttet. Einen Generalstreik sämtlicher Detaillisten schlägt daS Händler- Blatt„Der Detaillist" in Düsseldorf vor. Wir lesen in der Nr. 11 des BlatteS: So geht es Schlag auf Schlag gegen den Handel! Ein großer Detaillist meint, man müsse jetzt ernsthast erwägen, ob nicht ein allgemeiner Protest angebracht sei, vielleicht in der Form, daß sämtliche Detailgeschäfte eine Zeitlang ihre Läden schließen. Nur durch solchen„Massenstreik" könne den Regierungen und ihren Mitläufern gezeigt werden, daß das Maß nicht nur voll, sondern bereits zum Ueberlaufen gebracht ist. Und welcher«Schlag gegen den Handel" ist es, der das Händlerorgan und seinen Gewährsmann in so rabiate Stimmung versetzt hat? Der Beschluß einer ReichStagSkommission, Aufsichtsbeamte für das Handelsgewerbe einzuführen. Demnach haben die Detaillisten Ursache, sich vor den Handelsinspektoren zu fürchten. Mögen sie also streiken, die Konsumvereine werden in diesem Falle„Streik- Brecher" spielen, da sie dem Handelsinspektor mit Gleichmut entgegensehen können.__ Die Lage am amerikanischen Eisenmarkt. Der Stahltrust gedenkt, wie dem„B. T." aus New Dork gemeldet wird, die Hauptstahlwerke der Tennesiee Coal Company in EnSley, die aus sechzehn Hochöfen mit 850 000 Tonnen jährlicher Kapazität bestehen, zu schließen, wenn sich nicht bald daS Geschäft bessert. Die Stahlwerke in Bessemer sind bereits geschloffen. Schutzzollsegen. Auf dem Londoner Freihandelskongreß illustrierte der holländische Nationalökonom Herringer in anschaulicher Weise die Folgen der Zoll- Politik in Deutschland, indem er in einer Gegenüberstellung die Preise, die für eine Reihe Artikel in Deutschland and Holland im Kleinhandel gezahlt werden müssen, bekanntgab. Dabei stellten sich für die beiden Grenzstädte Enschede in Holland und Gronau in Deutschland folgende Unterschiede heraus (Deutsche Roggenbrot Weizenbrot Hafermehl. Weizenmehl Reis... Kaffee.. Butter.. Käse... Rindfleisch. Schweinefleisch 42Vz Schinken.. 50 Dicke Würste. 42-/z (Holland) per V+S Cts. ; . 7 . 8 . 8 . 50 . 05 . 40 43 land) per Ve ig Cts. 6V3 9 10 9> 06/lO 54 81 48 48 48 60 45 (Holland) per Vakg Cts. 82 Vg Speck:.. PetroleumtLit.) 9 Riiböl(Liter) 30 Milch(Liter) 7 Waschseife.. 10 BrauneBohnen 10 Grüne Erbsen 8>/a Salz.... 4 Grütze... 8 Tabak... 16 Zigarren.. 2 Eier.... 3 (Deutsch. land) per Vz kg Cts. 42 10710 45 /10 9 107,0 107,0 87,0 5 87.0 24 3 3 Eine aus sechs Personen bestehende Familie kann für 21 M. in Gelderland, einer der östlichsten Provinzen Hollands, ebensoviel kaufen wie im Ruhrgebiete Deutschlands für 23 M. Vielfach fahren Holländer täglich nach den nahe der Grenze helegenen Jndustrieorten in Deutschland. Hier verdienen sie kaum weniger als die einheimischen Arbeiter, deren Lohn sie in manchen Fällen herunterdrücken. Natürlich können die Holländer bei den billigen Nahrungsmitteln in der Heimat und gleichen Löhnen mit den Einheimischen eine bessere Lebens- sührung sich erlauben alS die deutschen Arbeiter. Das nennen unsere Agrarier: Schutz der nationalen Arbeit I Soziales. Tiefstand des Reichsversicherungsamts. Wie seit dem Weggang Dr. Boedikers die Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts immer mehr gegen die Arbeiter- rechte sich antisozial entwickelt, illustriert nachstehender vom Reichsversicherungsamt entschiedener Fall. Nach dem Unfallversicherungsgesetz erhalten die Eltern einer durch Unfall Verstorbenen eine Rente, wenn ange- nommen wird, daß der Sohn überwiegend der Ernährer der Eltern war und die Eltern sich in hilfsbedürftigem Zustande befanden. Die Rente wird wieder entzogen, wenn die Hilfs- bedürftigkeit beseitigt ist. Wie diese Hilssbedürftigkeit einer Arbeiterfamilie eingeschätzt wird, dafür möge als Beweis folgender Vorfall dienen: Der Invalide nrcntcnempfänger B. zu Bittermark im Westfälischen erhielt seit dem 30. Juni 1905 eine Aszendentenrentc, da sein Sohn bei einem Unfall zu Tode gekommen war. Die Knappschaftsberufs- genossenschaft st eilte am 15. Dezember 19 0 7 die Rentenzahlung ein, weil für den Empfänger die Hilfsbedürftigkeit nicht mehr vorliege, da mittlerweile zwei Söhne zu dem Lebensunterhalt der Familie beitragen. Der Verdienst dieser beiden Söhne betrug bei dem einen pro Tag 1,50 M.. bei dem anderen 3,50 M. Da der Rentenempfänger selbst keinen Verdienst hatte, so blieb für die Bestreitung des Unterhalts der Familie nur der Verdienst dieser beiden Söhne und eine Knappschaftsrente von monatlich 3 7 ,40 M. übrig. Während des Verfahrens im Streit um die jämmer- liche Rente starb der Rentenempfänger. Die Witwe, die nunmehr die Rente beanspruchte, gab als ihr Ein» kommen an: 40 M. Kostgeld von dem einen Sohn und 30 M. monatlich von dem anderen. Dazu die Knappschaftsrente von monatlich 20 M., ergab für drei Personen ein Einkommen von 90 M. monatlich zur Bestreitung des Lebensunterhaltes, Miete usw. Auch hier lehnte die Be- rufsgenossenschaft das Vorliegen einer Hilfsbedürftigkeit ab. Die Frau wandte mit Recht ein, es sei ihr nahezu unmöglich, von diesem Einkommen den Haushalt zu bestreiten, besonders schwer bei den jetzigen Teuerungsverhältnissen. � Sie wisse nicht, wie sie von diesem Gelde für sich und ihre Kinder Kleidungsgegenstände herbeischaffen solle, denn die 1, 5 0 M. für den jüngsten Sohn langen kaum zum Unterhalt dieses Sohnes, für andere Aufwendungen sei nichts übrig. Indes das Schiedsgericht für Arbeiterver- sicherung des Allgemeinen Knappschafts- Vereins in Bochum stellte sich auf den Standpunkt, daß jedenfalls die Witwe eine solche Einnahme habe, daß sie nicht als hilfsbedürftig zu erachten ist. Von dem Bochumer Schiedsgericht war nach der bis- herigen Rechtsprechung, die sich gerade nicht durch Wohlwollen für die Versicherten auszeichnet, nichts anderes zu erwarten. Man konnte aber wohl annehmen, daß das Reichsver» sicher» ngsamt, dem nunmehr die Entscheidung über die Frage zugewiesen wurde, mehr soziales Empfinden zum Ausdruck bringen würde. Indes auch hier ein Fehl- schlag! Das Reichsversicherungsamt sagt in seinem Urteil: Nach den Feststellungen des Schiedsgerichts beträgt die Ge- samteinnahme der Witwe B. monatlich 90,06 M Die Entscheidung der Frage, ob bei diesen Einnahmen von einer Hilfsbedürftigkeit die Rede fein kann, hänge wesent- lich von der Kenntnis der örtlichen Verhältnisse ab, in denen die Familie lebt. Man müsse aber annehmen, daß die Bei- sitzer des Schiedsgerichts diese Kenntnis hatten. Es liegt nahe, bei einer solchen Entscheidung, die sozial- politischem Empfinden geradezu inS Gesicht schlägt, die Frage aufzuwerfen, ob den Herren, die die Entscheidung gefällt haben, auch nur die Möglichkeit vorgeschwebt hat, selbst einmal den Versuch zu wagen, mit 90 M. monatlichdrei erwachsene Personen vollkommen zu er- halten, und ob einer von diesen Herren, nachdem er den Versuch unternommen hat, noch die Frage, ob eine Hilfs» bedürftigkeit vorliegt, mit„nein" beantworten würde. Die Entscheidung widerspricht aber auch dem ganzen Sinne des Gesetzes. Es hat dem Gesetzgeber nie die Absicht innegewohnt, nur solchen Personen die Unterstützung zu ge- währen, die in einer Notlage sich befanden, vielleicht schon der Armenhilfe überwiesen waren. Man wollte nur solchen Personen die Unterstützung nicht gewähren, die selbst in aus- kömmlicher Weise ihren Unterhalt bestreiten können. Eigenartig sind auch die Konsequenzen dieser Cnt- scheidung. Man könnte der Witwe den naheliegenden Rat geben, ihren beiden Söhnen zu empfehlen, aus dem Familien- Haushalt auszuscheiden. In dem Augenblick, wo dies ge- schieht, mutz natürlich die Hilfsbedürftigkeit der Witwe an- erkannt werden. Denn kein Gericht wäre auf Grund des 8 1603 des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Lage, die beiden Söhne bei ihrem geringen Verdienst zu einem Unterhalt für die Mutter verpflichten zu können. Haben doch die Gerichte einem Bürgermeister gegenüber, der 5000 M. Gehalt hat, mit Recht angenommen, daß eine Rechtspflicht zur Unter- stützung der über den Kreis seiner Frau und Kinder hinaus- gehenden Familienmitglieder nicht besteht. Was die Söhne der Witwe verdienen, ist zu ihrem eigenen Unterhalt ins- besonders dSlm erforderlich. Kenn sie einen eigenen Haus- stand gründen. So drängt diese Entscheidung die Kinder aus der Familie, damit die Mutter die Rente erhält. Auf ein tieferes Niveau kann die Nechtsprechuno im Reichs- versicherungsamt nicht sinken. Ein Mustcr-Artieitgeber. Was mancher Arbeitgeber für recht hält, zeigte eine Wer- Handlung, die gestern das Jnnungsschiedsgericht beschäftigte. Der Tischler Wendt' war im Alkordlohn bei der Möbelfabrik Sommer u. Co. beschäftigt. Da er, wie er sagt, wegen Holzmangel seine Arbeit nicht fortsetzen konnte, ihm ferner die wöchentliche At>- fchlagSzahlung von 35 M. auf 30 M. gekürzt worden war und er obendrein vom Tischlermeister Sommer mit einem drei Meter langen Holzslück geschlagen ist, hat er die Arbeit verlassen. Nichts- destoweniger lief der schlagfertige Arbeitgeber munter zum JnnungsschiebSgcricht und verklagte dort den Arbeiter wegen „Kontraktbruchs" auf Grund des§ 124k der Gewerbeordnung. Selbstredend konnte auch das Jnnungssckffedsgericht nicht anders, als die klagende Firma mit ihrer Klage kostenpflichtig abzuweisen. War schon der Arbeiter recht bescheiden, wenn er von einer Klage wegen der tätlichen Beleidigung absah, so hätte er doch schon au-Z Anlaß dieser Kontraktbruchsklage den Spieß umdrehen und gegen die Firma auf Schadenersatz llagbar werden sollen. Arbeiterinnenschub. Für die Luxuspapierfabril von Priester in Berlin war gemäß Z 139 Abs. 2 der Gewerbeordnung die Arbeitszeit für Arbeiterinnen anderweitig geregelt worden, als es§ 137 vorschreibt. Sie sollte abends 6 Uhr enden. Die entsprechende Verfügung des Polizei» Präsidenten in Verbindung mit den§§ 137 und 139 der Gewerbe- ordnung sollte Herr Priester durch Veschäftiouna einer Arbeiterin in der Fabrik nach 6 Uhr abends übertreten gaben. Der An- geklagte bestritt, strafbar zu sein, und machte geltend, es handele sich nicht um eine Arbeiterin im Betriebe der Fabrik. Das Land- geeicht stellte fest, daß das junge Mädchen in einem Nebenraum die in der Fabrik hergestellten Gratulationskarten auf Fehler hin zu prüfen und mit Schleifen oder in anderer Weise zu dekorieren hatte. Sie wurden so für den Versand fertig gemacht. Auf Grund dieser Feststellungen verurteilte dos Landgericht den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Es käme nicht auf den Ort, sondern vielmehr auf die Art der Beschästigung an. Wenn diese nun auch nicht die Fabrikation der Karten selbst betraf, so sei doch dies Kontrollieren und Fertigmachen der Karten zum Versand eine mechanische, sich stets gleichbleibende Tätigkeit, die dem Fabrikbetriebe zuzurechnen sei. Das betreffende Mädchen sei als eine Arbeiterin im Betriebe einer Fabrik anzusehen. Das Kammergericht verwarf dieser Tagg 8'« hiergegen ein« gelegte Revision._ Gerichts-Zeitung. Biermal Nachtdienst! Von einem eigenartigen Konflikt zwischen Pflichtgefühl und körperlicher Uebermüdung erfuhr man bemerkenswerte Einzelheiten aus einer Verhandlung vor dem Reichsgericht. Das Landgericht F l e n s b u r g hat am 21. September v. I. den Weichensteller Peter Harmsen wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt, den Eiscnbahnassistenten Friedrich Förste dagegen von der gleichen Anklage freigesprochen. Eine Lokomotive sollte von Neumünster aus die Station passieren, auf welcher die Angeklagten angestellt sind. Die telegraphische Mcl- dung der Nachbarstation, daß die Lokomotive komme, wurde von Harmsen aufgenommen. Er fragte Förste, ob die Maschine durch» fähren könne. Förste antwortete„ia!", worauf Harmsen das Durchfahrtssignal gab. Auf dem Gleise standen aber noch zwei Viehwagen, welche Harmsen selbst abgekoppelt hatte. Es erfolgte ein Zusammenstoß, wobei nicht nur erheblicher Materialschaden ent- stand, sondern auch zwei Personen Rippenbrüche erlitten. Harm- scn war gar nicht berechtigt, das Signal zu geben, er mußte wissen, daß die Viehwagen noch auf dem Gleise standen, und er hätte sich, bevor er das Signal gab, davon überzeugen müssen, ob das Gleise frei war. Von der Schuld Förstes konnte sich das Gericht nicht überzeugen. Er gab an, er habe bei Eingang des Telegramms im Dienstzimmer geschlafen und sei erst nach dem Unfall wieder auf- gewacht. Wenn er auf die Frage HarmsenS„ja!" gesagt habe. so könne er dies nur im Schlaf getan haben. Er habe vier Nächte hintereinander Nachtdienst gehabt, am Tage aber nicht schlafen können, weil vor seiner am Bahnhofe gelegenen Wohnung stets großer Lärm gewesen sei. Er habe aber trotz seiner großen Schwäche geglaubt, Dienst tun zu können, und sich nicht kranl ge- meldet. Ohne eS zu merken, sei er dann eingeschlafen. Das Gericht hatte keinen Grund, diese Angaben zu bezweifeln und sprach wie erwähnt Förste frei.— Die Revision des Staatsanwalts gegen Förstes Freisprechung wurde am Donnerstag auf Antrag deS Reichsanwalts vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Gleichfalls verworfen wurde die von Harmsen gegen seine Verurteilung eingelegte Revision. Die Beamten des Eisenbahnministeriums aber, deren Vorschriften eine solche Ueber- bürdung der unteren Beamten und damit eine Gefährdung des Publikums ermöglichen, sind überhaupt nicht unter Anklage gestellt._ Hus der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. RIxdors. Heute abend 8 Uhr in Hoppes FestsSlen: Oeffentllche Frauenversammlung. Vortrag der Genossin Regina Friedländer: .Die Frau im politischen Kampfe". Leseabende. Tempelhof. Heute, abends S'/z Uhr. im.Wilhelmsgarten', Berliner Straße 9._ Vermischtes. Das neue Hochwasser. Abermals scheinen die von Eis befreiten Flüsse Unheil anrichten zu wollen. Kaum find die ersten Hochwassergefahren vorüber, so laufen wieder neue Meldungen über Hochwasser ein. Aus Breslau wird uns vom gestrigen Tage berichtet: Von der oberen Oder wird Hochwasser gemeldet. In Ratibor beträgt der Wasserstand 3.94 Meter, das Waffer steigt noch weiter. In Treschen erreichte der Wasserstand infolge von Eisstauung mit 4,20 Meter Höhe schon 4 Zentimeter mehr als bei der Hochwafferkatastrophe von 1903. Bei Breslau ist das Eis auf der Oder noch nicht in Beivegung. Das Schwarzwasiertal ist vollständig überschwemmt. In Wilhelmsruhs bei Breslau mußten die Wohnungen geräumt werden. Am Hobrechtufer sind mehrere Löcher in die Ufermauer geriffen worden, die gestem mit Sandsäcken ausgefüllt wurden. Aus Hannoversch-Miinden liegt folgende Meldung vor: Infolge der Schneeschmelze sind die Fulda, Werra und Weser inner« halb 48 Stunden drei Meter gestiegen. Der Wesertorpegel zeigt + 2,65 Meter. Die Niederungen sind stellenweise überschwemmt und die Schiffahrt ist gestört. Gefahr ist bis jetzt nicht verhanden. Altenburg, 22. März. Die rasche Schneeschmelze hat abermals Hochwasser verursacht. Der Ort Wiesenmühle und mehrere einzelne Häuser sind vom Verkehr abgeschnitten. In Meuselwitz ist die Schnauder aus den Ufern getreten. DaS Wasser drang auch dies« mal in den von dem vorigen Hochwasser her kaum wieder in Stand gesetzten Tagebau der Grube Heureka ein und setzte sie vollständig unter Waffer. Gruvenexplosio» In Indiana. Bei einem schweren Grubenunaluck «n EvanSbille in Indiana haben fünf Bergleute ihr Leben eingebükt Wie aus Evansville gemeldet wird, sind bei der Explosion im Kohlen� bergwerk Sunny Eide fünf Bergleute getötet und zwanzig verwimdet worden._ ??(c"f1f-nlt,ct5a"b, der Fleischer(Orlsverwaltung Berlin). Milltvo». den 24. Marz, abends S Uhr, im„Roscnihaler Hoj", oberer Saal, Roten- thalerstr. 11/12: Oeffenlliche Versammlung. Lriefkasten der Redahtten. Sit foriftlfAt evrechstund- Niide» Sinbenfttafte Nr.»,-weiter Sol, dritter Eiiigana. vier Trepveu, osx" Fahrftnhl wocheniäglia, abends von?»/, bis!»>/, Illir Natt. Weöffnet? Ubr Sonnabends beginnt die Sdrechftnnde uni v Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buch, labe»»d eine UaHI als wicrtzeichcn beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten tönneu 14 Tage dcrgeden. Eilige Jragc» trage man in der Sdrechituude vor. C. P. K3. Die Einrichtung ist nur Parteigenossen zugänglich, die nach vorausgegangener langjähriger Partciiätigkcil durch die Parteiorganisation chres Wohnortes und Kreises sür den Besuch der Schule empjohlen werden Sie müfjtcn sich also an Ihren Wahlvercin wenden.— 10V. S. H. Diese Mittel wird Ihnen gewiß jeder Fachmann angeben.— St. 7. Ihre drei Fragen sind solche, über die Sie sich nicht streiten sollten und uns nicht die Seit wegnebmen dürsten.— E. 48. Südost. Naunynstr. 63. Vorsteher ist Herr Lehrer Friedrich. DaS Schulgeld beträgt 56 Ps. bis 1 M. monatlich. Die Unterrichtsstunden find abends, auch Sonntag vormittags.— Müller Li). Eine solche Anstalt befindet sich in Zehlendors bei Berlin, Dorotdeen- stratze. Das Bureau ist in Berlin, Marlgrasenstr. 46a.— O. N. 100. Wenden Sie sich an den Werkmeister Bürckner. Tempclherreiistr. 12. — M. H. I. 1. Vielleicht wenden Sie sich zunächst mit dem Ersuchen um Angabe deS zuständigen Konsuls an daS österreichische Konsulat in Hamburg oder in Kiel. 2. 6,75 M., Buchhandlung Vorwärts.— 10. Masiuick. Ihre Fragen sind so allgemein gehalten, dast sie sich um Auskunft an die hiesige Agentur des Norddeutschen Lloyd oder der Ham- burg-Amerita-Linie wenden müssen.— Streit 584. Ein solcher Eid muß geleistet werden.— I. H. 05. 1. An den Magistrat in Rixdorf. 2. DaS kommt aus den Umfang Ihrer Beschästigung an; in der Regel ja.— Klobig. Sie werden gut tun, sich sofort an die Zentralauskunstsstelle für Auswanderer in der Schellingstr. 4 zu wenden.—<£. Sauerzapf. Das Kalenderjahr.-®. 15. DaS würde hu weit führe». Wollen Sie nicht, bitte, selbst einen Kalender zur Hand nehmen.— O. N. 00. Nein. — Wette. Wir lehnen eS ab, so müßige Wetten zu entscheiden.— Vrasilien 1010. Bitten Sie um kostenfreie Uebersendung eines Schriften- Verzeichnisses der Buchhandlung Vorwärts unter Angabe Ihrer speziellen Wünsche.— H.®. 1882.— Techniker. Baugewcrlichule oder höhere Maschinenbauschule. Wer als Zivilsupenrnmerar eintreten will, muß daS Reise- zeugniS einer höheren Bürgerschule, einer preußischen LandwirtschastSschule oder einer öffentlichen Gymnasial- oder realistischen Lehranstalt mit sechsjährigem Lehrgang besitzen. Zeugnisse von PrivatleHraiislallen und Zeugnisse der Prüsungskommissionen für Einjährig-Freiwillige gelten nicht als Nachweis. — O. S. 80. 1. Die Armendirektwn hat»ach Bedürfnis aus Antrag einzugreisen. E..... M M-—. das Werk, wäre .Vorwärts" können alle Bücher bezogen Klage wäre leider ausfichtsios.— ft. B. 105. Die Klage aus Ungültigkeit der Ehe könnte innerhalb sechs Wochen, nachdem Sie von dem betreffenden Umstand Kenntnis erlangt haben, angestellt' ivcrden. Mit Sicherheit läßt sich der Erfolg nicht voraussagen.— W. F. 7Z. Falls in Ihrem Miets- vertrag die Verpflichtung übernommen ist, sür zerbrochene Scheiben ein« zustehen, iN die Forderung deS Wirtes berechtigt, sonst nicht.— U. 40. Die Forderung ist noch nicht verjährt. Sie würden ZahlungS« besebl oder Klage noch jetzt bewerkstelligen können.— W. R. Ja. — Dissident. Da Sie im Iabre 1907 aus der Kirche ausgeschieden sind, haben Sie die sür das erste Quartal verlangten Steuern nicht mehr zu zahlen. Machen Sic die Kirchenbehörde daraus ausinerlsam.— Paul 30. 1 Das EhcscheidrmgSurtcil wird rechtskräjtig, wenn innerhalb eines Monats nach Zustellung desselben Berusung nicht eingelegt ist. Wenden Sie sich an den Anwalt mit dem Ersuchen, das Urteil mit dem RechtStrastattest ver- sehen zu lassen. 2. SletS. falls Vollstreckbarkeit vorliegt. 8. Liegt kein Aus nahmesall vor, so haben Sie das Recht, die Kinder ohne weiteres an sie zu nehmen. 4. Ja.— O. H 1005. Lassen Sie es aus einen Prozc seitens des Wirtes ankommen. Lehnen Sie den Einzug ab.— Bach 18 Ein eigenhändig ge« und unterschriebenes Testament, welches datirt ist, ist auch gültig, wenn Zeugen nicht ausgeführt find.— A. B. 100. Nein. — W. 1. 1, Sie können klagen; eine solche Klage wäre auch zweckmäßig. Nein. 3. Wenn V. nachweist, daß seine Hypothek durch die Anlage in Gefahr geraten ist, ja, sonst nicht.— B. U. LO. 1. Ja. 2. und 3. Wenden Sie sich an das Polizeipräsidium.— G. W. 10. 1. Der Einspruch wäre zwecklos. Wenn Sie Einspruch erheben, wird Verhandlung angesetzt. 2. Ja. — L. K. Krieg. 1. Der Vertrag geht weiter. 2. Jedes Sveditions- geschäst nimmt Möbel zur Ausbewahrung an.— G. S. 80. Auch ohne Vertrag besteht Gütertrennung. Zweckmäßig ist«S aber, durch notariellen oder gerichtlichen Vertrag ausdrücklich daS Vermögen der Ehefrau auz» erkennen und auf chemännlichcs VerwaltungS- und Nießbrauchsrecht zu verzichten. Ein VermögenSverzeichniS ist für die notarielle oder gerichtliche Verhandlung mitzubringen.— G. F. I. und 2. New. — L. B. 89. Wenden Sie sich an die StiftungSdeputation deS Magistrats, Poststraße 16 mit dem Ersuchen um AnSkunst.— R. D. 1. Der junge Mann kann Beschwerde beim Polizeipräsidium ewlegen. 2. Nein. — H. H. 30. Die Beschwerde wäre an den Landrat zu richten. DaS Geld wäre mit Aussicht aus Erfolg von der Gemeinde zurückzufordern. ßriefbaften der Expedition. Pattenten in Beelitz. Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen unS wegen der Ueberweiiung von Freiexemplaren sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern deS neue» Monats von der Post nicht gcliescrt werden. Alle Adressen müsse» ledea Monat neu eingesandt werden. «SafserftandS-Nachrichte« der LandeSanstalt sür Gewäffertunde, mitgetellt V0M Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, TW P r« g e l, Jnstervnrg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krossen , Franksurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Larby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Sprembergl , LecSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier am 21. 3 am 267 80 SS 165 35 228 198 238 107 IlS 82 187 seit 20. 3. cm') +113 +2 +1 +61 +4 +147 +100 +13 +27 +32 +22 -)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) vnterpegel.—»3 Eitstand.— ») Eisgang. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. �Keater. DienStag, den 23. März. Anfang?>/, Uhr. Künigl. Opernhaus. Rienzi.(An- sang 7 Uhr.) Könlgl. Schauspielhaus. Kabale und Liebe. Neues kö» igliches Opcrntheatcr. La Dame de choz Maxime. Deutsches. Faust.(Ans. 7 Uhr.) Kammerspiele. FrühUngS Erwachen.(Ans. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. W- Heidelberg. Neues. Wahrheitsschule. Der Un> bekannte. Anfang 8 Uhr. Berliner. Einer von unsere Leut'. Lessing. Der König. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Over. Tiefland. Kleines. Moral. Hebbel. RcvolutwnShochzeit. LustspielhanS. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Amclie. Schiller«».(WalUier. Tdealer.) DaS Erbe. Sch-ner Charlottcnburg. Rechts herum. Friedrich> Wtlbclmstädt. Schau- fpielhanS. Der große Komet. Westen. Der tapsere Soldat. Luilc». Marie, die Tochter deS IKeglinents. Triaiio». Liebesgewitter. Neues Operetten. Die Dollar« Prinzessin. Berliner Operetten-Theater S\N. Das Himmelbelt.(Ans. 8'/, Uhr.) Berniiard Rose. Das Warenhaus- sräulein. Gastspiel-Theater. EherlockHolmeS. Bürgerliches Schauspielhaus. GriscldiS.(Ansang ö'/« Uhr.) Gebrüder Herrnfcld. Die beiden BindelbnndS. APol'o. Der junge Papa. Spezia« litäten. Metropot. Donnerweller— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. <5arl Havertand. Spezialitäten. Pnüag«. Spezialitäten. ReichSliallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folies Enprice. Insolvent.(Ans. 8'/« Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Guiiati Behrens. DaS verliebte Pensionat. Stöpkes Brautjahrt. Spezialitäten.«11(0119 iL/« Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Alts. 8'/, Uhr.) tkrania. Tand-nftratze 48/40. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern MessinaS. Gtrruwartr, Jiivalidenftr. 57/62. l�essinx-�tiestel'. Dienstag 8 Uhr: Oer»Saig. Miltwoch 8 Uhr: Griselda. Donnerstag 8 Uhr; Der König. berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere l-ent'. Morgen: Einer von untere Leul'. HeuesThealer. Abend? 8 Uhr zum 1. Male: Die Wabrlieitsscliale. Hierauf zum 1. Male; Der üubekannte. Millwoch: Die WahrheilSjchule.— Der Unbeianiite. MWVMMi Gr. granklurter Str. 132. Abends 8 Ubr Dasffareiaus-Fräiileiii LvllSstück in 5 Akten von Popper. PU?" WochenlagSpreile"ME Mittwoch: DaS vierte Gebot. O.(Wallner-Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Itns Erde. Schauspiel in 4 Auszügen von Felix Philippi. Mittwoch, abends SUHr: Zum 1. Male: vis Welt, in der man sieb langweilt. Donnerstag, abendS8Uhr: Die llrant von lllessina. Schiller. Theater Obitrlettendiirg. Dienstag, abends 8 Uhr: Reclit« hernm. Schwant in 3 Akten v. H-mS GauS. Mittwoch, abends 8 Uhr: vis linrollnxer. Donnerstag, oben dSSllhr: Ein Volirsleind. Urania. IWiEsenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr; Aul den Trümmern Messinas. Hörsaal 8 Uhr: Dr. G. Schwalbe: Ueber die Ge setze der allgemeinen Temperaturverteilung auf der Erdoberfläche. Tbeater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Schauspielhaus. DienStag, 23. März, Anfang 8 Uhr Der große Komet Mittwoch: Der große Komet. Donnerstag: Der große Komet Freitag: Der große Komet._ Residenz-Thceter. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Schwant in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydcau. Morgen und solgeude Tage: Die- selbe Borstellung. Sonntag, 23. März, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Obr. Hebbet-'ikester Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. kevolutiollsboebzeil. Alcnett Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: vi« Dollurprinzcnsln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. taisispivlksus. Abends 8 Uhr: Im Hiabsessel. Luisen-Theater. MbendS 8 Uhr: Marie, die Tochter flesReginients. Mittwoch Premiere: Straßenbahn- sahrer Krause. Donnerstag: Mein Leopold. Frestag: Straßenbahnsabrer Krause. Sonnabend nachm. 3 Uhr- Max und Moritz. 8 Uhr: Staatsanwalt Alerand er. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Mädchen aus Irrwege». 8 Uhr: Stiapenbahnsahrer Krause. Montag: Marie, die Tochter des Regiment�_ C|alast-?he£ter (Si Burgstroße 24, 2 Minuten vom w Bahnhoj Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntag»?'/, Uhr. Ab 16. März: Wg'dlüIiehneneMe-l'regraW. tO KunstUräfte allerersten Itunge». TJMJ Zigeunerfriedel. Schauspiel in 1 Akt. IM)- Vorzugstarten wochentags gültig, zu halben Preisen überall gratis. MMWMWWWWWWDMWWWWWWU» ilelropol-lneitter Ditgileh 8 Ehr: vennemetter- tadeltest RevusiulOHildsrn v. llul. Ereuud. Musik von Paul Lincke. Kegie Direktor Schultz. Perry, Holden. Bender, Otainpictr«, Kettner, Pfunn, Thlelwcher. Ii» werden Weiler chst Wim von .Alic« Norton überreicht._ lillllan Hoorleln! Corradinis Dressurakt. La Sylphe! sowie die hervorragenden Kunslkräfte dos Wilrz-Programnia 1 1 Passass-Theater. Abends 8 Uhr: T a c i a n u. » tfffttft Piloly von Kaulbacb in ihrer indisch. Tempolszeno. The 6 Sislers Loirlson die englischen Schönheiten. Das großartige Tarltltd-Programm t 14 erstklassige Attraktionen.» Jürgcrliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. BV Im Abonnement<98 Urrlseldls. Drama in 4 Akten von Fr. Halm. Ansang 8'/, Uhr. Mittwoch: Der Huttenbesltzer. Donnerstag: Narziß._ Passage-Panoptikum. Zum erstenmal In Barlin! Princeß Fassie die Amazonen-Königin m. ihr. wilden Liclbgardo. Das blaue Weib, das Opfer unbarmherz.Tätowatfon. Das gr. Schauprogramm Alles oboe Extra-Entree. FL 1.80 a. 2.00 Kraft-Rotwein Klaflteh ta otbeken, Drogen-«. lonial-Gescblften- Wenn es eilt, enchflplt« Lebonstrlft« wieder kermntellen, so ist»"b fns'Prneh �rthmteo mendlM«U� Wein das beste StirknncsmUtol nnd wird von keinem anderen natarllchen oder kflnsUlehsB Produkt nbertoten. er crkrlscht und bringt die Lebenslust bei Bohwermnt wieder, er beseitigt und reguliert dl# ßtörungon Im KS�er nnd sebtttzt Ihn vor zul&Ulgen Erkrankungen, Influenza ete. 1870» DienStag, den 23. März, 7'/« Uhr: In Anwesenheit Ihrer kaiserlichen und königl. Hoheiten des Kronprinzen nnd der Kronprinzessin, sowie anderer Mitglieder des kgl. HauseS. ztigunsten deS Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom RotoiR Kreuz. AuS dem Gala» Festprogramm hervorzuheben: gM- Ettero Tlborlo, der Münzenbrecher. Theron-Truppe. 8 Personen. Paet, das Weltwunder. Golo, der Seeraubtr „VIV. 8aiaua{ Zirkus Busch. DienStag, 23. März. ab. 7'/, Uhr: Gr. Gala-Yorutellans. Um ca.»/,0 Ubr: DaS weltberühmte Orlglnal Konsul peter! Um ca.'1,10 Uhr: ßem Karl Kagtllbtcks neueste Naubtierdressur. Herr Burkhardt-Feettlt, Schulreit. Frl. Martha Mohnke, Schnlreiterin. Schwestern Truzzi, Rcilkünstlertn. Um ca.»/.lOUHr: Auswanderer. SKOpcnlckerstr. 68. O Zum 540. Male: Sherlock Holmes. TUgllch auMvcrkuuftl Gebrüder Herrnseld- Anfang Tlianfap Vorverk. S Ohr. luCülCr. 112 Uhr. 57 Kommondantonstr. 57. Die beiden Bindelbands Hierzu: Endlich allein! W.Hoacks Theater Dtrettlou! Rod. Olli. Brunnen str. te. Farinelli oder; König und SSnger. RomaiilischeS Schauspiel mit Gesang. Ansang 8'/, Uhr. Entree SO Pj DonnerSlag, Freiing: Nora. Sonnabend: Muttersegc». Folies Gaprice.| Ansang S'/. Uhr. 39" Insolvent,-a Posse von L. Tausstein. In laufckiger BurleSle von W. Gerlcke. Vssinu-Thesien Lothrwger Str. 37. Täglich 8 Uhr. Kis Freitag, deu 2. April: KulZKuu d. Sonnabend, den 3 April: Zum erstenmal: Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbcrt. Reichshalldn-Thdater Huer Säiier. sum 134» Male: SerlViiWieliill Ansang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. ITröhcIs Allerlei-Theater. Schünhanaer Allee 148. DienStag, den 23. März 1909: Die slhiilie ilnprin. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von Mannstädt und Wcller. Kaffenöffnung 7 Uhr. Ans. S'l, Uhr. Variffe-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. DaS große MSrz.Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische Uebungen und die übrigen Speziatlitäten. Im Tunnel: lap.Blumeniesi. Regl- mcnIStap. Thea leides. Hab. sr.Elntr. Sladt-IIlealös Hilnadi!. Größter und vornehmster Theater« saal Moabits. Alt-lIoabU 48.(Tel. II 2492.) DonnerSlag. den 1. April 1909: Sheiiok Holmes. Engl. Detelllo-Komödle in 4 Akten. Ans. d. Vorst. 8, Kaffenöffnung 71/, Uhr. Konzert 7'/, Uhr. Königstadt■ Kasino. Holzmarktstr. 72. Täglich: Franz Sobannkt, Tenor nnd Bcrad. GrolcSk-Duo, Jan Rudolphi. Drahtsellkünstler, Jhe 3 Tyborgs. Balance-Neuhelten. Ernst Gra». Elsa Lüschou, Bernhard Marx. Lola Gray._ SJS" Huckebcln& Co. Mstl Schwank in 1 Akt. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Tanz. Donnerstag, den 25. März: Benefiz sür y. Tobanski. Ansang 7 Uhr. Ssnsscuci, IS* Direktion Wilhelm Reimer. Heute DienStag t Theater- Abend, Gastspiel d. Neuen Deutsch. Freie Volksbühne: DaS Küthchen vo» Heilbronn. KMerschausptel in 6 Alten von Kleist. Anfang 8'/, Uhr. Sonntag, Montag und Donnerstag: tiotim. Nordd. Listig. Tanz. Steidl Brückenstr. 2, jsn'Är. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Die-"-— altbeliebten Parterre--------------- Urfldele Stimmong a la Brady. Bier-Kabarett uBerl. Spatzen. BV Entree frei.-WW unr. ounniayo« vnr. , Fritz Steidl-Sänger. ■e-Bezt. Entree frei. Bustai Behrens- Theater. DasverliebtePensionat Operette Stöpkes Brautfahrt und die übrigen erstklasstge» Spezialitäten. Ansang B'u Uhr, Sonntag» tt Uhr. Nene Welt i < I Hasenheide 108— 114, • TUgllch:» ; Gr. Bockbierfest. . Baron Muckls Bauernkapella. ( Origlnal-Garmisch-Partenkirohner Sänger und Schuhplattler. J Jeden Dienstag und Donnerstag: J Sensationelle Prfimlieranien. g Anfang 7 Uhr. Sonnt. 4 Uhr. R.WWWWWWWW. Entree 30 Pf. Sonnt SO Pf. IWWWWWWW» 1 Berlinerl Blk-Trio. u Fell* Sobtoer HWisttstuiuKk.i, Theater Variöts Brillan 1(City-Passage) Dresdener Str. 52/3 Annenst. 42/3 Täglich; Austreten von nur erstklassigen Spezialitäten bei ganz- lich freiem Entree, auch Sonn- tags. Sonnabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. Ureitanz. Kinematograph. Berliner Eis-Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Knnstlanfen. Jb Hygienische Beflarisarükel. Neuest. Katalog ID. Einpfohl. viel. Aerzte u.Prof. grat. B. ünger. Gununiwarenlabrik flerlia NW.. Friedrichstrasse 91/93 gofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dnctaf Moquetts. Plttsch-SCilC- Saftelfaschen. Muster b. näh. Angabe franko. EiniiLeto.oSstr.lSB. für die Leeer dieser Zeitung. Jeder, der bei an» einen)0 Pfd. 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M., im Alter von 40 Jahren an Lungenleiden gestorben ist. 66/6 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Battholomäuskirchhoses, Falkenbcrger Ehaussce, Wcigensce, aus statt. Die Verwaltung 2. Verband der Forteteuiiier. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dag am Sonntag, den ZI. März, unser Mitglied, der Porteseuiller Hsnnstm Krieg verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Panlower Kirch- hoses in Schönholz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 109/7 Die Ortsvcrwaltung. VerbaO der Maler. Lackierer, Anstreicher usui.I Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied Knrolus Jakob (Küchenmöbclbranche) am 19. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 23. d. M., nachmittags 5ff, Uhr, von der Leichen- Halle ocs St. Sebaltinn-Kirchhoses in Reinickendorf, Humboldtstrasie, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 128/9 vis Orisverwaliung. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Brueh- bandagen, Leihbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Orts- und Hilss-Krankentassen. Bei-Iln V.,* jetzt Bothrlngcp StraBe 60. Alle Bruchbänder mit ctastischen Pe- loten, angenehm u, weich am Körper. Damen-Konfektion tdirekl der Fabrik. Kein Laden. jNach beendeter Engros-Saisonf auch Einzelverkauf[ enorm billig! Daieü-Paietflts lisii Hausvogteiplatz, II I. Etg. schrägüber Untergrund-Bahnhof. Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 5 0/c Rabatt rergütet. i«JAKKS Unscrm langjährigen Freunde und Genossen Dnstav Pinnsr nebst Frau zu ihrer silberne» Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche! Die Funktionäre der I.Ableilung des 6. Berl. Reichstags-Wahlkr. m © V V W « fy & SczialdeniokratiscbeFWalilfereifl für den i. Berliner Reiebstagswalreis Görlitzer Viertel. Bezirk Nr. 216. Teil v. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Max Görlitz Wiener Str. 19 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. März. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhofes m Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/19 Der Borstand. f ÜBST! Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, n dag unsere Kollegin, die Vcr-U goldcrin �nrm Meier am 20. März verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! jg Die Beerdigung findet heute Dienstag nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Berliner�, Gemeinde-Fricdhoss in Friedrichs- selbe aus statt. .( Ferner verstarb am 20. März unser Kollege, der Tischler Max Görlitz. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des EmmauS-KirchhosS in Rix- dors, Hcrmannstrage, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Tischler IBrrmriuei Garn am 21. März gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. März, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Kapelle dcS St.-Philippus-Apostel- Fried- Hess, Mnllcrslr. 44/45, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/5 Die Ortsverrvallung. I Soz!aIrte!üßkratiseb.EfahIverEiD liixdorf. Tode«- Anzeige. Am 19. März verstarb Plötzlich, infolge Unfalles, unser Mitglied, der Arbeiter 234/48 August Kurds. (20. Bezirk.) Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle d-S neuen Rixdorscr Friedhofes(Mariendorser Weg) aus statt. Der Borstand. Aueh Sonntags geöffnet! DBUtseher — n""� Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, | dag unser Kollege, der Biersahrer August Kurds am Freitag, den 19. d. M.. im Alter von 36 Jahren an Schlag- ansall gestorben ist. 66/5 Ehre seinem Andenke»» Die, Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d. Mts.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Rixdorscr Kirch- hoses, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Hie Verwaltung II. Dautsctisr Metailarbeiter-Verbandj Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, dag! unser Mitglied, der Monteur s Ludolf Mertens gestorben ist. Ehre seiuem Andenken: 113/16 Oie Ortsverwaltung. —«bin mi w■mhuw■ oa LMMtwortlicher Redakteur: Hans Weber. Kerlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck tu Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. KS. 26. 3. Mme des Jaroärtf Kerlim pMIntt. litnstnj, 23. JBätj 1909. Der Zentralwaljloerein für teltow. Bceskow-StorkoW'Cfjarlottenburg hielt feine Generalversammlung am Sonntag im Volkshaufe zu Charlottenburg ab. Auf der Tagesordnung standen di- Berichte des Vorstandes und der Funktionäre, die Neuwahlen derselben so- wie Anträge zur Generalversammlung.--- Ueber die Tätigkeit des Porstandes liegt ein Kedruckter Jahresberiiyt llem wir einige der wesentlichsten Angaben entnehmen: Im Vordergrunde der Parteitätigkeit im Jahre 1903 standen, abgesehen von den Arbeiten für die Gemeindewahlen, die Land- tagswahlen und die Demonstrationen gegen das preußische Drei- klassenwahlrecht. Zur Einleitung der letzteren fanden am 9. Januar im Wahlkreise 22 Versammlungen statt, denen am darauf kommenden Sonntag 13 Versammlungen folgten. Die Nach- mittagsversammlungen am 18. März fanden in fünf Orten statt, cs folgten 9 weitere Versammlungen am Abend des 18. März und 12 Versammlungen am Sonntag darauf. Die Versammlungen waren fast durchweg gut besucht. Trotz des wirtschaftlichen Niederganges ist der Umsatz der ver- kauften Beitragsmarken ein größerer geworden. Er ist von 178 444 Marken im Jahre 1997 auf 190 453 Marten im Jahre 1903 ge- stiegen, darunter sind 5732 Beitragsmarken weiblicher Mitglieder. Weiter gibt der Bericht eine eingehende Darstellung der Be- teiligung an den Landtagswahlen im Kreise.— Ueber den Stand der Organisation sagt der Bericht unter and-rem: Dem Zentral- wahlverein gehörten zu Beginn des Jahres 44 örtliche Vereine an. Neu gegründet wurden 2 Vereine, in Senzig und in Bohnsdorf. Aufgelöst wurden die Vereine in Beeskow und Großbeeren. Somit ist ine Zahl der örtlichen Vereine am Schlüsse des Jahr-s die gleiche geblieben. Die 44 Vereine verteilen sich auf 10 Städte und 34 Landgemeinden. 32 Vereine gehören zun» Kreise Teltow, 3 Vereine zum Kreise Beeskow-Storkow. Die Mitgliederzahl des Zentralwahl- Vereins ist von 20 373 auf 22 192 gestiegen, sie hat also im Laufe des Jahres um 1819 zugenommen. Die Steigerung ist etwas ge- ringer wie im Voriahre, was seine Erklärung in den jetzigen Wirt- schaftlichen Verhältnissen findet. Die Frauenbildungsvereine, welche in den einzelnen Orten bestanden, lösten sich beim Jnkraft- treten des Reichsvereinsgesetzes auf, jedoch sind ihre Mitglieder nur zum Teil den örtlichen Wahlvereinen beigetreten. Am Schlüsse des Jahres gehörten dem Zentralwahlverein 1713 weibliche Mit- glieder an, die sich auf 31 örtliche Wahlvereine verteilen. Der Zu- wachs an weiblichen Mitgliedern ist nicht in dem Maße eingetreten, wie er hätte erwartet werden müssen. Während in 13 Orten gar keine weiblichen Mitglieder vorhanden sind, haben anders Orte nur eine ganz geringe Zahl weiblicher Mitglieder. Eine tabellarische Uebersicht über die Mitgliederzahl in den einzelnen Orten ergibt, daß 20 Vereine einen Rückgang an Mit- gliedern auszuweisen haben. Wenn für den Vergleich mit dem Vorjahre nur die Zahl der männlichen Mitglieder herangezogen wird, dann ist in 25 Vereinen ein Rückgang eingetreten, z. B. in Schöneberg 369, in Köpenick 209, in Groß-Lichterfelde 152, in Steglitz 110.— Die Fluktuation unter den Mitgliedern ist auch im verflossenen Jahre eine große gewesen. Aufgenommen wurden 7352, abgemeldet 5533 Mitglieder.— DaS Verhältnis der Mit- gliederzahl zu den bei der letzten ReichStagjswahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen hat sich nur unwesentlich gehoben. Ende 1907 betrug der Prozentsatz 19,4 Proz., am Ende des Jahres 1908 dagegen 19,6 Proz.— In 17 Orten ist dieser Durchschnitts- satz des Kreises nicht erreicht, in 19 Orten sind mehr als 25 Proz. der sozialdemokratischen Reichstagswähttr organisiert.— Von den 44 örtlichen Vereinen haben 22 weniger als 100 Mitglieder, 14 eine Mitgliederzahl von 100—500 und 8 Vereine haben mehr als 500 Mitglieder. Die Rückwirkungen des wirtschaftlichen Niederganges sind auf die Leserzahl unserer Parteiprcsse nicht ohne Einfluß geblieben. Während die vorhergehenden Jahre eine stete Steigerung aufwiesen, ist die Leserzahl, abgesehen von der„Neuen Zeit" und der„Gleich- heit", zurückgegangen. Sie betrug für den„Vorwärts" 1907 23 355, im Jahre 1908 27 084,„Neue Zeit" 255 bezw. 253,„Gleichheit" 895 bezw. 921,„Wahrer Jakob" 5505 bezw. 5403. Von der„Märkischen Voltsstimme" werden in 8 Orten 213, von der„Brandenburger Zeitung" in 7 Orten 481 Exemplare gehalten. Insgesamt sind 431 Mitglieder- und 257 öffentliche Ver- sammlungen abgehalten worden.— Bei den allgemeinen Flug- blattverbreitungen. die fünfmal im Jahre stattfanden, wurden im ganzen 1270800 Flugblätter verteilt, außerdem in den ländlichen Agitationsbezirken 113 500 Broschüren, 36 000 Kalender, 77 500 Flugblätter. Umfangreiche Arbeiten brachten die Gemeindewahlen. In 41 Orten waren wir an diesen beteiligt. Insgesamt standen in diesen Orten 73 Mandate der dritten Abteilung zur Wahl. Davon waren 22 in unserem Besitz gewesen. Von den 73 Mandaten er- oberten wir 39. Neu gewonnen haben wir 21 Mandate, während uns 4 Mandate verloren gingen, und zwar je eins in vier Orten. In 3 Orten eroberten wir außerdem noch Mandate der zweiten Abteilung: in Nixdorf 3, in Krausnick 1, in Langewahl 1.— Im allgemeinen zeigte sich wieder, daß unsere Genossen in den West- liehen Vororten Berlins durch den großen Zuzug einer wohl- habenden Bevölkerung in eine immer ungünstiger werdende Po- sition gedrängt worden sind. Wo aber Aussichten bestehen, daß Sozialdemokraten gewählt werden können, griff man zu besonderen Mitteln, um diese„Gefahr" von den Gemeinden abzuwenden. Das zeigte sich besonders in Wilmersdorf und in Rirdorf.— Das Ergebnis der stattgefundenen Gemeindewahlen ist: Wir haben in 6 Städten des Kreises 68 sozialdemokratische Stadtverordnete und in 30 Landgemeinden 69 sozialdemokratische Gemeindevertreter. Der Kampf um Erringung weiterer Versammlungslokale hat im abgelaufenen Jahre keine nennenswerten Erfolge gebracht. Am Schluß des Jahres standen uns in 63 Orten des Kreises etwa 195 Lokale zur Abhaltung von Versammlungen zur Verfügung. Wenn es auch den Parteigenossen gelungen ist, in einer Reihe von Orten die Anzahl der uns zur Verfügung stehenden Lokale zu vermehren, so muß doch bedauert werden, daß selbst in den Orten, wo wir Organ'sationen haben, die Genossen nicht in der Lage waren, die Versammlungslokale zu halten. Oft trägt unsolidarisches und gleichgültiges Verhalten der Genossen daran schuld. Eine Konferenz der Lokalkommissionen des Kreises hat deshalb beschlossen, sich in einem Flugblatt an die Partei- und Gewerkschaftsgenossen zu wenden, um mehr wie bisher durch einmütiges Vorgehen Sem Terro- riSmuS der Gegner entgegenzutreten. Der Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 73 518,62 M., eine Ausgabe von 64 469 M.. so daß ein Bestand von 9049,62 M. bleibt. An die Verbandskasse sind abgeliefert 19 390 M. für Beitrags- marken, 3100 M. für Monatsbeiträge, 179,43 M. für Tellersamm- lungen. Ehe die Generalversammlung am Sonntag eröffnet wurde, trug di«„Charlottenburger Liedertafel" zwei Lieder vor. welche ein stimistungsvolleS Präludium zu den nachfolgenden VerHand-. lungen bildeten. Nach Eröffnung der Versammlung erstattete Wollermann den Bericht des Vorstandes. Er gab einige Ergänzungen zu dem gedruckten Bericht. Die Zahl der örtlichen Wahlvereine ist neuer- dings auf 45 gestiegen, weil in Lichtenrade in diesem Jahre ein neuer Wahlverem"gegründet ist. Die Mitgliederzunahme des Zentralwahlvereins, welche im gedruckten Bericht angegeben ist, kommt in der Hauptsache durch den Eintritt der weiblichen Mit- glieder. Die Zahl der männlichen Mitglieder hat sich nur um 206 vermehrt.»- Die Statistik über den Austritt aus der Landeskirche ist nur aus 32 Orten eingegangen. In diesen sind 3654 Genossen aus der Kirche ausgetreten. Pag eis ergänzte den Kassenbericht durch Angaben über die finanziellen Verhältnisse der einzelnen Wahlvereine und schloß mit der Bemerkung, daß man mit den Kassenverhältnissen zufrieden sein könne, namentlich wenn man Rücksicht nehme auf die gegen- wältige schlechte wirtschaftliche Konjunktur. Die Diskussion brachte nur einige Anfragen und Anregungen aus einzelnen Orten. �Der Kassierer Pagels wurde einstimmig entlastet. Die Mandatsprüfungskommission hat festgestellt, daß aus 43 Orten 115 Delegierte sowie 16 Vorstandsvertreter und der Reichstagsabgeordnete des Kreises anwesend sind. Aus 5 Orten sind 6 weibliche Delegierte erschienen. Die Kreise Krausnick und Markgrafpieske sind nicht vertreten. Frau Thiel gibt einen kurzen Bericht über die Frauenbewegung im Kreise bor dem Eintritt der Frauen in den Wahlverein. Sie sagte unter anderem: Wenn die früheren Mitglieder der Frauenvereine nicht alle in den Wahlverein eingetreten seien, so liege das daran, daß sich der Anschluß solange verzögerte und daß auch einige Frauen in den Vereinen waren die nicht unseren Kreisen angehörten und deshalb den Uebertritt in den Wahlverein nicht mitmachten. Heinrichs gab eine Uebersicht über die Tätigkeit der Preß- kommission, deren Einzelheiten aus der Berichterstattung in anderen Kreisen bereits bekannt sind. Weiter machte Redner Mitteilungen über den Abonnentenstand und die finanziellen Verhältnisse des „Vorwärts". In der Diskussion beklagte sich G e h r k e- Charlottenburg über verspäteten Abdruck und zu starke Kürzung von aus Charlottcntburg an dmi„Vorwärts" gesandten Berichten.— Hoff mann- Nvwawes bemerkte dazu: Derartige allgemein gehaltene Beschwerden könnten doch nicht nach- geprüft werden; wer Beschwerden habe, der solle sie in jedem Einzelfalle mit Begründung an die Pretzkommission senden, damit eine Prüfung und erforderlichenfalls Abhilfe erfolgen könne.— Hirsch sagt« hierauf: Es handele sich nicht darum, ob im Einzel- falle ein Bericht gekürzt werde, wozu selbstverständlich die Redaktion berechtigt fei. Der Kernpunkt der Charlottenburger Beschwerde sei der, daß die Interessen der Vororte im„Vorwärts" nicht genügend berücksichtigt werden, und, wie die Dinge jetzt lägen, auch nicht so berücksichtigt werden könnten, wie es die Genossen in den Vororten mit Recht fordern könnten. Immer, wenn Wünsche um größere Berücksichtigung der Vororte vorgebracht wurden, sei ihnen ent- gegengehalten worden, der Etat des„Vorwärts" vertrage das nicht. Die Frage, wie die berechtigten Jnteressem der Vororte im„Vor- wärts" zur Geltung kommen könnten, könne hier nicht gelöst werden. Es müßte versucht werden, durch die Pretzkommission in Verbindung mit Vertretern der Vororte eine Lösung zu finden.— Zubeil bezeichnete diese Beschwerden der Vororte als begründet, dock; solle man sich nicht beklagen über die Kürzung unwesentlicher Versamm- lungsberichte. Abgesehen von Versammlungen, die sich mit wichtigen Parteiaktionen und dergleichen beschäftigen, könnten die Ver- sammlungsberichte erheblich kürzer sein wie jetzt. Aber in dieser Hinsicht müsse Parität walten. Jetzt würden die Versammlungen der Berliner Wahlkreise viel eingehender behandelt wie solche aus den Bororten. Die Versammlung nahm einen Antrag an, welcher die Preß- kommission ersucht, mit den Vorständen der größeren Vororte in kürzester Zeit eine Sitzung abzuhalten, um eine Lösung der in der Diskussion aufgeworfenen Frage herbeizuführen. Fischer- Schöneberg erstattete den Bericht der AgitationS- kommission. dessen Einzelheiten bereits früher an anderen Stellen bekannt gegeben worden sind.— In der Diskussion wurde be- sonders auf die in der Provinz eingerichteten Auskunftsbureaus verwiesen. Man wünschte einen weiteren Ausbau dieser Institution, weil sie sich auch in agitatorischer Hinsicht gut bewährt hätte. Riedel erstattete den Bericht der Lokalkommission, der ohne Debatte entgegengenommen wurde. Die Wahl de« Vorstandes und der Funktionäre hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Hirsch, 2. Vorsitzender B ö s k e, angestellter Sekretär Wollermann, Beisitzer: Groger, Stiefenhofer. Frau Thiel. Revisoren: Thurow, Wein mann, Riedel, Wenzel, Rosen- kränz. Aktionsausschuß: W o I l er m a n n und G r og e r. Preß- kommission: Heinrichs. Hoffmann, Ulm. Agitations. kommission: Fischer und Küter. Lokalkommission: Rohr. Revisor für Groß-Berlin: Weinmann. Vertreterin der Frauen im Verbandsvorftandc: Frau Thiel. Preßkommission für die „Brandenburger Zeitung': G ruhl- Nowawes, der„Märkischen Volksstimme": K ö p k e- Ketschendorf. Für die Verbandsgeneralversammlung wurden folgende An- träge angenommen: 1. Den Wahlvereinsbeitrag für weibliche Mit- glieder auf monatlich 20 Pf. festzusetzen. 2. Zu beschließen, daß das Lokal„Neue Welt" zur Maifeier schon in diesem Jahre den Rixdorfer Genossen überlassen werde. Hierauf wurden noch verschiedene Anregungen und Mitteilungen entgegengenommen und dann die Generalversammlung geschlossen. partei-Hngelegenbeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute, Dienstag, den 23. März, ovends pünktlich 8>/z Uhr. findet im großen Saale von Kliem, Hasenheide 13/15, ein Bortag mit Lichtbildern über:„Die bodische Re- Volution' statt. Vortragender: Reichstagsabgeordneter Adolf Geck. Eintrittskarten a 10 Pf. sind bei den AbteilungS- und Bezirks- führern zu haben. Offene Kaffe findet nicht statt. Da etwas Gutes geboten wird, ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. Achtung! Fünfter Wahlkreis. Volksversammlung heute, Dienstag. den2 3. März, 8'/z Uhrabends, im Alten Schützenhause. Linieustraße 5. Referentin: Genossin Mathilde Wurm. Zahlreiches Erscheinen der Genossen und Genossinnen erwartet Die Einberuferin. Charlottendurg. Heute abend 8 Uhr findet im großen Saale des„VolkhauseS", Rosinenstraße 3, eine Versammlung statt. Vor- trag des Genossen Ed. Bernstein über:„Revisionismus und unser Programm". Alle Parteigenossen, die sich als solche legitimieren, haben Zutritt. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute DienStag abend findet von den bekannten Stellen aus eine Handzettelverbreitung statt. Der Vorstand. Köpenick. Heute, Dienstag, den 23. März, abends 81/» Uhr, findet beim Genossen Zippau, Grünauer Str. 31, die Wahlbereins- Versammlung statt. Die reichhaltige Tagesordnung macht das Er- scheinen der Mitglieder nötig. Der Vorstand. FriedrichShagen. Heute abend 8'/, Uhr findet im Restaurant Wwe. Lerche die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Köhn über:.Weltanschauung und Lebens- ziele". 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegierten von der Kreis- generalversammlung. 4. Maifeier. 5. Vereinsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Gäste willkommen. Reinickendorf- Ost. Heute abend 8 Uhr bei Schaller,„Borussia« Park", Provinzstr. 69: Mitgliederversammlung des WahlvereinS. Tagesordnung: 1. Bortrag:.Assyrien und Babylon". Referent: Genosse Lewinfohn. 2. Bericht von der KreiSgeneralverfammlung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. KönigS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden hierdurch aus die am Mittwoch, den 24. d. M., abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen Schumann in Wildau stattfindende Wahlvereins- Versammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Vortrag über „Konsum- und Genossenschaftswesen". Außerdem werden verschiedene Berichte gegeben. Die Parteigenossen werden ersucht, zu dieser Ver« sammlung ihre Frauen mitzubringen. Lerlmer I�acbricdten. Im Kampf«m die Jugend. Die Bemühungen der bürgerlichen Gesellschaft, den Nachwuchs der Arbeiterklasse auch nach Boll- endung der Schulpflicht möglichst in Denkfesseln zu schlagen, haben durch die sozialdemokratischen Jugend- organisationen ihr wirksames Gegengewicht erhalten. Aber jenen bürgerlichen„Freunden" der Jugend ist das ein Anlaß geworden, einstweilen ihren Eiser nur noch zu steigern. Viel versprechen sie sich jetzt von der Ausführung des Gedankens, die Fortbildungsschule noch mehr als bisher zur Teilnahme an dem Kampf um die Jugend heranzuziehen. Im Sommer vorigen Jahres wurde in einem Erlaß des Handelsministers dringend gemahnt, die Fortbildungsschule als einen Unterbau der Fürsorgeeinrich- tungen für die schulentlassene Jugend zu benutzen. Ueber dasselbe Thema verhandelte am Sonnabend voriger Woche die„Vereinigung zur Förderung des Fort- bildungsschulweseus", die bei dem„Berliner Lehrerverein" besteht. Herr Direktor Th. Sander, der über„D i e Organisation der Jugendfürsorge in der Fortbildungsschule" referierte, entwickelte einen voll- ständigen Plan für die Agitation, die da unter der fort- bildungsschulpflichtigen Jugend betrieben werden soll. Selbst- verständlich gilt ihm alles, was er vorschlägt, als eine rein erziehliche Maßregel. Er betonte sogar ausdrücklich, daß man dabei über den Parteien stehen müsse. Aber für die Veranstaltungen, mit denen die bürgerliche Gesellschaft an die Arbeiterklasse oder an deren Nachwuchs heranzukommen sucht, bedeutet dieses„über den Parteien stehe n" immer nur eine gemeinsame Arbeit aller bürgerlichen Parteien, immer nur einen Kampf gegen die Sozial- demokratie. Das ist denn auch für die Arbeiterklasse Grund genug, alle„Fürsorge" bürgerlicher„Volksfreunde" nur mit Vorsicht zu genießen. Es ist beinahe lustig zu sehen, wie man jetzt—„der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb"— sich dazu bequemt, endlich die Psyche des Jüng- lings verstehen zu wollen.„Nur kein Z w a n g". das ist jetzt die Parole derselben Kreise, die bisher nicht laut genug hatten fordern können, daß man die heranwachsende Jugend mit eiserner Faust in ihre Schranken zwinge. Zwanglos soll alles sein, was man der fortbildungsschulpflichtigen Jugend außerhalb des Unterrichts bieten will, die Spiele und Ausflüge, mit denen man im Sommer sie fesseln zu können glaubt, die Vorträge und geselligen Zusammenkünfte, zu denen man im Winter sie zu versammeln gedenkt. Möglichst zwanglos soll es auch zugehen in dem Jugendklubhaus(oder wie man es sonst nennen will), das als räumlicher Mittelpunkt für die fort- bildungsschulpflichtige Jugend gedacht ist, als Verkchrslokal, in dem sie sich wohlfühlen soll. Es müßte da, meinte Herr Sander, sogar so etwas wie eine Selb st Verwaltung geben, die man den jungen Leuten getrost zutrauen dürfe. Der Plan, einen solchen Mittelpunkt für die Jugend zu schaffen, wurde auch in der Diskussion als sehr cmpfehlens- wert und wohl durchführbar bezeichnet. Zum Kriegführen gehört bekanntlich viel Geld, und auch dieser Kampf um die Jugend läßt sich selbstverständlich nicht ohne bedeutende Geldmittel ausfechten. Herr San- der meinte, die müsse der Staat oder die Gemeinde hergeben, und in der Diskussion stimmte man ihm hierin bei. Staat und Gemeinde Pflegen nun allerdings nicht so rasch in den Beutel zu greifen. Aber vielleicht machen sie mal eine Aus- nähme und leisten sich das nicht billige Vergnügen. Daß cs ihnen nichts einbringt, dafür ist schon gesorgt. Die Ar- beiterjugend besitzt heute die erforderliche Einsicht in ihre Klassenlage, um solche Bestrebungen richtig würdigen zu können._ „Bund für Allgemeinbildung". Wenn zwei Deutsche zusammenkommen und nichts Ver- nünftiges mit ihrer Zeit anzufangen wissen, so gründen sie flugs einen— Verein. Es kommt dabei weniger auf bestimmte Ziele und Bestrebungen als auf Befriedigung der Vercius- meierei an. Und so hat sich denn wieder im Beginn des neuen Jahres ein solches Vereinchcn gebildet, das sich den vielversprechenden und pompösen Titel:„Bund für Allgemeinbildung" zugelegt hat und an dessen Spitze als Begründer und Organisatoren junge Kaufleute und dergleichen im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren fungieren. Diese unternebmendcn Leutchen wollen, um einem„tiefgefühlten Bedürfnis"-*!) abzuhelfen, sich der mühevollen und weltbewegende» Aufgabe unterziehen.„Mgcmeinbildung" zu verbreiten. Der„Bund" blickt schon, wie einer der jungen Herren mit sichtlicher Genugtuung in einem am 17, März in den„Arminhallen" veranstalteten„Heineabend" erklärte, auf ein Quartal von ersprießlicher und erfolgreicher Tätigkeit zurück. Es wurden alle 14 Tage ivissenschaftliche und belehrende Vorträge gehalten und in jedem Vierteljahr soll ein Abend der„Kunst" gewidmet werden, wovon der betreffende„Heineabend" schon eine eigenartige Probe gab. Obgleich Freibillette reichlich „abgesetzt" waren, zeigte der kleine Saal erschreckende Lücken. Viel mehr als die 40 Mitglieder, die das Vereinchen umfaßt, waren auch nicht anwesend. Das Programm selbst war nicht schlecht zusammengestellt, um so dürftiger war die Vortrags- weise d er engagierten Kräfte. Nachdem der Redner, der über Heines Leben und seine Werke sprechen sollte, in letzter Stunde am Erscheinen verhindert war, las einer der jungen Männer aus einer Heine-Ausgabe dessen Biographie wörtlich und monoton, ohne Schwung und Nuancierung vor. Dann folgten Rezitationen einer Dame, die noch nicht allzu hohe Ansprüche befriedigen konnten, während der Sänger die wenigen Gäste völlig kalt ließ. Eine hinter uns sitzende humoristisch ver- anlagte Dame faßte ihr Urteil in die drastische Bemerkung zusammen:„WSr' ich doch lieber in den„Mentopp" gegangen." Alles in allem kann man nicht nur bezüglich der fimstlerifchen und wissenschaftlichen Darbietungen dieses„Bundes" von einem wirklich verfehlten und überflüssigen Unternehmen sprechen Es gibt so viel äußerst leistungsfähige Bildungsanstalten, daß es der Dilettantenarbeit dieses Bundes für„Allgemein— „püldung" tatsächlich nicht bedarf. Vom Alkoholmißbrauch. In dem neuesten ärztlichen Jahres bericht des Krankenhauses am Friedrichshain, der das Etatsjahr 1907(1. April 1907—31. März 1908) behandelt und erst jetzt vom Magistrat veröffentlicht wird, finden sich wieder einige warnende Ausführungen über den Alokoholmißbrauch. Sie rühren, wie in den Vorjahren, her von dem Prof. Dr. Stadel- mann, dem ärztlichen Direktor der inneren Abteilung des Krankenhauses. Herr Stadelmann ist unter allen ärztlichen Direk toren und dirigierenden Aerztcn sämtlicher Krankenhäuser der Stadtgemeinde Berlin der einzige, der in seinen Berichten sich äußert über den Einfluß des gewohnheitsmäßigen Alkoholgenusses auf Entstehung und Verlauf von Krankheiten. Er zählt hierher nicht nur chronische Alkoholvergiftung, Säufcrleber, Säuferwahnsinn, sondern auch die meisten bei ihm zur Behandlung gelangenden Fälle von chronischem Muskelrveu.aatismus, Herzleiden, Nierenleiden. In der ersten Zeit nach seinem Amtsantritt verwertete er in den Berichten das von ihm zusammengetragene Material mit einer Kritiklosigkeit, zu der man nur den Kopf schütteln konnte. Später wurde er bor- sichtiger, so daß man nunmehr seine Darlegungen ernst nehmen durfte. In dem Bericht für das Etatsjahr 1907 hebt er hervor, daß er 2b Fälle von Säuferleber zu behandeln hatte, wovon 17— also volle zwei Drittel— tödlich verliefen. Außerdem seien etwa 100 Kranke wegen akuter und chronischer Alkoholvergiftung aufge- nommcn und behandelt worden. Hierbei ist freilich zu beachten, daß im Friedrichshainkrankenhaus der Prof. Stadelmann sich von vornherein die meisten dieser Kranken zuweisen läßt. Der diri- gierende Arzt, der der anderen Hälfte der inneren Abteilung vor- steht, hatte knapp ein Viertelhündert solcher Kranken in BeHand- lung. Stadelmann führt sodann in seinem Bericht weiter aus: „Um ein Bild über dieverheerendenunheilbringenden Folgen des chronischen Alkoholmißbrauches zu be- kommen, müßte man hierzu den größten Teil der Fälle von chro- nischem Muskelrheumatismus(110), der Erkrankungen des peri- pheren Nervensystems(30), des Herzens, speziell des Herzmuskels (S0), der Blutgefäße, speziell der Arteriosklerose(40), der Nieren (110) usw. hinzurechnen. Bei allen diesen Krankheiten war meist der chronische gewohnheitsmäßige Alkoholgenuß als Ursache nach- weisbar." Stadelmann glaubt ferner, bei der akuten Lungenent- zündung die hohe Sterblichkeit aus dem chronischen Alkoholmitz- brauch erklären zu sollen. Er gibt an, daß er diesmal 128 Fälle akuter Lungenentzündung zu behandeln gehabt habe, wovon fast die Hälfte tödlich verlaufen seien.„Die Gründe dafür sind", so fügt er hinzu,„dieselben wie in den früheren Jahren, die ich derzeit ausführlich besprochen habe. Es handelte sich meist um alte, wenig widerstandsfähige, meist durch chronischen Alkohol- mißbrauch frühzeitig körperlich und geistig heruntergekommene Säufer." Herr Prof. Stadelmann zieht selbstverständlich aus seinen Ansichten über die Schädlichkeit des Alkohols auch die prak- tische Schlußfolgerung, daß er in der speziell ihm zugewiesenen Hälfte der inneren Abteilung(im Etatsjahr 1907 waren das die Pavillons l. VI. Via, XVI. XVII) die Patienten möglichst des Alkohols zu entwöhnen sucht. Da aber andere Aerzte nicht ganz seiner Meinung sind, so wird es in anderen Abteilungen desselben Krankenhauses minder streng mit der Vermeidung des Alkohols. Während bei Prof. Stadelmann der alkoholliebende Patient vergeblich nach Alkohol schmachtet, kann es in einem anderen Pavillon einem alkoholhassenden Patienten widerfahren, daß man ihm„ein Schlückchen Wein als Extrastärkung" aufzu- nötigen sucht. Professor RcnverS ist gestern an den Folgen einer Gallenstein- opcration in der Klinik des Geheimrats Körte verstorben. Professor Renvcrs genoß als Arzt einen anerkannten Ruf und war u. a. auch leitender Art des städtischen Krankenhauses Moabit für die innere Abteilung. Polizeiverordnungen, welche daS Beleuchten der Treppen uud Hausflure vorschreiben, sind auch dann gültig, wenn sie die Haus- Verwalter auf eine Stufe mit den Hausbesitzern stellen. So hat das Kammergericht in einem Fall entschieden, der die Anwendung einer Tilsiter Polizeiverordnung betraf, indem es ausführte: Das Eigen« tum muß so gehalten werden, daß Gefahren für das Publikum ver- hindert würden. Jeder, der rechtmäßig den Eigentümer in seinen Funktionen vertrete, habe nicht nur die Rechte deS Eigentümers, sondern auch seine Pflichten. Deshalb könne eine Polizei- Verordnung bestimmen, daß auch der Hausverwalter verantwort- lich sei. Submissionsblüten. Bei dem Angebot auf Lieferung von Möbeln für das neue Stadthaus in der Stralauer Straße hat die Firma I. Wolff 15 284 M. als Meistbietende und Ernst Gasfow Nächst. 9470 M. als mindestbietende Bewerberin verlangt. Die Differenz beträgt also 6814 M. Fahrkartenschwindel auf der Wannseedahn. In letzter Zeit waren fortgesetzt bei der hiesigen Eisdnbahndirektion von Fahrgästen Be- fchlverden eingelaufen, wonach statt der gewünschten und bezahlten Fahrkarten nach Potsdam nur solche bis nach Steglitz ausgehändigt worden waren. ES erfolgte schließlich eine Revision der Schalter- räume des hiesigen Wannseebahnhofes und dabei wurde festgestellt, daß in den betreffenden Paketen, die Karten nach Potsdam enthalten mußten, nur die oberste aus Potsdam ausgestellt war, während alle anderen nur bis Steglitz Geltung hatten. Nicht allein bei den Billetts dritter, sondern auch bei denen zweiter Klasse war dies Manöver untemommen worden. Die weitere Untersuchung ergab nun, daß hier ein äußerst raffiniertes Betrugsmanöver vorlag. Eine ungetteue Schalterbeamtin, die bisher noch nicht ermittelt werden konnte, ist als Urheberin des Schwindelmanövers zu betrachten. Die Betrügereien liegen bis zum Juni des ver- gangenen Jahres zurück. In folgender Weise wurden die Unter- schlagungen ausgeführt: Die Beamtin entnahm ihrem eigenen Schalter ein Paket Steglitzer Fahrkarten zu 99 Stück zweiter und 99 Stück dritter Klasse. Den entsprechenden Betrag von 9,90 M. und 14,85 M., also 99 mal 10 und 99 mal 15 Pfennig legte sie in ihre Kasse, um so am Abend glatt abrechnen zu können. Hierauf legte sie die zur Ausführung der betrügerischen Manipulationen gekauften Fahrkarten in diejenigen Schalter- fächer ihrer Nachbarkollegin, in der die Fahrkarten Berlin- Potsdam lagerten. Sie entnahm nun wieder dafür 99 Potsdamer Karten zweiter Klasse a 75 Pf. und 99 Karten dritter Klasse a 50 Pf. Die oberste Karte des Originalpakets der Potsdamer Fahrkarten be- ließ sie in dem Schalter und täuschte auf diese Weise ihre Kollegin, die annehmen mußte, daß auch die darunter liegenden Karten aus Potsdani lauteten. Die entwendeten Fahrkarten verkaufte die Be- trügerin an ihrem Schalter zu den Originalpreisen, wobei sie an jedem Billett 40 beziehungsweise 60 Pfennig Reingewinn hatte. Bisher konnte festgestellt werden, daß die Beamtin auf diese Weise etwa 500 Mark erschwindelt hat. Ob noch größere Summen heraus- kommen, wird die weitere Untersuchung ergeben. Laubeneindrüche engros. In den Laubenkolonien der nördlichen Stadtteile werden seit einigen Tagen die Einbruchsdiebstähle engroS ausgeführt. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein oder gar mehrere derartige Diebstähle der Polizei gemeldet werden. In der Kolonie an der Prenzlauer Allee wurden am Sonnabend nicht weniger als fünf Einbrüche verübt. Nahezu 100 Hühner und anderes Geflügel fielen den Tätern zur Beute. Anscheinend handelt es sich hier um eine wohlorganisierte Diebesgesellschäft, die förmliche Raubzuge nach den einzelnen Kolonien unternimmt. Einen cinttäglichen Darlehns- und Kautivnsschwindcl betrieben die Kaufleute Siegfried Primer vorn Nollendorfplatz Nr. 6 und Otto Krause onS der Linienstr. 73, die gestern verhaftet wurden. Die findigen Leute verstanden die beiden Schwindelarten geschickt zu ver- einigen. Primer gründete am Nollendorfplatz ein.Zentraldepot", dessen Bedeutung ihm selbst nicht ganz klar ist. Krause war sein „Kompagnon". Das„Zentra'depot" versprach durch Zcitungs- anzeigen in Berlin und in der Provinz Geldsnchenden Darlehen zu mäßigen Bedingungen. Die Betriebsmittel, an denen es ganz und gar fehlte, verschaffte er sich, in- dem er ebenfalls auf dem Wege der Zeitungsanzeige Kassierer mit Bürgschaft suchte. Auf beide Gesuche gingen Be- Werbungen genug ein. Soweit die Kriminalpolizei bis jetzt fest- gestellt hat, brachten 18 Kassierer Bürgschaften von 200—990 M. es mit den Darlehen steht, weiß man noch nicht. In den mündlichen Verhandlungen mit den Kassierern, denen eine begueme und einträgliche Stellung zugesichert wurde, war immer nur von Kautionen die Rede. In den mit dem Hektographen vorgedruckten Anstellungsschein aber schmuggelten die sauberen Geschäftsleute statt Kaution" das Wort„Einlage" hinein. Eine bequeme Stellung hatten die Kassierer, denn sie hatten entweder gar nichts zu tun oder nur einige„Recherchen" für die Darlchnsabteilung zu machen. Mit der Einträglichkeit aber war es nichts. Wenn die Leute stutzig wurden und ihre Kaulion verlangten, so zeigte man ihnen den Schein, nach dem sie durch ihre Unterschrrft bestätigten, daß sie ihr Geld als Einlage in das Geschäft gegeben hätten. Drohten sie mit der Polizei, warf man sie. hinaus und verwies sie auf den Klageweg. Damit einer von dem anderen nichts erfahre, trennte man das Geschäft räumlich, indem Krause seine Wohnung in der Linienstratze 73 zu einer Filiale des Zentraldepots machte. Die Kriminalpolizei, die das Geschäftsgebaren seit einiger Zeit beobachtete, machte den Herren am Sonnabendnachmittag einen unerlvarteten Besuch, nahm beide fest und beschlagnahmte alles, was an Schriftstücken und Geld vorhanden war. Während der Durch- 'uchung der Räume kamen noch zwei Kassierer, die ihren Posten an« treten und die Kaution abgeben wollten. Als sie erfuhren, daß sie nicht mit den Inhabern des Zentraldepots, sondern mit Kriminal- beamten zu tun hatten, bekamen sie erst einen gelinden Schreck. 'reuten sich dann aber umsomehr, daß sie ihr Geld gerettet hatten. Primer und Krause wurden gestern nachmittag dem Untersuchungsrichter zugeführt. Sie haben wahrscheinlich noch mehr Opfer als die erntittellen achtzehn gefunden. Radrennen in den Ansstellungshallen am Zoologischen Garten, 21. März. Das Sechstag e-Rennen, das am vorigen Montag begann, endete mit dem Siege der amerikanischen Mannschaft Mac Farland-Moran, die in den 144 Stunden 3865,400 Kilo- meter zurücklegten; Stol-Berthet endeten 1 Runde zurück vor "rocco-Pas seriell, Contenet-Stabe.Robl-Stell- brink, deren Abstand ein sehr weiter wac. Von den 31 Fahrern, die mannschaftsweise das lange Rennen bestritten, gaben die meisten auf; Theile unser bester Dauerfahrer, schied schon in der 6. Stunde aus; ihm folgte Nasenlöcher in der 13. Stunde, Kudcla, Hall und de Mara in der 31. Stunde. Heiny und Hoffmann, die namentlich am zweiten Tage scharfe Vorstöße unternommen und ich vorzeittg aufgerieben hatten, gaben gleichfalls auf. blieben aber als Ersatzleute noch im Nennen. Jacquelin I. wurde am Donnerstag von der Bahn verwiesen, weil er gegen Stellbrink, der infolge eines Zusammenstoßes mit Poulain zu Fall gekommen war und darüber ungehalten war, sich zu einem tätlichen Angriff hatte hinreißen lassen. Am Sonnabend gaben Althoff, Schenermann. Ryser, Tadeivald und Hoffmann auf; Heiny bildete mit Jacquelin II eine neue Mannschaft. Am Sonntagmittag waren noch acht Mannschaften im Rennen: Mac Farland-Moran, Stol-Berther, Brocco-Passerien, Contenet-Stabe, Robl-Stellbrink, Pawke-Rudel, Heiny-Jacquelin II, Arend-Peter. Um 5'/z Uhr nachmittags schieden die vier letztgenannten Mannschaften, die weit zurücklagen, aus dem Rennen, so daß nur je vier Fahrer auf der Bahn blieben; Zuletzt kam eS nur noch zu einem Kampfe zwischen den beiden Amerikanern und Stol-Berthet, nachdem in der letzten Stunde auch Brocco-Passerieu und Contenet-Stabe nicht mehr fuhren. Der letzte Angriff Stols, der kurz vor dem Schlnß noch einmal einen Vorstoß gegen Moran unternahm, wies dieser wie alle früheren erfolgreich ab. Reicher Beifall wurde den beiden siegreichen Paaren zu teil, die so tapfer bis zu Ende gekämpft hatten. Die Preise beliefen 'ich auf 5000. 4000, 3000, 2000 und 1000 M., außer den Start- geldern, die alle Fahrer bezogen. Ein Trauring ist am Sonnabend in der Zeit von mittags 11—12 oder Ill'/z— 1 Uhr vor dem Hause Schreinerstr. 63 verloren gegangen. Gezeichnet war derselbe: R. W. 28. 9. 1902 und W. 17. Die Ermittler oder der Finder des Ringes werden gebeten, sich an Wiese, Schreinerstr. 63, Hof II links zu wenden. Feuerwehrnachrichten. Wegen einer GaSexlosion wurde am Sonntagabend die Berliner Feuerwehr nach der Mittenwalder Straße 49 alarmiert. Als die Feuerwehr anrückte, brannten Wohn- räume des Kaufmanns E. Meißner nahe der Fürbringer Straße. Dieser wurde in der Wohnung vorgefunden und nach erfolgloser Behandlung mit Sauerstoff die Polizei benachrichttgt, der dann die Leiche übergeben wurde. Nack Angabe eines herbeigenifenen Arztes war der Tod schon volle vier Stunden vor der Explosion eingetreten. Die Explosion war durch Anzünden eines Streichholzes seitens des Frl. Nisch entstanden, das mit dem Schrecken davongekommen ist. Das Gas war aus einem geöffneten Gasofen ausgeströmt. Ob Unvorsichtigkeit oder eine andere Ursache vorliegt, konnte nicht fest- gestellt werden. Etwas später wurde die Feuerwehr nochmals nach zer Mittenwalder Str. 31 gerufen. Diesmal handelte es sich um einen Schornsteinbrand. Wegen eines Kellerbrandes rückte die Wehr nach der Straußberaer Str. 48 aus. Zwei Wohnungsbrände wurden auS der Schönhauser Allee 159 und Hohenlohestr. 13 gemeldet. Ferner hatte die Wehr auf dem Neubau deS Monopol-Hotels in der Prinz-Louis-Ferdinand-Sttaße, Belforter Str. 16, WinSstr. 51, Adalbertstt. 16 und an anderen Stellen zu tun. Zwei Wohnungsbrände beschäftigten gestern die Feuerwehr in der Wöhlertstr. 1 und Neuen Friedrichstr. 70, wo Möbel. Gardinen, Portieren u. a. brannten. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Möckerustr. 84a gerufen. Vorort- jVadmcbtem Charlotteuburg. Feuer in der Jndnstriestätte Charlotteniurg, G. m. b. H.. in der Winscheidtstraße 23, alarmierte am Sonntag die Charlottenburger Feuerlvehr. Sofort rückte der Automobilzug zur Brandstelle aus, dem dann die Züge der Hauptwache folgten. Der Dachsttihl des mächtigen Gebäudes, das zahlreiche Großbetriebe beherbergt, stand in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten, fast unbemerkt. schnell reiche Nahrung gesunden und bedrohten daS angrenzende Gebäude. Die Feuerwehr griff deshalb gleich mit mehreren Schlauchleitungen von Dampffpritzen an und benutzte bei ihrem Vorgehen äußer den Treppen eine mechanische Leiter. Ilm Luft zu machen und dein Qualm einen Llbzug zu verschaffen, wurde das Dach an mehreren Stellen von den Feuerwehrmännern aufgehauen. Nach mehrstündiger angestrengter Tätigkeit konnte die Feuerwehr gegen 2 Uhr wieder abrücken. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache konnte nicht mehr ermittelt werden. Zehlendorf. Wozu Gemeindemittcl verwendet werben. Daß der Gemeinde- vprstgnd Steuermittel vcrwenh»t. die dem Gemeindeintercsse zu» widcrlaufeft, ist bstt tMs schon de? öfteren dargelegt worden. Er« innert sei nur an die 5000 M.°Spende und den lausenden Jahres- beitrug von 1500 M. an die SchülcrrudcrvercinigUng des Gyno« nasiums. Weiter an die 700 M., welche dem hiesigen Kriegerverein bei zwei Gelegenheiten, zum Anlegen in Bier und Spirituosen behufs höherer Begeisterung für das teure Vaterland gespendet wurden. Das Neueste jedoch ist, daß auch der Gemcindevorstand einem lange gefühlten Bedürfnisse entsprechend, dem— Radfahr« spart großes Interesse entgegenbringt. Der Radfahrerklub„Schwalbe", welcher sich aus lauter Pa- trioten zusammensetzt, fühlte das Bedürfnis, sein zehnjähriges Stiftungsfest zu feiern. Um nun der Sache einen recht würdigen Hintergrund zu verleihen, lud man auch den Gemcindevorstand hierzu ein. Dafür stand diesem natürlich das Recht zu, in den Gemeindcsäckel zu greifen und einen Preis für obigen Sportklub zu stiften. Der Preis hestand in einer Standuhr, wie gerüchtweise verlautet, im Werte von 100 M. Ein tüchtiger Gemcindevorstand, wird mancher sagen; aber der Gemeindevorstand kann auch ganz anders, wie nachstehendes Vorkommnis beweist. Einer unserer Parteigenossen hatte das Unglück, seit dem 4. Juli vorigen Jahres bis jetzt krank an Rheumatismus daniederzuliegen. Während seiner Krankheit starben ihm von fünf Kindern zwei. Er war nicht in der Lage, an die Gemeinde das Geld für die beiden Grabstellen zahlen zu kömwu und ersuchte um Stundung, welche ihm auch zugesichert wurde. Auf Veranlassung der Landes- Versicherungsanstalt Brandenburg wurde der Kranke in eine Heil- stätte entsandt, und in dieser Zeit schickte die Gemeinde ihren Voll- ziehungsbeamten in die Wohnung des betreffenden, um wegen des zuerst verstorbenen Kindes zu pfänden. Es handelte sich um den Betrag von lumpigen 7 M., und doch fiel die Pfändung fruchtlos aus; ein Zeichen für die Verarmung der Familie. Brauchte die Gemeinde wirklich die 7 M. so notwendig, daß sie deshalb zur Pfändung schritt? Konnte der Gcmeindevorstand nicht ebenso großes Interesse an der Familie wie an der Betätigung deS Radfahrsportes haben und den. kleinen Bettrg so lange stunde.:. bis der Familienvater wieder erwerbsfähig war? Aber freilich, hier handelete es sich ja um die Familie eines Proletariers, während bei den Spenden für die Tcksiilerrudervereinigung, beim Krieger- verein und beim Radfahrerklub daS Interesse der sogenannten ..Staatserhaltenden" in Frage kam. Wie lange sollen diese Zu« stände in unserer Gemeinde noch dauern, wie lange will die Ar- beiterschaft unseres Ortes Vorgänge der geschilderten Art ruhig geschehen lassen? Es wird dringend Zeit, daß auch in unsere Gemeindevertretung Sozialdemokraten hineingewählt werden, dann werden es sich die Herren, welche heute darin das große Wort führen, dreimal überlegen, ehe sie zu den Geldverschleuderungen für ganz private Veranstaltungen ihre Zustimmung geben. Erst dann wird es auch möglich sein, in Not geratene Arbeiterfamilien vor den Uebcrgriffen unserer Gemeindebureaukratie zu schützen. Eichwalde. Das Resultat der letzten Gemelndevertrctcrwahl hat eine nicht geringe Uebcrraschung hervorgerufen. Bei der Hauptwahl erhielten bekanntlich Kaufmann R i e h n 62, Genosse A l l r i tz 61 und Eigen» tümer R ü ck e r t 35 Stimmen. Für die Stichwahl zwischen unserem Genossen Allritz und dem Kandidaten deS„Ortsvereins" Herrn Kaufmann Riehn kam es also unter anderem darauf an, wie sich der„Grundbesitzerverein" verhalten würde. In der von ihm ein» berufenen öffentlichen Versammlung versprachen die Vertreter des- selben, für unseren Kandidaten einzutreten. Die Arbeiterschaft baute indessen nicht allzusehr auf diese nicht aus Liebe zur Arbeiter- schaft, sondern aus Haß auf den„Ortsvercin" gemachten Beteue- rungen. Es wurde von unseren Genossen eine intensive Agitation entfaltet; ihr ist in erster Linie der Erfolg zuzuschreiben. Vor der Drohung des„Ortsvereins" über eine eventuelle„sozialistische Gefahr", und nicht zuletzt vor der Androhung von Maßregelungen gegenüber den zahlreichen Kriegervereinsmitglicdern und den Post- und Bahnbeamten, knickten die„Helden" des GrundbesitzervereinS kläglich zusammen. Etliche stimmten gegen uns, viele enthielten sich der Stimme. Trotz alledem errang die Arbeiterschaft den Sieg. Von 290 Wählern gaben bei der Stichwahl 177 ihre Stimme ab, und zwar für den Genossen Allritz 91 und für den Kaufmann Riehn 86. Die Arbeiterschaft kann auf diesen ihren Erfolg stolz sein. Von den 91 Stimmen entfallen auf Grundbesitzer nur 11. In daS Gcmeindcparlament, in dem sich Rentiers und Grundbesitzer auf immer ungestört wähnten, ist die Sozialdemokratie eingedrungen. Nun vorwärts! Unsere neuen Anhänger müssen zu Kämpfern für unsere Sache erzogen werden. Rummelsburg. Gcmeindevertreterfitzimg. Am Freitag begann bei überfüllt« Zuhörertribüne die Beratung des Voranschlages für 1909/10. Kurz einleitend führte der Herr Bürgermeister hierzu ans, daß der dies« malige Voranschlag ein verhältnismäß wenig günstiges Bild dar- bietet. Es müsse zugestanden werden, daß we aus allgemeinen Wunsch im Vorjahre erfolgte Herabsetzung des Gemeindesteuer- Zuschlages von 125 Proz. auf 100 Proz. als ein verfehltes Experiment sich erwiesen hat. Durch die Kontrolle deS Ab- und Zuganges der Bevölkerungsbewegung hat sich ergeben, daß der von den Befürwortern der vorjährigen Herabsetzung vorausgesagte große Zuzug von reichen Leuten leider nicht ein« getroffen ist. Die eingesetzten Mehrausgaben von 497 000 Mark sind hauptsächlich durch die Erhöhung der Beamten- und Lehrer- gehälter, durch die Amorttsation der Zweiinillionenaiileihe wie durch den ersten halbjährigen KanalisationSbeittag veranlaßt. Zur Deckung dieser Mehraufwendungen schlägt der Eemcindevorstand in erster Linie die Wiedererhöhung deS GemeindesteuerzufchlageS von 100 Proz. auf 125 Proz. vor. Ferner ist die Erhöhung der Hunde- fteuer von 20 M. auf 30 M. wie die Erhöhung der Schulgelder an sämtlichen höheren Schulen und die Erhöhung der Waffern, esscrmiets- gebühren in Aussicht genommen. Ferner sollen die WasserbezugS- gebühren für die Abnehmer der Gemeinde Obcr-Schöneweide um 20 Proz. erhöht werden. Der Beigeordnete Köhler gibt dann noch bekannt, daß zur Bekämpfung der Schwindsucht der Gemeindcvorstand beschlossel, habe, eine Lungenauskunftsstelle am Otts zu errichte!» und Tuberkulöse durch die Bezirksärzte in eigene Behandlung zu über- nehmen. Auch sollen wo nötig auf Kosten der Gemeindefür die Erkrankten zur Vermeidung der Ansteckungsgefahr eigene Zimmer gemietet werden. Unser Genosse John bestritt entschieden, daß die im Vorjahre erfolgte Herabsetzung des Gemeindesteuerzuschlages auf 100 Proz. auf all- gemeinen Wunsch geschehen sei— es sei vielmehr nur das Werk des Boxhagener GruiidbesitzerveremS gewesen. Bon den Vertretern der Sozialdemokratie sei bei der vorjährigen ElaiSberatung dttngend vor diesem Schritt gewarnt worden. Die Verantwortung. daß der Gemeinde nunmehr 100 000 M. verloren gegangen seien � und die Blamage, in diesem Jahr womöglich den Gemeindesteuerzuichlag von 100 auf 150 Prozent heraufsetzen zu müssen— trage allem die Grundbesitzerpartei und an ihrer Spitze der Gemeindevorstand. Die Mehrbelaslung der Gemeinde Ober-Schöneweide um 20 000 M. durch Erhöhung der WafferbezugSgebühren um 20 Prozent halt Redner — da Ober-Schöneweide bereits feit 15 Jahren für den jetzigen PreiS daS Wasser bezieht— auch das Wasserwerk selbst sich be» diesen Preisen mit 12'/z Proz. verzinst, für ungerechtsettigü Zu den ein- zelncn Kapiteln des Etats beantragte unser Vertreter bei eingehender Begründung unter anderem: Elnführnng der Unentgelilichleit deS VestattungSwesenS, wie die unentgeltliche Abgabe der Lern- mittel für die Volksschüler und Fortführung oer Mittags« speisung bedürftiger Schulkinder sowie Eiristelluiig eines größeren Betrages für die Ferienkolonie uild bessere Ausgestaltung des Gesundheitswesens. Den für diese Posittonen eingestellten Gesamtausgabebettag von 11050 M.. verteilt aus die äußerst notwendigsten sozialpolitischen Einrichtungen, wie Fettenkolonien 3250 M.. Bekämpfung der Schwindsucht 1800 M., Be- kämpsimg der Kindersterblichkeit 1500 M.. fien, mittel an Bedürftige 3000 M. und 1500 M. an den Verein Frauenhilfe für Wanne Früh- stückskost an bedürftige Schulkinder, bezeichnet Redner für einen Ort wie RumnielSburg mit fast 50 000 Einwohnern und einem Etat von über drei Millionen als lächerlich klein. Wenn dagegen andercrseitS in Betracht gezogen wird, daß der besser sitmetten Bevölkerung allem zur unrerhanung der höheren Schulen ekn Semedtde« zuschuh bon 128 000 M. gewährt wird und den Hausbesitzern aus Gemeindemitteln 66 000 M. zu den Kanalisationsgebühren bei- gesteuert werden, so erscheinen dagegen die Almosen, die den ärmeren Bevöllerungsschichten geboten werden, in einem recht kläglichen Lichte. Ferner tritt Redner für Vergrößerung der Volksbibliothek und für die Errichtung von Bedürfnisanstalten ein. Beim Kapitel höhere Schulen bemängelt unser Genosse die diesmalige Fortlassung der Angaben der Schülerzahl an den einzelnen höheren Lehranstalten.— Redner berntutet hierin eine gewisie Absicht, welche Wohl dahin geht— unsererseits nicht fest- stellen zu können, wie hoch sich der Gemeindezuschuß auf den einzelnen höheren Schüler wie Schülerin beläust. Beim Kapitel Straßenverwalwng kritisiert Genösse John scharf, daß die im Vorjahre versprochene Vorlage betreffend Erhöhung der Löhne sämtlicher Gemeindearbeiter bis heute der Gemeindevertretung noch nicht unterbreitet worden ist. Auch unterzog unser Redner hierbei das Verhalten des Gemeindevorstandes betreffs der beschlossenen Notstandsarbeiten einer scharfen, aber sehr berechtigten Kritik. In der Kommissionssitzung, in welcher seinerzeit die NotstandSarbeiien beschlossen wurden, habe Beigeordneter Assessor Köhler mit Emphase erklärt, daß bei einem etwaigen Schneefall eine recht große Zahl Arbeitsloser Verwendung finden sollen. Der gewünschte Schneefall sei nun Wohl in reichlichem Maße gekonzwen, aber leider hat eine in Betracht kommende Ein« stellung Arbeitsloser nicht stattgefunden— wenn man nicht die Einstellung bon 20 Mann am ersten Tage nach dem großen Schneefall und von 10 Mann an den nächsten Tagen bei einer am 16. Februar dieses Jahres in der Gemeinde festgestellten Zahl von über 1000 männlichen Arbeitslosen hierfür gelten lassen will. Weiter rügte Redner scharf, daß die vor zwei Jahren beschlossene Errichtung eines Volksbades noch nicht weiter— als bis zu Be- sichtigung mehrerer solcher Anstalten gediehen ist. Ebenso bedauert Redner, daß die vor zwei Jahren beschlossene Er- richtung eines Kindergartens im größeren Etile sich nur zu einer ganz kleinen Kinderbewahranstalt entwickelt hat.— Hieraus kommt Redner auch auf die Eingemeindungsfrage zu sprechen und lkdcmert e», daß allem Anschein nach die Eingemeindung Boxhagen-MmmelS- burgS nach Berlin die regierungsseitige Zustimmung nicht erb alten wird. Redner ventiliert hierbei die Frage eimr Verschmelzung der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg mit der Stadt Lichtenberg und vertritt dabei den Standpunkt, daß eine solche Verschmelzung ganz be- sonders auf die finanziellen Verhältnisse beiderOrte günstig wirken müßte: so würde z. B. das Rummelsburger Gymnasium, welches zurzeit schon einen jährlichen Gemeindezuschuß von 70 000 M. erfordert, voll« ständig für beide Gemeinden ausreichen. Auch die Errichtung eines Volksbades würde für beide Orte genügen. Auch könnte die geplante Erbauung zweier Krankenhäuser wie zweier Rathäuser bei einer Verschmelzung eine andere Regelung erfahren, durch welche dann unzweifelhaft große Summen würden erspart werden können. Aber abgesehen von diesen großen finanziellen Vorteilen, drängt auch schon die geographische Lage beider Orte von selbst auf eine Verschmelzung hin.- Nachdem Ritter(Soz.) nocy für die versprochene Aufbesserung der Gcmeindebeamte: gehälter eingetreten war und gleichzeitig scharfe Kritik an der vorzahrigen Herabsetzung des Gemeindesteuerzuschlags geübt hatte, nahm der Bürgermeister daS Wort zur Erwiderung. Leider beschränkte sich derselbe in seinen Ausführungen auf ein paar wenige Beschwcrdepunkte; so erklärte er ganz einfach, für all die nicht erfüllten Versprechungen und nicht ausgeführten Beschlüsse nicht mehr verantwortlich gemacht werden zu können— da hierüber der iollegialische Gemeindevorstand zu entscheiden habe. In der Volisbadeangelegenheit wird ein auswärtiger sachverständiger Stadtbaurat sich demnächst mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beschäftigen, wofür die im Etat eingestellten 1000 M. genügen. Für die Errichtung des geplanten Kindergartens sind die hierfür etwa in Betracht kommenden Grundstücke zu teuer! Ueber alle anderen Punkte setzte sich der Herr Bürgermeister mit einer geivissen Resignation hinweg. Wegen der geringen Einstellung von Arbeitslosen zum Schneeschaufela antwortete der Beigeordnete Assessor' Köhler mit einer drolligen Naivität— daß es wohl richtig sei, daß er die Einstellung einer großen Anzahl Arbeitsloser versprochen habe; wenn dies nicht ge fchehen sei, so könne er auch nicht dafür, da dies Gebiet nicht in sein Ressort fällt. �Heiterkeit.) Hierauf trat der junge Herr Bauunter- nehmer Römer als Vertreter des Doxhagener Grundbesitzerveceins mit der Einführung auf die Bretter, daß das Recht, waS sich die Sozialdemokraten durch Vorbringung all ihrer Wünsche hier heraus nehmen, auch ihm als Vertreter der armen Hausbesitzer zustehen müsse. Trotz der tieftraurigen Lage seien die hiesigen Hausbesitzer noch gern bereit,>/« Proz. höheren Zuschlag zur Gemeindewertstener zu zahlen— wenn andererseits der Gemeindesteuerzuschlag auf 100 Proz. erhalten bleibt.(Dieses Vi Proz. macht bei einem HauS im Werte von 100 000 M. pro Jahr 25 M. aus.) Nachdem unsere Vertreter die phrasenhaften Ausführungen des Herrn Römer auf ihren wirk lichen Wert hin beleuchtet hatten und auch die Erklärungen des Gemeindevorstehers wie des Beigeordneten Köhler in ihrer Nichtig- keit gekennzeichnet worden waren, wurde der ganze Voranschlag der Etatskommission zur Durchberatung überwiesen. Weiheusee. Schwer verunglückt ist am Sonntag der Malerlehrling HieSler an der Uckermarck-, Ecke LanghanSstraße. Ms derselbe auf dem Fahrrad die Stelle passierte, kam er so unglücklich zu Falle, daß er sich einen Oberschenkelbruch zuzog. Der Verunglückte wurde zunächst nach der Wohnung seiner Eltern, Marienburger Str. 23 und von da nach dem Wcißenseer Krankenhaus gebracht. Hohen- Schönhausen. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Vergebung der Arbeiten zum neuen Verwaltungsgebäude. Es lagen drei Offerten vor, in welchen der Niedrigstfordernde 80 000 und der Höchstfordernde 83 000 M. verlangte. Die Arbeiten wurden dem Unternehmer Schleu-Berlin als Mindestfordernden übertragen. Unsere Genossen gaben sich Mühe, daß die Streikklausel in den Ber trag mit aufgenommen werden sollte, der dahin gehende Antrag wurde aber abgelehnt. Ebenfalls wurde der von unseren Genoffen gestellte Antrag, die Gemeindevertretung um einen Schöffen und drei Gemeindevertreter zu verstärken, abgelehnt bezw. auf sechs Monate vertagt. Des weiteren beschäftigte sich die Gemeinde- Vertretung mit den Rechten und Pflichten der Separations- ntereffenten. Der vorgelegte Entwurf wurde genehmigt. Unter verschiedenem fragte Genosse Thiele an, ob die Mitglieder der Schukdeputation über hie den Lehrer Gruhl betreffende Angelegenheit Auskunft geben könnten. Die Antwort hierauf ging dahin, daß diese Angelegenheit in geheimer Sitzung der Schuldeputation verhandelt worden sei. Eö wird aber crivartet, daß der Lehrer Gruhl zum 1. April d. I. seine Stellung verläßt,«oidrigenfallS das Disziplinar- verfahren gegen ihn eingeleitet werden soll. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 200 M. für die durch Hochwasser betroffenen Hilfsbedürftigen. Desgleichen er- klärte sie sich mit der Magistratsvorlage einverstanden, eine Anleihe von 116 000 M. zum Bau des Krankenhauses von der Nieder- Barnimer Kreisfparkasse zu einem Zinsfuß von 4 Proz. und Amorti- sation von 2 Proz. zu entnehmen. Der Erlaß einer Freibank- ordnung fand Zustimmung. Für die Schutzrüstung zu den Dach- dcckerarbeiten am Krankenhause sollten von der Stadt 400 M. be- willigt werden. Begründet wurde die Forderung damit, daß der Dachdeckermeister Pawel bei der Verausgabung der Dachdecker- arbeiten, welche am 20. November 1908 geschah, die jetzt geltenden Vorschriften zum Zwecke der Verhütung von Unfällen nicht kannte. Dieselben wären erst am 1. Januar 1909 erlassen worden; er hätte demnach in seinem Anschlage für Schutzrüstung, wie sie jetzt ge- fordert würde, keine Berechnung vorgesehen. Von bürgerlichen Vertretern wurde die Meinung geäußert, daß, wenn die Verord- nung erst am 1. Januar 1909 erlassen worden sei, dem T«ch° dcckermeister nicht nur 400 M., sondern die vollständigen Kosten in Höhe von 700 M. bewilligt werden müßten. Unsere Genossen Wünsche und Krüger betonten, daß derartige Schutzvorrichtungen schon seit langer Zeit ans den Bauten gefordert werden. Von den Unternehmern würde jedoch zu viel gesündigt, indem sie es unter- ließen, vorschriftsmäßige Schutzrüstungen anzubringen. Hätte der betreffende Arbeitgeber auch nur die notwendigsten Schutzvorrichtungen beobachtet, so wäre vielleicht die Berufsgenossenschäft nicht dazu gekommen, die Arbeiten am Krankenhause zu verbieten. Die Versammlung beschloß, dem Magistrat die Vorlage mit dem Er- suchen zurückzugeben, die Unfallverhütungsvorschriftcn durch die Baudeputation prüfen zu lassen. -Nermsdorf i. M. Ter diesjährige Gemeindehaushalictat schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 156 149 M., daS ist gegen das Vorjahr ein Mehr von L1 149 M. Ein Sondervorcmschlag für das Gemeinde- Gaswerk balanciert mit 86 940,40 M. Die Jahresabrechnung des Gaswerkes, welche erst am 16. Oktober d. I. vorgenommen werden kann, wird, wie der Gemeindevorsteher Cheemu in der Gemeinde- vertretcrsitzung mitteilte, voraussichtlich einen lleberschuß von 4000 M. ergeben. Der Kubikmeter Gas kostet 13 Pf. Die Gemeinde Ivar bisher die alleinige Abnehmerin von Gas, sie steht nunmehr mit Nachbargemeinden und einer großen Terraingesellschaft in Bor- verhanslungen über Abgabe von Gas. Demnach besteht die Hoff- nung, daß sich daS Gaswerk zum Nutzen der Allgemeinheit ent- wickeln wird. Der Gemeindevorsteher teilte weiter mit, daß durch die neue Lehrerbcsoldungsnovelle der Staatszuschuß zu den Lehrer» yehältcrn auch für unsere Gemeinde in Fortfall kommt. Der Einnahmeausfall beträgt für Hermsdorf jährlich 8300 M. Durch die Annahme der Lehrerbefoloungsnovelle würde auch der für das vergangene Jahr bereits erhaltene Zuschuß an die Staatskasse zurückzuzahlen sein. Es ist durch diesen Ausfall an Einnahmen der Etat aus dem Gleichgewicht gekommen. Redner schlägt deshalb vor, die Erhöhung der Grundwertsteuer von 2 auf 2,6 Proz. vorzunehmen. Die Gemeindevertretung erklärte sich damit einver- standen. Der Armenetat ist von 4610 M. auf 7680 R. gestiegen. Ebenso die Ausgaben der Volksschule von 46 705,95 M. auf 53 434,08 Mark. Der Antrag des Genossen Schrauer, einen Betrag von 200 M. für Beschaffung von Schulbücher für arme Kinder einzu- setzen, fand nicht die Gegenliebe der Bürgerlichen. Es wurden schließlich 100 M. für diesen Zweck festgesetzt. Auf die Frage unseres Genossen, wie weit die Angelegenheit mit dem Bau einer Turnhalle gediehen ist, teilte der Gemeindevorsteher mit, daß er wahrscheinlich in der allernächsten Zeft ein derartiges Projekt vor- legen wird. Auf weitere Anregung unleres Vertreters wurde zu- gesagt, die Straßenbeleuchtung für die Nacht auszudehnen. Genosse Schrauer verwies darauf, daß es eine Reihe Arbeiter gäbe, die in- folge Schichtwechsels in den Fabriken früh mit dem ersten Zuge tvegfahren oder auch mit dem letzten Zuge nachts nach Hause kommen. Dieselben sind bisher gezwungen gewesen, die weiten Wege im Dunkeln zu gehen. Die alljährlichen Zuwendungen von 2187,96 M. an die hiesige evangelische Kirchengemeinschaft ist ge- strichen worden, hoffentlich für immer. Ter Gemeindevorsteher teilte weiter mit, daß der KreisauSschuß den Antrag betreffs Er- höhung der Zahl der Gemeindevertreter von 9 auf 12 und die der Schöffen von 2 auf 3 genehmigt hat. Dieser Antrag wurde seinerzeit vom Genossen Schrauer gestellt und einstimmig angenommen. Die Abstimmung über den Gesamtetat findet erst nach der Auslegungs- frist statt. Der Gemeindevertretung hat ein Projekt der Eisen- bahndirektion betreffs Bahnhofsumbau vorgelegen. Nach diesem letzten Plane bleibt der Bahnhof ungefähr an der jetzigen Stelle, nur daß er einige Meter höhergelegt wird. Die Arbeiten, besonders die der Erdarbeiten, des Wasserlvcrks haben sich stark verzögert, doch hofft man das Werk zum 1. Juli d. I. soweit fertig zu haben, daß an die Anlieger Wasser abgegeben werden kann. Röntgcntal(bei Zepernick). Infolge der Ungiltigkcitserklärung der Wahl des Genossen Schultz zum Gemeindevertreter macht fich eine Neuwahl in der dritten Ab» teilung notwendig. Dieselbe ist zu Mittwoch, den 24. März, nachmittags 2—4 Uhr anberaumt. Ms Kandidat für die Sozialdemokratie ist der Genosse Franz Schultz wieder auf« gestellt worden. Parteigenossen l Nutzt diese kurze Zeit zu inten« sivster Agitation für die Wahl des Genossen Schultz aus. Spandau. In ber öffentlichen Versammlung, welche zur Erinnerung an den 13. März am Donnerstagabend im Lokal deS Genossen Böhla in der Havelstraße abgehalten wurde, referierte Genosse Mermuth- Berlin. In der Diskussion brachte der Genosse R i tz m a n n fol- gendes Vorkommnis zur Sprache: Am 17. März, abends, hatten mehrere in Berlin wohnenäe Arbeiter einer hiesigen Fabrik einen Kranz mit roter Schleife, den sie hier hatten anfertigen lassen, nach dem Bahnhof getragen, um denselben mit nach Berlin zu nehmen für den 18. März. Da zu dieser Zeit auch viele Arbeiter von Berlin kommm, so erkegtelt die Lcüle mit ihrem Kranz Aufsehen und die hiesige Polizei schritt ein; sie brachte die Sünder nach der Polizeiwache, wo sie 2 Stunden festgehalten wurden und dann» nachdem die Schleife vom Kranz entfernt, wieder gehen konnten. Genosse Pieper wies auf die drohende Tabaksteuer hin und er- suchte um Annahme der vorgelegten Resolution. Er erzählte auch, daß er an den Reichstagsabgeordncten Pauli-PoiSdam einen Vries geschrieben, worin er angefragt, wie dieser sich zu der Steuer stelle. Abg. Pauli habe geantwortet, er trete für die Steuer ein. Genosse S c i o r wies zum Schluß noch auf die am Sonntag, den 21. März, beginnend« Agitation für den„Vorwärts" hin und ersuchte die Genossen, sich rege daran zu beteiligen. Er forderte ferner zum Veitritt in die politische Partei auf. Potsdam. Nicht gerade idyllische Zustände scheinen in dem benachbarten Bornstedt zu herrschen. Seit Jahren führt dort die Witwe K. einen schweren Kamps um Ehre und Existenz. Trotzdem ihr von ihrem Arbeitgeber jederzeit das Zeugnis einer gewissenhaften und fleißigen Frau ausgestellt wurde, wurde ihr eine zuerkannte Unter- stützung genommen. Ebenso entließ man sie an drei verschiedenen Arbeitsstellen. Erst bei der letzten gelang es ihr, den wahren Grund der Entlassung zu erfahren. Der Ortspsarrer Simon hatte an den Kommandeur der Leib-Gendarmeric, bei der sie als Koch- frau beschäftigt war. einen Brief geschrieben, nach tvelchem sie mit Bezug auf ihren früheren Lebenswandel(vor zirka 19 bis 16 Jahren!) nicht würdig sein solle, in königlichen Diensten zu stehen. Dieser Brief bildete nun die Grundlage einer Klage wegen B e- leidigungund Verleumdung, die vor dem Potsdamer Landgericht in der BertiftingSinstanz verhandelt wurde. � Ter Angeklagte konnte den WahrheitSberveiS nicht führen, auch die Zeugen, die Amtsbrüder Oberpsarrer Koller aus Nowawes und Pastor Ahlisck, konnten positive Beweise nicht vorbringen, sondern machten nur Mitteilung von dem, was sie hier und da geljört hatten. Trotzdem der Angeklagte sich durch seine Nmtspflicktten zu rechtfertigen versuchte, wurde er am Schlüsse der Verhandlung, die teiltveise unter Ausschluß der Oeffentlichicit stattfanv, der Beleidigung für schuldig befunden und unter Berücksichtigung mildernder Um- stände zu'— 20 M. Geldstrafe eventuell 4 Tage Haft verurteilt. Stadtverorbnetcnfitzung. Nach Erledigung einiger Spezial- etats wurde der Gesamtetat in Einnahme und Ausgabe auf 6 681 610,41 M. festgesetzt. Zur EriMmg kommen 110 Proz. der Einkommensteuer(742 000 M.). 136 Proz. Geiverbc- und BetriebSsteuer und 3 Promille Grunwvertsteuer bei einer Schätzung des Grund- wertes von rund 160 Mill. M. Bei der Grundwertsteuer kam es zu einer Hausbesitzerdebatte, deren Vertreter, die Stadtvv. Herrmann, Winzler urtd Bernhardt, nur 2% oder sogar 2 Promille festgesetzt wissen loolltcn. Dabei ist die Steuer so veranlagt, daß alle reinen Mietshäuser nicht höher belastet werden wie früher, sondern nur die Hauser mit'Läden und Gewerbebetriebe, die früher nur die Hälfte der G-bäudcsteuer zahlten, die Grundstücke mit großen Gärten und die unbebauten Grundstücke. Der Vorschlag der Haus- und Grundbesitzer, den Ausfall bei einer Festsetzung von 2% Promille aus der Einkommensteuer herauszuholen, wurde vom Bürger» meistcr Rodig als unausführbar erklärt mit Rücksicht auf die im nächsten Jahre ausfallenden zirka 400 000 M. der Fleisch- und Schlachtsteuer. Da die Annabme der Vorlage sehr fraglich schien, mußte sich die Versammlung vom Oberbürgermeister Bosberg ihre Kurzsichtigkeit bezw. Unfähigkeit vorhalten lassen. Er tat es dies- mal in auffallend scharfer Weise. Die Ausführungen sind aber bezeichnend für den Geist der rein bürgerlichen Stadtverordnetenver» sammlung. Die Stadtverordneten verträten nur einen gewissen Jnteressenkrcis. Danach wurde die Vorlage mit großer Mehrheit angenommen.'— An Abgaben kommen ein: Schlachtstcuer 395 000 Mark. Wildpret- und Geflügelstcuer 28000 M.. Biersteuer 38 000 M., Hundesteuer 26 500 M., Umsatzsteuer 60 000 M., Lust» batkeitssteuer 14 994 M. und aus der Nachtigallenstcucr— 6 M. — Für AuSbaggcrung des Stadtkanals wurde die Hälfte der Kosten bewilligt. Magistrat und Versammlung stand aber auf dem Stand» Punkt, daß die Unterhaltung des Kanals als öffentliche Wasserstraße ollein Pflicht der Regierung sei.<— Die Mehrausgaben für Lehrer beschäftigten schon jetzt die Versammlung. Den Stadtvv. Oberlehrer Grell und Lehrer Kiesche waren die Etatsansätze für die Ausbesserungen zu niedrig. Sie wurden aber auf spätere Zeit vertröstet.______ eingegangene Driichfchnften. Nummer 7 deS„Äiiddeutsche» Poftillon«(Verlag M. Ernst. München? ist soeben erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Der serbische Junge(Bilds, BslloaUifmcs oder; Zum schönen Bündnis(Bild), Die unverletzliche Strasprozetzordnung(Bild), Konservativ und Freismn(Bild), Internationale Retsegesellschast(Bild), slllgemcine EomiensinsterniS(Bild). Europäische Einigkeit(Leitgedichi), Was in der Welt vorgeht, Blockbrüder, Die Stcuerresorm, Gerechte Strafe, Worte und Taten, Gute Ratschläge, Bayerische Schulidylle, außerdem eine große Anzahl kleinerer gut gewuhiier Beiträge. Die Nummer tostet 10 Pj. und ist überall erhältlich. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallcn-Direktlon über den Großhandel in den Zentrai-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark. Geschäft ruhig, Preise für Rindsteisch unverändert, sonst nach- gebend. Wild: Zusuhr knapp. Geichäst ruhig, Preise fast unverändert. Geflügel: Zuiuhr genügend, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise befriedigend. F i f ch c: Zusuhr gering, Geschäft ruhig. Preise im allgemeinen befriedigend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusithr genügend, Gejchäst(Uli, Preise wenig verändert._ A»tteru«g«stberstcht vom 82. Mär» 1909, morgen« 8«Hr. Wetterprognose für Dtenöiag, den 83. Mörz 1999. Ziemlich mild, teilweise ansllarend, vorwiegend trübe und regnerisch Set mäßigen südwestlichen Winden. Berliner W c t t e r b u re a u. Sunlichf Seife hat einen märchenhaften Umsatz. 20 Millkmen Stück ist der Wochen verbraudi Uber die qanze Crde ist Suntichr-Seife verbreitet. Dieser enorme Consum ist aber das beste Zeugnis, welches diesem hervorragenden Fabrikat ansge» stellt werden kann, das überoll w stets gleichblcibcnderöüfe zu hoben wl verlangt eine schöne Beleuchtung. Verwendet das garantiert rein amerikanische Sicherheitspetroleum A I I und Bner Wunsch ist erfüllt Erhältlich in allen Geschäften, wo das bekannte Plakat mit dem Indianerkopf aushängt Keine Verweehslnng mR Bsterr.(gallzlseh.) Petroleum. Jedes Wort 10 Pfennig. 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