Ur. 85. »domiemenk-ktSingungea: Abonnements» Preis pränumerando! WiertcljShrl. z�0 Mr, monatl. l.lv Mb. wöchentlich 28 Pfg. frei ws Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags. nanimer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Welt" lv Pfg. Post- AbonnemcM: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.Zctwnas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements 36. Jahrg. CrtdWnt tlsDd) außer montags. Vevllnev Volksblatt. Die TnfertioiiS'Gebültr betrügt für die scchsgespaltcne Kolonet- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschaslliche Vereins» »md Vcrsammlungs-Anzeigen M Pfg. „kleine?n-eig-n", das erste tselt- gednickte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas« stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zlvci Worte Jnscraie skr die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SoaialiUinoiliat ßcrlm", Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte» Deutfehtands. Redahtton: SM. 68, Ltndenotrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Hgrarkrife in Ungarn. Die„Sozial wissenschaftliche Gesellschaft" in Budapest veröffentlichte vor kurzem in der Zeitschrift „XX. Jahrhundert" einen Bericht über die wirtschaftliche und politische Lage Ungarns. Der Bericht beruht nahezu aus- schließlich auf amtlichem statistischen Material und auf den Ergebnissen amtlicher Forschungen. Im folgenden geben wir aus der Publikation einige interessante Feststellungen über die Agrarkrise. Die Dichte der Besiedelung ist in Ungarn sehr gering. Es entfallen auf einen Quadratkilometer 60 Einwohner, gegen 120 in Deutschland. Von 1000 Einwohnern wohnen nur 296 in Städten; von 19 254 000 Bewohnern gehören 13 175 088 zur Landwirtschaft, also 68,5 Proz. der gesamten Bewohnerschaft. Nur 2,9 Proz. sind im 5kredit- und Handelswesen, nur 13,5 Proz. in der Industrie, 13 Proz. im Verkehrswesen beschäftigt. Im Bergbau schaffen 0,9 Proz. der Bewohner, die übrigen sind in freien Berufen, öffentlichen Aemtern, persönlichen Diensten und als Tagelöhner tätig. Von den 19 Millionen Einlvohnern sind volle 10 Mittionen völlig proletarisiert� total besitzlos. Die horrende Zahl der Besitzlosen erscheint jedoch noch immer zu niedrig gegriffen; denn die der Statistik zugrunde liegende amtliche Statistik zählt die Agenten, Schreiber, Obsthändler, Hausierer usw. zu den„selbständigen" Gewerbetreibenden und Erwerbenden. Ungarn steht den Kulturstaaten gegenüber in der relativen Anzahl der industriell Beschäftigten weit zurück und ver- fügt relativ über die Höchstzahl der landwirtschaftlich Beschäftigten. Es entfallen von 1000 Einwohnern auf: Industrie und Handel Landwirt- Bergbau und Verkehr schaft 374 106 376 134 41 636 in Deutschland. in Ungarn... Fragen wir nun nach der E r k l ä r u n g für diese rück- ständige Entwickelung der ungarischen Industrie und des ungarischen Städtelebcns, so findeil wir diese in der Ver- teilung und Gebundenheit des Grundbesitzes und den Folgen dieser Hauptmomente. Es besitzen da 1 353 875 Kleinbauern je 1—5 Joch, zusammen 1 467 533 Hektar.*) Pro Kopf 1,6 Hektar. Somit besitzen 52,7 Proz. aller Be- sitzer zusammen nur Vi« des gesamten Be- s i tz e s. Je 5— 100 Joch besitzen 1 078 069 Bauern(zusammen 1 467 533 Hektar). Es besitzen so 44,1 Proz. aller Besitzenden 48,8 Proz. des gesamten Kulturbodens. Krasser ist das Bild der Verteilung der Güter von 100 bis 1000 Joch: 16 406 Gentrybesitzer verfügen zusammen über 3 399 402 Hektar, also 0,7 Proz. der Besitzer über 14,2 Proz. des G e s a m t b e si tz e s!— Endlich besitzen 1945 Großgrundbesitzer in Gütern von über 1000 Joch zusammen 7 451640 Hektar. Während also 52,2 Proz., mehr als die Hälfte aller Besitzer, kaum ein Scchzchntel des Bodens besitzeu, beherrschen 0,09 Proz. der Besitzer 31,19 Proz., also nahezu ein Drittel! Diese Konzentriertheit des Grundbesitzes ist einzig in ihrer Art, sie ist in dem Grade sowohl in der deutschen, französischen. holländischen, dänischen wie auch in der amerikanischen Land- Wirtschaft unbekannt. Es tritt erschwerend hinzu die rechtliche Gebundenheit eines großen Teils des ungarischen Bodenbesitzes. Im ganzen sind 17 027 625 Joch als gebundener Besitz zu be- trachten, und die Tendenz zur Umwandlung des beweglichen Besitzes in gebundenen ist eine stetig und auffallend steigende. Die Zunahnie des gebundenen Besitzes betrug in den Jahren 1870—1906 nicht weniger als 5 934759 Joch, aber im gleichen Zeitraum ging die Zahl der selbständigen Grund- besitzer um 118235 zurück! Während jährlich 400000 Güter zun/ Verkauf und 20000 Güter zur Zwangsversteigerung gelangten, stieg der gebundene Besitz der adeligen Fideikommisse in 30 Jahren von 463 852 auf 2 363 822 Joch, und der ge- lumdene Besitz der Kirche von 1 288 612 auf 2 363 822 Joch I Es verfügen die Grafen Schönborn über 241 535 Joch, die Ministerfamilicn Eszterhäzy über 516 039, Audrässy über 92032, Zichh über 66 476 Joch. Die Besitzer dieser gc° bundenen Güter sitzen im Ministersessel und im Magnaten- Hause, ihre Lakaien und Advokaten beherrschen das Parlament und die Verwaltung und üben die Macht im Sinne des großen Grundbesitzes aus. Das politische und wirtschaftliche Leben unterliegt somit im ganzen den konservativen Wünschen der Großgrundbesitzer. Diese beziehen bei geringster Produktivität des Bodens immerhin noch horrende Einkommen und sind jeder Pro- duktionsrevolutionierung feindlich gesinnt. Der Umstand, daß sich das Kornland in den letzten 25 Jahren um 40 Proz. vermehrte, daß weiter 42 Proz. des großen Grundbesitzes Waldgrund ist, zeigt deutlich die expansive Produktionsweise des Großgrundbesitzes. Auf expansive Wirtschaftsweise deutet auch der Umstand, daß die Um- Ivandlung des Besitzes in möglichst viel Kornland gerade zur Zeit der allgemeinen Getreidekrise vor sich ging. Zur Ver- Minderung des Weidelandes gesellte sich einreißenderViehschwuud. In den letzten Jahren stagnierte die Zahl der Rinder. die Zahl der Schweine nahm ab. die Zahl der Pferde sank 1 Hektar--- 1,78 Joch, 1 Joch--- 0,575 Hektar,--- 57,6 Ar. von 2 158 800 auf 1 788 416 und die der Schafe von 15 000000 auf kaum 3 000000. Zur Erhaltung der Boden- kräfte sind pro Joch mindestens zwei Rinder erforderlich, in Ungarn entfällt ein Haustier auf zwei Joch. Während so der Erschöpfung des Tierstandes notwendig die Er- schöpfuug des Bodens folgen mußte, st i e g gleich- zeitig der Export, die Veräußerung des Tierbestandes, beständig und zwar von 681 708 Stück im Werte von 15 525 600 Kronen im Jahre 1897 auf 1 032 436 Stück im Werte von 256 400 000 Kronen im Jahre 1904. Das vom Großgrundbesitz und dessen Verwaltung pro- tcgierte System führte zur UnProduktivität des einst be- rühmten ungarischen Humus. Die Ersetzung des dem Boden räuberisch entzogenen Kalis, Phosphors und Nitrogens er- folgte auch keinesfalls durch Kunstdüngnng. Während z. B. Deutschland pro Hektar 25,4 Kilogramm Phosphorkalikalk ver- wendet, entfällt in Ungarn auf 1 Hektar nur 0,9 Kilogramm! Die in der Landwirtschaft bekannten Nitrogenbodenverbesserer gelangen in Ungarn überhaupt nicht zur Anwendung, die ge- leistete nienschliche Arbeit aber ist nur als extensive denk- bar; entfällt doch auf 4 Hektar nur je 1 Arbeiter, während im ganzen Lande gerade zehnmal weniger Dampspslüge als in Deutschland und etwa nur V5 der Säemaschiuen vorzufinden sind, die in der deutschen Landwirtschaft gebraucht iverden. Permanenten Raubbau, Mangel an Tieren, keine Kunst- düngung, wenig und durch Gendarmerie gezwungene Arbeiterschaft, Mangel an wirtschaftlichen Maschinen: das sind die Folgen der großgrundbesitzerlichcn Produktionsweise und die Gründe dafür, daß die Produktivität des ungarischen Bodens hinter der der übrigen Kulturstaaten rapide zurücksinkt. In den Jahren 1901—1905 z. B. produzierte pro Hektar in Meter- zentner: Korn Weizen Gerste Hafer Deutschland...... 1V.8 16,00 13.5 17,3 Ungarn........ 12.8 11,00 12,1 10,9 Mehr in Deutschland. 62 Proz. 45 Proz. 53 Proz. 63 Proz. Wenn wir bedenken, daß die Herstellungskosten eines Meterzentner Korns 12 Kronen 78 Heller betragen und daß der normale Preis desselben zwischen 15 und 16 Kronen schwankt, so können wir die Höhe des ungarischen Bauern- einkommens ermessen. Nehmen wir'nämlich pro Joch 8 Meterzentner als Kornprodukt an, dessen Preis wir pro Meterzentner mit 16 Kronen berechnen, so entfiele nach Abzug der Herstellungskosten pro Joch ein Rcingelvinn von 25.69 Kronen. Wäre dieses Einkommen auch nicht bis-F mit Steuern und Zinsen belastet(ivie wir später nachweisen werden), es wäre doch nur bei einem Grundbesitz von mindestens 100 Joch erst geeignet, die Grund- läge einer menschenwürdigen Existenz abzugeben. So bildet dieser niedrige Einkommensfonds ein bewegendes Moment im fortschreitenden Zersetzungsprozeß des bäuerlichen und auch des Gentrybesitzes. Die flutmäßig steigenden Grundschulden des ungarischen Landbesitzes sind keinesfalls die Folgen von Bodenverbesserungen oder ähnlichen nützlichen Aufwendungen, diese Grundschulden erscheinen als Zuschüsse zum stetig abnehmenden Einkommen, es sind reine Konsumtionskrcdite im trübsten Sinne des Wortes. Die Differenz zwischen den gelöschten und den auf den Grundbesitz neu eingetragenen Forderungen be- trägt im Zeitraum 1877—1902 einen Ueberschuß der neuen Forderungen von rund 4800 Millionen! Die reine Grundschuld betrug im Jahre 1903 rund 1577 Millionen und bereits im Jahre 1906 war der gesamte bewegliche Besitz bis zu 72 Prozent des ganzen Schützungswertes eingeschuldet.... Während der kleinere und mittlere Besitz also infolge des sinkenden Einkommens langsam zu Grunde geht, trachtet der Großgrundbesitz diese Krise durch die ins ungeheuerliche ge- steigerte Ausbeutung der Arbeitskräfte wett zu niachen. Die „Verwaltungsausschüsse" der Großgrundbesitzer schufen Sklavengesetze, die Gefängnis und Totschlag zu ständigen Gehilfen der Erntcarbeit machen. Wurden doch im Jahre 1906 über 5000 Arbeiter durch Gefängnisstrafen zur Arbeit ge zwungcn l Die Lebenslage der Landarbeitcrschaft ist längst zur Menschcnunlvürdigkeit erniedrigt. Es besaßen durch- schnittlich Jahreseinkommen in den Jahren 189? bis 1906 in Kronen: Männer Frauen Kinder mit ohne mit ohne mit ohne Kost Kost Kost 93 130 66,5 94.9 43.4 64,2 lieber die den Arbeitern gebotene Nahrung beichtet die Enquete des landlvirtschaftlichen Ministeriums: Die Arbeiter essen im allgemeinen k e i u F l e i s ch. sie leben von Kartoffeln, Haferbrei, gesäuertem Kraut, Grütze und Mais brei. Der Branntweinvcrbrauch schwankt wischen einem halben und vier Liter pro 'ag und Mann; ein Komitat wird hervorgehoben, in dem die Frauen ausnahmsweise statt Branntwein Milch zum Frühstück erhalten. Zur Bekämpfung dieser rasenden Veralkoholisiernng wurden sage und schreibe 15 000 Kronen im Kultusbndget der Autialkoholbcwegung zu gewendet, und gleichzeitig wurden die Einnahmen aus der Branntweinsteuer mit 170 Millionen Kronen für 1909 fixiert.— In den Komitaten Bars. Esztergom, Barcmya, Bereg und Csongrad f a st e t das Landvolk Expedition: SM. 6S, �.indenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. am Mittwoch un d Freitag jeder Woche, des- gleichen vom 18. Dezember bis 5. Januar; die Osterfasten währen volle 7 Wochen, und auch von Peter-Paul ist eine vierwöchige Fastenzeit gewöhnlich. Die'Wohnungsverhältnisse sind fürchterlich. Im ganzen Lande wurden zusammen 3 227 190 Häuser gezählt, davon waren aus Kot und Moor 1 150 313(35,6 Proz.), aus Baumgeäst und mit Kot verdichteten Flechtungen 1 128 266(35 Proz.). Nur 19,3 Proz. aller Wohnhäuser waren aus Stein und Ziegel. Ein Drittel aller Häuser und 96 Proz. der Gesindehäuser waren m i t den Stallungen zusammengebaut; auf je eine Wohnung entfällt 1,7 Zimmer. Die Häuser sind zur Hälfte mit Stroh gedeckt, und für die Badegelegenheit von 20 Millionen Einwohnern müssen 41 467 Badezimmer genügen I Bedenken wir, daß Budapest, Temesvär, Preßburg, Großivardein usw. ziemlich alles 5lulturelle schlucken, wovon diese Statistik be- richtet, so gewinnen wir einen Einblick in die Wohnungs- Verhältnisse des ungarischen Landproletariats und Bauerntums. Für die Untcrrichtsverhältnisse ist die Tatsache kenn- zeichnend, daß im Jahre 1906 nicht weniger als 300000 Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren in der Landwirtschaft als Arbeiter fungierten I Die sanitären Ver- hültnisse charakterisiert die Tatsache, daß aus je zehn Ge- nieinden nur ein Arzt entfällt, und daß die Tuberkulose und alle ansteckenden Krankheiten erschreckliche Fortschritte machen. Während in Deutschland von je 100 Stellungspflichtigen 56,2 tauglich befunden Iverden, werden in Ungarn— nach kon- statierbarer sukzessiver Verminderung— nur 14,7 von 100 Jünglingen tauglich befunden! Der bekannte Statistiker Kelcti konnte nachweisen, daß die gesundheitlichen Defekte der Stellungspflichtigen Folgen der Unterernährung sind und daß dieseStellungs- Pflichtigen den verelendeten 51 omitaten des Großgrundbesitzes entstammen! Dasselbe gilt für die Auswanderung, die ja gleichfalls hauptsächlich aus den Landgcbieten fließt. Die Zunahme dieser letzten Rettungs- bewcgnng des ungarischen Bauerntums und Landprolctariats ist eine enorme. ES wanderten aus in den Jahren 1871—1901.... 559 523 Bewohner 1901—1906.... 657 646 Die Auswanderungsziffer der letzten 5 Jahre überragt also mit rund 100000 das Auswandcrungsergebnis der vorher- gehenden 31 Jahre! I Manches wäre noch zu bemerken. Z.' B. wie daS herrschende Zollsystem jeder EntWickelung einer Industrie den Weg verrammelt und so die Verelendung des Landvolkes zu einer hoffnungslosen macht. Die Staatsfinanzen unterliegen der Finanzpolitik des Grundbesitzes. Auch der Staat deckt die ordentlichen Staatsausgaben, trotz der Berdoppelung der in direkten Steuern, sehr-oft m i t Krediten, und so gelang es bald, das aktive Vermögen des ungarischen Staates über seinen vollen Wert ein zuschulden! Die staatswirtschaftliche Bilanz Ungarns weist bereits heute ein Passivum von 500 Millionen auf, und es ist begreiflich, wenn die ungarische Kronenrente der österreichischen um 5—7 Proz. nachsteht und wenn die ungarischen Papiere, trotz aller publizistischen Tätigkeit der Herren Vvszi und Genossen, im Ausland stetig an Boden verlieren. Die Agrarkrise wird den Zusamnienbruch des herrschenden Eigentums- und Wirtschaftssystems notwendig und bald zur Wirklichlcit machen, und aus den Trümmern dieses Systems wird die neue politische Richtung folgen müssen, Es fällt der Sozialdemokratie die Aufgabe zu, auch dieses Problem zum Nutzen des Proletariats seiner Lösung näher zu bringen. Zelittumsckemagogie. Die ZentrumSIeitung hat sich in letzter Zeit bewogen gefühlt, in Rücksicht auf den hohen Klerus und die Konservativen, mit denen das Zentrum gerne wieder eine Regierungsmehrheit bildete, daZ konservative Element in der ZcntrumSfraktion möglichst zu stärken und die noch aus früherer Zeit erhalten gebliebenen spärlichen demokratischen Ueberreste zurückzudrängen. So haben die politischen Drahtzieher der Partei für„Wahrheit, Freiheit und Recht" bei den in letzter Zeit nötig gewordenen Ersatzwahlen den industriellen Arbcitergegenden hochfeudale Kandidaten aufgezwungen und mit Hilfe der geistlichen Gendannerie auch deren Wahl durch- gesetzt. Nachdem erst in voriger Woche auf diese Art der Fürst Salm-Rcifferscheidt-Dyk ZentrumSabgcordneter geworden ist, geht nun gar das Streben der geiitrinnsmacher dahin, einen vcritablcn Herzog der Zcntrumöfraltion einzuverleiben, den Herzog von Aren- berg, der weit mehr Belgier als Deutscher ist. Den katholischen Arbeitern geht diese Vorliebe der Zentrums- leitnng für hochfeudale Kandidaten zum Teil wider den Strich; sie verlangen stärkere Berücksichtigung der Arbeiter- intercssen. Die klerikale Presse ist deshalb mit allen Kräften be- müht, die Widerspenstigen zu beruhigen und z» beweisen, daß das Zentrum als„st a a t S e r h a I t e n d e K u l t u r p a rt e i" nicht an Einseitigkeit leiden darf, sondern für die Interessen aller Stände einen gerechten Ausgleich schaffen muß. Mit ivelcher verlogenen Demagogie bei diesem Bestreben die klerikale Presse verfährt, dafür liefert folgender Auszug aus einem Artikel der»Köln. Volksztg." einen interefsanten Beweis: .Die Hauptsache ist möglichste Vielseitigkeit bei der Auswahl der Volksliertreter. Nicht zu viel Juristen, nicht zu viele Landwirte, auch nicht zu viele Geistliche oder Kautlente! Man strebe danach, daß die verschiedensten Stände vertreten seien. Wenn man sagt, der Arbeiter A. eigne sich nicht zum Volks- Vertreter, eben weil er ein Arbeiter sei, so ist das höchst brutal, töricht und engherzig; eS ist aber auch töricht und engherzig zu sagen, der Herzog von lk. eigne sich nicht zum VollSverlreter, sintemalen er ein Herzog sei. Darin beruht ja gerade die große Krast des Zentrums, daß eS alle Schichten und Teile des Volkes zusammenzufassen versteht. das soll auch ferner so bleiben: vor allen Dingen wollen wir uns vor Einseitigkeit hüten. Die Schar unserer Gegner ist groß, noch größer aber der Haß, den sie gegen uns hegen. Unter diesen Umständen müssen ivir, koste, was es wolle, eng zusammmcnhalten. Ferner muß das Zentruin bestrebt sein, die Interessen aller Stände und Beruf«, nicht bloß eines Berufes, zu fördern. Das Zentrum soll die Interessen der Arbeiter ebenso eifrig und warm vertreten, wie die Sozialdemokratie. aber eS soll auch an andere Berufsklassen denken. Es soll keine Adelspartei sein, wie die Konservativen, aber auch keine adelS- feindliche Partei. Die Arbeiter, das Bürgertum und der Adel müssen ihre Befriedigung dabei finden, wenn sie zum Zentrum stehen> und das wird auch der Fall sein, wenn sie nur dem guten Grundsatz huldigen:„Leben und leben lassen." Dasselbe ist bei den Beamten der Fall. DaS Zentrum ist immer für die Beamten eingetreten, aber wenn ein Beamter sich auf den Stand- Punkt stellen wollte:„Das Wichtigste in der Politik ist die Ge- Haltserhöhung der Beamten, ihr muß unter allen Umständen Bahn gebrochen werden, wenn auch die anderen«stände darben", so hätte er die Deutung der ZcntrnmSpolitik nicht erkannt. In gleicher Weise darf der Arbeiter nicht vergess en, daß auch die Unternehmer leben wollen, und die letzteren dürfen sich nicht auf den nurkapitalistischen Standpunkt stellen, sondern sie sollen sich erinnern, daß die Arbeiter Menschen wie sie, ihnen vor Gott vollständig gleich sind und dementsprechend behandelt werden müssen." Der Verfasser hat, wie diese Argumentation zeigt, nicht umsonst die Dialektik der Jesuiten studiert. Leider hat nur selbst dann, wenn man dieses Streben nach dem Ausgleich der Interessen für politisch möglich und nützlich hält, seine Beweisführung ein großes Loch. Die katholische Arbeiterschaft stellt das größte Kontingent der Zentrums- Wählerschaft, dennoch sind sie in der Zentrumsfraktion des Reichs- tagcS nur durch zwei, drei Arveitersekretäre usw. vertreten, dagegen zählt der ländliche Großgrundbesitz und die höhere Bureaukratie eine gar stattliche Anzahl von Vertretern, die in allen wichtigen Wirt- schaftlichm Fragen innerhalb der Fraktion den Ausschlag gibt. Nus siumänkn. Rumänien ist das klassische Land der Bauernunruhen und des Antisemitismus. Dieses Zusammentreffen wird von der rumäni- schen Regierung, der Sachwalterin der Latifundienbesitzer, schlau benutzt, um Europa über die Ursachen beider Erscheinungen zu täuschen und die eigene Schuld von sich abzutvälzen. Das macht eS nur um so nötiger, die sozialen Verhältnisse des unglücklichen Balkan- lande? einmal etwas gründlicher zu beleuchten. Rumänien leidet unter einer Dynastie, die unzählige Millionen für die Neubelebung des GottcsgnadentumS aus dem armen Lande gesogen hat, und unter der barbarischen Despotie von Regierungen, die bald unter konservativer, bald unter liberaler Flagge die eigene Unfähigkeit durch die Niedertretung aller Volksrechte zu verschleiern bemüht sind. Die Ministerposten sind nach einem wohl nicht kodi- fizierten, aber um so mehr in der Praxis gehandhäbten Erbrecht in einer ganz kleinen Zahl bestimmter Junkerfamilien erblich, die sich höchstens dadurch unterscheiden, daß die„liberalen" Staatsvertreter in ihrem Liberalismus so weit gehen, reiche Juden anzupumpen, während die„Konservativen" dergleichen Geschäfte nur bei den reichen griechischen Grohkaufleuten in Galatz und Braila ab- wickeln. In den Präfekten, Verwaltungsbeamten, deren amtliöhe Stellung etwa mit der eines preußischen Regierungspräsidenten zu vergleichen wäre, haben diese Regierungen brauchbare Werkzeuge. Daß solche Regierungen einer Justiz nicht entraten können, die mit drakonischer Strenge jede Aufklärung und jeden Versuch nach der minimalsten Verbesserung der Zustände als schwere Verbrechen bestrafen muß, ist selbstverständlich; ein Blick hinter rumänische Kerkermauern, hinter denen mancher„Feind des Vaterlandes"— ein Titel für die Anhänger der Sozialdemokratie, der auch in andeven Staaten solche Kosenamen nicht vorenthalten werden— seine Jugend vertrauert, würde manchen rumänienbegeisterten Zeitungsschreiber überzeugen, daß mit dem in Europa gepumpten Gelde wichtigere Aufgaben zu erfüllen wären als die Haltung eines HeereS von Spitzeln, die an Niederträchtigkeit der Gesinnung nicht einmal von ihren russischen Kollegen übertroffen werden. Die gesetzgebenden Körperschaften, die Kammern, setzen sich infolge einer von der Negierung mit den verwerflichsten Mitteln betriebenen Wihlkorruption, bei der der„Rakiu"(Schnaps) eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, in ihrer Majorität stets aus Anhängern d«S jeweiligen Rgierungsshstems zusammen, dem sie bei der Erlassung der perfidesten Ausnahmegesetze und Entrechtungsverordnungen kritiklose Gefolgschaft leisten. Nur wenn eine neue Anleihe auf dem europäischen Geldmarkte aufgenommen werden soll, wird ein wenig Komödie gespielt und das eine oder das andere soziale Gesetz beraten, das aber selten angenommen und sicher nie durchgeführt wird. Abnorme politische Zustände schassen mit eiserner Notwendigkeit jene unglücklichen sozialen Verhältnisse, die sich in«gel- mäßig wiederkehrenden Befreiungsversuchen äußern. Scharcnwei.se sind in das junge Königreich Techniker und Handlverkcr, Kaufleute und Unternehmer von überall gewandert. Armenier und Juden, Griechen und Türken beherrschen Handel und Verkehr, und in Bukarest, in Galatz und Braila schwirren Sprachen und Worte der ganzen Welt durch die Luft— und die ganze Welt hat keine Ahnung, daß in diesem unglücklichen Lande Millionen hungern und alljährlich Tausend« buchstäblich Hungers st e r b e n. Solange der Bauer auf freier Scholle ungestört seinen Pflug führen durfte, ljatte er an den Vorgängen d«S öffentlichen Lebens kein Interesse; sie waren ihni alle, gleich, die Armenier und Juden, die Griechen und Türken, die ftir das der Erde mühevoll Abgerungene anständige Preise zahlten und ihm einen neuen Markt für die Erzeugnisse seiner Arbeit eröffneten. ES wurde bald anders. Mit den Frem- den kam allmählich auch der K a p i t a l i S m u s ins Land, und mit dem Kapitalismus traten in kurzer Zeit jene besonders gefährlichen Wirkungen desselben auf, die er in rein agrarischen Verhältnissen erzeugt. _ In der Hauptsache sind tu Rumänien Juden die alleinigen Träger des mobilen Kapitals; die durch keinerlei Argumente zu be- gründende bürgerliche Entrechtung der Juden hat für die Ent- rechteten in erhöhtem Maße abnormale Lebensbedingungen ge- schaffen, die mit den Interessen der Allgemeinheit nicht immer in Einllang stehen können; denn der Verfolgte und Unterdrückte wird oft im Interesse der Selbsterhaltung zum Verfolger und Unter- drücker. Hier liegen die Wurzeln vieler Uebel. Angesichts dieser Sachlage werden die auf sich selbst gestellten Juden gezlvungen, sich mit schlverem Gelde Freiheiten aller Art zu erkaufen, die, weil nicht anerkannt und geregelt, als Geschenke der Laune bestechlicher Uegittungen zu schwerem Mißbrauch führen. Die Juden sind, trotzdem ihre Familien auf rumänischem Boden Jahrzehnts leben, nach einer jesuitischen Verfassungsauslegung Fremde. Als solchen ist ihnen Erwerb von Grund und Boden ver- schloffen. Allein sie wissen sich zu helfen: durch eine kluge Ein- schmuggclung des Instituts der Erbpacht haben sie es ver- standen, ungeheure Gütcrkomplexe an sich zu bringen und so die gegen sie gerichteten wirtschaftlichen Ausnahmebestimmungen zu durchbrechen. Als Erbpächter, denen infolge ihrer bürgerlichen Ent- rechtung das Damoklesschwert willkürlicher Ausweisung jede Stunde droht, haben aber die Juden an der rationellen Bewirtschaftung des Bodens kein Interesse, und so haben sie an deren Stelle den R a u b- bau und die Spekulation gesetzt, zwei Faktoren, die mit Zu- hilfcnahme der Unterpacht den freien Arbeitsvertrag aufgehoben und die Hörigkeit des Kleinbauers begründet haben. Tie spekulierenden jüdischen Gutspüchter wälzen nämlich das Risiko von Mißernten in der Weise ab, daß sie größere Gutstcile von Kleinbauern bedüngen, beackern und besäen lassen und den- selben dann als Lohn für ihre Mühewaltung ein Drittel des Er- träges überlassen. Arbeitslöhne werden so gespart und alle Ge- fahren des Wetters und der Jahreszeit auf die Kleinbauern ab- gewälzt, die für den Fall einer Dürre oder zu reichlicher Regen» mengen nicht nur ihrer Sämereien verlustig gehen, sondern auch ihre Arbeitszeit in fremdem Interesse nutzlos vergeuden. Aber auch wenn alle Hoffnungen auf den Ertrag erfüllt werden, bedeutet es eine fürchterliche Ausbeutung, daß auf den Bauer nur ein Drittel des Ertrages fällt, das ihm noch dazu gewöhnlich gegen eine kleine Barzahlung„abgekauft" wird. Die willkürliche Behandlung der Juden durch die Regierung ruft in den unwissenden, durch Alkoholis- muS und Pellagra zum Teil entnervten Bauern den Glauben her- vor, daß eine gewaltsame Erhebung gegen die jüdischen Latifundien- besitz«, die im letzten Grunde doch nur das Produkt der dcmorali- fierenden Entrechtung find, ihnen etwas nützen kann. Und ihr Elend treibt sie zu immer erneuten Revolten, die dann von der Regierung zum Nutzen der Großgrundbesitzer im Blute erstickt werden. Jede neue Niederlage der Bauern bedeutet dann natürlich vermehrtes Elend und gesteigerte Ausbeutung. Nur eine vollständige Aenderung KeÄ ganzen S y st e m s kann die Lauernunruhen verhindern. politische(leberliedt. Berlin, den 10. April 1909. Nochmals wie preußische Minister„kreiert" werden. Die„Tägl. Rundschau" veröffentlicht aus eingeweihten Kreisen eine interessante Schilderung der Amtsführung des Kultusministers Holle, die eine neue Illustration zu der bereits am Freitag von uns erörterten Frage bietet, wie preußische Minister«kreiert" werden. Das Blatt erzählt: „Herr Holle hatte auf jedem Posten, auf den er bi» dahin ge- stellt lvorden war. seinen Mann gestanden und war eS nicht ge- wohnt, in seinem Amt eine Null zu sein. Er wollte es auch als Kultusminister nicht, wollte eine bessere St olle spielen als sein Amtsvorgänger. Für das große Publikum kam das darin zum Ausdruck, daß Mhoff, der hochverdiente lang- jährige tatsächliche sxiritus reotor des Ministeriums, seinen Ab- schied nehmen mußte, als Minister Holle einzog. Der neue Minister entschied selbständig, sah aber bald, daß hierzu mehr erforderlich war, als der Besitz einer leichten juristischen Vorbildung, wie«r sie aus seinen Universitätsjahren in seine dienstliche Laufbahn mitgenommen hatte. So manche Maßregel des Kultusministeriums, die diesem schwere Nackenschläge einbrachte, war auf die zwar selbständige, aber nicht immer sachgemäße Stellungnahme des Chefs der Behörde, der mit vollem Recht kein Geheimratsregiment wollte, zurückzuführen. Die Pausen zwischen den Nackenichlägen wurden durch kleine Nadelstiche ausgefüllt, allerlei Bloßstellungen, denen der Minister infolge seiner fehlenden Sachkenntnis bald bei Verhandlungen, die er führte, bald bei der Erfüllung repräsentativer Pflichten ausgesetzt war. Wir verratei» hier keine Geheinmisse, man horche z. B- in akademischen Kreisen herum nach gewissen Erlebniffen, die hervor- ragende Männer der Wissenschaft mit ihrem Minister in jener Zeit hatten l Holle empfand seine Lage, wußte, was ihm fehlte, und ging mit der größten Energie daran, sich in das ungeheuere. feiner Verwaltung unterstellte Gebiet einzuarbeiten. Er arbeitete, arbeitete, arbeitete I Und unterlag. Wie es um den Minister stand, war schließlich kaum mehr tot zu schweigen. Eine semer letzten öffentlichen Reden war die bei Ge- legenheit eines Banketts, da« der Einweihung des Berliner LehrerhaufeS am Alexanderplatz folgte. Sie war ein hilflos, im höchsten Grade gedankenarmes Stammeln; die versammelten Schulmänner wußten keine Er- klärung für solche Kundgebung aus dem Munde ihres höchsten Chefs, des Leiters des preußischen Schulwesens. Wenige Tage darauf erfolgte der Zusammenbruch. Einschwerernervöser Kollaps, verbunden mit nahezu völligem Ver- lust des Gedächtnisses! An eine Rückkehr HollcS aus seinem Urlaub inS Amt ist nie zu denken gewesen; nur bei dauernder Muße war, daS wußte man von vornherein. feine Wiederherstellung möglich. Mag der Minister den Keim zu seiner Erkrankung in sein Amt bereits mitgebracht haben oder nicht, in jedem Falle hat die Last der Ansprüche.Idie er als Mann von Selbstbewußtsein und Pflichtgefühl auf diesem fremden Boden an sich stellen mußte, seine Erkrankung erheblich beschleunigt. Seine B e r u f u n g ist sein Verhängnis geworden." Die größte Schuld an dem traurigen Ende hat nicht Herr Holle, sondern das System, demzufolge in Preußen Personen Minister- ressortS zugewiese» erhalten, von deren Arbeiten sie leine blasse Ahnung haben. *•* Zur Neubesetzung deS Kultusministeriums weiß eine hiesige halb- offiziöse Korrespondenz zu berichten: „Wie wir von gutunterrichteter Seite hören, wird die Ent- scheidung über den Nachfolger des Kultusministers Dr. Holle erst um Pfingsten herum erfolgen, jedenfalls nicht vor der Rückkehr des Kaisers von der ivlittelmeerreise. Daß Dr. Holle in sein Amt nicht zurückkehren kann, steht ganz bestimmt fest. Wenn die Frage der Neu- vesetzmig noch hinausgeschoben wird, so liegt dies einesteils auch daran, daß man dem neuen Manne nicht zutrauen kann, bei den Etatsberatungen nach Ostern im Landtage sein Ressort zu ver« treten, das er soeben erst übernommen hätte. Bei den Etats- bcratungen nach Ostern, die sich bis Himmelfahrt ausdehnen werden, wird Ministerialdirektor Exzellenz Schwartzkopf seinen erkrankten Chef vertreten._ Reichstagscrsatzwahl in Stade-Bremervörde. Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 6. April im achten Hailnoverschen Wahlkreis vollzogenen ReichStagSerfatzwahl wurden insgesamt 22 135 Stimmen abgegeben. Davon entfielen ans den Hofbesitzer Dr. Hoppe(natl.) 3123. auf den Arbeiterselretär Rhein lSoz.) 5850. auf den Hofbesitzer Klävcmann(B. d. L.) 5059, auf Direktor Dr. Böhmert(fts. Vgg.) 2118 und auf den Gutsbesitzer v. d. Decken(Seife) 2374 Stimmen. Zersplittert waren 11 Stimmen. Demnach hat Stichwahl stattzufinden zwischen Dr. Hoppe(natl.) und Genosse» Rhein. Der nationalliberale Kandidat hat demnach im Vergleich zu der Reichstagswahl am 25. Januar 1307 3273 Stimmen verloren. Ebenso verlor Genosse Rhein 532 Stiminen. Dagegen hat der Kandidat des BtindeS der Landwirte, bor allem aber der weifische Kandidat einen Zuwachs an Stimmen erhalten. Der Verlust des Nalionalliberalen erklärt sich zum Teil daraus, daß bei der Wahl im Januar 1307 die Freisinnigen, da kein Freisinniger aufgestellt war, größtenteils für den nationallilleralen Kandidaten stimmten. Diesmal hatte dagegen die Freisinnige Vereinigung einen eigenen Kandidaten aufgestellt, der eZ auf 2418 Stimmen brachte. Berliner Parteitag der Freifinnigen Volkspartei. Unter Ausschluß der Oessentlichkeit fand am Mittwochabend in Berlin ein Parteitag der Freisinnigen Volkspartei statt, der sich m'.t der Haltung der freisinnigen ReichStagSfraltion zu den neuen Steuer- Projekten beschäftigte. Nach dem offiziellen von der„Freis. Ztg." veröffentlichten Bericht hielt Abg. Wiemer das Hauptrefcrat. Im ganzen bestanden seine AuSführtingen in einer langen Rechtfertigung des Verhaltens der Freisinnigen Volkspartei im Block, an die sich allerlei pathetische Redensarten über daS Festhalten der Freisinnigen an ihren sogenannten freiheitlichen Priiizipten schlössen. So meinte beispielsweise Herr Wiemer: Unsere Forderungen erheben wir nicht in einseitigem Partei- interesse, sondern aus der innersten Ueberzeugung heraus, daß sie dem Vaterland dienen, daß im 20. Jahrhundert ein Staatswesen nicht gedeihen kann, dessen Einrichtungen nicht auf der Höhe stehen, dessen Staatsrecht nicht im Einklang steht mit der geistigen, Wirt- schastlichen und sozialen EntWickelung deS Landes. Und wenn wir bei diesen Forderungen auf den Widerstand der Konservativen und Agrarier stoßen, so wird uns keine taktische Rücksicht von der energischen und entschlossene!: Bekämpfung rückschrittlicher Bestrebungen ab- halte», die dem Geincinwohl schädlich find.(Lebhafter Bei- fall.) Durch unsere bisherige Unterstützung der Blockpolitik haben Ivir gezeigt, daß wir gewillt lind befähigt sind, positive Politik zu treiben. Wir haben unter schwierigen Verhält- nissen erfolgreich iniigewirkt, und niemand kann den Vorwurf er- heben, daß der Liberalismus sich in der Negation erschöpfe und nicht fähig sei, an den Staatsgeschäften positiv mitzliarbeiten. Wir habe» erfreuliche Erfolge erzielt in der Richtung unserer Anschauungen. Von einer«fre:- sinnigen Diktatur" oder„Vorherrschast", von der jetzt die Konservativen reden, kann freilich nicht gesprochen werden. Wir wissen sehr gut, daß wir mit unseren 50 Stimmen nicht durchweg freisinnige Gesetze verlangen können. Aber wir wollen verhindern, daß eine einseitige reaktionär- agrarische Politik getrieben wird, und wir wollen Fortschritt- in liberalem Sinne durchsetzen, wo eine Verständigung möglich ist."(Beifall.) Zum Schluß beschäftigte sich Herr Wiemer auch mit der Stellung des Freisinns zur Sozialdemokratie: „Den Gedanken einer Zulunftsmehrheit von Bossermann bis Bebel lehnen wir freilich ab. Unsere Stellung zur Sozial- demokratie wird durch die jüngsten Vorgänge nicht geändert. (Lebhafte Austinimmig.) Wir sind und bleiben entschiedene Gegner der Sozial deinokratie und denken nicht daran, mit ihr zusammen- zugehen. Die eben erst erschienene Schrift des DogmatikerS der Sozialdemokratie„Der Weg zur Macht" von Karl Kaiitsky, in der mit aller Schärfe ausgesprochen wird, daß der proletarische Klassen- kämpf auf die Revolution gerichtet sei, daß höchst wahrscheinlich be- reits in absehbarer Zeit erhebliche Machtverschiebungen zu- gunsten des Proletariats, wenn nicht schon seine Alleinherrschaft rn Westeuropa kommen würden(Hört! hört!)— diese Schrift des maßgebenden Theoretikers der Partei kann uns in unserer Gegnerschaft nur bestärken. Auch die Vorgänge, die sich jetzt in Frankreich abspielen, der Zusammenschluß des Proletariats mit der streikenden Beamtenschaft, die das Gefüge der Republik ins Schwanken bringen, sollten eine Warnung sein für alle, die noch immer von der Notwendigkeit und Möglichkeit des Zusammengehens der sozialdemokratischen Klassen- kampspartei mit dem liberalen Bürgertum träumen." In der Diskusston wurde von einigen Rednern die Haltung des Freisinns bei dem Abschluß deS Stcuerkvmpromisseö getadelt. Die kritische Stimmung schlug aber nicht durch. Die Wiemer, Fischbcck, Mugdan erklärten ihre Haltung mit takfischen Rücksichten und Mugdan verteidigte sogar lebhast die indirekten Steuern. Mit aller Schärfe trat das Bestreben zutage, den Block unter allen Umständen zu erhalten und die Finanzreform innerhalb des Blockes mitzumachen. Daran ändert die beiläufige Bemerkung des Herrn Wiemer nicht das geringste, daß mit der Abstimmung der Konservativen über die Liebesgabe die VorauSsetzimgc» für das Zusamtnenlvirken mit der konservativen Partei fortgefallen seien. Der badische Eisenbahnminister v. Marschall tritt von seinem Amte zurück. DaS badische Volk weint ihm keine Träne nach. Er war der Vater der beständigen Tarif- Verschlechterungen, von der Wegnahme des badischen Kilimetcr- heftes bis zur Beseitigung der beschleunigten Personenzüge zum Zweipfennigtarif. Preußischen Wünschen gegenüber war er äußerst willfährig, und so erklärt es sich, daß sich an seinen Namen, alle öadischen Klagen über die Verschlechterungen deS Personenverkehrs knüpfen. Der schließliche Rücktritt Marschalls hängt vermutlich mtt dem großen Defizit der badischen Eisenbahuverwaltung pro 1008 zusammen. Der Reingewinn fiel bekanntlich von 23 auf 13 Millionen Mark, wobei allerdings der starke Rückgang des Güterverkehrs infolge der Krisen mit in Betracht gezogen werden muß. Marschall dürfte nicht das letzte Opfer der spezifisch preußischen Tarifreform ini Eisenbahuwesen sein. Der sterbende Liberalismus. Dem Verein der nationalliberalen Jugend in Köln, dem GrüudungSort und Zentralsttz dieser Organisationen zur Galvanisierung deS siechen NafionaUiberaliSmuS, geht eS jämmer- lich. In seinem Jahresbericht erklärte der Vorsitzende, Herr Hei- mann-Kreuser: Der Stückgang der Mitgliederzahl im letzten Jahr, die Interesselosigkeit der Mitglieder am Vereinsleben, die sich hauptsächlich an dem fast kläglichen Besuch der Versammlungen zeige, habe den vorstand vor die Notwendigkeit gebracht, Versuche zur Abhilfe zu machen. Auch der Kastenbericht zeigte das nämliche trübe Bild. Jannschauer Steuerpolitik. Der streitbare Herr v. Oldenburg ist Vorsitzender der West- preußischen LundwirtschaftSkammer. In dieser Eigenschaft brachte er in einer Sitzung der Kammer die Reichsfinanzreform zur Sprache und betonte dabei, daß die Konservativen zum Bundesrat absolut kein Vertrauen mehr hätten. DaS Deutsche Reich brauche ein Oberhaus, in daS man nicht, wie in das preußische Herrenhaus, einfach einige alte Generale einschieben könne, um eine regierungsfreundliche Mehrheit herzustellen. An der Versammlung nahm auch der Oberpräsident der Provinz Westprcußen, Herr v. Jagow, teil, der mit Eiitschiedenheit für die Nachlaßsteuer eintrat. Unbestrittene Tatsache sei, daß vier Fünftel der landwirtschaftlichen Betriebe von der Nachlaßsteuer nicht betroffen werden. Dagegen sei eS keine Frage, daß eine Erbschaftssteuer nach den Wünschen der Freisinnigen eine Konfiskation der Vermögen bedeutet. Herrn v. JagowS Darlegungen fanden durchaus nicht den Bei- fall der Versammlung, vielmehr wurde eine von Oldenburg ein- gebrachte Resolution angenommen, die eine Erhöhung der Börsen- steu er. eine Reichswertzuwachssteuer, eine Kohlensteuer und eine Erhöhung deS Kasseezolles verlangt. Ein Berein ist kein Verein, wenn er ein-- sozialdemokratischer ist. Für den tS. und 13. sächsischen NeichStagöwadlkreis bestehen zwei sozialdemolratische'Vereine, mit 3500 beztv. 23 ovo Mitgliedern. Der 12. Wahlkreis erstreckt sich auf das alte Leipzig, während der 13. Wahlkreis den Gürtel der einverleibten Vororte und eine Reihe ländlicher Orte und Städte umfaßt und 60 Ortsvereine zählt, die einem Vorstande unterstehen. Au3 der Einschachtelung des 12. Wahlkreises ergibt sich die Notwendigkeit, eine Reihe von Angelegenheiten gemeinsam zu regeln. Um das zu erreichen, ist ein viergliederigeS Agitationskomitee eingesetzt, das sich ans je zwei Vertretern des 12. und 13. Reichs- tags- Wahlkreises zusammensetzt, die wiederum Vorstands- Mitglieder der KreiSvereine find. ES besteht also für ganz Leipzig eine einheitliche Organisation. Am 11. Dezember berief nun der Vor- sitzende des Agitationskomitees Gen. Rich. Li pinski eine gemein- same Mitgliederversammlung ein und lieh jeden Besucher ob seiner Mit- gliedschaft kontrollieren. Die von ca. 1000 Pers onen besuchte Versammlung nahm Stellung zu der außerordentlichen sächsischen Landesversamm- lnng, die später in Dresden stattfand und wählte die Delegierten für beide Kreise. Diese Versammlung hatte Genosie Lipinski als eine Mitgliederversammlung angesehen. Die Polizei dachte anders und Lipinski wurde wegen Uebertretung des VereinSgcsetzeS unter Anklage gestellt. Das Polizeiamt Leipzig hatte in seiner Eingabe an die Staatsanwaltschaft darauf Hingelviesen, daß das sächsische Ministerium eine richterliche Enticheidung wünsche, die eventuell durch alle Instanzen zu führen sei. Den sozialdemo- kratischen Verein für den 13. ReichstagSwahlkreis hatte das Ministerium in einer Entscheidung nicht als Verein angesehen, weil der Verein infolge seiner großen Mit- gliederzahl ein so loseS Gebilde sei, daß von einem Verein keine Rede sein könne. Dagegen hatte das Ministerium angeordnet, daß der All- deutsche Verband, der sich über Deutschland und Oesterreich er st reckt, als geschlossener Verein an- gesehen werde, damit er am Totensonntag vorigen Jahres in Leipzig seinen Verbandötag abhalten konnte. Am Totensonntag dürfen in Sachsen öffentliche Versammlimgen nicht stattfinden. In der ersten Instanz ivieS Genosse Lipinöki aus den Statuten beider Vereine nach, daß eZ sich um keine Scheinvereine handele, sondern um wirklich festgefügte Organisationen und daß die Mit- glieder unter einander ein inneres Band verbinde, also die Voraus- fetzungen der VereinSkonstruktion des Reichsgerichts in seiner im 21. Bande abgedruckten Entscheidung erfülle. Das Schöffengericht sprach den Gen. Lipinski frei. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und so wurde die Sache in zweiter Instanz am Dienstag vor dem Landgericht verhandelt. Auch hier trat Gen. Lipinski den Beweis an, daß es sich um eine festgefügte einheitliche Organisation handele. Das Landgericht hob indes das erstinstanzliche Urteil auf und ver- urteilte Lipinski wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes zu dreißig Mark Geldstrafe oder drei Tagen Haft. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, die Versammlung sei eine öffentliche und keine Vereinsversammlung gewesen, denn es seien die sozialdemokratischen Vereine des 12. und 13. Wahlkreises keine Vereine, sondern nur eine Unter- abteilung der s o zi a ld em o kra ti sch e nPa rte i Deutsch- lands. Die große räumliche Ausdehnung der Vereine, ihre numerische Stärke, der leichte Erwerb der Mitgliedschaft decke nicht den Begriff Verein. Die Ver- sammlung sei mithin keine Mitglieder-, sondern eine öffentliche Ver- sammlung gewesen, die anmeldepflichtig war. Das alte Lied. In der Generalversammlung des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln knüpfte der Generalsekretär an seinen Jahres- bericht, wie es in der.Kölnischen Zeitung" heißt,„Bemerkungen über das sozialpolitische Wettlaufen der politischen Parteien, das in den häufigen Reichstagsverbandlungen über Arbeiterfragen zum Ausdruck gelange. Es wurde dabei Bezug genommen aus den staatlichen und städtischen Sozia- l i S m» S, der zur anhaltenden Verminderung der Arbeitszeit und Erhöhung der Lohnsätze in den Industrie- und Verkehrsbetrieben des Staates und der Städte führe. und auf die zahlreichen gesetzgeberischen Neuerungen, die gerade in der gegenwärtigen Reichstagssession zu Lasten der Industrie verhandelt oder beschlossen würden. Unter diesen Umständen müsse das deutsche Wirtschaftsleben schließlich Not leiden, da es die an der Persönlichkeit haftende Unlernehmungs- lust notwendigerweise beeinträchtige. Im Anschluß hieran wurde dem Bedauern über den Mangel emcs engen Zusanimenschlusses der Industrie in Deutschland, sowie andererseits der Genugtuung über die in jüngster Zeit erfolgte engere Verbindung der beiden großen Arbeitgebcrverbände Ausdruck gegeben." Derartige Klagen aus Unternehmerkreisen hört man, feit der Staat, getrieben durch die Macht der Arbeiterbelvegung, sich zu sozialpolitischen Zugeständnissen verstehen mußte. Man braucht sie nicht zu widerlegen, da ihre Unwahrheit durch den Stand der deutschen Industrie zur Genüge nachgewiesen wird. Gegen die Tabaksteuererhvhung planen die niederrheinischen Tabak- und Zigarrenfabrikanten in Gemeinschaft mit dem freien und dem christlichen Tabakarbeiter« verband eine große Protestkundgebung. Dem Zentrum ist diese Bewegung sehr unangenehm. Die katholischen Arbeiter und Unternehmer der Tabakbranche fragen sich, warum ihre Partei immer noch nicht offen ihre Haltung zur Tabalsteuervorlage zu erkennen gegeben hat._ Für einige unüberlegte Worte sechs Monate Gefängnis. Aus Halle a. S. berichtet man uns: Vor dem Kriegsgericht der 8. Division war der Musketier Karl M u n k o w von dem In- fanterie-Regiment Nr. S3 in Dessau angeklagt, der sich am 12. März auf dem Exerzierplatz der Gehorsamsverweigerung schuldig gemacht haben sollte. Der Mann hatte sich bei dem Unteroffizier Schulze zum Nachexerziere» gemeldet und dabei eine etwas schlaffe Haltung eingenommen. Als der Unteroffizier sagte, er solle sich ein drittes Mal in besserer Haltung melden, entgegnete Munkow murmelnd: „Nun melde ich mich nicht wieder, ich brauche keinen usw." Vor dem Hauptmann geführt erklärt« der Mann, er habe sich vergessen. Der Ankläger beantragte vier, das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis.— Für solche Strafe kann ein Unteroffizier einen Unter- gebenen braun und blau schlagen. Milde Militärjustiz. Im Gegensatz zu den oft recht drakonischen Urteilen gegen Unter- gebene können die Militärgerichte sehr milde urteilen, wenn es sich um Vorgesetzte handelt. DaS als einen Ausfluß der Klassenjustiz zu bezeichnen, ist jedoch gefährlich. Als z. B. im Juni 1903 das„Hamb. Echo" dieses zweierlei Maß der militärischen Urteilsfindung unter die kritische Lupe nahm, fühlten sich die Mitglieder des Oberkriegs- gerichts des neunten Armeekorps beleidigt, weil sie sich bei Abgabe ihres Verdiktes nicht von ihren Standes- und Klasseninteressen leiten ließen, fondern, wie sie meinten, nur streng, aber gerecht ihres Amtes walteten. Das Hamburger Gericht verurteilte deshalb den Verantwortlichen vom„Echo" zu einer Geldstrafe von 600 Marl, obwohl in dem fraglichen Artikel(„Blutrichter Militarismus") dieses zweierlei Maß rein psychologisch behandelt wurde. Einen neuen Beitrag zur Psychologie der Militärgerichtsbarkeit bietet eine Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 18. Division (Altona). Der Artillcriehauptmann Wachs hatte sich dort wegen Be- leidigung eines Bahnbeamten zu verantworten. Am 11. Januar d. I. wollte der damals beim Feldartillerieregimcnt in Itzehoe, jetzt in Karlsruhe dienende Offizier nach Hamburg fahren. Beim Passieren der Altonaer Bahnhofssperre hatte der in Zivil gekleidete W. kein Billett, weshalb er von dem Beamten angehalten wurde. Große Eile vorschützend, wollte er trotzdem die Sperre passieren, aber er wurde festgehalten. Jetzt öffneten sich die Schleusen seiner militärischen Beredsamkeit und der Beamte wurde mit Kosenamen belegt, wie man sie oft auf Kasernenhöfen zu hören bekommt. ES entstand ein großer Menschenauflauf und eS fielen wenig schmeichelhafte Worte gegen den schneidigen Offizier. Die Bahnverwaltung stellte für den schwer beleidigten Beamten Strafantrag. Wegen„Gefährdung militärischer Interesse»" wurde selbstverständlich für die Dauer der ganzen Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen; nur die Urteilsverkündung fand öffentlich statt. Das Urteil lautete: Drei Mark Geldstrafe wegen öffent« licher Beamtenbeleidigung und Urteil-publikalio» in einem Llltonaer Blatt._ Vom Balkan. Die Anerkennung der Annexion. Wien, 10. April. Gestern nachmittag erschienen die Botschafter Deutschlands und Englands im Ministerium deSAeutzern, um Baron Aehrenthal die Noten, die die Zustimmung zur Aufhebung des Artikels 25 des Berliner Vertrages enthalten, zu überreichen. Heute folgen die Vertreter Frankreichs, Rußlands und der Türkei. Die österreichisch-serbischen HandelsvertragS-Verhandlnngen. Wien, 9. April. Die Aussichten der HandelSvertragS-Berhand- lungen mit Oesterreich-Ungarn und Serbien werden in unterrichteten diplomatischen Kreisen wenig günstig beurteilt. Die Ver- ständigungSavsicht der österreichisch-ungarischen Regierung, die nach den letzten Vorgängen zu Entgegenkommen auf wirtschaftlichen, Gebiete entschlossen scheint, stößt auf den harten W i d e r st a n d der Agrarier, diesseits und jenseits der Leitha, der sich namentlich gegen die von Serbien gewünschte Fleischausfuhr richtet, und es ist zu befürchten, daß es zu keiner endgültigen Regelung der Handelsbeziehungen, sondern nur zu einer provisorischen Abmachung kommen wird, die die serbischen Wünsche und Interessen nicht befriedigt. Die Lage in der Türkei. Die Errregung über die Ermordung Hassan FehmiS läßt Gegensätze, die schon lange bestanden, aber sich bisher den Fcrnerstehenden wenig bemerkbar machten, schärfer hervortreten. Heftige Anschuldigungen werden zwischen den Organen der Jung- türken und der Liberalen gewechselt, zu denen der Ermordete gehörte; zugleich rühren sich die Nationalitäten. DaS armenische Komitee tritt mit einer Proklamation auf, worin es heißt, die Existenz deS Reiches sei gefährdet. Die andere» Nationalitäten und alle politischen Parteien in der Türlei werden aufgefordert, sich an einem Kongreß zu beteiligen, der den Zweck hätte, eine Verständigung über die allgemeinen Fragen der inneren Politik herbeizuführen. Offenbar wollen die Nationalitäten auf diesemjKongreß für ihre Forderung nach Autonomie demonstrieren. Die Liberalen sind Freunde dieser Forderung, die Jungtürken bekämpfen sie. Die englischen Beobachter sind pessimistisch gestimmt und sagen Unruhen voraus. Die Kammer hat am Donnerstag mit den Stimmen der Jungtürken gegen die Stimmen der liberalen Ver- einigung und der Christen die Prügelstrafe für Landstreicher angenommen. Montenegro rüstet ab. Cetinje, 10. April. Der Boykott gegen österreichische Waren ist aufgehoben worden. Der Fürst hat den Befehl zur Abberufung und Entlassung der an der Grenze stehenden montenegrinischen Truppen erteilt._ frankmeb. Die Post- und Telcgraphenbeamte». Paris, 10. April. Gestern wurde eine Versammlung der Post- und Telegraphenbeamten abgehalten, in der u. a. die Forderung aufgestellt wurde, daß die Beamten das Recht haben sollten, von den Personalakten Abschriften zu nehmen. Eine dem- nächst einzuberufende Versammlung soll sich mit der Umwandlung des Allgemeinen Verbandes der Post- und Telegraphenbeamten in ein Syndikat sowie mit der Frage einer teilweisen Arbeitseinstellung am 1. Mai beschästigen. Der Kriegsminister hat die Unterweisung der Militär- telegraphisten in der Handhabung der HughcS- und Baudot- Apparate angeordnet, wie es heißt, im militärischen Interesse, zweifellos aber auch im Hinblick aus eventuelle neue Arbeits- einstellungen der Post- und Tclegraphenbeamten. Ballonspionage-Furcht. Paris, 10. April. Mehrere deutsche Ballons sind im Laufe des gestrigen Tages in Frankreich gelandet, u. a. ein solcher in Santemy. An Bord befanden sich drei Deutsche, welche einem genauen Verhör unterzogen worden sind. Gendarmen beschlagnahmten einen photographischen Apparat sowie Korten und verschiedene Schriftstücke, oie verdächtig erschienen. Auf Anfrage beim Kriegsministerium er» folgte der Befehl, die Luftschiffer nicht abfahren zu lassen, sowie den Ballon und alle an Bord befindlichen Gegenstände und Instrumente zu beschlagnahmen. Einer der Lnftschiffer erklärte, ein Profcffor der Physik und Chemie, der zweite ein Ingenieur und der dritte ein Rentier zu sein. Die photographischcn Platten deS Ingenieurs sollen, hiesigen Blättern zufolge, nach Entwickelung genaue Ab- bildungen des Lagers von Chalons und der um- liegenden Festungswerke darstellen. Auf anderen Platten hat man die Umgebung von Reims entdeckt. Der Professor wurde im Besitze eines Notizbuches gefunden, worin zahlreiche Aufzeich- nungcn sich befanden. Die drei Deutschen sind vorläufig in Haft genommen worden. Spanien. Anarchistische Attentate. In Madrid und Barcelona sind am Donnerstag Bomben geworfen worden. Näheres hat die Zensur nicht durchgelassen. In Barcelona wurden zwei Frauen verwundet. Italien. Blutiger Palmsonntag. Nom, 8. April.(Eig. Ber.) Schon wieder ist eine Bluttat der Polizei aus Italien zu berichten. In Vallelunga in Kalabrien ivar für den 8. d. M. eine Demonstration der bc» sitzlosen Schichten geplant worden als Protest gegen eine neue Er- höhung der Haus- und Herdsteuer. Die Demonstranten hatten am Tage vorher die Fahne der Stadt erhalten, um sie dem Zuge vor- aufzutragen. In der Nacht zum Sonntag ließ dann der Bürger- meister zahlreiche Verhaftungen vornehmen und auch eine Haus- suchung bei einer Frau, die die Fahne der Staat zum Aufheben er- halten hatte. Die Frau wollte die Fahne nicht abliefern und rief um Hilfe, worauf sich eine große Menschenmenge vor dem Hause versammelte. Anstatt nun von der blödsinnigen Beschlagnahme der Fahne einfach abzusehen, forderte die Karabincrie die Menge auf, sich zu zerstreuen, und als der Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, gaben sie Feuer; vier Personen aus der Menge wurden ge- tötet, 40 mehr oder iveniger schwer verletzt; auch ein Wachtmeister hat eine Schußwunde erhalten. Natürlich ist die übliche Enquete eingeleitet, die zu nichts führen wird. Die Recht- und Wchrlosig- keit der besitzlosen 5tlassen in Süditalicn zwingt, diese eben zu stürmischen Dctnimstrationen als dem einzigen Mittel, durch das sie ihren Protest gegen die chronischen Vergewaltigungen der Herrschen- den zum Ausdruck bringen können. Und loww sich die Menge auf den Straßrtl zeigt, bekommen eS die Ordtmngsleuke mit der Angst. rufen eine Handvoll Bewaffnete herbei, die wohl die Straflosigkeit ihrer Exzesse kennen, und das Unglück ist fertig. Englanck. Die Flottenpropaganda. London, 9. April. Ein Aufruf des Reichsflottenbundes weist auf die Gefahr hin, die sich daraus ergebe, daß die Aufmcrk- samkcit der Oeffenilichkeit auf die Drcadnoughts konzentriert werde. In dem Aufruf wird eine Untersuchung über Unzulänglichkeiten in der Flotte gefordert und erklärt, das Heil Großbritanniens liege einzig und allein darin, daß das Budget vom Oberhaus abgelehnt, dadurch die Auflösung des Parlaments erzwungen und somit einer unionistijchen Regierung ermöglicht werde, ans Ruder zu kommen. Maltman Barric London, 8. April.(Eig. Ber.) Soeben bringen die Blätter die Nachricht vom Ableben Maltman Barries, eines Freundes von Karl Marx. Barric hat in den letzten Jahren der alten„Internationale" dem Sozialismus nahegestanden und war als Delegierter auf dem Haagcr Kongreß im Jahre 1872 anwesend. Dann wurde er kon- servativcr Sozialist und Journalist. Seine journalistischen Erfolge verdankt er den Informationen, oie er von Marx über die orien- talische Frage zu erhalten pflegte. In einem Briefe an Sorge schreibt Marx über sein Verhältnis zu Barric:„Barric ist mein Faktotum, er dirigiert auch den Berichterstatter der„Times". Durch ihn namentlich unterhielt ich während Monate inkognito ein Kreuz- feuer gegen den russophilcn Gladstone in der Londoner fashionablen Presse, wie in den englischen, schottischen und irischen Provinz- blättern, enthüllte seine Mogelei mit der russischen Agentin Ma- dame Nowi Roff, der russischen Gesandtschaft in London usto., dito wirkend durch ihn auf englische Parlamentarier des Unter- und Oberhauses, die die Hände über den Kopf zusammenschlagen würden, wüßten sie, daß der Rcd-Terror-Doktor(der rote, terra- ristische Doktor), ivie sie ihn auch nennen, ihr Ohrenbläser in der orientalischen Krise ist." Vor einigen Jahren hat mir Barric diese Episode geschildert. Er Ivar damals ein hochkonservativer Schriftsteller, aber noch immer voll Bewunderung für Marx. Er sagte mir:„Ich hasse drei Dinge in dieser Welt: den SemitiSmuL, den Atheismus und die deutsche Philosophie. Marx Ivar Semite, Atheist und deutscher Philosoph. Aber als ich vor ihm stand, vergaß ich alle meine Vorurteile." Barrie war ein angesehener Publizist und war in sozialdemo- kratischen Kreisen sehr einflußreich. foiLlanä. Die Dnma in den Osterferien. (Eig. Ber.) Die Vertreter der Krantjunler und Kapitalisten, die sich kraft de» Gesetzes vom 17. Juli Volksvertreter nenne», kehren nach Hause zurück, ohne ihren Wählern das winzigste Osterei zu bringe». Die offiziöse Presse lobt die Dumamehrheit über den grünen Klee für ihre„positive Arbeit". Sie bestand darin, daß die Duma die Steuerlast der mittellosen Schichten durch die Vergrößerung der Tabakakzise und die Annahme einer Zigarettenpapiersteuer vermehrte, daß sie der Provokationspolitik der Regierung ihre Zustimmung gab, indem sie die Interpellation wegen der Azew- Affäre ablehnte, daß sie jeden Versuch verniied, die„Rechte" des Zarismus an- zutasten. EinS ist bemerkenswert. Läßt man die Dumadebatten Revue passieren, hört man den Ausführungen der Redner zu, so kann man nicht bestimmen, wo die Müniier der Regierung, die Oktobristen enden und wo die„echten" Liberalen, die Kadetten beginnen. Eine Unterscheidung beider ist nur noch dadurch möglich, daß die Kadetten ihre Gegnerschaft zur Revolution sehr häufig und inbrünstig (siehe die Rede Miljokows bei der Azew-Debatte) beteuern, während die Oktobristen den Vorwurf der Illoyalität, den ihnen die Klown der äußeren Rechten entgcgenschleudern, mit Hohn und Gelächter ab« weisen. Ja, sie haben immer ihre Kart« auf die Konterrevolution gesetzt, während die Kadetten einst auch auf die Revolution spekulierten.... Sie tun dafür sehr eifrig Buße und votierten jetzt ohne zu mucksen, das Militärbudget. In der Taktik deS Polenllnbs ist keine Aenderung zu bemerken. Auch die brüske Provokation, die sich der Justizmiinster SiWscheglowitow den Polen gegenüber erlaubte — er erklärte, daß polnische Richter die russische Justiz verdrecken würden— konnte die Vertreter der polnischen Nation nicht zur scharfen Opposition verketten: sie stimmten für das Budget deS Justizministeriums. Eine sehr erfreuliche Tatsache bilden die letzten Reden der sozial- demokratischen Abgeordneten; die Budgetreden der Genossen Polrowski, Tscheheidze und Bjelousow. Sie waren klar, scharf pointiert, für die Massen bestimmt, sie rechneten nicht nur mit der Regierung sondern auch mit den Kadetten ab. Bis jetzt wurde den FraltionSrednern vorgeworfen, und das leider mit Recht, daß sie zu sehr der Duma mit gelehrtem Material imponieren wollten, daS ihre Reden über- lastet und sie für die Massen unverständlich macht, daß sie an de» Kadetten keine Kritik übten und zu oft ihre Leier auf den Ton der liberalen Büßer stimmen. Diese Vorwürfe können die letzten Reden nicht treffen und so quittiert schon das Zentral- organ der Partei in seiner letzten Nummer diese Wandlung inS Bessere. Wird die Fraktion sich in dieser Richtung konsequent ent- wickeln, dann wird auch die Mißstimmung, welche ihre bisherige Tätigkeit bei der Mehrheit der Partei hervorgerufen hat, verschwinden und die Partei wird von der Tätigkeit der Fraktion den Nutzen haben, den sie von ihr erwartete, als sie die Teilnahme an den Wahlen beschloß._ Die Petersburger Gewerkschaften und die projektierte» VersichcrungSgesetze. Wie daS Zcntralorgan der russischen Sozialdemokratie—»Der Sozialdemokrat"— in seiner lctzterschienenen Nummer bc- richtet, befassen sich die Petersburger Gcwerlschasten sehr lebhaft mit den Verstchernngsgesetzen. die von der Regierung vorgeschlagen worden sind. Das Kartell der Petersburger Gewerlschaften nahm zu den Gesetzesvorschlägen Stellung und kam nach eingebender Bc- sprechung zu dem Schtnß, daß sie in mancher Hinsicht geeignet sind, die Lage der Arbeiter noch zu verschlechtern. Es be« schloß eine Agitation zu entfalten, die den Arbeitern den wahren Sinn der zarischen Soziacholittt klarmachen soll. Die Agitation wurde eingeleitet durch ein Flugblatt, dann wurde die Frage in den Zeitungen der Gewerkschaften und später in ihren Generalversammlungen besprochen. Der Stadthauptinann gestattete diese Erörterung der Arbeiterversicherung in öffentlichen Versa mm« lungen. Die Agitation hat viel zur Belebung der Gewerkschaften bei- getragen._ Zur Affäre Reinbott. Ans Moskau wird der„Russ. Korr." vom 6. April geschrieben: Trotz aller endlosen Beröffentlichungen über ReinbottS Er- presmugeil und Unterschlagungen erfreut sich der Held der unerhörten Verbrechen bislang nicht nur ungehemmter Freiheit, sondern sogar einer ziemlich starken Stelenruhe. Er scheint offenbar in der Hoff- nung zu leben, daß er schließlich ebenso wie Gurko aus allen kom- promittierenden Bedrängnissen straflos hervorgehen würde. Wie der „GoloS Moslwy" mitteilt, äußert sich Reinbott gegenüber allen Ausfraget« also:„Vorläufig ist gegen mich offiziell nicht die geringste Anklage erhoben worden.... Die Revision ist auf meine Bitte hm eingeleitet worden. Unter Hinweis darauf wandte sich dann der Senator Garin an mich mit dem Ersuchen, zum Erfolg der Revision beizutragen, woraus ich ihm eine Charak- teristik einzelner Beamten, die mir unterstellt waren, gab. Jetzt warte ich dl« Möglichkeit all, uin auf die gegen mich erhobenen Be- schuldigungen zu antloorten." DaS klingt ja fast siegesbewußt. Wie sollte es aber auch anders sein, wenn Reinbott, wie er versichert, noch immer keine.offizielle' AnNage gegen seine Tätigkeit kennt? Ist eS doch zudem wahrhaftig kein Geheimnis, welche Hebel in den Petersburger.Sphären" in Bewegung gesetzt werden. um den schlimmsten Skandal trotz Garin und trotz seiner auf 700 Seiten niedergelegten Enthüllungen am letzten Ende zu vertuschen. Amerika. Die Zolltarifrevision vom Reprasentantenhause angenommen. In der Nacht zum Freitag hat das Repräsentantenhaus der Union die Tarifvorlage, nach ihrem Verfasier die Pahnesche Tarif- bill genannt, mit 217 gegen 161 Stimmen angenommen. Das Gesetz, das jetzt noch den Senat zu passieren hat, erhöht die Zölle auf Handschuhe, Strümpfe und Eisen, ermäßigt sie dagegen meist für Stahlwaren. Der Zoll für Petroleum wurde in letzter Stunde aufgehoben, was einen Borstoß gegen die allmächtige Standard Oil Company bedeutet. Die Ausweisung Castros. New York, 10. April.(Auf deutsch- atlantischem Kabel.) Aus Fort de France(Martinique) wird gemeldet, daß Castro amilich von dem Ausweisungsbeschluß der französischen Regierung unterrichtet wurde. Er erklärte auf diese Mitteilung hin dem dortigen Polizeichef, sein Zu st and mache esihmunmög- lich, das Bett zu verlasse». Die Regierimg forderte infolgedessen einen ärztlichen Bericht über sein Befinden ein. Einer späteren Meldung zufolge ist Castro durch amtlichen Ausweisungsbefehl aufgefordert worden, Martinique binnen neun Stunden zu verlassen. Gewerklcbaftlickey. Beschränkung der Freizügigkeit k Der Gesamtverband deutscher Metallindustricller versendet als Rundschreiben Nr. 36 pro 1909 eine Liste von Formern und Gießereiarbeitcrn, welche die Arbeit bei der Armaturen- und Maschinenfabrik Pegnitz-Hütte in Pegnitz wegen schlechter Verhältnisse aufgegeben haben und abgewandert sind. Diese Beschränkung der Freizügigkeit ist um so toller, wenn man überlegt, wie die Verhältnisse in einer Fabrik beschaffen sein müssen, um die Arbeiterschaft in dieser Zeit der Krise zum Verlassen ihrer Arbeitsstelle zu veranlassen. Die Gemein- gefährlichkeit der Scharfmacherverbände kann nicht treffender illustriert werden als durch dieses Vorgehen gegen Arbeiter. denen man selbst in dem geheimen Rundschreiben nichts Un- gehöriges nachzusagen wagt, deren einziges Verbrechen viel- mehr zugestandenermaßen nur darin besteht, daß sie sich ihnen unerträglich gewordenen Verhältnissen zu entziehen trachteten._ Berlin und Umgegend. Die Bewegung der Bauklempnet. Am Sonnabcndmorgen fand wieder eine Versammlung der aus- gesperrten und ausständigen Bauklempner im„Gewerkschaftshaus" statt. 516 Arbeiter sind jetzt an der Bewegung beteiligt, davon sind 473 im Deutschen Metallarbeiterverbano organisiert, die übrigen ge- hören zu den Hirsch-Dunckcrschen oder sind nicht organisiert.— Verschiedene Beschlüsse der Ortsverwaltung, die Unterstützungsfrage betreffend, wurden in der Versammlung bekanntgegeben. Einzelne konnten am Donnerstag, als die allgemeine Auszahlung stattfand, kein Geld erhalten, weil sie mit ihren Beiträgen zu weit im Rück- stände waren. Die Verwaltung zeigte trotzdem auch diesen Arbeitern ein Entgegenkommen und die Versammlung war damit einver- standen. Am Dienstag findet eine allgemeine Vertrauensmänner- konferenz statt, zu der wichtige Fragen auf der Tagesordnung stehen.— Der Versammlung wurde ein eingehender Bericht der Sonnlagsversammlung der Unternehmer vorgelegt. Ein recht ein- seitiger Bericht wurde danach den Meistern über die Verhandlungen vor dem Einigungsamt erstattet. Die Meister sind auch mit der bürgerlichen Presie sehr unzufrieden: die Berichte über die Aus- sperrung hätten die Meister verwirrt, so klagte Berger, und Dr. Mi eleu tz, der Syndikus des Verbandes der Baugeschäfte, wollte es übernehmen, der Tagespresse die„richtigen" Nachrichten zugehen zu lassen. Obermeister Wiese aus Charlottenburg trat der Behauptung entgegen, daß die Charlottenburger Innung mit den Berlinern nicht gemeinsame Sache machen wollte: er selbst hat aber nicht ausgesperrt.— Nach lebhafter Besprechung der Lage bei einzelnen Meistern und auf den Bauten wurde die Versammlung geschlossen._ Achtung, Bauanschliiger! Folgende Firmen resp. Bauten sind als gesperrt zu betrachten: Seeg er(Rixdorf. Biebrichstr. 12, Bau Tellstr. 0): Ziesig (Gubener Straße 42b, Bau Boxhagen, Weichsel-, Ecke Weserstraße). Von der Firma Franke noch folgende Bauten: Wichmannstraße, Landesversicherung Brandenburg; Auer, Rother-, Ecke Warschauer Straße. Die Sperre über die Firma Wie nicke, Markgrafenstr. 01, wie über die betreffenden Bauten ist hiermit aufgehoben, da die Abzüge zurückgenommen sind. Deutschex Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Verein der Bauanschläger zu Berlin. Eine verfehlte gelbe Züchtung. In dem Werk Wildau der Berliner Maschinenbau-Aktien-Gesell- schaft vorm. L. Schwartzkopff ist seitens der Direktion nunmehr auch ein gelber Verein ins Leben gerufen worden. Die Direktion scheint der Auffassung zu sein, daß es ihr gelingen werde, die dort be- schäftigten Aroeiter zum Verrat an ihren übrigen Arbeitsbrüdern be- wegen zu können. In einer am 5. April abgehaltenen Versamm- luug der dort beschästigten Arbeiter, welche den Saal des Herrn Wedhorn bis auf den letzten Platz füllten, nahmen die Arbeiter zu dieser Neugründung Stellung. Aus dem Referat des Genossen Maus vom Metallarbeiterverband und den Reden der übrigen OrganisanitionSvertreter, Sie ring vom Verband der Schmiede, S e w e k o w vom Fabrikarbeiterverband, Kühne vom Verband der Kupferschmiede und des Herrn W e i g t vom Gewerkverein(H.-D.) ging weiter hervor, daß am vergangenen Sonnabend nach beendeter Arbeitszeit eine Versamnilung der Arbeiter in dem Kasino des Werkes stattfand, in der den Arbeitern die Segnungen des gelben Unterstützungsvereins recht eindringlich vor Augen geführt werden sollten. Ursprünglich sollte die Kasinoversammlung erst am Dienstag, also nach der eingangs vermerkten Versammlung statt- finden, und dann ein Obergelber aus Berlin, wahrscheinlich Lebius, das gelbe Referat halten. Weil nun aber die freien Gewerkschaften zum Montag eine Versammlung einberufen hatten, so berief man plötzlich diese Gelbenversammlung zum Sonnabendabend ein. Trotz der regen Propaganda der Gelben war die Versammlung jedoch nur von zirka einem Fünftel der im Werk beschästigten Arbeiter be- sucht, dafür war aber die Betriebsleitung vollzählig ver- treten. Bevor die Versammlung von dem Vorsitzenden der Gelben, einem gewissen Rast. Arbeitswilliger beim letzten Kesselschmiedestreik, eröffnet wurde, forderte er die beiden ebenfalls anwesenden Organisationsvertreter S i e r i n g und W e i g t auf, die Versammlung zu verlassen, da nur Werksangehörige an dieser Ver- sammlung teilnehmen dürsten. Alle Einwände der Oraanisations- Vertreter wurden nicht berücksichtigt, ja man ging sogar soweit, den Vertretern mit dem HauSstiedenSbruchsparagraphen zu drohen. Wohl oder übel mußten sie nunmehr das Feld räumen, jedoch nicht, ohne vorher die anwesenden organisierten Arbeiter ebenfalls zum Ver- lassen der Versammlung aufgefordert zu haben. Die Anwesenden verließen geschlossen den Saal. Ganze 12 gelbe Musterarbeiter blieben neben den anwesenden Meistern, Schreibern und der Be- triebsleitung in der Versammlung zurück. welche nun- mehr den gewohnten Verlauf nahm. Von den organisierten Arbeitern des Betriebes war nur die Betriebskommission(Arbeiter- 1 Ausschuß) zurückgeblieben, welche den Standpunkt der Werksgenossen vertraten. In der Versammlung mußte der Betriebsleiter, Herr Bauinspektor D i n g l i n g e r, selbst zugeben, daß die ver- sprochenen Unterstützungen von den Beiträgen der Gelben nicht ge- zahlt werden können, aber die Firma sei dann gern bereit, zuzu- schießen. Vorerst würden zu diesem Zweck 5000 M. zur Verfügung gestellt. Zu der Protestversammlmig am Montag war seitens der Ver bandsleitung auch die Betriebsleitung des Wildauer Werks einge laden, jedoch niemand von den Herren erschienen. Auch sonst war niemand bereit, die gelbe Mißgeburt zu verteidigen. Nach dem „Erfolg" der Kasinoversammlung' hatte man anscheinend keine Lust, sich neue Lorbeeren zu erobern. Die Stimmung der Schwartzkopffschen Arbeiter und ihre mustergültige Organisation ist die beste Gewähr dafür, daß die Gelbsucht' in Wildau nur auf einige Personen be- schränkt bleibt, die ohnehin von dieser Krankheit bereits befallen waren, ohne daß sie es selbst wußten. Am Schluß der Versammlung wurde die nachfolgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute, am 5. April, stattfindende vollzählig besuchte Ver- sammlung der Arbeiter des Werkes Wildau der Firma Schwartzkopff nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Gründung eines gelben Ver- eins innerhalb des Wildauer Werkes. Die Versammelten weisen eS weit von sich, auf das nicht von sozialem Verständnis getragene Verlangen der Direktion, sich als Mitglieder für den gelben llnterstützungs- verein durch die von der Direktion Beauftragten als Mitglieder ge- Winnen zu lassen und einer Gruppe von Personen Gefolgschaft zu leisten, die in den Augen aller anständigen Menschen längst gerichtet ist. Die Versammelten sind nach wie vor der Auffassung, daß nur in ihrer Organisation das Mittel liegt, sie aus kapitalistischer Zwangsherrschaft besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen entgegenzu- führen. Sie verpflichten sich, mit allen Kräften für den weiteren Ausbau ihrer Organisation Sorge zu tragen trotz aller Versuche der Direklion, die Arbeiter zu Verrätern an sich selbst zu machen." Deutlebca Reich. Einen zähen BernichtungSkamPf gegen die Gewerkschaften führt seit Anfang Februar die Firma A. Brodt in Eberswalde. Am 8. Februar wurden die Hutmacher(Maschincnarbeiter) in den Ab- wehrstreik getrieben oadurch, daß man ihnen zumutete, ihre Ar- beitsplätze an den Maschinen aufzugeben und Handarbeit zu machen. ur Bedienung der Maschinen waren billige Arbeitskräfte aus irünberg in Schlesien zu einem Wochcnlohne von höchstens 18 M. engagiert worden, während die bisherigen Arbeiter 24— 26 M. wocheirtlich verdient hatten. In der Schuhfabrik wurde zu Neujahr eine Zwickmaschine auf- gestellt. Die Akkordlöhne der Handzwicker wurden ohne Anhörung der beteiligten Arbeiter um die Hälfte heruntergesetzt. Diese Lohn- reduzierung steht in keinem Verhältnis zu der durch die Maschine verminderten Arbeitsleistung, doch gaben sich die Arbeiter mit Rücksicht aus die ungünstige Wirtschaftslage zufrieden. Um weiteren Lohnreduzierungen vorzubeugen und gewarnt durch die Aeutzerung des Werkführers, daß nach Weihnachten eine Auslese unter den älteren Arbeitern stattfinden sollte, erließen sie eine Warnung vor Zuzug im Schuhmacherfachblatt. Nunmehr provozierte die Firma den Kampf, indem sie am Sonnabend, oen 25. Februar, fünf Ar- beiter entließ, von denen zwei selym acht Jahre im Betriebe be- schäftigt waren, während der Werlsührer den Einleistern gegenüber die Bemerkung machte, ob sie nicht ebenfalls aufhören wollten. So wurden die Arbeiter der Schuhfabrik teilweise aus- gesperrt, teilweise in den Kampf getrieben. Eicke Verhandlung des Zentralvorsitzenden der Hutmacher im Anfange des Kampfes war erfolglos, ein späterer schriftlicher Versuch zur Anbahnung einer Verständigung blieb unbeantwortet. Dem Vertreter der Schuh- macher antwortete die Fabrikleitung, die Angelegenheit sei für sie erledigt. So tobt noch heute der Kampf in beiden Fabriken, ohne daß eine Einigung abzusehen ist. Das Verhalten der Firma ist um so unangemessener, als sie ihre Produkte vornehmlich in den Kon- sumvereinen der Provinz Brandenburg(Niederlausitz), Schlesien und Westpreußen absetzt._ Ein Jndustrieverband im Baugewerbe. Zwischen dem Vorstand des Verbandes der Maurer und dem des Bauhilfsarbeiter-Verbandes ist nach dem.Grundstein" eine Vorlage vereinbart, die dem in der nächsten Woche stattfindenden Verbandstage der Bauhilfsarbeiter als Grundlage der Verschmelzungs- debatten dienen wird. Danach führt der neue Verband den Namen .Deutscher Bauarbeiterverband" oder„Zentralverband der Bau- arbeiter Deutschlands". Zugelassen zum Verband sind alle im Hoch- und Tiefbau beschäftigten Arbeiter, mit Ausnahme der Angehörigen solcher Berufe, für welche eine der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands angeschlossene besondere Organisation besteht. Die Vorstände der Zweigvereine sollen, soweit eS möglich ist, aus Angehörigen der gelernten und nicht gelernten Arbeiter zu- sammengesetzt sein. Sind Abteilungen gebildet, dann ist der Zweig- Vereinsvorstand durch Vertreter dieser Abteilungen zu ergänzen. Die Verwaltung der Kasse, die Einziehung der Beiträge und die Ver- breitung des Verbandsorgans soll in jedem Zweigverein einheitlich sein. Paritätisch(etwa der Kopfzahl der Mitglieder entsprechend) sollen auch alle übrigen Instanzen des Verbandes zusammengesetzt sein. Die Erwerbslosenunterstützung bleibt bei der Verschmelzung zunächst außer Betracht. Die übrigen Unterstützungen sollen nach den jetzigen beiderseitigen Statuten geregelt werden. Zur Abwehrbewegung der Holzarbeiter in Rheinland-Westfalen. Im allgemeinen läßt der Beschäftigungsgrad in der Holz- industrie noch sehr zu wünschen übrig, doch ist die Zahl der Arbeit-- losen in den letzten Wochen in einer Reihe Großstädte erheblich zurückgegangen. In Rheinland-Westfalen sind in den einzelnen Orten, Dortmund, Gelscnkirchen, Wanne, Recklinghauscn. Hagen Mülheim usw. durchweg die doppelte Anzahl Bauten angemeldet als im Vorjahre. Dazu kommen in einzelnen Orten eine Reihe öffent- licher Gebäude, für welche die Tischlerarbeiten in absehbarer Zeit fertiggestellt werden müssen. S>aß der.Arbeitgeberbund für das Baugewerbe" sich diese Zeit ausgesucht hat, seine Pläne zur Durchführung zu bringen, ist nicht besonders klug. Aber man glaubt die Meister, welche jetzt ftoh sind, für einige Zeit Arbeit zu haben, zwingen zu können, dem Macht- gebot zu folgen. Das nachfolgende Schreiben wurde in den letzten Tagen versandt: Ortsvcrband der Arbeitgeber für das Baugewerbe zu Dortmund. Dortmund, den 5. April 1900: Geehrter Kollege! In ver am 6. d. M. stattgefundenen Versammlung der Ar- veitgeber für die Schreincrgruppe sind folgende Beschlüsse gefaßt worden: 1. Diejenigen Kollegen, welche die Bekanntmachungen nicht zum Aushang gebracht haben, sollen nochmals aufgefordert werden, dem Beschlüsse Folge zu geben. 2. In den Werkstätten ist die zehnstündige Arbeitszeit einzu- führen, soweit solches nicht direkte Unzuträglichkeiten mit sich bringt. 3. Die Lohnherabsetzung wurde von sämtlichen Anwesenden ohne Widerspruch nochmals genehmigt. Der Abzug soll in der Weise geschehen, daß die 5 Proz. vom 1. April 0. I. ab von der vollen Lohnsumme gekürzt werden; auch bei neueingestellten Ge- sellen soll genau so verfahren werden. Es wird den Kollegen nochmals zur Pflicht gemacht, diese Beschlüsse unterallen Umständen zur Ausführung zu bringen, da anderenfalls seitens des Verbandes Mittel und Wege ange- wandt werden müssen, die Durchführung zu er- zwingen. Alle Arbeiisemstellungen. welche infolge obiger Maßnahmen erfolgen, sind sowrt dem Bureau der Geschäftsstelle, Moritz- gasse 1, zu melden. Hochachtend? Ortsvcrband der Arbeitgeber für das Baugewerbe Dortmund. I. A.: H. Linncweber, Schriftführer der Schreinergruppe. In einigen Betrieben in Dortmund verlangten nun vier Ar- beitgeber von den Arbeitnehmern, sofort wieder 10 Stunden zu arbeiten, worauf die Arbeit eingestellt wurde. Sofort nach Ostern dürften weitere Arbeitseinstellungen folgen. In Berlin bereiten sich die„Gelben" zu Rausreißerdiensten vor, so oatz die Mahnung, den Zuzug von Tischlern und Maschinen- arbeitern nach Westfalen fernzuhalten, dringend wiederholt werden muß._ Die Beendigung de? Abwehrkampfes im Eulengcbirge. Trotz angedrohter Aussperrung konnte dieser achtwöchentliche Kamps mit einem Erfolg für die Arbeiterschaft beendigt werden. 80 Proz. der angekündigte» Lohnreduktion wurden zurückgewiesen. Sind auch einige Qualitäten etwas im Lohn zurückgegangen, so stehen auf der anderen Seite einige Artikel jetzt höher als vor dem Kampfe. So einig und geschlossen, wie die Streikenden im Kampfe standen, so einig und geschlossen ist auch am Mittwoch früh, den 6. April, die Arbeit aufgenommen worden. Nach einer kurzen An- spräche des Gauleiters zogen die Arbeiter im geschlossenen Zuge nach der Fabrik. Mit fröhlichem Gruß nahmen die Arbeiter und Arbeiterinnen Abschied von ihren Führern. So hat auch Lieser Kampf gezeigt, daß einiges und geschlossenes Zusammenhalten zum Ziele fuljrt._ Holzarbeiter-Aussperrung. Die Arveiter der Möbelfabriken R i k e h o f f und v ü t h e in Lage(Lippe) wurden ausgesperrt, Iveil sie auf Einhaltung des im vorigen Jahre abgeschlossenen Tarifes drangen. 27 Alkordarbeiter werden nach Beendigung ihrer Arbeit folgen. Der Vertragsbruch der Fabrikanten ist um so schlimmer, als der Tarif bereits vorigen Herbst in Kraft treten sollte und der Termin nur in Anbetracht der schlechten Geschäftslage von den Gehilsen auf April hinausgeschoben wurde.— Zuzug von Tischlern nach Lage ist zu vermeiden. Eine Detailistenkammer als StreitSekSmPfungskammer. Nachdem die Unternehmer in der Damenschneiderei Hamburgs eingesehen haben, daß ihre Bemühungen, Zwietracht in die Reihen der ausständigen Arbeiterinnen zu säen, fehlgeschlagen: alle Verdächtigungen der Streikleitung, Entstellungen der sonstigen Tatumstände, ausgiebigster.Schutz' der Polizei. Versprechungen. Drohungen und Schmeicheleien den Arbeiterinnen gegenüber nicht imstande gewesen sind, das Vertrauen zur Leitung und die Ausdauer zu erschüttern, suchen sie auf anderem Wege zum Ziel zu gelangen bezw. die.Großen' suchen im Trüben zu fischen. Von der Detailistenkammer werden die Nichtorganisierten Unter- nehmer bombardiert mit Rundschreiben usw.. um den Firmen Hirsch, Robinsohn usw. nicht die Kundschaft wegzuschnappen. Sonst sieht man von oben herab auf diese kleinen Geister, jetzt aber tut man kollegial mit ihnen. Und was das schlimmste ist, die sonst mißachteten „Kleinen" fühlen sich sehr geehrt und— lassen sich narren. Alle Mannen der Detaillistenkammer miissen mithelfen, ehrenwörtliche Unterschristen einholen uslv. Uebrigens bedeutet dieses doch etwas ganz Neues, wohl noch nie Dagewesenes, die Detaillistenkammer arbeitet im Dienste gewisser Grossisten und etabliert sich als S t r e i k- bekäinpfungskammerl Die Detaillistenkammer hat sich bemüht, allen Arbeitgebern klar zu machen, daß das Herabsetzen des MinimallohneS von 22 auf 15 Pf. für die Arbeiterinnen keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung bedeute. Das stimmt ja auch tat- sächlich, nämlich Verbesserung für die Arbeitgeber. Es gehört eine besondere Stirn dazu, in Hamburg Arbeiterinnen einen Stundenlohn von 15 Pf. zuzumuten; oder, denken die„vornehmen" Herren auch so, wie ein Betriebsleiter einer Schokoladenfabrik, der einem jungen Mädchen, das Lohnerhöhung verlangte, er- Närte:„Sie haben ja ein ganz hübsches Gesicht, gehen Sie doch des abends nach dem Jungfern- st i e g." Alle Streikenden sind sich bewußt, daß die ersten Plänkeleien vorbei sind und der Kampf, der ernste Kampf nach Ostern beginnen wird. Die Parole der Streikenden lautet heute:„Entweder einen guten oder gar keinen Vertrag mit dem Arbeitgeberverband"! Ausland. Die Vorschläge der Kopcnhagcner Arbeitslosenversammlung. Dem Ausschuß der Arbeitslosen wurde am Dienstag Gelegen- heit gegeben, die in der vorigen Woche von der Arbeitslosenver- sammlung in Kopenhagen angenommene Resolution vor dem Ge- wcrkschaftskartell zu vertreten. Der Ausschuß hatte die Resolution etwas umgearbeitet, so daß sie nun vorauf hinauslief, daß sämt- liche arbeitenden Mitglieder sowie auch sämtliche Parteiangestelltcn alles, was sie über 25 Kronen wöchentlich verdienen, für die Ar- beitslosen abgeben sollten, damit diese wöchentliche Unterstützungen von mindestens 20 Kronen erhalten könnten, oder, wenn dieser Vorschlag nicht gebilligt wurde, daß ein Sympathiestreik, besonders auch der Belcuchtungsarbeiter und der Transportarbeiter, erklärt werde, nun von den gesetzgebenden Körperschaften wirksame Maß- nahmen gegen die Not der Arbeitslosen zu erzwingen.— Die versammelten Vertreter der Gewerkschaften hielten jedoch diese Vor- schlüge für undurchführbar. Nach sehr ausgedehnter Debatte wurde mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution angenommen, in der die bisher vom Kartell wie vom Gewerkschaftsverband und vie von den Vertretern der Sozialdemokratie in der Kommune sowie im Reichstag geleistete Arbeit zur Linderung des Notstandes anerkannt wird und die genannten Körperschaften ersucht werden, diese Arbeit mit aller Kraft fortzusetzen, alle, die Vorschläge zu machen haben, jedoch aufgefordert werden, dies nur durch ihre Organisation zu tun. Die Resolution schließt mit dem Hinweis darauf, daß die Ar- beitslosigkeit eine notwendige Folge des kapitalistischen Wirtschafts- systems ist und nur durch die sozialistische Umgestaltung der Ge- sellschaft beseitigt werden kann, daß aber dazu eine planmäßige und einmütige Organisationsarbeit notwendig ist und alle, die diese Arbeit zu hemmen oder zu zersplittern suchen, den Interessen der Kapitalisten dienen._ Letzte INfacbncbtcn und Oepelcben. Gestolpert. Elberfeld» 10. April.(B. H.) Wegen Meineides wurde gestern der Kriminalpolizeifergeant PolSz auf Anordnung des UntersuchungS- richters verhaftet._ Arveitersolidarität. Kristiania, 10. April.(93. H.) Wegen Entlassung des ObmanncS des Fachvereins ist in den Salpeterwerken in Nolodden ein Streik ausgebrochen._ Der staatSgefährliche Exprasident. New Dort, 10. April.(W. T. B. auf deutsch-atlantischem Kabel.) Wie aus Fort de France gemeldet wird, ist Castro an- gewiesen worden, heute mit dem Dampfer„Versailles" abzureisen. New Jork, 10. April.(W. T. B. auf deutsch-atlantischem Kabel.) Nach einer Meldung aus Fort de France ist Castro eröffnet worden, daß er eventuell gewaltsam an Bord gebracht und, falls er Widerstand leisten sollte, mit Gefängnis bestraft werden könne. Veranftv. Redakteure Haas Weber, Berlin- Jnseratentest vsraiUw.: üb, Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, VerlagSgnftalt P.aul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 4 Beilägen. Kr. 85. 26. IahrgWg. m 1 KillP des„Jlonoärb" Knlim MslilM. Sountllg, tt. April lW. Die SeveralliommiMon im Zshre\m. Die gestrige Nummer des„Correspondenzblatt" bringt eine .lebersicht über die Tätigkeit der Generalkommission der deutschen Gewerkschaften im borigen Jahre. Das Jahr 1908 stand im Zeichen einer tiefgehenden Wirtschaft lichen Depression. Die Erfahrungen, die in solchen Zeiten früher in der Gewerkschaftsbewegung gemacht wurden, ließen einen Rück- gong der Mitgliederzahl und demzufolge verringerte Einnahmen der gewerkschaftlichen Zentralverbände erwarten. Obwohl auch heute das wirtschaftliche Leben noch sehr danieder liegt und nicht abzu- sehen ist. wann eine Wendung zum besseren eintritt, kann doch schon so viel gesagt werden, daß für diesmal die alte Erfahrung sich nicht in dem Maße wie früher bestätigt hat und wahrscheinlich auch nicht bestätigen wird. Die Gewerkschaftsbewegung ist eben stabiler ge- worden. Soweit die vorliegenden Berichte eine Uebersicht gestatten, haben eine Anzahl Berbände einen Verlust an Mitgliedern bisher überhaupt nicht zu verzeichnen, einige können sogar noch mit einer kleinen Steigerung der Mitgliederzahl aufwarten. Auch bei den meisten der Verbände, die einen Rückgang der Mitgliederzahl aufzu- weisen haben, ist derselbe so gering, daß dadurch ihre Finanzen nur wenig berührt werden. Im allgemeinen hat also die Gewerkschafts- bewegung in ihrem Bestand trotz der schweren Krisis im verflossenen Jahre Einbuße nicht erlitten. Tie laufenden Einnahmen der Generalkommission weisen gegenüber dem Jahre vorher ein Mehr von 27 9ö7,3g Mk. auf. Der größte Teil davon entfällt auf die Mehreinnahme an Beiträgen der Berbände, er beträgt 23 404,82 M. Hierzu ist zu bemerken, daß bei der Berechnung der im Jahre 1908 bei der Generalkommission ein- gegangenen Beiträge zum größten Teil die Mitgliederzahlen der Verbände von 1907 zugrunde gelegen haben. Das Jahr 1907 hat bekanntlich eine recht bedeutende Steigerung der Zahl der geWerk- schaftlich organisierten Arbeiter gebracht, die aber bei der General- kommission in finanzieller Beziehung erst in der vorliegenden M- rechnung für 1908 zum Ausdruck kommt. Der Rest der Mehrein nähme von 4352,54 M. verteilt sich auf die übrigen laufenden Ein nahmen. Das Mehr der Ausgaben im Vergleich zum voraufgegangenen Jahre beträgt fiir 1908: 14 202,21 M. Nennenswerte Mehrausgaben weisen auf: Titel„Generalkommission", sowie Titel„Correspon- denzblatt" und Titel„Zentralarbeitersekretariat". Die Mehr- ausgäbe unter Titel„Generalkommission" beläuft sich auf 5155,40 Mark, sie ist im wesentlichen entstanden durch die Erweiterung des Bureaus der Generalkommission und durch Einstellung eines Sekretärs. Für die„Unterrichtskurse" beträgt die Mehrausgabe 4910,27 M. Die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse, die sich im Anfang nur auf 4 Wochen erstreckten, wurden im verflossenen Jahre auf 0 Wochen ausgedehnt. Außerdem wurden im vergangenen Jahre 4 Kurse abgehalten, während es in den Jahren vorher nur drei waren. Dadurch sind die oben angegebenen Mehrausgaben entstanden. Das„Correspondenzblatt" weist eine Mehrausgabe von 9093,50 M. auf. die sich ergeben hat aus der Steigerung der Auf- läge von 23 600 auf 25 800 sowie aus der Herausgabe umfang- reicher Statistiken, die dem„Correspondenzblatt" extra beigegeben sind und der Mehrausgabe für Mitarbeiter. Die durch das ..Zentralarbeitersekretariat" entstandene Mehrausgabe beträgt 3093,74 M., sie ist in der Hauptsache zurückzuführen auf die weitere Einstellung emes Sekretärs. Es kommt hinzu eine Mehrausgabe von 2500,42 M., die sich auf mehrere der übrigen Positionen vcr- teilt, so daß die hier aufgeführten Mehrausgaben zusammen 25 359,39 M. betragen. Demgegenüber weist jedoch der Titel „Generalkommission" unter„diverse Ausgaben" gegen das Jahr vorher ein Weniger auf von 4595,44 M., desgleichen„L'Operaio Jtaliano" ein solches von 6501,04 M., so daß die effektive Mehr- ausgäbe, wie oben angegeben, 14 202,31 M. beträgt. Für das laufende Jahr dürften sich die Ausgaben bedeutend höher stellen, weil der Generalkommission Aufgaben zugewiesen sind, deren Er- füllung nicht geringe Mittel erfordern wird. Wie im Berichtsjahre 1906 das Gesetz über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und 1907 das Reichsvereinsgesetz, so beschäftigte auch im Berichtsjahre 1908 den Reichstag ein Gesetzentwurf, der für kleines feinUeton. Der englische Dichter Swinburne, ein glühender Freiheit� sanger und ein Künstler vollendetster Form, ist in London ge-- storben. Dieser Sprößling eines uralten, vornehmen Hauses(ge- boren war er am 5. April 1837 als Sohn eines Admirals) hat sein Leben zwei Idealen geweiht: der Liebe zu einer Kunst, die aus der Vergangenheit sich Formen und Stoffe entlehnte, um sie im Feuer eines geläuterten Geschmacks neu zu schmieden und mit sinnlichem Leben zu erfüllen und der Begeisterung für freies Menschentum. Sein antikisierendes Drama„Atalanta in Calydon", sas 1865 erschien, zeigte den Künstler, der bewundert wurde. Aber seine „Gedichte und Balladen" erregten ein Jahr darauf einen Sturm der Entrüstung bei allen Muckern und Pharisäern des ver- einigten Königreichs, weil er sich zu all den freien Anschauungen bekannte, die der honette Bürger verabscheute. Ungeachtet des ge- sellschaftlichen Boykotts(man suchte die gottlosen Gedichte aus dem Buchhandel zu verbannen) blieb sich Swinburne treu. 1867 widmete er Mazzini und dem freien Italien seinen„Gesang Italiens", ein republikanisches Geeicht voll prachtvollen Schwunges. Auch die Pro- klamierung der französischen Republik von 1870 hat Swinburne be- sungen und der Befreiung des russischen Volkes seine begeisterte und tühne Stimme geliehen. Aus Swinburnes„O d e a n R u ß l a n d" mögen hier einige Verse seine Art charakterisieren: Sie, die da herrschen, zitternd keiner Stunde trau'n, Allmächt'ge, die der Schrecken gleichsweisi lahmt und jagt, Sie, deren Sein voll Furcht der Opfer Dasein spiegelt, Sie, deren Atem Gift strömt schlimmer wie die Pest, Sie, deren Rede Tod, Herrschaft. Ruin bedeutet. Sie, deren Wille wandelt Tag in Nacht-- Sie sollte Menschenhand nicht treffen, zaudert Gott? Aus Herzen, die vom Schrecken wie durch Feuer versengt, Hebt sich der Laut so ungeheuren Wunsches, Das Dunkel zu erhell'n, zu leuchten ihrem Tod. Der Mund, dem Todesurteil nur entströmt, soll nicht mehr atmen! Hinab, wo alle Zaren sind— umsonst das Zaudern— Der zweite Alexander soll dem dritten leuchten! Wie dürfen wir— o Schmach I— sie schelten, deren Väter Uns zu beftei'n, im Kampf für uns gestorben sind?_ Wir wissen— mag auch alle Welt ringsum sie schmäh n— War' ihr Kampf unser. Gleiches täten lvir wie sie, Nicht duckten wir uns, küßten nicht die schlagende Hand, Nicht könnten wir in heller Tagschlacht kämpfen; Furchtfinster, rot wie Haß bricht an der Morgen Das Leben siegt; es stirbt das Todgeweihte. Theater. FreieVolksbühne(im Thaliatheater):„D e r F l e i a u f her Eh r'" von Ludwig Anzengruber. Wenn die Mvserin ein Weib der Gesellschaft wäre, ctloa gesehen durch Ibsens Tcinpe- rament, dann würde sie anders beschaffen sein, dann würde sie den Schandfleck, der auf ihre Ehre geworfen ist. selbst rein waschen. Sic ist aber ein Weib aus dem Volke, eine Bäuerin; und so wie sie der Dichter zeichnet, wenn schon als passive Natur: so erscheint die Gewerkschaften von Bedeutung ist. Der Entwurf eines Ar- beitskammergesetzes ging dem Reichstage Ende November 1908 zu und wurde im Dezember einer Kommission überwiesen, die zurzeit die zweite Beratung erledigt hat und demnächst dem Reichstage Bericht erstatten wird. An dem Gesetzentwurf wurden in der Kommission, der auch drei sozialdemokratische Abgeordnete angehörten, die in leitender Stellung in der Gewerkschaftsbewegung sich befinden, einige Verbesserungen vorgenommen. Insbesondere lvurde beschloffen, daß die Gewerkschafts- und Arbeitersekretäre zu Mitgliedern der Kammer gewählt werden dürfen. Diese Forderung wurde von den Konservativen und Nationalliberalen heftig be- kämpft und fand auch durch einen Teil der Freisinnigen nur eine laue Vertretung. Der Regierungsvertreter glaubte in der Korn- Mission erklären zu müssen, daß der Gesetzentwurf mit einer solchen Bestimmung für die Regierung unannehmbar sei. Ob es nach der Beratung im Plenum bei dieser Erklärung verbleiben wird, ist noch nicht sicher. Von Bedeutung für die Gewerkschaften war auch eine andere Frage, welche den Reichstag in der gegenwärtigen Session beschäf- tigt, die Frage der Regelung der Heimarbeit. Die Regierung hat in einer Novelle zur Gewerbeordnung auch einige Bcstim- mungen in Vorschlag gebracht, die auf die Heimarbeit Bezug haben. Bon einer ernstlichen oder auch nur annähernd durchgreifenden Regelung der Heimarbeit ist dabei jedoch keine Rede. Trotzdem scheinen die Unternehmer Schlimmeres für sich befürchtet zu haben. Vielleicht hatte man in Regierungskreisen auch ernstlichere Ab- sichten, die jedoch infolge des Einflusses, den die Unternehmerorgw nisationen auf die Regierung ausüben, nicht zur Durchführung gelangt sind. Die Ausstellung von Erzeugnissen der Heimarbeit, die im Januar und Februar 1906 in Verlin veranstaltet wurde, hatte in den weitesten Kreisen Aufregung hervorgerufen. Auch die Rcgierungsvertreter, welche die Ausstellung besuchten, schienen nicht abgeneigt, durch die Gesetzgebung der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, die durch die Ausstellung offenkundig wurde, Einhalt zu tun. Dieser Gefahr für ihren Geldbeutel mußten die Unter- nchmer vorzubeugen suchen. Die Berliner Handelskammer ließ dem Reichstage im Oktober 1906 eine umfangreiche Denkschrift zu- gehen, in welcher der Versuch gemacht wurde, den Eindruck, den die Ausstellung hervorgerufen hatte, abzuschwächen. Die General- kommission veranlasste darauf die Vorstände der Organisationen, die an der Ausstellung beteiligt waren, die Angaben in der Denk- schrift nachzuprüfen. Hierbei ergab sich, daß von den Unternehmern, die das Material für die Denkschrift der Handelskammer geliefert hatten, der Versuch gemacht worden ist, den Reichstag über die Schäden der Heimarbeit zu täuschen. Von den genannten Vor- ständen wurde das Beweismaterial hierfür zusammengetragen und von der Generalkommission in einer umfangreichen Denkschrift dem Reichstage zu der Zeit übermittelt, als die Gcwerbeordnungs- kommission mit der Beratung der auf die Heimarbeit bczughabcn- den Paragraphen der Gewerbeordnungsnovelle begann. Eine Friedensdemonstration wurde am 20. Sep- tember 1908 von der Generalkommission in Gemeinschaft mit dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei, der Berliner Gcwcrk- schaftskommission und der Berliner Parteiorganisation in Berlin veranstaltet. Hinsichtlich der Maidemonstration war nach langen Verhandlungen zwischen dem Parteivorstand und der General- kommission ein Uebereinkommen betreffend die Unterstützung der- jenigen getroffen, die infolge Ruhenlassens der Arbeit am 1. Mai ausgesperrt werden. Der Gewerkschaftskongreß in Hamburg be- auskragte die Generalkommission, nochmals mit dem Parteivorstand über eine anderweitige Regelung der lokalen Unterstützung zu verhandeln. Erneute Unterhandlungen in der Sache führten jedoch zu keinem anderen Ergebnis, als es in der getroffenen Verein- barung vorlag. Der Parteitag in Nürnberg lehnte einige Be- stimmungen ab, die von entscheidender Bedeutung für die Durch- führung der getroffenen Vereinbarungen waren. Dadurch war diese hinfällig geworden und muß es daher vorläufig bei der bis- herigen Art der Unterstützung der infolge der Maidemonstration Ausgesperrten verbleiben. Die von dem Gewerkschaftskongreß angenommenen, von dem Parteivorstand und der Generalkommission ausgerabeiteten Vor- schlüge für eine Organisation zur Erziehung der Jugend, wurden auch von dem Parteitag in Nürnberg unverändert an- sie echt. Helene Robert wurde dieser Gestalt gerecht. In der Schlußszene im Gebirg, als ihre Schuldlosigkeit klar steht, wie das Licht der Sonne, da mag sich der Druck, der bisher auf ihrer reinen Seele gelastet hat, wohl unter Lachen und Weinen lösen. Den alten reichen Andrä Moser stellte Th. Burgarth fest und wuchtig hin. Als Christine gab Frieda Richard und als Zuchthäusler Hubmayr gab Fritz Richard schlechtweg eine Kabinettsleistung. Hier hatte jede Bewegung, jedes Minenspiel, jeder Tonfall des Anzengruberschen Dialekts wirkliche Bodenständigkeit. Reichster Beifall wurde diesen Darstellern zuteil. Wenn wir daneben noch Karl Wilhelm (Philipp Moser), Wally Treu mann und Lisbeth Schuh, sowie einige Bauern hervorheben, so läßt sich die Vorstellung sehr wohl mit dem Prädikat: Gut! rechtfertigen.?. ü. Kunst. Die„VerbindungbildenderKünstlerinnen''hat im Salon G u r l i t t ihre zweite Ausstellung eröffnet. 14 Mitglieder und die drei Gäste sind mit mehr als 100 Gemälden, Radierungen, Lithographien, Zeichnungen usw. vertreten. Was sie bieten, ist fast durchweg teils talentloser, teils dilettantischer Kitsch: mäßige Fingerübungen bürgerlicher und adeliger Damen, die sich aus Langerwcile der Kunst in die Arme geworfen haben. Solche weib- lichen Handarbeiten sind schon schlimm, wenn sie mit ehrlicher Sorgfalt langweilig und pedantisch zusammengestrichclt wurden; geradezu unerträglich aber werden sie, lvcnn ihre nüchterne Trocken- heit Temperament und Genialität vorzutäuschen versucht. Vier Namen scheiden aus, von denen man nicht recht begreift, wie ihre Trägerinnen in diese Gesellschaft geraten sind: Julie Wolf- thorn, deren großes Kinderbildnis nicht nur schick und graziös ist, sondern auch mancherlei koloristische Finessen enthält; Dora Hitz, die in den hier ausgestellten Studien ein energisches Streben nach Stil und Monumentalität bekundet; Sabine LepsiuS, iü£ zwei geschickt arrangierte und sehr flott gemalte Porträts zeigt, und Käte Kollwitz. Die letztgenannte ist unseren Lesern keine Fremde. Auch das meiste von dem, was sie auf dieser Ausstellung bietet, ward schon oft gesehen und nach Gebühr gewürdigt. Die Kunst von Käte Kollwitz führt weitab von den Pfaden, auf denen die Kolleginnen im besten Fall zu achtbaren Alltagserfolgen ge- langen. Ihr fehlt jede weibliche Note. Sie hat nichts Gefälliges und nichts Gefallsüchtiges, sie bietet sich nicht zu bequemem Genuß dar, eine gewisse spröde Herbheit ist ihr charakteristisches Merkmal. Die Lithographien und Radierungen schildern das Elend, die Ver- zweiflung und die gewalttätige Empörung ausgebeuteter und unter- drückter Massen. Der Weberaufstand, der Bauernkrieg, die große französische Revolution geben die Motive. Welche Fülle nicht nur von Genie, sondern auch von redlicher Sorgfalt und intensivster Arbeit in diesen oft unscheinbaren Werken steckt, kann man schon daran erkennen, daß von der Mehrzahl verschiedene voneinander völlig abweichende Fassungen entworfen und bis auf den letzten Strich durchgeführt wurden, ehe die Künstlerin sich mit dem Re- sultat zufrieden gab. Von dem dem Umfang nach größten Blatt, der dreiteiligen Radierung„Zertretene", hat Frau Äollwitz die Platten des mittleren und des rechten Bildes vernichtet und nur die des linken ist übrig geblieben, das eine Proletarierfrau dar- tellt, die den Kopf ihres toten Kindes im Schoß hält, während der Mann mit verhülltem Antlitz ihr einen Strick, den letzten Ausweg aus dem Elend, reicht. Die Strenge, mit der die Künstlerin ihre genommen. Es konnte deshalb die Durchführung der Vorschläge erfolgen. Entsprechend dem Beschluß des Gewerkschaftskongresses berief die Generalkommission eine Konferenz der Hausangestellten, nach- dem durch Umfrage bei den bestehenden Vereinen eine Uebersicht über den Stand der Organisation der Hausangc stell- t e n gewonnen war. Auf Grund der Ergebnisse dieser Statistik kam die 5ionfcrenz zu dem Beschlutz, einen Verband der HauS- angestellten zu gründen. Im Februar 1909 tagte in Berlin eine Landarbeiterkonferenz, welche die Gründung eines Verbandes der Land-, Wald- und Weinbergarbeiter beschloß. Die Generalkommission hatte sich mehrfach mit Beschwerden zu beschäftigen, die über das in einzelnen Orten beliebte Verfahren geführt wurden, durch Sammlungen in ganz Deutschland die Mittel zum Bau eines Gewerkschafts Hauses oder Versammlungs- saalcs zu beschaffen. Nach den Erfahrungen, die bisher Mit der Errichtung eines eigenen Heims gemacht sind, ergibt sich, daß selbst in Orten mit hochentwickelter Gewerkschaftsbewegung die GeWerk- schaftShäuscr sich nur schwer zu erhalten vermögen. Es werden deshalb nur in den Orten solche errichtet werden können, in denen die Mittel hierfür vor dem Kauf eines Grundstücks oder mit dem Beginn des Baues in ausreichendem Matze zur Verfügung stehen, sei es, daß die Gewerkschaften selbst oder Privatpersonen die Summen freistellen. Wo dies nicht der Fall ist, sollte man auf ein solches Unternehmen verzichten. Durch Sammlungen oder durch anderweitige Inanspruchnahme der Arbeiterschaft, außerhalb des betreffenden Ortes die erforderlichen Mittel zu beschaffen, ist in allen Fällen verfehlt. Im Berichtsjahre beantragte der Verband der Isolierer und Steinholzleger, der bisher der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" angehörte, seinen Anschluß an die Generalkommission. Stach längeren Verhandlungen über even- tuellen Anschluß dieses Verbandes an den Verband der Maurer. entschieden sich beide Organisationen für vorläufige Aufrechterhal- tung des Verbandes der Isolierer und stimmte darauf der Gcwcrk- schaftsausschuß dem Anschluß zu. Die von der Generalkommission veranstalteten Statt st iken verursachen den Organisationsleitungen recht erhebliche Arbeit. Mehr aber noch ist dies der Fall bei den von dem Reichsstatistischen Amt aufgenommenen Statistiken. Die Gewerkschaften haben sich bereitwilligst dieser Arbeit unterzogen und ebenso bereitwilligst tragen sie die nicht unerheblichen Ausgaben, welche ihnen durch die amtlichen Statistiken erwachsen. Mit vollem Rechte können sie dann aber auch verlangen, daß die amtlichen Statistiken, soweit sie die Tätigkeit der gelvcrkschaftlichen Organisation betreffen, zu- verlässig und einwandfrei sind. Das ist bei der amtlichen Streikstatistik nach wie vor nicht der Fall. Das Statistische Amt hat diese Statistik nicht verbessert, sondern die im Berichtsjahre veröffentlichte wcsent- lich gekürzt, und zwar in der Weise, daß man annehmen muß, es läge die Absicht vor. den Gewerkschaften einen Vergleich der Er- gebnisse der amtlichen Streikstatistik mit denen der gewerkschaft- lichen unmöglich zu machen. Nichtsdestoweniger ist ein solckcr Ver- gleich möglich geworden. Es hat sich dabei ergeben, daß für 1907 in der amtlichen Statistik mindestens 441 Kämpfe fehlen, welche die gewerkschaftliche Statistik nachweist. Für die Zeit von 1901 bis 1907 ist dieser Nachweis für mindestens 2783 Streiks und Aus- sperrungen geführt, an denen etwa 60 000 Personen beteiligt gc- wcsen sind. Der Vorsitzende der Generalkommission nahm deshalb wiederum bei Beratung des Etats Veranlassung, im Reichstage auf diese irreführenden amtlichen Veröffentlichungen hinzuweisen. Während der Staatssekretär des Innern jedoch im Vorjahre erklärte, er wünsche gleichfalls eine einwandfreie amtliche Streikstatistik, und würde jeden Vorschlag, der geeignet sei, diesem Rechnung zu tragen, annehmen, wies er diesmal die Kritik kurzerhand ab, ohne sich die geringste Mühe zu geben, die Richtigkeit der erhobenen Beschwerden zu widerlegen oder auch nur zu prüfen. Nach der Erklärung des Staatssekretärs werden die Erhcbungsformukare vom Rcichsamt des Innern und dem Bundesrat festgesetzt, und wollen die Gewerk- schaften sich an der Statistik nicht beteiligen, so können sie es lassen. Dem Herrn Staatssekretär ist es somit völlig gleichgültig, ob das Statistische Amt alljährlich falsche Zahlen über die Streiks und Aussperrungen veröffentlicht. Dann haben auch die Gewerkschaften keinerlei Ursache mehr, den Polizeibcamtcn, welche die Materialien Werke beurteilt, mag uns oft etwas übertrieben erscheinen, aber das Resultat ihrer Selbstzucht ist jedenfalls, daß sie uns nur schlechthin vollendete Meisterwerke bietet. Wer einen Blick auf diese Blätter wirft, dem prägen sie sich für immer ein und wer sich eingehender in sie vertieft, dem enthüllen sie fortwährend neue Schönheiten. Freilich sind es nicht Schönheiten im landläufigen Sinn. Die hohläugigen von Not und Gram ausgemergelten und von Erbitterung verzerrten Gesichter dieser Proletarier haben wahrlich nichts sinnlich Berückendes, und vergebens wird man in den Einzelgestalten und in der Gruppierung der Massen etwas von dem sogenannten edlen Linienfluß altmeistcrlichcr Kunst suchen. Hart und streng und unerbittlich, wie die Künstlerin es sah, ist das Leben wiedergegeben. Es fehlt jedes Pathos und jede senti- mentale Phrase. Die künstlerische Sprache der Frau Kollwitz hat etwas Wortkarges, sie sagt nur das Notwendigste. Aber gerade aus dieser sparsamen Anwendung der Ausdrucksmittel ergibt sich eine ganz eigenartige und außerordentlich tiefe Wirkung, und gerade die Beschränkung auf das Allerwesentlichste verleiht den Blättern trotz ihres meist geringen Umfangcs den Zug der Größe und Mann- Mentalität. Diesen Gestalten und Szenen ist alles Nebensächliche, Zufällige abgestreift. Sie stehen da als bleibende Symbole und reden doch die von Herzen kommende und zum Herzen dringende Sprache deS Lebens. Eine große, reife und durchaus moderne, mit allen Fasern im Boden unserer Zeit wurzelnde Kunst. Die Ar- betten von Käte Kollwitz machen den Besuch der Ausstellung bei Gurlitt empfehlenswert. � S. Notizen. Die Kgl. Buhnen als Scharf«, acher. Die Kgl. Bühnen in Berlin, Hannover, Kassel und Wiesbaden haben be- schlössen, die bisher üblichen Bencfizvorstcllungen zugunsten der Pcnsionskasse der Bühnengenossenschaft(der Organisation der Schauspieler) ausfallen zu lassen und sie vcr(gelben) Unter- stützungskasse des direktorialen Bühncnvercins zugute kommen zu lassen. Kgl. preußische Sozialpolitik! — Ludwig Hoffmann hat vom Berliner Magistrat, dem er als Stadtbaurat untersteht, die nachgesuchte Genehmigung be- kommen, die Berliner Museumsbauten nach den Plänen seines Freundes Messel auszuführen. — Ein Freilicht-Theater soll in einem Edelkastanien- Hain bei L u z e r n gegründet werden. — Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas wird der amerikanische Ethnologe Curtis mit Hilfe einer Unterstützung Morgans im Betrage von 1 Million Mark herausgeben. Das Werk soll 20 Bände umfassen und— eine echt snobistische Idee— nur an eine Anzahl von Bibliotheken abgegeben werden. Noch interessantsr wäre es, wenn Morgan das Buch nur in einem Exem- plar bestellen— und dann vernichten ließe. — Die höchste Eisenbahn der Welt. Wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, soll qncr über die Anden von Arica in Chile bis La Paz in Bolivia eine Eisenbahn gebaut werden, die etwa 300 englische Meilen lang sein und 12 000 und mehr Fuß hoch liegen wird. Ter Bau wird 60 Millionen Mark kosten; über 3000 Mann werden dabei 3— 4 Jahre beschäftigt sein. An einer Stelle wird die Bahn mehr als 30 Meilen lang durch einen Canon führen, dessen Wände sich bis zu einer. Höhe von 2000 Fuß erheben. für die amtliche Statistik herbcizuschaffeil steaufiragt! iverden, irgendwelche Auskunft zu geben. Das heitere Spiel kann also fort- gehen. Ten Nachteil haben nicht die Gewerkschaften, sondern die amtlichen Stellen, welche sich weigern, der aintlichen Streikswtistik den Charakter einer Kriminalstatistik zn nehmen. Die Auflage des„C o r r e s p o n d e n z- B l a t t" stieg von 23 600 im Dezember 1907 auf 25 800 Ende Dezember 1908. Die beiden frcnidsprachigen Blätter,„LDperaio Jtaliano" und „Oswiata", sind, soweit angängig, inhaltlich ausgestaltet worden. Im Berichtsjahre betrug die Auflage von„L'Operaio Jtaliano" inl Jahresdurchschnitt 10 444 Exemplare gegen 12 820 im Jahre 1907, und von„Oswiata" 6084 Exemplare gegen 6305 im Jahresdurch- schnitt von 1907. Daz A r b e i t e r i n n c n s e k v e t a r i a t hat im Berichts- jähre in gleicher Weise wie in den Vorjahren gearbeitet. Das Zentral- Arbeitersekretariat weist im abge- laufenen Geschäftsjahre wiederum eine erhebliche Zunahme der ein- gegangenen Streitsachen soioie auch der schriftlichen Auskünfte auf. Während im Jahre 1907 die Zahl der Unfall- und Jnvalidenstreit- fachen, die uns von den Arbeitersekretariaten, den Verwaltungen der Gewerkschaften oder von einzelnen Mitgliedern zugingen, 1352 betrug, stieg die Zahl im Jahre 1908 auf 1774, mithin ein Mehr von 422 Streitsachen. Desgleichen ergab sich auch bei den schriftlichen Auskünften, die besonders von solchen Personen eingefordert wurden, die keine Gelegenheit haben, in der Nähe ihres Wohn- ortes ein Arbeitersekretariat in Anspruch zu nehmen, oder von Ge- werkschaftsvorständen ausgingen, daß die Zahl dieser Auskünfte von 698 im Jahre 1907 auf 887 gestiegen ist. Von den 1597 Streitsachen, die im Jahre 1908 erledigt wur- den. betrafen 1480 Ansprüche auf Grund der Unfallversichcrungs- gesehe, 15 Fälle wurden davon vor dem Schiedsgericht erledigt, und zwar 9 zugunsten und 6 zuungunsten der Verletzten. Von den im Jahre 1908 erledigten 117 Ansprüchen auf Invalidenrente mutzten 20 wegen vollständiger Aussichtslosigkeit zurück- gewiesen und 3 im Einverständnis der Versicherten zurückgenommen werden. Von den 84 vertretenen Revisionen wurden 33 Revisionen der Versicherten und 13 Revisionen der Landesversicherungsanstalt zurückgewiesen. Stattgegeben wurde der Revision der Versicherten in 29, der Landesversicherungsanstalt in 14 Fällen. So weist der Bericht der Generalkommission auch für die Zeit der Krise eine umfangreiche und erfreuliche Tätigkeit nach. Das beste aber bleibt an demselben, daß er die Befürchtung der Freunde unserer modernen Arbeiterbewegung und die Hoffnung ihrer Feinde zerstört, als hätte die Bewegung der freien Gewerkschaften unter den gcgenlvärtigen ungünstigen Verhältnissen eine nennenswerte Beeinträchtigung erfahren. Die Festigung derselben zeigt nichts deutlicher als die Leichtigkeit, mit der sie die schwere Zeit des Wirt- schaftlichen Niederganges zu überwinden vermochte. Em der Partei« Zur Maifeier. Die Feier in Altona wird in ähnlicher Weise gefeiert werden wie in Hamburg, worüber wir vor einigen Tagen berichtet haben. Nachmittags um 3 Uhr findet ein F e st z u g statt, der diesmal— zum ersten Male!— von der Po'�übchörde genehmigt worden ist.__ Zur Frage der Reichstagskanbidatue in Magdeburg, lieber die Behandlung der Kandidatenfrage im sozialdemo- kratischen Verein Magdeburg berichtet die„Volks- stimm e": Zur Aufstellimg eines Reichstagskandidaten teilt Klühs mit, datz die Parteifunktionäre einstimmig beschlossen hätten, der Generalversammlung zu empfehlen, den früheren Abgeordneten Ge- nassen Pfannkuch lVerlin) wieder aufzustellen, um für etwaige plötzliche Eventualitätein gerüstet zu sein. Der Vorstand habe den Genossen Pfannkuch eingeladen, an der Versammlung teilzunehmen. Er habe jedoch geschrieben, datz er lieber sähe, wenn die Genossen unbeirrt durch seine Gqgenwart sich über die Kandidatur verstän- digtcn. Selbstverständlich stehe er im Falle seiner Wiederauf- stcllung jederzeit zur Agitation zur Verfügung. Genosse Winter hält diesen Vorschlag nicht für besonders praktisch und wünscht einen Kandidaten auS Magdeburg. Die Magdeburger stellten sich ein Armutszeugnis aus, wenn sie sich von auswärts einen Kandidaten holen. Gegen die Person Pfann- luchs sei nichts einzuwenden. Genosse P i st o r i u s ist anderer Meinung und wünscht die Beibehaltung der Kandidatur Pfannkuchs. Die Niederlage bei der letzten Reichstagswahl habe mit der Person des Kandidaten nichts zu tun, sondern sei auf die allgemeine Situation zurückzuführen. Genosse U h d e meint, an dem Wahlkreis Kalbe-Aschersleben zur Zeit Schmidts ersehe man, datz der Sieg sehr oft von der Person und der Tätigkeit des Kandidaten abhängig ist. Redner glaubt, datz Genosse Landsberg geeignet sei, den Wahlkreis zurück- zucrobern. Genosse Fabian meint, wenn bei der letzten Wahl nicht ge- nügcnd gearbeitet worden sei, so liege das nicht ani Genossen Pfannkuch, sondern an den Magdeburger Genossen selbst. Es seien noch ganz andere Wahlkreise verloren gegangen. Die möglichst ein- stimmige Aufstellung Pfannkuchs sei zugleich eine Demonstration gegenüber den bürgerlichen Parteien. Die Magdeburger Genossen würden sich selbst ins Gesicht schlagen, wenn sie die Kandidatur Pfannkuchs ablehnen würden. Genosse Beims hält es für verfehlt, Prophezeiungen zu machen. Die Niederlage von 1907 könne man auf verschiedene Ur- fachen zurückführen. Man könne auch sagen, wenn ein Kandidat möglichst wenig rede, werde er um so eher gewählt. Pfannkuch sei ein alter verdienter Parteigenosse. Dadurch, datz er Partei- Vorstandsmitglied sei, werde er doch nicht Parteigenosse zweiter Klasse. Redner ersucht, es bei der Kandidatur Pfannkuchs zu be- lassen. Genosse Vater spricht seine Verwunderung darüber aus, datz über diese Sache sich noch eine Diskussion entfalte. Genosse Bebel arbeite in Hamburg auch nicht und würde dort jedesmal gewählt. Also an der Person des Kandidaten liege es jedenfalls nicht, sondern an anderen Verhältnissen. Man solle dem ein- stimmigen Beschlutz der Funktionäre zustimmen und Pfannkuch wieder aufstellen. Genosse Winter ist der Meinung, datz die Mitglieder des Vereins doch zu dem Zwecke zusammenbcrufen seien, um sich über die Kandidatur auszusprechen. Es sei doch nicht nötig, datz man so am Alten hänge: es könne doch einmal mit einem anderen Kan- didaten versucht werden. Genosse Landsberg ist auch über den Widerstand gegen die Kandidatur Pfannkuchs erstaunt, noch mehr aber über die Gründe, die dagegen vorgebracht worden seien. Wir treiben keinen Personenkultus, aber wenn wir Genossen, die ihr Bestes der Partei geopfert haben, auf diese Weise fallen lassen, so wäre das die krasseste Undankbarkeit. In Frankfurt und Königsberg, wo Ge« nassen aus dem Orte selbst kandidierten, seien auch Niederlagen zu verzeichnen gewesen. Wir hätten im Jahre 1906 hier aufstellen können, wen wir wollten, wir hätten trotzdeni einen Reinfall erlebt. Da nun sein Name hier genannt sei. so gebe er die Erklärung ab, datz er nie und nimmer eine Kandidatur gegen den Genossen Pfannkuch annehmen werde. Er(Redner) habe immer zum Aus- gleich der Gegensätze beigetragen und möchte sie nicht dadurch schüren, datz er unter solchen Umständen eine Kandidatur annehme. Genosse Fischer glaubt, datz es für den Genossen Pfannkuch bei seinen, Alter eine Erleichterung sei, wenn man ihm die Last der Kandidatur abnehme. Landsbcrg würde viele Stimmen aus dem bürgerlichen Lager erhalten. Mit Flugblättern allein gewinne man einen Wahlkreis nicht mehr. Genosse F r e s i n o hat auch gegen die Person Pfannkuchs nicht das geringste einzuwenden, aber in, allgemeinen scheine es doch erwünscht, einen anderen Genossen zn nominieren. Genosse Pfannkuch habe mehr als cimnal erklärt, wie schtver ihm sein Amt als Vorstandsmitglied werde. Stelle ihn die Versammlung aus, dann mutz er nicht nur während der Wahl hier sein, sondern auch an allen Aktionen der Partei teilnehmen. Damit ist die Rednerliste erschöpft. Bei der Abstimmung wird mit 138 Stimmen gegen 99 Stimmen der Vorschlag der Funktio- näre abgelehnt. Damit ist der Antrag Winter, die Kandidaten- frage zu vertagen und in Magdeburg nach einem geeigneten Ge- nossen Umschau zu halten, angenommen. Die Spekulation aus Stimmen aus dem bürgerlichen Lager. die sich in den Ausführungen einzelner Redner verrät, ist nicht sehr erfreulich. Mandate, die mit solchen Mitteln gewonnen loerdcn, sind sehr unsicherer Besitz. Mandate um jeden Preis zu gewinnen, soll nicht das Ziel unserer Arbeit im Wahlkampf sein. Eine Agitation, die sich kein höheres Ziel steckt, wird keine neuen Kämpfer für die Partei erreichen können. Gemeindewahlsieg. In S t e i n k i r ch e n(Brandenburg) erhielt bei einer Ersatzwahl in der dritten Klasse der sozialdemokratische Kandidat 40 Stimmen gegen 27 bürgerliche._ Noch ein Programiiikritiker. Zum bevorstehenden Redaktionswechsel in Solingen schreibt die„Elberfelder Freie Presse": ... Anschliehend an den von Eduard Bernstein kundgegebenen Programm-Revisionsentwurf veröffentlichte vor einigen Tagen Hilde- brand in der„Bergischen Arbeiterstimme" zwei Artikel, die weit über all' das hinausgingen, was bisher an revisionistischen Bestrebungen innerhalb der Partei zutage getreten ist. Alles, was bisher als das grundlegende und treibende Moment in der klassenbewußten Arbeiterbewegung aalt, wird von Hildebrand verleugnet. Die materialistische Geschichtsauffassung lehnt er glatt ab und die ökonomischen Lehren Marx' sind ihm herzlich gleich- gültig. Nicht darauf dürfe eS den Arbeitern ankommen, ob diese oder jene Theorie richtig oder falsch sei, sondern einzig und allein ihr ernstes Wollen komme in Frage.... Wir machen Hildebrand keinen Vorwurf, datz er seine Artikel ver- öffentlichte. Wir sind auch insofern mit der Solinger Pretzkommission einverstanden, wenn sie sagt, Hildebrand habe sein bestes getan. Er steht nun einmal nicht auf dem Boden des Parteiprogramms. sondern ist noch Nationalsozialer durch und durch. Diesen Stand- Punkt hat Hildcbrand in den beiden Artikeln vertreten. Die Solinger Pretzkommission koimte ihn, deswegen kaum einen Vorwurf machen, denn sie kannte doch wohl seine Anschauungen schon vor der An- stellung. Immerhin mutzte sich Htldebrand als politischer Redakteur eines Parteiblattes Beschränkungen auferlegen, und deshalb glauben wir ihm gern, datz er selbst gekündigt hat." Was unser Elberselder Parteiblatt zur Charakterisierung der Hildebrandschen Programmartikel sagt, trifft völlig zu. Sie sind eine runde Absage an den tvissenschastlichen Sozialismus, sie bedeuten den gradlinigen Rückmarsch auf den utopischen Sozialismus. Die Erkenntnisse, die Marx ausgegeben hat, existieren für Hildebrand nicht. Ob die Solinger Pretzkommission das vor seiner Anstellung wußte, das wissen wir nicht. Jedenfalls hat sie später daran keinen Anstoß genommen._ Die sozialdemokratische Arbeiterpartei Hollands im Jahre 1908. Der Jahresbericht des Parteisekretärs der S. D. A�P.(van Kuykhof) über 1903 ist soeben erschienen. Die Zahl der Partei- Mitglieder stieg von 8411 auf 8768: eine Steigerung von nur 4,24 Prozent gegen eine solche von 12,8 Proz. im Jahre 1907. Für diesen Stillstand macht der Berichterstatter die Differenzen inner- halb der Partei verantwortlich, deren Werbekrast durch die be- kannten Reibereien eine außerordentliche Schwächung erlitten hat. Der Bericht konstatiert aber einen gleichen Stillstand für 1903 in der holländischen Gewerkschaftsbewegung. In den Städten ist der Rückgang an Mitgliedern besonders stark, so zu Amsterdam, Rotterdam und dem Haag; nur Utrecht machte einen kleinen Fortschritt. lieber die Tätigkeit der Partei bezw. des Parteivorstandes meldet der Bericht, datz letzterem leine Zeit übrig geblieben ist, für die Ausbildung von Parteipropagandisten etwas zu tun. Der Vorstand des Vereins sozialdemokratischer Gcmeinderatsmitglieder konstituierte sich als Kommission zur Revision des Gemeinde- Programms. Die Wahlrechtsbewegung, die zentrale wie örtliche, ging von dem bisherigen aparten Komitee gänzlich in die Hände der S. D. A. P. über. Die Propaganda für das allgemeine Wahl- recht wurde nicht mehr nur für das allgemeine Männer-, sondern auch für das allgemeine Fraucnwahlrccht geführt. Die Jugendorganisation„de Zaaier", die bereits im Vorjahre als selbständig anerkannt worden war, erhielt Bcistandskommissionen von den Partciabteilungen, ein Delegierter des Parteivorstandes wurde dem Zentralvorstande des„Zaaier" beigefügt und die Mit- liedschaft nicht an das ursprünglich vom Parteivorstand gewünschte 10. Lebensalter gebunden.— Die Arbeitslosenfrage tvurde auf Wunsch des PartcivorstandeS auf öffentliche Versammlungen be- schränkt. Des Parteikonflikts und der verschiedenen Phasen des- selben wird bis zum Auftreten der„Tribüne"gruppe und bis zur Errichtung der neuen Partei des Näheren Erwähnung getan; die neue Partei wird gekennzeichnet als„eine Tat der Feindschaft gegen die S. D. A. P.. die es nötig macht, sich so kräftig wie mög- lich gegen diese neue Partei zu widersetzen." Die Kommission zur Revision des Parteiprogramms hatte im Hinblick auf die Partei- konflikte ihre Tätigkeit zeitweise suspendiert, sie hat jedoch ihre Arbeit nunmehr auf Anmahnung des Parteivorstandes wieder auf- genommen. Bei Nachwahlen wurden einzelne sozialdemokratische Ge- meinderatSmitglicder gewählt, mehrere kamen in Stichwahl, so auch bei Provinzialwahlen. Der finanzielle Bericht weist an Einnahmen und Ausgaben einen Betrag von 18 489 Gulden auf; unter ersteren 4482 Gulden für Mitgliederbeiträge, 4076 für den Parteifonds und 3596 jür den Wahlfonds, welchem aus dem von Parteimitgliedern in Indien gebildeten Wahlfonds 3000 Gulden zuflössen. pollreillckeg, Oerichtlicheo ukw. Mit zehn Mark Geldstrafe mutz der Parteisekretär Genosse Panzer in Bayreuth angebliche Beleidigungen des national- liberalen Redakteurs Kunkel büßen. Kunkel hatte als Redakteur des„Bayreuther Tageblatts" in den letzten Stunden vor der dortigen Gemeindewahl im Dezember v. I. einen Artikel gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht, der von den bösartigsten Per- leumdungen strotzte. Unsere Genossen verbreiteten darauf sofort ein Flugblatt, das die Angriffe zurückwies und die Taktik dcS Herrn K. in gebührender Weise kennzeichnete. Wegen versteckter Beleidigungen der Bayreuther Parteiführer war gegen Kunkel Widerklage erhoben worden, die jedoch erfolglos blieb. Die Art der Zurückweisung der gegnerischen Verleumdungen wurde als strafbar erachtet,„obwohl cS— wie es in der Urteilsbegründung hieß—„eine große Kühnheit des Privatklägers Kunkel war, die Diebstähle in den Gemeindekassen zu Offenbach der Sozialdemo- kxatie zum Vorwurf zu machen." £Iiis Industrie und kiandel. DcS BolkeS Geißel. Unsere Agrarier, die Religion. Patriotismus und sehr diel GemütSstärke besitzen, kämpfen mit jener hehren Begeisterung, die nur durch die Kraft höchster Ideale ausgelöst werden kann, für Bei- beHaltung und Erweiterung der ihnen ungezählte Millionen ein- tragenden Liebeögabenpolitik und gegen die ihren Familiensinn zerstörende Nachlatzsteuer, die bei Erbschaften von über 20 000 M. erhoben werden soll. So zeigen sich die Edelsten und Besten der Nation, die Träger sittlicher Kraft, die Hüter und Beschützer deutschen Familienlebens in ihrer Tugend und Größe. Sind aber die junker- lichen Gefühlsherkulcsse Helden moralischer und nationaler Tugend. dann mutz man die große Masse des Volkes als minderwertig, jeder idealen Begeisterung unfähig au- sehen; denn das Volk kämpft nicht nur nicht für Millionen-Liebesgabcn und steuerfreie Erbschaften, sondern es lätzt sich sogar das tägliche Brot verteuern, duldet massenhaftes Vernichten seiner Kinder- Solche Folgen hat sicher die ungeheuerliche Verteuerung der Lebens- Haltung, die sich das Volk von Nahrungsmittelwucherern aufzwingen lätzt. In welcher Weise gerade für Bedarfsartikel der großen Masse die Preise in die Höhe getrieben worden sind, das beleuchtet die folgende Zusammenstellung nach den amtlichen Berichten der städtischen Markthallendirektion in Berlin. Wir bringen die Preise aus dem Teuerungsjahr 1907 mit denen von heute in Vergleich. S.April 1S07 8. April 1909 M. 48-56 15 5-8 (j_ �2 3,50—3,80 106—108 103-105 98-103 90—95 2,50-2,75 2,25—2,50 2—2,25 4-10 "— 4 50 kg Schock 50 kg M. 62-68 17-21 8—19 11-20 4—4,50 114-118 110-114 102—110 93—100 3,25—3,50 3-3,23 2,50—3,00 6—15 10-12 4-4,60 6-7 9—10 Steigerung M. 12-14 2—6 3-9 0,50—0.70 8-10 7-9 4-8 5 0,73 0,75 0,60-0,75 2—5 8 0,50 3 7-7,25 Schweinefleisch... Kabliau...... „ IIa.... „ ohne Kopf Eier....... Butter la..... 0 Ha..... „ lila»...„„ , abfallende...,„ Kartoffeln, mag. dem..„, „ Dabersche.„„ weiße».„. Selleris...... Schock Zwiebeln..... 50 kg_ Mohrrüben......„ 3,50— 4 Rotkohl........ 3-4 Weitzkohl....... 2—2,75 Das hauptsächlich von der breiten Masse konsumierte Schweine- fleisch, billiger Fisch, Eier, Butter und die gewöhnlichen Gemüse- sorten, alle diese Artikel, die für den Haushalt der arbeitenden Be- völkerung in Betracht kommen, sind ganz horrende im Preise ge- stiegen. Nimmt man dazu noch die einschneidende Verteuerung des Brotes, vergegenwärtigt sich die überaus traurigen Erwerbs- Verhältnisse, dann ersteht ein treffliches Bild von den Ideal- zuständen, die das Agrariertum erst noch schaffen will. Täglich predigen die Bündler, den Arbeitern ergehe es zu wohl, des Staates Aufgabe sei, die große Masse zugunsten der Agrarier immer noch mehr durch indirekte Steuern und Liebesgaben- tributpflicht auszubeuten. Und Michel hält still! Wie lange wird das Volk die agrarische Geißel ruhig dulden? Wann wird ihm ein Ostern werden?_ Krise— Lohnkürzung— Lebensmittelteuerung. Ueber die Folgen des industriellen Niederganges finsen wir in den Berichten der preutzischen Gewerbeinspektoren für 1908 charak- tcristische Bemerkungen. Der Auffichtsrat für den Regierungs- bezirk Arnsberg, in dessen Amtsbezirk große Arbeitermassen in der Eisen- und Stahlindustrie und in den Bergwerken beschäftigt sind, konstatiert, die Wirtschaftslage, schon im Vorjahre ungünstig. habe 1908 zweifellos eine noch schlechtere Wendung ge- nommen. Die Folgen hätten sich für oie Arbeiterschaft in der Verminderung des Arbeitsverdienstes und des Beschäftigungsgrades„sehr fühlbar geltend gemach t". In dem industriell hervorragendsten preutzischen Regierungsbezirk Düsseldorf hat die Wirtschaftskrise das Einkommen der Ar- beiter„wesentlich verringert". Der Lohnausfall habe„die Arbeiter- schaft um so härter getroffen, als die notwendigsten Nahrungsmittel den in oen Vorjahren erreichten hohen Preisstand bisher fast ungeändert beibehalten haben". Der Kölner Auffichtsbcamte schreibt, das Einkommen der Arbeiter sei„stark herabgemindert" worden, ohne datz eine wesentliche Ver- billigunz der wichtigsten Nahrungsmittel,„deren Preise in den letzten Jahren stark gestiegen sind". eintrat. Namentlich in der Stadt Köln hätten die hohen Lebensmittelpreise„die gesamte Lebenshaltung der Minderbegüterten herabgeorückt"! Der Berichterstatter für den Regierungsbezirk Potsdam schreibt, wenn auch die Lohnsätze mit wenigen Ausnahmen„bisher noch auf der gleichen Höhe blieben", so hätten doch in vielen Be- trieben Arbeitcrentlassungen, Feierschichten, Schichtverkürzung usw. den Arbeitsverdienst beschnitten. Die Lebensführung der Arbeiter sei„in ungünstigster Weise beeinflußt worden"! Aus den gleichen Ursachen, konstatiert der Auffichtsbcamte für die Stadt Berlin, habe sich die Lage der Arbeiter„merk- lich verschlechtert, zumal der Rückgang ver NahrungS- mittelpreise, insbesondere deS Fleischpreises, nicht bemerkenswert war". Im Aufsichtsbezirk des a nn o v e r sche nRegierungs- undGe- wcrberatS sind die öffentlichen Behörden genötigt worden, zur Milderung der großen Arbeitslosigkeit NotstandSarbeitcn zu vergeben.„Da die Preise für die allgemeine Lebenshaltung keines Ivegs gefallen sind, so ist die Lage der Arbeiterschaft im ganzen genommen schwierigergeworoen!" Auch im Regierungsbezirk Stade ist die Lage der Industrie„recht ungünstig", der Verdienst der Ar- beiter„im allgemeinen geringer gewesen. Aus den Regierungs- bezirken Anrieh und Osnabrück berichtet der Auffichts- beamte, die Wirtschaftslage habe sich„so verschlimmert", datz neben Lohnkürzungen auch Betriebseinstellungen und Arbeiterentlassungen vorkamen.„Die noch beschäftigten Arbeiter mutzten trotz der erhöhten Lebensmittelpreise mit einem geringeren Wochenverdienst zufrieden sein." Das sind Zeugnisse von vorsichtig urteilenden Staatsbeamten über die Lage der arbeitenden Klasse. „Deutscher Kaiser". Zu den Jndustrieriesen im Ruhrgebiet gehört die„Gewerkschaft Deutscher Kaiser", die aber nur einen Teil der der Herrjchast Thyssens unterstehenden industriellen Anlagen darstellt, lieber die „Gewerkschaft Deutscher Kaiser" enthält der letzte Jahresbericht der Handelskammer in Duisburg folgende Angaben über die von den zugehörigen Zechen und Hüttenwerken geförderten Kohlen usw. uno erzeugten Produkte: Kohlen 3 940 830 Tonnen, Koks 815 798 Tonnen, Teer 25 770 Tonnen, Ammoniak 11566 Tonnen und Benzol 5667 Tonnen. An Eisenerzen wurden insgesamt 1333 770 Tonnen ver- braucht, darunter 113 682 Tonnen Minette. 45 986 Tonnen Siegcr- länder und nassauisches Erz, 432 927 Tonnen schwedisches, 207 870 Tonnen spanisches und 1801 Tonnen russisches Erz sowie 532 504 Tonnen sonstige Erze und Schlacken in- und ausländischer Her- kunft. Hergestellt wurden 578 258 Tonnen Roheisen, 638 377 Tonnen Rohstahl und 521 380 Tonnen Walzwerlserzeugnisse. Die Zahl der Koksöfen betrug auf den Steinkohlenzechen 645 und auf oen Hütten- werken 405 Stück. Beschäftigt wurden in dem Zechenbetriebe 12 419 und in den Hüttenbetrieben 7685 Arbeiter. Elektrische Stahlerzeugung. Die Firma Krupp hat Patente auf elektrische Schmelzöfen erworben und auch Thyssen erwarb Patente auf Verfahren zur elektrischen Stahlerzeugung. Man verspricht sich große Erfolge von der Ausnutzung der Patente, Soziales. Der Chef als Sittenrichter. Inwieweit der Prinzipal die Moral seiner weiblichen An» gestellten in den Bereich der EntlassungSgründe ziehen kann, unter- lag gestern der Beurteilung der erste» Kammer des Berliner KaufmannSgerichts. Die Klägerin Martha L. war vom BersicherungZagentm F. Balli» als GeschäftSleiteriN unter Leistung einer Kaution von 80V M. engagiert worden. Als Sicherheit erhielt sie einen von B. akzeptierten Wechsel, dessen Fälligkeitstermin der 1. August war. Am 2S. Februar erfolgte die sofortige Entlassung der Klägerin„wegen unmoralischen Lebenswandels", mit der be- sonderen Verschärfung, daß ihr trotz flehentlichen Bittens der Chef sogar das bis zum Tage verdiente Gehalt sowie auch die Kaution oorenthielt. Vor Gericht begründete der Beklagte seine Maßnahme folgendermaßen: Fräulein L. habe einen Herrn, der bei der Kautionsleistung seine Hand mit im Spiele hatte, für ihren Stiefbruder ausgegeben, während es in Wirklichkeit ihr Bräutigam sei. Das Brautpaar wohne zusammen und die Klägerin fungiere als seine Wirtschafterin. Ein der- artiges unmoralisches Verhältnis könne er als Chef nicht dulden und darum schritt er zur sofortigen Entlassung, als er davon Kenntnis erhielt. Hätte er, so führte der Beklagte weiter aus, früher eine Ahnung von dem Lebenswandel der Klägerin gehabt, so hätte er sie auf keinen Fall engagiert. Die Kaution will er vor dem 1. August nicht herausgeben, da der Wechsel erst an diesem Tage fällig ist. Das Kaufmannsgcricht kam zu einer wesentlich anderen Auf- fassung der Sachlage. Beklagter hat der Klägerin das Rest- g e h a l t für zwei Monate und auch die Kaution gegen Austausch des Wechsels sofort zurückzuzahlen. Es ginge nicht an, daß der Prinzipal in das Privatleben seiner An- gestellten hineinleuchte und etwa dort vorhandene Mängel zu Ent- lassungsgründen und natürlich zu seinem Vorteil auszunutzen der- suche. Eine Schädigung des Geschäftsinteresscs war nicht als vor- liegend zu erachten. Die Kaution aber sei sofort bei Lösung des Arbeitsverhältnisses zurückzuzahlen, da der Wechsel nur unter der selbstverständlichen Voraussetzung gegeben wurde, daß das Dienstverhältnis vor dem Fälligkeitstermine nicht gelöst würde. — Sonderbar, daß die„Sittenrichter" sich ihre Moral nie was kosten lassen, sondern dabei verdienen wollen. Sofortiges Verlassen des Dienstes. Das Dienstmädchen Kunde war wegen unberechtigten Ver« kassens des Dienstes vom Landgericht Köslin zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nachdem das Kammergericht dies Urteil aufgehoben hatte, verurteilte das Landgericht das Mädchen abermals. Den Einwand der Angeklagten, daß'das Strafgesetz vom 24. April 1854 über die Dienstvergehen des Gesindes hier keine Auwendung finden könne, weil sie zum Verlassen des Dienstes berechtigt ge- wesen sei, ließ das Gericht nicht gelten. Wenn sie einige Ohrfeigen erhalten habe, so wäre das keine ausschweifende oder ungewöhnliche Härte gewesen und in Gefahren des Lebens oder der Geiundheit sei ie dadurch auch nicht gebracht worden, so daß die Gründe zum ofortigen Verlassen des Dienstes aus den§z 136 und 137 der Ge- sindeordnung nicht vorlägen. Hinsichtlich der weiteren Be- hauptung der Angeklagten, sie sei eingeschlossen worden, ge- nügte dem Landgericht die Aussage des Schlächtermeisters, daß er das Mädchen nicht eingeschlossen habe, sondern die Tür nur geklemmt hätte.— Auf die Revision der Angeklagten hob das Kammergericht dieser Tage auch das neue Urteil des Landgerichts auf und verwies die Sache nochmals in die Vorinstanz zurück. Es wurde aus- geführt: Ob ein Grund zum plötzlichen Verlassen des Dienstes vor- liege, sei nach den Bestimmungen der Gesindeordnung zu beurteilen. ES könnte nun hier die Bestimmung des g 137 der Gesindeordnung in Frage kommen, wonach das Gefinde zum Verlassen dcS Dienstes ohne Auf- knndigung berechtigt ist, wenn die Herrschaft eS mit aus- schlveifender oder ungewöhnlicher Härte behandelt. Eine solche Be- Handlung würde in einer Freiheitsberaubung zu finden fein. Wäre das Mädchen durch Einschließe» seiner Freiheit beraubt worden. dann hätte es den Dienst verlassen können und könnte nicht bestraft werden. Eine Bestrafung könnte auch nicht eintreten, wenn das Mädchen glaubte, es läge Freiheitsberaubung vor. Denn dann treffe sie kein Verschulden._ DaS Recht auf Stcllungsuchc. Eine 16jährige Handlungsgehilfin erschien vor der 6. Kammer des Kaufmannsgerichts als Klägerin gegen die Firma Schönlank. Sie forderte ihr rückständiges Gehalt, während der Chef nur einen Teil zahlen will, und zwar mit der Begründung, daß die Klägerin mehrere Male ungehorsam war. Es wurde festgestellt, daß die Klägerin, um eine neue Stellung zu finden, sich in anderen Ge- schäften vorgestellt und daß diese Bemühungen längere Zeit in Anspruch genominen haben, als der Chef der Verkäuferin frei- gegeben hatte. Durch den Hinweis des Vorsitzenden, daß hierin doch kein Ungehorsam zu erblicken sei, daß sich der Chef vielmehr schadenersatzpflichtig machen würde, wenn er die Verkäuferin hinderte, eine neue Stellung zu suchen, erklärte sich die beklagte Firma bereit, das rückständige Gehalt zu zahlen. Genossenschaft Deutscher Viihnenanachöriger. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Schau- spiclern und Schauspielerinnen aus allen Teilen des Deutschen Reiches, aber auch aus der Schweiz, Oesterreich-Ungarn und Ruß- land fand Freitag in dem in der Bellcvucstraßs belegenen Künstlerhause die Delegiertenversammlung der Genossenschaft Deutscher Bühncnangehöriger statt. Der Präsident der Genossenschaft teilte mit, daß die Genossenschaft 5055 Mitglieder zähle. Die Zahl der weiblichen Mitglieder habe sich fast vervierfacht.(Beifall.) Es seien auf der Delegiertenversammlung vertreten 141 Verbände mit 3600 Mitgliedern durch 130 Delegierte und 175 Stimmen. Der Vorsitzende beantragte, folgende Erklärung zum Beschluß zu erheben:„In Erwägung, daß die Mitglieder des Deutschen Bühivcnvereins am 13. Januar 1000 einseitig die bestehende Schieds- gerichtsordnung dahin abgeändert haben, daß die Schiedsgerichte nur noch für Streitigkeiten zwischen Mitgliedern des Bühnenvereins zuständig sein sollen, beschließt die Delegiertenversammlung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger gemäß§ 182 der Schiedsgerichtsordnung: Das Bühnenschiedsgericht wird mit dem heutigen Tage aufgehoben und die Geiwssenschaftsschiedsrichter an- gewiesen, ihr Amt als Schiedsrichter niederzulegen. Alle bestehenden Schiedsverträge werden laut Z 182 Sch.»G.°O. außer Kraft gesetzt; ist«in zarteS, reines Geficht, rosige«, jugendfrisches AnSsehe«, weiße, smnmetwciche Haut und schöner Teint. Alles dies erzeugt die echte Steckenpferd-MUenmUeb-Seife von Kergmaun ä- T-.. Radebrui» ä Stück 50 Pf. überall zu haben. die Bestimmungen der Schiedsgerichtsordnuitz find nicht mehr rechtsverbindlich."(Lebhafter Beifall.) In der Erörterung über diesen Antrag teilte Schauspieler Gustav Nickel(Berlin) mit» in welcher Weise eine Schauspielerin in Göttingen von ihrem Direktor gemaßregelt worden sei. Die Schauspielerin, die einschließlich Spielhonorar 180 M. monatlich Gage erhielt, sollte sich für ein ge- ringes Vergehen 60 M. Abzug gefallen lassen. Das Göttinger Amtsgericht habe jedoch zugunsten der Schauspielerin entschieden. Eine 16jährige Ballettänzerin am Hofthcater zu Hannover, die 20 M. monatlich Gage erhalte, sei mit einem Gehaltsabzug von 12 M. bestraft worden, weil sie während der Probe leise gesprochen habe.— Nach längerer Erörterung gelangte der Antrag des Vor- sitzenden einstimmig zur Annahme. Es wuroc im weiteren auf die große Rechtlosigkeit der Schauspieler hingewiesen, die ein Theater- gesetz und den Abschluß von Tarifverträgen erforderlich mache.— Die Versammlung beschäftigte sich danach mit Satzungsänderungen. Schauspieler Nickel bemerkte: Es sei behauptet worden, die Schau- spieler seien in das Lager der Sozialdemokraten übergegangen. Die Genossenschaft habe mit Politik überhaupt nichts zu tun. Er halte es aber für erforderlich, die Schauspieler auf di« Gewerkschaften hinzuweisen und sich an dem Opfermut der armen Arbeiter ein Beispiel zu nehmen. Die Schauspieler dürfen sich nicht länger wie Parias von den Theaterleitern behandeln lassen. Dies könne aber nur geschehen, wenn die Schauspieler sich allesamt der Genossenschaft anschließen und einen starken finanziellen Rückhalt haben. Die Delegiertenversammlung beschäftigte sich hierauf mit der Sterbe- und Pensionskasse._ „Gewöhnung an die Unfallfolge»". Die„Monatsblätter für Arbeiterversicherung", herausgegeben von Mitgliedern des Reichsversicherungsamtes, besprechen in ihrer letzten Nummer die veränderte Rechtsprechung bei Hand- und Finger- Verletzungen. Sie berichte», was lange bekannt ist, daß bei Beurteilung ihres Einflusses auf die Erwerbsfähigkeit der Anpassung und Gewöhnung an die Unfallfolgen heute größeres Gewicht bei- gelegt werde als früher. Diese Rechtsübung fei durch die Statistik wie durch die einzelnen Erfahrungen in Lohn- und Arbeits- Verhältnissen und durch die ärztliche Wissenschaft gerechtfertigt usw. Hier interessiert vornehmlich folgender Satz des Artikels:„Ins- besondere bringt eS die fortschreitende Ersetzung menschlicher Kraft durch Maschinenkraft mit sich, daß eS bei einem großen Teile der Versicherten weniger auf die rohe Kraft der Hände und Arme, als auf die bei der Bedienung von Maschinen erforderliche Acht- samkeit und Gewandtheit ankommt." Die Richtigkeit dieses SatzeS wird niemand bestreiten. Wer aber hätte je gedacht, daß diese Tatsache einmal dazu herhalten müsse, die in erschreckendein Maße fortschreitende Verschlechterung der Unfallrechtsprechung zu begründen? Denn gerade die ge- steigerten Ansprüche, die heute an Achtsamkeit und Gewandtheit ge- stellt werden, beweisen am treffendsten das Unrecht der veränderten Rechtsprechung. Wer nur neun Fingerspitzen oder gar Finger besitzt, kann keine zehn verkaufen. Die rohe Kraft der Hand aber niag ivohl beim Fehlen eines Fingers erhalten bleiben, niemals aber ihre Gewandtheit. Wenn Götz von Berlichingen mit seiner eisernen Hand Menschen totschlagen konnte, dann war sie gewiß auch zu nützlicher Arbeit zu gebrauchen. Sicher aber nur zu Verrichtungen, die nur rohe Kraft, keine Gewandtheit erforderten. Hätte er sein Brot am Webstuhl oder an der Drehbank verdienen müssen, so wäre es ihm schlimm ergangen. Nicht einmal den elende»» Lohn einer Hasplerin oder Spinnerin hätte er erzielen können. Für rohe Kraft aber hat inan heute die Maschine. Geschicklichkeit aber und Gewandtheit sind noch heute auf dein ArbeitSinarkt begehrte Artikel. Die rohe Kraft aber muß heute schon die Maschine unterbieten, will sie Ab- nehmer finden. Man denke an den Steinklopfer, der bei ui,s di« Maschine im Konkurrenzkainpf der Billigkeit schlägt, dabei aber bei größten, Fleiß buchstäblich nicht das trockene Brot für feine Faimlie verdient. Aber Geschicklichkeit und Gewandtheit sind von Wichtigkeit selbst in jedem der sogenannten Tagelöhnerberufe. Der Erdarbeiter, der die schwerste Arbeit verrichtet, wird erheblich ge- ringer bezahlt als sein qualifizierter Kollege, der Wände ausputzt, Sprießen einsetzt nsw. Für alle solche geschicktere Arbeit ist der Besitz der unverlümmertcn Hand von großer Wichtigkeit._ Scheu vor der Oeffentlichkeit. lieber die VerHandlungsart an verschiedenen Kammern des Dortmunder Berggeweöbegerichts sind durch die Berichte der Dort- irlunder„Arbeiterzeitung" die sonderbarsten Dinge ans Licht der Oeffentlichkeit gelangt. Zechenvertreter konnten es sich leisten, in der Verhandlung die Bergleute mit„Lügner" und„Kerls" anzureden. Als eine Sache vor dem Landgericht zur Entscheidung gebracht ivorden war, meinte B e r g r a t R« M Y, das Land- gericht habein seine mErkenntnis„hahnebüchenen Unsinn" vorgebracht. DaS scheint unangenehm be- rührt zu haben. Eine Maßregel wurde getroffen, die danach aussieht, als solle die Berichterstattung unddamitdieKritikder„Arbeiterzeitung" unter- bundenwerden. Jahrelang hing im Treppenflur des Gerichts- Hauses die Terminstafel, von der die Berichterstatter über statt- findende Termine Kenntnis erhielten. Diese Tafel ist plötzlich ent- fernt worden. Erst ain Vormittag des Gerichtstages soll der Portier von einem stattzufindenden Termin Kenntnis erhalten. Abgelehnt wurde, dem Berichterstatter der„Arbeiterzeitung" auf dessen An- frage von Terminen Kenntnis zu geben. Jdue der Frauenbewegung. Erziehung und Arbeiterbewegung. Alljährlich, weini die FrühlingSsonne warm und schiiieichelnd Natur und Menschen umkost, Blumen und leichtes Grün auS dem Schöße der Erde zaubert, die Brust der gequälten Menschen mit neuein Lebcnsniut und Hoffnungen erfüllt, dann müssen die schul- entlassenen Knaben und Mädchen den Kamps ums Dasein aufnehmen. In diesen Jahren geht eine Wandlung in den jungen Menschen vor, die, je nach Leitung und Führung der älteren Ge- schwister und Kollegen, sich in auswärts strebender Linie beivegt, aber auch abwärts gehen kann zur Stufe der Schleppenträger der herrschenden Gesellschaft. Vornehmlich soll da die Mutter dem Kinde eine treue Führcrin sein. Sie muß die neuen Eindrücke, die jetzt das Kind gefangen nehmen, dazu benutzen, um es mit den Ideen der modernen Arbeiterbewegung bekannt zu machen. Die Mutter darf nicht dulde», daß ihr Kind in die Netze der religiösen und bürgerlichen Jugendvereine hineingerät, die alle das Schlimme vollenden wollen, was leider die Volksschule bereits in so vieler Beziehung begonnen hat. Hier niutz die Parteigenossin ihr Heiligstes verteidigen. Sie hat ihr Kind bislang genährt und gekleidet, für eS gesorgt, indem sie Entbehrungen trug und Opfer brachte, sie hat jahrelang der Partei angehangen und für ein menschenwürdiges Dasein gekämpft und dabei den innigen Herzenswunsch gehegt, daß ihr heranwachsende? Kind einmal als Kämpfer für ihre Ideen eintreten werde. Diese Kinder will man in den religiösen Jugendvereinen gegen unsere Partei aufhetzen. Frauen und Mütter! Wollt Ihr ruhig mit ansehen, wie man die jahrelange Arbeit zu vernichten droht? Wenn die Volksfeinde ihre Absicht erreiche», dann habt Ihr umsonst gekämpft, umsonst Opfer gebracht und Hoffnungen gehegt. Deshalb Genossinnen und Mütter, versäumt nicht. Eure Kinder über die verderblichen Be- strebnngen der religiösen Jugendvereine und bürgerlichen Klimbim- Vereine auszuflärenl Geleitet sie selbst in die freien Jugend- organisationen I Genossinnen l Ihr müßt für jungen Nachwuchs in der Be- wegung sorgen I Ihr müßt die Jugendbewegung, die Partei und Gewerkschaften in Angriff genommen haben, dadurch uuterstiitzen, indem Ihr Eure Kinder, sowie sie die Schule verlassen, der freien Jugendorganisation zuführt. Unser die Jugend, unser die Zukunft! Forderung des Frauenwahlrechts. Im englischen Unterhause hat der liberale Abgeordnete G. Howard einen Antrag eingebracht, der das allgemeine Wahlrecht für alle großjährigen Engländer und Engländerinnen verlangt. Der Antrag wird von der Arbeiterpartei uns auch von manchem liberalen Abgeordneten unterstützt. Er bezweckt eine weitgehende Demokratisierung des Wahlrechts, denn er entspricht dem Grund- satz: jedem großzährigen Manne, jeder großjährigen Frau eine Stimme ohne Unterschied des Besitzes, des Einkommens, der Bildung, der gesellschaftlichen Stellung. Die Verwirklichung dieses Grund- satzes würde all den schreienden Vorrechten des Geldbeutels, der sozialen Stellung, des Amtes ein Ende bereiten, die heute noch das Wahlrecht in England verfälschen und verhunzen. Das Erscheinen des Antrages im englischen Parlament darf auch das Verdienst beanspruchen, einem großen Teil der englischen Frauenrechtlerinnen die heuchlerische Maske der Demokratie vom Gesicht gerissen und sie als gewöhnliche Verfechterinnen der Vorrechte des Besitzes ent- hüllt zu haben. Der„Nationalverband der Frauenstimmrcchts- vereine"(dlational Union ok Luklm�e Societies) hat sich ganz ent- schieoen, aber unter den fadenscheinigsten Gründen gegen den An- trag Howard erklärt. Unter anderem macht der Verband geltend, daß der Antrag der Frauenstimmrechtssache„viele ihrer Freunde entfremden würde", lies: die reichen konservativen Damen und Herren, welche— wie sie oft genug verblümt und unverblümt aus- gesprochen haben— das Damenwahlrecht als Bollwerk gegen das .allgemeine Wahlrecht aller Großjährigen und die„Begehrlichkeit" oer Massen heischen. Louisa Knightley, die Vorsitzende des„Kon- scrvativen und Ünionistischen Frauenstimmrechtsverbandes"(Eon- servative and Unionist Wornen'a Franchise Association) hat int Namen dieser Organisation„mit dem größten möglichen Nachdruck ihre Mißbilligung" des Antrages ausgesprochen, weil er„auf dem allgemeinen Wahlrecht beruht und von einem ganz neuen und re- volutionärc Charakter ist". Mrs. Fawcett. eine der angesehensten frauenrcchtlerischen Führerinnen im Kampfe für daS Frauenwahl- recht, hat in den„Times" vom 15. Mörz„im Namen der Gesamt- heit der Frauenstimmrechtsorganisationen den Antrag zurück- gewiesen" und„in den stärksten Ausdrücken gegen ihn protestiert". Was jedoch bei den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen begreiflich und damit geschichtlich entschuldbar ist, wird unverständlich und un- verzeihlich, wenn es von Frauen geschieht, die sich Sozialistinnen, Genossinnen nennen. Das Unbegreifliche»st aber in England Er- eignis geworden. Genossinnen, die schon bis jetzt mit den Damen- Wahlrechtlerinnen durch dick und dünn gegangen sind, machen auch jetzt den reaktionären Feldzug gegen oaS allgemeine Wahlrecht mit. Allerdings mit einer anderen als der ftauenrechtlerischen Be» gründung, aber auch die ist danach! Die Forderung des allgc- meinen Wahlrechts, so erklaren sie, sei eine zu radikale, denn sie werde nie die Zustimmung des Oberhauses finden! Im Gegensatz zu den erwähnten Kreisen haben sich die reinen Arbeiterinncnorganisationen, ebenso wie Genossinnen, die in diesen tätig sind, wie die Genossinnen Macarthur. Bondsield, Glasier usw. für den Antrag Howard ausgesprochen. Es versteht sich, daß die Adult Suffrage Society zu seinen Gunsten eine ungemein rührige Tätigkeit entfaltet und sich besonders angelegen sein läßt, die ge- werkschaftlich und politisch organisierten Arbeiter und Arbeite- rinnen zum energischen Eintreten ftir das allgemeine Wahlrecht aller Großjährigen in die Arena zu rufen. Für Ende April plant der Verein in Verbindung mit sozia- listischen unv gewerkschaftlichen Organisationen eine große Demo»- stration für daS allgemeine Wahlrecht. Er darf sich ein großes Verdienst daran zusprechen, daß die Forderung in den Vordergrund des öffentlichen Interesses geschoben wird. Auch das Organ der sozialistischen Frauengewerkschaften ver- ficht mit Eifer und Geschick die Forderung und sucht besonders d» Arbeiterinnen für sich zu gewinnen. Versammlungen— Veranstaltungen. Hausangestellte. Montag, den 12. April er.(2. Ostertag). abends 6 Uhr, in Zemters Festsälen, Konimandantenstr. 62: Großes Frühlingsfest. HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Diese Woche, soweit Vorrat: FRANKFURTER ALLEE Großer Verkauf«. frühjahrs-u. Sommerstoffen Waschstoffe Baumwoll-Mousseline In reich. Muster-Auswahl Mtr. 30, 45, 60 Pf. Baumwoll-Mousselin© mit BordUren Meter 35, 45, 55, TO Pf. Engl, Voüe-Chiffon Islcktes,(Zsv/obs, xsstpsist, Kisten E I B ln vsnscklsct. mottsnnsn StsIIunzsri, kiotsn 65 pf. Blussn-Zsplivr modern. Streifes. Mater 35, 45 Pf. hl, 70 cm breit, In modernen Farben..................... Meter QO Pf. Kleiderlemen(mit., In diversen Streifen... Nieten 60) 7 5 Pf. 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Mit der Herausgabe der vorliegenden Schrift hat sich der Arbeiter-Abstinentenbund ein großes Verdienst erworben, nicht nur um die Arbeiterklasse, sondern auch um die Kommunalverwaltungen, die hier zum ersten Male in zusammenfassender Weise aus die den Gemeinden durch den Alkohol erwachsenden Schädigungen aufmerk- sam gemacht und mit beherzigenswerten Ratschlägen zur Be- kämpfung des Uebels versehen werden. Die finanzielle Schädigung der Gemeinden durch den Alkoholismus erschöpft sich, wie M eh I i ch überzeugend darlegt, keineswegs etwa in einer höheren Belastung der Budgets für die Armen- und Krankenpflege, sondern sie greift weit darüber hinaus. Auch durch verminderte Leistungsfähigkeit der Bureau- und Exekutivbeamten, durch vorzeitige Pensionierung, Witwen- und Waiscngelder erwachsen den Gemeinden hohe Aus- gaben, die dem Alkohol zur Last zu legen sind, ganz zu schweigen von den Kosten für Hilfsschulen, deren Besucher zum guten Teil von Alkoholikern abstammen. Ist es doch eine bekannte Tatsache, daß Alkoholiker in weit stärkerem Maße als andere Eltern schwach- befähigte, epileptische oder idiotische Kinder erzeugen, die unfähig find, den Lehrstoff der Volksschule in sich aufzunehmen und deshalb den Hilfsschulen überwiesen werden müssen I An Versuchen, die Alkoholgefahr zu bekämpfen, haben es die weiften Gemeinden bisher fehlen lassen, und wo solche Versuche unternommen sind, kann man sie vielfach als Versuche mit un- tauglichen Mitteln bezeichnen. So glaubt man neuerdings, in der Schankkonzessionssteuer das Allheilmittel gefunden zu haben. Es ist erfreulich, daß Mehlich in Uebereinstimmung mit den sozial- demokratischen Fraktionen aller Gemeindevertretungen und mit dem Referenten über die Alkoholfrage auf dem Essener Parteitag, Genossen Wurm, sowohl diese Steuer als auch alle sonstigen Aus- nahmemaßregeln gegen die Wirte, wie die Betriebssteuer, das Ver- bot des Schnapsausschankes vor L llhr morgens, die Beschränkung der Polizeistunde usw. verwirft. Wenn er andererseits eine Ver- Minderung der Konzessionen das Wort redet, so kann man ihm in der Theorie wohl beipflichten, aber in der Praxis sieht die Sache denn doch etwas anders aus. Einmal haben die Landesregie- rungen heute schon die Befugnis, die Erlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft in Ortschaften mit weniger als 15 000 Einlvohnern ohne weiteres, in größeren Orten, falls dies durch Ortsstatut fest- gesetzt ist, von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses ab- hängig zu machen, und zweitens wird diese Bestimmung vielfach mißbraucht, um das Vereins- und Versammlungsrecht der Arbeiter völlig illusorisch zu machen. Der Polizei noch weitere Befugnisie einzuräumen, als sie schon besitzt oder sich anmaßt, dazu liegt absolut kein Grund vor. Beherzigenswert ist dagegen eine Reihe weiterer Vorschläge von Mehlich, so die Aufklärung und Belehrung der Bevölkerung mit Unterstützung der Gemeindekörperschaften, die Ablenkung der Massen vom Wirtshausbesuch durch'Errichtung öffentlicher Gärten, Spiel- und Sportplätze, Badeanstalten, Laubenkolonien und der- gleichen, durch Schaffung alkoholfreier Trinkgelegenheiten und leicht zugänglicher Unterkunftsräunie für die im Freien Berufstätigen, durch Schaffung von Milchhäuschen, Volkshallen, Wärmestuben, Speisehallen ohne Trinkzwang, Ledigenheime. Die meisten dieser Vorschläge werden allerdings einstweilen wohl fromme Wünsche bleibem So ist z. B. unter den heutigen Verhältnissen, unter der Herrschaft der plutokratischen Gemeindewahlgesetze gar nicht daran zu denken, daß eine Gemeindevertretung etwa den Arbeiter- koalitionen städtische Versammlungslokale zur Verfügung stellt. Erleben wir es doch fast täglich, daß bald hier, bald dort irgend- einem Arbeiterturnverein sogar städtische Turnhallen verweigert werden. Der Kampf gegen die Arbeiterturnvereine erscheint den meisten kommunalen Körperschaften weit wichtiger als der Kampf gegen den Alkohol oder als die Pflege der Leibesübungen. Der Haß gegen die Vereinigungen der Arbeiter macht, wie Mehlich selbst sagt, manche— wie möchten hinzufügen alle— Stadtverwaltungen blind gegen ihre kulturelle Bedeutung. Eine eingehende Würdigung läßt der Verfasser der Volks- bildung und der kommunalen Arbeiterpolitik im Kampfe gegen den Alkohol zuteil werden. Dagegen wird die wichtige Wohnungsfrage u. E. etwas zu knapp behandelt. Eine Erweiterung dieses Kapitels wäre für eine neue Auflage, die wir der Schrift recht bald wünschen, wohl am Platze. Mehr akademischer Natur sind eine Reihe anderer Vorschläge des Verfassers, so seine Anregung auf Vergemeindlichung der Wirtschaften. Wir glauben nicht, daß in absehbarer Zeit irgendeine Gemeinde sich auf ein solches Experi- menit einlassen wird. Das Beispiel, das Mehlich aus Reckling- hausen anführt, wo von der Gemeinde ein Gasthaus mit Lesehalle. Wannen- und Brausebädern errichtet ist, steht ziemlich vereinzelt oa, es mag sich aus den lokalen Verhältniessn heraus erklären und kommt zudem für uns kaum in Betracht, da das Lokal für Ar- beiterversammlungen nicht zur Verfügung steht. Wenn wir auch nicht mit allen Einzelheiten einverstanden sind, so können wir doch die Schrift unseren Genossen dringend zur Lektüre und zur Beherzigung empfehlen. Man braucht nicht der völligen Abstinenz das Wort zu reden, man braucht sich keines- wcgs vom Alkoholgenuß gänzlich fernzuhalten und kann doch ein tüchtiger Mitstreiter im Kampfe gegen den Alkoholismus sein. Wie wir den Kampf wirksam führen, das ist in der Resolution des Essener Parteitages gesagt. Dem dort gehaltenen Referat reiht sich gewissermaßen als Ergänzung die Schrift von Mehlich an, die aufs neue beweist, wie die Sozialdemokratie die einzige politische Partei ist, die es mit der Bekämpfung eines leider so weit ver- breiteten und in seiner Wirkung so gefahrlichen Uebels ernst meint. P. H. •.' Die technische EntWickelung der Glasindustrie in ihrer Wirtschaft- lichen Bedeutung. Von Dr. Robert Großmann. Verlag von Dr. Werner Klinkhardt, Leipzig. Die vorliegende Arbeit gehört zu dem Zyklus der technisch- volkswirtschaftlichen Monographien, die von Dr. Ludwig Sinz- heimer herausgegeben werden. Die Sinzheimersche Sammlung will die volkswirtschaftliche Bedeutung der modernen technischen EntWickelung auf dem Gebiete des industriellen Schaffens bis zur Gegenwart darstellen und zeigen, in welcher Weise die technische Entwickelung durch ökonomische Faktoren und umgekehrt das Wirt- fchastsleben durch die technische Entwickelung beeinflußt wird. Ge- reche auf dem Gebiete der Glasindustrie nun hat die Technik, wie Dr. Großmann in seiner vorliegenden Arbeit zeigt, in bezug auf Produktionssteigerung, Verkehrspreise, Betriebsgröße usw. des öfteren geradezu rcvolulioniererch gewirkt. So brachte z. B. die Erfindung des Siemensschen Regenerativgasofens den Glasfabri- kanten allein an dem zu verbrauchenden Brennmaterial eine Ersparnis von 40 Proz., ebenso groß ivar der Vorteil der Verkürzung des Produktionsprozesses. Noch größer aber wurde der Produktions. nutzen bei dem ebenfalls von Siemens erfundenen Wannenofen. Auf den Wannenöfen ließ sich in 5sh Wochen ebensoviel Ware er- zeugen als selbst auf dem Siemensschen in 10 Wochen. Bei gleich- zeitigem Betrieb zweier Flaschenöfen, von denen der eine, ein Ofen von 12 Häfen, monatlich 100 000 Flaschen lieferte, der andere, ein Wannenofen, ein Produktionsguantum von monatlich 200 000 Flaschen ergab, wurde zur Feuerung für beide Oefen dasselbe Quantum, 15 Waggonladungen Braunkohle, verbraucht, somit beim Wannenofen eine Brennstosfersparvis von 59 Proz. erzielt. Die Steigerung der Produktionsmenge auf einem derartigen Wanncnofen war nebenbei ungeheuer. Die Tafelglasindustrie des Saartalcs brachte z. B. auf einem Rcgenerativofen im Jahre 1865 pro Monat 7256 Ouadratm., 1878/79 12 256 Ouadratm.. 1887/88 aber 16 389 Ouadratm. Tafelglas heraus. 1889 wurde der erste Wannenofen gebaut, und damit stieg die Produktion sofort auf 74 600 Ouadratm. pro Monat. Eine ähnliche Umwälzung auf dem Gebiete der Flaschenfabrikation verursachte die Erfindung einer brauchbaren Flaschenhlasemaschine. Die Bluesche Maschine stellte in 10 Stunden 3000— 4500 Litergläser her. Dabei sind für die Bedienung einer derartigen Maschine bei Dampfbetrieb nur ein Mann und ein Junge, bei Handbetrieb zwei Mann und ein Junge nötig, während ein Glasbläser mit Gehilfen nebst Abträger nur 600 Gläser in der gleichen Zeit fertigzustellen vermag. Der Ar- beitslohn für 1000 Gläser beträgt daher denn auch bei der Maschine etwa 5 M., bei Handarbeit 19 M., sodaß sich für den Unternehmer ohne Amortisationskosten für die Maschine eine Ersparnis von 14 M. auf das Tausend Gläser ergibt. Noch vollendeter ist der neuerdings in Amerika erfundene Owenssche Flaschengießautomat. Versuche der Siemensschen Glaswerke in Dresden ergaben mit diesem Automaten eine stündliche Anfertigung von 850— 1000 Bieroder Champagnerflaschen. Da die deutfchen Flaschenfabrikanten inzwischen für viele Millionen das Owenssche Patent erworben haben, sind damit viele Hunderte von Flaschenbläsern mit der Ar- beitslosigkeit bedroht. Hand in Hand mit diesen maschinellen Verbesserungen ging naturgemäß ein Sinken der Produktionskosten. So betrugen diese im Saartale für 100 Ouadratm. Tafelglas: 1874/75 1883/84 1893/94 187 204 M. 117 534 M. 108 722 M. Die Löhne aber sanken im gleichen Zeitabschnitt von 62,741 M. auf 51,051 M. und 49,391 M., also in 20 Jahren eine Verminde- rung der Produktionskosten von 40 Proz. Errang die Technik auf>dem Gebiete der Glasfabrikation Erfolg auf Erfolg, so brachte diese Entwicklung andererseits doch nur den- jcnigen Betrieben Nutzen, die kapitalkräftig genug waren, mit der technischen Entwickelung Schritt zu halten. Während die Er- richtung eines der alten Glasschmelzöfen beispielstvcise nur etwas über 1100 M. kostete, stellte ein Sicmensschcr Regencrativofcn schon höhere Ansprüche an die Kapitalskraft der Unternehmer, da er auf 16 000 M., ein Siemensscher Wannenofen aber gar auf 40 000 Mark zu stehen kam. Da konnten Venn gar viele der kleineren Unternehmer, be- sonders im Glashüttenbetrieb und in der Spiegclglasbranche finanziell nicht mehr mitkommen und mußten aufhören. So haben sich die Glashütten und Glasveredelungsanstalten seit 1882 um 13,5 Proz. vermindert. Während aber die Verminderung der Kleinbetriebe 26,4 Proz. beträgt, hat die Zahl der Mittelbetriebe um 13,3 Proz., die der Großbetriebe um 43,6 Proz. zugenommen. In der Spiegelglasindustrie nahmen die Betriebe von 1882— 1895 um 17,9 Proz. ab, uno zwar die Kleinbetriebe um 41,1 Proz., während die Zahl der Großbetriebe um 140 Proz. gewmhscn ist. Ein Beispiel für die Entstehung von Riesenbetrieben bietet das Siemenssche Glaswerk zu Dresden, das 1863 noch aus 1 Glasofen bestand, heute aber deren 30 besitzt, 6200 Arbeiter beschäftigt und jährlich 140 Millionen Flaschen und sonstige Gegenstände erzeugt. Die Tendenz der technischen Entwicklung, die ja ganz beson- dcrs dahin geht, den Faktor menschliche Arbeitskraft durch die billigere Maschinenarbeit zu ersetzen, mußte naturgemäß auch auf die Lage der in der Glasindustrie beschäftigten Arbeiter einen tief- gehenden Einfluß ausüben. Wenn auch infolge der außerordentlich gesteigerten Massenfabrikation sich die Gesamtzahl der in der Glas- industrie beschäftigten Personen von 1882— 1895 um 17,716 gesteigert hat, so hält sich doch ein großer Teil dieser Arbeiter gegen- über der Maschine nur noch unter den erbärmlichsten Lebensbodin- gungen. Am verderblichsten hat die technische Entwicklung auf die Lage derjenigen Arbeiter eingewirkt, welche in kleinen Betrieben mit veralteter Technik und in der Hausindustrie tätig sind. Denn der Konkurrenzkampf dieser rückständigen Betriebe wird in der Hauptsache auf Kosten der Arbeiterschaft geführt. In der Gab- lonzer Schmelzperlenfabrikation z. B. senkte die Einführung einer Maschine zum Absprengen der Perlen, die in einrm Tage soviel leistete wie 70— 100 Handsprenger, den Lohn für die Handarbeit von 30 Kreuzer per 1000 Dutzend auf 4 Kreuzer, und der tägliche Durchschnittsverdicnst, der in früheren Jahren 1,50— 2 Kronen betragen hatte, fiel auf 20 Kreuzer. Die sozialen Zustände in den Kleinbetrieben der Glasindustrie sind überhaupt jammervoll. Zu den gezahlten erbärmlichen Löhnen kommt dann noch eine Reihe der greulichsten hygienischen Miß- stände, die eine dauernde schwere Gefahr für Leben und Gesundheit der beschäftigten Arbeiter bilden. So führt der Verfasser das Bei- spiel der nordböhmischen Schleifer an, von denen 75 Proz. an Tuberkulose zugrunde gehen. 53 Proz. der Kinder sterben bor Erreichung des 2. Lebensjahres und bis zum 14. Jahre weitere 5 Proz., sodaß 58,24 Proz. der Geborenen vor der Erlangung der Arbeitsfähigkeit zugrunde gehen. Was des Verfassers Ausführungen über die soziale Lage der in den Großbetrieben der Glasindustrie beschäftigten Arbeiter an- belangt, so scheinen mir diese bei aller angestrebten Objektivität doch etwas zu optimistisch ausgefallen zu sein. Arbeitszeit, Kinder- bcschäftigung, hygienische Zustände geben in Wirklichkeit auch hier zu recht ernsten und zahlreichen Beschwerden Anlaß. Was sich die Arbeiter an höheren Löhnen im Laufe der Zeit erkämpft haben, müssen sie obendrein mit einer bis aufs äußerste gesteigerten Ar- beitsintensität teuer genug erkaufen. In bezug auf die angeführten Lohnsätze selbst ergibt die vom Äerfasser angewandte Methode, be- liebig aus irgend einem Betriebe heraus ansehnliche Lohnsätze an- zuführen, für die Wirklichkeit doch ein ganz schiefes Bild. Erzielte Jahreseinkommen von 2291 M., oder 2186 M. usw. mögen ja bei den Glasarbeitern immerhin recht häufig sein, für die Allgemein- heit beweisen sie nichts. Der Vertreter der organisierten deutschen Glasarbeiter, Reichstagsabgeordneter Horn, gibt auf Grund amt- lichcr Angaben und Quellen den Durchschnittsjahreslohn eines deuffchen Glasarbeiters auf 908 M. an. Das sieht denn freilich ein wenig anders aus als das vom Verfasser angeführte Parade- ziffernbild.». s. •,• Die deutsche SpirituSiuduftrie. Eine wirtschaftliche Monographie unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Technik. Von Dr. Ludwig Wassermann. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. Preis 5,50 M. In vorliegender Arbeit wird Technik. Steuergesetzgebung und Organisation der deutschen Spiritusindustrie besprochen. Zumal Steuergesetzgebung und Organisation vulgo Spirituszentrale nehmen in den gegebenen Ausführungen einen breiten Raum ein. Wer es noch nicht gewußt hätte, dem würde die Arbeit zeigen, welch be- neidenSwerter wirtschaftlicher Lage sich die Spiritusproduzenten auf Kosten der Allgemeinheit erfteuen. Beide danken das der liebevollen emsigen„Fürsorge" der RcichSregiernng für die agrarischen Schiiapsbrenuer. ES geht ein Ton der satten Zufriedenheit durch die Ausführungen des Verfassers, der als Sohn eines Spritfabrikanten selbst zum„Bau" gehört und mit stillem, innerem Vergnügen die fetten Betriebsergebnisse der SpiriwSfabrikation zu Papier bringt. Nur ein paar Stichproben für die durch Liebesgabe und Monopolstellung bewirkten Preissteigerungen und fetten Profite der Spiritusindustrie� will ich aus dem vom Verfasser recht reichlich bei- gebrachtem statistischem Materials herausgreifen. So trieb die Brcnnsteuer vom 16. Juni 1895 die durchschnitt- lichen Rohspirituspreise vpn 81,56 Mark pro Hektoliter im Jahre 1893/4 bis auf 43,62 Mark pro Hektoliter im Jahre 1897/8 hinauf. Wie sehr diese Notierungen Liebesgabenpreise waren, beweist ihr rapider Rückgang nach dem vorübergehenden Falle der Brennsteuer im Jahre 1901. Der übliche Abschlagspreis der Spirituszentrale ging damals von 39 Mark erst auf 35 Mark, dann sogar auf 30 M. pro Hektoliter zurück. Als nach dem Ab- würgen des SpirituSternnnhandels durch Regierung und Reichstag der SpirituSzeutrale die Wege vollends geebnet waren, wucherte diese die Spirituspreise freilich rasch wieder auf die frühere Höhe hinauf. Der siebenjährige Durchschnittserlös von 35,47 M. pro Hello- liter in der Zeit von 1893/99 stieg auf 42,53 M. pro 1899/1906, Bemerkenswert ist der nachgewiesene Prositanteil der Sprit- fabrikanten an dem von der Zentrale erzielten Rebbach. Die Zentrale differenziert die von ihr den Spritfabrikanten gezahlten Rcinigungs- Prämien in der Weise, daß sie bei einer Jahresrektifikation von ivenigcr als 600 000 Liter die allgemeine Prämie pluS 0,80 M. pro 100 Liter reinen Alkohols, bei mehr als 600 000, aber weniger als 1000000 Liter, die allgemeine Prämie plus 0,40 M. pro 100 Liter: bei mehr als 1 000 000, aber weniger als 1 500 000 Liter, die allgemeine Prämie plus 0,20 M. pro 100 Liter: bei mehr als 1 500 000 Liter aber nur die allgemeine Pränne zahlt. Nach dem Fall der Brennsteuer im Jahre 1901 erreichte die Reinigungsprämie ihren niedrigsten Stand, indem die Sprit- fabrikanten von mehr als 1 500 009 Litern nur 2,60 M. für 100 Liter erzielten. Dieser niedrige Prämiensatz war aber trotz alledem noch so lukrativ für die Spritfabrikanten, daß z. B. die Posencr und die Breslauer Spritfabrik ihren Aktionären einen Entbehrungslohn von 12 Proz. ausschütten konnten. Nach Wiederkehr der fetten Jahre, d. h. nach Wiedereinführung der Brennsteuer, erhöhte die Zentrale ihre Reinigungspränne. Bezeichnend für die Stellung, welche der Verfasser der Spiritus- zentrale gegenüber einnimmt, ist die Art, mit der er alle gegen diese von den Spirituskonsumenten erhobenen Vorwürfe zu entkräften sucht. Die Klagen der durch die Preispolitik der Spirituszentrale schwer geschädigten Industrien, wie Essig- und Parfümeriefabrikation, all die Gewaltmittel, die bei der Zentrale gegen nicht absolut will- fährige Konsumenten üblich sind, die Kampfpreise, das System der schwarzen Listen usw., das alles hat nach seiner Meinung nicht viel zu bedeuten. Die Ausfuhrpolitik der Zentrale, die zu Spott- preisen große Mengen Spiritus nach dem Auslande wirft, nur um die Inlandspreise auf ihrer Höhe zu halten, und die im wesentlichen auch nur möglich ist durch die den Brennen! von der Regierung ge- zahlte Ausfuhrprämie von 6 M. pro 100 Liter, findet im Gegenteil seinen vollen Beifall, Mit Vergnügen konstatiert er für 1907 eine Ausfuhr von 13,5 Millionen Liter»ach Rußland. Alle Konsumenten- klagen entlockten ihm nur die kühle Bemerkung,„alle diese Er- scheinungen beweisen den hervorragenden Einfluß, welchen die Orga« nisation auf ein Gewerbe haben kann". Daß dem Verfasser von seinem Produzentenstandpunkt ans die Antialkoholbewegung nicht recht in seinen Kram paßt, ist ein- leuchtend. Nolons volens muß er der Riäßigkeitsbewegung Konzessionen machen. Aber, daß es Menschen gibt, die überhaupt den Ruf erheben, fort mit dein Schnaps, weckt seinen nattonalen Zorn, Entrüstet bemerkt er daher, daß die Antialkoholbewegung nunmehr einen Grad erreicht habe, der nicht mehr gebilligt werden könne und der geeignet sei, alle beteiligten Faktoren(Landwirtschaft, Gewerbe, Absatzindustrie und Fiskus) zu schädigen. Das von der Regierung in Vorschlag gebrachte SpirituLmonopol findet Dr. Wasserniann„als durchaus akzeptabel und im Interesse nationaler Wohlfahrt empfehlenswert". Aber natürlich I Weiß er ja zu genau, welch goldene Schätze die Regierung damit den Schnaps- junkern und sonstigen Spiritusintcrcssentcn aufs neue in den Schoß schütten will I Die drohende abermalige Verteuerung des Trink- hranntweinS wird dabei mit dem verbrauchten Schlagwort abgetan: das Schnapsgläschen des kleinen Mannes trifft kaum einen Pfennig. Daß damit der elendest und schlechtcst bezahlten Bevölkerungsschicht Deutschlands, denn nur diese ist ja bekanntlich der Hauptkonsument des ostelbischen Fusels, eine neue gänzlich ungerechtfertigte Last auf- gebürdet wird, hat ja bei der Schicht der Satten und Zufriedenen nichts weiter zu sagen.».». ■»" Die Wendung in der deutschen Geld- und Bankfrage. Von Paul Steller. Verlag von Paul Neubner. Köln a. Rh. Preis 2,80 M. Unsere Agrarier sind bekanntlich auf die Deutsche Reichsbank und die von ihr vertretene Finanz- und Bankpolitik nichts weniger als gut zu sprechen. Die ganze„Richtung" ist ihnen viel zu wenig junkerfreundlich, abgesehen davon, daß die Reichsbank die Stütze der von ihnen so scharf bekämpften Goldwährung ist. Von diesem agrarischen Standpunkte aus hat auch der Verfasser seine vor- liegende Arbeit geschrieben, obgleich er seiner eigentlichen Stellung nach den rheinischen Jndustriekrcisen angehört. Der Geist der Arendt, Gamp und Könitz schtvebt über allen seinen Ausführungen. wie sich denn auch die Wortführer der Junker zur Stütze ihrer Meinung, z. B. in Reichstagsdebatten, auf den Verfasser vor- liegender Arbeit, dann wieder dieser zur Stütze der scinigen auf die von Arendt, Gamp und Könitz verzapften Weishcütssprüche beruft. So hat der Verfasser an der Deutschen Rcichsbank und dem von ihr gesteuerten Finanzkurs viel, sogar recht viel auszusetzen. Den Sturmbock in seinen Hauptangriffspunktcn bildet die Höhe der bei der Reichsbank üblichen Diskontsätze, lind in der Tat ist die Rcichsbank in bezug auf Zinsfußhöhe gegenüber der Bank von Frankreich und der von England entschieden im Nachteil. Während im Krisenjahre 1901 der deutsche Durchschnittsdiskont der Reichs- dank 6,03 Proz. betrug, stand cr bei der Bank von Frankreich auf 3,46 Proz., der von England auf 4.93 Proz. Daß bei diesem Rcsul» täte nicht nur vorübergehende äußere Verhältnisse(Krise, Goldaus- fuhr, Anspannung des Geldmarktes), sondern auch innere Gründe entschieden mitsprechen, beweist die Diskonthöhe der Reichsbant gegenüber Frankreick und England auch in solchen Jahren, wo von Krise, Goldausfuhr und überspanntem Geldmarkt keine Rede war. Eine Ursache des höheren deutschen Diskontsatzes ist ziveifels- ohne in der eigenartigen Mischung von Staatsbetrieb und privat- kapitalistischer Unternehmung zu suchen, die der Deutschen Reichs- dank zugrunde liegt. Der staatliche Fiskalismus und die privat- kapitalistische Profitsucht machen auI der Reichsbank weniger eine gemeinnützige Förderin des deutschen Wirtschgftslcbens als eine direkte Erwerbsgesellschaft. Wenn die Reichsbank z, B. im'Jahre 1906 durch einen unverhältnismäßig hochgehaltenen Tiskontsatz von durchschnittlich 5,144 Proz. auf ihr Aktienkapital von 180 Millionen Mark einen Nciugewiuu von 40 Millionen Mark, gleich 22'.h Proz. des Grundvermögens und 8,22 Proz. Verzinsung an die Anteils- eigner, 1907 aber sogar einen Reingewinn von 52 Millionen Mark herauswirtschaftet, so bedeutet eine solche Haltung der Bankleitung eine ftfjWäte Belastung des SBfelfd�afillcBchS. Die Rcichsdauks» anteileigner freilich schlagen bei dieser Finanzpolitik zwei Fliegen mit einer Klappe, sie erhalten für ihr Kapital eine mehr als an- ständige Verzinsung, und der hochgehaltene Diskontsatz der Reichs- dank bringt ihnen, da sie ja in der Hauptsache der Bankplutokratie angehören, für ihre eigenen Bankgeschäfte und Unternehmungen einen indirekten wesentlichen Nutzen. Denn nach dem Rcichsbank- diskont richten sie ja ihre eigenen Diskontsätze. Die neue Bankvorlage sucht dem Uebel der Diskonthöhe vor allem durch eine Erhöhung der Betriebsmittel und deS steuerfreien Notenkontingentes zu steuern. Diese Vorschläge sind ja auch im Reichstage auf keinen Widerstand gestoßen. Viel weiter aber geht der Verfasser vorliegender Arbeit, der in seinem Werke und in einer im November 1907 an den Reichstag gerichteten Eingabe unter anderen« fordert,«daß das Notenrecht der Reichsbank zu- künftig unbeschränkt sei; auf der Grundlage einer Eindrittel-Bar° deckung, unter Festsetzung der letzteren nach dem Durchschnitt der jeweiligen letzten B Jahre". Da die Reichsbank in den letzten 5 Jahren einen durchschnittlichen Barbestand von 1 Milliarde be- sessen hat, bedeutet der Vorschlag, der Reichsbank einen steuerfreien Notenumlauf von 3 Milliarden einräumen. Solange sich die Reichs- bank in privaten Händen befindet, wäre dies eine ganz ungebechtferiigke LiebeTgvbs von vielen Millionen Mark an die plutokratifchen Reichsbankaktienbesitzer. Abgesehen natürlich von den schwerwiegenden Gründen wegen mangelnder innerer Sicber- heit einer solchen Notenflut. Schon unter den heutigen Verhält» nissen steht Deutschland in bezug auf Bardeckung der umlaufenden Noten ungünstiger da als z. B. Frankreich und England. Wäh- rend in Deutschland im Jahre 1997 der Prozentsatz der Notenbar- deckung 97 Proz. betrug, stand er in Frankreich auf 7g, 3 Proz., in England gar auf 129,5 Proz. In England muß z. B. jeder über das steuerfreie Notenkontingent von 16 899 999 Pfund Sterling hinausgehende Notenbetrag voll in bar gedeckt sein. Die Bank von Frankreich läßt 5999 Millionen Frank in Noten umlaufen, hat aber dafür einen BarfondI von fast 3999 Millionen. Zu alledem kommt noch die schwache Golddecke der Reichsbank. Der durchschnittliche Goldbestand der Reichsbank betrug im Jahre 1997 633,8 Millionen Mark, derjenige der Bank von Frankreich 2188,8 Millionen Mark, derjenige der Bank von England 696,1 Millionen Mark. Un- zweifelhaft würde in ruhigen Zeiten die vom Verfasser vor- geschlagene Notenausgabe von 3 Milliarden zu einem Anschwellen der Metallvorräte der Reichsbank Anlaß geben. Um so schärfer wäre dann aber der Rückschlag in der Zeit der KrisiS und der politischen Depression. Da würde die zu schwache Dritteldeckung gar llalS zum VerhängniZ werden. Dem die übrigen zwei Drittel Bankwechsel im ReichSbanpkortefeuille bringen da keine Rettung. Uebrigens ist da das vom Verfasser angeführte Schiddidnitzer Bei- spiel recht lehrreich, aus dem hervorgeht, daß die Tantiemensucht der Reichsbankfilialletter auch ganz munter Finanzwechsel statt Warenwechsel ins Portefeuille nimmt. Da kann CS einmal böse Uebcrraschungen absetzen! Dieser Weg zur Vermehrung der flüssigen Mittel der Reichs« baut ist nicht gangbar, wenigstens zurzeit nicht. Der Ver- fasser hat jedoch noch andere Vorschläge in petto. Der agrarischen Rüstkammer ist derjenige entnommen, daß Silber- münzen statt wie bisher zu dem Betrage von 29 M. nun bis zu 59 M. in Zahlung genommen werden inüssen. Ein alter Lieb» lingswunsch deS Dr. Arendt, der auch dadurch nicht schmackhafter wird, daß für dessen Notwendigkctt die Schwierigkeiten bei den Lohnzahlungen der industriellen Arbeiter inS Feld geführt werden. Der agrarische Standpunkt des Verfassers zeigt sich dann noch in seiner Stellungnahme zur Verstaatlichungsfrage der Reichsbank. Daß die Regierung die Bank nicht in die Hände der Junker spielen will, weckt in seinem Herzen einen bösen Grimm, der sich in mancherlei Anspielungen auf die Abhängigkeit der Regierung von den Großbanken Luft macht. s. a. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcztcr. (Siehe Wochen- Spielplan.) Yreie Volksbühne. sonntag, den 11. April, nach- mittags 8 Uhr z L. Abteilung im Neuen Schaufpielhauje: Nachtasyl. Nachmittags 3 Uhr: im Herrnfelo-Theater(Num- mern der Karten 8991—8800): Der Probekandidat. Sonntag, den 11. April, nach. mittags 3 Uhr: 11. Abteilung im Thalia-Theater: Der Fleck au» der Ehr'. Montag, den 12. April, nach- mittags 3 Uhr: S. Abteilung im Neuen Schauspielhaus«: Nacfttafhl. Nachmittag« 3. Uhr: im Herrnfelo-Theater(Num- mern der Kotten 0601—10400): Der Probekandidat. Freitag, den 16. Apttl, abends 8Uhr: 14./M. Abend- abteilung: Pechschulz«. bleue Freie Volksbühne. Ain Sonntag. 11. Apttl, na...... 2st, Uhr: im Deutschen Theater: WaS ihr wollt; in den Kammer- spielen: fDer Brief des Uria; im Neuen Theater: Der Schwarz- künstler.— Silberfischchen! im Reuen Operetten- Theater: DaS verwunschene Schlotz: im Berliner Theater: Battel Turaser z im Hebbel-Theater: Erde. Am Montag, den 12. April, nach» mittags 21/, Uhr: im Neuen Operetten- Theater: DaS ver- wünschen« Schloß; im Neuen Theater: Der Schwarzkllnstler. Die Silberfischchen; im Berliner Theater: Emma Galotti; im Hebbel-Theater: Erde; im Deutschen Theater: Was ihr wollt! im Fttedrich-Wilhelmstädt. Schau- spielhause: Schlagende Wetter; in den Kammersptelen: Der Brief des Uria. �esslnx-'pkeater. Sonntag 3 Uhr: Roeenfnontoo. Abends 8 Uhr; Oer KSnfg. Montag 3 Uhr; Die Weber. Abends 8 Uhr: Oer König. Dienstag 8 Uhr zum 60. Wale: Oer König. Ö. Ibsen-Zyklos vom 19. April bis 13. Mai. Abonnement aus 13 Vorstellungen: Parkett 60 resp. 66 u. 40 M., 2. Rang- Ballon 30 resp. 26 M. Der Berkaus ist eröffnet. SvrlwEr TUsstsr. Heute 8 Uhr: DInvi- von unsere I-ent'. Nachm. 3 Uhr; Sattel Turaser. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Unter Leitung d. Lmpresatto Rudolph. Zum 1. Male: LlllöS LnglSvliers Selm. Montag und solgend« Tage: Eines Englanaors Helm. Tlieater des Westens. _ Allabendlich 8 Uhr:_ B®" Der Jockeyklnb. PBQI Sonntag u. Montag nachm. 31/, Uhr halbe Preise: Ein Walrettraum. ksjglllicli-WiltiölmstSMlitiöL Schauspielhaus. Sonntag, 11. April, nachm. 3 Uhr: ScblAgendc Wetter. Abends 8 Uhr: Othello. Montag nachm. 3 Uhr: Schlagende Vetter. Abends 8 Uhr: Madame Bontvard. Dienstag: Othello._ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Osterfonntag und Ostermontag: Mmmere Lied m Melle mit Rieh. Alexander und Vera Witt. Sonntag 3 Uhr: Der Floh im Oyr. Montag 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Weues Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luilenstr. 3 Uhr: Das verwunschene ScnloS. Abend« 8 Uhr: Die Oollarprlnzessln. Montag(2. Feiertag) nachm. 3 Uhr: Das verwunschene SehloB. Abends 8 Uhr: Die Dollarprlnzusla. Urania. WissenBchaftliches Theater. Sonntag; 8 Uhr: Auf den Traminern Messinas. Montag 8 Uhr: Dienstag 4'/, Uhr: Am doli von Neapel. Abends 8 Uhr: Bei den Scbwarzfa&indianern. Berliner jlquarium Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-Straße No. 14 An een 3 Feiertagen Eintrittspreis: mr so pt.-m JBeichhaltigste Ansstellnng der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 59/2 Lustspielhaus. Sonntag nachm. 3 Uhr: Lore. Zum Eiustedler. Blau. Abcnba 8 Uhr: Im Klubsessel. Montag nachm. 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Dienstag 8 Uhr: Im Klubfessel. Hebdel-I'kester Königgrötzer Str. 57/68. Ans. 8 Uhr. Heute und morgen: RewIuliollslioetiieN. Dienstag T/t Uhr zum ersten Male: Die Möwe. Luisen-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Mein Leopold. Abends 3 Uhr: Oster-Montag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abend» 8 Uhr: Premiere: Mädel ohne Geld. Oster-DienStag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Mädel ohne Geld- Mittwoch: Mädel ohne Geld. Donnerstag: Totschläger von Paris. Freitag: Matte, die Tochter de» Regiments. Sonnabend: Flachsmann al» Er- zieher. Sonntag 3 Uhr: Romeo und Julia. MendS 8 Uhr: Mädel ohne Geld. Montag: Strasienbahnsahrer Krause. Hieraus: Versprechen hinterm Herd. kmwlumitm Ar. Franklnrier Str. 132. «yritz.Pyrtt». Posse mit Gesang in drei Akten von Willen. Anfang 8 Uhr. Soimtagspreise. Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ehrliche Arbeit. Montag: Kyriü.Pyrih. Nachm.: Wohltäter der Menschheit. Dienstag: Ehrliche Arbeit. Nachm.: Die Räuber. 0 KOpenlckerstr. 68. Q An beiden Oftersciertagen abends 8 Uhr: Sensationeller Erfolg I Ler Zltmd von Saskenrille. Bollständige Neubearbeitung I Nachm. 4 Uhr bei halben Preisen: Lkerloek Holmes. Hetropoi-Theater Thgllch 8 Uhr: flonnerwetter— tadellos! Revue in lOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Perry, Holden, Bender, (ülamptetro. Kettner, Ptann, Thtelwcher. Gustav Beiirens- Theater. Das glanzende sensationelle Oster- Programm. 9'/, Uhr: Aufstieg des lenkbaren Luftschiffes.Zäppelin IE*. Der Frlsenr als Don du an. Operette. Aviang L Uhr. Kehlllvr-ThSsler. Schiller< Theater Oharlottendurg. Sonntag, nachm. 3 N b r: Die Brant von Beaslna. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. gsj?" Ende G'l, Uhr. Sonntag, abend« 8 Udr: ver llerr Ministerialdirektor. Lustspiel in 3 Akten von Mexander Bisson und Fabttce 2mm SfcT" Ende 10',. Uhr.-®0 Montag, nachm. 3Uhr: Kabale nad l-tebo. Montag.abend» 8 Uhr: Macbeth. DienStag. abend» S Uhr: Maebetb. O.(Wallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhrz Kabale and Udebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Ende 6 Uhr. Sonntag, abend« 8 Übt: Die Kwlllingeachwester. Lustspiel in 4 Ausz. von Ludwig Fulda. -- Ende 10'/, Uhr.-- Montag, nachm. 3 Uhr: Die KaroUnxer. Montag, abend» 8 Uhr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Dienstag, abend» 8 Uhr: _ Charley» Tante._ Brauerei frieddehsham. Größter Konzertsaal Berlins. Am Königstor. fiTVil: a£ü'Ä Matinee-Konzert von___ Johann Strauß Wien mit der gesamten Kapelle(50 Künstler). Anfang mittags 1 Uhr. Ende 4 Uhr. Von nachmittag. GaSlSplel des weltberühmten Udel-Quartett... wien Leitung; Professor Karl Friedrich Udel. In den Zwischenpausen: Großes Oreypestor. Ank 6 Uhr. Lei günstiger Witterung im Latten v. 4 Uhr ab: Mllltirkonrert. Billetts für beide Konzerte zu ermäßigten Freisen(40 u. 60 Pf.) im Vorverkauf bei der Spedition des»Vorw&rta*, Herrn Zucht. Immanuelkirchstraße 12. a o> isse JnlernaHoi Gartenbau-Ausstellung CASTAN's P A KT O P T I C UM Frlodrlohstr. 166(Pschorrpalast). Bis Sonntag, den 18. April: Familientagjo! j8dM Be8uoher kttnn ein Klnd frei einführen. M 5J U« o a 5 w Uumorlstlsohe Künstflep-Abende. Großartiges neues Programm. An den drei Feiertagen je zwei Vorstellungen. �Fortrag�jiM�Premdenlegionära�JBIschofj�� tn 5 a n Zl? -=r „Bellachini's Zauberveit" ausgeführt van - Ensen Schröder und Barsnrete Fara.- gar) gberraams„glgsimn" Ä".',," Am 1. und 2. Osterfeieriag. mittags 12 Uhr: SOT Matinee der beliebten Enstlsen Kalancr SUnger."MF Abcudö an allen» Feiertagen im Riefenparkettsaal: Großer Bali.- Bailmusik von 2 Kapellen. 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Herr, Für Familien- und VereiiiSscstlichteiten empsichlt kleine und große Säle ßer Garten mtt gedeckten Hallen, zirka 4000 Sitzplätze) taffee.in Kannen.60. 7°..lö0. SctlNlMt,«efitzer. Fernsprecher: Reinickendorf Rr. 1S0. (großer Kaffee M Schultheiö nnä MDnoheaer Pschorr. ----- Gute Küche. Mittwoch, d. 14. April: Schluß der Saison. Sonntag, 11., u. Montag, 12. April, an beiden Osterseiertagen: 2 Große n Fest-VorstellnnprcnÄ Nachm. 3'/, Uhr. Abends 7-,, Uhr. Nachmittag hat sccker Erwachsene 1 Kind unter 10 Jahren frei aus allen Plätzen außer Gallert«, jedeS weitere Kind unt. 10 I. die Hälste. Nachm. ti. abend» ungekürzt: Die gr. AuSstattungS-Pantomime Der Ailfvl Äu Mädchen» Seeräuber" bändler. Händler. D*»a4 der Chiinpanfe als raut Radfahrer. In allen Borstellungen: T'oforitos-lYio 3 Herren in einem ganz neuen Genre. Wild-Wesl-Cowdoy-Theron-Trupps Armandos boxendes Känguruh. Dir. Alb. Schumanns neueste Ottginal-Dreffuren und das übrige sensattonelle Programm. ?S85Sge-?SU0ptjIlllM. Während der Gsterferien, vom 4. April bis inkl. 18. April: Tolkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frell Jedes Kind erhält ein Geschenk! ille Extra-SebensMikeiten frei! Eintritt 50 Pf. 1 Kinder ohne Begl., Soldaten 25 PI, "Passage-iFeater. Während der 3 Festtage J je 2 Vorstellungen: V nachm 3— 7 Uhr(kl. Preise), abends S— 11 Uhr. Die maurische Sohlangentänzerln tfaka-Sshaä Gastspiel der Garland» Negeroperette IS Solokräfte und das grandiese April-Programm, Der größte | Vari6teaErfoIg t den je Berlin gehabt!> An den beiden Feiertagen: 2 Vorstellunaen 2 Nachm. »'/, Uhr. Kleine Preise I mit dem gesamten = neuen= sensationellen {April-Programm! U. a.; Salerno. Acht Geishas. Baggasen. Amann. Marcel, u. Boris. Klnemaoolor. R. und 2. OBterfelortaff, nachm. 8'/, Uhr: Familifin-Vorsteliong: Onkel Casimir(cpetett) und da« gr. Vitra ktl ans-Programm. U. a. HeinhauS. Rechenkünstler. Abend» 8 Uhr: Große Vorstellung und Gastspiel der drei Schwestern __ Wtescnthal._ Folies Capriee. Am t-, 2. and>. Feiertag; Insolvent. Posse von ii, Tausstein. In lauschiger Nacht. Burlesk« von»«ericke. Aalang S'/, Udr. XIV. Gnlsnxx. Am 1.«. 2. Osterfeiertage Sonntag, 11., u. Montag, 12. April: Je, T&Q Große l l Nachm. 4 und abds. 7'/, Uhr. Um 4 Uhr ei« Kind unter IVIahren aus allen Sitzplätzen frei. SV Achtung: S"96 Am 2. Feiertag, nachm. 4 Uhr: Auswanderer BV nngekünt!' In sämtlichen Vorstellungen:! Bons. Vnnsnct k ? Be. Ohnvlcston 1 Herrn Karl Hagenbecks Riesen- l Löwen- tun] EiMreD-Grappeli Vorführen«.Reiten d. bestdresstert.! Schul-, Freiheit», u. Springpserde. l Sämtl. Clowns mit den neuesten j Witzen und Späßen. Nachm. 4 Uhr am i. Feiertag: s ksnbanossa> Die besten Szenen und Balletts| au» der Pantomime. Abend»?'/, Uhr: Auswanderer] VV Am 2. Feiertag: In beide« Vorstcllnugcn Auswanderer] jgV nnsekürstl"Wtz Bechstclnsaal Ostermontag Linkstr. 42. 6 Uhr. Or. Alfred DANIEL Heine» Abend zu ermäßigten Preisen. Kil.l'l,, 2,8 dl. heute u. morgen tags b. Kastellan. Morgen abend ab 7 Uhr: Saalkasso. 68/9 Bert Mi' r r»Palash Ständige Eisbahn. Bit 12 Uhr nachte geöffnet. Koncert und Kunstlaufen. Gebrüder Bermfeld- Anfang Thn->fQr Vorverkauf B Uhr.'"»«"Dl, ,,__g vhr. Premieren-Abend. lEeine=l>el]ie Tochter. Familien-Idyll in 2 Akten von A. und D. Herrufold (nach Papa Noa). Der selige Nfemann. Lustspiel in 1 Akt von Karl Teilheim. Oster-Montag und folgende Tage: Dieselbe Torstellnng. Reichsballen-Theater Stettiner Sanger. Anfang am 1. u. 2. Feiertag: 7 Uhr. 8. Feiertag; 7 /i Uhr. Theater. Brtckonstr. Ant T1/, U. An allen 8 Feiertagen: Gr. Feab-UIk-Programm I Papa Brcnnebo. Tageskasse 11—2 Uhr. Parterre-Saal: Humor. Abende. Berliner Spatzen. Prima Kflche. Entree frei. ■0: Zweiter Berliner Reichstagswahlkreis Montag, den 12. April 1909(2. Osterfeiertag): Große ülatiiiee ••• ••• im großen Saale von Kllem, Hasenheide 13—15. Mitwirkend«: Spree- Athener Sänger»Gesellschaft Eintritt 80 Pf. 210/13* Anfang: 18 Uhr. Cm zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. ■Hl: -mir xtw vir- imw"«r- mp'*9* vor■w Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Herl. Beiehstagswahlkreis. Am Sonntag, den U. April 1000(1. Osterfeiertag: Zwei Matineen"�! in den Lokalen; Konzertlians Sanssouci, Kottbuser Straße 6, Freyers Festsälen, Koppenstr. 29. In Sanssoncl unter Mitwirkung der Liedersängerin Frl. Marianne Geyer und des Rezitators und Dialekthumoristen Herrn Otto Wienier. In Preyers FestsUlcn _ unter Mitwirkung der Gesellschaft(Ütrxelewita._ In beiden Lokalen: KONZ FHT. ErölTnong 11 Chr.— Billett 80 Pfg.— Anfang pünktlich 18 Chr. Wir bitten die Mitglieder, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, weil oSene Kasse nicht stattflndet. 217/5* «MU Donnerstag, 15. April. 8 Uhr abends, im Volkshause Charlottenbg.: Volkslieder-Abend. Vortrag: Leo Kestenberg. Rezitation; Johanna Meyer. Gesang: Gertrud Bisoholf und Alexander Rubanoff. Klavier: Leo Kestenberg. Nach Schluß des Volkslieder» Abends: Geselliges Beisammensein and Tanss. Eintritt Inkl. Garderobe, Programm u. Tanz 60 Ff. 283/12 Karten in- den Zahlstellen. Blüthner-V� ySiaah Slfithner* Orchester. 2. Otterfeiertag, Montag, 12. April,?>/, Uhr:| Populäres Konzert Dirigent: Ferdinand Nsitter. Solisten; T. Huretinen(VioL). 1 S. Alschansky(Posaune).' A. d. Programm: Litelff; Ouv.! z. �Robospierro". Kämpf: a) I Liebesliod; b) Wanderlied. Bach: Konz. f. d. Viol. in E-dnr. I Gräfe: Konzertstüok f. d. Po- 1 saune, Gillel; Entr'-act Gay. 1 Karten a 1.50, 1.—, 0.75 b. Bote I & Bock, Wertheim usw., Gr- 1 chesterbureau Lützowstr. 76, Tages- und Abendkasse am I Konzerttage. 291/6 1 Donnerstag, den 15. April: Letztes Sinfonie-Konzert. Gasäno-Theater Lothringer Str. 37. Heute und folgende Tage 8 Uhr. Gr. Erfolg bei Presse und Publilum. Ackernmiin von Felix Holländer u. Lothar Schmidt. Sonnlag und Montag 4 Uhr CWU- vi« Dianabüder, T V i Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Reichstagswahlkreis. Heute Sonntag/, den II. April 1909 (erster Osterfeiertag) im„Schweizergarten", Am Königstor; Großer Jamilien-iM bestehend in Sinfonie-Konzert, Vorträgen und Tanz. Konzertdirigent; Herr M. Fischer. Mitwirkende; Frl. Erna(Schneider, Liedersängerin, Rezitation: Herr Schauspieler Plchard. Berliner Clfe-Trie. Erlffnung 6 Uhr. Eintritt 80 PI. Anfang 7 Uhr. Nftheres: Programm.— Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 60 Pf. nach. Billetts bei allen Bezirksführern und in den Partei- Speditionen Zucht, ImmanuelklrohstraBe 12, u. Hahnisch, AugustalraOe SO.* Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Toratand. i ZZ : alhalla- Voriefe-Theater ■i VVeinbergiweg 19-20, Roseoth.Tor. üeute Sonntag n. morgen Montag je 2 Vorstellungen. Nachmittags 31/, Uhr t jeder Besucher ein Kind frei, und abends 8 Ilhr. In b cM b c n Vorstellungen da» vollständige Programm. Battyo Mfttt KÖttll und die llbrigen Spezialitälenl Im Tunnel: Konsert. j Die Theaterkasse ist während des ganzen Tages geössnet. PiiilMilS IMe, Schönhauser Allee 148. feiertaV"; Ks. Exlravorsioilung Konzert. Spealalltüten und Theatervoretellnng. 12 erstklassige Nummern. nX: Großer Ball. Vorsle Ansang präg. 6 Uhr.' Männer-Gesangverein„Senefetder" M. d. A.-S.-B.— Ohormeister A. Bock. Bontaff, den 18. April 1000(8. Oeterfelortag); W jr j in den Konzert*eas.Tes!sälenM Androasstraßo 21. 1978b Mitwirkende: Fräulein Flerentlne Boyer(Gesang), Fräulein Maria Belger«(Rezitation).— Am Klavier; Herr A. Bock. J Anfang 81/, Uhr. Eintrltiskartsn Im Vorverk. 30 Pf., an d. Kasse 40 Pf. , Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. ( Nach dem Konzert: Tans. Teilnahme für Herren 50 Fl. Ow WWWWWWWWWWWWWWWWWWWW WHJWW�WWWWWWWwdb Uansangestellte I Montag, brn 18. April(it. Osterfeiertag). abcitbs 6 Uhr, in Zemters Festsäleu, Kommandantensh. 62: :: s::: frübllngs-feft::::« Alle Dienstboten, Auswärterinnen usw. sind eingeladen. I Eintritt 83 PI. 283/13 Garderobe 15 Pf. I Stadt-Theater Moabit. Vrößtcr und vornehmster Theater saal Moabits. Alt-Meahlt 48.(Tel. II 2492.) Sonntag, 11. April, 1. Osterfeiertag: »herleck Holme«. Montag. 12. April, 2. Ollerseiertag: Oer Vampyr von I.ondou. DienSIag, den 18. April: Der Trompeter von Säfktngen Ans. b. Borst. 7, Kasienössmmg 6 Uhr, Konzei t 6>/, Uhr. L. und 8. Fcievmo! Nach der Vorstellung: Van». Brunnen Tiieater vadstrahe 68. Direktion: MI» Voigt. Sonntag. 11. April, nachm. 3 Uhr: Dir schön» Ungarin. volkSstllck mit Gesang in 4 Alten von Mannslädt und Weller. Abends 8 Uhr: Mutterliebe. Original-BoIkSschauspiel mit Gesang in 6 Akten von I. Willhardt. Montag, 12. April, nachm. 3 Uhr: Mutterliebe. BolkSschauspiel m. Gesang in 6 Akten von I. Willhardt. Abend, 8 Uhr: Der Stolz d. Arbeit. volkSstüd mit Gesang in 6 Bildern von verg«od Lakobfohn. W.KoacUs Theater Direktion! Hob. Dill, Bmimenftt. 16. 3 Feiertage: Große Festvorstellung I Armut und Edrljlnn. 2. Ollerseiertag: !vie in im Weibkl tiumrt. Alis. 8 Uhr. Cniree 30 Bs. Tanz. MpHlU-: Inh: Hermann s Markgrafonda: I. Osterfeierti LW— Große» Vokal- u. Instrumental- ausgeführt v. d. Geaan „Frohsinn" und„Vorwärts" Nachdem: Tan». 2, Osterfeiertag b gOT GroBe-«Z Gala-Spezialitäten-Vorsteltang arrangiert vom Krafl-Turn- u. Artisten-Verein „8Ud-0«t". Hierauf: Tan». S. Osterfeiertag t ► Großer Elite-Ball ♦ www www www wd ♦1 Soztaldemobratiseher Wahloerein|: des 6. 8erL BeiehstagS'Wahthreises.\t Montag, den 12. April(2. Osterfeiertag): Sieben große Matineen in folgenden Lokalen: Prater-Tlieater, Kaslanien-lllee 7/11. Fröbels Allerlei-Theatar, 6Aii8.ohi«or Ballschmieders Etablissement, Üailstr. 16. Germania-Prachtsäle, CiiaHtr. 110. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. Brunnen-Theater, Bädstf. 68. Joseph Frankes Festsale, BadstraSe 19. Konzert. Gesang. KUnstierisclie iuftiilirHngcn. Spezialitäten. Anfang pünktlich 18 Uhr. Billetts 85 PI. Tische and Stühle dürfen nicht reserviert werden. 226/7* 1�] l�j Seh5neberg. Sozialdemobratiseher Wahlvereiti. Sonntag, den II. April(I. Osterfeiertag), in den Räumen der Schloßbrauerei, * llaaptstraBo 188:+ I Oster-Vergnügen unter Mitwirkung der Fritz Knappe-Sänger. X Konzert x Tanz. Beginn 6 Uhr.— Programm 50 Pf. Ein jeder versehe sieh rechtzeitig mit Billetts. Der Vorstand. IL asc 3*E Edler rfctarter Obanssoe 5 (lüher 180.) Schwarzer Friedrichsberg Bt�bähnnä�n��nkTTMeö! Inh. GchT* Fe�äpr�r�drichsber�NTjT Sonntag, den 11. April(1. Osterfeiertag): Große Sports Vorstellung veranstaltet vom Sportklub„Osten 1808". Am 2. und 3. Osterfeiertage; KOKK Großer Ball KOK« unter bewährter Leitung das Herrn 0. Bürger sowie der Hauskapelle des Herrn W, Bolzmann. oJchultheiss-ßier verdankt sein Renommee seiner hervorragenden Qualität und Bekömmlichkeit Sanssouci. ÄT Dtreftion Wilhelm Reimer. Fost-Frugramm der B Oster- Feiertage. äeute Sonntag».Montag: Bllnianns Honll Singer Hochinteressantes Fest Prograinm! Aktuelio Einakter, Ensent bleszenen usw. U. a.i Neu: liesenrielenlrsuilon Dienstag: Theator- Abend. Gastspiel d. Neuen Deutsch. Freien VollSbahne. Am 1.». 2. Feierig. Ans. d. Konz. 5 Uhr, der Vorslellung 7 Uhr. Am 3. Feiertag Ansang 8 Uhr. Am 2. und 3. Feiertag: OLtef-Tünzki'ällzdiea t last'lheater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse. 2. u. 3. Osterfeiertag: großartige Fest- Frograram. 1Z Debüts 1Z Nur Attraktionen allerersten Ranges. Das Skelett im Hause. Posss in 1 All Klein. Wer«ach Treptow geht» ist dumm» wenn er sürS Bier 16 Ps. giebt. ßn Ludwig Hoffmanns ikfiikii) Köpentcker Landftraste. Elte Karpfen. WT--» Fl» gskS tetch-Straste, gibt'S rrstNassigcS Bier sllr "' Angenehmer Yauitlienaufrnthalt.■■■■■'• ♦ Orol J6 Mittag J&f AuSw.( £ W K Großer Frübsiück-, Mittag- und Abendtlscb. ❖ mit Bier 60 Ps., abend, k la carte in reichet uSw. zu soi. Preisen. Gr. FrcmdenlogiS a Veit 40 Ps. VereinSzimmer(20 u. 60 Pers.) Teleph. Amt IV 2366. Nitterstratze Nr. tSS. Ktrsmm 8opl!lL0'8sle LopdlellSlrAlZs 17/18 Ousrsiralte der Rossnfhalor StraSo— am Kackosdien Markt* Inhaber; Panl Itaatz■'■■ n.------ cmpsiehll seine von 60—2000 Personen sasseuden Säle zu Versammlungen, Vortrag,» u. Kunftabenden usw. vorzligl. Alustil. Kulant. Entgegenlominen. llsrnrns Volkspmk-IliöslLl (srüher Biet»!) Landsberger Allee 76/77. Ab 11. April(1. Osterseieriag) tägl.: otös-tofer um erstennial in«erlin— voll» tändig neu— alles lacht— man amüsiert sich löftlich. BOroerliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. . Osterfeiertag: DerHüttenbesther. Schauspiel in 4 Akten v. G. Ohuet. Gastspiel Frl. Irmgard Dicdetich. Ansang 8 Uhr. 2. Osterfeiertag: Die Räliber. Traun spiel in 6 Akten v. gr.v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Alhambra Wallner.Theaterslrabe 16. i:tz Großer Ball GroheS Orchester. Ansang Somltagl 6 Ilhr.__ A. Zasueltat. Teilzahlung monatlich 10 M. liefere Herron-Gar derobe nach Mast(billigste Preise). J. Tonprowski. Nähe Bellealltanceplatz. Rasse 10°/. billiger,• 'tler Zahlstelle Berlin. Bureau: Blankenfeldostr. 10. Achtung! Schuhmacher l Achtung! Dienstag, den 13. April, vormittags 10 Uhr(3. Qsterfeiertag) in den Armt»-.Hallen, Kommandanlenstr. 53/53: oeffentliche Schuhmscher-Veriammlung ------------ der Mahbranche.------------ Tages-Ordnung: 1. Das Ergebnis der lehten Verhandlnng mit dem Arbeit geververband. 2. Dislulston. 3. Verschiedenes. Kollegen I Da möglicherweise die Versammlung über Krieg oder Friede» z« entscheiden haben wird, ist eS Pflicht aller Kollegen zu erscheinen. t63/S' Die Ortsverwaltung. Verdsnü der Sattler iebtang! Ortsverwaltung Serlin. Ächtung! Die turnuSmShig am Donnerstag, den 13. April, fällige Allgemeine Mitglieder- Versammlung findet an diesem Tage nicht statt. Dafür findet am Beunerstas, Saal der Armin-Hallen, eine den»S. April« im grasten Kombinierte Versammlung Sattler u. NortefeuMer »n der die Berichterstattung Versammlung ersolgt. 156/15 statt. von der gemeinschaftliche» General- Ble Ortsverwaltung. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. BerwaltnngSstelle Berlin. Hauptbureau: CharittstraBe 3. Hos HL Amt 3, 1987. Gemäh de» Bestimmungen unseres Ortsstatutes geben wir den Mitgliedern hierdurch bekannt, dast die nächste ordentliche Generalversammlung der Ber- waltungsstelle Berlin am 24. Mai d. I. stattfindet. Anträge hierzu müssen spätestens bis zum SS. April bei der Ortsverwaltung eingereicht sein. 115/3_ Die Ortsverwaltung. Orts-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe ■i zu Berlin.——— Die für das Jahr 1369 gewählten Vertreter der OrtS-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und ver» wandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Dienstag, de» 30. April 1300, abends 80, Uhr, im»W euen Klubhau s", Kommaudantenstr. 73, stattfindenden hiermit eingeladen. 272/20 TageS- Ordnung: 1. Bortrag über die von der Regierung geplante Retchs-Ber- sicherungs-Ordnung. 2. Entgegenahme des Jahresberichts pro 1908. a) Bericht deS Vorstandes. b) Schriftlicher Jahresbericht. 3. Bericht des Rechnungsausschusses. Decharge-Erteilung. Berlin, den 10. April 1209. Gustav Nahtow, Paul Göritz, Vorfitzender. Schristsührer. Bekanntmachung. Mglieder-Versammlung der Orts- Krankenkasse der vhlltllgrnphkn;ti Kerlm am Dienstag, SO. April 1000, abends 8 Uhr, im Restaurant Otto Paodura, Landsberger Straße 85. TageS-Ordnnng: Wahl von 30 Ersatzdclegierten. DaS Mitgliedsbuch legitimiert. Nur arotzjährige Mitglieder haben Zutritt. Der Verstand. Karl Graolo, Pol!» Meiser, 1. Vorsitzender. Schristsührer. SeUanntmachung. General-Yersammlung der Orts- Krankenkasse der Photographen\n Kerlin Delegierten-Versammlung am Freitag. S3. April 1000, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Otto Pachura, Landsberger Straße 85. Tagesordnung: 1. Verlesen deS Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Jahresbericht des Vorsitzenden. 3. Bericht der Kassen- revisoren. 4. Ergänzungswahl zum Vorstand(2 Arbeilnehmer). 5. Ver- schicdeneS. 272/9 Nur Delegierte haben Zutritt. Berlin, den 26. März 1909. Der Verstand. Karl Graefe, Felix Meiser, 1. Vorsitzender. Schristsührer. Marienbad- Theater Bodstr. 35/30. Gebe in dieser Saison Sonnabende und Sonntage an Vereine, sehr günstig, offene Kasse. 19985 Gemtiiismitt Orts- KrmikenIüO für At.-Wilmrsdirf und Umgegend. Einladung. Aus Grund des 11. Nachtrages ig 49 des Statuts) ist eine Ergänzungswahl der Vertreter zur General-Versammlung ersordcrlich. 273/1 ES find 14 Vertreter der Arbeit- geber zu wählen. Jeder Arbeitgeber, welcher Beiträge aus eigenen Mitteln leistet, sübr t bei der Wahl eine Stimme. Sämtliche wahlberechtigten Arbeit- geber werden zu einem zwecks Vor- nähme der Wahlen am Mittwoch, den Sl. April. abendS 8'/, Uhr, im.Viktoriagarten", Wilhelms- aue 114/115, stattfindenden Termin hierdurch eingeladen. Von den Kasscnmitglledern find 32 Vertreter zu wählen. Wahlberechtigt und wähwar sind nur diejenigen Kaisenmitglieder, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Sämt- liche wahlberechtigten Kassenmitgltcder werden zu einem zwecks Vornahme der Wahl aus demselben Tag abends 0'/, Uhr im.Luisenpark', Wilhelmsaue 112, stattfindenden Termin hierdurch mit der Aus- sorderung eingeladen, zur Legiti- mation ihre Krankenkassendücher bezw. Mitgliedskarten mitzubringen. Die Wahlen sind geheim und werde» durch Stimmzettel je in einem Wahl« gange in der Weise vorgenommen, daß jeder Stimmberechtigte soviel Namen aus einen Stimmzettel schreibt, wie Vertreter zu wühlen sind. Für die Mitglieder genügt zur Legittmatton eineArbeitsbeicheiiiigung, welche mit der Unterschrist und dem Stempel des Arbeitgebers versehen ist; auch find Legittmationskarten, welche zur Teilnahme berechtigen, Im Geschäslslokal, Kaiser Allee l73a, am Schalter 1 und in den bekannten Meldestellen zu haben. Für die Arbeitgeber, welche der Person nach nicht bekannt find, legitimiert die letzte Beitragsrcchnung. WtlmcrSdors-Bcrlin, 10. April 1909. Der Verstand. Gust. Wegener, Hugo Freundt, Vorsitzender. Schristsührer. Orts-Krankenkasse der Tabakfabrikarbeiter zu Einladung zur Ordentl, General-Versammlung am Montag, d. 10. April 1000, abends 8',. Uhr. Im Lokale Welustr. 11(srüher Feind) TageS-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung und Entlastung des Rendaiitcn. 2. Antrag auf Statutenänderung betreffend Erhöhung des Sterbegeldes. 272/14 Der Borstand. Bekanntmachung. Die Wahlperiode der sämtlichen Vertreter zur Generalversammlung der Ortslranteniasse ist abgelausen und haben demzufolge Neuwahlen statt- zufinden. Es find zu wählen: A. Von den Arbeitnehmern: in der 1. Abteilung. Fabrllbetriebe. bei 3104 Mitgliedern Baubetriebe,, 157. Binnenschiffahrt, Transportgewcrbe,. 180 Handelsgcwerde,. 248 alle Handwerke,„ 702 sonstige Betriebe des stehenden Gewerbes hei 260 Mitgliedern Geichästsbetriebe der'Anwälte, Noiare, Krankenlassen uiw.. bei II Mitgliedern Betriebe, in denen Dauipskeffel usw. zur Verwendung kommen, b. 74 Mttgtiedern , Die in Kommunalbetrieben und im Kom- munaldicnst bcjch. Pers., bei 117 Mitgl. Land- und Forstwirtichast, bei 35 Mitgl. Freiwillige Mitglieder, bei 283 Mitgl. der 1. . 2. . 3. . 4. , 5. , 0. . 7. 9. . 10. . It. 124 Vertreter 5 10 28 10 5 1 11 B. Zur Vornahme termine im 205 Vertreter Von den Arbeitgebern 103 Vertreter. dieser Wahlen sind zufolge Vorstandsbeschlusses Wahl- Sadauschen Wnurlmt, Keßdenzstr. 124, weißst angesetzt nnd zwar: a) Zur Wahl der Kassenvertreter aus der Zahl der Kassenmitgüeder der Abteilung 1 ans Montag, den 19. April d. I., abends von 5—8 Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Wteilung 2 aus Mittwoch, den Sl. April d. I., abendS von 0—7 Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 4 aus Mittwoch, de« Sl. April d. I.. abendS von 7—8 Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 5 aus Mittwoch, den Sl. April d. I.. abends von 8—9 Uhr. Zur Wahl der Vertreter auS der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 6 auf Donnerstag, den SS. April d. I.. abends von 0—7 Uhr. Zm Wahl der Vertreter auS der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 7 aus Donnerstag, den SS. April d. I.. abends von 7—8 Uhr. Zur Wahl der Vertreter auS der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 8 aus Donnerstag« de» SS. April d. I., abends von 8—8'/, Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Wteilung 3 aus Donnerstag, de» SS. April d. I.. abends von 8'/,— 9 Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 10 aus Freitag, den S3. April d. I.. abends von 0—7 Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 11 aus Freitag, den S3. April d. I., abends von 7—7'!, Uhr. Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Kassenmitglieder der Abteilung 12 aus Freitag, den S3. April d. I., abends von 7'/,— 8'/, Uhr, und d) Zur Wahl der Vertreter aus der Zahl der Arbeitgeber aus Sonnabend, den Sl. April d. I., abends von 7'/,— 8'/, Uhr. Wahlberechtigt und wählbar sind nur solche Personen, welche daS 21. Lebensjahr überschritten haben und im Befitze der bürgerlichen Ehren- rechte sind. Die Kassenmitglieder der oben genannten Abteilungen, sowie die Arbeitgeber werden zu den angesetzten Wahlterminen mit dem Ersuchen um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen hierdurch eingeladen. Die Kassenmitglieder haben zu ihrer Legitimation die Kastenbücher mü- zubringen. Reinickendorf, den 10. April 1903. 272/13 Der Vorstand der Ortskrankenkasse. iDeEKrbBifer-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 18. April 1909, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Frledricbsbain: Uebungss Stunde. Geübt werden: 1. Zum t. Mai. 2. Bruderlied. 3. Wir glauben| an der Freiheit Sieg.(4. Wie wonnig ist's im Monat Mai. %NuwÄa'Sl:iehAu8schußaSitzung;. Tages-Ordnnng: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. 17/3 Der Vorstand. NB. Vereine, welche am Provinzial-Sängerfest teilnehmen, werden_ersuchti_jim£ehend>jin_G;iJlarowsk�_iIajchtej�b>e£f£, ( Gudninstr. 5 zu berichton. Sämtliche Kassen- Angelegenheiten sind an A. Seikrit, [Kixdorf, Hobrechtstr. 18, alle anderen an P.Kupfer, Berlin, Petersburger Str. 56 zu richten. „Zum Sportsliaus", Telephon: Amt Königs-Wusterhausen 175; Post Nicderlehm«. Empfehle mcw herrlich am Grossinsee und Hochwald gelegene? Lokal den werten Vereinen, Gewerkschaften, Fabriken und Gesellschaften zu FußpaRien und Dampserausslügen. 216L Zwei grobe Zille, Kegelbahnen, KaffeekDche, Volksbelustigungen. In der Lokallistc verzeichnet unter Nlederlehme(Abbau). Desgleichen empschle mein Restaurant mit Destillation und Saal- geschäft in Berlin K. 53, Fontane-Promenade 18, Ecke Blücherstraße Tel..-Amt IV. 173„Zlim Leuchtturm" Tel.-Amt IV, 173 Beretnszimmer und Saal zu Festlichkeiten und Versammlungen. Anmeldungen für Partien nach Ziegenhals nehme auch hier entgegen. _ Achtungsvoll_ M. Mörschel. Empfehle meinen gtoficu(�lufcii mit Sommer- btthne und Saal, ISOO Personen fassend, zu Sommerfeften —'lasten uf». 6842* »am« Berliner .ÖW, Str. 1058. für Sonnabend und Sonntag an Vi Zum Kurfürsten ci; Borussi Ackerstr. 0/7. Jnh.: Geo Empfehle den Vereinen u. GeWe! lassend) zu Versammlungen und dingungen.— Im Mai und Juni iv tsäie d. Elsasser Str. Ine Säle(100—800 Personen len zu den kulantesten Be- onnabcndc und Sonntage frei. USdel JI�Alexan - n. Waren-KredUhans Alexanderplatz-Passage, Alexanderstr. 39-40 lief. koiupkWoluinngB-Elnrlchtungen, Konfektion Wasche- AjMMtMttungen Waren Jei Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Schullokai; Grenadierstr, 37, Hof geradezu 1 Tr, Sehrplan für das 2. Quartal 1909. Montag; Gesctzesknnde. Strafprozeßrecht. 1. Die Entwictelunj« des deutschen Gerichtswesens und des Strafprozesses. 2. Die Reichsgerichtsverfassnng. Zuständigkeit der Gerichte. 3. Das vorbereitende Verfahren. Anklage Voruntersuchung. 4 Die Hauptverhandlung. Gericht und Staatsanwalt, Angeklagter und Verteidiger. Die Beweismittel. 5. Die Rechtsmittel. 6. Privatklage. Nebenklage. 7. Besondere Arten des Verfahrens. 8. Strafvollstreckung. 9. Der Militärstrafprozeß. 10. Die Reform des Strafprozesses V ortragender: Simon Katzenstein. Mittwoch: Geschichte.(W esen und Entwickelung der politischen Anschauungen Deutschlands.) Der historische Materialismus.— Entstehung der kapitalistischen Gesellschaft.— Der Klassenkampf zwischen Rittertum und Bürgertum.— Dieser Klassenkampf in Deutschland am Anfang dies 19. Jahrhunderts noch nicht beendet.— Die damaligen sozialen und politischen Zustände.— Der Kampf zwischen konservativ und liberal.— Was ist konservativ?— Was ist liberal?— Die Nationalliberalen.— Das Zentrum.— Ausgang und Erfolg dieses Kampfes.— Die gegenwärtige Situation. Vortragender: Julian Borchardt. Donnerstag: Xatlonalökonomle. Die Akkumulation des Kapitals.— Das Verhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital.— Die massenhafte Arbeitslosigkeit.— Die kapitalistische Zirkulation.— Fixes und flüssiges Kapital.— Mehrwert und Profit— Die Durcli- sohnittsprofitrate.— Kapitalistische Widersprüche und Krisen. Das Handelskapital, das Bankkapital, der Kredit— Zins, Handelsprofit uud Unternehmergewiun.— Die Grundrente.— Die Klassen. Vortragender: Jnlian Borchardt. Freitag: Rednerschale. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst Die Rede nach Form und Inhalt Dispositionslehre. 2. Technisoho Hilfsmittel: Die Registratur. Die Nachschlage-BibUothek. Das Manuskript. 3. Praktische Hebungen im Beden und Diskutieren. Vortragender-. Max Grunwald. Der Unterricht beginnt: in Gesetzeshnnde: Montag, den 26. April; IVatlonalöKonomle: Donnerstag, den 29. April; Redncrschnle: Freitag, den 30. April; Geschichte: Mittwoch, den 5. Mai. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8'/, Ehr und endet pünktlich um 10 Ehr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8—0 Ehr geöffnet Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf,; das Untemohts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokai Grenadierstraße 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz. Admiralstr. 40a; Beul, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kaczorowskl, Ravenestr. 6; Borsch. Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Otto Gcithner, Berlin NO. 18, Friedenstraßa 70 III, rechts, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasen- heide üb, zu senden. Der Vorstand. Orts-Krankenkaffe für das Tapcsiem-Gtilikrbk zu Berlin. Freiiag, 16. April, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschajtshause, Engeluser 15, Saal 7: Ordentliche General-Versammlung sämtlicher Herren Delegierten. Tagesordnung: 1. RechnungSbcricht. 2. Beschluß» sassung über die Abnahme der Jahres- rechnung 1908. 3. Bekanntmachung der Beschlüsse des Vorstandes. 4. Statutenänderung(§§ 21, 22, 23 und 29). 5. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. s272/13 I. Sl.: H. Lobitz, Vorsitzender. Verleih-I nsti tat: Friedrichst.l 16/1, a.Orabg. ■Sor. Eleg. Frack, Gehrock IMHose 1,00, Weste 50Ps. �Vatkan Manck iS9 Skalitzer Str. 139. t s Die schönsten 3602 y Herren-Sommer-Paletotsr und Anzüge ,0�°','.° Mouats-Garderobe� vonKaoaliereugeirageneSachen,! fast neu, für jede Figur passend,» speziell Bauchanzüge sind iuf großer Auswahl stets zu staunend! billigen Preisen zu haben.| Nathan Wand ISi» Tkaliher Str. iS9. 53 HochbahilstationKottbuscrTor.� Bitte ausHausnummer zu achten. � l Killmn- und Krunfbiudtlkl vou Robert Meyer,. nur UllrliMllrll-Straße 2. Unnshmestellen kür„Hileloe flnzeigen" Berlin C. A. Hahnisch, Augnststr. 50. W. G. Schmidt. Kirchbachstr. U. O. W. Mann, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. R. WengelS, SIndrcaSstr. 17. MD. S. Zucht, Jminanuelkirchstr. 12. I. Renl, Barmmkir. 42. Hl. H. Raschke, Slckerstr. 36. F. Trapp, Sieitiner Str. 10. Karl. Mars. Lychener Str. 123. Karl Weisse, Nazareihkirchstr. 49. H. Bogel. Lortzingstr. 37. A. Tiev, Jnvalidenstr. 124. L. Dechand, Rnheplatzstr. 24. VW. Karl Anders« Salzwedeicrstr. 8. Meckert, Gotzkowskystr. 29. SW. H. Werner, Gneisenaustr. 72. Taeh», Hagelbcrger Str. 27. dt. St. Frili, Prinzeastr. 3t. Rich. Schmidt, Kottbnser Damm 8. SD. Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engeluser 15. Adlershot. Karl Schwarzlose. Hoffmannstr. 9. Baamscbnlenwog. H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Borsigwalde. Paul Kicnast, Räuschstr. 10. Charlottenbnrg. Gustav Scharuberg, Sesenheimer Str.>, Friedrichshagen. Ernst Werkmann. Friedlichste. 67. Griinan. Franz Klein, Bahnhossir. 6, III. Johannisthal. Pirlicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Karlshorst. Richard Küter, Rödetstr. 9, II. Köpenick. Emil Wissler, Kietzerstr. 6, Laden. l-lchtenberg. Ctto Seilet. Kronprinzenstr. 4, I. Kicder-Schönewelde. Paul Bengsch, Grünauer Str. 8. Kowawes. Wilhelm Jappe, Priesterjtr. 46. Dher-Sjchttneweide. August HenjeS, Lausener Str. 2, l. Pankow. Otto Rissmann, Mühlenstr. 30. Beinickendort. P. Gursch, Kämelestr. 12. Uixdorf. At. Heinrich, Neckarstr. 7. Eonrad, Hennannstr. 50. Knnimclsburg. A. Rosenkranz, Sllt-Roxhagen 56. Schmargendorf. Gustav Kaminsky, Cunowstr. 2. Schtfncbcrg. Wilhelm Bäumler» Martin-Luther-Str. 51 im Laden. Spandan. Koppen, Jagowstr. 9. Steglitz. H. Bcrnsce, Schloßstr. 119. Tcmpoihof. Albert Thiel, Friedrich-WIlhelm-Str. 20. Treptow. Robert Gramenz, Kiejbolzstr. 412, Laden. Weißenscc. Fuhrniallii, Scdanstr. 105. Schillert, König-Chaussee 39a. Wilmersdorf. Wittmöbel, Landhausstr. 27. jLerantwortlicher Redakteur� Sans Weber. Bertin. Für den Inserat! Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. it. 85. 26. IllhrgM 3. Keilmc In Jotniiittü" Snlim lolUlitt. Zsuvtag. 11. April 1909. Mittwoch, den 14. April, Zahlabend in Kerlin nnd Uororten. Partei- Angelegenheiten. Die Protestboge« gegen die drohende Erhöhung der Tabaksteuer. soweit solche noch in Partei- und Gewerkschastskreisen zirkulieren, sind nunmehr schleunigst an das Berliner Verbandsbureau. Adresse Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Linden ftr. 69, vorn 4 Treppen, abzuliefern resp. einzusenden. _ Der Aktionsausschuß. Pankow. Wir bringen den Genossen hiermit zur Kenntnis. daß sich der in der Einigungsversammlung am 6. April gewählte Vorstand in folgender Weise konstituiert hat: 1. Vorsitzender: Albert Jacob, Brehmestr. 3; 2. Vorsitzender: Otto Schmidt, Berliner Straße 24; Kassierer: Paul Larsen. Brehmestr. 48; 1. Schriftführer: Hermann Lesser, Amalien- park 3; Abteilungsführer für Nord: Paul Spieker mann, Steeger Straße 1; Abteilungsführer für Süd: Friedrich Sasse. Berliner Straße 85; Abteilungskassierer für Nord: A u g u st Laatz, Wollankftr. 22; Abteilungskassierer für Süd: Ferdinand Kahl, Schulzestr. 22; Vertreter der Agitations- lommission: Johann Hirschmeier. Gaillardstr. 32. Wir ersuchen nun alle Genossen, sich am nächsten Zahlabend, Mittwoch, den 14. d. M., in den seitherigen Lokalen recht zahlreich wieder zusammenzufinden. Die schon zum 19. April an- gesetzte Gemeindewahl macht es nötig, daß vor Abhaltung des Zahlabends(und zwar abends um 1 Uhr) eine Flugblattverbreitung stattfindet, bei der alle Genossen zu eifriger Mit- arbeit pünktlich zur Stelle sein müssen. Parteigenossen Pankows! Wir rufen Euch alle zu eifriger Mitarbeit auf, vertrauend auf Eure Opferwilligkcit und Arbeits- freudigkeit im Interesse der Partei. Auf zu neuen Kämpfen und zu neuen Siegen! Der Vorstand. I. A.: Albert Jacob, Brehmestr. 3. Gchönrderg. Heute Sonntag, den 11. April, abends 6 Uhr, veranstaltet der Wahlverein in der Schloßbrauerei ein Oster- vergnügen. Diese? besteht in Konzert und Gesang. Miwirkende sind u. a. die Fritz Knappe-Sänger. Für Humor ist gesorgt. Nach- dem findet Tanz statt. Programme sind daselbst und in der Spedition Martin-Luther-Straße 61 zu haben. Der Vorstand. Steglitz. Am ersten Osterfeiertage findet im..Birkenwäldchen" ein Konzert des Gesangvereins„Zukunft I" statt. Anfang des Konzerts nachmittags ö Uhr. Da der genannte Verein unsere Ver- anstaltungen stets bereitwilligst unterstützt, ersuchen Wir um zahl» reiche Beteiligung. Am zweiten Osterfeiertage, nachmittags von 5 Uhr an. treffen sich die Genossen und deren Familien zu einem gemütlichen Bei- sammensein bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Der Vorstand. Lankwitz. Heute, am 1. Feiertag, mittags 12 Uhr, veranstaltet der Wahlverein in Ebels Lokal eine Matinee unter Mitwirkung der Volkssängergesellschaft Paul Jescheck-Berlin und des Arbeiter- gcsangvereinS. Da weder Kosten noch Mühe gescheut wurden, um den Genossen nur Gutes bieten zu können, wird die Beteiligung aller Genossen und deren Angehörigen erwartet. Das Komitee. Treptow-Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden ersucht, am Dienstagabend 7 Uhr behufs wichtiger Parteiarbeit in den Be» zirkslokalen beider Ortsteils vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Tempelhof. Der Wahlverein begeht heute, Sonntag abend 7 Uhr, im„Wilhelmsgarten". Berliner Straße 9, die Osterfeier durch Konzert. Doppelguartett. humoristische Vorträge und Tanz. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Grünau. Am Mittwoch, den 14. d. M.. abends 8� Uhr. findet im Lokal des Genossen Franz, Köpenicker Straße 38, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Da wichtige Angelegenheiten zur Verhandlung kommen, ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwünscht. Beiträge können entrichtet werden. Gäste willkommen. MahlSd-rf(Ostbahn). Die Parteigenossen und-Genossinnen werden ersucht, zu dem am Mittwoch, den 14. April, abends 8'/z Uhr stattfindenden Zahlabenden vollzählig erscheinen zu wollen. Des- gleichen ersuchen wir die am 1. April in Mahlsdorf und Kaulsdorf zugezogenen Genossen und Genossinnen, sich beim Wahlverein (Fr. Käming, Wagnerstraße 7, I., oder M. Fuchs, Köpenicker Allee 20) anzumelden. Ferner machen wir darauf aufmerlsam, daß die nächste General- Versammlung am Sonnabend, den 17. April, abends 8'/z Uhr bei Herrn Linke, Grunolvstraße stattfindet. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Am Mittwoch, den 14. d. M., abends 8 Uhr, findet der Zahlabend im Vereinslokal statt. Bohnsdorf. Den Genossen zur Nachricht, daß die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins nicht am 14., sondern am 21. April stattfindet. Der Vorstand. Spandau. Die Genossen, deren Angehörige und Bekannte werden nochmals auf den heute, abends 5 Uhr. im Lokale von Gottwald. Schönwalder Straße 80, stattfindenden Kunstabend hivgewiesen. Potsdam. Der Wahlverein veranstaltet am 2. Osterfeiertag im..Viktoriagarten" ein Vergnügen, bestehend aus Abendunter- Haltung und Tanz. Eintritt 20 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet _ Das Komitee. Berliner JVaebnebten* Matineen finden wie in den Vorjahren auch in diesem Jahre an den Osterfeiertagcn statt. Die Komitees der einzelnen Wahlkreise haben die Veranstaltungen so eingerichtet, daß den Partei- genossen mit ihren Angehörigen für ein verhältnismäßig ge- ringes Eintrittsgeld einige angenehme Stunden an den Feier- tagen in Aussicht gestellt werden können. Die Arrangeyients der Wahlkreise finden wie folgt statt: 2. Wahlkreis. Am zweiten Osterfeiertag. mittags 12 Uhr, im Saale von Kliem, Hasenheide 13/15. Einwittskarten a 20 Pf. sind noch an der Kasse zu haben. Mitwirkende sind die „Spree-Athener-Sänger". 3. Wahlkreis. Am ersten Osterfeiertag, mittags 12 Uhr, fin großen Saale von Kellers„Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 98— 97. Konzert ausgeführt von Zivilberufsmusikern(Kapollmeister Herr Hascheck) unter gütiger Mitwirkung des Konzertmeisters Bruno Schulz(Violine), Paul Berg(Flöte), Berliner Ulk-Trio. Pro- gramm am Eingang gratis. Billett 30 Pf. Im vierten Berliner Wahlkreise finden am ersten O st e'rj« feiertags zwei Matineen in den Lokalen Konzerthaus Sanssouci, Kottbuser Sw. 6, und Freyers Festsälen, Koppensw. 29, statt. In Sanssouci unter Mitwirlung der Liedersängerin Frl. Marianne Geher und des Rezitators und Dinlekthumoristen Herrn Otto Wiemer. In Freyers Festsälen unter Mitwirkung der Gesellschaft„Strzelewitz". In beiden Lokalen: Konzert. Eröffmmg 11 Uhr, Billett 30 Pf. Anfang pünktlich 12 Uhr. Die Mitglieder werden gebeten, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, weil offene Kasse nicht stattfindet Im sechsten Wahlkreis finden morgen Montag(2. Osterfeiertag) sieben große Matineen in folgenden Lokalen statt: Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/8; FröbelS Allerkei-Theater, Schönhauser Allee 148; BallschmiederS Etablissement, Badstr. 16; Germania- Prachtsäle, Chausseestt. 110; Kronen-Brauerei, Mt-Moabit 47/49; Brunnen- Theater, Badstt. 58; Joseph Frankes Festsäle, Badstr. 19. Konzert. Gesang. Künstlerische Aufführungen. Spezialitäten. Anfang pünktlich 12 Uhr. Billetts 25 Pf. Die Genossen deS fünften Kreises haben zu heute abend S Uhr im Schweizergarten am Königstor einen Familienabend arrangiert. Das Programm besteht in: Sinfonie-Konzert, Vorträgen und Tanz. Konzertdirigent: Herr M. Fischer. Mitwirkende: Fräulein Erna Schneider, Liedersängerin, Rezitation, Berliner Ulk-Trio. Eintritt 30 Pf. Ostern bei Finkenkrug. Die Auferstehung der Natur kämpft diesmal einen langen Kampf. Einen Vorstoß nach dem andern muß der Frühling machen, um endlich sein Gebiet zu erobem. Und noch immer geht ein Frösteln durch Wald und Flur. Draußen beim Finkenkrug, wo die Eilzüge gen Hamburg durch den Wald donnern, sind die Haseln verblüht. Sie haben ausgestäubt, ohne aber dadurch ihre landschaftliche Wirkung verloren zu haben. Mit den weißen Birken und den mit ihrem vertrockneten Laube vom vorigen Jahre noch bedeckten Weißbuchen und Eichen bilden sie manche malerische Gruppe unter den Kiefern, die all das sttauchige Kleinzeug unter ihnen mächtig überragen und in den Kronen ihre alten Melodien summen. Hinter dem alten Finkenkruge weichen die Kiefern mehr zurück, weil feuchterer Boden nun die Laubhölzer begünstigt. Braunes Laub deckt den Boden. Und zwischen dem toten Mull leuchten bald hier, bald dort Himmel- blaue Sternchen auf, blaue Leberblümchen, die all- jährlich im Frühjahr, wie durch Traditton, von einem kundigen und naturfreudigen Teil der Berliner Bevölkerung hier gesucht werden. als die erste schön- blühende und wildwachsende Zier der heimischen Flora. Das Pflänzchen ist typisch für die Art, wie die ersten Waldblumen sich ihr Blütenleben erkämpfen, indem sie sich rasch entfalten, ehe noch die Bäume, in deren Schutz sie leben, ihr Blätterdach entwickelt haben, das ihnen später Luft und Licht nehmen würde. Um den gegebenen Moment rasch ausnützen zu können, werden die Blütenknospen schon im Jahre vorher im Herbste fix und fertig ausgebildet. Hüllblätter schließen sie den Winter über sicher ein, bis nach der letzten Schneeschmelze im Frühjahr rasch die Stiele sich strecken, die Knospen sich vergrößern und im warmen Sonnenschein plötzlich blaue Sternchen stehen, wo kurz zuvor nur modernde Blätter sichtbar waren. In Gesellschaft der Leberblümchen und in der Gegend von Finkenkrug weit ver- breitet, wachsen die weißen Anemonen. Sie werden allgemein auch Osterröschen geheißen. Daß von ihnen, trotz ihres Namens, noch nicht das mindeste zu sehen ist, beweist eine ungewöhnliche Verspätung der Jahreszett. Aus dem Frühling ist ein Spätling geworden. Das tostet manchen Schnupfen und Katarrh, aber es soll uns nicht niederdrücken. Immer mehr Knospen werfen trotz alledem täglich die Hüllen ab und bald werden auch unsere Mäntel nachfliegen. I« der neue» königl. Bibliothek. Eine dämmerige Stille herrscht in dem weiten, hohen Räume. Riesig wölbt sich in ihren erdrückenden Dimensionen die kuppelarttge Halle über den Häuptern der Leser. Un- gehemmt flutet von allen Seiten, besonders aber durch die beiden Seitenfenster das Tageslicht in den Raum. Sehr ruhig und vornehm hebt sich das dunkclgetönte Holz der Wandverkleidung und der unteren Galerie sowie der Einrichtungsgegenstände von der hellen, reich und kunstvoll verzierten Wölbung ab. An der vorderen Breitseite befindet sich der offene Arbeitsraum der Beamten, die von hier aus den ganzen Saal überblicken können. Aeußerst praktisch und zweckmäßig sind die Arbeits- tische, an denen je zwei Personen bequem nebeneinander arbeiten können, ausgeführt, und die weichgepolsterten Stühle erhöhen noch den angenehmen Eindruck. ISO Sitzplätze sind vorgesehen. Die am meisten gebrauchten Hand- und Nach- schlagewerke befinden sich parterre und ziehen sich von der Tür im Kreise herum bis zurück zum Ausgangspunkte, wo der Eingang von der Dorothecnstraße aus sich befindet. Jene Werke hingegen, die seltener verlangt werden, haben ihren Stand in den oberen Galerien Ivo sie durch die sinnreiche Einrichtung leicht zu finden sind. Allmählich dunkelt es. Nur selten dringt irgendwoher gedämpftes Flüstern. Auf leisen Sohlen schweben die Vor- übergehenden nach ihren Plätzen. Das Knistern der um- geschlagenen Blätter, das Klappen eines Buches, ein halb- unterdrücktes Husten, sonst atmet alles Ruhe, köstliche Ruhe. Ueber die Reihen der Tische breitet sich die wohlige Stille des Studierzimmers. Jetzt flammen hoch über den Häuptern in strahlender Helle große elektrische Lampen auf und auf den einzelnen Tischen werfen kleine Glühbirnen ihr mildes, weißes Licht über die aufgeschlagenen Bücher. In die Ecken und Winkel gebannt lauern die Schatten des Abends. Köpfe neigen sich in langen Reihen über tiefgründige Werke; Gesichter, deren scharf herausgearbeiteten Linien von Intelligenz und geisttger Energie zeugen, starren, vom Schein der Lampen grell beleuchtet, unverwandt und weltvergessen auf den schwarzen Druck. Aus der Schar der männlichen Leser tauchen die weichen Züge eines weiblichen Antlitzes auf, ein blonder Gretchcnkopf oder ein dunkler Madonnenschcitcl. Manchmal auch eine Frau, die an der Schwelle des Lebens- herbstes steht, mit seinen Silberfäden im Haar. Sie alle brauchen noch Bausteine zu ihrer geistigen Arbeit und sammeln mit stillem Eifer. Wie der Wurm ins Holz bohren sie sich hinein in den granitnen Fels des Wissens, mtt zäher Geduld, Millimeter um Millimeter vom geisttgen Terrain erobernd. Hier der junge Herr im schwarzen Gehrock, mit hagerem bartlosen Theologengesicht, sitzt nun schon wochen- lang, schon längst vor dem Unizuge, über demselben wissen- schaftlichcn Werk. Und weiter drüben, der Alte, mit der Athletengestalt und dem prächtigen Charakterkoptt holt sich in kurzen Zwischenräumen aus der Haudbibliothw..mmer wieder ein anderes Buch an seinen Platz. Aber nicht alle, die hierherkommen, in die Schatzkammer eines tausendjährigen Wissens. sind geistige Arbeiter von Beruf. Da sitzt ein etwa 25 jähriger Mann in schlichter Kleidung. Die weitausladende Stirn krönt ein ernstes, von der Sonne gebräuntes Gesicht, aus dem zwei helle, intelligente Augen blicken. Den roten, dicken Fingern, die unverkennbare Spuren von harter Handarbeit aufweisen, fällt es sichtlich schwer, die dünnen Blätter umzuwenden; ein Bauarbeiter vermutlich, der die unfreiwilligen Winterferien nützlich anwendet und die klaffenden Lücken seines Wissens nach Kräften auszufüllen bestrebt ist. Andere krabbeln oben auf den Galerien herum und suchen sich in den einschlägigen Wissenszweigen das Gewünschte aus. Technologie, Philosophie, Kunst, Naturwissenschaften, Medizin, Rechtswissenschaft, der eine braucht das. der andere jenes. Und jeder findet das Nötige. In den Vorräumen befinden sich der alphabetische Katalog und die Ausleihzimmer.'Hier erhält man die Bücher, die mit nach Hause genommen werden dürfen. Doch geht das nicht so ohne weiteres. Auf sein mehr oder weniger ehrliches Gesicht hin wird keinem ein Buch geliehen. Kann er sich nicht als Student ausweisen oder bietet seine soziale Stellung nicht sonstwie Garantie, so muß er sich schon an einen Abgeordneten irgend eines Parlaments wenden, der willig ist, den Bürgschein mit seiner Unterschrift zu zeichnen. Ein Hausbesitzer oder sonst eine gewichttge Person tut's aber auch schon. Dieser Schein wirkt wie eine Zauberwurzel und der unerschöpfliche Wissensborn steht dem Glücklichen offen. Jedes beliebige Buch wird ihm ausgehändigt-> wenn es da ist._ Auf einer Unfallstation. Zu der Notiz(in Nr. 84 vom 9. April) über die Erfahrungen, die eine Frau S. aus Schönebcrg mit der Schöneberger Unfall st ation gemacht hatte, geht uns vom Kuratorium der Unfallstationen— vertreten durch den ärzt- lichcn Direktor Dr. P. Frank— das folgende Schreiben zu: „Der lljährige Schüler Willi S. wurde am 2. April, abends 19 Uhr, von seiner Mutter in die Unfallstarion gebracht, nachdem er beim Radfahren von einem Wagen überfahren war. Der Knabe, welcher Hautabschürfungen am linken Arm und rechten Oberschenkel hatte, wurde in Gegenwart des diensttuenden Arztes. Herrn Dr. Hirschberg, vom Heilgehilfen gereinigt, die Wunde desinfiziert und die verletzten Stellen mit Salve auf Anordnung des Arztes verbunden. Rippcnbrüche hat Herr Dr. Hirschbcrg bei dun Knaben, welchen er eingehend untersucht hat, nicht festgestellt. Die in dem Artikel erhobene Anschuldigung, daß der Arzt seine Diagnose nur auf den Bericht des Heilgehilfen ge- gründet habe, ist demnach hinfällig." Das ist also die Auffassung, die Herr Dr. Hirschberg von dem Hergang hat. In jener Notiz hatten wir ausdrücklich hervorge- hoben, wir selber seien bemüht gewesen, es der Frau S. auSzu» reden, daß ihr Junge nur von dem Heilgehilfen unter- sucht worden sei, sie habe aber dabei bcharrt. Sie hat dabei bc- harrt auch jetzt noch, als ihr der uns inzwischen zugegangene Brief des Kuratoriums vorgelesen wurde, der den Hergang anders dar- stellt. Sie schlug, nebenbei bemerkt, die Hände über dem Kopfe, als sie hörte, was das Kurawrium uns geschrieben hat. In unserer Ratlosigkeit haben wir nunmehr Frau S. durch einen Vertreter unseres Blattes nach der Unfallstation führen lassen, um den Arzt und den Heilgehilfen zu bitten, sie möchten ihrerseits die Frau S. eines anderen bclchren, wenn sie es könnten. Leider wurde hierbei der Arzt Dr. Hirschberg nicht niigetrosfcn. Die Gegenüberstellung der Frau S. mit dem Heilgehilfen ergab, daß es tatsächlich dieser Heilgehilfe und nicht der Arzt war, der— ihrer Meinung nach— den Verunglückten untersuchte. Den Angaben, die der Heilgehilfe unse�m Vertreter in Gegenwart der Frau S. machte, entnehmen wir, �daß auch der Heilgehilfe der Meinung ist, zunächst habe er selber den Jungen untersucht und ihm Arm und Bein nach entsprechender Behandlung verbunden, dann habe er— während der Junge sich schon wieder anzog— den Arzt gc- rufen, und der Hove nun festzustellen gesucht, ob der Junge außer den vom Heilgehilfen gefundenen Verletzungen noch sonstigen Schaden erlitten habe. Der Arzt habe den Jungen, so versicherte der Heilgehilfe, ausdrücklich gefragt, ob ihm noch etwas weh tue, und der Junge habe nicht init Ja geantwortet. Ein Privatarzt, der später von der Mutter um Hilfe gebeten wurde, ist auf Grund der von i h m vorgenommenen Untersuchung — wie wir schon in Nr. 84 meldeten— zu der Meinung gelangt, daß der Junge auch noch Nippenvcrletzungen erlitten habe. Unsere Mitteilung, daß auf der Unfallstation nichts hiervon bemerkt toorden sei, wird durch den Brief des Kura- toriums bestätigt. Der Privatarzt wird sich, vermuten wir, die Rippcnverletzungen nicht ausreden lassen. Die Post am Osterfest. Die Post bestellt seit der Durchführung der Sonntagsruhe an Sonn- und Feiertagen nur noch einmal gc- wohnliche Bricfsendungen. In den Festzeiten, wo mehrere Feier- tage zusammentreffe», werden jedoch besondere Bestellungen nach Maßgabe des Bedürfnisses eingerichtet. So findet am Osterfest im Bezirk der Oberpostdirektion Berlin ausnahmsweise eine zwei- malige Briefbestellung, ferner je eine Bestellung von Paketen und eine solche von Geld statt. Die Schalter der größeren Aemter sind an beiden Feiertagen von 7—9 Uhr, kleinere von 8—9 Uhr, beide von 12—1 Uhr geöffnet, soweit sie nicht überhaupt geschlossen bleiben. Für die Erweitcrung de» Berliner Schlachthofes hat der Magistrat jetzt ein großes Gelände angckaust, das nunmehr planiert werden soll. Die. GesanUkostcn für die Abschachtung des großen Geländes sind mit 333 000 M. veranschlagt. In einer Vorlage, die der Stadtverordnetenversammlung zugegangen ist, ersucht der Magistrat die Versammlung um ihre Zustimmung zur Vornahme der Äbschacküung des Geländes und zur Bereitstellung von'/« Million Mark für diesen Zweck. Ein kroatischer Raubmörder wird in der Gegend von Berlin gesucht. Im vergangenen Jahre wurde in der Nähe von Ofen-Pest ein deutscher Eiseubahnbainintemehmcr mit zwei anderen Herren aus der Landstraße von sieben kroatischen Eisenbahnbauarbeitern überfallen, ermordet und beraubt. Den Raubmördern, die entkamen, fielen 40 000 Kr. in die Hände. Jetzt ist eS gelungen, wenigstens einen der Täter festzustellen. Es ist ein 28 Jahre alter Arbeiter Stefan Radodick ans Brindye in Kroatien. Der Raubmörder ist aus seiner Heimat verzogen und hat sich nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen nach Deutschland gewandt. Er soll sich letzt In der Nähe von Berlin aufhalten, wo zwei Brüder von ihm bei Kanal- oder Eisenbahubauteu beschäftigt sind. Der Gesuchte, der nur kroatisch spricht, ist kräftig gebaut, hat schwarzes tzaar und eine Narbe im Gesicht und hinkt. An einem Zeigefinger fehlt der halbe Nagel.— Die Staatsanwaltschaft zu Metz sucht wegen Raubmordes einen gewissen Rogick, der sich ebenfalls in der Gegend von Berlin aufhalten soll. Im Bette erstickt. Gestern morgen wurde das zehn Monate alte Töchterchen des Kaufmanns Philipp Nachum aus der Heidestr. 51 in seinem Bettchen tot aufgefunden. Das Dienstmädchen Emma Dohle, dem die Wartung der Kleinen oblag, hatte dem Kinde, offenbar, um es am Schreien zu verhindern, eine Steppdecke über den Kopf geworfen und war dann, ohne die Decke wieder zu ent- fernen, eingeschlafen. Zu seinem Entsetzen fand das unvorsichtige, erst IS Jahre alte Mädchen gestern morgen da? Kind erstickt vor. Es rief die Eltern herbei, doch konnten weder diese noch ein sofort hinzugerufener Arzt dem Kinde Hilfe bringen. In der allgemeinen Aufregung stürzte das junge Mädchen, von Verzweiflung ergriffen, davon. ES irrt anscheinend umher, um sich ein Leid anzutu». Berlängeruiig der Stadthahnzügr. Nach den nunmehr beendeten Um- resp. Bergrötzerungsbauten der Stadt- und Ringbahnhöfe konnte eine Verlängerung der Stadtbahnzüge vorgenommen werden. Demgemäß verkehren jetzt die Stadt- und Südrmgzüge mit zwölf, die Nordringziige mit 14 Waggons. Die ersteren bestehen aus je acht Wagen dritter und vier Wagen zweiter, die NordringtrainS aus zwölf Wagen dritter und zwei Wagen zweiter Klasse. Falsche Zweimarkstücke sind zurzeit in großer Zahl im Umlauf. Sie entstammen allem Anscheine nach verschiedenen Falschmünzer- Werkstätten und bestehen demgemäß auch aus verschiedenartigen Prägungen. In den letzten Tagen wird besonders eine Prägung verbreitet, die auf ein besonderes Raffinement der Falschmünzer deutet. Die Stücke sind derartig hergestellt, daß sie abgegriffen und schmutzig erscheinen und somit leichter ohne Prüfung ange- nommen werden. Dabei sind diese Falsifikate von abweichender Farbe, auffälligem Klang und fühlen sich stark fettig an. Auch die Prägung ist so roh, daß man sich wundern muß, daß die Münzen Abnehmer finden. Bei anderen Fälschungen ähnelt zwar der Klang dem der echten Geldstücke, doch in allen Fällen sind die Falsi- fikatc durch leicht bläuliche Färbung, sowie dadurch, daß sie sich fettig anfühlen, kenntlich. Auf den verschiedenen Postanstalten sind in den letzten Tagen mehrfach derartige Nachahmungen angehalten worden. Bon einem Stadtbahnzuge zermalmt wurde der 35 jährige Karl Briinncr aus der Borfigstr. 7. Brünner stieg, als der Zug vor dem Bahlchof Alexanderplatz ein Weilchen hielt, weil er keine Einfahrt hatte, unbefugt aus und betrat die Nebengleise. Diese Unvorsichtig- keit wurde für ihn verhängnisvoll. Plötzlich kam aus entgegen- gesetzter Richtung ein anderer Stadtbahnzug gefahren. Der Un- glückliche konnte sich nicht mehr retten, geriet unter die Räder und wurde zermalmt. Die nächste billige Post nach den Bereinigten Staaten von Amerika geht wieder von Bremerhaven am nächsten Dienstag, den 13. April. Sie benutzt den an diesem Tage von dort in See gehenden Dampfer„Kaiser Wilhelm den Großen". Schlußzeit für Zehn- Pfennigbriefe ist in Bremerhaven Dienstag früh 7 Uhr, Bremen 3 Uhr früh, in Osnabrück 3.21 Uhr, in Hannover 3.47 Uhr. Briefe, von denen die ersten LS Gramm mit 20 Pf. frankiert sind, und alle anderen Sendungen werden dem Schnelldampfer auch noch in Southampton oder Cherbourg zugeführt. Nach Southampton gehen die Sendungen von Köln am 13. April, abends 6.01 Uhr, nach Cherbpurg 10.45 Uhr. Der Dampfer ist am 20. April in New Fork fällig. Billige und eilige Briefe, die den bremischen Dampfer nicht mehr erreichen, finden schon zwei Tage später Beförderung mit dem Dampfer„Deutschland", der von Cuxhaven am Donnerstag, den 15. April abgeht. Schlußzeit für billige Briefe mit diesem Dampfer ist in Berlin am 14. April, nachts 11.53, in Hamburg beim Postamt 1 früh 3 Uhr, in Magdeburg 12.17 Uhr, in Hannover 3.57 Uhr, in Cuxhaven 0.35 früh. Eilige Briefe usw. gehen noch von Köln abends 6.01 nach Southampton und 10.45 Uhr nach Cherbourg. Die„Deutschland" ist am 22. April in New Dork. Im Treptower Park erschossen hat sich vorgestern ein unbekannter etwa 35 Jahre alter Mann. Spaziergänger fanden die Leiche des Selbstmörders in einem Gebüsch vor. Bon einem Müllwagen überfahren wurde gestern vor seinem Hause der Schüler Erich Enke aus der Dieffenbachstr. 68. Der Knabe hatte so erhebliche Verletzungen davongetragen, daß seine U Überführung nach dem Urbankrankenhause notwendig wurde. Ein mutwillig angelegter Waldbrand wütete vorgestern nachmittag bei Plötzensee. Kurz nach 4 Uhr nachmittags sahen Leute aus dem Waldbestande in der Jungfernheide hinter dem Heilandskirchhofe Rauch aufsteigen. Wenige Minuten darauf brachen helle Flammen hervor. Sofort wurde mit allen vorhandenen Mitteln gegen den Brandherd vorgegangen. Das Feuer konnte aber erst gegen 0 Uhr, nachdrin ihm bereits über 2 Morgen Waldbestand zum Opfer gefallen waren, gedänipft werden. Bald nachdem der Brand bemerkt war, meldeten sich beim Ortsvorsteher zwei Knaben, die die Brand- ftifter beobachtet hatten. Es gelang nach kurzer Zeit, dieselben zu verhaften Eine Ausstellung von Wohnungseinrichtungen soll in den nächsten Wochen in den Gesamträumen der Ausstellungshallen am Zoologischen Garten beginnen. Außer 200 kompletten Zimmereinrichtungen. Laden- und GeschäftsauSbauten sollen Balkonmöbel, Kunstgegen- stände, Bronze», Stoffe, Tapeten. Teppiche, Gardinen usw. aus« gestellt werden, während auf dem Balkon der großen Halle Ma- fchinen, Geräte, Werkzeuge usw. Platz finden. Mit dem Ausbau der Ausstellung wird am 17. d. M. begonnen werden. Im neuen BortragSsaal der Treptow-Sternwart« spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am ersten Osterfeiertag nachmittags un» 5 Uhr über„Eine Wanderung durch das Weltall", am zweite» Feiertag abends um 7 und»m» 9 Uhr über„Die Bewohnbarkeit der Welten". Die Eintrittskarten zu dem Vortrage am Sonntagabend un» 7 Uhr sind bereits alle vergeben. Die Vorträge sind gemein- verständlich und mit dielen Licht- und Drehbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird jetzt ain Tage die Sonne. abends der Planet Jupiter gezeigt. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag „Bei den Schwarzfußindianern", da Herr Mac Clintock nach Eng- land zl»rückkehrt, nur noch am zweiten und dritten Feiertag sowie an» Mittwoch, abends, zur Darstellung. Am ersten Feiertag. Donnerstag und Freitag wird der Vortrag„Auf den Trümmern MessinaS" gehalten und am Sonnabend der Vortrag„Von Abbazia bis Corfu" wiederholt werden. Außerdem finden am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend Nachmittagsvor- stellungen zu kleinen Preisen statt, und zwar wird am Dienstag und Freitag der Bortrag„Am Golf von Neapel", ain Mittwoch und Sonnabend der Vortrag„Uebcr den Brenner nach Venedig" und am Donnerstag der Vortrag„Eine Nilfahrt bis zun» zweiten Kataralt" gehalten. Straßensperrung. Die Amalienstraße von der Grenadierstraße bis zur Lothringer Straße und die Linienstraße von der Dragoner- ftraße bis zur Koblanckstraße werden AsphaltierungSarbeiten halber von, 13. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Zoologischen Garten sind zwei farbenprächtige, seltene Singvogelarten eingetroffen, die eine schöne Bereicherung dieser jetzt in dreihundert verschiedenen ausländischen Formen im neuen Vogelhause vertretenen Vogelgruppe darstelle»». Unserem Zeisig verwandt,»st der im»nännlichen Geschlecht bis auf einige schwarze Abzeichen schön rot gefärbte Feuerzeisig aus dem nördlichen Südamerika, während der»nexikgnische Orange-AlgLfink einer auf Amerika beschränkten Finkcngattung angehört. Auf dem herrlich gefärbten Federkleid dieses bisher noch nicht lebend hier eingeführten Vogels hebt sich von dem leuchtenden Blau der Ober seile das Orangegelb der Unterseite prächtig ab. Die Ausstatt,»ngSpantomime„Auswanderer" gelangt im Zirkus Busch am zweiten Osterfeiertage auch in der Nachmittagsvorstellung zur ungekürzten Aufführung. Einen empfindliche,» Verlust hat am Karfreitig eine Ar beiterin erlitten. Dieselbe verlor auf dem Wege von» Bahnhof Beusselstraße bis Wedding eine kleine Handtasche mit einem Porte- monnaie und 65 M. Inhalt. Da das Geld nicht das Eigentum der Verliererin war und sie dafür ersatzpflichtig ist, so wird der ehrliche Finder gebeten, das Gefundene gegen Belohnung an Ella Alpitz, Zwinglistr. 12, Seitenflügel 1 Treppe bei Müller, dbzugebcn. Im Berliner Aquariuin sind nun, nachdem sein borläufiges Weiterbestehen in dem bisherigen Heim gesichert»st, von vcrschie- denen Seiten wieder Tiersendungen eingelaufen. So konnten alle Abteiluitgen des Instituts in ihren Beständen ergänzt und erweitert werde»». Der Reptilicnsammlung wurde eine südamerikanische grüne Kammeidechse zugeführt, welche ein Gegenstück zu dem schwarzen Nashornleguan der Schlangengalerie bildet. Die Ab- teilung der Seefische wurde unter anderem durch einen reichhaltigen Transport von Büschelkiemern aus dem Mittelmeergebiet vermehrt. Unter den neu angekommenen Stachelhäutern fällt in erster Linie e»ne Anzahl zehnarmiger, reizend gegliederter Schopf- oder Haar- sterne auf; sie gleichen in ihrem amnutigen Acußern mehr einem pflanzlichen als einem tierischen Lebewesen, waS in entsprechender Weise auch von den mit angelangten buntfarbigen Bluincnpolypen, vertreten durch fünf verschiedene Arten Seerosen, gilt. Diese werden an Zierlichkeit noch übertroffen durch die gewundenen Serpeln. Zeugen gesucht. Am Sonnabend, den S. März, nachmittag? 2 Uhr,»st eine Frau vor der Zitypassage, Knnenstratze, ausgeglitten und hat dabei einen doppelten Armbruch erlitten. Zeugen des Vorfalls werden gebeten, ihre Adresse an Frau Großer, Wrangeb straße 18, Hof IH, abzugeben. Am 20. November 1908 war vor den» Polizeirevierbureau in der Ramler- Ecke Brunnenstraße eine größere Menge Menschen an- gesammelt. Es waren Arbeiter, die von einer Vcrsaminlung aus dem Bernhard-Rose-Theater auS der Badstraße kamen. Auf dem Erdboden hat ein Man» gelegen, der von den Passanten mit den Füßen gestoßen wurde. Ein Vorübergehender, der dies sah, hob den daliegenden Mann aus Mitleid auf und wurde in demselben Augen- blick von zwei Schutzleuten gefaßt und nach der Polizeiwache ge- bracht. Wer diesen Vorgang mit angesehen hat nnd darüber eine genaue Sachdarstellung geben kann, wolle seine Adresse an Lehnitzk. Rostocker Straße 25 IV, gegen Erstattung sämtlicher Unkosten gelangen lassen. 58 Beitragsmarken a 50 Pfennig und 10 Marken a 25 Pfennig vom TrcmSportarbeiterverband sind auf dem Wege von der Straße S0o durch die Buttmann-, Bad« und Schwedenstraße mit Kuvert der» loren gegangen. Da der Verlierer die Marken ersetzen muß, so»vird der Finder derselben ersucht, dieselben im Bureau des Transport- arbetterverbandes, Engeluser 14/16 abzugeben. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 28. März d. I. stieg in eine»» Hotel in der Krausenstraße ein angebliches Ehepaar ab, das sich F. W. Sttbbe, Kalifmann und Frau aus Brüssel, iirs Fremdenbuch eintrug. In seiner Begleitung befand sich ein zirka 6 Jahre alter Knabe, den das Ehepaar bei seiiier Abreise am 31. März nach- mittags im Hotel zurückließ. Der Knabe, der im städtischen Waisen- hause untergebracht wurde, kann nur ungenaue Angaben machen, aus denen zu entiiehmei» ist, daß er»nit sclnen Elten» in Köln und Brüssel in Hotels gc>vohi»t hat. Die Frau ist zirka 27 Jahre alt. 1.68 Meter groß, goldblond mit geschlvärzten Augenbrauen, hat rundes blasses Gesicht. Der Man» ist zirka 30 Jahre alt, 1,72 Meter groß, dunkelblond und hat eben solchen kurzen Schnurrbart. Beide sprechen rheinischen Dialekt. Mitteilungen nehmen die Kriminal- Polizei in Zimmer 24V und jedes Polizeirevier entgegen zu 1323, IV. 55. 09. Feuerwehrbcricht. In der Nacht zum Freitag wurde der 7. Zug nach der Breslauer Straße 22 alarmiert, wo im Keller Gas, anscheineird a»»s emer undichten Leitung ausgeströmt war. Zwei Männer wurden leblos aufgefunden. Sofort angestellte Wieder- belebungsversuche waren von Erfolg. Die Feuerwehr brachte beide nach dem Krankenhause an» Friedrichshain. Zweimal hatte die Feuerwehr in der Putbuser Straße 13 zu tun; abends um 19 Uhr und früh um 5 Uhr brannten dort Preßkohlen und anderes in einen» Keller. Der 11. Zug mußte in der Graesestr. 74 einen Woh- nungsbrand löschen. Auf dem Bromberger Güterbahnhof in der Brombergcr Straße 19/29 standen gestern früh 6 Uhr mehrere Stapel Preßkohlen in Flammen. Der 7. Zug hatte dort längere Zeit zu tun. Auf dem Ostbahnhof brannte ein Waggon mit Preßkohlen, und Köpenicker Straße 48/49 eine Automobildroschke. Zwei Keller- brande wurden aus der Markusstr. 35 und Alten Schützenstr. 5 geineldet. Am Grünen Weg 195 war in einer Küche Feuer auS- gekommen. Ferner hatte die Wehr in der Paulstr. 28, Acker- straße 3, Hollmannstr, 22, Schlegelstr. 2 und anderen Stellen zu tun. Vorort> ftodmebtem Charlotteubnrg. Die Lungenkrankenfürforge im Jahre 1968. Daß auch di« schliinmsten Feinde der menschlichen Gesundheit bei ernster Arbeit wirksam zurückgedrängt werden können, ergeben die Resultate der Bekämpfung der Tuberkulose in den letzten 39 Jahren. Nach der Statistik des Deutschen Reiches starben an Lungenschwindsucht in deutschen Orten mit 15 000 und»nehr Ein- wohnern seit dem Jahre 1877 im Durchschnitt eines Jahrfünftes 35,7; 34,6; 30,4; 25,5; 21,3 und 10,4 Personen. Besonders zeigen sich die günstigen Resultate dort, Ivo kommunale und Privatdestre- lmngen bei der Bekäinpfung der Tuberkulose sich zu gemeinsainer Arbeit vereinen. Dann sinkt die Sterblichkeitsziffer für Tubcr- kulose noch wesentlich»nehr. So zeigte von den 31 Städten der ganzen Welt mit über 100 000 Einwohnern die geringste Sterb- lichkeit an Tuberkulose Schöneberg mit 9,63, AbeÄieen in Schott- land mit 11,99, Kiel mit 11,99 und Charlottenburg mit 11,19 Sterbefälle an Tuberkulose auf 19 900 Einwohner. Auch in diesen Städten haben sich als die wirksamste Be» kämpfung die durch private Bereine und städtische Behörden ge- meinsam geführten Fürsorgestellen erwiesen. In Charlottenburg wird sie schon seit Jahren hauptsächlich von dem vaterländischen Frauenverein zusaminen mit den städtischen Behörden ausgeübt. Im Jahre 1908 kamen zu einem Bestände von 1354 in die Für- sorge aufgenommenen Familien noch 442 hinzu. In diesen 1790 Familien wurde bei 2172 Personen Tuberkulose festgestellt, die Fürsorge aber auf alle Glieder der Familien ausgedehnt. So wurden den Bedürftigen von ihnen im ganzen 219 90 Liter Milch verabfolgt, 68 Familien wurden mit Fleischmarken, 93 mit Stärkungsmitteln, 29 mit Kleidung verschen, 24 erhielten Miets- zuschuß und 112 Unterstützung durch die Armciwerwaltung. Ferner wurden tn 21 Fällen besondere Betten für die Kranken beschafft, die bis dahin mit Gesunden zusammen in einem Bett schliefen. Spuckflaschen und Wäschebeutel zur Aufbewahrung der schmutzigen Wäsche der Kranken und die Reinigung derselben besorgte die städtische Fürsorgestelle. Durch die Staotärzte wurde in vielen Fällen Milch, Stärkungsmittel und Krankenkost auf städtische Kosten geliefert. Auch die Volksküche gewährte täglich 19 Portionen Mittagessen unentgeltlich. Der Verein gegen Verarmung stellte mehrfach Kohlen und KokZ zur Verfügung. Uebcrhaupt wurden. wie schon in den Variahren, je nach der Lage des Falles alle Stellen, die helfen konnten, zur Mithülfe herangezogen. Bc- sondere Aufmerksamkeit wurde den Wohnungsverhältuissen der Krank?» zugewendet. 1290 solcher Wohnungen wurden von den angestellten 4 Bezirksschwcstcrn eingehend besichtigt und, soweit möglich, Aenderungen veranlaßt, um die Gesunden von den Kranken zu trennen. Oft scheiterten allerdings ihre Bemühungen an dem Widerstand der Wirtsleute und dem Unverstände der Kranken und ihrer Angehörigen. Wurde doch»mch Mitteiluiig der Arrncnvcrwaltung durch die Bezirksschwestern festgestellt, daß von den 1290 unlersuchten Wohnungen 1 bis 2 Personen nur bei 543 Familien in einem Zimmer schliefen, dagegen bei 114 Familien 3 Personen, bei 119 Familien 4 Personen, bei 121 Familien 5 Personen, bei 38 Familien 6 Personen, bei 19 Familien 7 Per- sonen, bei 15 Familten 8 Personen, bei 3 Familien 9 Personen und bei 2 Familien 10 Personen»n einem und demselben Räume schliefen?! Bei solchen vielköpfigen Familien haben die Schwestern häufig wenigstens dadurch eine Besserung erzielt, daß dem Kranken in der Küche ein Lager hergerichtet wurde. Oft war das aber nicht möglich, indem bei Lungenkranken die Küchen schon von anderen Personen als Schlasraum benutzt wurden, nämlich in 65 Fällen von einer Person,»n 4 Fällen von 2. in 2 Fällen von 3 und in einem Falle sogar von 4 Personen! Ein dauernder Mietszuschuß, um den Familien das Mieten einer größeren Wohnung zu ermöglichen, in der der Kranke besser isoliert werden konnte, war leider auch in der reichen Stadt Charlotteirburg nicht nnmer zu ermöglichen. Oft machte auch die Löiung des geltenden Mietsvertragcs Schwierigkeiten. Vielfach scheuen die Familien nach dem Berichte der Schwestern die mit einem Umzüge der- knüpften Mühen und Kosten. Immerhin wurde in einer Anzahl voi» Fällen es durch einen dauernden Mietszuschuh der Armenvcr» waltung möglich gemacht, Schlafburschen auszumieten und so ein Zimmer frei zu bckoinmen, in dem der Kranke isoliert werden konnte. In einzelnen Fällen konnte zu solchem Zwecke aus Ver- eins- oder Stistungsnnttcln helfend eingegriffen nierden. In, vielen anderen Fällen ließen sich die Fainilien dazu bewegen, aus eigenen Mitteln besondere Betten für den Kranken zu beschaffen; wo das in den 30 Fällen, wo die Krmiken mit Gesunden zusammen nur ein Bett hatten, nicht möglich war. griff mit Antrag der Lungenkrankenfürforge die Armenverwaltung ein und beschaffte 21mal ein neues Bett. Die von der städtischen Verwaltung, der Lungcnkrankenfür- sorge vom roten Kreuz, dem vaterländischen Frauenverein, den Heilstätten, Pflegeheimen, Erholungsstätten sowie aus Stiftungs- »nitteln, Armenmttteln und Privaten für die Charlottenburger Lungenkrankenfürsorge im Jahre 1908 aufgewandten Mittel lassen sich ziffernmäßig kaum genau feststellen, werden aber sicher aus 250000 M. zu schätzen sein. Aber sie sind nicht vcrgebeils aufgc- wendet. Konnten doch 154 Personen in 130 Familien im Laufe des JahreS als geheilt aus der Fürsorge entlassen werden, indem tuberkulöse Merk-nale bei ihnen nicht mehr gefunden wurden, und nur 114 Personen in 110 Fmnilien schieden durch Tod aus der Fürsorge aus. Aber die vorstehenden Angaben haben wohl gezeigt, daß doch noch mehr geschehen könnte. Namentlich die Wohnungs- Verhältnisse der ärmeren Bevölkerung sind auch in Charlottenburg noch vielfach recht unzulänglich. Dabei ist nach dem einstimmigen Urteil« aller Sachverständigen die Lungentuberkulose in erster Linie eine Wohunngsk»'ankheit. ES muß daher dringend gefordert »Verden, daß die längst beschlossene Wohnungsinspcktion endlich in diesem Fahre in Wirksamkeit tritt. In der Sitzitiig der Delegierten zur Charlottenburger GeWerk- schaftskommission waren die Vorsitzenden resp. Bezirksleiter der einzelnen Organisationen zugegen, weil eS galt, über wichtige Fragen Stellung zu nehmen. Eingangs der Sitzung erstattete der 5kassierer, Genosse Ahrens, den Kassenbericht für das 1. Quartal 1909, welcher gutgeheißen wurde. Nunmehr folgte ein Referat des Herrn Holm über die Bedeutung und den Nutzen der freien Fort- bildungskurse für Arbeiter. Die Sommerkurse(17. Lehrgang) be- ginnen am Montag, den 26. April er., abends 8 Uhr, in der Ge- meindeschule 3 zu Charlottenburg, Schloßstr. 2. Alan wurde sich dahin einig, daß wieder in den einzelnen Gewerkschaften Schüler für die Kurse zu gewinnen seien.— Ein Vortrag des Herrn Dr. Phil. Lewy von der Unterrichtskommission der Esperanto-. Gesellschaft Berlin über die Esperanto-Sprache fand, weil diese Sache in der Arbeiterschaft an und für sich noch zieinlich neu»st. recht aufmerksame Zuhörer. Während in der Diskussion der Ge- nosse Tobias sich steptisch äußerte, traten die Genossen G'raudcnz, Jakob und Richter mit Wärme für das Erlernen des Esperanto ein. Der Wunsch, interessierende Genoffen auf das Esperanto auf« merksam zu machen, soll in den einzelnen Gewerkschaften befolgt werden. Dieses Fazit bildete die gepflogene Älussprache. Ueber die Vorbereitungen zur kommenden Maifeier sprach der Genosse Flemming. Er betonte, daß, weil wir einerseits immer noch mit der wirtschaftlichen Krise zu rechnen haben und andererseits der erste Mai aus einen Sonnabend fällt, ai»s eine so starke Beteiligung wie in den Jahren zuvor, mit Ausnahme des vorigen Jahres, nicht zu rechnen sei. Aus diesem Grunde seien nur zwei Gewerkschaftsversammlungen am Vormittage im„Volkshause", und zwar im oberen und unteren Saale geplant. Eine Maimarke, als Ausweis der Arbeitsruhe, bekommt wieder, wie üblich, jeder Versaminlungs- besucher. Am Nachmittag und Abend finden die Veranstaltungen der Partei statt, an welchen sich alle Gewerkschaftsmitglieder be- teiligen mögen. Diese Vorschläge seien das Resultat einer Ver- ständigung mit dem Vorstande des örtlichen Wahlvereins und bitte er. diesen die Zustimmung zu geben. Das geschah auch nach einer kurzen der Sache zustimmenden Debatte. Als weiterer Punkt stand die Jugendsrage auf der Tagesordn»»ng. Wegen vorgeschrittener Zeit mußte sich der Referent, Genosse Flemming, kurz halten. Nach einigen Reminiszenzen über die Jugendbewegung besprach Redner die hiesige örtliche Bewegung und kam zu dem Schlüsse, daß in den einzelnen Gewerkschaften eine lebhafte Propaganda für diese neue Belvegung zu entfalten sei. Anschließend empfahl er hierauf einen Entwurf einer Geschäftsordnung des hiesigen Jugend- und Vil- dungsausschusscs zur Annahme.>— In der Diskussion wurde Ge- wicht darauf gelegt, die Agitation für die Jugendbewegung mehr in die Betriebs- und Werkstattbesprechungen zu legen. Die Klein. agitation sei auch hier die beste.— In den Jugend- und Bildungs- ausschuß wurden die Genossen Fleinming und Storch wieder- und Genosse Graudenz neu hinzugewählt. Die vorgelegte Geschäfts- ordnung fand eine einstimmige Annahme. Die Friseurgehilfen und Sattler fehlten unentschuldigt. Der VolkSliedcrabcnd der Freien BolkSbiihne Charlottenburg findet Donnerstag, den 15. April, im.Volkshause Charlottenburg" abends 8 Uhr statt. Das Programm enthält einen Vortrag über die Entstehring und Entwickelring des Volksliedes(Leo Kesten- berg), Rezitationen(Johanna Meyer), Liedervorträge fiir Sopran nnd Baryton(Gertrud Busch old und Alexander R u b a n o f f). In A,lbetracht des reichhaltigen und gewählten Programms wird zahlreiches Erscheinen der Mitglieder und ihrer Freunde erwartet. Nach Schluß des Volksliederabends findet geselliges Beisammensein und Tanz statt. Karten a 50 Pf.(inkl. Programm. Garderobe und Tanz) in den Zahlstellen. Rixdorf. Der Männergesangverein Rixdorf veranstaltet heute, am ersten eiertag, in KliemS Konzertsaal, Hasenheide 14/15, ein populäres onzert»mter Mitwirkung des Halir-Trio: Professor Karl Halir (Violine), Kammervirtuos Hugo Dechert(Cello), Professor Georg Scbmnarm(Klavier). Der Chor, der sich im Anfang dieses Jahres auf Veranlassung deS Bildungsausschusses der Arbeiterschaft Rix- dorfS und des Arbeiter-Sängerbundes bildete, zählt zurzeit an- nähernd 90 Sänger. Er gibt allen Freunden des Männergesanges und emer künstlerischen Mufik Gelegenheit zum Besuche einer erst- klassigen Konzertaufführung. Programme, die zum Eintritt be- berechtigen, sind noch in beschränkter Anzahl, a 50 Pf., im Konzert- lokal zu haben. Frühlings seier. Zu dieser Veranstaltung sind noch Karten z« Vorverkaufspreis en in» vtestaurant Hoppe, Hermann» sttaße 49, zu haben. Um recht zahlreiche Beteiligling bittet Der VildungSausschuß. Schöneberg. Das von der Stadt Schönelicrg Üegntndcte Erholungsheim für tuberkulöse Kiuder aus der Insel Föhr in der Nordsee soll nach einer Mitteilung des Magistrats am 2. Juli dieses Jahres eröffnet werden. Ueber die bauliche Beschaffenheit des Erholungsheims Wird berichtet: Die Anstalt ist mit allen modernen hygienischen Einrichtungen ausgestattet: direkte Be- und Entwässerung, Zuführung von nach Bedarf erwärmtem Seewasser zu allen Jahreszeiten, elektrische Be- lcuchtung, Beutilation und Zentralheizung, Zander-Saal, Luft- und Sonnenbad, Slrandhalls usw. Während die körperliche Pflege unter der ständigen Aufsicht eine Arztes steht, ist auch für die geistige Weiterbildung der Kinder unter Leitung einer Lehrerin gesorgt, die in einem eigenen Schul- saal Unterricht erteilt. Der Betrieb der Anstalt mit ihren 110 Betten befindet sich in den Händen des Vereins zur Bekämpfung der Tuber- kulose. Aufnahme finden srkofulöse, knochenkranke Kinder, insofern sie nicht an offener Lungentuberkulose leiden. Der tägliche Ver- pflegungssatz einschließlich der Kosten für Hin- und Rückfahrt beträgt 2,5 M. Ueber die Ausnahme entscheidet der Stadtarzt. Lichtenberg. Gescheitertes Straßendahnprojekt. Die geplante Errichtung einer sogenannten Zubringerbahn von dem Hochbahnhof Warschaucrbrücke bis zur Ecke der Frankfurter Chaussee kommt nicht zustande. Wohl ist zwischen Lichtenberg und Rumnielsburg eine Einigung erzielt worden, dagegen verlangt Berlin für den Teil seines StratzenlandeS, den die Zubringerbahn passieren soll, einen erheblichen UnterhaltungS- zuschuß. Da Lichtenberg jede Zahlung mit der Begründung ver- »veigert, daß die geplante Bahn im Interesse Berlins liege, ist für die Ausführung des Projekts vorläufig keine Aussicht. Steglitz. Das Gewerkschaftskartell nahm in feiner letzten Sitzung Stellung zu der diesjährigen Maifeier. Geplant ist: Am Vormittag eine ge- nieinschaftliche Versammlung mit den Friedenauer Genossen im .Birkenwäldchen". Daselbst findet auch die Ausgabe der Maimarken statt. Am Abend ein Tanzkränzchen der Steglitzer Genossen, eben- falls daselbst, verbunden mit Konzert, Gesang und Borträgen. Von einer Nachmittagsfeier wurde in diesem Jahre Abstand genommen. Ferner wurde auf die im Streik befindlichen Bauklempner und auf die ausgesperrten Bauanschläger hingewiesen und gebeten, die- selben durch Fragen nach de» Arbeitsberechtigungskarten auf den Bauten kräftigst zu unterstutzen. Es fehlten die Vertreter der Schneider, Dachdecker, Schuhmacher, Maurer und Steinsetzer. Ein viclbcgehrter Posten. Auf das Ausschreiben der Stelle eines zweiten besoldeten Schöffen sind über löst Bewerbungen eingegangen. Ober-Schöneweide. Der Turnverein Oberspree(M. d. A.-T.-B.) veranstaltet heute abend'/a0 Uhr im.Wilhelminenhof" ein Ostervergnügen, bestehend in turnerischen Aufführungen. Konzert, Theater und Ball. Billetts sind bei allen Mitgliedern zu haben. Nowawes. Einen interessanten Einblick in die Gemeindeverwaltiing ae währen die Hauptziffern des Etats für das Rechnungsjahr 1909. Derselbe schließt ab mit einer Einnahme und Ausgabe von 1 042 550 Mark. Die Allgemeine Verwaltung weist eine Einnahme auf von 49 540 M., der eine Ausgabe von 137 695 M. gegenübersteht. Die Hauptausgaben bilden das Gehalt des Bürgermeisters mit 7700 M. laußcrdem freie Dienstwohnung im Werte von 600 M.). die Ge hälter der Gemeindebcamten, 5400 M. für die Wach- und Schließ gesellschaft zur Besorgung des NachtwachdiensteS, die Pension von 4300 M. für de» früheren Neuendorfer Gemeindevorsteher Obst und eine Pension von 1901 M. für den am 1. Juli in den Ruhestand tretenden Rendanten Pax.— Bei der Polizeiverwaltnng sind an Einnahmen zu vedzeichncn 11 120 M., an Ausgaben 22 415 M., so daß dieses Kapitel einen Zuschuß von 11 295 M. erfordert.— Bei der Eigentums- und Straßenvcrwaltung ist eine Einnahme von 25 168 M. und eine Ausgabe von 88 519 M., mithin ein Zuschuß von 63 351 M. in den Etat ein- gestellt.— Unter den Einnahmen befinden sich 3300 M. für Mieten aus dem Rathause, 1230 M. für Miete aus dem Hause Priesterstr. 61, 500 M. für Miete an? dem Hause Retzowstr. 20 und 714 M. Miete aus dem Hause Kreuzstr. 10.— DaS Standgeld für den Wochen- inarkt ist mit 3500 M. in Einnahme gesetzt, was gegenüber dem Vorjahre ein Mehr von 2150 M. bedeutet. Dieses Mehr soll dadurch erzielt werden, daß die Gemeinde die Verpachtmig der Marktstände in eigene Verlvaktung übernommen hat.— Von der Dessauer Continental- GaS- Gesellschaft erhält die Gemeinde 8500 M. und von den Charlottenburger Wasserlverkcn 2000 M.— An Ausgaben verzeichnet der Etat«. a. 26 100 M. für Instandhaltung der Wege und Plätze, 22 000 M. für Straßenbeleuchtung, 4467 M. für die Feuerwehr. 4940 Mark für die Schulhäuser der höheren Schulen und 18 460 M. für Gemeindeschulhäuser.— Die Einnahmen und Ausgaben für die Friedhofsverwaltung betrugen 0430 M.— Das Kapitel Gemeinde- schulen zeigt eine Einnahme von 37 440 M. und eine Ausgabe von 101 454 M., so daß ein Zuschuß von 124 003 M. erforderlich ist.— Für das Realgymnasium ist die Einnahme auf 23 320 M. veranschlagt, darunter für Schulgeld auf 23 000 M., da auf 230 Schüler, welche pro Kopf 100 M. Schulgeld zu zahlen haben, gerechnet wird. Da die Ans- gäbe für die Schule' auf 38139 M. festgesetzt ist, bleibt ein Zuschuß zu leisten von 14 819 M.— In der höheren Mädchenschule sollen die Ein- nahmen 10 750M. betragen und zwar sollen an Schulgeld von 170SchüIe- rinnen 10 500 M. ausgebracht werden, wovon ans 50 Schülerinnen der 9. und 10. Klasse ein Schulgeld von je 90 M., ans 120 Schule- rinnen der übrigen Klassen ein Schulgeld von je 100 M. entfällt. Die Ausgaben für diese Anstalt sind auf 31 700 M. festgesetzt, so daß sich ein Defizit von 14 950 M. ergibt, welches die Gemeinde zu tragen hat.— Der Etat der Fortbildungsschule weist an Einnahmen ans: StaatSveitrag 7793 M., Kreiszuschuß 300 M.. Gemeindezuschuß 4280 M.; die persönlichen Ausgaben be- tragen 1170 M.. die sonstigen Ausgaben 1204 M.— Der Voranschlag siir das gesamte Schulwesen der Gemeinde stellt sich in Ein- nähme aus 85 009 M.. in Ausgabe auf 243 074 M., so daß sich eine llnterbilanz von 158004 M. ergibt, die aus Gemeindemitteln zu decken ist.— Im Kapitel Armenverwaltung sind an Einnahmen 8577 M., an Ausgaben 41587 M. verzeichnet, unter letzteren für die Armenärzte 000 M.. für Ilnterstiitzungen 35 900 M., aus Stiftungen 427 M., für sonstige Ausgaben 4000 M.. es erfordert die Armenverwaltung einen Zuschuß von 33 010 M.— Für die Kanalisationsverwaltung ist eine Ein- nähme und Ausgabe von 104 004 M. in den Etat eingestellt.— Die Einnahme an Steuern ist veranschlagt auf 558 198 M., und zwar an direkten Steuern ans 489 193 M., an indirekten auf 03 000 M., Ausgleichsfonds 0000 M.; die Ausgaben für die Steuer Verwaltung betragen 80 480 M., so daß ein Ueberschuß von 477 718 M. derbleibt.— Für außerordentliche Einnahmen und Aus gaben sind 72 000 M. im Etat angesetzt; die Ausgaben würdev be- tragen für HauSanschlüsse 25 000 M., für Pflasterungen 37 000 M., für Schulzwecke 5500 M., für Feuerwehrzlvecke 4200 M., zur Ab- rundung 300 M. 0mchtd- Zeitung* Eine mißglückte Gastspielreise. Wegen gemeinschaftlichem einfachen und schweren Diebstahls hatten sich gestern vor der vierten Straflammer des Landgerichts HI der Schuhmacher Otto Michaile und der Kutscher Bernhard Müller zu verantworten.— Ende November vorigen Jahres wurde in dem Geschäft des Kaufmanns Weber in Velten ein EüibruchSdiebstahl verübt, bei welchem den Täter» Pelzlvaren und Wäsche im Werte von weit über 1000 M. in die Hände fielen. Als mutmaßliche Täter kamen zwei Männer in Frage, die des Morgens in aller Frühe mit dem ersten Zuge nach Berlin gefahren waren. In der Nacht zum 13. Dezember wurde der Uhrmacher Müller durch ein Geräusch lvach. Er bemerkte zwei Männer, die in seinen Laden eingedrungen waren. Müller kleidete sich in aller Hast an und benachrichtigte den Gendarmericwachtmeister Rudloff. Beide folgten dann den Dieben unauffällig nach dem Bahnhof und stiegen in dasselbe Wagenabteil ein. Die beiden Einbrecher, die sich schon mit ihrer Beute in Sicherheit glaubten, waren nicht wenig erschreckt. als sich der Gendarm plötzlich legitimierte. In dem Kupee kam es nun zu einer tollen Szene. Die Diebe versuchten erst ans dem in voller Fahrt befindlichen Zuge zu springen und drangen auf den Beamten ein. Einer von ihnen, der jetzige An- geftagte Müller, griff in die Tasche und holte einen Re- volvcr hervor. Er kam jedoch nicht dazu. die Waffe zu gebrauchen, da er im nächsten Augenblick die Nevolvermllndung suhlte, die ihn: der Gendarm an die Schläfe drückte. Die Einbrecher gaben sich schließlich gefangen und würben einstweilen in das Spritzenhans in Hennigsdorf gesperrt, welches jedoch den Ein- und Ausbrecherkünsten der Berliner Diebe nicht gewachsen war. Beide entflohen, wurden aber am nächsten Tage durch die Berliner Kriminalpolizei wieder festgenommen.— Das Gericht erkannte gegen Michalke auf 3'/z Jahre und gegen Müller auf i Jahre Zuchthaus._ Gut abgeschnitten. Wir berichteten vor längerer Zeit über die Verhaftung beS Kaufmanns Krug aus der Holsteinischen Straße in Steglitz, der lange Zeit hindurch den sonderbaren Sport betrieb, in den Wagen der Wannsecbahn und später auch in der Elektrischen der Linie Steglitz— Zoologischer Garten Damen mittels einer Schere Stücke aus ihren Kleidern zuschneiden. Die Straf- kaminer des Landgerichts II Berlin verurteilte den jungen Mann wegen Sachbeschädigung zu 100 Mark Geldstrafe. Versammlungen. Der Zcntralverband der Stukkateure Deutschlands(Filiale Berlin) hielt am Montag im GewerkschaftShaus eine General Versammlung ab. ES wurde zunächst der Kassenbericht für das erste Quartal 1909 zur Kenntnis genommen. Die Abrechnung der Hauptkasse balanzierte mit 3259,20 M. in Einnahme und Ausgabe Die Lokalkaffe übernahm vom vierten Quartal einen Bestand von 21 279,97 M. Einschließlich dieses Bestandes betrug die Einnahme 23 122,52 M., CS kamen also im Quartal 1842,55 M. hinzu. Die Ausgabe betrug 2113,13 M., so daß ein Kasscnbestand von 21 099,39 Mark verblieb.— Die Zahl der Mitglieder betrug am Schluß des ersten Quartals 763.— Dem Kassierer Scheck wurde Decharge er- teilt. An Stelle des abgereisten Kollegen Lüdke wurde Kollege S o r a u e r zum Revisor gewählt. Darauf nahm die Versammlung zur Maifeier Stellung. Es wurde beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern und denjenigen zu unterstützen, der wegen der Maifeier gcmaßrcgelt wird. Ueber die Tarifvcr Handlungen, die nach der laut Beschluß vom 14. Februar' erfolgten Tarifkündigung eingeleitet wurden, berichtete Dietrich. Schon in der ersten unverbindlichen Aussprache gaben die Unternehmer zu verstehen, daß sie auf große Verhandlungen über de» eigentlichen Vertrag erst gar nicht ein- gehen würden, wenn nicht für einen künftigen Tarifvertrag der Ablaufstermin auf den 31. März(statt 15. Mai, wie jetzt) festgesetzt und nicht generell für das einzelne Arbeitsverhältnis der Kundi gungsausschluh festgelegt joerbe. Diese beiden Punkte wurden auch in der Sitzung der Schlichtungskommission vom 2. April in den Vordergrund gestellt. Die Arbcitervertrcter erklärten sich nach vorheriger Rücksprache mit der Ortsverwaltung damit einver- standen, unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Filiolversamnr lung. Die Vorschläge zur Verbesserung des Tarifs, die die Ge- hilfenvertreter machten, bewegen sich auf der Linie der Wünsche die aus der Kollegenschaft geltend gemacht worden sind. Vor allem wurde die Erhöhung des Minimallohnes für Bauarbcit auf 8 M pro Tag verlangt, soivie die Erhöhung der Werkstattlöhne um 50 Pf. pro Tag und eine Erhöhung gewisser Akkordsätze.— Die Unternehmervorschläge laufen aus eine Verschlechterung deS bestehenden Znstandcs hinaus. Die Herren glauben, die Verhältnisse seien ihnen in der Richtung sehr günstig. Sie stützen sich auf den Sir bcitgeberbund. 'In der lebhaften Debatte kam zum Slusdruck, daß man an der Festlegung des Termins für den Vertragsablauf auf den 31. März und an der Frage des KündigungSausschlusscs das Zw standekommen eines neuen Vertrages nicht scheitern lassen brauche. Im Laufe der Erörterungen wurde mitgeteilt, daß beim Gcwerbcgcricht die Absicht bestehe, in Einigungsamtsverhandlungen nicht erst einzutreten, wenn nicht vorher erklärt werde, daß man sich einem eventuellen Schiedsspruch fügen wolle. Eine solche vor herige Erklärung wurde allgemein als untunlich verworfen, da über die Annahme eines ScknedssprucheS auf jeden Fall die Ver> sammlung der Kollegen gehört werden müsse. Die Versammlung gab ihr Votum dahin ab: Die Arbeitnehmer beisitzer der SchlichiungSkommission haben in deren weiteren Ver Handlungen nach Möglichkeit Vorteile herauszubringen. Falls keine Verbesserungen erzielt werden, soll das Einigungsamt einen Schiedsspruch fällen. Dieser unterliegt aber der Genehmigung der Siukkateurvcrsammlung._ ö3ocben-8piclplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Joseph w Aegypten. Montag Nachmittags 2'/, Uhr: Versiegelt. Hänfel und Grete!. Abends: Lohengrin Dienstag: Elektro. Mittwoch: Die Meistersinger von Nürnberg. Donners tag: Cannen. Freitag: Bersiegelt. Fallstaff. Sonnabend: -•~- ittnnA/, Uhr. Sonntags 8 Uhr.) Gastspiel. Theater. Allabendlich: Der Hund von Baskerville. Sonn- tag: Nachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. AbendS: Der Hund von Baslcr- ville. Montag: Nachmiitags 3 Uhr: Sherlock HolmeS. AbendS- Der Hund von BaSlerville.(Ansang 8 Uhr.) Bernhard Rose< Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ehr- liche Arbeit. SlbendS: Kyrih-Pyritz. Montag: Nachmittags 3 Uhr: Wohl- täler der Menschheit. AbendS: Kyrih-Pyritz Dienstag: Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Ehrliche Arbeit. Mittwoch: Kyrih-Pyritz Donnerstag: Rcilcrattackc. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Kyrih-Pyritz. Montag: Rciterattacke. Folie» Caprtee. Täglich: Insolvent.(Ans. 8V4 Uhr.) Casina-Thcater. Sonntag: NachmlltagS 4 Uhr: Mutter Gräber! Allabendlich: Rußland.(Ans. 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Thcater. Allabendlich: Mclnc-Dcine Der selige Nicmann.(Ans. 8 Uhr.) Metropol> Theater. Allabendlich: Donnerwetter— (Ans. 8 Uhr.) SidchshaUen- Theater. Allabendlich: Steltincr Sänger. Gustav BebrenS- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabend- lich: Spezialitäten. Urania- Theater. Taubenstraße 48/4S. Sonntag: Aus den Trüm- mern MessinaS. Montag, Dienstag und Mittwoch: Schwarzsutztiidianer. Donnerstag und Freitag: Aus den Trümmern MessinaS. esonnabcnd: Von Abbazia bis Korsu. Sonntag: Aus den Trümmern MessinaS Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidcnstr. 57—62. itSint, rgarte». Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr und allabendlich-. Spezialitäten. Apollo-Thcater. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Onkel Casimir. Spezialitäten. Allabendlich: Der junge Papa. Spezialitäten.(Ans. 8 Uhr.) Pasiage-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Walhalla-Theatcr. Sonntag: Nachmittag» S'h Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theatcr. Allabendlich: Spezialitäten. Tochter tadellos. Vermischtes* Kircheneinsturz in Hohensalza. Infolge einer Erdsenkung ist vorgestern nachmittag, einem Telegramm aus Hohensalza zufolge, die Nordlvand der dortigen katholischen Marienkirche während des Gottesdienstes eingestürzt. Die Kirche und die Propstei mußten ge- räumt werden. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Es wird eine weitere Senkung des Erdbodens und der völlige Ein- stürz der Kirche befürchtet. DaS Gelände ist von Militär ab- gesperrt. Unter glühenden Schlacken begraben. Ein furchtbares Unglück hat sich, wie aus Hörde berichtet wird, auf dem Stahlwerl.Phönix" zugetragen. Dort stürzte ein Korb mit glühenden Schlacke» infolge eines Seilbruchs auf mehrere Arbeiter herab. Zwei Mann wurden sofort getötet, ein dritter wurde schwer verletzt. Zwei Bergleute getötet. Nach einer Meldung aus Dortmund wurden auf Zeche Freie Bogel und Unverhofft durch herabfallende GesteinSmaffen zivei Bergleute getötet. Ein Riefenbrand. Aus Neuhäufel in Ungarn wird gemeldet, daß in der benachbarten Gemeinde NaSzvad 74 Wohnhäuser nnd 80 Nebengebäude niedergebrannt sind. Die Bevölkerung kampiert im Freien. Ein weiteres großes Schadenfeuer wird aus Oedenburg gemeldet, in dessen Umgebung bei heftigem Winde ausgedehnte Waldungen in Brand geraten find. Untergang einer Schifferbarke. Infolge heftigen Sturmes scheiterte, wie aus Trieft telegraphisch gemeldet wird, bei der Einfahrt in die Bucht von Brodrielle eine große Schifferbarke. Die anS 11 Mann bestehende Besatzung wurde von der hochgehenden See weggespült und fand den Tod. Ueber eine heftige Explosion wird aus Rom gemeldet: In einem etwa 500 Meter vom Vatikan gelegenen Gasthof ereignete sich gestern vormittag eine heftige Explosion, durch die Fußböden des vierten und fünften Stockwerkes zum Einsturz gebracht und drei Personen verletzt wurden. Die Explosion, die in der Ve- völkerung des Stadtteils großen Schrecken hervorrief, ist auf die Herstellung von Sprengmiltcln zurückzuführen, die beim Fischfang im Tiber Verwendung finden sollten. Der Verfertiger de« Sprengmaterials befindet sich unter den Verwundeten. Seine Verletzungen find sehr schwer. Ein weitere Meldung aus Rom hierüber lautet: Die Untersuchung hat bisher ergeben, daß der Inhaber der zerstörten Wohnung, ein geivisser Proietti, Sonntags dem Sport des Fischfangs und der Jagd nachzugehen pflegte und mit der Anfertigung von Patronen zu diesem Zmeck beschäftigt war. Die Explofion ist auf eine» reinen Zufall zurückzuführen. Wetterprognose für Sonntag, den 4t. April 4S0S. Zunächst aufklarend, nachts etwas kühler, am Tage wärmer bei ziemlich lebhaften westlicheu Winden: später wieder zunehmende Bewölkung und leichter Rege» Berliner W etterbureau. Tür Ausflügler 100 AusßWe mii Knüii mit 12 Illustrationen und 20 Karten von Georg Siegrrist. Preis kartonniert 1 ,f>0 M., mit bunten Karten 2,— M. Mit 38 Karten Preis 2,50 M. Wanderbllch für die Mark Krandeuburg «öS anxei'<»n«<>n«Io«odiet«. Mit 53 Karten� Erster Teil: Nähere Umgebung Berlins.... Preis 1,50 M. Zweiter Teil: Weitere Umgebung Berlins, westliche Hälfte Preis 2 M. Dritter Teil: Weitere Umgebung Berlins, östliche Halste Preis 2,502». Wanderfiihrer mit Korten Atlas für Oberspree und Dahme PreiS t M. Wanderführer mit Karten-AtlaS für de» Grunewald Preis 1 M. Spezialkarten für alle Slusflugsorte der näheren und weiteren Umgebimg Berlins, im Preise von 0,50—1,50 M. Nadfahrcrkarte von Berlin und weiterer Umgebung, auf Lcinewand gezogen, zusammenlegbar Preis 1,75 M. 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April, der- starb unser Mitglied, der Silber- arbeiter Paul Kühne Gräfeftr. 69/70. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. April, nach- mittags'1,4 Uhr, von der Leichen- haste des alten Sophien-KirchhofeS, Bcrgftrafie Ecke Jnvalidenstrabe, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 210/15 Der Aorstaiid. Deutscher merallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. To des- Anxclfen. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Silber- I arbeiter Paul Kühne I am 7. April an DannlrebS ge- I sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den IL. April, nach- mittags Z�/p Uhr, von der Leichen- Halle des isophien-KirchhoseS in der Ackerftrafie(Ecke der Berg- strafie) aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schlosser Osvall! Lehmann gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den IL. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Paul-Gerhard-Kirchhoses in Nordend aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/4 Die Ortsverwaltung. iSozlalileiiiokratiseiLWaiilvereiD das 6. Herl. Reiebstagswalreises. Todes- Anzeige. Am 8. April verstarb unser Mitglied, der Schlosser Lehmana Kuglerstr. 41. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Aprll, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Paul Gerhardt-Kirchhoss, Nieder-«chönhausen» Nordend, aus statt. Um rege Bctelltgung ersucht 226/9 Der Borltand. Am 8. April verstarb am Herzschlag unser Mitarbeiter, der Schlosser Oswald Lehmann. Wir verlieren in ihm einen braven Kollegen. 1095b Ehre seinem Andenken! die Arbeiter und Arbeiterinnen der DautschonWaffen- u. Munitionsfabriken. Abt. Hoffmann u. Pttsch. Zentrai-Krankenkasse fdr Textilarbeiter usw. Oertliche Verwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Oswald Lehmann am 8. April verstorben Ist. Ehre seinem Andenke»». Die Beerdigung findet am 2. Feiertagnachmittag 5 Uhr von derLcichenhalle desPauIGerhardt- Kirchhofes in Niederschönhausen- Nordend aus statt. 197/4 Der Vorstand. «■BW In der Nacht zum Donnerstag, morgens L Uhr, verschied ganz anoerbofit am Herzschlag mein ieber Mann, unser guter Bater, Schwieger, und Großvater. Schwa- ger und Onlel, der Schlosser Oswald Lehmann im 43. Lebensjahre. 1996b Im Namen der Hinterbllebenen Luise Lehmann nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Nontag, den 12. April(2. Öfter- r\ llfiv OOlt; Am Freitag, den 9. April, ver- starb plötzlich und unerivartet am Herzschlage unser lieber Kollege, der Korrektor Eduard Neumann im 56. Lebensjahre. Sem Andenken Wird in Ehren halten Das Personal der KSniglichen Hofbuchdruckerei E. S. JLittler Sohn. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. April, nach- mittags 3 Uhr, auf dem Georgen- lirchhoj in Weißensee, Rölcke- straße 93-123, statt. L008b ZentraifeM der Masehinisteo und Reizer sowie BeruisgenosseDDeutsehi. Zahlstelle Ober-Sehinewelde. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Gustav Wiesner verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 12. April(2. Ostertag), nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ober. Schöneweider Friedhofes aus statt Die Kollegen treffen fich um 2 Uhr im Lokal von Fr. Warnecke, ""llhelminenhofftr. 18. 145/5 Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zweigverei» Berlin. Am 9. April er. starb nach kurzem Krankenlager unser Mit- glied, der Kollege 42/15 Karl Trllse (Schultheiß I). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 12. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gnaden-Kirchhofes, Barsusslraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines wniggeliebten Mannes, unseres guten ValcrS des Tischlers Elvl,»i-d Hecbert sage ich allen Verwandten und Ve- kannten, insbesondere dem Wahloerein Rixdors, 12. Bezirk, und dem Gesang- verein.Männerchor' mewen innigsten Dank., Witwe Marie Heckort nebst Kindern. Danksagung. „•flr die zahlreichen Beweise herz» licher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Georg Llebherr sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen innigsten Dank. Wwe. Auguste llebherr geb. ilferdin. Karl Liebherr. 59/16 Belma Liebherr geb. Seehase. Danksagung. jür die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Becrdi- gung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Jachmann, Moabit, unseren herzlichste» Dank. Witwe HonHstt« Fehns 1983b nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Gatten, unseres guten Vaters htalomon Oelber sagen wir allen lieben Freunden, Bekannten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe liebst Kindern. 1997b Ur. Schünemann Spezial-Arzt für 54311* Bant- und Harnleiden, FranenlrranUheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schünenstr. Wochentags 10— M, 5—7. Bon der Reise zurück 291/13 Br. Mainzer. fl/e Harnleiden Ibre Oelobren, Verdatung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. O Ites tausend Ki ftrhg Hh Ekliler �Hygienische « II Becaniaim«!. Neuost. Katalog D*£z&pfobl.7iel. Aerzte u Prof. grat. uif H. ünrcr, öommiwarciifibrik 13c r ÜB NW.. Fnodriclifltraaae 91/93 Scheuertuch Patontamtlich geschützt. ■", kein Ab- > ruts ob. vom Schrubber, nutzt eich zuerst an den Ecken ab, kein Umlegen und Bücken nötig, in guten Qualitäten 20, 25, 30 PI. Man verl. überall des Scheuertuch mit der Schlinge. Händl. billigste Preise. Vertriebsrechte f. Bezirk.Deutsch- lands zu vergeben. Engroslager: 19326 H. 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D.. grüne Einzahlungen werden außerdem auch bei jeder Annahmestellen liegt(zwelks schnellerer——„----...----------.. —----------'----—"■L— verschiedenen Sparkassen unserer Stadt Kasse B nur aus schwarz�otgestreiste Sparbücher. , V„„ jchwarz.blaugestreiste. , G,„ jchwarz-graugestreiste. , H„. schwarz-grüngestreiste. beliebigen der vielen über die ganze Stadt verbreiteten dieser Annahmestellen möglichst in allen EinzahlungSsällen entgegengenommen. Die Benutzuw..., T- ellcrer Abfertigung der abhebenden Sparer bei den Kassen selbst) im eigenen Jnteresie aller Sparer. er- oder bei derjenigen Kasse Uebertragunge» von Sparguthaben»wischen den verschiedene« Sparka folge» auf Antrag der Sparer jederzeit ohne Unterbrechung der Verzinsung Die Ueberwagung ist bei der sür das vorhandene Sparbuch zuständigen Kasse uuci uci> welche»die künstige Abfertigung übernehmen soll, unter Vorlegung des Sparbuches zu beantragen. Die«ene«aste U wird für die Sparer werktäglich von v-t! Uhr geöffnet fein. 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