i A-daitio»! SV. IS, zz-uth-Straß- z. Donnerstag, de» H. AprU t8!>3. I Krp-dMo»! sv. Ig, N-»tS-Straj- z. Die Agttakion gegen J�olieiliinspeKkoeen gehört seit langem zu den Lieblingsbeschäftigungen aller Schlotbarone und Fabrikantenvereine. Bismarck hat ja seiner Zeit in dieser Beziehung auch ein berühmtes Muster abgegeben, als er dem Fabrikinspektor, der seine hinter- pommersche Spiritusbrennern revidiren wollte, einfach die Thüre wies. Die Kölner Unternehmer haben voriges Jahr so lange gegen ihren Geiverbe-Jnspcktor I a e g e r gehetzt, bis er einen völlig unbegründeten Rüffel vom Regierungspräsidenten bekam, und vor kurzem sandten die Mannheimer Fabrikanten nach dem rühmlichst bekannten badischen Gewerbe- Aufsichts- Beamten Dr. Wörishosfer wieder einmal einen Giftpfeil. Es lohnt sich, diese Angelegenheit hingehender zu erörtern. Selbstverständlich ist die neuerliche Aeußerung der badischen Fabrikanten, die in Gestalt einer Eingabe an das dortige Ministerium vorliegt, ein giftgeschwollenes Mach- werk ohne jede sachliche Begründung. Keine einzige Stelle aus den Berichten des badischen Beamten, tun gesprochenes Wort desselben, keine amtliche oder außer- amtliche Handlung Wörishoffers kann angeführt werden, um die beweglichen Klagen der Unternehmer zu stützen oder zu belegen. Kühn behaupten und anschwärzen— darin liegt das Geheimnis! der hochmögenden Herren; je sinn- loser, desto besser, es bleibt doch immer etwas hängen— nach diesem Rezepte wird auch hier verfahren. Schon aus diesem Grunde sollte das badische Ministerium das Gift- Produkt einfach zu den Akten legen und die Urheber der Eingabe„demgemäß" bescheiden. Die Mannheimer Unter- nehmer sind eben in ihrem Dünkel bereits soweit gelangt, daß sie glauben, in Eingaben an amtliche Stellen allgemeine und schwere Beschuldigungen gegen einen Fabrikinspektor so aussprechen zu können, wie am Biertische, ohne jede Ver- pflichtung, ihre Behauptungen auch zu erweisen. Wenn sich ein Mannheimer Arbeiter einmal herausnehmen wollte, gegen einen Staatsbeamten ähnlich vorzugehen! Der Mann würde die Justiz sehr gründlich kennen lernen! In- sofern geben die Mannheimer Fabrikanten eine Art revolutionäres Beispiel, um dessen Folgen ihnen mit der Zeit vielleicht selbst bange wird. Da sie aber vorläufig doch nur für sich allein das Recht in Anspruch uehineu, einen Staatsbeamten in dieser Weise zu kritisiren, so wird die energische Antwort von Oben, welche auf solche Unverfrorenheit gehört, wohl auch nicht ausbleiben. Unten ist man sich ja über die Tendenz des Vorstoßes völlig klar, auch über die Verlogenheit der Angriffe. Ueber die Arbeiter soll der Fabrikinspcktor„stets nur mit der größten Nachsicht und Milde urtheilen, ganz offenbare Un- zuträglichkeitcn nicht besprechen." Er soll„das hohe Lied der Sozialdemokratie"(in seinem Buche über Mannheimer Zlrbeiterverhältnisse)„singen, während nicht von dieser Partei ausgehende Wohlfahrtseinrichtungen vielfach gar Iteuilletcm. WaDbraa BiTboKn.)____(56 Die zanflmljtt eines Zliliilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Nebersetzung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Er zählte die Stunden und Minuten, die er zu warten hatte, bevor er sie schicklicher Weise wieder sehen konnte. Sobald er sich aber dieses Glück gesichert hatte, tauchte die Erinnerung an sein Unrecht aus der Tiefe seines Herzens empor und unterdrückte all' das, was an seinen Gefühlen für das Mädchen gut und wohlwollend war. Selbst der Genuß ihrer Gegenwart wurde ihm zu Gift. DaS tiefe durchdringende Vergnügen, sich dem schönen Kinde an- zuschmiegen und zu unterwerfen, war dahin. Er fühlte sich gedemüthigt, so sehr in ihrer Gewalt zu stehen, empörte sich gegen ihre Macht, ihn nach Belieben glücklich und elend zn niachen. Durch diesen inneren Kampf war er in beständiger Erbitterung. Er wurde launisch und tadelsüchtig, suchte an ihr auszusetzen, zankte über alles; und er schämte sich nicht, die Ueberlegenheit seiner größeren logischen Geschicklichkeit und Erfahrung zu benützeu, um sie um so wirksamer zu quälen. Tanja nahm die ersten Verweise auf, ohne sich zn ver- theidigeu; sie schmerzten sie zn sehr, als daß sie's thun konnte. Bald verlor sie aber das Vertrauen zu seiner Billigkeit und begann seine unverantwortliche üble Laune schmerzlich zu empfinden. Das gegenseitige Verständniß, nicht besprochen, ja sogar ungünstig kritisirt werden." Und daran knüpft sich dann eine herrlich- naive Schlußfolgerung:„So erklärt e S sich, daß die Reihen der sozialdemokratischen Partei sich immer mehr verstärken." Wie steht es hier überall mit der Wahrheit? Wörishosfer ist in» seinem Mannheimer Buche so weit davon entfernt, den sozialdemokratischen Organisationen ein„hohes Lied' zu singen, daß er beispielsweise S. 377 mit einer Art Genugthuung feststellt,„diese Organisationen umfaßten nur den kleinsten Theil der Arbeiter"; ihre thatsächlichen Erfolge nennt er„im Ganzen bescheidene".(S. 379.) Seite 381 ff. zählt Wörishosfer dann auch die Vereine der Mannheimer Unternehmer auf und spricht sogar von den„wohlthätigen Folgen" solcher Unternehmerverbände. Einen lediglich gegen die Fabrikinspektion sich richtenden Unternchmerverein erwähnt er mit der größten Schonung. Dagegen steht im neuesten Jahresberichte des Beamten bekanntlich die schon in unserem Leitartikel vom 19. Fe- brnar d. Js. zurückgewiesene und sehr überflüssige Mahnung bezüglich der Arbeiterführer, von denen„verlangt werden müsse, daß auf ihrer Vergangenheit kein Makel ruht"— eine Bemerkung, die bezüglich der Unternehmerverbäude von Dr. Wörishoffer wohl schwerlich jemals gemacht werden wird. Dem sei nun wie es wolle— nur die blödeste Vorein- genommenheit kann von dem badischcn Gewerbe-Jnspektor behaupten, daß er einseitig für die Arbeiter Partei ergrisse oder gar„das hohe Lied der Sozialdemokratie säuge"— dazu ist er denn doch viel zu sehr Rcgicrungs- rath, freilich einer von den wenigen Regierung?- räthen, die den Arbeitern unbefangen gegenüber stehen. Und darauf reduzirt sich das ganze Gcsalbadcr der Mannheimer Unternehmer: schon diese bloße Unbefangenheit ist ihnen ein Dorn im Auge, und weil sie dies nicht sagen können, ergehen sie sich in den lächerlichen Uebertreibungen, welche ihre neueste Eingabe enthält. Ihre Bornirtheit decken sie dann durch den herrlichen Schluß auf, daß sich das Anwachsen der Sozialdemokratie in Baden aus der Haltung des dortigen Fabritinspektors„erklärt". Daß die Sozial- demokratie mit oder ohne Fabrikinspektor ans ganz anderen weltgeschichtlichen Gründen, nicht zum letzten aber auch wegen des schoflen Verhaltens der Unternehmer zn ihren Arbeitern reißende Fortschritte macht, wird ihrem kleinen Verstände civig unerfindlich bleiben. Nur sich selbst haben die Herren im Spiegelbilde der Fabrikinspektoren-Berichte richtig erkannt.„In den Pnbli- kationen der Fabrikinspektion erscheint der Arbeitgeber als der niehr oder minder verkappte Ausbeuter seiner Arbeiter"; es herrsche eine„tiefgehende Ver- bitterung" gegen die Fabrikaussicht; manche Arbeiter- entlassuugen finden erst deshalb statt, weil der Beamte für Arbeiter intervenirt sei; diese Stimmung„sei sehr wenig geeignet", die Unternehmer„für Wünsche der Fabrik- inspektion geneigt zu machen"; wer eine Fabrik gründen wolle, der werd?„einen Staat meiden, in welchem er selbst stets mit dem Staatsanwalt bedroht wird" u. s. w. Ja, welches die Folge eines freundschaftlichen Verkehr? von vielen Monaten war, zerstörte Andrej in wenigen Tagen. Wenn er allein war. frei von diesen beunruhigenden Einflüssen, dann sah er mit Schrecken, wie schnell ihre Entfremdung wuchs. Er versuchte den verlorenen Boden wieder zu ge- Winnen, indem er Entschuldigungen vorbrachte. Und im nächsten Moment begann er von neuem seine Quälereien. Tanja fühlte sich nicht weniger elend als Andrej. Eines Morgens, als er unerwartet kam, sah er an ihren Augen, daß sie geweint hatte. Er klagte sich an, der größte Bösewicht zu sein, und war im Begriff alles zu bekennen. Das Mädchen nahm aber seine ersten Worte so schlecht auf, daß sie ungeschickter ausfielen, als je. Sie wollten einen steilen Abhang hinab nnd mußten sich selbst in die Tiefe schleudern, ohne jede Möglichkeit anzuhalten. Ein vollständiger unwiderruflicher Bruch war mit Be- stimmtheit binnen kurzem vorauszusehen. Andrej wünschte, daß er bald eintreten möge; dies würde einer unerträg- lichen Situation ein Ende machen. Er wäre dann durch die Verhältnisse gezwungen, sie zu verlassen, wozu ihm die Kraft fehlte, es aus eigener Initiative zu thun. Dennoch fürchtete er den Schlag und machte ungeschickte Anstrengungen, den vcrhängnißvollen Moment in die Ferne zu rücken. Er faßte den energischen Entschluß, sie außer den Ar- beitsstunden nicht zn sehen. Am Freitag hielt er sich stand- Haft in seinem Zimmer. Freitag war Andrcj's bester Tag; sie hatten keiner Versammlung beizuwohnen und pflegten entweder einen Besuch in der Stadt zu machen, oder ihn lesend und plaudernd in Tauja's Wohnung zn ver- bringen. Jetzt beschloß er sie gar nicht zu besuchen. Es fiel ihm aber so schwer, an seinem Entschlüsse festzuhalten, daß er am nächsten Tage lange vor der festgesetzten Zeit kam, unter dem Vorwaude, daS sind die Unternehmerfeelen, wie sie leiben und leben! Wie sie alles zum Vorwand nehmen, um sich um ihre Pflichten gegen die Arbeiter herumzudrücken, wie sie„einen Staat meiden", in welcher der Ausbeutung ein paar ärm- liche Schranken mehr gezogen sind, als anderswo! Sie er- scheinen in den Publikationen der Fabrikinspcktion„als mehr oder minder verkappte Ausbeuter" ja, ist es denn den Herren gelungen, bisher auch nur eine eine einzige Stelle dieser Berichte als unrichtig nachzuweifen? Und � wenn dies nicht möglich war, an wem liegt dann die Schuld, daß die schönen Unternehmerseelen„als mehr oder minder ver- kappte Ausbeuter" erscheinen? Doch wohl an ihnen selbst! Und nun soll der Beamte wohl den Sachverhalt fälschen, damit die Ausbeuter auch noch im rosigen Lichte der Herr- lichsten Menschen- und Arbeiterfreundlichkcit erstrahlen? Eine frechere Zumuthung ist einem Staatsbeamten in einer Eingabe an amtlicher Stelle noch nicht gemacht, worden! Damit aber schließlich bei der Sache auch der Humor nicht fehle, ist den Mannheimer Fabrikbaronen noch ein kost- barerLapsus passirt bei ihreniHinweis auf die Dienstanweisung des Inspektors, in welchen sie ihre Eingabe wirkungsvoll ausklmgen lassen. Sie zitiren die bekannte nichtssagende Stelle, nach welcher der Beamte eine„wohlwollend kontrol- lirende, bcrathende und vermittelnde Thätigkeit" ausüben soll und fügen hinzu, daß durch diese Wort? gerade in Baden„mehr als irgendwo im übrigen Deutschland' der„Geist weitgehendster Versöhnlichkeit" dem Inspektor zur Pflicht gemacht werde. Nun sind diese schönen Phrasen aber gar nicht der badischcn Dienstanweisung allein eigenthümlich, sie kommen vielmehr wort- wörtlich in allen Instruktionen der übrigen deutschen Bundes st aaten vor und stammen aus einem gemeinsamen bundesräthlichcn Muster, das alle Staaten im Jahre 1879 abgeschrieben haben! Die Mann- heimer Fabrikanten und ihre Verather kennen also nicht einmal die elementarste Geschichte der Fabrikinspektion in Deulschland, und nur von isolchcn Ignoranten kann auch eine Eingabe verfaßt werden, wie die vorliegende! Sie wird ihr verdientes Schicksal haben. ZAolitisiho Mebevtirlil. Berlin, den 5. April. Die Militiirvorlage.„Kölnische",„Norddeutsche", das gesammte Zeitungsgesinde der Reaktion, ist rastlos für die Militärvorlage thätig. Eifrig sind die offiziösen Vogel- steller dabei, ihre Lcimrnthen und Netze aufzustellen, hoffend, daß die Gimpel ihnen ins Garn fliegen. Gelogen, ge- trogen, gefälscht, entstellt wird nach Noten, alle, auch die schäbigsten Kniffe der Bismarckei werden von den gewissen- losen Vogelstellern gebraucht. Drohungen wechseln ab mit Schmeicheleien, hinter den Kulissen aber spielt sich unab- lässig ab der Kuhhandel des Kompromisses./ mit ihr über das Diskussionsthema für die folgende Ver- sammlung zu sprechen. Dies war in wenigen Minuten abgemacht nnd er hatte nichts mehr zn sagen. Zum ersten Mal konnte er keinen Stoff für die Unterhaltung mit Tanja finden. Er bedauerte, seinem Entschlüsse untreu geworden und so früh gekommen zu sein, um sich selbst zum besten zu haben. Dies versetzte ihn sofort in schlechte Stimmung. „Seit wann haben Sie Lisa nicht gesehen?" fragte er, um die unangenehme Pause auszufüllen. Er that es nicht absichtlich, konnte aber sicherlich kein ihm unangenehmeres Thema wählen. Lisa war eine sehr aristokratische Kousine Tanja's. An- drej kannte sie ein wenig, doch hatte er kein besonderes Interesse für sie. Ueberdies stand ihr Name mit der un- glückseligen Moskauer Reise in Verbindung. Denn in Lisa's Hause gedachte sich Tanja bei ihrer Ankunft in der Stadt aufzuhalten. „Seit dem letzten Winter nicht, als sie in St. PeterS- bürg zu Besuch war," antwortete sie kurz und ernst. Tanja hatte eine Handarbeit in der Hand und nähte emsig daran, das Haupt im Profil Andrej zuwendend. Es trat wieder Stille ein— eine drückende, peinliche Stille, welche gleich der erstickenden Schwüle vor dem Aus- bruche eines Gewitters die Nerven mit Unruhe erfüllt. Um die unerträgliche Spannung zn brechen, versuchte Tanja etwas vorzubringen, das mit ihrer gemeinsamen Thätigkeit in Verbindung stand und ihnen früher eine so unerschöpfliche Quelle zum Austausche von Gedanken und Empfindungen gegeben hatte. Aber Andrej ging darauf nicht ein, dazu war er nicht gekommen. Denn.als das Mädchen ihre Anstrengungen gereizt erneuerte, wnrde er böse, weil sie versuchte die Unter- Ur. 80. Erscheint tiiglich außer Montag». VreiZ pränumerando: vierteljährlich 8,30 Marl, monatlich i,u> Ml, wöchentlich es Psg frei in'S Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»- Nummer mit illiiftr. Sonntag»-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 3,30 MI. pro Quartal. Unter«reuz- dand: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 8 Ml., sür das übrige Ausland 3 Ml.pr.Monat. Elngelr. in der Post-Zeitungs- PreiZ liste sür lesa unter Nr. 6708. 10. Jahrg. AnsirtlonS-Sebühr beträgt für dt« fünsgespalten« Petitzeile oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und Versammlung»- Anzeigen 90 Pfg Inserate für die nächste Nummer müsten dt» t Uhr NachmtNag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Ervedttton ist an Wochen- tagen di» 7 Udr Abend», an Sonn- und Festlagen dt»» Uhr Vor- mittag» geöffnet. g»rnsv»»ch- Anschlag Amt I,»r. 418«. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Daruber mögen sich die Wähler nicht täuschen: die bürger- lichen Mehrheitsparteien mogeln und munkeln, was das Zeug hält. Sorge das Volk dafür, daß es nicht hinters Licht geführt werde, sehe es seinen bürgerlichen Vertretern auf die Finger. Die einzige Partei, die von Anfang an offen und einfach ihre Losung hatte: Keinen Mann und keinen Heller! ist die Sozial dem o- t r a t i e.— Dreiprozentige ReichSanleihe. Der„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, betreffend die Auf- nähme einer Anleihe ans grnnd der Gesetze vom 16. März 1836 und 26. März 1893. Danach soll auf grnnd des Gesetzes vom 16. März 1886, betreffend die Herstellung des ■Jtord-O st see- Kanals ein Betrag von 22 009 900 M. und auf grnnd des Gesetzes vom 26. März 1893, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des NeichsheercS, der Marine und der Reichseisen- bahnen, sowie zur Erhöhung der Betriebsfonds der Reichs- lasse, ein Betrag von 130 228 147 M., zusammen also ein Betrag von ISÜ J328 147 M. durch eine nach den Be- stimmungen des Gesetzes vom 19. Juni 1863 zu verwaltende Anleihe beschafft und zu diesem Zweck ein entsprechender Betrag von Schuldverschreibungen, und zwar über zwei- hundert Mark, fünfhundert Mark, eintausend Mark und fünftausend Mark, ausgegeben werden. Das Deutsche Reich ist zwar noch recht jung, aber steckt bereits bis über die Ohren in Schulden. Immer höher wächst der Betrag des R i e s e n p n m p s, denn der Militarismus ist ein un- crsättlicher Gesell, dessen Gier nicht zu stillen ist. Angesichts der steigenden Verschuldung des Reichs lärmt der Chor der Offiziösen zu gunsten der Militärvorlage, deren An- forderungen ungeheuerlich sind, sodaß unser Volk in die schwerste Bedrängniß gerathen wird. Allen volksverwüstcnden Plänen setze die deutsche Wählerschaft ein Nein! ent- gegen.— lieber den deutsch-österreichischen Handelsvertrag seit seinem Bestehen(1. Februar 1392 bis 31. Januar 1893) urtheilt das offiziöse jener Fremdenblatt": „Bekannt stno jene stürmischen Debatten im Deutschen Reichstage, in welchem die deutschen Agrarier diesen Handelsvertrag auf das schärfste verurthcillen, die deutschen Acrtragsunterhändler als Freihändler und inferiore Beamte hinstellten und die Schädigung der deutschen Landwirthschaft in den schwärzesten Farben ausmalten. Die Ziffenr des dem Wiener Jndustriellenklub nach seiner letzten Generalversarnm- lung erstatteten statistischen Berichtes über die Ausfuhren öfter- reichisch- ungarischer landwirthschastlicher Produkte nach dem Deutschen Reiche im ersten Jahre des Handelsvertrages be- künden in deutlicher Weise die Haltlosigkeit jener Angriffe, denn im großen und ganzen bewegte sich diese Ausfuhr in den gleichen Grenzen wie die des Jahres 1891. ja sie hat sogar in einigen wichtigen Produlten gegen das Jahr 1891 abgenommen. So bei Mais um 23 pCt., bei Weizen um 44, bei Roggen um 19, bei Bohuen um 38, bei Wein in Fässern um 40, bei Ochsen um 25, bei Jungvieh um 19 pCt. Eine Zunahme der Ausfuhr erfolgte bei Schweinen um lS4 pCt., bei Malz um lS, bei Eiern um 13 pCt. Also die differentielle Zollbehandlung dieser agrarischen Produkte hat uns wenig Ruhen, der deutschen Landwirthschaft wahrlich keinen Schaden gebracht. Und der Vortheil dieser differeniiellen Behandlung wird für uns nach Abschluß des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland gänzlich aufgehoben." Von großem Einfluß auf diese Zahlenbewetzung war die günstig« deutsche Ernte des verflossenen Wtrthschafts- jahres, die unsere Einfuhrmenge nicht unerheblich ver- mindert hat. Wird auch für Rußland der gleiche Tarif eingeführt, wie er den österreichischen Landwirthschafts- crzeugniffen zugebilligt ist, dann wird die deutsche Getreide- Einfuhr ein anderes Bild liefern. Denn der russische Roggen ist unser Haupteinsuhr-Getreide für Ernährtmgs- zwecke, der Bezug aus andern Ländern ist ein kostspieligerer Nothbchelf. Jedenfalls haben die deutschen Brotvertheurer bisher noch keine Ursache gehabt, so jämmerlich zu klagen, wie geschehen.— Von der Dresdener SanitatSkonferenz verlautet nichts, sie tagte hinter verschlossenenThüren in amtlicher Verschwiegen- heit. Uns däucht, der kreißende Berg der bureaukratischen Haltung auf Dinge zu bringen, die ihr nach allem, was vorgefallen war, von sehr geringem Interesse sein konnten. Er wechselte plötzlich das Gespräch trnd wandte sich Themen zu, die den Untstäudcn besser angepaßt waren,— ihren Moskauer Plänen und Bekanntschaften, an denen er jetzt ein eifriges, wenn auch nicht gerade wohlwollendes Interesse nahm. Tanja antwortete, ohne die Augen von der Hand- arbeit zu erheben. Aber ihre Finger zitterten, und die Stiche gingen oft fehl. Sie wußte sehr wohl, daß Andrej diesmal den Gegenstand absichtlich in Anregung gebracht hatte, um sie zu verletzen. Sie hatte aber den Entschluß gefaßt, sich nicht reizen zu lassen, und so lange sie es ver- hindern konnte, sich nicht mit ihm zu zanken. In drei Tagen wollte sie mit Gregor nach Moskau reisen und nach threr Rückkehr sich in einem anderen Distrikte nieder- lassen. Sie wollte nicht in Feindschaft von Andrej scheiden. Aber anstatt ihn zn besänftigen, brachte ihn ihre Ruhe an den Rand der Verzweiflung und Entrüstung. Das bewies ihm, daß er ihr so gleichgiltig geworden war, daß seine Meinung nicht den geringsten Eindruck auf sie machte. Es blieb ihm nichts übrig, als das grausame Vergnügen, sich zn überzeugen, ob diese Gleich- giltigkeit eine Grenze hatte. Er verhöhnte ihre Lieblings- plane, machte ihre Moskauer Freunde herunter und meinte schließlich, daß seiner Erfahrung gemäß Leute, die nntten aus der fashionablen Welt in ihre Reihen übergingen, nur eine Zeit lang Demokratentracht anlegen könnten, ans die eine oder andere Weise kehre der alte Adam in ihnen wieder zurück, und je eher das geschähe, desto besser sei es. Dies konnte Tanja nicht mehr ertragen. Aufgebracht, unwillig erhob sie sich von ihrem Sitze. „Hören Sie, Andrej begann sie mit vor Zorn zitternder Stimme. Auch Andrej erhob sich; bleichen Antlitzes, die rechte Hand auf den Tisch gestützt, stand er da. Der unheilvolle Geist, der ihn bis dahin beherrscht hatte, war mts ihm gefahren. Ter Moment, den er erwartete, den er hervor- gerufen und trotzdem gefürchtet hatte, war gekommen,«nd er war bereit, den Schlag zu empfangen. Der kleine Reflektor an der Wand erhellte seine gebeugte und gc- runzelte Stirn.(Fortsetzung folgt.) usammenkunft wird ein gar armseliges Mäuslein gebären. s hat den Anschein, als solle dort in erster Reihe fest- gestellt werden, wie der Kamps gegen die Cholera zu führen sei, ohne die kapitalistischen Interessen der vaterlandsliebenden Unternehmerschaft, der Großhändler, Schiffsgesellschafts- Aktionäre, Rheder, Gewerbetreibenden ernstlich zu vensehren. Ein schlechtes Zeugniß für die Sach- lichkeit des Unternehmens ist es sicherlich, daß der aus- gezeichnete Münchener Hygieniker Pettenkofer, eine Antorität ersten Ranges, zu der Sanitätskonserenz in Dresden nicht eingeladen worden. Der berühmte Gelehrte vertritt bekanntlich einen Standpunkt, der den von Koch ver- verfochtenen Anschauungen, die dem Reichs-Seuchengesetzt zu Grunde liegen, in wesentlichen Punkten widerstreitet. Es ist gerade deshalb bedauerlich, daß er zu den Dresdener Konferenzen nicht hinzugezogen wurde. Einseitig- keit ist doch gerade hier von Uebcl, und höher als Eiser- süchteleien einer wissenschaftlichen Zunft steht das G e- m e i n w o h l, das des Rothes aller hervorragenden Sachkenner bedarf.— Preußische Cisenbahnvorlagen. Der Gesetzentwurf wegen Erweiterung und Vervoll st ändigung des Staats-Eisenbahnnetzes ist dem Hause der Abgeordneten zugegangen. Derselbe schließt mit einem Gesammt-Kostenauswande von rund 48 Millionen Mark ab, darunter rund 20 Millionen zur Beschaffung von Betriebs- Mitteln für Ncubanstrecken und für die bereits bestehenden Staatsbahnen.—' In Würzen hat die sozialdemokratische Mehrbeit der Stadtverordneten die 2000 M. gestrichen, welche früher das Bürgerthnm aus städtischen Mitteln als Zuschuß zur höheren Töchterschule eingeheimst hat. Die sozial- demokratischen Gemeinveraths-Mitglieder erklärten, daß die Gründung der höheren Töchterschule dem Standesdünkel der reicheren Klasse entsprungen sei und meinten, daß die- jenigen Eltern, die eine ausnahmsweise Erziehung und Bildung und eine Absonderung ihrer. Kinder von den anderen wünschen, auch die Kosten dafür allein tragen sollten. Das Bürgerthum von der �Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" an bis zur„Freisimugen Zeitung" billigt diesen Beschluß natürlich nicht. Dieser Beschluß aber ist ver- ständig und folgerichtig. Thatsächlich trägt das arbeitende Volk, die große Masse der Steuerzahler die Hauptlast der Schul- ausgaben, die Arbeiter sind es in erster Reihe, ans deren Tasche die staatlichen und ge- meind lichen Zuschüsse für die Unterrichts- anstalten bestritten werden. Und die amtliche Statistik belehrt uns darüber, daß den L ö w e n a n t h e i l dieser öffentlichen Zuschüsse die höheren Lehranstalten, Realschulen, Gymnasien, Hochschulen(Lyzeen, Akademien, Polytechnika, Universitäten) davontragen, während die Volksschule am st i e s m ü t t e r l i ch st e n behandelt wird. In Preußen z. B. beträgt der Aufwand für den Elenientarschüler 23,3 M., für den höheren Schüler 1<;<;,7M., für den Universttätsstudeuten M., für den höheren Schüler also 7,3 Mal, für den Studenten etwa 20 Mal so viel als für das Arbeiterkind, das die Elementarschule be- sucht. Wie kommt also das Protzenthmn zu dem Anspruch, daß die Arbeiter, wenn sie es in der Hand haben, Wandel zu schassen, ihm seine Sonderrechte erhalten sollen? Hat die Bourgeoisie die Forderung der Arbeiter: Unentgelt- lichkeit des gesummten Unterrichtswesens erfüllt? In Sachsen und in vielen Gegenden Deutschlands sonst müssen die Proletarier sogar noch das Volksschnlgeld für ihre Kinder selbst zahlen. Den Großbürgern aber soll der ausgeplünderte Arbeiter noch Geld dazu beisteuern, .auf daß die„höhere Tochter" eine„feinere" Bildung er- halte. So beliebe es den btldungshungrigen Vätern der besitzenden Kreise, in ihre e i g e n e T a s ch e zu greifen und aus ihren reichen Mitteln den Zuschuß sit zahlen, anstatt als Schnorrer in Frack und Seidenhut beim Arbeiter fechten zn gehen!— Vom festen Zentrumsthnrm. Herr Lensing, der ultramontane Kandidat für Dortmund, ist ein Fusangel nahestehender, demokratisch angehauchter Katholik, der offen gegen die Militärvorlage auftritt.— In einer Znschrist ans dem bayerischen Waldan die„P a s s a u e r Z e i t u n g" heißt es:„Wir wissen, daß wir einen Reichst« gs-Abgeordneten für unseren Wahlkreis in der Person des Herrn Donikapitulars Weiß haben; wir wissen aber auch, daß derselbe selten seinen Sitz im Reichstag einnimmt, obwohl wir zur Zeit so nothivendig einen Vertreter für unfern Wahlkreis bedürfen, der unsere Interessen auch in der That vertritt... Durch Erfahrung werden auch wir Bauern klug, und sie lehrt uns, bei den nächsten Wahlen für uns zu sorgen. Bei den nächsten Wahlen werden wir einen Mann aus unserer Mitte wählen, der den bayerischen Wald und unsere Interessen kennt, und das versteht der Bauer besser als der Geistliche." Und für die bayerischen Landtags wählen versagen die Bauern gleichfalls die Heeresfolge. In dem oberpfälzischen Zentrums- Wahlkreise Neumarkt-Veilnaries, wo Hofbesitzer Lenzer und Stadtpfarrer Triller bisher das Mandat inne hatten, will man von deren Wiederwahl nichts wissen, und wie groß die aufrührerische Bewegung dortselbst ist, ergiebt sich daraus, das; bereits von verschiedenen Seite» zehn Kandidaten in Vorschlag gebracht wurden, die aber alle der Parteileitung nicht genehm sind.— Die Junker des Kreises Jcrichow haben in einer Sitzung des l a n d w i r t h s ch a f t l i ch c n Vereins zu S ch ö n h a u s e n den„genialen" Sohn des grrroßcn Staatsmannes, Graf H e r b e r t B i s m a r ck als Kandi- baten für die Wahlen zum Abgeordnetenhause und zum Reichstage aufgestellt. Ob dieser unfähige Geck, der dank einer schmählichen Vetternwirthschaft zu den höchsten Stellen im Staat gelangt war, an beiden Enden der Leipzigerstraße parlamentclt oder nicht, ist für den Gang der Dinge recht gleichgiltig. Vermuthlich wird er als treuer Sohn seines Vaters am höchsten das Landtagsmandat schätzen, das Tag egelder abwirft. Diese Null wird zu den übrigen adeligen Nullen hinzutreten, das ist alles.— Zur Eutmiindigungsfrage. Ein Berliner Hand- werker ist wegen vernieiutlichen Irrsinns entmündigt. Trotz des Entmündigungsbeschlnsses übt er nach wie vor seine Thätigkeit aus, ohne irgendwie Jemandem Anlaß zu der Vermuthnug, er sei geisteskrank, gegeben zn haben. Da ihm aber die Entmündigung begreiflicher Weise lästig ist. hat er, aus ärztliche Gutachten gestützt, beantragt, seinen Geisteszustand untersuchen zn lassen und Aufhebung der Entmündigung herbeizuführen. Das Amtsgericht hat ihn daraufhin dahin beschieden, er solle zunächst ein P h y s i- katsgutachten beibringen. Der Physikus lehnte seiner Instruktion gemäß ab, o h n e a u s d r ü ck l i che n behördlichen Auftrag,;ihn zn untersuchen. Den Antrag des Entmündigten, ein solches Ersuchen an den thysikns zu richten, hat das Amtsgerichts abgelehnt. eine Beschwerde über diese Ablehnung ist trotz direkter Bes chwerde bei dem Justtzminister zurückgewiesen. Wir bezweifeln nicht, daß die Behörden dem Gesetz gemäß entschieden haben. Ist dem aber so, so wird von Neuem bewiesen, wie unhaltbar unsere Jrren-Gesetzgebnng ist: der einmal Entmündigte ist danach nahezu rechtlos, wenn ein Amtsrichter es ablehnt, den Physikus mit einem solchen Auftrage zu versehen und trotzdem vor Einleitung des ans Wiederaufhebung der Entmündigung abzielenden Verfahrens die Beibringung eines solchen Attestes verlangt.— Theodor Barth. Der Reichstags- Abgeordnete Dr. Barth erklärt in der„Liberalen Korrespondenz", der Bericht über sein Interview, worüber wir gestern unsere Leser unterrichteten, bedürfe keines formellen Dementi's.„Ich pflege," schreibt Barth,„nn der„Nation" alle acht Tage mich in Artikeln mit Namensunterschrift und auch sonst rednerisch über öffentliche Angelegenheiten zu äußern. Es liegt ans der Hand, daß man unter solchen Umständen nicht einem Herrn, der sich als Interviewer einführt, Mittheilungcn wacht, die mit den seit Jahren öffentlich dokumentirten Anschauungen z u m T h e i l in direkten! Widerspruch stehen." Wir hatten uns darauf beschränkt, Barth's Ausführungen über die Sozialdemokratie wiederzugeben. N n d sicher bezieht sich auf diese das Dementi nicht, da sie, wie auch die deutschfreisinnige„Berliner Zeitung" feststellt, sich mit der in der„Nation" von Barth entwickelten Auffassung inhaltlich decken, mag auch das gesprochene Wort, wie dies natürlich, leb- haftcre Farben aufzeigen, als das geschriebene. Der Jnter- viewer der„Deutschen Zeitung" ist, um auch dies zu ver- zeichnen, Hermann Bahr, der Vielgcwandte, Verfasser der„Einsichtslosigkeit des Herrn Schaffte", gewesen.— Ein neueS Mittel gegen die Sachsengängerei. Zur Bekämpfung der Sachsengängcrci der polnischen Ar- beiter ist vor kurzem auf Anregung und unter dem Pro- tektorat des E r z b i s ch o f s von S t a b l e w s k i für die Diözese Gnesen-Posen eine Brüderschaft des heiligen Isidor ins Leben gerufen. Sie will Arbeiter und Arbeiterinnen durch Merschaflung von entsprechendem Einkommen so viel als möglich tn der Heimath- Diözese zurückhalten" und, falls jene doch wegziehen, sie„im engen Zusammenhange mit der Kirche" erhalten. Mitglied ist jeder Arbeiter ttnd jede Arbeiterin, die für die Sommer- monate außerhalb der Heimath ans Arbeit gehen. Ent- kleidet man diese ultramontan- polnische Gründung ihres sozialpolitischen Flittertands, so bleibt als greifbarer Rest nur das Eine: die Brüderschaft soll die polnischen Arbeiter im Zwang und Bannkreise kirchlich- junkerlichen Einflusses erhatten und sie vor einem Zusammenstoß mit der sozialen Bewegung behüten. Denn daß der Klerus, falls er es wirklich versuchen sollte, bei den Großgrundbesitzern keine Gegenliebe fände, wenn er für die Isidor- Brüder wirklich „entsprechendes Einkommen" suchte, versteht sich am Rande. Und in Wirklichkeit ist dieses„entsprechende Einkommen" nur das schönrednerische Brimborium, um den reaktionären Zweck zu verstecken.— Aus dem Reiche des Herrn v. Stephan. Der als Antisemit bekannte P o st a s s'i st e n t Schulze, der Vor- sitzende eines antisenntischen Vereins in Breslau, ist zum 1. April nach Franckenstein versetzt worden. Natürlich liefert die Strafversetzung den Antisemiten vortrefflichen Agitationsstoff, und die Postvcrwaltung offenbart zum wir wissen nicht wie viclten Male, daß sie die F r e i h e i t der Meinung in ihrer Art zu„würdigen" versteht. Das Depeschen- Bureau„Herold" meldet unter'm 5. April: „Dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Post- und T e l e g r a p h e n- A s s i st e n t e n hat der Staatssekretär des Reichs- Postamtes von Stephan die Mittheilung machen lassen, daß der Verband amtlich an- erkannt werden würde, sobald sich letzterer von dem Gründer und eigentlichen Leiter des Ver- bandes, dem früheren Postassistenten Funk, lossage. Der Verband geht aus diesen Vorschlag nicht ein." Des römischen Cäsaren Wort: Kein Tag ohne Zeile! läßt sich in das geliebte Stephan- Deutsch übertragen: Kein Tag ohne Eingriff der Stcphan-Fischerei in das gesetzlich gewährleistete Koalition s- recht deutscher Staatsbürger! Nicht mehr und nicht weniger verlangt der an chronischer Dichteritis leidende General- Postgewaltige, als daß die orga- nisirten Post-Unterbeamten ihren Verband zu einem willen- losen Werkzeug der Vorgesetzten degradircn und ihren Vertrauensmann im Stiche lassen sollen. Ehren- haste Männer antworten auf diese Zumuthung mit einem entschiedenen, kurzen: Nein! So ist es denn auch geschehen. Hat der Verband durch den Sturm und Drang aller Maßregelungen und Chikancn seinen Weg sicher und glücklich gefunden, so kann er leicht darauf verzichten, daß ihm die Gnadensonne einer mit Preisgabe seiner Unabhängigkeit gleichbedeutenden„amtlichen Anerkennung" leuchte. Es geht Heuer ein guter Zug dnrchjjie deutschen Postnnterbeamteii, und seines Geistes haben die Stephan und Genossen einen Hauch verspürt. Würden sie sonst Kompromißchcn einzufädeln suchen? Herr Gries- b a ch mag wohl berichtet haben über den Ausgang der Gcner alversammlnng des Spar- und Vorschußvcrcins, jener Gen eralversammlung, die Herr Fischer, der Chef der dritten Abtheilung, zum ersten Male nicht besucht hat. Ob er geahnt hat, was kommen würde? Jedenfalls ließ sich„der Lord entschuldigen", er war verreist!— In Sachen Schindler erhält die„Frankfurter e i t u n g' eine offiziöse„Berichtigung", die nicht isch und nicht Fleisch ist. Sielantet:„Bon vertrauenswürdiger eite erhalten wir die Aufklärung über die Ernennung des Herrn Ober- Amtsrichters Schindler zum Amtsgerichts- sekretär. Die bekannte Rede gegen Konservative und Junker steht danach mit dieser„Beförderung" nicht im Zusammen- hang, diese ist vielmehr das Resultat eines Disziplinar- Verfahrens, das seit mehreren Monaten schwebte und mit der Zustimmung des Herrn Schindler zu seiner Versehung endete."— Vielleicht findet dieser badische.Aufklärer" Elänbige.— „Selbsthilfe". An leitender Stelle veröffentlicht die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer Dicnstagnummer die in dem Fachblatt:„Der Landwirth", veröffentlichten„Mahnworte eines alten Landwirths" an seine Benlfsgenossen. Darin heißt es: Die Landwirthschaft (lies: Der G ro ß g ru nd b e sitz) könne nicht behaupten, sie habe in letzter Zeit zu wenig Beachtung gefunden. Der „Bund der Landwirthe" werde hoffentlich eine„an- gemessene Vertretung dieses ersten und ursprünglichsten Ge- werbes" sichern. Aber mehr als Regierung, Parlament, Presse könne der Landwirth selber für sich thnn. Der„alte Lanowirth" räth zur rationellstensBewirthschaftung, den Heber- gang zur neuzeitlichen Technik, das sclbstthatige Eingreifen. Er schließt:„Des Herrn Fleiß düngt den Acker wohl, d. h. des Herrn Fleiß und Intelligenz sichert den Erfolg." Mag dieser getreue Eckhardt des Großgrundbesitzes auch recht verständige Rathschläge ertheilen. Aber es hieße den Privi- legienhunger unserer abgewirthschafteten und rassgierigen Junker schlecht kennen, wenn man meinte, daß dieser halb- amtliche Wink mehr Eindruck hinterließe, als ein Lanbblatt ans dem Wasserspiegel.— Sächsische„Schneid". Wegen des Verbots einer Arbeitslosen-Statistik in Dresden seitens der Polizeidirektion hatten die Veranstalter der Statistik, nämlich der Verein Zentral- Komniission der Dresdener Gewerkschaften, Beschwerde bei der K r e i s h a n p t m a n n- s ch a f t erhoben. Diese Beschwerde ist nunmehr als u n- gerechtfertigt beschiedcn und damit das Verbot der Arbeitslosen-Statistik bestätigt worden. Ein treffliches Mittel, gesellschaftliche Mißstände»nd politische Uebel zu beseitigen, wäre hiermit dank dem Spürsinn der sächsischen Staatsmänner gefunden. Das Volk hungert, der Hunger wird glattweg verboten. Schwindsucht und AlkoholismuS dezimiren die Armen und Elenden, die Polizeidirektion schafft durch einen einfachen Erlaß in üblicher Gestalt die peinlichen Dinge ans der Welt. So kann die Cholera und die Klanenseuche, die Reblaus und die Webernoth verboten werden. Läßt sich die kecke, aufdringliche Gesellschaft trotz- dem in der Amtshauptmannschast Dresden blicken, so werden die Polizeihaft und der Schub die Luft reinigen.— Gothaisches. Ein Antrag, den unser Genosse Bock tm gothaischcn Landtage auf Einführung des a l l- gein einen gleichen Wahlrechts gestellt hatte, ist nicht mehr zur Verhandlung gekommen. Dafür hat die liberale Mehrheit die Jchtershänscr Mißstände durch ihre Abstimmung gebilligt: das ist rühmlicher und deutsch- freisinnig.— Panama. In dem am K. d. Mts. abgehaltenen französischen Ministerrathe theilte der Minister des Aeußeren, D e v e l l e, mit, daß die Regierung von Columbien eine Verlängerung von 20 Monaten für die französische Konzession zum Bau eines Panamakanals zugestanden habe.— Das neue französische Ministerium ist ein Lücken- büßer, in der Verlegenheit des Augenblicks geschaffen und bereit, in die Versenkung herabzusteigen, wenn Ersatz ge- sunden ist.— Das neue Kabinet wird, wie„Wolff's Tel.-Bureau" meldet, die Forderung an die Kammer stellen, die Reform der Getränkesteuer von dem Budget zu trennen, unter der Bedingung, daß der Senat diese Vorlage demnächst in Ge- stalt eines besonderen Gesetzentwurfes bcrathe. Die Regie- rnng werde versprechen, die von der Kammer genehmigte Reform der Gewerbesteuer zu nnterstützen und vom Senate zu verlangen, daß dieser dem Gesetzentwurf über die Bc- stcueruna der Börsengeschäfte seine Zustimmung gebe mit der Einschränkung, daß die Koulisse nicht aufgehoben, son- dcrn einem Reglement und gewissen Bedingungen bezüglich der Rationalirät des Konlissiers unterworfen würde, was ein chauvinistisches Zugeständniß zu gunsten der französi- scheu, zu Ungunsten der ausländischen Börsenhaie bedeutet, und daß der Abschluß versteckter Geschäfte verhindert werde. Das Budget würde, falls die Kammer in diesen Fragen sich aus den Standpunkt der Regierung stellte, Ende dieser Woche bewilligt werden.— Italien. Vor einigen Tagen wurde die Amtsenthebnng ocs Generaldirektors der S i z i l i a n i s ch e n B a n k, des Herzogs Della Verdura gemeldet. Die Palermi- tonische Zeitung„Gibus" veröffentlicht nun einen Brief des Premierministers Giolitti vom 29. Oktober 1892 an den Senator Tenerelli, worin dieser gebeten wird, sich beim Generaldirektor der Sizilianischen Bank, Herzog Della Verdura, zu verwenden, daß der Z e i t u u g„Faro", welche bei den Wahlen den Unterstaatssekretär Marchese Sidan- giuliano unterstützte, ein Wechsel über 13 000 Lire diskoutirt werde. Ferner veröffentlicht dasselbe Blatt den Brief eines römischen Journalisten, dessen Namen es nennt, worin dieser auf Empfehlung des Ministers Lacava 7000 Lire fordert, die er am Abend vorher nn Baccarat verloren habe. Die Veröffentlichung der Briefe ist die Antwort auf die Suspension des Herzogs vom Amte.— Die Radi- k a l e n bereiten einen Gesetzentwurf vor, der die Ab- schaffung des Salzmonopols sowie der Nah- r u n g s m i't t c l z ö l l e verlangt und den dadureli ent- stehenden Ausfall durch eine Erhöhung der Renten- st euer auszugleichen sucht; ferner soll die Erb- b c r c ch t i g u n g nur bis aus die Verwandten fünften Grades beschränkt sein und beim Mangel solcher der Nach- laß den Arbeiter- Kooperativ- Genossen- s ch a f t e n zufallen.— Bnlfonr, der Nesse Salisbnry's, agitirt in Irland gegen die Gladstone'sche H o m e r u l e- Vorlage. So fand am 4. April in B e l s a st eine große Kundgebung der protestantischen Bourgeois der irischen Provinz Ulster statt. Diese sind Gegner von Homerule, weil es das Ende ihrer Vetternwirthschaft und ihrer Vorrechte bedeutet, si.e maskircn den Futterneid aber wie üblich unter kultur- kämpserisch-religiösen Redensarten.— Für die Prestfreiheit begeistert sich sogar die frei- konservative„Post", fenes Kautschuk-Organ, das an graben Tagen für den Differentialzoll, an ungraden für die Handelsvertrags-Politik eintritt, das an, Sonnabend für, an, Sonntag, aus dem ff, gegen die Miquel'schen Steuer- gesctze sich ins Zeug legt. D. h. für die Preßfreiheit— in England. Man liest in dem Blatt:„Einen u n g e« wöhnlichen Eingriff in die Freiheit der Presse hat sich der Sergeant-at-Arms des britischen Unterhauses Erskine erlaubt. Vor einigen Tagen hatte der parlamentarische Berichterstatter des„Daily Chronicle" den Abgeordneten Ruffel„einen unermüdlichen Söldling des Unionismus" genannt. Der Abgeordnete fühlte sich durch diesen Ausdruck beleidigt und brachte die Sache im Hause zur Sprache, da ihm aber auf allen Seiten, auch von Gladstone Ehrenerklärungen abgegeben wurden, ließ er die Sache auf sich beruhen. Der Sergeant- at-Arms aber sandte dem„Daily Chronicle" einen Brief, in welchem er dem parlamentarischen Berichterstatter vorwarf, daß er das ihm gewahrte Vorrecht, den Verhandlungen beizuwohnen, mißbraucht habe, und ihn für die Zukunft warnte. Das Blatt druckte den Brief ab und am anderen Tage fragte der irische Abgeordnete Sexton den Sprecher Peel, ob der Brief mit seiner Zustimmung geschrieben worden sei und ob er auch die„Times" verwarnen wolle, welche die irdischen Abgeordneten ebenfalls„Söldlinge" genannt habe. Der Sprecher erklärte, daß er den Brief Erskincs gebilligt habe, daß derselbe aber nicht zur Ver- öffentlichung bestimmt gewesen sei. Nach kurzer Debatte wurde die Frage fallen gelassen. Ein großer Theil der Presse verurtheitt entschieden den Versuch, dieselbe einer Art Zensur zu unterwerfen."— Kommt die deutsche Preß- sreiheit auf's Tapet, so wirkt die„Post" für ihre Beseitigung, koste es was es wolle, und Verbote, Beschlagnahmen, Preß- Prozesse sind ihr eine liebliche Waffe im Kampfe gegen unbotmäßige Blätter.—- Ungarische Schmerzen. Die ungarischen Bourgeois und Junker sind kopflos, weil der Kaiser nicht nach Pest kommt. Er„meidet", schluchzt die Pester Geldsackpresse, „die Ofener Burg". Der„Riß" soll erfolgt sein, weil der Führer der ungarischen Revolution K o s s u t h zum Ehren- bürger von Pest ernannt worden sei, und weil die Honved- vereine(Honveds sind die nationalen Truppen) sich geweigert hätten, das Grab des ehrlosen, wortbrüchigen Landsknechts H e n tz i zu bekränzen. Natürlich sind diese Häckeleien innere hösisch-bürgerliche Angelegenheiten. Spaßhaft aber ist es, wenn der„Vossischen Zeitung" ans Pest telegraphirt wird:„Sämmtliche O p p o s i t i o n s b l a t t e.w erklären heute, in Ungarn gäbe es keine Republikaner und Sozialdemokraten. Die unerschütterliche Treue Ungarns gegen seinen Fürsten in Zweifel zu ziehen, sei Verleumdung und Unverstand." So prostitnirt sich die ungarische Bourgeoisie, die ihr 1643 und die Henker Win- dischgrätz, Jellacic und Konsorten vergessen hat. Daß in Ungarn eine einsinßreiche sozialdemokratische Be- w e g u n g seit Jahrzehnten blüht und gedeiht, angefeindet und verläumdet von eben dieser„Oppositions"prcsse, welche sie jetzt mir nichts dir nichts fortleugnet, ist so bekannt, daß wir kein Wort weiter darüber vertieren.— Ans England. London, 30. März 1393. In einem meiner letzten Briefe wies ich auf den Unterschied hin, den die Frage der Taktik für die Sozialdemokratie in einem Lande mit wirklich parlamentarischer Regierung, wie England, gegenüber dem noch halb absolutistisch regierten Deutschland dar- bietet, wie ungleich schwieriger sie in ersterem Lande sich stellte In Deutschland ist die Marschroute der Sozialdemokratie in allen wesentlichen Punkten von vornherein gegeben, die Gefahr, im Parlament und durch die Theilnahme an den Wahl- und Parlanientskämpfen von ihr abgelenkt zu werden, eine minime. Das bischen Parlamentarismus, das Deutschland besitzt, ist nicht viel älter n!s seine Sozialdemokratie, dieselbe arbeitete auch in dieser Hinsicht aus„jungfräulichem Boden" und war in der glück- lichen Lage, sich eine eigne parlamentarische Tradition zu schassen, ehe noch die Situation sich übermäßig lomplisirte. In England findet die Sozialdemokratie in dem'Moment, wo sich ihr die Thiiren des Parlaments öffnen, den Parlamentarismus als von lange her herrschende Macht und mit ausgearbeiteten Neber- liefcrungen für alle möglichen Komplikationen vor, Ueberliefe- rnngen, die sich beim besten Willen nicht kurzer Hand ignoriren lassen. Gleich Fußangeln stellen sie sich dein Neuling'in den Weg und man miiß theoretisch und praktisch sehr gut beschlagen sein, um nicht angesichts ihrer entweder zur Scktircrei oder zur Opportunisterei getrieben zu iverden. An diesen Zilippen schei- terten bisher alle Versuche, eine selbständige sozialdemokratische. Partei in England zu bilden. Entweder verbarrikadirte man sich hinter einen Wall sektirerischer Enthaltungsprinzipien und schnitt sich damit selbst jeden Einfluß auf die breite Masse des Volkes ab, oder man jagte dem möglichen Erfolge nach und war, ehe man es sich versah, im Fahrwasser irgend einer der beiden großen kapitalistischen Parteien. Die Sozialist League mit ihrem anarchistischen Anhang auf der einen Seite»nd die gewerki ereinlichen Arbeitor-Abgeordneten aus der anderen Seite stellen die Extreme dieses Gegensatzes dar, der sich aber in allerhand Variationen wiederholt.'Die Sozial- demokratische Föderation zum Beispiel hat ein unanfechtbares Altionsprogramm, aber ihre Aktion hat noch fast immer eine stark scktirerische Färbung zur Schau getragen. Die Fabian Society hat der Sozialdemokratie Englands Agilationspamphlete geliefert, die als Muster praktischer Ausklärung bezeichnet werden können; aber ihre politische Praxis ist possibiliftisch bis zum Extrem. Was diese beiden Körperschaften durch chre durchaus anzuerkennende propagandistische Thätigkeit auf der einen Seite gewinnen, verlieren beide auf der anderen Seite durch ihre Sucht, die Arbeiterbewegung von oben herab zu bevormunden. Sie schnitten sich aus diese Weise selbst die Möglichkeit ad, die Arbeiterpartei zu werden, und so entstand bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit, als reines Kind des Augenblicks, gezeugt durch die Notbwcndigkeit die Unabhängige Arbeiterpartei. Trotz vieler günfligcr Borzeichen bei und seil ihrer Gründung wäre es doch vorschnell, zu behaupten, daß sie bereits in Wirklichkeit das sei, was ihr Name ausspricht, eine Arbeiter-Partei. Sie ist erst der Ansang einer solchen. Noch wird sie den Beweis ihrer inneren Lebenskraft, ihrer, wenn ich mich so ausdrücken darf, politischen Gesundheit abzulegen, wird sie darznthun haben, daß sie im stände ist, den Gefahren siegreich zu begegnen, die ihr innerhalb und außerhalb des Parlaments im Wege stehen. Daß es ein gutes Programm allein nicht thut, haben wir gesehen, die Partei muß auch zeigen, daß sie mit demselben den rechten Geist vereinigt. Der Titel„unabhängig" genügt nicht, denn wie oft hat dieses Wort nicht schon den Deckmantel für die schmutzigsten Erpresser-Manipulntionen abgeben müssen— die Partei muß durch ihr thatsächliches Verkalten ihm eine Deutung geben, die jede herabwürdigende Auslegung des Wortes Lügen straft. Das Letztere ist um so nothweudiger angesichts der Mnchen- schaflen der Herren Champion und Mallinau Barry. Was man sich früher nur privatim erzählt, ist gelegentlich der ersten Kon- serenz des Vornandes der Unabhängigen Arbeiterpartei, die am 13. März in Manchester staltfand, offen zur Sprache gekommen. Herr Champion scheint nicht blaguirt(geflunkert) zu haben, als er von den Mitteln für 100 Arbeiterkandidaturen sprach, die er zur Verfügung habe. Aon den 400 Pfund Sterling, die er gm Vorabend der letztjährigen Hauptwahk durch die„Workman's Times" für die vier Londoner Arbeiterkandidaten spendete, wurde seinerzeit im„Vorwärts" berichtet. Seitdem reist Herr Champion unablässig im Lande herum und bietet mit vollen Händen Geld für Arbeilerkandidaturen aus— merkwürdigerweise fast nur in Wahlkreisen, die jetzt durch Liberale vertreten sind oder wo die Liberalen bei der letzten Wahl mit knappen Minderheiten unter- legen sind, also bei einer etwaigen Neuwahl die Möglich- keit hätten, den Torykandidaten zu besiegen. Ob überhaupt nnd in wie vielen Fällen seine Anerbietungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind, läßt sich natürlich nicht feststellen, da diejenigen, die etwa Geld genommen', nicht sehr beeilt sein werden, es an die große Glocke zu hängen, man weiß nur von den Fällen. wo Champion entweder rundweg abgewiesen oder o ufgesordert wurde, vorerst doch einmal Rechenschaft über die CU'elle seines — ich hätte beinahe gesetzt: Panamafonds abzulegen. Das erstere geschah u. a. von Seiten des Herrn John Lister, der letzthin für die Unabhängige Arbeiterpartei in Hallifar kandidirte, sowie von Seiten eines anderen Mitgliedes der Unabhängigen Arbeiterpartei im Norden Englands, dem Champion Geld angeboten hatte, um bei der Nachwahl in Pontesraet zu kcmdi- diren. Auch von Edw. Aveling, dem Champion zur Zeit der letzten Hauptwahl Geld zur Aufstellung seiner jKandidatur in Northampton angeboten, erhielt Champion eine ablehnende Ant- wort. Bon Sozialisten in Nottingham, denen Champion ebenfalls Geld behufs Auffstellung eines Slrbeiterkandidaten offerirt, wurde Champion dagegen die obige Frage vor- gelegt und dahin beantwortet, da? Geld stamm« aus verschiedenen Quellen, von Tori es, von Liberalen und von Sozialisten. NeuerdingS wiederum soll es nur der eine große Wohlthäter, der Seifen-Hudson, fem, der Champion mit den nöthigen Mitteln für seine politischen Streffzüge versieht. Wie dem nun sei, sauber ist die Geschichte auf kemcn Fall, penn wenn Herr Huvson wirklich nur das Interesse der Ardeiterklasse im allgemeinen und der jungen Partei im besonderen in» Auge hätte, so giebt es bessere, geradere Mittel, dies zu bekräftigen, statt daß er sich hinter ein oder zwei, in ihren Mitteln so wenig wählerische, niemand sür ihr Thun und Treiben verantwortliche fersonen steckt und sie in die Lage versetzt, das Gift der orruption in die Partei hineinzutragen. Das und nichts anderes ist die Art, wie Herr Champion init den ihm aus den„ver- schiedenen Quellen" zugefloffenen Gelds operirt. Der Vorstand der Unabhängigen Arbeiterpartei hat flch denn auch veranlaßt gesehen, sich aus seiner Konferenz mit der An- gelegenheit zu befassen, und nach eingehender Berathunz sine Resolution beschlossen, dahin, daß er jede Verantwortung für Personen ablehnt. Die als unabhängige Ardeiterkandidateu auf- trete?», ohne von ihm oder der Parteikonferenz als solche an- erkannt zu sein. Die Resolution ist nicht so scharf und unzweideutig. als sie»reines Erachte??s sein sollte— eine ungleich radikalere von Aveling gestellte und namentlich von den Vertretern aus Lancashire lebhast unterstützte, ivar in der Minderheit geblieben — aber sie hat den Stein in's Rollen gebracht, und sür das Nebrige wird Herr Champion wohl selbst sorgen. In der ne uesten Nummer des„Labour Elector" greift, er bereits verschiedene Mitglieder der Arbeiterpartei an und droht mit weitere»« An» griffen und Enthüllungen, wenn man ihm das Spiel veßdärbe. Nun die gleichzeitig erschienenen„Worlmans Times" eittim sehr dazu geeigneten Artikel aus der Feder des Redakieurs des VlaUeZ gebracht haben, so darf man hoffen, daß die Sache nicht so bald zur Ruhe kommt. Je eher die Partei diese koiijpromit'cirende Gönnerschaft los wird, um so besser. Was sie aus de« einen Seite— an etwaigen persönlichen Anhängern Champions— dabei verliert, wird sie aus der anderen Seite doppelt und dreifach dafür gewinnen. Dies zeigt gerade das Beispiel Manchesters. Die Delegirten von dort haben schon auf der Bradsorder Konferenz flch auf das Energischste.gegen die Chamvivn'sche Taktik a> Sgesprochen und diesen Standpunkt auch, wie schon erivähnt, ans der jetzigen Vor- stands-Kouferenz vertreten. Welchen Anhang aber die Bewegung gerade in. Manchester erlangt hat, bewies die in Verbindung mit der Borstandskonserenz abgehaltene Monstreverscr.nmlung in der Manchester Free Trade Hall. Dieser Saal, der für fünftausend Menschen. Sitzplätze hat, war aus allen diesen, sowie auf allen Stehplätzen vollbesetzt, und eine Resolution zu gunsten der Un- abhängigen Arbeiterpartei fand unter den Tausenden, die ge- kommen waren, die Redner der Arbeiterpartei zu hören, bei der Abstimmung nur zwei Opponenten. Es ist sehr gut, daß die Partei im industriellen Norden ihre Hauptstärke hat. Dort sitzt das geschulteste und zuverlässigste Element der englischen Arbeiterschaft. Was die Arbeiter in Lancashire nnd Iorkshire einmal versaßt haben, lassen sie so leicht nicht wieder los. Darum ist auch nicht zu erivarten. daß mit der jetzt erfolgten Beendigung des Lockouts der Spinnerei- Arbeiter Lancashires die Bewegung einschlafen oder zurückgehen»vird. Dazu ist erstens das Eudergebniß deS über zwanzig Wochen aufrechterhaltenen Kampfes ein viel zu ungünstiges für die Arbeiter. Ob sie unterlegen sind oder die Fabrikanten, ist eine Streitfrage, ans die ich hier nicht eintreten will,- jedenfalls haben sie in einigen Punkten nachgeben müssen, und i» anderen nichts erlangt, was sie nicht vorher schon hatten. Ferner aber ist es nicht der Lockout an sich, der in Lancashire der sozialistischen Agitation die Wege geebnet. Dazu ist derselbe auf diesen» klassischen Boden der Kämpfe zrmschen Kapital und Arbeit eine viel zu bekannte Erscheinung. Aber der diesmalige Lockout hat den Arbeitern ein Bild von den Zuständen, denen sie unter den heutigen Verhältnissen zutreiben, enthüllt, dessen eindrucksvoller Sprache sie sich nicht ci'tziehcn konnten. U?td da der Friedensschluß an diesen Verhältnissen nichts ändert, ist auch nicht abzusehen,»varum er dcrssozialistischen Propaganda Abbrinl) thun sollte. Von sonstigen Beschlüssen der Konferenz sei noch erwähnt, daß Ediv. Aveling, Keir Hardie»nd der Parteisekretär Shaw Maxwell zum internationalen Kongroß nach Zürich delegirt wurden und Aveling außerdem einstimmig beaustragt»vurde. die Partei auf der inzwischen stattgehabten Porkonserenz in Brüssel zu vertreten. Vvieskspken Vov VevaKkton. X. M. U>0. Zur Zahlung der Kurkosten war die Herr- schaft nicht verpflichtet. Die Kündigung ist allenfalls in»virk- samer Weise, nicht aber zur rechieu Zeit erfolgt. War daS Dienstmädchen mouatsivcise gemiethet, so war die am 22. März ausgesprochene Kündigung erst zum 1. Mai, war die Dienst- zeit eine längere, war' die am 22. März erfolgte Kündigung erst zum 1. Juli'wirksam. Das Dienstntädchen nnsst sich zunächst mit dem Antrage an die Polizeibehörde wenden, die Herrschaft zu veranlasse», sie»nieder anzunehmen. Ist die polizeiliche Aufforderung vergeblich erfolgt, so kann Klage(beim Amtsgericht) erhoben werden. Die Klage geht aus Lohn und angemessenes Kojt- nnd Logisgeld(«tiva 1,50 M. pro Tag). Das Geiverde- gericht entscheidet nicht in Gesindcsachen. C jähriger Abonnent. 1. Tie Abholung der Wäsche in der Zeit von 7—10 und 12—2 ist ll. E. nicht verboten; eine Ent- Icheidung hierüber haben»vir nicht ausflnden können. 2. Anmeldung geschieht aus dem Polizeirevier Ihrer neuen Wohnung. A. 1000. Die Sonntagsruhe darf in der von Ihnen mit» gctheilten Weise nicht verletzt iverden: wo, an welchem Orte stndel ein Gewerbebetrieb von 7 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends an» Sonnlag statt'? 51. Jokrsch. Ihre Anfrage ist unverständlich: bitte um Besuch zwischen 12 und 1 Uhr. Georg Merker 499. Für die Scheibe haftet nur der, der sie zerschlagen hat. Für de« Inhalt der Inserate über» nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Donnerstag, den 6. April. kSpernhan«. Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Seueo Theater. Die Anna-Lise. eutschro Theater. Der Talisman. berliner Theater. Viel Lärm um Nichts. Kesstng-Theater. Hanna Jagert. Wallner-Thrater. Der Probepfeil. Kroll'» Theater. Der Wildschütz. Kestdenz- Theater. Die beiden Champignol. Adolph Grnlt-Theater. Goldlotte. Lriedrich-Wilhelmftüdt. Theater. Orpheus in der Unterwelt. Th»ma»-Theater. Standhaft« Liebe. — Wenn man im Dunkeln küßt. Uilltoria-Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Kational-Theater. Die Hexe. Alerandrrplatz-Theater. Die Kon- fektioneuse. Utiuter-Karten. Spezialitäten-Vor« . stellung. Apollo- Theater. Spezialitäten» Vorstellung. Theater der Aeichshalle«. Epezia» litäten-Vorstellung. Kanfmann'o Uarietß. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Richter'« UariSti. Spezialitäten-Vorstellung. .■■ i.■ Adolph Ernst-Theater. Zum 5 Male: Goldlotte. Gesangsposse in 3 Akten v. Ed. Jacobson und W. Blaonstädt. Couplets theilweise v. V. Vörss. Musik von v. Stellens. In Szene ge- fetzt von Adolph Ernst. Auf. TVj Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Amerieaz»-Theater. Novität! Novität! Eier Dussel (Nulpus) Parodistifch-realistischer Vorgang in der Dachkammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von OScar Wagner. (Klemm- Ede.. Martin Bendix.) Alfred Bender in feinem neuesten Originalvortrag Der Mwllnij in Verlili. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Trockenwohner. Castan's Panopticnm. Akka Zwerginnen. Elektrisches Lrchester. Reiie NO«: Lotosbliime. Andere Illusionen. Eantoche-Theater. vasian's Irrgarten. Schreclrsnshammer. kassage- kaneptieum. Neu! Da» unerklärliche Verschwinden eine» frei in der Luft Hängend. Mädchen». 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Billet-Vorverkauf an der Zirkuskasse u. beim„Jnvalidendank", Markgrafen» straße 5la. Fr. Renz, Direktor. Moritz- Etablissement Monh- Buggenhagen. 5ßla8 Täglich: Inllrumentai-Konsert. Großer Frühstück«, u. Mittag«- tisch. Spezial-Ausschank von patzen- hofer Lagerbier, hell und dunkel. ftSr* An Koun» und Festtagen findet das Konzert in den oberen Käien statt. Entree Wocheut. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Häl« für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten:c. »lach kurzer Krankheit starb am 4. d. Mts. unser lieber Kollege, der Schriftsetzer 3163b Gustav Zöffel im 37. Lebensjahre. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Berlin, den 5. April 1893. Die Setzer d.„National-Zeltnng" Die Beerdigung findet am Freitag, Vormittag 9 Uhr auf dem St. Elisabeth- Kirchhof in der Prinzen-Allee statt. Kitte! 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Rechnen, Wechsel- recht, Korrespondenz. Geschichte(neue). Mathematik. Physiologie. 'Buchführung(doppelte). treitag. Geschichte(alte), onnabend,»,.. Rechnen. do.......— Sonntag...... Buchführung. Die mit' bezeichneten Stunden werden mit Benutzung der Doppel- Räume ertheilt. Für alle vier Kchnlen an jedem Konntag Vormittags v. S— 10 Uhr: National- Oekonomie in Schöning's Restaurant, Stallschreiberstraße 29. Die Theilnahme an dem Unterricht der ersten Woche im Semester steht Jedem, auch Nicht Mitgliedern unentgeltlich frei. Für sämmrliche Lehrfächer werden neue Schüler und Schülerinnen aufgenommen. Die Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder kann an endstehenden Zahlstellen, deren je eine auch in jeder Schule errichtet ist, erfolgen. Daselbst wollen auch die Theilnehmer und Theilnehmerinnen am Unterricht ihre Schulharten einlösen. Beitrag mindestens 25 Pf. monatlich, Schulgeld monatlich 50 Pfi An den mit* bezeichneten Zahlstellen sind auch Billets zur Urania ä 35 Pf.(welch' letztere dann nur noch eine Nachzahlung von 25 Pf. bedingen) gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches zu haben. Die Zahlstellen sind folgende: S. Börner, Ritterstr. 103. Grfindel, Dresdenerstr. 116. Klein, Schönleinstr. 8. Ehrenberg, Annenstr. 16. Schöning, Stallschreiberstr. 29, SO. Sttdostsohnle, Reichenbergerstr. 133. Kehr, Köpnickerstr. 126, 'Schulz, Admiralstr. 40», Ulrich, Wrangelsir. 84. Zubeil, Naunynstr. 85. Schayer, Reichenbergerstr. 54. Faiiorke, Wrangelstr. 16. sw. Grabe, Mariendorserstr. 3. Windhorst, Junkerstr. 1. 'Antrick, Steinmetzstr. 60, O. Ostschule, Markusstr. 31. A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. 402/3»_ E. Böhl, Frankfurter Allee 74. Radke, Krarstftr. 48. Look, Friedrichsbergerstr. 11. Ungering, Breslauerstr. 27. C. Löwenbero, Alte Schönhauserstr. 18. Wernau, Rosenftr. 30. N. Ifordschule, Müllerstr. 179». 'Oleisert, Müllerstr. 174. Gnadt, Swinemünderstr. 120. Kleinau, Gartenstr. 171. Lehmann, Brunnenstr. 83. Schmidt, Tresckowstr. 24. Baabe, Ruppinerstr. 42. Heinhart, Pappel-Allee 3/4. NO. 'Gumpel, Barnimstr. 42. Drescher, Linienstr. 50. NW. Togtherr, Stephanstr. 27a. Voss, Lübeckerstr. 8. Der Vorstand. Achtung! Handlungs-Gehilfinnen. Achtung! Heute Abend SVa Uhr, in den Arminhallen. Kommandantenstraße 20: Konstituirende Versammlung.•HS Tages-Ordnung: 1. Berathung des Statuten-Entwurfes. 2. Definitive Wahl des Vorstandes. 133/11 3. Beschlußfassung über die Ausgabe der Fragebogen. Um rege Betheiligung bittet Die Einbmtferiu. Achtung! Achtung! Fr.Vettl!liWgi». lZetrei!>etrSgttlSlhWtr)ii.Sptilhttlirbelttt. Genera!- Versammlung IMtz Sonntag, den 9. April, Vormittags lOVe Uhr,*W in Röllig's Salon, Neue Friedrichstraße 44. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vorstandswahl. 3. Vortrag des Genossen Beutler. 4. Vereinsangelegenheit und Verschiedenes. 197/9 Umtausch der alten Karlen.— Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Korstand. üepomuk- Bräu, das neueste Produkt des„Böhmischen Brauhauses". „Neponiuk-Bräu" Hauses in Pilsen vollkommen ebenbürtig zur Seite, da es aus denselben Materialien wie dieses hergestellt. nur durch Ersparnitz der Fracht- und Zollspese» bedeutend billiger ist. Mpoimck-llrä«" pnlationeu weitherziger Restaurateure", die dem „Pilsener- ähnliche Biere als„echt Pilsener" ver- schänken, wie die Vertreter des Pilsener Bieres de- haupten, denn es empfiehlt sich durch Glanz, Feuer und feinste» Hopfenaroma von selbst, wie ein Ver- such bestätigen wird. 3946L XTnirnrnnh' UrHn" � für Gesunde und Krank« ein leicht be» jji>CpOIliUK-.DI du kömmliche», wie leicht verdauliche»>vier und wird ärztlicherseits deshalb auch allen Diabetikern und Brunnen- trinkern als labendes Getränk empfohlen. Mttnnniulr Iträn" das neuesteProdukt heimischer „i�epOmUK mau 7 Industrie empfehlen wir deshalb ge- Berlin fernbitten Bestellungen schriftlich oder per Fe Amt VII, Dr.&U88.— Flaschenbier- Abtheilung neigten Versuchen und sprecher: Amt VII, Nr. an uns Amt VII, Nr. lo70 an uns gelangen lanen zu wouen. . m Flaschen(ohne Flaschenpfand, mit Patent- oder Kork- 1 Itloc. Verschluß) 20 Flaschen für 3 Mark. Va Tonne 4,50 Mark. Restaurateure und Wiederverkäufer Vorzugspreise. Berlin NO., Böhmisches Brauhaus Landsberger Allee 11— 13. 39468* A. Knoblauch. Möbel u. Polsterwaaren Aug. Herold, 'Oranienstr. 83184. Echter Langensalza'er Kautabak 31068 von Gebrüder Adler. Zu haben in den meisten Tabakhandlungen Berlins und Umgegend. Cigarren- EngroSlager in den Preislagen von M. 25,— bis M. 100,» Haupt-Niederlage» Jüdenstrasse 20._ Altenberg's ihm. Urberei, VWrei, Kar!>erl>b.-Relilig.- Anstalt, Rene Jahobstr. 17, Brunnenstr. 123, Andreasstr. 54, Frnchtstr. 36, Potsdamerstr. 57/58, emvf. s. z. Färb. u. 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Wir ersuchen die Genossen, uns ihren weiteren Bedarf an dieser Broschüre umgehend mitzutheilen. Alle nicht erledigten Be- stellungen werden sofort nach Fertigstellung des Nachdrucks effektuirt. Die„Maifest-Zeitung" befindet fich, wie schon mitgetheilt, in der Herstellung. So weit nun die Parteigenossen Slngaben über die Höhe des Bedarfs an Exemplaren noch nicht einsandten, ersuchen >vir wiederholt, dies schnellstens zu thun, damit die Auslageziffer definitiv festgestellt werden kann, und Drucklegung und Versendung beschleunigt werden können. Es liegt dies im eigenen Interesse der Parteigenossen, da sie dadurch um so früher in den Besitz der Exemplare gelangen. Alle Be- stellungen sind nur an die Adresse der Partei-Buchhandlung, Ver- lag des„Vorwärts", Berlin LV/., Beulhstr. 2, zu richten. Protest-Versammlungen' gegen die Militärvorlage find weiter abgehalten worden in Leipzig-Gohlis(Sief. Rcichstags-Abgeordneter Seifert), Donau st auf(Referent Joses- Regensbiirg), Balingen(Ref. Geck- Offendurg), Oberndorf(Res. Hildenbrand- Stuttgart). NeichStagS- Kandidatur. Die Magdeburger Sozial- demokratie hat den feit einem Vierteljahrhundert wohlbewährten Parteigenossen Klees zum Reichstags- Kandidaten aufgestellt, nachdem der bisherige Vertreter, Rcichstags-Abgeordneter Bock, erllärt hatte, daß er, wie aus seiner Wahl in den gothaischen Landtag zu schließen sei, wahrscheinlich in Gotha in den Reichs- tag gewählt werden würde und auf alle Fälle den Parteigenossen die Mühen einer Doppelwahl ersparen wolle. Die natürlich vom Nntcrnehmerthum in die Welt ge setzte Depesche: Saarbrücken, 31. März. Zwischen dem Rechts- schutzverein und der sozialdemokratischen Z e n t r a l l e i t u n g in Berlin sind Verhandlungen wegen Ankaufs des Saalbaues in Bildstock und der Druckerei ein- geleitet, ist in jeder Beziehung vollständig erlogen. Die Depesche kann nur den Zweck haben, auch die neue Leitung der Berg- arbeilerorganisntion, deren gegen die Betheiligung an der Politik gerichteten Aufruf wir kürzlich besprachen, als sozialdemokratisch zu„verdächtigen" und dadurch den fiskallschen Gruben- Verwaltungen die Möglichkeit zu verschaffen, unter dem Scheine der„Wahrung der Interessen von Thron und Altar vor der Umsturzpartei" die Bergarbeiter-Organisation auch serner maß regeln zu können, ohne nach obenhin Bedenken zu erwecken. Einen bedeutenden Sieg' bei der GemeinderathSwahl haben zur argen Enttäuschung der kartellirten Gegner unsere Genoffen in S a a l f e l d an der Saale errungen. Gewählt sind die Parteigenossen Zocher, Emmermann und Bauer. Den Gegnern dürste dieser Ausfall der Wahl schwer im Magen liegen. * Eine Parteikonferenz der Sozialdemokratie deS II. b ad i scheu Reichstags-Wahlkreises wurde am 26. März in Jlves- heim abgehalten. Sie war von 36 Delegirten aus 16 Orten besucht und konnte die erfreuliche Thatsache feststellen, daß unsere Partei abermals gute Forlschritte gemacht hat. So sind vor kurzem allein drei neue Wahlvereine errichtet worden, nämlich i-i Schriesheim, Friedrichefcld und Hemsbach, und in allen Orten, die auf der Konferenz vertreten waren, ist unsere Anhängerschasl gewachsen. Die Zahl der seit Januar im Kreise abgehaltenen Volksversammlungen betrug 23, ungerechnet die regelmäßige» Wahlvcreins-Vcrsammlungen. Dreesbach's Rede über den Roth- stand und die Bebel'sche Rede über den Zukunktsstaat wurde in einer großen Zahl von Orten vertheilt und überall, namentlich auch bei der Landbevölkerung, fanden die Verbreiter gute Aus nähme. Die Konferenz sprach dem Agitationskomitee für feine umsichtige Thäligkeit, bei der es mit den vorhandenen Geld- iniileln sehr sparsam umzugehen wußte, ihre Anerkennung aus und fastte hinsichtlich der Maifeier den an anderer Stelle der „Partemachrichten" rcgistrirten Beschluß. Die nächste Delegirten- konferenz findet in Neckarau statt. •* Maifeier. In Wolfenbüttel findet am 1. Mai eine Versammlung, am Sonntag darauf ein Fest statt. Im II. badifchen Reichstags-Wahlkreise(M a n n h e im:c.) sollen ain I. Mai allenthalben, wo es möglich, Versammlungen ab- gehalten werden mit der Tagesordnung:„Die Bedeutung des 1. Mai"; wo dies nicht angängig sein sollte, haben die Äer- sammlungen am 30. April, also am Vorabende des bedeutungs- vollen Tages, stattzusinden. In Dresden beschloß eine Volks- Versammlung,„den 1. Mai als Demonstratioustag zur Erringung der achtstündigen Arbeitszeit, sowie zur Kundgebung des Erlidaritätsgesuhls der Arbeiter aller Länder, am Tage des l. Mai zu feiern. Tie Feier soll geschehen durch Ruheulassen der Arbeit seitens aller derjenigen Arbeiter, welche im stände sind, ohne besonders schwere wirihschastliche Opfer dieses durch- zufuhren. Am Nachmittag des I.Mai soll ein Umzug mit einem daran sich schließenden Volksfest im Freien, am Abend sollen Volksversammlungen stattfinden." Tie Parteigenossen in Rosenheim, Aibling, Kolbermoor und Traunstein in Oberbayern halten die Maifeier am ersten Sonntag im Mai in Kolbermoor ab. In Nürnberg werden am Abend des 1. Mai zwei Demonstrations- Versammlungen abgehalten, während das eigentliche Fest am ersten Maisonntag stattfindet. Von der Agitation. Die rheinische Agitationstour der Fran Klara Zetkin hat wegen Erkrankung dieser Genossin ausgeschoben werden müssen. In Schwiebus fand neulich die erste, von Sozial- deniokraten einbemfeiie Volksversammlung statt. Sie war, ob- gleich ein Entree von 10 Pf. erhoben wurde, sehr gut besucht. Wohl 400 Personen füllten den geräumigen Saal des „Märkischen Hofes" und lauschten gespannt den Ausführungen des Referenten Stolpe aus Grünberg, der in �ständigem, oft von lautem Beifall unterbrochenem Vortrage die Bestrebungen der Sozialdemokratie, ihre Ziele und ihr Programm erläuterte. Hierauf sprach Stolpe über die Militärvorlage. Die Versamm- lung erklärte sich einstimmig mit seinen Ausführungen einver- standen. Unter begeisterten Hochrufen auf den Referenten und die Sozialdemokratie ging man auseinander.— Drei Tage später sollten sich alle freisinnigen Wähler zu einer„Besprechung" über die in Aussicht stehende Reichstags- Auslösung zusammen- finden; es erschienen indessen nur ganze 4 Mann und 2 Bericht- erstatter. Der Regensburger Distrikt, einer der„schwärzesten" Distrikte Bayerns, wird jetzt von der Regensburger Sozialdemo- kratie fleißig bearbeitet, um die Bolksmassen unserer Partei zu- zuführen. Die neue Militärvorlage erweist sich dabei als vor- züglicher Agitationsstoff. Auch in diesem Distrikt machen unsere Genossen die angenehme Erfahrung, daß in dem Berhältniß der Bevölkerung zur Sozialdemokratie ein bedeutender Vorsprung zu unseren Gunsten eingetreten ist. Die Hetzereien der Pfaffen ver- fangen nicht mehr wie früher, die Noth der Zeit zwingt das Volk zum Denken, und deshalb kommen ihm die sozialdemokra- tischen Versammlungen gerade recht, um zu hören, wie denn das große soziale Nebel am gründlichsten abgestellt werden könnte. So fand dieser Tage auch tn dem kleinen Städtchen Donau- st auf die bereits oben erwähnte, von dem Regensburger Wahl- koniitee einberufene Volksversammlung statt, die trotz aller Gegen- agitalion von Kleinbauern sehr stark besucht war und den Vor- trag unseres Parrcigenossen I o s es aus Regensburg, der über das Thema:„Die jetzige Lage und die bevorstehenden Wahlen" sprach, mit stürmischem Beifall belohnte. Mit allen gegen die Stimme eines Zentrumsmannes nahm die Versammlung eine Resolution an, worin die Militärvorlage verworfen und der Reichstag ersucht wird, für sie keinen Mann und keinen Groschen zu bewilligen. Weiter wird darin die Sozialdemokratie als die- zenige Partei anerkannt, die in Wahrheit die Volksinteressen vertritt. JnBeziehung auf die unleidlichenpolitischen Verhältnisse Elsaß-Lothringens erklärte auch in Augsburg eine Volksversammlung, nach dem Referate des Parteigenosse» Bueb aus Mülhausen, daß die dort noch giltigen französischen Gesetze nicht den Verhältnissen des deutschen Volkes entsprechen, dessen Angehörige doch die Elsaß-Lothringer sind; sie verlangte, daß im Deutschen Reiche alle Staatsbürger gleich behandelt werden und erachtete es für die nächste Aufgabe des deutschen Reichstages, zu den in Elsaß-Lothringen bestehenden Mißverhältnissen der gesetzlichen Bestimmungen Stellung zu nehmen. Eine dem Sinne nach gleiche Resolution wurde in M ü n ch e n gefaßt, wo bekanntlich Bueb gleichfalls sprach. Es wird für die Elsaß-Lothringer von Nutzen sein, wenn die Parteigenossen in ganz Deutschland die Ausnahmestellung der„wiedergewonnenen Bruderstämiiie" zum Gegenstand öffentlicher Erörterungen machen. Tropfen höhlen den Stein. Die reaktionären französischen Gesetze Elsaß-Loihringens entsprechen übrigens den Verhältnissen des französischen Volkes ebensowenig wie den unseren, was zum Schluß noch bemerkt sein mag. *• Die konservativen„Greuzboten" widmen den Liedern und sonstigen Gedichten, die im Verlage von I. H. W. Dietz unter dem Sammelnamen„Deutsche A r b e i t e r- Dichtung" erschienen sind und die Lieder ic. von Andorf, Frohine, Hasen- clever, Kegel, Lepp, R. L. und Scheu enthalten, einen sehr sympathischen längeren Artikel, in dem es an einer Stelle heißt: „Aber wird man fragen, sind..... diese Sozialdemokralen wahre und wahrhastige Dichter? Der dichterische Werth ihrer Verse ist gewiß sehr verschieden. Einige Erstlingsgcdichte sind bloße llebungen. Aber viele andere Stücke der Sammlung sind der Form wie dem Inhalt nach durchaus tadellos. Warum sollten auch Slrbeiter und Ardeiterführer das Versemachen im Nevenamte nicht ebenso gut verstehen wie so viele besitzende Dichter, die tagsüber bei den Akten, abends aus dem Helikon verweilten •• DaS für die sächsische'Polizeipraktlk charakteristische Verbot einer Dresdener Antisemitenversammluna, das deshalb ausgesprochen wurde, weil der angekündigte Referent Ahl- wardt hieß, veranlaßt die sozialdemokratische„Sächsische Arbciter-Zeitung" zu einen energischen Protest gegen eine solche Beschränkung der politischen Rechte. Wie erbärmlich hnnvelt dagegen die„freisinnige" Presse! In toller Wulh über den politischen Gegner Ahlwardt hat sie kein einzig Wort der 5tritik für die Handlungsweise der Dresdener Polizei, obwohl die Freiheit der SReinungsäußernng eine Hauptforderung des„ent- schiedenen" Liberalismus sein soll. Vor drei Lockspitzel warnen, wie der deutschen„Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung" aus London geschrieben wird, die dortigen Anarchisten.„Das gegen Ende des letzten Streiks von angeblich„anarchistischer Seite" ins Streikrevier aus England geschmuggelte Flug-(Hetz-)blatt„Die Rache" fand zwar dort keine besondere Gegenliebe; der Inhalt war ja so albern und spitzeldnstig, daß selbst naivere Leute, als die unglücklich„C hetzten" auf den Happen nicht angebissen hätten. Die Thatsache aber, daß der vom„Vorwärts" in Nr. 251, 1. Beilage vom 13. November 1892 entlarvte Lockspitzel Richard Hamm (früher in Berlin) der Spießgeselle der beiden Persönliche leiten(ihr geistiges Oberhaupt) war, welche die „Die Rache" ins Streikrevicr zu besorgen, sie her- zustellen hatten, muß doch der Welt offenkundig gemacht werden, weil sie beweist— wie's gemacht wird!"— Wozu? und warum?— das mag sich der Leser selber sagen. Das uns vor- liegende Flugblatt einer„Gruppe" Londoner(deutscher) Anarchisten trägt den Kopf:„Nr. 3. Der Revolutionär" und beginnt: „Warnung!„Die drei Helden der Neuzeit". Wir sehen uns genöthigt, die Genoffen allerorts, vor allen aber die Genossen in Deutschland, vor den Arbeitern Simon und B e r g e r zu warnen. Letzterer führt auch den Namen Vogel; beide sind Klempner(Spengler), welche aber das Arbeiten gern den Dummen überlasse». Es ist Thatsache, daß Simon von der Misston des Hamm vollständig unterrichtet war, er wußte, daß Hamm in Berlin in Diensten der Polizei gestanden, er wußte, daß er hier in London mit der Polizei in Verbindung stand, und daß sein Ansuchen um höhere Besoldung mit dem Bemerken zurückkam, er müßte mehr, er müßte bedeutenderes bringen.— Hamni (so sagt das Flugblatt weiter), deredete einige Genossen, bei der Fabrikation von Bomben behilflich zu sein — er werde alle Auslagen bestreiten.— Nach der Entlarvung im„Vorwärts" verduftete Hamm von London; bald darauf Simon„als Agitator ins Kohlenrevier". Dorther schrieb Simon Briefe an seinen Spitzelkollegen Berger, um diesen wenigstens ins Vertrauen der Londoner aufs neue zu bringen. Bcrger hatte das im Kohlenrevier verbreitete Flugblatt zu verfassen, Simon es bei den deutschen Kohlenarbeitern zu verbreiten und zu ver- agitiren; und da sage uns nun noch jemand, in wessen Jnter- essen und Auftrag im Streilrevier gelockspitzelt wurde?— Die sonst so wohlunterrichtete Presse der Kohlenherrschaften schweigt; die in London so wohlunterrichtete Polizei schweigt über das famose Anarchisten-Flugblatt mit den Enthüllungen."— O! über diese begehrlichen, mulhwilligen Slreikurhever und Förderer, die — Bergleute natürlich!-- liebet diese Hetzer, diese Gesetzes- und Ordnuugsverächter,— diese— Sozialdemokraten natürlich I Oesterreichische Zensurbliithe. Brünner„Volksfreund" vom 30. März nach der Konstskation:„Immer gemüthlicher wird---- konfiszirt." AuS der Schweiz. Im vierten Kreise Zürichs wurde der Parteigenosse Buchdrucker Kern, der auch auf der demo- kratischen Liste stand, in den Großen Stadtrath gewählt. In Genf sind 15 Gewerkschaften und politische Vereine der sozialdemokratischen Partei beigetreten. Bisher war der Einfluß der Partei dort sehr schwach. Todtenliste der Partei. Gestorben ist in Wandsbek der Parteigenosse W. Müller. In Leipzig-Kleinzschocher ist am Abend des ersten Osterfeiertages der Tischler Karl Heinicke infolge eines Schlaganfalles verschieden, nachdem er wenige Stunden vorher noch mit Parteigenossen spazieren gegangen war. Heinicke hat namentlich unter dem Sozialistengesetz m den vordersten Reihen des Proletariats gekämpft. PolizeiNcheS, Kericht'licheS«. — Redakteur Adolf Thiele in Würzen ist am I.April nach verbüßter Strafhast aus dem Gesängniß entlassen worden. — Redakteur L i n x w e i l e r in Elberfeld hatte in der„Freien Presse" die im städtischen Feuerlöschwesen herrschenden Mißstände tadelnd besprochen. Dadurch fühlten sich der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung von Elberfeld beleidigt. Folgte also der übliche Prozeß. Die Strafkammer erkannte W, daß der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, verurtheilte ihn aber wegen formaler Beleidigung zu 100 M. Geld- oder 10 Tagen Gesängnißstrafe. Auf die verhältnißmäßig hohe Strafe wurde erkannt, weil Genosse Linxweiler„viele Bor- strafen" hatte. — Die Strafkammer in Neustadt O.-S. hatte am S.Januar den Genossen Schöbe! zu 2 Monaten Gesängniß verurtheilt. Das Reichsgericht hob das Urtheil auf und überwies die Angelegenheit derselben Strafkammer zur nochmaligen Verhandlung. — Wegen Beleidigung eines Gendarmen verurtheilte das Schöffengericht in Ballenstedt den Genossen Karl Schulze in B e r n b u r g zu 50 M. Geldstrafe. Der Amtsanwalt hatte zwei Monate Gesängniß beantragt. — In Dresden verbot die Polizei dem Altstädter Sozial- demokratischen Berein, bei der Märzfeier folgende Lieder zum Vortrag bringen zu lassen:„Sozialistenmarsch" von Gramm, „Morgeuzurus"(„Die Lerche war's") von Scheu,„Der Zukunfts- staat"(Kouplct),„Weihelied" von Joel,„Es dämmert" von Rieva. Diese Stücke sind öffentlich im Druck erschienen und kein Gericht im ganzen Deutschen Reiche hat sie jemals beanstandet. Da es der Kürze der Zeit halber nicht mehr möglich war, den Be- schwerdeiveg mit Erfolg zu beschreite», so kehrte sich das mit der Anmeldung deS Festes beauftragt gewesene Vorstandsmitglied Sindermann nicht an das polizeiliche Verbot, Dasür soll Sinder- mann nach Ansicht der Polizei 150 M. Strafe bezahlen, hofft aber im Wege der Beschwerde zu erreichen, daß die Polizei dieses Sümmchen nicht bekommt. — Der Redakteur der„Freien Presse' in Apolda. Genosse Haupt, sollte sich der Ausreizung verschiedener Be- völkernng? klaffen zu Gewallthätigkeiten schuldig gemacht haben. Das Schöffengericht sprach ihn frei. — Eine Versammlung in Seehausen bei Bremen, die vom Pastor Daniel Focke einberufen war, um für die Militär- vorläge Stellung zu nehmen, dann jedoch von den zahlreich er- schienenen Sozialdemokraten, die auch das Bureau in die Hände bekamen, zu einer Kundgebung gegen die Militürvorloge benutzt wurde, erhält jetzt, nachdem seit jener Affäre nicht weniger als etwa fünf Monate vergangen sind, noch ein eigenartiges Nach- spiel dadurch, das man nunmehr drei Bremer Genossen, die in jener Versammlung das Bureau bildeten, in je öv M. Geldstrafe nehmen will, weil sie als Leiter einer nicht angemeldeten Ver- sammlung sungirt hätten(§ 6 des Bremer Vereins- und Verf.- Gesetzes). Natürlich werden die Betreffenden gerichtliche Ent- scheidung beantragen und in der Verhandlung vor Gericht den Nachweis erbringen, daß nicht sie, sondern Pastor Focke Ein- berufet der Versammlung war und als solcher selbstverständlich auch für die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung der Versamm- lung zu sorgen halte. — Die Kreisdirektion zu Straßburg i. E. bat abermals eine öffentliche sozialdemokratische Versammlung, die in Bischheim stallfinden sollte, ohne Angabe von Gründen verboten. Das Verbot erfolgte auf grund des französischen Gesetzes vom 6. Juni 1368. — In St. I n g b e r t wurde Genosse D u l I e n s wegen Beleidigung eines Gendarmen vom Schöffengericht zu v Tagen Gesängniß verurtheilt. Er soll, wie uns gemeldet wird, dem Beamten in„unhöflichem Tone" begegnet sein. — Oesterreichische Ordnnngslümmeleien. Zur Krakauer Landeskonferenz der galizischen Sozialdemokratie wurden in Lemberg mehrere der bei solchen Gelegenheilen üblichen Begrüßungstelegramme aufgegeben. Das erste laulete:„Besten Erfolg in der Arbeit zur Verbreitung und schnellem Siege der Gerechtigkeitsidee wünschen die Lcmbcrger Sozialistinnen." Der Telegraphenbeamte wies die Beförderung dieses Telegramms zurück mit dem Bemerken, daß es gegen das Strafgesetz verstoße. weil darin der„Wunsch nach Störimg der öffentlichen Ordnung" ausgedrückt sei!!! Aber nicht nur dieses Telegramm wurde inhibirt, sondern auch folgende:„Die Lembergcr sozialistische Jugend sendet Grüße und wünscht den versammelten Genossen besten Erfolg."—„Die Klempnergenossen Lembergs senden brü- derlichen Gruß. Hoch die internationale Sozialdemokratie."— „Im Geiste sind wir mit Euch! Es mögen Eure Berathunaen zur Befreiung des Proletariats beitragen. Mit Euren Beschlüssen solidarisiren wir uns und aus tausend Kehlen erheben wir den Ruf: Hoch die Sozialdemokratie. Die Lemberger Bauarbeiter." IToftalcs; Die Wohnungsreformer, welche Berlin mit billigen Ar« beiterwohiihäusern versorgen wollen, entfalten wieder eine rege Thäligkeit, seit die Altersversicherungs- und Jnvaliditätsanstalt sich dazu hergiebt den Grund und Boden sowie das darauf aus- geführte Bauwerk mit�/s, ja theils sogar bis zu3/«, des Werthes beider zu beleihen. Die weniger kräftigen Mitläufer in dem Wetllauf um die Versorgung der Ardeilerwelt mit Wohnräumen konnten die Entschließungen der genannten Reichsanstalt nicht abwarten und sind inzwischen selig eingegangen, die übrig- gebliebenen machen um so größere Slnslrengungen, ihre Spekula- lionsprojekte zu fördern. Es ist ganz erstaunlich, was für Projekte auf diesem Gebiete ausgeklügelt worden. Wiederholt haben wir in früheren Jahren auf die Volks- beglückungspläne solcher, gemeinnützige Firmenschilder tragender, Baugenossenschasten hingewiesen, die sich bisher stets noch als ganz gewöhnliche Spekulations-Unternehmungen, im besten Falle aber als harmlose Spielerei für beschästigungslose Millionäre und ordenslüsterne Streber erwiesen haben. Die Arbeiter. welche die Tendenzen unserer Wohnungsphilanthropen von vorn- herein richtig durchschauten, haben den» auch deutlich genug zu verstehen gegeben, daß sie von dieser Art Volksbeglückung nichts wissen wollen, und die Bangenossenschaslen haben inzwischen wohl sämmlljch ihre Statuten„revidirt", iu dem Sinne, daß sie " ihre Fürsorge der undankbaren Arbeiterivelt entzogen und auf die bemittelteren Volksklassen übertrugen. Eine Gesell- fchast nur besteht noch, welche unseres Wissens mit dem vierten Etuude kokettirt, und gerade jetzt wieder durch lange Inseracte wohnnngsbedurstige Arbeiter zu tödern sucht. Es ist dies die unter Vorsitz des Fürsten Otto zu Stolberg-- Wernigerode stehende„Deutsche Volksbau-Gesellschaft". In Groß- Lichterfelde, an der Potsdamer und Anhalter Bahn, in Hermsdorf und in Neu- Stahnsdorf erbaut st- in der Preislage von 4000 M. an auf- wärts Landhäuser mit Garten,„ohne daß es für die Erwerber einer größeren Anzahlung bedarf", wie es in den Inseraten so schön und verloekend heißt. Der Erwerber deS Anwesens hat nur nöthig, sich in eir»er bestimmten Lebensversicherungs-Anstalt (meist auf 30 Jahre) ciinznkanfen und nur 80,0 M. für 1000 M. Grundkapital als Prämie und 4pCt. als Miethe zu zahlen. Das scheint auf den erste» Blick in der That außerordentlich ver- lockend und mancher wag sich schon mit dem anregenden Offert beschäftigt haben. In Wirklichkeit ist das Angebot der deutschen Bolksbau-Gesellschast aber ein derartiges, daß der Erwerb eines solchen Anwesens kein Vortheil ist. Schon die 80,6 M. und 4 pCt. Miethc auf je 1000 M., würden bei dem bescheidenen Anwesen von 4000 M.(Wertheinschätzung) 282,40 M. laufende Ausgaben bedingen. Dazu treten dann Rcallasten, wie Grund- und Gebändesteuer, Feuerkasse, sonstige Ausgaben und mindestens. 4S M. jährliches Fayrgeld nach der Stadt, in Summa 80— 8S M., so daß eine Mieihe iruf zubringen wäre von 365 M. Und für diese horrende, für dmArdsiter natürlich nicht auszubringende, Miethe hat derselbe die Annehmlichkeit weitab von Berlin, und auch dann noch 10 Minuten vore Bahnhof seines Vorortes, 80 Jahre wohnen zu müssen, gleichviel in welche Richtung der Millionenstadt ihn der Kampf ums Dasein hinverschlägt. Dann allerdings, wenn er das Glück hat, den ca. 70. Geburtstag zu erleben, ist er— Haus- besitzer und kann sich an dein Anblick seiner Landvillegiatur weiden. Stirbt er früher, so füllt das Besththum allerdings auch an seine Angehörigen, wie das im Wesen der Lebensversicherungs- Police liegt, das allein aber kann nicht darüber hinweg täuschen, daß man es hier mit einem vom nürthschaftlichen wie sozialen Standpunkt absolut ungeeigneten, ja für jeden Arbeiter unmöglichen Projekt zu thun hat. Der Traum vom eigenen Heim ans eigener Scholle zerrinnt auch bei dieser Volksbeglücknngsgesellschaft vor jeder ernsten Kritik wie der Märzschnee vor der Sonne, und nebst vielen anderen Wünschen wird auch in Zukunft der Arbeiter den Wunsch nach einem eigenen Heim still im Busen verschließen müsse». N u r durch s i ch selbst, aus eigener Kraft wird die Arbeiterwelt auch die Arbeiter Wohnungsfrage lösen. Die Wahl dce zehn Rrbeitgebev in den Ausschuß für gewerbliche Gutachten im Gswerbegericht wurde am Dienstag Abend vollzogen. Von den 210 Beisitzern waren lös erschienen, einer derselben enthielt sich der Abstimmung. Der Parteigenosse Wilhelm Börner halte das„Koniirce zur Gründung der Ver- einigung der Beisitzer des Berliner Äewerbegerichts" zu veran- lasten gewußt, auch einen sozialdemokratischen Arbeitgeber, den Korbmacherineistcr Jungnickel, in seine Kandidatenliste anfzu- nehmen. Es sei erwähnt, daß das Komitee sich am Vorabend der Wahl an die die Majorität der Beisitzer bildenden Hand- werker und Kleingewerbetreibenden mit der Auffordernng ge- wendet hat, dafür einzutreten, daß den Großindustriellen und Kaufieuten nicht alle Sitze im Ausschuß zufielen. Auf diese Agitation dürfte es zurückzuführen sein, daß unter reger Bethei- ligung an der Wahl die Liste der Kleingewerbetreibenden siegte. Gewählt wurden: J. I. Angreß, Schneidermstr., Kraiisenstr. 30 mit 84 Stimmen 2. Friedrich Quiel, Knpferschmiedemstr., Alt- Moabit 46, 100 3. Adolf Werkmeister, Goldleistenfabrikant, Schmidlstr. 8 a,„ 151„ 4. Friedrich Wollschläger, Barbier, Nieder- wallstraße 24.„ l',7„ 5. Theodor Müller, Gastwirth, Hegelplatz S,„ loi � 6. Friedrich Jungnickel, Korbmachermeister, Wienerstr. 11,„70 7. Ferdinand Wittnebel, Malermstr., Steg- litzerstrnße öS.„61, 8. Eugen Ebert, Techniker, Grenadierstr. 22, 80 S. Rudolf Schilowsky, Tischlermstr., Weiden- weg 13,„ lg? u 10. Weigert, Knopf- und Werkzeug-Fabrikant, Anllamerstr. 33,„ 73„ Nach vollzogener Wahl erklärte der Magistrats-Assestor Herr Dr. Freund die vorgenannten Herren gemäß§ 82 des Ortsstatuts für gewählt. Die Herren Trieschmann, Restauratenr, Jüdcnstr. 55, und F. E. Körner, Grubenbesitzer, Elffabethstr. 28, sammelten während der Stimmenauszählung ungefähr 50 Unterschriften zu einem Protest gegen diese Wahl, da dieselbe nicht acht Tage vorher bekannt gegeben worden sei. Jedenfalls aus Aerger dar über, daß ihre Liste in der Minorität blieb. Die am Mittwoch Älbend vollzogene Wahl von zehn Arbeitnehmern in de» Ausschuß ging, wie zu erwarten war, glatt von stalten. Gewählt wurden die bekannt- lich am Donnerstag Abend voriger Woche nominirten Kandidaten, nämlich Bäcker Pfeiffer, Hausdiener Grauer, Töpfer Thieme, Former Körsten, Klavierarbeilcr Riediger, Schneider Pfeifer, Buchdrucker Stößel, Glasschleifer Mailchen, Arbeiter Läppte und 5tellncr Ebert. Die ganze Wahlhandlung war ln kaum zehn Minuten erledigt. Rcktistzirnna. Auf die Beschwerde des Vorsitzenden der am 16. März bei B o l z. Alte Jakobstr. 75 auf grund des§ 5 des Vereinsgesetzes aufgelösten öffentlichen Hausoienerversaimnlnng, des Genossen Karl Aldodt, eröffnet der Polizeipräsident diesem unterm 4. April, daß er die AuflSsung der Versammlung für nicht gerechtfertigt erachtet und er den betreffenden überwachenden Beamten mit entsprechender Weisung versehen habe. Die Auflösung der Versammlung erfolgte, nachdem Ge- nosse Rain in der Diskussion dem bekannten Agitator für Ab- schaffung des römischen ZinsrechteS, Rentier Bolz, nachzuweisen gesucht hatte, daß die von Herrn Bolz erstrebte Beseitigung der Uebel des römischen Zinsrechts nur durch den Sozialismus zu erzielen sei.— Die ungerechtfertigte Auflösung der Versammlung hat ihre Rüge erhallen, aber damit ist das Unrecht noch nicht gesühnt. Die Einberufer haben vergebens Könen und Zeit für die Ver- fammlung eingebüßt� und sehen sich genöthigt, zur Erledigung der Tagesordnung eine neue Versammlung rinzubernfen. Gegen die Wahl von weiblichen Vorstandsmitgliedern ia den Krankenkassen wird jetzt lebhaft Front gemacht. So schreibt uns ein Reporter: Die letzten Wahlen brachten in verschiedenen Ortskrankenkassen junge Mädchen und Frauen in den Vorstand; seitdem haben nun wiederholt Vorftandssitzungen stattgefunden, bei denen Krankheitsfälle von Männern nolhgedrnngen zur Sprache kamen, die dazu führten, daß die weiblichen Vorstands- Mitglieder aufstanden und das Lokal verließen, wodurch natürlich die Versammlung beschlußunfähig wurde. Da diese Vorgänge sich wiederholten, wird seitens der in ihren Vereinsinteressen Ge- schädigten bei dem Polizeipräsidium dahin petitionirt werden, daß seitens dieser Behörde weibliche Vorstandsmitglieder von Orts-Krankenkassen für beide Geschlechter nicht mehr genehmigt werden. Bevor uns nicht nähere Thatsachen bekannt sind, möchten wir doch Zweifel hegen, daß eine solche Petitton erfolgt sei sowie daß sie Erfolg habe. Wir bezweifeln zunächst, daß die»oeib- lichen Vorstandsmitglieder das Lokal blos aus dem angeführten Grunde verlassen haben; wir können uns nur die Möglichkeit denken, daß sie durch unangemessene Bebaudlnng der betreffenden Fälle gewissermaßen„fortgegranlt" sind. Hoffentlich erhalten wir von den betheiligten Arbeiterkreisen näheren Bericht. Die Strafabtheilnng des Landgerichts ll hat mit dem 1. April endlich den fehlenden Direktor erhalten. Herr Amts- gerichtsrath Renkhoff, bisher Kasfenkurator und aufsicht- führender Richter beim Amtsgericht Berlin I, ist zum Direktor ernannt worden und wird den Vorsitz in der zweiten Straf- kammer am Landgericht II übernehmen. Ein Schiffs-Unglück, welches leider ein Menschenleben ver- nichtece, hat sich am zweiten Feiertage, wie uns nachträglich be- richtet wird, auf dem Müggelsee abgespielt. Drei Berliner Schneidergesellen, Paul Colombeck, Constantin Sonne und Ernst Tietz hatten am Montag Vormittag einen Ausflug nach Friedrichshagen gemacht und ein kleines Boot gemiethet, aus welchem sie den Müggelsee befuhren. In der Nähe der Försterei Müggelsee kamen die jungen Leute ans die Idee, die Plätze zu wechseln, dabei gerieth das kleine Fahrzeug ins Schwanken und schlug um, Colombeck und Sonne vermochten sich an dem um- gekehrten Boote anzuklammern, der 20 jährige Tietz jedoch, welcher verzweifelte Anstrengungen machte, sich über Wasser zu halten, verschwand kurz, bevor die Hilse kam, i» den Fluchen und er- trank. Etwa 20 Minuten mußten die Schiffbrüchigen in der ent> setzlichen Lage ausharren, bis sie gerettet werden konnten. Ein von Rahnsdorf kommendes Segelboot nahm die bereits Erstarrten aus und schaffte sie nach Friedrichshagcn, wo ihnen ärztliche Hilfe und sorgfältige Pflege zu Theil wurde. Der ertrunkene Tietz wohnte Gartenstr. 166; gransam trifft das traurige Schicksal ihres einzigen Kindes die in Stettin wohnenden betagten Eltern, die im vorigen Jahre schon einen Sohn durch Ertrinken verloren haben. Die Leiche des jungen Mannes ist bis jetzt noch nicht ge- funden worden. DaS Messer hat in Berlin am gestrigen Abend wieder eine böse Rolle gespielt. Der Schlächtergeselle Adolf Kuschat betrat gegen llPs Uhr das am Zionskirchplatze gelegene Geschäft des Schlächtermeisters B. Kuschat war früher dort in Stellung ge- ivesen und unterhielt ein Liebesvcrhältniß mit einem dort dienenden Mädchen. Da er von diesem 6 M. verlangte, welche er vorgab, seiner Zeit für seine Angebetete verausgabt zn habe», so entstand ein Wortwechsel, bei dem sich der Schlächtermeister aus Seite des Dienstmädchens stellte. Man kam zn Thätlrch- keite», und Kuschat ergriff schließlich die Flucht. B. lief mit einem Schlächlermeffer seinem früheren Gesellen nach und stach ihn fünf Mal in den Kops. Kuschat brach sofort bewußtlos zu- sammen und wurde durch die Polizei nach der Charitee befördert. — Noch schlimmer erging es gegen 9 Uhr dem Drechslergesellen Wilh. Hahn. Er hatte mit seinem Nebengesellen, dem 63 Jahre alten Julius B., einen Wagen nach der Reinickcndorserstraße zu befördern; unterwegs kamen Beide in Streit, und B. äußerte drohend:„Na, warte nur, wenn wir zn Hause angelangt sind, werde ich es Dir schon besorgen." Als sie dann das Grundstück Neinickendorferstraße 37«. betreten hatten, versetzte B. dem Hahn mit einem Messer vier Stiche in den Kopf und in den Rucken. Tie Verletzungen Hahn's sind derartig schwer, daß sein Ableben erwartet wird. Ertränkt hat sich gestern Nachmittag im Plötzensee der aus dem Bahnhos Friedrichstraße bcdienstete Stations- Assistcnr Schließer. Er wohnte in der Perlebergerslraße 26 b und stand der Gepäckabfertigung vor. Hier hat er sich nun Unregelmäßig- leiten zu Schulden, kommen lassen, die eine längere Freiheits- strafe»ach sich ziehen mußten. Schließer zog der entehrenden Strafe den Tod vor. Marktpreise in Berlin am 4. April, nach Ermittelungen des königlichen Polizeipräsiviums. Weizen per 100 Kg. guter von 15,50— lö,00 M., mittlerer von 14,90—14,50 M., geringer von 14,40—14,00 M., Roggen per 100 Kg. guter von 13,10 bis 12,90 M., mittlerer von 12,80—12,70 M., geringerer von 12,60 bis 12,40 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20—15,10 M., geringe von 15,00—13,80 M. Hnser per 100 Kg. guter von 15,90—15,30 M., mittlerer von 15,20—14,70 M., geringer von 14,60 bis 14,00 M. Stroh, Nicht- per 100 Kg. von 4,65 bis 4,00 M. Heu per 100 Kg. von 7,00—5,20 M. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40,00—24,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 80,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00-4,50 M. Rind- fleich von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Banchfleisch per 1 Kg. von 1,80—0,90 M. Schweinefleisch per 1!kg. von 1,50—1,20 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1,60—0,30 M. Hammelfleisch per 1 Kg. von 1,50—0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2,80—1,80 M. Eier per 60 Stück von 4,00—2,40 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M, Aale von 3,00 bis 1,40 M. Zander von 2,40-1,00 M. Hechte von 1,80-1,00 M. Barsche von 1,60—0,70 M. Schleie von 2,40-1,00 M. Bleie von 1,40—0,80 M. Krebse per 60 Stück von 10,00-8,00 M. Polizeibericht. Am 4. d. M., Abends, verletzte der Arbeiter Branner auf dem Hofe des Grundstücks Reinickendorferstr. 28, infolge eines Streites den Drechsler Hahn durch Messerstiche in den Kopf so schwer, daß dieser nach der Charitee gebracht werden mußte. Brauner wurde verhaftet.— Vor dem Hanse Fehr- bellinerstr. 21 fand zwischen einem Schlächtermeister und seinem entlassenen Gesellen eine Schlägerei statt, bei der der letztere so bedeutende Verletzungen erlitt, daß seine Ueberführung nach der Charitee erforderlich wurde.— In der Nacht zum 5. d. M. sprang eine Erzieherin aus dem Fenster ihres im 4. Stocke deS Hauses Kreuzdergstr. 15 belegenen Wohnzimmers auf die Straße hinab und verstarb auf der Stelle.— Im Lause des TageS fanden fünf kleine Brände statt. GevitfikSrBeiknuip Der bereits an Sinarchistenprozes, gegen den Vergolder Hermann L e i m e r t, den Zigarrenmacher Wilhelm Hermann, Handlungsgebilsen Max Großmann, Metall- arbeiter Otto G e r n d t und Schlosser Max Lorenz gelangte gestern vor der dritten Strafkammer hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung. Leimert, G erndt und Lorenz werden be- schuldigt, an einer Verbindung theilgenommen zu haben, deren Dnsein, Verfassung und Zweck chor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll, in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam versprochen wird und zu deren Zwecke» ge- hört, Maßregeln der Verwaltung oder die Vollziehung von Gesetzen durch imgesctzliche Mittel zu verhindern. Leimert, Hermann und Großmann werden außerdem beschuldigt, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander angereizt zu haben. In London besteht ein anarchistischer Klub „Autonomie", welcher den Sammelpunkt für die Anarchisten aller Länder bildet und seit Jahre» auch eine anarchistische Zeitung, die„Autonomie", herausgiebt. Nach Ansicht der Anklageoehörde Kl dieser Klub eine geheime Verbindung im Sinne der ßß 128 und 129 Str.G.B. und es wird angenommen, daß derselbe in den verschiedenen Orten, auch in Deutschland, seine Filialen hat. Im November d. I. wurde bei Leimert eine polizeiliche Haussuchung gehalten und bei derselben eine ganze Reihe von anarchistischen Flugblättern, Ans- rufen, Liederbüchern und auch zwei Jahrgänge der„Autonomie" vorgefunden. Leimert ist der Polizei als Anarchist und intimer Freund des bereits verurtheilten Anarchisten Wagenknecht be- lannt, er soll auch viel in anarchistischen Gesellschaften verkehrt haben. Man beschlagnahmte auch verschiedene Korrespondenzen, darunter solche mit dem Anarchisten Petersen in Altona, dem Korrespondenten der„Autonomie" Joses Schütz und andere, und diese Korrespondenzen sollen die Beweise dafür enthalten, daß sich die Angeklagten der Geheim- Windelei schuldig gemacht haben.— Die Aufreizung wird darin gefunden, daß Leimert am 11. November, zum Jahrestage der Hinrichtung der Anarchisten in Chicago eine beim Buchdrucker Ginzel hierselbst hergestellte„Arbeiter- Zeitung" herausgegeben »nd verbreitet hat, veren Inhalt die Klassen gegen einander verhetzt haben soll. Leimert wurde von Schutzleuten dabei betroffen, als er die frisch gedruckte Nummer des Blattes unter das Publikum brachte. Außer ihm hat auch Hermann Artikel für diese Nummer geliefert, wäh- rend Großmann in einem Gedichte die„Opfer von Chicago" verherrlicht hatte.— Die Verhandlung fand auf Autrag des Staatsanwalts Fiedler unter Ausschluß der Oeffeullichkeit statt. Die Verhandlung in Sachen der Geheim- bündelei wurde schließlich ausgesetzt, weil der Gerichtshof den von den Rechtsanwälten M ü h s a m 1 und Bieber gestellten neuen Veweisanträgen ans weitere polizeiliche Erforschung des wahren Charakters des Londoner Klubs„Autonomie", sowie des Ursprungs einzelner bei Leiniert gefundener Briefe, staltgeben zu müssen glaubte.— Wegen der Aufreizung beantragte der Staatsanwalt gegen Leimerl zw ei Jahre, gegen Hermann anderthalb Jahre, gegen Großmann ein Jahr Gefängniß.— Ter Gerichtshof vernrtheilte Leimert zu sechs Monaten Gefängniß unter Anrechnung von vier Monaten auf die Untersuchungshaft, Hermann zu drei Monaten, die als verbüßt erachtet wurden und sprach den Angeklagten Großmann frei. Ter Gerichtshof erachtete die Artikel„Minoritäten" und„Zum 11. November" für aufreizend, weil darin das Mittel der Revo- lution als das RadikaliniUel der Anarchisten angepriesen wurde. Die poetische Verherrlichung der Anarchisten von Chicago erachtete der Gerichtshof deshalb nicht für strafbar, weil der An- geklagte Großmann glaubhaft versichert hatte, daß nach seiner Ueberzeugung die hingerichteten Anarchisten an dem ihnen zur Last gelegten'Attentat unschuldig gewesen seien. Der vielbe endete mit der Altonaer Nuarchiste»« Prozeß Freisprechung der Angeklagten Schuhmacher sprochcne Freisprech Petersen wurde wegen Widerstandes gegen vre e-laalSgewati zu 6 Wochen Gefängniß vcrurtheilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Ter Gerichtshof nahm nicht als erwiesen an, daß die Angeklagten Mitglieder einer geheimen Verbindung, des Klubs„Autonomie" gewesen, noch auch, daß sie den Inhalt der von Petersen verbreiteten Nummer der„Autonomie", in welcher eine Mnjestätsbeleidigung enthalten, vorher gekannt hätte». Der Staatsanwalt halte gegen Petersen 2 Jahre, gegen Brendel 1 Jahr 10 Monate Gefängniß beantragt. Soziale Llubevliifil; ?ln die Borstände der Zentralvereine. Der Termin für die Einsendung der ausgefüllten Fragebogen für die statistische Ueberstcht über die Stärk« der Gcwerkschasls-Organisationen war auf den 20. März festgesetzt. Bis heute haben jedoch noch nicht einmal die Hälfte der VereinSvorstände dte Bogen eingesandt. Wir richten daher die Bitte an die Vorstände, das Verfäumie l e i t u u� zur Benutzung des Vereins- und Ver- s a m m l n n g s r e ch t e L in Deutschland", nunmehr fertiggestellt ist und zum Preise von 30 Pf. pro Exemplar von dem unterzeichneten bezogen werden kann. Bei Bestellung von ein- zelnen Exemplaren ist der Betrag in Briefmarken einzusenden. Den Vorständen wird die bestellte Anzahl Exemplare in kürzester Zeit zu entsprechend billigerem Preise zugesandt werden. Die Generalkommission. C. Legten, Hamburg, Z.-V.-N., Wilhelmstr. 13. l. Zur NrbeitSlosen-Ttatisti?. Der Ausschuß des Vereins der Lithographen, Steindrucker und BerusSgcnoffen Deutschlands hat, wie die Generalkommission mittheilt, den Versuch gemacht, die Zahl der Arbeitslosen dieses Gewerbes tn der Zeit vom l. bis zum 15. Jannar festzustellen. Es wurden zu diesem Zwecke Fragebogen an die Vertrauensleute des Verbandes und des gleich- artigen Senefclder Bundes, zusammen nach 173 Orten, versandt. Ausgefüllte Bogen gingen jedoch nur aus 59 Orten ein, so daß von 114 Orten keine Piittheilungen vorliegen. Trotz der Mangel- haften Betheiligung weist die Statistik doch eine enorme Zahl Veschäslignngsloser auf. Es sind in 25 deutschen Städten 42 Lithographen und 177 Steindrucker, zusammen 219 Per- sonen,'als arbeitslos festgestellt. Unter diesen be- fanden sich 56 Verheiralhete. Die Arbeitslosigkeit betrug zu- sammen 1894 Wochen, durchschnittlich pro Person 6'/» Wochen. Als längste Dauer der Arbeitslosigkeit sind 45 Wochen, als kürzeste 1 Woche angegeben. Ferner wird in der Statistik noch ange ührt, daß in Graz 14 Personen zusammen 370 Wochen und in Basel 5 Personen zusammen 15 Wochen arbeitslos waren. Bei der Unzulänglichkeit dieser Statistik lassen sich zuverlässige Schlüsse auf die Lage im Gewerbe nicht ziehen. Es wäre von Vortheil, wenn die Arbeiter, und besonders die organisirten'Ar- beiter, allen statistischen Aufnahmen ein regercS Interesse entgegen bringen würden, als dies bisher geschehen ist. Zuverlässige stalislische Aufzeichnungen bilden für die Gewerkschaften das beste Agstationsmalerial. Die Dresdner Gewerkschaften melden jetzt nur noch „öffentliche Versammlungen" an und laden zu diesen speziell" Angehörige des betreffenden Berufes ein. In diesen Versammlungen dürfen dann auch Angehörige anderer Berufe sprechen. Die Textilarbeiter haben dieses von der„Sächsischen Arbeiter-Zeitimg" empfohlene Mittel probirt und damit Erfolg gehabt, indem der Tischler Krüger nunmehr bei ihnen sprechen durfte, und ebenso haben es die Hutarbeiler gemacht, und der Photograph Köhn, dem dies 7 Tage zuvor verwehrt wurde, durfte nun ungehindert bei den Hntarbeitern sprechen. Die Gewerkschaften erreichen damit ihren Zweck und haben dabei noch gelernt, wie man polizeilichen Auslegungskünsten mit Er- folg die Spitze bietet. Die Geiiei-alversammsnng der Jnvalidenkasse der organisirten Buchdrucker Bayerns» die zu Ostern in München tagte, beschloß einstimmig die Auflösung der Kasse und die Nebernahme der Jnvalidenversorgung in einer anderen Form auf die Gewerkschaft. Damit ist den Buchdruckerei« besitzern ein Paroli geboten, die die Kasse bei der Behörde denunziren ließen, damit das Kassenstatut den Unternehmer- Interessen dienstbar gemacht werde. Der Herr Fabrikinspektor für Oberbayern, schreibt die„Münchener Post", scheint noch sehr viel lernen zu können von seinem Amtskollegen Wörishoffer in Baden, der bekannilich nicht nur die Betriebsleitung, sondern auch die Arbeiterschaft befragt, um über das betreffende Geschäft ein Urtheil abzugebe». Befremden muß es aber, wenn, wie uns aus Reichenhall be- richtet wird, die Arbeiter gerade darauf lauern, ihre Schmerzen -. Ta v. S. S IJ 4 v« 1 n 1..**'!..( e-• v« 1.*** er... 1 1. �_____....... Wöriöhosser unsernt Beamten als Muster dienen, wiederum nur durch sein unparteiisches Borgehen i er ja und IT in. dringen in die VetriebZverhältinffe da? wcrthvolls Material lieferte, welches die WöriShefier'schen Jahresberichte auszeichnet. diesen guten Rath der„Mtmchener Post« können sich auch andere Fabrik inspektoren aä notam nehmen. Wie windig die Redensart der Unternchnter ist, wer ihnen treu diene, habe„lebenslänglich" eine„gute Stelle", muß ein Tischler R. aus Stettin zelzt bitter empfinden. Dieser hatte im Jahre 1863 in dieser Stadt einträgliche Arbeit, ließ sich aber von einem Fabrikbesitzer nach Prcnzlau verlocken, wo ihm schriftlich die für die Jetztzeit zu den Seltenheiten ge- hörende Zusicherung gemacht wurde, er würde Zeit seines Lebens rn der Fabrik beschäftigt werden. Nach zehn Jahren schon änderte sich die Sache. Ein Mann, den R. angelernt hatte, schwang sich zur Meisterwürde auf und behandelte N. derart, daß dieser, da der Besitzer der Fabrik den Meister nicht Mores lehrte, den Staub der„lebenslänglichen" Kondition von seinen Pantoffeln schüttelte.„Sie sind ein alter Mann", hatte der Fabrikant erwidert,„wo.wollen Sie noch hin? Sie müssen sich in die Launen des Menschen(des Meisters) schicken." Der Arbeiter schätzte jedoch seinen Werth höher. Ein Jahr dauerte es wieder, bevor er wieder Stellung hatte. Dann hatte er„Glück". Er bekam in einer Berliner Fabrik Arbeit und die Arbeit hielt 2V Jahre aus. Jetzt ist er aus dieser entlassen worden, obgleich er die Arbeit noch ebenso gut verrichten kann, wie ein jüngerer Arbeiter. Aber er ist alt, läßt sich vermulhlich nicht so viel bieten wie oft die jüngeren Leute, und nun sitzt er da und bläst Trübsal, trotz Eugen Richter's herrlichen Schilde- rungen des Gegenwartsstaats. Der Ncunstimdentag wird am!. Juli d. I. in sämmt- eichen Buchdruckereien Berns gemäß der Abmachung eingeführt, die die Beruer Sektion des Vereins Schweizerischer Buchdruckereibesitzer mit der Gehilfenorganisation Schweizerische Typographia traf. Die Vuchdruckereibesitzer in Deutschland mögen sich das Vorgehen ihrer schweizerischen Kollegen zum Muster nehmen. Es war ein Akt kurzsichtigster Profitgier, als sie den Gehilsen den Neunstundcntag verweigerten und dadurch den Streik hervorriefen, der ihnen keinen Vortheil, s ondern außer- ordentlichen Schade!» einbrachte. Gegen den Sächsischen Berg- und Hiittenarbeiter- V er band verbreiten das Chemnitzer und das Leipziger„Tage- blatl" eine Ltotiz, die von alberner Bosheit geradezu strotzl. Sie lautet:„Sicheren Nachrichten zufolge machen die Werkslcitungen neuerdings ganz energisch Front gegen den sächsischen Berg- und Hüttenarbciter-Äerband, der außer wirklichen Berg- und Hütten- arbeitern auch ehemalige Angehörige dieses Standes aufiveist, »velche ganz besonders ihrea Einfluß geltend machen. In»vclchem Sinne dieser ausgeübt wird, kann sich Jeder denken, welcher die Enlivicklungsphasen für denselben in den letzten Jahren init Ans- merksamkeit verfolgt hat: es ist die Hauptleitung für alle Streikbeivegringen und sozialdemokratischen Bestrebungen unter diesen Arbeitern geivesen, weil die„Führer" ein wesentliches Interesse an der Unzufriedenheit unter den Berg- und Hüttenarbeitern haben. Dies auszuführen ist»ich» weiter nöthig, weil allgemein bekannt. Unter erfahrenen nicht sozialdemokralischm Arbeitern konnte man eigenthümliche Urlheile über die Herren hören. Daher stellen die Leitungen ihre Arbeiter jetzt vor ein sehr entschiedenes Entweder— oder: den Verband zu meiden, oder das Arbeitsverhältniß zu lösen. Um die Leute vor Schädigungen zu wahren, haben einige Werke »och besondere Kassen neben den gesetzlichen, so daß zum Bei- spiel eines derselben eine wöchentliche Krankennnterstützilng von tv M. zahlt.» Bemerkt mag demgegenüber nur sein, daß der Sächsische Berg- und Hiittcnarbeiter-Berband oder dessen Leitung überhaupt nie eine Streikbeivegung inszeirirt haben und insbesondere beim letzte» rheinisch-weftfälischen Bergärbeiter-Streik die öffentliche Erklärung abgaben, daß man sich wegen der Aussichtslosigkeit des Sieges nicht an den Streik betheiligen könne. Die unständigen(noch nicht fest angestelltenl Lehrer Württembergs haben auf ihrer Stuttgarter Versammlung folgende„Thesen" angenommen: 1. Die Lage der Unständigen macht i») in der Besoldungsfrage, b) in den AnstellimgSverhalt- Nissen und o) in der Krankenversorgung eine Besserirng dringend nolhig. 2. Bezüglich der Besoldung ist die Mindestforderrrng 860 M. für Lehrgehilfen bis zum 22. Jahr, 960 M. für Unterlehrer bis zum 25. Jahr und 1666 M. als pensionsbcrechtigt vom 26. Jahr an. 3. Die Lehrgehilfenzeit soll bis zum 22. Jahr, die Unterlehrerzeit bis zum 25. Jahr gehen, von da an sollen die Stellen ständige und pensionsberechtigte sein. 4. Um der noch herrschenden Ucberproduktion vorzubeugen, soll die jährliche Auf- nähme von SchulamtSzöglingen in ern näheres Vcrhältniß zu dem definitiven Jahresverbrauch an Kandidaten gesetzt werden. 5. Nach zurückgelcglem 25. Jahre sollte kein Kandidat von der ziveilen Tienstprüfung zurückgewiesen werden dürfen. 6. Ein er- lrankler Unständiger sollte vor Mangel und Entblößung durch gesetzlich geordtwte Einrichtungen wie in Baden»md Bayern gr- schützt sein.— Ucberproduktion an Tchullehrern— glückliches Schivaben! Im Reiche der Intelligenz erster Gute, in Preußen, herrscht nach wie vor flotteste Unterproduktion an solchen neben- sächlichen Individuen, trotzdem die Legende behauptet, die Schlacht von Königgrätz sei vom Schulmeister gewonnen worden. Haarscharfes von der Jnristeret. Vor einiger Zeit er- erwähnten»vir eines Prozesses, den ein Vater wegen unzureichen- der Ausbildung seines Sohnes in der Musik und wegen Mangel- hafter Beherbergung der Lehrlinge gegen einen Mnsikdircktor führte. In den» Prozeß erklärte vor Gericht der kireisphyttluS die thüreil-, öfen- und fensterlosen Wohnräume der Musikerlehrlinge sür nicht gesundheitsschädlich. Auf die Frage des klägerischen Anwalts nach der Feuer- gefähr lichkeit der Wohnräume gab er folgendes zu Pro- lokoll:„Gefährlich erscheinen die Räume mit Rücksicht darauf, daß nur eine schmale Holztreppe zu ihnen führt, für den Fall des Ausbruchs von Feuer. Die Lehrlinge müßten sich in diesem Fall leicht durch die Dachluken retten und ist auch dieser Allsweg bedenklich, da das Haus meines Wissens isolirt steht. Die Gefahr ist für den vorliegenden Fall wegen der großen Anzahl der Lehrlinge(ca. 36 Lehrlinge und 1 Dachluke) besonders groß." Das Amtsgericht erkannte darauf:„Was zu- nächst den letzten Grund(die Feuersgefährlichkeit) anlangt, so bildet nach der nach Z 128 I. c. auf daS Lehrverhältniß an- zuwendenden Vestimirning des§ 124 Nr. 5 a. a. O. eine im Falle der Fortsetzung des Arbeits- oder Lehrverhältnisses dem Leben des Arbeiters— hier Lehrlings— erweislich drohende Gefahr einen VertragSauflösnngsgrund nur, wenn sie bei Eingehung deS ArbeitS-Lehrvertrages nicht zn erkennen war. Es liegt auf der Hand, daß die unstreitig allein und unvcr- ändert zum Schlafen und Wohnen benutzten Räume schon bei Eingehung des Lehrvertrages in erkennbarer Weise die jetzt vom Sachverständigen konstatirte Gefahr bei Feuersbrunst darboten, diese Gefahr als Auflösungs- grund hinsichtlich des Lehrvertrages zu benutzen, erschien daher nach der oben wiedergegebenen Bestimmung der Gewerbe-Ordnung u n z u l ä s s i g." Das Erkenntniß der Berusungsinfianz sagt hierüber: Aus der konstatirte» Fenergefährlichkeit des Raumes aber kann der Kläger ein« Berechtigung zur Auflösung des Ver- träges nicht schöpfen, da der H 124 Nr. 5 der Gewerbe-Ordnung nicht Platz greift, schon um deshalb nicht, weil eventuell das Leben seines Sohnes nicht durch die Fortsetzung der Arbeit, sondern durch die Feuergefährlich keir des Raumes gefährdet sein würde. Nach alledem war die Berufung zurückzuweisen und hat der Kläger die Kosten der Berufungsinstanz gemäß ß 32 Z.- Pr.- O. zu tragen. Bon der obigen Aussage des Kreisphysikus wurde nun der Orts- Polizeiverwaltung Mittheilung gemacht und um deren Ein- schreiten gebeten. Dieselbe crividerte:... daß wir auf grund des Ergebnisses der angestellten Ermittelungen keine Veran- lassnng finden, aus sanitäts- oder feuersicherheits- polizeilichen Gründen gegen den X. im Interesse der bei ihm wohnenden Lehrlinge vorzugehen.... Die Angaben des Herrn Kreisphysikus hinsichtlich der Fenergefährlichkeit der Schlaf- räume können wir a l s z u t r e f f e n d n i ch t erachten. Aller- Vings sind die Schlafrüume nur mittels einer etwas schmalen Bodentreppe zu erreichen, indessen befindet sich in unmitlel- barer und bequem zu erreichender Nähe der Dachsen st er (der Sachverständige nennt sie Bodenluken) das flache Dach eines Nachbar- Gebäudes. Hierauf erfolgte Beschwerde beim kgl. Landrathsamt unter Angabe der ungefähren Maße sowohl des Weges über das Dach als auch des dreistöckigen (inkl. Boden) Hauses. Da nun aus zwei Schreiben innerhalb 10 Wochen keine Antwort erfolgte, so ging eine Eingabe an den Herrn Regierungspräsidenten ab. Derselbe ließ die Räume untersuchen, und nun schrieb das kgl. Landrathsamt:... daß wegen anderweitiger Einrichtung der Nnterkunftsräume für die Zöglinge des X. das Erforderliche angeordnet worden ist. Auf eine Anfrage, was denn mm angeordnet worden sei, ant- wartete das kgl. Landrathsamt garnicht, dagegen erklärte der Herr Regierungspräsident:... daß die Unterkunftsräume für die Lehrlinge des X. nunmehr in vorschriftsmäßiger Weise her- gerichtet sind. Die Lehrlinge halten sich den Tag über in g e- heizten Räumen auf(das Schreiben datirt vom März v. I.) und üben in denselben. Der neue, seit dem 1. März d. I. bezogene Schlafsaal ist mit einem eisernen Füllosen ver- sehen und wohnbar eingerichtet worden. Die Gefahr für die Lehrlinge im Falle eines Brandes ist gleichfalls beseitigt. Wer also seinen Sohn in eine Musiklehre geben will, muß sich die Räume ansehen und sie prüfen aus ihre Gesundheits- und Fenergefährlichkeit. Wäre der betr. Vater nicht so zähe bis an hohe Instanzen gegangen, er ivürds wohl kaum etwas er- reicht haben. Ter betr. Bau hat den wohlhabenden Lehrherrn ca. 1800 M. gekostet, ob aber der eiserne Füllofen in diesem Winter wohl geheizt worden ist? Wenn der klägerische Lehr- ling noch dort wäre— er hat schon längst ausgelernt— dann ganz gewiß. Versammlungeu. In einer Versammlung der in der Schuhwaaren- I n d il st r i e beschäftigten Arbeiter ll n d Ar- b e i t e r i n n e n, die am 4. April tagte, reserirte Adler über das Thema:„Der eherne Schritt der Zeit". Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung:„Stellungnahme zum internationalen Schuhmacherkongreß in Zürich". Genosse A. Fleischer machte die nölhigen MZttheilungen über denselben. Der Kongreß, welcher im Anschlnsse an den internationalen Sozialistenkonareß geplant sei, werde nunmehr bestimmt zustande kommen. Die Betheiligung der Kollegen aus sieben verschiedenen Ländern sei sicher.' Die deutschen Kollegen werde der Genosse B o ck- Gotha vertreten, welcher mir dieser Aufgabe auf dem letzten Kongreß betraut worden sei. Die provisorische Tagesordnung laute: 1. Landesberichte. 2. Gründung eines internationalen Sekretariats. 3. Statistik. 4. Regelung de? Unterstützungswesens. 5. Regelung des Arbeitsnachweis- und Herbergswesens. 6. Stellnngnahine bei Streiks. 7. Fachpresse. 8. Einführung einer normalen Ar- beitszeit und Abschaffung der Stückarbeit. 9. Die Frauen- arbeit in unserer Industrie. 10. Bessere Verbindung von Fabrik- und Handarbeit. II. Heransgabe eine's Adressenvcrzeichnisses sämmtlicher Berufsorganisationen.— Trotz mehrmaliger Änffordernng zu reger Betheiligung an der Debatte wollte diese nicht so recht in Fluß konimen.'Deshalb beschlaß man, die Stellungnahme zu dem internationalen Kongreß als ersten Punkt auf die Tagesordnimg einer späteren Versammlung zu setzen und einen Vortrag dazu halten zu lassen. Genosse Sperber berichtete dann über' die bekannte Konferenz, welche sich mit der Regelung deS Berliner ArbeitsnachweiSwesens beschäftigt hat. Folgende Resolution fand hierzu Annahme:„Die Vrrsamm- lung erklärt, daß der Arbeitsnachweis nur von den Arbeiter» selbst in die Hand genommen werden darf, wenn er ersprießlich wirken soll. Eine Arbeitsbörse nach Pariser Muster wäre von den Berliner Arbeitern zu begrüßen." Zum Schluß erklärte sich die Versammlung einstimmig dafür, daß im Gegensatz zn einer Erklärung des Kollegen Gulgesell im Fachblatt alles ausrecht zu erhallen sei, was über denselben in der Zeitung gesagt worden ist. Mit einen. Hoch ans die internationale Arbeiterbewegung schloß die Versamiiilnng. Druckfehler-Berichtigling. In der Beilage der gestrigen Nummer, Seite 2, Spalte 3, Zeile 79 von oben lese man„Aktivität" statt„Objektivität". Uttblind deutsch»« Karblere, Letseur« und perritckenmacher (Zw-igverein verlln). Donnkisstag, den e. April, NbendS loNhr, Mvscnlhaker- stratze: Milgl-kd-r-Berse.mnltnng. Arbeiter-Kildungsschule, Donnerstag UbmdZ 8X— io)j Nhr: Süd» ■Schule: Hageieb-rgerlirabe«S: Unterricht tn Tentfch(oberes). Südost- Schule, Ncichenbergerstr. lzz: Geschichte(mlM.), Kausinänntscheb Rechnen, Wechselrecht und Korrespondenz: O st- S ch» l e, Marlusstr. St: Unterricht In Ph-ysiologie: Rord-Echule, Müllerstr. l7ga: Unterricht tn Chemie, Fn allen Unter ctchtefSehern, mit Auünahine vlathematlk und Bnchfübrung, können noch Schüler und Schülertimen, auch jeKt, tm Lause deS Semesters, eintreten. xcse- u. Disdutivl'.lu»». Donnerst., g. D tetzgen, LbendZ Uhr, bei Schröder, Wiesenstr. ss.— Neue Zeit, Adends si) Uhr, Boyenstr. 40, bei EteShoit.— Süd-Lst, bei TolkSdors, Zorauer- und Börlitzerstraften Erle.— „Klub der Freunde" bei tSnadt, Swinemünderstrabe uo.— 21 u g u ft(Seid, Donnerstaa bei Zubell, fffrmnnufteaB« ss, erbende o Uhr.— Hasenelev et, Abends«sj Uhr, Restaurant Bischof, Baumschulen- weg Treptow. li manztp atton. Abend« Uhr bei Spät, Weinstr. 28 — So z tat ist isch er Lese- und Dtskutirklub«bend« Nhr, Metchenbergerstr. 157, Stdung.— DtZtulirNub„Zeikaetst" jeden Donnerstag nach dem l. und>». de« Monats bei Stempel, Langestr. 65, Abends e;j Uhr. Ardeiter-Sängerbnnd Berlins und Umgegend. Alle Denderungen Im BereinSlalender sind zu richten an Friedrich Kor tum, Manteuffelstr. 70. Soinucltiist. Uebungsstnnde Abends s Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder.— t. Urban, Annenstt.», bei Pro?.— K ortiblnme, Blumensir. se, bei Wuttke.— Früh ltngSlust. Bütoiostr. b», bei Werner.— Brehelschl uß, ?t»nenstr. iS, bei«eßner.— Weibe Rose, Reinickendorf, Seeschlöbchen bei Böttcher.— Morgenrothi, Rummelsburg, Verlinerstrcifco 9, bei Friesecte.— D orfg löckletn, Wilmersdorf, Berliner- und Augutist'.-ircke bei Schulz.— Einigkeit(Hnnnacher), Pappel-Allee 3/4, d. A. Mein Hardt.— Harmonie, Tempelhof, Dorfstr. 10, bei Cierih.— Zukii nft 2, Nied-r-Tchönhaufen, Buch- holzeriirahe bei Hemrel.— Ost- und W estprenbifcher Männer- K e» an gv errin, tzolzmaretstr. s, bei Deter.— Ede l wetS, Melchlor- tirahe ls, b. Stehmann.— B orar, Wienerstr. St b. Drüzemüller.-- Mai- glück chen 2, Süd-Ost, Retchen bergerftr. ls b. Pätzold.— E t n ig ke i t s, Gros: Ltchlerfelde, Amatienstrahe, b. Hann.— Freie Sänger, Krautstr.«, bei Rudolf.— Zukunft 3, Betten, bei W. Krunow.— Kreuz- !> e r g e r Harmonie, Fichtestraße 2», bei Kräjche.— Nordstern, Müllerstr.? bei Relchardt.— Morgengrauen,(Bäcker), s bis s Uhr Nachmillags, Bipsstralie 8 bei spyrteck.— Gkelnsetzer- Sängerchor, Kastanien Allee es bei Maiwald.— LtedeSvcho, Reichenberger- und Forsterstraben- Ecke, bei Spindler. Liedertafel Westend, Blumenthal- straSe s bei Behrendt.— B o r w ä rts 9, Charlollenburg, Schillerftr. loa bei Mahl.— Äesangoeretn Freundschaft J, Brunnenstr. 114 bei Oswald Berliner.— Gefangveretu Abendroth tn Deutsch-Wilmersdorf bei Möller.—(Eesangvereiu der Slu cka te ure Bcrltnsund Umgegend, Eeydel- straße 30 bei Preußer.— ArbeUer-Gesangv. Sp a n da U Lynarstraße Restaurant Kieler».—«etangverein„Vorwärts 2" Schönhauser Allee 23, bei Kuhl- mep.— Arbet.er-Besangveretn L u r a 2,«harlotteuburg, Canrstr. 28, bei Lauge.— Gefangoeretn Felsenfest(«Sem. tihor), Badstr. 12, Btetoriagarten.— Gesangverein S 0 l leg i a 2(fiele Bereinigung der Zivtl-BernsSmustler), Neue Friedrichslr. 44, bei Röllig.— Gesangverein der Kürschner, Landsberger- straße Si bei Seehausen.—«csangoerein Proletariat(gem. Chor). Bockhstr.», bei A. Moewes.— Gesangverein Arto n tn Wittenberge, bei äortng.— Gesangvcretn Glockenrein(gem. Thor) Kastanien-Allee»5/96. — Sietnnelle, Köftlinerstraße 17.— Sängerrunde, Admtral- straße 0.— Alpenrose, Ärenzslraße 16 bei Seidel.— Frohsinn 2, FriedriebSberg-Ltchtenberg, Frantstirter Thauffee bei Müller.— Treu und [fest. Lebuserstr. 6 bei Nemitz.— Gesangverein Brüderschaft(HauS- diener), Filcherftraße 41 bei Setdemann.— Gesangverein Freu»des treue (gem. Thor). Landsbergerstraße Zi bei Seehanseu.— Brauer- Gesangverein G e r si e n ä h r e, Neue griedrtchftr. 20 bei F.«eller.-- Gesangverein Tin- trachl L, Neu-Glienicke, Rudowerftraße bei Hasdork. Kund der gefelligen ArbeNerveretn» Kerlin« und Nmaegru»- Alle Zuschriften den Bund betreffend stnd zu richten an: P Henkel, Bergmannstr. dl, Hof» Tr. Konnerstag: Vergnügung-verein Bruöer- b u I! d, AndreaSstr. 3 bei Roll.— Rauchllub Grane Wolle, Krautstr. 48. — Musiloerein Oftri s, Adalbertstr. 21.— Geselliger Verein Grüne Eiche(vor dem Halle'schen Thor). Solmsstr. l bei Kochorle.— Atmmvr- Zchüyenveretn Frin. Korn, Boeckhstr. si bei Klan.— Musilv-rein Paulenschwengel, Mallschretberstr. 5» bei Sommer.— Kegel-Klub „Lustige!3 Wienerstr. l betBoll.— N/cgnügungSoeretti Jugendlust, Obmgassea beiKredZ.— Theaterverein Rhetoril, Raunpustr.»« beiZubeil. —'Rauchllub Frisch aus, Koppensir. 43 bei Lorenz. Eefaug-, Turn- und gesellige Uereinr. Ponnepstag. Männer- Getaiigverein Ali-Dessau, Abends 9 Uhr, bei Kind, Wranzelstr. 9!.— Gesangsabthellung des sozialdemofratischen SlrdettervereinS sür 2V e I ß e n s e e und Umgegend. Donnerstags und Sonnabends Abend; bei Mülle:(P sei'enmüller), Königs- Chanssee.— Männer- Gesar.goerei» Tyrolienne, Slbends s Uhr bei Faustmann, Reichenbirgerstr. 7sa.— Gesangverein Glockenrein, gemischter Chor, jeden Donnercstag von 9 bis il Nhr bei Knapp, Kastanten-Allee 95/98. Prtvai-Theaterverein., F i d e l e r G eist 2", Abends 9 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralsir. lz.— Theater-Bereln„Bu Ika n ta i" 9ij Nhr, Vorstädttsches Kastno, ßlckerstr. 144. Turnoeein Gesundbrunnen(SehrNngS-Abth eilung) turnt Montag und Donnerstag Slbend von 0—10 Uhr, in dir Turnhalle, Pankilr. 26. Gefelliger Verein Freiheit, tlbends 9 Uhr, bei Thierbsch, Schwedter straftet«.— Geselliger Klnb BIau-VeI!chen, ßlbendse Mir, Rnnenstr.» bei C. Prost.— Verein ehemaliger l!S. Gemeindeschüler, punlr 9 Uhr bei Schröder, Steglitzerstr. ls.— Psropfenoerein SB cd ding, Abends % Nhr, bei Heiterhoff, Anionftr. r>,— Bergnü gnngs-Beretn R e n a i a 0 Nhr. Abends im Restaurant Gön, Oranienstr. ica.— Gesangverein Proletariat (gem. Chor) Abb. s Mir, Uebunasstunde b. Möwes, Böckhstr. 8.— G«sellige>"gerein Universum, Sihung init Damen Abends« Uhr b. Hagemaui-, Lothringer- strafte 8l. Vorträge, Fidelitas.— Geselliger Klub der alken M 0 a b iter, Stephanstr. 29, bei Littko, jeden Donnerstng un» s)s Uhr und jeden Donnerstag nach dem is. im Monat Slhung mit Damen.— Zeielliger Verein Universum, Sihung Abends 9!j Uhr, im Restanraoil Neumann, Linienstr. 19: Vorträge, Fidelitas.— Verein Q e m ü t h l i ch l- t: und Klub Humor, Slbends S!j Nhr, Lothrtngerstr. 105: Geselliges Beifaustnenfetn mit, Damen, Fidelitas und Tanz.— ÄiSanergesailgverei» Sangesfreunde- Abends 9— n Uhr, Pnyenhofer AuSschanl. Laudsbergerftr. 82.— Verein WaldeSgrün, SlbendS 9 Uhr Sitzung bei lliebelin, Langestraße log.— Zilherllnb Gleichhelt, jeden Donnerstag,? Nhr Abends, b«i H. Ret- mann. Alte Schönhauserftr. 42. Rauchllub Koliegia, Abend? 9 Uhr, in Bernhardt's Destillation, Skaliherstr. 41.— Rauchllub WaldeSgrün, Slben». 8'j Uhr, Restauaant A. EaSpar, Relchenbergersir. lizg.— Rauchllub Ohne sorge, Abends 9 Nhr Restaurant Buder, Gräfestraße is.— Rauchllub Kernspifte. Sidends S)j Uhr. bei Sl. Böhl, sttüderSdorseiftr.».— Rauchllub Ara bt Pascha, SibendS 9 Uhr. bei Berndt, Perlebergerstr.>7.— Klnb O h n c(t t e i t, SibenvS 9 Uhr bei Fürstenau. Reichenbergersiraße 39.— Nauchllnb S ü d- W e st, Slbends 9 Uhr, Simeons! e. 23 bei Flick.— Dhealerverein Mai- g l ö ck ch e n, Englischer Löf, Reue Roftstr.:>..— Rauchllub Brüderlich- teit, von 9 bis li Uhr bei Stabernack, Pücklersiraße 49.— Rauch- klub Nordstern, jeden Donnerstaa nach dem la. im Monat bei (?. He'.nicke, Fri edrich-Karlstr. 11, Friedrichsberg.— Nauchllnb Eldorado, Abends 8)j Uhr, Restanranl W. Schulze, Ostbahnhos 7.— Rauchllub S u» matra, SlbendZ Uhr, tm Restaurant Krause, ffliischinerste. 93. Skalllub Tournee, Abends ssj Nhr, bei Ullrich, SLrangelstr. 84.— Slot- llud Rückwärts, Abends 8ij Uhr bei'Arndt Pallisad-nstr. 47. Ruderverein Vorwärts. Sihung Abend? 8 Uhr, bei Bodenburg Kommandantenstr. lo— it. Gäste willlommen.— Schießllub Tel l SlbendS 8 Uhr bei Nagel, Schwedierflr. 23. Kiterarisches. „Auleitung zur Benutzu»Z deS VcreiuS-«ntz Bee» sammlunFsrechtö" ist der Titel eines im Verlage von C. Legion in Hamburg erschienenen, 36 Seilen starken Schristckzens(Preis 30 Pf.), das in sachlicher Weise eine Anleitung zur Handhabung des kaleidoskopartig verschiedenen deutschen Vereins- und Ver- sammlungsrechts giebt. Die zur Einderusung einer Versaminlung, zur Gründung eines Vereins, zur Beschwerdesührung u. s. w. erforderlichen Schritte sind in Formularen vorgezeichnet. Die neuesten Entscheidungen der Gerichts- und höheren Vcrwaltungs- behörden sind durchweg hervorgehoben. Besonderen praktischen Werth verleihen dem Büchelchei» die Abschnitte, welche den Boykott und die Sperre, das Vcrwallungsstreitverfahren und das Versahren vor den Gerichten in Strafsachen behandeln. Die beiden letzten Abschnittte setzen Jeden, der mit Behörden in einen Konflikt auch außerhalb der Vereinsgcsetze kommt, in den Stand, seine Rechte nach Kräften wichrzunegulen. Dankenswerth ist ein Anhang, der kurz und deutlich die Frage behandelt:„Dürfen Schriften verbreitet werden?" DasSchristchen ist recht empfehlenswerth. „Die Zeitschwingen", Monatsschrift für Volksbildung. Aufklärung und Unterhaltung. Verlag von I. Beranek, Reichen- bera, Böhmen, Friedländersiraße 11. DaS soeben erschienene 3. Heft des 4. Jahrgangs enthält:„Zn Karl Marx' 1»jährigem Todestag." Gedicht von Fr. Enders.—„Karl Marx". Biographische Skizze von Dr. G. Gradnauer.—„Die Bauern in Rußland". Von N. Mogilewski.—„Freiland und die Freilandbewegnng".— Von A. Vehr. III.—„Die Kohle und ihr Verbrauch".—„Die moderne Weltanschauung und der Mensch". Nach einem Vortrage des Prof. Dr. B. Bester(Dresden). 1.— Die Entrvickelnng der Naturwissenschaften.—„Moderne Poesie". Plauderei von Rid Classen.— Feuilleton:„Frühlings- ahnung." Von Jakob Andorf.—„Pariser Streiflichter." Nach Aufzeichnungen milgetheilt von' Edmund Schröpel I.—„Neues aus dem Gebiete der Wisseuschaft."— Literatur.— Preis pro Heft 20 kr.— 40 Pf. Probehefte flehen zur Verfügung. von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Die tz' Verlag)»st soeben das 27. Heft des 11. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Mönch und Rabbi.— Der Mythus von der nnbefleckten Empfängniß. Gin Beitrag zur ver- gleichenden Mythologie von Paul Lafargue.— Technisch- ökonomischer und sozial-ökonomischer Fortschritt. Von Eduard Bernstein.(Fortsetzung.)— Literarische Nmidschau.— Notizen: Madach's„Tragödie des Menschen". Von F. Mehring. Die Kinder wohlhabender und armer Familien. Die Verschuldung des Grundbesitzes.— Feuilleton: Aus einem deutschen Hause. Ein Familienbild aus dem neunzehnten Jahrhmidert von Ludwig Schierk.(Schluß.) Die Sozialdemokratie i« ihre» Wahrheiten und Irr- thiimern und die Stellung der protestantischen Kirche znr sozialen Frage. Dies ist der Titel eines 372 Seiten starke» Buches, das im Verlage von Elwin Staude in Berlin zum Preise von 3 M. erschienen ist. Sein Verfasser ist der in Vahrdorf an- gestellte lutherische Pastor EduardSchall. Bon protestantischen Theologen stnd in»euerer Zeil mehrfach Schriften herausgegeben , vorbei», in denen die Schäden der kapitalistischen Gesellschait-- ordnung vom Standpunkte der christlichen Religion aus kritisirt und die Bestrebungen der Sozialdemokratie mehr oder minder als berechtigt anerkannt werden. In keiner dieser Schriften ist das aber in so unerschrockener, sreimüthiger Weise geschehen als in dem Schall'schen Buche. Keiner der uuderen Geistlichen spürt den wirthschaftlichen Uebeln so tief auf den Grund nach als Eduard Schall, und so liefert er eine Kritik des Kapitalismus, die auch ein Sozialdemokrat an treffender Schärfe oft kaum überbieten könnte. Dieser vernünftige Standpunkt erklärt sich daraus, daß Schall die sozialdemo- kratische Literatur ernstlich geprüft und vor allem daS Marx'sche „Kapital" mit Nutzen gelesen hat. Er faßt all das, waS gegen den Kapitalismus gesagt werden kann, in eine volksverstäudlich und ivarn»herzig geschriebene Anklage zusammen und giebt dazu «in so reichhaltiges, werthvolles BeiveiSmaterial, daß sich aus dem Buche mit großem Nutzen für unsere praktische Agitation schöpfen lassen wird. Schall weiß auch, daß der Staat von der Großindustrie trotz deZ allgemeinen Stimm- rechts beherrscht und in ihrem Interesse ausgenützt wird; er erklärt ihren„Patriotismus" für Schwindel, denn sie kenne kein Vaterland; die ganze Welt sei ihr Vaterland und nur dazu da, um sür sie Mehrwerth zu erzeugen. Die Großindustrie zerstört auch Religion und Sitte. Der Verfasser weiß, daß die Sittlich- keü ohne Religion Bestand haben kann, nicht aber Religion ohne Sittlichkeit. Der Kapitalismus duldet keine Autorität, er will schrankenlos ausbeuten, und erkennt deshalb Religion und Sitte nur so weit jan, als sie ihm nützlich sind. Die Geistlichkeit unterstützt die Interessen des Kapitalismus, anstatt sie zu bekämpfen. Schall sagt deshalb seinen Amtsbrüdern ganz gründlich die Wahrheit. Kurz, die Kritik, die Schall an der jetzige» Gesellschaft übt, ist im allgemeinen überaus treffend. Wie verhält er sich nun zur Sozialdemokratie selbst? Er macht ihr in der Hauptsache den Vorwurf, daß sie nichts von der Religion wissen wolle, daß sie materialistisch sei. Trotzdem erkennt Schall der Sozialdemokratie einen„hohen Idealismus" zu,„durch den sie der Gegenwart im allgemeinen einen besllhämenden Spiegel vorhält".'Als Verdienste bezeichnet er ihre Kritik der thatsächlichen sozialen Zu- stände und das, sie den Quell der sozialen Schäden in der immer mehr zunehmenden Trennung des arbeitenden Men- schen von den Produktionsmitteln entdeckt hat. Schall erklärt es für zweifellos, daß die Sozialdemokratie durch ihre Agitation und ihre Entschiedenheit die Lage großer Kreise von Arbeitern be- deutend gebessert hat, und bezweifelt dem gegenüber, daß der rein gewerkschaftliche, lediglich nach dem Nächstliegenden gerichtete Weg, den die englischen Trades Unions gingen, sittlich höher anzuschlagen sei, als der Weg der deutschen Sozialdemokratie. Ebenso vorurtheilsfrei wird da? Solidaritätsgefühl gelobt, das junge und alte deutsche Arbeiter beim Streik bewiesen, wo sie aus Rücksicht auf ihre Kameraden Stellen aufgaben, die ihnen ein reichliches Einkommen gewährten. Weiter erklärt Schall: Die sozialdemokratische Kritik und Agitation hat die neu« Gesetz- gebung mächtig beeinflußt. Die Gesetze über die Kranken-, Alters- und Jnnaliditätsversicherung und der Arbeilerschutz„paffen gar nicht hinein in den Rahmen unserer ganzen Ent- Wickelung, aber sie zeigen eben dadurch desto deutlicher den Er- folg der' sozialdemokratischen Kritik und deren relative Wahrheit". Das energische Eintreten der Sozialdemokratie für die Sonntags- ruhe erkennt Schall dankbar an. Die Forderung des Achtstunden- tages bezeichnet er als einen Kulturfortschritt. Besonders sym- palhisch sind ihm die Forderungen nach Entschädigung unschuldig Angeklagter, Verhafteter und Vcrurtheilter und nach Einführung der progressiven Einkommensteuer. Er erkennt das Wahre deS Grundsatzes: der Mensch ist das Produkt der ihn umgebenden. äußeren Verhältnisse, er hält den Internationalismus, die Welt- Verbrüderung„des Strebens der Edelsten werth", preist unfern energischen Kampf gegen den Mammonismus und erklärt die Auspellung des Grundsatzes:„Religion ist Privatsache" für ein Verdienst um die protestantische Kirche, die durch ihre Entwicke- lung abhängig vom Staate, von den Fürsten geworden sei, und es sich deshalb gefallen lassen müsse, daß unter Umständen Katho- liken, Juden und Ungläubige über ihre inneren Verhältnisse be- stimmen können. Zur wirklichen Anerkennung des Kollektivismus hat sich Schall aber noch nicht durchgerungen. Er kann sich noch nicht daran gewöhnen, daß der Unterschied zwischen Kapitalist und Arbeiter ausgehoben werden soll, was zur Befreiung des Arbeiters ans feiner Abhängigkeit doch nöthig ist, da nach dem heutigen Stande der technischen Entwickelung er aus keine andere Weise zum Eigenthümer der Produktionsmittel werden kann. Der sonst so Scharsblickende verläßt hier den geraden Weg, der zur Er lösung führt. Er meint:„Es wird sich ein Weg finden lassen, auf dem es möglich sein wird, den Arbeitern den ihnen ge- biihrenden Theil an der Produktion zu sichern." Es giebt keinen anderen Weg, als den des Kollektivismus. Die Scheu vor dem Kollektivismus ist um so wunderbarer, als Schall die sozialistischen Anschauungen über das Privateigenthum an den Prodnklions- Mitteln theilt. Zum Schlüsse seiner inhaltreichen Schrift stellt Schall Forde- rungen auf, Resormvorschläge, welche die von ihm erhoffte Wir- kung nicht haben werden, weil sie einerseits den Interessen der besitzenden Klasse widersprechen, andererseits den Besitzlosen nicht diejenigen Rechte gewähren, die diese zu verlangen haben. Di« Besitzenden wollen die Zeichen der Zeit ja gar nicht verstehen und hassen die Sturmvögel, die das Nahen deS Unwetters verkündigen. Die kämpfende Arbeiterschaft aber hat in dem Buche Schall's wieder neues beweiskräftiges Material dafür, daß ihr Kampf gegen die Ideen der alten Gesellschaft kein ver, ?eblicher ist und daß der Sozialismus siegen muß. Das warm- erzige idealistische Eintreten dieses Geistlichen für die Armen und Unterdrückten wird sie in dankbarer Erinnerung behalten. Mag ihn das trösten, wenn er erkannt haben wird, daß die bürgerliche Gesellschaft ebensowenig den Willen hat, die soziale Frage mit zu lösen, als das in ihrer Macht steht, ohne politisch und wirthschastlich als herrschende Klaffe vom Schauplatz ab- zutreten. Königliches Elend. Verlag von G. Grimm. VennS Astaroth. Leipzig, Verlag von Wilh. Friedrich, Hofbuchhändler. Von Robert Schefser. Budapest. Dichtungen von JuliuS Brand. Vevmilrtlkes: Wieder Einer. In Altona wurde, wie die„Kölnische Zeitung" meldet, der bekannte Bankier Charles Stapel- feldt wegen erheblicher Depot-Unterschlagungen verhastet. Der Kunsthistoriker Professor Wilhelm Lübk« in Karlsruhe ist in der Nacht zum S. April gestorben. Ein Lnmp in Glacöhandschuhen. Die Züricher „Arbeiterstimine" schreibt: Bei Luzern wohnt in prächtiger Villa die alleinstehende reiche Fürstin Vicovaro. Diese erhielt im Januar d. I. wiederholt Drohbriefe, wenn nicht zu bestimmter Stunde an einsamer Stelle(beim Friedhofe) IS ovo Fr. nieder gelegt würden, solle ihre Villa mit Dynamit in die Luft ge- sprengt werden. Die Dame fand für gut, einstweilen zu ver- reisen, machte aber vorher Anzeige bei der Polizei. Dort natürlich gewaltige Aufregung, daß das gemüthliche Luzern solch raffimrte Spitzbuben in seinen Mauern beherberge; jedenfalls war der Drohmensch ein Nihilist, Anarchist oder doch wenigstens Sozialdemokrat. Aber nee, sagt der Berliner. Die Polizei stellte dem unbekannten Gründer eine Falle und siehe da, der Vogel war gefangen.— Wer war es? Ein nobles, junges Herrchen, Sohn eines reichen Geschäftsagenten. Der jugend- liche Dynamitarde wurde schonend zu nur drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Wie hätte das Urtheil wohl gelautet, wenn statt des reichen Bummlers ein armer Arbeiter, von Noth getrieben, die That begangen hätte? Unglück in der Kirche. In Neapel stürzte während deS Gottesdienstes in der Kirche Santa Maria dai Empore mit der Orgel zusammen, wobei 45 Musikanten verwundet wurden, u. a. der Orchesterdirigent lebensgefährlich. In Rom brach unter den mit Ernährung und Behandlung unzufriedenen SlKi Gefangenen des Sa»-Michele-GefängnisseS eine Meuterei aus. Sie zerschlugen alle Geräthe, durchbrachen die Mauern, welche die einzelnen Zellen von einander trennen, schlugen die Thören ein, hoben die Eisengitter, welche die Kor- ridore absperren, aus den Angeln und strömten in den Hof, wo sie die Wachtmannschasten mit Steinen angriffen und die Bett- säcke anzündeten. Es wurde Militär requirirt, das jedoch nicht in Aktion trat, da es einigen Beamten gelang, die Gefangenen durch gütliches Zureden zu beruhigen, sodaß diese nach vier Stunden freiwillig in ihre Zellen zurückkehrten. Arbeiterrisiko. In Vancouver in Columbien sind infolge einer Explosion in der deutschen Brauerei von Jung mehrere Arbeiter getödtet worden. Aus Christiania wird gemeldet: Der Dampfer„Nord- fjord" stieß Nachts im Söndsjord auf Grund, die See ging hoch, weshalb der Kapitän die Boote auszusetzen befahl. Unter den Passagieren entstand eine Panik, alle stürzten sich in die Boote, diese kenterten, und der Maschinenmeister und zwei Passagiere er- tranken. Das Schiff kam unbeschädigt wieder flott und setzte die Reise fort. Aus Konstantinopel wird berichtet: Nachdem Sonntag Nachts der Sultan aus dem alten Serail in sein Palais zurück- gekehrt war, stieß ein kleiner Palaisdampfer, auf welchem sich das kaiserliche Küchenpersonal befand, während der Heinifahrt nach Dolmabagdsche auf dem Bosporus mit einem anderen Schiffe zusammen. Der Palaisdampfer sank, der Kapitän und der größte Theil der Insassen ertranken. Die Zahl der an Bord befindlichen Personen konnte bis jetzt nicht genau festgestellt wer- den, jedenfalls belief sie sich aus mehr als vierzig, wovon die meisten umgekommen sein dürften. Fünf Verwundete wurden gerettet. Neber niederträchtige Mißhandlungen Dentscher, die neuerdings in Curityba, der Hauptstadl des brasilianischen Staates Parana, vorgekommen sind, enthält nach dem dortigen „Beobachter" die„Franks. Ztg." einen längeren Bericht, de», wir folgendes entnehmen: Für den Sonntag vor Fastnacht hatte» sämmtliche deutsche Vereine Maskenbälle veranstaltet, allein dies scheint dem Polizeichef von Curityba nicht gefallen zu haben. Im Salon Grimout, wo der„Handwerker- Unterstützungs- verein" seinen Mastenball feierte, erschien der Polizeiches, be- sichtigte die Gesellschaft und verließ bald darauf das Lokal. Gleich darauf kam ein maskirter Spanier, welcher Eintritt verlangte, und obgleich der an der Kaffe befindliche Gesammt- vorstand erklärte, daß nur Mitgliedern oder jenen Masken der Zutritt gestattet ist, die zuvor Karten gelöst hatten, suchte sich der Spanier gewaltsam Zutritt zu verschaffen, und da ihm der Vorstand in den Weg trat, zog die Maske— ein agenb provocateur— einen Dolch und stach damit auf ein Vorstandsmitglied, das jedoch nicht getroffen wurde. Auf dieses hin wurde der Kerl gepackt und auf das Pflaster hinausgeworfen. Um alle weiteren Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wurden die Thüren und sämmtliche Fenster- lüden geschlossen und für keinen Menschen mehr der Eintritt gestattet. Das Hinauswerfen dieses Mordbuben war aber das erwartete Signal zu einer unerhörten Szene. Wie auf Kommando stürzten eine Anzahl Polizeisoldaten auf das Lokal zu und verlangten Einlaß. Da aber im Saale nach rauschender Musik getanzt wurde, so hörte es niemand, daß es die Polizei sei, welche Einlaß begehrte. Nun wurden die an der Straße befindlichen Fenster mit dem Säbel«ingeschlagen und rücksichtslos hieben die Eingedrungenen aus Männer, Frauen und Kinder ein. daß Blut floß. Eine Anzahl Personen wurde unter den brutalsten Mißhandlungen nach dem Gesängniß geschleppt, und dann gingen die„Sicherheitsmänncr" daran, das Lolal und alles, was sich darin befand, zu demoliren. Die Fahne des Vereins wurde heruntergerissen, mitten im Saal flach ausgebreitet, mit Petroleum begossen und angezündet. Sämml- liche Verhaftete wurden gründlich ausgeraubt. Aus Ersuchen des deutschen Konsuls, Herrn Jonge de Drusina, wurde dann Militär geschickt, um das Lokal zu besetzen. Die Entrüstung aller anständigen Menschen in Curytiba über diese Vorgänge war natürlich groß. Die Deutschen hielten eine Massenversammlung, welche eine Deputation an dm Gouverneur und Depeschen an dm vizepräfldmtm der Republik in Rio de Janeiro, sowie an den deutschen Gesandten daselbst sandte. Wir bemerken dazu, daß auch die deutschen sozialdemo- kratischen Blätter Brasiliens und Argentiniens das Versahren der Polizeischuste gegen die Deutschen in der allerschärssten Weise brandmarken. Driefkapken dev Nedsktton. Genoffen der LandSbcraer Allee. Derartige Beschwerdm müssen Sie bei dem betreffenden Fachverein oder der Gewerk- schaff vorbringen, welche die Angelegenheit am besten prüfen und behandeln können. B. W., RiederhäSlich. 1. Die Abstimmung im Reichstag« geschieht durch Aufstehen und Sitzenbleiben. Ist daS Resultat zweifelhast, so erfolgt die Zählung, der sogmannte„Hammel- sprung". Die Abgeordneten verlassen den Saal, und treten, je nachdem sie mit„Ja" oder„Nein" stimmen, durch eine der zwei offenbleibenden Saalthüren, an denen sie gezählt werden. Aus Antrag, der jedoch von wenigstens 50 Abgeordneten unterstützt sein muß. erfolgt namentliche Abstimmung. 2. Bei der Militärvorlage wird über die wichtigsten Bestimmungen wohl die letzlere Art der Abstimmung erfolgen. 3. Die freie Fahrt der Abgeord- neten erstreckt sich nur auf diejenigen Linien, welche den Wohnort des Abgeordneten mit dem Sitz des Reichstags verbinden und gilt unbeschränkt während der ganzen Session des Reichstags. einschließlich 3 Tage vor Eröffnung und nach Schluß derselben. Selbstverständlich gilt die freie Fahrt für die 1. Wagenklasse. W. Sch. Ihrem Wunsche können wir ebenso wenig, wie ähnlichen, die an uns gerichtet sind, nachkommen. C. St. Wenn Sie im Wochen lohn arbeiten, kann Ihnen der Lohn für den Feiertag nicht abgezogen werden, falls nichts anderes vereinbart ist. Sonntagsruhe betreffend gehen uns verschieden« Anfragm zu. Dieselbe ist vorläufig nur für Handelsgeschäste geltend. Das in diesen angestellte Personal darf auch nicht hinter geschlossenen Läden beschäftigt werden. Sollte dieses doch geschehen, so ist keine andere Abhilfe möglich als durch Anzeige der Gesetzesüber- treter. Für Fabriken und Werkstätten sind leider die Be- stimmungen über die Sonntagsruhe noch nicht in Kraft getreten. Brauch, Charlottenbnra. Ist die Wohnung ohne schrist- lichen Verlrag gemiethet und stellt sich heraus, daß die Wohnung gesundheilsgefährlich, so hat der Mielhcr das Recht nach seiner Wahl: zu verlangen, daß die Wohnung in brauchbaren Zustand gesetzt werde oder die Wohnung aus Kosten des VermietherS in brauchbarm Zustand zu fetzen oder vom Verlrage ganz adzu- gehen. Er kann also jofort ausziehen. Liegt ein schriftlicher Vertrag vor, so ist die Rechtslage nach Inhalt desselben zu beurtheilen. B., Puttkamerstraße. Lohnforderungen verjähren in zwei Jahren nach Ablauf des Jahres, in dem sie entstanden sind. Ihre Forderung können Sie nach dem IV. April bei dein Gewerdegericht einklagen. Postabonnent Pirmasens. Die schriftliche, hiermit wieder- holte Antwort lautete: Mit einer Klage gegen den Konkurs- vermalter würden Sie schwerlich durchkommen. Es liegt seiner- seits kein verlrelbares Verschulden vor. Die Gläubiger müssen Sie»ach Inhalt des Zwangsvergleiches befriedigen. F. F. 67. Wenden Sie sich an Dr. Zadel, Annenstr. 46. oder Dr. Chrisleller, Alexander Platz 1: sie werden Ihnen gern Auskunft ertbeilm. Namenlos. I.„Eigmthum ist Diebstahl" ist die Ueber- setzung von 1» propnäte c'est le vol: unseres Wissens zuerst geschrieben von Brisson, dann von Proudhon. Stirner sagt: Eigenthum ist Freindlhum. 2. Wenn der Arbeiter mit dem Lohntarif einverstanden ist, dessen eine Bestimmung die Kündigungs- frist ausschließt, so kann er nachträglich nicht Einhaltung einer Kündigungsfrist verlangen. y. Die neuliche Antwort war die richttae auf die gestellte Frage hin. Sie machen aber mit Recht daraus aufmerksam, daß der suristisch- technische Ausdruck Aussteller in der Antwort zu Unrecht gebraucht war. Zur Vermeidung eines Mißverständ- nisses wollen wir gern die Rechtslage klar stellen: Es verjährt der Anspruch aus einem Wechsel gegen dm, der ihn angenommen hat(Akzeptanten), in 3 Jahren vom Verfalltage des Wechsels ab gerechnet. Unter Akzeptanten versteht man den, der zur Zahlung der Wechselsnmme in erster Reihe sich verpflichtet: im allgemeinen ist dies der, der„querschreibt". In zweiter Linie hastet aus dem Wechsel(also dann, wenn der Akzeptant den Wechsel nicht einlöst) der sog. Girant und Aussteller. An- spräche gegen diese sind von Aufnahme eines Protestes abhängig und verjähren in 3 bis 13 Monaten.— Besten Dank. E. K. 8k. k. Sie werden am besten thun, wenn Sie einen Vertrag schließen, durch den die Mutter die bisherige Ver- pflegung anerkennt und Ihnen als Entgelt hierfür und für weitere Pflege bis an ihr Lebensende das Vermögen vermacht, auch die Police als Pfand für Ihre Ansprüche bestellt. 2. Die Brüder können verklagt werden. 3. Das Wahlrecht verlieren die- selben nicht. 4. Kreis Gumbinnen- Jnsterbura wird durch Reichstags-Abgeordneten Dodillet vertreten. 5. Die Wahlkreis- Geometrie ist so einfach nicht: Ihr Vorschlag setzt voraus, daß unparteiisch getheilt werden soll. Das wollen aber gerade die Herren nicht. sfi** ffjfj 7/L~~ i ....... M* ..______ Wf) Karol Weil's Seifen-Extract ist leicht löslich— wäscht Alles spart; Zeit, Geld, Arbeit schont die Wäsche. E Roh-Tabak!= Alle Sorten, billigste Preise bei s39I2I-' J. Radich Kerlin C. Au der Zpandauer Krücke 6. E Roh-Tabak! 5 Jemalemerstr. 42 und Brnnnenstr. 6. Großartig. Auswahl jeder Art, billigste Preise. Viele Aner- kennunaen. 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