Ar. 74. nbonitments-Bcdingungeu: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. Ml., Mona«. 1,10 Wt„ wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft.ZeiwugS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonneuientS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Pmnänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Grfitctat täglich auücr montags. Verlinev Volksbleltt. Ol« Tnlcrtions'Gebüöf-- beträgt für die scchsgcspaltene flolottfl- geile oder deren Rauni 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen M Pfg. „lileine xln-eigen", das erste fsett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SbglzliUiDOüksl Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1083. Sonntag, den 28. März 1909. Expedition: SM. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Candwirtkfyaftlkfye Betriebe. 11. Für die Theorie einer Verdrängung des Großbetriebes durch den Kleinbetrieb liegt in den Daten der Berufszählung kein Material vor, wohl aber dafür, daß für die Schnellig- kcit der Akkumulation, die Industrie und Bergbau, Verkehr und Handel charakterisiert, in der Landwirtschaft kein Seitenstück zu finden ist. Während wir zu der Industrie ein nur selten und dann auch nur kurze Zeit unter- brochenes gewaltiges Zuströmen von Menschenmassen be- obachten, wird die deutsche Landwirtschaft charakterisiert durch das Abströmen der Bevölkerung. In aller Nüchternheit und entkleidet von allen Phrasen bedeutet das wirtschaftlich, daß ein immer geringerer Teil der Bevölkerung an dem Ge- deihen der heimischen Landwirtschaft direkt interessiert bleibt, während ein nicht nur relativ steigender, sondern auch absolut überwiegender Teil der Bevölkerung in seiner Lebenshaltung durch das Gedeihen der industriellen Produktion bedingt und bestimmt wird. Ins Politische übersetzt, sollte dies bedeuten, daß Förderung und Schutz der nicht- agrarischen Bevölkerung die dringlichste und größte staat- liche Aufgabe sein inuß. Diese einfachen Gedanken- gänge widersprechen aber dem Interesse der Junker und Junkergenossen, wie der aus ihrem Kreise hervorgegangenen Bureaukratie. Es war Bismarcks bedeutendste Leistung in der inneren Politik, daß er von 1879 ab eine dauernde Interessengemeinschaft der schutzzöllnerischen Industriellen und der landlvirtschaftlichen Interessenten zu schassen wußte. Die Lockerung dieser Verflechtung wurde durch einen viel zu wenig beachteten Umstand verhindert. Die großen Ueberschüsse der Industrie wurden> zu einem ganz erheblichen Teile der Landwirtschaft zugeführt. Die Anlage in der Landwirtschaft geschah in verschiedener Art; teils wurden Güter von Industriellen und Vankgewaltigen erworben, teils Fabrikantentöchter mit reicher Mitgift an Guts- besitzer verheiratet, endlich wurde viel Mehrwert in Hypotheken und Pfandbriefen angelegt. Zur Erklärung der landwirtschaftlichen Bcsitzverteilung ge- hört neben dem Eindringen überschüssigen Industriekapitals in die Landwirtschaft die auf künstliche Schaffung kleinen bäuerlichen Besitzes und der Ansiedelung von Tagelöhnern gerichtete preußische Agrarpolitik, endlich der Landhunger, diese heiße Sehnsucht nach dem Besitz einer wenn auch noch so kleinen Bodenparzelle, die das Lebens- ziel so vieler armer Torfbewohner bildet. Zwei Tendenzen walten gleichzeitig in der Landwirtschaft, deren eine wir eben geschildert haben. Sie ist auf die Per- mehrung des Zwergbesitzes gerichtet und vermehrt die Zahl der landwirtschaftlichen Besitzer, die aber streng zu scheiden ist von denen, die als wirklich Selbständige aus der Bewirtschaftung des eigenen Bodens die Möglichkeit der Erhaltung einer Familie gewinnen. Mißt man die Perteilung des selb- ständigen landwirtschaftlichen Betriebes, so ist der Zwerg- betrieb außer Betracht zu lassen. Seine großen Zahlen erfreuen den agrarischen Tendenz statt st iker, sind aber für die Feststellung der Interessen der landwirt- schaftlichen Bevölkerung ganz anders zu bewerten als dies von den Agrariern in ihren Reden und Schriften beliebt wird. Rechnet man den Zwergbetrieb von der Zahl der landwirt- schaftlichen Betriebe ab. so mindert sich ihre Anzahl und da- mit das Gewicht ihrer Äedeutung außerordentlich. Der Zwerg- betrieb entsteht zumeist durch Zerstückelung größerer Betriebe, die wirtschaftliche Selbständigkeit garantierten, so daß der Zwergbetrieb zu einer Schwächung des selbständigen ländlichen Besitzes beitragen muß. Für die landwirtschaftliche Betriebsführung innerhalb eines Wirtschaftsgebietes ist weit bedeutungsvoller als der Landhunger, der zu Zwergwirtschaften führt, das Streben der mittleren und größeren landwirtschaftlichen Betriebe nach Abrundung, nach Ausdehnung. Freftich hat dieses Streben eine so starke Belastung des Grundbesitzes mit Hypotheken gezeitigt, daß gerade hierdurch die ökonomisch gesunden Möglichkeiten kapitalistischer Petriebs- Methoden in der Landwirtschaft sehr wenig ausgenutzt werden konnten. Deshalb fehlte lange Zeit in der Landwirtschaft der Technik der Anreiz zur Arbeitsersparnis, weil sie viel größere Aussichten für den Erfindungstricb in der I n d u st r i e vorfand. Trotzdem hat heute schon auch der vielfach zurückgebliebene landwirtschaftliche Großbetrieb einen Vorsprung vor dem Kleinbetrieb. Wir können da den Beamten der Abteilung für Volkswirtschaft und Statistik des Bundes der Landwirte und Parteigenossen außer Dienst, Dr. Walter C l a a s s e n als Zeugen anführen. Er schreibt:..Von E. David werden in einem sehr lesenswerten Buche „Sozialismus und Landwirtschaft" Vor- und Nachteile von Groß- und Kleinbetrieb zwar richtig geschildert, aber unrichtig zugunsten des Kleinbetriebes aneinander abgeschätzt". Alles spricht dafür, daß wir am Beginn einer Periode kaPitalistischenLandwirtschaftsgroßbetriebes stehen. Die agrarische Hochschutzzollpolitik, wie das lieber- fließen des Anlage suchenden industriellen Kapitals in die Landwirtschaft ermöglicht eine gesteigerte Intensität des landlvirtschaftlichen Betriebes. Weit bedeutungsvoller für die Industrie wird für die Landwirtschaft die elektrische Kraftzentrale, die Möglichkeit zeitlveise geliehene motorische Kraft ohne Ankauf der Maschinerie zu der- wenden. Die Elektrisierung der Vollbahnen und die dadurch immer näher gerückte Möglichkeit einer„elektrischen Land- Wirtschaft" beschäftigt heute die Techniker, die Erfinder und die Organisatoren der großen Elektrizitätsfirmen. Die Land- Wirtschaftszählung vom 12. Juni 1907 zeigt uns in freilich stark tendenziöser Färbung den Abschluß einer Periode des deutschen Landwirtschaftsbetriebes, ohne uns jedoch die neuen Tendenzen in ihren Wirkungen an- deuten zu können. Betrachten wir nun die Hauptergebnisse der landwirtschaft- lichen Betriebszählung in Preußen. Zuerst springt einem in die Augen die ganz gewaltige Steigerung der Zwergbetriebe in der kurzen Periode von 1895— 1907. Sie ist unmöglich als eine natürliche EntWickelung zu deuten, sondern im wesentlichen auf den von der statistischen Zentralstelle beflügelten Eifer der Verwaltungsbehörden zurückzuführen, auch die minimalste Bodennutzung als selbständigen landwirt- schaftlichen Betrieb festzustellen. Selbst Betriebe unter einem Zehntel Ar Anbaufläche wurden gezählt. Seit 1895 wuchs die Zahl der Betriebe unter einem Ar um 86,26 Proz., die Zahl der Betriebe von einem Zehntel bis zu 2 Ar wuchs um 53,17 Proz., um 41,1 Proz. vermehrten sich die Betriebe in der Größe von 2—5 Ar und um 6,67 Proz., die Zahl der Betriebe von 5—20 Ar. Die Anzahl dieser Be- triebe unter 20 Ar war in 12 Jahren um 119777 ge- wachsen. Wer die Produkte der Landwirtschaft auch bloß in der Gestalt des Weißbrotes kennt, weiß, daß alle diese Betriebe keine wirtschaftliche Selbständigkeit schaffen können. Kann doch als selbständig nur ein Teil der kleinbäuerlichen Betriebe gelten, zu denen die Betriebe mit 2—5 Hektar ge- hören. Die Zahl der Zwergbetriebe(unter Vs Hektar Anbaufläche) ist um 114655 oder um 9,26 Proz. gestiegen, während die Anbaufläche bloß um 3492 Hektar oder uni 1,57 Proz, ge- wachsen ist. Dieses merkwürdige Mißverhältnis wird erklärt durch die interessante Erscheinung, daß der Umfang der Zwergbetriebe kleiner wird, so daß die P r 0 l e- tarisierung auf dem Lande Fortschritte macht. Auch die den Umfang der Zwergbetriebe überschreitenden, aber eine selbständige Wirtschaftsführung nicht zulassenden Parzellen- betriebe(Vs— 2 Hektar Anbaufläche) zeigen einen Rückgang und zwar um 6.43 Proz. der Anbaufläche, auch der kleinste kleinbäuerliche Betrieb(2—3 Hektar) hat einen Rückgang von 2,45 Proz. der Anbaufläche. Wenn wir die Anbau- fläche aller landwirtschaftlichen Betriebe unter 5 Hektar für die Jahre 1895 und 1907 vergleichen, so kommen wir zu der überraschenden Tatsache, daß die An- baufläche aller Kleinbetriebe in der preußi- schen Landwirtschaft von 1895 bis 1907 trotz des größten Zähleifers zurückgegangen ist, insgesamt um 17 893 Hektar. Damit ist bestätigt, was während der Zoll- debatte immer von den Sozialdemokraten behauptet wurde, daß der kleinbäuerliche und der klein st eland- wirtschaftliche Betriebdurchdie Zollerhöhung keinen Nutzen hat. Wenn wir mit bündlerischem Eifer die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zählen, so kommen wir zu dem Resultat, daß es 2 621 891 Betriebe mit weniger als 5 Hektaren, aber bloß 778 253 mit mehr als 5 Hektaren gibt, daß somit fast vier Fünftel der selbständigen Betriebe als Klein- und Zwergbetriebe keinen Vorteil aus der agrarischen Politik gezogen haben dürsten. Die 2 621 891 kleinbäuerlichen und noch kleineren Haupt- betriebe umfassen bloß 12,91 Proz., die Hauptbetriebe dieser Größengattungen 7,57 Proz. der Anbaufläche, während die 18 773 Großbetriebe 80,57 Proz. der Anbaufläche, so- mit über viermal soviel Anbaufläche als die kleinen und klein st enHauptbetriebe beherrschen. Die Anbaufläche der Zwergbetriebe ist um 0,04 Proz. der ge- samten Anbaufläche des Staates gestiegen, während die Anbaufläche der Parzellenbctriebe um 0,18 Proz. ihres Anteils an der landwirtschaftlichen Anbaufläche zurückgegangen ist. BH den kleinbäuerlichen Betrieben sehen wir ein Steigen um 0,3 Prozent. Ein erhebliches Wachstum weist bloß der mittelbäuerliche Betrieb auf mit einer Ausweitung seiner Anbaufläche mn 3,37 Prozent. Wer in der Bodenzersplitterung das Ideal der agrarischen Entwickelung sieht, wird über diese Zahlen besondere Freude empfinden. Wer freilich aus diesen Zahlen den Gang der wirtschaftlichen Entwickelung und die so sehnsüchtig gesuchte Widerlegung der Konzentrationstheorie von Marx hcranslesen will, dem ist einige Vorsicht oder Ehrlichkeit dringend zu empfehlen. In diesen Zahlen finden wir nicht das Ergebnis einer natürlichen Entwickelung. sondern das Resultat der preußischen Agrarpolitik, die ja durch die Ansiedelung auf kleinen bäuerlichen Grundstücken, die sogenannte innere Kolonisation. eine Konsolidierung der großen Güter massen zu schaffen sucht. Den großen Grundbesitz zu stärken durch die Sicherung landwirtschaftlicher Arbeitskraft ist das eine Ziel der ohne Rücksicht auf die Kosten durch- geführten Agrarpolittk. Die Schaffung des kleinen Grund- besitzes zur Sicherung des großen Rittergutes ist somit eine st a a t l i ch e Maßnahme, nicht eine Entwickelungsstufe in der Grundeigentnmsverteilung. Der kleine Grundbesitz wird nicht um seiner selbstwilleu geschaffen und, wo er besteht, ge- sichert; nein, das Produktionsinteresse des land- wirtschaftlichen Großbetriebes war der Gesichts- Punkt des Gesetzgebers im preußischen Landwirtschafts- Ministerium wie in den beiden Häusern des Junkerparlanients. Nicht also die Tendenz auf Verkleinerung der Betriebe in den industriellen Ländern und Gegenden, wie David meint, sondern das Interesse des in diesem Parlament repräsentierten großen Grundbesitzes gab den Ausschlag. Daneben spielt bei der Zerschlagung großen Grundbesitzes in Preußen die Polen Politik eine sehr bedeutungsvolle Nolle. Selbst die statistische Korrespondenz des preußischen stattsttschen Landesamtes erklärt die Abnahme der Fläche bei den Großbetrieben vornehmlich durch die Kolonisation im O st e n des S t a a t'e s, durch die Bildung von Rentengütern. Wir schen aus der Statistik, daß die großbäuerlichen Betriebe um 2,05 Proz. der ge- samten Wirtschaftsfläche zugenommen haben und daß die Großbetriebe um 3,22 Proz. der gesamten Wirtschafts- fläche abgenommen haben, während freilich bei der An- baufläche die großbäuerlichen Betriebe seit dem Jahre 1905 bis 1907 um 2,91 Proz.. die Großbetriebe in dieser Zeit um 7,04 Proz. der gesamten Anbaufläche ab- genommen haben. Trotz dieser auf dem Wege ziel- bewußter, ja verschwenderischer Agrarpolitik erzielten Eni- Wickelung sehen wir doch, daß die großbäuerlichen Betriebe und die Großbettiebe noch immer fast zwei Drittel der Anbau- fläche und auch der gesamten Wirtschaftsfläche Preußens ausmachen. Die moderne Industrie hat die Mobilisierung der Bevölke- rung, den gewaltigen Zug zur Stadt zur Folge, die große Landwirtschaft leidet unter dem Mangel an Arbeitskräften und sucht dieser für sie ungünstigen Entwickelung nüt den Mitteln aller Steuerzahler entgegenzuarbeiten. Noch nie hat ein Staat so gewaltige Opfer für eine an Zahl so kleine Schicht gebracht, wie Preußen für die Ritterguts- besitzer Ostelbiens. Diese Politik äußert sich auch in der Betriebsstatistik. Aber diese zeigt trotzdem die scharfe Besitzscheidung zwischen Großen und Kleinen und die fortschreitende Proletarisierung der ländlichen Bevölkerung. Weiter finden wir in der Betriebsstatistik die Bestätigung der politisch so wichtigen Tat- fache, daß nur ein ganz geringer Teil der Bevölke- rung, ja selbst nur ein geringer Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung ein Interesse hat an der Agrarpolitik des Reichs und Preußens._ Die BlocMtrife. Vorläufig dauert das„Mißverständnis" noch an und die verun. einigten Blockhclden sagen sich nach all den„nationalen" Heuchcl- Phrasen sogar ganz munter die Wahrheit, eine bei Liberalen zumal ganz ungewohnte Leistung.„Agrarische Unersättlichkeit", „Junkerlicher Uebermut",„Konservative Unverschämtheit",„Jntcr- essenpolitik", das sind nur einige der mildesten Schelttvorte, die die Liberalen den Konservativen an den Dickkopf Wersen, als ob sie nickst zwei Jahre lang, dumm und unentwegt, diese Politik unter- stützt hätten. Mit Recht darf die„Kreuzztg." höhnisch fragen, was denn eigentlich Neües passiert sei, daS'den Lärm rechtfertige. In der Tat dürfen sich die Konservativen darauf berufen, daß sie der Blockpolitik auch nicht ein Tipfelchen ihrer Grundsätze geopfert, daß sie dem Block zuliebe ihre Machtpolitik, ihre rücksichtslose Vcr- tretung der junkerlichen Interessen auch nicht im geringsten ge- ändert haben. Daß die Liberalen dem Block nicht nur ihre„Prin- zipien"— das wäre bei deutschen Liberalen ein zu hartes Wort—, sondern ihr bißchen politischen Verstand geopfert hatten, ist für die Konservativen doch kein Grund, ihre Politik zu ändern. Dazu haben sie auch nicht die geringste Lust. Die„Kreuzztg." ist zwar sehr ärgerlich über das nationalliberale Geschrei, daß die Konservativen den„nationalen" Block gesprengt haben— mit dem nationalen Wahlschwindel haben nämlich auch die Konservativen, besonders in den Städten, gute und mühelose Geschäf te gemacht'—, aber im übrigen ist ihr der liberale Jammer sehr gleichgültig. Sie stellt zwar fest, daß die Erklärung Normanns, wie wir übrigens bereits mitteilten, vertraulich war und beschuldigt die National- liberalen des Vertrauensbruchs. Aber sie erklärt dann ruhig, daß die jndisrekten Steuern gemacht werden müssen auch ohne die Liberalen, daß Besprechungen mit dem Zentrum stattgefunden haben und sagt zum Schluß: „Die Sprengung des Blocks, die nunmehr fast unvermeidlich erscheint, ergibt sich aus der ganzen Lage, aus feiner Unfähigkeit zu Aufgaben wie die Finanzreform, und vor allem durch die Eigenart feiner Führung durch die Regierun g." Dieser für die„Kreuzzeitung" immerhin schon auffallende Tadel der Regierung wird viel schärfer von der„Deut- schen Tageszeitung" betont, die ja als Organ des Bundes in der Finanzreform die konservative Politik beherrscht.„Klar zu m Gefecht" nennt Herr Oertel den Artikel, der den unerbittlichen Kampf gegen die Nachlaß- und Erbschaftssteuern ankündigt. Mit erstaunlicher Frechheit werden die Agrarier als die Hauptleidtragenden der indirekten Steuern hingestellt, im selben Moment wo sie die alte Liebesgabe von 45 Millionen um 10 Millionen steigern und daraus die Vcrechti- gung zur Ablehnung jeder weiteren.Belastung abgeleitet. Den Ab- geordneten, die vom Bunde abhängig sind, soll wieder einmal ge- zeigt werden, daß der Bund auf Disziplin hält.„Wir hätten gern", so schließt Herr Oertel die bündlerische Kampfansage,„den Kampf vermieden, aber wir sind' in die O P P o s i t i o n Z- stellung hineingedrängt worden." Man sieht, das liberale Gekreische imponiert den Agrariern wirklich nicht. Tie Agrarier kennen diese Manncsseclen und sie wissen: Ist die Finanzreform mit Hilfe des Zentrum- erst erledigt, so werden die liberalen Heulmeier, die Nationalliberolcn zuerst, ihnen schon wieder kommen und sie um gnädige Aufnahme in die konservativ-klerikale Majorität anflehen. Tos Wort Normanns, das sie heute als Hohn zurückweisen— daß der Block für natio- nale Zwecke fortbestehen soll—> das werden sie dann als Vcr- sprechen bezeichnen, um dessen Einlösung sie betteln werden. Aber die„Oppositionsstellung" gegen die Erbschaftssteuer ist zugleich auch die Opposition gegen die Regierung. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet heute die Wendung in den Ver- Handlungen der Finanzreform für bedenklich. Sie meint, die Schwierigkeiten seien entstanden durch die Ablehnung der Regie- rnngsvorlagen über das B rf a n n t w ei i n ni ,o no p o l und die Nachlaß st euer und sie verlangt die Wiederherstellung dieser Entwürfe. Das offiziöse Blatt meldet von der Nachlaß- steuer:„Obwohl mehr als einmal totgesagt, erweist sich die Nachlaßsteuer jetzt nach dem offenkundigen Fiasko der konkurrierenden Vorschläge lebendiger als je." Die Regierung rät also den Konservativen zum Kompro- m i ß. Das Branntweinmonopol ist ja den Junkern fast noch günstiger als der konservativ-klerikale Liebesgabenentwurf. Er sichert ihnen in versteckterer Form mindestens gleiche Ge- Winne und erspart ihnen alle Kosten und Gefahren des Absatzes, der ihnen durch den Staat gesichert wird. Für solchen Vorteil kann die Erbschaftssteuer, die ja, wenn es nur auf Bülow und Sydow ankäme, noch mehr zugunsten der Agrarier ver- hunzt werden könnte, mit in Kauf genommen werden. Und dann behalten die Junker auch noch ihren„agrarischen Kanzler", der in Zukunft noch dienstbeflissener ihre Befehle ausführen würde. Man sieht, das Angebot ist sicher nicht zu verachten. Es fragt sich nur, ob der Bund nach der lärmenden Agitation und den groß- sprecherischen Beteuerungen in der Erbschaftssteuerfrage noch zurückkann. Wir sehen der Entwickelung der Dinge mit Ge- mütsruhc entgegen. Sie ßalltanltrife. Aus Wien wird uns vom 26. März geschrieben: � Nun wird Oesterreich-Ungarn erweisen können, ob die Friedensliebe, die es der Welt so beharrlich versichert hat, auch echt ist. Denn es ist unzweifelhaft, daß sich die Kriegs- wölken zu verziehen beginnen, und daß der Friede, wenn ihn Oesterreich-Ungarn wirklich will, nun auch wirklich erhalten werden kann. Dabei wirken zwei Umstände mit, die schon heute fühlbar sind, deren Gewicht sich aber noch verstärken muß. Das ist erstens die immer deutlicher werdende Tat- sache,� daß sich die Annexion international durchgesetzt hat und ihre Anerkennung von feiten der Signatarmächte des Berliner Vertrages vor der Konferenz, die ja an sich immer fraglicher, weil überflüssiger wird, ohne Verzug finden wcrde.� Es war an sich ein höchst törichter Gedanke, die Annexion, die materiell doch nicht mehr war als eine For- malität, zu einer Vertragsverletzung aufzubauschen, über die sich der Aeropag der Großmächte zu Gericht setzen könnte; wenn in den internationalen Vereinbarungen niemals andere und ärgere Verletzungen geschehen würden, so wäre es um Treu und Glauben darin besser bestellt. Diese Auf- bauschung, in besonders exaltierter Weise von der englischen Zingopresse betrieben, rächt sich nun, denn es ist heute evident. daß diese Anerkennung, auf deren Fehlen die serbischen Kriegshetzer ihre Pläne aufgebaut haben, so gut wie jetzt schon längst hätte erfolgen können; deshalb erscheint sie nun als ein förmlicher Rückzug. Mußte sich doch unter dem Drucke der Verhältnisse selbst Rußland zu einer vollständigen Verleugnung seines früheren Standpunktes, aus dem rncht zum wenigsten sich die Kriegsgefahr entwickelt hat, bequemen und seine Forderung aufgeben, daß die Annexion ein Gegen- stand der Konferenzverhandlungen bleiben müsse. Mit der restlosen und rückhaltlosen Anerkennung der Annexion ist aber auch die Isolierung Serbiens vollzogen. Den verblendeten Chauvinisten in Belgrad ist nun jede Hoffnung auf eine europäische Intervention abgeschnitten, und wenn sie nicht rechtzeitig einlenken, beschwören sie das volle Maß des Hu- Heils auf ihr unglückliches Land herab. Aber da es im Grunde immer ein Aberwitz lvar, zu hoffen, Europa werde sich um der Expansionsbcdürfnisse Serbiens willen, gegen deren Berechtigung wir trotzdem nichts sagen wollen, in einen Weltkrieg hineinführen lassen, so wird Serbien auch rechtzeitig der Wahnsinn zum Bewußtsein kommen, der in einem Wagnis eines Krieges mit der zehnfach überlegenen Militärmacht liegeil würde. Dem Einlenken der Mächte muß der Rückzug Serbiens folgen. Dabei wird natürlich nicht wenig auch die unglaubliche Kronprinzenaffäre mitwirken, die ebenso ein Zeichen der Demoralisation der Verhältnisse in Serbien ist, als sie die Zerrüttung des Landes noch steigern niuß. Was den Thron- Verzicht des Kronprinzen Georg eigentlich veranlaßt hat— denn daß es nicht der vorgespiegelte Grund, nämlich die Reue über die gcmein-schändlichc Tat der Ermordung seines Dieners war, ist wohl ani gewissesten— ist noch nicht zu erkennen; ober schoil die gleichmütige Art, mit der Ministerpräsident Nowakowitsch heute in der Skuptschiua die betreffende Interpellation beantwortete, läßt darauf schließen, daß der Ver- zicht, wenn er von der Regierung überhaupt nicht herbei- geführt worden ist, weder ihr noch dem König unwillkommen ist. Nach der moralischen Erschütterung durch diesen Skandal ist aber die Kricgsbeyeisterung, die ja schon vorher im merk- kichen Abflauen begriffen war, nicht mehr aufrechtzuhaltcn; am wenigsten jetzt, wo seine falschen Freunde, die das arme Land in das aussichtslose Abenteuer hineingehetzt haben, Serbien fluchtartig verlassen. Ob Krieg oder Frieden, wird also von nun an von Wien abhängen. Nun läßt Herr v. Aehrenthal heute versichern, daß er absolut nicht daran denke, von Serbien„demütigende" Erklärungen zu ver- langen; Oesterreich-Ungarn werde nur eine„Klärung" seines Verhältnisses zu Serbien heischen und fordern, daß mit dem System der zweideutigen Redensarten ein Ende gemacht werde. Fragt sich nur, worin die„Klärung" bestehen soll und was Herr v. Aehrenthal nicht als demütigend ansieht. Denn es läßt sich nicht verkennen, daß die Stimmung in dsn Wiener Hof- und Kriegskreisen gründlich umgeschlagen hat, und daß es etnflußreiche Stellen und Elemente gibt, die heute vielleicht bedauern, daß der Krieg, der schon so vor- bereitet ist, plötzlich aussichtslos werden kann. Schon hört man die Parole, man müsse, da die Dinge so weit gediehen seien, nun„reinen Tisch machen" und Serbien für immer die Kourage zur Auflehnung austreiben. Diese Unterströmungen in Wien sind heute vielleicht die größte inter- nationale Gefahr und das Deutsche Reich täte wohl daran, seine Bundestreue auch dahin zu betätigen, daß es den Verbündeten vor zwecklos verbrecherischen Abenteuern warnt und abhält._ Eine Friedenskundgebung. Wien, 26. März. Der von den Sozialdemokraten eingebrachte FriedenZantrag wurde im österreichischen Abgeordnetenhause ein- st i m m i g angenommen. Das Haus ging dann in die Osterferien. Es bleibt beim Verzicht. Belgrad, 27. März. Heute nachmittag fand unter dem Vor- sitz des Königs ein Kronrat statt, an dem sämtliche Minister, die Präsidenten des Staatsrats, des Kassations- und AppellationshoseS und der Hauptrechnungskontroll« teilnahmen. Kronprinz Georg gab vor dem Kronrat die Erklärung über seine Ver- zichtleistung auf die Thronfolgerechte ab und unterzeich- nete das hierauf sich beziehende Protokoll. Nachdem dieses auch von sämtlichen Anwesenden unterfertigt worden war und der Kronprinz auf die mündliche Frage, ob er auf dieser seiner Abdikation beharre, bejahend geantwortet hatte, wurde be- schlössen, diesen Staatsakt der Skuptschtina zur Kennt- nis zu bringen. Sobald dies geschehen sein wird, wird Prinz Alexander als.Kronprinz von Serbien proklamiert werden. Abrüstung. Belgrad, 27. März. Wie verlautet, wird der Kriegs- m i n i st e r morgen eine Verordnung erlassen, wonach samt- liche über den normalen Friedens st and in den Kasernen sich befindenden Reservisten be- urlaub t werden. Diese Maßnahme kommt einer beginnenden Abrüstung gleich. poUtifebe debcrlicbt. Berlin, den 27. März 1909. Kiautschou und Automobilgesetz. Aus dem Reichstage(27. März). Früher sei Kiautschou das snkantoböri, das Lieblingsrind unter den deutschen Kolonien geivesen, so klagte der Abg. Eickhoff bei der Beratung des Etats für diese Kolonie; da habe man ungezählte Millionen betvilligt. Wie kommt es nun, daß es das nicht mehr ist, daß es vielmehr das onkunt torriblo, das Schreckenskind unter den deutschen Kolonien geworden ist? Heute erklären die Mit- glieder verschiedener bürgerlicher Parteien, daß sie nur„mit blutendem Herzen" die 8aU Millionen Mark Zuschuß aus den Taschen der Reichssteuerzahler bewilligen. Abg. Nacken, der für das Zentrum sprach, hatte bei der Bewilligung des Budgets wenigstens den dürftigen Trost, daß es gelungen sei, einige Hunderttausende abzustreichen. Der Staatssekretär v. T i r p i tz bemühte sich, nachzulveiscn, daß der deutsche Handel mit Kiautschou nicht so winzig sei, wie aus den offiziellen Zahlen hervorgeht. Er wollte das damit beweisen, daß ja über Tsingtau noch andere Waren nach dem eigent- lichen China gehen. Der freisinnige Abg. Eickhoff unter- stützte mit dienstbeflissenem Hurrapatriotismus die Ausführungen des Staatssekretärs. Genosse Ledebour ertvidcrte, daß die Herren den Beweis für die Notwendigkeit, Kiautschou zu behaupten, ganz falsch führen. Nicht darum handele eö sich, ob die Hafcnbauten dort wertvoll seien und ob der Handel mit China über Kiautschou sich hebe, sondern ob es nützlich sei für Deutschland, jährlich bis zu zehn Millionen Mark auszugeben für einen Handelshafen in einem fremden Lande. Seit dem Siege Japans über Rußland und seit dem Erwachen Chinas sei die Möglichkeit, von Deutschland aus inKiautschou einen militärischen Stützpunkt für den Fall eines Krieges zu behaupten, völlig geschwunden. Es sei zu wünschen, daß der Platz baldmöglichst au China wieder verkauft werde. Es sei völlig irrig, daß die „Ehre Deutschlands" unter allen Umständen die Behauptung des unhaltbar gewordenen Hafens verlange. Redner erläutert das an historischen Beispielen. Einen unhaltbaren Platz der Ehre wegen behaupten zu wollen, das komme auf das Ver- fahren des Schlvedenkönigs Karl XII. in Bender hinaus. So etwas sei zwar heroisch, aber ein überaus törichter Heroismus. Mit Genugtuung konstatierte Ledebour, daß Herr v. Tirpitz ein weit richtigeres Verständnis für den»Militarismus" be- kündet habe als Herr v. Einem. Der freisinnige Abg. G o t h e i n meinte, Ledebour handle als schlechter Kaufmann, wenn er eine Ware, die er verkaufen wolle, schlecht mache. Er übte dann aber seinerseits eine völlig verurteilende Kritik an dem Unternehmen, so ins- besondere an der sogenannten Hochschule für Chinesen, für die Ledebours Ausspruch, es sei das höchstens eine Art Fähnrichspresse, ihm noch lange nicht scharf genug war. Der freisinnige Abgeordnete H e ck s ch e r beklagte sich über den Spott Ledebours, besonders daß er„Witze über die Ehre Deutschlands" gemacht habe. Ledebour verwahrte sich dagegen, die Ehre Deutschlands bespottet zu haben. Er habe vielmehr dagegen protestiert, daß man mit dem Begriff der Ehre ein so frivoles Spiel treibe, zu behaupten, die Ehre Deutschlands verlange. daß man eine unhaltbare Position behaupte. Was Gothein anbetrifft, so hätte er vielleicht recht. wenn man Kiautschou nur als ein verkaufbares Handelsobjekt betrachte. Es sei aber ein eminent politisches Interesse, das Deutschland nötige, sich dieses gefahrbringenden Objetts zu entledigen. Wer würde denn übrigens getäuscht werden, wenn man hier immer be- Haupte, Kiautschou sei ein wertvoller Besitz für Deutschland? Doch sicher nicht die fremden Regierungen, auch nicht die chinesische. Getäuscht werden nur die naiven deutschen Zeitungs- leser, die diese Ausstreuungen derZukunftSvorteile von Kiautschou ernst nehmen. Die Sozialdemokratie werde jedenfalls auch hier aussprechen, was ist und deshalb fordern, daß Kiautschou aufgegeben werde. Die Debatte spann sich dann noch einige Zeit fort, wobei Herr �Tirpitz sich dagegen.verwahrte, eine andere Auf- fassung über den„Dienst" zu haben als Herr v. Einem, was übrigens Ledebour auch gar nicht behauptet hatte. Dann kam es zur dritten Lesung des Automobil- g e s e tz c s. Genosse Stadthagen übte nochmals eingehende und scharfe Kritik an den Beschlüssen zweiter Lesung, erklärte aber. daß»vir der Verbesserungen halber. die das Gesetz gegenüber dem gegenwärtigen Zustande bringe. für das Gesetz stimmen würden. indem wir hofften, daß die Praxis bald zeigen würde. wie sehr die sozialdemokratische Kritik im Recht sei, so daß unsere Bemerkungen, das Gesetz zu verbessern, von Erfolg gekrönt sein würden. Dann wurde das Gesetz auf Antrag des Prinzen Schönaich-Carolath en bloc angenommen. Gegen Legitimationskarten und Ausweisungen. Gegen die Ausdehnung des Legitimationskartenzwauges auf auch nicht aus dein Osten kommende Arbeiter hat nicht nur namens der italienischen Arbeiter der italienische Gene- ralkoinmissar für Auswanderer, wie wir bereits mitteilten, protestiert, es sind vielmehr auch seitens der Schweizer Gesandtschaft Borstellungen erhoben worden, weil de: Legitimationskartenzwang mit dein zwischen der Schweiz und dem Deutschen Reich abgeschlossenen� Niederlassungsvertrag im Widerspruch steht. Tie sozialdemokratische Reichstagssraktion hat gegenüber der Drangsa- lierung der ausländischen Arbeiter durch die Alternative „Streikbruch oder Ausweisung" zum Etat des Auswärtigen Amtes beantragt: den Reichskanzler zu ersuchen, auf' Auf- Hebung derjenigen bundesstaatlichen Mini- st erialanord nungen hinzuwirken, die unter Verletzung der von: Reiche geschlossen ei: Staats ver träge von ausländischenArbeitern die B e s ch a f f u n g e n t g e l t l i ch e r L e g i t i m a t i o n s- karten verlangen und ausländischen Ar- beitern insbesondere für den Fall die Aus- Weisung androhen, daß sie nicht im Besitz solcher Legitimationskarten sind. Abgeordnetenhaus. In dritter Lesung nahm das preußische Abgeordnetenhaus an. Sonnabend den Gesetzentwurf über dicHaftungdesStaateS und a»cherer Verbände für AmtSpflichtverlctzungen von Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt in Verbindung mit einer Rcsc- lution an. durch welche den Gemeinden und Schutzverbändcn die Versicherung gegen ihre Haftung erleichtert wird. Hierauf trat das Haus in die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Errichtung einer Zentralanstalt zur Förderung des genossenschaftlichen Pe rso nal k red i t s. Die Kommission beantragte die unveränderte Annahme des Gesetzent- Wurfs, der das Grundkapital der Prcuß. Zentralgenossenschaftskas, e auf 75 Millionen Mark erhöhen will. Wer noch daran gezweifelt haben sollte, daß diese„Miquclsche Pumpstation" in Wirklichkeit nichts anderes ist als ein Mittel, den„Notleidenden" zu Hilfe zu kommen, der muß durch die warme Befürwortung des konservativen Redners Abg. Meyen schein eines anderen belehrt sein. Verlangte dieser Herr doch nicht mehr und nicht weniger, als daß die 2ö Mi!- lionen verwendet werden zur Versorgung der Landwirtschaft mit Elektrizität, zur Entschuldung der Landwirtschaft und zur Gründung von Eigenheimen für Fabrik, und Landarbeiterl Aehnlich äußerte sich Abg. Dr. Faßbender(Z.). und' auch der nationalliberalc Abg. Glatze!, der die Preußenkasse gar nicht genug loben konnte, hielt«sffür nötig, im Interesse der Einschränkung der Landflucht der Arbeiter der Ausbreitung des genossenschaftlichen Gedankens das Wort zu reden. Mit anderen Worten: man will die Genossenschaften, die doch rein wirtschaftliche Zwecke verfolgen sollen, zu allerhand Zwecken mißbrauchen, die mit dem Wesen der Genossenschaften nicht das geringste zu tun haben. Die Mittel hierfür müssen die Steuerzahler aufbringen. Im Gegensatz zu den Lobredncrn der Konservativen, National- liberalen und des Zentrums übte Abg. Dr. Crügcr(frs. Vp.) wie alljährlich scharfe Kritik an der Geschäftsgebarung der Zentral- genossenschaftskasse und an der zu häufigen Gründung ungesunder Genossenschaften, denen dann der Staat auf die Beine helfen soll. Der Präsident Dr. Heil i gcnstadt gab sich große Mühe, die Kritik Crügers als unberechtigt hinzustellen, man kann aber nicht gerade behaupten, daß eS ihm geglückt ist, die Angriffe zurückzu- weisen. Die Vorlage gelangte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen zur Annahme. Montag: Etat der direkten und indirekten Steuern, der Zölle, der Lottericverwaltung, des Finanzministeriums, Ein neues Eisenbahnanleihegesetz. Dem preußischen Landtage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, durch den die StaatSregierung ermächtigt wird, zur Erweiterung. Vervollständigung und besseren Ausrüstung des Staatseisenbahn- netzeS sowie zur Beteiligung deS Staates an dem Bau von Klein- bahnen 227 323 000 M. zu verwenden. Davon sind 92 Millionen Mark für die Anschaffung neuer Eisenbahnwagen, zirka 10 Millionen für Bauausführungen, zirka 41 Millionen für die Herstellung zweiter Gleise und 80 Millionen für den Ausbau des Eisenbahnnetzes bestimmt. Geplant find folgende neue Linien: Haupteisenbahnen: 1. von Michendorf nach Rehfelde gewillt sein können. Wollen das die Störenfriede der konservativen Partei nicht, so mögen sie dem Zug ihres HerzenZ ungeniert folgen und eine klerikal-agrarische Steuerreform machen. Diese wird auch die trägsten Wähler aufrütteln." Die Herren haben, wie es scheint. jedeS Gefühl dafür verloren, wie sehr sie sich durch solches Bramarbasieren lächerlich machen. Aber hier und da im Lande scheint sich nachgerade doch etwas Wie Scham über die jammervolle Politik der Payer und Genossen zu regen. Die Göppinger Volksparteiler z. B., die von jeher zu den unruhigen Elementen in der Partei gehörten und sich seinerzeit bereits gegen die Blockpolitik ausgesprochen haben, haben in ihrer Generalversammlung neuerdings eine Resolution gefaxt, in der„lebhaftes Befremden" darüber ausgesprochen wird, dajz die freisinnige Fraktionsgemcinschaft nicht an der Nachlaxsteuer fest- gehalten, sondern den Besitzsteuerkompromitz eingegangen ist. Zum Schluß heißt es dann ziemlich kräftig: „Die Versammlung ist der Ansicht, daß die Abgeordneten bei ihren Beschlüssen mehr Rücksicht auf den Block und Bülow als auf die wirklichen Bedürfnisse des Landes genommen haben und hält unter solchen Um st Knden ein Verbleiben im Block nicht nur für zwecklos, sondern geradezu für unsere Partei und die politische EntWickelung Deutschlands gefährlich." Das klingt recht mutig. Man vergesse nur nicht, daß bei der Schaffung des ReichsvereinZgesetzes dieselben Leute gegen Payer opponiert haben, ohne jeden Erfolg. Damals stellte sich der Ab- geordnete Dr. Elsas, der Landesvorsitzcnde der Volkspartei, selbst an die Spitze der Opposition. Er ist abgehalftert worden. Das Organ Payers, der„Beobachter", sprach ihm, da er gerade krank war, die politische Zurechnungsfähigkeit ab. Jetzt steht eine politische Null, Professor der Tierarzneikunde, an der Spitze der Volkspartei. Da sind die konservativen Bauernbündler doch andere Kerls. Am Mittwoch nahm der Württembergische LandeSauS schuß des Bundes der Landwirte zur Reichsfinanzreform folgende Erklärung an: „Der Laudesausschuß des Bundes der Landwirte schließt sich der Erklärung' der Generalversammlung des Bundes zur N a ch l a ß st e u e r an. Eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Ehegatten und Kinder halten wir für eine durchaus ver- fehlte steuerliche Maßregel. Dagegen sind wir bereit, zur Beseitigung der Finanznot des Reiches einer Besteuerung des Besitze? der Lebenden zuzustimmen. Wir be- dauern die ablehnende Haltung der verbündeten Regie- rungen gegen eine Dividendensteuer, eine Umsatzsteuer auf großkapitalistische Betriebe(Ricsenmühleni Warenhäuser usw.) sowie gegen einen Ausfuhrzoll auf Kohlen und Kali. Die Abgeordneten des Bundes der Landwirte und der Konservativen ersuchen wir um Ablehnung jeder ReichSweiiisicuer und um Wahrung der den süddeutschen Brennern seither zustehenden Rechte. Dem neuen Vorschlag der Subkommission des Reichstags wäre das Monopol entschieden vorzuziehen." Das ist deutlich I Die Leute wissen, was sie wollen. Sie werden sich den Teufel um die„Bedingungen" der freisinnig- demo- kratischen Jammerlappen scheren. *." Stuttgart, 27. März.(Privatdepesche.) Die um Payer scheinen endlich zu begreifen, daß ihnen die Junker den Laufpaß gegeben haben. Der Beschluß der Finanz» kommission über die Branntweinliebesgaben hat ihr Begriffs- vermögen gestärkt. Der„Beobachter", das Organ Payers, sagt in seinem Sonnabend-Leitartilel, betitelt„ D c r neue Block", zum Schluß: „Der Freisinn ist durch die Erklärung der Konservativen wieder ganz und gar auf sich selbst gestellt und wird hiernach seine Entschließungen zu fassen haben, und das bedeutet unseres Erachtenö das Ende des Blocks, der sich damit in feine heterogenen Bestandteile auflöst." Damit nicht genug, dichtet das Publikationsorgan deS Führers der Demokraten, Payer, den toten Block auch noch an. Der Schluß- ocrs des Grabgesanges mit der schwarzumränderten Ucberschrift „Der Block" lautet: Darum grabt jetzt, da endlich wirkt die Stunde der Erlösung, Ja grabt jetzt, zum Himmel stinkt der Moder der Verwesung. Und auf dem Grabstein soll dann stehen untilgbar eingegraben: „Ruhe sanft, auf Nimmerwiedersehen liegt da der Block begraben." Das nützliche Dreiklaffenwahlrecht. Die„Kreuz-Zeitung" beschäftigt sich in Nr. vom 27. März mit den WahlrechtSftagen in Nixdorf und Kiel. Daß die„Kreuz- Zeitung" mit der Wahlrechtsverschlechteruna zuungunsten der Arbeiter einverstanden ist, versteht sich von selbst. Ihre Besprechung dieser Angriffe auf das Wahlrecht endet schließlich mit folgendem Lobgelang auf das Klassenwahlrccht: „Kennzeichnend ist aber, daß der Minister des Innern im gegenwärtigen Augenblicke die Abhilfe nur auf dem Boden des DreiklafsenwahlsystemS für möglich hält. Wir ver- stehen eS zwar, daß die Staatsregierung in einem Zeitpunkte, in dem sie sich mit der„Reform" des Landtagswahlrechtes beschäftigt. sich auf Experimente mit einem in seinen Wirkungen noch nicht bekannten Genieindewahlrecht nicht einlassen möchte. Aber in dem Hinweise ihres Vertreters auf das Dreiklaffensystem als auf den einzigen, im gegenwärtigen Augenblicke für die Stadt Kiel gang- baren Weg zur Beseitigung der Gefahren des bisherigen, gleichen Genieindewahlrechtes liegt unzweifelhaft die An- crkennung, daß das Dreiklassensyste>n doch eine recht brauchbare Einrichtung ist. Ilm so weniger verstehen wir eine Politik, die jetzt das Dreiklaffensystem bei den Landtagswahlcn wesentlich umgestalten und mit einer anderen Art der quaiitirativen Abstufung des Wahlrechtes Versuche machen will. Wir halten an der Ueberzeugung fest, daß jede wesentliche Abänderung der bestehenden Gesetzgebung über dieWahlen zum Abgeordnetenhause dieBe- wegung für die Einführung des Reichstags- Wahlrechtes in Preußen fördern muß. Hoffentlich zeigen die Vorgänge in Kiel unserer Staatsregierung, daß sie mit jedem Rütteln an den Grundlagen unseres Landtagswahl- rechtes eines der wichtigsten Bollwerke gegen das Anwachsen des sozialdemokratischen Einflusses auf die Gestaltung unserer Volks- Vertretung preisgibt." Die Argumentation des BlatteS der Hammerstein-Epigonen ist zwar nicht logisch; aber soviel ist immerhin richtig, daß die Frei- sinnigen selbst ihre Forderung des allgemeinen gleichen Wahlrechts zum preußischen Landtag dementieren, wenn sie in den Kommunen durch die jämmerlichsten„Wahlrechtsreformen" die Arbeiter- kchaft von den Stadtparlamenten ausschließen. Der Diamantcnsegen Deutsch Siidwestafrikas. Die Transvaal- Diamantminenbesitzer haben eine» Sach- verständige,! nach Südlvestasrika geschickt, um den Wert der deutschen Diamantlager feststellen zu lassen. Dieser Sachverständige, der Geologe MerenSky, schätzt die Gesamtmenge der in Südwestafrika vorhandenen Diamanten auf ll/3 Millionen Karat. Er prophezeit, daß die Felder innerhalb sechs"bis sieben Jahren erschöpft sein werden. Nach den bisherigen Ergebnissen der Diamantfunde stellt sich das Karat südwestafrikansichcr Diamanten auf höchstens 23 M. Nach dem Gutachren Merenskys würde sich also eine Ausbeute von höchstens 42 Millionen Mark ergeben. Nach Dernburgs Darstellung sollen die Diamantschätze mnidestens das Zehnfache dieser Summe be- trogen.— Kommunale Lebensmittelverteuerung. Stuttgart, 27. März.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Die württembergische Zweite Kammer nahm heute in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf an, der den Gemeinden gestattet, die kommunale F l e i s ch st e u e r, die am 31. März 1309 aufhören sollte, bis zum 31. März 191(1 weiter zu erheben. Das Gesetz wurde mit 44 gegen 30 Stimmen angenommen. Geschlossen dagegen stirnmten nur die Sozialdcinokraten, deren Redner, Dr. Lindemann und Keil, das Gesetz aufs schärfste bekämpft hatten. Zu dem Gesetz wurde eine von der Sozialdemokratie eingebrachte Resolution angenommen, in der die Staats- regierung ersucht wird, einen Gesetzentwurf einzubringen, nach dem es den Gemeinden ermöglicht werde, höhere Einkommen st euerzu schlage zu erheben, als wie es ihnen jetzt gesetzlich möglich ist. Die Genieinden dürfen nämlich im Höchstfälle nur 50 Proz. der staatlichen Ein- komniensteucr erheben. Für die Resolution wurden 37 Stimmen abgegeben. 18 Zentrumslcute stimmten da- gegen._ franhreicb. Die Bosibeamtcn. Paris, 27. März. Gestern fanden zahlreiche Versammlungen von Postbeamten statt, in denen die Redner erklärten, der Aus st a n d würde wieder beginnen, wenn auch nur eine einzige Entlassung ausgesprochen werden sollte. Dagegen würden sie es mit vollständigem Gleichmut ansehen, wenn die Regierung sich damit begnüge, den Unterzeichnern des Anschlages einen strengen Verweis zu erteilen. Die Ver- fammlungen nahmen eine Tagesordnung an, in der die Versiche- rung ausgesprochen wird, daß unter den Postbeamten engste Solidarität herrscht und daß sie bereit sind, ihre Rechte und ihre Würde bis zum äyßersten zu verteidigen. Das„Echo de Paris" will wissen, daß die Regierung keiner- lei ernste Straf maßnahmen gegen die Unterzeichner der Anschlagzettel ergreifen würde. Minister B a r t h o u habe schon im borgestrigen Ministerrat, ebenso wie Briand und Viviani, die An- ficht vertreten, daß von der Regierung, um jede neuerliche Er- regung hintanzuhalten, ein Auge zugedrückt werden sollte. Dtan glaubt nunmehr, daß auch Ministerpräsident Clemenccau sich dieser Ansicht anschließen werde. Keine Masiregclungcn. Paris, 27. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) An- gcsichts der Mißstimmung im Parlament gegen die Rc- gierung, die trotz deS Vertrauensvotums in d«r gestrigen Debatte offen zutage trat, und angesichts der Entschlossenheit der Postbeamten, keine Maßregelungen zu dulden, sucht die Re- gierung nach einem Ausweg, um die Verfolgung der Unterzeichner deS Aufrufs vermeiden zu können. Die gesamte Oeffentlichkeit verurteilt die angedrohten Repressalien. Selbst der„TempS" sagt in einem sonst scharfmacherischen Hetz- artikel:„Es kann sich nicht mehr um die Vergangenheit handeln, sondern um die Zukunft." So hat das Ministerium trotz des Sieges in der Kammer eine Niederlage erlitten und mich seine parlam cn ta rischib Sste/llung ist erjjichülitert. Eine Erklärung der Beamten. Paris, 27. März. Die Delogierten der Postbeamten er- klärten dem Minister B a r t h o u, der ihnen zum Vorwurf gemachte Anschlag sei beschlossen und in großen Zügen festgelegt worden von der Versammlung, die der Wiederaufnahme der Arbeit voran- gegangen fei. Sie fügten hinzu, die Postbeamten hätten die Arbeit wieder aufgenommen in der Absicht, Disziplin zu be° obachtcn und allen Berufspflichten nachzukommen. Eine Solidaritätskundgebung. Brüssel, 25. März.(Eig. Ver.) Der französische Poststreik hat auch in Belgien unter dem Postpersonal einen Widerhall gefunden, der sich einerseits in einer Solidaritätskundgebung für die franzö- fischen Kollegen ausdrückte, andererseits aber auch wieder Anlaß bot. in der Oeffentlichkeit die Lage der belgischen Postangestellten zu besprechen. In der zu diesem Zwecke einberufenen Versammlung, der auch einige Abgeordnete beiwohnten, bemerkte der Hauptredner, daß entgegen den Behauptungen verschiedener Blätter auch die belgischen StaatSangestellten nicht minder wie ihre französischen Kollegen Ursache zur Unzufriedenheit haben. Denn auch hier herrsche die ärgste Günstlingswirtschaft beim Avancement. Ebenso berechtigt seien die Klagen über die Beziige, insbesondere auch der Briefträger. Vom Arbeiterpersonal der Bahnen erhalten mehr als 80 Proz. 3 Frank und noch weniger per Tag. Der Redner verweist auch auf die fortschreitende Stärke der Syndikate der staatlichen Angestellten. Die Organisation der Beiefboten zum Beispiel umfaßt 2300 Mitglieder, unter de» Telegraphisten sind 300 Beamte und 200 Arbeiter in Gewerkschaften vereinigt. Die Syndikate des Eisenbahn- Personals. Maschinisten und Heizer, umsasfen mehr als 6000 Mitglieder. das Syndikat der Bremser 2000 Mitglieder. Zum Schluß sagte der Redner, er fordere nicht zu einer Nachahmung des französischen Beispiels auf, wohl aber zu einer intensiven Wahl- s ch l a ch t, um die Klerikalen zu st ü r z e n. In der Ver- sammlung sprach auch, lebhaft begrüßt, der sozialistische Deputierte Delporte, der die staatlichen Angestellten zur Wahrung und Erkämpfung ihrer Rechte aufrief. Die zum Schluß angenommene Resolution begrüßte den Sieg der französischen Kol- legen. Selbstverständlich hat cS ein Teil der bürgerlichen Presse den belgischen Postangestellten sehr übel vermerkt, daß sie so kühn waren, den französischen Poststreik gutzuheißen. Soldaten gegen Streikende. Paris, 27. März. Auf Ersuchen des Präfekten deS Departc- ments Jsere wurden nach St. Laurent du Pont Truppen ent» sandt, da dort die seit kurzem streikenden Zement- arbeiter den Trambahnverkehr zu hindern versuchten, einen Steinbruchbcsitzer mit Stcinwürfen verfolgten und auch sonstige Gewalttätigkeiten(!) verübten. Eue der Partei. Die deutschen Sozialdemokraten in Siebenbürgen traten letzten Sonntag in S ch ä tz b u r g zu einer Konferenz zu- sammen. Erschienen waren 19 Delegierte für 14 Organisationen. Aus den Berichten der Delegierten ist zu ersehen, daß die Lage der deutschsprachigen Arbeiterschaft in Siebenbürgen eine sehr elende ist. aber die Genossen regen sich überall, ihre Lage zu der- bessern; Anfänge einer Organisation sind trotz der Verfolgungen fast überall vorhanden. Es wurde ein Agitationskomitee gewählt mit dem Auftrag, unter den deutschsprachigen Arbeitern Auf- klärung zu verbreiten, der sozialistischen Presse Eingang zu ver- schaffen und Organisationen zu gründen. polireilicbes, ecricvtlicbea uiw. Eine„Rede" nach dem neuen Lercinsgcsctz. Bei einem Be- gräbniS im Dorfe Cancna bei Halle hatte Genosse Lange, während er in hergebrachter Weise einige Schollen Erde auf den Sarg wa�f, dem Verstorbenen die Worte nachgerufen:„Schlaf wohl, Bruder der Not und Tyrannei!" Lange erhielt wegen dieser„Rede" ein Strafmandat. DaS Schöffengericht verurteilte ihn, die Strafkammer sprach ihn aber frei, da eins zm Ver- urteilung angezogene Polizeiverordnung ungültig war. Auf die vom Staatsanwalt eingelegte Revision wies das Kammergericht aber die Sachs zur nochmaligen Prüfung an das Landgericht zurück, da festzustellen sei. ob sich der„Redner" nicht gegen§ 9 das Reichs« Vereinsgesetzes vom 19. April 1903 vergangen habe, da die Rede eines Laien ein Leichenbegängnis zu einem ungewöhn- l i ch e n mache I Der Redner se, als Veranstalter eines u n« gewöhnlicben LeicheiibegönanisseS anzusehen. Die Halleichc Strafkammer folptednica?:.iofr' urac und verurteilte unseren Genossen ans Grund des R e i ch s v r, e ins juwcls zu 15 M.Geld- strafe. So lebt der alte preußische Geist auch ,m neuen» Berems- gesetz fort l_ Hus Induftrie und Handel. Der amerikanische Oeltrust in Berlin. In Berlin, hat die Standard Oil Company in aller Ruhe einen Kampf gegen den Berliner Zwischenhandel vorbereitet, der jetzt ganz plötzlich auf der ganzen Linie entbrannt ist. In der letzten Zeit war es aus dem deutschen Petroleummarkt verhältnismäßig ruhig, nur hin und wieder versuchten die österreichischen Händler gegen den Oeltrust neue Absatzgebiete zu erlangen. Jetzt plötzlich spielt der Oeltrust, der hier durch die Deutschamerikanische Petro- leumgesellschaft vertreten ist, seine geschickt vorbereiteten Kampf- mittel aus. Er versucht, den Zwischenhandel, wie es schon ander- wärts gelungen ist, auch in Berlin und der Diark Brandenburg auszuschaltcu. Bisher lieferte die Dcutschamerikaiiische Petroleum- gescllschaft in Tankwagen die zu verkaufenden PetroleiMinarkeu an die Großfirmen. In Berlin sind es in erster Linie Stobwasser, Hugo Joste, die Norddeutschen Eiswerke usw., die das Petroleum dam, in Kannen an Kleinhändler und Konsumenten absetzten. Wie die Dinge liegen, ist sicher, daß der Oeltrust im Kampfe mit den Großhändlern den Sieg davonträgt, entweder durch Preisunter- bietuugen oder indem die Händler sich von den Amerikanern Ab- standsgelder zahlen lassen. Es sind von diesen auch schon Vorschläge gemacht worden, die dahin gehen, den Großhändlern Entschädigungen zu zahlen. In einer Jnteressentenvcrsammlung soll sich die Gesell- schaft sogar bereit erklärt haben, die Anlagen und Transportein- richtungen der Händler zum jetzigen Werte zu übernehmen. Teil- tveise werden diese auch in den Dienst des Oeltrusts übernommen. Dieser Vorgang zeigt wieder, daß die Größten und Gewaltigsten die Kleineren verdrängen. Die eigenen Gewinne werden durch die Ausschaltung des Zwischenhandels selbstverständlich wieder gesteigert. denn daß der Trust die ersparten Zwischenhandelsgewinne zu Preisabschlägen benutzt, daran ist wohl kaum zu denken. Der Kapi- talismus geht unerbittlich seinen Weg. Je mehr er konzentriert und organisiert, um so mehr demonstriert er auch die Notwendigkeit soziallstischer Organisation in der Gütcrerzeugung und Güterver- teilung. Ein Notschrei gegen Kartellprcisdiktatur. In dem soeben erschienenen Tätigkeitsbericht des„Verein Ber« liner Kauflcute und Industrieller" für das Jahr 1908 wird die Wirkung ver Preispolitik der Rohstoffvcrbände also gewürdigt: „Als dritte schwerwiegende Ursache, die zur Verschärfung der wirtschaftlichen Depression wesentlich beigetragen hat. wird die Hochschutzzollpolitik und die dadurch ermöglichte M a ch ,t. Politik der großen R oh stoffka r te l le und -syndikate anzusehen sein. Es hat sich in erschreckender Weise gezeigt, welch unheilvollen Einfluß in einer Zeit, in der die Nach- frage zurückgeht, die Syndizierung der Nohstofsabrikation auf das ganze Wirtschaftsleben auszuüben vermag. Die tveitcrvcrarbcitcn- den Industrien, weniger die Halbzeug- als die Fertigfabrikationcn, geraten in eine Zwangslage, die aus den ganzen Wirtschaftsbau in höchstem Maße nachteilig wirken muß. Auf der einen Seite stehen die mächtigen Kartelle, die allem Niedergang zum Trotz unter dem Schutz der hohen Zollmauern die Preise der notwendigen Roh» Produkte hochhalten, auf der anderen Seite stehen die Konsumenten, deren Kauftraft gemindert ist und deren Nachfrage der nun einmal durch die Größe deS Betriebes bedingten hohen Produktion nicht nachzukommen vermag. Am schwersten wirkte die Syndizierung in der Eisen- und Kohlenindustrie. Der deutsche Stahlwerksvcrband sowohl, als auch das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat ließen sich trotz allen Drängens Monate hindurch zu einer Herabsetzung der Preise nicht herbei. Spät erst, zu spät, um die Schäden wieder zu heilen, kamen die Reduktionen der Preise, die schließlich aus die Tauer trotz aller Macht der Kartelle i» ihrer unnatürlichen Höhe nicht erhalten werden tonnten. Jetzt hatte das Fallen der Rohstoff- preise bielfach gerade die entgegengesetzte Wirkung und verursachte zum Teil durch die Enttvertuug der großen Vorräte direkten Schaden."_ Banktantiemen. Es ist bekannt, daß man in den großen Noteninstituten nicht gern sieht, wenn nachkontrolliert wird, welche Summen an Tan- ticmen usw. gezahlt werden. Bei der Deutschen Bank, bei der sicher etliche Millionen für solche Zwecke ausgegeben werden, wird es überhaupt nie bekannt gemacht, welche Höhe die Tantiemen für die Direktoren und Aufsichtsräte erreichen. Wer für einige andere der großen Banken lassen sich recht interessante Zifsern zusainmenstellcu. So beträgt in Millionen Mark der Rein» die Summe M-s'k.fi'ir gewinn der Tantiemen-c. � �ehtaew. DiSkontobank.. 20,07 2.23 11 Dresdner Bank. 19,23 4,53 24 Schaaffhaus. Bank- verein... 12,86 1,66 1Z Berliner Handels« aesellschaft.. 12.2 1.73 14 Nationalbank.. 6.85 1.23 18 Kommerz- u. Dis- konto-Banl.. 6,42 0,36 6 Mitteldeutsche Kreditbank.. 4,30 0.53 12 Also 6 bis 24 Proz. des Reingewinnes fließen in Gestalt von Tantiemen in die Taschen von Direktoren und AufsichtSrätc»! Bei 7 Banken sind für das letzte Jahr fast 13 Millionen Mark, die sich auf vielleicht 100 Personen verteilen, als Extrageschenk verteilt worden. Die Leute haben als Direktoren natürlich auch ihre festen Bezüge, sitzen dabei in noch vielen anderen Gesellschaften als Auf- sichtsratsmitglieder, so daß leicht mehrere hunderttausend Mark an Tantiemen, Bezüge usw. zusammenkommen. bei der )Zus der Frauenbewegung. Unverbesserlich. Der Dresdener Staatsanwalt Wulfsen hatte kürzlich in der Zeitschrift„Gesetz uns Recht einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Seelenzuständen der Dienstboten beschäftigt. Die so- ziale Isolierung und die damit Hand in Hand gehende gesellschaftliche Vereinsamung der Dienenden bilden nach des Verfassers Ansicht oft die Ursache zu seelischer Verstim- inung, Unlust zur Arbeit und Uubotmäßigkeit. Häusig werden neuerdings auch nicht mehr ganz junge Dienstboten von einer inneren Unruhe erfaßt, die als jenes scheinbar unerklärliche.Heim- weh auftritt und ihnen daö Bleiben unmöglich macht. Mit diesen ganz verständigen tvenn auch nicht neuen Bemerkungen wird der Herr Wulfsen allerdings tauben Ohren predigen. Unsere bürgcr- lichen Hausfrauen sind so selsenfest von ihrer eigenen Vortrefflich- keit und der Schlechtigkeit. Böswilligkeit und der Träabcit der Dietistboken überzeugt, 5aB den VorTurf Wulffens, es Mangele den Damen an sozialer Erziehung, empört zurückweisen. Schon wird Wulfsen in den„Hamburger Nachrichten" von einer Hausfrau darüber belehrt, daß die jungen Seelen der Dienenden sich nur nach Vergnügungen, Liebesabenteuern und Putz sehnen.„Die ge- ringen Leistungen der Dienstmädchen werden oft verhältnismäßig hoch bezahlt, alle möglichen und unmöglichen Freiheiten werden ihnen gewährt. Sie werden oft anerkannt, wo sie es nicht der- dienen, dadurch werden sie, um im Volkston zu reden, zu üppig." Auch diese Vorwürfe hat Wulfsen in seinem Artikel mit Ernst und Sachkenntnis auf das richtige Maß zurückgeführt und das, was an ihnen scheinbar berechtigt sein mag, psychologisch und als notwendige Folge der Verhältnisse, unter denen die Dienstboten leben und arbeiten, erklärt. Er sagt:„Die innere Verstimmung und Unruhe treiben den Dienstboten der Vergnügungs- und Genuß- sucht in die Arme... Wer 14 Tage lang vom zeitigen Morgen bis zum Schlafengehen unausgesetzt für fremde Interessen arbeiten und seine eigenen persönlichen Angelegenheiten völlig in den Hinter- grund stellen muß, bedarf bei der seltenen Erholung schon eines kräftigeren Nervenreizes. Aufwand und Luxus der Herrschaft steigern auch die Genußsucht des Dienstboten." Dabei sei zu be- achten, daß der in den Gesindeordnungen von den Dienstboten der- langten Treue als Gegenleistung eine soziale Fürsorge seitens der Herrschaft entsprechen müßte. Da das nicht der Fall sei, so seien die Klagen meist grundlos, daß der Dienstbote die Angelegenheiten der Herrschaft ebenso wenig zu den seinigen mache, wie diese es jenem gegenüber tue. Dazu seien die Ansprüche an die Arbeitsleistung des Dienstboten gestiegen, und die geringen Fähigkeiten mancher Hausfrauen, die Dienstboten anzuleiten, wären auch in Betracht zu ziehen. Man sieht, Wulfsen gibt den dünkelhaften Herrschaften manche bittere Pille zu kosten. Er muß seine Pappenheimer doch kennen... Aber wie unbelehrbar die von ihrem Klassenegoismus Per- blendeten sind, erweist der einer unfreiwilligen Komik nicht ent- bchrende Schlußsatz in der Polemik der streitbaren Gewährsmännin der„Hamburger Nachrichten". Sie meint, es wäre nur gerecht, auch einmal„die Seelenzustände der Hausfrauen zu erforschen, die gezwungen sind, sich mit den Mädchen abzuplagen". Wir meinen, daß die Verfasserin dies ungewollt selbst in so ausgiebiger Weise getan hat. Ihre Ansichten sind typisch für die„Seelenzustände" einer breiten Schicht der bürgerlichen Frauen. Klar uno deutlich lassen sie erkennen, wie tief die Kluft ist, die heute zwischen den Herrschenden und den Dienenden klafft und wer der eigentlich schuldige Teil an den unerquicklichen Zuständen im häuslichen Dienstverhältnis ist. Von der Einsicht und dem Verständnis solcher Hausfrauen die Erfüllung der modernen Forderungen der Dienstmädchen zu er- warten, wäre Narretei. Im Widerstreit der Interessen werden die Hausangestellten nur dann ihr schweres Los leichter gestalten können, wenn sie ihren gerechten Ansprüchen durch die Macht ihrer Organisation Nachdruck verleihen. Versammlungen— Veranstaltungen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Neglige-, Schürzen- und Korsettbranche. Die nächsten Bezirksversamm- langen finden am Montag, den 29. d. M., Weinstr. 11, und Montag, den 5. April, Nykestr. 19, abends 8 54 Uhr statt. Gcwerhrcbaftlicbcf). Die Christlichen bringen christliche Gründe. Ganz allgemein ist die Entrüstung und Verwunderung über den christlichen Bergarbeiterverband, der, seitdem sich im Ruhrrevier die Verhältnisse verschärften und dem Landtage die neue Berggesetznovelle zuging, eine allen anderen Bergarbeiter- organisationen entgegengesetzte Stellung einnimmt. Als kürz- lich der allgeineine Bergarbeiterkongreß in Berlin stattfand, wurde durch eine ganze Reihe bürgerlicher und führender Zeitungen, wie die„Kölnische Zeitung", die Frankfurterin, die„Soziale Praxis" und andere mehr, es für sehr ver- wunderlich erklärt, daß sich gerade der christliche Bergarbeiter- verband in dem Moment wo alle anderen einig sind, eine eigene Stellung ausgesucht habe. Jetzt kommt dazu die „Kölnische Volkszeitung" und meldet sich zum Wort, indem sie einen„aus Gewerkvereinskreisen zugegangenen" Artikel zum Abdruck bringt. Er soll die Rechtfertigung zu der ab- weichenden Stellungnahme gegenüber dem von der Regierung vorgelegten Abänderungsentwurf des Berggesetzes darstellen. Die Begründung, weshalb nun gerade nur die christliche Organisation den Regierungsentwurf akzeptabel findet, trotz- dem ihn alle anderen Organisationen ablehnen, ist nicht nur deswegen interessant, weil sie ziemlich post kestum kommt, sondern auch wegen der Art in welcher sie erfolgt. In der Frage der Arbeiterkontrolleure begründet man die abweichende Meinung folgendermaßen: „In der Frage der Grubenkontrolleure hat sich der GeWerk- verein christlicher Bergarbeiter auf den Boden der Regierungs- Vorlage gestellt und wie diese im Arbeitsverhältnis bleibende Kontrolleure verlangt, dabei allerdings scharf betonend, daß die Regierungsvorlage einer weitgehenden Abänderung bedürfe. Maßgebend für diese Stellungnahme waren insbesondere folgende Erwägungen. Es ist unter den jetzigen Verhältnissen aus-- geschlossen, daß Arbciterkontrolleure eingeführt werden, die von den Arbeitern gewählt und in ihrer Tätigkeit etwa wie die An- gestellten der Organisationen nur den Arbeitern unterstehen und sonst vollständig frei sind. Vom Staate bezahlte und frei gestellte Arbeitertontrolleure würden nur dem Einfluß der Bergbehörde unterstehen und von dieser ihre Anweisungen erhalten. Dies würde zur Folge haben, daß sie in ihrer Tätigkeit beengt sind, reckst bald das Vertrauen der Arbeiter einbüßen, die enge Fühlung mit ihnen verlieren und nicht bcftiedigcnd wirken.(!) Die noch im Arbeitsverhältnis stehenden Kontrolleure, wie sie der Regierungsentwurf vorsieht, befinden sich nicht in einer ihre Tätigkeit lähmenden Abhängigkeit vog der Bergbehörde, stehen in ständiger Fühlung mit den Arbeitskameraden, kennen ihren Kontrollbczirk genau, sind von den ständigen Gefahrenquellen des Kontrollbczirkes genau unterrichtet und können auch von plötzlich auftretenden Gefahren sofort Nachricht erhalten." Es ist geradezu eine Verhöhnung der Arbeiter, davon zu sprechen, daß die Kontrolleure, wenn sie nicht vom Staate angestellt, sondern im Arbeitsverhältnis verbleiben, dann „unabhängig" bleiben. Die abweichende Stellungnahme so zil begründen, ist eine Schamlosigkeit! Es sind ja auch gar nicht hlpse recht eigentümlichen Gründe, die den Artikel aus christlichen Gewerkvereinskreisen in der„Kölnischen Volks- zeihmg" beachtenswert machen, das Wichtigste kommt erst nach der so kurzen und famosen Begründung. Man verteidigt sich mit bedenklich großem Pathos gegen die„Unterstellungen. die leider auch eine Anzahl bürgerlicher Blätter sich nicht abzudrucken scheuten", daß die besondere Stellungnahme der Christlichen zu der Berggesetznovelle darauf zurückzu- führen sei, daß das Zentrum da etwas nachgeholfen habe. Sagte doch die„Frankfurter Zeitung" vor kurzem:„die christ- liche und die sozialdemokratische Gewerkschaft leben zusammen wie die feindlichen Brüder. Dies liegt nicht so sehr an den Mitgliedern der christlichen Gewerkschaft, als an ihrer Leitung, und nicht so sehr an der Leitung, als an der Leitung, die im verborgenen wirkt." Wie schon gesagt, mit großem, bedenk- lich großem Pathos erklärt man zu all diesen Behauptungen. daß von keiner Seite ein Einfluß irgendwelcher Art die besondere Stellungnahme bedingt habe. Zum Schluß des zweispaltigen Artikels wird, durch Sperrdruck hervorgehoben, betont, daß der christliche Verband zwar manchmal mit dem sozialdemokratischen Verbände zu- sammengegangen sei, dies seien aber nur taktische Fragen gewesen, in prinzipiellen Fragen habe sich in den letzten Jahren nicht eine Annäherung herausgebildet, sondern im Gegenteil eine starke Verschärfung der Gegensätze!! Es ist ja allgemein bekannt daß es dem Zentrum langsam unbequem wird, die Rolle, die es im Dezember 1906 übernommen hat, weiter zu spielen, und in einer Zeit, wo der Ministerpräsident Bülow im preußischen Landtage den Konservativen Offerten in Aus- nahmegesetzen macht, hält man es für praktischer etwas deut- licher von links abzurücken, um mehr nach rechts zu kommen. Da eignet sich die besondere Stellungnahme des christlichen Gewerkvereins ausgezeichnet dazu.— Zentrumspolitik!. Berlin und Umgegend* Achtung, Klempner! Da am 1. April der Tarifvertrag für die Baullempner abläuft und die Verhandlungen zwecks Erneuerung des Vertrages gescheitert sind, haben wir für diesen Beruf vom 1. April ab schwere Diffe« renzen zu erwarten. Wir ersuchen deshalb unsere Kollegen, uns alle Vorgänge, die sich in den nächsten Tagen in den Betrieben oder auf den Bauten ereignen, sofort mitzuteilen. Es ist notwendig, allen Plänen der Arbeitgeber sofort entgegentreten zu können. Darum hat jeder Kollege auf dem Posten zu sein. Des weiteren er- suchen wir alle auswärtigen Kollegen, für die Dauer der hier schwebenden Differenzen Berlin zu meiden. Berlin ist bis auf weiteres für Klempner ge- sperrt. Arbeiterfreundliche Blätter ersuchen wir, obige Sperrnotiz nach- zudrücken. Deutscher Metallarbeiter-Verband(Ortsverwaltung Berlin). Der Streik der Kostllmschneider und-Schneiderinnen. Gestern vormittag fand in den Arminhallen eine Versammlung der streikenden Kostümschneider und-Schneiderinnen statt. Der große Saal war samt den Galerien gefüllt und mindestens drei Viertel der Anwesenden waren Schneiderinnen, wohl Beweis genug dafür, daß der„Lokalanzeiger" seinen Lesern das Gegenteil der Wahrheit sagt, wenn er behauptet, die Schneiderinnen beteiligten sich nicht an dem Streik, und es gelinge den männlichen Arbeitern trotz aller Bemühungen nicht, sie aus den Werkstätten herauszuholen. Jeder, der mft Interesse diese Bewegung verfolgte, wird geradezu überrascht sein, mit welcher Einmütigkeit auch die Frauen und jungen Mädchen in diesem Kampfe sozusagen ihren Mann stehen. Nebenbei bemerkt sucht jenes Blatt auch die Meinung zu verbreiten, daß der Streik im allgemeinen sehr schlecht und unvollkommen durch- gefuhrt sei, und zwar weil er sich nur auf die feine Damcnschneiderei erstreckt und nicht auch auf die großen Konfektionsgeschäfte. Aber es handelt sich, wie unsere Leser wohl wissen, bei dieser ganzen Be- wegung eben nur um die Kostümbranche, die feine Tamenmaß- schneidere!, und es ist der Arbeiterschaft dieser Branche oder der Organisationsleitung nicht im Traum eingefallen, eine Lohnbewe- gung in der Konfektion, für die ja ganz andere Verhältnisse in Be- tracht kommen, damit zu verquicken. Soweit aber die Kostüm- brauche reicht, sind die 7ö maßgebenden Geschäfte von der Bewegung erfaßt, und außerdem ist noch am gestrigen Tage in zwei weiteren Gesckstiften die Arbeit niedergelegt worden. Sollten die Arbeitgeber der Branche wirklich noch eine Aussperrung veranstalten, wie an- gekündigt wurde, so könnte sich diese Maßregel nur noch auf einen sehr kleinen Teil von Arbeiterinnen erstrecken, und diese wenigen werden dem noch durch Arbeitsniederlegung zuvorkommen. Uebrigens scheint es auch nicht, daß-die Arbeitgeber eine solche Aussperrung durchführen werden, denn in der gestrigen Verstimm- lung verlas der Referent K u nz e ein am selben Tage eingetroffenes Schreiben des Arbeitgeberverbandes, worin angeftagt wird, ob die Streikleitung zu Verhandlungen vor dem Einigungsamt des G-ewerbegerichts geneigt fei. Selbstverständlich ist dem Arbeitgebcrverband geantwortet lvorden, daß man auch auf Arbeitnehmerseite bereit sei, vor dem Einigungs- amt zu verhandeln. Man kann also darauf rechnen, daß es dem- nächst zu Verhandlungen zwischen den Parteien kommen wird. Die Arbeitgeber haben offenbar alle Ursache, ihrerseits nach Beilegung des Kampfes zu streben. Erhalten doch Streikende sckon Briefe und Karten mit der Anfrage, warum sie denn so plötzlich die Arbeit niedergelegt hätten; als ob der Arbeitgeber es gar nicht wüßte. Einzelne Arbeitgeber wenden leider auch recht unlautere Mittel an, um sich in blinder Wut an den Streikenden zu rächen, ohne zu bedenken, daß sie damit ihren eigenen Interessen zuwider handeln. Sie suchen die Polizei zur Ausweisung einiger Streikender, die Ausländer sind, zu veranlassen, haben aber damit, bis jetzt wenigstens, noch kein Glück gehabt. Dies Verfahren ist um so häß- licher, als die Arbeitgeber selbst zu einem großen Teil Ausländer sind, so daß es vorkommt, daß sie ihre eigenen Landsleute der Polizei zur Ausweisung empfehlen. So suchte zu diesem Zwecke gestern ein Arbeitgeber ein jüdischer Mann, selbst aus Oesterreich gebürtig, einen streikenden Arbeiter, den er für seinen Landsmann hielt, zu denunzieren. Er hatte aber damit bei dem betreffenden Revierbeamten um so weniger Erfolg, als er sich in der Nationalitätszugehörigkeit des Streikenden getäuscht hatte. Der„Lokalanzeiger" und einige andere Berliner Blätter bringen mehr oder minder sensationell zugeschnittene Notizen.über Zusammenstöße mit streikenden Kostümschneidern, über Aufläufe. die diese verursacht habeg sollen, und über Verhaftungen in größerem Umfange. Richtig ist, daß hier oder da ein kleiner Auflauf vorgekommen ist, aber die Schuld trifft nicht die Streikenden, die in aller Ruhe ihres Amtes als Streikposten walten, sondern einzelne rabiat gewordene Arbeitgeber. Ein solcher vom Streik betroffener Arbeitgeber kam gestern in der Kochstraße ohne jede Veranlassung auf einen Streikenden zu, packte ihn an der Gurgel und erhob den Stock, um ihn zu verprügeln. Daß der Streikende sich das nicht gefallen ließ, daß andere hinzukamen, um jenen Wüterich zur Ver- nunft zu bringen, ist selbstverständlich.— Richtig ist auch, daß hier und>da Sistierungen von Streikenden vorgekommen sind— ohne einige Polizcieingriffe läßt sich ja wohl ein Streik hierzulande nicht durchführen— aber die Polizei begnügte sich bisher damit, die Per- sonalien festzustellen, um die Leute dann wieder zu entlassen. Das, was jene Blätter über diese Dinge geschrieben habe» ist teils über- trieben, teils überhaupt falsch. Im übrigen zeigt es sich, obwohl der Streik erst drei Tage dauert, daß die Arbeitgeber mehr und mehr die Ueberzeugung gc- Winnen, daß die Forderungen der Kostümschneider und-Schneide- rinnen denn doch nicht so unannehmbar sind, wie sie früher be- haupteten. Den besten Geschäften dauert der Streik schon viel zu lange, und sie lassen lieber den Arbeitgeberverband im Stiche, als daß sie noch länger auf ihre Arbeitskräfte verzichten. Gestern abend hat die Firma U n g e r, Unter den Linden öö, eines der vornehmsten Geschäfte der Branche, mit ihrem Personal und dem Schneiderver- band Frieden geschlossen. Es sind hier für die männlichen Arbeiter dieselben Lohnsätze bewilligt wie bei der Firma Spitzer. Auch er- halten die Arbeiterinnen eine allgemeine Lohnzulage von 2 M. -die Woche, und insofern damit die geforderten Tariflöhne nicht erreicht sind, kommt eine weitere Zulage bis zur Höhe des Tarif. lohnes hinzu. Die IVs Stunden, die Sonnabends und vor Festtagen früher Feierabend gemacht wird, werden ebenfalls bezahlt. Damit ist auch bei dieser Firma der Kampf mit dem gewünschten Erfolg beendet. f Achtung, Fleischergesellen! Wegen Nichteinhaltung des Tarifs ist die Schlächterei des Herrn R. A ch e r t, Romintener Straße 15, für unsere Mitalieder aesverrt. Zentralverband der Fleischer. Die Sektion der Putzer vom Verband der Maurer, Zweigverein Berlin, beschloß in ihrer Mitgliederversammlung am 24. März, daß der Antrag über die einmalige Notstandsunterstützung, welcher in der Versammlung am 1. März gefaßt wurde, dahin erweitert wird: Wer sein Geld bis 19. April 1999 nicht abgehoben hat, verliert sein Anrecht darauf. veuvlebes Reich, Der Arbeitgeber-Schutzverband für das deutsche Holzgewerie und die Maifeier. Der Arbeitgeber- Schutzverband für das deutsche Holzgewerbe macht seine Mitglieder offiziell darauf aufmerksam, daß laut dem Beschlüsse der Generalversammlungen in Dessau(3. August 1996), H i l d e s h e i m(3. August 1997) und Berlin(31. Juli 1998) die Feier des ersten Mai mit sofortiger Entlassung zu ahnden ist. Nach dem Beschlüsse der Generalversammlung sind alle Arbeitnehmer, welche am ersten Mai nicht zur Arbeit kommen, mindestens drei oder höchstens zehn Tage auszusperren! Auf diesen Beschluß soll rechtzeitig in allen Werkstätten hin- gewiesen werden. Die Aussperrenden erhalten Streitentschädigung gezahlt, und zwar vom ersten Tage der Aussperrung an gerechnet. Unternchmertcrrorismus. Die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft»Titan� in Bergerdorf bei Radevormwald versendet folgendes vom 23. d. M. datiertes Schreiben: Wir haben unserem gesamten Arbeiterpersonal zum 1. April gekündigt, können daher eine größere Anzahl Arbeiter an- stellen, und zwar: Stundenlohn 6 Schlosser für Maschinenmontagen zu. i..» 25—59 Pf. 19 Maschinen- und gewöhnliche Schlosser zu.... 25— 49„ 19 Dreher für kleine und mittlere Drehbänte, darunter einer für Karusselbänke. 2 für Gasoltbänke, 1 für Fräsemaschine und Stoßmaschine.... 39—45, 8 Arbeiter für Werkzeugmaterial....... 25—45„ 12 Halbschlosser und Hilfsarbeiter für Stanzerei und Schwarzblecharbeil...�......, 12—39„ Für Motoren Wickelei: 15 Wickler............... 25— 40„ 10 Hilfsarbeiter.............. 12— 30„ Für Maschinen spalchteln und lackieren: 2 Mann................ 25— 35„ 1 Modelltischler............. 40„ 4 Mechaniker für Bürstenhalter-, Kollektoren-, Schalt- tafel- und Anlasserbau.......... 85— 45„ 1 Vermcklcr............... 49. 2 Mann für Verpackungsarbeiten....... 30—35„ Mit geringen Ausnahmen sind beinahe alle Arbeiten in Akkord auszuführen, so daß es dem Arbeiter durch Fleiß und Ge- schicklichkeil leicht ist, 29 bis 39 Proz. Stundenüberschuß zu er- zielen. Reflektanten bitten wir ans örtliche, außergeschästliche Ver- hältnisse aufmerksam zu machen, eventuell auch auf den Umstand der Entlassung bisher gehabter Arbeiter. Bewerber sollen Lehr- und übrige Zeugnisse einsenden. Definitive Abmachung würde durch uns erfolgen. Die Leute fiir Maschinenspachteln und-lackieren sollen mit dem nächsten Tage nach der Abmachung bereits eintreten. Hochachtungsvoll „Titan", Elektrizitäts-Aktiengesellschaft. Die Firma wirst also alle Arbeiter aus die Straße und gedenkt dafür neue einzustellen; wahrscheinlich sollen diese billiger und williger als die alten arbeiten. Zu beachten sind die Löhne, die die Firma zahlt: Zwölf Pfennige die Stunde für„Halbschlosser" und Hilfsarbeiter: macht bei zehnstündiger Arbeitszeit ganze 7,29 M. die Woche usw. Sonst sprechen die Unternehmer gern vom TerroriSmuS der Arbeiter; dies ist jedoch ein Terrorismus der Unternehmer den Arbeitern gegenüber in brutalster Form! Der Streik auf dem Farbwerke in Mühlheim am Main ist in ein neues Stadium getreten. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag trafen auf dem Farbwerke 66 Streikbrecher aus Essen ein. Die Streikbrecher fanden im Orte kein Logis; sie wurden daher auf dem Farbwerke einquartiert. Der Bevölkerung hat sich große Er- regung bemächtigt. Im Rathause hat sich der Gemeindcrat mit dem Bürgermeister über die Einquartierung auseinandergesetzt. Vor Zuzug ist zu warnen. Der Konflikt in der Bautzener Waggonfabrik ist durch ein Uebereinkommen der streikenden Stellmacher mit der Direktion aufgehoben. Letzte JVachrlchtcn und Dcpcfchca Zur Balkankrise. Köln, 27. März.(W. T. B.) Ein Berliner Telegramm der„Kölnischen Zeitung" stellt das völlige Einvernehmen zwischen Nußland und Oesterreich fest und bemerkt sodann, man sollte meinen, angesichts einer solchen Haltung könnten andere Mächte kein Interesse haben, durch mehr oder minder formelle Schwierig- leiten das Friedenswerk zu erschweren oder zu verlangsamen. So- weit wir unterrichtet sind, ist die Annahme, Italien bereite den österreichischen Wünschen Schwierigkeiten, unzutreffend, da die italienisch-österreichischen Verhandlungen keine Gegensätze ergeben haben. Wie«, 27. März.(W. T. B. von unserem Privatkorrespon- Kenten.) In hiesigen diplomatischen Kreisen wird erzählt, daß das hiesige Ministerium des Aeutzern auf nicht offiziellem Wege davon verständigt wurde, daß England dem österreichischen Borschlage zu- gestimmt habe. Amtlich wird diese Mitteilung mit Rücksicht ans den morgigen Besuch des englischen Botschafters in Wien bei Frei- Herrn v. Aehrenthal noch nicht bestätigt. LSrmfzenen im portugiesischen Parlament. � Lissabon, 27. März.(W. T. B.) Bei Eröffnung der heutigen Sitzung der Deputiertenkammer vollführte die Opposition, indem sie die Pulte zertrümmerte und stürmisch eine Untersuchung über das Verhalten des Finanzministers forderte, einen derartigen Lärm, daß die Sitzung ohne Debatte unterbrochen werden mußte. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurde der Lärm fortgesetzt, so daß sie wiederum geschlossen werden mußte. Verantw. Redakteur: San» Weber, Berlin. Inseratenteil verantw,:»h, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanitall"Paul Singer& Co.. Berlin SW. Die Unruhen in Persien.' Bsterabad, 27. März.(W. T. B.) In Benderiges, dem Hafen von Asterabad, landete der frühere Zeitungskorrespondent Panow mit fünfzig Revolutionären aus dem Kaukasus und Aserbeidschan und ging gegen Asterabad vor. Eine andere eben- falls von ihm gebildete Abteilung kam in Barferusch an. Die Revolutionäre unterbrechen allcntbalben die telcgraphische Ver- bindiing und rufen Gärung und Unruhen hervor. In Asterabad bemächtigte sich die Bevölkerung der Arsenale und der dort auf- bewahrten Waffen. In der Turkmenensteppe kommen starke Un- ruhen, Räubereien und Morde vor._'°_ Hierzu 5 Beilagen. Kr. 74. 26. Jahrgang. L KnlM des Jon W fnlintt lolMlotl ZoMag. 28. Mar; 1909. Reichstag 835, Sitzung am Sonnabend, den 27. März ISlV, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. T i r p i tz. Auf der Tagesordnung steht der Etat für das Schutzgebiet Kiautschou. Abg. Nacken(Z.): Die Marineverwaltung hat mit den be- willigten Geldern in Kiautschou Grohes geschaffen, das muß man zugeben. Aber dos Deutsche Reich ist nicht in der Lage, jährlich 9—10 Millionen für dieses Schutzgebiet auszugeben. Daß das ostasiatische Detachement auf ISO Mann verringert werden soll, erfüllt uns mit Genugtuung, wir haben das schon seit Jahren ge- fordert; immerhin kostet das Detachement noch 600 000 M., Pro Mann 4000 SN.! Stoch ist der deutsche Sandel nach Kiautschou sehr gering; wir haben einen sehr schönen Hafen, aber leider zur Ein- fuhr nichtdeutscher Erzeugnisse. Sparsamkeit ist deshalb bei diesem Etat in jeder Hinsicht geboten.(Bravo! im Zentrum.! Staatssekretär v. Tirpitz: Verschwendung kann man der Marincverwaltung nicht vorwerfen: sie hält in dem Schutzgebiet 2500 Mann, für welche sie 6 Millionen braucht, während in Süd- Westafrika für die gleiche Truppenzahl 16,3 Millionen gefordert werden. Die Marinevcrwaltung hat den Reichszuschutz für Kiaut- schon in 6 Jahren um 6 Millronen herabgedrückt und wird auf diesem Wege fortfahren; denn auch sie hat den lebhaften Wunsch, daß das Schutzgebiet sich selbst erhält. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Der Etat ist— das muß man zu- geben— sparsamer aufgestellt als in früheren Jahren. Mit Ge- uugtuung begrüßen wir den Titel, der Mittel zur Errichtung einer höheren Lehranstalt für chinesische Schüler in Tsingtau fordert; dadurch wird das Verhältnis zwischen Chinesen und Deutschen ein besseres werden. Wir hoffen, daß Tsingtau sich zu einem Zentrum deutscher Kultur entwickeln wird.(Beifall bei den Freisinnigelt.) Abg. Ledebour(Soz.): In die Jubclhhmne des Kollegen Eickhoff können wir nicht einstimmen. Wir halten nach wie vor die Festsetzung in Kiaut- schou für ein verfehltes Unternehmen und ebenso den gepriesenen Hafenbau in Tsingtau. Daß dieser Hafenbau in seiner Art nütz- lich ist. bestreiten wir nicht, wohl aber bestreiten wir den Nutzen für Deutschland, für den deutschen Steuerzahler. Der Handel KiautschouS mit Deutschland ist sehr gering, selbst wenn man alles in Betracht zieht, was der Staatssekretär über den nach China deklarierten Handel nach Tsingtau gesagt hat.' Nach dem gesamten Gebiet von Kiautschou betrug die deutsche Ausfuhr im Jahre 1907 3,6 Millionen Mark, und dafür bezahlten wir einen Reichszuschutz von 12 Millionen Mark, der aber jetzt noch wieder 8?L Millionen betragen soll. Als Artikel, die über Tsingtau nach China gehen, hat der Staats- sckretär als Beispiel Anilinfarben genannt. Wir wisse» aber alle, daß gerade dies ein Monopol der deutschen Industrie ist. Entscheidend ist, ob die M a s s e n p r o d u k t e, Baumwollwaren, dorthin gehen, und da haben gegenüber der außerordentlichen Leistungsfähigkeit Japans und Indiens die Deutschen einen sehr schweren Stand. Für diesen Handel ist es aber auch gleich- gültig, ob die schwarz-weiß-rote Flagge dort weht, denn die Chinesen kaufen deutsche Waren nicht deshalb, weil an irgendeinem Punkt ihrer Küste die deutsche Flagge weht, sondern wenn sie preiswerter sind als andere Waren.(Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) Ter Abg. Eickhoff hat in der Naivität seines Herzens(Heiter- keit) den Punkt berührt, auf den es ankommt. Früher, sagte er. hat der Reichstag dem Staatssekretär Millionen zur Verfügung gestellt, weil Kiautschou das enkant eben(liebste Kind) der Kolonialpolitik war. Das war damals, als man glaubte, ein großes Hinterland für den deutschen Handel erworben zu haben. Deshalb sprach der Reichskanzler das Wort:„Wir wollen auch einen Platz an der Sonne haben", als Kiautschou mit wenig acht- baren Mitteln erworben wurde.(Sehr wahr! bei den Sozial- dcmokraten.) Aber nach dem russisch-japanischen Kriege bildete J sich kein Mensch mehr ein, selbst nicht mehr der Abg. Eickhoff !(, Heiterkeit), daß wir dort mit Gewalt ein Dominium des deut- fchen Handels errichten könnten. Die Chinese» würde» sehr gern bereit sein, sich dort noch einen ebensolche» Hafen wie Tsingtau von ' uns bauen zu lassen. Würden etwa die Holländer ihnen sagen, sie wollten ihnen jährlich 8— 10 Millionen für solche Hafen- bauten geben, so würden sie das mit Kußhand annehmen.'Mehr bedeutet auch unser Hafen in Tsingtau nicht. Die Idee, daß er zum Zentrum eines Kolonialreiches gemacht werden könnte, ist aufgegeben. Ja selbst d i e Idee ist aufgegeben, Tsingtau zu einem Stützpunkt der deutscheu Marine zu machen. Im Frieden können wir natürlich eine Flottenstation dort haben, in einem Seekrieg wäre sie in drei Tagen futsch!(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Wenn die Herren jetzt auf große Kulturwerke hilüveisen, z. B. auf eine Schule für die Chinesen, so machen sie aus der Not eine Tugend. Gewiß ist eine solche Schule eine schöne Sache, aber 8K Millionen Mark auszugeben, um für die Chinesen eine Uni- vcrsität, Fortbildungsschule oder Fähnrichspresse zu errichten (Heiterkeit), das ist doch ganz sinnlos. Das soll nur nach außen den Schein erwecken: welche große kulturelle Mission Sie erfüllen wollen. Wenn die Chinesen Lust nach einer Universität haben und deutsche Lehrer dafür haben wollen, so mögen sie sie sich auf diplomatischem Wege besorgen.(Zuruf bei den Sozialdemo- traten: Austauschprofessoren! Große Heiterreit.) Wenn wir 8� Millionen Mark für kulturelle Zwecke ausgeben wollen, so können wir sie sehr gut in Deutschland ausgeben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dazu brauchten wir wirk- lich nicht eine Fähnrichspresse für ehrgeizige Zopfträgcr zu errichten.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gefreut hat es uns. daß der Staatssekretär der Marine von dem„sogenannten" Militarismus sprach und dessen Vorwiegen in Kiautschou bestritt. Nun ist ja bekannt, daß Marineoffiziere, die weit in der Welt herumkommen, gewöhnlich etwas freiere An- schauungcn haben als die Offiziere des Landheeres. Immerhin verdient der Unterschied zwischen dem Staatssekretär der Marine und dem Kriegsminister hervorgehoben zu werden. Der Herr v. Tirpitz spricht vom„sogenannten" Militarismus, scheint also den Militarismus wegleugnen zu wollen, der Kriegsminister v. Einem aber, genannt v. Rotmaler, General der Kavallerie usw.(Große Heiterkeit), behauptet von uns, unter dem Aufgeben der stärksten Wortwendungen, daß wir„Zlbfcheu gegen den Militarismus" ver- breiten. Für ihn ist also der Militarismus kein„sogenannter". (Heiterkeit.) In Briefen aus Kiautschou werden Mitteilungen gemacht, über die ich den Staatssekretär sich zu äußern bitte. So wird be» hauptet, daß unter der Firma einer„Erweiterung des Genesungs- Heimes" eine ausschließlich für den Gouverneur und s e i ne Familie bestimmte Villa gebaut worden sei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Trifft dies zu, so verdient es die schwerste Mißbilligung. Ferner wird in einer Zuschrift behauptet, daß bei der Ausbaggerung des Hafens der Unter- nehmer eine volle Million Profit eingesackt bat. Ueberhaupt scheint es bei den sach- und landeskundigen Personen allgemeine Ansicht zu fein, daß im Schutzgebiet mit den Reichsgeldern in einer Weise gewirtschaftet wird, die mit Sparsamkeit nichts zu tun hat. Das einzig Richtige wäre, Tsingtau so schnell wie möglich auf zugeben. Die Voraussetzungen— wir haben sie nicht gebilligt— aus denen heraus unter Billigung der damaligen Reichstags- mehrheit die Besitznahme oder Pachtung von Kiautschou auf 99 Jahre erfolgte, treffen nicht mehr zu. Wer beute mit dem Vor- schlag der Pachtung eines chinesischen Hafens herausrücken würde, dürfte sich ziemlich allgemein den Titel eines Verschwenders mit Reichsmitteln zuziehen. Hoffentlich sind doch bei solchen Maß- nahmen nicht die Stimmungen ausschlaggebend, die ein gelvisser Herr von großem Einfluß auf die Reichsregierung in verschiedenen Aussprüchen zum Ausdruck gebracht hat, wie z. B.:„Wo der deutsche Aar einmal seine Krallen eingeschlagen hat, da läßt er seinen Besitz nie und nimmer los." Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn ein Staat Positionen aufgibt, deren Unhaltbarkeit er erkannt hat. So hat doch auch Preußen den schweizerischen Kanton Neuenburg aufgegeben. Heute freilich würden die Patent- Südpol und JVordpoL Was die Menschheit an der Nachricht von dem großen Erfolg der englischen Südpolar-Expedition unter Leutnant Shackleton wohl am meisten überrascht haben mag, ist die Tatsache, daß mau plötzlich dem Südpol weit näher gekommen ist als dem Nordpol, um den ein noch viel längeres und heißeres Ringen unter den Forschungöreiseudcn der verschiedenen Kulturvölker stattgefunden hat. Nach den übereinstimmenden Berichten hat Shackleton eine südliche Breite von 88 Graden und 23 Minuten erreicht. Es bliebe danach bis zum Pol noch 1 Grad und 37 Minuten oder in unser gebräuchliches Längenmaß(1 Grad— 111,3 Kilometer) übersetzt, 179,8 oder in runder Ziffer 180 Kilometer. Ter letzte, von Kapitän Scott am 29. Dezember 1902 erreichte Rekord blieb auf 82 Grad 17 Min., und ist daher jetzt um nicht weniger als 6 Grad 6 Min. oder 675% Kilometer geschlagen worden. Ein derartiger Fort- schritt glcichsain auf einen Ruck ist in der Nordpolarforschung über- Haupt nicht zu verzeichnen gewesen, sondern das Vorrücken gegen den Nordpol ging immer in verhältnismäßig, geringen Heber- trumpfungen früherer Ergebnisse vor sich. Es ist nützlich, sich die Rekords gegen den Nordpol während des letzten Jahrhunderts zu vergegenwärtigen. Am 23. Juni 1827 stellte Parry, der von Spitz- bergen aus mit Schlitten den Pol zu erreichen versuchte, ein neues Maximum der Breite auf, das auf 82 Grad 40 Minuten stand. Es dauerte bis zum Jahre 1876, ehe eine weitere Annäherung au den Nordpol geschah, als am 12. Mai dieses Jahres Markham, der an der Westküste Grönlands durch den Smith-Sund hinauf vor- gedrungen war, die Breite von 83 Grad 20 Minuten erzielte. Der nächste Fortschritt war, in Zahlen ausgedrückt, sehr unbedeutend, obgleich nach der Art, wie er erreicht wurde, höchst wichtig. Sein Schöpfer war Lockwood, der am 13. Bhii 1882 an. der äußersten Nordküste von Grönland eine Breite von 83 Grad 24 Minuten ge- wann. Die berühmte Expedition der„Fram" unter Fridtjof Nansen brachte 1895 einen Doppelrekord, indem das Schiff selbst eine Breite von 85 Grad 57 Minuten, Nansen mit Johansen allein die Breite von 86 Grad 14 Minuten erreichte. Die nächste Station gegen den Nordpol war dann die von Kapitän Cagni(Expedition des Herzogs der Abruzzen) am 25. April 1900 mit 86 Grad 34 Min., und endlich kam die des amerikanischen Polarreisenden Pearl) im Jahre 1906 mit 87 Grad 6 Minuten. Dtfe beiden letzten Rekords wurden auf wesentlich verschiedenen Wegen erzielt, indem der nördlichste Punkt von Cagni nördlich von Franz-Josefland, der von Peary nördlich von Grönland liegt. Man sieht aus diesen An- gaben, wie langsam verhältnismäßig das Vorrücken gegen den Nordpol erfolgt ist, trotzdem wohl der Zahl nach auf jede Südpolar- reife drei Nordpolarreisen entfallen. Man ist also gegenwärtig von dem Nordpol immer noch 322% Kilometer entfernt, von dem Südpol nach dem jüngsten Erfolge nur noch um rund 180 Kilo- meler. Obgleich man sich mit Prophezeiungen eigentlich nicht ab- geben soll, läßt sich doch wohl sagen, daß diese Tatsachen darauf hindeuten, der Südpol werde früher vom Menschen überwunden werden als der Nordpol. Daö läßt sich auch aus allem, was die bisherigen Reisen über die Verschiedenheiten der beiden Polar- gebiete gelehrt haben, vermuten. Um den Südpol dehnt sich, soviel wir wissen, ein ziemlich einheitliches Festland aus, wenn es auch nickt ganz so geschlossen sein mag, wie man früher vermutet hat. Bietet doch die heutige Südpolarkarte ein ganz anderes zerrissenes Bild gls die ältere Kscje, rxMentlnh durch das.Eindringen des auch jetzt von Shackleton benutzten, früher nur als eine flache Meeresbucht betrachteten Mac Murdo-Sundes nach Süden. Immer- hin scheint auch die neue Expedition die Bestätigung gebracht zu haben, daß, abgesehen von einigen Gebirgszügen, deren Vorhanden- sein freilich besonders interessant ist, eine ziemlich gleichmäßige Eisfläche um den Südpol ausgebreitet ist. Insbesondere sah Shackleton von seinem südlichsten Punkt aus nur eine ebene Schnccfläche südwärts vor sich. Soweit sich bisher den spärlichen Berichten entnehmen läßt, erfolgte die Umkehr nicht infolge von Hindernissen de» Geländes, sondern wegen der Gefahr eintretenden Proviantmangels. Falls es gelingt, die Reise von Shackleton unter sonst gleich günstigen Bedingungen so zu wiederhole», daß die Zugtiere und der Proviant noch um eine oder höchstens zwei Wochen länger vorhalten, so scheint kein zwingender Grund mehr vorhairden zu sein, ivarum der Nordpol selbst dann nicht erreicht werden sollte.— Wesentlich anders liegen die Verhältnisse gegen den Nordpol hin. Wenn das Nordpolargebiet innerhalb des 80. Breitengrades vielleicht auch nicht ganz frei von größeren Inseln ist, worüber man bisher nichts weiß, so drängen zwingende Gründe zu der Annahme, daß es im wesentlichen von einem Meeresbcckcn eingenommen wird, da» niöglichcrweise sogar eine beträchtliche Tiefe erreicht. Hat doch Cagni noch nördlich vom 80. Grad Tiefen gefunden, in denen bei 3000 Metern der Meere»- bodcn noch nicht erreicht wurde. Das um den Nordpol angesammelte Ei» ist also in ganz anderer Weise in Bewegung begriffen als das Südpolareis. Während es um den Südpol nur nach Art der Gletscher, der Neigung der unterliegenden Festlandbodens folgt und ruhig und gleichmäßig nach außen abströmt, mutz es um den Nordpol von den schwankenden Zuständen und Bewegungen des darunter befindlichen Meerwassers abhängig sei». Die das Eis regierenden Meeresströmungen hat ja schon Nansen bei seiner „Fram"-Expcdition für sein Vordringen benutzt, und die großartig angelegte Reise, die im nächsten Jahre Kapitän Amundsen nach dem Nordpol antritt, wird gleichfall» mit derselben bewegenden Kraft rechnen. Man befindet sich danach bei dem Hinstreben nach dem Nordpol nicht auf einem festen Boden, und mau kann über- Haupt nicht wissen, nach welcher Seite und mit welcher Ge- sckwindigkeit sich die Eismasse», auf denen man nach'Norden vor- wärts zu kommen sich bemüht, durch ihre eigene Bewegung infolge der Meeresströmungen sich verschieben. Dazu kommt der Um- stand, daß Mcereis für Landreifen größere Schwierigkeiten bietet als das Inlandeis auf großen Festländern. Diese Betrachtungen dürften zur Genüge zeigen, wie fich der plötzliche starke Vorstoß gegen den Südpol im Vergleich zu dem mühsamen Ringen gegen den Nordpol hin erklären läßt Es bleibt noch ein Wort über den Wert des„Rekordbrcchens" im Polargebiet überhaupt zu sagen. Niemand hat dafür gerechteren Ausdruck gefunden alS Ferdinand v. Richthofeu in seiner Schrift„Ergebnisse und Ziele der Südpolarforschung", bei deren Ausarbeitung ihn der Tod überraschte. Es steht dort zu lesen:„Der Trieb nach Ueber- bietung alles vorher Erreichten liegt den kühnsten Unternehmungen zugrunde und hat zu großen Fortschritten in der Kenntnis der Erde geführt. Es sind oft Phantome, welchen der Mensch rühm- strcbig nachgeht, wenn auch fast ohne Rücksicht auf persönlichen Nutzen. Heroisch setzt er seine Körperkräfte ein, um Hindernisse zu überwinden und im Wettlauf den ersten Rang einzunehmen. Solche Ziele sind die Gipfel der höchsten Berge, sind die Pole der Erdachse. Ist der Gipfel bestiegen, so sinkt sein Wert als Ziel herab, und wenn die Pole erreicht sein werden, wird der sportliche. Patrioten wohl auch über diesen verständigen Verzicht zetern. Je eher wir Kiautschou losschlagen, desto besser.(Widerspruch rechts.) Ach, Herr v. Oertzen, im Grunde ist mau ja auch bei Ihnen der» selben Meinung, man spricht sie bloß nicht aus. Tsingtau im Falle eines ernsthaften Krieges halten zu wollen, wäre doch geradezu Torheit. Mau könnte dabei an König Karl XII. von Schweden und seineu Kampf gegen die Türken in Bender denken. Es war ein sehr heroisches Stück ohne Zweifel, das sich namentlich da- durch sehr vorteilhaft ausnahm, daß der Monarch selbst mit Säbel und Pistole mitfocht— überall pflegt das nicht vorzukommen. (Große Heiterkeit.) Aber wenn auch heroisch, ein Wahnsinn war es bock. Indessen liebt man ja heute die Romantik, und man denkt sich vielleicht einen künftigen Kampf in Tsingtau wie den Kampf der Nibelungen im Huunenlande. Hat mau doch von gewisser Seite unsere Soldaten aufgefordert, sich in China zu be- tragen wie di? Hunnen! Es schien dabei noch eine Ver- wechsclung zwischen den Nibelungen und den Hunnen vorzuliegen. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.) Es ist indessen auf mildernde Umstände für den Verfasser jenes Diktums zu plädieren— in den Kreisen, in denen er lebt, nimmt man es mit historischer Genauigkeit nicht so ernst. Derselbe Herr, der die Nibelungen mit den Hunnen verwechselt hat, sprach früher einmal in einem seiner kühnen Bilder(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten, Unruhe rechts) von der Entdeckung der Südsee durch Francis Drake.(Große Heiterkeit links.) Er verwechselte also den englischen Seefahrer Drake mit dem spanischen Eroberer und Entdecker Balboa.(Große Heiterkeit bei den Scqialdemo- traten.) Warum sollte er da nicht' auch Nibelungen und Hunnen verwechseln?(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Chinesen gehen mit dem Plane um, Waihawei, das Herr Lieber- mann v. Sonncnberg nur mit besonderer Betonung ausspricht (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), von den Engländern zurück- zukaufen. Bei der Geistesverfassung, die in unserer Regierung herrscht, wird dadurch vielleicht auch der Verkauf von Kiautschou angeregt: unsere Kolonialpolitik lebt ja nur von der Nachahmung, und deshalb habe ich die Hoffnung, daß, wenn den Engländern der Verkauf von Waihaloei gelingt, die deutsche Regierung sagt: „Das können wir auch!"(Heiterkeit.) Wenn sie die Initiative hierzu ergriffe, so hätte das Deutsche Reich doch endlich einmal einen Vorteil davon.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Es hat noch niemals jemand daran gedacht, in Kiautschou ein Dominium zu errichten, weder ein Wirt- schaftlichcs noch ein politisches. Wir haben vielmehr immer den Grundsatz der offenen Tür vertreten. Die Mitteilungen in dein Briefe des Kiautschoncr Gewährsmannes des Abg. Ledebour werden durch die amtliche Denkschrift über Kiautschou völlig erledigt. Abg. Dr. Görcke(natl.): Ein richtige» Bild von den Verhält- nissen Kiautschou» zu gewinnen, ist sehr schwierig; es liegen sehr widerspreeckmde Berichte vor, und während von der einen Seite die Verwaltung des Schutzgebietes gelobt wird, ertönen auf der anderen Seite Klagen über Mängel der Verwaltung, überflüssige Beamte usw.(Hört! hört!) Der wirtschaftliche Aufschwung Chinas würde es geradezu als Torheit erscheinen lassen, unseren dortigen Stützpunkt aufzugeben. Abg. Gothein(frs. Vg.): Ueber den Vorschlag Ledcbours, Kiautschou an China zu verkaufen, namentlich wenn England das- selbe mit Weiheiwai tut. läßt sich reden. Dann sollte aber Herr Ledebour gerade sich hüten, das Schutzgebiet so herunterzureißen. Was man verkaufen will, macht man nicht schlecht.(Heiterkeit.)� Herrn Ledcbours humoristisches Talent in allen Ehren; aber kauf- männisch hat er nicht gehandelt.(Zustimmung bei den Frei- sinnigen.) Viel Freude erleben wir allerdings an Kiautschou nicht, und wir bewilligen, was für dieses Schutzgebiet gefordert wird, immer nur mit dem berühmten blutenden Herzen.(Heiterkeit.)! Abg. Dr. Heckscher(frs. Vg.): Ledebour wünscht den Verkauf von Kiautschou und beruft sich hierauf, daß die Engländer Weiheilvai zu verkaufen beabsichtige». Aber Shangai und Hongkong wollen die Engländer nicht verkaufen. Wenn Herr Ledebour ferner über die Ehre Deutschlands gewitzelt hat, so erwidere ich, daß man über die Ehre eines Volkes nicht Witze machen soll; man muß auch einen Strohhalm verteidigen, wenn Ehre auf dem Spiele steht. XBravo! bei den Freisinnigen.) Antrieb, welcher jährlich neue Expeditionen gegen den Nordpol hin- führt und zu einer ausgedehnten Kenntnis der nordischen Polar- Welt beiträgt, abgeschwächt sein. Und doch ist, gerade wie bei den Polen der Erde und den Gebirgsgipfeln der Zielpunkt an sich meist von zufälliger Bedeutung; bei objektiver Betrachtung haben dabcr die Zahlen, mit denen man zuweilen das Maß des darin Er- reichten ausdrücken kann, nur einen bedingten Wert. Von weit größerer Wichtigkeit ist in der Regel, was methodisch auf dem Wege zum Gipfelpunkt gefördert wird. Aber niemand vermag sich der subjektiven Befriedigung durch einen ziffernmäßig fest aus- gedrückten Rekord zu entziehen, und tatsächlich führt der Wettlauf nach ihm zu den größten Errungenschaften in der Kenntnis des Erreichte:,, zu der Einsührung von Methoden zur Ueberwindung natürlicher Schwierigkeiten." Für den dauernden geistigen Be- sitz der Menschheit aber leisten auch nach der Auffassung Nicht- Hofens andere Triebfedern der Forschung mehr, die aus die Aus- breitung der Kenntnis von der Erde überhaupt und nanientlich „auf da» innere Verständnis und den wissenschaftlichen Einblick in den unsichtbare» Zusammenhang der Erscheinungen" gerichtet sind. Inwieweit die neue Südpolar-Expedition auch diesen idealen Forderungen genügt hat, wird sich erst aus genaueren Berichten ersehen lassen. Dr. E. T i e s s e n. Humor und Satire. Schwänke aus Bosnien. In seinem neuen Buche:„Schummler, Bummler, Rosse- tummler"(Verlag von Schuster u. Loefflcr in Berlin) erzählt Roda Roda: Treff Wahrscheinlichkeit. Einst sah ich—- in Cetinje — einer Schießübung der montenegrinischen Armee zu. Mit mir Metodije Plamenatz, der Kricgsminister.—•„Höre, Wojwode— wieviel Prozent Treffer pflegt ihr zu erzielen? Ans zwei, auf sechshundert Schritte?"—„Bruuder, daß ich Dir die Wahrheit sage:... wieviel Soldaten hat die Austria?"—„Ans Kriegsstand 900 000 Mann im ersten Aufgebot."—„Bruuder, daß ich Dir die Wahrheit sage: der Zar hat unserer Prinzessin ein Hoch- zeitsgeschenk gemacht—- 25 Millionen Patronen. Und wir er» zielen vier Prozent Treffer. Wie viele Soldaten werden da der Austria bleiben, wenn es zum Krieg kommt?" Der Esel. Ein Bauer in Bosnien erzählte mir:„Ja, Bruder, es ist anders, viel besser bei uns geworden, seit Ihr Oesterreicher im Land seid.— Früher, zu Türkenzeiten, da war der Moslim Herr, und der Christ war Sklave. Ich setzte mich aus meinen Esel und ritt auf den Markt. Ein Türke kam die Straße entgegen. Ich lcnkie in den Graben und ließ ihm die ganze Straße frei. Meinst Du, es genügte ihm?" „Hund!" schrie er,„Christ, daß sich die Hunde um Deine Knochen rauften! Herunter vom Esel und nieder mit Dir in den Staub— so und nicht anders grüßt man den türkischen Herrn." Was meinst Du— ich mußte herunter vom Esel. Jetzt? Jetzt ist es ganz anders. Jetzt Hab ich überhaupt keinen Esel mehr."_ Notizen. — K u n st ch r o n i k. Die Maröes-Ausstcllung in der Sezession wird am Sonntag, den 4. April, abends 7 Uhr. ge- schlössen. Ms. Lebevour(Soz.): Für die deutsche Ehre trete ich mit derselben Entschiedenheit ein wie Herr Heckscher oder irgend ein anderer. Es ist aber eine dePlazierte Aufsassung des Wortes„Ehre", wenn man sagt, die Ehre Deutschlands verlange, dag wir unter allen Umständen den Posten Kiautschou oder Tsingtau halten. Ich habe auch keine Witze über die Ehre Deutschlands gemacht, sondern mich dagegen gewehrt, daß man— außerhalb des Hauses würde ich sagen: in sinn- widriger Weise— die deutsche Ehre mit der Behauptung eines solchen Postens in Werbindung bringt.(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.) Herrn Gothein bemerke ich, daß ich Kiautschou oder Tfingtau nicht an sich schlecht gemacht habe; wäre es ein Handelsobjekt in den Händen des Reiches, das es ver- kaufen wollte, so wäre es verfehlt, wenn ich hier so gesprochen hätte, -vi« ich es getan habe. Aber es ist nicht Hanvelsobjekt, sondern wir haben es hier mit einer eminent politischen Frage zu tun. .Herr Heckscher meinte, ich mute England ja nicht zu, Shangai oder Hongkong zu verkaufen. Er weiß also nicht, daß diese beiden staatsrechtlich eine sehr verschiedene Stellung haben. Shangai ist nur Handelsplatz, und nur Hongkong ist Kolonie. Die handeis- politische Bedeutung Hongkongs steht nun unvergleichlich höher als die Kiautschous. Außerdem aber ist Hongkong für die englische Flotte ein Stühpunkt, und deshalb wird es von England be- hauptet und kann behauptet werden, weil es ein Glied in der Kette von Stützpunkten ist, die England hat und weil England infolge- dessen eine Flotte halten kann, die jeder anderen ostasiatischen Flotte gewachsen ist. Das kann Deutschland nicht. Noch kein Vertreter der Regierung hat behauptet, wir könnten Kiautschou im Kampfe mit einer ostasiatischen Macht behaupten. Der Besitz Kiautschous birgt die bedenklichsten Gefahren für Deutschland, und nicht sein Werkauf verletzt unsere Ehre, sondern wenn wir es unter sinn- widrigen Verhältnissen— außerhalb des Hauses würde ich sagen: frivolen Verhältnissen— behaupten, wird unsere Ehre Schaden leiden können.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Als im russisch-japanischen Krieg die russische Seemacht zertrümmert war, als Japan maßgebenoe Seemacht in Ostasien geworden war und als in China das Bestreben geweckt war, jede Fremdherrschaft fernzuhalten, war der Moment gekommen, Kiautschou zu verkaufen. Tie Regierung will das jetzt noch nicht zugeben. Bei uns wird immer noch gesagt, wir müssen Kiautschou im Interesse unserer Ehre behaupten, und deshalb müssen wir— als politische Männer— auftreten und sagen: Das Interesse Deutschlands verlangt, diesen Platz aufzugeben! i(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und wir können das un- bedenklich tun, denn über den Wert von Kiautschou kann durch das Auftreten in der Art des Herrn Eickhoff höchstens ein naiver Leser im Lande getäuscht werden. Irgend eine fremde Macht und ihre Regierung, England, Japan, China kann dadurch nicht getäuscht werden; diese sind sich darüber klar, daß der Posten im Falle eines Krieges nicht haltbar ist. Vom Standpunkt des Politikers müssen wir daher dem deutschen Volke sagen, wie die Dinge liegen, und daß es der Wohlfahrt Deutschlands dient, sobald als möglich aus Kiautschou herauszukommen..(Lebhafte Zustimmung bei den So- zialdcmokraten.) Staatssekretär». Tirpitz: Bezüglich der Ausgaben von Kiaut- schon steht Herr Ledebour mit seinen Freunden hoffentlich allein. Gegenüber Herrn Gothein bemerke ich, daß die geforderte Schule die guten Verhältnisse Chinas zu Deutschland zu verbessern ge- eignet ist. Abg. Eickhoff(frs. Vg.): Mit Herrn Ledebour mag ich über Ehre nicht polemisieren, und auf feine Uebertreibungen will ich nicht eingehen. An meiner Anficht über die Bedeutung von Kiautschou halte ich fest. Damit schließt die Dislussion. Abg. Lirbermann v. Sonnenberg(wirtsch. vg.) bemerkt als Be- richterstatter, daß er Waihawai nicht besonders betont habe, wie Herr Ledebour behauptete; antisemitische Agitation liege ihm im Reichstage fern. Abg. Ledebour(Soz.)(zur persönlichen Bemerkung): Ich war allerdings der Auffaffung, daß Herr Liebermann v. Sonnenberg seine antisemitische Gesinnung bei jeder Gelegenheit bekundet. Herr Eickhoff will mit mir nicht polemisieren, sondern zapft mich lieber persönlich an. Das ist stets die Art der Leute, die fachlich nichts zu erwidern wissen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- lraten.) Der Titel wird bewilligt, der Rest des Etats debattelos erledigt. Titel 8 der einmaligen Ausgaben(Vollgymnasium) wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. Das E t a t s g e s e tz für die Schutzgebiete wird debattelos ge- uehmigt. Ebenso der Etat für die o st asiatische Expe« d i t i o n. Es folgt die dritte Lesung de» Automobilgesetzes. In der Generaldiskussion verwahrt Abg. v. Oertzen(Rp.) unter Betonung seiner NichtMitgliedschaft zum kaiserlichen Automobilkub sich und seine Fraktion gegen den Bor- ivurf, die Interessen der von Automobilen verletzten oder geschädigten Personen nicht genügend wahrzunehmen. Mg. Stadthagrn(Soz.): Wir haben angesichts der Geschäftslage des HauseS von der Wiederholung unserer AbänderungSanträge Abstand genommen, obwohl wir überzeugt find, daß die von uns vorgeschlagenen Abänderungen das Gesetz außerordentlich verbessern würden. Wir hatten schon ISOü ein Automobilgesetz beantragt, das jedoch bedeutend weiter gehen sollte als das vorliegende, nämlich einmal den Begriff der Schaden- ersatzpflicht viel weiter faßte und zum andern die Bildung einer ZwangSverficherungSgenossenschoft vorsah. Man ist unS in letzter Beziehung ja auch entgegengekommen und hat zwar leider nicht die Bildung einer Zwangsgenossenschaft in daS Gesetz hineingeschrieben, aber doch in einer einstimmig angenommenen Resolution die Regierung zur Bildung dieser Zwangsgenossenschaft aufgefordert. Schon 1871 hat hier Bebel ausgeführt, daß die Haftpflicht ein leeres Wort ist. wenn nicht eine kapitalkräftige Organisation hinter dem Verpflichteten steht. Wir freuen uns. daß dieser zuerst von Sozialisten vertretene Gedanke sich, wie die einstimmige Annahme der Resolution zeigt, den ganzen Reichstag erobert hat. Auch im übrigen ent,pricht das Gesetz nicht unseren Anforde- rungen, weist aber doch unleugbare Fortschritte auf. Leider hat man weder die Schadenersatzpflicht in gebührendem Umfang sestaelegt, auch nicht durch Bestimmungen über d,e Arbeitszeit für Chauffeure. wie wir sie beantragt haben, wie sie aber von den anderen Parteien abgelehnt worden sind, die schlimmste Gefahrenquelle verstopft. Aber auch jetzt schon können nach§ 120 a der Gewerbeordnung für die gewerblichen Chauffeure Bestimmungen erlassen werden, um sie vor Uebermüdung zu schützen. Der Bundesrat ist verpflichtet, im Interesse der Verkehrssicherheit Vorsorge zu treffen. Und wer eine solche Verpflichtung nicht beachtet, kann, wenn dadurch ein Unglück herbeigeführt wird, straftechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Zivilrechtlich und strafrechtlich sind also die Behörden ver- pflichtet, die Organisation der Chauffeure zu stärken(Heiterkeit), um sie in ihren Bestrebungen zu stärken, gegen die Uebermüdung der Chauffeure Schutzvorschriften zu errichten. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch stellt die Verpflichtung aus. daß der Antomobilhalter alles zu tun hat, um Unfälle zu vermeiden. Daher muß er dem Chauffeur eine Mindestruhezeit und eine Höchstarbeitszeit gewähren, widrigenfalls er bei einem Unglück haftet. Aus allen diesen Erwägungen halten wir unseren Antrag zwar nicht für un- berechtigt und hoffen, seinen Grundgedanken bei der Beratung der Gewerbeordnungsnovclle in sie hineinbringen zu können, aber da das Gute, das in dem Gesetz vorhanden ist, eine Folge unseres Antrages vom 2. Dezember 1903 ist, so wollen wir gegenüber diesem unseren Kinde, wenn es auch nicht sehr gut geartet ist, doch Nachsicht üben. Auch bezüglich der � Hastpflicht ist das Prinzip des ökonomischen Ausgleichs, wonach jeder, der ein Unglück verschuldet, in den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit haftet, trotz des Bestehenbleibens der§§ 2 und 6 durch das Gesetz ein Stückchen gefördert, während gegenwärtig der Automobil- Halter, der in der Regel potenter ist als der Chauffeur, gar nicht haftet. Ein Stückchen mehr Recht ist also auf der Bahn, die wir wünschen, erreicht. Ich fasse mich daher dahin zusammen, daß der vorliegende Entwurf zwar eine Reihe von Mängeln hat, die wir zu beseitigen gesucht haben, daß er aber dem bestehenden Znstand gegenüber in einer Reihe von Fällen, in denen eine Haftpflicht heute nicht eintritt, die Haftpflicht bringt. ES ist eben ein kleiner Teil unserer Anregung vom 2. Dezember 1903 durch ihn verwirklicht, und deshalb werden wir. um zu zeigen, daß wir auch für einen kleinen Fortschritt dankbar sind, dem Gesetz zustimmen. (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemolraten.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Der Zwangsversicherung steht die Regierung durchaus sympathisch gegenüber. Sie wird un- mittelbar nach Verabschiedung dieses Gesetzes alles Material sammeln. welches für die weitere Bearbeitung des Systems und die endgültige Beurteilung seiner Durchführbarkeit unbedingt erforderlich ist. Die noch gemeldeten Redner verzichten aufs Wort. In der Spezialberatung wird daS Gesetz auf Antrag des Abg. Prinz Schönaich-Carolath(natl.) rn bloe und zwar rmstimmig angenommen, ebenso in der Gcsawtabstimmung. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr (Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes). Schluß S Uhr._ parlamcntarircbes. Aus der Budgetkommission des Reichstages. (46. Sitzung: 27. März.) Die Budgetkommission verhandelte zunächst über den Etat der Reichseisenbahnen. Die Einnahmen sind insgesamt um 2 241 000 M. geringer gesetzt, wobei die Steigerung des Personenverkehrs mit 1348 000 M. angenommen Wird, während man beim Güterverkehr mit einem Rückgang von 4 093 000 M. rechnet. Die Ausgabe ist um 3 626 000 Mark höher eingestellt, wovon 919 400 M. auf Löhne und Besol- düngen für nicht etatsmäßige Beamte und 2 219 000 M. auf„sächliche Ausgaben", namentlich auf Betriebsmittel, entfallen. In der Diskussion bemerkte Genosse E m m e l, daß die geringe Rentabilität der Elsaß-Lothringer Bahnen aus die strategischen Linien zurückzuführen sei. Beim Titel„Bezüge und Löhne"(der nichk etats. mäßigen Beamten) plädiert derselbe Abgeordnete für die etatS- mäßige Anstellung einer größeren Anzahl von Beamten. Von der Regierungsbank wird erwidert, daß. wer angestellt sei. früher oder später auch etatsmäßig werde. Die Verwaltung könne aber nicht mehr Beamte fest anstellen, als sie Stellen habe. Der Reichs- tag solle mehr Stellen schaffen, dann regele sich das übrige von selber. Bei der Position„Tagegelder, Reisekosten" moniert der Korreferent Will und Genosse Böhls die hierfür angesetzte Mehr- forderung von 140 000 M. Der Posten wird bewilligt.— Beim Titel„Betriebsmittel" beantragt Erzberger, mit Rück. ficht auf den Rückgang der Preise einen nennenswerten Abstrich zu machen. Die Eisenbahnverwaltung zahle für die Tonne Kohle 14,49 M. Genosse Singer wünscht, daß der Eisenbahnminister sich vom Reichsschatzamt einen Wortrag über den Zusammenhang der Einsichtnahme der Verträge durch den Reichstag mit seinem Budgetrccht halten lasse; er würde dann bald zu der Einsicht kommen. daß der Reichstag die Pflicht habe, be vo r er das Geld zur Aus- gäbe bewillige, sich zu überzeugen, ob die Ausgabe überhaupt und ob in der geforderten Höhe notwendig ist. Die strikte Ablehnung des Eisenbahnministers, die Verträge vorzulegen, zeige, daß er die Situation nicht richtig erfaßt habe. Er verlange, daß hier dieselbe dispositive Bestimmung getroffen werde, wie bei der Reichspost- Verwaltung. Minister Breitenbach versichert wiederholt, daß die Vor- legung der Verträge in der Praxis nicht angängig sei! Ter Antrag Erzberger, auch von der Reichseisenbahnverwaltung zu verlangen, daß sie von den abzuschließenden Verträgen dem Reichstag SKnittnis gebe, wird gegen die Stimmen der Konservativen Nationalliberalen angenommen. Bei Beratung der Einzelpositionen werden einige unwesentliche Abstriche gemacht, und der Posten wird nach längerer Debatte de- willigt. Nächste Sitzung: Montag. Tagesordnung: Einnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren. Die Arbeitskammerkommissiin des Reichstages beriet in ihrer Sonnabendsitzung die§§ 0—13 der Vorlage. Ver- suche der Konservativen und Nationalliberalen, die Altersgrenze für Wahlberechtigung und Wählbarkeit wieder heraufzusetzen, hatten keinen Erfolg. Ebenso wenig Glück hatten die Rechtsparteien in ihrem Bemühen, die Wählbarkeit der Organisationsangestellten, die in der ersten Lesung beschlossen worden war. wieder zu streichen. Nach mehrstündiger Debatte, an der sich auch die Regierungsvertreter beteiligten und die Erklärung abgaben, daß das Gesetz für die Regierung unannehmbar sein würde, falls die Einbeziehung der Angestellten beschlossen werden sollte, wurde der Antrag der Konservativen auf Streichung mit 17 gegen 9 Stimmen abgelehnt. SemKts- Leitung. WaS ist ein„wichtiger Grund"? Selten kommt das Reichsgericht in die Lage, ein Urteil zu fällen. das sich auf Arbeitsverträge bezieht. Dieser Tage ist von ihm wieder ein solches Urteil gefällt. Es behandelt die Frage, was unter „wichtiger Grund" im Sinne des Handelsgesetzbuches zu verstehen sei. Bekanntlich können Handlungsgehilfen ohne Einhaltung der Kündigungsfrist die Arbeit verlassen, wenn ein„wichtiger Grund" vorliegt. Der Handlungsgehilfe B. war mit einem Mitinhaber H. einer Handelsgesellschaft in Breslau, bei der er sich in bevorzugter Stellung befand, in Meinungsverschiedenheiten geraten. Der be- treffende Mitinhaber behauptete schließlich, daß B. zwei Jacketts aus den für ihn selbst reservierten Beständen entnommen habe. anstatt aus den für B. zur Versügung stehenden Lager- Vorräten. H. drohte deshalb dem B. vor dem übrigen Per« sonal bei Wiederholung mit sofortigem Hinauswerfen. Die von B. alsbald verlangte Klarstellung der Sachlage lehnte er ab. B. verließ daraus unter sofortiger Kündigung die Dienste der ge> nannten Firma und klagte auf das ihm noch zustehende Gehalt. das sich infolge der ausgemachten Vertragsdauer auf zirka 8000 M. beläuft. DaS Landgericht und Oberlandesgericht Breslau erkannten zu- gunsten des Klägers und v e r u r t e i l t e n die beklagte Firma, da sich der Kläger infolge der Androhung des Mitinhabers H.. die eine erhebliche Ehrverletzung und somit einen wichttgen Grund zur fristlosen Kündigung des Dienstverhältnisses enthielt, in seinem Rechte befunden habe. Hierzu komme besonders der auftccht er- haltene Vorwurf der Unwahrhastigkeit der Sachlage. DaS se» eine so erhebliche Ehrverletznng. daß dem Kläger daS fernere Ver- bleiben in den Diensten der Beklagten nicht mehr habe zugemutet werden können. Dieses Urteil bestätigte das Reichsgericht vor wenigen Tagen m der Si-visionsinstanz. Es betonte dabei, daß auch der Umstand unerheblich sei, daß H. etwa in gutem Glauben gehandelt habe. » Gewaltsamer Ausbruch? Zu weit gehender Auslegung des Strafgesetzbuchs trat am Freitag das Reichsgericht in einem Falle entgegen. Vor der Strafkammer in G e e st e m ü n d e sind am 9. Januar die Arbeiter Sengewald und I e s ch k e auf grund des§ 122 zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Beide saßen mit einem dritten als Gefangene in einer Zelle. Ein Ausseher erlauschte an dem„Spion" genannten Hörloche ein Gespräch der drei, wonach sie einen Ausbruch planten. Er ging hinein, untersuchte alles und fand nichts. Schließlich sagte Jeschke: Wenn Sie schon einmal revidieren, dann tun tun sie es aber auch ordentlich. Darauf suchte der Aufseher weiter und fand auf dem Fensterbrett eine Feile. Dies ist der gesamte Tatbestand. Das Gericht hat angenommen, daß die Angeklagten sich zusammengerottet haben, um mit ver- einten Kräften einen gewaltsamen Ausbruch zu unternehmen.— In seiner Revision bestritt der Angeklagte S.. sich strafbar gemacht zu haben; denn er hätte überhaupt noch nichts unternommen.— Der Reichsanwalt erklärte, das Hinlegen einer Feile allein genüge nicht, um ein Unternehmen im Sinne des§ 122, 2 als er- wiesen zu erachten. Das„Unternehmen" sei dem Versuch gleich- zuachten; es müsse also ein Beginn der Ausführung stattgefunden haben. Erwiesen sei aber nicht, daß die Angeklagten bereits mit der Feile an den Gittern zu arbeiten begonnen hatten, als die Sache entdeckt wurde.— Das Reichsgericht schloß sich diesen Aus- führungen an, hob das Urteil bezüglich beider Angeklagten aus und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Versammlungen. Ein Schrei nach Recht im Handelsgewerbe. Eine imposante Versammlung der Handlungsgehilfen und Ge- hilfinnen, einberufen vom Zentralverband, füllte den großen Fest- saal des Grand Hotel, Alexanderplatz, ai* Freitag bis auf den letzten Platz. Wegen Ucberfüllung sperrte die Polczei ab. Viele Angestellte des Handelsgelverbes fanden keinen Einlaß mehr.— „Der Schrei nach Recht!" so lautete das Thema, über das Reichs- tagsabgeordncter Dr. Frank referierte. Er sprach seine Freude über den durch den Massenbesuch gelieferten Beweis aus, daß die Handelsangestellten gelernt hätten, sich ihrer eigenen Interessen an- zunehmen im Wege der Selbsthilfe. Wenn gerade jetzt den Gesetzes- bcstimmungen über den Schluß der Ladenzeit und überhaupt der Frage der Arbeitszeit der Handelsangestellten besondere Aufmerk- samkeit gewidmet werde, dann habe den Anlaß die Beratung der Gewerbeordnungsnovclle durch die damit betraute Reichstagskom- Mission gegeben. Ter Redner ging dann die einzelnen Bestim- mungen der Novelle durch, soweit sie für die Handlungsgehilfen Interesse haben. Er erwähnte dabei die Verbesserungsanträge der sozialdemokratischen Vertreter und die Art, wie diese von den bürgerlichen Abgeordneten zurückgewiesen werden.«Aürmischer, langanhaltender Beifall bezeugte, daß der Redner im Sinne der überwiegenden Mehrheit der Versammlungsbesucher sprach. Die Diskussion, für die jedem eine Redezeit von einer halben Stunde zugesichert wurde, eröffnete Herr Thomas, ein Beamter des Dcutschnationalen Verbandes. Er suchte seinen Freund und Gesinnungsgenossen, Abgeordneten S ch a ck, zu rechtfertigen Hinsicht- lich der Stellungnahme zum Arbeitslaurmergesetz bczw. zur Frage der Koufmannskammern. Auch er sei gegen die Angliederung an die Arbeitskammern, weil dem eine Reihe rein technischer Schwierig- leiten entgegenständen. Daß die Frauen bei den Arbeitskammern auch das Wahlrecht erhielten, sei für ihn und seine Freunde nicht ausschlaggebend.(Die Deutschnationalen sind bekanntlich gegen die Frauenarbeit.) Es wäre vielmehr keine Frage für sie: solange die Frauen im Handelsgewerbe tätig seien, müßten sie auch eine Vertretung haben.(Also doch!) Aus den Ausführungen des Redners ist noch von besonderem Interesse, daß er sein lebhaftes Bedauern aussprach, daß„die nationalen Parteien im Reichstag d'as Versprechen gebrochen hätten, >das sie den Handlungsgehilfen bei den Reichstags wählen gaben". Man hätte gesehen, meinte er noch, daß eine natio- nale Partei nach der anderen in der Kommission umfalle und an Knochenerweichung leide.— Und die Konsequenz daraus? Die nationalen Handlungsgehilfen müßten eine Macht werden, an der die nationalen Parteien nicht lurzsichtig und gleichgültig vorübergehen könnten. Er will also weiter buhlen um die Gunst der an sozialpolitischer Knochenerweichung erkranttcu „nationalen Parteien". Dem Vorredner wurde unter anderem von Merkel. Kricwc, Martin Meier und auch vom Demokraten Dr. Breitscheid nachgewiesen, welch absoluter Widerspruch darin liege, wenn eine Gchilfenorganisation, wie die deutschnationale, politisch hinter Leuten herlaufe, die notwendigerweise Arbeitgeber- intcressen und nicht Arbeitnehmcrinteressen vertreten. Herr Grünthal vom„Verein deutscher Kaufleutc"(liberal) stellte sich ganz auf den Standpunkt der von den Einbcrufern vor- gelegten Resolution, ausgenommen einen Passus, den Anschluß an den Zentralverband betreffend. Diesen bat er abzutrennen, damit seine Freunde mit für die Resolution stimmen könnten und ein wuchtiger Protest und Schrei nach Recht herauskomme. Nach einem Schlußwort Dr. Franks wurde gegen etwa 20 Stimmen die sehr umfangreiche Resolution angenommen, deren wesentlichster Inhalt ist: „Die Versammlung protestiert dagegen, daß bei Schaffung des Arbeitskammergcsctzes die kaufmännischen Angestellten nach dem dem Reichstage vorliegenden Gesetzentwurf und gemäß dem Kommissionsantrage des Abgeordneten Schock ausgeschlossen werden sollen. Die Versammlung bittet den Reichstag, die Hand- lungsgehilfen durch folgende Bestimmung in>den Entwurf eines Arbeitskammergesetzes einzübeziehen:„Für Handlungsgehilfen und-Lehrlinge einerseits sowie andererseits für technische Angc- stellte im Sinne des Titels VIl Abschnitt III b der Gewerbeordnung sind besondere Arbeitskammern oder Abteilungen zu er- richten." Es liegt kein Grund vor, die Handlungsgehilfen bei der Schaffung des ArbeitSkammergesetzeS zu umgehen und sie auf die Zukunft zu vertrösten.— Die Versammlung protestiert ferner gegen die im Gesetzentwurf gegen den unlauteren Wettbewerb vorgesehene Erhöhung der Strafe bei Verrat von GcschäftSgc- heimnissen und gegen den in der Kommission beschlossenen Be- stechungsparagraphen. Die Versammelten betrachten diese Straf- dcstimmungen als ein Ausnahmegesetz gegen die Handlungsgehilfen und ersuchen den Reichstag um ihre vollständige Beseitigung.— Tie Versammlung bedauert, daß die gesetzgebenden Körperschaften bei Neratung der Novelle zur Ge- Werbeordnung so wenig soziales Verständnis gezeigt haben. Eine gesetzliche Regelung und Einschränkung der Arbeitszeit im Hau- delsgewerbe ist dringend notwendig. Besonders in Kontoren, Engros-, Fabrik- und Bankgeschästen usw. werden die Angc- stellten zum großen Teile in der schlimmsten Weise durch über- lange Arbeitszeiten ausgebeutet. Hier ist ganz besonders gcsetz- liches Einschreiten notwendig. Die Versammelten erachten die Einführung des reichsgesetzlichen Achtuhrladen- und Arbeits- schlusseS, die gesetzliche Festlegung der achtstündigen Arbeitszeit in Kontoren, Engrosgeschäften usw., die Einführung der 36stün° digen ununterbrochenen Sonntagsruhe und die gesetzliche Ein- führung eines 14tägigen Urlaubs nach 6monatlicher Tätigkeit für dringend erforderlich. Ebenso dringend notwendig ist die Schaffung von Handelsinspektionen. Die Versammelten erwarten von den gesetzgebenden Körperschaften die endgültige Erfüllung dieser Forderung." Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zcntral-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knabp, Geschäft lebhaft, Preise sest. Geflügel: Zufuhr m Hühnern weit Über Bedarf, sonst genügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise in Hühnern gedrückt, sonst befriedigend. Fische: Zufuhr watzig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zujnhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gedrückt. mea HOP Dem Fortschritt eine Gasse! offen Schnürstiefel- ohne zu schnüren! D. R. P. 174209 swia 10.50 M. Pa. Boxhorse, mit Zierkappen.. 10.50 M. Pa. Boxkalf, mit Zierkappen. Pa. braun Chevreau. Feinstes Boxkalf. 13.50 M. 13.50 M. LuxusAus16.50 M. Feinstes Chevreau, brawa, führung 16.50 M. Verkauf nur in unseren Filialen! schwarz Diesem Condor- Patent- Stiefel gehört die Zukunft! instantems geschlossen Seine Vorzüge: Angenehmes Tragen, da jeder Druck vermieden wird! Fortfall des lästigen Schnürens, dennoch bleibt das elegante Aussehen als Schnürstiefel beibehalten! alten! 2796 Augenblickliches An- und Ausziehen ohne zeitraubende Hantierungen! Größte Bequemlichkeit namentlich auf der Reise u. für Bureautätigkeit durch einfaches Lösen des Verschlusses Conrad Tack& Cle. 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März 1909. des Provinzialschulkollegiums ihm die Aula zu Gesangs- Mit Recht konnte der sozialdemokratische Redner proben nicht überlassen werden könne. seine Ausführungen damit schließen, daß er sagte, eine Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Xilfit Bregel, Insterburg Dder, Ratibor Weichsel, Thorn am feit 26. 3. 25. 3. cm cm ¹) 2003)+12 am ſeit Wasserstand Saale, Grochlit 26. 3. 25. 3. cm cin ¹) 1753)+ 32abel, Spandau³) 6004)+230 364-22 106-0 Rathenow³) 114+3 Spree, Spremberg) 158-56 115+4 In der letzten Etatssigung brachte der Vertreter der sozial- Stadtverordnetenmehrheit, die den feigen Wahlrechtsraub demokratischen Fraktion diese Angelegenheit vor und wart am 17. Dezember ausgeführt hat und ein Magistrat, der sich) dem Magistrat direkt vor, daß die Ablehnung der Ueber bei der Polizei Rat erholt und dann die Regierung selbst lassung der Aula an den Arbeitergesangverein dem Magistrat darum bittet, seinen Steuerzahlern städtische Räume zu bernicht nur nicht unangenehm gewesen, sondern augenscheinlich sagen, seien einander wert. vom Magistrat selbst mitverschuldet sei. Anstatt dies abzuleugnen, teilte der Herr Bürgermeister Weinreich mit herzAlljährlich bei den Etatberatungen war von den Sozial- erfrischender Offenheit mit, daß das Provinzialschulkollegium demokraten gefordert worden, daß die Schulaula eines Gym- in der Tat erst beim Magistrat Rigdorf angefragt habe, ob nasiums wie allen möglichen bürgerlichen und kirchlichen er die Erlaubnis zur Ueberlassung der Aula erteilen solle, Vereinen, so auch einem Arbeitergesangverein, dem Nixdorfer darauf sei der Rigdorfer Magistrat zur Polizei gegangen Männerchor, zur Verfügung für seine Proben gestellt werde. und habe dort die Auskunft erhalten, der Männerchor RigDieser Forderung gegenüber war auch vom Schuldezernenten dorf sei ein politischer Verein; nach dieser Mitteilung an das des Magistrats das Versprechen gegeben, einem eventuellen Provinzialschulkollegium sei dann die Aula versagt worden. Antrage dieses Arbeitergesangvereins Folge zu leisten. Als Soweit ist also schon der Magistrat der Stadt Nirdorf nun der Rigdorfer Männerchor an die höhere Schulverwal- gekommen, daß er, der augenscheinlich selbst nicht den Mut tung mit seinem Antrage um Ueberlassung der Aula für hat, seine Aula einem Arbeitersängerchor, der rein künstfeine Gesangsproben herantrat, war man in der Deputation lerische Tendenzen verfolgt, zu versagen, auf dem Wege über für die höheren Lehranstalten zunächst ratlos, man drückte die Polizei das Provinzialschulkollegium veranlaßt, dieses sich mit allen möglichen Ausflüchten und Redensarten um Verbot auszusprechen. Besser können sich wohl die Herren die Sache herum, besprach auch die Gefahren, die die Ueber- nicht selbst charakterisieren, die sonst immer die Schlagworte lassung einer Aula an einen Arbeiterverein in bezug auf Volksbildung, Volksaufklärung und Selbstverwaltung im Krankheitseinschleppung mit sich bringe. Als alle diese Munde führen. In anderen Städten, z. B. Schöneberg, Redensarten von dem sozialdemokratischen Vertreter in der hat man sich wenigstens zu einem Protest aufgeschwungen, Eisgang.) reibeis, Höchfter Stand: 328 1)+ bedeutet Wuchs, Deputation zurückgewiesen wurden, trat plötzlich der Bürger- als die Regierung der Stadt die Ueberlassung der Turnhallen 11 Uhr vormittags; in der Nacht zum 27. Eisgang.-) höchster Wasser. ) meister auf und erklärte, die Entscheidung liege ja überhaupt an die Arbeitervereine verboten hatte, in Rigdorf treibt man ftand: 203 cm am 26. um 2 Uhr nachts. in den Händen des Provinzialschulkollegiums und beschloß die Selbsterniedrigung so weit, daß man die Regierung selbst damit die Debatte. dazu veranlaßt, die Schulaulen, die mit dem schweren Gelde Wasserstand Nach nicht allzu langer Zeit bekam denn auch der Nir- der Rigdorfer Steuerzahler erbaut find, diesen vorzuentdorfer Männerchor die Mitteilung, daß auf Veranlassung halten. 424-11 2784)+22 270)+26 3266)+90 114+19 65+14 255-25 Dresden 1977)+15 Barby 445+26 Magdeburg 378+30 Krossen Frankfurt Barthe, Schrimm nete, Bordamm Landsberg G15e, Leitmeriz Fall. ) Beeskow 23efer, Münden Minden 182+35 233-15 Rhein, Marimiliansau 418+30 Kaub Köln Redar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier 230+-26 331+43 143+8 281-11 249+32 3) Unterpegel. 5) Eisstand. cm am 26., bente 558 cm wajeritano bei Eisgang, bie Dber bei Ratibor 473 em Nach telegraphischen Meldungen hat die Weichsel bei Thorn steht dort nahezu ftill, bei Barby 454 cm und steht dort seit 3 Uhr und steigt langsam. 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Außerdem Gesänge eines Doppelquartetts der Kreuzberger Harmonie", Rezitationen, Zither- und Bandonionspiel usw. Erwachsene zahlen 10 Bf. Entree. Guten Die Bezirksführer. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 28. März, mittag 2 Uhr, findet für die Mitglieder mit grauen Karten die Uraniavorstellung statt. Die nächsten Vorstellungen sind am Sonntag, den 4. April und Sonntag, den 9. Mai um dieselbe Zeit. An allen drei Sonntagen kommt zum Vortrag: Auf den Trümmern von Messina". Die Physikfäle werden um 1 Uhr geöffnet, um dieselbe Zeit beginnt auch die Verlosung der Plätze. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, findet in Kellers Neue Philharmonie", Köpenider Straße 96/97, cine Volksversammlung statt. Genosse Reichstagsabgeordneter Wolfgang eine spricht über: Kriegsminister und Sozialdemokraten". Bahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Sechster Wahlkreis. Am Karfreitag( 9. April) veranstaltet der Wahlberein eine Fußpartie. Treffpunkt: vormittags 10 Uhr in Hermsdorf( Forsthaus), von da über Hohen- Neuendorf, Stolpe, Schulzendorf nach Tegel. Der Vorstand. Sonntag, 28. März 1909. I war der gleiche: Erstklassige Theatervorstellungen auf genossenschaft- Die Berliner Stadtfynode, die dieser Tage ihren Haushaltungslicher Grundlage zu niedrigsten Preisen zustande bringen. Der plan beraten hat, hat beschlossen, wiederum 20 Proz. des Einneue unpolitische Verein stach bald den alten aus und marschiert kommensteuerberanlagungsfolles an Kirchensteuern zu erheben. seitdem von Triumph zu Triumph." Man muß es dieser Charakteristik der„ Neuen Freien" zugute Verkehrsnachrichten. Eine neue Omnibusverbindung wird am halten, daß sie nicht für Arbeiter geschrieben ist. Jedenfalls wird 1. April vom Anhalter Bahnhof nach dem Stettiner Bahnhof einbie„ Neue Freie" das, was da von ihr gesagt wird, wohl taum gerichtet. Die Linie( 24) fährt durch die Wilhelmstraße, Neue jemals in ein Flugblatt schreiben, welches unter die Berliner Arbeiter- Wilhelmstraße, Luisenstraße, das Neue Tor und die Invalidenstraße. schaft verteilt wird. Sie würde fogar vor eben dieser Arbeiterschaft Auch die Ritterstraße erhält endlich eine Omnibusver vielleicht ganz und gar bestreiten, daß ihres Wesens Kern darin bindung, indem die vom Stettiner Bahnhof kommende Linie 10 von besteht, daß sie durch ein tadellos" unpolitisches" Betragen sich be- der Friedrichstraße, Ecke Kochstraße, aus nach Osten durch die müht, die Erbsünde abzuwaschen, in welche die ersten Gründer Kochstraße, Markgrafenstraße, Junterstraße, Nitterstraße und über der( alten) Freien Volksbühne" verfielen, als sie den Gedanken der das Kottbuser Tor bis zur Kotibuser Brücke geführt wird. Volksbildung in einem sozialistischen Blatte aufwarfen. Ferner erhält der Kreuzberg und der Anhalter Bahnhof eine öffentlich von sich abzuschütteln? Wenigstens glauben die Berliner bie Großbeeren Straße, die Königgräßer Straße den Anhalter Bielleicht hegt die Neue Freie" den Wunsch, dieses Freundeslob nider Straße. Die Linie 18 wird nämlich vom Kreuzberg aus durch direkte Omnibusverbindung mit dem Spittelmarkt und der KöpeArbeiter, sofern sie sich überhaupt für die„ Neue Freie" interessieren, Bahnhof erreichen und von hier aus durch die Anhalt- und Kochdaß sie etwas derartiges zu erwarten haben. straße die Friedrich und Leipziger Straße, über den Spittelmartt Köpenicker Straße( Ecke Michaelkirchstraße) geführt werden. Durch in die Wallstraße, Neue Roßstraße, Neue Jakobstraße nach der diese Verbindung wird es möglich, das füdliche Stück der Linie 12 ( Greifswalder Straße- Anhalter Bahnhof), nämlich das Stück Dönhoffplatz- Anhalter Bahnhof, eingehen zu lassen, so daß die Linie 12 für die Folge ihren Endpunkt am Dönhoffplatz( Ede Strausenstraße) erhält. die Einrichtung getroffen, daß die Reisenden, die in den Tagen Für den Oster- Reiseverkehr hat die Eisenbahnverwaltung wieder bom 8. bis 13. April d. J. einschließlich Berlin mittels D- Buges verlassen wollen, ihre Plätze beim amtlichen Reisebureau im Potsdamer Bahnhof, und für die von der Stadtbahn ausgehenden D. Züge auch bei der Fahrkartenausgabestelle Friedrichstraße schon acht Tage vorher, gleichzeitig bei Lösung ihrer Fahrkarten bestellen tönnen. Es kann den Reisenden nur empfohlen werden, von der Einrichtung des Vorverkaufs der Fahrkarten und der Vorausbestellung der Plätze Gebrauch zu machen; Kosten sind damit nicht verbunden. An die arbeitende Jugend Groß- Berlins! Aus Anlaß der Schulentlassung veranstaltet der Berliner Jugendausschuß am Sonntag, den 28. März, abends 6%, Uhr, eine große Jugendfeier in den Prachtsälen Nord- West", Wiclefstr. 24( Moabit). Für Belehrung und Unterhaltung ist bestens gesorgt. Die Fest rede hält der Schriftsteller Heinrich Schulz. In dem Augenblid, in welchem viele Tausende die Schule berlassen und ins Leben hinaustreten, wird den Jugendlichen hier Gelegenheit geboten, die Bestrebungen ihrer erwachsenen Brüder und Schwestern fennen zu lernen. Schöneberg. Einen Lichtbildervortrag über:" Die Badische Revolution 1849" hält Reichstagsabgeordneter Genosse Adolf Geck in der Wahlvereinsversammlung am Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, in den Neuen Rathausfälen", Meininger Straße 8. Billetts hierzu sind zum Preise von 10 Pf. in der Spedition, Martin Luther- Straße 51, sowie an der Abendkasse zu haben. Da der Vortrag pünktlich beginnt, wollen die Mitglieder rechtzeitig erscheinen. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halenfee. Die Mitgliederversammlung des WahlJeder Arbeiter, jede Arbeiterin muß sich schließlich den Drganibereins findet am Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, im fationen der kämpfenden Arbeiterschaft anschließen. Je fürzer der Louisenpark", Wilhelmsaue 112, statt. Auf der Tagesordnung Weg ist, auf dem der Einzelne zu diesem Ziele gelangt, je früher stehen außer der Berichterstattung von der Kreisgeneralversamm dies geschieht, um so besser für ihn, um so besser für die ganze BeLung, interne Vereinsangelegenheiten, so u. a. das neue Organi- wegung. fationsstatut, Agitationsfragen usw. Der Vorstand. Die Linie 20( Görliker Bahnhof- Stettiner Bahnhof), welche zurzeit von der Oranienburger Straße aus unter Umgehung des Hackeschen Marktes am Schloß vorbei nach dem Köllnischen Fisch markt fährt, wird für die Folge über den Hackeschen Markt und durch die Straße an der Spandauer Brücke, die Rosenstraße, Kaiser- Wilhelm- Straße, Spandauer Straße( Rathaus), Moltenmarkt, Mühlendamm, den Köllnischen Fischmarkt erreichen. Aus diesem Anlaß wird der Betrieb auf Linie 24, Stettiner Bahnhof, Hackescher Markt, Moltenmarkt, Hallesches Tor eingestellt. Der städtische Schönwalder Forst. Der Magistrat von Berlin hat mit Zustimmung der Aufsichts. 4 571 900 M. erworben. Die Größe beträgt rund 1020 Heftar oder behörde vom Forstfiskus den Schönwalder Forst für zusammen 4080 Morgen. Der Forst gehört zu den schönsten im Norden von Berlin. Fast in der Mitte liegt der idyllische Gorinsee, den die Stadt Berlin seinerzeit mit dem Rittergut Buch von dem Grafen Boß erworben hat. In der Begründung der Magistratsvorlage heißt es u. a.: Bur vollständigen Deckung des Bedarfs an Nieselfeld für den Norden reichen die bis jetzt zur Verfügung stehenden Ländereien nicht aus. Die angekauften Ländereien bestehen fast ausschließlich aus Hochwald. Dazu gehört die Försterei Gorin nebst den Dienstländereien. Sie stehen mit dem bisher erworbenen Darum ist es nicht nur Sache der Jugendlichen selbst, sondern städtischen Gebiet unmittelbar in Verbindung. Die Abtretung einauch Pflicht der Erwachsenen, für einen zahlreichen Besuch dieser schließlich der Försterei Gorin soll erfolgen nach erfolgter Geersten Jugendfeier Sorge zu tragen. nehmigung durch die Staatsregierung. In den Verkauf eingeschlossen Die arbeitende Jugend muß zahlreich erfind sämtliche Holzbestände sowie die Gebäude der Försterei Gorin scheinen. und die vorhandenen Zäune und Einfriedigungen jeder Art. Steglit. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 30. März, abends 8% Uhr, bei Schelhase, Ahornstr. 15a, statt. Außer einem Vortrage soll in derselben die Berichterstattung über die Generalversammlung des Kreises sowohl wie über die von Groß- Berlin erfolgen. Der Vorstand. Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß Anfang April ein Groß- Lichterfelde. Die Versammlung des sozialdemokratischen naturwissenschaftlicher Bortragsahtlus beginnt. Wahlvereins findet am Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, im Wer diese Vorträge hören will, muß sich umgehend schriftlich Kaiserhof" statt. Tagesordnung: Vortrag über:" Die deutsche melden bei W. Schenk, Werneuchener Str. 13. Revolution von 1848". Berichterstattung von der Generalbersammlung des Kreises und von Groß- Berlin. Maifeier. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, 30. März, abends 8½ Uhr, findet im Wirtshaus". Warnemünder Straße 6, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die lung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung und von GroßBerlin. Friedrichshagen. Dienstag, 30. März, abends 8½ Uhr, findet im Restaurant von Lerche, am Rundteil, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Der Vorstand. Rummelsburg. Am Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, findet im Saale der Witive Weigel, Türrschmidtstr. 45, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt, In dieser Versammlung erstatten unsere Gemeindevertreter ihren Tätigkeitsbericht. Außer Erledigung von Vereinsangelegenheiten findet Berichterstattung von der Verbandsgeneralversammlung von Groß- Berlin statt. Der Vorstand. Der Jugendausschuß für Groß- Berlin. J. A.: K. Rosenfeld. Während der Frühjahrs- Schonzeit der Fische, vom 10. April morgens bis zum 9. Juni abends 6 Uhr, darf die Fischerei nur an drei Tagen jeder in die Schonzeit fallenden Woche, und zwar von Montagmorgen 6 Uhr beginnend und Donnerstagmorgen 6 Uhr schließend, betrieben werden; während der nicht freigegebenen Zeit ( Donnerstag bis Montag 6 Uhr früh) müssen die ständigen Fischereivorrichtungen in den nicht geschlossenen Gewässern hinweggeräumt oder abgestellt sein. Dem Stadtrat Dr. Münsterberg, Dezernenten der Berliner Armenverwaltung, ist der Rote Adlerorden vierter Güte verliehen worden. Leider verschweigen ja die preußischen Ordensberichte wohlweislich, wofür die Verleihung erfolgt. Man kann also nur annehmen, daß Herr Münsterberg prämiiert worden ist für Leistungen, die nicht auf dem Gebiete der bekanntlich höchst mangelhaft arbeitenden Berliner Armenverwaltung liegen." Boffen. Heute nachmittag 6 Uhr findet im Lokale von Hilfsaktionen. Der Stadtverordnetenversammlung ist eine Kurzner eine Volksversammlung statt. Thema:" Unsere Stadt- Magistratsvorlage zugegangen, den Notleidenden im Ueberverwaltung und die Arbeitslosigkeit". Referent: Genosse Hehschold- schwemmungsgebiet 10 000 m. aus städtischen Mitteln zu beBerlin. Jeder Parteigenosse agitiere für regen Besuch. willigen. Der Vorstand. Es macht sich gerade gut, daß zu derselben Zeit, wo in Nieder- Schönhausen. Am Dienstag, den 30. März, abends den Steuersädel für auswärtige Bedürftige gegriffen werden 8% Uhr, findet im Lokal des Genossen Radsec, Kaiser- Wilhelm- foll, wogegen wir an sich nichts einzuwenden haben, der Straße 10, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Schütte über:" Die Stadtverordnetenversammlung folgender Antrag der sozialund von Groß- Berlin. 3. Maifeier. 4. Vereinsangelegenheiten. versammlung ersucht den Magistrat, ohne Verzug 300 000 m. Bariser Kommune". 2. Bericht von der Streisgeneralversammlung demokratischen Fraktion zugegangen ist:„ Die Stadtverordneten5. Verschiedenes. zur Verfügung zu stellen zur Unterstützung der Arbeitslosen. Die Verteilung soll unter Hinzuziehung der Arbeiterorganisationen und des Zentralvereins für Arbeitsnachweis erfolgen." Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Ein kommunaler Bierabend Ob die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat für die Bedürftigen am Orte etwas übrig haben werden, bezweifeln wir. In der letzten Zeit wird der Fernsprecher in geradezu raffinierter Ueber eine böswillige Alarmierung der Feuerwehr wird berichtet: weise zu böswilligem Feuerlärm benußt. Vorgestern erfolgte ein solcher Alarm vom Amt I aus, das aber vorher von Wilmersdorf aus angerufen worden war. Gestern abend um 8 1hr lief wieder ein Alarm nach der Borsigstr. 4 auf der Haupttache ein. Dort war nicht die geringste Gefahr zu entdecken. Die fofortigen Ermittelungen ergaben, daß von der Journalistentribüne des Reichstages aus der böswillige Alarm ausgegangen war. Die Nachforschungen der Hausinspektion des Reichstages waren leider vergeblich. Die Journalisten des Reichstages gaben sich alle Mühe, festzustellen, wer den Unfug berübt hat, ob Boten oder Hilfspersonal als Schuldige in Frage kommen. " Arbeiterbildungsschule Berlin. Heute, Sonntag, den 28. März, findet im Schullotal, Grenadierstraße 37, abends 7 Uhr, eine Mitgliederversammlung statt. Ein Vortrag des Genossen Mar Grun= va Id über: Die Entwidelungstendenzen in Inwald dustrie und Landwirtschaft". wird den Abend einleiten. Dieser Vortrag, der eine Engänzung des letzten Vortrages sein soll, wird sich ganz besonders mit der Entwickelung in der Landwirlschaft und mit dem Grundrentenproblem beschäftigen, das wegen der Kürze der Zeit in der letzten Mitgliederversammlung nicht eingehend zur Erörterung kommen fonnte. An den Vortrag schließt sich die übliche Diskussion. Es ist zu hoffen, daß auch diese Versammlung demselben lebhaften Interesse der Mitglieder begegnen wird wie die vorhergehenden. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet. Der Möbelhändler Scheidt, Dresdener Straße 8, fchidt uns, bezugnehmend auf die in unserer Nummer vom 18. März unter nach der der Tischler M. wiederholt und längere Zeit die vereinder Ueberschrift:" Unerbittlich" veröffentlichte Notiz, die sich über die Praxis von Abzahlungsgeschäften verbreitete, eine Zuschrift, barten Ratenzahlungen nicht eingehalten hätte und er, Sch., den R. schon einmal im April 1907 hätte verklagen müssen, aber auf einen Vergleich eingegangen sei. Weil er aber diesen Vergleich nicht eingehalten, sei eine neue Klage angestrengt worden. Herr Scheidt meint, sich nicht bewußt zu sein, untulant gehandelt zu haben. Das letztere haben wir zwar nicht behauptet, aber von großer Kulanz fann Herr Scheidt auch nicht reden. Herr Scheidt hat, hat am Freitagabend im Berliner Rathause stattgefunden. wie wir ausdrücklich nochmals feststellen wollen, die von dem Was wir schon längst hätten haben können, wenn unsere Und abermals Polizeiauszeichnungen! Wieviele waren es doch nach Tischler M. abgezahlten 380 M. folgendermaßen aufgerechnet: VerBerliner Rathausfreifinnigen zur Zeit auf dem Posten gewesen unserer letzten Bilanz? Rund 60 Orden für Berliner Polizei- trag, Stempel 10 M., Hin- und Rüdtransport 16 M., Benutzung wären, nämlich ein wirkliches Groß- Berlin auch in organisa- beamte, verliehen zum großen Teil für die der russischen und öster- der Sachen 88 M., Entwertung derselben 275 M. Dieses Rechentorischer Beziehung, das soll recht gefördert werden durch reichischen Regierung bei Verhaftungen, Ausweisungen und Aus- kunststückchen, nachdem der Tischler seine 380 M. sowie seine Sachen persönliches Nähertreten der Vertreter der Gemeinden Groß- lieferungen geleisteten Hilfsdienste. Daß auch das 100jährige los ist, macht Herrn Sch. alle Ehre. Allerdings übt Herr Scheidt Berlins. Die Stadt Schöneberg hat diese Anregung gegeben, Jubiläum des Polizeipräsidiums nicht ohne Ordensauszeichnungen diese hier gekennzeichnete Praris nicht allein. und am Freitag waren infolgedessen im Rathause über vorübergehen würde, war zu erwarten. Insgesamt sind 50 Beamte, Um den Rudersport zu fördern, hat sich kürzlich ein Freier 700 Vertreter von etwa 23 Gemeinden Groß- Berlin zusammen nämlich 1 Striminaloberwachtmeister, 7 Kriminalwachtmeister, neun Ruderbund Berlins" gebildet, dem die Rudervereine„ Collegia", gekommen. Der Oberbürgermeister hieß die Anwesenden will- Kriminalschußmänner, 6 Oberwachtmeister, 21 Schußmänner sowie Charlottenburg- Tiefwerder," Freiheit" und" Vorwärts", Berlinkommen, worauf Baurat Kyllmann einen interessanten Vortrag der Oberaufseher und 1 Aufseher beim Polizeigefängnis dekorierf über die bauliche Entwickelung Groß- Berlins hielt. An diesen worden. Noch besser wäre das Doppelte gewesen, dann stimmte es Teil des Abends knüpfte sich ein geselliger Teil, bei dem so hübsch bureaukratisch zur Jubiläumszahl. Da Orden heutzutage die Teilnehmer mit Bier und faltem Büfett bewirtet wurden. für alle Denkenden so gut wie keinen Wert mehr haben, konnte es Ein guter Freund. " " 1 doch auf eine Handvoll mehr oder weniger nicht ankommen. Unter den dekorierten niederen Polizeibeamten befindet sich auch wieder Die Neue Freie Voltsbühne" hat einen Freund, der zu jenen unser alter Bekannter und ehemaliger Genosse" Kassube, der zu gehören scheint, von denen das Wort gilt: Gott schüge uns vor wohl wegen seiner lichtscheuenden Heldentaten bei den Vorgesetzten ihnen! Er schreibt im Londoner Daily Telegraph" einen Artikel in ganz besonderem Ansehen stehen muß. Oder wollte man ihm auf über die„ Neue Freie Boltsbühne", zeichnet R. L. und ist offenbar die Polizeiprügel vom vorigen Jahre ein metallenes Pflaster legen? ein sehr idealistisch" veranlagter Arbeiter- und Voltsfreund, da ihm fonst nicht folgendes Lob" der„ Neuen Freien" hätte passieren die Berliner Polizei abermals von der österreichischen Regierung Noch bemerkenswerter find Ordensauszeichnungen, mit denen Er berichtet, wie vor 20 Jahren die ursprüngliche( alte) Freie bedacht worden ist. Es erhielten das Offizierstreuz des FranzVolksbühne gegründet und mit den„ Stügen der Gesellschaft" er- Josefs- Ordens der Polizeirat Raeder, das Ritterkreuz desselben öffnet wurde. Unglüdlicherweise für die Bühne," heißt es dann Ordens 2 Polizeisekretäre, 1 Rechnungsrat, 1 Polizeiassessor, der weiter, wurde die Idee zuerst in einem sozialistischen Blatte Polizeileutnant Kusserow, das goldene Verdienstkreuz der Kriminaldeutete Schwierigkeiten von seiten der preußischen Polizei. Als mann Fromm. Ob auch diese Auszeichnungen mit dem Jubiläum aufgeworfen, und die Tatsache, daß sie ein Arbeiterverein war, be- wachtmeister Habach, 3 Polizeiwachtmeister sowie der Kriminalschuk propagandistische Einrichtung denunziert, wurde der Verein unter scharfe Benjur gestellt. Einige Berechtigung war allerdings in dieser in Verbindung stehen? Wohl kaum. Tönnen. Denunziation, denn trop des entschlossenen Widerstandes bon Alles in allemt sind das also für unsere so überaus tüchtige Dr. Wille gegen die Parteipolitit fuchten die Sozialisten der Berliner Polizei bloß in diesem Jahre schon über Drganisation habhaft zu werden. Dr. Wille sezessionierte und 120 Orden! Wir gratulieren aufrichtigst zu dem überaus reichen gründete die Neue Freie Boltsbühne". Der Zweck dieses Vereins Segen, Stralau, angehören. Touristenvereine angelegen sein. Wie wir hören, machen sich auf Die Förderung des Wandersports lassen sich diesem Gebiete gleichfalls Bestrebungen bemerkbar, die auf eine Zusammenfassung proletarischer Touristenvereine hinzielen. Zu verlangen ist dabei in erster Linie, daß für die Touren die Lokalliste zugrunde gelegt wird, was auch für andere gesellige Vereine am Plaze ist. Am kommenden Freitag findet im Grand Hotel am Alexanderplatz zu diesem Zweck eine Versammlung statt.. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag " Auf den Trümmern Meſſinas", der mit seinen naturgetreuen Donnerstag und Sonnabend zur Darstellung. Am Dienstag und aufnahmen ein tiefergreifendes Bild von der Verwüstung der fizilianischen Stadt entrollt, am Sonntag, Montag, Dienstag, Sonnabend nachmittags 4 Uhr und am Mittwoch und Freitag abends 8 Uhr wird der Vortrag von Herr Mac Clintock:„ Leben, Bräuche und Legenden der Schwarzfuß- Indianer in den Rodh Mountains von Montana" gehalten werden. Im Hörsaal spricht straße am Freitag Herr Dr. Schwahn über:„ Die Bewegung der am Sonnabend Herr Dr. Schwahn über:" Gletscher und Eiszeit", und im großen Hörsaal der Urania- Sternwarte in der InvalidenWeltförper". Einen schweren Verlust hat eine Arbeiterfrau erlitten, die vor. gestern auf dem Wege von ihrer Wohnung Wiener Straße 62 bis nach dem Kottbuser Damm 75 einen gelbseidenen Bastmantel mit schwarzer Garnierung aus ihrem Lieferpaket verlor und für den sic erfabpflichtig gemacht wird. Die Arbeiterfrau nahm ihren Weg durch die Grünauer Straße, Grünauer Brüde, Friedelstraße, Sanderstraße, Hobrechtstraße, Pflügerstraße bis Kottbuser Damm. Der eventuelle Finder wird um Angabe seiner Adresse gebeten an Tischler Pohl, Wiener Straße 62 v. 4 Treppen. Feuerwehrbericht. Der 11. Zug hatte in der Nacht zum Sonn, abend in der Schönleinstraße 16 einen Kellerbrand zu löschen, der dort in einer Wohnung ausgekommen war. Der 15. Bug hatte in der Klopstockstraße 21 zu tun, wo Kisten, Stroh, Packmaterial und anderes brannten. Auch in der Alexandrinenstraße 99 brannten Kisten usw. Zwei Wohnungsbrände beschäftigten die Feuerwehr in der Wrangelstraße 70 und Rathenower Straße 75. Ein Gardinenbrand wurde aus der Dresdener Straße 176 gemeldet. Ferner hatte die Feuerwehr noch in der Urbanstraße 35, Oranienstraße 148, Friedrichsfelder Straße 12, Pasteurstraße 35, Pappel- Allee 63 und sprechendes Gesuch abgelehnt worden, obwohl dieser schon ganz Hersichtsrat wurden Bade, Buffe, Henkel, tropf, Storch und Frau vorragendes geleistet hat und sich bei seinen Konzerten der Mit- Lodahl gewählt. wirkung namhafter Künstler erfreut. Bürgermeister Dr. WeinSteglik. reich fagt, daß das Provinzialschulfollegium die Genehmigung bersagt hat. Stadtv. Dr. Silberstein( Soz.) bezeichnet es Zum Achtuhr- Ladenschluß. Nach dem vor kurzem erfolgten abals merkwürdig, daß das Provinzialschulkollegium in Rigdorf ent- lehnenden Bescheid des Regierungspräsidenten in Potsdam hat der gegengesetzt entscheiden soll als in Berlin, wo ein auch vorwiegend Kaufmännische Verein für Stegliz und Umgegend eine nochmalige aus Arbeitern bestehender, künstlerische Ziele verfolgender Gesangs- Sammlung von Unterschriften vorgenommen mit dem erfreulichen chor in der Aula eines Gymnasiums ständig übt. Die Sache liegt Erfolge, daß nunmehr die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht ist. auch ganz anders! Der Magistrat hat offenbar durch Färbung Der Verein hat jezt erneut den Antrag eingereicht; es dürfte demfeines Berichts der Schulbehörde die Ablehnung nahegelegt. nach endlich auch in Steglitz der Achtuhr- Ladenschluß mit Ausnahme Schlimm genug schon, daß die lettere über die von städtischem der Sonnabende zu erwarten sein. Gelde erbauten und unterhaltenen städtischen Anstalten verfügt; Lichtenberg. noch schlimmer aber ist von polizeilichen Gesichtspunkten beein- Die geplante Schankfonzessionssteuer, Seren zufünftige Er. flußte, nicht objektive Berichterstattung des Magistrats. Das ist trägnisse der Magistrat bereits in den neuen Etat eingestellt hat, ja eine nette Selbstverwaltung! Der Bürgermeister erklärt hierauf, daß der Bericht des Magistrats sich auf An- ist in der zur Vorberatung der Angelegenheit eingefeßten Kom Arbeiter- Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr, 2. Abgaben der Polizei gestübt habe, wonach der Rigdorfer mission arg mitgenommen worden. Weder die zu der Vorlage teilung, Brunnenstraße 154. Vortrag des Augenarztes Dr. E. Cohn Männerchor eine bestimmte politische Richtung verfolgt.( Stür- gestellten Anträge noch die Vorlage in ihrer ursprünglichen Fassung über Augenverlegungen und erste Hilfe bei denselben. Daran an- mische Unterbrechungen und zurufe„ llnerhört!" lints.)- Stadtv. fanden eine Majorität. Der Magistrat wird sich wohl gezwungen schließend praktische llebungen. Die nächste Uebungsstunde der Dr. Silberstein( Soz.) wendet sich hierauf mit von Empörung sehen, die Vorlage zurückzuziehen. 1. Abteilung findet am Dienstag, den 6. April, statt. an anderen Stellen zu tun. Rigdorf. Vorort- Nachrichten. Stadtverordnetenversammlung. In der Sizung am Freitagnachmittag wurde die Beratung des Etats beim Kapitel VII, Oeffentliche Straßen, Blake, Wege, Gräben, Brunnen und sonstige Anlagen", fortgefeßt. Stadtverordneter Rohr( Soz.) wünscht eine bessere Instandhaltung der Sandspielplähe der Kinder in den städtischen Anlagen, welcher Anregung der Magistrat Rechnung tragen will. Die Anregung des Stadtverordneten Mehle, jest, nachdem der Kirchbauplan dort endgültig aufgegeben ist, den Reuterplab in gleicher Weise wie die anderen Plätze herzurichten, wird der zuständigen Deputation überwiesen. durchzitterten heftigen Angriffen gegen den Magistrat. Die Polizei Angst vor dem Reinfall in der Klagesache der Feuerwehr gegen als Sachverständiger über politische Gesangvereine ruft er, unter- einen von Gram gebeugten Vater hat einen Schriftgelehrten des Ortsbrochen vom Block, aus, das ist ja unerhört! Eine solche blättchens zu einer sehr langen Verlegenheitsepistel veranlaßt. Die Auskunft ist null und nichtig! Das lassen wir uns nicht gefallen! Klage richte sich eigentlich gegen Genoffen Grauer, nicht gegen den ( Stürmisches Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten höhnische vor den Kadi geschleppten Vater, der den plöglichen Tod seines durch Zurufe beim Block.) Jch erkläre ausdrücklich: ein solches Ge- einen Brand ums Leben gekommenen Kindes betrauert. So flötet baren, wie es der Magistrat beliebt hat, ist unserer Stadt man nun! Da sieht man wieder mal, was Gemütsmenschen für unwürdig! Ein solcher Magistrat ist der Stadt- sonderbare Wege einschlagen. Genosse Grauer beschuldigt man, die verordnetenmehrheit, die am 17. Dezember 1908 Feuerwehr beleidigt zu haben- deren Führer hat das sogar in einer und dann verklagt man einen den Wahlrechtsraub beschloß, nur würdig!( Leb- Feuerwehrversammlung behauptet haftes Bravo! bei den Sozialdemokratenstürmischer Protest der anderen. Sonderbare Praxis! Warum richtet die Klageluft sich Mehrheit- Glode des Vorstehers, der dem Redner einen Ordnungs- nicht gegen den angeblichen Beleidiger? Warum fürchtet man diesen ruf erteilt.) Nachdem sich die Erregung gelegt hat, wird abge- doch so naheliegenden Weg? Hic Rhodus, hic salta! ftimmt und sowohl der Antrag Wutty als auch ein inzwischen eingereichter Eventualantrag Groger abgelehnt, der dem„ Rigdorfer Männerchor" ebenfalls 300 M. zuwenden will. Das Kapitel„ Kapital- und Schuldenverwaltung" wird ohne Debatte erledigt und die Beratungen auf Dienstag, den 30. D. M., nachmittags 4% Uhr, vertagt. Für Umänderung der Anlage am Ringbahnhof sind 1000 M. im Etat eingestellt. Stadtverordneter Dietrich plädiert Am morgigen Montag erreicht der Vortragskursus des Genossen im Interesse des Verkehrs sowohl für Beseitigung der Anlage als auch des dortigen Straßenbahndepots; eine Droschtenhaltestelle das Heinrich Schulz über die deutsche Geschichte des gegen sei hier notwendig. Die Angelegenheit wird der Verkehrs- 19. Jahrhunderts mit dem zwölften Vortragsabend( das deputation übergeben. Sozialistengesez und die legten Jahre) seinen AbDer Titel„ Straßenreinigung und Besprengung" schluß. Die zahlreichen Teilnehmer, die bis jetzt trotz der langen fördert eine Reihe Wünsche zutage, deren Prüfung vom Magistrat Dauer des Kursus so treu ausgehalten haben, werden ersucht, auch zugesagt wird. am letzten Abend pünktlich und vollzählig zur Stelle zu sein. " Der Bildungsausschuß Ueber einen schweren Unglüdsfall in der Vereinsbrauerei berichtete vor einigen Tagen eine Korrespondenz. Wir nahmen von diesem Vorfall in der Donnerstagnummer Notiz. Wie uns nun die Leitung obengenannten Betriebes mitteilt, hat sich ein solcher Unglüdsfall dort nicht ereignet. Schöneberg. An die Eltern unserer Kinder! Ein Hauswirt, der die Fenster aushängt. Sonderbare Praktiken scheint der Befizer des Hauses FriedrichStart- Straße 11 feinen Mietern gegenüber zur Anwendung zu bringen. Wie uns berichtet wird, soll derselbe einer dort wohnenden Witwe mit zwei Kindern, weil sie die Miete bon 18 M. für Stube und Küche für den Monat März nicht bezahlen konnte, am 15. März nachmittags das Küchenfenster ausgehängt haben. Das Fenster soll auch dann noch nicht wieder eingehängt worden sein, als es der Frau gelungen war, fich 9 M. zu borgen, um sie dem Hauswirt als Teilzahlung anzubieten. Noch am Freitag soll die Küche ohne Fenster gewesen sein. Das ist bei dem gegenwärtigen Wetter natürlich mit erheblicher Schädigung der Gesundheit der Frau sowohl wie auch ihrer Kinder verbunden. Formell hat ja der Hauswirt ein Recht, einem Mieter, der nicht pünktlich seine Miete bezahlen kann, nicht nur die Fenster aus der Wohnung zu nehmen, sondern ihn sogar aufs Pflaster zu ſehen; bom menschlichen Standpunkte ist jedoch ein solcher Schritt zu ber urteilen, noch dazu wenn ein Mieter, wie in diesem Falle, den besten Willen hat zu bezahlen. Treptow- Baumschulenweg. Der Achtuhr- Ladenschluß ist vom Regierungspräsidenten ge= nehmigt worden. Aller Voraussicht nach wird derselbe am 1. April dieses Jahres in Kraft treten. Damit wird auch hier dem größten Teil der Ladeninhaber und deren Angestellten ein längst gehegter Wunsch erfüllt. Weißenfee. Die Gründung eines größeren Sängerchors beschloß eine im Prälaten" stattgehabte Sängerversammlung. Eine am Sonntag, ben 4. April, mittags 12 Uhr, im Prälaten", Lehderstr. 122, tagende Versammlung soll die weiteren Schritte unternehmen. Vermischtes. Beim Kapitel II Stämmereiverwaltung" weist Stadtrat Dr. Glücksmann auf die enorme Steigerung der Polizei= to sten von 216 500 M. auf 305 000 m. hin, die das neue Polizeitoftengeses veranlaßt hat. Die statistischen Zahlen der Begründung des Gesetzes sind unrichtig gewesen; anderenfalls hätte der Landtag wohl doch dem Protest der Städte gegen dasselbe mehr Beachtung geschenkt. Rigdorf wird die den Städten gefeßlich zugestandene Kontrolle über die zu leistenden Beträge benutzen, um möglichst Ersparnisse zu erwirken. Stadtverordneter Groger( Soz.) beiont, daß das neue Gesek für die Selbstverwaltung besondere Be- Gegen die Neberhandnahme der Schundliteratur beginnt der deutung hat. Es muß dazu anregen, die Polizei in städtische Ver- Schöneberger Magistrat Front zu machen. Der Magistrat wird in waltung zurückzuführen und darin gemeinsam mit den Stommunen den nächsten Tagen an die Buchhändler und Papierhandlungen Groß- Berlins vorzugehen. Bei der Polizei kann viel erspart Schönebergs eine Mahnung wegen des Vertriebes dieser Literatur werden; es ist nur nötig, die Schußmannsmassenaufgebote bei ge- richten; ferner sollen alle Beitungshändler, Inhaber von Zeitungswissen Gelegenheiten zu unterlassen. Bürgermeister Dr. Weinständen auf den Straßen, Sinematographenbesißer und Bibliotheken reich sagt, Rigdorf werde in diesen Dingen mit Berlin gehen. auf die schädigenden Einflüsse der Schundliteratur aufmerksam geDie um 32 000 M. gestiegenen Provinzialabgaben" macht werden. Die Schöneberger Schuldeputation hat deshalb, geben dem Stadtverordneten Wuky( S03.) Veranlassung zu einer Anregung der Rektorenkonferenz folgend, an die Eltern der einer energischen Kritik des Geländeankaufs seitens des Landes- in Schöneberger Schulen aufgenommenen Kinder folgendes direktors. Die Rede des Reichskanzlers Bülow im Reichstage von Schreiben gerichtet: der altpreußischen Sparsamkeit hat hier eine nette Beleuchtung erfahren. Für eine Quadratrute find 20 753 und 22 480 M. gezahlt Allen Eltern liegt das Wohl ihrer Kinder am Herzen. Sie worden; das ist eine unerhörte Verschwendung der Provinzialmittel. sorgen für die leibliche Gesundheit ihrer Kinder und tun ihr mög Ueberhaupt ist es eine empörende Wirtschaft, wenn wie geschehen lichstes, damit sie im späteren Leben ihr gutes Fortkommen finden -der Landesdirektor selbstherrlich derartige Maßnahmen bollzieht, fönnen. Eines aber wird von vielen verabsäumt. Man kümmert ohne die gefeßlich zuständigen Körperschaften zu befragen. Dagegen sich wohl noch darum, mit welchen Gespielinnen die Kinder vermuß energisch Protest eingelegt werden. Statt deffen haben Pro- fehren, felten aber, welche Bücher und Bilder sich in ihren Händen vinzialausschuß und Provinziallandtag bedauerlicherweise nachträge befinden. Und doch ist der Einfluß schlechter Bilder und Bücher lich zugestimmt, statt dem Landesdirektor das Auslöffeln der Suppe, auf die Entwickelung des jugendlichen Charakters oft von den die er sich eingebrockt hat, zu überlassen. Es ist von Interesse, zu schädlichsten Folgen begleitet. Besonders gilt dies von einer gewiffen erfahren, wie die Rigdorfer Vertreter im Provinziallandtage fich Gruppe von Heften und Büchern, deren Titel und Abbildungen zuberhalten hätten. Stadtverordnetenvorsteher Sander erklärt, meist schon ihren verderblichen Inhalt kennzeichnen; solche Mach daß die Charlottenburger, Schöneberger und Rigdorfer Abgeord- werfe find: Sherlod Holmes, Kapitän Morgan, Jugendstreiche, Die neten energisch gegen diefe Grundstüdsanläufe fich erklärt und ge- rote Jule, Nid Carter, Buffalo Bill, Der Luftpirat, Schwindel. schloffen dagegen gestimmt hätten; leider hat sich trotzdem eine prinzeßchen, Klub der Einbrecher, Die Stimme der Toten, Berühmte Mehrheit gefunden, die dem Landesdirektor nicht das Millionen- Indianerhäuptlinge und viele andere, wie sie leider zu Dußenden Kilometer 34,5 der Strecke Czersk- Laskowiz zwischen den Stationen Der seiner Meinung nach noch zu milden Stritit des Stadtverord- in den Schaufenstern und den Ladentüren vieler Buchhandlungen Blümchen und Helenenfelde ist gestern infolge Schnewassers ber und Papierhandlungen sich breit machen. Wie mancher schwache und Eisenbahndamm ausgespült. Der Personenverkehr wird an der neten Wuzky schließt sich Stadtverordneter Just an. Er stellt fest, schwankende Charakter ist schon durch das Lesen solcher Schauer- Unfallstelle durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Störung wirk daß die von einem Berliner Blatt gebrachte Behauptung, bei der romane, Indianer- und Räubergeschichten auf die schiefe Bahn voraussichtlich mehrere Tage dauern. Angelegenheit seien Trinkgelder gefloffen( Lebhaftes Hört! hört!), des Verbrechens gelangt. bisher unwidersprochen geblieben ist und daher auf der AnkaufsTommission sizen bleibt. Der vom Stadtverordneten Böste( Soz.) geftellte und treffend begründete Antrag auf Erhöhung der Entschädigung für die Gewerbegerichtsbeisiber von 4 auf 6 M. wird abgelehnt; nur die Sozialdemokraten stimmen dafür. Die Stadt verordneten Gröpler, Hildebrandt, Emmelut und Bürgermeister Dr. Weinreich kämpften mit absolut fadenscheinigen Gründen dagegen. Stadtverordneter Conrad( Soz.) führte Beschwerde über sehr langsamen Geschäftsgang des Gewerbegerichts. Ein schweres Grubenungläd hat sich, wie aus Bwidau gemeldet wird, gestern morgen um 7% Uhe auf dem Wilhelmsschacht in Oberhohendorf bei Zwickau ereignet. Bei der Mannschaftsförderung wurde das eine Fördergestell gegen die Seilscheiben geschmettert. Das andere Gestell stieß auf der Schachtsohle auf. Bis jezt wurden vier Tote gemeldet und gegen 20 Schwerverlette. Die Ursachen des Unglüds sind entweder im Versagen der Sicherheitsborrichtungen oder in einem Maschinendefekt zu suchen. Der Bevölkerung hat sich große Aufregung be mächtigt. Das Schneewaffer. Amtlich wird aus Konig gemeldet: In Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, Dritter Eingang, vier Treppen, De Fahrstuhl Geöffnet 7 Uhr P. Sch. Bernau, Steuerreklamation, A. 5. 88. 1. Die Ents Es ist daher die unabtveisbare Pflicht jedes Vaters und jeder merksamkeit zuzuwenden. Wir fordern deshalb alle gewissenhaften Mutter, diesem Punkte der Erziehung der Kinder die größte AufEltern auf, im Verein mit den Bestrebungen der Schule gegen den wohentäglich abende von 7 bis 9% Uhr statt. verderblichen Einfluß der schädlichen Erzeugnisse in Wort und Bild Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein mit aller Strenge anzufämpfen, jene Herz und Gemüt der Kinder Buchstabe und eine Zahl als Wierszeichen beizufügen. Briefliche Antwort vergiftende Schundliteratur in den Händen der Kinder nicht zu wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage bulden und ihnen den Besuch solcher Geschäfte, die den Berkauf bergehen. Silige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. dieſes Giftes weiter fortsetzen, streng zu berbieten. Für diese vor- scheidung ist uns bekannt. Sie bezieht fich lediglich auf Beamte. 2. Bas handene Schundware gibt es nur ein Mittel: ins Feuer damit! abzugsfähig ist, ersehen Sie aus dem besonderen Artikel in unserem Blatt. Das Lefebedürfnis unserer Schüler wird durch die Schüler- n. St., M. 2. 37., D.. 100., D. 5. 1873., R. S. 2., D. 2. 99., M. R. 29., Gegen die vom Magistrat beantragte Erhöhung des Betrages für amtliche Bekanntmachungen von 600 auf 1600 M., die den bibliothek der Schule in angemessener Weise befriedigt und in gem.. 39., D. 3. 7., C. R. 14.,.. 58., D. 62., C. B. 41., 2. G. 20., sunden Bahnen erhalten. Die Verführung der Jugend durch die. N. 16., 28. Baum, B. 19.,. B. 4., E. K. 65., A. H., D.. 100., beiden Lokalblättern zufließen, wendet sich Stadtverordneter Bagels Schundliteratur, wodurch der Erziehung der Eltern und der Schule Sch. 00., P. G. 59., D. H. J., 21. B. R., D. B. 92., Th. S. 115., Reich. 09., ( Soz.). Dazu liegt so führt er aus- tein Anlaß vor. Das Gegenteil ist richtiger; denn der Lebensnerv dieser Blätter ist die entgegengearbeitet wird, kann erst aufhören, wenn die verderbliche S. st. 70., P. 3. 7., S. G. 40., R. D. 100., A. B., Kr. A., Steuer 1991., Publitationsbefugnis, ohne welche sie wegen ihrer sonstigen Inhalt- Schundware keine Käufer mehr findet. Deshalb darf niemand mehr G. 20.,. 100., 23. 100., Parteigenosse 9., F. B. 30 und andere Nummer behandelt. losigkeit von keinem beachtet würden. Für die Schaffung eines vom gleichgültig zusehen, wie gewiffenlose Geschäftsleute um des schnöden Stenerfragen. Die Fragen find in einem besonderen Artikel der heutigen 152 und Langjähriger Abonnent. Eine Klage würde voraussichtlich Magistrat redigierten Gemeindeblattes tritt Stadtverordneter Geldverdienens willen die jungen Seelen unserer Kinder vergiften." Unhaltbare Zustände herrschen gegenwärtig auf dem neuen raten, weil der Ausgang desselben von dem Gutachten von Sachverständigen Erfolg haben. Groger( Soz.) ein. Das könnte jeder, der Interesse daran hat, A. E. 20. Zu einem Prozeß bermögen wir nicht zu beziehen und niemand würde gezwungen, neben guten politischen Schöneberger Friedhof an der Blanken Hölle. Durch das regnerische abhängig ist, und wenn nicht etwa ganz offensichtliche Fehler vorliegen, ein Wetter in den letzten Tagen ist der Friedhof fast unpassierbar. günstiges Gutachten nicht mit Sicherheit erwartet werden kann, die Stoften Stadtverordneter Hildebrandt und der Bürgermeister sprechen Zwar ist ein provisorischer Weg zum Teil mit Kotsasche bestreut aber im Falle des Unterliegens außerordentlich hohe ſein würden. für Ablehnung der Vorschläge der Vorredner; die Versammlung und mit einigen Brettern hergerichtet, doch entspricht derselbe 84. Auf eine Beschwerde beim Magistrat, Gewerbedeputation, beschließt demgemäß. nicht im entferntesten den Ansprüchen, die das Publikum zu stellen Stralauer Straße 1-3, wird voraussichtlich die Strafe aufgehoben werden. Von dem geplanten Ortsstatut zur Berhütung baulicher berechtigt ist. Es ist nur einer fleinen Anzahl von Leibtragenden F. S. 1001. Nein, aber die Zurücknahme kann auf die Höhe der Strafe günstig einwirken. E. F., Moabit. 1. und 2. Ja. Verunzierung der Straßen durch geschmad lose Fassaden möglich, bis an die Grabftätte zu gelangen. Alle übrigen müssen, Egein. Bar 14tägige Kündigungsfrist vereinbart, so hat die Herrschaft Weigel, fürchtet Stabib. Bel Belästigungen für die Bauherren. Stadt- da der Weg sehr schmal ist, auf dem Hauptwege verweilen und von nicht über den 1. Februar hinaus zu zahlen. Lag eine solche Vereinbarung Es wäre sicherlich ein Leichtes, nicht vor, so würde eine Klage gegen die Herrschaft auf Zahlung der gegengesetzt und halten eine Beeinflussung der Häuserfassaden in wenn der Weg zur Gruft und an dieser entlang provisorisch ge- Krankenhauskosten Erfolg haben. 2. 100. Dhne Kenntnis des mit fünstlerischer Richtung für durchaus geboten. pflastert würde. So unleidlich die Zustände auf dem Friedhofe find, so dem Bauer abgeschlossenen Vertrages ist die Frage nicht zu beantworten. Die Versammlung wendet sich jetzt der Beratung des zurüd- ist es auch mit der Fahrgelegenheit nach dorthin. Von dem Bahnhof Bitterungsübersicht vom 27. März 1909, morgens 8 Uhr. gestellten Teils vom Kapitel VII" Beranstaltungen und Einrich- General- Bape- Straße sind noch ungefähr 25 Minuten zu Fuß zurücktungen" zu. zulegen. Wird die nur alle 24 Minuten und meistenteils mit VerDie vom Stabtv. uth( Soz.) warm befürworteten Anträge spätung verkehrende sogenannte Wüstenbahn, der Südring I, benugt, auf Erhöhung des Zuschusses für das Rirdorfer Theater von 6000 dann sind immerhin gegen 20 Minuten zu gehen, bevor der Friedhof auf 7000 M. und Vorbereitung eines Projekts zur Erbauung eines erreicht wird. Die Friedhofdeputation würde sicher den Dank der Stadttheaters werden, nachdem Bürgermeister Dr. Weinreich Besucher ernten, wenn sie die unleidlichen Zustände auf dem Frieddagegen gesprochen hatte, abgelehnt. Sowohl der Antragsteller als Hofe beseitigt und eine günstigere Fahrverbindung schafft. auch Stadtv. Conrad( Soz.) rügten bei dieser Gelegenheit die empfindlichen Mängel des Theatersaales in den Bürgerfälen" Charlottenburg. und forderten Remedur. Stationen Better Stationen Wetter | 07= 909] 0721 Swinembe. 751 SSB 3 wollig Hamburg 751 SSW 5 bedeckt 753 S 3 bedeckt Berlin Franti.a.M. 757 SW 2 Baris 4 Haparanda 765 M 3 Betersburg 762D 5 Scilly 759 S 4 berbeen 757 NN 760 S 2 heiter -16 1 bededt 3 wolfig 2 wolfig 2 wollen! 1 Wien 4 bedeat 758 3 5 bedeckt 754,3 5 Regen 5 Wetterprognose für Sonntag, den 28. März 1909. Ein wenig fühler, zeitweise aufflarend, vorherrschend wolkig mit ge Niederschlägen und mäßigen westlichen Binden. Berliner Wetterbureau. In der Generalversammlung des Konsumbereins für Char Den Beitrag für den Oratorienverein in Höhe von 300 m. be- Tottenburg und Umgegend erstattete der Geschäftsführer Winter den antragte Stadtv. Wukty( Soz.) abzulehnen. Damit soll nichts Geschäftsbericht für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1908. gegen diesen Verein an sich gesagt sein. Es ist aber eine glatte Aus dem Bericht war zu entnehmen, daß der Konsum der Mitingerechtigkeit, wenn andere Vereine, die gleichfalls fünstlerische glieder infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage in einigen VerZiele verfolgen, mit anderem Maße gemessen werden und nicht faufsstellen zurüdgegangen ist. In der Diskussion wurde eine lebeinmal gegen Entgelt einen städtischen Raum für die Uebungs- haftere Propaganda, besonders in den Gewerkschaften, für die ringen stunden erhalten. Dem„ Rirdorfer Männerchor" ist ein ent- Stonsumgenossenschaftsbewegung dringend gewünscht. In den AufBerantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u, Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Dr. 74. 26. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Verfammlungen. Sonntag, 28. März 1909. zentralen Arbeitslosenunterstüßung gezahlt werden soll, je nach der innerhalb der Organisation von dem Antragsteller für schädlich er Beitrags- und Unterstützungsklasse. Die zum 1. April im Bezug achtet wurde. Der Antrag, wonach die Generalversammlung erklärt, stehenden Mitglieder treten sofort in diese Vergünstigung ein. Er- daß sie nicht damit einverstanden ist, daß Mitglieder des Verbandes Die Filiale Berlin des Buchbinderverbandes hielt am Donners- neuter Lokalzuschlag wird erst nach 52 geleisteten Wochenbeiträgen eine besondere Organisation gründeten, und der Ortsverwaltung tag in Stellers Philharmonie" eine außerordentliche Generalver- gezahlt. Gleichzeitig wurde ein Antrag zur Verhandlung gestellt, Auftrag erteilt, mit der Zeitung des Unterstüßungsvereins in Versammlung ab, die die Fortsehung der Generalversammlung vom der besagt, daß die vom Verbandsvorstand ausgeschriebene frei- bindung zu treten, um eine andere Regelung herbeizuführen, 18. Februar bildete. Als erster Punkt lag ein Antrag der kom- willige Extrafteuer in der durch Urabstimmung festgesezten Höhe wurde mit starker Mehrheit angenommen. Ebenfalls angenommen binieren Verwaltung auf Abänderung des§ 2 des Ortsstatuts vor, für die Zahlstelle Berlin bis zum nächsten Verbandstag als obliga- wurde ein Antrag Bytomski, der die Ortsverwaltung ver wonach die kombinierten Verwaltungsfibungen zusammengesett fein torisch gelten soll. Nach dem früheren Beschluß der Zahlstelle war pflichtet, in nächster Zeit einen Vorschlag zur Erhöhung der Lokalsollen aus: der Ortsverwaltung, den Revisoren, den Delegierten diese Ertrasteuer zur Verbandskasse nur bis zum 1. April obliga- beiträge und der Lokalzuschläge zur Arbeitslosenunterstützung vorzur Gewerkschaftskommission, den Arbeitnehmervertretern im Ar- torisch eingeführt. Rieger begründete beide Anträge und führte zulegen. Schließlich wurden noch einige Differenzen besprochen, beitsnachweisturatorium und den Mitgliedern der Agitations-, der unter anderem aus, daß die Lokalkasse troß der schlechten Zeiten die sich bei der Stellenvermittlung im paritätischen Arbeitsnachweis Tarif, der Schlichtungs-, der Rechtsschußkommission sowie des Ge- so gut gestellt sei, daß jene Verlängerung der Bezugsberechtigung bemerkbar machten. Als Mitglieder zum Kuratorium des paritä sellenausschusses, während bisher vom Arbeitsnachweisfuratorium für den Lokalzuschlag zur Arbeitslosenunterstützung ohne Erhöhung tischen Arbeitsnachweises wählte die Versammlung: Eugen nur der Vorsitzende, und von den danach aufgeführten Kom- des Lokalbeitrags durchgeführt werden könne. Andererseits müsse Brückner, Pauline Hieber, Otto Wienecke, Paul Schade und Karl missionen ebenfalls nur je ein Vertreter an jenen Sigungen teil- jedoch wie bisher für die weitere Stärkung der Verbandskaffe ge- Slappenbach, als ihre Stellvertreter: Wilhelm Harder, Richard nehmen konnte. Infolge dieser Verstärkung der kombinierten Ver- forgt werden, da auch die Unternehmer immer größere Fonds an- Dähne, Georg Jentsch, Robert Gerber und Leopold Jünemann. waltungssigungen sollen die in§ 8 Abjab g genannten gemein- fammeln, um gegen die Arbeiterschaft gerüstet zu sein. Beide jamen Sizungen der Branchen- oder Agitations- und Tariftom- Anträge wurden nach kurzer Diskussion gegen wenige Stimmen missionen in Fortfall kommen. Allgemeine Familien- Sterbekasse. Heute Zahltag und Aufnahme Der Antrag wurde nach kurzer angenommen, der erste jedoch mit der Abänderung, daß die zur= Begründung durch den Bevollmächtigten klar von der Versamm- seit" im Bezug stehenden Mitglieder bereits der Vergünstigung derstr. 123 bei Wiesenthal und Mariannenstr. 48 im Restaurant von 3 bis 5 Uhr. lung angenommen. Ferner fam ein Antrag der Verwaltung teilhaftig werden sollen. Eine längere Debatte rief ein bereits Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Neichstagss zur Verhandlung, wonach allen bezugsberechtigten arbeitslosen Mit- am 10. Dezember vorigen Jahres eingereichter Antrag aueisen wahlkreis Arnswalde- Friedeberg( Ortsverein Berlin). Heute gliedern der Lokalzuschlag zur Arbeitslosenunterstüßung, der bis- hervor, der sich gegen den damals geplanten, inzwischen gegründeten nachmittag 3 Uhr, findet beim Genossen Thimm, Tilsiter Straße 79, MitYang nur auf 30 Tage gezahlt wurde, für die ganze Dauer der| Ünterstüßungsverein richtete, der als eine Sonderorganisation| gliederversammlung statt. Haus der Znkunft. Besichtigung lehrreich, im größten Waldvillenterrain im Vorort Bernau( Stettiner Bahn), D R. 6 M. an, Barzelle schon für 290 M., ohne Bauzwang, ohne Bflafterzwang, ohne Notar, gleich gerichtliche Auflaffung( größtenteils vertaust). Brunnhofer, Berlin, Nollendorfstr. 3. Bekanntmachung. 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März, abends 6% Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29( großer Saal): 1 Oeffentliche Versammlung für alle in Berlin und Umgegend beschäftigten Putzer. 133/13 Zages: Drdnung: Die Mißstände in unserem Beruf und wie gedenken wir dieselben zu beseitigen! Referent: E. Schulze. Hos Stollegen! Erscheint Mann für Mann in der Versammlung. Der Einberufer. Billette zum Preise von 10 Pf. das Stück find in der Spedition, Martin- Luther- Str. 51, fowic an der Abendkaffe täuflich zu haben. Die Mitglieder wollen pünktlich und zahlreich erscheinen. Ortskrankenkasse d. Kupferschmiede. Freitag, den 9. April 1909, vorm. 10 Uhr, Rosenthalerstr. 11/12: Generalversammlung. Tagesordnung: Siehe übersandte Einladung des Vorstandes. Orts- Krankenkasse des Korbmacher- Gewerbes zu Berlin. Montag, 5. April, abds. 8 Uhr: Ordentliche General- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal V. Tages Drdnung: 1. Kassenbericht. 9 2. Bericht der Kommission zur Prüfung der Jahresrechnung. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Bahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. 15/16 Der Borstand. Deutscher Holzarheiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Einsetzer. Am Sonntag, den 28. März 1909, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Lehmann: laffenfämpfe in alter und neuer Zeit. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 81/7 Die Kommiffion. Küchenmöbel- Branche. Montag, den 29. März, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Kombinierte Branchen- Versammlung der 272/3 Tischler, Maschinenarbeiter u. Maler Berlins u. Vororte. J. A. Karl Schwedler, Rigdorf, Reuterstr. 3. Orts Krankenkasse = Deutscher Metallarbeiter- Verband. Maurergetverbes Verwaltungsstelle Berlin. Arbeitsnachweis: Hof I. Amt III, 1239. Charitéstraße 3. Hauptbureau: Hof II. Amt III, 1987 Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr: Allgemeine Klempner- Verfammlung in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Zages Drdnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen vor dem Einigungsamt unsere Stellungnahme dazu. 2. Distusfion.- Zahlreichen Besuch erwartet 114/ 7* Empfehle allen Freunden und Bekannten zum bevorstehenden Umzuge und später mein 537L Glas-, Porzellan-, Steingut-, Tippes-, Campen- und Emaillewaren- Gefchäft Huguft Mielert, Petersburger Str. 41, sowie sämtliche Küchen- Artikel zu den billigsten Preisen. bei der Landsberger Allee. Frühjahrs- Kostüme und Mäntel in hervorragend schöner Auswahl Eleg. Jacken- Kleider Directoire, mit Miederrock und langen Paletots, mit eleganter Westengarnierung, aus neuesten Stoffen, Cottelé, Homespun, Kammgarn, Tuch und englischen Stoffen in den modernsten Farben, 24, 30, 36, 45 Mark. Seid. Ripsjackets und Paletots 15, 21, 27, 36 Mark, Vornehme Frauenmäntel Tuch, Rips u. Seide mit reicher Stickerei 18, 24, 30 Mark. Elegante Tuch- Jacketts u. Paletots bis 130 cm lang. aus UebergangsPaletots neuen englischen und Homespunstoffen 7, 9, 10, 12, 15, 18, 20 Mark. 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März, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaufe, fommission und Beschlußfassung über die Abnahme der Jahresrechnung. Engelufer 15, Saal 5: 3. Antrag auf Bewilligung einer ent- Branchen- Verfammlung. nudes Rechnungsausschusses. 4. Berreell fertig und Maß. Modern u. schid. Alles auf Roßhaar in eigener Werkstatt gearbeitet bon Mark ant wöchentliche Teilzahlung, Schneiderund L. Gongula, Meister. Brunnenstr. 16, I. billig. Bekanntmachung. Am Montag, den 5. April d. J., nachmittags um 6, Uhr, findet im schädigung schiedenes. Berlin, den 25. März 1909. 271/ 20* Der Vorstand. E. Simanowski, A. Dähne, Vorsitzender. Schriftführer. Orts- Krankenkasse der Schuhmacher. General- Versammlung der Vertreter am Montag, den 29. März cr., abends 8, Uhr, Zages Drdnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Die Arbeitszeitverkürzung. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Branchenkommission. Achtung! Stockarbeiter. Achtung! Montag, den 29. März 1909, abends 5%, Uhr, in den Ritterfälev ( Inh. Bergt), Ritterstr. 75: Branchen- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht der Kommissionen und Neuwahl derselben. 2. Berkstattangelegenheit. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es dringend notwendig, daß sämtliche Kollegen erscheinen. im Lokale Landsberger' Str. 31. Die Branchenleitung. J. A.: F. Hermel( Neue Adresse) Eckertstr. 12. Tages- Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung Modell- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler. pro 1908. 2. Statutenänderungen, eventuell Stellungnahme zur VI. Ab- Donnerstag, den 1. April, abends 8 Uhr, im Verbandshaus der Gastwirtsgehilfen, Große Hamburgerstr. 18/19: änderung. 3. Berschiedene Kaffenangelegen Branchen- Versammlung. heiten. 272/1 Berlin, den 27. März 1909. Der Vorstand. Restaurant Zierod zu Marien. Orts- Krankenkasse dorf, Kurfürstenstr. 44 die der Ordentl. General- Versammlung Posamentiere, Seiler der Kaffe statt, zu der die Herren Delegierten hierdurch ergebenft ein: geladen werden. Tagesordnung: 1. Ersagwahl dreier Vorstandsmit glieder feitens der ArbeitnehmerDelegierten. 2. Geschäfts- und Kassenbericht zu der Jahresabrechnung für 1909. 3. Bericht der Revisoren. Die ufit Ordentliche General- Versammlung im findet am Montag, den 5. April d. J., abends präzise 8 Uhr, Restaurant Dresdener Garten, Dresdener Straße 45, statt. Tagesordnung: 1. Rassenbericht pro 1908. 2. Bericht der Revisoren. 3. Diskussion über 1 und 2. 4. Etwaige Anträge nach§ 52 Absatz 7. Zages- Ordnung: 1. Die verschiedenen Lohnsysteme. Referent: Kollege Xaver Rohl 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Parkettbodenleger. mittwoch, den 31. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshauſe ( Saal 1), Engel- llfer 15: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: Zwede und Ziele des Deutschen Holzarbeiter- Berbandes. Referent: Kollege Kikner. Diskussion. Zu dieser Besammlung sind sämtliche Parkettbodenleger Berlins und Umgegend eingeladen. Der Einberufer. Konsum-, Produktiv- und Sparverein Zehlendorf u. Umgegend c. G. m. b.. Bilanz am 30. September 1908. 4. Beschlußfassung zu dem Schreiben des Herrn Landrats des Kreises Teltow vom 21. Januar d. J. Nr. V. I. 110, betreffend die von Gewerbetreibenden und der Gemeindever tretung in Lankwitz bei der königlichen Regierung zu Potsdam beantragten Abzweigung der Genteinde Lankwik von der gemeinsamen Drtstrantens Kassen- Konto taffe für Mariendorf und Umgegend Sparkassen- Konto und Errichtung einer gemeinsamen Um vollzähliges Erscheinen der Bank- Konto. Ortsfrankenkasse für die Versicherten Bertreter bittet Stammeinlagen- Konto in Lantwih. 272/2 Der Vorstand. 1666b Inventar- Stonto 5. Antrag des Herrn Dr. Nüde in J. A.: Bernh. Herzer, Borsitzender, aren- Konto Lichtenrade um Aenderung seines Vertrages, zu dem er Einspruch erhoben. 6. Verschiedenes. Etwaige Anfragen, Beschwerden oder dergl., zu denen die Einsicht nahme der Geschäftsbücher erforder lich ist, sind dem Vorstand mindestens 5. Berschiedenes in Kaffenangelegenheiten. drei Tage vorher schriftlich einzu B reichen. Mariendorf, den 23. März 1909. P. Saedler, Fr. Fischer, Schriftführer. Borsitzender. Georgenkirchstr. 53. J. Baer Ecke Noch zu zahl. Untosten- Konto 40 22 2761 15 584 1128 35 2677 99 70 30.04 4043 1607 05 Dividenden- Konto. 58 50 Geschäftsguthaben- Konto 1200 Reservefonds- Konto 348 40 Spareinlagen- Konto. 1155 80 Lieferanten- Konto. 5393 40 Sparmarten- Konto Kohlen- Konto 302 15 Lieferanten- Rabatt- Konto Gastautions- Konto Debitoren- Konto 30 199 12 Reingewinn. 10294 42 2962 24 10294142 Mitgliederbewegung. . • 33 Mitglieder 7 Bestand am 30. September 1908 156 " Das Geschäftsguthaben verminderte sich im Geschäftsjahre um Die Hastsumme vermehrte sich im Geschäftsjahre um Die Gesamthaftsumme beträgt 102,78 780, . 4680, Zehlendorf im März 1909. Badstr. 26 Prinz- Allee Gingetreten find Herren- und KnabenModen, Berufskleidung. Einsegnungs- Anzüge und Paletots. Großes Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung n. Maß. Allerbilligste, streng feste Preise. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Ausgeschieden sind 104/19 Der Vorstand. Joh. Krekeler. Carl Bonow. Herm. Böhm. Buchdrüderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 74. 26. Jahrgang. 5. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Steuerfragen. Die Steuereinschätzungen haben begonnen. Es ist deshalb zweckmäßig und entspricht vielfachen aus unserem Leserkreise geäußerten Wünschen, wieder die wichtigsten Steuervorschriften zu= fammenzustellen. Wonach wird das Einkommen bemessen? Bei der Steuereinschätzung gegen Arbeiter tritt der neue§ 23 des Einkommensteuergesetzes zum zweiten Male in volle Wirksamteit. Danach haben bekanntlich die Hausbesitzer die Verpflichtung, den Arbeitgeber und die Arbeitsstätte der Arbeiter, Dienstboten und Gewerbegehilfen, die als Mieter bei ihnen wohnen, anzugeben. Ferner müssen auf Erfordern Arbeitgeber den Arbeitsverdienst der von ihnen dauernd gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Arbeiter, sofern deren Einkommen jährlich 3000 m. nicht übersteigt, der Steuerbehörde mitteilen. Der Steuerzettel weist deshalb für die minder begüterte Bebölkerung außerordentlich hohe Einschäßungen auf. Das Einkommen wird, soweit Arbeiter in Betracht kommen, nicht mehr nach dem dreijährigen Durchschnitt, sondern nach den Ergebnissen des dem Steuerjahre unmittelbar vorhergehenden Kalenderjahres( also jetzt das Jahr 1908) bemessen. Für das Eintommen aus Handel, Gewerbe, Bergbau und aus Land- und Forstwirtschaft wird auch jetzt das Einkommen nach dreijährigem Durchschnitt bemessen, sofern der Steuerpflichtige in geordneter Weise Bücher führt. Von der Besteuerung ausgeschlossen sind( wir geben hier die eventuell für Arbeiter in Betracht kommenden Vorschriften): 1. Das Militäreinkommen der Personen des Unteroffizierund Gemeinenstandes; 2. die auf Grund gesetzlicher Vorschrift den Kriegs- oder Friedensinvaliden gewährten Pensionserhöhungen und Verstümmelungszulagen; 3. die mit dem Militärehrenzeichen 1. Klasse und mit dem Militärverdienstkreuz verbundenen Zulagen von monatlich 3 Mark bis 9 Mart sowie die Ehrenzulagen für Inhaber des Eisernen Kreuzes; 4. die aus einer Krankenversicherung dem Versicherten zustehenden Leistungen. Als steuerpflichtiges Einkommen rechnet das Gefeß alle Einfünfte in Geld oder Geldeswert aus Kapitalbermögen, Grundbermögen, Pachtungen, Mieten( einschließlich des Mietswertes der Wohnung im eigenen Hause), Handel und Gewerbe sowie aus gewinnbringender Beschäftigung und aus Rechten auf periodische Hebungen und Vorteile irgendwelcher Art. Danach gehört nicht zum steuerpflichtigen Einkommen: ein Gewinn aus Geschenken, Lotterie, Spiel, Wetten, ebensowenig eine Gewerkschaftsunterstügung. Wohl aber rechnen leider die Invaliden- und Altersrenten zum steuerpflichtigen Einkommen. Das Einkommen der Haushaltungsangehörigen ist dem des Haushaltungsvorstandes zuzurechnen. Welche Abzüge sind zulässig? Den Kapitalisten sind durch die Einkommensteuernovelle eine Reihe Abzüge bei Berechnung ihres Einkommens gestattet, denen ähnliche Abzüge der Arbeiterklasse gegenüber nicht zur Seite stehen. Die wesentlichsten dieser neuen gesetzlichen Steuerprivilegien zugunsten des Großkapitals und des Großgrundbesites sind folgende: Es sind fünftig abzugsfähig: 1. Die Beiträge zu öffentlichen Be- und Entwässerungsverbänden sowie zur Unterhaltung von solchen Wasserläufen, für welche besondere Gesetze zur Verhütung von Hochwassergefahren erlassen worden sind; 2. die von dem Grundeigentum, dem Gewerbebetrieb und dem Bergbau zu entrichtenden direkten Kommunalstenern bis zur Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer. Bis zur gleichen Höhe werden in den Gutsbezirken die realen Kommunalsteuern und die neben ihnen bestehenden Gutslasten als abzugsfähige Werbungskosten angesehen: Die Gutslasten kommen dabei mit 30 Proz. der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer auch dann in Ansah, wenn die Gutslasten erheblich niedriger find; 3. die Beiträge zu den Berufskammern, z. B. die an eine Landwirtschafts-, Handels-, Handwerks-, Aerzte-, Anwalts-, Apothekerkammer zu zahlenden Beiträge( nicht aber die an Ge werkschaften oder Arbeitervereine zu entrichtenden Beiträge); 4. die auf Kirchen Patronatsverpflichtungen beruhenden dauernden Lasten; 5. die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuerpflichtigen zur allmählichen Tilgung eines auf seinem Grundbesitz haftenden Schuldkapitals zu entrichtenden Beträge, soweit fie 1 Proz. des Kapitals und den Betrag von 600 M. jährlich nicht übersteigen; 6. für die Besiker von Waldstücken, welche nicht nach einem forstmäßigen Plane bewirtschaftet werden, trifft§ 12 des Eintommensteuergesetzes das neue Privilegium, daß die Ergebnisse von Abtrieben aus diesen Waldstücken als steuerpflichtiges Eintommen nicht anzurechnen sind, wenn und soweit diefelben sich in einem Jahre auf mehr als den zehnten Teil des Wertes des vorhandenen Holzes erstrecken. Neben diesen insbesondere dem Großgrundbesißer seit dem Jahre 1907 zugute fommenden neuen Geschenken ist die Zulässigkeit der bereits früher für zulässig erklärten Abzüge aufrechtzuerhalten. Dahin gehören zum Beispiel die Deichlasten, die indirekten zu den Geschäftsunkosten zu rechnenden Abgaben, die regelmäßigen jähr. lichen Abfebungen für Abnukung der Gebäude, Maschinen und des sonstigen toten Inventars. Aehnliche Abzüge zugunsten des Arbeiters bestehen nicht. Dem Arbeiter sind nach wie vor Abzüge für die zur Erhaltung feiner Arbeitskraft gemachten Aufwendungen nicht gestattet: er fann weber für Lebensunterhalt, noch für Bekleidung, noch für Miete Abzüge machen. Für die Abzüge, die er vom Einkommen machen darf, gelten nur folgende allgemeine Bestimmungen. Es find abzugsfähig: In Betracht kommt für die Arbeiter noch folgende Vorschrift des§19 zugunsten solcher Steuerzahler, welche Kinder oder Angehörige zu unterhalten haben: ,, Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Bes trag von 3000 m. nicht übersteigt, Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund geseßlicher Verpflichtung Unterhalt, so wird ihm von dem steuerpflichtigen Einkommen für jedes der artige Familienmitglied der Betrag von 50 M. in Abzug gebracht mit der Maßgabe, daß in jedem Falle eine Ermäßigung stattfindet um eine der im§ 17 vorgeschriebenen Steuerstufen bei dem VorHandensein von drei oder vier, um zwei Stufen bei dem Vorhandensein von fünf oder mehr derartigen Familienmitgliedern. Bei Einkommen von mehr als 3000 M., aber nicht mehr als 6500 M., wird der im§ 17 vorgeschriebene Steuersab ermäßigt um eine Stufe, wenn der Steuerpflichtige drei oder vier, um zwei Stufen, wenn der Steuerpflichtige fünf oder mehr Kindern oder anderen Familienangehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt gewährt. Bei der Feststellung der für die Ermäßigung maßgebenden Personenzahl( Absatz 1 und 2) werden nicht mitgerechnet die Ehefrau des Steuerpflichtigen und diejenigen Kinder und Angehörigen, welche das vierzehnte Lebensjahr überschritten haben und entweder im landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betriebe des Steuerpflichtigen dauernd tätig sind oder ein eigenes Einkommen von mehr als die Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes nach ihrer Altersklasse und nach ihrem Geschlecht haben. Jst nach Absatz 1 Ermäßigung unter den Steuersatz von 6 M. begründet, so tritt Befreiung von der Staatssteuer ein." Für einen Arbeiter, der ein kleines Anwesen mit amortifierbarer Hypothek besikt, ist noch von Erheblichkeit, daß ferner abzugsfähig sind: Die auf Grund rechtlicher Verpflichtung vom Steuerpflich tigen zur allmählichen Tilgung eines auf seinem Grundbesitz haftenden Schuldkapitals zu entrichtenden Beiträge, insoweit die felben 1 Proz. des Kapitals und den Betrag von 600 m. jähr lich nicht übersteigen. ruhenden Abzügen oder Ermäßigungen kommen auf Grund von Neben diesen auf ausdrücklicher Vorschrift des Gesetzes beEntscheidungen des Oberverwaltungsgerichts, die auf Auslegung allgemeiner Vorschriften beruhen, und auf Grund der ministeriellen Anweisungen als abzugsfähig in Betracht: Die von den einzelnen Arbeitern oder von der betreffenden Arbeiterkategorie zu leistenden und aus im Lohne zu bestreitenden Ausgaben zur Beschaffung von Werkzeugen oder Rohmaterialien, Fahrten zur Arbeitsstätte( Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts am 6. Juli 1905) und dergleichen, sowie auch angemessene Absehungen auf Abnutzung des von den Arbeitern etwa herzuhaltenden Werkzeugs oder der Arbeitskleidung. Sonntag, 28. März 1909. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: La Traviata. Montag: Elektra. ( njang 8 Uhr.) Dienstag: Joseph in Aegypten. Mittwoch: Tristan und Sonnabend: Elettra.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Orpheus und Eurydike. Isolde.( Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Madame Butterfly. Freitag: Aida. Montag: Joseph in Aegypten. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Quitows. Montag: Die Rabensteinerin. Dienstag: Flachsmann als Erzieher. Mittwoch: Julius Cäsar. Donnerstag: Die versunkene Gloce. Freitag: Stolberg. Sonnabend: Wilhelm Tell. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. Neues fönigl. Opern- Theater. Sonntag: Mignon.( Anfang 7 Uhr.) Montag und Dienstag: Geschlossen. Mittwoch: Falstaff. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Salome.( Anfang 8 Uhr.) Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Fauft. Dienstag: Ein Sommernachtstraum.( Anfang 7 Uhr.) Mittwoch und Donnerstag: Fauſt. Freitag: Was ihr wollt. Sonnabend und Sonntag: Faust. Montag: Unbestimmt. Deutsches Theater.( Kammerspiele). Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Mittwoch: Nju. Donnerstag: Elektra. Freitag: Der Arzt Dienstag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Frühlings Erwachen. am Scheidewege. Sonnabend: Aglavaine und Selysette. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Unbestimmt. Lessing Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glode. Abends: Der König. Montag: Ein Volksfeind. Dienstag: Gri felda. Mittwoch: Die Wildente. Donnerstag: Griselda. Freitag: Rosmersholm.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Der König. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Rosmersholm. Abends: Der König. Montag: Die Frau bom Meere. Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends und Montag: Einer von unsere Leut. Dienstag: Nur ein Traum. Mittwoch und Donnerstag: Einer von unsere Leut'. Freitag: Nur ein Traum. Sonnabend: Einer von unsere Leut'. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Bartel Turaser. Abends und Montag: Einer von unsere Leut. Neues Schauspielhaus. Allabendlich; Bech- Schulze.( Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Puppenheim. bends und allabendlich: Moral. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2 × 25. Abends und Montag: Moral. Neues Theater. Sonntag: Die fremde Frau. Montag: Die Wahr heitsschule. Dienstag bis Montag: Die fremde Fratt. Residenz- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Floh im Dhr. Abends und allabendlich: Stummere dich um Amelie. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Abends und Montag: Kümmere dich um Amelie.( Anfang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Tiefland. Abends Carmen. Montag: Der Koreador. Belleas und Melisande. Dienstag: Carmen. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen.: Freitag: Der Toreador. Zierpuppe. Sonnabend: Belleas und Melisande. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends: Carmen. Montag: Tiefland. Hebbel- Theater. Allabendlich: Revolutionshochzeit.( Anfang 8 Uhr.) Trianon Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Satyr. Abends und allabendlich: Liebesgewitter.( Anf. 8 Uhr.) 3 Neues Operetten Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das perwunschene Schloß. Abends und allabendlich: Die Dollarprinzessin.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das verwunschene Schloß. Abends: Die Dollarprinzessin. Lustspielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die glücklichste Zeit. Abends und allabendlich: Im Klubsessel.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Seine fleine Freundin. Abends: 3m Klubseffel. Welche Rechtsmittel stehen dem Veranlagten zu? Seit dem Jahre 1907 ist den Steuerpflichtigen mit Einkommen von nicht mehr als 3000 m. der Rechtsweg gegen ungerechte Veranlagungen erheblich beschnitten. Es steht ihnen nur der Einspruch an die Veranlagungskommission und die Berufung an die Bes rufungskommission zu: Die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht ist also dem Mittelstand und dem Arbeiterstand genommen. Theater des Westens. Sonntag: Nachmittags 34 Uhr: Ein Nur den mit Einkommen über 3000 M. Veranlagten steht der Weg an das von der arbeitenden Bevölkerung mit bezahlte Oberverwal- Walzertraum. Allabendlich: Der Jockeyklub.( Anf. 7%, Uhr.) Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Walzertraum. tungsgericht noch offen. Abends und Montag: Der Jockeyklub. Schiller Theater O. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Bolts. feind. Abends: Die Welt, in der man sich langweilt. Montag: Die Braut von Meffina. Dienstag: Die Welt, in der man sich langweilt. Mittwoch: Das Erbe. Donnerstag und Freitag: Die Karolinger. Sonnabend: Der Graf von Charolais. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volksfeind. Abends: Die Karolinger. Einspruch. Der Einspruch ist an den Vorsitzenden der Veranlagungskom mission zu richten. Er ist innerhalb 28 Tagen einzulegen und hat etwa wie folgt zu lauten: Gegen die Steuerberanlagung vom 14. März( Aktenzeichen Nr. 1403) lege ich Einspruch ein und beantrage Herabsehung der Steuer von 21 auf 9 M. Mein Einkommen beträgt nicht 1500 bis 1650 M., sondern 1050-1200 m. Eine Berechnung meines Einkommens im Jahre 1907 und der zulässigen Abzüge füge ich bei. Als Beweismittel beizubringen bin ich bereit( oder: als Beweismittel füge ich an usiv.). Datum und Unterschrift. Ueber den Einspruch entscheidet die Veranlagungsfommission. Gegen deren Entscheid ist dann Berufung innerhalb 28 Tagen zu lässig. Auch die Berufung ist bei dem Vorsitzenden der VeranTagungskommission anzubringen. Steuertarif. Die Einkommensteuer beträgt bei einem Einkommen von mehr als 900 bis 1050 Mart 6 Mart 1050 1200 9 " " " " " 1 " 1200 1350 12 " 17 " 1 " 17 " 1350 1500 16 " " " " " " 1500 " " 1 " " 1650 1650 1800 21 " 26 " " " " " " 1800 2100 " " " " " 2100 2400 81 36 " " " " " f 2400 2700 44 " " " " " 1 " 2700 " " " 3000 3000 3300 " 52 60 " " " " " " " Gerichts- Zeitung. Zum Vereinsgesch. Wegen angeblicher Uebertretung, begangen durch nicht rechtzeitiges Bekanntgeben einer im November v. J. in den Neuen Rathausfälen in Schöneberg abgehaltenen Versammlung, erhielt Genosse Eugen Ernst ein Strafmandat über 10 M. zugestellt. Der hiergegen bei dem Amtsgericht Berlin- Schöneberg eingelegte Antrag auf gericht liche Entscheidung führte zur Freisprechung. Im November vorigen Jahres fanden bekanntlich mehrere Versammlungen mit dem Thema„ Das persönliche Regiment" statt. Die Vorarbeiten waren den Orten überlassen. Die Verfammlung wurde angemeldet und die Bolizei erteilte die Bescheinigung. Kurz darauf erhielt der Genosse 1. die von dem Steuerpflichtigen zu zahlenden Schulden. Ernst das Strafmandat. Im ersten Termin war beschlossen, die sinfen; Polizeiakten herbeizuschaffen. Jetzt lagen sie vor. Polizei2. Renten und dauernde Lasten, die auf Privatrechtstiteln beamter Bornes befundete ein eigenartiges Ver( z. B. Vertrag, Verschreibung, leßtwilliger Verfügung) beruhen; fahren der Polizei über die Briefstempelungen. Es werden 3. die von den Steuerpflichtigen für seine Person gefeß- alle für die Polizei bestimmten und bei der Post eingegangenen Briefoder vertragsmäßig zu entrichtenden Beiträge zur Kranken-, schaften des Mittags um 12 Uhr durch einen Polizeibeamten von Unfall, Alters- und Invalidenversicherungs-, Witwen-, Waisen- der Post abgeholt. Geben nun Briefe nach dieser Zeit ein, dann und Pensionskassen, soweit diese Beiträge zusammen die Höhe erhalten dieselben alle den Polizeistempel des nächsten Tages. von 600 M nicht übersteigen; Dieses Verfahren führte dazu, die rechtzeitige Anmeldung, die sich 4. Versicherungsprämien, welche für Versicherung des Steuer- in den Polizeiaften befand, als verspätet eingegangen anzusehen. pflichtigen oder eines nicht selbständig zu veranlagenden Haus- Nach dieser Feststellung beantragte der Amtsanwalt selbst kostenlose haltungsangehörigen auf den Todes- oder Lebensfall gezahlt Freisprechung. Hätte die Polizei bei einiger Aufmerksamkeit werden, soweit die Prämien den Betrag von 600 m. jährlich nicht selbst entdeden tönnen, daß das Strafmandat ein völlig un nicht übersteigen. berechtigtes war? . Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Julius Cafar. Abends: Die Karolinger. Montag: Rechts herum. Diens tag: Die Karolinger. Mittwoch: Rechts herum. Donnerstag und Freitag: Die Welt, in der man sich langweilt. Sonnabend: Nachmittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends: Die Welt, in der man sich langweilt. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Julius Cäsar. Abends: Rechts herum. Montag: Die Welt, in der man sich langweilt. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Nach mittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends: Husarenfieber. Montag und Dienstag: Der große Komet. Mittwoch: Hufarenfieber. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Dthello. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends und Montag: Dthello. Thalia Theater. Allabendlich: Wo wohnt sie denn? Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Jmmer oben auf. Abends: Wo wohnt sie denn? Luisen Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Straßenbahnfahrer Krause. Montag: Marie, Tochter des Regi ments. Dienstag: Straßenbahnfahrer Krause. Mittwoch: Marie, Tochter bes Regiments. Donnerstag: Der Totschläger. Freitag und Sonnabend: Marie, Tochter des Regiments. Sonntag: Der Totschläger. Montag: Marie, Tochter des Regiments. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Griseldis. Montag: Maria Stuart. Dienstag: Reif- Reiflingen. Mittwoch: Hofgunst. Donnerstag und folgende Tage: Geschlossen. Berliner Operetten Theater SW. Sonntag: Nachmittags 3 1hr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Allabendlich: Das Himmelbett. ( Anfang 8, Uhr, Sonntags 8 Uhr.) Freitag: Nachmittags 3 Uhr: Konf. des Westens. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein edles Frauenherz. Gastspiel- Theater. Allabendlich: Sherlock Holmes.( Anf. 8 Uhr.) Bernhard Rose Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das Warenhausfräulein. Abends und Montag: Reiterattade. Dienstag: Das vierte Gebot. Mittwoch: Reiterattade. Donnerstag: Die Entgleisten. ( Anf. 8 Uhr) Freitag: Reiterattade. Sonnabend und Sonntag: Die Entgleisten. Montag: Khriz- Pyrik. Folies Caprice. Täglich: Insolvent.( Anf. 8 1hr.) Casino- Theater. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert. Allabendlich: Rußland.( Anf. 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Die beiden Bindelbands. Metropol Theater. ( Anf. 8 Uhr.) Donnerwetter Allabendlich: tabellos. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Behrens Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabend lich: Spezialitäten. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Allabendlich: Auf den Trümmern Messinas. Anfang 8 Uhr. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Wintergarten. Sonntag: Nachmittags 3%, Uhr und allabendlich: Spezialitäten. 0 Apollo Theater. Sonntag: Nachmittags 3%, Uhr: Onkel Casimir. Spezialitäten. Allabendlich: Der junge Papa. Spezialitäten.( Anf. 8 Uhr.) Paffage- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Sonntag: Nachmittags 3%, Uhr und allabendlich: Palast- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Spezialitäten. Gesundheitfördernd für Zigarettenraucher sind: Réunion- Zigaretten Zu haben in allen Zigarren- Spezial- Geschäften. mit aluvialem Holzmundstück Nach schwerem Leiden verstarb am Donnerstag, den 25. März, mein lieber Mann, unser guter Bater, Schwieger- und Großvater, der Drechsler 272/5 Emil Köppen im Alter von 55 Jahren. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März, nachmittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 336. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Drechsler Emil Köppen ( Grüner Weg 71) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 217/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorftand. Am Donnerstag, den 25. März, verstarb nach schiverem Leiden unser langjähriger Vorsitzender, der Drechsler Herr Emil Köppen im Alter von 55 Jahren. Wir betrauern in ihm einen lieben und guten Kollegen resp. Vorgesezten, der sein Amt in feltener Treue und Pflichterfüllung ausgeübt hat und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Der Vorstand und die Beamten der Innungs- Krankenkasse der Drechsler. 272/4 Todes- Anzeige. Donnerstag, den 25. März 1909, verstarb unser Altgeselle Emil Köppen. Ein dauerndes Andenken bewahrt ihm 81/10 Der Gefellen- Ausschuß der Drechsler- Zwangsinnung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Branche der Drechsler. Am Donnerstag, den 25. März, nachmittags 1 Uhr, verstarb nach längerer Krankheit unser ältesteś Stommissionsmitglied Emil Köppen Seit 13 Jahren Mitglied der Branchenfommission, war er stets bemüht, für die Ausbreitung unjeres Verbandes zu wirken und die Interessen des Berufes zu fördern. 81/9 Ehre seinem Andenken! Die Brauchenkommission. Deutscher Holzarbeiter- Verband Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 412. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Friedrich Erdmann ( Elbingerstr. 86) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Georgen- Kirchhofes in der Landsberger Allee aus statt. 217/1 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Fathke im Alter von 50 Jahren am 25. März verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. März, nach mittags 4, Uhr, von der Halle des Chriftus- Kirchhofes, Mariendorf, Chausseestr. 230, aus statt. Am 26. März verstarb unser Mitglied Fritz Erdmann im Alter von 56 Jahren an Lungenschwindsucht. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Friedhofes, Landsberger Allee, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolege August Giese Stralsunder Str. 63( Bezirk II) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Kirchhofes, Bankow, Wollanfstr. 66, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/12 D Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Am 27. März verstarb nach furzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder und Schwager, der Gast wirt August Giese ( Stralsunder Straße 63) im 60. Lebensjahre. 6345 Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle, ElisabethKirchhof, Prinzen- Allee, aus statt. Die trauernde Witwe Else Giese nebst Kindern. Den Mitgliedern zur Nachricht, Verband der Sattler. daß unser Kollege, der Drechsler Emil Köppen am 25. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März cr., nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichs: felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/12 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin I. Todes- Anzeige. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stollege Paul Horst Mitglied seit 1. Oftober 1903, welcher seit 3. Januar d. J. vers schwunden war, am 24. März cr. in Treptow im Wasser tot auf gefunden wurde. 66/11 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemeinde Friedhofes, Neue Strug- Allee, aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung erfucht Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Zeilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes sage ich allen Bekannten und Verwandten meinen herzlichsten Dant. Die trauernde Witwe 6332 Auguste Zielke. Ortsverwaltung Berlin. Am 25. März verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser Mitglied Karl Friedrich. ( Geschirrbranche.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des SophienKirchhofes, Freienwalder Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 156/15 Die Ortsverwaltung. Am 26. März morgens verschied nach langen Leiden meine liebe Frau und gute Mutter Anna Franke geb. Wutschke. Dies zeigen tiefbetrübt an Rudolf Franke nebst Sohn, Solmsstraße 32. am Die Beerdigung findet Montag, den 29. März, nach mittags 5 Uhr, von der Halle des Heiligen Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 17016 Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute, unvergeßliche Mutter Anna Pahnke nach langem Leiden im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an August Pahnke nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, auf dem St. Simeon- Kirchhofe in Mariendorf statt. 17636 Sozialdemokratischer Wahlverein des 6.Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 23. März verstarb unser Mitglied, der Dachdecker Hermann Wachter Hermsdorfer Str. 8. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Kirchhofes, Brinzen- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Tischlers Emanuel Garn fagen wir allen Freunden, Kollegen und Parteigenossen unseren herzlichsten Dank. 17025 Witwe Ottilie Garn nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung der früheren Schankwirtin Ww. Lehn fagen wir hiermit unseren herzlichsten Dant. 6362 Familie Rich. Henckel. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Bruders und Schwagers sagen die Unterzeichneten, insbesondere den Meistern und Kollegen der Tischlerei A. Hoffmann, dem Holzarbeiter- Berbande, den Genossen des 4. Wahltreises und den Sängern( Männerchor Süd- Ost) für den herrlichen Ge 6322 fang ihren herzlichsten Dank. Witwe Klara Görlitz nebst Kindern. Familie Görlitz. Familie Rabe. 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