Nr. 81. HbonnementS'Bedlnsnityen: nSonnemcntä- Preis pränumerando: Liertcljährl. 3JSÜ SWf, monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 2b Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer B Pfg, Sonntags. nummcr mit illustrierter Sonntags. Vellage»Die Neue Welt" 10 Pfa. Pos!« Zlbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crlchdnt Kgl!» anBtr montags. Vevlinev Volksblerkk. Sie TnfertionS'Gebflbr Beträgt für die scchSgcspaltene Kolone?» geile oder deren Raum 60 Pfg,, für politische und gctoerlschastliche Vereins. und BersammlungS-llnzeigen SO Pfg. „Kleine Hnieigen". daS erste(feit. gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf« slellcn-Anzctgcn da? erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort k> Pfq. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worter Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adreffe: „Znialtiemotikat Rerlin". Zcntralorgan der lozialdemokrati leben parte» Deutfcblands. Rcdahttons 8M. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecheri Amt IV. Nr. 1983. Dienstag, den 6. April 1909. Expedition: ÖCQ. 68, Ltndenstrasse 69» Fcrnsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Lrhöhung des Kaffcczolls 7 Schon seit Monaten geht das Gerücht, daß die Junker als Ersatz sür die ihnen so verhaßte Nachlaßsteuer eine Er- höhung des Kasfeezolles vorschlagen wollen! � Der Zoll, der bisher 40 Pf. auf das Kilogramm beträgt, soll auf 60 Pf., vielleicht sogar auf 80 Pf. erhöht werden. Da der jährliche Verbrauch an ungebranntem Kaffee sich auf 190000 Tonnen beläuft, brachte der Zoll bisher 76 Millionen Mark; bei einer Erhöhung von 40 auf 60 Pf. würde der Zoll 38 Millionen Mark mehr einbringen und bei Erhöhung auf 80 Pf. sogar 76 Millionen Mark— vorausgesetzt, daß der Verbrauch nicht zurückgeht. Dadurch käme aber die ärmere Bevölkerung nur vom Regen unter die Traufe. Denn ein erwärmendes Getränk, um ihre minderwertige unschmackhafte Nahrung herunterzuspülen, braucht sie. Dann bleibt ihr als Ersatz nur der Schnaps, der noch höher mit Steuern belastet ist und sie noch mehr der- elendet, oder die Kaffeesnrrogate. Und auch diese sind mit einem verhältnismäßig hohen Zoll belastet. Auf dem Doppel- zentner Zichorie, der unverzollt engros etwa 30 M. kostet, liegen 10 M. Zoll(bis 1902 waren es nur 4 M.) und auf allen anderen 5taffeesurrogaten liegt derselbe Zoll wie auf Kaffee, also 40 M. Wird der Kaffeezoll erhöht, wird auch der auf die Surrogate in die Höhe gehen— und selbst wenn das nicht der Fall wäre, so ist jetzt schon diese Belastung der nur von der allerärmsten Bevölkerung benutzten Zichorie eine schreiende Ungerechtigkeit. Denn, daß dieser Zoll auch die im Jnlande erzeugte Zichorien verteuert ist selbstverständlich und ja auch seine Aufgabe; er ist als Schutzzoll gegen die aus- ländische Konkurrenz eingeführt worden. Bei den anderen Kaffeesurrogaten(Malzkaffee und der- gleichen) wie bei den ebenfalls nur von der ärmeren Be- völkerung verbrauchten billigen 5kaffeesorten ist die Zoll- belastung umso höher, je ärmer der Konsument ist, das heißt je billigeren Kaffee er sich kaufen muß. Der billigste Rohkaffee notiert jetzt unverzollt in Hamburg etwa 70 M. pro Doppelzentner. Darauf liegen 40 M. Zoll, also fast sechzig Prozent des Wertes, den der Rohkaffee hat. Der teuerste Rohkaffee kostet unverzollt in Hamburg etwa 360 M; er wird von demselben 40 M.-Zoll getroffen, der aber nur elf Prozent des Wertes beträgt, den der Rohkaffee hat. Der Kaffee der Aermsten ist also um mehr als das Fünffache höher belastet als der Kaffee der Millionäre! Wenn der Zoll erhöht wird, läßt sich nur eine gleichmäßige Erhöhung durchführen. Qualitätsunterschiede bei der Ver- zollung festzustellen, würde den Schikanen wie den Betrüge- rcien Tür und Tor öffnen. Es wird also der billigste Kaffee, der 70 M. pro Doppelzentner unverzollt ab Hamburg kostet, bei einem Zoll von 60 M. mit 85 Proz. des Rohwertes be- lastet, und bei 80 M. Zoll gar mit 100 Proz. Dagegen trägt der beste Kaffee, der mit etwa 360 M- pro Doppelzentner unverzollt ab Hamburg zu kaufen ist, bei 60 M. Zoll nur eine Belastung von 16 Proz. und bei 80 M. Zoll nur eine Belastung von 22 Proz. I Beim billigsten Kaffee steigt also der Zollsatz von 60 auf 80 bis 100 Proz., beim teuersten von 11 auf 16, höchstens auf 22 Proz. I Nun ist aber gerade für die ärmere Bevölkerung der Kaffee durchaus nicht ein leicht entbehrlicher Luxus, sondern er wird ebenso wie der Branntwein ihnen durch ihre ungenügende Nah- rung aufgezwungen. Es ist eine von allen Fachleuten. die sich mit der Ernährungsfrage beschäftigen, festgestellte Tat- fache, daß der Verbrauch von Kaffee und Kaffeesurrogaten „fast zu einem unentbehrlichen Lebensbedürfnis geworden ist". Der verhältnismäßig große Kaffeeverbrauch der ärnicren Schichten ist ein Symptom für die ständige Unterernährung, die besonders in der Jndustriebevölkcrung herrscht. Ihr Ein- kommen reicht nicht, um eine ihrer Anstrengung entsprechende kräftige Nahrung zu beschaffen, namentlich fehlt es an Fleisch. das gerade wegen seiner die Nerven anregenden Stoffe für die Ernährung des Arbeiters so wichtig ist— und deshalb „mutz reichlicher Kaffeegenuß bei jeder Mahlzeit den Körper über die tatsächlich stattfindende Unterernährung hinweg- täuschen". Daher kommt es. daß w den Haushaltungen der ärmeren Bevölkerung nicht viel weniger Kaffee derbraucht wird, wie bei der wohlhabenden. Nach den Untersuchungen, die Mlhelm Gerloff 1908 in den„Jahrbüchern für Nattonalökonomie und Stattstik" veröffentlichte, ergab sich als Resultat von 180 Haus- Haltungsbudgets, daß die höchsten Einkommen wie die niederen einen ganz gleichen Verbrauch an Kaffee hatten und nur die allerärmste Schicht mit weniger als 800 M. Einkommen auch hierbei sich noch einschränken mußte. Die Aermsten werden aber durch den Kaffeezoll wie durch jede indirekte Steuer weit stärker belastet als die Reichsten. Gerloff hat berechnet, daß von je hundert Mark Ein- kommen die Reichen 14 Pf. für den Kaffeezoll enttichten, die Wohlhabenden 18 Pf., der Mittelstand 46 Pf., die A r b e i t e r 70 Pf. und die allerärmste Schicht immer noch 55 Pf. jährlich I Diese Zahlen zeigen scharf und deutlich, daß bei einer Erhöhung des Kaffeezolls wieder die Arbeiter und der Mittel st and in erster Linie die Leidttagenden wären. Nun weisen die Befürworter der Erhöhung des Kaffee- 'zolls darauf hin, daß ja der Kaffeepreis in den letzten Jahren bedeutend gesunken sei. Das ist richtig— beweist aber nicht die Berechttgung einer künstlichen Erhöhung des Preises durch Verschärfung des Zollsatzes. Allerdings sanken die Kaffee- preise bedeutend. Erst kam von 1890 bis 1896 ein allmähliches Herabgehen der Hamburger Notierung von 175 auf 131, dann erfolgte" im nächsten Jahre ein rapider Sturz auf 85 und seitdem schwankt der Preis zwischen 82 und 63 für den Doppelzentner unverzollten Santoskaffee. Sobald der Kaffeepreis sank, stieg auch die Einfuhr. 1890 be- trug sie 118000 Tonnen, 1896 erst 130000, 1907 aber war sie bereits, eben infolge der billigen Kaffeepreise, auf 190000 Tonnen gestiegen. Da entsprechend des Steigens der Kaffeepreise auch die Verwendung der Kaffeesurrogatc, der Zichorie oder des Malzkaffee zunimmt und für beide die Agrarier die Lieferanten der Rohstoffe sind, so ist auch hieraus erklärlich,« weshalb diese Nimmersatte weiten Schichten des Volkes den Kaffeegenuß unmöglich machen wollen. Seitdem des Reiches Herrlichkeit entstand, ist der Kaffee zoll stetig in die Höhe geschraubt worden! Im Jahre 1865 hatte er 5 Taler pro Doppelzentner betragen, 1870 wurde er auf 5 Taler 25'/z Silbergroschen erhöht— seit 1880 ist er mehr als doppelt so hoch, nämlich 40 M., und nun soll er auf 60 oder gar auf 80 M. gesteigert werden I Daß der Kaffeepreis seit einem Jahrzehnt so niedrig ist, verbürgt übrigens durchaus nicht, daß er auch stets so niedrig bleiben wird. Verursacht ist der Preissturz durch die Ucber- produttion von Kaffee in Brasilien. Da drei Viertel des deutschen Kaffees von dort kommen, wurden und werden die deutschen Preise von Brasilien bestimmt. Sobald dort Miß- ernten eintreten oder die Ueberproduktton eingeschränkt wird. wie es ja schon seit langem von der brasilianischen Regierung versucht wird, müssen die Preise wieder steigen— und ist erst einmal der Zollsatz erhöht, so wird er trotz der höheren Kaffeepreise auch so bleiben. Der Geprellte wäre das deutsche Volk! Aber noch eine andere Gefahr droht ihm bei einer Erhöhung deS Kaffeezolles. Brasilien ist ein sehr guter Ab- nehmer deutscher Waren geworden. Unsere Ausfuhr nach Brasilien, die im Jahre 1900 einen Wert von 46 Millionen Mark hatte, stieg auf 109 Millionen Mark im Jahre 1907. Und während wir für 196 Millionen Mark Waren von Brasilien bezogen, die wir von dort beziehen müssen, ist Brasilien beim Bezug der heute von uns gelieferten Waren keineswegs auf Deutschland angewiesen. Ohnehin hat es in der letzten Zeit andere Staaten bevorzugt; Ztord-Amerika hat es eine Zollermäßigung von 20 Proz. zugebilligt und Frank reich wird, tvie es scheint, dieselbe Vergünstigung zu teil werden. Es fehlte gerade noch, daß Deutschlands Junker eine Kaffeezollerhöhung durchsetzten— dann würde Deutschlands Industrie und damit seine Arbeiter vor allem aber- mals einen empfindlichen Schlag erhalten, denn unzweifelhaft würde Brasilien die Zollerhöhung auf Kaffee mit einer Zoll- erhöhung auf sämtliche deutsche Produkte beantworten und dadurch unsere Einfuhr zurückdrängen. Die Gefahr ist um so größer, als ein H a n d e l S v e r- trag Deutschlands mit Brasilien nicht besteht. So- bald der Reichstag eine Erhöhung des Kaffeezolls beschließt, kann sie sofort in Kraft treten— und die auf der Industrie so schwer lastende Krisis würde von Brasilien durch eine Er- höhung der Zölle auf deutsche Waren beantwortet, dadurch Deutschlands Export nach Brasilien verringert und die Krisis noch verschärft werden. � Den Junkern und ihrem Troß wäre das steilich ganz egal. Für fie ist die Hauptsache, die Nachlaßsteuer hintanzu- halten, sowohl wegen der Abgaben, die sie ihnen auferlegt, als auch und zwar hauptsächlich, um ihre Steuer- Hinterziehungen un entdeckt noch weiter fort- setzen zu können. Dafür mag dann der ärmeren Be- völkerung auch noch das bißchen Kaffee verteuert und die In- dusttie schwer geschädigt werden! lielne IPrcftigcpolitik! Die bürgerlichen Parteien des Reichstages haben die sozialdemokratische Resolution abgelehnt, die ein Ueberein- kommen zur Einschränkung der Flottenausgaben und zur Ab- schaffung des Kaperrcchts fordert. Aber auch in diesem Fall wird es wie in so vielen anderen kommen: Die Politik, die die Sozialdemokratte fordert, wird sich durchsetzen und die bürger- lichen Parteien werden gezwungen sein, sich selbst Lügen zu strafen und verspätet und aus"Not zu tun, was heute zu leisten ein Zeichen polittscher Einsicht und Kraft wäre. Was diesmal den Beschluß der bürgerlichen Parteien aber so un- sinnig macht, ist, daß er gar keinen sachlichen Erwägungen entspricht, sondern der Ausfluß einer bürgerlichen„Prestige- Politik" ist, einer Polittk, die den Schein erwecken möchte, daß die bürgerlichen Parteien es nicht nötig haben, den Rat der Sozialdemokraten zu befolgen. Äpr Haß gegen die Sozialdemokratte verleitet diese Parteien alle unsere Anträge abzulehnen, allerdings nur um viele unserer Anregungen bann später als eigene Anträge, freilich meist abgeschwächt und unvollständig wieder vorzulegen. Allerdings spielte bei der Ablehnung unserer Resolutton, die unser Verhältnis zu England endlich zu einem normalen gestalten soll, auch noch ein anderer Umstand eine Rolle. Fürst Bülow ist just nicht der geeignete Mann, um eine nüchterne, geschäftsmäßige Auslandspolitik zu machen. Ver- dankt er doch seine„Erfolge" im Innern, und besonders seinen Blockreichstag vor allem der Erregung der nattona- listischen und hurrapatriotischen Instinkte des deutschen Spieß- bürgers. Der Kanzler, dem die Wahlmache der Keim, Liebert und anderer chauvinistischer Hetzer unentbehrlich ist, kann nicht so leicht den Wahnsinn des Wettrüstens zu- gestehen, nachdem er seine Flottcnpolitik, die in diesem Wahnsinn enden mußte, als größte nationale Tat hat anpreisen lassen. Und doch wird er schließ- lich auch hier sich mit der Liquidation ebenso einverstanden erklären müssen, tvie beim M a r 0 k k 0 st r c i t, wo ebenfalls die sozialdemokratische Forderung nach einem Uebereinkommen mit Frankreich der Regierungspolitik letztes Wort geworden ist, freilich erst nachdem die Herren Krupp und Schneider ihr gemeinsames Interesse an der Ausbeutung der nordafrikanischcn Erzgruben entdeckt hatten. Es ist ganz charakteristisch, daß die Sinnlosigkeit des Wettrüstens auch den Parteien einleuchtet, die, tvie das Zentrum und die Konservativen, für die deutsche Flottcnpolitik mit in erster Linie verantwortlich sind. So bezeichnet die „ K r e u z- Z c i t u n g" in ihrer SonntagSnummer die Er- reichung eines Uebcreinkommens mit England als„ernsten Wunsch für die Zukunft" und begründet diesen folgendermaßen: Die Macht deS Deutschen Reiches hat sich als so achtimg- gebietend, ja als so überlegen erwiesen, daß es nicht mehr nötig hat, nur des Prestiges halber gegenüber den immer lauter werdenden Wünschen Englands nach einer gewissen Ver- ständigung über den Flottenbau zurückhaltend zu sein. Der Reichskanzler hat am Montag ganz richtig gesagt, daß in dieser Zurückhaltung nichts Auffälliges oder Unfreundliches für England liege. Aber er hatte vorher auch aus die Besserung der offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und England hingelviesen und mit Zahlen die Tatsache belegt, daß diese Reiche wirtlchaftlich aufeinander augewiesen sind. Vielleicht findet er doch eines TageS, und hoffentlich recht bald, die bisher vermißte„Formel", die eine „geeignete Verhandlungsbasis" bietet. Erklärte er doch ganz positiv„Die kaiserliche Regierung wird es auch weiterhin als ihre Pflicht betrachten, alle freundschaftlichen Tendenzen zwischen Deutsch- land und Großbritannien zu fördern und aus ein Verhältnis zwischen beiden Völkern hinzuarbeiten, daS dem Argwohn keinen Raum läßt." Hier handelt es sich um ein ganz wesentliches Jnter- esse der inneren Politik beider Länder. England bedarf dringend einer Begrenzung seiner FlottenauSgaben, da es sonst die soziale Reformarbeit nicht durchführen kann, und Deutschland ist ebenfalls finanziell ni ch t imst an de, außer seiner stärksten Heeresmacht auch eine Flotte zu b a u e n u 11 d z u u n t e r h a l t e n. die seine auswärtigen Handels- interessen und seine Kolonien in einem Kriege mit England schützen könnte. Diese Einsicht drängt sich gegenwärtig angesichts der Schwierigkeiten der Finanzrefonn jedermann auf. Das Weit- rüsten hat ferner zu technischen Fortschritten gcftihrt, die innerhalb weniger Jahre alles ältere Flotten- Material veralten lassen. Ja man weiß heute, wo über das Untersecbootwesen noch keine ausreichenden Manöver- erfahrungen vorliegen, nicht einmal, ob nicht binnen kurzem die ganze Taktik der Küstenverteidigung durch weitgehende Benutzung dieser neuen Schiffe umgestaltet wird. Die Schlachtflotte wird für die Küstenvcrteidigung immer sehr wichtig sein, aber man sollte ihre Bedeutung nicht überschätzen, da wir gegen eine Invasion uns doch immer zumeist auf unsere Armee verlassen müssen und können. Tatsache ist jedenfalls, daß ein allzu starker Bau von Schlachtschiffen als eine Kriegsdrohung gegen England aufgefaßt wird, trotz aller beruhigende» Er- klärungen unserer Regierung und der friedlichen Gesinnung unseres Volkes. Der beste Schutz unserer überseeischen Jntcreffcn läge in einem Vertrage mit England. Daher hofft und erwartet man immer allgemeiner von unserer Diplomatie, daß sie die Hand zu einem solchen Abkommen bietet, selbstverständlich ohne unser Flotten- gesetz einer Diskussion auszusetzen und ohne sein Grundmotiv preiszugeben. In einem solchen Entgegenkommen würde jetzt weniger als je ein Eingeständnis unserer Schwäche, sondern nur ein Beweis politischer Steife und Besonnenheit erblickt werden können. Das sind Argumente, die zum größten Teil von der Sozialdemokratie mit allem Nachdruck, im Reichstage tvie in der Presse angeführt worden sind und wofür sie sich nicht nur von den Bülows, Keims und Lieberts, sondern auch von der„Kreuzz." und ihren politischen Freunden unablässig als antinational und vaterlandsfeindlich beschimpfen lassen mußte. Wir können es auch nicht recht verstehen, wie die Konservativen die Ablehnung unserer Resolution rechtfertigen können, es sei denn, daß sie als alte Feinde des Reichstages es verhindem wollten, daß die Aenderung des bisherigen Standpunktes der Regierung als durch den Reichstag er- chungen erscheine und dadurch die moralische Position des "arlameuts gestärkt werde. Da unsere Resolution aber wiederkehren dürfte, wird man ja die kouservattve Partei um ihre Gründe wohl noch eindringlicher befragen könne». Mit gutem Grund fordert die„Kreuz-Ztg.", daß der „Beweis politischer Reife" recht bald gegeben werde. Es könnte nämlich sonst rasch zu spät werden. Denn zu den verhängnisvollsten Wirkungen der deutschen Politik gehört die Förderung, die durch sie die englischenÄonservativen erfahren haben. Und ob die Konservativen nach Flotten- Wahlen, die an Aufpeitschung der schlimmsten chauvinistischen Instinkte unsere Hottentottenwahlen wohl noch übertreffen werden, noch ein Uebereinkommen mit Deutschland werden schließen können und wollen, ist leider sehr zweifelhaft. Es ttlt also wirklich Eile not. Freilich verlieren die Auslassungen der„Kreuz-Zeitung" dadurch einigermaßen an Wert, daß das konservative Organ die'Aufrechterhaltung des deutschen Flottengesetzes fordert. Nicht als ob dies ein uniiberstcigliches Hindernis wäre. Aber es erschwert das Uebereinkommen und verringert seinen Nutzen bedeutend, indem es beiden Völkern finanzielle Opfer auferlegt, die das Uebereinkommen ja gerade überflüssig machen soll. Daß unser Flottenbau gesetzlich festgelegt ist, ändert nicht das geringste. Denn ein Gesetz„ist doch nicht ein F a t u m, das über den willenlosen Reichstag und den ebenso ohnniächtigen Bundesrat verhängt worden ist. Jedes Gesetz kann geändert, kann aufgehoben werden, zu- mal wenn erwiesen ist, daß sich die Voraussetzungen, unter denen eS zustande gekommen ist, und die Erivartungen, die man daran geknüpft hat, nicht erfüllt haben..." Das schreibt ein so patenwationales Blatt wie die „Hamb. Nachr." und an der Nichtigkeit der Bemerkung wird sicher dadurch nichts geändert, daß das Gesetz, von dem die Rede ist, nicht das Flottengcsetz ist, sondern die— Lex Trimborn, die die Einführung der Witwen- und Waisen- Versicherung bedingt. Auf jeden Fall aber beweisen die Ausführungen der „Kreuz-Zeitung", daß es allein die sozialdemokratische Fraktion war, die bei der letzten Debatte über die auswärtige Politik die Notwendigkeiten der Situation be- griffen und das Interesse des deutschen Volkes in der auswärtigen Poltik gewahrt hat, während Regierung und bürgerliche Parteien eine Politik„nur des Prestiges halber" getrieben haben, die unvereinbar ist mit den wirklichen Interessen der Nation. v!e Reform der liillltärjuitiz. Paris, 3. April,(©ig. Ber.) Drei große Reformen hatte die Regierung Cleineneean an die Spitze ihres Programms gefetzt: die Altersversicherung, die Einkommensteuer und die Reform der M i l i t ä r j u st i z— oder, wie die Sache pathetisch genannt wurde,„die Aushebung der Kriegsgerichte". Das über die Altersversicherung vor dem Ende der Legislaturperiode eine Einigung zustandelonimen wird, ist wenig wahrscheinlich, da der Senat Miene macht, auch das wenige Wert- volle, das die Regierung aus dem von der Deputierten- kammer angenommenen Gesetz übernommen hat. auSzu- scheiden. Auch die Einkommensteuer ist in einer, be- sonders den Jnteresien der Kleinbauern Rechnung tragenden Fassung von der Deputiertenkammer mit großer Mehrheit be- schlössen worden, aber der Senat hat gestern mit offener Provokation eine Kommission gewählt, deren Mehrheit vom ganzen Gesetz nur da?„Prinzip" aufrechterhalten, aber die entscheidenden Bestimmungen zugunsten der Bourgeoisie abändern will. Bezeichnend ist, daß R o u v i e r, der Repräsentant der anrüchigen Kapitalistensippe, zu ihrem Präsidenten gewählt worden ist. Bleibt also nur noch die Reform der Mlitärjustiz, die einige Aussicht hat. fertig- gestellt zu werden. DaS Gesetz, das jetzt von der Deputiertenkammer beraten wird, sieht freilich den optimistischen Vorstellungen, die die demokratischen Ideologen in der Drehfus- Krise hegten, da Piequart und Konsorten den Kampf gegen die Säbelherrschaft predigten, wenig ähnlich. Nicht die Aufhebung der besonderen Militärgerichtsbarkeit ist geplant, sondern nur eine sanfte Reform. Bloß die Verbrechen und Vergehen des gemeinen Rechtes werden den bürgerlichen Gerichten zugewiesen, für die militärischen Verbrechen und Vergehen ist ein besonderer gemischter Gerichtshof vorgesehen, der aus Mitgliedern des Appellhofes und militärischen Beisitzern zusammengesetzt ist und worin wohl der B o r s i tz einem fcürgerlidjen Richter, die Mehrheit aber dem militärischen Element eingeräumt ist. Die äußerste Linke bemüht sich natürlich, das Gefetz zu verbeffern, aber ohne viel Aussicht auf Erfolg. Der Antrag des unabhängigen Sozialisten Z ö v a d. alle von Militärpersonen begangenen Verbrechen und Vergehen den Gerichten des gemeinen Rechts zuzuweisen, wurde in der vorigen Woche mit 39 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Derzeit ist wegen einer weniger bedeutenden Bestimmung ein Konflikt ausgebrochen. Die Mehrheit hat nämlich trotz des Widerspruchs des UnterstaatSsekretärs Cheron und des Berichterstatters, des seinerzeit so hinaufgelobten trivialen Rellameadbokaten Labor! beschlosien, den Paragraphen, der für die von Militärpersonen begangenen Delikte des gemeinen Rechtes spezielle Sessionen bestimmt, an die Kommission zurückzuweisen. Herr Cheron war darüber so bestürzt, daß er sich für verpflichtet hielt, eine kleine Demisfions- szene aufzuführen, die natürlich keine Folgen hatte. Die Argumente, die Cheron ins Feld geführt hat und die der„TempS" für schlagend erklärt, sind bezeichnend für den Geist dieser Reformatoren. Erstens soll eS„peinlich" sein, daß Militärs vielleicht wegen einer Bagatelle auf derselben Anklagebank sitzen müssen, wie unmittelbar vor ihnen schwere Geivohnheüsverbrecher aus dem Zivil. Aber das gilt doch auch für Zivilisten, die z. B. wegen politischer Delikte auf der Armensünderbank unter militärischer Bewachung zu sitzen kommen. Zweitens wird an die besonderen Jugendgerichte erinnert. Vermutlich wirkt da die Erinnerung an Zirkusvorstellungen, wo ja auch„Kinder und Militär" eine gleiche Ausnahmestellung bekommen. In Wirklichkeit zeigt gerade diese Analogie die ganze Bedenklichkeit der besonderen.Zivilgerichte für Militärs". Denn die Jugendsenate sind doch eigens zu dem Zweck konstituiert, damit sie aus einem besonderen Geist, auS einer anderen Perspektive ur- teilen, als das die Richter tum die eS in der Regel mit erwachsenen GesetzeSübertretern zu tun haben. Die Rechtfertigung der Jugend- geeichte ist die ErkennwiS, daß junge, im EntwickelungSalter stehende Menschen mit Rücksicht auf ihre eigenartige Psyche den Erwachsenen nicht gleichgestellt werden dürfen. Beruft man sich also auf die Jugendgerichte, um besondere Gerichte für Militärs zu schaffen, so bekennt man, daß man in diesen einen besonderen Geist walten lassen will. Damit ist aber— wenn auch in abgeschwächtem Maße die AuSnahmejustiz für Militärs sogar bei den Delikten deS gemeinen Rechts aufrechterhalten. poUtilcbe Qcbcrlicbt. Berlin, den 5. April 1909. Kommis-Wechsel. Die Kohlen- und Eisenmagnaten sind seit langem nicht nur mit dem Staatssekretär von Bethmann-Hollwcg, sondern auch mit dem Handelsminister Delbrück höchst unzufrieden, da er ihre„H e r r e n r e ch t c" nicht genügend respektiert und sozialpolitisch angekränkelt ist. Bereits in ihrer am 6. Jä- uuar d. I. in Berlin im Palast-Hotel abgehaltenen Geheim- sitzung haben denn auch die Grubengewaltigen die Forderung gestellt. daß Herr Delbrück aus dem Handels- Ministerium entfernt und anderswo untergebracht werde. So sagte beispielsweise nach dem Bericht der„Bergarbeiter- ztg." Herr Bergrat Williger: „Mir scheint eS auch— wenn ich vertraulich hier reden darf —, daß es sich bei dieser Vorlage schließlich und endlich um die Stellung deS Ministers handelt. Man hat ihm von oben her die Pistole auf die Brust gesetzt. Ich bin nun der Ansicht, man muß dem Minister daS Rückgrat stärken und ihm, wenn nicht anders, zu einem eleganten Ab- gang verhelfen. Wir wissen nicht, wie der nächste Minister einmal sein wird, aber wenn wir den Herren immer wieder das Rückgrat stärken, indem wir treu auf unserem Standpunkt beharren, und es geht vielleicht der zweite, dritte, vierte und fünfte, dann wird sich das Blättchen schließlich doch zu unseren Gunsten wenden. Ich glaube, wir sind jetzt schon im Uebergang begriffe n." Mit diesex letzten Bemerkung, daß man„schon im Uebergang begriffen" sei, scheint Herr Williger recht behalten zu sollen. Die Regierung hat sich, wie es sich für sie geziemt, den Anforderungen der Bergherren demütig gefügt. Herrn Delbrück soll tatsächlich ein„eleganter Abgang" aus dem Haudelsamt beschert werden. Er soll an Halles Stelle zum Kultusminister ernannt werden und dafür der Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, der Geheim- rat Mermuth zum Handelsminister avancieren. So werden zugleich die Wünsche der Bcrgmagnaten und der Orthodoxen erfüllt. Die ersteren toerden Delbrück los und die Frommen erhalten einen Kultusminister, der nichts von Kirche und Schule versteht und ganz auf seinen Schwartz- kopff angewiesen ist._ Doppeltes Spiel. Obgleich noch immer zwischen Konservativen und Frei- sinnigen unterhandelt wird und beide für die Aufrechterhaltung des„nationalen" Blocks plädieren, benutzen sie doch die jetzige Spannung, um sich gegenseitig allerlei Bosheiten zu sagen und insime Techtelmechteleien aus ihrem bisherigen Konkubinatsverhältnis aufzudecken. Am rücksichtslosesten der- fährt dabei die„Kreuz-Zeitung". die im Bewußtsein der kräftigeren� Konstitution des Konservatismus die frei- sinnige Nachgiebigkeit brutal verspottet. So berichtet sie über die offizielle und die geheime Stellungnahme des Freisinns zur Schnaps-Liebesgabe: „Wie unehrlich dies Treiben(die Agitation gegen die Liebes- gäbe. Red. d.„V.") ist, geht auch aus dem Verhalten der Frei- sinnigen bei der Spiritussteuer hervor. Der Reichskanzler bezeichnete am Dienstag die vorgeschlagene Form der SpiriMsteuer als diejenige, unter der allein nach Ansicht aller Sachverständigen eine hohe Belastung deS BrennereigewerbeS möglich sei. Bei Besprechungen im engsten Kreise wird von den Freisinnigen selber zugegeben, daß die fälsch- lich als„Liebesgabe" bezeichnete Kontingents- fpannung gar keine Liebesgabe sei, sondern eine not- wendige, von dem Gewerbe selbst aufgebrachte und nur vom Reiche verwaltete Produktions- und Preisregulierung, ein Schutz gerade für die kleineren und mittleren Brennereien, namentlich in Süd-, West- und Mitteldeutschland. Ebenso wird von den Freisinnigen im Privat- gespräche zugegeben, daß es notwendig und zuläsfig sei, diese Steuer gegen sie mit einer anderen Mehr- heit zu machen. Sie scheuen sich nicht einzugestehen, daß ihnen dies sogar ganz recht sei; ihren Wählern gegenüber könnten sie dann ihren Widerspruch aufrechterhalten und so ihre einmal eingenommene Stellung wahren. Oeffentlich aber beschimpfen sie dann die Konservativen wegen der„Liebes- gäbe" und nehmen das Jntereffe der großen gewerblichen Brennereien einseitig in Schutz. Das Monopol, das dem ganzen Spiritusgewerbe selber die angenehmste Lösung wäre, lehnen sie dagegen aus Parteivoreingenommenbeit ab." Bisher hat die fteisinnige Presse sich zu der Beschuldigung, daß der Freisinn im Reichstag doppeltes Spiel treibe, nicht geäußert: selbst das Organ des Herrn Wiemer hat es für vor- sichtiger gehalten, zu schweigen. Sollte es die Vor- Haltungen der„Kreuz-Ztg." als berechtigt anerkennen?_ Eine Richter-Gewerkschaft. Um hinter so manchen anderen Staatsangestellten, die sich in letzter Zeit zu.Standesvereinen" zusammengeschloffen haben, nicht zurückzubleiben, fanden sich gestern im preußischen Abgeordneten- Hause etwa 2ö0 preußische Richter und Staatsanwälte zum ersten preußischen Richtertag zusammen zur Gründung einer preußischen Richterorganisation. Ueber die Notwendigkeit der Gründung einer solchen Ver- einigung und ihre Tendenzen führte der Landgerichtspräsident de Niem-Limburg auS: „Die Begründung eines preußischen Richtervereines ist umso notwendiger, da wohl kaum ein Stand so viel Angriffen ans- gesetzt ist. wie der Richterstand. Jedermann hält sich für be- rechtigt, die Richter anzugreisen. Es liegt nicht nur im Jnter- esse des Richterstandes, svndern des gesamten Volkes und Vaterlandes, diesem Uebelstande mit aller Entschiedenheit zu steuern.... Der Richterverein wird aber auch zur Selbst- zilcht der preußischen Richter ganz wesentlich beitragen. DaS ist umso notwendiger, da der Richterstand, wie kaum ein anderer Beamtenstand, jeder Kontrolle entzogen ist. Mit aller Entschieden- heit muß der Behauptung entgegengetreten werden, daß der Richterverein gebildet werden soll, l ediglich um eine Gehalts- Verbesserung zu erhalten. Die materielle Seite soll uns nur beschästigen, wenn sie mit der Standesfrage des Richters im engsten Zusammenhange steht. Wir sind entsernt, einen Kampf- verein zu bilden. Wir sollen keineswegs zur Justizverwaltung in Opposition zu treten. Ich gehöre selbst der Justizverwaltung an. Ich wäre selbstverständlich in solchem Falle genötigt, sofort vom Verein zurückzutreten. Ich habe die Ueberzeugung, daß Sie mir in dieser Beziehung einstimmig zustimmen werden... Auch verschiedene andere Redner betonten, daß sich der Verein nur ideale Ziele setzen dürfe. Mit der offenkundigen Tatsache, daß von den meisten Mitgliedern als hauptsächlichster Zweck der Vereinsgründung das Wirken für weitere Gehalts- erhöhungen angesehen wird, scheint diese Betonung der„idealen Ziele" in schroffem Widerspruch zu stehen; doch berücksichtigt, wer solche Schlüsse zieht, nicht die Eigenartigkeit preußischer Richterlogik; denn nach dieser zeugt zwar das Streben eines Arbeiters nach Lohnaufbesserungen von einer grobmateriellen Gesinnung, das Streben eines Richters nach Gehaltsaufbesserung beweist dagegen höchsten Idealismus, steigt doch mit dem Gehalt zugleich die Qualität der Rechtspflege._ Tie Nachwahl in Ulm. Stuttgart. 4. April. Der zweite Wahlgang der LandtagSersatzwahl in Ulm am vergangenen Sonnabend, den 3. April, hat mit einem glänzenden Erfolg für die Sozialdemokratie ge- endet. Im ersten Wahlgang am 20. März erhielt unser Genosse G ö h r i n g 1901 Stimmen, im zweiten Wahlgang 2335 Stimmen(+934).. Die nationalliberale Partei steigerte ihre Stimnrenzahl von L34S auf 3004.(+.056)• Die Vollspartei hat einen Stimmenverlust von 383 Stimmen zu verzeichnen. Ihre Stimmenzahl sank von 1746 auf 1361/ Das Zentrum, das im ersten Wahlgang 904 Stimmen erzielt hatte, arbeitete für dcu zweiten Wahlgang inoffiziell für den Nationalliberalen. Es hatte zu dem Zweck seine Kandidatur zurückgezogen. Wir haben diesmal das Mandat noch nicht erobert, um 460 Stimmen sind wir diesmal noch hinter dem Deutschparteiler zurück- geblieben. Bisher stand die Sozialdemokratie an dritter Stelle; wir haben den Wahlkreis noch nie besessen. Er war über 30 Jahre lang Besitz der Volkspartei, die ihn mit Hilfe der Sozialdemokratie gegen die Nationalliberalen behaupten konnte. Den Dank für diese Wahlhilfe haben die Demokraten der So- z i a l d e'm okratie diesmal dadurch abgestattet, daß sie den Wahlkreis der Deutschen Partei in die Hände spielten! Die Nachwahl in Ulm charakterisiert deutlich die reaktionäre, von krassem Parteiegoismus diktierte Wahltaktik der württembergi- scheu Volkspartei. Nach dem ersten Wahlgang, der die national- liberale Partei an die erste, die Sozialdemokratie an die zweite, die Volkspartei an die dritte Stelle brachte, beschwor die Volkspartci die Sozialdemokratie, für die Volksparter zu stimmen, damit der Wahlkreis an die„Rechte" nicht verloren gehe. Begründet wurde die Forderung, die stärkere Partei solle ihre Kandidatur zugunsten der schwächeren zurückziehen, besonders damit, da die Sozialdemo- kratie zwar ihre Wähler in der Hand habe, die Demokraten aber unsichere Kanton'istcn seien, die eventuell lieber einen Vertreter der„Rechten" als einen Sozialdemokraten in den Halbmondsaal nach Stuttgart senden würden. Tie„Rechte" dürfe aber unter keinen Umständen gestärkt werden. Tie Konsequenz dieser„Begründung" der volksparteilichen Forderung ist, lwtz die Sozialdemokratie stets und immer für den Volksparteiler arbeiten müsse, weil letztere sich weigern, für den Sozialdemokraten einzu- treten. Das sind die„höheren Gesichtspunkte" der Demokraten. Unsere Genossen in Ulm, die bisher der Volkspartei treue Hilfe geleistet hatten, unterwarfen sich der ewigen Diktatur der Volks- Partei nicht. Sie hielten ihre Kandidatur aufrecht. Die Volks- Partei, statt nun wenigstens zu versuchen, den Wahlkreis für die Linke zu retten durch energisches Eintreten für den Sozialdenw- traten, beschloß, ihre Kandidatur gleilchflalls atis� recht zu erhalten.(Für den zweiten Wahlgang entscheidet die relative Mehrheit.) Dieser Beschluß sicherte den Sieg der national- liberalen Partei, den Uebergang des Wahlkreises an die„Rechte". Daß eS der Leitung der Volkspartei möglich gewesen wäre, mit leichter Mühe das Mandat für die Linke zu retten, zeigt der Wahlausfall. Die Zentrumsstimmen sind in ihrer Mehrheit dem National- liberalen zugefallen, die Minderheit, die sich aus der Arbeiterbc- völkerung rekrutiert, hat für den Sozialdemokraten gestimmt. Auch ein Teil der Volksparteiler, angewidert durch das Treiben der Parteileitung, ist zur Sozialdemokratie übergegangen. Sodann hat die musterhafte, überaus eifrige Wahlarbeit unserer Genossen noch manchen Proletar zur Pflicht gemahnt. Die nationalliberale Partei hat zwar das Mandat diesmal infolge der hinterhältigen Wahltaktik der Volkspartei gewonnen; aber der Erbe wartet bereits vor der Tür. Die Sozialdemokrat� kann stolz sein auf den ehrenvollen Abschluß des Kumpfes. Die Volkspartei aber ist nicht nuran Zahl zur Bedeutu'ngs- losig keit herabgesunken, sie ist auch politisch und moralisch bankrott._ Versprechen und Halten. Die„Wcstdeuffche Arbeiterzeitung", daS Organ des Verbandes katholischer Arbeiter- und Knappenvereine, beschäftigt sich in Nr. 44 vom 3. April mit den Liebesgaben der Schnapsbrenner. In dein Artikel heißt es: „Nun kommt da ein KommisfionZbeschluß zustande, welcher diesen Zustand weiter aufrecht erhalten will, die Liebesgabe in ihrer vollen Höhe beibehält. Man könnte eS begreiflich finden, wenn diese Liebesgabe in herabgesetzten Sätzen für einige Jahre, für die Jahre der UebergangSzeit beibehalten worden wäre. Aber einen solchen unvollkommenen Zustand ohne zeitliche Begrenzung ein- zuführen und gesetzlich zn sanktionieren, ist denn doch etwas stark. Man sagt: die Liebesgabe ist notwendig für die Erhaltung deS Gewerbes. Das ist nicht wahr.., Die Liebesgabe war eS, welche die Bildung deS SpirituS- ringes ermöglichte... Der KommisfionSbeschluß bringt vor allem für uns Ar- beiter eine große— Ueberrafchung. Haben sich nichi im vorigen Jahre Zentrumsabgeordnete gegen die Liebesgaben wenigstens in Versammlungen ans- gesprochen?..." Die letzte Frage muß entschieden mit„Ja l" beantwortet werden. Wiederholt haben sich.Zentrumsabgeordnete gegen die Liebesgabe an die Schnapsbrenner ausgesprochen. Die klerikale„Westdeutsche Arbeiterztg." übersieht in ihrer Einfalt aber, daß nach der Zentrums- moral das Versprochene nicht gehalten zu werden braucht. Agrarischer Staatsbetrng. Durch die Veröffentlichung des Professors HanS Delbrück fühlen sich immermehr Blätter der preußischen Ostprovinzen dazu ver- anlaßt, zu schildern, wie systematisch in ihrer Gegend ein beträcht- licher Teil des Junkertums um die Steuerbeträge betrügt. So melden z. B. die Posener„Neuest. Nachr.", daß ein ihnen bekannter Großgrnnd- besitzer.derzlvei Rittergüter besitzt und auch sc inen Kindern bereits Ritter- guter gekaust hat, nur insgesamt jährlich— 40 Marl Ein- k o m m e n st e n e r b e z a h l t, da er sein jährliches Reineinkommen auf 4800— 2100 M. angegeben hat. Interessant wäre es, wenn daS Posener Blatt feststellen würde, ob der patriotische Herr zum Bunde der Landwirte gehört.— Zur Lage auf Samoa wird amtlich gemeldet: Die von dem Cbef des Kreuzergeschwaders gemeinsam mit dem Gouvernenr Dr. Solf eingeleiteten Maßnahmen haben nach einem heute aus Apia eingetroffenen Telegramm zu dein Erfolge geführt, daß die Rädelsführer der unruhigen Samoancr ohne Anwendung von Gewaltmaßregelu g e- fangen genommen worden find. Das gesamte Ge- schwader wird nunmehr eine Rundfahrt um die Inseln vor- nehmen, von welcher der Gouverneur und der Chef des Kreuzer- geschwaders die Sicherung deS wiederhergestellten Friedens erwarten. Ein Gartenkonzert als Versammlung unter freiem Himmel. AuS Halle a. S. berichtet man uns unterm 2. April: Eine geniale Auslegung erfuhr heule von der Strafkammer der§ 7 des ReichsvereinsgefetzeS auf die Direktive des Kammergerichts. Der Arbeiterradfahrverein„Stern" in Halle hatte am 21. Juni v. I. in Rattmannsdorf ein I n st r u m e n t a l k o n z e r t veranstaltet, zu dem Sportgenossen der umliegenden Orte eingeladen waren,»in auch in Rattmannsdorf einen Radfahrerverein zu gründen. Man amüsierte sich, ließ Märsche und Tänze spielen. Auch der Gemeinde- Vorsteher des Dorfes kam und löste ein Konzertprogranun. Man kam aber am erwähnten Tage nicht zur Gründung des Vereins. Der Amtsvorsteher war jedoch der Meinung, die Lustbarkeit hätte wohl polizeilich genehmigt werden müssen. Er sandte deshalb dem Wirt deS Lokales, Haustein, und drei Voisiandsmitgliedern des Vereins, Schmilkall, Bansemer und Kray a, Strafmandate. Schöffengericht und Strafkammer sprachen die vier Personen jedoch frei, da die angezogene Verordnung für ungültig erklärt wurde. Ein gewöhnliches Na chmitlagskonzert, so sagte man ganz richtig, bedürfe keiner polizeilichen Erlaubnis. Auf die Revision des Staatsanwalts besagte sich das Kammer- gericht mit der Sache. Es hob die Vorentscheidung auf und wies das Landgericht an, nochmals zu prüfen, ob nicht ein Verslosi gegen das ReichSvereinSgefetz vorliege. Es könne sich um eine öffentliche Versammlung unter freien: Himmel handeln, auch wenn sich Leute bei einem Gartenkonzert zusammenfänden. Die Nadfahrer wären zu gemeinsamen Zwecken zusammengekommen, da sie einen Verein gründen wollten. Die Versammlungsabsicht hätte bei den Konzertteilnehmern bestanden, somit hätte die„Ver- sammlung" nach ß 7 des Vereinsgesetzes angemeldet werden müssen. Die Angeklagten erklärten in der erneuten Verhandlung, sie könnten es nicht fassen, wie man dazu kommen könne, das harmlöse Konzert als eine Versammlung zu stempeln. Es sei nicht das ge- ringsle unternommen worden, was nach einer Versammlung aus- gesehen habe. Ein Verein sei nicht gegründet worden. Die Strafkammer verurteilte trotzdem die vier Angeklagten wegen Vergehens gegen das Reichsvereinsgesetz zu je 10 M. Geld- strafe. In den Urteilsgründen heitzt es, die Strafkammer sei an die Entscheidung des Kammergerichts gebunden. Co ch em-Ad enau-Zell. Nach dem berichtigten amtlichen Wahlergebnis sind bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Cochem-Adenau-Zell am 80. März im ganzen 13 531 gültige Stimmen abgegeben worden. Davon ent- fielen auf Weingutsbesitzer Pauly sZentr.) 12 46g Stimmen, auf Redakteur David sSoz.) 483, aus Oberlehrer Maetzen sZentr.) 454 und auf Parteisekretär Hofrichter(Soz.) 29 Stimmen. Ersatzwahl in Türen-Jülich. Bei der an: 3. d. M. stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Düren-Jülich wurden im ganzen IS 190 Stimmen ab- gegeben. Davon erhielten Rittergutsbesitzer Fürst Alfred Salm- Reiferschcidt-Schloß Dyck(Zentrum) 16 594, Teppichweber Schön- brenuer-Düren(Zentrum christlichsozial) 1272, Bildhauer Schock- Köln-Suelz(Soz.) 1165, Kaufmann Schnntz-Birkersdorf(Zentrum) 54 und Gutsbesitzer Frantzen-Ameln(Zentrum) 45 Stimmen. 60 Stimmen waren zersplittert. Die Wahl hat also mit einem glänzenden Siege des Fürsten Salm geendet. Die katholischen Arbeiter, die seine Wahl bekämpften und aus ihrer Mitte den Weber Schönbrenner aufstellten, haben den Drohungen und Ermahnungen der Kaplanokratie nicht Stand gehalten.—_ Stadtverordnetenwahlen in Flensburg. In Flensburg fanden ain 2. April drei Ersatzwahlen zum Stadtverordnetenkollegium statt. Wahlberechtigt ist, wer mindestens 12 Mark Staatseinkommensteuer zahlt oder Hausbesitzer ist. Die große Masse der Arbeiter ist dadurch vom Wahlrecht ausgeschlossen. Trotzdem erhielten unsere Kandidaten 876 Stimmen, die Bürgerlichen rund 1040._ Dr. Bienko, der Polizeipräsident von Breslau, ist am Sonn- abend gestorben. In ihn, schied der Chef des unauffindbaren Hand- abhackers und der schneidigen Polizei, die das Blutbad am Striegauer Platz in Breslau inszenierte. Neunzehn Jahre lang hat er als erster Polizeibeamtcr der fchlesischen Hauptstadt die Arbeiterbewegung mit den verschiedensten Mitteln bekämpft, ohne sie aufhalten zu können. Er gehörte zu jenen politischen Beamten, die das, was die Gesetze dem Volke gewährleisten, durch die Verwaltung wieder unwirksam zu machen suchen, wobei sie�ch bewußt sind, daß solche Praxis an den höheren Stellen nicht ungern gesehen wird. Der Bienko starb, die Bienko leben._ Vom Balkan. Deutschland und Rußland. Man»veiß, daß die Wendung in der Haltung Rußlands gegenüber Serbien veranlaßt wurde durch Vorstellungen, die die deutsche Regierung in Petersburg erhoben hat. In sran- zösischen, englischen und russischen Zeitungen war behauptet worden, es hätte sich um eine Art Ultimatum gehandelt und Deutschland hätte, falls Rußland unnachgiebig bliebe, mit der Mobilmachung gedroht. Diese Meldungen sind sofort dementiert und erklärt worden, daß es sich nur um„freund- schaftliche Vorstellungen" gehandelt habe. Jetzt äußert sich auch die„Rossija" zu dieser Angelegenheit. Das Organ I L>o o l s k i s schreibt: „Der deutsche Botschafter erklärte, falls Rußland eS nicht für möglich findet, der freundschaftlichen Vermittelung Deutschlands cnlgegenziikommen, werde dieses seinem Bundesgenossen die Wahl der durch die Umstände be- dingten Mittel überlassen müssen. Daraus geht zur Genüge der Ernst des Moments hervor und ebenso, in welch hohem Grade das Schicksal Serbiens von Rußland abhing. Rußland mußte einerseits die Unvermeidlich« keit des bewaffneten ö st erreichisch-ser bischen Konflikts mit allen Folgen, andererseits die Ersetzung eines Mittels, um den Kollektivwillen Europas auszudrücken, durch ein anderes in Betracht ziehen. In die Aushebung des Artikels 25 einwilligend, gibt Rußland keineswegs sein Prinzip auf, daß zur Abänderung der Vertragsbestimmung die Zustimmung aller Traktat- mächte erforderlich ist, und hat auch die Frage der Einberufung der Konferenz nicht vorher entschieden." Danach hat also die deutsche Regierung in Petersburg die russische Diplomatie vor die Wahl gestellt, Serbien entweder zum Vorgehen zu veranlassen oder zuzusehen, wie Oesterreich in Serbien einmarschiert. Denn indem in Petersburg mitgeteilt wurde, daß Deutschland Oesterreich die Wahl der Mittel überlassen werde, war zugleich zu ver- stehen gegeben, daß im Falle eines russischen Angriffes auf Oesterreich für Deuffchland der Bündnisfall gegeben sei. Also in der Tat'„ein ernster Moment" nicht nur für Ruß- land, sondern auch für das deutsche Volk. Daß die deutsche Diplomatie mit diesem Schritt infolge der Zerrüttung der russischen Wehrmacht— diese Zerrüttung war die wahre Friedensgarantie— Erfolg gehabt hat. schafft leider nicht die Folge aus der Welt, daß die diplomatische Niederlage Rußlands, so selbstverschuldet sie war, die Feindschaft gegen Deutschland außerordentlich gesteigert hat. Um so dringender ist die Besserung unserer Beziehungen zu den W e st m ä ch t e n und vor allem zu England. Die Annexiousfrage. Die österreichische Regierung hat sich jetzt an die Mächte mit dem formellen Ersuchen um Anerkennung der Annexion gewandt. Die französische Zustimmung ist bereits eingetroffen, die der übrigen Mächte ist nicht zweifelhaft. Aus der türkischen Kammer. Konstantinopel, 5. April. Die Deputiertenkammer überwies die Regierungsvorlage über ein»eueS Budgetprovisorium für den April und den Mai der Budgetkommission und nahm unter heftigen Angriffen auf daö Kabinett einen Antrag an, eine Interpellation an den Großwesir zu richten wegen Ver- zöger ung der Einführung von Reformen in den Ministerien. Dann ging das Haus zur Beratung des ö st e r r e i ch i s ch- türkischen Protokolls über. Die Rednerliste weist fünfzig Redner auf. Die islamüttsche Bewegung. Konstantinopcl, 3. April. Die islamitische Bewegung nimmt größere Dimensionen an. Umfang. Bedeutung und Folgen der Bewegung sind vor der Hand nicht abzuschätzen. Heute fand eine großartige Kundgebung dnr mohammedanischen Geistlichkeit und der Sofias statt. Gegen Mittag war die Sophienmoschee und ihre Umgebung von Ulemas, Sofias und Publikum, darunter auch Offiziere— meistens ältere—- überfüllt. In der Moschee wurden Reden gehalten, welche in der Forderung nach Aufrechterhaltung des islamittschen Geistes und der islamittfchen Sitte gipfelten. Die Ordnung wurde musterhaft gewahrt; die Regierung hat polizeiliche und militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen. Heute erscheint auch die erste Nummer der neuen Zeitung„El Islam", des Organs des Komitees„El Islam", welches ein Zweigverein der„Mohammedanischen Union" zu sei» scheint. Der Hauptsitz deS Komitees ist Konstantinopel; Filialen werden überall errichtet. Konstantiiiopel, 4. April. Infolge der Denkschrift K i a m i l Paschas hat die islamitische Bewegung-gegen H i l m i Pascha, die Regierung und gegen das jungtürkische Komitee neue Nahrung bekommen. Die Anhänger dsZ alten Regimes predigen auf den Straßen öffentlich gewaltsame Vertreibung der Führer der Jungtürken. 8d)wciz. Fortschritte der Arbeiterschuhgesehgebung. Der Züricher K a n t o n s r a t hat bei der Beratung der Revision des Arbeiterinnenschntzgesetzes auf sozialdemokratischen An- trag hin beschlossen, allen Arbeiterinnen bezw. Ladnerinnen, die mehr als ein Jahr im gleichen Geschäfte sind, eine Woche Ferien bei Fortzahlung des Lohnes zu gewähren. Aehnliche Be- stimmungen enthält bereits das Arbeiterinnenschutzgesetz des Kantons Bern. In Basel brachte die Beratung des Ruhetags�esetzes im Großen Rate die Ueberrajchung, daß die Friseurmeffter durch eine Eingabe das gänzliche Varbot jeder Arbeit an den Ruhetagen sowie des BcdienenS außer detn Geschäfte verlangten. Vor wenigen Jahren noch sträubten sie sich i»it Händen und Füßen gegen jede bloße Beschränkung der Sonntagsarbeit. Natürlich wurde das jetzt ver- langte Verbot vom Großen Rate angenommen. Derselbe be- schloß ferner trotz des Widerstandes der Bäcker- und Konditormeister die Festsetzung des Feierabends vor den Ruhetagen auf 12 Uhr nachts— die Bäckermeister verlangten Ausdehnung der zulässigen Arbeitszeit bis 2 Uhr morgens und die Freigabe je des vierten(I) Ruhetages für die Konditorgehilfen. In demselben Basler Parlamente hat die Beratung der Vgr- läge betreffend die Arbeits losensürsorge in Gestalt deö gemischten Systems mit Unterstützung der gewerkichastlichen Arbeits- losenversicherung und der Errichtung einer staatlichen Arbeitslosen- lasse begonnen. KommissionSreferent war bezw. ist unser Genosse Frei, der einen sehr ausfüholichen Bericht erstattete. Die Wetter- beratung der Vorlage erfolgt«im 8. April. Der Proporz. Bern, 5. April. Das Volk des Kantons L u z e r n nahm gestern mit 15700 Stimmen gegen 11300 das Lerfassungs- gesetz betreffend Einführung der Verhältnis- wählen für den Großen Rat an. frnnkmeb. Sozialdemos ratische Wahlsiege. Paris, 5. April.(Privatdepesche des„Vorwärts". Die' Hoffnungen, die man nach den früheren Sttchwahlen hegen konnte, haben sich v v l l erfüllt und auch bei den gesttigen Nachwahlen ist der Erfolg unserer Partei treu- geblieben. In Sceaux, einem Pariser Vorortskrcis, siegte unser Genosse N e c t o u x über den katholischen Demokraten und damit ist das f ü n f t v M a n d a t bei den Nachwahlen erobert. Im Wahlkreis Uz öS steht der alte Vorkämpfer der sozialistischen Landagitatton, Genosse Comp sre Morel in aussichtsreicher Stichwahl gegen den Radikalen. Die s o z i a l i st i s ch e n Stimmen haben sich gegen 1906 ver- doppelt und diese 8000 Stimmen in einem fast industrie- losen Wahlkreis bezeugen die großen Fortschritte der geeinigte n Partei trotz der Demagogie der Pariser Anttparlamentarier. Außerdem wurden in Gafllac und Epinal zwei Sozialisttsch- radikale und in NeufchSteau ein Progrcssist gewählt.— Arbeiter und Beamte. Paris, 5. April. Die gesamte Presse erörtert heute die gestrige Versammlung im Hippodrom, wo weit über zweitausend Personen, Arbeiter und Staatsangestellte, darunter zahlreich« Postbedienstete, die Solidarität der Arbeiter und Staatsangestellten proklantierten und wo inS- besondere angekündigt wurde, daß die Arbeiterschaft im Falle eines neuen AusstandeS unter den Staatsangeftellten den Generalstreik erklären würde. Die konservativen Blätter meinen, die Reden und Beschlüsse der Versammlung recht- fertigten die schlimmsten Befürchtungen, verzeichnen jedoch mit Befriedigung die von verschiedenen Rednern gegen die Republik gerichteten Angriffe. Die radikalen Blätter bemerken, die Arbeiter und StaatSangestellten dürften nicht vergesien, daß das Syndikatsgesetz von 1834 ausschließlich der Republik zu verdanken sei; übrigens seien P a t a u d und feine Freunde noch lange nicht stark genug, die Republik zu stürzen. Lyon, 6. April. Eine von 1500 Staats- und Ge- mei u deange st eilten besuchte Versammlung, die gestern hier tagte, nahm eine Reßolutton an, in der die S o I i d a r i t ä t der Beamten und des LlrbeiterproletariatS aus- gesprochen wurde. Italien. Ministerwechsel. Rom, 4. April. Der König hat heute die Demission deS Kriegsministers Casana und deS UnterstaatSsekretärs für Post und Telegraphen Bertetti pngenommen und General Spingardi zum Kriegsminister und den Deputierten Teofilo R o ssi zum llnter- staatssekretär ernannt. Sngland. Die Arbeiterpartei und die Flottenpanik. London, 3. April.(Ctg. Ber.) Die brittsche Arbeiterfraktion sandte folgenden Brief an den australischen Premierminister Andrew Fischer:«Wir ersehen aus der Presse, daß Sie und Ihre Regierung es abgelehnt haben, sich der Panik anzuschließen, die hier zu p o l i- tischen Zwecken in die Wege geleitet wurde und die keineswegs eine Folge der Flottenbedürfnisse ist. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Flottenbeiträge der selbständigen Kolonien in ruhiger, ge- schäftSmäßiger Weise zu behandeln sind, aber sie dürfen nie und nimmer von den Wogen der Impulse«bestimmt werden, die gegen- wärtig über dieses Land gehen. Wir beglückwünschen Sie zu Ihrer Haltung." Dieser Brief ist gleichzeitig eine Kundgebung gegen die neuseeländische Regierung, die sich beeilte, der britischen Regie- rung einen Dreadnought anzubieten. persien. Hungersnot. TäbriS, g. April. Die Hungersnot wird immer größer. Die Kriegsoperationen sind vorläufig eingestellt. Der Verkehr mit Rußland stockt vollständig. In Khoi und Salmas fungieren verschiedene vom Volke erwählte Behörden, die neue Ab- gaben eingeführt und das Eigentum geflohener Anhänger der Re- gierung konfisziert haben. Mit dem so gewonnenen Gelde wird der Sold der Freiwilligen bezahlt und werden Waffen neuen Systems gekauft._______ Hua lüduftne und ftandel* Krise im Stahlwcrksverband. Im Stahlwerksverband kriselt es. Die latente Krise datiert eigentlich schon von der Zeit, da man den widerstrebenden Phönix in den Vorstandskäfig einsperrte. Um trotz der Fesseln der Be- teiligungSziffern in seinem Höhenflug nicht gehemmt zu werden, verband der Phönix sich nach seinem Einfang mit dem Nordstern und dem Härder Verein. So wurde er der Allergrößte im Stahl- Werksverband, lind er erweckte den Neid anderer, stachelte deren Machthunger und Drang nach ersten Plätzen,— Thyssen, der deutsche Morgan, hegt schon lange kühne Pläne. Ein Montantrust, in dem er das Szepter schwingt, der in bczug auf Erze und Brenn- Materialien unabhängig ist, die deutsche Halbzeug- und Nohstahl- erzeugung, die Röhrenproduktion, die Drahtherstellung beherrscht, dem maßgebender Einfluß auf die Stabeisen- und Blecherzeiigung gesichert ist, das war schon längst seiner Pläne und Spekulatioiien Ziel. Für ihn und einige andere existierten die verschiedenen Bei- bände und sonstigen Vereinigungen nie Selbstzweck, sondern nur als Mittel zum Zweck. Thyssens Initiative entsprangen Verbände und Kartelle, wenn seiner Pläne Förderung das erheischte, er spielte Outsider aus demselben Grunde. In allen großen Gesellschaften war Thyssen Mitglied des AufsichtSratS. Aus mehreren ist er dann ausgeschieden, wenn große Transaktionen vollzogen oder vorbereitet waren. So auch jetzt bei der Gelsenkirchener Gesellschaft. Angeblich weil die neuere"Entwickelung zu Jnteressenkoitflikten führen kviliite. Da kam, sich jeder denken, was er will. Wenn man Thyssens Ein- sluß bei den Banken nicht unterschätzt, ist der Gedanke, daß seine Hände die Fäden zu den Fusionen und Vereinigungen gesponnei, haben, nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Nun fehlt nur noch ein engerer Zusammenschluß der direkt Thyssens Leitung unterstehenden Werke zu einem festgefügten Ganzen, die Angliedcrung noch einiger Betriebe an die Gewerkschaft Deutscher Kaiser und in greifbare Nähe rückt die Vereinigung der drei Riesen: Phönix, Gelsenkirchen und Deutscher- Kaiser. Ein mächtiger, einzigartiger Montantrust ist in Sicht I Seine Produktion würde umfaffen: zirka 16 Millionen Tonnen Kohlen- förderung, zirka 3 Millionen Tonnen Koks, über 1 Million Tonnen der zurzeit im Stahlwerksverband organisierten Produkte A und ungefähr 2 Millionen Tonnen der Produkte B. Die Verbandskämpfe, die feit vielen Monaten in der Eisenindustrie auSgefochten werden, haben das Ziel, erst noch einer Reihe der kleinen selbständigen Werke das Lebenslicht auszublasen. Deshalb waren bisher auch die Versuche, einen alle Werke umspannenden Stabeisenverband ins Leben zu rufen, vergeblich. Die gemischten Betnebe verspüren keine Lust einen Konservator für die reinen Werke zu schaffen. Auf deren Ableben wartet man ja nur, um dem Neugewordenen einen passenden Rahmen zu geben. Es entspricht auch den großzügigen Plänen der Herrscher im Jndustriercich, daß, wie die„Köln.Ztg." meldet, Thyssen daS Gußröhrensyndikat auffliegen lasse und Gelsenkirchen an den Stahlwerksverband Anforderungen stelle, die nach der Ansicht in industriellen Kreisen auf bewußte Sprengung des Stahl- Werksverbandes hinausliefen. Mag auch die Gcburtsstmide des großen Montantrustes noch nicht geschlagen haben, sicher sind die Wehen, in denen die Eisenindustrie sich jetzt windet, Vorboten eineS industriellen RiefenkindeS, daS in schnellem Wachstum die vorhandenen Jndnstrierecken bald weit überflügeln wird. Die industrielle Konzentration ist noch nicht abgeschlossen; unter der Herrschaft der Großbanken holt sie erst noch auS zu gewaltigen, vorwärtstreibenden Schritten._ Dividenden. Der Aufsichtsrat der Breslaucr Waggonfabrik Gedr. Hosmann u. Co. beschloß, die Verteilung einer Dividende von 35 Proz. vorzuschlagen. Zu bemerken ist, daß diese Aus- schiittung möglich wurde, obwohl längere Zeit mit verkürzter Arbeitszeit geschafft werden mußte. Unterschlagungen. Daß der Kapitalismus viele illegitime Kost- gänger hat, ist zwar bekannt, wird aber wenig beachtet. Insbesondere bei den großen Bankunternehmunaen gehören Veruntreuungen zu den regelmäßigen Erscheinungen. Nach einer Zusanmienstellung, die die Fidelity and Casnalty Co. in New Aork gemacht hat. ist für das Jahr 1908 eine Zunahme der Veruntreunngen zu konstatieren. ES sind, wie das genannte Institut mitteilt, folgende Summen unter- schlagen worden: 1907 1903 Dollar Bei Banken und sonstigen Finanz- instituten......... 3032 001 5 933 971 , Ivohltätigen Instituten... 451 831 281511 Im öffentlichen Dienst..... 1 807 763 1 044 741 Bei VersichernngSinstituten... 81 640 581 233 „ Handelsfirmen...... 2 013 048 2402 982 „ gerichtlichen Verwaltungen.. 327 088 554 626 „ Transportgesellschaften... 353 783 242 608 „ sonstigen Unternehmungen.. 1 309 910 534 107 g 367 964 11 563 679 Der den Banken veruntreute Betrag hat sich also nahezu verdoppelt. Dabei wird der Gesamtbetrag der Uitterschlagungeir noch größer gewesen sein, da derartige Verluste häufig nicht öffentlich bekanntgegeben werden, um das Vertraue» deS Publikums nicht zu erschüttern. Ein gewaltiges Kanalprvjekt. Schon früher tauchten Gerüchte auf von der Absicht, die Ostsee mit dem Schwarzen Meere durch einen Kanal zu verbinden. Bald hieß es. die russische Regierung hege selbst den Gedanken, das gewaltige Projekt durchzuführen; bald vernahm man wieder, daß ein amerikanisches Syndikat mit dem Vorschlage an Rußland herangetreten ser, ihm die Konzcssion zu erteilen, und dafür große Summen geboten habe. Nun heißt es, daß man das Projekt tatsächlich zur Ausführung bringen will; eine Gesellschaft soll sich zu diesem Zwecke gebildet haben. Zu leugnen ist nicht, daß dieser Kanal für den internationalen Handel von großer Bedeutung wäre. Der Kanal würde die beiden großen Flüsse Düna und Dnjepr, die durch ein Schleusensystem verbunden werden, als den gegebenen natürlichen Wasserweg benutzen, die Gesamtstrecke von einem Hafen bis zum anderen AtiSgangspuilkte würde 300 Meilen betragen. Die Kosten werden auf 500 Millionen Rubel veranschlagt, und in fünftJahren soll der Kanal hergestellt sein. Die Breite dieses Verbindungsweges Riga— Cherson soll 140— 210 Fuß und die Tiefe 14 Fuß betragen. Bon Riga an der Ostsee bis zu einem Flecken in der Nähe von Witebsk folgt der Kanal dem Flusse Düna; die Strecke, die zwischen den Flüssen Düna und Djnepr liegt und ungefähr 10 Meilen beträgt, soll von einem Kanal mit vielen Schleusen durchkreuzt werden. Von hier zieht der Kanal den Fluß Djnepr entlang bis Cherson, eine Strecke von 1615 Werst. Es sollen also nicht bloß Vcrbindungs- und Zu- führungskanäle gebaut, sondern die beiden Flüsse müssen auch ans- gebaggert und erweitert werden. Um nur ein Beispiel anzuführen, welche Vorteile dieser Weg dem Handel bietet, sei erwähnt, daß die Frachtdampfer von der Ostfee bis zum Schwarzen Meere heute ungefähr 45 Tage brauchen; sollte der Kanal verwirklicht werden, so wird dieselbe Reise höchstens 12 Tage dauern. Soziales* Antrag des Charlottenburger Gewerbegerichts. Gegen die Konkurrenz der Zuständigkeit der Einigungsämter der Gewerbegerichte mit den neu zu errichtenden Arbeitskammern bei Einigungsverhandlungen und dagegen, daß die Arbeitskammern als zweite Instanz den Gcwerbegerichten gegenüber stehen, hat das Gewerbegericht in Charlottenburg unter dem Vorsitz deS Magistrats assessorS Dr. Landsberger in seiner Gesamtsiyung vom 24. März d. I., die von 23 Beisitzern(bei einer Gesamtzahl von 34) besucht war. e i n st i m m i g beschlossen, einen folgenden Antrag an den Reichstag zu stellen, nach dem nur dieeingekla,nmertenBestimmungen folgenden Absatzes 1 des Z 6 des Arbeitskammergesetzes Geltung haben.§ 6.(Die Arbeitskammern können bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der in ihnen vertretenen Gewerbe- zweige über die Bedingungen der Fortsetzung oder Wiederaufnahme des ArbeitSberhältnisscs als Einigungsanit angerufen werden, wenn es an einem hierfür zuständigen Gewcrbegericht fehlt) oder die be- teiligten Arbeitnehmer in den Bezirken mehrerer Gewerbegerichte beschäftigt sind, oder wenn die Einigungsverhandlungen bei dem zuständigen Gewerbegericht erfolglos verlaufen sind. Uebcrschreitung deS Züchtigungsrechts in der Schule. Endlich hat auch das Oberverwaltungsgericht bei einer starken, durch Prügeln betätigten Unfähigkeit eines Lehrers zum Erziehen den Konflikt der Regierung gegen die Verurteilung für unbegründet erklärt. Der Volksschullchrer Ziemer in Massow war vom Land- gericht in Stargard zu einer Geldstrafe von 3(1 Mark ver» urteilt worden, weil er den Schulknaben Pauly, der damals die erste Klasse der Volksschule in Massow besuchte, körperlich mißhandelt habe. Der Schüler hatte seine häuslichen Rechenaufgaben nicht gemacht und sollte dafür zwei Stockhiebe erhalten. Die Straf- kammer nahm au, daß diese für den Rücken bestimmten Schläge den Kopf des Jungen getroffen hätten, daß dies aber auf sein eigenes Verhalten bei der Züchtigung zurückzuführen sei, so daß daraus dem Lehrer kein Vorwurf zu machen wäre. Die Verurteilung des Lehrers müsse jedoch, so wurde weiter ausgeftihrt, aus folgenden Gründen erfolgen: Pauly sei alsbald unter die Bank gekrochen und habe sich, auf dem Rücken liegend, festgehalten, so daß es dem Lehrer eine Zeitlang unmöglich war. ihn hervorzukriegen. Der Angeklagte habe, als P. unter den Bänken lag und sich sträubte, hervor- zukommen, auf ihn eingeschlagen und ihn am Kopf ge- troffen und auch nu t den Füßen nach ihn, g e st o ß e n. Daniit habe er seine Amtsbefugnisse über- schritten, denn er hätte damit rechnen müssen, daß er ihn an edleren Körperteilen treffen konnte. Jedenfalls sei an- zunehmen, daß es ihm gleichgültig gewesen sei, wohin er traf, so daß mit den, ckolus svsntualis zu reckinen fei.— Nach einem ärztlichen Gutachten hatte der Knabe zwei Striemen am Kopf, von denen nach dem ärztlichen Befunde die eine geblutet haben mußte. Der Arzt war auch der Meinung, daß sie sicher von Stockschlägen her- rührten. Schädliche Folgen sind nicht hinterblieben. Nachdem Lehrer Ziemer gegen das Urteil der Strafkammer Revision ein- gelegt hatte, erhob die Negierung zu Stettin zu seinen Gunsten den Konflikt. Sie ging davon aus, daß die Feststellungen des Landgerichts nicht den richtigen Tatbestand er- gäben, weil sie sich znm Teil auf unzuverlässige Aussagen von Schülern stützten. Eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes habe in Wirklichkeit nicht stattgefunden und das Verfahren gegen den Lehrer müßte eingestellt werden. Das Oberverwaltnngsgericht ließ nun selbst noch eine Anzahl der damaligen Mitschüler vernehnien. Einige der Aussagen widersprachen sich. Jedenfalls glaubten sich auch einige der Zeugen zu erinnern, daß der Lehrer zwischen die Bänke, unter denen der Junge lag, geschlagen habe. DaS Oberverwaltungsgericht verwarf den Konflikt der Regierung mit folgender Begründung: Zur Last gelegt werde dem Lehrer, er habe sich der Körperverletzung dadurch schuldig ge- macht, daß er bei den, Vorfall, alS der Knabe unter der Bank lag, ihn mit den Füßen gestoßen und mit dem Stock geschlagen habe. daß er eine Wunde am Kopf davontrug. Der Konflikt der Regie rung könnte nur dann für begründet erklärt werden, wenn zweifelsfrei festgestellt werden könnte, daß solche Hand lungen vom Lehrer nickt begangen worden seien, die sich als Ueberschreitung des Züchtigungsrechts darstellten und daß auch diese Verletzung dabei nicht eingetreten sei. Sobald Zweifel blieben, könne der Konflikt nicht für begründet erNärt werden. Hier lägen die Dinge so. daß aus den widersprechenden Zeugen aussagen nicht festgestellt iverden könne, daß der Lehrer nicht mit den Füßen gestoßen und nicht mit dem Stock geschlagen habe, als der Schüler unter der Bank lag, und daß die Verletzung nicht davon herrührte. Es müsse die Möglichkeit unterstellt werden, daß sich der Vorfall so zugetragen habe, wie eS sich auS der Beschuldi gung ergebe. Diese Art und Weise der Behandlung stelle sich aber als' eine Ueberschreitung deS ZüchtignngsrechtS dar. Der Konflikt sei somit nicht begründet und das Verfahren gegen den Lehrer müsse seinen Fortgang nehmen._ 6cwerhrcbaftUcbcs. Eine Konferenz der Betonarbeiter Deutschlands, die von den Zentralvorständen des Maurer- und deS BauhilfSl arbeiterverbandes einberufen war,»vurde gestern vormittag im Ber liner Gewerkschaftshaus eröffnet. Die beiden Verbandsvorstände hatten auch mit dem Verbandsvorstand der Zimmerer über die Be- schickung der Konferenz beraten,' die Zimmerer haben jedoch auf die Wahl der Delegierten verzichtet und sich auf die Entsendung zweier Zcnlraloorstandsvertreter beschränkt. Die vorgeschlagene Tages- ordnung lautet: t. Der Betonbau, seine Ausdehnung und die Lage der darin beschäftigten Arbeiter. 2. Organisation und Agitation. Beide Punkte greifen in einander über und es ist möglich, daß von einer besonderen Behandlung des 2. Punktes Abstand genommen werden kann. Bindende Beschlüsse kann oie Konferenz nicht fassen; dies muß den beteiligten Verbänden überlassen bleiben. Die Zentralvorstände haben darauf verzichtet, der Konferenz eine Reso- lution vorzulegen, in der Ueberzeugung, daß es besser und zweck- mäßiger ist, wenn die Konferenz zur Ausarbeitung einer Resolution eine Konnnission einsetzt, die auS ze drei Vertretern der Maurer und der Bauhilfsarbeiter sowie den ztvei Vertretern der Zimmerer zu- sammengesetzt werden soll.— Dieser Borschlag wird ohne Wider- spruch gutgeheißen. Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung referiert H a e s e- Berlin, der Vorsitzende der Sektion der Gips- und Zementbranche des Maurerverbandes. Die Unternehmer beschäftigen mit Vorliebe un- gelernte Arbeiter. Jedoch hat sich im Laufe der Jahre in der Branche ein Stamm von qualifizierten Arbeitern entwickelt, ebenso wie der Betonbau für die Unternehmer zu einer Spezialbranche geworden ist. Unter den Betonarbeitem haben sich wieder besondere Kategorien herausgebildet wie die der Flechter, Einschaler, Zementiercr, Spanner und Hilfsarbeiter. Die Einschalerarbeiten werden in Süd- dcutschland hauptsächlich von Zimmerern ausgeführt, und dies ist teilweise auch in Norddentschland der Fall. Auch in Berlin suchten die Unternehmer bei Bauspcrren im Betonbau Zimmerer als Streik- brecher heranzuziehen, was jedoch mißlang, da der Zimmererverband in vollem Einverständnis mit der Sektion der Betonarbeiter handelte. Zu Grenzstreitigkeiten mit dem Zimmererverband ist eS hier nicht gekommen. Mit dem Bauhilfsarbeiterverband wurde in Berlin lSW ein Uebereinkommen getroffen, wonach dieser Verband als für die Hilfsarbeiter der Betriebsbranche, die Sektion des Maurerverbandes als für die qualifizierten Arbeiter für zuständig erklärt wurde. Der Referent hält dieses Uebereinkommen für nicht zweckmäßig. Wie die Arbeiter ihre Berufsarbeit gemeinsam der- richten, so müßten sie auch gemeinsam derselben Organisation an- gehören. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Betonbau Deutsch landS sind größtenteils sehr traurige, soweit es nicht gelungen ist, durch das Vorgehen der Organisation Besserung zu schaffen. Auch hat keine Branche, selbst der Dachdeckerberuf nicht, eine höhere Unfallziffer aufzuweisen als der Betonbau. Selbst in Berlin sind die Gerüste schlecht und unzureichend; in der Provinz sind die Ver- Hältnisse jedoch teilweise noch ärger. Für die Organisierung der Betonarbeiter spielt auch die Jtalienerfrage eine große Rolle. Die Unternehmer holten früher willige Arbeitskräfte hauptsächlich aus Norditalien; da jedoch dort die Orgcmisation mehr und mehr Einfluß gewonnen hat, sucht man jetzt auch vorallcmSüditalieuer heranzuziehen, die an noch schlechtere Arbeitsverhältnisse gewöhnt und schwerer für die Organisation zu gewinnen sind. Die Unternehmer sind meist sehr kapitalkräftige Firmen und Aktiengesellschaften. Sie sind stark organisiert, während die Organisation der Arbeiter an vielen Orten noch recht schwach entwickelt ist und außerdem, wie in keinem anderen Berufe, zersplittert ist. Der Redner schließt mit den Worten, daß, wie das Eisen den Zement zusammenhält und dem Beton die Festigkeit giht, die ihn selbst zur Aufführung der großen Hochbauten geeignet macht, so müßte die Solidarität gleichsam das Eisen sein, das die gesamte Arbeiterschaft des Beton baues verbindet. An das Referat schließt sich eine ausführliche Diskussion in der Redner aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zu Worte kommen, sowohl solche, die dem Bauhilfsarbeiter-, wie solche, die dem Maurerverband angehören. Ueber die Frage, welcher Organi sation die Betonarbeiter angeschlossen sein sollen, sind die Redner je nachdem, ob sie dem einen oder anderen Verband angehören, meist verschiedener Meinung. Dies entspricht auch dem Umstand, daß die Arbeitsweise und die Organisationszugehörigkeit an den verschiedenen Orten stark von einander abweichen. Von mehreren Rednern wird hervorgehoben, daß die Verschmelzung der Organisationen der Maurer und Bauarbeiter erst die gründliche Lösung dieser Frage bringen werde. Aus einzelnen Orte« liegen Resolutionen vor, die, je nachdem, von welcher Organisation sie gefaßt sind, den Maurer- oder den Bauhilfsarbeiterverband für die zuständige Organisation erklärt wissen wollen. Die Dauer der Konferenz ist auf zwei Tage bemessen. Lerlln und vlnigegend. Der Streik der Vauanschläger wird aller Voraussicht nach keinen größeren Umfang annehmen, denn die meisten Arbeitgeber haben in richtiger Erkenntnis der Situation es unterlassen, den zehnprozentigen Lohnabzug, zu dem sie vom Arbeitgeberschutzverband aufgefordert sind, zu machen. In der am Montag vormittag abgehaltenen Streikversammlung konnte festgestellt werden, daß nur ld Arbeitgeber bei der Lohnherabsetzung beharren. In diesen Betrieben ist infolge dessen die Arbeit einmütig nieder- gelegt worden. Die Zahl der Streikanden beträgt 130. In allen übrigen Betrieben wird der alte Tavif ohne Lohnabzug weiter ge zahlt. Die Situation ist also eine recht günstige. Die Absicht der Meisterkommission, durch Anordnung eines Lohnabzuges von 10 Proz. die Arbeiter einzuschüchtern, hat sich nls ein Schlag ins Wasser er- wiesen. Geschädigt werden durch den Beschluß der Meisterkommission nur diejenigen Arbeitgeber, welche den Beschluß durchzuführen suchen und deshalb ihre Arbeiten nicht fertigstellen können. Die Arbeiter ehen dem weiteren Verlauf des Konflikts mit Ruhe entgegen. Achtung, Bananschläger! Es wird ersucht der in dem An uoncenteil(Kleine Anzeigen) des hautigen„Vorwärts" veröffent- lichten Sperre über die Firmen im Tnuanschlägergewerbe genügend Beachtung zu schenken. Die Bauairschläger sind verpflichtet, diese Firmen resp. Bauten streng zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband�. Ortsverwaltung Berlin. Verein der Bauanschliiger zu Berlin. Zur Ausspcxning de, Bauklcmpner. An, Montag früh fand im grüßen Saale deS Gewerkschafts- Hauses eine Versammlung der ausgesperrten und ausständigen Bau- klempner statt. Nach dem Beschluß vom Sonnabendabend sollte bei allen Meistern, die der Innung und der Vereinigung angehören, die Arbeit nicht aufgenommen werden. Diesem Beschluß sind die Bau klempner in vollem Umfange nachgekommen. Einige Firmen haben zugleich noch ausgesperrt, um der Arbeitsniederlegung zuvor zukommen. Cohen teilte mit, daß von verschiedenen Bauten Be- richte gekommen seien, nach welchen sich die Bauarbeiter den Klempnen, gegenüber durchaus solidarisch verhalten, wie es organi sierten Arbeitern geziemt. An den kommenden Feiertagen soll den Bauten große Aufmerksamkeit gewidmet werden, um zu verhindern, daß Arbeits willige dort die Gelegenheit zum Schaden ihrer Kollegen benutzen. Für alle ausständigen und ausgesperrten Bauklempner sind Legi- timationskarten ausgegeben worden. Diese Karten dienen auch dazu, sich den Bauarbeitern gsgenüber zu legitimieren, wenn die Klenipner deren Unterstützung brauchen. Für jeden Bau, der kontrolliert wird, gelangen Flugblätter zur Verteilung, um alle Beteiligten über die Situation aufzuklären. Die Vertrauensleute sollen besonders auf dem Posten sein, um überall nach dem Rechten zu sehen. An die Mitglieder des Gewerkvereins wurde in der Versammlung eine Bekanntmachung erlassen. Dieselben sollen sich mit ihren Ouittungsbüchern im Verbandshause, Greifswalder Straße. melden. Am Dienstag findet eine Vertrauensmänner- Versammlung im Streilbureau, Charitöstraße 3, statt. Achtung! Steinarbeiter! Seit einiger Zeit bemüht sich der bekannte Streikbrecheragent Otto GenSke, Amsterdamer Straße 3, durch Annoncen in bürgerlichen Blättern unorganisierte Kollegen anzuwerben, um sie nach den verschiedenen Streikorten zu versenden. Zurzeit ist Blankenburg a. H. das Ziel seiner Wünsche. Dort stehen die Kollegen der Firma S ch ö n f e l d im Streik. Einen Erfolg hat das Treiben dieses„Arbeitsvermittlers" allerdings nicht aufzuweisen ge- habt. Daß dies auch in Zukunft nicht der Fall sei, dafür werde ge- sotgt durch strikte Meidung des.Arbeitsnachweises" Otto GenSke, Amsterdamerstr. 3. Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Achtung! Lohgerber, Zurichter, Hilfsarbeiter! Seit dem 2. April stehen bei der Firma Gebr. Schlägel, Lichtenberg, Röderstr. 25, fast sämtliche dort Beschäftigten behufs Abwehr eines von der Firma aufgezwungenen TarifeS im Streik. Durch Inserate in bürgerlichen Blättern versucht die Firma, Arbeits- willige zu werben, die nach einem Schwesternheim hin- dirigiert werden. Soll den sich Meldenden dadurch weniger kennt- lich gemacht werden, zu welchen arbeitervcrräterischen Zwecken sie benutzt werden? Bisher hat die Firma Gebr. Schlägel in ihrem Bemühen, die Ausständigen durch gleichwertige Kräfte zu ersetzen, kläglich Fiasko gemacht und werden auch in Zukunft ihre Bemühungen an der Solidarität der Arbeiter scheitern. Lohgerber, Zurichter und Hilfsarbeiter haben die Lederfabrik Gebr. S ch l ä- gel, Lichtenberg, Röderstr. 25, zu meiden. Zentralverband der Lederarbeiter. Zahlstelle Berlin II. leistet werden sollte.� Zu einer derartigen Maßnahme der Arbeits- zeitverkürzung lag nicht die geringste Veranlassung vor, da nach den ausdrücklichen Angaben der Direktion die Absatzverhältnisse gute sind. Diese Anordnungen der Direktion komnien nahezu einer AuS« sperrung gleich. Es kam noch hinzu, daß einige Vertrauensleute, wie eS sonst fortgesetzt geschehen ist, gemaßregeli wurden, so daß das Arbeitsverhältnis ein unerträgliches geworden war. Die Arbeiter sind fest entschlossen bis zur Schaffung geregelter Verhält- niste im Kampfe auszuharren, möge es kosten was es wolle. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Arbeits- und Lohnmcthoden auf einem königliche» Bau. . In Posen wird seit zirka zwei Jahren an dem Neubau der königlichen Akademie gearbeitet. Die Bauausführung wurde damals in der Submission der Gesellschaft für Architektur und Bau- ausführung, die in Berlin ihren Sitz hat und die Poscner Firmen um 20 000 M. unterbot, übergeben. Von Anfang an hatten hier die Arbeiter unter allerlei Schwierigkeiten zu leiden, so daß der dortige Obmann des Zentralverbandes ein ständiger Gast auf dem Bau sein mußte.� Ohne allen Grund wurden hier die Arbeiter oft aufs Pflaster gesetzt usw. Trotz schönen Wetters ruhte im vergangenen Jahre der Bau eine Zeitlang, erst Interpellationen beim Bürger- meister bewirkten, daß die Arbeiter wieder eingestellt wurden. Seit Wochen wird der Lob» unpünktlich ausgezahlt, meist erst immer Montags oder Dienstags der nächsten Woche. DaS letzte Mal mutzten die Arbeiter gar acht Tage lang warten.— Das ist der Segen des Submissionswesens. Wir dächten, hier wäre die Be- Hörde längst verpflichtet gewesen, einzuschreiten. Zum Streik der Hamburger Kostümschneider und-Schneiderinnen. Die Situation hat sich seit Sonnabend insoweit verschoben, als weitere Arbeitseinstellungen stattgefunden haben, so daß die Zahl der Streikenden� in die Höhe geschnellt ist. Dieses geschlossene Handeln hat eine größere Nachgiebigkeit der Arbeitgeber gezeitigt, indem sich der größte Teil nunmehr geneigt zeigt, in Verhandlungen einzutreten. Mehrere größere Firnren haben die schon mitgeteilten Forderungen bewilligt._ HusUmd. Juternationale Scharfmachcrorganisation für das Baugewerbe. Der wichtigste Beschlutz, den der Zweite internationale Bau- arbeitgeberkongreß faßte, der in Paris tagte und an dein 600 Personen fast aller Kulturvölker teilnahmen, bezieht sich.auf die Gründung einer„Internationalen Bauarbeitgeber-Union". Die Errichtung einer solchen Union ist daselbst mit Einstimmigkeit grundsätzlich beschlossen worden; die nähere Festsetzung über die Organisationsform ist einer Aussprache vorbehalten, die im Mai dieses Jahres in Brüssel stattfinden soll und zu der die Leitungen aller derjenigen Organisationen, die sich auf dem Pariser Kongreß hatten vertreten lassen, eingeladen werden sollen. Eine Arbeitslosendemonstration in Kopenhagen. Eine Massenversammlung von Arbeitslosen fand am Freitag in Kopenhagen statt und nahm eine„AnunsereKameraden" gerichtete Resolution an, die mit den Worten beginnt: „Die Wohltätigkeit hat Fallit gespielt. Monatelang habt Ihr von Eurem sauer verdienten Gelde zum Unterhalt der arbeitslosen, misgestoßenen Massen geopfert. Die Hilfe war gering, unsere Häuslichkeiten sind verfallen, unsere Kinder hungern, wir gehen in Lumpen, und nun, da die Hilfsquellen erschöpft sind, eröffnet sich uns eine einzige große Elendsgrube."— Im Anschluß an diese Schilderung des Elends wird dann ver- langt, daß die arbeitenden Kameraden am 1. Mai überall die Arbeit niederlegen, um damit die Forderungen der Arbeitslosen nach Arbeit und Brot Geltung zu verschaffen. Die politischen und gewerkschaftlichen Vertreter der Arbeiterklasse werden aufgefordert, in der Presse und in Versammlungen für solchen Sympathiestreik Propaganda zu machen. Ferner wird der Vorschlag gemacht, daß die Arbeitenden durch wöchentliche. nach steigender Skala bemessene Extrasteuern gleichsam ihren Arbeitsverdienst mit den Arbeitslosen teilen sollen, und außerdem wurde beschlossen, im Demonstrationszug nach„Socialdemo- kratens" Gebäude zu marschieren, um dort die leitenden Partei- genossen aufzufordern, für die Forderungen der Arbeitslosen ein- zutreten. Als die Mitteilung vom DcmonstrationSzug im Reichstag ein- traf, eilten die Genossen A. C. Meyer und Sabroe sofort nach der Redattion, um die Arbeitslosen zu empfangen. Die beiden Genossen erkannten selbstverständlich an, daß die bisherigen Hilfe- leistungen und die Wohltätigkeit in keiner Hinsicht als ausreichend gelten könnten, der Not der Arbeitslosen zu steuern, meinten je- doch, daß ein Sympathiestreik auch keineswegs eine Besserung der Verhältnisse schaffen könne und versprachen im übrigen, daß nach wie vor alles, was möglich und zweckmäßig, getan werden solle, um den Arbeitslosen zu helfen. Der Ausschuß der Arbeitslosen wandte sich dann nach dem im selben Gebäude befindlichen Bureau des Verbandes der dänischen Gewerkschaften und wurde hier von dem anwesenden Gewerlschaftssekretär M a d s e n auf Dienstag zu einer Verhandlung mit dem Ausschuß des Gewerkschaftsverbandcs eingeladen. Die Demonstration fand damit ihren Abschluß, daß Genosse C. Meyer, aufgefordert von der Menge, unter lautloser Stille Drachmanns„Englische Sozialisten" und einige seiner eigenen Proletarierdichtungen vortrug und die Menge schließlich den Sozialistenmarsch anstimmte. letzte JVachnchtcn und Depefchen« Schweres Bauunglück. Bingen a. Rh., 5. April.(B. H.) Ein schweres Bauunglück ist heute nachmittag in dem Neubau der Villa Fiicher in der Mainzer Straße vorgekommen. Innerhalb des Baues sollte in 2 Meter Höhe ein 4 Zentner schwerer Fensterbankstein von Granit befestigt werden. Der Stein war bereits über das Genist gezogen worden, als dieses brach und der Stein mit den gesamten Balken und dem Holzwerk hinabstürzte. Von den auf dem Gerüst stehenden sieben Maurern und Handlangern wurden zwei getötet, einer wurde buchstäblich zer- malmt; die übrigen Arbeiter wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Dcutrcheo Reich. Die Arbeiter der Linoleunifabrik„Schlüsselmarke" in D e l m e n- Horst find wegen unerträglicher Arbeitsverhältnisse, fortgesetzter Maßregelung der Vertrauensleute in den Streik eingetreten. Die Direktion dieses Betriebes hatte vor einigen Wochen versucht, eine 10— 25prozentige Lohnreduzierung durchzudrücken. Dies scheiterte aber an der guten Organisatton der Arbeiter. Als diese hierauf nicht eingingen, wurde einfach die Arbeitszeit derartig herabgesetzt, daß offensichtlich die Höchstlvhner, die verheirateten älteren Arbeiter hinausgetrieben werden sollten. Die Direktion war nach ihrer eigenen Angabe bereit, den Betrieb voll aufrecht zu erhalten, weim die Arbeiter auf eine Lohnreduzierung eingingen. Nach dieser Verkürzung der Arbeitszeit setzte eine ungeheuere An- treiberei ein, so daß da? Quantum Linoleum. welches s onst in 6 Tagen geschaffen war, nunmehr in zirka 4 Tagen gr Bei einer Kesselexplosion vernnglückt. Hamm, S. April. storbene ihren Unterhalt ganz oder überwiegend bestritten hat. Die Waisenrenten sind noch niedriger als die Witwenrente. Für die Hinterbliebenen eines Ernährers dürfen die Hinter- blieben e.n renten zusammen nicht mehr betragen als das 1(/■.'fache der Invalidenrente, die dem Verstorbenen zur Zeit seines Todes zustand oder im Falle der Invalidität zugestanden hätte. Die Waisenrenten allein dürfen nicht mehr betragen als die Invalidenrente des Verstorbenen betrug oder betragen hätte. Ergeben die Renten einen höheren Betrag, so werden sie im Ver- hältnis zu ihrer Hohe gekürzt. Enkel haben einen Anspruch auf Waisenrente nur insoweit, als der Höchstbetrag der Renten nicht für Kinder zu gewähren ist. Die Waisenrente würde nach dein Entwurf, falls 10 Jahre lang Beiträge von dem Verstorbenen ge- leistet waren, beim Vorhandensein eines Kindes in Lohnklasse l: 36,60 M., in Lohnklasse II: 40,20 M.. in Lohnklasse III: 43,20 M.. in Lohnklasse IV: 46,20 M. und in Lohnklasse V: 49,20 M. betragen. Hätte der Verstorbene volle 50 Jahre lang in der höchsten Lohnklasse gezahlt, so würde die Rente für eine Waise 85,20 M. betragen. Rechnet man. wie oben, gemätz der tatsächlichen Beitrags- entrichtung im Jahre 1907 eine mittlere Durchschnittsrente bei einer Aktivitätsdauer von etwa 1763 Beitragswochen(also 35 Jahre lange Beitragspflicht), so würde als mittlere Waisenrente bei einer Waise 58,80 M., bei zwei Waisen 89,40 M., bei drei Waisen 120 M. herauskommen. Die Höhe der Invalidenrenten, Witwenrenten und Waisenrenten wird aus der nachfolgenden Tabelle er- sichtlich: Anzahl der zurück- gelegten Beitrags- jähre Wenn der Bersichemngsfall nach Ablauf der in Spalts 1 verzeichneten BeitragSjahre eintritt, so beträgt das vollendete Lebensjahr die Zahl der nachgewiesenen Beitragswochcn die Invaliden- rente des Baters M. die Witwenrente M. in 10 20 30 40 60 10 20 30 40 60 10 20 30 40 50 10 20 30 40 50 10 20 30 40 50 Eine 26 36 46 56 66 26 36 46 56 06 26 36 46 56 66 26 36 46 56 66 26 36 46 56 66 I 500 1000 1500 2000 2500 500 1000 1500 2000 2500 500 1000 1500 2000 2500 500 1000 1500 2000 2500 600 1000 1500 2000 2500 125,40 140,40 155,40 170,40 185,40 150,00 180,00 210,00 240,00 270,00 in Lohnklas 72,60 77,40 81,60 86,40 90,60 Lohnklas 80,40 89,40 98,40 107,40 116,40 der Waisenrentenbezug beim Vorhandensein von - einem Kinde M. 2 Kindern M. 3 Kindern M. 4 Kindem M. S Kindern M. 6 Kindern M. e I 30,60 39,00 40,80 43,20 45,60• e n 40,20 45,00 40:20 54,00 58,20 in Lohnklasse in 170,40 210,00 250,20 200,40 330,00 86,40 98,40 110,40 122,40 134,40 43,20 49,20 55,20 61,20 67,20 in Lohnklasse IV 190,20 92,40 46,' 240,00 107,40 54,i 290,40 122,40 61; 340,20 137,40 69; 390,00 152,40 in Lohnklas 210,00 270,00 330,00 390,00 450,00 98,40 116,40 134,40 152,40 170,40 46,20 54,00 61,20 69,00 76,20 e V 49,20 58,20 67,20 76,20 85,20 63,60 66,00 68,40 71,40 73,80 67,80 73,20 78,00 83,40 88,80 71,40 78,00 85,20 92,40 99,00 75,00 83,40 92,40 100,80 109,80 90,00 93,00 96,00 99,00 102,00 95,40 101,40 107,40 113,40 119,40 99,00 107,40 115,20 123,00 131,40 103,20 113,40 123,00 133,20* 143,40 117,00 120,60 124,20 127,20 130,80 123,00 129,60 136,20 142,80 160,00 127,20 136,20 145,20 154,20 163,20 132,00 142,80 154,20 165,60 177,00 144,00 147,60 161,80 155,40 159,00 150,00 167,80 165,00 172,80 180,00 165,40 165,00 175,20 185,40 195,00 160,20 172,80 185,40 198,00 210,00 171,00 175,20 179,40 183,00 187,20 177,60 186,00 194,40 202,80 210,60 183,00 194 40 205,20 216,00 227,40 189,00 202,80 216,00 229,80 243,60 Waisenaussteuer sollen die Kinder der Witwen erhalten, die zur Zeit der Vollendung des 15. Lebensjahres durch eigene Beitragszahlung die Wartezeit für die Invalidenrente erfüllt, also mindestens 200 Marlen geklebt und die Anwartschaft auf Rente dadurch auftechterhalten hat. datz sie als Verstcherunaspflichtige in je zwei Jahren mindestens 20 Marken, als Selbstversicherer mindestens 40 Marken geklebt hatte. Die Waisenaussteuer beträgt gar mw den achtfachen Monatsbetrag der bezogenen Waisenrente. Berechnung der Rentenhöhe- Die Invalidenrente wird bekanntlich in der Weise berechnet, datz zu einem R eichSzuschutz von 50 M. ein Grundbetrag und ein Steiger ungssatz geschlagen wird. Der Grundbetrag beträgt für die Lohnklasse I 60, für die Lohnklasse II 70, für die Lohnklasse III 80. für die Lohnklasse IV 90, für die Lohn- klasse V 100 Mark. Bei der Berechnung des Grundbetrages werden stets 600 Beitragswochen zu Grunde gelegt. Der Steigerung ö- sah gelangt in der Weise zur Berechnung, datz zu dem Reichs- zuschutz und zu dem Grundbetrag so viel mal 3. 6, 8, 10, 12 Pf. addiert werden alö in der 1., 2., 3., 4., 6. Lohnklasse Beiträge entrichtet sind. In ähnlicher Weise sollen die Witwen- und Waisenrente berechnet werden. Bei der Witwenrente soll der Reichszuschutz auch 50 M., bei der Waisen- rente nur 25 Mark betragen. Der Grundbetrag und SteigerungSsixtz soll bei der Witwenrente mir 3/iiv der Grundbetrag und Steigerungssatz bei der Waisenrente bei einer Waisen ,/«0, für jede weitere Waise'/«, des Gnindbetrage» und der Steigerungssätze der Invalidenrente 73.00 107.40 136,20 165,00 194,40 88,80 119,40 150,00 180,00 210,60 99.00 131,40 163,20 195,00 227,40 109,80 143,40 177,00 210,00 243,60 120,00 155.40 190,20 225,00 260,40 ausmachen. Für die Selbstversicherung werden die Hinterbliebenen- bezüge nach der Invalidenrente bemessen, die sich ergibt, wenn die Beiträgs nur zur Hälfte angerechnet werben. Die Knjonierung der Rentenempfänger durch Entziehung der Rente soll auch auf die Witwenrente auS- gedehnt werden. Ist die Witlve nach Ansicht der Versicherungsanstalt nicht mehr Invalide, so hat das VersicherungSamt ihr die Rente zu entziehen. Bekannt ist, datz seit 1902 eine Reihe von Aerzten funktionieren, die die besondere Kunst ausüben, tatsächlich invalide Arbeiter und Arbeiterinnen als erwerbsfähig bezeichnen; mit diesem Unfug soll also nicht aufgeräumt, ihm soll vielmehr ein neuer Wirkungskreis zugewiesen werden. Zusammentreffen mehrerer Ansprüche. Das Recht auf Bezug der Invaliden- und Altersrente ruht für die Personen, die eine retchSgesetzliche Unfallrente beziehen, solange und soweit beide Renten zusammen den 7'/g fachen Grund- betrag der Jnvakidenrenle übersteigen. Daö Recht auf Bezug der Witwen- und Witwerrenten soll ruhen, wenn diese Renten mit der Unfallrcnte zusammen den Viersachen Grundbetrag der Invalidenrente übersteigt, die dem verstorbenen Ernährer zur Zeit seines Todes zustand oder für den Fall der Invalidität zugeswiwen hätte. Bei Wais enrenten soll für das Ruhen der Renten bereits das Uebersteigen des dreifachen Grundbetrages der Jnvaliden- rente genügen. Treffen die Voraussetzungen für die Gewährung ver» schieden er Renten auf Grund der Invaliden- oder Hinterbliebenenversicherung zusammen, so ruht der Anspruch auf die niedrigere Rente.' Gemeinlast und Sonderlast. Bei der Scheidung zwischen der Gcmeinlast und Sonderlast, die zugunsten der schlecht verwalteten Versicherungsanstalten der agrarischen Provinzen im Jahre 1900 eingetreten ist, macht der Entwurf einen weiteren Vorstoß zugunsten der Versicherungsanstalten insbesondere von Schlesien, Oswreutzen, Westpreutzen, Posen und Niederbayern. Isünftighin soll die Ge- ineinlast gebildet werden durch die Altersrenten, die Grund- betrage der Invalidenrenten, die Witwen-, Witwer- und Waisen- renten, die Witwengelder und Waisenaussteuern, die Nentensteige- rungen infolge von Krankheitswochen und Wochen militärischer Dienstleistungen und die Rentenabrundnngen. Alle übrigen Ver- pflichtungen sollen die Sonderlast der Versicherungsanstalt bilden. Zur Deckung der Gemeinlast sollen vom 1. Januar 1910 an nicht nur Vzo, sondern 6/io der Beiträge buchmäßig ausgeschieden werden (Gememvermögen). Auf die Art, wie die Mittel für die Hinterbliebenenversicherung den Arbeitern abgenommen werden sollen, werden wir in der nächsten Nummer eingehen. Eue der Partei. Emil Mischer f. Aus Hamburg kommt die Trauerkunde, daß am Sonnabend Genosse Emil Fischer gestorben ist. In San Nemo, wo er sich feit Dezember befand, um Heilung von einer tückischen Nierenkrankheit zu suchen, die ihn vor Jahres- frist befallen hatte, ist er verschieden. Seit 1890 saß Genosse Fischer in der Redaktion des „Haniburger Echo", ein eifriger, unermüdlicher Arbeiter. In stetem, hartem Ringen hatte er sich den Weg vom Malergerüst zum Redaktionsschreibtisch gebahnt, sich ein achtunggebietendes Wissen erworben, eine starke natür- liehe Begabung, ein glückliches Formtalent standen ihm zur Seite. Ursprünglich hatte Fischer den Beruf des Stein- druckers erlernt. Seine einst leidlich wohlhabenden Eltern waren später verarmt und der Sohn, der einige Zeit mit Hohenzollernprinzen spielen durfte— er bewahrte aus dieser Zeit manche Erinnerungen, die auf das Wesen des jetzigen Kaisers charakteristische Schlaglichter werfen— empfand bald die Härte proletarischer Jugend und nmßte auf seinen Wunsch, Lithograph zu werden, verzichten, damit er als Steindrucker recht bald Verdienst habe. Aber die Berufswahl war keine glückliche. Die Krise, die den Gründerjahren folgte, warf den jungen Steindrucker, der inzwischen in Berlin die Kinder- krankheit des Liberalismus und der Hirsch-Dunckerei durchgemacht hatte und Sozialdemokrat geworden war, auf die Landstraße. Eine lange Zeit des Darbens und der Entbehrung, harte, böse Wanderjahre, die den Jüngling durch ganz Deutschland führten, lagen hinter ihm. als er in den achtziger Jahren zu Wilhelmshaven sich ent- schloß, seinen! Gewerbe, dem eine technische Umwälzung ein gut Stück Gebiet entzogen hatte, den Rücken zu kehren und als Maler auf der kaiserlichen Werft zu arbeiten. Das Sozialistengesetz ächtete die Partei: in der geheimen Agitation, auf die sie beschränkt war, stellte Fischer einen der Eifrigsten. So kam er als Korrespondent ir> Ver- bindung mit den Arbeiterblättem, die zu Bremen und Bant- Wilhelmshaven erschienen, und 1886 wurde er Redakteur der dort vom Genossen Hug herausgegebenen Blätter, u. a. auch der vielen älteren Parteigenossen noch in guter Erinnerung stehenden„Nordwacht". Die Gefängnisstrafen blieben bei dieser Arbeit nicht auS. Neun Monate mußte Fischer in der oldenburgischen Strafanstalt zu Vechta verbringen, wo er völlig wie ein gemeiner Verbrecher behandelt wurde. In Gefängniskleidung, mit kurzgeschorenem Kopf. des Bartes be- raubt. mußte er Rohrstuhlsitze flechten. Heute ist klar, daß Fischer in Vechta unter dieser„an- genehmen" Behandlung ein gut Stück seiner Gesundheit ließ. Noch mehrere Male lernte er das Gefängnis kennen und die Schönheiten der deutschen Justiz, deren erleuchtete Jünger ihm einmal nicht gestatteten, während einer Untersuchungshaft eine rechtskräftig gewordene Gefängnisstrafe anzutreten. Fünf Monate Raboisenwache trug ihm in Hamburg die entschlossene Gegenwehr ein, die das„Hamburger Echo" gegen die bekannte Verleumdung der Sozialdemokratie durch den damaligen Staatsanwalt, jetzigen Geheimen Kricgsgerichtsrat Romen aufnahm. Schon in den 80er Jahren hatte Genosse Fischer die Reichstagskandidatur ftir den Wahlkreis Lüneburg über- nommen. Seine treue Arbeit, die er auf diesem schwierigen Boden geleistet hat, wo ein naher Erfolg nicht in Aussicht stand, wird ihn! unvergessen bleiben. Im Jahre 1904 wurde er in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Die Partei hat viel an dem fleißigen Arbeiter, dem unerschrockenen, entschiedenen Kämpfer und dem liebens- lvürdigen Atenschen verloren. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden._ Parteiliteratur. Soeben erschien im Berlage der Buchhandlung Bor» wSrts Der Weg zur Macht. PolitischeBetrachtungen über das Hineinwachsen in die Revolutiou. Bon Karl Kautsky. Preis 1.80 M. Vereinsausgabe 80 Pf. AuS dem Inhalt geben wir folgende Kapitelüberschriften wieder: „Die Eroberung der politischen Macht".„Die Prophezeiung der Revolution".„DaS Hineinwachsen in den Zukunfsstaat".„Die ökonomische Enlwickelung und der Wille".„Weder Revolution noch Gesetzlichkeit um jeden PreiS".„Das Wachstum der revolutionären Elemente".»Die Milderung der Klassengegensätze".„Die Ver- schärfung der Klassengegensätze".„Ein neues Zeitalter der Revo- lutionen"._ Die Landeskouferenz der sozialdemokratischen Gcmeindevertreter Württembergs, die am Sonntag, den 4. April, in Stuttgart statt- fand, war sehr stark besucht. Anwesend waren 222 Gemeinde- Vertreter aus 117 Orten. Außerdem war die Reichstags- und Landtags- fraktion vertreten. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete die Beratung de? neuen Gemcindeprogrammentwurfes. DaS alte Programm hat sich nach verschiedenen Seiten hin als revisionS- bedürftig erwiesen, die wirtschaftliche Entwickcluug,' Aenderungen in der Gesetzgebung, besonders die Einführung der neuen Gemeindeordnung hatten eine Anpassung dcS Programms an die neuen Verhältnisse notwendig gemacht. Der Referent der Progrannnkommisfion Dr. Lindemann begründete und erläuterte den Entwurf, der schließlich mit einer Aen- derung einstimmig angenommen lourde. Sodann wurde noch eine Rtusteraeschäftsordnung für kleinere Gemeinden durchberaten. Die Geschäftsordnung soll unseren Genossen in den kleineren Gemeinden eine gute Handhabe bieten, der manchmal recht selbstherrlichen Ge- fchäftsführung der Schultheißen ein Ende zu machen. Die Erledigung von Fragen über Gemeindeangelegrnheiten beschloß die Sitzung. Ein Protest gegen die sozialistische ParlameutSsraktion. Rom, 3. April. sEig. Ber.) Der sozialistische Provinzialverband von Mantua, dem 40 000 organisierte Arbeiter angeschlossen find, hat durch ein Telegramm an den Genossen Costa Einspruch gegen Erklärungen erhoben, die der Fraktionsredner, Genofie C h i e s a, bei der Diskussion über die Antwort auf die Thronrede abgegeben hat. Ehiesa ist nämlich am 30. März der Behauptung, die Arbeiter seien antipatriotisch mit den folgenden Worten entgegengetreten:„Wir Arbeiter find die wahren Patrioten. Als gleich nach dem Unglück von Reggio und Mcssina ein österreichisches Blatt schrieb, daß jetzt der Moment zu einein Einfall in Italien gekommen sei, hat Bissolati im„Avanti" geantwortet: Wir sind nicht Bosnien und die Herzegowina, wenn Ihr nach Italien kommt, so werdet Ihr Blei an der Grenze finden". Für diese Antwort hätte ich Bissolati umarmen können. Und ich kann versichern, daß, Ivcnn in diesem Moment der Ruf erschollen wäre, der die Arbeiter an die Grenze rief, alle Mitglieder der Konföderation der Arbeit herbeigeeilt sein würden. Und doch ist unter den 200 000 Arbeitern der Konföderation keiner, der auch nur eine Handbreit Erde sein eigen nennen könnte. ES ist nur ein ideelles Vaterland, das wir verteidigen wollen." Der Provinzial- verband von Mantua nennt diese Erklärungen„beinahe hurra- patriotisch" und fordert den Parteivorstand auf. den Gefühlen der Mehrheit der Arbeiterklasse Rechnung zu tragen, indem er sofort eine lebhafte Agitation gegen die angedrohten neuen Militärausgaben ins Werk setzt. Wie man sieht, fängt der Gegensatz zwischen der vor- wiegend reformistischen Parlamentsfraktion und den revolutionären Parteiorganisationen an sich geltend zu machen. Der Mantuaer Verband bildet den Kernpunkt der sogenannten intransigenten Richtung der italienischen Partei—_ Der Gedenktag des Blutbades auf dem Platze del Gest». Rom, 3. April.(Gig. Ber.) Arn 2. April war ein Jahr vergangen, seit die römische Polizei auf der Piazza del Gesst auf Arbeiter schoß, sie mit den roten Fahnen ihrer Vereine einen vom Gerüst gestürzten Arbeitsgenossen zn Grabe geleiteten. Wie erinnerlich wollten die Polizisten ver- bmdent, daß der Leichenzug vor dem Sitz der österreichischen Gesandtschaft vorbeizöge. DaS Ergebnis der„Waffentat" waren vier Tote und einige fünfzig Verwundete. alle natürlich auf Seite der Menge. Den Gedenktag dieser Tat hat gestern das römische Proletariat feierlich begangen durch eine Ver- sammlung im Volkshause und Niederlegung von Kränzen vor der hier angebrachten Gedenktafel der Opfer, Ein geradezu lächerliches Aufgebot von Militär— sogar die Kavallerie war aufgeboten worden— verlieh der Versammlung, an der über 3000 Personen teilnahmen, eine besonders dekorative Wirkung, ohne ernstere Zwischenfälle zu provozieren. Die Demonstration war von der syndikalistischen„I-sxu clsl lavoro" einberufen worden und war hauptsächlich von Maurern besucht, die gestern nachmittag die Arbeit ruhen ließen. Die Versammlung sprach nicht unberechtigter- weise ihre Mißbilligung über die Abwesenheit der sozialistilchen Abgeordneten aus. Als besonders kränkend wurde es vermerkt, daß mehrere sozialistische Abgeordnete gerade für den gestrigen Tag, der doch ein Trauertag des römischen Proletariats war, die Einladung der Gewerkschaft der Hotelbedienten zur Feier des sozialistischen Wahlsieges angenommen hatten. Diese Feier, wie die Abwesenheit unserer Parlamcntsfraktion, dokumentieren in trauriger Weise die Entfremdung zwischen dieser und den arbeitenden Massen und steigern natürlich diese Enlfremdung in schwer zu verantwortender Weise._* Jugendbewegung. „Arbeiter-Jugend": Aus der soeben erschienenen Nr. S heben wir hervor: Die Verfasiung deS Deutschen Reiches. I. Von Ludwig Frank.— Frühlingsgötter. Von Ida Altmann.— Die jugendlichen Arbeiter und die Gewerbeordnung.(Schluß.) Von H. Molkenbuhr.— Jugendbibliotheken. Von G. Hennig.— Das Vereins- und Versammlungsrecht der Jugendlichen.— Moderne Luftschiffahrt. Mit Jllustratlonen. Von Richard Woldt.— Aus der deutschen Jugendbewegung.(Dresden, Frankfurt a. M., Mannheim.) — Vom Kriegsschauplatz.— Lehrlings- und Jugendschutz.— Beilage: Bleibt jung I Gedicht von Ludwig Lessen.— Der blinde Passagier. Von Max Eyth.— Regeln für Spielleiter.— Das Arbeitspferd. Von Geijerstam.— Buntes Feuilleton.— Der Eiersegen. Gedicht von H. Seidel. Gerichts- Zeitung. Ungültigkeit der in den Kolonien erlassenen Urteile. Zu der, wie in Nr. 73 unserer Zeitung dargelegt, von dem Verteidiger des angeklagten Distriktschcfs Nabe aufgeworfenen Frage, ob die jetzt fungierenden Richter ordnungsmäßig ernannt seien, wird mitgeteilt, daß das Reichsjustizamt zu einem Gut- achten dem Verteidiger gegenüber sich nicht bereit erklärt habe. Gegen die Auffassung deS Verteidigers sprechen die folgenden Momente. Die Gerichtsbarkeit wird in den Schutzgebieten im Rahmen der Konsulargerichtsbarkeit nach dem Gesetz vom 7. April 1900 ausgeübt, mit der einzig unterschiedlichen Bestimmung, daß an Stelle des Konsuls ein vom Reichskanzler bestellter Nichter zu treten hat. Die Zuständigkeit des Reichskanzlers bei der Be- setzung richterlicher Stellen in den Kolonien ist weiter geregelt durch die Verordnung vom Jahre 189S Art. 4 derart, daß seine Befugnis zur Ernennung von Beamten nur hinsichtlich der mitt- leren und unteren Beamten übertragen werden könne. Unbeschadet dieser Tatsache besteht noch heute das Gesetz vom 17. März 1878 zu Recht und hat die Stellvertretung des Reichskanzlers in dem- selben eine ausdrückliche Regelung erfahren. Nach demselben können sowohl die Gegenzeichnung der kaiserlichen Anordnungen und Verfügungen als auch die übrigen dem Reichskanzler durch Reichsverfassung und Reichsgesetze übertragenen Obliegenheiten im Falle der Behinderung durch Stellvertreter ausgeübt werden. Unter Behinderung ist jedoch— wie auch der Staatsrechtslehrer G. Meyer betont.— nicht bloß die persönliche Behinderung durch Krankheit und Abwesenheit, sondern auch die sachliche Behinderung durch Ueberhäufung mit Geschäften zu verstehen. Diese Art der Stellvertretung ist eine auf einzelne Amtszweige sich erstreckende Spezialstellvertrctung. Sie ist nach zwei Richtungen beschränkt: persönlich insofern, als eine derartige Stellvertretung nur den Borständen der dem Reichskanzler untergeordneten obersten Reichs- behörden übertragen werden darf; sachlich insofern, als sie nur bei denjenigen Amtszweigen eintreten darf, die sich in der eigenen und unmittelbaren Verwaltung dcS Reiches befinden. Die Er- nennung dergleichen Stellvertreter geschieht durch den Kaiser. In der Person des Unterstaatsselretärs als dem Chef des Kolonial- amtes treffen alle oben genannten Voraussetzungen zu und sein Recht, einen Teil der dem Reichskanzler zustehenden Funktionen, also auch das Recht der Ernennung von Richtern in den Schutz- gebieten auszuüben, wird auch durch die Verordnung vom Jahre 1896 nicht getroffen, weil nicht eine Delegation von Fall zu Fall, sondern eine gesetzlich begründete, durch den Kaiser als den Schutz- Herrn genehmigte Stellvertretung bezüglich der dauernden AuS- Übung eines Kreises von Berechtigungen vorliegt. Einen eigenartige» Beitrag zur Frage der Dieusibotennot lieferte eine Verhandlung, mit tvclcher sich gestern die 4. Straf- kgmmer des Landgerichts II zu beschäftigen hatte. Angeklagt wegen Hausfriedensbruch und wissentlich falscher Anschuldigung Kar de? Arbeiter August Schwarz aus Schöneberg. Der Angeklagte hat eine 14jährige Tochter» die bald nach ihrer Entlassung aus der Schule bei einer Frau St. in Schlachtensee als Tienstmädchen eine Stellung annahm. Schon nach kurzer Zeit klagte das Mädchen ihren: Vater, daß sie nicht genügend zu essen bekünir. nur ein aus zwei Roßhaardccken bestehendes Nachtlager habe und häiistg eingeschlossen werde, wenn die Herrschast ausgehe. Wie das Mädchen angab, bekäme sie des Morgens und des Abends nur eine Musstulle, des Mittags auch nur eine völlig unzureichende Mahlzeit, die sie häufig auf der Treppe sitzend einnehmen müsse. Eines Tages wurde nun dem Angeklagten von einer Nachbarin telephonisch mitgeteilt, daß seine Tochter weinend am� Fenster sitze und ihn bitten ließe, sie abzuholen, da sie ihre Herrschast nicht gehen lassen wolle. Der Angeklagte fuhr sofort nach Schlachtensee, um seine Tochter abzuholen. Nachdem ihm das Mädchen nochmals erklärt hatte, sie würde so schlecht behandelt, daß sie es nicht mehr aushalten könne, wollte der Angeklagte seine Tochter gleich mitnehmen. Frau St. und ihr Sohn verlangten jedoch kategorisch, daß das Mädchen dableibe und forderten de» Angeklagten ans, die Wohnung zu ver- lassen. Schwarz weigerte sich, ohne seine Tochter zu gehen. Nach seiner Angabe hätte Frau St. nun die Tür abgeschlossen und nach einem Gendarm geschickt, um seine Personalien feststellen zu lassen, obwohl sie wußte, daß er der Vater des Mädchens war. Frau St. stellt wiederum den Sachverhalt so dar, daß sie tatsächlich die Tür avgeschlossen habe, nachdem sich der Angeklagte dreiviertel Stunden lang geweigert habe, die Wohnung zu verlassen. Sie hätte damit verhindern wollen, daß sich der Angeklagte entfernen würde, bevor seine Personalien festgestellt worden sind. Sie habe ihm aber gleich- zeitig gesagt, daß ihm jederzeit geöffnet würde wenn er vor Ein- treffen des Gendarms gehen wolle. Der Angeklagte'bestreitet dies energisch und behauptet, daß er wie ein Gefangener in der Wohnung gesessen habe, tatsachlich sei auch die Tür noch verschlossen gewesen, als der Gendarm Treptow eintraf. Wegen dieses Vorfalles erstattete Sch. Anzeige wegen Freihcits- beraubung. Einige Tage später erhielt der Angeklagte das Dienst- buch seiner Tochter per Einschreibebrief, aber unfrankiert von der Frau St. zugesandt. Er verweigerte wegen der doppelten Portolast die Annahme. Als er dann in der Nähe von Schlachtensee zu tun hatte, suchte er die frühere Herrschaft seiner Tochter selbst auf, um sich das Dienstbuch abzuholen. Auch bei dieser Gelegenheit soll, wie die Anklage behauptet, sich Sch. eines Hausfriedensbruchs schuldig gemacht haben.— Mit seiner Anzeige wegen Freiheitsberaubung erlebte der Angeklagte noch ein merkwürdiges Schicksal. Der Spiest wurde umgedreht und er wegen wissentlich falscher Anschuldigung zur Verantwortung gezogen.— Vor Gericht bekundete eine Zeugin K., daß auch schon die früheren Dienstmädckien der Frau St. zu ihr gekommen wären und sie um etwas zu essen gebeten hätten, da sie bei ihrer Herrschaft hungern müßten. Verschiedene frühere Dienst- mädchen der Frau St. bezeugten dies ebenfalls und bekundeten eidlich, daß sie nicht nur hätten hungern müssen, sondern auch eine alte Rotzhaardeckc als Bett erhalten hätten.— Ter Angeklagte behauptete, daß er nach seiner Meinung nicht nur das Recht, sondern auch dir Pflicht als Bater gehabt habe, seine Tochter aus einer derartigen Stellung zu entfernen. Er habe sich deshalb für berechtigt'gehalten, die Wohnung zu betreten.— Das Gericht nahm an, daß der An- geklagte bei Erstattung der Anzeige in gutem Glauben gehandelt hatte und erkannte wegen der wissentlich falschen Anschuldigung aus Freisprechung. Dagegen Hielt das Gericht einen Hausfriedensbruch in zwei Fällen für vorliegend und erkannte auf 1 Monat Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte gar 4 Monate Gefängnis beantragt. Hoffentlich wird gegen dies irrige Urteil Revision ein- gelegt und dann Anklage gegen die Dienskherrschast, deren Namen die Gerichtskorrespondenz leider nicht enthielt, erhoben. Der ver- urteilte Vater hatte durchaus recht, als er darlegte, daß er das Recht und die Pflicht hätte, sein Kind vor der geschilderten Aus- beutung zu beivahrenc Solange die Mitnahme des Kindes ihm verweigert wurde, war sein Aufenthalt in den Räumen der Dienst- Herrschaft ein durchaus berechtigter. Diese hatte sich durch das Einschließen der Freiheitsberaubung und Nötigung, nicht aber der Bater des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Um die Führung des Titels„Stabsarzt der Landwehr a. D." handelte es sich in einem Strafverfahren gegen den praktischen Arzt Dr. Zimmermann in Königs-Wusterhausen. Er sollte jenen Titel unbefugt geführt haben. Dr. Z. tvar Stabsarzt der Landwehr ge- Wesen und hatte den Antrag auf Entlassung aus dem sächsischen Heeresdienst gestellt. Dabei hatte er ein von der Behörde über. sandies Formular benutzt und hatte danach den Abschied botvilligt erhalten„unter Enthebung von dem Charakter als Sanitätsoffizier". Dieser Klausel legte er weiter keine Bedeutung bei. Er»var auch später wiederholt in amtlichen Zuschriften, unter anderem von einem sächsischen Bezirkskommando und von: Generalkommando des säch- fischen Armeekorps als„Stabsarzt der Landwehr a. D." bezeichnet worden. Ein auf Denunziation beim ärztlichen Ehrengericht ein. geleitetes Verfahren endete mit Einstellung. Trotzdem wurde Herr Dr. Zimmermann, als er sich selbst als Stabsarzt der Landwehr a. D. bezeichnete, wegen unbefugter Führung dieses Titels angeklagt und zu der höchsten gesetzlich zulässigen Strafe von 180 Mark ver- urteilt. Das Landgericht nahm an, daß durch Beantragung und Ge- Währung des Abschieds der Dienstvertrag zwischen dem Angeklagten und dein sächsischen swntingentsherrn gelöst und er deshalb nicht mehr zur Titclführung berechtigt wäre. Der Angeklagte legte Revision ein. Vor dem Kammergericht wurde er durch Recktsanwalt Wolfgang Heine vertreten. Dieser hob hervor, daß in der Erbittung des Abschieds, selbst wenn dies „unter Enthebung von dem Charakter als Sanitätsoffizier" geschehen sein sollte, kein Verzicht auf den Titel, sondern nur ein Verzicht auf das aktive Dienstverhältnis in der Landwehr enthalten sein würde. Die Führung des Titels stünde den inaktiven Offizieren auch ohne Genehmigung des Kontingcntsherrn zu und könnte ihnen nur im Wege strafgerichtlichen Urteils entzogen werden. Das Kammergericht folgte diesen Ausführungen und sprach den Angeklagten sofort frei. Euq der Frauenbewegung. Der Bund weiblicher Gewerkschaften in England. AuS dem 33. Jahresbericht des Bundes weiblicher Gewerkschaften in England bringt das„ReichsarbeitSblatt" nähere Angaben, denen wir folgendes entnehmen: Der Bund hat im Jahre 1907,1)8 nicht nur neue Gewerkschaften aufgenommen, sondern auch für seine Mitglieder wesentliche Per- günstigungen in verschiedenen Teilen deS Landes errungen. Der Nationalverband weiblicher Arbeiter(Dbo blationsl k'oäs- ration of Wornen Workers), welcher im Jahre 1906 begründet wurde und verschiedene noch nicht organisierte Gewerbearten umfaßt. „at große Fortschritte zu verzeichnen; in 27 Bezirken find bereits Zwcigvereine vorhanden, welche insgesamt 3000 Mtglicder haben. Die monatlich erscheinende Zeitung„Die Fabrikarbeiterin"(Mio Wornan Worker), welche für die weiblichen Gewerkschaften und deren Interessen bestimmt ist, ist offizielles Organ deS National- Verbandes. Für die Hansindustrie(Sweated Industries) hofft die„Anti- Sweating League", welche mit dem Gcsamtverband weiblicher Gewerkschaften in nahen Beziehungen steht, demnächst Lohn- ämter(Wages Boards) durchzusetzen, wodurch man glaubt, daß wiederum zahlreiche Fabrikarbeiterinnen der Organisation zugeführt werden dürften. Mit besonderer Genugtuung wird die unter dem derzeitigen Staatssekretär des Innern, Mr. Gladstone, vorgenommene Ver- mehrung der Fabrikinipektoren verzeichnet. Die Zahl der Weib- lichen Beamten einschließlich 8 neu ernannter beträgt nunmehr 18. Da eine wirksame Durchführung der Arbeiterinnenschutz- gesetze nicht zum wenigsten von der Zahl der vorhandenen Auffichtö- oeamten und deren Tätigkeit abhängt, so verfolgt der Bund weib- « licher Gewerkschaften alle Wandlungen in der Favrikinspeltion mit besonderem Interesse. Das neue für die Waschanstalten erlassene Gesetz, als„Novelle zum Fabrik- und Werkstättcngesetz IVO?" bekannt, hat der Liga Ver- aulassung gegeben, beim Staatssekretär auf die Mängel in den neuen Bestimmungen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig wurde gebeten, au Orten, wo viele Wäschereien vorhdnden, weibliche Fabrik- Inspektoren einzustellen. Die RevisionStätigkeil soll dadurch wesent- lich erschwert werden, das; nach den den Aufsichtsbehörden zu- gegangenen Borschristen die Arbeit ununterbrochen von 6 Uhr inorgens bis S Uhr abends in drei Schichten ausgeführt werden kann. Wann die Arbeiterinnen durch andere ersetzt werden, läßt sich wohl schwer kontrollieren. Nachdem der Gebrauch des weißen Phosphors durch besonderes Ge- setz verboten worden ist, wobei die Fabrikanten selbst sich für Abschaffung dieses so gefährlichen Stoffes ausgesprochen haben, hofft nian auch. die immer noch sehr zahlreichen Bleivergistungen vor allem in der Porzellan- und Steingntfabrrkation, die auch eine hohe Kinder- sterblichkeit zur Folge haben sollen, durch weitere gesetzliche Matz- nahmen auf eine geringere Zahl herabdrücken zu können. Ein be- sonderer Ausschutz, welcher sich mit den Bleivergiftungen in gewerb- lichen Betrieben zu beschäftigen hat, ist eingesetzt und die Vorsitzende der Liga ist in diesen offiziellen Ausschntz be- rufen worden. Ueber die Tätigkeit dieser Kommission wird erst im kommenden Jahre zu berichten sein. Das Tragen von zu schweren Lasten hat ebenfalls wie die zahlreichen Gewerbe- krankheiten Anlatz zu einer Debatte im Unterhause gegeben. Jugendliche Arbeiter und Kinder sollen nach dem Jahresberichte 40—70 Pfund schwere Lasten tragen, was nach dem Kinderschutz- gesetz vom Jahre 1903 durch die Fabrikinspektion unschwer verboten werden könnte. Die Abteilung für Rechtsschutz gehört zu den wichtigsten der Liga. Das Arbeitsgebiet hat sich hier so ausgedehnt, datz noch eine Assistentin neben der Abteilungssekretärin angestellt werden mutzte. Das neue Gesetz, wonach Arbeitern bei Unfällen ein gewisser Schaden- ersatz zusteht(Workmens Compensation Act), hat dieser Abteilung ein neues Arbeitsfeld eröffnet. Mehrere Dienstboten und Fabrikarbeiterinnen unter 21 Jahren, welche Unfälle er- litten, erhielten mit Unterstützung der Liga Schadenersatz. Zahlreiche dem Bunde zugegangene Beschwerden betreffend un- genügende Ventilation von Räumen, Fehlen von Sitzgelegenheiten für Verkäuferinnen, überfüllte Arbeitsräume, Mangel von hygienisch einwandfreien Aborten bei in Fischkonservenfabriken beschäftigten Mädchen und andere Uebelstände wurden zumeist zur Kenntnis der Fabrikinspektion gebracht, welche für Abhilfe Sorge trug, soweit eS nach dem Gesetze möglich war. Auch in zahlreichen Arbeitsstreitigkeiten griff der Bund erfolg- reich ein und half dein Handelsministerium eine Einigung zu er- zielen, z. B. in einem Streik der Filzhutarbeiter in Stockport, welche nur mit Gewerkschaftlerinnen zusammenarbeiten wollten. Auch ein Streik von 200 Weberinnen in Norwich, welchen grotze Lohn- Verminderungen in Aussicht standen, wurde vor dem EinigungSamt beigelegt, wobei der Bund die Interessen der Fabrikarbeiterinnen vertrat. Aus der Jahresabrechnung sei noch zum Schluß erwähnt, datz aus den nicht den Arbeitern angehörenden Gesellschaftsklassen 271,14 Pfund Sterling, d. h. etwa 5484 M. an dauernden Beiträgen und 25,3 Pfd. Sterl.(203 M.) an Geschenken im Jahre 1907 gezeichnet wurden, während an Beiträgen der angeschlossenen Gewerkschaften 64,2 Pfd. Sterl.(1300 M.) und an Geschenken einzelner GeWerk- schaften öS, 9 Pfd. Sterl.(etwa 1328 M.) eingingen. Versammlungen. „Die politische Geheimpolizei und ihr Treiben" bildete das Thema einer vom 0. Wahlkreis am letzten Sonntag nach dem„Feenpalaft" einberufenen Versammlung, in der Genosse K. R o s e n f e I d unter allseitiger Zustimmung das Verhalten des politischen Lockspitzcltums geitzelte. In der Diskussion versuchte ein versammlungsnotorischcr Wirrkopf dem Referenten entgegen- zutreten, ein stürmisches Hohngelächter der Versammlung fegte ihn aber vom Rednertisch weg. Die Polizei hatte diesesmal nur spärliche„Vorsichtsmatzregrln" getroffen. In der Börse war wieder die übliche fliegende Wache und hinten im„Feenpalaft" harrten, im Schatten eines Müllkastens, eine Anzahl Berittener mit ihren Pferden, die in ihrer Langeweile Gambrinus huldigten, nach kurzer Zeit aber verschwanden. Vorsicht bei Erkältung Gar of» wird eine leichte Erkaltung nnbeaohtet gelassen und die Influenna- Bazillen finden einen vorzüglichen Nährboden In dem kranken Blut des erk&liolen Körpers.— V> Glas„Santa l.iicla"-Weln, vor Jeder Mab. zeit genossen, gibt kraftiges Warmegefttbl und wirkt äusserst anregend.— Wer bereits eine leichte Erkaltung spart, nehme vor den» Schlalengehen ein helsses Fuasbad and trinke gleichzeitig ein Glas Uber Feuer erhitzten,"""" i, Santa Lnela"-H,elii„ „Santa Lucia"«KFaftPOtwein k Piasohe 1.50 und 2.00 Mark tat käuflich In Apotheken, Drogen- and Dellkateasen-Oeachauen and etcht unter ständiger Kontrolle des chemischen Laboratoriums Dr. C. Bischoff. 10763 Für den Inhalt der Inserate tibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keluerlei Verantwortung. Cbcater. SienStag, den 6. April. Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhans. Götter- dämmerung.(Ansang 6'l, Uhr.) ftönigt. Schauspielhans. Wallen- steinS Lager. Die Piccolomlni. Neues königliches Operutheatrr. Geschlossen. Deutsches. Faust. Kammerspielc. DerArztam Scheideweg.(Ans. 3 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Lesstng. Der König. Berliurr. Einer von misrer Leut'. Neues. Die sremde Frau. Neues Schauspielhaus. Pech- Schulze. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische cper. HoffmaimS Er- Zählungen. Toreaoor.(Ansang VI, UHrO sideuz. Kl Luftspielhaus. Im Klubsessel. Residenz. Kümmere dich um Ameke. Weste«. Der Joileyllub. Kleines. Moral. Hebbel. NevolutwnShochzelt. Schiller O. iWallnu• Dheater.) Die Karolinger. Schale» Eharlottenburg. Die Welt, w der man sich langweilt. Friedrich< Wilbelmstüdt. Schau. spielhauS. Lumpaclvagabunduz. Luisen. Der Manu mit den vier Frauen. Trianon. Liebesgewitter. Neue« Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theater 8«. Da« Himmelbett.(Ans. 81/, Uhr.) Bernhard Rose. Ehrliche Arbeit. Gastspiel-Theater« SherlockSolmcS. Gebrüder He-rnfeld. Die beiden BindewandS. Apollo. Der junge Papa. Spezla- litäten. Metropol. Donnerwetter— tadel« M. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Pa«»»e. Spezialitäten. Rrichsliallen. Stetiiner Sänger. Walhalla. Spezialilälcn. FolieS Caprier. Insolvent.(Ans. 6>/, Uhr.) Kasino. Ackermann. Spezialitäten. Gustav Behrens. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. Urania. � Taubenftraft« 48/4» Nachm. 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abend« 8 Uhr: Bei den Schwarz sutzindianern. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Bein: Unsere Genutzmittel. Sternwarte, gnvakdenltr. 67162, Lessing-Theater. Dienstag 8 Uhr: Oer König. Mittwoch 8 Uhr: Ibsen. Zyklus 9. Vorstellung: Baumelster Selness. SsrUner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von nnsore Eeut'. Morgen: Einer»on unsere Leut'. 8 Uhr. Acucb Theater. 8 Uhr. Täglich: IMe fremde Frau. Sonntag: Unter Leitung des Im- Frih Rudolph. Zum 1. Male: inesEngländers Helm. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der Jockeyklub. Friedricti-Wiitielmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, den 6, Zlpril, Ansang 8 Uhr; FllMMMWblMdllS. Mittwoch; LumpacivagablmduS. Donnerstag: Othello. Abends 8 Uhr: Im Klnbsessel. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubens traßo 48/49. Nachmittags 4 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Abends 8 ühr: Bei den Schwarzfußindianern. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Bein: Unsere Genußmittel. Hebbel=Theater Königgrätzer iwtr. 57/58. Ans. 8 Uhr. ReTOIutiossboehzeit. Neues Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die voilarprlnnesftin. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Resilienz-IMsi. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 3 Uhr: „KQmmere Dich um Amelie." Dienstag und Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Dlnincrstag u. Sonnabend: Fer> rtol. Schauspiel von Sardon. Karsreitag geschlossen. Sonntag, 4. April, nachm. 3 Uhr: Der Prinzgemnhl._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Oer Mann mit den vier Frauen. Mittwoch: Der Totschläger. Donnerstag: Mein Leopold. Freitag und Sonnabend bleibt baS Theater geschlossen. 1. Feiertag 3 Uhr: Romeo und Julia. 3 Uhr: Der Totschläger. 2. Feiertag 3 Uhr: Marie, die Tochter des Regiments. 8 Uhr: Premiere: Mädel ohne Geld. 3. Feiertag 3 Uhr: Dorf u. Stadt. 8 Uhr: Mädel ohne Geld._ B Abends 8 Uhr ydiiilt Ardeit. Posse mit Gesang in 4 Mten von Willen. BWS- WochentaaSprelse."VB Mittwoch: Die Räuber. D Kfipeulckerstr. 68. p V' Zum 554. Jlale: Sherloch Kolmes. Nur noch it Anfruhrnngen. Melropol-Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! KeTneinlOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Donnerstag, den 8. u. Sonnabend, 10. April: Fastnacht. Schauspiel in 2 Akten von Eich. Jaffe. Fr. Ein Bild a. d. Pariser Leben in 1 Akt von O. Metenier. 9-/, Uhr Gastspiel 3'), Uhr der drei Schwestern Vieseoths!. Vorher: Das Attraktionsprogr. 8 Uhr: U. a.: Heinhaus, Rcchcnlunsll. und Der junge Papa. Operette. Cssino-HAvaisn Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Gr. Erfolg bei Presse und Publikum. Ackermann von Felix Holländer u. Lotbar Schmidt. An beiden Feiertagen nachmmag: Sonntag und Montag 4 Uhr: DM- Die Dlanabilder.-MW �chllier-Tlieatep. O.(Wallner-Theater.) Dienstag, a b e n d» 8 Uhr: DI« Karolinger, Trauerspiel in 5 Sitten von Ernst v. Wildcnbruch. KM" Ende 10',, Uhr.-MM Minwoch, abendS 8 Udr: Der Ciraf von Charolals. Donnerstag, abends8Uhr: Dl© Karolinger. Schiller> Theater Charlollenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel in 3 Aufzügen von Eduard Pailleron. EM- Ende lO'/j Uhr."W Mittwoch, abends 8 Uhr: Keeht» herum. DonnerSlag, ah«ndS8Uhr: Kabale und Lilcbe. Srauerd?riedrichshain. Afei«?äjÄr Matinee-Konzert von_ Johann Strauß»<* Wien mit der gesamten Kapelle(50 Künstler). Anlang präzise 1 Uhr. Ende 4 Uhr. Billetts zu ermäßigten Preisen(40 u. 60 Pf.) im Vorverkauf bei der Spedition des„Vorwärts", Herrn Zucht, Immanuel- kirchstraße 12.* SÄ 2 3 •S B Grosse JnhsrnaHcmale Gartenbau-Ausstellung s© S a. es faj ü® « 5 pv R a 5 v to B JT«! s» flussteltungshallen am2bo Eine Tlugmaschine in natürlicher Größe nebst SO PS. I-nftschlffmotor— mit Unterstützung des unterzeichneten Vereins in der Maschinenfabrik Hayn& Loilich, Chemnitz,— nach Konstruktion von Fritz Hayn erbaut— ist im Industrie- Palast„Johannis-Hof", (an der Friedrichstraße, gegenüber Karlstraßo) vom Palmsonntag ab ausgestellt. Die anwesenden Erbauer geben die Erklärung. Eintrittspreis 30 Pf., Kinder 10 Pf. Besichtigung von 10 Uhr früh bis 9 Uhr abends. 58/6* SiiehHlMcher Verein für l-nftschlfrahrt. Theater-. Südens Tresdeuerstr. 97 a. d. Prinzenstr. Im weißen Nötz�l« Vor u. nachh. erslllass. Spezialität, u. Humor. Konz., Kinematogr., Kabarett. N. d. Vorst. Danzrennioii ohne Nach. zahlungZlns. d. Konz. 7, d. Vorst. 8ff, U. Entree Ä« Pf._ :: Salerno:: La Manola Gaditana, andalusisohes Zigeunerleben. Marcel u. Boris, Equilibristen. Hania de Vert, intemat. Sängerin. Joe Reichen, dress. Miniaturhündoh. „Kinemaeoior", lobend. Photogr. in natürl. Farben. De Lilo, Diva parisienne. Ludwig Amann, Mimiker. Acht Geishas, japanische Gosangs- Truppe. Baggosen, der Urkomische. A. C. Slaleys musikal. Faßbinder. Biograph, neueste Aufnahmen. Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. �Llt-Zlonblt 48.(Tel. 11 2492.) Donnerstag, den 8. April 1909: Der Vampyr von London mit vollständig neuer Ausstattung. Ans. b., Vorst. 8, Kassenösfnung 7 Uhr, Konzert 7'/, Uhr. Nach der Borfteklnng: Tarn. Gebrüder -r Herrnfetd- Anfang Thoatop Vorverk. 8 Uhr. lUCillcr. 11.2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Btir pocli Iiis Miilwocli,?. April: Die beiden Bindelbands Donnerstag und Sonnabend: „Die Weyerhalns" und „Die letzte Ehre". Karfreitag: Geschlossen. Sonntag, den I. Osterfeiertag: Premiere! > Weinbergsweg 19-20, Rosenth.T Ansang 8 Uhr. Die großen I Aprll-Spczlalltiitcn. I(fm Tunnel: Regimentsknpelle. s I Theaterbesucherhob. sreien Eintritt. hkz Gaprice. Anfang 8»/, Uhr. SM- Insolvent.-M« Posse von L. Tausstein. In laufdrigcr J�Tacbt. BurleSle von W. Gerick«. Schluß der Saison Mittwoch, den iL April. Heute, Dienstag, 6. April 1909, abend? 7ll, Uhr s Große Uorßellnng. Torontos Trio 3 Herren in einem ganz neuen Genre. 5W Paet der Wunderasse als Ztadsahrer. cowbox. Truppe Iberons und die übrigen Spezialitäten. VI, Uhr: Der 1 �.u.Mädchen- Seerauber�� 104 v Händler Gr. Ausst..Pant. in 5 Akten und der Schluss-Apotheose. �.ZikoseksTkeatsr Dtrektton: llod. Gill, Srunnenftr. lS. Heute:/, Psd.»Paketm ,u 1.—, st»>/, Psd.-Pa!eten zu 50 Pfennig durch alle etnschldg. Handlungm zu beziehm. Klnmtn- nitb Kransbiudtm von Roberl Meyer,. nur Mammikn-Straße 2. Tteinpel-Zhavr» von 36342' Nodssl»ölikt, Berlin S., Oranienstr. 142, liefert schnell«nd billig alle Arten Stempel in bester Aussührung. Kautschnk-Zlypeu»Perfekt« »um Zusammensetzen einzelner Wörter ssowie ganzer Sätze von 1.00 M. an ' koste' Dameniuohe, schwarz u. sarbig, Kostüm-Stoffo, neueste Muster, Seide, Sammele, Besätze, Futterstoffe, Cheviot- Kammgarne - zu Knaben-Anzügen.= Konfektion: Paletots, Jacketts, Staubmäntel, KostUme, KostDmrScke. Stets Gelegenheitskäufe! Paul Karle, Warschauerstr. 18.[+ Cofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Paefnl noqaetts. Pinseh-nXalC. Satteltaschen. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lefeyre,o"ameunstr. 188. HK Hygienische BedansartiKCi. Neue st Katalog m. Empfohl. viel- Aerzte u.Pro£ grat. uJS H. Ünger, Gummiwarenlakrik fierlin NW» Frie dricha traö s e 91/92 1enerstr. » Ob Barzahlung oder Teilzahlung stet» dieselbe reelle Qostltkti Denkbar jOnsiigete Bedingungen 1 gÄcgmtma Husten 5500 not. begl. Zeugnisse über Brust- Caramellen ö beweisen den vorz. Erfolg b. Husten, Heiserkeit, Keuchhusten etc. Aerztl. erprobt, Paket 30 Pfg. Kaiser'« Brust-Extrakt Flasche 90 Pfg. Zu haben in Apotheken und _ Drogerien._* liÄlWht Carmen Sylva Cigarettcn Beste Qualitäten Würzburger Hühneraugen mittel von Dr. H. Unger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zweisei die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz istm ä Min. sori. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansextrakt.) Vf. II. Ullger in WÜrzbUFg. In Berltn(20 Ps.): Salomen- Apotheke, Charlottenstratze 54. Greif- Apotheke, Barnimstraße 33.— München: SchDIzen-Apothekc.— Stuft. gart: Hirsch-Apoiheke.— Breslau: Victoria-Apotheke. 110/1* ffmfjiaJjrS'iKoftüme md Mittel in hervorragend schöner Auswahl Eleg Jacken-Kleider Direotoire, mit Miederrock und langen Paletots, mit eleganter Weetengamierung, au» neuesten Stoffen, Gottels, Home- spun, Kammgarn, Tuch und englischen Stoffen in den modernsten Farben, 24, 30, 36, 45 Mark. Seid. Ripsjackets und Paletots 15, 21, 27. 36 Mark. Vornehme Frauenmäntel Tuch, Eipa u. Seide mit reicher Stickerei 18, 24, 30 Mark. Elegant« Tuch-Jacketts n. Paletots bis 130 cm lang. Uebergangs- Paletots aus neuen englischen nnd Homespunstoflen 7, 9, 10, 12, 15, 18, 20 Mark. I Unsere Konfektion bietet durch Verarboltunfl erstklaae. I 1 Stoffe u. Zutaten vollständ. Garantie höchster Reellltät| Sielmann Holenberg Kommandanten-, Ecke Lindenstr. 12 Schaufenster,— 2 Häuser vom Dönhoffpiatz coooooooooooooooooooooc>ooooooodoooooooooooo Oster-Angebote! Die schönsten (88- .1 Tausende Exemplare: Nur eigene Erzeugnisse Neuzeitige Ausmusterungen :: Strapazierfähige Stoffe:: 21, 18. 15, 12, 10, 9, 8, 7. 6, 5. Die schönsten Ii Tausende Exemplare: \ allemeuester Moderichtung Wunderbare Farbenstellungen Bestsitzende aparte Fassons 15, 13, 11, 9, 7, 6, 5, 4, 3.50, 3. Speiial-Haus größten Maßstabes, gegründet 1891 Chausseestraße 29/30 o 11 Brückensfraße II Gr. Frankfurterstr. 20 | Mitte April Eröffnung unseres 4= Geschäftshauses: SchSnebcrg, Hauptstr. 10 j «;; Der H«apt-K»tolof Ha 37 der Uvree-Kstslog Ha 36 kosteolo« nid portofrei tt it r. Kredit � Jßobel 7eflzaMang bei allerblelnster An- n. Abzahlung. Größte Rücksicht Ä'AÄÄ'i??. E. Cohn, tf. FranBirleRlr, S# �oCdiiondtfvm sotkchctfrciM 6tfmclvun�c4r»ivk. Femer empfehlen wir unser vorzügliches Hi ERNST KRÜGER G. m. b. H. BERLIN 9fO., Höchstestr. S8. flT&pTVderTIE-E�l Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. < Spczialiläl: Nordhäuser Kautabak| stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 786L* F WWWWWWWW Amt 4.3014.WWW WWWWW Hochelegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Mal! stellen trierer Wert 60 bis 60 m jetzt 20 bis 45.. Wie wiederkehrende Kantgelegenheit! CavalieraClub, Unter den Linden 6t II. Sonntag bis 6 Uhr geöffnet! 4- k. I � Bruch- Pollmann empfiehlt seinLager in Bruch- _ bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Workstatt. Lieferant für OrtS- und Hilss-Krankenkafsen. Berlin* jetzt Lothringer Straße OO. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe. loten, angenehm u, weich am Körper. zXköholarmes, diätisches Specialbräu Ärztlich empfohlen, nasche 10 pfg. üeberall käuflich. Ernst£ii�ells�f NüdiL Akt Gas. .Bcrttn-Pankow. GrössfeWatzWer-Brauerei Deutschlands.—» Charlottenburg:. Sprechen hiermitunseren herzlichsten Dank aus. 7S7b Fritz Dieckmann nebst Frau. SozialdemokratiseberWablyerelii für den 2. Berliner Beichstags-Wablkreis. Bezirk 146a. Nachruf. Anl Montag, den 29. März, starb plötzlich am Herzschlag unser Mit- glied, der Ardeiter Xsr! ZedmiSl. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 210/14 Der Vorstand. Dede»- Anzeige. Allen Genossen und Genossinnen zur Nachricht, daß mein lieber Mann 7962 Julius Sapiatz nach langem schweren Leide» am 4. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am MitL woch, den 7. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des RmnmelSburger Friedhofes aus statt. «lohatma Sapiatz nebst Kindern. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsverwalfung Berlin S. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Kutscher Otto Schüler am Freitag, den 2. April, tat Alter von 40 Jahren an Ber- blutnng gestorben ist. Ehre seinem Andeykeu l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. ZIpril, noch- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Heilig- Kreuz« Kirch- hoses, Mariendott, aus statt. 66/15 Die Verwaltung 2. Danksagung. Für die Beweise liebevoller Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Elluart Teigmeier sage aus diesem Wege allen meinen herzlichsten Dank. 19236 Wwe. Elise Teignteier. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, guten Mannes Moritz Schmidt sage ich allen Parteigenossen und Genossinnen, Verwandtet: und Be< kannten meinen herzlichen Dank. Witwe Marie Schmidt nebst Kindern. Dt. Schünemann Spezial-Arzt für 5432* Bant- nnd Harnleiden, Franenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Scbützenstr. Wochentags 10—«. 5—7. Meinen werten Genossen zur Nach» ficht, daß Ich Kolonlestr. 18—10 ein in Selbstsabrikation eröffnet babe. Bei Bcdars um geneigten Zuspruch bittend. 1924b Eugen Meinhariit. iMMMMkMMMMtMÜStzMMMMMhMMiMis| Soeben erschienen! Der Meg zur flacht politilcbc Betrachtungen über das Btneinwachren in die Revolution von Karl Kautsfey. Inhaltsübersicht: 1. Die Eroberung der pollttschen Macht. 2. Die Prophezeiung der Revolution. 3. Das Hineinwachsen fn den Zukunslsstaat. 4. Die ökonomische EntWickelung und der Wille. 5. Weder Revolution noch Gesetz- lichkeit um jeden Preis. 6. Das Wachstum der revo- lutionärcn Elemente. 7. Die Alilderung der Klassen- gegcnsätzc. 8. Die Verschärsung der Klassen- gegensätze. 9. Ein neues Zeitalter der Re- Volution. Preis 1,50 SD?., billige AuS- gäbe 0,50 M. Spedition des„Vorwärts" Berlin 8W. lilndenstr. 69, I-itzdea. wwww. Verantwortlicher Redakteur: Sans Weber. Berlin. Für de» Inseratenteil vcrantw.i Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlag Sa nftalt Baul Singer& Co., Berlin SW, 8».8l 26. 2. Keilllßt des„Nmmts" Kerlim NlllkslllM. v. Lokalkommission für Berlin und Umgegend: Paul Bartsch, Lessingstr. 32. Heinrich Schröder, Bärwaldstr. 47. Karl König, Urbanstr. 93. Karl Rott, Straßmannstr. 29. Albert Hahnisch, Auguststr. 6l. Richard Henschel, Ucckermiindec Str. 17. Karl Rohr, Ripdorf, Selchowerstr. 15/16. Hermann Elias, O. 112. Blumenthalstr. 24. Frau Anna Matschte, Vineiaplatz 4. Alle Mitteilungen, Zuschriften und Beschwerden in Lokal-An- gelegenljeiten für Berlin und Umgegend sind nur an den Obmann der Lokal-Kommission Richard Henschel, Ueckermnnder Straße 17 zu richten. * Revisoren: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Otto Klamm, Reichenbergerstr. 115. Paul Dobrohlaw, Schliemannstr. 39., Paul Weinmann, Britz, Rochowstr. 2. Gustav Breitkreutz, Weißensee, Goethestr. 14. Obmann der Revisoren: Gustav Schmidt, Vf. 57, Kirchbachstr. 14, Hochpart. Obmann der Stadt- und Gemeindevertreter: Emil Basner, N. 20, Prinzcnallcc 46a. Vorsitzende und Kassierer der einzelneu Kreis- Wahlvereine: 1. Kreis: Vorsitzender, Hugo Woldersky, NW. 23, Brücken-Allee 3. Kassierer Karl Bittner, 81V. 63, Feilnerstr. 11. 2.„ Vorsitzender Fritz Schwemke, 8. 59, Schönleinstr. 34. Kassierer Gustav Schmidt, IV. 57, Kirchbachstr. 14. 3.„ Vorsitzender August Pohl, 80. 26, Naunynstr. 30. Kassierer Albert Harudt, 0. 19, Friedrichsgracht 22. 4.„ Vorsitzender Paul'Hoffmann, 80. 33, Oppelnerstr. 47. Kassierer Hermann Barenthin, O. 17, Stralauer Platz 1/2, Amt VII 3759. 5.„ Vorsitzender Willi Friedländer, 17. 24, Elsasserstr. 52. Kassierer Karl Kirstc, 170. 43, Keibelstr. 9s., Hof IV« 6.„ 1. Vorsitzender fehlt zurzeit. Kassierer Hermann Müller, 17. 39, Ravenöstr.6. Amt III, 2137. Teltow-Beeslow: Vorsitzender Paul Hirsch, Charlottenburg, Spiel- hagenstr. 12. Meder-Barnim: Vorsitzender Paul Brühl, Lichtenberg, Franksiirter Chaussee 61B. v Kassierer O. Seilet, 0. 112, Kronprinzenstr. 4. Kreiswahlvereins-Bnreans: 4. KreiS: Sekretär Hermann Barenthin, O. 17. Stralauer Platz 1/2. filmt VII. 3759. 6. KreiS: Sekretär Theodor Fischer, 17. 39, Ravenöstr.6. AmtlH. 2137. Teltow-Beeskow: Sekretär Karl Wollcrmann, Charlottenburg, Volks- bau§, Rosinenstr. 3. Amt Charlottenburg, 4606. (Letzterer für alle Sendungen, auch Geld- und Wertsendungen.) Sie Mtellllngzvechaltoilie im Bergbau. Die Berggesetzkommission des preußischen Abgeordnetenhauses hatte in ihrer letzten Sitzung noch Gelegenheit, eine Probe ihrer sozialpolitischen Rückständigkeit abzulegen. Es handelte sich um die Uebertragung der in der Gewerbeordnung im Jahre 1900 ge- schaffenen Bestimmungen über die Kündigungsfristen der Werk- meister und technischen Angestellten auf den Bergbau. Zunächst sollen die Bestimmungen Geltung erhalten, wonach die Kündigungsfrist für die Beamten nicht weniger als einen Monat betragen darf und für beide Teile gleich sein muß. Dann sollen die Vorschläge der Reichs rcgicrung zur Abänderung der Gewerbeordnung, die gegenwärtig im Reichstag beraten werden, hier Anwendung finden, uird das ist im wesentlichen: daß eine acht Wochen nicht übersteigende militärische Dienstleistung nicht mehr als Grund zur Aufhebung des Dienstverhältnisses gelten soll. Außerdem soll die Bestimanung, wonach der filngestellte im Falle vorzeitiger Entlassung noch sechs Wochen im Genüsse seiner Dienstbezüge bleibt, wenn die Verrichtung seiner Dienste durch unverschuldetes Unglück verhindert worden ist, eine der Gc- Werbeordnung entsprechende Veränderung erfahren. Die neue Be- stimmung hat folgenden Wortlaut:, „Wird einer der im§ 83 bezeichneten Angestellten durch un- verschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von 6 Wochen hinaus. Dies gilt auch dann, wenn das Dienstverhältnis auf Grund des Z 89 aufgehoben wird, weil der filngestellte durch unverschuldetes Unglück längere Zeit an der Verrichtung seiner Dienste behindert wird. Eine Vereinbarung, durch welche von diesen Vorschriften zum Nachteile des Ange st eilten abgewichen wird, ist nichtig. Ter Angestellte muß sich den Betrag anrechnen lassen, der ihm fürdie Zeit, für ioelche er denAn- spruch auf Gehalt uns Unterhalt behält, von Trägern der r e i chs g e se tz l i ch e n Kranken- oder Unfallversicherung, oder von Knappschafts» vereinen zu gewähren ist." Diese neue Fassung bringt immerhin im ersten und zweiten Absatz eine Verbesserung gegen den jetzigen Zustand. Es soll dem filngcstcllten nichtnurimFalleder Entlassung, sondern bei jeder durch unverschuldetes Unglück herbeigeführten Behinderung an der Verrichtung seiner Dienste die Vergütung für sechs Wochen zustehen. Der zweite Absatz stellt diesen Anspruch vollständig unanfechtbar fest. Nun gibt cS mancherlei un- verschuldetes Unglück: grundlose Verhaftung, Eisenbahnunfällc, Krankheiten usw. In keinem anderen Falle aber als in dem der Krankheit muß sich der filngestellte irgendeine Vergütung anrechnen lassen. Der filbsatz 3 ist also eine Begünstigung der Unternehmer, eine Durchbrechung des in den ersten beiden Absätzen festgestellten unumstößlichen Rechtes. Deshalb beantragte das sozialdemokratische Kommissionsmitglied, an Stelle des Absatzes 3 den filbsatz 2 des Z 63 des Handelsgesetzbuchs in folgender Fassung anzunehmen: „Der filngestellte ist nicht verpflichtet, sich den Betrag an- rechnen zu lassen, der ihm für die Zeit seiner Behinderung aus seiner Kranken- oder Unfallversicherung oder von Knappsckasts- vereinen zukommt. Eine Vereinbarung, die dieser Vorschrift zu- widerläuft, ist nichtig. Dieser filntrag löste bei dem HandclSniinister entrüsteten Wider- sprnch aus. Er meinte, der filntrag bezwecke, den filngestelltcn während der Krankheit besser zu stellen; das sei für ihn eine grundsätzliche Unmöglichkeit! Lieber lasse er das ganze Gesetz scheitern(!!),als daß er einer solchen Bestimmung seine Zustiimnung gebe! Im Reichstage habe er samt seinen Kommissaren sich mit allen Mitteln gegen die Einfügung solcher Bestimmungen, die eine große Ungerechtigkeit(II) darstellten, gewehrt. Wenn man auch in die Gewerbeordnung derartige Bestimmungen apftiehmen würde, in das Berggesetz kämen sie nicht hinein! Von dem sozialdemokratischen Redner wurde noch klargestellt, daß der Absatz 3, wie ihn die Regierungsvorlage vor- schlägt, eine Ungerechtigkeit bedeute; eS liege darin auch eine u n- moralische Begünstigung des Unternehmers, dem durch die Beitragszahlung der filngestcllten für die Krankenkasse eine Ver- Minderung der gesetzlichen Leistungen für die Dauer von 6 Wochen bei Krankheitsfällen zugestanden wird.— Es half nichts. Selbst der Hinweis darauf, daß im Reichstage auch auf der rechten Seite des Hauses diese moralischen Bedenken geteilt würden(ivas bei Beratung des tz 63 des Handelsgesetzbuchs zum fiiusdruck kam). nützte nichts. Die Blockparteien und die preußische Regierung lehnten jede derartige Fortbildung ihrer„Sozialpolitik" ab. Sie haben damit bewiesen, daß das Dreiklassenparlament nicht bloß außerstande ist, sozialpolitische Fortschritte zu schaffen, sondern daß es böswilligerweise den Fortschritt hindert, ihn absichtlich hintertreibt. Und darauf ist das Junkerparlanwnt obendrein noch stolz! Zentralvorftand des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. A. Zlktionsausschnst: Zügen Ernst, erster Vorsitzender. Lindenstr. 69. Paul Hoffmann, zweiter Vorsitzender, Oppelnersir. 47. Leopold Liepman», erster Schriftführer, Lindenstr. 69. �arl Wollermann, zweiter Schriftführer, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Zmll Boeste, Kassierer, Lindenstr. 69. Hugo Woldersky, Brücken-Allee 3.. Friv Schwemke, Schönleinstr. 34. August Pohl, Naunynstr. 30. Willi Friedländer, Elsasser Str. 25. Karl Fahrow, Weinbergsweg 8. Paul Brühl, Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 61L, Hermann Barenthin, Stralauer Platz 1/2. Theodor Fischer, Navenöstr. 6. Atax Groger, Rixdorf, Fuldastr. 55/56. Otto Wels, Lindenstraße 69. Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 13. Richard Henschel, Ueckermünder Straße 17. Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Emil BaSner, Prinzenallee 46 s. Frau Margarete Wenzels, Warschauer Straße 20. Frau Minna Kienast, Borsigwalde, Räuschstr. 10. Alle Briefe und Mitteilungen sind an Leopold Liep- wann(Berliner Berbandsbureau), SW. 68, Lindenstr. 69, ».lle Wert- und Geldsendungen an EmU Boeske (Berliner Verbandsbureau), 81V. 68, Lindenstr. 69, zu richten. Telephon: Amt lV. 5023. B. Presikommission: Richard Woldt, Werneuchener Straße 9. Ernst Schneider, Fürbringer Straße 17. Karl Weberruß, Urbanstr. 88. Robert Hinve, Tilsiter Straße 84. Otto Büchner, Richthofenstr. 30. Wilhelm Man», Petersburger Platz 4. Karl Bcthke, Am Ostbahnhof 6. Ott» Wels, Lindenstr. 69. Adam Bittorf, Fehrbelliner Straße 26. Paul Roseuow, Lychener Straße 104. Gustav Schulze» Beusselstr. 32. Gustav Heinrichs, Rixdorf, Erkstr. 7. Otto Hoffmann, Nowawes, Turnstr. 28. Wilhelm Ulm, Schlachtensee, Derflingerstr. 27. Karl Liesegang, Ober-Schöneweide. Edisonstr. 48. Wilhelm Dentzer, Waidmannslust, SchweizerhäuSchen. Ottilie Baader, Lindenstr. 3. Alle Mitteilungen und eventuelle Beschwerden den.Vorwärts" betreffend sind an den Obmann der Preßkommission Ott- Wels, SW. 68, Lindenstr. 69. zu richten. C. Agitationskommission für die Provinz Brandenburg: Albin Schuster, Straßmannstr. 2. Fritz Zinke, Reichenbergerstr. 128. Karl Gchrmann, Naunynstr. 22. Richard Hackclbusch, Lausitzerplatz 14/15. Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 13. Gustav Laukant, Voltastr. 45. Richard Herbst, Dunckerstr. 20. Hermann Fischer, Schöneberg, Martin-Lutherstr. 61. Rcinh. Köter, Schöneberg, Martin-Lutherstr. 60. Max Jakobsen, Ober-Schöneweide, Rathcnaustr. 23. Frau Marie Thiel, Tempelhof, Friedrich-Wilhelm-Str. 20. Obmann: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 13. Alle Zuschriften sind an das Provinzial-Sckretariat zu Händen des Genoffen Otto Wels, Berlin LW. 68. Lindenstr. 69, zu richten. Kleines feuilleton. Adolf Sonnenthal ist am Sonntag in Prag, wo er mit seinen 76 Jahren noch ein dreitägiges Gastspiel geben wollte, vom Schlage gerührt worden. Der letzte Repräsentant des alten Wiener Burg- theaterstils ist damit geschieden, des Burgtheaterstils, der sich unter LaubeS Direktion herausbildete. Armer jüdischer Leute Kind, zog Sonnenthal als wandernder Schneidergeselle(er stammte aus Pest) in Wien ein. Als gefeierter Salonliebhaber des ersten deutschen Theaters von damals hat er später das Burgtheaterwien zu seinen Füßen gesehen, umworben und gefeiert. Der berühmte Dawison hatte den Prager Schneider geprüft und empfohlen, der bereits 1366 ans Burgthealer kam. Nach einem längeren Aufenthalte in Paris wurde Sonnenthal der erklärte Liebling der Wiener Bourgeoisie, der er als Vorbild der Eleganz und der guten Manieren galt. Die französischen Meisterstücke, die damals in Uebersetzung und später in deutscher Nachahmung die Bühne beherrschten, interessieren uns heute nicht mehr und die Schauspieler-Salonhelden von damals noch weniger. Und so konnten wir denn, als wir den gealterten Sonnenthal später sahen, der Be- wunderung uns nicht anschließen: Er war uns auch in den Charakterrollen, zu denen er seit den 80er Jahren übergegangen ivar, der Schauspieler einer vergangenen Generation. Und die Kunst, Verse zu sprechen, schien uns nicht mehr das wichtigste. Willi Handl hat Sonnenthal in den„Deutschen Schauspielern' in dem Milieu, in dem er wirtte, zu charakterisieren versucht und damit ungefähr das Richtige getroffen. Er schreibt da: „Als er in vollen Säften stand, muß für den Schäuspieler eine berrliche Zeit gewesen sein. Denn alles schauspielerte ringsum. Die Welt spielte Freiheit und Aufklärung, der König spielte den guten Bürger, der Bürger den neuen Adel, die Dichter spielten Klassizismus, die Architekten Antike, Gotik und Renaissance.... Es war eine Zeit, sich lebhaft einzufühlen, sich schwärmerisch hitzig anzupassen. Es war eine Zeit für Schauspieler und für Juden. In Wien, wo die Schauspielerei fast immer eine natürliche Funktion .des Lebens war, herrschte damals, auf der Bühne und in der Ge- sellschast, der große Jude Adolf Sonnenthal. Zu einem Herrn und König dieser bürgerlich begeisterten Welt schien er geboren zu sein. Ein gemütvoll herablassender Herr, von menschennaher, gütiger Hoheit; ein herzlich liberaler König---- Deshalb war er zum rühm- reichen Führe: dieses alten Burgthcaters erlesen: denn eS hatte den kullurgeschichtlichen Beruf, aristokratische Lebenshaltung und bürgerliche Lcbensanschauung auf der mittleren Linie eines neuen Stils miteinander zu versöhnen und diese wunderbar künstliche und künstlerische Einheit der Sehnsucht jener Zeit als wirkliches Leben zu präsentieren." Die Taufe der Flugmaschine«. Die katholische Kirche hat nicht nur einen guten Magen, sondern auch eine staunenswerte Anpasiungs- fähigkeit. Sie hat zwar mit allen Regierungen deren einziges Grundprinzip gemeinsam, konsequent am einmal eingenommenen Standpunkt festzuhalten.(Die Bewunderung der Konsequenz ist eine der gefährlichsten Massensuggestionen.) Aber wenn der richtige Moment oekommen ist, kann sie auch anders. Die Kirche mag die ganze Wissenschaft und ihre revolutionierenden Wirkungen im Grunde ver- fluchen(sie hat es ja oft genug getan). Wenn aber des Teufels Werk nachträglich um ihren Segen bittet, fo ist sie gern bereit, die neugeschaffenen Tatsachen anzuerkennen und unter ihre Fittiche zu nehmen. So ist es denn nicht weiter verwunderlich, wenn aus Paris berichtet wird: Auf einem weitgestreckten kahlen UebungS- selbe der Umgebung der französischen Hauptstadt, auf dem unermüd- liche Flugtechniker ihre Maschinen erproben, hat jetzt eine eigenartige Zeremonie stattgefunden: die erste kirchliche Taufe der neuen Flug- niaschinen. Eine große Menschenmenge stand an den Straßen, uin Flugversuchen einiger Aeronauten zuzuschauen. Plötzlich klingen die Töne einer Fanfare über die weiten Flächen und aus der niedrigen Häuserreihe der Straße kommt langsam eine farbenprächtige Pro- zession geschritten. Es ist der Erzbischof von Paris, der mit seinem Gefolge kommt, um die Taufe zweier neuer Flugmaschinen zu voll- ziehen. Die kurzen roten Röcke der Chorknaben leuchten weithin und hinter ihnen tauchen die violetten Ueberwürfe der Prälaten auf. Auf einer langgestreckten niedrigen Tribüne, zu deren Füßen die beiden Flugapparate stehen, macht der Zug Halt, der Erzbischof nimmt mit gemessener Bewegung das Barett vom Haupte und beginnt zu sprechen. Er spricht von der Kirche, die alle Fortschritte der Technik willkommen heißt und segnet, und fleht Gottes Segen herab über die Arbeit der Männer, die unermüdlich an der Vervollkommnung der Maschinen arbeiten, die den Menschen empor in die Lüfte tragen. Dann schreitet er zur Taufe der beiden Maschinen. Aus einem rotgebundenen Folianten, dessen Goldschnitt weithin schimmert, verliest er die lateinische Segensformel und breitet über die Maschinen die Hände:„Lonsdicsiims vas.. (Wir segnen euch.) Ist das nicht eine wundervolle Situation: ein Erzbischof, der Luftschiffe segnet!, Wie man Bäume mit Hilfe der Elektrizität fällt, wird im„Prometheus" geschildert. Bei den in Amerika häufig vor- kommenden Abholzungen ausgedehnter Waldgebiete reichte die Menschenarbeit schon lange nicht mehr aus und man war deshalb zur Anwendung horizontaler Dampfsägen übergegangen. Deren Betrieb befriedtgte aber auch nicht in allen Stücken, denn einmal bildete die Feuerung der Dampfmaschinen eine stete Brandgefahr und dann gestaltete sich auch der fortwährende Transport der großen und schweren Sägen von Baum zu Baum viel zu zeitraubend und zu teuer. Man versuchte deshalb, die Baumstämme mit einem durch den elektrischen Strom zum Glühen gebrachten Drahte zu durch- schneiden, und dieser Versuch gelang so gut, daß das neue Versahren sehr schnell in Aufnahme kam. Die erforderliche Dynamo- Maschine wird mit ihrer Antriebsdampfmaschine an einem geeig- neten, Feuersgefahr nach Möglichkeit ausschließenden Orte aufgestellt, und der Strom wird durch ein leicht bewegliches Kabel an die Ar- beilsstelle geleitet. Zum Schneiden dient ein Platindraht, der durch den Strom zu Heller Roiglut erhitzt und dann quer durch den zu fällenden Baumstamm hindurchgeführt wird. Die dazu verivendeten Apparate sind Nlatllrlich viel leichter und bequemer zu transportieren als Dampfsägen mit den erforderlichen Hilfsmaschiuen. Die Schnitt- geschwindigkcit dieser merkwürdigen elektrischen Säge soll eine sehr große sein, so daß das Verfahren neben anderen Vorzügen auch noch den verhältnismäßiger Billigkeit haben würde. Humor und Satire. Die v. Schnapsblock. Wir find die wilden Normannen, wir, Wir stehn ohne Zittern und Zagen Für Deutschlands höchste Güter, für Die nationalste der Fragen: Gott, König und Vaterland?— Nä 1 Für Schnaps, Knute und Portemonnä! Wer uns von der Liebesgabe was nimmt» Dem drehen wir um den Kragen I Wer gegen das Klassenwahlrecht stimmt, Kann die Knochen zusammentragen l Wir halten unerbittlich und zäh An Schnaps. Knute und Portemonnä k Wer aar verlangt, daß wir einem Teil Der Renten und Erbschaft entsagen, Dem«teuren Vaterlande" zum Heil— So'n Hund wird niedergeschlagen! Denn wir sind nur die Ritter— äh bäh!»2 Bon Schnaps, Knute und Portemonnä l (A. De Nora in der„Jugend'.) Notizen. — Tschudi bleibt Direktor der Nationalgalerie. Der Ab- solutismus scheint keine Lust zu haben, dem eigenen Wunsche und den Intrigen von TschudiS Gegnern(teils der Bilder wegen, teils der Gelder wegen!) Folge zu leisten. Sogar das Geschmeiß, das Tschudi in der perfidesten Weise angriff, gesteht jetzt seine Niederlage ein. indem eS— seine Freude über die Erhaltung dieser Kraft ausdrückt. — Messels Nachfolger. Stadtbaurat Ludwig Hoffmann ist auSersehen, die Pläne seines verstorbenen Freundes Messel für den Ausbau der Muscumsinsel zu vollenden und zur filusfiihrung zu bringen. Es bedarf nur noch der Zustimmung der städtiscken Behörden, an der umsoweniger zu zweiseln ist. da könig- liche Wünsche der Stadt Berlin Befehl sind. Stadtbanrat Hofft», auir ist sicherlich der geeignetste, sowohl wegen seiner engen Beziehungen zu Messel wie wegen seiner eigenen Schöpfungen, Messels Werk zu vollenden. — Der splendide Herr Ober st. Während der Kriegs- Vorbereitungen gegen den kleinen serbischen Bruder war natürlich in Oesterreich-Ungarn den Zeitungen untersagt, über die Truppen- bewegungen zu berichten. Ein ungarisches Provinzblatt, in dem der Wunsch nach Berickiterstattung stärker war als die patriotische Pflicht, wußte die Einrückung des Garnisonregiments in folgender lim- schreibnng seinen Lesern mitzuteilen: Wie wir mit Bedauern vernehmen, mußte unser hochgeehrter und allgemein beliebter Oberst auö Gesundheitsrücksichten nach dem Süden gehen; da er aber ein sehr splendider und ausinerksamer Herr ist, nahm er auch sein ganzes Regiment mit. Die Spaltung in der holländischen Partei. Nachdem von der Seite der revisionistischen Führer der holländi- scheu Partei ihre Auffassung der Borgänge in Holland in dcuischen Blättern dargelegt worden ist(Spiekman in der«Chemnitzer Volts- stimme' und Vliegen in den..Monatshefte»') ist es angebracht, den deutschen Genossen den Sachverhalt vorzulegen, wie er den Marxisten erscheint. Den unmittelbaren Anlast zu der Spaltung gab betanntlich der Beschlust des austerordentlichen Kongreffes(dessen Debatten hier auö- führli» wiedergegeben wurden), der das Weitererscheinen des marxistischen Oppositionsblatles„De Tribüne" verbot und die Redalteure aus der Partei auSschlost. Um zu verstehen, wie eS überhaupt möglich ist, dast die holländische Partei zu einem solchen undemokratischen Verfahren kam, must man ihren Werdegang leimen. Die 1894 gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei hat sich im Kampfe mit dem Anarchismus entwickeln müssen, der unter den städtischen Arbeitern vorherrschte. Sie agitierte für die politische Be- tätigung und bei den Wahlen von 1897 gewann sie einige Mandate. Sie wurden unter einem kurz zuvor eingeführten Wahlsystein er- obert, das auf dem Lande fast allgemeines Wahlrecht brachte, die Mehrzahl der städtischen Proletarier jedoch vom Wahlrecht ausschlost, da es in den Städten an eine bestimmte Lohn- oder Mietzinshöhe Sebunden war und austerdem die Erfüllung einiger Formalitäten er- orderte. � Daher wurde die Wahlagitation der Partei aufs Land gedrängt; sämtliche eroberten Wahlkreise waren ländliche. Erst später, als das politische Interesse in einigen Schichten des städtischen Proletariats wach wurde, gelang es, den dritten Amster- damer Wahlkreis, wo eine graste Anzahl der hochentlohnten Diamant» arbeiter wohnen, zu festem Besitz der Partei zu machen. In diesem Kreise Amsterdam III waren die beiden ausgeschlossenen Redakteure der »Tribüne", Wynhoop und Ceton die Führer der Bewegung. DaS oben geschilderte Wahlrecht gilt noch immer. Das ist zum Verständnis dieser Parteiverhältnisse von gröstter Wichtigkeit. Mögen auch die bessergestellten Arbeiter in den Städten die ihnen von dem Wahlgesetz in den Weg gelegten formellen Schwierigkeiten allmählich überwunden und das Wahlrecht errungen haben, so werden sie doch fast überall durch die Masse der Klein- bürger erdrückt. Um Mandate zu erobern, ist die Partei noch immer aufs Land und in den Städten auf die Agitation unter dem Kleinbürgertum angewiesen. Mit Ausnahme von Amsterdam Hl sind alle Kreise, die sozialdemokratische Abgeordnete ins Parlament schicken, ländliche, und mit Ausnahme des industriellen Kreises Enschede, wo die Fabrikarbeiter vielfach selbst ein Grund- stück und infolgedessen das Wahlrecht haben. sind es durchweg bäuerliche Kreise. Typisch für diese Verhältnisse ist es z. B.. dast in dem von Schaper vertretenen Kreise Appingadam keine sozial- demokratische Zentralorganisation besteht, sondern der Abgeordnete von ein paar lokalen Parteiabteilungen mit bürgerlichen Wahl- vereinen zusammen ausgestellt wird. Unter solchen Umständen war eS unvermeidlich, dast die Partei. taktik sich mehr oder weniger nach dieser ländlichen und kleinbürger. lichen Wählermasse richtete. Das machte umgekehrt wieder viele Proletarier mißtrauisch gegen die Partei und so wurde wiederum das Eindringen in die städtische Arbeiterschaft verlangsamt. Noch lange hat der Anarchismus in der schwachen Gewerkschastöbewegung einen bedeutenden Einfluß behalten. Hier liegt auch der Grund für die taktischen Kämpfe innerhalb der Partei, wobei in der Regel einige Redakteure der sozialdemo- kratischen Revue„De Nieuwe Tyd", Gorter, Van der Goes und Henriette Roland-Holft gegen Troelstra, den Führer der Fraktion, standen. Die Redakteure der Revue bildeten damals noch nicht eine geschlossene marxistische Opposition oder Minorität; die bildete sich erst viel später, als jene Opponenten in die Defensive gedrängt wurden. Der Kampf ging zwischen alleinstehenden hervorragenden Agitatoren und Wortführern der Partei, und diejenigen, die auf demselben theoretischen Boden standen,, standen in besonderen tak- tischen Fragen einander oft gegenüber. Einige Sätze aus dem Agrarprogramm, u. a. die Forderung, daß den Landarbeitern von Gcmeindewegen kleine Grundstücke gegeben werden sollten, damit sie selbständig werden könnten, wurden von Gorter angegriffen, von Troelstra verteidigt; auf Vorschlag einer dazu eingesetzten Kom- Mission wurden sie später gestrichen. Im nächste» Jahr handelte es sich um die Frage, ob die Partei der staatlichen Subventio- nierung privater christlicher Schulen zustimmen oder an der neu- tralen weltlichen Staatsschule festhalten sollte. Hier siegte Troelstra als Verfechter der ersten Auffassung, die uns die christlichen Ar- bciter zuführen sollte. Im Jahre 1993 fanden neue Auseinander- setzungen statt aus Anlaß der Eiscnbahnerstreiks. Das reaktionäre Ministerium Kuyper brachte eine Vorlage zur Knebelung der Ar- heiter ein und alle Arbeiterorganisationen vereinigten sich zu einem Abwehrkomitee. Troelstra versuchte vergeblich im Parlament die Liberalen umzustimmen und brachte dann Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiter, indem er auf eigene Faust als Redakteur des Zen- tralorganä von dem geplanten Abwehrstreik abriet. Infolge der scharfen Kritik, die dieses Vorgehen von mehreren Seiten erfuhr, wurde seine Stellung als Chefredakteur von„Het Volk" erschüttert, daß er dieses Amt niederlegte und Tak an seine Stelle trat. Der Einfluß der marxistischen Wortführer in diesen Jahren war nicht etwa ein Anzeichen dafür, daß die Mehrheit der Partei bewußt ihren Auffassungen anhing; das war schon deshalb un- möglich, weil ihre geistige Nahrung das von Troelstra redigierte Tageblatt„Het Volk" war. Dieser Einfluß war eine Folge des reaktionären Regiments, während der Dauer des Kabinetts Kuyper. Die radikale Taktik und die scharfe prinzipielle Tonart gegen die Bourgeoisie entsprach dafür dennoch dem Empfinden der Masse. Infolgedessen trat auch ein Umschwung ein, als die liberale Bourgeoisie bei der Wahl 1995 die Klerikalen schlug und eine liberale Regierung den Arbeitern Aussicht auf wirksame Sozial- rcformen zu bieten schien. Die Mißstimmung der Parteigenossen gegen einige Marxisten, die an der radikalen Taktik festzuhalten versuchten, wurde von Troelstra ausgenutzt, um sich durch eine Reihe von scharfen persönlichen Angriffen und Beschuldigungen gegen die Marxisten wieder in den Sattel zu schwingen. Wenige Wochen vor dem Utrechter Kongreß 1996 erschien eine starke Broschüre„Ueber Parteiführung", in der Troelstra die Marxisten beschuldigte, ihn systematisch aus der Führung der Partei ver- drängt zu haben, ohne sie selbst übernehmen zu können und durch ein Komplott seine Wiederaufnahme in die Redaktion von„Het Volk" hintertrieben zu haben. Unter dem Einfluß dieser Anschuldigungen, bevor Zeit zu ihrer Widerlegung war, wurde auf dem Utrechter Kongreß eine Resolution angenommen, die die Marxisten als die Störenfriede der Partei bezeichnete und ihre Kritik verpönte. Eine ausführliche Widerlegung der Anschuldigungen, die Van der Goes zur Zeit des nächsten Kongresses niedergeschrieben hatte, wurde nicht veröffentlicht. Es wurde ihm„im Interesse des Partei- friedens" das Versprechen abgenommen, sie nur in beschränkter Zahl unter einige Hauptbeteiligte zu verteilen. Damit war der Einfluß jener Marxisten, die meist als Nieuve Tydgruppe bezeichnet werden, auf die Parteitaktik zu Ende. Hier tritt schon zutage, daß es sich bei dem Streit der holländischen Partei in viel höhcrem Maße als um Fehler der Taktik nach außen um Fehler in der inneren Taktik, um Verstöße gegen die Demokratie handelt. Ob- gleich die Richtungen, die einander bekämpfen, nach ausländischem Muster meist als Marxismus und Revisionismus bezeichnet werden. findet sich doch bei der Partcimehrheit keine klare zielbewußte revisionistische Politik. Der Charakter der herrschenden Richtung ist viel richtiger als Nurparlamentarismus zu bezeichnen, wonach den Parlamentariern eine Ausnahmestellung im Parteileben zu- kommt. Im Parlament, so heißt es, wird der eigentliche Kampf geführt. Die Massen treten nur als Wähler in Aktion; das Ziel der Agitation ist. möglichst viel Mandate, möglichst viel Wähler gewinnen. Die Parlamentarier sind es, die für das Proletariat Vorteile erkämpfen; nicht die Wucht der Massen, sondern die Ge- schicklichkeit dieser Wortführer entscheidet über die Erfolge, die er- zielt werden. Die»Parlamentarier dürfen daher auch fordern, daß sie nicht fortwährend durch Kritik belästigt werden, die ihnen die Freude an ihrer schweren Arbeit verdirbt. Nur aus diesen Auf- fassungen heraus ist ein Buch, loie Troelstras Broschüre und ihre Wirkung zu verstehen, ein Buch, das von Anfang bis Ende nur über seine Person handelt, als sei sie mit der Partei identisch; als handele es sich in PartcidiSkussionen nicht um sachliche Gegensätze, sondern um persönliche Feindschaften und Intrigen, und als seien die Parteifragen lediglich Fragen der Wahl der richtigen Führer. Aus dieser Auffassung stammen auch die Bestrebungen, die Kritik zu beschränken, jede sachliche Kritik mit der Bemerkung abzutun, daß sie unerlaubt sei. Daß diese nurparlamentarische Auffassung bis zuletzt den Verstößen gegen die Demokratie zu Grunde lag, zeigt sich auch an dem Anlaß, der zum Deventer Kongreß und zum Verbot der„Tribüne" führte. Was hat die„Tribüne" Schreckliches gegen die Partei verbrochen, daß sie nicht mehr geduldet werden konnte? Sie hat es gewagt. Troelstra zu kritisieren! Weil er im Parlament den Sozialismus nur als möglich hinstellte und nicht zu beweisen versuchte, daß er kommen müsse, hat sie ihm vorge. morsen, daß er den wissenschaftlichen Sozialismus nicht verstehe. Sei dieser Vorwurf nun gerecht oder ungerecht, damit solche Kritik eines Parlamentariers als ein unleidlicher Angriff auf die Partei aufgefaßt werde, dazu gehört jene Anschauungsweise, die die Partei mit ihren Parlamentsvertretern identifiziert. Seit den Kongressen von 1996 und 199? hatten Troelstra und seine Gesinnungsgenossen die unbestrittene Herrschaft in der Partei, während der Verfechter des Revisionismus Vliegen in der Redak- tion des Zentralorgans die Führung hatte. Bezeichnend für die Parteiverhältnisse ist es, daß einige protestantische Geistlichen, die in einem eigenen Organ einen christlichen Sozalismus verfechten, zu den angesehensten Rednern der Partei gehören, zu ihnen ge- sellen sich einige katholische Geistliche. Aber inzwischen war eine jüngere Generation aufgewachsen, die von den älteren Marxisten Theorie und prinzipielle Taktik gelernt hatten, sich mit deren Taten- losigkeit aber nicht zufriedengeben konnten. Sie standen in den Großstädten mitten in der Kleinarbeit und empfanden dort die üblen Folgen des herrschenden ZustandeS. Die Partei übte auf die Masse der großstädtischen Proletarier nur wenig Anziehungskrast aus; daS Zentralorgan wurde zu einem politischen Blatt, ohne Frische und Begeisterung, das sogar von den Amsterdamer Ab- teilungen für ungeeignet erklärt wurde, Propaganda unter diesen Arbeitern zu treiben. Die Bewegung für das allgemeine Wahl- recht wurde flau geführt. Und in derselben Zeit kam ein frischer Zug in der internationalen Bewegung; die industrielle Krise trieb die SWassen überall zu schärferem revolutionärem Vorgehen. Unter der Wirkung dieser Verhältnisse wurde von einer Gruppe jüngerer Marxisten die„Tribüne" gegründet, die sich die prinzipielle Auf- klärnng der Arbeiter als Ziel setzte. In den anderthalb Jahren. während sie besteht, hat sie einen weiten Leserkreis gefunden; sie hat eigentlich erst den Marxismus als taktische Richtung in die Arbeitermassen gebracht und das neu emporkommende revolutionäre Empfinden organisirt und gefestigt. Weil ihr Einfluß auf die Arbeiter, denen sie die Fehler und Unterlassungen der herrschenden Parteirichtung klar aufzeigte, den Führern der Parteimehrheit immer bedrohlicher erschien, wurde auf einen Anlaß gewartet, ihr den Prozeß zu machen. Daß dies zu der Spaltung geführt hat. ist zu einem bedeuten» den Teil dem Mangel an Einigkeit und der Zerfahrenheit inner- halb der marxistischen Minorität selbst zuzuschreiben. Um die älteren Marxisten, die unter den Parteimitgliedern persönliches Ansehen genossen, von der Seite der„Tribüne" abzuziehen, wurde ihnen in einer Vorkonferenz das marxistische Wochenblatt angeboten. Einige von ihnen, Henriette Roland-Holst, Wibaut und Pan der Goes, sind darauf eingegangen, weil sie darin eine Konzession der Mehrheit an die Minderheit erblickten, die ihnen ermöglichen würde, in der Partei zu bleiben. Sie ließen die„Tribüne" im Stich. Die Uneinigkeit der marxistischen Gruppe weist schön darauf hin. daß sie sich in einer schwierigen Lage befand. Ein grober und großer Verstoß gegen die sozialdemokratische Taktik, die die Arbeiterinassen ausgeschreckt hätte und an dem ihnen die Konsequenzen des Reformismus demonstriert werden könnten, lag nicht vor. Es waren nur Ansätze und Tendenzen da. Das Pro- gramm der S. D. A. P. tvar gut marxistisch, allerdings war eine Kommission zu seiner Revision eingesetzt. Wie war da eine neue Partei mit demselben Programm und mit einer nur durch etwas schärfere Tonart verschiedenen Taktik möglich? Das war der Grund, weshalb ein Teil der älteren Marxisten vor dem Gedanken einer Spaltung zurückschreckte und sich damit zufriedengeben wollte, innerhalb der Partei durch aufklärende Artikel der Masse der Ge- nassen ihre Auffassungen vorzulegen. Sie waren mit der alten Partei aufgewachsen; sie hatten sich schon längst mit der Position einer schweigenden Minorität zufrieden gegeben und blickten vor allem auf die Arbeiter innerhalb der Partei, die jetzt noch durch die Verhaltnisse und die von den Organen der Partei propagierten Auffassungen größenteils reformistisch waren, aber mit der Zeit wohl des Besseren belehrt werden würden. Tagegen blickte die Tribüncgruppe vor allem auf die Masse der noch zu gowinuendcn Proletarier in den Großstädten, die, weil sie keine Wähler waren, nicht durch die Wahlagitation der Partei. sondern nur durch eine prinzipicll-proletarische Agitation und vor allem durch eine kräftige Agitation für das allgemeine Wahlrecht zu gewinnen waren. Die„Tribüne" fing schon an, unter ihnen Fuß zu fassen, und so lange sie bestehen blieb und ihr Einfluß wuchs, konnte sie hoffen, die Partei allmählich auf ihre Seite zu ziehen. Ihre Anhänger dachten nicht daran, freiwillig aus der Partei auszutreten, wozu„Het Volk" sie wiederholt aufforderte. Aber ihr Blatt wollten sie nicht aufgeben. Um die?lrbeiter über das Wesen einer prinzipiellen Taktik aufzuklären, reichen ja auch theoretische Darlegungen nicht aus, sondern es muß an die Praxis angeknüpft werden. Es ist also Kritik der Parteipraxis.nötig. Auch sah die Tribünegruppe voraus, daß bei der wiederholt ans Licht getretenen Unduldsamkeit der Parteiführer von einer wirk- lichen Kritik- und Redefreiheit im geplanten Wochenblatt keine Rede sein könne. Die Uneinigkeit der Marxisten hat in starkem Maße zur Spal- trug beigetragen. Hätte die ganze marxistische Minorität sich mit aller Kraft der Knebelung der„Tribüne" widersetzt, so war eS sehr zweifelhaft, ob die Parteiführer zum äußersten geschritten wären. Das Austreten der ganzen marxistischen Gruppe mit allen ihren Anhängern hätten sie wohl nicht provoziert. Da aber einige der älteren Marxisten die„Tribüne" im Stich ließen, machten sie der Mehrheit Mut zum Ausschluß. Daß van der Goes und Henriette Roland-Holst auf dem Kongreß gegen den Ausschluß redeten, war natürlich völlig wirkungslos, da keine Taten diesen Worten Kraft verliehen. Durch ihre Furcht vor einer Spaltung haben sich diese Marxisten zu einer Haltung verleiten lassen, die gerade die Spaltung heraufbeschworen hat, die sie fürchteten und vermeiden wollten. Es handelte sich auf dem Kongreß also nicht, wie es dann und wann dargestellt wird, um den Ausschluß von ein paar Leuten, die durch ihren gehässigen Ton gegen die Pflichten der Kameradschaft verstoßen hatten. Troelstra sagte in seiner Rede: Von beiden Seiten ist gegen den guten Ton gesündigt;„ich erkenne sogar an, daß die„Tribüne" es in dieser Hinsicht noch passabel gemacht hat". Aber„das ist die Bedeutung der„Tribüne", daß sie der Taktik, die die Partei in Holland immer befolgt hat und immer befolgen wird, unversöhnlich gegenüber steht. Euer Standpunkt stellt Euch außer- halb der Partei.— Hier wird also gesagt, daß Genossen, die auf dem Boden desselben Programms stehen und sich an aller Kleiit- arbeit mit Eifer beteiligen, dennoch nicht in die Partei gehören, wenn sie mit der Taktik, die die Mehrheit für richtig hält, nicht cm- verstanden sind und in der Partei für ihre Meinung agitieren. Dazu paßt es vollkommen, daß ein anderes Mitglied der Fraktion (Schaper) die Partei zu kräftigen Maßnahmen aufforderte,„bevor es zu spät ist, und sie(die Marxisten) soviel Anhang gewonnen haben, daß sie der Partei ihren Willen aufzwingen", d. h. also, bevor sie aus der Minderheit zur Mehrheit geworden find. In diesen Aeuhcrungen tritt der Charakwr des Dezember- Beschlusses klar zutage. Es bestehen zwei verschiedene jtaktische Auffassungen in der Partei, von denen jede die andere für verderblich hält— wie überall. Die Mehrheit fürchtet, daß die Auffassung der Minderheit allmählich immer mehr Einfluß gewinnt. Deshalb schließt sie, bevor es sewcit ist. die Wortführer der Minderheit aus, „weil ihr Standpunkt der bisher befolgten Taktik unversöhnlich gegenüber steht". In dieser Weise wurde die Minorität, die bisher ihre taktischen Auffassungen innerhalb der Partei propagiert hätte, gezwungem eine neue Partei zu gründen. Die marxistisch« Taktik des uiwer- söhnlichen Klaffentampfes, der innerhalb der Partei keine Gelegen, heit zur freien Entfaltung gegeben wurde, wird sich jetzt in einer neuen Organisation emporkämpfen und sich Geltung in dem hol« ländischcn Proletariat verschaffen müssen. T. P. Gerichts-Zeitung. Amtsunterschlagung. Arbeitsüberlastung und damit verbundene Irrtümer bei den Abrechnungen gibt der frühere Vollzichungsbeamte Max Bcrcndt aus Rixdorf als Motiv einer Reihe Veruntreuungen an, welche ihn gestern unter der Auflage der Unterschlagung im Amte vor die 2. Strafkammer des Landgerichts II führten.— Der Angeklagte war 12 Jahre beim Militär und wurde im Dezember 1997 bei dem Amtsgericht Rixdorf als Vollzichungsbcamter angestellt und ver- eidigt. Nach seiner Behauptung habe er anfänglich seine Amts- geschäftc ordnungsmäßig erledigen können, dann aber habe er ein anderes Revier bekommen, in welchem etwa 2299 Steuerzahler wohnten, bei denen er Steuern einzukassieren hatte. Dieser Arbeit sei er nicht gewachsen gewesen, obgleich er seine Frau und einen Verlvandten zur Hilfe genommen habe, mit denen er dann oeö Nachts die schriftlichen Arbeiten erledigt habe. Trotzdem habe er schon in den, ersten Vierteljahr ein Manko gehabt, welches er aus seiner Tasche gedeckt habe. Wi» der Angeklagte weiter behauptet, rühre dieser Fehlbetrag daher, daß er entweder Beträge doppelt ab- geliefert oder in der Abrechnung irrtümlich einen zu hohen Betrag angegeben habe.— Tatsächlich hat ein Beamter, der vor dem An- geklagten diesen Posten bekleidete, ans seiner Tasche ein Manko von 609 Mark gedeckt.— Als der Angeklagte schließlich bei seinen Ab- r�chnungen einen größeren Fehlbetrag zu verzeichnen hatte, ließ er sich verleiten, die ihm anvertrauten Beträge anzugreifen, um den Fehlbetrag zu decken. Es wiederholte sich von nun an das alte Spiel, daß der Angeklagte, um ein Loch zu decken, ein neueres größeres aufriß. Schließlich kam er auf den Gedanken, die Verluste auf der Rennbahn einzuholen, natürlich ohne jeden Erfolg. Tie Unterschlagungen hatten eine Höhe von etwa 1999 Mark erreicht. als sie zur Entdeckung kamen. Ter Schaden ist jedoch wieder gedeckt worden.— Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstraf« von srchS Monaten. Eingegangene' l)ruck5ckriften. Der»Süddeutsche Postilkou« Nr. S(Verlag M. Ernst, München) ist soeben erschienen. Aus dem Inhalte heben wir bervor: Der Äelllrleg iTilelbild), Adols Wagner, der Prediger in der konservativen Wüste(Voll- bild). Da« Schrcckgrspenlt der Nlchler und StaatSanwill«(Bild), Ab- geordneter Dr. Schädler, der Mitbegründer des.neuen Blocks"(Bild), Berlin, du MildtSlig,(Dollbild). Totrnklage um den Block(Leitgedichtl, Aphorismen über den Krieg. Acrztliche Standesehre. Wenn man das Geld hat. Was in der Welt vorgeht. Der Hauptmann von Köpenick, Herr Carstens,(Zargich ister, Serbisches Kutturbild, D'r Barriejer Postichtreil von V.edcrmeier. Worte und Taten und eine ganze Menge kleinerer Beiträge. 17 th UnlTemal Pcace Congreß. London 27. Juli bis I. August 1398.(17. Mgemeiner Friedens- Kongretz.) London 1399. 489 Seiten. Sunlichf Seife isl' für feinste Man kann die fabrikat wat sichte vollen Hausfrau Fredde! Man verwende aber nur Sunilchr�eife! Jür 'zarteste Gewebe Hchtimg! ßauanki)läger! Mittwoch, 7. April IVOS, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4 Allgemeine Versammlung der Bauenschläger Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation im Sananschlagergewerbe. 2. Diskussion. S/tF" Kollegen 1 Die Absicht der Arbeitgeber, ein»- allgemeine zehiiprozentige Reduzierung der Akkord- Preise dürchzulühren, kann als gescheitert betrachtet werden. Da cS aber notwendig ist, das> ein jeder von Ihnen von dem gegenwärtigen Stand unserer Angelegenheit unterrichtet ist, darf lein einziger Kolleg« in dieser Ver- sammlung fehlen._ 114/17 Die VerNamnilaiig n-lrd pünktlich opUiinet. Deutscher Metallarbeiter-Verband, OrtSvcrwaltung Berlin. _ Verein der Bananschlägcr zu Berlin._ UMM Kreuziget Ihn! Uli m Jßweljre'creln BcpIIn. Sektion der Qips> und Zementbranche. Mittwoch, den 7. April 1S0S. abend« 8'/, Uhr- QenteinschaftUehe Versammlung der Rabitz- nutzer, Träger und Spanner In den.Neuen ArminhaUe»«. Kommandantenftraf«« S8/8S. Die Tagesordnung wird in der Vcrsaminlung bekannt gemacht! Pflicht eines jeden Kollegen ist cS, in dieser Versammlung zu erscheinen. 188/1_ Die Uruppenvorstünde. Aehtungl Bewilligte Bäckereien I Parteigenossen 1 In der Liste der bewilligten Bäckereien vom 4. April ist ein bedauerlicher Irrtum unterlausen. Im Hause Ntederbarnimstcan» b befinden stch nämlich zwei Unetercien. Die ans dem Hose besindliche von Thai-hai, innst alS bewilligt gelten, während die von ni>«lelr, vorn, unbewilligt, also zu streichen ist, da dieser Meister mit der Organi- saiion nichts zu tun hat. Wir bitten genau da: auf zu achten. 40/4 Der BertranenSmann. Cewerksclianen, Vereine, Fabriken! ! Voigts Kranpnlmrg, ist das paflendne Ausflugslokal I Auisührlichc Prospekte und Führer gratis illermietung von Dampfern n»d Motorbooten!-■■■ Freie» Telephon: Amt Köpenick 227.— HochachlungSvolll Riad. Vvlut. n 4 i Drei Tropfen ▲ k'KQssiA«?ista1K»l»«zKitv»r madien das sctauiziiste Metall spiegelblank. Man reriange überall ,.KAOI«" in Flaschen zu 10 bis 60 PI- FttbrlU) LtabaapnoKI all, Co.. Borlla NO 18. rie � V-V- J J � •V. m . f Furunkel | verordnet i 1 Ih ir� Ir�l■ PafenfAedicinalöeife. Seit njehreren Jahren wende ich ihre Präparate in meiner Praxis an und bin mit der«nBcropdentllch guten Wirkung sehr tufrieden. In einigen Fällen war der Erfolg gerade sa vcrblülTend. Die oetrellendon Damen«chienen um Jahre verjüngt. Dr. med. 1 In Ii. Mit Ihrer ZncKer>iPatent-MedlzInnI-Selfo und Ihrer Zocli®2lilCremc habe ich sehr gnte Erfolge erslelt und erfreuen sich dieselben bei meiner Klientel sehr großer Beliebtheit._ Dr. med. H., Spezialarzt tür Uautkrankheiten In B. Teile Ihnen gern mit, daß ich mit Zucker'» Datent- Hedlnlnal-Seiie bei Acne sehr zulrieden bin und sie dementsprechend oft verordne.....„ Dr. med. S,, Spezialarzt für Hautkrankheiten In C. Nach meinen Erfahrungen istZncker'» Patent- SI edlelnal- Selfe äußerst brauchbar bei der Behandlung kosmetischer Leiden der Haut..„..... Dr. med. W., Spezialarzt für. Komotik In D. Ihre Znckcr'B Patcnt-Äedlalnal-Selfe ist als Hilfsmittel in der Behandlung von Äffektionen dor Haut, des Gesichts und der Hände sehr willkommen.._. � Dr. med. P. In D. Preis pro Stück 50 Pfg.(lE'/aig) und M. 1.50(350/6ig, ■türkHte Form), dazugehörige Zuck 00 Crftmo f nicht fettend), die Perle aller Haut- Crömes, a Tube M.«__, kleine 75 Pfg. In allen Apotheken, Drogerlen, Parfttmerlen zu 1 haben, wo nicht direkt durch L. Zucker A Co., Berlin W., Potgdamer Str. 73. Vortrag vom Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten A. Hoffmann am Karfreitag, den 9. April, abends?'/, Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29(großer Saal). Nach dem Vortrage: ffSF* Diskussion* Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Enfree. 57/5* Der Einbernfor: A. Harndt, Küdersdorler Straße 48. Ortnverwaltang Berlin. Bureau i Berlin N. 54. Bruniienstr. 188, Restaurant Wille. Amt Hl». 4835. ' Acktung l' bo/i« Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten vorständen, Komitee» und Taalinbabern unseren kostenlose« Arbeitsnachweis, Brttnnenftratze 188. Geschäftszeit täglich von 10'/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bi» kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. KU. Unsere Mitglieder find im Besitz einer Kontrollkarte. Dieielbe ist sür da« 2. Quartal rot und muh mst dem PerbandSstimpel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig unb ist sosort anzuhalteu. llslltsedvr Lolllardelter- Vordmä. Ortsverwaltung Berlin. NKttwoch. den 7. April, abends SV» Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Sezirbe und Sraneben. TageS-Ordnung: I. Bericht des Obmanns. 2. Bericht der Werkstattverttanenslente. 3. Berbandsangelegeuheiten. ijW-' Alle Werkstätten müssen vertreten fein. 1# Mitgliedsbuch legitimiert* Die in den Bororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks- Vertrauensmännerversammlung. Die Versammlungslokale sind folgende: 81/18 Tischler. SQd'WeSten bei Habel,»ergmatmstr. S/6. Süden bei caioslng, Wassertorftr. 68. SQdOSlen I U. II fn den ZkannA�H re�tanien, Naunynstr. 0. Ü8!ö!i 1(»wischen Zentrum mid�Fruchtstraste) bei Dorgrnann. lleton II(»wische« Arnchtstraste und YriedrtchSberg) bei Plrnan USieO 11 frankfurter-Alle« I0V. Oestllehe Vororte 6ei»rtebrfch/««�»�!"� NOrdOStOD 6ct Bocker, Wederstr. 17. Jede Sargtischierei muß einen Vertrauensmann nach dieser VersamM' lung senden. Kosellldkler u. Schöniiauser Vorstadl zXÄV0*» UraHriinn n Mnahil* Statt der Bertrauc»suiänner neUlllllA U. lllllitllil, sammluug findet ein« Mitglieder, Versammlung um 0 Uhr bei Kaczornwakl, RavenSstr. 6, statt. Bautischler. Süden, Westen, Südosten, Bez. 1: tunufSe'se. OSteD, BeZi 2 bei Zlotn, Warschauer Straße 61. NOrdeD, BeZi 3• bei Schilde,«openhageuer Str. 74. Weddlng n.«oadtt, Bez. 4: M 8BCÄ*iBS®rt**6' Jdöbelpolierer und Beizer. OSteil bei Boeker, Weber, tr. 17. Südosten im.Märkischen Hof-,«bmiralstr. 18«. Norden bei«anther, Brunnenstr. SS. Die Dischler werben gebeten, die Polierer ihrer Werkstatt ans diese Versammlung aufmerksam zu machen. Magazinarbeiter bei Wilhelm Kutaner, Schützenftr. 18/10. Drechsler, Treppengeländer- und Luxusmöbelbrancbe NOrdeD bei Dahllng, Brunnenstr. 70. OSteO bei Schneider, Fricdcnstr. 67. Südosten D. Südwesten bei Stramm, Ritterstr. 123. Modell- und �abriktischler um 9 Uhr im BerbaiidShaus« der Sastwirtsgehilfe«, üi roste Hamburger Strafte 18/10. MttgliedSbiicher. die bis JahreSschluft 1S08 vollgeklebt find, müsse» biS 15. April im Bureau abgeliesert werde«. Räch diesem Termin werden keine Bücher mehr angenommen. MusikiBstrumeBten- Arbeiter um 8 Uhr abends im GctvcrkHchaft*haunc, Engelnfcr 15, Saal 8. Maschinenarbeiter im Gewerkschaftshanac, Engelufer 15, Saal 7. Einsetzer um 8 Uhr im„GetvcrkachaftHhamio", Engelufer 15(Saal Ich. Kammacher bei liehmann. Neue Friedrichstr. 1. Bodenleger im Gewerkachaftshanae, Engclufer 15. Stellmacher bei Hahn, Rofeuthaier BeretnShauS, Rofenthaier Strafte 57. Kistenmacher bei Bandach, Breslauer Strafte 28. Korbmacher bei Elchhorn, Kvppenstrafte 47, Bürstenmacher bei PrcnO(Hilsebein-Ausschank), Holzmarktstrafte 05. Vergolder bei Klage, Lauge Strafte 53. JalousiesArbeiter bei Walter, Adalbertftr. 62. Perlmutt-, Horn-u. Steinnußarbeiter um 7 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorftr. 6. Bildeppahmenmachep um 6 Uhr bei Natterotb, Ritterstr. 32. Stockarbeiter um 5'/, Uhr bei Lehmann, Reue Friedrichstr. 1. Sonntag, den 11. April, vormittags 10 Uhr und nachmiftags 4 Uhr: Grania-Vorstellungcn. Zum Vortrag gelangt:»Aus den Drllucmern Messtnas-. Billett» find bei den BeilragsaumUern und im Bureau zu haben. Die Ortsrerwaltanff, AAA □□□ VW Jnv c n tu r-?lusverkauf. Gardinen, Stores, Fenster 1.25, 1.75, 2.45, 8.35, 4.50, 5.45, 6.50, extra 10 Prozent Rabatt. ISOlffi* Tnllbettdecken, groß, Stück 1.85, 2.45, 2,95, 3.65. E. Weißenbcrgs Gardincnhaus, Große Frantsurter- straße 125._ GrdstlillstorcS, entzückende Handarbeit, 3.45, 4.45, 5.25, 5.85 usw. ErbStnIl-Bettdcckcn, 5.35, 6.50, 7.50, 8.50 usw. Große Frankfurter- praße 125, 2. Haus von der Koppen- straße._ Tuchportiercn, komplette Garnitur 3.25, 3.75, 4.85, 5.65, 6.75 usw. Plüschportieren, komplette Gar- Nitur 0 35, 7.50,8,75, 10.— ,11.— usw. Tcppichbaus Große Franksutter- straße 125. Steppdecken, einzelne Fabrik- Muster, 2.65, 3.45, 4.25, 5.85._ Simili-Steppdccken, Ersatz für Seide, doppelseitig, 6.85, 7.05, 8.50, 9,75, 11.—. SteppdeckenhauS Große Franksurterstruße 125. AbsnlltcPPiche 3.25, 3.85, 4.85, . 7.50._ Plüschteppiche mit kleinen Färb- schient, Fabrikmuster, 6.25, 7.50, 8.75, 10.50, 12.—, 15-.—. Teppichhaus Große Franlsurterstraße 125._ Tuchdcrtc» Stück 1.15, 1.55, 2.25, 2.90, 3.50, 4.23.__ Plüschdccke» 3.85, 4.65, 5.-, 6.50,. 7.50, 9.—, 11.— usw. Große Franlsurterstraße 125, Totalnusverkniis großer Posten Gardinenreslc, Möbelstoffreste, Plüsch- rcstc, zn Sosabezügen ausreichend, Läufer- und Linoleumreste zu Spott- preisen. E. Weißenbergs Gardinen- und Tcppichhaus, Große Frantsurter- straße 125, 2. Haus von der Koppen. straße. Die(«rnndbegrisfe der Wirt- fchastslehre. Eine populäre Einsüh- rung von Julian Borchardt. Preis 40 Pf. Expedition Vorwärts, Linden- straße 69._ Damenbüsten ILO, ArbeilSplatten. Rollständcr, WeinbergSweg 7 1 269b' Fedcrvetten. Stand 11,00, große 16.00, Gardinen, Wäsche, Decken, Kleidungsstücke. Uhren, Schmucksachen spottbillig. Psandleihhaus Krebber. Küstrinerplatz 7. 1577K* Eeifert-Kanarienvögel verkaust Prinzessmnenstraßc 12, III links. PftotöaPParate spottbilligst Holz- marltstroße 48._ t88* Glosse» zu Avcs Guyots und Sigismund Lacrorx'.Die wahre Ge- stalt des Christentums", von August Bebel. Preis 75 Ps., billige Ausgabe 30 Pf. Expedition Lindenstraße 69, Laden. Aufgepastt l! Psandleihhaus von Wanl Krüger, Brunncnstraße 47, Ecke Schönholzerstraße, stellt nach gehabter Auktion nachstehende Artikel spottbillig zum Verkauf. Prachtvolle Plüschtisch- decken mit reicher Garniernng 6,75, 7,50. Steppdecken, Seidensatin 4,50. Erbstüll-Bettdecken, reich garniert, 3,90. mit Volant 5,90. Erbstüllstores mit Volant 4,35, prachtvolle Portieren, Tcppiche, Gardinen, Tüllbettdecken, Stores, Bettwäsche, Leibwäsche, Ans- steuerwäsche, alles spottbillig. Ein Posten getragener Rockanzüge, Jackett- anzüge, schwarz und farbig, 7,50, 8,75. Wanduhren, Taschenuhren, Ketten, Ringe, Armbänder, nur verfallene Pfänder, alles spottbillig, aber nur im Psandleihhaus von Paul Krüger, Bruirnenstraßc 47, Ecke Schönholzer- straße. Geöffnet von 8—12, 2—7, auch Sonntags. Hausnummer nicht verwechseln. 1881b" Betten Z! rosarote Inlett», Kops- Assen 1,95, Deckbett 5,25. Unterbett 5,25, auch ein großer Posten besserer Betten spottbillig, aber nur im Pfand- leidhaus von Paul Krüger, Brunnen- straße 47, Ecke Schonholzerstraße. Hausnummer nicht verwechseln.* Samen, sämtliche Sämereien, Gartengeräte, Düngemittel, liefert in bester Oualltät Samenhandlung Edmund Goerdcl, Berlin, Acker- straße 28, Ecke Jnvalidenstraße. f64* "Kinderwagen. Sportwagen, Bettstellen. Größere Raten Kassapreis. AndreaSftraße öD_ 19056* Milchgcschäftseinrichtungen! Milchverlaussgesäßc, Mitchkamien, Wilchmaße, Milchsiebe. Butter. maschinell, Elsschränke billigst. Spczial- fabnt Jordan. Michaelkirchstraße 21.* Bücher des deutschen Hauses. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Gut aus- gestattet, zirka 300 Seiten umsassend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Psennige pro Band. Expedition, Lindenstraße 69, Laden. Teppiche!(feblerhaste) in allen Größen für die Hälste des Wertes im Teppichlager Brünn, Hackescher Markt 4, Bahnhos Börse.. 264/11* Borjälirige hochelegante Anzüge und Paletots, aus sdnsten Maßstoffen, früherer Preis 60—90, jetzt 20— 40, werden täglich im Kavalier-Klub, Unter den Linden 61 II verkauft.* Pfandleihhaus Weidcnweg 19, Allergrößte Billigkeit I wellbekanntl Riesengroßer Beltenverkaus I Aus- steuerwäsche I Bettinlette! Gardinen- auswahl I Plüschdecken! Steppdecken l Portieren I hochelegante Tepplchaus- Wahl! Herrengarderobe l Wand- uhrcn I Taschenuhren l Schmuck- fachen l Verlaus täglich, auch Sonn- tags._ 1835JS Vorwärtsleser erhalten 5 Prozent Extrarabatt selbst bei nachstehend ans- gesührtcnGelegenbcitskäufen. Teppich- Thomas, Oranienstrage 160, Oranien- platz._ 1842K* Teppiche. Jnvenlurpreise bis 33'/, Prozent herabgesetzt._ 1843JI+ Gardine», Einzelsenster, sowie un saubere Exeniplare für halben Wert. Plüschgnrdinen, 500 Fenster, In- vcnturprciS 25 Prozent ermäßigt. Borwürtslefer. beachtet vor- stehende 4 Anzeigen.__ 1846K* Verbrechen und Prostilution als ioziale Kralikhcilsascheiimngen von Jaul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark, Expedition Vorwärls, Lindenstraße 69. HumboldtlethhanS nur allem Brunnenstraße 58, Eckhaus Stral- sunderstratze. Spottbilligste Kauf« gelegenhett verfallener Pfänder, riefen- großer Betlcnverkaus, großartige Alls- steuerwäsche, staunendbtllig hoch- elegante Jackcttanzüge, Gehrockanzüge, Sommerpaletots, wunderbare Gar- dinest aus wähl, Portieren, Prachtteppiche, Steppdecken, Plüichtlschdecken, entzückende Wanduhren, Taschenuhren. Allererste Billigkeit. Geöffnet ganzen Tag, auch Sonntag?._ 18S8K* Linoleum- Rausch, Warschauer« straße 7. Läufer von 60 Pfg. an, Teppiche von 2,90 Mark an. Billigste Bezugsquelle des Ostens. 1885K* 5,00 prachtvolle Betten. 9,00 Bauernbetteii, Aussteuer, Damastbezüge 3,90, Handtücher, Steppdecken. Nur Psandleiße AndrcaSstraße achtunddreißig._ 188151* Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kiffen, zweischläfrig 18,00, große Laken 1,00. 1882K* Ganzer Stand 10,50, Daunenbett 12,00._ 188351* Bauerndcckbett. Unterbett, zwei Kiffen™ ftr-ifAmtnn-r Re. Teppiche ssehlerhastc) Gelegen- heitSkaus. Fabriklagcr Mauerhoff, Große Frantsurterftraße S. Flurein- gaug. VorwärtSlesern 6 Prozent Extrarabntt. 161 tK* Steppdecken billigst Fabrik Große Franksurlerstratze 9, Flureingang. GardinenhanS, Wroge Frank- surlerstraße 9, Flureingang. 161 3K* Gaskroncn, Pelroleumkronen ohne Anzahlung. Woche 1,00. Riesenlager. Louis Böttcher(selbst): Betriebsleitung Boxhagenerstraße 32(Bahnverbin- dung Warschauerstrage), Potsdamer- straße 8t. Schönhauser Allee 79 (Stadtbahnhos),— Rixdors, Kaiser» Friedrichstraßc 247, Taschenbuch für Garlensreunde. Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des häuslichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartens von Max Hesdörser. Mit 109 Textabbildungen. Preis 2,50 M. Expedition Vorwärts, LIndenstr. 69. Gardinen, dekoriert gewesene, wenig angestaubte Restbeständc, zwei Flügel 2,25, 3,50, 4,50 usw. Stores 1,85 usw. SpezialHaus Richard Wolf, DreSdenerslraße 8. Abonnenten Rabatt und Fahrgeld. 18l5K* Anzüge, PaletotS nach Maß. Aus I» Stoffresten, Monats- und nicht abgeholte Sachen staunend billig. Maßschneiderei Voß, Brunnenstraß» 3. eine Treppe, am Roienlhatertor.* Papageien, große Sprecher, Harzer Kanaricnhähne. Restaurant Kommandantenftraße 52. Jährlich nur einmal Inventur- Röumungsverkaus im Tcppichhaus Emil Lesövre, Oranienstraße 158. Extraliste gratis._ 16695t Geldwert!!! Aufbewahren 1 l Vorzeiger dieses erhält süns Prozent beim Einkaul von Betten, Steppdecken, Gardinen, Wäsche, Inletts, Uhren, Fretschwinger, Schmuck achen, Ringe, Kelten, spottbilligen Herren- anzugen, Herrenpaletols, Jünglings- anzügen, Damenröckcn. Blusen I Leihhaus Weißenburgerstraße 10, par- tcrre. Sonntag geöffnet. 18g6b* Turmstraffe 67. Billigste Einkaufs- quelle sür jedermann, Riescnauswahl, Winterpaletots, Jackettanzüge, Geh- rockanzüge, Herrenhosen, Burschen- fachen, Damengarderobe, Braut- geschcnke, Goldsachen, Wanduhren, Taschenuhren, Plüschtischbccken, Stepp- decke», reizende Gardinen, Teppiche, Wäsche, Velten, BUder, Spiegel, Gas- krönen. Möbclauswahl. Deutsches Leihhaus, Tunustratze 67. 163451* Zentral- Pfandleihe PrinzcN- straße 86. I. Täglich Verlaus von verfallenen Pfändern. 50 Prozent billiger als im Laden. Betten, ganzer Stand 12,00, Laken 1,00, Goldsachcn, Herrengarderobe, Anzüge, Gehrock- anzöge, Hosen, Tischdecken, Stepp- decken. Fahrgeld wird vergütet.* Kinderwagen, neu,.Gummi", sofort 20,00. Exerzierstraße 19a, vorn II rechts._ t?8 Hermannplaff 6, Psandleihhaus. Hervorragender Einkaussv orteil sämt- lichcr VerkausSwaren l Staunend- billiger Beltenverkaus I VcrmietnngS- bettl Brautbettcnl Bettwäsche! Emp- sehlcnswerte Aussteuersachen! Hochelegante Gardinenauswahl l Portieren- auswählt Teppichauswahl l Plüsch- tischdeckcnl Steppdecken! Wanduhren! Freischwinger I Goldsachen l Riesen- auSwahl! Psänderverlaus! Näh- Maschinen! Taschenubrenl Ketten- auswahl! Ringeauswahl I Extrabillige Jackettanzügel Gehrockanzüge! Com» merpaletots I Herrenhosen l Burschen- fachen! Allerbilligste Warcneinkauss- quelle Groß-Berlins I tzennannplatz 6. Sonntags ebensalls geöffnet. fllO* Oeschäftsverkäufe. Kundenttschlerei, 6 Jahre bestehend, umständehalber sofort zu ver- kaufen. Charlottenburg, Friedberg- straße 20._ 18666» Billige Hosenwoche. Hochelegante Herrenhosen aus feinsten Maßstoffen 7—15 Mark. VeriandhauS Germania, Unter den Lwdcn 21. 1920b» Borjährige elegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Maßstoffen 15— 40 Mark. Versandhaus Germania. Unter den Linden 21. 1920b* Seifengeschäft, reell, Existenz, spottbillig, bis 20. April vcrlausl sein, wegen Abreise. Offerten„Reell" Spedition, Nazarcthkirchstraße 49. Stehbierhalle, viel Bauten, flotter Betrieb, umständehalber 1800,—. »Westen* Postamt 70. 291/13 RSdek Gebrauchte Möbel aus Versteigerungen, Auslösungen in größler Aus- wähl, Muschclschranke, VertlkoS 26,—, TaschensosaS 35,—, Herrenschreibtische 33,—, Büfette, Garn sturen 65,—, Bücherschränke, SosaS, Teppiche, Bilder, Kronen, hunderte komplette Wirtschasten, neu- und gebrauchte, garantiert bedeutend billiger als überall, bunte Küchen 55,—. L-nnerls Möbelspcicher, Lothringerstraße 55. Rosenthaler Tor._* Auf Teilzahlung. Möbeleinrichtung Stube und Küche, Anzahlung l5 Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. .Berolina", zkastanienallee4g.[17945t* Möbelverkauf! Allerbilligste Ge legenheit: Wirtschasten 152,—. 285,—, hochelegante 434,—/ eichenes Speisezimmer, entzückendes Schlafzimmer, moderne Küchenmöbel, Kleiderschränke, Vertikos, Tische, Pläschsosas. Bett- stellen, Spiegel, eventuell ZahlungS- crletchterung(Fabrikpreise). Lands- bergerstratze Sla, eine Treppe. 1741K* Möbelangebot. Im Anhalter Bahnspeichcr Möckernstraße 25, An- Halter Jnnenbabnhos, direkt Hochbahn» station Möckernbrücke, stehen verschte» dene Einrichtungen zum Verkauf. Darunter befinden sich hochmoderne Echlaszimmer, Speisezimmer, Herren» zimmcr, auch einzelne«alongarni» turen, Pancelsosas, Bibliotheken, An- kleideschränke, Nußbaumbüsette, Bron- zelronen, Oelgcmätde, Schreibtische 28,00, Ruhebetten mit prachtvoller Diwandccke 22,50, wunderschöne Säu» lentrumeauS 30,00, hochelegante Salontevviche, schon 14,00 bis zu allergrößten Saaltevpichen, aller- liebste Zimmerlcppiche 8,00, reich. gestickte Ucbergardmcn, SpachtelftoreZ, Tüllgardinen, Steppdecken, Salon- bilder, Standuhren, prachtvolle Plüsch- tischdeckcn 5,00. Verschiedene Gelegenheiten. Uebernahme vollständiger Warenlager, Wirtschasten, Kontur?- Massen, Nachlässe zum schnellen Ver- tauf und Versteigerung. Otto Lidekcs ZlukttonS« und Möbelspeicher. Rosten- loser Transport. Lagerung. 17525t* Möbeltischleret liefert reelle Wohnungseinrichtungen, Schlaf- Zimmer, bunte Küchen. Raten- zahlung. Kein Laden, nur Fabrik- gebäude. Auch Sonntags. Harnack, Tischlermeister, Stallschretbcrstraße 57, am Moritzplatz. Genoffen 3 Prozent Moebcl— Boebel, Oranienstraße 58, (Moritzplatz). Wohnungseinrichtungen zu Fabrikpreisen._ 15802* Gneisenaustr. 10, Ecke Nostizstr. S. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kaffa und Teilzahlung. 1716K* Wichtig! Wegen Inventur-Ausnahme verkaufe ganze Wohnungs- einrichtungen sowie einzelne Möbel- stücke tellweise 60 Prozent unterm Wert. Darunter eichene Speise« zimmer, eichene Herrenzinimer, diverse Schlafzimmer, Vertikos, Kleiderschränke 24,—, Muschelbctt- stellen mit Mattatze 25,—, Auszieh- tisch 13,—, Herrenschreibtijche, Tru- meaus, Bücherschränke, Soiaumbauten, Chaiselongues, Waschtoilctten 20,—, TaschensosaS 45,—, Kücken staunend billig. Stargardts Möbctspeicher, Dresdenersttaße 107/108. Sonntags geöffnet. Lagerung, Transport frei. Möbel- Gelegenheit l Wenig ge- brauchte, guterhaltene Möbel, auch neue, einfachste, eleganteste, beliehen gewesen, verfallene spottbillig. Speicher, Neue Königsttatze 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungs erleich- terung.)_ 270/15* Möbel, gebrauchte, gut erhalten, Gelegenheit ausKonkursen, Auktionen, verfallene spottbillig. Möbelspeicher, Roscnthalersttaße 26, Fabrikgebäude. (Zahlungserleichterung.)_ 270/16* Totalausverkanf. Wegen Ausgabe des Gcschäsls bin gezwungen, große Posten Möbel staunend billig zu verkaufen. Einrichtungen 150,00, 250,00, 325,00 bis 2000,00. Ankleide- schränke, Büfetts, Schreibtische, Säulen- trumeaus, Ausziehlische 15,00, Plüsch- soiaS 45,00, Verlikos, Kleiderschränke, Ehaisclongues 18,00, bildschöne trüchen. Nie wiederkehrende Gelegenheit. Möbellaushaus Köpenickerstraße 29 (Köpemcker Brücke). Sonntags geöffnet. 207/20 Billige und gebrauchte gediegene Möbel, Muschelschränke, Muschcwerliko 26, Tuche 10, Rohrsitzsttähle 3, Wasch- toilelten, Kommoden, Ruhebetten 20, Bettstelle mit Mattatze 18, Herren- schrcibtisch 28, Säulenttumeau 30, Schlassosa 33, Garderobenspind 36, Ankleideschränke 75, Muschclbcltcn, englische Bettstellen mit Federmatratze 39, englische Schlaszimmer, Wohnzimmer, bunte Küchen 55. Büsett- garnjwren. Auch Teilzahlung. Trans- Port srei. Stargardt, Lothringer- straße 69._ 208/1* Kleiderschrank, Vertiko 12, Plüsch- sosa 25, Bettstellen, Matratzen. Kücheneinrichtung 24. Draeger, Palisaden- straße 103. 19256 Kinderdrahtbett. neu. Rüders. dorscrslraße 30. Hüttel.• 58/10 Kleiderschrank, Trumeau, AuS- ziehtisch. Alte Jakobstraße 134, III. Nuffbanmpianino, fast neu, spott- billig Warschauerslraße 58, Ouer- gehäude I. 68/5' Fahrräder. Groff-BerlinS billigste Fahrräder- Bezugsquelle. Fahrradgroßhaus Char« loltenburg, Bismarckslraße 62. Ar- better- Radsahrerbund 10 Prozent Rabatt.__ 185051* Fahrräder. Teilzahlungen._ validenstraße 20. Slalitzerstraße 40. Jn- Turmstraße 31. 1820K* Herreniabrrad. Dameniabrrad einmal benutzt 40,00. Hotz. Blumen- ftraxe 36 b 1683K* Geschäftsdreirad, äußerst stabil, 50,00 an. Holz, Btumensttaße 36b.» Fahrräder, verfallene. Riesen- hasle Auswahl erstklassiger Fahrräder, Brennaborräder, AdlersnHrrader, Opel- sahrräder, Wandercrräder, Presto- sahrräder, gebrauchte, neue, kon- kurrenzloS billig, sämtliche Preislagen, Leihhaus Lohmann, Neue Schön- hauserstraße 11._ 270/14* Herrenfahrrad ausgabclialbcr, Exerzicrsttaße I9a, vorn II rechts. Markenräder. Teilzahlungen ohne Anzahlung, Heyke, Danzigerstraß« 95. �lusik. Bioltnunterricht(neue, doppelt fördernde Methode biS zurBollcndung) gibt ersahrencr Künstler wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Ps. Offerten unter O. 2 Expedition des .Vorwärts*. l* Versdnedenes. Türschilder, Reklameplakate, Galanterie- Malereien. Miedtank, Ska- litzerstraße 141 III._ 18722* Paienianwalt Weffel, Gilickmer- straße 94». S555K* Köpenick. Habe meine Wohnung von Grünauerstraße 5 nach Grünauer- straße 8, Ecke Schönerlinderslraße, verlegt. Frau Horn, Hebamme. Lern» die Mutterivrache bebcrrichen Erfolgreichen, leickt läßlichen Unterricht m Wort unö Sckrist der deurichen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenbaitcr Prwallebrer. Die Stunde kostet eine Mark, Eine Unter- richtsswnde wöchentlich genügt Ge- fällige Angebote sind unter G. 4 an Expedition des.Vorwärts* zu richten. Kiiiiilitovierel von Frau KotoSly, Schlachleniee, Kurstraße Platin«, alte Goldsachen, Bruchgold, Silber, Gebisse, Kehrgold, Gold- walten, sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Rückstände kaust Gold- schmelze Köpenickerstraße 29. Telephon 4, 6958._ 207/3* „Leihhaus Merkur", Große Frank- surterstraße 116, kaust, beleiht Herren- Garderobe, G.oldwarcn, Silbersachen, Uhren, Wäsche, Pelzwaren, Stoffe, Zigarren, Fahrräder sowie jeden Wertgcgenstand._ 167951* Teilzahlung. Anfertigung eleganter Herrengarderobe. Marcus, Dragonerstraße 10a. 208/2 Staniolpapier, Mctallbruch kauft höchstzahlend Riedel, MarkuSstraße 43. Die gegen Herrn Theodor Eisinger, Wollinerstraße 27», begangenen Be- leidigungen nehme ich hiermit zurück und erlläre denselben sür einen Ehren- mann. Auguste Schütz, Wolliner- straße 27a, j 64 Vermietungen. Wohnungen. Soldinerstraffe 16, Eckhans, 2». I-Zimmcrwohnungen, Zubehör, sofort, später._ 1896b* Sonnenbnrgerstraffe 27 3-, 2°, 1-Zimmerwohnungen, sämtliches Zu- behör, sofort, später. 1897b* Greifswalderstraffe 8, Neubau, Mansarden-Hoswohnung, zwei ein- senstrige Zimmer und ein großes Berliner Zimmer mit Warmwaffer- Versorgung und Zubehör sosort oder später._ Greifswalderstraffe 9: 2 Hoswohnungen, 2 Stuben. Küche preiswert per sofort oder später. 1857K Wohnung, sauber und ttocken, neu renoviert, umständehalber billig zu vermieten. Buttmannsttaße 15, beim Wirt. 187lK Woldenbergerstraffe 7, Seiten- flügel, 2 Stuben, Küche, Korridor, trocken, umständehalber 1. Mai billig. Billige Wohnungen, 1 Monat mietcsrei. Guineastruße 38.+66* Zimmer. Freundlich möbliertes Zimmer vermietet Frau Neumann, Oder- bergerstraße 36, III. Freundlich möbliertes Zimmer Kottbuserdamm 39 I, überm Bonbon- laden.(Hennannplatz). Schmidt. Kleine Swbe an alte Frau abzu- geben. Krauseneck, Hussttenstraße 29. LehtaksteUen. Möblierte Schlafstelle, Schöne- berg, Wartburgstratze 25, Gemoll. Freundlich möblierte Schlasstelle zu veirnicle» bei Ouaß, Zimmer- straße 84,.Hos 2 Treppen._ 1917& Tauberes Stäbchen als Schlaf stelle billig bei Schubert, Rixdors. Ziethenstraße 30 I._ j 109 Möblierte Schlasstelle. Moritz, Malplaquetsttaße 13. j-85 �rbeitsmarkt. Stellenangebote. Tteinmeff, zuverlässig, nüchtern, mit allen Grabsteinarbeiten, auch Kundschaft verttaut, als Erster gesucht. Zülsdorff, MatthiaSstraße. 1921b Tchrifthauer und Steinmetz ver- langt Christiansen, West-Reinickendors, Berlinersttaße 23. 1926b Korbmacher sür kunstgewerblich« Rohrmöbcl verlangt Willi Heincmann, Alcxandrilienstraße 95/9b._ 1919Ö Korbmacher aus Geschoßtörbe (Drillinge), Gestcllmacher und Auch- ziehcr finden sosort Beschäftigung bei 2. P. Roesemami, Schrcinerstraße 22. Berkänferinnrn sür unsere Kon fitüren- Abteilung sosort gesucht. Meldungen 1—2 mittags oder 7—8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Alliancestraße 1/2. 190351 Achtung, Bauanschläger! Bei nachfolgenden Firmen haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Diese Firmen sowohl als die nach- stehend verzeichneten Bauten find sür Bauanschläger gesperrt. Firma Franke. Bau Franke, Wilmersdorf, Stüiben- straße 20. Bau Frilsche, Wilmersdorf, Landhaus- straße 6. Bau Klessen, Wilmersdorf, Sächsische Sttaße. Bau Haustein, Friedenau, Fregestr. Bau Pintsch, Berlin, Andreasstr. Bau Michalstt, Berlin, Dolzigerstr. Bau Streubcl, Berlin, Gollschedstr. Bau Berndt, Berlin, Friedrichstr. 181. Bau Dellschau, Tempelhos. Bau Rohloff, Charloltenburg, Königs- weg nahe Kaiserdamm. Bau Bcamtmhäuser, Nieder-Schön- Hausen. Bau Backenhus, Charlottcnburg, Olivacr Platz. Bau Knopp. Lichtenberg, Alfred str. 5. Bau Kaiscr-Wilhelm-Akademie, Berlin, Jnvalidenstraße. Firma Blume. Bau Schmidt, Charlottcnb., Leibnizstr. Bau Brüll u. Schmidt, Charlottenb., Neue Kantstt., Ecke Lietzensee-Uscr. Bau Wehe. Charlottenburg, Hohen- zollcrndaumi, Ecke Gicselcrstraßc. Umbau. Charlottenb., Goethestr. 20. Bau Schönknecht, Charlottenbmg, Pestalozzisttaße. Bau Wieck, Friedenau, Fregestt. 70. Neubau, Friedenau, Stubenrauchstr. 3. Bau.e-oppmann, Wilmersd.,Stübbcn- slraße' 3. Bau Berndt, Berlin, Köpenickcr- straße ll3s. Tischlerei von Krüger, Rixdorf, Kaiser- Friednchstr. 120. Firma Kemme. Bau Stocket, Friedenau, Eranach- straße 35. Bau Stöckcl, Friedenau, Saarstraße, Ecke Fregestraße. Bau Rosenttanz, Schöneberg, Rubens- straße 24 und 25. Bau Herwald, Friedenau, Bornstr. 16. Bau Wellnitz, Friedenau, Bornstraße. Bau Zeidler, Friedenau, Bonistraßc. Bau Wäschcck u, Prätorius, Friedenau, Bornstraße. Bau Pohle, Friedenau, Bornstraße, Ecke Odenwaldstraße. Bau Menze, Friedenau, Hackerstraßc. Bau Gcricke, Friedenau, Hackerstraßc. Bau Walslcben, Friedenau, Poschingcr- straße 16. Bau Altmcyer, Friedcau, Poschsnger- straße 17. Bau Dobbelkc, Friedenau, Poschingerstrage. Bau«rccldwg, Friedenau, Süd-West- Korso. Bau Beck, Friedenau, Süd-Wcst-Korso. Bau Vetter, Schöneberg, Eanovasir. Bau Hinze,. Bambergerstr. Bau Röseler, Friedenau, Schwalbachcr- sttaße. Bau Vogel, Friedenau, Sachsenwaldstr. Bau Bank, Südende, Lichterseldcrstr. Bau Balke,„ EoangeliichcS Gemeindehaus, Weißen- sce," Gäblerstraße. Firma Polzin. Neubau Charlottenburg, Lietzenscc- user 10. Neubau S/ikolaSsee, An der Rehwicsc, Ecke Lukstraße. Firma Müller. Bau JohanneSstist, Spandau, Haken- selbe. Bau Protzen, Berlin, Königsttatze, Ecke Kloslerstratze. Firma Köppen. Bau Fickcrt, Tempclhos, Richnowstr., Ecke Stollbergsttaßc. Bau Schalow, Dahlem, Heiligen- dammerstr. 24. Bau Stniesc, Schöneberg. Meranerstr. Firma Rott. Bau Quast, Charlottenburg, Wind- scheidstraße. Ecke Pcstalozzistraßc. Bau Spitzer, Charloltenburg, Suarez- straße 54. Bau Borchard, Halensee, CaSpaleistr. Firma Nachtigall. Bau Schlaf Schöncberg. Rosenheimer- straße. Ecke Bcrchtcsgadencrsttaßc. Bau Röhr. Charloltenburg, Pestalozzi- straße. Bau Raetsch, Charlottenburg, Pcsla- lozzijlraße. Neubau Friedenau, Kalser-Allee, Ecke Orttudsttaße. Bau Blimicke, Halensee, Joachim- Frlcdrichstraßc. Bau Walter, Treptow, Grätzstr. 14. Firma Katnnan». Bau Rotte, Treptow, Wildenbcuch- straße. Ecke.Harzerstraße. Bau Peters, Berlin, Gneisenaustr. 67. Bau Katzmann, Berlin, Brunnenftr. 70 Die Munninttiulg des AenWen Metallarbtittr- verbandes. im8* Der Nertin der Ann- anschläger\\i Kerlm. LeranUvortlicher 3fe6alt«utG&a.nl Mber, Seilin. Für denJnleratenteil verantw.: Th. Glocke, Perlin. Krück u. Verlag: Vorsärts Kuchdruckerei pt, Verlagsgnjtalt Paul Singer Lc Cv� Berlin SW, Kr. 81. 26. Zahrgallg. 3. WIM Sks Jutroiirls" finlintt WsM AitMg, 6. April 1969. Partei-?ZngelegenKeiten. Achtung! Dritter Wahlkreis. Am Karfreitag findet eine Herren- Partie von Tegel auö statt. Die Tour geht über Stolpe, Hohen- Neuendorf, Glienicke, Hermsdorf. Abmarsch von Tegel pünktlich um 1l) Uhr. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Gleichzeitig»rächen wir auf die am ersten Osterfeiertag in Kellers Neue Philharmonie, Köpenickerstratze S6/Ü7, stattfindende Matinee aufmerksam. Billets a 3» Pfennig sind bei sämtlichen Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg, Ortsteil Baumschulenweg. Heute, Dienstagabend 7 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Das Erscheinen aller Genossen ist notwendig. Der Vorstand. Potsdam. Mittwoch, den 7. April, abends 8 Uhr, bei Glaser, Kaiser Wilhelmstratze: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Unsere diesjährige Maifeier, VereiuSsachen, Ver- schiedenes._ Berliner]Sacbricbten» Das neue Heim der Sternwarte in Treptow wurde am Sonntag eingeweiht. Im Mai vorigen Jahres war der Grundstein zu diesem Gebäude gelegt worden, und schon nach weniger als Jahresfrist steht es jetzt fertig da. Zur Einwcihungsfeier hatten außer den Mitgliedern des Ver- eins von Freunden der Treptow-Sternwarte zahlreiche Ehren- gaste sich in dem großen Vortragssaal versammelt, Vertreter des Kultusministeriums und des Provinzialschulkollegiunis, der Gemeindeverwaltungen von Berlin und mehreren Vor- orten, auswärtiger Universitäten und Hochschulen, wissen- schaftlicher Vereine usw. Dr. A r ch e n h o l d. der Direktor der Treptow-Sternwarte, hielt die Fest- rede. Er gedachte der Förderung, die dem, Unter nehmen von Gemeindeverwaltungen und privaten Gönnern und auch von der Berliner Gewerkschaftskommission zuteil geworden sei. Er erinnerte aber auch an die Kämpfe, die durchzufechten gewesen seien, che vor jetzt dreizehn Jahren, im Gewerbeausstellungsjahre 1896, das Riesenfernrohr in Treptow ausgestellt werden konnte. Der neue Gedanke, der in diesem Unternehmen verwirklicht werden sollte, hatte da- mals an den„maßgebenden" Stellen nicht das nötige Ver- ständnis gefunden. Aber schließlich„ging es auch so". Die Zukunft der Treptow-Sternwarte darf, nachdem ihr dieses neue und stattlichere Haus erbaut worden ist, als gesichert gelten. Auf die Festrede folgten Ansprachen der zahl- reichen Vertreter von Behörden, Ver- einen usw. Der Wirkliche Geh. Regierungsrat Dr. Schmidt, der im Auftrage des Kultusministeriums sprach, zeigte sich ein bisse! verschnupft über Archenholds Anspielungen auf den Mangel an Verständnis, dem er einst bei der Akademie der Wissenschaften begegnet sei. Der Herr Geheini- rat teilte mit, daß Herrn Archenhold der rote Adlerorden vierter Klasse— ein Pflaster für die Wunde— verliehen worden ist. Oberbürgermeister Kirschner scherzte, die Treptow- Sternwarte stehe zur Stadt Berlin in dem Verhältnis eines Mieters zum Wirt, aber in einem solchen, das für den Mieter sehr angenehm sei. Unter dem lebhaften Beifall der Feswersammlung hob er hervor, daß diese Sternwarte gleichermaßen zur Förderung der Wissenschaft wie zur Belehrung weiter Kreise der Bevölkerung Groß-Bcrlins beitrage. Auch der Treptower Bürgermeister Schablow sprach davon, daß durch die Treptow-Sternwarte die Wissenschaft popularisiert werde. Etwas überschwänglich klang seine Versicherung, daß sie„Ehrfurcht vor der Weltordnung in die Herzen des Menschen' pflanze". Auf einen ähnlichen Ton waren die meisten der übrigen Ansprachen gestimmt, die in langer Reihe sich anschlössen. In die gehobene Stimmung dieser Einweihungsfeier wurde eine bitterernste Note hineingettagen durch unseren Genossen Alwin K ö r st e n, der als Vertreter der freien GeWerk- s ch a s t e n sprach. Die Gewerkschaften haben durch Zu- sicherung der Abnahme von 100000 Eintrittsdoppelkarten die Treptow-Sternwarte wesentlich unterstützt und gefördert; das wurde auch von Archenhold in seiner Festtede anerkannt. Körsten wies darauf hin, daß angesichts der inzwischen ein- gettetenen Wirtschaftskrise und der weit ausgebreiteten Arbeitslosigkeit, die auf der Arbeiterklasse laste und die Hilfe der Gewerkschaften erfordere, die Gewerkschaften die übernommenen Eintrittskarten noch nicht voll haben umsetzen können. Die Einweihungsfeier endete mit einer gemein- samen Besichttguug des ganzen Hauses, dessen Erbauer übrigens— die Architekten Körte und Reimer— in dieser Festsitzung mit keinem Worte erwähnt worden waren. Mit der Aufstellung eines ReichStagSkandidate« für den 3. Berliner Reichstagswahlkreis haben es die Christlichsozialen sehr ellig. In einer zu diesem Zweck einberufenen Versammlung haben sie den zweiten Vorsitzenden der Berliner Gruppe, den Graveur Kluge aufgestellt. Mitgeteilt wurde, daß mit den Konservativen eine Einigung erzielt sei.. Wenn die Trauben nur nicht zu hoch hingen l Die Heilsarmee geht jetzt vor Ostern mit grotzem Eifer auf den Bettel und steckt dabei als wirksamstes Reklameschild ihre„soziale Arbeit" heraus. Sie sieht sich freilich mit ihrer MissionS- und WohllätigkeitZarbeit einem„Ozean der Not" gegenüber, wie sie selbst anerkennt. Ihre Hauptarbeit legt sie deshalb auf die„Rettung der Seelen", denn das ist am billigsten. Die ganze„soziale Arbeit" ist nur Reklame für die in Wirklichkeit durchaus kulturfeindlichen Bestrebungen der Heilsarmee, die der Aufklärung überall durch ihre„MissionStätigkeir" entgegenzuwirken sucht. Bis zum Jahre 1901 hat sie in Deutschland öutzerst schwer Boden gewinnen können. Ueberall zählte die Heils- armee mit Stolz ihre Erfolge auf. nur von Deutschland war nichts Gutes zu verichten. Das Brimborium und der Tamtam der' Veranstaltungen der Heilsarmee verfehlten jede Wirkung auf den nüchternen und kritischen-Sinn der Deutschen. Seit dem Jahre 1901 aber setzte die Agitation mit größerer Kraft als vorher ein: man patzte sich mehr dem'deutschen Cha- rakter in der Agitationsweise an und auch von Deutschland werden jetzt Fortschritte berichtet, die gar nicht zu unterschätzen sind. Die Korps und Vorposten sBerfammlungSstationen) haben sich von 115 auf 161 vermehrt, die aktiven Offiziere, Kadetten und Helfer von 297 auf 577, die Lokaloffiziere(das sind solche, die ihre freie Zeit der Heilsarmee widmen) von 281 auf 1963. Diese und folgende Zahlen gelten für die Jahre 1901 bis 1903. 17 Musikkapellen mit 115 Musikern, die auch bei Ausflügen und anderen geselligen Ver- anstaltungen musizieren, stehen im Dienste der Armee. Die Musiker werden nicht besoldet, sie müssen sich sogar ihre Instrumente selbst beschaffen. Mit der Bezahlung aller unteren Angestellten der Heilsarmee steht es überhaupt sehr faul. Schon oft. sind bittere Klagen deswegen erhoben worden, daß die Angestellten von den reichlich fließenden Bettelgeldenr so jämmerliche Löhne erhalten. Aktive Offiziere bekommen an Bargeld 8—13 M. pro Woche. Jüngst ist die Heilsarmee mit der Versicherungsanstalt Berlin in Streit ge- raten, iveil sie für ihre Angestellten keine Marken kleben wollte Die Heilsarmee ist aber mit ihren schlechten Ausreden abgewiesen worden.— Die durchschnittliche monatliche Auflage des Organs dieser Armee,„Der Kriegsruf", ist von 89 000 auf 160 000 angewachsen. Die Agitation ist in etwa 100 deutschen Städten, vor allem in Berlin, in Angriff genommen und sie zeitigt ihre Früchte. Mit einigen-Asplen, wie Männerheime, Kinderheime, Rettungsheime für„gefallene" Mädchen, mit gelegentlichen Armenspeisungen und dergleichen wird eine große Reklame gemacht, ganz nach amerikanischem Muster, und das Geschäft hebt sich merklich in Deutsch- land.„Personen der höchsten Gesellschaft" bekunden der Heilsarmee ihr Wohlwollen, wie in einer Geschäftsanzeige(oder Bettelbrief) ge sagt wird. Sie betteln für die Armen, so behaupten sie. aber die Armen bekommen den winzigsten Teil der eingehenden Gelder. Das meiste verschlingt die Mission, der Aufwand für den Tamtam der Armee und— lost but not least, die hohen Gehälter der leitenden Personen. Die dummen Gläubigen bezahlen die Kosten. Das Programm für den Berliner Besuch in London. Zu gleicher Zeit, als der Berliner Magistrat über den Termin seines Gegenbesuchs in London Beschlutz faßte, beschäftigte sich die City-Corporation von London mit dem Empfang und dem Programm für den Aufenthalt der Berliner Gäste. Die Festlichkeiten zu Ehren der Vertreter der Stadt Berlin sollen eine Woche dauern. Ein besonderes Empfangs- komitee wurde ernannt und die Kosten in Höhe von 60 000 Mark wurden betvilligt. Zunächst ist, wie dem„Verl. Tageblatt" aus London geschrieben wird, zu Ehren der Berliner ein Bankett in der altehrwürdigen Guildhall der City in Aussicht genommen, zu dem auch die Mitglieder des Kabinetts und die deutsche Botschaft Einladungen erhalten sollen. Dann sollen den' Gästen der City die großen Märkte Londons gezeigt werden, eine Fahrt auf der Themse soll ihnen ein Bild geben von dem Werk, das die vor einigen Jahren neugeschaffene Hafensanitätsbehörde von London geleistet hat. Eine Fahrt durch den in der Nähe von London ge- legenen Eppingforest steht ebenfalls auf dem Programm. Eine der City-Guilden hat sich erboten, auch in ihrem Heim den Repräsentanten der städtischen Verwaltung Berlins Gastfreundschaft zu gewähren. Der GrafschoftSrat von London wird sich durch mehrere Mitglieder an den Festlichkeiten und Fahrten zu Ehren der Gäste auS der deutschen Reichshauptstadt verttelen lassen. Es wird gut sein, wenn bei der Auswahl der Magistrats- Mitglieder und Stadtverordneten, die nach London reisen, Rücksicht genommen wird auf Personen, die über gute Magen verfügen. Aus der BerkehrSstatistik. Nach den Ermittelungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin wurden durch die Straßenbahnen 36 001 133 Personen befördert; davon kamen 29 073 031 auf die Große Berliner Straßenbahn. Die Hoch- und Untergrundbahn einschließlich Spree- tunnelbahn beförderte im Februar 1 699 958 Personen, die Omnibus- lir.ien mit Pferdebetrieb 7 557 823 Personen, davon zu 5 Pf. 6 209 092 und zu 10 Pf. einschließlich der Abonnenten 1318 731. Ferner wurden durch die KraftomnibuSlinien 2 200 310 Personen be- fördert. Während die Straßenbahnen 1836 055 Personen weniger befördert haben als im Februar vorigen Jahres, hat sich die Zahl der Fahrgäste bei der Hochbahn um 1 002 987, bei den Omnibussen um 735 911 vermehrt und bei den Kraftfahrzeugen um 86 273. Im ganzen wurden 50162309 Personen in diesem Februar gegen 19 796 708 im vorigen Februar befördert. Der endgültige Sommrrfahrplan der königlichen Eisenbahndirektion Berlin, der soeben herausgegeben wird, bringt an neuen Zügen und Anschlüssen unter anderen die folgenden: Auf der Strecke Berlin— Groß-Lichterfelde-Ost: ab Berlin, Potsdamer Ringbahnhof 1.25 und 5.15 morgens, ab Groß-Lichterfelde-Ost 1.15 und 6.05 morgens. Auf der Strecke Berlin— P o t s d a m(Wannsee-Bahnhof): ab Zehlendorf 12.51 nachts, an Schlachtensee 1.01 nachts; ab Wannsee 1.05, an Zehlendorf 1.19 nachts. Die bisher im Sommer- fahrplan verkehrenden„Zehlendorfer Schnellzüge" sind auch diesmal beibehalten worden; sie verlassen Station Zehlendorf, Wannsee- bahn, um 7.33 und 8.30 vormittags, bezw. 2.33 und 6 33 nackimittags und fahren bis Berlin, Potsdamer Fernbahnhof, ohne Aufenthalt durch. Die zwischen Berlin, LehrterHauptbahnhof und Da llgow-Döberitz verkehrenden Personenzüge werden bis Wustermark dutch- geführt, ferner werden auf dieser Strecke sieben Züge in jeder Richtung neu eingelegt. Auf der Strecke Beelitz— Wildpark— NaueW wird ein neues Zugpaar Verkehren: Wildpark ab 3.12 nachmittags; Beelitz-Stadt an 3.12 nachmittags; Beelitz-Stadt ab 6.11, Wild- park an 7.10 abends. Auf der Werneuchen er Strecke endlich werden an Sonn- und Festtagen vom 16. Mai bis 12. September dieses Jahres die folgenden Züge neu eingelegt: ab Berlin. Schlesischer Bahnhof(Wriezencr Bahnsteig) 8.28 vormittags, Werneuchen an 9.13, Tiefensee an 9.30 vormittags; ab Tiefensee 8.35, ab Werneuchen 8.51, an Berlin, Schlesischer Bahnhof(Wriezener Bahnsteig) 9.55 abends._- Die Feucrsicherheit in den Berliner Schulen. Der Jahresbericht deö Berliner Lehrervcreins für 1908 befaßt sich auch mit der Feuersickerheit in den Berliner Schulen. Es heißt in dem Jahresbericht hierüber folgendermaßen: «Die Feuersicherheit in den Berliner Schulen beschäftigte nach einem verhängnisvollen Schulbrande in Amerika die Oeffenllich- keit, und der Vorstand beschloß, die Frage eingehend in einer Vereinsversammlung zu behandeln. Herr Eugen Reicke hatte das Referat übernommen. Inzwischen setzte die städtische Sckiul- deputation eine Kommission ein, die sämtliche Berliner Schulen auf ihre Feuersicherheit untersuchen sollte. Den Ergebnissen dieser Untersuchung wollte der Vorstand nicht durch Mitteilungen aus der Lehrerschaft und durch eine Stellungnahme des Vereins vor- greifen lind stellte darum die Behandlung des Themas noch bis nach Veröffentlichung des amtlichen Kommissionsberichtes zurück. Seit Mitte Mai 1908 ist über die Tätigkeit der genannten Kommission nichts bekannt ge- worden." Zeit wäre eS nun bald, daß man etwas hört, oder war das Ergebnis der Untersuchungen der Kommission so ttauriger Art, daß die Verwaltung ihre Veröffentlichung scheut? Man hätte doch dann aber wenigstens von baulichen Veränderungen gehört. Es ist aber nichts geschehen. Es ist also anzunehmen, daß alles zur Zufrieden- heit der Kommission vorgefunden wurde. Warum bleibt dann aber der Bericht aus? Der Berliner Lehrervercin würde sich sicherlich ein großes Verdienst erwerben, wenn er nun diese Angelegenheit in einer Vereinsversammlung behandeln würde. »eher neue Briefmarkenautomaten wird unS folgendes gemeldet: Die ReichSpostverwaltung beabsichtigt, den im Innern der Auto- maten noch reichlich verfügbaren Raum zum Einbau von Brief- kästen usw. zu verwenden, so daß das Publikum in unmittelbarem Zusammenhange mit der Verkaufsstelle der Postwertzeichen auch die Aufgabestelle für seine Briefe und Karten zur Verfügung hat. Der mit Briefkasten versehene Automat wird ein überall leicht zu er- richtendes Postamt für s i ch darstellen, daS zwei wichtige und die am meisten vom Publikum begehrten Dienstleistungen ausführt: den Wertzeichenverkauf und die Briefannahme. Für diese Neueinrichtung sind die Abelschen Automaten in Aussicht genommen, deren neuestes Modell(1) alle bisher gebauten Apparate dieser Art über- trifft. Der neue Automat arbeitet, wie die„VerkehrStechn. Woche" schreibt, mit der Genauigkeit und Zuverlässigkeit eines guten Uhr- Werks, übt bei Versuchen mit F a l s ch st ü ck e n die Kontrolle eines aufmerksamen Kassierers aus, gibt nicht eine Marke mehr aus als ihm bezahlt wird und ist an Werk- und Feier- tagen Tag und Nacht dienstbereit. Berliner Asylvcrciu für Obdachlose. Im Monat März nächtigten im Männerasyl 21 700 Personen, wovon 10 535 badeten, im Frauen- asyl 1691 Personen, wovon 2215 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer Wiefenstr. 55/59, für Frauen Kolberger Str. 30. Ein heiterer Anblick wurde am Sonntag Spaziergängern im Friedrichshain geboten. Die jetzt herrschende nächtliche Kühle hatte den daselbst befindlichen, kaum vom Eise frei gewordenen großen Teich abermals mit einer Eisdecke überzogen. Dieser Umstand ver- hinderte jedoch nicht die Niederlassung der sich alljährlich im Früh- jähr einfindenden Wildenten. Es war aber überaus drollig mitan« zusehen, wie die auf dem Schwanz, und den nach vorn gestreckten- Beinen ruhenden Tiere auf dem glatten Eise eine Strecke weit dahin- schlitterten. Kaum hatte sich eine mit vollem Gewicht niedergelassen, so brach auch schon gewöhnlich die dünne Eisdecke. Hierdurch unruhig geworden, suchte das Tier immer wieder festen Boden zu gewinnen, um natürlich von neuem einzubrechen. Dieses Spiel wiederholte sich fo lange, bis es dieser oder jener doch gelang, eine Stelle zu finden, die stark genug war, sie zu tragen. Dann war es aber nicht minder lustig anzusehen, wie die kurzbeinigen Tiere mit den breiten Füßen gleich Slilänfern über die Eisfläche rutschten, um nach dem hin- geworfenen Futter zu.schnappen. Eigenartig war es weiter zu beobachten, wie die Tiere Bewegungen auf dem Eise ausführten, die sie sonst beim Putzen im Wasser zu machen pflegen. Dieser geschilderte Vorgang tviederholte sich bei jedem aus den Lüsten neu ankommenden Deichbewohncr, bis die Sonne dem ganzen Vergnügen ein Ende bereitete. Ei» aufregender Borgang, der in seinen Einzelheiten an die JrrsinnStat des Landgerichtsrats a. D. Niemir in der Motzstr. 73 erinnert, spielte sich Sonntag mittag in dem Eckhause Grüne- Wald st ratze 9-Elßholzstraße 23 ab. Dort suchte sich der Kaustnann Gustav Treiber, der plötzlich vom Irrsinn befallen wurde, aus einem Fenster des ersten Stockwerkes auf den Hof hinabzustürzen. Erst mit Hilfe der Feuerwehr konnte der Unglückliche überwältigt und der Polizei übergeben werden. Wegen des Raubanfalls auf den Geldbricftrüger Eulenvnrg ist auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei auf sämtlichen Bahnhöfen der Großen Berliner Straßenbahn und den Depots der All- gemeinen Berliner Omnibusgescllschaft ein Aushang angeschlagen worden, durch welchen Angestellte, die etwaige auf die Tat beziig- liche Beobachtungen gemacht haben, zur sofortigen Meldung auf- gefordert werden. Es wird polizeilicherseits mit der Möglichkeit gerechnet, daß der oder die Täter, um möglichst schnell aus dem Tatbereich zu kommen, einen Wagen der beiden Verkehrsinstitute benutzt haben. Es kann aber auch sein, daß der Mordbube nichl von der nächsten Haltestelle abgefahren ist, sondern erst in einer größeren Entfernung, bielleicht in der Zimmer-, Leipziger Straße oder am Gensdarmenmarkt eines der erwähnten Verkehrsmittel be- nutzt hat. Es wird angenommen, daß der Täter mit Blut behaftet war; er kann auch blutbefleckte Geldstücke in Zahlung gegeben haben.— Der Aufruf ist. wie wir hören, bisher erfolglos geblieben. Weder ein Straßenbahn-, noch ein Omnibusschaffner war in der Lage, irgend eine Bekundung machen zu können. Erschossen vor dem Geschäftsladen ihres früheren Ehemannes, des Drogisten Peter G. in der Gleimstraße, hat sich dessen dreißig Jahre alte, geschiedene Ehefrau Margarete G. Pastanten brachten die Unglückliche in einer Droschke nach dem Lazarus-Krankenhanse, wo sie bald darauf verstarb. Der Selbstmord war der letzte Akt eines Ehedramas. Herr G. hatte die Ehescheidung von seiner Frau wegen Untreue durchgesetzt. Dagegen hat Frau G. bis zum letzten Augenblick erklärt, daß sie sich die behauptete Untreue niemals hat zu schulden kommen lassen. Große Aufregung verursachte Sonntagmittag die Tat einer Lebensmüden auf dem Wedding. Vor dem Hause Orthstraße 3 stürzte sich eine Frauensperson über das Geländer hinweg in die Pauke, um sich zu ertränken. Da die Panks nur einen halben Meter tief ist, so kam die Selbstmordkandidatin nicht zum Ziel. ES' sprangen ihr zwei Männer nach, doch als sie die Lebensmüde er- greifen wollten, strebte diese im Wasser vorwärts. Erst nachdem sie eine längere Strecke hinter der Frau hergewatet waren, konnten sie sie fassen und ans Land schaffen. Die Unbekannte, die wirre Reden führte, wurde nach der Unfallstatton in der Lindowerstraße und von dort nach dem Virchow-KrankenhauS gebracht. Anscheinend handelt es sich um eine Geisteskranke. Erschlagen hat am Sonntagnachmittag der 81 Jahre Zigaretten« arbeiter Hermann Versiemer, Reinickendorfer Str. 67 wohnhaft, den bei ihm wohnenden 21 Jahre alten Arbeiter Franz Wenzel. V. hat mit einem Hamnier den W. dermaßen auf den Kops geschlagen, daß W. auf der Stelle starb. V. ist in Haft genommen worden. Als Motiv der Tat wird von einer Seite Eifersucht angegeben, während es andererseits heißt, daß es sich um einen Streit wegen Geldleihens gehandelt habe, im Verlaufe dessen sich V. in Notwehr befunden und den tödlichen Streich geführt habe. Aussehen erregte es am Sonnabendabend in der Willdenowstraße, daß die Polizei einen Menschen in Adamskostüm, nur mit Strümpfen bekleidet, zur Wache brachte. Anscheinend bandelte es sich um einen Geisteskranken, den die Polizei aufgegriffen hatte. AuS dem Publikum wurde die Frage aufgeworfen, ob die Polizei nicht gut- getan hätte, mit den: Menschen in einen Hausflur zu gehen und sich von einem Mieter eine Schürze oder ein Laken zu leihen und den Bedauernswerten dadurch der Schaulust, besonders der Kinder zu entziehen. Die Fenerfchutzeinrichtungen in der Goldleiftenfabrik August Werlmeister. Brunnenftr. 191, find, wie uns die Firma bezüglich unserer Notiz über die Brände in der genannten Fabrik mitteilt, durchaus genügend. Bei dein letzten Feuer, das gegen llhr nachts auskam, war der Wächter kurz vorher durch die Fabrik ge- gangen und hatte nichts bemerkt, trotzdem die nächste Srechdose kaum 2 Meter von der Brandstelle entfernt angebracht ist. Daraus gehe klar hervor, daß der Brand angelegt sei und zwar von einer Person, die genau mW den Räumlichkeiten Bescheid wisse. Bei dem ersten Brande fand die Feuerwehr mit Oel getränkte Lappen; außerdem war ein großer Treibriemen, der noch am Tage vorher aufgerollt in der Nähe der Feuerstelle lag, seit dem Brande ver- schwunden. Ueberreste des Riemens wurden bei den AufräumungS- arbeiten nicht gefunden. DaS letzte Feuer dauerte kaum eine Viertel- stunde und wäre ohne Zweifel vom Wächter gelöscht worden, wenn er etwas Geistesgegenwart gehabt hätte; denn zwei gut funktionierende Wasserschlänche hängen dicht bei der Brandstelle. Der Betrieb sei in keiner Weise gestört, und irgendwelcher Brand« schaden sei nicht entstanden. WaS die Gefährdung der in dem Haufe befindlichen Privathanshaltungen anbelangt, so sei infolge der Brände durch die Behörde festgestellt worden, daß der gegenwärtige Znstand auf dem Grundstücke Brunnenstratze 191 als nicht feuergefährlich anzusehen sei, wenigstens nicht mehr als bei jedem anderen gewerblichen Berliner Wohngebände, Außerdem be- merkt die Firma, daß Inhaber wie der Schwiegersohn desselben im Hause Brunnenstraße 191 wohnen und deren Schlafzimmer vis-a-vis der Fabrik sich befänden und beide imstande seien, eine fortwährende Kontrolle auszuüben. Radrennen in Treptow. Der zweite Renntag auf der kleinen Treptower Bahn verlief fast i» genau derselben Weise wie der erste. Bleselve kalte Luft trotz de? lockenden Sonnenscheins, derselbe gute Besuch, der fast ganz genau gleiche Verlauf des Dauerrennens und— derselbe Sieger. Wieder standen sich in dem 70 Kilometer- Rennen drei Spezialisten der kleinen Bahn gegenüber: Schulze. Przhrembel und Demle. Zu Beginn des Rennens scharfer Kampf um die Führung zwischen den beiden ersteren, in dem Przyrembel die Oberhand erhält, während Schulze dicht dahinter liegt und erst später etwas zurückfällt. Demle kommt nicht recht in Schwung und schon in der 13. Runde geben beide Gegner ohne Kampf glatt an ihm vorbei. Dieses Schauspiel wiederholt sich bis zur 02. Runde siebenmal. Demke wechselt seine Führung und Schulze bleibt auch bis auf eine halbe Stunde zurück, so dasj das weitere Passieren der «grosten Kanone" nicht mehr in gleichem Zuge geschieht. Nach dem 30. Kilometer greift Schulze den Führenden an und geht endlich in der 105. Runde glatt vorbei. Da Przyrembel.schwimmt", so nimmt er ihm rasch noch ein paar Runden ab und dehnt seinen Borsprung bis zum Schluß immer mehr aus.— Die Fliegerrennen waren stark besetzt. Den Schluß bildete ein Motorrennen mit kleinen Motoren, das in schöner Fahrt genommen wurde. Die Ergebnisse sind: 70 Kilometer-Nennen(800, 000, 400 M.): 1. A. Schulze, 57 Min. 13% Set.; 2. H. Przyrembel. 1820 Meter; 3. Br. Demke. 9750 Meter zurück. Preis von Treptow: 1. Sterba, 2. Poulsen, 3. Voigt, 4. Müller. Prämien fahren: 1. Trinks, 2. Vierck, 3. Rottnick. Motorfahren<10 Kilometer): 1. G e- d a m k e. 7 Min. 32% Sek.; 2. Müller, 670 Meter; 3. 0. Przyrembel, 840 Meter. Mitgliedsbücher vom Holzarveiterverband auf die Namen Grundt, Trusch, Knospe und Böcker lautend, sind verloren gegangen. Der ctlvaige Finder wird um Abgabe gebeten an Böcker, Brunnenstr. 34, linker Seitenflügel 4 Treppen links. Vorort- JVacbncbtem Nixdorf. Zu einer ansterordentlichcn Sitzung der Stadtverordneten werden die Mitglieder der Versammlung auf Mittwoch, den 7. April, zusammenberufen. Es handelt sich um nochmalige Beratung des Etats, der in der letzten Sitzung gegen die Be- stimmungen der Städteordnung, nachdem Beschlutzunfähigkeit konstatiert worden war, angenommen wurde. Schöneberg. Mit dem bisherigen System der Steuereinziehung hat Schöneberg von Anfang dieses Quartals ab gebrochen. Vom 1. April 1909 ab werden die Steuern unter Vorlegung einer Zahlkarte, die jedem Steuerpflichtigen Ende April oder Anfang Mai zugesandt wird, spätestens bis zum 16. des ersten Monats jedes Vierteljahres an die in der Zahlkarte bezeichneten Stadtsteuerlasien entrichtet oder unter Angabe der Buchhalterei, des Bezirkes und der Steuer- nummer portofrei eingesendet. Der Postschein gilt als Quittung. Außerdem kann die Zahlung bis zum 15. des zweiten Quartals- monatS unter Vorlegung der Zählkarte bei den Schöneberger Bank- stellen der Deutschen, der Dresdner, der Schöneberger Bank, der Commerz- und Disconto-Bank. des A. Schaaffhausenschen Bank- verein«, der Direktion der Diskonto-Gesellschast, der Nationalbank für Deutschland, der Bank für Handel und Industrie erfolgen. Diese Bankstellen leisten in der Zahlkarte für die Stadtgemeinde Schöneberg ebenso rechtsgültige Quittung wie die städtischen Steuer- kasien. Die Zahlkarte ist sorgfältig aufzubewahren und bei jeder Zahlung vorzulegen. Die ganze neue Art der Steuerabführung ist auf der Zahlkarte genau forniuliert. Auch Kanalisationsgebühren und Schulgeld können von jetzt ab in gleicher Weise an die Stadt- gemeinde Schöneberg abgeführt werden. Tegel. Eine recht sonderbare Debatte entspann sich am Anfang der letzten Gemeindevertretersitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellte der Gemeindever- treter Tr. Hennike den Antrag, den Protokollführer seines Amtes zu entheben; als Grund führte er deffen Verhalten beim Prozeß der Liberalen gegen die„Charlottenburger Zeitung" an. Der Bürgermeister Weigert hielt diesen Grund nicht für stichhaltig und erklärte, daß nur er den Protokollanten zu ernennen habe; er forderte weiter schriftliche Begründung deö Antrages. Herr Schenk brachte gegen Herrn Zernikow weiter vor, daß er über vertrauliche Sitzun. gen nicht Diskretion geübt hätte. Genosse Lichtenberg meinte, die Herren würden ja Wohl die Beweise erbringen, und der B'"'roer- meister müßte dann den Wünschen der Gemeindevertretung Jh- nung tragen. Schöffe Reichelt erklärte mit erhobener St..nme: die Gemeindemitglieder sollen endlich erfahren, daß nicht Ge- meindeinteressen, sondern persönliche Angelegenheiten jetzt hier ver- handelt werden; im übrigen vertrat er die Ansicht, daß die Er- ncnnung des Protokollführers Sache des Bürgermeisters sei. Der Bürgermeister forderte die Herren, die gegen seine Person etwas haben, auf, es frei heraus zu sagen. Genosse Halses glaubte den Grund zu solchen Streitigkeiten in der eigenartigen Behandlung von Anträgen und Beschlüssen der Gemeindevertretung durch den Bürgermeister zu sehen. So sei in der letzten Sitzung die Aus- schreibung der Wahl beschlossen worden, aber bis heute noch nichts in dieser Sache getan; ähnlich sei es bei der Einführung der Ge- schäftsordnung gewesen. Äenieindevertreter Schäfer sagte, es sei die höchste Zeit, persönlich mit dem Landrat über die hier Herr- sehenden Zustände zu sprechen; er habe 16 Jahre in Ruhe und Frieden in Tegel gelebt und niemanden, wie der Bürgermeister, hinterm Strauch gesucht, sei aber durch besagte Zustände Partei- mann geworden. Der Bürgermeister erklärte, daß alles nur Cliquenwirtschaft sei und bemerkte noch, daß er je mehr Feinde, desto mehr Ehre habe; auf den Dank und die Anerkennung der Mitwelt rechne er schon lange nicht mehr; er hofft in der Nachwelt dieselbe zu finden. Herr Schäfer konstatierte, daß der Bürger- meister ihn in dieser Angelegenheit ausweicht. Nunmehr wurde in die Beratung des Etats eingetreten. Genosse Lichtenberg stellte den Antrag, den Etat gedruckt und früher vorzulegen, da es sonst unmöglich wäre, in die Beratung einzutreten. Der Bürgermeister bestritt die Möglichkeit dazu; auch hätten die Beamten vollauf zu tun; es müßte eine eigene Abteilung dazu geschaffen werden. G'e- nasse Lichtenberg erwiderte ihm, daß er die Empfindung habe, als sollte die Gemeindevertretung beiseite geschoben werden. Die Druck- legung des Etats wurde abgelehnt. In der allgemeinen Verwaltung betragen die Einnahmen 51 100 M., die Ausgaben 463 000 M. In der Vermögens- und Schuldenverwaltung die Einnahmen 63100 M., die Ausgaben 114 000 M. Bei den Gemeindeabgaben betragen die Einnahmen 690 600 M.. die Ausgaben 75 700 M. Hier ist ein Ueberschuß von 614 900 M. vorhanden; das ist ein Mehr gchen das Vorjahr um 66 893 M. In der Armen- und Waisenpflege sind 20 200 M. Ein- nahmen, 35 600 M. Ausgaben. Bei diesem Punkt wurde die Er- bauung eines neuen Armenhauses zur Sprache gebracht. Beim Schuletat erinnerte Genosse Lichtenberg an einen früher von ihm gestellten Antrag auf Freistellen an der Realschule für begabte Volksschüler; dem wurde zugestimmt. Es wurde ferner beschlossen, die Anschlagsäulen in eigene Regie zu nehmen. Genosse Lichten- berg brachte noch die Beschäftigung der Gcmeindearbeiter bei Um- zügen von Beamten zur Sprache. Bei der Einfriedigung deö Bock- schen Grundstücks soll an der Veitstraße ein Pavillon erbaut werden. Es soll dasselbe, wie der Bürgermeister betonte, ein würdiger Ab- schluß der Seeuscrpromenade werden. Uns will scheinen, daß der Frau Bock ein Geschenk gemacht wird, wozu gar keine Veranlassung vorliegt. Es wurde weiter die Pflasterung der Buddestraße vom Bahnhof bis Veitstraße beschlossen. Ter Einspruch des Schlossers W. Tietz gegen die Wählerlisten wurde anerkannt und die Ein- tragung beschlossen. Für die Ferienkolonie wurden 600 M. bewilligt; Genosse Halses hatte 1000 M. beantragt. Für die Ueber- schwemmten der Altmark sind 348,00 M. gesammelt worden, welche Summe auf 400 M. erhöht wurde. Zum Etat ist noch zu erwähnen, daß die ordentliche Hafenverwaltung mit 32 000 M. abschließt, die außerordentliche mit 975 000 M.; in ihr betragen allein die Zinsen zum Hafenbau 263 800 M. Auf Anfrage des Genossen Halses, wann der Bürgermeister die Wahl auszuschreiben gedenkt, erwiderte der- selbe, daß es vor Erledigung der Einsprüche zur Wählerliste nicht möglich war, jedoch in der kommenden Woche erfolgen wird. Vankow. Die Beratung des Voranschlages pro 1909 wurde in zwei Sitzungen vorgenommen. Die Verwaltung ist ratlos, wo die not- wendigsten Mittel herzunehmen sind. Nach den fetten Jahren, wo allein in einem Jahr 450 000 M. an Umsatzsteuern eingelaufen waren, sind die mageren Jahre gekommen. Bürgermeister Kühr gab in längeren Ausführungen eine Uebersicht über den Etat. Er schlug vor,"die Grundwertsteuer sowohl als auch die Kanalisation� abgaben zu erhöhen. Die einzelnen Positionen seien alle so auf- gestellt, daß nichts gestrichen werden könnte, um Ersparnisse zu ermöglichen. Die Einnahmen seien auf die Umsatz- und Wert zuwachssteucr angewiesen. Es könne natürlich niemand voraus- sehen, ob sich die Baukonjunktur so heben werde, daß diese Summen erreicht würden. Gemeindevertreter Balzcr hält eine lange Rede, worin er die Bülowsche Melodie vom Sparen erwähnte. Er ist der Meinung, daß genau wie im Vorjahr die Umjatz- und Wertzuwachssteuer- ausätze nicht erreicht werden und dann ein neues Defizit vorhanden wäre. Der Zuschlag zur Einkommensteuer müßte auf zirka 140 Proz. erhöht werden, um den zu erwartenden Ausfall zu decken. Er könne diesen Borschlag aber nicht empfehlen, da sonst die steuerkrästigen Bürger auch noch den Ort verlassen würden und kein weiterer Zuzug zu erwarten sei. Wir dürften die auf- genommene Anleihe für daö Wasserwerk nicht für diesen Zweck, sondern für den Schulneubau in der Görfchstraße verwenden Pankow brauche kein neues Wasserwerk, da Berlin uns billiges Wasser liefern will. Die Gemeinde wäre dann auf 75 Jahre ver sorgt. Es könnte an den Wohlfahrtseinrichtungen gespart werden, z. B. an den 1500 M. für die Ferienkolonien. Die Ausgaben für die Unterrichtsgegenstände müßten erheblich eingeschränkt werden. Bei den Kosten für die Instrumente des Krankenhauses müßte gestrichen loerden. Redner stellt den Gemeindevertretern«ine ganze Reihe von aufgestellten Berechnungen zur Verfügung, worin nachgewiesen, wohin die Gemeinde gelangt, wenn nicht gespart würde. Gemcindevertreter Holtkötter will nicht so pessimistisch sein wie sein Vorredner. Er fordert die Vertreter auf, wieder Mut zu fassen. Wo sollte es denn hinführen, wenn niemand mehr Ver- trauen habe. Dann würde es ja überhaupt nicht wieder gut werden. Kein Mensch konnte wissen, daß die Summen für die Umsatzsteuer in den Vorjahren so schlecht einlaufen würden. Als aber der Vertreter der Sozialdemokratie bei der Beratung des Etats 1903 davor warnte, so hohe Summen bei diesen Steuern einzusetzen, und auf die Lage des Wirtschaftsmarktes hinwies, da wurde mit einem Achselzucken über diese Anregungen hinweg- gegangen. Nachdem noch einige bürgerliche Vertreter sich'geäußert hatten, erklärte Gemeindevertreter Obier(Soz.), daß auch er nicht rosig in die Zukunft blicken könnte. Er zeigte an der Hand der Ausgaben der Gewerkschaft der Steindrucker und Lithographen für Arbeitslosenunterstützung, daß wir uns mitten in der Krise be» finden und für dieses Jahr noch keine Besserung auf dem Wirt- schaftsmarkte zu erwarten sei. Gemeindevertreter Holtkötter weist auf die Stadtwerdung hin und erwartet davon einen besonderen Aufschwung für Pankow, da ja dann die Kreissteuer gespart würdet Er hofft, daß die Regierung nicht daraus bestehen wird, daß 60 000 Einwohner erreicht sind. Bürgermeister Kühr erwidert, daß daran gar nicht zu denken sei. Der Nachbarort Steglitz sei wiederholt abgewiesen, trotzdem er zirka 50 000 Einwohner hat. WaS die Kreissteuer anbetrifft, so kommen diese Summen dem Ort zum größten Teil wieder zugute. Die Gemeindevertretung beschloß, die Grundsteuer von 2% auf 3 Proz. zu erhöhen, ebenso die Kosten des Kanalisationsbetriebes von 2,/& auf 3 Proz. heraufzusetzen. Nieder-Schönhausen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung war der wichtigste Punkt der Tagesordnung: Beschaffung neuer Räume für die höheren Schulen und die Volksschulen, Vorlage des Projektes zu einer neuen Volksschule. Der Bürgermeister betonte die Notwendigkeit der Er- bauung einer neuen Volksschule, da die bisherigen nicht mehr aus- reichen. Die Schule in der Bismarckstraße hat 14 Klassen, die in der Blankenburger Straße 16 und die höhere Mädchenschule 8; in dieser Schule werden durch die Umwandlung einer Wohnung vier weitere Klassen geschaffen. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beträgt in der einen Schule 793 und in der anderen 801; in der höheren Mädchenschule 89, darunter 6 Knaben; für letztere Uchule liegen 21 Anmeldungen vor. Da sämtliche Klassen« räume besetzt sind, so lassen fich die fehlenden Räume nur durch den Bau eines neuen Schulhauses beschaffen. Ferner sei schon in Er- wägung gezogen worden, ob es nicht praktischer wäre, wieder zu der ttebenstufigen Schule zurückzukehren, da bei acht Klassen die oberen ich sehr spärlich füllen. Die Schuldeputation hat nun den Antrag gestellt, die höhere Mädchenschule in der Buckholzer Straße zu belassen und die Knabenvorschule in dem Schulhause Blankenburger Straße später unterzubringen. Des weiteren soll in der Charlotten- straße ein neues Schulhaus mit 28 Klassen sowie eine Turnhalle er- baut werden. Die Kosten würden insgesamt 330 000 M. betragen, davon entfallen aus die Turnhalle 25 000 M. Die Vertretung stimmte dem Antrage zu und soll der Bau zum Juli 19!0 fertig sein. Die Arbeiten sollen in einzelnen Teilen vergeben werden, möglichst an die hiesigen Handwerker. In der Vorlage der neuen Hundesteuerordnung war eine Jahres« steuer von 20 M. in Aussicht genommen. Nach einer fünfviertel- stündigen Debatte wurde beschlossen, die Hundesteuer wieder auf 12 M. festzusetzen, Steuerfreiheit indes nur solange eintreten zu lassen, als der junge Hund an der Mutter säugt. Die Eigentümer HermS, Schneider und Liedemit haben den An- trag gestellt, eine Straße von der Kaiser-Wilhelmstraße bis zur Waldstraße in den Bebauungsplan einzuziehen, der Ausbau soll zu- nächst nur bis zum Kreuzgraben erfolgen. Die Besitzer verpflichten sich, fünf Jahre die Kosten des Ausbaue» zu verzinsen und zu amortisieren, nach fünf Jahren sind die Anliegerbeiträge zu entrichten. Da der Gemeinde keine Kosten entstehen, so wurde dem Antrage zu- gestimmt. Da die Grundwertsteuer erhöht worden ist, so wurden zur Linderung der notleidenden Hausbesitzer die Kanalisations- gebühren für das Jahr 1909/10 auf 3 Proz. herabgesetzt. In nicht- öffentlicher Sitzung wurde uuter anderem beraten über die Aufnahme einer Anleihe; Hilfeleistung der Berliner Feuerwehr bei Bränden in den Vororten; Konzession zur Errichtung einer Heilanstalt. Teltow. Ein Eifersuchtsdrama macht viel von fich reden. Der 23jährige Knecht Majewski feuerte auf seine Braut, die Dienstmagd Martha Heinrich zwei Schuffe ab, die sie aber nur streiften. Darauf tötete sich M. durch«inen Schuß in die Schläfe. Potsdam. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Die letzte Versammlung befaßte sich u. a. mit baulichen Veränderungen am städtischen Feuer- wehrgruudsiück. wofür schließlich die Summe von 24 000 M. gefordert und bewilligt wurde. Hierbei kamen Mängel zur Sprache, die man eigentlich bei einer städtischen Anstalt nicht erwarten sollte, denn der Referent der Vorlage meinte, daß der Zustand der Klosetträume und der Waschgelegenheit für die Feuerwehrleute derart sei, daß man ein Eingreifen der Gewerbeinspektion erwarten könne.(Wenn dies ein Potsdamer Stadtverordneter ausspricht, dann muß eS ja ziemlich nett bestellt sein.) Auch sollen neue Fnttergelasse,' Geräte- laimnern und ein Pferdestall geschaffen werden. Ter Stadw. Börner wünscht, daß man dann auch gleichzeitig einen Rauin schaffen niöge, wohin»nan den bisher im Versorgungöheim abgehaltenen Jnfeltions- kursuS verlegen könne, zumal der jetzige Zustand weniger schön sei da hierbei immer die Zimmer der Siechen benutzt werden müßten und diese dann eine Zeitlang zu mehreren in einem Zimmer wohnen müssen, auch sei der hierdurch verbreitete Gestank den alten kranken Leuten keineswegs zuträglich. Eine Abhilfe hierin zu schaffen, wurde seitens des Magistrats versprochen. Der vergangene Winter hat gezeigt, daß sich die Anschaffung eines Sand- und Kies- streuwagcns notwendig macht, und wurden hierzu 1000 M. bewilligt. Für einen neuen Schnecflug warf man 1100 M. aus. Die bereits bewilligten Mittel zum Bebauungsplan der Brandenburger Vorstadt in Höhe von 9300 Di. reichen nicht aus und bewilligte man hierzu noch 550 M. Zur Regulierung der Sophienstraße wird die Sumnie von 23 000 M. gefordert und bewilligt. Die Schulgeldsätze für die drei oberen Klassen der höheren Lehranstalten, welche bereits vor kurzem erhöht wurden, müssen entsprechend einem Ministerialerlaß abermals eine Erhöhung erfahren und bettagen in Zukunft für Ein- heimische 150 M., fiir Auswärtige 170 M. Hierbei leistete man sich einen dem Potsdamer Stadtparlament ganz ähnlich sehenden Witz. Der Stadlv. Grell sprach im Namen des Lehrerkollegiums seinen Dank aus für die so vortreffliche Einrichtung des neuen Real- gymnasiums. Hierauf erhebt sich der Stadtv. Töpfer, um dem Vorredner seinen ganz besonderen Dank auszusprechen, daß er ihm einmal den Anblick eines zufriedenen Lehrers verschafft habe. Nach- dem dann noch für ein 20jährigcs Mädchen Kurlosten in einer Lungenheilstätte in Höhe von 387,50 M. bewilligt worden waren, verwies Stadtbaurat Nitzmann daraus, daß man Pflasterungsarbeiten an auswärtige Unternehmer vergeben habe, da die hiesigen bei einem Objekt von 45 000 M. um 9000 M. teurer gewesen seien. Vernrilchtca. Versuchte vierundzwanzigstiindige Dauerfahrt des Reichslnftschiffes. Ein Telegramm aus Friedrichshafen meldet: Da» Reichsluftschiff ist heute vorsttittag 9 Uhr 18 Minuten zu einer vienindzwanzig- stündigen Dauerfahrt aufgestiegen. Stuttgart, 5. April. 10 Uhr 25 Minuten. Das ReichSstlstschiff fliegt nordwärts in der Richtung der Bahnlinie Ulm-Stuttgart. Friedrichshafen, 2 Uhr 10 Minuten mittags. Bei der heutigen Dauerfahrt des RcichsluftschiffeS, deffen Leitung sich heute, ebenso wie bei der Münchener Fernfahrt, in den Händen des Majors Sper- ling befindet, kommt es weniger auf die zurückgelegten Distanzen als darauf an, das Fahrzeug solange wie möglich in den Lüften zu halten. Graf Zeppelin ist nicht mitgefahren. Der „Z. I" befindet sich gegenwärtig in der Gegend zwischen Aulendorf und Biberach in einer Entfernung von etwa 70 Kilometern von Friedrichshafen. ES hat gegen einen starken Nordostwind anzu- kämpfen. Biberach(Württemberg), 6. April. Seit 12 Uhr befindet sich das Reichsluftschiff in der näheren und weiteren Umgebung von Biberach. Es bewegte sich zunächst in der Richtung auf Laupheim, drehte dann aber wieder und befand fich um 2% Uhr anscheinend auf dem Rück- wege zwischen Winterstetten-Dorf und Winterstetten-Stadt. Friedrichshafen, 5. April. Das Luftschiff„7*. I" ist nach elf- stündiger Fahrt um 7 Uhr 25 Min. glatt und sicher vor der Halle gelandet. Das Luftschiff hatte in den Abendstunden gegen einen ziemlich starken Ostwind zu kämpfen. Zuletzt wurden zwischen Rorschach und Friedrichshafen in einer Höhe von etwa 150 Metern Uebungen ausgeführt._ Ein grauenhafter Raubmord wurde am Sonnabend unweit Boye bei Celle verübt. Die Ehefrau deö Schuhmaches Boehm aus Wolthausen hatte um acht Uhr morgens die Wohnung Verlaffen, um einen Geschäftsgang nach Boye zu unternehmen. Als die Frau bis Sonntag früh nicht wieder zurückgekehrt war, stellten die Einwohner von Wolthausen Nachforschungen an. Gegen mittag fand man die schrecklich zugerichtete Leiche der Frau in einem kleinen Föhren- bestände. Der Kops und das Gesicht waren durch Messerstiche bis zur Unkenntlichkeit entstellt, die Barschaft, die etwa 8 M. betrug, fehlte. Verdächtig, den Raub ausgeführt zu haben, ist ein Mann, der in Wolthausen nach Arbeit fragte und dann den Weg einschlug, aus dem der Mord verübt wurde. Aufgelaufen. Nach einer Lloydmeldung aus Punta ArenaS ist der englische Dampfer„Oalbranch" auf der Reise nach Chile in der Westmmster-Straße aufgelaufen und im sinkenden Zustande verlaffen worden. Von der Besatzung und den Passagieren haben neunzehn das Land erreicht. Der Kapitän und zwanzig Personen werden vermißt. Durch einen großen Brand ist in Fort Worth(Texas) ein großer Komplex von Wohngebäuden zerstört worden. Unter den zerstörten Gebäuden befinden sich gegen 100 Wohnhäuser sowie die Maschinen- reparaturwerkstätten der Texas— Pacific-Eisenbahn, vier Kirchen und zwei Schulen. Um Plünderungen zu verhindern, durchziehen Militär« Patrouillen die Stadt._ Amtlicher Marttbrrtcht der llZdttlchen MarNdallen.DtrrMon über den iAroghandel in den gentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zuiub: stark, Geschäst flott, Preise anziehend, sür Hammelfleisch unvcr. ändert. Wild: stusudi sehr gering, Geschäst rege, Preise hoch. Ge s l ü g e I: Zufuhr mäßig. Geschäst ziemlich lebhast, Preise hoch. Fische: Zusuhr noch mäßig, Keichäit ziemlich lebhast. Preise wenig verändert. B u l t e r und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise gedrückt. WitterungSUberflch» vom 5. April N»«S. morgen« 8 Udr. Stationen Swmemd» Hamburg verltn Frankl.a IR/ Ä ünchen Wie» u e « o I le 3 2 1®� Ii if 780® 779 D 779 SO 773 N0 17710 1776 Still Netter 1 heiter 2 ivoltenl 1 wollenl Zwolkenl Swolkenl halb bd.1— 1 vi« f- WS, 1 2 1 -1 Stationen 2 c Sa Havaranva 770 Still Petersburg 773 ANW Ecilly>766 OSO Werdeen �775® Parti(7680 I I Netter ** »» wolkenl— 12 1 wolkig— 5 5bedccki{ 8 2 heiter| 6 2wolkenl 2 I I Wetterprognose fiir Dienstag, den 6. April IVOS. Trocken und vorwiegend heiter, aber kühl bei ziemlich scharfen östlichen Winden; Nachtfrost. Berliner W ett e r b ur ea«. WaflerltandS-Aacki richte» der Landezanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnflerburg Weichsel. Thoru Oder, Natibor , Kroflen , Frankfurt Wa r t h e, Schrinnn , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg >1 bedeutet Wuchs,— Fall.—'1 Unterpegel.—•) Eisfrei. Nach telegraphischcr Meldung ist die O d c r bei Naiibor bis heule früh aus 257 ow. gejallen. Der Rhein erreichte bei Maximiliansau am 3. April 6 Uhr nachmittags seinen höchsten Wasserstand mit 4�0 cm. Verantwortlicher Aedaltcur: Kau? Weber, Pexlin. Für denLnscratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck«. Verlag: Borwärt» Buchdrucker« y, Perlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SVV,