Nr. 70. HbonncmentS'Bedinaunaen- zz�Wtof flif a � Hfl DU TnleMlons'Gebflbr «bonnemenlä.�teiä».tänumLnboi H I W��WfWWr � kelrSgt sür die sochsgespaUcn- Kolons BierteljShrl. S�v Mk., monatl. l.lv Mk., AD SB«D HF i HI /y WI SM W W a3l I gcile obet beten Slaum M Wg., fii« wöchentlich 28 Pfg. frei in« Haus. WH, JEBL| W» H D| fA H B| Ms Mi VW UM H H politische und gewcrl>cha,II>che Vercnii,. Einzelne zwmmer 5 Pfg. Sonntags. fPSB I BH IBl DM wj HH MB WD MB WM WM|Z H----- � und VcrsainmlungS-SInzeigen SO Pfg. nummer mit illustrierter Sonntags. MWU K>H I Hl W> DW WW» HB UW|M WM HM) Kg H //„Kleine Hnzcigen", das erste fselt. »s�VMN?s«c W TU III III|||| MM., cssfSÄftÄiÄ S'SSt Si, nKfeS""!!; I D HM JaL �HkML Hl H i, Deutschland und Oesterreich- Ungarn �W �AI � �B�ryläw�y v(KS*\ Bß // Hl jedes weitere Wort s Psg. rLortelibcr 2 Mar«, fllr das übrige Ausland 1/ ZS MMX // H| 15 Buchstaben zählen für zwei«orte. S Marl pro Monat. BostabonnemenlS �Hgh v______-/ ▼/ // Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen an: Belgien. Dänemarl, r—~-n.. V/ bis»Uhr nachmittags in der Expedition SSZSÄ«« � 5��«.x»xx�„Z-««---»> Vevlinev VslltsblÄkt. ä«». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die imperialistische Gefahr. Die Vorgänge, die sich in den letzten Tagen in England abspielten, verdienen die ernsteste Aufmerksamkeit des deutschen Volkes. Es handelt sich keineswegs um eine Angelegenheit des Auslandes, sondern um eine Frage, von deren Veant- wortung die Gestaltung unserer eigenen künftigen Beziehungen zu England abhängt. Es handelt sich darum, ob das Wett- rüsten zwischen Deutschland und England fortdauern und da- mit die beiden Nationen schließlich in den Krieg über die Weltherrschaft zur See hineingetrieben werden sollen, oder ob ein gegenseitiges Uebcreinkommen, das dem sinnlosen Wett- rüsten ein für allemal ein Ende setzt, das sonst unausbleibliche Verhängnis abwendet. Der Kapitalismus kehrt in seinen alten Tagen zu der Politik seiner Anfänge zurück. Es sind die großen rnono- polistischen Kolonialgcsellschafien und Handelskonipagnien, die in der merkantilistischen Periode die Staatsmacht in ihren Dienst stellen, um das Feld ihrer Ausbeutung ständig zu er- tveitcrn und zu sichern. Der merkantilistische Staat betrachtet die Industrie dcS Auslandes als den Feind der eigenen, die er durch seine Privilegien zu fördern, durch Einsuhrverbote und Prohibitivzölle gegen die ausländische zu schützen sucht. Es ist die Zeit der Handels- und Kolonialkriege, aus denen schließlich England als Beherrscherin deS Weltmarkts und als stärkste Seemacht hervorgeht. Die Aera der Monopole wird durch die der Konkurrenz abgelöst, die die alten Privilegien beseitigt und mit ihr die merkantilistische Politik; sie bringt in England den Freihandel zum Siege, der zugleich das Interesse am Kolonialcrwerb verringert, und mildert auch für das kontinentale Europa den cinfuhrhcmmenden Prohibitivzoll zum industriellen„Er- ziehungszoll". Aber auch die Konkurrenz siegt sich zu Tode und schafft mit der fortschreitenden Konzentration des Kapitals die Bedingungen für die neuen Monopole der Kartelle und Trusts. Eine neue Schutzzollära entsteht, da der Schutzzoll die Funktion erhält, den inländischen Markt den monopolistischen Organisationen zu sichern. ihnen die ihren Bestand gefährdende ausländische Konkurrenz fern- zuhalten. die Möglichkeit zu gewähren, den inländischen Preis um den Betrag des Zolles über den Welt- Marktpreis zu steigern und so durch die Ausbeutung des nationalen Marktes ungeheuere Extraprofite zu machen. Je höher der Zoll, desto höher dieser Extraprofit und so werden aus den mäßigen Erzichungszöllcn der Aera der Konkurrenz die hohen Privilegienzölle der heutigen Trustära. Die aus- ländischc Industrie erscheint wieder als der Feind, der von den Grenzen abzuwehren ist und es steigert sich der Gegensatz zivischeu den cntivickelten Industriestaaten zu immer größerer Schärfe, während zugleich die Staatsmacht immer mehr zum Vollzugsorgan der Monopolisten wird. Verengt aber die Schutzpolitik der Industrie den Markt, so er- fordert das Expansionsbcdürfnis des Kapitals gebieterisch seine ständige Erweiterung. In der Aera des Schutzzolls aber wird diese Erweiterung des Marktes am profitabelsten durch die Einverleibung neuer Wirtschaftsgebiete in den Bereich des eigenen Staates, ein Verfahren, das am ehesten durch die Kolonialpolitik verwirklicht werden kann. Eine neue Aera der kolonialen Eroberungen beginnt und zu ihrer Durchführung werden immer größere Armeen, immer gewaltigere Flotten nötig. Der Wcttlauf um die kolonialen Mächte geht so Hand in Hand mit dem Wettrüsten der großen kapitalistischen Nationen zu Lande und zu Wasser. Es ist eine EntWickelung, die der industriellen Vorherrschaft Englands ein Ende gemacht hat, seine Freihandclspolitik immer mehr erschüttert, zugleich aber den kolonialen Drang mächtig verstärkt und die Wertschätzung seiner Kolonien außcrordent- lich steigert. Ist die industrielle Vormachtsstcllung Englands geschwunden, hat das Verharren im Freihandel die Organi- sation in Trusts und Kartelle in England verlangsamt, so er- scheint dem englischen Bürgertum die Behauptung seiner Kolonialmacht immer dringender. Diese aber ist an die Be- hcrrschung der See geknüpft und deshalb ist die Be- hauptung des Zwcimächtcstandard, der Gleichheit der englischen Flotte mit der vereinigten Flottenmacht der beiden nächst stärksten Seemächte, ein Dogma des englischen Bürgertums ohne Unterschied der Partei geworden. Es ist daher verständlich, wenn die Gefahr, daß England im Be- griffe steht, seine Uebermacht zur See zu verlieren, eine so ungeheure Aufregung in der englischen Bourgeoisie hervor- gerufen hat. Daran ändert die Konstatierung nichts, daß die Engländer selbst mit der Erfindung ihrer Dreadnoughts ihre frühere Flotte zum Teil entwertet und damit erst die Möglichkeit geschaffen haben, den Vorsprang der englischen Flotte einzuholen. Entscheidend ist vielmehr, daß die Angst vor der„deutschen Gefahr" auf das höchste gesteigert, daß die Spannung in England gegen Deutschland einen außerordentlichen Grad erreicht hat, daß England zum Kampf um die Behauptung des Zweimächtestandards auch auf der ungeheuer kostspieligeren Basis des Dreadnonghtsbaues entschlossen ist, und daß das Wettrüsten für England wie für Deutschland ungeheure finanzielle Opfer und den Stillstand jeder Sozialrcform bedeutet. Dadurch muß eine gegenseitige Erbitterung geschaffen werden, die zu einer Gefahr für den Frieden werden kann. Mittwoch, de» Ä4. März 1N09. Es ist eine EntWickelung, die die deutsche Sozialdemokratie von Anfang an vorausgesagt hat. Der deutsche Flottcnbau ist eine Tatsache und an dieser Tatsache wird nichts geändert, wenn noch so oft versichert wird, daß diese Flotte nur der Sicherung des deutschen Handels und der deutschen Kolonien dienen soll. Diese Versicherungen sind sicher aufrichtig. Aber die Engländer sind der Meinung, daß die deutsche Flotte der Möglichkeit nach eine drohende Gefahr für England ist. Sie wissen aus ihrer eigenen Ersahning, daß der Imperialismus immer größere Spannungen erzeugt, immer neue Konflikts- stoffe schafft. Sie glauben nicht der mündlichen Garantie, die die deutsche Regierung und die deutschen Parteien für den friedlichen Verlauf der künftigen Weltgeschichte so bereitwillig und sicherlich im besten Glauben übernehmen wollen. Sie verlangen Sicherheit, und diese Sicherheit kann ihnen nur ein ll e b e r e i n- k 0 ni m e n geben, das die bestehenden Machtverhältnisse— denn nur wirkliche Macht entscheidet das politische Schicksal— auch tu Zukunft unverändert läßt. Deshalb hat die liberale englische Regierung, die fiir die Sozialrcform und für die Abrüstung verpflichtet war. als ihre dringendste Auf- gäbe die Schaffung eines solchen Uebercinkonimens betrachtet. Sie ist dabei gescheitert an dem ver- blendeten, unverantwortlichen Widerstand der deutschen Regie- rung. Die Weigerung der deutschen Regierung hat schon bis- her dem deutschen Volke den schwersten Schaden bereitet. Die Unmöglichkeit ihr Programm durchzuführen, hat die Stellung der Liberalen ans das Schwerste erschüttert. Ihr Uebergang inS Lager des JniPerialismus wird sie nicht mehr retten: er beschleunigt nur das Ende des stolzen englischen Liberalismus und den Sieg der Konservativen, des Jmperialis- miis und des Schutzzolls." An Stelle der Flottcnvermehning wider Willen tritt dann eine aggressive Handels- und RüstungS- Politik, die Deutschlands Industrie und Handel auS dem Bereich des britischen Imperiums auszuschließen trachtet und— aus dem Chauvinismus geboren— auch vor dem Appell an die Macht nicht zurückschrecken wird. Es sind schlimme Aussichten, die nur gebessert werden könnten, wenn in Deutschland die Einsicht siegt, daß es sich heute schon um die Entscheidung über Krieg und Frieden mit England handelt, daß wir zu einem Ueber- einkommen mit der liberalen Regierung gelangen müssen, wenn wir füe die Zukunft den Frieden sichern ivollen. In dem Sturni der Panik und des chauvinistischen Wahn- sinns ist die englische Arbeiterpartei stolz und auf- recht festgestanden und hat gegen das Flottcnbudget gestimmt, allein, ohne nennenswerte Unterstützung auS bürgerlichen Reihen— genau so„unpatriotisch", so„unnational" wie die deutsche Sozialdemokratie. Es ist dieselbe Entwickelung hüben wie drüben, genau nach dem„marxistischen Schema": Der Zusammenbruch der bürgerlichen Demokratie, die ihre Ideale aufgibt, und nüt fliegenden Fahnen in das Lager des Imperialismus übergeht, der unter seine Flagge alle Klassen der bürgerlichen Gesellschaft einigt zum Kampfe der kapitalistischen Nationen gegen einander und gegen das Proletariat. So ist es denn auch in Deutschland nur die Arbeiter- k l a s s e, die in diesen ernsten Tagen mit aller Kraft gegen das fricdcnsbcdrohendc Wettrüsten eintritt. während die bürgerlichen Parteien fast ohne Unterschied— genau wie in England— zu Schrittmachern für den künftigen Krieg werden. Denn dies und nichts anderes bedeutet ihr Verhalten in der heutigen Sitzung der B u d g e t k 0 in m i s s i 0 n. End- lich war Herr v. Schoen erschienen, um über das Verhalten der deutschen Regierung zur Abrüstungsfrage Aufklärung zu geben. Herr v. Schoen mußte zugeben, daß die englische Regierung„ihre Bereitwilligkeit zu einer deutsch- englischen Verständigung über Umfang und Kosten der Flotten- Programme in allgemeiner Weise z u erkennen ge- geben" hat. Er mußte zugeben, daß Deutschland auf dieses Anerbieten nicht eingegangen sei, so daß die englische Regierung, von der Aussichtslosig- keit ihrer Bemühungen verständigt, keinen formellen Antrag an Deutschland richtete. Denn die deutsche Regierung erklärte mit dürren Worten, das; der Flottenbau gesetzlich f e st g c l e g t, ausschließlich nach dem eigenen Schutz- b e d ü r f n i s bemessen sei und keine Bedrohung irgend einer Nation darstelle. Das bedeutet aber: England wollte kein Wettrüsten; es wollte eine Verständigung mit Deutschland über den Flottcnbau, es wollte sich und Deutschland die Verschlechterung der Beziehungen, beiden Völkern die imnier unerträglicher werdende Belastung ersparen. Und dieser B ü l 0 w lehnt das alles ohne weiteres abl Er findet eS nicht der Mühe wert, dem deutschen Reichstag einen solchen Vorschlag zu unterbreiten, führt die Oeffcntlichkeit durch zweideutige Redensarten im Reichstage irre und schiebt die Sache, die über die Zukunft des deutschen Volkes so oder so entscheidend ist, mit einer Handbewegung zur Seite. Natürlich, der Arrangeur der nafionalcn Begeisterung vom Dezember 1906 wird sich doch mit seinen Licbcrts und Keims nicht ver- uneinigen! Wenn es aber noch ctlvas Erbitternderes gibt als das Ver- halten der deutschen Regierung, so ist es das Verhalten der bürgerlichen Parteien. Von der süd- deutschen Volkspartei bis zu den Konservativen benutzten ihre Sxpedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV Nr. 1984. Wortführer die Gelegenheit, dieser Politik des Kanzlers ihr — Vertrauen auszusprechen! Die Sozial- dcmokratie stand mit ihrer Forderung eines Ueber- einkommens mit England plötzlich allein. Die Bürger- lichen salvicrten ihr Gewissen mit dem Beifall, den sie den Friedensvcrsicherungen des Herrn v. Schoen �zollten und ließen dann den schönen Worten die schlechte Tat folgen. In einer Art Hurrastimmung bewilligte die Kommission die gestern zurückgestellten ersten Raten für drei Linien- schiffe und einen großen Kreuzer. Man hat fast den Eindruck, daß die bürgerlichen Ab- geordneten von der Wirkung der deutschen Flottcnpolitik in England noch sehr erbaut sind, daß sie die Panik in England mit einer gewissen Schadenfreude betrachten. Die Verblendeten scheinen nicht zu ahnen, daß sie mit ihrer heutigen Abstimmung geradezu einen V e rr a t an den Lebensinteressen des deutschen Volkes verübt haben, daß sie, die in einem solchen Momente Bülows Politik der Zurückweisung unterstützen. in England die Sache derjenigen unterstützen, denen die Politik der liberalen Regierung nicht weit genug geht, die angesichts der Beschleunigung des deutschen Flottenbaues den Bau von acht statt von vier neuen Dreadnoughts fordern, die Sache derer, die auch vor einem Kriege gegen Deutschland nicht zunickschrecken. Der Beschluß der Bndgetkommission ist verderblich und töricht. Ein Wettrüsten mit England ist sinnlos und un- möglich. Je größer die Anstrengungen, England einzuholen, desto näher die Kriegsgefahr. Und für die Vermehrung der Kriegsgefahr soll das deutsche Volk eine halbe Milliarde Steuern ins Wasser werf en? Gegen diesen Wahnsinn muß nrit aller Kraft aufgetreten werden. Der Marinismus ist eine Friedensgefahr, für die kein Pfennig beivilligt werden darf. Ist die Haltung der deutschen Regierung und der beut- scheu Parteien erbitternd, so die Begründung dieser Haltung erbärmlich. Es muß mit aller Schärfe gesagt werden, daß die Berufung auf das deutsche Flotten g e s e tz nichts ist, als eine lächerliche Ausrede. Als ob das Gesetz, das nur immer neue Opfer heischt, nicht jeden Moment abgeändert Vierden könnte, als ob der Reichstag Widerstand zu leisten»vagen dürfte, wenn ein Uebereinkommen nnt England das Gesetz noch vollends über- flüssig machte. Nein, die heutige Abstimmung der Budget- kommission hat betviesen, daß auch der deutsche I m p e- rialismus genau so»vie der englische eine nationale Gefahr bedeutet, eine Gefahr, die nur gc- bannt werden kann durch die politische Macht des international geeinten Proletariats, des unversöhnlichen Gegners der imperialistische» Politik. DU ßranntwelntUuer. Die Finanzkommisfion dcS Reichstags beschäftigte sich in ihrer DienStagSsitzuiig mit dem von der Subkommisston vereinbarten Entwurf eines Braimtweinstciicrgcsetzrs. Als Grundlage der General- diskussion diente der Z 2: „Die VcrbrauchSabgabe beträgt von der innerhalb des Kontingents hergestellten Alkoholmenge 1,25 M., vom 1. Oktober 1914 ab I.M iv?., von der an tz erhalb des Kontingents her- gestellten Menge 1,40 M. für den Liter Alkohol." Der RcichSschatzsckretär gab die Erklänmg ab, daß der Bundesrat auf dem Standpunkt stehe, die Monopolvorlage habe gegenüber dein KoinmiffionSentwurf eine Reihe von Borzügen. Er bezweifelt, datz nach diesem Entwurf die erforderlichen IM Millionen aufgebracht werden und ist der Ansicht, daß die Kontiiigeutsspannung von 20 M. — die Liebesgabe— jetzt nicht mehr gerechtfertigt erscheine. Trotz zahlreicher Bedenken ist er jedoch bereit, auf der Basis deS neuen Entwurfs zu verhandeln. Dr. W i e m e r bekennt sich als entschiedenen Gegner deS Monopols und erblickt in dem neuen Entwurf eine Reihe von Bor- gangen, die der Regierungsvorlage fehlten. Bedauernd, dah eS nicht möglich sei, mit der Liebesgabe sofort gründlich aufzuräumen, hält er eine Herabsetzung auf 15 M. und ein weiteres Heravgchen von fünf zu fünf Jahren bis auf 5 M. für möglich, will aber den Bestimmungen des Entwurfs, der eine neue, schlimmere Liebesgabe stipuliert, unter keinen Umständen zustimmenl Dietrich tritt mit Entschiedenheit für den neuen Entwurf, namentlich aber für Beibehaltung der Liebesgabe ein, ohne welche sämtliche landwirtschaftliche Brennereien zugrunde gerichtet würden. Speck, dem der Entwurf sympathischer ist als die RegicrungS- Vorlage, wendet sich gegen das Prinzip, aus einer indirekten Steuer eine gesetzlich festgelegte Steuerquote herauszuholen, und tritt ebenso Ivie sein Vorredner für dir Beibehaltung der Liebesgabe in ihrer vollen Höhe ein, da ohne diese das ganze süddeutsche Brennereigeivcrbe vernichtet werde. Denigegenüber bekennt sich sein ffraklionslollege Zehnter als Anhänger des Monopolgedankeiis, womit den Interessen der süddentscheu kleinen Brennereien weit mehr gedient werde, als durch den neuen Entlvurf. Die BundcZratSvertrcter für Bayern, Württemberg und Baden erklären im Namen ihrer Regierungen übereinstimmend. dah der neue Entwurf für sie unannchuibar sei, da mit dessen An- nähme die Lage dcS BrcnncreigewcrbcS in ihren Staaten ganz er- heblich verschlechtert würde. Die Zustimmung zum Eintritt in die Brenuereigenieinschaft sei 1837 nur auf die Zusicherung der Kontingentierung ersolgt. Der bayerische BundeSratSbevollmächtigte hält den Entwurf nur für wert:»in Spiritus gesetzt zu werden". Der Schatzsekeiar bestätigt die Darstellung der süddeutschen Bundesratsvertreter, betont aber, daß die Spannung von 20 Mark kein Reservatrecht sei und ein neues Rescrvatrecht— wie es von einer Seite in Vorschlag gebracht wurde— beim Bundesrat keine Zustimmung finden werde. Dr. N ö s i ck e hält die Monopolvorlage für die süddeutschen Brenner für entschieden vorteilhafter als den Kommissionsentwurf er erklärt es für ungeheuerlich, daß die Regierung das Brennerei- gewerbe mit 100 Millionen belasten wolle und tritt in längeren Ausführungen für die A ufrechterhaltung der Liebes- gaben in v o l l e r H ö h e ein I Es sei dies zur Erhaltung und Pflege der Landeskulturmteressen durchaus geboten. Ja, um völlig gerecht zu fein und die Brenner für den voraussichtlichen Konsum- rückgang zu entschädigen, müßte die Kontingentsschauung— das heißt die Liebesgabe— sogar noch erhöht werden! Mit einzelnen Bestimmungen des Entwurfs ist er ans dem Grlmde nicht einverstanden, weil sie seiner Meinung nach eine Bevorzugung der gewerblichen vor den landwirtschaftlichen Betrieben zur Folge haben. Nachdem sich Sieg(natl.) noch zustimmend zu dem Entwurf geäußert und der Schatzsekrätcr nochmals die Erklärung, wiederholt hatte, daß die Regieruug fest auf der 100 Millionenforderung be- stehen müsse, wurde die Fortsetzung der Generaldebatte auf Mittwoch oertagt._ Die ßalkanMe. Die Situation ist heute wenig geändert. Die Ver- Handlungen dauern fort. Im Vordergrund stehen jetzt die Bemühungen Englands, eine solche Formel für die serbische Antwort zu finden, die von Oesterreich akzeptiert wird. Nach einem Pariser Telegramm wäre es auch schon gelungen für diese Formel die Zustimmung Frankreichs und Ruß- lands zu erhalten. Das Telegramm lautet: Von offizieller Seite wird bezüglich des öfter» ceichisch�serbischen ZwistcS gemeldet, daß England, Ruß. l a n d und Frankreich einen neuen vermittelnd en Text für die von Serbien abzugebende Erklärung vorschlagen wollen, von dem man hofft, daß er Oe st erreich- Ungarn befriedigen werde. Ob diese Hoffnung nicht wieder zu optimistisch ist. wird man um so mehr abwarten müssen, als sich die Auffassung der leitenden französischen Kreise in der Balkankrise schon wiederholt als zu günstig erwiesen hat. In österreichischen Regierungskreisen erklärt man, daß die Klärung längstens bis Anfang April erfolgen und Serbien Sicherheit gewähren müsse, daß sein friedliches Verhalten von Dauer sein werde. Keine Aenderung. Wien, 23. März. An der Wener Börse für landwirtschaft- liche Produkte wurde heute die folgende amtliche Erklärung angeschlagen: Es ist kein Grund vorhanden, die Situation er n st er aufzufassen als in der vorigen Woche. Die Bemühungen der Mächte gehen fortgesetzt dahin, Serbien zumEinlenkenzu veranlassen. Ein günstiges Zeichen. Wien, 23. März. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Ab- geordnetenhaufes nahm das Ermächtigungsgesetz über den Abschluß provisorischer Handelsverträge an. Hierdurch wird es der Regierung ermöglicht, den am 81. d. M. ablaufenden Handelsvertrag mit Serbien zu ver- l ä n g e r n. falls es zu einer friedlichen Auseinander- ' e tz u n g mit Seübien kommen sollte.— „Kriegsstimmung." Wien, 23. März. In der Stadt verdüstert sich die Stim- mung infolge des Abmarsches des 2. Wiener Regiments Nr. 84. Nicht einmal die Offiziere freuen sich auf diesen traurigen Krieg. Scham, Kummer und Zorn sind die einzigen Empfindungen, die von hoch und niedrig geteilt werden. Jeder fühlt, daß der Krieg, an dem kaum mehr jemand zweifelt. keinem VolkSinteresse entspricht, sondern nur von Diplomaten angezettelt ist zur Korrektur einer vermutlichen Störung des europäischen Gleichgewichts. Gelinge es nicht in letzter Minute, den Frieden zu retten, werde furchtbare Erbitterung Oesterreichs gegen Rußland und England auf lange hinaus im Volks fein. Die Sozialdemokratie gegen den Krieg. In der Freitagsitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses sprach im Namen unserer Fraktion Genosse S o u k r u p- Prag gegen die Kriegspolitik. Er sagte unter anderem: Das Schrecklichste aber ist, daß die Entscheidung über ihr Geschick, über Leben und Tod, über die Zukunft Europas nicht in den Händen der Völker selbst liegt. Die Entscheidung über Leben und Tod von Millionen ist im zwanzigsten Jahrhundert in den Händen von Autokraten geblieben, ohne Unterschied, ob sie von Gottesgnaden oder von Mörderhand auf den Thron gesetzt sind. Wir stehen vor der Möglichkeit eines Weltbrandes mit den unsagbarsten Konsequenzen für die ganze Menschheit. Die Mobilisierung wird im Eilzugstempo durch- geführt. � Tausende und Tausende Söhne unseres Volkes stehen an der serbischen Grenze und immer neue Transporte werden hinge- schickt. In einem solchen Moment fragt das arbeitende Volk, was das Parlament tue, um den schwersten Folgen vorzubeugen? Wenn sich zahlreiche Abgeordnete und die größten Parteien zur Rolle passiver Zuschauer herabdrücken lassen: die Sozialdeino- kr a ten werden sich nicht zu stummen Werkzeugen der militärischen Diktatur und sie werden den österreichischen Parlamentarismus nicht zu einem Apporthund des Ministeriums für gemeinsame An- gelegcnheiten machen lassen. Was hat Oesterreich-Ungarn gegenüber den Balkanstaaten getan, um in der bosnisch-herzegowinischen Frage nicht nur einen Machttitel, sondern auch einen moralischen Rechtstitel zu bekommen? Wie hat Oesterreich-Ungarn durch dreißig Jahre das Okkupations- mandat ausgeübt? ES hat keine moderne Verwaltung eingeführt, sondern seine Mission nur vom Standpunkt der Kasernen und der Klöster aufgefaßt. Diese Länder haben noch keine Verfassung, ob- wohl eine solche in der Türkei schon längst funktioniert. Es wurde kein Versuch zur Grundablösung, zur Befreiung der Bauern ge- macht. Jetzt zeigen sich die Früchte der bösen Tat! Es sind in erster Reihe dleagrarischenStützenOester- reichs, die den Oesterrcichcrhaß in Serbien geweckt und genährt haben und durch die die großserbische Propaganda dort großgezogen wurde. Außerdem haben in Serbien stets die dynast,- schen Interessen das öffentliche Leben dieses Landes auf- gewühlt und auch in, gegenwärtigen Moment steht die d t> n a st i s ch e Frage nicht in letzter Linie. Je mehr die österreichischen Sozial. demokraten die Entwickeluna und den Emanzipationskamps des serbischen Proletariats begrüßen, desto mehr sind sie, wenn sie die serbischen proletarischen Interessen bedroht sehen. verpflichtet, daS serbische Proletariat davor zu be« wahren, daß es durch das unerhörte Treiben verant- wortungslos er Subjekte ins Verderben und in den Selbstmord getrieben werde. Auch der Heber- «tut und das Verbrechen auf Königsthronen hat Mae Meazca. Aie Zukunft Serbiens liegt nicht in einem kriege- rischm Abenteuer, sondern einzig und allein in ruhiger Kultur- arbeit und in der Solidarität mit den anderen Kulturvölkern der Donauföderation, und das Losungswort des Kampfes des serbischen Volkes darf nicht heißen: Krieg mit der Dynastie an der Spitze, sondern: Krieg gegen die Dynastie, solange diese Dynastie durch ihr wahnsinniges Handeln dos Volk in den Abgrund zu stürzen gewillt ist. Die serbische Sozialdemokratie hat bereits die Aufklärungsarbeit im serbischen Volke aufgenommen und die österreichische Sozialdemokratie muß in diesem Augenblicke des Genossen Kazlerowitsch gedenken, der in der Skupschtina unter den schwierigsten Verhältnissen den Mut gefunden hat, gegen den Krieg mit Oe st erreich zu protestieren. (Lebhafter Beifall.) Die österreichischen Sozialdemo- traten begrüßen das organisierte serbische Proletariat und wissen, daß sich, wenn auch längs der Ufer der Drina serbische und österreichische Soldaten gegeneinander auf- gestellt sind, über den Bajonetten dieser Soldaten das serbische und das österreichische Proletariat in dem ge- meinsamen Bestreben nach Erhaltung deS Frie» dens und nach Beseitigung der Tyrannen dieS- und jenseits der Drina die Hände reichen.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Auch an den Ufern der Newa sitzt ein inter- nationaler Hetzer, der offenbar noch nicht genug hat an den Hekatomben von Leichen auf den mandschuri- schen Schlachtfeldern und gesonnen zu sein scheint, ein neueS Verbrechen an Europa zu begehen. Gerade der Zar ist der letzte, der legitimiert wäre, auf dem Balkan Ruhe und Ordnung ztvischen den Völkern herzustellen. Er möge erst Ruhe und Ordnung in Rußland und in Asien schaffen und die Völker Rußlands von dem ungeheuren Druck befreien, unter dem sie jetzt verkümmern müssen. Würde Oesterreich in der Gefahr eines barbarischen Angriffes eines auswärtigen Staates schweben, dann würden auch die Proletarier Oesterreichs die Waffen ergreifen, um ihre Heimat und ihr Gut zu verteidigen und alles daran- zusetzen, den barbarischen Angriff abzuwehren. Aber darum handelt es sich keineswegs. Die Annexion und waS daran hängt ist einen Krieg nicht tvertl Das österreichische Proletariat wird und kann nicht zugrunde gehen, wohl aber könnte etwas anderes zugrunde gehen, denn so sc st sind die Fundamente europäischer Throne nicht. Vergessen Sie nicht, daß in dem Moment, wo der erste Schuß fällt, eine Erregung durch den ganzen Staat gehen kann, deren Folgen unabsehbar sind. Das Endo eines Krieges ist heute unbestimmbar, denn die großen kulturellen Errungen- schaften, die sich die Völker Europas seit dem Deutschfranzösischcn Kriege zu eigen gemacht haben, sind auch an Kasernen nicht spurlos vorübergegangen und der Gedankengang unserer Soldaten ist heute ein anderer geworden als er bor einem halben Jahrhundert war. Die Sozialdemokraten drohen nicht, sie konstatieren nur die Tat- sacken, und diese Tatsachen warnen den Staat und die ver- mctwortlichen Politiker, sie warnen ganz Europa. Wenn man vor dem Dilemma steht: entweder internationaler Krieg oder internationale Konferenz, so kann die Ent- scheidung nicht schwer sein.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial. demokraten.) Oesterrei�Ungarn muß der Pionier deS Friedens, der Wohlfahrt und der Freiheit für die Balkanvölker fem. Wir glauben noch immer, daß unser Ruf nach Frieden Beachtung finden und daß Oesterreich-Ungarn ebenso wie die serbische Regierung ihre Pflicht tun wird. Deshalb schließe ich mit dem Rufe: Hoch der Friede!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)) Da; Locke des Poltftreihs. Die Post- und Telegraphenbcamten haben in einer gestern vormittag abgehaltenen Versammlung, die von 00 0 0 Per- sonen besucht war, mit ungefähr b700 Stimmen beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Nach der Vcrsamm- lung versammelten sich die Angestellten des Zentraltelegraphenamtes, 1200 an der Zahl, und zogen in geschlossenen Gruppen in die Telcgraphenbureaus ein. Die Angestellten trugen in der Hand in ostentativer Weise den eingeschriebenen Brief, in welchem mit Entlassung gedroht wird, wenn sie bis mittag 2 Uhr die Arbeit nicht wieder aufgenommen hätten. Um 2 Uhr wurde die Arbeit im Zentraltelegraphenamt ohne weitere Störung auf- genommen» So endete � eine der interessantesten Arbeitseinstellungen, die durch das hartnäckige Verhalten Clemenceaus zu einem schweren sozialen Konflikt zu werden drohte, mit einem bedeutenden Erfolg der Beamten. Die Regierung mußte einlenken, weil die Solidaritätserklärung der Arbeiter weitere Gewaltmaß. nahmen unmöglich machte. Der Streik, der ohnedies schwere Störungen im öffentlichen Dienste hervorgerufen hatte, konnte un- absehbare Folgen nach sich ziehen, wenn eine Bedrohung des Koali- tionsrechtes die Arbeiter aller Staatsbetriebe zur Teilnahme aufgerufen hätte. Dies äußerste zu vermeiden, waren Clemenccau und Barthou doch immer noch klug genug, und die Streikenden, die während des ganzen Verlaufs deS Streiks muster- hafte Disziplin und strenge Ordnung gehalten hatten, erleichterten ihnen den Rückzug. Die Frage des Rücktritts Si myanS scheint stillschweigend erledigt worden sein Herr Simyan dürfte bald keine Gelegenheit mehr haben,, da? Postwcscn Frank- reichs in Unordnung zu bringen. Da er tatsächlich als erledigt gilt, konnten die Streikenden>formell ihre Forderung der Entlassung des Unterstaatssekretärs leicht fallen lassen. Ihre fach- lichen Forderungen aber haben sie durchgesetzt. Die Aenderung der Avancementsvcrhältnisse, die den letzten Anstoß zum Streik ge- geben hatte, ist rückgängig gemacht und Maßregelungen werden nicht erfolgen. Das bedeutet aber den Sieg der Beamten über die Scharfmacherpolitik der Regierung. Daß die Einigkeit und die Kampfeslust der Beamten auch nach dem Streik, der so einmütig, wie er begonnen, auch beendet wurde, nicht gelitten hat, bietet auch die Gewähr, daß die Beamten ihr Koali tions- recht gegen künftige Angriffe werden zu sichern wissen. politifcbe deberfickt. Berlin, den 23, März 1909, Das Beschwerderecht beim Militär. AuS dem Reichstage.(23. März.) Mit großer Entrüstung hatte am Sonnabend der Herr Kriegsminister es für Verleumdung erklärt, wenn jemand behaupten würde, daß der Soldat kein ordentliches Beschwerderecht gegenüber seinen Vorgesetzten habe. Kennern der Verhältnisse konnte das nur ein Lächeln abgewinnen. Auf dem Papier ist das Be- schwerderecht des Soldaten sehr schön zu lesen, aber in der Praxis!... Genosse Bohle erbrachte heute aus Straßburg ein interessantes Beispiel von dieser Praxis. Da ist ein Feuer- wcrker, dem seiner Ansicht nach von seinem Vorgesetzten ein Unrecht angetan war. zu drei immer mehr sich steigernden Strafen gekommen infolge seiner Beschwerden. Ein Regierungskommissar wußte darauf nur zu erwidern, die Sache schwebe noch. Da kann es also noch mehr absetzen für den Beschwerdeführer. Im weiteren Laufe der Debatte brachte Genosse Z u b e i l eine Anzahl Klagen der Pulvcrarbeiter in Spandau bor. Er hatte auch zu erzählen von den Schwierigkeiten und Gefahren der Beschwerdeführung. � � �„ Den Schluß der vielfältigen Erörterungen des Tage� machte Trimborn(Z.) mit einer ganz amüsanten Schilderung der Bedrohung wertvoller Bauwerke durch den MilitärfiSkus. Es handele sich um zwei Kirchen, denen der Abbruch drohe, die aber doch einen hohen Kunstwert hätten. Der Kriegsministcr sagte bereitwilligst zu, daß diese Bauwerke vor Zerstörung behütet werden sollten. Morgen kommt der M a r i n e e t a t an die Reihe.-» Beanstandung der Landtagswahl in Rixdorf-Schöueberg. Das Abgeordnetenhaus hielt am Dienstag eine UN- gewöhnlich kurze Sitzung ab, in der der Eisenbahnctat zu Ende beraten, einige kleine Vorlagen und Petitionen ohne allgemeines Interesse erledigt und eine Reihe von Wahlen ge- prüft wurden, darunter die des Abg. Neinbacher(srs. Vp.), der in N i r d o r f- S ch ö n e b e r g mit einer Mehrheit von nur 13 Stimmen über unseren Genossen Wels den Sieg davongetragen hat. Von unseren Rixdorfer Parteigenossen ist gegen die Wahl Protest eingelegt, einmal weil für Rixdors bei der Bildung der Abteilungen die Steuerveranlagung für das Jahr 1907, für Schöneberg aber die Veranlagung für 1908 zugrunde gelegt war, zweitens, weil bei der Nildung der Abteilungen von der Bestimmung des§ 6 des iöahl- reglements abgewichen ist, wonach in denjenigen Fällen, in denen bei gleichen Steuerbeträgen sich nicht entscheiden läßt, welcher unter mehreren Wählern zu einer bestimmten Abteilung zu rechnen ist, die alphabetische Ordnung der Familie::- namen den Ausschlag gibt, und endlich, weil die Bewohner des HauseL Fuldaer Str. 55/56 in Rixdorf trotz ihres Ein spruchs nicht in die Wählerlisten desjenigen Urwahlbczirks ans genommen sind, in welchem ihre Wohnung lag. Das Haus beschloß dem Antrage der Kommission ent sprechend debattelos, über alle diese Punkte Beweis zu erheben und die Wahl zu beanstanden. Unsere Genossen«n« gut, sich schon jetzt auf eine Neuwahl vorzubereiten. Die nächste Sitzung findet erst am Freitag statt. Ein neues Vakuum. Die Beratungen der GeschäftSordnungSkommisfion des Reichstags über die sogenannten kleinen Anfragen wurden in der Sitzung vom Dienstag zu Ende geführt, kamen aber auf ein neues Vakuum hinaus. ES waren nämlich einige neue Anträge eingelaufen. Ein kon- servativer Antrag Kreth verlangte die Zuziehung der Ver- treter der RcichSregierung zu den Verhandlungen der Kommission, weil deren Beschlüsse auf Eingriffe in die Rechte deS Bundesrats hinausliefen. Für den Fall der Einführung der kleinen Anfragen brauche die Regierung mindestens 12 neue Gcheimräte. Ein Antrag E ii g e l e n(Z.) zielt darauf hinaus, gegen die Entscheidungen des Präsidenten über Zulassung eines Antrages einen Rekurs an das Hans zu eröffnen. In der Debatte fand der Antrag Kreth außer- halb der konservativen Gruppen keinerlei Unterstützung. Geck(E l verwies darauf, daß das HauS seine Geschäftsordnung selbständig regele. Die Anfragen müßten von dem vorhandenen Rcgierungs- personal auf Grund seiner Kenntnisse beantwortet werden können, 12 neue Geheimräte würden daran nichts ändern. Dem Antrage Engelen könne die Sozialdemokratie dagegen zustimmen, da er der bisherigen Praxis des Hauses in allen sicheren Geschäftsordnung:- fragen entspreche. In der weiteren Debatte kritisierte R o e r e n(Z.) die Einengung?- bestrebungen der Freisinnigen und Nationalliberalcn, durch die die kleinen Anfragen zu einem untauglichen Werkzeug gemacht würden. Müller- Meiningen meinte, die Liberalen suchten den goldencn Mittelweg zu finden, um auch die Konservativen für ihre Anträge zu gewinnen. Was sie vorschlügen, entspreche der englischen Praxis. Haußmann(Vp.) weist noch darauf hin, daß in Württemberg ähnliche Bestimmungen unter Billigung aller Parteien angenommen worden seien. Flugs beantragten die Konservativen, vor der Weiter- beratung die württcmbergischen Bestimmungen zur Kenntnis der Kommission zu bringen. Dieser Antrag wurde wegen allzugroßer .Gründlichkeit" abgelehnt. 2 e d eb o u r(Soz.) warnte die Liberalen, sich zwischen zwei Stühle zu setzen. Wenn sie dem Block zu Liebe den Konservativen allerhand Konzessionen machten, so sei das um so weniger gereckn- fertigt, als sie doch erst bei der Formulierung deS Antragsrechts für Interpellationen erlebt hätten, daß die Konservativen sie schließlich in Stich ließen. Nach einigen weiteren Ausführungen Müllers und Haußmanns kam eS zur Abstimmung. Die Hauptdiffercnzpunkte wurden folgendermaßen entschieden: Angenommen wurde gegen die Sozialdemokratie: daß Fragen, die ein schwebendeSEin haltsverfahren betreffen. nicht gestellt werden dürfen. Abgelehnt wurden aber gegen die konservativen Gruppen und stellenweise auch gegen die National- liberalen alle weiteren Einschränkungen, die auch Fragen ausschließen wollten, die ein schwebendes Verwaltungsstreitverfahren oder DiS- diplinarverfahren oder gar eine schwebende Verwaltungsangelegcnhcit überhaupt betreffen. Der Antrag E n g e l e r wurde angenommen. _ Bei der Zeitbestimmung wurden zunächst die weitergehenden sozialdemokratischen Anträge abgelehnt und schließlich festgesetzt, daß an je zwei Tagen in der Woche je eine Stunde für Anfragen reserviert werden sollen. Gegen die Sozialdemokratie wurde ferner angenommen, daß die dann nicht erledigte» Anfragen nur schriftlich beantwortet werden könnten. Schließlich wurde aber dieser ganze Absatz abgelehnt, gegen die Liberalen, so daß in betreff der Zeitbestimmung für kleine An- stagen ein Vakuum entstand. Das war das erste.Resultat" der Politik der mittleren Linie. Eine wesentliche Differenz ergab sich dann betreffs der Handhabung der Anfragen. Nach sozialdemokratischem Vorschlag soll nach«find- lichcr Beantwortung einer Anfrage durch die Regierung ein jede? Mitglied des HauseS zu ergänzenden und berichtigenden Anfragen das Wort erhalten können. Die Liberalen wollen nur dem Frage- steller daS Wort zu Berichtigungen verstatten. Der sozial- demokratische Antrag wurde gegen Sozialdemokraten, Zentrum und Polen abgelehnt, der liberale von der nämlichen Mehrheit angenommen. Als es nun aber zur Gesamtabstimmnng kam, stimmten Sozial- demokraten, Zentrum nnd Polen gegen den gesamten§ 33b. weil er zu engherzig gefaßt ist. die drei konservativen Gruppe» stimmten dagegen, weil er ihnen zu weit geht; die Nationalliberalen und Freisinnigen blieben mitte» drin mit sieben Stimmen in der Minderheit. Somit ist ein neues Vakuum geschaffen. Dem Plenum bleibt eS vorbehalten, c8 mit einer wirklich brauchbaren Bestimmung zur Einführung»kleiner Anfragen" anszufüllen. Angenommen wurde schließlich noch in zweiter Lesung der von der Sozialdemokratie ursprünglich gestellte und vom Zentrum amendierte Antrag, den§ 48 so zu gestalten, daß künftig, wenn ein Bundesratsmitglied außerhalb der Tagesordnung das Wort ergreift, der Reichstag auf Antrag beschließen kann, die Diskussion darüber m eröffnen._ Ein Weiszbuch über das Seekriegsrecht. Dem Reichstage ist soeben ein Weißbuch über die Ergebnisse der in London vom 4. Dezember 1903 bis 26. Februaic 1999 ab- gehaltenen Seekriegsrechtskonferenz zugegangen. Es wird darin ausgeführt, daß die letzte Haager Friedenskonferenz die von ihr be- absichtigte umfassende Regelung des Seekriegsrechtes nur zum Teil hat durchführen können, weil die Rechtsallffassungen und die Jnter- essen der beteiligten Mächte nicht überall in Einklang zu bringen waren. Insbesondere sei damals das für den neutralen Handel und die neutrale Schiffahrt wichtige Prisenrecht der Hauptsache nach ungeregelt geblieben. Unter diesen Umständen sei es zu begrüßen gewesen, daß die großbriwnnische Regierung im März 1908 eine Konferenz der zumeist beteiligten Handels« und Seestaaten zur Feststellung der in Betracht kommenden Regeln des Seekriegsrechtes in Anregung brachte. An der Konferenz nahmen teil: Deutschland, die Vereinigten Staaten von Amerika, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Spanien, Italien, Japan, die Niederlande und Nußland. ES wurden folgende Abmachungen getroffen: Blockade. Die Blockade muß auf die feindlichen Häfen und Küsten be- schränkt werden, fie muß durch eine Streitmacht aufrecht erhalten werden, welche hinreicht, um den Zugang zur feindlichen Küste in Wirklichkeit zu verhindern. Die Blockade gilt nicht als aufgehoben. wenn sich die blockierenden Streitkräfte infolge schlechten Wetters zeitweise entfernt haben. Der Befehlshaber der blockierenden Streit- macht kann Kriegsschiffen die Erlaubnis erteilen, den blockierten Hafen anzulaufen und ihn später wieder zu verlassen. Die Blockade- crklärung mutz den neutralen Mächten bekannt gegeben werden. Ein des Blockadebruchs schuldig befundenes Schiff wird eingezogen. Kriegskonterbande. Als Kriegskonterbande gelten alle Waffen. Geschosse, Pulver. Kriegsgerät, Lebensmittel, militärische Kleidungsstücke, Eisenbahn- Material, Gold und Silber, Luftschiffe, Flugmaschinen, dagegen keine Lazarettartikel. Neutralitätswidrige Unter st ützung. Neutrale Schiffe, die eine der kriegführenden Mächte unter- stützen, verfallen der Beschlagnahme. Die Art der unzulässigen Unterstützung ist genau fixiert. Zerstörung neutraler Prisen. Ein beschlagnahmtes neutrales Schiff darf nicht zerstört werden, sondern muß in einen Hafen gebracht werden, wo gehörig über die Rechtmäßigkeit der Wegnahme entschieden werden kann. Die Zer- störung ist nur erlaubt, wenn das Kriegsschiff durch die Prise in seinen Operationen behindert ist. Ist die Zerstörung rechtswidrig geschehen, so muß die Kriegsmacht, die die Zerstörung vornahm. Schadenersatz leisten. Flaggenwechsel. Der vor Beginn der Feindseligkeiten herbeigeführte Uevergang eines feindlichen Schiffes zur neutralen Flagge ist gültig, falls nicht bewiesen wird, daß dieser Uebergang herbeigeführt worden ist, um den mit der Eigenschaft eines feindlichen Schiffes verbundenen Folgen zu entgehen. Indes spricht die Vermutung für die Nichtig- keit, sofern sich die Uebertragungsurkunde nicht an Bord befindet und das Schiff die Nationalität dcS Kriegführenden weniger als 60 Tage vor Beginn der Feindseligkeiten verloren hat. Geleit, Wider st andgegendieDurchsuchung, Schadenersatz. Neutrale Schiffe unter dem Geleit ihrer Kriegsflagge sind von der Durchsuchung befreit. Das Geleitschiff muß auf Ersuchen eines Kriegsschiffes der Kriegführenden über Ziel und Ladung der Schiffe Auskunft geben. Der gewaltsame Widerstand gegen rechtmäßige Ausübung des AnhaltungS-, DurchsuchungS- und Beschlagnahme- rechtes hat in allen Fällen die Einziehung der Schiffe zur Folge. Bei unberechtigter Beschlagnahme ist Schadenersatz zu leisten. Freifinnige und Finanzreform. Auf dem in Jnsterburg abgehaltenen freisinnigen Parteitag für Ostpreußen verteidigte der Abg. Wiemer zlvar die Haltung der FraktionSgemcinschaft zur Finanzreform, meinte aber, den» Kompromiß hätte man nur zugestimmt, weil man zurzeit ein Auseinanderfallen des Blockes nicht für zweckmäßig halte. Die Freisinnigen seien von vornherein der Ueberzeugung gewesen, daß dieses Kompromiß gar nicht zur Annahme kommen werde. Wenn bei der zweiten Lesung die Nachlaß st euer nicht komme, oder wenn die Liebesgabe in der einen oder in der anderen Form bestehen bleibe, dann sei eS Zeit abzuschwenken. Jnstizrat Lichtenstein, der Führer deS Königsberger Blockfrei- sinnigen, hält das Kompromiß für einen tattischen Fehler schon wegen der Rückwirkung auf das Volk. Wenn jetzt die Nachlaßsteuer wieder in den Wordergrund rückte, so sei daS nur dem Widerspruch gegen daS Kompromiß in der Presse und im Volke zu- zuschreiben. Lange werde der Block doch nicht mehr dauern, deshalb dürfe die Rücksicht auf die Blockpolitik nicht aus- schlaggebend sein. ES wurde eine Resolution angenommen, in der verlangt wird, daß keine neuen indirekten Steuern bewilligt werden. wenn nicht ein erheblicher Teil der erforderlichen Neubelastung durch direkte Neichsstenern auf Nachlaß oder Vermögen den tragfähigcn Schultern auferlegt werde. Das Besitzsteuerkompromiß sei bei der endgültigen Abstimmung abzulehnen. Nationalliberaler Provinzialparteitag. Die Nationalliberalen Berlin? und der Provinz Brandenburg hielten gestern abend in Berlin einen Parteitag ab, der u. a. auch zur Finanzresorm Stellung nahm. In einer Resolution wurde hierzu gesagt:»Nach dem Ergebnis der bisherigen parlamentarischen Verhandlungen erscheine als der einzige aussichtsvolle Weg zu einer annehmbaren Finanzreform der Ausbau der von der Regierung vor- geschlagenen Nachlaßsteuer. Der Parteitag richte deshalb an die nationälliberale Fraktion des Reichstags das dringende Ersuchen, für eine gerechte Besteuerung des Nachlasses einmütig und energisch einzutreten."_ Gegen die Arbeiterkontrolleure, deren Einführung in der Berggesetznovelle vorgesehen ist, macht die Krefeld«! Handelskammer mobil. In der angenommenen Reso- lution wird erklärt, daß man der Einführung zustimmen könnte, wenn sich von ihr irgendein Erfolg für den Bergbaubetrieb erwarte» ließe. Es sei aber unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse sicher, daß das Institut der Arbeiter- kpntrolleure direkt schädlich wirken würde. Ppn privgjeg Berg- beamten und staatlichen Aufsichtsbeamtcn würden die Gruben so häufig und gründlich kontrolliert, daß ein tatsächliches Bediirsms für Einführung der Sichcrheitsmänncr nicht vorliegt. Wohl aber würde die Einführung der Arbeitcrrontrolleure eine Lockerung der für den Bergbau unbedingt notwendigen Disziplin, eine Verschlech- terung des Verhältnisses zwischen Belegschaft und Werksbeamten, eine Abschwächung des VerantmortlichkcitsgefühlS bei den Arbeitern, im ganzen also statt einer Erhöhung eine Verminderung der Sicher- heit des Grubenbetriebs, wie ferner eine Stärkung der Sozialdcmo- kratie zur Folge haben. Krefeld ist der Sitz eines BergamteS, daher die scharfmacherische Stellung der Handelskammer._ Aus dem weimarischen Landtage. Die WahlrcchtSfrage hat ihre Erledigung noch nicht gefunden. Im Ausschuß ist erst die erste Lesung beendet.— Die Konservativen verlangen eine Zusatzstimme bei einem Einkommen von 2000 M. oder bei einem Besitz von ö Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Sie wollen darauf nur verzichten, wen» in das Gesetz die Bestimmung aufgenommen wird, daß anstatt dreijähriger in Zukunft sechsjährige Wahlperioden eingeführt werden. Ferner soll da? Wahlaltcr von 21 auf 25 Jahre heraufgesetzt werden und der Abgeordnete min- destens ein Jahr vor der Wahl seinen Wohnsitz im Wahlbezirk oder im Amtsbezirk deS Wahlbezirks genominen haben. Einige National- liberale haben sich schon zu dieser Verschlechterung bereit erklärt.— Der Wahlberechtigte mutz außerdem daS Bürgerrecht in einer Gemeinde des GroßherzogtumS haben. Konservative gegen das Steuerkompromifi. Der konservative Wahlverein in PotS dam bat in einer von 1000 Personen besuchten Vecsammlnng scharfen Protest erhoben gegen die Haltung der konservativen ReichStagSfrattion in der Frage der Nachlaßsteuer. Die Versammlung erklärte, daß ihr jegliches Vcr« ständnis dafür fehle, wie sich die konservative Fraktion gegen eine Nachlaßsteuer in dieser milden Form erklären konnte. Die Ver- sammlung erblickt die Ursache dieses Verhaltens in der Abhängigkeit der Konservativen vom Bunde der Landwirte. ,, Kasernenagitation". Vom Genossen Theodor Liebknecht erhalten wir folgende Zu- schrift: Werte Genossen I Am vorigen Sonnabend hat Genosse Frank und dann der KriegSininister im Reichstage wieder einmal behauptet, mein Bruder habe den Plan einer Kasernenagitation in Deutschland propagiert. Obwohl diese Behauptung gewiß nichts weniger als „ehrenrührig" ist und sich in den jetzigen Zeitläuften auch eine Parallele mit— dem Kronprinzen von Serbien eher ertragen läßt als mit irgend einem Aehrenthal, bitte ich doch für meinen Bruder, dem zurzeit die Hände gebunden sind, einiges bemerken zu dürfen: Es handelt sich hier un, eine Leaende, deren Zählcbigkeit sich nur dadurch erklären läßt, daß sie einem dringenden ideologischen Bedürfnis der deutschen Militaristen, aber auch gewisser Parteikreis« entspricht. Mein Bnider hat weder 1904 in Bremen noch 1905 in Jena noch 1908 in Mannheim noch bei irgend einer sonstigen Gelegenheit Agitation der behaupteten Art mit einer Silbe auch nur andeutungsweise propagiert, vorgeschlagen oder nahegelegt. Seine Vorschläge bezogen sich ausnahmslos auf die Agitation außer- halb der Kaserne. Von seiner Hochvcrratsschrift gilt genau daS- selbe. Und auch von anderer Seite ist nie auf einem Parteitag der deutschen Sozialdemokratie Kasernenagitation befürwortet worden. Auf dem Essener Parteitag hat mein Bruder sich bemübt, den„Sagen- kretS", der sich um seine antimilitaristischen Tendenzen gebildet hat, zu zerstören: in seinem Hochverratsprozeß hat er den zweiten euer- gischen Zerstörungöversuch unternommen; der weitverbreitete Prozetz- bericht gibt diese'Erörterungen ausführlich genug wieder. Den Er- folg zeigt die Reickistagsverhandlnng vom 20. d. M. lieber die Gründe jener taktischen Stellung meine» Bruders kann ich der lebhaften Neugier des KriegömtnisterS natürlich nicht viel verraten. Aber Gründe irgend welcher»Moral" kommen be- stimmt nicht in Frage: die scheiden schon angesichts der wüsten a n t i sozialdemokratischen Kasernenagitation aus. die mit Duldung nicht nur, sondern auf Kommando des Kriegsministers zu Nutz und Frommen unserer Schlot- und Krautjunker in großem Maßstab betrieben wird. Aller guten Dinge sind drei. So sei auch dieser dritte Jagdzug aus die unsterbliche Legenden-Ente unternommen; mag sie nun lustig weiter hcruniplätschern, wo's ihr Pläsier macht. Scla l B e r I i n. 22. März 1900. Mit freundlichem Parteigruß Ihr _ Th. Liebknecht. franhmeb. ' Wettrüsten auch in Frankreich. Paris, 23. März. In dein heute abgehaltenen Ministerrate verlas Ntariueniinistcr Picard sein Exposä über die in der Marine vorzunehmenden Verbesserungen, deren Kosten sich auf 30 Millionen Frank belaufen. Danach soll die Ausrüstung der Schiffe an Geschützen, Geschassen, Pulver aller Art, Pro- viant usw. vervollständigt werden. Die Ausrüstung der Kriegs- l, ä f c n soll dahin vervollständigt werden, daß sie imstande sind, den Schiffen Zuflucht zu gewähren und die Mobilisierung der Flotte au sichern. Die F e r t i g st c l l u n g der Neubau t en soll be- sch leunigt, die Bestände der Häfen an Proviant sollen ver- mehrt werden. Dieses Programm beschränkt sich auf den gegen- wärtiyen Bestand der Flotte und sieht weder eine Vermehrung der Flotte noch Ersatzbauten vor. In einem zlveiten Kapitel des Expose werden die Garantien besprochen, die für die gute Ver- Wendung der öffentlichen Gelder gegeben werden sollen. Lelgien. DaS Achtstundrngcsctz. Brüssel, 23. März. Die Deputiertenkammer, die sieutc über den Gesetzentwurf betr. Begrenzung der Arbeitszeit in den Bergwerken verhandelt hat, hat sich durch Ablehnung des Artikels 1 sowohl in der Ncgierungs- fassung wie in der Kommissionsfassung gegen jede Aus- n ahme in der Beschränkung der Arbeitszeit ausgesprochen. Italien. Unwirksame Drohung. Rom, 21. März.(Eig. Ber.) Der Führer der katholischen Demokraten, Abgeordneter Weltpriester Murrt erhielt vom Bischof von Ferino den Befehl, sich binnen sechs Tagen bedingungslos zu unterwerfen, widrigenfalls über ihn nicht wegen seiner aktiven Beteiligung am politischen Leben, sondern wegen seiner un- verschämten Auflehnung gegen die Kongregation der Kardinäle der Kirchenbann verhängt würde. M u r r i erwiderte, der Bischof möge den Bann nur aussprechen, er werde sich Gott näher fühlen, wenn er nicht mehr der Körperschaft angehöre, die den Geist Christi verleugnet, um dem Aberglauben zu frönen.-»_ Exkommuniziert. Rom, 23. März. Der Vatikan sprach gegen den Deputierten Abbe Murr» die Exkommunikation aus. Snglancl. Neue Erklärungen Asquiths. London, 22. März. Im Unterhaus erklärte Ministerpräsident A-quith: In der außerordentlichen Agitation die jetzt vor sich geht, einer Agitation von sehr künstlicher Natur, die die englischen Unterhandlungen mit der deutschen Regierung betreffen, will ich das Haus ersuchen, jedes Urteil hinauszuschieben, bis es die vollständigen Erklärungen G r e h s gehört haben wird. Bei diesem Gegenstände besteht keine Unfreundlichkeit und kein Verdacht, weder auf der einen noch auf der anderen Seite bezüglich fernerer und indirekter Motive, sondern nur gegenseitiges Verständnis da- für, was der Unabhängigkeit zweier großer Völker gebührt.. In allen Verhandlungen, die wir mit der deutschen Regierung über diesen Gegenstand hatten, gibt es, wenngleich diese Verhandlungen nicht in allen Fällen daS z» Wege brachten, ttms wir wünschen, keinen Anlaß zur Klage. Als das Budget eingebracht wurde, gc- stel)e ich, zwei Wünsche gehabt zu haben. An erster Stelle, daß die Erörterung dieser großen Frage der nationalen Sicherheit von Anfang bis zu Ende ohne die Einflüsse deS Partei- g ei st es durchgeführt werde. An zweiter Stelle wünschte ich, daß, wie schwer auch die Lage unzweifelhaft in dieser Hinsicht uns er- schien, da wir für einen neuen Stand der Dinge Vorsorge treffen mußten, der ein Jahr vorher nicht existierte, dennoch im Lande die Anschauung vorhanden wäre, daß kein Grund vor- handen fei für irgendeine, ich will nicht sagen, Panik, sondern nicht einmal für irgendwelche Furcht oder Beunruhigung. Mc. Kenna und ich haben in diesem Glauben das Haus und das Land in unser Vertrauen gezogen in einem Grade, der, wie ich meine, in früheren Tagen selten erreicht wurde. Wir waren vollkommen überzeugt, daß es unsere Pflicht war, die neuen Tai- fachen, die zu unserer Kenntnis gelangt waren, bor das Parlament und vor die Nation zu bringen, und gemäß dem veränderten Stande der Dinge vorzugehen. Wir hatten geglaubt, nicht allein auf die Sympathie, sondern auch auf die Mitarbeit aller Parteien und Meinungen innerhalb und außerhalb des Hauses rechnen zu können. Ich fürchte, daß diese Hoffnungen nicht gänzlich verwirklicht worden sind. Ich beklage mich nicht darüber. Mein Ziel ist nur, soweit ich es vermag, die absurden, boshaften Legendem die inbetreff der mangelhaften Vorbereitung Englands zur See in Umlauf gesetzt worden sind, zu zerstreuen. Wir haben gegenwärtig vier Dreadnoughts und JnvincibleS und zu Ende des nächsten Monats werden wir fünf haben. Zu Ende des Jahres 1909 werden sogar sieben Dreadnoughts ihren Platz in der britischen Flotte einnehmen. Wie steht eS nun mit Deutschland? Gegen- wärtig hat eS überhaupt keinen Dreadnought im Dienst und die Annahme geht dahin, daß es zu Ende 1909 zwei Dreadnoughts haben wird, mit anderen Worten: Am Schluß des Jahres werden wir sieben Dreadnoughts besitzen gegenüber den zweien Deutsch- landS. Hierin liegt nichts sehr Beunruhigendes. Die alten Weiber beiderlei Geschlechts, welche von phantastischen Visionen deutscher Dreadnoughtflotten gequält werden, brauchen, glaube ich, keinesfalls in den nächsten zwölf Monaten besorgt zu sein. Jetzt will»ch zu einem anderen Faktor unserer Flottenstreitkräfte kommen, von dessen Größe meiner An- ficht nach die Bevölkerung dieses Landes eine sehr wenig ange- messene Vorstellung hat. Ich mein« die große Flotte unserer Schlachtschiffe, die der sogenannte Vor-Dreadnought-Aera ange- hören. Der Premierminister erging sich dann im einzelnen über diese Fahrzeuge, hob die Stärke Englands an Panzerkreuzern her- vor und sagte: Bei einer solchen Riesenflotte ist es höchst unver- nünftig, vorzugeben, daß wir in einer Lage wären, die Furcht und Beunruhigung erwecken sollte, oder daß wir nicht vollkommen imstande wären, jeder Verantwortung zu begegnen. Ich habe es für nötig befunden, diese Erklärung abzugeben mit Rücksicht auf die Agitation, die draußen jetzt betrieben wird.(Bei- fall bei der Regierungspartei.) Asquith schloß mit einem A p p e l l an die Nation, die in den verflossenen zwei, drei Tagen sich ihrer selb st geschämt haben müsse im Hinblick auf all das, was gesprochen und geschrieben worden sei. Denn die erste Sorge jedes britischen Staatsmannes, der dieses Namens würdig ist, rief der Minister aus, ist es, die U e b e r I e g e n h e i t d e r Flotte. auf der unsere Unabhängigkeit und unsere Freiheit fußt, zu er- halten, unversehrt, unangreifbar und jeder Herausforderung trotzend. Dem Ministerpräsidenten entgegnet« Balfour, daß die Feststellungen, die von der Regierungsbank hier und im Reichstag dort erfolgt seien, nicht leicht miteinander zu vereinen seien. Aber das sei ganz nebensächlich. Asquith habe behauptet, daß er das Land inS Vertrauen gezogen habe. Aber warum habe er es nicht im vorigen November getan, als gemäß dem Geständnis Mc. Kennas die Regierung Deutschlands Programm kennen lernte? Wenn Asquith glaube, daß d»e Lage durch irgend etwas, waS er erwähnt habe, geändert worden fei. so irre er sich gründlich. In den ersten Tagen der vorigen Woche habe eine Hoffnung bestanden, daß die Regierung ihr Programm ändern werde, aber die Reden, die Mc. Kenna und ASquith am Donnerstag gehalten hätten, hätten diese Hoffnung zerstört. Er sei daher zu der Anschauung ge- zwungen, daß acht Dreadnoughts sobald als möglich auf Stapel gelegt werden müßten. Die Regierung aber lehne es ab, eine Stellung aufzugeben, die, wie ihm scheine, eine große nationale Gefahr init sich bringe. Deshalb glaube er, daß sein Borschlag eines Tadelsvotums gerecht- fertigt sei. Nach einer weiteren Debatte, in der mehrere liberale Redner verlangten, daß die Regierung ihr Flottenprogramm erweitern solle, wurde die Vorlage betreffend den Effektiv- bestand der Flotte einstimmig angenommen. Die Be- ratung über das Tadelsvotum BalfourS ist für den LS. März anberaumt., pcrftcn. Die Barbarei der Truppe» deS Schahs. Teheran, 22. März. Heute ivurde eine sehr ernst gehaltene ge- n, einsame Note des russischen und englischen Ge« sandten überreicht, die gegen die barbarische KrieaSführung Rakhim Khans protestiert, der unfähig fei, eine wirksame Tätigkeit gegen Täbri« auszuüben, und der wehrlose Dörfer in der Nachbar- schaft von Dschnlfa plündere. Beide Gesandtschaften verlangen so- fortige direkte Befehle des Schahs an Rakhim Khan, dies Verfahren einzustellen.— Die Wache des russischen Konsulats ist um SO K o- saken verstärkt worden.__ Erfolge der Revolutionäre. London, 23. März. DaS»Reutersche Bureau' meldet aus Abuschehr: Die Ratio nali st en unter Führung dcS Mullah haben am 22. d. M. in aller Ruhe die Regrerung in Abuschehr übernommen, die Behörden entlassen und eigene eingesetzt; sie beabsichtigen die Zoll» v e r>v a l t u n g am 24. d. M. an übernehmen. Weiter wird be- richtet, daß auch in S h i r a S die Nationalisten die Regierung übernommen haben. Kmeriks. Die Tarifdebatte. Washington, 22. März. Payne eröffnete die Tarifdebatte im Repräsentantenhause und sagte, ein Land, daS Amerika nicht die gleiche Gelegenheit wie irgend einem anderen Lande ein- räume, müsse den Maximaltarif zahlen. Amerika sei der größte Weltkunde. Er frage, ob irgend jemand sei, der nicht wisse, daß Deutschland und Frankreich den amerikanischen Handel suchen und sich sofort die Minimaltarife sichern würden. Der Doppeltarif schütze Amerikas Märkte vor den» un- lauteren ausländischen Wettbewerbe. Redner erttärte ausdrücklich, England würde die Minimalzöllegenießen, und cS sei absolut sicher, daß alle großen Mächte die Gelegenheit»vahrnchmcn würden, um sich die gleichen Vorteile zu sichern wie England. Die Erhöhung des P o st k a r t e n z o I l S auf 25 Cents pro Pfund sei erfolgt, um den amerikanischen Lithographen den Wettbewerb mit den deutschen zu ermöglichen; die bedeutende Zollerhöhung auf Glacehandschuhe würde die hiesige Industrie fördern. GewerhfchaftUcbcg. Schwarze Beamtenlisten. Die Unternehmerverbände suchen selbst die Industrie bcamten, die fast unheilbar an der Jnteressenharmonieduselei leiden und immer noch nicht einsehen wollen, daß sie als Arbeitnehmer die gleichen Interessen wie die Arbeiter haben. zu kurieren. Die„Jndustriebeamten-Zeitung" veröffentlicht 'olgende schwarze Liste: Georg v. GicschcS Erven. Ich verfehle nicht. Ihnen mitzuteilen, daß wir heute den folgenden Beamten, welche sich in dem vom B. t.-i. B. gegen unsere Giesche-Grube gerichteten Angriff auf Seite des Bundes gestellt hatten, zum nächsten Termin den Dienst gekündigt haben: 1. Vorstand des technischen Bureaus H. F. 2. Steiger W. B. 8. Steiger E. W. 4. Steiger K. G. 5. Steigerstellvertreter P. 6. Maschinenwerkmeister B. 7. Steiger A. C. 8. Steiger P. H. 9. Steiger G. W. 10. Steiger E. B. 11. Steiger F. K. Die ersten fünf der Genannten haben wir gleichzeitig sofort von ihren Dienstobliegenheiten entbunden. Wir ersuchen ergcbenst den übrigen Werken des Vereins von den Entlassungen Kenntnis geben zu wollen. Mit Hochachtung Glück auf l , gez. Uthemann. Oberschlefiicher Berg- und Hüttenmännischer Verein E. V. Persönlich und vertraulich I A. F. 188/09. Einschreiben. � An die Herren Chefs der größeren oberschlesischen Verwaltungen I Umstehend lasten wir den geehrten Verwaltungen Abschrift eines uns soeben von der Bergwerksgesellschaft Georg von GiescheS Erben zugegangenen Schreibens zur gest. Kenntnis ergebenst zugehen. Mit freundlichem Glück aufl Der Geschäftsführer: Knochenhauer. Derselbe Knochenhauer hat an der Protcstversamm- limg des Bundes der technisch-industriellen Beamten vom 13. November 1906 gegen die Angriffe des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Vereins auf das Koalitionsrecht der Privatangestellten teilgenommen. Trotzdem behauptete Graf Carmer-Oston in seiner Neichstagsrede vom 8. Februar, vom Bund der technisch-industriellen Beamten sei bis dahin in Oberschlesien wenig oder gar nichts bekannt ge- Wesen. Ebenso machte er aus dem Vorsteher des technischen Bureaus im Interesse der besseren rhetorischen Wirkung einen technischen Bureaubeamten, der leicht zu ersetzen ist und nicht fehlt, und erklärte die gekündigten Beamten zum größten Teil als minderwertige Eleinente. Auch habe es dem Direktor Uthemann ferngelegen, das Koalitionsrecht in irgend einer Weise zu beschränken. Berlin und Umgegend. Die Tarifverhandlungen der Bauklempner. Vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts begannen am Dienstagmittag die Verhandlungen über den Tarifvertrag der Bau- klempner. Der alte Tarif läuft am 31. März ab. Vorschläge zu einem neuen Vertrag haben Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gemacht. Diese Vorschläge bor Eintritt in die Verhandlungen erst einer Sondcrkommission zu unterbreiten, lehnten beide Parteien ab und die Verhandlungen nahmen ihren Anfang. Den Vorsitz führte Magistratsrat von Schulz, als Beisitzer fungierten Behrendt und Körsten, Heuer und Bleschkauer. Die Arbeitnehmer waren durch 9 Personen, die Branchenkommission und den Bcvoll- mächtigten des Verbandes vertreten. Ihnen saßen 14 Vertreter der Arbeitgeber gegenüber. Die erste größere Meinungsdifferenz entspann sich, als§ 2 der Vorlage zur Diskussion stand. Von den Arbeitgebern wird die Akkoroarbeit gefordert, was den ent- schicdenen Widerspruch der Vertreter der Arbeiter hervorrief. Die Meister behaupteten, daß die meisten und gerade die tüchtigen, leistungsfähigen Arbeiter oie Akkordarbeit wünschen. Die Arbeiter- Vertreter bestritten entschieden, daß ein solcher Wunsch bei einer größeren Anzahl von Klempnern bestehe. Cohen bot den Be. weis dafür an, indem er eine geheime Abstimmung unter den 1400 bis 1500 Klempnern vorschlug, wobei seiner Meinung nach nicht mehr als 50 bis 60 sich für die Stückarbeit erkären würden. Wenn der Obermeister Berger in zweideutiger Weise davon ge- sprachen habe, daß die Unfälle meist des Nachmittags passieren, so müsse er die Verdächtigung, als seien die Arbeiter dann nicht mehr ganz nüchtern, zurückweisen. Des Nachmittags hat eben die Spannkraft des Arbeiters schon nachgelassen, denn her Arbeitgeber verlange dock) für den gezahlten Lohn sein volles Maß Arbeit. Die Kalkulation werde durch den Zeitlohn nicht unsicher gemacht, diese Unsicherheit liege hauptsächlich in der wütenden Konkurrenz der Meister untereinander. Der Hauptgrund sei vielmehr, gerade- heraus gesagt, der, daß die Meister in Uebereinstimmung mit einem berechneten"Vorgehen in allen Branchen des Bauberuss sich der- pflichtet halten, die Akkordarbeit auch bei den Bauklcmpncrn ein- zuführen. Diese Taktik hat aber mit den Bedürfnissen nichts zu tun, auch nichts mit den Wünschen der Arbeiter.— Der nächste Paragraph, 8 3, der die Lohnverhältnisse regeln soll, rief ebenfalls eine längere Diskussion hervor, die sogar einmal sehr stürmisch wurde. Als Mindestlohn bieten die Arbeitgeber 72lh Pf., die Arbeitnehmer verlangen 75 Pf. pro Stunde. Jungausgelernten, die das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sollen nach dem Vorschlag der Arbeitgeber nach einer Staffelung von 50 bis 70 Pf. pro Stunde bezahlt werden. Die Arbeitnehmer verlangen für die Jungaus- gelernten im ersten Jahre 65 Pf., im zweiten nicht unter 70 Pf. und dann Steigerungen von 2V3 Pf. pro Stunde. Die jetzige Kon- junktur, fo erklärten die Arbeitgeber, würde eine Herabsetzung der Löhne rechtfertigen, und doch wolle man den Lohn von 72zh Pf. beibehalten. Als der Obermeister Bcrger über die Jungaus- gelernten klagte, die nichts verständen und denen man nur den vorgeschlagenen Lohn zahlen könne, da machte Cohen die Meister selbst dafür veranttvortlich und es entstand eine Aufregung, die den Vorsitzenden veranlaßte, die Sitzung zu unterbrechen, um erst wieder Frieden zu stiften, besonders aber den einen Beisitzer, Bau- meister Heuer, zu beruhigen.— Die Beratungen wurden dann gleich wieder aufgenommen und die Differenzen in den folgenden Paragraphen diskutiert, in bezug auf Ueberstunden, Fahrgeld uno Montagearbeiten. Von den letzteren handelte der Z 6. Hier hatten die Unternehmer die Vergütung um 50 Pf. herabgedrückt, die Ar- heiter dagegen um 50 Pf. heraufgesetzt, so daß eine Differenz von einer Mark entstand.— Großes Gewicht legten die Meister auf den § 8, der verlangt, daß die Arbeiter bestimmtes eigenes Werkzeug zu halten haben. Der nächste Paragraph, der von der Bildung der Schlichtungs- kommission handelt, verlangt nach dem Vorschlag der Arbeitgeber, daß Gewerkschaftsbeamte nicht Mitglieder der Schlichtungskommis- sion sein dürfen. Dagegen wandten sich die Vertreter der Arbeit- nchmer, ebenso gegen den Satz, daß die Parteien bei Entschei- düngen des Einigungsamtes sich verpflichten, dessen Schiedsspruch sich zu unterwerfen.— Der letzte Paragraph spricht von der Tarif- dauer und dem Fortlauf des Tarifs.— Zum Schluß der Be- ratungen verlangte Cohen noch eine Bestimmung, daß Sonder- abmachungen, die gegen Sinn und Fassung des VertrcPes verstoßen, unzulässig sind, so z. B.„Arbeitsordnungen", die einzelne Unter-___________ verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil verantw.: Th, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlageanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltnngsbl, kkehmer emführcll könnkeff. Er brächke zu? Bcgl!un?ustK ein Schreiben bei, das ihm zugegangen war von der Zentrale der Klempner-Gewerke von Berlin. Diese schreibt an den Deutschen Metallarbeiterverband unter dem Dawm vom 20. März: „Anliegend übersenden wir Ihnen ein Exemplar de? von uns festgelegten neuen Lohntarisvertrages nebst Arbeits- 0 r d ii u n g. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß bei Nicht- Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages bis zum 1. April cr. unsere Mitglieder, soloeit sie zum Lohngebiet Berlin und Um- gegend gehören, ihre Betriebe mit diesem Tage schließen und die Arbeit erst nach Abschluß eines neuen Tarifvertrages wieder auf- nehmen lassen werden."(Unterschrift.) Das Gericht zog sich zur Beratung zurück, die außerordentlich laßge dauerte und von zahlreichen Konferenzen zwischen den Par- teien unterbrochen wurde. Eine große Schwierigkeit türmte sich auf, die unübersteigbar schien, nämlich die Frage der Akkordarbeit. Schließlich wurde die Vertagung bis Freitagmittag beschlossen, unter der Voraussetzung, daß die Arbeiter am Donnerstagahend eine Versammlung abhalten, in der die Mitglieder des Verbandes zu der Frage der Akkordarbeit Stellung nehmen. Die Kündigung des Schossertariss. � Am 8. März hatte sich eine Mitgliederversammlung der im Deutschen Mctallarbeiterverband organisierten Bau- und Kunst- schlosser Berlins und Umgegend mit der Stellungnahme zur Kündi- gung des Schlossertarifs beschäftigt. Die Beratungen darüber sollten am Montag in einer Versammlung in„Freyers Fcstsäleu" sortgesetzt lverdcn, aber man hatte nicht mehr nötig, darüber zu diskutieren, ob die Arbeitnehmer den Tarif kündigen sollen oder nicht. Am 12. März lief ein Schreiben der Innung und des Schutz- Verbandes der Berliner Schlossereien mit der Kündigung des Tarifs von 1906 ein. Der Tarif läuft am 1. Juli d. I. ab. Nach der Kündigung durch den Schutzverband liefen noch besondere Kündigungen durch zwei Geldschrankfirmen, Panzer und Fuhr- mann, ein, und in der letzten Vcrtraucnsmännersitzung war man noch im unklaren, wie sich die übrigen Geldschrankfirmen zur Kün- digung stellen. Die Organisation richtete deshalb am 19. März ein Schreiben an den Schutzverband mit der Anfrage, ob die Kün- digung sich auch auf die Geldschrankfirmen erstrecke. Zugleich wurde angefragt, ob Innung und Schupverband eine Erneuerung des Tarifvertrags wünschen. Am nächsten Tage kam die Antwort, daß die Kündigung für alle Mitglieder der Innung und des Schutz- Verbandes gelte, daß eine Erneuerung des Vertrages in Aussicht genommen sei und daß Mitteilungen üher eventuelle Verhandlungen noch erfolgen werden.— Cohen, der in der Versammlung am Montag darüber berichtete, meinte, es sei jetzt Sache der Unter- nehmer, zu sagen, was sie wollen und warum sie den Tarif über- Haupt gekündigt haben. Er crmahnte die Arbeiter, in den einzelnen Betrieben sich nicht durch Versprechungen irgendwelcher Art vcr- leiten zu lassen, ohne die Mitwirkung der Organisation etwas zu unternehmen. Er schlug vor, die Agitationskommission zu ver- stärken und ihr Vollmacht zu erteilen, das Nötige, was sich aus der bestehenden Situation ergibt, zu veranlassen. Demgemäß wurde auch verfahren und noch vier Mitglieder in die Kommission gewählt. Um die Interessen der Geldschrankschlosser wahrzunehmen, sollen diese eine Untcrkommission bilden, von der einige Mitglieder zu- gleich der allgemeinen Kommission angehören werden. Der Vor- sitzende brachte darauf noch die Frage des paritätischen Arbeits- Nachweises zur Sprache. Man kam überein, daß diese Frage ab- hängig gemacht werden müßte von dem Verlauf der Vcrbandlungen über den Tarifvertrag. Cohen machte darauf aufmerksam, daß bei den Bauanschlügern die Dinge ähnlich liegen. Die VerHand- lungen über den Tarif hätten sich zerschlagen, der Tarif läuft am 31. März ab, und es besteht auch keine Aussicht, für die nächste Zeit einen Vertrag wieder abzuschließen. Da besteht auch kein Interesse an dem paritätischen Arbeitsnachweis, der nur an tarif- treue Firmen Arbeitskräfte vermitteln darf. Dies muß die Grund- bedingung eines Vertrags über den paritätischen Arbeitsnachweis sein.— Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei der Firma Schwartzkopff in Wildau ist be- endet, die Sperre hiermit aufgehoben. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. Ein Erfolg der Einigkeit. Die Möbeltransportarbcitcr und Kutscher der Firma S ch l 0 s s i n, Elisabethstratze, traten am Freitag in einen Ab- wehrstreik. Der Transportarbeiterverband steht seit der letzten Lohnbewegung der Möbeltransportarbciter mit dieser Firma in einem Tarifverhältnis. Die Gültigkeitsdauer des Vertrages war bis zum 15. März 1909 festgelegt. Außerdem war bestimmt, daß, falls eine Kündigung von keiner Seite erfolgt, der Vertrag auf ein weiteres Jahr Gültigkeit hat. Obgleich nun von keiner Seite eine Kündigung erfolgt war, versuchte der Inhaber der Firma. Herr Meseritzer, den nichtständigen Arbeitern(den Saisonarbei- tcrn), den im Tarif vorgesehenen Lohn von 5,50 M. und 6 M. pro Tag während der Umzugszeit vom 15. März bis 4. April zu kürzen. Herr Meseritzer ließ am 14. März Vertreter des Verbandes zu sich kommen und stellte an diese das Ansinnen, sie möchten sich damit einverstanden erklären, daß er seinen Leuten auch während der flotten Zeit nur den sonst üblichen Lohn von 4,50 M. zahle. Die Vertreter erklärten hierauf, daß sie nicht einsehen könnten. daß den Arbeitern jetzt während des flotten Geschäftsganges Lohn- abzöge gemacht werden sollten, außerdem bestehe der Vertrag auch zu Recht. Ferner sei es notwendig, daß über diese Frage seine Arbeiter selbst gehört würden. In einer darauf abgehaltenen Be- triebsversammlung wurde daS Ansinnen des Unternehmers stritte abgelehnt und Herr Meseritzer durch eine Kommission der Arbeiter von diesem Beschluß in Kenntnis gefetzt. Trotzdem versuchte Herr Meseritzer, seinen Willen durchzusetzen, indem er sich darauf be- rief, daß er jetzt genug Leute für 4,50 M. Pro Tag bekomme. Darauf legten die Arbeiter, 27 Diann, kurz entschlossen die Arbeit nieder. Da es den Streikenden gelang, alle sich meldenden Arbeiter von der Aufnahme der Arbeit abzuhalten, erklärte sich der Herr nach lll-stündigem Streik bereit, die im Tarif vorgesehenen Lohnsätze weiterzuzahlen. Die Arbeit wurde dann sofort wieder ausgenommen._ Die Lohnbewegung der Handrlsgärtner. Der Umschlag der Witterung übt auf die Lohnbewegung der Handelsgärtner offenbar eine sehr günstige Wirkung aus. Tagtäglich werden jetzt auf dem Arbeitsnachweis der Organisation von Arbeit- gebern, die die Forderungen bewilligt haben, Gehilfen in immer größerer Anzahl verlangt. Bei den Arbeitgebern, die die Forde- rungen ablehnten, haben die Gehilfen ihre Kündigung eingereicht, die nun am 1. April abläuft. Wie die Lohnbewegung sich jetzt ge- staltet hat, kann man mit Sicherheit annehmen, daß der bevor- stehende Kampf sehr bald zum Ziele führen wird. Der Arbeitgeber- verband hat in feiner Versammlung am Freitag voriger Woche, so- weit bekannt geworden ist, die Forderungen von neuem abgelehnt und beschlossen, nicht mit den Gehilfenorganisationen zu verhandeln, doch steht fest, daß viele organisierte Arbeitgeber, namentlich solche, in deren Geschäften jetzt schon ziemlich geregelte Verhältnisse herrschen, eS viel lieber sähen, wenn ohne Kampf die Forderungen der Gehilfen allgemein bewilligt würden. Uebrigens werden außerhalb Berlins die Forderungen der hiesigen Gärtnergehilfen selbst von organisierten Arbeitgebern des Gewerbes als durchaus berechtigt, anerkannt. So schreibt die „Süddeutsche Gärtnerzeitung', das Organ der Bereinigungen selb- ständiger Gärtner SüddcutschlandS. in einem längeren Artikel über die Lohnbewegung in Berlin:„Wer gerecht denkt, kann diesen Forderungen, die einigermaßen gleiche Produktionsverhältnisse und einen gewissen Schutz vor Preisschleuderei schaffen, nichts entgegen- halten.' Dieselbe Zeitung findet es auch bedauerlich, daß die Berliner Ha»del§gärtncreien bisher jeden Versuch, die Sache im Guten M regeln, abgeschlagen haben, und die höfliche Anfrage der Gehilfen durch Schweigen ignorierten. Ob die Arbeitgeber in Berlin sich durch diese vernünftige Auffassung ihrer süddeutschen Kollegen be- einflussen lassen, ist sehr fraglich. Sie wollen offenbar den Kampf und werden vielleicht zu spät einsehen, daß es besser gewesen wäre, sich in Güte mit der Gehilfenschast zu einigen. Für die Gehilsen lonimt es nun vor allem darauf an, daß der Zuzug von Arbeits- kräften von Berlin ferngehalten wird, dann wird der Kampf umso schneller zum Siege führen. Darum muß überall vor Zuzug von Gärtnergehilfen nach Berlin und Umgegend gewarnt werden. Achtung, Glimmiarbeiter! Die Firma Schwartz u. Co. sendet uns folgende Berichtigung: „Es ist unwahr, daß die Firma Adolph Schwartz u. Co. die auf Annonce und Inserat Reagierenden über den wahren Sach» verhalt zu täuschen und dadurch die Betreffenden nach Berlin zu ziehen versucht, vielmehr besitzt die Berliner Maschinen-Treib- riemen-Fabrik Adolph Schwartz u. Co. ein weiteres geschäftliches Unternehmen, die Berlin- Rixdorfer Gummiwarenfabrik HanS Schumann, welches getrennt von der elfteren Finna im Handels« register eingetragen ist und vollkommene Selbständigkeit besitzt. Unwahr ist ferner, daß die Berlin-Rixdorfer Gummiwaren- Fabrik jemals„verkracht" gewesen ist. Sie hat sich vielmehr stets eines guten geschäftlichen RuseS erfreut und ist von ihrem früheren Inhaber verkauft worden, weil er sich vom geschäftlichen Leben zurückziehen wollte. Berliner Maschinen-Treibriemen-Fabril Adolph Schwartz u. Co.' Die Gummiarbeiter werden dieser Berichtigung mit Interesse entnehme», daß die Firma Schwartz u. Co. und die Firma Berlin- Rixdorfer Gummiwarenfabrik Hans Schumann sich in einer Hand befinden. Sie werden also Zuschriften der einen Firma wie die der anderen Firma zu bewerten haben. DaS herbeizuführen, war ja eigentlich auch Zweck der WarnungSnotiz in unserer Sonntags« nummer und Herr Adolph Schwartz hätte sich wahrlich nicht noch bemühen brauchen, dafür noch einen neuen Beweis herbei- zuschleifen._ Achtung Lohgerber, Zurichter und Hilfsarbeiter! In der Lederfabrik von Gebrüder S t e i n l e i n, Thärstr. 30, ist zwischen den Swßern und der Firma ein ernster Konflikt aus- gebrochen. Vor Zuzug wird gewarnt. Verband der Lederarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Ortsverein Berlin II. Ocu trieb es Reich. Die Fensterputzer in Magdeburg sind in eine Lohichetöegung eingetreten, nachdem die zwischen dem Deutschen Transportarbeiter» verband und den Fensterreinigungsinhabern bestehenden drei Tarif- Verträge von den Unternehmern gekündigt worden sind- Die Tarifverhandlungen im Schncidergewerbe. Die dreitägigen Verhanolungcn der Hauptvorstände des All- gemeinen Deutschen Arbcitgeberverbandes und der verschiedenen Arbcitnehmervcrbände im Schncidergewerbe haben nach der„Frank- furter Zeitung" zur Schlichtung der in 26 deutschen Städten be- stehenden Differenzen auf gütlichem Wege geführt. Arbeitswillige unter Polizeibedecknng. Aus Eisenspalterei-Wolfswinkel wird über die dortige Aussperrung, wovon gegen 1000 Arbeiter betroffen sein sollen, folgendes berichtet: In unserem sonst stillen Ort war bisher selten ein Vertreter der Polizeigewalt zu sehen. Das hat sich seit der Aussperrung der Hüttenarbeiter(Schweißer und Walser) gründlich geändert. Um Arbeitswillige aufzuklären, hatten die Ausgesperrten Posten auf« gestellt, was die Polizei veranlatzte. auf dem Plane zu erscheinen. Als sich nämlich Arbeitswillige fanden, bekamen sie morgens und abends daS Geleite nicht nur von feiten der Staatsgewalt, sondern auch von einem Sohne des Fabrikanten. Die Sorge der Polizei um das Wohl der Arbeitswilligen ist völlig unnötig und nur ein Beweis für die Bereitwilligkeit der Polizei, dem Unternehmertum gefällig zu sein._ Urteil Im Prozeß v. Igel. Gegen 12 Uhr nachts wurde daS Urteil gesprochen. Die Geschworenen bejahten lediglich die Schuldfragen wegen fahrlässiger Tötung. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis, das Gericht erkannte auf vier Monate Gefängnis und rechnete einen Monat der Untersuchungshaft aus diese Strafe an. Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Der dein Angeklagten überaus günstige Wahrspruch der Geschworenen und die auffallend milde Strafe stehen mit dem allgemeinen Rechtsempfinden nicht im Einklang. Wäre An- klage und Urteil gleich milde ausgefallen, wenn ein Arbeiter, nicht ein Referendar auf der Anklagebank Platz genommen hätte? Man vergleiche die Niedrigkeit der Strafe mit den kürzlich im Landfriedcnsbrnchprozeß erkannten Strafen. Lag schon nach Annahme der Anklagebehördc weder Mord noch Tot- schlag vor, so drängte der gesamte Tatbestand doch auf Be- jahung der auf das Begehen vorsätzlicher Körpcrvcr- letzung gerichteten Frage. Die Geschworenen haben anders entschieden und das Gericht gegen den jungen Mann, dessen Gewissen mit dem Tod eines Menschen belastet bleibt, als «ühne eine vicrmonatliche Strafe für ausreichend erachtet. Letzte J�achricbtcn und Dcpefchcn. Durch Brandwunden schwer verletzt wurde gestern abend im Deutschen Theater die Schauspielerin Elly Rothe. Bei der Generalprobe zu Goethes..Faust' kam in einer Szene die Genannte dem auf der Bühne verwandten Feuer zu nahe und brannte im nächsten Augenblick ihr Haar und ihre Kleidung lichterloh. Das junge Mädchen wurde so schwer verletzt. daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. LandtagSnachwahl. Vohwinkel, 23. März.(W. T. B.) Nach dem Ergebnis der heutigen Wahlmänncrwahl bei der Landtagsersatzwahl des KreifcS Mettmann(3. Düsseldorf) ist die Wahl des Nationalliberalcn Dr. Lukas(an Stelle Dr. v. Böttingcrs) gesichert. Groß-Frankfurt. Frankfurt a. M.» 23. März.(W. T. B.) Die Vorlage über die Eingemeindung der elf Gemeinden des Stadtkreises Frankfurt am Main wurde heute von der Frankfurter Stadtverordnetenvcr- fammlung einstimmig angenommen. Kämpfe zwischen Türken und Albanese». Saloniki, 23. März.(W. T. B.) Zwei Stunden von Dibre entfernt fand ein Kampf türkischer Truppen mit dem Albanesen- chef Asis Tschako statt, wobei ein Leutnant und elf Mann ver- wundet, vier Mann getötet wnrdcn. Der Kampf mit den Auf» rührern dauert fort, die Truppen ziehen Verstärkungen heran. Das mexikanische Parlainentsgcbände niedergebrannt. Mexiko, 23. März.(W. T. B.) Das Gebäude der Depu- tiertenkammer ist heute abgebrannt, wobei das Archiv mit den Nr» künden aus den letzten 25 Jahre» zugrunde ging. St. 70. 26. Jahrgang. tjfilnjt des Jarniiitte" Mwoch. 24.pt! I9Ö9. Reichstag 232. Sitzung vom Dienstac,. den 23. März, nachmittags 2 Uhr. Am BundeZratstisch: v. Einem. £ie zweite Beratung des Militäretats wird fortgesetzt. Die Beratung lkgiiitit mit dem Kapitel: Artillerie- und Waffenwesen und Technische Institute. Abg. Dr. Will(Z.) tadelt die einseitige Ausbildung der Arbeiter in den Militärwerkstätten, wodurch sie verhindert werden, später in Privatbetrieben ihr Forikonrmen zu finden. Ferner moniert er die Reduzierung der Akkordlöhne. Die von der Heeresverwaltung geplante Einführung der vstündigen Arbeitszeit könne als solche nicht be- zeickinet werden, da die Pausen, die bisher bezahlt wurden, ab- gerechnet werden sollen. Arbeitern, die zu Stadtverordneten gewählt werden, sollte die Heeresverwaltung keine Schwierigkeit bereiten, ihr Mandat auszuüben. Die Löhne der Strahburger Militärarbeiter sind durchweg zu niedrig, die Arbeiter wünschen neben Aufbesserung der Löhne mehr Bewegungsfreiheit für die Arbeiterausschüsse und Teilnahme an den Arbeitskammern. Der Vorsteher der Strahburger Mililärwerksiätten hat unter Berufung aus das Vereinsgesetz den Arbeitern verboten, französisch zu sprechen! lHört! hört I im Zentrum.) Das ist eine direkte Verletzung des Vereinsgesetzes. Auch ist den Arbeitern die Entlassung angedroht morden, wenn sie in einen christlichsozialen Verein eintreten. Gegen solche Eingriffe in ihre persönliche Freiheir müssen wir die Arbeiter schützen,(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und bei den Sozial- demokraten) und der Kriegsminister sollte gegen solche Hebelgriffe ein energisches Wort sprechen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Dr. Bcckcr-Köln(Z.) bittet die Militärverwaltung, möglichst keine Entlassungen von Arbeitern vorzunehmen und bei Einstellungen von Arbeitern in erster Linie Familienväter zu berücksichtigen. Oberst Wandel: Die Militärverwaltung hat sich bei ihrer Für- sorge für die Arbeiter nie von Sparsamkeitsrücksichteu leiten lassen: die Löhne sind in letzter Zeit gestiegen, und Arbeiterentlassungen in nennenswertem Unrfange sind nirgends vorgekommen. Generalmajor von Lochow bestreitet dem Abg. Will gegenüber, daß Arbeiter wegen des Gebrauchs der französischen Sprache bestraft oder versetzt sind. Abg. Bohle(Soz.): Im vorigen Jahre hat der Reichstag eine Resolution an- genommen, wonach die Militärverwaltung Arbeiten nur an solche Firmen vergeben soll, welche die gesetzlichen Vorschriften einhalten und tarifmäßige Löhne zahlen. Die Militärverwaltung verfährt aber durchaus nicht nach dieser Resolution. Sie vergibt vielmehr nach wie vor die Arbeiten möglichst billig. Die Artillerie- iverkstätten in Spandau und Straßburg versuchen sogar bei der Vergebung der Arbeiten die Löhne unter die tarifmäßigen herabzudrücken.(HörtI hört! bei den Sozial- demokraten.) Ein besonder? krasser Fall ist der, daß die Artilleriewerkstatt in Spandau S000 Hufeisentaschen an die Firma Wunderlich vergeben hat. In der Artilleriewerkstatt selbst wird für diese Arbeit 1,07 M. bezahlt und das Nähmaterinl geliefert. Die Firma Wunderlich erhielt nur S3 Pf. und hat die Arbeit nicht selbst ausgeführt, sondern für 80 Pf. an einen Zwischenmeister nach Sachsen vergeben, wo sie dann für 60 Pf. hergestellt wurden, und zwar in der Hauptsache nicht von deutschen sondern von italienischen Arbeitern!(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) In einem Falle bewarb sich der Sattler- meister Siegmund aus Breslau bei den Werkstätten in Spandau um eine Arbeit, für die dort 1,50 M. bezahlt wird. Er verlangte nur 1,45 M., doch wurde ihm erklärt, daß das zu teuer sei und er wurde aus 1,30 M. herabgcdnickl. Er konnte diese Arbeit nur annehmen, weil er sich mit seinen Arbeitern verständigt hatte, in diesem Fall unter Tarif zu bezahlen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Solches Sparsystem muß mit aller Energie verurteilt werden. Zu solcher Lohndrückerei darf sich die Militärverwaltung nicht hergeben.(Lebhaftes (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ebenso ist zu verurteilen, daß in Straßburg Arbeiten an Kleinmeister vergeben werden, die sie dann durch Heimarbeiter herstellen lassen, und zwar durch solche, die tagsüber in der Artilleriewerkstatt beschäftigt sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein sehr krasser Fall hat sich in Hagenau zugetragen: Eine Firma zahlte den Arbeitern, die bei der ihr übertragenen Lieferung beschäftigt waren, nur einen Lohn von 2,10 M.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.), und als die Arbeiter zu diesem Lohne nicht mehr kleines feuilleton. Hallo, es wird Frühling! Von Cäsar Flaifchlen. Hallo, es wird Frühling! hallo, eS ist März! hörst du den Sturm nicht, altes Herz?! und siehst du nicht: wie Tag um Tag nun immer heller die Sonne durch die Wolken bricht und wie es ringsum tropft und rinnt, und wie eS zu keimen und knospen beginnt in Tal und Höh, all-allerwürtS... sich'S doch und glaub eS, altes Herz! SiehP doch und glaub es und rüst ihm entgegen und schüttle ab, was dich bedrückt und verstimmt... es ist so einfach alles, wenn man selber nur eS einfach nimmt! und Sorgen und Schwarzsehn trägt nicht weit, Zuversicht schafft es und Fröhlichkeit! Also raffe dich auf, hallo! und tu mit und halte Schritt und mache dich jung wieder, alteS Herz! es wird ja doch Frühling! es ist ja schon März! AuS den Sturmjahren Gottschalls. In seiner„Deutschen National- literatur in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts" hat Gottschall das Recht des„jungen Deulschlands", auch nach Goethe noch eigene Literatur schaffen und darin den Forderungen der Zeit zum Ausdruck verhelfen zu'vollen, kräftig verteidigt. Und man muß ihm lassen, daß er als Student von diesem Rechte selber Gebrauch gemacksi hat, wenn auch seine Jugeudwcrke(ebenso wie seine späteren) keine höhere tünstlerische Bedeutung haben. Zu Beginn der vierziger Jahre studierte Gottschall in Königsberg die Rechte und fand Anschluß an die ostpreußische demokratische Bewegung, an deren Spitze Jacoby und Walcsrode standen. Seine politischen Ideale ließ der junge Student frei nach Herwegh in„Liedern der Gegenwart" und in den „Zensurflüchtlingen" aufwallen und flammen. Wegen der Beteiligung an einer Katzenmusik, die die Studenten einem politisch verhaßten Professor brachten, mußte Gottschall Königsberg verlassen. Nun versuchte er in seiner Heimalstadt Breslau seine Universitätsstudien fortzusetzen. Aber jemand, der sich politisch mißliebig gemacht, hatte es schwer, Verzeihung bei der arbeiten zu können erklärten, wurden der Finna von der Militär- Verwaltung einfach Soldaten geliefert!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist das direkte Gegenteil jeder Sozial- Politik.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre hat der Vertreter des Kriegsministers das sozial politische Verständnis der Militärvertvaltung gerühmt. Nach der uns vorgelegten Statistik sind die Löhne ja auch etwas aufgebessert, aber in der Statistik sind die nicht vollbeschäftigten Arbeiter nicht mit aufgeführt, und ebenso hat man für die Arbeiterinnen und die jugendlichen Arbeiter eine besondere Statistik aufgestellt. Nach der Statistik werden in den Proviantämtern 3588 Arbeiter be- schäftigt, von denen 3064 einen Lohn unter 1200 M. haben. Die Garnisonverwaltung beschäftigt 1166 Arbeiter, von denen 556 einen JahrcSverdienst unter 1200 M. haben. Arbeiterinnen find in der Garnisonverwaltung 703 beschäftigt, von denen 569 einen Jahres- verdienst unter 700 M. haben. In den Konservenfabriken sind 244 Arbeiterinnen beschäftigt, von denen 203 einen Jahrcsverdienst unter 700 M. haben. In den Garnisonlazaretten werden ebenfalls vielfach Arbeiterinnen beschäftigt. Von 979 haben dort 543 einen Jahrcsverdienst unter 700 M. In den Feldzeugmeistcreien sind 3400 Arbeiter beschäftigt, von denen 3163 einen Verdienst unter 1100 M. haben. Die Militärverwaltung setzt ihre Durchschnittslöhnenach Erkundigungenbei Privaten und Kommunen fest, und danach gibt sie auch Zulagen, welche mit den Jahren bis zu 50 Pf. steigen. Doch wird uns nicht gesagt, in welchen Jahren diese Zulagen erreicht werden. Diese Er- Mittelungen führen dazu, daß die Anfangs- und Endlöhne in den verschiedenen Städten sehr verschieden sind. In Metz z. B. beträgt der Anfangslohn in den ArlillcriedepotS L70M.. in Straßburg 960 M.. in Karlsruhe 1020 M. Dabei sind die Lebensmittelpreise und die Wohnungsverhältnisse in diesen Großstädten doch ziemlich gleich. Natürlich muß diese Entlohnung unter den benachteiligten Arbeitern große Erbitterung hervorrufen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eine von der Stadt Straßburg im vorigen Jahre angestellte Statistik zeigt, daß eine Arbeiterfamilie 923 M. im Jahre für Nahrungs- mittel ausgeben muß und 518 M. für Miete, Kleidung, Heizung usw. Nicht nur der Anfangslohn, der im Artilleriedcpot von Straßburg gezahlt wird, 360 M., sondern auch der Höchstlohn von 1110 M. reicht offenbar nicht aus zur Ernährung einer Familie!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch in anderer Richtung ist die aufgestellte Statistik interessant. Sie zeigt, daß die Löhne in den Jahren 1900 bis 1907 zwar etwas gestiegen sind, die Lebens- mittelpreise aber noch viel erheblicher! Und die Lebens- mittelpreise sollte die Militärverlvaltmig zugrunde legen bei der Abmessung ihrer Lohnsätze.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre habe ich verschiedene Beschwerden borgebracht und der Militärverwaltung auf ihren Wunsch mein Material unter- breitet. Offiziell aber habe ich bis zum heutigen Tage noch keine Nachricht darüber bekommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) Aber unter der Hand habe ich erfahren, daß gegen den da- nials von mir genannten Vizefeldwebel König eine Untersuchung eingeleitet wurde und daß er auch zu einer miimnalen Strafe verurteilt worden ist. Bei der Untersuchung handelte es sich aber weit weniger darum, die Fälle aufzuklären als darum, zu ermitteln, wer denn dem Sozialdemo- kraten, der die Sache vorgebracht hat, das Material ge- liefert hat.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch hat der Sekretär de? Kriegsgerichts einen durchaus tendenziösen Bericht Über die Angelegenheit an die bürgerliche Presse gesandt. Ich halte alle von mir angeführten Fälle aufrecht. Am Freitag hat der Kricgsminister gesagt, dem Soldaten stehe die Beschwerde an jeden Vorgesetzten frei. Nach der Behauptung eines Hauptmanns war der Feuerwerker Eberl eines Tages nicht an seiner Arbeitsstelle. Als er dies bestritt, bekam er drei Tage Arrest. Nachdem er diese Tage abgebrummt hatte, beschwerte er sich und gab Zeugen für seine Behauptung an. Die Antwon waren fünf Tage Arrest.(Hört hört!) Als diese abgesessen waren, beschwerte er sich abermals, vor allein darüber, daß seine Zeugen nicht vernommen waren. Die Antwort waren nunmehr sieben Tage Arrest!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ob der Mann, als er heraus war. noch an höhere Instanzen gegangen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das eine geradezu unwürdige Behandlung.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch sonst ist dieser Hauptmann wegen seines Auftretens sehr unbeliebt. Schimpfworte, wie «Pflaumenaugust",„Grüner Junge", sind bei ihm den Leuten gegenüber auf der Tagesordnung. Meine Kollegen konnten mir auf Regierung zu erlangen, und erst nach wiederholten Gesuchen erhielt er die Erlaubnis vom Kultusministerium,„in der Erwartung, daß Sie die Verirrungen, welche Ihre Wegweisung von Königsberg zur Folge hatten, aufrichtig bereuen und sich von jetzt ab einer gcsetz- ticken und regelmäßigen Aufführung �befleißigen werden". Sehr anschaulich schildert Gottschall in seiner Selbstbiographie„Aus meiner Jugend" diese in geistiger Anregung unter den ärmlichsten äußeren Verhältnissen verbrachte Breslauer Zeit.„Mein Logis kostete mich monatlich 2>/z Thaler, also 7 M. 50 Pf. nach heutigem Gelde; eS war eine geräumige Klosterzelle, zu der ein langer Korridor führte, etwas finster und so gut wie gar uichtmöbliert. Auch hatte ich damals die Einsicht gewonnen, daß Möbel gar nicht nötig sind.... Meine Sachen lagen im Koffer, meine Bücher, wo sie hinfielen. Mein Reisig stand haushoch hinter dem Ofen, das Schock a 13 Silbergroscken— damit heizte ich 20 Tage. Ich aß in der Studentenkneipe 30 mal für 3 Taler 10 Silbergroschen, so daß auf das tägliche Kuvert täglich 30 Pfennige kamen." Doch bevor er noch an der Breslauer Universität immatrikuliert war, erregte er schon wieder unliebsames Aussehen, indem er an einer Studentenversammlung teilnahm. Kurz darauf kam der Ausweisungsbefehl aus Breslau. Die Studenten waren empört über diese Maßregelung ihres Kommilitonen und gaben ihm die Ehre eines feierlichen AbschiedsgeleiteS. Ein Versuch, sich in Leipzig zum akademischen Bürger zu niachen, mißglückte wieder, und er mußte froh sein, als ihm nach langem Warten erlaubt wurde, sein Dienstjahr in Berlin abzu- dienen. Zugleich durfte er auch in Berlin weiter studieren. Als er sich dann in Königsberg als Privatdozent habilitieren wollte, verlangte der Minister Eichhorn, er solle binnen Jahresftist sichere Beweise seiner veränderten politischen Gesinnung beibringen. Dazu war Gottschall nicht zu haben. Die Eindrücke von 1848 fanden ihren poelischen Niederschlag in den„Barrikadenliedern" und den„Wiener Immortellen". Musik. Der Berliner Volks chor wagte eS mit seinem Konzerte vom Montag, das Dienstag wiederholt wurde, uns etwas weit vom heutigen Geickmacke wegzuführen. Sehen wir eincil wuchtigen Sessel mit üppig verschlungenen Ornamenten, so kann er unsere Phantasie anregen zu einem Bilde von der um etwa zwei Jahrhunderte zurück- liegenden Zeit, in der man gern mit heroischer Grandezza auftrat, nach einem„großen Stil" strebie, prunkvolle Umständlichkeiten suchte und mit Altgriechischem und Altrömischem spielte, seien es nun mythologische Gestalten Griechenlands oder militärische und architektonische Glorien Roms. In der Musik kam dies zur Geltung durch marschartigen Rhythmus, durch umständliche Breite der Verzierungen, durch An- schmiegung an mythisch- allegorische Texte— und was derlei „Barockstil" mehr ist. Ein wirklicher Altgrieche und auch ein Gotiker des Mittelalters würde eine solche Musik, wie sie H ä n d e l zu „A c i s und G a l a t h e a" schuf, schwerlich gemacht baben. Und auch wasBach mit seinem„Zufriedcua eitellfen AeoluS" gab, meine Frage nicht sagen, was der Ausdruck„Pflaumenaugust" eigentlich bedeute. Vielleicht find die Herren von der Militär- Verwaltung so freundlich, unS darüber Aukunst zu geben.(Große Heiterkeit.) Auch die Aufsicht über das Material ist außerordentlich mangelhaft. In Hagenau hat ein Dragoner-Unter- osfiziec jahrelang zu wenig Stroh abgegeben und das übrige an einen Händler verkauft. Er ließ das angesammelte Stroh aufladen, ließ Militärpferde vor den Wagen spannen und fuhr den Wagen dann in eine abgelegene Straße, wo der Händler mit feinen eigenen Pferden wartete. Diese wurden dann vorgespannt, während der Unteroffizier mit den Militärpferden heimritt. In der Ver> Handlung wurde festgestellt, daß diese Art Geschäfte schon jahrelang gemacht wurden.(Hört! hört!) Daß etwas Derartiges in einer so kleinen Stadt wie Hagenau unbemerkt passieren kann, ist geradezu unerhört.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre fand eine Pulverexplosion in Straßburg statt, bei lvelcher ein Feuerwerker schwer, einer leicht verletzt wurde. Die Sache gelangte zu kriegsgerichtlicher Verhandlung, bei der her- auskam, daß der Bequemlichkeit halber und um schwierige Nechnungs- lcguug zu erspare», brauchbare Pulverrefte vernichtet wurden, wodurch nicht bloß dem Fiskus Schaden zugefügt tvird, sondern auch— wie jene Explosion ergibt— Menschenleben gefährdet werden. Ein paar Worte über die Behandlung der Arbeiter in den Militärwcrkstättcn. Es sind Arbciterausschüsse dort, die sich auf dem Papier gut ausnehmen. Als aber ein Vorarbeiter zum Vorsitzenden des Arbciterausschusscs gewählt wurde, hieß eS: Entweder Du legst Dein Amt nieder, oder Du bleibst nicht mehr Vor- arbeitcr!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Versuchen die Arbciterausschüsse, irgendwelche Vorstellungen zumachen, so wird nut Maßregelungen gedroht, und ebenso sucht man das Petitionsrecht der Arbeiter der Militärwerkstätten einzuschränken. Wir protestieren aber entschieden dagegen, daß die Militärwerkstättenarbeiter nicht dieselben Rechte genießen sollen Ivie andere Arbeiter. Frauen werden in den Militärwerkstätten zu Arbeiten veranlaßt, die sich nicht für Frauen eignen und zu denen die Privatindustrie keine weiblichen Arbeitskräfte verwendet. — Alte Arbeiter, Leute über siebzig Jahre, die ein Menschen- alter hindurch in Militärwerlstätten tätig waren, werden kurzerhand auf die Straße gesetzt. ES heißt einfach: Ihr seid zu alt. DaS ist keine Humanität, das ist B r u t a I i t ä t I(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es ist zu verlangen, daß den Arbeitern der Militärwerkstätten endlich die menschenwürdige Behandlung zuteil wird, auf die sie Anspruch haben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Oberst Wandel: ES ist nicht wahr, daß den Werkstätten- arbeitern keine menschenwürdige Behandlung zuteil wird.(Lachen bei den Sozialdemoiratcn.) Wir behandeln die Arbeiter menschen- würdig und werden uns davon auch nicht durch Reden wie die eben gehörte abbringen lassen.— Gegen den Zeugfcldioebel König, von dessen Miffetaten namentlich im vorigen Jahre der Vorredner hier ein langes und breites geredet hat, ist eine Untersuchung eröffnet worden. Tie von Herrn Böhls angeführten Zeugen haben ihn meist im Stich gelassen.(HörtI hört! rechts.) Der Feuerwerker Ebert ist wegen Ungehorsams gegen einen Dicnstbefehl bestraft worden.— Wir kommen den Arbcitcrausschüssen nach Möglichkeit entgegen, können aber doch nicht alle Wünsche derselben berück- sicksiigen.— Wir zahlen so gute Löhne, als uns möglich ist.(Bravol rechts.) Abg. Zuveil(Soz.): Daß die Behandlung der Arbeiter in den Militärwerkstätten eine gute ist, wird fortgesetzt von der Militärverwaltung behauptet, aber ebenso fortgesetzt von dieser Stelle auS widerlegt. Bisweilen hat sich auch das Zentrum den von uns erhobenen Klagen angeschlossen.— Wenn die Arbciterausschüsse in ihrer Tätigkeit im- gehemmt sind, warum stellen daim so häufig Arbeitcrausschüsse in den Militärwerkstätten ihre Tätigkeit ein? Der Kricgsminister hat erklärt, von jedem Offizier müsse ver- langt werden, daß er ein Gentleman sei. Ein Gentleman mutz doch in erster Linie auf Treu und Glauben halten. Den Pulver- arbeitern gegenüber ist jedoch nicht in einer Weise verfahren worden, die mit Treu und Glauben vereinbar ist; ihnen gegenüber hat sich der Hauptmann Schütz einer groben Täuschung schuldig gemacht. Er hat sie über die Tragweite ihres Arbeitsvertrages absichtlich im Dunkeln gelassen! In mehreren Gerichtsverhandlungen ist daS festgestellt worden! Die Pulverarbeitcr sind ein- getreten in der festen Ikcberzeugung, datz sie nach 30jähriger Tätig- keit in gcfundheitSgefährlichcn Betrieben eine Pension bezichen ist nichts weniger als wirNiches Griechentum, sonder» gut deutsche Meisterschaft unter der Perücke des angehenden Rokoko. Vor mehreren Jahren kam der„Acolus" bereits in irgend einem Berliner Konzerte. Derlei Aufführungen mahnen uns daran, daß wir inmitten unserer großen Fortschritte doch manches verloren haben. Bassisten für Bachsche Arien find heute fast ebenso selten, wie Trompeter für die damaligen hohen(wegen Kürze des Rohres nicht gewundenen, sondern geraden) Trompeten, und werde» nur un- zulänglich durch Baryton ersetzt. Der Leiter unseres VolkschorcS, Dr. E. Zander, kam mit diesen besonderen Schwierigkeiten verhält- nismäßig gut zurecht. Namentlich die Solospieler machten ihre Sache gut, einschließlich des Spielers, der auf einem modernen„Hammer- klavicr" den trockenen Ton des alten„Kielflügels", des Cembalo, zu treffen suchte, begleitet von Violincello und Baßgeige. DaS„weltliche Oratorium" von damals stellt nahezu unlösbare Aufgaben,„Bearbeitet" müssen derlei alte Werke jedenfalls werden. Rtacht man das so, wie es dem Gebrauch von ehemals entspricht (nach F. Chrysander), oder so, wie es unserem Hören entspricht(nach R. Franz)? Soll das Orchester, kurz gesagt, dünn oder dick sein? Dr. Zander bearbeitet seinen Händel„dünn". Aber paßt dies für den Riesensaal des Friedrichshains? Der Chor braucht da Massigkeit, besonders für Tenor und Sopran; und ein Zuströmen neuer Teil- nehmer kann bei der wirklich künstlerischen Haltung des Ganzen dringend empfohlen werden. Aver dann die richtige Proportion von Chor und Orchester?! Jedenfalls war das Bestmöglichste getan, um ein vergangenes Tonbild wieder zu erwecken; und wer in den nahezu drei Stünde» bis fast zur Mitternacht all dem Rollen der donnernden und girrenden Ornamente horchend gefolgt ist, hat auch ein gut Stück Arbeit geleistet._ sz. Notizen. — Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Freitag. den 26. März, mittags 12 Uhr Walter Mac C l i n t o ck über Leben, Bräuche und Legenden der Schwarzfuß» Indianer in den Rocky-MountainS von Montana berichten. Dieser Vortrag, der bereits in der Anthropologischen Gesellschaft gehalten wurde— worüber hier referiert wurde— wird die Beobachtungen, die Mac Clintock in ISjährigem Verkehr mit diesem Jndianerstanime gemacht hat, wiedergeben. Der Vortrag wird am Sonnabend- nachmittag 4 Uhr wiederholt. Hüte heraus! DaS„Theater des Westens" kündigt an. daß zur Premiere der neuen Operette„Der Jokeyklub" auf dem Seitcnbalkon des ersten Ranges ausnahmsweise die Bc- fitzerinnen großer Hüte ihre Ungetüme aufbehalten dürfen. Das isl� sehr verständig, daß eine Dame, die eine Opcrettenprenuere besucht und ersten Rang bezahlt(wenn auch nicht besitzt), kann wohl verlangen, daß ihr höherer Daseinszweck dabei auch zur Geltung kommt. würden, haben zu ihrem Schrecken aber erkennen müssen, baß nach der durch den Hauptmann Schütz vorgenommenen Revision der Be- stimniungen ein gesetzlicher Anspruch nicht bcstehtl Bis zum Reichs- gericht ist der Militürfiskus gegangen, um zu verhindern, daß die Leute die Pension erhalten, die er ihnen bei einigem Billigkeits- gefühl freiwillig hätte zubilligen müssen.(Sehr wahr! bei den So- zialdcmokraten.) Während einige Landgerichts- und Oberland- gcrichtsurteile für die Pulverarbeiter günstig ausfielen, hat das Reichsgericht leider zu ihren Ungunsten entschieden. �— Mit der Beförderung der Arbeiter zu Vorarbeitern wird lediglich nach Gunst verfahren. Die Arbeiter behaupten, daß nur solche Ar- beiter Aussicht auf Beförderung haben, welche den Werkmeistern irgend welch- Gefälligkeiten erweisen. Derartiges dürfte doch bei der Militärverwaltung nicht geduldet werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ucber das Beschwerderecht hat mein Freund Bühle schon gesprochen. Mir ist ein Fall bekannt, wo ein Arbeiter, der sich be- schwerte, noch mit 2 M. extra dafür bestraft wurde, daß seine Verteidigung dem Offizier gegenüber zu laut gewesen seil(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wiederholt haben die Arbeiter Pensionskassen gefordert und mehr Rechte für die Arbeiterausschüsse, ohne daß ihnen stattgegeben wurde. Vollkommen überflüssig ist die von der Verwaltung getroffene Einrichtung der sogenannten Meistergehilfen. Sie dient nur dazu, den Arbeitern einen Teil des Lohnes zu kürzen.— Der A'bg. Will hat sich darüber beschwert, daß einigen Arbeitern nicht gestattet worden war, christlichen Vereinen anzugehören. In Spandau ist man noch erheblich weiter gegangen. Da wird jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin die Entlassung angedroht, wenn sie mit der Sozialdemokratie cruch nur sympathisieren!(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Gegen diese Maßnahmen hatte das Zentrum nichts einzuwenden, solange sie sich nur gegen uns richteten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Solche Maßnahmen sind eines KulturstaateS unwürdig. Helfen werden sie der Militärverwaltung nicht, sie dienen nur dazu, Heuchler heranzuziehen, können aber die Fortschritte der Sozialdemokratie nicht aufhalten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schwarze-Lippstadt(Z.) bleibt unverständlich. Abg. Schirmer(Z.) bedauert die abhängige uno wenig mäch- tige Stellung der Arbeiterausschüsse in den Militäriverkstätten und spricht die Hoffnung aus, daß die Witwen- und Waisenversicherung bald kommen, sowie daß die Militärverwaltung auf die Wohnungen ihrer Arbeiter vermehrte Fürsorge verwenden möge. Oberst Wandel: Die Angaben des Abg. Zubeil werden nach- geprüft werden.— Ten Militärwerkstättenarbeitern ist nicht verboten, Vereinen beizutreten; das beweist schon die große Zahl der unter ihnen bestehenden Vereine.— Daß verschiedene Kategorien von Militärarbeitern keine Pensionsberechtigung haben, liegt daran, daß sie sich ohne eine solche besser stehen; sie brauchen keine besonderen Beiträge zu zahlen. Die Vorteile der Invaliden- Versicherung kommen ihnen auf alle Fälle zustatten. Abg. Sir(Z.) trägt Wünsche der in den bayerischen Gewehr- fabriken beschäftigten Arbeiter vor. Bayr. Generalmajor v. Gcbsattel will sein Möglichstes tun, um den Wünschen der Abgg. Schirmcr und Sir nachzukommen. Die Diskussion schließt und daS Kapitel wird bewilligt. Für die Resolution auf Vereinfachung und Verbilli- gung des A r t i l l er i e d e p otwe se n s stimmen Zentrum, Sozialdemokraten, Polen, Teile der Freisinnigen und National- liberalen. Trotzdem erklärt Vizepräsident Kämpf unter großer llnvuhe namentlich im Zentrum die Resolution für abgelehnt! Dagegen wird die Resolution auf Errichtung einer Pen- sions lasse für die in den Militärwerkstätten beschäftigten Arbeiter mit großer Mehrheit angenommen. Beim Kapitel„Pionier-. Ingenieur-, Festungs-, Verkehrswesen" tritt Abg. Kvhl(Z.) dafür ein, daß die Wallmeister schneller als bisher in den Genuß des Höchstgehaltes kommen. Abg. Zubeil(Soz.) fragt an, loarum die Militäreisenbahnver- waltung das Gelände zwischen Sperenberg und Kaulsidorf all- jährlich zu 2S0 M. den Morgen pachte, während«r nur einen Wert von 1 l) st M. habe. Die Verwaltung hätte dies Gelände k a u f l i ch crtverben sollen, anstatt alljährlich daS Geld geradezu zum Fenster hinauszuwerfen. Oberst Wandel: DaS Gelände ist zu Uebungen der Eisenbahn- brigade bestimmt und war zu billigeren Pachtprcisen nicht zu haben. DaS Kapitel wird bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben begründet Abg. Ganö Edler zu Putliy(k.) einen Antrag: den von der Kommission abgesetzten Titel„Vermehrung der Reserven an Ver- pflcgungsmitteln, Schlußrate, 4 686 ststst M." wieder einzusetzen. Abg. Erzbergrr(Z.) bittet, es bei dem Beschluß der Kommission zu belassen. Die Abstimmung ergibt die Wiedereinsetzung deS Titels. Beim Titel„Technische Institute, Gewährung einer Beihilfe iltw Spandau" fragt Abg. Tobe(frs. Vg.). wann eine gesetzliche Regelung dieser Beihilfen an Gemeinden zu erwarten ist. llnterstaatssekrctär im Reichsschatzamt Twele hofft, daß sie sich bis zum 1. April 1910 wird erreichen lassen. Beim außerordentlichen Etat bemerkt Abg. Trimborn(Z.): Der Fiskus will für die Grundstücke, die er für Festungsgrundstücke und Festungsbaulichkeiten in Köln er- wirbt, keine Umsatzsteuern zahlen, wozu er zweifellos verpflichtet ist, auch nach Erkenntnissen der höchsten Gerichte. Der Fiskus stellt sich auf den brutalen Macht st andpunkt und zahlt die Steuer nicht! Das ist doch eine ganz unhaltbare Situation. Diese Angelegenheit ist von hoher Bedeutung nicht nur für Köln. sondern fiir alle Städte, in denen ähnliche Verhältnisse vorhanden sind... �. Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Twele: Um den Reichs- fiskus zur Umsatzsteuer Heranzuziehen, fehlt die gesetzliche Grund- läge; dazu mügte erst ein Reichsgesetz geschaffen werden. Der außerordentliche Etat wird bewilligt. Die Einnahmen des Militär-Etats werden debattelos an- genommen. Der Militär-Etat ist damit erledigt. Debattelos wird noch ein Kapitel der Ausgaben des ordentlichen Etats des Rcichsschatzamts nach den Beschlüssen der Kommission erledigt, näm- lich das Kapitel: Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesverteidigung. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung! Mittwoch 2 Uhr(Mari»e-Etat). Schluß.?L7 Uhr._ parlamcntanfchea A»S der Budgetkommission des Reichstags. (43. Sitziing, 23. März.) Auf der Tagesordnung steht der Etat des Reichstanzlers. Fürst von Bülow ist nicht erschienen, dafür sitzt neben dem »Staatssekretär d-.z Auswärtigen Amtes, Herrn von Schoen, sein Unterstaatssekretär v. Löbell am RegierungStisch. Ueber den Etat selber wurde, nachdem der Berichterstatter Freiherr v. Hertling seine unveränderte Annahme empfohlen hatte, kein Wort mehr gesprochen, dafür aber die Angelegenheit mit der englischen Regierung in zwei- stündiger Verhandlung beraten. Als erster nahm das Wort der Abg. S e m l e r und führte aus: Wenn er die Angelegenheit mit England nochmals zur Sprache gebracht habe, so deshalb, weil in der Uebersetzung einige Un- genauigkeiten enthalten gewesen seien. Von großer Wichtigkeit für uns sei die Erklärung des englischen Premierministers, daß aus eine Anfrage die deutsche Regierung i» der formellstcu Weise erklärt Habe: Ob ihr Engländer viele«der wenige Schiffe bnnt, wir lassen nns da- durch in der Vermehrung der Zahl unserer Kriegsschiffe nicht be- rinfluffen.— Semler vertritt weiter energisch den Standpunkt, daß wir von unserem gesetzlich festgelegten Flottenprogramm nicht ab- stkichm. daß man aber eine Einigung dabin versuchen solle, darüber nicht hinauszugehen, denn e5 sei wiinschenS- wert, daß wir mit England zu einer Verständigung gelangten. Hierauf gibt Staatssekretär v. Schoen im Auftrage des Reichskanzlers folgende Erklärung ab: «Die englische Negierung hat zwar ihre Bereitwilligkeit zu einer deutsch-englischen Verständigung über Umfang und Kosten der Flottenprogramme in allgemeinerWeise zu erkennen gegeben, sie hat aber keinen dahingehenden formellen Antrag gestellt. In den unverbind- lichen Gesprächen, die über diese Frage zwischen maß- gebenden deutschen und englischen Persönlichkeiten statt- gefunden haben, ist niemals ein englischer Vorschlag hervor- getreten, der«ach unserer Aussassung als Basis für amt- liche Verhandlungen hätte dienen können. Im Verkehr zwischen befreundeten Regierungen pflegt es vermieden zu werden, formelle Anträge zu stellen, deren Berück- sichtignng zweifelhaft erscheint. Die englische Negierung hat es wohl aus diesem Grunde vermieden, einen formellen Antrag an uns zu richten, und wir haben daher keine Stellung zu einem solchen Antrag zu nehmen gehabt. Die Gründe für unsere abwartende Haltung gegenüber dem Gedanken einer allgemeinen Einschränkung der Rüstungen zur See sind am 10. Dezember v. Js. vom Reichskanzler im Reichstag dargelegt worden. Sie gelten selbstverständ- lich auch für etwaige Abmachungen unter einzelnen Mächten. Unser gesetzlich festgelegter Flottcnbau ist ausschließlich nach unserem eigenen Schutzbedürfnis be- messen und stellt keine Bedrohung irgendeiner Nation dar, wie schon wiederholt von uns betont worden ist." Genosse Singer: Er sei erstaunt, daß der Staatssekretär die heute gehörte Er- klärung nicht schon vorige Woche abgegeben habe. ES zeige sich hier, daß die unglaubliche Geheimniskrämerei, wie sie von der deutschen Regierung beliebt wird, unseren Interessen zum großen Schaden gereicht. Durch die Erklärung seien übrigens die gegen die deutsche Ncgicrmig erhobenen Vorwürfe nicht beseitigt. Die Auffassung, daß im diplomatischen Verkehr Anregungen nicht gefolgt wird, wenn man sich keinen Erfolg verspreche, sei nicht zu billigen; die deutsche Negierung hätte auf die Anregung Eng- lands, gleichgültig ob die Vorschläge feste Formen hatten oder nicht, eingehen sollen. Die Erllärung, daß unser Bedürfnis allein für den Ausbau unserer Flotte ausschlaggebend sei, enthalte . eine indirekte Ablehnung deS englische» BcrständigungsvcrsuchtS. Ohne Zweifel habe die Behandlung der Angelegenheit durch die deutsche Regierung die öffentliche Meinung in England gegen»ms eingenommen und unS in den Verdacht gebracht, eine Politik der Zweideutigkeit zu treiben. Dazu komme noch, daß unsere Marine- Verwaltung, wie im englischen Parlament behauptet worden ist, über den Rahmen des Flottciigcsctzcs hinausgegangen sein soll. Der erste Lord der Admiralität habe im englischen Parlament behauptet, daß ihm bekannt geworden sei, Deutschland habe mehr Schiffe ans Stapel gelegt, als gesetzlich festgelegt sei. Der Staatssekretär habe das hier damit zu begründen versucht, daß der Durchschnitt angenommen sei, denn es könnten in den nächsten Jahren weniger gebaut werden. Dieser Vorgang sei gleichfalls, wenn er nicht zurückgewiesen werde, in hohem Maße geeignet, daS Vertrauen zu uns zu untergraben. Wenn die deutsche Regierung die englischen Anregungen nicht zurückgewiesen hätte, so würde daS zur Besserung der Beziehungen mit England und zur Erwerbung neuer Sympathien im englischen Volke beigetragen haben. Der Konservative Gans Edler zu Putlitz und der Reichs- parteiler Arendt finden das Verhalten der deutschen Regierung durchaus in der Ordnung, denn wir könnten die öffentliche Meinung in England nicht leiten, sondern hätten unsere Interessen zu wahren I Ein Eingehen auf die englischen Anregungen würde— so behauptete Herr Arendt— zu keinem Resultate geführt und daher nur Mißstimmung hinterlassen haben. Graf O r i o l a hält eine flammende Rede für den Flottenbau und verlangt, daß wir uns„nicht hineinreden lassen" dürften I Erzberger: Unsere deutsche Politik ist um eine der- paßte Gelegenheit reicher geworden. Erst habe man sich um eine Antwort gedrückt und heute lei man gewahr geworden, daß eine unverbindliche Aussprache zwischen maßgebenden Personen statt- gefunden habe. Wir könnten die Lage schlecht beurteilen, weil wir über den Inhalt der unverbindlichen Gespräche nicht informiert seien. Wenn England verlangt haben sollte, daß wir unser aesetz- lich festgelegtes Flottenbauprogramm nicht ausführen, dann hätten wir allerdings zu erklären gehabt: Das geht euch nichts an! ES sei jedoch im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß die englische Regierung eine solche Forderung gestellt habe. Hierauf nimmt Staatssekretär v. Schoen daS Wort, um seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß die Kommission allgemein wünsche, daß unsere Beziehungen zu England immer gute sein, und daß die besprochenen Vorgänge nicht zu einer Entfremdung der beiden Mächte führen mögen. DaS sei auch der Wunsch der deutschen Regierung. Genosse Lcdeiour führte aus: Die Frage nach einer Einschränkung der Flottenlasten sei von der englischen Regierung in unverbindlicher Weise angeregt Ivorden; die englische Regierung habe Fühler ausgestreckt, wie Deutschland einen entsprechenden Vorschlag aufnehmen würde. Auf diese förmliche Anregung habe die deutsche Regierung formell ge- antwortet, daß sie darauf nicht eingehe. Das war der Fehler. Sie hätte sagen können, daß sie bereit sei, der Frage näherzutreten, wenn man auch die übrigen Mächte — es kämen Frankreich und Amerika in Betracht— für den Gedanken ge- Winne. Das wäre der richtige Standpunkt gewesen. ES sei notwendig, auf diesen Boden zu treten, um aus den Flottenrüstungen heraus- zukommen. Liebermann v. Sonnenberg erklärt es für unmöglich. über eine Einschränkung unserer Flottenbauten zu unterhandeln. Wir dürften uns in unsere Angelegenheiten„nicht hineinreden lassen." Nachdem noch die Abgeordneten Starz und Eickhoff im Sinne der deutschen Negierung gesprochen hatten, wurde das Gehalt deS Reichskanzlers bewilligt. Die nun folgende Fortsetzung der Beratung deS Marineetats brachte nichts Neues. Von mehreren Posten wurden die üblichen Abstriche gemacht, und weiter wurde eine Resolution Erzberger an- genommen, worin die Regierung aufgefordert wird, die Baukosten für Torpedo- und Unterseeboote mit Rucksicht auf deren kurze Lebens- dauer in den ordentlichen Etat einzustellen, so daß die Kosten nicht mehr aus Anleihemitteln, sondern ans Steuer Mitteln gedeckt würden. Damit war die Beratniig des Marincetats in der Kom- Mission erledigt. Morgen wird bereits das Plenum diesen Etat auf die Tagesordnung setzen. Hus der parteu Eine außerordentliche Mitgliederversammlung hielt der sozial- demokratische Verein zu Halle am letzten Sonntag ab. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung war außer dem Reichstagskaudidatcu des Kreises, Genosse Kunert, auch Genosse Pfaiinkuch als Bertreter deS ParteivorstandeS anwesend. Der starlbesuchten Ver- sammlung lag folgender Antrag Thiele vor» »Die Versammlung wählt eine fünfgliedrige Kommission, welche die Vorbereitungen für die Ueberführung der Genossenschasts- druckerei in Parteieigentum zu erledigen hat." Wie aus der Diskussion hervorging, ivar in einer früheren Versammlung behauptet worden, die Ueberschüsse der Genossenschafts- druckerei wären in die Taschen der Genossenschafter ge- flössen! Genosse I ä h n i g widerlegte diese Behauptung. Genosse Thiele kritisierte die Tätigkeit der Genossenschaftsdruckerei und meinte, daß die Ueberschüsse doch jedenfalls größer gewesen wären, wenn die Druckerei sich im Parteibesitz befunden hätte. Die Genossen Gerig und Hoffmann führen aus, daß alle Mit- glieder über die Notwendigkeit der Ueberführung der Druckerei in Parteiregie einer Meinung seien, nur scheine der gegenwärtige Zeit- Punkt hierfür nicht günstig. Diese Anschauung vertrat auch Genosse Pfannkuch, der im übrigen, nachdem eine größere Zahl Genossen für und wider den Autrag Thiele zu Wort gekommen war, darlegt, daß im Hallenser Druckereibetriebe beste Ordnung herrsche und daß eS geradezu ein Glück gewesen sei, daß die Genossenschaft noch existierte, um der Partei finanzielle Schwierigkeiten beseitigen zu Helsen. Vor 1910 dürste, so meinte Genosse Pfannkuch zum Sckiluß, die tatsäch- liche Ueberführung kaum zu bewerkstelligen sein. Schließlich wurde folgender Antrag Pfannkuch angenommen: „Die Versammlung erteilt dem Borstand den Austrag, die Ueberführung der Druckerei in Parteieigentum in die Wege zu leiten und einer der nächsten Versammlungen Bericht zu erstatten, Nach Erledigung dieser Angelegenheit behandelte die Versamm- lung noch die Maifeierfrage und beschloß gegen zwei Stimmen, sich dem Leipziger Beschlüsse anzuschließen, d. h. es sollen alle in Partei-, Gewerkschasts- oder Genossenschaftsbetrieben angestellten Genosien. desgl. diejenigen, die in Privatbetrreben beschäftigt find und bei Arbeitsruhe zur Maifeier ihren Lohn weiter erhalten, verpflichtet sein. eilten Tagesverdienst an die Parteikasse abzuliefern. Parteiliteratur. „Arbeiterjugend." Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. d heben wir hervor: Dir Hilst kein Gott, Du mußt Dir selber helfen. Ein Mahnwort an die Schulentlassenen. Von Brand.— Technik und Kultur. Von Richard Woldt.— Gegen die Schundliteratur! — Der junge Goethe. Von Dr. Wilhelm Hausenstein.(Schluß.)— Die jugendlichen Arbeiter und die Gewerbeordnung.— Aus der deutschen Jugendbewegung(Württemberg, Bremen, Konferenz in Jena).— Soziale Rundschau, Vom Kriegsschauplatz usw.— Bei- läge: Der kleine Notkopf. Erzählung von Hammersdorff.— Spatzen im Winter.(Gedicht.)— Der Königsleutnant. Bon Goethe.(Schluß.) — Sprüche von Goethe.— Die geflickte Hose. Von Prof. Förster.— Unterricht im Sozialismus. Gedicht von Leopold Jacoby. Die Sozialdemokratie im Deutschen Reichstag. Von der unter diesem Titel erscheinenden Broschürenserie ist jetzt Heft 4„Die Tätigkeit des Deutschen Reichstages von 1837—1889" im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 63 erschienen. Preis 1 M. Vorher sind schon herausgegeben worden als 1. Heft der Bericht für die Zeit von 1871—1874, als 2. Heft der Bericht für 1874—1876. DaS 3. Heft enthält die sozialdemokratischen Wahlaufrufe zu den Neichstagswahlen der Jahre 1831, 1884, 1837. Ein in Kürze er- scheinendes fünftes Heft wird den Bericht für 1890—1893 bringen. Die einzelnen Lieferungen sind so angeordnet, daß sie zu einem Bande bereinigt werden können. Jeder Genosse, der sich für die parlamentarische Tätigkeit cnteressiert, wird aus diesen Heften reiche Belehrung schöpfe». In Freien Stunden. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin 31V. 68. Heft 11 ist erschienen rmd bringt die Fortsetzung von„Kcnilworth" von Scott sowie von Heijermans Skizze„Trinette". Kurze Abhandlungen aus verschiedenen Wissensgebieten, Humoristika usw. vervollständigen den reichhalttgcn Inhalt. Die Kommunale Praxis, Wochenschrift für Kommunalpolitik und GcmeindesozialismuS, hat im ersten Quartal d. I. einen außer- ordentlichen Aufschwung genommen. Ein erfreulicher Beweis für die zunehmende Erkenntnis von der Wichtigkeit dieses Organs. Ein neues Abonnement beginnt am 1. April. Der Abonnements- preis beträgt nur 3 M. pro Quartal. pollzcllicheg, Gerichtliches ukvv, Vom neuen BercinSgesetz. Der Vorsitzende des Sozialdemokre.- tischen Vereins zu Statzfurt, Genosse Nagelschmidt, hatte zum 29. April v. I.— also vor dem Inkrafttreten des neuen Vereins- gesetzeS— eine Mitgliederversammlung einberufen, aber vergessen, sie polizeilich anzumelden. Das Schöffengericht verurteilte ihn des- halb wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes zu IS Mark Geldstrafe, die das Landgericht auf Ist Mark ermäßigte. Das Ober- landesgericht hob aber dies Urteil aus und wies die Sache an die Vorinstanz zurück. Diese— das Landgericht Magdeburg— hat jetzt den Genossen Nagelschmidt freigesprochen: einmal, weil nach deni neuen VereinZgesetz die Anmeldung von Mitglieder- Versammlungen nicht mehr nötig sei, dann auch, weil die Ver- sammlung gar nicht stattgefunden habe, da sie vor der Eröffnung schon von dem Polizeikommissar„aufgelöst" worden war. Eue Industrie und Kandel. Vom rhcinisch-wcstfälischcn Kohlensyndikat. In der am 22. März abgehaltenen Zcchenbesitzerversammlung deS rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats erstattete der Vorsitzende folgenden Bericht: Der rechnungsmäßige Wsatz betrug im Februar bei 231ß(im Vorjahre 2S) Arbeitstagen 4 989 061(im Vorjahre 6010 354) Tonnen oder arbcitStäglich 215 782(im Vorjahre 240 414) Tonnen. Von der Beteiligung, die sich im Februar auf 6 014 893(im Vor- jähre 6 456 900) Tonnen bezifferte, sind demnach 82,06 Proz.(im Vorjahre 92,88 Proz.) abgesetzt worden. Die Gesamtföroerung stellte sich insgesamt auf 6 201 643(im Vorjahre 6 994 448) Tonneu oder arbeitstäglich aus 268 179(im Vorjahre 279 778) Tonnen und im Januar 1909 auf 6 385 994 respektive 263 336 Tonnen. Die Anforderungen der Industrie blieben fortgesetzt schwach. Das Shn- dikat hatte daher anhaltend mit Absatzschwierigkeiten, namentlich in Mager- und Feinkohle, zu kämpfen und war wiederum genötigt, einen Teil der abgenommenen Menge auf Lager zu nehmen. Das gleiche trifft auch für Briketts zu. Die vom Syndikat abgenom- menen Brikettmengen stellten 79,36 Proz. der Bcteiligungsziffer dar. In Hockiofenkolö ist gegen den Vormonat eine Steigerung im Abruf zu verzeichnen. In Gießerei-, Bruch- und Siebkoks war der Absatz gleichfalls lebhafter. Insgesamt wurden auf die Beteiligung der Mitglieder 76,85(gegen 65,27 Proz. im Januar) abgesetzt. In der Beiratssitzung des Kohlensyndikats wurde die Umlage für die erweiterten Zwecke des Syndikats für das Geschäftsjahr 1908 nach den Vorschlägen des Vorstandes und Aufsichtsrates fest- gesetzt. Die sich daran anschließende Zechenbesitzerversammlung setzte die BeteiligungSanteilc für April in Kohlen auf 80 Prag., in Koks(ohne 5toksgrus) aus 60 Proz. und i» Briketts auf 75 Proz. fest._ Die Veränderung der Großhandelspreise in den letztes 20 Jahren wird in dem soeben erschienenen VierteljahrSheft zur Stastitik des Deutschen Reiches durch ausführliche Angaben illustriert. Wir er- sehen daraus, daß sowohl die Nahrungsmittel als auch die industriellen Rohprodukte fast ausnahmslos in diesen beiden Jahrzehnten im Zeichen einer starken Aufwärtsbewegung der Preise standen. Wie groß die Verteuerung ist, wird auS folgenden Verhältnis» zahlen klar, denen die rniS den einzelnen Sorten und Plätzen be- rechneten Durchschnittspreise zugrunde gelegt sind. Werden diese Durchschnittspreise aus dem zehnjährigen Zeitraum 1389—1898 gleich 100 gesetzt, so verhalten sich hierzu die entsprechenden Ziffern der Jahre 1889—1008 wie folgt» 12—43 Proz. Im gleichen Verhältnis wie d,e Nahrungsmittel— durchschnittlich etwa 20 Proz.— sind auch die Kohlen und sonstigen Jndustrieprodukte in die Höhe gegangen. Mögen für eine Anzahl gut organisierter Arbeiterkategorien die errungenen Lohnsieigerungen diese Preiserhöhungen ausgeglichen haben, so leidet daS GroS der Arbeiterschaft doch schwer unter diesen durch die volksfeindliche Zoll- und Wirtschaftspolitik der herrschenden Klassen herbeigeführten Teuerungsverhältnissen. Krise und Maschinenbau. Ucbcr die Lage im deutschen Maschinenbau machte der stellver- tretende Vorsitzende des„Verein deutscher Maschinenbau-Anstalten" bei Gelegenheit einer kürzlich abgehaltenen Tagung u. a. folgende Mitteilungen: Die heutige wirtschaftliche Lage unserer deutschen Maschinen- bau-Anstaltcn bietet ein recht unerfreuliches, jedenfalls ein trüberes Bilo als dasjenige, das sich im Vorjahre vor uns entrollte. Unter der Einwirkung des allgemeinen wirtschaftlichen Rückschlags ist auch in unfern Betrieben fast überall die Beschäftiguog zurückgegangen, die Preise sind bis an die Selbstkoftcngrenze und in manchen Fällen noch tiefer gesunken. Dieser Rückgang mutz von der Gesaintheit unserer Volkswirtschaft um so schwerer empfunden werden, als die Maschinenfabriken in den letzten Jahren eine immer umfangreichere Bcrufsgruppe geworden sind. Die Industrie der Maschinen. Instrumente und Apparate hat im Jahre 1895 von allen Erwerbstätigen im Deutschen Reich 2,33 Proz. beschäftigt, im Jahre 1907 dagegen 4,28 Proz.; berücksichtigt man, daß gleichzeitig die absolute Zahl der Erwerbstätigen in dem genannten Zeitraum um etwa 20 Proz. gewachsen ist, so ergibt sich mehr als eine Ver- doppelung der in dieser Gruppe beschäftigten Personen. Gleich- zeitig hat eine außerordentliche Steigerung der spezifischen Leistungsfähigkeit unserer Maschinenfabriken infolge Verbesserungen in den Einrichtungen und durch die neuern Hilfsmittel wie den Schnelldrehstahl und die Transportvorrichtungcn stattgefunden, ferner hat eine Steigerung des Wertes der Arbeit, daS ist der Löhne, eingesetzt, welche für den in Frage stehenden Zeitraum aus etwa 20 Proz. geschätzt werden darf. Aus alledem kann geschlossen werden, daß der Wert der Produktion unserer deutschen Maschinen- fabriken in den letzten Jahren ganz außerordentlich gestiegen ist. Der Kartellierung, die Besserung schaffen könnte, stehen die große Anzahl der Maschinenfabriken und die außerordentliche Mannkg« foltigkeit der Erzeugnisse entgegen. Die Bemühungen unseres Vereins um einen Zusammenschluß reichen auf Jahre zurück; ob sie zu einem endgültigen Erfolg führen, läßt sich heute noch nicht abschen. Im Interesse einer Vereinfachung der Organisation er- scheint es dringend erforderlich, zu größerer Spezialisierung in der Maschinenindustrie zu gelangen und fo die übergroße Zahl der Wettbewerber um jedes einzelne Objekt zu vermindern. Von einem Vorgehen in diesem Sinne wird man auch eine Erleichterung der Kartellierung erhoffen dürfen._ Zusammenbruch in der amerikanischen Stahlindustrie. Aus New Kork wird vom 22. März gemeldet: Die I. B. and I. M. Eornell Company, Baustahlwerk, hat ihre Zahlungen eingestellt. Der für die Gefellschaft ernannte gerichtliche Verwalter stellte övo ovo Dollars ungedeckte Verbindlichkeiten und 600 000 Dollars im Umlauf befindliche Bonds fest. Die unvollendeten Kontrakte der Firma belaufen sich auf über eine Million Dollars. Die Zahlungs. einstellung ist eine Folge der in der Stahlindustrie herrschenden Depression._ Eingegangene Vrucftlcdriften. Theater-Hoffnungen. Ein Wort zur Ausklärung von Joachim Baroi, zu Putlitz. 75 Pf. Deutsche Verl-igSamtnlt, Stuttgart Das KuNurPnrlameut. Hest 1. Die deutsche Verfassungskrise. 1 M. Herausgegeben von Otto Neumann-Hoscr und HanS Ostwald..Vita', Deutsches Verlagshaus, Berlw-Charlolfcnburg. Surft Bülow und Kaiser Wilhelm ll. Bon Regierungsrat R. Martin. 4 M. B. Volger, Leipziz-Go. Aus Natur und Geisteswelt. Bd. S3l. Korallen und andere qefleinsbildende Tiere. Von W. May.— Bd. 247. Johann Calvin, Von G. Sodnur.— Bd. 25l. Die Geschlechtskrankheiten. Von Schmu- bürg,— Bd. 254. Geschichte der deutschen Lyrik seit Claudius. Von H. Spi-ro.— Einzelband geh. 1 M, geb. l,25 M. B. G. Teubner, Leipzig. Das lockende Spiel. Roman von W. Bloem. Geh. 4 M., geb 5 M. „Vita', Deutsches Verlagshaus, Berlin, Hardenbergstr. 14. Für den Inhalt der Inserate »iberntmmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbeater. Mittwoch, den 24. M S r z. Anfang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Bajazzl. Ver- siegelt. Königl. Schauspielhaus. Die der- sunkene Glocke. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Deutsches. Was ihr wollt. K a m m e rsp i e l e. Der Gras von Gleichen.(Ans. 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Kesfing. Griselda. Berliner. Einer von unsere Leut'. Neues. Wahrhcitschule. Neues Schauspielhaus. Pech- Schulze. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komiiche Oper. Hossmanns Er» Zählungen. Kleines. Moral. Hebbel. RcvolutionShochzeit. Luftspielhaus. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller«».-Walluer- Tyralee.) Ein Bolksfelnd. Schiller Charlottenburg. Die Karolinger. Friedrim- Wilbelmstädt. Schau- spielhaus. Der große Komet. Wenen. Der tapsere Soldat. Luisen. Straßenbahnfahrer Krause. Trianon. LiebeSgewister. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theater SW. Das Himmelbett.(Ans. 8'/, Uhr.) Bernbard Rose. DaS vierte Gebot. GastsPiel'Thcater. SherlockHolmeS. Bürgerliches Schauspielhaus. Der Hüttenbefitzer.(Ans. k'/, Uhr.) Gebrüder Herrufeld. Die beiden BindelbandS. Zlpo lio. Der junge Papa. Spezta- litSten. Metropol. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Paiiage. Spezialitäten. Reichsballen. Stettin« Sänger. Walhalla. Spezialitäten. FolicS Caprice. Insolvent.(Ans. 8'/« Uhr.) Kasino. Rußland. SpezlalitSlen. Gustav Behrens. DaS verliebte Pensionat. Stöpkes Brautsahrt. Spezialitäten. Ansang 8>/« Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. &•/, Uhr.) Krauia. Taubenfteafte 48/19, Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern MessinaS. Sternwarte, Jnvalidenttr. 67/02. Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Griselda. Donnerstag 8 Uhr: Oer KSnlg. Freitag 8 Uhr: Gespenster. Berliner Theater. Eeuto 8 Uhi: Kiner von unsere l-eat'. Morgen: Nur ein Traum._ Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die Wahrheitsliebe. Donnerstas und Freitag: Die fremde Frau. 10 Uhr: Alice Norton «'/, Uhr: Der junge Papa. Dazu: Die glänzenden Attraktionen. Ans. S Uhr. Kasfeneröjjnung 7 Uhr Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. fsietjs!Miiym8tSl!ti8(:ltö8 Schauspielhaus. Mittwoch, 24. März, Anfang 8 Uhr: Der grotte Komet. Donnerstag: Der große Komet. Freitag: Der große Komet. Sonnabend: Husarenfieber._ Lustspielhaus. WendZ 8 Uhr: Im Klubsessel. Hebbel-Theater Königgräher Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. kevolutionshoeiHeit. Xenes Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 3 Uhr: VI« Dollarprlnzessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Residenz-Theater. — Direktton: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „KGnimere Dich um Irneiis." Schwank in drei Sitten(vier Bildern) von Georges Fehdeau. Morgen und folgende Tage: Die» selbe Vorstellung. Sonntag, 28. März, nachm. 3 Uhr: Der Floh im Obr._ Luisen-Theater. Premiere: Araßeubtchuftchrtr Krause. Donnerstag: Mein Leopold. Freitag: Straßenbahm'ahrcr Krause. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Max und Moritz. 8 Uhr: Staatsanwalt Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: DaS Mädchen auf Irrwegen. 8 Uhr: Strapeiibahnsahrer Krause. Montag: Marie, die Tochter des Regiments.__ EKNimOftTHMT Gr. Frankturler Str. 132. Slbends 8 Uhr pßö vierte Gebot. Bolksstück in 5 Akten v. Anzengruber. WWW- WochentagSpreise"TpQ Donnerstag: Krieg im Frieden. Thester.-. Stillens Dresdenerstr. 97 a. d. Prinzenstr. Im weißen RötzT. Vor u. nachh. eriillasf. Spezialität, u. Humor. Konz., Kinematogr., Kabarett. N. d. Vorst. Tanzreunio» ohne Nach- zahlg. Ans. d. Konz. 7, d. Vorst. 8's, U. Entrce ü« Pf. Metropol-Theater TttgUch 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! RevueinlOBildem v. Jul. Freund. Musik von Paul täncke. Kegie Direktor Schultz. Perry, Holdon, Bender, Oimnpletro, Kettner, Pfann, Schiller-Theater. KtipenlckerstP. 68. 9 "• Zum 54J. Male:* Sherlock Holmes. Tftgllch anaverkanftt LsMi'e/ Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Kunbtlaulen. O.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Hin Volksfeind. Schauspiel in 5 Ausz. von H. Ibsen. Deutsch von SB. Lange. Donnerstag, abends8Uhr: Die Braut von Messina. 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Wir lasen in einer Zeitung von dem alten berühmten Hellquell, und schon nach vierwöchentlicher Kur suhlte mein Sohn sich wieder ganz wohl und gesund."— „Bin mit dem Lamscheider Stahlbrunnen ausgezeichnet zufrieden, vorgenommene Badereise kann unterbleiben, da Nervosität, Appetitlosigkeit und Schwäche verschwunden sind. Enipsehle daher das Heilwasser allen Leidenden. Senden Sie mir umgehend nochmals 15 Flaschen." Warm empsohlen bei Blutarmut, Bleichsucht, versch. Arle» von Frauenkrankheiten, Magen» und Darnüeiden, Nerven» rrankheiten, blutarmen Zuständen, bei denen eine Mehrung der Blutmenge und Besserung der Blutbeschasfenheit not- wendig ist, z. B. nach großen Blutverlusten insolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nach überstandenen er» Ichöpsenden Jnletttonslrankhetten, wie Influenza usw.— Broschüren kostenlos durch: Lamscheider Stahlbrunne», Düsseldorf 0. 164, Urania. �Wissenschaftliches Theater. laubenstraße 43/49. Abends 8 Uhr: Auf den TrOmüiern Messinas. Caslno-Theater» Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Kis Freitag, den 2. April: Ruß Ran cl. Sonnabend, den 3. April: Zum erstenmal:.Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. V ifOrl* Tm ter Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Das große März-Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische Uebungen und die übrigen Spezialitäten. Im Tunnel: lap.Blumenfest. Regi- mentSkap. Theaterbes. Hab. sr.Einir. aöBixstadt-- Kasino. Holzmarllstr. 72. Täglich: Frans Sobanski, Tenor und Berod, Grotesk-Duo, Jon Rudolphi» Drahtseiltünstler, Jhe 3 SyborgS, Balanee-Neuheilen. Ernst@ra«, Elsa Lüschou, Bernhard Marx, Lola Gray._ Bnckcbcln& Co. tzM Schwant in 1 Akt. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Tanz. Donnerstag, den 25. Mar,: Benefiz sür F. Sobanski. Ansang 7 Uhr. 8teili.Ict6it 25-2«. Wie Supcccdth wird.»indlUru ■ fjllullt trtlilaio'og nraii» Achtmg KIrmM! Am Donnerstag, den ÄS. d. Mts., abends 8 Nhr, findet eine |�§r* Allgemeine'MD Klempner-Yersammlung statt. Lokal wird Donnerstag bekannt gegeben. Tagesordnung: Berichterstattung über die Verhandlungen vor dem EinigungSamt. NB. Die Vertrauensleute werden ersucht, um 7 Nhr in dem be- treffenden Lokal zu erscheinen. Kollegen! Agitiert für guten Besuch, eS sind wichtige Eni- fcheidungen zu treffen. Die Ortsvcrwaltung. Wir offerieren eine Anzahl unseren Lesern Bücher !» billigen preiscii: Fauna und Flora deS MeereS. Bon Dr. Friedrich Knauer. Bon der Erdatmosphäre zum f immelsraume. Von Pros. r. Wilhelm Foerster. Was vir vom Monde wisse». Von Th. Fauth. Bau und Leben der Blüte. Von Oskar Metze. Jeder Band statt 1,50 M. nur 60 Pf. Der Jude. Historischer Roman von C. Spindler. Das Halsband der Königin. Roman von Alexander Dumas. Die Armen und Elenden. Roman von Viktor Hugo. Die Mohikaner von Paris. Roman von Alexander Dumas. Die Nonne von Gnadeuzell. Siitengcmälde des 15. Jahr- Hunderts von C. Splndlcr. Krieg und Frieden. Historischer Roman von Leo Tolstok. Jeder Band W»,« l.M U. Vaaabondeu. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. März, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhoscs ür Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/20 Ter Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Mitglieder, der Ziseleur Max Wudtke, femer der Anschläger Hans Klatt gestorben sind. Ehre ihrem Andenken! 113/18 Dio Ortsverwaltung. Für nähme Danksagung. die Beweise herzlicher Teil- bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen hiermit allen Freiinden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. SSOL Witwe Selma Huhe nebst Tochter. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Tochter b61L -Vnii» Woller geb. Henzc sagen wir hiermit allen Bekannten und für die schlichten Worte der Frau Fahrenwald, ebenso den Voigischen Sängern unseren ausrichtigsten Dank. Mittenwalder str. 5. Ii»rl Wollcp. Wwe. Hartha Henze. Danksagung. Allen, die sich au der Beerdigung meiner lieben Frau Hartha I&rainann beteiligten, jage ich hiermit meinen besten Dank. Gnstav Kraniann. Haben Sie Stoff? r davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labend, Neue Promenade8tII.( Sldtb.BurseJ. Danksagung. ~gür die herzliche Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Buchdruckerei des „SonntagSblattes" sowie dem Ver- bände der Buch- und«teindruckerci- Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin, und dein Gesangverein.Solidarität meinen herzlichsten Dank. Witwe Berts Haiin nebst Kind. CenlnH-M-He RomfldaDlenstr.SU.xaÄ.lr. Wohnungs-:: Einrichtungen in allen Preislagen. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. 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März, nach- iiiiltags 4 Uhr, vom Trauerhause Reinickendorfer Sir. 63 aus nach dem Nazareth- Kirchhos, Kögel- strotze, stalt. Um rege Beteiligung ersucht 225/18 Der Vorstand. Soziaißenitotisciier Wahim des [6. Beri. ileIehÄM-VMniM.1 Todes- Anzeige. 2tm 21. März verstarb unser! \ Mtglied, der Arbeiter FerSinam! Gehrke Brüsseler Str. 7. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am> I Mittwoch, den 24. März, nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- I Halle des Nazareih» KirchhojeS, I z Plötzensee, aus statt Um rege Beteiligung ersucht 1 225/20 0er Vorstand, Deutselier Ortsverwaltung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Lager- arbeiter der A. E.-G. Ferdinand Gehrke am Sonntag, den 21. d. M., im Alter von 54 Jahren an Bauchfell- entzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. Mls., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Nazareth-Kirch- böses, Reinickendors-West, Bertiuer S trotze 17, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/7 Die Verwaltung II. �MeMMh.NMi'ejB des 1 6. Berl. Heichstasswahlkrclses. Todes- Anzeige. Am 21. März oerstarb unser j Mitglied, der Tischler Emanuel Garn Vinetaplatz 7. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 25. März, nach- inittags 5 Uhr, von der Kapelle des Philippus-Apostel-Friedhojes, | Müllerstratze 44/45, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 225/19 Der Vorstand. ßeutscticf Metaliarbeiter-Vcrband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzclgcn. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser iugust Bergmann Jörn 21. d. M. an Lungenleideii j gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute I Mittwoch, den 24. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- I balle des Nazareth° Kirchhofes sin Reinickendors-West, Kögel- ! stratze, aus statt. De» Kollegen zur Nachricht. [ datz unser Mitglied, der Former Wilhelm Töpler j am 21. d. M. an Schlagansall s gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain i Donnerstag, den 25. März, nach- inittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes in Treptow, ( Krug-Allee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Oie Ortsverwaltung. Allen Verioandlen und Be, I kannten hiermit die traurige Nach, rlcht, datz meine liebe Mutier und Schwiegermutter, unsere liebe Grotzmutter, die frühere Schank- | wirtin Witwe Lehn am Montag, den 22. starben ist. Die Beerdigung d. M., ver- 16456 findet am Donnerstag, den 25. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des ParochialkirchhoseS, Box- Hagener Chaussee 23, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Rieb. Beuekel. zZerantworilicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für denJnseratenteilveranjw� Th.Elpckc, Berlin. Krucku.Berlag:VorwärtsBnchdruckcrci n, Verlagsanjtcilt Paul Singer L- Co., Berlin LW» ».» 2. f filMt»es Jonuätls" Knlm MMM MW»»»,»« Rekerencksr v. Igel vor äen Seichworenen. Die Erschiebung des S0 Jahre alten Stcinsetzmeisters Marschner durch lden Referendar Harry V. Igel in der Nacht zum 2. Februar dam gestern Vor dem Schwurgericht III zur Ä«. Handlung. Bekanntlich ist Anklage riicht Wegen Mordes oder Totschlags, sondern nur wegen Körper- Verletzung mit Todeserfolg erhoben. Die Verhandlung leitet Landgerichtsdirektor Warnatsch, die Anklage wird durch den Ersten Staatsanwalt Stachow vertreten, ,ie Verteidigung führen Justizrat Dr. v. Gordon und Rechtsanwalt Dr. Löwensiein. Als Geschworene werden ausgelost drei Fabrikbesitzer, zwei Kerlagsbuchhändler, ein königl. Oekonomierat, ein Geh. Ober- finanzrat, ein Rentier, ein Betriebsinspektor, ein Bankier, ein Ackerbürger, ein Rcndant. Vernehmung des Angeklagten. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Angeklagte ist ein nur mittelgroßer, schmächtiger junger Mann, dessen Oberlippe von einem kleinen Schnurrbärtchen beschattet wird. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt er: Er sei der Sohn des Generals z. D. Heinrich v. Igel und dessen Gattin Elisabeth geb. Bronsart V. Schellendorf und im Jahre 1886 in Altona geboren. Er sei in seiner Jugend im elterlichen Hause erzogen worden und habe eine normale geistige und körperliche EntWickelung durchgemacht. Seinen Schulunterricht genoß er bis zum 11. Lebensjahr auf dem Gymnasium in Posen, dann ging er mit seinen Eltern nach Berlin. In Schöneberg hat er das Prinz-Heinrich-Gymnäsium fünfviertel Jahre besucht und ging dann nach Roßleben in Thüringen, wo er im Alter von 18 Jahren das Abiturium gemacht hat. Er hat dann in Tübingen, München, Rostock, Berlin im ganzen sechs Semester studiert und am I. Juli 1967 sein Examen gemacht. Er ging als Referendar nach Oranienburg, diente vom 1. Oktober 1967 bis 1. Lcktober 1968 in Güstrow und wurde als Unteroffizier entlassen. Einer schlagenden Verbindung hat er nicht angehört, aber den Fechtboden besucht und ist mit der Hantierung mit Revolvern nicht unbekannt. Er ist Jäger, hat viel auf Gütern von Verwandten zu- gebracht und weiß mit Jagdgewehren Bescheid. In Tübingen hat er sich den Revolver, welcher hier eine Rolle spielt, angeschafft, weil, wie er behauptet, er dort einmal auf dem Heimwege in der Nacht von einem Strolch mit einem Messer angegriffen worden sei. Zur Tat selbst äußerst sich der Angeklagte wie folgt: Ich war am Abend des 1. Februar mit drei anderen Kollegen zum Kollegen Dr. Echadcnberg zum Abendessen geladen. Wir haben dort Bier, Kognak, etwas über eine Flasche Portwein, eine halbe Flasche Danziger Magenbitter und etwa 12 Flaschen einfaches Bier ge- trunken.— Präs.: Es soll da eine kleine Mißstimmung ein- getreten sein. Ter Referendar Löschhorn soll etwas gehänselt worden und weggegangen sein. Da sollen Sie gesagt haben: Wenn ich so gehänselt worden wäre, würde ich geschossen liaben.— Angckl.: TaS ist richtig.— Präs.: Es soll bei Ihrer Unterhaltung unter anderem auch von Ehebruch gesprochen worden sein mnd bei dieser Gelegenheit sollen Sie gesagt haben: Das hätte für mich einen besonderen Reiz und wenn ich dabei gestellt würde, würde ich knipsen.— Angetl.: Das lvar eine bloßeNenommisterci und ich hübe diesen Ausdruck nachher auch bedauert.— Vors.: Haben Sie nicht auch zum Fenster hinausgeschossen?— Angckl.: Nein. Nur als einer der Herren noch nicht da war, habe ich gesagt: Soll ich mal zum Fenster hinausschießen, um ihn herzulocken?— Vors.: ES wird behauptet, daß Sic etwas leichtsinnig mit dem Revolver umgehen. So sollen Sie einmal am 27. Januar in der Licbig- straße auf offener Straße»ach einer Laterne geschossen haben.— Angckl.: Das gebe ich zu; es war ein grober Exzeß.— Vors.: Ebenso sollen Sic am 31. Januar, als Sie in der Nacht aus einer Gesellschaft nach Hanse kaincn, nach einer Laterne geschossen haben. Außerdem sollen sich die Mitbewohner des Hauses, Ivo Sie wohnten, über wiederholtes Schießen Ihrerseits beschwert haben.— Angckl.: Das ist nickst wahr.— Vors.: Nun fahren Sie in Ihrer Schilde- rung fort.— Angckl.: Gegen%2 Uhr gingen wir bom Dr. Schaden- berg fort; wir bogen aus der Liebigstraße in die Bcrnancr Straße ein und sahen dort plötzlich einen Schlitten fahren. Wir hatten am Nachmittag pcrgcblich versucht, einen Schlitten zu bekommen. und als wir nun diesen Schlitten sahen, nahmen wir an. daß es ein Mietschlitten sei und riefen dem Kutscher zu. zu halten. Der Kutscher hielt auch und wir stiegen ein. In demselben Augenblick kam Marschner. den ich nicht kannte, aus dem Ziegclschen Re- staurant und schrie in aufgeregtem Ton: Raus! Raus! Wir sagten ihm: Wir wollen gern eine halbe Stunde fahren, verlangen es auch nicht umsonst, sondern wollen gern bezahlen. Da sagte Marschner: Schön, wenn Sie 16 M. oder 6 M. zahlen wollen, dann können Sie fahren. Wir boten 3 M., erhielten aber die barsche Antwort: Tann gehen Sie auS dem Schlitten heraus! Der Schlitten gehört mir! Wir stiegen auch sofort aus. Vors.: Sie sollen aber erst nach viermaliger Aufforderung aus- gestiegen sein.— Angekl.: Das ist nicht wahrt Wir gingen dann weiter. An der nächsten Straßenecke blieben wir stehen, der Referendar Zander trennte sich von uns nach seiner in der Altstadt belegenen Wohnung, wir anderen blieben noch einen Augenblick un- schlüssig stehen und überlegten, ob wir noch irgend wohin geben sollten, beschlossen aber doch, nach Hause zu gehen und machten Kvhrt. Ich hatte den Vorfall von vorher schon ganz vergessen. Da sahen wir den Schlitten wieder vor dem Restaurant stellen. Marschner stand vor dem Schlitten und schimpfte auf den Kutscher: „Wozu haben Sie denn die Peitsche? Schlagen Sie doch die Kadetten, die Schweine hinter die Ohren!" Als wir näher kamen, trat er ostentativ auf uns zu und rief uns jene Worte zu. Wenn das ein Strolch zu mir gesagt hätte, wäre ich ruhig weitergegangen, ich konnte mir aber von diesem Manne so etwas nicht gefallen lassen. Ich ging auf Marschner ruhig los. zog meinen Hut und fragte ihn sehr höflich:„Wen meinen Sie damit?" Ich erhielt zur Antwort: „Was wollen Sie von mir? Ich schlage Ihnen mit der Faust in die Schn Er holte auch gleichzeitig mit der Hand aus, so daß ich befürchten mußte, daß er mich angreifen wollte. Ich ließ ihn ruhig stehen und sagte zu dem in der Nähe stehenden Nachtwächter: „Bitte stellen Sie doch die Persönlichkeit festl" Der Nachtwächter sagte darauf:„Das ist nicht nötig, ich kenne die Persönlichkeit." Unterdessen ist mir Marschncr gefolgt. Er packte mich dann mit der rechten Hand an der linken Schulter und mit der linken an dem Mantel und schüttelte mich, so daß ein Knopf von meinem Mantel abriß. Wir wurden Handgemein� und ich wollte mich des Mannes erwehren. Da fühlte ich einen Schmerz an der Schulter, und ich rief dem Nachtwächter zu, mir doch zu helfen. Als dies nicht ge- schah, habe ich meinen Stock ergriffen und schlug, da er weiter auf mich eindrang, mit dem Stock ihn über Kopf und Schulter. Der Nacht- Wächter nahm dann den Marschner fest, er riß sich aber los und kam mit vorgehaltenen Fäusten auf mich los. Da er ein großer, kräftiger Mann war, hatte er dabei eine gebeugte Stellung. Ich wußte mir nicht zu helfen, er war mir an Kräften wesentlich überlegen. Da fiel mir mein Revolver ein. Ich holte ihn aus der Tasche hervor und rief mit lauter Stimme: „Bleiben Sie zurück oder ich schieße!" Ich habe dann, als der Mann doch wieder auf mich los kam, ge- schössen, aber nicht, um ihn zu treffen, sondern, nach ruhiger Ueber- legung. um vorbeizuschießen, also nur einen Schreckschuß abzugeben. Marschner zuckte zusammen und griff mit der Hand nach oben. Ich türchfetc, ihn«n der Schulter getroffen zu haben. Kr rief: „Ich bin totgeschossen!" und drang unter drohenden Redensarten nochmals auf mich ein, wurde aber von seinen Bekannten, die auf den Spektakel aus dem Restaurant gekommen waren, festgehalten. Ich blieb stehen und steckte den Revolver ein. Er kam dann plötzlich noch einmal auf mich los und führte einen Schlag nach mir. Dann hat mich jemand gefragt, ob es ein Schrotschuß gewesen und als ich antwortete, daß es eine Kugel war, da ist wohl geantwortet worden, dann ist der Mann tot, denn die Kugel ist in den Bauch gegangen. Es hatte sich inzwischen eine große Menschenmenge angesammelt. Als ich den Schlag mit dem Stock getan hatte, sagte der Nachtwächter zu mir:„Das hätten Sie nicht tun sollen, junger Mann!" Auch nach dem Schuß hat er Aehnliches gesagt. Ich ging noch dem Vorfall nach Hause und zwei Stunden darauf wurde ich verhaftet. Jnznnschen hatte ich zu Hause den Vorfall schriftlich fixiert.— Vors.: Sie hatten doch den Referendar Müseler und den Nachtwächter in der Nähe. Konnten Sie nicht einfach beiseite springen?— Angekl.: Nein, denn Marschncr verfolgte mich.— Bars.: Aus welcher Entfernung haben Sie geschossen?— Angekl.: Aus einer Entfernung von drei Schritt. Ich wollte bloß einen Schreckschuß abgeben; der Gedanke, ihn zu treffen, war mir gar nicht gekommen. Beweisaufnahme. Die Zeugen Referendare Müseler und Dr. Schadeberg schildern die Vorgänge im wesentlichen in Uebereinstimmung mit dem An- geklagten. Der Zeuge Müseler hat. als er sah, daß v. Igel schießen wollte, ihm noch zugerufen:„Igel, sind Sie blödsinnig?" Als der An- geklagte den Schuß abgab, war seine Armrichtung wagerecht. Zeuge Dr. Schadrberg hat, als Marschner die Schimpfwortc aus- rief, geraten, dock, weiterzugehen, da man von diesem Rtanne doch leine Rechenschaft fordern könne. Ob aber der Angeklagte dies gehört habe, wisse er nicht.— Zeuge Referendar Zander hat den Vorgang bei dem Gebrauch des Revolvers nicht mehr mit angesehen, sondern nur noch den Schuß gehört und geglaubt, daß es sich wieder um einen Unfug handele. Zeuge Kutscher Marwitz hat mit seinem Herrn, dem getöteten Marschner, am 1. Februar die Schlittenfahrt gemacht. Unterwegs ist an den verschiedenen Sotionen Bier. Warmes und auch Rot- ivcin getrunken worden. Marsch»« war nicht betrunken, er hat nur laut gesprochen, das war so seine Natur. Er lvar kein zorniger, sondern ein gutmütiger Mann. Nichtig sei es, daß Marschner ihm Vorwürfe gemacht und gesagt habe:„Sie hätten die Kerls mit der Peitsche über die Ohren schlagen sollen!" Als der Angellagtc an Marschner herangekommen und den Hut abnehmend gefragt habe,„wen er damit meine," habe iNarschncr ihm zugerufen: „Gehst Du nicht weg, kriegst Du eins in die Fr...!" Der Zeuge bleibt dabei, daß, als der Angeklagte den Marschner mit den, Stock über den Kops gehauen, Marschner noch nicht geschlagen hatte. Auf Vorhalt der Verteidigung erklärt der Zeuge, daß er nicht alles gesehen, weil er sich nach den Pferden habe umsehen müssen. Der Nachtwächter habe dem Angeklagten sofort zugerufen: „Sie haben Schuld. Sic habe»»lit dem Schlägel, angefangen!" Der Zeuge Nachtwächter Birkholz bestätigt, daß von Marschner das Wort gefallen war:„Die Bengels hätte man mit der Peitsche hinter die Ohren schlagen sollen". Auch dieser Zeuge bleibt im Widerspruch mit dem Zeugen Müseler dabei, daß Marschner den Angeklagten noch nicht angefaßt hatte, als dieser ihn mit dem Stock schlug. Als der Angeklagte den?Narschncr fragte, wen er mit seinen Schimpfworten nieine, sei Marschner auf ihn losge- gangen und habe gefragt:„Was wollen Sie von mir?" Darauf sei der Stockschlag erfolgt. Der Zeuge hat den Stock dem Auge- tlagtcu darauf entrissen und zur Seite geworfen und dann den Marschner festgehalten, da es seine Praxis sei. bei solchen Ren- coiitrcS immer zunächst den Stärkeren festzuhalten. Aussagen des Erschossenen. Der verstorbene Marschncr ist noch vor seinem Tode eidlich vernommen worden. Seine Aussage wird verlesen. Er hat die Möglichkeit zugegeben, von„Kerls" oder„Bengels" gesprochen zu haben. Er habe, ohne selbst angegriffen zu haben, sofort von dem Angeklagten Schläge mit dem Stock über de» Oberarm bekommen. Der Stock fiel an die Erde. Er habe den Stock aufheben wollen, um seinerseits dem Angeklagten einen Schlag zu versetzen. In demselben Augenblick aber habe er aus etwa drei Schritt Eni- fernung einen Schuß erhalten. Der Schuß habe ihn getroffen, als er sich von dem Bücken wieder aufrichtete. Er selbst habe nicht mit Schlägen gedroht und es sei auch nicht wahr, daß v. Igels fort- gesetzt vor ihm habe zurückweichen müssen. Die Teilnehmer des Marschner an der Schlittenfahrt vom 1. Februar, Bauunternehmer Marzillier, Kaufmann Krislan und Maler Mormege können neue Momente über die Tat selbst nicht bekunden. Sie stimmen darin übcrein, daß Marschner nicht be trunken war. Er war ein ruhiger Mann, der sich nicht leicht ausi regte. Er war in seiner Sprachweise zwar etwas„bullcrig", meinte es aber nicht schlimm. Richtig sei es, daß der Wächter zu dem Angeklagten gesagt: „Sie haben angefangen und auch geschossen". Der tlntersnchungsrichter Landrichter Dr. Franke hat den Marschner vor seinem Tode vernommen und bezeugt, daß dieser bei der Vernehmung vollständig bei Sinnen war. Marschner hat entschieden bestritten, daß er gegen v. Igel handgreiflich geworden sei, bevor dieser mit dem Stock schlug. Das Drohen mit dem Schietzen habe er nicht gehört, sonst wäre er ausgerückt. Marschner habe auch ganz bestimmt behauptet, daß,„als er nach der ersten Affäre am Schlitten nach einiger Zeit aus dem Restaurant wieder hinausgetreten sei,„die Bösewichter noch immer am Schlitten ge- standen hätten."— Der Briefträger Bath will gehört haben, daß Marschner, nachdem der Schuß gefallen war, ausgerufen habe: „Ich bin ins Herz getroffen!" Unmittelbar nach dem SÄuß habe Marschner auf den Angeklagten losgehen wollen, man habe ihn aber mit den Worten zurückgehalten,„er solle sich nicht unglücklich machen."— Ein Zeuge bekundet: Marschner habe die Referendare erst drei- bis viermal auffordern müssen, ehe sie den Schlitten ver- ließen. Die Referendare schienen etwas angetrunken zu sein.— Als Sachverständiger bekundet Professor Zeller: Zwei Tage nach dem Rencontre hat sich der Angeklagte zu ihm begeben. Er klagte über Schmerzen im linken Oberarm. Letzterer zeigte äußer- lich keine Spuren einer Verletzung, es wurde aber eine ganz be- stimmte Schmerzlinie festgestellt, die auf eine Muskelzerrung hin- deutete, welche durch eine kräftige Stockbewcgung nach vorn zur Abwehr verursacht sein konnte. Amtsrichter Dr. Henriri, aussichtssührender Amtsrichter in Oranienburg ist von den Referendaren Müseler und Dr. Schaden- berg nach der Tat aufgesucht worden. Sie machten einen durch- aus nüchternen und ruhigen Eindruck und erzählten den Vorfall ziemlich übereinstimmend. Referendar Müseler hat schon damals sofort bezeugt, daß che v. Igel mit dem Stock nach Marschner ge- schlagen, dieser auf v. Igel zugegangen sei. Auch unmittelbar vor dem Schuß sei Marschner auf v. Igel in drohender Weise los. gegangen. Daß v. Igel zweimal mit einem Revolver gegen Straßenlaternen geschossen, hat der Zeuge erst später erfahren. Weitere Fälle sind dem Zeugen nicht bekannt geworden, obwohl ihm aus der Stadt nach dem Vorfall alle möglichen Gerüchte zu- getragen wurden und er nach den verschiedensten Richtungen hin Erhebungen anstellte. Der Zeuge war ivie aus den Wolken ge- fallen, als er hörte, ivaö dem Llngctlagtcn zur Last gelegt lvurdc. Der Zeuge hat nie Anlaß gehabt, über den Angeklagten zu klagen. Im Gegenteil sei er einer seiner besten Referendare gewesen, be» scheiden und nie dienstlich inkorrekt. Amtsrichter Moritz bekundet einen Vorfall, in welchem der An- geklagte auf dem Nachhauseweg aus einer Gesellschaft in ange- hcitertem Zustande drei- bis viermal nach einer Laterne geschossen hat.— Klempnermeister Genz hat, als Marschner getroffen worden war, den Angeklagten zur Rede gestellt und ihn nach seinem Namen gefragt, v. Igel habe ihm geantwortet, daß er dieS nicht nötig habe.— Mehrere Zeugen stellen dem Angeklagten ein gutes Zeug- nis aus. Auf die Frage eines Geschworenen versichert der Angeklagte, daß er sich den Revolver wirtlich schon in Tübingen infolge der Äc- drohung durch einen Stxolch angeschafft habe. Die ai.deren Rcfe- rendare hätten Revolver nicht gewohnheitsmäßig bei sich getragen. — Ein anderer Geschworener fragt den Angeklagten, ob er denn sich nicht sagen konnte, daß er bei ernstem Angriff seitens des Marschner Beistand und Hilfe durch seine Kollegen fand, so daß doch die Gefahr für ihn nicht zum Gebrauche einer Schußwaffe nötigte.— Der Angeklagte bleibt dabei, daß er sich durch Marschner ernstlich bedroht fühlte und auch jetzt noch nicht wisse, wie er ihn sich anders vom Leibe hätte halten können.— Ein Geschworener wünscht zu wissen, ob der Angeklagte seine Waffe genau kannte und sich etwa darauf eingeschossen habe. Der Angeklagte verneint letzteres.— Einige Zeugen stimmen darin übercin, daß im Augen- blick der Schußabgabe es am Tatorte noch hell war, da die Laternen noch brannten. Es folgen die Gutachten der Sachverständigen. Arzt Dr. Beher-Oranienburg, zu dem Herr Marschncr nach seiner Verletzung gebracht worden war, hat bei diesem eine außer- ordentlich große Schwäche festgestellt und sein Augenmerk daraus gerichtet, die Herztätigkeit zu unterstützen. Er hat es dann belvirtt, daß am nächsten Morgen Herr Prof. Hildcbrandt in Oranienburg erschien, der aber bei der großen Schwäche des Patienten zu einer Operation nicht riet, da sie überaus riskant wäre. Der Patient ist am zweiten Tage nach der Verletzung gestorben. Die Eingangs- stelle des Schußkanals ging von rechts oben nach links unten. Noch in der Nacht eine Autorität aus Berlin herbeizuholen, sei un- möglich gewesen. Medizinalrat Dr. Pfleger hat mit dem Gerichtsarzt Dr. Marx die Obduktion vorgenommen. Eine Tarmverletzung, wie sie vom Pros. Hildebrandt und dem Dr. Bcher angenommen und die gegen Vornahme einer Operation sprach, ist nicht festgestellt worden. Marschner ist an Bauchfellentzündung gestorben und die Ursache der letzteren ist die Echuhvcrlctzung der Leber und des Magens.— Auf Frage des Rechtsanwalts Dr. Löwensiein gibt der Sachver- ständige die Möglichkeit zu, daß durch eine Operation der letale Ausgang hätte vermieden werden können.— GerichtSarzt Dr. Marx schließt sich diesem Gutachten an. Auch er hält dafür, daß bei solchen Bauchschüssen eine sofortige Operation in erster Reihe zu empfehlen sei. Ob eine solche in dem vorliegenden Falle unter den obwaltenden Verhältnissen möglich war, könne er nicht ent- scheiden.— Sachverständiger Oberstabarzt Dr. Löw gibt sein Gut- achten dahin ab: es sei nicht anzunehmen, daß Marschncr geschossen worden sei, als er sich stark gebückt hatte. Nach seiner Meinung haben Marschner und der Angeklagte aufrecht gestanden, aber Marschncr habe wohl eine etwas vorgebeugte Stellung angenommen. Wenn man annimmt, daß bei einem Bauchschutz größere Ver- letzungcn vorliegen, so muß sofort operiert ivcrdcn, dazu gehört aber eine zweckentsprechende Assistenz und ein ziemlich großer Apparat von Hilfsmitteln. Geh. Mcdizinalrat Dr. Körte: Bei der in diesem Falle fest. gestellten Schußrichtung ist es wohl möglich, daß der Verletzte den Schuß bei leicht vorgebeugter Stellung erhalten hat. Es scheine sogar nicht sehr möglich, daß der Getroffene bcn Schuß bekommen hat, als er sich nach dem Stock bückte. Die Angabe des Angeklagten, daß Marschner mit erhobenen Fäusten auf ihn kbsgegangcn sei. sich also in Angriffstellung befunden habe, erscheine wahrscheinlich. Die Operationsmöglichkcit liege bei solchen Verletzungen natürlich vor. Aber dazu gehören doch Vorbereitungen, und man könne auch nicht von jedem Arzt verlangen, daß er eine solche Operation vor- nimmt. Anders sei es, wenn man den Patienten nach dem Kranken- hause oder der Klinik bringen kann. Ob die Uebcrführung nach Berlin möglich war, sei für ihn natürlich eine offene Frage. Aus- führen könne man diese Operation entweder gleich oder gar nicht. Es kommt dabei auf sehr viele Nebenumständc an. Die den Geschworenen vorzulegenden Fragen lauten auf Körperverletzung mit Todeserfolg, Körperverletzung mittels einer Waffe, fahrlässige Tötung und mildernde Umstände. Erster Staatsanwalt Stachow spricht nach eingehender Prüfung der Ergebnisse der Beweis. aufnähme die Ucberzeugung aus, daß der Angeklagte leicht dirck- tionslos werde,»nenn er etwas getrunken hat, denn sonst könnte man sich das Sckneßen nach Laternen bei einem gut erzogenen jungen Mann nicht erklären. Und nun kommt das Unglück hinzu, daß er stets einen Revolver bei sich trug. Wie kann ein anständiger junger Mann immer mit einem geladenen Revolver herumlaufen in einer ganz ruhigen friedlichen Stadt! Von einer wilden Gegend, in der der Angeklagte gewohnt, ist gar keine Rede. Wie ist es möglich, daß ein gut erzogener junger Mann bei einem solchen nächtlichen Renkontre gleich losschießt. Einem solchen sinnlosen Schießen mutz entschieden entgegengetreten werden. Wir kranken daran sehr, daß man schon den Erlaß einer Polizeiverordnung erwägt, die das Verkaufen von Schußwaffen an jeden beliebigen AÄrnsckicn verbietet. Jetzt glaubt jeder 14- oder Ibjährige Junge, wenn ihm die Nase des anderen nicht gefällt oder man ihn auf den Fuß tritt, das Recht zu haben, den anderen niederzuknallen. Von einer Notwehr könne in diesem Falle gar keine Rede sein, dem Angeklagten war kein Grund gegeben, den Revolver zu ziehen. Der Angeklagte habe den Marschncr durch seinen Revolvcrangriff außer Gefecht setzen wollen, er habe sich also einer vorsätzlichen Körperverletzung mit Todrserfolg schuldig gemacht. Der Staatsanwalt beantragt die Bejahung dieser Schuldfrage unter Zubilligung mildernder Um- stände. Würden die Geschworenen nur gefährliche Körperverletzung annehmen, dann würden mildernde Umstände keinesfalls am Platze sein. Die Verteidiger. Justizrat Dr. von Gordon und Rechtsanwalt Dr. Löwenstein plädieren des längeren auf Notwehr evcnt. Ucberschrcitung der Notwehr im Irrtum über die Gefahr. Sie berufen sich auf das ganz klare und zuverlässige Zeugnis des Referendars Mäscler. Es sei tief traurig, daß ein Mann, dem das Zeugnis eines gutmütigen Mannes gegeben, zu Tode gekommen im Eifer wechselseitigen Streites in der Nacht. Aber noch viel trauriger wäre es, wenn in ruhiger Erwägung eines ganzen Tages, in der Helle der Beweis. ausnähme ein Urteil gesprochen werden sollte, was den Angeklagten vernichtet. Das Urteil ist erst in später Nachtstunde zu erwarten. Unsere Leser finden es im Hauptblatte. Soziales. Habt acht vor Kauiionstellung! um sein Geld wieder zu erhalten, klagte gestern der Packer Küster gcgcn den Inhaber eines„Ateliers moderner Kunst" namens Rcinhold Schwarz. Der Kläger ist am 8. Oktober vorigen JahrcS gegen einen Monatslohn von 126 M. als Lagerverwaltcr beim Beklaateu in Arbeit getreten. Diesem Posten mißt der Beklagte eine bedeutungsvolle Verantwortlichkeit bei. Er hat sich auch des. balb durch schriftlichen Vertrag vom Kläger die Hinterlegung einer Kaution von bOl) M. als Geschäftseinlage ausbedungen. Am 3. November hat Kläger die Arbeit ohne vorherige Kündigung niedergelegt, weil er seinen Lohn für Monat Ottober nicht erhalten hat. Er klagte diescrhalb bereits im November v. I. beim Gewerbe- gericht und erzielte auch die Verurteilung des Beklagte» zur Bc- Zahlung. Die Kaution konnte damals noch nicht eingeklagt werden, da sie erst drei Monate zuvor gekündigt werden mutzte. Diese �Kündigungsfrist war nun am 1. März d. I. abgelaufen, aber die Kaution hat Kläger nicht erhalten. Auch dem Urteil, welches im November gegen den Beklagten ergangen war, hat dieser bisher »och nicht entsprochen. Der Kläger hat die Bollstreckung desselben nicht vornehmen lassen, weil er befürchtet, datz diese zwecklos sei. Gestern erfolgte nun die Verurteilung des Beklagten dem Klage- antrage entsprechend auf Hcranszahlung der Kaiition nebst den fälligen Zinsen. Doch allzu grotze Hoffnungen, sein Geld alsbald wiederzuerhalten, schien der Kläger nicht zu haben. Denn der Beklagte erklärte auf die während der Verhandlung von den Bei- sitzern an ihn gerichteten Fragen, datz er ja das Geld dem Kläger zurückzahlen will, aber nicht dazu in der Lage sei. Daran werden natürlich auch die gewitz eindrucksvollen und ernsten Vorhaltungen, die der Vorsitzende dem Beklagten machte, damit dieser den gericht- lichcn Urteilen auch entspreche, nichts ändern. Aber eines hat die Verhandlung gezeigt, nämlich datz die Kaution schwerlich zum Schutze vor etwaigem durch den Angestellten herbeigeführten Schaden und zur Sicherung des Eigentums gefordert sein kann. Stellte doch das Gericht durch Befragen dcS Beklagten fest, datz der ganze Materialbrstand, den der Kläger zu verwalten hatte, etwa auf 150 M. zu bewerten ist. Fest steht auch, datz während der Dienstzeit des Klägers keine Geldeingänge, zu deren Entgegen- nähme der Kläger vertraglich berechtigt wurde, zu verzeichnen sind. Somit charakterisierte sich die Forderung auf Stellung der Kaution als eine Spekulation auf jene, die leider nie alle werden. Geht der Käutionstellung Verlangende nicht darauf ein, datz die Kaution unangreifbar bei einem dritten, z. B. einer Bank, hinter- legt werde, so ist fast stets die dringende Vermutung gerechtfertigt, daß die Kaution verputzt werden soll. Auch durch eine Verurteilung wegen Unterschlagung erhält der Geprellte sein Geld nicht zurück. Ein Streit um Lohnzahlung fiir gesetzwidrige Nachtarbeit. Einen rückständigen Lohn im Betrage von 25,82 M. klagte gestern vor>dem Gewerbegericht die Anlcgerin Else Wernicke gegen den Bnchdruckereibesitzcr Fritz Sommer, Steglitzer Straße 81, ein. 15,42 M. hat der Beklagte bereits anerkannt. Unter den noch streitig gebliebenen 10,40 M. befindet sich auch eine Lohnforderung von 5,40 M. für während der Nachtzeit geleistete Ueberzeitarbeit, die der Beklagte nicht zahlen will, da sie ihm bei dieser Arbeiterin, die einen Wochenlohn von 10 M. erhielt, nicht angemessen erscheint und er ihr auch keinen Auftrag zur Leistung der Ueberzeitarbeit gegeben haben will. Klägerin habe lediglich auf Verlangen des Maschinenmeisters länger gearbeitet, der allerdings Ueberzeitarbeit leisten mutzte, die aber nicht so lange gedauert haben kann, wie die Klägerin angibt. Der fragliche Maschinenmeister, als Zeuge der- nommen, bekundet, datz die Arbeit bis Va2 Uhr nachts gedauert habe und für jene Arbeit eine zweite Person erforderlich war. Er habe deshalb die Klägerin mit ausdrücklicher Zustimmung dcS Beklagten länger arbeiten lassen. Das Gericht ist sich darüber einig, datz zu jener fraglichen Arbeit eine zweite Person crfordcr- lich war und hält eine Entschädigung von 8,40 M. für die Ueberzeitarbeit der Klägerin für angemessen. Da die Klägerin ihre Klage nicht zu substantieren vermag, wird der Beklagte zur Zahlung von 18,82 M. verurteilt und die Klägerin mit der Mehrforderung ab- gewiesen._ Wieder eine ReichSverbandslllge. Bei den Reichsverbandsleuten bildet die„Mißwirtschaft in den sozialdemokratischen Konsumvereinen" ein beliebtes Thema. Jeder Konsumverein, der Fiasko macht oder in dem irgend eine Unregel- Mäßigkeit vorkommt, wird einfach als eine sozialdemokratische Ein- richtung erklärt. Gegenwärtig geht wieder durch die bürgerliche Presse eine Mitteilung aus der Korrespondenz deS Reichsverbandes, worin es unter anderem heißt:„Interessante sozialdemokratische KonsumvcreinSliquidation: Wieder einmal meldete die fozialdemo- kratische„Kmisuin genossenschaftliche Rundschau" eine sozialdemokratische Konsumvereinspleite. Immer Hort man dasselbe Lied nach Schema: Der Geschäftsführer ließ genossenschaftliche Grund- sätze außer ackt. So auch in dem bayerischen Dorfe Fuchsmühl, am Fuße des Fichtelgebirges. Nur einige wenige recht gravierende Merkmale dürften genügen, wie in sozialdemokratischen Konsum- vereinen mit den Proletariergroschcn umgegangen wird. Seit Jahren war zwei jungen Mädchen, natürlich den Töchtern der so- zialdemokratischen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder des Kon- sumvereins, die Verkaufsstelle übertragen worden. Schon in meh- reven Jahren ergaben die Jahresabschlüsse grotze Mankos usw."— An der ganzen Geschichte ist nur das eine wahr, datz der Konsum- verein Fuchsmühl verkracht ist, er ist aber keine sozialdemokratische sondern eine christliche Gründung, seine Leiter sind stramme So- zialistenfrcsser. Nach bekannter Reichsverbandsart werden sie ein- fach zu Sozialdemokraten gestempelt, um eine verhaßte Partei zu besudeln. 0mcbt6- Zeitung* Die Ratten verlasse» daS sinkende Schiff. Der Redakteur der entschlafenen„Bürgerpost' in Weißensee hat sich eine ganze Reihe Beleidigungsklagen auf den Hals geladen, die nach und nach die Gerichte beschäftigen und einen in der Gerichts- chronik nicht oft vorkommenden Abschluß finden. Am 5. Oktober brachte die„Biirgcrpost" einen Artikel, wo einer Fahrt der Gemeindevertretung nach dein Rieselgute Birkholz gedacht wurde. an der auch der Direltor der höheren Mädchenschule teilnahm. Wegen der Glossifizierung seiner Person wurde Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Die Verhandlung ergab folgendes Bild. Der verantwortliche Redakteur bekundete, daß er den Direktor gar nicht kenne und auch persönlich gar nicht beleidigen wollte. Vor Ver- öffentlichnng wurde der Artikel vom„juristischen Beirat" ge- prüft und dieser Herr fand keine Beanstandungen, sodaß der Artikel in die Oeffentlichkeit kam. Anders dachte der Staatsanwalt, der öffentliche Beleidigung vorfand. Nach vielem Hin und Her wurde vom Vorsitzenden der Angeklagte aufmerksam gemacht, daß nach 8§ 20 und 21 er eventuell straffrei ausgehe, wenn er den Verfasser nenne. Nach längerem Besinnen erklärte der An- geklagte, daß er zwar keine Rücksichten zu nehmen habe, daß er den Namen deS Verfassers aber doch nicht öffentlich nennen möchte. Der Vorsitzende machte dein Angeklagten dann außerhalb der Ver- Handlung den Vorschlag, dem Herrn Direltor den Verfasser privatim zu nennen. Da der Zeuge unter dieser Bedingung zur Zurücknahme deS Antrages bereit ist, verläßt nuninehr der verantwortliche Redakteur der weiland.Bürgerpost' die Anklagebank und teilt in, Borraum, außerhalb dcS Schöffensaales dem Zeugen den Namen des Verfassers mit; nachdem dies geschehen, wurde die Verhandlung ausgesetzt. Der Direktor wird sich von seiner vorgesetzten Behörde die Genehmigung zur Zurücknahme deS Strafantrages einholen. So endet einstmals Glanzes Herrlichkeit. Die vorgesetzte Schul- behörde solle aber auf Ausgang der Klage beharren, damit die Oeffentlichkeit die ehemaligen Hintermänner der„Bürgcrpost" kennen lernt. Was den„juristischen Beirat" anbetrifft, so ist er bekannt, denn nach Veröffentlichung der„Bürgerpost" sollte derselbe Herr auch die heraufbeschworenen Prozesse führen. ES kam aber anders. Die Ratten verließen schon frühzeitig das sinkende Schiff, mit ihnen selbst der„juristische Beirat", der besoldete Schöffe von Weißensee— Herr Dr. Pape. Der Wiener Raubmord vor de» Berliner Geschworenen. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts l. begann gestern der Prozeß gegen den Handlungsgehilfen Richard Henkel, ivclcher beschuldigt ist. am 8. Dezember v. I. in LLien den Juwelier Julius Frankfurter ermordet und dann beraubt zu haben. Der Sachver- halt, welcher der Anklage zugrunde liegt, ist kurz folgender. Am 8. Dezember v. I. wurde der Juwelier Julius Frankfurter kurz vor 1 Uhr mittags in dem in Wien, Laurcnzerberg 3 gelegenen Juwclierladen seines Sohnes Robert von diesem selbst erschossen aufgefunden. Alle Anzeichen, insbesondere das Fehlen des Porte- luonnaies des Erschossenen, sowie mehrerer Ringe, Uhren und Schmucksachen deuteten unzweisechaft auf das Vorliegen eines Raubmordes hin. Das geleerte Portemonnaie des Getöteten wurde später in einem Hausflur gefunden. Am 16. Dezember erschien der jetzige Angeklagte Henkel in dem Geschäft des Pfand- leihers Jsraelski in Berlin und bot diesem verschiedene Brillant- ringe zum Kaufe an. Da sich H. auf die Fragen des Pfandleihers nach der Herkunft der Schmucksachen in Widersprüche verwickelte, benachrichtigte I. die Polizei, die den Angeklagten festnahm. Auf der Polizeiwache wurden in seinem Besitze noch weitere Schmuck- fache», eine goldene Uhr und drei Pfandscheine über emdere Wert- gegenstände gefunden. Henkel behauptete, die Sachen teils aus eigenen Mitteln gekauft, teils sie von seinem Vater in Gera, der früher damit gehandelt habe, zur Auswahl erhalten zu haben. Da Henkel keine feste Wohnung hatte, wurde er dem Kriminal- kommissar Nasse I vorgefiihrt, der bei der weiteren Vernehmung des Angeklagten auf einen sehr schwerwiegenden Verdacht kam, da sich unter den dem H. abgenommenen Schmucksachen verschiedene befanden, die nach der dem Berliner Polizeipräsidium übersandten Bekanntmachung der Wiener Polizeidirektion mit den bei Frank- furtcr geraubten Schmucksachen identisch waren.. Der Kommissar stellte deshalb an Henkel ganz unerwartet die Frage, wann er aus Wien abgereist sei. Die Wirkung dieser Frage war eine überaus überraschende und vernichtende. Der Angeklagte prallte förmlich zurück und wurde Irichenblah. Nach längcrem Zögern behauptete H. dann, am 3. Dezember von Wien abgereist zu sein. In Tctschen sei ein junger Mann mit einer schivarzen Handtasche eingestiegen, die er dann beim Verlassen des ZugeS in Berlin habe liegen lassen. Er habe sich die Tasche angeeignet und dann die bei ihm vorge- fundenen Schmucksachen darin vorgefunden. Als dann der Kriminalkommissar Nasse im Grand Hotel am Alcxanderplatz, wo Henkel logierte, eine Haussuchung abhielt und hierk«i eine Browningpistole gefunden wurde, brach H. völlig zusammen, als man ihm vorhielt, daß der Juwelier Frankfurter, wie der Befund ergeben hatte, mit einer Browningpistole erschossen worden war. Er gab unter Tränen zu, den Juwelier Frankfurter er- schössen und beraubt zu haben. Bor dem Untersuchungsrichter schränkte der Angeklagte dieses Geständnis wesentlich ein und trat nunmehr mit der Behauptung hervor, er habe allerdings einen Raub ausführen, den Juwelier durch Vorhalten der Pistole aber nur schrecken und einschüchtern wollen. In der Aufregung habe er die Pistole zu fest umklammert und der Schuß sei losgegangen, obne datz er die Absicht gehabt habe, zu schießen. Der Angeklagte ist am 3. September 1886 zu Gera geboren. also erst 22 Jahre alt. Das Urteil wird voraussichtlich heute gefällt werden- Wiesenthal gegen Handle. Die heftige Polemik, die aus Anlaß der vorjährigen Lohn- bewegung der Rohrleger zwischen Vertretern deS Wiesenthalschen Allgemeinen Metallorbeitervcrbandes und des Deutschen Metall- arbeiierverbandes gefuhrt wurde, hatte bekanntlich einen BeleidigungS- Prozeß Wiesenthal gegen Handle zur Folge. Genosse Handle war in erster Instanz wegen formaler Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Durch die Widerklage erzielte er in zweiter Instanz, daß W i e s e n t h a l ebenfalls wegen verschiedener scharfer AiiSdriicke, die er in seiner Zeitung und in einem Flugblatt gebrauchte, zu einer Geldstrafe von 50 Mark ver- urteilt wurde. Das Landgericht nahm an, daß Handle beleidigt worden sei. Wiesenthal legte hiergegen Revision ein, über die gestern der zweite Strafsenat des Kammergerichts zu befinden hatte. Rechtsanwalt Dr. Heinemann erschien als Vertreter des Genossen Handle. Er beantragte Vcrlverfung der Wiesenthalschen Revision, die sich lediglich gegeil die tatsächliche Feststellung richte. Der Senat folgte dem Antrage und verwarf die Revision. EnteignnugSentschädigung bei Enteignung von Vorgartenland. Für die Hardenbergstraße in Charlottenburg ist gemäß§ S deS Fluchtliniengesetzes die südwestliche Straßenfluchtlinie festgesetzt. Die Stadtgemeinde Charlottenburg hat von dem dadurch erlangten Reihte, daS zur bebauungsmäßigcn Herstellung der Straße erforderliche Gelände den Eigentümern im Enteignungswege zu entziehen. Gebrauch gemacht. Der Generalkonsul v. M. und dessen Bruder sind Eigentümer einer älteren Villa mit Nebengebäuden in der Hardenbergstrabe. Diese Grundstücke haben einen Vorgarten von rund 37 Meter Tiefe. Am 10. März 1902 wurde den Klägern der EnteignungSbeschluß zugestellt, wonach zur Verbreiterung der Hardenbergstraße 2452 Quadratmeter von ihren Grundstücken eilt- eignet worden sind. Als Entschädigung für die enteigneten Flächen. die als unbebqubares Vorgartenland geschätzt sind, ist für Kläger in dem Beschluß des BczirkSailsschusies zu Potsdam vom 9.' Mai 1900 eine Gesamtsumme von 55 930,12 M. fest- gesetzt, der Wert deS Grund und Bodens ist auf 20 M. für den Quadratmeter. zusammen auf 47 002 M. festgesetzt. Die Kläger erachten die Entschädigung für den Grund und Boden viel z« niedrig. Ihre Grundstücke seien durch die Verminderung des Vor- gartens von 24 Meter Tiefe auf 9,2 Meter Breite erheblich ent- wertet. Auf den Grundstücken ließe» sich vier herrschaftliche Wohn- Häuser errichten i der Mietwert derselben werde jetzt 911 000 M. betragen pro Jahr, er würde aber um 10 Proz. höher sein, wenn die Wohnhäuser in einem parkartigen Garten. geschützt vom Straßengeräusch und Straßenstaub, lägen. Sie haben demgemäß beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an sie für die enteigneten 2452 Quadratmeter außer den festgesetzten 55 330,12 M. weitere 124639,83 M. nebst 4 Proz. Zinsen seit der Klagezustellung zu zahlen. DaS Landgericht hat den Wert des enteigneten Grund und Bodens auf 138 580 M. festgesetzt und die Beklagte verurteilt, außer den im Beschlüsse vom 9. Mai 1900 festgesetzten 55 930,12 M. weitere 19 578 M. nebst 4 Proz. Zinsen seit dem 10. März 1902 zu zahlen. Das Kammergericht hat dann die Beklagte verurteilt, außer den im Beschlüsse des Bezirksausschusses festgesetzten 55 930.12 M. weitere 73 865 M. nebst 4 Proz. Zinsen seit 10. März 1902 an Kläger zu zahlen. Dies Urteil ist vom Reichsgericht dieser Tage bestätigt. Aus den in Ansatz gebrachten Summen ersieht man. wie zweck- mäßig und gerecht eine Wertzuwachssteuer wäre: nicht durch irgend eine Tätigkeit der Besitzer, sondern lediglich infolge der Entwickelung ron Grotz-Berlin ist das Borgartenland so enorm im Preise ge- stiegen._ Mörder von Mutter und Großmutter. Der 17jährige Amtsschreiber Otto Schulze hatte sich gestern vor der Strafkammer in Brandenburg locgen der schweren Anklage zu verantworten, in seinem Elternhaus im Orte Kloster Lehnin in der Nacht zum 2. Januar seine Mutter und Großmutter ermordet und 132,50 M. geraubt zu haben. Der Vater deS Angeklagten ist Postschaffner. Der Angeklagte legte vor Gericht folgendes Geständnis seiner scheußlichen Tat ab: Ich hatte auü dem Hause wollen. Kl» ich gegen 4 Uhr morgen? nach Hause kam, klopfte ich an. Meine Mutter öffnete mir. Der Vater erschien und fragte, wo ich gewesen sei. Er sagte darauf, einen Denkzettel bekommst Du nachher. Ich zog mich aus und ging in Strümpfen auf den Boden, wo n,ein Nachtlager sich befand. Nach einiger Zeit ging ich wieder herunter und zog mich an. Dann ging ich nach der Küche und nach der Schlafstube, dort stand ein Koffer, in dem der Vater das Geld aufbewahrte. Ich fand den Schlüssel nicht und ging nach dem Holzstall, um mir ein Beil zu bolc» und den Koffer damit zu öffnen. Als ich wieder nach der Küche zurückkam, war die Mutter aufgestailden und trat mir ent- aegen. Ich erhob das Beil und wollte auf sie zuschlagen. Die Mutter lief davon in die Stube zurück. Ich folgte ihr und schlug dreimal auf sie loS. Die Mutter schrie um Hilfe, dadurch erwachte auch die Großmutter, die nur das Wort: Otto! ausrief. Da habe ich auch auf die Großmutter zugeschlagen, sie zog die Bettdecke über den Kopf, worauf ich auf das Bett einschlug, dort, wo der Kopf war. Am folgenden Tage hat der Angellagte versucht, durch einen Sturz von der Treppe sich das Leben zu nehmen. Zur Erörterung gelangt in der Verhandlung, daß der Angeklagte als Kind im Alter von 6 Jahren vom Dach gefallen und sich hierbei äußere und viel- leicht auch innere Verletzungen zugezogen habe. Das Gericht kommt auf Grund der ausgedehnten Beweisaufnahme zu der Ueber- zeugung. daß der Angeklagte die zur Erkenntnis der Strasbarkeit erforderliche Einsicht besessen hat. ES nahm zugunsten des Angeklagte» an, er sei beim Diebstahl überrascht Wörde:» und habe, um das der Begehung dieser Straftat ihm entgegenstehende Hindernis zu beseitigen, die entsetzliche Tat begangen. Der Angeklagte wurde zu der gegen Jugendliche höchsten Strafe von 15 Jahren Gefängnis ver- urieilt. Der Angeklagte verzichtete auf Einlegung eines KechtS- mittels. Hus der frauenbewegung* Nichts für Witwen! Als einen schönen Traum bezeichnete Staatssekretär V. Dckl>- inann-Hollwcg am 5. Februar d. I. die geplante Witlven- und Waisenversicherung. Diese sollte am 1. Januar 1910 in Kraft treten, aber der Staatssekretär mußte nun erklären, daß kein Geld dazu vorhanden sei, weil die Zollerträgnisse nicht so viel eingebracht hätten. Der Plan zur Witwen- und Waisenunterstützung entstand im Jahre 1902. Er ist als Angstprodukt des Zentrums zu betrachten. Die Sozialdemokratie wies damals sofort auf das Gaukelspiel deS Zentrums hin. Der Abgeordnete Molkenbuhr machte im Parla- ment eine Rechnung aus und wies nach, daß rund 400 Millionen notwendig seien, wenn die zirka 3 Millionen in Frage kommenden Witwen und Waisen eine Rente, wie sie der Unfallrente entspricht, beziehen sollten. Und diese Summen aus den Zollerträgnissen der angeführten Konsumartitel zu decken, sei eine unsichere Sache. Die Vorschläge in der Kontmission liefen darauf hinaus, jeder Witwe 100 M. und jedem Kinde 33'� M. oder aber der Witwe 80 M. und jedem Kinde 40 M. zu geben. Das würde pro Tag berechnet die horrende Summe von 16 resp. 15 Pf. betragen. Selbst nach Bc- Nutzung der Rezepte der Kochvirtuoscn Hitze und Konsorten, die aus Knochen und Kartoffeln eine„kräftige, gesunde" Nahrung für den Magen der Arbeiterfamilie herstellen wollen, ist eine Ernährung mit 16 resp. 15 Pf. nicht möglich. Die Sozialdemokraten versuchten nun die Mittel zur Verwirk- lichung der Witwen, und Waisenunterstützung sicherzustellen und beantragten, datz die Mehreinnahlen aus allen Agrarzöllen für eine Reichswitwen- und Waisenunterstützung zurückgelegt werden sollten. Das Zentrum stimmte gegen diese Vorschläge, obgleich es selbst ein- sah, daß die von ihm vorgeschlagene Einnahmequelle nicht für die geplante Unterstützung reichen wurde. Die Unmöglichkeit, aus den angeführten Erträgnissen eine Witwen- und Waisenvcrsicherung ins Leben zu rufen, hat sich jetzt herausgestellt, was Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg bestätigte. Die des Ernährers beraubten Frauen werden sich also auch künftig abrackern, plagen und schinden müssen, um ihre Kinder allein großzuziehen und wenn es nicht geht, so sind sie auf die Privat- Wohltätigkeit und die Armenpflege angewiesen. ' Frauen und Mütter! Auch dieses Vorkommnis beweist, daß nur die Sozialdemokratie die einzigste und wirkliche Freundin aller Armen und Unterdrückten ist._ Genossin Klara Zetkin beabsichtigt, einer Einladung der Mrnlt Suffrage Society(allgemeine Stimmrcchtsvcreinigung) folgend, in der letzten Aprilwoche nach England zu reisen, um in London und in zwei oder drei Provinzialhauptstädten Vorträge zu halten. Die Londoner Genossinnen hoffen, daß Genossin Zetkin auch an der großen Maitagdemonstration teilnehmen wird, bei der die Anhänger des allgemeinen Wahlrechts von einer besonderen Tribüne aus die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen auffordern werden- in Massen für das allgemeine Stimmrecht einzutreten, Versammlungen— Veranstaltungen. Treptow- Banmschulenweg.(OrtSteil Baumschulenweg). Donnerstag, den 25, März, S'/z Uhr, im Lokale deS Genossen Krause. Kiefholzstr.249:„Vortrag. Märzgedanken, Märzgedichte." Versammlungen. Jngcnd-Bersammlnng. Die am Sonntag in den„Ärmst-- hallen" veranstaltete Versammlung der arbeitenden Jugend war wie gewöhnlich sehr gut besucht. Genosse Rcichstagsabgeordnetcr Frank referierte unter stürmischem Beifall der Versammelten über„Märzgedanken". Dem Vortrag folgten Rezitationen von Fräulein Holgers, die große Aufmerksamkeit und reichen Applaus fanden. Diesem Teil schlössen sich Massengesänge von Arbeiterliedern an und den Schluß der gelungenen Veranstaltung bildete ein harmloS-frohes Beisammensein. Briefkasten cler keckaktion. T>» iurMIsch« evrrchstund« Nnve« LindinNrah» Nr.», zweiter Hot, dritter Singano, vier Trepven, YWA- F a v r ft» h l 4UU wosieiltägltch ade»di> von?>/, b-S i»>/, Ndr statt, tveiistuct 7 NIw So»nal>e»dS beoinni die evrechftund«»»,« llbr. Zieder Sluiraae ist eil, Uiichstabe»ud eine.'inl>l alS vtertzeichen beizuinoen. Vrteiliit-e Antwort wird»iitn erteilt. ÄiS zur Beantwortiino im Bricstafte» liiuiieu 14 Tage vrrgchrii. Eilig« Frage» trag« mau iu der Svreitiftiiildc vor. K. 18. Leidet ist in diesem Falle der Vertrag bis 1910 gültig, weil die Ehesrau selbst mitgemietet bat,— N. H. 101. SS genügt eine eigen- händig ae- und unterschriebene und datierte letztwillige Bersügnng. — 50. F. 76. Das Gesetz ist nicht ausreichend, weil sür Abnutzung, Miete usiv, dem Verleiher Entgelt danach zusteht und bei der Berechnung daS Gericht in der Regel fast zu demselben Resultat gelangt, als ob daS SlbzahlungSgesetz nicht besteht,— I. L. 50. Die Kantwe ist in Ihrem Falle von der IchantlonzessionSpflicht dann frei, wenn die Arbester lediglich für sich gemeiniam Bier lausen und untereinander verschänten. Gegen die Veranlagung zur Steuer würde in diesem Falle eine Rellamation Aussicht auj Ersolg haben,— A. V. 17. 1. bis 3, New,— R. 2. 100. 1. Ja, salls nicht auf Antrag vom VormundschastSgericht da» Er- ziehungSrecht dem Manne genommen ist, 2, Ja.— Z- Nein. — H. B. 180.1. Sind Sie volljährig, so ist leider der Vertrag gültig. ES lonnte also die Firma aus Zahlung klagen.--- P. T« 15. 1, Das ist möglich. 2. Ja. 3. Soweit ersichtlich, häiie die Klage keine Aussicht aus Ersolg,— Ä. F. 28. DaS Reichsgericht hat wiederholt wegen Betriebs von Automalen mit Geldeinsatz Verurteilungen, aber auch Freisprechungen bestätigt. Ob eine Verurteilung crsolgt, hängt davon ab, ob der Richter annimmt, Geschicklichkeit iei sür den Ersolg ausschlaggebend oder Znsall,—» M. P. 124. Eine Schadenersatzpflicht des Vermieters besteht in diesem Falle nicht. Ein Recht aus Einbehaltung der entbehrlichen, nicht aber der unentbehrlichen Sachen sieht dem Wirt zu,— M. O. 94. Nein. — P. B. 66, Leider ja.— St. Vt. 46, Rixdors. 1. Nein. 2. Der Unterstutzungsbedürstige muß zlmächst von der Gemeinde Unterstützung er- halten, in deren Bezirk er sich befindet. Besindet er sich noch nicht ein Jahr, ohne Unterstützung erhalten z« haben, in der Gemeinde, so kann diese Er- stattung der gezahlten Ansprüche von der früheren Gemeinde, in der der Untei stühlingswohnsitz erworben ist, verlangen. 3. und 4. Wenden Sie sich an den Magistrat,— O. G.. Cbarlvttcnburg. Nein,— Hck. 8. Ja. — Amtuiau». Nein.— C« 18. Nehmen Sie Ihre Rechte beim SchiedSgerichtsterinIn wahr und beantragen Sie event, den Arbeitgeber darüber zu vernehmen, datz er Ihnen nur aus Mildtätigkeit daS Gehalt zahlt.— R. 106. Die Eröffnung de» Testaments geschieht aus Antrag eines der Interessierten. Eine Frist besteht nicht. Der Erbschetn wird nicht von Amts wegen ausgestellt, sondern aus Antrag eines Erben.— Orts- Krankenkasse der Ziprreiiaeliep, Ziprrensortierer und deren getverbl. Hilfsarbeiter zu Berti». Mittwoch, den 31. März 1SVS. abends 8 Uhr, In den Zlusiilrvi'-iSiUvii, Kaiser- Wilhelm- Strasie 180» (unlerer Saal): lZeversI-VerLÄMMluiig. Tagesordnung: 1. Vorlegung der JahreSrechnung 1908, �Bericht derRevisionskommission, 3. Erlatzwahl für ein ausgeschiedenes Vorstandsmiiglied der Arbeitnehmer, ' SZ2b_ Der Vorstand. Orts-Krankenkasse U Stellliier zo Beri Sekanntmachung. Den Herrn Arbeitgebern sowie den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die an: 27, November 1908 de- schloisene Abänderung der KZ 10, 12, 18. 18 und 27 des Kasscnstatuts vom Bezirksausschuß als zweite Abändc- rung zum revidierten Statut ge- uchmigt ist, 271/10 Im§ 10 Absah 2 wird die Anmeldung neu geregelt. Im§ 12 werden die Mitglieder jetzt in vier Lohnklassen eingeteilt: ijüt die 1. Klasse gilt der Satz von 4 Mark. 2. Klasse 3 Mark. 3. Klasse 2 Mark, 4, Klasse I.SO Mark, Nach§ 13 Absatz 2 Ziffer 3 erhalten die Mitglieder vom Tage nach dem Tage der Erkrankung ab für jeden Kalendertag ein Krankengeld. Im§ 18 Absatz 1 und 2 wird sür die einzelnen Klassen das Sterbegeld festgelegt, § 27 behandelt die Festsetzung der wöchentlichen Kasfenbetträge für die einzelnen Klassen, Vorstehende Abänderung tritt vom Montag, den 29. März 1909 ab in Kraft. Berlin, den 22, März 1909. Der Borstand. f?» �osv»v«KI, Vorsitzender. Ed. Haaae, Schristsührer. Konlnulvertm Irieknau nild zlmgkgend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Kachtrag zur Bilanz. Mitgliederbewcgung 1907: 220 Mitgl. Neu hinzu....-, 4l. 21)1 Mitgl. Ausgetreten..... 18 »crbleiben a.80. Sept. 1908 2-15 Mitgl. betrug Die Hastiumme am 30. 9, 07. Tie Haftsumme am 30. 9. 08. Mehr betrug 7C20,— M, 7830,—. 810,— M, Der Borstaud. f. A.: W. Schmidt. G. Döring. liefert ftanlo gar. naturrein 0 Psd.-Kolli 7,75. Toni Ander- nnnn, Buezacz via Breslau No. 3. Kuhbutter Wirverkaufen jetzt noch billigst pH 4 üik I in Petersliagen. Ostbahn, □ R 10 ük. Seegefeld, am Bahnhos, Li«>2 IKI«,« Kaulsdorf. am Bahnhof. PK iüMk. Bahnhof Sadowa, I Biesdorf. Kaulsdorf-Süd p R 30 Mk Biesdorf. Stadtbahn, am Bahnhos. Verkaufsstellen an den Bahnhösen. Halke klMk Berlin, �eue�onigft 16 an 1 an an an veutselisr aolMrdoitsr-Vsrdkwck. Donnerstag, den ZZ. März 1909, gleich nach Feierabend: 7 große Versammlungen ® in folgenden Lokalen: 1.„Kolberger Salon", Kolberger Stmße 23, um 6V2 Uhr. 2.„Swinemiinder Gesellschaftshans", Swinemünder Straße 42, um Uhr. 3.„Prachtsäle des Ostens", Frankfurter Allee 151/152, um 6% Uhr. 4.„Freyers Festsäle", Koppenstraße 29, um 6V2 Uhr. 5.„Urania", Wranqelstraße 9/10, um 6Vz Uhr. 6.„Hofjäger-Palast", Hasenheide 62/53, um 5i/2 Uhr. 7. Hoppe, Nixdorf, Hermannstraße 49, um 6V2 Uhr. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Aer f(l)iitzt die Mcrdlci) der Holzarbeiter?" 2. Dislussion. Referenten: �lomberx-Hamburg, Oietried-Breslau, tUüIler-München-Gladdach, Lekünendee�sr' Schwenningen, Karl l-exien-Berlin, ködert ScdmZat--Berlin,(Zustav Veeker-Berlin. Allle Kollegen müssen diesmal in de» Versammlungen erscheinen. 80/16 Die Orlsverwaltang. KM SlrbeitSunchUieiö: BertoaltungSstelle Berlin. Haublburcuu: Hos I. Amt 3. 1239. CharitfestraBe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Donuerstag, den 25. Mr; 1909, abends 6 Uhr: Branchen-Versammlung der Berlins und Umgegend im Lrvwericzclsal'telmnze, Engeluser 15, Saal 1. Tages- Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Bartinann über: �Darifverträge«. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. DV" Kollegen I Da in dieier Versammlung statistische Fragebogm ausgegeben werden, ist es notwendig, daij jede Werkstatt vertreten ist. Doanerslag, den 25. März 1909, abends SV« Uhr: Wik" ¥ersammlnngs"MZ der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im Bresdvnvi' Garten, Dresdener Straße 45. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen BavId�oNn über:„Dentscher Humor«. 2. Verbands- und Branchciiangelegcnheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht."VB Doutlerstag, den 25. März 1909, abends SVg Ahr: Branchen-Versammlung öer Elektrozuonteure und Helfer Berlins und Umgegend im GerrerlrzelialtsIlanGe, Engeluser 15, Saal 7. Tages-Ordnung: 1 Vortrag deS Kollegen Qoken. 2. Bericht deS Branchenleiters und der Kommission. 3. Neuivahl des BranchenlciterS und der Kommission. 4. Verschiedenes. , Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt.> KM- Zahlreicher Besuch wird erwartet. Metallarbeiter-Notizkalender Stück 60 Pf., sind im Bureau zu haben. 113/17 Die Ortsvcrwnltnng. »»>» l Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht.) Am Freitag, den 2. April 1909, abends 8 Uhr» im Saale deS Herrn Kiillnei*(früher GStz), Tegel, Schloßstr. 7/8: Ordentliche Generalverlammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2 Verlesung des Revisionsberichts. 3. Erössnung rarer LerlaujSstelle in Wilhelmsruh. 4. Vercinsangelegenheiten. 104/17 Per Aufsichtsrat: VI. Grell. Persil ist die VerricMung der Heuswische mit dem»oUkomtnenetco»elbatt« Ilgen W a s c b m i 1 1 e I von höchster Wasch-uod Bleichkreft. Wäscht 1 tob selbst ohne jede Arbeit und Mühe, bleicht wie die Sonne, schont das Gewebe und ist absolut unscbldlich.' :: ü:: Ueberau erbSItlich.:*. m tti ALLEINIGE FABRIKANTEN:■urii.ui----. Henkel Co., Düsseldorf. □□□□□□ DO □□□□□□□□□□□□ In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich. Fabrik- Niederlage für Berlin und Vororte: Joh. bchmalor, Berlin N., Tieckstraße 11. Talmliiirbkiftr-Gcillissciischtist, Haiuliiirg Geueralveririeb und Aabritiager Berlin 80., Köpenicker Strotze 20a Vertreter: Udo �tang�euberg"eleo� Niederlage der Nordhäuser Kaniabakarbeiter.Geuofleuschaft Z9xar»-vn—»Isarettv«—«antadalr« zu Fabrikpreisen. Rtlhiuiiisisilbslhliiß der Griiltlilsaiiirtl Gltsbraitben- Kasse für Adlershof u. Zliag. zu Adlershof für das RcchniiiigSjahr 1908. l. Kafsenrechuuilg. 271/18 a) Einuahme». 1. Kaisenbestand sür den Ansang deS Rcchnui.gS» jahrcS....... 2. Zinsen von Kapitalien. 3. Eintrittsgelder... 4. Gesamtbeiträge... 5. Zulatzbeiträge sür Fami- Iienunterstützung... ö. Ersatzleistungen sür ge> währte Krankenuuter- stützuug..... 7. Erlatzleistnngen von Bc- rusSgciwffenjchasten.Nn- ternchnicrn, Bersiche» ruiigsanslalten sür ge- währte Krankensärsorge, Unsallrenten, Zuschüsse Mark 14 057,03 5 955,46 4 873.04 232 733.35 t 589,3? 3 184.25 40 000.— 143,68 zum Krankengeld•. 8. Zmückaezogene Spar- iasseiieinlagen. Entnah- men aus dem Reserve- fondS....... 9. Durchlaufende Posten 10. Sonstige Einnahmen.___ 11. Summe der Einnah- men(Zifser 1 bis 10) 305 536,70 I») Ausgabe«. 1. Für ärztliche Bchand- iung..... 31 961.73 2. Für Arznei und sonstige Heilmittel..... 32 742,84 3. Krankengelder: a) an Mitglieder..... 64 362,84 b) an Angehörige der Mitglieder... 2 812,57 4. Unterstützungen an Wöchnermnen.., 8 687,20 5. Sterbegelder.... 4 875,94 6. Kur- u. Aerpflegungs- kosten an Kranken» anstalten..... 32 116,16 7. Fürsorge sür Rekon- valeSzente»....— 8. Ersatztcistungen sür ge- währte Krankeimuter» stützung...... 36 618,46 9 ZurülkgezahiteBetträge und Eintrittsgelder. 1407,67 10. Für Kapitalanlagen (Sparkasse. Zusührun- gen zum RescrbesondS) 25 955.46 11. Durchlauseude Posten 1091,77 12. Vcrwaltmigsausgabeii: ...... 14 243,13 8 770,84 41 900,50 a) persönliche. b) fiW ., chllche 18. Sonstige Ausgaben 14. Summe der?luSgabcn'302 550,10 c) Abschlutz. Summe der Einnahmen (Ziffer a 11).... 305 586,70 Summe der Ausgaben (Zifser b 14).... 302 550,10 Ergibt für den Schluß des Rechnungsjahres einen Kasseiibestand von.. 2 977,60 II. BermögenSauStveiS für den Schlnsj des Rechnungsjahres 1908. Das Gcsamtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen: Aktiva: Mark a) der Bestand sür den Schlug des RechnungS- jnhreS 1008 laut vor- stehendem Abschlutz,. 2 077,60 b) Sparkassenbuch,.. 180 137,86 Summe 102115,46 Hiernach beträgt der lieber« ' schiih der Aktiva,..192 115,46 Räch dem uorläbrigen Ab- schlug beirug der Ucber- schütz der Ältiva... 217 230.43 Ergibt gegen das Vorjahr an Ueberschutz der Aktiva weniger...... 25 123,07 Zum Reservesonds gehören nach den staltgesuitdencit Ucbcrweiluiigcn(Ent- zichungeii)..... 189 137,86 Nach dem vorjährigen Ab- schiutz betrug dcrNeservc- sonds....... 203 182,40 Ergibt gegen das Vorjahr an Rcierucsoiids weniger 14 014,54 Als Belricbsjoiids verbleiben der Rasse bar. 2 877,60 Rdleröhof. den 22. Mär» 1009. It. Hansen, Vorsitzender. Heizt Kocht PHimvi/ga mit Beleuchtet . gg 19 DAPOL garantiert rein amerikanisches Petroleum. DAPOL rukt nicht! DAPOL sih* eine helle Flamme! DAPOL verbrennt geruchlos! 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Abfalltepptche 6.—, 7.50. 3.25, 3.85, 4.85, Plüschteppichc mit kleinen Färb- seblern, Fabrikmuster, 6.25, 7.50, 8.75, 10.50, 12.—. 15.—. Tcppichhaus Große Franksurterstraße 125._ Tuchdecken Stück 1.15, 1.55, 2.25, 2.90, 3.BO, 4.25. Plüschdecken 3.85, 4.65, 5.—, 6.50, 7.50, 9.—, 11.— usw. Große Franksurterstraße 125. Totalausvcrkauf großer Posten Gardwenreste, Möbelstoffrcstc, Plüsch- refte, zu Sofabezügen ausreichend, Läufer- und Linolcumreste zu Spott- preisen. E. Weißenbergs Gardmen- und Teppichhaus, Große Franksurter, straße 125, 2. Haus von der Koppen- straße�_ Monatöanzügeund Wimerpaletots, Joppen von 5 Mark sowie Holen von 1,50, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie sür korpulente Figuren. Reue Garderobe zu staunend billigen Preisen, auS Pfandleihen verfallene Sachen kaust man am billigsten bei Naß, Mulackstraße 14. Bücher des deutschen Hauses. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. 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Am Donnerstag, den 25. März findet in Trapps Fest- sälen, Bahnhofstrahe 1, eine öffentliche Versanimlung statt. Tages- ordnung:„Die Frau im politischen Kampf". Referentin Frau Martha Zeetze. Herne Mittwochabend von den bekannten Stellen aus Handzettelverbreitung._ Berliner JVacbricbten» Schneeschmelze. Für einen langen, schönen Herbst mußten wir büßen durch einen nicht minder langen Schneewiuter, so will es die ausgleichende Gerechtigkeit, die auch in klinratischen Dingen ihrer nicht spotten läßt. Bis zu dem Tage, den der Kalender für den Frühlingsanfang festsetzt und den er sonst nicht ab- zuwarten Pflegt, ließ er sich diesmal wirklich Zeit. Wer am letzten Sonntag hinauszog, um im Grunewald den Frühling bei der Arbeit zu sehen, konnte ihn bei der„Schneeabfuhr" bewundern. Die Wege in Schlamm und Wassergerinsel der- wandelt, dazwischen breite Schollen aus Schnee, die mit Wasser getränkt, halb durchsichtig waren und an ihren Rändern das Schmelzwasser entließen. Nur mit Vorsicht ließ sich über diesen teils aufgeweichten, teils noch harten und schlüpfrigen Boden voltigieren, und nur Ausdauernde konnten an weitere Touren denken. Hier und da vereinigten sich die Schmelzwässer zu kleinen, munter dahineilenden Bächlein, die wunderlich geschlängelte Runen in den märkischen Sand gruben, um schließlich in größere Wasseradern zu münden. An jeder solchen Mündung war der ausgewaschene Sand zu kleinen Schlammhügeln aufgehäuft, wie man sie im großen als Delta- bildungen kennt. Ueberhaupt, wenn man sich die Schnee- schmelze und ihre Wirkungen vertausend- und vennillionenfach vergrößert dachte, so sah man im Geiste ein Bild aus der Eiszeit, als vor Jahrhunderttausenden der Eispanzer, der da- mals Norddeutschland bedeckte, bei Berlin auf eine Zeitlang zum Stillstand kam, und die von seinem Rande abfließenden gewaltigen Schmelzwasser die Flußbetten auswuschen, die von Spree und Havel und anderen Resten längst nicht mehr aus- gefüllt werden und zum Teil längst wieder ihr Wasser ver- loren haben. Denn die Kräfte sind in der Natur überall dieselben: ob die Rinnen, die die Schmelzwässer in den Grund waschen, wenige Millimeter oder ob viele Klafter tief werden, ob die angeschwemmten Massen die Größe eines Maulwurfshügels oder Berges haben, das alles sind nur Unterschiede des Grades, nicht des Wesens. So sind die wunderlichen Miniaturlandschaften, die im Grunewald die Schmelzwasser aus dem Grunde herausgebohrt und ge- graben haben, in keinem wesentlichen Punkte verschieden von den schönen Hügelgegenden, die wir als„Märkische Schweiz" und unter ähnlichen Namen schätzen, und die den nagenden Schmelzwässern der Eiszeit direkt entsprungen sind. Wenn sich die Wasser verlaufen haben werden, wird der Grunewald leider auch seine Bächlem wieder verlieren. Aber schon huscht es im Sonnenschein grünlich über die fahlen, ver- trockneten Grasnarben unter den hohen Bäumen. Es streckt und reckt sich in den Halmen, in den Aesten und in den Knospen, und mit verdoppelter Geschwindigkeit wird das pulsende Leben nachholen, was der lange Winter unter- drückte._ DaS Projekt der Schwebebahn ernstlich in Frage gestellt. Im Verkehrsausschuß fanden gestern Besprechungen über daS Schwebebahnprojekt statt, denen der Oberbürgernieister Kaiser sowie der Stadtbaurat Wiegand und auch später der Vertreter der Gesell- schaft für Elektrische Unternehmungen Petersen beiwohnten. Dabei äußerte sich der Rixdorfer Oberbürgermeister dahin, daß niemals daran zu denken sei, daß die Rixdorfer Stadtverwaltung ihre Zustimmung zur Anlage einer Schwebebahn oder einer Standbahn geben würde. Für Rixdors könne nur eine Untergrundbahn und zwar in Rücksicht auf die geringe Breite der vorhandenen Straßen. in Frage kommen. Die einzige Möglichkeit fei in der Kaiser- Friedrich- Straße vorhanden. diese könne jedoch nicht in Frage kommen, weil sie zu weit ab vom eigentlichen LerkehrSmittelpunkt liege. Diese Mitteilung war in- sofern frappierend, als allgemein angenommen wurde, daß Rixdorf den dringenden Wunsch habe, dieses neue Schncllbahnunternehmen verwirklicht zu sehen, was ja auch vielfach in der Presse zum AuS- druck gekommen ist. Diese Presseäußerungen führte der Oberbürger- meister auf einen Herrn zurück, der direkt mit der Rixdorfer Stadt- Verwaltung nicht in Verbindung gestanden habe und heute nicht mehr im Amte sei. der sich aber sehr für das Projekt interessiert habe, ohne dabei die städtische Verwaltung in Frage ge- zogen zu haben. Der Vertreter der Konlinentalgesellschaft für elektrische Unter- nehmungen gab darauf die Erklärung ab, daß, wenn die Schwebe- bahn ihre Fortsetzung über das Kottbuscr Tor hinaus nicht erlangen könne, eine Durchführung infolge mangelnder Rentabilität des Projektes unmöglich sei. Zwar sei die Bahn überhaupt zunächst nur bis zum Hermannplatz gedacht gewesen, aber auf dieser Strecke bis zum Kottbuser Tor würde die Bahn mit der städtischen Untergrund- bahn Rixdorf— Moabit in Konkurrenz kommen, so daß sie am Kottbuser Tor enden müsse. Herr Petersen teilte noch mit. daß beabsichtigt sei. die Bahn über den Gesundbrunnen hinaus nach Reinickendorf zu verlegen. Vom Geheimen Baurat Krause wurde nachgewiesen, daß die Verbreiterung der Brückenstraße einen Kostenaufwand von ö'/z Millionen erfordem würde. Es sei be- absichtigt, die Bahn von der Jannowitzbrücke am Ufer der Spree entlang bis zur Michaelkirchstraße und über Michaelkirchplatz nach der Dresdener Straße zu führen. Redner glaubte auch darauf hinweisen zu muffen, daß nach den Erfahrungen wie sie anderwärts, namentlich in England und Amerika gemacht seien, eine Verzinsung der in den Bau von Untergrundbahnen fest- gelegten Summen niemals zu erreichen sei. Dies sei nur bei Schwebebahnen oder bei einer Kombination von Untergrund- und Hochbahn möglich. In der Diskussion wurde auch erwähnt, daß mit Rücksicht auf den Verkehr die Führung der Schwebebahn durch den unteren Teil der Brunnenstraße, wo heute die Probestrecke steht, nicht gut angängig sei. Dieser Schwierigkeit will die Gesellschaft dadurch begegnen, daß eine neue Straße vom Rosenthaler Tor nach der Jnvalidcnstraße durchgebrochen wird, wodurch der Berkehr abgeleitet werden soll. Außerdem wurde der Gesellschaft nahe gelegt, bei Weiter- bearbeilung ihrer Projekte in Erwägung zu ziehen, ob sich nicht eine Linienführung durch die Reichenberger Straße nach Bauni- schulcnwcg ermöglichen lasse. Die Sitzung wurde hierauf vertagt. Für Mahnahmen zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit wor in dem Stadthaushaltsetat pro 1908 der Betrag von 397 909 M. vorgesehen worden. An Vereine, die der Säuglings. stcrblichkeit entgegenwirken, sollten hiervon 27 509 Mk. abgegeben werden. Alles übrige, 279 599 M., war bestimmt für die Säug- lingsfürsorgestellen, die außerdem aus dem Verkauf von Milch usw. 20 500 M. Einnahme erwarteten, so daß sie im ganzen 300000 M. zur Verfügung gehabt hätten. Das Etatsjahr 1908 läuft mit 31. März 1909 ab, aber die 307 000 M. sind bereits erschöpft. Der Magistrat muß daher die Stadtverordnetenversammlung um N a ch b e w i l l i- g u n g eines Betrages ersuchen, den er auf 38 500 M. berechnet. Die Säuglingsfürsorge st ellen brauchen noch 30 000 Mark hiervon. Sie sind wieder stärker in Anspruch ge- nvmmen worden, als der Magistrat es erwartet hatte. In den neun Monaten April bis Dezember 1908 wurden von den Fürsorge- stellen 11274 Kinder in Behandlung genommen und 116605 Kon- sultationen geleistet, 1284 Kinder mehr und 26 285 Konsultationen mehr als in denselben neun Monaten von 1907. Dadurch erhöhten sich die Ausgaben über den Voranschlag hinaus, andererseits aber blieben gleichzeitig die Einnahmen aus Milchverkauf usw. hinter dem Voranschlag zurück. Die Waisenverwaltung erwog zunächst, ob nicht eine Ausgabenminderung dadurch erzielt werden könnte, daß der Unterstützungsbetrag herabgesetzt oder die Untcrstützungsdauer abgekürzt würde. Das ging aber nicht, weil ohnedies der Unter- stützungsbetrag pro Kind in der Regel nicht mehr als t ä g l i ch 2 Oi— 3 0 P f. erreicht und diese Unterstützung durchschnitt- lich nur 10— 11 Wochen gezahlt wird, so daß sie bei der Mehrzahl der Kinder schon bald nach Vollendung des ersten Lebens- Vierteljahres aufhört. Es blieb daher nur übrig, eine Nachbewilli- gung zu fordern. Um sie zu begründen, betont der Magistrat, daß diese Fürsorgestellen„der Bevölkerung Berlins unverkennbaren Nutzen gebracht haben". Ucber die Frage, ob sie bereits die Säug- lingssterblichkeit herabgedrückt haben, äußert er sich noch mit aller Reserve, weil hier ein zahlenmäßiger Nachweis schwer zu führen ist. Tagegen hebt er hervor, daß die Säuglingsfürsorgcstellcn in der Be- völkerung erfolgreich der verderblichen Unwissenheit bezüglich Säug- lingspflege und Säuglingsernährung entgegengearbeitet haben. Zur Beihilfe für Vereine werden noch 8500 M. ge- braucht. Die Mehrausgabe wird verursacht durch Unterstützung des sogenannten„Kinderrettungsvereins" des Pastors Pfeiffer, der sich als Massenvormund betätigt. Der Herr Pastor hat jetzt etwa 2000 Mündel, die er durch Helferinnen(durch wieviele?) überwachen läßt. Früher zahlte ihm die Stadt monatlich 50 Pf. für jedes Mündel, das in Berlin Unterstützungswohnsitz hatte und nicht der Armenpflege anheim gefallen war, in 1908 aber wurde dieser Betrag auf 1 M. pro Monat erhöht. Es versteht sich von selber, daß es sein Bedenkliches hat, einem einzelnen Manne die Vor- mundschaft über eine so große Zahl von Mündeln anzuvertrauen. Daß der Mann ein Pastor ist, kann kein Grund sein, ihn geeigneter hierzu erscheinen zu lassen. Im übrigen kann man die Frage aufwerfen, ob der„Kinderrettungsverein" überhaupt so ohne weiteres denjenigen Vereinen zuzuzählen ist, die„der Säug- lingssterblichkeit entgegenwirken", Das Waffer der Spree ist oberhalb des Spreewaldcs in einem Zeiträume von 24 Stunden um 65 Zentimeter gestiegen. Die durch die Schneeschmelze herbeigeführte Flutwelle hat wiederum eine aus- gedehnte Ucberschwemmung des Spreewaldes zur Folge. Von der gewaltigen Wirkung der Schneeschmelze konnte man sich gestern auch in der unmittelbaren Nähe Berlins überzeugen. Durch kts abfließende Schmelzwasser der Müggelberge wurde der Vorort Müggelheim teilweise unter Wasser gesetzt. Die Fluten drangen in die Häuser und Stallungen und verursachten nicht unerheblichen Schaden. Um sich vor dem weiteren Andringen des Wassers zu schützen, warfen die Dorfbewohner einen Damm auf, durch den das Schmelzwasser jetzt in die Krampe geleitet und durch diese der Spree zugeführt wird. Die nächste schnelle Post nach den Bereinigten Staaten von Amerika geht von Europa am 27. März ab. Sie benutzt den an diesem Tage von Southampton in See gehenden Dampfer„Phila- delphia" der Amcrikalinie. Brieflendungen für diesen Dampfer müssen womöglich am 28. vormittags 10,02 Uhr am Postamt 1 in Bremen vorliegen. Sie gehen dahin von Hannover spätestens 5,35 Uhr früh. In Southampton werden dem Dampfer außerdem Nachsendungen zugeführt, die Hannover 3,36 Uhr nachmittags über Boxte! und Köln 6,01 Uhr abends über Verviers verlassen. Abends 10,45 Uhr ist von Köln noch Verbindung nach Checbourg, Ivo der Dampfer ebenfalls noch erreicht wird. Angesichts der unsicheren Postverhältnisse in Frankreich kann diese Verbindung aber kaum benutzt werden. Die„Philadelphia" ist am 3. April in New Dort fällig. Die nächste billige Post trifft dort erst am 6. April ein. Sie geht am 30. März von Bremen mit dem Schnelldampfer„Krön- Prinz Wilhelm". Nur Briefe werden zu dem billigen Porto von 10 Pf. für die ersten 20 Gramm mit deutschen Dampfern befördert, alle anderen Gattungen von Briefsendungen zahlen die Sätze des Weltpostvereins, gehen aber auch mit der nächsten Gelegenheit. Das Opfer einer Gasvergiftung wurde gestern früh ein Be- wohner des Hauses Katzlerstr. 16. Tie herbeigerufene Feuerwehr fand den Mann bereits besinnungslos vor. Alle Wiederbelebungs- versuche der Feuenvehr durch Einflößen von Sauerstoff waren er- folglos. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. Vom Spiel in den Tod. Einen schrecklichen Tod fand gestern nachmittag das vierjährige Söhnchen des Kaufmanns Neumann, Oderberger Str. 44. Der Kleine war auf die Straße gelaufen, um mit anderen Kindern zu spielen. Er rannte dabei auf den Fahr- dämm und lief gegen einen Düngerwagen. Der kleine N. fiel dabei so unglücklich, daß ihm das Hinterrad über Brust und Arme hinweg ging. Passanten trugen den Knaben nach der Unfallstation in der Schönhauser Allee, wo aber der Arzt nur noch den Tod bei ihm feststellen konnte. Verschwundener Bankbeamter. Der Baukkassicrer Wilhelm Hornemann, der in dem Bankgeschäft von Ncuburgcr angestellt war, ist seit dem 20. d. M. verschwunden. Als H. vorgestern nicht zum Dienst kam, ließ die Firma in der Wohnung des Beamten in 5lönigs- Wusterhausen anfragen; sie erfuhr nun, daß Hornemann am Sonn- abend nicht nach Hause gekommen sei. Eine sofort vorgenommene Kassenrevision ergab, daß die von dem Vermißten geführte Kasse sich in bester Ordnung befand. Es wird angenommen, daß der 28jährige Mann, der schon seit längerer Zeit nervenleidend war, in einem An- falle geistiger Störung Selbstmord verübt hat. Die AbschiedSrennen in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten, mit denen die so rasch beliebt gewordene Winterbahn nach drei Wochen ihr Dasein beschloß, brachten ein abwechselungsreiches Programm; es enthielt Flieger- und Dauerrennen, sowie Motor- fahren der Schrittmacher, so daß jedem Geschmack Rechnung getragen war. Den Anfang machte ein Iv Kilometer-Rennen ohne Schrittmacher. 5 Preise: 100, 60, 40, 20 und 10 M.; außerdem dem Ersten eines jeden Kilometers eine Prämie von 10 M. 1. Bruno W e g e n e r in 12 Min. 13 Sek., 2. Hoffmann, 3. Kudcla, 4. Tetzlaff, 5. A. Müller. Prämien gewannen: Ganzevoort(2), Siechun(3), Wegener(2), Hoffmaun, Rottnick und Thomas. Zehn Fahrer zu dem interessant verlaufenen Rennen.— Senioren-Rennen, 1500 Meter, offen für Rennbahnveteranen, die sich an öffentlichen Weit-' fahrten nicht mehr beteiligen: 6 Ehrenpreise im Werte von 100, 80, 60, 40 und 20 M. I.Hansen, 2. Suchetzki, eine Länge zurück, 3. Büchner, 4. Drescher. 5. Hegermann. Nicht plaziert endeten Leinert, Spitzig und Weeck.— Abschiedspreis des Winter- velodrom am Zoo. 200, 100 und 50 M. 1. C l a r k in 2 Minuten 12� Sek.. 2. de Mara, zwei Längen zurück, 3. Henry Mayer. Ueber- legener Sieg des Australiers, Mayer endete weit zurück. Zn drei Vorläufen ausgeschieden Carapezzi, Wegener, Kudcla, Fr. Hoffmann, Ganzevoort und Scheuermann.— 30 Kilometer-Rennen mit Schrittmachern. 1500, 1000 und 500 M. 1. Fr. Thcile in 36 Min. 59 Sek.; 2. Dcmke in 37 Min. 56% Sek.; 3. Fr. Ryser. Demke, der zuerst vorn liegt, wird von Theile in der 33. Runde überholt; Demke kommt in der 60. Runde zu Fall; er ist zwar gleich wieder auf dem Rade, hat aber dennoch zwei Runden eingebüßt; bis zum Schluß wird er noch zweimal von Theile überholt. Ryser kann sich nicht zur Geltung bringen, er endet weit zurück.— Schrittmacher-Rennen über 10 Kilometer. 50, 30 und 20 M. 1. Tetzlaff in 11 Min. 15 Sek.; 2. Krüger 3 Runden zurück. Porte gestürzt, doch erlitt er nur Hautabschürfungen an den Händen.— In der Nacht zum Dienstag wurde noch mit dem Abbruch der Bahn begonnen. Vorort- I�admchten. Charlotteuburg. Die Leiche eines seit zirka 2 Monaten vermifitcn PostsekrttärS Kühn aus der Dankclmannstr. 51 wurde am Montagnachniittag von Potsdamer Fischern in ihren Netzen in der Nähe der ehemaligen Hundehäuscr des Parkes Glinicke ans Land gezogen. Allem An- schein uach war der Ertrunkene beim Schlittschuhlaufen an der gefährlichen Stelle bei der Heilandskirche in Sakrow, die jedes Jahr mehrere Opfer fordert, verunglückt. Die Schlittschuhe be- fanden sich noch an der Leiche. Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit der Erledigung von Petitionen. Eine Petition des Arbeiterturnvereins um Ueberlassung einer Turnhalle wird als gegenstandslos betrachtet, da die Stadt- verordnctenversammlung bereits das Ersuchen an den Magistrat gerichtet hat, eine eigene städtische Turnhalle zu errichten. Eine weitere Petition des Arbeiterturnvereins verlangt eine Beihilfe von 150 M. zur Errichtung eines Schuppens auf dem Turnplatz des Vereins. Stadtv. D ä u m i g(Soz.) empfahl namens des Pe- titionsausschusses, die Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. Stadtv. Schneider(Unabh. Bereinig.) wendet sich ganz entschieden dagegen. Die Petition müsse im allgemeinen Interesse abgelehnt werden. Die Stadtvv. Bartelt(Lib. Ver- einigung) und Kubig(Unabh. Vereinig.) treten ebenfalls für Ab- lehnung der Petition ein. Unsere Genossen Daum ig, Wolle r« mann, Küter und M a g n a n wenden sich gegen die Aus- führungcn der Vorredner und gehen namentlich mit dem Stadt- verordneten Schneider scharf ins Gericht. Sie weisen nach, daß anderen Vereinen bereits ähnliche Unterstützungen bewilligt worden sind. Dann bestehe aber für den Arbcitcrturiwerein in- sofern ein Ausnahmezustand, als demselben durch Verfügung der Auffichtsbehörde die Benutzung städtischer Turnhallen untersagt ist. Damals habe man diese Verfügung allseitig als völlig un- berechtigt anerkannt. Es scheint, als wenn einzelne Herren bei solchen Gelegenheiten wohl den Mund recht voll nehmen, aber wenn Taten folgen sollen, dann versagen sie. Unsere Genossen ersuchten die Versammlung, dem Beschlüsse des Petitionsausschusses zuzu- stimmen. Gegen die Stimmen der„Unabhängigen Vereinigung" wurde dann der Antrag angenommen. Mehrstündige Debatten brachte der Bericht des Ausschusses be- treffend Genehmigung des Ortsstatuts über die Benutzung der unterirdischen Kanalisation. Das frühere Ortsstawt ist von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden. Der Magistrat hat deshalb eine neue Gebührenordnung in Vorschlag gebracht, wonach bei der Veranlagung der Grundstücke der amtliche Nutzungswcrt maßgebend sein sollte. Der Magistrat beantragte, 2 Proz. dieses Nutzungswertes als Abgaben für die Kanalisation zu erheben. Der Ausschuß empfahl jedoch nur 1 Vi Proz. Stadtv. Heyne (Unabhängige Vereinigung) begründete den Ausschuhantrag, der mit 7 gegen 5 Stimmen gefaßt worden ist. Der Kämmerer empfahl, an der Magistratsvorlage festzuhalten. Die Herabsetzung auf 1% Proz. würde ein Defizit im Etat von 140 000 M. nach sich ziehen. Zur Deckung desselben müßte dann der Ucberschußfonds angegriffen werden. Stadtv. G 0 t t s ch a l k(Lib. Fmktion) tritt für 2 Proz. ein. Redner empfiehlt seinen Haushcsitzerkollegcn, sich nicht von egoistischen Motiven leiten zu lassen. Die.Herabsetzung auf IVi Proz. bedeutet ein Geschenk an die Hausbesitzer. Stadtv. M 0 l k e n b u h r(Soz.) erklärt, daß die sozialdenw- kratische Fraktion für 2 Proz. stimmen wird, damit die Finanzen der Stadt nicht in Unordnung geraten. Die bisherige Kanal!- sationsgebühreiwrdnung, nach lvelcher die gleiche Summe auf- gebracht wurde, wie es in der Magistratsvorlage borgesehen ist, hat zu Beschwerden keinen Anlaß gegeben. Durch den Satz von 2 Proz. wird der Hausbesitz nicht schwerer belastet wie früher. Die ganze Situation zeigt wieder, wohin das Hausbesitzcrpcivilcg führt. Die Hausbesitzer wollen ihre Macht im Stadtparlamcnt ausnützen, um die Gebühren so niedrig wie möglich anzusetzen. Die sozialdemokratische Fraktion beantragt namentliche?lb- stimmung, damit gezeigt wird, Ivelche Stadtverordneten für ihren persönlichen Vorteil eintreten. Nach weiteren Auseinandersetzungen wird dann in namcnt- lichcr Abstimmung die Magistratsvorlage(2 Proz.) mit 36 gegen 16 Stimmen angenommen. Einstimmig kommt noch eine Rc- solution zur Annahme, wonach im nächsten Jahre die Gebühren entsprechend herabzusetzen sind, falls der amtliche Nutzungswcrt der Grundstücke steigt. Die Versammlung ging dann zur dritten LesungJ>ev Etats über. Die Abstimmung darüber ging ohne nennenswerte Zwischenfälle vor sich. Nur beim Etat des Krankenhauses gab es noch eine kleine Debatte. Die vom Genossen Käter bei der zweiten Lesung gerügten Mißstände im Krankenhause sind vom Magistrat untersucht worden und ist derselbe zu der Ansicht gelangt, daß die vorgebrachten Beschwerden unberechtigt waren. Einstimmig angenommen wird noch folgender Dringlichkeits- antrag der sozialdemokratischen Fraktion:„Der Magistrat wird ersucht, von den in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeitern jetzt keine Ucber stunden arbeiten zu lassen und dafür Ar» b e i t e r e i n z u st e l l e n, die keine Beschäftigung habe»." Lichtenberg. Keinen Pfennig für die Arbeiter! Bei den Beratungen im Etats« ausfchuß beantragten unsere Genossen einige Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse in den städtischen Werken, geringe Lohnaufbcsse- rung, die drei geteilte Schicht in den kontinuierlichen Betrieben und Einführung von Wochenlöhnen. Einer der Herren, die das Arbeiten nicht nötig haben, erklärte kategorisch: Für die Arbeiter unter keinen Umständen etwas I Und wenn andere Bourgeoisvertreter auch weniger scharf pfiffen—, mit einer Ausnahme stimmten sie doch alle gegen die sozialdemokratischen Anträge. DaS geschah, obwohl von unserer Seite darauf hingewiesen werden konnte, daß für eine Gruppe von Beamten die Gesamtsumme der Gehälter seit drei Jahren um rund 50 Prozent gestiegen sei, während der diesjährige Etatsansatz für Arbeiterlöhnc bei dem Gaswerk sogar hinter der Jstausgabe dcS Jahres 1907 zurückbleibe. Man könnte sich fast versucht fühlen zu glauben, daß nMjt Unverstand. I andern anSgepragter Haß gegen die Arverierschaft daS bestimmende Motiv der bürgerlichen Herren sei. Im Plenum— am nächsten Dienstag wird man sich über die Angelegenheit ja noch weiter unterhalten. Am Donnerstag, den 25. März, nachmittags 5 Uhr, findet eine Stadtverordnetensitzung statt, in der die Schuld streitfache mit Berlin nochmals zur Sprache kommt. In gleicher Sitzung wird über die KrankenhauSangelegenheit und über die Stadtbauratswahl verhandelt werden. Rumutelsbnrg. Zur Frage der Verkiirzuna der Volksschulserien stellte Gc- nosse I o h n in der letzten Gemeindevertretung fest, daß der hiesige Schulvorstand in seiner Mehrheit einen Beschluß für Verkürzung der Schulferien der Gemeindeschüler gefaßt hat. Auf Grund dieses Beschlusses richtete hierauf die hiesige Lehrerschaft an den Schulvorstand eine Eingabe, die Ausführungen gegen die Ver- kürzung der Gemeindeschulfcrien enthielt. Da nun in dieser Ein- gäbe der Ton kein vorschriftsmäßiger gewesen sein soll, so hat der Schulvorstand resp. Dr. Hahn diese Eingabe betreffs Bestrafung der Frevler an die Regierung weitergegeben. Dr. Hahn erklärte hierzu, daß er sich nicht für verpflichtet halte, für Vorgänge aus dem Schulvorstand der Gemeindevertretung Rechenschaft zu geben. Er könne nur erklären, daß die hiesige Lehrerschaft in der bc- treffenden Eingabe den Schulvorstand als vorgesetzte Behörde nicht mit dem schuldigen Respekt behandelt hat. Genosse John bezeichnete dieses Vorgehen des Bürgermeisters als recht unschön und zum Schaden für ein gedeihliches Zusammenwirken mit der Lehrerschaft. Mariendorf. Ueber ihre Tätigkeit als Gemeindevertreter erstatteten die Ge- nossen Reichardt und Weber in einer sehr gut besuchten öffentlichen Versammlung Bericht. Die Referenten streiften die letzte Etats- beratung, des ferneren wiesen sie an der Hand der einzelnen Po sitionen darauf hin, wie schwer es ihnen in ihrer Minderheit gegen über den bürgerlichen Vertretern sei, mit Verbesserungsanträgen und sonstigen dem Gemeinwohl dienenden Zkeueinführungen inner- halb des Gemeindeparlaments durchzudringen. Anfang vorigen Jahres wurde am Orte ein Reformrealgymnasium mit nur geringer Schülerzahl eröffnet. Die Kosten der Gemeinde stellten sich pro Schüler auf 650 Mk. Unsere Genossen stellten dem die Aufwem düngen für einen Gemeindeschüler gegenüber, die nur 66,50 M. betragen; sie beantragten für diese die Bewilligung unentgeltlicher Lehrmittel. Die Herren Bürgerlichen sahen aber die Notwendigkeit, auch für die Minderbemittelten etwas zu tun, nicht ein, und lehnten den Antrag ab. Um jedoch etwas Entgegenkommen zu zeigen stimmten sie für Anstellung von Schulärzten. Diese und weitere Punkte ließen erkennen— so führten Reichardt und Weber aus—, in welcher Weife die sogenannten„gewählten" Vertreter der 1. und 2. Klasse die Rechte der Arbeiterklasse achten. Es wurde sodann noch gründliche Abrechnung mit dem sogenannten„Chefredakteur� der„Mariendorfer Zeitung" gehalten. Dieser bezeichnet sein Blättchen als„unparteiische" Zeitung, läßt aber keine Gelegenheit vorübergehen, unsere Genossen in der amtsblattüblichen Weise an- zurempeln. Dieser Herr war schriftlich zu der Versammlung ein- geladen worden, hatte auch sein, zum mindesten das Erscheinen eines „vereideten" Stenographen schriftlich zugesagt; es meldete sich aber auf Aufruf weder dieser noch der Herr„Chefredakteur". Die Er- güsse dieses Blattes wurden einer gründlichen Kritik unterzogen und dann den Versammlungsbesuchern vor Augen gehalten, daß das Blatt keine Lektüre weder für Bildungszwecke im allgemeinen noch für die Arbeiter Mariendorfs im besonderen ist. In die Woh- nungen der Arbeiter gehört die Arbeiterpresse: der„Vorwärts", und nicht ein Klatsch- und Tratschblatt. Eine aus der Mitte der Versammlung«ingebrachte Resolution, baß die Erschienenen mit den Ausführungen der sozialdemokkatischen Gemeindevertreter Reichardt und Weber einverstanden seien, zu deren Tätigkeit volles Vertrauen haben und mit ihren Stimmen auch fernerhin für die Kandidaten der sozialdemokratischen Partei eintreten werden, fand Annahme. Treptotv-Baumschnlenweg. In der gut besuchten WahlvereinSversammlung bei Speer referierte Genosse Karow über die Gemeindevertreterkonferenz der Provinz Brandenburg. Anschließend daran sprach derselbe über die Tätigkeit der Gemeindevertreter in der Gemeinde Treptow-Baum- schulenweg; er erklärte zum Schluß, daß die verschiedenen Fordes rungen, welche auf der Konferenz zur Annahme gelangten, auch in unserer Gemeinde zur Durchführung gebracht werden müssen. An der Diskussion beteiligten sich verschiedene Genossen, unter anderen auch Genosse G e r i s ch, der in längeren Ausführungen die Ver Handlungen und Beschlüsse in der Gemeindevertretung erläuterte. Zum Schluß forderte Redner die Versammelten auf. bei der nächsten Gemeindevertreterwahl ihre Pflicht zu tun, damit noch mehr sozial- demokratische Gemeindevertreter gewählt werden. Zur Frage der Maifeier wurde beschlossen, die Mitglieder zum Maikomitee w den Bezirken zu wählen. Britz-Buckow. „Die bürgerlichen Parteien in den Parlamenten" war das Thema, das Genosse D a v i d f o h n in einer am Sonntagnachmittag im Landhaus stattgehabten Volksversammlung behandelte. Trefflich geißelte Redner das Verhalten der eine einzige reaktionäre Masse bildenden Parteien an Beispielen aus den Ver- handllingen der letzten Zeit im Reichstage, Landtage und den städtischen Körperschaften. Redner ermahnt zum Schluß die An- wesenden bei allen Gelegenheiten in ihren Kreisen für die Partei- und Gewerkschaftsorganisationen zu agitieren. I» der Diskussion sprach nur Genosse Händel im Sinne des Referenten. Einleitend und am Schluß der Versammlung trug der Arbeiter- gesangverein Britz je ein stimmungsvolles Lied vor. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Rehbein in der üblichen Weise. Adlershof. Wie wir seinerzeit berichteten, ist der KreiSausschuß dem Be- schlusse der Gemeindevertretung, die Vergebung von Gemeinde- arbeiten an Schöffen und Gemeindevertretern betreffend, nicht bei- getreten. Es beschäftigte sich deshalb die letzte Gemeindevertreter- sitzung wiederum mit dieser Angelegenheit, um gegen den Beschluß des Kreisausschuffcs die Beschwerde beim Bezirksausschusse zu be- schließen. Mit aller Kraft bekämpften die Gegner nochmals den Antrag. Von Dr. Ehrmann wurde sogar die Johannisthaler Affäre betr. des dortigen Genossen Radmake herangezogen, um unsere Ge- nossen der Inkonsequenz zu zeihen. Während dort die Sozialdemo- traten gegen den Beschluß der dortigen Gemeindevertretung kämpften, um einem von der Gemeinde abhängigen Arbeiter das Recht der politischen Vertretung der Einwohner zu sichern, nehmen nach der Meinung des Dr. Ehrmann unsere hiesigen sozialdemo- kratischen Gemeindevertreter einen entgegengesetzten Standpunkt ein. Hier würde mit dem Antrage betreffend die Vergebung der Gemeindearbeiten bezweckt, einen der Majorität der Gemeinde- Vertretung nicht genehmen Vertreter zu vergraulen. Was sich in Johannisthal als reaktionär erwiesen habe, wäre in Adlershof fortschrittlich, und was dort fortschrittlich sei(eine Anerkennung für unsere Genossen in Johannisthal), wäre bei uns reaktionär. Diesen Bauernfang wieS Genosse Hildebrandt kurz und treffend zurück. In namentlicher Abstimmung wurde für die Beschwerde eingetreten. Bei Beratung betreffend Bewilligung der Mittel für den Bauleiter des Anbaues der 2. Gemeindeschule traten nochmals die großen Gegensätze zwischen dem Gemeindevorstande und den Vertretern der ersten Abteilung gegenüber den Vertretern der zweiten und dritten Abteilung scharf hervor. Es würde zu weit führen, wollten wir heute nochmals zum Verständnis der Leser die ganzen Vorgänge betr. Anstellung eines Bauleiters für den Anbau der 2. Gemeindeschule anführen. Hinweisen wollen wir nur darauf, daß seit September 1008 Beschlüsse gefaßt wurden, deren Aus- führung sich bis jetzt verschleppt hat, trotzdem man weiß, daß dieser Anbau zum 1. April 1010 gebrauchsfähig sein muß. Auch in dieser Sitzung wurde wiederum von den oben bezeichneten Personen der Versuch gemacht, die Anstellung zur Vertagung zu bringen; nur durch das energische Eingreifen unserer Genossen wurde die Be- ratung des Vertrages und die Beschlußfassung betr. des Bauleiters erreicht. Da die Herren einsahen, daß sie den Fort- gang der Arbeiten nicht mehr aufhalten können, trieben sie Ob- struktion; sie enthielten sich gänzlich der Abstimmung, nur, weil sie nicht die Wahl eines Akademikers durchsetzen konnten. Die Bau- leitung wurde mit 4 gegen 2 Stimmen dem Architekten Klische gegen eine Pauschalsumme von 4800 M. übertragen. Außerdem wurde der Baukommission Vollmacht erteilt, die betreffenden Ar- beiten selbst zu vergeben. Von den Herren Lindenberg, Dr. Ehr- mann, Bock und Dr. Franke lag ein Antrag betr. Erteilung des Baukonsenses zur Anlegung von 6 Straßen auf dem früheren v. Oppenschcn Terrain vor. Die Erteilung wurde ausgesprochen mit der Maßgabe, daß die Besitzer innerhalb vier Wochen mit den Arbeiten zu beginnen haben. Am 28. Januar d. I. war auf An- trag unserer Vertreter beschlossen worden, an arbeitslose Familien- Väter eine einmalige Barunterstützung zu gewähren, und an Schul- kinder, welche warmes Frühstück oder Mittagessen wegen der herrschenden Krise entbehren müssen, solches kostenlos zu verabfolgen. An Barunterstützung wurden 1544 M. ausgegeben, für die Beköstigung der Kinder zirka 1150 M. Es wurde beschlossen, bis 1. April Früh- stück und Mittagessen und vom 1. April biß auf weiteres nur noch warmes Frühstück zu verabfolgen. Köpenick. Mit der Maifeierfrage beschäftigte sich die letzte kombinierte Kartellsitzung. Es wurde beschlossen, auch in diesem Jahre vor- mittags 10 Uhr eine öffentliche Versammlung im„Kaiserhof" zu veranstalten. Von einem Nachmittagsausflug mit entsprechender Veranstaltung wurde Abstand genommen. Die Abendveranstaltung soll dem Tage entsprechend in den Gcfamträumen des„Stadt- theaters" stattfinden, bestehend in Aufführungen, Konzert usw. Alles weitere wurde der Maifeierkommissiou übertragen. Zum Punkt 2 der Tagesordnung: Jugendorganisation, wurde eine Kom- Mission, bestehend aus den Genossen P Regel, F. Breitenborn und R. Schulz, gewählt, welche alle hierzu nötigen Arbeiten gemein- schastlich mit den seitens der Partei zu wählenden Genossen vor- bereiten soll. Zuletzt gelangte noch ein Antrag der Textilarbeiter zur Beratung, in welchem die einzelnen Gewerkschaften auf- gefordert werden, bei einer borzunehmenden Hausagitation behilf- lich zu sein. Es wurde demgemäß beschlossen. Die Verlesung der Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 14 dem Kartell angeschlos- senen Getoerkschaften. Durch Abwesenheit glänzten die Gewert- schaften der Bäcker, Gastwirte, Glasarbeiter, Müller, Maurer und Maler. Ztieder-Schöneweide. Die Gemeindevertretung lehnte in ihrer letzten Sitzung den Vergleichsvorschlag der Gemeinde Britz betreffs Unterstützung in Schulsachen gemäß§ 53 des Kommunalabgabengesetzes ab. Ein Fabrikbesitzer stellte hierauf die Frage, ob er nunmehr seine Arbeiter, soweit dieselben in Britz ansässig sind, entlassen solle. Der Ge- meindevorsteher erwiderte, daß hierzu die Gemeindevertretung nichts sagen könne; das sei Privatsache. DaS Kabelwerk in Ober-Schöne- weide hätte es jedoch seinerzeit mit Alt-Glienicke so gemacht, wenn letzteres seinen Entschädigungsanspruch an Ober-Schöneweide nicht zurückgezogen hätte. Hieraus wurde die von der Baufirma Obrikat aufgestellte Rech nung für den Schulerweiterungs- und den Turnhallen bau in Höhe von 177 106,31 M. genehmigt. Hierauf referierte Schöffe Schultze über die Statuten für die Bildung eines gemeinsamen Gewerbe- gerichts für die Landgemeinden Ober-Schöneweide, Nieder-Schön« weide und Johannisthal. In einem Entwurf, den der Gemeinde� Vorsteher übermittelte, finden leider die Wünsche von Nieder-Schöne weide keine Berücksichtigung. Der vorliegende Entwurf wurde zur nochmaligen Prüfung an die Kommission verwiesen, die zu ihren Beratungen einen erfahrenen Juristen hinzuziehen soll. Die Turnhalle soll unter folgenden Bedingungen an Vereine zur Benutzung überlassen werden: Hinterlegung einer Kaution von 300 M.; für Heizung, Beleuchtung und Abnutzung der Geräte für jeden Turnabend(Dauer 2—3 Stunden) 2,50 M., dieser Betrag muß für'/« Jahr vorausbezahlt werden. Der Turnverein Nieder-Schöne- weide und der Arbeiterturnverein Oberspree, Abteilung Nieder- Schöneweide hatten die Benutzung der Turnhalle beantragt, die Vertretung gab den Anträgen ihre Zustimmung. Zossen. Die am letzten Sonntag stattgefnndcnc WahlvereinSversammlung zeichnete sich durch schlechten Besuch aus. Der Vorsitzende teilte mit, daß ani 25. März ein zweiter Vortragsabend stattfindet. Zum provisorischen Bezirksführer für den dritten Bezirk wurde der Genosse Stamm gewählt. Die Maifeier soll wie im Vorjahre begangen werden. Als Delegierter zur Verbandsgeneralversammlung wurde Genosse Wißmann gewählt. Nachdem der Vorsitzende auf die am Sonntag, den 28. März, stattfindende Agitationstour nach Schöneiche hingewiesen und die anwesenden Mitglieder aufgefordert hatte, für unsere Sache mehr wie bisher zu agitieren, erfolgte Schluß der Versamnilung. Zepernick-Röntgental. Die Gemeiudevertreterwahl zur 3. Abteilung findet heute nach- mittag von 2— t Uhr statt. Als Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Franz Schultz aufgestellt. Parteigenossen! Tue ein jeder seine Pflicht! Diejenigen Parteigenossen, die mit Röntgentalern oder Zeper- nickern zusammenarbeiten werden gebeten, dieselben aus ihre Pflicht aufmerksam zu machen. Schönerliude(Bezirk Pankow). „Die wirtschaftliche Lage und die Laildarveittt" war das Thema, über das in einer am Sonntag hier stattgehabten Versammlung Genosse Kourad Bruns referierte. Redner verstand es, ein getreues Bild der elenden Lage des ländlichen wie auch des in« dustriellen Proletariats zu entwerfen. Im Anschluß daran beleuchtete er die Millionenforderung der Regierung, die nichts geringeres denn einen abermaligen Raubzug auf die Taschen gerade der arbeitenden Klassen bedeute. Auch die Rechtlosigkeit, unter der die Land- bevölkerung lebe, kennzeichnete der Referent in gebührender Weise. ;um Schluß machte Genosse Bruns auf die am 1. April d. I. ins eben tretende Organisation der Land- und Forstarbeiter aufmerksam. Er ersuchte die Versammelten, sich derselben anzuschließen. Auch der Vorsitzende richtete vor Schluß der Versammlung diese Mahnung an die Anwesenden. Spandau. Die neunstündige Arbeitszeit soll in säintlichen Militärwerlstätten zum 1. April er. eingeführt werden, wie durch Anschlag bekannt zemacht wurde, und zwar unter Gewährung des vollen Lohnes für >ie bisherige zehnstündige Arbeitszeit, so wird in den hiesigen Zeitungen mit großem Tamtam bekannt gegeben. Für den ersten Augenblick klingt ja die Sache recht bestechlich, wenn man aber genau hinsieht, dann stellt sich heraus, daß diese Verkürzung doch nur auf Kosten der Arbeiter geschieht. Wenn da gesagt wird, der volle Lohn solle gewährt werden, so trifft das doch nur für die- enigen Arbeiter zu, die im Tagelohn arbeiten. Die Arbeiter aber, die Stücklohn haben, müssen mehr Arbeit leisten, da man die Akkord- preise nicht erhöht hat. Daß dies in weitestem Maße zutrifft, geht aus den weiteren Mitteilungen hiesiger Zeitungen hervor. Es wird da nämlich gesagt:.Diese Neuerung wird gewoffen auf Grund der Erfahrungen, die man mit der verkürzten Arbeitszeit in den Militärwcrkstätten an den Sonnabenden und den Tagen vor den hohen Festen gemacht hatte. An diesen Tagen wird nämlich unter Fortfall der Mittagspause schon seit längerer Zeit nur acht Stunden gearbeitet und zwar bis 3 Uhr nachmittags. Dabei hatte sich ergeben, daß ebensoviel geleistet wijid. wie an den übrigen Zehn stundentagen der Woche. Und man spart noch an Feuerungsmaterial und Beleuchtung während der Winterzeit. Bewachtet man die Neuerung von diesem Gesichtspunkte, so ergibt sich, daß die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit nicht aus Wohlwollen für die Arbeiter, sondern aus Sparsamkeitsrücksichten eingeführt ist. Wenn die neun- stündige Arbeitszeit für die StaatSarbeiter wirklich ein Vorteil sein soll, dann muß damit auch eine entsprechende Erhöhung des Stück- lohncS verbunden sein. Bemerkenswert ist aber, daß von de» Leitern der Staatsbetriebe, die sich bisher immer gegen eine Ver- kürzung der Arbeitszeit gesträubt haben, jetzt doch eingesehen wird, daß diese durchführbar ist. Die Sozialdemokraten haben schon vor Jahrzehnten die Möglichkeit nachgewiesen. Es wird nunmehr das Bestreben der StaatSarbeiter sein müssen, eine Erhöhung des Stück- lohnes zu erreichen. Hier könnte ja der Verband der StaatSarbeiter einmal zeigen, ob er befähigt ist, für die Interessen der Staats- arbeiter etwas zu tun.________ Vermischtes. Im Starnberger See ertrunken. Aus München wird berichtet: Gestern wollten zwei Radfahrer aus München über den Starn- berger See, der zugefroren ist, fahren. An einer eisfteien Stelle stürzten sie ins Wasser. Einer konnte fich retten, der andere, der Metalldreher Hackenbucher, ist ertrunken. Brandkatastrophe in Hamburg. Gestern vormittag brannte, wie aus Hamburg gemeldet wird, ein Speicher der Getreide- und Futter- mittelfirma Fontheim in der Jdaswaße vollständig nieder. Dabei wurden zwei Ewerführer. die eine Schute in Sicherheit bringen wollten, verschüttet und einer von ihnen erschlagen. Auch ein Feuer- wehrmann wurde verletzt. Krsselcxplofion auf einem Schleppdampfer. Hierüber wird vom gestrigen Tage aus Hamburg gemeldet: Als heute vormittag der Schleppdampfer„Eduard" eine beladene Schute verholen wollte. explodierte der Kessel des Schleppdampfers und flog in die Luft. Die Mannschaft wurde ins Wasser geschleudert. Drei Mann sind verletzt, einer wird vermißt. Das Hochwasser setzt nach einer Meldung auS Breslau sein Werk der Verwüstung in Schlesien fort. Bedeutenden Schaden hat daS Hochwasser in Nicderschlesien angerichtet. In Rauschwitz stehen zahlreiche Accker und Felder unter Wasser. Von den Schmarsauer Höhen ergießen sich wahre Ströme auf die nahegelegenen Saat- felder. In SchlichtingSheim sind der Marktplatz und fast alle Straßen nur noch in langen Schaftstiefeln zu passieren. In Wilkau, Klautsch, Lerchenberg und Zerbau stehen viele Accker unter Wasser. In die Stadt Guhrau brachen so gewaltige Wassermassen herein, daß zahlreiche Gärten und Wiesen überschwemmt wurden. Die Leiche im Koffer. Ueber einen schaurigen Fund wird aus Rom berichtet: In der Dachstube eines Hauses an der Via Frattina hat man einen Koffer mit der bereits in Verwesung übergegangenen Leiche eines au- scheinend etwa dreißigjährigen, elegant schwarz gekleideten blonden Mannes von starker Figur gefunden. Die Besitzerin des HauseS erklärt, am 25. Februar habe ein Mann von 45 Jahren namens Tarassoff oder Romanoff das Zimmer gemietet, am 26. den Koffer gekauft, am 27. habe er gesagt, er erwarte zwei Freunde und werde anderen TageS abreisen. Abends feien die zwei Freunde und zwar vereinzelt gekommen. Später hat man den Mieter mit einem der beiden Herren das Haus verlassen sehen. Die Leiche zeigt keine Verletzungen; es scheint, daß daS Opfer mit Chloroform oder Schwefelsäure betäubt und lebend in den Koffer eingeschlossen worden ist. Man glaubt an einen politischen Mord. Explosion in einer Munitionsfabrik. In der königl. MunittonS- fabrik in der Albertstadt zu Dresden erfolgte, wie von dort ge« meldet wird, gestern vormittag beim Laden von Feldpatronen eme Explosion, wodurch das betreffende Laboratorium in Brand gesetzt wurde. Das Gebäude brannte vollständig nieder, dagegen gelang es der Feuerwehr, eine Weiterverbreitung zu verhindern. Menschen sind bei der Explosion nicht verunglückt. Vom Südpol. Die„Poll Mall Gazette" will erfahren haben, daß in London eine Meldung eingegangen sei, derzusolge der eng- lischen Südpolarexpedition unter Leuwant Shackleton gelungen wäre, den Südpol zu erreichen._ Lese- und Diskuticrklub„Südost". Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Tolksdorf(Nacks. H. Nelthardt), Görlitzerstr. 58. Gäste willkommen. Friseurgehilfen Köpenicks. Oeffentliche Versammlung am DonnerS» tag, den 25. März, abends£»>/. Uhr, bei Joh, Grünauerstr. 8. Verein der Lehrlinge, sugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung IS. Heute abend 8 Uhr im Lokale des Herrn Tabcrt. MarkuSstr. 14, Eingang Grunerweg: Versammlung. Gäste willkommen. Sparverein für Freidenker zur Ausführung der Feuer- bestattung. Donnerstag, den 25. März, abends 8'/, Uhr, in Rixdorf Berlinerstr. 18, Restaurant Ernst Wichmann. Amtlicher Marktbericht der städttschen Markthallen-DtreMon über den Großhandel in den Zentrai-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise fast unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäst lebhast, Preise lest. G e sl ü g e l: Zufuhr genügend, fast reichlich, Geschäst still, Preise behauptet. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäst ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, O b st und Südsrüchte: Zusuhr mäßig, Geschäft lebhaft, Preise behauptet. CSitternngsüberiicht vom 23. MSr» 1009, morgen» 8 Uhr. tos c?« k» Etationen ZS «Z Haparanda!7S2S Petersburg 767 SO Sctlly Ab erde« Part« 75« NNW 758 Still 754 OSO Vetter 2 ledeckt 1 Schnee sbedeckt — bedeckt 2 bedeckt >-!? C1* 4 —5 8 4 7 Wetterprognose für Mittwoch, den 24. März 1000. Kühl und zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regensällc» und schwach« südlich« Winden. Berliner Wetterdurra«. WaflerstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m« l, Tilsit P r« g« l. Jnfterdurg Weichsel, Thorn Oder, Natibor , Krossen . granksurt Wa r t h e. Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbq , Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlitz Havel, Spandau») , Rathenow') Spree, Spremberg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbrom» Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 22. 3. am 33S 83 lOI 220 101 265 303 814 123 186 120 213 197 seit 21. 3. cm1) +69 +3 +5 +65 +6 +37 +105 +18 + 16 +68 +38 +26 +13 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlerpegei.—•) Eisstand.— ') Treibeis. Verantwortlicher Redakteur� Hans Weber, Berlik. Für kji Lnseratenteil verantwu Th, Glocke, Berlin. Druck N.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei Verlagsanstalt Paul Singer& Co.« Berlin SW, �