N-.77. nbonnemcntS'Bcdlngungen: toonncmentS- Preis pränumerando: Biertcljährl. SP0 Mk., monaiL 1,10 Ml» wöchentlich 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post, ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehnien an: Belgien, Dänemark, öolland. Italien, Luxemburg. Portugal, ~ tien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrMtlDt tiigllid anStr montags. Vevlinev VolKsblakk. Zentralorgan der fozialdcmokrati feben Partei DeutfchlandQ. DU TnIv ahrnehmen werde, und P a s i t s ch fügte hinzu, derAugenblickderVergeltung sei nicht allzu ferne. In Wien scheint man diese Drohungen ernst zu nehmen. Ein offiziöser Artikel kündigt an, daß Oesterreich genötigt sein werde, seine Machtmittel mindestens in dem heutigen Unffang aufrecht zu erhalten. Das scheint darauf hinzudeuten, daß nian in Oesterreich mit der Abrüstung nur sehr allmählich vorgehen wolle, vorausgesetzt daß das offiziöse Blatt nicht nur Stimmungsmache für neue Militär- forderungen betreiben will. Die dynastische Krise. Belgrad, 3l. März. Im Nationalklub teilte der Justiz- minister mit, die Regierung habe die volle Gewißheit, daß der König fest entschlossen sei, sofort nach Löstmg des öfter- reichischen Konfliktes zugunsten seines Sohnes Alexander auf den Thron zu verzichten. Anderen Meldungen zufolge sollen die KarageorgewitschS ganz beseitigt werden. Peter verlangt übrigens für den Verzicht eine jährliche Apanage von 250 060 Frank. Wer diese bezahlen soll, darüber schweben Verhandlungen. Erhielte Peter wirklich eine solche Rente, so würde die Ermordung der Obrenowitsche, auf der das Gottesgnadentum der serbischen Dynastie beruht, eine ganz neue Art von Raubmord darstellen und die Verwandlung des durch Raub Erworbenen in eine Leibrente wäre eine bemerkenswerte Bereicherung der Kriminalistik. Z»r Verzichtleistung Georgs. Zeitungsnachrichten zufolge besprach in der gestrigen Sitzung deS Zentralausschusses der serbischen Sozialdemokratie der Abgeordnete K a tz l e r o w i t s ch die Affäre des Dieners Kolakowitsch. Der König habe sofort nach der Veröffentlichung der Affäre im.Zvono" vom Polizeipräsidenten Aufklürunge» verlangt. Diese lauteten dahin, daß Kolakowitsch auf dein Sterbebette den K r o n° Prinzen Georg beschuldigte und daß die eingeleiteten Recherchen die Richtigkeit seiner Angaben erwiesen. Trotzdem verlangte der König vom Minister des Innern eine den Kronprinzen ent- lastende Darstellung, waS der Minister ablehnte. Der König wendete sich an Pasitsch, der unter der Bedingung der Ver- zichtleistung des Kronprinzen dessen Rettung ver- sprach und zwei Aerzte zur Ausstellung eines entsprechenden Zeug- nisses veranlaßte. Die Versammlung gab lebhafte Entrüstung kund und erklärte, wenn der königliche Mörder nicht be st rast wird, könnte leicht der Tag komnien, an welchem der königliche Mörder gelyncht wird._ politifcbc debcrficbt. Berlin, den 31. März 1909. Auswärtiges. Aus dem Reichstage.(31. März.) Beim Etat des Auswärtigen Amtes wurde eine Anzahl Einzelsragen in sehr vielseitiger Debatte erledigt. So wurde durch den national- liberalen Abgeordneten Lehmann- Jena die Angelegenheit des Professors Kuhle nbeck angeschnitten. Wie sich aus der Debatte, insbesondere durch die Auskünfte des Staatssekretärs v. S ch o e n ergab, liegt kein Grund zu der Annahme war, daß Herr Kuhlenbeck zu Unrecht von der Universität Lausanne" entlassen worden ist. Er hat dort, wie Genosse Scheidemann es ausdrückte, un- lauteren Wettbewerb bei der Gewinnung von Studenten für seine Kollegien getrieben. Die Alldeutschen haben versucht, den„Fall" zu einer kleinen Hetze gegen die Schweiz zu fruktiftzieren. Herr Lehmann-Jena war der Sachwalter der Kuhlenbeck-Freunde. Gegen ihn führte der Freisinnige Eick- hoff ganz treffende Gründe ins Feld. Der Dr. Pfeiffer(Z.) dagegen suchte die Gelegenheit auszunützen, um deutsche Väter einzuschüchtern, ihre Söhne nach Lausanne zn schicken, da sie dort in zu nahe Berührung mit„russischen Revolutionären" kommen würden I Namens der Negierung wies indes Herr v. S ch o e n Vernünftigeriveise alle Zumutungen zurück, deutsche Studenten vom Besuch der Universität Lausanne ab- zuhalten. Genosse Scheidemann zeigte dann an der Hand der Berichte der Montagsdcbatte im englischen Unterhause, wie durchaus gerechtfertigt und zeitgemäß der sozialdemokratische Versuch war, in diesem Augenblick die Initiative zn einer internationalen Verständigung, insbesondere nlit England über eine Einschränkung der Seerüstnngen herbeizuführen. Konnte er doch eine Aeußerung des englischen Marineministers Sir Edward G r e y verlesen, aus der hervorgeht, daß gerade jetzt auch die An- regung zur Beseitigung der Kaperei im Seckriege bei der eng- lischen Regierung auf fruchtbaren Boden gefallen wäre. Dies- mal würde es also wohl auch so gehen, daß die anfänglich von der Regierung und den bürgerlichen Parteien zurück- gewiesene sozialdemokratische Anregung sich schließlich doch noch durchsetzte. Treffend wies Scheidcmann einen solchen Ent- Wickelungsprozeß nach an der Marokkoasfäre von dein Verbot der Jaurös-Versammlung und der„Politik tu der Hasenheide" bis zu dem Zeitpunkt, in dem Fürst Bülow sich mit anderen Leuten uin die Ehre gerauft hat, die„Politik der Hasenheide" ausgeführt zu haben. Fürst Bülow war wieder einmal nicht zur Stelle, so daß er der unangenehmen Not- wendigkeit, zu antworten, entgangen ist. Dann wurde vom Genossen Stadthagen eine sozial- demokratische Resolution auf Aushebung derjenigen bundes- staatlichen Ministerialanordnungen begriindet, die von aus- ländischen Arbeitern die Beschaffung entgeltlicher Legitimationskarten verlangen und ausländischen Arbeitern insbesondere für den Fall die Ausweisung an- drohen, falls sie nicht im Besitz solcher Legitimations- karten sind. Nachdem Stadthagen in wuchtigen Darlegungen die Barbarei und Rechtswidrigkeit des Legitimationszwanges und der Gelderhebung dafür nachgewiesen hatte, die ein Regierungskommissar vergeblich zu entkräfen versuchte, wurde die Resolution mit einer Mehrheit, bestehend aus Sozial- demokraten, Zentrum. Freisinnigen und Polen angenommen. Um 6 Uhr wurde dann eine zweistündige Vertagung be- schloffen, damit in einer um 8 Uhr beginnenden Abcndsitzung die zweite Lesung des Etats beendet werden könne. Vor leerem Hause fand die Abendsitzung statt. Mit Blitz- zugsgeschwindigkeit wurden 109 Titel fast ohne Debatte er- ledigt. Ein bischen Leben brachte Liebermann von Sonnen- berg in die Bude, der schließlich das Wort ergriff, ohne vom Präsidenten aufgerufen zu sein und sich eine scharfe Vrüskie- rung durch Herrn von Schoen gefallen lassen mußte. Genosse Singer suchte der Komödie ein Ende zu machen und die Würde des Hauses zu retten: er beantragte, in die Beratung des Etats der Eisenbahnen nun nicht mehr einzutreten. Der An- trag wurde zwar abgelehnt, aber Herr von Stolberg mußte. von Singer interpelliert, zugeben, daß vom Präsidium nicht korrekt verfahren worden war. Nachdem noch ein Redner- gesprochen hatte, wurde schließlich doch zum Gaudium der Sozialdemokraten ein Vertagungsantrag angenommen. Interpellation wegen der Werkspenfionskassen. Die sozialdemokratische Fraktion hat folgende Interpellation eingebracht: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß sich durch die von Arbeitgebern für die Arbeiter ihrer Betriebe er- richteten Pensions-, Witiven- und Waisen-Kassen schwere Miß- stände und Schädigungen für die aus den Betrieben ausscheidenden Arbeiter ergeben haben? Ist der Herr Reichskanzler bereit, durch eine gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse dieser Kasseneinrichtungen den zutage getretenen Mißständen zu begegnen, insbesondere die Ansprüche der aus den Betrieben ausscheidenden Arbeiter zu wahren durch die Berechtigung der Arbeiter auf eine frei- willige Weiterversicherung oder die Verpflichtung der Kassen auf Rückzahlung der Beiträge?" Die Interpellation wird nach Ostern zur Beratung komnien.—_ Das Parlament der Langeweile. Ein herrlicher Anblick ist es, den das preußische Slbgeortmeien- hauS in diesen Tagen gewährt. Von den 443.Volksvertretern" sind knapp hundert im Hause uud nur etwa ein Dutzend im Saale an- wesend. Diese zwölf Mann warten geduldig, bis der Präsident sie aufruft; würdevoll besteigen sie die Rednertribüne und richten an den Eisenbahiimiuister die höfliche Bitte, bisweilen auch das dringende Ersuchen, endlich mit dem Bau der und der Linie zu beginnen, die für ihren Kreis von ganz besonderer Bedeutung ist. Und wehe den Armen, wenn sie etwa auf das Wort verzichten! Die Kreis- eingesessenen verfolgen die Debatte mit gespanntester Aufmerksam- keit, sie würden den Abgeordneten, die ihre Kirchturms- interessen nicht wahrnimmt, erbarnumgsloS absägen. Tausendmal eher verzeihen die Spießbürger die schlimmsten Verstöße gegen das Parteiprogramm als derartige Unterlassungssünden. Wenn aber ein Redner einmal vom Glück.begünstigt ist und die Eisenbahn- Verwaltung trotz seiner Rede eine Bahnlinie projektiert, dann ist des Jubels über den„erfolgreichen" Vertreter in seiner Heimat kein Ende und seine Wahl ist auf ewige Zeiten gesichert, namentlich dann, wenn er es bei der Wahlagitation versteht, sich mit dem üblichen Glorienschein zu umgebe» und seinen Wählern von seinem weit- tragenden Einfluß etwas vorzuerzählen. Diese Art Debatten nennt man in Preußen„Beratung der Sekundärbahnvorlage". Drei, vielleicht auch vier Tage hintereinander müssen die paar Mann, die es mit ihrer Pflicht ernst nehmen und noch nicht nach Hause gereist sind, das Geschwätz mit anhören, bk- auch sie endlich erleichtert aufatmen und sich in ihre Heimal begeben können, um sich dort von den„Strapazen" zu erholen. Möglich, daß die ErlöfungSstunde schon Donnerstag schlägt, möglich aber auch, daß es noch bis Freitag in Geduld auszuharren gilt. Nene Blockhoffuungen. Gestern verkündete der Abgeordnete Haußmann von der Reichstagstribüne herab, daß der Block tot sei; heute spricht aus den Spalten der Blockblätter heraus die stille Frühlings- Hoffnung, daß der Block den Höhepunkt der Krise überstanden habe und zu neuem Leben erstehen werde. Hätte, so heißt es. die gestrige Reichstagsverhandlung auch keine entscheidende Wendung gebracht, so hätte sie doch die Aussichten auf eine gemeinsame Lösung des Problems der Reichsfinanzreform durch die Blockparteien wesentlich verbessert. Selbst die„Kreuz-Ztg." findet. daß durch die Rcichstagsdcbatte vom Dienstag„das baldige Zustandekommen der Finanzreform sehr ge- fördert" worden sei. Besonders ist aber in die Herzen der süddeutschen Volksparteiler die Hoffnung, vorläufig noch Regierungspartei bleiben zu können. wieder eingezogen. „Der Block beginnt sich wieder aufzurichten". jubelt, wie uns aus Stuttgart telegraphiert wird, heute wieder das führende Organ der schwäbischen Demokratie, der Stuttgarter„Beobachter", das Sprachrohr des Herrn Paycr. „Wenn nicht alleL täuscht, hat Bülow doch noch Aussichten ihn wieder aufzurichten". Gestern forderte dasselbe Blatt noch auf, den stinkenden Blockkadaver zu verscharren zur Freude Hunderttausender echt- freisinniger Männer. „Das ist die bürgerliche Demokratie, ein hohler Darm Voll Furcht und Hoffnung, daß sich Gott erbarm I" Zur Landtagsersasttvahl in Ulm. Stuttgart, den 31. März. (Privatdepesche des„Vorwärts".) In Ulm hat bei der Nachwahl für den verstorbenen Abgeord- neten Mayer-Ulm die Sozialdemokratie eine höhere Stimmenzahl erzielt als die Volkspartei, die an die dritte Stelle gerückt ist. Nur mit Hilfe der Sozialdemokratie hat die Volispartei das Mandat bisher gegen die nationalliberale Partei behaupten können. Für den zweiten Wahlgang am kommenden Sonnabend, den 2. April, ist die relative Mehrheit entscheidend. Die Vollöpartei verlangt nun von der Sozialdemokratie, diese solle, obgleich die stärkere Partei, ihre Kandidaten zugunsten der Volkspartei zurückziehen.„Höhere Gesichtspunkte" müßten die Sozialdemokratie leiten, damit das Mandat ja nickt den National- liberalen zufalle. Die Sozialdemokratie beschloß aber als zweitstärkste Partei ihre Kandidatur aufrecht zu halten. Die Demokraten, statt die Wahlhilfe der Sozialdemokratie bei früheren Wahlen nun mit Gleichem zu vergelten, sind zu dem Beschluß gekommen, ihre Kandidatur gleichfalls aufrecht zu erhalten und den Wahlkreis den Nationalliberalen in die Hände zu spielen. Die Demokraten verlangen von der Sozialdemokratie stets und unter allen Umständen Wahlhilfe von wegen der„höheren Gesichtspunkte". Diese selben Deniokraten aber genieren sich gar nicht, die Reaktion zu stärken und der Sozialdemokratie in den Rücken zu fallen, wo sie nur können, ebenfalls von wegen der „höheren Gesichtspunkte"._ Eine Miniaturrevolte im württembergischen Landtag. Stuttgart, den 31. März. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Der württembcrgischen Negierung brachte eine Ueberraschung die heutige Etatsberatung in der Zweiten Kammer. Die Gesandt- schaft in München wurde mit großer Mehrheit gestrichen. In der Kommission wurde die Position mit elf gegen die drei Stimmen unsrer Genossen angnmmen. Auch bei der Etatsberatung sprachen sich die Führer der bürsslichen Parteien für die Bewilligung aus. Der sozialdemokratische ddner, Genosse Keil, wies demgegenüber auf die Finanzmisere un die 12 Proz. Steuererhöhung hin und betonte, daß mit diesem Jauicr die Weiterexistenz kostspieliger Sinekuren nicht zu vereinban sei. Er verlangte, daß die.gewisse Rücksichtslosigkeit", c der Finanzminister für notwendig er- achtet hatte, durch ereinfachung der Staatsinstitutionen sich in erster Linie gegen eii so unnütze, aber kostspielige Einrichtung, wie diese überflüssige Gesidtschaft, richten sollte. Der Ministerpräsident antwortete von obenherab, war er doch von der Annahme der Etatsposilion überzeug Bei der Abstimnng versagten aber die Vertreter sämtlicher bürgerlichen Parteien ait Ausnahme des Zentrums ihren Führern den Gehorsam. Di volksparteilichen Führer suchten dadurch, daß sie demonstrativ>r die Front traten und mit ja stimmten, die Fraktionsgenossen zunGehorsam zurückzuführen und die Position für die Regierung zrrettcn. Vergeblich. Die Verblüffung über die Ablehnung der Poion war un? so größer, als Nationalliberale und Konservative ganzoontan die Revolte mitmachten. Die erste Kammer vird wahrscheinlich die Position wieder ein- flellen. Dann hat abewieder die Zweite Kaminer das Wort. 'charfmachertum. Die Oppelner Hankskammer hat in ihrem bor einigen Tagen veröffentlichten Jahresfrcht Stellung genommen zur Sozial- Politik. Das geschiel in folgender Weise: .Warnend mien wir auch dieses Jahr wieder unsere Stimme erheben vc einem Weiterschreiten auf der ab- s ch ü s s i g e n B a h n die die deutsche Sozialpolitik be- treten hat. Es gibt ke Kapitel in unserer inneren Politik, das für das deutsch Unternehmertum gleich un- erfreulich wäre;>t ernster, banger Sorge blicken wir auf die Entwickehp, die sich hier vollzieht.... Schritt für Schritt eichen Regierung rind Parlament vor der Begehrlichkeit dl Massei? zurück— die Stimme der Industrie und ihrer befcnen und sachkundigen Vertreter verhallt unbeachtet, vielfach sog ungehört. Forderimgcn, die noch heute vom Miiristertische auS'eierlich als unberechtigt, als rlnerfüllbar bezeichnet iverde??, sollemorgen plötzlich verivirklicht werden, weil irgend ein zufälli,s, von Menschenhand nicht zu hin- derndes Ereignis eii?treten ist. das Begehrlichkeit geschickt für sei? Zwecke zu nütze,? versteht. Nicht prakttsche Tatsnchi?ehr, nein ideale, theoretische Erivägungen sind für entscheidend, ob eine neue gesetz- aeberische Maßnahme ezeleitet werden soll oder nicht. AuS solchen theoretisch-idcale?ErwSgu??gen heraus ist g e g e n de?? einmütigen Wider>ruch des gesamten deutschen U n t e r n e h m e r t u?n ser Plan der Erricht?n?g von Arbeit S- kammern entstanden, in allerjüngster Zeil die Novelle zuin Berggesetz mit ihren icherheitsmännern(Arbeiter- kontrolleuren) entstanden. Zum Schluß ruft das charfmacherorgan erbittert aus:»In ihrem Kampfe gegen diese tderbeubringende Sozialpolitik steht die deutsche Industrie so gut wvllein." ES ist kein Wunder, dadiese Handelska,??mer von solchen An- schauungen beherrscht wird, hört ihr ja als einflußreichstes Mit- glied der Generaldirektor u? Geheiine Bergrat Uthemann an, früher im Haudelsministeriunätig, derselbe Herr, der als General- direktor der Gicsche-Grubestn Oberschlesien die br?ltale Maß- regelung der Steiger wegen geHörigkeit zum Bunde der technisch- industriellen Beamten durchgeht hat. Auch in der Ple»arversai?lu>lg der Oppelner Handelskammer referierte er über die neue Byesetznovelle und äußerte darüber: .Die neueste Berggesehvelle ist wieder einmal ein Ge- legenheitsprodukt. Sie vcmkt ihre??nmittelbare Entsteh?lng in letzter Linie eirr zufälligen Ungeschick- lichkeit, die beim Tjüche des Prinzen Eitel Friedrich in Radbo untergelaufen ist. Der Prinz wurde nämlich»nds in tiefer Dunkel- heit auf den Zechenhof on Radbod gefahren, mitten in eine erregte, im Teil alkoholisierte Menschenmenge hinei Die Menge bemächtigte sich des Prinzen, um ihm die bekann, sozialistischen Forderungen nach ReichSberggesetz und Arbeiterbrolleuren in ihrer Art vor- zutragen. Dieser Vortrag hcsich in dem vorliegenden Gesetz- entwurf verdichtet." Schließlich verhöhnt Herr jemann auch noch den Handels- minister, der mit der Vorlage r die Seele des einzelnen Arbeiters kämpfen wolle. Der Generaldirektor meint: Dieses Seclenkämpfen mmt direkt hinter dem Eesundbeten."__ Rcichstagserstchwahin Cochem-Adenau. Bei der Rcichstagsersatzwahim Wahlkreise Cochcm-Adenau- Zell(Eisel) erhielt von 13 4ög gegebenen Stimincn Paulh(Z.) 12 407, David(Soz.) 483 und Mer(Richtung unbestimmt) 4ö3; die übrigen Stimmen waren zerspert. In? Jahre 1907 erhielt der ZrumSkandidat 17 168 Stiminen, der sozialdemokratische Kandidat 59en. Dem preußischen Ab»rdnetenha«se ist ein Gesetzentwurf über den L�werksbetrieb ausländischer juristischer Personen und den Ges-tsbetrieb außcrpreußischer Gewerkschaften zugegangen. Dergu??g des Königs x her durch kömgl. Verordnung bestimmten Behörden bedürfen- Das Gleiche gilt von Gewerlichaften, die in e?nem anderen«deSstaat ihren Sitz haben. Landbündlerische Oplvilligkeit. Die Führer der Landbündler en unter Leitung des Chefredakteurs der„Deutschen Tayeitung", der sich be- kanntlich die Kognakmarke"»' zi Symbol erkoren hat, den Fcldzug gegen> die„die L a, w i r t s ch a f t r u i- n i e r e n d e". das„deutsche Familienleben untergrabende", den„deutsen Bauernstand und damit auch die deuts chW ehrkraft der- n i ch t e n d e" Nachlaßsteuer mit veröltem Hochdruck fort. Dieser an die gemeinsten Profitinstintappellierenden dema- gogischen Agitation gegenüber stellt>„Rostocker Zeitung" nochmals in spöttischer Weise fest, ijeweit die Nachlaß- stcuer, wenn sie in der von der Regung vorgeschlagenen Fassung im Reichstage Annahme fänkden bäuerlichen Be- sitz belasten würde. „Wenn jemand," so heißt es in dcrarleguna,„20000 bis I 80 000 M. hinterläßt, so gehen davou terschrecke mgn nicht! 0,5 Proz., gleich 100—150 M., und diese ungeheuere Summe soll bezahlt>?>crde?? in 20 Jahren, also jährlich 5— 7,50 M. Da behauptet der Bund der Landwirte, diese Abgabe hindere die Ver- crbung in der Familie, vernottvendige den Verkauf des ererbten Hofes! Für solche, die mit ländlichen Verhältnissen nicht vertraut sind, sei bemerkt,— für Landwirte ist es nicht nötig— daß die meisten Erbpachtstelle?? 15 000 bis 20 000 Ouadratruten enthalten, zurzeit einen Preis von 40 000 bis 100 000 M. haben und durch- schnittlich zur Hälfte bis zu zwei Dritteln des Wertes?nit Hhpo- theken belastet sind, so daß sie durchschnittlich einen reinen Ver- mögensbestand von 20 000 bis 60 000 M. haben." Der Verfasser berechnet dann die Steuer in den ver- schiedenen Stufen und fährt fort: „Die armen Hinterbliebene??, denen nur ein Erbe von 72 000 M. zufällt, die sollen aus einem Brett 750 M. zahlen oder jährlich 20 Jahre hindurch 35 M. Wie können die Gefetz- geber verlangen, daß von einem Nachlaß von 50 000 M., der in einem Grundstück festliegt, 350 M. mobil gemacht werden sollen! Der reiche Geldmensch erwirbt leicht die?veggegebencn 350 M. wieder. Aber wehe! Dein armen ländlichen Erben bleibt nichts übrig, als das Grundstück, das von einer Reihe von Vorfahren ererbte Familiengut, nach und nach oder mit einmal zu ver- kaufen! Das sind die fchrccklichen Folgen der Nachlaßsteuer, deshalb sei sie verdammt in die unterste Hölle." Es ist allerdings empörend, daß ein Mensch, der 30000 Mark erbt, davon 20 Jahre lang 7,50 M. an Nachlaßsteuer zahlen soll. Solche Zumutung ist tatsächlich so horrende, daß sie unbedingt in den Mimoscngemütern der behäbigen Bauern allen Idealismus, allen Familiensinn, alle Vater- landsliebe ersticken muß. Man denke nur: ganze 7,50 M. pro Jahr. Da ist es schon besser, man legt auch noch die aus der Nachlaßsteuer zu erwartenden Betröge den Arbeitern auf. Zwar sollen ihnen schon ohnehin 400 Millionen Mark neue Steuern aufgebürdet werden; aber das macht nichts; auf etwas mehr oder weniger kommt es nicht an, denn die deutschen Arbeiter haben nicht so sensible Gemüter wie die wohl- situierten Bauern. Sie singen trotz der ihnen zugunsten der Notleidenden in Fuchspelzen aufgebürdeten Steuer- und Zoll- lasten doch noch oft„Was ist des Deutschen Vaterland?" oder„Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?" Ein vernünftiger Beschluß. Stuttgart, 31. März. Die Zweite Kammer hat heute bei der Beratung des Etats die Münchener Gesandtschaft, für welche 24 600 M. in den Etat eingestellt waren, abgelehnt, ob- gleich Ministerpräsident von Weizsäcker erklärt hatte, er könne nicht einsehen, inwieweit die Verhältnisse sich anders entwickelt hätten als früher. Die Sondergesandtschaften der Bundesstaaten sind seit der Gründung des Reiche? die überflüssigsten Gebilde, d?e sich denken lassen, S?nekuren, die den Steuerzahlern für nichts und wieder nichts viel Geld kosten. Dem Stuttgarter Beispiel ist recht viel Nachfolge zu wünschen._ Eine praktische Maßnahme. Der Bamberger Magistrat hat beschlossen, gegen die sämtlichen Metzger der Stadt, die sich zu einer Fle?schpreisermätzigi?ng nicht verstehen wollen, trotzdem die Einkaufspreise für Schlachtvieh ver- hältl?isn?äß?'g??iedriger geworden sind, energisch Front zu machen. Es sollen fünf Fleischbänke in der städtischen Fleischverkaufshalle, wenn sie von den Metzgern nicht mehr gepachtet werden, z??n? Ver- ka?lfe von Fleisch den Viehzüchtern, die selbst schlachten, gratis über- lassen werde??. Auch die städtische Fleischbank soll zu gleichem Zwecke eingeräumt werden._ Moltke-Hardenprozeß. An? 20. April wird vor der 4. Strafkammer am Landgericht I der ne??e Beleidigungsprozeß Moltke gegen Haiden verhandelt. Wenn Fürst Philipp Eulcnburg vernommen werden muß, so wird seine Vernehmung kommissarisch auf Schloß Liebenberg erfolgen. Die Beweisaufnahme dürfte jedenfalls den gleichen U?nfang an- nehmen wie in den beiden vorgegangenen Prozessen. Den Vorsitz iln Gerichtshofe wird wieder Landgerichtsdirektor Lehmann, der Leiter der vorige?? Strafkanimerverhandlu-lg, führen. Der militärische Begriff der Gehorsamsvertveigerung. AuS Brandenburg a. H. wird berichtet: Räch einer größeren Marschübung ließ der Fahnenjunker Unter- offizier Bartels vom Brandenburger Füsilierregiment Nr. 35 die Rekruten auf dem Kasernenhofe den Präsentiergriff üben. Der Füsilier Fleischer machte die Griffe nicht zur Zufriedenheit des Fahirenjunkers und mußte— während die übrigen Rekruten ihre Stuben aufsuchen durften— die Uebu??g fortsetzen. Dadurch geriet der Rekrut in solche Erregung, daß er plötzlich dem Fahnenjunker sein Gewehr mit den Worten hinhielt:„Hier haben Sie mein Ge- wehr, z?lm Donnerwetter, glaube?? Sie, daß mich der Dienst nicht schon genug anstrengt?" Wegen Gehorsamsverweigerung und Ächtungsverletzung unter dem Gelvehr wurde der Rekrut vom Kriegsgericht der 6. Division am 29. d. M. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Fleischer erklärte, daß er gegen dieses Urteil Berufung ein» legen werde._ Die Dresdener Wahlrechtsprozesse. Von dem Dresdener Schöffengericht ivurde am Mittwoch der Lagerhalter Genosse Eggert freigesprochen. Er hatte anläßlich der Straßendemol?strationcn einen Strafbcfehl über 5 Tage Haft erhalte??, gegen den er Einspruch erhoben hatte, Oesterreicd-Vlngarn. Eine magyarische Parteikrisc. Die??n garische Unabhängigkeitspartei, die stärkste Partei in der heute herrschenden Parteikoalition hat als Oppositionspartei die vollständige tv r r t>s ch a s t l i ch c Treu- n???? g Ungarns von Oesterreich gefordert und ein Teil der Partei hält auch heute noch a?? dieser Forderung fest. Als nächsten Schritt verlangt dieser die Aufhebung der gei??einsamen österreichisch- ungarischen Notenbank und Errichtung einer selbständigen rein u??garischcn Bcnrk in Budapest. Diese Meinungsverschieden- heiten hätten schon längst zur Krise geführt, hätte die internationale Situation diese nicht verzögert. Jetzt scheii?t aber der Ausbruch der Krise bevorzustehen, wie folgende Depesche aus Budapest zeigt: Die Blätter erklären den Ausbruch einer Parteikrise für bevorstehend. Die Koalition der Parteien, aus welcher dvie sie sich heute rühmt, wirklich die Ueberlegcnheit der„direkten Aktion" — wie sie sie versteht— über die parlamentarische bewiesen hat, ist eine begreifliche Selbsttäuschung, interessante Behandlung mancher Gegenstände kann ihr nicht abgestritten lverdcn. Dazu gehört namentlich die mit einer in der Pariser Presse nicht häufige Kenntnis des Gegenstandes redigierte Auslandrubrit und auch die Artikelserie Merrheims über die neuesten Finanzska??dale. Der„Humanite" hat die„Revolution" keinen Schaden getan. Bei aller Versammlungsjbegeisterung für anarchisbelnden Antiparla- mcntariSmus hat der Pariser Arbeiter doch genug politischen Instinkt, um sich dafür zu interessieren, welche sozialistische Politik in und außer dem Parlament betrieben wird. Italien. Venosse Costa als Vizepräsident. Rom, 27. März.(Eig. Ver.)! Als vor nunmehr 15 Jahren ein sozialistischer Abgeordneter in der italienischen Kammer eine Rede mit den Worten einleitete: „Wir Sozialisten"—, unterbrach ihn der Präsident und sagte: „Hier gibt eS keine Sozialisten, hier gibtS nur Abgeordnete." Da- mals erkannte man also unserer Fraktion nicht einmal ein Bürger- recht in der Kammer zu, und heute ist ihr Führer, Genosse Costa, einer der Vizepräsidenten. Damals standen hinter Costa vier, heute stehen hinter ihm 41 sozialistische Deputierte! Es ist ein tüchtiges Stück Weg zurückgelegt worden, und nie?nand war mehr als Costa geeignet, den Machtzuwachs unserer Partei in Montecitorio zu personifizieren. Die 113 Stimmen, mit denen er gewählt wurde, sind die der gesamten äußersten Linken, da die Radikalen ihren Kandidaten vor dem sozialistischen zurückgezogen hatten. Costa, der im 59. Jahre steht, sieht jetzt schon auf 36 Jahre sozialistischer Tätigkeit zurück. Als Mitglied der in Italien i??? Äakuninschen Geiste wirkenden Internationale wurde er 1373 ver- haftet und wegen Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates angeklagt. Nach elfmonatlicher Untersuchungshaft wurde aber das Verfahren gegen ihn eingestellt; die Polizeiverfolgungen hörten seit- dem lange Jahre hindurch nicht auf; auch in Paris lvurde er im ahre 1878 wegen Teilnahme a?? revolutionären U?ntriebe?? zu zwei ahren Gefängnis verurteilt. Noch der Maisturm von 1898 fand osta ans seinem Posten, und er verbrachte lange Monate in de??? Mailänder Gefängnis in Erwartung des Urteils des.Kriegs- gerichtes. Costa gehört zu denen, die für die italienische Beweg??ng die meisten Opfer gebracht habe??. Seit 1882 gehört er als Vertreter des Wahlkreises J?nola der Kammer an; 10 Jahre später führte er den Vorsitz auf dem Kongreß von Gen?la, wo sich die italienische Arbeiterbewegung von den Anarchisten schied und die A??hänger der Internationale wie die der italienischen Arbeiterpartei, deren Führer Lazzari, Croce und C a s a l i waren, zu einer sozio- listischen Arbeiterpartei?nit marxistischem Programm verschmolzen. Costa hat seitdem nie aufgehört, für die Partei zu wirken,?ind seine Gestalt wird immer am besten geeignet sein, uns die heroische Periode unserer Partei zu verkörpern. Die Jahre sind nicht spurlos an Costa vorübergegangen, und unser Genosse ist nicht mehr in dem Vollbesitz seiner Kräfte, die übermäßige Arbeit und übermäßige Entbehrungen zu früh angegriffen haben. Aber nie wird jemand berufener sein, die revolutionäre Energie unserer Bewegung zu repräsentieren als gerade Andrea Costa, der die ersten schweren Kämpfe der Parte? mitgekämpft, die ersten Siege mit ihr er- rungen hat. Portugal. Ministerwechsel. Lissabon, 31. März. Ter König hat die Demission des Ministeriums angenommen und B e i r a o mit der Neubildung des Kabinetts beaustragt. Snglancl. Die Flottcnanitation. London, 31. März. In der Guildhall fand heute eine Versam?nlung statt, in der nach einer mit stürmischem Beifall auf» genomlnenen Rede BalfourS über das Schiffsbau- p r o g r a?n m der sofortige Bau von acht Dreadnoughts verlangt wurde. KiilUancl. Menschenraub. Aus London wird uns geschrieben: Der russische Dampfer„Michael"(Kapitän Tode) kam am Sfiontag. dein 22., in den Millwall Docks aus Libau an und hatte am Borde unter anderen Passagieren zwei lettische polt» tische Flüchtlinge aus Mitau, Johann Praude und Eniilie Prekut. Zwei Freunde der letzteren kamen auf das Schiff, um dieselben abzuholen, aber der Kapitän ging darauf nicht ein; er sagte, daß die englische Behörde die Flüchtlinge entdeckt und ihn bca?iftragt hätte, diese zurückzuführen, widrigenfalls er mit 1000 Rubeln bestraft würde. Alle Erklärungen und Bitten waren vergebens. Die Beiden wurden gewaltsam ans ein anderes russisches Schiff(„Sergei", Kapitän Grelle) gebracht. Welches gestern um 4 Uhr nachmittags London verließ. Nachfragen im Zollhanse und bei den anderen erwähnten Behörden er- gaben, daß die Angaben des Kapitäns Tode falsch ivarcn und daß die Behörden weder einen solchen Auftrag gegeben noch die Flüchtlinge ent- deckt hatten._ Eine neue Polizeimache? Petersburg, 31. März. Eine weit verzweigte revolutio« näre Organisation ist hier e??tdcckt worden. Siebzig Per- sonen. darui?tcr mehrere Offiziere, wurden verhaftet, zehn- tausend Patronen, sowie eine große Zahl Jnfanteriegewehre iv?irden aufgesunden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Es ist festgestellt. daß ein Zusammenhang zwischen der hiesigen Organisation und den kaukasischen Revolutionären besteht. Ministerkrise in Finnland. Hrlsingfors, 30. März. Die Se??atoren HZelt, Nybcrgy, Castrün, Schildt und Stcenroth. säintlich vom Vcrwaltungsdeparte- ment, sowie der Senator Paldani vom Justizdepartement haben heute ihr Entlassungsgesuch ei??gereicht. öewerkrcbaftUcbe� Die bayerischen Scharfmacher«nd die Arbeitslosen- Versicherung. Am 30. März tritt im bayerischen Ministerium des Innern die aus Vertretern der Regierung, der Gemeinden. der Arbeiterorganisationen usw. bestehende Kommission zu- sammen, die den Auftrag hat. die von den dazu bestimmten Referenten ausgearbeiteten Entwürfe für eine Arbeitslosen- Versicherung zu prüfen. Nun haben auch die im Bayerischen Jndustriellenverband, im Verband bayerischer Metall- industrieller und im Verband süddeutscher Textilarbeitgeber organisierten Scharfmacher ihren Senf dazu gegeben. Die drei genannten Unternehmerverbände haben an das Mini- sterium eine gemeinsame Vorstellung gerichtet, in der sie sich entschieden gegen das Projekt erklären. In der Einleitung wird dargetan, daß die„Arbeit" bei dem Aufbau unserer Volks- und der gesamten Weltwirtschaft bis in alle Ewigkeit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegen werde. Unsere Wirtschaftsordnung bedinge stets Veränderungen des Arbeitsmarktes, die Notwendigkeit, Arbeit und Verdienst zu erlangen, der Zwang, sich um Brot und Unterhalt zu be- mühen, gehöre zu den elementaren Kräften, die das Wirt- schastliche und gesellschaftliche Leben beherrschen. Die Scharfmachercligue geht sogar so weit, die genannte Not- wendigkeit und damit die Arbeitslosigkeit, die zahllose ar> beitsfreudige Menschen zum Hungern zwingt, als eine Art Vorbedingung fiir die staatliche Macht und für die Kultur zu erklären sie sei für jede Nation einer der ausschlagenden Faktoren für deren wirtschaftliche, kulturelle und politische Macht und Stellung. Es wird dann die Bedürfnisfrage untersucht und natür- lich durchaus verneint. Selbst in der Zeit des heutigen Tiefstandes herrschte teilweise Arbeitermangel, von einer Ar- beitslosigkeit als Gesamterscheinung könne überhaupt nicht gesprochen werden: leide doch die Landwirtschaft seit langein an einem empfindlichen Mangel an Arbeitskräften. In der Industrie bestehe freilich ziemlich allgemein ein Ueberangebot an Arbeitskräften, andererseits sei im Bergbau ein Bcdürs- nis nach Aufnahme von Arbeitern vielfach vorhanden. Die Hauptmasse der Arbeitslosen werde jedoch von Ungelernten gestellt, die auch heute noch in anderen Tätigkeitsgebieten Arbeit finden könnten(wo, wird nicht verraten). Diesen würde durch die Arbeitslosenversicherung noch mehr der Anreiz genommen, sich außerhalb der großen Städte und außerhalb ihrer bisherigen Beschäftigungskreise Arbeit zu suchen. Die Arbeitslosenversicherung fördere die Anpassung der Arbeiter an neue Tätigkeitsgebiete nicht. Frech und kühn wird dann die Aehauptung aufgestellt, daß die Oeffent- lichkeit über den Umfang der Arbeitslosigkeit irregeführt worden sei, daß die Zählungen der Gewerkschaften keine brauchbaren Unterlagen gäben. Für Bayern liege infolge feiner geringeren Industrialisierung am allerwenigsten ein Anlaß vor, das Problem der Arbeitslosenversicherung lösen zu wollen. Der Arbeitsmarkt in den wenigen Industrie- zentren zeige keine irgendwie bedenklichen Zustände, wohl aber leide die Landwirtschaft mehr als in anderen Staaten an einem notorischen Arbeitermangel. Dann werden die einzelnen Versicherungsarten behandelt. Die Zwangsversicherung wird als ganz undiskutabel er- klärt. Die sich mehr und mehr ausbreitende Tendenz, vom Staate alles und jedes zu erivarten, sei eine Folge sozial- demokratischer Beeinflussung, die die Persönlichkeiten unter- dtücke und dafür unselbständige Massen züchte. Es sei auf sozialdemokratischen Einfluß zurückzuführen, wenn unter den Arbeitern mehr und mehr die Verpflichtung, einen Spar- groschen zurückzulegen, in Vergessenheit gerate. Gerade jetzt sei das Sparen viel leichter möglich als früher. Hierfür wird Genosse Calwer als Kronzeuge angeführt, der nachgewiesen habe, daß die Arbeiterlöhne bedeutend gestiegen seien. Wenn trotzdem keine Ersparnisse gemacht würden, so fei das die Frucht sozialdemokratischer Erziehung. Durch die Arbeits- losenversicherung werde das Selbstverantwortlichkeitsgefühl der Arbeiter unterdrückt, wenn nicht vielfach zerstört. Es werden dann auch„technische" Einwendungen geltend gemacht: Ungleichmäßigkeit des Risikos. Unmöglich- keit der Schaffung von Gefahrenklassen, Arbeitszwang und Freiziigigkeitsbeschränkung, Kostendeckungsfrage usw. Die Arbeitgeber müßten von vornherein jede Leistung als eine die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit übersteigende Zumutung ablehnen, auch für die Arbeiter wäre der Beitrittszwang bei der Ungleichmäßigkeit des Risikos eine Unbilligkeit. Das Genter System wird ebenso erbarmungslos verdammt. Es passe für die deutschen Verhältnisse nicht, es sei und bleibe eine einseitige Förderung der Gewerkschaften. Tie größte Gefahr dieses Systems liege darin, daß durch die staatliche Unterstützung die Gewerkschaftskassen entlastet und für ihre eigentliche Aufgabe: das Hauptgewicht auf den wirtschaftlichen Kampf zu legen, gestärkt würden, auch wenn die Arbeitslosenversicherung von den übrigen Kasseneinrich- tungen getrennt geführt würde. Einer Arbeitslosenversicherung stimmen also die baye- rischen Scharfmacher in keiner Form zu, dagegen wollen sie einer vorbeugenden Arbeitslosenfürsorge ihre«ganze Sympathie und Aufmerksamkeit" zuwenden. Es sei vor allen Dingen erforderlich eine Wirtschaftspolitik, die die Industrie nach allen Richtungen fördert. Wenn Staat und Gemeinden umfangreiche Mittel zur Beschaffung von Notstandsarbeiten zur Verfügung stellen, so will man das gnädigst gestatten, ja, es wird sogar„begrüßt". Zuletzt entladen die Herren ihr sorgenvolles Gemüt durch einen herzbewegenden Stoß- fcufzer nach einem Ausnahmegesetz:„Letzten Endes würde es Aufgabe des Staates sein müssen, dem staatsgefährlichen Treiben der Sozialdemokratie Einhalt zu gebieten und die Arbeiter den sozialistischen Ideen zu entreißen und wieder zu den staatserhaltenden Elementen zurückzugewinnen.� Da- init würde die Sparsamkeit und Zufriedenheit wieder in den Kreisen der Arbeiter einkehren, zum Vorteil der Wohlfahrt dieser Kreise, zum Vorteil des Staatsganzen." Also her mit einem Sozialistengesetz, dann werden die Arbeiter wieder zufriedene und genügsame Leute werden, die sich von den Scharsmachern willig ausbeuten lassen und das Elend der Arbeitslosigkeit als eine unerläßliche Staatsbürger- Pflicht auf sich nehmen! UnternehmerterrorisinuS und kein Ende! ; Heule liegen ein paar besonders charakteristische Fälle vor: 1. Der Arbcitgeberverband von Coswig(Anhalt) hat an seine Mitglieder folgendes Rundschreiben gerichtet:_ verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin, Jnferatenteil vergntw. An die berehrlichen Mitglieder des Ardeitgeberverbandes? Trotzdem wir uns noch im Winter befinden und außerhalb Coswigs fast überall Arbeitsmangel ist, fangen jetzt schon einige Agitatoren der sozialdemokratischen Organisationen an, zum kommenden Frühjahr für neue Mitglieder zu agitieren. Dies ist nicht etwa in einem einzelnen Betriebe, sondern bei mehreren unserer Mitglieder beobachtet worden, und auf Grund dessen hält es der Vorstand für angebracht, die Namen derer bekannt zu geben, die sich berufen fühlen, in der sozialdemokrati- schen Hetzarbeit sich besonders zu beschäftigen, damit sich jeder bei Einstellung neuer Arbeitskräfte nach seinem Belieben danach richten kann. Heute werden uns von unserem Mit- gliede Nr. 13(Fiedler, Amthof-Papierfabrik. D. B.) zwei dies- bezügliche Leute bekannt gegeben, die Dienstag, den 23. d. M. (Februar) nach vorangegangener Kündigung ordnungsgemäß zur E n t l a s s u n g kommen. Es sind dies die Arbeiter(folgen die Namen). Hochachtend Verband der Arbeitgeber Coswig und Umgegend. Und was hatten die beiden Leute verbrochen? Sie hatten eine Betriebsbesprechung einberufen, die auch stattfand, und zwar nicht, um Einrichtungen des Fiedlerschen Betriebes zu besprechen oder für die gewerkschaftliche Organisation zu agitieren, sondern um zur Errichtung einer Ortskrankenkasse für Fabrikarbeiter in Coswig Stellung zu nehmen. Das genügt dem Arbeitgeber- verband, und dem Unternehmer Fiedler, um die Arbeiter auf die Straße zu werfen! L. Folgendes geheime Rundschreiben: Remscheid, den 16. März 1969. An die Mitglieder! Es sind uns in letzter Zeit wiederholt Mitteilungen über Arbeiter in der Sägenbranche zugegangen, die sich als sogenannte Vertrauensmänner dadurch hervorgetan haben, daß sie der„Arbeiterzeitung" gänzlich entstellte Berichte über Betriebsverhältnisse und über ihre Mitglieder liefern. Es liegt durchaus im Interesse unserer Mitglieder, über solche Leute unterrichtet zu sein und ihre Betriebe davon frei zu halten. Wir empfehlen unseren Mitgliedern daher dringend, vor der Einstellung von Arbeitern stets bei der Geschäftsstelle, eventuell telephomscch anzufragen, ob gegen die Betreffenden etwas vorliegt. Hochachtungsvoll Vereinigung der Sägen- und Maschinenmesser-Fabrikanten von Remscheid und Umgegend. Der Geschäftsführer: Lüdicke. Die„entstellten Berichte" bestehen darin, daß in der..Acheiter- zeitung" wahrheitsgemäß festgestellt worden war, daß die Firma Krumm, zu deren Inhabern der freisinnige Stadtverordnete Ewald Krumm zählt, die Arbeiter der Kaisergeburtstag- fei er wegen hätte feiern lassen, ihnen nachher aber den Tagesverdienst abgezogen hatte. Solch„humane" Tat der Firma sollte also nicht bekannt werden; wird sie doch bekannt, so greift man irgendeinen Arbeiter heraus und überantwortet ihn der geheimen Feme!_ Berlin und Umgegend. Tie Bewegung der Bauklempner. Ueber den Verlauf der Verhandlungen vor dem Einigungs- amt, die an der Frage der Akkordarbeit, wie im„Vorwärts" schon berichtet, scheiterten, erstattete Cohen in einer stark besuchten Ver- sammlung der Bauklenipner, die am Dienstagabend in Freyers Festsälen stattfand. Bericht. Nach der Drohung der Arbeitgeber sollte man eine große Aussperrung am 1. April erwarten. Wenn sie aber glauben, dem Deutschen Metallarbeiterverband einen Schlag damit zu versetzen, so begehen sie einen großen Fehler. Der Verband ist stark genug, jedem Angriff der Klempnermeister mit der größten Ruhe entgegenzusehen. Wenn die Meister glauben, daß die Organisation unter den Klempnern nicht mehr so fest und geschlossen dasteht wie früher, so befinden sie sich im Irrtum. In den Reihen der Unternehmer dagegen scheine es nicht gar so sehr einig und fest auszusehen. Es ist bekannt ge° worden, daß die Charlottenburger Innung nicht mittun will; die Gründe sind noch unklar. Unter den Berliner Klempnern macht sich viel Mißbehagen bemerkbar, viele trauen sich gegenseitig nicht; sie möchten abwarten, was die Arbeitnehmer beschließen, um ihre Taktik danach einzurichten. Die Arbeitnehmer haben aber keine Ursache, vorzeitig ihre Entschlüsse zu fassen,. Sie sind vor- bereitet, ob eine allgemeine oder teilweise Aussperrung er- folgt. Wenn ein Arbeitgeber in den nächsten Tagen seinen Ar- heitern irgendeinen Vertrag oder eine Arbeitsordnung zur Unter- schrift vorlegt, so ist die Unterschrift strikt zu verweigern und dem Verbände Meldung davon zu erstatten. Schon am Sonnabend ist von einem Betriebe eine solche Meldung eingelaufen. Die Aus- gesperrten versammeln sich am Donnerstagmorgen im Gewcrk- schaftshause, aber niemand verlasse den Betrieb, wenn er nicht ausgesperrt worden ist. Jeder halte sich bereit, den Bau oder die Werkstatt zu verlassen, sobald die Organisation es für nötig hält, diesen Ruf ergehen zu lassen. In der Charitöstraße 3 ist ein Bureau für die Klempner eingerichtet, wo alle Angelegenheiten in bezug auf diese Bewegung ihre Erledigung finden werden. Auch die Hirsch-Dunckerschen wollen sich entschieden weigern, Akkord- arbeit zu übernehmen. Auf jeden Fall ist der Verband vorbereitet und gerüstet, allen seinen Verpflichtungen wird er nachkommen. Wenn die Arbeiter ihre Verpfjichtungen erfüllen und ihre volle Schuldigkeit tun, so können die Unternehmer in diesem Kampfe nicht siegen. Die Rede Cohens wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. In der Diskussion wurde gewünscht, daß der von den Arbeitern aufgestellte Tarif maßgebend sein sollte für das weitere Vorgehen; man wollte auf den geforderten Stundenlohn von 7b Pf. fest beharren. Cohen antwortete, eS wäre leicht genug, gegenwärtig eine Anzahl Verträge durchzusetzen, aber man sollte der Kommission das Vertrauen entgegenbringen, daß sie, in Ueber- einstimmung mit den gewählten Vertrauensmännern der Betriebe, diejenigen Maßnahmen ergreift, die den größeren Vorteil im Kampfe versprechen.— Die Versammlung war damit ein- verstanden. Eine Besprechung der Vertrauensmänner fand am Mittwoch- abend statt._ Ein kleiner Scharfmacher ist anscheinend der Fuhrwerksbesitzer Adam(Nacks. Neuendorf) in Köpenick. In der vergangenen Woche sind von dem Herrn zwei Kutscher entlassen mit der Be- gründung, Arbeiter, welche lieber in die Versammlungen gehen als arbeiten, könne er nicht gebrauchen. Mit anderen Worten: weil die beiden Missetäter Mitglied ihrer Berufsorganisation, des Transportarbeiterverbandes, sind, wurden sie auf die Straße ge- setzt. Die Entlassung erfojgte ohne Einhaltung der Kündigungs- frist. Während in einem Falle Herr Adam dem Kutscher die 14 Tage Lohn zahlt, mutz der zweite Entlassene erst den Lohn ein- klagen. Auch in Sonntagsentheiligung ist der Firmeninhaber er- folgreich tätig, ein Uebelstand, der den Transportarbeiterverband veranlaßte, am vergangenen Sonntage Herrn Adam durch einen Kontrolleur zu besuchen, und wegen Sonntagsentheiligung zur Anzeige zu bringen. Bei dieser Feststellung geriet Herr Adam aus dem Häuschen, indem er dem Polizeibeamten, welcher durch dep Kontrolleur herbeigeholt wurde, fragte:„Wollen Sie mich in dieser schweren Krise auch noch schädigen?" Das Vorgehen des Herrn Adam gegen die Gesinnung seiner Leute ist um so unver- ständlicher, als gerade Arbeitervereine und Gesellschaften bei Kremserpartien in erster Linie die Firma Adam in Anspruch nehmen. Die jetzt dort beschäftigten Kutscher sind nicht organisiert und führen demgemäß auch nickt die grüne Legitimationskarte. Anfragen beantwortet bereitwilligst der Transportarbeiterverband Köpenick, Schönerlinder Straße 5 I. Telephon Köpenick, Nr. 1öS. lh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall ~ LuxuSpapierbranche. Den Teilnehmer unseres Vortrags- zyklus geben wir hiermit bekannt, daß dersse wegen zu schwachen Besuches abgebrochen worden ist. Jedoch Hasich Genosse Ritter bereit erklärt, uns in einer nach Ostern jttfindenden Branchen- Versammlung seinen Vortrag über den gewerblichen Arbeits- vertrag zu halten. Die gitationskommission. Veutkcbes Rcieb. Differeuzru in den Veltener Onfadrike». Eine zahlreich besuchte Versammlung er in den Ofenfabriken in Velten beschäftigten Arbeiter nahm Sllung zu� der von den Fabrikanten beschlossenen Einführung ein� F a b r i k o r d n u n g. Einige Bestimmungen der Ordnung steherin direktem Widerspruch mit dem bestehenden Lohntarif. Erheblich: Widerspruch fand auch Ziffer VH. der Fabrikordnung, die den S ö» d e n e r s a tz behandelt. Hier heißt es:„Der Arbeiter haftet mi seinem Lohn für jeden der Fabrik zugefügten Schaden an Shstoffen, Modellen, Formen, Werkzeugen, Gerieu, Fabrikaten. Mobilien und Immobilien. Dieserunkt des Entwurfs verstößt nach den ZZ 394 und 400 des Bürgerhen�Gesetzbuches, die die Lohnaufrecknung behandeln, gegen die grn Sitten, ist somit rechts- ungültig. Die Versammelten stellten sickuf den Standpunkt, daß alles das. was von der Arbeiterschaft idem Entwurf beanstandet worden ist, heraus muß, wenn die FaEkordming für die Arbeiter annehmbar fein soll; fie lehn er diesen Entwurf e nt- schieden ab. Eine Resolution, worin das Landtsamt ersucht wird, den Abänderungsvorschlägen der Arbeiter btutreten, fand einstinnnige Annahme._ Zum Streik der Steinarbeiter ivStriegau. Vorige Woche versuchte der Berbandsvorfitzende Strke Verhandlungen an- zubahnen, doch ohne Erfolg. Keiner d Unternehmer wollte Vor- sitzender der Unternehmervereinigungsein. Die Steinarbeiter, einmal zum Streik getrieben, begnüg sich jetzt nicht, nur die 5 Proz. Lohnreduzierung abzuwehren, ändern sie haben jetzt die Forderung gestellt, daß die Untcrneier Geschirr und Schärfe ohne Abzug zu stellen haben, was einLohnerhöhung von 3 Proz. ausmacht. Die Unternehmer haben it geantwortet: Wenn die Arbeiter auf dieser Forderung beharä, dann lehnten die Unter- nehmer Verhandlungen ab. Eine nze Anzahl Steinarbciter reisen diese Woche ab, da Granitsteinetzen an mehreren Orten verlangt werden. Die anderen hau Zeit zum Warten, bis sich die Unternehmer zu Verhandlurn herbeilassen. Streik beert. Der Streik der Damenschneider Wiesbaden ist beendet. Die Gehilfen haben die Arbeit wieder au-nommen. nachdem die Unter- nehmer befriedigende Zugeständnisse macht haben. Husla» Der Holzarbeiterstreik iZürich ist beendet In einer stark besuchten Vcrscmlung wurde der Streik bei Aschbacher aufgehoben und folgendResolution mit großer Mehr- heit angenommen: „In Anbetracht, daß der Regungsrat des Kanwns Zürich, obgleich den Streikenden bei der irma Aschbacher absolut keine Ausschreitungen nachgewiesen w,en können, in unverantwort- licher Weise das Streilpostensten verboten und dadurch die Aufklärungsarbeit und somit a> das Streiken unmöglich ge- macht hat, beschließt die Versanlung: Der Streik bei Aschbather.rd aufgehoben." Zu Händen der Arbeiterum soll beantragt werden: Es ist unverzüglich die Propagieru des Generalstreiks in Angriff zu nehmen, um in Zukunft jhe Schandtaten der Regierung gebührend beantworten zu lönn. Um die Propagierung des meralstreikS wirklich zu fördern, soll der Unionsvorstand geeiste Referenten bestellen, welche sofort in allen Sektionen underen Gruppen— auch in den politischen Vereinen— unseiGenossen über die gegenwärtige Situation aufklären." Aus dem Kampf bei Asckcher und den dabei zutage ge- tretenen Begleitersckeinungen kn die organisierte Arbeiterschaft wieder einmal gründliche Stud schöpfen. Die Klasscnregierung zeigte sich hier wieder in reirr Form. Gezeigt hat sich aber auch, was es nützt, wenn die veiterschaft, die Sozialdemokratie, Genossen in die Regierung wä: Welches Gefühl muß wohein Sozialdemokvat haben, wenn er als Präsident des Regiermrates Ausnahmemaßregeln gegen feine Genossen, gegen Sozialdokraten zu ergreifen gezwungen wird. Wenn er Arbeiter, Faiienväter, wegen nichts, aber auch gar nichts, von ihrer Familienßt, ihre Existenz vernichtet? Was bedeuten diesen Arbereristenzen gegenüber Regierung?- ratsessel! 10 Wochen dauerte r Kampf. Wegen Maßregelungen ist der Konflikt ausgebrockwn id niit zäher Ausdauer haben die Holzarbeiter gekämpft. Es dem organisierten Unternehmer. tum nichts genutzt, die öffeich« Meinung mit entstellten Be- richten zu füttern. Die Hnrbeiter waren imstande, die ve» breiteten Lügen glänzend zuiderlegen. Man rief ein« bürgerliäApachcnbande auf, welche die Auf- gäbe hatte, die Streikposten rckzuprügeln. um so Stimmung zu machen. Man organisierte usländische Streikbrechertransporte. Man scheute sich nicht, das stscheueste Gesindel aus dem Groß- stadtsumpf nach Zürich zu Pieren, um so die Arbeiterschaft auf das äußerste zu reizen,(duckt wurde Staat und Polizei in Bewegung gebracht, um bal gegen die Arbeiter vorzugehen. Die Unternehmer wußten, iß ihre Klassengenossen in der Re- gierung sie nicht im Stichassen werden. Es hat auch gewirkt. Sck, mählich wurde in die chte der Arbeiter eingegriffen. Mit Polizeiknüttel und Staatwalt wurde der Streik abgewürgt. Die Tischlermeister von Zch werden an die Brust schlagen und erklären: Wir haben gesi. Ja. die Herren haben gesiegt, aber nicht aus eigener Kraft, fern nur mit Hilfe der Staatsgewalt. Es wird jedoch noch eine t kommen, wo die Herren diesen Sieg bitter bereuen werden, r Verlauf des Kampfes hat bei der ganzen Arbeiterschaft Jd ausgelöst, welche dem proletarischen Kampfe nur zum Vortctlereichen werden. Auch die Holzarbeiter Zürichs werden nicht denopf hängen lassen. Die Herren werden das spüren.__ Letzte J�acbthten und Oepeleben. Ein Elrado für Tr. Oertel. Konstantinopel, 31,!ärz.(W. T. B.) Die Deputierten. kammer sprach sich betzr heutigen Beratung des Landstreicher- gesetzeS für die Prügeafe aus. DuiLawinensturz getötet. Gap, 31. März.(H.) Eine Lawine, welche in der Nähe von Noiettcs niederging, störte ein Wohnhaus, in welchem sich drei Frauen und ein Maioefanden. Alle vier Personen wurden ge- tötet._ HzertyPhuS in Madrid. Madrid, 31. Mä'(B. H.) Angesichts der hier herrschenden Typhusepidemie hat Behörde angeordnet, daß sämtliche Kirchen und Schulen einer Änfeltion unterzogen werden. An die Bevöl- kcrung wird insolfler herrschenden Not in den Kasernen jeden Tag Nahrung vcrtri B n s W. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungSbl. Ar. 77. N.Iahrgnng. 1. Dniqr in ,, Dottnerstag,!. April lW. Reicbötag» 238. Sitzung vom Mittwoch, den 31. März, nachmittags 2 Uhr. Am BundeSratstisch: v. S ch o e n. Debattelos wird die Genehmigung zur Einleitung der Wider- klage gegen die Abgeordneten Dr. Mugdan(frs. Vp.j und Kopsch (frf. Vp.) in einem Pridatklagcverfahren gegen unseren Genossen Dr. Mehring wegen Beleidigung nach dem Antrage der beiden Ab- geordneten erteilt. Es folgt die Beratung des Etats für das Auswärtige Amt. Die Beratung beginnt mit dem Titel»Gehalt des Staats- sekretärs" Hierzu liegt ein Antrag Alb recht und Genossen(Soz.) bor. der Reichskanzler möge auf Aufhebimg derjenigen bundeSstaat- lichcn Mnisterialverordnungen hinwirken, die unter Verletzung der vom Reiche geschlossenen Staatsberrräge von ausländischen Arbeitern die Beschaffung entgeltlicher Legitimationskarten verlangen und ausländischen Arbeitern insbesondere für den Fall die Ausweisung androhen, falls sie nickit im Besitz solcher Legitimationökarten sind. Die Abgg. Dr. Müll e r- Mciningen(fts. Vp.), Hauff mann (südd. Vp.), G o t h e i n(frs. Vg.) und Genossen beantragen, der Reichskanzler möge der Frage nähertreten, in welcher Weise durch internationale Abmachungen dem Handel init unzüchtigen Schriften, Abbildungen oder Darstellungen wirksam begegnet werden kann. Abg. Graf v. Hompesch(Z.) und Genossen beantragen, der Reichskanzler möge die erforderlichen Schritte zur Ausbildung des internationalen Gewcrberechts einleiten, wonach die gewerbsmäßige Herstellung und Verbreimng unsittlicher Schriften und Bilder unter- drückt wird. Abg. Roeren(Z.) begründet die Resolution des Zentrums. Abg. Dr. Miiller-Meiningen(frs. Vp.): Der Antrag des Zentrums ist nicht annehmbar, weil ein internationales Gewerberecht gar nicht existiert, lieber den Schattenseiten unserer Reproduktionskunst, die der Abg. Roeren geschildert hat, soll man nicht ihre Lichtseiten vergessen: sie ist keineswegs lediglich eine Schmutzkunst.(Sehr richtig! links.) Wichtiger noch als die Bekämpfung der Unsittlichkeit durch Strafgesetze und den Schntzinann ist ihre Bekämpfung durch Hebung des guten Geschmacks und der Volksbildung.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Staatssekretär v. Schorn: Das Auswärtige Amt hält die Fassung des Antrages Mllller-Meiningen für mehr entsprechend der Rechtslage als den Antrag Hompesch. Der Tendenz der beiden Anträge steht daS Auswärtige Amt slimpathisch gegenüber. Die französische Re- gierung will eine Konferenz zur Regelung dieser Frage einberufen und wir sind bereit, dieselbe zu beschicken. Abg. Frank-Ratibor(Z.) führt Klage über die Zigeunerplage in Oberschlesien und verlangt Maßnahmen gegen die Zigeuner. Abg. Graf Könitz(k.): Ich möchte die Aufmerksamkeit deS Staatssekretärs auf die unbefriedigenden Zustände an der russischen Grenze richten, wo auf sehr weiten Strecken keine Grenzübergänge existieren. Staatssekretär v. Schorn: Die Wünsche deS Grafen Könitz sollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Maßnahmen gegen die Zigeuner zu treffen, ist mehr Sache der inneren Polizei als deS Auswärtigen Amtes. Abg. Dr. Barciihorst(Rp.) führt ebenfalls Beschwerden über die Zigeuner, die meist Ausländer sind. In Hannover haben die Land- leute tatsächlich Furcht vor den Zigeunern, die durch ihre Diebstähle ein Leben im Sommer auf dem Lande führen, um das wir sie be- neiden können. lBravo! rechts.) Abg. Eickhoff(frs. Vg.) fragt an, ob die Meldung richtig ist, daß der deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff, den Ab- schlutz eines allgemeinen Schiedsgerichtsvertrags mit den Vereinigten Staaten angeregt habe. Auch mit der Schweiz soll nach ZeitungS-� Nachrichten ein solcher Vertrag geplant sein. Solche Schiedsgerichte sind kein Allheilmittel für den Weltfrieden, aber sie haben sich doch als sehr segensreich erwiesen. Hoffentlich gelingt der Abschluß eines solchen Vertrages auch mit Frankreich. Staatssekretär v. Echoen: Einen Schiedsgerichtsvertrag besitzen wir mit Großbritannien und hoffen, daß sich die Schwierigkeiten, welche sich dem Abschluß eines solchen Vertrages mit den Vereinigten Staaten entgegengestellt haben, überivunden werden können. Mit der Schwätz sind solche Verhandlungen nicht im Gange. Wir haben wiederholt unangenehme Streitfälle, wie z. B. den Casablanca-Zwischenfall, auf dem Wege des Schiedsgerichts erledigt. kleines feuilleton. Geregeltes Glockenläuten. In der italienischen Stadt Luga, die republikanisch ist, fühlten sich die Einwohner durch das Geläute der Kirchenglocken derart belästigt, daß der Stadtrat es für nötig hielt, der Kirche eine Einschränkung des Glockenläutens anzubefehlen und in einem besonderen Erlaß, der von dem Probinziallandtag ge- nehmigt und ausdrücklich gutgeheißen wurde, die Dauer des Ge- käutes für jeden einzelnen Fall genau zu bestimmen. DaS Reglement lautet nach dem„Resto del Carlino" folgendermaßen: „Es ist gestattet, den Sonnenaufgang, die Mittagszeit und den Sonnenuntergang durch Glockenläuten zu verkündigen; die Ver- kündigung darf aber nicht länger dauern als drei Minuten. Länger als drei Minuten darf auch das Einläuten der Nachtstunde nicht dauern. Messen, Novenen, Rosenkranzmessen und andere gotteS- dienstliche Handlungen dürfen nur durch kleines Geläute angekündigt werden, und zwar jede dieser gottesdienstlichen Handlungen nur einmal; das Geläute darf in keinem Falle länger als drei Minuten dauern. Nach der Ankündigung des Tagesanbruchs darf zwei Stunden lang keine einzige Glocke geläutet werden, auch dann nicht, wenn es sich um einen Gottesdienst handelt. Zum Zeichen der Trauer darf die Sterbeglocke fünf Minuten lang geläutet werden, und zwar von dem Augenblicke an, in welchem die Leiche aus der Wohnung oder von irgend einem anderen Orte entfernt wird, um zur ewigen Ruhe gebracht zu werden. Wenn bei besonderen feier- lichen Anlässen ein Glockengeläute gewünscht wird, so mutz in jedem einzelnen Falle eine besondere Erlaubnis eingeholt werdend Die Länge der Wale. Wenn der Mensch vor etwas Respekt hat, findet er sich auch immer dazu geneigt, die tatsächlichen Ver- Hältnisse zu übertreiben; so sind bei manchen Leuten ganz märchen- hafte Vorstellungen von der Größe der Wale vorhanden, obgleich diese auch tatsächlich ansehnlich genug sein kann. Der größte Blauwal, der je gefangen und gemessen worden ist, stammte nach einer Mitteilung von Dr. Lucas vom Museum des Brooklyn- Instituts in New Nork von der Westküste Neuseelands und maß 87 Fuß oder rund 2Q Meter. Von 26 Walen, die im Jahre 1963 an der Küste von Neufundland gefangen und gemessen wurden, erreichten nur 6 eine Länge von 74 Fuß oder rund 22 Meter. Auch eine Angabe, wonach in Kopenhagen ein Walskelett von 156 Fuß oder 45 Meter Länge zu sehen sein sollt beruht auf einem Irrtum. Theater. Schiller-Theater O.:„Die Welt in der man sich langweilt, Lustspiel von E. P a i l l e r o n. Das Lustspiel, daS vor einem Vierteljahrhundert in Frankreich loie in Deuschland die Bühnen im Flug eroberte, hat sich, wie auch diese Vorstellung wieder zeigte, merkwürdig frisch erhalten. Die politische Rolle rohalistischer Salons, die durch ihre Konnektionen über die Besetzung Abg. Schcidcmann(Soz.): Die gesamten bürgerlichen Parteien deS Reichstages haben gestern unsere Resolution auf internationale Beschränkung des Flotten- bnues abgelehnt. Im Auslande, wo man über die internen Ver- Hältnisse dieses Hauses nicht genügend unterrichtet ist, wird man diese Ablehnung als friedensfeiudliche Kundgebung auffassen. Allerdings mit Unrecht. So hat soeben noch Herr Eickhoff eifrig im Sinne des Friedens gesprocken, derselbe Herr Eickhoff, der gestern mit der gesamten bürgerlichen Mebrheit des Reichstages gegen unsere Resolution gestimmt hat. Nicht aus kriegerischer Gesiuuung heraus wurde unsere Resolution von Ihnen abgelehnt, sondern aus Liebedienerei gegen die Regierung. (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Hätte die Negierung unsere Resolution akzeptiert, so wäre sie vom Reichstag mit Hurra an- genommen worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Während mein Freund Ledebour am Montag unsere Resolution bier begründete, sandten wir ein Telegramm mit der Mitteilung über unseren Antrag an die britische Arbeiterpartei. Sie antwortete uns telegraphisch, daß sie von ganzem Herzen mit unserem Be- streben, ein internationales Abkommen zu treffen, um dem Wstt- rüsten zur See Einhalt zu tun und das Lkaperrccht abzuschaffen, einverstanden sei. Die Ausführungen deS Reichskanzlers haben die Ausführungen, die mein Freund Ledebour vorgestern machte, nur bestätigt. Eine Verständigung über das Flottenbaupcogramm wird kommen und m u ß kommen, wenn nicht der Krieg kommen soll. Ueber den Ausgang eines solchen Krieges kann niemand zweifelhaft sein, der sich vergegenwärtigt, über welche Hilfsmittel England verfügt. Aber selbst wenn Deutschland der Sieger wäre, konnte ein solcher Sieg nicht von Dauer sein, sondern nur den Ausgangspunlt neuer jähr- zehntelanger Kämpfe bilden.(Sehr wahr I bei den Sozial- dcmokraten.) Daß cs zu einer Verständigung über das Flotten- bauprogramm kommen muß, geht auch aus den Ausführungen des englischen Ministers Sir Edtoard Grey hervor. Der Reichs- kanzler, oder— da er nach zweitägiger Anwesenheit schon Wieder verschwunden ist— der Staatssekretär des Auswärtigen Amts sollte nach diesen Aeußerungen des englischen Ministers Gelegenheit nehmen, die Stellungnahme zu ändern, die hier vorgestern ein- genommen worden ist. Ich hoffe, die ganze Affäre wird schließlich doch noch einen guten Ausgang nehmen, ähnlich wie es bei der Marokkoaffäre der Fall war. Als wir vor vier Jahren verlangten, in dieser Affäre solle die ReichSregierung tun, was sie jetzt endlich getan hat, wurden wir als Vaterlands- lose Gesellen bezeichnet. lind als wir unseren Genossen Jaurös eingeladen hatten, in Berlin für den Frieden zu sprechen, drohte unser moderner Reichskanzler unserem Genossen JaureS mit der Ausweisung und sprach hier das stolze Wort: „Unsere Politik wird nicht in der Hascnherde gemacht." Würde sie dort gemacht, dann wüßte man wenigstens, w o sie gemacht wird.(Heiterkeit und Sehr gut I) Jetzt kann uns der Reichskanzler nicht sagen, ob sie in der Wilhelnistraße, in Potsdam, in Monako oder zeitweilig in Korfu gemacht wird. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Oder in L i e b e n b e r g! Große Heiterkeit.) Jetzt erscheint die Politik, die w i r damals in der Hascnheide verlangten, den Herren so weise, daß sie sich beinahe darum prügeln: jeder will sie gemacht haben. Das Nachspiel zur Marokkoaffäre ist des Dramas unwürdig gewesen. Das Hauptstück war daS Kaiser telegramm an den Fürsten Radolin in Paris. Obwohl Fürst Bülow hier pathetisch erklärte, daß er das Abkommen getroffen habe, tele- graphierte der Kaiser seinen Dank an Radolin! Cambon erhielt einen hohen Orden. Ob mit Vorwissen Bülows? Ich glaube es nicht. UebrigcnS weckt diese Ordensverleihung Erinnerungen an ähnliche Auszeichnungen: an Stöffel, Goluchowski, Krüger, Abdul Asis, Ferid Pascha usw. Aber:„Noch keinen sah ich glücklich enden, ans den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben ftreu'n.*(Große Heiterkeit.) Herr Bassermami hat im„Matin" erzählt, ganz Deutschland freue sich über die glückliche und konzi- liante Marokkopolitik Bülows. Ob das gerade eine glückliche Politik ist, die nach vierjähriger„Krummpolitik", wie der Sieichs kanzler sich ausdruckte, an ihrem Ausgangspunkt wieder angelangt ist?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Gelegenheit möchte ich übrigens fragen, wie es möglich ist, daß der Vertreter deS„Matin" dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin die Abschrift einer Depesche gibt, von der diefer annehmen mußte, daß sie wohlverwahrt unter sieben Siegeln sei. Ueberhaupt ist es sehr ausfällig, welch intime Beziehungen zwischen dem Berliner Hof und Pariser Blättern der höchsten Beamtenstellen in der Republik entscheiden, ist ja wohl gründlich ausgespielt. Aber die Typen, in denen die Komödie dies Treiben verspottet, vor allem der Typ des von den Damen ver- götterten Schöiiichwätzer-Philosophcn und Karrierestrebers Bellac leben in Anpassung an die veränderten Verhältnisse gewiß ver- gnüglich weiter. Ein breiter Fond von allgemeiner Bcenschentor heil schützt sie vor raschem Veralten. Die leichte, sichere Hand, die sich in der spöttisch persiflierenden, wenn auch nicht gerade tief greifenden Satire der Gesellschaft zeigt, leitet auch die Intrige und entwickelt aus ein paar einfachen, nicht unwahrscheinlichen Voraus sctzungen auf dem Weg z«n üblichen Verlobungsziel sehr drollige und unterhaltsame Situationen.— Von wesentlichster Bedeutung für die Bühnenwirkung ist cs dabei, ob der halbflügge Backfisch Susanne eine Darstellung findet, die die Tollheiten der eifersüchtigen Kleinen glaubhaft natürlich und in liebenswürdiger Anmut herauszubringen weiß. Gusti Becker löste die nicht leichte Ausgabe mit über- raschcudcm Gelingen. Ja selbst das Gewagteste— Stelle», die beim Lesen durch die Uebertriebenheit ihrer Naivität ein Achselzucken hervorrufen würden erhielt durch ihr Spiel den Schein lebendig warmer Wirklich keit. Auch die Gesamtaufführung verdiente alle Anerkennung. Vortrefflich in Maske und Tonfall war Eik Hardts diskret ge haltener Bellac, sehr amüsant der junge verliebte Ehemann K r ö st l i n S, der sich für die gelehrte Langweile des Salons in heimlichen Zusammenkünsten mit' seiner noch jüngeren und ver- liebteren Frau entschädigt. Hedlvig P a u l h repräsentierte in vornehmer Haltung die alte vom Ehrgeiz modischer BilduugS- maSkeraden unaugelränkelte Herzogin, die es trotz ihrer Jahre mit der Jugend hält. clt. Musik. König!, Opernhaus:«Joseph in Aegypten', Oper von M v h u l, Neubearbeitung von Max Zeuge r. Immer wieder wird der Versuch gemacht, Mo hüls bei seiner Pariser Erst- auffiihrung im Jahre 1867 nur mit einem lauen Achtungsbeifall aufgenommene Oper„Joseph und seine Brüder"(wie die Oper ursprünglich hieß) dem Repertoire der modernen Bühne zurück- zuerobern, und doch wird es auch diesmal wiederum nur bei einem vorübergehenden Versuch bleiben.„Joseph" gehört zu den verhältnismäßig wenigen Opern, deren Stoff aus der biblischen Geschichte entnommen ist. Derartige Musikdramen haben sich nie lange in der Gunst des Opernpnblikums festsetzen können, weil sie zumeist an großer Handlungsarmut leiden und auch in ihrer musikalischen Fassung unwillkürlich in den Oratorienstil verfallen So geht es teilweise auch„Joseph". Die Wiedererkennung zwischen Joseph und seinen Brüdern und namentlich zwischen Joseph und seinem greisen Vater Jacob bildet eben für drei lange Aufzüge doch gar zu wenig Inhalt; da es noch dazu an dramatischen Wendepunkten völlig fehlt und da auch Mohnls stark von seinem Gönner Gluck beeinflußte Partitur bei allem Ebenmaß in der stilistischen Haltung und bei aller Schlichtheit der Ausdrucks- mittel(wodurch diese Musik auf viel spätere Zeiten hin- bestehen. Auch der»Tenips" kommt da in Betracht. Jedenfalls ist der„Matin" sehr gut unterrichtet. In ihm erschien w den kritischen Novembertagen ein Artikel mit der Ueberschrift: „Ist Er krank?" Die Antwort lautete: „Jawohl, Er ist krank? Der Sitz der Krankheit ist der Kopf; i« seiiiem Gehirn geht cs zu, wie in einem schlecht konstruierten Kineuiatographen." Der Artikel war bezeichnet als herrührend von einem nahen Bekannten d e S Mannes, um den es sich handelt, den Sie alle kennen und den ich hier nicht nennen will.(Ver- ständnisinnige Heiterkeit.) Alles das zeigt, wie dringend not- wendig die Reorganisation des Auswärtigen Amts ist, das von der„Täglichen Rundschau" als der gefährlichste Feind des deutschen Volkes bezeichnet wird. Ein Eingeweihter schrieb im „März": Es geht in diesem Amt zu wie iu einer Kinderstube; so werden wochenlang Beamte damit beschäftigt, nachzusuchen, ob vor 16 Jahren irgendeinem Würdenträger des Auslandes»dankend" oder„mit Dank" geantwortet sei I(Große Heiterkeit.) Aber wenn cs im Auswärtigen Amt und damit in der auswärtigen Politik besser werden soll, dann müssen die Machtbefugniffe zwischen Krone und Parlament gründlich gMndert iverden. DaS ist der springende Punkt.(Leb« hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Im November waren sie sich alle einig, daß es anders werden muß.�aber was ist gekommen? Lediglich mehr Geheimniskrämerei! Wir wurden in den Kommissionen über Dinge „vertraulich" unterrichtet, die alle Spatzen von den Dächern pfiffen; diese Dinge wurden als„vertraulich" bezeichnet, und eine Reihe von Ab- geordneten waren sehr froh, daß sie über Dinge nicht mehr zu reden brauchten, über die sie vielleicht sonst geredet hätten. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Beziehungen zwischen Krone und Parlament andere werden, so darf auch daS Parlament nicht mehr das Zerrbild der sozialen Schichtungen des Volkes zeigen, sondern im Parlament muß der wahre Wille deS Volkes zum Ausdruck kommen. Heute entspricht die Mehrheit in diesem Hause nur einer Minderheit im Volke.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Die Stärke Deutschlands hängt nicht davon ab, ob wir zwei oder drei Dreadnoughts mehr bauen. Wollen Sie ein starkes Deutschland, an das das Ausland glauben muß, ein Deutsch- land der Kultur und des Friedens, dann schaffen Sie ein Deutsch- land, das stark ist durch die Freiheit und das S e l b st- bestimmungsrecht deS Volkes, stark durch Verträge mit den Nachbarvölkern, vor allem mit England und Frankreich. Das ist das Deutschland, wie wir es wollen 1(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Speck(Z.) führt Beschwerde über Erschwerung der Ausfuhr von Hopfen nach England. Abg. Strcsemann(natl.) bringt einen Fall zur Sprache, in welchem der Firma Loewe ein Auftrag auf Lieferung von Patronen nach Mexiko, der Auftrag vielmehr einer ö st e rr e i ch is ch e n Firma übertragen fei, weil das Auswärtige Amt auf Befragen ein Zeugnis für die Firma abgelehnt und geantwortet habe, man möge sich zufrieden geben und Oesterreich die Lieferung überlassen, denn man habe ein Interesse daran, mit Oesterreich gut zu stehen! (Hört! hört!) Ein solches Verhalten grenzt an Liebedienerei. Redner führt des weiteren Beschwerde gegen die Bevorzugung des Adels und des Reichtums in der diplomatischen Karriere. Zur Begründung der hohen Zölle im neuen amerikanischen Zoll- tarif sind durchaus falsche Angaben über deutsche Löhne und Arbeits- Verhältnisse angeführt worden. Das Auswärtige Amt sollte dagegen Protest erheben.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Frhr. v. Schorn erwidert, daß alleS Notwendige geschehen sei, um diese Irrtümer richtig zu stellen, lieber den Fall der Firma Loewe hätte mich der Herr Vorredner informieren sollen. Als ein ähnlicher Fall vor einiger Zeit durch die Presse ging, wurde er dem Vertreter der Firma Loewe, der bei uns ein- und ausgeht, vorgelegt und dieser erklärte, daß genau das Gegenteil wahr sei.(Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob das dieser Fall war. Abg. Dr. Hcckfcher(frs. Vg.): Gerade in der Geschichte der auswärtigen Politik Englands hat sich gezeigt, wie wertvoll kurze Anfragen im Parlament sind. Die Kundgebungen der englischen und deutschen Arbeiter sind gewiß erfreulich, aber man soll nicht weist) doch ettvas monoton wirkt. So vermochten eS auch die an und für sich sehr sachverständig gehaltenen Rezitative Max Zengers, die an die Stelle des früheren Dialoge? getreten sind, nicht, blühenderes Leben über das Werk zu verbreiten. Immerhin hat die Oper an Stileinheitlichkeit und Rundung durch Zengers fleißige Arbeit viel gewonnen. Dem Werke wurde im Opernhause eine sehr schöne Aufführung zu teil. Generalmusikdirektor Dr. Muck nahm die Tempi mit schöner Breite und Herr Kraus sang die auch darstellerisch nicht leichte Titelrolle maßvoll und feier- lich. Unter den übrigen fielen mir namentlich Fräulein Hempel und Herr H o f f m a n n als Benjamin und Simeon auf. A. N. Humor und Satire. Blockprognose. Freilich schießt der Hexenmeister einen nach dem andern Bock, aber immer wieder schweißt er neu zusammen seinen Block. Dennoch kann's nicht lange währen. höchstens bis Walpurgisnacht, und man möchte darauf schwören, daß er dann zusammenkracht, daß die ganze Blockgemeine mit Gestank zum Blocksberg fährt, und das gleick""-matzen Seine Durchlaucht siai zum Teufel schert. Franz. Ein originelles Preisausschreiben erließ die in Paris erscheinende hochangesehene Fachzeitschrift„Oa rcclamo". Sie setzte drei Bargeldpreise im Betrage von 2666, 1666 und 560 Fr. auS: für die größten Reklamekünstler unter den Künstlern Europas. Das Ausschreiben sollte durch Abstimmung der Abonnenten, die sich aus alle Staaten unseres Erdteils verteilen, entschieden werden. Am 26. März wurde das Ergebnis mitgeteilt. Mit ungeheurer Mehrheit ging als erster Sven Hedin(17542 Stimmen) durchs Ziel. Die Art, wie er sein Wiederauftonchen aus dem Bauch Asiens vorbereitete, wie er seine„Empfänge" bei und nach der Rück- reise arrangierte und wie er seither in täglich wechselnder, vornehm- feuilletonistischer Form die Bedeutung seiner Beobachtungen durch die ganze Presse Europas hindurch kostenlos zu betonen wußte, sicherte ihm diesen Vorrang. Selbst Jgnaz Paderewski, der polnische Klavier- und ReklamevirtnoS, konnte nur zwei Drittel von Sven Hedins Stimmenzahl auf sich vereinigen. Er erhielt mit 12 665 Stimmen den zweiten Preis. In den dritten mußten zwei sonst so hochgeschätzte Künstler wie Richard Strauß und Gabriele d'Anmmzio(9576 und 9438 Stintinen) sich teilen. (Aus der parodistischen Zeitschrift»Der April'.) den Anschein erwecken, als ob nur die Arbeiter friedlich gesinnt find; das Bürgertum ist auch friedlich gesinnt.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Herr Scheideniann hat in unschöner Weise wieder auf die Novembertage hingewiesen. Diese Debatte sollten wir doch endlich schliefen, zumal da Misere auswärtige Politik in jüngster Zeit so großartige Erfolge aufzuweisen hat. Abg. Ä litis Edler z« Puttitz(I.): Die Angriffe auf den Adel im Heere, in der Verwaltung und in der Diplomatie find ver- altet; tüchtige Leute werden genommen, wo man sie findet.(Sehr richtig I links.) Staatssekretär v. Echoen erklärt nochmals, dafi bei der Anstellung im diplomatischen Dienst Standesvorurteile nicht maßgebend sind; nur auf Tüchtigkeit werde gesehen.(Bravo!) Abg. Stadthagen(Soz.): Eine der ersten Aufgaben des Auswärtigen Amts scheint mir zu sein, darauf zu sehen, daß die Verträge gehalten werden, welche das Deutsche Reich mit anderen Staaten geschlossen hat. Die Nationalliberalen haben fich sehr aufgeregt über das Unrecht, das einem deutschen Professor zugefügt sein soll. Gewiß ist auch ein solches Unrecht nicht zu billigen, was will es aber sagen gegen das Unrecht, das Tausenden von Arbeitern, entgegen den Staats» Verträgen und den Neichsgesetzen, zugefügt wird? Unsere Resolution verlangt, der ReichSkauzler soll«nf die Beseitigung der Ministemlaitweisuuge» hinwirken, die von ausländischen Arbeitern entgeltliche LegitimationSkarten verlangen und ihnen die Ausweisung androhe», falls sie nicht im Besitz solcher Karten find. Solche ministeriellen Anweisungen sind zuerst in Preußen ergangen, dann in den beiden Mecklenburg, in den beiden Lippe, in Oldenburg und einer Reihe anderer Staaten. Neuerdings sind diese ungesetz- lichen, gegen die Verfassung und die Verträge verstoßenden Anord» nungen in Preußen noch verschärft worden, indem sie aus alle ausländischen Arbeiter ausgedehnt find. Die diplomatisch» Fähigkeit der Herreu vom Auswärtigen Amt darf doch nicht so weit gehen. daß sie diese Verletzung von Staatsverträgen im Inland übersehen. Die Anordnung, welche Legitimationskarten von ausländischen Arbeitern fordert, ist ein klarer Bruch der Staatsverträge, und eine Reihe von Regierungen— Oesterreich-Ungarn, Italien, die Schweiz— haben Vorstellungen dagegen erhoben. Der Schweizer Vertreter erklärte den Schweizern, die sich an ihn wandten, daß die Forderung der Legitimationskarten „ein schroffer Bruch des Vertrages mit der Schweiz" seil Man geht sogar soweit, den ausländischen Arbeitern zu er- klären, sie dürsten nicht in industriellen Betrieben arbeiten, sondern nur in landwirtschaftlichen! Ist das Auswärtige Amt dazu da, die Augen absichtlich zu verschließen bei einem derartigen Bruch der Staatsverträge? In allen in Betracht kommenden Ver- trägen ist den Ausländern zugesichert, daß sie keine anderen Gebühren und Steuern zu zahlen haben, als die Deutschen. Wenn der preußische Minister nun für solche Legitimationskarten von den ausländischen Arbeitern 2 resp. o M. verlangt, so steht daS damit in schroffem Widerspruch, ganz abgesehen davon, daß eS geradezu ein wucherisches Verlangen ist, für einen wertlosen Wisch, der keineswegs Arbeit verbürgt, 2 resp. 5 M. zu bezahlen. Preußen hat kein Recht, die Verträge, die das Reich geschaffen hat, außer Kraft zu setzen, und das Auswärtige Amt hat die Pflicht, gegen diese Mißachtung der Staatsverträge Front zu machen. Der Reichskanzler muß darauf dringen, daß solche widerrechtlichen Anordnungen beseitigt werden. Diese widerrechtlichen Anordnungen wenden sehr erhebliche Vorteile gerade besonders reichen Leuten zu. Zunächst erhält die Feldarveiterzentrale für jede dieser Karten 5 bezw. 2 M. Sogar von Leuten, die seit 20, 30, 40 Jahren in Deutschland sind, werden jetzt diese Gebühren gefordert! Die Polizei sagt: Weil du kein Müssiggänger, kein Faulenzer, sondern weil du ein Arbeiter bist, verlangen wir von dir diese 2 M. Rechnen wir im Durchschnitt 500 000 Arbeiter, von denen jedem 5 M. bezahlt wird, so werden der Feldarbeiter- zentrale auf diese Weise zirka eine halbe Million Mark zugeschanzt.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei ver» mittelt sie die schlechtesten Arbeitskräfte, weil vernünftige Ar» beiter natürlich nicht mehr nach Deutschland kommen, wo sie so be- handelt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausweisung, die den Ausländern angedroht wird, ist ein strikter Bruch mit dem Reichsrecht. Die Ausweisung wird hier für den Fall angedroht, daß sich jemand eine Erpressung nicht gefallen lassen will! Dabei hat Preußen in den hier in Betracht kommenden Fällen überhaupt kein AusweisungSrecht! Die Handelsverträge stellen unsere Nachbarn den Meistbegünstigten gleich. In den Verträgen mit einer Reihe von Staaten ist aber das AufcnthaltSrecht ausdrücklich zu- gestanden, daS AusweisungSrecht an bestimmte hier nicht vorliegende Voraussetzungen geknüpft. DaS legte Redner cm der Hand der Staatsverträge des näheren dar. Ferner steht daS ReichSpaß- g e s e tz direkt dem Verlangen nach Legitimationsgebühren entgegen. Freilich hat Herr v. Bethmann- Hollweg gesagt, eS handle sich hier nicht um ReichSgebllhren und nicht um Paßgebühren, sondern um Gebühren für Arbeitsvermittelung I Das aber wieder widerspricht den Handelsverträgen, die ausdrücklich besagen, daß Ausländer keine anderen Gebühren zu zahlen haben als Inländer. Weiter widerspricht die Gebührenordnung auch dem Sinne der Reichsverfasjung. Denn wenn auch nicht nach ihrem Wortlaut, so soll doch nach ihrem G e i st e Gleichheit vor dem Gesetz bestehen, und damit ist eS nicht verträglich, daß sie verschieden gehandhabt wird, je nachdem es sich um einen Arbeiter oder um einen Unternehmer handelt. Vor vier Jahren habe ich dem Zentrum gegenüber den be- rühmten Rechtslehrer Jhering zitiert, der ausführt, welch ein Kultur- fortschritt in dem allgemeinen Aufenthaltsrecht auch der Ausländer liege. Dnsselbe hat auch während des Krieges mit Frankreich Kaiser Wilhelm I. erklärt: Als Deutsche aus Paris ausgewiesen wurden, erklärte er. es sei allgemeine Sitte, daß die Gastfreundschaft selbst im Kriege respektiert werde. Hier aber werden mitten im Frieden Arbeiter ausgewiesen. DaS widerspricht auch der ReichSgesetzszebung, denn die Fremden- Polizei ist lediglich R e i ch s s a ch e. Freilich sucht es der preußische Minister des Innern so darzustellen, als ob seine Verfügung nicht nur für Preußen, sondern für ganz Deutschland gelten solle, in- dem er sie in der Ueberschrift als eine„Verfügung für Deutsch- land" bezeichnete! Ungültig ist die Verordnung serner, weil sie die A n s w e i s u n g androht. Eine Möglichkeit der Ausweisung liegt bei gerichtlichem Urteile vor. Hier aber soll jemand ohne Be- gehung einer strafbaren Handlung lediglich von der Polizei aus- gewiesen werden dürfen! Der Polizeibeamte hat mehr Recht als der Richter, indem er völlig Unschuldige ausweisen kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Als seinerzeit das Reichspaßgesey beraten wurde, haben auch die National- liberalen ausdrücklich anerkannt, daß das Ausweisungsrecht Sache des Reiches, nicht der Einzelstaaten ist. Ein Teil der Staats- Verträge umgrenzt die Fülle, in denen eine Ausweisung möglich ist: Sie ist zugelassen wegen üblen Vorlebens des Ausländers, hier aber handelt eS sich nicht um solche Leute, sondern lediglich um Arbeiter, welche eine Legitimationskarte nicht bezahlen wollen oder die mit dem Arbeitgeber in Streit geraten find. In einem Falle hat man Arbeiter mit der Ausweisung bedroht, wenn sie bei einem polnischen Gutsbesitzer in Arbeit treten, sie aber hiergelassen für den Fall, daß sie beim Landrat in Arbeit treten!! Wenn eine Streitigkeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsteht, so soll der Landrat die vorläufige Entscheidung treffen. Das ist ein Eingriff in die Rechtshoheit des Reiches, die em solches Borversahren des LandratS nicht kennt. Nach den Verttägen hat der Ausländer dasselbe Recht, die Gerichte anzurufen wie der Inländer. Zudem ist eS gar kein Vorverfahren, da der Landrat ja die Möglich- keit hat, den Arbeiter auszuweisen. Wie oft die Streitigkeiten durch Kontraktbruch der Unternehmer verursacht werden, ist ja bekannt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Da die Feld- arbeilerzentrale für jede» ausländischen Arbeiter 5 M. bekommt, so liegt für sie geradezu ein Anreiz vor, gewissenlose Agenten ins Aus» land zu senden, um ausländische Arbeiter herzulocke». Diese Gebühr bildet geradezu eine Prämie auf den Kontraktbruch, damit wieder neue ausländische Arbeiter statt der entlassenen herein- geholt werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist Pflicht des Reichskanzlers, darauf hinzuarbeiten, daß diese klare Verletzung von Staatsverträgen endlich beseitigt wird. Die Wirkung wird sonst sein, daß im Auslande die deutschen Arbeiter, entgegen den Gesetzen, eben so schlecht behandelt werden. Die Absicht des ministeriellen Erlasses ist natürlich, in den ausländischen Arbeitern Streikbrecher für ländliche und industrielle Unternehmer zu schaffen, Arbeiter, die geduldig auf jeden Wink des Arbeitgebers hören müssen, weil sie sonst Gefahr laufen, ausgewiesen zu werden. In Preußen ist der Minister der öffentlichen Arbeiten ja sogar soweit gegangen, zu bestimmen, daß bei gewissen öffent- lichen Arbeiten, Kanalbauten»sw. in erster Linie ausländische Arbeiter beschäftigt werden müssen I(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Wie Sie heute im„Vorwärts" gelesen haben werden, sind sogar auf dem Gute eines der Herren Staatssekretäre— ich nehme an, ohne daß der Herr Staatssekretär dafür persönlich verantwort» lich gemacht werden kann— Arbeiter, die lange Jahre gedient haben, unter anderem eine Witwe, die 40 Jahre auf dem Gute beschäftigt war und sich nichts hat zuschulden kommen lassen, ent- lassen worden, damit 70 russische Arbeiter angestellt werden konnten, die die Feldarbeiterzentrale herangeschafft hatte.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Aus diesen Gründen bitte ich Sie dringend, ohne Unterschied der Partei für unsere Resolution zu stimmen. Sonst würde sich das Wort bewahrheiten, daß es nur zwei Nationen gibt: die Nation der Ausbeuter und die Nation der Arbeiter. Es würde fich zeigen, daß die Siaatsverträge nur im Interesse der Ausbeuter ge- schlössen werden. Möge der Herr Reichskanzler dafür sorgen, daß die unter klarer Verletzung von Staaisverträgen getroffene Ministerial- Verordnung aufgehoben wird.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozial» demokraten.) Ministerialdirektor Dr. v. FrantzinS bestreitet, daß ein Wider- sprnch zwischen der Verordnung und geschlossenen StaatSverträgen bestände. Beim Auswärtigen Amt seien keine Beschwerden von auS- wältigen Staaten eingegangen. Im einzelnen bleiben die Aus- sührungen des Redners auf der Tribüne unverständlich. Abg. Dr. Arning(natl.)(zuerst unverständlich) verbreitet sich unter anderem über die Schädigung deutscher Interessen durch die Staatsmonopole im Kongostaate. Abg. Graf Kanitz(k.) weist auf die bevorstehende Erhöhung zahlreicher Positionen des französischen Zolltarifs hin; das sei für die deutschen Interessen um so bedenklicher, als Frankreich laut dem Frankfurter Frieden das MeistbegünstigungSrecht in Deutschland genieße, wodurch Gegenmaßreaellr erschwert seien.— Amerika sei draus und dran, be, der Reform seines Zolltarifs das Handels- Provisorium mit Deutschland zwar nicht ausdrücklich, aber tatsächlich außer Kraft zu setzen. Staatssekretär v. Schorn erklärt, die deutsche Regierung habe von den belgischen Regierung die Zusicherung der Abstellung der Mißstünde im Konqostaat erhalten. Abg. Oertzen(Rp.) bestreitet, daß der preußische Erlaß über die ausländischen Arbeiter der Reichsverfassung und den Handels- Verträgen widerspreche. Die Gutsbesitzer würden sehr gern in» ländische statt ausländischer beschäftigen; leider finden sie keine deutschen Arbeiterl(Sehr richtig! rechts.) Zubeil habe bei der Debatte über die Koalitionsfreiheit behauptet, der General v. Podbielski habe ausländischen Arbeitern den verdienten Lohn nicht bezahlt; das sei aber nicht wahr, die Arbeiter waren kontrakt- brüchig, seien aber trotzdem bis auf die drei Rädelsführer wieder angenommen und auch voll bezahlt worden. Gewiß habe Zubeil, was er vorbrachte, in gutem Glauben gesagt, aber man müsse bei solchen Dingen doch vorsichtig sein. Im all- gemeinen werden die Arbeiter auf dem Lande gut behandelt und gut bezahlt. Deshalb soll man nicht, wie Stadthagen getan, von Ausbeutung der Landarbeiter reden; darin liege eme Ver- h e tz u n g. Vizepräsident Kaempf: Sie dürfen nicht sagen, ein Abgeordneter habe eine Hetzrede gehalten.(Große Unruhe und Zurufe.) Abg. Oertzen(Rp.): DaS habe ich auch nicht gesagt, sondern nur, daß man nicht von Ausbeutung sprechen solle, denn darin liegt eine Verhetzung, und daS werden Sie doch nicht bestreiten.(Große Heiterkeit.) Abg. Gothein(frs. Vg.); Die drohenden französischen Zoll- erhöhiingen, die Gras Kanitz beklagt, find eine Folge unserer ver- kehrten Wirtschaftspolitik, wie wir vorausgesagt haben. Wir haben eben in allen Ländern die im Niedergang begriffene Schutzzoll« bewegung wieder gefördert.(Widerspruch rechts.) Diese Tat- fache'lönnen Sie durch Ihren Widerspruch nicht aus der Welt schaffen. (Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Damit schließt die Diskussion. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt. Die oben mitgeteilte Resolution des Zentrums wird zurückgezogen, die der Liberalen einstimmig aiigenoinmcn. Die Resolution Albrecht und Genossen(Soz.) wird unter Streichung der Worte„unter Verletzung der vom Reiche geschlossenen Staatsverträge', für welche nur die Sozialdemokraten stimmen, mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen, des Zentrums und der Polen angenommen. Hierauf vertagt daS HauS die Weiterberatung auf 8 Uhr. Schluß 0 Uhr. "«• Abendsitzung. Am Bundes ratstisch: v. S ch o e n, Schulz, Breitenbach. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Die zweite Lesung des Etats des Auswärtigen Amtes wird fortgesetzt. Beim Titel„Konsulat in Caracas' rügt Abg. Dr. Görcke(natl.) den mangelnden Schutz der Deutschen in Venezuela. Der Titel wird bewilligt. Nach fast debatteloser Bewilligung von zirka 100 weiteren Titeln bespricht beim Titel„Konsulat in Saloniki' Abg. Lizentiat Everling die konfessionellen Verhältnisse der Deutschen in Saloniki und verwahrt sich gegen Eingriffe des Reichs- tagcs in die Kompetenz des evangelischen Oberkirchenrats.(Heiter- keit bei den Soz. und im Zentrum.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vg.) beklagt die sitt- liche Gefährdung der evangelischen Konfirmandinnen in Saloniki durch den„Simplicissimus"! Ein evangelischer Pfarrer darf nicht Mitglied in einem Klub sein, in welchem der„Simplicissimus" gehalten wird.(Bravo! rechts.) Staatssekretär v. Echoen nimmt die Konsulatsbeamten in Saloniki gegen die Angriff« des Herrn Abg. v. Liebermann in Schutz. Mg. Liebermann v. Sonnenberg(Wirtsch. Vgg.) führt unter ständig steigender Unruhe auS> daß der Staatssekretär einseitig unterrichtet sei. Staatssekretär v. Schoen verliest ein ihm vom Konsulats» dragoman übersandtes Schreiben. Er überreicht dieses dann dem Abg. Liebermann v. Sonnenberg, der das Wort nimmt, ohne den Vizepräsidenten Kämpf gefragt zu haben!(Allgemeins Un- ruhe.) Unter allgemeinem Beifall verzichtet Staatssekretär v. Schoen auf eine nochmalige Erwiderung. Der Titel wird schließlich bewilligt. Nach unwesentlicher Debatte gelangt ein nationalliberaler An» trag zur Annahme, zur Entsendung von Sachverständigen inSAus- land für landwirtschaftliche Untersuchungen dieselbe Summ« zu bewilligen, wie die Regierungsvorlage vorgesehen hgtte> Gleichfalls angenommen wird ein freisinniger tCnftetff. der ekne von der Budgetkommission beschlossene Streichung zur Förde» rung deutscher Schul- und Unterrichtszwecke wieder aufhebt. Es folgt ein Ergänzungsetat, der Mittel zum Erwerb einiger Grundstücke für militärische Bauten in Köln, Berlin usw. fordert. Er wird dcbattelos in erster und zweiter Beratung ange» n o m m e n. Abg. Singer(Soz.) zur Geschäftsordnung): Ich beantrage, nicht mehr in die Beratung des Etats oer Eisenbahnen einzutreten, sondern uns zu vertagen. Der ver- fassungsmäßige Termin zur Fertigstellung des Etats kann doch nicht innegehalten werden, und für die nächsten Tage ist durch den Notparagraphen im Etatsgesetze gesorgt. Wenn man eine Ver- Handlung führen will, so darf es nicht nur eine Verhandlung dem Namen nach sein.(Lebhafte Zustimmung bei de» Soziawemo- traten.) Nach außen hin muß es einen sehr schlechten Eindruck machen, wenn die Etatsberatung in einer Weise überhastet wird, von der auch jeder Nichtkenner des Etats sagen muß. daß eS nur geschieht, um mit dem Etat zu einem bestimmten Termin fertig zu werden. Der Etat muß uns eben so frühzeitig zugehen, daß alle, die das Wort dazu nehmen, es auch bekommen, ohne durch Un- geduld gestört zu werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Der Präsident läßt über den Antrag abstimmen, derselbe wird abgelehnt. Abg. Singer lSoz.) zur Geschäftsordnung: Vor der Abstimmung hätte die Unterstützungsfrage gestellt werden müssen. Wenn das geschehen wäre, so hätte ich vor der Abstimmung die Beschlußfähig- kcit des Hauses bezweifelt. Ich bedauere, daß mir nicht Gelegen- heit gegeben wurde, von diesem geschästsordnungsmäßigen Mittel Gebrauch zu machen. Ich werde das aber bei der ersten Abstim- mung, die erfolgen wird, tun. Präsident Graf Stolberg: Ich gebe zu. daß vorhin ein Ver- sehen passiert ist; eS fand gerade ein Wechsel im Präsidium stall Jetzt schlage ich vor, in der Verhandlung fortzufahren. Abg. Singer(Soz.): Nachdem der Präsident das Versehen fest- gestellt hat, hätte ich erwartet, daß die Abstimmung für u n g ü l t i g erklärt würde. Im übrigen möchte ich meinen Antrag auf Ver- tagung wiederholen. Präsident Graf Stvlberg: DaS ist nicht zulässig, Sie müssen mindestens noch einen Redner abwarten. Der Präsident erteilt das Wort dem Berichterstatter zum Etat der Reichseisenbahnen, Abg. Schwabach(natl.). Auf Zurufe von der Rechten will er zunächst verzichten, erstattet dann aber seinen Bericht. Inzwischen geht ein Vertagungsantrag der Mehr» heitsparteien ein, der unter großer Heiterkeit der Sozial- demokraten angenomnren wird. Nächste Sitzung: Donnerstag 10 Uhr.(Rest der Etatsberawng.) Schluß: 10% Uhr._ Parlamentarisches. Die Bankgesetznovelle wurde am Mittwoch in der Reichstagskommission unverändert an« genommen. Die Abstimmung über zwei Resolutionen, die eine Be- aufsichtigung der Depositenbanken bezwecken, findet nach den Oster- ferien statt. Der Reichsbankpräsident erklärte, daß die auf Wunsch der Großbanken unterbrochene Beratung der Enquetckommissioo alsbald fortgesetzt werden soll._ Die Finanzko«Mission des Herrenhauses hat die Pfarrerbesoldungsgesetze und den Gesetzentwurf über die Abänderung des EinkommenneuergesetzeS und des Ergänzung-?- steuergesetzeS in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung angenommen. Zuni Gesetzentwurf über die evangelischen Geistliche» beantragt die Kommission: die Regierung zu ersuchen, daß sie bei der Verteilung der Mittel, die ihr aus dem Etat für Witwen von den vor dem 1. April 1895 verstorbenen Geistlichen zur Verfügung stehen, möglichst oen vollen Betrag, der den Witwen aus dem Reliktenfonds zu gewähren wäre, wenn das Gesetz zur Zeit des Ablebens der Pfarrer schon bestanden hätte, den Witwen zu» kommeir lasse._ » Hus der Partei. KantStyS Ursprung dcS Christentums abermals k-nfiSziert. Der Wiener Staatsanwalt hat die österreichische„Arbeiterinnen« Zeitung' konfisziert wegen einer Besprechung de« Buches von Karl K a u t S k y. Der Konfiskation verfallen ist folgende Stelle: „... Alles, was man brauchte, um das Volk an die gött- liche Sendung Jesu glauben zu machen, ist eben später erfunden und erdichtet worden. Jesus war ein Aufrührer, ein Unzufriedener, ein Empörer, wie sie zu allen Zeiten eiiistanden sind, wenn harter Druck das Volk belastet hat. So lesen wir bei Kautsky:„Von der Zeit, in die Jesu Tod verlegt wird, bis zur Zerstörung Jerusalems brachen dort die Unruhen nicht ab. Straßenkämpfe waren etwas ganz Gewöhnliches, ebenso wie die Hinrichtungen einzelner Insurgenten. Em solcher Stroßenkampf einer kleinen Gruppe von Prole- tarienr und die darauf folgende Kreuzigung ihres Rädelsführers, der aus dem stets rebellischen Galiläa stammte, mochte sehr wohl tiefen Eindruck ans die dabei beteiligten Ueberlebeuden machen, ohne daß die Geschichtsschreibung von einem so alltäglichen Vor- koininniS Notiz zu nehmen brauchte.' So ein Rädelsführer war Jesus. Als sich später die Zustände anders entwickelt hatten und Ruhe eingetreten war, änderte die christliche Gemeinde ihr Ideal- bild, den Rebellen Jesus, in eine andere Gestalt um. Alles Nebellische wurde entfernt und der rebellische Jesus wurde in einen leidenden verwandet...." Trotz der KonSfiskation ist der größte Teil der Auflage in die Hände der Leser und Leserinnen gelangt. Die sozialdemokratische Fraktion wird nicht versäumen, über die plötzlich ausgekrochene Konfiskationsmanie der österreichischen Staatsanwälte auch in diesew Falle zu interpellieren._ Zur Maifeier. Stuttgart, 31. März.(Privatdepeiche des.Vorwärts'.) Das GewerlschaftSkartell hat beschlossen, in Rücksicht aus die Krise und die ungünstige Position der Arbeiterschaft gegenüber den AuS» sperrungSgelüsten der Unternehmer für dies Jahr von einem Maifestzug abzusehen. Für die Feiernden finden vormittag? Versamnilmigen statt. Die Holzarbeiter haben die A r v e i t S r u h e am 1. Mai beschlossen, die Metallarbeiter haben sie abgelehnt. •.• In Frankfurt a. M- haben Partei und Gewerkschaften be- schlössen, auch in diesem Jahre die Arbeits ruhe am 1. Mai überall da durchzuführen, wo keine„ernsten Konflikte' zu befürchten sind. Vormiitagsversammlnngen werden nach Bedarf einberufen. Der Beschluß des Nürnberger Parteitags, daß die Genossen, die am 1. Mai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, an die Partei- und Gewerkschaftökasse einen Tagesverdienst abgeben sollen, wird durch» geführt. Die eingehenden Beträge werden, soweit sie nicht für sofort verwandt werden müssen, als besonderer Fonds angelegt. *.' Eine gemeinsame Sitzung des WahlvereinSvorstandeS, deS Gewerkschaftskartells und der Vorstände der verschiedenen Gewcrk- schaften zu Rostock lehnte eine vom Kartellvorstand eingebrachte Resolution ab, die besagt, daß für die diesjährige Maifeier eine Propaganda für Arbeitsruhe nicht erfolgen könne. Anstatt deS bisher üblichen AnSmarscheS am Morgen soll eine Versammlung abgehalten Verden. Der Nürnberger ParteitagSbeschluß über die Lohn- absührung gelangt zur Ausführung. Eine sozialdemokratische Gemeinde. In Lambrecht(Pfalz) fanden am Montag Ersatzwahlen zum Stadtrat statt. Die sozialdemokratische Liste siegte, die Sozialdemokratie hat nun im Stadtparlament die absolute Mehrheit, 16 von 20 Sitzen. Infolgedessen wurden am Dienstag im Stadtrat Genosse Karl Ritsch zum Bürgermeister, der Genosse Schlosser zum zweiten Adjunkten(Vertreter des Bürger- meisters) gewählt; zum ersten Adjunkten wurde ein Zentrumsmann bestellt. Lambrecht ist der erste Ort in der Pfalz, der einen Sozial- demokraten als Bürgermeister erhält. Sehr trübselig ist der Ausgang der Wahl für die Liberalen. Elf liberale Stadtratsmirglieder, Vertreter der in Lambrecht herrschenden Tuchfabrikanten, legten vor einiger Zeit ihre Mandate zum Stadtrat nieder, weil die Geschäftsführung des liberalen Bürgermeisters durch einen sozialdemokratischen Vertreter scharf kritisiert worden war. Die demonstrative MandatSniederlegung sollte einen großen liberalen Aufschwung, eine kräftige Absage der Bürgerschaft an die Sozial- demokratie provozieren. Nun ist gerade das Gegenteil heraus- gekommen. Die Liberalen brachten noch nicht einmal einen Wahl- Vorschlag zusammen, und ihre Bemühungen um Wahlhilfe beim Zentrum waren vergebens. Das Zentrum hatte Wahlenthaltung proklamiert. Die Wahl des Bürgermeisters und der beiden Adjunkten unter- liegen der Bestätigung durch die Regierung. In Brackel bei Dortmund siegten im vergangenen Herbst bei der Gemeinderatswahl die sozialdemokratischen Kandidaten über die vereinigten bürgerlichen. Die biirger- liche Gemeindevertretung erklärte daraus die Wahl der sozial- demokratischen Gemeindebertreter für ungültig. Der Kreis- auSschuß schloß sich diesem Beschlüsse an.— Bei der Neuwahl siegten die beiden sozialdemokratischen Kandidaten über die ver- einigten Gegner(die Nationalliberalen, die Zechenpartei und die Zentrumspartei) wiederum mit großer Majorität. Unsere Tote». In Zwickau starb am Mittwoch der Genosse Julius Seifert im Alter von 61 Jahren. Der Verstorbene ist einer von der alten Garde; lange Jahre hat er getreulich in den ersten Reihen gekänipst. Von ILSV bis 1903 vertrat er den 19. sächsischen Wahlkreis(Stollberg-Schneeberg) im Reichstag, svon 1893 bis 1901 gehörte er dem sächsischen Landtag an. Zwei Jahrzehnte lang stand er an der Spitze der Parteiorganisation der Stadt und des Wahlkreises Zwickau. Seit 1902 bekleidete er den Rendanten- Posten an der Zwickauer Ortskrankenkasse. Die Arbeiterschaft Sachsens wird dem verdienten Veteranen ein ehrendes Andenken bewahren._ Sozialem Der Streit um die Herausgabe von Akten. Ein hartnäckiger Kampf um die Herausgabe beziehungsweise Einsichtnahme von Akten ist gestern nach fast vierjähriger Dauer endlich durch Urteil der ersten Kammer des Berliner KanfmannsgerichtS zum Abschluß gekommen. Dem Rechts- streit liegt folgender Tatbestand zugrunde: Der Korrespondent Hans B. war in der ehemaligen Versicherungsgesellschaft.Augusta' tätig gewesen. Anfang des Jahres 1S0S wurde die„Augusta" von der„Arminia� Übernommen, und der Kläger B. wurde von der beklagten Versicherungsgesellschaft.Arminia" bis zum 1. Oktober 1903 zu dem Zwecke vertraglich verpflichtet, um die wankelmütig gewordenen alten Versicherungsnehmer durch ge- schickte Korrespondenzführung zur Aufrechterhaltung ihrer Versicherung zu veranlassen. Für die durch ihn aufs neue gefestigten Versicherungen sollte er 4 Proz. der Jahresprämie erhalten. Nach sehr erfolgreicher Tätigkeit wurde er plötzlich am 15. Mai 1905 zur Disposition ge- stellt, und die Gesellschaft verweigerte B. Provision für alle nach dem 1. Oktober 1905 eingegangenen Zahlungen. Der Kläger be» rechnete seinen Schaden durch die unsreiwillige Ausschaltung seiner Tätigkeit auf 1200 M. Das Ka u fm a n n s g e ri ch t gab darauf der.Arminia" auf, behufs Feststellung des Guthabens des Klägers die Akten vorzulegen. Die Beklagte beantragte dann einen gerichtlichen Bücherrevisor bei der Einsichtnahme zuzulassen. Dem Wunsche kam das Gericht nach. Es gelang indessen dem vom Gericht bestellten Bücherrevisor trotz größter Bemühungen nicht, eine Einsichtnahme in d i e Akten, auf welche es allein ankam, zu erlangen. Jetzt erhob die.Arminia" den Einwand, sie sei nicht verpflichtet, die zirka 12 000 Aktenstücke von dem Hauptsitz München nach Berlin zu schaffen. Außerdem sei sie zur Geheimhaltung des Akten- inhalls gegenüber den Versicherungsnehmern verpflichtet. sie dürfe somit keinem Außenstehenden, auch nicht einem Bücherrevisor Einsicht gewähren. Am 11. Februar dieses JahreS beschloß nunmehr das KaufmannSgericht: Die Beklagte hat b i n n e n drei Wochen die Akten in Berlin bereit zu stellen, widrigenfalls die Behauptung des Klägers als erwiesen angenommen und weitere Beweismittel ausgeschlossen werden. Die Beklagte bezeichnete diesen Beschluß als u n g e s e tz- l i ch, da er mit§ 427 der Zivilprozeßordnung nicht in Einklang zu bringen sei. TaS KaufmannSgericht sprach die Verurteilung der beklagten Gesellschaft in Höhe des Ilägerischen Antrages von 1200 M. aus. Der Einsichtnahme von Geschäftsbüchern und-papieren durch einen gerichtlichen Sachverständigen darf nichts in den Weg gestellt werden, sofern sich die Firma nicht ihres Beweismittels be- geben und die Konsequenzen tragen will. Städtische Aerztin. Der Stadtrat in Karlsruhe hat beschlossen, die Stelle eines vierten Assistenzarztes im städtischen Krankenhause der Medizinal- Praktikantin Alice Leiter zu übertragen. Der flüchtige Ortskrankenkassenrendant in Remscheid, Max Nötiger, ist in Bremen verhaftet und in Untersuchungshaft ge- nommen worden. Der Verhaftete hatte noch gegen 2700 M., die et der Kasse entnommen hatte, im Besitz. Mit den Unterschlagungen hatte er 1906, also zu der Zeit begonnen, wo die Aufsichtsbehörde nach rechtswidriger Enthebung des Vorstandes von seinem Posten die Kassengeschäfte führte. Hua Induftric und Handel. Industrielle Konzentration. Die Kohlenförderung im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk hat 1903 rund 82,66 Millionen Tonnen betragen, das ist mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Kohlenförderung.. Die riesenhafte Äönzentrierung des Kapitals wird illustriert durch folgende Ueber- ficht. ES entfielen auf je ein Werk durchschnittlich Kohlenförderung Arbeiter 1850... 3412 Tonnen 64 1870... 53 693„ 284 1890... 202 682. 730 1900... 363 530, 1884 1908... 636783. 2174 1008 standen 154 Werke in Betrieb. Davon waren 82 im Besitz bim nur 14 Gesellschaften, von denen 13 dem Kohlenshndikat an- geschlossen sind. Es gehörten 16 Zechen der Harpener Gesellschaft, 11 der Gclsenkirchcner, 8 der Essener Steinkohlcn-Bergwerksgesell« schast, 9 der Deutsch-Luxemburgischen, 6 der Hidernia, je 6 den Ge- scllschaften Phönix, Firma StinneS u. Mühlheim, 4 dem preußischen Fiskus usw. Läßt man die 4 fiskalischen Zechen außer Rechnung. dann bleibt für die 15 größten Syndikatsgesellschaften allem eine Gesamtfördernng von rund 48>/, Millionen Tonnen. Die 13 Riesenunternehmungen sind durch Personalunion, fa- miliare Beziehungen der Hauptbesitzer, Bmikenkonzerne usw. derart versippt, daß heute schon nur noch ein Dutzend überaus kapital starker Personen oder Familien die Herrschaft in dem größten europäischen In- dustriebezirke ausüben! Was dieses Dutzend untereinander über die Förderung und die Preisstellung ausmacht, dem haben sich nicht nur die übrigen Shndikatsmitglieder, sondern dem hat sich auch die Konsumentenmasie zu unterwerfen. DaS rheinisch-west- fälische Kohlensyndikat ist der stärkste Rückhalt auch für die Kohlen- grubenbesitzer in den anderen deutschen Bergwerksbezirken; es be« stehen Preisvereinbarungen zwischen allen deutschen Grubenvereini« gungen, wofür das rheinisch-westfälische Syndikat die Richtlinien an- gibt. Infolgedessen beherrschen das Dutzend rheinisch-we st fälische Syndikatsmagnaten direkt und indirekt die gesamte Kohlenindustrie Deutsch- landsl Neben der Kohlenförderung hat sich die Herstellung von Koks, Briketts und der für die chemiiche Industrie erzeugten Nebenprodukte außerordentlich gehoben. 1903 sind 14,96 Millionen Tonnen Koks gegen 6.95 im Jahre 1898 erzeugt worden. 1898 waren 8441 Koksöfen mit je 824 Tonnen Durchschnittsleistung in Betrieb, 1907 waren eö 13 575 mit je 1169 Tonnen Durchschnittsleistung. Auf die dem Syndikat angeschlossenen Kohlenzechen, im Besitz von 14 Hütten« gesellschaften, entfielen fast 5 Millionen Tonnen von der gesamten Koksproduktion. Hierin liegt der große wirtschaftliche Vorteil dieser „gemischten Werke"; sie treiben unaufhaltsam zur weiteren Konzen- ttation. Das Ende ist ein g e w a l t i g e r M o t a n t r u st. Wenn man die Gesamteinnahme der Unlcrnchmer für Kohlen, Koks, Briketts, Teer, Ammoniak, Benzol, Ziegelsteine(1903 eine Produktion von über 333 Millionen Stück) usw. zusammenrechnet, so kommt für 1903 sicher eine Gesamtsumme von weit über 1000 Mill. Mark heraus. Ueber diese Niesensummen verfügt ein relativ win- zigeS Häuflein Unternehmer. Kein Wunder, daß die Syndikatsherren sich den von ihnen kommandierten mehr als 334 000 Arbeitern gegen- über als die Diktatoren fühlen und auch nicht vor ieiner unerbitt- lichen Fronde gegen die Regierung zurückschrecken. Daß sich im Jahre 1903 die Lohnverhältnisse verschlechtert haben, zeigt diese Zu- sammenstellung: Durchschnittswert Durchschnittslohn Anteil des Lohnes der der vom Tonne Kohlen Arbeiter Durchschnittswert 1907... 9.52 M. 4.37 M. 61,16 Proz. 1908... 10.06„ 4,82„ 47,44, Demnach ist der Lohn absolut und relativ gesunken. Trotzdem behaupten die Trustmagnaten inimer wieder, die hohen Kohlenpreise seien bedingt durch gesteigerte Lohnkosten. Bereinigte Werkstätte» für Kunst im Handwerk, N.-G. Der Auf- sichtSrat der Gesellschaft bringt crsimalig die Verteilung einer Divi- dende von 6 Proz. für das Geschäftsjahr 1903 in Vorschlag. AuS dem Reingewinn, der 161 652 Mark beträgt, wird auch die vor- jährige Unterbilanz von 39 620 Mark getilgt. Der Auftragsbestand wird als sehr befriedigend bezeichnet. Wohlfahrt bei Scherl und das Statistische LandeSamt. Mit Hinweis auf unsere Notiz, betteffend Masienkündigung im Königl. Preußischen Statistischen Landesamt, wird unS noch folgendes berichtet: Den 175 gekündigten Beamten erblühte bei der Verlags- buchhandlung Aug. Scherl. G. m. b. H., neues Glück. In„dankenS- werter" Weise sorgte die Genannte sich um das künftige Wohl der von einer königl. Behörde an die Luft Beförderten. Herr Sekretär Friedrich gab den Gekündigten bekannt, daß für 100 von ihnen bei Scherl feine Stellen offen feien; die Herren sollten sich darum schriftlich bewerben. Solcher Aufforderung kamen fast alle nach; jeder wollte zu den Glücklichen gehören. Aber selbst die nicht hoch gespannten Erwartungen hatten noch weit über die graue Wirklichkeit hinaus sich verirrt, wenn ihre Phantasien den Hoffnungsvollen etwas von sorgenfteier Existenz vorgegaukelt. In dem Antworffchreiben der Wohlfahrtsfirma wird mitgeteilt, die Vakanz betteffe eine Reisestellung für den—.Tag". Gezahlt würden an Spesen, für auswärts 4 M. pro Tag— wohlgemerkt, nicht pro Woche, sondern für jeden Tag—, für Berlin 2 M. Zu dem fürstlichen Gehalt trete eine Provision von 2,50 M. für ein Abonnement auf den„Tag" Ausgabe A, 1 M. für die Ausgabe L, 1,50 M. für die Ausgabe 0 und 60 Ps. für die„Berliner Abend« zeitung". Da haben die verflossenen königlich preußischen Hilfs- arbeitet ja Aussicht auf respektable Einkommen, wenn fie jeden Tag ein halbes Dutzend„Tag"-�.-Abonnenten erzielen. Ii» Ergänzung unserer Mitteilung über die Heimarbeit im Statistischen Landesamt sei noch mitgeteilt, daß u. a. in einer der letzten Wochen, als man Leute wegen Arbeitsmangel kündigte, ein einziger Sekretär aus dem Kriegsministerium für über 1000 M.— Heimarbeit ablieferte. Damen, die nach ihrer Kleidung zu den besser situierten Ständen gehören, haben ebenfalls meist das Glück, günstige Arbeit— Konzentrationen— zu erwischen; arme Teufel warcn's, die die Kündigung erhielten. Trotz BeschäfttgungSmangcls für die Hilfsarbeiter soll sich für andere Leute die Arbeit so ge- drängt haben, daß in der Lindenstraße sogar SonntagSarbcit not- wendig war. Geht eS denn wirklich nicht anders? Muß es sein, daß Familienväter aufS Pflaster fliegen und andere Beamten bei ihrer Heimarbeit für das Amt sogar fremde Personen beschästigen? Kokstrust. Aus Philadelphia wird über die Entstehung eine? Kokstrustes berichtet. Das Unternehmen soll nach dein ,B. T." mit 60 000 000 Dollar kapitalisiert iverden und die JabreSproduktion wird auf 10 000 000 Tonnen geschätzt. Die neue Gesellschaft hätte ungefähr 12 000 Oefen und würde praktisch die gesamte Koks- Produktion in Fayette und Westmoreland in Pennsylvanien kontrol- lieren. Zum Vergleiche sei erwähnt, daß die U. S. Steel Kor- poratien mit allen Anhängseln(Frick u. Rainey) ungefähr 23 000 Oefen im Bettieb hat, die unabhängigen Stahlwerke dagegen un- gefähr 3000._______ Hue der Frauenbewegung. Volksbildung. Daß man bei uns nicht das notwendige Interesse an«er Volksbildung habe, wurde von Herrn I. TetoS im Verlaufe eines Vortrages sowie von Diskussionsrednern am Sonnabend im Bürgersaale des Rathauses betont. Zur Feststellung dieser Tat- fache hätte allein schon ein Blick in die Versammlung genügt. Wir haben bei viel weniger wichtigen Anlässen den Bürgersaal schon voll besetzt angetroffen. Trotzdem diesmal drei Vereine gemein- schaftlich eine öffentliche Versammlung einberufen hatten, und zwar der„Berliner Frauenverein", die„Gesellschaft für ethische Kultur" und die„Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung". war der Saal nur schwach besetzt. In seinen Ausführungen erklärte Herr Tews, daß„höhere Schulen" nicht Schulen für „höhere Stände", sondern Schulen für„höher Begabte' sein sollten! Im allgemeinen würde immer noch der gesellschaftliche Unterschied betont. Er habe auch unsere städtischen Verwaltungen in Ver- dacht, daß sie die höheren Schulen in diesem Sinne auffaßten. Herr Tews ist ein sehr naiver Herr— wenn er die städtischen Ver- waltungcn nur„in Verdacht hat".— In de» höheren Schulen säßen viele unbegabte Kinder, die gar nicht dort hineingehörten. Nach der Reuordnung für die höheren Mädchenschulen hätten Staat und Gemeinde siro Kopf zllzuzahle». Diese Kosten sollte man nicht an die Unbegabten verschwenden, sondern für Begabte ctuS den Bolks- schulcn aufwenden. Von den Volksschulkindern in Berlin sei ein relativ großer Prozentsatz für höhere Bildung geeignet und dürfte davon nicht ausgeschlossen sein. Für Mädchen fehlten Uebergangsschulen. Ein begabtes elfjähriges Mädchen müßte beim Uebergang in eine höhere Töchterschule in die Scptima zu viel jüngeren Kindern ein- rücken, da ihm die fremden Sprachen fehlen, und es verliere somit mehrere Jahre. Die Lücke im Mädchenschulwesen verlange Abhilfe. Vor allem sollten die Vorschulen abgeschafft werden, das erleichtere den Uebergang aus der Volksschule. Westfalen hatte bereits solche Schulen, jedoch— so berichtete Herr Tews— sei ihm die traurige Mitteilung geworden, daß die neuen Mädchenschuleinrichtungcn wieder eine Vorschule erhalten sollten„durch das Uebergewicht der Stimmen des Großkapitals— die Intelligenz war auf unserer Seite"—> so lautete di- Mitteilung. Daß das Kapital direkt bildungsfeindlich ist, hat Herr Tews besonders an Kapitals- vermächtniffen beobachtet. In einem Zeitraum von 10 Jahren wurden für katholische und andere kirchliche Zwecke aus Stiftungen 100 000 M. hergegeben— für Schulzwecke dagegen nur jährlich 12 000 M.— Ein beschämendes Zeugnis! Folgende Resolution fand Annahme:„Die Versammlung vom 27. März ersucht die drei einladenden Vereine, eine Kommission einzusetzen mit der Aufgabe, den Ausbau der Berliner höheren Mädchenschule dahin zu bccin- flussen, den Uebergang aus der allgemeinen Volksschule in die höhere Mädchenschule zu erleichtern." Die von Herrn Tews aufgestellten Grundsähe und Forde- rungen sind geWitz sehr schön, aber ihre Verwirklichung würde doch immer nur ein Stück- und mangelhaftes Flicklverk bedeuten. Soll das Ziel: allen Begabten wissenschaftlicher Hochjchuluntcrricht! erreicht werden, dann sind andere Vorbedingungen zu erfüllen. Die Kosten des! gesamten Unterrichts müßten vom Staat bestritten werden; die höheren Schulen dürften nur den Begabten offen stehen. Ueber die Aufnahme müßten die Lehrer und eine aus Bürgern und Bürgerinnen bestehende Schulkommission entscheiden. Unbegabten Kindern reicher Leute müßte die Aufnahme in die höhere Staatsschule unbedingt verschlossen sein. Dann wäre die Garantie gegeben, daß alle schlummernde, unter den heutigen Um- ständen verkümmernde Intelligenz ausgelöst würde. Ein ganz gewaltiger Anreiz läge für die Kinder in dem Bewußtsein: für meine spätere Lebensstellung ist nicht der Reichtum meines Vaters oder seine Armut bestimmend, sondern lediglich mein eigenes Wissen und Können! Aber solange wir Klassenherrschaft haben, wird auch das Privilegium der Reichen auf dem Gebiete der Er- ziehung und de» Unterrichts bestehen bleiben. Der dumme Spröß- ling eines Millionärs behält die Anwartschaft darauf, der Vor- gesetzte und Befehlshaber der Intelligentesten aus dem Volke zu werden. Das ist die Ordnung der Klassenherrschaft. Bürgerliche Frauensttmmrechts-Propagandii. Der„Preußische Landesverein für Frauenstimmrecht" hatte für Dienstag eine Versammlung einberufen, in der die Präsidentin des „Weltbundes für Frauenstimmrecht", MrS. Earrie Chapmann- Catt, in englischer Sprache einen Vortrag über die Jnternationalität der Frauenstimmrechlsbewegung hielt. Sie begründete die Forderimg des politischen Bürgerrechts der Frau vor allem mit demHmweis auf die in allen Kulturländern zu verzeichnende unaufhaltsame Zunahme der erwerbstätigen Frauen, die diesesRechteszurVerteidigung ihrer Interessen nicht entraten können. Während der„Weltbund" bisher auf allen seinen Kongressen vermied, klare Stellimg zu nehmen zu der Frage, welches Wahlrecht, ob ein allgen, eines oder ein beschränktes Dameiiwahlrecht zu fordern sei, trat seine Präsidentin hier verständigerweise für das allgemeine Wahlrecht ein. Wenn aber das Wahlrecht nur einer be- stimmten Klasse der Frauen verliehen werden solle, so müßte es nach ihrer Meinung nicht den Frauen der Besitzenden, nicht der so- genannten Intelligenz, sondern de» erwerbstätigen Frauen zu- kommen. Die Widerlegung der gegen die Frauenstimmrechlsforderung erhobenen Einwände bot inhaltlich nichts Neues, doch verstand die sehr gewandte Rednerin es, ihre Polemik gelegentlich mit kleinen, dem amerikanischen Leben entnommenen Anekdoten humorvoll zu würzen. DaS unvermeidliche Fräulein Lischnewska sorgte in der DiS- kussion dafür, daß auch die schwachen Seiten der bürgerlichen Frauenbewegung ins hellste Licht gerückt wurden. Die unentwegte Heer-, Flotten-, Kolonialschivärmerin und Blockenthusiastin hielt es nämlich wieder einmal für ihre heilige Pflicht, daran zu erinnern. daß die Frauen nur dann würdig wären, polittsche Rechte zu er- langen, wenn sie nicht nur für die Erhaltung, sondern auch für die Stärkung der Wcltmachtstellung Deutschlands mit allen Mitteln ein- träte». In das Zischen, das diesen mit unerträglicher Gespreiztheit vorgetragenen Aussührungen folgte, mischte sich starker Beifall der Lischnewskaschen WeltmachtSfreunde von der„liberalen Frauen- Partei". Eine neue Illustration zu der kläglichen politischen Zer« fahrenheit der bürgerlichen Frauenbewegung. Eine Massenpetttion für das Franenwahlrecht wird zurzeit ip den Vereinigten Staaten verbreitet. Die Organisationen der bürger« lichen Frauen gingen zuerst damit vor. Sie fand bei dem natio- nalen Frauenkomitee der Sozialistischen Partei volle Unterstützung und der Plan wird durch die Partei eiftig gefördert. Der Haupt- zweck liegt darin, die Massen aufzurütteln, sie für Emanzipation der Frauen zu interessieren._ Eingegangene Druchfchnften. Wissenschaft und Bildung. Bd. 24. Unser« Kleidung und Wasche in Herstellung und Handel. Von K, Weinberg, V. Schutze und B, Brie,— Bd, 26, Unsere" Sinnesorgane. Von Privatdozent Dr. Mangold.— Bd, 43, Hörbore, Sichtbare, Elektrische und Röntgen- Strahlen, Von Geh. NegterungSrat Prof. Dr. Neesen.— Bd, 63. Volks- Wirtschaft und Staat. Von Pros. Dr. S. Kinderwann. Gchejtet 1 M., geb. 1,25 M. Quelle u. Meyer, Leipzig. Handbuch der autogene» Schweifsung von Jng. Th. Kautny. Geb, 3.60 M,— Ueber de» physiologische» Schwachsinn des Weibes von Dr. P, I. MöbinS. 170«eiten,— Das Altern als abwendbare Krankheit von Dr. M. Tranien. 36 Seiten.— Ter Lrnerulant und seine Entmündigung von Qberjustizrat Dr. Frese. 1,20M.— Schwachsinnige»- forschung? Fürsorgeerziehung mrd Hcilpadagogik von Dr. Tb, Heller, IM. C, Marhold, Halle a, S, Jahrbuch der Schule Stolze- Schreh 1909. H. SIessenhagen, Berlin, C. 2. Der Roman der Marianne Banmcer von Anna Reichert. Egon Fleische! u. Co., Berlin IV. Preis 6 M, Kunst und Slüitiilet. Hcst 6. 2,50 M. B, Cas sirer, Berlin. Nord und Sud. Hest 384. Eine deutsche Monatsschrist G. Schott» ländcr, Berlin, IV. 35. l.v« Bommes da jonp(die Leute von beute), 2. Jahrgang. Nr. 53 u, 60(enthaltend: Urbaw, Gohier u. M. Luce), Paris. Jede Nummer 10 Cent, Die Bcrtommcncn. Roman von M. Kretzer. Geb, 5 M, B, Elischcr Rchfl,, Leipzig, Methode oder Dogma? Bon F, Staudingcr. 75 Ps. E, Röther. Problem deö gewerblichen Mittelstandes. Von Dr. H. Koby. lanStl. 1, Band. Anarchische Produktion. 4 M. H, Pardint, Czcniowitz. Bericht über die Verwaltung«nd den Stand der Gemeinde- Angelegenheiten der Stadt Charlottenhurg. 1907. 220 Seiten. C. Ulrich u. Co., Charlottenburg, Generalkarte von Serbien und Montenegro. 2 M. Ataria i». Co. in Wien. „Daö Wissen für Alle.» Nr, 12, Wochenschrift. Dlertclj. 3 Kr,— Wissen für Alle. Nr. 1. Was heißt Bildung? Von Pros. Dr. F. Jodl. 20 lr. H, Heller u, Co., Wien I. Jahresbericht vom GewerlschastSkartell Zeitz. 1308. 48 Seiten. Seibitverlag, Der Tarifvertrag in dm österreichischen Brauereien. von Dr. I. Deutsch,«4 S. I, Brand u. Co., Wien VI/1. Die chemische Industrie. Bon G, Müller. Unter Mitwirkung von Dr. phil, Fritz veunigson. Geh, ll.20 M., geb. 12 51— Stoffe und Probleme des Religionsunterrichts. Von II, ß. Braasch, Geh. 2,40 M., geb. 3 M,— Politisches Handbuch für Frauen, Heraus- gegeben vom Slllgem. Deutschen Frauenverein, 1,20 M. B. G. Tcubuer » Leipzig. »�om Kampf« m is« Heft 7 fllprvhest) erfchlenm> SS Sa» folgenden Inhalt: Heinrich Weber: DaS südllawliche Problem.— Josef S t r a ß e r: Zum Internationalismus.— Matthias E I d e r s ch: Die deutschmährifche Parteiorganisation.— Joses Diner-Denes(Budapest): Die Agrarfrage in Ungarn.— Emmy Freundlich: Frauenrech! und .Wnderschutz.— Ernst Dein Hardt(Berlin): Die Konzentrations- bestrebungcn innerhalb der deutschen Gewerlschasien.— Max Winter: Wirkungen der Krise in der Hohlglasindustrie von Halda-Steinschönau.— Johann P o I a ch: Das Gesetz der natürlichen und der gesellschastlichen Auslese.— B ü ch e r s ch a u: Marr-Literaiur. Jugendfürsorge. Arbeiter- leben. Gewerkschaftliche Literatur. Dramatik. Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse der Maler zu B erlt« 1903. 62 Seilen. Maurer u. D immick, Berlin 8t). t6. Recht und Kaufmann. Monalsschrist für die rechtlichen Interessen des Handelsstandes von Dr. R. Fischer. Pro Jahr 6 M. Dichterische Verlagsbuchhandlung von Th. Weicher, Leipzig. Das Gefet, der Gewalt und das GeseK der Liebe. Von Gras Leo N. Tolstoi."167 Seiten. H. Bondy, Berlin W. 15. Tätigkeitsüb erficht für das Jahr 19 0 8 deS Vereins Berliner KausleuteundJndustrieller. 113 Seiten. Berlin W., Jäger» straße 22. Aufklärung? Lyrische Erzählung von Edmund. 2 M. E. Pierßon, Dresden. Sie erdrückt uns! Roman aus der Zeit deS Frauenwahlrechts. 2ZM. W. Fiedler, Leipzig. Die Polenfrage im Ruhrkohlengebiet von I. V. Bredt. 3. M.— Die Städtepolitik im Gebiet des dentsch-polnischen Nationalitäten- kamvfes. Von L. Bernhard. 1 M. Dunckcr u. Homblot, Leipzig. Jahresbericht des deutschen Metallarbeiterverbandcs Berlin 1908. 96 Seiten. A. Schlicke u. Ko., Berlin NW. 6. Der Monismus. Blätter des deutschen Monistenbundes, Nr. 32. Jährlich 12 Hefte. Einzelhest 30 Pf. Geschästsstelle Berlin W. 57. Lebensführung. Ein Buch für junge Menschen von F. W. Förster. 298 Seiten. G. Reimer, Berlin W. 35. Die serbische Frage. Von Dr. Diaban Georgewitsch, serbischer Ministerpräsident a. D. Gehestet 2,5» M. Stuttgart, Deutsche Verlags« Anstalt. Die Sozialdemokratie im Wahlkreise PotSdam-Osthavelland. Von H. Leidner. A. Paris, Velten i. M. Das Lebenswerk von Karl Marx. Von W. Eombart. 80 Ps. G. Fischer, Jena. Die Glücksbude. Erzählung von Ernst Preczang. Brosch. 2 M., geb. 2,60 M.— Gedichte von F. Braun. Brosch. 2,25 M., geb. 3,50 M. Haupt u. Hammon. Leipzig. Was ist unzüchtig? WaS ist unsittlich? WaS ist normal? Von Justiz» rat Dr. R. Wolff. 1,50 M. H. Walther. Berlin W. 30. Der neue Weg der Genossenschaft deutscher BühuenangehSriger. Protest in Sachen H. Waiden. Verlag Druckeret für Bibliophilen. Berlin 0. 34. ßnefhaftcn der Redaktion. Dt« surlfttsiki« Cvrechstunde Nnde» Lindenftraste Nr.!t, zweiter Soi. dritter Eingang, vier Treppen, tMF Fahrstuhl~QH wochcntäglich abends von 7*1, bis O'l, Uhr statt. Geiisfnct 7 Ubr SoiinabeudS beginn« die Eprechstunde um s Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Äuchfrabe und eine-Htihl alS Merkzeichen beizuküpen. Briefliche Zlntwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten könne» K4 Tage vergeben. Eiliae fragen»rage man in der Sprechstunde vor. — M. A. 100. Zwei Städte mit gleichem Namen in Nordamerika.— Baumschulenwcg 100. Die Kurse beginnen erst wieder im Herbst.— Emil Pause. Jedensalls mit der Charge, in der er diente.— O.B. 54. Wetten entscheiden wir nicht. Wir glauben aber, daß das die Steuer- behörden auch nicht wissen.— O. H. 3333. 1..Die Wohlsahrts- cinrichtungen Berlins und seiner Vororte". Preis 2 M. Auch in der Buch- Handlung.Vorwärts". 2. In der Heimannschen Volksbibliothek, Adalbert- straße 41.— K. G. 14. Sie müßten sich an eine der Ersenbahnwerlstätten wenden. Dort werden Sie auch die Lohnhöhe erfahren.— E. 876. Ja. — C. P. 30. 1. Nein, aber eine Eingabe an die Direktion hat in der Regel Erfolg. 2. Nein. 3. Sie leben außerhalb Gütergemeinschaft. 4. In Höhe der Erbschaft würde die Haftung eintreten.— W, 99. 1. und 2. Leider ja.— K. L. 18. Nein.— O. K. Gr. Westen. Die Gewerbe» stcuerkontervention und Gewcrbevergehen ist wiederholt darin erblickt, daß ein Flafchenbierhändlcr gestattet, daß das Bier im Lokal getrunken wird.— Schubert. Wenn in dem Vertrage nichts Gegenteiliges ausdrücklich ver- cinbart ist, so kann die Gläubigerin jederzeit klagen und pfänden lassen. Wer zuerst pfänden läßt, geht vor. Ein Schuldschein hat Ihrer Anfrage nicht beigelegen.— T. N. 190. Leider nein.— M. W. S. Nein. — Ostbahn. Das zweite Testament würde voraussichllich aus eine An- sechtungsklage hin für ungültig erklärt werden. Die Klage kann erst nach dem Tode der Erblasserin angestellt werden.— A. S. S. 1. Die un- entbehrlichen Sachen müssen belassen werden. 2. Ja.— P. 36. Eine Reklamation hätte keine Aussicht aus Erfolg, wenn Sie nicht aus Grund der Angaben in unserem Artikel vom 28. März noch Abzüge machen könnten. — O. R., Karlshorst. Ein Einspruch wäre zwecklos.— E. B. 100. 1. und 2. Ja.— M. O. 7. Wenn nicht etwa bereits Klage seitens des Wirtes eingeleitet und ein Urteil ausgesprochen war, so würden Sie gegen den Wirt aus Herausgabe der Sachen, Rückgabe der Wohnung und Schaden- ersatz klagen können. Um Bewilligung des Arnienrcchts können Sie ein- kommen. Gegen das Vorgehen des Wirtes können Sie Beschwerde einlegen. — E. W. Ja, falls incht etwa aus der Art der Straftat aus besondere Neigung zu Roheitsdelikten geschlossen werden kann. — G. 104. Eine Klage aus Weiterzahlung der Pension hat Voraussicht- lich Erfolg.— P. 30. Mit einer Klage gegen die Gemeinde würden Sie möglicherweise durchkommen.— Unglück. 1. Ja. 2. Treten Sie direkt mit einem Anwatt in Verbindimg.— R. 33. 1. und 2. Die dem siegenden Teile in einem Prozeß erwachsenen Auslagen kann er erstattet verlangen. Die daraus abzielenden Anträge sind an das Gericht zu richten. 3. Es müßte geklagt und dann gepfändet iverdcn. Die unentbehrlichen Gegenstände unierliegcn nicht der Pfändung. 4. Denn au? dem Worttau» des Veriragrs nicht das Gegenteil erhellt, nein.— Genosse 653. 1. Ja. 2. Nein. 3. Nein. 4. Ja l 5. Ja.— Rüdersdorf 33. 1. Kalkberge» Rüdersdorf. 2. Insgesamt etwa 15 M. für den unterliegenden Teil. 3. Nein. A. F. 13. Voraussichllich dauernd militärdienstunsäyig.— M. B. 11. Die Betreffende ist nicht krankenversicherungspslichtig.— M. O. 1. Der Valer würde ein Viertel, die Mutter drei Viertel des Nachlasses erben. 2. Die Rechtslage ist zweiselhast. Lassen Sie Ihre Mutter oder Ihre Schwester beim Landrai den Antrag stellen, die Frage der Verfichcnmgspflichiigkeit zu entscheiden. — A. W. 35. 1. Klagen Sie aus Jimehallung des Vertrages und aus Schadenersatz beim Amtsgericht. 2. Ja.— 3t. P. 100. Falls der Inhalt des ersten Testaments dem nicht entgegensteht, ist die Mutier dazu berechtigt, — I. P* 35a. 1. Die Miete muß bezahlt werden. 2. Nein. 3. Ja.— O. K. 161. 1. Wenden Sie sich an die Versicherungsanstalt unter Schilderung des Sachverhalts. 2. Gewiß. Sie können durch die Polizei terausgabe der Karle verlangen. 3. Ja. 4. Die Hälfte deS ortsüblichen agelohns. 5. New.— Ülusländer 7777. 1. Ja. � 2. In der Regel nein. — N. 5. 1. Ja. 2. Leider bestehen Schutzvorschriften nur für die jungen Leute bis 16 Jahre. 3. Eine vom Lehrvertrag abweichende Erhöhung ist unzulässig. 4. Nein.— W. 70. 1. Der 1. und 2. Der Möbelhöndler ist in keinem Falle verpflichtet, aus den Rücktritt einzugehen.— B. 50. Sie würden aus die Differenz klagen können, sreilich liegt Ihne» die Beweislast ob. R. F. 39. Leider hätte eine Klage wenig Aussicht aus Erfolg. Den Namen des Unternehmers kennen wir nicht.— F. M. 13. Lassen Sie Ihren Mann die Sachen verzeichnen, dann mag Ihr Ehemann zu gericht- lichem Protokoll oder bei einem Notar Ihr Eigentum anerkennen und auf sein ehemännliches Nießbrauchs- und Verwaitungsrccht in dem Bertrage verzichten. — U. 134. Keineswegs.— S. 109. 1. Ja. 2. Sie müßten schleunigst aus Herausgabe klagen. 3. Nein.— F. H. 56. Richten Sie an das Land- gericht, das die Ehe geschieden hat, den Antrag aus Dispens vom Eheverbot. Sie müßten dabei die Gründe angeben. Zweckmäßig ist es, wenn Sie die Einwilligung des früheren Ehegatten beisügen tönulen.— Jakob 4. 1. Das Geschenk kann mit Erfolg nicht angefochten werden. 2. Mit AuS- ficht aus Erfolg wäre auf Herausgabe der Police zu klagen. Der von Ihnen benannte Bund ist uns nicht bekannt.— M. H. 39. Noch nicht.— —®. K. 3. Wiederholen Sie die Anfrage.— R. W. Gasofen. Nein. — Oldenburg. Die für militärische Hebungen zu zahlende Staats- entschädiguug kann vom Lohn nicht abgezogen werden. Ob für die Zeit Lohn zu zahlen ist. hängt davon ab, weiche Stellung der Uebende einnwlmt (Handlungsgehilfe? Werkmeister? Geselle T). wie lange er in Stellung war, und welche Knndigungszcit besteht.— Sperling. Der Vertrag kann leider mit Aussicht aus Ersolg nicht angefochten werden.— M. M. 1. 1. Dem Staat gegenüber hasten beide Kontrahenten. Stellen Sie Ihre Einwendungen unter Beweis. 3. Die Stempelung durch Sie kann verlangt werden. 4. Etwa 3 M. 5. Ja. 6. Etwa 10— 20 M.— G. N. 300. Ihre Einwendungen müssen Sie in der Rellamation anführen. Welche gesetzlichen Bestimmungen in Betracht kommen, ist in der letzten Sonntagsnummer dargelegt._ In dieser Woche besonders Vorteilhaftes Angebot: KONSERVEN Stängcnspsrgcl ext» st*rk. v< v«»« i.55 Stangenspargel...... v«e 83 p». Stangenspargel III;.. v. dosc I.05 Bruchspargel ohne Köpfe. ♦»/. Dose 68 Pf. junge Schoten extra fein. V, Dose 85 Pf. j Unge Schoten exkr» fein. l/z Dose 48 Pf. junge Schoten I!.....»/. vose 52 Pf. Spinat............. Vi Dose 38 Pf. Tomaten-Puree dL 68, vL 38 p» Delikatess-HeringeGi/as72,<�48 Pf. in verschiedenen Saucen Neunaugen........... Dose 88 pf. Aprikosen gichäitVS'.l.io Stachelbeeren doU 55 Pf. Melangefrüchte ä 85 pf. Sauerkirschen oÖseöO pi. ohne Steine Reineclauden Dose 68 pt Apfelmus..»ados« 58 pf. 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Das ist auch dem Genossen Pohl bekannt, er erwähnt aber hiervon in seiner Erklärung nichts, obwohl dieser Beschluß der springende Punkt ist, um den es sich dreht, und dem die Genossen im 3. Kreis bisher nicht nachgekommen find, obwohl das erwartet wurde. O. Büchner. 2. Wahlkreis. Sonntag, den 4. April, findet für die In- lmber mit weihen Karten die U r a n i a v o r st e l l u n g statt. Die Physiksäle werden um 1 Uhr geöffnet; die Verlosung der Plätze be- ginnt ebenfalls um 1 Uhr. Der Vortrag pünktlich um 2 Uhr. Es muß noch einmal ganz besonders daraus aufmerksam gemacht werden, daß die Mitglieder pünktlich zur Stelle sind. Sonntag, den 4. April, findet bei Rabe, Fichtestr. 29, ein Gemütlicher Abend statt. Um 6 Uhr Vortrag des Stadtverord- netcn Genossen Dr. Alfred Bernstein, anschließend Tanz usw. Freitag, den 9. Aprilden 1. April, ob in der Landhausstraße 27. Alle Bestellungen, Zuschriften. Be- schwerden usw. bitten wir, von heute ab an die neue Adresse richten zu wollen. Dort werden auch wie bisher Bestellungen auf Literatur unter schnellster Besorgung des Gewünschten entgegengenommen. Lichtenberg. Lichtenberg im Ausnahmezustand. Die Stadtverwaltungen dürfen nach gesetzlichen Vorschriften nur solche Aufwenduugen machen, die durch das Stadtverordnetenkollegium genehmigt worden sind. Dazu gehören in erster Linie die Beamtengehälter. Für Lichtenberg scheint die Bestimmung außer Kraft gesetzt worden zu sein— oder es dürfen Gehälter nicht ausbezahlt werden. Der Etat ist nämlich noch nicht fertiggestellt loorden, obwohl da? nach den Vorschriften vor dem 1. April geschehen mußte. Man hat eS auch nicht für nötig befunden, eine» Nolernt annehmen zu lassen. In Lichtenberg geht's ohne Etat! Dafür ist man hier aber auch firm m Sozialisteilbekämpfung. Treptow-Baumschulenweg. Zu dem Bericht aus der Gemeindevertretung teilt uns der Berichterstatter mit, daß für die Vorichule im Ortskeil Treptow nicht drei, sondern neun Kinder angemeldet worden sind. Nummelsburg.' Gemeindevertretung. Nach einer im allgemeinen ruhig ver- laufenen viereinhalbstündigeg Debatte wurde die Spczialberatung deS Etats für 1909 zur Erledigung gebracht. Die p erwartenden Gesamteinnahmen sind auf 3 007 000 M. und die Gesamtausgaben auf 3 132 000 M. veranschlagt worden. Der verbleibende Fehlbetrag von zirka 125 000 M., welcher zur Balanzieruug des Etats not- wendigerweise gedeckt werden muß, soll dem Straßenunterhaltungs- fonds entnommen werden. Mit den bereits für den vorjährigen Etat entnommenen 87 000 M. ist dieser Fonds nun so zusammen- geschmolzen, daß eine noch weitere Entnahme für die nächsten Jahre ausgeschlossen ist. Beim Kapitel 1„Gemeindeamt" wurden die Gehälter der Gemeindebeamten mit einem Panschalbetrage von etwa 12 000 M. aufgebessert. Gleichzeitig wurde der Bureauvor- sicher Krüger zum Bureaudirektor und drei Assistenten zu Ober- assisteuten befördert, hierbei wurde dem Bürgermeister aber gleich- zeitig nahegelegt, die Gemeindevertretung in Zukunft mit solchen Titelangelegenheiten verschonen zu wollen. Die Abstimmung des von her Etatskommission unterbreiteten Antrags: den Gemeinde- schöffen Stiebitz zu ersuchen, sein Schöffenamt künftighin in besserer Weise zu verwalten oder auf das Amt überhaupt zu verzichten— wurde mit einer Stimme Mehrheit bis zur Anwesenheit deS Herrn Stiebitz vertagt. Für das Schöffenamt zahlt die Gemeinde pro Jahr eine Entschädigung von 400 M. Zum Kapitel 3,„Friedhofs- Verwaltung", begründet Genosse Ritter den Antrag: Aufhebung der Begräbnisgebühren— eventuell Ermäßigung dieser Gebühren. Die Ablehnung dieses Antrages erfolgte von den bürgerlichen Ver- tretern einstimmig. Beim Kapitel 4,„Armen- und Waisenverwal- tnng und Wohlfahrtsamt", wurde die Position Ferienkolonie um 750 M. auf 4000 M. erhöht. Zur Bekämpfung der Kindersterblich- keit, wie für warme Frühstückskoft an bedürftige Schulkinder wurden je 500 M. mehr eingestellt. Eine Erhöhung des Betrages von 3000 Mark für Lernmittel an Bedürftige, wurde mit der Begründung abgelehnt, datz im letzten Jahre hierfür überhaupt nur 2300 M. verbraucht worden sind. Beim Kapitel 7,„Volksbibliothek und Lesehalle", beantragte Genosse John die Streichung der Leih- und Lesegebühren: nach einigen Gcgenausführungen gelangte dieser Antrag zur Annahme. Die Kapitel„Gymnasium, höhere Mädchen- schule, Knabenmittelschule" erfordern trotz der nicht unerheblichen Erhöhung des Schulgeldes an allen drei Anstalten einen Gemeinde- zuschutz von 128 515 M., und zwar das Gymnasium 66 555 M., höhere Mädchenschule 38 260 M. und die Mittelschule 23 700 M. Gegen die Erhöhung des Schulgeldes auch bei der Knabenmittel- schule wandte sich unser Vertreter John ganz entschieden; er wies darauf hin, daß die Mittelschule nicht mit einer höheren Lehranstalt verglichen werden kann, da sie in Wirklichkeit nur eine etwas bessere Volksschulbildung lehrt— und demzufolge auch fast aus- schließlich nur von Kindern aus dem Handwerker» und kleinen und mittleren Beamtenstand besucht wird. Auch bezeichnete es Redner für eine große Ungerechtigkeit, daß für einen höheren Schüler 173 M. im Jahr von der Gemeinde aufgewendet werden, wohin- gegen die Aufwendung für einen Schüler der Mittelschule— die bei dem jetzigen Schulgeld 100 M. beträgt— noch durch Erhöhung des Schulgeldes von 48 M. auf 60 M. herabgedrückt werden soll. Auch könne man mit Bestimmtheit annehmen, daß durch diese Er- höhung der Besuch der Schule so zurückgeht, daß eine in Betracht kommende Mehreinnahme an Schulgeld überhaupt nicht zu er- zielen sein wird. Da hiergegen triftige Gegengründe nicht gut zu finden waren, so begnügte sich der bereits unvermeidlich gewordene Herr Bauunternehmer Leicknitz damit, nur darauf hinzuweisen, daß die Eltern der höheren Schüler hierin eine gewisse Benachteili- gung erblicken könnten II Die Erhöhung des Schulgeldes bei der Knabenmittclschule von 48 M. auf 60 M. bei einheimischen und von 72 M. auf 90 M. für auswärtige Schüler wurde hierauf mit einer Stimme Mehrheit gutgeheißen. Kapitel 12,„Gemeindcvolks- schulen", hat eine diesmalige höhere Ausgabe von etwa 130 000 M. aufzuweisen, von dieser Mehrbelastung entfallen allein auf die Po- sition Lehrerbesoldung 40 000 M., Mehrbeitrag zur Atterszulagen. und Ruhegehaltskasse 34 000 M., für erhöhte Heizungskosten 10 000 Mark und für Zinsen und Tilgung der 70 klassigen neuen Schule etwa 30 00V M. Die zu diesem Kapitel von unseren Vertretern beantragte Einstellung einer Summe von 1000 M. für Schüleraus- flüge wurde von den bürgerlichen Vertretern einstimmig nieder- gestimmt. Beim Kapitel 13,„Pflichtfortbildungsschule", wurde der Antrag des Gemeindevorstandes auf Anstellung eines Hauptamt- lichen Schulleiters, welcher Antrag in der Etatskommission abge- lehnt worden war, vom Genossen Ritter wieder aufgenommen. Die Anstellung eines hauptamtlichen Schulleiters wurde denn auch mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Kapitel 16,„Vermögen und Schulden" weist in Einnahme 661 300 M. und in Ausgabe 725 410 Mark auf, die Mehrausgabe gegenüber der Einnahme ist seit dem Vorjahre um 36 000 M. gestiegen. Dieses Kapitel wird debattc- los genehmigt. Beim Kapitel 19,„Verschiedene Baulichkeiten", wird auf Antrag vom Genossen John die Errichtung einer Bedürfnis- anstalt in Boxhagen, wie die Beibehaltung der Freiklosetts in der Bedürfnisanstalt auf dem Boxhagener Platz beschlossen. Beim Kapitel 20,„Straßen- und Parkverwaltung", wird der Antrag unserer Vertreter auf Erhöhung der Löhne sämtlicher von der Ge- meinde beschäftigten Arbeiter und Handwerker insofern Rechnung getragen, als hierfür ein Betrag von 5000 M. bewilligt wird. Durch diese Bewilligung werden die Stundenlöhne im Durchschnitt eine Aufbesserung von 2 Pfennig erfahren, auch werden die Wochenlöhne der älteren Arbeiter um 1 M. aufgebessert. Das Kapitel 21, „Wasserwerk", welches einen Rcingewinn von 144 000 M. bringen soll, ist das einzige gewerbliche Unternehmen der Gemeinde. Um diesen Reingewinn noch bedeutend zu erhöhen, wurde in nicht öffentlicher Sitzung mit 18 gegen 8 Stimmen beschlossen, die Wasser- bczugsgebühren für Oberschöneweide insofern abzuändern, daß in Zukunft die bereits seit 15 Jahren bestehende Ermäßigung des Wasicrgeldeö von 30 Pf. auf 20 Pf. pro Kubikmeter für allen Be- darf über 80 Kubikmeter pro Vierteljahr für Oberschöncweidc in Fortfall kommen soll. Hiernach haben die Abnehmer in Ober- schöneweide von nun an, ganz gleich wie hoch der Verbrauch ist, für jeden Kubikmeter 30 Pf. zu zahlen. Der Mehrerttag hieraus ist auf 27 000 M. veranschlagt. Beim Kapitel 23.„Verschiedenes", werden für die Position„Kinderhort" extra 1500 M. für Besorgung besserer Räumlichkeiten eingestellt. Das Kapitel 24,„Direkte Ge- meindestenern", welches am Schluß der Sitzung verhandelt wurde, sieht eine Einnahme an Gemeindeeinlommensteuern von 387 500 Mark vor. Tie Grundsteuer ist für bebaute Grundstücke auf 3�. Prozent und für unbebaute Grundstücke auf 6% Proz. festgesetzt. Der Ertrag aus dieser Steuer soll 482091 M. ergeben. Die Ver- treter vom Boxhagener Grundbesitzerverein gaben sich große Mühe, der Gemeindevertretung klar zu machen, daß auf keinen Fall eine Erhöhung der Gemeindeeinlommensteuer über 100 Proz. erfolgen dürste, leider versäumten die Herren aber nachzuweisen, wo die dann fehlenden zirka 35 000 M. hergenommen werden sollen. Da cS sich aber auch bei einem Gemcindestcuerzuschlay von 125 Proz. noch nötig macht, daß zur Balanzierung des Etats zirka 125 000 Mark aus Fondsmitteln genommen werden müssen und diese Fonds so schon fast ausgeplündert sind, so beschloß die Gemeindevertre- tung in namentlicher Abstimmung mit 19 gegen 7 Stimmen, den Gemeindeeinkommensteuersatz auf 125 Proz festzusetzen. Ebenso wurde die Erhebung der vorgeschlagenen Grundstenersätze mit 21 gegen 5 Stimmen genehmigt. Nachdem noch die eingesetzten 35 000 Mark Biersteuer wie die Umsatzsteuer mit 150 000 M. und die Wert- zuwachssteuer mit 25 000 M. genehmigt worden waren, kam noch die Erhöhung der Hnndesteuer heran, und zwar wurde der bisherige Satz von 20 M. pro Hund und Jahr auf 30 M. erhöht. Unsere Vertreter stimmten gegen diese Erhöhung. Zossen. In einer von zirka 3 Personen besuchten Proteftversammlung der Arbeitslosen referierte am Sonntagabend Genosse Hetzschold- Berlin. Der Referent kennzeichnete in treffender Weise die Wirt« schaftliche Lage im allgemeinen und die Stellung der hiesigen Stadt- Verwaltung zn der Arbeitslosigkeit am Ort im besonderen. Daß der Magistrat nicht einmal eine an ihn gerichtete Petition des GeWerk- schaslskartells, in welcher derselbe um Linderung der Arbcitslosig- keit ersucht wird, beantwortete, kritisierte der Redner scharf; deS- gleichen auch, daß die Stadtverwaltung noch nichts zur Linderung der Not getan habe. Viel schneller fänden die aleichgiltiasten Dinge ihre Erledigung in der beratenden Körperschaft. Mit der Auffordenmg an die Erschienenen, sich dem Sozialdemokratischen Wahlvercin an- zuschließen, schloß Redner seinen fesselnden sowie lehrreichen Vortrag In der nun folgenden Diskussion wurde von allen Rednern aufs. schärfste da? Verhalten der Stadtverwaltung verurteilt. Eine in diesem Sinne vorgelegte Resolution wurde mit einigen Stimm« enthaltungen angenommen. Von den eingeladenen Stadtverordneten waren sechs erschienen, die es aber vorzogen, schon während deS Referats zu verschwinden. Dieser Vorgang beweist, daß den Herren das Herz in die Hosen fällt, wenn sie über ihr Tun und Lassen Rechenschaft ablegen sollen. Bei der nächsten Stadtverordnetcnwahl wird die Arbeiterschaft mit den Bürgerlichen abrechnen. Friedrichshagen. Die„VorwLrtS"leser werden darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Parteispedition von jetzt ab bei dem Genossen Ernst Werck- mann, Friodrichstraße 67(Laden), befindet. Die Zeitungskommissiow. Ketschendorf. „Die Liebe höret«immer auf." Unlängst wurde ein Genosse beerdigt, der bei Lebzeiten eS versäumt hatte. auZ der Kirchengemeinde auszutreten. Seine politische Gesinnung war dem Herrn Pfarrer nicht unbekannt geblieben. Angegangen von den Anverwandten des Verstorbenen um seine Mitwirkung bei der Beerdigung, machte der Pfarrer diese davon abhängig, daß der sozialdemokratische Wahl- verein nicht mit einer roten Schleife am Kranze erscheinen dürfe. Tolerant, wie wir Sozialdemokraten nun einmal sind, wurde dem Wunsche Rechnung getragen. Einige hundert Personen bildeten da? Auditorium, vor welchem der Herr Pfarrer seine ergreifende Grabrede hielt über das Thema:»Die Liebe höret nimmer auf." Unter dem Trancrgefolge befand sich auch ein Genosse, dem ebenfalls ein bitteres Leid widerfahren war. Ihm war einen Tag vorher die Frau gestorben. An dem Genossen war auch die jetzige wirtschaftliche Krise in dieser„göttlichen" Welt- ordnung nicht spurlos vorübergegangen. Ueber drei Monate schon währte seine Arbeitslosigkeit. Und gerade in diese trostlose Zeit siel die Krankheit seiner Frau und ihr Ableben. Kein Wunder, wenn bei dem Eintreffen dieses schweren Schicksalsschlages unser Genosse völlig mittellos dastand. Da es ein Wunsch der Verstorbenen war, daß der Pfarrer bei ihrer Beerdignng zugegen sei, so nahm der Genosse die Gelegenheit wahr, faßte sich ein Herz und wandte sich gleich nach Beendigung des TrauerafteS an dem Grabe an den Geistlichen. Er machte dabei aus seiner Armut kein Hehl und bat um unentgeltliche geistliche Mitwirkung. Antwort: Aber den Wagen müssen Sie bezahlen; er kostet 9,00 M. Ich habe nichts davon. Sie können nicht verlangen, daß ich zn Fuß herkomme.(Der Herr Pfarrer wohnt nämlich in einem eine Stunde entfernten Dorfe.) Und als unser Genosse sich zurzeit zur Anfbringung dieser Summe außerstande erklärte, da wurde er an seine Parteikasse verwiesen, welche die nötigen Mittel wohl zur Verfügung stellen würde. Von diesem wohlgemeinten Ratschlag wurde freilich kein Gebrauch gemacht. Die sterblichen Ueberreste der Fra« sind bald darauf ohne die Mitwirkung eines Geistlichen zur letzten Ruhe bestattet worden. Bei dem überlebenden Ehegatten hat dieser Vorfall jedoch derartig aufklärend gewirkt, daß er nunmehr seinen Austritt aus der Landeskirche bewerkstelligen wird. Eine Jllustratton zu dem Thema:„Die Liebe höret nimmer auf". Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Aus der Gemeindevertretung. Einen charakteristischen Beitrag zur Arbeiterfreundlichkeit und-sürsorge der bürgerlichen Parteien lieferte die letzte Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung. Auf Grund einer im Dezember vorigen Jahres von den sozialdemo- krattschen Vertretern eingebrachten Interpellation betreffend In- angriffnahme von Notstandsarbeiten war— unter Zustimmung aller Mitglieder der Gemeindevertretung— der Gemeindevorsteher beauftragt worden, Kostenanschläge für Regulierung der östlichen Bürgersteige der Köpenicker Allee einzufordern. Diese wurden nun. nach Vorprüfung durch eine Kom- Mission, welcher auch Vertreter der bürgerlichen Parteien an- gehörten, dem Plenum zur Beschlußfassung unterbreitet mit dem Er« suchen um Zustimmung für Jnangriffnahine der fraglichen Arbeiten. Trotz lebhafter Befürwortung des Antrages durch unsere Vertreter und Hinweis ans die vorhanden« erhebliche Arbeitslosigkeit der« ■chanzten sich die bürgerlichen Mitglieder hinter wenig stichhaltigen Argumenten und— lehnten den Antrag gegen unsere Stimmen und die des Gemeindevorstehers ab. Daß nicht sachliche Erwägungen, sondern solche der persönlichen Verärgerung ausschlaggebend für das ablehnende Verhalten jener Herren„Vertreter" des Gemeinwohls gewesen sind, ergab die Dis- kusston zur Evidenz. Weil die sozialdemokratischen Vertreter sich bei ihren Beschlnßfasiungeii niemals von Rücksichten auf Interessen be- itimmter Sondergruppen leiten lassen, deshalb wurde unser Antrag niedergestimmt. Hoffentlich zieht die werktätige Bevölkerung MahlSdorfS auS der« artigen Vorgängen die richtige Lehre für die Zukunft. Weihenfee. Ter erste Tag der Etatsberatung brachte eine lebhafte«nd interessante Vordcbatte. Bürgermeister Dr. Wöelck verwies auf die schwierigen Verhältnisse, unter denen der Voranschlag zustande gekommen sei. Trotzdem habe der Zuschlag zur Einkommensteuer um 10 Proz. herabgesetzt werden können. Er warnte davor, an den Zuschlägen der Realsteuern zu rütteln. Redner gab weiter einen Rückblick auf alle von der Vertretung gefaßten Beschlüsse. Die Sparkasse hat sich trotz der schlechten Zeiten gut entwickelt, eS sind in den ersten neun Monaten 618 000 M. eingezahlt und nur 93 000 Mark wieder abgehoben. Vom 1. Januar bis jetzt sind wiederum 506 000 M. eingezahlt. In der Pfanldleihe wurden 140000 M. ausgeliehen und 106 000 M. wieder zurückgezahlt. Die staatssteuer« Pflichtigen Personen sind von 10 580 auf 10096 gestiegen. Die Wertzutvachssteuer, die im Voranschlag mit 160 000 M. verzeichnet war, ist mit 250 000 M. zur Veranlagung gekommen. Als erster Redner zum Etat sprach der Hausbesitzer Te ichert. Er betonte: Die Etatsberatung sei stets«in großer Moment, die Bürgerschaft sehe diese Verhandlungen immer mit einem trockenen und einem nassen Auge an. Auch seien die Nachbargemeindcn eifersüchtig aufeinander, sie wetteiferten, die gleichen Einrichtungen zu treffen und jagten sich gegenseitig die Mieter ab. Nach dem künst- lich gedrechselten Etat seien es wieder die Hausbesitzer, die den Löwenanteil der Steuern auf sich nehmen müssen. 10 Proz. mit den Einkommensteuern herunterzugehen, sei eine Lapalie, 25 Proz. wäre das geringste, was er befürworten würde. Sluch müsse die Grundwertsteuer herabgesetzt werden, wenn man den Ruin deS Hausbesitzers nicht heraufbeschwören will. AuS den Ueberschüssen Set Vorjahre könne der Ausfall gedeckt werden. Das Heranrücken Berlins mache außerdem die Herabsetzung deS Zuschlages auf 100 Prozent notwendig. Die Mieter zögen in Scharen nach Berlin, weil sie dort nicht so scharf eingeschätzt würden. Genosse Fuhr- mann fertigte erst den Vorredner gebührend ab und ging dann auf den Etat«in, wie et nach unseren Programmgrundsätzen bc- schaffen sein müßte. Er betonte, daß eine weitere Herabsetzung deS Kommunalzuschlages doch nur auf Kosten des Etats geschehen würde, die der großen Masse der Bevölkerung zugute käme, und da gäbe es unter keinen Umständen etwas zu kürzen, sondern man müsse im Gegenteil mehr Mittel aufwenden, die sozialen Einrich» tungen gegenüber dem Vorjahre aufzubessern. So habe zum Bei- spiel der WohlfahrtSetat keine nennenswerte Aufbesserung zu ver- zeichnen, ebenso der Armenetat. Auch für die Volksschule seien trotz der schon provisorisch eingesetzten Gehaltserhöhungen für die Lehrpersonen keine höheren Aufwendungen gemacht worden. Die seit Jahren gestellte Forderung auf Schaffung freier Lehrmittel sei immer noch nicht berücksichtigt. Die Sozialdemokratie verlange ferner die Aushebung der Vorschule. Alle auf dem Schulgebiet von der letzteren gestellten Forderungen fänden die Beachtung ge. lchrter Jachautoritäten, was er an Hand von Beispielen nachwies. Weiter geißelte Redner die Rückständigkeit der bürgerlichen Vet> treter. Sie hätten der Sozialdemokratie den Eintritt in da» Schulkuratorium vereitelt, ebenso seien unsere Genossen nicht im Kreistag vertreten. Als unser Redner die Polemik in dc>- ent- schlafcnen„Bürgerpost" streifte und eines besoldeten Beamten als furistischer Beirat Erwähnung tun wollte, schnellte der Bürger- meifter von seinem Sitz, um anscheinend jede Kritik an dem Per- halten des Beamten zu verhüten. Genosse Fuhrmann verzichtete einstweilen darauf, auf die Angelegenheit weiter einzugehen, jedoch werden unsere Genossen bei der Gehaltsbewilligung darauf zurück- kommen. Die Herren Fechner, Mewes und andere sangen eben- falls ein Klagelied auf die so schtver seufzenden Hausbesitzer, während Herr Letz als Gewerbetreibender den Wunsch äutzerte, die Gewerbesteuer wenigstens um ein paar Prozentchen hcrabzu- setzen. Genosse Frentz trat für die Erhöhung der Gehälter der unteren und mittleren Beamten ein. Pom Vorstandstisch wurde versprochen, die Regelung der Beamtengehälter noch in diesem Jahre vorzunehmen. Hierauf wurde in die Beratung der Einzeletats eingegangen. Eine längere Debatte entspann sich beim Armenetat. Genosse Frentz hält den Unterstützungssatz für die einzelne Person für viel zu niedrig. Auch sei die schon vor drei Jahren beai tragte ander- weitige Regelung des Armenwesens keinen Schritt vorwärts ge- kommen. Die Besetzung des Dezernats durch Herrn Dr. Pape rintcrzog er einer Kritik, da das Vertrauen zu dem Herrn gc- schwunden sei. Herr Dr. Pape verteidigte sich hiergegen; er sei für jedermann zu sprechen, natürlich müsse der betreffende als Bittender kommen. Im übrigen verzichte er auch ebensogut auf das Dezernat. In der weiteren Debatte wurden alle Anregungen des Genossen Frentz von den Gegnern zurückgewiesen. Im Eil- tempo wurden dann noch die Etats des Elektrizitätswerks, Stif tungen, Wohlfahrtseinrichtungen. Rieselgut, Leihamt, Gewerbliche Fortbildungsschule, Kaufmännische Fortbildungsschule, Fleisch- schauamt, Gemeindefriedhof, Wasserversorgung erledigt. Zum Schlutz teilte der Vorsitzende mit, datz der Abbau der Oberrcalschule vom Minister genehmigt sei und beantragte, das Schulgeld zur Oberrealschule für Einheimische auf 160, für Auswärtige auf 200 Mark festzusetzen. Die Versammlung stimmte dem Vorschlage mit grotzer Mehrheit zu. Hohen- Schönhausen. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in der letzten Sitzung mit der Beratung des Etats. Derselbe balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 63 000 M. Mit Rücksicht darauf, datz die AuS- gaben der Gemeinde sich in Zukunft bedeutend erhöhen werden, beantragten unsere Genossen, die Grundwertsteuer von 2% auf 4 Proz. für bebaute und auf 6 Proz. für unbebaute Grundstücke zu erhöhen. Die bürgerlichen Vertreter, zum grötzten Teil grötzere Besitzer, wandten sich mit aller Macht gegen eine derartige Be- sieuerung des Grundbesitzes; sie behaupteten, der Grundbesitz könne eine solche Besteuerung nicht vertragen. Die Grundwertsteuer wurde aber wenigstens von 2sh auf 3 Proz. für bebaute und un- bebaute Grundstücke festgesetzt. Der bürgerliche Vertreter Herr Tita beschwerte sich über die schlechte Beschaffenheit des SteindammeS. Derselbe ist eine Privat- strahe. Die Vertretung beschloß, diese Angelegenheit der Polizei- behörde zu unterbreiten. Ferner wurde vom Gemeindevorsteher ein Brief des Herrn Zimmcrmeister Schreiber verlesen, in welchem der Herr seinen Aerger über die ihm nicht übertragene Ausführung des neuen Verwaltungsgebäudes zum Ausdruck bringt. Es wird in dem Brief auch behauptet, datz es dem Unternehmer Herrn Schien, wcWhem die Arbeit übertragen worden ist, nicht möglich sein wird. bei dem niedrigen P.reis die Handwerker und Arbeiter voll bezahlen zu können. Waidmannslnst. Bei einem Fahrstuhlunglück hat der 40 Jahre alte Arbeiter Hermann Weigand von hier den Tod gefunden. W. war in einer hiesigen Dampfziegelei beschäftigt. Er hatte auf einem Lasten« fahrstuhl frisch gebrannte Backsteine nach unten befördert. Während der Arbeit versagte plötzlich die Mechanik am Aufzug. W. begab sich nach dem Schacht hinunter, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Versehentlich kam er bei den Hantierungen dem Kabel zu nahe wo- durch der Fahrstuhl wieder in Bewegung gesetzt wurde. Der schwere Tragckorb sauste aus beträchtlicher Höhe in den Schacht hinab und begrub W., der nicht mehr flüchten konnte, unter sich. Der Un- glückliche wurde fast vollständig zermalmt; er war auf der Stelle tot. Oranienburg. Große Erregung hat hier die von dem aufsichtsfiihrenden Richter des hiesigen AnilsgerichtS im Prozetz gegen de» Referendar Igel bei seiner Vernehmung getane Aentzerung hervorgerufen: die Königsallee halte er nicht für genügend sicher; er habe selbst schon seine eigene Bewaffnung in Erwägung gezogen, denn der in solchen kleineren Städten durch die Polizei ausgeübte Schutz sei durchaus nicht ausreichend und wirksam. In einer vorgestern abend ab- gehaltenen, sehr zahlreich besuchten Versammlung des Haus- und Grnndbesitzervereins für Oranienburg und Umgegend wurde eine Resolution angenommen, die gegen die oben wiedcrgcgebene Aeutze- rung des aufsichtsführenden Richters Dr. Heinrici Verivahrung ein- legt. Die Versammlung erblickt in dieser Aussage nur eine persön- liche Ausfassung des Zeugen, die von der ganz iiberwiegeuden Mehrheit der Bürgerschaft Oranienburgs nicht geteilt werde und für die bisher leine Tatsachen vorlägen. Vermischtes. Der Mord in der Dia Frattina, einer Straße des römischen FremdenviertclS, über den wir kürzlich berichteten, bleibt noch immer in tiefes Dunkel gehüllt. Wie uns aus Rom gemeldet wird, ist das Opfer, ein junger, hochgebautcr, blonder Mann, noch nicht agnosziert worden; die beiden Mörder haben natürlich seit dem 27. Februar reichlich Zeit gehabt, sich in Sicherheit zu bringen. Von dem Russen, der sich Tarasosf genannt haben soll, und der zweifellos in Gesellschaft eines Zweiten die Tat vollbracht hat, weiß man schlechterdings gar nichts. Die Vermieterin und deren Personal sind sich sogar nicht einmal darüber einig, ob er schwarzes Haar und schwarzen Schnurrbart hatte oder grauhaarig lvar. Kein Angehöriger der russischen Kolonie in Rom scheinr ihn gekannt zu hoben und jode Spur, die über seine Identität Auskunft geben könnte, hat er sorgfältig zu vertilgen gewußt. Nur einige sozialistische und revolutionäre Veröffentlichungen— so der„Socialisme en Aelgique" von Vanderveldc, eine Broschüre über den Prozetz von 1831 über die Ermordung Alexanders II., zwei Nummern eines Organs der revolutionären Sozialisten Ruß- landS— wurden an dem Tatort gefunden. Sie sind sicher ab- sichtlich dagelassen worden, um einen Fingerzeig über das Motiv der Tat zu geben. Die Frage ist nur, ob dieser absichtlich gegebene Hinweis irreführend oder wahrheitsgemäß ist. Einerseits wird der Verdacht laut, daß der Getötete ein Revolutionär, die Mörder Polizisten seien, andererseits aber glaubt man, datz Anhänger einer revolutionären Organisation einem Spion den Garaus gemacht haben. Diese letzte Lesart findet in Rom und auch unter den Angehörigen der russischen Kolonie am meisten Glauben. Man sagt allgemein, daß die russische Gesandtschaft das Opfer sehr wohl agnoszieren könnte, wenn sie nur wollte. Von Per- sonen, die der russischen revolutionären Bewegung nahestehen, wird angenommen, datz der Getötete ein Lockspitzel sei, der sich in Rom befunden hätte, um hier weilende Russen seiner Polizei in die Hände zu spielen. Dafür, datz eS sich nicht um einen gemeinen Mord handelt, sondern um eine aus politischen Gründen begangene Tat, spricht die ganze Art der Vorbereitung. Gegen einen Raubmord spricht das bescheidene Auftreten des Getöteten, gegen einen Racheakt der Ilmstand, datz das Opfer offenbar ohne jedes Mißtrauen in die Falle gegangen ist. lieber die Ausführung des Verbrechens scheint festgestellt, datz dem Getöteten Cyankali in den Wein getan worden ist. Der Tod wäre blitzartig eingetreten, nicht erst nach dem Einschließen des Körpers in den Koffer, wie man anfangs angenommen hatte. Die beiden Täter haben dann die noch warme Leiche in den Koffer gepackt und die Kleider mit Formalin durch- tränkt, um die Verwesung aufzuhalten, nachdem sie alle Dokumente des Opfers an sich genommen hatten, und auch die Buchstaben aus dessen Leibwäsche entfernt. Nachher hat der angebliche Tarasosf seiner Wirtin den Zimmerschlüssel eingehändigt und ihr mit- geteilt, datz er auf einige Tage verreisen wolle. Seitdem fehlt jede Spur von ihm, und wahrscheinlich wird alle Polizeifindigkeit nicht ausreichen, um seiner habhaft zu werden. Der Brand des Dampfers„Altenburg" im Hafen von Havanna hat mehrere Menschenleben als Opfer ge- fordert. Wie einem Telegramm aus Havanna zufolge jetzt fest- gestellt ist, werden von der Besatzung des deutschen Dampfer? „Altenburg" 14 Personen vermißt, der zweite Offizier Nudoli Horn, der dritte Maschinist Karl Wittkopp, der Koch, der Steward, ein Aufwärter sowie vier weiße und fünf schwarze Leute der Mannschaft. Die„Altcnburg" ist bei Regia auf den Strand gesetzt worden. Da das Feuer in den Kohlen- und Lagerräumen noch fort- wütet, ist es unmöglich, rmch den Leichen zu suchen. Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, sind durch daS Feuer im Hafen von Havanna, das den Dampfer„Altenburg" zerstörte, neun Mann der Besatzung umgekommen. Die Toten sind: Der zweite Offizier Horn, der dritte Maschinist Wittkop, der Kochsmaat Buchner, der Koch Klose, der Steward Kräutzlich, der Heizer Möller. die Trimmer Bock und Kusior und der Schiffsjunge Böhme. Acht Personen getötet. Wie die„Kölnische Zeitung" aus New Dork von gestern meldet, wurden in Chillicothe(Ohio) bei einer Dynamitexplosion acht Per- fönen getötet und elf verletzt. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballeii-Direkllon übet den Grotzdandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach, Geschäft still, Preis« unverändert. Wild: Zufuhr ohne Belang, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zufuhr genügend, Ge» schäjt ziemlich lebhaft, Preiic befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise im allgemeinen befriedigend, für Hechte nachgebend. Butter und Käse: Zusuhren größer, Geichäst flau, Preise unverändert. Gemüse. Ob st und Südsrüchtei Zujuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert._ Witterungsüdersicht tiom 31. Marz 1009, morgenS 8 Uhr. B"» i? Wetterprognose für TonnerStag. de» 1. April 1000. VIelsach heiter bei ziemlich lebhaften südlichen Winden, kühlerer Nachl und rasch steigender TagcStcmperatur I keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wette rbureau. WasserstaudS.Nochrichtc« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetetlt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m e l. Tilsit Brezel, Jnfterburg Weichsel, Thor» Oder, Natlbor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leityieritz „ Dresden , Larby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Soremberg') , Beestow Weser, Münden , Minden Rhein, MaxiinilianSan , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 30. 3, ein 278 116 120 06 140 57 168 400 248 354 110 239 170 seit 29. 3. ein') —22 +2 0 0 +8 —36 —33 —12 —11 —20 — 15 —24 -43 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstand.— *) oberhalb Eisstand.') der höchste Wasserstalid 378 om trat am 29. um 6 Uhr nachmittags ein. Nach telegraphischen Meldungen von heute ist die Weichsel bei Thorn cissrci und schon aus 497 em gesallcn. Die Elbe hatte heute morgen bei Barby 450 ein Wasserstand und sällt langsam weiter. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publtkun, gegenüber keinerlei Verantwortung. HKearer. Donnerstag, den 1. April. Anfang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Madame Buttcrsly. Königl. Schauspielhaus. Die ver- sunkene Glocke. Neues königliches Opernthcatcr. Die Fledermaus. Deutsches. Faust. Kammerspiele. Elektra.(Ans. 8 Uhr.) Friedrich< Wilkelmstädt. Schau spiclhaus. Othello. tinsang S Ubr. Westen. Der Jockeyklub. Lefsing. Griselda. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues. Die fremde Frau. Neues Schauspielhaus. Pech Schulz«. Thalia. Wo wohnt sie denn? Romisch» Oper. HossmannS Er< zähluiigen. Kleines. Moral. Hebbel. RevolutionSbochzeit. Lustspielhaus. Im Klubsessel Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller O. Wallner- Thealer.) Die Karolinger. Scheue, Eharlottenburg. Die Welt, in der man sich langweilt. Suiten. Der Totschläger. Trianon. LiebeSgewitter. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetteu-Theater Sps. Das Himmelbett.(Ans. 8>/, Uhr.) Bernhard Rose. Die Entgleisten. Bürgerliches Schauspielhaus. Hasgunft.(Ans. 8>/. Uhr.) «iastsPiel-Theater. SherlockHolme». Gebrüder Herrnfeld. Die beiden BindelbandS. Apollo. Der junge Papa. Spezia- litäten. Metropol. Donnerwetter— tadel« los. Wintergarten. Spezialitäten. Gari Haverland. Spezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. ReichSballen. Stetliner Sänger. Walhalla. Svezialllälen. Falles Gaprice. Insolvent.(Ans. 6'/, Uhr.) Kasino. Rußland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Das verliebte Pensionat. StöpIeS Brauisahrt. Spezialitäten. Ansang S'/« Uhr. J Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles sürS Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. 8'/- Uhr.) Urania. TanbeiiNrasie 48/4V Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern MessinaS. Sternioarte, Invaltdenstr. 57/62. Lessing-Theater. Abends 8 Uhr: Grisolda. Frellag 7'/, Ubr: Ibsen- ZykluS siebente Vorstellung: llosmoetbolm. Sonnabend 8 Uhr: vor König. SsrUner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von nnsere I,ent'. Morgen; Hur ein Traurn._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Die fremde Frau. (La femme X....) Morgen und folgende Tage: Die sremde Frau._ Theater des Westens. Allabendlich 8 Ubr: Der Jockeyklub. FriedriGh-WiiheWdiiscties Schauspielhaus. Donnerstag, 1. April, Anfang 7'/, Uhr Zum t. Male- OtlivKo. Freitag: Othello. Sonnabend: Othello._ Residenz-Theater. — Direktton: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „KOmmere Dich um Anteile." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydcau. Morgen und solgende Tage: Di«. selbe Vorstellung. Sonntag, 4. April, nachm. 3 Uhr: Der Prinzgeniahl._ | KUpcnlckevstr. CS. 0 '• Znm 549. ffalo: Sherlock Dölmes von Ecrdlnand Bonn. Schiller O.(Wallner-Theater.) Donnerstag. abindS8Uhr: Die Karolingrer. Trauersptel in 5 Sitten von Ernst o. Wildenbruch. Freitag, abend» 8 Uhr: Dl« Karolinger. Sonnabenh', abends 8 Uh r: Der Oraf von Charola]«. Urania. Wiseenschaftliches Theater. TaubenstraCe 48/49. Abends 8 Ubr: Auf den Ttünunern Messinas, Lustspielhaus. Slbends 8 Uhr: Im Klubsessel. Luisen-Theater. Benesiz für IFräuIein I. Bohlmann Der Totsdilaxer. Freitag: Marie, die Tochter de» Re- gimentS. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Letzte grosse Kindervorstellung in dieser Saison- Mar und Moritz. 8 Uhr: Marie, die Tochter des Regiments. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Das Mädchen aus Irrwegen, ö Uhr: IDer Totschläger. iontag: Marie, die Tochter de? Regiments. MWPWkINM Ar. graiitiurter Str. 132. Abends 8 Ubr Die Etttgltistev. Berliner VolkSstück in 4 Akten Brentano und Gilbert. BV Wochenlagspreise.-W> Freitag: Retterattacke. von fte�ine Eis Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nacht* geöffnet Konzert and HunatlanXen. Theater. Schiller> Theater Charloltenburg. Donner Stag,abendS8Ubr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel in 3 Auszügen von Eduard Pailleroii. Freitag, abend» 8 Ubr: Die Welt, In derma» sieb langweilt Sonnabend nachm. 3 Uhr: GUtz v. Berllchlngen. S o u n a b e n d, abend»«Übt: Die Welt, in der man sieb langweilt. Alencs Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Lutsenstr. Abends 8 Uhr: Dl« DoIIarprlnze.sln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Debhel-Theater Könlggrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. RevolutionshocbzeU. Morgen: Revolutionshoehzeit Theater�Südens Dresdenerstr. 97 a. b. Prinzenstr. Im weitzen Rötz'l. Vor u. nachh. erilllass. Spezialität, u. bumor. Konzt, Kinematogr., Kabarett. N. d. Vorst Tanzreunion ohne Nach- zahlung Ans. d. Konz. 7. d. Vorst 8'/, U. Entree 20 Pf. Donnerstag, den 1. April 1909, abends VI, Uhr: Große Vorstellung. UM- Nene DebütS! MO Erstes Auftreten Torontos Trio 3 Herren in einem ganz neuen eigenartigen Genre. Wild-West Cowboy Theron-Truppe 8 Personen. Schimpanse Pact als Kunst. radsahrer. Armando mit seinem Tierzirlus. U. a.: boxendes Känguruh.— ITlochl, Akrobatentrupp«, 1 Samt, 4 Herren. Um S'l, Uhr: Oolo, der Seeräuber. XlVl"sni»on I Zirkus Busch. Donnerstag, 1. April, ab. 7>/zUhr: Gr. Gala-VorBtelln»� i Die großartigen iteueu Debüts. Möns. Vansartl der Mann mit d. eisernen Griff. (Ein Phänomen d. Wilsenschast I) Mr. Charleston in seinem sensationellen JJM- Bambus-Luftakt."TjSO Herrn Karl Has-enbecks neuester und größter Dressuralt. Frl. HarlhaMohnke, Schulreiierin. EM- Um-/.10 Uhr: Um Auswanderer! Metropol-Theater Tttgtlch 8 Ohr: Donnerwetter- tadellos! KevueinlOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Linoke. Regia Direktor Schultz. Perry, Holden, Bender, Giainpletro, Kettner, Plann, Thiel«eher. Passage-Theater. Heute fremiereSj Erstaa Auftreten der maurischen Schlangentänzerin ttaka-jshad Ensemble-Gastspiel t der Garland- I Negeroperetie und das(grandiose| I April-Programm, k 14 erstklassige Spezialitäten.� 9'/, Uhr Gastspiel 0'/, Uhr der drei Schwester» Wiesentlml. AbcndS 8 Uhr: Das grosse»eu« Programm. U. a.: F. A. Heinhaus, Rechenkünstler. ' Gewöhnliche Preis«.-U ?S85Sge-?Sllopt!lllm. Zum erstenmal In Berlin! Princeß Fassie die Ämazonen-Königin m. ihr. wilden Leibgarde. Das blane Weib, das Opfer unbarmherz.Tätowation. Das gr. Schaaprogramni Alles obne Extra-Entree. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Donncrstng: Knßlau d. Freitag, den 2. Aprils HV* Zum erstenmal:"912 Ackermann. Sonntag 4 Uhr: Die Oianabäder. W.Koacks Theater Direktion: Hob. Olli. Brunnen ür. in. Charallcrbild a. d. VoikSIeven Ansang 8 Uhr. Entree SO Pf. Sonnabend, 8. April: Gr. Extra- Vorstellung: Der Herrgottschnltzer vnn Ammergag. Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Thratrr» sanl Moabits. .Alt-lHoahU 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 1. April 1909: Sherlok Holmes. Engl. Detektiv- Komödie in 4 Akten. Ans. d. Vorst. 8, Kassenöffnung 7 Uhr, Konzeit Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Sonntag, den 4. April: Sherlock Holmes. Vs'iete-Theater Welnbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. I Ansang 8 Uhr. Heute neues Programm. Im Tunnel: 1ap.Biunion sehr preiswert! veutselie UMpfflseltSTöl-Kssöllsoltoft „Nordsee" Verkaufsstellen: 0. Stadtbahnbos Börse, Bogen 9—10. N. Jnvalidenstraße 131. L. Prinzensiraße 94. O. Große Frankfurter Str. 85. 0. Schiesisch. Bahuhos. 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Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leicherlhalle des Simeons- Kirchhofes in Britz, Tempelhofer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 208/3 Der Torstand. M0 Kisten Lüdzlingt, Sprotten und Sprottbüdlinge, alles echte Kieler, Eckernsörder und Ham> burger Sendung. kommen am DonnerStag- Freitag und Sonn- abend zum Preise von 80— 100 Psg. die ganze Kiste in den Stunden von 5 Uhr früh bis lUhr mittags sowie von 5 bis 8 Uhr nachmittags zum Verlans. Bax Wegner, Zentralhalle. Gontardttrafte, Jischstände.» A. Bebel. Der raun- Offert, mit Suche zu lausen: deutsche Bauernkrieg schweig, Bracke jr., 1376.) Preis unter H. 3 au die Expedition des.Vorwärts*. Zentral-Uerhaiiil der Maurer Deiitschlands. Zweigverein Berlin. Am 30. März verstarb unser Mitglied �uxust Sachs im Aster von 57 Jahren an Asthma. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. April er., nachmittags 4 Uhr, von der Halle der Markusgemeinde in WilheimS- berg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 136/19 Der Vorstand. Todes- Anzeige. Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß am 29. März, nachmittags 2'/, Uhr, unser Bruder und Schwager l Michael Krank 42 Jahren ver- 18316 im Alter von storben ist. Die trauernden Hinterbliebenen Christoph Krank,, F. Martin Beck. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 1. April, nachmittags '1,4 Uhr, aus den Simeons-Kirch- hos am Tempeihoser Weg statt. veulseher Lnehhinlier-VerhamU Zahlsteile Berlin. Am Montag, den 29. Märt, verstarb plötzlich unser langjäh- rsge« Mitglied, der Buchbinder Michael Krank. Wir werden sein Andenke» in Ehren hosten 1 Die Beerdigung findet heute, am 1. April, nachmittags 2'/. Uhr, von dcr Halle deS Simeons- Kirchhoses in Britz, Tempeihoser Weg, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet die Ortsverwaltung. Da. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein„Rote Nelke* meinen herzlichsten Daul. 699L Albert Schnl». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders, des Stock- arbeiters und Jnstrunientaliften Geon* Jahn sagen wir allen denen, die ihm daS letzte Geleit gegeben und ihm seinen Sarg soreich mit Münzen schmückten, unseren herzlichsten Dank. 55/18 Hie trauernden Hinterbliebenen. Ettingers Schuhwarenhaus Brunnenstr. 13, Zentrale: K3nigsir.84 empfiehlt seme eleganten Schuhwaren aus allerersten Fabriken Deutschlands zu spottbilligen Preisen. lUI!l!Sl«5i-kll3Ultien-KIu! br 28 Pfund Em Eimer mit 4.- , 29„.. Wanne.. S-M ab hier, Cefässe gratis! Versand-Gesellschaft «agdeborg 90 Postl. 16*. Verantwortlicher Redakteur; Kanö Weber. B.ezjig. Für benJnseratenteil berantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Berlag:LorwürtsBuchdruckerei u. LerlagZanstalt Vau! Singer 8, Co- Verl« SW. 8.77. 26.1�, 3. KlM DUM"§n\m Jahresbericht des Nerbandes soWldemokratischer Wahl- vereiae für Kerlill und Zlmgegend 1908. In einem stattlichen Bande— 136 Druckseiten stark— liegt ber interessante Bericht vor uns. Eine allgemeine Einführung gibt Aufschluß über das Geschäftsgebaren und die Aktionen des Verbandes; Tabellen, Statistiken, Abrechnungen verschaffen uns näheren Einblick in den Organismus und die präzise Arbeit des großen Verwaltungskörpers: Einnahmen, Ausgaben, Mitglieder- bewegung, Sitzungen. Konferenzen. Referate, Literatur. Wahlen usw. An diesen Ueberblick über die Klein, und Großarbeit des Verbandes schließen sich die Berichte der Einzel-Körperschaften: Preß-, Agitations-, Lokal-Kommission, die acht Neichstagswahlkreise, Berliner und Rixdorfer Stadwerordnetenfraktion. Gewaltige agitatorische und organisatorische Leistungen sind eS. die der Verband im Berichtsjahre wieder vollbracht hat. Nicht als ob die Berichterstatter viel Rühmens davon machten, nein: das „trockene" Zahlenmaterial erzählt mit beredten Worten von der mühevollen Arbeit, der die Beamten und Funktionäre des Ver- lxmdes obgelegen, und von der Aufopferung, die viele Tausende und Abertausende ungenannte, unbekannte Verbandsgenossen und -Genossinnen im Krisenjahre 1903 von neuem bewiesen haben. Mit Recht hebt der Berichterstatter in der Einleitung hervor, daß zweierlei dem Jahre 1908 eine ganz besondere Prägung verleiht: erstens die Landtagswahlschlacht mit ihren vorbereitenden Organi- sationsarbeitcn, Agitationsleistungen und ihrem für Groß-Berlin so ehrenvollen und für die Gesamtpartei so erfreulichen Ausgang, zweitens der weitere Ausbau der brüderlichen Beziehungen zwischen Partei und Gewerkschaft. Wie sehr ein solches Zusammenwirken dem Proletariat zustatten kommt, das hat sich bei allen möglichen Anlässen und Gelegenheiten gezeigt: Kaufmanns- und Gewerbegerichtswahlen, Protest gegen das neue Reichsvereinsgesetz, März- Demonstrationen, Maifeier, Friedensdemonstration in der„Neuen Welt", Agitation für den Acht-Uhr-Ladenschluß, Arbeitslosen- Zählung, Bildungsarbeit an der Proletarierjugend, Unter den nichterfreulichen Ereignissen, die aus dem Berichts- jähre zu melden sind, stehen neben dem heimtückischen Rixdorfer Wahlrechtsraub die bedauerlichen Vorgänge in Pankow an erster Stelle: handelt es sich dort um einen Anschlag, den unsere Gegner ausgeheckt und vollführt haben, so sind die Pankower Ereignisse durch die Schuld von ehemaligen Mitgliedern unserer Partei ent- standen, was sie besonders betrübend macht und dem Wunsche, daß die angebahnten Verständigungsverhcmdlungen recht bald zu einem Ausgleich der Zwistigkeiten führen mögen, um so größere Berech- tigung verleiht. Dafür, daß die Tragikomik im Berichte auch zu ihrem Recht kommt, hat— wie immer— das Berliner Polizei-Präsidium aufs redlichste gesorgt: es bescherte uns drei„Genossen"— Spitzel Wilhelm Draber alias Wilhelm„Gräfling". Kriminalschutzmann August Paduk alias„Maurer August Puhlmann" und Spitzel Wilhelm Schlaf alias„William Springer"—, der späteren nicht zu gedenken, deren Entlarvung nach dem 31. Dezencker 1908(dem Schlußtermin für den vorliegenden Bericht) erfolgte und noch er- folgen wird. Wir haben den Ehrenmännern unzählige Lachtränen vachgeweint. Was sprechende Zahlen uns sagen können, mögen ein paar willkürlich herausgegriffene Beispiele beweisen: Am 2t. Mai 1908 verteilten die Genossen von Eroß-Berllm zirka VA. Millionen Flugblätter zur Landtagswahl <3. Juni), bei der nach den bisher vorliegenden Zahlen 330 873 sozialdemokratische Urwählerstimmcn aufgebracht wurden, gegen «5 450 freisinnige, 9747 konservative und 27 773„sonstige". Für die Groß-Berliner Landtagswahl hat allein die Vorwärts- Druckerei lOV* Millionen Drucksachen(Stimmzettel, Wahlauf- forde rungen, Schlcppzettel. Flugblätter, Handzettel. Formulare. Postkarten, Plakate usw.) hergestellt— viele tausende mußten außerdem noch in anderen Druckereien angefertigt werden. Von seinem Diarkenerlös im Betrage von 227 313.70 M. hätte unsere Groß-Berliner Organisation laut Parteistatut 20 Prozent gleich 45 462,74 M. an den Parteivorstand abführen müssen. Sie hat in Wirklichkeit über 63 Proz. gleich 144 000 M. und noch 10000 M. extra für die Landtagswahlen abgeführt I Außer. dem aber wurden der Jlgitationskonunission für die Provinz Brandenburg 25 050 M. überwiesen, und auch die der Parteikasse unmittelbar zugeflossenen Ueberschüsse des„Vorwärts"— mehr als 130 000 M.— sind, wie der Bericht hervorhebt, eigentlich �auch aufs Konto der Groß-Berliner Organisation zu setzen. Aus dem Bericht der Preßkommission sind die Zahlen über den Bogenumfang des./Vorwärts" erwähnenswert: Im Jahre 1905/06 hatte unser Blatt 1249)4 Bogen, 1906/07 stieg die Bogenzahl auf 1305 und 1907/08 auf 1349.— Aus dem Bericht der Agitations- kommission ist hervorzuheben, daß seit dem 1. April bezw. 1. Juli 1908 in 20 Provinzortcn Auskunftsbureaus für Rechtsuchende ge- gründet worden sind. Bis zum 31. Dezember vorigen Jahres haben sich in diesen Bureaus 1116 Personen Rat und Hilfe geholt! Auch die Einzelkreise bieten in ihren Sonderbericksten, auf die wir nicht näher eingehen können, viel interessantes Dctailmaterial. Wir empfehlen den Bericht den Genossen zum Studium, auf daß sie aus ihm Belehrung schöpfen über die Macht, die ihrer Organi- sation innewohnt, und Anregung: auch hinfort alle Kraft einzu- setzen für den großen Kampf wider den Erbfeind des inter- nationalen Proletariats._ Gencbtö-Zeitung. Eine empörend rohe Mißhandlung eines KindeS beschäftigte gestern wieder einmal den Strafrichter. Die 7. Straf- kammer des Landgerichts I verhandelte gegen den Fabrikarbeiter Richard Seidel und dessen Ehefrau Martha S. geb. Muchow wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und einer das Leben gefährdenden Behandlung ihres Kindes unter dem er- schwercnden Umstände, daß der verletzte Knabe dauernd in Siech- tum verfiel. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Milte. Die Ver- Handlung entrollte ein grauenhaftes Bild von der Gemütsroheit und Brutalität eines Elternpaares, welches beinahe unter der An- klage der Körperverletzung mit tödlichem Ausgange vor das Schwurgericht gestellt worden wäre. Der Ehemann Seidel ver- kehrte schon mehrere Jahre von Eingehung der Ehe mit seiner jetzigen Ehefrau. Diesem Verhältnis entsproß im Dezember 1901 ein linabe Als die Eltern im Jahre 1903 heirateten, war ihnen das Kind'ein Dorn im Auge. Als sich dann in der Ehe selbst Kinder einstellten, hatte es der kleine Otto, der stets nur„das Aas" tituliert wurde, denkbar schlecht. Er wurde von den Eltern stets herumgestoßcn und geschlagen. Das Kind wurde schließlich von dem entmenschten Elternpaar so dressiert, daß es trotz aller Schläge und Mißhandlungen nicht einen Laut von sich geben oder gar weinen durfte. Die eigenen Eltern der verrohten Mutter konnten das Martyrium des Kindes schließlich selbst nicht mehr mit ansehen. Sie erstatteten schon im Jahre 1904 eine Straf- anzeige gegen ihre Tockter, die schon damals den gerade zwei- jährigen Knaben mit einer starken Rute geschlagen hatte, wo es gerade hintras. Das Verfahren wurde jedoch seinerzeit wieder eingestellt. Ter kleine Otto wurde damals dem Waisenhause zu- geführt und von da aus zu einer Frau bei Fürstenwalde gegeben, wo er nach Angabe der Pflegerin„dick und rund" wurde und mit großem Appetit aß und trank. Das Kind wurde den Eltern wieder zurückgegeben und von diesem Tage an begann für den Kleinen eine ivahrhaft erschütternde Leidensgeschichte. Nachbarn bemerkten bald, daß j>as Kind immer mehr abmagerte und blasser wurde, auch ein überaus verschüchtertes und scheues Wesen zur Schau trug. Als die Eltern noch in der Mirbachstraße in RummelSburg wohnten, bemerkte eine Frau K., wie der Ehemann Seidel das Kind mehrmals mit dem Kopf auf den Fußboden„stutte", auch stellte es sich hier heraus, daß die Frau Seidel ihren Mann fort- während aufhetzte, das Kirch zu schlagen urch es dann jedesmal häusliche Szenen gab, wenn er es nicht tun wollte. Eine archere Frau sah, wie die Angeklagte den kleinen Otto ohne jeden Grund mehrmals in das Gesicht schlug und dann mit einer dicken Rute auf ihn losschlug, wo sie gerade hintraf. Eines Morgens suchte eine Frau Krause die Angeklagte auf, die noch im Bett lag. Während las archere Kind in einem Bett lag, hatte der kleine Otto die Nacht in dem Klosett zubringen müssen, wo er erst des Morgens herausgelassen wurde. Die Zeugin bemerkte hierbei, daß das Kind dick angeschwollene Hände mit blutigen Striemen hatte, die anscheinend von Nutenschlägen herrührten. Zu einer Frau Elsner äußerte die Angeklagte eines Tages, als der Knabe vor Schwäche nicht mit dem Kinde der Zeugin den Korrchor entlang laufen konnte: „So'n faules A— s, wenn er zu faul ist, kriegt er auch nichts zu fressen!" Der arme Kleine wurde hierauf von der brutalen Mutter an den Schultern gepackt, zur Erde geworfen und von oben her- unter geschlagen, so daß das Gesicht des Kindes am nächsten Tage geschwollen und blau und grün verfärbt war. Als der Ehemann am Abend seine Frau ausschalt, daß sie den Knaben so mißhandelt habe, äußerte die Angeklagte zu der Zeugin:„Ich kümmere mich jetzt überhaupt nicht mehr um das Kind, wenn mein Mann dem A— s beisteht, soll er ihm auf zu fressen geben!" Bald darauf sagte die Angeklagte zu derselben Zeugin:«Ich werde das A— s jetzt mit Hunger kurieren, ich habe ihm schon zwei Tage nichts zu fressen gegeben!" Die Frau Elsner sah auch einmal, daß der Ehemann Seidel das Kind an der Brust packte, es hoch hob und dann läiPere Zeit heftig auf den Kopf schlug, so daß sie es nicht mehr mit ansehen konnte und sich schaudernd abwandte. Die übrigen Leute im Hause wußten gar nichts von der Existenz eines dritten Kindes, da die Seidelschen Eheleute des Sonntags stets nur mit den beiden ehelichen Kindern ausgingen, während der kleine Otto in das Klosett eingesperrt wurde. Am 6. Februar vorigen Jahres kam die mit den Seidelschen Eheleuten befreundete Frau Dippe in der Wohnung der Auge- schuldigten. Der kleine Otto saß ganz verstört und über und über mit blutigen Striemen bedeckt auf einem Stuhl und zuckte mit Händen und Füßen. Frau D. forderte die Angeklagte aus, einen Arzt zu holen, diese erwiderte jedoch, dies sei nicht notwendig,„der Bengel habe öfter solche Wutkrämpfe". Am Abend desselben Tages, kurz vor 10 Uhr, erschien der Ehemann Seidel bei dem in der Mirbachstraße wohnhasten Arzt Dr. Ehly und bat ihn, zu seinem sechsjährigen Knaben zu kommen mit den Worten:„Ich Hab« das Kind vor zehn Minuten geschlagen, darauf bekam der Bengel Wut- krämpfe. Jetzt stellt er sich so, als sehe und hör« er nichts und tut, als ob er tot wäre!" Als Dr. Ehly in der Wohnung anlangte, fand er nur noch eine Leiche vor. Der Tod mußte schon vor sechs Stunden eingetreten sein, da die Leiche eiskalt war. Der Angeklagte Seidel tat sehr bestürzt und bat den Arzt, ihm keine Unannehmlichkeiten zu bereiten. Dr. Ehly erstattete jedoch sofort Anzeige, welche die Beschlagnahme der Leiche zur Folge hatte. Die Obduktion ergab ein ganz grauenhaftes Bild. Die als Sachverständigen geladenen Medizinalräte Dr. Stoermer und Dr. Hoffmann machten vor Gd- richt über den Obduktionsbefund folgende Angaben, aus denen hervorging, daß das unglückliche Wrsen mit einer wahrhaft teuf- lischen Bestalität behandelt worden war. Der Körper des Kindes sei bis zum Skelett abgemagert gewesen und habe tatsächlich fast nur noch aus Haut und Knochen bestanden. Auf dem Rücken haben sich mehrere Hautblutungen, an der Kopfhaut mehrere Dutzend rötlicher Schwellungen befunden. Die linke Gesichtshälfte habe nicht weniger als 25, die rechte sogar 35 blutunterlaufene ritz- artige Striemen aufgewiesen, ebenso der Hinterkopf, die Ohren und der Nacken. Arme und Beine wären mit fast nebeneinander- liegenden Striemen und aufgeplatzten Hautstellen bedeckt gewesen. Hände und Füße wären erfroren, aber trotzdem mit Striemen und Flecken bedeckt gewesen. In dem Magen und den Därmen sei nur wässeriger Schleim gefunden worden, der darauf hindeute, daß der Knabe seit mehreren Tage» nichts gegessen habe. Als eigent- liche Todesursache sei eine Lungenentzündung festgestellt worden. Diese Krankheit sei aber nicht vorgeschritten gewesen, der Tod sei jedenfalls aber begünstigt worden durch den jammervollen Zustand, in dem sich das Kind befunden habe. Die Leiche sei damals wegen der ausnahmsweise» Seltenheit einer solch rohen Mißhandlung pbotographiert worden, da keine noch so gute Beschreibung und auch Worte nicht ausreichend wären, um den Zustand des Kindes zu schildern.— Die Seidelschen Eheleute wurden seinerzeit verhaftet, aber nach drei Wochen wieder auf freien Fuß gesetzt. Bar Gericht behaupteten die Angeklagten, sie wären nie über das Züchtigungsrecht hinausgegangen, und hätten das Kind auch nie hungern lassen.>— Di« mehrstündige Beweisaufnahme bestätigte zum großen Teil das bisherige Ermittelungsergebnis. Staats- anwalt Leisering beantragte gegen die Angeklagten eine Zuchthaus- strafe von je fünf Jahren, fünf Jahre Ehrverlust und sofortige Ber- Haftung. Das Gericht nahm nur Körperverletzung mittels einer das Leben gefährbenden Behandlung an und erkannte nur gegen die Ehefrau Seidel auf ein Jahr und neun Monate, gegen den Ehe- mann auf nur sechs Monate Gefängnis. Ter Gerüsteinsturz bei dem Wiederaufbau ber niedergebrannten Garnisonkirche beschäftigte gestern die 10. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen fahrlässiger Körperverletzung waren der Rüstpolier Oskar Blacz und der Maurerpolier Hermann Winterfeld angeklagt. Anfang Juli vorigen Jahres wurde der Wiederaufbau der am 14. April V. I. niedergebrannten alten Garnisonkirche in der Neuen Friedrich- straße in Angriff genommen. Da nur noch die Umfassungsmauern nach dem Brande stehen geblieben waren, mußten innerhalb der Mauern Gerüste aufgestellt werden, um von diesen aus wieder das Dachgebälk herzustellen. Der Gerüstbau wurde der Firma Alt- mann übertragen. Am 22. Juli v. I. gegen Mittag waren gerade acht Arbeiter unter Leitung des Poliers Winterfeld auf einem 16 Meter hohen Gerüst beschäftigt, als dieses plötzlich ins Wanken geriet. Im nächsten Augenblick stürzte das ganze Gerüst mit einem donnerähnlichen Krach zusammen, die Arbeiter darunter begrabend. Den Verunglückten eilten sofort Arbeitsgenossen zur Hilfe und holten sie mit vieler Mühe unter den Trümmern hervor. Als die Feuerwehr eintraf, waren die zum Teil schwer verletzten Arbeiter bereits geborgen. Die Unglücksstätte wurde sofort polizeilich abge- sperrt.— Dieser Unfall hatte die vorliegende Anklage gegen die beiden Angeklagten zur Folge, welche als Angestellte der Gerüstbau- sirma den Auftrag erhalten halten, das Gerüst aufzustellen. Wie die Anklage behauptet, sollen beide das Gerüst nicht in genügender Weise verankert und gestützt haben. Die Strafkammer kam jedoch in Uebereinstimmung mit dem geladenen Bausachverständigen zu der Ansicht, daß ein strafbares Verschulden auf Seiten der Ange- klagten nickt festzustellen sei. Das Urteil lautete deshalb auf Frei- sprechun?___ , In beut Pserdewurstschwindelprozeß, der am 21. vorigen Monats begann, wurde gestern nach neuntägiger Verhandlung das Urteil durch den Vorsitzenden, Landgerichtsdircktor Dr. Schütte verkündet. Es handelte sich um jenen fast über das ganze Deutsche Reich verbreiteten Schwindel mit Pferdewurst, der seinerzeit von der„Allgemeinen Fleischer-Zeitung" aufgedeckt worden war. Das Urteil lautete wegen Betruges und wissentlichen \iUM.> jpüi lM. Vergehens gegen das Nahrungsmittelgcsctz gegen Karl Behnke auf 7 Monate OlefängniS und 1960 M. Geldstrafe, gegen Frau Behnke auf 2 Monate Gefängnis und 509 M. Geldstrafe, gegen Kaulich aus 1 Monat Gefängnis und 390 M. Geldstrafe, gegen Fettig auf 399 M. Geldstrafe, gegen Gustav Krüger aus 9 Monate Gesängnis, 1999 M. Geldstrafe und 1 Jahr Ehrverlust und gegen Schrollcr auf 1 Monat Gefängnis und 599 M. Geldstrafe. Die an den Straf- taten unbeteiligte Frau Berta Krüger wurde als nichtschuldig frei- gesprochen._ Grober Unfug. Das Jugendgericht hatte sich gestern mit einer Anklage gegen den Kontoristen H. Schoenlank zu befassen. Er sollte am 9. Februar „groben Unfug" verübt und die Straßenpolizeiverordnung durch Nichtbefolgen einer Schutzmannsaufforderung verletzt haben. Der Angeschuldigte legte dar, er habe an der Ritter- und Alte JakoC- straßen-Ecke der Demonstration zugesehen. Ein Schutzmann habe ihn ohne Grund angepackt und geschoben. Er erwiderte:„ich lasse mich nicht schieben und habe ein Recht die Straße zu benutzen." Dann habe er von einem Prellstein aus de» Vorgängen zugeschaut. Zwei Schutzleute gaben ihr« Bekundungen im Sinne der Anklage ab. Der Staatsanwalt beantragte 49 M.» das Gericht erkannte auf 30 Mark Geldstrafe. Der Staat war wieder einmal gerettet. Versammlungen. Zentralverband der Maurer. Am Freitag hielt der Zwelg» verein Berlin eine Generalversammlung ab, wo der Vorstand den Jahresbericht für 1908 erstattete. Der gedruckt vorliegende Bericht stellt fest, daß die Bautätigkeit noch vollkommen darniederliegt. Demgemäß ist auch die Arbeitslosigkeit eine ungewöhnlich große. Ein Vergleich des Jahres 1908 mit dem Jahre 1898 ergibt, daß in beiden Jahren die Mitgliederzahl annähernd die gleiche war. Während aber im Jahre 1898 bei aufsteigender Konjunktur die Arbeitslosigkeit im März am höchsten stand, im Sommer dagegen aus den Stand zurückging, der durch den Arbeitswechsel bedingt ist. zeichnet sich das Jahr 1908 durch einen im ganzen Jahre fast gleich gebliebenen hohen Stand der Arbeitslosigkeit aus. Auf Grund dieser Feststellungen kann gesagFräerden, daß in den letzten 12 Jahren in Verlin und im übrigen Deutschland kein so schlechtes Baujahr und keine so starke Arbeitslosigkeit zu verzeichnen war wie im Jahre 1908.— Weiter gibt der Bericht eine Darstellung der im ver- flossenen Jahre stattgehabten Vertragsverhandlungen, die mit dem Abschluß eines bis 31. März 1910 geltenden Tarifvertrages endeten. — Außer 6 Generalversammlungen wurden im Zweigvereinsgebict 540 Sektions-, Zahlstellen- und Bezirksversammlungen abgehalten. — Die Tätigkeit der Verbandsleitung auf den Bauten war natür- lich erheblich geringer als in den Jahren der Hochkonjunktur, denn die Bautätigkeit ist ziemlich um die Hälfte zurückgegangen. Im ganzen Jahre war in 293 Fällen das Erscheinen eines Mitgliedes der Verbandsleitung auf der Baustelle notwendig. 4 Bau- kontrollen wurden im Berichtsjahre vorgenommen. Am Schluß des Jahres hatte der Zweigverein 8606 Mitglieder, und zwar 5652 Maurer, 1714 Putzer, 1240 Gips- und Zementarbeiter.— Die Kassenabrechnung des Zweigvereins zeigt eine Einnahme von 548 540,47 M., eine Ausgabe von 345 630,20 M., bleibt ein Bestand von 202 910,27 M. Für Unterstützungen wurden ausgegeben: An Gemaßregelte 4252 M., bei Bausperren 68 568 M., an Mai- ausgesperrte 14 720 M.. an Kranke 79 377 M., in Notfällen 521 M., in Sterbefällen 14 480 M., an Familien- und sonstige Unter- stützungen 5259 M., für Rechtsschutz 5720 M. Der Vorsitzende Hau i e und der Kassierer Wartenberg gaben eingehende Erläuterungen zu dem gedruckten Bericht. Danach wurde der Vorstand entlastet. Dem Zweigvereinskassierer wurde ein Mankogeld von 100 M. und den Bezirkskassierern ein solches von 10 Proz. ihrer Einnahmen bewilligt. Hierauf wurde folgendes Ergebnis der Neuwahlen bekannt- gegeben: 1. Vorsitzender Hanke. 2. Vorsitzender Metzke, 1. Kassierer Wartcnberg, 2. Kassierer Lehmann(Char- lottenburg), Schriftführer Wulf, Beisitzer Stegemann.— Beschwerdekommission: Dräger.Bruhn, Klose, Rudolf, Schulz, Matuschek.(In dieser Kommission ist ein Mitglied überzählig, jedoch hat einer der Gewählten ans die Wahl verzichtet. Sobald festgestellt ist, wer, reduziert sich die Kommission auf 5 Mit- glieder.)— Bibliothekkommission: Birkholz, Gustav Dahlen- bürg, Max Dahlenburg. Haase, Mulack, Schulz, f— Revisoren: Graul, Thöns, Lehmann(Friedenau). Hanke teilte mit, daß die für Berlin zuständige Bauberuss- genossenschaft in den Unfallverhütungsvorschriften einen Passus aus- genommen hat, welcher den Genuß alkoholischer Getränke während der Arbeitszeit verbietet. Der Vorstand der Berufsgenossenschaft habe beschlossen, jeden, der der Uebertretung dieser neuen Vorschrift überführt wird, dem Staatsanwalt anzuzeigen, um die Bestrafung zu veranlassen. Diese neuen Unfallverhütungsvorschriften seien rechtsgültig angenommen, die Bestrafung einer Uebertretung der- selben sei gesetzlich zulässig, also müßten sich die Kollegen hiernach richten. Die Verwaltungsstelle II des Transportarbeitcrverbandes hielt am Freitag in Kellers Philharmonie eine außerordentliche Generalversammlung ab, die sich mit Anträgen zu dem bc- vor stehende n Verbandstag beschäftigte, der auf den 6. Juni nach München einberufen ist. Es lag eine große Tlnzahl von Anträgen vor, die sich meist auf Aenderungen des Statuts oder der Unterstützungsreglements bezogen. Gut geheißen von der Versammlung wurde unter anderem ein Antrag, wonach die Wahlen zum deutschen Gewerkschaftskongreß und zu den internationalen Arbeiterkongressen in Zukunft nicht mehr auf den Verbandstagen, sondern direkt durch die Mitglieder erfolgen sollen. Der wichtigste Antrag, der die Zustimmung der Versammlung fand, hat die Zu- sammenlegung der Kranken- und der Arbeitslosenunterstützung zu einer Erwerbslosenunterstützuug zum Ziele, mit Unterstützungs» sätzen, die über das, was bis jetzt geboten wird, hinausgehen. Ferner wurde ein Antrag auf Einführung einer geregelten Reiseunter- stützung gutgeheißen. Auch ein Antrag, der Verbandstag möge bc- schließen, daß die vier Verwaltungsstellen Berlins unter der Vor- aussetzung, daß ein Einheitsbeitrag von 50 Pf. eingeführt wird, zu einer vereinigt werden, fand die Billigung der Versammlung. Die Sektion der in Bierbrauereien und Bierniederlagen beschäftigten Mitglieder, ebenso die Sektion der Kohlenarbeiter, haben zum Ver- bandstag Anträge auf Einberufung einer Konferenz zur Be- sprechung ihrer besonderen Berufsverhältnisse gestellt, denen die Versammlung ebenfalls zustimmte. Das gleiche gilt von zwei An- trägen der Sektion der Geschäftskutscher, von denen der eine zum Ziele hat, daß alle wichtigen Gerichtsurteile in Strafprozessen, die ihre Berufskollegen betreffen, im„Courier" veröffentlicht werden, der andere bezweckt, daß in allen Großstädten mit regem Handels- und Transportverkehr darauf hingewirkt wird, daß die Gemeinde obligatorische Fahrschulen für alle Kutscher und Fahrer eiuricktet, die nicht der Polizeiverwaltung unterstellt sein sollen.— Die übrigen Anträge, die dem Verbandstag vorgelegt werden sollen, bc- ziehen sich meist auf weniger wichtige Aenderungen des Statuts oder auf andere Verbandsangelegenheiten.— Sodann wurden für die Delegiertenwahlen zum Verbandstag 22 Kandidaten aufgestellt. Zu wählen sind von der Verwaltungsstelle Berlin II 11 Delegierte. Die Wahlen finden in den Bezirken mittels geheimer Stimmabgabe statt._ Lese- und Diskntiertliib„Wilhelm Liedkuecht". Heute abend 9 Uhr bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93: Vortrag. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zwcigverein Berlin und Bororte. Generalversammlung, Donnerstag, den 1. April, abends 97» Uhr. Rosenthaler Straße 11/12. »ei»»»«! Bauansehläger iic|i"i°°! Donnerstag, den 1. April 1909, abends 8 Uhr: Ungemeine Versammlung der BauankHIäger Berlins u.llwg. im GewerkschaftShause, Engelufer IS(großer Saal). Tages-Ordnung: 113/13« l. Unsere zukünftige Stellungnahme gegenüber den Arbeit- gcbern. 2. Diskussion� Kollegen I Da in dieser Versammlung wichtige Beschlüsse gesaßt werden, so muß ein jeder von Ihnen sür einen guten Versammlungsbesuch agitieren. In Anbetracht der gegenwärtigen Situation ist es notwendig, daß den Arbeitgebern die geschlossene Einigkeit der Kollegen bewiesen wird; deshalb muß jeder Bauanschlager zur Stelle sein. . Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. �'■ sr«*»!» h«*««>.»., rrfirs«,* Deutscher Mctallarbeiterverband. ber B-uanschläger. �sverwaltung Berlin. CASTAN's PANOPTICUJI Heute:©roßep Premieren-Tag! ! lleliacliiiiis Zauberwelt! U! ausgeführt von Eugen Schröder und Margarete Fara. Ohne Extra- Entree! 'iäglacbh0n7ds: Ullr Humonstisclie Künstler-Abende. �olIstönd�g�jieneti�JProKruinni. luWrtiil(i tar ttials. Ztvelgvercln Berlin. Mion ki Gips- liiiii Jcincntiitiindjf. Vom 1. Abril 1909 ab treten die laut tz 4 des Tarifvertrages für die Aipsbaubranche festgesetzten erhöhten Stundenlöhne in Straft, und zwar sür Nabitz- und Zementdrahtputzer 90 Pf. u. für Rabitzspanner 75 Pf. die Stunde. Auch haben alle Kollegen der Gipsbanbranche die Pflicht, streng aus die Jnnehaltung der 8'/s stündigen Arbeitszeit zu achten. Verstöße gegen dieselbe sowie überall dort, wo der tariflich festgesetzte Stundenlohn in sdcr Gips- und Zementbaubrauche nicht ge- zahlt wird, sind sofort dem Bureau Engeluser 15, Zimmer 46, 136/18« Telephon: Amt 4 Nr. 4099, zu melden. Her Sebtlonsvorstand. Srauevei friedrichshain. Matinee-Konzert Am 1. n. S. 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