Ur. 71. Abonnements'Bedingungen: Abonnements> Preis pränumerando z Vicrteljährl. 8P0 Mk., tnottall. 1,10 Ml, wöchentlich 2S Pfg, frei ins Haus. Einzelne Äumoier B Pfg, Sonntags« nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingewogen in die Post.Zeiwngs« Preisliste, Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Numäuien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. Cridjllnt Wich suBtr montags. Berliner Volksblnkt Ute TnterflonS'Gebflbr keträgt für die sechsgespaltene Kolonet» zelle oder deren Raum 50 Psg„ für polltische und gcwcrlschastliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Alelne Anreizen", das erste(sclt- gedruckte) Wort 20 Pfg,, fedcS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist diS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Abreiset „SoziaiiUmokrat Rellin'*, Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfchlands. Rcdaktiom SCd. 68, Lindenetrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Agrarische llkweisföhrung. In der„Kreuzzeitung"— 8. Januar— hat Graf von Mirbach-Sorquitten einen Artikel veröffentlicht, in dem er für indirekte Steuern und gegen Sozialpolitik Stimmung zu machen sucht. Der Artikel ist auch als Separatabdruck der- breitet worden. Man muß demnach die Ausführungen, Be- Weismaterialien und Schlußfolgerungen Mirbachs für sehr bedeutungsvoll und unwiderleglich halten. Und die agra- rischen Argumente sind wirklich verblüffend! Weil immer noch Leute vom Lande in die Städte strömen, obwohl hier die Brotpreise höher sind als dort, glaubt der Herr Graf kon- ftatieren zu können: die Lebensmittelpreise sind für den Ar- beiter von keiner entscheidenden Bedeutung! Wie schlau! Daß die Landproletarier die Gefilde der Ostelbier fliehen, trotz der hohen Brotpreife in der Stadt, wegen der miserablen Arbeitsverhältnisse auf dem Lande, wo die Gutsbewohner wie Sklaven drangsaliert und bevormundet werden, scheint der Graf nicht— wissen zu wollen. Auch die weitere Beweis- führung Mirbachs ist auf diesen Ton gestimmt: die indirekte Steuer auf Tabak. Bier ist gerecht, weil sie freiwillig gezahlt wird, denn wer sich ihr entziehen will, hat nur nötig, auf seine gewohnte Pfeife Tabak und sein Glas Bier zu verzichten!— Solche Beweisführung steht auf derselben Höhe, als wenn wir z. B. sagen wollten: die Nachlaßsteuer ist gerecht, weil sie freiwillig gezahlt wird, denn wer sich ihr entziehen will, der nehme keine — Erbschaft an. Aber Graf Mirbach hat noch verblüffen- dere Argumente. Er empfiehlt eine weitere Steigerung der Getreidepreise um zirka 50 Proz.(1) als allgemein wirksamen sozialen und wirtschaftlichen Hebel. Das sei gerecht und weise, denn die Lebensmittelsteuer treffe den armen Mann nicht schwerer als den Reichen. Man liest da: ,... Wenn beispielsiveise durch Zölle eine Verteuerung der notwendigen Lebensbedürfnisse herbeigeführt wird, so ist doch zu berücksichtigen, daß der Reiche eine mehr oder weniger große Anzahl von Dienstboten hält, für die er die verteuerten Lebens- bedürfnisse mitbezahlen mutz, der Arme hingegen hält nur einen, in der Regel keinen Dienstboten. Die Tafel der Reichen ist mit einer Menge von Konsumtibilien besetzt, die auf den Tischen der Armen fehlen, das HauS des Reichen nimmt zahllose Gäste auf usw., kurz der Haushalt, in dem viel konsumiert wird, trägt auch viel zu den allgemeinen Staatslasten bei. der ökonomische Haus- halt des Armen schr wenig." O selig, ein— armer Teufel zu sein! Soll man gegen solche albernen Argumente ernsthaft polemisieren? Die gräf- lichen Leistungen stehen doch allzu tief unter dem üblichen Niveau als daß es sich lohnte, sich ernsthaft mit ihnen zu beschäftigen. Etwas anderes ist es mit den Materialien, die Mirbach- Sorquitten beibringt, um damit eine stärkere Belastung der Arbeiter zu rechtfertigen. Er benutzt einige an sich richtige Zahlen, die aber durch die Art der Auswahl und Zusammen- slellung ein direkt falsches Bild geben und die Oeffentlichkeit irreführen. Er will beweisen, daß die Löhne in Preußen viel stärker gestiegen sind, als die Lebensmittelpreise. Zu diesem Zwecke stellt er zunächst die Löhne der Bergarbeiter aus dem Jahre 1886 mit denen aus dem Jahre 1906 in Vergleich. Wir haben an dieser Stelle schon einmal in einer Polemik gegen den Anwalt des Kohlensyndikates, Dr. Jüngst, auf das Irreführende solcher Zusammenstellung hingewiesen. 1886 war nämlich ein Krisenjahr mit ziemlich den niedrigsten Löhnen, die wir seit Anfang der siebziger Jahre in Deutsch- land zu verzeichnen gehabt haben. Uni nur ein Beispiel aus dem Bergbau anzuführen: Bei der Gelsenkirchener Berg- Werksgesellschaft*) betrug der durchschnittlich pro Mann und Schicht gezahlte Lohn im Jahre 1874: 4,17 M., im Jahre 1886 aber nur noch 2,07 M., im Jahre 1904 wieder 4,20 M. Da sieht man, was die Auslese des agrarischen Statistikers für eine— irreführende, fälschende Bedeutung hat. Herr Dr. Jüngst entschuldigte sich später mit der Ausrede, er habe das Jahr 1886 gewählt, weil gerade so weit die„amt- liche" Statistik zurückreiche. Graf Mirbach kann sich solche Ausrede ersparen; sie ist schon abgenutzt. Wer mit der Statistik etwas beweisen will, muß sich über die Bedeutung der verwendeten Zahlen klar sein, oder er ist einfach ein Scharlatan, wenn nicht schlimmeres. Aber nicht nur mit der Lohnstatistik hat Graf Mirbach Schindluder getrieben; dasselbe gilt auch von feiner Lebens- mittelpreisstatistik. Da bringt er, ebenfalls in einer Gegen- Überstellung 1886— 1906, Großhandelspreise für Getreide nach Berliner Notierungen, Kleinhandelspreise für Rind-, Schweine- und Hammelfleisch nach dem Durchschnitt der preußischen Monarchie, Großhandelspreise für Kartoffeln— wieder Berliner Notierungen— und Magdeburger Notierungen für Zucker im Großhandel zusammen. Die aus den sieben Positionen errechneten prozentualen Steigerungen summiert er, als ob es vergleichbare Faktoren wären, dann dividiert er durch 7 und verkündet das Resultat stolz als— Durchschnitt der Lebensmittelteuernng! Die prozentualen Stei- gerungen von verschiedenen Waren, deren alsolute Preise so weit auseinandergehen wie bei Kartoffeln, Fleisch, Zucker •) Simmersbach:„Die wirtschaftliche Entwicklung der Gelsen- kirchener BersverksÄktiemGesellschaft", Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt FV, Nr. 1984. und Getreide, als gleiche Größen zusammen zu rechnen, ist ein blanker Unsinn. Wir wollen unseren Lesern die gräfliche Leistung nicht vorenthalten: hier ist sie: 1886 1966 Steigerung Roggen(für die Tonne in Berlin in M.) 130.6 160,6 22,0 Proz. Weizen<....„.) 1S1.3 179,6 18,7. Rindfleisch(Pfennige für das Klgr. im Durchschnitt der preutz. Monarchie). 117 1S4 31,6„ Schweinefleisch(Pfennige für das Kilgr. im Durchschnitt der preutz. Monarchie) 119 159 82,6„ Hammelfleisch(Pfennige für das Klgr. im Durchschnitt der preutz. Monarchie) III 164 38,7„ Kartoffeln(Speise-) in Berlin für die Tonne in Mark........ 29,9 84,6 15,7„ Zucker(Raffinade) für den Doppelzentner in Magdeburg in Mark(nach Abzug Von 6 M. verringerter Zuckersteuer) 43,3 36,8 23,8 Im Durchschnitt-j- 19,6 Proz. So treibt eine Bllndlergröße Statistik! Ein zwölf- jähriger Schüler, der ähnliche Berechnungen machte, vielleicht einen Sack Mehl, ein Schwein, einen Ochsen, einen Hammel und einen Grafen zusainmenrechnete, würde bestimmt die Note„ungenügend" erhalten. Rechnet man für die 7 Posi- tionen die absoluten Preise zusammen und ermittelt nach der Disferenz zwischen 1886 und 1906 die Steigerung, dann er- gibt sich für das letzte Jahr eine Preiserhöhung um 43,3 Proz. Ob Mirbachs Intellekt oder Moral das � grandiose Rechen- kunststückchen fertiggebracht hat, können wir nicht entscheiden. Man muß aber noch ein volkswirtschaftliches Kind sein, um nicht zu wissen, daß kein Arbeiter doppelt so viel Getreide, dreimal so viel Fleisch und gerade so viel Zucker konsumiert, als Kartoffeln auf seinen Tisch kommen. Der agrarische Statistiker und Volkswirtschaftler scheint das aber nicht zu wissen, und er gilt als hervorragende Leuchte bei Brot- und Fleischwucherern, die eine unbesiegbare Scheu gegen das Steuerzahlen haben. Exakt wissenschaftlich läßt sich mit der Gegenüberstellung von je nach Konjunktur und Ernte schwankenden Zahlen nicht arbeiten. Höchstens kann man, soll die Frage erörtert werden, ob in der Gesamtentwickelung ein sozialer Aufstieg der Arbeiter zu verzeichnen ist, die Verhältnisse der vorletzten Hochkonjunktur oder Krise mit denen der letzten gleichen Wirt- schaftslage, also Hochkonjunktur oder Krise, in Vergleich bringen, und man muß dazu mit wirklich vergleichbaren Größen operieren. Unter diesem Gesichtswinkel machen wir die folgenden Gegenüberstellungen. Es betrug der Jahres- lohn eines Bergarbeiters in Mark: 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1135 1076 1006 1045 1067 1071 1211 1328 Im letzten Jahre stellt sich der Lohn um 16,7 Proz. höher gegenüber 1900. Im Jahre 1908 ist der Lohn schon wieder auf 1293 M. gefallen. Wir lassen diesen Rückgang zunächst aber aus den erwähnten Gründen unberücksichtigt. Wie aber sieht es mit der Steigerung der Haushaltungskosten aus? Die«Arbeitsmarktkorrespondenz" macht darüber folgende Berechnungen: Sie unterstellt die Rationen eines Marine- soldaten und berechnet daraus die Haushaltungskosten für eine Normalfamilie, indem sie den aus den Markthallen- preisen in Danzig, Berlin, Dresden, Chemnitz, Leipzig, Stuttgart und München ermittelten Durchschnitt zugrunde legt. Danach ergeben sich folgende Sätze pro Jahr in Mark: 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1063 1069 1077 1100 1107 1143 1197 1177 Im Jahre 1907 waren die Kosten gegen das Vorjahr schon wieder etwas gefallen. Wir rechnen jedoch mit dem niedrigeren Satz und finden, daß sich die Lebenshaltung gegen 1900 um 10,72 Proz. verteuert hat. Graf Mirbach rechnet — infolge seiner famosen Methode eine Lohnsteigerung von 67,4 Proz. und eine Lebensmittelverteuerung von nur 19,6 Prozent heraus. Eine lächerliche Mache. Stellt man nach den obigen Angaben die Ergebnisse der Jahre 1900—1906 in Vergleich, dann ergibt sich vielmehr folgendes Resultat: Lohnsteigerung.......... 6,4 Prozent Verteuerung der Lebenshaltung.... 12.6. Die Berechnung der Haushaltungskosten hat jedoch noch eine Fehlerquelle, weil eine Nahrung unterstellt ist, die im allgemeinen der Arbeiter sich nicht leisten kann; wir bringen deshalb hier für eine Reihe Waren die Durchschnitts- preise, wie sie von der amtlichen„Statistischen Korrespondenz" auf Grund der Durchschnittspreise an 23 Marktorten ermittelt worden sind. Danach kostete: ein Kilogramm Pfennige 1900 1908 Steigerung in .. Prozenten Rmderfleisch, Keule. 136 158 16,1 Bauch. 116 134 15.5 Schweinefleisch... 132 161 14,4 Kalbfleisch..... 133 160 20,3 Hammelfleisch... 130 159 22,3 Ger. Speck.... 152 167 9.9 Etzbutter..... 228 257 10.1 Schweincschinalz.. 156 165 5,8 Weizenmehl.... 30 36 20,0 Roggenmehl.... 26 32 23,0 Eier. Schock.... 373 444 17.4 Das sind Preissteigerungen, die über die in der gleichen Zeit erlangte Einkommenserhöhung hinausgehen. Graf Mirbach begnügt sich bei feiner Berechnung mit Börsen- Notierungen für Getreide. Daß diese jedoch mit der Bewegung der Brotpreise nicht konform gehen, sollte schließlich auch ein agrarischer Führer wissen. In welcher Weise die Brotpreise in die Höhe geschnellt sind, ergeben die regelmäßigen Preis» ermittelungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. Nach diesen kostete: 1 Kilogramm Steigerung Pfennige in 1900 1907 Prozenten Weizenbrot..... 41.33 49.36 19,4 Roggenbrot..... 23,96 30,82 20,3 Im Jahre 1908 sind die Preise noch weiter gestiegen, für Weizenbrot auf 53,22 Pf. und für Roggenbrot auf 31,78 Pf. Von 1906 auf 1908 ergeben sich mithin Preis- steigerungen von 28,7 resp. 32,6 Proz. Und die Löhne sind wieder gesunken! Die guten Ernten der letzten Jahre, in Verbindung mit der preistreibenden Wirkung der neuen Handelsverträge haben den Agrariern hunderte Millionen Mehreinnahmen erbracht, den Arbeitern aber eine ungeheuerliche Verteuerung der Lebenshaltung. Als Ausgleich dafür empfiehlt Graf Mirbach Schonung der agrarischen Geldsäcke und Belastung der Arbeiter mit neuen Steuern. So verhöhnt das plündernde Junkertum das aus- gedeutete und entrechtete Volk! Die liebe Liebesgabe. In der Finanzkommission des Reichstages wurde gestern die Gencraldiskussion über die Branntweiiisteuervorlage der Sub- kommission fortgesetzt. Während die Agrarier bei der ersten Lesung der Regierungsvorlage selbst zugegeben haben, datz, wie eS in einem Antrage GampS hieß:„eine wesentliche Herabsetzrmg(der Liebes- gäbe) in Erwägung zu ziehen' sei. Dietrich sich auch geäußert hatte, datz er und seine Freunde nicht dauernd„das Odiunr der LiebeS- gäbe" tragen wollten, haben sie inzwischen eine Schwenkung vollzogen. Mit einem wahren Löwenmute kämpften sie am Mittwoch für die Aufrechterhaltung der Liebesgabe in der bisherigen Höhe, freilich mit der Einschränkung: „nur" für die nächsten fünf Jahre nach Inkrafttreten deö Gesetzes. Gewiß tragen sie sich mit der Hoffnung, datz vor Ablauf dieser Frist der Sturm der Spiritusinteressenten daS weitere zur Ver- ewigung der Liebesgabe in der alten Höhe schon besorgen werde. Für die Nationalliberalen gab Dr. Weber, für die freisinnige Fraktionsgemeinschaft gaben Mo mm sen und Dr. Wiemer die bestimmte(!?) Erklärung ab, datz sie unter keinen Um- ständen für Aufrechterhaltung der Liebesgabe in der Höhe von zwanzig Mark zu haben seien, selbst nicht für die nächsten fünf Jahre. UebrigenS machte Mommien den Kon- servativen den Vorwurf, daß sie umgekippt seien: In der Sitzung am 21. Januar wären sie noch zur Herabsetzung der LiebeS- gaben bereit gewesen! Allerdings käme die Regierung den Agrariern lebhaft entgegen und setze die Rücksicht auf die Finanzreform hinter die Rücksicht aus die Agrarier! Nunmehr erklärte S p e ck. datz das Zentrum bereit sei, für die Anträge Dietrich u. Gen.(die KoutingentiernngS» fpannuug auf 110 refp. 130 M. festzusetzen) zu stimmen, wenn der Zentrumsantrag) die KontingentierungSspamiung auf 120 bezw. 140 M. pro Hektoliter festzusetzen) nicht angenommen werde. Er motiviert diese Stellungnahme des Zentrums mit der Fürsorge für die süd- deutschen kleinen Breimcr, die durch Herabsetzung der Liebesgabe vollständig ruiniert würden.... Von unserer Seite bekämpfte Genoffe S ü d e k u m daS Kon- tingentierungS- und LicbeSgabenprinzip, daS als notwendig für die Landeskulturinteressen zu bezeichnen er eine namenlose Uebertreibung nannte. Südckum wies nach, datz das Interesse des Brauerei- gewerbeS durchaus nicht mit den Interessen der Landwirtschaft iin allgemeinen zusammenfällt, weshalb die Sozialdemokratie ebenso wenig für die neue Vorlage zu haben ist wie für die alte Monopol« Vorlage. Die Fortsetzung der Debatte wurde auf Freitag vertagt. Die BaHtantoile. Die Skepsis, die wir gestern sofort gegenüber den AuS- sichten der englischen Vcrmittelung bekundeten, hat sich nur allzusehr als berechtigt erwiese». Der englische Vermittelungs- Vorschlag ist von Achrenthal als ungenügend ab- gelehnt worden. Da die Vorschläge nicht sicher bekannt sind, läßt sich natürlich auch nicht sagen, ob wirklich ein stich- haltiger Grund zur Ablehnung vorhanden war. Doch liegt der letzte Grund des Scheiterns aller bisherigen diplomatischen Schritte darin, daß die russische Regierung eben den Konflikt will und die diplomatischen Aktionen Englands und Frankreichs nur soweit mitmacht, daß sie in Belgrad wirkungs- los bleiben und in Wien zurückgewiesen werden. Meldet doch gerade jetzt wieder das„Echo de Paris" aus Konstantinopel, daß England die Note der Pforte über das österreichisch- türkische Protokoll dahin beantwortet habe, daß das Protokoll keiner Konferenz unterbreitet zu werden brauche, während Rußland antwortete, datz eine internationale Kon- serenz erforderlich sei. Danach würde Rußland auch jetzt noch an der Konferenz als Richtcrin festhalten, damit aber an dem Standpunkt — Serbiens. Die Serben halten jedenfalls an dieser Auffassung der russischen Politik fest, wie aus dem Verlaus der heutigen Sluptschinasitzung klar hervorgeht. In Beantwortung einer Anfrage des Altradikalen M i s i r s ch über die Mobilisierungsmaßnahmen Oester- c e i ch s sagte da der Ministerpräsident Novakovitsch: Alle Großmächte sind bestrebt, den Frieden zu erhalten, und da die G r o ß m ä ch t e daS europäische Gericht sind, ohne welches nichts becndizt werden kann, hat sich Serbien mit voller Aufrichtigkeit ihnen anvertraut. Heute ist der Glaube der Groß« niächte an die Erhaltung des Friedens derart groß, daß sie den Wunsch äußerten, Serbien möge seine Friedfertigkeit auch dadurch bezeigen, daß es nicht zur Mobilisierung schreitet, oblvohl man davon spricht und es als sicher annimmt, daß Oesterreich mobilisiere, und obwohl es den Anschein hat. daß Serbien das Recht hätte, auf diesen Schritt mit ähnlichen Maßnahmen zu antworten. Die Regierung, welche den neuen Schritt der Großmächte für die Ausgleichung der be- stehenden Differenzen zwischen Serbien ui.d Oesterreich mit vollem Vertrauen aufnahm, konnte nicht umhin, diesen Wünschen nach Vertagung der Mobilisierung Rechnung zu tragen. Die königliche Regierung hat begründete Hoffnung und den Glauben, daß ihre Dispositionen für de» Frieden und ihre Sorge, den Wünschen der Großmächte zu entsprechen, bei diesen eine gerechte Würdigung finden und gute Früchte tragen werden. So viel kann ich auf die gestellte Frage im gegen- wärtigeu Augenblicke antworten. Der Interpellant M i s i t s ch lvar mit der Antwort nicht zufrieden. Er erklärte, seine Frage habe darin bestanden, ob die Regierung besondere Gründe habe, gegen die Mobili- sierungSmaßnahmen Oesterreich-Ungarns so indifferent zu sein. Der Ministerpräsident habe auf eine ganz andere Frage ge- antivortet. Wenn der eine Staat den Krieg haben will, kann ihn der andere nicht ausweichen. Serbien will den Krieg nicht. Ministerpräsident Novakovitsch er- widerte: Eine solche Frage könnte nur dann gestellt werden, wenn nur Oesterreich und Serbien vorhanden wären. Zwischen uns steht aber ein dritter Faktor, nämlich die Großmächte. Die Be- Häuptlingen, daß Oesterreich den Krieg will, werden auf nicht authentischen Daten aufgestellt. Wir wissen aber auch aus authentischer Quelle. daß auch Oesterreich den Krieg nicht will, daß sich sogar die maßgebende Stelle in Oesterreich für die Er- Haltung des Friedens einsetzt. Hierauf erklärte sich der Interpellant für befriedigt. Der Minister antwortete dann auf eine Anfrage des Jungradikalen Markowitsch, daß Oesterreich, den Ratschlägen der Groß- mächte folgend, von der Absendung einer neuen Note bis zur Beendigung der Vermittelungsaktion der Großmächte Abstand genommen habe. Der Interpellant Markowitsch verwies darauf, daß die Skupschtina in ihrer bekannten Resolution den Stand- Punkt Serbiens in der bosnisch-herzegowiuischen Frage bereits festgelegt habe. Er wünsche deshalb Aufklärung darüber, ob die Regierung bereit sei, vor der Beantwortung der österreichischen Note die Skupschtina zu Rate zu ziehen, damit die serbische Antwortnote im Geiste derer- wähnten Resolution der Skupschtina verfaßt werde. Ministerpräsident Novakovitsch erklärte, der Minister- rat werde, sobald die österreichisch-ungarische Note vorliege. geeignete Entscheidungen fällen. Die Skupschtina trat hierauf in die Tagesordnung ein. Diese Erklärungen bedeuten, daß die Serben auch heute noch direkte Verhandlungen mit Oesterreich strikt ablehnen und alle Forderungen Serbiens aufrechterhalten. Sie tun dies in dem Glauben an das„Gericht der Groß- mächte". Dies zeigt aber, baß in Belgrad der Glaube uner- schüttelt ist. daß Rußland auch heute noch hinter den serbischen Forderungen steht. Das Verhalten Rußlands gibt ihnen recht und so ist cS natürlich, daß die Vermittelungsaktionen fehl- schlagen. Es ist nach alledem überhaupt die Frage, ob der serbischen Regierung, selbst wenn sie wollte, ein R ü ck z u g heute noch möglich ist. Die Regierung selbst ist gespalten. Während der Minister des Aeußeren M i l o w a n o w i t s ch. wenn man seinen Worten vertrauen darf, für eine friedliche Lösung eintritt, agitiert der Kriegsminister Zivkowitsch ganz offen für den Krieg und hat dabei bis jetzt die Maiorität seiner Kollegen auf seiner Seite. Bei der großen Erregung ist aber die Schwäche und Uneinigkeit der Regierung ein Hindernis für die Umkehr. In Wirklichkeit ist auch davon keine Rede. ebensowenig wie von einem Aufschub der Mobilisierung, trotz der Versicherung Nowakowitschs. Vielmehr werden die Rüstungen mit aller Macht fortgesetzt. Es ist unter diesen Umständen natürlich, daß in Wien die Situation als verzweifelt bezeichnet wird. Auch in Oesterreich dauern die Rüstungen ununterbrochen an. Die Flotte ist kriegsbereit und fortwährend werden aus allen Teilen des Reiches die Truppen an die Grenze gesandt, darunter auch das eine der beiden Wiener Regimenter, wobei sich beim Abschied vor der Kaserne und auf der Straße herz- zerreißende Szenen abspielten. Die Wiener„Arbeiterzeitung" wurde wegen Schilderung dieser Szenen konfisziert. Unterdessen bereitet die österreichische Diplomatie ihren letzten Schritt in Belgrad vor. Es hieß, daß die dem Ultimatum gleichkommende Note be- rcitS morgen in Belgrad überreicht werden sollte. Doch scheint nochmals ein Aufschub bis Sonnabend statt- gefunden zu haben. Unterdessen will die englische Regierung noch einen letzten Versuch machen. Nach dem„Matin" soll ein neuer englischer VermittelungSvorschlag in Ueber- einstimmung mit Frankreich und Rußland heute in Wien überreicht werden. Erklärungen im ungarischen Abgeordnetenhaus. Budapest, 24. März. In der heutigen Sitzung interpellierte Mezofi(Sozialist) den Ministerpräsidenten über die aus- »värtige Lage und ersuchte ihn, daß er sich für die Er- Haltung des Friedens entscheide. Ministerpräsident Dr. Weierle erwiderte: Wir bieten alles auf, um die Segnungen des Friedens zu erhalten. Wir haben unsere friedliche Gesinnung bis zu jener Grenze bekundet, über die hinaus wir ohne Verletzung unserer Interessen und, nicht unserer Würde, sondern bloß unseres Selbstbewußtseins nicht gehen konnten. Wenn unsere ehrlichen Bemühungen jedoch scheitern, wenn die Notwendigkeit uns auf das Schlachtfeld ruft, dann fordern wir von jeder- mann, auch von dem interpellierenden Abgeordneten, daß. wo die Kraft der Nation mit ihrem ganzen Gewicht austritt, er deren Wirkung nicht durch gelegentliche Erklärungen zu vermindern sich bemühe. Der Ministerpräsident erklärte dann, daß jetzt die letzten Versuche gemacht wurden, ob Oesterreich bezüg- lich des Verhaltens Serbiens seine Politik so werde einrichten können, daß sie sich im Rahmen btS Friedens bewege und teilte mit, daß er in den nächsten Tagen Gelegenheit nehmen werde, das Abgeordnetenhaus über die«uswärtige Lag« näher zu unterrichten. Die Antwort beS Nmisterpräsidenten wurde zur Kenntnis genommen. An der türkisch-bulgarischen Grenze. Koustantinipel, 24. März. Nach einer Depesche dcS Korn- Mandanten des dritten Armeekorps an das Kriegsministerium dauert das Gefecht zwischen dem türkischen Blockhaus Awnullah bei Dchumai Wala und der bulgarischen Grenz- wache fort. Da die bulgarische Bevölkerung an dem Kampf teilnimmt, wird eine Weiterverbreitnng auf andere Wachhäuser befürchtet. Der bulgarische Kommandant erklärte, das Feuer einstellen zu wollen, wenn dies türkischerseits auch geschehe. Die Verluste sind bisher unbedeutend. Das zweite und dritte Korps sollen beauftragt sein, rasche Maßregeln zu er- greifen. Die gegenseitige Beschießung der türkischen und bulgarischen Grenzposten bei Dchumai Bala ist auf die F e st n a h m e zweier des Schmuggels verdächtiger Bulgaren durch türkische Grenz- Posten zurückzuführen.— Die Zufuhr des Krikigsmaterials. Konstantinopel, 24. März. Von serbischer Seite bemüht man sich neuerdings eifrigst beim türkischen Gesandten in Belgrad und bei der Pforte um die Erlaubnis zur Durchfuhr des in Saloniki angekommenen oder unterwegs befindlichen und weiter- bestellten Kriegsmaterials und strebt hierfür auch eine Unterstützung durch Rußland, Frankreich und England an.— poUtifebe Oeberfkbt. Berlin, den 24. März 1909. Bulotvs Drückebergerei. Aus dem Reichstage(24. März). Seit dem No- vember hat der Reichstag nicht das Vergnügen gehabt, den einzigen verantwortlichen Beamten des Reiches, den Reichs- kanzler, in seiner Mitte zu sehen. Die wichtigsten Fragen be- schäftigen die Oeffentlichkeit— Bülow verbirgt sich irgendwo im ReichSkanzlerpalaiS. Seit mehreren Tagen ist die Frage der Marinerüstungen brennend geworden durch die Enthüllungen im englischen Parlament; die Budgetkommission dringt auf Er- örterung der Frage, wie sich die deutsche Regierung zu den Anregungen der englischen wegen der Einschränkung der Marinerüstungen stelle— Bülow kneift. Schließlich wird, um ihn vors Messer zu bringen, auf Antrag der Sozial- demokratie das Rcichskanzleramt aus die Tagesordnung gesetzt— Büloiv schickt Schoen und Locbell. Er selbst kneift wieder. Schoen verlas eine dürftige Erklärung des Kanzlers. Was darauf zu antworten war, haben die sozialdemokratischen Vcr- treter mit hinreichender Deutlichkeit gesagt. Aber der der- antwortliche Vertreter der Reichsgewalt muß selbst Rede und Antwort stehen. Wir müssen klarere und eingehendere Aus- kunft haben, als es ihm beliebte durch seinen Briefträger Schoen oerlcsen zu lassen. Heute stand der Marinectat auf der Tagesordnung des Reichstages. Da war also wieder eine schöne Gelegen- heit für den Reichskanzler, endlich Aufklärungen zu geben. Der Briefträger Schoen war zur Stelle und der Admiral v. Tirpitz. Bülow glänzte durch Abwesenheit. Die bürger- lichen Parteien hatten verabredet, die Nüstungsfrage erst beim Neichskanzleramt zur Verhandlung zu bringen, und um ganz sicher zu gehen, nahmen sie sogar Abstand davon, zu irgend einer anderen Marinefrage sich zu melden. Der Referent v. Thünefeld murmelte einige unverständliche Bemerkungen herunter, dann wurde die Debatte über den Titel„Staatssekretär" geschlossen. Erst in letzter Minute hatte Genosse Singer von den Abmachungen erfahren. Er stellte in einer Geschäftsordnungsbemerkung fest, daß der Reichskanzler sich der persönlichen Verantwortung für sein Ver- halten in der Rüstungsfrage doch nicht werde entziehen können, da die Sozialdemokratie jedenfalls beim Etat des Reichs- kanzlerS, der am Montag oder Dienstag auf die Tages- ordnung kommen wird, auch hierüber mit ihm abrechnen werde. Beschwerden der Werstarbeiter wurden dann vom Genossen Severing vorgebracht. Er teilte mit, daß er sich vergeblich bemüht habe, durch direkte Verhandlungen mit dem ReichSmarincamt für solche Beschwerden Abhilfe zu erwirken. DaS Amt habe sich auf die Wcrftordnung berufen. Deshalb müßten die Beschwerden jetzt hier erörtert werden. An einzelnen stattstischcn Zahlen wies er insbesondere nach, welch enorme Fluktuation der Arbeiterschaft auf den Wersten stattfinde und wie die Akkordlohnsätze zu den widersinnigsten Entlohnungen führten. Trotzdem weigere sich die Werst- Verwaltung, mit den SlrbeiterauSschüssen zur Festsetzung der Löhne in Verbindung zu treten. Alls diese Ausführungen wußte der Admiralitätsrat tz a r m s nur zu erwidern, daß ihm die angeführten Tat- fachen nicht bekannt seien. Da die bürgerlichen Patteien sich der Diskussion enthielten, ging die Debatte bald zu Ende. Bezeichnend für den Geist, von dem die bürgerlichen Parlamentarier beseelt sind, ist es, daß die rasche Erledigung des Etats von einigen Liberalen unter Führung des Frei- sinnigen E i ck h o f f mit Bravo! begrüßt wurde und daß, alS Genosse Severing mit einigen Worten auf die Rüstungsftage einging, Eickhoff zum Präsidenten eilte, um den Sozialdemokraten zu denunzieren, daß er nicht zur Tagesordnung spreche, worauf denn auch der Präsident den Genossen Severing ermahnte, sich an die Werftarbeiter- frage zu halten.—_ Politische Falschmünzerei. Die Sitzung des Reichstages vom Mittwoch gibt der Scherl- Preffe Anlaß, politische Falschmünzerei zu treiben. Daraus, daß das Gehalt des Staatssekretärs v. Tirpitz ohne Debatte bewilligt wurde, schließt diese Preffe: »In dem Schweigen des Reichstages lag eine elementare Kundgebung, die im Auslände und in Deutschland zweifellos richtig verstanden werden wird.� Diese Schlußfolgerung beruht auf völliger Verdrehung der Tat- fachen. Wie die Sache zustande gebracht ist, geht aus der vor- stehenden Korrespondenz au? dem Reichstage hervor. Daß die bürgerlichen Parteien in keine Diskussion eintraten, erklärt sich nicht daraus, daß eine Kundgebung beabsichtigt war, sondern daraus, daß die englischen Flottenabrüstungsvorschläge beim Etat des Reichskanzlers erörtert werden sollen. Es handelt sich also bloß um eine Verschiebung der Erörterung dieser Angelegenheit. Die Sozialdemokratie wird eS jedenfalls nicht an einer deutlichen Kundgebung ihrer Sympathie mit den Llbrüstnngsbcsttebungen fehlen lassen. Natürlich sind auch alle Meldungen von einer einstimmigen Annahme der Baukosten für die neuen Schlachtschiffe in der Budget- kommission der reine Unsinn. Die sozialdemokratischen Vertreter haben für den ManniSmuS nie einen Pfennig de« willigt und diesmal so wenig wie sonst. Das Ende des Blocks? Im Reichstage zirkulierte heute mit aller Bestimmtheit das Gerücht, daß der konservative Führer Abg. Normann dem nationalliberalen Führer Bassermann mit ziemlicher Deutlich- keit erklärt habe, daß die ganze Blockarbeit wertlos und es deshalb angebracht sei, das Blockverhältnis zu lösen. Dieses Gerücht gewinnt dadurch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß sowohl Freisinnige als auch Nattonalliberale sich für die Bc- seitigung der Branntwein-Liebesgabe erklärt haben. Möglich ist allerdings auch, daß die Konservativen auf diese Weise einen Druck auf ihre liberalen Blockbrüder ausüben wollen. Herr v. Normann soll erklärt haben, daß die Konservativen fest entschlossen seien, eventuell die Reichsfinanzreform mit dem Zentrum zu machen.--_ Das Wahlrecht der„kleinen Stände". Tie kirchlich-soziale Konferenz, eine Grün- dung des jüngst verstorbenen Stöcker, hat durch den christlich- sozialen Schriftsteller Dietrich von Oertzen ein Buch herausgegeben, betitelt„Von Wichern bis Posa- d o w s k y". Es soll ein Beitrag zur Geschichte der Sozial- reform und der christlichen Arbeiterbewegung sein; in Wirk- lichkcit ist es eine Schmähschrift gegen die Sozialdemokratie, mit der sich der Verfasser fast aus jeder Seite seines Buches beschäftigt. Interessant ist das Werk besonders durch seinen Schluß, der darauf hinausläuft, den christlichen Arbeitern die Konservativen als ihre besten Freunde zu empfehlen, da sie sich von jeher durch„großes Verständnis und diel aufrichtiges Wohlwollen für dasAuf- streben des viertenStandes" ausgezeichnet hätten. Durch den Verlauf der christlichsozialen Bewegung und die wachsende Belastung der Landwirtschaft infolge der Sozial- gesetzgebung seien die Konservatwen zeitweise mißmuttg ge- worden, aber diekonservativeParteisei trotz alledem auch heute noch diejenige, deren Bundesgenossen- schaft am ersten zu erreichen und am ernste- sten zu erstreben sei. Zu diesem Zwecke weist Herr von Oertzen sein christliches Arbeitergesolge an, bei Wahlen sich nicht gegen die Konservativen, sondern gegen die Sozial- demokratcn und Liberalen zu wenden und dann: „Weiter wird es richtig sein, nach Möglichkeit solche Forde. rungen zu vermeiden, die sofort auf den entschieden st en Widerstand der Rechten stoßen würden, wie etwa die Ausdehnung des RcichstagSwahlrechtS auf dir Landtage oder gar auf die Kommunen. Die christ- lichen Arbeiter müssen einsehen, daß, solange sie selbst nur eine kleine Minderheit der Arbeiterwelt bilden und gar keine Garantie gegen die Ueberflutung des öffentlichen Lebens durch die Sozialdemokratie zu bieten ver- mögen, kein ernster Politiker die Verantwortung auf sich nehmen kann, ein steigendes Maß politischen Einflusses der Umsturz- Partei auszuliefern. Für gewagte Experimente ist dies Gebiet gar nicht geeignet und die Gefahr zu groß, der man Volk und Volksleben aussetzt." Wenn also die christlichen Arbeiter hübsch bescheiden bleiben und nur fordern, was das junkerliche Interesse nicht gefährdet, dann wird ihnen die Freundschaft der Konser- vativcn sicher sein, dann werden diese einer Aenderung der Landesverfassungen zustimmen, so daß nicht mehr„die kleinen Stände, die Handwerker und Arbeiter, von der Beteiligung am öffentlichen Leben ausgeschlossen werdend Weiter heißt es: „Die Forderung solcher Beteiligung ist kein Widerspruch gegen die Ablehnung des Reichstagswahlrechts mit seinen handgreiflichen Mängeln und seiner Entrechtung der Minderheiten. Vielmehr muß und kann sehr wohl ein Wahlrecht gefunden werden, das jeden ehrlichen Stand nach Maßgabe seiner Bildung und Bedeutung an der Volksvertretung beteiligt, aber keinem die unbestrittene Herrschaft zuspricht. Nicht Herr- scheu sollen die kleinen Stände auf Grund des rein äußerlichen Moments der Kopfzahlmehr- heit, aber sie sollen nicht zum Schweigen gebracht werden." Also ein Mchrstimmenrccht glaubt der Geschichtsschreiber der christlichsozialen Arbeiterbewegung im Namen der Konser- vattven versprechen zu können. Daß er die Arbeiterklasse zu den„kleinen Ständen" rechnet, und daß er sich aus- drücklich gegen das Prinzip der Kopfzahl, d. h. gegen das allgemeine, gleiche Wahlrecht wendet, läßt erkennen, daß die Arbeiter die Betrogenen sein werden, wenn es zu einer Regelung des Wahlrechts„nach Maßgabe von Bildung und Bedeutung" im konservativen Sinne kommt. Herr von Oertzen gehört mit Herrn Mumm zu der christlichsozialen Arbeiterführern, die als die Väter des christlichnationalen ArbeiterkongresseS zu betrachten sind. Als vor zwei Jahren auf diesem Kongreß von süddeutscher Seite ein Antrag auf Forderung des all- gemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, auch für die Landtage eingebracht wurde, da wurde der Antrag- steller bearbeitet, daß er seinen Antrag zurückzog. Die christ- lichnationalen Slrbeiter hatten nicht den Mut. sich offen für eine Forderung auszusprechen, deren Erfüllung den hoch- mögenden Gönnern des Kongresses wider den Strich ging. Man sieht, die christlichen Gewerkschaften, die katholischen und evangelischen Arbeitervereine, die deutschnationaleu Handlungsgehilfen und was sonst auf dem Arbeiterkongreß vertreten war. wußten damals schon, was sie ihren konservo- tiven und ulttamontanen Freunden schuldig waren. Die neue Basis der Reichsstnauzreform« Die„Germania" weiß zu berichten: Das Zustandekommen der Finanzreform soll auf folgender Grundlage gesichert sein: Der Gesamtmehrbedarf wird auf 490 Millionen bemessen; davon kommen jedoch in Abzug 00 Millionen, weil die Fahrkarten- steuer und Zuckersteuer in ihrer biShengen Höhe erhalten bleiben sollen. Der Rest von 430 Millionen soll wie folgt aufgebrach'. werden: 26 Millionen Mark durch Erhöhung der Matriknlar- beitrage, 100 Millionen Mark durch eine Besitzsteuer, gleichviel in welcher Form, voraussichtlich durch Besteuerung der Erbanfälle an Kinder und Ehegalten und 306 Millionen Mark durch Erhöhung oder Neueinführung folgender indirekter Steuern: Brausteuer mehr 100 Millionen Branntweinsteuer» 100» Tabak- und Zigarettensteuer„ 60„ Koffeezoll, 40„ Zündholzsteuer(neu)» 15. Die»Germ.", der lvir die Verantwortung für die Richtigkeil ihrer Angaben überlassen müssei«, bemerkt selber zu diesen: Dieser Koinpromißvorschlag befindet sich bereits in vielen Händen und wurde auch in der vorgestrigen Sitzung des Tabak- Vereins vroduziert. Es würde ein Entaegenkommen von beiden Seilen bedeuien, indem oer Freisinn oeziigUch des Kaffeezous, die Konservativen bezüglich der Erschaftssteuer und Zuckcrsteuer nach- geben müsztcn. Selbstverständlich würden sich noch mannigfache Schwierigkeiten in der Ausführung ergeben, allein wenn man sich erst über die Grundlagen geeinigt hat, werden diese Schwierig- leiten auch nicht unüberwindlich sein. Elektrizitäts- und Gassteuer, Inserat- und Plakatsteuer, Weinsteuer und die Kohlensteuer würden dann endlich fallen gelassen werden. Ist die Meldung des klerikalen Blattes richtig, dann ist von dem Block das Finanzrefornlprojckt der Regierung nicht verbessert, sondern verhunzt worden. Alle jene Steuern, die vorwiegend die Wohlhabenden getroffen hätten, sind beseitigt; dagegen hat man den Verbrauchssteuern, die die Regierung vorgeschlagen hat, der Brau-, Branntwein- und Tabaksteuer obendrein noch eine Kaffeezollerhöhung und eine Zündholz- steuer hinzugefügt: Auflagen, die hauptsächlich von den ärmeren Volksschichten aufgebracht werden müssen. Die Tabaksteuer. Die Sitzungen der Subkoininission zur Beratung der Tabaksteuer sind zwar streng vertraulich, trotzdem ist ein Fachblatt in der Lage, über einen in der Subkommission gestellten Antrag nähere Mitteilungen zu machen. Hiernach soll als EingangSzoll pro Doppelzentner Tabak ein Zollsatz von 8ö M. festgesetzt werden. Beim Uebergang an den Verarbeiter soll ferner für ausländischen Tabak ein Zollzuschlag von 80 Proz. des Werte? erfolgen. Wenn der Wert niedriger angegeben wird, als die Zollbehörde ihn einschätzt, dann soll der Zollverwaltung das Vorkaufsrecht zu dem angegebenen Preise zustehen. Falls Tabak im Ausland gekauft wird und die Faktura ist nicht von der dortigen deutschen Konsulatsbehörde beglaubigt, dann soll ein Zoll-Sonderzuschlag von 100 Proz. des Wertes eintreten. Man will auf diese Weise Tabakindustrielle, die im Ausland direkt kaufen, dazu zwingen, dem Konsul die Möglichkeit zu geben, den auf der Faktura verzeichneten Einkaufspreis mit den Büchern des Verkäufers zu vergleichen. Von fachmännischer Seite wird berechnet, das? die Mehrbelastung der Zigarrenfabrikation schon allein etwa 70 Millionen Mark aus- machen würde. Mittlerweile hat sich auch der Deutsche Tabakverein mit diesem Vorschlage befaßt und seine Stellung in einer Resolution nieder- gelegt. In derselben wendet sich der Tabakverein gegen die Per» zollung nach dem Fakturenwert und empfiehlt einen Ausbau des bestehenden Gewichtszoll- und Steuersystems. Erfüllte agrarische Wünsche. Die Viehseuchenkommission des Reichstages hat am Mittwoch ihre Arbeiten beendet. Der Gesetzentwurf, der ihr vom Reichstage nach der ersten Lesung im Plenum zur eingehenden Beratung übergeben worden war, ist von unseren Parteirednern in allen Stadien der bisherigen Verhandlungen als geradezu gemeingefährlich für die Bevölkerung bezeichnet worden; sie haben niemals bestritten, daß das Gesetz wertvolle Bestinimungen über die Bekämpfung der Viehseuchen enthält, aber mehr als einmal ist deutlich genug in die Erscheinung getreten, daß es ganz andere Paragraphen des Gesetzes sind, auf die die Herren Agrarier den größten Wert legen. ES find das die Bestinimungen, die Maßnahmen gegenüber dem Auslande treffen— sobald die Agrarier wünschen, daß dieses oder jenes.tierische Erzeugnis* oder dieser oder jener.giftfangende Gegenstand* von der Einfuhr abgesperrt werden soll. Auf den bloßen Verdacht hin, daß auS dem Auslande.irgend- woher* eine Seuche droht, die noch gar nicht näher erkennbar ist. kann nach dem neuen Viehseuchengosetz in Zukunft jede Grenze für sozusagen jedwede Einfuhr gesperrt werden l In den mehr als einjährigen Verhandlungen der Kommisfion ist von unseren Vertretern Stolle. Stücklen und Scheidemann immer wieder nachgewiesen worden, welche geradezu gemeingefährlichen Bestimmungen oas neue Gesetz enthält. Das hat alles nichts ge- nutzt. Alles, was den Herren Notleidenden an Wünschen auf zoll- politischem Gebiete sowie in bezug auf Grenzsperren noch übrig geblieben war, ist jetzt verwirklicht worden durch das Viehseuchen- «esetz. Agrarisch bleibt Trumpf!_ Exzellenz Schwartzkopff. Nach amtlicher Mitteilung ist dem Direktor im Kultus- Ministerium D. Schwartzkopff der Charakter al» Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen worden. Diese Auszeichirnng des vielgenannten Beamten soll da- mit zusammenhängen, daß seit seiner Ernennung zum Ministerialdirektor an, gestrigen Tage gerade zehn Jahre vergangen waren. Dennoch wird vielfach aus der Auszeichnung der Schluß gezogen, daß von der Ernennung Schwartzkopffs zum Kultusminister, die eine zeitlang sehr ernsthaft iin Bordergrund stand, nun endgültig abgesehen worden ist. Und als Balsam für die Wunde solle der Exzellenz-Titel dienen._ Tie Eintvirknng der Zlrmenunterstütznng ans öffentliche Rechte. Im ReichSgesetzblatte wurde gestern daS Gesetz vom 15. März 190S publiziert, das einige kleine Verbesserungen gegen den bisherigen Zustand bringt. Der einzige Paragraph dieses Gesetzes hat folgenden Wortlaut i .Soweit in RcichSgesetzen der Verlust öffentlicher Recht« von dem Bezug einer Armeiiunterstützung abhängig gemacht wird, find als Armeiiunterstützung nicht anzusehen: 1. Die Krankenunterstützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher und geistiger Ge« brechen gewährte Anstaltspflege; S. Unterstützungen zum Zwecke der Jugendfürsorge, der Erziehung oder Ausbildung für einen Beruf: 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form ver- einzelter Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind; S. Unterstützungen, die erstattet sind.' Laudwirtschaftliche Lehrkurse in der Kaserne. Auf Anregung der Agrarier finden für die Soldaten landwirt- schaftliche Unterrichtskurse statt. Wie man erfährt, ist der Andrang zu den Vorträgen derart, daß in manchen Kasernen die zur Ver- sägung stehenden Räumlichkeiten sich als zu klein erwiesen haben. Dieser Andrang ist um so erstaunlicher, als bisher die Sehnsucht der Soldaten nach den ländlichen Zuständen keine besonders große zu sein schien. Eine Erklärung sur diesen plötzlichen Drang nach Erweiterung landwirtschaftlicher Kenntnisse dürfte man wohl darin finden, daß die Teilnähme der Soldaten eine nicht ganz frei» willige ist. Der württembergische Landtag ist am Dienstag nach mehrwöchentlicher Pause wieder zusammen- getreten. Am Mittwoch wurde der Justizetat beraten. Für die Sozialdemokraten sprach in längerer Rede Genoffe Mattutat. Er trat für eine Ausdehuung der bedingten Begnadigung auf über 18jährige und auch auf bereits vorbestrafte Personen ein, womit man anderwärts gute Erfahrungen gemacht habe. Noch besser allerdings fei die Einführung der bedingten Verurteilung. Ein- gehend besprach er die Mängel, die den jetzigen Jugendgerichten noch anhaften, und machte hierfür Abänderungsvorschläge. GtotkerS Kalispekitlationen. Die seinerzeit unwidersprochen durch die ganze Presse gegangene Behauptung, daß Stöckers oft genug öffentlich bekundete Abneigung gegen den.Giftbaum* Börse ihn nicht abgehalten habe, mit Kali- aklion der„Adolf Glück*-Grube Geld zu verdienen, findet jetzt durch Mumm, den Siegener Durchfallskandidaten und Schwiegersohn Stöckers, eine Bestätigung. In einem Artikel des„Siegener Volk" gibt er zu, daß Stöcker die Aktien besessen habe, bestreitet aber die SpckulattonSabsicht und die Höhe des auf 100000 M. angegebenen Verdienstes beim Verkaufe der Aktien. „Der Revisionismus und unser Programm." In einer Parteiversammlung, die der Vorstand des sozial- demokratischen Wahlvereins für Charlottenburg am Dienstag im „Volkshaus" abhalten ließ, hielt Eduard Bernstein einen anderthalbstündigen Vortrag über das Thema„Der Revisionismus und unser Programm*. Genosse Bernstein erklärte, die ersten fünf oder sechs Sätze des Erfurter Programms seien zu apodiktisch, zu deklamatorisch! Er hall deshalb eine Aenderung unseres Programms„gemäß der gegenwärtigen Erkenntnis der gesellschaftlichen Verhältnisse" für notwendig. Durch Vorlegung eines in 10 Abschnitte geteilten Eni- Wurfs demonstrierte der Redner auch gleich, wie er sich diese Pro- gramm-Aeuderung vorstellt. Was Bernstein den Einleitungssätzen des Erfurter Programms vorwirft, kann von seinem Entwurf mit weit besserem Rechte gesagt werden: er ist ebenso apodiktisch wie deklamatorisch. Im übrigen gefällt er sich in einer Reihe von Abschwächungen gegen die Grundsätze unseres Erfurter Programms — Abschwächungen, die ja, da es sich uni eine Bernsteinsche Revi- sion handelt, schließlich weder neu noch überraschend sind. Die Diskussion über Bernsteins Vortrag soll in einer späteren Versammlung eröffnet werden. „Kasernenugitation." Vom Genoffen Frank erhielten wir die folgende Zuschrift: Berlin, 24. März 1300. In der ReichStagSsitzung vom 19. März erklärte der Kriegs- minister v. Einem:„Meine Herren, ick könnte Ihnen»och ver- schiedene andere sehr hübsche AuSsprück verlesen. Ich habe hier zum Beispiel von der„Jungen Garde" unter dem Titel „Rekrutenabschied' eine geradezu ganz empörende, auf- reizende Agitationsschrift an die Rekruten". Der Artikel„Rekrutenabschied*, in der Festnnmmer der„Jungen Garde* zum Mannheimer Parteitag erschienen, war von dem Genossen Karl Liebknecht mit vollem Namen ge- zeichnet. Deshalb erwiderte ich dem Rothmaler am 20. März das folgende:„ W e n n Sie mit Ihrer letzten Aeußerung vielleicht darauf anspielen wollten, daß unser Parteigenosse Karl Liebknecht weitergehende Wünsche in bezug auf die Kaserneiiagitation gehabt habe, so erwidere ich darauf: entscheidend für die Stellung der Partei ist nicht die Meinung eines einzelnen Parteigenossen, sondern die offizielle Vertretung. Daß an sich junge Männer leichter geneigt sind, weiter zu geben als andere, das trifft ebenso zu für den Antl- Militarismus wie für den Militarismus. Es ist selbstverständlich, um ein Beispiel auS den jüngsten Tagen zu bringen, daß der Krön- Prinz von Serbien, Georg, ein ein energischerer Vertreter des KriegSgedankenS ist als irgend ein alter Monarch auf dem Thron.* Daß auS meinen Worten eine Unfreundlichkeit gegen Genossen Karl Liebknecht herausgelesen werden könnte, habe ich nicht geahnt; — alles, was ich über Karl Liebknecht gesagt habe, trifft doch auch bei mir zu,— einschließlich der Parallele mit dem jungen Georg. Als Redakteur der„Jungen Garde* war und bin ich für den Artikel„Rekrutenabschied* mitverant» wortlich, und ich gestehe gern, daß mir Form und Inhalt der Arbeit im Jahre 1300 sehr gefallen franhmeb. Der dritte Wahltag. Paris, 22. März.(Eig. Ber.) Auch mit den Ergebnissen des gestrigen, dritten TageS der Ersatzwahlen darf die geeinigt« Partei zufrieden sein. Sie hat vor allem in der Stichwahl das Mandat des ersten Wahlkreises von AmienS gewonnen. Lecointe, Schriftsetzer, siegte mit 10 996 Stimmen über den Reaktionär, der 0322 Stimmen auf- brachte. Der radikalsozialistische Kandidat, der im ersten Wahlgange 3320 Stimmen aufgebracht hatte, war zugunsten LecointeS zurück- getreten, die„demokratische Allianz' arbeitete für den Reaktionär. Lecointe hat gegen den ersten Wahlgang 2400, der Reaktionär 1400 Stimmen gewonnen.-- DaS Mandat war stüher im Besitz der Radikalen. Bon den Wahlkreisen, die gestern zum erstenmal wählten, haben besonders die zwei von S c e a u x, die Pariser Vorort« gemeinden umfassen, erfreuliche Resultate gebracht. In dem einen, wo der Unterstaatssckrctär Maujan 1906 im ersten Wahlgang 12 307 Stint men erhalten hatte, im zweiten mit 14 912 gewählt wyrdcn war, bekam diesmal der radikalsozialistische RegierungS- kandidat 9445 Stimmen, Genosse Albert Thomas, Redakteur der „Humanito* 7192, ein Progressist 8250 Stimmen. 1900 hatte der reaktionäre Kandidat, damals ein Nationalist. 9178 Stimmen auf» gebracht, der Kandidat der geeinigten Partei 4420. Die Sozialisten haben also an 2800 Stimmen gewonnen, während die Nadilalen und die Reaktionäre weit zurückgegangen sind. Im anderen Wahlkreise kommt Genosse Nectoux mit 4977 an der Spitze, ihm folgt der christliche Demokrat Marc Seugnier, der Gründer dieser Partei, deren junge Garde mit unleugbarem Eifer arbeitet, mit 4773 Stimnien, dann zwei radikalrepublikanische beziehungsweise radikalsozialistische Kandidaten mit 3709 und 3308 Stimmen. DaS Mandat dürste in der Stichwahl ge- Wonnen werden. Auch dieses Mandat befaß früher ein Radikal- sozialist. Und die Niederlage der Regierung und des Regierungsradikalis- mnS zeigt sich nicht nur dort, wo die Sozialisten Erfolge erzielt haben. Int Walstlreise von M e a u x siegte ein oppositioneller Radikalsozialist mit sozialistischer Hilfe über den radikalen Regierungskandidaten. In G a i l l e c im Departement Tarn ist der oppositionelle Radikalsozialist seines Sieges in der Stichwahl sicher. Er ist um 800 Stimmen im Vorsprung gegen den RegierungS- kandidaten und der Sozialist I m b e r t hat fast 4000 Stimmen aufgebracht, die ihm zugute kommen werden.<1900 hatte die geeinigte Partei überhaupt keinen Kandidaten.) Endlich siegte in Clermont- Ferrand ein radikalsozialistischer Oppositioneller über den RegierungS- kandidaten. Einzig in Epinal in den Vogesen dürfte die Majorität ein Mandat auf Kosten der Progressisten gewinnen. So zeigt die ganze Wahlkampagne den Fortschritt der geeinigten Partei und den Zusammenbruch der radikalen Partei._ Vom Poststreik. Paris, 24. März. Die Ausstandsbewegung der Postbeamten in Bordeaux dauert noch fort. Man glaubt jedoch, daß auch dort im Laufe des heutigen Tages eine Wendung eintreten wird. Das dortige Streikkomitee hat gedroht, für heute den Ausstand für alle Zweige des Post- und TelcgraphcndicnsteS zu verkünden, man glaubt jedoch, daß dies auf einem Mißverständnis beruht und daß seitens der Pariser Streikführer ebenfalls keine derartige Instruktion erteilt worden ist. In Lyon, Marseille usw. ist der Betrieb in vollem Umkana wieder aufgenommen worden. Paris, 24. März. Die gesamte Presse erörtert die Beilegung des Poststreiks. Die radikalen Blätter beglückwünschen die Regierung, welche fest und zugleich maßvoll gelvesen sei, und heben hervor, daß die Ausständigen eine kluge und würdige Haltung beobachtet hätten. Die Regierung möge nunmehr auch die den Vertretern der Post- und Telegraphenangestellten ge- gebenen Versprechungen halten. Andere Blätter drücken die Ueberzeugung aus. daß Simyan nur noch ganz kurze Zeit im Anite bleiben werde. Die sozialistischen Blätter er- klären, daß die Ausständigen einen Sieg erfochten hätten, auf den sie stolz sein könnten. Die gemäßigt republikanischen und konservativen Blätter erklären, die Syndikate der Staatsangestellten hätten ihre Macht gezeigt. Wenn es jetzt einer anderen Kategorie von Staatsangestellten einfallen sollte, in den Ausstand zu treten, so hätte die Regierung kaum mehr die Macht, sie zur Er' füllung ihrer Pflicht zu zwingen. Ein neuer Ausstand? Paris, 24. März. Mehrfach wird gemeldet, daß die Post- k u t s ch e r in den Ausstand treten wollen. Die Regierung würde, falls sie ihr Vorhaben durchführen sollten, sie sofort durch Trainsoldaten ersetzen. Eine amtliche Note erklärt, daß die strafrechtliche Unter» s u ch n n g aus Anlaß der während des AuSstandeS vorgekommenen Zerstörungen von Telegraphen- und Telephonlimen keineswegs als durch den Streikschluß beendet anzusehen sei. Die Ausständigen, die behaupten, derartigen Vergehen voll ständig fernzu- stehen, haben gegen sich selbst die Einleitung der Untersuchung beantragt.— Italien. Die Thronrede. Rom, 24. März. Die neue Legislaturperiode ist heute vornnttag mit einer Thronrede eröffnet worden. Diese bespricht zuerst das furchtbare Erdbeben und führt dann im einzelnen die sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben an, welche in Angriff genoinmen werden müßten, wie Organisation deS Steuer- weiens. Schutz und rationelle Ausnutzung der Wälder. Regelung und Nutzbarmachung der Wasser- straßen und Häfen, Austrocknen der Sümpfe zur Förderung der Volksgesundheit und Gewinnung neuen Bodens, sowie weitere Förderung von Landwirtschaft und Industrie. Hierauf wird von der neuen Legislaturperiode die Lösung der schwierigen Frage der richterlichen Funktionen in Zivil- und Strafrechts- verfahren gefordert. Alsdann wendet sich die Thronrede dem Volksunterricht zu. der nach den Anforderungen des modernen Lebens umzugestalten sei. Der besonderen Beachtung des Parlaments empfiehlt die Thronrede eine ruhige und auf die nationale Schlag- fertigkeit gerichtete Eni Wickelung von Armee und Marine. Die Thronrede gedenkt sodann der Beihilfe, welche Italien der Ausrecht» erhaltung des Friedens geleistet hat. und fährt fort: Diese Beihilfe wird auch stets erhalten bleiben und noch größer werden. Italien, welches die unschätzbaren Wohltaten des Friedens genießt, empfindet das Gefühl der Verantwortlichkeit tief, welches auf jedem zivilisierten Volle hinsichtlich der Bewahrung deS Friedens ruht. Italien, welches ständig treu an seinen Bündnissen sesthält, die sich als wesentlicher Faktor des europäischen Gleichgewichts eriviesen haben, und daS aufrichtig und herz- lich in seinen Freundschaften mit anderen Nationen ist, kann wohl behaupten, beigetragen zu haben zur Sicherung der inter- nationalen Eintracht. Diesem Entschlüsse bleibt auch Italien für die Zukunft treu. Angesichts dieses versöhnliche» Geistes, welcher heute alle Staaten beseelt, find einige schw ieri ge Frag en auf der Balkanhalbinsel der friedlichen Lösung ent- gegen geführt worden, und ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß dies ersehnte Einvernehmen auch für andere Fragen, die noch in der Schwebe sind, rasch getroffen werden könne. Rom, 24. März.(Privatdepesche deS.Vorwärts*.) Der» A v a n t i* bezeichnet die Thronrede als arm, farblos und nichtssagend. Besonders unzulänglich seien die Bemerkungen über die Sozialreform, über die Schule und daS Heer. Die Er» klarungen über die auswärtige Politik klingen wie ein schlechter Scherz. Das Ganze sei eher ein gut stilisierter Schulaufsatz als ein RegierungSprogramin und sei so allerdings ei» guteS Kenn- zeichen für die völlige Leere der Politik GiolittiS. England. Gegen die Panik. London, 23. Marz. KriegSminister Halda«« erklärk» heute im National Liberal Club über die F l o t t e n f r a g«, die Regierung werde sich nicht in ein ungehöriges Wettrennen hineinjagen lassen. Die Regierung vergegenwärtige sich, was die englische Seeherrschaft bedeute, und daß das beste Mittel, sie zu verlieren, darin bestehen würde, eine unwürdige Haltung einzunehmen und sich von einer Panik fortreißen zu lassen. Er gehöre zu denen, die der Meinung seien, daß das deutsche Volk über das Unglück und die furchtbaren Folgen eines Krieges dieselben Ansichten hätte wie da» englische. Er glaube, die deutsche Nation hasse den Krieg, loiedieenglische ihn hassen sollte. Die deutsche Nation habe sich organisiert in dem Glauben, daß eine militärische Organisation die Ouelle der Sicherheit und Stärke wäre. Die Deutschen organisierten und verstärkten auch ihre Flotte, wie ihnen das übrigens freistände. Wenn sie es täten, müßte England es leider auch tun. Er sei der Ansicht, cS gezieme den Engländern, sich an den Deutschen ein Beispiel zu nehmen. Soziales. Was leisten die Kulturländer für den htsgienische» Arbeitcrschutz? Eine interessante Uebersicht über dm gegenwärtigen Stand der Arbeitshygiene bietet Dr. Alexander Elster(Jena) in der Zeitschrift„Soziale Medizin und Hygiene"(Verlag von Leopold Voß in Hamburg). Er beschränkt sich auf die Aufzählung gcsetz- lichcr Maßnahmen von ausgesprochener hauptsächlicher hygienischer Bedeutung, läßt selbst die Beschränkung des Zulassungsaltcrs für Kinderarbeit, die Arbcitszeitbeschränkung für Frauen und Kinder und das Verbot der Nachtarbeit der Frauen, das durch iuter- nationale Ucbereinkunft zwischen 14 Mächten festgelegt wurde. außer Betracht. Zur Sicherheit von Leben und Gesundheit der Arbeitenden im allgemeinen und in gcsundheitSzefährlichcn Ge» werben gibt in Deutschland§ 120a der Gewerbeordnung nur generell gefaßte Anhaltspunkte, die durch Vorschriften des Bundes- rats, der LandcSzentralbehördcn oder der Polizei mit praktischem Leben zu erfüllen sind.„Da der Bundesrat von seiner Befugnis bisher aber im wesentlichen nur für notorisch gesundheitSgcfährliche Gewerbe Gebrauch gemacht hat, so jind wir, was die Arbeitshygiene anlangt, in der RcichSgesetzgedung keineswegs soweit voran, wie es zu erWünschen wäre." Oesterreich hat ähnliche generelle Ve- stimmungen, nur noch viel weniger ausreichende Regelungen im einzelnen. Groschritannien ist bedeutend weiter. Es laufen all« gemeine Gesundheitsgesetze neben besonderen Fabrikgesetzen ein- her. Es kann der Staatssekretär Gewerbe für gefährlich er- klären und Regulations dafür treffen; er kann die Beschäftigung überhaupt untersagen, kann die Anwendung eines Stoffes oder Verfahrens verbieten, einschränken und unter Kontrolle stellen, kann die gesetzlichen Vorschriften nach Bedarf abändern und aus- dehnen. Ende 1900 standen 15 400 Betriebe unter solchen Spezial» ibestimimingen. Such in Frankreich reichen die Einzeßmrschriften ziemlich tveit. wenn sie sich auch mit den englischen nicht vergleichen lassen, und ähnlich ist es in Belgien. Holland fällt durch weitgehende An- ordnungsbefugnisse des Arbcitsinspektors auf. Italien scheint nach Ansicht des Verfassers außer einer Regelung der Unfallverhütung noch nichts getan zu haben. Die Schweiz aber hat es zu einer imponierenden Bundesgesetzgebung über die Arbeitshygiene gc- bracht, die eine Mitte zwischen genereller Absteckung und speziali- sierender Ausfüllung des Rahmens, also zwischen der deutschen Weise und der englischen, hält. Eigenartig ausgebildet ist der Aufsichtsdienst, der gesteigerte diskretionäre Befugnisse hat. Auch hat dies Land die Haftpflicht auf Berufskrankheiten ausgedehnt. In Amerika wiederum haben sich nur Einzelstaaten mit diesen Problemen befaßt und dabei nur wenig geleistet; z. B. fehlt dort jeglicher Giftarbeiterschutz. Australien schließt sich den englischen Vorschriften an, hat es aber im Giftarbciterschutz erst bis zu einem Anfange gebracht. Schweden, Norwegen, Dänemark sind speziell auf dem Gebiete dcS Frauen- und Kinderschutzes recht weit vor- geschritten. Eine Arbeitshygiene der Heimarbeiter existiert nach der Be- obachtung Dr. Elsters nirgend. Der erste Weg dazu sei„die Ein- beziehung der Heimarbeiter unter die Fabrikgesetzgebung, wie sie von Großbritannien und in einigen Kantonen der Schweiz bereits geschehen ist" und anderwärts angestrebt werde. Die Arbeits- Hygiene der Heimarbeiter sei in erster Linie Wohnungshygiene! Sind Gcwcrkschaftsbeamte krankenversicherungSpflichtig? Nach dem KrankenvcrsicherungSgesetz: neinl Denn nach den in Betracht kommenden Ziffern 2 und'2a des§ 1 des Krankcnver- ficherungsgesetzeS sind nur krankenversicherungspflichtig: Personen, welche gegen Gehalt oder Lohn im Handclsgewerbe, im Handwerk und in sonstigen stehenden Gewerbebetrieben, in dem Geschäfts- betriebe der Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Versicherungsanstalten beschäftigt sind. Die Gewerbedeputation von Berlin und das Amtsgericht Berlin-Mitte haben dennoch in einem Spezialfall dieser Tage cnt- gegengesetzt entschieden. Ter Fall lag folgendermaßen: Genosse Wilhelm Siering, Angestellter des Verbandes der Schmiede, war bis zu seiner am 1. April 1904 erfolgten Anstellung bei der Organisation bei einem Jnnungsmeijter als Schmied tätig und gehörte infolgedessen der Jnnungskrankenkasse der Schmiede an. Als S. vom Verband angestellt wurde, meldete er sich bei der Krankenkasse als freiwilliges Mitglied. Ende des Jayrcs 1907 erklärte der Kassenvorstand, daß S. nicht mehr berechtigt sei, der Kasse fernerhin als freiwilliges Mitglied anzugehören, da S. infolge seiner Tätigkeit für den Verband versicherungspflichtiges Mitglied der Ortskrankenkasse der Bureauangcstellten geworden sei. Der Magistrat Berlin— als Aufsichtsbehörde der Kasse— entschied in gleichem Sinne. Zur Begründung führte er aus, der Verband gewähre Streik-, Maßregelungs-, Rechtsschutz- Umzugs-, Erwerbslosen-, Hinterbliebenen- und Reiscunterstützung, sei demnach — eine Versicherungsanstalt, deren Beamte gegen Entgelt be, schäftigt werden. Dieser Auffassung hat sich das Amtsgericht angeschlossen. Gegen das fehlsame Urteil ist Berufung eingelegt. Fehlsam ist die Entscheidung, weil Gewerkschaftsverbände keineswegs eine Versicherungsanstalt sind. Denn sie sind nicht auf Erwerb ge- richtete Gesellschaften und räumen ihren Mitgliedern kein klagbares Recht auf Unterstützung ein. So wünschenswert eine gesetzliche Ausdehnung der Unterstützungspflicht auf Gewerk- schaftsbeamte sein mag, so wenig� ist der von Magistrat und Amts- gericht gewählte Umweg, durch Stempelung der Gewerkschaften zu Versicherungsanstalten die nicht versicherungspflichtigen Beamten zu solchen zu machen, mit dem bestehenden Gesetz vereinbar. Erst kürzlich hatten wir einer ähnlichen Auffassung des Senftenberger Magistrats über den Charakter der Gewerkschaften entgegentreten müssen._ Preisausschreiben des Vereins für Säuglingsfürsorge im Regierungsbezirk Düsseldorf. Der Verein für Säuglingsfürsorge im Regierungsbezirk Düsseldorf erläßt ein Preisausschreiben für ein kurzes, in knappster Form die Hauptregcln der Säuglingspflege und-Fürsorge be- handelndes Merkblatt. Das Blatt soll höchstens 15 Paragraphen oder Regeln ent- halten, in deutscher Sprache geschrieben, in feiner Fassung allgemein verständlich und zur Verbreitung in allen Bolkskreisen geeignet sein. Gerade durch seine voltsmäßige Ausdrucksweise und Leicht- faßlichkeit hat es sich von den bisher in Deutschland zur Verbrei- tung gelangenden Merk- und Flugblättern ähnlichen Inhaltes zu unterscheiden. Für die Entwürfe sind drei Preise ausgesetzt: Erster Preis 300 M., zweiter und dritter Preis je 100 M. NichtVergebung oder anderweite Verteilung der Preise bleibt vorbehalten für den Fall, daß zwei Drittel der Preisrichter der Ansicht sind, daß keiner der eingereichten Entwürfe des Preises würdig ist oder daß eine andere Anordnung den Entwürfen besser gerecht wird. Die Bewerbung steht jedermann frei. Die Entwürfe sind in geschlossenen Kuverts, mit einem Kennwort versehen, bis zum I. Juli dieses Jahres bei der Geschäftsstelle des Vereins für Säuglingsfürsorge im Regierungsbezirk Düsseldorf, Düsseldorf, Werstener Straße 150, einzureichen. Die preisgekrönten Entwürfe gehen in den Besitz des Vereins für Säuglingsfürsorge über, der für ihre Verbreitung in Form von Merkblättern, Aufdruck auf Wandkalendern usw. Sorge tragen wird. Die Veröffentlichung der Ergebnisse dcS Preisausschreibens erfolgt unter Nennung des Namens der preisgekrönten Bewerber. Das Preisrichteramt haben übernommen: Herr RegierungS- und Geheimer Medizinalrat Dr. Born- traeger-Düsseldorf, Herr Fabrikbesitzer Franz Brandts-M.-Glad- bach, Herr Kommerzienrat Hermann Hardt-Lennep, Herr Ritter- gutSbesitzer Gustav Klingelhöfer-Haus Horst bei Hilden. Herr Kommerzienrat C. R. Poensgen-Düsscldorf, Herr Professor Dr. Schloßmann-Düsseldorf, Herr Regierungspräsident Schreiber- Düsseldorf, Herr Geheimer Regierungsrat v. Wütjen-Düsseldorf, Frau Dr. Marie Baum-Düsseldorf. GewcrhrchaftUche� Die Gewerkschafteu und die Krise. Während die Behörden der Krise tatenlos zusehen und nicht den Kinger rühren, den Opfern derselben beizuspringen, und die Unter- nehmer gar den Zeitpunkt wahrnehmen, nm durch Lohnrcdnktionen auch den nicht direkt von der Arbeitslosigkeit betroffenen Arbeitern die Not der Zeit näher zu bringen, haben die von den Scharfmachern verlästerten Organisationen der Arbeiter, die Gewerkschaften, tat» kräftig eingegriffen, das Massenelend nach Möglichkeit zu mildern. Der Herzenswunsch mancher Scharfmacher, daß die Gewerkschaften unter den Ansprüchen, die die Arbeitslosigkeit an sie stellte, zusammen- brechen möchten, wurde nicht erfüllt. Die Gewerkschaften bewährten sich glänzend. Auf eine Anfrage hat die„Sozialdemokratische Partei-Korrefpondenz" von einer Anzahl Organisationen über einen Teil ihrer Wirksamkeit im Jahre 1908 Auskunft erhalten. Die Mitteilungen laffen erkennen, mit welcher Aufopferung diese Gewerk- schasten dem Wüten der wirtschaftlichen Krise entgegengetreten sind. Wir registrieren die Leistungen im einzelnen: Bildhauer. »rbeitslosemmterstsitzung wurde gezahlt am Orte 87 186 M., auf der Reise 4902 M., dazu Notfalluuterstützung an bereits aus- �esteuerte Mitglieder 2992 M. Insgesamt 95 080 M. gegen 86 619 M. im Jahre 1907. Der Verband zählte 1008 4137 Mit- glieder. Buchbinder. Die VerbandSkaffe zahlte 1908 an ArbeiiZlosenunterstütznng 130 380 M. für 121809 Tage; aus lokalen Mitteln wurden noch als Zuschüsse 19 733,20 M. gezahlt, so daß die Gesamtsumme der 1908 gezahlten Arbeitslosenunterstützung 150 072,62 M. beträgt. Im Jahre 1907 zahlte der Verband insgesamt 90 655 M. Arbeitslosen- Unterstützung. Die Mitglicderzahl stellte sich 1907 auf 21200. Buchdrucker. An Arbeitslosenunterstützung am Orte wurden 1903 gezahlt 714 283,25 M. für 707 027 Tage; an Arbeitslosenunterstützung auf der Reise 177 032,90 M. für 153 295 Tage. Insgesamt mithin 892 216,15 M. für 861 222 Tage. Im Jahre 1907 zahlte der Verband 544 723 M. Arbeitslosenunterstützung. Die Mitgliederzahl betrug 1907: 52 364. Zigarrcnsortirrer. Insgesamt zahlte der Verband 1908 51 437,65 M. an Arbeits- losen- und Kcankenunterstützuilg. Im Jahre 1907 stellte sich diese Summe auf 31633 M. Die Mitgliederzahl war 1903: 2990. Fabrikarbeiter. An Arbeitslosenunterstützung am Orte wurden gezahlt für 326 843 Tage 351 603 M., an Arbeitslosenunterstützung ans der Reise 25 965 M. für 25 432 Tage. Insgesamt mithin 377 563 M. für 352275 Tage. Im Jahre 1907 zahlte der Verband 553 073 M. Die Mitgliederzahl stellte sich 1907 auf 134 233. Glaser. Es wurden gezahlt 1903 an Arbeitslosenunterstützung am Orte 50239 M. für 37 391 Tage, an Arbeitslosenunterstützung auf der Reise 6690,50 M. für 5336 Tage. Insgesamt 56 929,50 M. für 42 727 Tage. Im Jahre 1907 zahlten die Glaser noch keine Arbeits- losenunterstützung. Der Verein zählte 1903 4260 Mitglieder. Holzarbeiter. Der Verband zahlte 1908 au» der Zentralkasse rund 940 000 M. Arbeitslosenunterstützung am Ort für 680 000 Tage; es kommt hinzu die Unterstützung aus den Lokalkassen in Höhe von rund 750 000 M. Ferner wurde gezahlt an Arbeitslosenunterstützung auf der Reise rund 160 000 M., insgesamt also 1850 000 M. Im Jahre 1907 zahlte der Verband 860 995 M. Arbeitslosenunterstützung. Die Mit- gliederzahl war 1997 149 501. Hutmacher usw. An Arbeitslosenunterstützung am Ort wurden 1903 gezahlt rund 89 000 M. für 57 000 Tage, an Reiseunterstützung 2240 M. für 2800 Tage; insgesamt also rund 91 240 M. für 59 800 Tage. Im Jahre 1907 zahlte der Verein 52 084 M. Unterstützung. Der Verein zählte 1903 etwa 7000 Mitglieder. Lithographen. Der Verband zahlte 1908 Arbeitslosenunterstützung am Ort 1?8 537 M. für 128 038 Tage, Arbeitslosenunterstützung auf der Reise 25 928 M. Insgesamt 204 465 M. Im Jahre 1907 wurden gezahlt 131 765 M. Der Verein zählt 16 250 Mitglieder. MetMarbciter. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Insgesamt sind im Jahre 1908 nach ungefährer Schätzung 3 050 000 M. an Arbeitslosen- Unterstützung gezahlt worden; daneben eine sehr beträchtliche, aber noch nicht zu präzisierende Summe an Krankenunterstsitzung. Im Jahre 1907 zahlte der Verband an Arbeitslosen- und Krankenunter- stsitzung insgesamt 3168 031 M. Die Mitglicderzahl war 1907 355 386. Sattler. An Arbeitslosenunterstützung am Ort wurden 1908 gezahlt 29 518,30 M. für 32104 Tage, an Arbeitslosenunterstützung auf der Reise 6450,20 M.; insgesamt also 35 968,50 M. Dazu kommen noch 26 034,05 M. Krankenunterstützung. Alles in allem hat der Verband 1908 rund 12 600 M. mehr Unterstützung gezahlt als im Jahre vorher. Die Mitgliederzahl betrug 1908 6839. Steinsetzer. An Arbeitslosenunterstützung wurden 1908 gezahlt insgesamt 11 337 M. gegen 3515 M. im Jahre 1907. Die Mitgliederzahl war 1907 10 403. Zimmerer. Insgesamt zahlte der Verband 1903 475 630,75 M. Arbeitslosen- Unterstützung für 425 786'/a Tage. Im Jahre 1907 wurden 244 164 Mark Arbeitslosenunterstützung gezahlt. Der Verband zählte 1907 54 395 Mitglieder. Im ganzen haben die hier genannten dreizehn Organisationen im Jahre 1908 7 341 395 M. Arbeitslosenunterstützung gezahlt gegen 5 801 008 M. im Jahre 1907. Diese Zahlen können, wie wir ausdrücklich betonen, auf absolute Genauigkeit zum Teil keinen Anspruch machen; sie werden vervoll- ständigt werden durch die erst in einigen Monaten erscheinende Ge- Werkschaftsstatistik. Aber diese Vervollständigung kann nur eine Steigerung, keineswegs eine Minderung der hier zusammen- gestellten Leistungen zum Ausdruck bringen. Alle» in allein läßt sich auf Grund der hier veröffentlichten Mit- teilungen aber schon heute die gar nicht hoch genug einzuschätzende Tatsache konstatieren, daß die Gewerkschaften die Feuerprobe der furchtbaren Wirtschaftskrise glänzend bestehen werden. Sie brechen nicht zusammen unter ihre» Lasten, sie werden den hohen An- sprächen des Tages durchaus gerecht, sie erfüllen an jedem, der auf Arbeitslosenunterstützung usw. Anspruch hat, die satzungsmäßige Leistung. Berlin und Umgegend. Achtung, Friscurgehilfen! Mit dein 1. April b. I. tritt eine neue Kontrollkarte in Kraft. Ausgehändigt wird dieselbe nur an diejenigen Kollegen, welche bei Firmen arbeiten, die den Tarif bewilligt haben und den Arbeits- Nachweis benutzen. Die geschmackvoll hergestellte Karte ist nur gültig, wenn sie laufend gestempelt ist. Bcivilligt hat Langer, Stolpische Straße 87. Die Sperre ist aufgehoben bei Brückner. Wilhelm- Stolze- Straße 16, und Müller. Ackerstr. 141. Gesperrt für Mitglieder ist Dominick, Ebertystr. 23, Mirbachsir. 41. Verband der Friseurgehilfen. Zweigverein Berlin und Vororte. I. A.: Paul Liere. Streik der Kostümschneider und-Schneiderinnen Berlins. Gestern abend tagte im Gewerkschaftshause eine außer- ordentlich zahlreich besuchte Mitgliederversammlung des Schneider- Verbandes, in der Kunze über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Kostümbranche berichtete, die am Dienstag fortgesetzt wurden, jedoch scheiterten, da weder über die Zeitlöhne noch über die Stücklöhne eine Einigung erzielt werden konnte. Die Arbeitgeber haben in der letzten Sitzung den Vor- schlag gemacht, nebe» den zwei bereits vorgesehenen Tarifen noch einen la-Tarif zu schaffen, dementsprechend auch die Wochenlöhne festgesetzt werden sollten und zwar für die bestbezahlten Arbeite« in den drei Klassen auf 39, 37 und 35 M. Auch waren sie bereit» für den 1. April 1910 eine Lohnerhöhung festzusetzen. Diese Vor» schlüge waren jedoch unverbindlich, so daß es von vornherein fraglich war, ob sie von der Mitgiliederversammlung des Arbeitgeberver- bandes gutgeheißen werden. Die Vertrauenslcutesitzung der Kostümschneider beschäftigte sich bereits Dienstag abend mit diesen Vorschlägen und lehnte sie ab. Auch die Ortsverwalwng hielt es nicht für angebracht, der Versammlung die Annahme der Vor- schlüge zu empfehlen und brachte statt dessen folgende Resolution in Vorschlag, mit deren Annahme, wie der Referent ausdrücklich Hervorbob. der Streik der Kostümschneider und -Schneiderinnen als beschlossen gelten mußte. „Die Mitgliederversammlung erklärt nach Kenntnisnahme de? Berichts der Kommission die Angebote der Arbeitgeber für unge- nügend und sieht daher die Verhandlungen als gescheitert an.—> Ten von den Arbeitgebern gewünschten dritten Tarif hält die Ver- sammlung nicht für erforderlich, da zurzeit in keinem Geschäft so niedrige Löhne gezahlt werden als in dieser Klaffe vorgesehen sind. Die Art, wie die Verhandlungen seitens der Arbeitgeber gepflogen wurden, sieht die Versammlung als Verschleppung an und sicher! den Kostümschneidern und Sckmeiderinnen volle moralische und finanzielle Unterstützung zur Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu." Diese Resolution wurde nach kurzer Diskussion einstimmig angenommen. Danach wird also heute morgen die Arbeit überall niedergelegt, wo es nicht bereits zum Abschluß eines Tarifvertrages mit der Organisation gekommen ist. Die Streikenden versammeln sich morgen früh bei Krotten- dorfer, Markgrafen st r. 83. Sollten von den einzelnen Arbeitgebern ihrem Personal irgendwelche Einigungsvorschläge ge« macht oder Zusicherungen gegeben werden, so sind diese abzulehnen; es ist in allen solchen Fällen darauf hinzulveisen, daß nur mit der Organisation Verhandlungen gepflogen und Vereinbarungen ge- troffen werden können. Oeutlcbes Reich Die Damenschneider in Wiesbaden gaben sich mit dem Schiedsspruch der Hauplvorstände nicht zufrieden und sind in Streik getreten. Nach dem Schiedssprüche wurde von den Hauptforderungen nur die Forderung auf 33prozentige Lohnerhöhung für Ueberstunden zu« gestanden, die Arbeitszeilverkürznng und die Forderung der 50prozentigen Erhöhung für Nacht- und Sonutagarbeit dagegen ab- gelebut. Die Berbandsleitung plädierte für Annahme des Schieds- eine Bersannulung vcrivars ihn aber und beschloß den Der Hauplvorstand wird die Zustimmung zum Streik ver- sprucbeS, Streik. weigern. Die in Zimvierlcute haben an dem Neubau der Nordbrücke Köln wegen Tarifstreitigkeiten die Arbeit eingestellt. Zur SteinarbeitcrauSsperrung i» Stricgan. Auf die Kündigung der Sleiubrnchbesitzer haben die Steinarbeiter mit der sofortigen Arbeitsniederlegung geantwortet. Am Montag fand in alle» Brüchen das sogenannte Budenrecht statt, an welchem auch die wenigen Un- organisierten teilnahmen. Dort wurde dann cinstiimmg beschlossen, den Arbeilgebern die oben angeführte Antwort zu erteilen. Am Dieusiag fand eine von ungesähr tausend Stcinarbeitern besuchte Versammluitg statt, in welcher Starke, Walter und Stau- d i n g e r vom Zentralvorstaud anwesend waren, die allerdings vor einer vollendeten Tatsache standen. In der Versammlung kam zum Ausdruck, daß noch kein Streik mit solcher Einmütigkeit begoimen wurde, wie dieser. Die Organisierten haben vollzählig, die Un- organisierten bis auf einzelne, die man eigentlich nicht Steinarbeiter nennen kann, die Arbeit eingestellt. Formell wurde in der Ver- sammlung»och einmal abgestimmt und emstimmig wurde die Weiter- sührung des Streiks beschlossen. Die in Dänemark geplante MasscnauSsperrimg, die 40 000 Arbeiter der verschiedensten Berufe treffen sollte, scheint jetzt endgültig ab- gewehrt zu sein— wenigstens für diesmal— so lange die dänische Ärbeitgebervereinigung nicht eine» neuen Grund für solche Gewalt« Maßregel findet. Der außerordentliche Kongreß des Schuharbeiter- Verbandes, der Ende voriger Woche tagte, hat das von der General- Versammlung der Schuharbeiter Kopenhagens abgelehnte Ueber- einkommen für die Schuhindustrie mit 36 gegen 25 Stimmen gut- geheißen. Die Arbeit in den Kopenhagener Schuhfabriken wird dem- gemäß wieder aufgenommen. Der Streik oder vielmehr die Aus- Iperrung der Schuharbeiter war bekanntlich die Hauptursache deS Maffenaussperriingsbeschlusses des dänischen Unternehmertums und da nun auch die übrigen Konflikte, die dabei eine Rolle mitspielten, beigelegt find, kann man wohl annehmen, daß der Friede vorläufig wiederhergestellt ist. Der Streik der amerikanischen Hutmacher, der, wie im„Vorwärts" berichtet, Ende Januar begann, ist noch nicht beendet. Die organi« sierton Arbeiter kalten so fest zusammen, daß die Gewerkschaft der Hutmacher bis Mitte März mir 23 Streikbrecher zu verzeichnen hatte. Der Zentralvorsitzende der Union berichtete, daß 22 221 Leute acht Wochen lang im Streik beharrten. In den großen Fabriken, um die eS sich handelt, arbeiten nicht mehr wie 125 praltisch ausgebildete Hutmacher. Dagegen werden in 35 Fabriken, welche die Geweckschafts- marke in ihren Hüten führen, also die Forderungen der Union an- erkannt haben, jede Woche 9000 Dutzend Hüte hergestellt. Diese Fabriken gehören jedoch nicht zur Fabrikantenvereinignng. Die Streik- leitung glaubt, daß in vier Wochen der Streik zugunsten der Arbeiter entschieden sein wird._ Letzte JMacbncbten und Depefeben» Der Wiener Raubmord vor den Berliner Geschworenen. Im Jiaubmordprozeß Henkel wurde gestern abend in später Stunde das Urteil gefällt. Nach dem Wahrspruch der Geschworenen wurde der Angeklagte des Mordes und Raubes schuldig befunden. Nach kurzer Beratung des Gerichts wurde Henkel wegen Mordes im Zusammenhang mit Raub zum Tode und zu 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Stadtverordnetenwahlfieg. Essen a. R., 24. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Nach heißem Kampfe siegte bei der Stadtverordnetenstichwahl der Sozialdemokrat Gemoll mit 2180 gegen 1711 Zcntrumsstimme«. Zu« Balkankrise. Köln, 24. März.(W. T. B.) Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin von heute telegraphiert: Auch heute noch läßt sich nicht mit Sicherheit übersehen, ob sich eine Einigung der ver- Handelnben Mächte wird erzielen lassen. Aber es scheint immerhin. daß Einflüsse, die bisher das Einigungswerk erschwerten, zurück- zutreten beginnen. Die Fassung der Formel, die in Serbien vor- gelegt werden soll, ist zwar noch nicht aufgestellt, wohl aber haben sich die Ansichten der verhandelnden Mächte dahin geklärt, daß die Formel Oesterrcich-Nngarn befriedigen, den Serben aber jede Möglichkeit zu neuen Zweideutigkeiten abschneiden und dafür Sorge tragen muß. daß eine weitere Störung der Ruhe durch Scrbieil ausgeschlossen werde. Wenn die von den Mächten in Belgrad abzugebenden Ratschläge deren rückhaltlose Annahme zur Folge haben sollten, so würde dies mit dem Verständnis zu» zuschreiben sein, das Rußland der gegebenen Lage entgegenbringt, und Herr Jswolsli würde für seine Mitarbeit an der Friedens» arbeit auf Tank und Anerkennung bei allen Friedensfreunden rechnen können. vnantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanstalt Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen u.Untekbaltunasbl.~ Ar. 71. 26. Jahrgang. I ZicilU des Jctirärts" Ctrüntt PsIksdlM«>,« Reichstag 233. Sitzung vom Mittwoch, den 24. März, nachmittags 2 Uhc. Am BundesratZtisch: v. Tirpitz.v. Schoen. Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats siir die Verwaltung der kaiserlichen Marine. Die Beratung beginnt mit dem Titel Staatssekretär. Wortmeldungen liegen nicht vor, der Titel ist bewilligt.(Bei- fallsjubel der Freisinnigen unter Führung des Abgeordneten Eick- hoff sfrs. Vp.). Abg. Singer(Soz.) zur Geschäftsordnung: Wir waren der Meinung, daß die Angelegenheit, welche seit nnigen Tagen die öffentliche Meinung beschäftigt, die Differenzen in bezug auf die Erklärungen der englischen Regierung und des Staatssekretärs v. Schoen in der Budgelkommiffion. jetzt zur Sprache gebracht werden sollen. Inzwischen ist uns mitgeteilt worden, daß der Wunsch besteht, diese An- gelegenheit beim Etat des Reichskanzlers zu ver- handeln. Da uns ferner mitgeteilt ist, daß der Reichs- kanzler in der Lage sein wird, in der nächsten Woche seinen Etat selbst zu vertreten, so hat sich niemand von uns zum Wort gemeldet. Ich bitte dies konstatieren zu dürfen, damit keine falschen Schlüsse daraus gezogen werden und damit man weiß, daß meine Partei nicht gewillt ist, diese Angelegenheit ohne ausführliche Besprechung im Parlament vorübergehen zu lassen. lZustimmung bei den Sozial demokraten.) Eine Reihe von Kapiteln werden debattelos bewilligt. Beim Kapitel „Instandhaltung der Flotte und Werften" ergreist das Wort Abg. Scvcring(Soz.): Meine politischen Freunde hätten erwartet, daß gerade heute eine Debatte darüber gepflogen wäre, wie sich die deutsche Reichs- regierung zu den Erklärungen der englischen Regierung verhält. Mein Freund Singer hat schon hervorgehoben, daß wir bei dem Erat des Reichskanzlers diese hochwichtige Frage erörtern werden. Aber auch heute schon hätte sie erörtert werden sollen. Der Reichskanzler hätte heute hier sein sollen, um auf die Anfragen der Volksvertreter zu antworten.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn ich jetzt die Ferienftimmung, die hier im Hause herrscht störe—(Lebhafte Unruhe und Oho I rechts und bei den Freisinnigen/ Präsident Graf Stolberg, mit dem der Abg. Eickhoff eiw dringlich gesprochen: Ich bitte Sie, zu dem Titel zu sprechen. Abg. Severing(Soz.) sfortfahrendj: Zunächst eine persönliche Bemerkung: Ich würde heute nicht hier stehen, wenn es möglich wäre, die Wünsche der Arbeiter auf anderem Wege zur Sprache zu bringen als hier im hohen Hause. Ich hatte auf Ersuchen von Werft- arbcitern eine Beschwerde an den Staatssekretär gerichtet und den Arbeitern gleichzeitig geraten, sich an die zuständigen Instanzen zu wenden. Am 1. Oktober 1907 waren die Monatslühne in dem betreffenden Ressort in Stundenlöhne umgewandelt. was die Arbeiter zunächst fteudig begrüßten, weil sie glaubten, sie würden dadurch ihr Emkommen vermehren können. Dies war jedoch nicht der Fall, und ich machte dem Staatssekretär von der Beschwerde der Arbeiter Mitteilung. Ich glaubte damit der Marineverwaltung Entgegenkommen bewiesen zu haben, denn sie sollte doch ein Interesse daran haben, daß nicht jede kleine Unstimmigkeit hier breit erörtert würde. In dieser Erwartung bin ich aber getäuscht. Der Staatssekretär teilte mir unter dem 17. Dezember mit, daß nach 8 13 Absatz 2 der Arbeitsordnung die Arbeiter sich nur durch den Arbeiter- auS sch uß an die Verwaltung zu wenden hätten und daß er daher grundsätzlich auf die Beschwerde nicht eingehen könne I(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten I) Ich hätte doch mindestens erwartet, daß irgend eine sachliche Bemerkung darüber gemacht wäre, daß die Wünsche der Arbeiter, falls sie berechtigt sind, Berücksichtigung finden würden. Wenn ich als G e w e r k s ch a f t L b e a in t e r Wünsche der Arbeiter verttete, geschieht dies in der Regel, Rlemes feuilleton. Auf dem Wege zum Südpol. Der Leutnant Shackleton hat auf seiner Südpolarexpedition einen ungeahnten Erfolg errungen. Wenn er auch nicht, wie es zuerst hieß, den Südpol erreicht hat, so ergeben die ausführlichen Nachrichten, die inzwischen eingetroffen sind, doch zur Genüge, daß Shackletons Expedition nicht nur den magnetischen Südpol bestimmte, sondern auch bis zu einem Punkte vordrang, der nur noch 175 Kilometer vom Pole entfernt ist. Der südlichste Punkt, der erreicht wurde, liegt auf 88 Grad 23 Minuten südlicher Breite und 182 Grad östlicher Länge. Von hier aus erstreckt sich das Land in einer weiten schneebedeckten Hochebene von über 3000 Meter Höhe nach Süden. Die Expedition, die inzwischen wohlbehalten nach Neuseeland zurückgekehrt ist, ist auch tonst reich an Entdeckungen und Beob- achtungen. Der noch tätige Eismeerkrater, der über 4000 Meter hoch ist, wurde bestiegen? seine Oeffnung hat einen Durchmesser von 0,3 Kilometer. Die Temperatur sank bis auf 83 Grad Fahrenheit. Mit drei Begleitern unternahm Shackleton den Iveitesten Vorstoß nach Süden über mächtige vergletscherte Gebirgszüge hinweg, die bis zu 3500 Meter anstiegen. Man reiste mit Ponys und Schlitten. Die wissenschaftliche Bedeutung dieses jüngsten und erfolg- reichsten Vorstoßes— Shackleton hat die bisher größte Annäherung an den Südpol, die von ihm selbst mit auf der Expedition Scotts von 1902 erreichte Breite von 82 Grad 17 Minuten um 6 Grad überholt— läßt sich im Moment noch nicht überblicken. Sie wird jedenfalls hervorragend sein. Außer der Festlegung des magnetischen Südpoles sind Ausschlüsse über Land- und Wasserverteilung über große»euentdeckte Strecken der Anarktis zu erwarten. Auch Kohlenlager sollen gefunden sein. Da die höchste erreichte Breite am Nordpol 87 Grad 6 Minuten(Peary) beträgt, so qar Shackleton auch diesen Rekord geschlagen. Es scheint danach, daß der Südpol eher seine Geheimnisse preisgeben wird, als der viel länger und heißer umrungene Nordpol. Alfred Messel, einer der wenigen Architekten, der mit dem Tohuwabohu Berliner Stillofigkeit und Unkultur in seinen Bauten organische Zweckmäßigkeit und gleichwohl auch seine persönliche Note geltend zu machen wußte, ist, noch nicht 56 Jahre alt. in Berlin ge- storben. Da er voriges Jahr— gegen alles Erivarten � zum Architekten der neu zu bauenden königl. Museen berufen war, ver- liert Berlin doppelt an ihm. Von Messels Berliner Bauten— in seiner Vaterstadt Darmftadt hatte er das Museum gebaut— fallen die Werrhcimschen Warenhäuser, die Landesversicherungsanstalt am Köllnischen Park, das Geschäftshaus Schulte Unter den Linden, das Haus Ed. Simon, das Leitehaus am Viktoria- Luise- Platz und das Bolksspeisehaus in der Neuen Schönhauser Straße jedem in die Augen, der Augen für architektonische Schönheit sich bewahren konnte. Vor allem wird Messels Name mit dem modernen Wnrenhause verbunden bleiben. Er hat den neuen Bedürfnissen, die hier ent- � standen waren, die neue architektonische Form gefunden. Die Zwecke des Hauses treten bei ihm auch in der Fassade, die sonst zum Tummelplatz von Reminiszenzen aus aller Herren Länder und da werde ich nicht auf die Arbeitsordnung verwiesen I Wenn ich als Abgeordneter Beschwerden vorbringe, so hätte j ein solches Entgegenkommen wohl Anerkennung finden sollen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In Zukunft werde ich derartige Beschwerden der Marineverwaltung nicht mehr unterbreiten, sondern sie stets hier im Hause zur Erörterung bringen. Im vergangenen Jahre hat der Reichstag eine Resolution an- genommen, welche eine Förderung des Tarifwesens fordert und die Marineverwaltung auffordert, bei Festsetzung von Neuordnungen von Arbciterverhältnissen die Arbeiterausschüffe mitwirken zu lassen. Meine Freunde hatten beantragt, daß auch die Arbeiter� organisationen mitwirken sollten. Die Herren von der freisinnigen Partei begnügten sich jedoch mit der Mitwirkung der Arbeiterausschüsse. Wir hielten es nun für selbstverständlich, daß diesem Wunsche des Reichstages Rechnung getragen würde. Es sieht mit der Erfüllung aber sehr rrübe aus. In de» Bestimmungen über das Submissionswesen, die uns überreicht sind, findet sich keine Silbe. die darauf hindeutet, daß dem Verlangen des Reichstages entsprochen ist.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) In keiner Weise wird von der Marineverwaltung den Unternehmern vorgeschrieben. daß sie bei ihren Löhnen die Tarife einzuhalten haben.' Man hat noch bis heule nicht erfahren, daß die Marineverwaltung bereit ist, dem mit der Resolution ausgesprochenen Wunsche des Reichstags nachzukommen; ihren so oft ausgesprochenen Versicherungen der sozialen Fürsorge für die Arbeiter sollte sie endlich die Tat folgen lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In einer Kommission unterhalten wir uns jetzt über sehr wichtige Fragen des gewerblichen Lebens, und es wird demnächst auch im Plenum geschehen. Aber alle Beschlüsse, die wir fassen, werden ledig lich auf dem Papier bleiben, wenn nicht die Reichsverwallung selbst mit der Förderung des Tarifwescns den Anfang macht (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich verstehe es aber sehr gut, daß die Marineverwaltung den in der Resolution ausgesprochenen Wünschen nicht nähergetreten ist. Als die Beschlüsse des Reichs tages bekannt wurden, liefen die Schiffsbauindustriellen Sturm gegen die Resolution, und da versicherte auf der Generalversamm- lung der Schiffsbauindustriellen Herr Admiralitätsrat Harms, die Sache wäre gar nicht so schlimm, eS feien noch Erhebungen im Gange, deren Resultat abgewartet werden müßte, vorläufig denke die Marineverwaltung noch nicht daran, die Forderungen der Rcso- lution zu erfüllen.(Hört I hört I b. d. Sozialdemokraten.) Wir haben aber das Recht, zu verlangen, daß die Wünsche de? Reichstages berücksichtigt werden. Bezüglich des anderen Teiles der Re- solution. der Mtwirkung der Arbeiterausschüsse an der Neuordnung und Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen auf den Werften, hatten eS doch die Freisinnigen wohl für selbstverständlich gehalten. daß der Forderung Rechnung getragen würde.(Sehr richtig! links.) Als aber der Arbeiterausschuß in Wilhelms baven an die Werftverwaltung das Ersuchen richtete, bei der Auf- stellung der Akkordtarife Mitglieder von Arbeiterausschüssen heranzuziehen, wurde das rund abgelehnt. Dabei sind die Arbeiter- Verhältnisse auf den kaiserlichen Werften keineswegs derartig, daß die Arbeiterausschüsse bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen nicht herangezogen zu werden brauchen. Die Marinebctriede sind keineswegs Musterbetriebe. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es finden sich in ihnen dieselben üblen Erscheinungen wie in Privatbetrieben. Zunächst ist die Fluktuation eine sehr große. Vom Oktober 1907 bis Oktober 1903 wurden in Kiel eingestellt 2853 Arbeiter, wovon wieder 1711 ausschieden; in Wilhelmshaven 2176, wovon 1314 aus- schieden; in Danzig 317, wovon 312 wieder ausschieden; in Friedrichsort 422, wovon 285 wieder ausschieden. Forscht man nach den Ursachen dieser großen Fluktuation, so ist freilich festzustellen, daß die Löhne ein wenig gestiegen sind. Aber zwischen den Ein- nahmen und Ausgaben der Arbeiter besteht immer noch ein un geheuerliches Mißverhältnis. Nach mir gewordenen Mitteilungen sind in Kiel bei den Lebensmittelpreisen 1933 M. fährlich notwendig, um die Bedürsnisse einer Arbeiterfamilie zu befriedigen. Dazu reicht aber nach den Lohnausweisungen der Marineverwaltung der Lohn bei weitem nicht aus. Ein weiterer Grund zur Fluktuatton liegt in der brutalen Behandlung der Arbeiter auf den kaiserlichen Werften. Ausdrücke kommen dort vor, gegen welche die im„Seehund" üblichen die reinen Kosenamen sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Weiter ist für die Fluktuation anzuführen die Zeiten geworden war, klar und deutlich zutage. Da wurde keine Theaterkulisse herumgebaut, sondern die Form aus der Konstruktion hergeleitet. Wieviel neue SchönheitSmöglichkeiten sich dabei ergeben, wie das Ornament dabei natürlich herauswächst, das kann man täglich an Messels Bauten, vor allem am Wertheimschen Hause in der Leipziger Straße schauen. Diesem ehrlichen, wahren und auS- ausdrucksvollen Stil unserer Zeit zum Durchbruch verholfen zu haben, rst Messels großes Verdienst. Theater. Neues Theater:„Die Wahrheitsschule" von Paul Gutmann. Der Titel dieser„Komödie" läßt an Sheridans klassisches Lustspiel„Die Lästerschule" denken und weckte einige Er- Wartungen. Der Verfasser unternahm den Versuch, eine alte Gassen- Weisheit: daß es keine Wahrheit gäbe, sondern nur. Wahrheiten", und daß die Wahrheit nur allenfalls ein unschädlicher Sport für reiche Leute sei, in eine dramatische Bühncnhandlung umzusetzen. Ihre treibende Kraft ist eine Art Agent für alles. Dieser Mann„macht" in allem und jedem. Ja er hat, unter Mitwirkung von entgleisten Theologen und ehemaligen Zuchthauskandidaten, sogar— eine„Wahrhetts- schule" gegründet. Alles ist ihm�erade gut genug— wenn es sich in Geld verwandeln � läßt.„Liebe" zum Beispiel und weibliche Schönheit, zumal diese, sind Handelsartikel, Kapital, das hohe Wucherzinsen trägt, sobald es auf den Marft kommt. Jetzt hat dieser Spekulant ein junges Mädel aus ärmlichem Stande einem alten Grafen auf sofortige Scheidung angeheiratet. Der Blaubllltler hat nichts wie seinen Namen. Tut nichts. Als nunmehrige„Gräfin" wird eS Jenny leicht fein, Millionäre zu kapern. Der Agent hält solche Heiratskandidaten paarweis auf Lager. Jenny ist aber des Schwindels überdrüssig. Ihr Herzchen liebt einen blutjunge» Studenten. Und jetzt— nachdem sie Mitglied jener famosen„Wahrheitsschule" geworden ist. entschleiert sie rücksichtslos vor allen ihre Vergangenheit. Zum Beweise für ihre niedere bürgerliche Herkunft stellt sie den Freundinnen und Ver- chrcrn ihre Mutter vor:— eine ehemalige Köchin oder so etwas. Natürlich nimmt nun die ganze Sippe, mit Einschluß des Studenten. ReißauS. Der Agent kommt mit neuen glänzenden Geschäfts- anträgen; da er aber von Jenny abgewiesen wird, läßt er die zanze luxuriöse Wohnungseinrichtung wegholen, um Jenny doch noch ür seine Pläne einzusangen. Inzwischen hat sich jedoch ein Be- Werber für Jenny aufgeworfen, dem sie ihre Liebe schenken wird; denn er ist Fanatiker der Wahrhaftigkeit wie sie selber.... Manches an dieser„Komödie" ist ja recht nett. Sie trägt aber doch alle Mängel eines ErftlingSstückeS an sich. Neben guten Ansätzen zur Charakterzeichuung laufen skizzenhafte Unmöglichkeiten und unzählige Trivialitäten. Um Konttastwirkungen herbeizusühren, bedient sich der Verfasser abgeschmackter Possentricks. Die Pfändung ist nichts weiter als ein robuster Gelegenheitseffekt, dazu bestimmt, die dünne Handlung überflüssigerweise auf drei Akte zu verlängern. Immerhin zeigt der Schlußakt, daß von dem jungen Autor noch besseres zu erwarten fein dürfte, sofern er mehr Lebens- und Bühnenerfahrungen gesammelt haben wird. Von der Aufführung laßt sich nur wenig Lobenswertes sagen. Die Regie war mangelhaft. Von den Darstellern sind Hans Werckmeister. Termine Neichenbach und Meta I ä a e r zu nenne». q. t bis ins kleinste gehende Spionage über die einzustellenden Arbeiter. Diese Bespitzelung erstreckt sich nicht nur auf die Qualifikation der Arbeiter, sondern es wird festgestellt, wie sie sich in bezug auf ihre politische Gesinnung betätigt haben!(Hört! hört I � bei den Sozialdemokraten.) lieber die Einstellung entscheidet die Werft- Verwaltung nach den Mitteilungen der Polizeibehörde, die zuweilen ein Interesse daran hat, mißliebige Arbeiter anzuschwärzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nach den Einstellungsbedingnngen sollen nur Arbeiter beschäftigt werden, die„einen achtbaren Lebens- wände! geführt haben". Deshalb ist ein bedingt verurteilter Jugend- sicher, der nur einen Tag Gefängnis bekommen hatte, wieder ent- lassen worden, nachdem er schon probeweise eingestellt war! Militäranwärter aber sind ohne weiteres einge- stellt und befördert, auch wenn sie eine längere Frciheits- strafe erlitten haben. Die Bezahlung entspricht keineswegs der Leistung. Auf den Baggern ist am 12. März d. I. die Arbeit wieder aufgenommen, den Arbeitern lvird aber in Zukunft kein Verpflegungszuschuß mehr gezahlt, die Offiziere und höheren Beamten dagegen �bleiben im Genuß ihrer Taselgelder! Auch bezüglich der Bettwäsche wird bei diesen Baggern gespart. Während früher alle Monat die Wäsche gewechselt wurde, geschieht es jetzt nur alle drei Monate! Eine solche —„Sparsamkeit" halte» wir für sehr unangebracht.(Lebhafte Zu« stimmung bei den Sozialdemokraten.) Während man an den Arbeitern spart, verwendet man Aufsichts- beamte in einem Prozentsatz, der weit höher ist als bei Privat« werften. Während z. B. auf der Werft Flensburg auf 17 Arbeiter ein Beamter kommt, fallen in Kiel auf 7700 Arbeiter 34 Offiziere und 961 Beamte, also est» Beamter auf etwa sieben Arbeiter. (Hört! hört I b. d. Soz.). In England kommt auf 30 Arbeiter der Staatswerften erst ein Beamter, denn die Mitteilung der Reichs- marinebeamten, daß das Verhältnis wie 1: 11 sei, ist unrichtig. In der Tat ist das Verhältnis aui den deutschen Werften noch un« günstiger, da eine Menge Schreiberstellen von Leuten versehe» werden, die nicht als Beamte geführt werden, In den vereinbarten Akkordpreiseu wird sogar ein gewisser Betrag für die Entlohnung derartiger Schreiber mitberechnet. Das große Beamtenhecr erschwert die Abwickelung der Geschäfte und die Schwierigkeiten der Kontrolle. Vor Weihnachten des letzten Jahres wurden Witwen ehemaliger Werft- arbeiter mit Schreibarbeiten beschäftigt. In der ersten Januarwoche hatten sie noch keine Bezahlung erhalten. Das wäre in einem nicht an sehr großen Zahlungsschwierigkeiten leidenden Privatgeschäft einfach unmöglich. Befördert werden nicht die intelligentesten, sondern die g e f ü g i g st e n Arbeiter. So ist es vorgekommen, daß in Danzig Arbeiter zu Schreiberstellen befördert worden sind, die nicht rechnen und nicht schreiben können.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ob das gerade im Interesse des Dienstes ist? Die Aushilfsarbeiter werden so schlecht bezahlt, daß Leute, die, wenn die Aushilfsarbeiten mit demselben Stundenlohn be- zahlt worden wären wie die gewöhnlichen, 140 Mark zu fordern hätten, mit 17 Mark abgefunden worden sind I(Lautes (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich selbst habe oft genug die Werftarbeiter aufgefordert, ihre Beschwerden lieber durch die Arbeiterausschüsse statt durch mich vorbringen zu lassen, aber mir sind Beispiele über Beispiele borgetragen worden, daß die Mitglieder der Arbeiterausschüsse, wenn sie die Interessen ihrer Mitarbeiter einigernraßen energisch wahrnehmen, in ihrem Fortkommen schwer geschädigt werden.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) So wurde das Mitglied des Wilhelmshavener Arbeiteraus- schusses bei einer Lohnaufbesserung bloß darum übergangen, weil er im Gespräch mit seinen Mitarbeitern gesehen worden war!(Leb« Haftes Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) So etwas muß die Arbeiter zu Heuchlern machen. Daß das der Fall ist, zeigt der Ver« lauf der Prozesse, die gelegentlich der Unterschlagungen auf den Kieler Werften geführt worden sind. Dort haben bekanntlich die oberen Beamten die Verwaltung um Millionen geprellt.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Jenen hat man nicht auf die Finger gesehen, sondern lieber der politischen Betätigung oder auch nur Ge- sinnung der Arbeiter nachgeschnüffelt.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Die Werkmeifter sind stets bei der Hand, ArbeiterauSschuß- Mitglieder, die eS mit ihrer Pflicht ernst nehmen, zu schikanieren, und die Betriebsleiter verfahren in demselben Sinne. Neulich ist erst Hnmor und Satire. Die russische Polizei. Ein Lockspitzel bor Gericht. Der Vorsitzende:.Das Gericht verurteilt sie zum Tode.... Jetzt können Sie ruhig nach Hause zurückkehren, mein Automobil erwartet Sie vor der Türe." D u r n o w o zum neuengagierten Provokateur:„Sie können ganz Rußland zerstören, nur das kaiserliche Palais und das Ministerium des Innern müssen Sie verschonen." Der Ausweg.(Gespräch zweier hoher Polizeibeamter.) »Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Das Ministerium verlangt von mir die Verhaftung von 25 Mitgliedern des Zentralkomitees und ich kenne sie nicht."—„Das ist doch einfach genug: Lassen Sie 25 Passanten verhaften und erschießen.... Die können sich ja nachher beschweren." Die Probe.„Ich war Revolutionär und möchte in Polizei- dienste treten. Wie Hab ich das anzufangen?"—„Sie haben vier Proben abzulegen: 1. eine Urkundenfälschung zu begehen, 2. einen Raub, 8. einen Inden in den Sckwß der orthodoxen Kirche zu führen, 4. ein politisches Attentat aiizustiften." Unlauterer Wettbewerb.(Zwei Verbrecher.)„Seit die Polizei das Monopol aller Verbrechen sich angeeignet hat, bleibt a unsercinen nichts mehr zu tun."—„Ich sehe keinen anderen AuS« weg, als auch zur Polizei überzutreten." („L'assiette au beurre".) Die Vorbildlichen.(Im Modemagazin.)„Was tragen denn die Mädchen jetzt im Moulin rouge?"—„Bedaure, gnä' Frau, in solchen Lokalen verkehre ich nicht I"—„Sollten Sie aber I Wenn Sie nicht wissen, was die Kokotten tragen, wie wollen Sie dann jeine Damen bedienen l"(„ L u st i g e Blätter".) Notizen. — Joseph Joachims Briefe sollen gesammelt heraus» gegeben werden. Die Herausgabe liegt in den Händen seines Sohnes, Dr. Johannes Joachim in Götttngen, und seines Freundes, Prof. Andreas Moser in Berlin. Im Interesse möglichster©oll» tändigkeit werden alle, die sich im Besitze von Briefen des Meisters befinden, gebeten, dies den Herausgebern oder der Verlagshandlung Julius Bard in Berlin W. 15 mitzuteilen. — Klara Viebigs Drama„Das letzte Glück", daZ in bäuerlichen Kreisen spielt, wurde mit Erfolg im Schauspielhause zu Frankfurt a. M. aufgeführt. — Aus dem Bühnenleben. In München starb bei- nahe 80 Jahre alt die frühere Hofschauspielerin Marie Dahn« Hausmann, die Stiefmutter des Schriftstellers Felix Dahn. Ihre naturwahre, innig-schlichte Darstellungsweise hat ihr Andenken wach gehalten, obwohl sie schon vor zehn Jahren von der Bühne chied.— M a t k o w s k y soll in seinem Testament eine bedeutende Stiftung für Veteranen der Schauspielkunst gemacht haben. — Dem Dentschen Museum in München wurden von dem englischen Chemiker William R a m s a y Proben der von ihm entdeckten gasförmigen Elemente Argon, Helium, Krypton, Neon und Xenon überwiesen. Die Proben wurden von ihm selbst hergestellt und m Spektralröhren dem Museum übersandt. wieder ein Arbeiterausschußmitglied in Friedrichsort bei Kiel gekündigt worden, weil er seine Stimme gegen direkte Gesetzwidrigkeiten erhoben hat!(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten,) Ich würde wahrhastig lieber diese Details hier nicht erörtern. Aber die tat- sächliche Mundtotmachung der Arbeiterausschüsse zwingt uns ja geradezu, von dieser Tribüne aus die Wünsche und Beschwerden vor- zutragen, die sonst unberücksichtigt bleiben,(Sehr wohrl bei den Sozialdemokraten.) Früher suchten schikanierte Arbeiter sich dadurch zu helfen, daß sie um Versetzung in andere Ressorts baten, jetzt aber bestimmt ein Dekret, daß solche Arbeiter, die um Versetzung einkommen, einfach entlassen werden sollen. (Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Unter solchen Umständen ist eS kein Wunder, daß die Nufallziffern bedrohlich steigen und daß z. B. auf der Danzlger Werft, die 800 000 Arbeiter beschäftigt, sich wöchentlich 25 bis 80 Arbeiter verbinden und die Glieder einrenken lassen. Auch die Wasch- und Ankleideräume spotten allen hygienischen Anforderungen, So hat die Marineverwaltung noch außerordentlich viel zu verbessern, wenn das Wort von den.Musterbetrieben" nicht ein Hohn bleiben soll.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Geh. Admiralitätsrat Harms: Da ich das einschlägige Material nicht zur Hand habe, kann ich zurzeit die Beschwerden und Klagen des Vorredners nicht beantworten. Die von ihm vorgetragenen zahlreichen Einzelfälle werden aber nachgeprüft werden. DaS Kapitel wird bewilligt. Der Rest des ordentlichen Marineetats wird völlig debatteloZ bewilligt. Beim Etat von Kiautschou, der ebenfalls debattelos angenommen wird, gelangt eine Resolution der Kommission auf Vereinfachung der Verwaltung dieses Schutz« g e b i e t e s ohne Debatte zur Annahme. Bei den einmaligen Ausgaben erklärt Abg. Schräder(frs. Vg,): Die Frage des Stärkeverhältnisses unserer Flotte zu der anderer Flotten ist von so eminenter politischer Bedeutung geworden, daß alle Parteien dieses Hauses einmütig der Meinung sind, daß sie am zweckentsprechendsten beim Etat des Reichs- kanzlerS ihre Behandlung findet.(Zustimmung.) Der außerordentliche Etat wird debattelos be- willigt. Die Einnahmen werden debattelos bewilligt. Präsident Graf Stolberg: Hiermit ist unsere Tagesordnung erschöpft.(Heiterkeit und Beifall.) Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr pünktlich.(Zurück- verwiesene Positionen aus dem Etat des Innern und der ?ost. Invaliden- und PensionSfondS, zweite «fung des Automobilgesetzes.) Schluß: S'/o Uhr._ parlamcntanrcheo. Aus der Budgetkommission des Reichstag?. (44. Sitzung, 24. März.) Nie Kommission hatte heute nur zurückgestellte oder ihr vom Plenum zurücküberwiesene Posten auf der Tagesordnung. Genosse Singer berichtete über eine Petition der Diätare beim Reichs- vcrsichcrungsamt um Schaffung von mehr etatsmäßigen Stellen; das bedeute keine Vermehrung, sondern nur eine Umwandlung bestehender Stellen. Die Petition wird der Regierung zur Er- Wägung überwiesen. Hierauf nahm der Poststaatssekretär K r ä t k e auf der An- klagebant Platz. Das Plenum hatte einen Posten von 24 284 000 Mark auf Antrag Gothein zur nochmaligen Beratung an die Budgetkommission zurückverwiesen, weil über den Kabelvertrag mit einer deutsch-südamerikanischen Gesellschaft keine Klarheit herrschte und der Abg. Erzberger die Meinung vertreten hatte, daß es sich um einen gegen die Verfassung ber- stoßenden Vertrag handle, weil hier das Reich eine finanzielle Verpflichtung auf 40 Jahre eingehe, wozu die Genehmigung des Reichstages Nicht eingeholt worden sei.« Abg. Erzberger erstattet den Bericht und erklärt, daß er nach Einsichtnahme in den Vertrag in seiner Meinung noch bestärkt sei: daß die von der Regierung eingegangene Verpflichtung der Ge- jgehmigung des Reichstages bedürfe. Staatssekretär Krätke führte hierzu aus: Der Vertrag mit der deutsch-südamerikanischen Kabelgesellschaft ist kein Garantie- vertrag, auch liegt keinerlei Geheimniskrämerei bor. Wenn man eine Gesellschaft zur Legung eines Kabels veranlasse, so müsse man sich auch auf eine längere Zeit verpflichten, denn die Legung des Kabels nach Südamerika koste nicht weniger als 27 Millionen Mark. ES sei nicht zutreffend, daß zu diesem Vertrag die Ge- nehmigung des Reichstages erforderlich sei, denn der Reichstag habe vor Jahren im Sinne der Postverwaltung entschieden.>— Singer: Daß der Reichstag vor 2ö Jahren in einem be- stimmten Falle nicht darauf bestanden hat. daß ihm der betreffende Bertrag vorgelegt wurde, beweise nichts, denn das Geldbewilli- gungsrecht des Reichstages schließe in sich das Recht, zu prüfen, ob die Ausgabe notwendig ist. Auch der Einwand,, daß die öffentliche Behandlung ein Nachteil sein werde, sei nicht stichhaltig, denn niemand habe eine solche Verhandlung verlangt, aber der Budgetkommission müsse Mitteilung gemacht werden. Die Post könne alle Vorbereitungen treffen, nur müsse sie in den Vertragsentwurf die Klausel einfügen:„vorbehaltlich der Zu- stimmung des Reichstags", damit alle Schwierigkeiten behoben werden. Der Reichstag müsse verlangen, daß die Verträge, die das Reich auf längere Jahre mit großen Summen binden, nicht ohne seine Zustimmung abgeschlossen würden. Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Twele erkennt die Richtigkeit der Singerschen Auffassung für den Fall an, daß, es sich um Verträge mit fremden Staaten handelt; das sei hier aber nicht der Fall, so daß die Verlvaltung das Recht gehabt habe, einen Vertrag einzugehen. Richtig sei allerdings, daß der Reichstag die budgetären Konsequenzen des Vertrages ablehnen könnel Um beiden Teilen gerecht zu werden, habe die Verwaltung immer die von Herrn Singer empfohlene Klausel eingesetzt, daß der Vertrag erst in Kraft trete, wenn die Volksvertretung ihre Zustimmung erteilt. Wenn dieser Borbehalt hier nicht gemacht worden sei. so sei das aus Ber- (sehen geschehen. Auch die Abgeordneten Graf Oppersdorfs und S e m l e r sind der Meinung, daß hier das Budgetrecht des Reichstags ver- letzt worden fei. Letzterer gibt dem Gedanken Ausdruck, daß die Regierung im vorliegenden Falle um Indemnität nachsuchen ioäe. Staatssekretär Krätke wendet sich entsetzt gegen diese Zu- imltung und betont nochmals, daß er das Recht gehabt habe, diesen Vertrag abzuschließen. Nach weiterer Debatte einigte sich die Kommission! auf einen Antrag Erzberger-Singer, wonach im Despositiv deS Etats vermerkt werden soll:„Verträge sind in geeigneter Weise dem Reichstag «Nd dem Bundesrat vor der Beschlustfassung mitzuteilen." Nächste Sitzung Freitag. Tagesordnung: Kiautschou. Die Kommission zur Beratung der GewrrbeordntrngSnivrlle beschäftigte sich in der Sitzung am Dienstag mit dem Kapitel ber Hausarbeit. Unsere Genossen beantragen erstens tz 13Sn zu fassen wie folgt:„Die Bestimmungen der§§ 139o bis 180y finden auf Heimarbeiter, Hausarbeiter und Hausgewerbe- treibende Anwendung. Im Sinne dieses Gesetzes sind: «0 Heimarbeiter diejenigen Personen, welche allein oder mit Familienanaehörigen in der eigene» Wohnung oder in fremder Arbeitsstätte(Platzarbeiter) im Luftrag und fiir Rechnung von Unternehmern oder HauSgelverbetreibenden gewerblich tätig sind, und zwar auch dann, wenn sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst be- schaffen." b) HauSarbeiter diejenigen Personen, welche im Auß trage und für Rechnung von Hausgewerbetreibenden in deren Wohnung oder Arbeitsstätte gewerblich tätig sind, und zwar auch dann, wenn sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen, 0) Hausgewerbetreibende diejenigen Personen, welche im Austrage und fiir Rechnung von Unternehmern oder vorüber gehend für eigene Rechnung in eigener oder fremder Wohnung oder Arbeitsstätte Hausarbeiter oder Heimarbeiter beschäftigen," Genoffe Molke nbuhr weist darauf hin, daß die Regierungs- Vorlage eine unbegründete Definition des Begriffs„Heimarbeiter" gibt. Unser Antrag will den Begriff„Heimarbeiter" loeiter ausdehnen, um nicht nur die Fainilieubetriebe. wie es die RegierungS- Vorlage will, sondern auch die Zwischenmeister zu erfassen. Ein NegierungSvertreter wendet sich gegen den Antrag/ der un- annehmbar sei. Genosse Schmidt- Berlin begründet den Antrag uuserer Genossen mit dem Hiniveis auf die Gesetzesvorschriften im Ausland. Die wirtschaftliche Besserstellung der Heimarbeiter ist durch eine Lohitfestsetzung am ersten zu erreichen, da die Arbeiter der Heim- arbeit für die Gciverkschaft sehr schwer zu erlangen sind. Ohne Gewerkschaft bleibt aber die Lohnfestsetzung der Willkür der Groß- kaufleute überlassen, die einen schweren Lohndruck auf die Heim- arbeiter ausüben. Abg. Hitze(Z.) hält die Schwierigkeiten der Definition für Heimarbeiter, wie sie der Antrag der Sozialdemokraten bezweckt, für sehr groß und wendet sich deshalb gegen diesen Antrag. Genosse S t a d t h a g e n kritisiert an der Hand einer Reihe Entscheidungen die Unsicherheit der Rechtslage, die eine zweckmäßige Umgrenzung des Begriffs„Heimarbeiter" verhindert. Vor allem soll festgestellt werden, daß Heimarbeiter Arbeiter im Sinne der Gewerbe- ordming sind. Damit würde die Rechtsstellung dieser Arbeiter klar- gestellt sein. Der Antrag unserer Genossen wird gegen deren Stimmen und die der Polen abgelehnt. Bei§ 130 p wird vom Zentrum beantragt, daß nicht nur der Bundesrat, wie es die Regierungsvorlage will, sondern auch die Polizeibehörde die Befugnis habe, das Aushängen von Lohntafeln zu verfügen. Unsere Parteigenoffen beantragen die allgemeine Ein- führung von Lohnbüchern für alle Heimarbeiter. Die Bestimmung soll, wie Molkenbuhr darlegt, dem Arbeiter die Sicherheit geben, eine Ueberstcht über den Lohn zu haben. Manz(freis.) wendet sich gegen den Antrag; Enders(freis.) will die Einführung der Lohnbücher allgemein nicht befürworten: für die Sonneberger Spielwareninduitrie sei die Einführung der Lohnbücher bei den vielen Mustem unmöglich, und auch Lohntafeln könnten nicht gefordert werden. Unsere Genossen ändern ihren Antrag dahin: „Unternehmer, welche Hausarbeiter der im§ 139q aufgeführten Art beschäftigen, haben jedem Hausarbeiter bei Uebergabe der Arbeit ein Lohnbuch oder Arbeitszettel zu übergeben. Auf dieses Lohnbuch und die Arbeitszettel finden dir Bestimmungen deS § 114a der Gewerbeordnung entsprechend Anwendung. Das Lohn- buch oder der Arbeitszettel bleibt in den Händen des Haus- arbeiters. Die Uebergabe von Lohnbüchern und Arbeitszetteln ist nicht erforderlich, wenn Tarifverträge über die Lohnhöhe vorliegen oder in den Räumen, wo die Hausarbeit ausgegeben wird, ausgehängte Lohntafeln die Höhe deS Lohnes klar ersichtlich machen." Bei der Abstimmung werden die drei ersten Sätze des Antrages unserer Parteigenossen angenommen, der Absatz 4— den unsere Genossen lediglich gestellt hatte», um einigen Ausstellungen der Gegner des Antrages entgegenzukommen, gegen den sie selbst aber sich erklärten— abgelehnt. Ferner wird der Antrag des Zentrums angenommen, daß auch die Polizeibehörde die Be- fugnis haben soll, die Aushängung der Lohntafeln für bestimmte Gewerbe ihres Bezirks zu verfügen. Zur Debatte steht hierauf der§ 139g, der den Polizeibehörden die Befugnis gibt, wenn Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter vorliegen, eine Reihe von Maßnahmen zum Schutze der Arbeiter zu treffen. Abg. Hitze(Z.) will die Befugnis der Polizei- behörde allgemein erteilen, ohne daß die Voraussetzung vorliegt, daß für die beschäftigten Heimarbeiter eine„Gefährdung von Leben und Gesundheit" vorliegt. Ein dahingehender Antrag deS Zentrums wird angenommen. Die Kommission vertagt sich dann auf un- bestimmte Zeit._ Die Arbeitskammerkommission deS Reichstages führte am Mittwoch in zweiter Lesung die Beratung über die ßZ 1 bis 8 der Vorlage zu Ende. Ein sozialdemokratischer Antrag zum Z 1, der die Möglichkeit schaffen wollte, in besonderen Fällen die Errichtung einer Arbeitskammer auch für verschiedene Gewerbe- zweige anzuordnen, wurde abgelehnt. Die§§ 1 und 2 wurden nach den Beschlüssen erster Lesung angenommen. Beim§ 3 versuchten Konservative und ReichSparteiler, die durch die sozialdemokratischen Anträge aufgenommene Bestimmung, daß die Kammern beim Abschluß von Tarifverträgen mitwirken können und die Er- richtung von paritätischen Arbeitsnachweisen fördern sollen, ab- zuschwächen bczw. zu beseitigen; alle dahinzielenden Anträge wurden aber abgelehnt und der Wortlaut deS§ 3 nach den Be- schlüssen der ersten Lesung beibehalten. Ohne nennenswerte Debatte wurden dann die 8Z 4 und 6 der Vorlage angenommen. Beim§ 7 gelang es den Rechtsparteien, zu denen sich auch der Abg. Goller von den Freisinnigen gesellte, den Absatz zu streichen, der als Arbeit- nehmer im Sinne des Gesetzes die Arbeiter in den Eisenbahnwerk« stätten bezeichnet. Die Betriebsbeamten, Techniker und Werkmeister einerseits und die Handlungsgehilfen andererseits bleiben vom Gesetz ausgenommen. Die Kommission glaubte die Angehörigen dieser Berufs- zweige mit Resolutionen trösten zu sollen, die die Regierung auf- fordern, für siebesondereKammern zu errichten. Die sozialdemokratischen Vertreter hatte» beantragt, für die kaufmännischen, technischen und Bureauangcstellten besondere Abteilungen in der allgemeinen Kammer zu errichten, um schon heute den Angestellten eine gesetzliche Ver- tretung zu sichern. Der Antrag wurde indes von der Mehrheit der Kommlssion abgelehnt, ebenso ein weiterer Antrag zum§ 8. der den Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein Initiativrecht zur Errichtung einer Kammer geben sollte. Di« nächste Sitzung soll am Sonnabend stattfinden. Man denkt in dieser Sitzung die zweite Lesung beenden zu können. Em Induftm und ftandel. Ein Montanricse. Im Jahre 1873 wurde in Berlin ein Unternehmen gegründet, das sich als Aufgabe stellte, eigen« und fremde Bergwerke auszu- beuten. Es erhielt den Namen Gelsenkirchner Bergw-rkSaktien- gefellfchaft. Mit seinem ersten Besitzstand, der die Zechen Rhein- Elbe und Alma mit 761 Hekiaren Berechtsame umfaßte, gehörte daS Unternehmen schon damals zu den größten unter seinen Ge- schwistcrn. Bald entwickelte es sich zu einem Niesen, dessen Körper- umfang und Stärke gewaltig zunahm; es reckte und streckte sich zu einem Giganten inmitten der Großen. Die nachfolgenden Angaben und Zahlen lassen das erkennen. Aus dem Kranze der Zechen, die das Unternehmen vor und nach in sein Eigentum brachte, wurden folgende Mengen der schwarzen Diamanten zu Tage gefördert: 1873: 362 707 Tonnen. 1880: 744 926 Tonnen., 1856: 1216 973 Tonnen, 1590: 1766 916 Tonnen, 1896: 2 947 653 Tonnen. Von dann an vollzog die Fördersteigerung sich absolut in noch gewal- tigerem Umfange, Im Lahre 1900 wurdet, bereits b 469 828 Tonneii geforberk. Fünf Jahre später ivar die FZrderkeistuNg auf 6 499 030 Tonnen gestiegen und erreichte 1908 ein Ouan- tum von über 8)4 Millionen Tonnen. Mithin ist die Förderung auf den zur Gelsenkirchencr Bergwerksgesellschaft gehörenden Zechen, wozu u. a. gehören: Stein und Hardenberg, Bonifazius, Erin, Hansa, Monopol, Zollern, Westhausen, Hamburg, Franziska und Pluto, seit 1873 um 2 2 4 0 Proz. gewachsen. Der Felderbesitz hat von 716 Hektaren auf 28 716 Hektaren zugenommen. Während im Jahre 1873 von einer Koksproduktion bei der Gelsenkirchner Gesellschaft noch keine Rede sein konnte, brachten ihre Anlagen im Jahre 1908 von diesem hochwichtigen Erzeugnis ca. 2Vs Mill. Tonnen hervor. Bei der Gründung des Unternehmens wurde daS Aktien- kapital auf 13)4 Mill. Mark festgesetzt. 1907 betrug das nominelle Aktienkapital 130000000 M. Außerdem waren noch 60 Mi!- lionen Mark Hypothekengelder investirt. Die Zahl der beschäf- tigten Arbeitskräfte wuchs in folgender Weise: Im Januar 1873 waren auf den beiden Zechen der Gesellschaft Rhein-Elbe und Alma 980 Mann beschäftigt; im Dezember desselben Jahres erreichte die Belegschaft eine Stärke von 1680 Mann. Im Jahre 1881 war die Zahl nur wenig höher, nämlich 1879. Tann wuchs die Beleg- schaft schneller. 1834 war sie bereits 3660 Mann stark, schnellte bis 1894 auf 9693 Mann hinauf; im Jahre 1900 war die Zahl der Tributpflichtigen der Gesellschaft schon auf 19 116 gestiegen.� Immer größer wurde der Kreis. 1904 zählte er bereits 24 096 Köpfe und schwoll bis 1907 auf die Schar von 4 1 6 4 1 Personen an. Bis zum Jahre 1904 beschränkte sich die Gelsenkirchencr Gesellschaft auf den Kohlenbergbau. Um wenigstens für einen Teil ihres riesigen Förderquantums, speziell für die erzeugten Koksmengen, einen stets sicheren Abnehmer zu haben, fusionierte sich die Gelsen- kirchner Bergwerks-Gesellschast im genannten Jahre mit dem Schalker Gruben- und Hüttenverein und dem Aachener Hütten- verein. Seit 1907 wurden die beiden Unternehmen mit auf Rech- nung der Gelsenkirchnerin geführt. Damit ist der Ausdehnungs- drang aber noch nicht befriedigt. Jetzt hat man eine neue Kapitals- erhöhung beschlossen; es sollen nominell 26 Mill. M. neuer Aktien ausgegeben und 20 Mill. M. Obligationen begeben werden, um damit in Esch und Deutsch-Oth weitere große Hochofen- und Stahl- Werksanlagen zu errichten. Auch will man die KokSerzeugung auf zirka 3 Millionen Tonnen steigern, und die Betriebe in Rothe Erde und Eschweiler zur Herstellung weiter ver» arbeiteter Erzeugnisse an Stelle von Halbzeug und groben Walzwaren ausbauen. In den bisherigen Hüttenwerken der Ge» sellschaft wurden im Jahre 190? bereits zirka 900000 Tonnen Roh- eisen gewonnen, 130 000 Tonnen Gußwaren hergestellt, und 476 634 Tonnen Rohstahl produziert. Die zugehörigen Elsenerzgruben förderten 1)4 Mill. Tonnen Erze. Jetzt soll dieser Zweig der indu- striellen Tätigkeit noch erheblich erweitert werden. Stellen wir einige Hauptzahlen aus dem GründungSjahr der Gesellschaft und die jetzt in Betracht kommenden in Vergleich, bann ergibt sich fol- gendes Btld: 1878 Mill. M. 13'/, Rom. Aktienkapital Hypotheken... Kohlenförderung. Koksproduktion. Rohstahlerzeugung Arbeiterzahl.. Tonnen 362 707 1580 190? 156 70 ca. 9 000 000 „ 3 000 000 „ 1000000 60 000 Die bisher erreichte Förderung der Zechen der Gelsenkirchner BergwerkS-Gesellschaft macht fast ein Neuntel der im ganzen Ober- bergamtsbezirk Dortmund zu Tage gebrachten Kohlenmcngen aus, und die in Aussicht genommene Koksproduktion stellt mindestens ein Sechstel des rn ganz Deutschland erzeugten Quantums dar. Das Unternehmen, das seinen Aktionären seit dem Jahre 1873 zirka 150000000 M. Dividenden einbrachte, nimmt unter den Jndustrieriesen den zweiten Platz ein, es folgt nach der Aktien- gesellschaft Krupp, deren Kapital— Aktienkapital und Hypotheken— das der Gelsenkirchner Gesellschaft noch um zirka 40 Mill. Mark übersteigt. Hinter Gelsenkirchen rangiert der Phönix mit zusammen 136 Millionen Mark Kapital— darunter nominell 100 Millionen Mark Aktienkapital. Die drei Gesellschaften haben zu- sammen nominell 436 Mill. M. Aktienkapital investiert und dazu rund 190 Mill. M. Hypothekengelder. Die Gesamtzahl der beschäf- tigten Arbeiter stellt sich auf zirka 160 000. Hier ballt sich eine ungeheure wirtschaftliche und soziale Macht zusammen, die in den Händen einzelner Persönlichkeiten ruht. ES ist eine überzeugende Demonstration für die Richtigkeit der Lcbrc von der industriellen Konzentration, Kündigungen im Statistischen Landesamt. Im„Königl. Preußischen Statistischen LandeSamt" ist zirka 170 Beamten zum 1. April gekündigt worden. Wenn schon im all- gemeinen solche Massenkündigungen zu bedauern sind, dann ganz besonders in solchen Fällen wie dem vorliegenden. Gerade Staats- behörden sollten sehr vorsichtig darin sein, in Zeiten allgemeiner großer BeschäftigungSlosigkeit noch dazu beizutragen, das Heer der Arbeitslosen zu vergrößern. DaS um so mehr, wenn keine sachlich zwingende Gründe zu der Maßnahme vorliegen. Solche können hier ganz entschieden bestritten werden. Vorläufig ist noch so viel Arbeit vorhanden, daß die Herren— bis zu ziemlich hohen Stellen hinauf— immer noch große Quantitäten Arbeit mit nach Hause nehmen, die sie teilweise unter Zuhilfenahme von Familienangehö- rigen fertigstellen. Und was bei dieser Heimarbeit unangenehm berühren kann, ist ein eigenartiger Zufall, der mit seltener Regel- Mäßigkeit sich wiederholt. Die Bearbeitung von Zählkarten wird nach Kreisen vergeben, die Bezahlung richtet sich nach der jeweiligen Kopfzahl der Gezählten. Wer einen Kreis mit 5000 Personen schnappt, bekommt dafür doppelt soviel, als dem gezahlt wird, der einen Kreis erwischt, der nur 2600 Einwohner zählt. Der größere Kreis verursacht aber nur wenig Arbeit mehr als der kleinere. Nun sollen besonders die Herren Sekretäre insofern vom Glück verfolgt sein, als sie meist große und die allergrößten Kreise als Heimarbeit erhalten. ES soll gar nicht selten sein, daß die beffer bezahlten Be- amten auf solche Weise im Monat noch 1000 M.— Nebenverdienst erzielen. Die eingestellten Hilfsarbeiter, die nur 4 M. Tagelohn bekommen, haben wohl nicht solches Glück mit der Heimarbeit. Und nun ist die Mehrzahl von ihnen gekündigt— obwohl höhere Beamte immer noch Nebenverdienst machen können. Das sind Zu- stände, mit denen die vorgesetzte Behörde sich zu beschäftigen schleu- nigst Veranlassung nehmen sollte. Industriebahnen. Die Bocholter Fabrikanten verhandelten in der letzten Zeit wiederholt über ein Jndustriebahnprojekt. Die im Umkreise der Stadt belegenen Fabriken sollen durch eine Ringbahn verbunden und ihnen direkter Anschluß an die Staats- bahn verschafft werden. Mit dem Bau der Kleinbahn Bocholt- Balten, die in erster Linie zu dem Zwecke errichtet werden soll, der Bocholter Textilindustrie holländisch« Arbeitskräste zuzuführen, soll im April begonnen werden. Die einheimische Arbeiterschaft ist von der Ausführung dieses Bahnprojektes nicht erbaut, sie be- fürchtet davon eine Verschärfung des Lohndruckes durch holländische Arbeiter. In der Textilindustrie des Bezirks hält die vor' etwa einem Vierteljahr begonnene Aufwärtsbewegung noch an. Zur» zeit sind die meisten Fabriken in normaler Weise beschäftigt. Verband der Maler, Sackisrer, Unsfreiclter Mtlchiorpraße 28. Filiale Zsrlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnersiag. den 25. März, abends 8V2 Uhr, in Dräsels Festsalen, Neue Friedrichstr. 35: ■Versammlung TageS- Ordnung: l. Bericht von der Generalversammlung in Köln. 2. Diskussion. 3. Verbands- epgilcgenhcitcn.— H®"* Es ist Pflicht eines jeden Verbandsmitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitglicdsbuc», legitimiert. 12S/10' Die Ortsvertvaltung. Zweigverein Berlin. Freitag, den 26. März, abends 8 Uhr, im Saal 4 des GewerkschaftshanseS, Engelufer 13: Generalversammlung aller zum Zweigverein gehörenden Sektionen, Zahlstellen u. Bezirke. TageS-Ordnung: 136/16* 1. Geschäfts- und Kassenbericht für das Jahr 1908. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Revisoren der Zweigvereinskasse. 4. Verschiedenes. Nitglisösduod logitimlort, otino lisssslbo kein Quirin. Der ZweigvereinSvorstand Deutscher Ketallardeiter- Verband. ---------------- Verwaltungsstelle Berlin.------------- Arbeitsnachweis: Hos I. Amt III, 1239. CharitSstrasse S. Hauptbureau: Hos lll. Amt IN. 1987 Heute, Donnerstag, den A3. März, abends 8 Uhr: Ulgemeille Klempner-Versammlung in der Brauerei Friedrichshain, am Königstor. TageS-Ordnung: KttiihtttstM«!! über ditNerhiHidliiiigeii vir demEiiligiiilzsiii»!. Kollegen! Die Verhandlungen vor dem EinigungSamt machen es plötzlich notwendig, diese Ber- sammlung einzuberufen. Die Frage der Akkordarbeit wird von den Arbeitgebern als die bedeutendste *—™— m—..—........... seine 114/1 Keiner darf fehlen! Die Ortsverwaltung. Donnerstag, den 23. März, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstraße 131/152: Oeffentliclie Versammlüng der Maurer. Vortrag des Kollegen Otto Lehmann über:„ZZie gegenwärtige Situation im Sangewerbe und unsere nächsten Aufgaben", w _ Das Erscheinen aller Kollegen erwartet__ Per Elnbernfer._ An die arbeitende Jugend! Sonntag, den 26. März 1909, abends 6V3 Uhr, veranstaltet der Berliner Jugendausschuß aus Anlaß der Schulentlassung, in den Prachtsälen Nord» West,(Moabit), Wiclefstr. 24 eine 283/3» Gr. Jugendfeier. Mitwirkendet Männerchor Liederlust II(M. d. A.-S.-B.), Herr Richard (Rezitation), Ann! Bremer(Gesang), Leo Kerstenberg(Klavier). ÜSp" Beigentanz.-MW 1 Festrede gehalten von Heinrich Schulz.——— Eintritt frei t Garderobe 10 Pf. � DM- Massenbesuch erwartet 6> I• so I I I -> ♦ ♦ B Der JTugendansselmß für roß-Merl in. Bekanntinachnng. Am 25. März 1909 wird die Be. triebS- Krankenkasse der Stadt Berlin nach Alcxauderstr. 09/40, Mexanderplatzpassage, I. Hos, rechts I. Ausgang, 2 Treppen, verlegt. Wegen dieses Umzuges bleibt die Kasse am 25. und 26. März 1909 geschlossen. 271/9 Berlin, den 16. März 1909. Per'Vorstand der Betriebs-Kraiikenkasse der Stadtgemeinde Berlin. _ gez.: v. S chulz._ JMu kanfen Sie am billigsten direkt in der Fabrik Stallsctireiber- .! v O � llf Straße 57 am Moriteplatz, Hof Fabrikgeb. R.Harnack, Tischlermeister. Teiizaiilung. �Hygienische ■■wmar Beaulsartlüei. N.u.at.Katalog Bk Emptehl.Tiel. Aerzte u.Prol grat. a4> H. Cnser. flumn�wiienfatra Berlin ttw~ Friedrichstraas« 91/92 Verwaltnngestelle Berlin II. Mitglieder aller Kranchen! Freitag, den 20. März, abends S'/z Uhr: AuBerordentl. Generalversammlung in Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 98/97. TageS. Ordnung: K. Der bevorstevende Vcrbandstag in München: a) Beratung und Beschlutzsassung eingegangener Anträge zu demselben; b) Bor. schläge von Kandidaten zur Delegiertenwahl zum Verbandstage. L. Geschäftliches. Kollegen und Kolleginnen I Wir erwarten, daß Ihr fleißig für guten Besuch der Versammlung agitiert und all« voltziihlig erscheint. Zutritt Ist«ur gegen Vorzeigung deS Verbaudsbuches gestattet. Wer mit seineu Beiträgen über 10 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. Die Terwaltnng II. 3.21.: Alb ert Utheh. Zentralverband der Lederarbeiter. ■ Filiale I Berlin.■ Freitag, den ii0. März, abends 8 Uhr: Extra- Versammlung im Lokale des Herrn Franke, Badstr. 19. TageS-Ordnung: t Fortsetzung der Diskussion über die obligatorische Einführung des Beitrages zur Lokalkasse. 114/5 8. Berbandsangelegenhetten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Borstand. Dmn-Sloff-Kezle Herrenanzügen spottbiliig, sewste brilaie, Kammgarne. 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Die in ber Erklärung der geschäftssührenden Kommission der freien ein» geschriebenen HilfSkasfen ausgestellt- Behauptung, es seien in den Vororten ansässige Aerzte aus dem Verein der Berliner HilsSkassenärzte ausgetreten, weil der Vereinzbeitrag höher gewesen sei, als ihr jährliches Honorar,«nt- spricht nicht den Tatsachen. 1. Hat der Verein in den beiden letzten Jahren überhaupt keinen Beitrag mehr erhoben, L. ist während der VcttragSdauer ew Austritt aus dem Verein nie erfolgt und auch unmöglich. Unsere Behauptung, daß die geschSstSsllhrende Kommission der freien Hllsskassen die ärzliche Organisation habe vernichten wolle», stützt sich außerdem aus solgende Tatsachen: 1. Die Kommission hat mit Ignorierung deS AerztevorstandeS und entgegen einer diesbezüglichen konttaltlichen Verpflichtung neue Verträge ausgefertigt und neue Aerzte anzustellen versucht, 2. den neuen Vorträgen ein« dreijährige Dauer gegeben, während die noch bestehenden Verträge der organisierten Aerzte nur aus ein Jahr abgeschlossen sind. 5722 Der Vorstand des Vereins der Keriiner Mskassenarzte. Erklärung. Wir halten unsere in der vorgestrigen Nummer gegebene Erklärung voll ausrecht. Wenn ber Verein keinen Beitrag mehr erhoben hat, dann kann auch von einer Vernichtung der Organisation keine Rede sein, weil eine solche dann nicht mehr existiert. Die Kründe für die Behauptung der Vernichtung der Organisation zu 1 und 2 sind so nichtssagender Art, daß wir es uns versagen können, daraus zu reagieren. Die gtslhastsfiihrtndt Komuiisstoll der freien Mskaffea. I. 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Stelleasiizebote. Zinkabzteher verlangt Oskar Berndt, Stephanstraße 60.+59* Tuthtiae Goldleislenfabr »arbigmacher verlangt risi Reichcnbergerstt. 88. Werkmeister, tüchtigen, geübt aus kleine Apparate, Mechaniker bevor- zugt, verlangt Autogen, Tredbiner- straße 9.__ 290/9 Zeitungsfrane« verlangt Kronen- straße 65. 1649b Geübte Schürzen-Näherin verlangt Hinz, Liebenivaldersttahe 43, II. Ouer- gebaude.+85 Im Arbcitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Tiivbtl«« und Barockvcrgoldcr Farbigniachep golder werden noch eingestellt. Verheirateten werde» Umzugskosten teilweise vergütet. A. Rechtonbach Stendal. Lerantwortlicher Ncdakteur: Hans Weber, Berlin. Für denJnseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer äs 2ou Berlin SW. Hr. 71. 26. Jahrgang. 2. KkilM Des JotMils" Ctrliiift JollisUntt, Oerband fczlaldemokratifcber Aahl vereine Berlins und Umgegend. Generalversammlung des Verbandes am Sonntag, den 28. März, mittags 12 Uhr, in den Germania- Pracht fälen, Chausseestraße 110. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Vorstandswahlen. 3. Anträge auf Statutenänderung. 4. Beratung und Beschlußfassung über andere Anträge. b. Partei- und Verbandsangelcgenheiten. Die Abänderungen zum Verbandsstatut, welche durch die Generalversammlung vom 23. August vorigen Jahres angenommen wurden, sind vom Zentralvorstand im Wortlaut fest- gestellt und unterliegen nunmehr der formalen Beschlußfassung der Verbands-Generalversammlung. Wir lassen nur die Paragraphen folgen, welche abgeändert wurden und bemerken, daß diese Aenderungen zum größten Teil durch den Zutritt der weiblichen Mitglieder zur Organisation bedingt sind. a) Zum BerbandSstatut. 8 3. Mit der Leitung des Verbandes wird ein aus 53 Mitgliedern bestehender Verbandsvorstand betraut, der alljährlich zu wählen ist. Den 1. Vorsitzenden, 1. Schriftführer und 1. Kassierer sowie die b Vertreterinnen der Frauen in die Kommissionen wählt die General- Versammlung, die anderen 4S Mitglieder des Verbandsvorstandes werden von den Kreiswahlvereinen prozentual ihrer Mitgliedcrzahl gewählt. Jeder KreiSwahlverein muß aber durch mindestens 4 Mit glieder im Zentralvorfiande vertreten sein. Zu den Aufgaben des BcrbandSvorstandes gehören: aj Beschlußfassung über die Führung der laufende» Geschäfte. b) Festsetzung der auf jeden Kreis entfallenden Anzahl der Vcrbandsvorstandsmitglieder und der Delegierten zu den Generalversammlungen nach Maßgabe des Z 12 Abs. 1. o) Einberufung der Generalversammlungen und Festsetzung der provisorischen Tagesordnung. 6) Entscheidung über Boykotts, nachdem die acht Wahlkreise dar- über beraten haben. e) Beschlußfassung über die zur Agitation in der Provinz Branden- bürg zu bewilligenden Gelder. y Beschlußfassung über gemeinsame Agitation für die Organi- sation oder die Presse und Bewilligung der hierzu notwendigen Gelder. g) Wahl der zur Ergänzung der einzelnen Kommissionen not- wendigen Mitglieder aus seiner Mitte. h) Verhandlungen mit anderen Körperschaften der Arbeiter- bewegnng. Die Beschlüsse deS Verbandsvorstandes sind bindend für die acht Wahlvereine. 8 6. Der Aktionsausschuß besteht anL 21 Mitgliedern: dem 1. und 2. Vorsitzenden, 1.„ 2. Schriftführer, 1.„ 2. Kassierer. 8 Beisitzern, 2 Vertreterinnen der Frauen, je einem Vertreter der Preß-, AgitationS- und Lokalkommission, der Revisoren und der Kommission der Stadtverordnete» resp. Geoieindcvcrtretcr. Zu den Obliegenheiten des Aktionsausschusses gehören: a) Die Leitung der laufenden Geschäfte, soweit sie nicht der Beschlußfassung des Verbandsvorstandes resp. der General- Versammlung unterstehen. b) Entgegennahme der Berichte der Preß-, AgitationS- und Lokalkommisston. Jeder Kommission steht gegen einen sie betreffenden Beschluß deS Aktionsausschusses die Berufung an den Verbandsvorstand zu. 8 12. Halbjährlich findet mindestens eine Generalversammlung siath zu welcher jeder Kreiswahwerein prozentual seiner Mitgliedeczahl Delegierte zu entsenden hat. Maßgebend für die Delegation ist die Mitglicderzahl, welche sich aus den im vorhergehenden Jahre ein- gegangenen Mitglicderbeiträgen ergibt. Auf je 1 Mitglieder ist ein Delegierter zu wählen. Die Zahl der Delegierten jeden KreiseS muß mindestens 10 betragen. Sitz und Stimme haben in der Generalversammlung außer den Delegierten: die Mitglieder deS Verbandsvorstandes, die Ne- tsssoren. der Partcivorstand, die Reichstags- und Landtags- abgeordneten resp. Kandidaten der Kreise Groß-Berlins, eine Bcr- tretung der Redaktion deS„Vorwärts", 5 Vertreter der Berliner Stadtverordneten, 3 Gcincindcvertrcter resp. Stadtverordnete von Tcltow-Bceskow-Storkow-Charlottenburg und 3 Gemeindevertrcter resp. Stadtverordnete von Nicder-Barnim. Außerordentliche Generalversammlungen können einberufen werden durch Beschluß des Verbandsvorstandes oder auf Antrag von drei Kreiölvahlvcreinen. In diesem Falle können die im Statut vor- -•------- Einberufung oder Veröffentlichung gesehenen Zeitbestimmungen für außer Kraft treten. Die Tagesordnung der Generalversammlungen und die Anträge zu denselben müssen vorher im„Mitteilungsblatt" und im.Vor- wärtS" veröffentlicht werden. 8 13. Zu den Aufgaben der Generalversammlung gehören: aj Entgegennahme der Berichte deS Verbandsvorstandes und der Revisoren.. b) Beschlußfassung über die der Generalversammlung überwiesenen Verwaltungsaiigelegenheiten. c) Beschlußfassung über Parteifragen und gemeinsame Agitation. 6) Wahl des 1. Vorsitzenden. deS 1. Kassierers, des 1. Schrift- fiibrers und der ö Revisoren. o) Bestätigung der von den Kreiswahlvereinen vorgeschlagenen Verbandsvorstandsmitglieder. lSiehe§ 3 Abs. 2.) k) Anstellung und Festsetzung der Anstellungsvcrhälwisse von Verbandsvorstandsmit�liedern. g) Wahl der 5 Vertreterinnen der Frimen lhierz« kann icder Kreis 1 Frau vorschlagen.) Die gefaßien Beschlüsse der Generalversammlung sind bindend für die acht Kreiswahlvereine. 8 14. Die Parteigeschäfte in den einzelnen Kreisen werden von den Kreiswahlvereinen selbständig geregelt._, Jeder Kreiswahlverein ist in Bezirke einzuteilen. Die Art der Bezirkseinteilung ist den Wahlvereineii überlassen. Das in den Kreisivahlvercinen zu erhebende Eintrittsgeld be- trägt 20 Pf., der monatliche Beitrag für männliche Mitglieder 30 Pf., für weibliche 10 Pf. Jeder Parteigenosse hat sich der Organisation seines KreiseS an- zuschließen: dauernde Tätigkeit in einem anderen Kreise, einzeln oder gruppenweise, ist auf Antrag des betr. Kreiswahlvereins nur mit Ge- nehniigung des BerbandSvorstandiiS gestattet. 8 is. Mitgliedsbücher, Eintritts- oder Beitragsmarken sind für alle Kreiswahlvereine einheitlich. Für jede vom Verbandskassierer ent- nommene Beitrags- oder Eintrittsmarke sind von den Kreiswahl- oereinen je 10 Pf. zu entrichten. d) Zum Statut des Kreiswahlvercins. 8 Der monatliche Beitrag beträgt 30 Pf. für männliche und 10 Pf. für weibliche Mitglieder, das Eintrittsgeld 20 Pf., wofiir jedes neu- eintretende Mitglied die Broschüre«Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie" erhält. Mitglieder anderer sozialdemokratischer Vereine sind bei ihrem Uebcrtntt vom Eintrittsgeld befreit und wird ihnen ihre Mitglieds- zeit mit angerechnet. Ist ein Mitglied länger als vier Wochen krank oder arbeitslos, so kann es auf seinen Antrag vom Beitrag befreit werden, wenn es darüber den Nachweis führt. Für verloren gegangene Mitgliedsbücher sind 10 Pf. zu ent- richten. Der Vorstand ist berechtigt, bei besonderen Anlässen Extra- sammlungen unter den Mitgliedern zu veranstalten. 8 8- Halbjährlich findet eine Generalversammlung statt. In derselben gibt der Vorstand einen Siluationsbericht und der Kassierer den Kassenbericht. Dann ivird über Anträge der Mitglieder oder des Vorstandes beraten und beschlossen. Die Neuwahl des Vorstandes findet jährlich in der General- Versammlung nach Schluß des Geschäftsjahres statt. Dem Vorstände muß mindestens ei» weibliches Mitglied an- gehören, welches im Einvernehmen mit dem Gcsamtvorstande die Agitation unter dem weibliche» Proletariat zu betreiben hat. Bei besonderen Ereignissen kann der Vorstand eine anßerordent- liche Generalversammlung einberufen; ebenso muß er es auf Antrag von wenigstens einem Fünfzigstel der Mitglieder. 8 0- An jedem zweiten Mittwoch im Monat finden für die Mitglieder im Kreise Zahlabende statt. An einem bestimmten Tage im Monat findet zum Zweck der theoretischen und praktischen Ausbildung der weiblichen Mitglieder ein DiStuticrabcnd für Frauen statt. DiSknssionen und Beschluß- fassung über Vereins- oder Organisationsfragen sind auf diesen Abenden aber streng auszuscheiden. ?.u tz 7 des Krcisivahlvcreins-Statnts beantragen: ., o. Kreis und Teltow- Bceökow: Den monatlichen Beitrag der weiblichen Mitglieder des Wahlvereins von 10 Pf. auf 20 Pf. zu erhöhen. Zu 8 9. 4. Kreis: Die eingeführten Vortragsabende fiir Frauen sind einheitlich von der politischen Organisation zu veranstalten, und ist zu diesem Zweck der vierte Mittwoch im Monat festzusetzen. Andere Anträge. 2. Kreis: Krauken und arbeitslosen Mitgliedern, welche laut bestehenden Veschlnsses Anspruch auf unentgeltliche Lieferung des „Vorwärts" haben, das Blatt gegen Zahlung des Bringerlohnes ins Haus zlt liefern. 4. Kreis: Mitgliedern, arbeitslosen oder kranken, die auf Grund des Beschlusses den„Vorwärts" gratis erhalten, ist derselbe frei inS Haus zu liefern. Den Botenlohn hat der Wahlvcrein des KreiseS oder der Verband Groß-Bcrlin zu zahlen. 3. Kreis: Arbeitslosen, solveit es den jetzt gültigen Bestimmungen entspricht, den„Vorwärts" voll ständig gratis ins HauS zu liefern. 4. Kreis: Anstelle de? Monatsabonnements ist das Wochen- abonncment für den„Vorwärts" einzuführen. Teltow-Vccskom: Die Verbands-Generalversammlung wolle be- schließe», daß das Etablissement„Nene Welt", Hasenhcide 108—114, den Parteigenossen RixdorfS zur Maifeier und zwar schon von diesem Jahre ab zur Verfügung gestellt wird. »» • Die Delegierten-Karten sind allen Berechtigten zugegangen ebenso eine kleinere Anzahl Gastkarten den Kreisen. Für letztere Platz nur auf der Galeric. Eingang: Nur zweiter Hof links. Der Zentral-Borstand. Hus der Partei. Die Eutwickelung der Sozialdemokratie in Mecklenburg lernt man erst richtig kennen, seitdem das Bereinsgcsetz in Kraft ist und die Partei im Junkerlande sich nun ausbreiten kann. Dieser Tage sandelt zwei Kreiskonferenzen statt, eine fiir den vierten und eine für den fünften Wahlkreis.(Eine Konferenz für den dritten Kreis wird zu Ostern abgehalten.) Es wurde konstatiert, daß in den beiden Kreisen eine große Anzahl öffentliche Ver- sammlungen stattfanden. Im vierten Kreise betrug die Einnahme seit dem 15. Mai 1908 443,80 M., die Mitgliedcrzahl 373, darunter elf weibliche. Der fünfte Kreis, der jahrelang— bis 1908— durch Genossen Herzfeld im Reichstage vertreten war, hat seine Mitgliederzahl von 1800 auf 2331 gesteigert. Die Einnahme betrug hier 3418 M. Die„Arbeiter-Jugend" hat 100 Abonnenten. Die Abonnentenzahl der„Mecklenb. Volksztg." ist infolge der Arbeits- losigkeit teilweise zurückgegangen. Wichtige Beschlüsse wurden auf den Konferenzen nicht gefaßt; hauptsächlich beschäftigten sie sich mit Fragen der Organisation und Agitation. Unsere Toten. Einen schweren Verlust beklagt Dresdens Arbeitersängergesellschaft: 30 Jahre alt starb am 18. März Heinrich Riva, der vis zum Jahre 1904 den Arbeitersängerbund für Dresden und Umgegend geleitet hat. Riva war nicht nur als Dirigent, sondern auch als Komponist tätig: er schuf eine Anzahl Arbeiterlieder, die seinen Namen nicht so bald der Vergessenheit anheimfallen lassen werden. Die Einhcitsbestrebimgen der holländischen sozialdemokratischen Parteien. Amsterdam, 23. März. Die Unterhandlungen, welche Genosse HuhsmanS im Auftrage deS Internationalen Bureaus zur Wiedervereinigung der beiden Parteien führt, haben bis jetzt nur ein negatives Resultat ergeben. ohne daß sie indes als abgebrochen angesehen werden können. Namens der S. D. A. P.(der alten Partei) legte Huysmans der S. D. P.(der neuen Partei) eine Resolution vor, welche die Beschlüsse des Deventer Parteitages, sofortige Aushebung der„Tribüne" insbesondere an erster Stelle her- vorhebt. Als Entgegenkommen sollte der Oster-Parteitag der S. D. A. P. einen der drei„Tribüne"- Redakteure in die Redaktion deS neuen Wochenblattes voll„Het Boll" ernennen, jedoch auf der Grundlage der Parteiresolutionen und der Erklärungen, wie sie auf dem Deventer Parteitage— auch in betreff des Verhältnisses zur „Volk"-Nedaktion— abgegeben und in einer Versammlung des Partei- Vorstandes dcr S.D. A.P. vomLS. März er. bestätigt worden waren. Diese näheren Erklärungen beziehen sich auf ein Schreiben der Wochenblatt- Redalteure Frau Roland-Holst und Wibaut, die gegenüber einem nach dem Deventer Parteitage im„Het Volk" erschienenen und von der„Volk"-Nedakiion nicht bekämpften Artikel Troelstras ihre Auf- fassung betreffs Inhalt dessen Wochenblattes und dessetz Mitarbeiter hatten geglaubt festlegen zu müssen. In einem Begleitschreiben zur vorgeschlagene» Resolution„An die Mitglieder der S. D. P." per- stärkte Genosse HuySmans diese seinerseits dahin, daß auch die übrigen Redakteure der„Tribüne" und Genosse van der Goes als Mitarbeiter des neuen Wochenblattes auftreten sollten, dessen Ne- daktion volle Selbständigkeit zur Führung der �marxistischen Propa- ganda, zur Besprechung der Tagespolil, zur Behandlung und selbst Bekämpfung des Revisionismus habe. Der Parteivorstand der S. D. P. erklärte in einem Antlvort- schreiben an Huysmans die Resolution für unannehmbar, da in ihr als notwendige Grundlage zu einer Verschmelzung der beiden Parteien fehlten: i. Vereinigung auf dem Fuße der Gleichheit; 2. ausdrückliche Anerkennung des Rechts der freien Meinung»- äußerung; 3. Aufhebung der Deventer Beschlüsse d und o(die Forderung der Aufhebung der„Tribüne" und Ausschluß ihrer Redakteure). Ein eigen? zur Beratung der vorgelegten Resolution auf Sonntag zusammcnberufener Kongreß der S. D. P. hatte als Resultat die Annahme einer Resolution der Abteilung Rotterdam, und zwar mit 257 gegen 127 Stimmen bei 14 Enthaltungen. Diese zieht in Erwägung, daß beide Parteien ausdrücklich und öffentlich den Wunsch zur Verschmelzung aussprachen; daß mit solcher Aussprache feststcbe. daß die S. D. A. P. mit der Annahme der Punkte d und c zu Deventer einen Irrtum beging; daß die „Tribüne" nie das Programm der S. D. A. P. verletzte, sondern im Gegenteil dieses stets richtig propagierte und also die drei Redakteure als gute Sozialdemokraten nie aus einer sozialdemokratischen Partei hätten ausgeschlossen werden dürfen; daß die Freiheit der Meinungs« äußerung und der Kritik unverkürzt und unbehindert gehandhabt werden müssen; daß die Kritik über prinzipielle Meinungsäußerungen und hiermit übereinstimmenden Taten leitender Organe oder Lertranenspcrsoncn nie die persönliche Ehre von Personen antastet. Zum Schluß spricht die Resolution den Wunsch aus, daß in Holland eine sozialdemokratische Partei bestehe, ermächtigt den Parteivorstand zum Zwecke der Einheit zur Aufhebung der S. D. P., sobald 1. von der S. D. A. P. durch Urabstimmung die Aufhebung des Ausschluß- beschlusses der drei„Tribüne"-Nedakteure beschlossen worden ist; 2. von der S. D. A. P. in einer deutlich verfaßten Neso- solution die Freiheit jedes ihrer Mitglieder oder einer Gruppe von Mitgliedern anerkannt wird, öffentlich, in jeder Form, schriftlich und mündlich, die im Programm niedergelegten Prinzipien zu verkünden und Kritik zu üben, und sie trägt endlich dem Parteivorstande auf. die Unterhandlungen mit dem Jnter- nationalen Bureau nur dann fortzusetzen, wenn dieses bereit ist, solche Vorschläge zu formulieren und der S. D. A. P. anzubieten, die mit den Forderungen dieser Resolution übereinstimmen, um eine tvirlliche, auf reellen Grundlagen bnssicrte Fusion beider Parteien im Interesse der internationalen Sozialdemokratie ermöglichen zu können. Des weiteren beschloß der Kongreß, die Propaganda der neuei' Partei unverweilt in Angriff zu nehmen. Ein Parteitag der rutheaischen Sozialdemokratie fand in Lemberg statt. Anwesend waren 115 Delegierte, die 29 galizische Bezirke vertraten. An der Versammlung nahmen außer den beiden ruthcnischen sozialdemokratischen Abgeordneten W i t y k und O st a p c z u k auch in Vertretung der polnischen Partei die Abgeordneten DaszynSki, Hudee, Dr. D i a ni a n d sowie für die tschechische Sozialdemokratie und die Gesamtexekutive der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs Abgeordneter Dr. S o u k u p teil. Nach den Begrüßungsreden erstattete Genosse L e w i n s k y einen Bericht über die Tätigkeit der Parteileitung. Hierauf besprach Abgeordneter Ostapcznk die Tätigleit deS sozial-- demokratischen Verbandes. Abgeordneter Wityk beschäftigte sich in ausführlicher Weise mit den inncrpolitischen Verhältnissen und bs- tonte unter anderem, daß die Rnthencn auch ans nationalen Rück- sichten unbedingt aus die Aufrechterhaltimg der Arbeitsfähigkeit des Parlaments hinwirken müssen, da nur in! Zcntralparlamcnt für die Ruthenen etwas erreicht werden könne. In einer einstimniig an- genommenen Resolution protestierte der Parteitag gegen eine leicht- sinnige Heraufbeschwörung eines Krieges und verlangte, daß das Parlament die Tätigkeit Baron Aehrenthals auf das genaueste kontrolliere._ polizeiliches, SeilchtUches ulw. Rechtskräftig. In dem Aufruhrprozeß gegen Düvell und Stenzel ist die Freisprechung des Genössen Düvell jetzt rechtskräftig geworden; die Staatsanwaltschaft hat keine Revision gegen das Urteil eingelegt. Dagegen hat Stenzel, der zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, Revision angemeldet. Der beleidigte RcichsverbondSgeneral. Wegen angeblicher Beleidigung des Reichsverbandes, begangen in einer Notiz in Nr. 30 der„Leipziger Volkszeitung" vom 3. Februar d. I., verklagte der Reichsverbandshäuptling Liebert den verantwortlichen Redakteur der„Leipziger Volkszeitung", Genossen Bahrdt. DaS Schöffengericht in Leipzig fand in den Ausdrücken: „Der treffliche Vorsitzende der Reichslügenverbandes" und„die infame Handlungsweise" eine Beleidigung und verurteilte den Genossen Bahrdt zu 80 M. Strafe. In der Urteilsbegründimg sagte das Gericht, daß als Straf milderungsgr und die scharfe Handlungsweise des Reichsverbande« gegen die Sozialdemokratie in Frage ae- kommen sei._ Hus der frauenbewegung* Der wirtschaftliche Emanzipationskampf der Schauspielerinnen. Dem von der Bühncngenossenschast geführten Kampfe gegen die nn Bühnenverein organisierten Tljeatcrunternehmcr wollen nun- mehr auch die Schauspielerinnen beitreten. Unter der schranken- losen Ausbeutung, der der Schauspiclerstand völlig schutzlos preis- gegeben ist. leiden gerade die Frauen am tiefsten. Der neue Bühnen- vertrag der Theatcrdirektoreii. dessen aller Menschenwürde Hohn- sprchende Bestimmungen den öffentlichen Protest der Bühnenangehö- rigcn hervorriefen, enthält insbesondere gegen die Schauspielerinnen einige skandalöse Bestimmungen. Hier seien nur folgende wieder- gegeben: Heiratet ein weibliches Bühncnmitglied, so muß cS sich verpflichten, auf jede Bühnentätigkeit für die Dauer des Vertrages zu verzichten; für die Bühnenleitung ist der Vertrag ohne weiteres vom Tage der Eheschließung an kündbar. Einer verheirateten Solokünstlerin kann die Direktion von dem Tage an, da man ihr die Mutterschaft anmerkt, alle Bezüge vorenthalten. Uneheliche Mutterschaft aber gilt als Grund für sofortige Entlassung. So zeigen sich dieselben Theaterdircltoren als Hüter der Moral, die durch die niedrigen Gagen die Schauspielerinnen nicht selten geradezu zwingen, sich von reichen Liebhabern aushalten zu lassen. Die einseitig zum Nutzen der Unternehmer abgefaßten Ver- träge enthalten zudem die rigorosesten Bestimmungen über Zahlung von Strafgeldern für die geringfügigsten Versehen. Dazu kommen die ungeheuerlichsten Ansprüche, die von den Theater- Unternehmern an die Toilette der Schauspielerinnen gestellt werden. Die Direktoren berufen sich hierbei allerdings darauf, daß sie damit den Wünschen des Publikums nachkommen. Ist es dock eilte Tatsache, daß die Damen der Bourgeoisie oft nur, um dt« neuesten Moden am levenden Modell zn studieren, die THeaker de- suchen. Die kürzlich veröffentlichte Preisfrage der„Deutschen Theater-Zeitschrift":„Wenn eine junge Schauspielerin 12t) M. Gage im Monat erhält, von der ihr 75 M. für Strafen abgezogen werden, wie macht sie es, um schuldenfrei durchzukommen und sich doch in jedem Monat für zwei Premieren je drei elegante Toiletten im Durchschnittspreise von 250 M. anzuschaffen?" ironisiert treffend die unerträgliche Zwangslage, die der ArbeitgeberegoismuS der Bühnenkünstlerin aufnötigt. Aber jetzt wollen die Schauspielerinnen Front machen gegen die so lange geduldig ertragene Willkürherrschaft des Unternehmer- tums. Ein schönes Zeichen der Solidarität ist es, daß die glänzend honorierten berühmten Bühnenkünstlerinnen Berlins die Führung in dem Kampfe um die wirtschaftliche Besserstellung der darbenden Kolleginnen in der Provinz und der jungen Anfängerinnen über- nommen haben. Frau Hedwig Mangel vom Deutschen Theater hatte für Diens- tagnachmittag nach der Schauspielschule des Deutschen Theaters eine Versammlung einberufen, der Bühnenkünstlerinnen in großer Zahl beiwohnten. In ihrem Referat wies Frau Mangel darauf hin, wie notwendig eS sei. daß gerade die Frauen, denen beim Theater die schwersten Lasten auferlegt würden, sich aus ihrer Gleichgültigkeit aufrafften und verlangen, daß ihnen dieselben Rechte zugebilligt werden wie ihren männlichen Kollegen. Ganz besonders in der Kostümfrage. In bezug auf Maske und Kostüm haben Mann und Frau sich gleicherweise den Anordnungen der Direktion zu fügen, aber die Frau hat auch die 5iosten dafür zu tragen, während dem ohnehin wirtschaftlich besser gestellten Manne da? Kostüm geliefert wird. Die bei einigen Hostheatern gebräuch- liche Lieferung der historischen Kostüme an die Künstlerinnen genüge heute längst nicht mehr, Ivo die modernen Stücke den Spielplan der Theater beherrschen. Das Kostüm gehöre mit zur Ausstattung des Stückes, und es sei unerhört, von den Künstlerinnen zu ver- langen, daß sie dem Direktor die Stücke ausstatten, während sie vielleicht eine Gage von 120 M. erhalten. Am Hoftheater in Kassel erhalte eine erste Kraft 180 M. Monatsgehalt. Davon gehen 5 Proz. für den Agenten und 5 Proz. für die Pensionskasse ab, so daß mit 182 M. nicht nur der Lebensunterhalt, sondern auch der Toiletten- aufwand bestritten werden mutz, den das Auftreten in modernen Rollen erfordert. Wir müssen dahin kommen, sagen zu können: Unsere sauer erworbene Gage gehört unSI Sie reicht oft kaum auS. daß wir uns außerhalb des Berufs anständig kleiden können, zumal wenn wir noch Angehörige zu unterstützen haben. Die ewige Sorge um die moderne Garderobe, die im nächsten Jahre unmodern ist, muß von uns genommen werden. Wir sind auch unseres Lohnes wert und nicht dazu da, um die Herren Direktoren noch fetter zu machen. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist der Direktor ohnehin verpflichtet, alle zur Ausübung des Berufs nötigen Gegenstände zu liefern. Wir müssen auch for- dern, daß die sogenannten Respektstage, die der Sängerin und Tänzerin ohne weiteres allmonatlich zugestanden werden, auch für die Schauspielerinnen eingeführt werden, ohne daß ihnen, wie dies heute üblich ist, die Gage gekürzt wird. Die Rednerin schloß ihre mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit der Auf- forderung an die Kolleginnen, in Wort und Schrift für die eigenen Interessen einzutreten, um das Material, das die Oeffentlichkeit über die Schäden im Schauspielerberufe unterrichten solle, zu ver» mehren. Außerdem gelte es, Unterschriften für eine Petition an den Reichstag wegen Schaffung eines ReichS-Theater» gesetzes zu sammeln, zu dem auch die Frauen ihren Bau- stein liesern wollen. In der Diskussion, an der sich auch Frau Breitscheid und Dr. Osterrieth, Generalsekretär der Bühnengenossenschaft, beteiligten, versuchte Fräulein Adele Schreiber, die Bühnenkünstlerinnen für die Ziele der sogenannten fortschrittlichen Frauenbewegung zu ge- winnne. Sie verwies u. a. darauf, daß ein großer Teil der Direk. toren die Gagenfrage als etwas Nebensächliches behandele und unter mehr oder weniger deutlichem Hinweis darauf, daß der Marktwert einer Frau steige, indem sie sich auf der Bühne zeige, der Prosti- tution in die Hände arbeite. Es seien unwürdige Zustände, wenn für zweitägige Gastspiele in der Provinz 50 M. gezahlt würden, für Abendrollen, in denen fünfmal die Toilette gewechselt werden müsse. 10 M. Spielhonorar und wenn Monatsgagen von SS bis 120 M. häufig seien.—- Mögen die Bühnenkünstler und-künstlerinnen auf dem Wege, den sie beschritten haben, ausharren und gemeinsam am Ausbau ihrer jungen Organisation arbeiten. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichienherg-RnmmelSburg. Heute abend 8% Uhr findet ln den „Prachtsälen des Ostens" eine öffentliche Frauenversammlung statt. Bortrag:„Die Frau im politischen Kampf"', Referentin: Regina Friedländer. Leseabende. Versammlungen. Der sozialdemokratische Wahlverein de« 6. Berliner Reichs- tagswahlkreiseS hielt am Dienstag in den„Germaniaprachtsälen" eine zahlreich besuchte Generalversammlung ab, in der als erster Punkt die Wahl des ersten Vorsitzenden auf der Tagesordnung stand, die in der vorigen Generalversammlung vertagt worden war, weil gegen den von der Kreiskonferenz vorgeschlagenen Ge- Nossen Dobrohlaw Einwendungen erhoben wurden, die erst ge- prüft werden sollten. Inzwischen hatte die Schiedskommission die Angelegenheit gründlich untersucht. Wie zunächst der zweite Vm- sitzende Genosse Mar Richter kurz berichtete und im übrcgen auch der Schiedsspruch, den Genosse Trippel verlas, besagt, ist d,e Kommission zu der Ueberzeugung gekommen, daß Dö'- brohlaw in den Dingen, die ihm zum Vorwurf gemacht wurden, nur im Interesse der Partei seine Pflicht und Sclwldigkeit getan hat. AuS diesen Gründen schlugen auch die Kreiskonferenz und der Vorstand wiederum vor, den Genossen Dobrohlaw zum ersten Vorsitzenden zu wählen.— Diesem Bericht folgte eine lebhafte Debatte, in der die früheren Einwen- düngen von neuem erhoben wurden. Die Abstimmung ergab dann 511 Stimmen für, und 650 gegen den vorgeschlagenen Kandidaten. Die Frage der Kandidatur zum ersten Vorsitzenden wurde darauf nochmals der Bezirksführerkonferenz überwiesen. Sodann kam ein Antrag auf Entschädigung der Bezirksführer und Erhebung eines Extrabeitrages von vierteljährlich 10 Pf. zur Verhandlung. Genosse Theodor Fischer berichtete über diese Angelegenheit. Ein Antrag aus Entschädigung der BezirkSfühver für die Ausgaben, die ihre Tätigkeit mit sich bringt, war bereits im März 1903 gestellt worden, wurde aber damals abgelehnt.%I3 der Antrag von neuem kam, wurde zunächst eine Umfrage darüber veranstaltet, wie es in den anderen Wahlircisen gehandhabt wird. Tann überwies die Kreiskonferenz vom 8. Dezember den Antrag. verbunden mit dem Zusatz über Erhebung von Extrabciträgen zur Deckung der entstehenden Unkosten, den Zahlabenden. Für die Ent- schädigung sprachen sich 285 Bezirke auS, dagegen 48; für die Extra. beitrüge 148. dagegen 138; die übrigen Bezirke haben zu der einen cter anderen Frage keine Stellung genommen. Kreiskonferenz und Vorstand stellten nun an die Generalversammlung den Au- trag, eine Entschädigung von 50 Pf. pro Sitzung zu zahlen und zur Deckung der Unkosten einen Extrabeikrag von 10 Pf. vierteljährlich zu erheben. In seiner Begründung deS Antrages bemerkte der Redner, daß man darauf sehen müsse, die finanzielle Leistungs- fähigkeit des Wahlvereins für die Partei nicht zu schwächen und auS diesem Grunde die Erhebung deS Extrabeitrages beschließen solle.— Der Antrag wurde dann auch ohne längere Diskussion in beiden Teilen anaennmraea. Schließlich beschäftigte die Versammlung sich mit einem An- trage auf Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen den Genossen Paul Fiedler. Wie Genosse Trippel als Vertreter der Schiedskommission, die sich mit der Angelegenheit befaßt hatte, berichtete, war die Kommission einstimmig zu dem Antrage auf Ausschluß gekommen, nachdem Fiedler es ihr gegenüber nicht für nötig befunden hatte, sich zu verteidigen und unter Fluchen und Schimpfen die Sitzung verlassen habe. Vorstand und Kreis- kcnfcrenz schlössen sich dann dem Antrage an.— Genosse Fiedler verteidigte sich nun der Generalversammlung gegenüber in fast Il-b stündiger Rede, und zwar mit dem Erfolg, daß der Ausschluß- antrag abgelehnt wurde. Einige andere Anträge mußten der vorgeschrittenen Zeit wegen zurückgestellt werden. Die Dachdecker nahmen in ihrer letzten Mitgliederversamm. lung Stellung zur Maifeier. Görnitz legte der Versammlung eine Resolution des Vorstandes vor, welche lautet: „In Erwägung, daß es uns in diesem Jahre mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse in unserem Gewerbe nicht mög- lich ist, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern, be- schließt die heutige Versammlung: Die Begehung der Maifeier ist jedem einzelnen Kollegen nach seinem freien Ermessen zu überlassen." Görnitz gibt gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß die Kollegen dies Jahr sich etwas besser beteiligen, als es im ver- gangcnen Jahr der Fall war. Es hätten sich manche Werkstellcn, die sonst immer gefeiert hatten, ausgeschlossen. Die Resolution sei doch nicht so zu verstehen, daß einfach von einer Maifeier Ab- stand genommen werden solle, sondern es soll nicht gerade ver- langt werden, daß unter allen Umständen die Kollegen verpflichtet werden sollen, zu feiern, auch wenn sie gemaßregelt werden. W e i s k e meinte, von einer Bekämpfung dieser Resolution, wie es im vorigen Jahre sogar noch sehr energisch geschehen, könne man getrost absehen, babe es doch im vorigen Jahre nichts genutzt, wo doch die Konjunktur im Verhältnis zu jetzt noch eine viel bessere war. Clement äußerte sich dahin, es möchten entweder alle feiern oder gar keiner. Dem widersprachen deim doch einige Redner, wie'Görnitz, Althaus und Winskowski. Wenn man nicht alle heranziehen könne, brauchten doch nicht auch die übrigen zu verzichten. Die Resolution wurde schließlich gegen drei Stimmen angenommen. W e i s k e begründete einen Antrag des Vorstandes, dem angestellten Beamten die Kassengeschäfte mit zu übertragen. Wenn auch dadurch die Geschäfte des Vorsitzenden und des Kassierers in einer Hand sind, so sei es doch nötig, dies einzuführen. Der Kassierer sei gegenwärtig krank. Görnitz übt dessen Tätigkeit jetzt schon auS, wenn auch nur provisorisch. Die 200 M. jährlich, die der Kassierer bis jetzt für seine Tätigkeit er- halten hat, könnten gespart werden. In der Diskussion sprachen sich verschiedene Redner für den Antrag aus; andere sind entschieden dagegen. Der Beamte sei doch hauptsächlich der Agitation wegen angestellt. Das Statut lasse es doch gar nicht zu, dem Vorsitzenden die Kassengeschäfte mit zu übertragen. Beides in einer Person vereinigt, könnte zu unliebsamen Vorkommnissen führen. Wo bleibe da die Kontrolle, die doch anderenfalls durch'den Vor- sitzenden dem Kassierer gegenüber ausgeübt werde? W e i S k e suchte die Einwände der Gegner zu entkräften. Die Kontrolle sei doch dieselbe. ES seien außer den Revisoren zwei Bevollmächtigte, die die Quartalsabrechnungen zu unterzeichnen haben, der Vor- sitzende und der Schriftführer. Wenn nun an Stelle des ersten Vorsitzenden der zweite Vorsitzende gestellt wird, so ist die Lücke in diesem Falle ausgefüllt. Daß dieser Fall im Statut nicht gerade vorgesehen ist, spielt doch keine Rolle. Früher war auch keine Bestimmung darüber enthalten, daß eine Filiale einen Beamten anstellen kann; uns hat keine Instanz das Recht dazu abgesprochen. Der Antrag des Vorstandes wurde schließlich mit großer Majorität angenommen. A l t h a n s begründete dann eine Vorlage des Vor- standes, den durch die wirtschaftliche Krise am schwersten betroffenen Kollegen eine einmalige Unterstützung zu gewähren. Es sind zirka 225 Mitglieder von 550, die in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende dieser Woche 13 Wochen und darüber arbeitslos sind, verschiedene sogar noch länger als 26 Wochen. UeberdieS seien noch eine ganze Anzahl vorhanden, die nur bis zu 12 Wochen arbeitslos waren. Da wir nicht in der Lage sind, für alle etwas zu tun, da die Mittel nicht ausreichen, empfiehlt der Verstand der Versammlung folgenden Antrag:. „Den arbeitslosen Kollegen ist eine einmalige Unterstützung zu gewähren unter Berücksichtigung folgender Bestimmungen: 1. Die Gewährung der Unterstützung wird abhängig gemacht von einer 52wöchigcn Beitragszahlung(für Berlin); für Hilfs- arbeiter von einer 26wöchigen Beitragszahlung. 2. Die Unter- stützung soll erhalten, wer 13 Wochen vom 1. Oktober 1908 bis 28. März 1909 arbeitslos war. 3. Die Unterstützung ist jedem, gleichviel ob verheiratet oder ledig, zu gewähren. 4. Der Unter- stützungssatz beträgt 10 M.; für jede Woche über die 13. hinaus 0,50 M. mehr. 6. Die restierenden Beiträge sind von der Unter- stützung abzuziehen." Nach kurzer Debatte findet der Antrag einstimmige Annahme. Ein Antrag G r z e g o r z>:w sk i,„den arbeitslosen Kollegen, die nach außerhalb Arbeit erhalten, das Reisegeld als Darlehen zu gewähren", wurde dem Vorstand überwiesen. H ä n s e I forderte die Anwesenden auf, mehr Agitation unter den Hilfsarbeitern zu betreiben. Es sei sehr schwer, etwas zu erreichen. Es herrsche auch noch Uneinigkeit unter beiden Gruppen; das müsse aufhören. Mehrere Redner gehen auf die Verhältnisse, wie sie in einigen Werkstellen herrschen, ein. Ein Antrag W e i s k e:„In allen Werkstellen sind die Werkstellensitzungen von Dachdeckern und HilfS- arbeitern gemeinsam abzuhalten", wird gegen zwei Stimmen an» genommen. Die gesetzwidrige Arbeitsnachweisordnung der Schmrebeinnung. Seit über zwei Jahren liegt die Schmiedeinnung Berlins und der Vororte mit ihrem GesellenauSschuß und den Gesellen über» Haupt in erbittertem Kampfe wegen der Ordnung oder Unordnung auf dem Arbeitsnachweis in der Jnnungsherberge. Seinerzeit hatte die Innung, ohne den Gesellenausschuß zu hören, eine„Ar- beitSauSgabeordnung" aufgestellt, wonach die Arbeitsausgabe über» Haupt nicht an bestimmte Stunden gebunden war und Arbeits- kräfte auch an Nichtinnungsmitglieder vermittelt werden sollten. Der Gesellenausschuß erhob Protest bei der Gewerbedeputation und hatte damit auch Erfolg. Die Innung setzte dann die Ar- beitsausgabe auf die Stunden von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 6 bis 9 Uhr abends fest, jedoch so, daß sie auch Sonntags er- folgen und der Sprechmeister auch noch außer der festgesetzten Zeit das Recht haben sollte, einlaufende Arbeitsangebote zu vergeben. Der Sprechmeister ist der HerbergSwirt. und so bringt es die famose Arbeitsausgabeordnung mit sich, daß ein Geselle, der sich von früh bis spät, Sonntags und Wtags in der Herbergskneipe aufhält— wobei man ja nicht gut„trocken" dasitzen kann—. die meiste Aus- ficht hat. Arbeit zu erhalten. Der GesellenauSschuß. der aus Leuten besteht, denen das Wohl ihrer Kollegenschaft weit mehr am Herzen liegt als das des Herbergswirtes, verweigerte auch zu dieser Ar- beitSauSgabeordnung seine Zustimmung. Zu dsr Jnuungsver. sammlung, die sich mit der Sache befassen sollte, war der Gesellen- ausschuß wohl geladen, man erlaubte es aber nicht, daß die Ge- sellenvertreter ihre Meinung sagten, sie durften nur mit ja oder nein antworten; damit glaubten die Meister der GesetzeSvorschrist, daß der GesellenauSschuß in solchen Dingen gehört werden muß, Genüge getan zu haben. Man sagte und glaubte wohl auch tat- sächlich auf feiten der Meister, daß die Gesellenausschußmitglieder nur die Hetzer seien, die Gesellen selbst aber mit der meisterlichen Arbeitsnachweisordnung einverstanden wären. Darum berief die Innung auf den 13. März vorigen Jahres eine Jnnungsgesellcn- Versammlung ein, wo ein Jnnungsmeister über die Angelegenheit referierte. Die Nieister erlitten aber dabei eine gründliche Nieder- läge, denn die Versammlung lehnte einstimmig die Nachweisord- nung der Innung ab und sprach sich ebenso einstimmig dafür aus. daß eS genüge, wenn die ArbcitSauSgabe täglich einmal, vielleicht von 3 bis 5 Uhe stattfinde, daß Sonntags überhaupt keine Arbeit ausgegeben und auch die übrigen Mißstände beseitigt Verden sollten. Aber das alles hatte bei der Innung keinen Erfolg, der auch der Vorschlag des Gesellenausschusses, die Arbeitsausgabe auf die Zeit von 10 bis 12 und von 7 bis 9 Uhr festzusetzen, noch zu weitgehend war. Der Gesellenausschuß wandte sich abermals an die Gewerbe- dcputation und erhielt dann auch die Antwort, daß der Innung aufgegeben sei. die Arbeitsausgabe auf zwei Stunden zu be- schränken, sie für die Sonntage überhaupt abzuschaffen, und daß die Innung selbst ihrem Sprechmeister schon strengstens untersagt habe, an Nichttnnungsmitglieder Arbeitskräfte zu vermitteln. Ueberdies erschien am 26. Mai 1903 im„Vorwärts" eine Notiz, wonach die Gewcrbedeputation einen Antrag des Jnnungsoorstandes. den vom Gesellenausschuß abgelehnten Bestimmungen der Arbeitsausgabe- ordnung ihre Zustimmung zu geben, abgelehnt hatte. Aber die Gc- sellen warteten vergebens, daß die Innung sich nun endlich den An» Weisungen der Aufsichtsbehörde fügen werde, und hielten im Scp- tember von neuem eine Versammlung ab, durch die die Gewerbe- dcputation ersucht wurde, mit aller Strenge gegen die Verstöße der Innung vorzugehen. Merkwürdigerweise erwiderte die Gewerbe. deputation darauf, daß sie zu der Angelegenheit selbst noch nicht prinzipiell Stellung genommen habe, und daß in dieser Hinsicht die „Vorwärts"°Notiz vom 26. Mai irrtümlich sei. Auf eine Iveitere Anfrage des GesellenausschusseS, datiert vom 23. Dezember, hat die Auftichtsbehörde diesem noch keinen Bescheid zukommen lassen. Am 26. Februar 1909 fand nun eine Jnnungsmeisterver- sammlung statt, in der es auch dem GesellenauSschuß möglich wurde. seine Meinung über die Sache zu sagen. Hier verlas der Ober- meister einen an die Innung ergangenen Bescheid, der sich ganz mit der erwähnten„Vorwärts"-Nottz deckt. Die Aussichtsbehörde hat also tatsächlich anerkannt, daß der Gesellenausschuß im Rechte ist, ihn selbst jedoch davon noch nicht benachrichtigt. Trotz alledem hat die Innung sich noch nicht bereit gefunden, eine den An- Weisungen der Behörde entsprechende Nachweisordnung durchzu- führen. AuS diesem Grunde hatte der Gesellenausschuß am Montag eine Versammlung aller bei Jnuungsmeistcrn beschäftigten Gesellen einberufen, die den großen Saal von Wille in der Brunnenstraße füllte. Auch die Meister waren freundlichst eingeladen, aber von ihnen war keiner erschienen. Der Referent Schlinsky und der Altgeselle Köhler, die die Geschichte des Kampfes um die Ar- beitSauSgabeordnung ausführlich schilderten sowie verschiedene Dis- kussionsredner übten selbstverständlich scharfe Kritik an dem Ver- halten der Jnnungsmeister, die sich bei anderen Gelegenheiten gern als die festesten Staatsstützen aufspielen, hier in dieser Sache aber Recht und Gesetz mit Füßen treten und selbst alles tun, damit daS gedeihliche Verhältnis zwischen Meister und Gesellen, für das ja die Innung sorgen soll, auch nicht im geringsten Eingang finden kann. Es wurden auch aus allerneuester Zeit Beweise dafür an- geführt, daß der Sprechmeister in der Mulackstraße nach wie vor Arbeitskräfte an NichtinnungSmeister vermittelt, und ein Dis- kusswnSredner meinte, daß dagegen wohl nichts anderes zu tun übrig bleibe, als den Sprechmeister bei der Polizei anzuzeigen, da- mit der gewerbsmäßigen Arbeitsvermittelung, die ja in Schank- statten verboten ist, Einhalt getan werde.— Die Versammlung nahm schließlich einstimmig folgende Resolution an: Die Versammlung aller bei Jnnungsmeistern beschäftigter Schmiedegesellen nimmt Kenntnis von der Stellung der Innung zum Bescheid der Gewerbedeputation betreffs der Arbeitsaus- gabcordnung. Die Versammelten bedauern, daß, obwohl seit der Entscheidung der Gewerbedeputation bereits 10 Monate ver- strichen sind, die Innung es bis jetzt noch nicht für notig befunden hat. sich dieser Entscheidung zu fugen, und sind der Auffassung, daß die Innung auch im Ernst nicht daran denkt, dieS in Zu- kunft zu tun. Die Versammlung protesftert entschieden gegen eine derartige Verschleppungstaktik, die geeignet ist, die arbeits- losen Gesellen auf das schwerste zu schadigen und ersucht die Gewerbedeputation des Magistrats, die Innung zu beauftragen, eine sofortige Erledigung der Arbeitsausgabeordnung im Sinne der Entscheidung der Deputation vom Mai 1903 vorzunehmen. In einem zweiten Punkt der Tagesordnung beschäfttgte die Versammlung sich mit der Jnnungskrankenkasse, in der die Herren Meister, ebenso wie in der Innung selbst, ihre soziale VerständniSlosigkeit leuchten lassen und die Rechte der Gesellen mißachten. Es wurde hier, wie beim vorigen Punkte, ganz be- sonders betont, daß vor allem eine starke Organisafton im Ver- bände notwendig und imstande ist, mit all den Mißständen aufzu- räumen. Dies gilt auch hinsichtlich der Absicht der JnnungSmeister, die schlechte Wirtschaftslage dazu auszunutzen, statt der vertraglich bestehenden Litündiaen Arbeitszeit die alte Ivstülldige vieds ein- zufühxen, Gmebtö- Zeitung. Ein Prozeß gegen WahlrechtSdemonstrante» spielte sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht Spandau ab. An« geklagt waren drei Teilnehmer der Demonstrationsversammlungen, welche unsere Spandauer Genossen am Sonntag, den 31. Januar, abhielten. Die Angeklagten Hoffmann, Schubert und Wilde sollen den ß 116 des Strafgesetzbuches verletzt haben. Dieser Paragraph bedroht denjenigen mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M.. welcher bei einem Auflauf nach drei, maliger Aufforderung durch den zuständigen Beamten sich nicht ent, fernt hat. Welches waren die Vorgänge, die den Anlaß zu dieser wuch- tigen Anklage gaben? Vor dem Schöffengericht wurden sie fol- gendermaßen festgestellt: Am 31. Januar, nachmittags, fanden in Spandau mehrere Versammlungen statt, welche gegen daS preußische Dreiklassenwahlrecht demonstrierten. Die drei Angeklagten wohn. ten einer dieser Versammlungen bei, die in der Schönwalderstraße stattfand. Als die Versammlung zu Ende war und die Teilnehmer aus dem Lokal auf die Straße kamen, mutzte sich die Menge natür- lich erst ein Stück vorwärts bewegen, ehe sie an Seitenstraßen kam. durch welche sich die Einzelnen entfernen konnten. Der Polizei- kommissar Wangclin stand unter dem Eindruck, die Menge wolle nach dem Markt ziehen und dort mit den Besuchern der anderen Versammlungen zusammentreffen. Von diesem Eindruck beherrscht, sah der Polizeikommissar eine drohende Gefahr über Spandau heraufziehen, die er unter allen Umständen glaubte verhindern zu müssen. Er forderte die Menge, die sich auf dem Bürgersteige an einer Seite der Straße bewegte, dreimal hintereinander auf, aus- einanderzugehen. In der Aufregung, welche sich der Polizei in» folge der eingebildeten Gefahr bemächtigt hatte, scheinen die Be- amten recht unzweckmäßig gehandelt zu haben. Tie Polizei sperrte den Zugang nach der Altstadt und verlegte damit zugleich einem Teil der Bersammlungöbesuchcr den einzigen oder doch den nächste» Weg, auf dem sie ihre Wohnungen erreichen konnten. So ist der Angeklagte Hoffmann, als er nach Hause gehen wollte, von einem Polizeibeamten nach einer bestimmten Richtung gewiesen worden. Als er dann diese Richtung einschlagen wollte, trat ihm ein anderer Polizeibeamter entgegen und untersagte ihm, in die betreffende Straße einzubiegen. Nun wandte sich Hoffmann an den in der Nähe stehenden Polizeikommistar Wangelin mit der Frage: Was soll ich tun? Ich will nach Hause gehen, aber die Beamten lassen mich nicht durch.— Darauf ordnete der Kommissar HoffmannS Sistierung an. Hoffmann wurde zur Wache gebracht und nach Fest- stellung seiner Personalien wieder entlassen. Der zweite An- geklagte, Schubert, hat nur eine Aufforderung zum Auseinander- gehen gehört und hat darauf sogleich versucht, sich zu entfernen. Er war auch schon etwa zehn Schritte in der von der Polizei ge- wiesenen Richtung fortgegangen, als ihn der Kommissar Wangclin festnehmen und zur Wache führen ließ. Ein anderer Beamter hatte den Kommissar Wangelin darauf aufmerksam gemacht, daß Schubert zweiter Vorsitzender des sozialdemokratischen Wahlvereins fei. Das gab Kommissar Wangelin als Zeuge selbst an und durch den Zusammenhang, in dem er di-ese Angabe machte, konnte man Boljl zu der Ansicht kommen, daß Schubert bicHeicht nicht festgenom« mcn worden wäre, wenn er nicht Vorsitzender des WablvereinS ge- Wesen wäre. Auf eine spätere Frage des Angeklagten Schubert be- zeichnete Polizeikommissar Wangelin diese Annahme jedoch als un- zutreffend. Der dritte Angeklagte, Wilde» hat ebenfalls versucht, sich zu entfernen. Uebrigens bestreiten alle Angeklagten, eine drei- malige Aufforderung zum Auseinandergehen gehört zu haben.— Der Amtsanwalt beantragte, jeden der Angeklagten wegen Verletzung des Z US in eine Geldstrafe von 3l> Dt. zu nehmen. Der Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld beantragte Freisprechung der Angeklagten, weil nicht erwiesen fei, daß die aus der Versamm- lung kommenden Menschen die öffentliche Ordnung gestört und auch nicht festgestellt sei, daß auch nur einer der Angeklagten die dreimalige Ausforderung gehört habe. Das Gericht kam zu dem Urteil: der§ 116 könne hier nicht angewandt werden, weil nicht jede zufällig zusammengekommene Menge unter ihn falle, sondern nur eine solche, deren Anwesenheit auf der Straße die öffentliche Ordnung und Sicherheit störe. In dieser Hinsicht fei aber nichts erwiesen. Dagegen hätten sich die Angeklagten der Uebertretung der Gtraßcnpolizei-Bcrirdnung schuldig gemacht, indem sie der Weisung der Beamten, sich zu ent- fernen, nicht Folge geleistet hätten. Das Gericht verurteilte jeden der Angeklagten zu einer Geldstrafe von 16 M. So ist von der wuchtigen Anklage wegen Auflaufs doch noch eine kleine Uebertretung übriggeblieben, die aber vor einer wirklich unbefangenen Betrachtung der Dinge nicht Stand halten kann. Mädchenmord auf dem Rittergut Lenthe». Die Kottbuser Strafkammer hatte gestern eine auf Mord lau- tende Anklage gegen den 18jährigen Wirtschastseleven Merkel zu verhandeln. Der junge Mensch suchte ein Liebesverhältnis mit der 16jährigen Nichte des Inspektors Röhricht anzuknüpfen und hat aus Wut über die Abweisung seiner Bewerbung das Mädchen er- stachen. Der Staatsanwalt beantragte die gegen Jugendliche höchste zulässige Strafe von 15 Jahren Gefängnis. Die Strafkammer er« kannte aus 12 Jahre Gefängnis. Ring-Deukmal. Groben Unfug sollte der Viehhändler Wilhelm Lichtenberg aus Friedrichsfelde bei Einweihung des Ring- Denkmals aus dem Magerviehhof Friedrichöfelde begangen haben. Am 24. Februar, dem EinweihungStage, wurde dem Direktor Fuchs vom Viehhof der Bescheid, daß die Feier gestört werden sollte, und zwar sollte Lichtenberg in seiner Eigenschaft als Vorsitzender deS Vereins der Viehhändler Berlins und Umgegend derjenige sein, auf den man das meiste Augenmerk haben solle. Direktor Fuchs benachrichtigte hiervon den Polizeiwachtmeister Schwarz, der sich dann bei der Feier in der Nähe des Lichten- berg aufhielt. Nachdem mehrere Redner gesprochen, hielt auch ein Mitglied des Bundes der Landwirte eine Ansprache, im weiteren Verlauf seiner Rede betonte er, daß Leute von der Landwirtschaft lebten ohne jede Gegenleist n ng. Hier rief Lichtenberg: Na l nal Oho! Einige Herren, die dies gehört hatten, drehten sich erregt um. Wachtmeister Schwarz ersuchte den L.. ruhig zu sein, was dieser später auch tat. Seitens der Polizeibehörde wurde gegen Lichtenberg darauf ein Straf- mandat i n Höhe von 36 Mark erlassen. Hiergegen be- antragte er richterliche Entscheidung. Er legte dar, daß er nur die Interessen seines Vereins vertreten habe und sich durch die Redelvendnng, daß Leute von der Landwirtschaft leben ohne jede Gegenlei st ung, gekränkt gefühlt habe. Denn Ring sei ja derjenige gewesen, welcher gegen die Interessen der Vieh- und Milchhändler ver- stoßen habe. Er. Lichtenberg, habe nur in gemäßigtem Tone Na! nal gerufen. Wachtmeister Schwarz bestätigte ihm. daß die Ausrufe nicht sehr laut und die Feier auch sonst nicht gestört worden sei. doch wäre ein Herr mit den Worten an ihn heran- getreten! Kann man denn den Lichtenberg nicht einsperren? Der Amtsanwalt KoperSky beantragte danach eine Geldstrafe von 30 M. DaS LichtenbergerSchöffengericht kam zur F r e i- s p r e ch u n g. Grober Unfug könnte dann nur vorliegen. wenn das Publikum in seiner Gesamtheit belästigt worden wäre, dies sei aber hier nicht der Fall gewesen. Am richtigsten hätte der Polizist gehandelt, wenn er Lichtenberg fortgewiesen hätte. Der letzte Teil der Begründung des Urteils greift fehl: Am richtigsten wäre eS vielmehr gewesen, der Festredner hätte die Provokationen unterlassen und hätte die gegen die Interessen des arbeitenden Bauernstandes gerichtete Tätigkeit vom Ring — erinnert sei an die bankerott verwaltete MIlchzentralö— wahrheitsgemäß geschildert._________ WltterungSiidertich« vom 24 März Igyg. morgenS 8 Uhr. Stattonen s« »1 3 s «§ c 3 if giDtnemde 1757 23 tzamburz! 760 NW Serlm 1 760 23 Aranll.a M. 761<523 München{' Wien 17615® Setter 2 Nebel 2 bedeckt 2 bedeckt 1 Dunst 4 Regen >757 WNW 4 halb bd. »Zi Stationen cH et daparanda 760 I Petersburg 762 OSO Sctlly Merdeen Paris Wetter C» t* wj, 2 Nebel 1 Nebel 758 SS® 4 Regen 755 S5O 763 SW 3 bedeckt 2 bedeckt I —17 -7 8 4 7 Wetterprognose für Donnerstag, den 85. März 1909. Zunächst teilweise heiter, nachts kühl, am Tage etwaS wärmer bei mäßigen südwestlichen Winden: später wieder Trübung und leichte Regensälle. Berliner Wetterbureau. Eingegangene DrocKfdmkteti. Deutsche Humoristen. Band 6.(„Hausbücherei" Band 3l.) Deutsche Dichter-GedächtniS-Stiftung in Hamburg-Großborsiel. Geb. 1 M. Begegunnge». Aus dem Tagebuche eines SchissSarzteS. LoN R.)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unierpegel.—•) Eisflaltd.— ') schwaches Treibeis.—°) Eisgang. Nach telegraphischen Meidlingen hatte die O d e r bei Ratibor aestent voit 1—3 Uhr nachm. 434, heute morgen wieder 433 cm Wasserstand und steigt noch weiter. Die Warthe hatte bei Landsberg gestern nachmittag Eisausbruch. Die Elbe hat bei Dresdc» heute einen Wasserstand von 116 cm erreicht und steigt langsam weiter. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantwortttng. Zbcztcr. Donnerstag, den 2S. Mir,. Ansang?'/, Uhr. Königl. OpernhanS. Elektra.(An- sang 3 Uhr.) Königl. SchauspiekhanS. König Richard III. Neneö königliches Operntheater. Geschlossen. Deutsches. Faust.(Ans. 7 Uhr.) Kammerspiele. FrühlmgS Erwachen.(Ans. S Uhr.) «infang S Uhr. Lesstng. Der König. Berliner. Nur ew Traum. Neues. Die sremde Frau. Neues Schauspielhaus. Pech. Schulze. Dhalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Carmen. KieiueS. Moral. Hebbel. Revolutionshochzeit. Luftspielhaus. Im Klublessel. Residenz. Kümmere dich um Amtlie. Schiller O- iWnIlim» Theater.) Die Braut von Messtna. Schi>te> Eharlottenburg. Ein LollSfeind. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Der große Komet. Westen. Der tapfere Soldat. Luisen. Mein Leopold. Trianon. Liebesgewitter. NrueS Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner OPeretten-Dheater LW. Da« Himmelbett.(Ans. 8»f, Uhr.) Bernhard Rose. Krieg im Friedeu. Bürgerliche» Schanspielhaus. Narziß.(Ans. S'/. Uhr.) Gaftspiel-Dheater. SherlockHolmeS. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden BindelbandS. Ap»iio. Der junge Bapa. Sbezia-f Malen.' Metropol. Donnerwetter— tadellos. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Aaiiage. SpeziaMilen. RetchSballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folie» Caprice. Insolvent.(Ans. 5'/« Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Das verliebte tcnsionat. StöpIeS Brautsahrt. pezialitäten. Ansang 8»/« Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles für» Kind. Oder: Die folgen eines Rendezvous.(Ans. Uranta.�ranbenstraste 4 St/49. Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern Messina«. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. F. Rathgen: Kupscr, Gold, Platin. Hterittvarte, Iiivalidenstr. b7/«2. Lesslng-Theater. Donnerstag 8 Uhr: Der König. Freitag 8 Uhr: Gespenster. Sonnabend 6 Uhr: Grlselda. Serliner Theater. Heute 8 Chr: Kar ein Traam. Morgen; Einer»en unsere leuV. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Die fremde Frau. (La femme X....) Sonnabend: Die Wahrheilsselrale. klMMMIM Gr. Frankfurter Str. 132. AbendZ 8 Uhr Krieg im Frieden. Lustspiel in 5 Akten von Moser und _ Echönthan._ ■MV Wochentagspreise Wsjj greitaa: Das vierte Gebot. Schlller-Tlieater. Schiller< Theater Charlottenburg. Donnerstag. abendSllUhr: Ein Volksfeind. Freitag, abend« 8 Uhr: I»le Karolinger. 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abendSllUhr Die Braut von Slosslna. Freitag, abend« 8 Uhr: Rechts hemm. Theater des tfestens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. fMMIdöMMvIigs Schauspielhaus. Donnerstag, 25. März, Auf. 8 Uhr: Der große Komet. ticitag: Schlagende Wetter. onnabend: Husarensieber. Theater.«Südens Dresdenerstr. 97 a. d. Prinzenstr. Im weißen Röh�l. Vor u. nachh. erltklass. Spezialität, u. Humor. Konz., Kinematogr., Kabarett. N. d. Vorst. Danzreunio» ohne Nach- zahlg. Ans. d. Konz. 7. d. Vorst. 8'/,U. Entree 20 Pf. Msik-TIisM. — Direktion: Richard Alezander.— Abend« 8 Uhr: „Kümmere Dich um Ameiie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen und jolgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Sonntag, 28. März, nachm. 3 Uhr: WohItäiigkeilSvorstelluilg z. Besten der Ueberschwcmmten in der Mark: »Kümmere Dich mn Amalie." Melropol-Theater Tttglich 8 Ehr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildarn v. Jul. Frotmd. Musik von Paul Binclce. Regia Direktor Schulti. Perry, Holdon, Bender, Cilaiuplctro, Kettner, Plann, Thielscher._ Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas, Hörsaal 3 Uhr: Prot Dr. F. Rathgen: Kupfer, Gold, Platin. Lustspielhausi Abend« 8 Uhr: Im Klubsessel. Luisen-Theater. Abend« 8 Uhr: Mein Leopold. Freitag: Straßenbahnfahrer Krause. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Mar und Moritz. 8 Uhr: Staatsanwalt Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: DaS Mädchen aus Irrwegen. 8 Uhr: Strakenbahnfahrcr Krause. Montag: Marie, die Tochter des Regimcnis.__ «tft fartw. IttlllS GtSlcht, rosiges, jugend/risch« flussthen, weisse, sammei weicht Maut und blendendschönen Teint? /lies dies bewirkt nur die allein tchit StecHenpfer&sOHensnitdjsSeife vgn Bergmann Co., RadcbcuL t Stade 50 P/g. tn alten flpothtKw, Drogerien tu PaiTtimerien. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revolutionsbocbzeit. Neues Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luiscnstr. Abend« 8 Uhr: Die vellarprlnsessln. Operette in 8 Akten von Leo Fall. A Köponlckerstr. 68. 0 Znm 548. Male; Sherlock Holmes. Tüffllch ansvorkanft! Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. Narziß. Trauerspiel tn 5 Akten v. Brachvogel. Ansang 8'/« Uhr. Morgen Freitag zum erstenmal: Reif-Reislinge». Sonnabend: Das Käthcheu von Heilbronn. Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater« saal Moabits. Alt-Koablt 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 25. März 1909: Die Königstochter als Bettlerin. Schauspiel in 5 Akten v. E. Raupach. eins. d. Vorst. 8, Kasscnöffnung 7 Uhr. Konzert?'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Berirnertis+Fälasl" Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Kunstlaufen. Donnerstag, 25. März, V'/o Uhr: AuBerordentl. große Vorstellung. Ettero TIberlo tn seinen phänomenalen Leistungen 8 dressierte Maultiere 8 vorgesührt von H. Bona. Die Wild- W est Theron=Truppe dressierte Tiere des ClownS Annando. Doof der Wunder- roCl, schimpnnse._ MP" Adolf n. Coco WH die Unvergleichlichen in prachtvoller Ausstattung �«1«. der Steräuber Morgen Benefiz für !! Ettero liberio!! xiv.' Satson F Zirkus Busch.! Donnerstag, 25. März, ab. 7'/, Uhr: (xiila-Abend. Um ca.'1,9 Uhr: Der Original j Konsul Peter! Um ca.'/tlO Uhr:"WB Herr Karl Hakenbecks größte und schönste Löwen- und Eisbärengruppe. Einzig dastehender Dressurakt. Zrl. tilscida tzodnko, Schulreiterin. derr ernst Lciiumann, Neudreis. I mr Um 6i410 Uhr: Auswanderer! Die Riesen- Wassert, iskadeu j von der Höhe d-ZirkuskuPpel, W.7tosekL7dsster Dirritwii:»Od. vi». Brunnenitr. IS. oder: Ein Pnppenkeini. Schauspiel in 3 Akten von Ibsen. Ansang 8'/, Uhr. Entree 30 Pf Sonnabend große Extravorstellung: Muttersegeu oder: Die Perle von Savoyen._ Passage-Panoptikum. Zum erstenmal in Berlin I PrinceB Fassie die Amazonen-Königin m. ihr. wilden Eclbkarde. Das blanc Weib, das Opfer unbarmherz.Tätowation. Dasgr. Schauprogramm Alles ohne Extra-Entree. Folios Gaprice. Anfang 8'/. Uhr. W Insolvent,-ms Posse von L. Tausstein. In laulckiger j�acbt. Burleske von W. Gericke. mmrnn is Yariete-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. H Ansang 8 Uhr. DaS graste März-Programm. 17 schottische Hochländer 17 militärische Uevungen und die übrigen Spezialitäten. Im Tunnel: iap.Biumeniest. Regimentskap. Theaterbes. Hab. fr.Eintr. Könlgstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. Täglich: Franz Sobanskl, Senor»nd Berad, Grotesk-Duo, Jan Rudolphi. Drahtseilkünstler, The 3 Shborgs, Balance-Ncuhciten. Ernst Gras, Elsa Lüschou, Bernhard Marx, Lola Gray._ DM" Hnckcbeln A Co. tUM Schwank in 1'Akt. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Tanz. Donnerstag, den 25. März: Benefiz fllr{?. Sobanski. Anfang 7 Uhr. Brückenstr. 2, Jan'nnowthr. Täglich 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. allbeTebten FritZ StgMlip. Paetcrre-Rest. Entree frei. Erfidele Stimmung a la Brady. Bier-KakaPEtt u. Eer!. Spatzen. Entree frei. IMM RcbrUdcr Herrnfeltl- Anfang ThoafoP Vorverk. 8 Uhr. IllClIlCr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57, Die beiden Bindelliands Hierzu: Endlich allein! Die Ersatz- Vorstellung der 12.11. Abcndabtellnng ist am Freitag, den 26. März, abends 8 Uhr. Die Karten und Billetts behalten ihre Gültigkeit. Theaterzettel und Aufsatz wird bei der Billettverlosung verteilt. 240/14 Nächste AuffDhrungen: Nachtasyl(Gorky) 1 Pechschnlaie' Der Fleck auf der Ehr' 1 (Anzengruber) J Der Probekandidat(Dreyer) im Neuen Schauspielhause Thalia-Theater. Herrnfeld-Theater. Nr. der Mitgliedskarte 8onntag, den L8. Tflire..... 5601— 0400 Sonntag, den 4. April..... 7201—8600 Sonntag, den 11. April.... 8001—8806 Einige Mitglieder zu den Abendabteilnngcn können sich noch in den Zahlstellen melden. Der Vorstand: G. Winkler. ___ Wovitilt I-90 Eine epochale Erfindung! Das Wunder der bioskopischen Projektion: Kinemacolor (Drban-Smith-Patent) Eebcnde Photographien in natürlichen Farben sowie die her vorragenden Kunstkräfte des Mlirz-Prograntins S Das glänzende März- Progr. Hnmpsti-Bnmstl The Teisedas? Stuart? Oafoert Helling Der junge Papa. Slb 1. April Gastspiel der drei Schwestern Wiesenthal in ihren neuen Tanzdichtungen. Vasino-�hva�ci' Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. As Frettag, den 3. April: Rußland. Sonnabend, den 3. April: Zum erstenmal: Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. füsst-�ksstsr Burgstratze 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, Uhr. Ab 16. März: 10 Kunstkräfte allerersten Ranges."MQ Zigeunerfriedel. Schauspiel in 1 Akt. ■MO Vorzugskarten wochentags gültig, zu halben Preisen überall gratis. Reiciisliallen-Tlieater f Am. Zum 136. Male Anfang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Tbealei' Variete Brillant (Clty-Passage) Dresdener Str. 52jS Annonst. 42/3 Täglich: Austreten von nur erst- llassigen Spezialitäten bei gänz- lich freiem Entree, auch Sonn- tags. Somiabend und Sonntag nach der Vorst.: Gr. Jrettanz. ���ll�inematogra� paasaga-Theater. Abends 8 Uhr: T a c i a n u. ??????»?? < Piloly von Kaulbaeh j in ihrer indisch. Tempelszene. 1 6 Urs Ifrlsi! die englischen Schönheiten, g Das großartige g Varldte-Programm! J tl4 erstklassige Attraktionen, a Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Neues Programm. Elite-SoireeTan20k0rrch' HoflniannsM. Sängern Jubelnder Beifall Die Liebe im Wirtshaus. Burleske. Der gefoppte Feldwebel. Lustspiel. Durchshl.Ert.d.Laireeiirog. Beg. Sonnt. S,wocheni.8U. Jeden Dienstag: Theaterabend. I Neue Welt Hasenheide 108— 114. Täglich;» Gr. Bockbierfest. Baron Muckls Bauernkapelle. Original-Garmisch-Partenkirchner Sänger und Schuhplattier. Jeden Dienstag und Donnerstag: Sensationelle Prämiierungen. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnt. 4 Uhr. Sonnt. SO Pf. Gustav Behrens- Theater, DasmliebtePensionat Operette Stöpkes Brantfahrt und die übrigen erstklasfigen Spezialitäten. Ansang 8'/. Uhr, Sonntags 6 Uhr. »ödsl Schnlz Reichenberger Str. 5. Gediegene Arbeit. AenBcrst billige Preise. 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I nachmittags 9st, Uhr, entschliej j ](mist nach langem mit Geduld j ! ertragenem Leiden unser lieber I Vater, Schwiegervater, Großvater, f ] Bruder und Schwager Bswald Wunderlieli Kopenhagener Str. 8 in, fast vollendeten 59. Lebensjahre. DieS zeigen tiefbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernden Hinterhliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. März, nachmittags 4 Upr, von der Halle des St. Georgen-Friedhofes� Landsberger Allee, aus statt. T�anksagnttg. Allen Leidtragenden, welche am Sonntag, den 21. März, unserem guten Vater, Bruder und Schwager Rudolf Mertens die letzte Ehre erlviesen, sagen wir unseren fiesgesühlten Dank, insbeson- dere dem Wahlverein des 4. Reichs» tagswahlkreises(Bez. 343) und den Kollegen der Firma Kühl u. Klatt sür die besonders schönen Kranz- spenden. Die Hinterbliebenen. 1. 31.: Paul Mertens. Sagen hiermit allen Beteiligten'bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, EEmst Schwarz unseren herzlichsten Dan!. 5732 Die trauernde Witwe nebst Kindern. Danksagang. Für die mir aus Anlaß deS Hin- Icheidens meines geliebten Mannes, des Stukkateurs 16596 Georg Peters bewiesene Teilnahme sage ich allen Freunden und Bekannten, besonders Hern, Ernst Obst sür die trostreichen Worte, den Kollegen und Mitgliedern deS Zentralverbandes und den Mit- gliedern des WahIvereulS Schöneberg meinen herzlichsten Dank. Witwe Emma Peters und Tochter. Danksagung. Für die Herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen Wh allen Freunden, Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Meister Thomas mid Kollegen, den Kollegen der Firma Groschkus, den Mitgliedern deS SolzarbeiterverbandeS, des Wahl- Vereins Panlow und des Gesang- Vereins.Nord" sür den herrlichen Gesang und die zahlreiche Beteiligung unseren herzlichsten Dank. Wilwe Harle Domnick nebst Kindern. SßzialdeniokratiseliJalilfereiji Kixcloff. Todes- Anzeige. Am 23. März verstarb unser Mitglied, der Töpser QiÜc EislicBs (15. Bezirk). Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Lessingshaße 34 ans statt. 23-1/19 Um rege Beteiligung ersucht Ter Norstand. ßeittsdier Iransportarlieiter-lferiiaaiL Ortsverwaltung Berlin I. Todes- Anzeigen. Den Mitgliedern zur Nachricht. s datz der Kollege Felix l�ktfm Mitglied fest 29. April 1902. am 5. d. M. an Gehirnerweichung verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Ferner zur Nachricht, dag der Kollege Msx Frifsch Mitglied seit 19. November 1905, am 18. d. M. an Lungenblulen verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Ferner zur Nachricht, daß der Kollege MTU! Amtenbrink Mitglied seit 3. Juli 1905, am 21. d. M. an Gehirnerweichung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Donnerstag, den 25. d. M., mittags 1>/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral< Friedhoses, Friedrichs- selde, aus statt. 66/8 Die Drtsverwaltung. Polsferwaren, k o m p I e f e Wobnungs- a. Küchen-Einrichtungen, Herren- und Damen-Qarderobc.Leib- and Bettwäsche, Betten, Steppdecken, Teppiche, Portieren, Gardinen, Bilder, Uhren, Gas- und Petroleum-Kronen, Sport- und Kinderwagen auf Kredit an Jedermnnn evenll. Ohne Anzahlung kleinster bei Abzahlung Möbel- d. VarED-M-Haus S. Dorn Alte Scliöntiauser Str. 3 am Tor. a Andreasgarten Andreas-Str. 26. Androas-Str. 26. Empsehle meine Räume zu Ver- sammlungen u. Festlichkeiten jeder Art. 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Wir werden dem Verstorbenen als ehrlichen und pflichlersüllien Kollegen und Mitarbeiter stets ein ehrendes Andenken bewahren. Das gesamte Personal der Buchdruckcrei I. Sittenfeld, Berlin. Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Marz, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindekirchhoscs Nieder-Schön Hausen, Buchholzer Str., aus statt. üeutzeböT Transportarlieiter-Verliaiifl. Ortsverwaltung II. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz die Beerdigung unseres Kollegen, Bicrsahrer IUig|&as� ICurds (nach erfolgter Obduktion) nun- mehr am Freitag, den 27. d. M,, nachmittags 4 Uhr. von der Lcichcnballe des neuen Rixdorscr Kirchhoscs, Mariendorjer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/9 Die Berwatniug II. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, datz meines lieb- Frau psuline Liefert geb. Scev.ald nach kurzem Krankcnlagcv' fanst j ciilschlasen ist. Um stille Teilnahme bittet Der trauernde Statte Hermann Sickert. Die Beerdigung findet am I Freitag, nachmitiagS 3 Uhr, aujl dem Treptower Friedhose, Neue! Krug-Allee statt. 1660b[ Dr. Schiinemann Spczial-Arzt sür 5432' Hunt- nnd Hai»leiden, Fi-anenkranklieitcn. Friedrichstr. 203, Ecke Scknitzenstr MocheulagS 10— Jü. 5—7. Pid nilin erster Hoslieseranten- rlnlllllU, sirma, weit unter Wett sosort verläufl. Französischestr. 15, 1 r. ——— WWMWWWmWWmWWWMWWWWSMZWmM>010» verluuiu yranzviliiyeirr. 10, Serantwortlicker Redakteur; Kau» Weber, Kerlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck«.Lerlag: Vorwärts Buchdruckerei ü. Verlagsanltalt Vaul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 71. 26. ZahrgW. Z. Kkilaze Ks Lsmiirls" Snliiici WKsdlR omrslag, 28. Mit! lM. NsKnahmea zur Hebung der Volksschulen. D/z Uhr. Eintritt 30 Pf. Spandau. Die völlig verstümmelte Leiche eines jungen Mannes wurde unweit des Ruhlebener AuSwandererbahnhofS von Streckenarbeitern auf den Gleisen der Fernbahn aufgefunden. Nach den bisherigen Ermittelungen ist der Tod infolge Ueberfahrens durch einen Schnell» zug, augemcheinlich den Köln-Berliner D-Zug, herbeigeführt worden. Ob ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, muß noch fest- Siestellt werden. Nach Ausweis der Papiere, die man bei dem Toten and, handelt es sich um den 21jährigen, zuletzt stellungslosen Kauf- mannslehrling Franz St., der aus Essen hierher gekommen und in Ripdorf gemeldet war. Die Leiche wurde dein hiesige» Schauhause zwecks Feststellung zugeführt. Vermischtes. „Grüß Gott, Herr Hauptmann!" Der brave Schuster Vo!gt. aüas Hauptmann von Köpenick, ist noch immer ein sehr populärer Mann. Auch unter Soldaten. Ein militärisches Homienr für den «Hauptmann von Köpenick" hatte aber jetzt für eine Anzahl An- gehöriger der Garnison Würzburg üble Folgen. Anläßlich des neu- lichen Gastspiels des Schuhmachers Voigt in Würzburg erlaubten sich einige Soldaten den«Witz", mit militärischem Honneur an dem falschen Hauptmann vorbeizumarschieren und ihm ein«Grüß Gott. Herr Hauptmann I" zuzurufen. Der Fall kam zur Anzeige und der Regimentschef verhängte gegen die witzigen MarSjünger Arrest- strafen._ Eine Schiffskollision bei Norderney. Nach einer Meldung aus Wilhelmshaven stieß die Kaiser» sacht.Hohenzollcrn" gestern nacht um 11 Uhr 20 Min. westlich von Norderney mit dem norwegischen Dampfer.PorS", der etwa 300 Rc» oisiertonnen groß ist und der Reederei Brunzen u. Abrahamsen in Porsgrund gehört, zusammen. Der.Pars" sank sofort. Die Be» satzung wurde von der«Hohenzollern' gerettet, sie konnte teils noch von Bord zu Bord übernommen werden, teils mußten die Slettungs» boote in Aktion treten. Die.Hohenzollern" erlitt Beschädigungen am Bug. Mittwoch vonniltag erschien die Kaiserjacht auf der Reede Von Wilhelmshaven und landete die Besatzung des.Pors". Die .Hohenzollern" geht zunächst auf 24 Stunden auf Werst zur Re» paratur und wird dann die Reise nach dem Mittelmeer antreten. uchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,