Nr. 83. BbonnemenfS'Bedlngungtn: Abonnements- Preis pränumerando* Sterteljährl. 3£0 Mk, monoü. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Emzeine Nummer 5 Psg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26* Jahrg. Cffcheint»glich auütr Olsatags. Verlinev Volksblcltk. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblande. Die TnfertlonS'Gebfifir beträgt für die fechsgespaltene Kolonelzelle oder deren Raum bo Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Hnzeigcn", das erste(sett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, iedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SwlaldemoUrat Berlin". Redaktion: SM. 68, Ltndenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Husbau der deutschen flotte. Nirgends tritt die SchneMebigkeit unserer Zeit so offen in die Erscheinung, als gerade beim Seekriegswesen. Eine technische Neuerung jagt die andere, immer gigantischer i-nd komplizierter werden die Zerstörungsmittel, immer kürzer aber auch ihre Lebensdauer, und was ganze Armeen von Arbeitern in jahrelanger Fron unter unsäglichen Mühen erbauten, das hat nach wenigen Jahren seinen Daseinszweck verloren. Das war in der Segelschiffsperiode anders. Die Form der Kampfschiffe blieb im großen und ganzen durch die Jahrhunderte dieselbe; das Veralten eines Schiffes kannte man nicht; es starb den natürlichen Tod an Alters- schwäche. Das ist erklärlich; denn wenn auch bei den zu verschiedenen Zeiten gebauten Seglern Unterschiede in bezug auf die Segeleinrichtungen vorhanden waren, so konnte doch von beträchtlichen Geschwindigkeitsdifferenzen nicht die Rede sein, da ja die Schnelligkeit aller Schiffe fast aus- schließlich von den Wetterverhältnissen abhing. Dazu kam noch, daß im Kampfe schließlich die physische Kraft des Individuums den Ausschlag gab; denn wohl schleuderte man mit Hilfe von Wurfmaschinen große Steine von Schiff zu Schiff, wohl versuchte man durch Raketen und Feuerkugeln die gegnerischen Schiffe in Brand zu setzen, aber die Artillerie, wenn man jene primitiven Schleuder- cinrichtungen so nennen kann, spielte doch eine untergeordnete Rolle. Die Hauptkampfform des Kriegsseglers blieb der Enterkampf: der Kampf Bord an Bord. Der Zusammen- stoß zweier Flotten artete also gewöhnlich in das wüsteste Handgemenge aus, bei dem die stärkste oder die kriegs- tüchtigste Besatzung den Ausschlag gab. Da also der Sieg im wesentlichen von zwei ziemlich unveränderlichen Faktoren ab- hängig war, so konnten durchgreifende Umwälzungen im Kriegsschiffbau nicht eintreten. Das hat sich gründlich geändert, als die Artillerie sich zur entscheidenden Waffe durchrang, die Takelage durch die Dampf Maschine ersetzt ward und so dem menschlichen Ersindungsgeist der denkbar weiteste Spielraum gegeben wurde. Jetzt erst waren auch die Bedingungen für die moderne, so gewaltige Kosten verschlingende EntWickelung des Seekriegwesens ge geben. Je erbitterter nämlich der Kampf zwischen Panzer und Geschoß wurde, je höhere Anforderungen man an die Manöverierfähigkeit und an die Schnelligkeit der Schiffe stellte, desto größer wurden auch die Schiffsdimensionen, und diese Deplacenientssteigerung hat nach dem ostasiatischen Kriege geradezu beängstigende Formen angenommen, so daß nun niehr von vielen Seiten einer internationalen Festsetzung der Deplacementsgrenzen das Wort geredet wird. Während die stärksten englischen Schlachtschiffe, die vor dem russisch-japani schen Konflikt in Bau gegeben wurden, eine Wasserverdrän gung von 16 000 Tonnen hatten, baut man jetzt bereits Panzer von 25 000 Tonnen, und da selbstverständlich keine Seemacht vom„Ebenbürtigkeitsprinzip" abweichen will, so muß diese Deplacementssteigerung vom unheilvollsten Einfluß auf die Finanzen der an dem Wettkampf beteiligten Nationen sein. Sind doch die Kosten eines Linienschiffes in Deutschland von 24 Millionen Mark im Jahre 1905 auf 40 Millionen Mark im Jahre 1908 gewachsen und werden doch die Kosten der neuesten Riesenschiffe auf 50 Millionen geschätzt! Obgleich infolge dieser Deplacementssteigerung schon bei feststehender Schiffszahl der Marineetat eine ständige. starke Steigerung erfahren würde, ist man trotzdem überall bemüht, die Zahl der Schiffskolosse zu vermehren, und gerade Deutschland hat hier den Anstoß zu einer außer- ordentlichen Verschärfung des Wettrüstens gegeben. Die beste Bestätigung für diese Behauptung bildet die Tatsache, daß nach der Annahme des deutschen Flottengesetzes von 1900 mit Rücksichtnahme auf dieses Gesetz sowohl England wie auch Frankreich neue Flottenverstärkungen durchsetzten und daß sich England jetzt gerade an Deutschland wandte, um es zu eineni Uebereinkommen über den Ausbau der englischen und deutschen Flotte zu bewegen. Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen deutschen Marinevorlagen, so sehen wir, daß der Ausbau der Flotte in einem geradezu rasenden Tempo vor sich geht: Nach dem Flottengesetz von 1898 wurde der Schiffs- bestand festgesetzt auf: 19 Linienschiffe, 8 Küstenpanzer, 12 große Kreuzer und 30 kleine Kreuzer. Schon zwei Jahre darauf wurde das Gesetz umgestoßen und der Sollbestand der Flotte festgesetzt auf: 38 Linienschiffe, 14 große Kreuzer und 38 kleine Kreuzer. Bereits 1906 erwies sich— um in der Sprache der Regierungsvertreter zu reden— dieses Gesetz als„unzulänglich": weitere 6 große Kreuzer wurden gefordert und von der bürgerlichen Parlamentsmehrheit bewilligt, so daß sich also die Zahl der großen Kreuzer auf 20 erhöhte. Auf diesen Sollbestand kommen zurzeit in Anrechnung(fertig und im Bau): 37 Linienschiffe. 17 große Kreuzer mid 37 klejne Kreuzer. Durch die gesetzliche Festlegung einer zwanzigjährigen Ersatzfrist für Linienschiffe und Kreuzer im Jahre 1908 hat sich nun die Regierung die schnellste Erreichung und Ueber- s ch r e i t u u g dieses Sollbestandes gesichert. Da nach dem Bauplan der Marinevorlage von 1908 in den Jahren 1909 und 1910 je 3 Linienschiffe und ein 1 großer Kreuzer und 1311 2 Linienschiffe gebaut werben sollen, so ergibt sich sür Expedition: SM. 68, Lindcnstraaac 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981» I die deutsche Flotte gegen Ende des Jahres 1914 der folgende Stand: 15 Linienschiffe von je über 13 000 Tonnen(Droadnouglit-Typ) 10,.. 13 200 14„»« 10000 bis 12 000 Tonnen. Daneben aber wird man noch besitzen: 6 Panzerkreuzer des Invincibls-Typ(15 000 bis 19 000 Tonnen) 2„ von je 11600 Tonnen 6,„„ 9 000 bis 10 600 Tonnen. In fünf Jahren wird also der„Admiral des Atlantischen Ozeans" bereits die zwei gewünschten Doppelgeschwader und dazu ein ansehnliches Kreuzergeschwader unter seiner Flagge vereinen können. Diese Panzerkreuzer stellen durchaus erst- klassiges Material dar. Die zwei 11 609 Tonnen-Schiffe sind 1914 knapp acht Jahre alt, und auch von den übrigen Kreuzern besitzt dann keiner ein Lebensalter von 14 Jahren! Dazu konimen die Flotte der kleinen Kreuzer, die sicherlich als eine der besten Kreuzerflotten der ganzen Welt anzusehen ist, und die außerordentlich starke Torpedoflotte. Schon nach den gegenwärtigen Beschlüssen des Reichstages rückt Deutsch land damit au die zweite Stelle unter den Flottenmächten. Nun müßten tvir aber Toren sein, wollten wir glauben, daß von 1912 an weniger als vier Schlachtschiffe in Bau gegeben werden. Fast sämtliche bürgerlichen Parteien haben bereits angedeutet, daß sie auch nach dem Jahre 1912 bereit sein würden, das Maß von vier Schlachtschiffen jährlich weiter zu bewilligen, und da auch unsere Werften Wert darauf legen, möglichst gleichmäßig be schäftigt zu werden, so wird sich allmählich der jährliche Neu- bau von mindestens vier großen Schlachtschiffen zu einem ungeschriebenen Flottengesetz ausbilden. Sollte es aber dahin kommen, daß wir in jedem Jahre vier große Neubauten auf Stapel legen, so werden wir bald das Flottengesetz von 1909 weit hinter uns lassen. Wir gehen dann mit Riesenschritten dem dritten Doppelgeschwader entgegen und werden bereits in zwölf Jahren, Ende 1929, eine Flotte von mindestens 52 Linienschiffen(davon 33 über 18999 Tonnen groß) und 21 Panzerkreuzern auf dem Meere zu schwimmen haben. Daß wir uns in immer bedenklicherer Weise dem eng lischen Marineetat nähern und daß diese EntWickelung in England die stärkste Beunruhigung hervorruft, das kümmert unsere Flottcnfanatiker nicht im geringsten. Ja, sie sehen sogar mit einer gewissen Befriedigung auf die Panik, die sich eines Teils der englischen Bourgeoisie bemächtigt hat, und sie halten gerade die Panik für ein ihnen erwünschtes Zeichen dafür, daß ein Wettrüsten mit England durchaus nicht erfolglos ist. Nun ist es ja sicher, daß in diesem Wettrennen um die größte Flotte noch auf lange Jahre hinaus England Sieger bleiben wird, aber ebenso sicher ist es auch, daß England seine jetzige überragende Vormachtstellung zur See in kurzer Zeit verliert und schon in den nächsten Jahren den Zwei- mächte-Standard aufgeben muß. Bis vor mehreren Jahren waren nämlich für den Ausbau der britischen Marine die Flotten Frankreichs und Deutschlands maßgebend. Frankreich ist jetzt aber von dem zweiten Platz, um den sich Amerika und Deutschland v streiten, auf den vierten verdrängt. Will England jetzt den Zweimächte-Standard aufrechterhalten, so muß es seinen Flottenbauplänen die Marinen Deutsch lands und Amerikas zugrunde legen! Daß England auf die Dauer seinen Kampf mit diesen beiden Staaten nicht weiterführen kann, zeigt ein Blick auf die folgende Tabelle: Ausgabe» für die Marine in Millionen Mark: Mehr oder weniger des engl. Amerika Etats gegen die Summe der Deutsch- land beiden nächsten Staaten 81 123+ 7 79 135 4- 61 86 123-st 103 92 116+ 152 III 147-j- 136 126 249-st 163 145 270-f 141 157 237-f 169 195 256+ 171 205 287-f 154 210 349+ 175 216 410 4- 127 233 421-st 27 252 429— 31 278 416— 53 339 515.— 195 Wir ersehen aus dieser Tabelle, daß England bis zum Jahre 1992 sein Uebergewicht glatt aufrecht erhält. Dann aber treten die Vereinigten Staaten an die Stelle Frankreichs, und wir merken, wie der englische Etat 1993 und 1994 Pfeil- schnell in die Höhe schießt, wie also England den Versuch macht, sich auf der Höhe zu halten. Trotzdem wird das englische Uebergewicht immer geringer, und im Jahre 1998 überschreiten die Flottenausgaben Deutschlands und Amerikas den englischen Etat bereits. um 195 Millionen Mark I Nun erhöhen sich aber die deutschen Marine- ausgaben nach den bisherigen Gesetzen von 1993 bis 1911 um ungefähr 139 Millionen, der deutsche Marineetat bc- ziffert sich mithin 1911 auf 479 Millionen Mark. Stimmt man an, daß Amerika seine FlottenauSgaben„nur" in demselben Tempo steigert, so muß England— will es den Zweimächte- Standard nicht aufgeben— schon im Jahre 1911 seinen Marine- etat auf 1199 Millionen Mark festsetzen, muß also in einem Jahre 459 Millionen Mark mehr aufbringen als jetzt! Zieht man in Betracht, daß England beinahe dieselben Aufwendungen für die Landarmee machen muß wie Deutsch- land, so sieht man, daß der englischen Bourgeoisie, die an der maritimen Vormachtstellung Englands unerschütterlich fest- halten will, nur drei Möglichkeiten verbleiben: Entweder Eng- land verzichtet auf jedwede ernsthafte Kulturarbeit, wirft dem Moloch Marinismus immer neue Milliarden in den Rachen und fährt mit vollen Segeln dem Bankrott in die Arme, oder es versucht seinen Gegner rechtzeitig niederzuschlagen, oder aber es kommt zu einer Verständigung mit Deutschland. Die englische Regierung war vernünftig genug, den letzten Weg betreten zu wollen. Und in der Tat wäre ein solches Uebereinkommen von hohem Werte gewesen. Nicht allein, daß den Völkern diesseits und jenseits des Kanals un- geheure Lasten erspart geblieben wären, nicht allein, daß sich die Beziehungen zwischen beiden Nationen wesentlich gebessert hätten, sondern das Uebereinkonunen wäre auch der erste Schritt zur Abschaffung des Seebeuterechtes gewesen; denn England sträubt sich ja lediglich aus Rücksicht auf Deutschland gegen die Sicherung des Privateigentums im Seekriege; hätte es doch bei einem Kriege gegen Deutschland tatsächlich kein anderes Mittel zur Niederzwingung seines Gegners, als die Vernichtung des deutschen Handels, der selbst durch die stärkste deutsche Flotte nicht geschützt werden kann. Die deutsche Regierung hat die Verständigung abgelehnt. Sie will keine Verminderung der Rüstungen, mag darüber auch der sozialpolitische Fortschritt in beiden Ländern stocken, mögen auch neue Milliardenlasten auf die Völker gewälzt werden. Diese ungemessenen Rüstungen, die die autokratisch- militaristische Regierung Preußen-Dentschlands auf den Weg der Eroberungs- Politik drängen und sie den Kulturaufgaben gänzlich ent- fremden, werden von England als unmittelbare Bedrohung und als Kriegsrüstung aufgefaßt. Läßt sich die Verständigung, die England und auch das deutsche Volk will, nicht herbei- führen, so könnte es über kurz oder lang zu einem blutigen Zusammenstoß kommen. Die Verantwortung trüge die deutsche Regierung und die agrarisch-liberal-klerikale Reichstags- Mehrheit. Sie hinwegzufegen und einer Politik der Vernunft, einer wahren Kulturpolitik die Wege zu ebnen, das ist die Pflicht der deutschen Arbeiterklasse. 9a$ industrielle Clebesgabenprolekt. In Nr. 78 des„Vorwärts"(vom 2. April) berichteten wir über eine von der Neichsregierung der Industrie zugedachte„Liebes- gäbe". Visher hat das Reich die von den Berufsgenossenschaften zu entrichtenden Unfallrenten vorschußweise aus seinen Mitteln be- zahlt und dann am Jahresschluß mit den Berufsgenossenschaften ab- gerechnet. Da durch dieses System dem Reich beträchtliche Zinsen« ausfälle entstanden, sollen von 1910 ab die Berufsgenossenschaften dem Staate Vorschüsse in der Höhe des mutmaßlichen RentenbedarfS leisten. Dadurch würden jedoch zu Beginn des Jahres 1910 die Berufs- genossenschaften in die Lage kommen die vom Reich vorgeschossene Summe, die auf ungefähr 16öMillionen Mark veranschlagt wird, zurückzuzahlen und zugleich die voraussichtlich erforderlich werdende Rentensumme für das Jahr 1910 vorstrecken zu müssen. Es soll deshalb der Betrag von 165 Millionen Mark von den Berufsgcnossenschaften nicht zurück« gefordert, sondern in eine Schuld verwandelt und mit 3�/, Proz. verzinst sowie ferner mit S'/o Proz. amortisiert worden, so daß die Schuld in 20 Jahren getilgt wird. Zur Verzinsung und Amortisation sind demnach jährlich 11,6 Millionen Mark nötig, die rechtmäßig die Berufsgenossenschasten zu zahlen hätten; denn sie schulden dem Reich die 165 Millionen Mark. Nach dem Vorschlag der Regierung sollen sie aber nur jährlich 5,8 Millionen Mark zahlen; die andere Hülste der jährlichen Ab« zahlung von 11,6 will die Regierung aus Neichsmitteln, das heißt aus den Taschen der delltschen Steuerzahler bestreiten. Mit anderen Worten: die Berufsgenossenschaften sollen nur die Hälfte der ihnen vom Reich vorgeschossenen Unfallrente im Betrage von 165 Millionen Mark, also nur 82'/« Millionen Marl zurückzahlen, die andere Hälfte will das Reich ihnen schenken. Dies das schöne Projekt, das um so seltsamer anmutet, als das Deutsche Reich zurzeit in der schlimmsten Finanzklemme steckt. Von der gntgesinnten Presse ist unsere Meldung in den letzten Tagen vielfach bestritten worden. Besonders haben einige von den Großindustriellen alimentierte Blätter— höchstwahrscheinlich wider besseres Wissen, denn gerade sie dürften auS den Kreisen ihrer Gönner Näheres über das schöne Projekt erfahren haben— unsere Angaben als bloße Erfindungen bezeichnet. Doch jetzt kommt, nachdem sie vier Tage mit ihrer Antwort gezögert, die„Nordd. Allg. Ztg." und bestätigt in allen Teilen unsere Meldung, wenn auch, wie eS sich für sie als Regierungsblatt geziemt, mit allerlei beschönigenden Worten. Wörtlich schreibt sie: Der„Vorwärts" behauptet in seiner Stummer vom 2. d. M., das Reich wolle den Trägern der Unfallversicherung durch eine anderweite Regelung der vom Reiche vorschußweise zu zahlenden Entschädigungen ein E�trageschenk von 100 Millionen Mark in den Schoß werfen. Diese Auffassung beruht auf einer Verkennung des Sachverhältnisses. Um das Reich von der immer stärkeren Inanspruchnahme der Betriebsmittel der Reichshauptkasse durch daS fortgesetzte Steigen der Entschädigungsrenten zu be- freien, ist vorbehaltlich der Zustimmung der gesetzgebenden Körper- schoflen in Aussicht genommen, daß die Berufsgeuossenschafteie künftig dem Reiche Vorschüsse in Höhe des mutmaßlichen Renten» bedarjs zahlen, wozu sie bisher nicht verpflichtet waren. Im Jahre 1910 würde die Rückzahlung der Schuld für das Jahr 1909 mit den für 1910 neu au leistenden Vorschüssen zusammenfallen. Zur Milderung der Härte, die hierin liegen«vürde, soll für die alte Schuld eine zwanzigjährige Tilgungsperiode vor- gesehen werden. Zur Tilgung und Verzinsung sind jährlich 11,6 Millionen Mark erforder- lich. Aus der gegenwärtig dem Reiche obliegenden ge- setzlichen Verpflichtung zur vorschustweisen Zahlung der Ent- fchädigungSrenten ist in den Jahren 190t bis 1906 eme Ausgabe von durchschnittlich 4,4 Millionen Mark für das Jahr entstanden. Diese Ausgabe würde bei dem fortgesetzten Steigen der Unfall- reuten von Jahr zu Jahr wachsen. Um nun den Berufs- geno ffen schatte n dieStü ckz ah lung der alten Schuld imganzen also dieHälfte der Jahresquote zur Tilgung und Verzinsung der alten Schuld bei- zutragen, während die Berufsgenossenschasten die andere Hälfte der erforderlichen Mittel mitebenfallSS, 8 Millionen Mark zu tragen Habel». Durch die geplante Regelung wird die Vorschußleistung allmählich herabgemindert, die übermäßige Begebung der Schatzanweisungen entsprechend eingeschränkt, auch der Allgemeinheit ein erheblicher wirtschaftlicher Dienst geleistet werden, ohne daß eine unbillige Belastung der Berufsgenossen schaften eintritt. Dem Sinne nach ist das genau dasselbe, was wir gemeldet Hatten. Wir find neugierig, wie die großinduftriellen Blätter, die noch vor wenigen Tagen über das Projekt höhnten, sich nun zu diesem stellen werden. Wundern sollte uns nicht, wenn sie jetzt im Dienst ihrer Gönner den sauberen Plan für ganz vortrefflich erklärten. Zs Bauer, das ist ganz was andres...! Der Eifer und der Scharfsinn der deutschen Staats- anwälte und Richter ist, kein billig Denkender wird es be- streiten, bewunderungswürdig. Welche halsbrecherischen Kunststücke hat nicht die Rechtsauslegung schon geleistet, um die mangelhafte Gesetzgebung zu ergänzen, um jene Böse- Wichte doch zu fassen, die sich in Sicherheit glaubten, wenn sie nicht gegen den Sinn der Gesetze verstießen, den der un- geschulte Blick des Nichtjuristen darin zu finden weiß. Was hat nicht der Spürsinn erleuchteter Juristen an verborgenem Geist in dem starren Buchstaben des Gesetzes alles entdeckt I Die Ausforderung zum Streik ohne Kündigung, die dem Laien als erlaubte Handlung erschien, wurde als Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze entlarvt, die Ankündigung des Streiks als Versuch der Erpressung, der Boykott als grober Unfug, das Streikpostenstehen als Gefährdung des Verkehrs, öffentliche Versammlungen als Vereinsversammlungen und Vereinsversammlungen als öffentliche Versammlungen, ganz nach Bedarf. Und schaudernd mußten die Bösewichte, die den Arm des Richters durch die starren Paragraphen gefesselt glaubten, erkennen, daß die Auslegung des Rechts unbe- grenzte Möglichkeiten zur Vermehrung des Komplexes der strafbaren Handlungen eröffnet. Wenigstens haben die wegen Ausübung des Koalitions- rechtes angeklagten Arbeiter diese Erfahrung machen müssen. Von einer ganz anderen Seite allerdings zeigt sich die deutsche Rechtsprechung in einer Entscheidung, die über Unternehmer ergangen ist, die auf ähnliche Weise ge- sündigt haben sollten. Die Zeitschrift„Das Recht" veröffent- licht eine Entscheidung des 6. Zivilsenats des Reichsgerichts vom 8. Februar in dem Prozeß eines Kieler Schuhmacher- meisters Hamer, der die Schuhmachermeistervereinigungen von Kiel auf Schadenersatz verklagt hatte. Die Vereinigungen hatten ihm die Liundschaft für Marinebetriebe und Marine- angehörige abgetrieben, weil er entgegen ihrer Forderung und einem ursprünglichen Versprechen die Forderungen der im Lohnkampf stehenden Schuhmachergesellen bewilligt hatte. Das Versprechen hatten die Vereinigungen durch die Drohung erlangt, daß die Namen der Meister, die sich nicht zur Ab- lehnung der Gesellenforderungen verpflichten wollten, ver- öffentlicht würden. Später schickten sie dem abtrünnigen Meister Hamer eine Vorladung zu einer ihrer Versamm- lungen mit der Drohung, daß sie rücksichtslos gegen ihn vor- gehen würden. Da Hamer darauf nicht reagierte, machten sie eine Eingabe an die drei Marinekommandos von Kiel, worin sie Hamer und einen zweiten Meister beschuldigten, daß sie„mitderSozialdemokratiegemeinsame Sache" machten, denn unter den Forderungen der Gesellen befinde sich auch die sozialdemokratische Forde- rung, den 1. Mai freizugeben. Die Eingaben gip- selten in der Hoffnung,„daß die Behörden uns unterstützen und ihren Einfluß dahin geltend machen werden, daß nur solche Meister würdig sind, die Lieferungen für die kaiserliche Marine zu beschaffen, welche keine Verräter an dem gemein- schaftlichen Kampf gegen die Sozialdemokratie sind...." Selbswerständlich konnten die Marinekommandos bei einem „Kampfe gegen die Sozialdemokratie" nicht ungerührt bleiben. Herr Hamer hatte Grund, sich geschädigt zu fühlen und klagte auf Schadenersatz. Die Entscheidung, die das höchste deutsche Gericht m dieser knifflichen Angelegenheit gefällt hat, ist ein glänzendes Beispiel der Betätigung des juristischen Scharfsinns, den wir zu Eingang geschildert haben. Nur ist sein Effekt hier ein ganz anderer, als in den oben angeführten Beispielen und ganz neue ungewohnte Töne werden in den Ausführungen des Reichsgerichts angeschlagen. Wir bekommen nichts zu hören von„gemeingefährlichem Terrorismus", gegen den mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden muß, wie es sonst wohl in den Begründungen von Urteilen heißt, wenn ein Arbeiter angeklagt ist, einen Streikbrecher Streikbrecher genannt oder schief angeschaut zu haben. Nein, wir be- kommen eine warme Verteidigung des Rechts der Berufs- genossen zu lesen, auf den Abtrünnigen im wirtschaftlichen Kampf energisch einzuwirken, ihn mit scharfen Maßregeln zu bekämpfen. Ausführungen, die im schneidensten Widerspruch zu der sonst beliebten Ausdrucksweije unserer Richter stehen, die die Streikbrecher gern als„wertvolle Elemente", als die ruhigen und ordentlichen Arbeiter usw. bezeichnen. Es heißt in der Begründung: „Ohne Rechtsirrtum hat den Beklagten der Schutz des § 193 des Strafgesetzbuchs zugebilligt werden müssen, da sie das Schreiben an die Marinebehörden zur Wahrung berech- tigter Interessen abgesandt hatten. In den wirtschaftlichen � Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist der Erfolg einer Partei wesentlich bedingt durch die Einigkeit und Geschlossenheit der Standesgenossen. Wer durch ein Sonderabkommen mit dem Gegner die Einigkeit zerstört. schädigtdieJnteressenseinerStandeSgenossen aufs schwer st e. Hier kommt hinzu, daß der Kläger sein schriftliches Versprechen, zu seinen Standesgenossen zu halten, gebrochen hat, ihnen im Lohnkampf in den Rücken gefallen ist und auf die Aufforderung zur Rechtfertigung keine Antwort gegeben hat. Wenn diese ihrerseits zur Abwehr gegen den Ab- trünnigen»nd zur Verhütung weiteren Abfalles scharfe Maß- regeln ergriffen hat, so liegt darin nichts Anstößiges, solange das gewählte Mittel der Abwehr sich in den Grenzen des sittlich Er- laubten hielt. Die Mitteilung eines Namens eines solchen Ab- trünnigen an seine Kundschaft unter Darlegung des wahren Sachverhalts würde nur dann dem Anstandsgefühl eines gerecht und billig denkenden Menschen widerstreiten, wenn damit bezweckt würde, den Gekennzeichneten geschäftlich zugrunde zu richten. DaS Berufungsgericht hat aber festgestellt» daß einesolcheAbsichtnichtbe standen hat." Nach dieser Feststellung, daß derjenige, der in Wirtschaft- nchen Kämpfen zwischen Unternehmern und Arbeitern durch Sonderabkommen mit dem Gegner die Einigkeit zerstört, die Interessen seiner Standesgenosfen aufs schwerste schädigt— was übrigens deutsche Richter einem Streikbrecher noch nie gesagt haben— untersucht die Begründung zunächst, ob sich die Meistcrvereinigungen einer Bedrohung des Meisters Hamer schuldig gemacht und dadurch schadenersatzpflichtig geworden seien. Die Bedrohung in der Vorladung wird be- jaht. Aber durch sie sei dem Meister kein Schaden erwachsen, sondern lediglich durch das Schreiben an die Marinebehörden. Dieses Schreiben sei zwar die Ausführung der Drohung, aber es komme nicht in Betracht, denn der tz 153 der Gewerbe- ordnung, der„als Strafgesetz nicht über die Grenzen seines Wortlauts ausgelegt werden dürfe(I) stelle nur die Willensbeeinflussung durch Drohung unter Strafe — für seinen Tatbestand sei es bedeutungslos, ob das ange- drohte Uebel der Ankündigung folge. Der Wille des Meisters Hamer aber ist durch die Drohung nicht beeinflußt worden, denn er hat seine Gesellen ruhig weiter arbeiten lassen, auch ist ihm aus der Drohung ein Schaden nicht erwachsen. Dann wird untersucht, ob die Meistervereinisiungen sich einer Ehrverletzung des Meisters Hamer schuldlg gemacht haben. Das ist der Fall, da die Worte„nicht würdig" und „Verräter" in den Eingaben eine Ehrverletzung darstellen. Aber eine Schadenersatzklage kann auch darauf nicht ge- gründet werden, da die Marinekommandos den: Meister Hamer nicht wegen dieser Worte der Eingaben die Lieferungen entzogen haben, sondern wegen der Angaben über fein Ver- halten im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Endlich kommt die gefährlichste Stelle der Angelegenheit für die vereinigten Kieler Schichmachermeister. Das Reichs- gericht nimmt, wie oben gezeigt ist, selbst an, daß ihre Ein- gaben die Ursache sind, daß dem Meister Hamer die Liefe- rungen entzogen wurden. Also liegt Verrufs- erklärung vor?/ So mag eS dem juristischen Laien er- scheinen: dem tiefer eindringenden Auge des Juristen ent- hüllt sich ein ganz anderer Tatbestand. Es liegt keine Verrufserklärung, sondern nur eine Anregung zur Verru f s er kl ä ru n g vor! Denn die vereinigten Schuhmachcrmeister Kiels waren nicht so unbescheiden, die Entschließung der Marinekommandos von Persönlichkeiten hohen militärischen Ranges beeinflussen zu wollen. Sie hofften nur. daß diese Behörden ihren Einfluß zugunsten der vereinigten Meister, der tapferen Kämpfer gegen die Sozialdemokratie, geltend machen würden. Die Meister haben also nur„angeregt", nicht selbst eine Verrufserklärung er- lassen. Und so war Meister Hamer mit seiner Klage gänzlich abzuweisen! Wer diese feine juristische Leistung nicht zu würdigen weiß, der hat keine Spur juristischen Verständnisses. Wer aber verwundert fragt, weshalb deutsche Richter hier, wo Unternehmer in Frage kommen, ihren juristischen Scharfsinn anwenden, um Handlungen, die eine Ausübung des Koalitionsrechtes darstellen, für nicht strafbar zu erklären, während sie sonst— wenn Arbeiter die Objekte der Recht- sprechung sind— gewöhnlich nach der entgegengesetzten Seite ihren Scharssinn spielen lassen, der mutz sich mit der Ant- wort genügen lassen:„Ja, Bauer, das ist ganz was anderes!" Sie Bauernfrage in Bosnien. Die bosnische Regierung treibt eine geschickte Reklame für das„Zivilisationswerk", das sie in Bosnien verrichtet haben will. In Wirklichkeit ist die Bauernbefreiung, die Serbien und namentlich Bulgarien längst in ausgezeichneter Weife durch- geführt hoben, auch heute noch nicht einmal begonnen. Erst jetzt soll die Grundablösung inS Werk gesetzt werden, doch ist sehr zu fürchten, daß dabei die armen Bauern die Betrogenen sein werden. ES handelt sich dabei um da» Geschick von ungefähr IVO 000 unfreien Bauern. Die Grundablösung soll nun nach dem Plane der bosnischen Regierung in der Weise vor sich gehen, daß diese Armen sich selbst frei kaufen, ohne jede Unterstützung des Staates. Das Geld zum Loskauf sollen sie durch Aufnahme von Hypo- theken sich verschaffen. Diese Hypothekenausgabe soll nun das Monopol einer ungarischen Bank werden, deren Ausbeutung so die börigen Gauern vollkommen ausgeliefert werden. Die bürgerlichen Parteien des österreichischen Abgeordnetenhauses begnügen sich damit, gegen das Monopol der ungarischen Bank Stellung zu nehmen und ihrerseits einen An- teil an dem Geschäft der Bauernausbeutung für das österreichische Banktapital zu fordern. Dem gegenüber fordert die Sozialdemokratie die rasche Durchführung der Bauern- befreiung durch den Staat. ES handelt sich dabei um folgendes: Weitaus die meisten vos» nischen Bauern fitzen nicht als fteie Eigentümer auf ihrem Grunde, sondern stehen im Erbpachtverhältnis zu einem mohammedanischen Grundherrn. Dieses Grundherrentum ist nicht durch Kauf entstanden, sondern hauptsächlich aus der Grund» läge der polittschen Machtverhältnisse. Die türkischen Eroberer be- mächtigten sich einst gewaltsam des BodenS und überließen ihn ihren An- hängern als Beute. Dieses allerdings schon 600 Jahre alte Beuterecht hat die Ollupation als Besitzrccht anerkennen müssen im Gegensatz zum benachbarten Serbien, wo nach dem Jahre 1876 die türkischen Grundherren(Spahis) schonungslos expropriiert wurden. Das war allerdings in Bosnien, wo die Mohammedaner ein volles Drittel der Bevölkerung bilden und wo jede schroffe Attion gegen die grundbesitzcnden Agas von der Gesamtheit der Mohammedaner als eine islamfeindliche empfunden worden wäre, von vornherein nicht möglich. Natürlich auch nicht im entferntesten be- absichtigt, denn die Regierung hoffte während der ganzen Olkupattons- epoche, in den Türken ein konservatives Bevölkerungselement zu gewinnen. So blieb denn das uralte Kmetenband bestehen und der bosnische Bauer mutz noch heute ein volles Drittel seines Ertrage» als.Tretina" oder.Hak' dem Grundherrn entrichten, der nicht sät, nicht erntet, sich auch um das Gedeihen der Frucht nicht im mindesten bekümmert, sondern nur alljährlich einmal mit zwei oder drei Maultieren daherkommt, um dem Bauern ein Drittel seiner Ernte wegzunehmen. Die Befreiung des Bauern aus diesem Knechtsverhältnis, von dem übrigens auch die Grundherren ihr gerüttelt Maß von Ver« drießlichleiten und Nachteilen heimtragen, erfolgt nun in Bosnien nicht, wie es noch 184S in Oesterreich der Fall war, in der Weise, daß der Staat selbst einen Teil der Lasten auf sich nimmt, sondern der Bauer muß sich selb st freikaufen; der Staat vermittelt ihm bloß Hypotheken, und zwar sehr teure Hhpotheleu. Der Bock wird zum Gärtner gemacht und die Banken befreien den Kmeten aus der Hand deS Aga, indem sie die orientalische Form der Höngkett durch die europäische ersetzen, wobei eS ja natürlich nicht so sehr auf die Hörigkeit als auf das Geschäft ankommt. Bei dieser sonderbaren Art der Bauernbefreiung gerät der Kniet buchstäblich vom Regen in die Traufe; denn wenn auch die hohen Prozente an irgend eine Agrarbank relativ nicht so viel ausmachen wie die Tretiim an den Grundherrn, so ist der Betrag absolut genommen häufig noch höher, beim bei dem heißen Drange der Kmeten. freien Bauernbesitz zu erwerben, sind die Grundpreise allenthalben rasend in die Höhe gegangen, zum Beispiel in der südlichen Herzogewina seit 1890 uin zirka 200 Proz., waS mit der Lebhaftigkeit der Nachftage durch die Mit Ersparnissen ans Amerika zurückkommenden Kmetensöhne unmittelbar zusammenhängt. Gerade diese steigenden Preise ziehen aber daS Bankkapital an und cS wird der ganzen Energie unserer Genossen bedürfen, dafür zu sorgen, daß die Pläne der bosnischen und ungarischen Regierung, die feudale Hörigkeit in eine Kapitalhörigkett zu verwandeln, ver- eitelt werden. Man sieht aber aus dieser Darlegung, was an dm gepriesenen Werk der österreichisch-ungarischen Verwaltung in Wirklichkeit dran ist._ Politische(Jcbcrficht. Berlin, den 7. April 1909, Adenau-Cochem-Zell« Von der Mosel wird unS geschrieben: Der Wahlausfall im Kreise Adenau«Cochem«Zell lenft die Aufmerksamkeit auf die kleine Doppelstadt Traben-Trarbach. Die beiden erst seit einigen Jahren vereinigten Gemeinden sind, be- sonderS seit Eröffnung der rechtS-moseleanischen Bahnlinie Bullay- Trier, dank dem Aufschwung des Weinhandels und der Ausnutzung deS Trarbacher WildbadeS zu kleinen Hochburgen de» Kapitalismus geworden. Mehr und mehr sind die kleinen Winzer verschwunden und zu Küfern oder Tagelöhnern proletarisiert worden. Aber kein Mensch, der die Ver- hältnisse kennt, hätte erwartet, daß so plötzlich und so imposant das Auftreten des.roten Gespenstes" in der protestantischen Oase der schwarzen Moselwüste erfolgen würde. Noch vor ein paar Jahren haben gerade die Traben- Trarbach« Proletarier, hinter denen natürlich die Honoratioren staken, nichts Besseres zu tun gewußt, als einen ganzen Sommer lang wegen eines alten, auS der Mosel herausgebaggerten Ankers blutige Schlachten auSzufechten. Die Orte waren damals noch nicht ver- einigt, und der Lokalpatriotismus einiger schwerreicher Weingutsbesitzer verlangte diesen Anker, je nach der Ansässigkeit de» betreffenden, für Traben oder für Trarbach. ES kam zu großen Krawallen und sogar zu einem Attentat auf den Trabener Bürger- meister. Die an köstlichen Episoden reiche Geschichte diese» FeldzngeS wurde sorglich unterdrückt. Den Anker mußte man, weU die Rc- gierung auf Wiederherstellung de» Friedens drängte, wahrhaftig einschmelzen lasten, um allem Streit ein Ende zu machen. In kommunalpolitischen Dingen ist natürlich die Selbstsucht der verbündeten Mächte des Kapitals und der sogenannten Intelligenz ausschlaggebend. Bon dem Grade dieser Intelligenz gibt die Tat- fache einen Begriff, daß man die Parteien im Ptesbyierium mehrere Jahre lang ausschließlich nach ihrem Standpunkt zur Frage des Einzelkelches unterschied. Hie gemeinsamer Kelch l— Hie.Einzel- dippen" l(wie die Gegner verächtlich sagten): das waren die Zeichen, unter denen sich so etwas wie eine kulturelle Bewegung in diesem Erdenwinkel abspielte. Erst zwei Jahre ist daS her, und seit demselben Jahre 1907 der Hottentottenwahlen scheint unter dem Einfluß der drohenden Weinsteuer, mehr aber noch infolge der fort- schreitenden Proletarisierung der Winzerschaft das polittsche Leben an der Mosel einen Aufschwung zu nehmen, Daß tatsächlich in erster Linie diesem letztere» Umstände der sozial- demokratische Erfolg zuzuschreiben ist(weniger der Unzufriedenheit der Winzer, auf die unser Kölner Bruderblatt hinwies), folgt schon au» der Tatsache, daß von den für den Genosse» Dr. David ab- gegebenen Stimmen beinahe drei Viertel, nämlich 334, in Traben-Trarbach aufgebracht wurden. Diese Gemeinde ist mit über 5000 Einwohnen» die größte Stadt zwischen Koblenz und Trier. Nicht nur ihre Unzufriedenheit mit den speziellen Schreckgespenstern des Weingesetzes und der Weinsteuer treibt diese Winzer zu uns, sondern dahinter steckt die mit der wachsenden Großwirtschaft im Weinbau gleichfalls wachsende Proletarisierung des Winzer-Mittel- standes._ Reichstagsersatzwahl in Stade-Bremervörde. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im 18. hannoverschen Wahlkreise wurden bis jetzt gezählt: für Dr. Hoppe(natl.) 6010 Stimmen, Rhein(Soz) 5721, Hauptmann a. D. Klüvemann(Bund der Landw.) 4641. Dr. Böhmert(ftf. Vg) 2296, v. d. Decken(Wrlfe) 2164 Stimmen. CS findet wahrscheinlich Stichwahl statt zwischen dem Nationalliberalen und Genossen Rhein. Das Ergebnis von 12 kleineren Orten steht noch aus. Es lassen sich also die Stimmcnzahlen der gestrigen Wahl und der Wahl am 25. Januar 1907 noch nicht vergleichen. Damals erhielten: der Rationalliberale 9701, unser Kandidat 6442, der Landbündler 4891, der„Welse" 1471 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte alsdann dcr NattonaNiberale mit 14 995 Stimmen über Rhein mit 6551 Stimmen, Beachtenswert ist, daß, während jetzt alle übrigen Parteien an Stimmen eingebüßt haben, der»Weife" rund 700 Stimmen mehr erhallen hat_ Die sächsischen Konservativen und die Finanzreform Der erweiterte Vorstand, die Krcisvertreier und Vorsitzenden der Lokalvereine des konservativen Landesvereins für das Königreich Sachsen waren- gestern in Dresden versa, mnelt und haben eine Resolution angenommen, in der es heißt: .Soweit der Mehrbedarf des Reiches von den Besitzenden getragen- werden soll, ist er, wenn eine Einigung über andere Besitzsteuern nicht erfolgt, durch Ausdehnung der Reichs» erbschaftssteuer auf Abkömmlinge und linder» lose Ehegatten aufzubringen. Hierbei ist dafiir zu sorgen, daß daS mobile Vermögen ebensowenig die Steuer hinter- ziehen kann, wie das vor aller Augen liegende immobile Lee- mögen. Außerdem müssen Kanielen geschaffen werdcu. daß daS Reich nicht ohne Zustimmung der hauptsächlichen Einzelstaaic» und der Vertretung derselben die Erbschaftssteuer willkürlich erhöhen kann... Weiber wendet sich die Resolution gegen Angriffe in die Finanz- Hoheit der Einzelstaaten und gegen die Veredelung der Matrikular- beittäge. Auch verlangt sie, daß auf allen Gebieten im Reiche Sparsamkeit geübt werde. Die Resolution wurde von der zahlreich besuchten Versammlung fast einstimmig angenommen Auch viele Mitglieder deS Bundes der Landwirte stimmten für sie. Wie der„Berk. Lokalanz." zu berichten weiß, soll diese Stellung- nähme der sächsischen Konservativen in den Dresdener volittschen Kreisen, insbesondere aber bei der Regierung, das größte Aufsehen erregt haben. Man spräche dort bereits von einer Sprengung desBündesderLandwirte. Aufruf der Unentwegten. Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte ist durch die Stellungnahme konservativer Vereine für die Nachlaßsteuer, besonders des Vorstandes des konservativen Landesvereins für das Königreich Sachsen, in einen Zustand nervöser Aufregung geraten. Um dem Abfall der Agrarier zu steuern, greift er zum Erlaß eines neuen Aufrufes an seine Gefolgschaft, in dem er ausführt, daß er an feinem Widerstande gegen die Nachlaßsteuer festhält, da er seine Ansichten nicht mit gleicher Geschlvindigkeit zu wechseln vermöchte, wie der Reichskanzler und die verbündeten Re- gieru ngen. „Wir aber', heißt eS in dem phrasenhaften Erlaß,„wollen fe st halten an unserer wohlerwogenen Ueberzeugung, wir wollen dessen eingedenk bleiben, daß der Landmann berufen ist, seines Vaterlandes ruhige, feste Stütze zu sein. Man hält es von der anderen Seite mit bestehender Verantwortung für vereinbar, die verschiedenen Stände des Mittel st an des, einschließlich der Beamten, miteinander zu ver» feinden unter Nichtbeachtung der ernsten Tatsache, daß das Vaterland dereinst auf einen einigen Mittelstand sich allein zu verlassen haben wird. Deshalb widersetzen wir uns einer mittelstandsfeindlichen Gesetz« gebung— das ist die Nachlaßsteuer— und deshalb warnen wir vor dem gefährlichen Unternehmen, Uuftieden im Mittelstande zu säen, um einen Augenblickserfolg ju erreichen. Man würde nur allzubald es bereuen, zu so bedenklichen Mitteln gegriffen zu haben, welche am letzten Ende nur den Umsturzparteien zugute kommen würden.' Der Auftuf zeigt lediglich, wie schwach allmählich die Position der Wortführer des Bundes der Landwirte geworden ist. Eine Absage an die Konservativen erließen gestern auch die Berliner Beamten. Eine Versamm- lung der Vorstände der Beamtenverbände Groß-BerlinS, die zu gestern abend in die Germaniasäle einberufen war, befaßte sich mit der Finanzreform. Alle Redner verurteilten mit scharfen Worten die Agitation der Konservativen gegen die N a ch l a ß st e u e r. Man hätte annehmen müssen, daß die konservative Partei noch so viel Nationalgesühl besitze, um ihren Egoismus bei der Notlage des Reiches beiseite zu lassen. ES sei unerhört, daß man von dieser Seite wieder einmal verlange, daß alle not wendigen neuen Steuern von der breiten Masse des Volkes getragen werden. Die Besteuerung des Besitzes durch die Nachlaß- steuer ist eine zwingende Notwendigkeit. Die Beamten hätten bisher zur konservativen Partei gehalten. Dazu läge aber mit demselben Augenblick absolut keine Veranlassung mehr vor, wo die konservative Partei die Regierung im Stiche läßt. Nach lebhafter Debatte be> schloß die Versammlung, fich an der Kundgebung des Mittelstandes für die Finanzreform, die durch öffentliche Versammlungen am 13. April geplant ist, zu beteiligen und zum Sonntag, den 18. April, eine öffentliche Versamnilung aller Beamtenvereine Deutsch landS nach Berlin einzuberufen. Die Beamten sind an der Finanzreform um deswillen besonders lebhaft interessiert, weil von der Erlangung der Mehr- einnahmen die Gehaltsaufbesserung abhängt. Hohenchals Rücktritt. Der Rücktritt des sächsischen Staatsministers Grafen Hohenthal soll unmittelbar bevorstehen. Von einer Seite wird der Dresdener Oberbürgermeister Beutler als Nach folger genannt. Demgegenüber- behauptet die„Deutsche Tagesztg." mit Bestimmtheit, daß der jetzige sächsische Ge sandte in Berlin Graf Vitzthum v. Eckstedtan Hohenthals Stelle treten wird._ Soldatcnmisthandlungen. Wegen Mißhandlung eines Untergebenen in 41Fällen stand der Unteroffizier Emil Kujat vom Kronprinzen-Reaiment vor dem Kö'nigsberger Kriegsgericht. Sein Opfer war der Grenadier Gustav Gilke, ein schwachsinniger Mann, dessen dienstliche Leistungen äußerst mangelhafte waren, was natürlich auf Dickfelligkeit zurück- geführt wurde. Der Grenadier wurde fast täglich gemißhandelt. Faustschläge unter das Kinn und gegen die Lippen, Schläge mit dem Seitengewehr über Arme und Beine, Ohrfeigen, Zerren und Reißen an Rase und Backen und schließlich Stöße und Schütteln der Brust waren die beliebtesten„Ernlunterungsmittel'. Gilke bwtete häufig am Munde, auch spie er Blut. Seine Lippen heilten nicht, da die Wunden infolge der Mißhandlung durch den An- geklagten immer wieder aufgerissen wurden. Um weiteren Mißhandlungen zu entgehen, entfernte fich der Gequälte von seinem Truppenteil. Die Anklage nahm schützungS- weise als Mindestzahl 41 Fälle von Mißhandlungen an. Der An- klagevertreter beantragte d,e milde Strafe von vier Wochen Mrttelarrest, da der Unteroffizier den Soldaten„im Jnter- -sse seiner Ausbildung zu hart angefaßt' habe. Das Gericht schloß sich, wie gewöhnlich, dem Antrage an. vom von Die bekannte Milde der Militärgerichte. In Dresden wurde der Unteroffizier Graßmann 102. Infanterieregiment zu der sehr gelinden Strafe vierzehn Tagen Mittelarrcst verurteilt, trotzdem ihm eine ganze Reihe Mißhandlungen eines Soldaten nachgewiesen wurden. Er hatte den Mann mit dem Seitengewehr bedroht und ihn mehrfach in den Rücken gestoßen, so daß er mit dem Kopfe gegen die Wand flog und sich infolgedessen krank melden mußte. Das Gericht sah nur die Stöße in den Rücken als Miß- Handlungen an._ Vom Balkan. Die montenegrinische Frage. Cettinje, 6. April. Der italienische Gesandte über« reichte gestern ein Schreiben mit dem Vorschlag, seine Regierung mit der Beilegung der schwebenden Schwierigkeiten zu betrauen. In der Antwortnote erklärt Montenegro. Antivari werde den Charakter eines Handelshafens behalten, und Montenegro paffe fich der Entscheidung der Mächte, betreffend den Artikel 2ö des Berliner Vertrages, an. Eine Abschrift dieser Note wird heute den Vertretern der Signatarmächte überreicht werden. Mit Rückficht auf die Anpassung an die Wünsche der Mächte glaubt man hier, daß diese Angelegenheit beigelegt wird und der Pflege guter sreundnachbarlicher Beziehungen mit Oesterreich-Ungarn nichts mehr im Wege stehe. JSwolSki. Petersburg, 7. April. Die Stellung F S w o l S k i S hat sich in den letzten Tagen gebessert, so daß ein Rücktritt in den nächsten Tagen nicht zu erwarten ist. Ein politischer Mord. Konstantinopel, 7. April. Gestern nacht sind auf den Chef- r e d a k t e u r des. S e r b e st i'. Hassan Fehmi, auf der Brücke nach Stambul von einen, Mann in Offiziersuniform zwei Schüsse abgegeben worden. Fehmi starb kurze Zeit darauf, der Täter ist entkommen. Da Fehmi ein Gegner des jungtürkischen Komitees war. wird vermutet, daß es sich um einen politischen Mord handelt. Konstantinopcl, 7. April. Die Ermordung des Chefredakteurs des„Serbesti" erregt hier großes Aufsehen. Der „Serbesti' vertrat die Ideen der liberalen Vereinigung und richtete die heftigsten Angriffe gegen das j u n g t ü r k i s ch e Komitee und wiederholt auch gegen die Armee. Die öffent- liche Meinung beschuldigt das jungtürkis che Komitee der Anstiftung des Mordes, der Mörder soll ein Kavallerieoffizier sein. Der Begleiter des Ermordeten ist bei der Mordtat verwundet worden. Am Nachmittage veranstalteten über 1000 Hochschüler eine Protestkundgebung vor der Pforte und verlangten, daß der Mörder ausgeforscht und gehängt würde, was der Großwesir dann auch versprach. Die Kammer nahm nach lebhafter Debatte trotz der Opposition einiger Jungtürken einen von fünf Abgeordneten der Liberalen Ver- einigung eingebrachten Antrag an, den Großwesir wegen der Er- mordung Hassan Fehmis zu interpellieren. Ein Grenzzwischenfall. Srebrnitza(Bosnien), 7. April. Montagabend ist eine Pa- t r o u i l l e bei Bujatlovitsch Potok an der Drina vom serbischen Ufer aus von drei Reitern beschossen worden. Die Patrouille erwiderte das Feuer. Ein Pferd wurde getötet. Die Serben flüchteten. Von der Patrouille wurde niemand verletzt. Oclttzmicb. Die Polizei gegen den Antimilitarismus. Prag, 7. April. Die Jugendbünde der tschechisch- nationalsozialistischen Organisation in Prag und dem tschechischen Teile Böhmens wurden heute wegen anti- militaristischer Umtriebe aufgelöst. Heute nacht ivurden in den Wohnungen der Vereinsbeamten und in den Klubräumen Haussuchungen vorgenommen, wobei das Vereinsvermögen» Protokolle und Schriftstücke beschlagnahmt wurden. fraiihmcb. Ei« Schulstreik. Paris, 7. April. In der Ortschaft Ornh ist ein Schüler- ausstand ausgebrochen. Die Eltern und der Gemeinderat ver- anlassen die Schüler, die Gemeindeschule zu meiden. Die Schul- lehrerin wird nämlich der gewohnheitsmäßigen Trunksucht be� zichtigt. Die Lehrerin behauptet dagegen, daß politische Motive � die Vcranlassnng zu dem Vorgehen der Eltern und des Gemeinde rat» bilden. Der Präfelt ist von dieser Angelegenheit benachrichtigt worden. Italien. ES lebe der Kornzoll!! Rom, 6. April.(Eig. Ber.) Giolitti hat wieder einmal seine ganze Beredsamkeit aufgewendet, um der Kammer zu be> weisen, daß ein Kornzoll in der Höhe von 7,50 Lire pro Doppel zentner daS beste und wünschenswerteste sei, was ein Land nur haben kann. Mit einer geradezu rührenden Nichtachtung aller volkswirtschaftlichen Gesetze hat der Ministerpräsident auseinander� gesetzt, daß die heutige Verteuerung der Lebensmittel von dem Steigen der Arbeitslöhne käme. Von einer Verminderung oder Aufhebung des KornzollcS erwartet Giolitti nur eine ganz unwesentliche Verminderung der Brotpreise, gerade als ob der Arbeitslohn bei der Brotproduktion mehr ins Gewicht fiele als der Preis des KorneS. Dann hat er fich darüber verbreitet, daß die Regierung, die öO— S0 Millionen, die der Kornzoll jährlich bringt, im Fall der Abschaffung wo anders hernehmen müßte, und hat auf einmal gefunden, daß die Erschließung neuer Steuerquellen nnerträq liche Zustände schaffen würde, um schließlich zu dem Schlüsse zu kommen, daß die Kornpreise überhaupt erst durch die Agitation gegen den Zoll so sehr in die Höhe getrieben worden seien. Mit dieser von Widersprüchen strotzenden Rede war die Kammermehrheit natürlich eiiwerstanden, die ja aus Leuten besteht, die nicht viel Brot kon- sumieren. Die Tagesordnung Guicciardini, die eine zeit- weilige Herabsetzung des KornzolleS forderte, wurde mit 258 gegen 139 Stimmen zurückgewiesen. Für das Amendement des Genossen B e r t e s i, das die sofortige Abschaffung beantragte, stimmten nur die Abgeordneten der äußersten Linken. So bleibt alles beim alten und die Arbeiter bezahlen 40 bis 50 Cents für das Kilo Brot, weil Giolitti es nicht übers Herz bringen kann, durch Einführung der Progressivsteuer die großen Einkommen mehr zu belasten, um das tägliche Brot der Massen zu verbilligen. Die Brotpreise sind heute beinahe so hoch wie im Jahre 1898. wo eS zu Hungeraufständen kam. Als es im vorigen Jahre galt, den Benzinzoll herabzusetzen, war die Regierung gleich zur Hand und ber„Avanti' brachte am Tage darauf in einer Karikaturenecke ein Bild von zwei verhungerten Landarbeitern, von denen der eine zum andern sagt:»Wie schade, daß die Automobile kein Brot essen'..._ Nachklänge des Prozesses Mum-Bonmartiui. Rom, 5. April.(Eig. Ber.) Am 6. April haben Tullio Murri und Pio Naldi. die wegen Ermordung des Grafen Bon- martini zu je dreißig Jahren Zuchthaus verurteilt wurden, die erste Periode ihrer Strafe, die der siebenjährigen Einzelhaft überstanden. Mit dem heutigen Tage beginnt für sie die Zulassung zu den ge- meinsamen Arbeitsräumen. Von den übrigen Verurteilten in diesem Prozeß, der seinerzeit so allgemeines Interesse erregt hat, befindet ssch nur noch Professor Secchi im Gefängnis, der Gejiebte Linda Murris, der als Helfershelfer zu zehn Jahren verurteilt wurde. Linda Murri selbst ist bekanntlich in Freiheit gesetzt und ihr Straf- rest in sogenannte Aufenthaltsbeschränkung(Confino) verwandelt worden. Rofina Bonetti hat ihre Strafe abgebüßt. Snglancl. Die Kolonien und die Flotte. Sydney, 7. April. Der Premierminister von West-Australien teilte dem Premierminister von Neu-SüdwaleS telcgraphisch mit, daß West-Australien bereit sei, die Aufbringung der Kosten für einen Dreadnought durch Beteiligung an einer Beitrags- leistung nach Köpfen zu fördern. Die englische Flottenagitation hat übrigens eine neue Ver- stärkung erfahren durch die Meldung, daß Oesterreich drei DreadnoughtS zu bauen beabsichtige. Dadurch wird die Er- füllung der Forderung der Opposition, noch in diesem Jahre acht DreadnoughtS auf Stapel zu legen, noch wahrscheinlicher. Em der Partei. Zwei Lügen. DaS Dortmunder Zentrumsblatt„Tremonia' hat sich gegen unseren Genossen Ostkamp, den verantwortlichen Redakteur der Essener„Arbeiterzeitung', die Behauptung geleistet, O st i a m p habe in einer gegen ihn angestrengten Beleidigungsklage gesagt, er müsse Notizen, die ihm von Parteigenossen übermittelt werden, aufnehmen, weil er sonst wirtschaftliche Schädigungen zu ge- wärtigen Habel DaS ist natürlich, wie Kennern der Preßverhälttnsie nicht erst Versichert zu werden braucht, lügenhafter Blödsinn. In Wirklichkeit hat Ostkamp, um die Wahrnehmung berechtigter Interessen zu- gebilligt zu erhalten, gesagt: seine Auftraggeber müßten ihm mit Recht Mangel an Mut vorwerfen, wenn er kritikbedürftige Vorfälle, von deren Richtigkeit er sich überzeugt habe» nicht an die Oeffentlich« keit brächte. Em viel„vornehmeres' Blatt, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat einer nicht minder— vornehmen Lüge Vorschub ge- leistet, indem es sie kritiklos aus der„Köln. Ztg." übernahm, lvo den« Lüdenscheider„Generalanzeiger" nachgeplappert wurde, unsere Parteigenossen in Lüdenscheid, die sich auf die Errichtung einer eigenen Druckerei vorbereiten, hätten bürgerliche Geschäfts- leute so lange terrorisiert, bis sie aus ihnen für den ge- nannten Zweck 8099 M. herauspreßten! Dem„Generalanzeiger" hat die Lüdenscheider Preßkommission eine Berichtigung zugehen lassen, aus der sich ergibt, daß die Anregung zur Heranziehung der Geschäftsleute von eine in Geschäftsmann selber ausging: daß nirgends— weder direkt noch indirekt— mit einem Boykott gedroht, sondern daß ausdrücklich erklärt worden ist, eine Ablehnung sei mit keinerlei Folgen verknüpft; daß nicht 8999, sondern nur 159 (einhundertuildfüilfzig) Mark von Geschäftsleuten gezeichnet worden sind. Zum Schluß stellte sich noch heraus, daß allen Bemühungen zunl Trotz nicht ein einziger Geschäftsmann, der sich„terrorisiert" fühlte, hat ermittelt werden können! Ein hübsches 5ioiisortiuin: General-Anzeiger,»ationalliberale? und— Kanzlerblatt I_ Die Meister des Terrors. Von der Ortsgruppe der Reichsverbändler in Görlitz wurde deren Borsitzender beauftragt, mit den Geschäftsfirmen, die in unserem Görlitzer Parteiblatt inserieren, in Verbindung zu treten und zu ver- suchen, diese Firmen vom ferneren Inserieren abzuhalten I Dieser neue Vorstoß ist nur eine Fortsetzung des vom Ersten Staats- anwalt Hannemann in Görlitz eingeleiteten Treibens, der in einer Liebert-Versammlung die ReichSverbandSdamen ganz offen aufforderte, die Inserenten der„Görlitzer Vollszeitung" zu boykottieren. Die Terroristen hoffen, durch dieses Vorgehen die erfreuliche Entwickelung unseres Görlitzer Parteiorgans hemmen zu können, die Geschäftsleute selbst aber, die die Kundschaft der hinter der Sozial- deniokratie stehenden Massen nicht entbehren können, machen gegen die Reichsverbändler Front. So fallen die Leute in die Grube, die sie sich selbst gegraben haben. Herr Erster Staatsanwalt Hannemann aber wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, so- bald sich's mal wieder machen läßt, gegen den TerrorismnS der Sozialdemokraten zu wettern._ Warnung! Zwei Frauen brandschatzen in letzter Zeit die Partei» genossen verschiedener Orte unter Vorweisung gefälschter Partei- legitimationen. Die eine reist als Frau eines aus Oesterreich gebürtigen Genossen Josef Bergmann, die andere als Frau Erna Werner. Beide haben gefälschte Bescheinigungen mit, nach denen ihre Ehemänner wegen Landfriedensbruchs zurzeit in Oesterreich Gefängnisstrafen abbüßen. Aach unseren Erkundigungen ist dasun- wahr. Die österreichischen Genossen stellen auch niemals solche Empfehlungsschreiben für den Bettel in Deutschland aus. Das österreichische Strafgesetzbuch kennt die Bezeichnung„Landfriedens- bruch" gar nicht. Wir warnen die Organisationen vor Frauen, die diese oder ähnliche Legitimationspapiere vorweisen. polizeiliches, Ocrichtlichcs ukw* Das Bureau Herold meldet: Nordhausen. 7. April. Der Redakteur Wilhelm Apel von der sozialdemokratischen.Nordhäuser Volkszeitung" wurde heute locgen Beleidigung des Rektors Lemke zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die„Volkszeitung" hatte in einem Artikel behauptet, der Rektor hätte daS Lehrerkollegium durch den Schuldiener bespitzeln lassen. In der Verhandlung ergab sich, daß der Schuldicner diese Angaben tatsächlich denLehrern gegenüber ge- macht hat, jedoch gab er bor Gericht zu, daß er anscheinend einer ihm vom Rektor erteilten Auftrag falsch aufgefaßt habe. Soziales. Rechtswidriges Vorgehe» des Regierungspräsidenten und deS Magistrats zu Kiel gegen eine Ortskrankenkasse. Im Auftrage des Regierungspräsidenten hatte der Magistrat zu Kiel alS Aufsichtsbehörde der O r t S» krankenkasseKiel eS den Vorstandsmitgliedern untersagt, in Zukunft Reisekosten und Tagegelder für den Besuch von Versamm- lungen des Verbandes der Ortskrankenkaffen in SchleSwig-Holstein aus Kassenmitteln zu entnehmen, desgleichen Kaffenmittel zum An» kauf von Protokollen über die Generalversammlungen dieses Verbandes zu verwenden. Auf die Klage der OrtSkran kenkasfe hob der Bezirksausschuß die Verfügung auf und daS Oberverwaltungsgericht bestätigte am Mon» tag das Urteil mit folgender Begründung: DaS Oberverwaltungsgericht stehe auf dem Standpunkt, daß, wenn Auf- Wendungen, wie die hier in Frage stehenden, zu den Berwaltungs- kosten gerechnet tverden können, es gestattet sein müsse, diese Kosten aus Kassenmitteln zu decken. Grundsätzlich könne eS nicht verwehrt werden, die Berbandstage auf Kosten der Kasse wahrzunehmen. wenn die Verhandlungen Fragen der Verwaltung der Kassen be« träfen und nicht außerhalb des Rahmens der Verwaltung lägen. Das müsse von Fall zu Fall geprüft werden. ES könne ja sein, daß eS in bestimmten Fällen von vornherein ausgeschlossen sei- Dann würde ein Verbot berechtigt sein. In der Anordnung deS Magistrats sei aber ein Verbot für alle Zukunft und für alle Fälle ausgesprochen ivorden. DaS gehe unter allen Umständen zu weit und müsse aufgehoben werden._ Die plötzliche Entlassung deS langjährig Angestellte». Daß bei einem Angestellten, der seine Dienste schon viele Jahre dem Hause widmet, die Entlassungögrüude anders abgewogen werden müssen, als etwa bei einen» Neueingestellten, lehrt eure gestern gefällte Entscheidung der 2. Kainmer deS Berliner Kaufmanns- gerichtS. Der Kläger K. war fünfzehn Jahre lang beiin kgl. Hofuhrmacher Felsin g. Unter den Linden, als Fourniiurenverlvalter und Verkäufer tätig. Nach dem Tode deS „alten Felsing" wurde der junge W. Felsing Inhaber, das Personal bekam aber den noinincllen Inhaber fast nie zu sehen, betrachtete vielmehr den iin jahrzehntelangen Dienste ergrauten Pro- kuristen R. als den Borgesetzten, an den eS sich in allen geschäftlichen Angelegenheiten zu halten habe. Deshalb trat der Kläger auch an den Prokuristen mit der Bitte heran, ihn von der Stellung schon am 15. März zu entbinden, da er zu diesem Termin eine günstigere Position in Aussicht habe. Seine Bitte wurde durch einen Brief des Chefs nicht nur abschlägig beschieden, sondern es wurden ihm ailch Vor- würfe darüber geinacht, daß er sich erlaubte, sein Anliegen dem Prokuristen vorzutragen. Das fei n i ch t die geeignete S te l l e, nur der C h e f s e I b st nehine solche Anliegen entgegen und entscheide darüber. Der Kläger fügte sich und sagre dein, auf ihn reflektierenden Prinzipal ab. Am 15. Februar aber erhielt er die Kündigung znin 1. April und am 19. Februar wurde er s o- ort entlassen, weil er angeblich 2 Briefe geöffnet hätte. Die Beweisaufnahnie ergab, daß die„Briefe" Drucksachen waren. welche die Fachzeilung der Uhrmacher enthielten, und der Prokurist sagt aus, daß nach seiner Ansicht eine bös« Absicht dem Kläger ferngelegen habe, daß er vielmehr nur u i»- bedacht handelte. Die Beklagte macht noch geltend, daß K. im öchstfalle nur bis 15. März Ansprüche habe, da er ja zu diesem ermin Stellung hatte. DaS Kaufmannsgericht sprach dem Kläger daS volle Gehalt bis Ende März zu. Wenn Kläger die Briefe wirklich fleöffnet hat. was nicht erwiesen ist. fo find eS doch Briefe ve- langloser Natur. AngesichlS der langjährigen Tätig- l e i t des Klägers im Hause deS Beklagten ist es nicht als wichtiger Entlassungsgrund anzusehen. Auch der letzte Einwand deS Beklagten ist hinfällig, da Kläger nicht die Erlaubnis hatte, am 15. März auszuscheiden, die Beklagte ihn im Gegenteil bis zum 31. März behalten wollte._ Zur Rechtslage der in Kolonnen arbeitende» Bauarbeiter. Seit l'/z Jahren bemüht der Fassadenputzer Ruschniewicz, leider erfolglos, das Gewerbegericht, um seinen Lohn zu erhalten. Er war vom 25. Juli bis 24. August 1907, wie er angibt, für den Putz- meister Eckert aus dem in der Finnländischen Strohe belegenen Bau mit Auheuputzarbeitcn beschäftigt. Obwohl er im Akkordlohn stand, habe er nur die Abschlagszahlungen von 8 M. pro Tag erhalten. Kläger fordert den aus ihn entfallenden Teil des Akkordüberschusses von 163,68 M. Der Beklagte bestreitet, der Arbeitgeber des Klägers gewesen zu sein. Als solche käme die Jmmobilienhandelsbank, die den Bau aufführen lieh, in Betracht. Er habe die Ausführung der Putzarbeiten von seinem Kollegen D., dem Führer der Putzerkolonne, übernommen. Dieser war zur Ausführung der Arbeiten nicht mehr in der Lage, da er den Arbeitern die regelmäßigen Abschlags- Zahlungen nicht mehr geben konnte. Die Jmmobilienhandelsbank wollte, da der Bau inzwischen subhastiert worden ist, kein Geld mehr hergeben. Er, Beklagter, habe die Kolonne der Jnnenputzer gehabt und an diese wohl an 3000,— M. für Lohn gezahlt. Kläger habe aber bei den Außen- Putzern unter Leitung des KolonnensührerS M. gearbeitet. An diesen will der Beklagte 20C0 M., nicht 1200 M.. wie der Kläger behauptet, an Lohn gezahlt haben. Das seien insgesamt an 5000 M. Lohn, Während er von der Jmmobilienhandelsbank nur 4300 M. erhalten habe. Da habe er also schon auS eigenen Mitteln einen Teil der Löhne bestritten. So lange er von der Gesellschaft die Arbeit noch nicht voll bezahlt erhalten hat. könne er auch den Akkordüberschutz nicht auszahlen. � Der Borsitzende Magistratsrat Dr. S ch a l l h o r n hielt in der gestrigen Verhandlung dem Beklagten vor, daß er viel zu leichtsinnig auf solche Verträge eingehe und damit auch seine Kollegen schädige. Der Beklagte glaubte aber gerade in diesem Falle besonders sicher zu gehen, da er ja Bank- anweisung hatte. Dem Kläger riet das Gericht, mit seiner Forderung noch zu warten, bis der Beklagte von der Bank das Geld erhalten hat. Kläger ging aber darauf nicht ein und verlangte mit Recht Entscheidung. Nach längerer Beratung fällte das Gericht folgendes Urteil: Das Gericht hat angenommen, daß der Be- klagte, obwohl er weder ein Gewerbe angemeldet, noch Gewerbe- steuern zahlt, als Unternehmer zu betrachten sei, da er ja, wie selbst zugegeben, die üblichen Abschlagslöhne, wenn auch nur zum Teil, aus eigenen Mitteln gezahlt hat und komme somit auch als Arbeitgeber des Klägers in Frage. Da er sich aber nur zur Zahlung der üblichen Abschlagslöhne verpflichtet hat und ihm selbst die Putzarbeiten noch nicht voll bezahlt worden seien, war auch der Anspruch des Klägers zurzeit noch abzuweisen. AuS der Sitzung deS JnnungsschiedsgerichtS vom 6. April. 1. ES klagt der Glaser P. gegen den Glasermeister Srtur Keßler auf Zahlung von 6, SO M. Entschädigung. Er war unter Kündigungsausschlutz gegen einen Stundenlohn von 75 Pf. beim Beklagten beschäftigt und wurde am 24. März morgens entlassen, weil er sich am Tage zuvor während der Arbeitszeit ohne Wissen und Zustimmung des Beklagten auf kurze Zeit vom Bau entfernt hatte. Da der Kläger zuvor eine Verwarnung vom Beklagten nicht erhalten hatte, hielt das Schiedsgericht den angeführten Eni- lassungsgrund mit Recht als unzureichend. Der Beklagte wurde zur Zahlung der geforderten Entschädigung verurteilt. 2. Der Schlächtergeselle Kl. war gegen einen Wochen- lohn von 20 M. bei Kost und Logis in der Wurstsabrik von Schöning beschäftigt. Es war Kündigungsausschluh vereinbart, doch sollte die Lösung des Arbeitsverhältnisses nur des Montags bis 2 Uhr mittags erfolgen. Kl. wurde aber schon nach noch nicht einmal dreitägiger Beschäftigung am 24. März wieder entlassen, Iveil er die Arbeit nicht verstanden habe. Er klagt deshalb aus Zahlung des rückständigen Lohnes und einer Entschädigung für 5% Tage von insgesamt 34,50 M. Das Schiedsgericht konnte sich nicht davon überzeugen, daß der Kläger gegen alle Regeln des Handwerks gearbeitet habe; ein Malheur könne jedem Arbeiter bei seiner Arbeit passieren. Der Beklagte wurde zur Zahlung von 3 2,55 M. verurteilt. 3. Der Schuhmacher St. fordert vom Schuhmachermeister Majewicz eine 14tägige Lohnentschädigung, weil er am 20. März ohne vorherige Kündigung entlassen worden ist, obwohl über Kün- digung bei Antritt des Arbeitsverhältnisies nichts vereinbart worden war. Beklagter gibt das zu, macht aber als Entlasiungs- gründe geltend, daß ihn der Kläger gegen die anderen Gesellen und die Gesellen gegen ihn aufgehetzt habe. Auch sei bei ihm. dem Beklagten. in der letzten Woche ein Einbruch verübt worden, wobei ihm für etwa 1000 M. Waren entlvendet worden sind. Dadurch machten sich viele Gänge nötig, von denen auch der Kläger einige gehen sollte. Statt dessen habe er sich aber sinnlos betrunken und so in seiner Trunkenheit die Diebe gewarnt. Außerdem hatte sich der Kläger ein paar Sohlen rechtswidrig angeeignet. Das Schiedsgericht hielt nur den zuletzt angeführten Grund sür hinreichend, die sofortige Entlassung zu rechtfertigen. Da aber der Beklagte hierfür beweispflichtig blieb, wurde Beklagter zur Zahlung der geforderten Entschädigung der- urteilt.__________ 6ewerkrcbaftUcbc9s Fünf Jahre Chemigraphentarif. DaS Tarifamt der Chemigraphen und Kupferdrucker berichtet jetzt über das abgelaufene Gctchäftsjahr 1903 und damit zugleich über den Ablauf der ersten fünf Jahre Tarifgemeinschaft im chemi- graphischen Gewerbe. Da der Chemigraphentarif besonders wegen der Bestimmung, daß organisierte Gehilfen nur bei organisierten Prinzipalen arbeiten und ebenso tariftreue Firmen nur organi- jierte Gehilfen in Arbeit nehmen dürfen, und deS weiteren tvegen der im Tarif enthaltenen Prciskonvention immer Gegenstand des öffentlichen Interesses geblieben ist, lohnt es sich, die Resultate der ein halbes Jahrzehnt umfassenden Tarifperiode etwas näher zu betrachten. Das chemigraphische Gewerbe ist ein durchaus modernes Ge» werbe, das seine Entwickelungsmöglichkeiten in dem riesigen Aus- bau der photographischen Technik auf der einen Seite, dem gewaltig gestiegenen Bedürfnis nach Bildreproduktionen zu allen Gebieten des öffentlichen Lebens auf der anderen Seite gefunden hat. 1903, dem ersten Tarifjahre, bestanden in Deutschland 75 Firmen, die 1006 Gehilsen beschäftigten, jetzt betragen die korrespondierenden Zahlen 142 und 2239. In demselben Umfange sind natürlich auch die am Tarifvertrage beteiligten Verbände erstarkt. In der Ge- Hilfenorganisation sind rund 96 Proz. aller in Frage kommenden Ge- Hilfen organisiert. Die Chemigraphie ist heute auf vielen Gebieten zur Konkurrentin der Litho- und Xhlographie geworden. Dieser Eigentümlichkeit folgend, ist die Verschiebung der in den genannten Berufen tätigen Arbeiter zur Chemigraphie außerordentlich stark ausgeprägt. Nahezu ein Viertel aller Chemigraphen sind früher Lithographen gewesen, rund 6 Proz. waren früher Xylographen. Im vergangenen Jahre wurde der Tarif erneuert, er brachte eine Anzahl Verbesserungen für die Gehilfen. Eigentümlicherweise war es ein Teil der Unternehmer, der keine Erneuerung des Ta? rifeS wollte. Die Gehilfenschaft nahm, wie der Bericht deS Tarif- amieS sagt, dagegen in der schärfsten Form Stellung, was denn auch von Erfolg begleitet war, die oppositionelle Richtung der Prin- zipale erklärte ausdrücklich ihre Zustimmung zum neuen Tarif. Reben einer Erhöhung des Lohnminimums, Erhöhung der Ueber- stundenentschädigungett und einiger anderer, weniger wichtiger Aenderungen, ist es besonders die Schaffung einer Fachschule und die Einsetzung einer Prüfungskommission, die das erste Jahr der neuen Tarifperiode reich an Arbeit gemacht hat. Der vorliegende Bericht teilt mit, daß die Organisationen der Prinzipale und der Gehilfen vereinbart hatten, um den Mangel an tüchtigen techni- sehen Retuscheuren zu beseitigen, eigene Fachschulen zu errichten, in denen den Gchilfenmitgliedern der Tarrfgemeinschaft Gelegen- bcit geboten werde» sollte, sich auf Kosten der beiden Organisationen die Fähigkeiten eines technischen Retuscheurs erwerben zu können. Es sind dann zwei Schulen eingerichtet worden, die im großen und ganzen gute Erfolge zeitigten. Als neues tarifliches Organ wurde die Einsetzung einer Prüfungskommission beschlossen. Sie hat die Pflicht, Beschwerden wegen Unterbietung der Preiskonvention zu untersuchen. Die Bedingungen der letzteren waren den Gehilfen- Vertretern schon früher zur Kenntnis gebracht, und von ihnen als aewerbeüblich anertannt worden, aber die Gehilfenvertreter wollten bei Vergehen gegen die Preiskonvention gehört werden und mit beratender und beschließender Stimme an den Beschlußfassungen teilnehmen. Diesem Gehilfenantrage wurde dann Rechnung ge- tragen.— Was den viel umstrittenen Organisationsvertrag anbe- langt, so haben wir hier und in anderen Fällen nie einen Zweifel daran gelassen, daß es unserer Meinung nach nicht Aufgabe der Gehilfenschaft sein kann, durch Verweigerung der Arbeit bei un° organisierten, aber im übrigen tariftreuen Arbeitgebern das Unter- nehmertum organisieren zu helfen. Lerlln und Umgegend* Achtung, Bauanschläger! Bei folgenden Firmen haben die Kollegen die Arbeit nieder- gelegt: Polzin, Bau Reimbah» Grunewald; Millenet, Plan-Ufer 5; Glau, Lichtenberg, Siegfriedstr. 2; Püschel, Berlin, Waldemarstraße 14; Bau Charlottenburg. Schlüter, Ecke Lietzenburger Straße; Meyer, Torfstr. 13; Bau Drontheüner Straße 26; Uckermünder Straße; TeSke, Adaibertstr. 8; Hahn und Gernegroß. Graunstr. 14; Bau Charlottenburg. Helmholtz Straße, Ecke Salzufer; Heinrichs, Tempelhos, Ringbahnstr. 42; Bau: Bibliothek, Dorothcen Straße; Noster, Schönleinstr. 15; Nicolasfee, Eimlersiraße, und Wienicke, Markgrafenstr. 91. Diese Firmen resp. deren Bauten sind für Bauanschläger gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Berein der Bauanschläger zu Berlin. Die Bewegung der Bauklempner. Die ausgesperrten und ausständigen Banklempner versammelten sich am Miitwochmorgen im Gewerkschaftshause. Cohen berichtete, daß, die Arbeitgeber in ihrer letzten Versammlung am letzten Sonn- tag beschlossen hätten, an ihrer Taktik der Aussperrung vorläufig festzuhaiten. Vom Verband der Baugeschäfte wurde den Klempner- meistern Hilfe und Entgegenkommen zugesichert. Der Streik. leitung kommen trotzdem immer wieder Nachrichten zu, daß die Meister auf allerlei Umwegen ihre eigenen Beschlüsse ungültig zu machen suchen. Eine Firma, die im Vorstand der Innung sitzt. sucht ihre Arbeiten dadurch fertigzustellen, daß sie mit ihrem Auf- traggeber sich auseinandersetzt und den Auftrag an eine nicht- gesperrte Firma weitergibt. Die Arbeiter können sich darauf nicht einlassen und müssen dergleichen Aufträge als Streikarbeit be- trachten. Es sind gerade die größeren Firmen, von denen man hört, daß sie die Beschlüsse ihrer eigenen Organisation als nicht bindend für sich selbst ansehen. Die Vertrauensmänner haben von manchen eigenartigen Manipulationen berichtet.— Die Streikposten wurden in der Versammlung ermahnt, ihre Aufgaben recht gewissenhaft zu erfüllen, da eine genaue Kontrolle äußerst not- wendig ist. Es handelt sich gegenwärtig um 99 Firmen mit 502 Beschäftigten und 311 Bauten. In der„Volkszeitung" werden Bauklempner zu 75 Pf. Stunden- lohn verlangt. Organisierte Arbeiter dürfen sich daraus nicht ein- lassen, denn es sind gesperrte Firmen, die die Anzeigen er- lassen haben. Ebenso sei vor dem Arbeitsnachweis in der Dresdener Straße gewarnt. Dort wurden Klempner auf Weihblech gesucht, später aler wollte man ihnen Bauarbeiten übertragen. Jeder im Kampfe stehende Arbeiter sollte auch nicht versäumen, sich seine Mitgliedschaft in der Ortskrankenkasse zu erhalten. Der Bnchbindertarif und die Arbeiten für den Magistrat der Stadt Berlin. Obwohl in den Berliner Buchbindereien im großen und ganzen nicht viel Klagen über die Einhaltung der tariflichen Stundenlöhne bei der Organisation, dem Deutschen Buchbinderverband, einlaufen, so gibt es doch noch einige Firmen, welche wie ein Veilchen im Verborgenen ein beschauliches Dasein führen und sich nicht dazu verstehen können, die im Gewerbe üblichen Löhne zu zahlen. Zu diesen wenigen Firmen gehört auch der Hofbuchbindermeister Paul Richter, Reanderstr. 14, welcher für den Stadtmagistrat Berlin und das Polizeipräsidium arbeitet. Der Minimallohn, welcher nur 52 Pf. pro Stunde beträgt, wird von dem Herrn Obermeister der Innung in keinem Fall bezahlt, dagegen Stundenlöhne von 51 Pf. bis herab zu 45 Pf. Den Höchstlohn von 51 Pf. erhält nur ein Buchbinder. Um diesen Höchstlohn zu erreichen, ist anscheinend eine 25 jährige Tätigkeit im Betriebe des Herrn HosbuchbindermeistcrS notwendig. Die Leute, die das beneidenswerte Glück nicht erreicht haben, ein Vierteljahrhundert in diesem Betriebe beschäftigt zu sein, erhalten nur 49 Pf. pro Stunde. Anläßlich einer im Auftrage des gesamten Personals durch die Organisationsleitung einberufenen Verhandlung erklärte der Herr Obermeister, einen höheren Lohn nicht zahlen zu können, da er von den Behörden, für welche er arbeitet, keine ausreichende Bezahlung erhalte. Die Preistabelle de? Berliner Stadtmagistrats, welche den verhandelnden Personen vorgelegt wurde, läßt dieses auch glaubhaft erscheinen. Höchst verwunderlich ist es aber, daß Buchbindereien, welche ebenfalls für den Magistrat der Stadt Berlin arbeiten, ihrem Personal nicht nur den Mindestlohn, sondern dar- über hinaus zahlen. Sache der sozialdemokratischen Stadtverord- neten wird es sein, die Angelegenheit einer Untersuchung zu unter- ziehen und dafür Sorge zu tragen, daß bei städtischen Arbeiten auch die tarifmäßigen Löhne gezahlt werden. Herr Richter war übrigens bei der Verhandlung darüber äußerst ungehalten, daß sein Personal sich nicht direkt an ihn wandte, so daß die Verbandsleitung ihn nach längerer Auseinander- setzung ersuchte, keinerlei Maßregeln über das Personal zu der- hängen. Dieses wurde auch versprochen. Am Freitag, den 2. April, aber wurde der Vertrauensmann entlassen mit der Begründung: Er habe zu scharf agitiert und veranlaßt, daß zwischen dem Chef und seinem Personal fremde Personen getreten seien. Das mußte gerochen werden!_ Oeutlehee Reich. Zum Streik der Glasschleifer in Langewiesen. Von dort wird berichtet: Unglaubliche Maßnahmen erlaubt sich unsere Polizei, die angeblichen Streikbrecher zu schützen. Ein Streikposten wurde auf drei dem Zuge entstiegene Leute aufmerk- sam, hielt sie an und erkundigte sich nach ihrem Beruf. Als sie sich als Glasschleifer bezeichneten, wurden sie vom Posten gebeten. ihm zu folgen, damit sie über die hier herrschenden Verhältnisse aufgeklärt werden könnten. Aber das„Auge des Gesetzes" wacht und in der Person eines Polizeibeamten naht das Verhängnis. Dieser trat energisch hinzu, um ja die Leute den Unternehmern zuführen zu können; sie sollten natürlich von diesen liebevoll emp- , fangen werden, denn sie waren die ersten eingetroffenen„Arbeits- willigen". Ja er ging sogar soweit, daß er dem Bahnhofsvorsteher Vorgriff und den Streikposten vom Bahnhofsplatz zu verweisen suchte. Bei dieser Anordnung kam er jedoch an den Unrechten, der Streikposten machte ihn darauf aufmerksam, daß er ihm hier gar nichts zu befehlen habe. Die drei Glasschleifer wollten ihre Langenwiesener Kollegen einfach besuchen.— Ueberall, so auch hier, leistet die Polizei dem Unternehmertum Handlanger- diensie. Geheimnisse des Wurstkessels. Die München er Fleischergehilfen führen seit zwei Monaten. wie im„Vorwärts" schon wiederholt berichtet, einen erbitterten Kampf um geregelte Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Schweine- schlächter-Jnnung lehnte es mit aller Entschiedenheit ab, mit der Organisation in Tarifverhandlungen einzutreten und verbot auch ihren Mitgliedern bei Vermeidung einer Konventionalstrafe von 100 M. einzeln mit der Organisation zu verhandeln. Gegen diesen Beschlutz wurde, weil ungesetzlich, von der Streikleitung Beschwerde beim Magistrat und der Regierung von Oberbayern eingelegt. Die Aufsichtsbehörde hat denn auch den ungesetzlichen Beschluß außer Wirksamkeit gesetzt, aber die Jnnungsterroristen haben trotzdem ihrem früheren ungesetzlichen Beschluß einen neuen hinzugefügt, indem sie über den Entscheid der Regierung der» handelten, ohne den Gesellenausschutz hinzuzuziehen. In dieser Versammlung wurde jedem einzelnen das Versprechen abgenommen, unter leinen Umständen sich in Verhandlungen mit der Organisation einzulassen. Druck erzeugt Gegendruck. Nun machte der Vorsitzende der Organisation He n s e l- Berlin in einer Versammlung Andeutungen über Geheimnisse deS Wurstkessels. Diese drei Worte brachten die Jnnungsgötter in Rage.� Sie hatten schleunigst wieder eine Versammlung hinter verschlossenen Türen einberufen, wobei jeder einzelne Meister auf„Ehrenwort" versicherte, daß er nichts zu fürchten habe, daß es sauber und reinlich in der Wurstfabrikation zugehe. In einer langen Erklärung in der bürgerlichen Presse wurden die An- deutungen H e n s e l s als Lüge und Verleumdung dezeichnet und ihm eine Klage wegen verleumderischer Beleidigung in Aussicht gestellt. Da drei Wochen ins Land gingen, ohne daß die Jnnungs- götter die angedrohten Schritte gegen H e n s e l unternommen hatten, hat die Organisation eine von 3000 Personen besuchte Volks. Versammlung einberufen, wo der Referent H e n s e l° Berlin die Geheimnisse der Wurstfabrikation preisgab. Das Münchener Bier genießt in bezug auf seine Güte einen Weltruf; das gleiche dürfte auch für die Münchener Wurst gelten, aber im entgegen- gesetzten Sinne. Von dem zahlreichen Material machte der Referent vorläufig nur in acht Fallen Gebrauch. In allen diesen Geschäften werden die Geschlechtsteile und Augen der Tiere mit verarbeitet; in drei Geschäften werden die W a m p e n samt dem Inhalt verlocht, im gleichen Wasser die Würste gesotten; bei einem anderen Schweineschlächter werden außer den Geschlechtsteilen auch Stierhoden und SchweinSnabel verwurstelt, in zwei Wochen wurden bei diesem nicht weniger als zwei Zentner Kartoffelmehl den Wurstwaren bei- gemengt; wieder ein anderer ließ außer den Geschlechtsteilen, Augen auch stinkige Schinken mitverarbeiten: ein anderer Meister ließ einen venerischen Eber verarbeiten, After und Darm- zipfel der Tiere verwursteln; in einem weiteren Falle wurde ein von Würmern durchsetzter Nieren st ock zur Wurst verwendet und das Brat aus den schmierigen Wurstkesseln heraus- gekratzt und wieder verwendet. In einem anderen Geschäft« hat der Sprößling des Meisters die Gewohnheit ins Wurstbrat zu spucken: auf Vorhalt der Gehilfen erwiderte er: Da wird die Wurst doch saftiger! Der gleiche Schweinepricster goß das in seine H o l z s ch u h e gelaufene Wasser ins Brat und bemerkte dabei: Wasser ist Geld! Die Versammelten nahmen die Mitteilungen mit Abscheu und Entrüstung auf. Der Boykott wird nunmehr mit aller Schärfe durchgeführt werden; nach diesen Mitteilungen dürfte auch der ver- bohrteste Spießer auf den Genuß von Münchencr Wurstwaren ver- zichten, obgleich die„Allgem. Hcmdwerlerzeitung" die Geschäfts- leute aufforderte, ihre Bedürfnisse aus den boykottierten Geschäften zu beziehen. Bmland. Abwehrstreik. Die Prager Eisenindustriegesellschaft hat die Löhne auf den Kladnoer Kohlenschächten herabgesetzt, weshalb ein Teil der Be- legschaft in den Ausstand getreten ist. Lohnbewegung im Schneidergewerbe Schwedens. In Stockholm und verschiedenen anderen Städten Schwedens befinden sich die Schneider, Konfeltionsarbeiter und-Arbeiterinnen in der Lohnbewegung und teilweise ist es schon zum Streik oder zur Aussperrung gekommen. In Stockholm, wo der alte Tarif- vertrag am 1. April abgelaufen ist, wird noch immer zwischen den Organisationen der Arbeiter und der Arbeitgeber verhandelt und es ist noch nicht vorauszusehen, ob auf friedlichem Wege eine Einigung erzielt werden kann. Eine große Herren- und Knaben. konfektionsfirma,„Aktiebolaget Herr- och Goßkläderfabriken" zu Stockholm, hat am Montag ihre sämtlichen Arbeiter und Arbette» rinnen ausgesperrt. Diese Firma gehört jedoch nicht der Unter- nehmerorganisation an. Letzte JVaebnebten und Depefcben Ein politischer Mord. K-nstantinopel. 7. April.(W. T. B.) Am späten Abend kur- sieren hier Gerüchte, der Präsident der Kammer habe wegen der letzten Vorfälle sein Amt niedergelegt. Die Anhänger des er« mordeten Chefredakteurs des„Serbesti", Hassan Fehmi, ver- dächtigen de» Präsidenten der Mitwisserschaft. Während der De- monstration vor dem Parlament wurden zahlreiche Schmährufe auf den Präsidenten laut. Die Leiche des Ermordeten wurde in der Redaktion des„Serbesti" aufgebahrt.(Siehe auch unter„Vom Balkan".) Gesunkener Torpedobootszerstörer. Sherrneß, 7. April.(W. T. B.) Der Torpedobootszerstörer „ 3 lackwate r" ist in der letzten Nacht aus der Höhe von Dungeneß mit einem Dampfer zusammengestoßen und gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet. Die Unruhen in Persicn. London, 7. April.(W. T. B.) Nach einer Meldung auS TäbriS wurde die Stadt am Sonntag von der schweren Artillerie Ain ed DaulehS drei Stunden lang beschossen ohne daß ernsthafter Schaden angerichtet wurde.— AuS Urmia wird gemeldet daß die Naliona» listen sich des Arsenals bemächtigten und sieben Kanonen erbeutete». Unwetter. Konstantinopel, 7. April.(B. H.) Seit mehreren Tagen wütet im Schwarzen Meer ein heftiger Sturm. Zahlreiche türkische Segelschiffe sind untergegangen, viele Personen sind ertrunken. Vcrantw. Redakteur: Hin» Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.UntcrhaltungSbl. Nr. 83. 26. Iahrgim; $53951 1. MM des Jütmitls" Kerlim WsdIM. Donnerstag, 8. ZpriUW. Die ßeicl)$vcrn(i)erung$ordnung. Sei der Unfallversicherung sieht die ReichZversicherunflSordnmig eine Aenderung der Organisation nicht vor. In den§§ 632— 1283 werden nur die Gewerbe- und Bauunfallversicherungsgesetze zusammengezogen, die land- und forst- wirtschaftliche Unfallversicherung sowie die Secunfallversicherung werden entsprechend der heutigen Organisation gesondert behandelt. Eine Ausdehnung der Versicherungspflicht findet nach zwei Richtungen statt.§ 1 Absatz 1 Nr. 7 des Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes erklärt Lagerungsbel riebe für ver- sicherungspflichtig. wenn sie mit einem Handelsgewerbe verbunden sind, dessen Inhaber im Handelsregister eingetragen steht. Da die vielfach mit großem Lager versehenen Betriebe von Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften nicht iin Handels- sondern in dem besondern Genossenschaftsregister eingetragen sind, fallen diese Betriebe heute nicht unter die Unfallversicherung. Ferner hat der Begriff des Lagerungsbetricbes und der Abgrenzung der versicherten von der unversicherten Tätigkeit in demselben Handels- gewerbe große praktische Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten nach sich gezogen. Der Entwurf läßt das Erfordernis deZ Handelsgewerbes und die Fonnvorschrift der Eintragung ift das Handelsregister fallen und setzt an Stelle des Be- griffS Lagerungsbetrieb den Betrieb, der der Behandlung und Hand- habung der Ware dient. Dadurch werden nicht nur die eigentlichen Lagerungsarbeiten, sondern auch ähttliche Arbeiten in kauftnännischen Unternehmen der Belsicherung unterstellt. Die Borschrisi, die an Stelle der heutigen Nummer 7 des§ 1 des Absatz 1 treten soll, lautet:„Der Versicherung unterliegen Betriebe, die der Behandlung und Handhabung der Ware oder Beförderung von Personen oder Gütern dienen, falls sie mit einem kaufmännischen Unternehmen verbunden sind, das über den Umfang des Kleinbetriebes hinaus- geht, sowie unter der gleichen Voraussetzung HolzfällungSbetricbe. Das Reichsversicherungsamt bestimmt, welche kaufinännische Unter- nehmen als Kleinbetriebe der Unfallversicherung nicht unterliegen." Ferner unterwirft die Reichsversicherungsordnung neu der Ver- sichcrung.das Halten von Reittieren und von solchen Fahrzeugen, welche durch elementare oder tierische Kraft bewegt werden." Für die Versicherung der Tätigkeiten bei nicht gewerbsmäßigem Halten von Reittieren und Fahrzeugen sollen bei der Fuhrwerks- und den Binnenschiffahrts- Berufsgenosienschaften eigene Zwangsversichcrungsanstalten gebildet werden, in denen die Halter der Reittiere und Fahrzeuge die Beiträge nach dem Prämienverfahren aufzubringen haben. Der sogenannte Unfallzuschusi, der vom Beginn der fiinften bis zur dreizehnten Woche nach dem Unfall heute vom Unternehmer zu zahlen ist und der in der Differenz besteht, die zwischen dem Krankengeld und zwei Dritteln des maßgebenden Grundbetrages liegt, soll künftighin von der Be russgenossenschaft getragen werden, wenn der Verletzte eine Ent schädigung über die dreizehnte Woche hinaus zu verlangen hat. Die auf das Heilverfahren beschränkte Fürsorge der Ge- m e i n d e. die zurzeit bei der Bauunfallvcrsicherung und der land wirtschaftlichen Versicherung für die ersten 13 Wochen event. eintritt, soll auf die Berufsgenossenschaft übernommen werden. Jedoch sollen die ländlichen Arbeiter einen Unfallzuschuß nicht erhalten. Die Aufbürdung der Fürsorge für Unfallverletzte während der ersten 13 Wochen an die Krankenkasse ist ebenso geblieben wie bisher. Eine ganz erhebliche Verschlechterung soll in mehreren Fällen rücksichtlich der Höhe der Unfallrenten eintreten. ES soll nämlich bei Renten bis 20 Prozent die Rente für eine im voraus bestimmte Zeit gewährt werden können. Wird von dieser Befugnis Gebrauch gemacht, so stehen dem Unfall- verletzten Rechtsmittel gegen die zeitliche Beschränkung nicht zu. Durch diese neue Maßnahme wird der Rentenguetscherei noch mehr wie bislang Vorschub geleistet und eine Erlediguitg des Rechts- anspruchs deS Unfallverletzten unter Umstände» außerordent- lich verzögert. Zwei weitere Beschränkungen des Rechts der Verletzten bestehen in folgendem: Heute kann der Unfallverletzte wie jeder andere, der auf einen Schadenersatzanspruch ein Recht hat, die Rente verlange», auch wenn er trotz der verminderten Erwerbsunfähigkeit tatsächlich dauernd oder vorübergehend ebenso viel wie vorher ver- dient. Der Entwurf verlangt, es solle das Recht auf Bezug der Rente ruhen,„so lange und so weit das Entgelt, das der Verletzte erhält, zusammen nnt der Rente den Betrag übersteigt, den er ohne den Unfalls bezogen haben würde". Wird schon hierdurch der auf dem Schlachtfelde der Arbeit Verletzte außer- ordentlich viel schlechter gestellt als jeder andere Bürger, dem ein Schadenersatzanspruch zusteht, und als der Arbeiter zur Zeit des Haftpflichtgesetzes, so schlägt der Entwurf noch ferner eine Be- stinlmung vor. die einen arbcitshausähnlichcn Zwang zur Be- schäktigung dem Verletzten anferlegt. Es soll nämlich nach§ 701 Ziffer 3 das Recht auf Bezug der Rente ruhen,„solange der Verletzte von einer angemessenen Arbeitsgelegenheit, die ihin die Berufsgenossenschaft geboten hat, ohne triftigen Grund keinen Gebrauch macht. Dies gilt jedoch nur, soweit das Entgelt, das er bei Benutzung jener Arbeitsgelegenheit bezogen haben würde, zusammen mit der Rente den Betrag übersteigt, den er ohne den Unfall bezogen hätte." Man sieht aus diesen Be- stimmungen. daß die Tendenz der Reichsversicherungsordnung keines- wegs auf eine Besserstellung des verletzten Arbeiters, sondern auf eine weitere Entlastung der Berufsgenossenschaften gerichtet ist. wiewohl schon heute die außerordemliche Niedrigkeit der Renten und die außerordentliche Schwierigkeit des Rechtsweges dringend nach endlicher Beseitigung der ausnahmerechtlichen Stellung des durch Verschulden oder ohne Verschulden des Betriebsunternehmers im Betriebe verunglückten Arbeiters geradezu schreien. Eine Absindung sieht die heutige Gesetzgebung bei Renten bis IS Proz. vor. Sie soll künftig bei solchen bis 20 Proz. zulässig sein. In den Bestimmungen über die Bildung des Reservefonds ist insoweit eine Erleichterung der Berufsgenossenschaften borge- schlagen, als die zur Bildung der Rücklagen erforderlichen Zuschläge mehr als bisher in das Ermessen der Berufsgenossenschaft gestellt sind. Sehr erheblich ist diese Aenderung nicht. Die Vorschriften über die Auszahlung der Entschädigung durch die Post sind die- selben wie die bestehenden geblieben. Die Post hat oie Entschädi- gungen vorschußweise zu verlegen. Binnen acht Wochen nach Jahresschluß wird dann den Berufsgenossenschaften mitgeteilt, wie- viel sie dem Reich zu erstatten haben. Die Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften soll im vollsten Umfange gewahrt bleiben. Do« Verfahren für die Kranken.» Invaliden-, Hinterbliebenen- und Unfallversiche- rungcn soll durch die Reichsversicherungsordnung noch mehr von Nechtsgaranticn zu Ungunsten des rechtsuchenden Arbeiters befreit werden. Die Begründung des neuen Entwurfs verheißt einen ein- fachen und übersichtlich gestalteten Jnstanzenzug. Der Entwurf hält dieses Versprechen aber keineswegs. Es ist ein Durchcin- ander von Verwaltung und Rechtsprechung in den einzelnen In- stanzen. Das Verfahren vor dem Reichsversiche» rungsamt ist insbesondere in Unfallsachen er- heblich verschlechtert. Als Jnstanzenzug schlägt der Entwurf folgendes rar: Versicherungsamt, Oberver- sicherungsamt und Reichsversicherungsamt oder Landesversichc- rungsamt. Die VcrsichernngZämtcr sollen in der Regel für den Bezirk der unteren Verwaltungs- behörde errichtet werden. Die Errichtung findet durch oie Landes- Zentralbehörde statt. Den Berufsgenossenschaften und Versiche- rungsanstalten, nicht aber den Krankenkassen, soll das Recht zustehen, vor Einführung wichtiger organisatorischer Maß- nahmen, z. B. über die zweckmäßige Abgrenzung der Bezirke, über den Sitz des Versicherungsamtes und über spätere Aenderungen des Bezirks oder des Sitzes, gehört zu werden. Ebenso sollen sie vor Oer Bestellung des Vorsitzenden des Versicherungsamtcs und vor der Festsetzung der Zahl der Versicherungsvertreter gehört werden. Die Vcrsicherungsämtcr können entweder als selbständige Behörden errichtet, oder an vorhandene staatliche oder Kommunal- behörden schlössen, weil die Zuckerfabrikanten die Organisation nicht an- erkennen und die geforderten Preiserhöhungen nicht bewilligen. )Zus der frauenbewegung. Höhere und niedere Spannung. Einer von denen, die glauben, in weithin leuchtender Weisheit den Weg zur Lösung der Frauenfrage gefunden zu haben, ist Herr Ernst Hahn, kaiserlicher Bankvorstand a. D. Herr Hahn ereifert sich, den Frauen eine ihnen eigene niedere Spannung in der Leistungsfähigkeit klarzumachen und betitelt demnach seine Schrift: „Der physiologische Weg zur Lösung der Frauenfrage." Aus einer BcrufSaufstellung sucht er nachzuweisen, datz in der Auswahl der Berufe und bei dem Anteil der Frauen in den ver- schiedenen Erwerbszweigen die niedere oder höhere Spannung in der Leistungsfähigkeit ausschlaggebend sei. Die äußeren tatsäch- lichen Gründe schiebt er einfach beiseite und gelangt so zu ganz verkehrten Schlugfolgerungen. Es ist kaum glaublich, was sich Herr Hahn dabei für Spähe leistet! So z. B. zählt er auch einige höhere Berufe auf, in dcnne(wegen der niederen Spannung der Frauenleiswng!) nur Männer beschäftigt sind, als:„Richter, An- wälte, Geistliche, hohe Beamte, Dozenten usw." Es scheint Herrn Hahn ganz unbekannt zu sein, datz in Deutschland die Frauen jetzt erst anfangen— dürfen, in einzelne der aufgezählten Berufe ein- zudringen. Kürzlich ist z. B. in Hamburg der erste weibliche An- walt beim Jugendgericht zugelassen. Di« den Frauen offen stehen- den Stellen sind alle besetzt. Nach der Logik des Herrn Hahn zeugt das von einer enormen Spannung bei den Frauen. Glaubt Herr Hahn, an deutscher Rückständigkeit gemessen, so große Menschheits- Probleme, als das vorliegende, lösen zu können?— Wir möchten ihm empfehlen, vorerst auch die Berufsstatistik anderer Länder zu studieren,— z. B. Frankreich, England. Schweden und vor allem Amerika. Vielleicht ist eS ihm noch ein Buch mit sieben Siegeln. datz in Amerika die Frauen in fast allen Berufen tätig sind, auch als Anwälte, Richter, Geistliche, Dozenten, Beamte in höheren und niederen Stellungen usw. Außer Militär und Marine und als Arbeiter für Telephon- und Telegraphenanlagen steht den Frauen dort jeglicher Beruf zur Ausübung offen. Aber auch wenn wir mit Herrn Hahn bei Deutschland bleiben, können wir ihm genügend Beweismaterial bringen für das immer stärkers Eindringen der Frauen in Berufe, die eine höhere Spannung der Leistungsfähigkeit erfordern. So z. B. belehrt ihn die Statistik, datz in der Industrie, einschließlich Bergbau und Baugewerbe, im Jahre 1882 1 196 970 weibliche Erwerbstätige ge- zählt wurden, 1895 schon 1 521 113 und 1907 sogar 2 103 924. Unter dieser Schar befindet sich eine große Zahl verheirateter Frauen. Diesen muh entschieden eine höhere Spannung in der LelstungS- fähigkeit zugesproch:» werden. Neben einer acht- bis zehnstündigen angestrengten Arbeitsleistung im Erwerb haben sie die ganze Last hauswirtschaftlicher Arbeit und mitunter noch Kinderversorgung zu tragen. Das sind lein« Ausnahmefälle. Tausende erwerbS- tätiger Frauen bekunden eine gewaltige Spaimnnx der Leistung?» fähigkeit, die auf vielen Gebieten, und was Vielseitigkeit überhaupt anbelangt, die der Männer sogar übertrifft. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den t9. April, wird die Schriftstellerin Klara Viebig aus ihren Werken vorlesen. Gäste sind willkommen. Sembts-�elUing. § 153. Wegen Verrufserklärung und versuchter Nötigung sind, wie unseren Lesern erinnerlich, am 11. November v. I. vom Landgericht II in Berlin die Maurer Fischer und Seidel verurteilt worden. Ein früheres Urteil, welches g-gen vier Angeklagte auf Freisprechung lautete, war vom llreichSgericht aufgehoben worden. Die beiden anderen Angeklagten sind wiederum freigesprochen worden. Von den Verurteilten hatte nur Fischer Revision eingelegt. Der Bauunternehmer Eicks beschäftigte nach der Feststellung des landgerichllichen Urteils 60 Arbeiter, darunter die Angeklagten. Wegen eines Schutzdaches entstand Streit, und es wurden zirka 15 Arbeiter entlassen. Die anderen betrachteten das als Matzregelung, verlangte» die Wieder- einstellung der Entlassenen und legten, als diese nicht erfolgte, die Arbeit nieder. Eicks übertrug nun die Arbeit dem Zeugen Förth, der mit einer entsprechenden Anzahl Arbeitswilliger ans Werk ging. Die Streikenden suchten nun die Arbeitswilligen von ihrem Vorhaben in der üblichen Weise abzubringen. Es sammelten sich zuzeiten auf der Straße ganze Menscheinnengen an, aus denen heraus Rufe aller Art ertönten, die nach ß 153 Gew.-O- als strafbar erachtet werden. Das Gericht hat festgestellt, daß Fischer und Seidel sich in der Menge befunden haben.— Gegen das Urteil machte nun Fischer in seiner Revision geltend, datz seine Beteiligung an dem Vergehen in keiner Weise nach- gewiesen sei.— Der Reichsanwalt gab zu, datz die Täterschaft Fischers nicht einwandfrei festgestellt sei. Daß Fischer zu den Rufern gehört hatte, sei nicht festgestellt. Worin die Beteiligung Fischers an einer Einwirkung auf die Arbeitswilligen bestanden habe, gehe aus dem Urteile nicht hervor. Datz Fischer die Absicht hatte, durch seine Anwesenheit in der Menge deren Tätigleit zu unierstützen, sei nicht festgestellt.— Das Reichsgericht hob das Urteil am Dienstag auf, soweit durch dasselbe Fischer verurteilt worden ist, und verwies die Sache in diesem Umfange an das Landgericht zurück. Der Schutzmann in der Falle. Eine außerordentlich hohe Strafe zog ein„Scherz" nach sich. den sich die Arbeiterin Charlotte Otto ans Charlotten- bürg mit einem Schutzmann geleistet hatte. Unter der Anklage der Freiheitsberaubung und der Beleidigung mutzte sich die O. gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III ver- antworten. Die Angeklagte hatte sich zu wiederholten Malen ge- weigert, einer bezüglich ihres schulpflichtigen Sohnes erlassenen Anordnung der Schulbehörde Folge zu leisten. Es wurde deshalb eine Ordnungsstrafe über sie verhängt, die sie nicht bezahlte. Die Folge war, datz die im Nichtzahlungsfalle substituierte Haststrafe in Kraft trat. Da sie trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Strafantritt erschien, mußte schließlich Haftbefehl gegen die Angeklagte erlassen werden. Mit der Vornahme der Verhaftung wurde das 10. Polizeirevier in Charlottenburg betraut. Die An- geklagte war jedoch jedesmal, wenn ein Beamter in ihrer Wohnung erschien, wie vom Erdboden verschwunden. Dieses Bersteckspici dauerte über eine Woche. Endlich gelang es dem Schutzmann Mceß, die Angeklagte am frühen Morgen anzutreffen. Kaum hatte der Beamte die Wohnung betreten, als die Angeklagte ihrem Sohn zu- rief, er solle die Korridortür von außen abschließen. Sie selbst verschwand blitzschnell in dem Nebenzimmer und schloß auch diese Tür hinter sich ab, so daß der Schutzmann zwischen zwei verschlossenen Türen in der Falle saß. Da die Angeklagte auf gütliches Zureden nicht reagierte, zog der Schutz- mann feine Notpfeife und alarmierte die Hausbewohner, dw dann daS Polizeirevier von dem Geschehenen in Kenntnis setzten. ES mußte von den Schutzleuten ein Schlosser geholt werden, der die Tür erbrach und den Eingeschlossenen befteite. Erst als auch die zweite Tür gewaltsam geöffnet tvar, gab sich die Angeklagte unter einer Flut von Beschimpfungen gegen die Beamten gefangen.— Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu jiebenWochen Gefängnis._ Ein Auösteucrprozeß. Ein interessanter Rechtsstreit lag kürzlich dem Reichsgericht zur Entscheidung ob. Gegen den ftüheren Prokuristen H. in Berlin hatte der praktische Arzt Dr. K. in Treptow bei Berlin Klage auf Zahlung einer angemessenen Aus st euer für seine Frau, die älteste Tochter des H.. erhoben. Er bezifferte diese auf 20 000M. Infolge dieses Rechtsstreites trat folgende eigentümliche Lebensauffassung zutage. Nach den Behauptungen des Klägers besaß der vc- klagte am 10. Juli 1906 ein Vermögen von 500 000 M. Bei seiner Tätigkeit als Prokurist hatte er ein jährliches Ein- kommen von ungefähr 7000 M. gehabt. Seine drei Töchter brachte er aber trotzdem bei Verwandten unter, um Ausgaben zn ersparen. Wenn die Familie zu Hause beisammen war, so wurde stets, wie auch st, übrigen Fällen, in der Küche gegessen. Dienst- boten gab eö nie. Eine besondere Bildung als die der ge- ivöhnlicken Schule ließ er den Kindern nicht zuteil werden, so daß sich die beiden jüngsten als Dienstmädchen Stellung suchten, um aus den knappen Verhältnissen zu Hause zu entkomme». Der Beklagte behauptete freilich, daß er kein Vermögen besitze, auch jetzt keine Tätigkeit mehr ausübe und nur ein Jahreseinkommen von 2700 bis 8000 M. versteuert habe. Durch das Landgericht konnte jedoch ein Vermögen de? Beklagten in Höhe von 75 OOO M. festgestellt werden, so daß inzwischen eine Verurteilung zur Gewährung einer Ans st euer im Betrage von 3000 M. eintrat. Auf die Berufung beider Parteien änderte daS Kammergericht zu Berlin das landgerichtliche Urteil dahin ab, daß der Beklagte an den Kläger 9000 M. zu zahlen habe. ES hatte ein Vermögen von mindestens 100000 M. als vorhanden angenommen. Gegen das Urteil des Kammergerichts hatten beide Parteien Revision beim Reichsgericht eingelegt. Diese wurde verworfen._ Schutz ver Schutzleuten. Die Strafkammer zu Bromberg verurteilte den ftüheren Polizei- sergeanten Vorwerk aus Bromberg zu 50 M. Geldstrafe. Vorwerk hatte im August vorigen Jahres einen Arbeiter gelegentlich einer Revision so verprügelt, daß derselbe 14 Tage krank war. Abonnentenversichcrung bei Zeitungen. Kürzlich hat der Reichstag eine Resolution angenommen, d»« ein Verbot der Verjendung von Zeiwngövorlagen mit Versichernngcn als Lockmittel auSgeiprocken wissen will. Daß der von national- liberaler Seite erhobene Einwand, solche Abonnentenverstchenmgen fielen unter das Gesetz über private VersichcrungSunternehmungen, hinfällig ist, belvies eine am Dienstag vor dem Reichsgericht ver- handelte Strafsache. Das Landgericht Leipzig hat am 5. Oktober v. I. den Rc- daktenr Kurt Armin T r ä n k n e r von der Anklage des Vergehens fegen das Reichsgesetz über die privaten VersicherungSunternebmungen reigespro chen. Von Januar 1907 ab erschien der.Prakttsche Landwirt" wöchentlich einmal. Inhaber der Verlagsfirma war die Ehefrau des Angeklagten, der wegen bestehenden Konkurses die kZirina nicht übernehmen konnte, aber das ganze«Äeschäst leitete. Um viel Abonnenten zu gewinnen, wollte T. sie gegen Unfall der- sichern. Er trat mit der Dresdener Urania in Verbindung. Gezahlt werden sollten llOOO M. für den Tod. 1000 M. für Halbinvalidität und 10» bezw. 50 M. als Sterbegeld. Nachdem die Urania die Verbindung mit dem Angeklagten abgelehnt hatte, übernahm er selbst die Versicherung, jedoch mit kleinen Abänderungen. Später wurden die Summen noch etwas differenziert und auch die Ehefrauen der Abonnenten in die Versicherung eingeschlossen. Der Angeklagte ließ durch seine Agenten autzer dem Abonnemeutsbetrage von 2 M. für das Vierteljahr noch Policen beitrüge von 3V Mark einziehen. Er zcwann rasch 10000 und schliestlich 16000 Abonnenten. Der Angeklagte behauptet, mindestens die Hälfte seien Post- abonneuten und nicht in die Versicherung eingeschlossen. Die Ver- sicherung fei nur ein Geschenk an die Abonnenten. Er hat auch später einen entsprechenden Vermerk auf die Policen gedruckt, aber das geschah nur zur Umgehung des Gesetzes. In Wirklichkeit wollte er den Abonnenten einen Rechtsanspruch einräumen. Das Ver- sicherungSgeschäft war aber nicht die Hauptsache, sondern nur zur Förderung der Äerlagsgeschäfte aufgenommen. Die " auptlätigkeit des Angeklagten bestand in der Redaktion des BlatteS. rganisiert war das Versicherniigsgefchäft überhaupt nicht. Der Angeklagte hat keine Leute dafür besonders angestellt und bewältigte das ganze Geschäft mit Hilfe seiner Familie. Die Versicherung ist ein Bestandteil deS Abonnementsvertrages gewesen.— Die R e- v i sji o n des Staatsanwalts führte folgendes aus: Es ist nicht nötig, daß das Versichcrungsmiiernehmen selbständig oder die Hauptsache ist. Festgestellt ist nur, daß diejenigen Abonnenten versichert waren, die sich in die Liste der Versicherten eintragen ließen und 1 M. extra dafür bezahlten. Das beweist, daß die Versicherung außerhalb des Abounements- vertrage« lag. Festgestellt ist. daß der Angellagte einen Reserve- fonds von 10 000 M. für die Versicherten angesammelt hatte.— Der Reichsanwalt beantragte die Verwerfung der Revision. Auf Grund der Organisation uud der finanziellen Bedeutung sei festgestellt, daß daS Verfichermigsnnternehmeu nur ein Nebenzweig des Verlages war. Damit entfalle die Strafbarkcit.— Das Reichsgericht erkannte auf W e r w e r f u n g der staatSanwalt- lichcn Revision._ Versammlungen. Der Zentralverband der Maurer veranstaltete am Montag 12 Agitationsbcrsammlungen in Berlin und verschiedenen Vor- orten. Referenten waren die Verbandsfunktionöre Baude, Hanke, Hüttmann, Horter. Jakob. Kahl, Koch. Muth, Silberschmidt, Stolle, Schenk und Schauer. Zur Erörterung stand das Thema: Die Situation im Baugewerbe und unsere Aufgaben. Im allgemeinen wurde den Versammlungsbcsuchern die gegen- wältige Lage im Baugewerbe vor Augen geführt und darauf hin- gewiesen, daß diese zwar immer noch ungünstig fei, daß sich aber bereits gewisse Anzeichen einer erneuten Belebung des Baumarktes bemerkbar machen. Weiter wurde ausgeführt: Es müsse auch in Zeiten schlechten Geschäftsganges daraus Bedächt genommen werden, daß die Organisation an Kampfbereitschaft nicht verliere, denn die Zeit, wo ernste und schwere Kämpfe im Baugelverbe auszufcchten seien, liege vielleicht gar nicht fern. Hätten doch die Unternehmer im Baugewerbe beschlossen, überall unparitätische Arbeitsnachweise zu errichten, um dadurch eine Kontrolle über die Arbeiter auszu- üben und die Maßregelungen planmäßig durchzuführen. Es sei wohl möglich, daß durch dies« Absicht der Unternehmer ein Kampf heraufbeschworen werde. Ferner sei zu bedenken, daß die Reichs- finanzreform, welche Gestalt sie schließlich auch annehmen möge, den Arbeitern neue, drückende Steuerlasten auferlegen werde. Die Arbeiter seien dadurch gezwungen, diese Mehrbelastung auszugleichen, indem sie ihr Einkommen zu verbessern trachten. In den letzten zwei Jahren hätten ja die Maurer an eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage nicht denken können. Wenn aber eine bessere Baukonjunktur eintrete, werde es notwendig sein, auch nach dieser Richtung hin, eben mit Rücksicht auf die neuen Steuerlasten und die dadurch verursachte Verteuerung der Lebenshaltung, etwas zu tun. Es gelte deshalb, die Organisation zu stärken und nach jeder Richtung auszubauen, damit sie gerüstet dastehe, wenn die Notwendigkeit den Kampf für die Interessen der Berufsangehörigeu gebietet. Eingegangene Drudtrdmftem 8. Jahresbericht des Arbeiterserretariats in Lübeck und des GewerkjchasiSkartclls. b9 Seiten. Selbstverlag. S. Jahresbericht des Arbcitersekretariats und Gewerkschafts- kartells Mannheim. 47 Seiten. Selbstverlag.■ m �_ Nrkratnische Novelle« von M. KozjnbynSkyj. 3. M. C. Könige». Novellen von Nikolaus Gogol. Aus dem Russischen von Fred M. Balle. 90 Pf. W. Wagner. Berlin SW. 11.__ Zlnton Menger. Sein Leben mid sein Lebenswerk von K. Grünberg. W. Braumüller, Wien und Leipzig.____. Der Verband der Sattler in de» Jahren 190S-1S08. Rechen- schaftsbericht des Vorstandes. Selbstverlag._.... Soziale Frage, Schule und Lehrerschaft. Von R. Seidel. 1 M. Institut Orell Füsili, Zürich. Jahresbericht des SlrbeiterlekretarlatS und GewerkichaftS- kartells Jena, 1908. 56 Seiten. Selbstverlag. Für den Inhalt der Inserate «iberirimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcater. Donnerstag, den 3. April. Ansang Vi, Uhr. Röiiigl. Opernhaus. Oesienlliche Hauptprobe zum Sinfoniekonzert. Königl. Schauspielhaus. Ge- schlössen. Neues touiglichrs Opcrntheater. Geschlossen. Deutsches. Faust. Kamm erspiele. Der Graf von Gleichen. fAnsang 8 übt.) Neues Schauspielhaus. All-Heidel- bcrg. Westen. SternschcS Konservatorium. «nsang 8 Uhr. Lesstng. Kriseida. Berliner. Herodes und Marianine. NeucS. Die fremde Frau. Thalia. Onkel Bräsig. Komische Oper. Carmen. Residenz. Ferröol. Luftspielhaiio. Im Klubsessel. Kleines. Jugend. Hebbel. RcvoUilionShochzcit. Schiller O.«Wallner• Theater.) Die Karolinger. Sch liier v'harlottenburg. Kabale und Liebe. Friedrich> Willielmftädt. Schau- spielhaus. Othello. Luisen. Mein Leopold. Triano«. Monsieur Alphonf«. Neues Operette«. Die Versunkene Glocke. Berliner Opercttcn-Thcatcr SA. Der Verschwender. Bernhard Rose. Ehrliche Arbeit. Gastspiel-Theater. SherlockHolmeS. Gebrüder Herrnfeld. Die Meyer- Hains. Die letzte Ehre. Apollo. Der junge Papa. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter— tadellos. Wintergarten. Spezialitäten. Earl Havcrland. Spezialitäten. Tiasiagc. Spezialitäten. Reichsballen. Stettin er Sänger. Walhalla. Sveziaiilälen. Jolics Tapricc. Insolvent.(Ans. 6'U Ubr.j Kasino. Ackermann. Spezialitäten. Gunav Behrens. Spezialitäten. Ansang 8'/« Uhr.. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles fürs Kind. Oder: Die Folgen eines Reudezvous.(Auf. tt1/, Uhr.) Urania. Taubensiraste«8/4V. Abends 8 Uhr: Bei den Schwarz- futzindtanern. Sternwarte. Invaliden fvr. 57/62 �essmx-l'kestei'. Donnerstag 8 Uhr: Lrieeiila. Freilag ist die Tageskasse von 10 bis 1 Uhr geöffnet. Sonnabend 8 Uhr: Ibsen- Zyklus (ouger Abonnement) tioöils Gsblor. aetertagS-Spielplan: onntag 3 Uhr: Rosenmantaa. Abends 8 Uhr: Oer König. Montag 3 Uhr: Die Weber, Abends 8 Uhr: Der König, ZerMsr Theater. Heute 8 Uhr: Horode« and Slarlanme. ' Morgen: Cleschlonncn. 8 Uhr. X�nen Theater. 8 Uhr. Täglich: Die fremde Fraa. Sonntag: Unter Leitung des Im- presario Fritz Rudolph. Zum 1. Male: llinee Engländers Helm._ Theater des Westens. Heute 7>/z Uhr: Opernaufführung deS Sternichen Konservatoriums: Verdi-Abend. 4MB ' Karsrciiag: Oratorium Johannes- Passion. Friedricii-Wlllielnistädtisches Schauspielhaus. Donnerstag. 8. April, Ansang 3 Uhr: Freitag: Geistliches Konzerb Sonnabend: Othello. Sonntag nachm. 3 Uhr: Schlagende Wetter.__ Kenes Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Gnsemdle-Gastsp. d. Lejsing-TheaterS: VI« verttnnbeno Glocke. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubeustraße 48/19. Abends 8 Uhr: Bei den SchwaralußimlianenL Residenz-Theater. — Diretlion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: FerrEol. Schauspiel in 4 Akten von Sardou. Karfreitag geschlossen. Sonnabend: perröol. Lusisprieihaus. AbendS 8 Uhr: Im Klubsessel. Hebbel=Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revolutionsiioehzelt. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Mein Leopold. Freitag und Sonnabend bleibt daS Theater geschlossen. Oster-Sonntag nachm. 3 Uhr: Mein Leopold. AbendS 8 Uhr: Marie, die Tochter deS Regiments. Oster-Montag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Premiere: Mädel ohne Geld. Oster-Dienstag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Mädel ohne Geld. HmOSEIMfl] Gr. Frankfurter Str. 132. AbendS 8 Uhr Ehrtiche Arbeit. ■MF" WochentagSpreise.-V Fr-itag: Geschlossen. e-onnabend: Kyritz-Pyrist. Q KUpenlckcretr. 68. 0 Zum 558. und letzten Male:"* Shevlock Kolmes. Sonnabend, 10., Sonntag, lt., Montag, 12.; Die großartigo Fortsetzung von Sherlock Holmes: Oer Hund von Baskerville. Heute: Rauchfreier Abend. Gastspiel der drei Schwestern Wiesenthal. a) P r e l u d e a. d. Oper.Manon' von M a s s c n e t. b) D e s- D u r Kompositton von Chopin. c) Phantasien über Melodien von Franz Schubert. Dazu: DaS gr. Spezialitäten-Progr. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Karfreitag: Geschlossen. aaAataaaaaaaoAaaaA«« ; Passage-Theater. 1 Die maurische Schlangentänzerin •tfaha-äshad Gastspiel der Garland- Negeroperette l 18 Solokiäfte lud das grandiose April-Programm. Der größte Vari�sErfolj? den je Berlin gehabt! Berliner Eis* Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert uud Konstlanfea. Selilller-Tlieater. Schiller> Theater Charloltenhurg. Donnerstag. abendS8Uhr: Süabale and Idcbe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Freitag: GeNChloBsen. Son nahend, abends 8Uhr: Zum erstenmal: Mncbotd. O.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abends8Uhr: Die Karolinger. Trauerspiel in 5 Akten von Ernst v. Wildcubruch. SBgf- Ende IQ1/. Uhr. Freitag: GeHchloetseu. Sonnabend, abend« 8 U h r: Ein Volksfeind. Metropol-Theater FastnacM. Schauspiel in zwei Akten von Rieh. Jaffe. Kriss a. G., Perry, Giampiotro, Plann. _ Hierauf:_ Er'"WW Ein Bild a. d. Pariser Loben in 1 Akt von O. Metönier. Deutsch v. K. Lindau. In Szeno ges. v. J. Giampiotro. Perry— Giampietro. Au fang 8 Ulir. Karfreitag geschlossen! Sonnabend, den 10. April: Fastnacht. Hierauf: Fr. Ostersonntag, Ostonnontag und folgend© Tage: Donnerwetter- tadellos! Passage-Panoptikum. Während der Ostorferien, vom 4. April bis inkl. 18. April: Volks tage 2 Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! illü Extra-SelieRswirilgkeiten «rei! Eintritt SO Pf. Kinder ohne Begl., Soldaten 25 Pf. Be Lilo La Manolo Gadllena, andalusischoa Zigeunerleben. Marcel u. Boris, Equilibristen. Hanta de Vert, intemat. Sängerin. Jo8 Reichen, dress. Minioturhündch. „Kinomaoolor", lebend. Photogr. in natürl. Farben. Salerno, Meister-Jongleur. Ludwig Amann, Mimiker. 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Nr. der Mitgliedskarte .. 8001— 880« .. 9601-10400 .. 8801— 9600 240/1« Der Torstaud: G. Wink ler. Sine flugmaseMne in natürlicher Größe nebst SO PS. LaltHChiirniotor— mit Unterstützung des unterzeichneten Vereins in der Maschinenfabrik Hayn& Leilich, Chemnitz,— nach Konstruktion von Fritz Hayn erbaut— ist im Induslrie-PalasJ„Johannis-Hof", sÄnS«'ii (an der Friedrichstraße, gegenüber Karlstraße) nur noch wenige Tage ausgestellt. Die anwesenden Erbauer geben die Erklärung. Eintrittspreis 30 Pf., Kinder 10 Pt Bcslcutigong von 10 Mir früh bis 9 Uhr abends. 58/61 ShchsiiicheF Verein für KinftschiiTabrt. CASTAN's PAMOPTICÜM Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Pamilientage vom 7.— 18. April. Jeder Besucher kann ein Kind frei einfuhren! Ohne Extra Entree! Hnmor. Kunistlerabende. Täglich 71/, Uhr abends. Sonntags: Zwei Vorstellungen. Neu! üsiiBeiiaeöis Zanöerwelt, ausgeführt von Eugen Schräder und Marg. Fara. Brauerei �rieslricUam. Größter Konzertsaal Berlins. Am Königstor. 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April Picheiswerder. Zum Karfreitag und dm Osterjetertagm ladet alle velanntm und i Herrenpartien höflichst ein � Der Alt« Freund. Für gut« Bewirtung wird bestens gesorgt werden. kStcrn� -GESELLSCHAFT KU Cbarfreitag nnd an beiden Osterfeiertagen: 1. Ab Berlin, Jannowitzbrücke, vom Schlesischen Tor>/, Stunde später: 9 Uhr früh nach Woltersdorfer Schleuse. Rückj. 6 Uhr. Preis 1,00 SB. bin und zurück, einfach 70 Pf. 19,30 Uhr nach Schmöckwitz, einfache Fahrt 70 Pf. Von 2 bis 5 Uhr halbstündlich bis Lorcley und zurück. 2. Ab Grünau.«escllschaftShous. 10,23. 11,23, 2,23. 3,23, 4,23, 5,23. 6.23 bis Schmöckwitz und zurück. 3. Ab Erkner, Bahnhofshotel. von 9 bis 5 Uhr stündlich.— Motorbootsverkehr auf der Löcknitz bis Mt-BuchhorsL 4. Aus dem tScharnitltzelsee Dampscrsahrten im Anschluß an alle Berliner Eisenbahnzüge. S.?lb Waunsee(Bahnhof) von 10,40 bis 6,10 Uhr. stündlich bis Potsdam. S. 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April, ver- starb nach kurzem, schwerem i Krankenlager, an den Folgen einer- Operatton, mein inniggeliebter � Mann, der Korbmacher lA»rK Tieize im Alter von 30 Jahren. Die Beerdigung findet am j Frestag, den 9. April, nachmittags I lll, Uhr. von der Leichenhalle des l Nazareth-KirchhofS, Reinickendorf- j West, aus statt. 1935B j Johanna Tletze. inti*.«—■njm iami siwp/nwnrjtwi Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Korbmacher Karl Tietze am 5. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. April, nach- mittags 1 Uhr. von der Leichen- Halle des Nazareth-Zlirchhoses in Reinickendorf> West. Berliner Straße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 81/20 Die Ortsverwaltung. Berliner Männercbor 1905. Am Dienstag, den 6. April, ver- ! schied nach kurzem, schweremLeiden| ] unser Sangesbruder Karl Tieize Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Kar- I sreitag, nachm. l1/, Uhr, aus dem| 1 Nazareth-Kirchhoj, Reinickendors- | West, Kögelstraße, statt. f 60,9 Der Vorstand. intral-Verliaiid der (PilastererJ und Benösposseii ilEutsclilands. Unterbezirk Nixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Genosse, der Stein- Hauer Friedrich Schnitt am 5. April gestorben ist. Ehre seinem Andenkeu k Die Beerdigung findet am Frei« tag, de» 9. April, nachmittags t 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Kirchbofes am! Mariendorfer Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 175/5 Der Vorstand. Statt jeder besonderen Anzeige! Am 7. April entschlief mein lieber Mann, unser lieber Bater, der Produktenhändler ASoIL Hensel nach kurzem, aber schwerem Leiden im 61, Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle der Georgen-Gemeiude in Weißens«, Rölkestraße, aus statt. I.......... 1 1■mwinat.ttw..-; Am 6. April verstarb nach langen, schweren Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Fmil Nicolay im 43. Lebensjahre. 1940b Ein stets ehrenvolles Andenken bewahrem ihm Die Kollegen der„Voss. Ztg.-' Die Beerdigung findet statt am Freilag, 9. Avril, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS alten Thomas-KirchhojeS iu Rixdorf Hermannstraße. M a e b e u f. Am 3. b. M. entriß uns der Tod durch Schlaganfall unseren langjährigen Kollegen und bis- herigen Meister Lsiomo Geiger. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. 818L Die Arbeiter der Firma Frati£ Co. Mech. Mnsiiwcrke. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden 5ei der Le- erdigung meines lieben Mannes Hermaim Foth sage ich allen Beteiligten meinen innigsten Dank. Witwe SIcdivig Fotb, 1936& Kurstraße 34/83. Von der Reife zurück. 58'U» Dr. med. Leopoiii LilienlliaL CroBe Frankfurter SiraBe 107. Ör. Schünemann Spezial-Arzt für 5432* Baut* und Harnleiden. Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Scblltzenstr. Wochentags 10— L. 5—7- ♦ Hygienische BeairaartUBl. Neuo.t. Katalog g, Empfehl.viel. Aerzt« U-Prof. grat. elle B. Dnnr. eoBBtimunlabrüc •m-Ub I . Oaser, 0 W__ S NW.. friedriciiatraa»e 91/93 Lttantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Jnseiatenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 83. 26. Jahrgang. tiliiie des Jmwrts" Snlim PWIalt Donnerstag, 8. April 1009. BSBS Beilegung des Pankower Parteikonflikts. Wie bereits im„Vorwärts" mitgeteilt worden ist, haben auf Veranlassung der von den Pankower Parteigenossen eingesetzten Sechser-Kommission Einigungsverhandlungen stattgefunden. Sie kamen zum Abschluß in einer am 31. März abgehaltenen Sitzung, in der Genosse Müller vom Parteivorstand den Vorsitz führte und an welcher Vertreter des KrciSvorstandes von Niederbarnim, der Sechser-Kommission des alten Pankower Wahlvereins, des neuen Bezirksvereins Pankow, des Aktionsausschusses von Grotz-Berlin und drei Unparteiische teilnahmen. Diese Sitzung formulierte einen Einigungsvorschlag, dem alle an der Sitzung beteiligten Genossen zustimmten. Gleichzeitig wurde vereinbart, daß am 6. April eine kombinierte Generalversammlung in Pankow ab- gehalten werden solle, zu der die Mitglieder sowohl des alten wie des neuen Wahlvereins einzuladen seien, um Beschlutz zu fassen über den Einigungsvorschlag der Kommission. Die Versammlung fand am Dienstag im Rozyckischen Saale statt. Den Vorsitz führte laut Vereinbarung Genosse Fried- l ä n d e r, einer der Unparteiischen aus der Einigungskoinmission. Das Referat erstattete Genosse Müller, Mitglied des Partei- Vorstandes. In seinen EinleitnngSworten betonte der Referent, daß die end- liche Beendigung des Pankower Konflikts im Partciinteresse geboten sei. Gewiß seien auf beiden Seiten schwere Fehler gemacht worden, aber es habe doch keinen Zweck, sich deslvegen immer und immer wieder Vorwürfe zu machen. Damit käme man keinen Schritt vorwärts und die Interessen der Partei würden dadurch geschädigt. Es werde möglich sein, auf Grund der Vorschläge der Einigungs- kommission die Streitaxt zu begraben und loieder einig und ge- schloffen für die Partes zu arbeiten.— Der Redner ging dann auf die Borschläge der Kommission ein. Die Kommission sei sich dahin einig geworden, daß der Fall Räber und die Neubesetzung der Zeitungsspedition bei den Einigungsvorschlägen auszuscheiden hätten und zwar aus folgenden Gründen: Nachdem Röder durch Beschluß der Konttollkommission aus der Partei ausgeschlossen«st, könne sich nur noch der Parteitag,«venu Rvber ihn anrufe, mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Den neun Mit- gliedern des früheren Vorstandes, welche das Pankower Flug- blatt unterzeichnet haben, konnte der von den Pankower Genossen gewünschte Zutritt zu dieser Versammlung nicht gewährt werden, Iveil aus der Fassung des Flugblattes hervorgehe, daß sich die betreffenden nicht mehr zur Partei rechnen. Die einstimmige Ansicht der Kom- Mission gehe dahin, daß die neun Unterzeichner des Flugblattes von der Einigung ausgeschlossen bleiben müßten.— Was die gewünschte Neubesetzung der Zeitungsspeditton betreffe, so habe die Korn- Mission gemeint, es müsse mit dem Zustande, wie er sich jetzt eittwickelt habe, gerechnet Iverden. In« Laufe der Differenzen habe weder der von den Pankower Genossen, noch der vom Kreis- Vorstande vorgeschlagene Spediteur den Postei« bekommen; der jetzige Spediteur, Genosse Rißmann, war von keiner der streitenden Parteien vorgeschlagen. Damit könnten also auch die Pankower Genoffen zufrieden sein.— Nachdem also diese Punkte aus den weiteren Verhandlungen ausgeschieden seien. habe die Kommission einen von den Unparteiischen sorm»llierten Einigungsvorschlag an- genommen, welcher folgenden Wortlaut hat: „Der Beschlutz der Kreis-Generalversammlung betteffend Aus- lösung des Pankower Bezirksvereins kann nicht aufgehoben werden, da im Parteiinteresse eine baldige Einigung der Pankower Genossen nötig ist«md die Herbeiführung einer neuen Entscheidung der Kreis- Generalversammlung eine unzweckmäßige Verzögerung bedeuten würde. Die Frage, ob der Kreisborstand berechtigt war, den Bezirks- derein Pankow aufzulösen, ist eine offene.'da diese Frage aus dem vom Organisattonsstattit der Eesamlpartei vorgeschriebenen Wege bisher noch nicht entschieden wurde. Es»väre notwendig gewesen, daß der Kreisvorstand in dieser Frage sich vorher an die Be- zirksorganisation, den Parteivorstand und den Parteitag gewandt hätte. Im Interesse einer schnellen Regelung der schwebenden Differenzen findet eine kombinierte Mitgliederversammlung der beiden Vereine statt, welche beschließt: die beiden Vereine werden verschmolzen. Der Vorstand des neugebildeten Vereins wird auf Grund der Verhältniswahl nach dem System der geschlossenen Listen in dieser kombinierten Versainmlung gewählt. Die beiden. Vereine geben gedruckte Sttmmzettel für die Vorstandswahl heraus. Zettel mit Streichungen sind ungültig. Die Mitgliedsbücher iverden für die Mitglieder beider Bereine neu ausgestellt. Die frühere Mitgliedschaft wird angerechnet. ! Der Redner bemerkte zu den Vorschlägen unter anderem: Er persönlich sei der Meinung, daß der Kreisvorstand nicht berechtigt gewesen sei, den Pankower Wohlverein aufzulösen, aber andere alte und erfahrene Parteigenossen seien der gegenteiligen Meinung. Da ein bindender Beschluß aller Parteiinftanzen hierüber noch nicht bor- liege, so müsse diese Frage als eine offene bezeichnet werden.— Im übrigen kämen die Einigungsvorschläge den Pankower Genossen weit entgegen. DieVorschläge seien in Uebereinstimmmig aller Kominissions- Mitglieder, auch der Vertteter des alten Wahlvereins, aufgestellt worden. Wenn auf beiden Seiten der ehrliche Wille zum Frieden vorhanden sei, dann könne der Friede hier geschlossen werden und die Pankower Genossen könnten«vieder einig und mit dem alten KampfeSmut beseelt unsere Gegner schlagen. Dem Referat folgte eine äußerst lebhafte Diskussion. Zunächst kam eine starke Unzufriedenheit mit den Einigungsvorschlägen zum Ausdruck. Die Vorschläge wurden»«ehr oder minder scharf kritisiert von den Genossen Kotz,'Bartsch, Schwager, M. Neumann, Lesniwitz, Spiekermann, Fritz, Jakob, Otto Schmidt und Ganzer. Insbesondere richtete sich die Opposition dagegen, daß die Auflösung des Wahl- Vereins nicht als eine unberechttgte Maßnahme des Kreisvorstandes bezeichnet und dieser nicht zur Zurücknahme seines Beschlusses auf- gefordert wird. Mehrere Redner bezeichnen die Annahme der Einigungsvorschläge als unannehmbar, wenn nicht der Kreis- vorstand in aller Form die Auflösung des Wahlvereins rückgängig mache und erkläre, daß er unrecht gehandelt habe. Die übrigen Diffcrenzpunkte: der Fall Räber und die Besetzung der Spedition wurden in der Diskussion lveniger berührt und bei weitein nicht mit der Schärfe behandelt wie die Maßnahme des Kreisvorstandes. Auf der anderen Seite traten die Genossen Danziger, Georg Neu- mann, Brall, Obier, Handle und Hirschineier für die Annahme der Einigungsvorschläge ein. Auch von diesen Rednern bezeichneten mehrere das Vorgehen des Kreisvorstandes als unberechtigt, aber, sagten sie, man müsse über die geschehenen Dinge hinwegsehen, weil anders der Konflikt nicht aus der Welt geschafft werden könne und weil es das Interesse der Partei dringend gebiete, daß dem leidigen Streit endlich ein Ende gemacht werde. Genosse Müller sagte in seinem Schlußwort, er habe am Anfang der Emigungsverbandlungen gesagt, der Kreisvorstand müsse von seinem schroffen Standpunkt ablassen. Heute sage er den Pai«- kolver Genossen, auch sie müßten ihren schroffen Standpunkt aus- geben. Was solle es denn für einen Zweck haben, wenn der Kreis- vorstand seine Maßnahmen in aller Form widerrufe. Der aufgelöste Wahlvercin sei ja doch an den Einigungsverhandlungen beteiligt ge- Wesen, die Tatsache seiner Existenz sei ja dadurch anerkannt. Aver man dürfe sich doch auch der Tatsache nicht verschließen, daß sich nach der Auflösung der neue Wahlverein gebildet habe, mit dem man auch rechnen müsse. Eine Einigung könne doch nicht anders zustande kominen, als daß auf beiden Seiten etwas nach- gegeben werde. Wenn die Pankower Genossen der Einigung nicht zustimmen sollten, dann würden sie viele ihrer Freunde in Groß- Berlin, die auch»nit dem Vorgehen des Kreisvorstandes nicht ein- verstanden seien, verlieren. Im Jitteresse der gesamten Partei sei die Einigung dringend geboten. Hierauf erfolgte die Abstimmung. Sie ergab die Annahme der Einigungsvorschläge mit 133 gegen 93 Stimmen.— Die auf Grund dieser Vorschläge vorgenommeire Vorstandswahl hatte das Resultat, daß den Genoffen vom alten Verein 7, den Ge- nossen vom neuen Verein 2 Sitze zukommen. Gewählt sind hiernach voin alten Verein die Genossen Friedrich Sasse, Paul Spiekermann. Paul Larsen, Ferdmand Kahl, August Laatz, Albert Jacob, Johann Hirschmeier, und vom neuen Verein die Genossen Lasser und Schinidt. — Die Verteilung der Aemter unter die Gewählten wird vom Verein selbst vorgenoininen. Genosse Fried län der schloß die Versammlung mit dem Ausdruck der Freude über die vollzogene Einigung. Die Pankower Genoffen würden nun wieder mit altem Eifer an die Arbeit gehen und auch die Gegensätze überwinden, die jetzt noch in der Organi- sation bestehen sollten. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozial- demorratie schloß die Versammlung. kleines feuilleton. Das Elend der Brettlkünstlcrinnen. Von der rechtlosen und un- würdigen Lage der Schauspieler ist in der letzten Zeit viel die Rede gewesei«. Mit gutem Recht, denn die Verhältnisse sind unwürdig und der Segen der Organisation hat hier leider noch«venig genug auswirken können. Aber eS gibt noch eine Klasse von Künstlern und besonders Künstlerinnen, die in ihrer Menschenwürde noch stärkeren Drangsalen ausgesetzt smd: die vom Brettl. Die Ueberbrettlbewegung hat zwar eine künstlerische Hebung deS VariötöS versucht und mag hier und da auch Spuren hinterlassen haben— in Gestalt von neuen KünstlerkabarettS Aber in den »nittleren u«ld unteren Regionen ist alles beim alten gebliebei«. Hier herrscht nach wie vor die Zote in holdem Einvernehmen mit dem RadaupatriotiSmus. Hier müssen die Künstlerinnei«, wenn sie es mit ihren Sklavenhaltern nicht verderben wollen, noch immer nach der Aufführung den Seklkonsuin steigern helfen und dem zahlungs- fähigen Gaste freundliche und möglichst kostspielige Gesellschaft leisten.... Wehe ihnen, wenn sie gar den Mut haben, statt ver- büllter Laszivitäten ernste Kunst zu bieten. Direklion und Polizei «niihe» sich um die Wette, ihnen den Einbruch ins heilige Reich der Zote zu vergällen. Eine Künstlerin, die an einer Reihe mittlerer VariötöS in ver- schiedenen Städten auftrat, hat uns aus ihren Erlebnissen geschildert. Sie sind charakteristisch genug, um das Interesse der Oeffentlichkeit zu verdienen. Die Künstlerin, die über ein großes Repertoire ver- fügt, hatte den Ehrgeiz und den Mut. soziale Dichtungen ernster Art vorzutragen. Und was erlebte sie? Einer der Direktoren erklärte ihr:„Wenn Sie auf der Bühne stehen, dann legt's sich wie ein schwerer Bann auf den Zuhörer. Lassen Sie Ihre ernsten Sachen, es wird nicht genug geschillert." (Dabei hatte sich das Publikum gern in den Bann der ernsten Dar- bietungen zwingen lassen.) In einer anderen großen Stadt wurde die Künstlerin entlasten, weil sie Dichtungen sozialen Inhalts vortrug. Gedichte wie Klara Müllers„Dem Kampf entgegen" und andere zu rezitieren hatte die Direklion ausdrücklich Verbote««, obivohl sie von der Polizei frei- gegeben waren. In einer bedeutenden Seestadt strich die Polizei der Künstlerin ihr Repertoir gründlich zusammen: ernste, soziale Sachen lvurden nicht geduldet. Der stellvertretende Direttor, ein früherer Pferde- bahnkutscha, benutzte dann die Gelegenheit, um die Künstlerin, „die Sozialdemokratin", loszuwerden. Ihre Versuche, in anderen Städten Engagement zu finden, mißlangen. Die Direktoren waren offenbar gehörig benachrichtigt worden. Einer dieser patriotisch wertvollen Männer schrieb der Künstlerin: „Ich habe Ihre Texte gelesen und kann Ihnen nur versichern, daß hier das meiste gestrichen werden wird, auch ist dies absolut kein Repertoire für mein Theater. Bei mir verkehrt ein GericKts- Leitung. Ein Konkurrenzrcchtsftreit zwischen Setzmaschine». Infolge eines Artikels in einer italienischen Zeitschrift hatte sich zwischen den Setzmaschinenfabriken der Systeme „Typograph" und„Monoline" ein Rechtssteit entwickelt. der jetzt z u g u n st e n der Setzmaschinenfabrik Typograph end- gültig entschieden worden ist. Der betteffende Artikel, der im streng konservatives Publikum(Offiziere jeden Grades in Uniforrn, Aerzre, Rechtsanwälte, hohe Gerichts« und Zivil- beamte und überhaupt Herrschaften aus den besten Kreisen). Wir beiden erlitten einen großen Mißerfolg, der für mich nicht zu übersehen ist. Humoristen müssen Politik— soweit eö das Be- stehende nicht verherrlicht— unbedingt«peglaffen, auch nichts Sozial- demokratisches bringen. B. hat über 50 Proz. Beamte. A.. L.. (Name einer Künstlerin) hat sich sogar bei den Juden unmöglich ge- macht, obivohl sie erklärte, daß sie Gürtler nur kopiert.... Ich habe Ihnen oben die Verhälttlisse geschildert. Wenn Sie nichts denrentsprechendes haben(denn bei dem eingesandten Text verlassen die Herrschaften unbedingt das Theater, was ich vermeiden muß, selbstverständlich l), so ist es doch wohl besser, wir heben den Vertrag auf." Der Vertrag Wurde richtig aufgehoben. Und seitdem hat die Künstlerin alle Tore verschlossen gefunden. Von den Sektgewohnheiten der Kabaretts weiß die Künstlerin zu berichten: „Wer von den engagierten Damen nicht mitsäuft, wird un« schädlich gemacht. Sie werden indirekt und direkt— je nach der Schlauheit des BudikerS— gezwungen, Einladungen selbst der zweifelhaftesten Elemente anzunehmen." „Ich habe von ferne«nit angesehen, wie einem Gast von dem Direktor höchst eigenhändig leere Sektflaschen unter die von ihm ausgetrunkenen gestellt«ind angerechnet wurden.... Einem be- trunkenen Gast wurden einmal 15 Flaschen aufgeschrieben, die man absichtlich verspritzt hatte." So gehts an der Stätte zu, wo die guten Bürger ihre seelischen Anregungen beziehen. Humor und Satire. Auch eine Todesanzeige. In einem Mannheimer Blatt findet sich folgende„Todesanzeige": Allen Freunden und Liebhabern von Uraufführungen die schmerzliche Mitteilung, daß „Die Minneburg" (frei von allen möglichen Motiven alter Meister) wegen Mangel an Lebensfähigkeit, nach dem einstimmigen Beschluß bedeutender Sachkenner und»ach der etwa LOOsten Probe konstatterten unheilbaren Schwäche, nicht das Rampenlicht der Bühne erblicken sollte, sondern einer ruhnilosen Vergessenheit an- heim gefallen ist. Um stilles Bedauern bitten Die tiefbetrübten Solisten und das Chorpersonal. Wie das Blatt im Anschluß daran konstatiert, sind seit mehr als drei Monaten die Vorarbeiten für„Die Minncburg" betrieben worden; erst bei der Hauptprobe hat man entdeckt, daß die Oper in ihrem heutigen Geivand überhaupt nicht aufführbar ist und um- koponiert werden muß. Mai 1995 erschien, bebt die Monoline-Maschine lobend gegenüber denjenigen anderer Systeine hervor. Jnfolgedeffen fühlte sich die Typograph- Setzmaschinenfabrik veranlaßt, in einer anderen italienischen Zeitung einen Artikel zu veröffentlichen, der sich mit der Zurücklveisung deS Monoline-Artikcls beschäftigt. In diese«,, Erklärungsartikel heißt es unter anderem:„Wir wissen nur so viel, daß die Buchdruckereibesitzer mit der Monoline verschiedentlich sehr schlechte Erfahrungen geinacht haben, und daß verschiedene außer Betrieb gesetzt«md zurückgesandt«Vörden stud� verschiedentlich Typograph- Maschinen dafür angeschafft worden sind...." Infolge dieses Typograph-ArtikelS hatte die Monoline-Setzmaschineiffabrik Klage gegen die Firma Typograph auf Verurteilung zur Unterlassung der- artiger Behauptungen erhoben, während die Beklagte daraufhin Ab- Weisung der Klage begehrt und unter Beweis stellte, daß die vor- gebrachten Behauptungen erweislich wahr seien. Das Landgericht und Kamnrergericht zu Berlin ließen eine umfangreiche BeweiSaufnahine eintreten und kamen schließlich zur Abweisung der Klägerin. Die Beklagte hatte eine Reihe von Buchdruckereibesitzem als Zeugen dafür be>,annt, daß sie mit der Monoline schlechte Erfahrungen gemacht haben««»d daß auch eii«mal ein Typograph an Stelle der Monoline angeschafft worden war. Besonders schlechte Erfahrungen hatte est« Hildesheimer ZeitungsherauSgeber geinacht. Die Klägerin suchte die Mängel an der Monoline auf das wenig geschulte Personal zurückzuführen. Auf Grund der Beweisaufnahme führte daS Kamnrergericht in seinen Entscheidungsgründen aus, daß es keinem Ziveifel unterliegen köirne — ganz gleich, ob man den verschiedenen Aeußerungen diesen oder jenen Sinn unterlege—, daß tatsächlich viele Buch- druck ereibesitzer mit der klägerischen Maschine recht schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wcirn von der Klägerin gesagt worden sei, daß die Monoline mehr leiste, als andere Setzmaschinen, so sei gleich zuerst eine Enttäuschung die Folge gewesei«. Denn da sich die Setzer erst langsa»» an die koin« plizierte Konstruktion der Maschine getvöhnen müßten, sei schon die erste Erfahrung eine schlechte zu nennen. Durch die erhobenen Beioeise sei eine Verletzung des Wettbelverbgesetzes wie auch deS§ 824 B. G.-B. widerlegt. Weiterhin sei auch kein Tadel in der Behauptung ent- halten, daß wiederholt Typographen angeschafft worden sind, wo Monoline-Maschinen standen. Sinngemäß(als Widerlegung des ersten Artikels) verstanden, habe diese Behauptung nur dartun sollen, daß sich der Typograph neben der Monoline behaupten könne. Nach alledem sei aber der Beweis der Wahrheit als geführt zu erachten und die Klage abzuweisen gewesen. Gegen das Urteil des KaminergerichtS zu Berlin hatte die Monoline- Maschinenfabrik Revision beim Reichsgericht ein- gelegt. Es wurde auf Zurückweisung der Revision er- kannt. Ei« eigenartiger Beitrag zur Frage der DienstVotennot. Zu dem von unS in der Dienstagnummer lviedergegebenu. Gerichtsbericht wird unS mitgeteilt, daß die Dienstherrschaft, die dem 14jährigen Dienstmädchen nicht genügend zu effen gab, hernach dem Vater die Herausgabe des KindeS verweigerte und ihn einschloß, eine Witwe Stübbe ist, wohnhast Schlachtensee, Waldemar st r. 8 5. Gegen daS Urteil, welches nicht die Frau Stübbe, sondern den Vater des Dienstmädchens verurteilte, ist Revision eingelegt. Drei Monate Gefängnis wegen eines Seifennapfs. Vom Landgericht Bochum ist am 13. Dezember v. I. der Bergarbeiter Paul Schulz wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle zur Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er bat, wie er zugesteht, einem anderen einen Seifennapf und einen Kleiderhaken«veggenoinmen, also Gegenstände von ganz unbedeutendem Werte. Da er aber schon zweimal wegen Diebstahls vorbestraf» ist, nämlich mit einein Verweise und drei Tagen Gefängnis, so koirnte das Urteil nicht milder aus- fallen. Die milderen Bestimmungen sind ja bekanntlich erst Ent- wurf und noch nicht Gesetz. Die Revision der Angeklagten mußte deshalb am Dienstag vom Reichsgericht als unbegründet ver- warfen werden. Notizen. DaS LesfingihauS- Museum(KönigSgraben 10, am Mexanderplatz) mit seinem nicht nur auf den Dichter, der in diese«, Mauern seine„Minna von Barnhelm" schrieb, sondern auch auf die Theatergeschichte im allgemeinen bezüglichen Inhalt wird anläßlich deS Delegiertentages der Bühnengenojsenschast außer dem regel- mätzigen Besuchstage Sonnabend auch Donnerstag, den 7. April, von 3—5 Uhr nachmittags und am Ostermontag von 10—12 Uhr unentgeltlich geöffnet sein. — Der Kurswert der Geographie. Mit Sven H e d in«st ein wahrer Affenkult getrieben worden. Die Narretei, die mit diesem Reisesportsman und Reklamekünstler gettieben wird, «nriß daS wahre Interesse an geographischen Forschungen erheblich schädigen. Man liest in der bürgerlichen Presse täglich mindestens drei Telegramine, wo dieser Heros, der mit der Bibel und dem Gesang- buche im Gepäck Tibet durchreiste, aufgetreten ist oder.auftreten wird, welche Orden und Einpfänge ihm aelvorden sind usw. De» guten Bürgern von E s ch w e g e war diese Sensation so zu Kopfe gestiegen, daß sie den Mann unbedingt auch sehen und hören wollici«. Der Eifer erkaltete indes, als Hedi» nach einem Gewährsmann des „Berk. Tagebl." 4500 M. für den Vortrag verlangte. Die Enttäuschung wäre in Eschwege indes noch größer gewesen. weim Hedin wirklich dort gesprochen hätte— vorausgesetzt, daß die Eschweger Köpfe nicht gänzlich von der Modesuggestion mn- nebelt sind. — Ein Mei st erWerk derGoldschmiedekunst, die im gothischen Stile gehaltene Bergkanne, die bisher im GoSlarer Rathause stand, ist von de«, städtischen Kollegien für 750 000 M. an die Berliner k g l. Museen verkauft worden. Sie soll in« Kaiser-Friedrich-Musemn aufgestellt werden.— Die Goslarer«vollen die Zinsen des Kopitals verwende««, um eine Steuererhöhung zu vernreiden und die Berliner haben ein Kunstwerk— mehr. Daß es barbarisch und echt kapitalistisch ist, die Kunstwerke ans den« ganzen Lande in der Protzcnhauptstadt zu konzentrieren, versteht sich am Rande. Aber was tut's, Generaldirektor Bode hat daS Geld, daS die Goslarer gerade brauchen können. — Der Wettkampf in den Lüfte««. Der französische Kriegsminister schreibt einen beschränkten Wettbewerb für einen Lenk« ballon aus, der als Luftkreuzer zu verweirden wäre. Der Lenkballo«, soll folgende Bedingungen erfüllen: fünfzehnstllndige Flugdauer bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer die Stunde,«nit fünf Per- sonen, möglichste Fahrthöhe bis zu 2000 Meter, einen Gesamtinhalt von höchstens 6500 Kubikmeter und eine Gesamtlänge von 90 Meter bei einer Gesamthöhe von 20 Meter und 13 Meter größter Breite. — Der Trinkgelderkapitalist. Der Portier eines bei Dresden gelegenen Sanatoriums hat, wie aus Dresden berichtet wird, feine Tätigkeit eingestellt, um von dem Ertrage seiner Trink- gelder zu leben. In den letzten Jahren hatte er jährlich 50 000 M. Einkommen versteuert. Verwaltung Berlin. »e CtttflCgcmMlme der BeitrSge in den Zahlstelle» ersolgt am Sonnabend, den 10. April(HeMgabend), von b bis? Uhr. DI« BureonS de» Verbandes find am Km O�erje.ertagen geschloffen. Am Sonnabend vor nttagS geschlossen. lrfteitag und an d«, drei Osten» wird um 1 81/19 ««flyeMBiebet- die bt» JahreSschluh 1908 vollgeklebt find, müssen �5 � im Bureau abgeliesert werde». Räch diesem Tennin werden iein« Bücher mehr angenommen. Efaittttita. den 11. Avril. vormittags 10 Uhr nnb nachmittags 4 Uhr: drania-Vorstellungen. � Zum Bortrag gelangt:»Auf den Trümmern Mesfinas*. Billetts find bei de» Beitragsammlern und im Bureau zu haben. Die Ortrverwnltnng. «rbeitSnachwet«: Verwaltungsstelle verlt«. Hanptbureau: Hos I. Amt S. 1239. 0d»eItt»t5sS»». Hos III. Amt S. 1987. Der Feiertage wegen bleiben die Bureaus an folgenden Tagen geschloffen: Freitag. de» S. April, de» gauze» Tag. Sonnabend, den 10. April, nachmittags. Sonntag, den 11. April, de« ganze» Tag. Montag. den 12. April, de« gauze« Tag. DienStag, den 13. April, nachmittag«. Ächtung! Achtung! Um bewilligte Kiickereien. Folgend« beiden Bäckermeister haben den Taris de» Verbände» der Bäcker und Konditoren unterzeichnet and gelten daher beide Geschäft« nun- mehr als bewilligt, worauf wir das Publikum zu acht«« bitten: ISSSb 0. Hiläebraadt» Gustav Buske, O., Langcstr. 25.'S., Priuz-Eugen-Straß« 16. Der VertrantnsnmW der Säcker Kerlins o. Umgegend. Km 1., 2. und S.Osierfeiertag: H. Greifenhagen Nachf, Brunnonstrasse 17-18 Veteranenstrasse 1-2 Nur noch Donnerstag, Freitag, Sonnabend verabfolgen wir Bei einem Einkauf von 5 Mark an PhotograpW gratis Wk machen hierbei ausdrOckllch darauf auf« merkaam, daaa Jede Aufnahme Innerhalb 14 Tagen, tadelloa ausgeführt, geliefert wird, »ach Woltersdorfer Schleuse mr in de« Nähe der«»»«ner Berge.~BM 8182* Slbsahrt von der SchilllngSbrücke früh 1« IIb«.— Am 1. und 2. Ost«. seierlag Htn> und Rückfahrt 75 Pf. Am 3. Ost-rfeiertag Hin« u. Rücksahrl 60 Pf. Hierzu ladet freundlichst ein ranl Schwcdler, Reftauraut zum Oder-Tpree-Kanal Kavfreitagsfisehe ?RLIJ auch leoende! 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(Ohne Gewahr.)(Nachdruck Verbotes.) 17.>18 70 S37 80 181««78 808 911 2 101 SO 133 86 BS 709 868 957 Sit«>8>83 98 500 79 715 81«Olli IIS 781 199 71« 79 881 963 5193 919 85 81« 36 678 805 51 883 60S7 911 110 58«53 7058 109 15 73 80 336 571 «51«5 893 8093 951 180 551[100] 763 838[1001 920 26 [1001 58 9013 113 373 10136 303 143 515«08 78[600]«5[15 00«] SOS 1119« 431 39 633 711[100] 839 1 2915 180 523 671 786 1 3025 417 979 14009 SS 198[100] 690 917 15975 318 189 592 '1 6096 351 896 148 89 737 096 1 7038[500] 198 182 8 45 929 1 8090 261 893 60 Ol 616 71 19116 311 1« 391 179 tOB 753 931 20031 65 113 675 21177 384 758 943 22105 11 88 121 501 60 731 867 23127 5 4 74 86 S«9 548 69« 773 969 78 24935 83 307 73 711 87 2 5397 418 80 2 6036 195 334 59« 699 33 879 910 2 7097 111[400] 340 465 78 644 674 793 637 2 8194 248 385 493 649 741 809 979 81 90 2 9 034 106 10 97 76 953 432 589[40060] 743 02 887»52 30153 23«[400] 538 959 91[4001 3 1 414 77 534«94 »48 3 2001 153 69 319 413«35 53«27 940 65 33019 13 468 75 80 781 99 3 4162 233 690 772 75 893 3 5038 333 788 819 36343[ 400] 538 613 886 37197 366 136»6 850 63 38193 963 TS 315 69 62 81 513 6! 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Ziehung 4. KI. 220. Kßl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. April, nachmittag«. KUX dl. Gewinne Uber 193 Mark«lud den betrektenden Kummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewflbr.)[Kachdruck verboten.) 101 475 850 1«58 709 U 895 980 68 21 31 403 48«9 «30 768 3 502 658 8) 723 834 4178 331 96 476 664 5124 490 «86»47 0337 348 465 78 7371 310 59 69 593 77t)« SU 8060 147 434 50»4 6« 6)3«03«»7 0147 411 6» 10149 581 49«<68 900 80[500] 11»8 4M 588 TO« »98[»0001 12060 383 314 4!ö 568 719 013 101)1[400] SM 99 483 503 66«15 64 68« 90« 14110 303 436(1000) 608 797 1 5033 251[400] 833 411 589[400] 85) 16027 «0 994 810 74«92 864 1 7066 203 608 807 1 8077 248 740 964 1 0100 13 531 530 89 623 39 78 6«[500] 91)[500] 15 öd[6001 20148 34*«9 33» 65 458[500]«61 21099 518«99 »99 22003 560»3 831 971 20104 915 655 7» 401»8 541 [400]«24 5» 748 2 4074 309 81» 489 595[500]«1[400] «18 75 830 25035 6« 85 199 Sl» 547 634»1 74» 85«»43 08 20040 IT« 90 370 474 560 0«[406] 609 781 51 2708O 153 2 8 031 11) 59 705 993 2 0031 673 017 3O103 97 85 200 454 563 79 932 3X1)7 557 7)5 869 32167 380[400] 445 78' 804»00 45 30005 75»0 11«»15 6t 418 556 603 04031 353 57« 739[500] 831 078 35107»1 471 701[500] 833 36022[400] 30 170 517 84 666 72» 40 [500] 940 87 3 7349 361 99 48»«X» 811[1006] M«7 80 es 926 3 8250 879 439 665 65 626[400]»75 39141 1)4 49*40225 383 677 41186 20« 811 4)7 75 651 55»41»10 41 4 2077 90 91 133 668 43105 18 80 862«5 4409« 483 76 743[400] 806 75 908 4 5299 411 6« 61»«84 46014 85 23« 74[400] 407«51«2» 040 43 4 707» 107 71 207 500 4)8 679 720 886 4 8204[400] 825 60 83 655 716 19 84 575 405)1 M 45O0M 884 847 755 81« kill») II» 8» 56«14 8»«,» 747 690 93 5 2068 8» 103 365 317»06 50166 089 53 M) 5404S 107 10[500] 304»09 34 448«I 89} 98 604 t) 45 55)0« 08 324 08 440 740 837 5 6367 45»«87«5» 18000] fi?«6 6 7225 453 60» 064 Ol 68284 704 85 7» 87«»14 69 60m m«o« 8»»i(iooo] 6im t8[400]»o» 43 47 60 410 65[400] 08 615 849 85 6 2030 183 90 453 018 43 629 991 63X1» 47 222 611 64328 71 79 124 65068 0,3 410 559«54 735 6 6054 394 431[400] 539 78» 6/045 855 [4001 414 608 84 95[400] 860 6 8229 68 84 501 2» 6» 878 »31 6015« 500 78»68 828[ 400] 70)75 248[1000] 6« 808 65«87 795 7 106) 150>45 366 413 7 2137 906 04« 737 844 06« 7 3044 28) 464«3[400] «75 74179 723 7 5135 99«65 72 429 850 901 95 73162 503 43 765 657«32 7 7003 107 271 606««0 78117 88» C)(600] 894 545 69«20 717 51«4 867 87 841«0251 557 411 555 40 6M 80257 70�[400] 305 42 457 8««15 8 X432 610<3»8» 82124 210 323 49 43»»9 95«16 66 77» 945 10087 143 200 39«-403 665 880 941 8 4470 8««48«« 701 8501» U» 275»16 67 641 78« 877 8 6003 257 401 884«5 8/255 505 •70 189 99« 88003 11»[1000] 3»5 614 575»84 50099 17« 5'0 0001?[600] 28 133 85« 481 6«0«3»»2 78 9 1 035 12) 157 583 147 054 80 9 2031 0 3 247 51» 11«»» 040«» 395 604 703»1 913 67 0 5118 223 464 545 709 93 SS»(40ul»31 „ 9 6210 888 433 ISO 65«48 97138 233 73 67« 778 02» 08161 267 522 694«10 160V] 09) 74 457 651 745«23«4» 1OO030 7« 215»0 816 488 064 781 78 071 95 99 101129 231 846«3 70»4 759 1 02010 19 6» 800 18 103071 483 701 38 083 1 0433« 63 71 366 75 1 05019 108 34» 71 96 694 090 809 67 1 0 6931 874 663 113 844 107007 15 576 613 753 82 1 08055 76 118 70 411 608 •07 81« 1O9110 401[400] 739 48»03[4001 CT 11O006 11« 426 658 61«04 740 41 TS 913 111041 Ol 164 380 305 08(lOOOOl 069 113 80«(400) 112028[1000] 69[400] 430»7«9«6»63»17 113545 48[400] 74» 60 [400] 62 114455»4[ 500]«00 lOO 741[SOOO] 87« 88 1150«4 313 310 55 5«»4 407 568 790 843 116060 134 «73 711 80«»07 1170«5 87»05 33 84 9« 579 678 779 SOS»53 91 118000 13 115 361[400] 41« 80 85 785»10 110489 693 760 85 12O0S3 310 36 648 651 033 83 1 2 1 331 67 383 437 53«»8 780 835 1 22047«.'7 82 700 849 95 1 23064 100 •7 327 365 68 968 flOOO] 124030 342 880 861 78 125069 135 421«90 850 80 1 20035 50 347[ 400] 817 426[ 400] 3« 795 835 41 87»1«97 1 27199 825 49« 144 128317 838[400] 61 78» 120150[1000] 280 428 61 53« 60» 54 714 87»[1050] 75 971 130048 465 515 54«44 67»46 131233 3)4 67 454 «47 1 32068 87 140 45 861 70 485 635 1 33194 368 357 660 1 34019 9) 184 352 SO(1000] 858 407 771 871 94« 58 13 5075 135 201 35 8» 308[400]!> 31 707 877 1 3 8004 75 30« 3)3 555«95 1 3 7078 395[4001 503 718 70 69 946 13805» 160 354 14«71 533 667 TS[500] 05 1)0 84 13002» 177 558[400] 509 804 95) 80 Kein Vorschlagt Kein Abhandeln! 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Oster- feiertag Vergnügen in gesperrten Lokalen: In Charlottenbiirg der Vergnügungsverein„H a i d e r ö s ch e n" in den„G e r m a n i a- Sälen", Inhaber Wodrich, dortselbst; in Dabendorf bei Zossen veranstaltet der Billard- und 5lcgelklub„Othello" eine Theater- Vorstellung mit anschließendem Tanz im Lokale des Herrn Neu. dorf dortselbst. Wir ersuchen, diese Veranstaltungen zu meiden. Der bisherige Inhaber des„D r es d ener G ä r te n", Berlin, Herr Hoffmann, hat jetzt das Lokal„Tempelhofer Tivoli", Tcuipelhof, übernommen und sich dem Besitzer gegenüber verpflichtet, die Räume der Sozialdemokratie gegenüber unter allen Umständen zu verweigern, andernfalls er eine vertraglich festgesetzte Strafe vou ln Restaurant Hubertus. Die Moabiter Gmoffen versammeln sich früh 8 Uhr bei Richter, Wiclefstr. 24. Charlottenbmg. Die Genossen der 5. Gruppe veranstalten am Karfreitag eine Herrenpartie nach den Müg gelbergen. Treffpunkt bei Linde. Sesenheimerstr. 11, morgenS 8 Uhr. Die Genossen der anderen Gruppen sind eingeladen. Der Vorstand. Charlottenbmg. Der Leseabend am Donnerstag, den 8. April, findet diesmal nur für die 1. und 2. und für die 3. Gruppe»»nd zwar in den bekannten Lokalen statt. Der Vorstand. WilmerSdorf-Halensee. Am Karfreitag FamilienanSflug nach Ei ch w a l d e, Restaurant Einil Witte. Treffpunkt 8'/» Uhr morgens bei Rietsche, Gasteiner Str. 5, Zoologischen Garten O'/z Uhr. Arrangiert von Genossen des 11. Bezirks; alle anderen Genossen sind hierzu eingeladen._ Berliner J�acbmhtcn. Die Not der Zeit! DaS Statistische Amt der Stadt Berlin hat jeht den Monatsbericht"für Februar 1909 veröffentlicht. Wir finden darin wieder mancherlei Zahlenangaben, durch die die Größe des in Berlin herrschenden Notstandes beleuchtet wird. Die Schar der regelmäßig unterstützten Almosen- empfänger wächst weiter, ungeachtet der bei der Armen- direktion an leitender Stelle bestehenden Meinung, daß hier die vor einigen Jahren eingetretene Abnahme noch fort- dauere. Im Januar 1909 hatten 34219 Almosenempfänger unterstützt iverdcn müssen, im Februar mußten 34 732 unter- stützt werden, um 1576 mehr als im Februar vorigen Jahres. Auffällig gemehrt hat sich in der letzten Zeit auch die Zahl der Pflegekinder, d. h. der Kinder, für die den der- witwetcn Müttern von der Armenvcrwaltung ein Pflegcgeld gezahlt wird. Im Januar dieses Jahres waren es 12 414 gewesen, im Februar waren es 13 580, um 1835 mehr als im Februar vorigen Jahres. Der Zuwachs, den diesmal der Februar gebracht haben soll, ist so groß, daß»vir fast ver- muten möchten, die Angade beruhe auf einem Irrtum. Bei Veröffentlichungen, die aus den Bureaus unserer Stadt- Verwaltung kommen, muß man leider mit dieser Möglichkeit rechnen. Eine noch stärkere Erhöhung zeigt sich bei der Zahl der„Extraunterstützungcn". die an nicht regel- mäßig unterstützte Personen als gelegentliche Beihilfe gezahlt werden. Im Januar waren solche„Exttaunterstützungen" an 9445 Personen gezahlt ivorden. im Februar wurde», sie an 9532 Personen gezahlt, das sind um 2071 mehr als im Februar vorigen Jahres. Die Behauptung, daß die Hilfstätigkeit der Armen- Verwaltung ausreiche, um alle Notleidenden vor dem Hunger zu schützen, ist eitel Prahlerei. In Berlin braucht niemand zu hungern, in Berlin braucht niemand bxtteln zu gehen— das sind so die Redensarten. wie nian sie von dort ausju hören bekommt. Gebettelt wird aber jetzt so viel. daß die Schutzleute unserer Haupt- und Residenzstadt alle Hände voll zu hm haben, der„Bettelplage" zu wehren. Die Polizei erwirbt sich durch den Eifer, mit dein sie sich dieser ihrer Aufgabe widmet, den Dank der besitzenden Klasse. Im Februar vorigen Jahres waren in Berlin 1871 Personen wegen Bettelns aufgegriffen ivorden,' im Februar dieses JahreS aber konnte die Polizei als Ergebnis ihrer Jagd auf Bettler die Zahl 2179 buchen. Wie hiernach die Frequenz der Stadtvogtei sich erhöht hat, darüber liegen uns keine zahlenmäßigen Nachweise vor. Selbstverständlich hat auch in dem Obdach der Stadt Berlin, dem„Gummiknüppclparadies". der Notstand seine �Spuren hinterlassen. Die Abteilung für die nur über Nacht .zu beherbergenden Obdachlosen hatte im Februar vorigen Jahres 86 913 Personen aufgenommen, im Februar dieses Jahres aber mußte sie 115 199 Personen aufnehmen. In dem Obdach des Asylvercins»var eine Steigerung der Frequenz nicht mehr möglich, weil diese Anstalt ohnedies fast immer voll besetzt ist. Dort waren im Februar vorigen Jahres 24 382 Personen beherbergt worden, im Februar dieses Jahres wurden 23862 Personen beherbergt.(Das Minus erklärt sich daraus, daß im vorigen Jahr der Februar 29 Tage hatte). Das Gerede, daß das Obdach der Stadt Vonviegend von„Stammkunden" gefüllt werde, wird durch die Statistik widerlegt.„Stammkunden" werden bort bekanntlich ohne Gnade durch die Polizei ab geführt und dem Richter zur Bestrafung übergeben. Stadtrat F i s ch b e ck, der„Vater der Obdachlosen", hat einmal in der Stadtvcrordnetenversaminlung sich geradezu gerühmt, daß e r in diesem Punkte eine strengere Praxis herbeigeführt habe. Wie stark die„Stammkunden" unter den Insassen des Obdachs der Stadt vertreten sein können, das läßt sich ungefähr be urteilen nach der Zahl derjenigen, die der Polizei ausgeliefert wurden. Während im Februar vorigen Jahres von 86 913 Beherbergten 1046 dieses Schicksal hatten, kamen im Februar dieses Jahres auf 115 199 Beherbergte sogar nur 853 Auslieferungen. Hiernach kann die Frequenzzunahme wirklich nicht den„Stammkunden" aufs Konto gesetzt werden. Wer wegen Bettelns oder Obdachlosigkeit der Polizei in die Hände fällt, muß sich darauf gefaßt machen, daß er nicht nur mit Hast bestraft, sondern unter Umständen hinterher auch noch ins Arbeitshaus gesteckt wird. Die Zahl dieser Unglücklichen dürfte in den letzten Monaten sehr erheblich ge Wesen sein, darauf läßt die Steigerung der Arbeits. Hausfrequenz schließen. Im vorigen Jahr hatte Ende Februar das Arbeitshaus 1341 Korrigenden gehabt, Ende Februar dieses Jahres aber hatte es bereits 1609. Die Zunahme rührt größtenteils aus den drei Winter- m o n a t e n Her. Noch Ende November stellte die Zahl der Korrigenden sich auf 1372, aber Dezember, Januar, Februar schlössen dann mit 1420, 1523, 1609 ab. Der Berliner Stadtfreisinn will nicht anerkennen, daß eine durchgreifeude Arbeitslosenfürsorge erforderlich ist, um den Notstand zu lindern. Die Arbeitslosen werden auf die Armenpflege verwiesen, und wer dann noch Not leidet, das Obdach benutzt oder betteln geht, der kann schließlich im Arbeitshaus die„Fürsorge" genießen, die ihm versagt worden war, so lange er sich noch„freier" Arbeiter nennen durfte._ Später Frühling. Er hat diesmal lange auf sich warten lassen. Und nun, da er gekommen, wagt er es»wch immer nicht, sich in seiner ganze»» Fülle und Schönheit zu geben. Wie gut es auch die Soi»ne am Tage meint, die kalten Nächte mahnen die Knospen und Keime stets wieder zur Vorsicht. Nur ganz selten, und nur an ganz besonders geschützten Stellen, wagt sich ein Hälmchen, ein Blättlein. «ine Frühblume ans Licht. Als spärlicher, zartgrüner Flaum deckt die Wintersaat das graue Ackerland draußen vor den Toren der Stadt. Kahl und fröstelnd stehen noch immer Busch und Baum. Nur um die Kronen der Weiden schimmert es rot, und ein paar voreilige Birken haben lichtgrüne Schleier um ihre schlanken Ruten gehängt. Das gibt einen warmen Ton inmitten dieser zögernden Winterlichkeit. Aber so kahl und rauh es auch noch ist: der Fmk ist schon gekommen und die Stare streichen in breiten, schweren Züge»» heran. Ihre gelben Schnäbel bringen die Munterkeit ins Land. In hellen Haufen rasten sie vom langen Fluge auf de» Dächern und den Gesimsen der Vororthäuser. Wo sie eine Pfütze entdecken, benutzen sie die Badegelegenheit, tauchen die kleine»», dunkele»» Körperche»» in das trübe Wasser, plätschern, schütteln sich, spreitze», sich und sträuben die Federn. Auch die Wildenten siud da. Bei denen hat der Frühlingsflirt schon begonnen. In drolliger Pluinpheit umtanzt der buntschillernde Erpel seine AuSerwählte. Umtal»zt sie und jagt sie und singt sein Entenliebeslied. Wenn aber die Sonne sinkt und den Aprilhiinmel in breiten Streifen die Glut- ringe des Abendrots tönen, dann durchtönt ein zwitscherndes Locken die Dämmerstille des scheidenden Tages. Das kommt hoch oben aus der Spitze eines Ahornbaumes. Die kablen Ruten seiner Krone beben sich braun gegen den abendlichen Himmel. Seine Knospen sind noch schwach und unscheinbar. Und doch jubelt schon das Leben in ihm. Eine Drossel singt. Ein kleiner dunkclcr Punkt sitzt sie hoch oben im schtvauken Geäst. Und lockt und jubelt, und schluchzt und jauchzt, daß Du unwillkürlich stehen bleibst und lauschst und lächelst... Weit liegt nun wieder die Welt. Zu blauende», Fernen dringt der Blick. Den Pflugfurchen des Ackerlandes cntströint ein starker Duft. Wie Kraft und Wollen und Werden liegt es in der Luft. Der Wachsende Tag schüttet sein Glänzen über all' diese Kahlheit aus, die doch keine Äahlheit mehr ist, da sich in ihr tausend und abertausend Keime drängen, die zur Sonne wollen und noch iminec einen Rückschlag des Winters befürchten. Spät ist der Frühlina diesmal gekommen, und zögernden Schrittes durchzieht er noch iinmer das Land. Doch die brauiien Knospen glänzen voller und schwerer von Tag zu Tag, die Drossel singt und die ersten Blumen lockern bereits die Erde. Die juristische Sprechstunde am heutigen Donnerstag fäll ans. Erholungsstätten von» Rote» Kreuz. In diesem Frühjahr wird schon wieder eine neue Erholungsstätte eröffnet und zivar für Kinder, in der Nähe der Station Eichkamp bei Grunewald. Es stehe»» dann im ganzen 7 Erholungsstätten voin Roten Kreuz zur Verfügung, zwei für Männer(in Johannisthal und in der Juiig- fernheide), zwei für Frauen(in Schöiiholz und in Elchkamp), drei für Kincer(in Schönholz, Sadorva und Eichkamp). Von diesen sind je eine für Mäl»ner und für Frauen auch den Winter Über geöffnet, die Eröffnung der anderen erfolgt Anfang Mai. A»»- träge um Auf»»aHme bei Erwachsenen erfolgen durch die Kassen- ärzte bei den Krankenkasse,,, sonst bei Erwachsenen und Kindern im Bureau, Fricdrichstr. 207. Hof r. II.,»verktäglich geöffnet von 10—1 Uhr vormittags. Der tägliche Verpflegungssatz beträgt für Erwachsene b5 Pf., für Kinder 50 Pf. Die Abschaffung des NnknnftstcmpelS in Deutschland u,»d Amerika. Der Wegfall des Ankunststenipels auf Briefen»st vereinzelt ans Widerstand gestoßen. Man wendet eil», daß sich Verzögerungen bei der Bestellung nicht»»»ehr nachiveisen lassen könnten. Tatsächlich und rechtlich»st dieser Nachlveis anS dem Aiikunftstempel schon läi»gst nicht mehr möglich. Die Stempelung geschah»minittelbar nach der Entkartung, wie man bei der Post das Oeffnen der Bncfbunde nennt. Dann werden die Sendungen erst von besonderen Sortier- briesträger» nach Gruppen geordnet, ein Vorgang, der sich u. U. »viederholt. Die Briese gehen so durch mehrere Hände,'ehe sie de», bestellende» Briesträger übergeben werde,». Bei verspäteter Bc- stellnilg liegt immer die Möglichkeit vor, daß der Brief erst in eine falsche Gruppe gelangt war. Früher bestai»d die Vorschrift, daß der bestellende Beainte sich von der Richtigkeit der Ankunftsteinpel zu über- zeugen habe, eine Ratzregel, die sich längst nicht mehr durchführen läßt. Das ungeheure Anwachse», der Massen von Briefsendungen hat beim auch zu dem Wegfall des Ankunftstempels genötigt. Eine schi»elle und pünlt- liche Bestellung der Sendungen war an vielen Stellen kau»»» noch »nöglich. Durch die Vereinfachung wird viel Zeit und Arbeit gespart und die Bestellung wesentlich beschleunigt. Die Neuerung«»»tspncht durchaus der Entwickelimg des Poftlves-us, das immer»»»ehr von jeder eiitbchrlicheil Umständlichkeit sich befreit. In den Aiisängei» der Post war die Aufgabe, Beförderung und Bestellung eines Briefe? noch eine Art von Haupt- und Staatsaktion. Bezeichucndcrwcise hat die Postverwaltimg der Vereinigten Staaten von Ainerika, die lerne fislallschcn Rücksichten zu nehmen hat, den Aickunststempel schon vor einigen Jahren abgeschafft. In der städtischen SäuglingSfürsorgestelli V, Pankstraße 15, a»i» Wedding, beginnt am Dienstag, de» 20. April, abends 7 Uhr, ein Kurs für Säuglingspflege. Derselbe ist unentgeltlich und fiildet wöchentlich Dienstags und Freitags von 7—8 Uhr statt; Dauer drei Wochen. Anmeldungen schriftlich oder mmidlich in» Institut, Pankstraße 15 erbeten. Die städtische Berkehrsdeputatio» beschäftigte sich in der letzten Sitzung mit den vom Baurat F. Krause vorgelegten Entwürfen für die Erweiterung der Hoch- und Untergrundbahn. Dai»ach soll das Gleisdreieck eingehen, die Strecke von der Warschauer Brücke soll über die andere Strecke Potsdainer Platz— Bülowstraße hinweg geführt und von der jetzigen Linienführung abgezlveigt wer- den. Um dies zu bewerkstelligen, soll eine neue Linie als Hoch- bahn und Verlängrung der Strecke Warschauer Straße— Hallesches Tor über die Potsdainer Eisenbahn, durch die Kurjürstc»»- und Motzstraße nach dein Nollendorf-Platz gebaut werden. An Stelle des Gleisdreiecks soll ein neuer Umsteigebahnhof errichtet werden, auf dein die Fahrgäste, die aus dem Innern der Stadt kommen und nach der Warschauer Brücke usw. fahren wollen, und die aus entgegengesetzter Richtung kommen, umsteige» müssen. Die Ver- kehrsdeputation war grundsätzlich mit der Lösung dieser Verkehrs- frage einverstanden, die natürlich noch Magistrat und Stattvcr- ordneteiiversammlung beschäftigen wird. Ferner war die Verkehrs- deputation damit einverstanden, daß mit der Zicgeltransport- Gesellschaft, die bekanntlich für den Transport von Ziegelsteinen nach Berlin durch Ankauf von Ziegeleien und Kähnen ei>i Monopol erlangt hat, ein generelles Abkommen für die Errichtung von elektrischen Kraiianlagen an den Wasserläufen getroffen wird. DaS Polizeipräsidium hat den Magistrat um eine Aeußerung ersucht hinsichtlich der Bereitwilligkeit, der Anlage einer Stratzenbab» in der Kaiser-Wilhelm-Stratze seitens der Großen Berliner Straße»»- bahn-Gesellschaft vorbehaltlos zuzustimmen. Bisher»var eine solche Bahn an dem großen Verkehr, der an der Zentralniarkthalle herrscht, gescheitert. Die„Große" besitzt eine Konzession für die Anlage einer solchen Bahn durch cii»e der Diagonalstraßen. Für eine neu anzulegende Straßenbahnlinie von der Frankfurter Allee iiach dem Herinannplatz. ist der städtischen Lerkehrsdeputation ein Vorschlag unterbreitet worden. * Ein statistisches Groß Berlin. Vertreter von über 60 Vizrortsgemcindei» waren dieser Tage auf Einladung und unter dein Vorsitz des Direktors deS Statistische»» Amts der Stadt Berlin, Prof. Dr. Silbcrgleit, zu einer Besprechung über die Einführung fortlaufender gemeinsamer statistischer Ver- öffentlichungen im Berliner Rathause zusaininengekommen. Professor Silbergleit entwickelte einen Plai», wonach die»nichtigsten Tatsachen ans dem Gebiet der Bevölkerungsvorgänge monatlich für eine n»öz- lichst große Zahl von Vorortgemeinden zu veröffentliche»» sind, während weitergehende Aufstellungen für die Gemeinden empfohlen werden, um dem Statistischen Amt der Stadt Berlin die erforder- lichen Grundlagen für eine Groß-Berlin uinfassende Statistik zur Verfügung zu stellen. Diese würde auch die Bautätigkeit und den WohnungSinarkt umfassen. Die Ausführilugen deS Vortragenden fanden durchweg Zustimmung, so daß an der Verwirklichung eines „Statistischen Groß-Berlin' kann» zu ziveifeln ist. Als erster Schritt zur Vertretung gemeinsamer Ideen und Interessen ist dieser bedeutsame Zusammenschluß mit großer Freude zu begrüßen. Das Hundert ist bald voll! DeS Königs Gnade hat dem Polizeihal»pt»iani» Karl Wobring, den Kriminalinspektoren Oskar llllnanii und Richard Pel,zig den roten Adler vierter Garnitur, dein riniinalinspektor Alexander Braun den Kronenorden dritter Güte verliehen. Die Genannten sind bekanntlich säintlich Beamte dcS Berliner Polizeipräsidiums, das kürzlich das hundertjährige Jltbiläum seiner Ruhinestaten beging. Beschränkuilg der OmuibuSunfälle. Eine Leserin schreibt»niS: Ii» der sehr beengten und trotzdem verkehrsreichen Pre»zla»ler Straße finden recht häufig Zusammenstöße zlvischei» Omnibussen und anderen Gefährten statt. Erst kürzlich kam ein solcher Unfall vor, bei dem fünf Fahrgäste verletzt wurde»». Da hier anch der Straße»»- bahnverkehr sehr rege ist, müssen sich die Omnibusse zwischen den Elektrischen und Privatfuhrwerken förinlich hindurchschläugcl»» und koinmen dabei ins Schleudern. Nur der Gelvnndthcit der Oinuibus- kutscher, die diesen gefährlichen Engpaß kennen und fürchten, ist es zu danken, daß nicht noch mehr Unfälle passieren. Zur Vermeidung der Gefahr und vor allem zur Ablenkung des Verkehrs sollte Man einfach die beiden die Prenzlauer Straße in ihrer ganzen Länge durchfahrenden OnmibliSlinien 27 ui»d 33 durch die parallel liegende Kniscr-Wilhelm-Straße führen. DaS ist nach der soeben erfolgten Freigabe der verläi»gerten Weydingerstraße, die direkt aus daS Prei»z- laner Tor zustößt, mit einer halben Minute Umweg zu erreichen. Wahrscheinlich könnte sogar der weitere Weg zeitlich durch die größere Verkehrsfreiheit in der veränderten Fahrlinie wieder eingeholt werden. Die OmilibuSgefellschaft wird sich vielleicht dagegen sträuben, weil ihr im stärkeren Verkehr der Preirzlauer Straße ei», paar Fahrsechser »nchr sicher sind. Aber das gleicht sich wohl mit dem jetzt oft recht bedeul enden Materialschaden aus. Die Hariptsache bleibt überdies die Sicherheit des fahrenden Publikums. Zu der Bluttat in der Boxhagener Straße wird mitgeteilt, daß der Musikalienhändler Härtig gester,» morgen unter der Beschuldigung deS Mordes zunächst nach den» Untersuchungsgefängnis gebracht wurde, um dort auf seinen Geisteszustand untersucht zu werden. Dieser Weg mußte eingeschlagen werden, weil es noch an mntlichei» Unterlagen zur Feststellung der Geisteskrankheit des ManncS fehlt. Daß er geisteskrank ist. unterliegt an sich keine»» Zweifel. Die Leiche der Frau Härtig wiirde schon gesten» nachniittag gcrichiS- ärztlich untersucht. Die Obduktion förderte nichts Neues zu tage. Die Todesursache stand schon vorher fest. Aus der UnglückSchronik. Bei dem Versuch, einen»»» voller Fahrt befindlich!» Straßenbah>»wagen der Linie 11 zu besteigen, kam Dienstag nachinittag der 19 Jahre alte Buchhändler Karl Holz zu Fall, wobei ihm ein Rad über die linke Hand ging. Mit einer schlveren Verletzung derselben transportierte man den junge»» Mann nach der Unfallstation in der Eichendorffftraße und dann iiach der Königlichen Klinik in der Ziegelstraßc,»vo n»an ihn auf- nahm.— Als morgens gegen 714 Uhr ein Straßenbahnwagen der Linie 54 den Straßenbahichof Nr. XIX. Schönhauser Allee 123, ver- ließ, wurde er von wartenden Fahrgästen fast gestürmt. Dabei kam i»n Gedränge der 56 Jahre alte Möbelpolierer Emil Bertzel aus Pankow zu Fall mld geriet unter den Hinterplatz des Motor- Wagens. Nachdem man ihn befreit hatte, erfolgte seine Uebcr- führung nach dem Lazarris-Krankenhause. wo er»nit einer Quetschung der linksseitigen Rippen sotvic schweren inneren Ver- letzungen Aufnahme fand.— Vormittags fiel der 25 Jahre alte Fensterputzer Ziichard Hocheilburg, als er, auf eiiler Leiter stehend, die Fenster der straßeirwärts belegenen Räume der Firma Israel Schmidt Söhne reinigte, aus der Höhe des 1. StocklverlS auf das Straßciipflastcr hinab und zog sich eine schwere Verletzung am Gc- nM zu. In eTnct Drosckste brachte man chn nach der Unfallstation in der Kroncnstratze und dann nach dem Krankenhause Moabit. Ter Unfall ist dadurch entstanden, daß sich eine Klammer der aus- geschobenen Leiter gelockert hatte.— Im hilflosen Zustande wurde in der Nacht der 60 Jahre alte Schuhmacher äCtto Thiem vor dem Hause Jlensburger Straße L3 aufgefunden und mittels Kraft- droschte nach dem Krankenhause Moabit gebracht, wo er aber kurz nach der Aufnahme starb.— Auf dem zu der Wohnung des Arbei- tcrs Steffen im Hause Lübecker Straße 3ö führenden Korridor wurde vormittags eine anscheinend dem Arbeiterstande angehörende etwa IS Jahre alte Frau bewußtlos aufgefunden, nachdem sie an der Korritortür Steffens geklopft hatte. Ein sofort hinzugezogener Arzt tonnte nur noch den Tod feststellen. Da in beiden Fällen die Todesursachen nicht ohne weiteres zu ermitteln waren, muhten die Leichen dem Schanhause zugeführt werden.— Vormittags fand der Verwalter des Hauses Buchholzer Straße 2 die im Erdgeschoß des Vordergebäudcs wohnende 22 Jahre alte Schneiderin Luise B. be- wußtlos auf. Tie Unglückliche hatte sich durch Einatmen von Leuchtgas vergiftet. Ei» Arzt sorgte für ihre Uebersührung nach dem Äirchow-Krankenhause. Lcweggrund zur Tat: LebenSüber- druß infolge Krankheit. Auch ei» Frauenberuf. Der Ueberschuß von Frauen in der Großstadt, die auf Erwerb angewiesen find, bringt die seltsamsten Biülen hervor. Neu und originell find jene erfinderischen Damen, die für Geld und gute Worte den Männern das— Kartenspielen beibringen lvollen. Vor Monaten trat zum ersten Male ein spekn- lativer weiblicher Kopf mit dieser Idee durch Zeilungsinserat an die Oeffeilllichieit, und jetzt sind es schon mehrere Danien. die auf solchem ja etwas sehr eigenartigen Wege den Lebensunterhalt zu eriverbe» suchen. Man vermutet dahinter vielleicht etwas An- rüchiges, wie bei manchen Masseusen und Maniküren, aber das trifft hier nicht zu. Tatsächlich dreschen die betreffenden Damen äußerst gewandt ihren Skat und verbinden durch den Umgang mit dein Ewigweiblichen das Angenehme mit dem Nützlichen. Nur viele andere Evastöchter sind damit nicht einverstanden. Sie beklagen sich, daß die bösen Männer immer schlechter werden müssen, wenn die Frauen selbst in ihnen die Spielwut nähreu. Eine tenre Vergnügungsfahrt machte gestern abend ein Kauf- mann aus der Neuen Königstraße. Der Mann hatte zwei Groß- destillationen verkaust und 14 00(1 M. in Tauseudmarkscheinen gezahlt erhalten. Mit diesem Geld in der Tasche trat er mit einigen Freunden und Bekannten eine Bierreise an, die er ihnen für den Fall, daß das Geschäft zustande komme, versprochen hatte. Vom Bier ging man bald zum Wein über. Im Ballhaus in der Joachiinstraße inachte man die Bekanntschast einer dunklen Nussin und einer blonden Deutschen. In deren Begleitung ging es mit dem Automobil nach den.Linden". Nach Verabschiedung der »ncisien Freunde und der beiden Begleiterimien suchte der Kaufmann mir einem Freunde und einem anderen Mädchen in früher Morgenstunde noch ein Cafü auf. Hier merkte er zu seinem Schrecken, daß ihm seine blaupunltierte Brieftasche mit den vierzehn Tausetidmarkicheinen abhanden gekommen war. Die Begleiterinnen aus dem Ballhaus waren nicht mehr zu finden. Arbritcr-BildungSschiile Berlin. Wir machen die Mitglieder darauf aufmerksam, daß die Bibliothek auch während der Ferien jeden Donnerstag von 8— 9 Uhr geöffnet ist und wird auch in dieser Zeit um rege Benutzung gebeten. Zirkus Schumann hat seine Abschiedsvorstellung auf Mittwoch, den 14. d. M., festgesetzt. Vorort- JVacbncbteii. Klixdorf. Frühlitigsfcier. Vom hiefigen BildungZauSschuß wird am zweiten Ostcrfeiertage bei Hoppe, Hermannstr. 49, ein dem nahenden Frühling gewidmeter Kun st abend veranstaltet. Das dem Cha- raktrr der Feier entsprechende Programm ist sorgfältig ausgewählt und besteht ans Konzert sHollfelders Tonkünfilerorchester). G e- sang fOpernsängerin Helene Hartwig) und Rezitation lTheater- direktor Türk). Der Ausschuß ist bemüht gewesen. Gutes zu bieten und hofft, daß auch diese Veranstaltniig, die gewissermaßen de» Ab- schlug deS ersten Semesters unserer öffeiillicheu Tätigkeit bildet, nickt nur recht zahlreich besucht wird, sondern daß ein jeder am Schluß deS Abends sagen kann:.Ende gut, alles gut!"— Anfang 7 Uhr. Billetts im Vorverkauf in den bekannten Zahlstellen 30 Pj., an der Kasse 40. Der Bildungsausschuß. Die städtischen Arbeiter Ripdorfs, empört über die Ablehnung ihrer bescheidenen Forderungen auf geringe Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen, hielte» am Dienstag bei Wolf(früher Wollbrandt) in der Kcrchhofstraße eine Protestvcrsammlnng ab, um ihrer Meinung über das.gute Herz" der bürgerlichen Stadt- vcrordnetenmchrheit für die Arbeiter Ausdruck zu verleihen, in der Berbandskollege Stadtv. W u tz I h referierte. Er erinnerte zunächst an den Wahtrechtsraub vom 17. Dezember vorigen Jahres, der die Arbeiterschaft bekanntlich in hellste Empörung versetzte, und schilderte dann in kurzen Umrissen, wie sich diesmal die Beratung des Etats im Stadtparlament abspielte, wie die bürgerliche Mehrheit an alle» Ausgabe» für soziale Fürsorge aufs äußerste zu sparen suchte, wie ma» hinsichtlich der Aufbringung der Mittel in alter Weise weiter- wurstelte und die»och im vorigen Jahre vom Magistrat für unbedingt notwendig erachtete Steuerreform ausblieb, um die Besitzenden auf jeden Fall vor höherer Belastung zu bewahre». Daß umcr solchen Umständen auch die städtischen Arbeiter schlecht wegkommen lvürden, ist ja begreiflich. Weder der Magistrat noch die bürgerliche Stadtverordnetenmchrheit kam ihren Forderungen auch nur im geringsten entgegen. Die sozialdemokratische Fraktion suchte fchließlich um jeden Preis wenigstens etwas sür sie herauszuschlagen. Aber felbst ihr Antrag, die Tagelöhne um 25 Pf. zu erhöhen und die zehustiindige Arbeitszeit aus neun Stunden zu verkürzen, wurde von der bürgerlichen Mehrheit einstimmig abgelehnt, obwohl selbst Herr Nahmig, der Oberschieber beim Wahlrechlsraub, zugeben mußte, daß denn doch mit 4 M. Tagelohn nicht auszukommen ist. Der Ober- bürgcrmeister hatte pathetisch ausgerufen:„Wir übertreffen ja mit unseren Arbeiterlöhnen sogar Charlottcnburg." Die sozialdemo- kratifchen Stadlverordnete» wiesen nach, daß Charlotten- bürg, das schon laiige Teuerungszulagen eingeführt hat, und andere Gemeinden Groß- Berlins ihre Arbeiter denn doch noch ein bißchen besser bezahlen als Rixdorf. Aber es half nichts. Man antwortete immer wieder:„Es geht eben nicht; es ist kein Geld da." Ebenso lehnte man die Arbeitszeit- verlürznng ab, obwohl einer der Herren selbst erklärte, daß er in seinem eigenen Betriebe recht gute Erfahrungen mit einer solchen Maßnahme gemacht habe. Selbst die Vertreter der Beamten- und Lcbrerschast, der linke Flügel des bürgerlichen Blocks, sorgten dafür. daß den Arbeitern keinerlei Verbesserung zuteil wurde. Was schließlich dabei herauskam, war, daß ein Verlegenheitsantrag des Justizrats Abraham angenommen wurde, wonach der Magistrat erwägen soll, ob eine Verkürzung der Arbettszeit der städtischen Arbeiter wünschens- wert ist. Der Redner bemerkte hierzu, daß die Arbeiter selbstver- ständlich ans diesen Beschluß keine großen Hoffnungen setzen könnten. Die sozialdemokratische Fraktion werde jedoch alles aufbieten, den Magistrat aufzurütteln, das Gewissen der Mehrheit zu schärfen. Im übrigen aber wies der Redner in treffenden Worten darauf hin. daß die gewerlschafiliche und politische Organisation, vor allem auch der Kampf mn die politische Gleichberechtigung in Staat uud Gemeinde, unbedingt notwendig find, um mit der reaktionären Wirtschaft endlich einmal aufzuräumen.— In der Diskussion, die dem mit lebhastein Beifall aufgenommenen Vortrage folgte, kam die Eiitrüstung über die Ablehnung der Forderungen zum Ausdruck. Die Lersammliing nahm einstimmig folgende Resolution an: .Die heute, am 6. April 1909. im Saale deS Herrn Wolf, Kirchhofstraße 41. zahlreich versammelten Arbester und Handwerker aller städtischen Betriebe RixdorfS erheben schärssten Protest gegen die Ablehnung ihrer Antrage zum Etat durch die Stadtverordneten- Mehrheit. Die Versanimelten sind über diese Ablehnung umsomehr empört. als den Beamten in Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse erhebliche Gehaltsausbesserungen zuteil wurden. Unter der gleichen wirtschafilichen Notlage leiden in noch größerem Maße die schlecht entlohnten städtischen Arbeiter. Die Versammelten bedauern auf das lebhafteste die durch nichts zu rechtfertigende ablehnende Be- Handlung ihrer Anträge. Sie erklären, an den abgelehnten Anträgen unbedingt festhalten zu wollen." Im Streit versuchte Dienstagabend der 46 Jahre alte Händler Karl Thiel ouS der Urbanstr. 102 seine Geliebte, die Näherin Anna Driese geb. Schröder, eine Witwe von 43 Jahren, in ihrer ZSohmmg in der Pannierstr. 59 zu Rixdorf zu erstechen. Frau Driese hatte die Absicht, Thiel zu heiraten, erfuhr aber im letzten Augenblick, daß er schwer bestraft ist. Sie brach jetzt die Beziehungen ab und wies ihren, Geliebten um 0% Uhr die Tür. Darüber gab es nach der Darstellung Tbiels, der in der Nacht um 12 Uhr, als er seine ficiuslür aufschließen wollte, blutbesudelt von Nixdorfer Krimmal eaniten festgenommen wurde, einen hefligei, Streit, in besten Ver- lauf er der Frau Driese mit deren Zuschneideschere elf Stiche in den Rücken, die Brust und einen Arm beibrachte. Die Verlvundete liegt ini Nixdorfer Krankenhause schwer, aber nicht unbedingt lebens- gefährlich danieder. Ächöueberg. Bei der gestrigen lourde der Freisiunige 20 Stiminen gewählt. 13 Stimmen. Stadtverordneten- Ersatzwahl in Schöneberg Privatdozeilt Dr. Graf M a t u s ch k a mit Der Gegenkaildldat Dr. Dietzsch erhielt Die Parteigenossen der schulentlassenen Jugend in Schvneberg werden darauf aufmerksam gemacht, daß am Karfreitag ein Ausflug der jugendlichen Arbeiter Schönebergs stattfindet. Treffpunkt ?>/< Uhr Bahnhof Ebersstraße, für Nachzügler O'/z Uhr Bahnhof Grunewald. Um rege Beteiligung bittet Der Jugendbildungsausschuß. Bankow. Mit der Aufstellung der Delegierten zur Generalversammlung der Ortskraukeukasse beschäftigt sich heute. Donnerstag, abends 8'/z Uhr. eine öffentliche Mitgliederversammlung, die im Saale des Herrn Roztzcki, Kreuzstr. 3/4, abgehalten wird; außerdem hält Genosse Bauer einen Vorttag über:.Soziale Gesetzgebung". Treptow-Baumschulenweg. Einei, volkstümlichen Kunstabcnd unter Leitung der Frau Mar- garete Walkotte veranstaltet der Gesangverein„Liedesfreundschaft", M. d. A.-S., in Speers Festsälen, Baumschulenstr. 78, am 1. Oster- feiertage, abends 7 Uhr sür das geringe Eintrittsgeld von SO Pf. Da ganz Besondere? geboten wird, wird zahlreicher Besuch erwartet. Dieses wäre erwünscht, weil die Mitglieder obigen Vereins bei allen Parteiarrangements zur Stelle sind. Ober-Schöneweide. Schulangclegenheiten. Die Verabreichung warmen Frühstücks an bedürftige Kinder der Volksschule soll nach den, Beschluß der Schul deputation auch im Sommerhalbjahre stattfinden. Es ist ein be redteS Zeichen der Zeit, daß in den drei Gemeindeschulen zirka 40 Kinder vorhanden sind, welche solcher Zuwendung bedürftig sind. Daß die Schulverwaltung aber auch für den Wert geistiger Nahrung das nötige Verständnis hat, beweist die Tatsache, daß hin- fort neben dem 5turatuS Rennoch, welcher an der katholischen Schule Religionsunterricht erteilt, ein Herr Kaplan Pollack für die oberen Klasisn Katechismusunterricht geben soll. Damit nicht genug, stellte der Geineindeschöffe Feldmann bei der Etatsberatung noch den An- trag, beim Realgymnasium mosaischen Religionsunterricht ein- zuführen. EL hat beinahe den Anschein, als ob man dem nicht ab- geneigt iväre, denn der Antrag wurde dem Kuratorium überwiesen. — Die Wirksamkeit der Fortbildungsschule soll der Oeffcnt« lichkeit in einer SchülerauS st ellung zugängig gemacht werden, ivelche am 12. und 13. April in der Aula der Schule in der Frischen- straße veranstaltet wird. Schmargendorf. J» der letzten Wahlvereinsversammlung erstatteten znnächst die Delegiertelt ihre Berichte von der KreiL« und der VerbandS-General- Versammlung. Dann machte Genosse Kullmann Mitteilung von dem finanziellen Ergebnis des im.Schützeiihanse" abgehaltenen Kostüm- feste, das einen Ueberschuß von 66,55 M. ergeben habe. Genosse Liewald verwies noch besonders auf das einzige freie Lokal am Orte mit großem Saal und Garten, das berücksichtigt werden müsse. wobei auf die Unterstützung der Berliner Genossen und der der West- lichcn Vororte gerechnet werde.— Das Arrangement der diesjährigen Maifeier ist folgendes: Vormittag Versammlung der Gewerkschaften im Cafö Pein, abends Parleiversammlung im.SchützenhauS" mit nachfolgendem Tanzkränzchen und sonstigen Unterhaltungen unter Mitwirkung der Arbeiter-Radfahrer- und Theatervereine. Vermischtes. Dreizehn Stunden i« der Luft. Das Reichsluftschiff„Z. I", das am Dienstagabend 9 Uhr 49 Minuten aufgestiegen ist, ist gestern morgen gegen 19 Uhr in Manzell wieder gelandet. Es hat sich l3 Stunden in der Luft bewegt und in einer inehrstündigen Kreuzfahrt verschiedene Ortschaften am Bodensee berührt. Mit dieser Leistung reicht das Zeppelinsche Luftschiff an den von Major Grotz mit dem Militärballon im Vorjahre erreichten Rekord heran. Holland in Rot. Der Servilismus und Byzantinismus hat auch außer Deutsch- lands Grenzpfählen seine Stätten. Das zeigt sich im Augenblick in Holland, allwo die Königin Wilhelmine in Kindesnöten ist. Dies- mal soll es ganz sicher sein, daß sie nach den vielen Unfällen dem Könige einen Sohn und damit dem Lande den„ersehnten" Thron- erben schenken will. Man rechnet ganz bestimmt darauf, daß ein Knabe das Licht der Welt erblicken wird und es sind schon alle möglichen uns unmöglichen Vorbereitungen getroffen worden. Damen aus der besten Gesellschaft haben bereits eine kostbare Wiege gespendet, die man wochenlang zur Ansicht ausgestellt hat. auch eine wundervolle Puppe mit einem wertvollen Juwelen- geschmeide ist bereits gestiftet. Jetzt fehlt nur noch das Kind. Alle möglichen hygienischen Vorsichtsmaßregeln wurden getroffen, um die Möglichkeit einer Infektion vor und nach der Niederkunft zu verhüten. Die Kanonen, die den Salut bei der Geburt des Kindes geben sollen, stehen schon seit acht Tagen in Bereitschaft. Den Offi- zieren der Garnison von Haag uns Umgegend wurde der übliche Ostcrurlaub verweigert, damit bei der Geburt des Kindes die Garnison vollzählig vertreten ist. Die höchsten Staatsbehörden er- hielten den Befehl, die wichtigsten Dokument« in Eile der Königin zu unterbreiten, da vom heutigen Tage ab bis zur Niederkunft die Königin keine Dokumente untcrschrclbcn und auch kein wichtiges Staatsgeschäst in Erwägung ziehen werde. Der Geburtshelfer, Prof. Dr. Äomver, besucht die Königin jeden Tag und ist mit oem Ergebnis seiner Untersuchung zufrieden. Die beiden Ammen loerdcn im Königlichen Schlosse zurück- behalten; der Besuch ist ihnen verboten, um sie vor irgendwelcher Ansteckung der jetzt im Haag grassierenden Masernepidemie zu be- wahren. Ebenso müssen alle Personen der Umgebung der Königin Besuche in der Stadt und in der Gesellschaft vermeiden, ocsgleichen haben die Hofbeamten und Hofbedicnsteten ihre Kinder aus den Schulen zurückgezogen. Tie Geschenke, die aus allen Gegenden Hollands eintreffen, wurden unter Glas gestellt, um die Verbreitung von Jnfektionskeimen zu verhindern. Die Salutschüsse werden erst drei bis vier Stuirden nach der Geburt des Kindes abgegeben werden, erst wenn jede Gefahr für Mulier und Kind vorüber ist. Ebenso werden die Herolde, welche die Geburt des Kindes in der Stadt verkünden sollen, �«rst drei Stunden nach der Niederkunft ihren Umzug durch die Stadt unternehmen. Der bedauernswerteste von allen ist der Justizminister, der jede Nacht in einem Appartement des Königlichen Schlosses zu- bringt und jeden Augenblick gewärttg ist, in das Zimmer ver Königin gerufen zu werden, wo ihm das Kind präsentiert werden soll. Mau sieht der Niederkunft der Königin ungefähr für den 17. April entgegen. Weit» nur nicht der launische April durch die ganzen, geradezu unglaublichen Vorbereitungen zum Thronerbenempsaug einen großen Strich macht._ Zentralverband der freie« Händler. Hausierer und vcrw. Bernfögenossen Tentschlands, Sitz Essen. Heute abend 3'/, Uhr: Ver- sammlung bei Dräsel, Neue griedrichslrr 35. Kollegen willkommen. Freie Jugendorganisation. Abteilung Weißensee. Heute abend S'l, Uhr: Mitgliederversammlung bei Weber, Friedrichstr. 37. Vortrag. Eingegangene Druckschriften. Tie Rcichsfilianzreform. Ein Führer. 2. Band. 60 Pf. H. Hillzcr, Berlin W. 9. Mathilde Franziska Anneke, die erste große deutsche Verfechter!» des Frauenstimnirechis. Von Regina Rüben. R. Rüben, Berlin, Barbarossa- straße 53. 50 Pf. Tie Bcrsassuug Bosniens und der Herzegowina. Von Dr. R. Stojanovitsch. 6 Seiten. Zur Neugestaltung des Urheberschutzes gegenüber mechanischen Musikinstrumenten. Denlschrijt von Dr. L. Vollmann. Breiilops u. Härtel, Leipzig. »Tie französische Revolution." von Theod. Thomas, Leipzig. Broich. 282 Seiten. Von Peter Krapotku». Verlag 4.30 M., geh. 6 M. 284 und Dmfkasten der Redaktion. Tie(urlftllAt evrechftuud« N»de» Li»denftratze iftr. 3, zweiter Hof. dritter Eingang, vier Treppen, BW Jahrftu h l~&(M wochentäglich abends von T'/t dt» O'/i Ubr Natt.(fttiiftncl 7 lllir Soiinabeud» deginu« dt« Sprechstunde um k Itdr. Jeder ilnfrag» ist cm vnchftabe und eine Kahl als sllrrt, eiche» bciznfngea. Briefliche SlutUior» wird nicht erretlr. Bis zur Bcauttvortiiug im Briefkasten rönnen 14 Tag« Veraeden. Eilig«$ ragen trage man in der Sprechstunde vor. F. B. 94. Die tzerrschast braucht w diesem Fall in die Aushebung deS Vertrages nicht zu willigen und könnte Schadenersatz verlangen. — Flach 400. Die Forderung ist keineswegs verjährt. Liegen keine anderen Einwände vor, jo würde der Vater de» Kindes verurteilt werden. — Britz 40. 1. bis 3. Rein.— B. Z. 7. vwc Obervormundschast gibt es nicht. Man nennt hier und da das VormundschastSgericht: Oder- vortnundschast. Die Auszahlung deS Erbteils kann mmi nach dein Tode deS Erblassers verlangen. Der Vater hat über den Aufenthalt des minder- jährigen Kindes zu bestimmen.—®. Ol. Sie töiuicn den Abzug ver- suchen. Die Praxis ist dagegen.—«osta 00. Wenden Sie sich unter Schilderung des Sachverhalts mit der Bitte, die Beschleunigung zu ver- anlassen, an den Minister des Innern.— Max SO. Die Sachen gehören Ihrem Mann. Entwendung zwischen EhcgMtcir ist nicht strafbar. Das ratfainste ist, Sie setze» sich mit Ihrem Mann auseinander. — K. K. SS. Sie würde» mit Aussicht aus Erfolg aus Herausgabe der Papiere beim Amtsgericht klagen können.— Fünfjähriger Abonnent. Ja. — H. G. 47. Sowohl in dein Brief wie in der Karte können Ve- leidigungen gefmidcn werden. Zu eker Klage, die an sich möglich ist, raten wir nicht.— K. 90. 1. uud 2. 3! ein.— M. T. Der Vertrag ist gültig. Da nicht vereinbart ist, daß Ihre Frau unterschreiben soll, so be- uudcn Sie sich mit der Weigerung durchaus im Recht.—<5. D. 00. New. Das Kind kann aber auf Pflichtteil gesetzt werden.— Alter Bei- sister des Innnngsfchiedsgerichls. Der Vorsitzende ist durchaus im Unrecht. Eine Beschwerde Ihrerseits müßte Erfolg haben. Zlngcnehin wäre es uns, wenn Sie de« Vorfall selbst sowie das von Ihnen Angedeutete unter Nennung der Name» genauer schildern könnten.— Stcner- reklaination 1900. SSO. G. Die herrschende Ansicht läßt Abzüge der Uebersümden nicht zu. Der Entscheid des Finanzniütistcrs, der sich ans Oberzollbeamte bezieht, findet aus die Ucberstundcu der Arbeiter leine Anwendung.— vi. S!. 13. Sie müßten selbst die Ausgaben be- rechnen. 2 Mark erscheint angemessen.— V. B. 99. 1. und 2. Nein. — Streitfrage. Mit dem sogenannten Unsallzuschub verhält es sich solgilidermaßen: Beträgt daS Krankengeld iveniger als zwei Drittel deS nach dem Statut bei der Berechnung des Krankengeldes zugrunde ge- legten TagewhnS, so ist eS vom Beginn der 5. Woche nach Eüitrttt deS Unjalls ab bis zum Ablauf der 13. Woche bis aus diese zwei Drittel zu er- höhen. Die Differenz zwischen dem statutenmäßigen Krankengeld und diesen zwei Dritteln zahlt der Unternehmer an die Krankenkasse zurück. Der Verunglückte erhätt diesen Zuschuß von der Krantentasse. nicht vom Untcrnchuicr. Lelrägt daS gesetzliche oder stawienmäßige Krankengeld, das der Lcrletzke auS einer oder mehreren Kassen zusammen zu beanspruchen hat, bereits zwei Drittel deS bei der Berechnung de! Krankengeldes zugrunde acleaten Arbeitslohns oder mehr, so steht dem Verletzten ein Anspruch auf einen Unfallzuschuß nicht zu. Ist der Verletzte in eine», Krankenhause unter- gebracht und hat er Angehörige, deren Unterhalt er bisher aus seinem Arbeitsverdienst bestritten bat, so ist ihm ein Unfallzuschuß insoweit zu leisten, alS daS neben der Kur und Verpflegung gewährte Krankengeld ein Drittel deS bei der Berechnung desselben zugrunde gclcglcn Arbeitslohnes nicht erreicht. Beträgt der zugrunde gelegte Arbeitslohn 3 Marl, so wäre also daS den Angehörigen zu zahlende Krankengeld so zu erhöhen, daß es mindestens 1 Marl beträgt. Hat der in ewem Krankenhaus untergebrachte Verletzte keine solchen Angehörigen, so ist der Unsallzuschug nur dann zu leisten, wenn dem Kranken nach dem Kasseustatut neben sreicr Kur und Verpflegung ein Anspruch aus Krankengeld zusieht und dies Krantengeld den Betrag von einein Sechstel des bel der Berechnung zugrunde gelegten Arbeitslohnes(in den, Beispiele also HO Pjennig) nicht erreicht. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Narkthallei»>Djr«kt>on über den Großhandel w den Aeutral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach, Geschäst lebhast, Preise wenig verändert. Wild: Zusuhr sehr knapp, G-schäst rege, Prelse fest. Geflügel: Zufuhr nicht gc- nügend. Geschäst lebhaft, Preise fest. Fische: Zusuhr reichlich, Gcichäst ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändcrt. Gemüse, Obst und«udsrüchtc! Zusuhr genügend, Geschäst ruhig. Preise wenig verändert. lkvttteruugöüberstcht vom 7. April 1909, morgens 8 Ildr. Etatwaen LS l8 II 8f Slvwemd«! 772 RNA Hamburg Berlw 774 NW ! 773 NRW Franks.» M. 773 NO München Wien i 773 NO ! 771 NA Setter 2 wollig 1 wollen! 1 heiler 3wolkcnl 2 halb bd. 1 wölken! d* ei II Sa Äi Stationen S: c c_3 6® il Haparanda 767 O 2 Petersburg— l— Scillh 1 770 ONO Aberdeen Paris 775 VAS 770 NO Wetterprognose für Tonnerstag, den 8. April 1909. Vielfach heiter, nachts noch kühl, am Tage ziemlich warm bei schwachen nordwestlichen Winden; keine oder mierhcbliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WafferstandS-Nachrichten der LandeSailstalt für Gewäsierkmide, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vafferstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnfterbmg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Kwoffen , Frankiurt Sa r t h e, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Darb» , Magdeburg 9+ treiben. bedeutet Wuchs,— ') Eisfrei. Fall.—•) Uuterpegel.— 9 Schollen- .Bkranftvortlicher Redakteur,- HgflS Weber, Berlin, Für destLnseratentkilveravtw.j Th, Glocke, Berlin, Krück u. Vcrlpg: VorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo., Berlin SW,