Nr» 86. Nbonneinents-Keäinglingen: Abonnements- Preis pränumerando i Wicrtcljährl. 3£0 Mb, monair. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hallst Einzelne Zlimimer 6 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post« Wonnemcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monob Postabonnements »cljmcn an: Belgien, Dänemark, .Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. A6. Jahrg. &I(S?iJlt täglich Zlllitt M3S$. Vevlinev Volksblskt. 05e Tntertions-Ge&üffr beträgt für die sechsgespaltcne Kolone?- zcile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Uleine Sn-eig-n", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedc-Z weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittagSinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Tclegranim- Adresse: „Scziaiticmolirat ßtrliit". Zcntralorgan der rozialdernohrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IX, Nr. 1983. Mittwoch, den 14. April 1909. Cxpcdition: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981» Sie Kelch§fillan?l'esol'm uock die Blockparteien. Die Ostcrfcicrtage haben die hinter den Kulissen betriebene Schacherei um die neuen Steuervorlagen für kurze Zeit unter krochen. Es ist aber unzweifelhaft, daß die Unterhandlungen schon in den nächsten Tagen wieder aufgenommen werden. Weilt Fürst Bülow auch fern von Berlin in der Lagunenstadt an der blauen Adria, so sind doch seine Agenten uin so eifriger tätig, sich den Dank ihres Meisters zu erwerben. Und die besonderen; wirtschaftlichen Interessen bestimmter kon- servativer Kreise arbeiten ihnen bei ihren Bemühungen direkt in die Hände. Mögen die Wortführer des Dundes der Landwirte noch so scharfe Aufrufe gegen die Nachlatzsteuer erlassen und den der ausgegebenen Uampfparole nicht gehorchenden konservativen Elementen mit der Rache des Bundes drohen, so findet doch der robuste Wider- stand der Oertel, Wangenhcim und Oldenburg gegen die geplante Nachlatz- oder Erbanfallsteuer in den nicht unter direkter Diktatur der Bündler stehenden konservativen Kreisen immer weniger Sympathie. Nicht nur die mittlere und kleinere Beamten- schaft und der gewerbliche Mittelstand, die bisher der konservativen Fahne folgten, erheben Einspruch gegen die bündlerische Steuer- Politik, selbst in den Kreisen der strengen Agrarkonscrvativen gärt es, wie die Erklärung des Vorstandes des konservativen sächsischen Landesvereins beweist. Obgleich am 19. März die Nachlatzsteuer von der Landesversammlung des Bundes der Landwirte für das Königreich Sachsen einstimmig unter brausendem Beifall angenommen worden ist, und obgleich ferner die Leiter des sächsischen konservativen Landesvereins mit den Führern der preutzischen Konservativen Fühlung ge- nommenundvon diesen ersucht worden waren, jedeDemonstration für die Nachlatzsteuer zu unterlassen, hat dennoch der sächsische Landesverein in seiner ani 6. April abgehaltenen Sitzung eine Resolution gefatzt, in der gefordert wird, datz die sogenannte Besitzsteuer, insoweit eine andere Einigung über sie nicht erfolge, am letzten Ende durch Er- st reckung der Rcichs-Erbschaftsste�uer auf die Anfälle an Abkömmlinge und kinder- lose Ehegatten des Erblassers aafzubringen seien. Das ist eine deutliche Absagung an die Oppositionspolitik der Bundesleitung. Ein Teil des sonst so fügsamen konser- vativen Aufgebots versagt die Heeresfolge! Warum? Nach den eigenen Worten der Fahnenflüchtigen, weil die Politische Lage Deutschlands eine schnelle Ordnung der Finanzen unbedingt er- fordert und sie(die Fahnenflüchtigen), getrieben von ihrer Vaterlandsliebe, die sogenannten vaterländischen Interessen über ihre eigenen Interessen stellen. Ein niedliches Beispiel politischer Heuchelei I In Wirklichkeit sondern sie sich vom landbündlerischen Aufgebot ab, weil in der Frage der Erbschafts st euer ihre wirtschaftlichen Jnter- essen mit denen der ländlichen Großgrundbesitzer differieren. Welches Interesse hat zum Bei- spiel der mittlere und selbst der höhere Reichsbeamte ohne Ar und Halm daran, datz der großbäuerliche und ritterschaftliche Besitz von der Nachlatzsteuer verschont bleibt und statt dessen durch eine Erhöhung der Matrikularbeiträge oder eine Reichs- cinkommensteuer sein Einkommen schärfer zur Steuer heran- gezogen wird? Ihm liegt vor allem daran, möglichst bald die gesetzlich vorgesehene Gehaltszulage zu erhalten. Damit er sie aber erhält, mutz zunächst die Reichsfinanzlage geregelt werden. Deshalb sein„patriotisches" Drängen nach einer baldigen Beseitigung des heutigen Zustandes. Aehnlich wie mit den Beamten steht eS nnt dem konservativen gewerblichen Mittelstande, der ebenfalls kein Interesse daran hat, datz der ländliche Großgrundbesitz von der Nachlatzsteuer verschont bleibt und dafür ihm ein Teil der sonst durch die Nachlatz- steuer aufgebrachten Summen aufgebürdet wird. Dazu kommen dann noch die Sonderintercssen einer Reihe anderer konservativer Berufsschichten, z. B. der Offiziere, die die Be- reitstellung weiterer Geldmittel zur Heeresvermehrung fordern, die ja zugleich ihre Aussichten auf schnelleres Avancement vcr- bessert. Alle diese Elemente sind mit dem unbedingten Widerstande der landbündlerischen Großagrarier gegen die Nachlatzsteuer nicht einverstanden. Sie verlangen Nachgiebigkeit, damit die Neichsfinanzrcform bald erledigt wird. Und die konservativen Führer werden, wenn sie nicht ihre bisherige Position und einen Teil ihrer Mitläuferschast verlieren wollen, sich gezwungen sehen, nachzugeben und einer Erweiterung der Reichserbschafts- steuer zustimmen— natürlich nicht umsonst, sondern, wie sich von selbst versteht, gegen allerlei Zugeständnisse bei den anderen Steuern, besonders bei der Branntwem- besteuerung. . Und die Herren Freisinnigen und Nationalliberalen sind zusstien weitesten Zugeständnissen bereit. Sie wollen um jeden Pveis den Block erhalten, und um dieses hehren Zweckes willen, sind sie entschlossen, wenn es sein mutz, ans alle ihre sogenannten' liberalen Grundsätze zu verzichten und selb st das Branntweinhandelsmonopol mit in den Kauf zu nehmen. Wer daran nach den Äußerungen der freisinnigen Presse noch zweifelt, dem zeigt üifa» es der am Mittwoch voriger Woche abgehaltene Parteitag der Freisinnigen Volkspartei Groß- Berlins, der von den Meiner und Konsorten lediglich zu dem Zwecke arrangiert worden ist, Stimmung für ihre amphibische Politik zu machen und sich zugleich ein Vertrauensvotum ausstellen zu lassen— eine Absicht, die sie glänzend' erreicht haben. Gibt die Mehrzahl der Konservativen so weit nach, datz sie sich in irgend einer Form zur Annahme einer Erbschafts- steucrerwciterung bequemt, die, wenn auch nicht die anfangs geforderten 100 Millionen Mark, so doch dem Reich alljährlich 50—60 Millionen einbringt, so iverden sich die Freisinnigen nach einigem Sträuben nicht nur bereit finden lassen, für alle verlangten Verbrauchssteuern, nötigenfalls auch für den Kaffeezoll. zu stimmen, sondern obendrein noch den Agrariern auf Kosten der Volks- masse beim Branntwein allerlei profitable Entschädigungen zuzubilligen. Selbst die von konservativer Seite geforderten Garantien für die Knebelung der Finanzhoheit des Reichs werden schwerlich die Freisinnigen von einem solchen Kompromitz abschrecken. Das Verlangen der konservativen Kompromitzler, die freie Verfügung über die Ausgestaltung der Reichserbschaftssteuer solle für die Zukunft der Reichsregierung und den: Reichstage genommen und an die Zustimnmng der einzelstaatlichen Landtage gebunden werden, hebt zwar die Finanzhoheit des Reichs auf und stellt in gewissem Sinne den Reichstag unter die Aufsicht der zu- meist reaktionären, agrarischen Einzellandtage; aber in ihrem Zustande politischer Degeneration sind die Freisinnigen zu jeder Konzession bereit, die ihnen noch eine Zeitlang die Stellung einer Art Regierungspartei sichert. Nicht von den Freisinnigen, sondern lediglich von den Konservativen hängt es deshalb ab, ob der Block die Reichs- finanzreforin durchführt. Verstehen sich die Konservativen dazu, aus ihren Reihen so viele Stimmen zu stellen, datz eine Erweiterung der Erbschaftssteuer zustande kommt, dann sind die Freisinnigen zum Vergessen aller ihrer gepriesenen liberalen Prinzipien bereit. Dann werden sie ohne Bedenken übersehen, datz sie noch vor kurzem vorlangt haben, die Besteuerung des Besitzes müsse mindestens 100 Millionen Mark einbringen. Dann werden sie schlietzlich für alle geforderten Verbrauchs- steuern und Zölle stimmen und den Konservativen als Entgelt für ihre vaterländische Aufopferung autzerdem noch einige ein- trägliche Liebesgaben gewähren. Das Blockkonkubinat hat den Freisinn dcrmatzcu entnervt. datz er bereits alles Verständnis für die politische Situation verloren hat und allen Ernstes in der Nachlatzsteuer eine libe- rale Forderung sieht, die durchzudrücken ihm als e in Sieg des liberalen Gedankens erscheint. In Wirklich- kcit hat die Nachlatzsteuer mit dem Liberalismus nichts zu tun. Ein Nachgeben der Konservativen in dieser Frage kann deshalb auch nicht als ein Zugeständnis der Agrarier an den Liberalismus, sondern höchstens als eine konservative Kon- zcssion an die Rcgierungs-Steuerpolitik und an bestimmte Jntcressentengruppcn innerhalb ihrer eigenen Anhängerschaft angesehen werden. Ob die Nachlatzsteuer in irgend einer verstümmelten Gestalt eingeführt wird oder nicht, die liberale Gedankenwelt gewinnt dabei keinen Zoll an Boden. Doch der Freisinn hat sich längst unter der glorreichen Führung der Wiemer und Mugdan in eine solche passive Stellung drängen lassen, daß er in dem kleinsten Ab- strich von den jeweiligen konservativen Forderungen bereits einen Sieg des Liberalismus erblickt. Schritt vor Schritt weicht er vor den konservativen Ansprüchen zurück, und die liberale Aera, von der bei Gründung des Blockes die liberalen Romantiker vom Schlage der Naumänner träumten, löst sich vollständig in ein naßkaltes Nebelgebilde auf. bürgerliche iZemokrsten. Die„Demokratische Vereinigung", die neue politische Gruppe um die Barth, Breitscheid und Gcrlach herum, hat ani 2. Osterfciertag ihre erste Delegiertcnvcrsammlung abgehalten, über die wir an anderer Stelle ausführlicher berichten. Die Demokratische Vereini- gung zählt jetzt 45 Vereine mit rund 5000 Mitgliedern, sodatz ihre Führer auch für die Zukunft eine kräftige EntWickelung dieser neuen Partei erhoffen, die einen späten Versuch darstellt, wenigstens gewisse Teile des Bürgertums für die Demokratie zu gewinnen. Wir haben wiederholt dargelegt, datz wir diesem Versuch von Herzen alles Gute wünschen. Wir können das umfomehr, als wir gleich verschiedenen Rednern des Delegiertentages der Ueberzeugung sind, datz sich kein einziger klaffenbewutzter Arbeiter durch die Agitation der bürgerlichen Demokraten der sozialen Demokratie abspenstig machen lassen ivird. Auch wäre es schlimm um unsere Werbearbeit bestellt, wenn die Sozialdemokratie auch nur bei der Gewinnung neuer Anhänger die Konkurrenz der bürgerlichen Demokraten befürchten mützte. Und wenn die Barth, Breitscheid, Gerlach auch noch so zuversichtlich hoffen mögen, durch ihre bürgerliche Demokratie schlietzlich die Sozialdemokratie durch eine innerliche Wandlung überivindcn und ihren kollektivistischen Idealen entfremden zu können, so können wir umgekehrt diesem Beginnen mit der fröh-- lichen Zuversicht zusehen, datz eine bürgerlich-demokratische Partei schließlich doch nur eine Rekrutienmgsschule für die Sozialdemokratie sein wird. Wir haben also nicht den geringsten Gmnd, der Demokratischen Vereinigung nicht alles Gedeihen zu wünschen. Und wenn wir den Verhandlungen des Delegiertentages einige kritische Glossen widmen. so geschieht das wahrhaftig nicht, um die neue„Partei" herab- zusetzen. Die Demokralische Vereinigung hat ja in ihrem Kampfe gegen den Blockfreisinn eine so rüstige Agitation entfaltet und auch auf dem Delegiertentag selbst so kräftige Proteste gegen die neue Steuerausplündcrung usw. eingelegt, datz man ihr ihres guten Willens wegen eher etwas nachsehen könnte. Unsere kritischen Bemerkungen sind deshalb nur gutgemeinte Ratschläge, gleichviel, wie sie auch aufgenommen werden mögen. Die Führer der Demokratischen Vereinigung scheinen eine seit- same Abneigung gegen programmatische Klarheit zu hegen. So ivendeten sie sich gegen die Erklärung, datz die Forderung der Demokratie auch die der Republik enthalte. Herr Breit- scheid sogar mit dem wunderlichen Argument, auch die Sozialdemokratie fordere nicht ausdrücklich die Republik! Als ob die spezialisierten demokratischen Forderungen des sozialdemokratischen Programms eine andere Regierungs- form überhaupt zulietzen! Andere Delegierte kamen mit dem ab- geschmackten Gerede, die Republik allein tue es nicht, das bewiesen ja so manche Republiken. Deshalb fordert ja die Sozialdemokratie die soziale Republik I Aber wenn sich die bürgerlichen Demo- kratcn auch nicht mit der sozialistischen Forderung der Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln befreunden wollten, so konnten sie immerhin die demokratischen Konsequenzen ziehen, die jede Form der Monarchie ausschlietzcn. Aber man wollte das brave Spietzburgertum offenbar nicht kopficheu machen, daS ja schon Anno 1848 für eine Republik mit einem Grotzherzog an der Spitze schwärmte. Als ob nicht gerade innerhalb der für die Demokratie zu gewinnenden Schichten des Bürgertums Klar- heit des Denkens mit allen Mitteln gefördert werden mützte I Höchst bedenklich ist auch das Sträuben der Führer der Demo- kratischen Vereinigung gegen ein klar u m r i s s e n e S Pro- gramm! Ganz unglücklich war die Berufung GcrlachS auf das Zentrum, das ohne Programm die heterogensten Elemente in sich vereinige durch das Bindeglied des KatholiziS» mus. So müsse auch ohne Programm der demokra- tische Gedanke die große demokratische Partei der Zukunft vereinigen. AIS ob die konfessionell maskierte Zentrums- Politik sich nicht je länger je mehr als agrarisch- mittelständlerische RcaktionSpolitik entpuppt hätte, in der die wirtschaftlichen Interessen der einflußreichen Zentrumswählerschichten den Ausschlag geben I Wie kann man sich' da der Illusion hingeben, datz ein abstrakt demokratisches Ideal die wirtschaftlichen Jntcrcssengcgcn- sätze zu überbrücken vermöchte! Und schlietzlich hat die„Freis. Zeitung" gar nicht so unrecht, wenn sie die Barthianer wegen ihrer Abneigung gegen klare Prograinmfordcrungen bitter verhöhnt: dem Blockfreisinn mache man auS seinen Verstößen gegen die libe- ralen Prinzipien und Programmfordcrungen alle erdenklichen Vor- würfe; wenn jetzt die demokratischen Kritiker sich scheuten, sich auf ein bestimmtes Programm festzulegen, so geschehe das offenbar nur aus Angst, selbst ein- mal auf Verstöße gegen daS Progranim fest- genagelt zu werden! Wenn die Demokratische Vereinigung mehr werden will, als ein Sammelplatz der Verärgerten und Enttäuschten aus den verschiedenen Lagern, nämlich eine Partei, so wird sie um die Schaffung eines Programms nicht herumkommen. Sin Vorstoß der tüMchen Soaklion. Die Unruhen, die als Folge der Ermordung Hassan Fehmis vorausgesagt ivordcn, sind prompt eingetreten. Doch sind sie nicht der Ausdruck des Kampfes ztvischen den Jungtürken und den Liberalen, sondern sie zeigen ein ausgesprochen reaktionäres Ge- ficht. Es scheint, datz die Parteigänger der Reaktion den Zeit- Punkt, da der Gegensatz zwischen den Jungtürken und den Liberalen so schroff geworden war, daß die Lage kritisch wurde, für einen Vorstoß geeignet gefunden haben. Wieder ist, wie auch beim Sturze des Absolutismus, die Armee die Waffe, die die revoltierende Partei führt. Die Volksniaffe stellt, soweit die bisherigen Meldungen ein Urteil gestatten, den Zuschauer. Wie groß der innere Anteil ist, den die Masse an dem Kampfe nimmt, und wohin sich ihre oder der Mehrheit Wünsche und Sympathien neigen, ist nicht zu erkennen. 1 Die Armee handelt. In den SiegeStagcn der Revolution war es die ganze Armee, das Offizierkorps an der Spitze. Die Armee, die Masse der Gemeinen, war in jenen Tagen ein Werkzeug in den Händen der Offiziere, das sie Hand- habten, um ihre Interessen zu verfolgen. Sie haben es getan und jetzt empört sich die Armee gegen ihre Führer. Die Soldaten finden offenbar, daß von den schönen Ver- sprcchnngcn, die ihnen von den Offizieren gemacht worden sind, verzweifelt wenige erfüllt und, datz sie bei dieser Revo- liition der Offiziere nicht auf ihre Rechnung gekonimcn sind. Die jungtürkischc Revolution hat ihren Charakter nie ver- leugnet. Die Matznahmen des neuen Regiments haben so gut wie ausschließlich die Forderungen jener Schichten berück- sichtigt. die die Führenden bei der Umwälzung waren, die der Offiziere, Beamten ilnd Besitzenden. Für das notleidende Volk und die gemeinen Soldaten ist lvenig oder gar nichts geschehen, und so konnte die Agitation der Alttürken, der Reaktionäre. auf fruchtbaren Boden fallen, da die politische unaufgeklärte Masse keine eigenen Wege, die über das jungtürkische Regime hinausführen, zu gehen vermag. Uebrigens ist es bedeutsam, oatz die meuternden Truppen nicht die Beseitigung des Par- laments fordern. Wie stark die Bewegung ist, läßt sich noch nicht de- urteilen. Indes läßt die Tatsache, daß die Meuterer einen ganzen Tag lang schon Stambul in ihrer Gewalt haben, als wahrscheinlich annehmen, daß die Regierung ihnen keine ebenbürtige Macht entgegenzustellen vermag. Ueber die Haltung der Armee in den Provinzen weiß man bis jetzt sehr wenig: nur die spärlichen Meldungen aber, die vorliegen, deuten darauf hin, daß es auch dort zu Schwierigkeiten für das neue Regime kommt. Die Meldungen vom Tage lauten: Per», 13. April. Die heutigen Vorgänge haben sich folgender- maßen abgespielt. Am Morgen zogen die zwei im Seraskierat stationierten Bataillone über die Straße Divanjolu nach der Sofienmoschee und dem Parlamentsgebäudc. An ihrer Spitze waren nur wenige Offiziere zu sehen, die übrigen waren in den Kasernen verhaftet worden. Die aus Salonikier Jägern bestehende Parlamentswache wurde vor dem Parlament aufgehoben, ihre Offiziere gefesselt. Ebenso wurde mit der Wache vor der Pforte ver- fahren. Bald daraus schlössen sich den meuternden Bataillonen große Menschenmassen an, die in einer Zahl von mehr als hundert- tausend noch jetzt den Hippodromplatz und die Zugänge zum Parka- ment besetzt halten. Die neue Brücke ist für den Verkehr gesperrt, die alte Brücke wird für das Militär freigehalten. Truppen und Volk verlangen die Wiederherstellung deö Scherifat- rechts(des auf dem Koram beruhenden Rechts der Mohamme- daner), Absetzung des Großwesiers und des Kriegs- Ministers sowie Beseitigung deS Kammerpräsi- denten Achmed Riza. Später stießen 6000 Sofias zu der Menschenmenge. Sie besetzten die Moschee Mohammed Faty und erklärten, dort die Wiederherstellung des Scherifatrechts abwarten zu wollen. Die Telegraphenverbindungen innerhalb der Stadt und in der Umgebung wurden von den Aufständischen unterbrochen. Einige dem Komitee angehörende Offiziere sollen getötet worden sein. Gegen iOVi Uhr zogen 23 Geschütze von Pera nach Stambul. Die H a l tun g d e r Artillerie wird voraussichtlich für die Bewegung von ent- scheidender Bedeutung sein. Es verlautet mit Bestimmt- heit, daß die Bewegung von dem erst vor wenigen Wochen gebil- beten Komitee Jttihati Mohammed(Islamitische Einheit) ausgeht. Wie es scheint, hat ein Teil der bisher dem jungtürkischen Komitee treuen Salonikier Jäger mit den Meuterern gemeinsame Sache gemacht. Die Minister sind auf der Pforte versammelt und wollen, in Ungewißheit über die Stärke der Bewegung, zunächst mit ihren Führern gütlich ver- handeln. Als sich der Scheich Ul Islam um 11 Uhr nach dem Parlament begab, erwiesen ihm die meuternden Truppen militä. rische Ehren. Alle Offiziers wurden von den Meuterern in den Kasernen festgehalten. Die Truppen sind von Ser« gea'nten befehligt. Die Gerüchte, daß bereits nachts ein Blutbad stattgefunden habe, sind falsch. Bisher wurden nur zwei Offiziere auf der Stambulbrücke getötet. Die Läden sind geschlossen. Große Menschenmengen füllen die Straßen. Pera, 13. April(1 Uhr mittags). Der Scheich ul Islam ver. handelte im Auftrageder Regierung mit den Meuterern. Wie verlautet.protestierten die Soldaten gegen vie Ein. führung liberaler Reformen und verlangten Heilighaltung deS ScherifatgesetzeS und Auf. löfung deS jungtürkischen Komitees. Sie drückten serner ihr Mißtrauen gegen den Kammerpräsidenten Achmed Riza aus und wünschten die Wahl deö Ulemai Mustapha Pascha Assen zum Präsidenten, des Armeniers Schrab zum Vizepräsidenten der Kammer. Di« Meuterer verlangten ferner für sich Straf- losigkeit und die Anerkennung, daß sie patriotisch gehandelt hätten; endlich die Zusicherung eines allgemeinen cinwöchigen Volksverbrüderungsfestes. DerScheich ul Islam überbrachte diese Foriderungen dem Ministerrat, der darüber beriet. Gegen Mittag zurückgekehrt, fuhr der Scheich ul Islam mit der Antwort des Ministerrats zum Parlament. Die Meuterer lassen die Deputierten unbehindert die Kammer be- treten, auch Achmed Riza befindet sich in der Kammer. Eine Un» masse sensationeller Gerüchte ist in Umlauf. Fast die ganze Garnison ist an der Meuterei beteiligt. Die Regierung verfügt nur über einige Bataillone und drei oder vier Geschütze. Ueber die Haltung der Saloniker Jäger lauten die Nachrichten widersprechend. Um 2 Uhr hieß es, daß sie mit den Meuterern gemeinsame Sache machen. Die Lage ist s e h r e r n st. Konstantinopel, 13. April. Auch aus Mazedonien laufen bedenkliche Meldungen über Gärungen unter den dortigen Truppen ein. Kapitulation der Jungtürken? London, 13. April. Wie das Reutersche Bureau aus Konstan- tinopel melde», hat daS K a b i n e t t seine Entlassung aegcben, die vom Sultan angenommen wurde. Es heißt, daß K i a m i l Pascha mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauf. tragt wurde. politifebe dcberficht. Berlin, den 13. April 1909. Rückwärtskonzentration. Die„Kreuzztg." gibt bereits die agrarische Schlacht gegen die Nachlaßsteuer verloren. In einer wehmütigen Osterbetrachtung über den Stand der Reichsfinanzreform gesteht sie zwar noch nicht offen zu. daß weiterer Widerstand nutzlos ist, aber deutlich ist zwischen den Zeilen zu lesen, daß sie selbst mit einem starken Abfall konser- vativer Stimmen rechnet. Die Schuld daran mißt das Blatt der Hammersteine den großen Massen jener Wähler zu, die er- kannt hätten, daß sie selbst gar nicht von der Nach- laß- oder Erbanfallsteuer betroffen würden. Besonders in den Kreisen der städtischen Kleingewerbetreibenden, der Be- amten und Privatangestellten mache sich ein Umschwung der Ansichten zugunsten der Erbschaftssteuer geltend. Die Stimmung dieser zuin wesentlichen Teil im Gefolge der konservativen Parteien marschierenden städtischen Schichten hätten die konservativen Führer vielfach falsch beurteilt: „Die verbündeten Regierungen haben die städtischen Wähler und ihre Vorurteile richtiger beurteilt als wir. Der Reichskanzler sagte in seiner letzten Rede, die verbündeten Regie- rungen hielten es für politisch unausführbar, eine Besitzsteuer anders al« durch«ine Erweiterung einer ReichSerbschaftssteuer im Sinne ihrer Vorlage durchzusetzen. Dabei hat der Reichskanzler offenbar nicht nur mit der erwähnten Parteikonstellation gerechnet und also eine Mehrheit mit dem Zentrum in dieser Frage abgelehnt. sondern er hat wohl auch an die Stimmung! in den Beamten» und MittelstandSkreisen der Städte gedacht, die freilich erst künstlich gegen die eigenen Parteileitungen mobil gemacht werden mußten. Die Autorität der Regierungen be- deutet in diesen Kreisen sehr viel. Glauben die Regierungen sich über die sozialpolitischen Bedenken gegen die Reichssteuer auf das Erbe der Witwen und Waisen hinwegsetzen zu dürfen, s o kann man sich nicht wundern, wenn arich die Beamten und Gewerbetreibenden der Städte diese Bedenken außer acht lassen." Dann wendet sich das Blatt gegen die Delbrllckschen Artikel über die agrarischen Steuerhinterziehungen und bemängelt die Taktik der Reichspartei, aus der Mißstimmung gewisser konservativer Kreise Nutzen zu ziehen: „Die freikonservative Reichspartei scheint sich nach Zeitung?- berichten die Uneinigkeit im deutsckkonservativen Lager zunutze machen zu wollen. Da auch die Reichspartei sich vorzugsweise auf ländliche Wähler stützt, müßte sie allerdings zu AgilalionS- zwecken auf dem Lande den Gegensatz zwischen Arn, und Reich hervorheben. Das trauen wir ihr nun aber nicht zu, da ihre Führer selbst nicht zu den Armen gehören. Vielmehr scheint uns die gonvernementale Richtung in der Reichsparlei den Ausschlag gegeben zu haben. Es wird angedeutet, daß sie beabsichtige, mit einer„freimütigen Erklärung" zugunsten einer Erbansallsteuer die deutsch- konservative Partei ins Unrecht z u setzen und „reiche Beute" in deren Kreisen zu machen. Die sächsischen Konservativen, bei denen es einen Unterschied zwischen konservativ und freikonservativ nicht gibt, haben unter dem Drucke der sächsischen Regierung bereits den Anfang gemacht mit einer solchen Erklärung. Es könnte auffallen, daß dies gerade in Sachsen aeschieht. da der sächsische Finanzminister vor nicht langer Zeit den stärlsten je gefallenen Ausdruck gegen die Deszendenteir- sieuer gebraucht hat und zivar zu einer Zeit, da das agrarische Hauptorgan sich entschieden für diese Steuer aussprach." Zum Schluß werden die Parteigenoffen ermahnt, die Gegensätze innerhalb der eigenen Partei nicht zu verschärfen und jedem frei- zustellen,.allein der Stimme seines Gewissens zu folgen". Neue Ersatzsteuern. Wie die„Deutsche Tageszeitung" aus ganz bestimmter Quelle erfahren haben will, fürchten die verbündeten Negierungen, daß die neuen indirekten Steuern vom Reichstage in einer Form bewilligt werden, die den Ertrag nicht liefert, der unbedingt notwendig er- scheint. Man habe sich deshalb entschlossen, folgende Ersatzsteuern vorzubereiten: 1. eine erhebliche Erhöhung des Kaffeezolles; 2. eine Steuer auf alkoholfreie Getränke; 3. eine Zündholzsteuer und 4. eine KohlensörderungLsteuer._ Die MittelstandStagung. Zu drei großen Versammlungen hatte die Mittelstands- Vereinigung die ihr angehörenden oder nahestehenden Organisationen und Interessengruppen des Reiches für den 13. April vormittag» nach Berlin einberufen, um zur Reichsfinanzreform Stellung zu nehmen. Die Versammlung m der„Neuen Welt" war von 3000 Personen besucht; die anderen beiden Versammlungen füllten sich nur langsam und schließlich mußten die in der„UnionS- Brauerei" Versammelten geschlossen in daS benachbarte Lokal der„Happoldt- Brauerei" ziehen, damit wenigstens neben der„Neuen Welt" noch ein Saal einigermaßen gesüllt war. DaS Reichsschatzamt war in der Versammlung ver- treten. DaS Hauptreferat in der„Neuen Welt" hatte der frühere Handelsminister v. B e r l e p s ch. In der Happoldt-Brauerei sprach der Landeshauptmann v. N oft iz auS Pirna. Weiter sprachen der Obermeister der Berliner Tischlerinnung, Landtagsabgeordneter Nahard, Postsekretär Stock mann, Stadtrat Seifert-Leipzig und andere.— Die in der„Neuen Welt" beschlossene Resolution protestiert lebhaft gegen die Verschleppung der Reichsfinanzreform. die das Ansehen Deutschlands im Auslande herabsetze und eine schwere Schädigung unseres wirtschaftlichen Lebens bedeute, das unter der Unsicherheit über die zu erwartenden Steuern empfindlich zu leiden hätte. Die Versammelten erheben Einspruch gegen den Versuch einer ungerechten Verteilung der Steuerlast und verlangen neben Verbrauchs st euern, die vornehmlich die breiten Massen treffen, unbedingt Steuern, die den Besitz heranziehen. Sie bitten, diese Besitzstcuer unter keinen Umständen auf die Bundesstaaten abzuwälzen, deren Finanzen dadurch zer- riittet werden. In einer stark progressiven Erbanfall- st euer erkennen die Versammelten in der Voraussetzung, daß kleinere Erbanfälle steuerfrei bleiben und daß Ehegatten und Kinder milder behandelt werden, als entferntere Verwandte und Fremde, die beste Form der Besteuerung des Besitzes durch das Reich. Frhr. v. Berlepsch bezeichnete die Finanzwirtschaft als die schlimmste, die man sich denken könne, man müßte sie bei einem Privatmann als eine unsolide Wirtschaft bezeichnen. Deutschland wäre nie in diese Lage gekommen, wenn der Reichstag auf den Plan des Fürsten Bismarck eingegangen wäre, ein Reichstabakmonopol zu schaffen. Wenn Bülow in seiner ReichStagsrede zur Sparsamkeit mahnte, dann sei es sehr erwünscht, daß er selbst auf diesem Ge- biete mit gutem Beispiele voranginge. Bei Heer und Marine könne zwar nicht viel gespart werden, aber immerhin müßten die Ausgaben sehr genau auf ihre Notwendgkeit hin ge- prüft worden. Es sei auch zu wünschen, daß man künftig die Gelder nicht mehr für übermäßig luxuriöse Bauten ausgebe. Die Reichseinkommen- und NeichsvermögenS- st e u e r wäre steuertechnisch und stcuerpolitisch die beste Form einer Besitzsteuer. Aber die Widerstände gegen solche Steuern seien derart, daß sie heute nicht überwunden werden können und des- halb müsse man sich mit der Besteuerung des Erbanfalles be- gnügen. In der Debatte ergriff auch der Direktor des Bundes der Land- Wirte, Abgeordneter Dr. Hahn, daS Wort; er versicherte, daß die Konservativen durchaus nicht gegen die Heranziehung des Besitzes seien. Sie würden für eine Dividendcnsteuer, Mllhlen-Umsatzsteuer und eine Neichs-Wertznwachssteuer stimmen. Damit treffe man den mühelosen Gewinn. Wenn die Nachlaßsteuer eingeführt werde, dann werde man nach drei Jahren die Steuersätze zweifellos er- höhen und damit den Mittelstand ganz besonders treffen. Auf diese Weise werde der Sozialdemokratie direkt Borschub geleistet. Als Dr. Hahn davon sprach, daß die Konservativen bisher immer die Interessen des Mittelstandes vertreten hätten, wurde ihm von der Versammlung entgegengerufen:„Kornzölle!" Seine Rede klang dahin aus, daß er den Mittelständlern empfahl, sich nicht dazu mißbrauchen zu lassen, der Regierung aus dieser schwierigen Situation herauszuhelfen; wurde er schon während seiner Rede fortwährend durch Zwischenrufe unterbrochen, so erscholl stürmischer Widerspruch aus ganzer Versammlung, als er geendet hatte.— Immerhin wurde Dr. Hahn von den Mittelständlern weit anständiger behandelt, als wie Professor Adolf Wagner von den Freunden des Herrn Dr. Hahn behandelt wurde._ Eine Novelle zum Sec-Unfallgesetz ist im Reichsamt des Innern fertiggestellt worden. Der Ent- Wurf wird in diesen Tagen einer größeren Kommission von Sachverständigen unterbreitet und soll dann später den Jnter- essenten zur Meinungsäußerung zugänglich gemacht werden. Lakaienscelen. „Schon die Ehre und da« Vergnügen, dem Reichskanzler ein- mal persönlich, wenn auch nur flüchlig, vorgestellt zu sein, erweckt in den Gieprigen die schönsten Hoffnungen. Die Beantwortung eine» Briefes, die man sonst als die gewöhnlichste Höflichkeits« Pflicht auffaßt, wird von diesen Leuten als ein Leichen dafür ge» deutet, daß sie einst zu großen Dingen aaSerseHen werden sollen. Wenn nun gar ein kleines Verdienst mit der Ehre der Bekaiuitschafl des ersten Beaniten im Reiche verknüpft ist, so steigen die Hoffnungen ins Un- geheuerliche. Auch Fürst Bülow hat mit dem Schwärm dieser Gefolgschaft, der sich täglich vermehrt, reichliche Erfahrungen gemacht. Emen großen Teil von ihnen hat er„abgespeist", das heißt er hat sie einmal zum Diner eingeladen. Von der aus- gezeichneten Küche des Kanzlers zehren manche Leute, auch wenn sie sie nur einmal genießen durften, ein Leben lang. Denn die gedruckte Einladung wird im weitesten Familienkreise immer wieder herumgezeigt und wird so zu einer Reliquie für ganze Generationen." Diese unverkennbar gelungene Porträtierung gewisser Block- Politiker finden wir im—. B ö r s e u- C o u r t e r Die Geslhäftsgehcimliisie der deutschen Industrie. In verschiedenen großkapitalistischen Blättern war der Regierung der Vorwurf gemacht worden, daß sie Geschäflsgeheimniste der deutschen Industrie der omerikanißchen Bundesregierung mitgeteilt habe. In einer Notiz in der„Nordd. Allg. Zeitung" verwahrt sich die Regierung gegen diesen Vorwurf und stellt fest, daß den amerikaniichen Jiidustriellen von dritter Seite falsche Angaben über die deutschen Produllionskosten, insbesondere über die Höhe der Arbeitslöhne, die zu niedrig angegeben waren, gemacht worden sind. Die deutsche Regierung habe sich deshalb an die Handelskammern gewendet und die dort erhaltenen Auskünfte dann dem amerikanischen Staatsdepartement übermittelt. Des Wahlrechts-Grafen Ende. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Der sächsische Minister Graf Hohenthal hat nach dreijähriger Ministerlaufbahn, offenbar wirklich wegen dauernder Erkrankung, sein A b s chi ed s gfx s u ch eingereicht und aiuch genehmigt erhalten. Damit ist eingetreten, was. schon vor Monaten vor- auszusehen war. Graf Hohenthals politische Lausdahn ist damit zu Ende. AIS er bor drei Jahren den sächsischen Gesandtschaftsposten in Berlin verließ, um in Sachsen den Ministersessel einzunehmen, brachten ihm manche Leute aus dem liberalen Lager allerhand Hoffnungen entgegen. Sie sind nicht erfüllt worden. Wohl ran- datierte er erst etwas gegen die konservative Nebenregierung, der er durch den Legationsrat v. Nostiz die Freundschaft kündigen ließ, es währte aber nicht lange, so war auch Graf Hohenthal in den Händen dieser Nebcnregierung, die er schließlich durch den kläglichen Abschluß seiner Wahlrechtsreform direkt gestärkt hat. Mit den sächsischen Wahlrechtsgegnern der letzten Jahre ist der Name des Grafen Hohenthal eng verknüpft. Als er sein Amt antrat, erklärte er es für seine Hauptaufgabe, Sachsen an Stelle des Dreiklajsemvahlsystems ein neues Wahlrecht zu geben. Da ist ja schließlich auch geschehen. Man frage aber nur nicht wie? Erstens ist der neue Wahlrechtswechselbalg kaum besser als der alte und vor allem war Graf Hohenthal nicht mehr der Ge- bende, sondern nur noch der Geschobene. Nichts hat er verwirk- lichen können von feiner WahlrechtSavsicht. DaS ist gewiß kein Nachteil, da fein Wahlgesetzentwurf, der ein mit Körperschafts- Wahlen verquicktes Pluralsystem erstrebte, war ein widerlich-reak- tionäres Gemisch verschiedener volksfeindlicher Systeme. WaS aber schließlich gekommen ist, ist aber noch schlechter. Mit allerhand energischen Geberden trat Graf Hohenthal der Wahlrechtsfrage näher. Er wollte an seinem Entwurf bis zum äußersten festhalten und schließlich auch eine LandtagSauf- lösung nicht scheuen. Wie anders ist es gekommen! Ein Stück nach dem aydern mußte er unter dem Drucke der konservativ- nationalliberalen Wahlrechtsrcaktion preisgeben. Und als schlief lich daS Wahlgesetz verabschiedet wurde, warf man die Frage aus, ob der Entwurf überhaupt noch als Regierungsvorlage gelten könnte; Graf Hohenthal selbst muhte zugestehen, daß davon nichts als die Jntegralerneuerung der Zweiten Kammer übrig. geblieben sei. Mehrfach nacheinander hat er sich selbst desavouiert. Niemals, so erklärte er, werde er in ein reines Pluralwahlrecht willigen, niemals, so bekundete er später, werde er ein abgestuftes Plural- Wahlrecht unterschreiben. Er hat schließlich ein Wahlsystem unter- schrieben, das sowohl die reine wie die abgestufte Pluralwahl bringt. Er, der ansang? das WahlrcchtSgezcrre nach seinem Wunsche schieben wollte, wankte von� einem Standpunkte zum an- deren und stimmte schließlich einem Systeme zu, das dieselbe Neben- regierung gewallig stärken mutz, die er anfangs bekämpfen wollte. Gegen die berühmte sächsisch« Nadel st ichpolitik der Polizei schritt er anfangs mit Verordnungen ein. Es wurde auch etwas besser. Bald aber verfiel man wieder in das alte System. Graf Hohenthal, der im Landtage vollständig in die Bahnen reaktionärer konservativer Politik eingeschwenkt war, ver- zichtete aus seine„liberalen Allüren" schließlich ganz. So kam es, daß sich die alte Polizeiwirtschaft wieder einnistete. Unter sicher- HeitSpolizeilichen Vorwänden wurden dem Rcichsvereinsgcsetz zu- wider Gewerkschaftsversammlungen überwacht, ebenso Kreisver- sammlungen politischer Vereine. Und die Obcrbehörden und das Ministerium billigen dieses gesetzwidrige Polizeiregiment. Das be- rühmte freie Ermessen der Polizei in der Handhabung der Gesetze gegen die Arbeitervereine hat wieder Platz gegriffen. In welchem Maße Krankheit oder reaktionäre Wandlungen des „Wahlrechtsgrafen" diese Rückwärtsentwickclung verursacht haben, ist nicht zu erkennen. Sicher ist aber, daß dieser angeblich liberale Minister mit einem reaktionären Regiment geendet hat. Der sächsische Gesandte in Berlin Graf Vitzthum von Eckstaedt. der als Nachfolger deS Ministers Grafen von Hohenthal in Aussicht genommen ist, wurde vom König in Audienz empfangen. Herzog v. Arenberg. Eine Zuschrift an das„Berliner Tageblatt" aus Brüffel stellt fest, daß der vom Zentrum erkorene neue RcichStagSkandidat mit dem Deutschen Reich tatsäcklich weiter keine Beziehungen bat, als daß er preußischer Herrcnhäusler und Oberleutnant k la suito der Armee ist. Sein ständiger Wohnfitz ist Brüssel und nur einem gewissen Zwange gehorchend, hat er vor einigen Jahren das Gut Nordlirchen erworben. Sein Bruder ist der bekannte Prinz Prosper v. Arenbcrg, dessen koloniale Heldentaten noch nicht der Vergessenheit verfallen sind. Herzog v. Arenberg» ist Besitzer des größten Privat-Bergregals in Preußen und bezieht daraus geradezu fabelhafte Summen.— Um deutsche Verhältnisse hat sich dieser ZentrumSkandidat nie be- kümmert. Auch an den Verhandlungen des preußischen Herrenhauses hat er sich so gut wie garnicht beteiligt. Ein deutscher Vcamtentag tritt am Sonntag, den 18. d. M.. in Berlin zusammen. Die Tagung soll Stellung nehmen zur Reichsfinanzreform; in der Hauptsache aber handelt es sich darum, Protest gegen die Verschleppung der Gehaltsaufbesserung der Beamten zu erheben. Ein dentsch-portngiefischcr Handelsvertrag wird dem Reichstage demnächst zugehen. Der Vertrag gilt acht Jahre, läuft also dann mit den übrigen Handelsverträgen ab. uull gewährt Zollermäßigung auf Madeira und Portweine. ~. simt Spanien. Bombcnexplosion i« Barcelona. Madrid. 12. April. Blättermeldungen zufolge explodierte gesteh* nachmittag in Barcelona in einer Kanalisationsröhre wieder Zw» Bombe, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. BerUtzt kvurde niemand. Einige Blätter behaupten. eZ handle sich lediglich um eine Petarde. Bnrcdoim, 12. April. Heute abend platzte in der Straße St. Paul wiederum eine Bombe, ohne jedoch jemand zu der- letzen sie gleicht denjenigen, die an den vorhergehenden Tagen hier '-xplodiertnr. england. Bewegung unter den Postbeamten. London, 13. April. In Nottingham hat gestern ein Kon» streß englischer Postbeamten stattgefunden. In einer An» spräche erklärte der Vorsitzende, der Kampf der französi- schen Postbeamten gegen ihre Verwaltung sei in England von den Postbeamten und-Arbeitern mit Sympathie verfolgt worden. Zwar hoffe er, daß die englischen Postangestellten sich niemals ge- nötigt sehen werden, den Postdienst zu desorganisieren. Aber die willkürliche Haltung eines Teiles der englischen Postbchörden hat auch in England große Unzufriedenheit hervorgerufen. Infolgedessen wurde beschlossen, eine permanente Kommission im Unterhause ins Leben zu rufen, die die Regierung von allen Forderungen der Post- beamten verständigen soll. Des weiteren wurde ein Antrag ein- gebracht, daß die Postbeamtenorganisation sich der Arbeiterpartei anschließen soll. Die Abstimmung über diesen Antrag wurde vertagt. Dänemark. Schwindeleien über den sozialdemokratischen Abrüstungsvorschlag. Wie schon aus der telegraphischen Mitteilung über den Bericht des Folkcthingausschusses zur Beratung der Lawdesverteidigungs- frage zu ersehen war, haben die sozialdemokratischen Ausschuß- Mitglieder den Abrüstungsvorschlag unserer Fraktion aufrecht- erhalten, was ja auch selbstverständlich ist. Sie haben ihrem Gut- achten eine ausführliche Begründung beigegeben, in der zunächst der Standpunkt der dänischen wie der internationalen Sozialdemokratie zur Lattdesverteidigungsfrage dargelegt wird', und zwar auf Grund dcL Parteiprogramms, der internationalen Stuttgarter Resolution und der ihr entsprechenden Resolution des 7. skandinavischen Ar- beiterkongresses, der 1907 in Kristiania tagte sowie der Ad- rüstungsvorfchläge der deutschen und der englischen Sozialdemo- kratie. Sodann wird ausgeführt, daß Dänemark infolge seiner Kleinheit und seiner geographischen Lage gar nicht imstande ist, seine von allen Parteien gewünschte Neutralität mit Waffen- gewalt zu verteidigen, so daß die ungeheuren Aufwendungen für Festungswerke und Militärwesen zwecklos vergeudet wären, und daß, wie aus wiederholten Erklärungen des Ministers des Aeußcrn hervorging, vom Auslande keinerlei Pression auf Dänemarl in hczug auf seine Landesverteidigung ausgeübt wird. Der FolkcthingSauSschuß hatte nun von der Negierung Auf- klärung darüber verlangt, welche Ausgaben der sozialdemo- kratische Abrüstungsvorschlag, der mit Vorschlägen über die Er- ziehung des Volkes zur körperlichen Gesundheit und Wehrhaftigkeit entsprechend dem Parteiprogramm verbunden ist, zur Folge haben würde. Die Berechnung, die die Regierung daraus dem Ausschuß vorgelegt hat, wird in dem Gutachten unserer Genossen recht ge- linde als„stark tendenziös" und teilweise„reinste Phantasie" be- zeichnet, tatsächlich ist sie ein unverschämter Versuch, dein Volke etwas vorzuschwindeln. So berechnet die Regierung z. B., daß der Verkauf des vorhandenen Kriegsmaterials, dessen Wert von der LandeSverteidiguugskommission des Reichstags auf 299 Mil« lionen Kronen geschätzt wurde, nur 31lh Millionen bringen werde, und andererseits soll zur Verwirklichung der Vorschläge unserer Genossen auf Erziehung des Volkes zur Wehrhaftigkeit zunächst eine einmalige Ausgabe von 27 299 999 Kronen notwendig sein, und zwar teils für Errichtung von Turnhallen und Schießbahnen, teils für Anschaffung von JnspektionSschiffen sowie für Schab- losHaltung der Kommunen, die durch die Entziehung der Ganü- sonen Einbuße erleiden. Turnhallen sind nach den Angaben der Regierung nur in der Hälfte der dänischen Volksschulen vorhanden, so daß es sich bei jenem Punkte um eine sowieso sehr notwendige Schulausgabe handeln würde. Weiter berechnet die Regierüllg, baß die vorgeschlagene körperliche Erziehung der Jugend eine dauernde Ausgabe von genau 19 877 717 Kronen jährlich kosten werde, so daß glso auch von dem bisherigen ordentlichen Militär- etat nur wenige Millionen gespart werden könnten, während nach der Schätzung unserer Genossen in Zukunft S Millionen ausreichend wären, um jene Erziehung durchzuführen. Wie die Re- gierung zu ihren fast 29 Millionen kommt, ersieht man schon daraus, daß sie die Anstellung von 3999 neuen Turnlehrern, 2999 Aufsichts- männern, Amts- und Hauptinspektorcn für notwendig zu er- achten vorgibt und daß sie außerdem 9 Millionen Kronen als eine Art Diäten an die schulentlassenen Teilnehmer'der Turn- und Schießübungen gezahlt wissen will, obwohl diese Hebungen doch außerhalb der Arbeitszeit stattfinden sollen, und obwohl von irgend- welcher Entschädigung der Teilnehmer wohl ebensowenig die Rede sein kann, wie wenn etwa die Schüler irgend eines anderen Lehr» fachcs für ihre Schularbeit bezahlt erhalten� sollten. Damit eZ ibcsscr zählt, hat die Regierung für die Schießübungen auch die weibliche Jugend mit in Rechnung gestellt. Mckn sieht aus diesen wenigen, aber für die Methode der Rc- gicrung typischen Beispielen, daß dem Volk Sand in die Augen gestreut werden soll, um das alte militärische System in womöglich noch weit verstärktem Maße aufrechterhalten zu können. perNen. Die Intervention. England und Rußland schlagen ihre Fänge in Persien ein. Die unfichÄcn Zustände, die ihr Freiheitskampf erhofft, liefern ihnen den Vorwand. Ein russisches Kriegsschiff landete in E n s e l i 499 Sol- baten. Außerdem wurden nach M e s ch c d jChorassan) zur Ver- stärkung der Schutzwache des dortigen Generalkonsulats 75 Kosaken mit zwei Maschinengewehren entsandt. Der englische Kreuzer»Fox" landete in Abuschekr eine Truppenabteuung. Die englische und die russische Gesandtschast haben beantragt, daß die Erlaubnis zur Einfuhr von Getreide nach Täbris. das unter der Hungersnot leidet, erteilt werde. Im Falle der Ablehnung dieses Gesuches verlassen die europäischen Konsuln Täbris. HmenKa. Castro auf dem Schub. Aus Fort de France auf Martinique wird vom 12. April gemeldet: Castro weigerte sich so hartnäckig, abzureisen, weil er dazu unfähig sei, daß der Gouverneur Foureau gestern wieder eine Untersuchung seines Gcsundheitszustaudes durch drei Aerzte an» ordnete. Die Unterfuchnng ergab, daß die Reise das Leben Castros nicht gefährden würde. Als Castro seinen Widerstand trotzdem fort- setzte, wurde die Anwendung von Gewalt befohlen. Das Erscheinen von Gendarmen im Hotel lockte eine tobende Volksmenge an. Da Castro sich weigerte, sich anzukleiden, wurde er auf einer Matratze in eine Tragbahre gelegt und so eine Meile weit nach dem Dampfer„Versailles" gebracht, der um S Uhr abends abfuhr. Anscheinend soll Castro nach Frankreich zurückgebracht werden. Seine Frau, der die venezolanische Regierung die Lastdung in Venezuela verweigert hat, wird ihn wahrscheinlich in St. Nazaire, dem zweiten Hafen der Insel treffen. Kopenhagen, 13. April. Uebereinstimmend mit der Haltung. welche andere europäische Mächte und die Vereinigten Staaten von Amerika angenommen haben, hat die Regierung dem Gouverneur der Dänisch- Westindischen Inseln die Instruktion erteilt, Castro die Landung auf den Inseln nicht zu erlauben. Bus der Partei. Sozialismus und Vaterland. Rom, 8. April. Angeregt durch die von uns wiedergegebenen Erklärungen C h i e s a s in der Kammer, behandelt Bissolatiim„Avanti" die Stellung, die die Sozialisten zu den Forderungen der Landes- Verteidigung einnehmen sollten. Bissolati meint, daß in Parteikreisen hierüber wenig Klarheit herrschte und weist auf einen Artikel FerriS hin, in dem dieser die Unmöglichkeit eines Krieges zu beweisen sucht und gleichzciiig zu dem Schluß kommt daß die 499 Millionen Militärausgaben für Italien hinreichend seien, was offenbar einen schreienden Widerspruch darstelle. Bissolati gibt seinen persönlichen Gedanken in folgender Weise wieder: „Das Vaterland ist heute, bei dem jetzigen Stand der inier« nationalen Rivalität, auch für das Proletariat ein greifbares Gut. ES versteht sich von selbst, daß das Vaterland als Begriff und Ge- fühl uns nicht dahin führen darf, die Manöver von Cliquen und Kasten zu begünstigen, die auf daS Vaterland spekulieren wie auf alle« andere: es versteht sich von selbst, daß das Proletariat sein Werk der Demokratisierung der Staaten und der internationalen Solidarität fortsetzen muß, um die Gefahr von Konflikten aus- zuschalten und die Grundlagen eines europäischen Staaten- Verbandes zu schaffen, der das Versprechen, sich zu einer allgemeinen Staatensöderation auszudehnen, in sich trägt. Aber dies schließt nicht aus, daß es heute ein unabweisbares Interesse und eine unabweisbare Pflicht aller ist, einen körperlichen und finanziellen Beitrag zur Verteidigung ihrer nationalen Gesamtheit zu geben. Wir kvimen über die Form und das Maß des Beitrages diskutieren, die Parasiten und Verschwender bekämpfen, den Größenwahn und die Spekulation, wir können dartun, daß das Ziel der Landesverteidigung mit geringeren Opfern erreicht werden kann, aber wir können nicht die Augen gegen die Möglich- keit auswärtiger Vergewaltigung schließen, die, wenn wir waffenlos und untüchtig wären, die politische Unabhängigkeit, die unsere Bäter mit ihrem Blut erobert haben und die Entwickelung unseres wirtschaftlichen und moralischen Lebens bedrohen würde. Wer diese Ansicht nicht teile, müsse den Mut haben, sich zu den Theorien Herbes zu bekennen, wie dies die revolutionären Syndi- kalisten räten. Die Proteste gegen ChiesaS Worte fielen gerade zusammen mit einer Vergewaltigung Europas durch die Militärmächte der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche. Oesterreich- Ungarn und Deutschland hätten Serbien und Montenegro mit Füßen treten, Rußland. England, Frankreich und Italien dcmüligen und die Vorherrschaft in der Balkanhalbinsel wiedergewinnen können. Gegen die Mobilisierung hätten die öfter- reichislben Sozialisten nicht« entgegenstellen kömien als einen Protest der„Arberterzeitung" und einige Reden im ReichSrat. Wir fragen nun einfach, gibt dieser Tatbestand gerade günstige Argumente, um daraus die Unmöglichkeit des Krieges zu schließen? Ist er gerade geeignet, u»L dazu zu bestinimen, die Verteidigung der Integrität deS Vaterlandes heute, allein, der internationalen Solidarität des Proletariats anzuvertrauen?* •«• Gegen diese allgemein gefaßten Ausführungen Biffolatis ist nichts einzuwenden. Damit ist aber nicht gesagt, daß Chiesa, dessen Aeußerungen in der Adreßdebatte der Kammer der sozialistische Provinzialverband von Mantua„fast hurrapatriotisch' nannte, und Biffolati, der den Oesterreichern im„Avanti" zurief, daß sie Blei an der Grenze finden würden, gerechtfertigt wären.— Vor alle,» schließt daS Bekenntnis des Proletariats zur Nationalität nicht die Verpflichtung ein, das jetzige System der militärischen Rüstungen anzuerkennen, noch die, in jedem Konflikte, die die Beutegelüste der Bourgeoisie entfesteln, auf ihrer Seite zu stehen, auch dann nicht, wenn sie es verstanden hat, den Gegner zum Angriff zu pro- vozieren._ Zur Maifeier. Die Amtshauptmannschaft Dresden- Alt st adt genehmigte einen Maifest umzug mit Musik für den P l a u e n s ch e n Grund. Die Polizei zu Braunschweig versagte unseren Genossen die Genehmigung zu einem Maisestumzug mit der Begründung, daß bei den von der sozialdemokratischen Partei veranstalteten öffent- lichen Umzügen Ausschreitungen zu befürchten seien und Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe. DaS Gewerlschaftskartell zu H a m m beschloß, den 1. Mai durch ArbeitSruhe zu begehen._ Unsere Toten. In L a n d s h u t(Bayern) starb Genosse Joseph R a ck l im After von 71 Jahren. Schon unterm Sozialistengesetz hat er sich bewährt. Im Jahre 1889 gründete er mit einigen gleichgesinnten Freunden den sozialdemokratische» Wahlverein, dem er bis zu seinem Tode als eifrige« Mitglied angehörte. Osterkongrcss: im Auslände. Brüssel, 12. April. Gestern hat hier der Kongreß der belgischen Arbeiterpartei stattgefunden. Vertreten ivaren 461 Gruppen mit 919 Delegierten. Unter den Anträgen befand sich einer, der die sozialistischen Mitglieder aller amtlichen Vertretungeii anweist, die Ausgaben für die Bürgergarden energisch zu b e- kämpfen. Nach lebhafter Debatte wurde u. a. ein Autrag des Abg. D e l p o r t e angenommen, der die Einführung der persönlichen Wehrpflicht fordert, und zwar eine aktive Dienstzeit von drei bis sechs Monaten für die Infanterie und von sechs bis zwölf Monaten für die übrigen Waffengattungen. Seminaristen und Geistliche sollen von der Wehrpflicht nicht befreit sein.— In der Schlußsitzung wurde beschlossen, die Beratung über die Presse zum Gegenstand eines Spezial- kongresscs zu machen.— Bei der Erörterung über den Verband der belgischen Genossenschaft kam- eS zu heftigen Aus- einandersetzungen wegen der Besoldung der Angestellten dieser Organisation.- Der Kongreß beschloß, gegen den Gesetz- e n t w u r f Woeste betreffend die Lehrerseminare, alle Mittel anzuwenden, um ihn im Verein mit den liberalen Parteien zum Scheitern zu bringen, da er den Ruin aller von den liberalen Gemeinden und Provinzialbchörden errichteten Normalschulcn herbei- führen müsse. Desgleichen wurde beschloffen, daß alle von der Ge- meinde eingerichteten Verabreichungen von Kaffee. Suppen usw. allen Schutkindern zukommen sollen. » Ludapest, 13. April. Die ungarische sozialistische Partei begann vorgestern ihren Landeskongreß, der von 161 Or- ganisationen durch 269 Delegierte beschickt war. Die Beratung nahm einen stürmischen Verlauf, da ein Teil der Delegierten die völlige Trennung der Parteileitung von der Fachorganisation fordert. Zahl- reiche Redner griffen die Parteileitung an. polizcilkbes, ßcrichtlicbcB ufvo. AuS der Untersuchungshaft entlassen. Genosse Knaufs- Straßburg. der seit drei Wochen in Colmar wegen MajestätSbeleidi- gung in Untersuchungshaft saß, wurde am Ostersonnabend gegen eine Kaution von 1990 M. aus freien Fuß gesetzt. Diese Kautron war schon seit einigen Tagen angeboten, aber als zu gering be- trachtet worden. Jetzt scheinen indes dem Gericht die Bedenken ge- schwimden zu sein. Das Verfahren gegen den Genossen Knauff nimmt seinen Fortgang. Aus Xnduftnc und bandet Täuschung. Die A.-G. Vereinigte Glanzstofffabriken in Elberfeld, die zwei Tochterunternehmungen besitzt, La Soie Artistcielle Paris und die erste österreichische Glanzstofffabrik A.-G. St. Pölten, verteilt in diesem Jahre 49 Proz. Dividende. Dabei sind die Abschreibungen bei 2'/, Millionen Mark Attienkapltal auf 1 059 000 M. bemessen, gegen nur 672 999 M. im Vorjahre. Aufsichtsrat und Borstand er- hielten, außer den nicht zu kontrollierenden Revenüen. Tantiemen in Höhe von reichlich einer Viertel Million Mark. In der General- Versammlung erklärte die Leitung, man müsse daS Betriebskapital um 2'/, Millionen, also um 190 Proz. erhöhen, nicht wegen Geld- bedarfS der Gesellschaft, sondern um die Dividende zu drücken, weil deren Höhe Aussehen zu erregen beginne. Es solle den alten Aktionären für je eine alte Aktie eine neue, und zwar zum Nenn- werte überlassen werden, um so die Gewinne vom nächsten Jahre an auf die verdoppelte Summe verteilen zu können. Die Kapital- verWässerung ist ein oft angewendetes Mittel, um die Allgemeinheit über die wirklich erzielten Gewinne zu täuschen. Vor nicht langer Zeit empfahl ein Vertreter der Firma Krupp, in der General- Versammlung einerAekannten anderen Altiengesellschaft. mit dem Hin- weis auf seine eigene Firma, die es ebenso gemacht habe, ebenfalls eine VerWässerung deS Aktienkapitals vorzunehmen. Bcrmindcrte Kaufkraft. In ihrem letzten Geschäftsbericht bemerkt die Firma L. Tietz A.-G., die hauptsächlich in rheinischen Städten Warenhäuser unterhält, die ungünstigen Erwerbsverhältnisse hätten„eine weitere Abnahme der Kauftraft breiter Bevölkerungsschichten zur Folge gehabt und zwar hauptsächlich in bezug auf solche Artikel, welche nicht zu den notwendigen Lebensbedürfnissen gehören". Produktionsrückgang. In Oberschlesien ist die Roheisenproduktion für das erste Quartal dieses Jahres gegenüber der im gleichen Borjahrsquartal um 29 889 Tonnen— 12,7 Proz. zurückgeblieben. Auswanderung. Nach den Angaben der SchiffSgescllschaften hat sich der Aus- wandererverkehr im laufenden Jahre wieder merklich gehoben. Die Ziffern der früheren Jahre sind allerdings noch nicht ivieder erreicht worden. Ueber Hamburg und Bremen wanderten Personen auS: Monat März 1. Quartal 1996.. 43 493 99 972 1996.. 61 426 99 296 1997.. 49 349 193 589 1998.. 9 319 24 967 1993.. 86 969 85 117 Ob in Amerika der ArbeitSmarkt bereits wieder so günstig ist, daß der starke Auswandererslrom dort ein freundliches Bett finden könnte, scheint nach den Stimmungübcrichten von drüben sehr fraglich zu sein._ Kriseudividenden. Der Kölner BcrgwerkSverein schüttet, wie im Vorjahre, für seine AftionSre eine Dividende von Zv Proz. auS.— Zu den Unternehmen, die für 1998 allgemein gut abgeschnitten haben, gehören die Waggonfabriken. Die Aktiengesellschaft Gebr. Hoffmann u. Co. in Breslau', Waggonfabrik, bringt wiederum ZS Proz. heraus._ HauS- und Bodenwncher. Müllheim i. B. ist Garnisonsort geworden. Dadurch sind nichr nur in dieser Gemeinde, sonder» auch in den Nachbarorten die Miet- preise und damit die Bodenpreisc außerordentlich gestiegen. Indem kleinen Orte Hügelheim bei Müllheim schnellte die Miete für eine Zweizimmerwohnung von 69 auf 391 M. empor— eine Micts- stcigerung von 699 Proz. l Sollte da der Gedanke einer Zuwachs- steuer gar so fern liegen? Wie„verlustbringend' das Terraingeschäft ist, zeigt u. a. die Terroingesellschast Klosterland bei Hamburg, die im Jahre 1999 ö'/j Proz., 1997 14l/a Proz. und im Jahre 1998 64 Proz. Dividende verteilte und zugleich von ihrem Betriebskapital 489 999 M. zurück- zahlen konnte. Aussichtsrat und Vorstand erhielten außerdem über 23 000 M. Tantieme. PassagckaufhauS. Eine PaffagelaufhauS- BetriebSgcsellschaft G. m. b. H., deren Aufgabe die Umivandlung des PassagekaufhauseS in ein reines Warenhaus und dessen Weiterführuna ist, wurde handelSgerichtlich eingetragen. DaS Stammkapital ist auf 2379999 M. bemessen. Einschränkung der Knpfcrproduktion. Nach einer Meldung der „Franks. Ztg.' aus New Uork haben die Kupferproduzcnten den Be- trieb um 16 Prozent eingeschränkt. Englischer Ansicnhandrl. Im März betrug die Ausfuhr 1 Million Pfd. Sterl. und die Einfuhr 81 699 Pfd. weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. In den ersten drei Monate» dieses Jahres beläuft sich der Mindercrtrag des Handelsbudgets auf 12 Millionen Pfd. gegen 1998 und 32 Millionen Pfd. gegen die ersten drei Mmmte des Jahres 1907. Keine Dividende. Infolge der schlechten GeschäftSergebnisse verteilt die Cunardlinie für das letzte Jahr keine Dividende. Krisenfolgen in Oesterreich. Aus Wien wird vom 12. April gemeldet: Der.Montagsrevue" zufolge zirkulieren in Finanz- kreisen Gerüchte über bevorstehende Fallissements in der Textil« industrie._ Soziales* Strafgelder dürfen nicht vom Lohne abgezogen werden. Einer der streitigsten Punkte des Gewerberechts ist die Frage, ob Strafgelder wegen zu späten Erscheinens der Arbeiter vom Lohn abgezogen werden können. Die 6. Kammer des Berliner Gciverbe- gerichtS hatte sich kürzlich mit dieser Frage zu befassen. Ein Fabrik- besitzer hatte von einem Arbeiter E. einen Arbeitsvertrag unter- schreiben lassen, in dem sich der Arbeiter damit einverstanden er» klärte, daß für sein etwaiges zu spätes Erscheinen in der Fabrik für daS erstemal 19, für das zwcitemal 29 Pf. uslv. vom Lohn in Abzug gebracht werden sollen. Zwischen den Parteien kam eS zu einer erregten Auseinandersetzung, bei der sich der Vorsitzende vergeblich bemühte, dem Vertreter deS Fabrik» besitzers klar zu machen, daß dieser Arbeitsvertrag gegen das strikte Recht der Gewerbeordnung verstoße. Wenn der Fabrikherr seine Arbeiter zum pünktlichen Erscheinen an der Arbeitsstelle erziehen wolle, so könne auf keinen Fall im voraus der Abzug der Straf« gelber vom Lohn vereinbart werden. Wenn der Arbeitgeber zu seinem Ziele gelangen wolle, so könne er eS so einrichten, daß er sich nachträglich, z. B. am Schluß jeder Woche die Strafgelder zahlen lasse._ Unkenntnis in Unfallsachen. Die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften klagen fast alle über stärkere Belastung und sie versuchen die Rentendrüclerci in jeder Form. Dabei werden viele Ansprüche infolge Unkenntnis ihrer Ver» sicherten nicht erhoben. Folgender Fall gehört zu diesem Kapitel; Dem Kleinbauern 21. H. aus Bremthal fiel im Oktober 19114 ein Fauchefatz auf den linken Fufi. Die auftretenden Schmerzen suchte man mit allerlei Hausmitteln zu beseitigen. Schließlich mußte der Arzt doch gerufen werden, der das Leiden zunächst gar nicht erkannte. Erst als sich auf dem Fußriicken eine Fistel bildete, schaffte man den Verletzten in das Krankenhaus. Wie das uns vorliegende Urteil des Reichsversicherungsamtes besagt, wurde der Kranke fast sechs Monate im Krankenhause behalten und„da eS nicht gelang, die Erkrankung auf eine andere Weise zur Ausheilung zu bringen, mußte, um das Leben des schon 72 jährigen Mannes zu erhalten, das linke Bein abgenommen iverden." Der Verletzte wurde aus dem Krankenhause ungeheilt entlasten, er machte aber immer noch keine Ansprüche gegen die Berufs- genostenschaft geltend, da ihm jeder Nachbar erklärte, daß er da „gar nichts machen könne". Als er später von einem Arbeiter über den Sachverhalt auf- geklärt wurde, war es leider schon zu spät. Wohl meldete der Schwerverletzte dann seine Airsprüche bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft an, wurde aber abgewiesen, weil inzwischen die Verjährung eingetreten war. Das Schiedsgericht gab der Berufs- genostenschaft in allen Puntten recht und auch das Reichs-Ver- sicherungsamt wies den erhobenen Rekurs zurück. Staat und Gesellschaft tun wenig, um die GesetzeskenntniS zu verbreiten. Der Hinweis des ReichsversicherungSaintes, daß der un- kundige Greis„andere beauftragen" sollte, seine Ansprüche geltend zu machen, ist hinfällig, weil er ja als unkundiger Mann keinen Auftrag geben konnte. Die„anderen" im Dorfe, von denen man doch Gesetzeskenntnis voraussetzen sollte, Pfarrer, Schullehrer und Bürgermeister usw. haben auch versagt. Die Schule wäre Ivohl die berufene Stelle, die elementarsten Kenntnisse der Sozialgesetze zu derbreiten._ Kommunalwahl. Bei der Vertreterwahl der OrtSkrankenkaste Dortmund siegte die sozialdemokratische Liste in den Llemtern Dorstfeld und Marten. Llrheiter-SaiiiaritcrSiind. Während der Osterfeiertage hatten sich in Magdeburg ans eurer Reihe deutscher Städte die Vertreter der Arbeiter-SanitälK- sSamariter-1 Kolonnen zusammengefunden, um diese Kolonnen zu einem Bunde zu vereinigen. Die neue Organisation erhielt den Namen„Arbeiter-Samariterbund". Die Aufgabe der Samariter ist die allgemeine Hilfeleistung bei Unglücksfällen und daneben Gesundheits- und Körperpflege. Dirrch den Bund soll, wie das Bundesstatut besagt, das Samariterweten in weitestem Maße in der arbeitenden Klasse verbreitet werden. Mitglied des Bundes kann jede Kolonne werden, die auf dem Baden der modernen Arbeiterbewegung und unter Leitung eines praktiilhen Arztes steht. In den Kolonnen werden Untcrrichrsknrse und rsgel- mäßige liebungen kleineren und größeren UmfangeS veranstattet. Die Materialien sollen gemeinsam durch den Bund bezogen werden. Als Sitz des Vorstandes, der aus fünf Personen besteht, umrde Berlin gewählt. Zum Vorstand gehören auch die leitelnden Acrzte der Kolonne des Bundessitzes. Die Wahl des Bundes- Vorsitzenden fiel auf S t e i n- Charlottenburg. Der Ausschuß soll seinen Sitz in Dresden haben. Von den Kolonnen sind pro» Mit« glied und Vierteljahr 20 Pf. an die Bundeskasse abzuführen. Als Organ des Bundes lvurde die„SanitätSwarte", das Gewerkschafts- blatt der Krankenlvärter usw., bestimmt. Der Bund rechnet auf die Unterstützung der Arbeiterargani- sationen, die ihm, nach den bisherigen Erfahrungen zu urteile«, auch zu teil werden dürste. Dem Bunde haben sich bisher die Acbeiter-Sauitätskolormen in Berlin, Dresden, Meißen, Hamburg. Köln, Barmen und Eitberfeld angeschlossen. In Nürnberg, Kahla,' Kassel und Bant-Wilhelinßhaven steht die Gründung von Kolonnen bevor.'Die Zahl der gesamten Mitglieder beträgt rund 1000. 0emrhkbaftlkhe$. Gegen die Waldarbeiter! Der Deutschic Forstverein hat sich von jeher durch sein»: soziale Verständnislosigkeit allen Fragen gegenüber, die auch nur im ent- ferntcsten Zusammenhange mit den Angestellten und 2 Arbeitern stehen, ausgezeichnet. Durch das Lebendigwerden der Waldarbeiter hat er sich in den letzten Jahren auch erneut mit der Waldtarbeitcr- frage beschäftigt. Den letzten Anstoß gab die jüngste Tagung des Forstwirtschaftsrates, die im März 1908 in Berlin stattfanid. Dort referierte ein Herr Oberforstmeister über die ganze Fr-sge. Im Anschluß daran wurde ein Beschluß gefaßt, die Waldarbeiterfrage durch den Deutschen Forstverein erneut zu behandeln. Um zu diesem Zwecke staiistisches Material zu bekommen, ist damn später ein Fragebogen ausgearbeitet worden, der in größerer Lltnzahl den Zentral- und Lokalforstverwaliungsstellcn und einer ganzen Reihe von Waldgroßbcsitzcrn zur Begutachtung vorgelegen hat. Diese jetzt in Arbeit befindliche Statistik— bis Ende des vergangenen Monats sollten die Fragebogen ausgefüllt bei der Zentralstelle einlaufen— erfordert jetzt schon die größte Beachtung, einmal deshvlb, weil ja die Statistik eine halb und halb amtliche ist, und deswegen dem Zahlenmaterial bei seinem Erscheinen sicher die größie Aufmerk- samkeit gewidmet wird, zum anderen, weil schon diie 2lrt der Ausarbeitung des statistischen Frage luv gens— und dies ist für die beteiligten Arbeiter das wichtigste— in einer Art erfolgt ist, die den schärfsten Protest heraus- fordern muß. Der Fragebogen ist unter dem Leitmotiv:„Was muß unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Waldarbeitern cm Lohn und Unterkunft gewährt werden, um dem Walde einen seßhaften tüch- tigen Arbeiterstand zu erhalten", ausgearbeitet. Als erste Vorfrage wird nach verschiedener Hinstcht Auskunft verlangt über: Ist Mangel an Arbeitern vorhanden.' Die Frage 3 fordert schon zum entschiedensten Protest geradezu hercrus, sie lautet: Geht der Llrbcitcrmangcl bereits so weit, daß ungeachtet ein- getretener Lohnerhöhungen wichtige Waldarbeitcu überhaupt nicht. oder nur ungenügend, oder nicht zur rechten Zeit ausgeführt werden können, oder sich Betriebsänderungen notwendig machten? Den wissenschaftlichen Wert dieser Frage beleuchtet dann eine fol- gende, die fünfte. Sie lautet: Liegt in denjenigen Bezirken, in denen nach eingetretenen Lohnerhöhungen noch die Möglichkeit vor- tiegt, eine ausreichende Anzahl von Arbeitern heranzuziehen, be- reits eine für die Fortführung des forstlichen Betriebs bedenklich gewordene Verteuerung der Arbeit vor? Hier wird also ohne weiteres von dem Standpunkte ausgegangen, daß der Arbeiter der bewegliche Faktor im forstlichen Reutabilitätsexempel ist, der, sowie Unrentabilität eintritt— zu was ist er beweglich— eben verändert, in der Lohnsumme verringert werden muß. Es wird als selbst- verständlich hingestellt, daß es der Arbeiter ist, von dessen Eni- löhnung die Möglichkeit des forstlichen Betriebes abhängig ist, von den übrigen Faktoren der Rentabilitätsbestimmung wird überhaupt nicht gesprochen, Grund und Boden, Art der Bewirtschaftung, und nicht zuletzt der beanspruchte Profit des Besitzers ans dpm Betrieb, alles ist nebensächlich, nur wenn der Waldarbeiter eine Lohn- erhöhung bekommt, dann muß damit gerechnet werden, daß„eine für die Fortführung des forstlichen Betriebes bedenkliche Verteue- rung der Arbeit vorliegt". Die Frage 6 geht aus dem so bezeich- neten Wege weiter:«Sind, namentlich infolge der Lohnerhöhungen, früher mit Nutzen verwertbare Sortimente bei den neuerdings zu 'Leräntv. Redakteur: Hans Weber, Berlik,. Inseratenteil verantw,. zahlenden Werbekosten nicht mehr mit Vorteil absetzbar?" Die Frage nach den billigen ausländischen Arbeitern spielt selbst- verständlich auch eine große Rolle. Es wird um Lluskunft gebeten, „inwieweit es möglich gewesen ist, den örtlich herrschenden Mangel an geeigneten männlichen und weiblichen Arbeitern durch Heran- Ziehung auswärtiger, insbesondere ausländischer Arbeiter(Sachsen- gänger, Polen, Galizier, Italiener, Tiroler) abzuschaffen". Noch viel lehrreicher ist es, wie man sich die Unterlagen über die Löhne zu verschaffen versucht. Ihr ist wieder ein ganzer Ab- schnitt gewidmet.„Ist in Ihrem Bezirke versucht worden, durch Er- höhung der Löhne die männlichen und weiblichen Arbeiter im Walde festzuhalten, und mit welchem Erfolge?" lautet die ein- leitende Frage. Dann kommt schon der Pferdeftlß:„Haben sich in Ihrer Arbeiterschaft schon Organisationen gebildet, die die Er- reichung günstiger?lrbsitsbedingungen und höherer Löhne sich zur Aufgabe gemacht haben?" 2llso die Vereine, die günstige Arbeits- bcdingungen und höhere Löhne schaffen wollen, sind es, denen die staatlichen und privaten Forstbesitzer solch große Aufmerksamkeit widmen, daß es nicht die leider vielen, allzu vielen Klimbimvereine sind, ist für die Waldarbeiter ein recht deutlicher Wink, in welcher Richtung sich die Bestrebungen der Herren bewegen. Die Frage 19 ist wieder recht bezeichnend für das soziale Verständnis der sich mit der Waldarbeiterfrage beschäftigenden:„Hat sich die Uebernahme der den Waldarbeitern gesetzlich zur Last fallenden Beiträge zur Kranken- und Invalidenversicherung auf Kosten des Arbeitgebers insofern bewährt, als hierdurch die Arbeiter der Waldarbeit er- halten geblieben sind?" Man weiß nicht recht, ob man über diese Frage lachen oder den Kopf schütteln soll. Der Fragebogen ist nun von einer Reihe amtlicher Stellen eingesehen worden, und nicht nur eingesehen, sondern überhaupt nach ihren Wünschen gestaltet! Welche Absicht man mit solchen Fragen verfolgt, ist zu durchscheinend, als daß es besonders bekannt zu werden braucht, aber charakteristisch bleibt es doch, daß nach solchen Gesichtspunkten die Lohnfrage der Waldarbeiter statistisch geklärt werden soll. Des weiteren beschäftigt man sich unter der Rubrik IV mit der dauernden Unterbringung der Waldarbeiter durch Ansiedelung. Da ist besonders die Frage 27 der Beachtung wert:„Ist die Beobachtung gemacht worden, daß durch Ueberlassnng von Ländereien an Arbeiter in zu großem Umfange(!) diese der Waldarbeit wieder entzogen lvorden sind?" Den Gipfel der Unverfrorenheit erreicht aber die Frage 28:„Ist solchen angesiedelten Arbeitern vertragsmäßig die Verpflichtung auferlegt worden, sich den Waldbesitzern zur Slusführung der Waldarbeiten jederzeit zur Versügung zu stellen und gilt diese Verpflichtung auch für die Familienongehörigen? Wenn ja, läßt sich diese Verpflichtung praktisch durchführen?" Man interessiert sich also dafür, ob man die Familienangehörigen derjenigen Ar- beiter, die man durch Seßhaftmachung vollständig abhängig gemacht hat, praktisch dazu zwingen kann, jederzeit zur Ausführung von Waldarbeiten zur Verfügung zu stehen. Es würde wie ein Stück mittelalterlicher Hörigkeit anmuten, wenn es nicht nur zu wahr wäre, daß solche Knechtschaft für viele Land- und Waldarbeiter als etwas durchaus gewöhnliches geschildert wird. Der ganze Fragebogen zeigt in seiner Tendenz einen solch' un- verfälscht arbeiterfeindlichen Charakter, daß unwillkürlich der Ge- danke, daß da auch Staatsbehörden beteiligt sind, kommen würde, wenn es nicht so schon bekannt wäre. Daß der in kürzerer oder längerer Zeit fertig werdenden Statistik von vornherein ein entschiedenes Paroli geboten werden muß, ist klar. Solche Fragen geben keine Statt st ik; sie geben nur Material zu Ausnahmegesetzen und Ausnahmebestimmungen gegen die Waldarbeiter, und die haben wahrlich schon genug unter derlei Ausnahmezuständen zu leiden. Daß der Deutsche Forstverein es verstehen wird, seiner Statistik die nötige Wirkung zu verschaffen, wird ohne weiteres klar, wenn die Mitgliederliste durchgesehen Ivird. Am 1. August 1903 umfaßte der Verein 2038 Mitglieder. S8Proz. aller Mitglieder sind Staat Sfor st beamten und Staats- sorstbehörden!! In Bayern allein sind es sogar 84 Proz.!! Von der deutschen Gesamtwaldfläche vertritt der Verein 44,4 Proz. oder 6 216000 Hektar, davon sind allein 4000000 in den Händen von Staatsforstbehörden. Der derzeitige Vorsitzende ist ein Herr v. Slünzner, kgl, Hofkammerpräsident in Berlin, Leiter deS kgl. preußischen Krön- und HanSfideikommiSforstbesitzes. Ll» Verbindung nach oben ivird eS also nicht fehlen. Die Arbeitervertreter in den Parlamenten haben aber alle Ursache, bei kommenden Verhandlungen über die Angelegenheiten der Waldarbeiter die statistischen Unter- lagen mit besonderem Mißtrauen zu prüfen, und die Waldarbeiter müssen sich um so schneller und energischer zusammenschließen. Schon der Fragebogen allein zeigt, wohin die Reise gehen soll: In mittelalterliche Hörigkeit zurück! Berlin und Umgegend. Eine Lohnbewegung der Landschaftsgärtnergehilfen und Garten- ardciter bereitet sich vor. Eine Versamnilung derselben führte zu einer lebhaften Diskussion, in welcher von allen Rednern betont wurde, daß von den Gehilfen und Gartenarbeiter» das günstige Frühjahrswetter auszunutzen sei und jeder nur zu der Mindest- forderung, 66 Pf, bei zehnstündiger Arbeitszeit arbeiten darf. Wo es die Verhältnisse gestatten, soll die alte Forderung(60 Pf. bei neunstündiger Arbeitszeit) aufrecht erhalten werden, Lluf dem Stellennachweis suchen die ersten Firmen Arbeits- kräfte, ein Zeichen für die Arbeitsfülle in diesem Früh- jähr, die durch den langen Winter verursacht ist. Da der Landschaftsgehilfe nur kurze Zeit Beschäftigung in seinem Berufe hat, meist nur bis Pfingsten, so ist es zu verstehen, wenn die Ge- ilfen die günstige Gelegenheit für sich ausnutzen, um eine Ver- esserung ihrer Verhältnisse durchzusetzen. 66 bezw, 60 Pf, Stunden- lohn sind bescheidene Forderungen, zumal die Beschästigungszeit im Jahre sich für die meisten Gehilfe» nur auf höchstens sechs Monate ausdehnt. In der anderen Zeit muß der Gärtnergehilfe in einem anderen Berufe ein Unterkommen finden. Da nun die Lohn- bewcgung in der Branche Handelsgärtnei beendet ist, kann die Organisation ihre ganze Kraft der Branche Landschaftsgärtnerei zuwenden._ Achtung, Lohgerber, Zurichter und Hilfsarbeiter! Der Streik bei der Firma Gebr. Schlägel, Lichtenberg, Röderstr. 25, dauert unverändert fort. Die Firma sucht in industriellen Blättern Bauarbeiter, Tafelarbeiter und Falzer. Zuzug von Lohgerbern, Zurichtern und Hilfsarbeitern ist streng fem- zuhalten. Verband der Lederarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands Ortsverein Berlin II. Wegen Kürzimg des Stundenlohnes haben in sämtlichen Bau- geschästen zu Lehnin(Mark) und Umgegend die Maurer und Zimmerer die Arbeit eingestellt. Zuzug ist von Lehnin fernzuhalten I Deutfcbes Reich. Das„Correspondenzblatt" der Gcneralkommissiou teilt mit: „Da der Verfasser unserer Wirtschaftlichen Rund- schau, Genosse Max Schippel, durch eine Studienreise auf etwa ein Jahr von Deutschland ferngehalten ivird, so ist diese Rundschau bis zu seiner Rückkehr dem Genossen Richard C a I w e r über- tragen worden."_, Hh, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagsanstÄt Wer übt Terrorksmns? Die Unternehmer ereifern sich fortgesetzt über den angeblichen Terrorismus der organisierten Arbeiter. Daß die Unternehmer- cliqne sich selbst aber keines Mittels schämt im Kampfe gegen die organisierte Arbeiterschaft, das beweift schlagend folgendes Schreiben eines Wirtes an einen Vertrauensmann des Bcrgarbeiterverbandes in Tiefenort(Hessen): „RöhrigSdorf, den 14. März 190V. Herrn P..... K....... Tiefenort. Zu meinem großen Bedauern muß ich Ihnen die Mitteilung machen, daß Sie gelegentlich Ihres letzten Hierseins am 10. März in meinem Lokale anwesend ivaren und durch die Werks- Verwaltung Hattorf sämtlichen Schachtarbeiten ver- boten worden ist, mein Lokal zu betreten, Ich muß Sie doch höflichst bitten, mich für die Folge mit Ihrem Besuche verschonen zu wollen, da mir durch Ihren Aufenthalt in meiner Wirtschaft erheblicher Schaden entsteht. Hochachtungsvoll Ad. Klee, Gastwirt." Also nur, weil der Vertrauensmann einmal gelegentlich in dem Lokal anwesend war, wurde den Arbeitern nach diesem Schreiben verboten, dort zu verkehren. Schlimmere Lluswüchse kann der Herrenübermut wohl kaum noch zeitigen._ Und wieder ein gemeingefährlicher Scharfmachervcrband. Die Mitglieder deS Manrerverbandes in Gütersloh hatten in Gemeinschaft mit der christlichen Organisation, gezwungen durch den Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse, neben einigen anderen Forderungen das Ersuchen an die Gütersloher Bauunternehmer ge- richtet, den bisherigen Stundenlohn von 45 auf 50 Pf, zu erhöhen mid die Arbeitszeit von lO1� auf 10 Stunden zu verkürzen. Prompt erhielten die Vertreter" der Arbeiterorganisationen ein Schreiben vom Arbeitgeberbund für Rheinland und West- falen, in welchem erklärt wurde, daß dieses Ersuchen nur an den Llrbeitgeberverband zu richten fei. Die Antwort, die sie auf Einreichung ihrer Wünsche sodann von diesem erhielten, war nicht nur allein eine glatte Ablehnung, man verlangte vielmehr, die Arbeiterorganisationen hätten sich bis zum 26. v, M.(März) zu entschließen, ob zu den bisherigen Lohnsätzen weiter- gearbeitet werden sollte oder nicht; im letzteren Falle würden die Unternehmer zu besonderen Maßnahmen genötigt sein. Die Mitgliederversammlungen der Verbände beschlossen jedoch einstimmig, die Forderungen aufrecht zu er- halten und den Arbeitgeberbund um mündliche Verhandlungen zu ersuchen. In der Verhandlung, die am 3. April stattfand, forderte der Vertreter des ArbeitgeberbundcS— der sich auf nichts weiter einließ— innerhalb dreier Tage eine Erklärung, daß die Forderungen rückgängig gemacht seien I Die Arbeiter- organisationen baben daraus erklärt, daß sie den Dingen nunmehr freien Lauf lassen wollten. Nachdem die Frist von drei Tagen ab- gelaufen, versuchten die Unternehmer vergeblich, die Arbeiter zur Unterzeichnung eines Schriftstücks zu bewegen, nach welchem sie bis zum 1. Oktober zu den alten Bedingungen weiterarbeiten sollten. Jetzt ist den Arbeitern zum 22. d. M. gekündigt worden, so daß der Kampf unter Aufsicht des Arbeitgeberbundes beginnen wird._ Die Horpener Bergbmi-Aktiengesellschoft, die im vergangenen Monat eine große Anzahl Bergleute entließ, forderte auf Zeche Preußen III bei Dortmund annähernd 130 Bergleute auf. zum 16. April ihre Kündigung einzureichen, angeblich wegen der mit der Krise verbundenen schlechten Llbsatzmöglichkeit. Unter den Leuten befinden sich viele, die über ein Jahrzehnt auf der Zeche beschäftigt sind._ Acltcstcnwahlen im Allgemeinen Knappschaftsvercin Bochum. Am verflossenen Sonnabend fanden in 17, meist neugebildeten Sprengel», Neuwahlen statt. Dabei eroberte der Verband elf Sprengel, die übrigen sechs fielen den Christlichen zu. Es wurden in den 17 Sprengel» insgesamt abgegeben für die Verbands- kandidaten 2643, Christliche 1333, Polen 291, Zechenpartei 136, Hirsch-Duncker 87, Mischmasch 187 Stimmen. Bemerkenswert sind die Fortschritte deö Verbandes in ver- schicdenen im gut katholischen Wahlkreis Recklinghausen gelegenen Sprengel»._ Eine Bauarbeiterschutzkonferenz für Sachsen fand am zweiten Osterfeiertage in Dresden statt. Sie war von 127 Delegierten aller Baubernfe aus 48 Orten besucht. Die Ans- führungen deS Referenten und der Debatteredncr gipfelten in dem Urteil, daß der Bauarbeiterschutz in Sachsen noch sehr im argen liege. Es gäbe zwar eine Reihe ganz guter Schutzbestimmungen, diese ständen jedoch nur auf dem Papier, Die Baukontrolle durch die Behörden sei durchaus ungenügend; Kontrolleure aus dem Llr- beiterstande, die aus freier Wahl hervorgingen, seien dringend not- wendig. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen, ebenso eine solche, die die Bauarbeiter aller Berufe auffordert, mehr als bisher zur Bekämpfung der B l e i k r a n k h e i t zu tun. Eine dritte Re- solution verlangt die Bekämpfung der Frauenarbeit auf Hochbauten, die in Chemnitz und Umgegend noch an der Tages- ordnung ist. Ferner wurde ein Antrag angenommen, die Zentral- kommission für Baiiarbeiterschntz zu ersuchen, eine technische Beilage mit Zeichnungen über mustergültige Gerüste alle Vierteljahre den eilt- schlägigen Gewerkschaftsorganen beizulegen. Letzte JMaebriebten und Oepefcben. Die Konterrevolution. Koilstantinopcl, 13. April, 3 Uhr nachm.(Meld. d. Wiener k, k. Telegr. Korr.-Bnr.) Der Präsident der türkischen Kammer hat soeben einen Brief an die Pforte gerichtet, worin er sagt, er glaube dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen, wenn er demissioniere.— Ein Deputierter, welcher einem sehr eifrigen jnngtürkischeu Mitgliede der Kaminer ähnlich sieht, ist soeben von Soldaten ermordet worden. Außerordentlich große Truppcnmaffen bewegen sich nach und von Stambul, einzelne ohne Offiziere, somit Slufstäudische, andere mit Offizieren; die Haltung der Offiziere ist jedoch«„gewiß. Die Geheimnisse des Wurstkessels. München, 13. April.(B. H.) Heule mittag ivaren hier Gerüchte verbreitet, daß 16 Personen an Wurstvergiflung erkrankt und fünf davon bereits gestorben seien. Nach den behördlichen Angaben hau- delt es sich bisher nur um vier Erkrankungen, während der Todesfall noch nicht aufgeklärt ist._ Großfencr. Rochcstcr(New Dork), 13. April.(W. T. B,). Im Osten der Stadt wütet ein heftiges Fcuer, das bereits ganze Häuserreihen und mehrere Kirchen, darunter die deutsch-lutherische Zionskirche, ergriffen hat. Die Nachbarstädte Syracuse und Buffalo sind um Hilfe an- gegangen worden. Miliztruppen werden für den Wachtdieiist heran» gezogen. Um ein Weitergreffcn deS Feuers zu verhindern, sollen verschiedene Gebäude durch Dynamit gesprengt werde». zZg»I Singer Li Co.. Berlin L W. Hierzu!) Beilagen u.llntcrhaltungsbst St» 86. 26. Jahrgang. 1. DeilM des.AmSrts" Kerlm WsblÄ MMch>It.ApcklM. frstrcöiiicher Parteitag. St. Eticnnc, 11. April,{©ig. Ber.) Heute ist hier der sechste Kongretz der geeinigten sozialistischen Partei zusammengetreten. St. Etienne ist die einzige Stadt Süd- frankreichS, die dank der industriellen EntWickelung einen an die großen Industriezentren Europas gemahnenden raschen Aufschwung genommen hat. Die Gemeinde zählt 150 000 Einwohner, von denen der größte Teil der Arbeiterklasse angehört. Neben der Dtetall- industrie, die namentlich durch die große Waffcnfabrik repräsentiert wird, spielt besonders auch die Textilindustrie eine bedeutende Rolle und die Stadt ist das Zenrrum des Kohlenbeckens der Loire. Diese Hauptquellen ihres Reichtums, von dem freilich das Proletariat nichts abbekommen hat, sind auf den künstlerisch sehr mäßigen Fresken im großen Saale der Arbeitsbörse symbolisiert, der den Parteitag beherbergt. Der in seinen Raumverhältnissen imponierende Bau wurde unter der früheren sozialistischen Gemeindeverwaltung aufgeführt. Derzeit ist der Gemeinderat in seiner Mehrheit wieder reakiionär. Die Schuld daran trägt die traurige Zerfahrenheit der Organisation. Der Demagoge Briand, der hier seinen Wahlsitz hat, besitzt noch immer einen starken Anhang unter der noch wenig ausgellärten Arbeiter- schaft. Neben der vriandfreundlichen nichtunifizierten Föderation besteht im Loire- Departement noch eine an die geeinigte Partei angeschlossene, und zum Ueberfluß hat bei den letzten Ge- meindewahlen noch eine dritte sozialistische Organisation besondere Kandidaten aufgestellt. Aus diese Weise verlor die Arbeiterklasse die Herrschaft über die kommunale Verwaltung. Doch fehlt es in der Stadt nicht an fortlebenden Zeugnissen ihrer sozialistischen Periode. Ein sichtbares Zeugnis davon ist der Name Benoit M a l o n, den wir an einer Straßenecke finden, auf deren anderer Seite seltsamer- weise der Johannes des Täufers steht. Zwei Weltanschauungen stoßen da aneinander.... Der Kongreß versammelt sich am Nachmittag zur ersten Sitzung. D e l o r y präsidiert. Die Gruppierung der verschiedenen Partei- richtungen weicht von der von den letzten Parteitagen her gewohnten ziemlich ab und in ihr Ivird die neueste Entwickelung der Partei deutlich. Die Freunde G u e s d e s sitzen diesmal im Zentrum und scheiden so die Syndikalisten und ihre Freunde von der Minderheit der Seine-Föderation einerseits und die Hervsisten oder, wie sie sich neuestens nennen,»Jnsurrektionellen" von einander. Bei der Seineföderation, neben Vaillant und Groussier, hat auch Jaurös Platz genommen. Die Hervöisten sind auf einmal eine starke Partei geworden. Ist es ihnen doch ge- lungen, die Mehrheit in der Seine-Föderation zu erringen I Sie tragen darum auch ein besonders gestärktes Selbstbewußtsein zur Schau und legen' sich auch in ihren Unterbrechungen der anders ge- sinnten Redner keinen Zwang auf. Die Verifikationskommi'ssion hat 328 Mandate von 66 Fö- derationen anerkannt. Diese Mandate werden durch 201 Delegierte vertreten. Dubreuilh legt als Parteisekretär den Bericht der Ver- waltungskommission mit Erläuterungen vor. Seit dem September des letzten Jahres, wo der Rechnungsabschluß für den Kongreß von Toulouse vorgenommen wurde, ist die Zahl der steuernden Partei- Mitglieder von 49 218 aus 61 692 gestiegen. Die Nachwahlen haben Mandatgewinne gebracht, deren Liste wohl noch durch die Wahl Compsre-Morels eine Ergänzung erhalten wird und überaus bedeutende Stimmengewinnste, die die Stärke der Partei in den zur Wahl gekommenen Wahlkreisen seit 1906 mehr als verdoppelt zeigen. Der Bericht hebt weiter hervor, daß die sozialistische Partei diesmal durchwegs allein und gegen die erstaunlichsten Koalitionen der sozial-reaktionären Parteien kämpfen mußte. Der Bericht der Fraktion erwähnt u. a. die Haltung bei der Schlußabstimmung über das Budget: 36 Fraktions- Mitglieder haben das Budget verweigert, 12 sich der Ab- stimmung enthalten. Der Bericht sagt darüber: „ES ist sehr bedauerlich, daß über eine so wichtige prinzipielle Frage, die durch die Internationale bereits entschieden ist, eine ein- heitliche Abstimmung nicht erzielt werden konnte. Aus Antrag des Nationalrats soll sich der Parteitag von St. Etienne darüber äußern, ob kleines feuitteton. Paschal Grousset f* Im Alter von 61 Jahren ist der einstige „Delegierte für die auswärtigen Angelegenheiten" der Pariser Kommune, Paschal Grousset, gestorben. Er war aus der republi- konischen Universitätsjugend hervorgegangen, die der Polizei des zweiten Kaiserreichs so viel zu schaffen machte. Ursprünglich Student der Medizin, warf er sich frühzeitig dem Journalismus in die Arme und besonders bekannt machte ihn 1869 seine Herausforderung des Prinzen Pierre Bonaparte zum Duell, deren Ueberbringer Viktor Noir voin Prinzen ermordet wurde. An der Revolution vom 4. September 1870 nahm er einen hervorragenden Anteil, und nach Ausbruch des Pariser Märzousstandes wurde er in die Kommune gewählt, die ihn zu ihrem Minister der auswärtigen Angelegen- heite» machte. Als solcher hatte er freilich keinen großen Wirkungs- kreis. Denn keine auswärtige Macht erkannte die Kommune an, mit Ausnahme von— Ecuador, und auch diese mit etwas komischem Aplomb kundgemachte Anerkennung war das Werk eines Spaßvogels. Bei seinen unoffiziellen Verhandlungen— unter anderen mich mit der deutschen Heeresleitung wegen Anerkennung des Waffenstillstandes— soll er, wie die der Kommune nichts weniger als geneigten fremden Beurteiler bestätigen, viel Eifer und ver- nünftige Manieren gezeigt haben, zum Unterschied von seinen von der Revolutionswöge emporgehobenen Kollegen wie Raoul R i g o u l t u. a., die sich darin gefielen, die wilden Männer zu spielen und so dem historischen Charakterbild der Kommune nicht wenig geschadet haben. Vom Klassenkampf des Proletariats hatte dieser Gefühlsdemokrat allerdings keine Ahnung und so mochte er den der Internationale angehörigen Kommunarden leicht verdächtig werden— wie dies der in der Jubiläumsnummer des„Vorwärts" veröffentlichte Brief von Karl Marx bezeugt.— Die Versailler deportierten Grousset nach Neu-Caledonien; von wo er nach England entkam. Nach der Amnestie kehrte er zurück und wurde 1803 in Paris zum Deputierten gewählt. Er har dieses Mandat bis zw seinem Tode innegehabt. Als Sozialist gewählt, machte er die Einigung der Partei nicht mit und stimmte als„Unabhängiger" getreu für die Regierung. Im Parlament ist er in keiner Weise hervorgetreten— Grouffet hat sich auch als Schriftsteller versucht und unter Pseudonymen Abenteuer, Romane und Jugenderzählungen geschrieben. Theater. Neues Theater: Eines Engländers Heim. „Satire" von du M o u r i e r. Das eyglische Spektakelstück, das Direktor Schmieden nach so viel verunglückten Premieren durch irgendeinen Impresario, an den er sein Theater mitsamt dem Schauspielerpersonal„verpachtet" hatte, zum Osterfeste aufführen ließ, brachte es zu einem für Berliner Verhältnisse ganz exzeptio- nellen Theaterskandal. Wie man auf den tristen Schmarren verfallen konnte, der auch in England gewiß keinen Erfolg gehabt hätte, wenn er sich nicht in die von der chauvinistischen Presse augenblicklich besonders schwunghaft betriebenen Stimmungsmache und die törichten Jnvasiousphantastereien so vorzüglich eingefügt hätte— ist einfach rätselhaft. Oder sollte etwa der deutsche Chauvinismus durch die albernen Mätzchen über die Zurück- gebliebenheit der englischen Freiwilligen gekitzelt werden, rechnete man, daß diese saubere Schadenfreude.Entschädigung für das Ke- die Deputierten der Partei das Recht auf Stimmenthaltung haben oder an die Beschlüsse der nationalen und internationalen Kongresse über die Ablehnung des Budgets gebunden sind. Die Abstimmungen der Fraktion lassen überhaupr an Einheitlichkeit viel zu wünschen übrig. Bei 32 namentlichen Abstimmungen ergaben nur 16 Einhelligkeit. Besonders peinlich war die Meinungsverschiedenheit bei den Ab- stimmungen im Verlaufe des P o st st r e i k S. Bei der vom kapita- listischen Deputierten R e i n a ch am 19. März beantragten Reso- lution, daß die Kammer entschlossen sei, Streiks von Be» amten nicht zn dulden, enthielten sich drei Deputierte: Breton, Brousse und V a r e n n e der Abstimmung. Sie sollen deshalb vom Parteitag zur Rechenschaft gezogen werden. Der Kassenbericht, der mit dem 31. Dezember 1908 ab- schließt, weist für das letzte Jahr an Nettoeinnahmen 106 269 Fr., an Nettoausgaben 90 358 Fr. auf. Die Einnahme aus der Deputierten st euer ist der bedeutendste Posten. Er beträgt 46 210 Fr., erst nach ihm kommen die Einnahmen aus den Beitrügen der Parteigenossen mit 36 238 Fr. Die Depu- tierten schulden der Parteikasse noch 27 050 Fr. Das Partei- vermögen betrug 91 298 Fr. Die Hervsschr Sonderbündelei. Dubreuilh referiert weiter über den neuesten Konflikt mit H e r v 6. In der„Guerre Soeiale" sind wiederholt Aufrufe erschienen, die zur Gründung einer neuen—„revolutio- nären"— Föderation im Nord-Departement aufforderten. Auf die Beschwerde der dortigen Parteiföderation beschloß die Administrattvkommission, eine derartige Verletzung des Einigungs Pakts nicht zu dulden und der Nationalrat forderte Hervö auf, diese Publikationen einzustellen. Hervs kümmerte sich jedoch darum nicht und als die Administrativkommission neuerdings an ihn heranttat, erklärte er, daß er bei der„Guerre Sociale" loohl Redakteur, aber kein Diktator sei. Das Blatt sei von Anfang an als gemeinsames Organ für Parteimitglieder wie für außerhalb der Partei stehende revolutionäre, libertäre und syndikalistische Elemente gegründet worden. Da Hervs demgemäß ablehnte, den Mahnungen der Parteiinstanzen Folge zu geben, war die ganze Frage Hervü für diesen Parteitag wieder aufgerollt. Seit ein paar Wochen ist zu den älteren Beschwerden noch eine neue hinzugekommen. Die„Guerre Soeiale" wurde das Sprachrohr einer neuen Tendenz. Die„revolutionären" Mitglieder der Seine- Föderationen wurden zu besonderen Konventikeln eingeladen, die über die Gründung einer„insurrektionellen Orga- nisation"' innerhalb der Partei berieten. Auch der Plan einer geheimen Kampforganisation tauchte auf und so sollte wüsten, für die Partei höchst gefährlichen Narreteien Tür und Tor geöffnet werden. Wird die Rechnung mit dem hartnäckigen Störer des Partei- friedenS diesmal bereinigt werden? Kein Zweifel, die bloße An- Wendung des Parteistatuts müßte seinen Ausschluß herbeiführen. Der i Artikel 6t dieses Statuts sagt:„Die Zeitungen und Zeit- schriften. die sich, ohne Parteieigentum zu sein, auf die Partei be- rufen oder deren Leitung einem oder mehreren Parteimitgliedern gehört, haben sich für die Aktion den ParteitagSbeschlüffen in der Interpretation des Nationalrats zu fügen." Und der Artikel 62 sagt:„Der Nationalrat übt über die Zeitungen, die sich als sozialistisch bezeichnen oder deren politische Leitung einem oder mehreren Parteimitgliedern gehört, nur eine allgemeine politische Kontrolle aus. Der Nattonalrat kann sie zur Beobachtung der Parteipolitik auffordern und nach Vorladung und Anhörung der verantwortlichen Redakteure dem Parteitage vorschlagen, alle Beziehungen zwischen diesen Zeitungen und der Partei für abgebrochen zu erklären." Die Verhandlung zeigt sofort, daß auf dem Parteitag wenig Aussicht vorhanden ist, daß diese Bestimmungen in ihrer Strenge angewendet werden. Die äußerst stürmische Debatte bietet ein merkwürdiges Bild. Sie spielt sich fast ausschließlich zwischen den Hervöisten und den Guesdisten ab. Die neuesten Gegner Herväs— die syndikalistischen Intellektuellen— verhalten sich vollkommen reserviert, ebenso die ihnen nahestehenden Mitglieder der Seine- Föderation. Sie haben den Hervsismus großgezogen, der sie nun selbst überflügelt hat. War er auf den früheren Parteitagen aus taktischem Kalkül als ein bescheidener, aber notwendiger Bestand- fühl der bodenlosen Langeweile bieten werde? Dann wäre der Skandal ein doppelt und dreifach verdienter. Die Satire des Herrn du Mourier, die die angebliche Gleich- gültigkeit des englischen Spießertums gegenüber den Forderungen staatlich militärischer Ausrüstung verspotten will, wirkt in Wahr- heit als Satire auf den Unverstand, der mit dem Schreckgespenste einer deutschen Invasion hausieren geht. Die Geistlosigkeit dieses Gespensterglaubens wird hier noch übertrumpft. Ein allgemeiner Streik der Post- und Telegraphenbeamten ist in England aus- gebrochen, nur die Sportblätter kommen noch heraus— so hört man im ersten Akt, der in endloser Breite und Dünnheit des Witzes eine englische Bürgerfamilie beim Diabolospiel und Sport- gewäsch schildert. Der Verve des Herrn Abel, der einen alles spaßhaft nehmenden jungen Citykaufmann, die einzig halbwegs mögliche Figur des Stückes, gab, gelang es, diese Szenen noch einigermaßen über Wasser zu halten. Dann, nachdem ein Freund des Hauses einige vorbereitende allgemeine Reden über Patrioten- Pflicht und die Gefahr des Vaterlandes gehalten, dringen plötzlich schwarze Dragoner zur Tür hinein, die—„im Namen Seiner Majestät" das Haus besetzen. Eine deutsche Armee hat ivährend des Telegraphistenstreiks das Land besetzt. Bei diesem Aktschluß machte sich die Ungeduld zum ersten Male mit starkem Zischen Luft. In den beiden folgenden Aufzügen, die die provozierenden Dummheiten noch ständig steigern, ging das Zischen bei offener Szene in Trampeln, Scharren, Rufen, Pfeifen über, so daß die Schauspieler sich teilweise gar nicht mehr verständlich machen konnten. Die englischen Freiwilligen werden, um die Notwendigkeit eines stehenden Heeres zu erweisen, als Krähwinkler Landsturm verhöhnt. Sie okkupieren nach Abzug der Deutschen �>as Haus und eröffnen eine dauerhaste Schießerei, für die der Feind sich mit Granaten revanchiert. Anmutig mischte sich dies Getöse mit dem der Zuschauer, bis nach dem Zusammensturze einer Wand, der dichte Staubwolken ins Parkett sandte, der Lärm von unten und die Schlußrufe so laut wurden, daß der Vorhang mitten im Spiele fallen mußte. Ilm der Darsteller willen ist es bedauerlich, daß die vollauf begründete Demonstration so rücksichtslose Formen annahm. ckt. Neue Freie Volksbühne{Kommerspiele des Deutschen Theater):„Der Brief des Uria" von Emil Bernhard. Wie der Titel sagt: ein biblisches Drama, oder König Davids Liebesverhältnis mit Vathseba, der Frau seines Feldherrn Uria. Aber nur dies stoffliche Milien ist alttestan, entlich; die Ausgestaltung da- gegen trägt die unverkennbaren Züge der hyper-modernsten Nervo- sität. Hugo v. Hosfmannsthals„Elektro" macht Schule.— Alle Zuckungen des geschlechtlichen Nervengeflechts werden hier bloßgelegt. Der Bruustschrei nach Liebe beherrscht alle Gedanken und Empfin- düngen, ja er wandelt das Leben, verkettet eS zu tragischem Aus- klang. So wird ein alltägliches Liebesverhältnis statt zur Komödie zur Tragödie hinaufgeschraubt. Kimig David schickt eines Tages Bathseba zu ihrem Manne zurück. Er geriert sich ganz als Geschöpf der heutigen Diplomatie. Bathseba, das Weib eines plebejischen„Untertans", kann wohl seine Maitresse sein; sie aber zu seinem Weibe und somit zur Königin zu machen, das verbietet seine königliche Würde. Man denke, wie possierlich sich diese moderne Weisheit im Munde eines altjudäischen Königs ausnimmt! Bathseba jedoch fühlt sich nicht bloß Mutter; sie vertritt ihre Rechte als Weib und Mensch von heute. Sie will nicht bloß die Geliebte bleiben, sie ver- teil der Majorität geschont worden, so ist er nun freilich zu einer Macht geworden, mit der sich die Partei ohne schwere Erschütterung ihres Organismus nicht auseinandersetzen kann. Dieses Machtbewußtsein charakterisiert die Rede, lvomit Hervs das Gefecht beginnt. Er spricht in seinem alten spöttischen Ton, aber noch mit weniger Scheu als sonst, seine Verachtung der Parteidisziplin zu zeigen. Dabei verschmäht er auch nicht seine beliebten Volksversammluugsmätzchen, immer wieder seine Kerker- strafen gegen die Argumente der Angreifer auszuspielen. Die Auf- rufe zur Gründung von Sonderorgauisationen will er nur als „Dokumente" veröffentlicht haben, dagegen habe er die aus der Nordföderation— wenn auch vergeblich aufgefordert, gerade im Interesse der revolutionären Propaganda wieder einzutreten. Die„Guerre Soeiale" soll die gemeinsame Aktion, die Allianz aller Revolutionäre, auch die mit den An- archisten fördern. Wenn eS in der Partei Leute gibt, die mit den Radikalen halten, so hält er, Hervs, es lieber mit den anarchistischen „Kameraden", auch mit solchen, die„individuelle Akte" gelegentlich für angezeigt halten. Schließlich versteigt er sich zur Behauptung, man wolle seinen Ausschluß, um Platz für die Blockpolitiler zu machen. Rappaport meint, HervS und seine Freunde hätten sich selbst aus der Internationale ausgeschlossen durch ihre Mißachtung des Londoner Beschluffes. Ihre Zugehörigkeit zur französischen Partei ist ein permanenter Skandal. Hervs beginnt seine Insurrektion mit der Insurrektion gegen die Internationale. Diese Gruppe bleibt nur darum in der Partei, weil sie außerhalb ihrer nichts wäre, wie man dies in Italien bei den syndikalistischen Revolutionären gesehen hat. Wir selbst verletzen die Beschlüsse der> Internationale, wenn wir die Alliierten der Anarchisten in unserer Mitte behalten und die Jnter- nationale ignoriert diesen Zustand nur mit Rücksicht darauf, daß wir ein großes Land repräsentieren. In der Debatte treten weiter eine Reihe von Arbeitern aus verschiedenen Föderationen gegen die Hervöisten aus, die im Postbeamten Chastenet, einem Verteidiger der Geheim- Organisation, und im Pariser Gemeinderat Colly besonders heftige Fürsprecher finden, dieser mutz sich aber von De la Porte entgegenhalten lassen, daß er 1901 ein Helfer Millerands gewesen sei. Wie Millerand sagt De la Porte, soll jetzt Hervs außerhalb der Parteikontrolle gestellt werden. Hervs spricht noch einmal, mit verstärkter Grobheit:„Ich pfeife auf Ihre Organisation!" ruft er den Guesdisten zu. Er will die Partei schützen, damit sie nicht im Sumpf der Wählerei versinke. Es liegen drei Resoluttonen vor: Ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung, ein anderer, von der Mehrheit der Seine- föderation eingebrachter, der die„Freiheit der Meinungsäußerung" anerkannt sehen will, und ein Tadelsantrag. Jaurss beantragt indes Verweisung an eine Kommission. Er nimmt das Jnsurrektionsprogramm Hervös nicht tragisch und meint, mit der Erlveiterung der Parteiaktion würden die Meiuungsgegensätze in der Partei an Bitterkeit ver- lieren. Das Proletariat ist reif genug, um das revolutionäre Programm nicht mit den Kindereien der Jnsurrektionellen zu ver- wechseln. Der Anttag Jaurös wird angenommen. Der Kommission wird auch ein vierter nachträglich von den Departements A l l i e r und Somme eingebrachter Antrag zugewiesen, der Hervös Aus- sch ließung fordert, weil dieser die Fortsetzung seines Treibens angekündigt habe. Der Administrattvkommission wird die Aufgabe zugewiesen, sich mit einer Reform des Wochenblatts, Sozialiste" zu besassen, dessen Auslage immer mehr heruntergeht. erster Deiegiertentag der demokratischen Vereinigung. {Original-Bericht für den„Vorwärts".) Der linke Flügel der„Wadcustrüinpfler", der auf der vor» jährigen Generalversammlung der«Freisinnigen Vereinigung" in Frankfurt a. M. aus dieser Bereinigung ausgeschieden ist und eine langt ihre Rehabilitierung durch den Ehekontrakt. David fühlt daß er Uria gegenüber sündhaft geworden. Um sein Verbrechen zu sühnen, überhäuft er den Betrogenen mit fürstliche» Gnaden. Uria merkt endlich etwas. Noch mehr: er erfährt aus dem Munde der ihm geschenkten Sklavin Thamar, daß Bathseba sich dem König hin- gegeben, daß sie Ehebruch getrieben. Und nun fängt er an zu rasen. Im Rausch findet er den Mut, David sein Verhältnis zu Bathseba aus den Kopf zu sagen. Dann, mit sich allein, schmiedet er Rache. Da erscheint Bathseba und berichtet, daß sie Mutterfreuden erlvarte. Dies Geständnis besänftigt ihn, dem es versagt war, Bathseba ein Kind zu geben. So mag sie denn mit David glücklich werden. Uria mag indessen nicht mehr länger leben. Um BathsebaS Willen will er David schonen. Doch soll er eine Strafe spüren: ihm, Uria, muß er, als König und als Mensch bezwungen, mit einen: Geheimbrief an Joas das Todesurteil schreiben. Mit diesem Dokument zieht Uria in die Schlacht. Nun steht David kein Hindernis mehr im Wege, die Ge- liebte als seine Gemahlin proklamieren zu lassen. Allein dies Glück ist für den hysterischen David zu viel. Er rast vor Schmerz und vor Wonne und stürzt— das ist mir nicht recht klar geworden— ob ohnmächtig oder tot— auf der Bühne zusammen..'.. In der Aufführung beherrschte stilisierte Kunst jedes Wort, jede Pose, jede Gebärde. Sanfte Flötentöne des Liebesrausches steigern sich zu Kakophonien. George Henrich{David) raste, Ludwig Hartan {Uria) raste, Elisabeth W e y r a n ch{Bathseba) raste. Es war ein Trio der Raserei bis zur Heiserkeit im zuweilen jüdelnden Sprechstil mit ostentativer Betonung der langen Silben; denn„der Brief des Uria" ist ja eine moderne— Jambentragödie. s. k. Schillertheater-Charlottenburg: Macbeth. Trauerspiel von Shakespeare. Man hatte große dekorative Mittel an die Aufführung gewandt, die schottischen Landschaften und Schlösser besaßen stimmungsvollen Reiz, die Darstellung war sorgsam vorbereitet und gefeilt, und an einigen Stellen, so in der nächtlichen Szene, wo der schwankende Macbeth von seinem Weibe zum Meuchelmord am König aufgestachelt wird, spürte man auch etwas von jenem Hauche wilder Leidenschaft und düsterer Schick- salsschwere, der das Werk umzittert. Ein Festhalten der künst- lerischen Illusion durch das ganze Gefüge der von Schrecknis zu Schrecknis fortschreitenden Handlung hätte man nur von Kräften allerersten Ranges erwarten können. Frau Feldhammer brachte die ungezähmte Härte und Herrschbegier der Lady anschau- lich, wenn auch nicht in den Formen elementarer Größe, zum?lus- druck. Pateggs klug durchgeführter Macbeth war in seiner Wirkung durch die Klangfarbe des Organs, dem leicht etwas Feier- lich-Gütiges anhaftet, hier und da gehemmt. Sympathisch spracv Richard W i r t h die Episodenrolle des Königs, vortrefflich Georg Paeschke die des ritterlichen Rächers Macduff. ckt. Notizen. -» Theaterchronik. Die Invasion des albernen Vorstadt» theaterulks im Neuen Theater hat ein rasches Ende genommen. Von Donnerstag an wird wieder„Die fremde Frau" gespielt. — Der GoSlarer Aprilscherz. Die Goslarer Berg- kanne wird nicht nach Berlin kommen— denn die„GoSlarer Zeitung" hat sich mit der übrigen Menschheit nur einen Aprilscherz erlaubt, dessen Witz zu ermessen redlichem Bemühen unmöglich ist. Indes, es kann ja nicht jeder auS Goslar sein. neue Paekel unier dem Kamen„Demokratische Bereinigung" ge- gründet hat, hielt am zweiten Feiertag im„Vereinshause' (Wilhelmstratze IIS) den ersten Telegiertentag ab. Wie der Vor- sitzende Dr. Breitscheid(Berlin) mitteilte, zählt die Vereint gung 45 Vereine mit insgesamt 5060 Mitgliedern. Von den 4ö Vereinen sind 44 Vereine durch Delegierte bezw. Delegiertinnen vertreten. Man bemerkte den aus dem jüngst stattgefundenen Marineprozetz bekannten Kapitän zur See a. D. Berger als Delegierter von Aachen, den früheren Oberst Gädke als Vertreter von Steglitz und Karl Wiesenthal als Vertreter von Berlin VI. Nachdem Schriftsteller Dr. Breit- scheid(Berlin), Dr. med. Pohlschröder(Köln) und Rechts- anmalt Hesse(Dessau) mit gleichen Rechten zu Vorsitzenden gewählt worden waren, wurde der Antrag von Frankfurt a. M., Diskussionsredner von Partei wegen auszubilden, um das politische Interesse zu wecken, von Dr. Westphal(Frankfurt a. M.) mit dem Bemerken befürwortet: In Amerika habe ein achtzehnjähriges Mädchen zehnmal soviel politisches Verständnis als in Deutschland ein dreißigjähriger Mann. Der Antrag wurde dem Zentral- ausschuß zur Berücksichtigung überwiesen.— Berlin VI halte beantragt: Die„Demokratische Vereinigung" führt den Namen „Demokratische Partei Deutschlands". Dr. Breitscheid ersuchte, den Antrag abzulehnen. ES sei aller Grund vorhanden, nicht mit der „Süddeutschen V o l k S p a r t e i", die unter dem Namen „Demokratische Partei" im Volke bekannt sei, verwechselt zu werden. Der schönste Name könne eine schlechte Politik nicht decken. Er sei nicht grundsätzlich gegen eine Korporation mit der Süd- deutschen Volkspartei. So lange aber die Herren v. Payer und Storz in der Süddeutschen VolkSpartci noch das große Wort führten, könne von der beantragten Korporation keine Rede sein. (Lebhafter Beifall).— ES wurde schließlich beschlossen, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen.— Alsdann sprach Dr. Barth(Berlin), mit stürmischem Beifall empfangen, über die Aufgaben der Demokratischen Bereinigung. Die Bildung der Demokratischen Vereinigung ist nicht ein Akt der Willkür, sondern ein Akt politischer Notwendigkeit gewesen. ES ist unfaßbar, daß liberale Männer glauben konnten, eine Ver- dindung mit den Konservativen, mit den agäarischen Junkern könnte dem Liberalismus irgendwelchen Vorteil bringen. Im Gegenteil, es lag für jeden Sehenden klar, daß durch den Block der Liberalismus lediglich die Geschäfte der Konser- v a t i v e n besorgt und die Macht der agrarischen Junker nur gestärkt wird. Das war von vornherein um so klarer, da der Dritte im Bunde, der Reichskanzler, der eigent- liche Vater des Blocks, niemals ein Hehl daraus gemacht hat, daß er der getreueste Verbündete der preußisckien Junker ist. Diese Block« folitik, die zur Preisgabe aller liberalen Grund- ätze geführt hat, wird den liberalen Parteien noch schaden, wenn der Block längst tot sein wird.®ian wird den Blockliberalen mit vollem Recht vorhalten: Ihr habt in der ernstesten Zeit die liberalen Grundsätze preisgegeben und Euch mit den reaktionären agrarischen Junkern verbunden. Aber auch jetzt noch, nachdem der Block in allen Fugen kracht, nackHem die Blockliberalcn eingesehen haben müßten, daß sie nur die Geschäfte der agrarischen Junker besorgen und ihre Macht stärken, machen die Liberalen auch nicht den gering st en Versuch, um irgend einen Vorteil für den Liberalismus herauszuschlagen. Nein, die Blockliberalen zappeln gewissermaßen darauf, an der Weiter- führung der Reichsfhianzrcform, die 1906 von den Konservativen, dem Zentrum und den Nationalliberalen begonnen wurde, mit- zuarbeiten. Die Blockliberalen lassen jede Gelegenheit vorüber. gehen, um auch nur die geringste liberale Forderung durchzusetzen. Die Blockliberalen glauben schon etwas für den L i b e r a l i s m u S zu tun, tvenn sie die Nachlaßsteuer durchsetzen. Sie haben nicht einmal den Versuch gemacht, das allgemeine Wahlrecht für Preußen durchzusehen. Sie können mit vollem Recht sagen: Wir sind die grtreuestrn Fridolins. (Beifall und Heiterkeit.) Professor Quid de sagt: Man muß sich schämen, dem Blockliberalismus anzugehören. Unser Freund Naumann schrieb bekanntlich im„Berliner Tageblatt": Der Block ist tot, nun empfiehlt sich ein neuer Block von Bebel bis Basser- mann. Dieser Vorschlag hat jedoch nirgends Anklang gefunden. Die Blockliberalen warten nur auf eine Parole BülowS, um in den Block wieder einschwenken zu können. Sie vergessen, daß der Kampf für die bürgerliche Freiheit nicht geführt werden kann mit, sondern gegen die Reaktion. Ein Kampf für VolkSrechte mit den Konsexvativen i st einfach lächerlich. Wir wollen es uns nicht verhehlen: Der Block ist nichts weiter als ein neuer Reichsverein zur Bekämpfung der Demokratie und Sozialdemokratie.(Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen deshalb die Konsequenzen ziehen und durch unser Auftreten den Beweis liefern, daß in Deutschland noch eine bürgerliche Partei existiert, die gewillt ist. den Kampf für die Frei- heit des deutschen Volkes mit aller Gntschtedenhett zu sichren.(Lebhafter Betfall.) Wir betrachten es als unsere Hauptaufgabe, die bürgerliche Rechtsgleichheit tmrckjzusetzen. Unser ganzes Staats- leben ist angefüllt mit Privilegien und Bevorzugungen aller Art. Wir verlangen Aufhebung aller Privilegien und Bevorzugungen, wir verlangen auch volle Gleichberechtigung de? weiblichen Ge- schlechts. Wir wollen für volle staatsbürgerliche Rechtsgleichheit den Kampf mit voller Energie und unerbittlich führen und nicht eher ruhen, bis wir unser Ziel voll erreicht haben.(Stürmischer Beifall.) Wir verlangen außerdem eine parlamentarische Regierung und zur Schlichtung internationaler Streitigkeiten die Einsetzung von Schiedsgerichten. Deshalb verlangen wir eine Verständigung zwischen den Nationen zwecks Einstellung der Rüstungen zu Wiisser und zu Land».(Beifall.) Wir wollen das Koalitionsrecht sowie die persönliche und die Gedankenfreiheit auch der Bemnten schützen und wollen es verhindern, daß das Koalitionsrecht und die politische Betätigung nicht von dem Ermessen des GeheimratS Uthcmann ab« hängig gemacht wird. Wir wollen mit einem Wort eine wahrhafte Kulturpolitik treiben. Das ist Patriotismus und national. Der Redner faßte schließlich sein« Ausführungen in folgende Erklärung zusammen:„Das Ziel aller Bestrebungen der Demokratischen Vereinigung ist die konsequente Demokratisierung der öffentlichen Einrichtungen in Reich, Staat und Gemeinde. Diese Demokratisie- xnng erfordert vor allem die Durchführung des Prinzips der vollsten staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit gegenüber dem System der Bevorzugung, wie es allenthalben in Deutschland, besonders in Preußen, in Uebung ist, und in dem elendesten aller Wahl- sqsteme seinen reaktionärsten Auedruck gefunden hat; serner gegen- über den Ausflüssen des persönlichen Regiments die Durchführung einer Regierung, bei der der Volkswille in letzter Linie entscheidend ist(parlamentarische Regierung sowie die Verwirklichung der Grundsätze einer aufrichtigen Selbstverwaltung). Im Verkehr mit anderen Völkern verfolgt die Demokratische Vereinigung das Ziel der Regelung aller entstehenden Differenzen auf schiedSrichter- lichem Wegs und die internationale Verständigung über das Maß der Rüstungen zu Wasser und zu Lande. In allen sozialen Fragen vertritt die Demokratische Vereinigung den Schutz der Persönlich, keit gegenüber allen Vergewaltigungen der politischen und Wirt- schaftlichen Machthaber. Keines dieser demokratischen Ziele wird sich ohne rücksichtslosen Kampf gegen die Träger und Nutznießer unseres Privilegienstaates, Junker, Agrarier, Konservative, Schlot- und Grubenbarone erreichen lassen, und nur im Zusammenwirken mit den breiten Massen der Arbeiter, insbesondere auch mit der in der Sozialdemokratie organisierten Arbeiterschaft. Deshalb kein Block und keine Verständigung mit irgendeiner reaktionären Partei, sondern rücksichtsloser und unablässiger Kamps gegen alle politischen Träger und Begünstiger einer agrarffchen sowie industriellen Feudalherrschaft." In der Diskussion wurde mehrfach auch von Karl Wiesenthal bemerkt: Es dürfte kaum gelingen, einen überzeugten Sozialdemokraten in das Lager der Demokratischen Vereinigung hinüberzuziehen; man müsse abet diejenigen Arbeiter zu gewinnen suchen, die an den Zukunftsstaat nicht glauben. Deshalb sei es erforderlich, zu erklären: die beste Staatsform sei die republikanische. Gegen diese Aus- führung wurde eingewendet: Es gäbe Republiken, in denen viel schlimmere Zustände herrschen als in den Monarchien. Notwendig sei, die Auswüchse des Kapitalismus zu bekämpfen und der Sozial- demokratie eine Brücke zu bauen. Bezüglich mehrerer Anträge auf Schaffung eines Pro- gramms wurde von Dr. Breitscheid, v. Gerlach und Dr. Barth eingewendet: Nicht das Programm, sondern die Betätigung fei Hauptsache.— Es wurde jedoch schließlich beschlossen, sogleich eine Kommission zwecks Ausarbeitung eines Programms zu wählen. Dem Programm sind die Leitsätze des Dr. Barth voran- zustellen.— Auf Antrag von Frankfurt a. M. wurde beschlossen: Eintreten für das volle Frauenstimmrecht auf der Grundlage des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter in den Einzelstaaten und Kommunen nach Matzgabe der Verhältniswahlen. Ferner: Die Frage nach der Staatsform soll vorerst fallen gelassen werden. Es wurde alsdann der Zentralvorstand gewählt und danach der Delegiertentag mit einem dreifachen Hoch auf die Demokratische Vereinigung geschlossen._ Derbandstag der Glaser Nürnberg, 12. April. Die Feststellung der Präsenzliste ergibt die Anwesenheit samt- sicher Delegierter(28), außerdem sind anwesend: der erste Haupt- Vorsitzende Eichhorn, der zweite Vorsitzende Friedrich, der Verbandskassierer Schwerdt, vom Ausschuß G r a ß- Leipzig, von der Preßkommission B öt tg er- Mannheim. Als Vertreter der Gencralkommiffion nimmt Kn oll- Berlin an den Berhand- lungen teil. Nach Aufstellung einer Geschäftsordnung und Wahl der Mandatsprüfungskommission erteilt der Vorsitzende dem Vertreter der Preßkommission, Bottger- Mannheim, das Wort zu einer kurzen Mitteilung. B ö t t g e r bemerkt, der Vorsitzende habe eine Anzahl Kollegen auö allen Teilen Deutschlands gebeten, etwas früher. nach Nürnberg zu kommen, um den VerbandStag ein Stück Arbeit wegzunehmen. Die Kommission habe im Laufe des TageS eine Sitzung abgehalten und die vielerlei Anträge, die zum Ver. bandstage eingelaufen sind, einer eingehenden Würdigung und Sich- tung unterzogen. Ilm keine irrigen Meinungen aufkommen zu lassen, erklart Redner, die Kommission habe sich nicht angemaßt, den Beschlüssen des Verbandstages vorzugreifen, sondern sie habe lediglich die Quintessenz der vielen Anträge herauszogen und das Resultat in Form von Leitsätzen aufgestellt. Er bittet um nachträg- liche Genehmigung dieses Schrittes. Der Verbandstag erklärt sich nach kurzer Debatte damit einverstanden. Eichhorn führt aus, er habe noch einen Vorschlag zu machen. Es bedürfe einer Aussprache über verschiedene wichtige interne An- gclcgenhctten, mit welcher Aufgabe der Verbandstag die eben er- wähnte Kommission, die aus sechs. Mitgliedern besteht, betrauen wolle. Darüber entspinnt sich eine längere Gesck?äftsordnungs- debatte. Verschiedene Redner sind der Meinung, daß solch wicktige Fragen nicht durch einen kleinen Kreis erledigt Wersen, sondern vor das große Forum kommen. Von mehreren Seiten wird vor- geschlagen, bierfür eine geschlossene Sitzung anzuberaumen. Andere Redner halten es für notwendig, daß diese Verhandlungen in möglichst kleinem Kreise stattfinden, damit nichts an die Oeffcntlich- keit sickert. Der Antrag aus Abhaltung einer geheimen Sitzung wird jedoch abgelehnt, der Vorschlag des Vorsitzenden, die Sache der genannten Kommission zu übertragen, dagegen angenommen, nachdem die Kommission durch die Zuwahl von Hof mann- Chemnitz, H o f m e i e r- Wiesbaden und Pölz- Mannheim er- wettert worden ist. Es wird dann in die eigentlichen Verhandlungen eingetreten. Vorsitzender Eichhorn ergänzt in kurzen Ausführungen den Tätigkeitsbericht des Vorstände», der gedruckt vorliegt. Er weist hin auf die gewaltigen Summen, die in der kurzen Zeit von drei Jahren für Arbeitslosen-, Reise und Streikunterstützung usw. aufgebracht werden mußten. Summen, wie sie der Verband seit seinem Bestehen in solch kurzer Zeit noch niemals aufzubringen hatte. Aber mit Genugtuung könne kon- statiert werden, daß die Organisation stets das erfüllt habe, was sie in ihrem Statut den Mitgliedern versprochen, lieber den Mitglieder- Verlust müsse sie sich mit den anderen Verbänden des Baugewerbes trösten, die ebenfalls durch die Krise schwer gelitten hätten. Das seien Erscheinungen, die in der Zeit der wirtschaftlichen Depression stets eintreten, aber es sei zu erwarten, daß auch wieder andere Zeiten kommen und der Verband sich wieder erholen werde, wenn jeder Kollege in bezug auf Agitation feine Pflicht tue. Sei dieS der Fall, so werde der Verband bald wieder auf einen höheren Stand kommen, als er jemals hatte. In der Diskussion werden erhebliche Beanstandungen an der Geschäftsführung nicht vorgebracht. Kritisiert wird, daß den Leip- zigern durch Erlaubnis zur Verlegung der Termins der Delegierten- mahlen eine Extrawurst gebraten wurde, ferner, daß der Vor- sitzende eine Umfrage, bei der die Mitglieder auch über ihre Stel- lung zur Berschmelzungsangelegenheit Auskunft geben sollten, als Urabstimmung bezeichnet habe. Dazu sei der Vorstand gar nicht berechtigt gewesen, nachdem der Mannheimer Verbandstag sowohl die Verschmelzung als auch die Urabstimmung hierüber abgelehnt habe. Unrichtig sei es auch, wenn der Vorstand in seinem Bericht bemerke, daß die Mehrheit der Mitglieder sich bei dieser„Urabstim- mung" gegen den Uebertritt erklärt habe. Es habe nur ein Drittel der gesamten Mitglieder gegen den Uebertritt gestimmt, viele hätten überhaupt die Frage nicht beantwortet, weil sie das Vorgehen de« Vorstandes für unberechtigt hielten. Eichhorn geht auf die einzelnen Bemängelungen«in und rechtfertigt die Maßnahmen des Hauptvorstandes. Zur Geschäftsordnung bemerkt K renke l-Leipzig, er habe erfahren daß Gchlössinger- Frankfurt die Agitation zum An- schlug an den Holzarbeiterverdand sehr eifrig betreibe. Redner bittet, um die Persönlichkeit Schlössingers zu kennzeichnen, dem Berbandskassierer Echwerdt das Wort zu einer kurzen Erklärung zu geben. Verbandskassierer Schwerdt erklärt, er Hab« einer Kon- ftrenz in Höchst beigewohnt, auf dem Rückwege habe ihn der Vor» sitzende der Frankfurter Zahlstelle aufgesucht und ihm mitgeteilt, daß es ihm unter den jetzigen Verhältnissen unmöglich fei, in Frankfuurt zu arbeiten, und daß unmittelbar nach dem Verbands- tag unter der Führung Schlössin gerS eine Sektion der Blei- glafer im Anschluß an den Holzarbeiterverband gegründet werden solle. Schlössinger sei vom Holzarbeiterverband auch eine Geschäftssührerstelle in Nürnberg in Aussicht gestellt worden. Schlossinger. Frankfurt weist diese Behauptungen ent- schieden als unwahr zurück. Im Verlaufe der Diskussion wird er noch wiederholt wegen seiner Agitation für den Uebertritt an- gegriffen. Zum Kassenbericht gibt der Verbandskassierec Schwerdt noch einige Erläuterungen. Die RechnungSprüfungskommtssion hebt die exakte Geschäftsführung hervor und beantragt Entlastung. Zu gleicher Zeit hebt sie hervor, daß die Arbeitslosenunterstützung im ersten Quartal dieses Jahres ungeheuer angeschwollen ist. ES entspinnt sich nun eine lange Diskussion, die sich weniger auf die Zkassenführung selbst, an der nicht gemäkelt wird, sondern in der Hauptsache auf die Herausgabe der Maimarken, auf Er- Hebung der Extrabeiträge usw. bezieht. Begrüßt wird allgemein der Vorschlag des Hauptvorstandes, die Extrabeiträge überhaupt aufzu- Jeden und dafür dem Vorstand die Ermächtigung zur zeitweiligen irhöhung der Beiträge zu erteilen. Der Hauptteil der Diskussion Wird ausgefüllt durch Angriffe gegen die Frankfurter Zahlstelle, die linker dem Einfluß SchlösfiNgerS die Anordnung des Vor- standes, von dem 20prozentigcn Lokalanteil die Hälfte an die Hauptkasse abzuführen, nicht befolgt habe. B ö t t g e r- Mannheim vermutet, daß hinter diesem Vorgehen nicht die Frankfurter Kol- legen stecken, sondern ganz andere Inspiratoren, was Schlös- s i n g e r bestreitet. Er erklärt, die Zahlstelle Frankfurt weigere sich nicht, zu zahlen, sie spreche aber dem Vorstand das Recht zu seiner Maßnahme ab und wolle lediglich durch den Verbandstag prinzipiell entscheiden lassen, ob sie mit dieser Anschauung recht habe oder nicht. Weitere Auseinandersetzungen entspinnen sich über die Auslegung des Z 12 des Statuts betreffend die Aus- Zahlung der Arbeitslosenunterstützung. Berlin und andere Zahl- stellen haben diese Bestimmung anders interpretiert, als sie allgemein aufgefaßt wird, und infolgedessen zuviel ArbeitSloscnunter- stützung ausbezahlt. Zuletzt werden diesen Zahlstellen die zuviel bezahlten Unterstützungsbeträge erlassen, ebenso wird eine Summe gestrichen, die die Zahlstelle Hamburg noch schulden soll, die aber strittig ist. Weiter wird eine Resolution angenommen, in der der Frank- furter Zahlstelle eine Mißbilligung ausgesprochen wird, weil s'e es unterlassen hat, sich dem Beschlüsse des Hauptvorstandes und Ausschusses, weitere 10 Prozent an die Hauptkasse abzuführen, zu fügen. In der Sitzung vom 11. April schließt sich an den Bericht der Mandatsprüfungskommission eine längere Debatte an. Es werden Klagen erhoben über willkürliche Zerreißung von Agitationsbezirken bei Einteilung der Wahlkreise; es wird sogar gegen den Hauptvor- stand der Vorwurf erhoben, als hätte er von einzelnen Agitations- bezirken Teile abgetrennt und anderen zugewiesen in der Absicht, die Vertretung der UebertrittSfreunde auf dem Verbandstage mög- lichst einzuschränken. Vorsitzender Eichhorn bezeichnet das als böswillige Unter- stellung und erklärt, daß die Wahlkreiseinteilung ohne jeden Hinter- gedanken und in der besten Absicht erfolgt sei, nur zu dem Zwecke, um möglichst allen Gegenden die Vertretung auf dem Verbands- tage zu ermögliche». P ö l z- Mannheim beantragt, Wahlkreise mit nur je einem Delegierten zu bilden, was jedoch abgelehnt wird. Bei dem Bericht der Preßkommission und deS Ausschusses spielt ebenfalls die Uebcrtrittsfrage bedeutend mit herein. Bericht- erstatter deS Ausschusses ist Graß- Leipzig, der in der Diskussion heftig angegriffen wird, weil der Ausschutz im Fachblatt einen Ar- tikel„Eine Kardinalfrage" veröffentlicht hat, in dem der Uebertritt zum Holzarbeiterverband für notwendig erklärt wird. Graß führt an, daß anfangs 1S07 in verschiedenen Zahlstellen eine Bewegung für den Uebertritt bemerkbar war, die fruljer stets erst kurz vor den VcrbandStagen auftrat. ES war vor allen Dingen eine Zahl- stelle, die verlangte, daß Hauptvorstand und Ausschuß Schritte ein- leiten sollten, um den Uebertritt zu ermöglichen, da« war aber laut Beschluß de» Mannheimer Verbandstages nicht möglich, sondern es konnte nur eine Diskussion über die Frage eröffnet werden. Es handelte sich vor allen Dingen darum, ist eS möglich, daß alle Glaser in einen anderen Verband übertreten können? Für die Rahmen- macher war da» ohne weiteres klar, nicht aber für die Blei-, Messing-, Elektroglaser, Glasmaler usw., daher wurde eine Aussprache verlangt, damit auf dem Vcrbandstage die Sache erledigt werden könne. Aus diesem Grunde entstand der Artikel. Hätte der Aus- schütz sich vorher mit dem Vorstand in Verbindung gesetzt, so hätte dieser es rundweg abgelehnt, dafür ist Beweis, daß er von verschie- denen Berichten der Zahlstellen über diese Angelegenheiten mit keinem Worte Notiz genommen hat. Deshalb hat der Ausschuß auch den Artikel selbst gezeichnet. Der Artikel rief nach seinem Erscheinen im Fachblatt und in den Zahlstellen umfangreiche Diskussionen hervor; ,n Leipzig wurde sogar verlangt, daß der Ausschuß seine Acmter niederlegen solle. Die Angriffe wiederholten sich auf dem Verbandstage. Von ver- schiedenen Delegierten, am schärfften von K r e n k e l- Leipzig, wird der Vorwurf erhoben, daß der Ausschuß die schwierige Situation des Verbandes ausgenützt habe, um die Propaganda für den Ueber- tritt zu entfesseln und daß dies nicht ohne Hintergedanken gc- schehen sei. Von einer Reihe anderer Redner wird bestritten, daß das Aufwerfen einer solchen Frage zu irgend einer Zeit der Oraa- ntsation schädlich sein könne. In seinem Schlußwort verteidigt Graß- Leipzig den Standpunkt und das Vorgehen de» Ausschusses mit großer Leloenschaftlichkeit. Der Verbandskassierer Schwerdt behauptet, daß die Aufrollung der Frage zu einer möglichst un. günstigen Zeit erfolgte. Dieser Schritt habe auf die Bezahlung der Extrasteuern, auch auf die Bezahlung der ordentlichen Beiträge ein- gewirkt, ja, er wage sogar zu behaupten, daß auch der Mitglieder- rückgang darauf zurückzuführen sei. Es wird mit 14 gegen 13 Stimmen eine Resolution ange- nommen, worin in dem Vorgehen de» Ausschusses in dieser Frage ein untaktisches Verhalten erblickt und dem Ausschuß ein Miß- trauenSvotum erteilt wird. Im übrigen wird dem Ausschuß wie auch der Preßkommission Entlastung erteilt. Zum 6. Punkt der Tagesordnung: Der Arbeitgeberschutzderbanb und unsere Stellung dazu*> hält Böttger- Mannheim ein längeres, treffliches Referat, in dem er die Geschichte und das Wesen der Unternehmerverbände ausführlich darlegt. Von etner Diskussion über den Vortrag wird abgesehen. Einstimmig angenommen wird folgende Resolution des Referenten: „Der Verbandstag erklärt: Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Arbettgebervcrbände in ihrer Tendenz die Bekämpfung der modernen Gewerkschaften als ihre Hauptaufgabe betrachten. Widerspruchslos stellt der VerbandStag fest, daß auch der Schutz- verband selbständiger Glaser und verwandter Gewerbe Dcutsch- lands dieselben Ziele verfolgt. Die Koalition der Arbeitgeber ist eine allgemeine, kultur- und unsere Volkswirtschaft schädigende Vereinigung, die ihre» reaktionären Charakters wegen auf das bestimmteste mit allen zu Gebote stellenden Mitteln bekämpft werden mutz. AI» Mittel, um diesen Zweck erfolgreich durchzu- führen, empfiehlt der Verbandstag, die seitherige Taktik, wie sie auf den deutschen Gewerkschaftskongressen und den früheren Ver- bandStagen des Glaserverbandes festgelegt wurde." Es folgt die Beratung des 7. Punktes: Die Tarifvertrkge in unserem Berus. Hierzu ist Referent Helm- Leipzig, der nach wenigen Worten wegen Unwoblseins abbrechen muh. Für ihn springt Böttger- Mannheim ein, der die Frage in einem kurzen Referat aus dem Stegreif behandelt. Nach längerer Diskussion wird folgende Reso- lutton angenommen: „Der Verbandstag steht analog den Beschlüssen des Leipziger Verbandstages auf dem Boden der korporativen Arbeitsverträge. Ohne daß durch Abschluß von Tarifverträgen die Gewerkschaften an ihrem Klassenkampfcharakter eingebüßt haben, kann festgestellt werden, daß die Tarifverträge ein wirksames Mittel bilden, den wirtschaftlichen Frieden für eine bestimmte Zeitdauer zu garan- tieren, vor allem aber auch die Lohn- und Arbeitsverhältnisse stabil zu gestalten. Der VerbandStag empfiehlt den Verbands- funktionären, bei eventuellen Lohnkämpfen die Lohnverhältnisse ausschließlich auf korporativer Grundlage zu regeln." Der nächste Punkt ist der wichtigste der ganzen Verhandlungen: Die Verschmelzungsfragr. Der Referent, R o ch o ch- Berlin, begründet eingehend die Not- wendigkeit des Zusammenschlusses mit den, Deutschen Holzarbeiter- verband, während der Korreferent K renke l-Leipzig in langen Darlegungen für dte Beibehaltung deS selbständigen Verbandes eintritt. Nach siebenstündigen Verhandlungen, die sich weit in den dritten SitzungStag hineinziehe», wird in namentlicher Abstimmung die Verschmelzung mit dem Deutschen Holzarbeiterverband mit lö gegen 13 Stimmen abgelehnt, ebenso die Vornahme einer Urabstim. mung über diese Frage. Der Antrag, mit den Verbänden de» Bau- gewerbes zweck» Gründung eines allgemeinen Vauarbeiterverbandes in Unterhandlung zu kreten, würde ebenfalls abgelehnt. Sitz des Vorstandes bleibt Karlsruhe. Eichhorn und Schwerdt werden wiedergewählt. Der nächste Verbandstag findet 1012 in Dresden statt. 7. Verbavdstag der Sattler. Köln. 12. April 1809. Anwesend sind 36 Delegierte, 3 Vertreter des Zentralvorstandes. der Vorsitzende des Ausschusses und die beiden Gauleiter. Die Generalkommission ist durch S as se n b a ch, die ausländischen Bruderorganisationen sind durch Paul-Wien, Erdös-Buda- Pest, I ö n s s o n- Kopenhagen und Wattli- Brüssel vertreten. Der Bericht des Borstandes liegt gedruckt vor; Blum verzichtet deshalb auf längere Aus- führungen. ebenso Müntner als Kassierer und der Ausschuß- Vorsitzende HjJckelbusch. Die Diskussion ist sehr lebhaft; im allgemeinen äußern sich die Delegierten zur Geschäftsführung des Vorstandes in zustimmendem Sinne. Der Antrag auf Entlastung wird einstimmig angenommen. Zur Verschmelzung mit den Portefeuillern haben sämtliche Filialen ihre Zustimmung gegeben. Blum schildert die EntWickelung des Verschmelzungsgedankens und die Beweg» gründe, die zum näheren Anschluß an die Portefeuiller geführt haben. Er legt den Delegierten folgende Resolution vor: „In Berücksichtigung, daß die wirtschaftliche Entwickelung innerhalb der Lederwarenindustrie in den letzten Jahren Formen angenommen hat, wonach die beruflichen Unterschiede zwischen den Portefeuillern und Sattlern fast gänzlich verschwunden sind. und in Erwägung, daß die gewerkschaftlichen Organisationen nur dann ihre gestellten Aufgaben erfüllen können, wenn sich die Form der Organisation dieser Entwickelung anpaßt, beschließt die Generalversammlung der Sattler eine Zusammenlegung der Verbände der Sattler und der Portefeuiller. Die neue Or- ganisation, unter dem Namen:„Verband der Sattler und Portefeuille r\ tritt am 1. Juli 1009 in Kraft." In der Diskussion protestierten die Offenbacher Tele- gierten dagegen, daß eine Urabstimmung vorgenommen worden ist; sie stimmen ledoch der Resolution zu, obgleich von ihnen Bedenken wegen der Heimarbeit geäußert werden. Die Resolution wird schließlich einstimmig angenommen. Sassenbach hofft, daß nach der Vereinigung sich die Organisation noch mehr heben wird. Schulz schließt danach mit dem Wunsche auf eine gute Entwicke» lung der neuen Organisation die Verhandlungen. Vom Dienstag an tagen Sattler und Portefeuiller gemeinsam. 3. Verbaudstag der porteftttiller. Köln. 12. April 1900. Die Verhandlungen wurden vom Verbandsvorsitzenden Wein- sch i l d mit dem Wunsche eröffnet, daß sie von dem Geist« der Solidarität getragen werden möchten. Als der Verband vor acht Jahren gegründet wurde, da habe man die Portefeuiller wohl EigenbrSdler genannt; sie hätten aber gezeigt, daß sie das damals aufgestellte Programm durchgeführt haben. Die Wirt chastliche Lage der Kollegen fei gehoben, die Erziehung zum Klassenbewußtsein ge- fördert worden. Im Gefühle der Stärke suchen nun die Porte- scuiller nach neuen Bundesgenossen; die natürliche Entwickelung dränge zur Verschmelzung mit den Sattlern. Den im Druck vorliegenden Geschäftsbericht ergänzt W e t n s ch i l d. Die außerordentliche Krise habe den Mit- gliederstand heruntergedrückt, die Summen für die Erwerbslosen» Unterstützung seien außerordentlich gestiegen. Au» dem Offenbacher Bezirk erwähnt er folgenden Fall: In Rumpenheim haben die Kollegen 300 M. aus der Lokalkasse genommen und sie trotz de» Protestes des Verbandsvorstandes unter sich verteilt. Sie glaubten, daß sie bei der Verschmelzung ihr Lokalvermögen an die Zentral- lasse abgeben müßten, und weil sie aus eigenen Mitteln den Fonds angesammelt hatten, so wollten sie ihn auch für sich verwenden. Diese» Vorgehen müsse entschieden gerügt werden. Der Kassierer Buch bemerkt zum Kassenbericht, daß an einen Kollegen ein Dar- lehn von SO M. zu einem Umzug gegeben worden sei; er wendet sich jetzt an die Generalversammlung mit dem Antrage, dieses Darlehn als Unterstützung anzurechnen. In der Diskussion wird das Verhalten der Rumpen- hcimer Kollegen allgemein mißbilligt und dazu folgende Resolution angenommen: „Auf dem 3. außerordentlichen Verbandstage herrscht darüber Einmütigkeit, daß Lokalkassengelder für Ausgaben keine Verwendung finden dürfen, die nicht im Statut oder in der ört- lichen Geschäftsordnung geregelt sind. Aus diesen Gründen der- urteilt der Verbandstag die Verteilung der 300 M. und erwartet von den einzelnen Ortsverwaltungen, daß sie alle Maßnahmen treffen, um solche Vorkommnisse unmöglich zu machen." Die Berliner Delegierten stellten den Antrag, daß die für die Sitzungen der Schlichtungskommission gemachten Aufwendungen zurückerstattet würden; da» wurde abgelehnt. Zur Frage der Verschmelzung mit dem Sattlerverbande gibt W e i n s ch i l d einen Ueberblick über die bisher gepflogenen Verhandlungen. In letzter Stunde haben die Offenbacher Kollegen folgenden Antrag angenommen: „Der Verbandstag der Portefeuiller wolle beschließen: Von dem Vermögen des Verbandes der Portefeuiller usw. werden 120 000 M. sichergestellt für die im Jahre 1911 stattfindende Tarifbeweguna der Portefeuiller und der in der Reiseartikel- industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen." Der Redner wendet sich dagegen und gibt für den Vorstand deS SattlerverbandeS die Zusicherung, daß die Leitung der neuen Vereinigung alles tun werde, um die bevorstehende Lohnbewegung in der Portefeuilletndustrie sicherzustellen. Nach ausgedehnter Diskussion, in der S i l b e r s ch m i d t an- führt, daß man im neuen Verbände nur gleichberechtigte Mit- glieder kennen dürfe, und daß man in der übrigen Arbeiterschaft die Portefeuiller nicht verstehen würde, wird der Antrag zurück- gezogen. Zur Verschmelzung wird eine Resolution angenommen. die mit der von den Sattlern angenommenen den gleichen Wort« laut hat. W e i n s ch i l d schließt mit einem kräftigen Schlußwort die Beratungen: in voller Kraft habe der Verband der Portefeuiller der Entwickelung Rechnung getragen. Die Verschmelzung sei kein Gefühl der Schwäche und es stehe zu erwarten, daß sie den Kollegen neue Vorteile bringen werde. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung klangen die Verhand- lungen der letzten Generalversammlung des Portefeuillerver- bandes aus._ Hu9 der Frauenbewegung. Unzufriedenheit mit der Frauenbewegung. Daß die sozialdemokratische Frauenbewegung unbedingt not- wendig, scheint sogar die»Tägliche Rundschau' empfunden zu haben. DaS Blatt(Nr. 16S) fühlt sich gemüßigt, feiner Unzufriedenheit über mangelndes Interesse der grauen für unsere Bewegung also AuS- druck zu geben: »Die dem neuen„.,,.„ in dem Maß« Gebrauch gemacht, wie man erwartete. In den sozial demokratischen Versammlungen werden laute Klagen erhoben Über die Indolenz der Genossinnen, die trotz aller Erleichterung, welche das Ge- setz gewährt, sich nicht zur Organisation bequemen wollen. Weberin den politischen Wahlvereinen noch in den Gewerkschaften und auch in den selbständigen Frauenvereinen hat die Zunahme der Mitglieder- zahl den Erwartungen entsprochen. In der größten Berliner Ge- werkschaft, dem Verbände der Metallarbeiter, beträgt die Zahl der weiblichen Organisierten nur 3S64 gegen 60000 männliche Mi- siieder. Noch ungünstiger ist da« Verhältnis in anderen Gewirk- chaften, wo Sie Gewinnung weiblicher Mitglieder infolge der ger» plitterung der Betriebe mit größeren Schwierigkeiten verknüpft ist. Im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse" wurde in der letzten Generalversammlung wiederum über den schlechten Besuch und über die geringe Anteilnahme der Frauen an den Bestrebungen de» Vereins geklagt. Es seien immer nur dieselben Personen, die in den verschiedenen Vereinigungen und in den Kommissionen tätig seien, es falle sehr schwer, unter den.Hunderttausenden weiblicher Sozialdemokraten" Mitglieder zu werben. AuS diesem Grunde wurde auch beschlossen, die selb- ständige Jugendabteilung deS Vereins aufzulösen und die Orga» nisierung der weiblichen jugendlichen Arbeiter dem sozialdemo- kratischen Jugendausschuß zu überlassen." Wir dürfen wohl erwarten, daß das Blatt sehr bald mehr als zufrieden sein wird mit der sozialdemolratischen Frauenbewegung. Unsere Genossinnen werden dafür sorgen, daß den Gegnern der Hohn vergeht und sie jammern über den Massenemtritt der Frauen in die sozialdemokratische Organisation. Interesselosigkeit der sozialdemokratischen Frauen. Von » Vereinsgesetz haben die sozialdemokratischen Frauen nicht Gerichts-Deining. Der Einbrecher im Spind. Ein mißglückter Einbruchsdiebstahl führte den Hausdiener Wilhelm Stolzenberg vor den Straftichter.— Am Sonntag. den 31. Januar d». IS. besuchte der in der Nähe de» Friedrichs« bauiS wohnhafte Kaufmann M. mit seiner Familie Verwandte in Moabit. Unterweg» stellte es sich heraus, daß man irgend etwas vergessen hatte. Frau M. fuhr sofort zurück und bemerkte zu ihrem Erstaunen, daß die Korridortür, die sie selbst ab- geschlossen hatte, unverschlossen war. In der Wohnung herrschte ein chaotisches Durcheinander, sämtliche Spinden und Behältnisse waren durchwühlt und der Inhalt lag verstreut auf dem Fußboden umhcr. Während sie noch im ersten Schreck über diese unangenehme Ueberraschung halb erstarrt dastand, vernahm sie plötzlich aus einem großen Ankleideschrank ein der- dächtiges Knacken. Einer augenblicklichen Eingebung folgend lief Frau M. auf de» Schrank zu und schloß ihn ab. �Jn demselben Moment erscholl aus dem Innern des Schranke? ein wütendes Schimpfen und Toben. Di« Versuche des in dem Schrank eingeschlossenen Einbrechers, die Tür zu sprengen, waren ohne Erfolg. Frau M. alarmierte sofort die Hausbewohner, die«Inen Schutzmann herbeiholten. Dieser öffnete dann den Schrank und lud den eingesperrten Einbrecher mit einer höflichen Handbelvegung zum„Aussteigen" ein. Auf der Polizeiwache wurde der Festgenommene als der jetzige Angeklagte Stolzenberg rekognosziert.— Das Gericht erkannte gegen ihn au' eine Gefängntöstrafe von neun Monaten. Eingegangene Dmdtfdmften. Kunst und Künstler. Almanach 1309. vruno Cassirer, Berlin W. 85. Moderne Dramatik in kritischer Beleuchtung von Dr. R. Elsner. Hest S. w. Hauptmann.„Ariselda". 30 Pst L. M. Braschall, Verlin BW. 13. Bericht de» Vorstnndrs an den Berband»»»!, der baugewerb- lichen Hilsöarl'eiter Deutschland». 234 Seiten. Zur GntwtckelungS- geschichte. Berns««, Schlotzstr. 113, «os 1. in Sleniiy. Bestellungen nehmen entgegen in«teffUtn: . Mohr, Düppelstr. 82, und Fr. Ä ch e ll h a f«, Ahornstr. i5s. Friedrichshasen: Ernst Werlmann, Friedrtchstr, 67, Oriman: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. Hohen-BTenendorf: Wilhelm Tentscher, Elolperstr. 50 I. Johannisthal: Pieltcke, Kaiser-WIIHelm-Platz 4, Karlshorst: Richard ttllter, Rödelllr. 3. II. Kttnlss- Wnsterhansen: Friedrich Baumann, Riebet- lehm«, Wtnkelmannstr. 12. KUpenlek: Emil W isiler, Kletzerstr. 8, Laden. Elemonhers, Frledrlchsfelde, WUhelmsberg: Otto S e i k el, Kronprinzenstratze 4. I. Riahlselnrf und Kauisaorf: Hugo Scheibe, Mahlsdors, Waiberseeslr. 14. Marlendorf: August Letp, Chausseestr. 236. Hos. Neu-Woiltcnsec: Kurt Fuhrmann, Sebanstr. 10». parterre. Nleder-BchUncweldot Paul Benasch, Grünauerstr. 8. Nowawes: Wilhelm F a v p e, Prieslersir. 46. Ober-ltzcbUnoevoidc: August Hanfe», Lausenerstr. 2, L FankoTr-ltzlederschönhauscn: Otto Riß mann, Mühlen- straße 80. I Belnlckendorf• Ost, Wilhelmsruh und BcbOnhola: P. G u r s ch, Kamekestr. 12, I. K Indorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, lm Lade». Rummcisburs, Boxbugen:A. 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April, abends 8Vz Uhr, im große« Saale der Brauerei Friedrichshain s früher LiPS): - Crroße- Orts- Krankenkasse Friedeim». Donnerstag, de« 22, April er. abends 6 Uhr, im Kaiser WllhcIniKarten. Rheiustraste 65 hiersetbst: Ordentliche General-Versanunlung Tagesordnung: 1. Verlesung deS Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Abnahme der Jahresrechnung pro 3. Bericht der Revisoren. 273/2 4. Statutenberatung. 5. Anstellung der Beamten nach den Düsseldorfer Tarifverträgen. S. Verschiedenes. Friedenau, den 10. April 1909. Der Vorstand. H. H ei d er, Vorsitzender. P. S e e l i g e r, Schristführer. Reste vameRitaetie, ecirwars und farbige CoBtoines-Stoffe.DoaeBte Muster. Trlcot-StoMe, Seiden- PiQech, Samcnete, Scldß etc. — Jackett«, Staubmäntel, Costume« und Costnm- röctre in grosser Auswahl. Cqä G. Pelz, Kottbuserstr. 5- H.& P. Uder, Tabak-Großhnndlnns und Tabakfabrik. 31?" Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."•B Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wioderverkäufer. 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Die Zeutralkommisfion der Tabakarbeiter Deutschlands. _ I. A.: W i I h. B o e r n e r, Ritterstr. 15._ 187/5 Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3, 1239. BerwaltungSsteUe Berlin. Hauptbureau: CharitstlraBe 3. Hof IH. Amt 3, 1987. Donnerstag, den 15. April 1909, abends 6 Uhr» bei Merkowski, Andreasstr. SS: WS" Versammlung"TU aller in Metallgießereien beschästigten Kernmacher und Kernmacherinnen. Tages-Ordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in unserem Berufe. Referent: Kollege Utelflelher-x. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 115/5 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht nie Optsverwaltang. Brts-WeDteeiHasBiieiiicfcsierlie - zu Berlin.===== Sonntag, den 18. April 1909, vormittags lO'/t Uhr, in den Arminhallen(gr. Saal), Kommandantenstr. 56/59: Ordentl. Genepalversammlung. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung für das Jahr 1908 durch den Rendanten. 2. Bericht des Rechnungsausschusses bezw. Decharge-Erteilung. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder der Generalversammlung werden ersucht, über die Angelegenheiten, welche sie event. zur Sprache bringen wollen, der Kassenverwaltung bis 15. April 1909 Mitteilung zu machen, damit das einschlägige Material zur Stelle geschafft werden kann.— Bis zu diesem Tage nicht gemeldete Angelegenheiten können nicht verhandelt werden. Diesenlgen Mitglieder der Generalversammlung, denen Ihre Legitimation bis Donnerstag, den 15. April er., nicht zngestellt sein sollte, werden gebeten, dies der Kassenverwaltung dann mitzuteilen bezw. diese Legitimation im Kassenlokal in Empiang zo nehmen. Der Torstand. 2009b Johannes Blenz, Vorsitzender. Otto Wonitzkl, Schriftführer. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Schöneberg. Donnerstag, den IS. April, abends S'l, Uhr, in den neuen RathauSsälen, Meininger Ttr. 8: General- UersammlANg. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal. 2. Maiseier. 3. VerbandSangelegen- Helten mid Verschiedenes. 82/2 Zahlreichen Besuch erwartet_ Ple Ortaverwaltnng. mm I Gewerkschaflen, Vereine, Fabriken! lilly! Voigts Krarapenburg,'äpln" ist das passendste Ausflugslokal I Aussührliche Prospelte und Führer gratis =- Vermietung von Dampfern und Motorbooten I Freies Telephon: Amt Köpenick 227.— Hochachtungsvoll! Bot». Voigt. Tsusenitfsck bewährte Mahrung bei: Brechdurchfall, Kindemahrung„. Diarrhöe, -Krankenkost Darmkatarrh /eetc-. Nnr wenige Tage d�rtA�eÄs� Westmann5 Spezial-Kontektionsbaus Hauptgeschäft: Berlin W., MohronstraBo 37a{ und Berlin NO., Große Frankfurter Straße 45{ ktrEÄS.2tr5r von zu den selten niedpigen Ppeisen! Staubmäntel! Wettermäntel! Kimonos! Capes! Jacketts! Kostüme! Blusen! frinzest-, Nieder-, Kostümröcke!! � tSrut�r�en�mmigmt tör den dritten Teil des Wertes,.ÄVt Kopien! Originalmodelle! 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April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Stralau«: Gemeiudc- Kirchhoses aus statt. 197/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Nachruf! Am 9. Zlpril verstarb unser Mitglied, der Schuhmachermeister Külm Berliner Strahe 8«. Wir verlieren an dem Vcr- storbenen einen treuen Partei- genosien und werden sein An- denken in Ehren halten. 238/10 Der Vorstand. Danksagung. ür dle liebevolle Teilnabme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be» erdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Bcteiiiglcn unseren berzlichsicn Dank. Witwe E. Ucitting 8902 nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner Neben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen Ber» wandten, Freunden und Bekannten den herzlichsten Dank. H. Scheller nebst Kindern. Danksagung. Allen Bekannten, verwandten, Kollegen, dem geselligen Verein „AntonS-Ruh- und den Mietern des Hauses Wrauaelstrahe 70 für daS innigste Beileid am Sarge meiner Frau herzlichsten Dank. Die Hinterbliebenen Hermann Pohl nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meine? geliebten Gatten, des SilberarbeiterS Paul Kühne sage ich hierdurch allen Freunden, Bekannten und Kollegen im Namen der iraueniden Hinterbliebenen meine» ■ lichen Dank. Itwe Illarta Kutane« Gräseftrahe 69/70_. '"ÖS Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Gatten und guten VaterS sagen wir allen Verwandten und Bekannten, ins« besondere den Kollegen der.Vossischen Zeitung" unseren herzlichsten DanL Witwe Olga Mlcolay 2010b nebst Sohn. Orts-Krankenkasse der Mittwoch, 28. April, abends 8>/, Uhr, im Schuitheift, Neue Jakobftr. 2ö: Ordentliche General-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Verschiedenes. 2017b Hierzu werden die Herrm Dele» gierten eingeladen. Ber Vorstaad. G.» it t n e h, Borsitzender. Allen werten Parteigenossen, Kollegen, Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, dah ich im Hause Oranienstrahe (Heiurichsplntz) eme ZHnlikwirfslhnst eröffnet habe. Um gütigen Zuspruch bittet Emil Kchrkibtr bS. Sonntags: Morgensprache der Metall» soruicr und Bcrusstollcgen. 2011b —'- r---!---— I- 1 Vkrantwyrtlichu öipdakteur: LanS Weber. Berlin. Für den Inserate, iteilperantv..: Th. Glocke. Lerlm, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 86. 26. Jahrgang. 2. leite des.Fmiick" ßttliittr WsM Mittlvoch, 14. Apnl 1909. Heute MMmoch, 14. AprU» Zahlabend In Kerlin und Vororten. Partei-?Zngelegenkeiten. Achtung! Am Dienstag, den 20. April, abends 8 Uhr, finden in Berlin und den größeren Vororten eine Reihe öffentlicher Parteiversammlungen statt, welche sich mit den neuen Steuervorlagen und der Reichs- finanzreform beschäftigen. Wir bitten die Parteiorganisationen, an diesem Abend keinerlei andere Veranstaltungen zu treffen, erwarten viel mehr, daß die Genossen und Genossinnen für regen Besuch dieser wichtigen Versammlungen agitieren und selbst zahlreich zur Stelle sind. Der Aktions-Ausschuß. Pankow. Die Gemeindewahl im ersten Bezirk findet am 19. d. MiS. statt. Da unS nur noch eine kurze Spanne Zeit von dem Tage der Wahl trennt, so werden die Genossen ersucht, bis dahin recht rührig bei den Wahlarbeiten mit tätig zu sein. Ferner ersuchen wir nochmals, auf dem heutigen Zahl- abend vollzählig zu erscheinen. Vor Abhaltung desselben findet (um 7 Uhr) eine Flugblattverdreitnng von den Zahlabend- lokalen aus statt. Weiter geben wir bekannt, daß morgen �Donnerstag), abends 8 Uhr, im.Kurfürsten". Berliner Str. 102, eine öffent- liche Wählerversammlung stattfindet, in der Genosse Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil über:.Die bevorstehende Gemeindewahl" referieren wird. Danach Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. Wir ersuchen, für den Besuch dieser Versammlung recht rege zu agitieren. Der Vorstand. Karlshorst. Parteigenossen I Heute Mittwoch Zahlabend bei Sabrowski, TreSkow- Allee. Fortsetzung der Vorlesung. Ausgabe von Büchern. Der Vorstand. Marienfelde. Der Zahlabend findet bei Adolf Berger, Berliner- straße Iis statt. Nieder-Schöncwcide. Der heutige Zahlabend wird fiir den I.Bezirk, umfassend die Berliner Straße 38—109. Sedanstraße, Britzer Straße und Köllnische Straße, beim Genossen Paul Stahlberg, Köllnische Str. 04, für den 2. Bezirk, umfassend die Berliner Straße von 32— 37 und 110— 118, die Fennstraße und Hasselwerder Straße, beim Genossen Hermann Hielscher, Berliner Straße 110, für den 3. Bezirk, umfassend die Berliner Straße von 1—30 und 123—140, die Grünauer Straße, Vriickenstraße, Wasserstraße, KarlShorstcr Straße, Sprecstraße und Bahnstraße, beim Genossen Otto Nenmann, Grünauer Straße 5, abgehalten. Auch werden die Billetts zum Mai- fest ausgegeben. Der Vorstand. Stralau. Heute Zahlabend in allen Bezirken. Der Vorstand. Mahlsdors a. Ostbahn. Der Zahlabend für Mahlsdorf- Süd findet heute im Lokal Heidekrug, Kvpenicker Allee, statt. FredcrSdorf-PctcrShagen. Donnerstagabend 8 Uhr Zahlabend bei Max Girke, Fredersdorf. Ncuenhagcn und Umgegend. Sonntag, den 18. April, nach- mittags 4 Uhr, bei Nagel, Bruchinuhle, Gencralversamiulung des Wahlvereins. Tagesordnung: VierteljahreSbericht. Bericht von der Generalversammlung Groß-Berlin. Maifeier und Verschiedenes. Der Vorstand. Französisch-Buchholz. Am heutigen Mittwoch findet auch hier in den bekannten Lokalen der Zahlabend statt. Da wichtige Angelegenheiten zur Beratung stehen, so ist vollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Die Bibliothek befindet sich jetzt beim Genossen Wartig, Garten- straße 4. Der Vorstand. Tegel. Die für die dritte Abteilung notwendige Ersatzlvahl zur Gemeindevertretung findet am Dienstag, den 27. April, statt. Alles Nähere erfahren die Mitglieder auf den» heute abend statt- findenden Zahlabend._ Der Vorstand. Berliner JMacbncbten» Nochmals: die Amtsräume des ArmeuvorsteherZ. In Berlin zahlt die Armendirektion jedem Vorsteher einer Armcnkommission eine Vergütung von monatlich 25 M. ober jährlich 300 M., die in seine eigene Tasche fließt. Vielen Armenvorstehern genügt das nicht mehr; die letzte Vorsteher- Versammlung hat mit großer Mehrheit beschlossen, eine Vergütung von jährlich 480 M. zu fordern. Die Frage, was eigentlich mit diesen 300 M. den Vor st ehern vergütet werden soll, wurde kürzlich, wie unseren Lesern noch in Erinnerung sein wird, vor Gericht erörtert. In dem Prozeß, der zum Schutz des durch einen.,Vorwärts"-Artikcl sich beleidigt fühlenden Armcnvorstchers Gcmcindeschul- lehrer Krienclke gegen unseren Redakteur Genossen Weber angestrengt worden war, wurde Herr Krienclke gefragt, ob es wahr sei, daß er trotz der Vergütung von 300 M. den Korridor als Sprechzimmer für Arme benutzt habe. Er bejahte das, fügte aber hinzu, die Armendirektion zahle die 300 M. nicht für Hergäbe eines Zimmers, sondern für andere Aufwcn- düngen des Vorsiehers, auch habe sie sein Verfahren bisher nicht beanstandet. Einige Tage später überzeugten wir uns persönlich davon, daß es auch noch andere Vorsteher gibt, die der Meinung sind, für die 300 M. brauche nicht zur Abfertigung Armer ein besonderes Zimmer hergegeben zu werden. Wir beobachteten, wie Arme von einem Vorsteher Kaufmann Müller(Sophienstraße 7) in seinem G c- schästslokal und von einem Lorsteher Schankwirt S a m u l c, w i tz(Kleine Hamburger Straße 15) in dem hin- tercn Teil seines Gastzimmers abgefertigt wurden. Wir zweifelten nicht, daß auch diese beiden Vorsteher ihr Verfahren für ordnungsmäßig hielten und daß auch hier noch keine Beanstan- dung durch die Armendirektion erfolgt war. Daß es aber auch :.rmenvorstcher gibt, die anderer Ansicht sind als die Herren Kric- nclkc, Müller und Samulowitz, das nahmen wir allerdings an. Wir müssen heute auf die Angelegenheit noch einmal zurück- kommen. Inzwischen ist nämlich in einem hiesigen Blatt, bei Gc- legcnheit einer Erörterung über den Widerstand der meisten Armen- kommissionen gegen die Hinzuziehung von Frauen, die Meinung ausgesprochen worden, daß„manche Vorsteher die ihnen gewährte Entschädigung von monatlich 25 M. als einen notwendigen Teil' in 102 Fällen 5—10 M., in 50 Fällen mehr als 10 M. Charlotteubnrg. De» Tod durch Ertränke» suchte im Charlottenburger Ver- bindungSkanal am zweiten Osterfeiertage, nachmittags 3 Uhr, an der Äönigsdammbrücke in Plötzcnsce, eine etwa 24 jährige FraucnS- Person. Die Lebensmüde legte unter der Brücke Hut, Umhang und Handschuhs ab, alsdann stürzte sie sich ins Wasser. Wie man uns mitteilt, hat es an der Brücke an jeglichen Rettungsvorrichtungen gefehlt. Ausflügler sahen die Unglückliche ins Wasser springen, 'konnten zu ihrer Rettung aber nicht beitragen. Als Schiffer von dem Vorgefallenen Kenntnis erhielten, war es bereits zu spät. Die Leiche konnte bis 5 Uhr nachmittags noch nicht gelandet werden. Grotz-Lichterfelde. Von einem eigenartige» Mißgeschick wurde am Osterfest der Or« ganist der Petruskirche betroffen. Nach dem VormittagSgottcsdienst hatten die Läutejungen in dem Glauben, daß sich niemand mehr in der Kirche aufhalte, die Türen abgefchloffcn und sich entfernt. Die Knaben hatten nicht geahnt, daß sich der Organist noch an der Orgel zu schaffen machte. AlS er dann die Kirche verlassen wollte, kam er vor verschlossene Türen. Vergeblich suchte er durch Klopfen Passanten aufmerksam zu machen. Nach längerer„Gefangenschaft" glückte es ihm schließlich hoch oben durch ein Ztirchcnfenster die Außenwelt von seinem Mißgeschick zu verständigen. Rummelsburg. Zu Gerüchte« vo» einem Verbrechen gab am ersten Feiertag hier ein Todesfall Veranlassung. In dem Hause Kanfftr. 12 wurde ein Mann mit äußeren Verletzungen auf der Treppe tot aufgefunden. Es liegt aber, wie die Ermittelungen ergaben, kein Verbrechen, sondern ein Unglücksfall vor. Hermsdorf i. M. Ein Opfer seines gefahrvollen Berufes wurde der Eisenbahn- arbeiter Hoffmann, der bei den ErwciterungSarbeiten an dem Schienenweg der Nordbahn beschäftigt war. Er arbeitete zwischen HermSdorf und Stolpe und wollte bei der sog. schwarzen Brücke die Gleise überschreiten, als er von einem heranbrausenden Zuge erfaßt und zerstückelt wurde. Der Unglückliche, ein Familienvater, war auf der Stelle tot. Hohen-Neuendorf. Das Opfer einer Gasvergiftung wurde am zweiten Feiertag morgens Vq? Uhr der in ber hiesigen Gasanstalt beschäftigte Heizer Werner. Um 6 Uhr hatte derselbe seinen Dienst angetreten, eine halbe Stunde später wurde W. bereit« besinnungslos aufgefunden. Sofort machten sich einige geradeüber der Gasanstalt besindliche Arbeiter aus Berlin daran, den Bewußtlosen ins Freie zu führen. Auch wurde gleich nach dem im Orte praktizierenden Arzt Dr. Rosenthal geschickt, um ihn zu bitten, dem besinnungslosen Arbeiter rasche Hilfe zu bringen. Der Arzt sagte auch zu. Doch wie uns mitgeteilt wird, soll Herr Dr. Rosenthal erst kurz nach 9 Uhr erschienen sein. So- wohl der Gemeindevorsteher, wie auch die sich des Kranken an- nehmenden Arbeiter wollen zu wiederholten Malen zu 1>cm Arzt geschickt und ihm die Mitteilung gemacht haben, daß Lebensgefahr im Verzuge sei. Hätte, so berichtet uns einer der Aroeiter, man gewußt, daß Herr R. erst nach so später Zeit zur Stelle war, so wäre nach dem in Birkenwerder wohnenden zuständigen Kassenarzt geschickt worden; derselbe wäre sicher, wenn ihn nicht dringende Pflichten abgehalten hätten, in einer halben Stunde zur Stelle gewesen. Den Mühewaltungen der Arbeiter gelang es, den Kranken durch entsprechende Behandlung bis zum Eintreffen des Arztes am Leben zu erhalten. Als Herr Dr. R. erschien, glaubte einer der Arbeiter ihn ans die Gefahr hin- weisen zu müssen, in der der Vergiftete während der Zeit geschwebt habe. Auf diese Bemerkungen mußten die Arbeiter, wie man uns versichert, den Play verlassen, da sonst Herr Dr. R. seine Tätigkeit habe einstellen wollen. Diesem Verlangen sind die Arbeiter im Interesse deS Vergifteten denn auch nachgekommen. Trifft das, waS uns die Arbeiter auf daS bestimmteste ver- sichern, daß der Arzt erst nach zwei Stunden bei dem Totkranken erschien, zn, so ist allerdings das Verhalten des Arztes aufs schärfste zu verurteilen. Es war seine Pflicht, nachdem er zugesagt und er dringende Aufgaben während dieser Zeit nicht zu erfüllen hatte, so schnell als möglich bei dem in Lebensgefahr Schwebenden zu er- scheinen. Potsdam. Die letzte WahlvereinSversammlung beschäftigte sich in ein- gehender Weise mit der diesjährigen Maifeier. Man erklärte sich mit der Resolution des Parreitages einverstanden, war jedoch in der Mehrheit der Ansicht, daß die Bestimmung über die Abgabe deS Tagesverdienstes, wovon übrigens in Potsdam kein einziges Mit- glied betroffen wird, zu hoch sei. Man hätte erwartet, daß bei Festsetzung dieser Bestimmung auch für diejenigen, die mit Rücksicht auf den zu erwartenden Schaden gezwungen sind, zu ar- beiten. ein Extrabeitrag, event. in Form einer Maimarle zu 1 M. oder 50 Pf., wenn auch nur freiwillig, festgesetzt worden wäre. Vormittags'/«10 Uhr wird von dem Gewerkschaftskartell eine Versammlung bei Gläser, Kaiser-Wilhelm-Straße, abgehalten werden und am Nachmittag und Abend wird der Wahlvercin die Maifeier im Viktoriagarten arrangieren.— Eine Beschwerde über die örtliche Zeitungsspedilion sührte, da dieselbe Privatgeschäft des be- treffenden Genossen ist. zur Einsetzung einer Preßkom Mission. Da die vereinbarten Bedingungen die Zustimmung beider Teile ge- funden haben, wird von den Genossen erwartet, daß sie ausschließ- lich, auch zur Besorgung der Parteilitcratur. die Spedition deS Genossen Waldt, Jägerstr. 34, benutzen.— Aufgenommen wurden 8 Mitglieder. Eine städtische Rechtsauskunftsstelle ist seit dem t. April für Arbeiterangelcgenheiten im Rathause auf wiederholtes Anfordern des Regierungspräsidenten eingerichtet worden. Die Auskunft wird allen Personen ohne Unterschied des Alters, der Konfession und der Partei- stellung mit Ausschluß der Verantwortlichkeit nur mündlich gewährt An Schreibgebühren werden pro Schnstseite 10 Pf. erhoben. Die Einwohnerzahl geht zurück. Gegen den 1. Januar d. I. sind am 1. April 519 Personen weniger vorhanden. Auch ein Erfolg der Stadtverwaltung nur wohlhabendere Leute nach Potsdam zu ziehen. Beim Mangel kleinerer Wohnungen wird die Arbeiterslbaft immer mehr in die aufftrebendcn Vororte verdrängt. Städttsche Einrichtungen wie Krankenhaus, Gemeinde- und sogar höhere Schulen weisen seit einiger Zeit bei größeren Ausgaben eine verminderte Frequenz auf. Die Industrie wird ferngehalten, bestehende Industrie» zweige haben durch besondere Vorschriften mit den größten Schwierig- leiten zu kämpfen. Vermikbtes. Grubenunglück. Äuf Zeche Deutscher Kaiser, Schacht 2 bei Hamborn ereignete /ch nach einer Meldung aus Bochum in der Stacht zum Dienstag eine Explosion schlagender Wetter. 5 Bergleute wurden getötet, 4 von ihnen konnten alsbald geborgen lverden, der Fünfte erst nach Aufräumung eines größeren Bruches. Nach den Angaben der Zechenverwaltung ist die Wetterführung intakt geblieben, so daß eine Betriebsstörung nicht eingetreten sei. Von anderer Seite der- lautet, daß der Betrieb teilweise gestört ist. Weiter wird gemeldet, daß der Bczirksleiter des Bergarbeiterverbandes die Berginspektion schon vor Monaten aufgefordert hat, die Wetterlampen zu kon- trollieren, da etwa ein Drittel derselben defekt seien. In den Himmel— geschossen. Der„Leo', das katholischste aller katholischen Blätter, erzählt eine„erbauliche" Geschichte aus dem Leben eines Missionars. Da liest man u. a. folgende rührende Szene: „Im Jahre 1882 haben die Rothäute ihn zum Tode ver- urteilt, an einen Baum gebunden und schon Feuer angelegt, da hat er sich noch durch eine List gerettet. 1834 haben die Nord- amerikaner 234 Rothäute gefangen genommen, die alle er- schössen werden sollten. Der Oberst, ein treuer Katholik, ließ dem Missionar sagen, wenn er noch etwas für die Seelen tun könne, möge er doch kommen. Er erwirkte euren Aufschub der Hinrichtung, und als nach drei Tagen alle genugsam unter- richtet waren, sollte am frühen Morgen das Urteil vollstreckt werden. Die 284 jungen Männer wurden je 10 Schritt aus- einander aufgestellt, der Priester trat heran, taufte den ersten, und kaum daß er sich abgewandt, durchbohrte den Indianer die Kugel, und so ging es. bis alle 284 durch Gottes Gnade und den Heldenmut dieses eifrigen Priesters in den Himmel eingingen." Das größte Verdienst um den Massenschub in den Himmel ge- bührt demnach dem mordenden Obersten. WasserstandS-Nachrichte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgelellt vom Berliner Wetlerbureau. '1-s- bedeutet Wuchs,— Fall.—') UMerpegel.— M3—■eBMH— an——W MBW Zentralverband der freien Händler, Hausierer usw. Jeden Sonnabend nach dem 13. des Monats Versammlung bei Dräsel, Neue Fnedrtchstr. 35. Ztmtlicher Marktbericht der städtischen MarMalliii-DIrektion über den Grobbandel in den Zentral-Altarktballen.'Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Gcschäsl flau, Preise unverändert, sllr Hammelfleisch an« ziehend. Wild: Zufuhr knapp. Geschäft ruhig, Preise nachgebend. G e s l ü g e l: Zufuhr knapp, Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Fische: Zusubr gering, Geschäst ruhig, Preise bcsricdigenb. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Presse gedrückt. WstternngSüberstcht vom 13. Slpril 1909, morgens 8 Ilbr� Wetterprognose für Mittwoch, den 14. April 1909. Ziemlich lühl, zeitweise nustlarcnd, jedoch aber unbeständig mit Regen- oder Graupelsällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Lutriicltf Seife ist für Wollfabrikate unersetzlich. 6estrickte Wollsachen und Decken schrumpfen in der Wäsche nicht ein. gemusterte und farbechte Stücke verlieren nichtdie frische der Farbe, wenn sie mitSunlichtSeife nach Vorschrift(jewaseben werden. SuntichtSeife wird vielfach nachgeahmt, aber in derGtualität niemals erreicht, Für den Inhalt die MU der Inserate «vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. Mittwoch, den 14. April. Ansang VI, Uhr. Köntgl. Opernhaus. Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) Rönigl. SchausPtellianS. Nora. Neues königliches Opcrntheater. Geschlossen. Deutsches. Faust. Kamme r sp i e l e. Der Gras von Gleichen.(Anfang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Pech- Schulze. Westen. Der Jockcaklub. Leffing. Klein Syolf. Berliner. Einer von unsere Leut'. Neues. Eines Engländers Heim. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Carmen. Residenz. Kümmere dich mn Amelie. Lustspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Die Möoe. Schiller«»., Wallner- Theater.) Die Karolinger. Schiller Charlottenburg. Die Welt in der man sich langweilt. Friedrich- Wilvelmstädt. Schau- spiclhauS. Othello. Luise». DaS Mädel ohne Geld. tirianon. LicbeSgewttter. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theatcr 8«. DaS Himmelbett.(Ans. B'l, Uhr.) Bernhard Rose. Kmcitz-Pyriv. Gastspiel-Tbeater« Der Hund von Baskerville. Gebrüder Herrnfcld. Meine- Deme Tochter. Der selige Nie- mami. Apollo. Der junge Papa. Die Geschwister Wlesenthal. Spcziali- täten. Metropol. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Paiiage. Spezialitäten. Rcichsballcn. Steltiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Folieö Caprtce. DaS Lied vom braven Mann. Ansang 6'/, Uhr. Kasino. Alkcrmann. Spcztalitäten. Gustav Behrens. Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Parodie. Siegel siegelt alles.— Alles sürö Kind. Oder: Die fiolgen elncS Rendezvous.(Auf. Uhr.) tkrania. ranbenttrafte 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Bei den Schwarz- jus) Indianern. Sternwurte, Invaliden str. 67/62, Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr- Jbs-n-ZsikluS (außer Abonnement): Klein Kyolf. Donnerstag S Uhr: Grifelda. Lsrlinsr Theater. Heute 8 Uhr: Einer von nnaere Lcnt'. Morgen: Eln.r»on unter« Laut'. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Urania. Wifisenschaftliohos Theater. Taubenstraüe 46/49. Nachmittags 4 Uhr: Debet den Brenner naeö Venedig. Abends 8 Uhr: Bei den SebvanMindianeni. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Unter Leitung von Fritz Rudolph. Täglich: Eiees WM Heini. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr:_ OSBf Der Jockcyklab. SKü Sonntag nachm. 3'/, Uhr halbe Preise: ein Vlslrortrsum. Friedrich-Wllhelmstädtisctiss Schauspielhaus. Mittwoch, 14. April, Ansang 8 Uhr: Othello. Donnerstag: Der große Komet. Freitag zum ersten Male: Der Dovjtyramt.__ Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Kümmere Lieh m Amelie. Schwank in 3 Akten(4 Bildern) von Feydenu. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstcllg. Sonntag, den 18. Slpril, 3 Uhr: Der Floh im Ohr. lTeddel-Tkeater er Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Mittwoch, den 14. April: vis Möwe. Neues Öpepetten-Thcatep, Schissbauerdamm 25, a. d. Lmsenstr. Abends 8 Uhr: Hie Dollurprinzessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das Mädel ohne Geld. Donnerstag: Totschläger von Paris. Freitag: Marie, die Tochter des Regiments. Sonnabend: Flachsmann als Er« zieher. Sonntag 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Mädel ohne Geld. Montag: Straßenbahnsahrcr Kraus«. Hierauf: Versprechen hinterm Herd. sWMMM Gr. Frantturter Str. 132. Kyrttz-Pyritz. Posse mit Gesang in drei 1 i« Ansatz Akten von Witten. 8 Uhr. WochentagSpretse. >onncrStag: Reiterattacke. Gastspiel-Thesler. KSpentckcr Straße 68. Täglich 8 Uhr: Die großartige Fortsetzung von Sberlock Holmes: vor SaaS von Baskerville. Hclilller- O.(Wallner-Thcater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: vle Kapollngcr. Trauerspiel tn 5 Akten von Ernst v. Wtldenbrulh. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, ab«ndS8Uhr! Die Welt, in der man sieb langweilt. Freitag, abends 8 Udr: vle Welt, in der man slcb langweilt. Theater. Schiller< Theater Cbarlettenduni Mittwoch, abends 8 Uhr: vle Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel tn 3 Auszügen von Eduard Pailleron. Ende 11 Uhr. Donnerstag, abendSSUHr: Blacbctli. Freitag. abend» 8 Uhr» Hacbeth. Metropol-Theater Täglich 8 Uhr: Sonnermetter— tadellos! RevueinlOBüdom v, Jul. Freund. Musik von Paul Liucke. Regio Direktor Schultz. Pcppy, Holden, Bcndop, 4jjlaniplctPo, Kottncr, jPfann, Thlclitchep. Gastspiel der drei Schwestern Wiesentdsl und das gr. Atlrakttons-Programm, �_U. a. HeinhauS, Rechenkünstler. Der junge Papa, Operette. _ Ansang 8 Uhr._ !! Neues Programm!! 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