Ur. 88. BbonnementS'Bedlngungen: NbonneinentZ- Preis pränumerando! VicrtcljShri. SPS Ml., monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Rummer 5 Pfg, Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- WonncmeiU: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzbaud für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnenicnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrWKin, Uglich aaSer Disntaat. ► ♦ Verltnev VolKsblatt. Die Insertion;-LebShr Beträgt für die sechsgefpaltene llotoneT« geile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigcn SO Pfg. „kleine Snieigen", das erste fselt. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist diS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SczialdemoKrat tkrlln", Zentralorgan der fozialdcmokrati fchen Parte» Deutfcblande. Redahttons SM. SS, Ltndcnstraase 69. Ferusprecher; Amt IT, Nr. 1983. Quittung. Im Dionat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Groh-Berlin a Konto seiner acht Wahlkreise IS 000.—(darunter Gastwirt Weniger durch die Bezirke 31/32 20,—, Ueberschuh vom 8. 3. 09 7./8. Abt. 13,90, Desgl. vom 28. 3. 09 3./4. Ab- teilung 14,—, Frau K. 0,25, W. K. 2,—, Zion 0,50, Kranzüberschutz von den Arbeitern der Fimia I. Pintsch 48,10, Landpartie-Ueberschug durch Ihm 2,—, Ueberschutz vom Vergnügen der 7. Abteilung 30,—, B., 2. Quartal 3,—, Unbekannt 1,—, von den Schneidern der Firma Wendt u. Redlich durch Moritz 20,—, von den Argus-Motoren 5,—, Uebcrschnß vom Märzkranz der Kollegen von Brcest u. Comp. 4,90, Monatsbeitrag Raschle 10,—, statt Märzkranz von den Kollegen der Firma Weber u. Hempel durch Haase 24,36, Bezirk 651 Kranz- Überschutz 8,40, Bezirk 653a Laatz 10,—, Monatsbeitrag, Batz- Karl 3,—, A. B. Mister 1,—, bei Demonstration gesammelt Bez. 516 1,60, Arbeiter der Privattelephon-Gesellsch., Rosenthalerstr., Märzkranz- spende 21,65, Arbeiter der Nähmaschinenfabr. Frister u. Rotzmann 34,35, Uebersch. v. Märzkranz von den Arbeitern der Internat. Talking Machine u. Co., Weihensee 9,15, Uebersch. v. März- kränz v. d. Kollegen der Firma Eckert, überwiesen durch das Gewerkschaftskartell Lichtenberg 29,65.) Berlin, diverse Beiträge: Dr. K. R. 25,—. Scchserkasse der Buchdrucker bei F. ASHelm 5.—. P. T. H. 2,—. Macheies 5,—. Abteilung Falzerei des„Lokal-Auzeigers" 41,40. Dr. L. A. IVO,—. An Stelle eines Märzkralizes vom Rotations-Hilfspersonnl des „Berliner Tageblatt" 10,—.„Abt." 5,—. Ueberichutz der Samm- lung für den Märzkranz v. d. Arb. d. Anilinfabr. Rummelsburg 7,75. Ueberfchutz von einer Kranzsammlung der Kesselschmiede der Firma A. Borsig-Tegel 8,30. Gutenberg 34,40. Die Kontobucharbeiter vom Wedding■5,—. M. SB. 2,—. Ueberschutz v. Märzkranz v. d. Arbeitern der Deutschen Teleprionwerke.Zeughofstratze 40,05. A. K. 2 3,—. Ueber- schütz v. Märzkranz, G. A., Miillerstratze 9,25. Rest einer Kranz- spende durch C. R., Luxemburgstr. 3,80. Ueberschutz v. Märzkranz v. d. Arb. d. Fabrik Dr. M. Lern, 15,95. 81. B. 50,—. P. S. 50,—. Ueberschutz v. Märzlranz v. d. Kolli d. Panzer-Aktiengesellsch. 18,40. An Stelle eines Märzkranzes ges. v. d. Koll. d.„Knorrbremse", überwiese» durch das GewrrkschasiSkartell Lichtenberg 25,20. HilfS- arbeiter Rotaiioussaal d.„Vorwärts" 5,—. Max 3,—. Knabe (2 Raten) 6,—. An Stelle eines Märzkranzes v. Personal des Flascheubierversandes Roland 10,30. Bromberg. Wahlkreisbeitrag f. 3. u. 4. Quart. 06 u. 1.— 4. Quart. 07 52,94. Bern 50,—. Bochum- Gelsenkirchen, sozialdemokrat. Verein, 3. u. 4. Quart. 08 1826,74. Coblenz, Wahlkreisbeitrag für 4. Quart. 08 34,—. Chemnitz, Brutus 1,—. Dresden-Land, 6. sächs. Wahlkr. a konto seiner Bei- träge für 1908/09 1000,—. Eschwege 4,—. Falkenberg(Qberschl.) 3,—. Güstrow, sozialdemokr. Ver. d. 6. mecklenb. Wahlkr. f. zweites Halbjahr 03 105,85. Güttingen, sozialdemokr. Wahlver. d. 12. han- noverschen Kreises für 2. Halbjahr 03 98,—. Görlitzer Agitations- bezirk 4. Quart. 08. Wahlkreise: Grimberg 13,—; Sagau 26,60; Bilnzlaii 210,—; Lölvcnberg 43,20; Görlitz 195,16; Rothen- bürg 103,49; Summa 591.45. Guben-Lübben, Jahresbeitrag des Wahlvereins für 1907/03 100,—. Husum, 4. schlesw.- holst. Wahlkreis für 4. Quart. 03 24,12. Haniburg, 1. Wahlkreis 5000,—. Hamburg, 2. Wahlkreis 5000,—. Hamburg. 3. Wahlkreis 11000,—. Halle u. Saalkreis, sazialdem. Verein 3. Quart. 1908/09 500,—. Köln a. Rh., Reg. W. 20,—. Kirchberg i. Sa., ges. bei der Silberhochzeit des Genossen I. M. 4,50. Lauphcim, 15. württemb. Wahlkreis 4. Quartal 08 2,74. Leipzig-Land, 13. sächs. Wahlkreis 1. Quartal 09 6000,—. Malchin, 4. Mecklenburg. Wahlkreis 84,40. Magdeburg, sozialdemokr. Verein 1. Quart. 09 800,—. Nordhausen, sozialdemokr. Verein d. Wahlkreises Nordhansen, Grafsch. Hohenstein 4. Quartal 08 101,39. Nürnberg, Gau Nordbnyern 4. Quartal 08 Wahlkreise: Regensburg 40,74; Ilmberg 6,42; Neumarkt 2,43; Neuenbürg 1,50; Neustadt a. W.-N. 15,48; Hof 108,66; Bayreuth 127,71; Forchhcim-Kulmbach 35.79; Lichtenfels-Kronach 53,01; Bamberg 37,74; Nürnberg 1163,43; Erlangen-Fürth 460,80; Ans- bach-Schwabach 103,68; DinkelSbühi 18,06; Eichstätt 10,56; Rothen- bürg 9.—; Kitzingen 10,41: Neustadt a. S. 9,36; Schwein- surt 65,97; Würzburg 76,50; Summa 2357,25. Nien- bürg a. W., Beitrag des 7. hannoverschen Wahlkreises 144,84. Plauen i. V., E. 1,—. Ronsdorf, Wahlkreis Lennep-Remscheid- Metlmann 4. Quart. 08 400,—. Rathenow, ges. von den Partei- genossen der Lungenheilstätte 7,20. Schwerin i. M., 2. Mecklenburg. Wahlkr. 2. Halbjahr 08 79,88. Tegel. G. S. 2.—. Wilmersdorf, von den Tischlern der Fa. G. Wegener 25,—. In der Quittung in Nr. 63 des„Vorwärts" vom 16. März d. I. mutz es nicht heitzen Breslau für Flugblätter, sondern Breslauer AgilationSbezirk für Flugblätter 93,—. Berlin, den 14. April 1909. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 69. SoziaSdcmdKratie und üngeltelltenbewegung. „Der Gelehrte ist der Kuli des Kapitalisten." Dieses marxistische Wort haben diejenigen am wenigsten begreisen wollen, die es direkt angeht. Das geistige Proletariat unter- scheidet sich von dem Proletariat der Handarbeiter dadurch. daß die Kopfarbeiter ihre Klassenlage nicht erkennen, daß sie von Gemeinsamkeit der Interessen träumen, während gerade durch die Ausbeutung der geistigen Arbeitskraft im Produktions- Prozeß ihr Proletarierdasein bestimmt wurde. Der offene Interessengegensatz zwischen den geistigen Ar- bcitern und dem Kapital ist bisher verdeckt worden durch ge- ivisse äußere gemeinsame Beziehungen, wie den gleichen Bildungsgrad usw. Hier hatten sich die Klasscukäinpfe bisher noch nicht in den Formen entwickeln können, wie zwischen Arbeitern und Unternehmern. Die letzten Jahre haben auch darin eine Aenderung und Verschärfung gebracht. Vor allen Dingen werden jetzt die Kopfarbeiter der Großindustrie, die Angestellten, in Konflikte hineingezogen, denen sie nicht mehr ausweichen können. Für die Organisation der Kopfarbeit im Industriebetrieb trifft dasselbe zu wie für die Organisation der Handarbeit. Je größer der Betrieb, desto größer die Arbeitsteilung, desto unselbständiger wird der Einzelne der wachsenden Macht der Unternehmer gegenüber. Der Selbsterhaltungstrieb treibt auch ihn in Organisationen, in Kampfverbände, in Gewerkschaften. Die alten Harmonievereine können immer weniger den Forderungen der Zeit gerecht werden, neue Organisations- formen müssen geschaffen werden, die in ihrem Programm und in ihrer Agitation den Arbeitnehmerstandpunkt klar und konsequent zum Ausdruck zu bringen haben. Der Unternehmer freilich ist viel zu sehr gewohnt, gerade den Angestellten als seinen gefügigen Untergebenen zu be- trachten. Er wird sich dieser neuen Entwickelung der Dinge widersetzen und dieselben Mittel der Unterdrückung an- zuwenden versuchen, die im Kampfe mit der Arbeiterschaft bisher versagt haben. Das Vorgehen der bayerischen Metall- industriellen, die Maßregelungen der oberschlesischen Gruben- Magnaten sind nur die äußeren Kennzeichen einer Situation, die sich mit innerer Naturnotwendigkeit aus der kapitalistischen EntWickelung ergeben muß. Die Angestellten stehen diesen Kämpfen nicht so vor- bereitet gegenüber wie die Arbeiter. Haben die Arbeiter gelernt, sich nur auf ihre eigene Kraft zu verlassen, so erhoffen die Angestellten noch Vorteile von Petitionen und Ergebenheits- adressen an Parlamente und Regierung. Die Arbeiter sehen ihre Interessen durch eine politische Partei vertreten, die An- gestellten hoffen auf die Unterstützung aller politischen Parteien. Die bürgerlichen Parlamentarier sowie die Ver- treter der Regierung haben es daher leicht, die Angestellten mit schönen Worten und Versprechungen abzuspeisen, während man in Wirklichkeit nicht daran denkt, die industriellen Kopf- arbeiter der Macht des Großkapitals gegenüber in Schutz zu nehmen. Vor einigen Wochen hielt in Frankfurt a. M. die Gesell schaft für soziale Reform ihre Generalversammlung ab. In der Angestelltenpresse wird gegenwärtig den organisierten Mit gliedern der Verhandlungsbericht aufgetischt. Aus diesen Presseäußerungen geht deutlich hervor, welchen Optimismus weite Kreise der Angestellten der bürgerlichen Sozialpolitik noch entgegenbringen. Die Mitglieder der Gesellschaft für soziale Reform bilden sich schließlich selbst auch ein, in die sozialpolitische Entwickelung unserer Zeit eingegriffen zu haben und noch Einfluß darauf zu besitzen. In Wirklichkeit hat sich unser Arbeitgebertum aus diesen Kreisen weder Belehrung noch Bekehrung geholt; wenn wirklich die Arbeitergesetzgebung gegen früher einige Verbesserungen erfahren hat, so sind diese Erfolge den Arbeitern selbst zu verdanken, die sich politisch und gewerkschaftlich ihre Rechte erzwungen und erkämpft haben. Wenn die Angestelltenpresse also schon über die Ver- Handlungsberichte der Gesellschaft für soziale Reform berichtet, so sollten besonders Posadowskys Ausführungen auf dieser Tagung erörtert und richtig interpretiert werden. Der ehe- malige Staatssekretär setzte den anwesenden Politikern, Sozial- rcformern und Angestelltenvertreteru auseinander, daß es „auf keinem Gebiete soviel Heuchelei gibt wie bei einer gewissen sozialpolitischen Freundlichkeit. Die schönsten sozialpolitischen Anträge würden oft von Leuten gestellt, in deren Absicht die Ver- wirklichung der Anträge gar nicht liegt." Posadowsky hat bei diesen Ausführungen sicher an alle jene Komödien gedacht, die er als Staatsmann und Parlamentarier agieren sah. Durch die engen und intimen Beziehungen zwischen Kapital und Regierung wurde ja gerade er als Minister gestürzt, der nach Ansicht unserer Reaktionäre die Sozialpolstik in einem Lokomotivtempo vorwärts treiben wollte. Ein sehr lehrreiches Beispiel der Jnteressenharmonie zwischen Kapital und Regierung haben kürzlich gerade die An- gestellten anläßlich der Maßregelung der ober- schlesischen Bergleute beobachten können. Die Protest- Versammlung, die seinerzeit der Bund der technisch-industriellen Beamten als bedrohte Organisation abgehalten hatte, wurde von einem leibhaftigen Regierungsvertreter beschickt. In jener Versammlung gab der Regierungsrat Landmann die feierliche Erklärung ab, daß er im Aliftrage seines Chefs, des Staats- sekrctärs Bethmann-Hollweg, an dieser Versammlung teil- nehme, um der Regierung darüber Bericht zu erstatten. Diese Erklärung wurde mit eitel Freude und Zuversicht auf- genommen. Die Verhandlungen im Landtag haben ja dann auch ge- zeigt, welche Belehrung die Regierung aus dem Bericht ihres Vertreters über diese Vorgänge empfangen haben muß. Als bei der Beratliug über den Gesetzentwurf auf Abänderung des Allgemeinen Berggesetzes der Landtagsabgeordnete Dr. Schopp eine eingehende Darstellung der Vorgänge in Obcrschlcsien gegeben hatte, fand der Handelsminister Dr. Delbrück nur die bezeichnende Antwort, daß für ihn als Chef der Berg- verwaltling und der Bergpolizei kein weiteres Interesse be- steht, als festzustellen, ob für diese entlassenen Beamten ein geeigneter Ersatz beschafft werden kann und beschafft worden ist. Wie Hohn klingt diese Antioort des Ministers, die in der gleichen Form auch von einem Grubenmagnaten hätte gegeben werden können l Der ober- schlesische Berg- und Hüttenmännische Verein hat denn auch seinen Mitgliedern die schwarze Liste der 11 Steiger mit- Expedition: 8M. 68, I�indcnstrasöe 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. geteilt, die auf allen Gruben ausgesperrt werden sollen. Den 11 betroffenen Steigern ist damit die Möglichkeit ge- nommen, in ihrem Beruf überhaupt noch weiter tätig zu sein l Ihnen bleibt nur die Wahl, entweder einen anderen Beruf zu ergreifen oder auszuwandern. Der Rcgierungsvertreter im Parlament als unentwegter Verteidiger der reaktionärsten Scharfmacherinteressen ist ein Bild, das auch die Angestellten in ihrem eigenen Interesse festhalten sollten I Die gegenwärtige Situation hat aber für die Angestellten noch in anderer Hinsicht eine ernste politische Bedeutung. Für eine jede Klasse erfüllt sich ihr politisches Schicksal, wie sie es verdient. Entweder haben die Angestellten als Masse total teilnahmslos den politischen Vorgängen gegenüber gestanden oder sich von jedem Humbug einfangen lassen. Sie haben oft genug den politischen Parteien ihre Stimme gegeben, die jetzt mit der Regierung die Interessen der industriellen Scharf- macher verteidigen. In der Angestelltenliteratur wird uns oft verkündet, daß der sogenannte„neue Mittelstand" eine neue Macht darstellt, die auf die zukünftige Stellung des Unternehmers zum Arbeiter einen bedeutsamen Einfluß ausüben wird. Wenn die Angestellten wegen ihrer Zahl und der Volkswirtschaft- lichen Bedeutung ihrer Arbeit wegen auch in der Tat eine wichtige politische Rolle spielen könnten, so ist doch zunächst unter ihnen noch ein gewaltiges Stück Erziehungsarbeit zu leisten. Durch die kapitalistische Entwickelung ist der Kopfarbeiter ebenso Lohuproletaricr geworden, wie der Handarbeiter. Die Angestellten müssen diese Entwickelung begreifen und dieser Erkenntnis gemäß konsequent handeln. Die jetzigen Konflikte zwischen Unternehmern und Angestellten sind nur Vorzeichen von weit schlimmeren Kämpfen, die unausbleiblich sind. Un- aufhaltbar ist der Entwickelungsprozeß, der den Klassen- gegensatz zwischen dem industriellen Kopfarbeiter und dem Unternehmer immer klarer zum Ausdruck bringt und dadurch die Angestellten zwingt, bei derjenigen Partei Schutz zu suchen, die ihre reinen Arbeitnehmerinteressen konsequent vertreten kann, nämlich bei der Sozialdemokratie. Je eher die An- gestellten diesen wirklichen Zusammenhang der Dinge begreifen lernen, desto entschiedener werden sie sich in ihren Kämpfen behaupten können._ nochmals das industrielle Ciebesgaben- Projekt Die Prinzipientreue des Liberalismus, des gemäßigten Liberalismus Bassermannscher Färbung wie des freisinnigen, zeigt sich wieber mal in ihrem schönsten Glänze. Theoretisch sind der Nationalliberalismus wie der Freisinn für Beseitigung aller so- genannten Liebesgaben; in der Praxis aber verwerfen sie die auf Volkskosten gewährten Staatsgeschcnke nur bann, wenn die Be» schenkten nicht zu jenen Kreisen gehören, in denen sie ihre Gönner und Geldgeber haben. Deshalb hat sich auch die liberale Presse bisher noch immer nicht bewogen gefühlt, ernstlich gegen das industrielle Liebcsgabenprojckt Stellung zu nehmen, das wir in Nr. 78 des„Vorwärts"(vom 2. April) enthüllten. Zunächst befolgten die liberalen wie die konservativen Blätter die billige Taktik, die Meldung des„Vorwärts" zu beztveifcln und als höchst unwahrscheinlich hinzustellen. Als dann aber am 7. April die„Nordd. Allg. Ztg." sich gezwungen sah, unsere Mit- teilung zu bestätigten, daß die am Schluß des Jahres 1909 vom Reich den BerufSgenossenschaften vorgeschossene Unfallrentensumme im Betrage von 165 Millionen Mark von den BerufSgenossenschaften nicht zurückgefordert, sondern in eine Schuld umgewandelt werden solle, die zur Hälfte das Reich zu übernehmen hätte, da schlügen die Zweifelsüchtigcn sofort andere taktische Bahnen ein. Teils druckten sie die Darstellung des Kanzlcrblattes einfach ab und versprachen gelegentlich auf den Inhalt zurückkommen zu wollen; teils taten sie so als enthielte die Mitteilung der„Nordd. Allg. Zeitung" etwas ganz anderes, als unsere Meldung vom 2. April. Dieselben Blätter, die so prinzipienfest über die den Agrariern gewährten Branntwein- und Zucker-Liebesgaben räsonniercn, sie fanden nun wenig oder gar nichts daran auszusetzen, daß den industriellen Berufsgenossenschaften, die vielfach große Millionen» rcserven angesammelt haben, ans Kosten der deutschen� Steuer» zahler die Hälfte ihrer Schulden, ungefähr 82 bis 83 Millionen Mark, geschenkt und der Rcichskasse zur Verzinsung und Amorti- sation dieser Summe 20 Jahre lang eine jährliche Ausgabe von 5,8 Millionen Mark aufgehalst werde. Selbst die traurige Finanz- läge, in der sich zurzeit das Deutsche Reich befindet, vermochte in diesem Falle die patriotischen Herzen nicht zu rühren; denn 83 Millionen Mark zu haben oder nicht, das ist selbst für die wohl- situiertcn industriellen Bernfsgenossenschaftcn ein Unterschied. Es ist ein klerikales Blatt, die„Köln. Volksztg.", die endlich ebenfalls gegen die den Industriellen auf Kosten des Volkes zu» gedachte Staatsdvtation Stellung nimmt und die lächerliche Be» hanptung des Kanzlerblattes, die BerufSgenossenschaften ver. möchten die ihnen vom Reich vorgeschossene Summe nicht zurück» zuzahle», spöttisch zurückweist. Eine Notwendigkeit, in der im letzten Absatz bezeichneten Weise vorzugehen(das heißt, die Hälfte der Vorschußsumme auf das Reich zu übernehmen), können wir gerade nicht ancr- kennen, da die Voraussetzung des Reichsschatzamts, die Berufs- gcuosscnschaften hätten keine große Vermögensbestände und wären deshalb nicht in der Lage, die Vorschüsse ohne weiteres zurück. zuzahlen, vicht zutresfenv ist. Sämtliche Berufsgenossenschaften besitzen Bereits fedjt ansehnliche Reservefonds, viele Bevselven ln einer Höhe, welche mehr als das Doppelte ihres gesamten Jahres- bedarfs in Unfallrentcn und sonstigen Kosten beträgt; so ergeben sich zum Beispiel nach der Statistik für das Jahr 1S0S(seitdem hMn sich ÜS Veservesovds noch erhöht) folgende Ziffern: gesamteJahre-Z« am 31. Dez. ausgaben 1905 vor- einschlietzlich handener weiterer NeservefondS Dotierung de» bei der NeservefondS KnappschaftS-BerufSgenossenschast. 42 200 000 M. 23 514 000 M. Brauerei und Mälzerei..... 9324 000, 4116000, Bier Holzindustrie» BerufSgenossen- schafte».......... 10 004 000* 5 784 000„ Chemische Industrie...... 5 820 000# 3 501 000» Sechs Textilindlistrie-Berufsgeilosse»- schaften.......... 8 390000, 4127000, Insgesamt hatten schon im Jahre 1905 06 BerufSgenossen- schaften Reservefonds in Höhe von rund 204 000000 M., während ihr Jahresbedarf für Renten. Verwaltungßkostcn nur 107 805 000 M. betrug; ausserdem wurden im Jahre 1905 von diesen 66 Genossenschaften noch 17 322 060 M. i» den Reservefonds hinzugelegt. Am Schlüsse des Jahres 1903 dürften sich die Reservefonds dieser 66 Genossenschaften auf 260 000 000 M. belauf e n haben, während das Reich in demselben Jahre 1908 für die gleichen 66 Genossenschaften etwa 120 000 000 M. Vor- schüsse gegeben haben wird. Die Berufsgenossenschaften wären also in ihrer über- Ivältigenden Zahl recht wohl in der Lage diese Vorschüsse seitens der Reichskasse zu entbehren und selbst ihre Vorschüsse von den versicherten Betrieben einzuziehen, die Auslagen des Zkiche» vierteljährlich zu begleichen oder auch der ReichSkasse Betriebs- Vorschüsse zu leisten. .! Selbst aus Kreisen, die an der Sache direkt interessiert sind, von Arbeitgebern und Beteiligten der Textil-, Bergwerks-, Buch- druckereigewerbe, sind, wie das Kölner Blatt berichtet, ihm Mib- teilungen zugegangen, welche sich mit Rücksicht auf die Lage der Reichsfinanzen gegen derartige Opfer der ReichSkasse zugunsten der BctriebSunternehmcr aussprechen, ganz besonders, weil, was man hier der Gesamtindustrie schenken will, doch erst wieder einzelnen Gewerben durch die neuen Steuergesctzs in am so schwererer Belastung auferlegt werden müsstel Es ist in der Tat «ine Unverfrorenheit sondergleichen, dass zu derselben Zeit, in der die Regierung in der offiziösen Presse über das steigende Finanz. elend klagt und an den patriotischen Sinn des deutschen Volkes appelliert, sie sich mit dem schönen Plan trägt, den deutschen Gross- industriellen, von denen gar n-nnche zu den mehrfachen Millionären zählen, über 80 Millionen Mark aus der ReichSkasse zu schenken. Diesem leichtfertigen Projekt muss ganz energisch entgegengetreten werden I Das Geld, das den lsnbemittelten durch die Steuer- schraube abgepresst Jp.iÄ iß nicht zum Verschenken an Millionäre fou' Die Qntwälzung in Mtantinopel. Mehr und mehr entschleiert sich der reaktionäre Charakter der Armc�revolte vom 13. April. Freilich haben die Liberalen mit den Alttürken zusammen die Jungtürken gestürzt. Aber sie müssen jetzt mit Schrecken sehen, dass sie für die Reaktion gearbeitet haben, daß das meuternde Heer zu deren Werkzeug wird. Der Absolutismus wird freilich noch nicht direkt wieder proklamiert, aber sein Kommen kündigt sich schon in verschiedenen Anzeichen an. Kreaturen des alten Regimes tauchen wieder auf, und der Sultan, der solange ganz in den Hintergrund getreten war, wird wieder aktiv. Er hat der Fahne der Marinesoldaten, die ihm vorgestern mit anderen Soldaten huldigten, und denen er sich am Fenster zeigte, zwei De- korationen verliehen. Ein Unteroffizier wurde vom Sultan empfangen und beauftragt, den Truppen Grüße des Sultans zu überbringen und ihnen die Ernennung EdhemS zum Kriegsininister niitzuteilen. Die von der jungtürkischen Regierung entlassenen Offiziere, meist Geschöpfe der Protektion. sind wieder im Heer eingestellt worden, der reaktionär gesinnte Marschall Schewket Pascha hat das Kommando der kaiserlichen Garde wieder übernommen, die vor einigen Wochen aus dem Iildiz entfernte Leibwache des Sultans ist dort wieder ein- gerückt. Die jungtürkischcn Offiziere werden entlassen, wie eine Meldung zeigt, wonach das Kriegsministerium bemüht sei, die Osfiziersbestände der Regimenter zu ergänzen, da die Offiziere. die als Jungtürken oder sonst verhaßt seien, im Dienst fehlten. Und in einer Zirkular- d e p e s ch e, die der Grosswesir an alle WaliS, gerichtet hat, heißt es, die Soldaten hätten unter anderem die Forderung gestellt, die Offiziere, mit welchen sie un- zufrieden seien, durch andere zu ersetzen. Der Sultan habe befohlen, dasNötige zu veranlassen, wenn für einen cvent. Ersatz Offiziere vorhanden sind. In dieser Zirkulardepesche heißt es auch, es sei die höchste Pflicht der Beamten, in allen Angelegenheiten gemäß dem heiligen Scheria- g e s e tz e vorzugehen und ein gutes Einvernehmen zwischen den verschiedenen Volksklassen entsprechend der Verfassung herzustellen. Das heilige Scheriagesetz gründet sich auf die religiösen Vorschriften des Islam und enthält daher eine Menge von Bestimmungen, die zum heutigen Kulturzustande des türkischen Volkes nicht mehr passen und schon unter dem absoluten Regiment außer Uebung kamen, bezw. durch neue Gesetze verdrängt wurden. Die Ruhe ist inzwischen in Konstantinopel einigermaßen wieder hergestellt, doch sind am Donnerstag noch im Vor- orte Arnautkoi am Bosporus zwei Offiziere von Soldaten füsiliert worden. Die Zahl der seit Beginn der Bewegung Verletzten wird aus 70, die der G e t ö t e t e n auf 15 ge> schätzt. Die Mehrzahl der Unglücksfälle ist angeblich durch die Frcudenschüsse der Meuterer verursacht worden. Unter den Toten sollen sich auch einige hohe Würdenträger des Hofes befinden. Die Straßen bieten das gewöhnliche Aussehen, alle Banken und Läden sind geöffnet. Der Geschäftsverkehr ist in vollem Gange, Auf den Straßen sieht man kein Militär mehr. Die Kammer verhandelte am Donnerstag unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten in geheimer Sitzung über den Erlaß einer Proklamation. Von den jungtürkischen Abge- ordneten war etwa die Hälfte erschienen, die übrigen Depu- tierten waren ziemlich vollzählig anwesend, die Ministerbänke waren leer. In den Wandelgängen herrschte große Erregung. Die Ereignisse werden verschieden beurteilt und die Rat- l o s i g k e i t des Hauses war unverkennbar. Es verlautet, daß der Vorschlag gemacht wurde, eine Deputation an den Sultan zu senden, um Aufklärung über die Lage zu verlangen, da das Haus von dem Wechsel in der Regierung nicht unterrichtet sei. Zahlreiche jungtürkische Deputierte sollen es für nötig halten, ihr Mandat niederzulegen. Viele hexvoxxagende Jungtürken halten sich versteckt, andere sind geflüchte?, Larustke? ostch Mvesette KöMmändan? der kaiserlichen Garde, Mukthar Pascha, dessen Haus von mehreren meuternden Bataillonen belagert wurde. Die Be- lagerung wurde erst eingestellt, als die französische Flagge ge- hißt wurde. Die Meuterer haben von denen, die sie ins- geheim dirigieren, zweifellos den strikten Befehl erhalten, jeden Angriff auf Fremde zu unterlassen und alles zu ver- meiden, was zu Einmischungen des Auslandes Anlaß geben könne. Die Hoffnung, der Major Enwcr Bcy und andere im Auslande weilende Häupter der jungtürkischen Partei Aus- druck gegeben haben, daß die Adrianopeler und S a° lonikier Truppen der Revolte schnell ein Ende machen würden, hat sich bis jetzt nicht erfüllt. Enwer Bey ist mit seinem Wiener Kollegen, dem Major Hakki Bey auf deni Wege nach Saloniki. Ob sie dort die jungtürkische Armee vorfinden, auf die sie hoffen, ist zweifelhaft. Verläßliche Nachrichten über den Stand der Dinge in Saloniki sind nicht da. Die Meldungen, die bis jetzt vorliegen, widersprechen einander aufs Schroffste. Nach der einen ist es dort zu einer ähnlichen Meuterei der Gemeinen gegen die Offiziere ge- komnien wie in Konstantinopel, nach der anderen streben die zwei Armeekorps von Adrianopel und Saloniki, die den Jungtürken unbedingt zur Verfügung stehen, in Eilmärschen Konstantinopel zu. Die führerlosen Massen der Hauptstadt, so wird hinzugefügt, werden ihnen nicht lange Widerstand leisten können. Was wahr an diesen Meldungen ist, muß abgewartet werden. Jedenfalls sind die optimistischen Aeuße- rungen Enwer Beys und Hakki Beys über die sichere Stütze. die die Jungtürken an den Truppen von Adrianopel und vor allem von Saloniki haben, mit Vorsicht aufzunehmen. Die Truppen, die die Jungtürken nach Konstantinopel gebracht hatten, galten bis zum 13. April auch als durchaus zu- verlässig und die Marine, deren feste jungtürkische Gesinnung Enwer Bey noch am 14. April kräftig betonte, hat nichts für die Jungtürken getan. ES läßt sich deshalb zurzeit noch absolut nicht beurteilen, ob die Jungtürken noch die Möglichkeit haben, von der Provinz aus die Hauptstadt wieder zu erobern. Einer der Gründe der Revolte soll der Plan der Jung- türken gewesen sein, die Wehrpflicht allgemein zu machen, das heißt einerseits die Theologiestudentcn, andererseits die Christen zum Militärdienst heranzuziehen. Der nationale und religiöse Fanatismus der Soldaten ist von der unteren Geistlichkeit— die höhere soll zu den Jungtürken halten— durch den Hinweis auf diesen Plan aufge- peitscht worden. Das Aufflammen der nationalen und religiösen Leidenschaften scheint im Lande schon Nachfolge gesunden zu haben. Aus Mcrstna, einem klein- asiatischen Hafen, wird bereits gemeldet, daß die Mohamme- daner die Christen massakrieren. Aus dem ebenfalls in Kleinasten gelegenen Adana wird berichtet, daß die Türken die Armenier metzeln. In Albanien soll Aufstand herrschen, die Albanesenchefs sollen einen Einfall in das türkische Altserbien planen und die serbische Regierung werde zum Schutze der bedrohten Nationalitätsgenossen Truppen über die türfische Grenze senden. Von Belgrad aus werden solche Pläne freilich in Abrede gestellt und überdies behauptet, daß von einem Auf- stand in Albanien nichts bekannt sei. Bulgarien soll der Türkei ein Ultimatum stellen wollen; Abmachungen mit England beständen, die es zu so- forfigem Handeln verpflichteten. Griechenland soll denZeit- Punkt für geeignet halten, gegen die Türkei vorzugehen. Alle diese Meldungen sind zurzeit unkontrollierbar. Ebenso wie jene. die immer wieder England beschuldigen, daß es seine Hand bei der Umwälzung im Spiele habe; englische Blätter revanchieren sich, indem sie behaupten, Deutschland stecke hinter dem Sultan und den anderen geheimen Leitern der meuternden Truppen. Vorläufig kann man diese Behauptungen nur als ein An- zeichen dafür buchen, daß die Umwälzung in der Türkei überall Unruhe hervorgerufen hat und daß sie von unberechenbaren Folgen für die Geschicke Europas sein kann. Die letzten Meldungen lauten: Konstantinopel, 15. April.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Korresp�Bureaus.) Die Botschafter und Gesandten statteten heute dem Grosswesir offizielle GratulationS- besuche ab, bei welcher Gelegenheit Tewfik Pascha be. ruhigende Zusicherungen über die innere Lage gab und besonders betonte, dass bezüglich der Haltung der Truppen dcS Adrianopeler und des Salo- nikier Korpsbereiches keine Gefahr existiere. Diese Mitteilungen haben die Diplomaten sichtlich beruhigt, und es beginnt bei ihnen jetzt eine optimistische Auffassung über die Situation und die nächste Zukunft vorzuherrschcn. Konftantinopel, 15. April. Die gesamte Presse ist durch die letzten Ereignisse sichtlich eingeschüchtert; sie hütet sich vor vor» zeitigen Urteilen und beschränkt sich auf die Schilderung der letzten Ereignisse. Einige Blätter bezeichnen die Aufgaben deS neuen Kabinetts als schwierig und ermahnen die Soldaten, die Sofias und die übrigen Studierenden sowie die Bevölkerung, sich jetzt nicht mehr mit Politik und Demonstrationen zu beschäftigen, sondern aus Vaterlandsliebe ihre Pflichten zu crftillen. Für das Jnngtürkentum findet sich kein Verleidiger, im Gegenteil, einige Blätter verurteilen seine Politik, und nur wenige weisen auf seine ursprünglichen Verdienste hin. Die Lage in Saloniki. Konstantinopcl, 15. April.(5,45 Uhr nachmittags.) Soeben fahren Matrosen und Marinesold ten auf sequestrierten Wagen nach dem Dildizpalast, um gegen den interi- mistische n Marineminister zu protestieren. In einzelnen Stadtteilen herrscht wieder Beunruhigung. V'S- her sind, soweit eS sich kontrollieren läßt, sehr wenige Jungtürken abgereist, da sie auf»ine Wendung oder wenigsten» Ver- söhnung hoffen. Die D«pesck)enzcnsur ist aufgehoben. Saloniki, 15. April. Zwanzig Bataillone des dritten Korps sind einberufen worden. Die Bahngesellschaft Saloniki» Konstantinopel bat Befehl erhalten, alle verfügbaren Waggons für eventuelle Truppentransporte nach der Hauptstadt bereitzuhalten. Gegenwärtig findet ein imposantes Massenmeeting statt. In der Stadt sind all« Läden geschlossen. Allgemein wird der Wunsch nach Sicherung der Verfassung laut. poUtifcbe Qeberficht. Berlin, den 15. April 1909. Norddeutsche Eisenstirnigkeit. Gestern früh gaben wir eine Erklärung des Bergarbeiter- Verbandes wieder, in der dieser sich gegen die Darstellung des christlichen„Bergknappen" wendet, bei der KnappschastSältestenwahl in Bochum im Jahre 1904 sei mit Wissen und Willen der Verbands- leitung gegen Brust ein Flugblatt verbreitet worden, daS diesen der Bestechlichkeit verdächtigte. Der Borstand des Bergarbeiter- Verbandes hatte im Gegenteil die Verbreitung des an Verbands- funktionärs versandten Flugblattes durch diese sofort inhibiert, als er durch den Verfasser, den ausgeschlossenen ehemaligen Verbands- beamten S p a n i o l KeiintniS von dem Flugblatt erhielt. Die offiziöse„Nordd. Allgemeine Ztg." gibt jetzt die Nachricht des„Bergknappen" nach der„Germania" wieder. Von der Erklärung des Bergarbeiter- Verbandes erwähnt sie nichts. Die Pressanfsicht der Regierung sollte doch ihrem Reptil die Zähne putzen. Daß das aus RcinlichkeiVgefühl geschieht, verlange!: wir nicht. Aber die Klugheit sollte snlbst deutschen Diplomaten sagen, daß die„Norddeutsche" als Hilfsmittel der Regierung völlig unbrauchbar wird, wenn dieses Blatt so redigiert wirb. dass seine journalistische und moralische Ninderwertigkett gar zu offenkundig hervortritt._ Steuerkundgebungen in Sachsen. Die„Dresdener Nachrichten" melden, Voss in Dresden beabsichtigt sei, von den Vertretern aller Stände und bürgerlichen Parteien Sachsens eine Kundgebung zur Reichsfinanzreform zu ver- anstalten. ES wird folgende Resolution zur Annahme gestellt werden: Das Deutsche Reich steht vor schweren Entscheidungen. Sein- Einnahmen langen nicht zu, die Ausgaben zu decken! Im all- gemeinen ist die finanzielle Notlage des Reiches anerkannt. Mittel zur Abhilfe müssen geschaffen werben. Die Zeit drängt; die europäische Lage, jetzt beruhigt, kann sich späterhin in eine kriegerische umwandeln. In der Stunde der Gefahr muss das Reich, wie militärisch, so auch wirtschaftlich gesesiigt dastehen. Die Vorschläge der Reichsregiernng wie die Verhandlungen deS Reichstages haben bislang zu keiner_ Einigung geführt; im Gegenteil; die finanzielle Selbständigkeit der Bundesstaaten ist bedroht. Sächsische Männer aus allen Schichten der Bevölkerung wie des Berufes hoben sich deshalb in dieser schweren Stunde dahin geeinigt, zu fordern, dass die Reichsfinanzreform unter- möglichster Beschleunigung zu Ende geführt wird. Sie fordern neben ausreichenden Steuern auf entbehrliche Genussmittel namem- lich einen Ausbau der Reichserbschaftssteuer. Sie ersuchen die Vertreter deS deutschen Volke", in dieser Hinsicht zu wirken, und ihre Bedenken gegen den Ausbau der Erbschastsstcuer im Juteresss des Reichsgedeihens fallen zu lassen. Diese Resolution ist unterschrieben von Anhängern der National- liberalen, der Freisinnigen und der Konservativen, ausserdem auch von Vertretern der christlichen Arbeiter. Zentrum und Finauzreform. In einer Kölner ZentrumSbersammlung, die gestern stattfand. präzisierte der Abgeordnete Trimborn die Stellung des Zentrums zur Reichsfinanzreform. Er erklärte, eL könne eine Situation ein- treten, die es geboten erscheinen lasse, dass das Zentrum sich völlig passiv und negativ verhalte. Vorläufig aber werde das Zentrum an der Reform mitarbeiten. Es würde keinen Pfennig indirekter Steuern bewilligen, bevor nicht aller minde st ens 100 Millionen Besitz st euer» endgültig beschlossen seien, und zwar würde er der Erbschaftssteuer mtt Einbeziehung der Eltern und Kinder den Vor- zug vor der Nachlasssteuer geben. Der Zentrums-Herzog. Die Zentrnmspresse ist ungemein stolz darauf, daß sie ihren Grafen nun auch einen„leibhaftigen Herzog" als Ab- geordneten zugesellen kann. So behatlptet die„Mark. Volks- Ztg.", die Blockliberalcn empfänden nichts als Neid darüber, daß„einer der reichsten Herzöge der Welt" Zentrnmsabgeord- neter werden wolle. Der Neid ist um so größer,„da vollends dieser Herzog der erste preußische Adlige ist, der das Privileg des stetenZutritts beim Kaiser hat. da er persoan gratissima a m Hofe ist." Die Zentrumspresse mag schon recht haben, wenn sie den Blockliberalen Neid zutraut. Eitel Humbug freilich ist es, wenn die„Mark. Volks-Ztg." behauptet, das Zentrum be- tätige sich bei bei Aufstellung des Herzogs von Arenberg „wieder als die christliche Volkspartei, die den Herzog und Fürsten ebenso umschließt, wie den Bauer, Handiverker und Arbeiter." DaS Zentrum zählt schon mehr als zu viel Aristokraten unter seinen Abgeordneten. Ist es doch nur zu bekannt, daß gerade diese Zentrumsgrafen, wie Graf Praschma, Graf Spe? uiw., die ärgsten Reaktionäre sind und sich beispielsweise ganz offen gegen die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen erklärt haben. Und daß durch das Hinzutreten dieses Herzogs und halben Milliardärs— die«Märk. Volks-Ztg." selbst beziffert sein Jahreseinkommen auf über 20 Millionen Mark l— die reaktionären, agrarischen und plutokratischen Tendenzen im Zentrum nur eine Verstärkung erfahren werden, versteht sich ganz von selbst. Da aber der Einfluß des Geld- sacks und des Großgrundbesitzes ohnehin im Zentrum über- wiegt, nimmt man keinerlei Anstoß an der Zumutung. den pofittschen Ehrgeiz des sich offenbar langweilenden Granden zu befriedigen. Hofft man doch auch, durch den Einfluß dieser persona gratissima am ehesten mißliebige Staatsmänner stürzen und den konservativ-ultramontanen Block wieder aus- richten zu können. Aus dem in Frage kommenden Wahlkreis Beckum- Warendorf-Lüdinghausen wird übrigens der„Rh.-Wcstf. Ztg." geschrieben: „Mehr und unangenehmer überrascht, als man erfuhr, wen man dem hiesigen Wahlkreise als neuen Mandatsbcwerber für den Reichstag präsentieren würde, war wohl niemcurd, als die Wähler von Beckum-Warendorf-Lüdinghausen selber. ES ist zu natürlich, dass man Auskunft erheischte, weöhalb man gerade auf den Herzog von Arcnberg verfiel, von dem die Nicht-Zentrums- presse berichtete, dass er in, Herzen eigentlich mehr Belgier wie Deutscher sei. Und da erzählte denn in einer Landwirte-Ver- sammlung im hiesigen Wahlkreise ein Herr von der Wahl- kom Mission, dass er im Grunde seiner Seele auch anfangs gegen die Wahl des Arenberger gewesen sei. dass er aber zu Nutz und Fromme» der grossen ZentrumSparter heute seinen ftüheren Standpunkt revidiert habe... der Arm des Herzogs reiche sehr, sehr weit... Wie man sich hier im Wahlkreise auf's Bestimmteste erzählt, ist es nicht nur der lange Arm, dem der Herzog seine Nominierung zum offiziellen Zentrumskandidaten verdankt, soliden, vor allem auch seine offene Hand. Er soll sich nämlich verpflichtet haben, nicht nur für sich in des Reiches Hauptstadt eine seinen finanziellen Verhältnissen entsprechende Behausung zu erbauen, sondern auch dem Zentrum in Berlin einen grossen Partei- palast errichten zu lassen und zu dedizierew DaS wäre doch wahrhaftig Grund genug gewesen, sich ihn auS Leopolds Lande zu verschreiben I"_ Zentrum und Bund der Landwirte. Der Bund der Landwirte lässt nicht nach mit seinen Bemühungen. im Rheinlande festen Fuss zu si.ssen und die katholischen Bauern aus seine Seite zu ziehen. Das Zentrum, daS sich der drohenden Ge- fahr wohl bewusst ist. weist demgegenüber durch seine Presse darauf hin, dass die Landwirtschaft am Rhein ihre wirtschaftliche Ver- tretung im rheinischen Bauernverein gefunden, und dass sich, wo es auf die gesetzgeberische Wahrung landwirtschaftlicher Interessen ankäme, das Zentrum allezeit bewährt habe. Natürlich lässt der Bund der Landwitte das nicht gelten, und das zur Vertretung feiner Sache im Rheinlande geschaffene Organ, das»Westdeutsche Tageblatt", das außerdem durch die nationalkatholische deutsche Ver- einigmig unterstützt wird, wendet sich mit großem Eifer gegen die Anschauung, daß daS Zentrum und der rheinische Bauernverein zur Wahrung der landwirtschaftlichen Interessen im Westen genügen. DaS Blatt weist darauf hin, daß im preußischen Abgeordnetenhause 166 Abgeordnete Mitglieder des Bundes der Landwirte seien, daß sich darunter aber nur ein Abgeordneter auS der Rheinprovinz be- finde. Dann heißt es: „Wer waren denn die Abgeordneten, welche bei der Zoll» tarisvorlage die Forderungen der rheinischen Bauern der- treten haben? Waren daS die rheinischen Abgeordneten oder waren es die Junker des Ostens? Wer hat denn beim Fleisch- notgeschrei in erster Linie die Interessen der Landwirtschaft vertreten? Wer nimnlt denn zurzeit den Kampf gegen die Nachlaß st euer, gegen dhs Streikrecht der ländlichen Arbeiter, gegen das allgemeine Wahlrecht für Preußen am entschiedensten auf? Vielleicht die Abgeord- neten des Westens?" Das Blatt hält dem Zentrum vor, daß die katholischen Bauern vom KoqlinonSrecht der Landarbeiter, dein allgemeinen Wahlrecht für Preußen und ähnlichen Beglückungsversuchen des Zentrums nichts wisten wollen. Das Ientnun könnte die nachteiligen Folgen derartiger Forderungen nicht übersehen, aber es habe nicht den Mut, „unberechtigten Forderungen der Arbeiter" entgegenzutreten, weil es sonst Schaden fürchte für die Partei bei der ReichstagSwahl. Das Zentrum versprach, die Interessen aller Berufsstände gleichmäßig zu vertreten, das sei aber bei der Verschiedenheit der Interessen ein Ding der Unmöglichkeit: „So verlangt z. B. ein Teil der gentrumswähler billige Lebensmittel, und die Bauern haben gerne gute Preise für ihre Produkte; die einen verlangen, daß die Grenze geschlossen, die andern, daß sie geöffnet wird; die einen fordern das Strcikrccht für die ländlichen Arbeiter, die andern wehren sich dagegen..,. ... Wer die Verhältnisse kennt, der wird es begreiflich finden, daß daS Land der leidtragende Teil werden mußte, und daß unsere Gesetzgebung einen starken demokratischen und besonders arbeiterfreu udlichen Charakter annahm." ES ist zwar nicht richtig, daß im Zentrum die Arbeiter- interessen vor den Agrarierinteressen bevorzugt werden— federmann weiß, daß das Gegenteil zutrifft— aber die katholischen Bauem hören es gern, daß sie die Notleidenden und Benachteiligten sind. Und die Art, wie der Bund der Landwirte die Bcgehrliclikeit der Agrarier im Westen anzustacheln und die Interessengegensätze im Zentrum auszunützen weiß, läßt erkennen, daß seine Bemühungen vicht ohne Erfolg bleiben werden. Aus der preußischen Polizcipraxis. Vor kurzem erschien bei dein Vorsitzenden deS sozialdemokratischen Vereins in Magdeburg, dem Genossen Klühs, ein Kriminalbeamter und bat, da er ständig Berichte über die Jugend» bewegung liefern müsse, aber unglücklicherweise sein M a- terial verlegt habe, Klühs möge ihm doch die Namen der Mitglieder deS JugendauSschnsieS nennen. ES sei ja nnr eine harmlose Sache, und eS handele sich doch nicht um ein Geheimnis. Genosse KlühS erklärte ihm, daß er als Vorsitzender eines p o l i» tischen Vereins es aus vereinZgesetzlichen Gründen mit aller Absicht vermeide, Beziehungen zu dem JugendauZschuß zu Pflegen. Auch bei einigen anderen Genossen fand der Polizeimann keine Er- hörung. Wie er sich nun geholfen hat, daS zeigt ein Schreiben, das der Polizeipräsident dem Genossen Klühs sandte: „Der JugendbildnngSausschuß Magdeburg, besten Vorsitzender Sie sind, ist ein Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt. Sie werden deshalb... aufgefordert, bis zum 20. April d. I. die Satzung, sowie daS Verzeichnis der Mitglieder des Vor st and es einzureichen." Man kann sich denken, in was für Gewissensnöte dies Schreiben den Genossen KlühS versetzte. Er soll was sein, wa» er gar nicht ist, und soll was tun, was er gar nicht kann! Ganz abgesehen da» von, daß überhaupt kein Mensch den politischen Verein»Jugend» bildungsauSschuß" kennt. Uebrigens hat die Polizei auch noch andere Leute in ähnlicher Weise heimgesucht. Auch bei einigen Magdeburger G e w e r k« schaftS-Vor ständen erschien sie, um zu ergründen, ob die Gewerkschaften politische Vereine seien. Die Neubesetzung des Kultusministeriums scheint jetzt in ihr letztes Stadium eingetreten zu sein. Wie die „Information" erfahren haben will, wird der Reichskanzler dem Kaiser in Venedig über die Frage der Neubesetzung Vortrag halten. Es ist da? erste Mal. daß der Reichskanzler direkte Vorschläge in bezug aus den Nachfolger Dr. Halles dem Monarchen unterbreitet. Nach dem letzten Abschiedsgesuche des Ministers und auf Grund eingehender Erkundigungen im Sanatorium Martinsbrunn ist der Ministerpräsident nunmehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß mit einer Wiederaufnahme der amtlichen Tätigkeit Dr. Halles nicht mehr gerechnet werden kann. Andererseits hat das langandauernde Interregnum im Kultusministerium manche Schwierigkeiten hervor» gerufen, da wichtige Fragen, die der persönlichen Erledigung durch den Minister bedürfen, monatelang unbearbeitet liegen bleiben mußten. Fürst Biilow drängt daher auf eine Entscheidung in dieser wichtigen Frage, so daß noch vor Pfingsten mit der Ernennung des leuen Kultusministers gerechnet werden kann. Der deutsche Beamtentag. Wie schon mitgeteilt, tritt am Sonntag, den 18. April, in Berlin der erste Deutsche Beamtentag zusammen. Der Aufruf an die deutschen Beamten spricht eine für diese Kreise ganz ungewohnt energische Sprache. ES heißt darin: Die Not der Zeit lastet seit Jahren schwer auf unserem Stand. Taufende von Beamtenfamilicn befinden sich in äußerst bedrängter Lage. Nur die Hoffnung auf die endliche Aufbesserung der Gehälter zum 1. April d. I. bannte die Verzweiflung ans ihrem Heim. Nun ist derl. April längst vorüber, aber trotzdem ist noch garnicht abzusehen, wann dieBcamten injdenBesitz der Gehaltserhöhung gelangen werden... Jetzt gilt es. z» zeigen, daß die gesamte deutsche Beamtenschast willens ist, in Einigkeit ihre berechtigten Forderungen zu ver» treten.... Die Abwälzung der nenen Steuern ans unlere über- ladenen Schultern bringt die Gefahr mit sich, daß die in Aussicht stehende Gehaltserhöhimg den nenen Steuern zum Opfer gebracht werden muß. Dadurch wäre die Beamtenschast um nichts gc- Hestert; erneut, und dann weit schärfer würde die Not an ihre Türe klopfen. Der Verlauf unseres ersten Deutschen BeamtentageS mutz den, Volke und der Regierung die Augen öffnen. Ein Staat ohne Beamte ist undenkbar... Zur Notwendigkeit der zweijährigen Dienstzeit. Einen netten Beitrag zur unbedingten Notwendigkeit der zwei» jährigen Dienstzeit liefert seit einiger Zeit die Verwaltung des Truppenübungsplatzes Weißenburg bei Posen. Dort werden seit dem Herbsimanöver eine Anzahl Soldaten in den verschiedensten Zivilberufen beschäftigt. Auf den, Uebungsplatz wird ein Soldaten- heim errichtet, zu dem jetzt die Lorarbeiten gemacht werden. Eine ganze HolzbearbeitungSanIage mit Gatterwerk ist aufgestellt worden, welches die aus dem dortigen Walde geholten Baumstämme bis in? kleinste bearbeitet und so daS Bauholz zu dem Bau vorbereitet. Sänuliche Arbeiten, das Roden der Stämme wie auch das Bedienen der Maschinen wird von fachkundigen Soldaten der Posener Regt» menter besorgt. Ein Hauptmann führt die militärische Ober- aufsicht, wobei ihn einige Unteroffiziere als Poliere unterstützen. Die Soldaten arbeiten von Ö Uhr morgens bis S Uhr abeudS und erhalten außer ihrer Löhnung für den ganzen Tag nur 10 Pf. Zuschlag. Der Osterurlaub wurde den Soldaten verweigert mit der Begründung, die Arbeit sei dringend, und es könne niemand ab- kommen. Da auch die Maurerarbeiten von Soldaten ausgeführt werden sollen, hat sich der Borsitzende des dortigen Zentralverbandes mit einer Eingabe an das Kriegsnnnisteriuin gewandt mit der Bitte, diese Militärkonkurrenz zu verbieten, da in der Stadt Posen zur- zeit sechzig Prozent der Arbeiter arbeitslos sind. In der Tat, trefflicher kann die Notwendigkeit des zweijährigen Dienens nicht illustriert werden als durch diese Maßnahmen. Man darf gespannt sein, was der Kriegsminister antworten wird. Mehr als 2000 Tavakarbeiter und Fabrikanten auS den Hauptsitzen der niederrheinischen Tabalindustrie Goch, Geldern. Rees. Cleve, Emmerich, Kaldenkirchen, Orsoy und Duisburg protestierten in zwei Versammlungen in Geldern gegen die neue Tabak st euervorlage. In beiden Versammlungen wnrde cmhcllig eine Resolution angenommen, in der namens der kleinen und mittleren selbständigen Fabrilanten und Händler sowie der Arbeiter unter scharfer Verurtei- l u n g der Stellungnahme des Tabakvereins gegen jede Mehr- belastmig der Tabalindustrie Protest eingelegt wird. Landtagsersatzwahl in Husum. Bei der heute im 5. Wahlbezirk deS Regierungsbezirkes Schleswig stattgehabten Landtagsersatzwahl entfielen sämtliche 165 ab- gegebenen Stimmen auf I. TönnieS, Amtsvorsteher in Garding, (nationalliberal)._ Das Beschwerderecht der Soldaten illustriert treffend eine Kriegsgerichtsverhandlung der 20. Diviston in Braunschlveig. Der Kanfmänn und Musketier Konrad Th. von der 10. Kompagnie deS 02. Jnsanterie-RegimentS komite eS am Spätabend des 12. Februar in seinem Bette am zugigen Fenster vor Kälte nicht aushalten und deckte sich noch mit seinem Mantel zu. Dafür erhielt er ans Meldung des Unteroffiziers von seinem Haupt» mann drei Tage strengen Arrest zudiktiert, nach deren Vor- büßnng Th. den Unteroffizier beim Bataillonskommandenr beschwerde- führend der Erstattung einer falschen Meldung bezichtigte und be- hanptete, zu Unrecht be st rast lvorden zu sein. Dafür wurde er wegen„verleumderischer Beschwerde" vor das Kriegsgericht gestellt, denn der Unteroffizier sagte entgegen der An- gäbe des Beschwerdeführers aus, daß er dem Soldaten den Mantel iveggenonimen, daß dieser sich ihn aber wiedergeholt habe. DaS beschwor der Unteroffizier auch vor Gericht. Drei Fiminerkameraden des Soldaten beschworen jedoch das Gegenteil, daß der Unterosfizier gar nicht an das Bett herangetreten fei und den Mantel gar nicht angefaßt habe. Worauf der Angeklagte mit der Begründmig freigesprochen wurde, daß ihn, die wissentlich falsche Befchlverdeerstattung nicht nachgewiesen werden könne._ Tie Wirren auf Samoa. Vom Reichskolonialamt liegt eine amtliche Erklärung vor, welche die Gerüchte über Samoa für übertrieben und direkt falsch erklärt. Die Berichte des Gouverneurs Solf und deS GcschwaderchefS sind in Berlin noch nicht eingetroffen. Sofort nach ihrem Eintreffen soll eine amtliche Darstellung der Vorkommnisse erfolgen. Daß der Gouverneur den Eingeborenen einen Schwur geleistet habe, könne möglich sein. Dam, habe eS sich aber offenbar blos um einen Akt gehandelt, der in einer bei den Samoanen, üblichen Weise vor- genommen wurde, um einstweilen Ruhe zu schaffen. Das Kolonialamt bedauert, daß wir kein eigenes Kabel nach Samoa haben. Aus dem ganzen seitherigen Verhalten des Gouverneurs sei zu schließen, daß von einem Schwur nach europäischen Begriffen keine Rede sein kann._ Die Pest in Deutsch-Ostafrika. AuS Deutsch-Ostafrika ist eine tclegraphische Meldung des Gouvernements eingetroffen, wonach im Bezirk Muansa etwa 60 Todesfälle an Pest vorgekommen sind. Das offiziöse Telegraphen- bureau fügt hinzu: Daß am Südrande des Viktoriasecs alte Pestherde liegen, in denen die Epidemie von Zeit zu Zeit immer wieder aufflackert, ist bekannt. Spanien. Amnestie und Finanzreform. Madrid, 15. April. KavincttLchcf Maura verlas vor der Kammer einen Gesetzentwurf betreffend Amnestie aller politischen Verurteilten. Ferner wurden eingebracht Gesetzentwürfe über die Finanzreform. Aufnahme einer Anleihe zur Errichtung von Schulen, hydraulischen Werken, für die Tilgung der auswärtigen Schulden, für Reorganisation der Marine, sowie der Post und Telegraphie. Die Finanzprojekte sehen eine Reorganisation der verschiedenen Steuern und die Aufnahme einer A n l e i h e in Höhe einer Milliarde vor. England. Gegen die Dreadnoughtpanik hat der Handelsminister WInston Churchill eine Kund- gebung erlassen in Form eines Briefes an den Vorsitzenden des liberalen Klubs von Dundee. Es heißt darin: Die Admiralität ist bereit zu beweisen, daß die britische Flotte nicht nur jeder vernünftigerweise wahrscheinlichen Kombination zweier Mächte überlegen ist— auch im Jabre 1St2— sondern auch einer Kombinalion der beiden nächst stärksten Mächte Europas. ohne Rücksicht darauf, ob eine solche Kombinatinn wahrscheinlich ist. ES würde töricht von uns sein, wenn wir Schiffe gegen die Vereinigten Staaten bauen wollten. ES ist nicht Politik der britischen Regierung, bei der Aufstellung des FlottenprograimnS die amerikarnsche Flotte in Betracht zu ziehen, weil wir nicht glauben, daß irgendeine vernünftigerweise wahrscheinliche, ja menschlich saßbare Kombinalion gegen den Frieden und die Frei- heit Großbritanniens bestehen könnte, die die Flotte der Ver- einigten Staaten in sich schlöffe." Eingehend bekämpft der Brief sodann die Annahme, daß ein so tiefer Gegensatz zwischen Deutschland und England be- stehe, daß es zwischen den beiden Staaten früher oder später zum Kriege kommen müsse. Es heißt darüber in dem Schreiben: „Ich habe den größten Irrtum bis zuletzt gelassen. Es ist der, daß es einen tiefen Jntercsiengegenfatz zwischen dem deutschen und dem englischen Volke gebe, der nur durch eine äußerste Kraftprobe gelöst werden könne, der uns der Wechsel deS Schicksals unwiderstehlich entgegentreibe. Keine Verhängnis- vollere Vorstellung könnte das Hirn eines Staats- manne« lähmen. ES gibt keinen natürlichen Gegensatz zwischen den Interessen deS englischen und deS deutschen Volkes. Keine jener Streitigkeiten, verursacht durch Nassen-, territoriale, dynastische oder religiöse Fragen, die in der Wer« gangenheit die Welt bewegt haben, oder in der Gegenwart zu der unbeständigen Haltung der Staaten beitragen, existiert zwischen England und Deutschland oder hat je zwischen ihnen existiert. Wir haben uns an große Dinge aus der Vergangenheit zu erinnern und nichts zu vergessen. ES gibt zweifellos eine Rivalität im Siandel, eS gwt aber auch eine wirkliche und wachsende Ab- ängigkeit. Keine kontinentale Nation ist in unserem Handel not- wendiger als Dcntschland, eS ist unser bester Kunde, wie wir eS von ihm sind. Trotz übelwollender Kräfte, die wir in allen Ländern am Werke sehen, ruht der europäische Friede von Jahr zu Jahr auf immer breiterer und tieferer Grundlage. Die Ver- flechtung der gemeinsamen Interessen, der Zusammenhang deS modernen Lebens, die Verbesserungen in den Verkehrsmitteln, die Ausbreitung der Kenntmffe. der Kultur und des Komforts, alles weist auf eine größere Sicherheit und auf ein immer deutlicher erkennbares gemeinsames Interesse zwischen allen Ländern hin, und zwischen wenigen Ländern mehr als zwischen Deutschland und England. Wenn allmählich ein ernst- haster Gegensatz zwischen beiden Völkern hervorgerufen worden ist, so wird dieser nicht zuriickzufiihrei, sein auf das Wirken irgend- welcher natürlichen oder unpersönlichen Kräfte, sondern auf die verbrecherische Tätigkeit einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Persönlichkeiten in beiden Ländern und auf die sträfliche Leicht- gläubigkeit breiter Volksschichten. Den Schluß bildet die Aufforderung an die einsichtsvollen und führenden Männer, den wie ein Alpdruck auf England lastenden Stimmungen, aus denen die Panik geboren wurde, energisch entgegenzutreten. Der Brief ist ein Zeichen dafür, wie leicht mit der jetzigen englischen Regierung ein Abkommen auf Einschränkung der Flottenrüstungen zu haben wäre, wenn die deutsche Negierung einen solchen vernünftigen Schritt zu tun vermöchte. Perften. Der Bürgerkrieg. TiibriS, 15. April. Eine Retterschar, die gestern von Rakhim. Khan gegen die Stadt entsandt wurde, wnrde von Sattar Khan zurückgeschlagen. Ebenso richtete eine von Ain ed Dauleh ausgeführte heftige Beschießung der Stadt nur geringen Schaden an. Teheran» 15. April. Die Jomuden, ein Turkmenenstamm, um- ringten die Stadt Aster ab ad, die vor einiger Zeit von kaukasischen Revolutionären unter Führung deS früheren ZeitimgS- korrespondenten Panow eingenommen worden war, und eröffneten den Kampf gegen die Revolutionäre, wobei viele Per- sonen getötet oder verwundet wurden. Panow floh und seine Anhänger ergaben sich dem russischen Konsul. Im russischen Konsulat fanden viele Bewohner der Stadt und der umliegenden Dörfer mit Frauen und Kindern Zuflucht. Die Bevölkerung ist von einer Panik ergriffen, da befürchtet tvird, daß die Turkmenen ein Blutbad anrichten. Amerika. Unruhe« in Mexiko. Mexiko, 15. April. Wie aus dem Minenlager V e l a r d e n a in der Provinz Coahnila gemeldet wird, entstanden am vergangenen Sonnabend infolge des Verbotes einer religiösen Pro- zession ernste Unruhen, bei denen das H a u S deS Bürgermeisters mit Steinen beworfen und i n Brand gesteckt wurde. Die einschreitende Polzei erwies sich der angreifenden Menge gegenüber als zu schwach und wurde mit einen, Verlust von sechs Toten zurückgedrängt. Erst später eintreffenden Truppen gelang eS nach einer regelrechten Schlacht, bei der 32 Personen getötet und viele verwundet wurden, die Ruhe wiederherzustellen. Vierzehn der Unruhestifter wurden hingerichtet und eine größere Anzahl ins Gefängnis gesetzt. Hub der Partei. Parteiretter PcuS. Das„Volksblatt für Anhalt" beschäftigt sich an leitender Stelle mit KautSkys neuer Broschüre„Der Weg zur Macht". Aber nicht etwa, um den Lesern etwas über den Inhalt der Schrift mitzuteilen oder Stellung dazn zu nehmen— das soll erst später in einer Reihe von Artikeln geschehen sondern um breitspurig zu beteuern, daß die in der Broschüre niedergelegte Ansicht KautSkys nicht als ein offizielles programmatisches Bekenntnis der Partei zu betrachten sei. Weni, Genosse Peus das zu konstatieren für nötig hielt, hätte er das sehr einfach gehabt: hebt doch KautSkh in dem Vorwort seiner Broschüre selbst hervor, daß für seine Darlegungen nur er p e r s ö n- l i ch verantwortlich zu machen fei. Aber da dem Genosien Peus die Auffassung KautSkyS nicht gefällt, begnügte er sich nicht mit dem Hinweis auf KautSkys eigene Erklärung, sondern sucht in der ihm eigenen geschmackvollen Weise KautSkyS wissenschaftliche Autorität in der Partei überhaupt herabzusetzen. Nachdem er sich selbst ein höchst zweifelhaftes Kompliment gemacht hat durch die Bemerkung:„Wir können nicht sagen, daß wir durch die Schrift un» irgendwie besonders aufgeklärt, erheblich gefördert fänden," schreibt er: „Auch täuscht man sich bedeutend, wenn man glaubt, ein Mann wie KautSkh brauche nur zu einer Frage Stellung zu nehmen, um sofort die gewaltige Mehrheit der Partei hinter sich zu haben. Nach unseren Erfahrungen ist das G e g e n t e i l der Fall. Der Spott des verstorbenen Auer über die„Kirchen- Väter" ist eine in der Partei ganz außerordentlich verbreitete Stimmung. Man liests und legis zu dem llebrigen." Inwieweit bisher die von KautSkh vertretenen Auffassungen die „gewaltige Mehrheit der Partei' hinter sich hatten, beweisen ja die Beschlüsse der Parteitage. Und da die neueste Broschüre KautSkyS aus denselben Auffassungen basiert, zweifeln wir nicht im mindesten daran, daß auch diesmal die große Mehrheit der Partei hinter KautSkh steht. Denn so recht daS„VolksSlatt für Anhalt" hat. wenn es schreibt, auch KautSkys Meinungen hätten für die Partei nur soweit Gültigkeit, als sie richtig seien, so ist doch zum Glück nicht Genosse PeuS die Instanz, die über die Richtigkeit der KautSky« schcn Ansichten zu befinden hat._ Auch ein Mittel. In K a m e n bei Dortmund waren die Wählerlisten zur Stadtverordnetenwahl zum Schaden der Wähler der dritten Abteilung derart unvollständig aufgestellt, daß das Ober- Verwaltungsgericht ans den Protest der Sozialdemokratie hin die Wahl zweier Zechenkandidatcn für ungültig erklärte. Die Ncn- wähl ist nun auf den IS. und 20. April festgesetzt. Am gleichen Tage finden in Kamen die militärischen Kontrollversamm- l u n g e n statt. Man hofft offenbar, durch das„zufällige" Zusammentreffen der beiden Termine die Sozialdemokratie aus de», Stadthause fern« zuhalten, da die Kontrollmannschaften bekanntlich am Tage der Kontrollversammlung unter Mililärgesetz stehen und die Stimm- abgäbe für einen Sozialdemokraten als„straf- bare Kundgebung sozialdemokratischer Ge« s i n n u n g" erklärt werden soll. Ein Grahdcnkuml für Karl Kloß. Ein Grabdenkmal für den verstorbenen Partcigenoffen Karl Kloß wurde Donnerstagabend, am Tage seines 62. Geburtstages. in Stuttgart enthüllt. ES ist vom Deutschen Holzarbeiter- verband in Verbindung mit der Stuttgarter Parteiorganisation� er- richtet worden. In einem Schwarzwälder Granitblock von über 2 Meter Höhe, einem sogenannten Findling, der in seiner natür» lichcn Form erhalten geblieben ist und einen imposanten Eindruck macht, ist ein Bronze», edaillon eingelassen, da? vom Stuttgarter Bildhauer Kiemlen modelliert ist und den Kopf des Verstorbenen wiedergibt.— Namens des Deutschen Holzarbeiterverbandes übergab der Vorsitzende Genosse Theodor Leipart da» Grabdenkmal den organisierten Arbeitern Stuttgarts, für die es der Reichstags- abgeordnete Hildenbrand in Empfang nahm. Gesangschöre eröffneten und schloffen die Feier, worauf die Teilnehmer am Denkmal vorüberzogen. polireiliedes, CJerlevriickes uf». Di« Rechtsprechung im Reiche der GrubenkZnige. Am Mittwoch hatten sich zwei Redakteure der Breslau«, .voltswacht" bor dem Schöffengericht in Walden- bürg zu verantworten. Ein Amtsvorsteher fühlte sich durch eine Notiz beleidigt, und Genosse Schiller wurde, obwohl noch un- bestraft, zu Ivo Mark Geldstrafe verurteilt. Hierauf sollte gegen den Genossen Wolf verhandelt werden. Die bekannte Neichsverbandsgrötze Erinert fühlte sich durch einen Artikel beleidigt, der Enthüllungen über das Lager der„Gelben* enthielt. Vor dem Eintritt in die Verhandlung lehnte aber der Angeklagte das gesamte Gericht wegen Be- fangenheit ab. Zur Begründung wies er daraus hin. dag in Waldenburg gegen sozialdemokratische Angeklagte von jeher exorbitant hohe Strafen verhängt worden seien, was auch der vorher verhandelte Prozeß Schiller gezeigt habe. In seinem Prozeß seien auch die Sachverständigen und Zeugen, die von ihm benannt Ivarcn, nicht geladen worden, so daß er nicht imstande sei, sich zu verteidigen. Die Befürchtung der Befangenheit rechtfertigt sich auch dadurch, daß die Waldenburger Bevölkerung, soweit sie als Schöffen zugelassen werden, kleine Geschäftsleute und Grubenbeamte seien, die sich in völliger Wirtschaft!- licher Abhängigkeit vom Grube»'kapital befinden. Für die Richter in Waldenburg käme der gesellschaftliche Verkehr in Frage: auch sie könnten ihren gesellschaftlichen Verkehr nur mit Jntercsseuten des Grubenkapitals führen. Deshalb sei die Be- fürchtung der Befangenheit wohl begründet. Die Sache mußte deshalb abgesetzt werden, und die Walden- bnrgcr Strafkammer wird nun zunächst über die Ablehnung zu be- schließen haben._ Hmö Bidyftne und DandeL Getreideaussuhr. Wie unheilvoll das System der Ausfuhrscheine in Verbindung mit den erhöhten Zollsätzen wirkt, zeigt die folgende Zusammen- stellung über das Resultat des deutschen Außenhandels mit Getreide für die Zeit vom 1. August 1308 bis Ende März 1909, im Vergleich mit derselben Zeit des Vorjahres. Es ergeben sich folgende Zahlen: 1908/09 1907/03 Il-berschuß zz.-Ztr. Ueberschuß D.Ztr. Roggen... Ausfuhr 6 084 313 Einfuhr 1494 711 Weizen... Einfuhr 8 976 023. 14169 822 Gerste..... 13 139125., 15 286 000 Hafer.... Ausfuhr 123 173 Ausfuhr 1791114 Mais.... Einfuhr 3 856 417 Einfuhr 6 755 598 Der Einfuhrüberschuß des Vorjahres von rund l'/z Millionen Doppelzentner bei Roggen hat sich in einen AuSfnhrüberschuß von 6 Millionen Doppclzentner verwandelt: bei Weizen sank der Einfuhr- Überschuß von 15 Millionen Doppelzentner auf rund 9 Millionen Doppelzentner._ Der Profit. Heber die Zeche Radvod läßt die Bergwerksgesellschaft m. b. H. den Gewerkcn einen Bericht zugehen, in dem genau mitgeteilt wird, wie weit die Ausbewältigungsarbeiten gediehen sind. Schließlich erfährt man: „Es ist anzunehmen, daß nach Verlauf von etwa 14 Tagen die Fördereinrichtungen auch im Schachte II bis zur zweiten Sohle wiederhergestellt sein werden. Der neue Ausbau der Maschinen- kammer, welche zur Aufnahme der Pumpe dienen soll, schreitet rüstig vorwärts, lieber die Dauer der Aufwältigungsarbeiten der zweiten Sohle lassen sich zurzeit noch keine sicheren Angaben machen. Bis zur Beendigung derselben müssen die Sumpfungsarbeiten der dritten Sohle gestundet werden.* Von den vernnglückten Menschen kein einziges Wort. Man ist nur daran interessiert, den Herren Gewerkcn mitzuteilen, wie weit der Betrieb schon wieder in Ordnung ist, wann die Gewinnung der schwarzen Diamanten wieder losgehen kann. Die Stahlharten. Die nordwestliche Gruppe des Verein? Deutscher Eisen- und Stahlinduslriellcr war zu einer Hauptversammlung zusammengetreten. Abg. Dr. Beumer erstattete einen Jahresbericht, in dem er die Marktlage erläuterte und die Gesetzgebung kritisch besprach. Im Anschluß daran lvurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: „Die Hauptversammlung erhebt nachdrücklichen Einspruch gegen die Beschlüsse der Reichstagskommission, die durch einen§ 134 g a der Gewerbeordnung die ArbeiterauSschüsse obligatorisch und Anträge auf Gewährung von Ausnahmen bezüglich der Arbeitszeit wie der Sonntagsruhe von der gutachtlichen Aeußerung der Arbeiterausschüsse abhängig machen will. DaS erstere würde die staatliche Organisation der Sozialdemokratie bedeuten, das letztere der Errichtung einer konstitutionellen Fabrik gleichkommen, in der dem Arbeitnehmer Urteile über die Verhältnisse des inneren Bewiebes zugestanden werden, die er zu überblicken gar nicht in der Lage ist. Beide Bestimmungen stellen Eingriffe des Staates in den privaten Arbeitsvertrag dar, die geeignet sind, die Freudigkeit an der Führung industrieller Betriebe zu ertöten und den wirtschaftlichen Erfolg wie insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auf dem Weltmärkte ams entschiedenste zu beeinträchtigen. Sie sind daher für die Großeisen- und Stahlindustrie schlechterdings unannehmbar. Nim wissen die Minister was sie zu— lassen haben, wenn sie nicht fliegen wollen._ Patriotische Profitmachcrci. Wie aus New Jork gemeldet wird, will sich JamcS Palen, der die Weizenpreise in den letzten Wochen enorm in die Höhe getrieben hat. vom Spekulationsmarkt zurück- ziehen. Sein Gewinn bei der Hausse soll jetzt schon zirka acht Millionen Mark betragen. Dabei verfüg: er noch über bedeutende Quantitäten. Er will aber lediglich aus Patriotismus gehandelt haben. Um zu verhindern, daß Amerika von Getreide entblößt werde, habe er alles erreichbare Material aufgekauft.— Als Opfer für seine patriotische Tat mutz er nun diese Millionen Dollar einstecken. Also auch hier macht sich der Patriotismus gut bezahlt. öcwcvfcrchaftUchc#*. Der höfliche Magistrat und der unhöfliche Bäcker! Um öftere Kontrolle der Bäckereien hatte auf Wunsch der organisierten Bäckergehilfen der Bezirksleiter des Ver- bandeS den Magistrat in Stadthagen ersucht, da die Bäckcreiverordnungen von den Bäckermeistern dort fast gar nicht beachtet würden. Als Antwort ging folgendes Schreiben ein: Der Magistrat. J.-Nr. 564. Stadthagen, den 2. März 1909. An den Bezirksleiter des Deutschen Bäcker- und Konditoren- Verbandes. Hannover, Knochenhauerstr. 1. Ihre Beschwerde vom 16. v. M. ist nach unseren Er- Mittelungen unbegründet. Falls Sie Anspruch darauf machen, ernst genommen zu werden, verschonen Sie uns künftig mit derartigen unbegründeten Eingaben. Diese Antwort eines hohen Magistrats ist von wahrhaft herzerfrischender Urgründlichkeit. Wenn in ganz Schaumburg-Lippe nach diesem Stadthagenschen Magistrats- rezcpt Verfahren wird, dann ist Schaumburg-Lippe ein über- glückliches, bestregiertes und verwaltetes Land. Der Bezirks- leiter W. Weber-Hannover scheint nun wirklich die Absicht zu haben,„nicht ernst genommen" werden zu wollen, denn er schrieb dem Stadthagener Magistrat: An den Magistrat der Stadt Stadthagen! Teile Ihnen mit, daß unsere Beschwerde vom 16. Februar nach unseren Ermittelungen nur zu begründet ist, und werden wir zukünftig alle Uebertretuugen der Staatsanwaltschaft zur Verfolgung übermitteln. Falls der Verfasser Ihrer Antwort vom 2. März d. I. An- spruch darauf macht, ernst genommen zu werden, möge er sich erst befleißigen, auf eine begründete und höfliche Beschwerde dem- entsprechend zu antworten.— Ob der Magistrat hierauf reagieren wird? Berlin und Umgegend. Süßes Elend. Wenn der uneingeweihte Beschauer bor den Schaufenstern unserer Konfitürengeschäfte die süßen Herrlichkeiten anschaut, so macht er sich wohl im Entferntesten keinen Begriff, unter welchen Lohn- und Arbeitsbedingungen all diese Dinge hergestellt worden sindl— Ein verhältnismäßig noch junger Industriezweig ist diese Branche, und doch hat sie sich seit einem Jahrzehnt in ungeahnter Weise entwickelt— aus den ehemaligen Luxusartikeln sind Bedarfs- artikel auch für den kleinen Mann aus dem Volke geworden. Doch wenn die Berufsangehörigen anderer Industrien unter gleichen Verhältnissen es verstanden haben, durch festgefügte Orgcmi- sationen etwas Erkleckliches auch für das Heer der Arbeitsbienen herauszuholen, so liegt es hier leider noch sehr im argcnl Man sagt, es liege am„Hunger-Künstlerstolz* der gelernten Konditoren, andererseits an der gewaltigen Fluktuation im Beruf, verursacht durch das sich immer mehr einbürgernde Saisongeschäft. Die Berufszählung letzten Datums ergab in Deutschland 502 Zuckerwarenfabriken aller Art. Diese beschäftigten 3225 gelernte Konditoren und 24 938 Hilfskräfte, wovon wiederum 14 435 Personen weiblichen Geschlechts waren.— Man sieht also, daß der gelernte Konditor aufgehört hat, ein wesentlicher Faktor im Fabrik- betriebe zu sein. Die billigen und willigen Arbeitskräfte der un- gelernten Arbeiter und Arbeiterinnen und die immer mehr und mehr sich geltend machende Maschinentechnik im Beruf haben ihn verdrängt. Aber diese Umstände haben seinen Weitblick nicht ge- schärft, sondern ihn nur zu einem blinden Hasser der neuen Faktoren gemacht I Nur in einigen Spezialfächern markiert er noch den„standes. bewußten Künstler". Oder er wird ein gut bezahlter Antreiber im Betrieb, dessen Aufgabe es ist, aus den übrigen erbärmlich be- zahlten und behandelten Mitarbeitern so viel Mehrwert als möglich herauszuschinden.— In solchen Fällen kennt das Herrschbewußtsein und der Machtdünkel dann keine Grenzen. Für die Organisation hat er nur Spott und Hohn! Das Gros der gelernten Leute sind lediglich Saisonarbeiter, sie arbeiteten für 21—24 M., selten teurer, die Saison hindurch, sehen im möglichst vielen Ueberstundenmachen — das fast niemals prozentual höher bezahlt wird— ihr höchstes Glück, und müssen dann schlecht und recht versuchen, sich als Kellner, Anstreicher oder Tagekonditor durchzuschlagen, bis sich wiederum die Fabriktore öffnen.— Weit trostloser noch geht eS dem Heer von ungelernten Arbeitern und Arbeiterinnen. Bei oft brutaler Behandlung seitens des Ehess sowie der Antreiber, unter einem fein ausgeklügelten Strafsystem für Zuspätkommen, Naschen, ja in einzelnen Fällen sogar für Lachen und Sprechen, unter vielen Leibesvisitationen in peinlichster Form, verdienen Arbeiterinnen 7 bis 12 M. pro Woche; nur in Spezialfällen mehr.— Auf der anderen Seite gibt es ein raffiniert geschickt ausgedachtes Prämien- und Wohltätig- keitssystem, in Form von allen möglichen Wohltaten, die die Spender in den Augen der naiven Mengen als wahre Wunder von Edelmut und Nächstenliebe erscheinen lassen sollen!— Trotz all diesem Jammer hat die Organisation schlver gegen Gleichgültigkeit auf der einen Seite, gegen Brutalität in schlimmster Form auf der Kapitalistenseite zu kämpfen. Diese Herren schließen sich in ihrer Kampsesweise würdig den Kühne- männern an.— Parteigenossen und Genossinnen! Wie unendlich viele dieser indifferenten Zuckerwarcnarbeiter und-Arbeiterinnen sind Eure Männer, Frauen, Brüder, Schwestern oder sonstige Verwandtel Euch müßte es ein leichtes sein. Euren ganzen Einfluß in der Agitation von Mund zu Mund aufzubieten, uns diese unwissenden oder gleichgültigen Elemente, die wir in unseren Versammlungen trotz Flugblätter, Broschüren und sonstiger Müheaufwendnngen nie zu sehen bekommen, zuzuführen. Schlotternde Furcht ist in die Reihen jener Leute eingerissen. Sorgt dafür, daß sie auf die Segnungen des geschlossenen Vorgehens gegen den gemeinsamen Feind, daS Kapital, aufmerksam gemacht werden. Ein indifferenter Arbeiter ist eine Gefahr für jeden einzelnen organisierten Arbeiterl Heute drückt er in diesem, morgen in jenem Berufe die Löhne. Oft genug gibt er sich sogar zur schimpflichen Rolle des Streikbrechers her. Sehr viel kann hier im Schöße des engsten Familienlebens erzielt werden.— Auftlärung und Solidarität über alles!— Und es liegt ja auch im Interesse jeder Familie, daß ihre Angehörigen, welche in unserer Branche arbeiten, statt der Bettelpfennige an- ständige Löhne verdienen, eine vernünftige Arbeitszeit und manier- liche Behandlung genießen. Parteigenossen! In dem gewaltigen Kampfe unserer Bäcker- sektion für menschenwürdige Zustände habt Ihr bewunderungs- würdige Disziplin und Solidarität bis auf den heutigen Tag be- wiesen. Auch die heute Euch vor Augen geführten Mißstände des kapitalistischen Regims schreien zum Himmel! Wir glauben, nicht umsonst an Eure Solidarität appelliert zu haben, helft uns die Gleichgültigen aufrütteln und sie alle, soweit Euer Einfluß reicht, auf den Weg der Organisation, auf den des Kampfes und des Sieges zu verweisen. Hoch die Solidarität! Verband der Bäcker u. Konditoren(Sektion Zuckcrwarenbranche). Engelufer 14. Zimmer 65. III. 8—1% u. 4%,-7 geöffnet, Differenzen in der Herrcnmaßschneiderbranche. In der gestrigen Kostümschneiderversammlung, in der Kunze über die Durchführung des für diese Branche abgeschlossenen Tarif- Vertrags sprach, erwähnte der Redner auch, daß sowohl die Damen- schneider und-Schneiderinnen, wie die Herrenschneider der Firma E b e n st e i n in der Behrenftraße ausgesperrt wurden und nun im Streik st ehe n. Es handelt sich hierbei um Streitigkeiten über die Bezahlung der Feiertage. Die Firma hat die Angelegenheit dem Arbeitgeberverband überwiesen und dieser hat sich wiederum an seinen Zentralvorstand in München gewandt, was jedoch auch noch nicht zur Erledigung der Differenzen führte. Der Arbeitgeberverband hatte auf gestern abend eine Versamm- lung einberufen, um sich mit der Sache zu befassen, und deshalb die zur selben Zeit geplanten Beratungen über den Stückschneider- tarif der Kostümbranche abgesagt. Es scheint, daß die Arbeitgeber dem Streik bei Ebenstein große Bedeutung beimessen, so daß viel- leicht eine Aussperrung in der Herren maßbranche in Aussicht steht. Die Arbeiterschaft des Berufs steht solchen Mög- lichketten selbstverständlich nicht unvorbereitet gegenüber. Deutsches Reich. Achtung, Metallarbeiter! Der Zuzug nach Bergerhof bei Rade« Vormwald ist fernzuhalten, da dort ein Streik ausgebrochen ist, Deutscher Metallarbeitcrvcrband. Ortsvcrwaltnng Berlin. Achtnng, Tapetcndrucker! In der Norddeutschen Tapetenfabrik, Jnh. Hölscher u. Brenner in Langenhagen bei Hannover, wurde ein Teil der gelernten Arbeiter entlasten, weil diese Mitglieder des Ver« bandes der Lithographen und Steindrucker sind. Hierauf reichten sämtliche organisierten Kollegen ihre Kündigung ein. Da nur drei Unorganisierte vorhanden sind, muß der Sieg unser sein, falls es nicht gelingt, Ersatzkräste zu bekommen.. Zuzug muß streng fern- gehallen werden._ Gewerkschaftlicher Zusammenschluß. Der Verbandstag der baugewerblichen Hilfs« a r b e i t e r in Köln beschloß gestern einstimmig eine Verschmelzung mit dem Maurerverband. Der Berbandstag der Hoteldiener in München beschloß mit 37 gegen 2 Stimmen die Verschmelzung mit dem Verband der Gastwirtsgehilfen. Tarifabschluß im Königsberger Baugewerbe. Wie wir seinerzeit mitteilten, waren die Maurer und Bau- Hilfsarbeiter Königsbergs mit dem Unternehmertum im Baugewerbe zwecks Abschluß eines neuen Tarifvertrages in Unterhandlungen getreten, und zwar gingen diesmal die freien Gewerkschaften mit den christlichen Organisationen gemeinsam vor. Es ist nun, nach- dem im Laufe der letzten drei Wochen mehrere Vcriretersitzungcn stattgefunden haben, zum Tarifabschluß gekommen. Die christlichen Maurer verlangten ursprünglich einen Pfennig Stundenlohn mehr als die freien Gewerkschaftler. Aus taktischen Gründen einigten sich diese auf 56 Pf. Stundenlohn. Ein viel umstrittener Punkt war der Arbeitsnachweis. Die Unternehmer verlangten eine schrift- liche Erklärung der Arbeitervertreter. worin sie sich verpflichten sollten, den nun einmal bestehenden Arbeitsnachweis nicht zu be» kämpfen. Die Vertreter glaubten nicht berechtigt zu sein, eine solche Erklärung abzugeben, ohne die Zentralvorstände befragt zu haben. Dies ist mittlerweile geschehen, die Antwort der Zentral- vorstände(Maurer und Bauhilfsarbeiter) lautete dahin:„Die Ar- beitsnachweisfrage wäre kein Grund, den Tarif scheitern zu lassen." In den stattgefundenen Versammlungen gaben dann die Maurer und Bauhilfsarbeiter auch ihre Zustimmung in der Ar- beitsnachweisfrage, zumal vom Jahre 1910 ab auch nach dieser Richtung eine Neuregelung eintreten soll, wie überhaupt bei allen Positionen der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Einstweilen wird eine Schlichtungskommission eventuelle Ucbergriffc des Arbeits- Nachweises zu regeln suchen. Für die Bauhilfsarbeiter sind fol- gende Tarifsätze vereinbart worden: Kalk-, Stein- und Estrichträger erhalten 45 Pf. Stundenlohn. Ausschachiungs-, Abbruchs- und Scharwerksarbeiter 38 Ps. Für ständige Erdarbeiter sind 35 Pf. Stundenlohn festgelegt. Auf Baustellen, wo mechanische Befördc» rungsmittel zur Anwendung kommen, bleibt der Lohn der freien Vereinbarung vorbehalten, doch darf er nicht unter 40 Ps. pro Stunde stehen. Für Ueberstunden gibt es 6 Pf. pro Stunde, für Nachtstunden 50 Proz. Zuschlag. Die Leistungsklausel wurde auf Antrag der Arbeitervertreter aus dem Tarifvertrag gestrichen. Der neue Tarif für Maurer und Bauhilfsarbeiter tritt sofort in Kraft. Erfolgreicher Streik. Nach fast zweiwöchentlicher Dauer wurde der Streik auf der Lothschen Waschmaschinenfabrik in Annen bei Dortmund erfolgreich beendet. Ursache des Streiks war eine 10prozeiitige Lobnkürzung, mit der die Arbeiter nicht einverstanden waren. Vorige Woche noch lehnte es der Besitzer der Fabrik ab, mit den Vertretern der Organi» sation zu verhandeln. Da aber die Arbeiter einig blieben, hat er sich seitdem eines Besseren besonnen; er sah sich veranlaßt, mit der Kom- Mission der Arbeiter und dem Bezirksleiter der Organisation zu ver- handeln, was zu folgendem Ergebnis führte: Die angekündigte Lohn- reduktion wird zurückgezogen. In Zukunft wird die anderweitige Regelung der Löhne nur mit einer Konunisflon der Arbeiter vor» genommen. Der einbehaltene Lohn für sechs Schichten wegen Kon- traktbruchs wird ausbezahlt. Die Organisation wird anerkannt. Einige Arbeiter können wegen Betricbseinschränkung nicht wieder eingestellt werden. Entlasse» wurden jedoch nur Unorganifierte. Dieser Streik hat wieder bewiesen, was durch Einigkeit zu erreichen ist. Es wäre zu wünschen, wenn die Arbeiter anderer Fabriken und Hüttenwerke im Judnstriebezirk aus dem Annener Beispiel die rich- tige Lehre ziehen wollten._ Staatsbürger zweiter Klasse? Auf dem Bahnhofe in Engelsdorf bei Leipzig ist folgender Anschlag zu lesen, der auch wohl anderwärts ausgehängt sein dürfte: „Ein kürzlich verteiltes Flugblatt, in welchem darauf hin- gewiesen wird, daß der Verband der Eisenbahner Deutschlands (Sitz Hamburg) mit dem Verbandsorgan„Weckruf* als besondere Sektion dem Deutschen Transportarbeiterverband angegliedert worden ist. gibt der Gcncraldirektion Anlaß, unter Bezugnahme auf die Amtsblattverordnung Nr. 638, 08 die Bediensteten der Staatseisenbahnverwaltung auf die Zugehörigkeit zum Transportarbeiterverband austnerlsam zu machen und die mit ihm in Verbindung stehenden Vereinigungen zu untersaget:. (Mit welchem Recht?) Wer diesem Verbot zuwiderhandelt, hat die Entfernung auS dem Staatsbahndienste unnachsichtig zu gewärtigen.* Die Gewerbeordnung bedroht bekanntlich den mit Strafe, der andere durch Drohungen an der Ausübung des KoalitionSrechtcS hindert. Die„zuständigen* Beamten in der Leitung der Staats- werlstätten fürchten aber offenbar keinen Staatsanwalt. Oder ist ein Arbeiter Staatsbürger zweiter Klasse, wenn er daS„Glück* hat, in einen Staatsbetrieb hineinzugeraten? Letzte JMachndrten und Dcpcfcben. Großfeuer kam gestern abend nach 8 Uhr in der Landsberger Allee, Ecke Deutsch-Kronerstraße, aus noch nicht ermittelter Ursache zum AuL- bruch. Das große zum Teil noch unbebaute Gelände gehört der Stadt Berlin, die das Terrain an Händler zu Stätteplätzen ver- mietet hat. Auf einem dieser Plätze entstand das Feuer, fand an dem leicht brennbaren Material, besonders an Holz und Kohlen usw. reiche Nahrung und gewann noch vor Ankunft der Feuerwehr eine große Ausdehnung. Die Löschung war durch die große Aus- dehnung der Brandstelle und die enorme Hitze erschwert. Nur lang- sam gewann die Feuerwehr an Terrain, so daß es mehrere Stunden dauerte, bevor die Gefahr beseitigt war. Dem Feuer sind Maschinen, Werkzeuge, Baumaterialien, die in den Schuppen und auf den Stätteplätzen lagen, zum Opfer gefallen. Der Schaden soll erheblich, aber zum größten Teil durch Versicherungen gedeckt sein. Bis in die späte Nachtstunde hinein belagerte eine große Menschen- menge den ausgedehnten Brandplatz. Die Unruhen in Perssen. Teheran, 15. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen. Agentur.) Die Bachtiaren ziehen in der Voraussicht eines baldigen Marsches gegen Teheran ihre Reiterei in Jspahan zusammen. Das Endschumen in Täbris brachte 50 000 Tomcmen des Zollamtes in Aserbeidschan in seinen Besitz. Die Regierung schlug die Bitte der Gesandtschaften ab. nach dem belagerten Täbris das für die Kon- snln und die ausländischen Untertanen bestimmte Mehl durchzulassen. schrieb dem Stadthagener Magistrat:__»_ lassen._____________ Eerantw. Redakteur: Hans'Weber. Berlin, Inseratenteil verantw.: Th.GlockrlBerlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt DaülSinger L- Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Unttrhnltungsbl, Nr. 88. 26. Jahrgang. t Sciltze des Lmüiirk" Freitag, t6. April 1969. ver Zzhreskongi'ek äer lllisdhsngigen Urbeiterpsrtei. London, 13. April.(Eig. Der.) Der Kongreß tagte gestern und heute und schloß mit einer Arise, die zum Austritte KeirHardies, Macdonalds, Snowdens und G l a s i e r S aus dem Parteivorstande führte. Eröffnet wurde die gestrige Sitzung mit der Beratung über den Jahresbericht des Parteivorstaudes, die Mac- donald mit folgender Rede einleitete: „Während des Berichtsjahres nahm die Partei an Mitglieder- zahl, an Tätigkeit und an Macht zu. Die wirtschaftlickieu Er- scheinungen deS Jahres haben weitere Beweise für die Ricbngkeit der sozialistischen Auffassungen über die wirtschaftliche EntWickelung gebracht. Auf die Geschäftsblüte folgte der Niedergang, auf die fieberhafte Ueberstundenarbeit die Arbeitslosigkeit. Die kapitalistische Ausbeute an moralischen, intellektuellen und materiellen Miß- erfolgen war ebenso reich wie früher. Alle sozialpolitischen Vor- schlage von irgend welcher Bedeutung kamen von Sozialisten. Auch der tÄtiderheitsbericht der Kommission über die Armengesetze ist nur eine Paraphrase alter sozialistischer Vorschläge. Gleichzeitig aber zeig»» eS sich, daß der Einfluß der Sozialisten auf die Arbeitermasien nachgelassen hat, was uns die alte Erfahrung ins Gedächtnis zurückrufen soll, daß der Sozialismus nicht aus der Armut des Volkes entspringt. Der wirtschaftliche Niedergang brachte nicht klares Denken, sondern Verzweiflung. Geistiges und körperliches Elend stumpft den Geist ab und macht ihn allen reaktionären Bewegungen zugänglich. DaS wirtschaftliche Elend breiter Bolksmassen ist der Boden, auf dem die Tarifreformer säen. Und die besitzenden Klasien, die die Empfindung haben, daß sie unter einem System leben, das verschwinden muß, haben alle Stabilität verloren und machen den Eindruck eines aufgestörten Ameisenhaufens. Sie fchivanken hin und her, sie werden nervös und fürchten sich vor Gerüchten über Invasionen, Steuerreformen und fallen den dümmsten Zeitungs- Nachrichten zum Opfer. Es ist das Bild des untergehenden Kapitalismus. der sich in seiner Angst an den Militarismus klammert und die Kriegsetats anschwellen läßt. Seine moralische Autorität ist verschwunden. Er glaubt nur noch an die Autorität der Kanone. »Die Sozialisten stellen ein andere? Bild dar. Sie erwarten nichts von der mechanischen Gewalt und verzichten auf ihre Mittel. Unsere Waffe ist die Demokratie, die wir schützen und ausbauen und in den Dienst der wirtschaftlichen Entwickelung stellen wollen. In den Augen der Sozialisten sind Gesetzlichkeit und Ordnung viel wert- voller als Anarchie. In den letzten Jahren haben wir in der Arbeiter- Partei ein Instrument erhalten, das uns gestattet, an der Gesetzgebung des Landes teilzunehmen, Erfahrung zu sammeln und unsere Fähigkeiten zu entfalten. Der Sozialismus ivird in dem Maße siegen, als die Männer, die ihm anhängen, ihm nicht als Schineichler dienen. sondern als ernste Berater, nicht nur mit den Lippen, sondern mit Kopf und Herz." Die Rede wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. S n o w d e n gab sodann den Finanzbericht und wies auf die Notwendigkeit hin, Extrabeiträge zu leisten, da eine Parlaments auflösung bevorstehe. Die Debatte brachte heftige Auseinandersetzungen. Der Redol teur des„Labour Leader". Bruce Glasier, wurde wegen seiner Angriffe ans Grayson getadelt. Die Mehrheit des Kongresses beschloß jedoch. Glasier den Dank für seine Redaktionsleitung auszusprechen. Der Bericht enthielt auch folgende Stelle: »Am 18. November lehnte e-Z Grayson ab. mit Keir Hardie in Holborn Town Hall(London) zu sprechen. Dieser Umstand in Verbindung mit noch anderen Ursachen veranlaßten den Vorstand. Grayson mitzuteilen, daß die Parteileitung nicht mehr in der Lire sei, Versammlungen für ihn zu arrangieren." Einige Delegierte verlangten, daß dieser PaffuS gestrichen wird. Nach einer langen und hitzigen Auseinandersetzung wurde diesem kleines feuiUeron. Die ersten Schmetterlinge. Ein früher Apriltag. Lau Weht der Wind und warm strahlt die Sonne. Ein Vorahnen de» Früh- lingö erfüllt die Natur und am Gartenzaune suchen wir Kreits nach den ersten Veilchen. Und da wir an das geschützte sonnige Plätzchen treten, verscheuchen wir von den ersten Blumen einen Schmetterling. Goldgelb schimmern seine Flügel und leicht schwebt er fort, flattert weiter in dem hellen Sonnenschein. Auch ein Frühlingsgruß, dieser schmucke Zitronenfalter, der erste Schmetterling des Jahres! Hat schon die wärmende Sonne so viel Kraft erlangt, daß sie den Falter veranlaßte. aus der Puppe zu schlüpfen? Vule meinen es, aber sie sind im Irrtum. Der Zitronenfalter ist nicht der einzige Schmetterling, der schon im Vorfrühling zu erscheinen pflegt. Außer ihm flattern noch um diese Jahreszeit bei schönem Wetter als buntfarbige Genossen der kleine und der große Fuchs, das Tagpfauenauge, der Trauermantel und der Distelfalter. Alle diese Tagschmetterlinge haben aber bereits im vorigen Spätsommer daS Licht der Welt erblickt. Der größte Teil von ihnen ging schon im Herbst zugrunde, nachdem er durch Eiablage für die Nachkommenschaft gesorgt hatte, einige ober suchten bei Eintritt des rauheren Winterwctters allerlei Schlupfwinkel und Verstecke auf, verfielen hier in Schlaf und über- winterten glücklich, bis sie durch die Wärme der FrühlingSsonne zu neuem Leben erweckt wurden. Wer auf dem Lande wohnt und während deS Winters in Ecken und Winkeln ungeheizter Boden- lammern und ähnlicher Gelasse Umschau hält, wird derartige er- starrte Schmetterlinge nicht selten finden können. Bringt er sie in ein warmes Zimmer, so werden sie alsbald erwachen und um- herflattern. Im Freien suchen sie Baumlöcher oder unter Laub versteckte Erdlöcher als Winterverstecke auf. Wenn wir nun den einen oder anderen der schon im März umherfliegenden Schmetter- linge fangen und näher betrachten, so werden wir wohl erkennen, daß sie nicht frisch aus der Puppe hervorgekommen sind; denn ihr Glanz ist doch im Vergleich mit den Sommerschmctterlingen ab- geblaßt und die Ränder der Flügel sind nicht selten zerfetzt und abgenutzt. Außer diesen durch ihre lebhaften Farben und ihre Größe auffallenden Tagfaltern pflegen aber bei uns noch vcr- schiedene Nachtfalter und Klcinschmctterlinge in ähnlicher Weise zu überwintern. Da sie unansehnlich sind oder eine mehr versteckte Lebensweise führen, so werden sie weniger bemerkt und erregen kein Aufsehen. Aber ihre Zahl ist nicht gering. Verschiedene Forscher haben festgestellt, daß in Norddcutschland gegen 70 und in Süd- dcutschland gegen 90 Arten von Schmetterlingen zu überwintern pflegen. Die ersten Tagfalter, die im Frühjahr wirklich der Puppe entsteigen, treten erst später im Laufe des April auf. Es sind dies der Rübenweitzling und der Rapsfalter, denen wir überall begegnen, dann der Senfweißling, der sich mit Vorliebe an Waldrändern auf. hält, ferner der kleine Perlmutterfaltcr, der Mauerfuchs und eine Anzahl anderer Kleinschmetterlinge. Den meisten dieser Früh» lingskinder ist nur ein kurzes Dasein beschieden, wenige Tage nur dauert der Hochzeitsflug, nach den: sie alsbald absterben. Die Mosaiken der Sophien-Kirche in Konstantinopel sollen dem- nächst wieder ans Licht gebracht werden. Als der herrliche Bau nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken in eine Moschee verwandelt wurde, wurden im Innern die Mosaikgemälde übertüncht oder durch große Koraninschristen verdeckt. Im Jahre 1847 Ivurde jedoch der italienische Architekt Fossati beauftragt, das Innere in seiner ursprünglichen Pracht wiederherzustellen, und es wurden nur Verlangen mit 217 gegen 194 Stimmen stattgegeben. Diese Ab- stimmuug wurde von Keir Hardie, Macdonald, Snowden und Glasier als ein Tadelsvotum gegen sich aufgefaßt, da sie im Berichtsjahre den Vorstand bildeten und jene Aktion gegen Grayson unter- nahmen. Nach dieser Debatte schritt der Kongreß zur Vorstandswahl. Es wurden gewählt: Keir Hardie(319 Stimmen), Macdonald (274 Stimmen), Snowden(240 Stimmen), Glasier(239 Stimmen), I o w e t t(212 Stimmen).— Heute vormittag gab Macdonald die Erklärung ab, daß der gestern gewählte Parteivorstand— mit Ausnahme JowettS— für die Wiederwahl danke, aber sie nicht annehmen könne. Die Er- klärung hat selbstredend eine große Erregung hervorgerufen. Die Delegierten stürmten auf die Vorstandsmitglieder ein, ihre Erklärung zurückzunehmen, aber Macdonald sagte: »Der Nationalrat(Parteivorstand) trat gestern abend und heute früh zusammen und gab mir den Auftrag, folgende Erklärung ab- zugeben: Der Vorstand hatte in den letzten zwölf Monaten viel zu leiden, da in der Partei eine Disharmonie Platz gegriffen hat. Wir wünschen offen zu erklären, daß Sie mit Ihrer Aktion von gestern(der Streichung des Passus betreffend Grayson) den Frieden herzustellen glaubten, aber die Art und Weise, wie Sie e» taten, gleicht einem Tadelsvotum gegen diejenigen, die die Politik der Partei treu aus- geführt haben. Ein offenes Tadelsvotum hätte der Würde der Partei besser entsprochen. Deshalb treten wir von der Parteileitung zurück. Wir wollen als einfache Soldaten in Reih' und Glied kämpfen." Der Kongreß trat sodann auf den Vorschlag Ben Turner» in die Beratung der Frage ein. ob eS ratsam wäre, den gestrigen Be- schlutz(betreffend die Streichung des Passus über Grayson) nochmals zur Abstimmung zu stellen. Nach längerer Debatte wurde der Passus mit 240 gegen 110 Stimmen wiederhergestellt und eine Resolution mit allen gegen zehn Stimmen angenommen, die die von der Partei bislang befolgte Politik für die richtige erklärte. Zun, Schluß sprach Kair Hardie. der die Verzichtlei st ung ausrecht erhielt und warnte den Kongreß vor den jungen Enthusiasten, die die Partei spalten und ruinieren wollten. Die Intrigen und Verdächtigungen gegen den Parteivorstand haben das ganze Parteileben vergiftet. Es sei deshalb bester, wenn andere Genossen in den Vorstand kommen. Mit dieser Erklärung schloß der 17. Jahreskongreß der Partei, der die englische Geschichte tief beeinflußt hat. Französischer Parteitag. Zweiter Tag. St. Etienne, 12. April.(Eig. Ber.) In einer VormittagSsttzung verhandelte der Kongreß interne Parteiangelegenheitcn, namentlich die Frage der Deputiertensteuer. Es Ivurde festgestellt, daß die fälligen Beiträge jetzt viel regel- mäßiger einlaufen und von den Rückständen ein ansehnlicher Teil getilgt ist. Ein Antrag, die Steuer von 3000 auf 6000 Frank— den ganzen Betrag der Erhöhung der Abgeordnetenindemnität— zu erhöhen, wurde der Administtativkommission der Partei zugewiesen. Die Agrardebatte. Die Nachmittagssitzung brachte den Beginn der Verhandlung über die Agrarftage. Dieser Gegenstand hat für die sozialistische Bewegung in Frankreich eine besondere Bedeutung. In diesem Lande hat ja die industrielle Entwickelung keineswegs in dem Maße wie in den anderen Kulturitaaten das Verhältnis zwischen der städtischen und der ländlichen Bevölkerimg verschoben. Auch spielt der Klein- grundbesitz noch eine große Rolle. Die offizielle Statistik führt eine Zahl von 6 663 136 in der Landwirtschast Tätigen an, und von diesen sind 3 604 789 Betriebsleiter, Pächter und Teilpächter und 3 053346 Gutsbeamte, Tagelöhner und Dienstboten. Dieser zahl- reiche Bauernstand, eine Schöpfung der französischen Revolution, ist bekanntlich seither oer Träger verschiedener die dem islamitischen Kult widerstreitenden Mosaiken leicht verhüllt. Fossati hatte Kopien von den Mosaiken angefertigt, und es erschienen auch einige in dem Werk über die altchristlichen Baudenkmäler von Konstantinopel,-daS W. Salzenberg 1854 in Berlin veröffentlichte. Dank dem Liberalismus des konstitutionellen Regimes in der Türkei (das freilich gerade in den letzten Tagen wieder m Frage gestellt ist) sollen nun die Originale selbst enthüllt werden, und man wird die großartigsten Bildschöpfungen KonstanttnopelS bewundern können. Seit einigen Jahren find auch die Mosaiken einer anderen Moschee, der Kahrie-Dschami, vom Putz befteit worden; aber sie befinden sich in sehr schlechtem Erhaltungszustand und sollen restauriert werden. Schließlich ist auch die Rede davon, daß die Mosaiken der Moschee von Saloniki, gleichfalls einer allen byzantinischen Sophien-Kirche. aufgedeckt werden. DaS neue San Francisco. Als in den schrecklichen Apriltagen de» Jahres 1906 das von dem Erdbeben erschütterte San Francisco in lohenden Flammen aufging, zweifelte man nicht ohne Grund, daß der Wiederaufbau einer neuen Stadt nicht so rasch sich voll- ziehen würde, als amerikanischer Unternehmungsmut eS vorhersah. Daß bereits heute, nach drei Jahren, an Stelle des alten San Francisco ein neues größeres und prächtigeres entstanden ist, dafür gibt der.Colonizer" überzeugende zahlenmäßige Aufschlüsse. Durch die Katastrophe waren damals nicht weniger als 469 große Gebäude- gruppcn vernichtet worden, danunter das Rathaus, die größte» Ge- fchäftS- und Jndustriegebäude und die Hotels. Der Schaden betrug mehr als zwei Milliarden Mark. Heute erheben sich an der Stätte des Unglücks bereits 16 831 völlig neue Gebäude, wo vordem 28 000 alte kleinere standen. Denn die neuen Häuser sind durchweg größer angelegt, so daß die 16 831 neuen Bauten einen größeren Flächenraum bedecken als die alte» 28 000. Die neuen Bauten repräsentieren einen Wert von 600 Millionen Mark, 100 Millionen mehr als die zerstörten Häuser. Man hat die furcht- bare Lehre deS Erdbebens nicht unbeherzigt gelassen: alle neuen Hänser sind vollkommen auS Eisen und Zement hergestellt. Die intercssanten Zahlen finden ihre Ergänzungen in den Schwankungen der Bevölkerungsziffer vor und nach der Katastrophe. Vor dem Unglück zählte San Francisco 450 000 Einwohner: nach der Ver» heerung sank die Zahl auf 350 000. Aber unmittelbar nach Beginn der Wiederherstellungsarbeiten wuchs auch die Einwohnerzahl, je mehr die Bauten vorschritten, umso schneller: daö neue San Francisco zählt heute 507339 Einwohner, also fast 69000 mehr als in der Zeit, die der schweren Heimsuchung voraufging. Humor und Satire. Holle adel Frau Holle schüttelt nicht mehr die Betten: Winter, adel Herr Holle ist gleichfalls nicht mehr zu retten: Holle a. D. l Die Minister müssen gewechselt werden— Frühling, juchhe!— Wie die Jahreszeiten wechseln auf Erden: Holle, adieu! Weshalb man noch zögert, wenn ich's nur wüßte! Soviel wie Floh' gibt's ja. oder wie Sand in der Wüste, Minister io spe, Regierungssysteme gewesen: des ersten und zweiten Kaiser- reiches, wie jetzt der radikalen Republik. Die agrarische» Fragen sind in allen parlamentarischen Parteien von entscheidender Bedeutung. So sah sich auch die sozialistische Propaganda früh- zeitig vor die Aufgabe gestellt, ihre Methoden auf dem Land prinzipiell und taktisch zu bestimmen. Der alte Partie Ouvricr Francais hat auf dem Marseiller Kongreß 1892 ein Landprogramm beschloffen und in Nantes 1894 ergänzt. Die geeinigte Partei ist bisher zu einer eingehende» Verhandlung über diesen Gegenstand nicht gekommen. Dabei wurde eine Klärung immer dringlicher. Die soziale und politische Entwickelung brachte auf dem Lande eine Reihe neuer, merkwürdiger Erscheinungen hervor. In einigen Gegenden haben Gewerkschaften ländlicher Arbeiter ansehnliche organisatorische und wirtschaftliche Erfolge erzielt, im Süden sind Winzergenossenschaften sozialistischer Kleinbauern entstanden. Ms dann vor zwei Jahren die große Winzerbewegung aus- brach, standen ihr die Parteigenossen ziemlich ratlos gegenüber. Die sozialistische Partei muß aber um so mehr zu einem sicheren Stand- Punkt in der Agrarfrage kommen, als die Zahl der Wähler, die ihr aus den ländlichen Wahlbezirken zuströmen, immer mehr steigt. Was hat die Partei ihnen zu bieten? Welche Hoffnungen und welche Forderungen? Der Kongreß in Limoges hat zum Studium dieses Problems eine Agrarkommisfion gewählt, die Fragebogen an die Partei« föderationen aussendete. Ihr Bericht wurde vonCompöre-Morel, dem um die ländliche Propaganda so hoch verdienten Genossen dem Parteitag in Toulouse vorgelegt, jedoch wegen Zeitmangels nicht mehr beraten. Diesmal ist dieser Punkt in der Tagesordnung voran- gesetzt, und so ist die Möglichkeit für eine eingehende Erörterung gegeben. An ihr teilzunehmen sind namentlich auch die ländlichen Delegierten— Landwirte und Arbeiter— berufen, die zahlreich er- schienen sind. Welche Bedeutung dieser Debatte zugeschrieben wird, geht auch daraus hervor, daß sich der Ackerbaumini st er Ruau unlängst bemüßigt gefühlt hat, in einem langen, mit Zitaten auö der sozia- listischen Literatur reichlich gespickten Vortrage zu beweisen, daß in der Landwirtschaft die Konzentrationstendenz nicht vorhanden sei. An diese Rede knüpft Compöre- Morel in der Rede an. womit er die Diskussion eröffnet. Er kritisiert bie offiziellen Fragebogen, die es ermöglichten, die winzigen Kartoffel- äcker und Gemüsebeete der Arbeiter als landwirtschaftliche Unter- nehmungen zu zählen. Selbst ein dem Sozialismus so tvenig ge- neigter Autor wie A v e S G u y o t gibt zu, daß die eigentlichen landwirtschaftlichen Unternehmungen— diejenigen, die Lohnarbeiter beschäftigen— an Zahl abnehmen. Wohl ist die Konzentration der Betriebe nicht allgemein. In der Nähe der Großstädte werden Güter zerstückelt und an Gemüsezüchter verkaust. Auch vermehrt sich das Kleineigentum dort, wo der Boden schlecht ist und die An- Wendung moderner technischer Mittel nicht erlaubt. Auch die sozialistische Gesellschaft könnte im Gebirge keine Dampf- pflüge verwenden. Dort aber, wo der Boden gut ist, ist die Konzenttatton eine Tatsache. Der kleine Eigentümer arbeitet, wie der Agronom Prof. Grandeau erklärt, mit um 20 bis 25 Proz. höheren Kosten als der große. Der Kleinbauer erhält sich nur, Werl er außerhalb der Gesellschaft und ihrer Kultur lebt. Er ist viel schlechter daran als der Lohnarbeiter in der Stadt. Wir haben auf unseren Agitationstouren genug Leute gefunden, die ein und das- selbe Gewand sieben bis acht Jahre auf dem Leibe trugen. Der Gegensatz zwischen dem Bauer und dem Städter rührt daher, daß der Bauer sich die Genüsse des Städters versagt sieht. Die Ver- arößerung der Hypothekenlast hat nicht der Verbesserung deS Besitzes, sondern der Schuldenzahlung gedient. Die Bodenverschuldung aber steigt ungeheuer. 1841 wurden 329 576 Hypothekenschulden im Betrage von 401 575 840 Frank aufgenommen, 1898 aber 465 470 im Betrage von 2700 Millionen, also mehr alS das Sechsfache. Wenn sich der Kleineigentümer erhält, so oft darum, daß ihn der Großgrundbesitzer an seiner Seite haben will, um billige Arbeiter zu haben, so win ein Fabrikant Arbeiterwohnungen baut. Als Gärtner und Gemüsezüchter kann der kleine Eigentümer existieren, weil große technische Erfahrungen und Kenntnisse' dazu ge- Tuch taugt für dieses Ressort ein jeder: „Kultus?" Aeh— bäh I" Ein Soldat oder Bureaukrat entweder war es von je. Nehmt irgend einen! Er braucht von den Fragen in seinem Metier nicht mehr zu verstehen wie vom Lautenfchlagen— Holle o. D.I_ Franz. Notizen. —„N o r a" bei den B o t o k'u d e n. Im Jahre 1879 vollendete Ibsen sein Drama»Nora". Die erste Aufführung fand im Hoflheatcr in Kopenhagen am 21. Januar 1879 statt. Im nächsten Jahre folgten die größeren Theater in den nordischen Ländern und da? kgl. Residenz-Theater in München, ferner das Dresdner Hoftheater, Hannover und ein Berliner Theater. Das Drama erweckte Debatten und gab unübersehbare Anregungen in der ganzen Welt. Kein größeres Theater dürfte existieren, an den es nicht wiederholt aufgeführt wurde.... Sogar in kgl. Schau« s p i e l h a u s e zu Berlin ist das merkwürdige Stück jetzt aufgeführt worden und zwar zum ersten Male am 14. April 1909— bloß 80 Jahre nach seinem ersten Erscheinen. Es muß dort aus reinem Versehen hingeraten sein. Doch nein, eS gibt eine Erklärung: die Intendantur hatte JbsenS Ordensliste eingesehen und sie ganz repräsentabel gefunden, und ihr zuliebe durfte„Nora" einziehen, geführt von Herrn Lindau, dem Dramaturgen, der mit seinen 70 Jahren immer noch viel zu revolutionär ist für diese Alterttimssammlung. — Im Berein fürFrauen undMädchen der Arbeiterklaffe wird am Montag, den 19. April, in Beckers Festsälen, Komman- dantenstraße 62, die Schriftstellerin Klara Viebig aus eigenen Werken vorlesen. Gäste sind willkommen. — Hei leiwet noch! Das„Brieqer Stadtblatt' brachte folgende Notiz:„Die Schlacht bei Mollwitz", patriotisches Volks« stück in vier Akten, geht am Montag, den 15. d. M., am hiesigen Stadttheater in Szene. Vielseitigen Wünschen entsprechend tritt im letzten Akt der König Friedrich II. persönlich auf." Bei den getreuen Patrioten in Brieg scheint demnach alle» möglich zu sein. — Ausgesungen hat nach New Yorker Meldungen der Tenorübermensch beider Hemisphären, Caruso, der Göttergleiche. Er hat seine goldlegende Henne derartig ausgenutzt(im Theater und für Grammophonaufnahmen), daß sie nun versagt. Zuerst suchte er dann die hohe» Töne zu forcieren. Aber eS kam nichts mehr. Nun soll er zwei Jahre nicht mehr singen und auch nicht laut sprechen, verlangen die Aerzte. Die vielen 10 000 Mark, die Caruso für den Abend in Deutschland verlangt— drüben noch mehr— sind ftitsch und die vornehme Welt ist um ihre Sensation gebracht. Caruso, der ttotz des grotesken Kultus ein echter Künstler geblieben ist, will in Europa Heilung suchen. — Die Zeppelin-Spende hat. wie Zeppelin mitteilt, den Betrag von 6 096 555 M. erreicht. Der Empfänger hat daraus eine �Zcppelin-Stiftimg" gebildet, die staatlich genehmigt wurde. Ihre Miliel solle» dazu dienen, das bei Echtcrdingen verbrannte Luftschiff zu ersetzen und die Zeppelinschen Luflschiffbauten zu fördern. Eine in Friedrichshafen begründete Gesellschaft„Luftschiffbau Zeppelin", an der auch Privatkapital beteiligt ist, soll an der Verwirklichung der Zeppelinschen Pläne arbeiten. Immerhin sollen auch andere Luftschiffunternehmungen und wissenschaftliche Untersuchungen unter- stützt werden. Hören. Dennoch wird das kleine landwirtschaftliche Eigentum durch die Konzentration des Betriebes und durch die Knnzentration des Handels aufgefressen. Der Bauer verkauft nicht mehr selbst auf dem Markt, sein Produkt ist eine Ware geworden, deren Wert ohne den Zwischenhändler nicht realisiert werden kann. Die land- wirtschaftliche Unternehmung wird zu einer Fabrik land Wirt- schaftlicher Produkte.— Wir haben in Frankreich sechs Millionen Bauern, unter denen wir fünf verschiedene Kategorien unterscheiden müssen. Die erste ist die des G rosig rund- K e s i tz e r s. Gegen diesen müssen wir Stellung nehmen mit der Forderung der Bergesellschaftung und der Zuweisung seines Besitzes an Gewerkschaften, die unter staatlicher Kontrolle den Betrieb be- sorgen sollen. Wir haben zweitens den kapitalistischen Pächter, der seine Arbeiter ausbeutet wie der Fabrikant. Dagegen müssen wir uns drittens des kleinen Pächters annehmen, der sein Arbeitsinstrument nicht besitzt. Er leidet auch unter der Berteuerung, die das Werk seines eigenen FleisieS ist, denn die technischen Verbesserungen wirken verteuernd auf den Pachtzins. Die vierte Kategorie sind die Teilpächter. die infolge der bei ihnen noch fortbestehenden Naturalleistungen in wahren Mittelalter- lichen Verhältnisse» leben. Endlich sind da die kleinen Eigen- tümer. Denen stehen wir gegenüber wie den kleinen Gewerbe- treibenden und Händlern, ihnen sagen wir, dasi wir ihre Lasten erleichtern wollen— wie wir dies bei der Einkommensteuer begonnen haben. Sie erhalten sich nur um den Preis selbstmörderischer Ueberarbeit und Entbehrung. Sogar Nacht- arbeit auf dem Felde finden wir bei ihnen. Denen »vollen wir nicht die Vergesellschaftung ihres Besitzes an- kündigen. Wir würden sie damit nur gegen uns aufbringen. Aber wir wären auch gar nicht ünstande, heute die Sozialisierung der Land- »virtschaft durchzuführen, weil uns die Cadres fehlen, die die In- dustrie dafür darbietet: die Gewerkschaften auf der einen Seite, die begabten technischen Beamten auf der anderen. Die sozialistische Partei soll durch Gründung von Gewerkschaften, Selbsthilfeorganisationen und Genossenschaften die Bauern vor- bereiten und erziehen. Die Aktion in der Genossenschaft ist eine wahre.revolutionäre Gymnastik". Wir müssen den Bauern namentlich auch dazu bringen, seinen Individualismus und Egoismus abzu- streifen. Schon jetzt durch die Genossenschaft die Aus- beutung aufzuheben ist nicht möglich. Durch die Er- ziehung zur Reform arbeit, nicht durch Reden über die Wer- gesellschaflung des ländlichen Eigentums, für die die Entwickelung noch nicht genug fortgeschritten ist, sollen wir den Bauern der revolutionären Idee entgegenführen. Die Praxis wird ihm schon das Nötige lehren. Bei den Landarbeitern aber müssen wir zwei Klassen unterscheiden: die Selbständigen, die nicht auf dem Gut wohnen, imd die Dienstboten. Auf diese zweite dürfen wir uns nicht viel Hoffnungen machen. Sie stehen auf einer sehr tiefen moralischen Stufe und sind durch den Klerikalismus und den Alkoholismus vergiftet. Die selbständigen Arbeiter sind gesunde Elemente. Bei dieser zahlreichen Klasse— 890 000 Köpfe zählt sie— möge die Konföderation arbeiten. Bisher »st noch sehr lvenig für sie getan worden. Auch unsere parlamentarische Macht müssen wir in ihrem Interesse ausnützen. Der Redner beantragt die Ausarbeitung einer Liste(„l-abior") der ländlichen Bestrebungen der Partei. Die Arbeit soll von einer Kommission besorgt werden. Die Rede Compdre-Morels löst anhaltenden, allgemeinen Bei« fall aus. Der Parteitag beschliesit, sie in Druck legen zu lassen und an die Föderationen, zu versenden. V a i l l a n t, als Sprecher der Mehrheit der Seine-Föderation, erklärt, die Partei habe sich in erster Linie mit dem ländlichen Proletariat zu beschäftigen. Wir können uns nicht an eine Masse von Besitzeirden, sondern nur an die Individuen der Klasse der kleinen Besitzer wenden. Das kleine wie das grosie Eigentum soll verschwinden. Wir dürfen das nicht verheimlichen. aber wir sollen auseinandersetzen, dasi wir diesen Prozeß möglichst schmerzlos zu gestalten bestrebt sind. Der siegreiche Sozialismus wird den kleinen Eigentümer nur dann expropriieren, wenn er ihm bessere Existenzbedingungen bieten kann. Der Bauer versteht imS auch ganz gut. Die Situation ist aber lokal verschieden. Doch ist die kapitalistische Akkumulation die entscheidende Tat- fache in der Landwirtschaft. Wir müssen den kleinen Besitzern zeigen, dasi wir nicht nur die Partei des Proletariats, sondern die der sozialen Evolution überhaupt find. (Lebhafter Beifall.) Tarbourieck tadelt die Angehörigkeit von Parteigenossen bei Organisationen der Klassenharmonie, wie bei dem Winzerverband. Die Partei müsse offen sagen, dasi sie die Interessen a l l e r L o h n- arb eiter gegen alle B es itz e r, grosie wie kleine, verteidige. Sie soll auch die noch bestehenden Ueberreste des alten Kommunismus verteidigen, aber unter der Bedingung, daß nicht eine Gesamtheit von Besitzern, sondern von Produzenten den Nutzen daraus ziehe. R o l d e S: Wir müssen das Endziel betonen, dürfen aber nicht bei Allgemeinheiten bleiben. Die Richtung der Entwickelung ist nicht anders als wir gedacht haben, aber ihr Tempo ist langsamer. Die Erscheinungen sind verschiedenartig. Wir haben Dörfer ohne Landarbeiter.— Eine besondere Aufgabe wäre noch. die ländliche Produktion zu regeln. Die sozialistische Partei müßte im Parlament diesbezügliche Vorschläge machen— z. V. in bezug aus die gesetzliche Beschränkung des BodenS für den Weinbau— und sie im Land propagieren. Die Diskussion wird in einer bis Mitternacht währenden Nacht- sitzung fortgesetzt, die besonders durch die Ausführungen sozialistischer Landleute auS verschiedenen Landesteilen interessant»st. Sie bewegt sich hauptsächlich um die Frage, ob die Partei Reformen im Sinne Compöre-Morels zugunsten der Kleinbauern anstreben oder auf die Ueberführung des gesamten Grundbesitzes in Gemeinbesitz hin- arbeiten soll. L a f a r g u e weist darauf hin, daß auch w Frank- reich die ländliche Bevölkerung relativ abnimmt. 76Proz. vor 1843, betrug sie SO Jahre später 61 Proz. und jetzt nur noch bO Proz. der Gesamtbevölkerung. Aber darum müssen w,r die Bauern doch ge- Winnen und wir können sie gewinnen. Die Bauern sind eine revolutionäre Masse. Das haben sie 1789 gezeigt, als sie die Herrenschlösser stürmten, ehe noch die Pariser die Bastille zerstört hatten. Die sieg- reichen Bourgeois von damals haben alte Bauernrechte zerstört. Die modernen wirtschaftlichen Verhältnisse werde» den Bauern von neuem zum Revolutionär machen. Wir dürfen ihn nicht mit un- klugen Redensarten vor den Kopf stosien. Wenn wir in ihm Angst um seinen Besitz erregen, wird der Sozialismus eine Vendse gegen sich erregen. Wir können Bauernschutz ebenso wie Arbeiterschutz der- langen. * Dritter Tag. St. Etienne, IS. April.(Eig. Der.) Die Agrarfrage. In der Vormittagssitzung setzt der Parteitag die Verhandlung über die Propaganda aus dem Lande fort. Rappoport spricht im Sinne Compöre-Morels. Weder dieser noch seine Freunde hätten den Bauen» jemals daS Endziel, die Vergesellschaftung der Produktions- mittel, verheimlicht: Unsere Auffassung der wirtschaftlichen Ent- Wickelung sagt uns, daß daS grosie Eigentum als Produktlvkraft überlegen und das kleine nicht zu retten ist. Vaillants Standpunkt ist der der Kongresse der Internationale vor der Kommune. Es gibt Verschiedenheiten des Verfahrens, einen pädagogischen Opportunismus. Wir müssen die Bauern durch die Verteidigung ihrer Interessen zu uns herüberziehen.... Lagardelle: Wir können weder Retter noch Zerstörer des kleinen Eigentums sein. Auch Engels hat erkannt, dasi wir keine Einrichtungen schaffen können, die uns gegen die antisozialistischen Empfindungen der Bauern schützen. Wir müssen uns damit ab- finden, dasi nicht alle Milieus für die sozialistische Produktion gleich günstig sind. Wir würden lügen, wenn wir an sozialistische Gefühle des Bauern appellieren wollten. Die nützlichen Reformen. die Compöre-Morel vorgeschlagen hat, wie die Verbindung der ländlichen Genossenschaften mit den Konsumvereinen, find nichts im Wesen Sozialistisches. Wir ntüssen den Bauern anders packen. Wir können es durch eine grosie politische Aktion der Partei für die Gesundung der Demokratie gegen den Parasitismus des kapitalistischen Staates. Der Post- streik hat gezeigt, wie die staatlichen Funktionen gereinigt »verden können. Marx hat von der Kommune gesagt, dasi sie eine billige Regierung sein wollte. Hier sehen»vir den Weg. der»mS zum Bauern führt. Wir müssen diese»» zeigen, daß wir eine andere Partei sind als diejenigen, die Jagd auf seinen Stimmzettel machen. Wir haben ihn davon zu überzeugen, dasi»vir da? Schmarotzertuin des Staate? beseitigen wollen. Auf diese Art können wir ihm nahekommen, nicht mit dogmatischen Auseinandersetzungen, und eZ ist nicht ein konservatives Progranun, womit wir ihn zum Sozialisten machen können. Jean Longuet hält die Agitation beim ländlichen Proletariat für die notwendigste und auch für die günstigste. Um den Landarbeiter vor allem haben wir uns bei unseren Reformaktionen zu küinmern. Von besonderer Wichtigkeit ist die Forderung, daß die Arbeiter ansierhalb deS Gutshofes wohnen. Deviras(Dep. Landes) will Bekämpfung der degenerierenden Kinderarbeit und wünscht Broschüren im Dialekt der verschiedenen Gegenden. Die Verhandlung wird durch eine Debatte über die Wahl der Administrativkommission»mterbrochen. H e r v ö fordert die Wer- tagung der Wahl bis nach den Abstimmungen über die Hauptpunkte der Tagesordnung, damit die Minoritäten ihrer Stärke entsprechend vertreten sein könnte»». Er droht unter großem Lärm seiner Freunde mit der Obsttuktion. Schließlich gibt er sich aber mit einen» Ver« mittelungsvorschlag D e l o r h S zufrieden, der allen Gruppen Ver- tretung in der die Vorstandsliste ausarbeitenden Kommission fidbert. Die Verhandlung über die Agrarftage wird in der Nachmittags- sitzung fortgesetzt. H e r v ö spricht als Vertreter einer rein ländlichen Föderation, der des Departements Aonne. für die Resolution Jobert der Minderheit des Seine-Departements: Mit Compöre-Morel sind wir darin einig, dasi wir vor allem für die Dienstboten und Tagelöhner eintreten, im Konfliktsfalle selbst gegen die kleinen Besitzer. Mit ihm halten auch wir die Kleinbauern für ausgebeutete Arbeiter und Genossenschaften für ein Mittel gegen den bäuerlichen Egoismus. Aber diese Einrichtungen sind nicht spezifisch sozialistisch, auch andere Parteien sind dafür. Compsre- Morel läßt sich zu viel von wahlpolitischen Interessen leiten. Auch Jaurös ist in diesen Fehler verfallen. Er gibt sich nicht Rechenschaft darüber, wie der Parlamentarismus durch die verräterischen Politiker diskreditiert ist. (Zwischenrufe; Und der Terrorismus I Azew!) Mit Vorschlägen wie denen Compöre-MorelS zum Schutze der Kleineigentüiner gehen wir der Schutzzöllnerei entgegen zum Schaden deS industriellen Prole- tariats. Wir sehen keine Konzentration des Grundeigen- rums; eher eine Abnahme des großen zugunsten des mittleren Be- sitzes. Wir müssen uns also an die Bauern mit anderen Argumenten »venden. Der Redner spricht nun über die Aufklärung der Jugend durch die Lehrer, über AntimilitarisnmS und AntipatriottsmuS, der eine Vorbereitung zur Insurrektion sei. Er nennt sich einen Mar- xisten, aber sein MarxisinuS sei mit BlanquiSmuS versetzt. Er sieht in den Erneuten, die jetzt an so vielen Orten ausbrechen, Anzeichen der Revolution. Auch die unaufgeklärten Massen seien imstande, notwendige Werke der Zerstörung zu vollbringen. St. Elten«, 16. April. (Privatdepesche des„Vorlvärts".) Der Parteitag lehnte in der Schlußsitzung den Ausschluß von Breton, Brousse und V a r e n n e wegen Formfehlers im Verfahren ab. Er ging über den Antrag, Hervh auSzu- schließen, mit dem Vorbehalt zur Tagesordnung über, Delorys weiteren Disziplinbruch zu verfolgen. Die Agrarfrage soll auf dem nächsten Parteitage weiterberaten werden. Eine Agrar- kommission wurde gewählt. Die Wahltaktik-Resolution von Chalon, die den Föderationen die Freiheit läßt, in der Stichwahl Verfügungen im Interesse des Proletariats und der sozialen Republik zu treffen, wurde bestätigt. Der Anttag der Hervoisten, alle Kandidaturen im zweiten Wahlgange aufrecht zu erhalten, wurde mit 264 gegen 61 Stimmen abgelehnt. tflttKehDter Parteitag der Soziaidemo- kratifGeo Arbeiterpartei Hollands. Rotterdam, 12. April. Der zweite Verhandlungstag ist gänzlich den im Juni statt- findenden Wahlen zur Zweiten Kammer geividmet. Der Parteivorstand beantragt, folgende Punkte in den Vordergrund der Wahlagitation zu rücken: a) Allgemeines Wahlrecht. b) Arbeiterversicherung. c) Zehnstundentag. d) Erweiterung der Unfallversicherung. e) Wohnungsfrage. Anträge verschiedener Abteilungen wünschen Erweiterung dieses Programms bezw. Beschränkung; letzteres wollen besonders Amsterdam 1—6, sie fordern ausschließlich:»Allgemeines Wahl- recht für Männer und Frauen". DaS Referat über das Wahlprogramm hält Troelstra. In seiner mehr als zweistündigen Rede führt er auS, daß die S. D. A. P. bei keiner einzigen Wahl so stark dagestanden habe wie jetzt, da die ökonomische Entwickelung der Gesellschaft sich in der von der Partei angenommenen Richtung bewegt habe. Davon zeuge die Krisis, die mit ihren schrecklichen Folgen die Augen der Ar- beiter geöffnet habe, die Konzentration der Betriebe und der damit Schritt haltenden Proletarisierung der Massen, das Aufblühen der Gewerkschaften und den damit parallel laufenden Unternehmer. organisationen. Die völlige Hilflosigkeit der bürgerlichen Klasse vor der Arbeitslosigkeit ließ der Massencharakter ihres Regimes in den letzten Jahren schärfer als je ans Licht treten. Nachdem er das Steigen der Arbeiterlafte»» und die Unfrucht- barkeit der Bürgerlichen aller Staaten an sozialen Reformen ge» schildert, geht Troelstra auf die Stellung der bürgerlichen Par- teien zur Sozialdemokratie über. Die Klerikalen ständen vor einem gefährlichen Zusammenbruch. Den christlichen Arbeitern gingen die Augen auf, die Forderungen der anderen Arbeiter leuchteten ihnen e»n, besonders die auf Arbeiterversicherung, die in der Kirche als unsittlich hingestellt werde. Im liberalen Lager fei es nicht besser, dort beginne der Kampf gegen die fozialdenwkratifchen Forde» rungen abzuflauen. Die Liberale Union und die Freifinnig-Deino- kraten befürworteten das allgemeine Wahlrecht, freilich mit einigen Kautelen, denen die Sozialdemokraten nicht zustimmen könnten. Auch in den Fragen der Altersversicherung»»nd des Zehnstunden- tages begönnen die Liberalen sich dem Standpunkt der Sozialdemo- kraten anzunähern, ebenso der den Bürgerlichen nachlaufende All- gemeine Arbciterbtlnd und ein Teil der Katholiken. Dies alles verstärke die Position der S. D. A. P., schwäche die der Liberalen Union und des Freisinnig-demokratiichen Bundes. Troelstra will sich zwar über diese Schwenkung ketne Illusionen machen, sie sei jedoch ein moralischer Sieg der S. D. A. P., deren Forderungen die bürgerlichen Parteien auf ihre eigenen Programme zu bringen ge- zwungen worden seien. ES komme jetzt darauf an, sie zu zwingen, diese Forderungen durchzuführen, soweit eS untcr bürgerlichem Regime möglich sei. Troelstra behandelt dann eingehend den Antrag der?lb- tcilungen Amsterdam 1—6, die als einzige Wahllosung beantragen: „Allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen". Er hält diese Losung zwar sür sehr logisch, sie komme aber 12 Jahre zu spät. Mit dieser Losung allein wäre man Wahlrechtsfanatiker geworden, hätte aber die Altion für die Verkürzung der Arbeitszeit, für Ar- beitetversicherMg und für Unfallversicherung fallen lassen müssen, für alles das hätten dann die sozialdemokratischen Abgeordneten in der Kammer nichts tun können. Sie hätten sür die Altersbersichc- rung nicht einmal sprechen dürfen, ja hätten sagen müssen: Macht. bitte kein Gesetz, dcnn�solange kein allgemeines Wahlrecht da ist. wird es doch nur ein Wisch von einem Gesetze werde»». Wer aui diese Weise wirken wolle, verstehe nichts von der Politik.(Beifall.) Gerhard(unterbrechend): DaS Nötige steht doch in unserer Erläuterung zuin Antrage. Troelstra: Niemand liest das heraus. Aber die Portion, die ich euch zuteile, ist eigentlich nicht für euch bestimmt, sondern für die Herren von der(neuen) Sozialdemokratischen Partei, die bewiesen haben, daß sie nichts von der Politik verstehen.(Beifall.) Auch mit dem allgemeinen Wahlrecht bekomme man keine gute soziale Gesetzgebung, man brauche nur nach dem Auslände zu sehen. Die dekommt man erst, wenn die S. D. A. P.»n Holland den Sieg errungen hat. Um die Wähler mitzureißen, müsse man die sozialen Reformen in den Vordergrund stellen; dadurch eröffne man sich den Weg zur Aufklärung der Arbeiter, die die Sozial- deinokratie ihnen zu bringen verpflichtet sei. Doch müsse in der sozialdemokratischen Presse und in Versammlungen das allgemeine Wahlrecht mehr in den Vordergrund gestellt werden; das sei bisher, auch in„Het Volk", nicht genug geschehen.(Beifall und Wider- spruch.) lieber einen Antrag der Abteilung Rotterdam 6 sprechend, der völlige Freiheit der Organisation der Beamten verlangt, sagt Troelstra, man wolle damit besonderen Nachdruck auf das Streik- recht der Beamten legen. Das erkenne auch er an, man könne«S aber nicht immer zum Programmpunkt machen. In 1906 sei Kuypcr dieses Streikrechts wegen zu Falle gebracht wordei», die Kaminer- abgeordneten seien verschieoentlich dafür eingetreten. Die aus der Partei weggelaufenen Freunde verglichen die Foaktion in diesem Punkte in der deutschen Parteipresse wohl einmal mit den deutschen sozialdeinokratischen Parlainentariern, und zwar zum Nachteile der holländischen. Die deutschen Freunde sollten einmal die Jnter- pellation Hugenholtz nachlesen. Dann würden sie sehen, welchen Spektakel die sozialdemokratische Kammerfraktion machte, als der Marineminister so brutal gewesen sei, eine Adresse des Verbandes der Mariner zwar zu beantworten, sie aber nicht direkt an dessen Vorstand, sondern an die Vorgesetzten zu senden. Mit dieser Jnter- pellation habe die sozialdemokratische Kammerfraktion dem Minister einen unangenehmen Augenblick bereitet. Man dürfe sich also bei den deutschen Genossen, die ja selbst nicht einmal an Organisation von Matrosen oder Marinesoldaten dächten, nicht über ihn, Troelstra. beklagen. ES sei jedoch besser, daS Streikrecht der Be- amten nicht auf das Programm der Partei zu setzen. Denn wenn es jetzt gesetzlich geregelt werden sollte, würde es eher verschlechtert als verbessert werden und in den Beamtenkreisen selber eine Rc- aktion hervorrufen: unter ihnen müsse zunächst sozialvclnokratische Propaganda getrieben werden. Ueber die Stichwahlen sagt Troelstra, die Partei habe in Hollarid ein Stück politischer Macht erobert, das sie nutzen»nüsse, um so viel wie möglich herauszuschlagen. Das sei für ihn bestim- mend. Wer unumwunden für allgemeines Wahlrecht sei, den müsse die S. D. A. P. bei den Stichlrmhlen unterstützen. Die neue Partei sage zwar, das tue die S. D. A. P., weil die neue Partei sie dazu zwinge. Aber die S. D. A. P. habe das bereits 1906 und 1907 ge- tan. Die S. D. P. sage ferner, daß die Liberale Union und der Freisinnig-dennzkratische Bund mit den» allgemeinen Wahlrecht Scheinmanöver aufführen wollen, welche die S. D. A. P. nicht durch- schaue. Daher wolle sie diese beiden Parteien ebenfalls bei den Stichtvahlen unterstützen.(Die S. D. P. will nur diejenigen Kau- didaten unterstützen, die für unbeschränktes allgeineine- Wahlrecht emtretcn. Berichterst.) Man dürfe bürgerliche Parteien nicht erst dahin bringen, einen Programmpunkt der S. D. A. P. anzunehmen und sie dann loslassen; so erziele man keine Erfolge. Nur wenn ein Alt-Liberaler»nit einem Kirchlichen in Stichwahl stehe, könne es der S. D. A. P. gleich sein, wer gewählt werde. In einer Konferenz»nit dem Parteivorstaride wurde die Frage, ob die Partei etlnaS tun oder lassen solle, um eine der bürgerlichen Gruppen ans Ruder zu bringe»», einstimmig derwor fen.(Bei- Jall.) Selbst der Schein irgend eines Bündnisses mit den Frei- innigen müsse vermieden werden und diese müßten wissen, dasi die Partei keinen Finger rühre, um sie an die Regierung zu bringen. In derselben Konferenz wurde die Frage, ob die Partei sich aus Kompromisse zur Erhaltung oder Eroberung von Kammer- sitzen einlassen solle, ebenfalls einstimmig verneinend beant- lvortet,(Beifall.) Damit sei aber die Sache noch nicht erledigt. Der Parteivorstand dürfe nicht, wie in 1005, gebunden sein, sondern müsse freie Hand behalte,», um von Fall zu Fall zu ent- scheiden. Wenn ein kirchlich-dcmokratischcr Protektionist einem Alt- Liberalen gegenüberstehe, müsse der Parteivorstand entscheiden können, ob oer erstcre. besonders wenn er z. B. ein Arbeiter sei, zu unterstützen oder ob Stimmenthaltung zu empfehlen sei. In Wahlkreisen, wo die Liberalen bei den Gemeinderatswahlen die Sozialdemokraten mit elenden Mitteln bekämpft haben, müßte ihnen das vielleicht jetzt henngezahlt werden. Troelstra erklärt schließlich eine prinzipielle sozialdernokratische Propaganda bei den Wahlen für nötig, um den Arbeitern den Uktterschied zwischen der S. D. A. P. und den bürgerlichen Parteien klar zu machen. (Schluß folgt.) Sikbenter Verbklndstag des Zentralverbandts der SMirntklire nfio. Zweiter LerhandlungLtag. Kassel. 13. April 190V. Zunächst wurde die Debatte über die Berichte deS Haupi- Vorstandes zu Ende geführt. ES sprachen noch 21 Redner. Hagen- Leipzig spricht nochmals zur Frage des KartellvcrtrageS mit den Maurern und erinnert an einen Ausspruch Bömelburgs, nach dem die Maurer auS anderer Leute Haut Riemen schneiden wollen. Dieser habe böses Blut gemacht. H u i s e- Münster sagt. die Arbeitsverhältnisse in seinem Bezirk führten zu unhaltbaren uständen, wenn nicht bald die Verschmelzung eintreten würde. h i e l b e r g- Homburg macht längere Ausführungen zur Ver- schmelzungSfrage und zum Kartcllvertrag. Die Aussicht, nur der Schaffung eines BauarbeitervcrbandeS das Wort reden zu wolle», steht einem Ausweichen ähnlich. Wir müssen zur Verschmelzung kommen, schon der materiellen Vorteile halber. Paeplow spricht auf Gru»»d von Erkundigungen im Zentraldurcau der Maurer nochmals zu den Stuttgarter Differenzen. Die Agitation von Kleiner unter den Gipsern für den Stukkateurverband war entgegen den Abmachungen zwischen den Hauptvorständen. Jetzt auf die Stuttgarter Gipser verzichten zu sollen, sei dem Maurervcrband schwer. Der Stukkateurverband trage ein großes Teil Schuld. ES folgen die Schlußworte der Hauptvorstandsmitglieder. danach die Abstimmungen über die zu Punkt 1 vorliegenden An- träge usw. Die bereits mitgeteilte Resolution des Hauptvorstandes, Zlartellvertrag, Verschmelzung und Allgemeiner Banarbeiterverband betreffend, wird mit allen gegen zwei Stinrmen angenommen. Der Antrag Bonn, 1098,61 M. Schulden auS dem Streik von 1906 niederzuschlagen, wird angenommen; dagegen werden ähnliche An- träge von Frankfurt a. M. und Kolmar abgelehnt. Schließlich wird dem Gesamworstand Entlastung erteilt. Zur Beratung steht dann zunächst ein Antrag Düsseldorf: a) Die Vertreter de? Hauptvorstandes, Ausschusses und die Gauleiter haben auf den Verbandstagen nur beratende Stimme. b) Beitragserhöhungen, Aenderungen sowie Neuen»- führungen von UnterstützungSeinrichtungen u»»d VerschmelzungS- fragen bedürfen zur Annahme Zweidrittelmajorität. Berger begründet den Antrag; er verzichtet auf den zweiten Teil, nachdem er erste seine Erledigung findet, durch die Abgabe folgender Erklärung: „lfm den Gegnern der ErWerbÄosenunterstützung nicht neuerdingZ ein Protestmittelc- und Kvankenunter- stützungcn erst nach zweijähriger ununterbrochener Mitgliedschaft. Für den Bezug der Streikunterstützung soll eine Karenzzeit von drei Tagen und für den Bezug der Krankenunterftützung eine Karenzzeit von einer Woche gelten. 13. Die in beiden Verbänden bestehenden Rechtsschutzeinrich- tungen iverden auf den gemeinsamen Verband übernommen. 14. Die weiteren statutarischen Bestimmungen, auch über die Höhe der Unterstützungssätze, sollen den heute in beiden Ver- bänden bestehenden Satzungen nach Möglichkeit angepaßt werden. Als zweiter Redner erhält Bömelburg das Wort. Redner erklärt, daß er nie abstrakter Gegner der Verschmelzung gewesen sei. Wenn er bis zum Verbandstag in Hannover dagegen gewesen sei, so aus dem Grunde, weil er die Sache als verfrüht angesehen habe. Die Verhältnisse, die einen solchen Schritt rechtfertigen, waren bis dahin nicht gegeben, jetzt zwinge aber die Notwendigleit dazu, und vor allem seien es vier Gründe, die ihn vevanlaßten, in der Verschmelzung beider Verbände«ine Stärkung von unschätzbarem Wert gegen das Unternehmertum zu erblicken. Erstens die Eni- Wickelung des Betonbaues. Die Arbeiter dieser Bauweise in ver- schiedene Organisationen zu bringen, sei Zeit- und Mittclverschwen- dung. Eine wirksame Agitation könne nur durch eine einheitliche Organisation geschehen. Zweitens trägt die Entwickclung der Unternehmerorganisationen zur Beschleunigung der Verschmelzung bei. Durch diese Unternehmerverbande nehmen die Lohnbewcgun- gen immer mehr einen zentralen Charakter an und zwingen zur Bereinigung der gleichen Arbeitskräfte. Drittens fei bei einer Verschmelzung auch die Personenfrage zu lösen und ihm scheine, daß diese Lösung mit der Zeit immer schwieriger werden dürfte. Und viertens fei der Wille der Maurer maßgebend für ihn. In den Kreisen der Mitglieder des Maurerverbandes trete die Heber- zeugung zutage, daß es nunmehr Zeit zur Verschmelzung sei, um so mehr, als alle Hindernisse(verschiedene Beiträge usw.), die der Einigung entgegenstanden, beseitigt seien. Die Bauhilfsarbeiter sind durch das eisern« Muß zu einer Beitragshöhe gelangt, die der oer Maurer gleich ist. ja diese teils noch übersteigt. In eindring- lichen Worten ermahnt er, alle Zwistigkciten zu vergessen und der Verschmelzung zuzustimmen. An der Debatte, die vis 7 Uhr abends ausgedehnt wurde, beteiligten sich außer Bömelburg 21 Delegierte. ES traten 18 für und nur 3 Redner gegen die Verschmelzung ein. In namentlicher Ab- timmung wurden die vorgelegten Satzungen einstimmig ange- nommen. Damit ist dem Willen zum Zusammenschluß Ausdruck gegeben. Nach Verlesung einiger BegrüßungStclegramme wurde die Sitzung auf Donnerstag vertagt. Deutscher Arbeitcr-Rbstinenten-Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute abend 8'/, Uhr im Gewerkschastshause, Enaeluser 15: Vortrag deS Genossen Heinrich Schulz über.Abstinenz und Bildung". eingegangene Druchfchnften. Don der»Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Slnger) ist soeben das 2S. Heft de» 27. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Die Ausbeutung der Bergarbeiter im Ruhrrrvier. Von Theodor Wagner (Essen a. R.).— Das OrganlsationSstatut der Partei. Von Franz Klubs (Magdeburg).— Tarifverträge und Wirtschaftskrisen. Von Wilhelm HäuSgen Dortmund).— Literarische Rundschau: O. Schwarz, Die Steuersysteme )cä Auslandes. Von M. N. Georges Sovel,„Das Trügerische deS Fort- schrittS." Von Georg Eckstein. Dr. H. Platzer, Jahrbuch der Statistik. Von alt. br.— Notizen: Zur Jugendbewegung. Von E. schnitze(Hamburg). — Zeitschrlfteufchau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalte» und Kolporteure zum Preis« von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Sest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 14 des 13. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: In letzter Stunde.— Arnold Dovel. Bon Eugen Lcwin.— Der Schutz der Heimarbeiter in der Reichstaaskommisfion. Bon xlr.— Hinter den Kulissen, Von bl. 1«.— Fort um den Ausnahmegesetzen für Dienstboten und ländliche Arbeiterl Von eck.— Frauen- und Kinderarbeit in Sachsen. III. Von II. F.— Die dänischen Frauen bei den Kommunalwahlen. Von Th. Stauning.— AuS der Vewegung: Von der Agitation.— Politische Ziundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Verband der polnisch-katholischen Vereine der arbeitenden Frauen.— Vom Kampfplatz der schlestschen Tcxtil- arbeiter.— AuS dem rheinischen Texlilgebict.— Genossenschastliche Rund- schau. Von H. Fl.— Nottzenteil: Dienstbotensrage.— ÄrbeitSbcdiiigunoen der Arbeiterinnen.— Frauenstimmrecht.— Landarbeltersiage.— Sozialistische Frauenbewegung im Auslände.— Frauenbewegung. Für unsere Mütter und Hausfrauen! Lenz, wer kann dir widerstehen? Von Konrad Ferdinand Mever.— Aendert sich das Klima unserer Erde? Von Gustav Walter.— Das Austreten deS EisenS in der Kultur. Von Hannah Dorsch-Lewin.(Schluß.)— Die Mutter als Er- zieherin.— Hygiene.— Feuilleton: Trost. Von S. I. Nadson.— Ein Landjunker. Von Nikolaus Gogol.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: FrühIingSarVeit. Von Johannes Trojan. (Gedicht.)— Ostercrinnerung. Don August Eichel.— AuS der römischen Geschichte. �Fortsetzung.)— Poesie und Arbeit. Von I. B. EMment.(Gedicht.)— Die drei Brüder. Von Brüder Grimm.— Vetter Starmatz. Von Viktor Blüthgen.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der MomiementSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 65 Pf. Jahresabonnement 2,«0 M. Die obergäriae Kleinbrmierei und die Beschlüsse der Flnan» kommission des Reichstage» zur Brausteuervorlage. 32 Settel!. Druck: R. Schnürpel, Berlin NW. 52. Bilder a»S dem Käfcrleben. Von Prof. Dr. K. Lampert. Geh. 4. M., geb. 1,40 M. Naturwissenschaftlicher Wegweiser, Serie A, Bd. 2. Stricker u. Schröder, Stuttgart. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. €beatcr. Freita g, den 1(5. April. Anfang 71/, Uhr. Sönigl. Opernhaus. Berfiegelt. Köntgl. Schauspielhaus. Nora. Neues königliches Operntheater. Geschloffen. Deutsches. Faust. Kam m erspiele. Clavigo. (Anfang S Uhr.) tinfana 8 llbr. Lessiug. John Gabriel Borkman. Neues Schauspielhaus. Pech- Schulze. Westen. Der Jockeyllub. Berliner. Einer von unsere Leut'. Vkeues. Die fremde Frau. Thalia. Do wohnt sie denn? Komische Oper. Tiefland. Residenz. Kümmere dich um Nmelie. Lustspiclhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Die Möve. Schiller O. i&ullncr. Theater.) Die Welt in der man sich langweilt. Sich> Ii r, Charlottenburg. Macbeth. Friedrich- ZVilhelmttädr. Schau, spielhaus. Der Dorstyrann. Luise». Marie, die Tochter deS Rc- gimcntS. Trianon. LiebeSgewitter. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operetten-Theater SW. DaS Himmelbett.(Ans. S>/, Uhr.) Beruhard Rose. Kpritz-Pyris. Gastspiel-Tlieatcr. Der Hund von Baskerville. Gebrüder Herrnfeld. Meine- Deine Tochter. Der selige Nie- wann. UpoNo. Der junge Papa. Die Ge- schwistcr Diejenthal. Spcziali- täten. Metropol. Donnerwetter— tadel- loS. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. ivaiinge. Spezialitäten. Rrichslialle». Stettiner Sänger. Walhalla. Svezialitälen. Folies Caprice. 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Bender, Gianipletro, Kettner, Plann, Thielscher. Er. Franksurter Str. 132. «urtts-Phri�. Bosse mit Gesmtg in drei Akten von Willen. m 8 Uhr. Wochentag Sonnabend: Kyritz-Pyritz._ �Berantwortlichcr Lcdakteur aT" Prolongiert"T3K3 Gastspiel Wiesenthal. Neues Programm: a) Gavotte aus„Manon'- von Massenet. b) Des-dur-Walzer von Chopin. c) An der blauen Donau von StrauS. d) Pester V/alzer von Lanner. _ Ferner; Debüt Amölie de L'Enclos Stimmphänomen u. b. gr. Programm. !! Neues Programm!! De Iiilo tSalerno 8 �eislias sowie die sensationailen Attraktionen des April-Programms. Reservierter PI. 2 M. Entree 1 M. (einschl. Programm u. Garderobe) Gebrüder Herrnfeld- Anfang TIlOüfDP Vorverk. 8 Uhr. lUCfllCr. 11-2 Uhr. Zum 6. Male: Meine-Deine Tocliter. Familien-Idyll in 2 Akten von A. und D. Herrnfeld (nach Papa Noa). Der selige Niemann. Lustspiel in 1 Akt von Karl Tellheim. W.Koacks Theater Direltiou: Rob. Olli,«rminenitr. 16. Armut und Edelsinn. Ein deutsches Chararterbild in 5 Akten. 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Bote & Bock, Wortheim usw„ Orchesterbureau Lützowstr. 78, Tages- und Abendkasse am Zirkus Busch, i Freitag, 16. April, abds. 7-/, Uhr: Grone Gala-Borstellung. Um 8 Uhr: ? Mr. Charleston? Um 9 Uhr: Möns. Vansart! Um 9'/, Uhr: Herrn Karl Hagenbechs Riesenlöwen-u Eisbärengruppe. NM- Um 9'/. Uhr:"98 Auswanderer! Achtung! Sonntag, den 18. April: In beiden Vorstellungen, um 4 mid VI, Uhr: ungekürzt Auswanderer. Damms Volkspark-Theater (früher Dietz) Landsberger Allee 76/77. Täglich; WeisöacISäehsiscli.lfoMeater zum erstenmal in Berlin— voll- ständig neu— alles lacht— man amüsiert sich köstlich. Reichshallen-Tlieatef Stettiner Sanger. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Kolttaaer Sanssouci, straa.-. Direktion Wilhelm Reimer. Jeden Sonntag. Montag, Donnerstag: Hokfmsims und . Kränzchen. g. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Stets neues hoobalituslle» Programm l Gostai Behrens- Theater, Colizsir. 9. Das glavztllde Mtiatuh April- Programm. Luftschiffes � Der Prisen« a Operette. Ansang 6 Uhr. e« i als Clin 11*. on Juan. JMnral Vod sachversiändigsten ff Rauchern ist haum eine Cigarette���I Jlriftlfj| M sorgfaltiger und peinlicher auf ihren�l� D| nB Wert bin geprüft worden, wie WT/eit* �> jgV*9 CIGARE' ��SETT� aber auch Keine zweite NarKe, Sä' �infolge ihres wirklich erstklassigen Ch CIGARETTL Es gibt aber auch keine zweite NarKe, die sich1 infolge ihres wirklich erstklassigen Charakters1 gerade durch gewissenhafte und genaue Nachprüfung die Gunst aller Kenner so erworben hat. wie diese. Josetti Vera m. u. o. N. 10 Stück 30 Pfg. >■• r•-•\■''• A.; /.i-''• Passage-Panoptikum.! Während der Osterferien, L vom 4. April bis inkl. 18. April: I Tolksta�e! Jeder Erwachsene ein Kind freüi Jedes Kind erhält ein Geschenk!! Alle Extra-Sehenswiirdigkeiteo Irei! 1 Eintritt 50 Pf., Kinder ohne Begl., Soldaten 25 Pi. 1 : Hans Weber. Berlin. Für den Ah 1. April a. e. befindet sieh mein Geschäft Neue Königstr. 70, Ma» Ziegenhals, tSS.«» Sjaretteo, fü/arren m Tahateo. 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Anleihen usw. und 28318610 M. Reserven gibt. Die neuen, auf 60 000 000 Mark berechneten Mittel sollen vorwiegend dem Ausbau der Hütten- betriebe dienen, womit man dem Ziele eines wirklichen gemischten Betriebes zustrebe. ES wird dazu bemerkt: Auch nach der Bereinigung der Gesellschaft mit dem früheren Aachener Hütten-Alttenverein und dem Schalker Gruben- und Hütten- verein verblieb der überwiegende Schwerpunkt des Unternehmens im Bergwerksbetriebe; denn gegenüber den Erzeugungsziffern von rund 8 600 000 Tonnen Kohle und 2 200 000 Tonnen Koks jährlich betragen die BerbrauchSziffern der Eisenwerke nur einen nicht sehr groffen Teil der Kohlen- und etwa die Hälfte der Kokserzeugung. Der Gesichtspunkt des weiteren Verbrauchs der Kohlenförderung in eigenen Werken war daher nicht außer acht zu lassen. Ferner aber bewirkt die direkte Konvertierung des flüssigen Roheisens aus den Hochöfen und die Verbilligung der Krasterzeugung durch die Ausnutzung der Hochofengase eine so erhebliche Ermäßigung der Selbstkosten des Rohstahls, daß auf die Dauer auch das besteingerichtcte Werk mit getrennten Betrieben einem solchen mit vereinten Betrieben nicht mehr die Spitze bieten kann. Angesichts ihres reichen Gruben- und Erz- selderbesitzes im Minettebezirk ist die Verwaltung nach eingehender Durchrechnung aller sich überhaupt bietenden Möglichkeiten, nament- lich was die Erz- und Koksfrachten sowie diejenigen für die Walz- erzeugnisse anlangt, zu der Ueberzeugung gelangt, daß es für sie am vorteilhaftesten ist, die neuen Hochöfen nebst Stahl- und Walz- werk im Minettebezirk selbst im unmittelbaren Anschluß an eine ihrer dorttgen Hochofenanlagen zu errichten. Ob endgültig bei der engeren Wahl die lothringische Anlage in Deutsch-Orh oder die luxen, burgische in Esch in Betracht kommt, wird von der Ent- scheidttng örtlicher Steuer- und Grunderwerbsfragcn abhängen. Der Arbeitsplan ist so in Aussicht genommen, daß die groben Walz- waren bei den Hochöfen erzeugt, m Rote Erde aber nach und nach hauptsächlich die Weitervererbe, ttmg auf Fertigwaren vorgenommen werden soll, wie dies für Drahterzeugnisie bereits in Eschweiler ge- schieht. Unabhängig davon ist eine Erweiterung der Gießerei- anlagen auf dem Gelsenkirchener Hochofenwerk, sowie eine Hafen- anlage am Rhein-Herne-Kanal innerhalb des Stadtbezirks Gelsen- kirchen in Aussicht genommen. Interessant sind auch die Auslassungen des bekannten Herrn A, Kirdorf in dieser Angelegenheit. Er schreibt u. a.: «Bekanntlich ist die deutsche Rohstahlproduktion von 2 162 000 Tonnen im Jahre 1890 auf 3 962 000 Tonnen im Jahre 1895, 7 377 000 Tonnen im Jahre 1900, 10 309 000 Tonnen im Jabre 1905 und 12063 000 Tonnen im Jahre 1907, also in der ersten Periode um rund 400 000 Tonnen pro Jahr, in der zweiten Periode um rund 700000 Tonnen, in der dritten Periode um rund 600000 Tonnen und in der vierten Periode um rund 900000 Tonnen pro Jahr, das heißt durchschnittlich um rund 600 000 Tonnen pro Jahr gestiegen. Das Jahr 1903 hat freilich mit einem Rück- gange auf 11 186 400 Tonnen eine Unterbrechung in diese Aufwärts- bewegung gebracht; eine solche haben wir aber auch schon im Jahre 1900 und im Jahre 1901 erlebt, sie hat dann im folgenden Jahre einem um so kräftigeren Aufschwünge Platz gemacht. Es liegt daher kein Anlaß vor, auch für die Zukunft ein gleiches Fortschreiten der Erzeugung, wie in den letzten 17 Jahren, zu bezweifeln. Dann würden aber bis zum Jahre 1912. bis zu welchem die Neuanlagen der Gelsenkirchener Bergwerksakliengesellschast in Betrieb kommen würden, sich die Produktion und der Absatz, da der letztere mit der Produktion stets gleichen Schritt halten muß, um mindestens 2400000 Tonnen gegen 1907 erhöht haben...." Schließlich bespricht Kirdorf die kommenden Krisen im Stahl- Werksverbande und bemerkt dazu: „... An der Händlerfrage wird der Stahlwerksverband scheitern. wenn dieselbe nicht aus dem Wege geräumt wird. Der Zustand, daß bei manchen Werken nicht mehr die Leiter derselben, sondern die diese Werke beherrschenden Händlerfirmen das entscheidende Wort zu reden haben, dem die übrigen Werke mit ganz verschiedenem Interesse nicht zustimmen oder sich nicht unterordnen können, macht einen Verband der Werke unmöglich. Dürste die Verwaltung der Gelsenkirchener BergwerlS-Aktiengesellschaft es versäumen,.sich für diese Zeit des Kampfes vorzubereiten, so würde sie ihre Pflichten gröblich vernachlässigen. Sie kann aber diesen Kampf nur mit Erfolg bestehen, wenn sie sich ausrüstet mit allen Vorteilen, welche die moderne Technik zu liesern vermag, und diese Hilfsmittel stehen nur dann zur Verfügung, wenn Stahl- und Walzwerke mit den Hochöfen vereint dort betrieben werden, wo die billigsten Herstellungsbedingungen vorliegen." SericKts- Leitung. Ein umfangreicher Billettschwinbel, durch welchen der Zirkus Schumann sehr empfindlich geschädigt worden war, lag einer Verhandlung zugrunde, mit der sich gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirckwrs Unger die 10. Straf- kammer des Landgerichts I zu befchäfttgen hatte. Angeklagt ivegen fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung, Betruges und Billett- Handels waren der 20 jährige Graveur Walter B er big und der gleichaltrige Malergchilfe Hermann Bäumken. Ferner mutzte sich der Buchbinder Franz Forennh wegen Billetthandels ver- antworten. Im November und Dezember v. I. fiel es der Leitung des Zirkus Schumann auf, daß auf dem 2. Platz eine kolossale Uebcrsüllung herrschte. Der Andrang war so enorm, daß zu wiederholten Malen die Polizei einschreiten mußte. Hieraus ent- standen der Direktion die allergrößten Unannehmlichkeiten. Der Verdacht, daß von den Billetthändlern, die allabendlich vor dem Zirkus ihr Unwesen trieben, gefälschte Billetts verkauft würden. bestätigte sich durch die Festnahme der jetzigen drei Angeklagten, die am 13. Dezember vor dem Zirkus von Kriminalbeamten verhastet wurden. In ihrem Besitze wurden zahlreiche Billetts gesunden, die als gefälscht erkannt wurden. Trotz erdrückender Schuldbeweise berichten sich die Angeklagten vor Gericht auf ein hartnäckiges Leugnen._ Das Gericht hielt die Angeklagten für überführt und er- kannte mit Rücksicht auf die erhebliche Gemeingefährlichkcit und den großen Schaden, den sie angerichtet hatten, gegen B er big und B ä u m k e n auf je 1 Jahr Gefängnis. Außerdem wurde Bäumken sofort verhaftet. Forennh wurde nur wegen un- erlaubten ÄilletthandelS zu 60 M. Geldstrafe verurteilt. Ein Konflikt. Der Gendarmeriewachtmeister R e t t i g bemerkte eines Abends in Herrenbreitungen, wie ein Radfahrer, der vorschrifts- widrig keine Laterne bei sich hatte, schnell davonfuhr. Er suchte nun dessen Begleiter, den Landwirt Eberlein, festzuhalten, um die Person des Entflohenen festzustellen. Eberlein, der ebenfalls davon- fahren wollte, kam zu Fall und verletzte sich. Im Wege des Zivil- Prozesses beanspruchte er vom Wachtmeister Schadenersatz. Die Regierung in Kassel erhob darauf zu gunsten Rettigs den Kon- f I i k t, den das Oberverwaltungsgericht auch für begründet er- klärte. Es entschied, daß das Verfahren gegen den Gendarmeric- wacktmeister einzustellen sei. Indem R. bestrebt gewesen sei, E. festzuhalten, um den Namen des entflohenen Radfahrers fest- stellen zu können, habe er in Ausübung seiner Amtsbefugnisse ge. handelt. Daß E. hierbei gefallen sei, wäre ja bedauerlich; eS wäre aber wahrscheinlich nicht passiert, wenn er nicht in der Absicht, den Begleiter nicht zu verraten, ebenfalls zu entfliehen gesucht hätte. Jedenfalls könne der Wachtmeister, der seine Amtsbefumisse nicht überschritten habe, für den Fall E.s nicht hastbar gemacht werden. Wieder ein gestrauchelter Diener des Herrn. Die Straflammer in Konstanz verurteilte vorgestern den 42jährigen katholischen Pfarrer Gustav Mühlthaler in Klustern wegen eines im Jahre 1905 begangenen Verbrechens im Sinne des§ 174 Ziffer 1 des ReichsstrafgesetzbuchrS unter An- nähme mildernder Umstände zu 8 Monaten Gefängnis. Der Pfarrer hatte sich an ihm unterstehenden Zöglingen unsittlich ver» gangen._ Huö der frauenbewegung* Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 19. April, abends 8l/3 Uhr, in Beckers Festsälen, Kommandanten- straße 62: Vorlesung der Schriftstellerin Klara Viebig aus ihren eigenen Werken. Gäste willkommen. Leseabende. Erster Wahlkreis. Freitag 8Va Uhr bei Boß. Klosterstr. 110. Dritter Wahlkreis. Freitag 8�° Uhr GewerlschaftshauS, linker Seiten- flügel 3 Treppen. Lichtenberg. Montag, den 19. April, bei Ertelt, Pfarrstr. 74. Rixdorf. Für den 1. bis 5. Bezirk bei Rößler, Weserstr. 17/18; für den 6. bis 10. Bezirk bei Kasper, Richardstr. 35; für den 11. bis 15. Bezirk bei Schröder, Nogatstr. 33/34; für den 16. bis 20. Be- zirk bei Hoppe, Hermannstr. 49. m ■■■■■■■■■■nawTCnnuwvnn« [{Kennen Sie| unser \ kostenloses» j Porträt-| System? j --»»-»--»»»»«»»»»»I!»-«--»-»-- Freitag Sonnabend: Friedridistrasse HO- 112 Oranienburgerstr. 54-56» ßetriebsgesetlsdiaft tn. b. ff. Lebensmittel- Extra- Preise Verlangen| Sie Zählkarten für kostenlose[ 1 Porträts! j Soweit Vorrat! Lebende Fische Hechte.................. Pfund 95 Pt Karpfen............... Pfund 90 Pf. Tafel-Lachs Qualität I Pfd. � � Pf, Im Ausschnitt Pfd. 80 Pf. Qualität II Pfd 60 Pf. Im Ausschnitt Pfd. 60 Pf Oabeljau i«>».......... Im Ausschnitt Pfund 5 Pf. mehr '} Pfund 1 5 Pf. Seelachs i»'*.••.•••«•..l 1 c Im Ausschnitt Pfund 5 Pf, mehr./ Pfund 1 � Schellfisch gross, Is 1»........ Pfund 30 Pf. Sratschellfisch>»>-....... Pfund 20 Pf. Scholien la l»............. Pfund 30pfc Makrelen ta u............ Pfund 30 Pf. Eishechte.......... 75«. Fisch- Konserven Ronserven Gemüse-Konserven 'ft Dose Sardinen Mark«„Carmen"....... 1.95 Sardinen Mark«„Glorioles". V-oo«« 0,70 1.35 Sardinen ooaa 30, 33, 43, 50 dom 0.60 Delik.-Herlngeinrerschled.Sauoen'bDo«« 0.78 0.49 Bismarck-Heringe.......... v»»» 0.42 Bratheringe............... o»»» 0.42 Heringe in Gelee.......... do»« 0.33 Liliput-Heringe.............. vo»« 0.25 Neunaugen................. do«« 0,75 Sprotten in Oel............. dom 0.50 Sprotten in Tomaten....... oo«« 0.50 Aal in Gelee.................... 0.75 Stor-Lachs la St&cBen Mund 90 Pf. >/, Oes« Stangenspargel«f«"* Stangenspargel«"-w»•••. Riesen-Brachspargel.. Bruchspargel s1«*.. Bruchspargel II"«•»"Spfan Kaiserschoten•*«« f«'»•. Kaiserschoten f«'"....... Junge Schoten««ira f«in. Junge Schoten Junge Schoten I....... Suppenerbsen.......... Schoten und Carotten I. Schoten und Carotten II Junge Carotten I........ Wachsbohnen.......... � Dofa 1.50 1.35 1,20 1.10 1.00 1.18 1.10 0.80 0,60 0.48 0.36 0.65 0.55 0.45 0.42 Vt Dose 0.80 0.65 0.65 0.60 0.35 0.38 0.33 0.23 Frucht-Konserven fr. Schwab. Gewürz• Gurken ca. 70 SiOck Inhalt............ Dose ,.00 ff. Schwäbische Senf- Gurken ca. 10 Ptund Inhalt................ 2. 70 Heut und morgen gewähren wir auch bei Lebensmitteln Zählkarten für kostenlose P. K. Porträts, jedoch nur bei Einkäufen am Vormittag bis 1 Uhr. Ceffentiiehe politische Versantmtogen. 6, Wahlkreis. Sonntag, den 18. April, abends 6 Uhr, im„Kolberger Salon", Kolberger Straße 23: WenMe Versanntitnng«v Miner«. Tranen. Tages-Ordnung: 226/13* Vortrag der Genossin Regina Fried länder über: „Die Frau im politischen Kampf." Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein vor Lindeittfer! E. Ernst, Wöhlerlstr. Nach der Versammlung! IM- Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Arbeitsnachweis i Hoj I. Llmt 3, 1238. Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbureau: oiiarltSetraSs g. Hof IN. Amt 3, 1VS7. Sonntag, den 18. April 190S, von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, findet die Wahl der 30 Delegierten für die General- Tersannnlnng in Hamburg in folgenden Lokalen statt: ünwflon* Wllles FcstsNIo,(früher Milbrodt). Müllerftr. 7. Illn aen. Ikmnnen-I'kviltvr, Badstr. 38. Obiglos Feststile, Schwedter Str. 23. UornssiasHle, Ackcrstr. 6/7. Swinemünder Oesellschaftshans. Swine» wunder Str. 42. Crlenkea Kcstaarant, Bernauer Str. 82« Sebataes Restaurant, Maxstr. 13b. Schüdcs Restaurant, Kopenhagener Str. 74. afanilnTaetan• Kronen- Brauerei, Ält-Moabit 47/49. If urUWcSlCll. Brauerei Patzenhofer, Dnrmstr. 25/26. Nordosten I Elyslum, Landsberger Allee 40/41. OetAn• Bökers Festsüle, Wcberstr. 17. UMcU. Eltlins Feststile, Memeler Str. 67. Cndnotan• Ocwerkschaftshaus, Saal 4, Engelufer 15. jjUuDSIvO. Reichenberger Hof, Reichcnberger Str. 147. Süden I«rnmbaelts Festsiile, Schönleinstr. 6. Südwesten! Schmidts Restaurant, Lindenftr. 3, 2. Hof. WeStem Wlomers Restaurant, Bülowftr. 58. Charlottenborg: voikshau.,«05.»-«�.». Divrlnnf■ Moppcs Festsiile, Hermannstr. 49. nlAUOrl. Rttckheiuis Restaurant, Bergftr. 97/98. Eondons Restaurant(Jdcalpaffage), Weichsel» strafte 8. TempelhOf: muilers Restaurant, Berliner Str. 48/49. Steglitz: Clements Restaurant, Düppelstr. 7. Rummeisborg: Blumes Restaurant, Alt-Boxhagen 56. Tegel: Halfes Restaurant, Brunowstr. 23. Dber-Schäneweifle; ÄÄÄ Köpenick: Kitters Restaurant, Bahnhofstr. 44. Spandau: Huths Restaurant, Lindcnufer 17. Pankow: Bosyckis FestsNle, Kreuzstr. 3,E Weißensee: Bonkopfs FestsNle, Königchaussee 38. —— Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen.-»» Die Stimmzettel werden am Eingange zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto llandke, Charitästr. 3. 18. Montag, den 19. April 1909 Bezirks- Versammlungen für die getarnte Oerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: - geieii-Uelileiiliera:-°°>» 2. Siralau-Rummelsburo: SÄ1,?. S',: s. Weiliensee; a.ll>-»?».-»nigchaufiee S8. s-,. Uh. i RMOrf: noppe. Fc.taPle. Hermannstr. 4S, 06. 8V, llhr. e. ScIiöneberg; m'a'""■ 6. Süden und Südost: 7. Charlottenburg: Volkshans, Nosinenstr.3. abds. 8-/, Uhr. »?toe,IZt>,» Varendorf, Groft-Lichterfelde. Bätestrafte 22, 8. MC|jlUZ» abends 81/. Uhr. llfinnltii Prachtsäle DTordwcst, Wiclefstr. 24. abends 9. RtOaUll. S1/, Uhr. 10. Norden: Baabe, Kolberger Str. 23, abends S'/, Uhr. 11. Norden: rranke, Babftr. 19, abends L-/, Uhr. 12. Norden: vblslo, Schwcdter Str. 23, abends S'/, Uhr. 13. Tegel: Trcbesclis Festsäle, Bahnhofstr. 1, abends 6 Uhr. 14. Spandau: is.Oberseliüneweide;■•"."iSf'4*''°,"M in ITnnaninU* GesoIIschaftshann Gratkowsky, Kried» lo- AUpcillCK, richshagen. Fiedrichstr. 69, abends 8'/, Uhr. TageS-Ordnung: 1. Berichterstatlung von der Kencralversammlung am 4. April. 2. DiS- kufsion. 3. Bekanntgabe deS Ergebnisses der Delegiertenwahlen zum VerbandStag ln Hamburg. 115/8 Mir den Ostenbezirk außerdem: Neuwahl der Bezirksleitung. LV- Ohne Mitgliedsbuch hat»jemand Zutritt i"Wg Zahlreichen Besuch erwartet Xfe Ottsverwaltung. Billigste Bezugsquelle für tfggienische #• Bedarfs-jlrtike! Drogerie Kareniba, Berlin N., Weinbergsweg I. = Ein Versuch------• fDhrt zu dauernder Kundschaft. ____ un Künsfmann WalislrTl ernc Uhren u.0ol!lwaren JerliMf Utiler- BäUrer-fereir Mitglied deS Arbeiten Radfahrer-BundeS »Solidarität. Touren zum Sonntag, de» 18. April. 1. Abt. 1 Uhr: Stolpe. Start: Bülowftr. 58. 2. LIbt. 6 Uhr: Teupitz. 1 Uhr: Mittenwalde. Start: Fontane-Prome- nade 18. 3. Abt. 7 Uhr: Zossen(Kurzner). 1 Uhr: Lichtenrade(Deter). Start: Mariannenplatz. 4. Abt. 8 Uhr: Finkenkrug(Host- inetster). 1 Uhr: Picheiswerder. Start: Küstrincr Platz. 5. Mt. 8 Uhr: Zernsdorf(Knorr). 1 Uhr: Eichwolde(Witte). Start: Elysium. 6. Wt. 7 Uhr: Zossen. 1'/- Uhr: Sputcndors. Start: Oderberger Stt'aße 28. 10/12 7. Slbt. 17.. 9 Uhr abends, 18.. 4 Uhr früh: Neu-Ruppin. 1 Uhr: Hackenseide. Start: Kösliner Str. 8. 8. Abt. 7 Uhr: Liebcnwalde. Uhr: Schönerlinde(SperlinSky). Start: Bremer Str. 44. 9. Abt. 1'/. Uhr: Verb.-General- Versammlung(GewerkichastShauS). 10. Abt. 7 Uhr: Zossen. Ist, Uhr: Lichtenrade. Start: Weberstr. 17. drebtnnx k C&iB Freitag, 23. April, abends 8'/, Uhr General- Bersammlnng= im Gewerkschastshause. s Portieren, • Store», Gardinen, Steppdecken, Teppiche, Uhren, Br/.a.:nl gltint Sottn! E. Ratzner. Anguststr. 50. Nur Postkarte erbeten.* Heute Freitag, abends 8'/, Uhr, im GeivcrkschastShanse, Engrlufer 15: Sit-ung dvn Vi'isvoi'wsttungs Einsetzer! Sonntag, den 18. April 1908, vormittags 9 Uhr: Bezirks-Vers ammlungen in folgenden Lokalen 1. Merkowski, AndreaZstr. 25. 2. Schübe, Kopenhagcner Straße 74. 3. Müller, Bredowstr. 11. 4. Preil, Rtxdorf, Rosenstr. 24. Wiemcr, Bülowftr. 55. Mir. Skalltzer Straße 59. BolkshanS.""' Rosinenstr. 3. Melzcr, Wicsenstr. 29. 82/4 Charlottenbnrg, Vechziill llöl Hafenarbeiter und verwandten Bernlsgenossen Deutschlands. ———. Hllta: liedschaft Berlin.——— Sonntag, den 18. April, vorm. lO'/a Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72: fVIitgUcder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom ersten Quartal 1909. 2. VerbandSangelegenhcitcn. 3. Ausnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. HB. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Kollegen ersucht, pünltlich und zahlreich zu erscheinen. 19/5___ Der Torstand. Terwaltungsstelle Berlin IE Am Sonntag, den 18. April 1999, vormittags von 10 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, finden die Wahlen der 11 delegierten zur deneraloersanunlung in München in solgende» Lokalen statt: Eentrnm: W. Sied er(früher Engel), Seidelftr. 30. Rallesehes Tor: Paul Scholz, Baruther Str. 22. Potsdnmer-Tor-Beslrk: Herrn. Roy, Bülowstr. 66. Roabiter Bezirk: Ernst Stark. Waldstr. L, und Burschat. Spencrstr. 23. Tpeddlnx-Beslrk: Rugnst Marsand, Sellerstr. 12. Oesundbmnnen und Belntckcndorr-Ost: Ernst Globig, Koloniestr. 15. Bosenthalcr-Tor-Bezlrk: Gottlieb Hoffmaun. Swinemünder Straße 47. t8eh«nbanser-Tor-Beslrk; Karl Nhlig, Lychener Str. 2/3. BOnlxstor-Beslrk: Friedrich Rausch, Winsstr. 12. Eandnberger-Tor-Bezirk: Emil Panten, Heidenfeldstr. 11. Frankftirter-Tor-Bezirk: Gustav Müller. Große Frankfurter Straße 137. Schlesischcv-Tor-Beslrfc: Paul Hossmann, Oppelner Str. 47. Kottbaser-Tor-Keslrk, Blxdorf-Sord sowie Treptow: Gustav Schmidt, Rixdorf. Fricdelstr. 44. Blxdork-ttrlt-: Ferdinand Hennig. Rixdorf. giethmstr. 69. Ober- und?Vleder-«eb»newelde sowie Bannischnlonwes: Friedrich Warncke. Oder-Schöneweide, Wilhclminenbosstr. 18. BummelNbarff, Boxbngon, Elchtcnbcrgf, Friedrichs- borir, Stralau: Georg Vieweg. Alt-Bombagen 64, HTelvensee: Hermann Dröger.»Zum Prälaten«. KSntg- chaustee 42. Ecke Lchderstraße.. Paukow, SohOnhauseu und FrausOslseh-BuchhohE: Karl Abendroth, Pankow. Müblenstr. 31._ Borsigwalde. Teael und Relnlckcndorf-Wcst; August Brndsch. Retnidenoorf.Wcst. Antomenstr. 61. Oharlottenbnr«: Bolksdaud EHarlotteudnrg. Rosinenstr. 3. IWUmersdorl-»alenseo: Fritz Kaeselcr, Wilmersdorf, Lauendurger Straße 20. Schönebera• Friedenau: Wilhelm Kuschke(fiüher Obst). Schöneverg» Meminger Str. 8. Tvinpel bok-Marleudorf: Matti» Müller, Tcmpelhof, Berliner Straß« 41/42. Den Mitgliedern ist eS freigestellt, in einem der vordenanuten Lokale ihre Stimme abzugeben. � r,,,« m AIS Wabllegitimalion dient da? Mitgliedsbuch, welches am Eingang zum Wahllokal vorzuzeigen ist. �. Wer mit feinen Be, tragen länger alS 10 Wochen im Rück- stände ist, ist nicht wahlberechtigt. Stimmzettel erhalten die Mitglieder am Eingang zum Wahlzimmer. öS/» lttv Verwaltung n. S. A.: Albert ttiheft.> Ststt jeäer besunäeren Keldung! Nack schwerer Krankheit starb heute mein insip geliebter Mann, unser treuer, herzensguter Vater liOiifjs Hacia im 44. Lebensjahre. Twi;.,.ir... ia Ar.�i foeo In tiefer Trauer im Namen Berlin, den 13. Aprü 1909. aller Hinterbliebenen: Earnarchstr. 14. Berta Bach geb. Just. Die Beerdigung findet Sonnabend nachmittag 4 Uhr ron der Leichenhallo des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee aus statt. 291/16 Gestern abend verschied nach schwerem Leiden unser verehrter teurer Chef Herr tLools Stach der Begründer unserer Fabrik. Sohmorzerfüllt stehen wir an der Bahre dieses allzeit guten und gerechten Mannes, an dem wir alle in aufrichtiger Liebe hingen.— Sein Heimgang bedeutet für uns einen unersetzlichen Verlust und wird sein Andenken in unseren Herzen niemals erlöschen. 291/17 Das Kontor- und Fabrikpersonal der Firma Louis Bacb. � icrmit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Voter, der Schlosser Paul Reichardt nach langem Leiden verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen Anna Reichardt geb. Steinbrink nebst Kindeni. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Berlichingen- straße 20 aus stait. 204Sb Oeuisctier Metallarbeiter-Verband Verwaltunpsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul Reidwdt am 14. April an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. April, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Berlichingcnslr. 20 auS nach dem Heiland-Rirchhos. Secstraßc, statt. Rege Beteiligung erwartet Bis Ortsverwaltung. Rege 115/10 Deutscber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler ttermana Xander am 14. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die. Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. April, nach- mittags 2i/2 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhofes in Fricdrichssclde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/5 Bio Ortsvorwaltung. ZentralverbanilderDaebiieeker Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Ulbert Zindkr am IL April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 4'/, Uhr, auf dem Rixdorfer Kirchhos, Mariendorscr Weg statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 54/2 Bor Vorstand. Krauken-Uuttrßützungs- u. und gwttbi. Alfsardtittr Berlind und ttmargend. Sonntag, den 13. April, vormittags 19'/, Uhr, im Lokal Langestt. 65: Cenerai- Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal 1909. 2. Wahl clneS zweiten SchristsührxrS. 3. VcretiiSangelegenhetten mid Ver» "'idencS. Mitglieder werben ersucht, zahl- schiedcncS. Die Mitglil reich zu erscheinen. »er- Vorstand. [87/4 Orts Krankenkasse der Selumiede. Sonnabend, den 24. April, abend» 8'/, Uhr, bei Tabbert, MarkuSstt. IL Eingang Grüner Weg: hrdvntliel»« General-Versammlung Tagesordnung: 1. Vorlage der Jahresrechnung 1903. 2. Bericht der Revisoren und Antrag aus Erteilung der Decharge. 3. Wahl eines VorstandSmitglltdeS(Arbeit- nrhmcr), Ersatzwahl. 4. Verschiedenes. Ber Vorstand.[273/7 Ö- Ad. Pilgrim. Bors. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Schwieger- und Großvaters Otto lllopplx- sagen wir allen Ver« wandten, Freunden und Bekannten, insbesondere der Firma und dem Personal Bernhard Deseler unseren herzlichsten Dank. Bio trauernden Hinterbliebenen. Orts-Krankettlmfle derMesserseM8fle,Sebwertfeier B.feriert!iereliiruri.lBStriii!i8flte zu Berlin. Sonnabend, LLApril, abds. 8'/gUhr, Nosenthaier Stt. 10/11 bei Hompel: Brdeirtlieh« General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über Abnahme der JahreZ- rechining 1903. 2. Verschiedenes. Die(zerren Arbeitgeber find hierzu eingeladen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 273/6 Der Vorstand. BerlwSpHiBfflSM eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht Sonntag, den 25. April 1909, vormittags 8 Uhr, in den Sopkten-Saten, C., Sophicnstrnßc 17/18: Siebzehnte ordentliche Geneini-Versammlung TagrS-Ordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichtes unter Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustberechnnng für da» Jahr 1908. 2. Bericht der Re» vtstonskommission. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Bilairz und die Verteilung heS Gewinnes. 4. Neuwahlen zum Auspchtsrat. 5. Bericht über den Verband der aus der Grundlage deS gemeinschastlichen Eigentums stehenden deutschen Bau- genossenschasten. 6. Beschlaßsassung über den Gesamtbetrag, welchen 2ln- leihen der Genossenschast und Spar- einlagen bei ihr nicht übersteige» sollen. 7. Beschlußfassung über die Ausschließung von säumigen Genossen. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustberechnung slir das Jahr 1908 sind in der Geschästsstelle, Sickingen« straße 8, einzusehen. 20356 Der Vorstand. 8. Schmidt. Ernst Roscher. Dr. Schünemann Sveztal-Arzt für 5432* Bant und Barnlcldcn, Francnkrankheitcn. Friedrichstr. 203, Ecke Sduitzeustr, Wochentags 19-2. 5-7. Wir empfehlen unseren Lesern solgende Jugendgeschicbte einer Arbeiterin. 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Bau Backenhns, Charlottenburg, Olivaer Platz. Barr Knopp. Lichtenberg, Alfredstt. 5. Bau Kaiser-Wilhelm-Akademie, Berlin, Jnvalidenstraste. Bau Landesversicherung Brandenburg, Wichmanustraste. Bau Auer-Gesellschaft, Rotherstraste, Warschauer Platz. Firma Blume. Charlottenburg. Schillerstr. 97. Bau Schmidt, Charloltenb., Leibnizstr. Bau Brüll u. Schmidt, Charlottenb., Neue Kantstr., Ecke Lietzeusee-User. Bau Wehe, Charlottenburg, Hohen- zollerndamm. Ecke Gieselerstrnste. Umbau, Charlotleirb., Goethestr. 20. Bau Schonknecht, Charlottenburg, Pestalozzistraste. Bau Wieck, Friedenau, Fregestt. 70. Neubau, Friedenau, Stubenrauchstr. 3. Bau Hoppmann, W!lmcrsd.,Sirihben- straste 3. Bau Berndt, Berlin, Äöpcnicker- straste 113a. Tischlerei von Krüger, Rixdors, Kaiser- Friedrichstr. 120. Bau Löwe, Wilmersdorf, Pariser Straste 40 und 42. Bau Walter, Wilmersdorf, Zander- strotze 11. Bau Bcnzncr, Grunewald, Douglas- straste 13. Firma Klemme. Friedenau. Bau Stöcke!, Friedenau, Cranach- straste 35. 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Bau Katzmann, Berlin, Bruniieustr. 7t Die Ortsvemaltllng des DkuWeu Metallarbtiter Verbandes. Der Derein der Dan- anschläger zu Kerlm. 115/9' Hans Weber. Berlin. Für ben Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlm, Druck u. Verlag: BoripärtS Buchdruckerei u. BerlagsanjtaZ Paul Singer& So« Berlin SW» Kr. 88. 26. Iahrgaag. Frkitllg. 16. April 1909. Heute Cef«*. Dishutierabend»» Geoofflooeo Groß-ßcrlins. Cibcrales Kircbcnfum und Sozialismus. Die M/z Uhr, findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die BezirkSfiihrer nehmen ihr Material am Sonnabend im Lokal von Benno Mickley in Empfang. Der Vorstand. WaidmannSlust. Die Mitgliederversammlung des Wahlvercins findet Sonnabend, den 17. d. Mts., in Wittenau bei Schulz, Haupt- straße statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dentzer über „Christentum und Kultur". LereinSangelegenheiten. Verschiedenes. Der Vorstand. Buch(Bezirk Franz.- Buchholz). Sonnabend, den 17. April, findet der Zahlabend statt. Der Vorstand. berliner Nachrichten. Des Stadtfreisinns Arbeitslosenfürsorge hat in der gestrigen Stadtverordnetensitzung sich wieder mal in unverhiilltcr Nacktheit gezeigt. Zu be- schließen war über den von der sozialdemokratischen Fraktion schon vor einigen Wochen eingebrachten An- trag, der aus Stadtmitteln 300000 Mark für die Arbeitslosen forderte. Warum diese Maßregel not- wendig sei, das wurde von unserem Genossen Glocke dar- gelegt in einer Rede, die einen zusammenfassenden Ueberblick gab über alles, was zur Förderung der Arbeitslosenfürsorge im Schoß der Gemeindeverwaltung geredet und von den Organisationen der Arbeiter getan worden ist. Dann kam von sreisinitiger Seite der Antrag, zur Tages- ordnung überzugehen, weil erstens über die Ar- beitslosenfrage die gemischte Deputation noch weiterreden werde, zweitens für Linderung der Arbeitslosigkeit schon durch Inangriffnahme von Arbeiten der Stadt gesorgt worden sei und drittens ein Ucbriges nur durch Vermittclung der Armenpflege getan werden dürfe. Dieser dritte Grund war dem Freisinn der wichtigste, das sah man aus den Aus führungen des Stadtv. Dave, der den Antrag begründete. Unterstützung ohne Gegenleistung darf allemal nur in Forin von Almosen gegeben werden, sonst kommt man— so fürchtet der Berliner Freisinn— zu unabsehbaren Kom sequenzen. Das war im wesentlichen auch der F i s ch b e ck- scheu Rede Sinn. Der Herr Stadtrat fand überdies, daß die geforderte Hilfe sowieso die rechtliche Wirkung eines Almosens haben würde. Fast wie ein Witz klang seine Be> inerkung:„Eine Sozialpolitik einer Gemeinde, die von höheren Gesichtspunkten ausgeht, kann ich darin nicht er- blicken." Herr Fischbeck als„S o z i a l p o l i t i k e r mit höheren Gesichtspunkte n", das ist in der Tat lustig! Aus den Ausführungen der nächsten Redner, der Herren Rettig, Werner, T hie nie sprach des libc- ralen Bürgertums Haß gegen die Arbeiter- organisationen. Auf dieses Gebiet durfte ihnen Herr Goldschmidt nicht folgen, im übrigen aber erklärte selbstverständlich auch er sich gegen die Forderung der sozial- demokratischen Fraktion. Seine Gründe brachte er zum Ausdruck in einem vorsichtigen Eiertanz. Schließlich er- klärte auch Herr Ullstein, der„Sozialf-Fortschrittler", daß sein Grüppchcn sich den hier geäußerten Bedenken nicht verschließen könne. Daß er trotzdein die Uebcrweisung an einen Ausschuß empfahl, mußte eigentlich überraschen. Genosse D u p o n t stellte fest, daß die s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e Fraktion in der Frage der Lösung des Arbeits- loscnproblcms wieder mal allein dastehe. Der Frei- sinn wolle eben nichts tun.„Was wir tun können, haben wir getan", antwortete Herr Cassel. An eine Aeußerung Duponts über das Sparen, die durch einen Fischbeckschen Anrempelungsversuch provoziert worden war, knüpfte Herr Cassel ein Loblied auf das Allheilmittel Sparsamkeit. Spare in der Zeit auch vom erbärmlichsten Lohn, dann b r a u ch st Du nicht in der Not Dich vom Berliner Stadtfreisinn zum Armen- Vorsteher schicken zu lassen! So ungefähr lautete der Casselschen Weisheit letzter Schluß. Mit Cassel und seinen Nachbetern rechnete Genosse Wurm ab in einer sehr wirkungsvollen Rede, die von der freisinnigen Mehrheit mit erregten Zwischenrufen und zeitweise mit tosendem Lärin begleitet wurde. Wurm schloß: von allen Gründen des Frei- sinns sei nur einer stichhaltig, der schlechte Wille näm- lich, und den werde man sich draußen merken. Die Ab- stimmung. die dann folgte, ergab Uebergang zur Tagesordnung, für den der gesamte Freisinn in ge- wohnter Einmütigkeit sich aussprach. Der Berliner Stadt- freisinn will nicht, daß etwas geschieht! In der Sit,ung der städtischen Tiefbaudeputation wurde unter anderem die Turchlegung der Magazinstraße nach der Neuen Friedrichstraße und die Verbreiterung dieser Straße beraten. Zu diesem Zwecke muß das fiskalische Grundstück Neue Friedrich» straße 6/8•— eine alte Kaserne— beseitigt werden. Ta aber der Fiskus vorläufig mit dem Abbruch dieses alten Gebäudes nicht einverstanden ist, muß sowohl die Verbreiterung der Neuen Friedrichstraße, als auch die Turchlegung der verlängerten Ma° gazinstraße von der Dircksen- nach der Neuen Fricdrichstraße unterbleiben. Das Projekt der Turchlegung der Alexandrinen- straße von der Dresdener- nach der Annenstraße unter Benutzung der Citypassagc wurde ebenfalls eingehend beraten, aber mit Rück- ficht auf die hohen Kosten gegenüber dem in Aussicht stehenden geringen Nutzen nicht weiter verfolgt. Mit der Oberpostdircktion..„pv Berlin ist ein Vertrag zustande gekommen über die Anlage von«statt. Rohrpostleitungen, der von der Deputation angenommen wurde. Der Pekingplatz am Nordufer soll mit Parkanlagen derselictt werden. Der Entwurf für diese wurde angenommen. Gleichzeitig genehmigte die Deputation den Bebauuitgsplan für das große Gc- lände des Kommerzienrats Bär an der Berlin-Stelliner Eisenbahn zwischen der Bornholmer Straße und der Pankowcr Weichbild- grenze. Ei» gewaltiger Sturm hat in der vergangenen Nacht getobt. Gegen 2 Uhr erreichte der Orkan den Höhepunkt. Windstöße von elementarer Gewalt fegten von Zeit zu Zeit dahin. Die Schäden, die durch das Unwetter herbeigeführt tvorden sind, sind recht er- hebliche. Der Baumbestand hat schwer gelitten. Nicht allein in den Forsten der Umgebung, sondern auch in den Anlagen der Stadt gab es Windbruch. Armstarke Aeste wurden losgerissen und zu Boden geschleudert. Auch wurden an vielen Stellen ganze Bäume geknickt. In vielen Straßen wurden Fensterscheiben eingedrückt und durch die von den Dächern herabstürzenden Ziegel wurden die Passanten in recht gefährliche Situationen gebracht. Zu dein Gerücht von einem Verbrechen gab ein Leichenfund Veranlassung, der in dem Hause Hohenzollern Straße 18 gcmackst wurde. Dort wurde in ihrer Wohnung die 46 Jahre alte Wirt- schafterin Berta Böcker tot aufgefunden. Am linken Unterarm wies die Leiche eine tiefe Stichwunde auf. Anfangs glaubte man, daß die B. das Opfer eines Mordes geworden sei. Durch die Untersuchung wurde aber festgestellt, daß eS sich um einen Selbst- mord handelt. Aus der Charits entflohen ist gestern der Strafgefangene Rudolf G. G. hatte eine mehrjährige Gefängnisstrafe abzubüßen und da er während seines Aufenthalts im Gefängnis erkrankte, wurde er nach der Charits übergeführt. Von dort gelang es ihm gestem in einem unbewachte» Moment zu entfliehen. Erhebliche Verletzung erlitt bei eiltem Straßeichahnunsall bei Schlosser Albert H. Derselbe fuhr auf seinem Zweirade dit Treptower Chaussee entlang, dabei tvar er mit seiner Maschine ir eine Rille der Straßenbahnschiene geraten. In demselben Moment kam ihm ein Straßenbahnzug der Berliner Ostbahn entgegen. Der Schlosser bemühte sich vergeblich, das Rad aus der Rille zu entfernen; angesichts der drohenden Gefahr aber wurde er der- artig verwirrt, daß er nicht daran dachte, von dem Rade herunter zu springen und die Maschine herauszuheben, sondern er fuhr auf den Straßenbahnwagen los, dessen Fuhrer die Gefahrbremse in Anwendung brachte und die Fahrgeschwindigkeit herabsetzte. Dennoch konnte der Zusammenstoß nicht mehr verbindert werden. H. fuhr gegen die Vordcrplattform des Straßenbahnwagens, wobei ihm seine Nase fast abgerissen wurde. Einem Treptower Arzt gelang es, die Verletzung wieder notdürfig zu vernähen. Der JugendauSschnß für Groß-Berlin teilt mit, daß morgen Sonnabend, den 17. April, die Fortsetzung des nationalökonomischen Kursus, im Gclverkschaftshause, Transport- arbeitcr-Saal, stattfindet. Anfang pünktlich abends 8'/, Ahr. Briefe und Pakete nach Südwest. Die nächste Post für Briefe und für Pakete nach Deutsch-Südivcstaftika geht wieder von Harn- bürg am 18. April ab. Sie benutzt den an diesem Tage von dort in See gehenden Dampfer„Sivakopmund", Kapitän Pfeiffer, von der Swakopmundlinie. Der Dampfer geht über Monrovia nach Sivakopmund. Er trifft dort planmäßig am 14. Mai ein. Am 22. Mai schließt sich dort der deutsche Küstendampfer an. der am 24. Mai in Lüderitzbucht ist. Wegen befferer Verbindungen kommt aber dieser Anschluß nach dem Süden nur für Pakete in Betracht. Vrieffendungen werden mit dieser Gelegenheit ausschließlich nach Swakopmund und den von dort aus bedienten Orten befördert. Schlußzeit fiir diese ist in Hamburg Leun Postamt 1 am 18. April mittags 12 Uhr. Sie müssen überall so abgesandt werden, daß sie mit Sicherheit dann vorliegen. Einbruch in ei» BootShauS. Einbrecher drangen in bor gestrigen Nacht in das Zornowsche Bootshaus in Grünau nnd enl- fernten von sämtlichen Booten die Beschläge und Mctallteile. Llnch im Bootshause selbst drehten sie alle einigermaßen verwrndüarrn Teile ab, ließen einen der Nachen inS Wasser und schafften so ihr« etwa anderthalb Zentner schwere Beute weg. Der Kahn wurde gestern in der Gegend von Köpenick herrenlos auf dem Wasser treibend aufgefunden. Eilt Opfer der Polizeizensur wurde am 1. Osierfeieriag eine Theateraufführung, die die polnischen Genossen in einem ge- schlossenen Vergnügen im„Englischen Garten" geplant hatten. Das Vergnügen wurde von der Polizeit nur unter der Bedingung genehmigt, daß die Aufführung:„Consilium Facultatis", von Fredh verfaßt, unter allen Umstäitde» unterbleiben müsse, trotzdem das Stück in deutscher Uebersetzung eingereicht war. Unseren Genossen des Vereins P. P. S. bleibt cS ein Rätsel,»vaS an diesem Lustspiel überhaupt deutschfeindliches sein soll. Selbstverständlich lassen sie sich in ihrer sozialistischen Aufklärungsarbeit unter ihren polnischen Genossen, durch solche polizeiliche Nadelstiche nicht ab- schrecken. Der Schuß im Wortesaal, Im Bahnhofswartesaal der Slallair Grunewald hat sich vorgestern spät abends ein noch unbekannter Mann im Alter von ettva 2S Jahren erschossen. Die Kugel drang in die Schläfe und wirkte sofort tödlich. In den Kleidern fand man nur ein Taschentuch mit dem Monogramm G. P. und eine Eisenbahnfahrkartc, die in NiederschöneWeide-Johannisthal gelöst ist. Auf der Rückseite der Bahnkarte stand mit Bleistift geschrieben: „Ich habe alles getan, um nicht erkannt zu werden." Die Leiche wurde nach der Friedhofshalle in Schildhorn geschafft. Mit der Ermittelung der Personalien des Mannes ist die Berliner Krmunalpolizei beschäftigt. Wegen eines sehr gefährlichen BrandeS wurde gestern früh die Feuerwehr nach der Alten Jakobstraße 87 alarmiert. Dort brannten im Keller ein Schirmlager und im Erdgeschoß die Einrichtung einer Dekatur. Durch kräftiges Wassergeben gelang es dem 17. Zuge die Gefahr auf den Keller und das Erdgeschoß zu beschränken. Die Entstehung wird auf die FeuerungSanlage zurückgeführt. Der Schaden ist durch Versicherung voll gedeckt. „Ucber MteS und NeueS vom NtarS" spricht Direktor Dr. F. S. Archenhold im neuen VortragSsaal der Trcptow-Sternwartr am Sonntag, den 18. d. M., nachmittags uin 6 Uhr; abends 7 Uhr über:„Jupiter und seine Monde" und am Montagabend um 8 Uhr über:„Die Kometen im allgemeinen und die bevorstehende Wieder- kehr des Halleyschen Kometen". Alle drei Vorträge, zu denen die ermäßigten VereinSkarten Gültigkeit haben, sind nnt zahlreichen Licht- und Drehbildcrn ausgestattet.— Die Beobachtung mit dem großen Fernrohr ist jetzt besonders günstig, da das Mondlicht während der ganzeit Woche mcht stört. Im Sportpark Treptow finden am Sonntag, den 18. April, außer dem Stundenrennen mit Schrittmachern größere Fliegerrennen Vorort- JVachnchtcm Lichtenberg. Endlich soll hier der gesetzmäßige Zustand, daß die Siadt- Verwaltung nur über von der Stadtverordnetenversammlung be- willigte Gelder verfüge, herbeigeführt werden. Für den 16., 17. und 10. April sind Sitzungen anberaunit, in denen der Etat verabschiedet werden soll. In den Konmnsfionsberatungen hat die bürgerliche Mehrheit einzelne, recht erhebliche Gehaltszulagen für höhere Beamte bewilligt, auch sind die Bezüge der Beamten bei den Gemeinde- Werken in den letzten Jahren um zirka öv Proz. gestiegen und haben damit annähernd die Höhe der Summe der Arbeiterlöhne erzielt, für diese aber bescheidene Erhöhungen eintreten zu lassen, das wurde entschieden abgelehnt:„für die Arbeiter nicht einen Pfennig!* erklärte einer derer die im Fette sitzen. Wenn man dazu noch sich vergegenwärtigt, daß in der letzten Stadtverordnetensitzung einer der Repräsentanten der bürgerlichen Intelligenz dem Geuosien Grauer zurief: Aus Ihnen spricht der Spiritus! und dieser Herr unserer Fraktion ziemlich deutlich unterstellte, persönliche Motive be- stimmten ihr Eintreten für den Erwerb eines Grundstücks für den KrankcnhauSbau, ein anderer Herr diese Andeutung zu einer direkten Behauptung formulierte, er dann dafür stillschweigend den Vorwurf der Infamie einsteckte, dann liegen genug Umstände vor, die auf neue stürmische Verhandlungen w unserem Stadtparlament schließen lassen. Charlotteubnrg. Ein schwerer Stadtbahnunfall ereignete sich gestern vormittag gegen 10 Uhr auf der Strecke zwischen Station Eharlottenburg und Eichkamp. Die 12jährige Gertrud Zindler aus der Gubener Str. 12 wollte sich nach der Wald-Erholungsstätte vom Roten Kreuz im Grunewald begeben und fuhr in einem Stadtbahnzuge nach der Station Eichkamp. Kurz vor dem Einlaufen des Zuges in letzt- genannter Station stand die Kleine auf. begab sich nach der Ttir und sah zum Fenster hinaus. Hierbei hat sie vermutlich unvorsichtiger- weise den Türdrücker berührt; denn plötzlich sprang die Tür auf und das Mädchen stürzte aus dem schon angebremsten Zuge, wobei sie mit dem rechten Arm auf das Nebengleis zu liegen kam. In demselben Augenblick kam auf diesem ein Vorortzug der Strecke Grunewald— Erkner herangebraust, dessen Räder über den Körper der Zindler hinweggingen. Dem bedauernswerten Mädchen wurde der rechte Arm buchstäblich vom Körper abgeschnitten. Dem von der Station Eichkamp hinzugerufenen Arzt der Unfallstation Kaiser- Friedrich-Straße legte der Schwerverletzten einen Notverband an, die dann in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause in der Kirchstratze übergeführt wurde. Schöneberg. Bei der Stadtverordneten-Ersatzwahl in der zweiten Abteilung sFriedenauer Ortsteil) am Mitiwoch wurden die Liberalen: Buch- druckereibesitzer Hertmann und Bankbeamter Seine mit 130 Stimmen gewählt. Beide Kandidaten haben sich für eine ergiebige Wert- zuwachssteuer ausgesprochen. Die von den HauS- und Grund- besitzern aufgestellten Gegenkandidaten Baumann und Berg erhielten je 80 Stimmen. AtmungSüvungen in der Schule. Eine neue Einrichtung hat der hiesige Magistrat in die städtischen Mittel- und Volksschulen ein- geführt. Um den nachteiligen Folgen, die durch das lange Sitzen der Schüler und Schülerinnen während des Unterrichts hervorgerufen werden können, nach Möglichkeit vorzubeugen, sollen Atmungs- und Freiübungen allgemein eingeführt werden. Diese werden an allen Tagen im Freien stattfinden, soweit die Kinder nicht schon durch Turnübungen ausreichend körperliche Beschäftigung haben; die Atmungsübungen sollen etwa zehn Minuten dauern. Die Art der Uebung wird jeder Schule überlassen. Rixdorf. In der städtischen AuSkunftS« und Fürsorgestelle für Alkohol- kranke, Steinmetzstraße IIS, part., erteilt Herr Lehrer A. Memann an jedem Mittwoch von b— K Uhr nachmittags jedermann nnentgelt- lich Auskunft über die Alkoholfrage. Jedem, der die Folgen des Alkoholmißbrauches an sich oder seinen Angehörigen wahrgenommen hat, wird kostenfrei Rat und Beistand gewährt. Treptotv-Banmschulenweg. Die protestierenden Treptower. Bei der kürzlich erfolgten Ein« wcihung der neuen Sternwarte in Treptow hielt der Wirkliche Ge- Heime RegierungSrat Dr. Schmidt als Vertreter der Regierung eine Ansprache, in der er Treptow als.einen von der Kultur noch etwas entfernten Teil Berlins" bezeichnete. Wie aus dem ganzen Zu- sammenhange hervorging, hatte der RegierungSvertreter wohl kaum eine Verletzung des Treptower Lokalpatriotismus beabsichtigt. Ein Teil der Bürger von Treptow fühUe sich trotzdem tief gekränkt. Ver- schieden? OrtSvereine veranstalteten dieser Tage Protestkundgebungen gegen die unberechtigte Aeußerung und sprachen ihr Bedauern darüber aus, daß ein Vertreter des Kultusministeriums über eine junge, emporstrebende Gemeinde sich so äußern konnte. Bankotv. Parteigenossen! Arbeiter, Handwerker! Gemeindewähler! Am Montag, den 19. April, findet die Gemeinde- ersatzivahl im 1. Bezirk statt. Das Wahllokal ist bei Ebersbach, Berliner Straße 192(im„Kur- fürsten"). Gewählt wird in der Zeit von 11 Uhr vor- mittags bis 8 Uhr abends. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Arbeiter Johann Hirsch meier, Nendant Wilhelm Brall. Unsere Wähler wollen sich mit L e g i t i m a t i o n ver- sehen! Der Gcmcindevorstand hat Wahleinladungen an die Wähler ergehen lassen. Wer von unseren Wählern eine solche Einladung nicht erhalten hat, soll sich diese sofort im Rat- hause(Zimmer 25) persönlich abholen. Wähler Pankows! Seid am Montag, den 19. April, auf dem Posten. Die Gegner arbeiten mit Hoch- druck und hoffen uns die Mandate zu entreißen. Macht diese Hoffnung zuschanden l Am Sonntag, den 18. April, früh 3 Uhr, findet eine Kuvertverbreitung von den bekannten Zahlabendlokalcn aus statt. Hierzu wird die Hilfe aller Pankower Parteigenossen erwartet. A»S der Gemeindevertretung. Nach dem Lehrerbesoldungsgesetz werden die Gehälter der Lehrer an den höheren Schulen um zirka 13000 M. erhöht, wenn der WohnungSgeldzuschuß auf 900 M. be- stehen bleibt. Mittel hierzu sind bis setzt nicht vorhanden. Das Kuratorium für höhere Schule» und die Finanzkommission schlagen vor, daS Scknilgeld zu erböhen. Bisher wurden erhoben 120 M. für Einheimische und ILO M. für Auswärtige. Es wird nun vor- geschlagen, diese Sätze für die Vorschulklassen bestehen zu lassen, für die übrigen Klasse» auf 140 M. respektive 180 M. zu erhöhen. Werden diese erhöhten Sätze erhoben, so können die Lchrergehälter davon bestritten werden und es bleiben noch 16 000 M. für andere Zwecke übrig.— Die Freistelle für jedes dritte Kind bleibt vor wie nach bestehen, ebenso eine halbe Freistelle für jedes vierte und fünfte Kind. Gemeindevertreter S ch w i e n erhob hesligc» Protest gegen diese Erhöhung; er schlug eine Staffelung vor, wodurch die Erhöhung nicht so plötzlich eintreten würde. Der Vorschlag der Kommission wurde Verantwortlicher Redakteur: HmiS Weber, Berlin. Für den angenommen. Für das neuerrichtete Lehrerseminar sollen auf De schluß der Versammlung keine Freistellen gewährt werden. Für den dritten Friedhof in Schönholz sind vom ForstfiskuS 24 Morgen für den Preis von 300 000 M. gekauft worden. Jedes Jahr wird eine Rate von 25 000 M. davon bezahlt. Dafür werden dann alle drei Jahre sechs Morgen aufgelassen. Die dritte Rate ist nun fällig zur Auflassung. Die Gcmeindevertretlmg beschließt, diese entgegeuzu nehme». Potsdam. Die Beleuchtung der Kaiser-Wilhclmtrncke, eine schwere Sorge der Stadt, ist nun endlich soweit durchgeführt, daß dw elektrischen Lichtinstallationen in Betrieb gesetzt werden können. Potsdam hat also einen Straßenzug vom Bahnhof bis zu Char- lottenhof in elektrisches Strahlenlicht gehüllt, wodurch das Stadtbild ungemein gewonnen hat._ Soziales. Die Abnahme der Altersrentner. Zu den auffälligsten Erscheinungen der Statistik der Arbeiter- Versicherung gehört die ständige, reißend schnelle Abnahme der Emp- fängcr von Altersrente. Nach den neuesten Feststellungen gab es solche zu Beginn der Jahre 1807 1809 1001 1003 1905 1007 1900 203 955 201 329 188 472 163 550 145 466 125 603 108 637 Im Gegensah dazu nahm die Zahl der Jnvalidenrentner ständig zu. Sie stieg von 161 670 im Jahre 1897 auf 837 173 im Jahre 1009. Welches sind die Ursachen für die Abnahme der Altersrentner? Zunächst die Vorschriften über die Wartezeit, die für die Rentenanwärter immer unerfüllbarer Werden. Nach§§ 29 und 190 des Jnvalidenversicherungsgesetzcs dauert die Wartezeit für die Altersrente 1200 Wochen. Den Versicherten, die bei Eintreten der Versicherungspflicht für ihren Beruf das 40. Lebensjahr vollendet hatten, werden für jedes Jahr, um das ihr Alter damals das 40. Jahr überstieg, 40 Bcitragswochen angerechnet. Ein Renten- bewcrber muß also für jedes Jahr, seit er versicherungspflichtig ist, die Zahlung von 40 Wochcnbeiträgen durch Beibringung der geklebten Marken nachweisen. Die Anwärter zum Beispiel, die 1900 ihr 70. Lebensjahr vollenden, haben, wenn sie als Arbeiter, Dienstboten, Handlungsgehilfen, Betriebsbeamte beschäftigt waren, 721 bis 760 Beitragswochen nachzuweisen. Waren sie Hausge- werbe treiben de in der Ta ba k industrie(Versicherungs- Pflicht seit Januar 1802), so müssen es 631 bis 720, und wenn sie es in der T e x t i l industrie(Juli 1804) waren, 575 bis 614 Bei- tragswochen sein usw. Je länger das Gesetz in Kraft steht, desto größer wiro die Zahl der beizubringenden Beitragsmarken und oamit um so größer die Zahl derjenigen, die diese Wartezeit nicht nachweisen können. Dazu konimt das Erlöschen der einmal erworbenen An- wartschast. Viele Versicherte unterbrechen infolge langer Ar- beitslosigkeit, Selbständigkeit, nicht versicherungspflichtiger Be- schäftigung die Versicherung für längere Zeit. Nicht nur, daß solche Lücken nur äußerst selten wieder ausgefüllt werden, haben wir noch die unglückselige Bestimmung des§ 46, wonach die Anwartschaft erlischt, wenn während zweier Jahre nach Ausstellung der Quit- tnngskarte nicht mindestens 20(bei Sekbstversicherung gar 40) Wochenbeiträge nachgewiesen werden. Hat ein Versicherter auf diese Weise seine Anwartschaft eingebüßt, so kann er so gut wie niemals wieder die 200 Beitragswochen, die für DaS Wiederaufleben der Anwartschaft erforderlich sind, nachweisen, geht also seiner Rechte dauernd verloren. Danach beurteile man die Reklame, die bei In- krafttreten des Gesetzes in den höchsten Tönen gemacht wurde, als von„Ruhegehältern für die Veteranen der Arbeit" und dergleichen gefaselt wurde. Tatsächlich sinkt die Altersversicherung immer mehr zur Bedeutungslosigkeit herab. Die Vorlage der Reichsver- sicherungs.ordnung läßt in ihren§Z 1343— 46 auch diesen Unfug unangetastet. Wenn mit vollem Recht gefordert wird, daß den AersicherungSunternehmungen verboten wird, in ihrer„Volks- Versicherung" usw. eine Masse erhobener Beiträge vermittelst der Verfallklausel für den Fall des NichtweiterzaHlenS der Prämien ohne Gegenleistung zu„verdienen", so ist es noch viel mehr die Pflicht cineS öffentlichen Gemeinwesens, zumal eines„Staates der Sozialreform", derartige kleinliche und gehässige Räubereien zu unterlassen. Bei der Beratung der Vorlage gilt es, dafiir zu sorgen, daß den alten und invaliden Arbeitern, denen von höchster, freilich nicht höchst sachkundiger Seite von der„gesicherten Existenz bis ins hohe Alter" erzählt worden ist, wenigstens nicht die einmal sauer erworbenen Ansprüche wieder entzogen werden. Möge man beim Eintreten des Rentenbewilligungssalles die ausgebliebenen Beiträge in Anrechnung bringen oder eine entsprechend verminderte Rente gewähren: die Vernichtung einer Anwartschaft muß fallen! Bekanntlich� ist die Zahl der AlterSrentner auf dem Lande viel höher als in den Städten. 1907 bewilligte die VcrsicherungS- anstalt Berlin nur 207, dagegen Pommern mit rund der Hälfte Versicherter 379 Altersrenten. Bon versicherungspflichtigen Personen waren älter als 70 Jahre: in der Landwirtschaft 27,3, Industrie 7,3, Handel und Verkehr 5,2, den übrigen Berufen 12.5 Personen. Eine Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre würde die Zahl der„Rentner" etwa verdoppeln. Auch davon entfiele der größte Teil auf die Landwirtschast: zum Vorteil der Arbeitgeber, die bei Bemessung der Löhne der alten Leute die Rente in Berechnung ziehen und so ihre Notlage ein wenig aufbessern. Für die Jndustricarbeiterschast wäre daS Er- gebnäS in der Hauptsache eine starke Mehrbelastung, die zu solchem Zwecke zu übernehmen sie gewiß kein Interesse hat. Dienstverträge und-Wohnungen der Privatgärtner. Den Privat- oder Herrschaftsgärtncrn werden oft selbst in nächster Näh« der Reichshauptstadt, Arbeitsbedingungen zugemutet. die den Gärtner selbst, wie auch seine Frau, gleichsam zu HauS- sklaven der Herrschaft machen. Die„Allgemeine Deutsche Gärtner- zeitung" gab jüngst Auskunft über die Zustände in einer Villen- gärtnern zu Lichtenberg, Dorfstraße 101/102. Die Villa gehört einer Dame, einer Millionärin. Der Gärtner soll sich dort mit einer armseligen Kellerwohnung begnügen und mit 75 M. Mo- natSgehalt, wofür nicht nur seine, sondern auch seiner Frau Ar- beitskrast der Dame zur Verfügung steht. Sodann veröffentlicht das Blatt den Dienstvertrag einer Privatgärtnerstellung in Fric- drichshagen. Der Arbeitgeber ist ein Fabrikant H. I. Beck, der dort ein Landhaus mit großem Garten besitzt. Der HauSgärtner und feine Ehefrau haben auch die Stelle als Hauswart sowohl in dem Landhaus wie in den Wirtschaftsgebäuden zu besorgen. Unter den Obliegenheiten, die zu erfüllen sind, werden unter anderem be- sondcrS genannt: tägliche Reinigung der Hausflure, Treppen, Treppenzugänge und Wege, sowie getreuliche Ueberwachung des gesamten Grundstückskomplexes; Besorgung und Ueberlvachung der Zentralheizung sowie deS dazu gehörenden Motors nebst Wasser- bassin; Klopfen von Läufern und Teppichen auch der Herrschaft- liehen Wohnung und schließlich:„die Verrichtung aller sonstigen vorkommenden Arbeiten an Haus und Hof, für die ich Sie neben Ihren sonstigen Obliegenheiten für verfügbar erachte und die ich Ihnen übertrage; gegebenenfalls auch die'Hilfeleistung in meiner zu dem Grundstück gehörigen Lacksicderei, jedoch ohne bestimmte Verwendung in dieser."— Der Gärtner und seine Ehefrau sollen also dem Herrn so nebenbei nicht nur einen Hauswart, sondern auch noch eine» Dienstknecht, eine Dienstmagd sowie Aufwartefrau und gelegentlich obendrein einen Fabrikarbester ersetzen. Die ver- schiedenen Verpflichtungen sind in ungefähr einem Dutzend Ab« schnstten aufgeführt. Die Gegenleistung des Arbeitgebers erschöpft sich in 60 M. Monatslobn und freier Wohnung, die mit Beendigung der Stellung sofort geräumt werden muß. Wollte man sich der Hoffnung hingeben, daß der Mann seine Arbeit in täglich 11 Stun- den erledigt, so würde er für die Stunde nicht einmal die Hälfte des an sich ja auch noch allzu geringen Lohnes der Berliner Land- schaftSgärtnereigehilftn erhalten, abgesehen davon, daß die volle Arbeitskraft der Frau dem Arbeitgeber gänzlich unentgeltlich zur Verfügung steht. Inseratenteil vercmtw.: Th. Berlin. Druck».VerklsiVorwAr!! 1 Die göüaniise Zeituüg bringt ferner die Beschreibung einer Gärtnerwohnung in der Villa des mehrfackien Millionärs und Kauf- manns E. Burchard zu Charlottenburg. Die„Wohnung" liegt im Kellergeschoß und besteht aus Stube und Küche. Die Stube ist so klein, daß neben den anderen unentbehrlichen Möbeln ein Tisch nur init knapper Not unterzubringen war, für Stühle überhaupt kein Platz übrig blieb, so daß. ivenn einmal ein paar Leute zu Besuch kommen, sie die Bettstellen als Sitzplatz benutzen müssen. Ter Gärtner haust hier mit seiner Frau und zwei Kindern. Tie Woh- nung ist feucht und muffig. Die gewölbte Decke über der Stube ist schon lange undicht, so daß, ivenn in dem darüber gelegenen Wintergarten gegossen wird, das Wasser in die Stube tropft. Wie- derholtes Ersuchen um Beseitigung der ärgsten Mißstände, oder um Anweisung einer anderen Wohnung, waren vergeblich. An ver- fügbaren Räumen für eine anständige Gärtnerwohnung fehlt es keineswegs, denn die ganze Villa ist im übrigen schon seit zwei Jahren unbewohnt._ Gilt tägliche Kündigung? Diese Frage unterlag der Beurteilung der 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. Der Kläger Z. hatte sich um eine Korrespondentenstelle bei der Luxuspapierfabrik von W. u. Co. be- warben, und um diese zu einem möglichst schnellen Abschluß des Engagements zu ermuntern, erbot sich Z. zu einer Probeanstellung mit täglicher Kündigung. Diesen Vorschlag nahm die Firma an. Nach wenigen Tagen wurde der Korrespondent entlassen, obwohl der Chef seine Zufriedenheit mit Führung und Leistung ausdrückte. Als einzigen Entlassungsgrund gab er in der Verhandlung an, daß der frühere Korrespondent, dem er Wicdereinstellung versprochen hatte, zurückgekommen sei. Der Chef berief sich darauf, daß Kläger nicht nur mit der täglichen Kündigung einverstanden war, sondern sie sogar selbst angeboten hatte. Der Kläger wendet dagegen ein, er habe erst nachträglich Kenntnis davon erlangt, daß eintägige Kün- digung ungültig sei. Das Kaufmannsgericht beschloß, dem Kläger den Eid darüber zuzuschieben, daß er in der Tat die gesetzliche Un- gültigkeit seines Anerbietens nicht kannte. Schwört er, so sei die Entlassung rechtsungültig und es greife die vierwöchige Kündi- gungsfrist Platz. Beim Probeengogement sei eintägige Kündi- gungsfrist ungültig, und eine derartige Gesetzesbestimmung könne nicht durch schriftliche oder mündliche Vereinbarung außer Kraft gesebt werden.— Da Kläger den Eid zu leisten bereit ist, so zahlt die Beklagte, um der Verurteilung zu entgehen, vorher das restierende Gehalt und willigt in die Wiedereinstcllung des Klägers bis 1. Mai._ Vermilebtes. Die Genickstarre im bayrischen Heere. In dem in Neu-Ulm garnisonierten 12. bayrischen Infanterieregiment ist die Genickstarre ausgebrochen, es ist auch bereits am 13. März ein Soldat an dieser Krankheit gestorben. DaS offizielle Eingeständnis, daß diese Krank- heit im Regiment grassiert, datiert erst seit Ostermontag. Wie be- richtet wird, soll der Beginn des Krankheitsverdachtes schon sechs Wochen zurückliegen. Weshalb diese Geheimniskrämerei der Militärverwaltung, die doch die Pflicht hätte, bei solchen ernsten Anlässen sofort die volle Wahrheit der Oeffentlichkeit zu unterbreiten?— Der Tod des EutfesselungSkünstlcrS. Nach einer Meldung aus Landshut sprang vorgestern mittag der bei dem Bariötölheater Bavaria angestellte EntfesselungSkünstlcr Riccardo Tip gefesselt von der Luitpoldbrücke in die Isar, konnte sich aber seiner Fesseln nicht entledigen und ertrank. Der Naturmensch„gustav nagel" hat sich während der Oster- feiertage mit einer BürgerStochter in Colditz� verlobt. Der glück- liche Bräutigam zeigt seine Berlobung wie folgt an:„als ferlobte emfelen sich in jesu namen: frida günter, gustav nagel, Wanderprediger"._ Ein braver Zentrumschrist. Bon einem in seinen schwarzen Gefühlen verletzten Zentrums- mann ging der.NH.-2B. Ztg." eine Postkarte folgenden Inhalts zu: Osterndinstag 1009. Meine Herren vom Besitz. Nach der Zeitung Tremonia hirselbst haben Sie sich die Frechheit erlaubt, wie in der 70ziger Jahren die Ultramontanen aus Deutschland auszuweißen. Solch ein Gesindel von Bildung und Besitz gebührt Zwangsarbeit m Afrika. Wilh. Kümmel, Dortmund. Di«»Schwarzen'»ausweißen", wäre eine verdienstliche Tat, besonders wenn es sich um Kaliber& la Kümmel handelt. Ein gesetzliches Verbot de? TrinkgeldirwcsenS. Ein soeben er- lasseneS neues Strafgesetz des Staates Washington verbietet da; Fordern und Anbieten, Empfangen und Geben von Trinkgelder,» in den Hotels und Cafös. Alle Angestellren der letzteren, sowie die in ihnen verkehrenden Gäste machen sich fortan eines straftechtlich zu ahndenden Vergehens schuldig, wenn sie gegen diese Bestimmung verstoßen. Amtlicher Marktbericht der städtischen MaAtdalle». Direktion über den Großhandel in den Zcnttal-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr stark. Geichäst schleppend, Preise für Hammel- und Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusubr sehr knapp, Geschäst sehr rege, Preis« sehr gut. Geflügel: Zusuhr sehr knapp, Geschäft lebhait, Preise hoch. Fische: Zusuhr genügend, Geschäst etwas lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise nachgebend. Gemüse, Obft und Südfrüchte: Zusuhr genügend. Geschäst s«h> still, Preise gedrückt.__ WktterunqSüberNckit vom 15. April 1909. morgens 8 llyr. Stationen Hamburg 9er In, Frantf.aM Vünchen Rieo Wetterprognose für Freitag, den IS. April 1900. NachtS sehr kühl, am Tage etwa« wärmer, vielfach heiler, aber noch veränderlich mit geringeren Niederschlägen und abnehmenden nordwestliche» Winden. Berliner Wetterbureau. BSasterstandS.Aad) richte« der LandeSaiistalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt von» Berliner Wetterburea»». Walserstcmb Memel. Tilsit Vregel. Jnfterbarg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor » Kroflen , grankturt Wa r t h e, Zchrimm . LandSberg Netze. Vordanm» Elbe, Leitmeritz . Dresden Barüv , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Spremberg') . BeeSkow Weier, Münden , Minden Rhein, Maxin, ilianSau » Kaub » Köln Neckar, Heilbrcmn Main, Weriheim Mosel, Trier am 14. 4. om 162 132 130 94 190 —14 49 410 168 176 135 162 99 teil 13. 4. cra'1 +10 +5 0 0 —4 +8 +3 +26 +6 +9 +69 •+2 +19 t)+ bedeutet Buch«,— Fall.—*) llnierpegel.—_ Buchdrinkere! u. BcrkagSanstakt Paul Singer& Co., Berlin SW,