Nr. 87. flbonncmcntS'Bedfnguneen: Abonnements. Preis pränumerando! Biertcljährl. 3�0 Mk., monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" t0 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.geiwngS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oestermch. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments ncbi-en an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rutitünien, Schweden uud die Schweiz, 36. Jahrg. CridWiit«giia snBcf fflcntaa». Verlinev VolKsblstt. Die Tnferticns' Gebühr vekägt für die sechsgcspaltcne Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlfchaftliche Vereins- und Bersammluiigs-Anzeigen 30 Pfg. „Meine?nreigen", das erste ffett» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „toüiMtiiioliM Berlin", Zcntralorgan cler rozialdemokrattfcbcn parte» Dcutfcblande. Redaktion: 8M. 68t Lindenstrasse 69« Fernsprecher, Amt IV, Nr. 1983. AevdepuM oder Zivikbeofall? Die Meldungen über die Vorgänge in Konstantinopel lassen bisher nur eins mit Bestimmtheit erkennen: den Sturz des jungtürkischen Komitees und Kabinetts. Was darüber hinausgeht, das steht im Um gewissen. Und selbst der Sturz des jnngtürkischcn Regimes soll nach den Behauptungen eines Landeskundigen, der sich auf besondere private Meldungen beruft, nur ein vorüber- gehender Zwischenfall sein und in iveuigen Stunden schon die blutige Unterdrückung der Meuterei durch den Iüngtürken treugebliebene Truppen gesichert sein. Der Militärattache der Berliner türkischen Botschaft, Major stinwer Bey, einer der meistgenannten Führer der aus ständischen Truppen von Saloniki in den ersten Tagen der türkischen Revolution, hat dem„Berliner Tageblatt" diese Mitteilungen gemacht und dabei behauptet, daß nach seinen letzten Nachrichten das Garde- und das zweite Armeekorps aus Adrianopel, letzteres in Eilzügen, an der Stelle des Auf- ruhrs, dem Platz vor dem Parlamcntsgebäude in Stambul, mit Artillerie und mit Maschinengewehren eingetroffen seien. Beide Korps, wie überhaupt Armee und Marine, seien treu und würden die Ruhe müheloZ wieder herstellen. Es muß vorläufig dahingestellt bleiben, ob Enloer Bey richtig informiert ist, oder ob er nicht etwa seine Wünsche für Tat- fachen ausgegeben hat. Jedenfalls liegen bisher aus Kon- stantinopel selbst keinerlei Meldungen vor, die seine Aeuße- rungen bestäfigen. Lediglich ein Telegramm der Londoner „Times" weiß zu berichten, daß in Konstantinopel Truppen aus Adrianopel eingetroffen sind, die dem Jungtürkenkomitee ergeben sind. Diese Meldung fährt fort, daß aus der Richtung von Stambul, besonders aus der Gegend des Kriegsministeriuuis andauerndes Feuern hör- bar sei, was als ein Anzeichen dafür angesehen werden könnte, daß die Adrianopeler Truppen mit den Meuterern zusammengestoßen seien. Indes wissen die Meldungen aus Konstantinopel selbst von all dem nichts. Was allerdings nicht ohne weiteres betveist, daß die Behauptungen Enwer Beys und der„Times" unrichtig sein müssen, da die Depeschen in Konstantinopel einer scharfen Zensur unter- liegen. Geben die Konstantinopeler Meldungen den Stand der Dinge richtig wieder, so ist die Macht der Jungtürken total zusammengebrochen. Aber auch diese Meldungen lassen nicht klar erkennen, wer eigentlich an ihre Stelle getreten ist. Die Nachrichten stehen einander vielfach diametral gegenüber, Widersprüche auf Widersprüche kreuzen sich in den Meldungen. Während es gestern hieß, daß die meuternden Truppen die Freiheit hochleben ließen, wird heute verschiedentlich behauptet, daß sie unter lauten Rufen:„Nieder mit der Verfassung!" ihre Kasernen verlassen hätten. Ein Bericht sagt, daß die Meuterei sich lediglich gegen die Tyrannei des jungtürkischen Komitees richte und keineswegs eine Wiederherstellung des absoluten Regiments wolle. Ein anderer dagegen besagt, daß über den reaktionären Charakter der Bewegung kein Zweifel sein könne, daß die von den Geistlichen bearbeiteten Truppen in dem Verlust der Hoheitstitel über Bosnien, die Herzegowina und Bulgarien eine Strafe des Himmels wegen der Einführung der Verfassung, der Verletzung der Rechte des Sultans sehen. Eine dritte Lesart lautet, daß Alttürkcn und Liberale zusammengewirkt haben zum Sturz der Jungtürken. So daß es also noch zweifelhaft wäre, was aus dem Erfolge dieser eigenartigen Koalition hervorgehen wird. Auf alle Fälle kann nach den bisherigen Meldungen als sicher angenommen werden, daß starke reaktionäre Einflüsse bei der Revolte mitspielen. Die Geistlichkeit hat sich anscheinend zu einem großen Teil von den Jungtürken abgewendet und hat die religiösen Gefühle der Soldaten gegen sie aufgestachelt, 6000 Theologiestudenten, die Sofias, die immer ein zu Unruhen auf- gelegtes Element in der türkischen Hauptstadt gebildet haben, glaubten durch die Reformen ihre Aussichten geschmälert. Die Re- gierung hatte 2000 Schmarotzer, die unter dem Absolutismus mit Offiziersposten begabt worden waren, entlassen und an 5000 überflüssige Beamten sollen durch die Revolution ihre Ver- sorgungspostcn verloren haben. In diesen Unzufriedenen fand die Gegenrevolution ihre willigen Rekruten. Die Soldaten für den Aufstand zu gewinnen, kann nicht so schwer gewesen sein, da die Revolution ihnen so gut wie nichts an direkt greif- baren Vorteilen zu bieten hatte. Für den Gemeineu hatte sich seit der Umwälzung wenig geändert. Die modern denkenden Offiziere müssen es nicht verstanden haben, ein engeres Band zwischen sich und den Truppen zu knüpfen; jedenfalls lassen mehrfache Racheakte, die von den Meuterern an Offizieren verübt worden sind, darauf schließen, daß das Verhältnis zwischen den Führern und den Untergebenen viel- fach stark zu wünschen übrig läßt. Von einer Seite wird das damit zu erklären versucht, daß die Konstantinopeler Truppen sich aus rückständigen Gegenden rekrufieren, erst vor kurzem aus Kleinasien in die Hauptstadt gekommen sind und europäisch gebildete Offiziere erhalten haben. Daß auch die Jäger von Saloniki, die als die treuestcn Stützen der Jung- türken galten, sich ihnen angeschlossen haben, erschüttert freilich die Darstellung, wonach es sich nur um Truppen aus rückständigen Landesteilen handeln soll. Es wird denn auch angedeutet, daß die Jäger die Umwälzung lediglich passiv hingenommen haben dürften, weil sie gegen die Uebermacht der Meuterer nichts mehr auszurichten vermochten. Die Gärung unter der Truppen soll schon seit einigen Tagen zu bemerken gewesen sein. Die Regierung hat sich nicht mehr sicher gefühlt und der Kommandant der Hauptstadt, Mukthar Pascha, hat die Gemüter der Truppen in dieser kritischen Situation besonders erregt durch den Be- fehl, daß sie im gegebenen Falle auf ihre Landsleute und Glaubensgenossen schießen müßten. Die türkischen Soldaten scheinen demnach für die höhere christliche Soldatentugend, die es bekanntlich erfordert, daß der in den bunten Rock Gesteckte auf Befehl ohne Besinnen auf Vater und Mutter schießt, noch nicht reif zu sein. So ungewiß wie das Schicksal der Türkei, so ungewiß erscheint jetzt auch wieder, ob der Friede auf dem Balkan er- halten bleibt. Bulgarien soll große Lust bezeigen, die Erschütterung der türkischen Verhältnisse für seine Zwecke auszunützen. Die türkisch- bulgarischen Verhandlungen sind eingestellt— Mobilisationsgerüchte, die allerdings schon von Sofia aus dementiert sind, gehen um. Dre Gelegenheit soll für günstig erachtet werden, um in Mazedonien einzu fallen, und ein Großbulgarien zu gründen. In Montenegro ist die Demobilisierungsorder widerrufen worden, und in österreichischen Militärkreisen wird gelobt, daß Oesterreich die Verstärkungen seiner Besatzungen in Bosnien noch nicht wieder rückgängig gemacht hat. Die englandfeindliche Presse in Oesterreich und Deutschland sieht deutlich den Finger Englands in der Meuterei, und zur Revanche beschuldigen englische Blätter Oesterreich gefährlicher Umtriebe in der Türkei. An Tatsachen stelzt bisher lediglich fest, daß die englische Presse eine große Befriedigung über den, Sturz Hilmi Paschas nicht verbergen kann. England hat bekannt lich sehr sauer dreingesehen, als der stramm englandfreund tische Kiamil Pascha von den Jungtürken zum Gehen ge- zwungen wurde. Sein Nachfolger Hilmi Pascha wurde von England der Hineigung zu Oesterreich und Deutschland be schuldigt. Von der EntWickelung der Dinge am Bosporus hängt, wie dieser Widerhall der Vorgänge vom 13. April in der europäischen Presse zeigt, nicht nur das Geschick der Völker der Türkei ab. Eröffnet die Meuterei des Dienstag eine Periode der Reaktion oder länger andauernder innerer Wirren im ottomanischen Reich, so wird die Türkei wieder, was sie vor der Revolution war, der kranke Mann, auf dessen Ableben und Hinterlassenschaft die Nachbarn spekulieren. Die sieg- reiche Revolution von 1908 schien die Aussicht auf friedliche EntWickelung auf der Balkanhalbinsel zu eröffnen. Die Rechnung war ohne die Großmächte gemacht. Der österreichisch- russische Gegensatz tat sich gerade im Gefolge der Revolution wieder auf und eine Zeitlang schien die Gefahr des Welt- krieges nahe gerückt. Die Lösung der serbisch-österreichischen Krise schien das Ungewitter zu vertreiben— da belchrt uns die Aufnahnie des Konstantinopeler Aufstandes, daß der Balkan der Wetterwinkel Europas bleibt..., Die wichtigsten Meldungen des 14. April lauten: Pera, 14. April. Das neue Kabinet ist gebildet. Die offizielle Liste lautet: Großwesir: Tewfik Pascha. Inneres(interimistisch): Adil-Bey, Krieg: Edhem Pascha, Marine: Emin Pascha, Auswärtiges wie bisher: Rifaat Pascha, Handel wie bisher: Noradunghian, Justiz: Hassan Fehmi Pascha, Finanzen: Nuri-Bey, Scheich ul Islam wie bisher: �gia-Eddin. Wie verlautet, hat Tewfik Pascha die Bildung des Kabinetts erst auf wiederholtes Bitten des Sultans übernommen. In der Er- nennungsurkunde drückt der Sultan den Wunsch aus. der neue Großwesir möge auf die Anwendung der religiösen Vorschriften sowie auf die Aufrechterhaltung der Verfassung größere Sorgfalt verwenden.— Eine Abordnung der Ulemas begab sich zum Sultan mit der Bitte, er möge künftig wieder die historische Tracht der früheren Sultane tragen. Pera, 14. April. Ueber die Vorgeschichte der gestrigen militärischen Bewegung verlautet folgendes: Die ersten Anzeichen eines unzufriedenen Geistes in der Garnison äußerten sich vor etwa 14 Tagen aus Anlaß der Demonstration der Hodjas gegen die Regierung. Ferner predigte die Geistlichkeit in den Moscheen gegen die Offiziere, welche aus den Truppen ein willenloses Werkzeug deS Komitees machten und Einfluß auf den Geist der Truppen ausübten. Weitere Anzeichen waren die Meuterei der albanischen und arabischen Bataillone und der Aildis-, besatzung sowie die Ermordung des Chefredakteurs des„Serbesti". Die in den Truppen gärende Bewegung entging den Offizieren in den Stambuler Kasernen nicht; die Offiziere unterrichteten vielmehr den Kriegsminister davon und dieser verständigte den Großwl.pr. Die Regierung war aber bereits machtlos. Die Revolte war erst für Tonnerstag in Aussicht genommen, aber die Führer waren, mit dem Gang der Untersuchung der Mordtat an dem Redakteur des „Serbesti" derart unzufrieden, daß sie schon gestern nacht das Zeichen zum Aufruhr gaben. Die Bewegung ging aus von der Kaserne des Seraskierats. Viele Truppenteile kamen auf dem Achmedplatz mit klingendem Spiel unter den Klängen des Berfas sungS marscheS an. Pera, 14. April. Der authentische Hergang der gestrigen Er- eignisse ist folgender: In der Nacht zum Dienstag, gegen 3 Uhr, marschierte das vierte Bataillon der Salonikier Jäger zum Platze „Sultan Achmed" und erhielt bald Verstärkung aus arideren Ka- fernen. Sämtliche Truppen kamen bewaffnet, aber ohne Offiziere an. Gegen ö Uhr trafen einig« Bataillone der Fildizbiesatzung ein. Die Soldaten feuerten Freudenschüsse ab und brachten Hochrufe auf die Armee aus. Den Mittelpunkt ihrer Stellung bildeten das Parlamentsgebäude und die Hagia Sofia. In der ganzen Umgebung sammelten sich ungeheure Volksmengen an, die sich mit dem Militär verbrüderten. Die Theologie-Studierenden wurden von den Sol- baten aufgefordert, sich ihnen anzuschließen. Kurz nach Mittag er- schien feierlich unter Glockengeläut und von Truppen beschützt bor der Hagia Sofia ein Zug Ulemas, die laut Gebete hersagten. Um 2 Uhr traf die Marine-Jnfanterie mit klingendem Spiele ein. Gegen 3 Uhr nachmittags war die ganze Umgebung des Achmed- Platzes unzugänglich und in den Händen der Aufständischen. In der Pforte fand inzwischen ein Ministerrat statt. Der Minister des Innern erklärte, der einzige Ausweg sei die Gesamtdemisswn oes Kabinetts. Der Ministerrat beschloß in diesem Sinne und der Großwesir begab sich nach dem Dildizpalast, um die Demission de? Kabinetts zu überreichen. Die bis gegen mittag zurückbleibenden Minister hielten inzwischen einen neuen Ministerrat, dem der Kammerpräsident Achmed Riza beiwohnte. Nach langer Bevatung erkannte man es für notwendig, daß der Kammerpräsident de- missioniere. Seine Demission hat folgenden Wortlaut:„Ich ver- brachte mein ganzes bisheriges Leben in der Arbeit für das Heil des Baterlandes; da sich aber die öffentliche Meinung gegen mich gekehrt hat, glaube ich dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen, indem ich demissioniere. Achmed Riza." Gegen 4 Uhr traf der erste Sekretär des Sultans in der Kammer ein und verlas ein Kaiserliches Jrade, in wel- chem die Demission des Kabinetts angenommen und die Befolgung des heiligen Scheriagesctzes betont wird. Anwesend waren etwa 60 Abgeordnete. Um 6l4 Uhr wurde ein neues Jrade veröffent- licht, das den Botschafter in London Tewfik Pascha zum Groß- Wesir und Marschall Edhem Pascha zum Kriegsminister ernennt. Die übrigen Ministereniennungen werden heute erfolgen. Die in der Kammer anwesenden Abgeordneten hatten inzwischen den Ab- geordneten für Berat, den Albanesen Ismail Kemal(liberal) zum Präsidenten gewählt. In der Nacht wurden aus Skutari Truppen über den Bosporus gesetzt, was zu dem Gerücht Anlaß gab, die Garnison von Adrianopel sei in einer Stärke von 15 000 Mann eingetroffen und mit den Aufständischen in einen Kampf verwickelt. Langanhaltendes Freudenschicßen vermehrte die Zahl sensationeller Gerüchte, in Wirklichkeit hat keinerlei Kampf zwischen Truppen stattgefunden, da die Aufständischen mit dem Erreichten durchaus zufrieden zu stin scheinen. Die Macht der Jungtürken erscheint völlig gebrachen. Außer Achmed Riza sind auch der Redakteur des„Tanin Hussein Djahid" sowie der Abgeordnete für Saloniki Djavid ge- flüchtet. Es verlautet, daß beide in Botschaften Schutz gesucht hätten. Pera ist bisher ruhig. Galata durchziehen Ma- rinetruppen, Freudenschüsse abfeuernd. Die Bevölkerung erwartet neue Ereignisse. Pera, 14. April. Ein Redakteur des„Jkdam" hatte mit dem Minister des Aeußern Rifaat Pascha eine Unterredung über die letzten Ereignisse. Der Minister war völlig fassungslos und gestand, daß das Kabinett von der Bewegung durchaus überrascht worden sei. Er hatte auf alle Fragen, was nun Iverden solle, nur die Ant- wort:„Ich weiß es nicht." Das Kabinett habe eingesehen, daß es ihm an Voraussicht gefehlt, und darum habe es demissioniert. Man müsse alles tun, um eine Einmischung des Auslandes zu verhindern. — Die Insassen des Zentralgefängnisses machten gestern abend einen Versuch, auszubrechen und das Gefängnis in Brand zu stecken. Salonikier Jäger umzingelten das Gefängnis und. feuerten auf die Sträflinge. Die Ruhe ist wieder her- gestellt. Pera, 14. April. Wie hier verlautet, sandten die Truppen gestern Abordnungen an die fremden Botschaften mit der Versiche- rung, die Bewegung richte sich nicht gegen die Fremden, Leben und Besitz der Bürger seien nicht in Gefahr. Vor der Er- nennung Tewfik Paschas zum Großwesir trug der Sultan die Kabinettsbildung wiederholt Kiamil Pascha an, der jedoch ab- lehnte. Konstantinopel, 14. April. Die jungtürkischen Blatter „T a n i n" und„S ch u r a i U m m e t" sind heute nicht erschienen. Man nimmt an, daß sie eingehen werden. Im Gegensatz zu der in den obigen Meldungen auf- gestellten Behauptung, daß keine Straßenkämpfe zwischen Truppen stattgefunden hätten, und das lebhafte Feuer, das zeitweise gehört wurde, lediglich von Freudenschüssen her- gerührt habe, stehen Meldungen, wonach einige hundert Personen umgekommen sein sollen. Doch wird auch das von einigen Seiten lediglich als die Folge einer Panik ausgegeben, die infolge falschen Alarms unter den Truppen ausbrach, so loß sie blindlings drauflos feuerten. Jsdensalls sind meh- vere Offiziere, der Justizminister Nazim Pascha und ein Abgeordneter getötet, sowie der Marineminister verwundet worden.. In einem Telegramm des„Berliner Tageblatts" heißt es: ,.... In Stambul hatten sich im Laufe des Vormittags Zehn- tausende von Hamalen(Lastträgern), Hodschas und Gesindel um die Truppen geschart, die das Parlament, die Pforte und das Seras- kierat(Kricgsministcrium) zerniert hielten. Im Seraskierat be- fand sich Mahmud Mukthar Pascha, der Kommandeur des Garde- korps, mit drei bis fünf treuen Bataillonen, meist Rekruten. Hier wurde ein Major von den Meuterern niedergeschlagen und von den Hamalen totgetreten. Ein anderer griechischer Offizier, der Attacke reiten wollte, wurde erschossen. Zu gleicher Zeit wurde der Deputierte Arslan Bey, den man für Hussein Dschahid hielt, erschossen. Der Wagen, in dem der Justizminister und der Marineminister saßen, wurde angehalten, elfterer aus Versehen erschossen, letzterer schwer verwundet. Gegen 2 Uhr wollten zwei Hodschas den Paria- mentsplatz verlassen: sie wurden, da die Soldaten Verrat glaubten, erschossen. Nun begann ein wähl- und zielloses Schnellfeuer der aufgeregten Soldaten während fast zwei Minuten, wobei zahlreiche Tote und Verwundete unter den Soldaten und dem Publikum am Platze blieben. Die letzten Meldungen lauten: Konstantinopel, 14. April.(Meldung deS Wiener K. K. Tele- araphcn-Korresp.-Bureaus.) Die Zahl der Opfer des gestrigen Tages scheint größer zu sein, als anfangs angenommen wurde. Man schätzt jetzt die Zahl der Toten und Verwundeten auf mehr bis y u n d e r I. Die Disziplin der Armee ist natürlich durch die gestrigen Ereignisse sehr schwer erschüttert. Zahlreiche Offi- ziere wurden mih handelt, verwundet oder' er- mordet. Viele sind noch gefangen oder halten sich versteckt. Einzelne Fälle von M i h h a n d l u n g e n oder Si ach«alten gegen Offiziere sind auch heute zu lon- statieren. Neber die Haltung der Aorianopeler und Salonikicr Korps liegen vorläufig keine Nachrichten vor, was hier Besorgnis erregt. Saloniki» 14. April. Die Ereignisse in Konstantinvpel machten in hiesigen militärischen Kreise» den größten Ein- druck. Die Offiziere bieten alles auf, um den Einfluß der Partei für Einheit und Fortschritt sder Jungtürken) zu retten. Sie teilten ihren Anhängern in Konstantinopel mit, daß sie mit Truppen dahin abzurilckcn bereit seien und nun erwarten sie stündlich Weisungen. Ter telrgraphische Verlchr mit Konstantinopel ist höchst mangelhaft. Es verlautet, die Albanesenchefs bereiten ihren Abfall vom Ko- mitee für Einheit und Fortschritt vor. P e r a, 14. April. Die Stadt ist heute abend fast vollkommen ruhig. Das Schießen hat aufgehört, die Straßen bieten dnS gewöhnliche Bild, die Truppen befinden sich wieder in den Kasernen. Tagsüber ereigneten sich nur wenige Zwischenfälle, bei denen einige Verletzungen vorkamen. vie rrstien des Keichsllanzlm. Das Zentrum verfolgt den Fürsten Bülow mit um so grimmigerem Hasse, seitdem cS ihm gelungen ist, den anscheinend in allen Fugen krachenden Block abermals notdürftig zusammen- zukitten. Das Zentrum hat zwar unzählige Male durch seine Presse verkünden lassen, daß eS sich in seiner durch die Blockpolitik ge- schaffcnen Position außerordentlich wohl fühle; allein sein geradezu krampfhaftes Bemühen, den Block zu sprengen, um selbst wieder in die frühere Stellung einer Regierungspartei einzurücken, beweist gerade das Gegenteil. Und da Bülow gezeigt hat, daß er noch immer, auch bei der Reichsfinanzreform, auf die.konservativ- liberale Paarung" Gewicht legt, geht das Trachten deS Zentrums vor allem danach, den verhaßten Kanzler unmöglich zu machen. Bei seinen Versuchen, den Fürsten Bülow zu stürzen, greift das Zentrum zu der Methode, die in unserem absolutistischen Deutschland die einzig erfolgversprechende ist: eS versucht den Reichskanzler bei deni Monarchen anznschlvärzen, in persönliche Ungnade zu bringen. Diesem Zwecke dient der heutige Leitartikel der.Germania", in dem eS heißt: .JchhabemichmitBernhard versöhnt. So hat der Kaiser nach dem.Verl. Tagebl."(Nr. 184 vom 13. April) nach der denkwürdigen Unterredung vom 11. März 1903 zu seiner Umgebung gesprochen. Die freisinnige„B. Z. am Mittag" aber konnte schon vor einigen Wochen unwidersprochen mitteilen, daß Fürst Bülow.unter Tränen" den Kaiser seiner' steten Treue versichert habe und daß dann die Aussöhnung erfolgt sei. Von gutunterrichteter Seite wird uns diese Darstellung bestätigt mit dem Beifügen, daß der.Reichskanzler wie ein Schoßhund geheult habe, da er wohl wußte, daß der Kaiser gegen Tränen stets nachgiebig ist."... Seit den Novcmbertagen war eine große Spannung zwischen Kaiser und Kanzler; das vertrauliche.Du" und der„Bernhard" ivaren verschwunden; nur die .Durchlaucht" war geblieben, und zwar ebenso im mündlichen wie im schriftlichen Verkehr. Der Kaiser fühlte sich getäuscht, falsch beurteilt, ungerecht behandelt; er klagte darüber, daß kein Hohen- zoller in der' öffentlichen Meinung so sehr verkannt worden sei, wie er. Und er maß die Hauptursache für diese Erschenmng dem Tun und Unterlassen des derzeitigen Reichskanzlers bei... DaS.Berliner Tage- blatt" hat vor 14 Tagen mitgeteilt, daß der Reichskanzler den Novenrber stürm gegen den Kaiser entfacht habe. So häuft sich Anklage auf Anklage, und alle gipfeln in der Frage: Sind wir tatsächlich im November getäuscht worden? Der Neickskanzler selbst hat am 11. November 1903 einige Teile deS Artikels de«„Daily Telegraph" als falsch bezeichnet, während auf der anderen Seite feststand, daß Gehermrat Kleme ht im Auswärtigen Amte die ursprüngliche Darstellung als mit den Akten überein st immend erklärte. Dieser Widerspruch ist bis heute nicht gelöst, kann wohl auch nie gelöst werden, so lange der heutige Reichskanzler amtiert. Aber erfährt eine spätere Zeil die volle Wahrheit?... Die Frage nach dem englischen Schriftsteller ist freilich gelöst: Herr S p l e n d e r hat den Artikel an das Blatt verkauft; derselbe Herr Splender aber i st mit dem Auswärtigen Amte fchon seit Jahren bekannt; daher wohl auch die oberflächliche Prüfung des be- kanntlich mit deutlicher Maschinenschrift hergestellten Manuskripts. Die Behauptung eines offiziösen Blattes, das Manuskript sei .schwer lesbar" gewesen, war eine Unwaheit; der Kaiser hat eS gut lesen können und andere Personen auch noch. Der Vetter des Reichskanzlers. Gesandter Frei- Herr v. Rücker- Jenisch, hat es auch gelesen. Nach dem Willen des Kaisers sollte der Reichskanzler persönlich das Manuskript lesen; denn e r und nur er war mit allen Einzelheiten vertraut durch die vielen Briefe, welche der Kaiser von Hight-Cliffe aus an den Kanzler geschrieben hatte; dieser aber versicherte den Kaiser immer wieder feines vollen Ein» Verständnisses. Wenn einmal diese Briefe deS Fürsten Bülow publiziert werden, dürfte daS eine interessante Lektüre werden. «Ich habe mich mit Bernhard versöhnt I" Dieses Wort macht dem Herzen deS Kaisers alle Ehre. Hiernach ist auch daS Wort des Reichskanzlers vom 30. März 1909 zu verstehen:.Ander Großherzigkeit des Kaiser« können wir uns alle ein Beispiel nehmen!" Gewiß hatfie wohl niemand mehr empfunden als Fürst Bülow. Wir haben volles Verständnis für dieses hohe Lob auf den Kaiser." Man weiß nicht, was unsympathischer ist, der Kanzler, der.wie ein Schloßhund heult", um nicht von seinem Posten fortgejagt zu. werden, oder seine ultramontanen Widersacher, die den Kaiser byzan--� tinisch umwedeln, um dessen ihnen unbequemen Handlanger zur Strecke zu bringen! Sie sind wohl einander wert, der mit Tränen um Verzeihung flehende Klebe- Kanzler und die bhzantinerndeu ZentrunrSjesuiten l_ Zur Reichsfinanzlage. Sfnt 2. April ist der Neichshaushaltsetak füp Las Nechnungsjahr 1909 durch die Beschlüsse des Reichstags in dritter Lesung fertiggestellt und am 3, April vom Bundesrat genehmigt worden. Die„Köln. Volksztg." gibt in einem Artikel nochmals eine kurze Uebersicht über die Arbeiten der Budgetkommission und die jetzige Finanzlage des Reiches. Wie sie ausführt, hat sich die Reichsschuld im Jahre 1909 aufs neue um 229 Millionen Mark(genauer 229 036 559 M.) vermehrt. Der Hauptanteil an der Schulden- Vermehrung entfällt auch diesmal auf die Marine mit 109 649 045 M. Dann kommen Reichsheer mit 41716200 M., Reichspost- und Telegraphenverwaltung mit 45 000 000 M.» Reichseisenbahnen mit 20 229 300 M., Reichsamt des Innern (Nordostseekanal und Wohnungsbauten) mit 14 000 000 M., Kolonialeisenbahnen mit 26 644 930 M.; doch verminderten sich diese Posten infolge der Einnahmen des außerordentlichen Etats auf die vorstehend angegebene Gesamtsumme von ASMW Morf. Die Matrikular beitrage der Bundes- st a a t e n zur Balancierung des ordentlichen Etats waren im Entwurf vorgesehen mit 427 496 394 M., denen lieber- Weisungen gegenüberstanden in Höhe von 195 178 250 M., so daß die Bundesstaaten an das Reich 232 318 144 M. nach dem Entwurf zu zahlen hätten. Die Zahlungspflicht wird sich in- folge der Abstriche bei den Ausgaben im ordentlichen Etat, denen aber auch eine Einnahmckürzung bei den Eingängen aus dem Bankwesen von 1 785 000 M. gegenübersteht, um rund 14i/k> Millionen Mark vermindern, so daß die Bundes- staaten pro 1909 noch etwa 218 Millionen Mark andasReich zu zahlen hätten, falls es der Finanz- kommission nicht gelingt, rechtzeitig für das Znstandekommen neuer Stenergesetze. welche schon im Jahre 1909 Einmahmen für das Reich liefern, zu sorgen. Vielleicht erscheint es manchem! sonderbar, daß das Reichsdefizit(ungedeckte Matrikularbei- träge) nur 218 Millionen Mark beträgt, während doch nach den offiziellen Angaben 500 Millionen Mark für die Reichsfinanzreform erforderlich sind. Die „Köln. Volksztg." antwortet darauf mit folgender Auf- stellung: Z» den obigen............ M. 218 000 000 kommen noch hinzu: für Be'oldimgsaufbeffernng der Beamten und 1 Offiziere............„ 70000 000 . Desgleichen der Mannschaften......„ 30 000 000 „ Zuschüsse zur Witwen- und Waisenversicherung. 40 000 000 „ Sanierung des NeichSinvalidenfonds...„ 25 000 000 „ Schuldenfilgung............ 60 000 000 . Aufhebung der Fahrkartensteuer...... 20 000 000 „ Ermäßigung der Zuckersteuer......„ 40 000 000 „ Allmähliche Tilgung der gestundeten Matri- kularbeiträge aus den Jahren 1903, 1907, 1903............ 40 000 000 Zusammen........ M. 543 000 000 Davon gehen ab diejenigen 50 Millionen Mark, welche die Bmidesstaaten künftig dauernd jährlich als Last übernehmen wollen.... 50000000 Bleiben jährlich zu decken.. M. 493 000 000 Selbst tvenn die Aufhebung der Fahrkartensteuer und die Ermäßigung der Zuckersteucr fortbleibt, stich noch inimer zirka 433 MAionen Mark erforderliche poUtifebe debcrlicbt. Berlin, den 14. April 1009. Wie man in Preschen Minister wird! Der verstorbene Abgeordnete v. T i e d e m a n n hat in sehr amüsanter Weise erzählt, wie der vormalige Oberbürger- meister Hobrecht in angeheiterter Stimmung Finanzminister wurde. Er erzähfit nun noch weiter, wie Herr v. Luzius- Ballhausen zu dieser Ehre kam. Hobrecht hatte seine Entlassung eingereicht und Bismarck war um einen Nachfolger verlegen. Tiedemann wies auf Luzius hin und erhielt Auftrag. er möge doch dort-sofort sondieren. Er erzählt dann weiter: „So fuhr ich denn nun zum Hotel d'Angleterre, wo Lnzinö damals wohnte. Jich begrüßte ihn bei meinem Eintritt mit den Worten:.Sie meinten vorhin, mich heute abend als Exzellenz titulieren zu können" ich drehe den Spieß um und exzellenze Sie. S i c sind der neue Finanzminister," LuzinS streckte erschrocken die Hände von sich»nd erklärte, sofort nach Ballhausen abreisen zu wollen, um jedem Einfangen zu entgehen. Keine Macht der Erde werde ihn vercnnlassen, nach dem Palais om Kastanien- Wäldchen zu ziehen. Ich zog also unverrichteter Sache wieder ab." Das Finanzministerium übernahm dann Bitter und Luzius war am nächsten Abend Landwirtschaftsminister. Büsvdler-Demagogen. Die.Deutsche Tageszeitung" macht die krampfhaftesten An- strengungen, zu verhüten, daß weitere konservative Kreise sich für die Nachlaß- oder Erbanfallsteuer erklären. Sie leistet sich deshalb in ihrer letzten Nummer wiederum einen fulminanten Artikel gegen die Nachlaßsteuer. die sie als eine.Witwen- und Waisen» steuer" bezeichnet, deren Cinstihrung unbedingt den ganzen ge- festigten Bauernstand zum Bankrott treiben werde. Wörtlich heißt es in dem verlogenen demagogischen Geschreibsel: „Nun ginge dies noch an, tvenn es sich um eine BevölkerungS- schicht von nebensächlicher Bedeutung handelte. Allein wer(außer- halb des Freisinns und der Sozialdemokratie— vielleicht auch diese nicht—) zweifelt, daß der Bauernstand, insbesondere der ge- festigte Bauernstand, daS stärkste Bollwerk deS natio- nalen Staats, der Monarchie ist? Meiner festenUeberzeugung nach gräbt sich daher der monarchische Staat mit der Nachlaß st euer sein eigenes Grab: das alles um der 100 Millionen Mark willen. Diese Tatsachen werden auch kaum berührt durch die ge- plante Freilassung kleinerer Erbschaften.(Wer bürgt nach den jetzigen Erfahrungen für die Zukunft?) Rur die Anficht des grünen Tische« kann dies glauben. Soll die Steuer etwas bringen, so muß sie den Mittelitand in Sta dt und Land in breiter Mafie treffen und wird ihn treffen. I» erster Linie aber zerstört die Nachlaßsteuer ideale Werte von allergrößter Bedeutung. Darum Hände weg von der Wi twen- und Waisen- st e u e r I" Ob das Bündlerorgan wirklich meint, daß es durch derartige demagogische Phrasen die Situation zu retten vermag? Tie Arbeitsleistung der Finanzkonimisston. Der Vizepräsident des Reichstages und Vorsitzende der Finanzkommission. Abg. Paaschs, nimmt im„Tag"(Nr. 86 vom 14. April) das Wort, um sich gegen den Vorwurf der nationalliberalen„Magdeburg. Zeitung" zu rechtfertigen, daß durch seine Schuld die bisherigen Arbeiten der Finanz- kommission keine besseren Resultate ergeben hätten. Nach ivuasches Darstellungen jedoch trifft weder ihn noch die Kommission eine Schuld, wenn die Finanzreform nicht weiter veirgeschritten ist. Er sagt: „Daß sie(die Kommission) jede stete Zeit zu langandauernden Setzungen benutzt hat, ist bekannt. Mehrmals sind meine Bor- schlage, noch öfters zu sitzen oder früher zu beginnen, abgelehnt worden mit der Begründung, daß auch Reichstagsabgeordnete nebchl fünf- bis sechsstündigen Plenarsitzungen nicht über ihre Kraft arbe iten könnten. Vier S n b k o m m i s s i o n e n sind gewählt worden und haben sehr fleißig gearbeitet, und vertrauliche Besprechungen haben daneben— selbst an Sonntagen— stundenlang die Kraft der Beteiligten in Anspruch genommen. Wenn ri mn bedenkt, daß zumeist einige Arbeitsbienen überall dabei waren vnd daß der Vorsitzende auch uin diese stille Arbeit hinter den Kulilien sich kümmern mußte, so sollte man glauben, an äußeren»?j'leiß habe es nicht gefehlt." Die wa'tere Suche nach den Schuldigen führt nun Paaschs zu einer Unierfuchung über Stand und Aussichten der Finanz- reform selbst. Die Betoilligung der Nachlaßsteuer bedeutet sür ihn ktzine Rettung der ganzen Reform: „Aber selbst wenn jetzt der größte Teil der Aatlonalliberaken seine Bedenken fallen läßt und sür eine Erbanfallsteuer stimmt, wenn selbst die Wirtschaftliche Vereinigung, die Freikonservativeir und ein Bruchteil der Konservativen diesem Teile der Reichsfinan.z- reform ihre Zustimmung geben und eine kümmerliche Majorität mit Hilfe der Sozialdemokraten dafür zu finden ist, so b e-> ginnen erst die schwierigen Arbeiten, und eS wird wenige Parlamentarier geben, die heute nach monatelangen Verhandlungen noch wie ich den Optimismus haben, an eine Lösung der Finanzfrage in dieser Session zu glauben." Die Nachlaßsteuer in der geplanten neuen Gestalt bringe höchstens 50 Millionen. woher den Nest von 450 Millionen in aller Eile nehmen? Das Bier bringe vielleicht die er- hofften 100 MMonen,„aber glaubt man aus B rannt- wein— ohne Ruin des Brennereigewerbes— weitere 100 Millionen herauszuholen anders als durch das Monopol oder mit hohen Liebesgaben und Brenn rechten?" Vielleicht gelänge es auch, 50 Millioueir neuer Steuern den Rauchern ailizubürden, damit aber sei man am Ende. An eine Weinsteuer, die nennenswerte Summen bringt, glaube er nicht. Gas- und Elektrizitätssteuer seien endgültig abgelehnt, die Jnseratenstcuer desgleichen. Da? Erbrecht des Reiches werde wenig bringen, wenn es überhaupt angenommen werde. Das seien— günstig gerechnet— 300 Millionen. Woher sollten die fehlenden 2ch Pf. auf 75 Pf. Von einer„Verweigerung" der Akkordarbeit zu reden, führt zu ganz falschen Schlüssen. Seit 6 Jahren schon ist sie Akkordarbeit bei den Bauklempnern abgeschafft. Die Meister wollten sie erst wieder einführen, und das wollten sich die Arbeiter nicht gefallen lassen, weil sie dadurch eine Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen befürchten.— Die ganze Notiz ist darauf berechnet, jeden, der die Sachlage nicht kennt, irrezuführen. So sieht die„objektive" Berichterstattung von feiten der Unter- nehmer aus._ Die Lohnbewegung der Schuhmachev. Am Dienstag hatten sich die organisierten Schuhmacher ver- sammelt, um den Bericht über das Resultat der neuerlichen Ver- Handlungen zwischen den Beauftragten der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer entgegenzunehmen. Diese Verhandlungen waren nicht ohne Erfolg verlaufen, indem die Arbeitgeber um die Hälfte über diejenigen Sätze, die sie zuerst bewilligen wollten, hinausgingen. Angenommen wurden in der Sitzung von den Arbeitgebern die Forderungen, auf den Grundlohn 75 Vf. bei Reitstiefel und 50 Pf. pro paar Böden zu legen. Ferner sollen in den einzelnen Ge- schäften die Preise für Extraarbeiten wie bisher gezahlt werden, während die Gehilfen eine einheitliche Regelung der Löhne verlangt hatten. Die Mittelarbeiter erhalten eine Zulage von 25 Pf. für Blätter und 10 Pf. für Sohlen und Flecken. Den in Wochenlohn Arbeitenden wird 1 M. Aufbesserung zugestanden. Diese Zugestand- nisse der Arbeitgeber fanden Zustimmung bei den Gehilfen, jedoch lehnte die Versammlung mit fast y, Majorität die daran geknüpfte Bedingung eines Tarifabschlusses auf 5 Jahre wie bisher strikte ab. Ein Antrag, sofort in den Streik einzutreten, erreichte nicht die y3 Majorität der Versammelten, die statutarisch für diesen Fall vorgeschrieben ist. Die Minderheit vertrat die Ansicht, daß noch- mals mit den Arbeitgebern Verhandlungen gepflogen werden sollen, um allenfalls einen dreijährigen Tarifvertrag durchzusetzen. Achtung, Töpfer! Ueber die Firma Bruno Berg. Vogelsdorf, ist wegen Nicht- bezahlung des TarifeS die Sperre verhängt. In Betracht kommen die Bauten Pettenkofer Straße 12/13, Eigentümer Wilhelm Peters, Sonnenburger Straße 2, und Steglitz, Südendstraße. Hier haben wieder einmal die Hirsche den gemeinsten Arbeiter- verrat geübt. Berg beschäftigte bis am Dienstag, den 13. April, noch modern organisierte Kollegen, auch zahlte er den Tarif. Durch fortgesetztes Anbieten unter dem Tarif seitens der Hirsche hat nun Herr Berg diesen Schritt unternommen. Die Verbandsleitung. Im Maurergewerbe zu Potsdam ist mit dem 1. April laut Tarifvertrag vom 31. August 1907 eine Lohnerhöhung um 2 Pf. in Kraft getreten und gelangte der neue Lohn vergangenen Sonnabend erstmalig zur Auszahlung. Die Maurermeister Grabkowski, B e h r e n d und B e y e r t t haben die Mehrzahlung verweigert und die beiden letzteren sogar ihren Arbeitern Schriftstücke zur Unter- schrift vorgelegt, nach welchen sie. auf Mehrzahlung verzichten. Beyertt ist einer der Arbeitgeber, welche seinerzeit den Tarifvertrag mitunterzeichneten. Die kommenden Dienstag stattfindende Maurerversammlung wird hierzu Stellung nehmen und Beschwerde beim Arbeitgeberverband führen. VeutTches Reich. Schäfer rcrrät nichts! Schäfer wird nichts sagen! Auf der Konferenz der Bergbauvereine, die am 6. Januar in Berlin über die Abänderungsvorschläge zum Berggesetz verhandelte, ist ein charakteristischer Ausspruch getan worden, den sich die Arbeiter besonders merken müssen. Er ist beachtenswert für den Umstand, welche Leute wirklich den Mut haben, für die Interessen der Arbeiter überall einzutreten. Bekanntlich waren zu der Verhandlung vor dem Minister der ch r i st l i ch e Aelteste S ch ä fe r und der BerbandSälteste JungeSblut zugezogen. In der Sitzung derUnternehmer nun, denen es so grauenhast erschien, mit Arbeitervertretern zu verhandeln, daß sie anfangs an der Verhandlung vor dem Minister überhaupt nicht teil- nehmen wollten, wurde darüber gesprochen, wie sich die beiden Arbeitervertreter in der Verhandlung vor dem Minister wohl ver- halten würden. Da sagte einer der Herren(im Zwischenruf, der Name des RuferS ist nicht festgestellt):„Schäfer wird nichts sagen!"(Anderer Zuruf):„Aber der andere! Ich habe gehört, Jungesblut soll einer der Schlimmsten sein!" Das mögen die Arbeiter sich merken. Von Schäfer, dem christlichen Arbeiter, befürchten die Grubenherren nicht, daß er den Mund auftun wird, um für seine Kameraden zu reden; aber von dem anderen, dem Verbandsältesten, befürchten sie alles l Er ist der Gefährlichsten einer l Zurückgewiesene Verleumdung. Der„Christliche Bergknappe" behauptet in seiner jüngsten Nummer, daß jenes anonyme Flugblatt, in dem bei der Knapp- schaftswahl im Jahre 1904 die Behauptung aufgestellt wurde, der christliche GewerkvereinSführer Brust sei mit 30 000 M. bestochen worden, von dem Verbandsangestellten Götte herausgegeben worden sei, und zwar mit Wissen von Sachse und H u e.— Darauf erklärt der Vcrbandsvorstand des Bergarbeiterverbandes dem Bochumer„Volksblatt", daß die Behauptung deS„Bergknappen" unwahr sei. Einstweilen erklärt Sachse namens des Vorstandes weiter, daß, als er seinerzeit von dem Flugblatte in einer Versammlung durch den ausgeschlossenen Verbandsbeamiett S p a n i o l Kenntnis erhalten, sofort durch Zirkular angeordnet habe, daß die Verbreitung des Flugblattes durch Verbands- funktionäre unterbleiben müsse. Der Verfasser sei übrigens nicht Götte, sondern Spaniol selbst gewesen. Das übrige werde die vom„Bergknappen" geforderte gerichtliche Klage ergeben, die sofort eingeleitet werden solle._ Wie Tarifverträge umgangen werden. In einem ßerJCororte von Berlin befindet sich unter der Firma Großkopf u. Schulz ein Baugeschäft, welches auch gleichzeitig sämtliche Tischler- und Schlosserarbeiten für die von ihm auszu- führenden Bauten übernimmt. Diese Firma besitzt in der Nähe der polnisch-russischen Grenze, in der Stadt Ortelsburg, dicht an der Eisenbahn eine Schneidemühle und eine Holzbearbeitungsfabrik. Hier werden von zirka 30 Tifchlergesellen, Schlossern und einer Anzahl ungelernter Arbeiter die für Berliner Bauten bestimmten Fenster und Türen fertiggestellt und Per Bahn nach Berlin ge- schafft. Kurz vor den Osterfeiertagen ging eine Waggonladung mit zirka 400 Türen nach dort ab. lind warum geschieht wohl die Her- stellung der Arbeiten auf diesem Umweg? Seit etwa 2 Jahren liegt in Ostpreußen die Baukonjunktur. besonders in Königsberg, fast vollständig danieder, so daß auch Tischlergesellen in großer Zahl in kleinen Provinzstädten unter denkbar ungünstigsten Bedingungen Arbeit annehmen müssen. Es kommt noch hinzu, daß von der Grenze her polnische Arbeiter für billigen Lohn jederzeit zu haben sind. DaS nutzen die Berliner Bauspekulanten aus. Gegenwärtig sind in Ortelsburg Tischler- gesellen bei der Firma Großkopf u. Schulz beschäftigt, die pro Woche 15 M. verdienen. Die ungelernten Arbeiter auf dem Holzplatz in der Schneidemühle und cm den Holzbearbeitungs- Maschinen erhalten pro Tag kaum 2 M. Lohn. In Betracht kommen auch noch die verhältnismäßig billigen Holzpreise dieser Gegend. Daher kommt es, daß diese Firma trotz der bedeutenden Transport- kosten für fertige Ware ein glänzendes Geschäft macht. Damit nun aber der Firma die billigen Arbeitskräfte noch recht lange zur Verfügung stehen uno nicht etwa die bösen Sozis und die Gewerkschaften in diesen Betrieb eindringen, erfüllt einer der Firmeninhaber auch nebenbei noch Misswnspflichten. Er ist nämlich Prediger einer neuen frommen Sekte, die im Osten wie Pilze aus der Erde schießen.„Gramatzkis" nennen sich die An- hänger dieser neuen Religion. Herr G. reist von Ort zu Ort wie ein Wüstenprediger und tröstet die unaufgeklärte Arbeiterschaft über das irdische Elend hinweg mit dem Versprechen auf ein besseres Jenseits. Es soll nun von selten der freigewerkschaftlichen, Hirsch- Dunckerschen uno christlichen Organisationen der Versuch gemacht werden, die Firma zu veranlassen, wenigstens die Königsberger vereinbarten Tarifsätze anzuerkennen. Wer weiß, ob's gelingen wird. Die Lohnbewegung der Schneidergehilfe» in de» Städte» Ohligs und Wald(Kreis Solingen) ist beendet. Nach 14tägigem Streik der Gehilfen erklärten sich die Unternehmer zu Unterhand- lungen bereit, die am zweiten Ostertage stattfanden und das Er- gebnis zeitigten, daß den Gehilfen eine 5— 8prozentige Lohnerhöhung zugebilligt wurde, die von den Arbeitnehmern akzeptiert wurde. Die Arbeit ist zu den neuen Bedingungen sofort wieder auf- genommen worden. Huetand- Die Organisation des dänischen Lanbproletariat». Kurz vor Ostern fand in Kopenhagen der Kongreß des Ver- bandes der dänischen Dienstleute und Landarbeiter statt. Es waren 65 Delegierte erschienen. Für das lebhafte Interesse, womit die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft Dänemarks die EntWickelung der Landproletaricrorganisation verfolgt, zeugte auch die Tatsache, daß sowohl Vertreter der sozialdemokratischen Partei und Reichstagsfraktion, wie die Folkethingsabgeordneten Stauning, Sabroe und Maroth als auch Vertreter anderer Gewerkschaften, wie der Arbeitsmannsverbandsvorsitzende Lyngsie, die Dienstmädchenverbandsvorsitzende Marie Christensen als Gäste an dem Kongreß teilnahmen und Vor- träge oder Ansprachen hielten. In gleicher Weise beteiligten sich auch die Schriftsteller Joppe Aakjär und Johan Skjöld- borg, die als Schilderer des Landarbeiterlebens und Dichter deS Landproletariats berühmt sind, an dem Kongreß, und vom Ausland war A. H a n s o n als Vertreter des Schwedischen Landarbeiter- Verbandes erschienen, der den in mancher Hinsicht recht erfolgreichen Kampf schilderte, den seine Organisation gegen die Großgrund- besitzer Schwedens zu führen hat.— Aus dem Bericht, den der Ver- bandsvorsitzende Westergaard gab, ist hervorzuheben, daß der Verband jetzt in 60 Ortsabteilungcn 4000 Mitglieder zählt und daß man bei dem raschen Wachstum des verflossenen Jahres binnen kurzem mit einer Verdoppelung der Mitgliederzahl rechnen kann. Allerdings ist die Organisation, für die rund 242 000 Landprolc- tarier in Betracht kommen, noch bei weitem nicht stark genug, um matzgebenden Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse aus- zuüben, gleichwohl ist es an manchen Stellen schon gelungen, Er- höhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit zu erzielen. Auch sind Arbeitsverträge ausgearbeitet worden, die unter anderem be- stimmen, daß die dänische Gcsindeordnung— die in einzelnen Punkten fast ebenso reaktionär ist wie die in Preußen geltenden— für keine der beiden Parteien gelten soll. Ferner bemerkte der Vorsitzende, daß die sozialdemokratische Partei die Bestrebungen des Verbandes überall tatkräftig unterstützte, daß sich dagegen der Fraktionsvorsitzende der liberalen Regierungspartei I. C. Christensen ebenso bar jedes sozialen Verständnisses zeigte, wie es dem ehe- maligen Justizminister Alberti an Ehrlichkeit mangelte.— Der Kongreß befaßte sich unter anderem mit der Alkoholfrage. Einige Delegierte wünschten, daß die Verbandsmitglieder programmatisch zur Abstinenz verpflichtet werden sollten; man begnügte sich jedoch mit einer Resolution, die den Mitgliedern empfiehlt, den Abstinenz, vereinen beizutreten. Ferner wurde beschlossen, daß das Verbands- organ„Tyendeblad"(„Dienstleuteblatt") in Zukunft„Arbejderblad" heißen soll. Außerdem wurden Beschlüsse gefaßt, die der Förderung der Agitation und der Einführung deS freien Arbeitsvertrages dienen sollen. Als Verbandsvorsitzender wurde Hansen- Röjle, als Redakteur Westergaard auS AarhuS gewählt, wo der Verband seinen Sitz hat. Letzte J�achncbten und Depefcben- Nachklänge zum Mordprozes; Nacke. Mainz, 14. April.(B. H.) Das Gießener Gutachten im Mord- Prozeß Nack« ist hier eingetroffen. Es erklärt den Mörder für irrsinnig. Es wird nunmehr ein Obergutachten von Heidelberg ein- gefordert werden_ Lemoine, der Diamantenschwindler verhaftet. Paris, 14. April.(W. T. B.) Der Diamantenschwindler Lemoine. der im vorigen Jahre geflüchtet und in eontumaciam ver- urteilt worden war. ist heute hier verhaftet worden. Verlassenes Schiff. Marseille, 14. April.(B. H.) Der Dampfer„Malvina" der Compagnie generale tranSailantique traf auf offener See auf dem Wege nach Bougie den italienischen Segler„Marconi", dessen Mannschaft das Schiff verlassen hatte. An Bord des Schiffes befinden sich 400 Tonnen Schwefel als Labung. Man vermutet, daß die Mannschaft das Schiff bei heftigem Sturme verlassen hat. Das Schiff wurde nach Frioul gebracht. tverantw.Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstatt Waul Singer Ü- Co.. Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen u.UntcrhaltungSbl, Nr. 87. 26. Jahrgang. 1. ßtilonc des Jonuärts" Serlim pMlatt DoNnsIag, IZ.ZpÄIM. Der labresliODgreß der Sozialdemokraßkßen Partei. London, 11. April.(Eig. Der.) In den letzten drei Tagen hielt die Sozialdemokratische Partei (früher: Sozialdemokratische Föderation) ihren 29. Jahreskongretz in Bristol ab. Es waren 130 Delegierte aus allen Teilen des Ver- einigten Königreichs anwesend. Ein großer Teil der Verhandlungen fand hinter verschlossenen Türen statt. Den Vorsitz führte E. H. Jarvis, der den Kongreß mit einer längeren Rede eröffnete, die etwa wie folgt lautete: .Die Arbeiter werden gegenwärtig in die Enge getrieben, aus der ftk sich nur durch die Sozialdemokratie befreien könnten. England ist nicht mehr die Werkstätte der Welt. Die scheinpatriotischen Kapitalisten, mögen sie freihändlerisch oder schutzzöllnerisch sein, haben den aus den Arbeitern herausgepreßten Mehrwert dazu benutzt, die Industrien anderer Länder zu befruchten, da dies ihnen größere Profite brachte. Die Zeit ist nahe, Ivo der Einfluß der Sozialdemokratie stärker toerden wird. Wir Sozialdemokraten wurden lange ausgelacht, nicht nur von den Kapitalisten, sondern leider auch von vielen, die zu unserer Klasse gehören. Es gibt Sozialisten, die erklären, die Natur kenne keine revolutionären Sprünge, sondern daß sich alles glatt entwickele und von Stufe zu Stufe fortschreite. Allein die Ereignisse der letzten Jahre beweisen, daß es plötzlich revolutionäre Aenderungen gebe. Die Lehren der Sozialdemokratie erweisen sich als Wahrheiten. Obwohl große Anstrengungen in diesem Lande gemacht werden, uns an die Wand zu drücken und unsere Pionierarbeiten zu verleugnen, so sehen die Leute doch schließlich ein. daß ihre Auf- gäbe nicht leicht ist. Sozialdemokraten kennen kein Rückwärts. Wir werden nie unseren Titel.Sozialdemokrat" zugunsten des .Labourism"(Arbeiterparteiwesen) aufgeben. Nichtsdestoweniger hoffen wir, bei den nächsten Wahlen besser abzuschneiden, mindestens muß Hyndman gewählt werden. Wir haben bereits seit drei Jahren eine Regierung, von der man sagt, sie sei die demokratischste und segensreichste, die das Land je gesehen habe. Das ist nicht unsere Ansicht, wohl aber die der Arbeiterpartei. Wenn dem so ist, wozu ist eine Arbeiterpartei nöttg? Was hat die Regierung für die hungernden Millionen von Menschen getan? Sie hat tatsächlich eine Geldsumme bewilligt, die pro Kopf der Hungernden 4 Pence(35 Pfennig) beträgt. Sie hat Alters Pensionen bewilligt für arme Arbeiter im Alter von 70 Jahren.— Von verschiedenen Kapitalisten werden jetzt Versuche gemacht, in ihren Fabriken die Gewinnbeteiligung einzuführen. Hoffentlich fallen die Arbeiter auf diesen Schwindel nicht herein. Nicht Gewinn- beteiligung, nicht die Harmonie zwischen Wolf und Lamm, sondern die soziale Revolution kann ihnen helfen. Die Bergwerke, die Docks, die Eisenbahnen sind reif für die Vergesellschaftung. Die Harnwnie, die aus der Vergesellschaftung entspringen wird, ist die einzige, nach der wir streben. Die Arbeiterpartei ist von den legislativen Leistungen der liberalen Regierung entzückt. Den größten Teil der letzten Parka- mentarischen Tagung nahm die Beratung über die Schankvorlage in Anspruch, obwohl alle Politiker wußten, daß sie das Oberhaus nicht passieren wird. Die Arbeiterabgeordneten haben viel Propaganda für diese Vorlage gemacht und sagten, die Regierung werde viel für das Volk tun. Aber die neue Tagung kam, ohne daß etwas Greif- bares geschehen sei. Die Sozialdemokraten find nicht geneigt, sich von Arbeiter- Oligarchien beherrschen zu lassen. Sie wollen keine Klassenherrschaft, sondern eine wirkliche demokratische Verwaltung. Unsere Zahl wächst und wir arbeiten unverdrossen, da wir wissen, daß die Zukunft uns gehört. Unser Feind ist der Kapitalismus, und da wir das wissen, so ist unsere Pflicht klar."(Beifall.) Dann folgte eine geheime Sitzung. Nach Wiedereröffnung des KongreffeS wurde der Bericht der Parteileitung diskutiert und angenommen. Der Bericht hebt hervor, daß eS unmöglich sei, eine Arbeitslosenagitation im großen Stile ins Leben zu rufen. Der Vorstand habe indes diese Frage nicht vernachlässigt. Durch lokale Agitation und öffentliche Kritik der Partei wurde die Arbeiter- fraktion zu einem kühneren Vorgehen im Parlamente veranlaßt. Der Bericht fordert auch die Mitglieder auf, sich auf die nächsten Kleines feuiUeton* Die Talsperren als Hochwasserschutz. Die großen Uever- fchwemmungen, die verschiedene Teile Deutschlands in den letzten Monaten heimgesucht haben, sind durch die vorhandenen Talsperren an manchen Stellen in sehr wirksamer Weise abgedämmt worden. Sowohl die großen Sperren, die beispielsweise in Schleusen zum Schutze tiefer liegender Gebiete erbaut worden sind, als auch die von einzelnen industriellen Unternehniungen angelegten, haben sich in dieser Weise bewährt. Die Urfttalsperre in der Eifel, die zu elektrischer Energiegewinnung dient, hat das gesamte Ruhrtal geschützt. In den ersten Februartagen hatte die Hochwasser- welle bei Heimbach, wenige Kilometer von der Sperre, den höchsten Stand erreicht, der jemals beobachtet worden war, wobei in der Sekunde etwa 250 Kubikmeter Wasser abgeführt wurden. Gleich- zeitig erreichte auch die Urft, die wenig oberhalb von Heim- bach in die Ruhr mündet, einen außerordentlich hohen Stand mit einer Wasserabgabe von etwa 100 Kubikmetern in der Sekunde, so daß ein Zusammentreffen beider Hochwassertvellen eine sehr starke Wasserstandserhöhung und damit gewissen Schaden ver- ursacht hätte. Da nun die Urfter Talsperre 45'/, Millionen Kubik- meter faßt und ihr nur etwa 20 Millionen Kubikmeter zu- flössen. vermochte sie das Unheil zu verhüten. Auch im Neissegebiet haben die vier Talsperren bei Reichenberg ihre Schuldigkeit getan und erreichten es. wie ein zusammen- fassender Auffatz der„Allgemeinen Fischereizeitung" angibt, an einem Tage 2070 000 Kubikmeter Wasser aufzunehmen. Die schlesische Talsperre bei Marklissa hat noch mehr geleistet, denn sie hielt in kaum 48 Stunden 7 Millionen Kubikmeter Wasser zurück, lvelche Menge übrigens von der Urfttalsperre sogar am ersten Tage allein bewältigt wurde, wobei sich der Seespiegel um vier Meter hob. Auch im Wuppertal haben die Sperren etwa acht Millionen Kubikmeter zurückgehalten. Im westfälischen Ruhr» gebiet sind ganz ähnliche Leistungen festgestellt worden. Der Zufluß aller Ruhr-, Lenne- und Bolmesperren betrug in der krittschen Woche schätzungsweise IS Millionen Kubikmeter. Abgesehen von dem Schutz gegen die Hochwasserfluten haben die Talsperren noch den Bortetl. daß sie mit ihren Sperrbecken den von den Wasser- fluten mitgerissenen Fischen Zuflucht und Schutz gewähren. Theater. Hebbel-Theater:„Die Möwe', Schauspiel von Anton Tschechow. Der Vorhang hebt sich über einen Garten, in dem da« Laub schon eine leis herbstliche Färbung zeigt. Ein schwarz gekleidetes Mädchen, von einem blaß und traurig drein- schauenden Manne gefolgt, schreitet langsam heran. Sie sprechen vom Elend ihres Lebens. Er ein Dorfschullehrer, von der drückenden Armut und der hoffnungslosen Liebe, in der er sich um sie verzehrt. Sie, die unter dem gleichen Schicksal einer unwiderstehlichen und unver- minderten Liebe leidet, gibt die Klage noch bitterer zurück. Dies Leitmottv einer Leidenschaft, die der werbenden Neigung anderer gegenüber kalt bleibt und glüht, wo sie nicht Gegenglut entziinden kann, zieht sich in einer Fülle von Variationen durch das Stück und Parlamentswahlen vorzubereiten, da eine Parlamentsauflösung nicht mehr lange auf sich warten lassen könne. Einen der wichtigsten Punkte bildete die Frage deS Verhältnisses der sozialdemokratischen Partei zur Arbeiterpartei. Es lagen zwei Resolutionen vor, die einen Wiederanschluß an die Arbeiterpartei empfahlen. Beide Resolutionen wurden unter allgemeinem Gelächter vorgebracht und mit 125 gegen 2 Stimmen verworfen. Die meisten Redner verlangten, die Sozialdemokraten sollten die Arbeiterpartei bekämpfen. G e a r d, Delegierter für Battersea, meinte, er würde eher Be Ziehungen zur Familie Cecil(Salisbury und Balfour) als zur Arbeiterpartei empfehlen; Hardie und Henderfon seien nichts weiter als Speichellecker der liberalen Partei. Nur Queich sprach vernünftig und meinte, die Haltung der Sozialdemokratie gegenüber der Arbeiterpartei dürfe wohl eine kritische, aber keine feindliche sein. Kirby, Delegierter für Nord-Westham, brachte eine Resolution ein, in der er verlangte, daß die Partei den sozialistischen Arbeiterabgeordneten William Thorne auffordern solle, entweder au-Z der Sozialdemokratischen Partei auszutreten oder sein parlamentarisches Mandat niederzulegen, da es„unlogisch und schädlich" sei, Sozialdemokrat zu sein und zur Arbeiterfraktion zu gehören. Die Resolution wurde nach langer Diskussion mit 88 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Hyndman und K n e e hielten sodann Reden über Freihandel und Schutzzoll, die indes zu keiner Diskussion und keiner Resolution führten. Beide waren der Ansicht, daß der Freihandel ein Schwindel fei, aber auch der Schutzzoll könne den Arbeitern nicht helfen. Das einzige Mittel ist eine wirksame Sozialreform, die den Weg zum sozialistischen Ziele vorbereite. Der Kongreß sandte Glückwünsche anTomMannzu seinem Kampfe in Australien; ebenso an die Pariser Post- angestellten zu ihrem Erfolge durch den Streik, wobei der Kongreß aber hervorhob, daß er sich mit der direkten Aktion nicht identifizieren könne, schließlich an die kämpfenden Hindu, denen der Kongreß„die baldige Befreiung vom despotischen und ruinierenden Joche der Briten" wünsche. Nach Annahme einer Resolutton, die die Sozialdemokraten aufforderte, aus den bürgerlichen Klubs auszutreten, wurde der Kongreß mit den üblichen Hochrufen auf die soziale Revolution ge- schlössen. Der nächstjährige Kongreß wird in London stattfinden. Der Zahrezkongreß der(Inadhängigen Arbeiterpartei. London, 12. April.(Eig. Ber.) In den siebzehn Jahren ihrer Existenz gab es keine Zeit, die für die Unabhängige Arbeiterpartei so kritisch war, wie die letzten sechs Monate. Es hatte sich viel Unzufriedenheit aufgehäuft, teils gegen die Parteiführer und teils gegen die Parteipolitik im allge- meinen. Man sah deshalb mit einer gewissen Besorgnis dem 17. Jahreskongresse entgegen, auf dem die Unzufriedenheit explosiven Ausdruck finden sollte. Der Kongreß fand während der Osterfeiertage in Edinburg statt, 400 Delegierte waren anwesend. Eduard Bernstein, der sich gegenwärtig aus einer Agitationstour in Schottland befindet, wohnte dem Kongresse bei. Den Vorsitz führte I. R. Macdonald, der die Delegierten ersuchte, die Parteiangelegenheiten mit aller Offenheit zu diskutieren, wobei jedoch das Wohlergehen und die Einheit der Partei zu berück- sichtigen sei. Die Auseinandersetzungen sollten die Freunde unserer Sache nicht abstoßen und den Gegnern unserer Sache keine Schaden- freude bereiten. Der erste Punkt der Tagesordnung war die Frage der Allianz der Unabhängigen Arbeiterpartei mit der Arbeiterpartei. Wie bekannt, gibt es in Großbritannien viele Sozialisten, die gegen eine Allianz mit der Arbeiterpartei sind. So steht die Sozialdemokratische Partei ganz außerhalb der polittschen Arbeiterbewegung; auch innerhalb der Unabhängigen Arbeiterpartei gibt es Sozialisten: Grayson und seine Anhänger, die mit der Allianz nicht zufrieden sind. Zu dieser Frage lagen zwei Resolutionen vor. Eine lautete: bildet das einzige Band, das den lose aneinander gereihten Szenen eine Art von Einheit gibt. Mascha liebt Konstantin, den Sohn einer gefeierten Schau- spielerin. Sein jugendlich feuriges Poetenherz aber findet fein Ideal in der jungen, schönen Nina, die seine Verse klangvoll vorträgt und von künftigen Bühnentriumphen träumt. Sie aber hat nur Augen für den Freund der Schauspielerin, den in all seinem Schriftsteller- rühm müd-melancholischen willensschwachen Novellisten Trigorin. Die resignierten Reflexionen zweier alten Junggesellen ergänzen den traurigen Chorus. Es sind lauter weiche Menschen. Keiner hat die Absicht, weh zu tun. Und doch werden sie zum grausamen Verhängnis für einander. Wie Konstantin in einer Zufallslaune eine Möwe als Beutestück für die Geliebte herunterschießt, so treibt das Schicksal, verwundend, tötend, ein zwecklos launenhaftes Spiel mit ihnen selbst. Auch der Schriftsteller, der Nina ins Unglück stürzt, hat nichts von dem brutalen, frivolen Don Juan- Egoismus. Wohl gefällt sie ihm. wohl muß er sehen, wie eS um sie steht. Doch tut er nichts, die Glut zu schüren. Eher sucht er den Nimbus, den ihre Phantasie um ihn gewoben, zu zerstören, und schildert nüchtern seines Wesens Trockenheit. Bleibendes zu leisten, gehe ja doch über die Grenze der ihm verliehenen Kraft. Und dann die Unrast I Das ewige Schreibenmüssen und die Aushöhlung jedweder frischen Unmittelbarkeit oes Erlebens durch die ständig wache Sucht, den Eindrücken etwas Literarisches abzujagen. Mitten im Plaudern zieht er, wie zur Bestätigung, sein Nottzbuch, um ein Motiv, das «hm beim Anblick der erschossenen Möwe durch den Sinn fährt, ein- zutragen. Doch an Ninas Verblendung prallt jede Warnung ab. Sie reist ihm nach. Der Schlußakt spielt zwei Jahre später. Konstantin, der in eifersüchtiger Verzweiflung einen Selbstmord beging, ist ein Dichter von rasch wachsendem Rufe geworden. Aber unablässig weilen seine Gedanken bei der Verschwundenen. Wie sie sich von Trigorin ver- lassen, erniedrigt haben mag, das kann in seinem Empfinden nichts verändern. Ebenso ist Mascha, die den Schullehrer geheiratet, in ihrer stillen Leidenschaft für Konstantin unveränderlich, die Gleiche geblieben. Und ebenso auch Nina in ihrer Leidenschaft. Sie kommt, für imnier Abschied von ihm zu nehmen. Aber wie er sie in seine Arme ziehen will, treibt sie das Bild des andern, der sie verließ und den ihr Herz doch niemals lassen kann, hinweg. In seinem Schmerze greift der junge Mensch zur Pistole und dlesmal trifft er. Das Stück hat Interesse als ein typisch charakteristisches Produkt der neueren russischen Dramatik. Aber die feine Stimmungsmalerei bietet für das Fehlen einer aussteigenden Handlung wie für das Fehlen von Charakteren, die über das Niveau molusken- haster Passivität hervorragen und eine regere Anteilnahme erwecken können, keinen genügenden Ersatz. Die Monotonie des müßigen Klagens wirkt ermüdend auf die Hörer. Im Tempo war die Darstellung öfter zu langsam, in der Sprache vielfach zu leise, aber die einzelnen Gestalten erschienen in ausdrucksvoller Prägung. Neben Frau B e r t e n S, die die alte Schauspielerin gab, verdienen namentlich Edthofer als Konstantin, Otto als Trigorin, L i ch o als Doktor lind Frl. Ida Roland in der Rolle der Stina Erwähnung. dt. „Der Kongreß bekräftigt wiederholt seine Ueberzeugung, daß es absolut notwendig ist, die Allianz zwischen Sozialismus und Arbeiterbewegung ungeschwächt aufrechtzuerhalten, da sie gegen- wärtig das beste Mittel ist, dem Sozialismus politischen Ausdruck zu geben." Zu dieser Resolution sprachen PaulCampbell(Walthamstow), Watt(Cardiff), L u r g e ß(Bradford) und Shaw(East-Ham), die darauf hinwiesen, daß die Partei ihre wohldurchdachte und bewährte Taktik wahren und mit allem Eifer fördern solle. Die jungen Leute, die diese Taktik verdammen, sollten erst zeigen» was sie könnet«, und sich das Vertrauen der Partei erwerben. Die andere Resolution besagte: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß eS im Interesse de? Sozialismus ist, aus der Arbeiterpartei auszutreten." Unterstützt wurde diese Resolution von F a u l k n e r(Southport) und G a r n e r(Nord-Salford), die der Ansicht waren, daß revolu- tionäre Sozialisten nicht in einer Partei bleiben könnten, die eine liberale Arbeiterpolitik treibe. Die Sozialisten im Parlament müßten so auftreten, wie Grayson, und sollten sich nichts daraus machen, wenn sie Anstoß erregte««. Es gebe jetzt Arbeiterabgeordnete, die nicht den Mut haben, sich Sozialisten zu nennen. Die Abstimmung wurde unter großer Spannung vorgenommen. Zuerst wurde über die letztere Resolutton abgestimmt: sie wurde mit 378 gegen 8 Stimmen abgelehnt, worauf die erstere mit allen gegen 10 Stimmen angenommen wurde. DaS Resultat wurde mit lauten« und langanhaltendem Beifall aufgenommen. Hierauf erhielt Eduard Bernstein das Wort. Er über« brachte dem Kongreß die brüderlichen Grüße der deutschen Sozial- demokratie. Trotz aller Schwierigkeiten sei die deutsche Sozialdemo- kratie in fortgesetztem Wachsen begriffen. Die Partei sei durch und durch international und wirke für den Völkerfrieden. Der Wille des Proletariats, den Frieden aufrechtzuerhalten, sei eine bessere Garantie als alle Monarchenbesuche.(Beifall.) Es gebe keine Frage, eS könne keine Frage zwischen der britischen und der deutschen Nation geben, die nicht durch friedliche Mittel gelöst werden könnte. Die deutsche Arbeiterklasse sei gegen baS Wettrüsten und werde am 1. Mai für den Frieden demonstrieren.(Lebhafter Beifall.) M a e d o n a l d antwortete. der Kongreß erwidere die brüder- lichen Grüße aus ganzem Herzen. Die britische Arbeiterbewegung werde alles tun, was in ihrer Macht stehe, den Frieden und die internationale Kameradschaft zu fördern. Er schloß mit einem drei- fachen Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie, in das die Delegierten enthusiastisch einstimmten. Der Kongreß beriet sodann über mehrere Resolutionen, die für die einzelnen Zweigvereine der Partei die Freiheit verlangten. parlamentarische Kandidaten in denjenigen Wahlkreisen aufzustellen. für die die Parteileitung keine nominiert hat. Manche Delegierte sahen in diesen Resoluttonen den Versuch, die Parteieinheit zu spalten und die Unabhängige Arbeiterpartei von der Arbeiterpartei zu trenne««. Sie sprachen deshalb gegen diese Res oluttonei«. Andere Delegierte meinten indes, eine derartige Freiheit sei nötig, da dadurch um so wirkungsvoller für den Sozialismus agittert werden könnte, denn für derarttge Kandidaturen tväre der Vorstand der Arbeiterpartei nicht veraittwortlich. Die Mehrheit deS Kongresses war indes der Ansicht, daß die Allianzbestimmungen zwischen Sozialismus und Arbeiterbewegung loyal ausgeführt werden müßten. Für die Re- folutionen sprach auch Grayson, der von allen Delegierten herzlich begrüßt wurde. Er sagte:„Meine Wahl in Colne Valley«vurde ganz in« Sinne dieser Resoluttonen vorgenommen. Ich bin der Partei nichtsdestoweniger treu geblieben, aber»neine Haltung gegenüber der Arbeiterfraktion wurde falsch ausgelegt. Meiner Ansicht nach liegt die Arbeiterfraktion im Unterhause auf den Knien.(Rufe:»Un« sinn I" Vereinzelter Beifall.) Ich bin für selbständige politische Arbeiteraktion, aber ich glaube, daß man durch das sozialisttsche Ideal mehr Leute gewinnen kann, als durch gemäßigte Reden und kluge Berechnungen." Die Resolutimren wurden Indes mit 248 gegen 123 Stimmen abgelehnt. Mit fast demselben Sttmmenverhältnis wurde eine Resolution, die die Arbeiterpartei zu ihrer Tätigkeit beglückwünschte, an« genommen. Die Mehrheit wäre im letzteren Falle größer ge- «oesen, wenn die Resolution nicht gleichzeitig einen Tadel gegen Grayson eingeschlossen hätte. Eine lebhafte, zum Teil aufgeregte Diskussion fand über r a y s o n s Stellung in der Partei statt. Um das Folgende zu verstehe««, ist eS nötig zu wissen, daß alle Kandidaten und Notizen. — Der Kritiker ist zur Hebung des Geschäfts da! Bei dem großen Elektrarummel, der die Stadt Dresden heim« suchte, trat eine nicht so sehr merkwürdige(sie ist überall zu Hause) als offenherzige Auffassung von den Aufgaben der Kritik zutage. Dem Musikkritiker des der Stadt Dresden gehörenden«Dresdener An- zeigerS", Professor Brandes, wurde die weitere Kritik der Straußschen Festwoche entzogen, weil er daS Geschäft zu stören schien. Unsere Genossen brachten diese blamable Sache in der letzten Stadtverordnetensitzung zur Sprache. Und siehe da, der Bürgermeister fand allerhand schöne Gründe dafür und berief sich sogar auf Brande? selber, der sie anerkannt haben sollte. Dem- gegenüber stellt Prof. Brandes fest, daß er nichts von feiner Kritik zurückgenommen habe, auch nicht in der Form. Auf die Form aber «var es den Gestrengen besonders angekommen, denn die Sache ist ihnen ja im Grunde ganz gleichgültig. Wenn nur das Geschäft nicht gestört wird. — Hie Schauspieler— hie Direktor. Auf der jüngsten Tagung der Bühnengenossenschaft war auch die Frage berührt worden, wie eZ mit den Ehrenmitgliedern zu halten sei, die dem direktorialen Bühnenverein angehören. Da zwischen beiden Verbänden offener Kampf herrscht und die Interessengegensätze dauernd sind, ist eS in der Tat nicht angängig, daß eine Person beiden Vereinen angehört. Herr Barnay, der«n dieser Lage ist, hat denn auch mit Recht die bisher innegehabte Ehrenpräsidentschaft der Genossenschaft niedergelegt. Allerdings nicht ohne einige sentimentale Wehmütigkeiten. — Der 38. Kongreß der Deutschen Gesellschaft f ü r C h i r u r g i e, die jetzt über 1800 Mitglieder zählt, wurde am Mittwoch in Berlin eröffnet. Es sind gegen 120 Vorträge an« gemeldet. — Handels 150. Todestag. Am 14. April 1769 starb in London Georg Friedrich Händel, der Meister des deutschen Ora« toriumö. — Maupasfant über Swinburne. Von dem eben verstorbenen englischen Dichter Swinburne hat Maupassant die Worte geschrieben:„Von meiner Unterredung mit ihn, belvahre ich die Erinnerung der außerordentlichsten künstlerischen Persönlichkeit, die es vielleicht auf Erden gibt. Er ist zugleich Künstler des alten und des neuen Stils. Ein lyrischer und epischer Dichter; ein Lieb« Haber des Rhythmus; ein Dichter der Epopöe; in ihm lebt der Atem Griechenlands und zugleich zählt er zu den verfeinertsten und zartesten jener Pfadfinder der Sehnsüchte und der Empfindsamkeiten. die die moderne Schule ausmachen." — Kinderkunst. Eine Ausstellung von Kinderarbeiten, veranstaltet von der Zeitschrift„Kind und Kunst", ist zurzeit im Albrecht-Dürerhaus(Kronenstr. 18) zu sehen. Aus einer Versuchs« klasse an der Magdeburger Kunstgewerbeschule sind farbige Plastiken. Schablonenbilder, Buntpapierarbeiten und Zeichnungen da. aus Wien stammen Papierauflegebilder und Zeichnungen. Größere Kollektionen haben ferner die Städte Brünn und Znaim geschickt, die von den in der letzten Zeit gesehe««en Schülerzeichnungen ganz Abweichendes bieten. Parlamentsavaeordneten öer Arveiterpattei und der ihr an- geschlossenen sozialistischen Organisationen sich ans die Satzungen �Konstitution) der Partei verpflichte» müssen. In Betracht kommen besonders folgende zwei Punkte: 1. Selbständigkeit gegenüber den bürgerlichen Parteien; 2. sich einzig und allein als Arbeiterkandidaten und Arbeiterabgeordnete zu nennen. Auch die Sozialisten dürfen nicht als solche, sondern nur als Arbeitervertreter erscheinen. Sie haben die Freiheit, für den Sozialismus zu agitieren, aber bei den Wahlen sollen fie einzig und allein als Arbeitervertreter er- scheinen, angeblich um vor allem die Arbeiter von den kapitalistischen Parteien loslösen und eine einheitliche Arbeiterbewegung bilden zu können. Nun ist Grayson Mitglied der Unabhängigen Arbeiterpariei und deshalb auch Mitglied der Arbeiterpartei. Er darf also bei Wahlen nicht als„sozialistischer" Arbeiterkandidat auftreten. Er will aber von einer derartigen Taktik nichts wissen und tritt als Sozialist auf. ES war ihm deshalb unmöglich, die Satzungen der Partei zu unterschreiben. Durch sein impulsives Wesen ist er auch, wie bekannt, in einen Gegensatz zur Arbeiterfraktion geraten und ist jetzt ganz isoliert. Er nimmt an den parlamentarischen Arbeiten geringen Anteil und fungiert hauptsächlich als Kritiker der Partei. Der parlamentarische Fonds der Partei, aus dem die Arbeiterabgeordneten ihre Diäten erhalten, wird von der Gesamtpartei gespeist. Auch Grayson erhält wöchentlich 8l) Mark während der Session. Nun sagt die Partei: entweder Grayson unterschreibt die Satzungen und gemesjt alle Rechte der Arbeiterabgeordneten, oder er unterschreibt sie nicht und verzichtet auf die Diäten. Sollte die Partei Ausnahmen gestatten, so würden die liberalen Arbeiterabgeordneten ein Recht haben, sich als Mit- glieder der Partei zu betrachten, da sie Organisationen angehören, die der Partei angeschlossen sind. Dem Kongreß wurde deshalb folgende Resolution vorgelegt: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß nur diejenigen Arbeiter- abgeordneten ein Recht auf Diäten haben, die die Parteisatzungen unterschreiben. Weigern sie sich, ihrer Pflicht nachzukommen, so sollen ihnen nach Ende der laufenden Legislaturperiode die Diäten entzogen werden." Die meisten Redner lobten den Mut Grayson?. aber fie be- dauerten, daß er nicht in Uebereinstiminung mit der Arbeiterfraktion handle. Dann erhielt Grayson das Wort und führte in längerer Rede aus: „Die Frage der Diäten ist ein unbedeutender Punkt. Mich interessiert vor allem das Prinzip, das diese Frage einschließt. Ich bin entschlossen, meine Unabhängigkeit zu wahren. Ich konnte des- halb die Satzungen nicht unterschreiben, aber ich stimme stets mit der Arbeiterfraktion. Im Parlament bin ich zu meinem tiefsten Bedauern isoliert und von aller Kameradschaft abgeschlossen. Meine Auftritte im Unterhause waren spontane Handlungen. Ich konnte es nicht mehr ansehen, wie die Zeit mit allerlei Geschwätz vergeudet wurde, während draußen so viele Menschen infolge Arbeitslosigkeit Hunger litten." Grayson beschrieb dann, was bei dieser Gelegenheit im Parlamente vorgegangen sei. Er habe gegen die Reise deS Königs zum russischen Münster protestiert, ebenso gegen die langatmigen Beratungen über die Schankvorlage und gegen die Vernachlässigung der Arbeitslosenfrage. Grayson schloß: „Ich kümmere mich nicht um die finanzielle Daumenschraube. Ich will eher eine eingliedrige Partei bilden und um mein Brot betteln, indem ich das Evangelium des Sozialismus predige, als im Parka- ment wie eine disziplinierte Puppe sitzen.(Große Unruhe und Bei- fall.) Ich habe noch andere Satzungen zu befolgen: die meines Wahlkreises und der Menschheit I" Nach Grayson sprach Keir Hardie:„Es handelt sich hier gar nicht um persönliche Fragen und Charakterdarstellungen. Die Frage ist sehr einfach: Soll die Partei Pflichten übernehmen gegen em Mitglied, das die Parteistatuten nicht anerkennt? Graysons Szenen im Parlament gehen uns hier gar nichts an. Die Partei schreibt ihren Mitgliedern nicht vor, welches Temperament sie haben sollen. Jedes Mitglied hat nur die Pflicht, die Interessen der Arbeiter nach bestem Wissen und Könne» zu vertreten. Grayson meint, wenn er die Statuten unterschreibe, verliere er seine Selbständigkeit. Nichts von alledem. Er ivird nur sein übertriebenes Selbstbewußtsein, das ihn von den Massen der Arbeiter trennt, zügeln müssen.(Lebhafter Beifall.) Innerhalb der Arbeiter- Partei hat jeder Sozialist die vollste Freiheit, für seine Ueberzeugung zu Wüllen; nötig ist nur ein wenig Kameradschaft, die einem doch sagen müßte, daß man wichtige parlamentarische Kundgebungen nicht ohne Einverständnis mit seinen Kollegen unternehmen könne. Die Resolution enthält nicht die geringste Spitze, nicht eine Spur von Verfolgung gegen irgend welche Person. Sie will nur, daß die Einheit der Bewegung der Arbeiterklasse gewahrt wird."(Beifall.) Die Resolution wurde sodann mit 832 gegen 6t Stimmen angenommen. (Schluß folg!.) Fünfzehnter Parteitag der Sozialdemo- bratifchen Arbeiterpartei(Hollands. Rotterdam, 11. April. Der jährlich zu Ostern tagende Parteitag der S. D. A. P. wird dieses Mal zu Rotterdam im Saale des Gebäudes für„Kunst und Wissenschaften" abgehalten. Am Vorabend hatte die übliche Vor- feier die Genossen Rotterdams im selben Saale vereinigt. Genosse T r o e l st r a hielt die Festrede, in der er einen Ueberblick über das Entstehen und das Wachstum der Partei gab. Fehle auch noch viel, so sei die Partei doch eine echte, lebendige Arbeiterpartei. Ihr Ein- sluß auf die Gewerlschaftsbewegung, die Gründung von 27 Ar- beiterkonsumgenossenschaften, die immer weiter steigende Wahl- rechtsbewegung, der Kampf um den Zehnstundentag und die Agi- tation für die Arbeiteralterspensionen bewiesen die Bedeutung der Partei, die in den beiden letzten großen Fragen einen Teil der Liberalen auf ihren Standpunkt gebracht habe. Troelstra gab zu, daß es der Partei nicht gelungen sei, in den beiden großen Städten Hollands Rotterdam und Amsterdam große Massen von Arbeitern zur Partei heranzuziehen. Er suchte den Grund dafür in dem Umstände, daß diese Arbeiter vielfach vom Lande in die Stadt ziehen, wo sie noch eine Lehrzeit durchzumachen hätten. Die Werbe- kraft der Partei sei aber überdem vermindert durch den inneren Kampf, durch die Spaltung der Genossen in Revisionisten und Marxisten. Die Parteigenossen sollten an Stelle der auS der Partei Ausgetretenen neue Mitglieder werben. Die Verhandlungen des Parteitages wurden am heutigen Sonntagvormittag vom Vorsitzenden W. H. B l i e g e n mit einer Rede eröffnet, in der er darauf hinwies, daß dieser Parteitag ein Wahlparteitag im wahren Sinne sein werde. Er gab einen Ueber- blick über die Parteigeschichte des letzten Jahres, erwähnt den Stillstand der Mitgliederzunahme seit dem vorigen Parteitage, den Deventer Parteitag und die Spaltung, die die Abkehr von 400 Mitgliedern zur Folge hatte. Redner meint, dies zeige dem Lande und der Internationalen, daß die Ausgestoßenen und die mit ihnen Ausgetretenen aus der Partei ausgestoßen werden wollten. Dann erwähnt er die fehlgeschlagenen Vermittlungsversuche des Internationalen Bureaus, dessen Sekretär, Camille Huysmans, auf dem Parteitage anwesend ist und am Parteivorstandstische Platz genommen hat und den der Redner ivillkommen heißt. Bliegen bespricht dann eingehend den Bericht Huysmans über die Vermittlungsversuche, und wirft den beiden Delegierten der neuen Partei zum Internationalen Bureau, Whnkoog und Gorter vor, sie hätten dieses über die Zahl der„Het Volk"-Nedakteure falsch berichtet. Der Parteivorstand der S. D. A. P. habe den Ver- mittlungsvorschlag angenommen, aber mutwillig und hinterlistig habe die neue Partei die Einheit gebrochen und die Wiederhcr- stellung nicht gewollt.(Beifall.) Wynkoog und seine Freunde hätten stets die Gefechtsposition der Partei schädigen wollen, aber in den von der neuen Partei abgehaltenen öffentlichen Versamm- lungen habe sich herausgestellt, daß diese nichts gegen die S. D. A. P. Wlfuhren könnten, was selbst die bürgerlichen Blätter zuge- ständen. Den ln der Partei gebliebenen Marxisten gibt Vliegen den Rat, daß sie die Mehrheit der Partei, die den Marxismus als Grundlage habe, zu unterstützen und zwar gegen jeden Feind, auch gegen die neue Partei. DaS fei die erste Bedingung für ihren Verbleib in der S. D. A. P.— Dieser Parteitag stehe im Zeichen der bevorstehenden Kammerwahlen, wobei es sich herausstelle, daß nicht allein in der S. D. A. P., sondern auch in allen bürgerlichen Parteien innerer Zwist herrsche und zwar infolge deS Eindringens der sozialdemokratischen Forderungen in die Reihen derselben. Nicht die Anzahl der Mitglieder der S. D. A P.. sondern die von diesen ausgehende Kraft mache ihre große Bedeutung aus. Diese steige auch mit dem Wachstum der Internationalen und Redner schließt mit dem Wunsche, daß kein innerer Kampf mehr geführt werde. daß aber die nötige Kritik auf diesem Parteitage selbstverständlich erwartet werde. Camille HuysmanS, Sekretär des Internationalen Bureaus, überbringt die Grüße des Bureaus. Es wäre eine moralische Feigheit des Bureaus gewesen, wenn es niemand zum Kongreß gesandt hätte, weil die Delegation bezeige, daß die Jnter- nationale(?) in der S. D. A. P. die alleinige Vertreterin der inter- nationalen Sozialdemokratie sehe(?). Huysmans spricht über die Einheit, die das Bureau, dem 6 000 000 Arbeiter angeschlossen seien, auch für Holland glaubte erzielen zu können und wünscht, daß sie organisch für die genossenschaftliche, politische und gewerkschaftliche Bewegung zustande kommen möge.(Beifall.) Nach Eintritt in die Tagesordnung übt zunächst die Abteilung Amsterdam S Kritik an dem von der Rotterdamer Federation ausgesprochenen Verbot der Kolportage der„Tribüne". Parteivor- standsmitglied S p i e k m a n- Rotterdam verteidigt die Maßregel, weil die„Tribüne" ein von Parteigenossen herausgegebenes Blatt gewesen sei, das Troelstra anfiel. Die Freiheit der Kolportierung gegnerischer Blätter will er hochgehalten wissen. Als Amsterdam 5 eine Resolution gegen das Verbot beantragen will, läßt der Vor- sitzende Vliegen sie nicht zu, weil sie von abgetanen Dingen handle. K e e s i n g- Amsterdam 3, lobt den Parteivorstand ob seiner Haltung bei den Vermittlungsversuchen, während van der W a e r d e n- Amsterdam 5, keine andere Möglichkeit sieht, wieder zur Einheit zu gelangen, als die Aufhebung deS Ausschlußbeschlusses und des Verbots der„Tribüne". L o o g u i t- Amsterdam 3, bleibt dabei, die Ausgetretenen seine Freunde zu nennen, glaubt aber annehmen zu müssen, daß sie den Vermittlungsvorschlag Huysmans nicht hätten annehmen wollen, sie hätten aber zweifellos ihm noch unbekannte, wichtige Gründe zu ihrer Zurückweisung gehabt. Redner spricht für käme- radschaftliches Zusammenwirken der beiden Richtungen in der S. D. A. P. van der Goes, anknüpfend an die Erklärung HuhSmanS, erklärt, es wäre von seiner, Redners, Seite eine Feigheit, wenn er Huysmans Erklärung nicht entgegentreten würde. Auch namens vieler Mitglieder der S. D. A. P. sage er, daß sie die in der S. D.P. Organisierten als gute Sozialdemokraten und Kämpfer für das Proletariat ansähen.(Zuruf: Geh doch zu ihnen!) Auch nach den Geschehnissen nach Deventer müsse die Minderheit so sprechen auch im Interesse der S. D. A. P., die verpflichtet sei, früh oder spät die Wiedervereinigung zustande zu bringen. Der Harteivorstand habe verständig und loyal bei den Vermittelungsversuchen gehandelt. Redner aber wiederholt und will dabei bleiben, daß die Schuld, die übergroße Schuld der Spaltung bei der Mehrheit der S. D. Ä. P. liege.(Widerspruch.) Nicht dieser Parteitag, aber viele Mit- glieder der Partei seien dieser Ansicht. Wir müssen ihnen(den Ausgetretenen) die Hand reichen, sagt Redner. Wir haben sie alle nötig. Laßt die Wiederherstellung der Einheit das Vornehmste unseres Programms sein.(Beifall.) Der Vorsitzende Vliegen wendet sich gegen die Aeußerungen deS Vorredners und will nicht, daß auf dem von dem eingeschlagenen Wege fortgeschritten werde. Die Solidarität von van der Goes mit der S. D. P. sei bekannt, aber wenn man Mitglied einer Partei sei, müsse man sich gegen ihren Feind stellen. Tue man das nicht, dann tue man seine Pflicht nicht. Die Mehrheit wolle loyal bleiben, aber dann sei auch das Gleiche von der Marxisten in der eigenen Partei zu verlangen. In der Nachmittagssitzung wird ein Antrag der Abtei» lungenAmsterdam 1—6 verworfen, der die ausdrückliche Anerkennung der Freiheit der Kritik und der Aussprechung abweichender Meinungen ausgesprochen wissen will. Ebenso wird ein Antrag derselben Abteilung verworfen, der bezweckt, daß der Ausschluß von Parteimitgliedern nur mit Ä-Mehr. heit der abgegebenen Stimmen erfolgen darf. Zum Jahresbericht der Kammerfraktion meldet sich niemand zum Wort, woraus der Vorsitzende Vliegen schließt, daß keine Ausstellungen von Bedeutung an der Tätigkeit der Kammerfraktwn zu machen seien. Zwei Anträge der Abteilung Zaandam werden borläufig zurückgezogen. Der erste fordert eine Erklärung des Parteitages, daß die Partei jede Beitragsleistung der Arbeiter zu sozialen Versicherungen abiveist. Der Parteivorstand wird diese Frage, eventuell in einer dazu zu ernennenden Kommission, vorbereiten.— Der zweite Antrag betrifft die Kampagne, welche die Unternehmer gegen die bestehende Unfallversicherung führen. Da- gegen soll sich die S. D. A. P. in Gemeinschaft mit dem Verbände der Gewerkschaften zur Wehr setzen. Nachdem der Schriftführer des Verbandes der Gewerkschaften van der Tempel mitgeteilt hat, daß auch sein Verband diese Frage auf seinem Kongreß behandeln werde und der Vorsitzende Vliegen sich gegen eine neue besondere Agitation in dieser Frage erklärt hatte, wird vor Schluß des ersten SitzungstageS von Frau P o t h u i s- Schmidt, Amsterdam v, noch die Mutter- schaftsversicherung eingehend besprochen, die ihrem An- trage gemäß in das Kampfprögramm der Partei aufgenommen wird. kheinlicher Parteitag. Während der beiden Ostertage fand in Düren der zwölfte Jahresparteitag des südlichen der beiden rheinischen Agitations- bezirke statt, der die Regierungsbezirke Köln, Aachen, Koblenz und Trier, sowie das Fürstentum Birkenfeld umfaßt. Aus IS Reichstagswahlkreisen waren 46 Vertreter er- schienen. Den Parteivorstand bertrat Geiwsse W e n g e l s(Berlin). Der von dem Bezirksparteisekretär Hofrichter erstattete Jahresbericht stellt ein Anwachsen der eingeschriebenen Parteimitglieder auf 9871 fest, worunter sich 931 weibliche befinden. Es fanden 634 Vereinsversammlungen, 21 Kreiskonferenzen und 869 andere Zusammenküfte statt. Die Kölner Parteigenossen ver- anstalteten zwei Lehrkurse über die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Es wurden verbreitet: S00 000 Flugblätter zur Landtagswahl, 300 000 politische Flugblätter anderer Art, 107 500 Flugblätter zu Gemeinderats- und Stadtverordnetenwahlen. 90000 Agitationskalender, 22 000 Broschüren zur Frauen- a g i t a t i o n und 5000 Agitationsbroschüren verschiedener Art. Ferner gibt das Agitationskomitee eine aus dem Satz der„Rheini- scheu Zeitung" hergestellte für daS Land bestimmte achtseitige Wochenausgabe zum Preise von monatlich 30 Pf. heraus, der die„Gleichheit" unentgeltlich beigelegt wird. Die Agita» tion leidet besonders durch die Saalabtreibungen durch die klerikalen und behördlichen Gegner. Der gegenwärtige Parteitag sollte gemäß dem Beschlüsse des borjährigen in Euskirchen stattfinden; infolge landrätlicher Beeinflussung des in Betracht kommenden Saalbesitzers mußte Düren als Tagungsort genommen werden. Bei der Landtagswahl war das Haupthindernis die öffentliche Stimmabgabe. Nirgendwo wird ein solcher Terra- r i s m u s getrieben wie in den Herrschaftsgebieten deS Z e n- trums. Wer auf dem Lande sozialdemokratisch stimmt, läuft Gefahr, im buchstäblichen Sinne aus dem Orte getrieben zu werden. Dazu kommen die Verfolgungen der Flugblattverteiler usw. durch die von der Geistlichkeit fanatisierte Bevölkerung. Trotz aller Hindernisse und trotz der berherenden wirtschaftlichen Krise mit ihrer massenhaften Arbeitslosigkeit istPie Partei auch im Berichts- jähr wieder im Bezirk tüchtig vorwärtsgeschritten. Einen großen Teil seines Berichts widmete Hofrichter der Wahlrechtsbewegung, wobei er besonders sich mit dem im LgitationSgebiet dominierenden Zentrum befaßte. DaS Organ der katyolischen Arbeitervereine Westdeutschlands, die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", habe wiederholt gesagt, daß ohne eine Volks- bewegung und ohne eine offene und klare Agitation eine Wahl- reform unmöglich sei. Vom Zentrum aber sei nicht das allermindeste geschehen, um eine solche Volksbewegung und eine solche Agitation zu fördern. Im Gegenteil: DaS Zentrum habe die Wahlrcchtsbcwrgung der Sozialdemokratie verhöhnt und beschimpft. Die katholischen Arbeiter müssen immer wieder daraus hingewiesen werden, daß beim Zentrum Worte und Taten sich niemals decken. Als Beruhigungsmittel hat man auf einigen Bezirkstagungen katholischer Arbeitervereine Resolutionen bc- schließen lassen, die das ReichStagSwahlrecht für Preußen fordern. Irgendwelchen tatsächlichen Erfolg dieser Resolutionen auf die Haltung des Zentrums hat man nicht beobachten können.� Der Redner brachte noch eine Menge schlagenden Materials für die Wahlrechtsfeindlichkeit und die demagogische Natur deS Zentrum- bei. Ferner befaßte er sich mit dem großen Abstand zwischen den Zahlen der gewerkschaftlich und der politisch Organisierten: bei mehr als 30 000 Mitgliedern der freien Gewerkschaften im Agitationsbezirk gebe es kaum 10000 Parteunitglieder. Die politische Organisation merke wenig davon, daß die freien Gewerkschaften nach der Behauptung der Gegner „sozialdemokratisch" seien. ES müsse viel mehr System in die Mitgliederwerbung gebracht werden. Der Volksverein für daS katholische Deutschland habe 688 000 Mit- glieder, wovon allein 208 000 auf die R h e i n p r o b i n z kommen. Das Zentrum suche den letzten Mann heranzuholen. Die Frauen- agitation liege im Bezirk sehr darnieder; auch da müsse gründlich Wandel geschaffen werden. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 12 249,40 Mark, eine Ausgabe von 11 760,90 M. auf.— Der Parteitag bc- schloß, den Parteibeitrag der Frauen auf wöchentlich 10 Pf.(gleich dem Beitrag der Männer) bei Gratislieferung der „Gleichheit" festzusetzen. Ferner beschloß der Parteitag, zum Organisation S- st a tut beim allgemeinen Parteitag zu beantragen, daß nicht Monats-, sondern wöchentliche Beiträge, und zwar 10 Pf. pro Woche, festgelegt würden. Zur Kommunalpolitik hielt Dr. O u a r ck(Frankfurt) einen großzügigen Bortrag. Er befaßte sich dabei auch mit der Frage der„Reform" derrheinischen Landgemeinde- o r d n u n g, die von der Regierung geplant ist und den p r e u tz i- schen Landtag beschäftigen wird. Zur Begutachtung des Eni- wurfs hat die preußische Regierung nicht die Gemeinden, sondern den siebenmal gesiebten vermoderten rheinischen Provinziallandtag berufen. DaS Recht der Meistbegüterten, als geborene Gemeinde- ratsmitglieder den Gemeindevertretungen anzugehören, eine Ein- richtung, die alle anderen Pluralsysteme in den Schatten stellt, soll nicht beseitigt, sondern dahin eingeschränkt werden, daß künftig die„Geborenen" nicht mehr als die Hälfte der Gewählten aus- machen dürfen. Die sonstigen Verbesserungen find minimalster Art. Die Rheinische Landgemeindeordnung bleibt auch nach dieser „Reform" eine Rumpelkammer antiker Ungeheuerlichkeiten. Dennoch haben die Zentrumsleute im Provinziallandtag ihr zugestimmt! die drei Kölner Zentrumsstadtverordneten, die in ihm sitzen, haben nicht den Mund aufgetan. Nach einer lebhaften Diskussion nahm der Parteitag zu diesem Referat und zur Reichsfinanzreform entsprechende scharfe Resolutionen an._ Nerbandstag der Sattler und Portefemller. Köln, 13. April'1909. Am Dienstag begannen die gemeinsamen Verhandlungen der bisherigen Verbände der Sattler und Portefeuiller. Blum spricht den Wunsch aus, daß die Generalversammlung etwas schaffen werde, was dauernden Wert habe. Bei der Feststellung der Tagesordnung wird auf Antrag W e i n s ch i l d den besoldeten Beamten deS Vorstandes Stimmrecht gewährt. Zu Vorsitzenden werden Blum und Weinschild ge- wählt. Blum weist darauf hin, daß die Beratung des Statuts die wichtigste Angelegenheit fei, die den Verbandstag beschäftigen werde. Die Vorlage der Vorstände stelle ein Kompromiß dar; im Laufe der Jahre sollen Erfahrungen gesammelt werden. Auf Grund dieser Erfahrungen soll dann ein neues Statut aufgebaut werden. Der Sattlerverband habe während seines 20jährigen Bestehens Erfahrungen gesammelt, die die Portefeuiller wohl nicht in gleichein Maße besitzen und die jetzt nutzbar gemacht werden könnten. Das Aufsichtsamt für das Versicherungsgewerbe verlange, daß der Sattlerverband sein Statut zur Genehmigung einreiche, weil der Verband eine Versicherungsgesellschaft sei. Deshalb müßten die Unterstützungen als freiwillige bezeichnet werden, sonst könnten dem Perbande die Sjxeikgelder gesperrt werden und er wäre als Gewerkschaft fertig. In der Vorlage sind 46 Pf. als Wochen- beitrag festgesetzt, das ist weniger, als in den meisten anderen Ge- werkschaften und bei den skandinavischen und österreichischen Bruderorganisationen. Dreiviertel der deutschen Gewerkschaften zahlen bereits höhere Beiträge. Der Redner geht auf die einzelnen Anträge ein, die in großer Zahl zum Statut gestellt sind. Sie be- handeln besonders die Beitragshöhe, die lokalen Prozente und die Unterstützungen. Die Generalversammlung tritt hierauf in die Beratung der einzelnen Paragraphen ein. Zum Sitz deL Verbandes wird Berlin gewählt. Ein Antrag, Oftenbach dazu zu bestimmen, wird abgelehnt. Der neue Verband führt den Namen: „Verband der Sattler und Portefeuiller". In Z 2 wird festgesetzt, daß sämtliche Unterstützungen freiwillig gewährt werden und daß den Mitgliedern kein klagbares Recht darauf zusteht. Eine sehr ausgedehnte Debatte entsteht bei der Festsetzung der Beitragshöhe. Weinschild tritt da- für ein, daß die Beiträge mit den Lokalzuschlägen nicht mehr als 50 Pf. betragen sollen. S a u e r- Dresden befürwortet, daß die Lokalzuschläge beibehalten werden, sonst könnten die Unterstützungen nicht mehr in der bisherigen Höhe gewährt werden. Einen breiten Raum nehmen die Erörterungen über die Verhältnisse im Offen- bacher Industriegebiete ein, dort haben bisher die Portefeuiller einen niedrigeren Lokalzuschlag als die Sattler. W e i n f ch i l d schlägt vor, daß dem dort bestehenden WiderftandsfondS der Betrag von 6000 M. zugeführt werde, die Portefeuiller sollen ohne Karenz- zeit, wenn sie den Lolalzuschlag zahlen, an den Unterstützungen aus der Lokalkasse teilnehmen können. In der weiteren Debatte führt Kloth(Buchbinderverband) das geringe Anwachsen deS Vcr- mögens der Sattler auf die zu geringen Beiträge zurück. Neben den Ausgaben für die Zentralkasse hätten die Lokalkassen noch Auf- Wendungen für die Kartelle, Arbeitersekretariate und Gewerkschafts- Häuser zu machen. Er empfiehlt die Einführung höherer Beiträge, tocil sein Verband ein Interesse daran habe, daß die neue Organi- sation allen Stürmen gewachsen ist. Wurm- Oftenbach macht den Vorschlag, die Offenbacher Angelegenheit im dortigen Bezirk zu regeln. Blum führt an, daß der Vorstand nötigenfalls die Offen- bacher Verhältnisse ebenso regeln könne, wie er das in Berlin gc- macht habe. Sassenbach(Generalkommission): Die Lokalzuschläge sind erst allmählich entstanden und gewissermaßen wild gewachsen. Fast alle Organisationen hatten mit ihrer Regelung zu tun. Sie bilden einen berechtigten Ausgleich der lokalen Unterschiede. Sie sind durchaus notwendig und haben sich bewährt. ES würde für die Sattler einen Rückschritt bedeuten, wenn sie sie aufgeben sollten. Auf der anderen Seite erwachsen für di« Portefeuiller Schwierig- leitend wenn sie OrtZzuschläge jetzt einführen sollten. Sie müssen aber in* Interesse beider Berufsgruppen dafür wirken. DaM wird folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Generalversammlung empfiehlt den Ortsverwaltungen, dafür Sa.rge zu tragen, daß die Mitglieder derjenigen Gruppen, welche keine Beiträge zu den bestehenden Lokalkassen entrichtet haben, vom I. Oktober 1909 vollberechtigte Mitglieder derselben sind, falls sie im Laufe dcS Monats Juli beitreten. Als Wochcnbcitrcm wird hierauf gegen 8 Stimmen 59 Pf. für männliche und 25 Pp für weibliche Mitglieder festgesetzt. Ange nommen wird folgender Antrag: In solchen Verwaktungsstellen, in denen der Zentralvorstand für bestimmte Gruppen einen Lokalzuschlag genehmigt hat, haben die Mitglieder dieser Gruppen diesen nach denselben Bestim- mungen zu entrichten wie die Verbandsbeiträge. Einzelmitglieder und Mitglieder der von dieser Bestimmung nicht betroffenen Gruppe können freiwillig der Lokalkasse beitreten. Mitglieder, die dauernd erwerbsunfähig werden und dem Verbände min bestens drei Jahre angehören, haben einen monatlichen Beitrag von 10 Pf. zu leisten. Sie erhalten dafür das Verbandsorgan und die Beerdigungsbeihilfe. Eine Reihe von Anträgen werden dem Vorstande zur Berück- sichtigung überwiesen. . Die Verhandlungen werden hierauf auf Mittwoch vertagt. * In dem gestrigen Bericht mutz es heitzen, dah die Offenbacher Delegierten protestiert haben, daß keine Urabstimmung vor- genommen worden sei. Vierter Verbaudstag der Huteldietter. München, 13. April 1999, Der vierte Verbandstag des Verbandes deutscher Hoteldiener, der sich auf seiner letzten Generalversammlung der General- kommission anschlotz, wurde heute hier im Restaurant„Zur Lacke" eröffnet. Es sind 43 Delegierte, 2 Vertreter des Hauptvorstandes, die Gauleiter und Vertreter des Ausschusses, der Revisions- kommission, des Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfen und der Generalkommission anwesend. Auf der festgesetzten Tagesordnung stehen neben den Geschäftsberichten u. a. folgende Punkte: Anschlutz an den Verband deutscher Gastwirtsgehilfen, Tarifangelegenheiten, Schutzgesetzgebung im Gastwirtsgewerbe und Bahnhofsdienst. Den Geschäftsbericht erstattet Vorsitzender D i e s i n g- Berlin, der auf den gedruckt vor- liegenden Bericht verweist und diesen ergänzt. In dem Bericht wird einleitend mit Bedauern konstatiert, datz trotz angestrengter Arbeit in der Berichtszeit(1. Januar 1907 bis 31. Dezember 1908) fast kein Fortschritt zu verzeichnen ist, was seinen Grund in der schweren Zugänglichkeit der Kollegen habe, und diese sei wiederum durch die lange Arbeitszeit, das Kost- und Logiswcsen, das Trink- geldsystem und anderes verursacht. In der Berichtsperiode sind zwar 2645 Mitglieder beigetreten, aber 2560 verloren gegangen. Am 1. Januar 1907 zählte der Verband 2941 und am 31. Januar 1903 3234 Mitglieder; die Zunahme ist also eine geringe. In sechs Orten sint> neue Ortsverwaltungen gegründet worden, fünf Mit- gliedschaften gingen aber verloren. In wirtschaftliche Kämpfe wo? der Verband in der Berichtszeit, und zwar im Jahre 1907, mehr dem: je verwickelt. Waren die Bewegungen auch nur klein— was in t�r Natur der Sache liegt—, so kann man doch konstatieren, datz sie zum Teil von Erfolg begleitet waren. Lohn- bewegungen und Streiks fanden statt in Köln, Bremen. Königsberg, Düsseldorf. Berlin. Dresden. Nürnberg und Hamburg. Das Fachorgan,„Der Hotcldiener", wurde auch in den letzten beiden Jahren vergrößert. Während es früher nur in sechs, höchstens acht Seiten erschien, wurden schon 19—12 Seiten in der Zeit 1906/0? verwandt. In der letzten Periode erschien das Organ 12—16 Seiten stark. Nach dem Kassenbericht betrugen die Gesamteinnahmen für die Hauptkaffe 63 394.51 M., die Gesamtausgabe 53 492,39 M. Von den Ausgaben erwähnen wir: Für Druck und Versand der Zeitung 9433,02 M.. für Kranken- und Reiseunterstützung und Sterbegeld 6752,06 M.. für Agitation 4465.95 M., für Matzrege- lungen und Streiks 518,59 M. und für Teilnahme an den geWerk- schaftlichen Unterrichtskursen(5 Kollegen) 659,65 M. Die Ausgaben erhöhten sich gegenüber den Geschäftsjahren 1995/06 um 19126,06 M. Die Vermögenszunahme beträgt 14 812,12 M. und der Vermögensbestand 38 776,65 M. Den Bericht des Ausschusses gibt Witzmann-Hannover. Der Ausschutz hatte nur wenige Beschwerden zu erledigen, die kein allgemeines Interesse besitzen. Es folgen nun die Berichte der Gauleiter, die eben- falls gedruckt vorliegen. Für den Gau Berlin-Norddeutschland be- richtet B u r ch a r d t- Berlin, für Rheinland-Westfalen Engel- Köln, für Sachsen Müller- Dresden, und für Süddeutschland W e tz l c r- Frankfurt a. M. Die Berichterstatter besprechen ein- gehend die Verhältnisse in den Zahlstellen, die mehr interner Natur sind. Besondere Erfolge wurden nirgends erzielt, die Agitation hatte unter der Krisis und unter den ungünstigen Verhältnissen im Berufe zu leiden. An die Berichte schloß sich eine ausgedehnte Debatte, m der an der Tätigkeit des Hauptvorstandes von mehreren Delegierten Kritik geübt wurde. P o p p e l- München ist der Ansicht, der Haupt- vorstand habe in München, das ein günstiger Boden für die Agita- tion sei, zu wenig getan, sonst wäre dort mehr erreicht worden. Förster-Dresden: DieTätigkeit des Gauleiters für Sachsen war nicht ausreichend. cS mutz ein besoldeter Gauleiter für Sachsen angestellt werden. H a a s e- Leipzig unterstützt diese Ausführungen. Der Haupt- vorstand hätte eine intensivere Agitation in Sachsen betreiben müssen, dann hätten wir keine Mitglieder verloren. Burchardt- Berlin und andere Berliner Delegierten be- sprechen die Differenzen der Berliner Ortsverwaltung und des Hauptvorstandes. Burchardt besonders kritisierte einen Beschluß des Ausschusses auf eine Beschwerde der Berliner. Die Stellen- vermittelung müsse ausgebaut werden. Laumann- Mainz ist mit der Tätigkeit des Gauleiters für Süddeutschland nicht ganz zufrieden, und Arnold- Leipzig meint, es wäre zu wenig Agitation in den letzten Jahren betrieben worden, der Hauptvorstand habe die Schuld, daß keine Erfolge er- zielt wurden. W i e s e ck e- Berlin haut in dieselbe Kerbe. Der Vorstand gehe auch bei Bewilligung von Unterstützungen zu bureaukrattsch vor. Er solle nicht so scharf nach den Bestimmungen des Statuts entscheiden und lohal vorgehen. H e n n r i ch- Wiesbaden glaubt, datz der Mitzerfolg des Ver- bandes nicht nur durch die Krisis verursacht sei und Ä a u m a n n- Freiburg sagt, der Hauptvorstand habe nicht die Schuld cm der Stagnation des Verbandes, es müsse geftagt werden, haben auch die Kollegen in den Zahlstellen ihre Pflicht und Schuldigkeit getan? Weitere Redner plädieren für Anstellung von mehr Gauleitern, für andere Gaueinteilung und für Betreibung einer intensiveren Agitation. Vorsitzender Die sing- Berlin geht wiederholt auf die Aus- führungen der Redner ein und verteidigte die Haltung des Vor- standes. Die Stellenvermittelung dürfe man nicht in den Vorder- grund stellen, das Hauptgewicht müsse auf die Erringung � von besseren Lohn- und Arbeitsverhältnissen gelegt werden. In seinem Schlusswort gibt Diesing noch Winke für die Agitation. Dann wird ein Antrag, der Hauptvorstand möge bei Bewilli- gung von Unterstützungen möglichst lohal vorgehen, angenommen und dem Vorstand und Ausschuß Decharge erteilt. Die Verhandlungen werden vertagt. psitor Soest. Polizisten und Pastoren gehören zu den auserlesenen Stützen des Staates der frommen Sitte und— Klassenordnung. Wer das Pech hat, von einem jener Repräsentanten körperlich oder moralisch mißhandelt zu werden, läuft auch noch Gefahr— wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt oder wegen Beleidi- gung der staatsanwaltlich besonders Geschützten ins Gefängnis zu wandern. Datz ein Zivilbürger, der von einem SchutzmannSsäbel traktiert worden war, nachher die Anklagebank ziert und im„Namen des Königs" bestraft wird, gehört ja nicht zw den Seltenheiten. Datz es aber auch gefährlich ist, sich über eigenartiges Be tragen eines Gottesmannes bei der zuständigen Behörde zu be- schweren, dafür liegt uns ein Urteil vor, das wir als Kultur- dokument der Oeffentlichkeit unterbreiten wollen. Der Sohn eines Landwirtes erzählte diesem, ein Diener deI Herrn habe während des Konfirmationsunterrichts den Kindern die— Nordseite seines Daseins gezeigt und dabei die Frage gestellt, ob das 'der— Spiegel des Menschen sei? Der Vater beschwerte sich daraufhin über den Pastor, und die Folge war eine Strafanzeige wegen Beleidigung gegen den— Beschwerdeführer! Es ist nicht das Verdienst des Pfarrers, datz die Anzeige nicht zu einer Ver- urteilung führte, wie der nachfolgende Beschlutz durtut: Beschluß. In der Strafsache gegen 1. den Bauerngutsbesitzer Johann Markau: 2. den Winomüller Ernst Brennike in Dierberg, Kreis Ruppin, wegen Beleidigung<§ 168 St.-G.-B.) wird der Antrag der königl. Staatsanwaltschaft auf Eröffnung des Hauptverfah- r.ens abgelehnt. Die Kosten deS Verfahrens werden der Staatskasse auferlegt. Gründe: Die als Zeugen vernommenen Knaben Arnold Salomo, Walter Markau und Zldolf Hohn haben übereinstimmend bei ihrer gerichtlichen Vernehmung bekundet, oatz der Pastor Boese, als er am 21. März 1998 beim Konfirmandenuntcrricht auf seine Frage: „Welches ist der Spiegel deS Menschen?" von dem Knaben Sa- lomo die Antwort erhalten hatte:„die menschliche Gestalt", sich herumgedreht, den Rumpf vorwärts gebeugt hat, so datz seine Rockschöße auseinanderfielen, und gefragt hat, indem er sich mit beiden Händen auf sein den Kindern zuge- wandtes Gesätz faßte:„Ist das vielleicht der Spiegel?" Mit diesen Angaben stimmen die Angaben des Beschuldigten in den an die königliche Regierung in Potsdam bezw. an das königliche Konsistorium in Berlin gerichteten Eingaben vom 25. März und 15. April 1998, welche die Grundlage der Anklage bilden, im wesentlichen übcrein. Soweit sich unbedeutende Ab- weichungen ergeben, sind dieselben mit Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, datz die Vorgänge den Beschuldigten in etwas anderer Form mitgeteilt worden sind. Jedenfalls fehlt jeder An- halt dafür, datz die Beschuldigten an der Richtigkeit der in ihren Eingaben wiedergeaebenen Darstellung gezweifelt haben. Unter oieser Voraussetzung waren sie berechtigt, das Ver- halten des Pfarrers Boese als mit einem gedeihlichen Konfir- mandenunterricht im Widerspruch stehend anzusehen und als Eltern der in Betracht kommenden Kinder oder als Angehörige der Kirchengemeinde sich mit der Bitte um Abhilf« an die vor- gesetzte Behörde des Pfarrers als die zuständige Stelle zu wenoen. Auch aus der Form und dem Inhalt der Anzeigen oder auS den begleitenden Umständen ist das Vorhandensein einer Beleidigung, das heißt die Absicht zu beleidigen, nicht ersichtlich. Jnsbcsonoere kann aus dem Umstand, daß die erste Anzeige anonym erstattet ist, nicht mit Notwendigkeit das Gegenteil gefolgert werden. Ebensowenig kann deshalb, weil der Beschuldigte Markau bei Schilderung der Vorgänge durch seinen Sohn lachte, die Wahr- nehmung berechtigter Interessen durch die Eingaben verneint werden; denn wenn der an und für sich einer gewissen Komik nicht entbehrende Vorgang bei seiner Schilderung vorübergehend zu einem Lachen führte, so kann und wird gleich darauf doch der Unwille über die etwas derb drastische Gestaltung deS Konfirmandenunterrichts die Oberhand gewonnen haben. Hiernach steht den Beschuldigten der Schuldes§ 193 St.-G.- B. in einer die Strafbarkeit ausschließenden Weise zur Seite. Ncu-Ruppin, den 4. Dezember 1998. Königliches Landgericht. Strafkammer 3. (gez.) Dr. Schleutznec. Rieve. Gerloff, ß. E. Ausgefertigt.' Neu-Ruppin, den 12. Dezember 1998, Stempel. Kirchmann. Gerichtsschreiber des kgl. Landgerichts, Straft. Es wird wohl kein Leser auf den Gedanken kommen, die unter strammer Kirchenzucht stehenden, in frommer Sitte erzogenen Knaben auf dem von Grotzstadtsünden nicht verseuchten Lande hätten sich die Beschuldigung gegen den Pfarrer einfach aus den Fingern gesogen. Anderer Ansicht scheint das königl. Konsistorium der Provinz Brandenburg zu sein. Das Pikanteste von der ganzen Geschichte folgt nämlich noch. Auf Grund des mitgeteilten Be- fchlusseS machte der Land rat Markau eine Eingabe an die ge- nannte Behörde. Hier die Antwort: Kgl. Konsistorium der Provinz Brandenburg. Berlin SW., den 18. Februar 1909. Schützenstratze 26. Auf Ihre an den evangelischen Ober-Kirchenrat gerichtete, an uns zur weiteren Veranlassung abgegebene Eingabe vom 13. Dezember 1998 betreffend Herrn Pfarrer Boese: Ihre Annahme, oatz die dritte Straftammer des kgl. Land- gerichts in Neu-Ruppin den Antrag der kgl. Staatsanwaltschaft auf Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Sie und Herrn Brennicke deshalb abgelehnt habe, weil das, was Sie über Herrn Pfarrer Boese seinerzeit behauptet haben,„nur volle Wahrheit" sei, ist unzutreffend. Der Beschlutz der Strafkammer vom 4. Dezember 1903 läßt eS völlig dahingestellt, ob Ihre Angaben der Wahrheit entsprechen, er nimmt nur an, datz Sie und Herr Brennicke„an der Richtig- leit der in Ihren Eingaben wiedergegebencn Darstellung nicht ge- zweifelt haben." Die Strafkammer meint, datz Sie„unter dieser Voraussetzung"(d. h. wenn Sie die Mitteilungen der Knaben Arnold Salomo, Walter Markau und Adolf Hohn für richtig gehalten haben) berechtigt waren, sich an uns mit der Bitte um Abhilfe zu wenden. Da wir jedoch keine Veranlassung(!) haben, den genannten Knaben mehr Glauben zu schenken als dem Pfarrer Boese, so haben wir auch keinen Grund, an dem von diesem erteilten Kon- firmandenunterricht etwas auszusetzen und die von Ihnen ge- wünschte Abhilfe zu schaffen. Wenn ein Gemcindemitglied der Parochie Dierberg eine Trauung, Taufe oder ein Begräbnis durch einen anderen Pfarrer als Herrn Pfarrer Boese vornehmen lassen will, so bedarf er dazu einer schriftlichen Einwilligung des Herrn Pfarrer Boese. Dieser wird für jeden einzelnen Fall die Genehmigung gegen Empfang der ihm zukommenden Gebühre«(!) erteilen. Im übrigen verweisen wir auf unsere Verfügung vom 24. November 1908— K. 6. 8589—. Es bleibt Ihnen überlassen, den übrigen Unterzeichnern Ihrer Eingabe von vorstehendem Bescheide Mitteilung zu machen. (gez.) Sternhaufen. An den Landwirt Johann Markau jun. in Dierberg. Eine» Kommentar? bedarf dieser Ausfluß konsistMlfct»? Weisheit nicht. Nur eine Bemerkung möchten wir uns gestatten: Das Konsistorium mutz keine hohe Meinung von der Erziehungstätigkeit des Pfarrers Boese haben, wenn xS annimmt, fülle Zöglinge. J könnten die unanständige Geschichte erfunden haben, um den Gottesmann zu ärgern. Ja, daß'die Knaben eS sogar fertig brächten, gegen den Gottcsmann und im Widerspruch mit dessen Aussage vor Gericht falsches Zeugnis abzulegen. Hält man den Pfarrer trotzdem oder deswegen für den geeigneten Jugendbildncr und Seelenhirten?_ Hus der Frauenbewegung. Er und— sie. Kürzlich berichteten wir über die Gründung eines weiblichen Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Die Leitung haben bessere Hälften bekannter Sozialistentöter vom Schlage Lieberts übernommen. Vielleicht deshalb erfreut der Klub sich besonderer Sympathie Bülows. Er hat, wie die„T. R." zu melden weih, der Vorsitzenden dieses„Deutschen Frauenbundes" folgende Anerkennung zukommen lassen: „Die mir übermittelte Nachricht, dah eine grohe Anzahl deutscher Frauen aus allen Kreisen sich zusammengefunden hat, um an der Kräftigung des nationalen Bewußtseins unseres Volkes und an der Bekämpfung der Umsturzbeivegung mitzuarbeiten, hat mich mit lebhafter Genugtuung erfüllt. Ich wünsche diesem Unter- nehmen, dessen Ziele ich nur billigen kann, den besten Erfolg." Wir nehmen von dieser neuen Paarung mit gebührendem Respekt Notiz. Dah die neue Blockgenossin nicht einmal überall in bürgerlichen Vereinen als fair betrachtet wird, finden wir in der Zeitschrift„Die Frau" bestätigt. Es heiht dort u. a.: „Auf Schritt und Tritt wird sich die Unbildung und die naive Befangenheit des politischen Denkens bei diesen Frauen der gegnerischen Partei gegenüber bemerkbar machen und ihr die will- kommensten Blähen bieten. Es liegt in diesem ganzen Unternehmen an sich eine ungeheure Unterschätzung des Gegners, und das werden die Frauen, wenn sie nun wirklich in den Kampf eintreten, zu ihrem eigenen Schaden sehr nachdrücklich er- fahren. Die bürgerliche Frauenbewegung steht nicht auf dem Standpunkt der Sozialdemokratie und bekämpft sie gleichfalls aus ihre Weise, das heiht so, wie man ein wissenschaftlich sehr fest gegründetes System und einen historisch durch- auL begreiflrchen Jnteressenstandpunkt bekämpft. Aber diese Akobi!- machung der„Dame" gegen die Sozialdemokratie ist ein Mihgriss. der in jedem Sinne, sowohl mit Rücksicht auf ihren mutmahlichen Erfolg wie auch auf die ihr zugrunde liegende nioralische und intellektuelle Gewissenhaftigkeit, tief zu bedauern ist. Er bildet eine politische Verbildung der Frauen zu kritiklosen Mit- läufern in der politischen Agitation und zugleich eine Herabsetzung des Niveaus, auf dem derartige Kämpfe geführt werden sollen." Besser lann dieser neugebackene„Reichs-Frauenbund" nicht charakterisiert werden. Der Vlockvater begreift so etwas natürlich nicht._ Gleichberechtigung für die Frauen. Wenn Gegner der Frauenbewegung, die auch meistens Gegner der Frauenarbeit sind, mit ihren alten, längst widerlegten Argu- menten kommen, vergessen sie eine grohe Frauenschicht, die längst den Befähigungsnachweis für Gleichberechtigung erbracht hat. Ge- meint sind jene Frauen, die als Witwen oder ledige Wirtschafterinnen grohen Hauswesen vorstehen. Bauernwirtschaften, Hotels nsw haben nicht selten Frauen als Leiterinneu, die bedeutende Fähigkeiten be-- künden. Wenn behauptet wird, Frauen ermangelten des weiten Blickes, der dem Manne eigen sei, jenen fehle der Scharfsinn, um in komplizierten Fragen das Richtige treffen zu können, so sind die Versechter solcher Anschauungen durch die konstatierte Tatsache eigentlich schon widerlegt. Man wird vielleicht einwenden, nicht alle Frauen könnten derartiges leisten, und die Leitung eines HauSwesenZ gehöre auch zu dem herkömmlichen Beruf der Frau. Dagegen wäre zu bemerken, dah die„Ausnahmen" aar nicht so selten seien, und dah denen, die nicht zu diesen Ausnahmen gehören, nur die Gelegen- heit fehlt, sich in dem Beruf zu betätigen. Dabei soll freilich nicht bestritten werden., dah die besagte Fähigkeit mancher Frau fehlen mag, wie ja auch unzählige Männer nur mechanische Arbeiten ver- richten können. Es sei aber auch daran erinnert, dah vielfach Frauen nach dem Tode des Ehemanns dessen Geschäfte weiterführten. die nicht in den eigentlichen„Beruf" der Frau einschlagen. Un- zählige Frauen haben seit der Zeit, da es selbständige Handwerker gab, bis auf den heutigen Tag solche Ge- .schäfte geführt und sie auf der Höhe gehalten. I» vielen Geschäften aller Art ist die Frau die Seele des Ganzen. Man denke nur an Schlächtereien und Bäckereien usw. Auch in anderen Betrieben, die gewih nicht zu denen rechnen, in welche:, von Alters her Frauentätigkeit üblich war. ist die Energie und der Ver- stand der Frau das treibende Element. Vor solchen Frauen sollte jeder Mensch Hochachtung bezeugen. Aber nicht allein das: ihnen gebührt auch ein Platz im öffentlichen Leben. Neben den genannten Frauenberufen, die meist der borkapita- listischen Zeit entstammen, gibt es viele andere Gewerbe, in die die weibliche Arbeitskraft immer mehr eindringt. Der Frauen kluger Sinn und ihre Tüchtigkeit verdrängt den Mann vielfach aus leitenden Stellen. Für den Kapitalisten fällt allerdings auch bestimmend ins Gewicht, daß er die Arbeitskraft der Frauen villiger entlohnen kann als die der Männer. Doch würde dieser Umstand allein nicht die rapide Zunahme der Frauenarbeit ermöglicht haben. Die LeistungS- fähigkeil bleibt immer ein hervorragender Faktor. Die Tatsachen sollten genügen, un, die Frau aus ihrer untergeordneten Stellung im Rechts- und Staatsleben heraus- zubringen; die Bevorzugung der Männer mühte längst der Vergangen- heit angehören. Leider hat das Herrschaftsgefühl der Männerwelt der Bourgeoisie, infolge der jahrtausendlangen Knechtung der Frau. zu starke Wurzeln gefaht, als daß eS leicht auszurotten und zu über- winden wäre. Die Unterjochung der Frau wird entgültig ihr Ende erst mit der Beseitigung des Privateigentums finden. In Arbeiterkreisen, wo Mann und Frau das zur Erhaltung der Familie Nötige ge- meinsam erarbeiten müssen, ist das Herrschaftsgefühl deS Mannes, wenn auch vorhanden, doch lange nicht so stark ent- wickelt wie in der besitzenden Gesellschaft. Die Arbeiter- ftau, die selbst für den Erwerb arbeitet, ist sich ihres Mitbestimmungsrechts bewuht geworden. Und eS ist zweifellos ein groher Schritt vorwärts, dah die willenlose Unterordnung über- Wunden wurde. Wie in den Familien den Frauen mehr Freiheiten eingeräumt werden, muh man ihnen wohl oder übel auch im öffcut- lichen Leben einmal Rechnung tragen. Die Aufklärung durch die Sozialdemokratie, hat auch bereits gute Früchte getragen. Gewaltige Massen proletarischer Frauen machen heute ihre Rechte als Staats- biirgerinnen geltend. Und die Schar wird wachsen an Zahl und Einfluh. Immer mächtiger wird der Frauen Ansturm gegen die Vorurteile und Rechtlosigkeit. Endlich muh auch die letzte Schranke des Widerstandes fallen. Die Frauen marschieren mit in den Kampf gegen alle Unterdrückung und Ausbeutung. Ein Verbandstag der Heimarbeiterinnen Dentschland» ist am Mittwoch in Berlin zusammengetreten. Die ganze Organ!« sation hat in 79 Vereinen 6999 Mitglieder. Ober- Regierungsrat Dr. Bittmann-KarlSruhe hielt einen Bortrag über die Heimarbeiter- Gesetzgebung und behandelte dabei in der Hauptsache daS Lohn- Problem. Wenn den Heimarbeiterinnen geholfen werden solle, dann müsse seiner Auffassung nach die Gesetzgebung mit der Regelung dieser Materie einsetzen. Die weiteren Verhandlungen boten ein besonderes Interesse nicht. Lefeabende. Spandau. Heute 8>/s Uhr, bei Fritz Bühle, Havelstr. 29. Steglitz. Freitag, 16, April, N/, Uhr, bei Ramann: Vortrag. Genosse Leimbach:„Kommunalpolitik", G. m. d. H. In dieser"Woche, soweit der"Vorrat reicht: PORZELLAN Weiss Speisetellep u., 1 8, flach 1 5 pr. Dessertteller 1 0 pr. Kompotteller 7 pr. Terrinen 1.15, 1.35 KartofFelnäpfe 68 pr. Bratenschüsseln ovai 20b. 75 pr. Bratenschüsseln rund 45 pt Salatschalen Zauderen Kaffeekannen Teekannen Milchtöpfe Zuckerdosen Tassen 10 bis 8, 45 pr. 45 pc 45 pr. 45 pc 12 pc 15 pc 1 0 pc Küchengarnitur„Regina" mit biau/graaem Dekor Go{Saekar Vorratstonnen 55 pc 68 pc Gewürztonnen 1 8 pc Mesten 1.15 Flaschen 65 pc Satztöpfe e stuck I.30 mit ylddei 63 23 pc 1.70 85 pc 1.60 Kaffeeservice dekoriert 6 Per«. 2.25, 2.40, 3. 1 5, 4.25 für 12 Personen 6.25, 7f50 Mi Ichtöpfe fürTur'. 28 pr. T assen mit Goldband 20 Pf. fein dekoriert 35, 45 Pf. ST�IklOUT blaues Zwiebelmuster Bratenplatten ovai 23»i, 1.10 Kartoffelnäpfe I.10 Zauderen 72 pc. 1.10 Lalatschalen 23 bi, 7 5 pc Salatieren satr« sack I.10, I.40 Ein Restposten SpeisetellerÄach* 5 pf. Näpfe 2, 4, 6, 8 pf. Speise-Teller««c und Aach 1 1 pt Dessertteller IOpc. Kompotteller 9pc Milchtöpfe tu � Vit« 25 b.- 85 pt Tassen 14 PC T assen 5 pr. Wasserkannen 33«. Aufschnittplatten rund 13« Waschgarnituren 4teiiis I.30,»tem« 3.40 w. 6.75 mk. grosser Geisse Blumenkübel 12, 13, 30, 60« Ein_ Posten Feston mit Goldrand u. Goldlinie Speiseteller 28 pc ti»f und flach Tafelservice 30 T«ll« 60 Teil« 78 Teil« 1 3 Mk. 27 Uk. 39 Mk. Dekorierte Feston mit Apfelblüten-Oekor und Goldrand Speiseteller 32 pc ti«r und flach Tafelservice 30 Teil« 80 Teil« 78 Teil» 15.75 29.50 42.50 Porzellan-Tafelgeschirre Bianca Moderne glatte Form, mit reicher Blumendekoration Speiseteller 55 pc tief und flach Tafelservice 30 Teile 60 Teile 78 Teile 24 Mt 47.50 67 Mk, Violetta Rokokoform, zartes blaues Blumenmuster Speiseteller 55 pc tief und flach Tafelservice 30 feile 60 Teile 78 Telia 26 Mk. 49 Mk. 66 Mk Block Moderne glatte Form, mit Unterglasur, RanddekoraL Speiseteller 80 pc tief und flach Tafelservice 30 Teile 80 Taile 78 Teile 35 Mk. 63 Mm 97.60 GLASWAREN Pressglas Butterdosen 25 pc Käseglocken 30, 40 pc Likörschalen 5 pc Wassergläser 5, 6 pc Bierbecher 6, 7, �dGoW" 1 0 pc Bierbecher->« Bordür. 1 0 pc Sturzflaschen p-n-u-t« 30 pc Schleifglas Bowlenkrüge 63, 85 pc Käseglocken 50 pc wa 1.25 Salatschalen 27 bis 95 pc Teller da«. 16, 20 pc Sturzflaschen sicher 40, 50 pc Butterglocken 85 pc, 1.16 Fruchtschalen 1.20 Wassergläser 20 pc Weingarnitur„Schleifenmuster" Rotweinkelche 28 pc Weissweinkelche 28 pc Madeirakelche 25 pc Likörkelche 23 pc Bowlenkelche 30 pc Sektkelche 30 pc Biertulpen 35 pc Bierbecher 25 pc Ein Restposten gepresster Salatschalen IUSOm. Teller 5«. Kuchenteller 20, 30«. Butterglocken 20«. Käseglocken 40«. Zuckerschalen 20«. WIRTSCHAFTS-ARTIKEL Waschfässer 1*5�555« 7 Mk. b. 1 3.50 Waschzober zink 7.25 Wringmaschinen z Gtös..n 8.50 1 0.so Messerputzmaschinen- Sorten 4.25 u. 5.50 Fleischhackmaschinen a Gra-s.n 1.so b. 4 Mk, Plätteisen"fS! 1.so b. 2.25 2.40 b. 2.80 Wurzel-Handfeger« Sorten 50 pc b. 85 pr. WurZelbeSen otmestiel 3 Sorten 1,10 b. 1.60 Rosshaarhandfeger s Sorten 1.1 o b. 1.65 Rosshaarbesen asonen 2.25 b. 3 Mk. Eier-Versandkisten<üt«zu.« sw-k 1.60 u. 2 Mk. Emaillierte Geschirre Schmortöpfe ohne Ring 6 Grfissen 40 PC bil 1 ,50 Schmortöpfe mit Ring- GrS«en 80 Pf. bi« 1.35 Schmortöpfe � d" W Kasserollen«hneRing Kasserollen»«Ri-g Maschinentöpfe Wasserkessel fü-G.» Wasserkessel mit ab.-.,- Küchenschüsseln«.r i GrOiien 65 PC bi» 1.60 8 Gröseen 28 Pf. bi» 80 Ff. 5 Grossen 60 Pf. bi» 1.10 10 Grössen 1 0 PC bis 50 Pf. 5 Grössen 60 PC bi» 1 ,40 S Grössen 80 FC bis 2 Mk. 10 Grössen 3 3 PC bis 1 Mk. Schüsseln flach 18 Grössen 10 Pf. bis 1.60 Garnituren ni seat, soa», seif» 1.so>»» 2 Mk. Waschtöpfe S Grössen 2.25 bis 4 Mk. Waschschüsseln � 8*ifl"�fvj3£L.40 pc u* 1.25 Waschschüsseln ohne Seilhtpf, dekoriert 2.50 TOÜetteneimer mit Rohrbügel dekoriert 4.25 Toiletteneimer weiss« Grössen 1 ,60 bis 3 Mk. Wannen iÄ..,, 1.iObi.5,25 �«.„1.10bi»2.50 Wassereimer« Grossen 45 pc«» 1.20 Eisschränke mit Zinkblech ausgeschlagen oder mit Glasplatten ausgelegt in allen Grössen. FÜR GARTEN UND BALKON Rasenmäher„Universal" 25 SO 35 cm mit 3 Messern 1 6 Mk. 1 7 Mk. 1 8 Mk. Rasenmäher Yellow Fellow 30 35 cm mit 4 Messero 26 Mk. 27850 Rasensprenger und Strahlrohre in verschiedenen Ausführungen Gartenschläuche... 0 '/. Zoll, 4 mm Wand Meter>-vu und£ Mk. Giesskannen._K Weissblecb, 5 Grössen iUrub. 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Nachdem sich der Verbandstag am Tage vorher konstituiert und die Tagesordnung festgesetzt hat, erstattet am heutigen Tage B e h- rendt den Geschäftsbericht. -' Bezüglich der Behandlung des Geschäftsberichtes sagt der Refe- rent, daß die Frage der Unter st ützungseinrichtun gen zunächst ausscheidet, da diese einer besonderen Kommission über- wiesen und dann vom Verbandstage besonders behandelt werden soll, ebenso die Verschmelzung mit dem Maurer- verband. Redner geht dann auf die wirtschaftlichen Ereignisse der letzten Jahre ein. Die wirtschaftliche Situation muß bei der Beurteilung der Tätigkeit des Vorstandes und des Werdeganges der Organisation gerecht berücksichtigt werden, dann ist es ohne weiteres verständlich, daß es nicht möglich war. die Mitgliederzahl auf ihrer alten Höhe zu erhalten, sondern daß der Verband tausende Mit- glieder verlieren mußte. Immerhin war im Jahre 1307 noch eine Zunahme zu verzeichnen, doch hatten schon in diesem Jahre 42 große Städte einen Gesamtrückgang von über KXX) zu verzeichnen. Diese selben Städte haben dann im Jahre 1903 einen definitiven Verlust von 11 000 Mitgliedern gehabt, so daß von dem gesamten Verlust von 15 000 Mitgliedern an der Durchschnittszahl mehr als 12 000 auf die großen Industriestädte und nur zirka 3000 auf die ländlichen Filialen entfallen.— Redner erwähnt dann die Forderung des ersten Arbeiterfchutzkongresses der Bauarbeiter vom Jahre 1598 auf Abschaffung der Frauenarbeit. Jetzt nach 12 Jahren habe der Reichstag eine derartige Bestimmung angenommen, doch werden die Bauarbeiter bis zum Inkrafttreten derselben im Jahre 1912 noch den alten Zustand ertragen müssen.— Zu den von der Generalkommission eingerichteten Unterrichtskursen sind in den beiden Jahren zirka 20 Kollegen vom Verband entsandt worden. Angestellte, aber auch solche Kollegen, die ohne angestellt zu sein, schon lange im Vordergrunde der Agitation stehen. Der Verbands- tag müsse über diese Unterrichtskurse seine Ansicht äußern.— Redner geht dann eingehend auf interne Verbandsangelegenheiten ein. ersucht aber die Delegierten, ihre Diskussion nicht lediglich auf diese Dinge zu richten, sondern ihre Meinung vor allem über die übrigen Ausführungen und die des gedruckt vorliegenden umfang- reichen Geschäftsberichtes zu äußern.(Lebhafter Beifall.) Der Berichterstatter der Mandatsprüfungskommis- sion teilt mit, daß auf der Generalversammlung anwesend sind 4 Mitglieder vom Hauptvorstand, 1 Mitglied des Ausschusses, 66 Delegierte, 15 Gauleiter, 2 Vertreter der Presse. Von der Gcneralkommission ist Genosse Silberschmidt anwesend. Der Hauptkassierer Kollege Wrede regt in seinem Bericht an, daß in Zukunft nur ein oder zwei Markensorten zur Verwendung kommen sollten: er bespricht die mangelhafte Revision seitens mancher Filialkassierer und verlangt, daß in Zukunft strikte der Vorschrift genügt werden müsse, bis längstens zum 15. des neuen Quartals die Abrechnungen einzusenden. Bezüglich der Einnahme- und Ausgabeverhältnisse verweist auch er vornehmlich auf den ge- druckten Bericht. Heidemann- Berlin berichtet namens des Verbands- ausschusses über mehrere Beschwerden. Den Bericht der Presse gibt R ö s k e. Er moniert die mangelhafte Berichterstattung aus den einzelnen Filialen. Auch die Berichterstattung der Gauleiter über die Lohnbewegungen müsse intensiver und pünktlicher sein. Die wirtschaftlichen Wochenberichte des Fachblattes, die verschiedentlich kritisiert wurden, hält er für lesenswert und werwoll. Er ersucht um treue'Mitarbeit, damit das Fachblatt immer mehr allen berechtigten Ansprüchen genügen würde. Für die Preßkom Mission erstattet Hüffmeier- Hamburg Bericht. Es ist nur eine Beschwerde eingegangen und ist Redner der Meinung, daß der Inhalt des jetzigen Fachorgans sehr anzuerkennen sei. Der gedruckt vorliegende Geschäftsbericht vmfaßt zwei Jahre; derselbe gibt Auskunft über den enormen Niedergang der Bautätigkeit im allgemeinen. Die wirtschaftliche Krisis brachte auch diesesmal eine Erschütterung der gewerkschaft- lichen Organisation mit sich. Der Verband hatte einen starken Mitgliederverlust im Jahre 1908 zu verzeichnen; der Rückschlag hat sich zumeist in den Großstädten vollzogen und ist geradezu unge- heuerlich in Berlin aufgetreten. Dann kommen Tanzig, Königs- berg i. Pr., Breslau, Dresden, Leipzig, Kassel, Mainz, Wiesbaden, Frankfurt a. M. mit feinem umfangreichen Lohngebiet, in dem eine geradezu grauenhafte Arbeitslosigkeit herrschte. Und vor allem das große rheinisch-westfälische Industriegebiet von Münster bis Köln. Dies große Gebiet, in das alljährlich Tausende abwandern und Beschäftigung finden, hatte ebenfalls einen Ueberfluh an Ar- beitskräften zu verzeichnen, der die Kollegen zwang, sich nach anderen Landesteilen zu begeben. Wie groß der Rückgang in der Bautätigkeit war, kann man einigermaßen abschätzen, wenn man weiß, daß das Rheinisch-westfälische Ziegelsyndikat, dem längst nicht alle Ziegeleien angehören, bereits im Jahre 1907 einen Minder- Umsatz von Ziegeln in Höhe von 100 Millionen zu verzeichnen hatte. Dagegen haben die Mittel- und Kleinstädte einen so großen Ver- lust nicht aufzuweisen. Hier schlug die Arbeitslosigkeit nicht so große Wunden als in den Großstädten und Jndustriegegenden. Der in fast allen Städten herrschende Wohnungsmangel berechtigt jedoch zu der Hoffnung, daß nach Beendigung der Krisis eine rege Bau- tätigkeit einsetzt, wodurch Gelegenheit geboten wird, die Kollegen aufs neue an die Organisation zu fesseln. Es wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Fluktuation der Mitglieder nicht allein an der schlechten Konjunktur liegt, daß vielmehr auch die Unter- stützungseinrichtungen eine Rolle dabei spielen dürften, da die Ver- bände anderer ungelernter Arbeiter keinen so starken Rückgang zu verzeichnen hatten. Durch die Auflösung der„Freien Vereinigung der Bauhilfs- arbeiwr" gewann der Verband 600 Mitglieder, während die gleiche Zahl sich trotz der Beschlüsse von Sitzungen und Konferenzen ab- lehnend verhielt und nach wie vor in Anarckosozialismus schwelgt und die klassenbewußten Zentralgewerkschaftler mit Schmutz be- wirft. Die jetzige Geschäftskommission der„Freien Vereinigung Deutscher Gewerkschaften" ist mit Ansprüchen an den Verband herangetreten, deren Berechtigung sie aus einem Mieteverhältnis herzuleiten sucht, das sie mit der Geschästsleitung der„Freien Ver- einigung der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter" und dem Berliner Lokalverein eingegangen war. Die Geschäftskommission verlangt von dem Verband die Zahlung von 1832,25 M., welche Summe sie für Bureaumiete bis zum 30. September 1911 rechnet. Da der Verbandsvorstand sich geweigert hat, die Forderung anzu-. erkennen, hat vie Geschäftstommission den Klageweg beschritten. In der ersten Instanz ist sie bereits abgewiesen; doch hat sie gegen das Urteil Berufung eingelegt und steht ein Termin zum 9. Mai 1909 vor dem Kammergericht zu Berlin an. Auch der Allgemeine Metallarbeiterverband, die Wiesenthalsche Gründung, möchte von dem Verband noch gern 1000 M. zurückhaben, die er dem Berliner Lokalverein im Jahre 1907 während des Streiks„geliehen" hat. Das Ansinnen ist ebenfalls abgelehnt worden. Ob auch diese loka- listische Vereinigung ihre„Forderung" noch auf dem Rechtswege geltend machen wird, bleibt abzuwarten. Im weiteren spricht der Bericht sich äußerst mißliebig über die Handhabung des Bauarbeiterschutzes aus. In den Be- richten der zwölf Baugewerks-Berufsgenosscnschaften ist die Zahl der Unfallanzeigen für das Berichtsjahr 1907 mit 53 682 Fällen angegeben. Die Zahl der Unfälle, für die Entschädigungen gezahlt wurden, beträgt 11031; unter diesen Rentenempfängern befanden sich außer erwachsenen Männern 59 weibliche und 326 jugendliche Personen unter 16 Jahren. Ferner weisen die Berichte der badi- schen und preußischen Gewerbeinspektoren nach, daß trotz Gewerbe- ordnung und Kinderschutzgesetz im Jahre 1907 Kinder von 8 bis 12 Jahren zum Ziegeltronsport auf Bauten benutzt wurden. In einem Falle wird gar konstatiert, daß ein neunjähriger Knabe zum Mörteltragen verwendet wurde. Eingehender beschäftigt sich die bayerische Regierung mit dem Bauarbeiterschutz. Der Bericht weist nach, daß aus einer einzigen Stadt 6 8 Beanstandungen wegen Fehlen der Sicherung gegen Absturz und zum Schutze qegen herab- fallende Gegenstände gemacht wurden. Der ungenügende Bau- arbeiterschutz liegt zumeist an der Buntscheckigkeit der Verord- nungen, die von den Einzelregierungen erlassen werden und weil die nötige Anzahl Beamten für durchgreifende Schutzbestimmungen fehlen. Im Jahre 1907 verzeichnen die Rechenschaftsberichte der Bauberufsgenossenschaften nur 96 technische Aufsichtsbeamte, die auch bei der angestrengtesten Tätigkeit unmöglich 159 548 Be- triebe sorgfältig kontrollieren können. In kleinen Orten üben oft Polizeibcanite die Baukontrolle im Nebenamt aus, diese können, weil sie nicht Fachmann sind, keine Rdängel entdecken und hüten sich auch wohl, sich mißliebig beim Herrn Baumeister zu machen. Die Forderung der Bauhilfsarbeiter auf Anstellung von Ar beiterkontrolleuren wird seitens verschiedener Bauberufsgenossen schaften bekämpft und man sucht Stimmung dagegen zu machen, indem man erklärt, diese Forderung solle nur politischen Zwecken dienen. So versandte zum Beispiel der Vorstand der Rheinisch-Westfälischen Baugewerks-Berufsgenossenschast ein Rund- schreiben an die Mitglieder der Genossenschaft, welches unter anderem folgenden Passus enthielt: „Es ziehen sozialdemokratische Baukontrolleure durch die Lande und verbreiten Schreckensbilder von den Mißständen auf Bauten, die meist unkontrollierbar sind, aber doch im Reichstag benutzt werden, um auf eine gesetzliche Einführung der Kontrolle durch Arbeiter hinzustreben. Wer nicht will, daß das Baugewerbe unter die Herrschast der Sozialdemokratie kommt, verhindere die Revisionen durch angcb- liche Kontrolleure"und weise sie von den Betriebsstätten zurück." Der Bericht über den Bauarbciterschutz schließt mit der Mah- nung an die Kollegen, nicht zu ruhen, bis die Regierung gezwungen ist, einen besseren Bauarbeiterschutz unter Hinzuziehung von Ar beiterkontrolleuren zu schaffen. Am Schluß des Jahres zählte der Verband 55694 voll zahlende Mitglieder. Die Mitgliederzunahme in den beiden Jahren betrug 83 623, die Abnahme dagegen 91 785 Mit- glieder, so daß trotz der Zunahme ein Verlust von 8162 Mitgliedern entstand. Im Jahre 1907 hatte der Verband 135 Angrifssstreiks zu führen, daran waren insgesamt 16 305 Personen beteiligt. Mit vollem Erfolg endeten 45, mit tcilweisem 49, ohne jeglichen Erfolg 15 und mit unbekanntem Erfolg 26 Fälle. Es wurden für 6690 Personen Lohnerhöhungen von 1— 6 M. und Verkürzung der Ar- beitszeit für 2392 Personen von— 6 Stunden wöchentlich erzielt. Außerdem wurde in zahlreichen Fällen Mehrbezahlung für lieber- stunden, Sonntagsarbeit usw. erreicht. Die Ausgabe für diese Kämpfe betrug 902 422 M.— Im Jahre 1908 fanden 47 Angriffs- streiks statt; hieran waren 2222 Personen beteiligt. Es endeten 13 mit, 21 mit teilweisem, 2 ohne Erfolg; das Resultat von 11 Streiks blieb unbekannt. Erreicht wurden Lohnerhöhungen für 1249 Personen von 0,50— 5,50 M. und Verkürzung der Arbeitszeit für 142 Personen von 2— 6 Swnden wöchentlich. Die Ausgabe für diese Streiks betrug 39 832 M. In beiden Jahren wurden bei sämtlichen Bewegungen 202 Tarife abgeschlossen. 1907 waren 36 Abwehrstreiks mit einer Dauer von zusammen 463 Tagen zu führen. Davon endeten mit Erfolg 21, mit teilweisem 4, ohne 9 und unbekannt blieb das Ergebnis von 2 Abwehrstreiks. Durch die erfolgreichen Bewegungen wurde Verlängerung der Arbeitszeit und Reduzierung der Löhne abgewehrt. Die Ausgabe hierfür betrug 13 190 M. 1908 fanden 113 Äbwchrstreiks statt: davon mit Erfolg 71, erfolglos 36, zum Teil erfolgreich 5; Gesamtausgabe hierfür 25 547 M. Außer- dem waren im Jahre 1908 noch 8 Aussperrungen zu bestehen. Daran ivaren 371 Personen beteiligt, die einen Ge- samtverlust von zirka 17 000 Arbeitstagen hatten. Durch Streiks anderer Berufe wurden die Bauhilfsarbeiter während der Berichts- zeit in 195 Fällen in Mitleidenschaft gezogen. Lohnbewegungen, die ohne Arbeitseinstellung durch Ver- gleiche beigelegt wurden, fanden insgesamt 191 statt. Der Verband hatte 1907 eine Einnahme von 1 847 623,34 M., 1908 ging dieselbe auf 1 675 504,22 M. herunter. Dieser Einnahme stellt sich eine Ausgabe beider Jahre von 1848 584,77 M. entgegen. Der Kassenbestand betrug Ende des vorigen Jahres 1 293 149,38 M. Als Hauptausgabeposten seien folgende genannt: an Reiseunter- stützung wurden 13 621,22 M., an Umzugsgelder 10 977,97 M., an Krankenunterstützung 141 072,59 M., an Sterbeunterstützung 59 208,90 M., an Rechtsschutz 33 730,03 M. und für Agitation 173 367,02 M. Das Organ erforderte die Summe von 175 439 M., außerdem wurden für fremdsprachige Literatur(Fachschriften usw.) noch 10 359,�0 M. ausgegeben. Zur Förderung des Bauarbeiter- schutzes waren 18 436,60 M. notwendig. Die Lohnbewegungen ver- ursachtcn insgesamt eine Ausgabe von 1047 086,33 M. So hat der Verband, wie diese Ausgaben beweisen, aus allen Gebieten gear- beitet, um die Bauhilfsarbeiter aufzuklären und ihre Lebenslage durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu heben. Auch die Internationale Bewegung ist gehegt und gepfleg- worden. An diese Materie schließt sich ein» kurze Berichterstattung über die Verhandlungen des internationalen Kongresses in Stuttgart an. Das Organ der„Bauhilfsarbeiter" erschien im Jahre 1907 in 4 731 650 Exemplaren, im Jahre 1908 ging die Auflage infolge der Mitgliederfluktuätion auf 4 037 800 Exemplare zurück; die Auf- lag« jeder Nummer belief sich im Durchschnitt 1907 auf 90 993, dagegen 1908 nur auf 77 650 Exemplare. Von Prozessen blieb die Redaktion des„Bauhilfsarbeiter" nicht verschont, und mußte Kollege Töpfer seine„Anmaßung" das Wort Klassenjustiz gebraucht zu haben, mit 3 Monaten Gefängnis büßen. Ueber die Lebenshaltung der deutschen Bauhilfsarbeiter gibt eine vom Vorstand herauSge- geben« Broschüre Aufschluß. Danach reicht der Verdienst der Ar- beiter bei weitem nicht a"s, um die von Professor König berech- neten Kochrezepte in Höhe von 60 und 80 Pf. benutzen zu können. Das Defizit am Lohn bedeutet auch ein Defizit in der normalen Lebensdauer. Das Durchschnittsalter der Bauhilfsarbeiter ist gemäß den Ausweisen ihrer Stcrbestatistik 42 Jahre, das ihrer Frauen nur 40 Jahre. Daher tut die Organisation hier bitter not, um auch diesen Arbeitern menschcntvürdige Lebensbedingungen in jeglicher Beziehung zu erringen. Der größte Teil der Nachmittagssitzung wird außer von der Diskussion über den Geschäftsbericht auch durch die Erörterung von Personenfragcn in Anspruch genommen, die dadurch ein Ende findet, daß die Beschwerden über vorgenommene Ausschlüsse usw. einer zu wählenden Beschwerdekommission überwiesen werden. Wie uns telegraphisch berichtet wird, beschloß die Generalber- sammlung in später Stunde einstimmig den Zusammenschluß mit dem Manrerverbgnd....„. 7. DerMstag des Zevtralverbimdts der Stukkateure usw. Kassel, 12. Aprel 1909. Heute begannen im hiesigsn! Gewerkschaftshanso die Verhandlungen des 7. Verbandstages des Zentralverbandes der Stukkateure, Gipser, Pliesterer und verwandten Berufs» genossen. Der Verbandstag ist ein außerordentlicher; erst im Mai 1908 tagte in Nürnberg der letzte. Zweck der außerordent- lichen Tagung ist in erster Linie die nochmalige Besprechung der Frage, ob es für den Verband zweckmäßig ist, den Unterstützungs- einrichtungen eine Erwerbslosenunterstützung an- zugliedern. Nachdem verschiedene Verbandstage sich mit der An- gelegenheit beschäftigt, aber stets in ablehnendem Sinne beschlossen hatten, wurde im vorigen Jahre auf dem Verbandstage zu Nürn- berg mit 24 gegen 21 Stimmen beschlossen, die Erwerbslosen» Unterstützung einzuführen. Ein Antrag auf Vornahme einer Ur- abstimmung hatte nur geringe Unterstützung gefunden. Ueber das Inkrafttreten des neuen Zweiges der UnterstützungSeinrich. tungen besagte ein mit 41 gegen 4 Stimmen angenommener An- trag Baues- Düsseldorf das folgende:„In Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Teil unserer Kollegen für die Einftihrung der Arbeitslosenunterstützung jetzt noch nicht zu haben ist, beschließt der Verbandstag: Die Arbeitslosenunterstützung wird mit dem 1. April des JahreS 1910 eingeführt. Die Zahlung der erhöhten Beiträge zu diesem Zweck beginnt mit dem 1. April 1909. Inner- halb des laufenden Jahres ergibt sich dann für alle Filialen die Notwendigkeit einer durchgreifenden Agitation." Diese Erledigung der wichtigen Frage mißfiel den Verbandsangehörigen ver- schiedener Zahlstellen, die die Zweckmäßigkeit der Arbeitslosen- Unterstützung im Stukkateurverbande verneinten. Namentlich wandte man sich gegen die Teilnahme des Vorstandes an der Ab- stimmung zugunsten der Einführung. Unter Führung von Dresden setzte eine Protestbewegung ein, die die abermalige Besprechung der Angelegenheit verlangte. Infolge eines Beschlusses von Vor- stand und Ausschuß wurde nunmehr der außerordentliche Ver- bandstag einberufen. Zur Frage der Einführung der Erwerbs- losenunterstützung ibezw. der damit notwendig werdenden Bei- tragserhöhung liegt eine erhebliche Zahl von Anträgen vor. Dem vom Vorstande an den Verbandstag. erstatteten Geschäftsbericht, dessen Umfang von fast 100 Seiten für die rege Verbandstätigkcit selbst in der Zeit des wirffchaftlichen Niederganges beredtes Zeugnis ablegt, entnehmen wir die folgenden wichtigeren Daten: Das Jahr 1908 brachte eine Arbeitslosigkeit, wie sie bis jetzt noch nicht dagewesen war. Stur in wenigen Orten war regelmäßig Arbeitsgelegenheit vorhanden. In Berlin zählte man z. B. 1905 noch 1250 Beschäftigte, 1907 sank die Zahl auf 938 und das vierte Quartal des Jahres 1908 wurde mit nur 765 Beschäftigten ab- geschlossen. Düsseldorf zählte 1907 543 Mitglieder, am Schlüsse des Jahres 1908 waren nur noch 216 Mann in Arbeit. Köln wies im Jahre 1906 durchschnittlich 475 Beschäftigte auf, am Schlüsse des Jahres 1908 wurden nur noch 311 gemeldet. In Berlin war 1908 jedes Verbandsmitglied 14,2 Wochen arbeitslos, in Köln 18,6 Wochen. Die mangelnde Arbeitsgelegenheit im Beruf hat einen Rück- gang der stetig steigende Tendenz zeigendsn Mitgliederzahl zur Folge gehabt. 1907 wurden im Jahresdurchschnitt 8291 Mitglieder gezählt; im abgelaufenen Jahre waren es nur noch 7361, ein Stand, der sich nur gering über den von 1905 erhebt. Die Wirt- schaftskrise hat die Organisation also ein erhebliches Stück in der EntWickelung zurückgeworfen. Neu gegründet wurden L Zahl- stellen, so daß jetzt deren 115 vorhanden sind. Ueber die Lohnbewegungen wird berichtet, daß 20 An- griffftreiks mit 534 Weteiligton,, 20 AbwehrstrcikS mit 386 Be- teiligten und 7 Aussperrungen mit 500 Beteiligten stattgefunden haben. Ohne daß es zu Arbeitseinstellungen kam, wurden Tarife abgeschlossen in 15 Orten und für etwa 5000 Mann. Hiervon haben 2303 Mann wöchentlich 4375 M. Lohnerhöhung und ferner 210, die 1909 wöchentlich eine weitere Lohnerhöhung von 315 M. erhalten. Für 1683 Mann wurden wöchentlich vom Jahre 1909 ab 1500,63 M. erzielt. Die Verkürzung der Arbeitszeit beträgt für 228 Mann wöchentlich 280V* Stunden. Durch Angriffftreiks wurden erreicht für 227 Mann 699,35 M. Lohnerhöhung und 280%, Stunden Arbeitszeitverkürzung. Durch Abwehrstreiks...und Sperren wurden zurückgewiesen für 41 Mann Lohnreduzierung und 12 Mann Verlängerung der Arbeitszeit. Mit den Ans- sperrungen sahen die Unternehmer ihre Absicht, die Arbeits- bcdingungen zu verschlechtern, in keinem Falle erreicht.,(J|; Mtzden für die Kämpfeder Organisation aufgewendet: bei Lshnbevegungcn ohne Arbeitseinstellung 1737,71 M., bei Angriffftreiks 12632,20 M., bei Abwehrstreiks 7425,05 M. und bei Aussperrungen 47 757,83 M., also insgesamt 69 552,79 M. Reiseunterstützung wurde in Höhe von 7037,12 M. gezahlt, Sterbeunterstützung in Höhe von 4300 M., die Gewährung von Rechtschutz erforderte 3077,33 M. Um gewisse Gegensätze zwischen Maurern und Stukkateuren aus der Welt zu schaffen, ist«in Kartellvertrag zwischen den beiden Zentralverbänden abgeschlossen worden. Die Herstellung des VerbandSoxgans erforderte Aufwendungen aus der Hauptkasse im Betrage jv»n 13 625,24 M. oder 1,85 M. pro Mitglied. Dem Kassenbericht entllthme> wir weiter die nachstehenden Zahlen: Vereinnahmt wurde» du:ch die Hauptkasse 132 389,47 M., (darunter 115 647,10 M. für Beträge). Die Ausgaben beliefen sich auf 148169,61 M. Da' die Auchgaben die Einnahmen über. steigen, verminderte sich das Vtzthandsvermögen von 97 026,13 M. auf 81 246,04 M. Das Gefecknstjc rmögen der Organisation wird beziffert auf 175 862,73 M. S'Tiwj Der Verbandstag ist von 5t Personen besucht; 38 De- legierten, 3 Mitgliedern des Hauptvorstandes. 1 Vertreter des Ausschusses und 7 Gauleitern. Als Vertreter der General- kommission der Gewerkschaften ist Genosse U mbreit-Berlin, als Vertreter des Maurerverbandes Genosse P a e p l o w- Hamburg erschienen. In der .Diskussion über den Bericht werden zuerst von E g e r° Nürnberg, ClauS» Bertin, B l u m- Tortmund, O e h l- Hamburg und Reim a n n« Bve«lau>' Be» schwerden, zum Teil gegen den Hauptvorstand gerichtet, vor» gebracht. Odenthal antwortet darauf. Pulver müller- Straßburg ersucht, bei Gründüng kleiner Filialen vorsichtig zu sein, und begründet einen Antrag, an erster Stelle des Verbandsorgans eine Uebersicht über die Lohn- bcwcgungen, Sperren usw. zu geben. S ch u m a ch e r- Düsseldorf berichtigt die Zahlen des Be- ß richts über die Erfolge bei der Lohnbewegung und begrüßt die Absicht, einen Kartellvertrag mit dem Maurerverband zu schließen. Scheck-Berlin tadelt den Hauptvorstand wegen des zu späten Eingreifens bei den Stuttgarter Streitigkeiten zwischen Stukkateur- und Maurerverband. Es hätte dort längst eine Filiale ins Leben gerufen werden müssen. Der Maurerverband kann die Interessen unseres Berufes nicht so vertreten wie wir. Für Agitation werden noch mehr Mittel aufgewendet werden müssen als bisher. Redner spricht schließlich gegen den Anschluß an der Maur.ervcrbavd und empfiehlt deo KarteMertrag. Vachmann- Hannover begründet einen Antrag von dort. gleichem Materie; ».. Heidung dringend notwendig. Nach B u r r y- Freiburg spricht Edler- Hamburg; er weist die von Oehl und anderen gegen den Hauptvorstand erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück. Schölt- Hamburg schlägt vor. zur Entlastung der Haupt- borstandsmitglieder das Material zu vereinfachen, und redet der Verschmelzung mit den Maurern das Wort. Kartellverträge werden nicht immer gehalten. Die Leistungsfähigkeit des Holz- arbeiter- und Metallarbeiterverbandes im Unterstützungswesen sowie die gewerkschaftlichen Aktionen bei Lohnbewegungen, ferner der wachsende Uebermut des Unternehmertums sollten uns zur Verschmelzung bestimmen. S t o tz- Hamburg sagt, einzig und allein die Opposition gegen den Verbandstagsbeschluß über die ErwerbZlosenunterstützung habe den bedauerlichen Mitgliederverlust herbeigeführt. E b e r w e i n- Karlsruhe schildert die Vorgänge in Stuttgart. Die Maurer haben erst 200 von mindestens 500 Gipsern organisiert. Das Vorgehen des Maurers Grimm, der sogar ein Flug- blatt niedrigster Sorte gegen uns verfaßte, müsse jeder aufrichtige Gewerkschaftler verurteilen. Trotz der Schwierigkeiten haben wir 60 Mitglieder neu gewonnen. L e i d h o ld- Leipzig findet den Vorschlag des Maurer- Verbandes zu einem Kartellvertrag unbefriedigend. Verschiedene Bedingungen sind zu dehnbar. In Leipzig war kein Zusammen» arbeiten möglich Redner ist für Schaffung eines Verbandes der Arbeiter der Bauberufe zu haben. W eng elS-Berlin: Die Vorlage unseres Hauptvorstandes zu einem Kartellvertrag ist akzeptabler wie die des Maurer- Verbandes. Ein gedeihliches Zusammenarbeiten der beiden! Wer- bände wird aber trotzdem kaum zu erwarten sein. H erm- Hamburg: Das richtigste ist, wir verschmelzen uns mit den Maurern. Der Genosse Bömelburg trägt ein großes Teil Schuld, daß es zu einem Zusammenschluß noch nicht gekommen ist. Daß die Bauhilfsarbeiter für den allgemeinen Bau- arbeiterverband nicht gebraucht werden, durfte er nicht sagen. Wir Hamburger Stukkateure sind mit einem Kartellvertrag mit den Maurern ganz gut gefahren. G i e b e l e r- Hamburg(Hauptkassierer): Der Mitglieder- Verlust ist bedauerlich: andere Verbände sind noch schlimmer daran. Bei dem Abschluß eines KartellvertrageS sollten die Maurer zeigen, daß sie die leidigen Streitigkeiten begraben wollen. Ob unsere besseren Löhne und Arbeitsbedingungen vom Maurer- verband so geschützt werden wie wir es tun, ist aber noch fraglich. Der Verbandstag muß zum Ausdruck bringen, in welcher Weise der Hauptvorstand den Kartellvertrag mit den Maurern ab- schließen soll. Berg er» Düsseldorf bezeichnet den Kartellvertrag der Maurer als unannehmbar. Arbeiten wir für die Bildung einer allgemeinen Bauarbeiterorganisation. Paep low-Hamburg(Vertreter deS Maurerverbandes): Bömelburg war kein Hindernis an dem Abschluß des Kartellvertrages. Unser Entwurf ist eingehenden Beratungen deS Hauptvorstandes entsprungen. Die harten Worte resultieren aus der Verstimmung über die Ablehnung der Verschmelzung. Beide Be- rufe scheinen zu nahe verwandt zu sein; die Grenze zwischen Stukkateuren, Gipsern und Putzern ist schwer zu finden. Redner erläutert die Vorlage des Mcmrerverbandes zum Kartellvertrag und verteidigt die angefochtenen Punkte. Man wird sich leicht darüber einigen können, was hergebrachterweise Maurer, und was Stukkateurarbeit ist. Vor allem ist gegenseitige Verständigung notwendig. Am besten wird die Sache erledigt werden durch Ver- schmelzung; diese wird um so schwieriger, je größer die Zahl der Beamten wird. Die Stuttgarter Vorgänge sind bedauerlich. Aber mein Kollege Stolle lehnt entschieden ab, an der Verfassung des Flugblattes beteiligt zu sein. Es ist deshalb ein Verweis nach Stuttgart gegangen. Obenthal- Hamburg(Hauptvorsitzender) schildert die Eni- Wickelung der Organisation in Stuttgart. Wir haben viel Mühe ausgewandt, um die durch den 1903er Streik entstandene Be> wegung zu halten. Dann wurde 1905 das Abkommen mit dem Maurerverband getroffen, in dem aber ausdrücklich gesagt worden ist, daß der Stukkateurverband die Agitatton unter den Gipsern nur solange dem Maurerverband überläßt, solange nicht aus den Kreisen der Gipser an uns Aufforderung zur Wiederaufnahme der Agitation! ergeht. Die Agitation von feiten der Maurer war schmutzig. Wir können auf Stuttgart mcht verzichten; nur diese Stadt kann uns einen Stützpunkt für die Agitatton im württem» bergischen Lande bieten. Bei gutem Willen läßt sich aber ein Uebereinkommen erzielen. Zur Frage des Kartellvertrages muß ein Beschluß gefaßt werden. Der Hauptvorstand schlägt bor, folgende Resolutton anzunehmen: „In Anbetracht des immer engeren Zusammenschlusses der Arbeitgeberverbände des Baugewerbes erklärt sich der 7. Ver- bandstag der Stukkateure Deutschlands prinzipiell für die Er- richtung eines allgemeinen Bauarbeiterverbandes, hält jedoch ein Eingreifen unseres Verbandes für mcht angebracht, da diese rage nur dann>yelöst werden kann, wenn die größeren Organi- sattonen des Bauberufes dieser Frage nähertreten. Die zwischen den Maurern und Stukkateuren bestehenden Differenzen über Lohn und Arbeitszeit bei Arbeiten, die beider- seitS ausgeführt werden, lassen sich am leichtesten regeln bei einer einheitlichen Organisation beider Berufe, daher ist die Frage der Beseitigung der Konkurrenz nicht einfach durch einen Kartellverirag erledigt, sondern letzterer ist nur ein vorläufiges Mittel, die Gegensätze zu überbrücken. Es ist daher die An- gliedevung an den Maurerverband mit ins Auge zu fassen und muß diese Frage in den Mitgliederkreisen zur Diskussion ge- stellt werden. Die Entwürfe der beiden Hauptborstände zu einem Kartell- bertrag werden an die Vorstände zurückverwiesen mit dem Wunsche, baldmöglichst eine beiden Orgamsationea genehme Vorlage zu schaffen." Paep low redet nochmals der Verschmelzung das Wort. Wir dürfen uns nicht auf die Zimmerer verlassen. Die Mörtel- verarbeiter kommen in erster Linie in Betracht. Die Verlesung von Begrüßungstelegrammen(unter anderem von den österreichischen Bildhauern) beschließt die Verhandlungen deS ersten Tages._ Wafferstands-Nachrichte« der Landes an ltrilt für Kewäsierkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vasierstaad Kemel, Tilflt Brezel, Jnfterbma W e i ch f e I, Thorn Oder, Rattbor » Krassen . Frankfurt Wa r t h e, Gchvimm . Landsberg Netz«, vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , Barbq , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, WaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main. Wertheim _ Mosel, Trier 0+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unierpegel.• am 13. 1 cm 152 127 130 94 194 -22 47 884 102 167 67 160 80 feit 12.«. ora1) +1 0 -8 +1 0 +5 +2 —3 -1 +3o Beim Einkauf« NAGGf Bouillon-Würfeln achte man darauf, daß jeder Würfel auf der Umhüllung den Namen MAOGI und die Schutzmarke �(Kreuzstern) trügt. Andere Würfel sind nicht von MAQGI. Mir de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcater. Donnerstag, den 15. Sprtl. Anfang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Carmen. Königl. Schauspielhaus. Iphigenie aus Tauris. Neues königliches Operntheater. Geschlossen- Deutsches. Faust. K a m m e rsp t ele. Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) «- tinsang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Pech- 4{Der Jockeyklub. ; von unsere 2 tut'. „„nlie Frau. »ohat sie denn? . her. Hofsmanns sEr. zählungen. Residenz. Kümmere dich um Amelie.. «ustsptelhaus. Im Klubsessel. kleines. Moral. tcbbel. Die Möse. chiller<».«Wallner« rbeaier.Z Die Welt in der man sfich langweilt. Schiller Charlottenburg. Macbeth. Friedrich. Wilhelmstädr. Sch" spielhaus. Der grosse Kom Luiseu. Der Totschläger. Trianon. Licbesgewmer. Neues Operette«. Die Do Prinzessin. Berliner Operetten-Theater DaS Himmelbett.(Ans. 81/. 1 Bernhard Rose. Neilerattacke. Gastsptel-idheater. Der Hund Baskerville. Herrnfeld. Mewe hier. Der selige Nie Lessing-Theater. Donnerstag 8 Uhr: Griselda. itag 8 Uhr: Ibsen (ausser Abonnement): John Gabriel Borkmn». 8. Ibsen-Zyklus vom 19. April bis 13. Mai. Abonnement aus 13 Vorstellungen: Parkett 60 resp. 55 u. 40 M., 2. Rang. Balkon 30 resp. 25 M. Der Verkaus ist eröffnet._ Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die fremde Frau (La femma X....) Morgen und folgende Tage: Di« fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr:_ MT* Der Jockeyklnb. Sonntag nachm. S'j, Uhr halbe Preise! Iln Walzertraum. Bedrudrr Deine To mann. llpollo. Der schwister taten. vletropol. Donnerwetter— tadcl- loS. EpczlalitZlen. Spezialitäten. : junge Papa. Die Ge. Wiesenthal. Spezialt- Sänger. vom Wintergarten. Carl Hab Vagaa,/, Uhr. Freitag, abend» 8 Uhr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Die Welt, in der man aicb langweilt. Tbeater. Schiller-Theater Charlottenbarg. Donnerstag, abendSLUHk! Hacbeth. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Ende 11 Uhr. Freitag, abend» 8 Uhr: HuvbvtfA. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Die Brant von Hessina. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der schwarae Kavalier. Nächste Auftahrungen: Der Herr Senator Nachtasyl(Qorki) Pechschnlze Der Fleck anf der Ehr' (Anxengruber) Hans Hnebebeln Der Probekandidat(Dreyer) im Neuen Schauspielhause. Thalia-Theater. Eerrnfeld-Theater. No. der Mitgliedskarte Sonntag, den 18. April..... 8801— 0600 Sonntag;, den 25. April.... 18001— 18480 Einige Mitglieder zu den Abendabteflnngen können sich noch In den Zahlstellen melden. 240/17 Der Vorstand: O. Winkler !! Neues Programm!! Hareel u. 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Uhr:-MW Auswanderer! Achtung I Sonntag, den 18. April: In betd en Vorstellungen, um 4 und 7'/, Uhr: ungekürzt Auswanderer. Luisen-Theater. AbendB 8 Uhr• Der ToUäp von Paris. Freitag: Marie, die Tochter des Regiments. Sonnabend: JlachSmann als Er. zieher. Sonntag 3 Uhr: Romeo und Julia. AbendS 8 Uhr: Mädel ohne Geld. Montag: Strasscnbahnfahrer Krause. Hieraus: Versprechen hinterm Herd. L ÜMtDRIISETtlftl Ar. Frankfurter Str. 132. Helterattaeke. Lustspiel in 3 Akten von i— J Stobltzer und Friedmann. Ansang 8 Uhr. WochentagSprelse. Freitag: Khritz-Pyritz. Gastspiel der drei Schwestern Wieseiithal und da» gr. AttrakttonS-Programm, U. a. HeinhauS, Rechenkünstler, Der junge Papa, Operette. Ansang 3 Uhr. Stadl-Tlieater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Ait-Hoablt 48.(Tel. N 2492.) Donnerstag, den 15. April: Der Tipjr von IM. Ans. d. Porst. 8, Kaffenöffnung 7 Uhr. Nach der Borstellung: Tann. Sonntag, 18. April: Staerlock Holm W.$toaek8 Theater Dtreltton: Hob. Olli. Brunnen str. 16. Arnmt und Edelsinn. Ein deutsches Charakterbild in 5 Allen. Ansang 8 Uhr. Enttee»0 Ps. Sonnabend: Gr. Exlra-Vorstellungl Z. 1. Male: Helva, die russische Waise. Porher: Goldschmied» Töchterlein. Damms Voikspark-Theater (früher Dleta) Landsberger Allee 76/77. Taglich; zum erstenmal in Berlin— voll- ständig neu— alles lacht— man amüsiert sich köstlich. /# urtierew Speziallians ca. für Fenster und Türen. Imposante ioswahl (einfacher und hochaparter Genre) Pro Fenster von 376 bis 175 M. Ein Posten reichgestickter lüsch- ortleren Fenster 8m5(iJ�) Nach answartg per Nachnahme I EmilLefevre Berlin Süd. Seit 1882 nuiOmnMeM Kahe nirgends Tilialen! ZV Soeben erschienen Mein neoer Praetit-Kafaicü für Innen-Dekorationen. Zusendung gratis und franko. - Passage-Theater. | Die maurische SchlangentSnzerln iHaka-Sshad Gastspiel der ßarland- 1 Negeroperette 18 Solokräfto i und das grandiose April-ProBramm. 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Familien-Idyll in 3 Akten von A. nnd D. Herrnteld (nach Papa Noa). Der selige Niemann. Lustspiel in 1 Akt von ka-----' Carl Xellheim. Sanssouci, Kottbuter ■l SlraBe 6. Direlston Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Elite-Soiree FrühlingS-kriinzchen von Jubelnder Beisall des grostarligen Öfter- Programms. veg. Sonn!. S. wochenl. 9 U. Z' t-taden Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mast, schick, dacirh. Zutaten, von 30 Mark an. Moritz Labend, . Neue Pr omenade H. II( Sidtb. Börse). ein hervorragendes Werk über hie EutwiaelungSgeschtchte der Natur zu billigem Preise zu erwerben, bieten wir unseren Lesern mit dem ilngebol von: Ane EntwickelungSgeschichte des Naturganzen In gemeinverständ- Ucher Fassung von Garn» Sterne. Siebente Auflage, herausgegeben von WUholm ItUlectae. Zwei Bände mit zahlreichen Ab- blldungen und Taseln. Elegant gebunden mit Goldschnitt. 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UnndnrAetoii• Kronen-Dranerel, Sll». Moabit 47/49. HOrilWcSlCll. Brauerei Patzcnbofcr, Turmstr. 25/26. Nordosten I Elyslnm, Landsberger Allee 40/41. flntnn• Bbkers Fcststtle, Wedrrftr. 17. USlcO. fjitflns Festsllle, Memeler Str. 67. Cl.dAntnn•«ewerkschaf tnhnns, Saal 4. Engeluf» 15. �UQOSieO. Relchcnbcrger Hot, Retcheuberger Str. 147. Süden I«rnmbaebA Fcstsäle, Schönleinstr. 6. Südwesten Schmidt« Rentanrant, Liudenstr. g, 2. Hof. Westen: Wlemer« Restaurant, Bülowstr. 68. Charlottenburg I Volkshans, Roswenstr. 3. Dtwflnnf• Hoppes Festsble, Hermaunstr. 49. nllOOn. Rttckhelms Restaurhnt, Bergstr. 97/98« Kiondons Restaurant(Jdealpassage), Wcichsel- ftraft« 8. Tempeihot: nmier« Restaurant, Berlin» Str. 48/49. Slegiitl I Vlerneuts Restaurant, Tiippelstr.» kummelshürg I Rlumes Restaurant, Alt-Boxhagen 66. Tegel I naives Restaurant, Brunowstr. 23. eder-5el>ö»oreUoi SSSÄ.*., Köpenick'• mtters Restaurant, Bahuhofftr. 44. SpandaQ*, nntbs Restaurant, Lindenuser 17* Pankow! Rozycld« Festattie,«reuzstr. 3,4. WeißenSee I Roßkoprs Fcstsaie, Königchaussee 38. ——• Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen.— Die Stimmzettel werden am Eingänge zu den Wahllokalen vertestt. Wahlleiter ist der Kollege Ott« Handke, Charitöslr. 8. 18. Lltfln, Memeler Str. 67» abends S',. Uhr. alen-Sttle, Wiark> �asäeiö�Theateif' Lothringer Str. 87.— Täglich 8 Uhr. Bis zum 30. April: Ackermann. Ab I. Mai aus Vielsachen Wunsch: In Bertretung. Sonntag 4 Uhr: Die Tiauabädtt. Montag, den 19. April 1999 KeMs- Versammlungen kür Äe gesamte verwaltungzitelle lllerlin in solgendm Lokalen: i. üsten-Clehtenher 2. Slralau-Kummeisdurg» �afendamm 34. addk S'/,UHr. 3. Weißensee:«»okep».«Snigchauff» 38. abends 6',. Uhr. 4 Rixdorf: R»P?CW Feststtle, Hermaunstr. 49. ab. 8',. Uhr. s-SeMneberg: m"h"'".»Ä«"'" e. Süden und Südost: ?. cbarlollenburg: v.iv......«.stn-n«...mr. . Htonlil'r» Wareuder»,«roft-Lichterfelde. Bitlestrasic 22. g. OlcgillZ. abend»«'/, Uhr. 9 MOabit* Pracbt*4. Spnndnn: i5, überseböneweide; in. tfKnonirlr* Oesellsctaaftshaus Oratkowsky,«rieb- Xo. nOpCUltK. richshageo» Fiedrichstr. 69. abends 8% Uhr. TageS'Ordnungi 1. Berichterstattung von der Generalversammlung am 4. April. 2. DIS- lussion 3. Bekanntgabe des Ergebnisses der Delegiertenwahl«» zum BerbandStag in Hamburg. 115/8 Für den Olteiibezirl außerdem:, Neuwahl der Bezlrttleitung. Oh»« Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt!"TOO Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. kolies Capriee.j Insolvent. Posse von L. Tausstein. In lausettixer IVscttt. BurleSle von W. Seruke. »nlang 8>/4 Uhr. vereinigt nach Aussage der Weltmeister alle wünschenswerten Vorzüge. Brennabor-Werke, Brandenburg a. H. Filiale: Berlin W., Kronenstraße 11. Arbeiterznhl 2500 Sozialdemokrat Waiilverein für Schöneberg» Bezirk 8d. Am Montag, den lS. April, verstarb unser Mitglied, der Gürtler Kai*! Hecking Kothcnstr. 43. Ehre feinem Studenten i Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. Stprst, nach- mittags 4 Uhr, von der Leiche/,. Halle des Schöncberger FGcd- 1 YvseS(Blanke Hölle) aus st. st. gkMakSseA 1 Al>u Freunden, Kollegen und! z weiten Stammgästen sowie den l z'chmgeSbrüdcrn von„Kreuzberger . Harmonie' und den Kollegen vom a Hauptvorstand des„Vcrbaridesder j f freien Gastwirte" herzlichen Dank i für die zahlreichen unsercin Ehejubiläum.' SSV Paul Scholz, Gastwirt und Frau,[ Baruther Str. 22. k Zahlreiche Beteiligung der Mib ieder erwarl' glie 15/8 erwartet Der Z'.orttaud. veulseher Rokarhsiter-Verhand Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Klavier� arbeiter Erick Trops am 10. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken t ball« des Zentral-Friedhoses in Fwbrichöfelbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/3 Die Ortsverwaitung. I und Bekannten die traurige Nach. I richt, daß mein lieber Mann und unser guter Vater, der Putzer(jetzt j Rcstaurateur) �oknnnes Prietz Reidelsw. 42 I nach langem, schwerem Leiden I verstorben ist 20306 Die trauernde Gattin nebst Kindern. Beerdigung Freitag, nachmittags ! i Uhr, vom Trauerhauf« aus nach II dem Kirchhos der Bartholomäus. gemeinde in Weißmsce, Falken- oerger Chauflee._ Am Montag, den 12. April starb Iber Metteur Rudolf Serbeck | geb. am 8. August 1842 In Berlin. Während seiner I Tätigkeit war er uns ein stets 1 treuer und hllsSbcreiler Kolleg», dem ein ehrende« Andenken be- wahren werden 20L7b Die llollegen der Norddeutschen Bucbdrockerel. Die Beerdigung ist am Freitag, den IS. April, abends 5'/, Uhr, aus dem DrcifnlIigkciis>Kirchhoje, Eingang Baruther Straße. Am 12. Aprll verschied nach langem Leiden unser lieber Bater. Bruder und Sohn SO/S Bruno Mahn im 37. Lebensjahr. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 16. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des MarkuS-Kirchhoses w WilheduSberg aus statt. 01s trauernden Hinterbliebenen. Am 11. April verschied nach schwerem Leiden der KorreNor Max Hirschfeld. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren 2034b 9ie Kollegen der Buchdrackerei Julius Sittenleld. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 15. April, nachmittag« 3'/, Uhr, von der Leichen« Halle des Zentral-Friedhoses in Frtedrichsclde aus statt. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten, eundcn und Bekannten sowie dem .cntraloerband der Heizer und Ma- chinisten, insbesondere dem Gesang- verein Ober-Schöneweidcr LIedertascl meiiren herzlichsten Dant für da» letzte Geleit beim Hinscheiden meine« lieben Manne». Wwe. Emma Wiesner. Todes- Anselme. . Am 11. April verstarb unser | Mitglied, der Metallarbeiter Heinrieh Dillmann Hochsir. 29a. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute ! Donnerstag, den 15. Aprll, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Pauls-KuchhoseS s aus statt. Um rege Beteiligung ersucht > 226/ 1t Der Vorstand. Danksagung. r die liebevolle Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Manne», unseres guten VaterS, sagen wir alle» Bclcüigte», insbesondere den Mit« arbcitern der Wösten- und MunittonS- 'abrtl Abt. ttottmsnn 4 PBtsch und dem ahlverein unseren herzlichsten Dank. Witwe 1�. Lehmann nebst Kindern. 20296 Dr. Schünemann Spezinl-Arzt für 5432' Haut, und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Fricdrichstr. 203, Ecke Sckmtzenstr. «Zochentagd 19-2. 6-7. � Hygienische ' Beatmarum..�eueitivaiaiog IQ. EmpieUl. viel. Aerzt« u.Prof. grat. uj> i B. Oncw, CammiwaicBfahrik VltfUo NW. Fdedfiduizasee vt/gg Beerdigung sindet am rStag, den IS. April, nach ßeUt8Gilgs Metallarbelter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Todeti-Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler l Kranlenhause au» nach' Gethsemane- Kirchhos'' Schöuhausen statt. Um rege Beteiligung 220/12 Der Vorstand i«najoro- nach dem i in Nieder- 1 i ersucht 1 orstand. Am Sonntag, den 11. Aprll, verschied nach langem, schwerem Leiden Ulis er Kollege, der (etzer -chrlst. Karl Jäger im 21. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken in Ehren halten DaS Personal der Buch- druckerei Hermann Klokow. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den lv. Aprll, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle de» Rirdorscr Gemeinde- incdhosS, Martendorser Weg, au» statt. 2022b Donnerstag, de« 15. April, abends 8V2 Uhr, lm großen Saale der Brauerei Friedrichshain(früher LiPs): - CJrolle------- Oeffentliche Protest-Versammlung der Tabaiiarbtiter und Tabukarbeiterinneu, Zigarren- fabrikanteu, Jigarreuhäudler sowie sämtl. Inttresseuteu der Tabak-Industrie nebst ihren Nebengewerben! Tages-Ordnung: llsr Verrat«les Deutsctien Tabak-Vereins und der Antrag Dr. Weber-Mommsen oder die Vernichtung zehntausender Existenzen von Tabakarbeitern und Klein-Gewerbetreibender. der ftZ-re R-Mtagsabg. A. V. Elffl, Hamburg. Die Herren vom Deutschen Tabak-Berriu sowie die ReichSlagS- dgcordneren Dr. Weber und Mommsen sind zur obigen Versammlung ermit eingeladen. Die Zentralkommission der Tabakarbeiter Deutschlands. I. A.: W i l h. B 0 e r n e r, Ritterstr. 15. 187/5 Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Donnerstag, den 23. April, abends-/,» Uhr, im S ch« l l o k a l. Grenadierstr. 37: S/10> General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrkollegiums und der Revisoren. 2. Wahl eines Schristsühres. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. — Mitgliedsbuch legitimiert!— Ksstiimsllsiicider ilitd-Schiitidttiiiiicil! Donnerstag, den 15. April, abends 7lL Uhr, in den Arminhallen, Kominaudantenftr. 58—59: WM" Versammlung, TageS-Ordnung: 1. Welche Pflichten haben wir bei der Durchführung des Tarif- Vertrages zu erfüllen? 2. Verschiedeues und Mitteilungen. Wegen der wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreichen Beluch 162/11 Die Kommission. Ardeiter-Adstinsnten-Iunü === Ortsgruppe Berlin.===== Freitag, den 16. April 1909, abends 83/4 llhr, im GewerkschaftShause, Engel.User 15: 283/14 Bortrag deS Genossen iUv!»i'!eIi 8el»ril» (Vorsitzender des Biidungsausschusses der sozialdemokr. Partei Deutschlands) über nnd Bildung". — Freie Diskussion.— Kein Getränle-Ausschank.— Um zahlreichen Besuch bittet Der Verstund. I. A.: Paul Lenzner, Karlshorst, Rödelstr. S. Reinickendorf, SHzer Viertel, in Denen Zentrum, in nächster Nähe des Schillerparks und des Schäsersees vorzüglich gelegene, billige 3«, 2- und 1-Zininierwohnungen im Vorder- oder Gartenhause, mit auch ohne Bad, Ballon pp. sofort vermietbar in den Neilbauten der Schiller» Promenade, Bricnzer Straße, Rütli-Straße, Holländer- und Thuner Straße. ♦T An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. BlnstergUItig in Konstrnbtlon nnd Ansfiihrnng, gleich vorzüglich für Hansgcbranch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERliliV, Leipziger Straße 02. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. F Orts- Krankenkasse der Nadier u. Siebmacher zu Berlin. Sonnabend, den 24. April ct., abends 8 Uhr, im Lokal von Woll- scblügcr, Adalberstr. 21; Ordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Verlesen der Protokolle. 2. Kassenbericht. 3 Bericht des RechnungSauSschufleS. 4. Beschlußfassung über den Aerzte- vertrag pro 1310. 5. Verschiedenes. 2026b Berlin, im April 1303. Der Bor st and: ■Albert Schmidt, Vorsitzender. Orts-Kraukenkasse der ßmcliiiliilgeßettleli zu Berlin. Die für das Jahr 1303 gewählten Delegierten werden hiermit zu der am Donnerstag, den 29. April d. I., abends 81/, Uhr, im Saale Kaiser- Wilhelm-Straße 18 m stattfindenden General-Versammluiig eingeladen. TageS-Ordnung: 1. Abnahm« der Jahresrechnung der Kasse für das Jahr 1303. 2. Wahl eines Vorstandsmitgliedes. 3. Vortrag des Vorsitzenden über die Kranken- kassen nach der neuen Reichsversiche- rungsordnung. Berlin, 15. April 1303. 273/4 Der Vorstund. I. A.: Bauer. Vorsitzender. Xtfxdtoffer Pianinn erster Hoslieserantenfirma rldlllilU weit unter Wert sofort verkäuflich Französische Str. 15, 1 r.* Ohne Anzahlung I dinen, Steppdecken, Teppiche, Uhren, ••SÄT fUiw Kit»! 1j. Matzner, August str. 50. Nur Pestkarte erdeten.* ihuUUHl«„1HUUI| eingetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht. Am Donnerstag, den 29. April, abends 81/. Uhr. in der BereinS- braurrei, Stixdorf, Hermannstr. 214: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Bericht über die stattgehabte gesetz- iiche Revision der Genosienschast durch den PerbandSrevtsor. 3. Statutenänderung. 4. Mietenregelung für HauS I. 5. Wahl von drei AussichtsratS-Mit- gliedern. Der Vorsitzende deS AusstchtSratS. Jacobsohm_ 105/5 Orts-Kraultettlmsse der Maler und verwandten Gewerbe. Montag, den 13. April 1303, abends 8'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantensw. 58/53: General-Versammlung der Delegierten. Tagesordnung: Abnahme der Jahrcsrcchiiung pro 1308. Bericht der Prüsungskommlssion. Kasscnangelegenheiten. 2018b Der Vorstund. Dr. med. Adolf Sshlesinger, Heilmagnelisnius Naturheilverfahren hranisch. Krankheiten nach Srnnd 18 jähriger Ersah» und besonders bei eigener auf< rungen ausgearbeit. Heilmethode ohne Medikamente und ohne Operation, wohnt jetzt SW., Kleinbeeren straße 5, II. Etage, nahe AnhalLBahnh. u.Hochb. Möckernbrücke. 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Hornig, Marienthalcrstr. 13, I. Bernan-Büntgental: Heinrich B r o s e, Hohesteinftr. 74, Part. Bobnsdork und Falkenbcrg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge- nossenschastshauS. Obarlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Sesenhewlerstraße 1, Ecke Goethestraße, Laden. Elehwaide, Zeuthen, Miersdorf und üankcls Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzensw. 81. Erkner; Ernst Hoffmann, Friedrichshagener Chaussee. Friedenau»Steglitz- Südende: H. Bernsee, Schloßstr. 119, Sos I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: . Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellhase, Slhornstr. 15». Friedriehshugen; Ernst Werkmann, Friedrichstr. 67. Orttnaa; Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Bohen-Sienendort: Wilhelm Tentsch er, Stolperstr. 50 I. Johannisthal: Pielicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Karishorst: Richard K ü t e r, Rödelstr. 3, II. Künigs» W nsterhunsen: Friedrich Saumann, Nieder. le Hme, Winkelmannstr. 12. Küneniek: Emil W i ß l e r, Kietzersk. 6, Laden. Uchtenberg, Frlcdrichsfelde, Wllhelmsbcrg; Otto heikel, Kronprinzenstraße 4, I. Mahlsdorf und Kanlsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsbvrs, Walderseestr. 14. Marlendorf: August Leip, Chausseestr. 236� Hos. Illen-Welßensee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Aieder-SehSneweide: Haul Bengsch, Grünaucrstr. 8. Movasves: Wilhelm I a P P e, Priesterstr. 46. Oher-Sehtiaeweide: August H e n j c s, Lausenerstr. 2, I. Fankosv-Viedersohiinhaasen: Otto Riß mann, Mühlen» straße 30. BeinieKendorf- Ost, Wilhelmsruh und Scbönholz: P. Gursch, Kamekesw. 12, I. � Bixdorf: M. Heinrich, Ncckarstraße 2, im Laden. Kninniclsburg, Boxhagen:A. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 50. Schmargendorf: Gustav Kaminsky, Eunostraße 2. SchUnebcrg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Spandau: K ö p p e n, Jagowftr. 3. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waldmannslnst, Hermsdorf und Bcintckendorf> West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10, Teltow: Wilhelm Keßler, Hohersteinweg 7. 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Ißai in Greß-IMn wie folgt vermittelt: 1. für alle Bormittagsversammlungen in Berlin und den Vororten Rixdorf, Charlottenburg, Schöneberg, Wilmers dorf, Lichtenberg, Friedrichsberg, Rummelsbnrg, Weiße» see, Pankow durch die Kerliner GewerlischastsKontimsßou, Kerliv SO. 10, Engeluftr 15, 1 Tr., 2. für alle Bormittagsversammlnngen in den oben nicht genannten Orten, sowie 8. für sämtliche Abend- Versammlungen oder Fest- Veranstaltungen in Berlin und allen Vororte» durch das Kerliuer Derbaudsbureau, Derliu SW. 68, Liudeustraße 69. Die bisher eingelaufenen Gesuche um Referenten sind an die zuständigen Stellen abgegeben und werden von diesen bestimmt erledigt; weitere Wünsche bitten wir schleunigst mitzuteilen. Die Feier selbst wird durch Vormittagsversammlungen der Gewerkschaften und Nachmittags- resp. Abendveranstaltungen der Partei begangen. Wir bitten ferner alle Genossen, welche um Referate zu den Maiversammlungen ersucht sind«nd den betteffenden Stelleu noch nicht geantwortet haben, dies sofort zu tun, damit die Zuteilung an die einzelnen Orte noch in dieser Woche er- folgen kann._ Das Verbandsbnrcau. parte!- Hngelecfenbeiten« Zweiter Kreis, Friedrichstadt! Druckerei-Nachtarbeiter! Zahl- morgen: Sonntag, den 18. April bei Jul. Meyer, Oranien- strotze 103. Vierter Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Kenntnis, datz der Lichtbildervortrag über die badische Revolution am 20. April in Kellers Festsälen, Koppe n st r. 20, der Volksversammlungen wegen ausfallen muh. Grund dessen findet derselbe am Donnerstag, den 22. April, abends 3 Uhr, im oben genannten Lokal statt. Billetts a 10 Pf. sind bei den Bezirksführern sowie im Bureau des Wahlvereins, Stralauerplatz 1/2, zu haben. Der Vorstand. Pankow. Heute abend 8 Uhr spricht Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil über:„Die bevor- stehende Gemeindewahl- im„Kurfürsten-(bei Ebersbach, Berliner Strohe 102) in öffentlicher Wählerversammlung. Hieran anschlietzend: Aufstellung der Kandidaten zur Ge- meindevertretung. Parteigenossen, erscheint Mann für Mann zu dieser Versammlung. Der Borstand. Rieder-Schönhausen-Nordend. Sonntag, den 18. April, früh 8 Uhr, findet von den Bezirlslokalen aus eine Handzettel- Verbreitung statt. Rudow. Am Sonntag, den 13. April, abends 6 Uhr, im Lokal Von August Palm: Generalversammlung des Wahlvercins. Bernau. Heute abend Zahlabend in den bekannten Lokalen. Trebbin. Am Sonnabend, den 17. April, abends 8'/z Uhr, bei Wolf: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom ersten Quartal 1009. 3. Stadtverordnetenwahl. 4. Berichte von der Kreis-General- und Verbandsversammlung von Grotz-Berlin. 6. Verschiedenes. Zossen. Sonntag, den 18. d. Mts., morgens 8 Uhr, findet vom Lokals Kurzner aus eine Agitationstour statt. Es werden Broschüren vetteilt. Die Parteigenossen werden gebeten, sich diesmal mehr wie sonst zu beteiligen. Berliner ZVadmcdten. Die Desinfektionsanstalt hat im EtatSjahr 1907(1. April 1907 bis 31. März 1908), wie wir aus dem erst jetzt erschienenen Jahresbencht ersehen, eine sehr bedeutende Zunahme ihres Betriebes gehabt. Die Gesamtzahl der von ihr ausgeführten Austräge zur Desinfizierung stieg vom Etatsjahr 1900 zum Etatsjahr 1907 von 0024 auf 9130, um 2512 Fälle oder rund 33 Proz. Im besonderen erhöhte sich die Zahl der Wohnungsdesinfektionen von 3931 auf 0056, um 2724 Fälle oder rund 09 Proz. Dementsprechend nahm auch die Zahl der in den Wohnungen desinfizierten Gegenstände zu, von 219 000 auf 379 309, weniger stark die Zahl der sonst noch eingelieferten Gegen- stände, von 110111 auf 145 070. Diese Ergebnisse sind in erster Linie darauf zurückzuführen, datz daS Gesetz über die Be- kämpfung an st eckender Krankheiten(vom 23. August 1905) von der Polizei nachdrücklicher angewendet worden ist. Man sieht, in welchem Umfange die Desinfektionsanstalt bisher ihren Zweck— nicht erfüllt hatte. Unter den Krankheitsfällen, die zu Desinfizierungen Anlaß gaben, stand obenan die Diphtherie, an zweiter und dritter Stelle folgten Scharlach und Schwindsucht. Vom vorletzten zum letzten Jahr erhöhte sich die Ziffer bei Diphtherie von 2020 auf 3283, bei Scharlach von 730 auf 1838, bei Schwindsucht von 1512 nur auf 1720. Dagegen verringerte sie sich z. B. bei Typhus von 304 auf 280. Die Mehrung der Desinfektionsfälle war bei Diphtherie und bei Scharlach besonders groß. Nötig wär's, datz bei Schwindsucht gleichfalls noch sehr viel öfter die Des- infektionsanstalt in Anspruch genommen würde. Das obenerwähnte Gesetz bietet auch hier eine wirksame Handhabe, die Desinfizierung eventuell zu erzwingen. Mit bloßem Desinfizieren schafft man aller- dings nicht diese Proletarierkrankheit aus der Welt, aber es kann so doch manchem Fall von Uebertragung vor- gebeugt werden. Interessant ist wieder auch die Unter- scheidung der Inhaber der desinfizierten Wohnungen beziehungsweise der Besitzer der desinfizierten Sachen nach der Wohnungslage, sie ergibt diesmal eine stärkere Beteiligung besonders der Bewohner von Hinterhäusern. Vom vorletzten zum letzten Jahre mehrten sich hier die Vorderhausbewohner von 4082 nur auf 6377, die Hinterhausbewohner von 2309 auf 3013. Aehnlich ergibt die Unterscheidung nach Berufen eine besonders starke Erhöhung der Be- teiligungsziffer der minderbemittelten Bevölkerungs- s ch i ch t, speziell der Gewerbegehilfen und Arbeiter von 2018 auf 3457. Auch in all diesen Zahlen kommt deutlich genug zum Ausdruck, datz die Desinfektionsanstalt bisher gerade von derjenigen Be- Völkerungsschicht, in der die ansteckenden Krankheiten am häufigsten auftreten, verhältnismäßig zu selten benutzt worden ist. Dabei sprach auch die leidige Frage der Gebühren mit. Die alte sozialdemokratische Forderung allgemeiner Unentgeltlichkeit der Des- infektion ist noch heute nicht erfüllt, aber es ist jetzt wenigstens das erreicht, daß seit dem Etatsjahr 1908 die Pflicht- desinfektionen ohne weiteres gebührenfrei ge- währt werden müssen._ Das Berliner Zentralkomitee der Fürsorge für Alkoholkranke hat jetzt in der Reichshauptstadt drei Auskunsts- und Fürsorgestellen ein- gerichtet. Hierzu stehen besondere Sprechstunden Montags und Donnerstags von 5—7 Uhr in der Nervenklinik der königlichen Charits, Mittwochs von 0—8 Uhr im Arbeitsnachweis, Gormann- stratze 13, und Freitags von 7— 8>/z Uhr im Arbeitsnachweis, Linkstratze 11, zur Verfügung. In allen Polizeiburcaus Berlins und der Vororte, ferner auf allen Bahnhöfen, in Eisenbahnwagen und Eisen- bahnwerkstätten sollen entsprechende Plakate angeschlagen werden. Die erst wenige Monate funktionierende Einrichtung hat bereits mehreren hundert Personen Rat erteilt und in den 000 Fällen häus- liche Besuche abstatten lassen. In Heilstätten und Krankenhäufer wurden unter teilweiser Koftenübernahme 22 Personen, an Abstinenz- Vereinigungen 10 Personen überwiesen. Selbstmord im Untersuchmigsgefäuguis. Ein Kaufmann Engelbert K l u g k i st verging sich an kleinen Mädchen, die er von der Stratze nach seiner Wohnung lockte. Einer Frau aus der Nachbarschaft fiel es auf, datz ihr Töchterchen immer Geld für Naschereien hatte. Sie ging der Kleinen eines Tages nach und sah nun, datz sie init einem anderen Mädchen sich zu Klugkist begab. Die Frau nahm einen Polizeibeamten nnt, und beide über- raschten den jungen Mann und die Kinder in verfänglichen Stellungen. Klugkist gab auch seine Verfehlungen zu und wurde in Untersuchungs- Haft genommen. Jetzt beging er im Untersuchungsgefängnis Selbst mord, indem er a u s e�n e m Fenster hinaussprang. Er starb alsbald an einem Schädelbruch. Um eine Hebung der Zugfolge auf der Stadtbahn zu erinöglichen, wird jetzt eine neue Rangieranlage auf dem Bahnhof Stralau- Rummelsburg zwischen dieser Station und Treptow hergestellt. Der Bahnkörper wird hier wesentlich erweitett und somit Platz für drei neue Gleispaare geschaffen, auf welchen Leerzüge Auf- stellung nehmen können. Weitere ausgedehnte Bauarbeiten auf ver- schiedcuen Stationen der Nord- und Südringbahn bezwecken eine Erweiterung der Güterbahnhofsanlagen, die in ihrem jetzigen Um- fange bei der ständig zunehmenden Entwickelung der Vororte sich schon längst als unzureichend erwiesen haben. Derartige Erweite- rungsbauten finden zurzeit statt auf den Bahnhöfen Teinpelhof, Rixdorf, Friedrichsberg und Weitzensce. Selbstmord eines Schülers. Der Tertianer Adolf M a a tz, Sohn eines im Hause Linienstr. 145 wohnhaften Kaufmanns Maatz, hat sich gestern morgen durch Einatmen von Leuchtgas getötet. Der Beweggrund soll eine ihm von seinen Eltern erteilte Rüge sein. Beim Einholen vom Tode überrascht wurde gestern nachmittag die 30 Jahre alte Schneiderin Berta M o s l e r aus der Weißen- burger Stratze 09. Sie brach vor dem Hause Prenzlauer Stratze 57 bewußtlos zusammen und starb nach wenigen Minuten auf dem Hausflur. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Bei einem Zusammenstoß mit einem Automobil ist gestern abend der Fabrikarbeiter Gustav Heppner tödlich verletzt worden. H. hatte auf seinem Zweiradc von der Arbeitsstätte nach seiner in der Jasmunder Stratze 19 belegenen Wohnung fahren wollen. Als er den Humboldthain passierte, geriet er beim Ausiveichen eines anderen Radfahrers an eine Automobildroschke heran. Der Kraftwagen fuhr mit solcher Gewalt gegen H., daß er mit seinem Rade zu Boden ge- schleudert wurde und besinnungslos liegen blieb. Er hatte einen Schädelbruch sowie eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und wurde in hoffnungslosem Zustand in das Krankenhaus Moabit ein- geliefert. Einen zweifachen Selbstmordversuch unternahm gestern in später Abendstunde das 23jäbrige Hausmädchen Joh. Schmidt aus Lücke» Walde. Das junge Mädchen war erst kürzlich nach Berlin gekommen und hatte hier recht traurige Erfahrungen gemacht. In ihrer Ver- zweiflung versuchte sich die Enttäuschte gestern abend im Tiergarten mit Lysol zu vergiften. Sie trank eine Flasche von dem Gift, kam aber trotzdem nicht zum Ziel. Sie wollte sich nun auch noch in den Kanal stürzen, brach aber an der Uferböschung besinn ungs- loS zusammen. Vorüberkommende Passanten schafften die Lebensmüde in eine Droschke nach der Charits. An ihrem Auf' kommen wird gezweifelt. Bon einer Kraftdroschke überfahren wurde gestern nachmittag die 3Vz Jahre alte Tochter Elli des Kaufmanns Weinsied er aus der Alten Schönhauser Straße 42. Die Kleine ging an der Hand eines Freundes der Familie, des 00 Jahre alten Kaufinaims Tausch, die Stratze entlang. Als sie nun auf dem anderen Bürgcrsteige bekannte Kinder spielen sah, ritz sie sich plötzlich los, um hinüber zu laufen. Hierbei geriet sie unter eine Kraftdroschke und zog sich einen Bruch beider Beine und innere Verletzungen zu. Der Wagenführer brachte die Verunglückte nach der Unfallstation in der Keibelstratze und von dort nach der elterlichen Wohnung. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde gestem nach- mittag auf dem Hofe des Grundstücks Georgenkirchstratze 27 von Hausbewohnern im Müllkasten ausgefunden. Sie war ganz nackt und wurde zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht. Radrennen zu Spandau. Die am Sonntag wegen des Regens ausgefallenen Rennen konnten am dritten Feiertag bei gutem Besuch erledigt werden. In dem 50 Kilometerrennen hmter Motor- sührung(1090, 000, 400, 300 M.) siegte R o b l in 37 Min. 57 Vj Sek. vor Theile(2070 Meter zurück), T. Hall<3030 Meter) und Bäumler (weit). Theile hatte bis nach dem 30. Kilometer die Spitze, blieb dann infolge Motordefekts zurück; auch Hall wurde durch Reifen- schaden behindert, so daß es für Robl leicht war, den Sieg zu er- ringen. Bäumler konnte sich nicht zur Geltung bringen und blieb immer weiter zurück.— Das Taudemfahren über 2000 Meter (200, 100, 00 M.) gewannen Kudela-Peter in 2 Min 41'/« Sek. vor Bader-Arend und Rudel-Süßmilch. Heber„Sternmythen bei den Indianern und Naturgeschichtliches aus Kalifornien" spricht Fräulein M a l w i n e L a m p a d i u s aus Los-AngeleS in Kalifornien am Sonnabend, den 17. April, abends 7 Uhr, im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte. Die Vor- tragende hat viele Jahre in den Lagern der Indianer zugebracht und hat nach einer besonderen Methode prachtvolle Typen derselben mit besonders chemisch präparierten Farben gemalt. Diese Gemälde kommen mit zur Ausstellung.— Vor und nach dem Vottrage ist bei klarem Wetter Gelegenheit gegeben, mit dem großen Fern« rohr Beobachtungen vorzunehmen und das„Astronomische Museum" zu besichttgen. Beim geselligen Abend des fünften Wahlkreises am ersten Oster« feiertag im Schweizer Garten ist eine Zigarrentasche mit Monogramm gefunden worden, welche in der„VorwättS"-Spedition Hah nisch, Auguststr. 50, abgeholt werden kann. Freie Fortbildungskurse für Arbeiter, Charlottenburg. Im Sommerhalbjahr wird wieder Unterricht in den Elementarfächern: Deutsch, Rechnen, Algebra, Geometrie und Zeichnen etteilt und zwar am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag abends 8—10 Uhr in der Charlottenburger Gemeindeschule Schlotzstr. 2. Jeder Kursus findet einmal wöchentlich statt vom 20. April bis zum 2. Juli, die Teilnehmergebühr beträgt für jeden Kursus 0,50 M. Anmeldungen werden am 22., 23. und 24. Apttl, abends 3>/s bis 9V, Uhr, im Unterttchtslokal entgegengenommen. Auskunft erteilt Dipl.» Ingen. Holm, U W. 5, Salzwedeler Str. 3. Orgelkonzert. Freitag, den 10. April, abends 8 Uhr, ver- anstaltet der Organist Leupold in der St. Petrikirche eine Abend- musik. Mitwirkende sind: Frl. Chttstel Hahn(Sopran), Fr. Elisabeth Krau-Bewert(Alt) und Frl. Katharina v. Wasiclelvski(Violine). Unter anderem: Es-rnoll Passacaglia von Karg-Elert. Der Eintritt ist frei. Feuerbcricht. Lebensgefährliche Brandwunden am ganzen Körper erlitt am Dienstagnachmittag um 4 Uhr ein zweijähriges Kind bei einem Brande, der in einer Kellerwohnung in der Pankstr. 53, am Nettelbeckplatz, angeblich aus Fahrlässigkeit auskam. Als die nahe Feuerwehr benachrichtigt wurde, drang bereits dichter Qualm aus der Wohnung und als Luft gemacht wurde, schlugen die Flammen hell empor. Die Feuerwehr brachte das kleine Kind sofort nach dem Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhause in der Reinicken- dorfer Straße, wo man aber nur geringe Hoffnung hat, das kleine Wesen am Leben zu erhalten. Die Wohnung ist fast ausgebrannt. Ferner mußte ein Kellerbrand in der Zorndorfer Stratze 10 gelöscht werden. Lumpen usw. waren dort in Brand geraten. Vorort- stlackriebten. „Ich betrachte alles als Geschäft"! Das ist der Grundsatz des„Chcf-Redakteurs" Hermann Wcgner von der„Mariendorfer Zeitung". Unsere dortigen Ge» nassen haben seit längerer Zeit einen Strauß mit diesem Herrn auSzufechten, der in seinem Blättchen kein Mittel unversucht läßt, die sozialdemokratischen Gemeindevertreter zu verunglimpfen. Da- bei ist der Herr„Chcf-Redakteur" bisher noch nie der Einladung unserer Genossen gefolgt, um in einer öffentlichen Versammlung den sozialdemokratischen Vertretern Rede zu stehen. Sein Fern- bleiben entschuldigt er stets mit Mangel an Zeit. Das geht wenigstens aus einem Schreiben hervor, das Herr W. an den Vor- sitzenden des Wahlvereins, den Genossen Jeserich gerichtet hat, als dieser ihn zu einer Aussprache in einer öffentlichen Versammlung eingeladen hatte. Das Schreiben dokumentiert aber außerdem so recht, wie Herr Wegner seine Pflicht als„Chef-Redakteur" seines Blättchens auffaßt. Deshalb geben wir es hier wieder; es lautet: Mariendorf, den 15. März 1609. Sehr geehrter Herr Jeserich! Um jeden Irrtum durch ein telephonisches Gespräch zu ver« meiden, bin ich bereit, auch verspätet zur Versammlung zu er- scheinen, wenn ich in Südende früh genug fertig werden sollte. Da ich am Sonnabend noch keine persönliche Einladung hatte, sagte ich in Südende zu, ordnete aber an, datz Vertreter meiner Zeitung zugegen seien. Da ich 8 Zeitungen in verschiedenen Ortschaften habe, können Sie sich ein Bild von den Einladungen machen. Weshalb sollte ich nicht zu Ihren Versammlungen er- scheinen, wenn ich Zeit habe? Sie glauben kaum, wie gleich- gültig es mir ist, wohin ich gehe. Ich betrachte alles als Geschäft» deshalb können mich andere Ansichten nicht zurückschrecken.— Sollte ich also nicht kommen, so war es mir mit dem besten Willen unmöglich, gesorgt ist aber dafür, daß jedes Wort in die Zeitung kommt, und das ist ja schließlich die Hauptsache. Mit Hochachtung H. Wcgner. Herr Wegner erschien natürlich nicht in der Versammlung; „Mangel an Zeit" verhinderte ihn tvahrscheinlich auch, der Ein- ladung unserer Genossen, in einer am Sonntag vor acht Tagen stattgehabten Versammlung zu erscheinen, Folge zu leisten. Dafür aber hat Herr Wegner um so mehr Zeit übrig, die Vertreter der Arbeiterschaft in seinem Blättchen zu diskreditieren. Bemerkens. wert an dem Schreiben ist die Selbstcharakteristik dcS„Ehcf. Redakteurs". Mcs ist für ihn, dem als Zeitungsschreiber eigent- lich ein Teil der Bildung des lesenden Publikums obliegen sollte, Geschäft. Aus Geschäftsrücksichtcn verzapft Herr Wcgner seine Geistesprodukte an seine Leser. Und ein solcher Mann hat noch den traurigen Mut, die Vertreter einer ernsten Partei als Ge- schäftspolitiker oder gar als Gesinnungslumpen hinzustellen. Für diejenigen, für'die der Zeitungsbettieb eine Geschäfts- spekulation ist, gilt, was Lassalle einst in einer Rede unter großem Beifall der Versammelten ausführte:„Wenn jemand Geld verdienen will, so mag er Koton fabrizieren, oder Tuche, oder auf der Börse spielen. Aber datz man um d e S schnöden Gewinn st es willen alle Brunnen des Volksgeistes vergifte und dem Volke den geistigen Tod täglich aus tausend Röhren kredenze»—■— es ist daS höchste Verbrechen, daS ich fassen kann." Unsere Genossen bettachten Herrn Wegner, nachdem er cS vermieden hat, sich in öffentlicher Versammlung ihnen gegen- über zu verantworten, nicht mehr ernst. Das ist auch unsere Meinung. Sie stehen in ernstem, politischem Kampfe, in der sozialistischen Aufklärungsarbeit erhaben über einem Manne, der seinen journalistischen Beruf als Geschäft betrachtet. Rixdorf. Der BildiingSausschilß für die Arbeiterschaft Rixdorfs hatte den Genossen H e i n r. Schulz für einen Zyklus von zwölf Vorträge» gewonnen mit dem Thema:„Die Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert". In dem ersten einleitenden Vortrage erörterte der Redner die Ursachen der französischen Revolution und die Bedeutung dieses ge- waltigen Ereignisses für den Antrieb des politischen Lebens in Deutschland. In dem nächsten Vortrage zeigte er den Zusammen- brnch des preutzischen Junkerstaates bei Jena und Tilsit. die nationalrevolutionären Versuche zu seiner Wiederbelebung und den Abschluß dieser Epoche durch die sogenannten Befreiungskriege. Daran schloß sich in den weiteren drei Vorträgen zunächst die Schilderung des reaktionären Deutschlands unter dem Zeichen der heiligen Allianz, dann die Darstellung der wirtschaftlichen und der geistigen Entwickelung Deutschlands vor 1848. Zwei Vorträge be- schäftigten sich mit der Märzrevolntion, ihren Ursachen und ihrem Berlaufe, wobei sich der Redner besonders auf die Berichte von Augenzeugen stützte. Auch die erste» Regungen einer selb ständigen Arbeiterbewegung während der RevolutümSjahre, be könnt unter dem Namen Arbeiterderbrüderung, zeigte der Vortragende den Zuhörern. Der nächste Vortrag gehörte der Märzbewegung in den übrigen Staaten Deutschlands und der Reichsverfassungskampagne. Daran schloh sich in einem weiteren Bortrage die Darstellung des wirtschaftlichen und politischen Lebens in den fünfziger Jahren, des Thronwechsels in Preußen und der Rückwirkungen auf das politische Leben und die EntWickelung Preußens. Die letzten drei Borträge behandelten die letzten Jahr zehnte und waren deshalb in erster Linie der EntWickelung der deutschen Sozialdemokratie gewidmet: LassalleS organisatorischer und agitatorischer Tätigkeit, den Kämpfen nach seinem Tode, den Kriegs- jähren, der Gründerära, den wirtschaftlichen und politischen Ursachen des Sozialistengesetzes, dem Schandgesetze selber und den letzten Jahren. Auch in den früheren Vorträgen hatte der Redner stets beziig auf die EntWickelung des Sozialismus genommen, so daß die Zuhörer auch Marx und Engels in den verschiedenen Phasen ihrer wissenschaftlichen und politischen Tätigkeit für das Proletariat kennen gelernt hatten. Mehrfach machte der Bortragende auf die Literatur aufmerksam, die für interessierte Hörer, die sich durch Selbststudium weiter bilden wollen, in erster Linie in Betracht kommt, was unter anderem den Erfolg hatte, daß Mehrings vierbändige»Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" von 60 Kursusteilnehmern zu ermäßigtem Preise gemeinsam bezogen wurde. In seinem letzten Bortrage dankte der Redner den Zuhörern für ihre große Auf- merksamkeit und für den Ernst ihrer Bildungsarbeit, der sich be sonders darin zeige, daß sie an zwölf Abenden von Anfang Januar bis Ende März allen Abhaltungen zum Trotz pünkt lich zu den Vortragsabenden erschienen seien.— Zu statistischen Zwecken wurden an die Teilnehmer an diesem Vortragszyklus numerierte Karten ausgegeben, die eine Reihe von Fragen enthielten. Wenn auch das hierdurch erhaltene Material durchaus nicht allen daran geknüpften Erwartungen entspricht, so ist die Möglichkeit ge geben, für die Folge die Statistik so auszubauen, daß ein einwandSfreies Resultat erzielt wird, 1000 Karten gelangten zur Ausgabe; von 43 Teilnehmern war die Beantwortung der gestellten Fragen nicht zu erlangen und 76 Karten wurden überhaupt nicht vergeben, so daß nur 882 Teilnehmer von der Statistik erfaßt werden konnten. Unter diesen befanden sich 88 Frauen, wovon die älteste 66, während der älteste männliche Zuhörer 69 Jahre zählte. Alle zwölf Vorträge wurden von 160 Teilnehmern besucht. 14 weiblichen und 136 männ- lichen, unter den letzteren der Neunundsechzigjährige, während die älteste Teilnehmerin— an einem Vortrag durch Krank- heit verhindert teilzunehmen— an elf Abenden anwesend war. Solveit sich bisher übersehen läßt, sind aber eine ganze Anzahl Ge« Nossen im Besitze einer Karte gewesen, ohne auch nur an einem Vor- trage teilgenommen zu haben, was für die Zukunft unter allen Um- ständen vermieden werden muß. Jedenfalls aber wird der Ausschuß die auf diesem Gebiete gemachten Erfahrungen bei künftigen ahn- lichen Veranstaltungen verwerten und Unstimmigkeiten nach Möglichkeit ausmerzen. Die Furcht vor der Irrenanstalt hat die 45 Jahre alte Ehefrau deS Museumsaussehers Jordan. Jansastr. 8, in den Tod ge- trieben. Frau I. war seit längerer Zeit nervenkrank und in der vergangenen Woche artete ihr Leiden derartig aus, daß sie einer Irrenanstalt zugeführt werden sollte. Die Kranke erfuhr dies; da sie eine starke Abneigung gegen die Jnternierung in einer Anstalt hatte, faßte sie den Entschluß, sich das Leben zu nehmen. Die Lebensmüde vergiftete sich mit Salzsäure und starb auf dem Transport nach dem Krankenhaus Bethanien. Pankow. Zur Gemeindewahl. Am Montag, den 19. April, finden für den ersten Bezirk zwei Ersatzwahlen der 3. Klasse statt. Gewählt wird von vormittags 11 bis abends ö Uhr in. Lokale von EberSbach, Berliner Str. 102. Wahlberechtigt ist, wer am Tage der Wahl ein Jahr im Orte wohnt und in der Wählerliste steht, die vom 16. bis 30. Januar ausgelegen hat. Wahlberechtigt sind also auch diejenigen Wähler, die jetzt aus dem Wahlbezirk verzogen sind. Eingetragene Wähler sind in der 1. Klasse 94, in der 2. Klasse 1120, in der 3. Klasse 6300 verzeichnet. Es kommen auf einen Wähler der 1. Abteilung 12 Wähler der 2. und 67 Wähler der dritten Abteilung. Es ist also durch das Dreiklassenwahlrecht für die Landgemeinden schon dafür gesorgt, daß die Arbeitervertreter nur in beschränkter Zahl an dm Beratungen teilnehmen können. Daß unS auch noch die Mandate der dritten Abteilung streitig gemacht werden können, haben wir ja erst vor wenigen Wochen erlebt. Uni so mehr ist es daher notwendig, alles auf- zuwenden, um die verlorene Position in der Gemeindevertretung wieder zu erobern. Hätte Pankow wohl jetzt eine Wertzuwachs- st e u e r, wenn nicht die acht Vertreter der Arbeiter mit aller Kraft dafür eingetreten wären? Bei der außerordentlich schlechten Finanzlage, in der sich die Gemeinde, wie andere auch, be- findet, sind die eingekommenen Summen von großer Bedeutung. Und wie steht es mit dem Bürgerpark? Welche Mittel haben die Vertreter der Grundbesitzer angewendet, um den Kauf zu hinter- treiben l Gewiß sind die Kosten jetzt noch erheblich, aber wenn nach einigen Jahren Pankow zum großen Teil bebaut ist, dann ist für den Ort eine Erholungsstätte vorhanden, die allen Einwohnem zu- gute kommt. Durch das stetige Drängen der llrbeitervertreter ist es möglich geworden, verschiedene Neuerungen einzuführen. Wähler Pankows, sorgt dafür, daß die freien Mandate von Sozialdemokraten besetzt werden. Tegel. Ein Dcnunziantmstücklcin. Einig« Berliner Zeitungen vrachtm in den letzten Tagen eine stark aufgebauschte Notiz eine? Tegeler Lokalblättchens über einen Zusammenstoß, der sich am Freitagabend zwischen Ausflllglern und Gendarmen abgespielt haben soll. Da das Blättchen, eingedenk seiner nnnimalen Abonnentenzahl die Zahl 300 schon für eine un« geheuerlich hohe hält, spricht es von.Hunderten" von Sozialdemo« traten; aus alter Denunziantengewohnheit auch von Rädels« führern, die aufgehetzt, von Masten, die die Beamten tätlich angegriffen haben, und konstruiert sich so den schönsten„Landfriedensbruch". Der gute Philister hat wieder mal eine Nachricht, die er an seinem Stammtisch mit gruseligem Behagen breit treten kann, dabei renommierend, was er wohl getan hätte, wenn er der Beamte gewesen wäre. Wahr ist an dem ganze» Vorfall, daß der Gesangverein„Liederlust 2" harmlos singend in Tegel einzog, gar nicht daran denkend, daß er die kar- freitäglich gestimmten Nerven der Tegeler Gendarmen und Ge- meiiidepolizisten irgendwie aufregen könnte. Nun soll der eine Polizist Ruhe geboten haben. Als nicht sofort die polizeilich ver- langte Stille eintrat, verhafteten die Beamten den Träger einer Standarte, die in lustiger Weise von Würsten und Sauerkohl erzählte. Entgegen allem Rechte der preußischen Untertanen. wollten nun die Teilnehmer der Fahrt den Grund der Verhaftung wissen. Dabei kam es zu einem etwas erregten Frage- und Antwort- spiel, wie eS leider oft passiert. Unvorsichtigerweise werden in der Notiz noch rote Fahnen erwähnt und diese als Lappen bezeichnet. Ob diese Bezeichnung amtlichen Charakters ist und ob man erne derartige Bezeichnung immer gebrauchen kann? Aber jedem daS Seine. Dem Bater- lande die Entrüstung über Sozialdemokraten, dem eignen Profit eine Denunziation deS Konkurrenten. Rasch wird nämlich noch der frühere Redakteur deS KonkurrenzblättchenS, ein Mann der mit der Sozial« dcmokratie absolut nichts gemein hat, mit in die Affäre gezogen. So hat wieder einmal das Tegeler OrtSblättchen, entsprechend seiner Bedeutung, zur Bernichtung der Sozialdemokratie beigetragen. Tchöueberg. Ein Vorfall, der sich in dem Schöneberger Stadtparlament ab> gespielt hatte, lag einem Beleidigungsprozeß zugrunde, welchen der Vertreter einer Farbenfabrik und Herausgeber der„Deutschen Vollspost", Oskar Buchholz, gegen den Redakteur HanS SartoriuS, den Berichterstatter K r o ck e r und den Verleger August Scherl angestrengt hatte. Den Gegenstand der Privat- beleidigungsklage bildete ein am 16� Dezember v.J. im„Berliner Lokal- Anz." erschienener Artikel mit der Ueberschrift„Neue stürmische Szenen im Schöneberger Stadtparlament". In diesem Artikel wurde ein Vorfall geschildert, der sich in der Sitzung der Schöneberger Stadtverordneten- Versammlung vom 14. Dezember ereignet hatte. Ueber diesen Vor- fall verfaßte der Beklagte Krocker einen Bericht, in welchem es u. a. hieß:„Langsam betrat der bekannte frühere Farbenreisende Buch- holz den Saal" und ferner, daß sich der Vorsteher- Stellvertreter Justizrat Reinbacher in tiefster Erregung über diese Farce geäußert habe. Außerdem wurde mitgeteilt, daß dem Kläger Bnchholz von verschiedenen Seiten das Wort„Clown" zugerufen worden war. Diese Darstellung des Borganges soll, wie B. behauptet, eine bewußt un- richtige sein, durch die seine Ehre angegriffen wird.— Nach einer sehr eingehenden Beweisaufnahme hielt das Gericht eö für fest- gestellt, daß die in dem inkriminierten Artikel gegebene Darstellung des Vorfalls völlig zutreffend sei. Der Kläger habe, wie der Vorsitzende ausführte, ein sehr unangemessenes Ver- halten an den Tag gelegt und ganz offensichtlich die Absicht ge- habt, neue Erörterungen herbeizuführen und neues Aufsehen zu er- regen. Es sei auch zutreffend, daß der Kläger wohl als früherer Farbenreisender nicht aber als Journalist bekannt gewesen sei. daß ferner Clownrufe gefallen wären und er mit Gelächter be- grüßt worden sei.— Das Urteil lautete deshalb gegen die beiden Beklagten Sartorius und Krocker auf Freisprechung. Das Verfahren gegen den Verleger Scherl wurde eingestellt, da der gegen ihn gerichtete Strafantrag von dem Kläger schon vorher zurückgenommen worden war. Der unentschuldigt aus- gebliebene Zeuge Lohausen wurde in eine Ordnungsstrafe von hundertMark, der Stadtverordnete Kolosser in eine solche von fünfzig Mark genommen. Wilmersdorf. Stadtverordneter Dr. Haßlachcr f. Auf eine Ersatzwahl zur Stadtverordnetenversammlung wird die Wählerschaft der dritten Abteilung sich vorbereiten müssen. Der Stadtverordnete Dr. med. H a ß l a ch e r, der seit 1004 dem Gemeindekollegium an- gehört mid bei den letzten Stadtverordnetenwahlen zu den Aus- gelosten und Wiedergewählten der dritten Abteilung zählte, ist nämlich am 13. April einer Lungenentzündung erlegen. Der Ver torbene war eine der bekanntesten Persönlichkeiten von Wilmersdorf; und wenn auch vor einigen Monaten seine ablehnende Haltung zur Krankenhausfrage Widerspruch erregte, so stand er doch als Arzt auch bei der Arbeiterschaft in gutem Ruf. Ob die Ersatzwahl schon nach dem Bezirkswahlsystem stattfinden wird, das kürzlich von der Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat beschlossen worden ist, dürfte fraglich sein. Der Freien Turnerschast ist vom hiesigen Magistrat die städtische Turnhalle, Berliner Straße 40, zur Benutzung überwiesen worden. Im Interesse des Turnens kann dieser Beschlutz nur fteudig begrüßt werden; ist doch damit auch den Arbeiterturnern Wilmersdorfs Gelegenheit gegeben, daS Turnen nicht mehr wie bisher in einem Tanzlokal, sondern an dazu geeigneter Stelle zu pflegen. Die Turnabende der Freien Turnerschaft finden wie folgt statt: Montag und Donnerstag von 8—10 Uhr turnt die Dammabteilung, Dienstag und Freitag von 3—10 Uhr die Männer« und Lehrlings- abteilung. Gäste sind jederzeit willkommen. Eeriebts- Leitung. Wegeft Beleidigung des KriegsminifterS v. Einem und des Eisen« bahnministers v. Breitenbach hatte sich gestern der verantwortliche Redakteur deS„Berliner Tage- blatts". Ludwig Sochaczewer vor der 7. Strafkammer des Land- gerichts l zu verantworten. Zur Anklage standen zwei Artikel in den Nummern 662 und 668 des„Berliner Tageblattes". In dem ersten Artikel unter der Ueberschrift„Die Herren von Zitzewitz" wurde darauf hingewiesen, voß der Rittergutsbesitzer v. Zitzcwitz aus Beßwitz feit längerer Zeit bei den Eisenbahn-, Militär» und anderen Behörden große Bevorzugungen und Begünstigungen ge- niehe, die man sich nur dadurch erklären könne, daß Herr v. Zitze- Witz der Schwiegersohn des früheren Justizministers Schönstedt und der Jagdfreund oes Kriegsministers von Einem sei. Diese Bevorzugungen Wurden darin gefunden, daß das Beßwitzer Privat- anschlutzgleis in eine öffentliche Eisenbahnhaltestelle umgewandelt, daß der von Herrn v. Zitzewitz angelegten, 35 Kilometer von Siolp entfernten Elektrizitätszentrale die Beleuchtung des Stolper Bahn- Hofs in Konkurrenz mit der Stadt Stolp übertragen und als oie Zitzcwitzsche Zentrale durch einen Dammbruch gefährdet bezw. zer- stört worden war, ihm militärische Hilfe zu günstigen Bcdin- gungen gewährt worden sei. Die elektrische Beleuchtung des Stolper Bahnhofes ist am 13. März auch in der Budgetkommission zur Sprache gebracht worden und hatte den Eisenbahnminister zu Aeußerungen veranlaßt, die den Zweck hatten, erhobene Beschuldi- gungen zurückzuweisen. An siese Vorgänge in der Budgetkom» misswn knüpfte der zweite unter Anklage gestellte Artikel des„Ber- lincr Tageblattes" an. Die beiden genannten Minister haben sich durch diese Artikel beleidigt gefühlt und Strafantrag gestellt. Im Austrage des Ministers der öffentlichen Arbeiten wohnte Regie- rungsrat Altmann der Verhandlung bei. Der Angeklagte bestritt, die Absicht oder auch nur das Bewußtsein gehabt zu habm, die beiden Minister zu beleidigen. Er habe in den Artikeln nur zum Ausdruck bringen wollen, daß gute Beziehungen genügen, um Ver- günstigungen zu erhalten, die man sonst nicht erhält. Wenn Herr v. Zitzewitz den Sträfantrag gestellt hätte, würde er den Wahrheits- beweis angetreten haben; da die beiden Minister, die er gar nicht habe beleidigen wollen, aber die Strafantragsteller seien, so habe er einen solchen Beweis nicht angetreten. Er stehe auch jetzt noch aus dem Standpunkt, daß oer Minister v. Einem, als er Herrn v. Zitzewitz die militärische Hilfe zuwies, mangelhast informiert war, denn als das Militär eingriff, fei die Gefahr schon beseitigt gewesen. In der Uebertragung der elektrischen Beleuchtung des Stolper Bahnhofes an Herrn v. Zitzewitz zuungunsten der sich gleichfalls darum bewerbenden Stadt Stolp sei doch auch eine auf- fällige Bevorzugung oes Herrn v. Z. zu erblicken und was die Haltestelle bei Beßwitz betrifft, so sei er auch heute noch der Mei. nung, daß ein Bedürfnis dazu nicht vorlag, denn nach den von Herrn v. Z. selbst angegebenen Zahlen seien in einem Zeitraum von 3 Jahren 11 000 Billets vierter Klaffe verkauft worden, also pro Tag 11 Billets. Der als Zeuge vernommene Rittergutsbesitzer v. Zitzewitz-Beßwitz sprach seine Verwunderung über die An- griffe im„Verl. Tageblatt" aus, da er in seiner ganzen Gegend als wenig reaktionär und„junkerhaft" bekannt sei. Er habe nie- mals danach gestrebt, durch die beiden Minister irgend welche peku- niären oder wirtschaftlichen Vorteile zu erreichen. Kriegsminister v. Einem sei mit ihm sehr lange bekannt und befreundet und habe natürlich der Anhänglichkeit, die er ihm überall erwiesen auch da- durch Ausdruck gegeben, daß er ihm wohl nie direkt einen Stein in den Weg zu legen gesonnen war. Er(Zeuge) habe die Elektrizi. tätszentrale aus eigenes Risiko gebaut, weil er darin einen sozialen und kulturellen Fortschritt sah. Die elektrische Kraft sollte vielen Rittergütern und sonstigen Interessenten in weitem Umkreise ge- liefert werden. Und er sei von dieser seiner Aufgabe ebenso be- geistert gewesen, wie der Landrat. der Regierungspräsident, der Dezernent der Regierung, die sämtlich von der Nützlichkeit deS Unternehmens voll überzeugt waren. Aber er habe keinen Pfennig Beihilf« erhalten, sondern eigene Aufwendungen in Höhe von 600 000 M. gemacht. Der Staatsanwalt beantragte für jeden Fall der Beleidigung 1000 M. Geldstrafe nebst den Nebenstrafen und Publikationsbcfugnis für den Beleidigten. Ter Rechtsbcistand des Angeklagten führte in seinem Plaidoyer u. a. aus, daß der An- geklagte in der Tat gar nicht die beiden Minister treffen, londern nur darauf hinweisen wollte, daß leider auch bei uns noch manche Leute an nachgeordneter Stelle glauben, weil jemand mit einem Minister befreundet sei. besondere Bevorzugung verdiene. Der Angeklagte muffe freigesprochen werden, weil auch nicht unter Zuhilfenahme des dolus eventualis eine Beleidigung der beiden Minister vorliege. Man müsse cS dem Angeklagten glauben, daß es ihm nur darauf angekommen sei, das in der Person des Herrn v. Zitzewitz verkörperte„Junkertum" zu treffen. Eventuell fei die beantragte Strafe viel zu hoch. Das Urteil lautete aus 1500 M. Geldstrafe._ Wegen Nebertretung des§ 139f ber Gewerbeordnung war der Kaufmann Wätzel in Mühlhausen, wo der Achtuhrladcnschlutz ein- geführt ist, zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er nach 8 Uhr abends jemanden eine Flasche Petroleum zum Kammer- fenster hinausgereicht hatte. Die Strafkammer beim Amtsgericht Mühlhausen i. Th. verwarf die Berufung. Wenn auch die Laden» tür geschlossen gewesen sei, so wäre doch die offene Verkaufsstelle (der Laden) für den Geschäftsverkehr geöffnet gewesen, und zwar auf dem Wege durch die Kammer und ihr Fenster.— Auf die Revision des Angeklagten hob das Kammergericht das Urteil oer Strafkammer auf und verwies die Sache zur nochmaligen Ver- Handlung an das Landgericht in Erfurt. Begründend wurde auS- geführt: Ohne weitere Nachprüfungen müsse der Senat das Urteil schon deshalb aufheben, weil das festgestellte Delikt tatsächlich ein „Vergehen" darstelle, von der Strafkammer aber als„Ucbertretung" behandelt worden sei. Entscheidend sei, daß die Vorinstanz cS auch bei der Beweisaufnahme als Uebertretung behandelt habe, indem sie die Beiveisaufnahme schloß, ohne alle Zeugen vernommen zu haben. Hier handle es sich um einen Eingriff in die materiellen Rechte des Angeklagten, um eine Verletzung des materiellen Rechts, wenn die Sttafiammer eine Uebertretung annahm, während sie ein Vergehen im Sinne deS Gesetzes feststellte. Sei aber die Vor- entscheidung aufzuheben, dann wäre die Sache an das Landgericht Erfurt zu verweisen, damit sie von einer mit fünf Richtern besetzten Strafkammer verhandelt werde. Die Strafkammer am Amts- gericht Mühlhausen habe nur drei Richter und sei also gar kein Gericht, das in zweiter Instanz hätte entscheiden dürfen. Was an und für sich als lediglich prozessualer Mangel allerdings xicht zur Aufhebung des Urteils geführt haben würde. � Vcrmifcbtca» Meuternde Häftlinge. Die Häftlinge in der Besserungsanstalt Gaillon bei Rouen meuterten und überfielen ihre Wächter, von denen sie mehrere verwundeten. Erst nach z wölfst und ige m Widerstande er- gaben sie sich den Truppen, die vom Direktor herbeigerufen worden waren. Von 18 entwichenen Häftlingen, die in den umliegenden Dörfern Diebstähle und Gewalttätigkeiten verübten, konnten bisher nur sieben festgenommen werden. Ein Panama in Warschau. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Die Selbstmorde unter den Beamten des Warschauer Magistrats nehmen den Charakter einer Epidemie an. Vor einiger Zeit, als die Gerichtsbehörden eS für nötig hielten, eine Revision der Tätigkeit der Stadtväter abzuhalten, erschoß sich während der Revision der Chef der Administrativabteilung des Magistrats. Kurz darauf ver- übte der Taxator des städtischen Lombards infolge eines Mankos tn der Kasse Selbstmord; und als vor einigen Tagen der Präsident der Stadt Warschau in Begleitung einiger Beamten in der Kasse des städtischen Lombards im Rathauje erschien, um eine Revision der Bücher und der Rechnungsführung vorzunehmen, ergriff der Oberkassierer einen bereitgehaltenen Revolver und tötete sich durch mehrere Schüsse. Da die Revisoren nicht zweifelten, daß dieser Selbstmord wie die früheren ebenfalls mit Mißbrauchen in Verbindung steht, so ist eine strenge Kontrolle sämtlicher Kasten an« geordnet worden und man glaubt, daß umfangreiche Veruntreuungen zutage treten._ ßriefhaften der Redahtfdti. Ti« latlftifAt evr-chstuud«»Indel Linden, traft« Nr. 3.»Veite« Hot. dritter Eingang, vier Treppen, WM- Fahrstuhl"QBfll voih«»täglich abend« von?»/, dt«»>/, Udr ftatt. tSeöffue« 7 Übe Sonnabends beginnt dt« Sprechstunde um st Uhr. Jeder Anfrage ist«iu Buchstabe und eine Kahl al»«tertzeicheu brtznfiigen. Briefliche Antvort wird««cht erteilt. BiS zur Beantwortung im Bricflaftcn lötiuca 44 Tag« vergehen,«eilig» Kragen trage mau iu der Sprechstunde vor. Elbinger. Solche oder ähnliche Stiftungen unterstehen der StislungZ- deputatton des Berliner Magistrats, Poststr. 16. Vielleicht aber weudc» Sie sich auch an die Fürsorgestelle, Neue Friedrichstraße.— C. L. 16. Wollen Sie sich bitte an Herrn trugen Simanowskv, GewerkschastshauS, Engelufer lS, wenden. Vom Beitritt zur angesraglen Kaste raten wir ab. — O. Wolf. Standort Kiel und Wilhelmshaven.— L. F. 72. 018. Grundsätzlich empfehlen wir leine Firmen. Lassen Sie sich in einer dortigen Annoncenexpedition ein Adreßbuch einschlägiger Branche vorlegen. — i!8. 4. KarlShorst. Bei Verweigerung des Eides, zu dem Sie leider gezwungen werden können, würden Sie unter Umständen auch die Kosten des Termins zu tragen haben.— St. K. Nein. — H.®. 95. Sicvers, Süd- und Mittelamerika. Preis 16 M. Buch- Handlung Vorwärts.— F. M., Schönholzerftr. Iva. Wenden Sie sich an dir städtische Gasanstalt.— N. 65. H. B., gebore» am 8. Juni 1S4t, war von 67—70 Mitglied des Norddeutschen lUrichstaaes, gehörte der nattonalliberalen Partei an. Unsere» Wissens lebt Ihr L. H. in Leipzig. — St. R. 1878 und H.®. Wir verweisen aus den auSsührlichen Artikel in der Nummer deS„Vorwärts" vom 28. März.— 160. St, B. Aus der Ihnen zugesteMcn Veranlagung zur Kirchensteuer finden Sie die Adresse, an die Sie Rellamattonen senden müssen.— U. 13. Versuchen Sie es in der VolkZbibliothek, Adalbertllr. 4t.— W. B. SS. Wir empfehlen Ihnen vorher Auskunft einzuholen bei der Zentrale für Auswanderer, Schellingstr. 4. — G. S. 75. Um die Summe der Abschreibung erscheinen die Werte der Gesellschast geringer im Ansatz. In der Regel werden diese Ab- schreibungsquoten aber auch wieder zu Neuanschassungen verwandt.— P. L. 16. Das Steuerzahlen ist nicht von der Konscssion abhängig.— K. R. 35» 1. Bei den Scheidemünzen trifft das zu. 2. Die Liebes, gäbe stellt einen Steuererlaß an die Brenner für ein bestimmtes Quantum von erzeugtem Spiritus dar(Kontingentierung).— F. S. 2h Frau Swienth, Schöneberg, Sedanstr. 57, 3 Treppen. Rmtlichet: Marktbericht der städttschen MarNhallen-Direktton über den Großhandel in den Zentral-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zusuhr reichlich, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zusuhr knapp. Geschäst lebhast, Preite befriedigend. Fisch«: Zusuhr in Flußfischen mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käs«: Geschäst ruhig, Preste unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zusuhr genügend Geschäst sehr still, Preise wenig verändert. WttterungSüberficht vom 14. April 1969. morgens 8 Uhr. Stationen &äi B— i? Svwemde."öl OSO Hamburg 748 OSO Berlw 751 SO Franks.».«. 753 SW Wünchu» 757 SV Kteo i756W Wetter 2 bedeckt 3 Regen 2 Regen 6 Regen 5 bedeckt 2 bedeckt w« £2, Stationen L- C C »w II »f Saparanda 760 Still Petersburg 758 SO Scilly Aberdee» Parti 755 WSW 748 O 7s8 SV Netter c h H* woNcnl—12 1 heiter 4 bedeckt 3 Regen 3 bedeckt —2 11 4 10 Wetterprognose für TouuerStag, den 13. April 196». Zunächst etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Nieder schlagen und ziemlich lebhastm westlichen Winden; spater wieder etwas kühler Berliner Wetterbureau. Verantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für denJnseratenteilperakstw..: Th. Glocke, Berlin, Druck U.Verlag: BorwärtSLuchdruckerei u, VerlagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SVV,"