Ur.84. Bbcnnemcnfs-Bedingungcn: SBonnemctüä- Preis pränumeranda i Viertcljiihrl. 8L0 Mk., monatl. l.lv Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags. Einaewagen in die Post-Zeltunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deulschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements »tshmen an: Belgien, Dänemark .Holland. Italien, Luzcmburg. Portugal, Slumänien, Schweden und die Schweiz, citttltt tSgllt» außer lilentags. Vevlinev Volksblatt. 36. Jahrg. vie fnlerlionz-<äebii!>r beträgt sür die scchSgespaltcnc Kolonel« zelle oder deren Raum BO Pfg., für politische und gewcrlschaftliche Lercius- und Bersaninrlungs-Anzeigcn M Psg. „Uteine Snreigen", das erste(fett- gcdrnilte) Wort 20 Pig, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas. slcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis li Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sczialiltinglirat Rcrlin", Zentralorgan der rozialdemokrati feben partei Deutfcblande. Redaktion t öd. 68, Lindcnstrasae 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Freitag, den 9. April 1999. Expedition: 8M. 68, Lindenatrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. De? Aeg zur Macht. Kautskys soeben erschienene Broschüre„Der Weg zur Macht" ist eine hocherfreuliche Publikation, die in möglichst weiten Kreisen verbreiten zu helfen die Leiter der Organi- sationen keine Mühe scheuen sollten. Gerade in dieser Zeit der Krise, die manchen Arbeiter dumpfer Hoffnungslosigkeit in die Arme zu treiben droht, gerade in dieser Zeit, wo der Revisionismus durch seinen zersetzenden Skeptizismus und seine verworrenen, widerspruchsvollen Experimentierversuche das Klassenbewußtsein und die klaren, zielsicheren Methoden des sozialdemokratischen Klassenkampfes zu trüben und zu beein- trächtigen sucht, ist eine Schrift doppelt willkommen, die nicht nur mit zlvingendcr Logik die Notwendigkeit des Festhaltens an der alten marxistischen Theorie und der bewährten marxistischen Taktik nachweist, sondern auch mit dem Feuer einer aus innerster Ueberzeugung strömenden Begeisterung die Notwendigkeit des Triumphes des proletarischen Klassen- kampfes kündet. Diese innige Durchdringung und Ber- schmelzung von wissenschaftlicher Schärfe und politischem Pathos reiht die neue Broschüre Kautskys den besten Streit- schriften an, die die deutsche Sozialdemokratie seit den Tagen des kommunistischen Manifestes hervorgebracht hat. Wenn Kautsky sich in seiner Schrift mit dem national- sozialen und revisionistischen Mißverständnis herumschlägt, die marxistische Theorie, die den menschlichen Willen durch die ökonomischen Verhältnisse bedingt und gelenkt sein läßt, schalte deshalb den menschlichen Willen, die politische Energie aus dem historischen Getriebe aus, so führt der ganze Charakter der Kautskyschen Schrift dies groteske Mißverständnis aä absurdum. Denn so selbstverständlich es für einen Vertreter des historischen Materialismus wie Kautsky ist, seinen Darlegungen ökonomische Tatsachen, statistische Beweise zugrunde zu legen, so weltenfern liegt es ihm, die geschichtliche EntWickelung als einen Mechanismus zu be- trachten, der sich außerhalb des menschlichen Willens vollzöge, so entschieden ist Kautsky vielmehr bemüht, die Einsicht des Proletariats in seine Klassenlage und die sich daraus ergebenden geschichtlichen Notwendigkeiten in äußerste Willensenergie und politische Tatkraft umzusetzen. „Der Weg zur Macht" betitelt sich Kautskys Broschüre. Er untersucht die Mittel, deren sich das Proletariat bedienen kann, um seine politische und soziale Emanzipation durchzusetzen. Diese Emanzipation vermag das Proletariat nur durch Verwirklichung des Sozialismus, durch die Vergesell- schastung der Produktionsmittel zu erreichen. Und diese soziale Revolution, diese Entthronung der auf dem Privat- eigentum aufgebauten Klassenherrschaft, ist nur möglich durch die Eroberung der politischen Geivalt durch das Proletariat. Die politische Macht kann aber durch das Proletariat, so lehrt Kautsky, nur durch den mit aller Kraft und Entschieden- heit geführten Klassenkampf erobert werden; sie ist nicht zu gewinnen durch gemütliches„Hineinwachsen" in die sozialistische Gesellschaft und die soziale Demokratie. Wer dem Proletariat einredet, daß es sich bei seinem Kanipf um Durchsetzung der Demokratie und des Sozialismus eine ivescntliche Unter- stützung durch gewisse Schichten der Bourgeoisie und des Kleinbürgertunis versprechen könne, wiegt es in trügerische Illusionen ein. Der Sieg aber fällt dem Proletariat um so rascher zu, je freier es sich von Illusionen hält, je deutlicher es die zu brechenden Widerstände erkennt, je mehr es sich auf die eigene Kraft verlassen und diese eigene Kraft stählen lernt. Kautsky untersucht die reformistische Ansicht von dem „Hineinwachsen" in die sozialistische Gesellschaft. Dieses Hinein- wachsen beschränkt sich auf die Entwickclung der ökonomischen und politischen Vorbedingungen für den proletarischen Klassen- kämpf und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Ent- Wickelung der Industrie schafft in zwiefacher Beziehung die Vor- bedingungen für den proletarischen Klassenkampf. Sie verschiebt das Verhältnis der ländlichen zur städtischen Bevölkerung: während 1871 die ländliche Bevölkerung noch zwei Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte, bildete sie 1903 nur noch zwei Fünftel. Gleichzeitig verminderte die industrielle EntWickelung den Prozentsatz der wirtschaftlich Selbständigen zugunsten der gelvaltig anschwellenden Armee des Proletariats. So schafft die ökonomische EntWickelung die Bedingungen sür den proletarischen Klassenkampf, für starke gewerkschaftliche Organisationen und eine starke politische Bewegung des Proletariats. Zugleich auch, durch die Konzentration der Betriebe, die Vor- bedingung für die Vergesellschaftung der Produktion. Freilich ist es ein Wahn, zu glauben, daß sich nun auch der Ucbergang zur Demokratie und zum Sozialismus gleich- sam mechanisch, ohne die erbittertsten Kämpfe zu vollziehen vermöchte. Denn dieselbe ökonomische Entivickelung. die ein so zahlreiches Proletariat, die gewerkschaftliche und politische Organisationen schafft, erzeugt auch den heftigsten Widerstand gegen die proletarischen Bestrebungen, erzeugt Unternehmer- organisationen. Scharfmacherverbände, politische Koalitionen gegen die Sozialdemokratie usw. Und je mehr sich das Proletariat seiner Klasscnlage und Klassenintercssen bewußt wird und sich in Gestalt seiner Organisationen Waffen für den wirtschaftlichen und sozialen Kampf schmiedet, desto mehr erstarken auch die Unternchmerorganisationen. desto rückhalts- loser werfen sich die kleinen Ausbeuter in Stadt und Land den großen Ausbeutern in die Arme, desto reaktionärer wird auch das ehedem liberale Bürgertum, desto mehr spitzen sich die Machtkänipfe zwischen Proletariat und Bourgeoisie zu. Und so wenig von einem Hineinwachsen in den Sozialismus und die Demokratie die Rede sein kann in einer Zeit der völligen Stagnation der Sozialrcform, einer Zeit, wo selbst das Reichstagswahlrecht sich infolge der skandalösen Wahlkreis- geometrie immer niehr zu einem Pluralwahlrccht gestaltet, so wenig wächst das Proletariat auch materiell in den Zukunfts- staat hinein. Wenn sich auch der Geldlohn des Proletariats erheblich gehoben hat, so keineswegs der Reallohn, die Kauf- kraft der Arbeiterklasse. Nicht einmal in Amerika, wo der Reallohn der Arbeiter im letzten Jahrzehnt, einer Zeit bei- spiellosen wirtschaftlichen Aufschwunges, sogar um ein Geringes zurückging, obwohl Amerika nicht wie Deutschland Agrarzölle besitzt. Und wenn das Proletariat bisher seine Lebenslage kaum zu verbessern vermochte, so wird es erst recht an einem idyllischen Hineinwachsen in den Sozialismus verziveifeln müssen angesichts der steigenden Lebensnüttelpreise, angesichts der ebenso starken wie brutalen Unternehmerorganisationen, des Zustroms ausländischer Preisdrücker auf dem Arbeits- markte, der gelben Organisationen usw. Kautsky zerstört diese Legende von dem Hineinivachscn aber nicht so grausam, um das Proletariat düsterer Ver- zweiflung zu überlassen, sondern im Gegenteil, um es zu um so heroischeren! und, wie er nachweist, unwiderstehlicheren! Kampfe anzufeuern. Denn wenn das Proletariat auch vom„Hineinivachscn", d. h. von einer kurzsichtig oppor- tunistischen, auf ein Paktieren niit den kapitalistischen Ten- denzen und den bürgerlichen Parteien gerichteten Taktik nichts zu erwarten hat, so ist es des Erfolges umso sicherer, je entschiedener es sich auf den Boden des Klassenkampfes stellt. Drei Viertel des ganzen Volkes, so weist Kautsky nach, bilden schon jetzt das Rckruticrungsgebiet der Sozialdemokratie. Diese drei Viertel, die kein Interesse an der Verewigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung haben, köunen und müssen für den Sozialismus, für den proletarischen Klassenkampf ge- Wonnen werden! Sie können dadurch gewonnen werden, daß sie zur Er- kenntnis ihrer Klasscninteressen gebracht werden, daß ihnen der frevelhafte Aberwitz der Politik unseres heutigen Kapitalismus, des Imperialismus, enthüllt wird. Denn diese Politik des Jniperialismus, des weltpolitischen Wettrüstens. ist es gerade, die die Volkswohlfahrt zer- rüttet, die Massen durch Steuern ausplündert, die Staatsmittel für kulturfeindliche Zwecke vergeudet, so daß sür eine Politik des sozialen Fortschritts keine Mittel übrig bleiben. Imperialismus und Sozia- l i s ni u s, das sind die beiden feindlichen Weltanschauungen, zwischen denen der Kampf in absehbarer Zeit zum Austrag gebracht werden muß! Es ist natürlich unmöglich, in einem kurzen Artikel auch nur einen dürftigen Begriff der Fülle anregender, anfeuernder, begeisternder Gedanken zu geben, die in den mehr als 100 Seiten der Broschüre Kautskys enthalten sind. Wir können es nur nochmals wiederholen: diese echte Zeit- und Streitschrift gehört in die Massen des kämpfenden Prole- tariates selbst!___ Wie preuMiche llliniiler„kreiert" werden. Wie die Dualität der deutschen Diplomaten steht bekanntlich auch die der preußischen Minister beträchtlich unter den, im westlichen Europa üblichen Durchschnitt. Verwaltung�- und Bureauincnschen, die es in anderen Ländern höchstens bis zum Burcauchcf brächten, steigen in Preußen, wenn sie ehemals Korpsstudenten waren, gute verwandtschaftliche Beziehungen haben und sich den in den leitenden Kreisen herrschenden Anschauungen anzu- passen verstehen, auf der Nanglciter bis zum Staatssekretär empor. Wer allerdings weiß, wie so manche der preußischen Minister im letzten Halbjahrhundert.kreiert" worden sind, dem erscheint solche Mittelmäßigkeit durchaus nicht verwunderlich. Ein neues hübsches Beispiel dafür, wie preußische Minister entstehen, bietet das dieser Tage im Verlage von S. H i r z e I in Leipzig er- schienene Buch:„Sechs Jahre Chef der Reichskanzlei u n t e r d e m F ü r st e n B i S m a r ck", in dem der ehemalige Chef der Reichskanzlei, Christoph v. Tiedemann, verschiedene seiner Er- lebnisse erzählt, darunter auch seine Bemühungen, nach der Ber- abschiedung des Finanzministers Camphausen und des Handelsunnisters Achenbach im Jahre 1878 einen neuen Finanzminister zu finden. Bismarck und Tiedemann zerbrechen sich vergebens den Kopf. woher sie den neuen Finanzmiuifter nehmen sollten, als Herr v. Tiedemann eines Abends im Klub den Baurat JameS Hobrecht traf und nun in der Weinlaune darauf verfiel, dessen Bruder, den Ober- bürgermeister Artur Hobrecht für den Finanzministerposten zu empfehlen. Er erzählt selbst darüber: Während ich zum Reichskanzleipalais fuhr, überlegte ich mir, ob Hobrecht nicht in der Tat sich zum Finanzminister qualifiziere. Ich war hierüber noch nicht mit mir im reinen, als ich ins Schlafzimmer des Fürsten trat, der sich bereits zu entkleiden begonnen hatte und mich mit den Worten empfing:„So, nun hat Stephan auch abgelehnt. Na, P ö t t e r, w a t malt w i n u?" Ich antwortete, daß ich einen Finanz», inister gefunden zu haben glaube und nannte frischweg Hobrecht. Der Fürst besann sich eine Weile und äußerte dann, das scheine ein glücklicher Gedanke zu sein. Dann fragte er mich, ob ich mit Hobrecht so genau bekannt sei, daß ich ihn noch in dieser Nacht überfallen und fragen könne, ob er Minister werden wolle. Ich bejahte dies. Der Fürst bat mich nun, Hobrecht sofort aufzusuchen und ihm dann Nachricht zu bringen. Er werde nicht einschlafen, bis ich zurückgekehrt sei. Es war nach ein Uhr nachts, als ich an HobrechtS Wohnung klingelte. Der Diener, der mich kannte, teilte mir auf mein Be- fragen mit, daß der Herr Oberbürgermeister sich noch in einer Abendgcsellschaf! befinde, aber jeden Augenblick zurückkehren könne, und führte mich dann in HobrechtS ArbeitSzinuner. Nach Verlauf einer kleinen halben Stunde erschien Hobrecht i m F r a ck und weißer Binde. denHut rmNacken, im leicht geröteten Gesicht einen ungewöhnlich lustigen Ausdruck, Haltung und Sprache ließen zweifellos erkennen, daß er aus einer sehr fröhlichen Gesellschaft kam. Er>var natürlich höchst erstaunt über meine Anwesenheit zu so später Nachtstunde, und sei» Erstannen wich nicht, als ich ihm möglichst unbefangen sagte, ich sei gekommen, um bei ihm noch eine Zigarre zu rauchen und eine Flasche Selterwasser zu trinken. Beides ivurde herbeigeschafft. Hobrecht entledigte sich seines GescllschaftSanzugeS und setzte sich mir dann behaglich und neugierig gegenüber, mehr und inehr zu der Ueberzeugung kommend, daß ich ihn, noch etivas Besonderes mitzuteilen habe. Als er endlich mit einer direkten Frage herausrückte, ant- wartete ich:„Ja. ich wollte Sie auch beiläufig fragen, ob Sie nicht Lust haben, Finanz mini st er zu werde n." Hobrechl sah mich starr an. Er hielt das Ganze für einen Scherz und wußte offenbar nicht recht, ivie er ihn aufnehmen sollte. Als ich indessen meine Frage kaltblütig Wiederholte und dabei hinzufügte, der Kanzler habe mich ausdrücklich beauftragt, noch in dieser Nacht mit ihm zu verhandeln, sprang er erregt ans, lief im Zimmer umher und rief hochaufatmend;„Diese Sache könnte einen ja mit einem Male nüchtern mache n." Nach einer Weile fragte mich Hobrecht, wann er mich morgen vormittag sprechen könne. Ich antwortete, daß ich bis 12 Uhr zu Hause sein werde.„Nun", sagte Hohr echt, ich iverde mir die Sache beschlafen: wenn ich aber morgen im Kater noch so denke, wie heute in der Besoffenheit, so sage ich: Ja! Also auf Wiedersehen morgen." Bin anderen Tage in der Katerstimmung wurde Hobrecht Finanzminister. Er verstand zwar herzlich wenig vom Finanzwesen, aber das macht bei einem preußischen Minister nichts aus. Hobrccht hat später selbst erzählt, Bismarck habe auf seine Ein- Wendung, daß er von den Finanzen eigentlich gar nichts verstehe, geantwortet:„Um so unbefangener werden Sie an die Geschäfte herantreten." erpreiinng. Die Strafgesctznovelle gibt bor, eine Verbesse» rung des Erpressungsparagraphen zu bringen. Das ist, wie wir nachgewiesen haben, falsch. Und ebenso falsch ists, wenn die Begründung zu dieser Aenderung den Anschein erweckt, daß die jetzige tolle Auslegung des Begriffs Erpressung Arbeiter und Unternehmer gleichmäßig bedrohe. Sie trifft in der Tat nur die Arbeiter— noch ist kein deutscher Staatsanwalt gefunden worden, der einen Unternehmer angeklagt hätte, der Ar- bciter unter Androhung der Aussperrung oder Entlassung gc- zwungen hat oder zu zwingen suchte, in eine Lohnverkürzung zu willigen. Und wenn sich einer fände, wo fände er in Deutsch- land ein Richterkollegimn, das in solchem Falle verurteilte! Jüngst hat ein Maurermeister im Braunschmeigischen„seinen Leuten" aufgetragen, einen Lagerplatz zu räumen. Einen ganzen Tag nahm die Arbeit in Anspruch. Aber Bezahlung gabs dafür nicht. Der Herr Maurermeister hatte„seinen Leuten" erklärt, er zahle nichts dafürl Gezwungen wurde keiner— aber die Entlassung drohte dem Frechen, der sich weigern würde, sich einen ganzen Arbeitstag unentgeltlich vom Meister ausbeuten zu lassen. Der Herr Maurermeister hatte keinen Zweifel darüber gelassen I Wenn der Leser sich gütigst unserer beiden Artikel in Nr. 68 und 67 über die„Verbesserung des Ecpressmigsparagraphcn" und unserer damaligen Darlegung über die famose Rechtsauslegnng erinnern will, die es möglich macht, die Ankündigung des Streiks als Erpressung oder Erprcssnngsvcrsuch zu strafen, so wird er sich sagen müssen, daß der Fall des Maurermeisters im Braunfchlvcigi» scheu auf diese Rechtsauslcgung wie angegossen paßt! Kein Zweifel, daß der Herr einen„rechtswidrigen Vermögensoorteil" erstrebt und eingesackt hat, denn er hat keinerlei Anspruch auf uu- bezahlte Arbeit; kein Zweifel, daß er diesen rechtswidrigen Ver- mögensborteil erlangt hat, indem er durch eine Drohung— die Androhung der Entlassung— die Arbeiter zu einer Handlung— die Hergäbe unbezahlter Arbeitsleistung— nötigte. Alle Merkmale des Erpressungsparagraphen sind erfüllt, nichts fehlt, solange der Begriff„rechtswidriger Vermögcnsvorteil" so ausgelegt wird, wie es bisher bei den deutschen Staatsanwälten und Richtern Brauch war. Wenn der Arbeiter einen„rechtswidrigen Vermögensvorteil" an- strebt, sobald er höheren Lohn fordert, weil er auf diesen höheren Lohn keinen Rechtsanspruch hat, um wieviel mehr gilt das dann von dem Unternehmer, der dock) sicherlich keinen Rechtsanspruch darauf hat, daß die Arbeiter ihm unentgeltlich die Arbeit ber» richten! Ja, dreht man die Sache nach allen Seiten, so will es uns scheinen, daß die Arbeiter noch besser dabei fahren. Der§ 152 der Gewerbeordnung läßt eS ausdrücklich zu, daß sie durch Vereinigung eine Erhöhung ihres Lohnes anstreben. Dem Unternehmer ver. bietet allerdings kein Gesetz, daß er den Lohn so niedrig drückt wie er kann, ebensowenig, daß er sich unbezahlte Arbeit leisten läßt— aber sicherlich wird eine alles normale Maß tveit überschreitende AnS- bcutung der wirtschaftlich Schwächeren bis weit in die bürgerlichen Kreise hinein«ils sehr wenig anständig empfunden, ja sie hat für jcSctt ßcfutib Empfindenden eine fatale Achnlichleit mit Wucher. Auch vom moralischen Gesichtspunkte aus ist die Handlung des Meisters verwerflich. Also wird ihn der Staatsanwalt wegen Erpressung unter An- klage gestellt haben? Das nicht! Aber ein Strafverfahren hat der Vorgang aller- dingS im Gefolge gehabt. Nämlich gegen den Genossen Brenner vom Braunschweiger„V o l k S f r e u n d", der die Handlung des Maurermeisters— Erpressung genannt hatte! Er wurde jüngst wegen Beleidigung des braven Maurermeisters zu 2 S M a r k Geldstrafe verurteilt! Von Rechts wegen! Und von Rechts wegen auch wurden die Arbeiter ver- urteilt, die im Lohnkampfe dem Unternehmer den Streik in Aus- ficht gestellt hatten. Denn sie begingen oder versuchten Er- tzressungl Politische Kleber licht. Berlin, den 8. April 1909 Der Staat als agrarisches Ausbeutungsobjekt. Die Frage der Getreideeinfuhrscheine und ihre ungünstige Beeinflussung der Einnahmen aus den Getreide- Zöllen hat, wie verschiedene Blätter melden, zu Erwägungen der Reichsregierung Anlaß gegeben. Das System der Ein- führungsscheine beruht bekanntlich darauf, daß bei der Aus- fuhr von Getreide auS dem Zollmlande Bescheinigungen erteilt werden, die dem Einfuhrzoll der ausgeführten Getreide- menge entsprechen. Diese Bescheinigungen können dann innerhalb sechs Monaten zur zollfreien Einfuhr sowohl von Getreide als auch gewisser anderer Waren, wie Petroleum llnd Kaffee, verwendet werden. Durch die verschiedene Höhe der Getreidezölle von beispielsweise 5 M. für den Doppelzentner Hafer und 1,30 M. für Futtergerste ist es nun möglich, bei der annähernden Gleichwertigkeit dieser beiden Getreidearten für den Wirtschaftsbetrieb der Landwirtschaft deutschen Hafer in großen Meugen auszuführen und dafür fremde Futtergerste einzuführen. Die hierbei entstehende Differenz der Zollbeträge be- deutet einen tatsächlichen Verlust an Zoll- einnahmen für das Reich. Am vernünftigsten wäre eS. daß die Einfuhrscheine nur zur zollfreien Einfuhr von Getreide derselben Art verwendet werden dürften; aber darauf werden sich die Herren Agrarier nicht einlassen, denn das heutige System der Einfuhr- scheine erhält nicht nur die Getreidepreise imdeutschenZollinlande auf einer Höhe, die dem Weltmarktpreis plus Zoll entspricht, sondern gestattet den Agrariern auch noch allerlei Extraprofite, da die Einfuhrscheine an den Börsen wie Wertpapiere ge- handelt werden. Allerdings vprliert der Staat durch daS heutige System einen beträchtlichen Teil seiner Zolleinnahmen; aber was geht das die Agrarier an? Nach ihrer Ansicht ist der Staat lediglich zum Vorteil der ländlichen Groß- grundbesttzer da und die erste und hehrste seiner Aufgaben besteht darin, auf Kosten der„plebejischen" Masse den„Edelsten und Besten" schöne Revenuen zusichern. Es ist des- halb mit Sicherheit anzunehmen, daß die Agrarier sich jeder Aenderung des für sie so profitablen heutigen Systems wider- setzen werden; und die Regierung, die doch nichts anderes ist als ein agrarischer Jnteressentenausschuß wird— wie immer— gehorsamst nachgeben._ Die Konservativen in der Klemme. Der„Tägl. Rundschau' wird von gemähigt konservativer Seite geschrieben: .Nach Matzgabe zuverlässiger Ermittelungen wird die frei- konservative Partei des Reichstages geschlossen für eine ausgebaute Erbanfall st euer— etwa nach dem be« kannten Vorschlage des Landesvereins der sächsischen Konserva- tiven— eintreten. Dagegen find von der konservativen Partei des Reichstages zurzeit erst zehn bis zwölf Abgeordnete, darunter u. a. Abg. Graf von Schwerin- Löwitz, der bekannte Führer der deutschen Land- Wirtschaft, für die Erweiterung der Erbschaftssteuer gewonnen worden. Allgemein gibt inan sich in diesen Kreisen der Hoffnung hin, dah sich die Reichsregierung statt der geforderten 82 Millionen mit 60 Millionen Mark Sollerträgnis aus dieser neuen Besitzesstcuer begnügen werde. Ob diese Hoffnung berechtigt erscheint, entzieht sich vorerst noch unserer Kenntnis; jeden- falls wird man anerkemren müsien, datz eine moralische Verpflichtung hierzu nicht gegeben ist. Inzwischen wird bekannt, datz die konservative Partei unter den obwaltenden Verhältnissen außerordentlich zu leiden hat. Wie vorausgesehen werden konnte, hat der Kampf um die Nachlatzsteuer die konservativen Wähler in zwei La ger geteilt, die sich recht schroff gegenüberstehen. Am deutlichsten kommt der Zwiespalt in der konservativen Partei in den Massen- auStrittserklärungen angesehener Mitglieder aus konservativen Vereinen zum Ausdnick. Wieweit die Erbitterung gegen die extrem- agrarische Interessenvertretung gestiegen ist, geht daraus hervor, datz nian selbst solchen kon- servativen Vereinigungen den Rücken zukehrt, die sich auf den Boden der Nachlatzsteuer gestellt haben. Die öffentliche Meinung ist nachgerade einigermaßen verwirrt worden, und diese Verwirrung wird mit jedem Tage gesteigert werden, solange nicht von berufener konservativer Seite eine parteiamtliche Erklärung abgegeben wird, welche Zugeständnisse gemacht werden sollen.' Tatsächlich fühlen sich die Agrarier aus der Gefolgschaft deS Bundes der Landwirte in einer höchst ungemütlichen Lage. Deutlich kommt das nicht nur in der heftigen Mahnung an die Getreuen zum Ausdruck, die Ostertage dazu zu benutzen, den zum Abfall Neigenden das Rückgrat zu steifen, sondern auch in den verzweifelten terroristischen Mitteln, die Mitglieder der Reichspartei von einer offnenen Stellungnahme für die Nachlatzsteuer zurückzuhalten.' Selbst vor allerlei perfiden Verdächtigungen schreckt die „Deutsche Tageszeitung' nicht zurück. So zählt sie in letzter Nummer allerlei Aeutzerungen auS dem Jahre 1905 auf, in denen sich der freikonservative Abgeordnete Dr. Otto Arendt gegen die Erbschaftssteuer ausgesprochen hat. Allerdings zeigen manche der Aussprüche, datz dieses geistige Talglicht des Freikonservatismus nur— was man übrigen« auch bisher schon lvutzte— eine eigenartige Anpassungsfähigkeit und Wechselfähigkeit besitzt. So schrieb z. B. im Jahre 1905 Herr Arendt: „Man braucht durchaus nicht auf einem kapitalistischen Stand- Punkt zu stehen, um die R e i ch s e r b s ch a f t S st e u e r a b z u- lehnen, ja, man tritt damit nicht einmal der Erbschaftssteuer an sich entgegen. Das Deutsche Reich ist ein Bundesstaat, die staatlichen Aufgaben sind zwischen Reich und Staat eingeteilt, und so wenig die Grenzlinien zwischen Reich und Staat bei den AuS- gaben verwischt werden dürfen, so wenig ist es angängig, bei den Einnahmen eine Bermengnng eintreten zu lasien.... DaS Streben nach direkten Reichs st euern erachte ich für geradezu den Re ich Sbe st and gefährdend.' Und an anderer Stelle: „Die Besteuerung der Erbschaft zwischen Ehegatten und zwischen Eltern und Kindern widerspricht der deutschen Volks- anschauung und würde zu den schwersten Eingriffen in daS Familienleben führen.'_ Zur Rebellion im Lager der Konservativen. In Rosenberg haben sich Konservative für die Erbschaftssteuer ausgesprochen. Pfarrer Glanz betonte, datz viele Konservative nicht so egoistisch und materialistisch wie der Bund der Landwirte dächten, Professor Heidcnhain-Marienburg erklärte, er sei früher kon» servativ gewesen, aber er habe je' länger je mehr erkannt, datz die„Königstreue' der Konservativen nur nutzerer Deckmantel für ihre Sonderinteressen sei. Es gelte das Wort:„Unser König absolut, wenn er unscrn Willen tut!' Immer mehr sei die Partei in daS Fahrwasser der Agrarier hineingeraten, deren Bestreben einzig und allein dahin geht, die Lasten den ohnehin schwer känipsenden Städten auf- zuerlegen, v. Oldenburg hat von dem Portemonnaie der Besitzenden gesprochen, das er nicht dem Reichstage zur Verfügung überlassen will. Auf den Kreistagen aber, wo die Städter wenig zu sagen haben, verstehen die Groß- grundbesttzer sehr gut über das Portemonnaie der Städter zu verfügen." Zur Natltrgeschichte der württembergischen Demokratie liefert die Ablehnung des württembergischen Gesandtenpostens in München einen lehrreichen Beitrag. Wie gemeldet, hat bei der Beratung des Etats im Landtag auch die Mehrheit der Volkspartei gegen den total Lberflüsfigen Posten gestimmt, zum Entsetzen der Führer der Partei. Flugs wurde eine FraktionS- sitzung einberufen, in der die demokratischen Rebellen von ihren Meistern gründlich inS Gebet genommen wurden. Das Resultat war der einstimmige Beschlutz, in der zweiten Lesung den Posten wieder herzustellen. Dieser Ausgang der „Rebellion" demokratischer Oppositionshelden hat im ganzen Lande ein infernalisches Gelächter entfacht. Selbst die Nationalliberalen, die in der Regel mit der Regierung durch dick und dünn gehen, machen sich über die volksparteilichen Mannesseelen lustig. Solch eine Tragi- komödie politischer Würdelosigleit geht selbst über das national- liberale Verständnis. Der„S ch w. M e r k n r", das Organ der Regierung und der Nationalliberalen, veröffentlicht eine Zuschrift, in der der Beschluß der Kammer als„vernünftig bezeichnet und gesagt wird, datz die Ablehnung deS Postens die beste Antwort gewesen sei ans die Rede des Ministerpräsidenten, in der dieser ein„rücksichtS- loseS Vorgehen' bei den Bestrebungen zur Vereinfachung deS Beamtenapparates empfahl. Der„Merkur" fährt dann fort: „Aber schon kommt der hinkende Bote nach. Die Fraktion der Volkspartei hat beschlossen, bei einer zweiten Lesung den gestrichenen Etatsposten wieder herzustellen. Eine Mehrheit für diese Forderung ist also gesichert. Datz durch einen solchen Beschlutz die Arbeit der Kommission für Ersparnisse in der Verwaltung nicht gerade gefördert wird, ist einleuchtend. Denn eS wird wohl kaum eine Behörde oder eine Stelle in Württemberg geben, bei der nicht gesagt werden könnte: So wichtig wie der Gesandtenposten in München ist sie auch noch I Oder wissen die Herren von der Volkspartei nicht, was sich doch die Spatzen von den Dächern pfeifen, datz häufig gerade bei den wichtigsten Verhandlungen zwischen den einzelnen Bundesstaaten die StaatSminister unmittelbar mit einander verkehren, die Gesandten aber völlig auS- geschaltet sind? Auch die Tatsache, datz im Reich über die Bevor- zugung deS Adels im diplomatischen Dienst geklagt wird, während an der Versorgung unseres Adels im württembergischen diplomatischen Dienst niemand bisher einen Anstoß genommen hat, gibt zu eigen- tümlichen Schlüssen auf die Bedeutung dieses Dienstes Anlaß." Und das mutz sich die demokratische Fraktion im Organ der Nationalliberalen, dem Sprachrohr der württem- bergischen Regierung, sagen lassen I Weiter geht'S wirklich nicht mehr!_ Strafkompagnien für Diebe und bestraste Sozial- demokraten. Eine unglaubliche Nachricht, die selbst in der heutigen Zeit der Hetze gegen die Sozialdemokratie und der Ministerschaft eines v. Einem überrascht, bringt der„Berliner Börseu-Courier'. Das Blatt schreibt: „Im Fort Hah neberg bei Spandau soll eine Straf- abteilung für Reservisten und Landwehrmänner gebildet werden. Diese Einrichtung soll dem Zwecke dienen, auch die Mannschaften des Beurlaubtenstandes und der Landwehr, die dem Gardekorps angehört haben und späterhin im Zivilstande wegen ehren- rühriger Handlungen bestraft worden sind, von dem SInmmtruppcnteil deS Gardekorps fernzuhalten. Zu diesen Abteilungen sollen nicht nur diejenigen Mann- schaften kommandiert werden, die sich eines Verbrechens gegen daS Eigentum usw. schuldig gemacht haben, sondern auch diejenigen, die in ihrem Zivildwnst wegen M a j e st ä t S- belei'digung oder wegen gewisser sozialdemokratischer Vergehen bestraft ivorden sind. Die Kommandierung zur Ettafabteilung geschieht nicht auf immer, sondern sie kann von dem betreffenden Regimentskommandeur nach einjähriger, tadel- loser Führung aufgehoben werde». Sobald dieser Beschlutz gefaßt ist, wird der betteffende Mann wieder in die Stammlruppe eingereiht.' Bielleicht meint Herr v. Einem, durch derartige Matznahmen die Vaterlandsliebe zu fördem und den Geist»seiner" Armee zu heben.--_ Ein zungenfertiger Hirte. ES ist noch nicht allzulange her, datz die Einwohner de? badischen Dorfes E l ch e S h e i m wegen LandfriedcnbruchS zu mehrwöchigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, weil sie dem Lehrer, der sich die Aufmerksamkeiten deS Pfarrers für feine junge Frau nicht gefallen lasten wollte, die Fenster eingeschlagen und ihn mit Steinen bom- barbiert hatten.— Der Herr Pfarrer ging frei auS. Pfarrer wie Lehrer wurden versetzt. Der Nachfolger deS Pfarrers ist gegen sein« Pfarrkinder ein sehr liebenswürdiger Herr. Die Männer nennt er von der Kanzel herunter„Strohmänner" und bezeichnet sie als Sozialdemokraten. Die jüngeren Leute sind bei ihm„LauS- b üben und Sözzle", während er die Frauen und Mädchen »liederliche, verkommene Weibsbilder" tituliert. Der Gemeinderat beschwerte sich schließlich beim Bezirksamt in Rastatt mit kräftigen Worten. Statt aber den Pfarrer zur Verantwortung zu ziehen, wurden die sich beschwerenden Ge- meinderäte„wegen roher Ausfälle gegen die kirchliche Oberbehörde und den derzeitigen Pfarrer" zu 5 M. Strafe verurteilt. Die Arbeiter»ls Stimmvieh des Zentrum?. AuS Anlatz der Arbeiterfonderkandidawr bei der ReichStagSersatz- wähl in Düren-Jülich veröffentlicht die �.Köln. Volksztg.' eine Zuschrift auS„führenden Arbeiterkreisen'. Darin heitzt eS: .Wenn ein Wahlkreis etwa zu 25—30 Proz. auS industriellen Lohnarbeitern besteht, dann genügen bei einem mehrhundert- köpfigen Kreiswahlkomitee ein halbes Dutzend Vertreter ans dem Arbeiterstande nicht. Auch bei den engeren Ausschüssen, die die Kandidatenfrage vorzubereiten haben, sollte man Vertrauensleute der Arbeiter zuziehen. Das geschieht häufig noch nicht." Wenn daS Zentrum künftig wirklich aus der Not eine Tugend macht und die jetzigen paar Statisten„aus dem Arbeiterstande' um etliche zahnlose Exemplare verstärkt, so wird sich dadurch kein ge- scheiter Arbeiter über den wahren Geist, der diese Partei beherrscht, täuschen lassen. Vorbereitung für die kommende Tabaksteuer. Der„Germania" wird von einem Rohtabakhändler, der am 5. d. M. einige Ballen Tabak von Hamburg abgefordert hatte, ge- schrieben, datz ihm von der Hamburger Firma die Nachricht zuge- gangen ist, datz die Hamburger Zollbehörde die Tabake nur unter Vorlage der O r i g i n a l f a k t u r a zur Abfertigung bringe werde; eS sei eine Verfügung vom ReichSschatzamt eingelaufen. wonach Tabake nach dem Inlands vom 6. d. M. ab nur noch unter der ongebenen Bedingung zu versenden seien, da man noch mit der Einführung einer Wert st euer für Tabak außer den zu erhöhenden Zollsätzen rechne._ Sonderübungen für Reserve-Unteroffiziere. Auf die kriegSgemätze Ausbildung der Unteroffiziere und auch der Unteroffizier-Diensttuer soll auf Anordnung de? KriegSininisteriumS während der diesjährigen Reserveübungen die größte Sorgfalt gelegt werden, da gerade sie von besonderer Wichtigkeit sei. Die General- kommandos und obersten Waffenbehörden sind daher ernrächtigt worden, die für besondere Uebungssormationen bestimmten und die zu den Manövern einzuziehenden Unteroffiziere und Unteroffiziers- aspiranten der Reserve 8—14 Tage vor Leginn der Uebungen der ? Formationen oder der Mannschaften einzuberufen. Die für be- andere Uebungssormationen Bestimmten können während dieser Zeit zu einheitlicher Ausbildung in einem oder mehreren Standorten oder auf einem Truppenübungsplätze zusammengezogen loerden. Diese Sonderübungen dürften wohl sicher vielen Reseroeunteroffizieren nicht sehr gelegen kommen._ Preisfeststellung für Schlachtvieh. Zur Ausführung des kürzlich beschlossenen Reichsgesetzes über die Preisfeststellimg beim Markthandel mit Schlachtvieh fand gestern im Handelsministerium eine Konferenz statt, an der vom Handels- Ministerium Geh. RegierungSrat Dr. Göppert, vom Landwirtschafts- Ministerium Geh. Regierungsrat v. Falkenhayn, vom Polizei- Präsidium Polizeidirektor Maurer, als Vertreter der Stadtverwaltung Stadtrat Fischbeck und der Direktor des Vieh- und Schlachthofes Goltz teilnahmen. Im großen und ganzen war man. wie die „Allg. Fleischer-Ztg." meldet, über die Grundzüge für die Durch- führung des GeietzcS auf dem Berliner Viehhof einig. Danach soll bei Schweinen der Wiegezwang allgemein durchgefübrt werden. während bei Rindern, Kälbern und Hammeln die Wägung auf Stichproben beschränkt sein soll. Der Schlutzscheinzwang soll allgemein eingeführt werden, doch zur Wahrung des Geschäfts- geheimnisses auf dem Schlutzschein nur der Kommissionär, nicht auch der Verkäufer und Käufer angegeben werden. Bom Balkan. Eine Wendung der englischen Politik? Wie», 8. April. Die Meldungen, datz in England sich ein Umschwung in der Politik in bezug ans daS Verhältnis zu der Türkei vorbereitet, wird in hiesigen diplomatischen Kreisen bestätigt. Die englische Regierung ist entschlossen, sobald fich ein Wiederaufleben der Bandentätigkeit in Mazedonien bemerkbar machen sollte, für Mazedonien die Autonomie und die Ein- setzung eines Generalgouverneurs zu verlangen. Diese Wendung der englischen Politik gegenüber der Türkei wird auf das Bestreben Englands zurückgeführt, die Entente mit Nutzland so fest wie möglich zu gestalten. Die Unabhängigkeit Bulgariens. Konstantinopel, 8. April. Sir Edward Grey ließ den Minister des Auswärtigen Rifaat Pascha wissen, datz er hohen Wert darauf lege, dah die türkisch-bulgarischen Verhandlungen bis Ostern beende: sind. Auf der Pforte glaubt man, datz der Wunsch Greys erfüllt und die Türkei zun, Osterfest die Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgariens proklamieren werde. Schwerer Abschied. Belgrad, 8. April. Prinz Georg erklärte, nicht ftüher Serbien verlassen zu wollen, bevor ihm nicht die vom Minister Pasitsch zu- gesagten 1 Million Frank ausgezahlt seien. frankveicb. Die Postbeamten. Paris, 8. April. Der Sekretär des Allgemeinen Vereins der Post- und Telegraphenangestellten erklärte einen, Mitarbeiter des Pariser„Journal", daß er den Minister der öffentlichen Arbeiten B a r t h o u demnächst an seine behufs Beilegung des letzten Ausstandes gegebenen Versprechungen erinnern werde. So sei S i m y a n noch immer Untcrstaatssekretär. Falls die Regierung ihre Zusagen nicht erfüllen sollte, würde der Streik von neuem be- ginnen.—_ Protestierende Häftlinge. Paris, 8. April. In dem Gefängnis von Clairvaux meukerter mehrere anti militari st ische Häftlinge, die ihre baldig- Freilassung erhofft hatten, aus Zoni darüber, datz der Senat in die Ferien gegangen war, ohne das von der Kammer angenommene Amnestiegesetz zu erledigen. Nur mit Aufgebot von mili- tärischer Geivalt gelang eS, die AntiMilitaristen zu beruhigen. Sie wurden strafweise in Einzclzellen untergebracht. Ein mißglückter Anschlag. Paris, 8. April. Den Blättern wird aus Toulon gemeldet, datz von bisher unbekannt gebliebenen Missetätern der Versuch ge- macht worden sei, die Maschinen des Tauchboote«„Circe" zu zerstören, indem in die wicktigsten Räderwerke Eisenstücke hinein- geworfen wurden. Die Untersuchung habe ergeben, daß das Schiff beim ersten Hauptmanöber verloren geweien wäre. Der der- brecherische Anschlag habe unter der Bevölkerung und unter den See- leuten große Erregung hervorgerufen. Mißtrauische Matrosen. Paris, 8. April. Nach einem dem Marinemimsterium zu- gegangenen Bericht bestätigt es sich, datz drei Matrosen deS Tauch- booteS„Eigogne" sich geweigert haben, an einer Tauchübung teilzunehmen, da fie zu ihrem Kommandanten kein Vertrauen hätten. Nach anderen Meldungen haben bereits zweimal durch die Schuld des Kommandanten Unfälle stattgefunden. Dieser soll krank und in eine Heilanstalt gebracht worden sein. Velgien. Die Heeresreform. Brüssel, 8, April. Die militärische Unters, ichtmgSkommisfloft kam zu dem wichtigen Ergebnis, datz tatsächlich an der angeblichen Friedensstärke von 42 000 Mann rnnd 5000 Mann fehlen. Hiermit werden die Angaben des Kriegsministers bestätigt. DaS Ergebnis der militärischen Untersuchungskommisston macht die Reform de« Heerwesens notlvendig. Italien. Neue Befestigungen. Rom, 3. April. Die italienische Negierung hat beschlossen. Brindisi und Otranto zu befestigen. Zu diesem Zwecke ist bereits in Brindisi das Gefängnis in eine Kaserne umgewandelt worden, in welcher 800 Matrosen untergebracht werden können. Ein Pulverdepot und eine Artilleriestatton werden außerdem errichtet werden. Es werden im ganzen 30 Torpedoboore und Torpedoboot- Zerstörer sowie zwei Kreuzer in Brindisi stationiert werden. CUrhci. Die Prügelstrafe. Konstantlnopcl, 7. April. Kammer. Nachdem die Interpellation wegen der Ermordung Hassan Fehmis auf den 17. d. M. festgesetzt war, um der Exekutivgewalt Zeit für die Ergreifung des Mörders zu lassen, setzte das Haus die zweite Lesung deS Land- streicher-GefetzeS fort. Bei der Erörterung der Prügel- st r a f e kam es zu einem Zusammen st oß der Liberalen und Jungtürken. Die Liberalen forderten die Abschaffung der Prügelstrafe, während die Jungtürken, insbesondere die Ulemas, lärmend opponierten. Als die Verwirrung einen hohen Grad erreicht Patte, hob der Präsident die Sitzung auf. Die Ermordung Hassans Fehmi. Konstantin opel, den 3. April. Da anläßlich der morgen statt- findenden Beerdigung des ermordeten Chefredakteurs Hassan fsehmi große Demonstrationen gegen da? juugtürkische Komitee befürchtet werden, hat die Pforte umfaisende militärische Maßnahmen getroffen. Die Gerüchte über eine Abdankung des Kammerpräfideten Ahmed sind unbegründet. Hus der Partei. Der Jahresbericht der sozialdemokratischen Partei Ungarn?. Während der Ostertage hält auch die ungarische Sozialdemo- kratie ihren Parteitag ab; der Rechenschaftsbericvt des Vorstandes ist soeben erschienen. Die politische Situation ist wenig verändert, noch immer ist für unsere ungarischen Genoffen die Erriugung des allgemeinen gleichen Wahlrechts das wichtigste und zunächst zu er- strebende Ziel. Dieser Kampf um die Rechte des Volkes hat auch im vergangenen Jahre große Opfer gefordert. Die Brutalität und Verfolgungswut der Regierung und der Polizei haben sich noch ge- steigert. Aus der nachstehenden Tabelle der Strafen vom letzten Jahrzehnt ist ersichtlich, daß unsere ungarischen Genossen in keiner Zeit fanatischer verfolgt worden sind, als unter dem Regime des KoalilionSministeriumS: Hierzu ist zu bemerken, baß die Jahre 18V9 Bis 1900 unter dem Bansiy'Regime standen, 1903 bis 1904 sind inbegriffen die infolge EnitesireikS verhängten Strafen und 1904 bis 190S entfallen 23 Jahre auf die Opfer des Elesder Blutbades. Bekannilich wurde vom letzten Parteitag für den Wahlrechts- kämpf den Genossen die Weisung gegeben, daß zu gegebener Zeit der p o l i t i s ch e M a s s e n st r e i k in Anwendung kommen müsse. Es wurde dem Parteivorstand überlassen, den geeigneten Zeitpunkt zu bestimmen. Er ist durch andere Ereignisse(Konflikt mit Serbien usw.) vertagt worden. Die P a r t e i p r e s s e hat sich trotz der Verfolgungen kräftig entwickelt. Die täglich erscheinende„ N c p S z a V a*, das Zentralorgan der Partei, gewann tausend neue Abonnenten, die ihm die Budapester Genossen zuführten, nachdem Koffuth seinen Verlaus auf den Bahnhöfen verboten hatte. Außer dem Zentralorgan verfügt die Partei noch über neun Wochenblätter, davon zwei m deritscher, zwei in slovakischer und eins in serbischer Sprache; zwei rumänische Blätter erscheinen monatlich je einmal; ferner kommen ein ungarisches und ein deutsches Blatt je zweimal wöchentlich heraus, und schließlich das wissenschaftliche Organ „Sozialismus" monatlich einmal. An Flugblättern wurden 1470 000 oerbreitet. Die Buchhandlung Betreibt mit großem Eifer die heftweise Herausgabe größerer Werke. So wurde Wilhelm Blas:„Die französische Revolution" in einer Auslage von 10000 Exemplaren verbreitet. Das Landeskomitee der deutschsprachigen Genossen gibt einen besonderen Bericht. Sein nächstes Ziel ist die Heransgabe der „Volksstimme" dreimal wöchentlich und schließlich als Tageblatt. Demnächst wird ein eigener Sekretär angestellt werden. Ueber die G e w e r k s ch a f» s b e w e g u n g. die in Ungarn aufs engste mit der Partei verbunden ist, wird ebenfalls ein be- sonderer Bericht gegeben. Sie hat im vergangenen Jahre sowohl unter der schweren KrisiS als auch unter den behördlichen Ver- folgungen gelitten; natürlich erreichen die Verfolger damit nicht ihren Zweck. Ueber die hartnäckigen Kämpfe, welche die Gewerkschaften um ihre Existenz zu. führen hatten, haben wir im einzelnen berichtet. Hier sei nur noch erwähnt, daß die GewcrkschaftSpresse eS auf eine Auflage von insgesamt 122 000 Exeinplaren gebracht hat.— Ueber die A r b e i t e r i rr n e n- Bewegung wird gesagt, daß sie ganz besonders unter der Miß- g"nst der Verhältnisse zu leiden hatte, so daß die Herausgabe der Arbeiterinnenzeitung vorläufig wieder eingestellt werden mußte. Die Gesamteinnahmen deS Parteisekretariats Betrugen rund 91 000 Kronen gegen 79 000 Kronen im Vorjahre. Für Agitation wurden 4ö000 Kronen verausgabt. Die Buchhauvlung verein- nahmte 83 000 Kronen, die Zentralblätter Balancierten mit 302 000 stronen._ Zur Maifeier. ArbeitSruhe am 1. Mai Beschlossen in L ü B e ck die Bau- erbeiter. Tapezierer, Schneider und einzelne Betriebe der M e t a l l b r a n ch e. In Dresden wird die Feier nach dem Uebereinkommen zwischen Partei und Gewerkschaften in der gewohnten Weise statt- finden: Morgens Versammlungen, nachmittags Umzug, abends Kommerse.— Auch der Nürnberger Beschluß auf Ablieferung des Tagesverdienstes soll befolgt werden. Die Genossen von Bremen nahmen eine Resolution an, die zur Propaganda für weitgehendste ArbeitSruhe auf- fordert. Der Tagesverdienst soll abgeliefert werden. AuS den Beträgen soll nach Vereinbarung mit der Kartellkommission der Geiverkschaften ein Separatsonds zur Unterstützung von Mai- ausgesperrten angelegt werden. In Magdeburg soll die Feier, soweit möglich, durch Arbeits« ruhe begangen werden. Morgens soll eine Versammlung unter freiem Himmel stattfinden. Der Nürnberger ParteitagSbeschluß über die Abführung deS Tagesverdienstes soll zur Durchführung gelangen. NeichStagSkandidatur für Magdeburg. Der Sozialdemokratische Berein für Magdeburg «md Umgegend hielt am Mittwochabend eine außerordent- l i ch e Generalversammlung ab, die sich mit der Auf- stellung eines Reichstagskandidaten beschäftigte. Der einstimmig ge« faßte Beschluß der Parteisiinktionäre, der Generalversammlung vor- zuschlagen, den langjährigen Abgeordneten und Kandidaten Genossen P f a n n k u ch- Berlin wieder aufzustellen, wurde mit 138 gegen 99 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, unter den Parteigenossen am Orte Umschau zu halten nach einem geeigneten Kandidaten. Die Gründe für diesen überraschenden Beschluß sind noch nicht bekannt._ Personalien. Der.Thüringer Volksfreund unser Parteiorgan in Sonneberg, veröffentlicht in seiner Sonntags« nummer unter der Stichmarke„Redaktionelles" fol,..ude Notiz:„Die Genossen v. L o j e w s k i und Barth sind aus der Redaktion des „Thüringer Volkssreund" ausgeschieden. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet vorläufig Gen. K n a u e r." polteeUidies,©erlcbtllcbeo ulw. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Gegen in der Arbeiter- bewegung tätige Genossen wurden von deutschen Gerichten an Strafen erkannt: Im Dezencber 1908: zwei Monate Gefängnis, 116ö M. Geldstrafe; im Januar 1909: sechs Monate Gefängnis, 4öö2 M. Geldstrafe; im Februar 1909: ein Jahr ein Monat sechs Tage Gefängnis, 4555 M. Geldstrafe; im März 1909: ein Jahr zehn Monate drei Wochen vier Tage Gefängnis, 2810 M. Geld- strafe. Die Presse vor der RcvisionSiustanz. Die Revision des Genossen Redakteur U h l i g von der Zittauer.Volkszeitung" gegen das Urteil des LandgerichiS Bautzen, durch das Uhlig in der Berufungsinstanz mit 10 0 0 Mark Geldstrafe wegen Be- leidigung eines Zittaner ArzteS belegt worden war. wurde vom Oberlandesgericht Dresden verworfen. Das erstinstanzliche Urteil deS Zitlauer Schöffengerichts hatte auf 2 Monate Gefängnis gelautet._ SozuIcq, Göttliche Weltordnuuz. Um sich ein Obdach zu verschaffen, warf in Köln ein Obdach- loser an einem gegenüber dem Polizeipräsidium liegende» Geschäfts- Hause eine wertvolle Fensterscheibe entzwei. Es ist dies schon daS dritte Mal, daß an diesem Geschäftshause Obdachlose zur Er- langung einer Unterkunft Scheiben und Firmenschilder zertrümmern.— Dennoch ist für den Arbeiter gesorgt bis ins hohe Alter 1_ Die Unmöglichkeit der Erfüllung einer BcrtragSbedingung. Der Chef kann zwar pünktliche Jnnehaltung der Tischzeit vom Angestellten verlangen, doch berechtigt ihn nach einer Entscheidung der fünften Kammer deS Berliner KaufmannSgerichts selbst wiederholtes Ueberschreiten der Tischzeit nicht zur sofortigen Eni- lassung, wenn eS dem Handlungsgehilfen unmöglich war, die Tisch- zeit einzuhalten. Der Kläger I. hatte dein beklagten Prinzipal gleich beim Engagement gesagt, daß er im ersten Monat in seiner voni Geschäft etwa eine Stunde Bahnfahrt entfernt liegenden Pension zu Mittag essen müsse. Der Beklagte bewilligte ihm darauf zwei Stunden Tischzeit, entließ ihn aber nach wenigen Tagen, weil er sich trotz wiederholter Verwarnung un, 20 bis 25 Minuten verspätete. I. führte aus, daß er in H u t und Mantel binnen wenigen Minuten sein Essen herunterschluckte, in rasender Eile die Treppe hinunterlief und zur Bahn jagte, um seiner Pflicht zu genügen. Das den Be- klagten zur Restgehaltszahlung v e ru r t e i l e n d e Erkenntnis des Koufinannsgerichts führt au?, daß der Beklagte die Entfernung zwischen Wohnung und Geschäft wissen mußte und sich darüber nicht im Zweifel sein konnte, daß es für den Kläger unauSführ- bar war, angesichts der besonderen Umstände die Tischzeit inne- zuhalten. Die Nichtinnehaltung einer unmöglichen Bedingung kann aber nicht einen EntlassungSgrund abgeben. Vom Anspruch der Kolonncnarbeiter an Atkordüberschüsse«. Um seinen Anteil am Akkordüberschnß klagte vor der 5. Kammer des Gewerbcgerichts der Maschinenbauer I. gegen die Firma Ludwig Löwe u. Co. Der Kläger gehörte einer aus fünf Man» bestehenden Kolonne an. die zwei Akkorde, und zwar jjwei Kegelräderpreßmaschinen für 1170 M. und 20 Vertikalfraisemaschine» für 4000 M. Lohn gleichzeitig in Arbeit nahm. Am 8. September vorigen Jahres trat Kläger aus der Beschäftigung ohne Angabe von Gründen aus. Nach weiteren fünf Monaten hat die Kolonne die beiden Akkorde vollendet. Kläger erfuhr nun, daß die Kolonne einen Akkordüberschuß von über 400 M. erzielt hat und davon auf ihn, entsprechend der Zahl der aufgewandten Arbeitsstunden. 30 M. entfallen. Die Beklagte weigert sich diese Forderung zu erfüllen und beruft sich auf die Arbeitsordnung. Diese spricht im§ 14a davon, daß wenn der Arbeiter den begonnenen Akkord aus einem nicht in seiner Person liegenden Grunde(Material- mangcl, Genügung militärischer Pflichten usf.) nicht fertig stellt, so wird ihm bei Ferttgstellung des Akkords der auf ihn ent- fallende Teil des verbliebenen Lohnes(Akkordüberschuß) ausbezahlt. Für den Fall, daß der Arbeiter den Akkord ohne einen solchen Grund unfertig liegen läßt, enthält die Arbeitsordnmig keine Bestimmungen. Der ß 14 d sagt, daß der Arbeiter in einem solchen Falle den vom Meister abzuschätzende» Lohn erhält, worunter die Firma den nach Schätzung des Meisters als Abschlagszahlung zu zahlenden Stunden- lohn versteht. Der Kläger hat bis zn seinem Austritt dem ihm nach der durch den Meister erfolgten Schätzung seiner Leistungen zustehenden Stundenlohn von 52 Pf. erhalten. Weiter« Ansprüche habe er nicht mehr, die Forderung des Klägers sei um so unberechtigter, als die Kolonne bei Austritt des Klägers bereits mehr Lohn erhalten hatte, als die bis dahin geleistete Arbeit wert war. Die Beklagte beruft sich hierfür auf den AbteilungSmeister als Sachverständigen. Das Gericht vernimmt auch den Meister als solchen, entgegen der Gepflogenheit, Angestellte der Parteien als Sachverständige nicht zu�ulasien. Dieser gibt sein Gutachten dahin ab, die Arbeiter seien be, den Kegelräderpreßmaschinen nicht zurecht gekommen. Die 1170 M., die als Lohn dafür festgesetzt waren, habe für die Abschlagszahlungen nicht gereicht. Die Arbeiter seien auf diese Arbeit nicht eingearbeitet gewesen. Die für die Fertigstellung dieser Maschinen noch erforderlichen Arbeitsstunden sind auf den anderem Akkord, die 20 Fraismafchinen, überschrieben worden. Der Wert der Arbeit an den Fraismaschinen habe demzufolge bei Austritt des Klägers etwa 100 M. weniger betragen, als zu dieser Zeit bereits an Lohn gezahlt war. Wieviel der Kläger rechtmäßig für die Arbeit an den Fraismaschinen erhalten hat, ist heute nicht mehr nachweisbar, da Buchungen nicht vorhanden sind. Daß die Kolonne nach dem 8. September bei de» Fraismaschinen noch einen Neberschuß von 400 M. erzielen konnte, ist dem Umstand zuzuschreiben, daß die Kolonne ausschließlich an den Fraismaschinen arbeitete und für andere Arbeiten auf- gelvendete Arbeitsstunden nicht mehr auf diesen Akkord geschrieben werden konnten. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß doch ein solches Verfahren— der Vertreter der Beklagten bezeichnete eS als Schiebungen— a n Betrug grenze. Richtiger wäre, eS der Betriebsleitung mitzuteilen, wenn die Arbeiter mit dem Akkord nicht zurecht kommen. Wegen der im Gutachten enthaltenen Widersprüche nehmen die Parteien von der Benutzung desselben Abstand. DaS Gericht empfahl der Beklagten, dem Kläger im Vergleichswege 20 M. zu zahlen. Beklagte bot aber nur 18 M. Kläger ging darauf ein. Wie die Verhandlung ergab, behält die Firma die auf die frei« willig vor Beendigung des Akkordes austretenden Arbeiter ent- fallenden Akkord Überschüsse ein, obwohl die Arbeits« ordnung diese als Kontraktbruchsstrafen anscheinend nicht vorsieht. Es wäre zu wünschen, daß das Gewerbegericht bei der nächsten Gelegenheit zunächst einmal prüft, ob die ArbeltSordnnng mit dem K 122 der Gewerbeordnung, wonach die Kündigungsfristen für beide Teile gleich sein müssen, in Einklang zu bringen ist. Zioar ist KündigungSausschluß vorgesehen. Davon kann aber nur die Firma ohne Schädigung Gebrauch machen, während der Arbeiter, wenn er sich nicht schädigen will, nur nach Beendigung des Akkordes das Arbeitsverhältnis lösen kann. Die Uebernaljme des Heilverfahrens durch die BerufSgenossenschaftrn. Auf Veranlassung des ReichSverficherungSamtS ist im ver- klossenen Jahre eine Umfrage bei den Versicherungsträgern ver« anstaltet worden, um die bei der Uebernahme deS Heilverfahrens befolgten Grundsätze näher keimen zu lernen und die bisherigen Er- fahrungen weitergehend nutzbar zu machen. Das umfangreiche Material ist zu einer D e n ks ch r i ft verarbeitet worden. Diese Denkschrift soll auf einer demnächst einzuberufenden Konferenz mit Vertretern von BerufSgenossenschaflen erörtert werden. Ueber bedauerliche Härte» der UnfallversicherungSgcsetzgcbung wird auch in diesem Jahre wieder im Bericht der heffi'chen Geiverbe- lnspektion geklagt. Es heißt da u. a.: Als eine besondere Härte muß es bezeichnet werden, daß Arbeiter, die sich während ihrer gewerblichen Tätigkeit einen Bruchschaden zuziehen, nicht durch Renten entschädigt iverden. In einer Mühle hat sich vor euva zwei Jahren ein Arbeiter, der schon über 20 Jahre dortselbst beschäftigt ist, beim Säckeabtragen einen Leistenbruch zugezogen. Der Ar- beiter, der seit dieser Zeit schwere Arbeiten nicht mehr ver- richten kann, wird in dem Betriebe„auS Barmherzigkeit" weiter beschäftigt. Er suchte bei der Mnllereiberufögenoffenschaft um eine Rente nach, um wenigstens im Alter eine kleine Unrerstützung zu haben, wurde aber abgewiesen. Nach seiner Abweisung durch die Berussgenossenschaft hat der Mann, da er glaubte keinen Rechts- sprnch zu erlangen, die Berufung beim ReichSversicherungSamt unterlassen. Der Arbeiter ist verheiratet und hat Frau, fünf Kinder und eine alte Mutter zu ernähren. Wenn von einem Arbeiter eine Rente beansprucht wird, so enthält er entweder zu wenig oder gar nichts._______ Gewerhrcbaftlicbe� DaS„unauffindbare" Streikkomitee. In Langewiesen i. Th. streiken— wegen Mass» regelung eines Kollegen und Nichtanerkennung der Organi- sation— die Glasschleifer der Firma Schramm u. Schopp. Der Gauleiter deS Glasarbeiterverbandes hat den Streik unter Bedingungen für beendet erklärt, die die Arbeiter nicht annehmen zu können erklärten. In Ilmenau nahmen eine Anzahl von Vertrauens- männern verschiedener Organisationen ebenfalls zu den ge- troffenen Vereinbarungen Stellung und kamen auch zu dem Beschluß, dieselben seien nicht zu akzeptieren. Um dies den Streikenden so mitzuteilen, daß sie es am Morgen beim Appell erfahren konnten, wurde gleich in der Versannnlung eine Post- karte geschrieben und noch abends zur Post gegeben. Auf dieser wurde mitgeteilt, daß die Laugewiesener Kollegen aus- harren sollten und für sie Porläufig 1000 M. bereitgestellt seien. Natürlich sollte der Inhalt dieser Karte die Glasschleifer zur Ausdauer veranlassen, was aber offenbar den in Frage kommenden Diener KraetkeS so aufregte, daß er die Karte nicht an ihre Adresse zu befördern vermochte. Die Adresse der mit Poststempel„Ilmenau 2. 4. 09 11— 12 N." versehenen Karte lautet: An daS Streikkomitee der Glasarbeiter Langenwiefen i. Th. Eilt I z. Z.„Fclsenkeller". Am anderen Tage, am 3. April, erhielt der Schreiber, bei nur mit seinem Familiennamen unterzeichnet hatte, die Karte von der Jlmenauer Postverwaltung wieder zugestellt. Sie trug den Vermerk: .Unbekannt oder NamenSangabe erforderlich! 3./4."(Unleserlicher Name.) DaS ganze Dorf Langewiesen ist in Aufregung wegen des Streiks; Polizei und.Gendarmerie sind bei jedem Zug am Bahnhof, um die sehnlichst erwarteten Streikbrecher in Empfang zu nehmen; aber der Po st ist das Streik- komitee unbekanntl Der„Felsenkeller", in dem die Karte doch wenigstens hätte abgegeben werden sollen, ist das größte Lokal an dem L'/e Tausend Einwohner zählenden Orte; aber der Po st ist das alles unbekanntl Recht charakteristisch ist noch, daß die Jlmenauer Post den Schreiber unter etwa 12 am Orte wohnenden Personen gleichen Namens sofort herausgefunden hatte, während man in Langewiefcn nichts von einein Streikkomitee weiß und auch das größte Restaurations-, Tanz- und Gesellschastslokal am Orte nicht kennt l_ Berlin und Umgegend- Der Barbierfeiertag. Das Barbier, und Friseurgewerbe hat 305 Arbeitstage im Iaht, und— wenn das Jahr ein Schaltjahr ist— 366. Seit 8 Jahren ungefähr ist deshalb eine Bewegung im Gange zur Einführung desGeschäftSschlussesandendreizweitenFeier- tagen, welcher auf Grund einer Zweidrittelmehrheit der Selb- ständigen von dem Regierungspräsidenten angeordnet werden kann. Diese Bewegung hat bisher in über 150 Städten Erfolg gehabt, bleibt jedoch für Verlin auf absehbare Zeit erfolglos, da hier wie in den Vororten das Barbierzüuftlertum«m stärksten und fort» schrittfeindlichsten ist. Die Berliner Vertreter des Barbierinnungö. Bundes überboten sich auf ihrem letzten Bundestage gegenseitig im Scharfmachen gegen die allgemeine Durchführung dieser Reform. Dabei mußte der Bundesvorstand in seinem VerwaltungSbcricht fest- stellen, daß bereits in 119 Innungen die Feiertagsruhe auf gesetzlicher Basis eingeführt sei. Diese Tatsache wird in der Reso- lution gegen die weitere Ausdehnung dieser bescheidenen Reform durch die Behauptung abzuschwächen versucht, diese Innungen seien durch Einmischung fremder Elemente gegen ihren Willen zur Einführung der Feiertagsruhe veranlaßt worden. Diese fremden Elemente, die organisierte Arbeiterschaft. die in verschiedenen Fällen die entsprechende Forderung der organisierten Gehilfen unterstützt hat, dürfen eS sich als Vordienst an- rechnen, dem Barbiergcwerbe wenigstens zu diesem winzigen Fort- schritt verholfen zu haben. Und weil mit den zünftlerischen Ele- inenten im Barbiergewerbe über solche Dinge nicht verhandelt werden kann, muß die organisierte Gehilfenschast sich nach wie vor„an die fremden Elemente" wenden, die bei der Preiserhöhung die Zeche bezahlen und trotz dem JnnungSbund den Gehilfen auch hier zur Freigabe der zweiten Feiertage verholfen haben. Nachdem die Ar- beiterfchaft der organisierten Gehilfcrffchaft die Freigabe der zweiten Feiertage erringen half, muß sie nun lnlligerlveise auch darauf Rücksicht nehmen, und deshalb am Ostermontag die Barbier- und Friseur- geschäfte meiden. Ohne die„fremden Elemente" muß auch der ver- Bohvteste Zünftler am Barbierfeiertag die Arbeit ruhen lassen, selbst wenn er sich drei freier Feiertage im Jahre nicht wert schätzt. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands Der Streik der Bananschläge». In der am Mittwochabend abgehaltenen sehr stark besuchten Versammlung der Bauanschläger erstattete Hcmdke den Situationsbericht. Er führte unter anderem auS, der Verlauf der Bewegung zeige, daß die Arbeitnehmer mit der von ihnen beschlossenen Taktik daS richtige getroffen haben. Bei de» Firmen, inclchc den lOprozen- ligen Abzug machen wollten, sei die Arbeit einmütig niedergelegt worden und mache sich die Verlegenheit der betreffenden Arbeit- gcber bereits Bemerkbar. Daß in der Tat nur ein kleiner Teil der Arbeitgeber dem Beschluß ihrer Kommission, die Lohnkürzung ein- Irtltn zu lassen, nachgekommen ist, belSeise ein ftsn 7. April datiert eS' vertrauliches Rundschreiben, welches der Arbeitgeberschutzverband an! die Schlossermeister versendet. In diesem Schreiben werden diej Arbeitgeber nochmals an ihre„Pflicht", den Lohn herabzusetzen, er- innert und ersucht, soweit sie die Tarifpreise noch nicht herabgesetzt haben, dies unverzüglich nack�uholen. Weiter heiht es in dem ver- traulichen Schreiben:„Anschläger, die zu den herabgesetzten Preisen nicht arbeiten wollen, sind sofort zu entlassen und bei der Krankenkasse abzumelden.... Die streikenden bezw. entlassenen Arbeit- nehmer bitten wir unverzüglich dem Geschäftsführer hes Schutz- Verbandes mitzuteilen." Die hier verlangte Mitteilung hat, wie Handle bemerkte, natür- lich keinen anderen Zweck als den, die Arbeiter auf die schwarze Liste zu setzen und sie in gesetzwidriger Weise zu ächten.— Wie aus dem Schreiben hervorgehe, drohen die Arbeitgeber mit der Aus- spcrrung. Die Arbeiter liehen sich durch diese Drohung ebensowenig schrecken wie durch die vorhergegangenen Drohungen der Arbeit- grber. Gegenüber einer tcilweisen Aussperrung würden die An- schläger ihre Mahnahmen treffen, welche zum Schaden der Arbeit- geber ausschlagen mühten. Die Situation sei für die Arbeiter günstig und lasse auf vollen Erfolg hoffen. Eine Resolution wurde angenommen, durch welche die Ver- sammelten erklären, dah sie mit den bisherigen Mahnahmen ihrer Kommission einverstanden sind und sich verpflichten, die am 1. April gefahten Beschlüsse auszuführen, dah die Behauptung der Arbeit- feber, die Arbeiter hätten die Verhandlungen abgebrochen, nicht den 'atsachen entspricht und dah die Versammelten ihren Vertretern vollstes Vertrauen bekunden._ �Achtung, BauanschlLger! Die im Annoncenteil veröffentlichte Sperre über den Bau Quast in Charlottenburg. Windscheid-, Ecke Pestalozzistrahe, ist irrtümlich verhangt und wird hiermit aufgehoben, da dieser Bau von einer Firma ausgeführt wird, welche die alten Preise weiter bezahlt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwoltung B-rlin. Verein der Bauanschläger zu Berlin. Eine neue gelbe Gründung. In der vorjährigen Rohrlegerbewegung war es bekanntlich W i e s c n t h a l, der im Bunde mit Gelben und Unorganisierten mit den Unternehmern einen Tarif abschloß und dadurch den Erfolg des Streiks vereitelte, den die im Deutschen Metallavbeiterverbande organisierten Rohrleger führten. Nachdem Wiescnthal und sein An- hang den Unternehmern die Kastanien aus dem Feuer geholt chabcn, suchen sich die Unternehmer dieses Helfers in der Not zu entledigen. Ihnen ist der Mesenthalsche Verband trotz der von ihm bewiesenen Unternehmerfreundlichkeit doch etwas verdächtig und deshalb wollenste ihm das Wasser abgraben und nur mit echten, unverfälschten Gelben zu tun haben. Der Arbeitgeberbund im Rohrlegergewerbe legt den von seinen Mitgliedern beschäftigten Arbeitern einen Revers zur Unterschrist vor. wodurch sie erklären, dah sie keiner Organisation angehören. Als Gegenleistung für den Verzicht auf das Koalitions- recht verspricht der Arbeitgeberbund die Gewährung von Arbeitslosen- Unterstützung an diejenigen Unorganisierten, denen vom Arbeitsnach- toeis der Arbeitgeber keine Arbeit nachgewiesen werden kann. In dem gelben Bereinsblatte„Der Bund" wird diese neue Gründung als Kampfmittel gegen die Roten und gegen Wiesenthal gepriesen.— So hat also auch der Sonderbündler, der den Unter- nehinern im Kampf gegen den Deutschen Metallarbeiterverband zur Seite stand, den„Dank" des Unternehmertums geerntet. Hoffentlich find die Rohrleger, Helfer usw. durch die W i e s e n° tha I s che Sondcrorganisation noch nicht so weit korrumpiert, um sich von den Unternehmern für die gelbe Bewegung einfangen zu lassen. Nicht Verzicht auf das Kioalitionsrccht, wie es die Unter- nehmer wünschen, sondern entschiedene Ausübung desselben im Deutschen Metallarbeiterverbande muh die Paryle sein. Deutsches Reich. Die BerltumduugSkampagtte der„Hamburger Nachrichten" gegen das GewerkschaftShaus zu Hamburg. Wie unseren Lesern noch erinnerlich sein dürfte, hat das edle Hamburger Scharfmacherblatt gegen den Oekonomcn der Gewerk- schaftsherberge und dessen Ehefrau Verdächtigungen ausgestreut, die von dem Aufsichtsrat des Gewerkschaftshauses niedriger gehängt worden. Die Gewährsleute des immer noch in Bis- marckverherrlichung machenden Organs sind— organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen, die nach ihrer im Interesse des Gewerk- schaftöhauses erfolgten Entlassung die„Hamburger Nachrichten" für würdig erachtet haben zur Ablagerung ihrer„Beschwerden". Sie haben sich da an die rechte Schmiede gewandt.„Arbeiter- freundlich", wie dieses Blatt nun einmal ist, hat es nicht allein die Beschwerden eingehend erörtert, sondern es unterrichtet seine Leser auch über den weiteren Verlauf der Dinge. Vor einigen Tagen teilte es mit, dah gegen den Oekonomen und dessen Frau ein Verfahren wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz eingeleitet worden sei und dah bereits Vernehmungen vor dem Richter stattgefunden hätten.„Die ersten Zeugenvernehmungen haben unsere Andeutungen bestätigt und präzisiert", schreiben die „Hamburger Nachrichten", die damit klar„andeuten", aus welchen Kreisen ihnen die Mitteilungen zugehen. Dah der vernehmende Richter nebenamtlich als Berichterstatter der„Hamburger Nach- richten" fungiert, ist völlig ausgeschlossen. Das Blatt verschweigt aber, dah das Verfahren auch gegen eine seiner Gewährspersonen, die entlassene Kochfrau, ausgedehnt worden ist.„Die Erhebung der öffentlichen Anklage steht bevor", berichtet das Blatt weiter, das also genau„Bescheid weih". Interessant ist die Einleitung der Aktton gegen das GeWerk- schaftshaus, zustande gekommen aus Grund einer anonymen De. nunziation. Der Hamburger Staatsanwaltschaft wurde ein Exem- plar der„Hamburger Nachrichten" zugestellt, in dem der Ver- leumdungsartikel steht. Das genügte. Sollte es zu einer Ge- richtsverhandlung kommen, so wird festgestellt werden, dah es sich lediglich um einen Racheakt gegen die Verwaltung des GeWerk- schaftshauseS handelt. Und sollten sich die von den„Hamburger Nachrichten"„angedeuteten" unappetitlichen Dinge zugetragen haben, so wird festgestellt werden, dah dies hinter dem Rücken der verleumdeten Personen geschehen ist von den— Gewährsleuten der „Hamburger Nachrichten", die mit heiler Haut nicht davonkommen werden, wie auch die für„Reinlichkeit" kämpfende Redaktion des sauberen Organs nicht ungestäubt davonkommen wird. Die Verwaltung des Hamburger Gewerkschaftshauses sieht mit großer Ruhe dem Ausgang der Verleumdungskampagne entgegen. Die Einrichtungen des Gewerkschaftshauses sind nach jeder Richtung musterhaft. Es existiert kein Lokal in Hamburg, dah dem Gesamtpersonal annähernd die gleichen Lohn, und Arbeitsbedtn- gungen gewährt, wie dieses von der organisierten Arbeiterschaft ins Leben gerufene Riesenunternehmen. Die Verwaltung wird sich nach wie vor von denselben Grundsätzen leiten lassen, wird andererseits aber, wie in der letzten Sitzung der Gewerkschafts. vorstände und Kartelldelegierten hervorgehoben wurde, im Interesse der Disziplin wie des Unternehmens scharf zugreifen wenn die Umstände es bedingen. Die graue Salbe im Lohnkampfk Aus Kiel wird berichtet: Der Aufenthalt auf den Streikbrecher- schiffen muh höchst angenehmer Natur sein. Wieder find gröhere Quantitäten„Läuseessig" in Bestellung gegeben worden, um dem dort überhand nehmenden Ungeziefer wenigstens in etwas zu be- gegnen. Ihre Lager müssen die Streikbrecher sich selbst zurecht machen, das Reinigen der Räumlichkeiten wird dagegen von der Schiffsmannschaft besorgt. Diese beschmieren— wie einer dieser Leute erzählte— vorsichtshalber ihr Fuhzeug mit grauer Salbe, um zu Serhüten, daß die Läuse daftm heraufklettern. Manzig und noch mehr Streikbrecher befinden sich übrigens ständig krank an Bord. Nette Zuständet_ Die Gemeingeföhrlichkeit der Scharfmachervcrbände. Die Aussperrung der Pflasterer von Bielefeld ist unerwartet in ein neues Stadium getreten. Nachdem am Sonnabend, 3. April, vor dem Gewerbegericht ein für beide Teile annehmbarer Vergleich zustande gekommen war, glaubte man all- gemein, dah auch der„Verband der Pflastermeister von Rheinland und Westfalen" die vorbehaltene Sanktion zu den Einigungsformeln erteilen werde. Doch weit gefehlt! Gestern erhielten die «usgesperrten Vflafterer folgendes Schreiben der Sektion 9(Biete- feld-Minden) des Pflastermeisterverbandes, das alle Hoffnungen auf Frieden zuschanden macht: „Soeben erhalte ich von dem Vorsitzenden des Verbandes sPflastermeister) den Bescheid, dah die allgemeine zehnstündige Arbeitszeit auch von der Sektion Bielefeld-Minden einzu- halten ist. Minden, 6. April 1909. Der Vorstand der Sektion Minden." Obgleich die 9lbstündige Arbeitszeit— wie dem Hauptvorstand des Pflastermeisterverbandes bekannt— schon in dem vom 1. April 1998 bis 3l. März 1999 geltenden Tarifvertrag festgelegt war und von den Pflastermeistern auch wiederum in den Einigungsverhand- lungen vor dem Gcwerbegericht bis zum 31. März 1919 anerkannt wurde, diktiert der scharfmacherische Hauptvorstand des Pflaster- meisterverbandes:„In Bielefeld haben die Pflasterer 19 Stunden zu arbeitenl" Mit anderen Worten, die Pflasterer haben einer von den Scharfmachern befohlenen Ver- schlechterung einfach zuzustimmen, sonst fliegen sie auf die Straße. Die Pflasterer und auch die Pflastermeister hofften aus eine gütliche Regelung der Streitpunkte. Als aber vor etwa 3 Wochen die Bielefelder Pflastermeister dem Verbände beitraten, war das Barometer auf Sturm gesttegen. Mau mutete nunmehr den Arbei- kern Verschlechterungen der Löhne und Verlängerung der Arbeits- zeit zu. Als diese das Ansinnen ablehnten, erfolgte prompt unter der Aegide der Scharfmacher am 1. April die Aussperrung. Der Pflastermeisterverband est der Störenfried des Gewerbes und beweist zugleich durch sein Vorgehen die Gemeingefähr- lichkeit der Scharfmacherverbände überhaupt.— Die Scharfmacher wollen eine Kraftprobe haben, die Arbeiter aber werden ihre gerechte Sache zu verfechten wissen. Scharfmacherphantasien. In der Hauptversammlung des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln, die unter dem Vorsitze des Landtagsabge- ordneten Kommerzienrat Vorster stattfand, entrüstete sich General« sekretär Paul Steller über das„sozialpolitische Wettlaufen dei bürgerlichen Parteien" und über den„staatlichen und städtischen Sozialismus(1), der zur anhaltenden Verminderung der Arbeits- zeit und Erhöhung der Lohnsätze in den Industrie- und Verkehrs, betrieben des Staates und der Städte führt". Auch bei den Aende- mngen der Gewerbeordnung zeige sich„ein für die Industrie nach- teiligcs Streben durch übertriebene Fürsorge für die Arbeiter schaf t". Diesem Beauftragten des Scharfmachertums, der doch selbst sozu- sagen„Arbeitnehmer" ist, wäre zu gönnen, dah er einmal nur wenige Wochen bei den von ihm bemängelten Löhnen die Arbeitszeit eines modernen Lohnsflaven absolvieren mühte. Dann würde ihm die Lust zu seinen Spähen vergehen. Z-IusUnck. Kollektiver Arbeitsvertrag auf den schwedischen Privatbahnen. Die Privateisenbahngesellschaften Schwedens, die noch vor wenigen Jahren mit der Organisation ihrer Angestellten und Ar- beitcr nichts zu tun haben wollten, sind nach und nach zu der Ein- ficht gekommen, daß es besser ist, feste Tarifverträge mit der Or- ganisation abzuschließen, als sich fortgesetzt der Gefahr von Arbeitseinstellungen auszusetzen. Die erste Frucht ihrer mehr friedfertigen Haltung war das vor ungefähr einem Jahre zwischen dem Eiscnbahn-Arbeitgeberverband und dem Eisenbahnmänner- sowie dem Lokomotivmännerverband Schwedens abgeschlossene Uebereinkommen zur Schlichtung und schiedsgericht- lichen Entscheidung von Streitigkeiten über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Seit Anfang März vorigen Jahres ist zwischen den Organisationsvertretern beider Parteien weiter verhandelt worden, und jetzt endlich liegt ein zweites Ueberein- kommmen vor. Dieses enthält die a l l g e ni e i n e n B e st i m- m u n g e n über dieAnstellungs- und Arbeitsverhält- nisse sowohl des Fahrpersonals wie des Strecken- und des Werk- stättenpersonals sämtlicher Privatbahnen Schwedens. Wenn es, was wohl anzunehmen ist, die Zustimmung der Organisations- Mitglieder findet, so ist damit ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse getan. Der wich- ttgste Teil des Tarifvertrages, die Festsetzung der Löhne selbst, ist weiteren Verhandlungen vorbehalten, die jedenfalls auch noch viel Zeit in Anspruch nehmen werden. Die 134 Privatbahnen Schwedens erstrecken sich auf über 8999 Kilometer, während die Staatsbahnen nicht viel mehr als die Hälfte dieser Ausdehnung haben. Bei der grohcn Verschiedenheit der Dienst- und Arbeits- Verhältnisse der verschiedenen Kategorien des Personals und den großen Unterschieden in den Tcuerungsverhältnissen der verschie- denen LandeStcile ist es erklärlich, daß die Tarifverhandlungen sich in die Länge ziehen. Uebrigens kann dem Personal, das ja durch die bis jetzt getroffenen Abmachungen schon gegen willkürliche Lohnkürzungen einigermaßen geschützt ist, nicht allzu viel daran gelegen sein, daß die Tariflöhne gerade jetzt in der Zeit der Wirt- schaftskrise festgesetzt werden. Die Privatbahnen haben im Januar 1999 nur 4 251 459 Kronen eingenommen, gegenüber 4 459 419 Kronen im selben Monat des vorigen Jahres, und Rück- gang in den Einnahmen bietet ja bei Tarifverhandlungen dem Unternehmertum immer einen Vorwand, die Löhne so niedrig wie nur möglich anzusetzen. Der nun vereinbarte zweite Teil des Tarifvertrages bildet ein Buch von 89 Druckseiten. Bisher war das Personal im allgemeinen auf Grund persönlicher Arbeitsverträge angestellt, in Zukunft soll statt dessen für den einzelnen Mann nur ein Anstellungsschein ausgefüllt werden, während als der eigentliche Arbeits- vertrag das Kollektivübereinkommen der Oh ganisationen beider Parteien gilt. Die Arbeitszeit ist für das stationäre Bahnpersonal auf durchschnittlich 19 Stunden täglich bemessen; bei Dienstleistungen, die als besonders leicht an- zusehen sind, ist jedoch eine Arbeitszeit von 11 Stunden zulässig, während andererseits das Personal an bestimmten größeren Sta- tionen und an Weichen- und Signalstellwerken nur 9 Stunden Dienst haben soll. Ebenso ist die neunstündige Arbeitszeit für die Waggon, und Aufwartefrauen vorgesehen. Für das Lokomotiv- personal ist die Dienstzeit bei Zügen von 35 Kilometer Fahr- geschwindigkeit auf 249 Stunden im Monat, also durchschnittlich 3 Stunden den Tag. festgesetzt, jedoch darf die darin eingeschlossene Kursbuchzeit 139 Stunden nicht übersteigen. Bei Zügen mit ge- ringerer Fahrgeschwindigkeit ist die Dienstzeit teils 259 teils 269 Stunden und dementsprechend die Kursbuchzeit 299 und 229 Stunden. Die Arbeitszeit der Schaffner und des übrigen Fahr- Personals ist ungefähr ebenso geregelt. Ferner sind Ferien mit voller Lohnzahlung von, je nach dem Dienstalter, 19 und 29 Tagen im Jahre vereinbart, wozu noch weitere 19 Tage bei halber Lobn- zahlung kommen können. Für die Werkstättenarbeiter ist die wöchentliche Arbeitszeit auf 57 Stunden bemessen, jedoch ein- schließlich einiger Pausen, so daß sie in Wirklichkeit 54*4 Stunden betragen wird. Auch die Werkstättenarbeiter erhalten Ferien, je doch nur Bon 5 und 19 Tagen Bei Soller Lohnzahlung. Außerdem enthält das Uebereinkommen noch eine lange Reihe anderer Bestim- mungen über Gewährung von Dienstkleidung, von Wohnung, wo es angebracht erscheint, Vergütung von Unkosten bei Aufenthalt in anderen Orten, Bezahlung der Ueberzeitarbeit, Weiterzahlung des Lohnes bei Krankheit infolge von Unfällen, Gewährung von Sterbegeld usw. Für die Werkstätten- und Streckenarbeiter ist es noch besonders wichtig, daß bei Akkordarbeit der Mini- malzeitlohn garantiert wird. Die Anerkennung des Koalitionsrechts, die ja infolge des Tarifabschlusses als etwas Selbstverständliches gelten kann, ist noch in einem besonderen Passus ausdrücklich festgelegt.— Das Uebereinkommen soll am 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten und bis Ende 1914 Geltung haben, Versammlungen. Ucber die Zustiinbe in den Metallgießereien, Besonders über die hygienischen Verhältnisse, haben die Former und Berufs- genossen vor mehreren Monaten Erhebungen veranstaltet. In einer Versammlung, die am Montag bei Graumann in der Naunyn- ftraße stattfand, erstattete Engel Bericht über das Resultat auf Grund einer Zusammenstellung nach den eingelaufenen Frage- bogen, die der Vorstand ausgegeben hat. Zu der Versammlung waren auch die Arbeitgeber eingeladen und einige waren der Ein- ladung gefolgt. Die Statistik erstreckte sich über 192 Betriebe in Berlin und Umgegend; oavon sind 61 gemischte und 41 reine Betriebe. 27 Gießereien befinden sich noch im Keller und nur 6 in der 4. Etage. Als beschäftigt wurden 1959 Arbeiter und Arbeiterinnen festgestellt, darunter sind 564 Handformer, 56 Maschinenformer, 159 Schmelzer, 156 Kernmacher(davon 6 unter 16 Jahren), 36 Kcrnmacherinncn, 126 Zuleger, 259 Bestoher, 355 Hilfsarbeiter(davon 19 unter 16 Jahren), 99 Schlosser, Lagerarbeiter usw., 167 Lehrlinge. Im Deutschen Metallarbeiterverband sind 1229 Former und Berufs- genossen organisiert, in anderen Verbänden 145, zu den Gelben gehören 76, unorganisiert sino 518. Zu den Letzteren gebären aber auch die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter. Nur in 82 Betrieben sind die Gießereien von anderen Räumen getrennt. In 42 Bc- trieben wird kein Guh abgebrannt, in 58 Betrieben findet das Ab- brennen in einem besonderen Raum statt, in 15 Betrieben auf dem Hose, wodurch viel gefährlicher Dunst für alle Räume erzeugt wird. Die Ventilation ist in den meisten Betrieben ungenügend, nur in 13 Betrieben ist man damit zufrieden. Ueber oie Beleuchtung, die Reinigung, den Mangel an Staubsaugevorrichtungen und anderen Schutzvorrichtungen wird lebhaft Klage geführt. Fast überall werden groß« Mängel festgestellt. Die Trockenöfen geben zu vielen Beschwerden Anlaß. Ungenügend sind fast überall, wo dergleichen überhaupt besteht, die Wasch- und Ankleidcräume, die Speiseräume. Mit den Klosetts ist es gewöhnlich sehr schlecht bestellt. In der grohen Mehrzahl der Betriebe herrschen Zustände, die die Gesund- heit und die Sicherheit der Arbeiter stark gefährden. Erkrankungen an„Giehfieber", Rheumatismus, Lungenleidcn usw. sind eine häufige Erscheinung. Die Arbeitszeit ist durch die Organisation in den letzten Jahren etwas verringert worden. In 87 Betrieben besteht eine neunstündige Arbeitszeit. Leider werden viele Ueber- stunden verlangt, und die Arbeiter treten diesem Verlangen nicht energisch genug entgegen. Von Gewerbeinspektoren revidiert wurocn nur 47 Betriebe, soweit dies festgestellt werden konnte. Von 29 Betrieben gingen Beschwerden an die Gewerbeinspektoren. — In der Diskussion wurde gerügt, daß die Arbeiter sich oft scheuen, Beschwerden zu erheben; von den einzelnen wurde ver- langt, dah sie mehr Opposition machen, wo Uebclftäiide vorhanden sind, und das ist fast überall der Fall, wie die Statistik gezeigt hat. Alwin liörsten hielt eine Ansprache, in der er daran erinnerte, wie schon vor 29 Jahren von dem Gcwerberat Verbesserungen der Zustände in den Metallgiehercicn verlangt worden sind. Er be- antragte, dah die Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes auf Grund des gewonnenen Materials beim Bundesrat auf Vcrord- nungen dringen sollte, die, ähnlich wie in den Schleifereien, Ab- Hilfe schaffen. Von ocn Arbeitgebern nahm niemand das Wort. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sowie das reichs» statistische Amt waren ersucht worden, einen Vertreter zu der Ver- sammlung zu senden. Unsere Abgeordneten hatten den Genossen S e v e r i n g mit der Vertretung beauftragt, dieser aber war nicht mehr in Berlin und sandte ein Entschuldigungsschreiben. Das Reichsamt antwortete, daß„nach Lage der Dienstverhältnisse" es sich nicht ermöglichen lasse, einen Vertreter zu senden, dah es aber bitte, ihm die Statisttk einzuschicken. Adolf Cohen nahm das Wort und erklärte, das sei wieder einmal die ihm bekannte Ant- wort des reichsstatistischen Amts, das nie Zeit habe, wenn cS von den Arbeitern eingeladen wird, sich vertreten zu lassen. Wenn die Unternehmer rufen, so führte er weiter aus, oder wenn ein Fest- .essen winkt, dann haben die Herren sofort Zeit. Seit Jahren schon verdankt diese Behörde den Gewerkschaften, deren Hilfe sie sich in weitem Maße gefallen läßt, ungeheuer viel. Ohne diese Hilfe könnte sie überhaupt nickst leisten, was sie gegenwärtig leistet. Die Gewerkschaften sollten einmal mit der gleichen Geringschätzung antworten, wenn sie von diesem Amt noch länger so behandelt werden. Die Herren fürchten den Zorn der Unternehmer, deshalb lehnen sie stets ab, mit den Arbeitern direkt Fühlung zu gewinnen. Cohen tadelte auch sehr, dah unsere Fraktion keinen Ersatz für Severing gestellt habe, um sich genau zu informieren über die vielen Mihstände in den Metallgießereien. Der Antrag von Körsten wuroe angenommen. DaS durch die Statistik gewonnene Material wird in Druck gegeben werden und die entsprechende Verwendung finden. Letzte JSfacbncbten und Oepelcden. Der ausgewiesene ExPräsident. Paris, 8. April.(W. T. B.) Die französische Regierung hat auf die Nachricht, dah Castro auf Martinique gelandet sei, be- schlössen, ihm bekanntzugeben, daß er ausgewiesen sei. Paris, 8. April.(W. T. B.) Eine halbamtliche Meldung er» klärt, die im Einvernehmen mit England und den Ver- einigten Staaten Beschlossene Ausweisung Castros aus Martinique sei hauptsächlich deswegen erfolgt, weil die französische Regierung die Mitteilung erhalten hat, dah sich der Expräsidcnt von Venezuela mit politischen» ja sogar militärischen Plänen trage, deren Verwirklichung auf französischem Boden unter keinen Um» ständen geduldet werden könne. Castro wird noch heute abend an Bord eines fremden Schiffes in einen von ihm zu bestimmenden Hafen gebracht werde»,_ Eine sidele Geburtstagsfeier. Breslau, 8. April.(B. H.) Das Neustädter OberkriegSgericht sprach einen Sergeanten vom Feldartillerie-Regiment Nr. 55 frei, den daS Kriegsgericht zu zwei Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt hatte, weil er bei der Kaiser-GeburtStagsfeier einem Leutnant ein Bierseidel an den Kopf geworfen und ihm eine Schramme beigebracht hatte. — uyj-jiujiwijutuct UjL QUBgCUty«u* yLUUCt Utttuycii mitu» ji- iberantw. Redakteur: HattS Weber» Berlin, Inseratenteil verantw.4 Uh.Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall� Gaul Singer Sc Co., Berlin S W, Hierzu 3 Beilagen v.UnterhaltungSbl. »m. FcilM i>cs.FmMs" Krlim WksdlM««„»B«. Sie Ziigeixloi'gznisztion in oeitemich. Iu Ostern findet in Wien der dritte Verbandstag des Verbandes jugendlicher Arbeiter Oesterreichs statt und soeben sind die Berichte deS Vorstandes und der VerbandSfunltionäre über die dreijährige Periode seit dem letzten VerbandStag im BerbandSorga», dem monatlich einmal er- scheinenden„Jugendlichen Arbeiter" veröffentlicht worden. Der Verband wurde durch Verschmelzung der seit 1894 in Wien und 1897 in der Provinz entstandenen Jugendorganisationen im Jahre 1993 gegründet. Er ersteckt sich über ganz Oesterreich, hat jedoch fast rein deutschen Eharakter. Für die tschechische Arbeiterjugend bc- steht ein eigener Verband mit dem Sitz in Prag und einem eigenen sehr häufig konfiszierten Organ„Sbornil Mladeze". Der Verband jugendlicher Arbeiter Oesterreichs zählte 1993 erst 19 Ortsgruppen und Zahl- stellen, 1996 bereits 47 und zu Ende März 1999 hatte er schon 159 Zweig- vereine mit über 6999 Mitgliedern. Das Verbandsorgan erscheint in stets steigender, derzeit regulär 7999 Stück betragenden Auflage. Der Mitgliedsbeitrag beträgt monatlich 25 Heller und 29 Heller Eintrittsgebühr. Dle Verbandsgeschäste werden von einer eigenen Kanzlei besorgt, in der zwei Beamte halbtags beschäftigt sind. Der Aufschwung des Verbandes in den letzten sechs Monaten ist nicht zuletzt den aus öffentlichen Geldern, durch Gemeindesubventionen unterstützten Anstrengungen der bürgerlichen Parteien zu danken, die durch nationale und klerikale Jugendvereine, in denen hauptsäch- lich Kneipereien und Feste gepflegt werden, die Arbeiterjugend den Interessen ihrer Klasse abwendig zu machen trachten.— Die Kassen- berichte des Verbandes ergeben für 1996 Einnahmen von 5239,91 Kr., Ausgaben 4972,44 Kr. . 199?,. 6288.78„. 6227.14„ . 1908.„ 7888,98,„ 8991,76„ in Summa von 19496,87 Kr., Ausgaben 19291,34 Kr. Der Verband wird von der Reichsgewerkschaftskommission und dem Parteivorstand durch nach österreichischen Begriffen erhebliche Subventionen unterstützt. Die Haupttätigkeit des Verbandes nach außen lag zunächst in dem Kampf um die Gewerbeschulreform, das heißt um die Abschaffung des Abend- und Sonntagsunterrichts und seine Er- setzung durch den Wochentagsuntcrricht während der normalen Arbeits- zeit. Dann ist es der P e h r l i n g s s ch u tz, der die Kräfte des Ver- bände? in Anspruch nimmt. Die Funktion der noch nicht existierenden staatlichen Lchrlingsinspektorate haben zum Teil die Lehrlingsschutz- lomitees unserer österreichischen Jugendorganisation übernommen. Mit 1. April errichtete der Verband auch eine ärztliche Untersuchungs- stelle in Wien, wo sich jeder Lehrling von einem erfahrenen Spezial- arzt darüber Rat holen kann, ob er für den gewählten oder zu wählenden Beruf körperlich tauglich ist oder nicht. Schließlich hat der Verband auch oftmals den sozialdemokratischen Abgeordneten zu parlamentarischen Interventionen Anlaß gegeben und'Material ge- liefert. Abg. Genosse WinarSky, selbst einer der ersten„Jugendlichen" Wiens, hat die Interessen der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter wiederholt mit Erfolg und insbesondere agitatorischer Wirkung vertreten. Der dritte Hauptzweig deS Wirkens des V. j. A. Oe. war die Förderung der B i l d u n g der Mitglieder. Der die Pflege des Vortrags wesens in den Wiener Arbeiterorganisationen seiner Zeit betreibende Verein„Zukunft" wird wie seither de» Wiener UnterrichtSausschuß stellen, der den Jugendlichen BortragSkräfte sehr häufig und u n- entgeltlich zur Verfügung stellte und auch durch Kurse, Ex- kursionen in Großbetriebe, wissenschaftliche Institute, Museen usw., sowie durch Ausflüge wurde für die geistige und körperliche AuS- bildung der organisierten Jugendlichen das Möglichste getan hat. Freilich ist in der an Kräften fast durchweg sehr armen oder die vorhan- denen Kräfte sehr überlastenden Provinz noch sehr viel zu tun übrig. Von den in romanischen und slawischen Ländern zu bemerkenden „antimilitaristischen" Agitationen hält sich der österreichische Jugendvcrband bei aller noch so intensiven AufklärungS- arbeit über den Militarismus völlig fern. Hierin, wie in seiner gesamten Tätigkeit zeigt er. daß er eine Vorschule der zu- künstigen Vertrauensmänner des Proletariats sein wird, eine Schule für die Kadetten der Sozialdemokratie, wie sich die im Wahlrechts- zuge der Viertclmillion am 28. November 1998 mitmarschierendcn Jugendlichen auf ihrer Standarte selbst nannten. Sericbts- Leitung. Fiedler gegen Dobrohlaw. Am Donnerstag wurde vor dem Schöffengericht eine Privat- beleidigungsklage verhandelt, die lediglich deswegen erwähnt zu werden verdient, weil sie sich auf Dinge bezieht, die in der letzten >... kleines Feuilleton. Ucbcr den lateinischen Geist uud sein Verhältnis zum Welt- bürgert»« sprach Analole France am Sonnabend in der Pariser Sorbonne auf einem Fest einer brasilianischen literarischen Ver- cinigung. Die formvollendete und geistvolle Ansprache verdient auch darum'lvicdcrgegcbcii zu werden, weil sie zeigt, wie sich in der An- schanung des sozialistischen Künstlers und Denker« die nationale und Rasienidee nnt der der allgenieinen Solidarität der Menschheit harmonisch verbindet. Der Gegenstand der Rede war der „lateinische Geist". France sagte,»lach einigen einleitenden Sätzen, darüber folgendes:„Kanu man den lateinischen Geist genug preisen? Tie Menschheit verdankt ihm die Geburt und die Wiedergeburt der Zivilisation. Sein zehn Jahrhunderte währender Schlaf war der Tod der Welt. Ich habe gestern eine merkwürdige Erzählung des alten päpstlichen Annalenschrcibers Stefano Jasessura wieder gelesen, die ich Ihnen wiedergeben lvill, weil ich keine bessere Illustration des Gefühls, das uns hier vereinigt, ersinnen könnte.— Es war am 18. April 1435. Durch die Stadt Rom schwirrte das Gerücht, daß lombardische Arbeiter beim Aufgraben des Bodens an der appischen Straße einen römischen Sarkophag gefunden hätten mit der Inschrift:„Julia. Tochter des Claudius. Als man den Deckel abhob, sah man eine fünfzehn- bis sechzehnjährige Jungfrau, deren Schönheit, Dank der Wirkung unbekannter Salben oder infolge irgend eines magischen Zaubers, in leuchtender Frische erstrahlte. Ihr langes Blondhaar floß iiber die weichen Schultern und sie lächelte in ihrem Schlafe. Eine Schar von Römern, von Be- geisterung ergriffen, hob das Marmorbctt JulienL empor und trug es aus das Kapitol, ivohin das Volk in einer langen Prozession zog. um die unsagbare Schönheit der römischen Jungfrau zu bewundern. Schweigend blieb eS. in langer Betrachtung, stehen. Denn ihre Formen, sagen die Chronisten, waren tausend Mal herrlicher als die der lebenden Frauen ihrer Zeit. Schließlich wurde die Stadt von diesem Schauspiel hermaßen ergriffen, daß Papst Innozenz, besorgt, daß ein heidnischer und ruchloser Kultus des lachenden Leibes der Julia entstehen könne, ihn nächtlicher Weile fortschaffen und heimlich begraben ließ. Aber das römische Volk verlor niemals die Erinnc- rung an die antike Schönheit, die an seinen Augen vorbeigegangen war. — Hier stellt sich Ihnen das ewige Wunder des lateinischen Genius dar. Er erwacht uud plötzlich erwacht der menschliche Gedanke mit ihm. Die Seelen sind befreit, die Quellen der Wissenschaft und der Schönheit springen empor. Vergebens möchten die Mächte der Finsternis ihn in sein Grab wieder versenken. Lateiner beider Welten, bleiben wir stolz auf unser gemeinsames Erbe! Aber vergessen wir nicht, eS mit dem ganzen Erdkreis zu teilen! Denken ivir daran, daß der Schönheit der Antike, der elvigen Helena, die nach der Ent- sührung immer erhabener, immer kenscher wird, die Bestimmung gesetzt ist, sich fremden Räubern hinzugeben und Kinder in allen Rassen, unter allen Himmelsstriche» zu gebäre» 7� neue, immer weisere und schönere Euphorion.", l Generalversammlung des sechsten Wahlkreises zur Sprache kamen. In dieser Versammlung wurde über einen Ausschlußantrag gegen Fiedler verhandelt. Der Antrag wurde aber nach einer l'/zstündigen Verteidigungsrede Fiedlers abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit war auch die Rede von der Beleidigungsklage FiedlerS gegen Dobrohlaw. Die Parteigenossen habest deshalb ein Interesse, über den Verlauf dieser Klage unterrichtet zu werden. Der Ausgangspunkt des Streites ist ein Vorkommnis auf einem Zahlabend des sechsten Kreises. Fiedler erschien zum Zahlabcnd. weil er aber nicht mehr in dem Bezirk wohnte, verweigerte ihm der Bezirksführer Sommer den Zutritt, und als F i e d l e r nicht ging, hob Sommer den Zahlabend auf. Etwas später kam Dobrohlaw, zu dessen Abteilung der Bezirk gehörte, ins Lokal, wo Sommer und einige andere Parteigenossen noch zugegen waren. Fiedler hatte sich inzwischen entfernt. Sommer machte nun dem Abteilungsführer Dobrohlaw Mitteilung davon, daß das Verhalten Fiedlers zur Auf- Hebung des Zahlabends geführt hatte. Darauf soll Dobrohlaw zu Sommer gesagt haben: Also Du hast Fiedler aufgefordert zu gehen und er ist nicht gegangen. Dem Lunrp werden wir das besorgen.— Diese Aeußerung, welche Dobrohlaw bestreitet, ist Gegenstand der vorliegenden Klage. Gleichzeitig klagt Fiedler wegen einer zweiten Beleidigung, indem er behauptet, Dobrohlaw habe daS Gerücht verbreitet, Fiedler sei ein Spitzel. Von den vernommenen Zeugen bekundete Bläsing, daß Dobrohlaw die Worte:„Dem Lump werden wir das besorgen" in bezug auf Fiedler gebraucht habe.— Herbst und K 0 b l e r. die ebenfalls Zeugen des Gesprächs zwischen Sommer und Dobrohlaw waren, gaben dagegen an, sie hätten diese Aeußerung nicht gehört. — Daß Fiedler von Dobrohlaw als Spitzel bezeichnet worden sei, konnte nicht erwiesen werden. Die Zeugen Geil und Sülz haben zwar gehört, daß unter den Parteigenossen das Gerücht ging, Fiedler sei ein Spitzel, doch wissen sie nichts davon, daß Dobrohlaw ein solches Gerücht verbreitet habe. Fiedler machte sowohl in seiner schriftlichen wie in seiner münd- lichen Anklagebegründung den Versuch, sich dem Gericht als Opfer eines angeblichen ParteiterroriSmus vor- zustellen. In der Anklageschrift steht der Satz:„Die häufige terroristische Handlungsweise einiger sogenannter Parteibeauitcn, zu welchen der Beschuldigte gehört, gab dem Kläger zur Kritik Ver- anlafsung..."„Seit mehr denn einem Jahre wurde der Kläger von verschiedenen derartigen Beamten beschimpft und verdächtigt, ohne daß er sich dessen erwehren konnte, oder daß ihm von jener Seite ein Recht gelvährt wurde."— Auf denselben Ton war auch die Anklage- rede gestimmt, die Fiedler vor Gericht hielt. Er sagte, seit drei Jahren werde, hauptsächlich vom Angeklagten, eine Hetze gegen ihn betrieben, die ihn in seineni Geschäft geschädigt habe. Von Partei wegen habe man ihm immer gesagt, er dürfe Porteigenossen nicht vor Gericht verklagen. So habe man ihn verhindert, sein Recht zu suchen. Nachdem sich aber zwei Vorstandsmitglieder des sechsten Wahlkreises vor Gericht in die Haare geraten seien, habe auch er den Klageweg beschritten und das bürgerliche Gericht angerufen unr seine persönliche Ehre wieder herzustellen, obgleich er von seinem moralischen Stand- punkt aus eines bürgerlichen Gerichts nicht bedürfe. Ferner bc- hauptele Fiedler, die Generalversammlung deS Wahlvercins habe Dobrohlaw wegen seines Verhaltens gegen ihn ein Mißtrauensvotum erteilt, indem sie Dobroh- laws Wahl zum Vorsitzenden abgelehnt habe.— Fiedler würde wohl noch mehr von den Vorgängen innerhalb der Parteiorganisation dem Gericht vorgetragen haben, wenn ihn der Vorsitzende Richter nicht daran gehindert hätte, weil diese Erörterungen in keinem Zusammenhang mit der Klage standen. Der Vorsitzende bemerkte auch, daß Fiedler für die Behauptung, Dobrohlaw habe ihn in seinem Geschäft geschädigt, gar keinen Beweis angetreten habe. Weiter sagte der Vorsitzende: Die Unterscheidung, welche der Kläger zwischen seinem moralischcir Standpunkt und dem bürgerlichen Gericht mache, habe ihn, den Kläger, doch nicht gehindert, einen seiner Herren Parteigenossen vor ein bürgerliches Gericht zuziehen und die Hilfe deS bürgerlichen Gerichts in Anspruch zu nehmen. Der Verteidiger des Beklagten, RechtSamvalt Theodor Liebknecht, konnte einige Belege zur Kennzeichnung Fiedlers beibringen. In einem schroffen Gegensatz zu der von Fiedler mit theatralischem Pathos betonten Auffassung über die Anrufung der Gerichte in Streitigkeiten zwischen Parteigenossen steht die Tatsache, daß Fiedler gegenwärtig eine Zivilklage führt gegen zwei Vorstandsmitglieder der Freireligiösen Ge- m e i n d e, darunter den Genossen Adolf H 0 f f in a n n. In der Klage gegen Dobrohlaw ging das Urteil des Gerichts dahin: Daß der Beklagte den Kläger einen Lump ge- namrt habe, sei erwiesen. Dagegen sei nicht erwiesen, Man kann die Ausführungen FranceS in wichtigen Einzelheiten anfechteii— schlüpft doch beinahe ihm selbst im Schlußsatz die An- erkennung, daß das Ouellgebiet unserer Kulturideale nicht in der lateinischen, sondern schon in der griechischen Welt zu suchen ist — und auch gegen die etwas antiquierte liveral-austlärende Be- urteilung de«'Mittelalter« als eines tausendjährigen Schlafes ließe sich vieles einwenden, aber welcher Abstand zwischen dem National- und Nassenstolz eines France und dem alldeutschen Koller prosessoraler Bier-Gernianen I Gegen das Frcikarteininwesen wendet sich ein ans den Kreisen konzertierender Künstler selbst hervorgegangener Aufsatz, der in dem von der Münchencr Konzcrtdircktion Gutmann herausgegebenen „Konzert-Tascheubuch" enthalten ist. Wenn auch zugegeben ivcrden muß. daß der anonyme Verfasser nicht ohne eine» Anflug von Künstlerhumor die verderbliche Einrichtung der Freikarte geißelt, deren„Annahme heute schon die blasierten Stubenmädchen in Deutsch- land zu verweigern beginnen", so hütet sich der Autor andererseits doch wohlweislich davor, den allmächtigen Herren Konzertagenlen einen Spiegel vorzuhalten. Und in dem tyrannischen Vorgehen dieser Allmächtigen im Reiche der inodernen Tonkunst liegt doch in Wahr- heit der ganze Urgrund des Freikartenunwesens. Wenn wir das ganze moderne Konzertwescn ohne Scheuklappen überblicken, so sehen wir, daß. kluge Geschäftsleute ihre gierigen Fühlhörner längst auch nach diesem ertragwinkenden Erwerbszweig ausgestreckt haben. Erst in allerjüngster Zeit ist mir ein Fall aus dem Berliner Konzertleben zur Kenntnis gekommen, wo die Angehörigen eines steinreichen Wunderkindes(dem übrigens diesmal ei« ziemlich hoher Grad von Begabung nicht abgesprochen werden konnte) im engsten Kreise — mau kennt den Umfang dieser sogenannten„engsten" Kreise der guten Gesellschaft I!— Dutzende von Billetts ihren Bekannten auf- nötigten. Dies ist der Modus der Freikartenverteilung bei den oberen Zehntausend, resp. amerikanisch gesprochen den oberen Tausend. „Freikarte!.. ticloncl— das wäre ja Lkiooking!"„Nein, wir haben unseren Sitz bezahlt! Wir brauchen uns nichts schenken zu lassen!" Nun müssen wir aber bedenken, daß eben diese Art deS Saalfüllens ausschließlich den Reichen niöglich ist. Nur den Eltern dieser Be- günstigten des Schicksals ist es möglich, die Kosten für Annoncieren, Plakate, Billett- und Programmdrnck. und vor allem die horrend hohe Saal- und womöglich noch Orchestermiete herauszuschlagen I Das Wunderkind hat ja die Einnahmen nicht nötig und die Eltern noch weniger. So fließt also die gesamte erkleckliche Einnahme so eines Konzertes der typischen Wunderkinder stets dem allmächtigen Agenten zu. Noch widerwärtiger aber mutet die Organisation der Konzerte von unbemittelten jungen Künstlern an. Hier ist der ironisierend scherz- hafte glatte GeselllchastSton, den der Verfasser deS fraglichen Auf- satzes anzuschlagen beliebt, wahrlich ganz und gar nicht am Platze I Weiß der Herr Anonymus, der wohl zu den glücklichsten Künstlern gehört, die das Schlimmste längst iibcrstande» haben, weiß er eS nicht, wieviele junge hvffnunaSfrcudige Existenzen alljährlich dem Treiben der Agenten zum Opfer fallen? Weiß er, wieviele durch> daß der Beklagte den Kläger als Spitzel bezeichnet habe. Wenn der Beklagte gesagt habe, dem Lump werden wir das besorgen, so habe er diese Aeußerung getan in begreiflicher Erregung darüber, daß der Kläger versucht habe, den Zahl- abend zu sprengen, indem er dort blieb, nachdem ihn der Bezirtsführer fortgewiesen hatte. Die Spreiignug sei auch gelungen, denn der Zahlabend sei ja infolge deS Verhaltens des Klägers aufgehoben worden. Hierüber sei der Beklagte in eine durchaus begreifliche Erregung geraten und die Beleidigung deshalb nur milde zu beurteilen. Der Beklagte wurde zu einer Geld- st r a f e von 5 Mark verurteilt, die Kosten sollen beide Parteien je zur Hälfte tragen. Eine zweite Madame Humiert präsentierte sich gestern in der Person der unverehelichten K7jährigen Minna Schlesinger dem Strafrichter. Wegen Betruges in fünf Fällen in Verbindung mit schwerer Urkundenfälschung und serner wegen Unterschlagung verhandelte die 1. Strafkammer des Land- gcrichtSlll gegen die bisher unbescholtene Angeklagte.— Als junges Mädchen von 14 Jahren kam die Angeklagte aus ihrer dörflichen Heimat im Posenschen zu ihrem Onkel nach Berlin, der erst Schlächtermeister und dann Brillantenhändler war. Dieser Onkel galt stets als reicher Mann, bis sich nach seinem durch Selbstmord erfolgten Tode herausstellte, daß er mehr Schulden als Besitztümer hatte. Mit ganzen 1,49 M. in der Tasche stand die Angeklagte eines schönen Tages in der Großstadt Berlin. Ein guter Freund kaufte die hinterlassenen Möbel des Onkels für 1299 M. an und ver- kaufte sie der Angeklagten gegen Leihvertrag für 2399 M. Die An- geklagte versuchte sich als Zimmervermieterin durch das Leben zu schlagen, geriet aber bald in Schulden, da sie nur das Wohlleben gewöhnt lind dem Kampfe ums Dasein nicht gewachsen war. In einem Anfall einer Art von Größenwahn mietete sie sich in der Grolmannstraße in Charlotten bürg eine ans 7 Zimmern bestehende Wohnung für einen MietsprciS von 3290 M. und trat von nun an als große D q m e auf. Um sich die Mittel zu ihrem luxuriösen Leben zu verschaffen, verübte die Angeklagte einen wohl einzig dastehenden Schlvindcl. Sie hatte die B�anntschaft eines Kaufmanns Gustav Düben er gemacht, dein sie vorredete, sie habe von einer Tante eine Erbschaft von 59999 Mark und ferner von ihrem in London wohnhaften Bruder Julius den Betrag von 19 999 M. zu erwarten. Die Auszahlung verzögere sich.jcdoch, da noch ein Prozeß schwebe. Dübener ließ sich verleiten, der Angeklagten erst kleinere Beträge für angebliche Gerichtskosten zu leihen. EincS schönen TageS wurde der angebliche Bruder wieder lebendig und sollte angeblich ein Vermögen von ö'/g Millionen Mark haben. Bald darauf erzählte die Angeklagte, daß ihr Bruder auf eine falsche Beschuldigung in Berlin verhaftet sei und in„Moabit" sitze. Tränenden Auges und beim Andenken ihrer Mutter bat die Angeklagte nunmehr den Dübener, sie mit Geld zu unterstützen und D. ging auch richtig wieder auf den Leim, als ihm die Schwindlerin erzählte. sie müsse verschiedene Beamten im Untersuchungsgefängnis bestechen. Hauptsächlich sollte ihr angeblich ein Gefängnisinspektor Köhn und dessen Frau gegen Bezahlung in deren Wohnung ein Zusammen- treffen mit ihrem Bruder ermöglichen. Als diese Methode nicht mehr zog, kam die Angeklagte auf einen beispiellos dreisten und raffinierten Trick. Sie hatte irgendwoher den Namen des L a n d g e r�i ch t ö d i r e k t 0 r s K l u s e.nt a n n erfahren. Mit dem Namen dieses richterlichen Beamten inszenierte die An- geklagte ein unglaubliches Gaukelspiel. Sie erzählte ihrem gut« gläubigen Geldmann, daß dieser Herr der Nichter sei, welcher ihre Erbschaft bearbeite. Von nun an liefen täglich Rohrp ostbriefe und Telegramme bei Dübener ein, in welchen an- geblich der Landgerichtsdirektor mitteilte, daß er,«da die Ternuue immer so lange dauerten", noch nicht in die Lage gekommen sei, die Auszahlung zu beschleunigen. Ein anderes Mal telegraphierte der LandgcrichtSdircktor angeblich von seiner Villa bei Potsdam aus, daß D. dem„lieben Fräulein Schlesinger" nur völlig vertrauen solle. Erst als eines Tages D.„von dem Landgerichtsdirektor" einen Brief erhielt, der von den tollsten orthographischen Fehlern wimmelte, schöpfte Dübener Verbackt. Dübener hat zirka 8999 Mark geopfert.— Von der An- geklagten wurde ferner eine Porticrfrau um 4999 Mark g�- prellt. Zu den Leidtragenden gehören ferner f a st sämtliche Geschäftsleute in der Grolmannstraße und Umgegend. Staatsanwalt M a r s ch e ck beantragte mit Rücksicht auf das überaus' raffinierte und gemeingefährliche Treiben der Angeklagten eine Ge- fängnisstrafe von zwei Jahren. Das Gericht erkannte auf ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Selbstmord geendet haben, weil sie ihre letzten Ersparnisse für die Saalmiete eines Konzertes umsonst hinausgeworfen haben? Was nützten diesen Unglücklichen die Freikarten, die die Agentur mit spöttischer Gönnermiene jedem Menschen aushändigte, der sich durch eine lange Mähne oder verhungerte Schlipse als„musikverständig" oder als„Mitglied der Presse" legitimierte?— Nein, mein verehrter Herr Spottvogel! DaS Heil auS diesem Freikartenunwesen ist ganz und gar nicht in der Veranstaltung von intimen Musikabenden vor einem „wirklich" eingeladene!« Publikum zu suchen! Gewiß können ja die Musiksalons, Ivenn der Hausherr oder die Hausfrau kein Snob, sondern von einer ernsten Knnstanschaming beseelt ist, viel Unheil verhüten, indem sie den Halb- oder Vierteltalente« den Beifall rück- sichtSloS versagen! Aber wie viele«solcher gerechter Salons mag es wohl in der sogenannten inodernen Kulturwelt, vor allem in den Hauptstädten, wo alles auf Lüge und Konvention aufgebaut ist und wo die Plntokratie tonangebend ist, geben? Nein und abermals nein II So lange nicht Mittel und Wege gefunden iverdcn, daß auch der unbemittelte Künstler die Möglichkeit er- hält, aufzutreten, so lange wird auch das Freikarten- Unwesen nicht aufhören,-- den Agenten die Säle zu füllen! Was für ein deprimierende? Gefühl eS für den Unbekannten ist, vor einem Areopag von Freikartenschärlern zu spielen, sofern sein künstlerischer Ernst seine Eitelkeit überwiegt(was freilich auch nicht immer der Fall ist), dies ist Ivohl leicht zu ermessen. In erster Linie wäre es die Pflicht der Leiter der großen Koirscrvatoricn, vor allem der staatlichen Anstalten, ihren ärmeren Zöglingen nach gut bestandener Abgangsprüsuug ein Frcikonzcrt zu ermöglichen. Da- durch hätte der junge Künstler nicht nur vor Publik««!» und Presse von vornherein«nehr Autorität, sondern er bildete auch für den Agenten doch nicht mehr lediglich ein AusbcutungSwerkzeug, wie eS heutzutage im großen und ganzen noch der Fall ist. Notizen. — Ein Vorschuß-Praktiker. Wie der„Neuen Badischen LandeSzeitung" aus H e i l b r 0 n 1, berichtet wird, hatte die Direktion deS dortigen StadtthcaterS zum Schluß der Saison die Verträge einiger alter Mitglieder nicht wieder erneuert. Um dabei nicht auch zum Opfer zu werden, griff der Koiniker deS Ensembles, Benno Nord, zu einein ebenso einfachen wie wirksamen Mittel. Er teilt dieses salterprobte) Rezept in einen« Inserat in den Hcilbrouncr Blättern folgendermaßen mit: „Uin umherlaufenden Gerüchten zu begegnen, teile ich meinen Bekannten«nit, daß ich durch Entnahme eines größeren Vorschusses für die nächste Saison«vicder engagiert werden mußte." — Die Tragödie mit den« Druckfehler. Herrn Lconor Goldschinied ist in unserem Büchereinlailf bitteres Unrecht geschehen. Er hat eine„Tragödie der Gewalt" geschrieben, die, wie ivir hierinit feststellen, den allein zutreffende«« Titel führt:„Die E n t w e i h n n g der Erde" und nicht„Die C i u iv e i b u n g der Erde". Hoffen wir, daß diese»Entweihung" bald»eingeweiht" werde. »MMMMMMMMMMMMMMM. Moritz Kohn Elvira Kohn geb. Gragert. Eisenaoher Straße 29, den 8. April 1909. SozialdemokratiseherWaliMi 4. für den cta Stralaner Viertel. Bezirk Nr. 353°. Den Mitgliedern zur Nachricht, da« unser Genosse, der Tischler Walter tlokkmana Graudcnzcr Straße 4 gestorben ist. Ehre seinem Audenkeu! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. Zlpril, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Fricdhoses in FriedrichSsclde aus itatt. Um rege Beteiligimg ersucht 217/S Der Borttand. -ÄmIiiWiii'Mti.vMmiii öo» 6. Herl. Reietistapafiilräs. Tod««•Anzeige. Am 6. Ahril verstarb unser Mtglied, der Arbeiter l Bababot Jannawltz- brUcke. Gefunde, Netvöfe, Herz., Magen., Nieren. leidende und fllle, die Ibc aufregende Getränke wie Kaffee, ebinefifeben Tee etc. meiden loll� kauft fchncU in der O n3»r Spezlal H.ms. Dort linden Li» er. Partle-PoMten: Teppiche T- V�J oil80' Gardinen T' Portieren T- 9,oa •ewi» Steppdecken, Tisch- n.Oiwan- decken, Llufer- nnd Möbeletofle eto. "■40% im Freite herabgesetzt. Udler KOnlsstrasse 20-21, a.<1. JUdenatraDe. jeder Art Aagnata ad, Köpeni?erstr.60 iSf» Spt/ialsfetfc�: Haarhütc v.S.SO an. irntuattkn Regenschirme, Sonnenschirme größte Auswahl von 1.50 M. an. täglich llmgang von _ Neuheiten Oberhemden Kragen, Mauschelten, Servl- teurS in bester Qualität »M für Henen und Damen KailbHiihe Qottmarm Frankfurter Allee I18a. Große Frankfurter Str.130. Frankfurter Allee 162. Landsberger Straße 73. 57. Rabatt erhült Jeder Kaarer bei Vorzeigen dieser Anzeige! 7512 Höchste Leistungsfähigkeit! Spezlal-Gesüiitt für feine Herren-Behleldang fortig und nach Maaa unk beil.»ntklan. Schneldonntlr. j. 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Ifarudt, Eüdersdorfer Straße 48. Tischler-Verein ü . X«. 8». Sonnabend, den 10. April. abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. IS: == Versammlung. � � AuSgade der BilleUS zum Thalia-Theater am 12. April. Der Borstand. �eidntravri-ivrt« Knabea-kekleidung ?uten und tadellesen Sitr, beste Verarbeitung, bauten »Ilsten und billigsten im 8pcnI»IImiinv der Fa. Garantiert Sie am ree. S. Koffmann, Chartottenburg, 12, Wilmersdorfer Straße 12. HGroBe Answahl an In- and anslttndl.chen Stoffen II nnr Anfertigung feiner Herrenmoden nach naß.|| Die bei mir bestellten Maßsaohen werden in eigener Werkstätte unter Leitung erster Meister angefertigt. Orts-Krankenkasse «» Kuchdindn Gewerbe. Ordentl. General-Versammlung am Dienstag, den 20. April, abends 8'/, Uhr, im Gewerlschastshause (Saal I), Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Wnahme der JahreSrcchnung für 1908. 2. Vortrag des Herrn Wissel: Die neuen sozialen Gesctzesoorlagen (Reichverficherungsordnung). 3. Verschiedenes. 272/16 Uee Vorstand. Bernh. Jost, Karl Gottesmann, Vorsitzender. Schrisljührer. Angler Berlins u. Umgegend Am 2. Osterfeiertag, nachmittags 2 Uhr, in Friedrichshagen, Seestr. 11(Fischerhütte): OeffcntlicheVerfammlund l» iOll Verwaltung Berlin. Die Entgegennahme der Beitrage in den Zahlstellen erfolgt am Sonnabend, den 10. April(Heiligabend), von 5 bis 7 Uhr. Die Bureaus des Berbandes sind am Karfreitag und an den drei Osterseiertagen geschlossen. Am Sonnabend vor Ostern wird um 1 Uhr mittags geschlossen._ 82,1 Mitgliedsbücher, die bis Jahresschluß 1908 vollgellebt find, müssen bis 15. April im Bureau abgeliesert werden. Nach diesem Termin werden keine Bücher mehr angenommen. Sonntag, den 11. April, vormittags 10 Uhr und nachmittags 4 Uhr: drama-Vorstdlungcn. Zum Vortrag gelangt:»Auf den Trümmer» Mesfinas*. Billetts find bei den Beitragsammlern und im Bureau zu haben. _ IHe Ortsverwaltnng. Orts-Krankeukasse für das Goldschmiede- Gewerbe zu Berlin. Montag, den 19. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, EngeU user 15, Saal 5: Ordentl. General-Versammlung sämtlicher Herren Delegierten. Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht für 190& 2. Bericht der Revisoren. 3. Statuten- änderung(§ 9 des Statuts.) 4. Verschiedenes. 272/8 Ter Borstand. I. A.: Otto Almendinger, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse Britz. Bekanntmachung. Dienstag, den 20. April ö. I., abends G'/a Uhr, findet im Lokal von A. RaddaN, Chausseestr. 39, eine Dclegtertcn-Ersahwahl statt. Zu wählen sind 5 Arbeitnehmer. Wahlberechtigt nnd wäblbar sind nur diejenigen Kassenmitgliever, welche großjährig und im Besitz der büiger- lichcn Ehrenrechte sind, Z 49 des Krankentassen-Statuts. 272/12 ■ Zur Legitimation dient das■ KassenquittungSbuch. Der Vorstand. I. 3t.: SS. B e h r e n d, Vorsitzender. Bonlllon-VQrrel„Krone" darf tn keiner Küche fehlen 1 Koasum-Clenosseiiscliatt Berlin und Umgegend Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hafiptlicht. Kontor: Berlin 0.27, Gruner Weg 11, Kofi. DM" Die 42 Verkaufsstellen befinden sich:"WO 17, Berlin O., Markusstraße 37.— Zorndorfer Str. 61.— Liebig- straße 7.— Kopernikusstr. 33.— Stralauer Allee 20a. Berlin IVO., Böteowstr. 34.— Winsstr. 64.— Ebelingatr. 13.— Büschingstr. 12. Berlin 80.. Forster Str. 20.— Michaelkiroh-Platz 4. Berlin S., Gräfestr. 40. BerlinV., Torfstr. 28a.— Antwerpener Str. 4.— Willdenow- t-trailo 30.— Maxstr. 13a.— Prinzen- Allee 85.— Swine- münder Str. 44.— Hussiten- straße 53.— Gartenstr. 3.— Greifenbagener Str. 84. Berlin VW., Erasmusstr. 5.— Kostooker Str. 35.— Emdener Str. 50.— Stendaler Str. 5. Berlin W.. Goebenstraßo Ecke Culmstraße. Berlin SW� Zimmerstr. 22.— Arndttätr. 5. Welßensee: Friedriohstr. 12. lilchteuiberg: Frankfurter Allee 103.— Kronprinzens'tr. 1. Ruminelsbnrg: Türrschmidt- str. 6.— Wismarplatz 3. Karlshorst: Gundelfingener Str. 51. Rixdorf: Weisestraße 52.— Emserstr. 33.— Wildenbruoh- str. 61/62.— Friedeis tr. 15. Tempelhot: Berliner Str. 42/43. Rariendorf: Kaiserstr. 110. Schßneberg: Apostel-Paulus- Str. 40.— Gothenstr. 1. Die Verkaufsstellen sind geöffnet von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags und von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abonds. Sonnabends bis 9 Uhr abends. Sonntags geschlossen. Kontor und Zentrallager ununterbrochen geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Kassenstunden von 9— 1 Uhr. Mitglieder werden in allen Verkaufsstellen aufgenommen. Eintrittsgeld 50 Pf., der Anteil von 30 Mark (gemeinsames Betriebskapital) kann durch die Küokvergütung aufgespart werden. Verkauf guter unverfälschter Ware nur an Mitglieder gegen Barzahlung. Prinzip ist möglichst direkter Bezug im Großen und Abgabe ira Kleinen. Mitgliederzahl etwa 19 000. Umsatz monatlich über'L Million. Geschäftskapital über 150 000 M, Spareinlagen über 2t>0 000 M.'mit� 31/, Proz. verzinslich. Lausanteile zur Errichtung einer Bäckerei, Zentrallagers usw.(500, 100 u. 20 M.-8tüoke) mit 4 Proz. verzinslich sind schon 60000 M. eingezahlt.— Der ReferentenknrMn» lllllt am 8onnabend, den lO. April au«. 105/4 Bezirk GroH-Berlin. 0V Allen Mitgliedern zur Kenntnisnahme, daß die Bureaus samt« sicher 4 Berliner IBerwaltungsftellen, Engeluser 15 sowie das Ftlialbureau Charlottenburg, Rosinen st r. 3 sowie die Ärbeitsnachwetse Alte Leipzigerstr. 1 und Engeluser 15 am 1. und 2. Osterseiertag den ganzen Tag, am Sonnabend, den 10. und Dienstag, den 13. April von 2 Uhr nachmittags ab geschlossen siud. 66/16 Die Bezirksleitung. �dluvg! Bewilligte Bäckerei In der unterzeichneten Bäckerei sind die Differenzen mit dem Verband find geregelt und unterzeichneten der Bäcker zur Zufriedenheit als bewilligt. A. Barneckow, Stettiner Str. 56. Der Bertranensmann der Bäcker und Konditoren. Differenzen gilt daher diese Bäckerei wieder 1980b Bouiiioll-Wiirlei.,Kr(me" ist unentbehrlich für den Haushalt I Orts- Krankenkasse Pankow. Dienstag, den 30. April 1909- im Restaurant Rozyoki zu Pankow, Kreuzstraße 3/4; Tagesordnung: Wahl der Vertreter zur General» Versammlung für die Periode 1909-1911 (Z 51 und 51a des Statuts). a) III Kaslenmitglieder b) 55 Arbeitgeber. Die Wahl findet getrennt für Kassen« Mitglieder und Arbeitgeber statt, u:' zwar:_ für die Kassenmttgliedrr Bon ■/..6 bis 8 Ufa- abend# und für die Ilrbeitgeb« von '/,9 bis 1l,iO Uhr ab-mos. Zu dieser Versammlung we> sämtliche Kafsenmitxlleder un aeber, soweit dieselben großjährig und Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte find, eingeladen. 272/11 Die Kassenniitglieder haben sich durch Vorlegung ihres vom Slrbeitgeber ab- gestempelten Quittungöbuches die 3Irbetlgeber, soweit sie nicht persönlich bekannt sind, durch Vorlegung der letzten BettragSnota zu legitimieren. Pankow, den 3. April 1909. Der Borstand der OrtS> Krankenkasse Pankow. Paul Seisert, Vorsitzender. KB. Gleichzeitig wird hiermit be- lannt gemacht, daß vom 10. April an die Kasse Tonnabends nach- mittags nlebt mehr geöffnet ist. Wen-OntBrstlltzüiigs- wf IbDiskasseilerLeilerzurleliler Berlins.(®- s- Nr. so.) Sonntag, den 18. April, vorm. 0 Uhr, im Gewerkschaftshause Engeluser 15, Saal 11: neral-Versammlung Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom 1. Quartal 1909. 2. Geschäslliches. 1951t Der Verstand. I. 91.: Gustav Busse.__ Orts- Krankenkasse für das Töpfergewerbe zu Berlin. Montag, den 19. April, abds. 8 Uhr, im Köntgftadt-Kasino, Holzmarkt straße 72: GMI. General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Be» richt der Jahresrevlsoren. 3. Ersatz- Wahl des Vorstandes(ein tzlrbeit- nehmer). 4. Verschiedenes. gegen Vorzeigung der Eintritt Eintrittst# Glclchi. die sechste Statuts b schädigung für nehmigt morde Der H. Lo bekannt, daß zu H 40 de» uug der Eni- astsührer, ge» 272/15 Warenhaus Wilhelm Siein Berlin Nn Chausseestrasse 70-71 300000C e Fleischwaren Hildesheimer Rotwurst.. wand 65 Pf. Hildesheimer Leberwurst. P'und 65 w. Mettwurst Braunschweiger Art.. Wund 90 Ph Berliner Mettwurst.... Pwnd 60 pl Westfälische Mettwurst v v PiundBÖPt Landleberwurst...... wund 90 Pt. I'ee-Lohlaokwurst..... p�nd 1.20 DelikatesS'SUIze...... p� 80 w. Holsteiner Schlackwurst. wund 1.15 Holsteiner Salamiwurst.. Pfand 1.15 Westfälische Schlackwurst Pfund 1.55 Westfälische Salamiwurst wand 1.55 Rotwurst.......... Pfand 48 Pf. Zwiebelleberwurst..... Pfund 48 Pt für Sonnabend, den lO. April er. Kolonialwaren Konserven Pa. Hammelfleisch Pfd. 60, 70, 60 w Pa. Kalbfleisch.. Pfd. 80, 90 w. Pa. Rindfleisch.. Pfd. 70, 80, 90 w. I a. Schweinecotelettes.. wd 90 Pf. Pa. Kassler Rippespeer.. wd. 85 Pf. Backpflaumen...... Pfd. 19, 28 w. Franz. Pflaumen;..... Pfd. 45 w. Entsteinte Pflaumen.... Pfd. 38 Pf. Kalifornische Pflaumen.. wd. 60 Pt Aprikosen.......... wd. 53 w. Prllnellen.......... wd. 60 Pt Kalifornische Birnen.... wd. 60 w. Mischobst I.......... wd. 45 Pt Mischobst II......... wd. 30 Pt Pflaumenmus......... wo. 20 Pt Apfelmarmelade...... w-t 40 Pt Kunsthonig i» Bienenkorb, 2 Pfund bbalt 80 Pt Kunsthonig... s Wd.-Eüner oder Topl 1.60 Delikatess-Syrup...... gi« 30 w. Gemischte Marmelade» wd.-»«« 1.10 Gemischtes Gemllse. Feinste junge Erbsen dünge Erbsen.... Pfefferünge...... Spinat......... Vi Dos« 45 Pt Vi Dose 78 Pt Vi Dose 45 Pf. Vi Dose 48 Pt Vj Dose 40 Pt Stangenspargel«tr««t«rk. v, dos« 1.10 Preisseibeeren..... Saure Kirschen ohne stein Stachelbeeren..... Aprikosen Vi Dose 68 Pt Vi Dose 88 Pf. Vi Dose 65 W. Vi Dose 95 Pf. Liköre Berl, Qetreidekümmel.'/»wasche 93 w. Halb und Halb..... Vi wasche 93 Pt Stonsdorfer....... v» wasch« 98 Pt Kognak Verschnm..... Vi Wasche 1.25 Eier-Kognak....... Vi wasch« 1.20 Chausseestein-Likör.. ViWMche 1,10 Sortiments-Liköre... Va wasch« 75 Pt Sonnabend, den 10, April er. sind unsere Verkaufs-Räume bis 10 Uhr abends geöffnet. begrün Jei �TST M. 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Spekulanten-Manöver, die in dem vom amerikanischen Ackerbaubureau am Mittwoch herausgegebenen Bericht über den Saatenstand in Amerika erwünschte Stütze fanden, haben an den Getreidebörsen ein weiteres Hinauftreiben der Preise im Gefolge gehabt. An der Börse in Chikago griff der Weizenkönig Platten ein, indem er die Einstellung der Berkäufe bekannt gab. Da anderweitige Vorräte nur in sehr geringen Mengen am Lager waren, sprangen die Preise für Maiweizen bis 33/4 Cent höher als der höchste Kurs, der am Montag notierte. Die Erregung stieg noch, -!s das Gerücht verbreitet wurde, Europa bedürfe während der nächsten vier Monate 60 Millionen Bushel amerikanischen Weizen. Dazu kam der ungünstige Saatenstnndsbericht, der den Durchschnitts» stand des Winterweizens auf 82,2 Proz. gegen 85,3 Proz. am 1. Dezember 1908 und 91,3 Proz. am 1. April 1998 schätzt. Der Durchschnittsstand des Winterroggens wird mit 87,2 Proz. gegen 87,6 Proz. am 1. Dezember 1908 und 89,1 Proz. am 1. April 1908 angegeben. Die Hauffepartei brachte eS daraufhin fertig, den Preis für Weizen per Mai auf einen Stand zu treiben, wie er bisher nur einmal, und zwar im Jahre 1893 erreicht worden ist. Die Preis- treiberei bleibt, trotz des günstigen Saatenstandes in Deutschland, hier nicht ohne Wirkung. An der Berliner Börse notierte z. B.t 10. März 2. April 7. April 8. April Mai-Weizen.. 226— 233-234-/« 2403/4.241-/4 242-/4-243'/z Mai-Roggen.. 176'/. 17o'/,-175-/z ISO'/j-lSO»/« ISO'/.-lSO8/, Weizenmehl 00 273/4-30'/a 28'/4-30»/4 29f/2-30'/a 298/4-32 Roggenmehl. 23�-23 21-/.-23 21°/,<.-23»/,» 21°/,«-23°/,« Danach ergeben sich seit Anfang März ganz gewaltige Steige- rungen, speziell für Weizen. Von der Aufwärtsbewegung ist aber auch schon da« Mehl erfasst worden. Die Befürchtung, daß die Hausse in sehr unangenehmer Weise auch in den Brotpreisen zum Ausdruck kommen werde, hat leider nur zu viel Berechtigung. Dabei haben wir jetzt schon Brotpreise, die geradezu als Hungerpreise bezeichnet werden können. Die Agrarier heimsen viele Hunderte von Millionen ein, den Arbeitern wird der Brotkorb immer höher gehängt. Göttlich-agrarische Weltordnung l Steigerung der Fleischpreise. Die Fleischpreise habei» im Monat März wieder eine Ver- teuerung erfahren; nur Hammelfleisch ist etwas billiger geworden. Der Preis für Rindfleisch stellte sich im Durchschnitt von 60 Plätzen pro Kilogramm im März auf 1,65 M. gegen 1,64 M. im Februar. So gering diese Steigerung ist, so fällt sie deshalb doch ins Gewicht, da gerade die billigeren Sorten eine stärkere Preissteigerung er- fahren haben als die besseren Qualitäten. Rindfleisch vom Bauch kostete im März pro Kilogramm 1,33 M., während eS im Februar erst 1,30 M. gekostet hatte. Rindfleisch vom Bug stieg im Preise von 1,66 M. im Februar auf 1,67 M. im März. Im Durchschnitt der nämlichen Orte ging der Preis für Schweinefleisch von 1,64 M. pro Kilo im Februar auf 1,66 M. im März hinauf. Während aber Schweinefleisch von der Keule— die hochwertigste Sorte— sogar eine Preisermäßigung aufweist und nur 1,70 M. pro Kilogramm kostet gegen 1,71 M. im Februar, ist der Preis für Fleisch vom Bug im Preise gestiegen; der Preis ging von 1,61 auf 1,62 M. hinauf. Scharf in die Höhe ge- gangen ist der Preis für Schweineschinken und Speck; ersterer kostete pro Kilogramm im März 2.60 M. gegen 2.68 M. im Februar. letzterer 1,80 gegen 1,77 M. Gleichgeblieben ist der Preis für Kalb- fleisch, das im Durchschnitt noch immer 1,72 M. kostet; auch hier hat sich die geringere Qualität verteuert, während die höherwerttge Sorte im Preise gesunken ist. Bei Hammelfleisch endlich ist im Durchschnitt eine kleine Ennäßigung eingetreten; der Preis ist von 1,66 M. pro Kilogramm auf 1,63 M. zurückgegangen. Das Krisenjahr. Nach dem soeben erschienenen Bericht der Gewerbe- inspektoren in Hessen erfolgte im Jahre 1903 statt der sonst regelmäßigen Zunahme der Arbetterzahl ein Rückgang von 93 272 auf 96 668. Ueberdies verschärfte sich die schon in früheren Jahren in Erscheinung getretene Verdrängung der Männerarbeit durch Frauen und Jugendliche. ES wurden in Fabriken beschäftigt: 1902 1907 1903 Anahme Erwachsene männliche Arbeiter. 61844 71796 69 084 11,7 0/0 Arbeiterinnen über 10 Jahre. 18 194 17 293 17 817 36,0 0/0 Jugendliche beider Geschlechter. 6 616 9146 9 746 47.4% Die Inspektoren bemerken, die stärkere Heranziehung der billiger gelöhnten Weiblichen und Jugendlichen entipringe dem niederlicgenden allgemeinen Geschäftsgang. Deutschlands Roheisenerzengung. Nach den Ermittelungen dcS Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- erzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats März 1909 insgesamt 1073116 Tonnen gegen 949 667 Tonnen im Februar 1909 und 1 046 993 Tonnen im Marz 1903. Denmach hat die Roheisenerzeugung gegen das Vorjahr zugenommen, während der Versand des Stahlwerksverbandes zurückgegangen ist. Die englische Textilindustrie. Das englische Handelsamt hat soeben ein G e I b b u ch heraus- gegeben, das die Resultate umfangreicher Erhebungen über die englische Textilindustrie enthält. 1906 waren nicht weniger als 1171000 Personen in den verschiedenen Textilbranchen beschäftigt, darunter 689 000 Frauen. An Löhnen wurden gezahlt 60 Millionen Pfund Sterling, also über eine Milliarde Mark; im Durchschnitt kam auf die beschäftigte Person ein Jahreslohn von nur 870 M. Bemerkt sei, daß die Erhebungen sich auf über Vi Million Personen erstreckten, ein Prozentsatz, der genügt, um eine Beurteilung der Industrie als Ganzes zu ermöglichen. Die Mehrzahl der Textilarbeiter ist wöchentlich 66 Stunden beschäftigt, manche Branchen kommen aber auf 67— 60 Stunden. Zieht man den Sonnabendnachmittag als Halbfeiertag in Berechnung, so ergibt sich eine durchschnittliche Arbeitszeit von 9— 10 Stunden und in einzelnen Fällen darüber. Die Löhne sind, nach den deutschen gemessen, nicht schlecht, im Vergleich zu denen anderer englischer Arbeiter aber niedrig. Der durchschnittliche Wochenverdienst für Männer ist 28,10 M. Den höchsten Verdienst erreichen die Spitzenweber mit 39,60 M.; ihnen folgen die Strumpfwirker mit 31,50 M. Die Frauen er- reichen, im Durchschnitt der ganzen Industrie genommen, einen Wochenlohn von 16,40 M. In der Baumwollbranche verdienen etwa 30 Prozent der Frauen 20— 25 M. pro Woche. Die Mehrzahl der Frauen verdient weniger als 16 M. Der durchschnittliche Wochenlohn für Arbeiter unter 20 Jahren ist 10,40 M. und der für Mädchen unter 18 Jahren nur 8,86 M. Am schlimmsten ist das Los der bedauernswerten„Halstimers", der Schulkinder, die den halben Tag zur Schule gehen, die andere Hälfte in der Fabrik fronden. Von diesen bringen es die Jungen auf 3,60 M.. die Mädchen auf 3,30 M. pro Woche.— Das sind in kurzen Umrissen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in einer der wichtigsten Industrien Englands. Die Löhne sind für die Mehrzahl viel zu gering, um ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein zu führen; immerhin sind sie im Durchschnitt doch höher als in Deutschland und den übrigen Ländern. Das beweist jedenfalls, wieviel noch zur Hebung der Arbeiterklasse in allen Industrie- ländern zu tun ist._ Tarifrcvifion in Amerika. Die Kommission des Repräsentanten« hauseS für Mittel und Wege einigte sich, wie aus Washington draht« lich gemeldet wird, auf eme Ermäßigung des Zolles auf Stahl, Jngots, Blooms und Brammen von einem auf 0,8 Cent bezw. von 0,4 auf 0,3 Cent gemäß der Klassifizierung advalorom. Die Klausel. welche einen gleichmäßigen Zoll von 20 Proz. ad valorcm auf Kesselbleche von Eisen und Stahl vorsieht, wurde gestrichen. Die Zölle auf einige Sorten wurden spezifiziert, auf andere ermäßigt. Hus der frauenbewegung. Frauenarbeit. Wie schon aus den Ergebnissen der Berufszählung vom 12. Juni 1907 bekannt geworden ist, hat die weibliche Arbeitskraft in Industrie. Handel und Gewerbe ganz gewaltig zugenommen. Diese Cntwickelung ist aber noch nicht, auch nicht während der Krise, zum Stillstand gekommen. Das bezeugen die nun vor- liegenden Berichte der preußischen Gewerberäte für das Jahr 1908. Für heute wollen wir von zwei Auslassungen Notiz nehmen, die sich mit der Verdrängung von männlicher durch weibliche Arbeits- kraft beschäftigen. So berichtet der Beamte aus dem Landespolizei- bezirk Berlin folgendes: „In einer Reihe von Gewerbcztveigen macht sich offensichtlich ein immer stärkeres Eindringen der weiblichen Arbeitskräfte be- merkbar, das zum Teil unter einem Verdrängen der Männerarbeit vor sich geht. Diese Erscheinung trit� nur ausnahmsweise unver- mittelt, in der Regel vielmehr ganz allmählich auf und hat ihre Ursache zum Teil, und z>oar vornehmlich in der Aenderung der Erzeugnisse und Arbeitsweise, zum Teil aber auch in den persön- lichen Eigenschaften der weiblichen Arbeitskräfte.... Am stärksten macht sich das Eindringen der weiblichen Arbeits- kräfte in den Betrieben der Metallverarbeitung und des Maschinen- und Apparatenbaucs bemerkbar. So geht die Bedienung der auto- matischen Schraubenschneidcmaschinen, der Stanzen und Pressen immer mehr in Frauenhände über. In Blechwarenfabriken werden häufig Arbeiterinnen als Löterinnen verwendet, desgleichen in Fabriken für elektrische Taschenlampen, hier auch zum Füllen der Elemente. Die Verwendung als Löterinnen ist dadurch ermöglicht worden, daß die Blechteile durch die neueren Maschinen in solche Formen gebracht werden, daß die Lötstellen bequem zugänglich sind und einfache Linien aufweisen. Ebenfalls auf die Verwendung neuerer Maschinen— der Spritzmaschincn— ist die Beschäftigung von weiblichen Arbeitskräften als Lackicrcrinncn zurückzuführen. In Galvanisieranstalten werden sie zum Bedienen der Bäder, in einem Emaillewerke als Einsetzerinnen am Ofen herangezogen. In zahlreichen Betrieben der Metallverarbeitung sind sie bei der Herstellung kleiner Teile an Drehbänken, Bohrmaschinen, Schleif- apparaten, Fräsen und Pressen tätig, an Pressen namentlich, seit- dem die schwer zu bewegenden Balanzierpressen durch Exzenter- pressen ersetzt worden sind. In Gießereien und Armaturfabriken werden sie als Kernmacherinnen beschäfttgt, in Fabriken von Fern- sprechapparaten besorgen sie das Zusammensetzen der Mikrophon- teile und der Gehäuse, in Waffe::- und Munitionsfabriken das Nachlehren der Geschosse. In einer Hufeisenfabrik hchben sie die Stollen abzufräsen, nachzupressen, zu tempern und zu härten. In Klavierfabriken ist ihnen das Polieren und Einbauen einzelner Teile übertragen und in einer Fahrradkettenfabrik das Entfernen der Spähne an den Rollenbohrmaschinen, was früher ausschließlich von jugendlichen männlichen Arbeitern besorgt wurde, sowie das Zusanimensetzen der Ketten. In der Elektroindustrie besorgen sie das Wickeln kleiner Drahtspulen, in einer Knopffabrik leichte Stanz- arbeit. Ein Versuch, in einer Nähmaschinenfabrik Arbeiterinnen an Fräsmaschinen zu verwenden, scheiterte an dem Widerstande der männlichen Arbeiter. Ebenso widersetzten sich diese und ihre Organisation der Verwendung von Arbeiterinnen in den Setzereien; gleichwohl findet eine solche noch in einzelnen Buchdruckereien statt. In der Holzindustrie, namentlich in Bilderrahmenfabriken, werden Arbeiterinnen als Poliererinnen beschäftigt. In Buchbindereien bedienen sie Falz-, Heft-, Linier- und Gummiermaschinen und verrichten mannigfache Vorarbeiten, wie das Beleimen der Rücken und Deckel, das Belegen mit Gold- und Silberfolie sowie das Einpressen von Buchstaben und Verzierungen. In der Stcinindustrie haben sie stellenweise den Platz der Schleifer eingenommen, nach- dem diese in den Ausstand getreten waren. In der Konfektions- industtie wird vereinzelt das Nähen billiger Herrenmäntcl, -joppen und-jacketts, das früher ausschließlich den Schneider- gesellen übertragen wurde, von Arbeiterinnen bewirkt. In einer Gerberei endlich besorgen Arbeiterinnen das Abstoßen der Wolle und das Bedienen der Wollwasch- und der Stoßmaschinen.... In allen diesen Fällen haben die Arbeiterinnen Verrichtungen übernommen, die vordem ganz oder doch teilweise den Männern oblagen." Und aus dem Regierungsbezirk Minden weiß der Beamte folgendes zu berichten: „Eine Verdrängung der Männerarbeit durch Frauenarbeit macht sich im Laufe der letzten Jahre immer in den Sortierereicn der Zigarrenfabriken bemerkbar, da viele Fabrikanten dazu Über- gehen, Sortiererinnen an Stelle der männlichen Sortterer einzu- stellen, und daher auch mit Vorliebe Mädchen an Stelle von jugend- lichen Arbeitern männlichen Geschlechts zur Sortierarbeit anlernen lassen, weil Frauen und Mädchen nicht so leicht zu Ausständen und zum Wechsel der Arbeitsstätte neigen wie männliche Arbeiter. In einigen Orten haben diese dem Vorgehen der Fabrikanten mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln heftigen Widerstand ent- gcgengesetzt, der dann auch nicht überall ohne Erfolg geblieben ist. In einer größeren Zigarrenfabrik, die bisher ausschließlich mann- liche Arbeiter beschäftigte, da in der Gegend die Fabrikarbeit wcib- licher Personen überhaupt nicht üblich war, wurde im Anfang des Jahres eine Anzahl Mädchen in die Kistenklcberei eingestellt. Dies hätte fast Anlaß zu einem Ausstand der männlichen Arbeiter ge- geben, wenn nicht die Arbetterorganisation, der sie angehören, die finanzielle Unterstützung eines Streiks abgelehnt hätte.— In den Betrieben der Metallindustrie ist eine allmähliche Zunahme der Be- schäftigung von weiblichen Personen an Bohrmaschinen, Pressen und ähnlichen Maschinen zu beobachten. Es handelt sich in allen Fällen um Arbeiten, die leine größere Kraftanstrcngung erfordern und daher an und für sich als für den weiblichen Organismus un- geeignet nicht bezeichnet werden können." Zu zwei Monaten Gefängnis wurde im Januar dieses Jahres unsere schwedische Genossin Frau Kata Dalström verurteilt, weil sie in einem Bortrage den schwedischen Reichstag beleidigt haben sollte. Das Urteil des Rathausgerichts der Kleinstadt Ronneby ist am Montag von der Berufungsinstanz, dem Hofgericht für Schonen und Bleking«, aufgehoben worden. Ein Gesetzentwurf über die Mutterschaftsversicherung. Wieder- olt hat der italienische Minister für Ackerbau, Jirdustrie und Handel der Kammer einen Gesetzentwurf über obligatorische Mutterschaftsversicherung vorgelegt. Das Gesetz betrifft alle Ar- beftcrinnen, die durch das Schutzgesetz vom November 1007 auf die Dauer von einem Monat nach der Entbindung von der Arbeit ausgeschlossen sind, beschränkt sich also auSschließluch auf die industrielle Arbeiterschaft. Für jede Arbeiterin im Alter von 15 bis 20 Jahren ist ein Lire jährlich, für solche von 20 bis 60 Jahren sind 2 Lire jährlich zu entrichten. Eine Hälfte dieser Summe wird der Arbeiterin von: Lohne abgezogen, die andere bezahlt der Unternehmer. Als Gegenleistung erhält die Arbeiterin bei jeder Entbindung oder Fehlgeburt eine Unterstützung von 30 Lire. Der Entwurf hat den Vorteil, einen sehr einfachen, von bureaukratischer Schwerfälligkeit freien Organismus zu schaffen. Die Unter« stützungssumme von 30 Lire ist natürlich ganz und gar unzulänglich, trotzdem die sanitäre Behandlung durch die städtischen Aerzte und Hebammen in Italien gratis erfolgt. Die fabelhafte Steigerung der Löhne, von der Giolitti in der Kornzolldcbatte zu berichten wußte, scheint man bei diesem Gesetzentwurf vergessen zu haben, sonst würde man wohl kaum die Summe von 30 Lire als Ersatz für einen 30iägigen Lohnausfall ansehen. Allgemeine Kranken- und Dtcrbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29 Hamburg.) Filiale Baumschulenweg. Der Zahltag findet der Feiertage wegen am Sonliabend, den 10. Aprll, im VcrelnSlokal abends von 8-10 Uhr statt. W. Zsyel ,. 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Morgen 8 Uhr: üerodea und Morl am ne. 8 Uhr. Seneu Theater. 8 Uhr. Connab.: Idle tremde Ipran. Sonntag: Unter Leitung de» Im- presario Fi ih Rudolph. Zum 1. Male: Lines Laglllnäers tteim. Montag: Eine» Engländer» Heim. Theaier des Wesiens. Heute 8 Uhr: Bachs Oratorium: Adle JohanneM-PanMloa. Kammersänger Franz Eginieff. Morgen 7'/, Uhr: Opernaussührung des Slernschen Konservatoriums: W agner-Mozart-Bizet-Afaenil, Friedrich-Wilhelmstadtiscties Schauspielhaus. Freitag, 9. April, Ansang 8 Uhr: Geistliches Konzert. Sonnabend: Othello. Sonntag nachm. 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends 8 Uhr: Othello. Urania. Wissenschaftliches Thealei. Tanbenetraße 48/49. Heute Kcschlosacn. Sonnabend 4 Uhr: Bei den Sehwarzfiintern. Abende 8 Uhr: Auf den TrOmmern Messinas. Residenz-Tlteater. — Direktion: Richard Alexander— Freitag geschloffen. Sonnabend: AbendS 8 Uhr: PerrSoI. Schauspiel in 4 Akten von Sarbou. Luisen-Theater, Freitag und Sonnabend bleibt daS Theater geschlossen. Oster-Sonntag nachm. 8 Uhr: Mein Leopold. Abend» 8 Uhr: Marie, die Tochter de» Regiments. Oster-Montag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Premiere: Mädel ohne Geld. Ofter-DienStag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Mädel ohne Getb. MWMIM Gr. Frantturter Str. 132 Heute geschloffen. Morgen zum ersten Male: Knriti-Pstriü. Poffe mit Gesang in 3 Akt. v. Willen. Anfang 8 Uhr. WochenIagSprets«. Sonntag: Kvrich-Pyrist. Sonntag nachm.: Ehrliche Arbeit. tei- O KOpenleberatr. 68. a � Honte geschloffen. Sonnabend, d. 10. Arril: Premiere: Der Hund von Baskerville. Von Ferdinand Bonn. Sonntag, lt., u. Montag, 12. April, nachm. 3'/, Uhr bei halben Preisen: Sberlock HvlmeS. AbendS 8 Uhr: Der Hund von BaSterville l-uGispistkaus. Freitag und Sonnabend i Geschloffen. ttebbel-Theater Käniggrätzer Str. 57JB8. Ans. 8 Uhr. Heute bleibt daS Theater und die Kasse geschloffeu.— Sonnabend. Sonntag, Montag: Nevoiuttons Hochzeit, Itleue« ttperetteu-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Luiscnstr. Abend» 8 Uhr: Geistliches Konzert: HaYduS»Schöpfung« unter Lettung von Arnold Dreye«. Sonnabend: E:isembI«»Gastsp. de» Lesstiig-TheaterS: Die Siüve» der Gesellschaft. Ansang 8 Uhr. Iteehntelunaal 0sIsrmonlag Oinhatt. 42. llr. Alkreö 8 Uhr. Heine- Abend tu ernihiSlfftcn Preisen. Kil,1'|t,2,3b. Bote A Bock, Worthelw. Booiilon-WürfeUrone" ist in HotelS eingeführt 1 Helropol-Theater Heule geschlossen! Morgen Sonnabend, den 10. April: Zum letzten Male; Fastnaclit. Schauspiel in zvrei Akten von Rieh. 3 alle. Krlto a. O., Perry, Giampiotro, Plann. Hierauf; WU" Fr Ein Bild a. d. Pariser Loben in 1 Akt von 0. Metdnier. Deutsch v. K. Lindau. In Szene ges. v. J. Giampietro. Perry— Giampiotro. Anfang 8 Uhr. Ostersonntag, Ostennontag und folgende Tage: Donnerwetter- tadellos! 8cb i Her- Theater. Bouillon-VQrfel„Krone" schlägt jede Konkurrenz I — Heute= geschlossen! An den beiden Osterfelertagen; 2 Vorstellungen 2 Nachmittags 3'/, Uhr kleine Preise Abends 8 Uhr. 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Nur die Gewinne über 192 Mark sind den betreUevilen Nummern in Klammern beigefügt. >(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.)'' ,t 81 213 Stl 68 61 503 7? 813 18 731 8G3 101G 126 230 82 302 519 740[ 500) 802 77 2060 299 424 850 994 3019 «9 123[500] 220 50 814 906[400] 4196 337 776 803 5330 684 607 15 918 6625[400] 29 7379 623 87 665 8037 136 880 407 92 564 762 68 819 53 8« 9087 82 201 388 712 27 984 1O07X 272 00 817 400 11051 117 206 353 698[1000] 638 1 2011 292 370 495«69[500] 759 853 1 3065 114 452 805 904 1 4218 27 446[400] 660 650 82 752 818 986 1 5086 407 560 763 1 6046 250 312 69 485 87 751 76 695»25 32 17314 418 538 45 705[500] 84 976 1 8046 87 410 92 527 98 977 1 9535 607 93 72« 889 20113 92 708 82 2 1 068 112 84 459 851 90 919 76 93 22190 245 622 801 59 71 083 2 3045 81 130 241[400] 483 87 630 76 752[1000] 862 914 93 2 4138 478 520 784 86 634 2 5173 282 405 62 863 76 923 2 6014 86 333 458 794 811[400] 954 27172 469 909 28517 29023 133 893 406 31 738 30055 93 249 Ol 804 400 10 43«30 65 705 31197 357 61 604[1000] 704 959 93 3 2004 73 449 662 73 689 788 858 911 33275 337 7 7 682 89 758 860 63 3 4218 683 964 «3[400] 35019 34 5« 6« 615 950 63 71 3 6077 188 SSI 455 9 1 614 87 37102 4 200 406 24 630 927 41[400] 90 38063 92 135 251[400] 416 504 80 SU 655 80 39050 100 888 673 764 809 968 40132 204 80[ 500]«9 827 427 4 1 072 269 837 898 918 42141 203 379 95 431 050 751 919( 400) 4« 63 43205«26 ?55 813 4 4057 100 90 287 395 403 500 044 852 85 973 45021 191 472 730[500] 68 954 4 6655 700 94 874 4 7094 086 341 716 909 48m[400] 31 088 871 835 058 49112 230 334 433 605 80033[460] 83[1000] 820 24 483 524 667[300] 931 62 51020 141 202 616 614 51 5200»[400] 180 5 3370 75 «16 20 582 674 963 54019[500] 122 82 343 485 503 674 .?16 93 55012[400] 239 63 994 5 6005 12 193[600] 240 «10 77 026 33 767 639 958 5 7058 285 617 28 797 948 59 58160 240 337 69 76[1000] 93 96 605 950 5 9069[400] 73 039[ 400] 77 814 27 419 69 578 98 603 27 61 63 863 965 60198 734 907 6 1 259 76 334 835 81 906 62186 353 B» 791 63173 402 21 601 704 966 6 4057 360 529«1 ■717 47 87 803 48 908 10 6 5058 215 63 345 77 475[400] 71« 046 6 6104 22 248 85 304 454 74[500]«68 6 7004 205[500] «22 624«4 682 6 8030 153 235 334 48 438 503 38 701 69331 718 618 7O040 42 159 221 90 321 82 621 732 82 813[400] 22 B3 71135 45 474 637 729 909 7 2238 84 355 415 46 523 638 5« 190 808 7 3069 70 441 372 95 648[400] 74020 70« 54«5 885 7 5010 102 8 417 67 60 614««4 76074[400] 34« OB 405 622 23[3000] 060 77123 389 935 61 78110 13 «3[400] 508 81 76« 998 7 9054 118 487 887 031 «0239 54 881 042 4 7 8 1 267 447 644 748 860[3000] 82111 452 555 641 967 8 3015 21 33 04 07 474 886 930« 8409« 283 437 72 931 32 8 5034 221 419 7 7 608 80 86 855 942 8 8029 197 254 369 760[1000] 87054 HO 248 71 807 12 474 715 8 8425 703 921 89233 693 777 811 88 963 9O040 54 262 642«49[406] 9 1 245 831 468 60B 738 78 n 827 82 9 2 218 336 482 053 700 812 9 3041 65 92[400] 216 72 875 569 9 4019 179 894 496 565 637 49 917 9 5098 «88 501«23 751 855 9 0374 535 604 747 860 82 9 7123 37 64 303 89 527 48 849 994 9 8084 Ol 111 85 818 552 90 369»51 9 9 065 629 109 885 910 1OOS02 495 609[400] 659 80« 80 101291 831 422 {1000] 82[ 400] 653 722 873 902 1 02 262 412 879 1 03025 63 64 74 210 645[5000] 998 1 04028 174 840 128 601 105137 301 44 529 84 908 14 lOOOOä 143 485 680 720 951 107052 414 748 1 08066 238 525 77 812 721 885 109212 873 400 505 714 848 110326 67 633 775[560] 831 04 014 93 111011 224 (400} 46 328 45 60 506 983 112206 417 38 507 800 9 51 113053 121 303 70 93 430[500] 85 68 540 718 913 56 90 114231 75 417 676 123 82 812 115614 724«5 91[400] S 16155 294 314 76 435 830 117052 668 700 847 996 18208 33 411[400] 522 77 737 905 88 119040 9 3 410 (82 641 027 70 73 , 120043 103 60 881 417 681 786 841 978 81 12 1 485 883 946 60 122050 441 148 88 998 123398 124109 13 83 es 831 42 89 936 78 1 2 5018 188 815 814 758 895 924 66 126179 39« 650 800 127088 182>69 404 22 849 70 708 809 SO 43 1 28119 252 14 493 646 87[000] 043 1 29022 850 75 471 060 827 812 26 44 950 130)07 68 80 179 818 094 829 013 1 3 1 248 417 848 «84 1 3 2059 725 988 1 33188 235 58 71 810 499 749 984 134001[500] 152 149 321 422[400] 42 5« 82 593 828 887 961[400]»0 1 3 5 090 499 896 88« 41 130110 334 887 ,53 1 37098 280 92 492 8»? 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931 89 2 87182 501 40[100] 47» 70 517 715 2. Ziehung 4- Kl. 220. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. April, nachmittags. Nor die Gewinne Uber 192 Mark sind den hetrellenden Nummern in Klammern beigelügt. (Ohne Gewahr.)(Nachdruck verholen.) 21[400] 399 1 001 96 165 236 858 90 789 815 918 21 2046 278 375 837 889 3100 38 244 373 945 4015 5« 51 151 206 9 311 39 595[400] 84 907 5373« 63 838 935 6538 628 50 800 931 7103 60 72 496 561 684 845 68 8190 327 533 883 944 9040 219 96 440 625 95 738[500] 950 10364 739 865 11261 523 737 806 49 851 12214 42 47 337 82 406 740 1 3020 119 97 218 321 73 659 850 91! 91 14029 87 119 342 089 622 9 7 755 72 852 SD 15442 47 504 1 6212 14 325 405 51 77 723 698 1 7024 172 797 83 t 94 921[400] 18105 36 421 23 51« 19513[3000] 94 60« HO 922 2901« 243 388[500] 485 64« 81 99«57 718 917 98 21120 313 467 783 91 22200 614[500] 789 2 3034 97 163 9« 348 467 506 718[400] 836 2 4048 64 139 71[400] 83 808 448[3000] 93[500] 653 92 740 905 68 91 25110 76 85 87 99 314 421 43 5« 70 535 65 796 807 77 903 49 2 6021 121 320 442 501 77 83 717 15000] 39 946 84 27091 151 617 «88 79« 28006[400] SS 83 150 372 424 48«5 682 89 171 29197 454 85 530 800 13«2« 30172 74 222 34 377 94 792 875«2 3 1 429 85 731 948 32241 893 686 609 778 859 3 3288 388 411«04 28 52«1 773 603 3 4106 26 71[400] 75 201»70 695 999 3 5011 183 415 592[400] 648 780 3 6011 150 263 319 23 76 610 719 3 7268 339 761 84 803 668 3 8108 77 95 282 893 499 673 618 961 «9 3 9032 267 99[4001 725 69 40518 60 614 16 108[1000] 00 691 93 41107 618«Ol 724 874 938 4 2113 527 73 693 747 63« 985 87 43010 13 IlOOO] 80 509 601 723 879 916 4 4026 299 414 618 33 77 717 18 4 5004 217 350 499 573 892 46155« 8 286 358 880 051 52 4 7053 231 33 331 831 4 8030 432 624 64 700 876 914[400] 62 4 9045 98 460 560 63 776 80 34 911[400] 50133 345 093 918 51011«4 340 426 904 7 5 2 228 37 861 88« 53020[100] 84 172 800 5 4137 265 871 76 811 SSO'l Ol 193 515 784 006 5 6191 236 493 585 699 892 5700« 1*6 314[400] 424 80« 99 923 5 8021 214 15 7* 327 «80 585 5 9081 259 305 23 663 825 949 60434 61[400] 586 762 845 947 69 6 1 080 523 076 62057 234 432 975 8 3332 41 534 662 7« 793 6 4039 180 361 754 70 825 29 979 6 5 236 327 560 88 602 176 608 908 «4 6 6048 290 327 438 617 18 6 7229 391 494 86 529 43 656 630 988 6 8943«5 67 6 9248 334[400] 77 535 40 700 689 991 70016 II« 240 329«2 98«72 89 510 11 94[400] 618 882 909 7 1 090 187[400] 218 74 544 76» 802 7 2058 108 375 575 669 771 970 7 3096 229 71 382 95 475 531«42 945 74800 403[400] 60 83 717 55 881 75112 438 605 937 76131 210 500 814 78 77150 77 90 283 312 620 50 61 86 603 61 760 7 8037 315 68«95 712 18 80« 85 7 9090 180«08 85? 66 761 63« 76 80097 448«32 729[1000] 83[400] 839 81036 36««7 685«06 8 2010 70 610 76 772 8 3 070 17« 282 379 495 554 613 792 82« 62 8 4003 81«67[400] 73 703 4 5 813 8 5011 [500] 172 322 001[1000] 27 86022[400] 87007 242 855 «00 661«73 8 8 009 72 IC« 83 825«3 8 9075 101 371«07 584 624 89 707 814[lOOO] 943 53 9O013 182 270 452 63 866 035«1 94 9 1090 188 353 627 732 939 9 2507 35 47 641 99 707 86« 910 88 93196 (400] 209 32 60 767 9 4323 523 67 882 9 5011 448 686 9 6132 67 247 411 641 733 811 97241 66 92 838[490] 728 9 8120 276 423 62» 27 770 807 28 39 9 9301 4t« 50t[1000] 863 88 10 0080 23« 814[400]«49 83 1 91*05 569 675 059 192005 247 661»05 95 IlOOO] 193180 417 582 782 67 835 37 46 80 012 69 1 94054 380 540 70 78 697 793 856 195153 499 746[400] 987 1 06147 652[500] 107216 43 «89 425 727 800 1 08030 37 283 406 618 43 9g 803 8 89 199004 9 101 75[1000] 85 230 868 480 938 1 10924 277 615 SO 821 43 978 80 111001 120 39« 866 430 950 97 112083 313 305 113118 291 351 658 943 114117 322 189 831 115054 144 487 634 64 929 SS 66 116186 825 418 38 689 117:01 25 222 40« 19 55 623[400] 44 818[1000] 118017 73 281 309 74[400] 608 17 701 60 119065 121 87 213 75 8» 402 559[400] 95 868 771[1000] 120294 387 407 825 931 12 1082«6 591[400] 680 719 819»06«« 122024 278 840»5 58« 057 723 67 83« 982 1 23166 326 406 611 705 924 78 1 24209 462 54» 826 1 2 5058 447.«'3 12 6202 865 464[500] 644 79« fSOOO] 127061 461 72 509 619 759 878 929 1 2 8052 214 85 320 47 87*08 6 IS 770 74 836 1 29070«35 50 520 6« 707 18[400] 46[400] 839 915 139006 283 460 084 857 930 1 3 1003 847 430 51 867 7« 605 728[400] 132153«37 522 779 1 3317« 417 625 76 65« 788 830 900 1 34062 14« 229 389 613 27 087 135086 182 204 96 869 673 029 89 1 3 6309 62 631 63 'lOO] 436 672(400) 88[409] 747 824 287 569 485 776 1 3 9220 372 004 «93 658 77«40 680 085 1 4 1 033 291 726 063 142203 46 6 45 777 970 1 4 3 029 ij 83 33 46« 739 78.916 63[ 400] 907 U[400]«96 686 770 80 1 45008 311 vt'palitwortlichcr Redakteur: Kapp Weber, Bprlin.- Für dcnKnscratenteil vcrantw.: Th. Glocke. Berli «1» 15 M,«r� l4S0O« 581 658 8«« 78«28 147069 260 klag: Vorwärts Buchdruckerej ist VerlagSanstglt Paul Singer& Co» Berlin SW, 487[409] 670 85 833 60 033 85 1 48237 81[400] 679 811 149367 472 65 133 701 1' 159015 27 70 87 200 981 ICIOl? 87 171 263 80« 480 570 73 603 4 42 736 9[500] 897 1 5 2 273 303 75 671 [1000] 708 689 918 58 66 1 53003 61[1000] 99 143 232 62 084 95 654[400] 15 4018 243 65 427 20 08 694 844 49 1 55140 437 76 830 956 1 56007[6000] 33 163 207 [400] 55? 600 899 15 7054 100 32 278 372 523 6« 721 891 15 8021 207 31««32 505 19 9« 635 750 873 892 159693 962 16 9 207 88 309 517 734 871 16 1037 316 665 81 620 63 851 162018 70 117(20000)«9 05 206[400] 365 83 629 163149 80 283«46 764 936 1 6 4025 709 858 1 6504. 200 316 78 420«51 731 814 89[500] 16 6 253 97[590] 538 167726 4 3 4««4« 940 9? 166011 271 318[500] 58*37 670 78 756 88 91 169150 377 90 513 706 30 170183[ 400] /SO 379 618[SOul 979 1 7 1 064 110 TS 231 74 321 34 028 40 84 839 027 90 1 7 2064 201 21 351 636 92« 173162 299 Sil 41 56[400] 74*0* 599 69 775 854 905 32 1 7 4089 167 465 690 806 35 64 1 7 5313 418 525 03 698 990 1 7 8 499 646[500] 48 766 925 1 7 7343 57 527 03 643 1 78015 368 81 93 458 600 33 69 71«3 714 [1006] 42[3000] 79 958 77 1 7 9 264 39« 727 1*00] 862 88[500] 06 925 98......... 189050 207 4 2 88 97 SU 019 809 CCS 181067 12. 698 791 87J? 18 2036 160 688 618 33 814 33 68»83 183000 178 598 617 711 618 51 90 1 84337 435 611 643 45 1 8 5543 788 915 1 8 6082 435 601 703 14 835 187026 239[1001 40 80 317 582 64« 824 188000 877 466 604 016 81 722 10 812[500] 139232 87 383 601 75 93[509]___ 199161 18[400] 95 353 525 66 818 995 1 9 1 225«11 726 30 828[400] 991 19 2013 165 433 558 935 733 887 19 3 416 79 551 76 1 9 4017 77 125 231 391 753 807 8 53 80 1 9 5091 289 441 50 68 685 708 1 9 6073 HS[400] 22 4 5 244 401 658 988 1 97111 291 531 707 21 622 80« 198009 290 309 623 731 199314 510 734 851»21 290032 349 574 86[500] 691 703[100] 009 84 5««S 201110 556 853 018 2 0 2359 76 571 93[400] 727 293013 29 392 510 650[500] 740 64 803 2 0 4037 154 253 492[560] 545 790 834 42 71 911 2 0 5 723 72 818 925 2 0 0366 681 727 8 92 978 2 9 7048 61 ISO 206 81 373 458 576 638 939 208313 30 62 477 640 66 769 85»11 299090 188[500] 550 805 60 002[1000] 06 21918» 217 381 431 661 95 915 29 211376 403 611[400] 986[5000] 91 2 IL 54 392 469 94 96 759 604 909 2 1 3001 405 88 671 719 824 8» 922 2 1 4178 539 45 53 870[400] 215060 85 16» 223 322 43 57 71 420 93 663 857 905 82 2 1 6209 91 431[400] 658 89 769 850 2 1 7108 314 406(1000) 627 60 653 788 965 2 1 8*13 513 021 2 1 9004 163 89 296 358 424 511 616 83 220003 81[500] 312[1000] 23 621 25 690 787 927 73 2 21116 38 52 402 524 780 922 34 80[500] 222478 550 72 2 2 3395 812 081 2 2 4 370 594 640 79 820 83 882 [400] 22 5 012 37 72 198 333 78 435 46 558 79 604 38 812 929 40 2 2 6003 103 454 663 741 81 2 2 7013 194 839 97 618 23 671 711 79«74 918 2 2 8042 253[ 400] 410 48 868 89 080[ 400] 22 9263 809 410 65 571 88 684 839 239131 51[400] 297 307 42 54[400] 419 32 600 88 823 10 993 2 3 1 076 147 201 627 65 814 2 3 2210 30 33 70 313 624 38 832 2 3 3134 61 362 811 23 4009 881 438 71 674 800 2 3 5324 73 87 427 97 555 842[500]>03 «3 236036 871 473 78 611 23 7051[400] 409[400] 17 42 691[400] 837 2 3 8030 84 238 03 837 623 2 3 9007 [400] 89 CS 392 010 92 240256[400] 5» 62 581 714 83 072 241013»3 181 284 865 578 834 924 63 2 4 2404 663 745 84, 2 4 313.) 245 335 422 857[400] 98» 244168 236 387[400] 532 680 708 80 BS 874 2 4 5174 237 845«3 901 87 240070 267[400] 888 98 476 92 696 756 818 914 CO 98 247015 106 805 549 823 41 61 2 4 8 042 29« 622«60 652 59 [400] 907 2 4 9 254 407 983 25 9048 87 83 551 820 2 5 1 069 164 217 671 88 90 61» 30 716 836 902 2 5 2 906 148 35« 62» 253263 811 591 703 934 75 2 5 4 263 853»5 2 5 5217 803 29 96 468 759 99 841 71 87 2 5 0128 512 726 926 M 25711« 637 728 258221«45 620 937 259025 206 49» 617 28 711 260152 212 368«47 607 86 773 878 86 980 261(08 266 303 12 41 525 77 2 6 2045 128 410 80 581 104 68 873 263040 140 415 680 709 18 863 264104[400] 93 237 875[400] 462 568 94 2 6 5046 84 267 423 95 629 67 629 67 757[400] 880 266071 916 2 6 7 818 68 495 518 74 623[500] 2 68114 05 2 6 90*8 56 174 414 65 93» 270118[3000] 64 300 679 6.37 901 27 1 027 69 549 87 680 706 915 16 32 2 7 2115 281 459 618 40 2 7 3074 216 410 690 92» 274118 434 740 92 835 59 2 7 5 433 [1000] 022 75«»29 2760.70 30 163 201 277370 615 2« 86 748 90 811 67 988 2 7 8008 22 148»7 360 408 67 805 9[400] 69 2 7 9057 184 480 500 81 t400] 715 280201 404 281309 87[400] 494 523[400] 84 612 722 841 005 2 8 2032 105 6« 365 471 702 846 003 2 8 3023 08 220 4 2 675 731 45 904 2 8 4000 05[400]»0 •33 37 38« 496 518 71 655 724 882 2 8 5032 104 242[4001 437 610 43[100] 780 878 932 2 8 6,28 600 7» 287101 316 569 7}•»- u.!**, ,w> ! Die Ziehung der e. Klasse 220. KKnlgt. Preues. Klassen-Lotterie findet statt vom 7. Mai bis B, Juni, |t. 84. 26. laltgiwg. 3. Keilatt Ks Joraiiits" Jltrlinct|glUlitt. Freitag. 9. April 1909. Partei- Hngelegenbeiten* Zur Lokalliste. 8tm heutigen Tage(Karfreitag) veranstaltet der MnternaNonale Artistenverband.Sicher wieGold", (Sektion Berlin) in den.Concordia-Festsälen", Andreas- strahe S4 ein Frühjahrsvergnügen bestehend in Fest- Vorstellung und Ball. Da man hierzu in den Betrieben der „A. E.-G.-Werke� eine lebhafte Propaganda gemacht hat, machen wir darauf aufmerksam, datz die.Concordia-Festsäle" der Arbeiterschaft feit Jahren beharrlich verweigert werden. In Zchlcndorf(T.-B.) erklärt Herr Eugen Brun, Machnower Stratze 2, sein Lokal der Arbeiterschaft nicht geben zu wollen. Da das genannte Lokal dicht am Bahnhof liegt, bitten wir vor« stehendes besonders zu beachten. Die Lokalkommission. Dritter Kreis. Karfreitag: Herrenpartie. Für Nachzügler Treffe Punkt um 12 Uhr in Stolpe(Dorf), Lokal von Bergemann. Sieden Matineen veranstaltet der VI. Wahlkreis am zweiten Osterfeiertage in den aus dem Inseratenteil ersichtlichen Lokalitäten. Konzert. Gesang, Spezialitäten, künstlerische Aufführungen usw. ver- sprechen einige genutzreiche Stunden. Der Eintrittspreis beträgt 25 Pf. Die Genossen werden ersucht, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen. Schöncberg. Der sozialdemokratische Wahlverein veranstaltet am Sonntag, den 11. d. Mls., abends 6 Uhr, in den Räumen der Schlohbrauerei, Hauptstratze 122, ein Ostervergnügen. Die Fritz Knappe-Sänger haben ihre Mitwirkung zugesagt, es ist dadurch für Humor gesorgt. Programms sind bei den Bezirksführern und in der Parteispedition, Martm-Luther-Stratze 51, zu haben. Da das Fest aller Loraussicht nach gut besucht wird, tun die Genossen gut, wenn sie sich beizeiten mft Billetts versorgen. Der Vorstand. Rixdorf. Die nichtverkauften Eintrittskarten für die Frühlings seiet müssen den Viertelsführern zurückerstattet werden, damit letztere dieselben am Sonnabend in der Parteispedition abliefern können. Sticht abgelieferte Katten gelten als verkauft. Der BildungSausschutz. Steglitz. Am zweiten Osterfeiertage, nachmittags von 5 Uhr an, treffen sich die Genossen und deren Familien zu einem gemütlichen Beisammensein bei Schellhase, Ahornstr. Iba. Wannsee. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am morige» Sonnabendabend statt. Tagesordnung: 1. Berichte von der Gemeindeverftetersitzung, von der Kreisgeneralversammlung und von Grotz-Berlin. 2. Maifeier. S. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. berliner JVacbncbtem Immer noch„gut genug"— für die Volksschule. von den jetzt rund 800 Gemeindeschulen Berlins sind ziemlich ein halbes Schock in Mietshäusern untergebracht. Im „Vorwärts' ist oft dargelegt worden, wie sehr durch diesen Rod behelf der Betrieb des Schulunterrichts beeinträchtigt und die Ge sundheit der Schulkinder wie des Lehrpersonals gefährdet wird. Zu den MietShäusem, in denen die Mitzstände am schlimmsten sind, ge hören die Häuser Schering st ratze S und Pank st ratze 3c (jetzt: neue Nummer 7). Das Haus in der Scheringstratze wird seit 1900 von Gemeindeschulen benutzt, gegenwärtig von der 269. Schule: das HauS in der Pankstratze dient sogar schon seit 1884 als Heim für Gemeindeschulen, gegenwärtig für die 7b. Schule. Datz beide Mietskasernen sich zu Schulhäusern ganz und gar nicht eignen, das wurde im.Vorwärts' schon damals festgestellt, als sie eben hierzu in Benutzung genommen worden waren. Bor jetzt zwei Jahren wurde die Unzulänglichkeit dieser reichS« Haupt st ädtifchen.Schulpaläste' endlich auch vom Ma« gistrat öffentlich eingestanden. Zu Anfang des Jahres 1897 ging der Statverordnetenversanrmlung ein Magistratsantrag zu, der die Verwendung des der Stadt gehörenden Grundstückes an der Ecke der Pank« und derWiesen st ratze zur Erbauung eines neuen GemeindeschulhauseS forderte. In dem dort zu errichtenden Schulgebäude sollten die beiden Schulen untergebracht werden, die in den Mietskasernen der Pankstratze und der Schering' stratze hausten. SuS der Begründung der Vorlage ersah man, datz der Magistrat nicht selber zur Erkenntnis der UnHaltbarkeit des bis' herigen ZustandeS gelangt war, sondern wieder nial nur einem Wink von.oben' folgte. Es hietz da:.Diese Mietsräume entsprechen in baulicher wie in gesundheitlicher Beziehung nicht mehr vollständig den Anforderungen, die jetzt an ein Schul- gebäude gestellt werden, besonders im Hause Scheringstratze 8 haben sich im Laufe der Zeit solche Unzuträglichkeiten heraus gestellt, datz daS königliche Provinzialschulkollegium den Wunsch ausgesprochen hat, eS möchte nach Ablauf des MietSvertrageS eine Erneuerung des letzteren nicht vorgenommen werden.' Wieder mal hatten die freisinnigen»Hüter der kommunalen Selbstverwaltug' so lange gewartet, bis die staatliche Aufsichtsbehörde sie mitderNase auf den Unrat stotzen mutzte. Nun aber nahmen sie sich vor,.schleunigst Abhilfe zu schaffen. In dem AuSfchutz, der die Borlage vor- zuberaten hatte, wurde allseitig anerkannt, datz für die beiden Schulen und besonders für die aus der Scheringstratze.sobald als möglich' ein eigenes Heim beschafft werden muffe. DaS war im Februar 189 7. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte zu, aber ihr damaliger Beschlutz, datz noch in den Etat pro 1897 eine erste Baurate von 299 999 M. aufzunehmen sei, wurde nicht aus geführt. Nachdem dann der vorläufige Bauentwurf samt dem Kosten anschlag genehmigt worden war, erschien im Etat pro 1898 eine erste Baurate von nunmehr 499 999 M. Der spezielle Bauentwurf, dessen Kostenanschlag mit 875 999 M. abschloß, wurde im Sommer 1393 genehmigt. Da eS aber einstweilen noch nicht zum Beginn der Bauausführung kam, so wurden in den Etat pro 1898 nur weitere 199 999 M. als zweite Baurate eingesetzt In den Erläuterungen des Etats wurde gesagt, die bau- polizeiliche Genehmigung sei nachgesucht worden, nach ihrem Eingang werde nnt dem Bau begonnen werden. Inzwischen ist daS endlich geschehen. sodatz Hoffnung vorhanden ist, in weiteren zwei bis drei Jahren—»sobald als möglich'— das neue Schulhaus an der Ecke der Pank- und der Wiesenstratze fertiggestellt zu sehen. Wo aber werden bis dahin die 75. Schule und die 269. Schule Hausen? Die 75. Schule wird wahrscheinlich bis zur Vollendung des neuen HeimS in ihrer Mietskaserne bleiben müssen. Die 269. Schule soll, so heißt eS, in das alte SchulhauS Ackerstratze 67— ein? der älteren Gcmeindeschulhäuser Berlins— übersiedeln, das von der ehemaligen 17. Schule geräumt worden ist. Wann aber diese Uebersiedelung erfolgen kann, das ist noch ungewiß. Das Sommerhalbjahr(das für die Gemeindeschulen bereits am 2. April begann) ist von der 269. Schule wieder noch im Hause Schering- sttatze 8 eröffnet worden. Die Räume dieser Mietskaserne sind zwar vor nun zwei Jahren vom Provinzialschulkollegium und vom Magistrat, wie oben gesagt, als in baulicher wie in gesund« heitlicher Hinsicht unzulänglich bezeichnet worden. In« des, für eine Gemeindeschule müssen sie bis auf weiteres immer noch„gut genug' sein, weil die Stadt Berlin sich mit der Vermehrung ihrer eigenen Schulhäuser grundsätzlich nicht überstürzt._ Auf einer Unfallstation sind einer Mutter, die dort für ihr verunglücktes Kind erste Hilfe gesucht hatte, Dinge passiert, über die sie sich allerlei Gedanken macht. Es handelt sich diesmal um die Unfallstation für S ch ö n e b e r g, die im Haufe Herbertstr. 6 untergebracht ist. Der elfjährige Sohn einer Aufwärterin Frau S. aus Schöneberg wurde am 2. April, abends gegen 8 Uhr, in der Hauptstratze von einem Postwagen überfahren. Die Mutter, die den Unfall selber mitansehen mutzte, brachte den Verunglückten unter dem Beistand des den Postwagen begleitenden Paketschaffners nach der genannten Unfallstation. Dort wurde der Junge in Empfang genommen und untersucht durch einen Angestellten, von dem Frau S. meinte, datz er nur Wärter sei. Sie schildert ihn uns als einen Mann, der einen rot- und weitzgestreiften Kittel getragen habe. Freundlich tröstete er, die Sache sei ja nicht schlimm. Frau S. verstand ihn dahin, er finde nur eine Abschürfung des linken Armes und des rechten Oberschenkels. Nachdem er ein paar vorläufige Verbände angelegt hatte, erschien auf der Bildfläche ein anderer Angestellter, von dem Frau S. meinte, datz e r der Arzt sei. Dieser andere lietz sich von jenem ersten über das Er- gebnis der Untersuchung informieren. Datz er selber noch eine Untersuchung vorgenommen hätte, glaubt weder der Junge noch die Mutter bemerkt zu haben. Auch der andere spendete den Trost, der Unfall sei noch glimpflich abgelaufen. Es mutzte sodann bor- schriftsmätzig in das Journal eingetragen werden, welcher Art die erlittenen Verletzungen und die gewährte Hilfeleistung waren. Frau S. und ihr Junge meinen auch hier gehört zu haben, datz die beiden Herren dabei nur von Abschürfungen sprachen. Schlich- lich ging es ans Bezahlen. Die Frau bekam einen Schreck, als sie 3 Mark bezahlen sollte. Sie weigerte sich, indem sie behauptete, der Junge sei ihr ja gar nicht von einem Arzt untersucht worden. Ihr wurde geantwortet, was sie sich eigentlich denke, und ob sie vielleicht annehme, datz das alles hier nichts koste. Zuletzt einigte man sich auf 2 Mark, die von Frau S. sofort bezahlt wurden. Sie fuhr dann mit dem Verunglückten nach Hause und brachte ihn zu Bett. Bald aber begann er über heftige Schmerzen im Rücke» zu klagen. Nachdem er die ganze Nacht hindurch gejammert hatte, holte die Mutter am Morgen einen Arzt. Die Angaben, die dieser nach vorgenommener Untersuchung machte, wurden von ihr dahin verstanden, es seien zwei Rippen gebrochen und eine Rippe ge- quetscht. Die Frau ist nun empört und hat uns ihr Herz ausgeschüttet. Wir selber wissen nicht, wie wir den Sachverhalt auf- klaren sollen. Datz der Junge nur von einem Wärter untersucht worden sei, haben wir der Mutter auszureden ver- sucht, aber sie beharrte dabei. Träfe daS zu, so mutzte das ein sehr eigenartige? Licht auf die Unfallstation werfen. Nehmen wir da- gegen an, datz auch ein Arzt den Jungen untersucht hat, so bliebe es auf dem hängen, datz er die Rippenverletzungen nicht bemerkt hätte. Möglich wäre noch die Annahme, datz der Junge überhaupt keine Rippenverletzungen erlitten hat, aber hiergegen wird wahrscheinlich wieder der Privatarzt sich wehren. Vielleicht empfiehlt es sich, datz das Kuratorium der Unfallstationen durch einen besonderen Arzt, der an der Angelegenheit nicht beteiligt ist, den Jungen nochmals untersuchen lätzt, wofür aber der Mutter nicht nochmals 2 Mark abgenommen werden dürften. Wenn dann das Kuratorium unS das Ergebnis dieser Untersuchung mitteilen und uns gleich angeben will, welcher Vermerk am Abend des 2. April in das Journal eingetragen worden ist, so werden wir beides gern unseren Lesern melden. „Sechs Freistädte" für Frauen. Pastor von Bodelschwingh, der Begründer der bei Bernau belegenen Arbeiterkolonien Hoff- nungStal, Lobetal und Gnadental, ist unermüdlich. Jetzt will er nach demselben Muster auch eine große Kolonie für Fraqen oder, wie schon der von ihm vorgeschlagene Name sagt, sechs solche Kolonien, nach Altersstufen ver Bewohnerinnen getrennt, bei Berlin errichten. In Verbindung damit steht eine ähnliche Be' wegung der Frauenvereine Berlins, die sich soeben zu einem unter Leitung der auf diesem Gebiete erfahrenen Männer Berlin? stehenden Komitee für RettungSarbeit unter der weiblichen Jugend zusammengeschlossen und auf ihr Programm auch die Errichtung mehrerer ländlicher Arbeitsstätten für Frauen und Mädchen gesetzt haben. Pastor Bodelschwingh will beide Ideen vereinigen. Er weist besonders darauf hin, daß für ländliche Arbeiten und speziell für Obstbau, wie er in seinen Kolonien betrieben wird, die Frauen noch besser geeignet sind als die Männer. Gleichzeitig mit der Frauenkolonie soll eine ErziehungSstätte zur Ausbildung weiblicher Pflegerinnen jeden Standes und jeden Alters errichtet werden. In Aussicht genommen ist ein 37 Morgen grotzes Landgut, das nur 29 Minuten von Erkner entfernt liegt, wo im Winter notleidende Wanderer beiderlei Geschlechts zu vielen Hunderten durchziehen. Es fehlt nur noch am nötigsten, am lieben Geld, und das wird der menschenfreundliche Pastor von Bielefeld, wie wir ihn kennen, mit der Zeit sicher zusammenbringen. Zur Verhütung von Unglücksfällen durch abirrende Geschosse auS den Schiehständen der Hasenheide wird vor dem Betreten der Hasenheide und des südlich der Hasenheidc gelegenen Teiles des Tempelhofer Feldes gewarnt. Eltern und alle diejenigen, denen die Obhut von Kindern anvertraut ist, werden aufgefordert, diesen das Betreten der genannten Gebiete zu untersagen. Die Spree-Havel-Dampfschiffahrt-Gesellschaft„Stern" lätzt am Karfreitag und den beiden Osterseiertagen ihre Dampfer wie folgt verkehren: 1. ab Berlin. Jannowitzbrücke, früh 8 Uhr, nach Wolters' dorfer Schleuse, zurück 6 Uhr, um 19.39 Uhr nach Schmöckwitz (direkte Fahrt), ferner nachmittags von 2 bis b Uhr in halbstünd- lichen Abstanden über Treptow, Eierhaus, Tabberts Waldschlotz nach Loreley(Niederschöneweide) und zurück. Der letzte Dampfer ab Loreley fährt um 3.39 Uhr abends; 2. ab Grünau. GesellschaftS- HauS, um 19.23, 11.23, 2.23, 3.23, 4.23, 5.23, 6.23 Uhr nach Marien lust, Karolinenhof, Krampenburg und Schmöckwitz; letzte Rückfahrt ab Schmöckwitz abends 7.15 Uhr; 3. ab Erkner(Bahnhofshotel) von 8 bis 5 Uhr stündlicher Motorbootsverkehr auf der Löcknitz bis Alt- Buchhorst, letzte Rückfahrt 6.39 Uhr; 4. ab Bahnhof Scharmützelsee Fahrten nach dem vorjährigen Fahrplan, im Anschluß an die aus Berlin eintreffenden Eisenbahnzüge, bis Pechhütte und zurück; 5. ab Wannsee(Bahnhof) von 19.49 bis 6.49 Uhr stündlicher Ver- kehr über Pfaueninsel nach Potsdam; 6. ab Potsdam(Eisenbahn- Hotel) von 19 bis 6 Uhr stündliche Verbindung nach Wannsee, ferner um 12, 2, 4 und 6 Uhr nach Caputh; letzte Rückfahrt ab Caputh 7 Uhr; 7. zwischen Tegel— Tegelort halbstündliche, zwischen Tegel— Spandau und Tegel— Heiligensee stündliche Dampferfolge; 8. Ueber- fahrten auf dem Müggel- und Wannsee. AuS der Straßenrcinigungs-Deputation. In der vorgestern abgehaltenen Sitzung der Deputation für die städtische Stratzen- reinigung wurde bqchlossen, in mehreren Stratzen, die seither wöchentlich nur dreimal gereinigt wurden, eine sechsmal wöchent- liche Reinigung vorzunehmen.— Dem Gesuch der Witwe Czempin, die ihrem verstorbenen Gatten übertragene Lieferung von Veklei- dungsstücken auf sie zu übertragen, wurde entsprochen.— Um der in den Stratzen Berlins oft sehr lästig wirkenden StaubenTbicke- lung zu begegnen, sind von der Deputation dauernd Versuche an- geordnet worden, die zu befriedigenden Resultaten geführt haben. Der Direktion ist es gelungen, die Lieferung des Rohmaterials, dessen Marktpreis, bedingt durch den Patentschutz, in die Höhe ge- gangen ist, zu herabgesetztem Preis zu erhalten, als Ent- gegenkommen für die Hilfsbereitschaft, mit der die Direk- tion die Versuche auf den Stratzen Berlins gefördert hat. — Die Bewilligung von Witwen- und Waisenunterstützung an die Hinterbliebenen zweier Arbeiter wurde zur weiteren geschäftlichen Behandlung dem Magistrat überwiesen.— Das Angebot auf die Ablösung der Spritzenhausgerechtigkeit auf dem Hause Zimmer« stratze 15 wurde akzeptiert.— Der von der Direktion erstattete Bericht über die Schneebeseitigung im vergangenen Winter weist fünf Schnecperiodcn nach. Die Gesamtkostcn erreichten die Höhe von 762848 M. Davon entfallen auf Arbeitslöhne der aushilfs- weise eingestellten Arbeiter 153 544 M. und auf die Abfuhr 651 855 Mark. Mit Genugtuung weist der Bericht darauf hin. datz durch die rechtzeitig von der Deputation getroffenen Matzregeln, Ein- stellung von 32 Schneepflügen, Flvrren usw., Benutzung der Fluß- laufe und der Kanalisation zur Aufnahme der Schncemassen, eine Ersparnis von 215 999 M. gemacht worden ist, um die sich die Ab- fuhr nach der früheren Methode verteuert haben würde.— Dem Aufsichtspersonal wurden, wie in den Vorjahren, für die vermehrte Arbeit, die ihnen die Schneebeseitigung verursachte, eine Extra- Vergütung bewilligt.— Die Schneepflüge und Karren werden weiter komplettiert. Die Konsumgenoffcilschaft Berlin und Umgegend hat im März einen Umsatz von 276 365.99 M. in ihren 42 Verkaufsstellen gehabt. die beiden letzten Verkaufsstellen wurden erst am 14. bezw. 21.März eröffnet. Im Vorjahre betrug der März-Umsatz 192 947,88 M., so daß in diesem Jahre ein Mehr von 83 413,91 M. zu verzeichnen ist. Der DurchschnitlSumsatz auf die Verkaufsstelle beträgt im Marz 6589 M. Der höchste Umsatz war in der Zimmerstratze 22 mit 14 228,93 M., während der niedrigste in Karlshorst(Gundelfingener Stratze 51) 2247,89 M. betrug.(Der Umsatz in den neun Monaten Juli— März bettägt 1911 958,16 M.) Sechs Verkaufsstellen rangieren mit über 19 999 M. Von den HauSanteilen find über 66 999 M. eingezahlt. Rennfahrer uud Radrcnnbahnbcsitzer. Wir haben bereits mit- geteilt, datz es zwischen Radrennfahrern und Rennbahnbesitzern zu einem Konflikt gekommen ist. Der Verband deutscher Radrennbahnen wendet sich nunmehr in einem Flugblatt an die Oeffentlichkeit, um seine Haltung den Rennfahrern gegenüber zu rechtfertigen. Obwohl wir der ganzen Angelegenheit sehr objektiv gegenüberstehen, müssen wir doch sagen, datz diese Rechtfertigung in keiner Weise gelungen ist. AIS Ursache deS Streites lvird daS inkorrekte Verfahren des Rennfahrers Bader auf der Hamburger Bahn angegeben, wo B. einen Rennfahrer durch Drohungen nötigte, nicht zu fahren, bannt ein Freund Baders Sieger würde. Nach den Wettsahrbestimmuiigen sind solche Schiebungen unerlaubt und strafbar und deshalb ver« hängte der Vorstand des Verbandes deutscher Radrennbahnen gegen Bader eine Geldstrafe von 899 Mark. AuS Rennfahrerkceisen wird uns mitgeteilt, datz derartige Manipulationen nicht zu billigen seien, da dadurch der Radrennsport in seinem Ansehen geschädigt werde. Gelegentlich einer Rücksprache in dieser Sache mit dem Vor« fitzenden des Verbandes der Rennbahnen. Herrn Knarr von der Steglitzer Bahn, kam es zwischen Bader und Knorr zu einem Zu- sammenstotz, bei dem B. Herrn Knorr in seinem Amte, wie der zweite Vorsitzende der Bahnen, Herr Hontschka-BreSlau, in einem an Bader gerichteten und uns vorgelegten Briefe schreibt, beleidigt haben soll. Deshalb wurde B. auf drei Monate disqualifiziert. Die Strafe sei zwar, wie Herr Hentschka bemerkte, hart,„aber sie solle ein ab- schreckendes beziehungsweise erziehendes Beispiel sein, damit andere sich danach richten können, um für die Folge etwas bescheidener gegen die Organe deS Vorstandes des Vereins deutscher Radrenn- bahnen zu sein.' Diese Matzregek hat nun dazu geführt, datz zahlreiche Rad- rennsahrer sich mit B. solidarisch erklärten und sich verpflichteten, nicht auf der Herrn Knorr gehörigen Steglitzer Bahn zu� faxten. Das hatte zur Folge, datz die Radrennfahrer von den Fichten auf den Bahnen der VerbandZbahnbesitzer ausgeschlossen wurdejs. Die Sport- Parkbetriebsgesellschaft hat sich diesen Unternehniern nicht an- geschlossen und stützt die disqualifizierten Rennfahrer, hat sich aber dadurch den Hätz der übrigen Reiinbahnh-ss�er zugezogen. Die ,B. Z. am Mittag' hat nun für jiix Rennbahnbesitzer Partei er- «riffen, wohl tveil sie deren Orzstn ist, und hat küzlich über das w llauen stattgefundene Rxnnen, in welchem die disqualifizierten Renn- fshrx« starte'«.'?, ficrichtet, daß es sich nicht lohne, darüber Mitteilung zu machen, obwohl die renommiertesten Fahrer anwesend waren. Zu Ostern finden nun Nennen in Steglitz und in Spandau statt. Dabei kommt eS nun zur Kraftprobe. Während die Spandauer Bahn von der SportparkbetriebSgesellschaft gepachtet ist und dort die ausgesperrten Fahrer starten, sind auf der Steglitzer Bahn des Herrn Knorr Fahrer tätig, die entweder schon vor dem Boykott sich ver- pflichtet hatten oder sich ihren anderen Kollegen nicht angeschloffen haben, obwohl einige sich hierzu schriftlich zur Teilnahme an dem Boykott bereit erklärt hatten. Unser Standpunkt zu der Angelegenheit ist der. datz wir das unfaire Verhalten von Fahrern verurteilen. Auch mißbilligen wir. daß Fahrer sich von dem Besitzer der Steglitzer Bahn aus- halten ließen, datz aber der grotze Teil der Fahrer rn seinem Kampfe gegen die Rennbahnbesitzer durchaus im Recht ist, wenn er sich gegen die schwere ihm zu teil gewordenen Schädigungen wehrt. Schließlich sind es ja doch diese professionellen Fahrer, die dem Renn- bahnbesitzer zu ihrem Vermögen verholfen haben. Bon dem Räuber in der Besselstraße hat die Kriminalpolizei noch keine Spur gefunden. Eine Belohnung von 1999 M. hat jetzt auch die Oberpostdirektion noch auf die Ermittelung und Festnahme des Räubers ausgeschrieben, der in dem Hause Besselstratze Nr. 19 den alten Geldbriefträger Eulenburg durch einen Beilhieb auf den Kopf schwer verwundete und beraubte. Auf die Ergreifung des Täters sind also jetzt 2999 Mark auSgqetzt. Ein gefährlicher Brand kam am Mittwoch abend um 7 Uhr auS noch nicht ermittelter Ursache in der Gießerei der Lampenfabrit von Butzke u. Co., Aktien-Gesellschaft, Ritterstratze 12, zum AuS- bruch und beschäftigte die Feuerwehr längere Zeit. AIS Brand- meister Grabow mit dem 17. Zuge erschien, hatte daS Feuer schon eine beträchtliche Ausdehnung erlangt. ES muhte mit mehreren Schlauchleitungen kräftig Wasser gegeben werden, um eine weitere Ausdehnung deS Brandes zu verhüten. Der 7. Zug hatte unter Leitung des Brandinspektors Leykoldt in der Palftadenstr. 199 zu tun, wo u. a. im vierten Stock Küchenmöbel, Gardinen, Türen, Bücher, Kleider, Wäsche, Körbe, Schaldecken, Balken usw. brannten. In der Markusstratze 59 brannte die Leimknche einer Fliegen» fängerfabrik und in der Köpenicker Stratze 159 eine Küche. In der Hagelsberger Stratze 53/54 mutzten Immobilien gelöscht werden. Außerdem wurde die Wehr gestern nachmittag nach der Kurstratze 24, Liesenstratze 11 und anderen Stellen alarmiert, wo eS aber nicht viel zu'tun gab. Im Bcrnhard-Rose-Theater gelangt am Sonnabend.Khritz- Pyriy', Posse mit Gesang, zum erstenmal zur Aufführung. Gesperrt. Die Neue Friedrichstratze von der Grunerstratze (ausschließlich Kreuzdamm) bis 29 Meter von der Hausgrenze Nr. 11/12 wird behufs Asphaltierung vom 13. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein Frtihjahrskonzert veranstaltet am 1. Osterfeiertage der Männerchor„Union"(M. d. A.-S.-B.) im„Central-Theater", Alte Jakobstr. 32. Mitwirkende: Neues Tonkünstlerorchester. Re- zitation: Herr Burrmann. Anfang präzise 6 Uhr. In dem neuen BortragSsanl der Treptower Sternwarte spricht heute abend Direktor Archenhold über Entstehen und Vergehen der Welten. Die von den Gewerkschaften und der Partei ausgegebenen Karten haben Geltung. Sennißt. Seit dem SS. Fevruar wird der Droschkenkutscher Her- mayn Freude, 10. September 1857 in Sadenbeck geboren, vermißt. Beschreibung: 1,73 Meter groß, dunkelbraun meliertes Haar, starke Augenbrauen, blaue Augen, vollständige Zähne, graumelienen Schnurr- bart, kräftige Gestalt; Bekleidung: braune Jockeymütze, dunkelblauer Ueberzieher mit hellgrau karriertcm Futter, graue Hose, Holzstiefel mit Filz gefüttert, graue Strümpfe mit Stoff besetzt, weißes Hemd, gezeichnet?. EL, graues Trikothemd, braune Unterjacke, weißwollene Unlerhosen, schwarzes Chemisett, braune Pulswärmer. Es wird Unglücksfall vermutet. Zweckdienliche Angaben, welche zur Auffindung des Genannten dienen könnten, werden sowohl von der Kriminal- Polizei als auch von jedem Polizeirevier zu 824. IV. 7. 09. schriftlich oder mündlich entgegengenommen. Vorort-]Sach dcbtem Nixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Am M'ttwoch, nachniittagS um il/2 Uhr, fand eine Sitzung statt, auf deren Tagesordnung alle Gegenstände gesetzt waren, welche die beschlußunfähige bürgerliche Mehrheit am 31. März in der Mittwochs- sitzung unter Bruch der Geschäftsordnung.erledigt' hatte. Der da- gegen eingelegte schriftliche Protest der tozialdemokratischen Fraktion hat diesen neuen Gewallakt jedoch wirkungslos gemacht; diesmal mußle» die Wahlrechtsverschlechterer einschwenken. ES kann nur als eine VerlcgeuheitSfloskel bezeichnet werden, wenn der Stadtverordneten- Vorsteher bei der Eröffnung sagte, daß dieselben Punkte„aus Zweck- Mäßigkeitsgründen" und nur deshalb nochmals zur Beratung stehen, »weil doch eine Sitzung hätte stattfinden muffen.' Zunächst war zu beschließen, wie da? noch im Etat klaffende Manko von rund 100 000 Mark auszugleichen ist, so daß also eine neunte Sitzung sich mit dem Etat besafien mußte; und um ein Haar wären daraus noch mehrere geworden. Der Magistrat schlug in seiner Vorlage vor, 60 000 Mark vom Grundstückserwerbsfond als Zinsen für IV, Millionen Mark Grunderwerbskosten ein- zuziehen, um 10 000 Mark das Umsatzsteuer-Soll zu erhöhen. den Stadtverordneten-DispositionSfonds um 13 800 Mark zu kürzen und die genehmigten 17 500 M. für das Krankenautomobil zu streichen. Stadtv. Abraham führte dazu aus, daß er nicht gegen die Dorschläge des Magistrats stimmen will, übte aber an denselben Kritik. Er sagte, dieses Zusammenkramen von Kleinigkeiten muß nach außen den durchaus salschen Eindruck erwecken, als ob Rixdorf am Ruin stände. Daß der Magistrat daS Automobil fallen läßt, be- weist, wie sehr ihm die Festigkeit mangelt; solche Schaukelstuhlpolitik macht er(Redner) nicht mit. Oberbürgermeister Kaiser wendet sich erregt gegen diese An- griffe und sagt, daß die Vorlage nicht nötig gewesen Ware, wenn die Versammlung die Schankkonzessionssteuer genehmigt hätte. Andere Vorschläge könne er vorlaufig nicht machen. Als Retter des Magistrats springt Stadtv. Rahmig in die Bresche und redet schließlich lang und breit für die SchankkonzessionS- fteuer, die der Gastwirtsstand sehr wohl tragen könnte. Er be- hauptet, daß der festgestellte Steuerplan ungerecht ist und bringt schließlich einen Antrag auf Einführung der Schankkonzessionssteuer ein.(Lebhafte Bewegung.) Dagegen erheben unter lebhafter Zustimmung die Stadtverord- neten Abraham und W u tz k y(Soz.) energisch Protest unter Hin- weis auf die entgegenstehenden Bestimmungen der Städteordnung und der Geschäftsordnung. Ersterer verwahrt sich gegen solche Veriuche, bei günstigerer Mehrheilskonstellation abgelehnte Anträge wieder aufnehmen und durchdrücken zu wollen. Der letztere schließt sich dem an und versichert, daß bei Zulaffung des Antrage? Rahmig die sozialdemokratische Fraktion die ganze Etatberatung durch Wieder- aufnähme aller von derselben gestellten Anträge von neuem auf- rollen werde. Es entspinnt sich eine lange GeschäftSordnungs- debatte, in der der Oberbürgermeister, Stadtverordneten-Borsteher SaiEder. Stadtv. Rosen ow für und die Stadtvv. Conrad (Soz.),(g! o(1 e r(Soz.) und Gröpler gegen Zulassung einer er- neuten B-ralLllg der Schankkonzessionssteuer sprechen. Schließlich zieht Stadtv. R 2 h m i g seinen Antrag zurück mit dem Bemerken, daß er ihn später Kieder einbringen wird. Zur Vorlage deS' Magistrats sprach Stadtv. W u tz! H(Soz.). Er drückt zunächst seine GeilügtuuNa darüber aus, daß durch die Obstruktion der Sozialdemokraten am 21-. März die mitten in der Erregung vom Oberbürgermeister saus kaya��gemachten Deckung?- Vorschläge nicht zur Annahme kommen konnten. Die Äachsitzung üil diesem Tage war— wie gegenüber der eingangs der heutigen Sitzung vom Vorsteher zum besten gegebenen wunderlichen Ansicht festgestellt sei— gewaltsam und ungesetzlich; sie hat daS Ansehen der Rixdorfer Kommunalpolitik schwer geschädigt. Mit den jetzt nach ruhiger Ueberlegung vom Magistrat gemachten Vorschlägen sind die Freunde des Redners einverstanden bis auf die Streichung des Krankenautomobils. Derselbe Magistrat, der in setner bezüglichen schriftlichen Begründung sowie in der Debatte treffend und mit Eifer nachgewiesen hat, wie unbedingt nötig und unentbehrlich für daS neue Krankenhaus das Automobil ist, läßt plötzlich all' daS im Stich. Diese Haltung ist unverständlich I Redner beanttagt, das Automobil dem früheren Beschlüsse gemäß anzuschaffen und die fehlenden 17 500 M. ebenfalls aus dem Stadtverordneten-Dispostttonsfonds zu entnehinen, der dann immer noch mit den verbleibenden 17 500 M. ausreichend dotiert sei.— Stadtv. G r o g e r(Soz.) verlangt nament- liche Abstimmung über diesen Antrag. Mit 35 gegen 25 Stimmen(letztere von den Sozialdemokraten und dem Stadtv. Dr. Müller) beschließt die Mehrheit, daS Kranken- automobil wieder zu streichen, um die 17 500 M. zu ersparen. Auch der Kreisarzt Stadtv. Dr. Dietrich, der sür daS Automobil eine fulminante und eindringliche Rede gehalten hatte, stimmt dasselbe jetzt nieder, was die Linke mit lebhaftem„Hört! hört!' unter- streicht.— Die übrigen Vorschläge deS Magistrats werden hierauf ebenfalls angenommen. Bei der nunmehr folgenden Beschlußfaffung über den Gesamt- etat stimmt die sozialdemokratische Fraktion dagegen, waS Stadtverordneter G r o g e r bereits in voriger Sitzung angekündigt hatte mit der Begründung, daß seine Freunde dem Magistrat unter keinen Umständen irgendivie Vertrauen entgegenbrächten. Der Rest der Tagesordnung— zumeist Verstärkung von Etats- Positionen— fand schnelle Erledigung. Der sozialdemokratische Anttag, dem brandenburgischen Städte- tage die Behandlung des Thema?:„D as Gemeindewahl- reckt und seine Reform' zu empfehlen, wurde auf Vorschlag der Antragsteller bis zur nächsten Sitzung vertagt. Bewilligt wurden debatteloS 1000 M. an den freiwilligen Er- ziebungSbeirat zur Speisung der Kinder von Arbeits- losen und 1000 M. zur Unter st ützung der durch Hoch- Wasser Geschädigten. Den Antrag des Magistrats, zwecks Beratung über die zur Ver- öffentlickung zuzulassenden Beschlüsse au» Deputationen eine Kommission einzusetzen, bekämpft Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) als überslüfsig; er sagt, die ganze Geschichte läuft offenbar nur aus ein Maulkorbgesetz sür die Sozialdemokraten hinaus.— Ober- Bürgermeister Kaiser bestreitet dies.— Die Kommission wird gewählt; es gehören ihr u. a. auch die Genoffen G r o g e r und W u tz k y an. Bei der Wahl des Ausschusses für die Wahlen der Schöffen und Geschworenen erhebt Stadtv. Conrad(Soz.) für seine Fraktion ihrer Stärke entsprechend den Anspruch auf 2 Ver- trauensmänner. Die Blockmehrheit wählte jedoch nur den u. a. vom Wahlausschuß präsentierten Stadtv. W u tz k y(Soz.), und auch auf diesen entfallen nur wenige, gerade knapp zur notwendigen Zahl reichende Stimmen; denn die sogenannten.Liberalen' stimmten nicht für ihn und hätten so beinahe den völligen Ausschluß einer Arbeilervertretung in dem VertrauenSmänner-AuSschuß herbei- geführt. Hiernach folgte eine geheime Sitzung. Der JugcndauSschuß veranstaltet am 1. Osterfeiertage einen Aus- flng nach dem Grunewald(Pichelswerder). Treffpunkt ist mittags l'/i Uhr am Bahnhof Hermannstraße. Lübars-Waidmannslust. Eine zeitweise sehr erregte Sitzung der Gemeindevertretung fand vor einigen Tagen im Waidmannsluster Schulhause statt. Nach Mitteilung einiger geschäftlicher Angelegenheiten beschloß die Ge- meindevertretung, ein provisorisches Polizeigewahrsam im Souterrain des Schulhauses einzurichten. Dies wäre notwendig, da Waidmannslust-Lübars vom 1. April ab einen eigenen Arwtsbezirk bilde. Später soll dann daS Gewahrsam an die pro- jcktierte Turnhalle und den Geräteschuppen auf dem Schulhofe an- gebaut werden. In dem Schulhause befinden sich jetzt: die Klassen- zimmer, die neugebildete Gemeindebibliothek, das Gemeinde- und Amtsbureau, die Wohnung des Nachtwächters, der Ge- räteraum der Feuerwehr, der Betsaal und das Polizei- Gewahrsam. Zirka 100 Meter hinter dem Schulgebäude be- finden sich die Gleise der Nordbahn mit ihrem starken Verkehr. Alles zusammen bietet den Kindern einen sehr reichhaltigen An- schanungsunterricht. Ob zum Nutzen oder Schaden ihrer Erziehung ist allerdings eine andere Frage. Die nächste Sitzung der Gemeinde- Vertretung wird ihre Beschlüsse der letzten Sitzung wohl wieder auf- heben müssen; denn ein solcher Zustand ist unhaltbar. Ein An- trag des Vorstehers, den Nachtwächter im„Desinfektionswesen' ausbilden zu lassen, uni ständig jemand im Bedarfsfalle zu haben, wurde wegen der Ansteckungsgefahr für die Schulkinder abgelehnt. Sollten Desinfektionsfälle eintreten, dann soll der betreffende Hermsdorfer Beamte dies vornehmen. Bei Einkommen unter 900 Mark übernimmt die Gemeinde die Kosten. Ter Bahnhof Waid» mannslust soll die Bezeichnung„WaidmannSlust-LübarS" erhalten, die politische Gemeinde Lübars soll in Lübars-WaidmannSlust um- getauft werden. Der Schöffe Kühne aus Lübars erklärte, daß der Landrat des Kreises sein Wort den Lübarsern gegenüber nicht ge- halten habe. Er loürde dies auch dem Landrat gegenüber persön- lich aufrecht erhalten.— Wenn die Waidmannsluster glauben, die Lübarser erdrücken zu können, so würden sie sich dagegen wehren. Den Vorwurf, daß die Lübarsec durch die Entwickelung der Ge- meinde ihre Taschen gefüllt haben, weise er insoweit zurück,„als es noch darauf ankommt, zu beweisen, wer sich mehr die Taschen gefüllt habe, die Lübarser oder die Waidmannsluster." Der Ge- meindevorsteher„verbat" sich derartige Aeußerungen. Unser Ge- nosse verlangte, daß der Schöffe Kühne Namen nennen müsse, wenn er derartige Behauptungen aufstellte. Dies ließ der Amts- und Gemeindevorsteher jedoch nicht zu. Wir haben schon längst darauf hingewiesen, daß die Herren Grundstücksspekulanten und Großgrundbesitzer allein diejenigen sind, die die Vorteile aus der Entwickelung der Gemeinde ziehen. Hier bestätigt eS einer der größten Grundbesitzer von Lübars, der Schöffe der Gemeinde Lübars-WaidmannSlust, wie recht wir mit unserer Meinung haben. Wir wissen aber leider nicht, wer mehr erbaut von den Auseinandersetzungen in der Gemeindesitzung ist, der Herr Landrat oder der Herr Amtsvorsteher, oder die Waid- mannsluster oder Lübarser Grundbesitzer. Aber gut ist eS doch, daß die Gemeindepolitik in der Gemeindesitzung erledigt wird und nicht wie früher— auf der Bierbank. Lichtenberg. Unter der Ueberschrift:„Spotten ihrer selbst" druckt da? Lichten- berger Ortsblättchen unsere Notiz über die Suche nach einem Baurat ab und tröstet sich damit, bemerken zu können, daß der Kommission zur Vorbereitung der Stadtbauratswahl auch der Genosse Grauer angehöre. Dieter Trost ist ein recht magerer. Wir hatten im weientlichen das Pech der Lichtenberger Stadtväter glossiert, daß es trotz der Reisen noch nicht gelungen ist. einen tüchtigen Stadtbaurat zu finden und darauf hingewiesen, welche Perspektiven sich bei der Fortsetzung dieser Art der Bauratssuche eröffneten. Daß die einzelnen der Kommission angehörenden Herren, ganz gleich, wie sie heißen, für das Pech nicht persönlich verantwortlich gemacht werden können, ist doch selbstverständlich. Weiheusee. AuS der Gemeindevertretung. Ein neues Projekt des Säuglings- Krankenhauses wurde vom Gemeindebaurat Bühring erläutert, nachdem sein erste? Projekt, mit 420 000 M. veranscklagt, als zu teuer erschien. Nur durch engeres Zusammenschließen der beanspruchten Räume und durch Beseitigung deS Hörsaales konnte daS Projekt auf 350000 M herabgesetzt werden. Jetzt war-st die Herren jedoch der Meinung, daß ein Hörsaal unbedingt eingerichtet werden müßte, denn gerade dadurch gewinne die Anstalt an Ansehen, weil andere Anstalten einen solchen nicht besäßen. Viele Vorschläge kamen, man wollte Eßtaal und Hörsaal vereinigen, ein anderer wollte den Hörsaal im Dachgeschoß unterbringen. Zum Schluß bewilligte man noch 25 000 M. zum Anbau eines Gebäudes, worin der Hörsaal und die Garderobe unter- gebracht werden soll. Die Gesamtkosten des Krankenhauses bettagen nunmehr 375 000 M. Gegen zwei Stimmen wurde das vor- liegend« Projett genehmigt.— ES wurde weiter beschlossen, für daS Elektrizitätswerk einen größeren Posten Kabel an- zukaufen, da daS Kupfer ganz erheblich billiger geworden ist, der Preisnachlaß für Kabel beträgt zurzeit 37 bis 38 Proz. Die Vorlegung des Projektes der Uferstraße um den Weißen See zeigte ganz besonderes Interesse. Am Ufer des SecS wird ein 5 Meter breiter Fußweg als Promenade, ein 5 Meter breiter Fahrdamm und 3 Meter Fußweg, ferner ein Vorgarten von 4 Meter angelegt. Die Bauweise ist eine offene, so daß am See nur Gärten und Villen gedacht sind. Gleich nach Ostern werden die Arbeittn bereits in Angriff genommen, und zwar von der Seetcrrasse bis zur Albertinenstraße. Der Trianonpark bleibt erhalten. Derselbe wird zurzeit in stand gesetzt, um baldigst dem Publikum zugänglich gemacht zu werden. Eine Lokalbesichtigung hat leider ergeben, daß während deS Winters in dem schonen Park armdicke Zweige abgebrochen und einzelne Baumgruppen vollständig zerstört worden sind, so daß bedauerlicherweise der Park zu bestinimten Zeiten ge- schloffen werden wird.— Die Nachforderung von Kosten an lebendem Inventar sür das Rittergut Birkholz wurden bewilligt.— Die erste Arbeit für die Neugestaltung der Kanalisation ist die Verlegung eines Regenwasserkanals in der Parkstraße, der in den nächsten Tagen in Angriff genommen wird. In gleicher Folge wird die Straße endgültig reguliert. In der geheimen Sitzung wurde über die Anlegung von Geldern bei hiesigen Bankinstituten bestimmt; so werden bis zu 300 000 M. bei der Deutschen Bank, bis zu 100000 M. bei der Kommerz- und Diskontobonk ohne Sicherheit hinterlegt, während Gelder bei der Weißenseer Bank nur gegen Sicherheit hinterlegt werden dürfen. Einer Exmissionsttage gegen einen Gast- wirt, der längere Zeit Miete an die Gemeinde schuldet, wurde die Zustimmung erteilt. Marienfelde. lleber 500 Millionen Mark neuer Steuer» und die arbeitende Klasse referierte in einer Volksversammlung Genosse Kubig. Die nach dem Vortrage einsetzende Diskusston gestaltete sich zu einer interessanten Abrechnurig gegen die in Sozialistenbekampfung machende..Mariendorfer Zeitung'. Der Vorsitzende des Marien- dorfer Wahlvereins Genosse Jescrich kennzeichnete zunächst im all- gemeinen den spärlichen geistigen Einfluß der sogenannten un- varteiischen Presse. Wie diese es versucke. den Arbeiter zu ver- dummen, bewies er durch die Verlesung mehrerer Artikel der „Mariendorfer Zeitung'. Obwohl der Redakteur dieses Blättchens. Herr Wegener. durch eingeschriebenen Brief eingeladen ist, war der- selbe doch nicht erschienen. In äußerst gehässiger Reichsverbands- monier versuche dieses Blatt, so betonte der Redner, bei jeder Gelegenheit die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevcrtreter herabzusetzen; wiederholt sei dessen Redakteur eingeladen worden, in öffentlicher Versammlung zu erscheinen, aber nie ist Herr Wegener gekommen. Jeder anständige Arbeiter müsse den Kampf gegen dieses Blatt ausnehmen, weil eS mit der sogenannten Schund- literatur auf eine Stufe zu stellen sei. Genosse Kleinert machte darauf aufmerksam, daß der betteffende Wegener einige Genossen. die sein Blatt als Wurst- und Käsebkatt bezeichnet hätten,»erklagt habe- Genosse Greulich brachte noch einen interessanten Fall auS der letzten Gemeindeverlretersitzung des hiesigen OrteS zur Sprache. Seit zirka 30 Jahren werde der sogenannte Separattonsplan der hiesigen Gemeinde gesucht. Vor einiger Zeit sei ein neuer Bebauungsplan angefertigt, gegen dessen Richtigkeit wurde vom Rittergutsbesitzer Kiepert Einspruch erhoben mit der Motivierung, auf dem Gute befinde sich ein genauer Lagcplan, wonach ein Teil der Dorfaue zum Gute gehört. Nun war Herr Kiepert kurze Zeit verreist. In dieser Zeit habe der Gemeindevorsteher seinen Sekretär nach dem Rittergut gesckickt, um den dortigen Plan einzuichen. Der Plan wurde vom Inspektor vorgelegt und der Gemeindesekretär erkannte auf den ersten Blick, daß es der lange gesuchte SeparattonSplan der Gemeinde Marienfelde war. Der Plan enthält folgenden Schriftsatz: Broullion. Von dem zu der Mittelmark des Kreises Teltow gehörigen Dorfes Mariemelde einem Hochedlen Magistrat einer königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vermesse» in den Mens« Junio. Julio, Augufto 1771. F. A. Grützmacher. Der Sekretär bat sich den Plan einige Tage aus. lim genauere Feststellungen zu machen. Als nun der Vorsteher den Plan z« Gesicht bekam, erkanme auch er sofort, daß er zu dem in der Ge- meindeverwaltung befindlichen Rezeß, welcher die gleiche Unterschrift und Jahreszahl trägt, gehört. Als nun Herr Kiepert von seiner Reise zurückkam, verlangte er sofort den Plan zurück, der Gemeinde- Vorsteher lehnte indes daS Verlangen ab. Hierauf beschwerte sich K. beim Landrat, welcher die Aushändigung des Planes an K. verfügte. Die Herausgabe wurde vom Gemeindevorsteher trotzdem verweigert und ein Rechtsgntackten vom Syndikus des Vereins der Vorortgemeinden, Dr. Steiner, eingeholt, in welchem betont wird, daß der Plan unzweifelhaft der Gemeinde gehöre, man solle es auf eine Klage ankommen lassen. Dazu wird es aber nun nicht kommen, denn man hat sich inzwischen dahin geeinigt, daß eine Kopie angeferttgt und K. ausgehändigt wird. Hierzu ist noch zu bemerken: der Großvater des K. ist seinerzeit hier Gutsbesitzer und Amtsvorsteher gewesen, in dieser Eigenschaft wird der Plan in seinen Besitz gelangt sein. Rechtsanwalt Steiner sagt in seinem Gutachten: Mag der Plan auf rechtmäßige oder unrechtmäßige Weise in den Besitz des Rittergutes gelangt sein, weil er die Gemarkung des ganzen Dorfes enthält. mutz auch die Gemeinde die Besitzerin sein. Jetzt wird sich auch feststellen lassen, wo die früheren Kirchen- und Ge- meindegrundstücke geblieben sind; man spricht davon, daß sie in de? Fläche deS Rittergutes enthalten sind. Am 1. Osterfeiertag, abends 7 Uhr, veranstaltet die„Freie Turnerschaft Marienselde' im Lokale des Herrn Berger, Dorfftt. 30, eine Matinee unter Mitwirkung hervorragender Humoristen und Mandolinenspieler. Da der Verein bei WahlvereinSfestlichkeiten stets mitwirkt, wird von den Genossen eine rege Beteiligung erwartet. Reinickendorf. Mit den Wahlen der Delegierte» zur OrtSttankenkaffe beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung die hiesige GewerkschastSunterkommission. Die Wahlen finden statt am 19., 21.. 22. und 23. ApriL Es ist Pflicht aller Gewerkschaftsmitglieder und Parteigenossen, schon jetzt für diese Wahlen lebhaft zu agitieren. Etwaige Zuschriften find zu richten an den Obmann Franz Otto, Provinzstr. 106. Tegel. Am 1. Osterfeiertag veranstaltet die hiesige Jugendorganisation im Lokale deS Herrn Källner, Sckloßstt. 7—8 einen UnterhaltungS- abend. Beginn nachmittags 5 Uhr. Da außer einem Lichtbilder- Vortrag für genügende Unterhaltung und Belehrung gesorgt ist, so wird em guter Besuch dieser Veranstaltung erwartet. Spandau. AuS der Stadtverordnetenversammlung. SS ist u.a. ein längeres Schreiben von einem gewissen Sternberg eingegangen, der ernem der Hirsch-Dunckerschen Gewerlvereine angehörte. Dieser pettttoniert um Einführung von Verhältniswahlen bei den Gewerbegerichts- Wahlen. Das Schreiben wird dem siebenten Ausschuß überwiesen. Nach Erledigung zweier dringlicher Vorlagen von geringerem Jnteresie genehmigt die Versammlung den Anbau an die Straßenbahn-Wagenhalle in der Pichelsdorfer Straße. Der Bau selbst wird vertraglich von der Allgemeinen TlettrizitätS- Gesellschaft ausgeführt und soll 100 000 M. kosten. Die Stadt muß bis zum 1. Juli d. I., an welchem Tage die Sttaßen- bahn in städtischen Besitz übergeht, auch dann die Wagenhalle über- nehmen.— Infolge des niedrigen Gehaltes sind für das hiesige Krankenhaus nicht die nötigen drei Assistenzärzte zu bekommen. ES sind nur zwei solcher Aerzte vorhanden. Das Gehalt der dritten Stelle wird min auf Beschluß der Versammlung unter die beiden Aerzte für die Mehrleistung geteilt.— Für Beschaffung von Apparaten für den ersten Ausbau der Gasanstalt be- willigt die Versammlung ohne jede Debatte 355 000 M. Ferner werden noch folgende Summen debatteloS bewilligt: 4600 M. zur Anschaffung zweier Waschmaschinen und einer Trockenmaschine für da» städttsche Krankenhaus und 4200 M. zur Herstellung einer Fernsprech-Linien- wähler-Anlage im Krankenhaus.— Einer Vorlage, der Firma Behrend für Mehrarbeit und Mehrleistung beim Bau deS GaSbehalterS auf dem Nonnendamm 3000 M. zu bewilligen, wird an die Gas- deputatton zurückverwiesen. Essoll festgestellt werden, obdieMehrleistnna erforderlich war und ob sie wirklich stattgefunden hat. Folgenden Tarif für die Gas- und ElekrizitätSzähler-Miete genehmigt die Verfamm- lung. Es sollen erhoben werden: bei G a S monatlich 30 Pf. filr 3— Mflammige Gaszähler, 40 Pf. für 30flammige und größere Gaszähler; bei Elektrizität monatlich 30 Pf. für Wechielsttomzähler und 40 Pf. fiir Drehstromzähler.— In die gemischte Kommission zur Vorberatung der Wertzuwachssteuer wird u. a. auch der Genosse Stadtv. Pieck gewählt. Die übrigen Lorlagen find von geringerer Bedeutung. Auf den am ersten Osterfeiertag, abends 5 Uhr, im Lokale' Gott- wald, Schönwalde rftr. 80, stattfindenden Kunstabcnd sei an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht. Die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder werden ersucht, sich beizeiten mit Billetts zu versehen, da dieselben nur noch in beschränkter Anzahl vorhanden sind. Gleichzeittg werden die Genossen darauf aufmerksam gemacht, daß die Abrechnung der Billetts spätestens am Sonnabend, 10. April, abends von 8—10 Uhr, im Lokale Huth, Lindenufer 17, zu erfolgen hat. Bis dahin nicht abgerechnete Billetts werden als verkauft betrachtet._ Der BildungSauSschuß. Vcrniirchtce. TodeSstnrz eines OsternrlauberS aus dem Eisenbahnzuge. MS Leiche ausgefunden wurde vorgestern morgen durch den Schranken- Wärter der Musketier Karl ZeiSke vom Jnsanterieregimenl Nr. 43 in Königsberg i. Pr.. der zu den Osterseiertagen nach seiner Heimat beurlaubt worden war. Zwischen den Stationen Güldenboden und Elbing stürzte ZeiSke ans dem Militärsonderzuge, der morgen» um 3V, Uhr in Elbing eintraf. Sein Fehlen wurde von den Kameraden erst später bemerkt. Die Leiche wurde nach dem städtischen Kranken- hause in Elbing gebrackt, von wo aus die Beerdigung durch da» Regiment erfolgen wird. Der Oberwöchter als Einbrecher. Den Bock zum Gärtner machte die Wach- und Schlicßgesellschaft in Witten a. R.. als sie den Invaliden Ferdinand Biere zum Oberwächter ernannte. Wegen vier schwerer und acht einfacker Diebstähle, die er in den von ihm „bewachten' Häusern ausführte, hatte er sich jetzt vor der Straf- kammer in Bochum zu verantworten. DaS Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis. Neues Erdbeben in Messina. Mittwochabend 9 Uhr 46 Minuten erfolgte, wie aus Mcssina gemeldet wird, dort ein Heftiger Erdstoß. dem ein donnerähnliches Geräusch voranging. eingegangene Dnichrcfcnften. Von der»Neuen Zeit«(Swttgart, Paul Singer) Ist locken da« SS. Hest des 27. Jahrgang« erichienen. E« hat salzenden Inhalt! Sozialistische Kolonialpolitik. Von K. Kautskh.— Lebensmittelverteuerung durch das VIchseuchenzesetz. Von PH. Schcidemann(Kassel).—„Kur- psuscher" und Aerzte. Von Herrnann Wols(Deuben-Dresden).— Gorki, der Rebell. Von Otto Wittncr.— Literarische Rundschau: Die Franzosen- zeit in deutschen Landen. Von Hermann Wendel.— Zeitschristenlchau. Die„Nene Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- handinngen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Vom„Wahren Jacob' erscheint die 8. Nummer des 26. Jahrganges. Sie enthält die beiden sarbigen Bilder„Ein gesährlicher Musikant' und „Die Balkansragc' sowie die weiteren satirischen Zeichnungen„Alte Liebe rostet nicht',„Moderne TeuselSaustreibung',„Des Freisinns Blockjammer', „Der Fortschritt im Reich- Kraetkes',„Die berusenen Hüter der Scham- hastigleit',„Die.Schwarzen' im schwarzen Erdteil',„Folgen der Psarrer- besolduiigsreiorm',„Die modernen Pharisäer',„Ein Ausweg',„Der Öfter- Hase der deutschen Bergarbeiter',»Ein moderner HanS im Glück',„Mobilisierung',.Zeitgemäg",„Das Jubiläumsgeschenk' und.Golgatha'. Aus dem textlichen Teil der Nummer erwähnen wir die Gedichte„Der zer- brochene Block',„Der Soldat',„Der Lykurg von Jerichow',„Christus von heute',„Der Sergeant Megow',„Serbische Geschichte',„Da hol' der Teusel den Humor!' von Richard Wagner,„Justizrcsorm' von Franz, und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren Prosa-Satircn„Gebete' von Rudolf Franz und„Dem een' sien Uhl...' Der Preis der 16 Sellen starken Nummer ist 10 Ps. Lohn- und Arbeitsverhältnisse im deutschen Glasergewerbe. Herausgegeben vom Hauptvorstand deS Verbandes der Glaser. 30 Ps. Geck u. Ko., Karlsruhe i. B. IS. Jahresbericht des Arbcitersekretariats und der vereinigten Gewerkschaften Stuttgarts, 1908. 24 Seiten. Selbstverlag. Aktive Währungspolitir. Von SUvto Gesell und Ernst Frankfurth. 96 Seiten. Physiokratischer Verlag G. Blumenthal, Groß-Lichterselde-Berltn. Die Reichszuwachsftener. Von Dr. WilmS. 50 Ps..Bodenresorm', Berlin, Lcssingstr. It. Wilhelm Bölsche. Beitrag zur modernen Wellanschaluma von Dr. R/ Mignus. Broschiert 2 M., gebunden 3,60 M. E. Staude, Berlin\V. 35. Karte der Umgegend von Fürstenwalde. 60 Ps. Kießling, Berlin SW. 26. Thomas Münzer. Drama von W. Lutz. Selbstverlag, Stuttgart. Joseph Hahdn, Sieben Tanzmenuette. Bearb. von Dr. Ferd. Scherber. Hausmusik Nr. 223—225. 90 Ps. D. W. Ealltvey in München. Wissentcha,»«n»«tlvung. Band«5: Der menschliche Or- ganismus und seine Gesunderhaltung. Bon Oberstabsarzt Dr. A. Menzer. — Band 66: Die Säugetiere Deutschlands, ibr Bau, ihre Lebensweise und ihr« wlrtichastliche Bedeutung. Von Privatdozent Dr. CS. Hennings. Einzelband geh. 1 M., geb. 1,25 M.— Naturgeschichte einer Kerze. Sechs Vorlesungen für die Jugend. Herausgegeben von Pros. Dr. R. Meyer. Geb. 2,60 M.— Tie Abstammungslehre. Von Dr. P. G. Buekers. Geh. 4,40 M.— Der Handwerker in Staat»ud Recht. Von Dr. H. Leonhard. Geb. 1,60 M. Quelle u. Meyer in Leipzig. Uvitfk&TUn der Redaktion. Sie snrislisit» Svre»fNl»v« finde» Liudeuftrah« Str.», zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, MO Fahrstuhl"ASS woiheaiäglich abends von?st, bis»>i, Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginn« die Evrcihstundc um 6 Uhr. Jeder Antrag- ist c>» tiuihstabe und eine.stahl als tviertzetihen beizufügen, briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortuilg im Briefkasten köuucn 14 Tage Vergehe». Eilige Fragen trage man in der Sdrechstunde vor. P. G. 10 E. G. St. SS. E. G. St. S9. 1. Für März und April. 2. Nein. 3. Das Slrnti ist zuständig.— 31. F. CS. Wenn er hilssbedürstig ist.— A. 1. Ja; aber nur wenn das Vormundschastsgericht seine Zustimmmi -PI CD v f, � Olli»»«—.'1741« C\.•»', s'_._ Leider fehlen darüber gesetzliche Bestimmungen.— Amtsgericht B.<£. ..., lsgertcht seine Zustimmnng gibt, ist der Vergleich über Alimente gültig. 2. Nein: die Mutter lau» dem widerlprcchen. dl« Herausgabe des Kindes verlangen und sich mit Erfolg an das BorinundschastSgericht wenden. 3. und 4. Ja.— P. F. S4. Nach herrschender Praxis: Ja.— H. W- 18. 1. und 2. Ja.— Tegel 35. 1. Ja. 2. Wenden Sie sich an den Standesbeamten oder an einen Notar. — A. I. 200. 1. Zunächst an das Landgericht, dann an das Reichs- gericht. 2. In etwa zwei, drei Monaten. 3. Anfragen beim Reichsgericht. 4. Nein. 5. Soweit sie nicht aus den Kassen vorrechnet werden: Ja.— H. Z. 14. Nun ists zu Ende: von Ende 1908 haben Sie Kirchensteuern nicht mehr zu zahlen.— N. B. 4. Ist daS Kassengeld bis zur Krankheit bezahlt, so hat Ihre Mutter Ansprüche gegen die Kasse. Die Kasse ist bei der Gewerbedeputatton, Stralauer Straße 1—3, zu verklagen.— Paul S. Ja-— Streitsrage 529. Nein.— E. 14. Wenn es sich um eine Hand- lungSgehilfin handelt, betrögt dieKündigungssrist 6 Wochen zum OuartalSersten. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-Dtrektton über den Großhandel in den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr sehr stark, Geschäft sehr rege, Preise unverändert, sür Kalbfleisch an- -------.....-.....-......- g« Fisch'„.......>,. v... wenig verändert. Butter und Käs«: Gcschäsl ruhig, Preise unver- ändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr zum Teil knapp, Geschäft lebhast, Preise mehrfach anziehend. WttterungSübersicht vom 8. April 1909, morgen« 8 llbr. Stationen S-g dA« Ä S c a S'S Swmevlde Hamburg Berlin Frantt.a M. 767 WNW 771 NW 769 NW 771 NO i 1 1 viiu München!771 SSW Wien>768 W Wetter 2 Dunst 3 wolkig 3 wolkenl 2 heiter 1 heiter 2 bedeckt w« *11 i« WS; Stationen Wetter B* daparonda 1 761 SSO Petersburg 762 NW Scilly Werdeeo Baris 770 O?tO 772 Still 770 NO I 4 bedeckt 1—6 1 wolkenl— 8 3 wolkig wollenl 2 wolkenl Wetterprognose sür Freitag, den 9. Slpril 1909. Vielfach wolkig, am Tage etwas kühler bei ztenilich srlschen Nordwest' ichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Setterbureau. WaflerstandS-Nachrtchten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctierbureau. Wasserstand M e m e l. Tlliit B r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder, Rattbor » Krossen , Frankfurt Wa r t h e, Slbrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leilmeritz » Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») UMerpegel.—•) vereinzeltes Schollentreiben.: nach telegraphischer Meldung hielt gestern 12 Uhr mittags bei einem Wasserstande von 522 cm das Schollentretbe» noch an. Heute früh betrug der Wasserstand nur noch 536 om und jetzt ist die M e m e l vollständig eisfrei.— 4) Eisfrei. Herren-Anzüge «, 55, 50, 45, 40, 3«, 33, SO, 27, 24, 21, 18, IJ Mb. Knaben-Anzüge 18, 16, 14, 12, 10, 9, O 25 8. 7, 6, 5. 4, 3, ZMk. Paletots und Ulster 55, 50, 45, 40, 36, 33, i C 30, 27, 25. 24. 21, 18, LD Mb. Herren-Hosen 18, 16, 14, 12, 10, Q 20 9, 8, 6, 5, 4, Ouk SpezUl-Hatu größten Maßstäbe», gegründet 1891. Cbanssestr. 29/30 □ BrGckenstr.il o Gr. 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