Ur. 82. BboniwmcntS'Bedfngiingcn: ÄonnementS• Preis prSnumer-mdo i Sicrteljübrl. 3£0 SDIf., mcnatl. 1,10 Ml, wöchcrttlich 2b Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Wonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- PreiSIifle. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, 'olland. Italien. Luxemburg, Portugal, ~ licn, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. Critalnt»glich nOtr montags. ji � Berliner Volksblntt. vie ln;ettIonZ-<-edIlh> beträgt für die fcchsgefpaltenc Kolonel- geile oder deren Rmun 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Bereins- und Bcrsammlungs-Anzeigcn A» Pfg. „lUeine Hniclgen", daS erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnseraic für die nächste Nummer müssen vi«!» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoiiaHcmoXrat Retlin". Zentralorgan der fozialdemohratifcben Partei Dentfchlands. Redaktion t 8Al. 68. Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 7. April Expedition: 8Äl. 68, �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Der Köder der Strafgektznovelle. Die Lex Eulenburg, die S t ra f g e s e tz n 0 v e l l e. ent- holt, wie wir schon in unserem Artikel über die Verböserung des Beleidigungs- und des Erpresserparagraphen ausführten, auch einige Vorschläge, denen die Sozialdemokratie zustimmen könnte, wenn sie für sich allein zu beschließen wären. Dahin gehört vor allem der Entwurf einer neuen Bestimmung gegen die Mißhandlung von Kindern und anderen durch Krankheit oder Gebrechlichkeit wehrlosen Personen durch die Eltern oder die zur Obhut und Fürsorge Bestellten. Bisher siel solche Mißhandlung unter den Begriff der einfachen Körperverletzung, sofern sie nicht mit einem gefährlichen Werk zeug verübt worden war oder nicht eines der sonstigen Merk male der gefährlichen oder der schwereren Körperverletzung zutraf. Die einfache Körperverletzung ist n u r a u f A n t r a g verfolgbar. Wenn nun Kinder von dem eigenen Vater oder dem Vormund mißhandelt werden, ist der zur Stellung des Strafantrages Berechtigte zugleich der Verüber der strafbaren Handlung. Nicht viel besser steht die Sache, wenn die Mutter das Kind mißhandelt, da der Vater meist aus Rücksicht auf seine Gattin oder auch weil er mit ihrer Handlungsweise ein- verstanden ist. keinen Strafantrag stellen wird. Da konnte nur die Bestellung eines Pflegers helfen und bis die iiötigen Formalitäten erledigt waren, mochte die Antragsfrist schon verstrichen sein, so daß eine Verfolgung nicht mehr statt- finden konnte. Bei der formalistischen Rechtsprechung, die in Deutschland in üppiger Blüte steht, führt das zu den größten Ungerechtigkeiten. Denn es blieben auf diese Weise nicht nur die gelinderen Vergehen dieser Art unverfolgt, sondern unter Umständen auch Taten, die eine ganz besondere Roheit der Gesinnung verrieten und dem unglücklichen Kinde entsetzliche Qualen bereiteten. So kann eine Mißhandlung, die mit einem mittelkrästigen Stock verübt wurde, als gefährliche Körperverletzung qualifiziert und daher ohne Antrag verfolgt werden, weil ein solcher Stock als gefährliches Werkzeug gilt. Tagegen hat sich der Scharfsinn der gelehrten Richter so sehr in spitzfindigen Begriffsdefinitionen gefangen, daß sie nicht imstande sind, das Hinsetzen eines Kindes mit ent- blößtem Gesäß auf eine glühende Herdplatte für gefährliche Körperverletzung zu erklären. Denn der befestigte Herd ist nicht eine bewegliche Sache, und eines der unentbehrlichsten Merkmale des Begriffs„gefährliches Werkzeug" ist die Be- weglichkeit! Den Nachteilen, die sich auS dem jetzigen Zustande er- geben, will die Novelle abhelfen, indem sie die Mißhandlung von Kindern und anderen wehrlosen Personen durch die zu ihrer Fürsorge und Obhut Bestellten als ein besonderes Ver- gehen erklärt, das unter den Begriff der gefährlichen Körper- Verletzung fällt, also unter allen Umständen, einerlei in welcher Weise es verübt wird, ohne besonderen Antrag zu ver- folgen ist. Damit ist zugleich eine Verschärfung des Strafmaßes verbunden: während die einfache Körperverletzung mit Gefängnis von einein Tage bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 1009 Mk. bestraft wird, tritt bei ge- jährlicher Körperverletzung Gefängnisstrafe nicht unter zwei Monaten bis zu fünf Jahren ein und Geldstrafe ist über- Haupt nicht zulässig. Da die Mißhandlung von Kindern und anderen wehrlosen Personen eine besondere Roheit der Ge- sinnung verrät und für die Betroffenen besonders schmerzlich und folgenschwer ist, so ist dagegen nichts einzuwenden. Allerdings sind Härten nicht ausgeschlossen, weil auch Dienst- boten, die die ihnen zur Obhut übergebenen Kinder miß- handeln, unter die neue Strafvorschrift fallen. Da ihre Pflichten gegen die ihnen anvertrauten Kinder nicht entfernt mit denen der Eltern, Vormünder usw. verglichen werden können, so ist zu erwägen, ob für Dienstboten und ihnen Gleichstehende nicht ein milderes Strafminimum geschaffen werden kann. Ebenfalls eine Strafverschärfung setzt die Novelle für die Tierquälerei fest. Sie gilt im jetzigen Recht als Ueber- tretung und ist daher im Höchstfalle nur mit sechs Wochen Haft oder 150 M. Geldstrafe zu belegen. Außerdem fordert der§ 370. Nr. 13 des Strafgesetzbuchs, daß die Tat öffentlich oder in Aergernis erregender Weise geschah. Wer also außer- halb der Oeffentlichkett oder im Kreise roher Patrone, die kein Aergernis daran empfinden. Tiere boshaft quält oder roh mißhandelt, geht heute straffrei aus. Das entspricht allerdings nicht der Auffafsung, die wir über die Pflichten der Menschen gegen die Tiere haben. Und nicht der Gefahr der Tierquälerei für die Volksgesittung— bedeutet doch die Verrohung, die sie für Täter und für so manchen Zuschauer im Gefolge hat, auch eine Gefährdung menschlichen Lebens. Wir können deshalb damit einverstanden sein, daß die Novelle die Tierquälerei zum Vergehen macht, das mit G e- fängnis bis zu dreiMonaten oder Geldstrafe bis zu 000 M. bestraft wird, sowie daß der Begriff der strafbaren Handlung durch F 0 r t f a l l der Merkmale„öffent- lich oder in Aergernis erregender Weise" erweitert wird. In- des auch hier wäre unseres Erachtens zu erwägen, ob nicht tür Personen, die ihre Berufstätigkeit unter Anwendung von Tieren auszuüben haben, ein geringeres Strafminimum fest- zusetzen wäre, wenn ihnen gewisse mildernde Umstände, wie Ermüdung und Reizung durch überlange Arbeitszeit oder Gefahr wirtschaftlichen Nachteils, wenn eine gewisse Leistung mit den anvertrauten Tieren nicht vollbracht wird, zur Seite stehen. Daß eine Verkürzung der Arbeitszeit der Fuhrleute und sonstige Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen der Miß- chandlung der Pferde mehr entgegenwirken würde, als alle Strafvorschristen, liegt auf der Hand. Der bisherige 8 370 Ztr. 13 des Strafgesetzbuchs soll sich hinfort gegen diejenigen richten, die behördliche Vorschriften zur Verhütung von Tierquälerei übertreten. Es kommen dabei Verordnungen über den Transport von Tieren, über die Vornahme von Schlachtungen und wissenschaftlichen Experi- mente an Tieren und dergleichen in Frage. Außer diesen Strafverschärfungen sind eine Reihe Strafmilderungen vorgesehen. So wird für den mit Waffen oder von mehreren gemeinschaftlich begangenen Hausfriedensbruch bestimmt, daß er künftig nur auf Antrag zu verfolgen ist. Nach dem geltenden Recht mußte die Strafverfolgung auch ohne Antrag eintreten und als Strafe ist nur Gefängnis von einer Woche bis zu einem Jahre vorgesehen. Das hat zu unbilligen Härten geführt, da als Waffe schon ein handfester Stock gilt, und der gemeinschaftliche Hausfriedensbruch sich vom harmlosesten einfachen Haus- friedensbruch lediglich durch den einen Unistand unterscheiden kann, daß statt einer Person ein Ehepaar den Raum widerrechtlich betritt. Die neue Fassung setzt deshalb auch das Minimum der Freiheitsstrafe auf einen Tag herab und läßt außerdem Geldstrafe bis zu 1000 M. zu.— Weniger erfreulich ist, daß bei derselben Gelegenheit auch das wider- rechtliche Verweilen in Räumen, die dem öffent» lichen Verkehr dienen, unter den Begriff des Haus- friedensbruchcs gebracht»verden soll. Das ist unnötig, denn die öffentlichen Verkehrsmittel. Eisenbahnwaggons, Straßenbahnwagen usw., sind durch Verordnungen besonders geschützt, und die milderen Strafen, die auf ihre Uebertretung gefetzt sind, genügen, da das widerrechtliche Eindringen in solche öffentliche Räume mit dem in Wohn-, Geschäfts- oder Diensträume durchaus nicht gleichzusetzen ist. In den Strafvorschriften für Acre st bruch, Siegel- bruch und Vereitelung der Zwangsvoll st reck- u n g, die jetzt nur Gefängnisstrafe kennen, wird überall die Geldstrafe zugelassen, was sehr gerechtfertigt ist. Die wichtigste dieser Strafmilderungen ist schließlich die den D i e b st a h l und die Unterschlagung betreffende. Das jetzige Recht hat für den Diebstahl ui�d namentlich für den Rllckfalldiebstahl wahrhaftig drakonische Bestimmungen, die nur zu deutlich zeigen, daß das Strafrecht in der bürger- lichen Gesellschaft vornehmlich dje Aufgabe hat, das heilige Eigentum zu schützen. Wer z. B. zum dritten Male beim Diebstahl ertappt wird, der wird, und wenn er auch aus bitterster Not gehandelt hat und das Gestohlene in allen drei Fällen nur geringen Wert hatte, unbarmherzig mit Gefängnis nicht unter drei Monaten und, wenn ihm mildernde Umstände verfagt werden sollten, mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren be- straft. Nur wenn es sich um Nahrungs- und Genußmittel in geringen Mengen handelt, die zum alsbaldigen Verbrauch entwendet werden, tritt eine mildere Bestimmung ein. die Nr. 5 des 8 370, die Haft bis zu 6 Wochen oder Geldstrafe bis zu 150 M. festsetzt. Die Beschränkung dieser Bestimmung auf Nahrungs- und Genußmittel hat zu allerlei schier grotesken Ungerechtig- leiten geführt. Wer ein wenig Brot, Fleisch, Tabak oder dergleichen entwendet, um seinen oder Angehöriger Hunger zu stillen, genießt die Milde des§ 370, wer aber ein wenig Holz oder Kohlen nimmt, um sich oder seine An- gehörigen vor wütender Kälte zu schützen oder wer ein paar Groschen entwendet, um sich Nahrung zu kaufen, ist ein Dieb, der nach den strengen Paragraphen über den Diebstahl und den Rückfallsdiebstahl gerichtet wird. So kommen jene un- geheuerlichen Urteile zustande, die oft genug zu verzeichnen sind, und die einen armen Teufel wegen Entwendung eines Objektes von ein paar Pfennig Wert auf lange Monate oder gar Jahre ins Gefängnis oder auch Zuchthaus bringen. So daß unter Umständen der dritte Diebstahl von einigen Groschenstücken den Täter auf längere Zeit hinter schwedische Gardinen bringen kann, als die widerrechtliche Aneignung einiger Hunderttausender dem großen Gauner an Freiheits- strafe kostet. Die Novelle sucht diesem ungerechtm Zustand abzuhelfen, indem sie die Geltung der Nr. 5 deö§ 870 auf die Entwendung von Gegenständen des Hauswirtschaft- lichen Verbrauchs überhaupt ausdehnt. So wird also auch die Entwendung geringer Mengen von Feuerungs-, Be- leuchtungs- und Reinigungsmitteln, die im Haushalt ver- braucht zu werden pflegen, der milderen Strafbestimmung unterstellt. Voraussetzung ist dabei immer, daß die Ent- Wendung ztmt alsbaldigen Verbrauch erfolgt. Außerdem wird die Unterschlagung unter denselben Bedingungen in diese Bestimmung einbezogen. Das ist an sich begrüßenswert. Aber eS genügt nicht. Die Entwendung von ein paar kleinen Geldstücken bleibt nach wie vor aus dem Geltungsbereich dieser milderen Straf- bestimmung ausgeschlossen. Und ist derjenige, der ein Kleidungsstück entwendet, um sich oder einen Angehörigen gegen die Kälte zu schützen, strafbarer als jener, der zum selben Zweck einige Stücke Kohle nimmt? Die Unterscheidung zwischen Gegenständen des hguSwirtschaftlichen Ver- b r a u ch s und des hauswirtschaftlichen Gebrauchs ist wenig geeignet, um danach die Strafbarkcit der Entwendung zu klaffifizieren. Die Entwendung von häuslichen Gerät- schaftcn. Kleidungsstücken und dergl. müßte mindestens auch noch dem 8 370 unterstellt werden. Allerdings bringt die Novelle noch einen neuen§ 2t8a, der da lautet: Wer aus Not geringwertige Gegenstände entwendet oder unterschlägt, wird mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder mit Ge- fängnis bis zu ö Monaten bestraft. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig. Wer die Tat gegen einen Verwandten absteigender Linie oder gegen seinen Ehegatten begeht, bleibt straflos. Das ist sicherlich eine Nesorm, die allerdings sehr spät kommt. Aber sie kommt. Indes erfüllt auch fie nicht alle berechtigten Forderungen. Wer aus Not stiehlt, der kann nicht immer den Gegenstand sorgsam auswählen, damit es ein geringwertiger ist; er wird nehmen, was ihm zunächst in die Finger fällt oder er wird gerade durch den Anblick eines wertvollen Gegenstandes zur Tat angereizt werden. Wenn der Diebstahl aus Not geschieht, dann sollte unter allen Um- ständen der mildere Paragraph eintreten, und wenn die äußerste Not zur Tat trieb, so müßte überhaupt Straflosigkeit eintreten, wie das bisweilen in Oesterreich geschieht, wo Richter mit sozialem Verständnis freisprechen, weil die Not einen unwiderstehlichen Zwang auf den Täter ausgeübt habe. Dann aber ist wieder die Begrenzung der Bestinunung auf die aus Not verübten Diebstähle ungerechtfertigt. Beim 8 370 ist diese einschränkende Bestimmung nicht vorgesehen, man rechnet beim Diebstahl von Nahnings- und Genußmittclu nicht bloß mit dem nagenden Hunger, sondern auch mit den Ge- lüften, die der Anblick dieser Dinge hervorrufen kann. Dann sollte man auch hier mit den Gelüsteil rechnen, die durch die mangelhafte Verwahrung und Beaufsichtigung anderer Gegen- stände hervorgerufen werden können, und sollte Leichtsinn und Unüberlegtheit neben der Slot als mildernde Umstände gelten lassen. So mancherlei aber an den Bestimmungen, die wir hier behandelt haben, auch noch auszusetzen sein mag, an sich stellen sie zweifellos Verbesserungen des jetzigen Rechtszustandes dar. Indes kann uns dieser Köder selbstverständlich nicht veran- lassen, auf die Angel der Lex Eulenburg anzubeißen. Solange die Novelle die ungeheuerliche Verschlechterung des Beleidi» gungsparagraphen enthält, diesen Knebel für die Arbeiter- presse, solange ist sie auf das entschiedenste zu bekämpfen, trotz alles leidlich Guten, was sie sonst bringt. Ullerllrale Steuerpolitik. Wir berichteten gestern, daß die„Westdeutsche Ae- beiterzeitun g". das Organ des Verbandes der katholischen Arbeiter- und Knappeiivcreine. an die Steuerpolitik des Zentrums scharfe Kritik übt und besonders tadelt, daß entgegen den öffentlich abgegebenen Erklärungen verschiedener Zcntrumsabgeordncten, gegen die Liebesgabe an die Spiritusbrenner eintreten zu wollen, die Zcntrumsmitglieder der Finanzkommission ftir die Konscr- Vierung der Liebesgabe gestimmt haben. Die„Kölnische Volks- zeitung", die ihre früheren gelegentlichen demokratische!, Regungen in letzter Zeit völlig abgestreift Hai und jetzt unverdrossen die reaktionärsten Sprünge der Zcntrumsfraktion mitmacht, fühlt sich durch diese Kritik um so mehr getroffen, als sie den offenkundigen Wortbruch des Zentrums nicht zu bestreiten vermag. Sie verlegt sich deshalb nach dem Muster jesuitischer Argumentation darauf, nachzuweisen, daß erstens die Versprechungen unter Umständen er- folgt seien, die heute nicht mehr bestehen, daß zweitens gerade die Stellung de» Zentrums als„Rechtspartei" dieses zur Aufrecht- «Haltung der Liebesgaben zwinge und drittens, daß eine Er- höhung der Matrikularbeiträge für den Arbeiter günstiger fei, als die Einführung der Nachlaßsteucr. Wörtlich sagt das Kölner Zen- trumsblatt: „Der Umstand, daß auch solche Mitglieder der Zentrums» fraktion in diesem Augenblick für die einstweilige Beibehaltung der„Liebesgabe" sich erklärt haben, die früher entschieden für deren Beseitigung eingetreten find, sollte doch zum Nachdenken veranlassen, che man voreilig aburteckt. Die betreffenden Mit- glieder der Koinmission aus dem Zentrum haben sich auch keines- Wegs in Widerspruch zu ihren früheren Erklärungen gesetzt, denn damals dachte niemand von ihnen an eine so starke Neu- belastung deS Branntweins, wie sie jetzt erfolgen soll, sondern lediglich an eine Reform der bisherigen Branntweingesetzgebung. Im übrigen spielte mich das Reservatrccht Bayerns auf diesem Gebiete in der Kommission eine bedeutsame Rolle. Libc- rale und Sozialdemokraten können sich darüber leicht hinweg- setzen, denn was kümmern fie Verträge und Rechte der Einzel» staatcn. aber das Zentrum als föderalistische, als Rechtspartei kann darüber nicht so leichten Herzens hinweggehen. Die„Westd. Arbeiterzeitung" glaubt auch, daß die Sym- pathien für eine Nachlatz- bezw. Erbschaftssteuer sich in den letzten Wochen stark vermehrt hätten und wendet sich dabei gegen einen Artikel der„Kölnischen Volkszeitung", worin ausgeführt war, daß die Einzclstaaten den durch die Finanzreforni nicht gedeckten Teil des Reichsdefizits auf die Matrikularbeiträge nehmen müßten. Es ist uns nicht reckst verständlich, wie die „Westd. Arbeiterzeitung" daraufhin die Befürchtung aussprechen kann, das Defizit werde schließlich aus den Taschen der weniger leistungsfähigen Steuerzahler bestritten werden. In den Einzel» staaten. vor allem in Preußen, haben wir bekanntlich die direkte Besteuerung mit progressiver Zunahme des Steuersatzes nach oben, in Preußen noch obendrein die Vermögenssteuer. Was kann gerechter gegen die minder leistungsfähigen Steuerzahler sein als die direkte Besteuerung? Würde die Finanzreform scheitern, so ständen sich die minder leistungsfähigen Steuerzahler nicht schlechter, sondern besser als bei einer Finanzreform, die zu zwei Drittel bis vier Fünftel des Bedarfs aus indirekten Steuern herausholen will. Aber auch wenn man lediglich die Lösung des übrigen Drittels oder Fünftels der Deckungsfrage, also die sogenannte Besitzstcucrfrage, im Auge hat, mutz man doch sagen: Besser als gar keine Lösung dieser Frage ist immer noch eine halbe Lösung auf dem Wege über die Matrikular- beitrüge." Es ist kaum anzunehmen, daß die„Kölnische Volkszeitung" ihre eigene Beweisführung ernst nimmt. Die ZentrumSabgeordncten, die sich gegen die Schnapsliebcsgabe ausgesprochen haben, haben nirgends ihre Verurteilung des den Schnapsbrenncrn auf National- kosten gespendeten Geschenkes an bestimmte Bedingungen geknüpft. Wollten sie bekunden, daß sie nur unter gewissen Umständen und Bedingungen für die Aufhebung der Liebesgabe eintreten wollten, hätten sie dies sagen und nicht ihre Wähler in den Glauben ver- setzen müssen, sie seien energische Gegner der ganzen Schnaps- brenncrdotatiou. Stimmen sie jetzt entgegen ihrer Zusage für das Fortbcstehen der Liebesgabe in irgendeiner Form, so b e- gehen sie einen perfiden Wortbruch. Weiter, was soll die Bezugnahme auf das Reservatrccht Bayerns? Bestand denn dieses Rcservatrecht nicht schon bisher? Und wenn dies der Fall, hätten dann nicht die Gegner der Liebes- gaben schon früher, als sie ihre Erklärungen abgaben, dieses Recht mit berücksichtigen müssen? Noch alberner ist das Gerede der„Köln. VolkSztg." über die Matrikularbeiträge. Wie sie selbst zugibt, ist die direkte Besteuerung„gerechter" als die indirekte. Daraus ergibt sich, daß sie, will sie das Interesse der Arbeiterschaft wahren, für die Aufbringung der zur Deckung des Rcichseinnahmedcfizits nötigen Ml) Millionen Mark durch direkte Steuern eintreten muß. Diese Konsequenz erkennt sie aber nicht an, sondern ist ganz damit einverstanden, daß vier Fünftel der Summe durch indirekte, also nach ihrer eigenen Definition durch„ungerecht e", Vorzugs- weise die ärmeren Volksschichtan belastende Steuern aufgebracht werden. Aber auch das letzte Fünftel sollen nicht etwa die Vermögenden allein zahlen, nein, auch zu diesem Teil sollen noch die unbemittelten Klassen bei- steuern. Deshalb soll die Nachlaßsteuer durch eine Erhöhung der Matrikularbeiträge ersetzt werden, die von den Einzelstaaten aus ihren Steuereinnahmen bestritten werden, also aus Einnahmen, zu denen auch die Aermeren beigesteuert haben. In Wirklichkeit läuft demnach die Forderung des Kölner Zentrumsblattes darauf hinaus, daß die ärmeren Volksschichten un° gefähr neun Zehntel, die Wohlhabenden nur etwa ein Zehntel der neuen Steuerlasten über- nehmen sollen. Und merkwürdig, während das Blatt so besorgt ist, um das Recht der bayerischen Spiritusbrenner auf ihren ihnen durch die Spirituskontingentierung garantierten Extraprofit, hat es für das Recht der Arbeiter auf den not- wendigen Lebensunterhalt nicht das geringste Verständnis. ver neunltuDdcntas für die belgischen Bergarbeiter. Brüssel, 2. April.(Eig.«8er.) Der belgischen Kammer ist mit dem Gesetz über den Neun- stundentag für die belgischen Bergarbeiter wieder einmal ein Stückchen Sozialpolitik entrissen worden. Obgleich das Gesetz genugsam Schwächen aufweist und schlecht- hin das Minimum dessen darstellt, was die Bergarbeiter fordern. hat eL doch harter Auseinandersetzungen, eines FeilschenS bis zum letzten Augenblick und im kleinsten bedurft, um dem HauS diesen Fußbreit Arbeiterschutz abzuringen. Schon die Festlegung des Prinzips einer gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit— wenn auch vorerst nur für eine Arbeiter- gruppe— ist als ein großer moralischer und faktischer Erfolg in einer parlamentarischen Vertretung zu buchen, in der auf der Rechten und Linken eine Clique zähester Manchesterleute sitzt, die von vorn- herein jedem Eingreifen des Staates in die Sphäre des Unternehmer- tumS schärfsten Widerstand entgegensetzt und jede Aufrichtung gesetz- licher Schranken gegen die Ausbeutung der arbeitenden Klasse als ein Attentat auf die Unternehmerfreiheit bekämpft. Vor allem war von diesem Geist, die„Freiheit" des Unter- nehmerS nicht allzu einzuengen, der Arbeitsminister Hubert selbst beseelt, der sich überhaupt von Arrfang bis Ende als treuester An- walt der Grubenherren erwies und allen Amendements der sozialistischen Deputierten, die ununterbrochen bemüht waren, der Engherzigkeit entgegenzuarbeiten und dem Gesetz einen etwas breiteren sozialpolitischen Rahmen zu geben, eine von unsäglicher Borniertheit erfüllte, leider zuweilen von Er- folg gekrönte Opposition entgegensetzte. Obenan stand da sein Mühen, die Jnkrafttretnng deS Gesetzes so weit als möglich hinaus- zuschieben— natürlich mit Rücksicht auf die notwendigen Um- tvandlungen und Vorbereitungen im Bergbaubetrieb, die das neue Gesetz nötig mache. Band ervelde wie der Liberale Flöchet forderten die sofortige Jnkrafttretung deS NeunstundengesctzeS; nach dem energischen Widerstande deS Ministers wünschten die Sozial- demokraten zum wenigsten die Festsetzung deS Datums auf den 1. Januar 1911. Aber alles Entgegenkommen blieb ohne Erfolg: der Minister verharrte bei feiner Auffassung, daß die vorbereitenden Maßnahmen für die Einführung des Gesetzes mindestens eine Frist bis zum 1. Januar 1912 erheischen, welchem Datum daS HauS auch zustimmte. Daß daS Gesetz einen Artikel aufweist, der den Unternehmern freistellt, als UebergangSstadium bis zu dieser Zeit den g'/zstündigen Arbeits- tag einzuführen, ist natürlich ein geringer Trost.— Auf den Wider- stand des Ministers stieß gleichfalls das Amendement der sozialifti- schen Deputierten Donnay-Smeets, das jenen Bergarbeitern, die bereits den Achtstundentag errungen haben, diese Arbeits- zeit auch unter dem neuen Gesetz sichern sollte. Die Art, wie der Minister dieses Amendement bekämpft hat, hat gerade gezeigt, wie notwendig die Durchsetzung des Antrages gewesen wäre.-» Die Kammer hat sowohl diesen Antrag wie auch den DeströeS verworfen, der für jene Fälle, in welchen das Gesetz Ausnahmen in bezug auf die Einhaltung der gesetzlich normierten Arbeitszeit vorsieht, die doppelte Bezahlung der lieber stunden verlangte. Da die Frist für eine Neberschreitung der Normalarbeitszeit für die im Gesetz vor- gesehenen Fälle die Dauer von drei Monaten im Jahre erreichen kann, hatte das Amendement Destree nur zu sehr seine Berechtigung und seine Verwerfung wird Mißbräuchen aller Art Tür und Tor öffnen. Denn wie Desträe richtig ausführte, ist die Verpflichtung zur doppelten Bezahlung eine gute Schutzwehr gegen den Mißbrauch der lleberstunden. Auf das Sicgeskonto des ArbeitSministerS gehört auch die Votierung eines Artikels, wonach mittels königlichen Erlasses bei drei Kategorien von Bergarbeitern. Maschinisten, Aufschern und Konduktenren, die Arbeitszeit verlängert werden kann, so daß in das Gesetz, das zwar die Anwenduug des NeunstundentageS für alle Bergarbeiter ausspricht, doch hmtennach ein Loch gerissen wurde. Auch hier hatten die Sozialisten Entgegenkommen gezeigt und für die Maschinisten die Ausnahme gelten lassen wollen. Indes hat die Kammer, nachdem sie sich in der ersten Lesung fitr die a u s n a h m s- lose Anwendung deSNeunstundengesetzeS auf sämt- liche Bergarbeiter aussprach, in der zweiten Lesung daS Amendement des ArbeitSministerS angenommen. Man kann danach sagen, daß alle Abschwächungcn und Mängel deS Gesetzes der Initiative und dem Eifer des Ministers, den Grubenherren zu dienen, entspringen, ebenso wie alle wesentlichen Bestimmungen, die der Bergarbeiterschast Vorteile verheißen, sich gegen den Minister durchzusetzen hatten. Daß das Neunstundengesetz, trotz aller Bemühungen der Re- gierung und seiner Feinde von rechts und links, eS zu einem leeren Fasiadengesetz zu»nachen, dennoch ein ernstes Werk geworden ist; daß das Prinzip der gesetzlichen Regelung der Arbeits- zeit trotz aller Anschläge ziemlich rein zum Durchbruch kam, ist in erster Linie der wachsamen Tätigkeit unserer Genossen in der Kammer, insbesondere Desträe und den Bergarbeiter- deputierten geschuldet. DaS neue Bergarbeitergesetz hat die Hoffnungen der Berg- arbeiter sicher nicht ganz erfüllt; aber sie werden sich sagen, daß im Augenblick erreicht worden ist, was unter den gegebenen Parka- mcutarischen Verhältnissen zu erreichen war. DaS Gesetz ist eine Etappe auf dem Wege zum gesetzlichen Achtstundentag, ein Schritt auch auf dem Wege zur Erringung eines gesetzlichen Arbeitstages für die gesamte Arbeiterschaft— ein Ziel, das sich die belgische Sozialdemokratie für die allernächste Zukunft gesetzt hat._ poUtifcbc GcberHcbt Berlin, den 6. April 1909. Der badische„Simplieissimus"-Prozest. Stuttgart, den 3. April. (Privatdepcsche des„Vorwärts".) Zu einer bösen Blamage für das großhcrzoglich badische StaatSministerium und die Generaldireklion der badischen Eisen- bahnen hat sich der Prozeß gegen den„SimplicisstinuS" vor der Stuft- g arter Strafkammer gestaltet. Der„SimplicissimuS" ist. weil„unsittlich", vom Verkauf auf den badischcn Bahnhöfen ausgeschlossen. DaS Witzblatt geißelte diesen Sittlichkeitseifer durch ein satirisches Bild, dem die Tatsache zugrunde lag, daß in einem von der badischen Regierung erworbenen Hause ein Bordell errichtet ist und mit Er- laubnis der Regierung über ein Jahr fortgeführt wurde. Die Regierung hatte die Erlaubnis zur weiteren Benutzung deS von ihr erworbenen Hauses zum Bordcllbctriebe auf l'/g Jahre kontraktlich erteilt, um einen möglichst niedrigen Kaufpreis zahlen zu müssen. Der"Siinplicissimus"redakteur Hans Kaspar Gulbransson wurde wegen Beleidigung und übler Nachrede zu 400 M. Geld- strafe verurteilt.(Der Staatsanwalt hatte 1000 M. beantragt.) In der Begründung des heute vormittag bekannt gegebenen Urteils heißt es aber: Dein Angeklagten sei zugute zu halten, daß die Eisenbahnverwaltung eine geraume Zeit hindurch Eigentümerin eines Hauses gewesen sei, in dem ein Bordell betrieben wurde, ein Zustand, der geeignet gewesen sei, Kritik und Satire aufs schärf st e heraus- zufordern. Dem badischen Staatsministerium wurde die Erlaubnis erteilt, dieses Urteil in der„Karlsruher Zeitung", in dem„Württem- bergischen StaatSanzciger" und dem„SimplicissimuS" zu ver- öffentlichen. Der Verteidiger hat Revision gegen daS Urteil angemeldet. Revolte der privilegierten„Herren" in Hessen. In der Ersten Kaminer deS GroßherzogwmS Hessen kam eS in voriger Woche zu einem scharfen Konflikt mit der Regierung. Der Präsident Graf Görz zu Schlitz, die Vizepräsidenten Fürst Solms-Hohensolms-Lich und Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim legten ihre Aemtcr nieder, angeblich weil die Regierung den Wunsch der „hohen und erlauchten Herren" mißachtet habe, daß größere Vor- lagen nicht im Budget verpackt sein sollen. Die Regierung hatte in daS Budget eine größere Forderung für D a m m b a u t c n eingestellt, die auf Grund eines bestehenden Gesetzes notwendig waren. Die„Herren" sahen hierin eine Beschränkung der ver- fassungSmäßigen Rechte der Ersten Kammer. Wenn nämlich solche Forderungen im Budget erscheinen, so ist der Ersten Kammer un- möglich, darüber gesondert zu befinden, weil ihr nicht daS Recht zusteht, einzelne Budgetkapitel zu beanstanden, sondern nur das Budget im ganzen entweder abzulehnen oder anzunehmen. Als besondere Vorlage aber hätten die„Herren" die Dammbau- forderungen eventuell ablehnen können, wodurch diese dann für die drei Jahre der LandtagSdaner beseitigt gewesen wären. Die Regierung hat entschieden verweigert, den Wünschen der Ersten Kammer jetzt und für die Zukunft z» entsprechen, weil sie die Ansicht vertrat, daß durch bestehende Gesetze bedingte Auf- Wendungen in das Budget einzustellen seien. Diese Weigerung der Regierung beantwortete daS Präsidium der Ersten Kammer mit der Demission. Der Konflikt zwischen der Ersten Kammer und Re- gierung war fertig; ein Fall, der seit den 90 Jahren des Bestehens der Verfassimg einzig dasteht. Bevorrechtete der Geburt und deS Besitzes in Aufruhr, Standesherren. die gegen die großherzogliche Re- gierung revoltieren! Schöner als der Stift des KarilaturzeichnerS malt das Leben. Die Aktion der Ersten Kammer stellt sich bei Licht besehen als einen Vorstoß ihres geistigen Einpaukers, des Wormser F r e i h e r r n v. Heyl dar. ES war heyliger Geist, der die„Herren" be- schattete. Heyl hatte eS in erster Linie darauf abgesehen, den von ihm nicht geliebten Finanzminister Dr. Gnauth zu stürzen. Der Präsidentendemission war nämlich eine scharfe Auseinandersetzung zwischen dem Finanzminister und Frhrn. v. Heyl voraufgegangen über die bekannte Eisenbahnrede deS letzteren im Reichstage, die vom Finanzminister in der Zweiten Kammer scharf zurück- gewiesen wurde. Dr. Gnauth blieb gegenüber den RcchtfertigungS- versuchen HeylS dabei, daß dessen Darstellung, als könne Hessen bei einer Revision deS preußisch-hessische» Eisenbahnvertrages nur verlieren. weder richtig noch klug gewesen sei. Ferner hatte sich der hessische Finanzminister dadurch den Zorn des natiouallibcralen Wormser Lederkrösus zugezogen, daß er nicht ausdrücklich daS Verbot des preußischen EisenbahnnnnistcrS billigte, demzufolge den Beamten und Bediensteten der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschast die Mitgliedschaft in„sozial- demokratischen" Konsumvereinen untersagt sei. Dr. Gnauth hatte ziemlich deutlich die Verantwortung für die„preußischen Ver- waltuugSgrundsätze" abgelehnt. Heyl hatte dem Finanzminister infolgedessen Rücksichtslosigkeit gegen den preußischen Alliierten vor- geworfen. Der Schlag der Privilegierten gegen die Regierung wurde von der Zweiten Kammer sofort pariert, die sich am folgenden Tage einmütig hinter die Regierung stellte und ihr„für die loyale Vertretung der verfassungsmäßigen Rechte der Zweiten Kammer bei der Verhandlung der Ersten Kammer im Namen aller Parteien des Hauses den Dank" aussprach. Da auch der Groß- herzog sich ganz auf die Seite seines Ministeriums stellte und die Demission der Präsidenten der Ersten Kammer nicht annahm, so verlief die ministerstürzlerische Aktion der „Herren" kläglich im Saude. In einer Extrasitzung am Freitag erklärte der Präsident Graf Görz denn auch die.Unstimmig- leiten für beendet", trotzdem das Ministerium ausdrücklich verkündet hatte, daß es„auch künftig" genau so verfahren werde wie seither.-_ Südwestafrikanische Jnteressenkanipfe. Die„Tägliche Rundschau" gibt eine ausführliche Darstellung des Kampfes, der sich in Südwestafrika um die Diamanten abspielt. Sie schreibt: Als vor einigen Wochen die Bildung eines Syndikats kleinerer Diamantinteressenten aus Lüderitzbnchr gemeldet lonrde, da war hier an amtlicher Stelle von der Sache„nichts bekannt", auch zweifelte man insbesondere die Möglichlcit an, daß diese kleinen Juteresseuten beschlossen haben könnten, die durch Urordnuug vor- geschriebene Ablieferung der Diamanten zu verweigern. Jetzt ist in den neueingegangenen Nummern der„Deutsch-Südwest-Asrika- Zeitung" und der„Windhuker Nachrichten" folgendes Telegramm des Lüdcritzbuchter Börsenvereins zu lesen: Lüde ritzbucht, 4. März. Hier ist heute ein deutsche' Diamantensyndikat gegründet worden mit einem vorläufigen Stammkapital von 200 000 M. Mit Ausnahme der Kolonial- gesellschaft und der Lenz-Stauch-Gruppe sind sämtliche Diamant- gesellschaften und Dtamauteu fördernden Einzelpersonen dem Syndikat beigetreten. Der Zweck des Syndikats ist die Förderung der wirtschafitichen Juteresscu der in Deutsch-Südwestafrika tätigen Diamnntgcsellschafteu; insbesondere wird angestrebt der cinheit- liche Verkauf der geförderten Diamanten sowie die Beseitigung oder Verhütung eines preisdrückendeu Wettbewerbes auf dem Diamanteiunarkte. Die Rechtsgültigkeit der kaiserlichen Verordnung vom 16. Januar 1309 soll wegen unzulässigen Eingriffs in die Freiheit und Unverlctzlichkeit des Privateigentums angefochten und eine gerichtliche Eiuscheidung herbeigeführt werden. Die Aus- händigimg der geförderten Diamanten an die Regiegesellfchaft wird verweigert." Die Zeitungen deS Schutzgebietes freuen sich dieses Lüderitz- buchter Beschlusses und bedauern nur, daß die Kolonisten sich nicht schon eher gegen die Pläne der Regierung gewehrt haben. Die Beschlüsse des Syndikats seien, meinen sie, ganz verständlich, wenn man sich die Zusammensetzung der Regiegesellschaft ansehe: lauter deutsche Bankhäuser und— die Kolouialgesellschast für Deutsch-Südwestafrika, aber keine einzige Vertretung der Diamanten- Interessenten I Nach einem Telegramm vom 8. März ist daS Syndikat mit der Regiegesellschaft in Unterhandlungen eingetreten. ES verlangt Ver- tretuug im Vorstande, um daS weitere Schicksal seines an die Regie- gesellschaft auszuhändigenden Eigentums kontrollieren zu können; ferner Mitbestimmung bei Kontiiigcnticnmg und Bevorschussung der Diamanten mit 50 Proz. ihres Wertes, statt— wie beabsichtigt— mit 5 M. für das Karat. Ueber den Ausgang der Unterhandlungen ist noch nichts bekannt. Die Regiernng schweigt.— Bei der Reithstugserscchwahl in Düren-Jülich haben sich die sozialdemokratischen Stimmen, die schon bei der vorigen Hauptwahl von l.tzOS ans 1295 zurückgegangen waren, ans 1167 vermindert. Die Ursache liegt zweifellos in der Sonder- kandidatur Schönbrenncr, die die katholischen Arbeiter dem Fürsten Salm entgegengestellt hatten und auf die 1268 Stimmen fielen. Unter diesen befinden sich sicher viele, die früher sozialdemokratisch gestimmt haben. Trotzdem der Wahlkreis zu den bombensicheren des Zentrums gehört, haben die Klerikalen mit allen Mitteln gearbeitet, um den Sozialdcmo- kraten die Säle abzutreiben. Befriedigen kann die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen in dem ländlichen, aber von Industrie besetzten Wahlkreise nicht. Die Schuld liegt in den außer- ordentlich ungünstigen Verhältnissen und den gewaltigen kirchlichen Machtmitteln der Klerikalen. Die Stimmen des Zentrums gingen von 22 852 auf 16 594, also um mehr als 6900 zurück. DaS Zentrum hatte dem Stumpf- sinn seiner Wähler zu viel zugetraut, als es ihnen den Großagrarier und Fürsten zumutete. Trotz riesigster Agitation— in den letzten zwei Wochen wurden annähernd 40 Versammlungen abgehalten— und trotzdem insbesondere die katholische Geistlichkeit im Hiutreibcu der Gläubigen zur Wahlurne daS Menschenmögliche leistete, war es dem Zenlnun nicht möglich, den gewaltigen Stimmenverlust zu verhindern. Daß die Sonderkandidawr des christlichen Textilarbeiter- Vorsitzenden und Zentrums-Stadlverordnctc» Schönbrenncr keinen größereu Erfolg hatte, daß die katholischen Arbeiter in ihrer Mehr- heit lieber für den Fürsten Salm stimmten, von dem sie wußten, daß bei ihm die Landarbeiter streiken mußten, weil sie für den Lohn von 1,60 M. lohne Beköstigung!) mit ihren Familien nicht leben konnten, das läßt nnS einen Blick tun m die Geiste?- Verfassung der Arbciteranhänger des Zentrums in Bezirken von der Art des rheinischen Wahlkreises Diirer.-Jülich. Ein deutsch-kanadischer Handelsvertrag. ES soll, wie die„National-Zeitung" ans zuverlässiger Quelle erfahren will, begründete Aussicht auf baldiges Zustandckomiucn eines HaudelSverlrageS zwischen dem Deutschen Reich und Kanada bestehen. Die kanadische Regierung sei geneigt, dentschen Waren erbevliche Zollermäßigungen einzuräumen. Dieie werden sich haupl- sächlich auf die Erzeugnisse der Texliliudustrie, Drogen, Porzellan, Bücher, Seifen, Koufeklion, künstliche Blumen. Federn, Weine und Spirituosen beziehen. Dagegen soll Deutschland erhebliche Zoll- ermäßiguiigen für landwirtschaftliche Maichiuen, Schreibmaschinen, Mngervieh, Produkte der Viehzucht, der Landwirtschaft und deS Gartenbaues sowie für Nutzhölzer gewähren. Auch eilte Achtnngsverletzung. Ein bemerkenswerter Fall beschäftigte daö Kriegsgericht in Dresden. Arn 22. November vorigen Jahres waren die Mannschaften der 3. Batterie des Artillerie-Regiments Nr. 23 in Pirna zun, Turnen augetreten. Darunter befand sich auch der Kanonier Liebig, der von seinem Diensteiutriit bis Anfang Ziovember im Lazarett gelegen hatte. Auf Befehl des aufsichl- führenden Unteroffiziers Nagel mußte Liebig eine Uebuug stellen» bis achtmal hiutereinander machen. Der Soldat wurde schlapp und brachte die Uebung nicht mehr fertig. Der Unteroffizier trat darauf zum Soldaten Liebig und versetzte diesem einen kräftigen Schlag mit der Fan st unter die Kinn- lade. Der Gemißhandelte sprang ab und sagte zum Unteroffizier: „Schlagen lasse ich mich nichtl" Der Unteroffizier sah diese Aeuyerung für eine grenzenlose Frechheit an und brachte sie zur Meldung. Liebig erhielt dafür auf dem Disziplinarwege eine Strafe von drei Tagen mittleren Arrest!! AIS nach einigen Monaten von höheren Vorgesetzten die Strafbücher durchgesehen wurden, entdeckte man auch Liebigs Disziplinarstrafe. Nun wurde eine ein- gehende Untersuchung eiügeleitct. Der Uuieroffizier wurde wegen Soldateinnißhandlnng angeklagt, LiebigS Disziplinarstrafe aber ans- gehoben und er wegen Ä ch t u n g v e r l e tz n n g vor ver- sammelter Mannschaft unter Anklage gestellt. Vor dem Kriegsgericht bestritt der Unteroffizier natürlich die Mißhandlung. Er habe vielmehr eine Korrektur vornehmen wollen, Liebig gab die oben erwähnte Aeußerung zu, er habe aber nicht ge- wüßt, daß er das nicht sagen durfte. Er sei lange im Lazarett ge- Wesen und infolgedessen noch nicht üBer Achtungs- verlctzung instruiert werden. Der Anklagevertreter führte cmS. dast Liebig kein Recht habe, eine derartige ungehörige(I?) Aeustcrung zu tun. DaS halte dieser unter allen Umständen»uisien müssen. Das Gericht erkannte gegen den Unteroffizier auf— S Tage mittleren Arrest(!l>. indem eS nur vorschriftswidrige Behandlung annahm. Mißhandlung liege nicht vor, sondern nur eine„tätliche Korrekturl" Liebig wuroe frei- gesprochen: nicht weil die Äcußerung nicht strafbar sei, sondern nur. weil er noch keine Instruktion über Achtungsverletzung erhalten hätte.--_ Ein Soldatenschiuder. Bor dem Kriegsgericht zu Thorn war der Leutnant Ludwig Gerber von, 4. Ulanen-Rcgiment wegen Mißhandlung Unter- gebener in 106 Fällen angeklagt. Der von der Verteidigung gestellte Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde vom Ge» richtshof abgelehnt. Die Beweisaufnahme ergab, daß Gerber die in der Ausbildung begriffenen Rekruten beim Turnen, Reiten, Zielen und beim Unterricht mit Schlägen ins Gesicht traktiert hatte. Diese rohe Behandlung kam dadurch heraus, daß einer der Miß- handelten an einein Ohrenleiden erkrankte. Der Vertreter der Anklage beantragte die milde Strafe von sechs Wochen Stuben- arrest, doch der Gerichtshof war noch bescheidener. Er erkannte nur wegen Mißhandlung in fortgesetzter Handlung auf vier Wochen Stubenarrest!_ Ter Peters-Prozest in lcstter Instanz. Der verantwortliche Redakteur der.Münchener Post", Genosse Gruber, der wegen Beleidigung deS früheren Reichskommissars Dr. Karl PeterS in zweiter Instanz zu 400 M. Geldstrafe und neun ZehMeln der Kosten verurteilt worden war, hatte dagegen Revision eingelegt. Das oberste Landeögericht München hat heute darüber verhandelt und die Rcvisioit kostenfällig verworfen. Zur Reichsvereinsgesetz-Chronik. AuS Halle a. S. berichtet man uns: S3ie in anderen Großstädten wollte am Palmsonntag auch der hiesige Freidenkerverein den Kindern seiner Mitglieder eine Schul- enllassungsfeier bereiten. Eine Genossin sollte im Saale des „Volksparks" einen Prolog sprechen und Redakteur Genosse Niebuhr sollte die Festrede halten. Obwohl die Feier tagelang vorher öffentlich bekannt gemacht und nicht etwa untersagt worden war. erschien kurz vor Beginn eine Koniniission und ein Wachtmeister im Saale, um auf Grund des§ 17 deS Reichsvereinsgesetzes einzn- schreiten. Man deduzierte: der Freidenkcrverein ist als ein poli- tischer Verein anzusehen, der eine„Versamittlung" abhalte, da ein Prolog gesprochen und eine F e st r e d e gehalten werden solle. Würden die Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hätten, nicht entfernt, dann müßte die Polizei mit Gewalt ein- schreiten. Die Versammelten— Saal und Galerien waren dicht besetzt—; nahmen mit einem tausendstimmigen Entrüstungsrufe von dem neuen Streich Kenntnis. Doch was blieb übrig? Man nmßte vor- läufig auf Prolog und Festrede verzichten Gegen das Vorgehen der Polizei wird Beschwerve Vom Balkan. Annahme deS österreichisch° türkischen Abkommen»/ s./! Konstantinopel, S. April. Die heutige geheime Sitzung der Deputierten kammer zur Beratung des österreichisch-türkischen Protokolls verlief sehr stürmisch. Mehrere Abgeordnete verlangten die Vertagung der Debatte auf morgen. Auf Verlangen deS Kabinetts. daS die Vertrauensfrage stellte, wurde jedoch be> schlössen, die Debatte fortzusetzen. Schließlich nahm die Kammer das Protokoll mit 136 gegen 46 Stimmen an. 18 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Die Konfercnzfrage. London, 6. April. Unterhaus. Lynch(liberal) fragt die Regierung, ob die einzelnen zwischen den unmittelbar von den jüngsten Verletzungen des Berliner Vertrages betroffenen Staaten zustande gekommenen Abmachungen noch der Annahme durch die Sig- natarmächte auf einer Konferenz bedürften und welches die Aufgabe einer Konferenz wäre, wenn sie stattfände. Staatssekretär G r e y erwiderte, ich kann noch nicht sagen, ob die Konferenz stattfinden wird oder nicht, die Aendeningen des Vertrages, auf die in der Frage hingewiesen wurde, haben in erster Reihe zwischen den Mächten, deren gesetzmäßige Rechte direkt berührt wurden, den Gegen- stand von Verhandlungen gebildet. Die Abmachungen zu denen man gekommen ist, werden insoweit, wie sie Aenderungen deS Ver- trogcS involvieren, die Zustimmung der Signatarmächte notwendig machen und zwar, wie ich nach den verschiedenen Uebereinkommen, die getroffen worden sind, vertraue, in b ä l d e. Eine Nachwahl. Konstantinopcl, 5. April. Inder Nach wähl zur Deputierten- k a m m e r für Konstantinopcl wurde Nifaat Pascha mit 281 jungtürkischcn Stimmen gegen den Kandidaten der liberalen Union, Ali K e m a l, Chefredakteur des„Jkdam", der 121 Stimmen erhielt, gewählt._ ftankmcb. Die Beamten und die Arbeiter. Paris, 6. April. Gegenüber den Versuchen der reaktionären Presse, die Solidaritätserklärung der Beamten mit den A r b c i t e r n als republikfeiudliche und ordnungsgcfährdcude Umtriebe zu denunzieren, erklärte der Sekretär der Konföderation der Arbeit in einem Interview, die öffentliche Meinung rege sich zu Un» recht auf über die Tragweite der Versammlung der Aroeitersyudikate vom Sonntag. Die Arbeiter würden seiner Ansicht nach vorläufig von jedem revolutionäreu Mittel absehen, da dies für sie im Augenblick aussichtslos sei. Man habe nur den Zweck verfolgt, für die gewerkschaftlichen Organisationen neue Mit- glieder zu werben. Ein Generalstreik oder eine revolutionäre Be- wegung dürfte nicht als drohend zu betrachten sein. Italien. Der soziali'stischt Vizepräsident und der Besuch bei Hofe. Rom, den 4. April.(Eig. Ber.) Andrea C o st a hat heute auf die übliche Einladung des Kammerpräsidenten, sich zur U e b e r r e i ch u n g der Thronrede in den Quirinal zu begeben, mit folgendem Briefe geantwortet:„Hochgeehrter Herr Präsident! Ich kann der Einladung, die Sie an mich richten, mit meinen Kollegen in den Quirinal zu gehen, nichtFolge leisten. Indem ich die Vizepräsidentschaft annahm, übernahm ich ihre p a r l a- ni e n t a r i s ch e n P f i ch t e n, die das Wesentliche sind, nicht das Zeremoniell, das mit meinem Charakter und mit meinen politischen Ucberzeugungen in Widerspruch steht. Auch könnte ich dem König nicht als Vizepräsident ein Schreiben überreichen,(jegen das ich als Deputierter gestimmt habe. In der Gewißheit, daß Sie und die anderen Kollegen die Korrektheit meines Handelns anerkennen werden, bin idp Ihr ergebener Andrea Costa." Portugal.. Ein revolutionärer Racheakt. Lissabon, 6. April. Ter S e r g e a nt Almeida Lima, der an den revolutionären Umtrieben unter dem. Militär im Januar IM beteiligt war, und später seine i Kameraden denunzierte, wurde gestern beim Ver- lassen des Theaters erdolcht. Ter Täter ist verhaftet, er weigert sich, seinen Beweggrund anzugeben. Snglanck. Konservative Flottenagitation. London, 6. April. Die konservative Parteileitung hat gestern abend bekannt gemacht, daß während der Osterferien eine große A g i t a t i o n S k a m p a g n e im Lande unternommen werden soll, um die Regierung dadurch zum Vau der zweiten Serie von vier Dreadnoughts zu zwingen.— Vom Luftwettriisten. London, 6. April. Zur Unterstützung der neugegnmdctcn britischen Luftschiffahrtsliga fand gestern eine Versammlung unter Vorsitz des LordmayorS statt. Zweck der Liga ist die Schaffung der britischen L u f t s u p r e m a t i e. Der Lordmayor verlangte u. a., daß England die Herrin der Luft wie auch der See sein müsse. Die Landesverteidigung. London, 6. April.(Unter haus.) Auf eine Anfrage erklärte Premierminister A S q u i t h, es ist mir nicht bekannt geworden, daß irgendeine von den Regierungen der Kolonien den Wunsch »acki Einberufung einer besonderen Konferenz für die Be- sprechung der Verteidigung des Reiches zur See zum AuS- druck gebracht hat. Sollte ein solcher Wunsch von den Kolonien mit Selbstvertvaltung geäußert ivcrden, so wird die Regierung ihn sofort in ernste Erwägung ziehen. Dänemarh. Die Landcsverteidignng. Kopenhagen, 6. April. Der Ausschuß des FolkethingS zur Be- ratung der Gesetzentwürfe über die Landesverteidigung hat heute seinen Bericht veröffentlicht. Die Mehrheit des Ausschusses, welche aus acht Mitgliedern der Regierungspartei besteht, be- antragt verschiedene Ersparnisse. Sechs Mitglieder, darunter der frühere Minislerpräsident C h r i st e n s e n, fordern Ablehnung der Regierungsvorlage über die Be- festigung Kopenhagens von der Landleite durch vor- «eschobene Positionen. Der LandeöverteidigungSminister be- ält sich vor, diese Frage durch Volksabstimmung entscheiden zu lassen. Die Sozialdemokraten halten an ihrem A b r ü st u n g S a n t r a g fest, die Radikalen beantragen bedeutende Abstriche an den Ausgaben sowie Beseitigung der Kopenhagener Land- und Seebefestigungcn. Die Rechte stimmt den Gesetzentwürfen der Regierung zu und beantragt verschiedene Mehrfordcrungen, darunter vier Linienbataillone auf Seeland an Stelle von vier Re- servebataillonen._ Soziales* Wertlosigkeit der Fürsorgeerziehung. In ber Generalversammlung des Vereins zur Besserung der Strafgefangenen sprach der Oberjustizrat Plaschke, Vor- tragender Rat im Justizministerium einige Ausführungen über die feit der heutigen Fürsorgeerziehung. Er führte eS„Ncichöboten" auS: , In. der Fürsorgeerziehung sind hie«rjalirnnz in t die Statisnl, b.i. u ,j.,i. �ögttugcn. Gegenteil: Die Zahl der früheren Fürsorgezoglmge ist in den Gefängnissen und unter den. Dirnen besonders groß. Die Statistik der Stadt Berlin zeigt ein erschreckendes Bild der Roheit und Minderwertigkeit früherer Fürsorgezöglingc. Von 1200 sind 6 0 0 Verbrecher gelvorden. Sic Hoffnungen auf das Fürsorgeerzieh nngSgcsetz sind arg ent- täuscht. Die Kriminalität der Jugendlichen hat nicht abgenommen. Natürlich kann weder daS Strafrccht noch die Fürsorge die Wurzeln des Verbrechens beseitigen. Aber man hat die Anwendbarkeit des FürsorgegesetzeS zu weit ausgedehnt. Soll es. wie beabficht. eine Wohltat sein, so darf cS keine» Zwang ausüben, soll eS sittlich intakte Persönlichkeiten bewahre», so darf es sich nicht auf ganz verdorbene, kaum noch besserungsfähige erstrecken. Ueber 60 Proz. der Zöglinge werden im Alter von 16 Jahren auf- genommen: über 80 Proz. waren vorbestraft. Solche verdorbenen Burschen oder Mädchen über 16 Jahre siud überhaupt nicht mehr zu erziehen. Sie wirken nur verderblich auf die anderen. In einem Jahre und in einem Bezirke(in Schlesien) wurden fünf Fürsorgezöglinge ivegen Mordes verurteilt. Die Burschen begehen die größten Verbrechen, um nur aus den Anstalten Herauszukommen. Was das Gesetz als Wohltat wollte, sehen die Zöglinge als Uebcl an, dem sie sich selbst durch schwere Verbrechen entziehen wollen. Selbst unter den Erziehern herrscht die Meinung, daß die Zöglinge eS in der Anstalt s ch l i ni ni e r haben als im Gefängnis. Redner macht folgende Vorschläge: Man sollte das Niveau der Anstalten heben durch Ausscheidung der schlechten Elemente. DaS Fürsorgealter sollte auf 16 Jahre herab- gesetzt werden. Der Strafaufschub dürfte nur im Hinblick auf gänzlichen Erlaß bei guter Führung auSgcsprockien werden. Schwere Delikte müssen bestrast, leichte können bei Jugendlichen verziehen werden. Die Jugendgerichte, bei denen der Richter vielfach Vorsorge ohne Fürsorge trifft, bewähren sich, eröffnen ein reiches Feld segensreicher Tätigkeit. Bestrafte Personen sollten in die Fürsorgeanfialten möglichst wenig überwiesen werden. Die Ausführungen über das völlige Fiasko des preußischen Fursorgegeietzes treffen zu. Verfehlt sind die Vorschläge für eine Aendcruiig deS Gesetzes. So lange nicht das Gericht und das Gesetz der sozialen Ursache der Vergehen nachforscht und so lange die Ein- richtimgcn der Füriorgehänser selbst nicht dahin gerichtet sind, an Stelle von Brutalität und Moralheuchelei eine von sozialem Pflicht- gesühl durchdrungene Erziehung der körperlichen, geistigen und inora« liickicn Fähigkeiten der Zöglinge zu setzen, werden die Fürsorge» Häuser direkte Erziehungshäuser zur Verwahrlosung, Entmenschung und zum Verbrechen bleiben._ Eine Arbcitcrfürsorgc-Einrichtnilg. AIS eine besonders hervorragende Füriorgecinrichtimg deutscher Uniernehmer wurde auf der neunten Arbeilönachwciskonferciiz in München der Spar- und Prämienverein der Aktiengesellschaft H. F. Eckert zu Lichtenberg bei Berlin geschildert. Zweck des Vereins, wurde mitgeteilt, ist die Förderung des SparfiniiS unter seinen Mitgliedern. Dieser Zweck wird hierdurch erreicht, daß die Mitglieder pro Woche eine Spareinlage an den Verein abführen. Die Spar- einlagen werden der Altiengesellschaft Eckert übergeben, welche in der wöchentlichen Lohnabrechnimg über dieselben quittiert und die jeweilige Gesamtsumme der Spargclder angibt. Die Spar- gelber werden an die Mitglieder bei ihrem etwaigen AnSiritt aus dem Verein, bei Todesfällen an die Hinterbliebenen. spätestens aber am Schluß des Geschäftsjahres wieder zurückgezahlt. Die Aktiengesellschaft H. F. Eckert hat sich ans Grund der Satzungen des Sparvereins erboten, die Einlagen mit 6 Prozent zu verzinsen, unter der Annahme, als ob das ganze zur Verzinsung kommende Spargeld am ersten EinzahlungStage eingezahlt worden wäre. Die- jenigen Sparer jedoch, die am Schluß eines Geschäftsjahres die Mitgliedschaft besitzen und bei Beginn desselben bereits ununter- brachen ein Jahr im Dienste der Gesellschaft gestanden haben, erhalten anstatt der Zinsen eine Prämie von 60 Prozent der gesparten Einlagen, bei einer unuiiterbrochenen Dienst- zeit von 3 Jahren anstatt der Zinsen eine Prämie von 100 Prozent der gesparten Einlagen, bei einer ununterbrochenen Dienstzeit von 6 Jahren anstatt der Zinsen eine Prämie von 160 Prozent der gesparten Einlagen, bei einer ununterbrochenen Dienstzeit von 10 Jahren anstatt der Zinsen eine Prämie von 200 Prozent der gc- sparten Einlagen. DaS mag alles sehr schön von der Aktiengesellschaft Eckert-Werke sein. Aber ein kleiner Nachsatz zu obigen Darvietungen stellt doch die Sache etioaS anders dar. Dieser lautet nämlich:„Die Mitglied- schaft bei dem Spar- und Prämienverein der Eckert-Werke können alle Arbeiter dieser Firma eriv erben und behalten, tvelche keiner Organ i- sation angehören, die in Fällen von St'reiks oder Aussperrungen Unterstützungen an ihre Mitglieder zahlt, auch keine dieser Organ i» sationen in irgendeiner Weise unterstützten." Der Zweck dieses von den Eckert-Werken so glänzend bedachten Spar- und Prämienvereins ist also einfach die völlige Isolierung ihrer Arbeirer und Angestellten von allen Gewerkschafts- und Berufs- orgamsatioiien. Darin liegt die ganze Arbeiter-Fiiri'orge dir Eckert- Werke. Werden die Arbeiter und Angestellten diesen Pferdefuß übersehen? Werden sie für daS Linsengericht der 60-, 100-, ja 200prozentigen Prämie ihrer Spareinlage auf jedes Recht selbständiger Organisation zur Sicherung und Befferung ihrer Lage verzichten. oder ist ihnen das Recht selbständiger Organisation mehr wert als diese Lockspeise der Direktion der Eckert-Werke? „GcfängiiiSkonkiirrenz". Am 14. März 1009 haben wir ausführlich über die Schmutz- koukurrenz der GefängliiSarbeit in der Buchbinder- und Kartonage- branche berichtet und dadurch uns den besonderen Zorn der„Konser- vativen Korrespondenz" zugezogen, die, wie wir in Nr. 72 darlegten, alle von unS berichteten Tatsachen unterschlug und die Kleinmcistcr in der von unS bereits niedriger gehängten Weise verhöhnte. Unsere Darlegungen möchten wir heute noch ergänzen. Auf die Klagen der Kleinmeister hatte bekanntlich der Ober- staatsanwalt in Breslau bekannt gemacht, daß„dem betr. JnspcltionSbeamtcn, welcher die Offerte abgeschickt hatte, über seine Eigenmächtigkeit daS ernste Mißfallen seiner vorgesetzten Behörde ausgesprochen worden ist und ihm ein« für allemal verboten wurde ein derartiges Angebot zu machen." Darob großer Jubel unter den JnmmgSmeiftern, welche diesen „Erfolg" nur dem kräftigen Eintreten ihrer Organisation verdankten. Bald darauf kam aber der Erlaß der Gefängnisverwaltung des StrafgcsäugnisseS zu Preungesheim-Franksurt a. SR., welcher gar eine ständige Kartonagenfabrik ein- richten will und das Rohmaterial täglich bei den Uiiternchmern abholen möchte. In Nr. 16 der.Zeitschrist für Deutschlands Buchbinder" kann bereits wieder ein biederer JnnungSmann von der „staatlichen Fürsorge für unser Handwerk" ein neues Liedlein singen. Ee veröffentlicht ein Schreiben deS Amtsgerichts Alt-Lands- berg bei Berlin. ES ist ein ehrbarer Buchbindemieister in der Provinz Brandenburg, welcher das Wort eines Oberstaatsanwalts „wörtlich" genommen hatte und im guten Vertrauen wieder an das Gericht geschrieben, daß ihm doch wieder die Buchbinderarbeiten wie früher üvtrtrngen werden möchten, zumal nach dem Erlaß deS Ober- MwaltS von Breslau keine Behörde fei, von den 'en Offerten der Gefängnislsnstirrenz Gebranch zu inachcn. wurde ihm folgende Antwort: � ,55. L. bei Berlin Auf Ihr Schreiben vom 6. d. M. teilen wir Ihnen folgendes mit: Die Buchbinderarbeiten köimen Ihnen übertragen werden, wenn Sie die Arbeiten in derselben Güte und für denselben Preis liefern" würden, wie es bisher seitens deS GefängnisieS Breslau geschehen ist, wir fügen deshalb ein Verzeichnis der Preise bei und bemerken dazu, daß höhere Preise nicht gezahlt werden dürfen." Der Oberstaatsanwalt zu Breslau erklärt, daß eS den Behörden frei stehe, wie und wo sie ihren Bedarf decken wollen, ist entrüstet über daS eigenmächtige Vorgehen deS Unterbeamten, und da ver- langt daS Amtsgericht Alt-LandSberg denselben SchundprciS wie im Gefängnis, weil höhere Preise nicht gezahlt werden dürfen... DaS Verzeichnis, welches wieder veröffentlicht wird, deckt sich mit unseren früheren Angaben. Die Preise schwanken z w i s ch e n 0,70 M. und 4,15 M. pro Einband, sind also dreimal billiger als bei Klein meistern. Der entrüstete Meister bemerkt hierzu, daß viele seiner Kollegen gar, licht wiffcn, daß„von seinem Wirkungskreis und von dessen Behörde» die Buchbinder- arbeilen nach Breslau wandern". Er wird, wie so oft als ansässiger Handwerlsmeifter vertröstet. Der sog. Fonds in der Kasse reiche noch nicht zu. um die Arbeiten ausführen zu lassen. In Wirklichkeit werden die Arbeiten aber hinten abgeschoben und die Behörden bleiben nach wie vor dem Untersuchungsgefängnis treu, da sie ja die Arbeiten billiger bekommen als im Orte.„Wir ansässigen Buchbinder", heißt cS dann wörtlich,„werden getröstet durch den Hinweis auf das Schreiben des Herrn Oberstaatsanwalts zu Breslau, durch das ein jeder Kollege in den Glauben versetzt wird, ihm ist damit geholfen, wo er doch nur getäuscht wird." Die Innung soll jetzt Wandel schaffen, ruft der getäuschte Meister aus.... Die Redaktion des Blattes bemerkt hierzu, daß wohl alle Kollegen aufmerksam die Entwickelimg der Angelegenheit verfolgen müßten, alle derartige Unterlagen sofort dem Bundesvorstand ein- zusenden haben, damit dieser dem Minister Kenntnis geben könnte und„durch dem Handwerk wohlgesinnte Abgeordnete im preußischen Landtage weiter verfolgen lassen kann... viel Hoffnung hat aber der JnnungSmann selbst nicht, denn er jammert zum Schlüsse: „Dieser Brief des Amtsgerichts zu A. L. ist ja der reine Hohn auf alle die ha ndlocrkerfrcuii blichen Ver- sichern n gen der Oberbehörden". Sehr richtig! Nur merkt man in den Kreisen der Kleinmeister immer noch nicht, daß sie der„Vater Staat" nicht anders behandelt, als die„dem Hand- werk wohlgesinnten Abgeordneten" konservativer Richtung, deren Scheinvorschläge in weiteren Kreisen der Kleinmeister die die Lage des Handwerks höhnende Bemerkung der„Konservativen Korre- spondcnz" klarzumachen geeignet sei» dürfte. Arbeiterschutzvcrordining über Masscnqnarticre. Die Gewerkschaft Christoph Friedrich ließ auf ihren Besitzungen im Landkreis Merseburg eine Brikettfabrik errichten. Die Arbeiter der mit dem Bau beauftragten Firma waren in Baracken unter- gebracht. Da der zuständige Amtövorsteher nicht alles in Ordnung fand, so erließ er eine Polizeiverordming im Interesse der Gesund- heit. Er stützte sich ans K 10 II 17 Allgemeinen LandrcchtS. Diese .Hausordnung" enthält unter andern Vorschriften über die Zahl der zulässigen Belegschaft, über den Aushang der Verordnung und schreibt auch vor. daß Zahl und Namen derer, mit denen die einzelnen Räume belegt sind, auf einer Tafel anzuschlagen sind.— Demnächst sandte der AmtSvorsteher eine Anzahl Exemplare der Potizeiverordnung an die Gewertschast Christoph Friedrich mit der Anordnung, sie in allen Wohn- und Schlafzimmern der Baracken anzuschlagen und für ihre Einhaltung zu sorgen. Die Gewerkschaft klagte nach Vergeblüben Beschwerden gegen den Regierungspräsidenten, der sie zuletzt abgewiesen hatte. Sie bestritt die Giiltigkeii der Verordnung und meinte auch, nicht an sie, sonder» höchitenS an die banausführende Firma hätte sich die Polizei wenden dürfen. Die Klage wurde aber vom OberverwaltungS- g e r i ch t am 1. d. M. abgewiesen. Begründend wurde ausgeführt: Die Polizei brauche sich nicht a» die Banfirma halten, deren Ar- veiter in den Baracken untergebracht waren. Die Gewertschast als Eigentümerin bleibe auf jeden Fall für den polizeimäbigen Zustand vcrantwortliH. Die Polizeiverordnung sei r e ch t s g ü l t i g. Es fei im gesundhertSpolizeilichen Interesse zulässig, vorzuschreiben, dag eine Tafel mit Zahl und Namen der Belegschaft ausgehängt werde. Bei Massenquartieren liege ein Wechsel der Belegschaft im Wesen der Sache. Da sei solche Vorschrift von großer Bedeutung. Jedem, der den Raum betrete, müsse sofort auffällig bekannt gegeben werden, wieviel in den Räumen lägen. Ferner müßten die Arbeiter gleich erfahren, was die Polizeiverordnung vorschreibe. Der Zweck deS Aushanges sei, daß jeder alsbald informiert werde, woran er im Interesse der Abtvendung von GesundhcitSgesahren sei. Ohne den Aushang würde die Verordnung ihren Zweck verfehlen. Die Verfügung des AmtSvorsteherS an die Gewerkschaft fei aufrecht zu erhalten. Gcwcrkrcbaftlkbc*?» Die Konserenz der Betonarbeiter Deutschlands. In der gestrigen Sitzung wurde zunächst die Debatte über den Srstcn Punkt der Tagesordnung sowie über die Organisationsfrage fortgesetzt. B ö m e l b u r g, der Verbandsvorsitzende der Maurer, äußert die Ansicht, daß der Betonbau keineswegs in dem Mäße seinen Siegxszug im Baugewerbe halten werde, daß dadurch das Maurergewerbe gänzlich vernichtet werden könnte, wie es von ein- zelncn Rednern mehr oder minder bestimmt vorausgesagt worden war. Gleichwohl habe man im Interesse der Betonarbeiter selbst wie der Organisationen alle Ursache, sich gründlich mit diesen Ver- hältnigen zu befassen. Daß man, um über die Frage der Organi- satwnSzugehörigkeit ein Urteil zu fällen, lediglich zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern unterscheide, führe zu falschen Schlüssen. In dem Kartellvertrag der drei baugetverblichen Organisationen seien die Hilfsarbeiter, und nicht im allgemeinen die„ungelerii- teil" Arbeiter, dem Verband der baugewcrblichen Hilfsarbeiter cnt- sprechend seinem Namen überwiesen wordden. Der Maurerverband aber sei die Organisation der Arbeiter, die Mauern herstellen. In Bayern und anderen Teilen Süddeutschlands sei es ja so, daß der Maurer nicht als Lehrling bei dem Meister das Handwerk lernt, sondern sich auS den Reihen der Bauhilfsarbeiter entwickelt. Weich- wohl bleibe der Begriff Maurer und der Maurerverband bestehen. Die Verschmelzung mit dem Bauhilfsarbciterverband hält der Redner zwar für durchaus erstrebenswert, glaubt jedoch, daß sie nicht so bald zustande kommen werde. Uebrigens werde auch mit dieser Verschmelzung die einheitliche Organisation der Betonarbeiter noch nicht erreicht, unter anderem, weil die Einschalungsarbeiten an manchen Orten von Zimmerern ausgeführt werden. Daß die Zimmerer diese Arbeiten für sich in Anspruch nähmen, könne man ihnen nicht verdenken; bei komplizierten Betonbauten gehörten dazu sogar sehr selbständig arbeitende Zinunerer, die noch besonders auf diese Arbeit eingelernt sein müssen. Daß auf solchen Bauten die Einschalarbeiten von Zimmerern ausgeführt werden, sei auch für die Verhütung von Unfällen von Wichtigkeit. Die Konsequenz aber wäre, daß sich der Zimmcrerverband auch um die Organisation der Einschaler, die nicht Zimmerer sind, bekümmern mühte. Die Orga- nisation der Betonarbeiter sei ursprünglich nicht durch die Zentral- Vorstände der haugewerblichcn Verbände geschaffen wordqn, sondern aus eigener Initiative der Betonarbeiter selbst. Als inajj seinerzeit aus Antrag der Bauhilfsarbeiter die Hilfsarbeiter der Betonbrane.e von den übrigen trennen wollte, feien eS gerade die P. selbst geivesc», die sich unbedingt dagegen sträubten und sagten, daß sie nicht miseinandergetrieben werden wollten. Solle nun die Oxganisationsfrage gelöst werden, so müsse man vor allem dafür sorgen, daß unter allen Arbeitern der Betonbranche unbedingt in 'eder Hinsicht für solidarisches Handeln eingetreten werde. Behrendt. Berbandsvorsitzender der Bauhilfsarbeiter, hält es nicht für ausgschlossen, daß der Betonbau eine weitere Ausdeh- nung annimmt, als Bömclburg meint, und der Maurerarbeit mehr Eintrag tut. Darüber, ob die Errichtung von Mauern iuinicr als Maurerarbeit anzusehen sei, könne man doch noch sehr in Zweifel sein. Die Einschalarbeit werde in manchen Städten von Zimmerern ausgeführt, in manchen jedoch von ungelernten Arbeitern. Er, Redner, wolle nicht bestreiten, daß für diese Arbeit bei großen kom- plizierten Bauten gelernte Zimmerer vor allem in Betracht kämen, doch müßten ja auch die Zimmerer erst auf solche Arbeit besonders eingeübt sein, und diese Fertigkeit habe der ungelernte Arbeiter, der die Einschaluugsarbeit seine 7 oder 8 Jahre ausführte, ebensogut erworben. Man habe aber alle Ursache, den Streit über die Organisation zu meiden. Weil die Organisationsfrage brennend sei, müsse sie, wenn nicht jetzt, aber später geläst werden. Der Koalition des Kapitals müsse in vollem Umfange die Koalition der Arbeit entgegengestellt werden.— Inzwischen hatte die Kommission ihre Resolution ausgearbeitet, die nun den Delegierten gedruckt vorgelegt wurde. Im Laufe der Debatte wurden zu der Resolution verschiedene Zusatz- und Aenderungsanträge gestellt. Die Resolution wurde schließlich in folgender Fassung einstimmig angenommen, nachdem die übrigen, bei Beginn der 5lonferenz eingereichten Vorschläge zurückgezogen waren: „Die kartellierten Organisationen des Baugewerbes, die Zentralverbände der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter, sind gemeinsam in hohem Maße daran interessiert, alle neu auf- tauchenden und in ihr bisheriges Arbeitsgebiet eingreifenden Arbcitsarten, sowohl hinsichtlich des Materials als auch der Arbcitergruppicrung, nach Möglichkeit in ihr Tätigkeitsgebiet ein- zubeziehen. Eine solche neue Arbeitsort ist der Betonbau, der in neuerer Zeit nicht mehr auf den Tiefbau und einzelne Teile des Hochbaues beschränkt ist, sondern anscheinend einen immer wei- tcren Umfang annimmt. Ganze Bauten— Fabriken, Lager-, Kauf- und Kontorhäuser— werden fast vollständig aus sogenann- tem Eisenbeton hergestellt, und es ist nicht zu erwarten, daß in dieser Bauweise alsbald eine rückläufige Bewegung eintritt. Hierdurch ist den Hauptzweigen der gelernten Bauarbeitergruppen eine bedenkliche Konkurrenz entstanden. Ungelernte Arbeiter, die bisher in der Hauptsache mit dem Mischen und Tragen des Materials beschäftigt waren, haben sich Arbeitsarten erobert, die früher zum Teil von Maurern, zum Teil von Zimmerern aus- geführt wurden; es ist gewissermaßen eine neue Bauarbeiter- gruppe entstanden: die Z e m e n t i e r e r. Gegen Ncugruppierungen von Arbeitern, soweit sie sich auS der sich wandelnden Technik des Baugewerbes ergeben, können sich die kartellierten Organisationen grundsätzlich nicht wenden, wohl aber haben sie ihr scharfes Augenmerk darauf zu richten, daß für die Arbeiter im Betonbau, wenigstens soweit qualifizierte Arbeit in Frage kommt, mindestens«die für Maurer und Zimmerer üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen Geltung er- langen. Die Lösung dieser Frage kann unter den jetzigen Organi- sationsverhältnissen nicht Aufgabe des Maurerverbandez oder des Bauhilfsarbeiterverbandcs allein sein, sondern alle drei Verbände müssen gemeinsam den Weg zu finden suchen, der zum Ziele führt. Die erste Konferenz der Zementarbeiter Deutschlands hält sich nicht für kompetent, Beschlüsse zu fassen und Anträge auf Aenderung der jetzigen Organisationsverhälinisse zu stellen; sie muß es den Vorständen der kartellierten Verbände überlassen, zu untersuchen, ob es geboten und durchführbar ist, entweder alle Betonarbeiter einem Verbände zuzuweisen, oder die so- genannten qualifizierten Arbeiter organisatorisch von den anderen zu scheiden. Unter allen Umständen hält die Konferenz aber für nötig, daß die Organisierung der am Betonbau be- schäftigten Arbeiter mit aller Kraft betrieben werden muß. Die erste Konferenz der Zemcntarbeiter ersucht daher die Vorstände der kartellierten Verbände: 1. die nötigen Maßnahmen zur baldigen und nachhaltigen __ Organisierung der Betonarbeiter zu ergreifen;_ Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: 2. eine Vereinbarung darüber anzustreben, tvekcher Organi- sation die verschiedenen Betonarbeiter anzugehören haben; S. Voraussetzungen und Möglichkeiten festzustellen, unter denen die Angehörigen der einzelnen Organisationen in allen Fragen, die die Lohn- und Arbeitsbedingungen bc- rühren, zusammen wirken und sich gegenseitig diese Be- dingungen schützen müssen; 4. dahin wirken zu wollen, daß dem Arbciterschutz im Beton- gewerbe eine ganz besondere Aufmerksamkeit zugewandt wird. Die Konferenz spricht ferner den dringenden Wunsch aus, daß bis zur Verständigung der VerbandSvorftände nicht neue Streitfragen bezüglich der Organisationszugehörigkcit aufgc- warfen werden, sondern daß die Betonarbeiter bis dahin dort organisiert bleiben, wo es bisher geschehen ist." Mit der Annahme dieser Resolution waren die Arbeiten der Konferenz erledigt. Es wurde noch beschlossen, am selben Abend die Arbeiterwohlsahrtsausstellung zu Chärlottcuburg zu besuchen. Berlin und Umgegend. Schuhmacherbcwcgung. Die Berliner Zahlstelle des ZeutralverbandeS der Schuhmacher hatte zum Montag eine öffentliche Versammlung einberufen, die sich mit dein bevorstehenden Tarifablauf und den neuen Forderungen be- faßte. H a m m a ch e r gab das Ergebnis der mit dein Unternehmer- verbände gepflogene» Verhandlungen bekannt. Der fünfjährige Lohnvertrag, der mit den Berliner Maßschuhmachern bestand, ist am 1. April abgelaufen. Die Meister erklärten nun bei den früheren gemeinsamen Zusammenkünften, daß sie nichts bewilligen könnten, indem sie auf die Fabrikkonkurrenz binwiesen. In einer letzten Sitzung, die am k. April stattfand, zeigten sich nun die Meister geneigt, einige Verbesserungen zu bewilligen. Jedoch waren diese äußerst minimal. Unter anderem wurde von den Werkstattarbeitern die nenn- stündige Arbeitszeit verlangt, die schon seit 1830 in den meisten Geschäften durchgeführt ist. während sich jetzt nach 18 Jahren erstklassige Firmen noch weigern, dieser Forderung zuzustimmeu. Der Referent erklärte. das was bewilligt werde, sei bei weitem nicht nüt den gestellten Forderungen zu vergleichen, jedoch liege es in den Händen der Ver- sammlung, darüber zu entscheiden. Die Meister wünschen einen recht langen Tarif, im Interesse der Arbeiter liege dies jedoch nicht. Wollten die Arbeiter das Angebot der Meister, das pro Paar 25 Pfennig und bei Lohnarbeit pro Woche 1 Mark be- tragen soll. nicht annehmen, dann müßten sie aber_ auch geschtoffcn zusammenstehen, wenn es zu einer Arbeitsnieder- legung käme. In der nachfolgenden Diskussion kam durchweg die Unzufriedenheit mit den Bewilligungen der Meister zum Ausdruck. Es wurde besonders unter allseitiger Zustimmung der Versammlung betont, daß 23 Pf. jetzt nach sechs Jahren doch zu wenig sei. Wer Maßarbeit bestelle, dem komme es auch nicht auf 1 M. mehr an. Aus der Forderung von 50 Pf. müsse unbedingt beharrt werden. Einem Vertrage von fünf Jahren dürfe man auf keinen Fall zustimmen. Es bedürfe nur einer starken Einigkeit. unter den Kollegen, dann werde der Erfolg auch auf deren Seite sein. 25 Pf. Zulage pro Paar Böden ergebe pro Woche bei einem DurchschnittLarbeiter ganze 75 Pf. Das sei geradezu eine Ver- höhiumg der Arbeiter. Das Gerede von der Konkurrenz käme immer bei solchen Gelegenheiten zum Vorschein, darauf brauche man keinen Wert zu legen. Mehrere Redner verlangten strikte dse, sofortige Arbeitsniederlegung. Vom Vorstand aus wurde dagegen. eivHe wendet, daß, wenn eine Kommission eingesetzt sei, u ?rkedlick.'er Basis zu verhandeln, man mindestens noch Öai der Berbandluna abwarten müsse.'... Ei mmmlung, die Stimmen angenvinißem wurde; u. a. die FatAAnMen dahingehend, dtir Donnerstag stattfindenden Verhandlungen an deü' aufgestellten minimalen Forde- rnngen von 50 Pf. pro Paar Böden festzuhalten, jedoch bei den ans- gestellten Zuschlägen für Extraarbeiten nach Majorität zu ent- scheiden habe._ Achtung, Kostümschneider und-Schneiderinnen! Wegen Nichtanerkennung des Zeitlohntarifs für die Kostüm- schneider verhängen wir hiernnt über die Firma C. A. Herpich Söhne die Sperre. Wie uns mitgeteilt wird, arbeiten die folgenden Zwischenmeister für die Firma H e r p i ch Söhne: Krüger. Schönleinstr. 7; P i c z u n k a, Choriner Str. 4; Goldberg, GreifSwalder Str. 197; Pawlikowski, Mexandrinenstr. 49; Goldschmidt, Markgrafenstr. 1; Renk, Mittenwalder Str. 29; Müller. Moritzplatz; Ehrlich, Lychcner Str. 6; Jankowski, Metzer Str. 22 und Bauch. Wir ersuchen, alle für die Firma H e r p i ch Söhne bei diesen Zwischenmeistern vorkommenden Arbeiten zurückzuweisen ohne Rück- ficht, ob Konfektion oder Maßsachen. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands, Filiale Berlin I. Die Ortsverwaltung, Michaelkirchplatz 1, ptr. Achtung, Töpfer!! Der Töpfermeister L. Müller, Lichtenberg, Bürgerheim- straße 8, weigert sich, in Zukunft den Tarif zu zahlen. Wir ver- hängen deshalb hiermit über ihn die Sperre. In Frage kommen die Bauten Charlottenburg, Suarezstraße und Witzlebcnstraße. Die Verbandsleitung. veutkcbeg Reich. An die deutsche Arbeiterschaft! Die im„Deutschen Transportarbeitcr-Verband" organisierten Einkassierer der Abzahlungs- undNähmaschinen- geschäfte, sowie der Versicherungsgesellschaften Viktoria, Jduna. Friedrich-Wilbelm usw. sehen sich gezwungen, die Solidarität der zielbewußten Arbeiterschaft anzurufen zwecks Ausübung der Kontrolle ihrer Organisationszugehörigkeit. Insbesondere ersuchen wir die Frauen, uns nach dieser Richtung zu«nterstiitzen. Wir richten erneut diesen Appell an Euch, weil die Direktionen der Firma resp. Gesellschaften oder deren Hintermänner jetzt den Zeitpunkt für gekommen halten, unsere kleine, aber taktfeste Gruppe zerstören zu können, und zwar durch die Gründung von gelben Ver- einiaungen. So erblickte vor einigen Tagen im„katholischen Gesellen- hause in Berlin ein„Berein der Viktoria- Kassierer" das Licht der Welt. Ebenso versucht die Geschästsleitnng der bekannten Näh- maschinenfirma S i n g e r- C o. die Organisation mit allen zu Gebote stehenden Mitteln aus ihrem Betriebe fernzuhalten. Diese Pläne müssen zu Wasser werden, wenn wir die Unterstützung der Arbeiterschaft Deutschlands finden. Von feiten der Organisation ist ein« braune Kontrollkarte ausgegeben, welche monatlich abge- stempelt sein muß. Besonders achte man auf die sogenannten SonntagSkassterer, man mache dieselben auf das Schädliche ihrer Handlungsweise auf- merksam. In einzelnen Firmen werden bereits eine bedeutende Zahl dieser sauberen Herren beschäftigt, auch bevorzugt man Per- Ionen auS dem Beamtcnstande, Pensionäre usw. Die festangestellten Einkassierer werden durch dieses Treiben auf das Empfindlichste geschädigt und die Familien dieser Angestellten müssen darunter leiden, weil dem Manne das Brot genommen wird. Bei jeder Zahlung, bei jedem Geschäftsabschluß, sei eS W» zahlungS-, Nähmaschinen- oder Versicherungsbranche, verlange man die Vorzeigung der braunen Kontrollkartei Wer nicht im Besitze derselben ist. dem weise man ohne weiteres die Tür. Hoch die Solidarität! Die Agitationskommission der Einkassierer und Kaffenboten. I. A.: Friedrich Lnckvw, Berlin 17., Fehrbelliner Straße 3, II. bTB. Die Partei- und GewerkschastSpresie wird gebeten, diesen Aufruf zu veröffentlichen.___ Achtung, Glasschleifer! Die Firma Schramm u. Schupp, Langewiesen in Thüringen, bei welcher unsere Kollegen im Streik stehen, sucht durch Vermittelung des Herrn Otto G e n s k e, Berlin, Amsterdamer Str. 3, in der „Berliner Morgcnpost" unorganisierte Schleifer. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtige» die Herren Schramm und Schupp selbst nach hier zu kommen, um die arbeitswilligen Schäfchen abzuholen. Wir ersuchen unsere Kollegen, den Leuten die richtige Antwort zu geben. Zentralverband der Glasarbeiter. Ter Kampf im rheinisch-westfälischen Holzgcwerbe scheint in den nächsten Tagen zum Ausbruch zu kommen, Der Arbeitgcberbund für das Baugewerbe, welcher die Arbeiterorzani- sationen zum Abschluß eines Bezirksv-rtrages zwingen will, vor- pflichtete vor einigen Wochen seine Mitglieder zu einem Lohnabzug von 5 Proz. sofort und von weiteren 5 Proz. zun, l. April, wenn bis dahin ein Vertrag nicht abgeschlossen sei. Der Arbeitgeberbund hat mit allen Mitteln gearbeitet, um seine Mitglieder für dieses wahnwitzige Beginnen zu interessieren. Die Leitung des Bundes droht seit sechs Monaten den Arbeiterorganisationen den bittersten Kamps an. Wenn man den Worten der Herren Schmiedehaus, Fritz usw. Glauben schenken wollte, so mußte man annehnien, daß der Kampf eine verhältnismäßig große Ausdehnung nehmen würde. Die im Februar in Essen zur Verhandlung stehenden Verträge erstreckten sich aus 29 Orte mit rund 2500 beschäftigten Tischlern. Unter anderen! kom.men in Frage Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Rockliughausen, Mülheim, Herne, Oberhausen usw. Mittlerweile sind in einer Reihe weiterer Städte die Verträge abgelaufen, in denen mit 1500 Tischlern zu rechnen ist und wo die Arbeitgeber dem.Arbeitgeberbunde für das Baugewerbe' angehören. Der Vertrag in Essen ist ebenfalls seitens der Arbeitgeber noch nicht anerkannt. Die in Frage kommenden Arbeiterorganisationen rechneten da- mit, daß die Abzüge für rund 3000 Arbeiter angedroht würden und hatten ihre Maßnahmen demgemäß getroffen. Zwischen dem Deutschen Holzarbciterverband, dem Verband christlicher Holzarbeiter und dem Gewerkverein der Tischler wurde die Vereinbarung getroffen, daß alle Maßnahmen gemeinsam besprochen und durch- geführt werden sollen. Die Unternehmer bauten ihren Plan darauf, daß die iu Frage koimnendcn Organisationen sich nicht einig sein würden. Das ist nun nicht eingetroffen. Aber etwas anderes hat sich ereignet: die Unternehmer verweigern dem Bund die Heeresfolge. Die große Aktion geht aus wie das Horn- berger Schießen. Nur in sieben Orten haben die Arbeit« geber zum Teil einen fünfprozentigen Lohn« abzug angedroht. Aber nicht, tvie zu erwarten stand, schon den angekündigten Abzug, sondern den ersten. Und in diesen Orten sind es auch nur einzelne Arbeitgeber, die brutal genug waren, den schwer um ihre Existenz lämpfenden Arbeitern die Lohnkürzung zuzumuten. Insgesamt haben nur 31 Betriebs- Inhaber mit 315 Arbeitern den Abzug an« g e d r o h.t. Der Gewcrkvereiu ist nur mit einigen Mitgliedern beteiligt, während die beiden Verbände mit ziemlich gleiche» Mit- giiederzqtzlcn�i:: Frage tominen. In den letzten Tagen haben eine Reiß««Zeitgeber den Abzug wieder rückgängig gemacht. Einzelne habe:, vor 14 Tagen eine Lohnerhöhung zugestanden, um nach Vor« nahm« des Abzuges die vorher vorhandenen Löhne weiter z!i zahlen. Andere haben den Abzug für drei Tage gemacht und Haben sich auf energisches Vorsielligwerden der Arbeiter verpflichtet, den Betrag nachzuzahlen. Wieder andere haben den Abzug durch vorgedrucktes Formular des Bundes in der Werkstatt angekündigt, aber gleich erklärt, daß die? mir geschehe, uni Ruhe vor den Kon« trolleuren des Bundes zu haben. Inzwischen werden Versammlungen über Versammlungen der Arbeitgeber abgehalten, wo die Herren„Generäle" zahlreich vertreten sind, aber das„Volk" fehlt. Die Tischlermeister verstehen eben nicht, warum der Friede im Ge« werbe gestört werden soll, und wollen sich nicht dazu gebrauchen lassen, wegen deS Machtdünkels einiger Gernegroße ihre eingearbeiteten Leute zu verlieren. Den Machern vom Arbeitgcberbund für das Bangewerbe wird inzwischen auch klar geworden sein, daß es nicht so leicht ist, die Verhältnisse im Holzgewerbe zu beurteilen, und daß man sich eine Suppe eingebrockt hat, die noch recht schwer im Magen liegen wird. Einstweilen macht man riesige Anstrengungen, uni weitere Arbeitgeber zum Abziehen zu be« wegen. Die Arbeiter sehen dem Treiben mit Gemütsruhe zu. Die Arbeitgeber lverden, wenn sie sich niißbrauchen lassen, ohne Strafe nicht wegkommen, und werden auch in den komn, enden Jahren der günstigen Konjunktur an dem Mangel guter Arbeitskräfte zu leiden haben. Die Organisationen werden sich die Arbeitgeber zu diesem Zweck vormerken. Möge man aber dann nicht kommen und sich beklagen. Da eS immerhin in kurzer Zeit zur Arbeitseinstellung kommen kann, ist der Zuzug von Tischlern und Maschinenarbeitern nach Rheinland-We st falen fernzuhalten. Letzte JVacbricbten und Depcfchcn. LandtagSnachwahl. Zellerfeld, 6. April.(23. T. B.) Bei der heutigen Ersatzwahl zum preußischen Abgeordnetenhause wurde an Stelle des bisherigen Abgeordneten Kölke, dessen Mandat für ungültig erklärt worden war, Bergassessor Spinzig(freikonservativ) mit 86 Stimmen gewählt. AmtsgerichtSrat Kölke erhielt 76 Stimmen. Neuer Aufstieg deS Z. I. FriebrichShafen, 6. April.(23. T. 23.) Das Lustschiff ist um 9 vhr 49 Minuten aufgestiegen und hat die Richtung nach Ulm ein- geschlagen. Ueber das Ziel der Fahrt wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Das Wetter ist günstig. Im Sturm gekentert. Memel, 6. April.(W. T. B.) Wie dem„Memeler Dampf- boot" gemeldet wird, hat der Sturm, der in der Stacht von DonnerS- tag zu Freitag auch einen Memeler Lachskntter bei Schwarzort zum stranden brachte, an der benachbarten russischen Küste schwere Ber- luste an Menschenleben gefordert. AuS einer Reihe von Fischer- dörfern zwischen Russisch-Polangen und Nimmersatt find ingesamt zehn Fischerboote mit zirka vierzig Mann Besatzung verloren gegangen. Zwei der Boote wurden bei Nimmersatt und eins bei Krakelbeck leer auf den Sttand geworfen. Opfer der Unkultur. Budapest, 6. April.(B. H.) Ein krasser Fall von Aberglauben wird dem„Pester Lloyd" aus Satoralja-Ujnely gemeldet. In der Gemeinde Vagae wurde ein junger Bauentbursche irrfinnig. Sein Vater, sowie einige Weiber des OrteS, die im Rufe standen. Krank- heilen heilen zu löimen, glaubten, der Bursche sei vom Teufel be- sesse», den man nur durch Bearbeitung mit glühenden Eisen aus» treiben könne. Die Weiber bearbeiteten den Burschen mit glühenden Eisen derart, daß der Arme unter entsetzliche» Qualen starb. Sohlengräberstreik. Winnipeg, S.»pril. Fast alle Kohlengrubenarbeiter i» Süd- Alberta und British-Columdia streiken. Die Vorräte find knapp, die Lage drohend. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltungsbl, lä Die Aufbringung der Kosten für die Hinterbliebenenrenten. Bei der ersten Lesung deS Zolltarifgesetzes im Jahre 1302 ließ daS Zentrum, offensichtlich um die über die drohende künstliche Ver- teuerung der Lebensmittel erregten Zentrumsarbeiter zu besänftigen, durch den Abgeordneten Herold erklären: Wir haben fest und bestimmt erklärt, daß die Mehr- einnahmen aus den agrarischen Zöllen für soziale Zwecke verwendet werden sollen und in erster Linie ist hier die Witwen- und Waiseufürsorge ins Auge gefaßt. Die agrarischen Zölle sind in dem ersten 218 Nummern um- fassenden Abschnitt des Zolltarifs, überschrieben„Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft und andere tierische und pflanzliche Naturerzeugnisse: Nahrungs- und Genußmittcl" zusammengefaßt. In der Zolllaris kommission brach das Zentrum dieses feierlich im Plenum abgegebene Versprechen. Der in der Ver- Wässerung und Verschlechterung sozialer Anregungen anderer außer- ordentlich bewährte Zentrumsabgeordnete Trimborn begründete diesen ersten Versprechensbruch. Er begründete einen Antrag, nach dem aus den 213 agrarischen Tarifstellen nur 14 heraus- genommen werden sollten. Fortgelassen wurden insbesondere die Positionen, die Hülsenfrüchte, GneS, Graupen, Obst, Gemüse be- trafen. Der Mehrertrag, den diese Zollpositionen abwerfen würden, sollte zum Aufbau einer Hinterbliebenenversicherung verwendet werden. Trimborn schätzte den Jahresertrag auf Sl Millionen, der Staatssekretär v. Thielemaun auf 82 Millionen. Diese Beträge sollten bis zum 1. Januar 1910 zurückbehalten und zur Erleichterung der Witwen- und Waisenversicherung, die spätestens am 1. Januar 1910 'n Kraft zu treten habe, verwendet werden. Bis zum Inkrafttreten eines solchen Gesetzes sollten die Mehrerträge für Rechnung des Reichs angesammelt und verzinslich angelegt werden. Wenn das Gesetz bis zum 1. Januar 1910 nicht in Kraft treten würde, so sollten von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge sowie die ein- gebenden Mehrerträge selbst den einzelnen Jnvaliden-Bersicherungs- anstalten nach Maßgabe der von ihnen im vorhergehenden Jahre aufgebrachten Versicherungsbeiträge zum Zweck der Witwen- und Waiscnversorgung der bei ihnen Versicherten zu überweisen. Die Unterstützung sollte aus Grund eines vom Reichsverficherungsamt zu genehmigenden Statuts erfolgen. Diesem Antrag wurden von Ion- servativer Seite zwei Gegenanträge gegenübergestellt. Nach dem einen sollten die Mehreinnahmen zur Ermäßigung der Jnvalidenversicherungsbeiträge verwendet werden. Der zweite An- trag suchte den Antrag Trunbvrn in eine Resolution umzuwandeln. Bon sozialdemokratischer Seite wurde ausgeführt, das zweckdienlichste sei, eine Witwen- und Waisenversicherung ohne Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel einzuführen. Wenn die Renten, ivie Trimborn ausgeführt hatte, nur 100 M. für die Witwe, g3>/z M. für die Waisen betragen sollten, so enthalte der Antrag ja keine Hinterbliebenenversichcrung. Zumal schon jetzt von vielen Gemeinden weit mehr als diese Beträge verwendet werden müßten, stelle der Antrag nur eine Entlastung der kommunalen Armen- lassen dar. Die Berechnungen des Antragstellers seien auch falsch; nicht 91 oder, wie der Staatssekretär meinte, 82 Millionen, sondern etwa 40 Millionen würde der Mehrertrog jährlich ausmachen. Das Gesetz müsse auch zugleich mit dem Zolltarifgcsetz in Kraft treten. Wenn ferner das Zentrum sein im Plenum abgegebenes Versprechen wenigstens soweit erfüllen wolle, als es sich um Lebensmittel handle, müßten die jetzt herausgegriffenen 14 Zollpositionen um mindestens zwölf(Buchweizen, Hirse. Malz, Küchengewächse, Obst. Graupenj vermehrt werden. Das Zentrum stimmte gegen die sozialdemo- kratischen Anträge, auch gegen die. die nur den Wortbruch der Zentrumsleute verminderten. Die Sozialdemokraten stimmten trotz der Unzulänglichkeit des Zentrumsvorschlages für denselben, um so wenigstens einige Millionen besserer Verwendung als der für Militär und Marinerüstungen zuzuführen. Im Plenum(am 21. November 1902) erfolgte ein weiterer Umfall des Zentrums zuungunsten der Arbeiter. Es verlangte eine Verschlechterung seines eigenen von der Kommission angenommenen Antrages. Es strich nämlich aus dem zum Beschluß erhobenen Antrage die Positionen für Gerste, Hafer, Butter. Eier und Käse und wollte nicht den Zolldurchschnittsertrag der Jahre 1899 bis 1902, sondern den von 1898 bis 1303 zugrunde legen. Durch die später erfolgte Annahme dieser Verböserung wurden dem Fonds etwa Millionen jährlich entzogen. Der Abg. Trimborn hob in seiner Rede hervor, daß sein in der Kommission gemachter Vorschlag, die ferner für eine Witwen- und Waisenversicherung erforderlichen Mittel durch Beiträge der Arbeiter und Arbeitgeber aus- zubringen, fem persönlicher unverbindlicher Vorschlag gewesen sei, seine Freunde- hätten lebhafte Bedenken,„die Landwirtschaft und das Handwerk mit neuen Beiträgen zu belasten", lieber die Belastung der Arbeiter durch neue Beiträge halten die Zenlrumsleute sich offenbar keine Kopfschmerzen gemacht. Trimborn sprach dann namens des Zentrums die Hoffnung aus, daß auch ohne Beitragsleistung bloß durch die Ansammlung der- jenigen Mittel, die der neue— dann Gesetz gewordene— Antrag verlangte, recht fühlbare Unterstützungen für die Witwen und Waisen sich erzielen lassen würden. Der Staatssekretär deS Reichs- schatzamtS v. Thielemann legte,dar, der von der Kommission angenommene Antrag würde ungefähr 82 Millionen jährlich, in 7 Jahren eine halbe Milliarde, der abgeschwächte Antrag des Zentrums in 7 Jahren etwa Milliarde einbringen. 100 bis 120 Mark jährlich könnten als eine auskömmliche Zuwendung nicht angesehen werden. Es seien voraussichtlich mehr Mittel er- forderlich, man solle sich mit der von den Koufervativen beantragten Resolution begnügen lafsen. Von sozialdemokratischerSeite wurde durch Genossen Molkenbuhr der ZentrumStrug in die richtige Beleuchtung ge- stellt. Wolle man einen Grundstock für die Witwen- und Waisen- Versicherung aus den Zöllen entnehme», so solle man die sämtlichen Nahrungsmittelzölle hierfür verwenden und den dann noch erforder- lichen Zuschuß durch eine Reichsei»kommen st euer auf die Vermögen derer legen, die durch die Zollgesetzgebung cnornre Vorteile auf Kosten der Arbeiter, insbesondere auch der Witwen und Waisen erlangen. Die von Trintborn, aber auch die von der Regierung aufgestellte Berechnung sei noch viel zu rosig. Lege man das Ergebnis für Weizen und Roggen für 1900 zugrunde, so würden bei den durch das Zentrum bewilligten NahrungSmittelzöllen unter Voraussetzung der Annahme des ZenlrumSantrages: 63 Millionen dem Reich, 41 Millionen den Witwen und Waisen und 370 Millionen den Grundbesitzern be- willigt. Das heißt also: von je 100 M., um die der deutsche Brot- esser sein Brot infolge der Zollgesetzgebung teurer bezahlen muß als im Auslaiide, erhalten die Grundbesitzer 78,20 M., das Reich 13,21 M. und die Witwen und Waisen 8,ö9 M. Diese Zentrumspolitik, die dem Brotcsser 100 M. abnimmt, um der Witive 8,59 M. zit versprechen, sei für jeden Arbeiter zu durch- sichtig, um die arbeiterfeindliche Politik des Zentrums verhüllen zu können. Selbstverständlich stimmten schließlich die Sozialdemokraten nach Ablehnung ihrer eigenen Anträge für den ZentrumSantrag. um wenigstens einige Millionen dem Militär- und Marincmoloch zu entreißen. Die Berechnungen der Sozialdemokraten sind im Gegensatz zu denen deS Zentrums und der Regierung voll eingetroffen: die Mehreinnahmen, die auf Grund des ß 15 des Zolltarifgesetzes für eine Witwen- und Waisenversicherung zurückzulegen sind, betrugen nach den Ansätzen in den Etatsentwiirfen: im Jahre 1906 nichts „„ 1907 42 Millionen ,. 1903 53 „ ,. 1909 40 Also ganze 135 Millionen, noch nicht den dritten Teil der halben Milliarde, den Trimborn und der Schatzsekretär herausgerechnet hatten. In derselben Zeit fielen den Großgrundbesitzern infolge der Brotverteuerung durch den Zoll rund 1500 Millionen in den Schoß. Welche Mittel schlägt nun der Entwurf vor, um die. wie wir im gestrigen Artikel zeigten, völlig unzulängliche Hinterbliebenenvcrsicherung durchzuführen? Zunächst will der Entwurf den Wiuvsn und Waisen das Wenige nehmen, was auf Grund des Z 15, auch falls kein besonderes Gesetz zustande kommt, für sie thesauriert werden mußte. An Stelle des- telben soll ein Reichsznschuß von ganzen 50 M. für jede Witwe und gar nur 25 M. für jede Waise treten. Wie groß diese Summe ist, läßt sich nur ungefähr schätzen. Die Motive enthalten Materialien über die Zahl der voraussichtlich unterstützungs- bedürftigen Witwen nicht. Bei der Invalidenversicherung sind zur Zeit rund 14 Millionen Personen Millionen Männer und 4% Millionen Frauen) versichert. Der Reichszuschuß für die Invaliden- und Altersrente beträgt 50 M. Zur Bestreitung hierfür sind in den Etat rund 50 Millionen als ausreichend eingestellt. Die am 1. Dezember 1900 aufgenommene Volkszählung wies 2 413 659 Witwen auf. Von diesen wird die Hälfte als solche anzusprechen sein, deren Männer der Invalidenversicherung unter- stellt waren. Demnach würden 1 106 829 Witwen im Deutschen Reich in Betracht kommen, die bis zu einer Wiederverheiratung auf eine Hinterbliebenenversicherung Anspruch hätten, falls sie invalide im Sinne der Reichsversirberungsordnung würden. Rechnet man nach den erfahrungsmäßigen Ergebnissen auf durchschnittlich je 1 Witwe 1,7 Kind, so kämen insgesamt 2 988 438 Personen( 1 106 829 Witwen und 1 881 609 Kinder) also rund 3 Millionen Personen als eventuell fürsorgebercchtigt in Betracht, d. i. etwa ein Fünftel des heute für die Invaliden- und Altersversicherung in Betracht kommenden Teils. Es ivürde dem- nach der Reichszuschuß für die Hinterbliebenen mit 50 bis 25 Mark das Reich jährlich mit kaum 8 Millionen belasten. 41 Millionen macht der für die Hinterbliebenen zurückzubehaltende Mehrertrag aus den Zöllen. Mithin erhält das Reich durch die Hinterbliebenenversichcrung jährlich 33 Millionen neue Einnahmen. Eine köstliche soziale Fürsorge! Der Entwurf der Reichsversicherungsordnung spricht von einer solchen Zuwendung an das Reich nicht. Er schlägt vor, den ß 15 des Zoll- larifgesetzes durch gesetzliche Vorschriften zu ersetzen, die ebenso wie bei der Invalidenversicherung einen festen jährlichen Zuschuß deS Reiches zu den Hiuterbliebenenbezügen vorsehen. Die hierzu er- forderlichen Mittel sollen alljährlich in den Voranschlag deS Reichs» Haushaltsplans eingestellt werden. Aber eben der Reichszuschuß, der nach der ReichSversicherungsordnung in den paar Fällen mit nur 50 resp. 25 M- gewährt werden soll, macht 33 Millionen weniger als jene Mehreinnahmen jährlich aus. Der bisher ver- öffentlichte Teil der Motive weist aus eine finanzielle Begründung hin. Indes wird man nach den Ersahrungen, die man mit finanziellen Begründungen zur Reichsversicherungsgesetzgebung ge- macht hat. von vornherein solchen Bereckmungen recht vorsichtig gegenübertreten müssen. Wir erinnern an die famose Begründung, die mehr Witwen von Seeleuten mit einem Anspruch auf Hinter- bliebenenunterstützung herausrechnete, als es überhaupt Seemanns- witwen gab. Darin wird man den Motiven recht geben können, daß die s ch w a n k e n d e n Mehreinnahmen aus den Zöllen allein eine unzulängliche Grundlage für zureichende Leistungen an Hinterbliebene bilden. Warum aber sollte der Reickisbeitrag nicht von vornherein als ein zum mindesten dem jährlichen Mehrertrag aus Zöllen zu entsprechender zu bemessen sein? Weshalb ferner ist man dem Gedanken nicht näher getrete», alle Mehreinnahmen aus den agrarischen Zöllen zugunsten der Witwen und Waisen zu verwenden? Die Motive besagen darüber nichts. Sind die Mehreinnahmen aus den Zöllen nicht ausreichend, um auch nur die almoscnarlig niedrigen in der Reichsversichcrungs- ordnung vorgeschlagenen„Renten",„Witwengelder" und„Waisen- aussteuern" zu bezahlen, so müßte für die Kosten in anderer Weise gesorgt werden. In erster Reihe käme da eine ReichSei»kommen st euer auf Einkommen etwa von 6000 M. jährlich ab in Betracht. Die Vorlage g«ht diesen Weg nicht. Die Motive schweigen sich über die Gründe hierfür auS. Wohl aber schlägt der Entwurf eine Reichseinkommen st euer auf niedrige Einkommen vor: jedes Einkommen auch unter 350 M. jährlich bis zu der Höhe, wo die Versichenmgspflicht und daS Recht zur freiwilligen Versicherung aufhört, also bis 2000 oder 3000 M. soll mit einer Einkommensteuer belegt werden, sofern der zu Belastende ein Arbeiter ist und deshalb der Versicherungspflichr unterliegt. Wie bereits am Sonnabend hervorgehoben, sollen nämlich die Bei- träge zur Invalidenversicherung um etwa V« erhöht werden. Wer bis 350 M. Jahreseinkommen hat, soll statt einer Il-Pfennig-Marke eine 16-Pfeiinig-Marke einkleben lassen, bei Einkommen von 350 bis 550 M. jährlich soll die Markenhöhe von 20 auf 24, bei einem Ein- kommen von 550 bis 850 M. von 24 auf 30, bei einem Einkommen von 850 bis 1130 M. von 30 auf 38, bei einem Einkommen über 1150 M. von 36 auf 46 Pf. wöchentlich steigen, das heißt also die niedrigen Einkommen mit rund 1 Proz. ReichSeinkomincnstener zu belegen. Die absolute Umkehr einer gerechten Steuer! So soll infolge deS- selben Gesetzes, das mit Zentrumshilfe rund 376 Millionen aus den Taschen der Arbeiter den Großgrundbesitzern, weil sie besitzen und nicht arbeiten, jährlich in den Schoß wirft, den Arbeitern, iveil sie arbeiten und nicht besitzen, abermals rund 43 bis 51 Millionen jährlich von Reichs wegen genominen werden I Das ist Zentrums- Sozialpolitik. Die Motive geben, gerade als ob sie beim Zentrum in die Schule gegangen wären, auch ethische, sittliche Gründe. Es heißt in den Motiven: „Neberließe man die Fürsorge für die Hinterbliebenen lediglich öffentlichen Einrichtungen, so würde sie aus dem Begriffe der Ver- sicherung herausfallend, einen der Armenpflege verwandten Charakter der Unterstützung annehnien, und es würde zugleich die eigene Ver- antwortlichkeit des Familienhanptes für die Zukunft seiner Hinter- blicbenen geschwächt werden. Daraus ergibt sich die Notwendig- keit, die an der geplanten Versicherung beteiligten Arbeit- nchmer zn den Kosten mit heranzuziehen." Ignatius Loyola macht Schule. Warum werden nicht die Gemeinden zur Tragung der Kosten herangezogen? Weil dann auch Nichtarbeiter, wie bisher an den Armenlasten, partizipieren müßten? Öder weil dann einzelne Großgrundbesitzer, insbesondere jene, deren selbständige Gutsbezirke in Preußen der Gemeinde gleichgestellt sind, keine neuen Liebesgaben erhalten würden? Bewahre I Die Motive geben folgende Gründe an: „Allerdings ist auch der Gedanke erwogen worden, ob nicht etwa wegen des voraussichtlichen Sinkens der Armenlasten nach Einführung der Hinterbliebcnenversicherung die Gemeinden zur Deckung der Kosten heranzuziehen wären. Zwar stehen allgemeine, Gefchlecht, Alter und Familienstand der Unterstützung sowie die Kosten der Armenpflege im Reiche umfassende statistische Ex- Hebungen nicht zur Verfügung. Indessen ergibt sich aus den be« rufsstatistischen Erhebungen, daß unter den von Unterstützung lebenden Personen, sowie unter den Insassen von Armen- oder Jnvalidenhäusern usw. die weiblichen, und unter diesen wieder die Witwen, vorherrschen. Es ist deshalb nicht zweifelhaft, daß der Armenpflege aus der Unterstützung der Witwen und Waise» zurzeit große Opfer erwachsen, und daß sie durch die Hinter- bliebenenversicherung nicht unwesentlich entlastet werden wird. Die Heranziehung der Gemeinden ließe sich hiernach rechtfertigen. Es stehen ihr aber, was schon bei Einführung der Jnvalidenver- sicherung hervorgehoben worden ist, überwiegende praktische Schwierigkeiten entgegen. Insbesondere würde sich ein gerechter und praktisch verwendbarer Maßstab für die anteilige Belastung der einzelnen Gemeinden kaum feststellen lassen. Das Staats- oder das Gcmeindcsteuersoll ist nicht brauchbar, weil die Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden und Bundes- staaten zu verschieden liegen. Auch die Zahl der Versicherten oder der Empfänger von Hinterbliebenenrenten gibt keinen annehm- baren Maßstab ab, weil er die ärmeren Gemeinden, in denen diese Zahlen in der Regel höher sein werden, als in den reicheren, überlasten und weil er überdies zu umständlichen binnen kurzer Frist zu wiederholenden Erhebungen nötigen würde. Bon der Heranziehung der Gemeinden wird aus diesen Gründen abgesehen werden müssen." Etwas kürzer wäre der Inhalt der Motive dahin zu fassen ge- Wesen: weil der Zweck des Gesetzes ist, einen weiteren Teil der Armenlasten von den starken Schultern der wohlhabenderen Schich- ten der Bevölkerung auf die schwachen der Arbeiter zu legen. Das Fazit der Neuerungen, die das„Invalidenversicherung" überschriebene vierte Buch der Reichsversicherungsordnung bringt, ist: Festhalten an allen Mängeln des heutigen Gesetzes, absolut un- zureichende Almosen als Hinterbliebcnenversicherung an einen kleinen Bruchteil unterstützungsbedürftiger Witwen und Waisen und Entlastung der wohlhabenden Bevölkerung um rund 43 bis 51 Millionen Dkark jährlich durch eine gleich hohe Belastung der Arbeiter. Die sogenannten Beiträge der Arbeitgeber haben wir hierbei zu Lasten der Arbeiter berechnet, weil ja diese Arb'citgcber- beitrage nichts weiter als ein von vornherein, feststehender Teil deS Lohnes sind, ökonomisch also von den Arbeitern getragen werden. Berichtigung. In dem gestrigen Artikel haben sich in der zweiten Spalte in den die Berechnung der Witwenrente betreffenden Absatz einige Schreib- oder Druckfehler eingeschlichen, die. wie wir einigen Zu» schriften entnehmen, ein Teil unserer Leser schon selbst korrigiert hat. Wir geben nachstehend den ersten Teil dieses Passus unter Ausmerzung der Fehler wieder: „Die Witwenrente ist st eis noch niedriger als die Invalidenrente. Die Begründung gibt zu, daß feie Witwenrente außerordentlich niedrig ist. Sie spricht davon, sie fe< „lediglich eine bescheidene, für den Aufenthalt an billigen Ortey eben ausreichende Unterstützung". Wie schmal die Witwenrente iP ergeben folgende Zahlen. Hatte der verstorbene Ehemann 16 Jahre lang die Beitragsmarken vollgeklcbt, so beträgt die Witwenrenie in Lohnklasse 1(Jahrcsarbeitsvevdienst bis 356 M.) 72,66 M., in Lohnklasse 2(Jahresarbeiisverdienst 350—550 M.) 80,40 M., in Lohnklasse 3(Jahresarbeitsverdienst 550— 850 M.) 86,40 M., in Lohnklasse 4(Jahresarbeitsverdienst 850— 1150 M.) 92,40 M., in Lohnklasse 5(Jahresarbeitsverdienst über 1150 M.) 98,40 M. Die höchste Witwenrente, wenn also der verstorbene Ehemann 5 V I a h r e lang stets in der höchsten Lohnklasse geklebt hat, beträgt— 170,40 M. Beträge also zwischen 6,05 M. monatlich oder 2Va Pfennig täglich und' im allerhöchsten Fall, der nach 60 Jahren in vielleicht 10 Fällen jährlich eintreten könnte, 14,20 M. monatlich oder 47'/-» Pf. täglich. Berechnet man nach einer Be- teiligung der Versicherten gemäß der tatsächlichen BeitragSentrich- tnng im Jahre 1907 eine Tnrchschnittsrente, wie sie sich nach den Sätzen deS Entwurfs nach Ablauf der mittleren Aktivitätsdauer (etwa 1763 Bcitragswochen) stellt, so beträgt die mittlere Witwenrente 11 7, 6 6 Mark jährlich oder 9,80 M. momt» lich oder 30% Pfennig t ä g l i ch." Hinzufügen möchten wir den Satz der niedrigsten Witwenrente. Sie tritt ein, wenn der Ehemann, für den insgesamt 260 Marken erster Lohnklasse geklebt waren, eine invalide Witwe hinterläßt. >sie betrüge nach dem Entwurf 69,84 M. jährlich, also 5,82 M. monat- lich oder noch nicht LPfennig täglich(1,04 Pf.). In völlig anderer Weise als die Arbeiter, denen neue Lasten aufgehalst werden, behandelt die Reichsversicherungsordnuna die Arbeitgeber bei den Aenderungcn, die sie für die Unfallversicherung vorschlägt. Auf diese wollen wir im folgenden Artikel eingehen. Klus der Partei. Die Maifeier und die Hamburger Parteigenossen. In der Delegiertenversammlung der Landcsorganisation Hamburgs wurde vor kurzem die Frage der Maifeier eingehend erörtert. Die Parteileitung und die Kartcllkommission waren sich dahin einig geworden, die Feier in der bisher üblichen Weise abzuhalten. Ge- plant wird ein Fcstzug nach dem„Mühlenkanip" und dem„Schützen- Hof", nachmittags und abends sollen würdige Veranstaltungen statt- finden. Der Kartenpreis ist auf 30 Pf. für Männer und 10 Pf. für Frauen bemessen, während Arbeitslose freien Zuiritt haben. Entsprechend dem Partcitagsbeschluß sollen die unter Fortbezug ihres Lohnes feiernden Genossen den Tagclohn an die Parteikasse abfiihrcn. Es wurden zwar Stimmen laut, die— unter Hinweis auf die wirtschaftliche Depression— die Beseitigung der Arbeits- ruhe verlangten, aber die Anträge der Parteileitung wurden gegen eine verschwindende Minderheit angenommen. Im vorigen Jahre hatte man den Festzug fortfallen lassen und eine andere Form der Straßendemonstration gewählt. Da in diesem Jahre die Polizeibehörde der Parteileitung hinsichtlich der Aufstellung und der Bewegungsfreiheit des D e m o n st r a t i o n s- zuges mehr Spielraum zugestanden hat, so wird in diesem Jahre wieder ein Fcstzug veranstaltet. Die Ueberschüsse der Maifeier und die genannten Tagelöhne sollen dem bestehenden Maifonds überwiesen werden. Die Sozialdemokratie in den Gemeindevertretungen WiirtUaidrrgS. Der L a n d e S v o r st a n d der Sozialdemokraten Württembergs hat eine S t a t i st i k aufgenommen über die Zahl unserer Vertreter in denGe mein den. Besonders rege haben sich unsere Genossen an de» Bürgerausschuß- Wahlen im Jahre 1908 beteiligt. In 215 Gemeinden von 232 traten unsere Genossen in die Wahlbewegung ein; in 130 Orten gingen sie selbständig vor, in 83 Orten schlössen sie sich mit anderen Parteien und Jntercssentengruppeii zusammen. Es haften im Herbst 1908 infolge Ablaufs ihrer Wahlzeit aus dem Bürger- auSschuß auszuscheiden 77 Genossen, es verbliebe» in den Bürger- auSschüssen 67 Genossen. Für die 77 Ausscheidenden wählte die Sozialdemolrntie 240 neu hinein, so dah nunmehr 307 Ge- nossen in den Bürgerausschüssen die Interessen der werktätigen Bevölkermig vertreten. Die Wahl bedeutete ein überwältigendes Vertrauensvotum der Bevölkerung für die Sozialdemokratie. Zu den 307 Bürgerausschußmitgliedern kommen noch 17S sozial demokratische Gemeinderäte. Die Gesamtzahl der sozialdemokratischen Vertreter in den Gemeindekollegien Württeni- bergS ist also 482. In 24 Gemeinden bekleiden Genossen den Ob- mann-sVorsitzenden-ZPosten im Bürgerausschuß, 7 Genossen fungieren als Vizeobinann._ Nedaktionswechsel in der„Bergischen Arbeiterstimme". Genosse Hildebrandt tritt am l. Juli aus der Redaktion ber„Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen aus, um sich wissen schaftlichen Arbeiten zu widmen. Spitzel allenthalben. Unsere Magdeburger Genossen habcir am Sonntag einen Spitzel gestellt, der sich in das vom Bildungsausschuß veranstaltete Familienfest eingeschlichen hatte. Er machte während der Festrede eifrig Notizen und wurde darauf inS Gebet genommen. Natürlich leugnete er, aber seinen werten Namen zu nennen, weigerte er sich aufs entschiedenste. Schließlich ließ man den Kerl laufen. Sein Steckbrief besagt: er mißt etwa 166 Zentimeter, hat ein schwammiges Gesicht mit Schnurrbart und trägt eine gewöhnliche Stahlbrille. Er trug Arbeiterkleidung und hatte abgearbeitete Hände._ Das Archiv der schwedischen Arbeiterbewegung. „Arbotarrörelsens Arkiv"— das dieser Tage seinen Bericht für 1903 herausgegeben hat, ist in starker Entwickeluug be- grissen. Uebcrliefert wurden dem Archiv im verflossenen Jahre 1477 Handschriften, 6189 Drucksachen, 92 Klischees und 20 verschiedene Sachen, wie Fahnen, Photographien usw. Eingeordnet wurden 4474 Schriften und andere für die Arbeiterbewegung wichtige Dinge DaS Archiv zählte Ende 1903 28 913 Nummern gegenüber 24 439 am Ende des vorhergegangenen Jahres. Unter den 236 Organi- fationcn und Personen, die im Laufe des JahreS dem Archiv Bei« träge, wie Druckschriften usw., zukommen ließen, sind unter anderen auch einige deutsche Gewerkschaften sowie die Gcneralkoinmission der deutschen Gewerkschaften und ferner die Buchhandlung Vorwärts aufgcsiibrt. Erhalten wird da« Archiv gemeinsam von der sozial» demokratischen Partei und der Landesorganisotion der Gewerkschaften Schwedens, von denen jede im Jahre 1908 I02S Kronen für diesen Zweck ausgab. Benutzt wurde das Archiv im Laufe des Jahres von 126 Personen in den Archivräumen und 116mal durch KuSleihuug von Schriften, außerdem ivaren 9 schriftliche Anftagen a»S dem In- und Auslände zu beantworten. Sericbts- Leitung» Das Landgericht l gegen die Presse. Von einer eigenartig unfreundlichen Maßnahme gegen die Vertreter der Presse wird uns aus dem Kriminalgerichtsgebäude folgendes berichtet: Im Gegensatz zu der liebenswürdigen Be« Handlung, deren sich die Pressevertreter bei allen maßgebenden Stellen der Landgerichte Berlin II und III erfreuen, werden ihnen auf dem Landgerichte I seit einiger Zeit Schwierigkeiten bereitet, die sich eigentlich nur aus einer völligen Verkennung der Aufgaben der Presse im 20. Jahrhundert erklären lassen. Neuerdings ist den Gerichtsdiener» verboten worden, den seit vielen Jahren akkreditierten Vertretern der Presse Einblick in die von den Gerichtsdienern an- gefertigten täglichen Tcrmiuzettel zu gestatten, obwohl diese nichts weiter enthalten, als was man aus den Verhandlungen selbst er- fahren kann, nämlich: Namen und Stand der Angeklagten, Be- zcichnung des ihnen zur Last gelegten Vergehens und die Namen der Zeugen. Der Einblick in diese Zettel, die doch wahrlich ge- Heime Dokumente nicht darstellen, diente den Breichterstattern ge- wissermaßen als kleiner Wegweiser durch die weitauSeinander liegenden Gerichtsfäle und als eine Erleichterung bei der Erfüllung ihrer journalistischen Pflicht. Seit einem Menschenaltcr ist noch niemals von einem Gerichtspräsidenten, Strafkammervorsitzenden, Staatsanwalt oder Obersekretär Einspruch gegen diesen überaus harmlosen Liebesdienst, der der Presse erwiesen wird, erhoben worden. ES dürfte wohl auch keine Stadt mit Gcrichtssitz geben, in welcher dieser Usus nicht im Schwange wäre. Beim Reichs- geeicht wird ein Terminszettel in mehreren Exemplaren täglich auf den Pressetisch osfizirll gelegt. In der Kriminalabteilung des Landgerichts I ist jetzt plötzlich aus unbekannten Motiven eine Acnderung in diesem alten, löblichen Brauch angeordnet worden. Ob der Landgerichts- bczw. Kammergerichtspräsident mit dieser Maßnahme einverstanden sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Der Effekt würde doch nur sein, dah hier und da wichtige Termine versäumt und die zu den Verhandlungen Vorgeladenen falsch genannt werden. Die Vertreter der Presse, die sich durch diese Anordnung in ihrer Tätigkeit beschwert und in gewissem Sinne auch beleidigt fühlen, beabsichtigen, gemeinsame Schritte an maß- gebender Stelle zu unternehmen. Krawatten-Akademie. Unter dem Titel:„Lohnende Heimarbeit" erschien im„Vor- tvarts" vom 25. April 1903 ein Artikel, der sich mit der Praxis in der„Ersten Berliner Krawatten-Akademie" des Herrn Stcinberg in der Lindcnstraße beschäftigte. Wegen des Inhalts dieses Ar- tikels wurde unser verantwortlicher Redakteur, Genosse Davidsohn, aus Privatklage SteinbergS bekanntlich zu einer Geldstrafe von 156 M.(.und einer Buße von 800 M.) wegen Beleidigung verurteilt. Daö Landgericht bestätigte das Urteil. Es fand, daß in dem Artikel mehrere Behauptungen aufgestcllt seien, die objektive Ehrenkränkungen siir den Privatkläger enthielten. Eine solche sei es, so wurde ausgeführt, wenn in dem Artikel von„Reingefallenen" gesprochen wurde, die beim Privatklüger ihr Lehrgeld losgeworden seien, ohne zu ihrem Ziele zu gelangen. Der vom Angeklagten angetretene Beweis der Wahrheit sei nicht erbracht. Bei der großen Zahl von Schülerinnen— vom 1. Juli bis 31. Dezember 1907 Ivaren es 456, von denen 290 dem Kursus bis zum Schluß beiwohnten— wäre es nach Meinung des Gerichts selbstverständ- lich, daß ein Teil mit dem Kursus nicht zufrieden gewesen sei. Darum könnte dahingestellt bleiben,»vorauf dies zurückzuführen sei. Ein Nachweis, daß Steinberg Versprechungen nicht gehalten habe, sei nicht erbracht. Nur in einem Punkte sei er den Angaben in seinem Prospekt nicht gerecht geworden. In diesem werde er- klärt, daß kein Massen-, sondern Einzelunterricht erteilt werde. Diese Bestimmung sei zwar nicht eingehalten, denn es hätten bis zu 16 Teilnehmer an einem Kursus teilgenommen. Sie sei aber nicht so ausschlaggebend. Im Hinblick hierauf könne nicht von „Neingefallenen" gesprochen werden.— Zweitens werde in dem Artikel behauptet, daß die Schülerinnen Steinbergs, denen er nach Beendigung des Lehrkursus Arbeit verschaffe, im günstigsten Falle bei langer Arbeitszeit einen äußerst geringen Verdienst erzielten. Dem sei entgegenzuhalten, daß einige Zeuginnen, nachdem sie sich einigermaßen eingearbeitet hatten, einen Tagesverdienst von 2,50 bis 3 M. erzielt hätten. Eine große Anzahl der vom Privatkläger unterrichteten Personen hätten allerdings die Herstellung von Kra- Watten aufgegeben, bevor sie einen nennenswerten Verdienst er- zielten. Das komme aber— abgesehen von Familienverhältnissen usw.— davon, daß sich die Betreffenden in dem irrigen Glauben befanden, sie würden nach Beendigung eines Kursus ausgebildete Arbeiterinnen sein. Eine solche Annahme sei aber ungerechtfertigt gewesen. Was einen weiteren Punkt betreffe, so hätten ver- fchicdene Zeuginnen ja bekundet, das, sie Arbeit in anderen In- stituten und Fabriken nicht erhalte» hätten, sobald sie erklärten, haß sie im Institut des Privatklägers ausgebildet»Vörden seien. Aus welchen Gründen, sei aber nicht dargctan. Deshalb könnten daraus Rückschlüsse auf die Lehrtätigkeit Steinbergs nicht gezogen werden I Diese Abweisung könne vor allem dem Privatkläger nicht zur Last gelegt werden, da nicht erwiesen sei, daß er davon gewußt babe.— Im letzten Teil des Urteils heißt es:„Bei Festsetzung der Strafe wurde als strafmildernd in Betracht gezogen, daß der Privatkläger eine Persönlichkeit ist, die zur Kritik Beranlnssung bot. Denn abgesehen von seinen Vorstrafen, die allerdings mit seiner Stellung als Inhaber der Krawattenakadcmie nichts zu tun hatten, ist der Prospelt, wennschon er, wie dargelegt, im allge» meinen nichts Unwahres enthält, doch immerhin, wie nicht ver- knnnt»Verden darf, in änsierst geschickter Weise abgefaßt, so daß Frauen, die ihn oberflächlich durchlasen und die überhaupt nicht ernstjich sich die Sache überlegten, wohl in die Annahme geraten konnten, nach Beendigung des Kursus würden sie sofort lohnenden Verdienst erhalten und sich verschaffen können. Außerdem wurde in dem Prospekt Einzelunterricht versprochen, aber nicht erteilt." Gegen die» Urteil legte Genosse Davidsohn Revision ein. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verhandelte gestern in der Sache. Der Verteidiger, glechtsniiwnlt Lorw», rügte zunächst, daß dem Angeklagten der Sckmtz des§ 193 des Strafgesetzbuches(Wahr- nehmung berechtigter Interessen) versagt worden sei. Der Re- dakteur eines Arbeiterblattes habe die Verpflichtung, arme Frauen zu schützen. Hier liege aber der Fall noch besonders. Er sei von zwei Frauen ersucht worden, ihre Rechte in der Zeitung wahrzu- nehmen. Schon insofern liege eine Wahrnehmung berechtigter Interessen vor. Im übrigen sei das Urteil widerspruchsvoll. In- dem das Urteil von fünf verschiedenen Einzelangaben des Artikels ausgehe, könne es gar nickch feststellen, daß der Beweis der Wahr- heit nicht geführt sei. ES hätte geprüft werden müssen, ob der Geschäftsbetrieb des Privatklägers ein reeller sei. Der Haupt- Widerspruch im Urteil liege im folgenden: Es werde festgestellt, daß der versprochene Einzelunterricht nicht erteilt sei, und ferner werde für richtig erklärt, daß Schülerinnen Steinbergs in anderen Instituten und Fabriken keine Arbeit erhielten. Also sei in zwei Punkten doch sicher der Wahrheitsbeweis geführt, denn es sei gleich- gültig, daß der Privatkläger von der Abweisung seiner Schule- rinnen durch andere Betriebsinhaber nichts wußte. Somit hätte das Urteil den Wahrheitsbeweis in zwei Punkten für geführt er- klären müssen und nickst sagen dürfen, der Wahrheitsbeweis fei nicht geführt. Zum mindesten käme es für das Strafmaß in Betracht. Das Kammergericht verwarf jedoch die Revision. ES billigte die Art des Vorderrichters, der den Artikel in fünf Teile zerlegt hat und ihnen einzeln nähergetreten ist. Der Schutz des§ 193 deS Strafgesetzbuches sei auch mit Recht dem Angeklagten versagt worden, und zwar im Einklang mit der Rechtsprechung deS Reichs- aerichts in bezug auf die Redakteure und die Vertretung der Interessen anderer. Wenn gesagt worden sei, der Redaktrur habe hier einen ausdrücklichen Auftrag gehabt, so sei daS ein Novum, daS in der NevisionSinstanz nicht berücksichtigt werden könne. Die vom Anwalt gerügten Widersprüche erachtete der Senat als nicht vorliegend. Der Prozeß zeigt aufS deutlichste, wie außerordentlich die Gerichte die Verpflichtung der Presse verkennen, das Publikum vor Schädigungen, wie sie das Landgericht ja selbst als vorhanden annimmt, zu schützen. Die durchaus ungerechte Bestrafung der- mag uns selbstverständlich nicht von der Erfüllung unserer Pflicht abzuhalten._ Wegen 85 Pfennigen hat der Postbote Martin Hamann eine Lebensstellung verscherzt und sich mit dem Strafgesetz in Konflikt gebracht. Unter der An- klage der Unterschlagung im Amte mußte sich H. gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I verantworten.— Der Angeklagte, der sich bisher stets tadelfrei geführt hatte, war als Post- böte in dem Hauptpostamt in der Spandauer Straße beschäftigt. Einige Zeit nach seinem Dienstantritt liefen bei der Oberpost- direktion fortgesetzt Beschwerden ein, daß Briefe, die auf dem Hauptpostamt aufgegeben worden waren, nicht in die Hände der Adressaten gelangten. Da in derartigen Fällen die sämtlichen Postbeamten in den Verdacht geraten, als Täter in Frage zu kommen, so achtete jeder der in der Zentralbriefabfertigungsstelle beschäftigten Beamten auf den anderen. Eines Tages beobachtete ein Postbeamter, wie der Angeklagte verschiedene Briefe befühlte, sich dann scheu umsah und schließlich einen Brief in seiner Tasche verschwinden ließ. Der Beobachter machte sofort Meldung. Es ergab sich, daß der Angeklagte sich einen Brief, in dem sich 85 Pf. befanden, angeeignet hatte. Vor dem Postdirektor und auch vor der Polizei legte H. ein Geständnis ab. welches er trotz de�ein- dringlichen Ermahnungen des Vorsitzenden vor Gericht»vidcrrief. Die Strafkammer war der Ansicht, daß derartige Amtsvergehen. auch wenn es sich um noch so kleine Beträge handele, empfindlich geahndet werden müssen, da es sich nicht nur um einen groben Vertrauensbruch, durch den auch andere Beamte in einen unan. genehmen Verdacht geraten, sondern auch um eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Sicherheit im Handel und Verkehr handele. Das Urteil lautete dementspreck>end und dem Antrage des Staats- anwalts gemäß auf 6 Monate Gefängnis. DaS verschwundene Kind. Wegen Unterdrückung des Personenstandes des von seiner Frau geborenen Kindes, ist am 5. November v. I. vom Landgerichte Stendal der Kaufmann Rudolf Scheeler zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er ließ sich im November 1906 in Stendal nieder und verlobte sich mit Martha Krüger, einer Gastwirtstochter. Die Eheschließung fand bald statt. Zur größten Ueberraschung des jungen Ehemannes bereitete ihm seine Frau vorzeitig unerwartete und von ihm selbst nicht veranlaßte Vaterfreudcn. Die junge Frau hatte ihm verheimlicht, daß sie vorher mit einem anderen verkehrt hatte. Scherler sowohl wie Frau Krüger, die Großmama wider Willen, waren darin einverstanden, daß die Geburt des Kindes um des guten Rufes der Familie willen, geheim gehalten werden müsse. Eines Tages war die Großmutter mit dem Kinde verschwunden und sie sollen heute noch nicht entdeckt worden sein. Scherler hat sich geweigert, Angaben über den Verbleib des Kindes zu machen. Deshalb ist er verurteilt worden. Seine Revision wurde am Montag vom Reichsgerichte als unbegründet verworscii. Versammlungen. Der Metallarbeiterverband hielt am Sonntag eine General- Versammlung ab, auf deren Tagesordnung der Jahresbericht des Vorstandes stand. Dem umfangreichen gedruckten Bericht sowie den mündlichen Erläuterungen, welche der Vorsitzende Cohen dazu gab, entnehmen wir im folgenden einige der wesentlichsten Angaben: Infolge 4er schlechten wirtschaftlichen Kvnjunltur konnte von großen gewerkschaftlichen Erfolgen im Jahre 1903 nicht die Rede sein. Die Unternehmer haben sich die schlechte Konjunktur zunutze gemacht, indem sie versuchten, den Arbeitern das wieder zu nehmen. lvaS diese sich in früheren Jahren errungen hatten. Unter diesen Um- ständen mußte die Zahl der Abwehrstreiks natürlich erheblich größer sein, a!S die Zahl der Angriffstreiks. Die Zahl der im Jalzre 1903 esührtcn Streiks war nicht gerade gering, doch wurde tue der die _iahl noch der Umfang der Streiks früherer Jahre'erreicht. E» wurden geführt 6 Angriffstreiks, an denen 1501 Personen beteiligt tvarcn, und 18 Abwehrstreiks mit 1570 Beteiligten. Die Zahl der Abwehrstreiks im Jahre 1908 war größer als im Jahre 1907. Etwa 100 Differenzen wurden ohne Arbeitsniederlegung erledigt. — Hinsichtlich der Jugendorganisation macht der gedruckte Bericht Mitteilung von d«m Bestehen der auf Grund dcö Parteitags- beschlusses eingesetzten Jugendkommission und sagt dazu:„Ob mit diesen Einrichtungen unseren besonderen Ansprüchen als Metall- arbeiter in genügender Weise Rechnung getragen ist, bleibt nach- zuprüfen. Im Ansang des Jahres 1900 wird eine zu diesem Zweck stattfindende Aussprache diese Frage lösen."— Ten Ausführungen de? Genossen Cohen zufolge besteht im MetallarbeiterbeKande eine besondere, aus geeigneten Personen zusammengesetzte JugeüZl. kommission, deren Obmann der Vertreter des Verbandes in der Berliner Jugendkommission ist. Die Jugendkommiffion deS Ver- bandes veranstaltet für die jugendlichen Mitglieder desselben Sonn- tagszusanimenkünfte mit belehrenden Vorträgen und hat aus der Bibliothek eine Auswahl von Büchern, die für die Jugend besonder» geeignet sind, zusammengestellt. Im Sommer sollen auch Ausflüge gemacht werden. Die Beteiligung an der Maifeier war trotz der schlechten Kon- junktur stärker als im Jahre 1907. Die Maifeier wurde in 214 Betrieben mit 6282 Arbeitern begangen. In 21 Betrieben wurden wegen der Maifeier 473 Arbeiter ausgesperrt, jedoch nur auf einige Tage. Die Bibliothek wurde bedeutend stärker in Anspruch genommen wie in den früheren Jahren. Während in den Jahren 1906 und 1907 zwischen 24 000 und 25 000 Bände ausgeliehen tvurden, stieg diese Zahl im Fahre 1908 auf 60 451 Bände. Auch diese Er- scheinung ist auf die große Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Die große Steigerung der Bibliotheksbenutzung beweist, daß die Arbeits- losen ihre freie Zeit mit Lesen zubringen. Damit wird aus daS treffendste die gegnerische Behauptung widerlegt, daß die Arbeiter, wenn die Arbeitszeit verkürzt würde, mit ihrer freien Zeit nichts anderes anzufangen wüßten, als ins Wirtshaus zu gehen. Außer der Arbeitslosenunterstützung gibt der Arbeitsnachweis ein Bild vom Umfange der Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsnachweis des Verbandes, der sich allerdings nur auf gewisse Zweige der Metallindustrie erstreckt und von der Großindustrie bekanntlich mch: in Anspruch genommen wird, besetzte in den Jahren 1900— 1908 Stellen: 980, 1197, 1890, 4152, 7065, 9114, 10 543, 6418, 4237. Die Zahl der eingeschriebenen Arbeitslosen betrug im Jahre 1907: 30 043, im Jahre 1908: 33 780. Ein erfreuliches Zeichen ist es, daß die schlechte Geschäftslage keinen Rückgang an Mitgliedern gebracht hat. Die Mitgliederzahl des Jahres 1908 ist sogar ein wenig— jedoch unwesentlich— höher als im Jahre 1907. Sie betrug am Schluß des Jahres 1903 im ganzen 63 140 und verteilt sich ans die einzelnen Branchen folgender- maßen: Bauanschläger 767, Drahtarbeiter 273, Dreher 6186, Eick- tromonteurc 1305, Feilenhauer 93, Former 2813, Gießereihilfs- arbciter 613, Goldarbeiter 634, Graveure und Ziseleure 907, Gürtler 2673, Heizer und Maschinisten 87, Kesselschmiede 159, Klempner 3187, Installateure, Rohrleger 1763, Kupferschmiede 39, Mechaniker 4924, Drücker 631. Schleifer 1802, optische Industrie- arbeiter 131, Schläger 8, Schlosser 17 806, Schmiede 1264, Werft- arbeiter 39, Zinngießer 15, sonstige Metallarbeiter 10 684, Ar- beiterinncn 3564, Nicht-Metallarbeiter 355, ohne Berufsangabe 618. Der Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe fiir die Haupttasse mit 2 071 594,23 M., für die Lokalkasse mit 1 093 514,65 Mark.— An Unterstützungen(aus beiden Kassen zusammen) wurden ausgegeben: An Streikende 183127 M., an Gemaßregelte 146 403 M., am Umziehende 6607 M., in Notfällen 52 244 M., in Sterbefällen 10 645 M.. für Rechtsschutz 24 723 M. Die Reife- Unterstützung betrug 19 978 M., sie ist gegen das Vorjahr zurück- gegangen, weil angesichts der in ganz Deutschland herrschenden schlechten Konjunktur die Arbeitslosen am Ort blieben, denn sie konnten nicht darauf rechnen, auStvärtS Arbeit zu finden. Dagegen spiegelt die erhebliche Steigerung der ErwerbZIosenunterstützung den Rückgang der Konjunktur und die daraus resultierende Zunahme der Arbeitslosigkeit wider. Im Berichtsjahre betrug die Arbeits- losenuntcrstützung 922 129 M., die Krankenunterstützung 529 827 M. In den vorhergegangenen Jahren wurde an Arbeitslosenunter- stützung gezahlt: 1907: 489 377 M.. 1906: 262 825 M., 1905: 168 622 M.. 1904: 116 501 M.. 1903: 96 649 M. In der Schlußbetrachtung deö Geschäftsberichts wird mit Genug. tuung konstatiert, daß die Mitgliederzahl nicht zurückgegangen ist und dazu bemerkt, daß dicö unter den gegenwärtigen Umständen eine Riesenleistung sei, die der unermüdlichen Pflichterfüllung der für die Organisation tätigen Kollegen zuzuschreiben sei. In der Diskussion wurden Einwendungen gegen die Geschäfts- tätigkeit des Vorstandes nicht erhoben. Hauptsächlich drehte sich die Debatte um die Frage der Jugendorganisation. Den Anlaß dazu bot ein von Scharf gestellter Antrag, eine besondere Jugend- sektion im Verbände einzurichten. Der Antragsteller hält die Selb- ständigkeit der Jugend für daS beste Erziehungsmittel.— Andere Redner, die sich auf praktische Ersahrungen in der Agitation berufen, verwiesen darauf, daß die Art, wie jetzt die Aufklärung der Jugend von Partei und Gewerkschaft betrieben wird, den Interessen der jungen Arbeiter gerecht werde, daß eine SektionSbildung im Verbände nach dem Statut nicht zulässig sei.— Eine andere Frage. die in der Diskussion gestreift wurde, war die Agitation unter den weiblichen Berufsangehörigen. Frau M a s ch k e führte die geringe Zahl der weiblichen Mitglieder auf ungenügende oer ungeeignete Agitation zurück. Andere Redner dagegen beriefen sich auf ihre prsönlichen Erfahrungen und zogen daraus den Schluß, daß die bei den meisten Arbeiterinnen leider vorhandene Interesselosigkeit und Unstätigkeit ihrer Gewinnung als Mitglieder entgegenstehe. An Agitation habe es nicht gefehlt. Nach Schluß der Diskussion folgte eine teilweise Neuwahl dcS Vorstandes. Es wurden gewählt als 1. Bevollmächtigter Cohen. 2..Kassierer: Blumenthal, Revisoren: Träger und Gries, Beisitzer: Wegner und Menz. Für die Wahl der Delegierten zum Verbandstag tvurden 90 Kandidaten aufgestellt. 30 sind zu wählen Sozialdemokratischer Lese- und DtvkutierNub„Karl Marx". Heute abend 8>/, Uhr bei Hummel, Sophienftr. b: Sitzung. Gäste will- ��"Sozialdemokratischer Lese- und DiskutierNud„Heinrich Heine". Heule abend 9 Uhr bei Bolze. Nodenbergstr. 8: Sitzung. „Lese- und Tiskutierklnb Banmschuleuweg." Heute: Sitzung im Lokale von GöraeuS, Bauinschulenstr. 27. Gäste, durch Mitglieder ein- geführt, haben Zutritt._ ßmfhaften der Redaktion. $U iiirlflitrtif Evrcchftuud« Nudel Sinvtnflraßt Vir. S, zhieifct Hos, dritter Einuana. vier Zrevven, MS" itzahrftuh»"VSA ivockieutäglich avend» vo»?'/, dt«»>/, Udr statt.«veöffnet 7 lilic Solliiabeude beainnt die Evrechstnildc nni 0 Uhr. Jeder 4l»Irag« ist ein 'Suchsrabe und eiue.3adl als vierkzeicheo betzutiiaeu. Briefliche elutivor» wird nicht ericiit. Bis zur Brailtwortung im Briefkaftc» klinuc» 44 Tage vcraelieu.«tlige Jraaen«raae man tu der Sdrechftiinde vor. P. N. Der Beamte war weder zu der Frage, noch zu einer etwaigen Ucbergabe dcS Brieses berechtigt. Zweckmäßiger wäre cS gewesen, Sie hätten sich an Ihre Gewerkschast aeivcndct.—<5,(?. Lesen Sie die .VormärtS'-Bertchte nach.— ülnftvärtcrin 17. Sle würden mit Aussicht aus Erjolg aus Zahlung für eine Woche klagen können.— O. D. 7. Sind Ihnen die Räume als Backräume vermietet und zu diesem Zwecke un- tauglich, so ist der Wirt verpflichtet, für Beschaffung tauglicher Räume zn sorgen und Ihnen vollen Schadenersaß zu leisten.— D. Z. Leider nein. — A. H. 166. Die Nnchlabgegeiistände können Sie behatten. Ein Rück- sorbcrungSrccht aus dle übrigen Gegenstände steht Ihnen nicht zu, ebenso- wenig ein Erbrecht ln den Nachlaß deS StiesvaterS.— F. B. 56. Nein. — Kinderkleibrr. Der Vertrag ist gülttg.— P. H. 33. Dle Steuer müssen Sic zahlen, da die dortige Hundefteuerordnung eine Ausnahme für Ihren Fall nicht kennt. Jedes Gewerbe muß anaeineldct werden. Eine Erlaubnis ist nicht ersorderltch.— I. K. 166. Ob daS Grundstück ans Ihren Vater oder aus Ihre verstorbene Mutter eingetragen ist, ersahren Sie aus dem Grundbnchamt(Amtsgericht). Sie können von dem Vater Erbteilung wegen des Muttererde» verlangen. DaS Grundstück gehört zu dem mütterlichen Nachlaß.— E. 13. Ja. — Friseur. Auskunft erhalten Sie im Bureau des Verbandes der Barbiere und Friseure, Rosenthalcr Straße 57,— Schramm, Hoffmalin, Adlrrshof. G. R. AuSsührliche Belehrung hierüber finden Sie in dem Artikel„Steuersragen" in der 5. Beilage des.Vorwärts" vom 23. März. — H. S. 46. t. 1908. Im übrigen verweisen wir auf die 5. Betlage deS.Borwärt»' vom 28. März. 2. Geschäslsstclle: Norden 53, Pappel- Allee 15/17.— O. K. 166. Ein Zwang zur Versicherung besteht nicht: cS sei denn, baß Sic in Ihrem Mietsverttage die Verpflichtung dazu über- nommen hätten.— C. 1600. Der Zeitpunkt ist uns noch nicht bekannt. Vielleicht fragen Sic beim Bmdcr des Genossen an.— A. B. 22. Wenden Sie sich an daS Bureau deS Generalkonsulats, Frledrtchftraße 58/30, Dienstsiuudcn von 10 bi» 3 Uhr.— C. W. 99. Der Vertrag ist gölllg. — B. B. 99. Berlin C., Breitesir. 5.—»eiluS. Die Gebühr richtet sich nach dem Umfange des Gewerbes. Der Antrag ist an daS Polizei. «pier zu richten. Tvrt erfahren Sie auch den Kostenpunkt. St.»S. Slem.— sö.«. 1. DaZ Ti>gungZIo?aI ist vei Vöhlisch, Skaliszevstr, 2?.-> Blum. Bremen. 1. Etwa 10-12 Ai. 2. Wohl nicht unter 20 M.— » Wettende 44. 1. 1t4 000. 2. Da» ist i-ichtig.— F. 5t. 74. DaS dürfte sich bei so kleinen Mengen nicht empsehlcir— P. M. 100. Auf Kosten des Verpflichteten. Es können jedoch die Gebühren ratenweise gc- zahlt, auch ganz erlassen werden. Der Umfang und die Art und damit auch der Pi eis, der sich nach einer Gebührenordnung richtet, ist bedingt in der Natur der Krankheit.— W. B. 10. Läht sich ohne Angabc näherer Verhältnisse nicht beantworten. Vielleicht wenden Sie sich aber an Herrn Stadtrat Dr. Münsterberz, Mühlendamm 1, Zinuner 23. — Ruto 6. Handels- und TranSportarbeiterverband, Sektion Kraftwagen- führer, im Gcwcrkschastshaus, Engelufer 15.— A. B. 50. Die Deputation des Magistrats, der solche Stiftungen unterstehen, befindet sich Poststr. 10, Verlin C.— Erfinder 18. Vielleicht hat das Polizeipräsidium Interesse daran.— W. K. 100. Das ist GeschmaiNache. veideZ ist richtig und beides wird angewandt.— Usedom 17. Nebelriechender Atem kann ver» schiedene Ursachen haben. Wenden Sie sich an einen tüchtigen Arzt.— I. 35 40. Eine solche Einrichtung ist der königl. Klinik in der Ziegel- strasie angegliedert, und werden Sie sich zweckmäßig, auch wegen der Kosten, dorthin wenden können.— Cz. B. 89. Czcrnovih: Genosse Gregorovici. — G. 63, Vielleicht stellen Sic das durch Nachschlagen einer.Berliner Geschichte", die Sie in den össcntlichen Lesehallen findet» dür-fttti, selbst fest. Wetterprognose für Mittwoch, den 7. April 1909. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig bei mäßigen nordwestlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e tt e r b u r e a«. WitterunaSuberstcht vom«. Aprkt 1909. morgen« 8 Niir. «tatwnen LS Ii Zwineind«!775 Still Haniburg i77öOEO verlin 775 SO stranks.a M �772 NO München W'en 771 NO 778 Still Wetter Dunst 2 halb bd. 1 woltenl 3woltcnl b wölken! wolkcnl -»K ** u Ii Hb» «tattonen Ha. Bei Wette, e* t- mS aoaranda 705 Still heiter!— 4 kersburg 704 WNW, 1 bedeckt—2 Scillh 768 D � 4 halb bd. 7 tlberdeen ,770 SW, 1 wolkig. 3 Paris>708 ONO, 1 wölken! t IttxÄvi'L. laele«» Am 4. April verstarb unser s Mitglied, der Tischler �icdsrä kleckert (12. Bezirk). Ehre sciueui Andenken! Die Beerdigung findet heute! I Mittwoch nachmittags 6 Uhr von! der Halle deS neuen Rixdorserl Frieddoses, Mariendorscr Weg. 1 jaus statt. 234/20 j Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Oeutsclier I Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anselge. Den Kollegen zur Nachricht. | daß unser Mitglied, der Arbeiter I Fritz ß9ay 1 am 4. April an Lungenleiden j gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Bcerdigimg findet heute s Mittwoch, den 7. April, nach- | mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS neuen Luilen-KirchhoseS, Fürilcnbrunner Weg, aus statt. Reg« Beteiligung erwartet ! 114/20 Die Ortsverwattong. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. OrtSvcrwaltnug Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 3. April unser lang- jährige» Mitglied, der Brauer EErnst Ruchs (Schuliheiß-Brauerei) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Avril, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Seichen- Halle de» Panlower Frirdhoses in der Schönhoizer Heid» aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet i 42/14 Tie Lrtöverwaltung. Zvm!l!MciIssZ!i�Jzd!?ei'gii! goxbsW- ItMMlsbllrg. Tode«-Anzeige. Dcn� Rtttgliedern zur Nachricht, daß der Genosse, der Händler »Julius Sapiatz I am Sonntag, den 4. d. M., nach Z längerer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heut«,! ! nachmittag» 5 Uhr, von der Halle j des Nlimmelsburger Frledhoses Zaus statt. Rege Betclligrmg erwartet 18/4 Ter Borstand. lenlral-Verband der Zlrnmerer Oeulschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 14. Den Berussgenossen zur Nach» richt, daß unser Mitglied IBdimrd Schnabel am Freitag, den 2. d. M., frei- willig aus dcmL-ben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung findet am Donnerstag, den S. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle auf dem FricdenS.Mrchhos in Nieder-Schönhausen bei Nord- cnd auS statt. Um rege Beteilig»»*) ersucht 254/6 Ter Borstand. Reste Uzunen(veiie t«chwans und fMTbig;, CoMnmoK StaUc,i>«u/ifti.e UuHtAr. Tricot-fitofie, ßeiden- Pin seh. flimmoie, Seid« ate. Cott secöov Paletots. �____— Jao'-eli» m&nte). Coatomc» ttO Namen der trauernden Hinter- bliebcucn lsinna Lsiibbe geb. Haherlaml. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- 3 balle des alten St. Elisabeth- ° FA-dhoses in der Ackerstr. 37 aus statt. 1 Zentralverband deutscher| Brauereiarbeiter. Zweigvcreiu Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß an, 4. April der I Kollege Georx Liebherr Nalchenkellerarbeitcr /Böhmisches j | Brauhaus) verstorben ist. Ehre seiuem Andenke« 1 Die Beerdigung findet DormerS- | tag. nachmittags 4 Uhr, von der> palle des Golgatha-Friedhoses, ßarsusstraße, aus statt. 42/13{ Rege Betikligung erwartet Die Ortdvcrwaltnng. Allen Freunden und Belannten die traurige Nachricht, daß mein geliebter, unvergeßlicher Mann. unser guter Vater 1g32b Salomon Geiger am Sonnabend, den 3. April, tm Alter von 48 Jahren plötzlich am Schlagansall verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- hall« des Geihsemanc-FriedhoseS aus statt. Um stilles Beileid bitten 01« trauernde VOtwe Marie Gelger nebst Kindern. Todes-Anaclgo. Nach langen Leiden ruhig«nt- schlafen ist unsere liebe Mutter, die Tabakarbeiierw Witwe Auguste Lambrecht geb. Ci«i»s. 19281) Die Beerdigung findet am Donnerstagnachmirtag 4 Uhr von der Halle des Bartholomäus. FrledhojcS, Weißenfee(an der Fallenbeigcr Straße), aus statt. Um stilles Beileid bitten 0ie trauernden ttinierdiiebenen. Todcs-Anzeige. Am 5. April verstarb plötzlich meine liebe Frau und unsere gute Mutter, Tochler und Schwester jAiina Siuchly. Die Beerdigung sindet morgen Donnerstag, den 8. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Hedwia-Kirchhoses in Reinickendorj, Berlmer Str 20. aus statt. 805L 01« trauernden»interdliedenen. TodeS» Anzeige. Am Sonntag, de» 4. Rprll, nachmittags 7 Uhr, verstarb nach langem schwerem Leiden unsere Kollegin 8062 Anna Huppert. Die Beerdigung findet heut« MitNvoch, den 7. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hall« des Rummelsburger Kirch- Hose» ans statt. Vie Kolleginnen der Zeitung»- Spedition Robert Weageis. Allen » eunden und Bekannten I, daß mein« Ueb« zur Nachricht, vag mein« Frau, unsere gute Mutter .Anna Nilsen Taubeustraße 41 verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. M., nach- mittags 4>/. Uhr. aus dem Drei- salttgkeit»» Kirchhose w Marien- dorj statt. Gabriel Nilsen 19336 und Kinder. Deutsch. Kuchbluderverbaiid. Achtung;! Achtnng;! Luxuspapierarbeiter- und Arbeiterinnen. In der Firma Otto Srhloß, Graphische Kunstanstalt, Magazin- ftraße 15/16, find wegen forlgejctzter Lohnreduziermigen Differenzen au»- gebrochen, welche zur Arbeitseinstellung führten. Die Firma ist für allein derPrcsserei, Prägerei, Buchbmdcret»md in der fiochglanzabteimng beschässtaten Ar- kiter und Arbetterinnen gesperrt I VorArbeitsannabme wird gewarnt I Die QrtSverwaltnng. Villig�t« Lsrngsanells! geilleg.IrMi'gmMdL iVeslmsnns Irauer-�axazin I Berlin Vi.. Mehrenstr. Z7a I ttO., Gr. r ranict. Str. ltb. j !(Zsnaue Beachtung I meiner Firma u. Hausnummer geboten!• ' sMHMM Ich wohne jetzt Fnhowstr. 38. vr. de ?3,l4» an der Gentlilner Ltrasie dsnns Zwinger. prallt. Aerztln für Frauen u. Kinder. Telephon u. Sprechzeit unverändert. Hochclcg/ante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Mailstoffen Irüherep Wert 60 bis SO Bark jetzt 20 bis 45„ BTIe wiederkehrende Kanfgreleeenhelt l CavaliersClub, linier den Linden 61 II Achtung! KeWiUigteKäckerei. Die Differenzen zwischen dem Verbände der Bäcker und Konditoren und unterzeichnetem Meister sind wieder geregelt. Die Bäckerei gilt somit als bewilligt. N. Potschcr, Hnssitenftraße 13. 40/5 Der Vertrnncnsmann der Bäcker. Blutarmut Bleichsucht, versch. Arten von Darmleidcn, Nervenkrankheiteis, bluranne eine Mehrung der Blutmenge und bctchassenhett notwendig ist, z.�B. nach großen solge schwer, � infolge schwerer Operationen, eiten, Magen- und ustände, bei denen Besserung der Blut- großen Blutverlusten Wochenbetten usw., nach über- slandenen erschöpfenden JnsefftonStrankhetten wie Jnsluenza, zur Hebung des Ernährungszustandes bei ausheilender 'ungentuberwlose usw., sind nach Geh. Medizinalrat Pros. ..............T...... � n Dr. Liebreich das Anwendungsgebiet des Lamschcider Stahl brnnnen.— Trtnkfuren im Hause warm euipjohleu.— Große Kurersolge. Urteil eine» �lrzte»:»DaS Wasser entspricht nach alledem allen Ansorderungen. die wir an ein gute» Stahlwafier stellen können. ES til hochgradig eiseuhallig, leicht bekömmlich und gut verdaulich. Die Patienten, die es genommen haben, haben sich stets wohl gessiglt, haben es gern gctrunlen und haben an körperlichem und seelischem Wohlbefinden zugenommen, so daß sie ihrem früheren Beruf bald wieder nachgehen konnten. Wir haben also in diesem Stahlwasser ein gute« Medikament, welches bei sorgfältiger und genauer JndilationSstellung wohl keinen im Sftch lassen wird." DankeSworte nach eriolgretchm Kuren:»Nachdem ich schon längere Zeil an hartnäckiger Bteichsücht gelitten und mancherlei dagegen gebraucht habe, habe ich aus ärztliche Berordnung eine Kur mU dem Lamschetdcr Stahlbrunncn gemacht. DaS Ziesultat war ganz überraschend, mein Zustand besserte sich sehr rasch, so daß ich nach drei Wochen die Kur bereits ausgeben konnte."—»Ich fühle mich jetzt so wohl und habe einen tzlppetit zum Essen, wie ich ihn noch nie hatte und meine Magenbeschwerden sind auch verschwunden, mit einem Wort gesagt, ich bin ein ganz anderer Mensch."—.Die Wirkung Ihres Brunnens aus daS Befinden meiner Tochter, die seit Jahren sehr schwer an Bleichsucht litt, ist eine vorzügliche gewesen." Broschüren kostenlos durch Lamscheid« Stahlbrunnen. Dasseldors SW. 164. Wenn Sie die Sicherheit haben wollen, das seit Jahren rühmlichst bekannte 254/15« URANIA=Salonoel ■(Der Name ist gosetaliob gesohfttit). EU erhalten, dann fordern Sie beim Einkauf nioht nur„Salonoel", denn unter dieser Bezeiobnang wird sehr oft ein Gemisch mit billigeren Sorten verkauft. Nur der volle Name I e» e» 8 8 /z Uhr, im«ewerkschütt». Engelnfer 15(Saal Vll): Mitglieder-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. GeschästlichcS. 2. Wahl einer Kommission sllr die Delegiertenwahlen. 3. Verschiedenes 29/3 NB. Die Delegierten müssen biS 25. April gewählt sein. 7- Am 29. April Generalversammlung sür das 1. Quartal.-W Guten Besuch erwartet Der Vorstand. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale I Berlin. Donnerstag, den 8. April, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung im Lokale de? Herrn Schmidt, Prinzen-Allee 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag de? Kollegen Mahler über: Reichstarife. 2. Diskussion. S. BereinSangelegenheiten und Verschiedenes. l44/6 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen notwendig. Der Vorstand. A SeeflschkochbQcher gratis. � Seefische— � �fvolksnahrnng! In der Karwoche kommt nach alter Sitte wohl in jeder Familie ein Fischgericht auf den Koch. Unsere Dampferflotte brachte groß© Fänge Seefische in hervorragend schöner Qnalitttt an. Täglich treffen hiervon große Sendungen bei uns ein und kommen zu billigen Preisen zum Verkaui Wir empfehlen besonders die prachtvollen, großen, fast ien Fische, die wir auch im Anschnitt verkaofi grätenlosen (f.blulfrischeiSßßlacIlS ijai IIB! Seehecht im Anschnitt p. Pfd. Cd Ü Pf. im Anschnitt p. Pfd. 21 5 Pf. Kabeljau SChellfiSCh im Atuch WU p PM, Pf. im Anschnitt p. Pfd. TU Pf. Außerdem empfehlen wir; ff. kleinen Schellfisch 99 99 Rotznngen zum Braten. p. Pfd. Zw Ff. Ia, kleinmittel..... p. Pfd. 30 Pf. Ia, große helle..... p. Pfd. 70 Pf 30 pf. „ Knurrhahn........... p.pfd. Für die feine Tafel besonders: IT. Seezungen, Steinbutt, Heilbutt, Zander. Deutsche DitepUerei-GeseUi.Msee". Größte Hochseefischerei Deutschlands. Hauptgeschäft: IIEHI.IV C'., Bahnhot Börse. Verknutsstellen: K. InvalidenstraBe 131. II IV. Potsdamer Straße 112a. S. PrinzonstraBe 94. VW. Wilsnacker StraBe 57. O. Groß» Frankfurter Str. 85. j| Hpandan, Breitestraße 24. O. Sehl n. 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F., abends von 8—9 Uhr, finden gemäß § 48 des Statutes die Vertreter- Wahle« zu den Generalversamin- langen sür die Fahre 1909 und 1910 statt. 272/10 Es haben zu wählen: u) die Herren Arbeitgeber, welche am Tage der Wahl bei der Kasse cht Konto haben, 46 Vertreter und 5 ErsaNmänner. Wahllokal: Fürstenhof, Köpe- nicker Str. 437? h) die versicherten und freiwilligen Mitglieder der Kasse, welche grosijäbrig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, 44V Vertreter und 11 Ersat,- männer. Wahllokal: Engelufer 45, Saal 3. Die Wahlhandlungen werden Punkt- sich um 9 Uhr geschlossen. Die ordentliche Generalver- sammluug findet am Mittwoch, den 28. April d. F., abends 8'/, Uhr, Engelaser 15, waal 3, statt. Tagesordnung: 1 Wahl eines Vorstandsmitgliedes, Arbeitgeber. 2. Abnahme der Lahresrechnung pro 1908. Bericht der Revisoren. Wänderung des Z 29 d. Statuts. Versicherung der Vorstandsmit- glieder und Beamten gegen Un- jall im Dienst. Grichästliche Mitteilungen. Die Delegierten erhalten noch be» sondere Einladungen. Berlin, den 7. Zlpril 1909. Der Vorstand. I. A.: Fritz Waldojrer, Borsitzender. 3. 4. 5. 6. Damen-Konfeklion direkt der Fabrik. Kein Laden. �NachbeendeterEngros-Saison ausb Einzelvefkauf morm biilig! iiäiicheii-Paletots HobeslBaumgarten Hausvogteiplatz II, I. Etg. schrögilber Untergrund-Bahnhof. Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 5"h, Rabatt vergütet. Auch Sonntags geöffnet! (i Haben Sie Stoff? /et Jerturt davon Anzog od. Pztetot nach Miss, sc/tick, daneth. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Lehand, Seue PromenadetJI.t Sidtb. Börse). 1908ft Kgkhiihlitt, echte Rasse, schon fleisiig legende, gar. leb. Ankunjt franko Nach«. 18 Stück mit Habn 34 M., 12 Stück 22,50 M., 6 Stück 13,50 M., beliebige Farbe. Schitcier,Myslowit»O/S. Nr.sv. Soeben ersdiienen 5 vea» Weg LAfMsebi tn fZolitikche Betrachtungen über«las kiincinwachlcn die Revolution von I?ar1 Eäautsky. LnhaltSüberficht: 1. Die Eroberung der politischen Macht. 2. Die Prophezeiung der Re- volution. Das Hineinwachsen tn den Fukunslsstaat. Die ökonomische EntWickelung und der Wille. Weder Revolution noch Gesetz- � lichkeit um jeden Preis.' DaS Wachstum der revo lutionärcii Elemente. Die Milderung der Klassew gegensätze. )ie Vcrschärsung der Klassen- bin neueS Zeitalter der Re«» volution. Preis 1,50 M., billige AuS- gäbe 0,50 M. Fxpöljition lies„Vorwärts" Berlin SW. lilndenstr. 00, Ijaclcn. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku.Berlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlags anstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 82. 26. Jahrgang. eilm i>ls.Amörls" Kcrlim WMmch. 7. ZiD'I IW. AK Sie„volkzzsitung" Sie Dergardeiki' kennt. Ein Bergniann cuS dem Ruhrrevier schreibt un-Z: An der Tagespresse merkt man: daS öffentliche Interesse ist fortwährend den Bergarbeitern zugewendet. Die wechselnden Er- cigmffe, wie Riesenstreits, Massenkatastrophcn, drohende Kämpfe lassen das Interesse nicht erlahmen. Es muff daher etwas geschrieben werden.„Amüsant" genug sind schon die Artikel gewisser Sonder- bcrichterstatter, die nach zwei- bis dreitägigem Aufenthalt im Ruhr- revier Land und Leute kennen wie ihre Westentasche, die über die Zustände im Schacht erzählen, wie ein alter Knappe. der seine dreiffig Jahre zur Grube gegangen ist. Ten Vogel abgeschossen hat mit solcher Art Auf- klärung die Berliner„Volkszeitung" in einem Artikel:„Das Charakterbild deS deutschen Bergmanns" in ihrer Unterhaltungsbeilage Nr. 62 vom 14. März dieses Jahres. Der Artikelschreiber W. H. sagt den Bergleuten manche schöne Eigen- schaften nach, aber im Ganzen betrachtet, ist sein Charakterbild ein Konglomerat der unglaublichsten Dinge. Da liest man z. B.: „Die Liebe zum Bergbau wird in vielen Fainilien von einer Generation zur anderen vererbt. So entsteht eine gewisse Seff- haftigkeit, die wiederum die Grundlage für eine tiefe Vaterlands- liebe ist. Der höchste Wunsch ist eine eigene Scholle Erde und ein eigenes Häuschen zu besitzen.. Liebe zum Bergbau, Scffhaftigkeit, tiefe Vaterlandsliebe, der höchste Wunsch eine eigene Scholle! Der Mann hat Ahnung I Er weiff nichts davon, daff die übergroffe Mehrzahl der Bergleute sozial- demokratisch gesinnt ist, daff die„eigene Scholle" dem Bergmann zwar Lasten, aber keinen Gewinn bringt. Dem Bergmann ist die Liebe zur Scholle längst vergangen, weil die Scholle ihn der Willkür der Unternehmer überliefert. Weiter wird dem Bergmann von H. W. Kastengeist angedichtet. Er schreibt: „Der Bergmann liebt eS, sich auch in äufferen Dingen von den anderen Arbeitern zu unterscheiden. In seiner Kleidung, die aus schlichtem schwarzen Tuch gefertigt ist, spiegelt sich der ganze Ernst seiner gefahrvollen Arbeit, während andererseits die Aehnlichkeit mit militärischer Uniform auf eine feste Organisation hinweisen soll. Als Kopfbedeckung trägt der Bergmann den schwarzen, mit Schlägel und Eisen, den Emblemen des Bergbaues, gcschmücklen Tschako, dessen der- schiedenfarbiger Federputz die nationale Kokarde ersetzt. Der schwarze mit blanken Knöpfen gezierte Kittel wird durch einen Leibriemen, an welchem an der Rückseite das„Fahrleder" befestigt ist, zusammengehalten. Gerade dieser Lederschurz hat für den Bergmann ganz besondere Bedeutung, da nach ihm die im Berg- bau Beschäftigten in zwei groffe Kategorien getrennt werden, in die Bergleute vom„Leder" und in die„von der Feder"..." Ist das ein Charakterbild deS deutschen Bergmanns? Im Ruhrbezirk sind über 300 000 Bergleute tätig, aber Bergleute„vom Lcder" und Bergleute„von der Feder" kennt dort kein Mensch. Die Gestalten, die W. H. schildert, gehören vergangenen Jahr- Hunderten an. Jetzt sindet man sie nicht mehr. Der Berg- mann von heute kleidet sich wie jeder andere Kulturmensch: er liebt eS gar nicht, vor anderen ausfällig zu erscheinen. Ein Bergmann, der sich heute noch ausputzt, wie W. H. es schildert, ist des der- dienten Spottes seiner Kaineraden gewiff. Es sollte uns wirklich Wundern, wen» W. H. im Ruhrrevier unter den 300 000 Bergleuten auch nur 300 fände, die bereit wären, sich in Uniform lächerlich zu machen. In einem weiteren Abschnitte gibt der Artikelschreiber seine Kenntnisse über die verschiedenen Beamtenklassen zum besten.„Je nach der ihnen übertragenen Arbeit heiffen die Beamten: Schieß- meister, R i e s e l m e i st e r, L a m p en m ei ste r, Schicht- m e i st e r usw." Schichtmeister gelten allerdings als Beamte, die übrigen Kategorien gehören aber zu den Arbeitern. Dann dichtet W. H. den Bergleuten die Neigung zu einem„guten Trunk" an, den sie sich gern zu verschaffen süchen auf Kosten anderer, namentlich von Fremden, die den Grubenbau befahren. Das ist Unsinn; Fremde kommen übrigens nur sehr selten in die Grube hinein. Das tollste aber sind die Phantasien über den Gottes- glauben und Unglauben der Bergleute. Man traut seinen Augen nicht, wenn man das liest: „Ganz im Gegensatz zu jener Freigeisterei, wie sie beispielsweise die Sozialdemokratie ihren Anhängern predigt, hält der Bergmann fest an seinem Gottesglauben. Noch ist es a u f v i e l e n Zechen Sitte, vor beginnender Schicht die Belegschaft inr Betsaal zu versammeln, um dort eine kurze Andacht abzuhalten. Viele Worte werden da nicht ge- macht, aber ein kurzes Gebet und dann ein fröhliches„Glück auf!" spenden dem Einfahrenden Trost und Hoffnung für ei» glückliches Gelingen seiner Arbeit. Alljährlich einmal vereinigen sich Beamte und Arbeiter zu einem } fröhlichen Bergfest, doch bevor der Bergmann s i ch b e i m s ch ä u in e n d e n B i e r d e r L u st u n d F r e u d e hingibt, zieht er erst im vollen Schmuck mit fliegenden Fahnen zur Kirche, um sich dort seine Bergpredigt halten zu lassen. Bei solch' frommer, gottergebener Gesinnung sollte man es kaum für möglich halten, daß in Bergmannskreisen der krasseste Aberglaube zu finden ist. Die Einsamkeit im dunklen Schoff der Erde, der stete Gedanke an Gefahren aller Art mögen wohl dazu beitragen, daß der Berg- mann überall neckende Geister zu sehen glaubt.. Wo har denn der Erzähler seine Studien eigentlich gemacht? Was er da seinen Lesern erzählt, ist ebenfalls ein böser Spuk aus vergangenen Zeiten! Wie würden die Kleriker und Unternehmer sich freuen, wenn's heute noch so wäre! Dann gäbe es keine re- bellierenden Bergleute und keine Streiks, und die Grubenkatasirophen würden fromm und demütig hingenommen als unabwendbare Schickungen Gottes. Vor S0— 60 Jahren, da waren noch hin und wieder Betsäle auf den Schächten anzutreffen und Ober« steiger, die der Belegschaft vorbereten. Das Geschlecht ist ausgestorben und im ganzen Ruhrbezirk kein einziger Betsaal mehr zu finden. Das Beten hat man verlernt im Zeitalter des Großkapitals. Die Minute muff benutzt werden, sie bringt Kohlen, und Kohlen bringen Gewinn. Gewiff mag's noch kirchengläubige Bergleute geben, aber viele sind es nicht, und die wenigen sind weit hergezogen aus rückständigen Landstrichen. Alles in allem: die Leser der„Volks-Ztg." sind mit dem„Cha- rakterbild des deutschen Bergmannes" gräßlich düpiert worden. kleines feuilleton. Eine neue Südpolexpedition. Aus London wird berichtet: Dr.W.S. Bruce vom Ozeanographischen Laboratorium von Edinburgh hat interessante Mitteilungen über den Plan der neuen großen Süd- polarexpcdition gemacht, die 1911 von England aus die Reise in die antarktischen Regionen antreten wird, aus denen Shackleton jetzt zurückgekehrt ist. Die neue Expedition wird nicht der Route Shackletons folgen, sondern den Vorstoff von der anderen Seite auS versuchen.„Wir werden aus der Region von Coatsland ausgehen und quer durch die Roff-See direkt auf den Pol zustreben. Der Plan der neuen Expedition entspricht etwa dem der letzten schottischen. Ein Schiff von 250—300 Tonnen wird ausgerüstet und etwa 36 Männer der Wissenschaft an Bord nehmen. Das Fahrzeug wird mit den neuesten ozeanographischen Apparaten ausgerüstet, fo daff Tiefsee- Messungen bis 3000 Faden Tiefe und mehr vorgenommen werden können. Die Ausrüstung wird auch einige Motorschlitten, die leicht zu regieren find, sowie eine ausreichende Anzahl von Ponys und Polarhunden umfassen. Das Forschungsgebiet liegt etwa vierzig Grad südlich vom südatlantischen Ozean; bei dem Vorstoff nach dem Süden wird man die von der schollischen Expedition 1902—04 bereits erforschten Gebiete vermeiden." Bevor daS Schiff die Fahrt nach dem autarktischen Kontinente antritt, werden im siidatlantischen Ozean Tiefscemessungen und ozcanographische Forschungen vor- genommen; von Buenos AyreS aus geht die Fahrt zunächst nach Tristan d!Acunha, dann nach den Sandtvich-Jnseln und den Bouvet- Inseln. Die Kosten der Expedition werden auf eine Million ver- anschlagt. Die Forschungssahrt soll zwei volle Jahre in Anspruch nehmen. Als der mächtigste Wald der Erde ist der von Ca lad»ras in Kalifornien längst berühmt, und als im vorigen Sommer dort ein Brand ausbrach, teilte sich der ganzen gebildeten Welt eine gewisse Aufregung mit, da es hieh, die gewaltigsten Bäume des ganzen Erdenrundes seien dabei vernichtet worden. Das ist glück- licherweise nicht der Fall gewesen, aber man die Warnung ver- standen und beherzigt, denn Präsident Roosevelt hat noch als letzte Tat seiner Amtszeit den Gesetzentwurf zur Verwandlung des Cala- veras-Waldes in Naionaleigentum unterzeichnet. Schon vor vier Jahren war, wie die Wochenschrift„Science" in Erinnerung ruft, ein„CalaveraS-Gesetz" von einem kalifornischen Senator beim Senat der Vereinigten Staaten eingebracht worden, und noch weitere Anträge passierten daS Oberhaus des amerikanischen Kon- gresses, ohne aber genügende Beachtung zu finden. Es handelt sich um ein? verhältnismäßig gering« Fläche, die jetzt endlich in Staats- schütz übernommen werden soll, denn der sogenannte nördliche Hain lleber die Tätigkeit der Schulärzte wird alljährlich der Schuldcputation ein Bericht erstattet, der dann den Stadtverordneten vorgelegt wird. Der Jahresbericht für das Schuljahr 1907-1908, zusammengestellt vom Schularzt Sanitätsrat Dr. Meyer, ist erst jetzt— zwölf Monate nach Schluß jenes Schuljahres— in die Hände der Stadtverordneten gelangt. Auch dieser Bericht zeigt aufs neue, wie untentbehrlich der Arzt als Berater der Schule ist. Im Schuljahr 1907-1903 hatten die Gemeindeschulen eine Durchschnittsfrequenz von 228 285 Kindern. Auf jeden der 44 Schulärzte, die in diesem Zeitraum tätig waren, entfielen durch- schnittlich 5188 Kinder. Im einzelnen ergaben sich freilich Ziffern, die sehr iveit differierten, vom Minimum 4094 bis zum Maximum 6490. Selbst ein Tätigkeitsgebiet, das„nur" rund 4000 Kinder umfaßt, bringt dem Schularzt noch eine recht bedeutende Arbeits- last. Soll den Schulkindern der Segen der ärzt- lichen Aufsicht voll zugute kommen, so muff die Zahl der Schulärzte viel größer sein. Für das Schul- jähr 1909-1910 ist sie inzwischen auf 50 vermehrt worden, damit wenigstens der Plan, jedem Schularzt möglichst nur 6 Schulen zu übertragen, durchgeführt werden kann. Die alte Forderung der sozialdemokratischen Stadtverordneten wollte jedem Schularzt nur 2 Schulen zugewiesen wissen. Wäre sie erfüllt worden, so kämen jetzt auf jeden Schularzt im Durchschnitt etwa 1500 Kinder. Zur Einschulung wurden im Schuljahr 1907-1903 von den Schulärzten 34 833 Kinder untersucht, pro Arzt durch- schnittlich 793, im Minimum 432, im Maximum 1323. Auch das sind recht beträchtliche Ziffern, bei denen man sich fragen mutz, wie gründlich d a die Untersuchung der einzelnen Kinder sein kann. Das Ergebnis der Untersuchung war in 3027 Fällen(8� Proz. der Gesamtzahl) so ungünstig, daff die Kinder in Berücksichtigung ihrer körperlichen und geistigen Eni- Wickelung als noch schul u n fähig erachtet und bis auf weiteres zurückgestellt werden mufften. Aber auch unter den als schulfähig erachteten und zur Einschulung zugelassenen Kindern waren noch 8176(23� Proz.), deren EntWickelung und Gesundheit so viel zu wünschen übrig ließ, daff die Schulärzte es für geraten hielten, sie einstweilen in ständige Ueberwachung zu nehmen. Unter den Mängeln, die bei der Untersuchung gefunden wurden, nahm„ungenügender Kräftezustand" die erste Stelle ein. 1125 Kinder wurden aus diesem Grunde vom Schulbesuch zurückgestellt, und aus gleichem Grunde wurden 1239 Kinder nach Einschulung in Ueberwachung genommen. Zurück- stellung bezw. Ueberwachung wurde ferner nötig: wegen Rachitis (englische Krankheit) bei 570 und 429 Kindern, wegen Skrofulöse bei 135 und 525, Knochentuberkulose bei 66 und 62, Lungen- umfafft nur rund 450, der südliche Hain freilich etwa 1400 Hektar. Jener enthält 93, dieser 1380 Riesenbäume von der Gattung Sequoja. Dabei werden alle Stämme, die weniger als 5'ch Meter im Umfang oder etwa zwei Meter im Durchmesser haben, nicht gezählt. Neben den Sequojas sind noch Hundert« von Fichten vor- Händen, die bis zu 85 Meter hoch sind und einen Durchmesser bis zu drei Metern erreichen. Der nördliche Hain birgt 10 Stämme, deren Durchmesser Vt-a Meter übertrifft. Die meisten dieser Riesen haben besondere Namen, entweder nach amerikanischen Generälen und Staatsmännern oder nach verschiedenen Staaten usw. Der gewaltigste Stamm, der„Vater der Wälder", ist jetzt niedergebrochen, er hatte eine Höhe von 135 Metern. Die„Mutter der Wälder" wurde leider durch den Brand vernichtet, dagegen stehen noch der „Massachusetts mit 113 000 und der„Governor Stoneman" mit 108 000 Raumfuff Nutzholz. Ein Apparat zur Messung von Gemütsbewegungen. Manchem wird die Meldung, daff ein„Apparat zur Entdeckung von Lügen" erfunden worden sei, wohl ein Lächeln um die Lippen spielen lassen. Und doch ist eine solche Borrichtung ausgeführt worden. Der Körper der Versuchsperson wird von einem ganz schwachen galva» nischen Strom durchflössen, dessen Schwankungen mittels eines sehr empfindlichen Spiegelgalvanometers abgelesen werden können. Es zeigt sich dabei, daff der elektrische Leistungswiderstond des Körpers sich ändert, je nachdem Ruhe oder Unruhe des Gemüts vorhanden ist, so daff eine gewisse Schätzung möglich wird, inwic. fern gewisse Fragen den Patienten in Aufregung versetzen oder nicht. Natürlich wäre es aber nicht möglich, zwischen der Ausregung des überführten Mörders und dem Schreck des plötzlich ungerecht Beschuldigten zu unterscheiden. Gleichwohl gestattet der Apparat, wie Dr. Schlub in der„Semaine Mcdicale" ausführt, mancherlei interessante Anwendungen. Geräusch, Licht, Berührung, aufregende Lektüre und manches andere lösen eine Stromverstärkung aus, die nach einigen Sekunden in Erscheinung tritt. Durch anästhetische Mittel kann diese Verstärkung aufgehoben werden: Der einzige Faktor, der für die Acnderung der Stromstärke in Betracht kommt, ist, nach Untersuchungen von Veraguth, die veränderte Leitfähigkeit der Haut. Bemerkenswert ist, daff diese hinsichtlich ihrer Struktur «ine groffe Aehnlichkeit mit den elektrischen Organen mancher Fische besitzt. Humor«nd Satire. So richtig!„Glauben Sie, daff wir in Preußen das gleiche Wahlrecht bekommen werden?"—»Ganz sicher."—«Also Ab- schaffung des VermögenSzensuS?"—„Keine Spur. Der Vermögens- zensus wird selbstverständlich bleiben."—„Sie sagten doch aber, daff wir das gleiche Wahlrecht bekommen werden?"„Zweifellos: das gleiche Wahlrecht tvie früher." j tuberkulöse bei 142 und 235, Lungcnleidcn anderer Art bei 91 und �220, Herzleiden bei 55 und 467, Nierenleiden bei 7 und 18, Nasen- " und Rachcnleiden bei 17 und 890, Augenleiden bei 39 und 865, Ohrcnleidcn bei 30 und 677, Hautkrankheiten bei 8 und 154. Groh war die Zahl der Wirbelsäulenverkrümmungen. Zurückgestellt bezw. in Ueberwachung genommen wurden aus diesem Grunde 63 und 689 Kinder, ferner wegen Bruchschaden 3 und 381 Kinder. Von anderen Krankheitszuständen, die eine Zurückstellung oder Ueberwachung erforderten, wollen wir hier nur noch die schlimmsten nennen, Nervenleiden mit den erschreckend hohen Ziffern 103 und 253, Epilepsie mit 29 und 44. In vielen Fällen nötigten auch Sprachstörungen zur Zurückstellung oder Ueberwachung, 57- und 443mal. Wegen Mangelhaftigkeit der Gcistesentwickelung wurden als„zurückgeblieben" 395 Kinder zurückgestellt und 321 in lieber- wachung genommen, überhaupt als„zum Schulbesuch unfähig" 70 Kinder zurückgestellt, die dann wohl meist in Jdiotenanstalten untergebracht wurden. Mau sieht, es ist wirklich nicht überflüssig, daff die cinzu- schulenden Kinder durch Aerzte untersucht werden. Was wurde aus solchen kranken Kindern, che wir Schulärzte hatten? Die Schule konnte nicht viel Rücksicht auf sie nehmen, weil sie ja ihren Krankheitszustand meist gar nicht erkannte. Die Zahl aller in Ueberwachung befindlichen Kinder belicf sich in 1907-1908 bereits auf 39 666, das sind 17�! Proz. der G e- samtzahl der Gemein deschnlkinder. Wer sollte all' diesen Kindern die ihnen gebührende Rücksicht sichern, wenn«vir keine Schulärzte hätten! Unter den 39 666 Kindern waren 60.'4 mit ungenügendem Kräftezustand, 1221 mit Rachitis, 1813 mit Skrofulöse, 381 mit Knockentuberkulosc, 1740 mit Lungentubcrku- lose, 841 mit sonstigen Lungenleiden, 2775 mit Herzleiden, 177 mit Nierenleiden, 2990 mit Nasen- und Nachenleiden, 7344 mit Augenleiden, 3453 mit Ohrenlciden, 6Sl mit Hautkrankheiten, 2501 mit Wirbelsäulcverkrümmungen, 2062 mit Bruchschaden, 1658 mit Nervenleiden, 291 mit Epilepsie, 1415 mit Sprachstörungen, 746 mit mangelhafter GeisreSentwickelung. Welche Fülle von Elend verbirgt sich hinter diesen Zahlen! Die Scbulärzte haben sich auch um den Zustand det Schul Häuser, der Klassenräume usw. zu kümmern. 3064mal besuchten sie zu diesem Zweck die Schulen, jeder Arzt durchschnittlich 70mal. Der Bericht hebt hervor, daff diese Besuche besonders wichtig sind, weil sie dem Arzt zugleich Gelegenheit geben, die Kinder auch in ihrem Schullcben zu beobachten. Hier könne er Krankheitszustände Heraussinden, die den Lehrern wie den Eltern oft entgehen oder falsch von ihnen beurteilt werden. Aus den Mitteilungen der einzelnen Schulärzte gehe hervor, daff auf diese Weise bei Kindern die Anzeichen beginnenden Veits- tanzes festgestellt wurden, die von Eltern und Lehrern nur als schlechte Angewohnheit gedeutet worden waren, daff Kinder mit noch vorbandener Scharlachabschuppung, die den übrigen Kindern hätte gefährlich werden können ,aus der Klasse entfernt wurden. Auf manche speziellen Angaben des Berichtes werden wir noch näher eingehen müssen. Bei der Lektüre dieser Jahresberichte über die Tätigkeit der Schulärzte fällt uns immer wieder ein, niit welcher Hartnäckigkeit der Berliner Stadt- freisinn fast"ein Jahrzehnthindurch sich dagegen gewehrt hat, daff der Arzt zum Berater der Schule gemacht werde. Wäre nicht diese Forderung von den sozialdemo- kratischen Stadtverordneten aufgestellt und immer wieder erneuert worden, so hätte Berlin vermutlich noch heute keine Schulärzte.________ Hub Induftric md Kandel. Bodenwucher. Unter der Stichmarke„Steuerfreie Millionengewinne" schreibt die „Korrespondenz des Bundes der Landwirte": In Blättern der verschiedensten Parteirichtnnyen wurde dieser Tage folgendes Beispiel einer ungemein erfolgreichen GrunstückS- fpekulation erörtert. Ein Grundstücksbesitzer in Dresden verkaufte sein Eigentum an eine auswärtige Bank für 970 000 M. und ver- diente dabei reichlich 510 000 M. Die Bank veräuherte dasselbe Grundstück an einen auswärtigen Architekten für zwei Millionen Mark (Verdienst 1030 000 M.) Dieser Architekt machte daS beste Gc- jchäft, indem er von einem Ausländer 3 785 000 Mark für daS Grundstück erhielt, also einen Spekulationsgewinn von 1785 000 M. innerhalb drei Wochen erzielte. Die Zeitspanne zwischen dem ersten und letzten Besitzwechsel wird in den Blättern verschieden mit 2,/a oder 3'/, Monaten angegeben, die Gesanrtpreissteigernng deS Grundstücks betrug 2 315 000 M., oder, wenn man den Ver- kaufsgewinn des ersten Besitzers hinzurechnet, sogar 3 325 000 M. Unter den Blättern, welche die Mitteilung über diese ebenso glänzenden wie mühelosen Spekulationsgewinne weiter ver- Forschungsreise 1915.„Nanu, lieber Heb in, gehst du von hier aus auf eine neue Forschungsreise?"—„Jawohl, ich will im Auftrage der Stadt Berlin die Reste des Grunewalds finden." _(„Lustige Blätter.") Notizen. — Theaterchronik. Im Lessing-Theater findet vom 19. April bis 13. Mai der dritte Jbsen-ZykluS statt, der wieder dreizehn Werke, vom„Bund der Jugend" bis zum Epilog „Wenn wir Toten erwachen" umfassen wird. Diese Wiederholung ist die letzte vor den Ferien. ES werden ganze und halbe Abonnements zu ermäßigten Preisen ausgegeben. — Kunstchronik. Die MaröeS- Susstellung in der Sezession ist bis Freitag abend verlängert. — Ein Drama, das nicht gut behandelt wird. Die deutschen Bühnenschriftsteller haben sich im vergangenen Jahre organisiert, um die Interessen ihrer Mitglieder gegen die Bühnen- direktoren zu wahren, die manchmal sich sehr herrschaftlich gebärden. (Wann werden sich endlich die Redakteure so organisieren, daff sie nicht mehr absolutester Willkür preisgegeben sind?) Nun hat der Verband zum erstenmal Gelegenheit, einzugreifen. Sein Mitglied Lothar Schmidt hat sein Lustspiel„Nur ein Traum" vom Berliner Theater zurückgezogen, weil es im Spielplan nicht ?enug berücksichtigt wurde. Der Verband verlangte bessere Be- andlung für sein Mitglied und droht jetzt dem Berliner Theater, das jeden Versuch der Einmischung ins Repertoire ablehnt, mit eventuellem Boykott und übernimmt die Klage gegen die Direktion. Alle Achtung! — DaS Hauptwerk von MaröeS, die Fresken in der Bibliothek der Deutschen Zoologischen Station in Neapel, sollen nach dem„Verl. Tagebl." nach Deutschland übergeführt werden. Die Studien dazu, die in der Sezession ausgestellt sind, zeigen auch dem, der die Originale nicht kennt, daff die Vereinigung von lebeuS- frischem Naturstudium rmd monumentaler Ausgestaltung Mcaöes nie mehr in gleichem Maße gelang alS in diesen frühen, aber vollendeten Fresken. — Gautz und der magnetische Südpol. In einem Vortrage, den der Südpolerforschcr Carsten B o r ch g r e v i n k in der Treptow-Sternwarte über„Das Festland am Südpol" hielt, kam er auf die Verdienste deS hervorragenden deutschen Mathematikers Ganff um die Bestimmung deS magnetischen Südpols zu sprechen. Borchgrevink wies darauf hin, daff die von Gauff angestellten Be- rechnungea mit den Ergebnissen der Expeditionen übereinstimmen. Man dürfe sich den magnetischen Südpol nur nicht als isolierten Punkt vorstellen. Breiteten, vestnden sich mehrere VorkZmpfer für die Ervanfall- allernächsten Familienmitgliedern; " u. a. liberale Blätter, der Ritndsckiau" usw. Keines dieser Blätter scheint dabei auf den Gedanken gekommen zu sein, daß es doch wohl recht und billig wäre, der- artigen mühelosen Vermögenszuwachs mindestens ebenso hoch zugunsten der notleidenden Reichskasse zu besteuern, wie die Erb' haften von entfernten Verwandten. Die Fürsprecherin der agrarischen Liebesgabenpolitik hat mit ihrem Hinweis nicht ganz vorbei gehauen, aber sie vergißt die Hauptsache, nämlich, daß in den Kommunen neben den freisinnigen Hausagrariern die Konservativen eS sind, die der Einführung der �ertznwachssteuer sich hartnäckig widersetzen. Sie fürchten auch hier Lockerung der heiligen Familienbande. wenn sie von dem durch Bodenwucher errafften Gewinn leine Kleinigkeit auf dem Altar des Gemeinwohls niederlegen sollen. Getreidehansse. In den letzten Wochen sind, mit geringen Schwankungen, die Weizenpreise fortgesetzt in die Höhe gegangen und erkletterten in Berlin einen selbst nicht im Jahre 1907 erreichten Stand. Nach den höchsten Notierungen ergeben sich folgende Preise für Weizen pro Tonne: 1903 1906 1907 1908 1909 135'/« 193 235'/, 229% 238»/« Die Roggenpreise stehen allerdings jetzt unter dem Durchschnitt der Jahre 1907 und 1908, aber doch wieder höher als 1005 und 1906. Die Spannung zwischen Weizen- und Roggenpreisen beträgt nun fast 60 M._ Die Siemens-Aktiengesellschaft für Glasindustrie wird nach dem Beschluß des AufsichtsratZ für daS letzte Jahr wiederum 16 Proz. Dividende verteilen._ Deutsch- und Frailzöfisch-Lothringeu. Allem Anschein nach entwickelt sich in Deutsch- sowie Französisch- Lothringen eine ganz bedeutende Großeisenindustrie. Eisenwerke in Frankreich wie auch in Deutschland verlegen ihren Standort nach und nach in diese beiden Provinzen. Große Werke sind dort im Entstehen begriffen. Man mntz es dem deutschen Großunternehmertum lasten, daß ihm der Patriotismus kein Hindernis dafür ist, sich beizeiten reichlichen Anteil an den Eisenschätzen in Französisch- Lothringen zu sichern. Entweder kaufen die Eisen- oder Kohlenbarone Konzessionen auf Grubenfelder oder sie erwerben Anteile. So der Aachener Hüttenverein, der mit sieben Zehntel an der Ausbeutung der Minen in St. Pierremont beteiligt ist. Die Gebrüder Stumm besitzen die Minetiekonzession in Couflans. Dem Hüttenverein Aumetz Friede gehören vier Fünftel der Minen in Murville. Die Lurbacher Hütte hat über 530 Hektar Minettekonzession in Bellevue. Alle die Felder liegen in Französisch- Lothringen, in der Provinz Meurthe et Moselle. Die Erz- und Kohlenmagnaten Gebrüder Röchling haben sich ebenfalls ihren Teil an dem französischen Erzrelchtnm gesichert, indem sie mit dem Longvyer Hüttenwerk ein Abkommen trafen, wonach dieses auf die Hälfte der Ausbeute der Röchlingschen Kohlenwerke im Wnrmrevier Anspruch hat. wofür an Röchling als Gegenleistung die Hälfte der Minettekonzession in Billeroq< Französisch-Lothringen) übertragen worden ist. Die Werke Hösch. Hörder verein und Hasper Stahlwerk besitzen Konzessionen in Jarnh. Wo in Fran- zösisch-Lothringen neue Gruben abgeteuft werden, sind auch sicher die Herren Stumm, Thyssen, Krupp und Röchling beteiligt. Die Erzechrlst si A. Lanzen. München. Der Ruwcuzori. 430 Seiten mit Mbildungen von L. Amadeus von Savohen, Herzog der Abruzzen. Gebunden 12 M. F. A. Blockhaus, Leipzig. Bilder auS dem Kaflernlebc». Von Professor Dr. K. Lambert. Gehostet 1 M., gebunden t.4v M.(Naturivissenschastliche Wegweiser, Serie A, Band 2. Strecket u. Schröder, Stuttgart. Fnr den Inhalt der Inserate «deriiimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortuiig. Q�eam. Mittwoch, den 7. April. Ansang 7'/, Uhr. Könlgl. Operithaus. Der fliegende Holländer. Kiinigl. TchansPielhauS. Wallen. stcinS Tod. Neues königllcheö Opernthcaier. Die Fledermaus. Deutsches. Ein Wintcrmärchen. tk a m m e r sp i e l e. Clavigo.(An- sang S Uhr.) iUifang 8 Udr. Hessing. Baumelster Solneß. Berliner. Einer von unsrer Leut'. Neues. Die fremde Frau. NeueS Schauspielhaus. Pech- Schulze. Thal in. Onkel Brästg. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Residenz. Kümmere dich um Amelie. LnstsPielhanS. Im Klubsessel. Weste». Der Jockeyklub. Kleines. Moral. Hebbel. NcvolulionShochzelt. Schiller«». bveater.) Ter Gras von CharolaiS. Sch!le> Eharlottenburg. Rechts herum. Friedrich> Wilbelmstädt. Schau- spielhans. LlimvaclvagabunduS. Snise». Der Totschläger. Trianon. Liebesgewitter. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner OPerrtten-Theater 8«. DaS Himmelbclt.(Ans. 8'/, Uhr.) Bernhard Ruft Ehrliche Arbeit. (tlastipirl'Theater. Sherlock.HolmeS. Gebrüder Herrnfeld. Die' beiden Bindelb aud». Ap'«o. Der junge Papa. Spezia- Ntäten. Metropol. Donnerwetter tabel- loS. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. SpezialltätM. Baiiagr. Spezialitäten. ReichSIiallr«. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialiläieu. FolieS Caprice. Insolvent.(Ans. 8',. Ubr.) Kasino. Ackermann. Spezialitäten. Guüav Behrens. Spezialtläten. klnfang 8'/« Uhr. Parodie. Siegel siegell alles.— Alles sür§ Kind. Oder: Die Folgen eines Rendezvous.(Ans. «st/t Uhr.) Urania. Taubenstrast« 4K!4t». Nachm. 4 Uhr: Bei den Schwarz- siitzindianern. Abends 8 Uhr: Aus den Trümmern Mej sinas. Sternwarte, Jnvaltdensir. 57/62. Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Ibsen- Zyklus g. Vorstellung: esumvitler Solnsos. Donnerstag 8 Uhr: Grlzoiila. Freilag ist die Tageskasse von 10 bis l Uhr geössnet. FeierlagS-Spielplan: Sonntag 3 Uhr: kosonmontag. Abends 8 Uhr: Oer liönig. Montag 3 Uhr: vis V/od°r. Abends 8 Uhr: Oer Kfinig. ZsrlwSr Theater. Heute 8 Uhr: Klncr von nnscre Morgen: Herode» und Mariarnne. 8 Uhr. lSene» Theater. 8 Uhr. Täglich: I>Ie fremde Fr«n. Sonntag: Unter Leitung des Im- presnrio Fritz Rudolph. Zum 1. Male: Line» cnglüniler» Heim. Ttieater des Westens. Allabendlich 3 Udr: Der Jockeyklnb. Z-usispsoLhisus» Abends 8 Uhr: Im liiüLnbsessel. Schiller O.(Wallner-Tdeatcr.) Mittwoch, abends 8 Ubr: Der Graf von diarolais. Trauerspiel in 5 Allen von Richard Beer-Hosmann. 0F- Ende 10"/, Ubr."WB Tonne rStag.aoendStiUhr: Die KaroHnjgor. Freitag: Tlieater. Schiller- Tlieater vdsrlottsadurg. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Reeht« faernm. Schwank tn 3 Allen v. Hans GanS. -- Ende 19-° Uhr. Donnerstag. abend«8Uhr: Kabale und Idobe. Freitag: GescbIo8«*cn. •a j 2« «L � ? - b Grosse Jnternationale Gar�nbau-ZiussfsHyng flusstellungshallmarnZoo ia «® §£ vi H I et ? s u S c 9 £ S 2.« Meiropol-Theater Tttfcllch 8(Ihr: Donnerwetter- tadellos! Remo in 10 Bildern v. Jol. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schulte. Donnerstag, den 8. u. Sonnabend, 10. April: Fastnacht. Schau- epiel in 2 Akten von Rieh. Joffe. Hi. mm J«« 1-2 1 k-4 r* ,1 U � w« A»V w Itr, in 1 Ein Bild a. d. Pariser Leben Akt von 0. Metenier. W.Koacks Theater Direktion: Hob. Olli. Sriiimenilr. iS. Heute: vesehlossen. 1. Osterscicrtag: Armut und Edeliiun. 2. Osterseicttag: Mit man Meibkr kuriert. Pienes Operetten-Theater, Schissbauerdaimn 25, a. d. Luisenslr. AbendS 8 Uhr: Die DolIarpclniceMsln. Operelle in 3 Sitten von Leo Fall. Luisen-Itieater. Abends 8 Uhr: Der Totschläger. Donnerstag: Mein Leopold. Freitag und Sonnabend bleibt das Theater geschlossen. Oster-Eonntag nachm. 3 Uhr: Mein Leopold. AbendS 8 Uhr: Matte, die Tochter deS Regiments. Oster-Montag 3 Uhr; Romeo und Julia. SlbendS L Uhr: Premiere: Mädel ohne Geld. Oster-DienStag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Mädel ohne Geld. Friedrich-WilhelmstäiitlSGties Schauspielhaus. Mittwoch, den 7. April, Ansang 8 Uhr: Funlpacivagnblludus. Donnerstag: Othello. Freitag: Geistliches Konzert. Sonnabend: Othello. Resiiienz-Tlieater. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Donnerstag u. Sonnabend: kor- rtol. Schauspiel von Sardou. Karfreitag geschlossen. Hehdel-Thester Käniggrätzer Str. 57(58. Ans. 8 Uhr. RevoiutioDshocbzeit. D MIM MIM Ö®t. Fraiilliirler Str. 182. Abends 8 Uhr J Die Räuber. Trauerspiel in 5 Allen v. Fr. v. Schiller. ------■ reHe."-- Wochentagspreise. Donnerstag; Ehrliche Arbeit. S's, Uhr Gastspiel S'/, Uhr der drei Schwestern Wiesenthal. Vorher: DaS SlttraktiouSprogr. 8 Uhr: U. a.: Heinhaus, Rechcnkünstl. und Drr junge Papa. Operette. drtmta. Wissensohaftliches Theater- TnubenstraBe 48(49. Nachmittags 4 Uhr t Bei den Sohvrarzfußindianom. Abends 8 Uhr: Auf den Trdmmern Messinas. KUpcnlcbcrstr. 68. Zum 555. u. vorletzten Male: SherlocU Kolmes. Sonnabend, 10. April: Premiere: Oer Hund von Baskervllle. Theater.c7Sfidens DrrSdenerstr. 97 a. d. Prinzeiiftr. Im weiften Röft'l. Vor u. nachh. erilllass. Spezialität, u. diimor. Konz., Klnematogr., Kabarett. N. d. Vorst. Tanzreunion ohne Nach- zahlung. Ans. d. Konz. 7. d. Vorst. 81/, 11. Entree SO Pf. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Gr. Erfolg bei Presse und Pubülum. Ackermann von Felix Holländer u. Lothar Schmidt. An oeiven Fttettagrn nachmittags: Sonntag und Montag t Uhr: • Die DianabUdor.' Variete-Theater | Wclnbergewcg 16-20, Boeenth.Tor. 1 Ansang 8 Uhr. Dlo ffrofioal Aprll-fjpezlalittttcn. > Im Tumitt: Regimeiilskapclle.] Theaterbesucher Hab. freien Eintritt. Zirkus Busch. Mittwoch. T.Slprtl, abends 7'/, Uhr: 1 Gnla- Abend! Um 9 Uhr: Der Mann mit dem j eisernen Griff: Möns. Vansart! Um'IAO Uhr: Herrn Karl Hagenbeck. neuester und größter Dressurakt. I 8 Löwen, 5 Eisbären. Hon! Um 8 Uhr: Hon! I Mr. Charleston in seinen staunenerregenden Leist. 1 SV Um'/.l0 Uhr:-TB*3 Auswanderer! Schluß der Saisou Mittwoch, de» iL April. Heute, Mittwoch, 7. April 1900, abends 7'/, Uhr: lorontos Trio 3 Herreu in einem ganz neuen Geure. BOT Paot das Wunder der Natur als vier- beiniger Radfahrer. Wid-ViMt Cowboy Truppe S Personen und die neuen April- Spezialitäten. BM- 9',. Uhr:™ Der a! �»u.Btadchen- ©ecräuScrHa i" Händler. Das pompöse Fest b.»abärSdoeba. Asllt-IIiestöl Klosdit. Größter und vornehmster Theater saal Moabits. Alt-Moabit 48.(Xtl II 2492.) Donnerstag, den 8. April 1909: DerVampyr von London mit vollständig neuer Ausstattung. Ans. d.,Vorst. 8, Kassenöffnung 7 Uhr, Konze>t 7>/, Uhr. Nach der Vorstellung: Vann. :: Amann:: La Manola Gaditana, andalusisches Zigeunerlobon. Marcel a. Boris, Eqailibristen. Hanls de Vert, intomat. Sängerin. Jod Rolehen, dress. Miniatorhündoh. „Klnonacolar", lebend. Photogr. in natürl. Farben. De Lilo, Diva parisionne. Salome, Meister-Jongiear. Acht Geishas, japanische Gesangs- Trupp«. Oaggesen, der Urkomisch«. A. C. Staleys mnsikal. Faßbinder üiograph, neueste Auf nahmen. 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Bau MchalSki, Berlin, Dolzigerftr. Bau Stteubel, Berlin, Gottschcdstt. Bau Berndt, Berlin, Friedrichstt. 181. Bau Dellschau, Tcmpelhos. Bau Rohloff, Cbarlottenburg, Königs- weg nahe Kaiserdamm. Bau Bcamtenhäuser, Nieder-Schön- Hausen. Bau Backenbus, Charlottenburg, Olivaer Platz. Bau Knopp, Lichtenberg, Alfredstr. 5. Kaiser-Wilhelm-Akademie, Berlin, Bau.' 51 im Laden. i«Ehauffee 33». Jnvalidcnstraße. Firma Blume. Charlottenburg, Schillerstt. 37. Bau Schmidt, Charloitenb., Leibnizflr. Bau Brüll u. Schmidt, Charlottenb. Neue Kantstt., Ecke Lietzensee-Uscr. Bau Wehe, Charlottenburg, Hohen- zollerndamm. Ecke Gicselerstraße. Umbau. Charlottenb., Goetbestt. 20. Bau Schönlnccht, Charlottenburg. Pestalozzistraße. Bau Wieck, Friedenau, Fregestr. 70. Neubau, Friedenau, Studcnrauchstt. 3. Bau Hoppmann, Wilmersd., Stübben- sttaße 3. Bau Berndt, Berlin, Köpentcker- straße 113» Tischlerei von Krüger, Rixdors, Kaiser- Friedrichstt. 120. Firma Klemme. Friedenau. Bau Stöckel, Friedenau, Cranach- straße 35. Bau Stöckel, Friedenau, Saarsttaße, Ecke Fregesttaße. Bau Roseuttanz, Schöneberg, Rubens- sttaße 24 und 25. Bau Herwald, Friedenau, Bornstr. 16. Bau Wellnitz, Friedenau, Bon, sttaße. Bau Zeidler, Friedenau, Bomslraße. Bau Wascheck u. PrätoriuS, Friedenau, Bornstraße. Bau Pohle, Friedenau, Bornsttaße, Ecke Odenwaldstraße. Bau Menzc, Friedenau, Hackersttaße. Bau Gericke, Friedenau, Hackersttaße. Bau WalSlebeu, Friedenau, Poschingcr- sttaße 16. Bau Aitmcher, Friedeau, Poschinger. sttaße 17. Bau Dobbclke, Friedenau, Poschinger- straße. Bau Scelding, Friedenau, Süd-Wcst- Korso. Bau Beck, Friedenau, Süd-West-Korso. Bau Vetter, Schönederg. Canovastr. Bau Hinze, Bambcrgerstt. Bau Röscler, Friedenau, Schwalbachcr- sttaße. Bau Vogel, Friedenau, Sachsenwaldstr. Bau Bank, Südende, Lichterselderstr. Bau Lalle,., Evangelisches Gemeindehaus, Weißen- see, Gäblerstraße. Firma Polzin. Berlin, Georgenstr. Neubau Charlottenburg, Lietzensec- uscr 10. Neubau Nikolassee, An der Rchwicse, Ecke Luksttaße. Firma Müller. Berlin, Alle Jakobsir. 78. Bau JohanneSstist, Spandau, Haken« selbe. Bau Protzen, Berlw, Königsttaße, Ecke Klosterstraße. Firma Köppen. Berlin, Alle Jakobstt. 10. Bau Fickert, Temvelhos, Richnowstr, Ecke Stollbergstraße. Bau Schalow, Dahlem, Helligen- dammerstr. 24. Bau Kniese, Schöucberg, Meraucrsir. Firma Rott. Charlottenbmg, Schillerstr. 83. Bau Quast, Charlottcnburg, Wind- scheidsttaße, Ecke Pestalozzlstraßc. Bau Spitzer, Charlottenburg, Suarez- sttaße 54. Bau Borchard, Halensee, CaSpatcistt. Firma Nachtigall. Berlin, Lindensttaße 73. Bau Schlai. Schöucberg, Rosenbeimer- straße, Ecke Bcrchtesgadcnersttaße. Bau Zlöhr, Charlolteuburg, Pestalozzi- sttaße. Bau Raetsch, Charlottenburg, Pesta- lozzistraße. Neubau Friedenau, Kaiser-Allee, Ecke Orttudsttaße. Bau Blimicke. Halense», Joachim- Frtedrichsttaße.' Bau Walter, Treptow, Grätzstr. 14. Firma Kahman». Treptow, Harzer Sttaße 32 Bau Rotte, Treptow, Wildenbruch- straße. Ecke Harzerstraße. Bau PetcrS, Benin, Gncisenaustr. 67. Bau Katzmann, Berlin, Brunnenstr. 70 Die Ortsvemaltuiig des Deutschen Metallnrbkiter- verdnndes. llil18* Der Verein der Dan- auschliiger\\\ Derlia. Vertiko, Schreibtisch, neu, preis- wert, Oranlensttaße 126 II. 231/4_ Sans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt« Duchdruck«»t». verlogSanstatt Paul Singer Berlin SV. Nr. 82. 26. Jahrgang. Wlvch. 7. Apnl l909. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, das; �aS Lokal„Freunds I n f e l g a r t e n", Pichclswcrder, nach wie Vor der Arbeiterschaft zur Verfügung steht. Die Lokalkommission. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 11. April, 1. Osler-- feiertag, finden in den Lokalen Sanssouci, Kottbuser Straße S und in Freyers Festsälen, Koppenstraße 2l1, je eine Matinee unter Mit- Wirkung der Liedersängerin Fräulein Marianne Geyer, des Rezitators und Dialekthumoristen Herrn Otto Wiemer, und der Gesell- schast Strzelewicz statr. In beiden Lokalen Konzert. Da offene Kaffe nicht stattfindet, bitten wir die Mitglieder, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen._ Der Vorstand. Berliner JVacbrlcbten. Bon den AmtSräumen der Armenvorsteher. In dem Beleidigungsprozeß, der gegen den„Vorwärts"- Redakteur Genossen Weber angestrengt woroen war, um dem sich gekränkt fühlenden Armenvorsteher Eemeindeschullehrer Krienelke die gewünschte Genugtuung zu verschaffen, wurde von dem Ange- klagten auch die Frage aufgeworfen, welche Anforderungen man an den Amtsraum eines Armenvorstehers zu stellen habe. Im Hin- blick auf die eigenartigen Ansichten, die Herr Krienelke dort vor- trug, haben wir inzwischen es als unsere Pflicht erachtet, uns ein bißchen um die Amtsräume der Herren Armenvorsteher zu kümmern. Zu diesem Zwecke haben wir am 1. April— einem Tage, an dem die Armenvorstcher besonders viel von Armen heim- gesucht werden— eine erste Besichtigungstour unternommen. Die Aufgabe, die wir uns da gestellt hatten, war natürlich nicht so ganz einfach. Sie war viel weniger einfach für uns, als sie es für die Armcndirektion wäre, wenn diese sich mal die Mühe machen wollte, durch eine bei allen Armenvorstehern vorzunehmende Revision zu ermitteln, welche Räume von ihnen als Amtszimmer angesehen und benutzt werden. In die Wohnungen der Herren Arntenvorsteher können wir ja nicht hinein. Wir loerden höchstens, wenn wir während der Sprech- stunde eines Vorstehers die ihrer Abfertigung harrenden Armen auf dem Trcppenflur umherstehen sehen(wie wir das jetzt am 1. April beobachteten), uns unsere Gedanken darüber machen, wie es drinnen zugehen mag. Auch bei Herrn Krienelke war— das wurde vor Gericht festgestellt— der Treppenflur als Warteraum benutzt worden, während der Korridor dem Herrn Vor- st eher als Sprechzimmer diente. Aber mitunter wird einem doch die Arbeit des Revidierens recht bequem gemacht, und zwar durch den Herrn Vorsteher selber. Am 1. April sahen und hörten wir einem Armenvorsteher Samulowicz zu, der in der Kleinen Hamburger Straße das Gewerbe eines Gastwirtes betreibt. In der hinteren Hälfte seines Gastzimmers, das ihm als Amtsraum diente, hatte er auf einem der Tische seine Papiere ausgebreitet, und er ließ nun die von der Straße in das Lokal hereinkommenden Armen nacheinander herantreten. Wir hatten uns in dem Lokal als Gas! niedergelassen und wurden mühe- los Augen, und Ohrenzeuge der Amtstätigkeit des Herrn Vor- stehers. Ter Mann übte das geschilderte Verfahren mit einer so verblüffenden Selbstverständlichkeit aus, daß wir schließlich zu der Ansicht gelangten, auch er halte— gleich Herrn Krienelke— sich des vollen Einverständni scs der Armendirektion versichert. Bei einem anderen Armenvorsteher namens Müller, der in der Sophienstraße eine Farbenhandlung hat, beobachteten wir, daß er die Armen in seinem Geschäftslokal empfing. Während er mit dem einen verhandelte, standen auf dem Hof im strömenden Regen andere und warteten, bis sie vorgelassen wurden. UnS wird versichert, dieser Zustand sei hier von anderer Seite schon früher oft beobachtet worden. Auch von diesem Vorsteher müssen wir annehmen, daß er so verfährt in der Ueberzeugung, es der Armendircktionrechtzumachen. Die Annahme von Arbeitern für den Schillerpark scheint nach recht eigentümlichen Grundsätzen vorgenommen zu werden. Wir haben schon dieser Tage über einen Fall bc- richten können, in welchem ein Arbeiter abgewiesen wurde, weil er 50 Jahre und infolgedessen zu alt war. Der Mann ging hin und erhängte sich in seiner Verzweiflung. Heute werden uns Mitteilungen anderer Art gemacht. Ein Arbeiter G.. Thunerstraße wohnhaft, hatte vom Arbeitsnachweis in Reinickendorf beim Schillerpark Arbeit nachgewiesen bekommen und begab sich nach dem Baubureau in der Türkenstratze, dort seine Arbeitsnachweiskarte und Jnvalidenkarte vorzeigend. Nach Durchsicht der letzteren meinte der Bauführer, es habe doch keinen Ziveck. weil G. Steinmetz sei, er bleibe dann doch nicht da; ein Schuhmacher wurde aus dem gleichen Grunde abgewiesen. Wir verstehen diese Handhabung nicht und es wäre dringend erwünscht zu wissen, nach welchen Grundsätzen der Magistrat bezw. die Parkverwaltung bei Annahme von Arbeitern für die Arbeiten des Schillerparks verfährt. Da hat man großes Wesen gemacht von der Hilfe, die Arbeitslosen gewährt werden wird durch Inangriffnahme dieser Arbeiten, und nun wird bei der Auswahl der Arbeiter in einer Weise verfahren, für die uns jedes Verständnis fehlt. Wir fragen hiermit: Billigt die Parkverwaltung bezw. der Magistrat das Verfahren der mit der Annahme von Arbeitern betrauten Personen?_ LoS von der Kirche! Die Neigung weiter Kreise des Volkes, sich von der Kirche ab- zuwenden und in aller Form sich von ihr loszusagen, hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Uebcr die bisherigen Er- gebnisse dieser Bewegung, die die Geistlichkeit und ihren Anhang begreiflicherweise mit wachsender Sorge erfüllt, kann man sich aus dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin unterrichten. Soeben erschien der 31. Jahrgang dieses Werkes, der die Statistik der Jahre 1V0S und 1007 bringt. In dem Abschnitt über die Religionsverbände wird da als .bemerkenswert" hervorgehoben, daß die Austritte aus der evangelischen Landeskirche sich gemehrt haben. Innerhalb der zur Berliner Stadtsynode gehörenden Kirchen- gemeinden wurden in« Jahre IWS erst 653 Kirchenaustritte vollzogen, auS Ivos und 1907 aber wurden- für dieses Gebiet 3274 und 3510 Austritte bekannt. Aus 1303 ist daö Ergebnis noch nicht veröffentlicht, doch darf schon jetzt als sicher angesehen werden, daß es über diese Zahlen noch weit hinausgeht. Die obigen Angaben der Kirchengemeinden sind übrigens nur mit Vorbehalt zu benutzen, sie bleiben wahrscheinlich hinter der Wirklichkeit recht beträchtlich zurück. Die Kirchengem eindest selbst wissen ja gar nicht, wer sich von ihnen losgesagt hat und wen sie noch zu den Ihrigen rechnen dürfen. Anderenfalls wäre nicht zu verstehen, warum so oft Personen, die längst aus der Kirche ausgetreten sind, noch mit einer ungerechtfertigten Veranlagung zur Kirchensteuer belästigt werden, so daß sie sich mit einer Reklamation wehren mästen. Für die katholischen Gemeinden ist die Zahl der Austritte leider im Jahrbuch nicht mitgeteilt. Es ist aber nicht daran zu zweifeln, daß sie auch hier in den letzten Jahren zu bedeutender Höhe emporgeschnellt ist. Noch„bemerkenswerter" erscheinen uns die Angaben, die das Jahrbuch über die kirchlichen Amtshandlungen macht. Hier sind neben den evangelischen Gemeinden auch die katholischen be- rücksichtigt worden, doch liegen diese Zahlen nur erst bis 1V06 vor. Gemindert hat sich die Neigung, bei der E h e s ch I i e ß u n g außer dem Standesbeamten auch noch den Pastor zu bemühen. Von 1305 zu 1806 sank der Anteil der kirchlichen Eheeinsegnungen an der Gesamt- zahl der standesamtlichen Eheschließungen bei den reinevangelischen Ehen von 63,84 Proz. auf nur noch 66,47 Proz, bei den reinkatholischen Ehen von 84,52 Proz. auf 81,26 Proz. In demselben Zeitraum ging zurück der Anteil der Kindertaufen an der Gesamt- zahl der Geburten bei den Kindern evangelischer Eltern von 88,64 Proz. auf 84,47 Proz., bei den Kindern katholischer Mein von 71,34 Proz. auf 69 Proz. Diese Zahlen zeigen, wie sehr auch bei denen, die noch nicht sich offen von der Kirche losgesagt haben, die Schwärmerei für den Pastor nachläßt. Dasselbe gilt von der Mitwirkung der Geistlichen bei Beerdigungen. Von 1905 zu 1966 ermäßigte sich der Anteil der Beerdigungen mit Pastor an der Gesamtzahl der Beerdigungen(wenn die Beerdigungen Totgeborener außer Betracht bleiben) bei den Evange- lischen von 53,22 Proz. auf 51,46 Proz., bei den Katholischen von 49,58 Proz. auf 45,61 Proz. Immer mehr bricht die Einsicht sich Bahn, daß auch hier der Pa st or entbehrt werden kann, und daß es würdelos ist, ihn wenigstens noch als Dekorationsstück zu bcinchen. Ob es den Kündern des Gotteswortes ein ausreichender Trost ist, daß wenigstens in den wohlhabenderen Bevölke- rungLschichten immer noch die alte Scheu besteht, offen auf die Segnungen der Kirche zu verzichten? Die besitzende Klasse selber lvird sehr wenig davon erbaut sein, daß sie mit der Möglichkeit rechnen muß, sich schließlich mit ihren Pastoren allein zu sehen. Was kann ihr die Kirchs noch sein, wenn sie ihr nicht mehr als Schutzwehr gegen die besitzlose Klasse zu dienen vermag I_ Förderung von Schülerwanberungen. DaS Kuratorium der Julius Bleichröder-Stiftnng hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, im kommenden Sommer zu Ferien- Wanderungen bedürftiger Gemeindcschüler und Schülerinnen zehn- tausend Mark zur Verfügung zu stellen. Und zwar sollen erhalten die Vereine„Berliner Turnerschaft" und„Turnwart" je 2000 M. und der„Zentralverein für Ferienwanderungen" 6000 M. Im vergangenen Sommer standen für diesen Zweck im ganzen 5000 M. zur Verfügung und sind dafür im ganzen 287 Kinder in sechstägigen Wandertouren hinausgesandt worden. Die Turnvereine haben, wie auch das Statut der Stiftung vorschreibt, die Wanderungen durch die Mark und angrenzenden Gebiete vorgenommen. Der Zentralverein hat die Kinder seinen Wandergruppen eingegliedert, die zum Teil nach dem Riesengebirge, Sächsische Schweiz, Harz und Helgoland gingen. Die Kosten betragen pro Kind und Tag bei der Turnerschaft 2,80 M., beim Zentralverein 3 M., bei der Berliner Turnerschast 3 bis 4 M. für Leitung, Fahrkarten und Verpflegung. Bei besserer Organisation wird es möglich sein, die Durchschnitts- kosten herabzusetzen, um dadurch mehr Kindern die Wohltat und Freude zukommen zu lassen. Jedenfalls werden im nächsten Sommer zirka 700 Kinder auf solche sechstägige Wanderungen hinausgehen können._ Mit dem Hammer seine Frau erschlagen hat in der Nacht zum Dienstag der 56 Jahre alte Jnstrumentenfabrikant Hermann Hertig, Boxhagener Straße 2. H. wohnt mit seiner SSjährigen Ehefrau Anna seit acht Jahren in dem genannten Hause, in welchem er als Spezialität Zitherfabrikation betrieb, während seine Frau ein kleines Musikaliengeschäft leitete. Das Ehepaar war seit 28 Jahren verheiratet und lebte in glücklichster Ehe. Dieser waren zwei Kinder entsprossen, die beide verheiratet sind und in Berlin wohnen. Seit einiger Zeit war Hertig nervenleidend und zeitweise wie geistesabwesend. Die Frau und Kinder drängten darauf, daß der Fabrikant ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollte, was jedoch dieser entschieden ablehnte. Hertig glaubte, daß von selbst Besse- rung eintreten werde. Gestern morgen gegen 3 Uhr erschien H. aus der Wache des 66. Polizeireviers in der Frankfurter Allee und teilte dort mit, daß er seine Frau getötet habe. Der Reviervorsteher be- gab sich darauflsin nach der in dem Parterregeschoß des Hauses Boxhagcner Straße 2 hinter dem Laden belegenen Wohnung und fand dort die Angaben des Mannes bestätigt. Frau Anna Hertig wurde im Schlafzimmer neben dem Bette, nur mit einem Hemd bekleidet, leblos in einer großen Blutlache aufgefunden. Ein von der nahen Unfallstation in der Warschauer Straße hinzugerufener Arzt vermockfte nur den schon vor mindestens drei Stunden er- folgten Tod der Frau festzustellen. Ihr war mit einem neben der Leiche aufgefundenen Hammer der Schädel zertrümmert worden und außerdem waren zahlreiche Messerstiche sichtbar. Ueber die Tat selbst konnte Näheres noch nicht festgestellt werden. Hertig. der in Haft behalten wurde, erklärte auf die Frage, weshalb er seine Frau getötet habe, nur:„Das weiß ich nicht." Jedenfalls ist er in der Nacht von einem Tobsuchtsanfall ergriffen worden, hat dann seine Frau, die vielleicht aufgestanden war, um zu flüchten oder auch um denKranken zu beruhigen, mit dem Hammer niedergeschlagen. Hertig blieb dann stundenlang bei der Leiche, bis er wieder zur Besinnung kam und begab sich dann zur Polizei, um die Anzeige zu erstatten. Er wurde im Laufe des Vormittags nach dem Polizei- Präsidium übergeführt, während die Leiche der Getöteten beschlag- nahmt worden ist. Die Nachforschungen nach dem Ränder, der in der Besselstraße den Geldbriefträger Eulenburg überfiel, sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Einige der Tat Verdächtige, die verhaftet worden waren, tonnten ihr Alibi nachweisen und wurden wieder aus der Haft entlassen. Geschäftstüchtige Sozialistenfrcsser. Im„Berliner Lokal- Anzeiger" stand am 29. März ein Inserat, mit welchem 5iorrespon- dentinnen und Stenotypistinnen nach Frankfurt a. M. geinchi werden. Darin war, wie der„Zeit am Montag" mitgeteilt wird. der folgende prächtige Satz enthalten: „Töchter von Arbeitern und solche, welche sozialdemokratischen Prinzipien huldigen, ausgeschlossen." Derartige Ausfälle von Geschäftsleuten, die doch alle mehr oder weniger die Knochen des Arbeiters so nötig brauchen wie das Salz zum Brot und von derselben Knochenkrast ihr genußreiches Leben führen, sind die natürlichen Folgen des„Vernichwngskampfes". der von oben herab gegen die Sozialdemokratie gepredigt wird. Wahr- scheinlich handelt es sich um eine Firma, die an der großen Staats- krippe mitfrißt oder die einen Jqmnwrlohn zahlt, Zsllte tzex pMts-- rettende Frankfurter noch nicht mit staatlichen Lieferungen bedacht sein, so mag er sich schleunigst öffentlich melden. Der Kommerziell- ratStitel und der Rote Adler ist ihm sicher. Onkel Scherl muß es ja am besten wissen. Für 8690 M. Handschuhe gestohlen. Reiche Beute machten Ein- brecher, die nachts in das Haudschuhlager von Steindorff, Dircksen- straße 46, eindrangen. Tie Diebe, die mit den verschiedensten Ein- brechcrwerkzeugen ausgerüstet waren, verschafften sich in der üb- lichen Weise mit Hilfe von Dietrichen, Stemmeisen und Nach-- schlüsscln Eingang zu den Lagerräumen. Sie suchten sich große Posten an Herren- und Damenhandschuhen aus und packten die Beute in große Tücher ein. Die bestohlene Firma ist durch die dreiste Bande um 9000 M. geschädigt worden. Jedenfalls dürften die Täter den Versuch machen, die gestohlenen Handschuhe an ge- eigneter Stelle an den Mann zu bringen. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich gestern abend um Vz8 Uhr am Molkenmarkt zugetragen. Der 45 Jahre alte Magistratsbeamte Nesfig anS der Lichierfelder Straße 3a hatte einen Motorwagen der Linie 38 während der Fahrt besteigen wollen. Er trat fehl, kam zu Fall und geriet nnglücklicherweise unter den nachfolgenden. Anhängelvagen. Die Räder gingen dem Verunglückten über Brust und Kopf hinweg. Ein Stück wurde N. mitgeschleift. Nachdem er aus seiner schrecklichen Lage befreit worden lvar, wurde er nach der Unfallstatton am Spirtelmarlt ge- bracht, wo aber der Arzt leider nur noch den inzwischen ein- getretenen Tod konstatieren konnte. Die Leiche wurde Polizei- lich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Eine aufregende Bootsfahrt unternahmen gestern mehrere Mitglieder der Berliner Jugendwehr. Die jungen Leute, die der Abteilung Marinekompagnie angehören, waren auf einem größeren Ruderboot die Spree hinuntergefahren. In der Nähe der eisernen Brücke bei Oberschöneweide sprang einer der Ruderer, der 19 Jahre alte Carl H., Wallstraße 9t) bei den Eltern wohnhaft, ins Wasser/ Die Kameraden machten sich sofort an die Rettung des Lebensmüden, und eS gelang ihnen auch, H. wieder aus dem Fluß heraus- zuholen. Man vermutet, daß H. aus Furcht vor dem bevorstehenden Militärdienst die Tat verübt hat. Die Ohrfcigcngeschichte zwischen einem Oberkellner und einem Leutnant v. D.. über die wir dieser Tage berichteten, hat sich, wie wir auf verschiedene Anfragen hin nachtragen wollen, im Hotel Continental zugetragen. Im Wintergarten erregt außer dem üblichen Variötöprogrannn eine technische Neuerung Interesse, die ein Lösungsbersuch auf dem Wege zur lebenden Photographie in natürlichen Farben ist. Die neue Erfindung, die sich Kinemaeolor nennt und hier zuerst in Deutsch- land gezeigt wird, sucht die Farben der Natur durch die Benutzung zweier Farbenfiltcr, von denen der eine überwiegend die roten, der andere die grün-blauen Strahlen durchläßt, in der Photographie festzuhalten. Bei der Projektion werden wieder die beiden Filter passiert(alle Aufnahmen sind doppelt); die beiden Bilder vereinigen sich dann auf der Projektionsebene. Die Resultate � sind im Vergleich zu den bisher mit angetuschten Films erzielten sehr er- srenlich. Man hat wirklich den Eindruck, die reiche Farbenskala natürlicher Blumen und Tiere, die farbigen Lichter bewegten Wassers vor sich zu sehen. Freilich überwiegen die rot-grünen Töne, die am besten gelingen, und sieht alles etwas gar zu farbenfroh aus. Aber als Station auf dem Wege zum Ziele betrachtet, ist der Kinemaeolor als bedeutsamer Fortschritt zu begrüßen. Vortreffliche Hüiidchendressur, tragikomische Abenteuer mit Tellern und sonstigen Zerbrechlichkeiten(Baggesen) und fabelhafte und un- erschöpfliche Jongleurkünste(Salerno) sieht man außerdem. AnS dem fernen Osten bringen acht Geiihas, sehr puppenhaft und kindlich ausschauend, Tanz und(europäisierte) Musik. Die nenesten und ältesten Größen imitiert der Mimiker Amaun, Marcel und Boris leisten Hervorragendes im Hondstand und für Pariser Gesang und musikalische Faßbinderkünste ist auch gesorgt. DaS Aprilprogramm dcS Walhalla- Barietö- TheatcrS enthält diesmal fast durchweg gute Attraktionen. Battys dressierte Bären benehmen sich so artig und gravitätisch, daß sogar mancher Zuschauer von ihnen noch etwas lernen köiinte. Der Tanz hat seine Vertreter in den Duo RomaniS mit ihrem Apachentanz und vor allem in den sechs Rocking- Girls mit ihren Barsußtänzen. Erstklassig sind auch die Leistungen der Obrac-TrupPe als Exzentrik-Akrobaten sowie der vier Osmatos als Luftgymnastiker. Ganz futsch aber war daS Publikum durch die köstlichen Parodien auf Sylvester Schäffer durch den Komiker Paul Bendix. Es wurden Tränen gelacht. Im P a s s a g e- T h e a t e r ist es neben anderen I a k a« Jshad, die als maurische Schlangentänzerin auftritt. Die Tänze, die etwas Mystisches an sich haben und die an Ruth St. Denis erinnern, werden ausgeführt unter Verwendung zweier großer lebender Schlangen, die sich um den Körper der Tänzerin schlangeln. Außer- dem ist es noch die Garland- Ncgeroperetten- Compagnie, deren 14 Mitglieder über gute Stimmen verfügen und die sich auch ans dem Gebiete der Komik und des Negertanzcs produzieren. Uebcr besondere Gewandtheit und Kraft verfügen die Nelsons bei ihren exakten gymnastischen Produktionen. Straßensperrungen. Die Köpenicker Straße von der Eisen- bahnstraße bis zur Zeughofstraße(einschließlich Kreuzdämme) wird behufs Asphalticrung sofort bis ans weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Das Nord-Ufer von der Tegeler Straße bis zur Lynarstraße wird behufs Asphaltierung vom 15. d. W. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- �sacbricbten. Tchöneberg. Die� Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit folgendem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat aufzufordern, seinerieits anzuordnen, daß a) Personen, welche mit Lebensgefahr erkrankt sind. b) Personen, welche durch die Art ihrer Erkranftmg eine Gefahr für die Bürgerschaft bedeuten, c) Personen, welche mit ansteckenden Krankheiten, behaftet sind, im städtischen Krankcnhanse sofortige Aufnahme finden, ohne daß die Frage der Kostentragung bei der Aufnahme er« örtert wird." Stadtv. Magnan(Sog.) begründet den Antrag. Er führte aus: Als die Erhöhung der Verpflegungssätze für das Schone- berger Krankenhaus beschlossen wurde, mußte sich jeder klar werden, daß die Jnanspruchnahnle der 5irankenhauSpflege bc- deutend nachlassen würde. Die sozialdemokratische Fraktion har seinerzeit schon darauf aufmerksam gemacht und auch gegen die Cr- höhung der Verpflegungssätze gestimmt. Jetzt versucht man nun, diesen Ausfall dadurch wieder einzubringen, daß man andere Institutionen, so die Krankenkassen, dafür haftbar macht, daß die Krankenhauskosten auch voll bezahlt werden; die Krankenkassen sollen also die Garantie für die Bezahlung der Kosten über- nehmen. Mit der Durchführung dieser Bestimmungen wird von feiten der Verwaltung des städtischen Krankenhauses in der aller- rigorosesten Weise vorgegangen. Redner fuhrt dafür eine lange Reihe von Fällen an. Nach dem 1. April sind Kranke einfach cnt- lassen worden, ganz glcichgüliig, ob sie gesund waren oder nicht. Man hat sogar Familienangehörige aufgefordert, dafür zu sorgen. daß der Kranke mittels Krankenwagens abgeholt wird. Auch an die Arbeitgeber der Kränken hat man sich wegen der Kostendeckung gewandt. In derselben Art und Weise, wie die Entlassung der Kranken erfolgt ist, ist man auch bei der Aufnahme vorgegangen, wofür Redner ebenfalls mehrere Fälle anführt. Derartige Zu- stände sind der Stadt Schöneberg unwürdig. Die Stadt hat dafür zu sorgen, daß die gesundheitlichen Verhältnisse ihrer Bürger ge- schützt sind. Der Schutz darf nicht davon abhängig gemacht werden, daß das Geld auf dem Teller liegt. Redner bittet um Amiahme des sozialdemokratischen Antrages, damit dem jetzigen Zustand«, der eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheitspflege bedeutet, ein Ende bereitet wird. Oberbürgermeister Wilde erklärt, daß die angeführten Fälle dem Magistrat nicht bekannt sind, er könne deshalb nicht auf dieselben eingehen. Der Magistrat habe nichts dagegen, wenn der sozialdemokratische Antrag angenommen wird. Jedoch könne Redner heute schon sagen, daß all die angeführten Fälle ihren Ur sprung in dem jetzigen Verhältnis des Krankenhauses zur Ortskrankenkasse haben. Die Mitglieder der Krankenkasse zahlen ihre Beiträge, deshalb sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten der KrankenhauSbehandlung zu übernehmen. Die Untersuchung wird ergeben, wo die Schuld liegt. Stadtverordnetenvorsteher Reinbacher(lib. Frakt.) leistet sich einige Ausfälle gegen die Krankenkassen, die gegen ihre Mit- glicder noch viel rigoroser vorgehen. Di« Scheine der Aerzte über die Kranken werden einfach beiseite gelegt, die Vorstände der Krankenkassen glauben eben alles besser wie die Aerzte zu verstehen. Die Anordnungen der Aerzte werden von den Kassen einfach ignoriert. In einem Falle hat der Vorstand der Kranken- kasse sogar verlangt, daß ein Typhuskranker nach dem Bureau der Kasse zu kommen habe, damit die Herren sich auch von seinem Zu stand überzeugen können. Das Krankenhaus ist kein Wohltätigkeits institut. Die Kosten müssen für jeden Kranken gedeckt werden, deshalb müssen auch die Krankenkassen zahlen. Redner ersucht, ldie Angelegenheit einem Ausschuß zu überweisen. Stadw. Magnan(Soz.) erwidert auf die Ausführungen des Oberbürgermeisters, daß keine Krankenkasse gesetzlich ver- pflichtet ist, Krankenhauspflcge zu gewähren. In der Rechtsprechung ist das allgemein anerkannt worden. Im weiteren tritt Redner den Ausführungen des Stadtverordnetenvorstehers entgegen, die in keiner Weise zutreffend sind. Viele Krankenkassen sind gar nicht in der Lage, ohne Beitragserhöhung die erhöhten Ver- pflegungssätze im Krankenhause zu zahlen. Für die Schöneberger Ortskrankenkasse bedeutet diese Erhöhung der Sätze allein eine Mehrausgabe von jährlich 30 000 M. Der Beitrag ist in dieser Kasse vor nicht zu langer Zeit schon von 84 auf 403 Pf. wöchent- lich in der 4. Klasse erhöht worden. Stadtv. Küter(Soz.) weist ebenfalls die die Krankenkasse verdächtigenden Ausführungen des Stadtverordnetenvorstehers ganz entschieden zurück. Rodner bedauert auch, daß der Ober- bürgermeister, ohne informiert zu sein, die vorgebrachten Be- schwerdcn der Krankenkasse zur Last gelegt hat. Die Krankenkasse hat doch einen großen Teil der Lasten übernommen, die sonst die Stadt zu tragen hätte. Einige der Entlassenen sind auch gar nicht einmal Mitglieder der Ortskrankenkasse. Man kann sich doch nicht ettva auf den Standpunkt stellen, daß das Krankenhaus für die Stadt ein gewinnbringender Betrieb fem soll. Oberbürgermeister Wilde erwidert darauf, daß er sich immer Mühe gegeben habe, ein gutes Einvernehmen mit der Ortskrankenkasse zu erhalten. In dem einzusetzenden Ausschuß werde er in diesem Sinne wirken. Redner gibt zu, daß eA den Krankenkassen schwer wird, die erhöhten Verpflegungssätze zu tragen, aber die Schöneberger waren mit dieser Erhöhung doch nicht die ersten. Die königliche Charit« ist doch vorangegangen. Redner ist überzeugt, daß in dem Ausschuß eine Einigung zustande kommen wird, denn wir sind aufeinander angewiesen. Stadtv. Bismarck(lib. Frakt.) stimmt den Ausführungen der sozialdemokratischen Redner zu und teilt mit, daß er erfahren habe, daß der Magistrat die Anordnung gegeben hat, mit dem 4. April alle Mitglieder der Ortskrankenkasse aus dem Kranken- Hause zu entlassen. Diese Verfügung liegt nicht im allgemeinen Interesse. Stadtv. Magnan(Soz.) weist dann noch darauf hin. daß auch das Schönebcrger Krankentransportwesen den Transport von Kranken verweigert, die der Schöneberger Krankenkasse angehören, wenn kein Aufnahmeschein von der Kasse vorliegt. Das ist eine offene Verletzung des Vertrages, der mit der Zentralkommission der Krankenkassen abgeschlossen ist. Der Magistrat hat dafür zu sorgen, daß diese Anordnung aufgehoben wird. Stadtrat Dr. Wagner sucht nachzuweisen, daß keine Ver- tragsverletzung vorliegt. Nach den gegenseitig getroffenen Be- stimmnngen könne das Sckwneberger KcankentranSportwesen den Transport von Kranken ablehnen, wenn feststeht, daß der Kranke von der Anstalt, wohin die Beförderung erfolgen soll, nicht ab- genommen wird. Da auch das Schönebergcr Krankenhaus Mit- g lieber der Krankenkasse ohne Aufnahmeschein nicht annimmt, so ist die Ablehnung des Transportes berechtigt. Die Abstimmung ergibt die Ueberweisung des fozialdemo- kratischcn Antrages an einen Ausschuß, dem auch die Prüfung der vorgebracbten Beschwerden übertragen wird. Die Versammlung beschäftigte sich sodann fast ausschließlich mit Etatsüberschreitungen, die zum großen Teil genehmigt werden. Charlotteuburg. Die KirchhofSnot in Charlottenburg führt jetzt zu Protestver- sammlungen, in denen die Stadtverwaltung aufs schärfste ange- griffen wird. Am Montag abend referierte der Stadtverordnete Kern im liberalen Bezirksvercin Charlottenburg-West über den Stand der Dinge und bedauerte, daß in der Kirckihofsfrage die Stadtverwaltung so wenig die Interessen der Einwohnerschaft fördere. Ein Begräbnis von Charlottenburg nach Stahnsdorf er- fordere ein zweimaliges Umladen des Sarges, unter 0 Stunden sei ein Leichenbegängnis nicht durchzuführen. Der Plan, für den Stahnsdorfer Friedhof eigene Geistliche anzustellen, könne über die Misere nicht hinweghelfen, zumal jedem Leidtragenden mindestens 4,L0 M. Unkosten allein an Fahrgeld erwachsen. In der Diskussion wurde u. a. plädiert für die Anlage eines Kommunal-Waldfried- Hofes jenseits der Bahn in der Nähe der Kolonie Grunewald. Die Stadtverwaltung soll ersucht werden, diesem Plane näherzutreten und für den Zweck daselbst ein geeignetes Forstareal anzukaufen. Auch der nationalliberale Bezirksverein„Lietzensee" beschäftigte sich gestern abend mit der Frage der Schaffung eines städtischen Friedhofes. Nach einem Vortrage des Pfarrers Dr. Hachmeister über Kirchhofsnot, Kommunalfricdhof und Feuerbestattung" wurde eine Resolution an den Magistrat angenommen, in welcher er er- sucht wird,„die Einrichtung eines Kommunalfricdhofcs nebst Urnenhalle im Hinblick auf die Belästigungen, welche den cvange- lischen Anwohnern der westlichen und südwestlichen Stadtteile aus der Benutzung des Stahnsdorfer Friedhofes erwachsen würden, mit aller Energie zu beschleunigen." Lichtenberg. Auf der Suche nach einem Banrat. klnser Ort ist seit einiger Zeit ohne Baurat. Das ist für eine große Kornnume recht mißlich, denn für einen größeren Ort, zumal wenn er in der Entwickelung begriffen ist und bauliche Ledürsnisse der Stadt erst dann befriedigt werden, wenn eS aus den Nägeln brennt, ist ein Baurat eine sehr wichtige und nützliche Person. Es ist begreiflich, daß bei Anstellung eines solchen Beamten, dem viele Hlinderttausende zum Verbauen an- vertraut ivsrden, alle Borsicht obwalten muß, um den richtigen Mann an die richtige Stelle zu setzen. Die rechte Wahl zu treffen. ist nun aber nickt imrner gerade leicht. Bewerber um die ans- geschriebene Stelle haben sich genug gemeldet. Von den mehr als 100 Bewerber» kamen nur einige wenige in die engere Wahl. Und nun entschlossen sich die Lichtenberger Stadtväter, um ja den besten Baurat zu bekommen, den Schauplatz der Tätigkeit der Bewerber und deren Schöpfungen selbst zu beaugenscheinigen. Eine Kominission setzt sich aus die Eisenbahn und suchte den Ort der Wirksamkeil einiger Bewerber auf. Mit dem Auge der Bnusachver- ständigen prüften die Herren, ob die von dem zukünftigen Lichten- berger Baurat gebauten Schulen gut und zweckentsprechend ein- gerichtet waren. Nach einer mehrtägigen Reise, in der verschiedene Orte besichtigt wurden, kehrten die Herren wieder zurück in der Hoffnung, einen tüchtigen Baurat gefunden zu haben. Als sie aber an die Wahl gehen ivollten, stellte sich heraus, daß der für würdig Befundene nicht mehr wollte. Darauf neuer Beschluß, die Besicht!- gungen fortzusetzen und andere Orte zu besichtigen; das Ergebnis war aber schließlich wieder ein resultatloses. Wenn das mir den Besichtigungen so weiter geht, werden die Lichtenberger bald den größten Teil deutscher Städte besichtigt haben und im Umherziehen einen Baurat suchen. Das kann ja ein teurer Baurat werden. Ob er-Schöneweide. Wahlprotcst. Die Klage unserer Genossen gegen die Ungültige keit der Wahl der Genossen Jakobsen, Liesegang und Muth zu Ge meindevertretern ist jetzt bis zur zweiten Instanz gediehen. Eine kürzlich stattgefundene Sitzung des Bezirksausschusses verhandelte die Sache, kam aber zu keinem Ergebnis. Es wurde ein weiterer Termin anberaumt. Ein etlvas schnelleres Tempo wäre der Sache schließlich sehr dienlich. Wittenau-Borstgwalde. Aus der Gemeindevertretung. Eine Ueberraschung wurde der letzten Gemeindevertretersttzung durch das Erscheinen der Frauen im Zuhörerraum zuteil. Die Herren Gemeindcvertreter waren in größter Verlegenheit, wie sie sich zu diesem Faktum stellen sollten. Der Herr Gemeindevorsteher holte die Landgemeindeordnung zu Hilfe, uni auf Grund des§ 46 nachzuweisen, daß die Frauen kein Recht hätten, den Gemeindevertretersitzungen als ZuHörerinnen bei- zuwohnen. Die Frauen kamen der Aufforderung des Herrn Ge- meindcvorstehers, die Sitzung zu verlassen, nach und verließen das Sitzungszimmer mit der Bemerkung, zum Steuern zahlen seien sie gut genug, im übrigen aber hätten sie in Staat und Gemeinde keine Rechte. Nachdem dieses von den Frauen der Gemeinde drohende Unheil glücklich abgewendet war, teilte der Gemeinde- Vorsteher mit. daß der Voranschlag für die Verwaltung des Riesel- gutes Schönerlinde mit einer Einnahme und Ausgabe von 938 000 Mark abschließt. Der Voranschlag soll vervielfältigt und jedem Gemeindcvertreter ein Exemplar zugesandt werden. Vom 4. April ab bildet Lübars einen eigenen Amtsbezirk, desgleichen Wittenau. Unser Etat balanziert mit einer Einnahme und Ausgabe von 860000 Mark. Für die Verwaltungskosten sind per Kopf der Bevölkerung zirka 6.70 M. zu zahlen, die Position beträgt 54 700 M., für die Beamten ist der Mietszuschuß von 300 M. auf 500 M. erhöht worden, da- gegen wurde der Minimallohn von 28 Pf. pro Stunde bei den Gemeindearbeitern nicht verändert, trotzdem im Winter Woche für Woche dieselben mit einem Lohn von 9— 40 M. abgespeist wurden. Die Verwaltungskosten für die Polizei betrugen im Borjahre 42 000 Mark, in diesem Jahre 20 900 M., also 8900 M. mehr, trotzdem durch die Abtrennung von Lübars weniger Arbeit zu leisten ist. Lübars— Waidmannslust hat zirka 3— 4000 Einwohner. Wittenau zirka 8000). Die Ausgaben der Schulverwaltung belaufen sich auf 90 600 M. Auf eine Anfrage wurde mitgeteilt, daß es noch nicht entschieden sei, ob die Regierung die Staatsbeiträge von 6500 M. weiter an die Gemeinde bezahlt. Ein Antrag, die 600 M. für Unterrichtsmittel an arme Kinder auf 4000 M. zu erhöhen, um damit einen Anfang zu machen, in den ersten Schulklassen die Bücher unentgeltlich zu liefern, wurde mit der Begründung ab- gelehnt, daß im verflossenen Jahre nur 500 M. verbraucht worden seien, dies also ein Zeichen sei, daß die Uncntgeltlichkeit nicht von allen gewünscht werde. Auf Antrag unserer Genossen wird für das nächste Jahr die Erbauung einer Turnhalle vorgesehen. Für Wittenau wurden 450 M. für Schulgärten ausgeworfen. Diese neue Einrichtung soll, wenn der Versuch glückt, auch in Borsigwalde eingeführt werden. Sehr geklagt wurde über die Ver- Wüstung des Platzes in der Schubartstraße durch die Kinder. Die Umzäunung hält dieselben nicht ab, die Rasenflächen, sowie Sträucher und Bäume zu beschädigen. Eltern sowie Lehrer sollten es sich zur Pflicht machen, Ausklärung in dieser Richtung unter den Kindern zu verbreiten. Für die Pfarr- und Kirchenverwaltung werden 2600 M. und für den katholischen Unterricht 600 M. gezahlt. Dr. med. Kassel erhält für die Behandlung der Armen in Wittenau pro Jahr 200 M., dagegen erhält Dr. Misch für Borsigwalde, Wittestratze nur 450 M„ trotzdem letzterer mit erheblicher Mehrarbeit zu rechnen hat. Diesem Mißverhältnis soll abgeholfen werden, sobald ein diesbezüglicher Antrag von Herrn Dr. Misch gestellt wird. Ein gut-begründeter Antrag, die Biersteuer in einer Höhe von 4000 M. und die Lustbackeitssteuer mit 4200 M. zu streichen, fand nach längerer Debatte, nachdem Herr Haack, Wittestraße, für eine Schnapssteuer eingetreten war, keine Gegenliebe. Die schlechte Beschaffenheit der Bücher, der trostlose Zustand, in welchem sich dieselben befinden, sowie die Minderwertigkeit der Werke, veranlahte unsere Fraktion, bei dem Titel„Völksbibliothek", welcher mit 400 M. im Etat steht, die Erhöhung der ausgeworfenen Summe zu beantragen. Um eine wirkliche Volksbibliothek, wie es unserem Orte würdig wäre, zu schaffen, fehlt es am nötigen Gelde; man vertröstete unS bis zum nächsten Jahr. Die Wertzuwachsfteuer will man, trotzdem 450 Proz. Ein. kommcnsteuerzuschlag erhoben wird, nicht einführen. Die Herren Grundstücksspekulanten und Bodenwucherer sollen, wie Gen. Adam in der Gemeindevertretung ausführte, geschont werden. Unsere Gemeindcbctrieve bringen keinen Ueberschuß. Es stehen im Etat die Wasserversorgung mit einer Einnahme und Ausgabe von 28 000 M., das Elektrizitätswerk mit 47 000 M., die Gasanstalt mit 458 000 M. Wieviel Arbeiter in der Gasanstalt beschäftigt sind, konnte der Herr Gemeindevorsteher nicht verraten. Aber daß an Arbeitslöhnen 22 000 M. im kommenden Jahre ge. braucht werden, wollte man genau wissen. Der Etat wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten nach einer dreistündigen De- batte angenommen. Notvawes. Die Etatsdcratung i» der Gemeinde Rowawes. Mit wahrer Eilzugsgeichwindigkeit ist diesmal die Etatsberatuug, verbunden mit der Festsetzung der Steuerzuschtäge und der Einführung einer'Wert- zuwachssteuer, am letzten Tage des alten Rechnungsjahres von der Gemeindevertretung erledigt worden. Zwar war bereits in zwei rüheren Sitzungen die erste Lemng einiger Kapitel vorgenommen, ohne daß sich eine Debatte daran geschlossen hätte, der Rest des Etats war aber erst am Tage vor der letzten Sitzung den Gemeinde- Vertretern zugestellt worden. Bei dem Titel„Straßenbesprengung", die eine Ausgabe von 2500 M. erfordert, wies Genosse Zöllner darauf hin, daß diese Besprengung nur den Bewohnern des vornehmeren OrtSteils zugute kommt und dadurch gegen die übrigen Einwohner eine Ungerechtigkeit verübt werde, weil diese einen Teil der Kosten mit decken helfen müssen; er befürwortete, daß die Straßenbespreiigung auf den ganzen Ort ausgedehnt werde. Der Bürgermeister erwiderte, daß der Wunsch Zöllners allmählich erfüllt werden solle, doch seien in diesem Jahre leine Mittel für eine weitere Ausdehnung der Besprengung vorhanden. Beim Etat der Fortbildungsschule führt Genosse Neumann leb- hafte Beschwerde über den unregelmäßigen Besuch derselben; es sei vorgekommen. daß einzelne Schüler von 80 Unterrichtsstunden 37 Stunden versäumt haben; Schuld an dieser Bummelei trage» die Arbeitgeber der betreffenden jungen Leute, welche im Interesse der Ausbeutung ihrer Lehrlinge denselben nicht die nötige Zeit zum Besuch der F-ortbildungsschule gewähren; gegen diese Zustände müssen die schärfsten Mahregeln ergriffen werde», damit der Unter- richt für die Lehrlinge ein ersprießlicher wäre. Der Bürgermeister ersuchte den Genossen Neumann, ihm sein Material zu übergeben, dann wolle er mit dem Rektor in dieser Sache verhandeln. Am Schlüsse der Lesung nahm Genosse Gruhl das Wort und drückte sein Bedauern darüber aus, daß die Etatsberatung diesmal in so kurzer Zeit erledigt werden müsse. Wenn auch die Verwaltung keine Schuld treffe, so müsse doch dafür Sorge ge- tragen werden, daß der Etat in Zukunft früher fertiggestellt werde. Durch die vorgeschlagene neue Lehrerbesoldung würden, falls sie in der vorgeschlagenen Form angenommen wird, den Gemeinden schwere Lasten auferlegt; in unserem Etat seien dafür 25 000 M. vorgesehen, doch sei eS fraglich, ob diese ausreichen würden, die Mehrbelastung zu decken; an und für sich sei eine Neuregelung der Lehrergehälter zu begrüßen, doch wäre eS eigentlich Pflicht des' Staates, die Kosten hierfür zu übernehmen und diese nicht auf die Gemeinden ab- zuwälzen. Die Folge der Erhöhung der Lehrergehälter müsse eine Neuregelung der Besoldung der Kommunalbeamten und der Gemeindearbeiter sein. Eine Notwendigkeit in unserer Gemeinde sei die Anstellung eines Beamten, der speziell den Bürgermeister bei der Erledigung seiner Geschäfte zu unterslützen habe. Die Einrichtung eines Geiverbe- und Kausmannsgerichts müsse in diesem Jahre un- bedingt erledigt werden. In hygienischer Beziehung habe die Ge- meinde noch große Aufgaben zu erfüllen: die Errichtung einer Badeanstalt, die schon vor Jahren im Prinzip beschlossen worden sei, müsse endlich einmal verwirklicht werden. Leider habe die Ge- meinde fast gar keine eigenen Einkünfte, sondern sei zur Bestreitung aller Ausgaben auf die Steuererträge angewiesen; die dies- jährige Einschätzung habe bei der Gemeindeeinkommensteuer ein Mehr von 54 000 Mark ergeben; die vorgeschlagene Erhöhung der Steuer für unbebaute Grundstücke von Lffg auf 5 pro Mille des geineinen Wertes und die Erhöhung der Umsatz- steuer für unbebaute Grundstücke um'/a pro Mille ergäbe einen Mehrertrag von zusammen 20000 M.. sodaß der Mehrertrag aus den Personalsteuern denjenigen aus dem Grundbesitz bedeutend über- steige, wobei noch zu bemerken sei. daß die Mehrbelastung deZ Grundbesitzes nicht die kleinen Hausbesitzer, sondern fast nur den ForstfiskuS und die Terraiugesellschaften träfe, auf welche besondere Rücksicht zu nehmen, wir gar keine Ursachen haben. Die gesteigerten Ansprüche an die finanziellen Mittel der Gemeinde haben aber auch die Erschließung »euer Stcuerguellen notwendig gemächt, und aus diesem Grunde sei die Einführung einer Wertzuwachssteuer vor- geschlagen. Redner verbreitet sich über die Entwickelung unserer Gemeinde und erklärt, daß auch diese Steuer in unserer Gemeinde fast nur den unbebauten Grundbesitz treffe, der einen Wert von zirka 24 Millionen habe. Da unser Ort zu einer Villenkolonie nicht geeignet sei. müsie eS das Bestreben der Gemeindeverwaltung sein, eine leistungsfähige Industrie heranzuziehen, was ans die Steigerung des Wertes der Grundstücke von großem Einfluß sein werde, wie die Errichtung des Etablissements von Orenstein u. Koppel bei Drewitz bewiesen habe; die Wertzuwachssteuer sei eine der gerechtesten Steuer- arten, da sie nur diejenigen trifft, die durch die Aufwendungen der Gemeinden einen mühelosen hohen Verdienst aus ihren Grundstücken beziehen, weshalb ihre Einführung dringend zu empfehlen sei. Die weitere Debatte bezog sich fast ausschließlich auf die vor- geschlagenen Steuersätze; alle bürgerlichen Redner sprachen sich dahin aus, daß eS unzweckmäßig sei, mit der Festsetzung der Gemeinde- einlommensteuer über 450 Proz. hinauszugehen; doch Ivurdcn gegen die vorgeschlagene Mehrbelastung des Grundbesitzes resp. gegen die Einführung der Wertzuwachssteuer von den Herren Döring, Quappe, Häberer, Schneider und Ruß verschiedene Bedenken vorgebracht, während sich Herr Biethke für die Wertzuwachssteuer erlläne, da sie nur das Kapital treffe. Herr Quappe, einer der energischsten Vertreter der Interessen des Grundbesitzes, stellte den Antrag, den Beschluß über den Etat zu vertagen und zu prüfen, ob nicht an einzelnen Positionen Abstriche gemacht werden können, um dadurch eine Mehrbelastung des Grund- besitzcs zu verhüten und den Vertretern Gelegenheit zu geben, sich über das Wesen der Wertzuwachssteuer erst näher zu informieren, da diese doch auch ihre Schattenseilen haben müsse, die es veranlassen, daß andere Gemeinden ihre Einführung ablehnen. Dieser Einwand wurde vom Genossen Neumann in treffender Weise dahin beantwortet, daß der ablehnende Standpunkt mancher Gemeinden in bezug aus die Wcrtzuwachssteucr darin seinen Grund habe, daß in den Ver- tretungen dieser Orte die Bodenagrarier eine führende Rolle spielen, was eine Folge des geltenden DreiklassentvahlrechtS sei, und von diesen alle Lasten der Gemeinde auf die Allgemeinheit der Steuer- zahler abgewälzt werden, während die Vorteile, die durch den Ausbau der Gemeinden entstehen, zum größten Teil den Grundbesitzern in Form eines höheren Profits beim Vcr- kauf ihrer Grundstücke mühelos in den Schoß fallen. Der Bürgermeister ersuchte, den Antrag Quappe abzulehnen: die Aus- tellung des Etats, an der Mitglieder aller drei Abteilungen der Ver- tretung mitgewirkt, habe ergeben, daß irgendwie nennenswerte Ab- striche an keiner Position zu machen seien; die Wertzuwachssteuer, die mit 16 000 M. Ertrag im Etat eingestellt sei, � müsse eingeführt werden, da das Lehrerbesoldungsgesetz neue Steuern erfordere. Redner erläutert die Prinzipien dieser Steuer und bittet dringend um Einführung derselben. Genosse Gruhl erklärt sich ebenfalls gegen die Aussetzung der Beschlußfassung, da bei einer nochmaligen Etats- beratung kein anderes Resultat erzielt werden würde, wenn man nicht eine Erhöhung der Gemeindeeinkommensteuer vornehmen wolle, wofür sich kein Redner ausgesprochen habe. Hierauf wurde auf An- trag des Schöffen die Sitzung um 40 Minuten vertagt, um den Ver- tretern Gelegenheit zur Verständigung über die Sachlage zu geben. Nach Wiedereröffnung derselben zog Herr Quappe seinen Antrag zurück und wurden nach kurzer Beratung der Etat, die vor- geschlagenen Steuersätze und die Einführung einer WertzuwachSsteucr beschlossen. Es werden demnach erhoben: Gemeindeeinkoinmensteuer 150 Proz., Gemeiudegrundsteuer 3,50 pro Tausend deS gemeinen Wertes der bebauten und 5 pro Tausend des gemeinen Wertes der unbebauten Grundstücke; Gewerbesteuer I. und II. Klasse 225 Proz., III. und IV. Klasse 175 Proz.; Betriebssteuer 50 Proz.; sämtliche Steuersätze versieben sich einschließlich der KrciSstcuer; die Umsatz- steuer beträgt 1 Proz. des Kaufpreises für bebaute und 2 Proz. für unbebaute Grundstücke; über die Sätze der Wcrtzuwachsstcuer wird in einer späteren Sitzung Beschluß gefaßt werden. Potsdam. Gegen den Achtnhrladcnschluß machen jetzt die Mitglieder des Rabattsparvereins mobil. Da jetzt bereits schon die Liste der Stimmberechtigten ausliegt, ist es Pflicht der Arbeiterschaft, die noch zum größten Teil die Kunden der Rabattsparvereinler stellen, bei diesen für den Achtuhrladcnschluß zu agitieren. Wie traurig der Arbeitsmarkt ist, zeigen wieder die Ziffern des städtischen Arbeitsnachweises für den Monat März, der noch dazu von einem großen Teil Branchen nicht einmal benutzt wird. 742 Arbeitsuchenden konnten nur 213 Stellen nachgewiesen werden. Und das trotz wiederholter öffentlicher Aufforderung deS Magistrats an die Arbeitgeber, möglichst den Arbeitsnachweis zu benutzen. Waileritaiids-Stachrichten »1 bedeutet Wuchs,~ Fall.—•) Unterpegel.—•) Vereinzelte Schollen.— 4) Etsstei. ilmtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-DtreMon über den Grohbaiidel in den LentvaUMarkthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschüst rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Gcschäjt rege, Preise lest. Geflügel: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebbast, Preise gut. Fische: Znsuhr etwas reichlicher, Geschäft ziemlich lebhajt, Preise im allgemeinen befriedigend. Butter und Käs«: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» s r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise unwefenUich ver- ändert. Verantwortliche!: Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für denJnseratenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.