Nr. 89. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich)- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolone zeile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( feitgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Mort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin' Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1983. worten. Die türkische Wirrnis. Sonnabend, den 17. April 1909. finden. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. verhieß Konflikte mit dem Auslande, dessen Unterstützung oder Gerüchten zufolge sollen sich die Batterien der Dare wohlwollende Neutralität man nötig brauchte. So ist es danellen in den Händen der Jungtürken be offenbar nicht gelungen, diverse große ausländische Erwerbsgesellschaften, die sich unter dem alten Regime durch schamlose Bestechungen das Recht auf gehörige Steuerhinterziehungen erkauft hatten, nachträglich zur Erstattung des zu Unrecht dem Staatsschah Entzogenen zu zwingen. Wie die Blätter melden, hat die Regierung über Adana ( Kleinasien) den Belagerungszustand verhängt. Rate der Ulemas zu handeln. würden, a Is Konstantinopel, 16. April. Das Amtsblatt stellt in Abrede, gespendet. Truppentransporte aus Saloniki sind auf dem Wege nach Konstantinopel, 15. April. Nachmittags entstand in Galata Konstantinopel. Die Jungtürken geben den Kampf um die eine neue Panik. Soldaten begegneten dem Kapitän des Macht noch nicht auf. Ganz Mazedonien steht zu ihnen, die Zu diesen Schwierigkeiten kommen nun jene, die aus den Kreuzers Assar- i- Tewfik, umringten und mißhandelten ihn und Truppen des zweiten und dritten Korps( die fast die Hälfte nationalen, religiösen und kulturellen Unterschieden in der führten ihn schließlich in einem Wagen vor das Yildizpalais. In der ganzen Armee ausmachen, da sie statt der zwei Divisionen, Bevölkerung entspringen. Türken, Albanesen, Griechen, unmittelbarer Nähe der Hamidie- Moschee wurde der Kapitän an aus denen das Korps normalerweise bestehen soll, drei und Armenier, Kurden, Araber wohnen im Rahmen dieses Staates einen Baum gebunden und mit Bajonetten durchbohrt. vier haben) sind ihnen treu, die Bevölkerung ist für ihre Sache zusammen. Ihre wirtschaftliche Position, ihre kulturelle Ent- Der Sultan, von den Soldaten stürmisch gerufen, sah weinend entflammt, Tausende von Freiwilligen- auch aus den christ- wickelung, ihre Anschauungen sind mannigfach verschieden. vom Balkon des Palastes aus dem ganzen Vorgange zu. Das lichen Voltsteilen lassen sich zum Marsch nach der Haupt- Von einer Volksmasse mit in der Hauptsache gleichgearteten Motiv des Mordes ist angeblich, daß der Kapitän Befehl gegeben stadt, zum Kampfe gegen die Reaktion anwerben. Ziehen die Interessen ist keine Rede. Eine Maßregel, die einem Be- hatte, die Kanonen des Kreuzers gegen den Yildiz führerlosen Truppen der Gegenrevolution nicht vor, sich zu völkerungsteil nutzt, schadet dem anderen. Was dem städte- sowie die Pforte zu richten. unterwerfen, so ist der Bürgerkrieg nur noch eine Frage bewohnenden Griechen höchst vernünftig und erfreulich erKonstantinopel, 16. April. Der Kriegsminister hat von Tagen oder gar Stunden. scheint, ist dem noch halbbarbarischen Bewohner der albani- gestern zahlreiche Unteroffiziere und Soldaten verschiedener RegiAlso melden die Telegramme aus Saloniti. Ob sie die schen Berge höchst widersinnig und verhaßt. Einer der hervor- menter versammelt und ihnen empfohlen, keinen Unterschied Tatsachen getreu und ungefärbt wiedergeben? Ob die Truppen stechendsten und überraschendsten Erfolge der Revolution war zwischen den aus den Mannschaften und den aus den Schulen wirklich zuverlässig bleiben werden, wenn es zum Bürger- die schnelle Befriedung Mazedoniens, das Erlöschen der hervorgegangenen Offizieren zu machen. Er hat sie zur Einhaltung friege, zum Stampfe gegen Volts- und Glaubensgenossen Bandenkämpfe. Erklärlich wird es aus dem Umstande, daß der Disziplin aufgefordert und versprochen, daß alle Offitommt? Nur die Tat kann darüber Gewißheit geben. Noch der Feind der Jungtürken auch der Feind der christlichen Biere mit schlechter Führung entlassen würden. Die Konstantinopel, 16. April. läßt sich die Frage, ob die Jungtürken Aussicht haben, die Nationalitäten war. So konnte in den Flitterwochen der Vereinigung der verloren gegangene Macht wieder zu erringen, nicht beant Revolution das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller ent- Iemas hat an die Kammer und an die Nation eine Proklastehen, die die Mißstände des alten forrupten Regiments mation erlassen, welche befagt: Angesichts der Furcht einiger Auf jeden Fall hat der 13.. April allen Augen enthüllt, abwerfen wollten, im Rausch des Erfolges die Verbrüderung Deputierten für ihr Leben und angesichts ihrer Demissionsabsicht auf welch schwachem, unsicherem Fundament ihre Herrschaft der Muselmanen und Christen sich vollziehen. Nicht lange, sowie der Furcht der Bevölkerung vor einer Rückkehr des Absolutisaufgebaut ist. Und an der Unsicherheit ihrer Stellung würde und es stellte sich heraus, daß man für verschiedene Ziele mus wird erklärt, daß das Verfassungsregime nicht auch ein zweiter Sieg, eine Wiederholung des großen Er- gekämpft hatte, daß die Jungtürken nicht daran dachten, den gegen das Scheriageses berstößt. Die Ulema- Vereini folges der Erhebung von Saloniti im Vorjahre nichts ändern Bulgaren, Serben und Griechen völlig freie Bahn für ihre gung hat nicht vergessen, daß unter dem Absolutis. fönnen. Die Umbildung der Türkei zu einem modernen Staat nationale Entwickelung zu geben, wie sie forderten, daß die mus die islamitischen Bücher verbrannt wurden. ist eine Riesenaufgabe; die Schwierigkeiten, die sich im otto- neuen türkischen Herren im Gegenteil den Nationalitäten am Sie will daher vereint mit der Kammer, welche das Scheriagesetz manischen Reiche der Partei der Revolution entgegenstellen, liebsten auch noch die Schulen genommen hätten, die sie schon beobachtet, die Verfassung bewachen und erklärt, daß die Ulemas und die Nation zu den mohammedanischen und den sind gewaltig an Zahl und Gewicht. Mögen die Machtmittel unter dem Absolutismus erhalten hatten. des Staates, besser der herrschenden Klassen, mit denen eine Gleichzeitig aber stießen die Jungtürken nun auf die christlichen Deputierten außer den Geflüchteten, welche Revolution zu rechnen hat, in Westeuropa um vieles stärker Hindernisse, die die religiöse Gebundenheit der Muselmanen des Mandats berlustig erklärt werden, volles und zahlreicher sein als in der bankrotten Türkei mit für das Reformwerk bedeutet. Der Europäer kann sich von Vertrauen haben. Sie werden jedoch diejenigen Dea. ihrer forrupten Bureaukratie, unvergleichlich gefähr der Macht der religiösen Gefühle im Orient einen unvoll- putierten, welche fünftig flüchten lichere Hindernisse erwachsen der andesverräter betrachten. Die Ulemas bitten die glortürkischen Revolution fommenen Begriff machen, wenn er sich die Gewalt vergegen- reichen Truppen, Ruhe und Gehorsam zu beobachten, und nach dem in dem tiefen Stande ihrer wirtschaftlichen Entwärtigt, die die katholische Kirche auf die Gemüter ihrer wickelung und der damit verbundenen Rückständigkeit der Gläubigen ausübt. Wenn die religiöse Ideologie im Westen Bevölkerung des Landes, wozu noch die nationale und noch so stark ist, daß sie große Arbeitermassen über ihre bak Truppen anderer Korpsbereiche herberufen worden seien. religiöse Zerrissenheit kommt, die zum Teil von nicht un- Klassenlage hinwegtäuscht und im Gefolge einer Partei er- daß Truppen anderer Korpsbereiche herberufen worden seien. bedeutenden Unterschieden des Kulturgrades begleitet wird. hält, die ihre Interessen ständig verrät, um wie viel ge- Der Sultan hat für die geistlichen Seminarschulen 10 000 Pfund Der 13. April hat offenbart, was schon vorher aus waltiger müssen ihre Wirkungen dann in dem kulturell tiefer mancherlei Anzeichen zu schließen war- daß die siegreiche stehenden Orient sein, wo diese Wirkungen noch vielfach ge- ist in dem belebtesten Stadtteile von Pera eine neue Panik Konstantinopel, 16. April.( 3,45 Uhr nachmittags.) Soeben jungtürkische Revolution die Revolution einer steigert werden durch den Umstand, daß die ReligionsMinderheit war. Einer kleinen Minderheit. entstanden. Eine Gruppe umherziehender MarineEiner fleinen Minderheit. Sie siegte, unterschiede zugleich Klassen- und Nationalitätenunterschiede soldaten, die den Passanten Wertsachen entriffen, weil alles in dem unglücklichen Lande von den wenigen sind und daß die Bekenner des Islam die herrschende Natio- wurde von einem Trupp Salonikier Jäger verfolgt. Da die Nuznießern des Abdul Hamidschen Blut- und Spionage- nalität bilden. So manche überlebte und schädlich gewordene Marinesoldaten die Flucht ergriffen, gaben die Jäger regiments abgesehen- nach Aenderung, nach Besserung Einrichtung, die dem Reformwerk zum Opfer fallen müßte, Feuer und töteten dadurch einen unbeteiligten dürstete. Daß es gegen die stehlenden, bedrückenden Baschas ist infolge der innigen Verbindung des materiellen und ging, das genügte, um der Revolution die Sympathie aller religiösen Lebens mit dem Heiligenschein einer durch die zu erwerben. Die Beamten und Soldaten, die ihren Sold Religion gebotenen Institution umgeben das Scheriageset nicht erhielten und denen eine ehrliche Regierung versprochen ist ein Beispiel davon. So kann es den Reaktionären nie wurde, die pünktlich zahlen werde, die Handwerker und schwer fallen, die Revolution des Frevels am Heiligen zu beBauern, denen das Ende der Bureaukratenwillkür verheißen zichtigen. wurde, sie alle begeisterten sich für die nebelhafte Verfassung Das sind die außerhalb des Jungtürkentums liegenden und die noch nebelhafteren Reformen. Daß es nur besser Schwierigkeiten ihrer Aufgabe; vermehrt werden sie durch Konstantinopel, 16. April. Trotz der relativen Ruhe herrscht werden könne, wenn die Schar der großen Diebe aus der die in ihm selbst liegenden. Die Jungtürken bilden die dünne über die fünftige Entwidelung der Dinge die größtmögliche Hohen Pforte verschwinde, das erkannten sie wohl. Aber was Schicht der Intelligenz des Landes. Den sogenannten ungewißheit. Die gesamte hiesige Garnison verbleibt vor. geschehen müsse, um die Wiederkehr der Gauner oder ihre unteren Klassen der Bevölkerung sind sie durch ihre euro- läufig ohne Offiziere. Diese halten sich verborgen Ablösung durch Gesellen gleichen Wertes zu verhindern, dar päische Bildung entfremdet- am nächsten stehen sie den Be- und scheuen jede Verbindung mit der Truppe. Nur die direkt aus über hatten die meisten wohl nur sehr verschwommene Vor- fizenden. Da die Klassengegensäte noch nicht scharf aus dem Mannschaftsstande hervorgegangenen Offiziere sind bei ihren stellungen, wenn sie mit Nachdenken darüber überhaupt ihr geprägt sind, werden die Jungtürken sich als die Vertreter Cadres verblieben. Auf den Geist der Armee wirkt dies Verhalten Gehirn beschwerten. der gesamten Bevölkerung fühlen und, wie es die Bour- nicht gerade günstig. Man hat das Gefühl, die Epoche der JanitDie Aufgabe der Jungtürken war es, diese unklaren geoisie Westeuropas in ihren Kämpfen getan hat, ihre Inter- scharen, welche den Sultanen ihren Willen aufzuzwingen verMassen an die Revolution zu fesseln, indem sie ihre Inter- effen für die Interessen der Gesamtheit nehmen und mit der standen, habe eine Regeneration erlebt. Auch die gestrigen Demonessen mit dem Werk der Revolution verknüpften. Indem sie Erfüllung ihrer Forderungen alle berechtigten Forderungen ftrationen der Marinesoldaten, welche die Absetzung des neuen nicht durch Worte allein, sondern auch durch Taten die Be- erfüllt glauben. Darauf deutet schon ihr Programm hin, Marineministers ausriesen, bestärkt diese Ansicht. Eine Persönvölkerung über den Wert der neuen Ordnung aufklärten. Sie das außer staatsrechtlichen Forderungen eigentlich nichts von lichkeit, welche die Auffassung und die Absichten des haben es nicht vermocht. Belang enthält. Auch dieser Umstand hinderte die Ver- Sultans wiederzugeben in der Lage ist, äußerte: Die dem Objektive und subjektive Hindernisse standen ihnen dabei schmelzung der revolutionären Minorität mit der Masse der Sultan im Juli aufoftroierte Verfassung ist durch im Wege. Die Verhältnisse in diesem Staate sind dermaßen Bevölkerung. das borgestrige kaiserliche Ferman vom Sultan aus freien verfahren und verworren, daß eine glatte Auflösung des So war die Revolution der Jungtürken nicht bloß zu Stüden bestätigt worden. Die Verfassung wird. Knäuels schier unmöglich ist. Jede Reformmaßregel mußte Anfang die Revolution einer Schar von Verschworenen, so Sultan durchaus respektiert, aber möglicherweise in Unzufriedene schaffen, da an jedem lang eingefressenen Miß- blieb es auch ihr Regiment. Bis in die legten Tage hinein stritterem Sinne interpretiert werden. Auf die Frage nach einer brauch eine ganze klientel hing. Schon in den ersten Wochen haben die Jungtürken durch geheime Komitees und durch Erläuterung dieses Wortes erwiderte der Gewährsmann, die der jungen Revolution fingen die Demonstrationen der ent- allerlei Mittel der Geheimpropaganda geherrscht. Das ist Kammer folle einen mehr repräsentativen als varlamentarischen Lassenen Beamten und Offiziere an, die bei rationeller die-historisch bedingte Schwäche ihrer Stellung. Regelung der Verwaltung überflüssig wurden. Kultur- Ein nochmaliger Sieg der Jungtürken ändert an alledem Die Stimmung in Mazedonien. ausgaben drängten und die Mittel fehlten; das Vorgehen nichts, und deshalb bleibt auch in dem Falle, daß demnächst Saloniki, 16. April.( Meldung des Wiener f. f. Tel. Norr.Desterreichs und Bulgariens und Bulgariens zwang die Regierung zu die Truppen Mazedoniens die Meuterer von Konstantinopel Bureau.) Aus allen großen Provinzstädten wird gemeldet, daß militärischen Rüstungen. An eine Herabsetzung der drückenden zu Paaren treiben, das Schicksal der jungtürkischen Reform- man das neue Kabinett nicht anerkennt und bereit sei, die stärksten Steuern war so nicht zu denken. Selbst wenn die Jungtürken arbeit höchst unsicher und ungewiß. Maßregeln zu ergreifen und sich dem Marsch nach Konstantinopel daran gedacht hätten, das Los der ausgefogenen Bauern zu anzuschließen. Oberalbanien ftellt 20 000 Mann zur Verfügung(?). erleichtern ob sie es taten, ist sehr zweifelhaft- so würden Niazim Bey ist von Monastier bereits mit einem Bataillon hier Die wichtigsten Meldungen vom Tage sind die folgenden: eingetroffen. Der Zentralfit des Komitees für Einheit und Fortsie es nicht gekonnt haben, da sie kaum wußten, woher die Mittel zur Zahlung der Beamtengehälter und des Soldaten- Konstantinopel, 15. April. Wie verlautet, hat der Sultan fchritt wurde wieder nach Saloniki verlegt. Die Anwerbung von solds nehmen. Neue Steuerquellen aber ließen sich nicht leicht dem liberalen Abgeordneten Jsmail Kemal gegenüber erklärt, was Freiwilligen und deren Bewaffnung wird eifrigst fortgesetzt. erschließen. Die Inhaber der tragfähigen Schultern mußten auch kommen möge, er werde an der Verfassung fest= Pera, 16. April. Ein Militärzug mit 17 Wagen Solden Jungtürken als die wertvollsten Stützen ihrer Macht halten, da er in der Verfassung die einzige Hoffnung für daten, einem Wagen Offiziere und acht Wagen mit Pferden ist erscheinen, da sie ihnen sozial viel näher standen als die das Wohl des Reichs erblicke. Der bisherige Militärattachee in gestern abend um 10% Uhr von Saloniti abgegangen. Ein Masse der Bauern und Proletarier. Zudem ist das steuer- Berlin, Enwer Bey, soll an der Grenze der Grenze ber- weiter Militärzug, von Monastir tommend, ging fräftige Stapital zum größten Teil in der Hand von Aus- haftet werden. Im Laufe des gestrigen Tages sind in den heute früh 6 Uhr von Saloniti ab. Dieser führt 15 Wagen Sol ländern, und ihre schärfere Heranziehung zu den Staatslasten Straßen drei Offiziere erschossen worden. daten, zwei Wagen Offiziere, zwei Wagen Pferde und zwei Wagen Bassanten. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß troß der Feuer und töteten dadurch einen unbeteiligten Passanten. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß trok der gegenteiligen Versicherung des Kriegsministers die Vorgesetzten den Truppen gegenüber immer noch machtlos sind. Die Be völkerung ist von neuem erregt. Entgegen anderen Melbungen verlautet aus bester Quelle, daß in der Tat mehrere Truppentransporte aus der Provinz nach Kon= stantinopel unterwegs sind. Charakter annehmen. bom Effekten. Die borläufige Bestimmung beider Züge sind die Festungswerke Tschataldscha, wo der erste Zug morgen früh, der zweite Sonntag früh eintreffen wird. Wer dies Militär hierher beordert hat, weiß kein Mensch. Die Annahme, daß es vom Kriegsminister herangezogen wird, um es mit den Meuterern vom Dienstag zu vertauschen, ist unrichtig..-(„Tag".) Konstantinopel, IS. April. Depeschen aus Saloniki und M o n a st i r bestätigen, daß die dortigen Garnisonen über die Vorgänge in der Hauptstadt empört und entschlossen sind,� die Fahne des Komitees hochzuhalten.(„Franks. Ztg.") Sofia» 16. April. Man glaubt, daß die Truppen von Saloniki versuchen werden, gegen die Aufständi-- gen vorzudringen. Infolgedessen ist es möglich, daß die bulgarische Regierung militärische Maßregeln ergreift. Saloniki, 16. April. Man befürchtet infolge englischer Unter- stützung einAuflebenderbulgarischenBandentätig- keit. Einzelne bulgarische Banden tauchen bereits hier auf. Die Stimmung ist unverändert. Alle Provinz- garnisonen sind bereit, sich dem Marsche auf die Haupt st adtanzuschließen. Es herrscht große Begeisterung. Das ganze Land protestiert gegen das neue Kabinett. Die Lage iu Kleinasien. � Konstantinopel, 16. April. Die Zahl der in Ad au a ge- töteten Armenier beläuft sich auf 60. Ein Deutscher und der Dragoman der englischen Gesandschaft sind verwundet worden. Saloniki. 16. April. Die jungtürkischen Komitees in S i v a s, Trapezunt, Brussa und S m y r n a drahteten dem hiesigen Zentralkomitee, daß sie den A b m a r s ch v o n T r u p p e n, welcher im Jildis verlangt werde, mit äußer st en Mitteln ver. hindern würden. Bei Ankunft des Konstantinopler Zuges wurden gestern zahlreiche Verdächtige auf dem Bahnhof ver- haftet.''(«Tag.") Konstantinossel, 16. April. Im Laufe des morgigen Tages werden ans Saloniki zwei Eisenbahnzüge mit zusammen 1666 Mann Militär hier eintreffen. Die Truppen werden in der Umgebung der Hauptstadt Stellung, nehmen und mit der Garnison von Kon- stantinopel verhandeln. Gegebenenfalls wird die Hauptstadt an- gegriffen werden. Man vermutet, daß die Truppen unter Füh- rung von Envex Bey stehen. Auch aus Serres werden Truppen erwartet. Zenlnirnstaktil?. In geschickter, skrupelloser Demagogie ist das Zentrum allen seinen Gegnern über. Das beweist wiederum der neueste Wechsel seiner Kampfestaktik gegenüber dem Block und dem jetzigen Stand der Reichsfinanzreform-Kompromisselei. Als die Regierung dem Reichstag ihren Nachlaßsteuerentwurf vorlegte und die Agrar- konservativen gegen diese alsbald eine wütende Kanonade er- öffneten, da erklärten sich auch die Häupter der Partei für„Wahr- heit, Freiheit und Recht" energisch gegen die den Bauer in den Ruin treibende und das germanisch-christliche Familienleben ver- nichtende Nachlaßsteuer, denn vielleicht bot sich auf diese Weise die günstige Gelegenheit, den Block zu sprengen und wieder die Kon- servativen zu einer Koalition.mit dem Zentrum zu bewegen. Der Plan schien auch zu glücken. Herr Herold als Vertreter des Zentrums in der Finanzkommission operierte recht geschickt und schon war die klerikal-konservative Steuerkompromisselei halb fertig, als der um seine Stellung bangende, die Rache der Zentrums- grötzen fürchtende Kanzler dazwischen fuhr und erklärte, die Reichs- finanzreform nur mit dem Block machen zu wollen. Aus seinen schönen Hoffnungen gerissen, eröffnete das Zentrum zunächst durch seine Presse ein scharfes Gefecht gegen den Kanzler, dann aber wechselte es, da es einsah, auf diesem Wiege nicht zum Ziele zu gelangen, seine Stellungnahme zur Nachlaßsteuer— besonders als es fand, daß diese in den Kreisen der kleineren und mittleren Beamten sowie im gewerblichen Mittelstand auf manche Sympathien stieß. Es erklärte jetzt, keine Politik der Rache oder Verärgerung treiben zu wollen. Wenn die Nachlaßsteuer in eine Erbanfallsteuer umgewandelt und der kleine ländliche Grundbesitz geschont werde, dann sei eS auch unter gewissen Umständen und Bedingungen für die Ausdehnung der Besteuerungspflicht auf direkte Nachkommen und Ehegatteck. Jetzt, nachdem in den letzten beiden Wochen die Bewegung für die Erbschaftssteuer immer größere Dimensionen angenommen hat, und das Zentrum sieht, daß auch wahrscheinlich ohne seine Hilfe die Erbanfallsteuer im Reichstage zur Annahme gelangen wird, wechselt es wieder seine Taktik. Jetzt gebärdet es sich als die demokratische, um das Wohl der unbemittelten Volksklassen aufs äußerste besorgte Partei und erklärt, daß nicht nur die ge- plante Erbanfallsteuer viel zu winzig ist und so ge- staltet werden mutz, daß sie dem Reiche mindestens 160 Millionen Mark einbringt, sondern daß auch außerdem der Besitz noch mitlSvMil- lionen Mark belastet werden müsse, damit durch die Ver- brauchssteuern nur ungefähr 250 Millionen Mark aufgebracht zu werden brauchten. So schreibt z. B. die„Germania": Die Sydowsche Vorlage ging davon aus, daß von 660 Mil- lionen zunächst 1S6 Millionen durch den Besitz allein aufgebracht würden und dann weitere 166 Millionen in erster Linie durch die besitzenden Kreise; die andere Hälfte von 2ö6 Millionen Mark hatte der Massenverbrauch zu tragen. Diese Verteilung ließ sich im Kerne sehen: halb und halb ist immer eine gute Regel. Die 156 Millionen Mark Bcsitzsteuern sollten der Aus- bau der Erbschaftssteuer und die erhöhten Matrikularbeiträge einbringen, davon allein 92 Millionen durch die verschiedenen Erbschaftsgesetze. Von den indirekten Steuern aber sollten in erster Linie den Besitz treffen: Weinsteuer(26 Millionen), Elektri- zitätssteuer(56 Millionen), Jnseratenstcuer(35 Millionen). So war es die Absicht der Regierung; in den Motiven und Eni- würfen kommt dies sehr deutlich zuni Ausdruck. Wenn nun auch die Form dieser indirekten Steuern nicht so gewählt worden ist, daß sie den Besitz trafen, so ist doch der Gedanke gut, der G e- danke nämlich: neben den eigentlichen Besitz- steuern noch 166 Millionen Verbrauch ssteuern den besitzenden Kreisen aufzulegen. Dieser Kern der Regierungsvorlage ist gut; aber er steht in Gefahr, verloren zu gehen. Denn gerade diese indirekten Steuern sind abgelehnt worden; dagegen haben die meiste Aussicht auf Annahme jene indirekten Steuern, welche die allerärmsten Volksschichten treffen: Steuern auf Bier, Branntwein und Tabak. Das bedeutet eine erhebliche Verschlechterung des Grundgedankens der Vorlage, eine Verschlechterung zu Ungunsten der Armen; denn was man bisher als Ersatzsteuer nannte(Kaffeezoll, Zündholzsteuer) trifft gerade diese Kreise wiederum. Wir erheben daher die Forde- rung: zurück zum Grundgedanken der Regie- rungsvorlage, welche die Hälfte der neuen Steuern den besitzenden Kreisen auferlegen will.... Aber bisher hat die Reichstagsmehrhcit in der umge- kehrten Richtung gearbeitet: sie tat alles, um den Besitz zu schonen und die Armen zu treffen. Dieser Vorwurf trifft nicht so sehr die Konservativen, als die Liberalen, die sich zuerst auf die un- mögliche Reichsvermögenssteuer versteiften. Aber dadurch wurde„erreicht", daß die Summe der Besitz- steuer immer kleiner wurde, und daß am Ende von den 256 Mil- lionen der Regierungsvorlage keine 46 Millionen Mark auf dem Besitz mehr hängen blieben. Das hak der Freisinn mit seiner wunderbaren Taktik fertiggebracht; der Berliner Tiergartenfrei- sinn kann ihm dafür dankbar sein. Wir kennen nämlich das neue Kompromiß über die Erbanfallsteuer, das allerdings vorerst noch keine Mehrheit hat. Aber diese Besitzsteuer bringt keine 46 Mil- lionen Mark ein.... Soll denn der Rest bis zu 166 Millionen Mark auf die Matrikularbeiträge genommen werden? Woher sollen die anderen 156"Millionen Mark Besitzbesteuerung kommen? Oder sollen nur die armen Kreise Steuern bezahlen? Und in gleichem Sinne schreibt die„Köln. Volksztg.": „Deshalb kann man die Einnahme aus der Erbschaftssteuer auf die Anfälle an Kinder und Ehegatten(ebensowenig wie die aus der Nachlaßsteuer) nicht als eine genügende Be- lastung der Leistungsfähigen(des Besitzes und der großen Einkommen) ansehen, welche die Auf- legung von 466 Millionen Mark Steuern auf die Bedürfnisse des Mittelstandes und der Arbeiter rechtfertigen würde. Nichtiger würde es sein, daß man den Bedarf an neuen Steuern halbiert, und wenn solche wirklich 566 Millionen Morl be- tragen sollte, dann etwa die Hälfte auf Genußmittel, die andere Hälfte auf Einkommen und Vermögen legt." Dem Zentrum erscheint also jetzt die Erbschaftssteuer als kein genügender Ausgleich der den Unbemittelten zugedachten Belastung durch die Verbrauchssteuern. Es fordert eine stärkere Heranziehung der Besitzenden durch die Erbschaftssteuer. Hoffentlich bleibt es bei dieser Ansicht und stimmt demnach nicht nur für eine Erhöbung der Erbschaftssteuersätze auf größere Nachlässe, sondern auch gegen alle Versuche den ärmeren Volksschichten mehr als 256 Millionen Mark Verbrauchssteuern aufzubürden. Sollte es bis dahin schon seine heutigen grundsätzlichen For- derungen wieder vergessen haben, werden wir es mahnen. politiscbs deberZlcbt. Berlin, den 16. April 1969. Gut pariert. Die konservative Parteileitung scheint sehr erbost zu sein, daß die Regierung, müde der Bearbeitung der konservativen Blockhälfte durch liebevolles diplomatisches Zureden, jetzt zu schärferen Mitteln greift und gegen die konservativen Feinde der Nachlaßsteuer nicht nur"die Professoren der königlich preußischen Universitäten, sondern auch allerlei Beamten- Vereinigungen, staatliche privilegierte Korporationen und schließ- lich sogar die Mittelstandsvereinler auftnarschicren läßt; denn in einem parteiosfiziösen Artikel der„Konservativen Korresp." antworten die Wortführer der Agrarkonservativen auf die veränderte Kampfestaktik Bülows und seiner Kommis damit, daß sie die Frage aufwerfen, wie weit denn die offizielle Reichsfinanzreform die besonderen Interessen des Mittel- standes berücksichtige. In dem geschickt geschriebenen, die Re- gierung als Vertreterin der Erwerbsinteressen des Groß- kapitals denunzierenden Artikel heißt es: „Da ist es denn ganz interessant, einmal zu untersuchen, in welcher Form der Mittelstand durch die Finanzvorlagen der Re- gierung getroffen wird. Die Deutsche Mittelstandsvereinigung hat vor nicht sehr langer Zeit, am 16. Januar 1969, auf diese Frage selbst eine Antwort gegeben, indem sie in einer Resolution sagte, daß „die Vorlagen der verbündeten Regierungen Haupt- sächlich die mittleren Erwerbsschichten belasten und das leistungsfähige Großkapital nicht in aus- reichender Weife heranziehen. Tatsächlich hat das Reichsschatzamt bei der Ausarbeitung der Finanzvorlagen die Interessen und Forderungen der mittleren und kleineren erwerbs- fähigen Berufsstände, deren Hilfe es jetzt zur Durchführung dieser Vorlagen anruft, nicht im mindesten berücksichtigt. DaS zeigt sich ja besonders deutlich bei der ElektrizitätS«, Gas- und Jnseratensteuer, in denen bielleicht ein an sich berechtigter guter Kern stecken mag, die aber in so mangelhaften, jeder Kenntnis des praktischen Lebens entbehrenden Entwürfen vorgelegt wurden, daß sie mit Recht vom gesamten deutschen Mittelstand abgelehnt werden. WaS soll man femer dazu sagen, daß man die verlangten Mehreinnahmen aus der Brausteuer dem Reichstage einfach da- durch glaubte mundgerecht machen zu können, daß man die Er- höhung der bisher bestehenden Steuersätze von 4— 19.M. pro Doppelzentner Malz je nach der Höhe des Jahresverbrauchs auf 14—26 M. vorschsiig? Gewiß eine an sich höchst einfache Maß- «gel, wenn man gleichmäßig eine Erhöhung von 16 M. ohne Rücksicht auf die Größe der Brauerei vorschlägt, was aber sofort in seiner ganzen Mittel st andsfeindlichkeit er- kannt wird, wenn man sich vergegenwärtigt, daß damit eine Er- höhung des Steuersatzes für die kleineren und mittleren Braue- reien um 356 Proz., für die allergrößten aber nur um 166 Proz. verbunden istl... Auch die vorgeschlagene Tabakbanderolesteuer muß als nicht besonders mittel st andsfreundlich an- gesehen werden. Bor allem deshalb, weil diese Steuerart ein neues großes Heer von Beamten erfordert, die jeden Kauf- mann, jeden Zigarrenhändler, jeden Fabrikanten kontrollieren müssen und daher zur ungeheueren Belästigung und Schilane dieser mittleren und kleinen Leute werden. Wir denken doch, daß der Mittel st and schon'an Kontrollen. Revi- sionen und Beaufsichtigung der Betriebe über und über genug hat. Nicht die gering sie Spur von mittel st andS- freundlicher Tendenz zeigt sich aber vor allem an der Tat- fache, daß das Reichsschatzamt nur an die Erhöhung von Verbrauchs- steuern gedacht hat und völlig an den sonstigen dem Reiche zu- stehenden indirekten Abgaben vorübergegangen ist. Es ist und mutz den Angehörigen deS Mittelstandes völlig unverständlich sein, daß man bei einem so hohen Mehrbedarf von 566 Millionen Mark nicht auch eine Erhöhung der Börsensteuer vorgeschlagen hat.— Die außerordentliche Generalversammlung der Deutschen Mittel- standsvereiingung am 16. Januar 1969 hat die Erhöhung der Börsensteuer ausdrücklich gefordert— ob ein Mittelstandsmann sich dagegen wenden würde, wenn statt �/,g pro Tausend beim Umsatz von Aktien in Zukunft 9/io pro Tausend erhoben würden?" Was wird das Kanzlerblatt auf diese Abfuhr erwidern? Bisher schweigt es._ Hausmeier-Politik. Bisher schon gehörte es zu den lächerlichen Eigentümlichkeiten der Bülowschen Regierungskunst, daß der Kanzler aus jede politische Zustimmung, die ihm irgend ein Stammtisch, Kneipverein oder Sekundaner-Pfeifenklub sandte, sofort mit einer langen gedrechselten telegraphischen Danksagung antwortete und diese dann in seinem Moniteur, der„Nordd. Allgem. Ztg.", als Beweis dafür vcröffent- lichte, daß er die ganze deutsche Bevölkerung hinter sich habe. Jetzt soll diese komische Art der Popularitätshascherei noch weiter ausgedehnt werden. Wie aus der Wilhelmstraße inspirierte Blätter zu melden wissen, wird Fürst v. Bülow am 26. d. M.. dem Tage des Wiederzusammentritts des Reichstages, Abordnungen aus tsu schiedenen Teilen des Reiches zur Entgegennahme von Adressen ztt» gunsten der Reichsfinanzreform empfangen. Man erwartet, daß der Reichskanzler bei dieser Gelegenheit eine bedeutungsvolle Ansprache halten und noch einmal die für die verbündeten Regierungen leitenden Gesichtspunkte darlegen wird. Zum Schluß des feierlichen Akte« wird Bülow jedem Teilnehmer eigenhändig seine Photographie mit Unterschrift überreichen. ß 11 des Prehgesetzes und seine Anwendung. Der Braunschweiger„Volkssreund" brachte in seiner Nummer vom 6. Februar d. I. einen Artikel aus dem Harz, der sich mit der Saalentziehung zu einer Versammlung befaßte und dessen Anfang lautete: „Muß der Mensch alles haben, was er braucht? Ueber dieses Thema wollte Herr Dr. med. Fechtner in Elbingerode einen Vortrag halten." Keine Silbe weiter von Dr. Fechtner. Am 18. Februar verlangte der Hilfsbeamte de? Land- rates, ein Herr v. Hertzberg, die Aufnahme der folgenden Berichtigung: „Die in Nr. 36 gebrachte Mitteilung, Herr Dr. med. Fechtner in Elbingerode habe auf Anregung von sozialdemokratischer Seite einen öffentlichen Vortrag über das Thema:„Muß der Mensch alles haben was er braucht?" halten wollen, ist unzutreffend. Der Urheber dieser Mitteilung, der Drechslermeister Heinrich Matthies in Elbingerode, hat sie in dem dort erscheinenden„Harz- boten" öffentlich widerrufen." Elbingerode, den 18. Februar 1969. Der Hilfsbeamte des königlichen Landrates. v. Hertzberg. Diese Berichtigung war mit dem Stempel des Landrats ver- schloffen und ihre Ausnahme wurde ohne Vornahme von Ein- schaltungen und Weglassungen unter Berufting auf die§§ 11 und 19 des Preßgesetzes verlangt, wobei noch gnädigst bemerkt wurde, daß Dr. Fechtner dann von weiteren Schritten Ab st and nehmenwolle. Der„Volksfreund" verweigerte die Aufnahme der Berichtigung und sprach in einem Artikel dem Landratsgkhilfen als Unbeteiligten die Berechtigung zu einer Berichtigung im Namen von Privat- Personen ab. Er monierte es auch, daß im Interesse einer Privat- Person, die auch nicht im entferntesten beleidigt oder in der Achtung herabgesetzt worden sei, die amtlichen Portokosten in Anspruch ge- nommen würden. Die Berichtigung entspräche nicht einmal der preßgesetzlichen Vorschrift, da von Matthies in dem.Volksfreund"- Artikel mit keinem Wort die Rede gewesen sei. Genosse Brenner als Redakteur des.Volksfreund" erhielt darauf eine Anklage wegen Uebertretung der 88 11 und 19 des Preßgesetzes, die am Donnerstag vor dem Schöffengericht m Braun- schweig verhandelt wurde. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte 106 M. Strafe und Aufnahme der Berichtigung. Dr. Fechtner habe gegen den „Volkssreund" einen Antrag auf verleumderische Be- leidrgung(I) stellen wollen, und da das Landratsamt hierbei von ihm angegangen sei, so habe dieses als beteiligte Behörde zu gelten. Das Gericht sprach den Genossen Brenner von der Anklage unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse frei, verfügte jedoch unbegrciflicherweise die Aufnahme der Berichtigung. In der Begründung des Urteils wurde ausgesprochen, daß der Hilfsbeamte des Landrats als beteiligte Behörde anzusehen sei; denn es sei nicht erforderlich, daß eine Behörde selbst angegriffen werde, eS genüge vielmehr schon daß eine Behörde glaube. dieJnter» essen des Publikums zu wahren. Wir haben noch niemals gehört, daß eine Behörde um einer solchen Lappalie willen zugunsten eines Arbeiters eingegriffen hätte. Hier genügt ihr schon eine nichtssagende Notiz über einen Arzt zum Eingreifen. In der für die ganze Presse wichtigen Sache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen._ Agrarier und Proletarier als Stenerobjekte. Der Nachweis, daß die agrarischen Vermögen und Ein- kommen viel zu niedrig eingeschätzt werden, ist unseren Strohdachflickenden begreiflicherweise sehr unangenehm. Die „Deutsche Tages-Ztg." bringt fast täglich längere oder kürzere Beschönigungen der agrarischen Steuerhinterziehungen. Auch in ihrer letzten Nummer veröffentlicht sie wieder die Zuschrift eines Grundbesitzers, die die Tatsache der zu niedrigen Ver- anlagung zu leugnen sucht. Dabei schreibt der Grundbesitzer selbst: „Endlich wäre aber hervorzuheben, daß die Einnahme aus landwirtschaftlichen Ivie aus gewerblichen Betrieben schwankend ist, daß sie nach Vorschrift des Gesetzes also nicht nach ihrem mut- maßlichen normalen Umfange, sondern zu dem Betrage veranlagt wird, den die Einnahme im vorangegangenen Kalenderjahre er- reicht hat. Ein Gut, das einen Normalertrag von 26 666 Mark zu haben pflegt, aber 1968 nur einen solchen von 4006 M. erreicht hat, wird 1909 eben nurzueinemEinkonimen von 4966 M. veranlagt. Daraus kann man doch nicht den Vorwurf böswilliger Unterdeklaration ableiten." In der Tat bestimmt das Gesetz, daß bei der Ver-' anlagung des Einkommens aus landwirtschaftlichem Grund- besitz die Einnahme des vorhergegangenen Jahres zugrunde zu legen ist. nur wenn eine kaufmännische Buchführung ge- führt wird, der Durchschnitt der letzten drei Jahre. Es kann also nach dem obigen Beispiel vorkommen, daß ein Grund- besitzer mit 4000 M. veranlagt ist und tatsächlich 20000 M. Einkominen besitzt l Die Proletarier dagegen müssen ihr armseliges Einkommen bis zum letzten Pfennig versteuern, da ja die Arbeitgeber verpflichtet sind, der Steuerbehörde genaue Aus- kimft über das Einkommen aller Arbeiter und Angestellten mit einem Einkommen bis zu 3000 M. zu geben. Selbst wenn ein Arbeiter längere Zeit arbeitslos war, wird er mit dem Einkommen eingeschätzt, das er gehabt haben würde, wenn er voll beschäftigt gewesen wäre. Er wird also nie- mals zu niedrig, aber oft z u hoch eingeschätzt, und hat: dann die größte Mühe, durch Reklamation eine Herabsetzung der Steuer durchzusetzen!_ Verschleppung des Prozesses Moltke-Hardea? Ueber die Aussichten des für den 20. d. M. vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I angesetzten Termin? im Prozeß M o l t k e- H a r d e n kursieren im Kriminalgerichtögebäude allerlei Gerüchte, deren Nichtigkeit sehr schwer zu prüfen ist, da sich die beteiligten Kreise in absolutes Stillschweigen hüllen. Am Donners- tag wurde die ordnungsmäßige Sitzung der vierten Strafkammer auf einige Zeit unterbrochen, da, wie der Vorsitzende erklärte, ein wichtiger Beschluß zu fassen wäre. Bald danach hatte Landgerichtsdirektor Lehmann eine längere Konferenz mit dem am Mitttvoch in Berlin eingettoffenen Verteidiger Hördens, Justizrat Bernstein- München und dem Vertreter des Nebenklägers Grafen Moltke, Jnstizrat Dr. Sello. Mit großer Bestimmtheit wird allgemein davon gesprochen, daß der Prozeß mit aller Wahrscheinlichkeit nicht verhandelt werden wird. Als Grund wird hierfür angegeben, daß sich Graf Moltke wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes auf einer Erholungs- reise befindet. Es heißt, daß er sich in einem österreichischen Bade, nach einer anderen Version in Abbazia, befindet. Ferner verlautet, daß Horden unter keinen Uniständen auf das persönliche Erscheinen des Fürsten Eulenburg als Zeugen vor Gericht verzichten und sich auch nicht mit einer kommissarischen Vernehmung des Fürsten einverstanden erklären will, da sich in der Verhandlung fort- während Punkte ergeben könnten, die nur durch eine sofortige Auskunft des Fürsten Eulenburg. nicht aber bei einer vielleicht mehrfach zu wiederholenden kommissarischen Vernehmung des Fürsten klargestellt werden können.— Es verlautet ferner, daß Horden für den Fall, daß der Prozeß doch verhandelt werden sollte, einen sehr eingebend begründeten Ablehnungsantrag gegen den Vorsitzenden vor Eintritt in die Verhandlung zum Vortrag bringen wird._ Zeppelin als Vorspann für die neuen Steuern. Eine Demonstrationsversammlung für die Reichsfinanzreform hatte ein Komitee, zusammengesetzt aus Mitgliedern der liberalen Blockparteien und einer Anzahl Männer mit großen Titeln, für Donnerstagabend in den Liederhallensaal in Stuttgart einberufen. Da man dem Thema trotz ungeheuerer Reklame wohl nicht zuviel Anziehungskraft zutraute, hatte man den Grafen Zeppelin, den genialen Erfinder, als Zugstück derVer- sammlung ausgeschrieben. Aber trotz der großen Popularität, die Zeppelin in Stuttgart genießt, hätten noch Hunderte in dem Saal Platz gefunden. Der erste Referent, Prof. Kindermann, legte sich stark für ein Reichsbranntweinmonopol und für neue Tabak- st e u e r n ins Zeug. Der Hauptteil der Rede galt der Nachlaßsteuer. Jn seinem Eifer, die Nachlaßsteuer zu begründen, schmetterte der Referent in den Saal, bei einem Kulturvolk sollte eigentlich nur das durch Arbeit Eroberte als»Besitz* gelten. Auch gestand er, daß nicht nur die Großagrarier Steuer niogelei treiben, sondern auch das mobile Kapital sich wahrscheinlich darauf per st ehe. Damit mag er sehr recht haben I Sodann sprach Reichstagsabgeordneter H i e b e r. Auch er schlug ziemlich energische Töne an. Irgend etwas Neues tvußte er aber nicht zu sagen. Der Reichstagsabgeordnete S t o r z(Volks- Partei) bemühte sich, das noch schöner und ausführlicher zu sagen, was seine Vorredner ausgeführt hatten. Neu war, wenigstens in dieser Versammlung, die Empfehlung der Ueberführung der Eisen- bahnen in Reichsbesitz. Ganz besonders liebevoll behandelte er die »Panik* in England über die deutsche Flottenrüstung, den Gedanken einer Invasion einer deutschen Luftflotte in England. Er hofft aber, als rosenroter Optimist, daß, wenn das Flottenprogramm ausgeführt und die Reichsfinanzreform gemacht ist, dann die finanziellen Verhältniffe des Reiches sich bessern würden. Ueber die Arbeiten der GeschäftöordnungSkommission des Reichstags erstattete er Bericht. Und weiter redete er, und redete er, immer darauf los. Die fast verzweifelnden Zuhörer tröstete er schließlich mit der frohen Botschaft, der Block werde wahrscheinlich nur scheintot sein. Der Block sei zwar zu vergleichen mit einem Wagen, an dem Pferde hinten und vorne angespannt seien, aber vorwärts komme er doch. Der Redner vergaß nur hinzu- zusetzen, daß die demokratischen Gäule dabei rückwärts trappen müssen. Den Schluß niachte Graf Zeppelin. Er beantragte, eine kurz vorher bekannt gegebene und ohne Widerspruch gebliebene Resolution für die Reichsfinanzreform durch eine Deputation nach Berlin überbringen zu lassen. Damit war die Versammlung be- endet._ Aus dem Württemberg ischen Landtage. Bei der Beratung des Etats des Innern kam eS heute, Freitag, zu einer großen Debatte über Wohnungspolitik. Die Regierung hatte auf Grund früherer, im Landtage zutage getretener Wünsche den neuen Posten eines Landes- Wohnungsinspektors in den Etat eingestellt. Von der Sozialdemokratie war die Schaffung dieser neuen Stelle lebhaft begrüßt worden, da nur durch eine solche Landes» Zentralinstanz eine einheitliche Wohnungs- aufsicht und Wohnuugsfürsorge ermöglicht werden kann. Gegen dieses neue, aus Gründen der Sozialpolitik und Wohnungs- Hygiene in gleichem Maße notwendige Amt liefen jedoch Bauern- bund und Volkspartei Sturm. Unter dem Vorwande, daß es not- wendig sei, den staatlichen Beamtcnapparat weniger umfangreich und kostspielig zu gestalten, bekämpfte der Volksparteiler Haußmann daS Eingreifen des Staates in die Wohnungsfllrsorge und wollte die Wohnungsinspektion der privaten Fürsorge über- lassen wissen. In zwei eindrucksvollen Reden trat Genosse Lindemann diesem Standpunkt entgegen und schilderte ein- gehend die Wohuungszustände des arbeitenden Volkes. In der Stadt, wo die Mietskaserne dominiere, und ebenso auf dem Lande, das immer mehr industrialisiert werde, sei plamnäßige Wohnungs- kultur zu treiben, und darum müsse ein Landes-Zentralaint geschaffen werden, in dem alle der Wohnungsreform gewidmeten Bestrebungen ihren Mittelpunkt finden. Die. Abstimmung gestaltete sich infolge des heftigen Kampfes zu einer Entscheidung von sozialpolitischer Bedeutung, bei der die rückständige Haltung der Lolkspartei ihr eine empfindliche Schlappe eintrug; denn der Etatstitel wurde mit 4ö gegen 37 Stimmen an- genomistcn. Dafür stimmten Sozialdemokratie, Zentrum, 6 National- liberale und 3 Volksparteiler; dagegen stimmte das Gros der Volks- Partei, der Bauernbund, die andere Hälfte der Nationalliberalen und ein Zentrumsmann._ Der Wahlrechtskampf der prenhischen Arbeiter ist grober Unfug. So. hat am Donnerstag das Breslauer Schöffengericht ent- schieden I 19 Angeklagte hatten sich wegen Teilnahme an den Straßendemoustrationen vom 31. Januar zu verantworten. Es wurde ihnen zur Last gelegt, auf der Straße»Hoch* gerufen zu haben. .19 Polizisten aller Grade waren als Zeugen erschienen. Das Gericht erblickte in den Straßendemonstrationen groben Unfug und ver- urteilte die Angeklagten zu Haftstrafcn von drei Tagen bis zu einer Woche. Ein Angeklagter, der Widerstand geleistet haben sollte, wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Zwei Angeklagte, die sich den polizeilichen Anordnungen gegenüber„ungehorsam" gezeigt hatten, wuroen zu sechs Tagen Haft verurteilt. Ein An- geklagter, der nach Beendigung der Demonstrationen auf offener Straße»Hoch das Wahlrecht" gerufen haben sollte, wurde zu n e u n Mark Geldstrafe verurteilt. Schweiz. Die Opfer des Militärmolochs in der kleinen Republik. Zürich, 14. April.(Eig. Ber.) Das kapitalistische Klassen- regiment in der schweizerischen Demokratie macht alle Exzeffe der anderen Staaten in getreuer Nachahmung mit, so die Volksfeind- lichen Hochschutzzölle, den Militarismus, die Ausnahmegesetze gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft und anderes mehr. Und wäh- rend die Gesetzgebung auf diesen Gebieten geradezu mit Blitzeseile arbeitet, werden sozialpolitische Materien, wie die Revision des Fabrilgesetzes, Kranken- und Unfallversicherung, Besoldungs- erhöhungen für die Bundes- und Staatsbahnangestellten in der un- verantwortlichsten Weise jahrelang verschleppt. Augenblicklich be- reitet sich der Militär moloch zu einem neuen Raubzug auf die Taschen des Volkes bor. ES sollen 16 bis 20 Millionen Frank aufgebracht werden zur Neubewaffnung der Infanterie und der Bundesrat will schon in der nächsten Junisession der Bundesversammlung eine bezügliche Vorlage zugehen lassen. Dabei sind erst in der verflossenen Märzsession von der Bundes- Versammlung 6 Millionen Frank zur Anlegung neuer Schießplätze für die Artillereie bewilligt worden, schließt die eidgenössische Staatsrechnung pro 1908 mit einem Defizit von SVj Millionen und das Budget pro 1909 sieht ein solches von weiteren S Millionen vor. Diese Defizitwirtschaft ist um so bedenklicher, als die Bundes- einnahmen fortwährend gestiegen sind und die letzten Zoll- erhöhungen allein die Zollcinnahmen um rund 10 Millionen von 62 auf 72 Millionen gesteigert haben. Die Militärausgaben be- trugen 1874 erst 6,84, 1885 schon 17. 1895 23, 1905 30,5, 1908 über 40 Millionen, und bald werden sie die 50 Millionen erreicht haben. Die Staatsschulden des Bundes beliefen sich 1850 auf nur 4,64, heute betragen sie gegen 100 Millionen und nun sollen die zirka 20 Millionen für das neue Gewehr, da sie den laufenden Ein- nahmen nicht entnommen werden können, gepumpt und so die Staatsschuld wie die Schuldenverzinsung weiter erhöht werden. Das ist im kleinen der gleiche Entwickelungsgang, den das Deutsche Reich im großen bisher gemacht hat und das Ende wird hier wie dort der finanzielle Zusammenbruch sein. Unsere Partei- presse schlägt vor, den neuen Raubzug des Militärmolochs zum Hauptthema für die Festreden an der kommenden Maifeier zu nehmen und so diese zu einer wuchtigen Demonstration gegen den Militarismus zu gestalten. Frankreich. Die Postbeamtenbcwegung. Paris, 16. April. Alle Beamten des Haupttele- graphenamtes erklärten sich in einer gestern abend abgehaltenen Versammlung für die Umwandlung des Allgemeinen Verbandes der Post-, Telegraphen- und Telephonbeamten in ein Syndikat und wiesen die Einführung eines Beamtenstatuts zurück. Meuterei in der Marine. Paris, 15. April. Mehrere Blätter melden auS T o u l o n, nach Privatuachrichten aus G r a n d B a s s a m hat an Bord des nach Dekar entsandten Kreuzers„ D u C h a y l a' eine ernste Me ute re i stattgefunden. Die Mannschaft, welche sich über allzu strenge Behandlung beklagte, sang die„Internationale", veranstaltete eine lärmende Kundgebung gegen den Schiffskomman- danten, weil ein Maschinist angeblich'wegen Mangels an ärztlicher Pflege gestorben war, und verlaugte Ruhe- pausen und bessere K o st. Der Kommandant habe Hierauf die Forderungen der Meuterer bewilligt. foißlauä. Wie weht der Wind? (Eig. Ber.) Die russischen Junker sind von demselben Schlage wie die deutschen. Sie gehen immer aufs Ganze, wenn es auch nicht gewiß ist, daß sie ihr Ziel gänzlich erreichen. Jedenfalls wissen sie, daß ein energisches Dräugen den Schwerpunkt der Politik in der von ihnen gewünschten Richtung verschiebt. Auch das Stolypinsche Regime ist ihnen zu wenig reaktionär. Es muß die von der Revolution nicht gelösten Fragen auf konterrevolutionäre Weise zu lösen versuchen, es mutz alio an der Verbürgerlichung Rußlands tn gewissem Grade arbeiten. Und das ist den Krautjunkern ein Greuel. Sie zögern also keinen Augenblick mit einer Attacke. Die»Nowoje Wremia" beginnt einen Kreuzzug gegen den neuen Handelsministcr Timriaziew. Er ist der Mann der Börse. Die russische Bourgeoisie hat die Regierung nicht erobert. Dies konnte nur nach dem Siege der ihr verhaßten revolutionären Elemente ge- schehen. Sie muß also versuchen ihre Interessen durch ein„Ein- dringen* in die Krautjunkerschast und die Bureaukratie zu wahren. Ihr Vertrauensmann muß natürlich sein Gesicht etwas liberal schminken. Das schimmerte in seiner Dumarede und in einer An- spräche in Moskau leise durch. Darob die Entrüstung der„Rechten". Auch S t o l y p i n wurde vor Ostern angegriffen. Jetzt bringt die Oktobristenpresse die„freudige* Nachricht: Stolhpin sitze fest im Sattel! Die Oktobristen antworten selbstverständlich auf diese Anrempe- lungcn durch die Rechte mit„oppositionellen* Reden. Daß bewegt schon die Schwachköpfe der„unentwegt" liberalen Presse zu schnüffeln, ob der Wind nicht nach links weht. Um die Oualität dieser Spekula- tionen auf das Aufsteigen des oppositionellen Geistes in der Bour- geoisie unter dem Einfluß der reaktionären Angriffe zu bezeichnen, genügt, sich an die Gruppierung der sozialen Kräfte in Rußland zu erinnern; die Bourgeoisie sucht Anschluß nur nach rechts volles Spintisieren über einen„Umschivung in der Stimmung", »Symptome* usw. ist eitel Schaumschlägerei. Galgen und Knebel. Im Laufe des März wurden in Rußland 143 Personen zum Tode verurteilt. 52 wurden gehängt. In Tambow und Kursh haben drei zum Tode Verurteilte Selbstmord begangen. In Tambow überfielen sie einen Gefäugniswächter, entrissen ihm einen Revolver, um ihn gegen sich zu wenden. Im Verlauf des ersten Vierteljahres 1909 wurden insgesamt 396 Todesurteile ausgesprochen, 230 ausgeführt. Die Leiden der Presse finden ihren Ausdruck in folgender Statistik: In dm ersten drei Monaten' des Jahres 1909 wurde die Presse im administrativen Wege in 67 Fällen mit 30 675 Rubel Strafen belegt. Der Fall Azew kostete der bürgerlichen»fortschritt- lichen" Presse zwölstauscnd Rubel.— Appell der fozialdcmchratitchen Duma- fraktlOD an die internationale Sozial- demolsratle. Von der sozialdemokratischen Fraktion der russischen Duma werden wir um Abdruck folgender Antwort auf ein an sie ge- richtetes Schreiben des polnischen sozialdemokratischen Klubs des österreichischen Reichsrats ersucht: Bei der Beratung des Etats des Justizministeriums in der russischen Duma beantragte der Vertreter des Polenkolo, Prof. Dymscha, eine Uebcrgangsformel zur artikelweisen Beratung des Etats, in der erwähnt wurde, daß im Zarentum Polen laut Gesetz 50 Proz. aller Gcrichtsbcamten polnischer Nationalität sein müßten, während in Wirklichkeit weniger als ein Prozent der Gcrichtsbeamtcn aus Polen bestehe. Ter Justizminister Schtscheg- lowitow, der bloß von der äußersten Rechten unterstützt wurde, beantwortete diesen Antrag mit so groben Ausfällen gegen die polnische Nation, daß et selbst die lammfrommen Oktobristen in Empörung versetzte. Um so schmählicher war die Haltung des Polenkolo das nach ber groben Beleidigung durch den Minister darauf bestand, daß sein Autrag zur Abstimmung gestellt wurde, obwohl dessen Schlußsätze die Annahme des Etats und somit ein Vertrauensvotum für das Justizministerium verlangten. Durch diese Fassung seines Antrages, die den einzigen Zweck verfolgte, die Stimmen des oktobristischen Zentrums zu gewinnen, machte das Polenkolo unseren russischen Genossen unmöglich, für den Antrag Dymscha zu stimmen. Wie groß lvar aber unser Erstaunen, als die polnischen sozial- demokratischen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates auf Grund der einseitigen Berichte der bürgerlichen Presse die Haltung unserer russischen Genossen in der Duma öffentlich verurteilten, obwohl die letzteren in diesem Falle die einzigen waren, die zur Verteidigung der polnischen Nation und des polnischen Proletariats ' hervorgetreten waren. Die Einzelheiten dieses Konfliktes erfährt : der Leser aus dem nachfolgenden Schreiben der sozialdemokratischen � Dumafraktion. Die sozialdemokratische Dumafraktion hat von den polnische« sozialdemokratischen Abgeordneten des österreichischen Reichsrates ein Schreiben, unterzeichnet von Ignatz Daszynski, Diamand, Liebermann, Andrei Moratschewski und I. Gudctz, erhalten. In diesem Schreiben drücken die Verfasser ihre Unzufriedenheit mit unserer Abstimmung über den Antrag Dymscha aus und verlangen von uns eine Erklärung unserer Abstimmung. -Wir anwortetcn darauf folgendes: „Wir erkennen selbstverständlich das Recht der Mitglieder! der internationalen Sozialdemokratie an, sich lvegen dieser oder jener Handlungen an uns um Aufklärung zu wenden. Ihr habt aber von uns nicht nur Aufklärung über die Gründe unserer Abstimmung verlangt— das ist Euer Recht—, sondern Ihr seid weiter gegangen, indem Ihr uns verurteiltet, ohne unsere Antwort abzuwarten. Ihr habt Euch sogar nicht mal die Mühe genommen, den stenographischen Dumabericht einzusehen, sondern habt Euch mit den verkürzten Darstellungen der Dumadebatte» in der bürgerlichen Presse begnügt. Ihr habt nicht nur ein schuldigsprechendcs Urteil über uns gefällt, sondern Euch auch beeilt, dieses Urteil zu veröffentlichen und einen Feldzug gegen uns in der Presse zu eröffnen. Euer Brief ist in einer un- angebrachten Form geschrieben; und in einer ebenso unzulässigen Weise wird die Polemik gegen uns in Eurem Zentralorgan geführt. In Anbetracht dessen, erachten wir es als unmöglich. die Frage vor Euch zu beleuchten. Wir wenden uns deshalb in einem Appell an die öffentliche Meinung der gesamten inter- nationalen Sozialdemokratie." Die Verfasser des Briefes beschuldigen uns, daß wir gegen „den Teil der Formel" votiert hätten,„der die Zulassung der Polen zu den Gerichtsämtern in Polen verlangte", daß wir auf diese Weise einen„Akt der Gewalt und ein Verbrechen" begangen, „dieselbe Position, wie die Regierung und das Schwarze Hundert eingenommen" und„im Widerspruch zu der internationalen Sozial- demokratie" gehandelt hätten. Die Verfasser des Briefes schildern die Tatsachen falsch, die 'das strenge Urteil über unsere Abstimmung hervorgerufen haben. Wir müssen deshalb erst vor allem die Nichtigkeit der Tatsachen wieder herstellen. Der Abgeordnete Dymscha, Mitglied des Polenkolo, beantragte folgendes Amendement zur oktobristischen Uebcrgangsformel bezüglich der artikelweisen Beratung des Etats des Justiz- Ministeriums: „Indem wir die Aufmerksamkeit der Ne° gierung darauf leuikeu, daß die Zugehörig'» feit zur polnischen Nation bei der Besetzung der Gerichtsäulter in den Gouvernements des Zarentums Polen nicht als Hindernis dienen darf* geht die Reichsduma zur artikel weisen Beratung des Etats des Justizministeriums übe r." Wie aus dieser Fannel ersichtlich ist, hatte das Polenkolo in seinen Wünschen bloß die Polen im Auge und ignorierte vollkommen die Rechte der anderen in Polen lebenden Nationalitäten, die, wie zum Beispiel die Juden, noch rechtloser sind. In seiner Antworts- rede beleidigte der Justizminister Schtschegloivitow die polnische Nation aufs gröblichste. Die Gruppe der polnischen Abgeordneten ließ dem maßlosen Minister jedoch nicht nur keine gründliche Ab- fuhr zuteil werden, sie stimmte nicht nur nicht gegen den Etat seines Ministeriums, sondern hielt auch den beantragten Ueber- gang zur Tagesordnung, das heißt, den Antrag für den Etat zu stimmen, aufrecht. Bei solcher Sachlage wäre die Annahme dieser Formel, die in ihrer zweiten Hälfte ein Ver- trauensvotum für den Justizminister enthielt, der soeben die polnische Nation beleidigt hatte, nur eine neue Beleidigung des polnischen Volkes gewesen. Selbst einige Mitglieder des Polenklubs hatten genügend politische Einsicht, um eine andere politische Position einzunehmen. Das Mitglied des Polenkolos, Parczewski, schrieb zum Beispiel in der polnischen Zeitung„Dzen", daß es nach der Rede des Justizministers und seinen Worten über die Ver- unreinigung des Gerichtes durch die Polen notwendig gewesen wäre, die Formel zu ändern und in kurzen, aber kräftigew Worten die Verweigerung des Etats zu motivieren. Nach den Worten des Herrn Parczewski wurden diese Anträge während der Beratungen des Polenklubs von ihm eingebracht, sie fanden aber bei den anderen Mitgliedern keine Unterstützung.(S.„Nascha Gazeta", Nr. 67 vom 21. März.) Noch kategorischer drückte sich daS Mitglied der„Ugodowzi", Straschewicz, au»: „Etwas Empörendes ist geschehen. Dem ganzen Volk ist eine beleidigende Verleumdung ins Gesicht geschleudert worden. Und in dem Saale, wo das geschah, war eine Gruppe von Polen, von Volksvertretern, anwesend, und diese haben die Beleidigung mit Ruhe hingenommen. Der Justizminister Schtscheglowitow sagte in der Duma..daß die Polen das russische Gericht in Polen ver» unreinigen würde.... Der Umstand, daß der„fremde" Gegetsch- kori für die Ehre der Polen eintrat, verstärkt nur noch die Entrüstung gegen das schweigsame Kolo."(„Retsch", Nr. 69.) Dadurch hat uns der ganze Sachverhalt das Votum gegen die vom Abgeordneten Dymscha eingebrachte Uebergangsformel diktiert. Das hat in seiner Rede auch Genosse Gegetschkori dargelegt: „Meine Herren! Ich muß erklären, daß unsere Fraktion, die auf die konsequenteste Weise die Interessen der arbeitenden Klassen (Stimme von rechts:„Aller Feinde Rußlands".) und die Interessen aller unterdrückten Nationen verteidigt, in der Sache selbst mit dem Antrag einverstanden ist, welcher in der Form eines Wunsches vom Mitglied der Duma Dymscha eingebracht worden ist, obwohl ich zugleich bemerken muß. daß seine Formel die Frage in mancher Beziehung einschränkt. In dieser Formel ist nur von den Polen die Rede und nicht von allen Nationen, die im Zarentum Polen leben(Stimme von rechts:„Von den Juden!"), von den Juden, Litauern usw. Unsere Fraktion kann aber nicht für diese Formel eintreten, denn deren Schlußsätze besagen, daß der Polen- klub den Etat des Justizministeriums annimmt und den Ueber- gang zur Tagesordnung beantragt. Wir müssen darüber unser Erstaunen ausdrücken. Wir dachten, daß der Polenklub nach einer Iiede, die keinen Zweifel läßt, nach den scharfen AuS- fällen, die gestern vom Vertreter der Regierung von dieser Tribüne herab gegen die polnische Nation gefallen sind, nach der Rede, welche die Ehre und die Würde der polnischen Nation verletzte, als Antwort auf diese Rede gegen den Etat stimmen und durch die nackte Tatsache der Etatsverlveigcrung seinen Protest schroff unter- streichen würde. Wir sehen aber etwas ganz Entgegengesetztes. DaS Kolo bringt eine Formel ein, die die Annahme des Etats beantragt. Wir müssen deshalb im Namen des polnischen Proletariats, als dessen Vertreter wir uns betrachten(Lachen rechts .und im Zentrum), Protest erheben gegen die Rede des Ministers und die Haltung des Kolo. Wir glauben,'daß sowohl das polnische Proletariat, wie auch die Mehrzahl der polnischen Bevölkerung das Polenkolo nicht für das Vertrauensvotum loben wird, das bei der Abstimmung des Etats des Justizministeriums zum Ausdruck gc- kommen ist.(Applaus links.).".(S. Stenograph. Bericht, Seite 2960-61.) Es ist also klar, daß unsere Fraktion dem Antrage Dymscha in der Sache zustimmte. Sie erkannte ihn aber nicht als aus- reichend an und protestierte dagegen, daß seine erste Hälfte mit einer zweiten Hälfte vereinigt wurde, die nicht nur für einen Sozialdemokraten, sondern für jeden halbwegs konsequenten De- nwkrateN unannehmbar war. Da der Polenklub an seiner Politik der Liebedienerei gegen- über der russischen Regierung festhielt und sich weigerte, den ersten Teil seiner Formel zu erweitern, und den in dieser Lage einzig richtigen Schritt zu unternehmen— den Etat zu verweigern, so handelten die Sozialdemokraten, die verpflichtet sind, die» Interessen ver arbeitenden Klassen und das Recht der Nationen auf politische und kulturelle Selbstbestimmung zu verteidigen, vollkommen wurde auch der Kassierer des Vereins, Genosse Urban, der in tonfequent, als sie gegen die Formel im ganzen stimmten. Die der Fabrit Umrat arbeitet, aus der Werkstätte geholt, und es Verfasser des Briefes glauben offenbar, daß wir in diesem Falle wurde in seiner Wohnung eine Hausdurchsuchung vorgenommen, für die Formel Dymscha stimmen mußten, das heißt, uns von den bei der das Kassabuch und hundert Kronen an Barschaft Prinzipien der internationalen Sozialdemokratie, unserer eigenen tonfisziert wurden. Taktik und den Traditionen der Sozialdemokratie in allen drei Dumen lossagen mußten. " Soziales. Lehrling oder Volontär? noch so unangenehm sein; man möchte sie gern ableugnen, aber sie besteht dennoch, wenn auch die Streifleitung die Namen nicht preisgeben kann. Die Streifleitung habe keine Veranlassung, diese Firmen den anderen zu denunzieren. " Gärtnerbewegung. allerlei Wenn in dem Zirkular der Vorwärts" angerempelt wird, so ist dazu zu bemerken, daß der„ Vorwärts" nur berichtet hat, was in einer Klempnerversammlung öffentlich bekanntgegeben Hätten wir für die Formel Dhmscha und somit für den Etat wurde, ohne irgendwelchen Widerspruch zu finden. Liegt ein Jrrdes Justizministeriums gestimmt, so hätten wir uns nicht bloß den tum vor, so handelt es sich doch eben nur um eine ganz geringWorten nach, sondern in der Tat mit dem Schwarzen Hundert Eine das faufmännische Lehrverhältnis betreffende wichtige fügige Sache, ob nämlich die Firma Wiese ihre zwei oder drei solidarisiert. Ist denn das nicht klar? Entscheidung fällte die zweite Kammer des Berliner Kaufmanns- Klempner ausgesperrt hat oder nicht. Geklärt ist die Sache durch Wissen denn so alte Parlamentarier nicht, daß in der Gegerichts. Die in dem Rechtsstreit als Klägerin fungierende die Behauptung in dem Zirkular noch nicht. Der Streifleitung schichte der Parlamente öfter Fälle eingetreten sind, wo die äußerste Deutsche Möbel- Industrie- Gesellschaft m. b. H." schloß mit dem ist mancher Fall bekannt, der zeigt, daß die Meister die Beschlüsse Linke mit der äußersten Rechten gegen die Mittelparteien stimmte? Beklagten F. einen Ausbildungsvertrag", nach welchem sich F. ver- ihrer Leitung zu umgehen versuchen. So versuchen einige große Wissen sie denn nicht, daß die beiden extremen Flügel, die auf pflichtete, zwei Jahre als Volontär zur Ausbildung bei der Firmen, ihre Arbeiten durch Zwischenmeister und den ersten Blick scheinbar vereint stimmten, in Wirklichkeit von Firma tätig zu sein. Im ersten Jahre sollte der Volontär 60 M., Schiebungen" fertigzustellen. Die Unternehmer versuchen, durch diametral entgegengesetzten Prinzipien ausgehen und diametral im zweiten 70 m. erhalten. Im Falle er vorzeitig die Volontär- Aufforderung zur Beihilfe an die einzelnen Firmen, schwarze entgegengesette Ziele verfolgen? Und wenn man uns vorhält, stelle verläßt, sollte. zum Wiedereintritt verpflichtet sein und Listen der jezt im Kampfe stehenden Klempner herzustellen. Cohen daß die sozialdemokratische Fraktion in ihrem Votum dieselbe außerdem eine Konventionalstrafe bon 300 Mart bezeichnete ein solches Beginnen als ganz verfehlt, da es bei den Position annahm, wie die Regierung und das Schwarze Hundert", verwirkt haben. Der Beklagte trat die Stellung pünktlich an, löste Berliner Bauklempnern wirkungslos bleiben müßte. Außerdem so können wir nur die Achsel zucken und diesen Ausfall gegen uns jedoch den Vertrag schon nach einem halben Tage, weil er zu könne es leicht zu Konflikten mit dem Geseze führen. Diese und ignorieren. Botengängen benutzt wurde. Die Firma bestand auf ihrem Vertrage andere kleinliche Maßnahmen zeigen, daß die Lage der Unternehmer Unsere Fraktion hat sich stets fategorisch zugunsten der und stellte beim Kaufmannsgericht den Antrag, F. zum Wiedereintritt nicht so günstig sein kann, wie sie in dem erwähnten Zirkular hinnationalen Rechte der verfolgten und unterdrückten Nationen und zur Zahlung der Konventionalstrafe von 300 M. zu ver- gestellt wird. Cohen erklärte, daß die Arbeiter keine Ursache hätten, ausgesprochen. Sie benutte jede günstige Gelegenheit, um gegen urteilen. Nachdem der Beklagte den Volontärvertrag einmal ein- mit der Lage der Dinge unzufrieden zu sein. Wenn die Meister die Politik der gewaltsamen Russifizierung aller Nationen, die gegangen sei, habe er nicht das Recht, ihn eigenmächtig zu lösen. auf die Hilfe der Bauunternehmer rechnen, so befinden sie sich in das russische Reich bevölkern, gegen das Ignorieren der nationalen Das Kaufmannsgericht wies die Firma mit beiden An- einem großen Irrtum. Die Bauunternehmer helfen den KlempnerRechte und die Verfolgungen von Personen wegen ihrer Zu- trägen ab mit folgender Begründung: Bei Beurteilung von Ver- meistern nur so lange, als ihre eigenen Interessen dabei in Frage gehörigkeit zu dieser oder jener Nation zu protestieren. Stets trägen ist der Wortlaut nicht immer allein und ausschließlich maß- kommen. und überall hat unsere Fraktion an dem Punkt des Partei- gebend, das Gericht hat vielmehr den wahren Willen der programms festgehalten, der verlangt:„ Das Recht der Bevölke. Parteien bei Vertragsschluß zu erforschen. Das Gericht hat keinen Eine Versammlung der Gärtner, die in den Handelsgärtnereien rung, in ihrer Muttersprache unterrichtet, zu werden, zu welchem Zweifel darüber gehabt, daß hier ein Lehrvertrag geschlossen Zweck auf Kosten des Staates und der Organe der Selbst- wurde. Die Tatsache, daß der Ausdruck, Volontär" gebraucht wurde, von Groß- Berlin beschäftigt sind, fand am Donnerstagabend in verwaltung die hierfür erforderlichen Schulen geschaffen werden kann daran nichts ändern. Ein Lehrvertrag fann aber nach§ 77 Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße, statt. Die Versammlung müssen das Recht eines jeden Staatsbürgers, auf Versamm- Abf: 2 des Handelsgesetzbuchs innerhalb der ersten vier Wochen von war einberufen von dem Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein lungen in seiner Muttersprache zu reden; die Einführung der beiden Teilen gelöst werden. Da diese Zeit nach dem Geseze als und von dem Deutschen Gärtnerverband( christliche Organisation). Muttersprache in gleichem Recht mit der staatlichen Sprache in eine Probezeit gilt. F. war darum berechtigt, das Verhältnis Der Redner des letteren war Albert Miller, der Redner des allen lokalen, öffentlichen und staatlichen Institutionen."(§ 8.) zu lösen, ohne zum Wiederantritt und Zahlung der 300 m. ver- erstgenannten Vereins Walter Kwasnik. Beide besprachen das An dieser Forderung haben festgehalten: Gegetschkori in seiner pflichtet zu sein. Thema:„ Unser Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse Rede über die Finnlands- Interpellation, Tscheidse in seiner in der Handelsgärtnerei". Am 1. April traten die Gärtner in einen Streit, der ihnen sehr bald gute Erfolge brachte. Eine Anzahl Antwortrede auf die Regierungsdeklaration und bei der Beratung Firmen hat die Forderungen bewilligt. Wo noch keine Zugeständ der Vorlage über den Bau der Amurbahn, Gaidarow und Kusmo bei der Beratung der Vorlage über den Unterricht in den Lehrernisse gemacht worden sind, da wird die Organisation in ihrent seminaren in Belsk und Cholm, Poletajem und Tscheidse bei der Kampfe nicht nachlassen, sondern mit aller Energie darauf dringen, Beratung des Kommissionsberichtes über Volksbildung usw. Eine Anzahl bürgerlicher Blätter im Ruhrgebiete und daß die gestellten Forderungen anerkannt werden. Es handelt sich Getreu unserer gewohnten Taktik haben wir uns auch bei darüber hinaus fördern aus Anlaß der Schlagwettererplosion dabei um viele kleine Firmen, und eine eigene Taktik wird zu Der Abstimmung über den Antrag Dymscha nicht gegen die Forde auf Schacht II Deutscher Kaiser am zweiten Ostertage, bei der Anwendungen kommen müssen, um bei den kleinen Firmen Erfolge rung der Gleichberechtigung, sondern im im Gegenteil fünf Bergarbeiter ihr Leben einbüßen mußten und mehrere zu erringen. gegen die zu enge Auffassung dieser Frage andere schwer und leicht verwundet wurden, die verschiedensten tonten die Notwendigkeit einer eifrigen Agitation nach dem Diesen jüngst geführten Kampf besprachen die Redner; sie bes ausgesprochen. Ferner war für uns von großer Bedeutung, Gerüchte zutage. In den meisten dieser Blätter wird( wahr- Kampfe, um alle Gärtner zu organisieren, denn nur so könne man daß die reaktionäre Gruppe der polnischen Nationaldemokraten ihre Forderung mit der Annahme des Etats und folglich mit der scheinlich auf Veranlassung der Gruben- in dem andauernden Kriege mit den kleinen Firmen Erfolge Billigung der Politik der russischen Regierung verknüpfte. Der verwaltung) berichtet, daß niemals ein Vertreter der erzielen. Man war sich darüber einig, daß die Sonntagsruhe einliebedienerische Charakter dieser Abstimmung wird sogar von Organisation( Bergarbeiterverband) sich bei dem in Betracht geführt werden müsse, daß der Kost- und Logiszwang überall fallen einigen Mitgliedern des Polenkolo erkannt. Leider wollen das fommenden Bergrevierbeamten oder der Grubenverwaltung sollte, daß die Gärtner mit ihren Forderungen überhaupt noch sehr aber die Mitglieder des sozialistischen Polenklubs nicht erkennen, beschwert hätte, daß eine Anzahl Wetterlampen der Deutschen bescheiden seien und daß man unter allen Umständen für die die durch ihre unbegründeten und ungerechten Angriffe lediglich Kaiser- Schächte sich in einem defekten Zustande befänden. Stärkung der Organisation sorgen müsse. Für die freigesinnten Gärtner fommt als solche nur der Allgemeine Gärtnerverein in unseren Feinden, den bürgerlichen Parteien, Material gegen uns Folgendes diene zur Steuer der Wahrheit: Betracht. liefern. Unsere Feinde haben bereits früher wegen unseres Dogmatismus zu lamentieren angefangen, der uns angeblich zwingt, den Bedürfnissen der Bevölkerung unsere Aufmerksamkeit zu versagen. Jetzt können sie sich in ihren Angriffen auf die mit ihnen solidarischen Ansichten des sozialdemokratischen Polen flubs berufen. Unsere Haltung und Abstimmung beim Antrage Dhmscha war also vollkommen richtig und entsprach vollkommen sowohl den Grundprinzipien der Sozialdemokratie, als dem konkreten Sachberhalt. Gewerkschaftliches. Wo war die Kontrolle? Bei der Grubenverwaltung selbst ist es den Vertretern des Bergarbeiterverbandes unmöglich, persönlich zu erscheinen, weil vor Jahren schon eine Anklage wegen Hansfriedensbruch ( wegen Betreten der Zechenmenage!) gegen den Bezirksleiter des Verbandes erhoben war! Es blieb also kein anderer Weg offen, als die öffentliche Mitteilung an den tgl. Bergrevierbeamten zu Duisburg, welche auch in der Nr. 21 vom 26. Januar d. J. der Niederrheinischen Arbeiter- Zeitung" in Duisburg erfolgt ist. In der betreffenden Publikation heißt es wortgetreu: Offene Aufforderung an den föniglichen Revierbeamten zu Duisburg. Bon mehreren Bergarbeitern wird uns mit geteilt, bau eine Anzahl Wetterlampen auf den Deutschen Kaiser- Schächten sich in defektem Zustande befinden, und bitten wir dieserhalb den in Betracht tommenden Berg rebierbeamten, sofort eine genaue Kontrolle vorzunehmen. Die Bezirksleitung des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes zu Hamborn. Deutfches Reich. Streit der Knopfmacher. Der wegen beabsichtigter Lohnreduktionen in der Knopffabrik von Voigt in Frankenhausen am Kyffhäuser ausgebrochene Streit dauert bereits 9 Wochen. Die Streifenden sind mit einem Schreiben erneut an den Unternehmer wegen Verhandlungen heran. den Unternehmerkreisen mit dem Gedanken einer Aussperrung getreten, haben aber keine Antwort erhalten. Man trägt sich in der Knopfmacher aller dortigen Betriebe. Da fast sämtliche Knopfmacher organisiert sind, käme eine Aussperrung der gänz lichen Stillegung der Knopffabriken gleich, fodaß sich die Unternehmer die Sache wohl noch überlegen werden. Bis jetzt hat sich ein einziger Streifbrecher gefunden, sodaß die Situation für die Streifenden eine sehr günstige ist. Ein Streiffieg. Zum Schluß noch einige Worte in bezug auf den von den Verfaffern des Briefes angeregten Streit, wer als parlamentarischer Vertreter des polnischen Proletariats gelten könne. Gegetschkori erklärte, daß die Fraktion sich als Vertreterin des polnischen Proletariats betrachte. Die Verfasser des Briefes entgegnen hierauf, daß sie die einzigen Vertreter des polnischen Proletariats feien. Daß sie die Vertreter des polnischen Proletariats sind, das in Desterreich lebt, das will niemand bestreiten; Gegetschkori hat aber von den polnischen Arbeitern gesprochen, die in Rußland Leben. Er hatte das Recht, seine Erklärung abzugeben, denn die Sozialdemokratische Partei Polens und Litauens gehört zum BeIn einem weiteren Artikel der betreffenden Nummer der reich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands und erfennt unsere Fraktion als die Vertreterin der polnischen Arbeiter Niederrheinischen Arbeiter- Beitung" werden dann die Zuan. Man könnte darauf hinweisen, daß außer dieser Partei noch stände auf der Gewerkschaft Deutscher Kaiser" einer ber die P. P. S. existiert. Wir wissen das, aber die P. P. S. ist nichtenden Kritik unterzogen. Die Verwaltung der Gewerk. in zwei Teile gespalten, und eine von ihnen, die wirklich sozia fchaft Deutscher Kaiser" ist sonst bei jeder Gelegenheit mit listische und die stärkere, die Lewißa", hat auf ihrem 10. Kongreß der Zusendung einer Berichtigung zur Hand. Warum hat diekonstatiert, daß sie ,, in " ber sozialdemokratischen selbe hier geschwiegen? Aus dem einfachen Grunde, weil die Letzte Nachrichten und Depeschen. Dumafraktion die Vertreterin der Interessen geschilderten Zustände gerade haarsträubend sind und der der zahlreichen Arbeiterklasse des ganzen Reiches sehe".( Bericht über den 10. Kongreß der P. P. S.) Wahrheit auch entsprechen. Im Auftrage der sozialdemokratischen Dumafraktion. Unterzeichnet: Karl Tscheidse. Georg Kusnehow. Aus der Partei. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. " Eine einmonatliche Gefängnisstrafe hatte am 16. d. M. Genoffe rante- Rostock von der Mecklenb. Voltsztg." berbüßt. In einem Versammlungsbericht war der Vaterländische Arbeiterverein" in Neustrelitz kritisiert worden, weil er überhaupt fein Arbeiterverein sei aus Mangel an Arbeitermitgliedern usw. Die Häupter des Quertreibervereins schrieben an den Staatsanwalt, und der erhob auch jofort das Schwert, um mit Hilfe des Landgerichts im öffentlichen Interesse" den Genossen Franke auf einen Monat in Staatspension zu nehmen. Damit hat die M. B." 38 Monate Freiheitsstrafen erledigt, sowie zirka 1200 M. Geldstrafen. Im ganzen hat unser Bruderblatt seit seinem Bestehen, vom 1. April 1892 an, 36 Prozesse mit Verurteilungen zu bestehen gehabt, obwohl es im ersten Jahrzehnt zunächst einmal, später zweimal und schließlich dreimal wöchentlich erschien. Eine Aktion gegen einen sozialdemokratischen Verein in Böhmen. Am 9. April besetzten Polizisten in Zivil und in Uniform unter Führung des Polizeikonzipisten Emminger das Brauhaus in Bubna, wo der sozialdemokratische politische Verein .Spravedlnost"( Gerechtigkeit) seinen Siz hat. Es wurden der Obmann des Vereines, Genosse Souscha, und der Schriftführer, Genoffe Holub, geholt, worauf in den Vereinslokalitäten eine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde. Hierbei wurden ein Verzeichnis der Mitglieder und einige Bücher beschlagnahmt. Der Polizei fonzipist und zivet Polizisten gingen dann mit den beiden Genossen in ihre Wohnungen, wo ebenfalls Hausdurchsuchungen vorgenommen wurden; auch hier wurden Bücher und Korrespondenz des Bereines konfisziert. Dem Vorsitzenden wurde ein Bescheid zugestellt, wonach der Verein wegen Ueberschreitung feines statutenmäßigen Wirkungstreifes auf gelöst wird. Zur Begründung wird angeführt, daß in einer Versammlung des Vereins vom 21. März dieses Jahres ein Redner gefagt habe, daß bei einem Kriege Desterreich zertrümmert werden und dann die Nevolution ausbrechen werde, wobei aus der Versammlung der Ruf laut geworden sei:" Hoch die Revolution!" In diesem Vorgehen werde eine strafbare Handlung und eine Ueberschreitung des Wirkungskreises des Vereines erblidt. Dann Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: " Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Anläßlich der am Sonntag stattfindenden Delegiertenwahlen werden die Kollegen, deren Mitgliedsbücher zweds Unterſtügung 2c. in dem Verbandsbureau dbgegeben find, darauf aufmerksam gemacht, daß die Legitimationsfarten in unserem Arbeitsnachweis resp. in der Krankenkasse und im Zimmer III am Sonnabend während der Büreauzeit ausgegeben werden. Desgleichen geschieht dies für diejenigen Mitglieder, welche durch Erwerbslosigkeit ausgesteuert sind. Deutscher Metallarbeiter Verband. ( Drtsverwaltung Berlin.) Die Bewegung der Bauklempner. Die Arbeitgeberverbände im Berliner Klempnergewerbe haben ein Zirkular herausgegeben, in dem es heißt, daß von seiten der Arbeitnehmer neuerdings der Versuch unternommen wird, die Unternehmer einzeln zum Unterschreiben der Tarifvorlage zu veranlassen, wobei zur Erzielung des gewünschten Erfolges regel mäßig mit der unwahren, aus der Luft gegriffenen Behauptung operiert wird, daß diese oder jene größere Firma den Tarif bereits anerkannt habe". Darauf folgt in dem Zirkular eine Mahnung in Fettdruck, daß es Ehrenpflicht sei, jede Unterschrift zu verweigern. Weiter wird von der„ unlauteren Kampfesweise der Arbeitnehmer" geredet, die damit bewiesen sein soll, daß im Vorwärts" behauptet wurde, der Obermeister der Charlottenburger Innung, Wiese, habe seine Leute nicht ausgesperrt. Darauf folgt wieder eine Mahnung in Fettdruck, einig und geschlossen zusammenzustehen". An die Meister wird die Bitte gerichtet, die Streikposten in allen Fällen ungesetzlichen Vorgehens der Geschäftsstelle zu melden, welche alsdann das weitere veranlassen wird". Das Zirkular ist unterzeichnet von der Klempnerinnung, der Zentrale der Klempnergewerke, der Vereinigung Berliner Klempner und verwandter Berufszweige, der Freien Vereinigungen selbständiger Klempner, Installateure und ver wandter Berufsgenossen. " Der Streik in der Lothschen Waschmaschinenfabrik in Annen bei Dortmund hat mit einem Siege der Streikenden geendet. Der beabsichtigte Lohnabzug von 10 Proz. ist unterblieben. In Zukunft sollen Lohnregulierungen nur mit Zustimmung der Lohnkommission erfolgen. Die Arbeiter haben am Donnerstag die Arbeit wieder aufgenommen. Der schnelle Sieg ist auf die Einmütigkeit der Streifenden, die bis auf drei sämtlich im Metall beat. Holzarbeiterverband organisiert sind, zurückzuführen. Keine Sparsamkeitsrücksichten. Karlsruhe, 16. April.( B. H.) Entgegen der bisherigen Annahme, daß aus Sparsamkeitsgründen die Kaiserparade in diesem Jahre nicht abgehalten werden solle, findet diese nun doch, und zwar am 11. September auf dem Ererzierplate bei Forchheim für das 14. bayerische Armeekorps statt. Daran schließen sich dann die dreitätigen Kaisermanöver. " Menterei auf einem französischen Kreuzer. Paris, 16. April.( W. T. B.) Mehrere Blätter melden aus Toulon: Nach Privatnachrichten aus Grand Bassam hat an Bord des nach Dakar entsandten Kreuzers Du Chayla" eine ernste Meuterei stattgefunden. Die Mannschaft, welche sich über allzu strenge Behandlung beklagte, fang die Internationale", beranstaltete eine lärmende Rundgebung gegen den Schiffskommanbanten, weil ein Maschinist angeblich wegen Mangels an ärztlicher Pflege gestorben war, und verlangte Ruhepausen sowie bessere Kost. Der Kommandant habe hierauf die Forderungen der Meuterer bewilligt. Die Ereignisse in der Türkei. Konstantinopel, 16. April.( W. T. B.) Da die Unruhen in Adaua fortdauern, wurde dort das Standrecht proklamiert und Militär dorthin entsandt. Das hiesige armenische Komitee ist über die Vorfälle in Adaua sehr erregt. Das französische Blatt Stambul" meldet, daß zwischen den Parteien der Kammer eine Ginigung erzielt sei. " Malta, 16. April.( R. B.) Der Kommandant der Mittelmeerflotte hat Befehl zur Entsendung der ihm unterstellten Schlachtschiffe erhalten. Obwohl der Zeitpunkt ihrer Abfahrt und ihr Bestimmungsort unbekannt sind, glaubt man, daß sie sich in Es ist nicht unwahrdie türkischen Gewässer begeben werden. scheinlich, daß ihr Ziel die Küste der asiatischen Türkei ist. Das Linienschiff Ozean" liegt bereits unter Dampf. Ein Geniestreich der Zensur. Graz, 16. April.( B. H.). Der deutschen und italienischen Operettengesellschaft in Triest und der deutschen Gesellschaft in Bola wurde die Aufführung der„ Lustigen Witwe" aus politischen Gründen untersagt. In einer Versammlung der ausgesperrten und ausständigen Klempner, die am Freitagmorgen im Gewerkschaftshause stattfand, besprach Cohen den Inhalt des Zirkulars. Er stellte fest, daß die Streitleitung einer Reihe von Firmen Tarifverträge vorgelegt habe, besonders denjenigen, die sich beschwerten, daß man ihnen ihre Klempner fortgenommen habe, obgleich sie mit dem Kampf, Dreißig Menschen verbrannt. den die Innung mit den Arbeitern führt, nichts zu tun haben London, 16. April.( W. T. B.) Blättermeldungen zufolge wollten. Unter den Firmen, die sich bereit erklärten, gewisse Bedingungen zu erfüllen und die den Tarif der Arbeitnehmer unter- find in San Francisco bei dem Brande eines Mietshauses dreißig schrieben, befinden sich solche, die in erster Reihe im Klempner- Menschen ums Leben gekommen. Bisher konnten uur 6 Tote gegewerbe stehen. Diese Tatsache mag den Arbeitgeberorganisationen borgen werden. H. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstals Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr.8S. 26. Jahrgang. 1. Keillim Ks ZoNllbtvd, 17. April 1009. Franz8!i!ci)er Parteitag. Dritter Tag. (Fortsetzung.) St. Etienne, 13. April.(Eig. Ber.) Agrardedatte. Nach HerbZ ergriff I a u r s S das Wort. Er wünscht von Tompsre-Morel Aufklärungen über einige Punkte. Betrachtet er die Lage der Kleinbauern nicht etwas zu pessimistisch? Ich habe nicht den gouvernementalen Optimismus des Ackerbauministers. Wenn aber Herr Ruau zugibt, dah das Bewußtsein, für sich zu arbeiten und andererseits der Maschinismus die Produktion begünstigen, so bieten wir den Bauern beides. Ist aber Compsre- Morels An schauung von der selbstmörderischen Arbeit des Bauern physiologisch und ökonomisch richtig? Ich glaube, die durchschnittliche Lebensdauer ist auf dem Lande länger als in der Stadt. Aber darum bleibt die sozialistische Aktion auf dem Lande doch not- wendig. Die Genossenschaft kann sich der Idee des kollektiven Eigentums immer mehr nähern. Die Bauern werden dazu geführt, nicht ihr Eigentum, aber einen Teil ihrer Vcrfügungsrechte zugunsten einer gemeinsamen Aktion aufzugeben. Eine zweite Frage: Neben dem bäuerlichen Eigentum besteht noch ein anderes. Es ist eine Legende, daß Frankreich das Land des kleinen Bauern ist. Wenigstens zwei Drittel des Bodens, und gerade der beste Teil. gehört nicht dem Kleinbauern. Soll die sozialistische Partei ihren vollständigen Sieg erwarten, um dem Großgrundbesitz zuleibe zu gehen? In England haben die Grasschaften das Recht bekommen, die großen Eigentümer zu expropriieren, um Bauernschaften zu schaffen. Hier ist eine Lücke im Bericht. Wir dürfen nicht den Großgrundbesitz in Kleiubesitze zer stückeln. Compöre-Morel will die Bauern gegen die ländlichen Kapitalisten, gegen die Zuckerfabrikanten usw. verteidigen. Gut, aber schließen Sie eine schon heute zu verwirklichende Ber- gesellschaftung aus und die Uebergabe an die Gewerkschaften Dieser Kongreß ist nicht ein Abschluß, sondern ein Ausgangs- Punkt für die Erörterung der Landsrage. Wir wollen den trennenden Graben zwischen Arbeitern und Kleinbauern nicht ver- tiefen. In Frankreich ist die Revolution nicht nur ein Werk des Jndustrieproletariats. Wir hatten eine' Bauernbewegung schon vor der Arbeiterbewegung. Man sieht sie in den Jacquericn, während der Revolution, auch in der Agitatton Baboeufs. Wir müssen unsere Aktion auf dem Lande immer mehr erweitern. Mit den allzu ein- fachen Formeln Herdes kommen wir nicht voran. Wir wollen methodisch vorgehen, mit einer durchdachten, planvollen, in alle Tiefen der Nation eindringenden Propaganda. Der Redner verwirft den Generalstreik nicht, weil sein Hauptpropagandist ihn verraten hat. Wir brauchen handelnde Minoritäten, aber wir müssen die Massen des ganzen BolkM erfassen, durch eine Propaganda, worin sich die Ströme der städnfchcn und ländlichen Forderungen, die Wirt- schaftliche mit der politischen Aktion vereinigen. Wir führen den so oft vom Gutsherrn bedrohten Bauern zur polittschen und sozialen Freiheit.(Lebhafter Beifall.) G u e s d e: Wie kann der Sozialismus ins Landvolk ein- dringen? In bezug auf die Befitzlofen auf dem Lande sind wir ein- mütig. Zu den Arbeitern müssen wir ebenso sprechen wie zu denen der Stadt und ihnen beweisen, daß sie keine Hoffnung in einer Ge- fellschaft haben, wo die Arbeitskraft Ware ist. Dann haben wir ein zlveites Element: kleine Pächter, Teilpächter, Kolonen. Auch sie sind Besitzlose und für sie gelten dieselben Methoden der Propaganda. Der einzige Akt, der ihnen helfen kann, ist die Expropriation der Kapitalistenklasse und die Vergesellschafiung der Produktions- mittel. Das einzige schwierige Problem betrifft das kleine Eigentum. Hier sind Eigentum und Arbeit noch iu einer Person vereinigt, und der Eigentümer ist sein eigener Ausbeuter. Wie sollen wir uns gegenüber diesen 4 Millionen kleiner Besitzer verhalten? Wo das Eigentum der Arbeit nicht ent- rifsen ist, dürfen wir nicht expropriieren. Wir sind gekommen, zurückzustellen, nicht um zu stehlen. Wir müssen dem Bauern sagen: nicht die soziale Revolutton wird dich enteignen, kleines feuilleton. Der Reklamedichter. Herrliche Blüte des Kapitalismus? Der Dichter reist im Auftrag des Unternehmertums. Die„Bremer Nachr." schreiben: „Mit dem ReichSpostdanipfer„Lützow" hat vergangene Woche Richard Boß die Reise nach Genua angetreten, um von dort mit der Levante-Linie des Norddeutschen Lloyd eine Fahrt nach Athen, Kon- stantinopel und dem Schwarzen Meere zu machen, die er in mehreren Artikeln für die„Neue Freie Presse" in Wien und zwei größeren Essays für Rodenbergs„Deutsche Rundschau" zu schildern gedenkt. Die Aufsätze sollen dem Andenken des verstorbenen Herrn General- direktor Dr. Wiegand gewidmet sein und eine Würdigung seiner Verdienste enthalten und werden sicherlich durch farbenprächtige Beschreibung, wie wir sie bei dem berühmten Dichter römischen Landes und Lebens gewohnt sind, in vielen Lesern den Wunsch er- loecken, die Küsten des östlichen Mittelmeeres aus eigener An- schauuug kennen zu lernen, wozu eben die Levante-Linie seit kurzem die beste und bequemste Gelegenheit bietet." Richard Boß, der eine Unmenge schlechter Dramen und wenig besserer Romane veröffentlicht hat, galt bisher immerhin als lite- rarisch einwandfreier Schriftsteller. Sein Uebcrgaug zum Reklamefach beweist aufs neue die skrupellose und kulturfeindliche Rücksichtslosig- keit des Kapitalismus. Der Dichter schlägt obendrein zwei Fliegen mit einer Klappe. Die eine Fliege ist der verstorbene Scharfmacher Wiegand, der auf diese Weise eine literarische Rettung erfahren soll (er hat sie nötig 1), während zugleich der Norddeutsche Lloyd eine saftige Reklame im redaktionellen Teil zweier verbreiteten bürger- lichen Blätter erhält.' Leo Tolstoi über den Beruf des Schriftstellers. In den nächsten Tagen erscheint in Rußland ein Sammelband, dessen Ertrag den vom Erdbeben in Messina Betroffenen zugute kommen soll. Viele namhafte russische Schriftsteller haben Beiträge geliefert, und unter anderem soll auch ein Brief von Leo Tolstoi au den Dichter L. Audrejeff, der ibni seine(im„Vorwärts" abgedruckte) Erzählung „von de» sieben Gehenkten" gewidmet hat, veröffentlicht werden. Tolstoi läßt sich dort folgendermaßen über die Schriflstelletei aus: „Ich glaube, daß man erstens nur dann schreiben soll, wenn der Gedanke, den man äußern möchte, einen so stark verfolgt, daß man nicht eher von ihm loskommt, bevor man ihn nicht nach Können und Vermögen ausgedrückt hat. Alle anderen Beweggründe aber— Ehrgeiz und besonders die widerlichen materiellen Ursachen— können nur die Aufrichtigkeit und den Wert des Schriftstellers beeinträchtigen. Davor soll man sich sehr in acht nehmen. Ein zweiter Unistand, den man oft antrifft und woran besonders unsere zeitgenössischen Schriftsteller oft kranken(die ganze Dekadenz beruht darauf)— ist der Wunsch, originell und eigenartig zu sein und den Leser in Erstaunen zu versetzen und zu überraschen. Das hat eine noch größere Bedeutung als jene Nebengründe, die ich vorhin er- wähnte. ES schaltet die Schlichtheit aus, diese ist aber eine un- erläßliche Bedingung des Schönen. Das Schlichte und da-S Ungekünstelte kann schlecht sein, jedoch das Nichtschlichtc und das Künst- jiche kann nicht gut fein. Ein dritter Umstand ist die Hast beim Schreiben. Sie ist auch schädlich und außerdem ein Zeichen dafür, daß das wahre Bedürfnis, seine Gedanken zu äußern, fehlt. Denn ist ein wahres Bedürfnis vorhanden, so wird der Schriftsteller weder die Mühen, noch Zeit scheuen, um seinen Gedanken bis zur vollen sondern die Konzentration des Kapitals. Wenn wir die Herren sein werden, werden wir dich im Gegenteil von deinen Lasten, den Schulden, den Steuern befreien. Du wirst allerdings, wenn du das Gedeihen des kollektivistischen Eigentums siehst, fteiwillig in den Kreis des Kollektivismus ein- treten. Der Redner glaubt nicht an einen friedlichen Uebergaug zur neuen Gesellschaft. Keine herrschende'Klasse hat freiwillig abgedankt. Je mehr wir aber von der Notwendigkeit der insurrekiionellen Lösung überzeugt sind, desto mehr müssen wir uns hüten, die kleinen Bauern gegen uns aufzubringen. Unsere Bemühungen um den Bauernschutz stehen nicht im Widerspruch zu unserer revolutionären Propaganda und nicht zur gesellschaftlichen EntWickelung. Wir wollen unS dieser nicht widersetzen. Wir glauben nicht, daß große Verstaatlichungsaktionen der Arbeiterklasse und den Kleinbauern nützen, denn diese haben die Kosten zu be- zahlen, und wir haben durchaus keinen Vorteil davon, daß die Macht des Unternehmer- Staats noch erweitert wird. Die sozialistische Partei ist nicht berufen, gefährliche Monopole zu fchaffen, sie soll das Proletariat für die neue Gesellschaft erziehen, die es haben wird, sobald es w i l l. Die zur Rettung der Bauern vorgeschlagenen Reformen halten die EntWickelung nicht auf. Der Zollschutz selbst wird eine revolutionäre Potenz. In fünf bis sechs Jahren wird Frankreich eine Ueberproduktion von Getreide haben. Vertrauen wir nicht auf Teilreformen, die uns über die sozialen Gesetze der kapitalistischen Gesellschaft nicht hinaus- beben können. Sonst würden wir Bankrott machen wie die Radikalen. Die Anträge zur Agrarfrage werden einer Kommission zu- gewiesen, die eine Liste von Forderungen unterbreiten soll. Die Einigkeit der Fraktion. ES entspinnt sich eine Debatte über den Fraktionsbericht. Mehrere Delegierte tadeln die Uneinigkeit bei vielen Abstimmungen und besonders, daß einzelne Mitglieder der Fraktion den Kasten mit ihren Abstimmungszetteln unabhängigen Sozialisten überlassen. Es wird eine Resolution beschlossen, die die Deputierten auffordert, die Einstimmigkeit herzustellen und nicht mehr Feinde der Partei für sich stimmen zu lassen. V a i l l a n t erstattet den Bericht über die Tätigkeit des inter- nationalen Bureaus. Es beginnt hierauf die Verhandlung über die Wahltaktik. Sie wird von Dubreuilh eröffnet, der einen Brief der Exekutivkommission der radikalen und radikalsozialistischen Partei vor- liest, worin Abmachungen über eine gemeinsame Wahltaktik der Linksparteien und die Aufrechterhaltung der„republikanischen Disziplin" vorgeschlagen werden.(Lärm, Protestrufe.) Breton empfiehlt, wiederholt unterbrochen, die Rückkehr zur „republikanischen Disziplin", die die„Stärke des Sozialismus" ge- Wesen sei. Er legt eine Resolution vor, die die republikanische Disziplin fordert. Da er sich darauf beruft, ihren Wortlaut zum Teil einem Kompromißvertrage der Nordföderation mit den Radikalen von 1906 entnommen zu haben, stellt D e l o r y fest, daß er und seine Freunde nichts dagegen haben, wenn nach dem ersten Wahlgang solche Kompromisse abgeschlossen werden. Breton wendet sich gegen das Proportionalwahlrecht, für das die meisten Reakttonäre seien. Eine Solidarität mit den Anhängern des Proporzes heißt der Reaktton helfen. Er beglückwünscht das radikale Parteikomitee zu seinem Vorschlag.(Furchtbarer Tumult.) V a r e n n e spricht sich für den Proporz aus, vorläufig aber will er eine Solidarität, wenn auch nicht im alten Sinne der Linksparteien— da die Radikalen jetzt ein Kompromiß mit der de- mokrattschen Allianz haben— so doch mit den fortgeschrittenen Ra« dikalen. Es bereitet sich die Konstituierung einer republikanischen Opposittonspartei außerhalb der Partei vor, mit der die Partei zu- sammenarbeiten kann. Von den Radikalen müssen wir verlangen: 1. daß sie einen einzigen Kandidaten in jedem Wahlkreis aufstellen, 2. daß sie unzweideutig erklären, wie sie sich im zweiten Wahlgang zwischen dem gemäßigten und dem sozialistischen Kandidaten ent- scheiden wollen.— Bezüglich der Stellung zu den Unabhängigen, deren Unterstützung die Resolution C a m b i e r untersagt, erklärt er, Bestimmtheit und Klarheit durchzuarbeiten. Ein vierter Umstand ist der Wunsch, dem Geschmacke und den Forderungen der Mehrheit des lesenden Publikums zur gegebenen Zeit zu entsprechen. Das ist be- sonoers schädlich und zerstört schon im voraus die ganze Bedeutung von dem, was man schreibt... Vielleicht kann all das Gesagte Ihnen von Nutzen sein. Sie schreiben, daß der Wert Ihrer Werke in der Aufrichtigkeit liegt. Ich erkenne nicht bloß das an, sondern meine auch, daß ihr Ziel gut ist, der Wunsch am Wohle der Menschen mitzuarbeiten. Ich glaube, daß Sie auch in der eigenen bescheidenen Beurteilung Ihrer Werke aufrichtig sind. DaS ist um so besser von Ihnen, weil der Erfolg, den Ihre Werke haben, Sie im Gegenteil veranlassen könnte, ihre Bedeutung zu überschätze». Ich habe Sie viel zu wenig und zu unaufmerksam gelesen, wie ich überhaupt wenig schöne Literatur lese und dafür Interesse habe. Aber nach dem. was ich von Ihren Schriften kenne und soweit ich mich dessen erinnere, würde ich Ihnen raten, mehr daran zuarbeiten und den Gedanken in ihnen bis zur letzten Genauigkeit und Klarheit durchzuführen." Streikende Schriftsteller. Norsk forfatter forening— die Organisation der Schriftsteller Norwegens— hat einstimmig be- schlössen, über das im Verlage der Aktiengesellschaft Fabritius u. Söhne erscheinende Weihnachtsheft„Jul i Norge" die Sperre zu verhängen. So lange der bisherige Disponent, Scheibler mit Namen, die Sache in Händen hat, soll keines seiner Mitglieder Beiträge für dieses Unternehmen liefern, noch sonstwie sich daran be- teiligen. Die Verlagsfirma behauptet, daß der Beschluß nichts anderes als eine einseitige Sympathicüußerung der Schrift- sleller für ihren Organisationsvorfitzenden Jakob Hilditch sei. der seit drei Jahren„Jul i Norge" redigierte und dem nun diese Arbeit entzogen worden ist. Jakob Hilditch hat dagegen eine Erklärung veröffentlicht, wonach die Ursache des Streites mit der Firma darin zu suchen sei, daß der Disponent durchaus nicht dafür zu haben war, bei der Zusamnienstellung des Heftes die nötigen literarischen und künstlerischen Rücksichten ivalten zu lassen. Auch der bekannte Maler Erik Werenskiold, der mit der Leitung des künstlerischen Teiles be- traut war, mußte im vorigen Jahre zurücktreten, weil eS ihm un- möglich war, mit dem Disponenten zusammen zu arbeiten. Die Firma kündigte an, daß„Jul i Norge" wie früher auch in diesem Jahre in reicher Ausstattung erscheinen werde. Sie rechnet also offenbar mit Streikbrechcrarbeit. Neue Straßenbahnwagen. Die größte Zahl von Unfällen im Straßenbahnbetrieb ist wohl auf das Auf- und Abspringen von den in Fahxt befindlichen Wagen zurückzuführen. Bei neuen Wagen, die seit Oktober vorigen Jahres in Philadelphia laufen, soll dies auf einfache Weise vermieden werden. Die Wagen besitzen zwei voll- kommen umschlossene Plattformen, die aber ins Wageninnere mit einbezogen sind, sodaß zwischen ihnen und dem Wagen selbst keine Türen vorhanden sind. Die vordere Plattform, auf der sich auch der Führerstand befindet, dient nur zum Aussteigen, die Hintere auf der der Schaffner seinen Platz hat, nur zum Einsteigen. Gezahlt wird nur beim Einsteigen, während man an dem Schaffner vorbeigeht. Bevor sich der Wagen in Bewegung setzt, werden nun die nach außen führenden Schiebe- tiiren beider Plattformen durch Drucklust vom'Wagenführer oder Schaffner geschloffen und gleichzeitig die zu den Plattformen führenden Stufen hochgeklappt. So lange sich nun der Wagen' in Fahrt befindet, bleiben die Türen geschlossen und die Stufen hoch- er stehe ihnen genau so wie anderen Radikalen gegenüber.(Wider« spruch.) In der Nachtsitzung wird Schluß der Debatte angenommen. 39 Redner sind noch vorgemerkt. Vaillant: Ueber den Brief des radikalen Exekutivkomitees werden wir zur Tagesordnung übergehen. Die sozialistische Partei verhandelt überhaupt mit keiner anderen Partei, mögen auch die nationalen und internationalen Kongresse Kompromiffe unter be- sonderen Umständen als Notwendigkeiten des Augenblicks zugelassen haben. Mit den Jnsurrekttonellen will sich der Redner in der Frage, die zur Verhandlung steht, nicht auseinandersetzen. Die sozialistische Partei will am Leben der Nation in allen seinen Formen teil- nehmen, also auch an der parlamentarischen Pottnr. Wie sollen«vir unserer parlamentarischen Attion die stärkste Kraft verleihen? Die eine, von einem Teil der Seine-Föderationen vorgelegte Resolution will die Aufrechterhaltung aller Kandi- daturen im zweiten Wahlgang. Das bedeutet praktisch anti- parlamentarisch handeln. Denn infolge der mangelnden Mittel würden im zweiten Wahlgang die Stimmen für unsere Kandidaten zurückgehen. Wir würden aber auf diese Weise dem politischen Schacher auch erst das Tor öffnen. Die zweite Resolution, die wir wenigstens in ihrem Sinn angenommnn' sehen wollen, fordert die Zurückziehung der Kandidaten, die nicht die relative Mehrheit er- halten haben, im zweiten Wahlgang. Sie steht zum Beschluß von Chalon, der für den zweiten Wahlgang das Interesse der Arbeiterklasse und der Republik als maßgebend erklärt, nur der Form nach, nicht in ihrem Geist in einem gewissen Gegensatz. Wir glauben, es ist von großer Bedeutung für uns, Wahlsiege zu erringen. Nicht bloß der Zahl der Deputierten wegen. Der Erfolg eines Kandidaten befestigt die Parteiorganisation und gibt der Propaganda neue An- triebe. Wir wollen nicht die in Chalon anerkannte Autonomie der Föderationen aufheben, aber eine allgemeine politische Richtlinie geben. Unsere Resolution präzisiert nur die Idee des Beschlusses von Chalon, daß für unsere Wahltaktik das Interesse der Partei maßgebend sein soll, im ersten wie im zweiten Wahlgange. Es sprechen nun zur Verteidigung der Resolution der Mehrheit der Seine- Föderation mehrere„Jnsurrektionelle", darunter Frau Dr. Pelletier, die sich u. a. folgende Sätze leistet:, D i e s o« zialistische Partei ist nicht republikanisch, die Frage: Monarchie oder Republik, ist mir gleichgültig I Wir werden niemals die Republik verteidigen, denn damit würden wir uns wieder düpieren lassen! Rednerin appelliert an die revolutionäre Kraft der Deklassierten! Ja u r s S will diese Worte nicht ernst nehmen. Dächte die Seine-Föderation wirklich so, wäre das nicht nur eine Gefahr für die Republik, sondern auch ein Bankrott des Sozialismus.(Leb- hafter Beifall.) Bezüglich der Taktik im zweiten Wahlgang schließt sich der Redner der Vaillantschen Argumentation an. Breton will uns schon heute binden. Das gehl aber nicht. Die politische Situation ist nicht mehr dieselbe wie 1906. Die Lösung des reli- giösen Problems hat die Mauer niedergerissen, die die bürgerliche Linke von den konservativen Parteien schied. Als das soziale Problem in seinen vielen Formen im Vordergrund erschien, wich die radikale Partei zurück. Sie sucht mehr oder minder versteckte Kom- promisse, stellt zweideuttge Kandidaten auf. Darum müssen wir uns begnügen, die einfache Zurückziehung unserer Kandidaten zu be- schließen, ohne den Föderationen das Recht zu nehmen, über die unter den besonderen Umständen erforderliche Haltung selbst zu bestimmen. Aber eine Autonomie, die den Föderationen erlaubte, die taktischen Grundsätze der Gesamtpartei zu verletzen, können wir nicht gewähren. Ueber den Borschlag der radikalen Partei müssen wir zur TageS- ordnung übergehen. In demselben Augenblick, wo diese Partei unS einen Pakt anbietet, schlägt sie ihn auch der demokrattschen Union vor, die unS in den Bann getan hat. Wir kämpfen allein, aber wir wollen unS nicht selbst isolieren, sondern die Nation erobern. Darum müssen wir aber auch uns selbst treu bleiben und dürfen auf keine zweideutigen Anerbietungen eingehen. Wir kritisieren die radikale Partei, aber wir können unsere Waffen nicht der Reaktton ent- leihen, ohne uns der Gefahr auszusetzen, die Quellen unseres Wachs- tumS zu vergiften. Auch um die Klientel der konservattven Parteien zu gewinnen, dürfen wir keine anderen als unsere eigenen Mittel geklappt, so daß während der Fahrt ein Verlassen oder Besteigen des Wagens ausgeschlossen ist. Humor und Satire. Der Renommist. In einem Winkel, genannt die Butze, Wo allerlei Kram, Der»lichts mehr nutze, Zusammenkam; Bei alten Hüten, alten Vasen, Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen, Befand sich ein Reiterstiefel auch. Jetzt nur»och ein faltiger Lederschlauch. Großmächtig hat er das Wort geführt Und ganz gewaltig renommiert: „Ha. damals! Ich und mein Kamerad I Immer fein gewichst von hinten und vorn, Blitzblank der Sporn, Durch die Straßen geklirrt, Alle Herzen verwirrt, ES war ein Staat! Hurra, der Krieg I Maustot oder Sieg l Unser Herr Leutnant, Schneidig, Schwert in der Hand; Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd, Verloren wär die Schlacht von Wörth.- In dem Moment, zu aller Schrecke, Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke Ein stranimer Reiterbesen. „Hinaus!" rief er.„du alter Renommist! Was schert es uns, was du gewesen; Wir sehen, was du bist!"— Ein SchubbS. Ein Schwung. Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung. (Wilhelm Busch in der Sammlung nachgelassener Gedichte: „Schein und Sein". Verlag von L. Joachim in München.) Notizen. — Die l e i ch t e st e Münze. Aus Paris wird berichket: Die Tage der kupfernen Sousstücke(zu 5 und 10 Centimes) sind ge- zählt. Die großen braunen Münzen werden eingezogen und an ihrer Stelle werden neue Einsous- und Zweisousstücke ausgegeben, die wohl die leichtesten Münzen der Welt sein werden. Denn die neuen Stücke werden aus Aluminium geprägt. Es fallen für 63 Millionen Fünf- und Zehncentimesstücke ausgegeben werden. — Der tiefste See der Provinz Brandenburg scheint, wie im„GlobuS" mitgeteilt wird, der G r o ß e Stechlin- s e e im Kreise Teniplin nahe der Mecklenburger Grenze zu sein. Dieser 417 Hektar große See besitzt nach den im Mai 1996 aus- geführten Lotungen der Preußischen Geologischen Landesanstalt eine Maximaltiefe von 64,S Meter, übertrifft also den bisher als tiefsten brandenburgischen See bekannten Tschetschsee im Kreise Sternberg um 11,5 Meter und den tiefsten ostpreußischen See, den Wuchsnigse'e um 0,5 Nieter. Unter den norddeutschen Seen gebührt jetzt dem Großen Stechlinsec nach dem Dratzigsee und Schaalsee die dritte Stelle. fieBtfluefjen. Wir dürfen von nnseren» Programm deS NepublikanismuS, der Demokratie, der Weltlichkeit nicht ein Tipfelchen opfern. Die demokratischen Massen sind für uns auch leichter zu gewinnen als die unter der klerikalen Vormundschaft stehenden. Schon der Radikalismus war ein erster Aufschwung der Bauern. Engels hat das gegen- über Lafargue anerkannt, als er sich vor 20 Jahren für die Unterstützung Clemenceaus aussprach. Wir dürfen die politischen Freiheiten, den Parlamentarismus, nicht töten, sondern o r g a n i- sieren. Den vom Radikalismus enttäuschten Wählern müssen wir die Vollendung der Demokratie in den sozialistischen Lösungen darbieten. Vierter Berhandlnngstag. St. Etienne, 14. April.(Eig. Der.) In der Vormittagssitzung wird die Debatte über die Wahltaktik zu Ende geführt. Es spricht u. a. H e r v ö, der die Resolution der Seine-Mehrheit verteidigt. Er verteidigt sich gegen den Vorwurf Bretons, dast er seinen Standpunkt in der Frage der Stichwahl- bündnisse geändert habe. Nicht er, sondern die Radikalen hätten sich geändert. Er erklärt sich auch gegen den Proporz, der sozial- konservative Wirkungen habe. Er verteidigt die insurrek- tionelle Methode als die einzige, die das Proletariat zum Siege führe. In einer längeren Unterbrechung führt G u e s d e unter stürmischem Beifall den Unterschied zwischen seiner und Herves Auffassung der Insurrektion aus, die für ihn kein Dogma, sondern eine historische Notwendigkeit nach Erschöpfung aller gesetzlichen Mittel sei. D e l o r y spricht für die Aufrcchterhaltung des Status guo, der Resolution von Chalon, die im ziveiten Wahlgang den Föderationen die Möglichkeit läßt, die durch das Interesse des Proletariats geforderten Entscheidungen zu treffen. Der Mrcskongreß der belgischen Partei. Brüssel. 12. April.(Eig. Ber.> Erster Verhandlungstag. Wie seine letzten Vorgänger, hatte sich auch der diesmalige Parteitag zum größten Teil mit aktuellen politischen Fragen zu be- fassen und die taktischen Richtlinien und in mancher Beziehung auch die prinzipielle Haltung der Partei dazu festzustellen. Allerdings sprengte die Debatte zuweilen den Rahmen, der ihr durch die Tages- ordnung vorgezeichnet war, wie insbesondere bei den Beratungen über die M i l i t ä r r e f o r m. Hier hatte es sich nicht darum ge- handelt, eine Aussprache des Parteitages über das militaristische Problem im allgemeinen und die Stellung der Sozialdemokratie zu ihm zu pflegen, sondern darum, die Haltung der Sozialdemokratie bezw. der sozialistischen Fraktion nn Falle der Vorlage e i n e s n e n e n M i l i t ä r g e s e tz e S sim Sinne der Ausführungen de? Kriegsministers Hellebant) festzustellen. Nichtsdestoweniger geriet hierbei die Debatte in das Fahrwasser des Antimilitarismus und aller mit ihm zusammenhängenden Fragen. Die Mehrzahl der Redner hat indes abgelehnt, die Diskussion in diesem Sinne zu führen, ebenso einen Antrag, der dahinging, die sozialistische Fraktion zu beauftragen, bei Vorlegung eines Militärgesctzes in der Kammer einen Antrag auf Abschaffung des Heeres zu stellen. Vielmehr schloß sich der Parteitag der Auffassung Vanderveldes an. daß die Aufgabe der Partei in der augenblicklichen Situation darin zu bestehen habe, ein demokratisches Militärgesetz durch- bringen zu helfen, das mit den bestehenden Ungerechtigkeiten aufräumt, ohne die militärischen Lasten zu erhöhen. Politisch zu nennen— nicht nur im Sinne de? berühmten Wortes, daß die Schule ein„Politikum" ist— sind vor allen, auch die beiden Schulfragen,' denen der Parteitag mit Recht einen breiten Raum in den Verhandlungen anwies. Es handelt sich hier- bei um zwei Gesetzesvorschläge des klerikalen Führers W o e st e betreffend die Errichtung von Schuliantinen und um einen Anschlag auf die Autonomie der Kommunal- und Provinzialbehörden, denen bisher das Recht zustand, Lehrerbildungsan st alten zu gründen, wogegen der Vorschlag Woestes die Befugnis dazu von der Regierung abhängig machen will. Was die Frage der Lehrerseminare söoolss normales) betrifft, so war die Haltung deS Parteitags von vornherein gegeben, denn es handelte sich hier um die Abwehr eines klerikalen Attentats, das in seinen Wirkungen auf die Unterdrückung von Schulanstalten hinausläuft, die für die entsprechenden klerikalen Organisationen eine unliebsame Konkurrenz bilden. ES be- deutet wenig, daß Herr Woeste die Berechtigung seines Vorschlags damit begründen will, daß ein starker Ueberfluß an Lehrkräften vorbanden sei, die keine Beschäftigung fänden und daß außerdem der Staat, auf den die finanziellen Lasten zurückfallen, ungerechtfertigten Ausgaben vorzubeugen habe.— Was jedoch die Frage der Schulkantinen betrifft, so hatte diese eine Auseinandersetzung prinzipieller Natur ?ur Folge und die endgültige Entscheidung durch den Parteitag er- olgte erst nach einer ziemlich scharfen Diskussion. Die Frage der Schulkantinen stellt sich, kurz gefaßt, folgendermaßen dar: die Partei fordert neben dem unentgeltlichen weltlichen und obliga- torischen Unterricht, daß der Staat auch für den Unterhalt der Kinder sorgt. Tatsächlich haben in einzelnen Gemeinden des Brüsseler Bezirks wie auch in verschiedenen Provinzen die Kommunal- Verwaltungen für die Speisung von Schulkindern Vorsorge ge- troffen. Während nun die Liberalen der Meinung sind, daß nur die Kinder der offiziellen Volksschulen des Vorteils der Speisung und eventuellen Verabreichung von Kleidungs- stücken teilhaftig werden sollen, in Konsequenz der Auffassung, daß nur den offiziellen Schulen Unterstützungen gebühren, verficht die Partei den Grundsatz, daß mit dem Recht auf den Unter- richtauchda's Recht auf denUnterhalt, und zwar für jedes Kind ausnahmslos, verbunden sein muß. So haben in der Praxis auch unsere Genossen in Gent und St. Gilles(Brüssel) gehandelt, wo durch ihre Anträge in der Kommune die Kinder aller Schulen, also auch der kongregationi st i scheu(klerikalen), an der Speisung teil- nehmen können. Ein Teil der Parteigenossen vertrat nun auf dem Parteitag einen Staudpunkt, der im Grunde mit dem der Liberalen identisch ist und der in der Praxis bedeutet, daß jene Kinder, die von ihren Eltern in die kongrcaationistische Schule geschickt werden, das Recht auf einen Teller Suppe oder einen Wettermantel verlieren. Der Parteitag hat der Auffassung zugestimmt, daß ohne Rücksicht auf Erwägungen politischer Art. die ja gewiß manches für sich haben, aber deren Berücksichti- gung die Grundsätze der menschlichen Solidarität verletzen würden, das Recht des Kindes gewahrt werden muß. Einig war der Kongreß natürlich in dem Entschluß, dem kleri- kalen Gesetzesvorschlag mit ganzer Kraft entgegen zu treten, der die ganze Frage der Schulkantinen in die Sphäre der öffentlichen Wohltäti gkeit rücken, sie auS einem Werk sozialer Not- wendigkeit in eins der öffentlichen Mildtätigkeit um- wandeln will. Es versteht sich von selbst, daß hinter dem Woeste- fchen Vorschlag noch ein klerikalpolitisches Manöver steckt. * m• Der Kongreß fand an den Ostertagen im Brüsseler„Maison du Peuple" statt. ES tvaren 610 Delegierte anwesend, die 4SI Gruppen vertraten. Zum Vorsitzenden wurde der Abgeordnete D e m b l o n gewählt.— Die Berichte der Fraktion, der sozialistischen Gemeinderäte sowie der Gewerkschaftskommisston wurden nach kurzer Diskussion zur Kenntnis genommen. Bei dem Parlaments- b e r i ch t beschwerte sich C h a p e l l e(Antwerpen) über die Stellung, die einzelne Deputierte bei den Kammerverhandlungeu über das Gewerbegerichtsgesetz in der S p r a ch e n f r a g e eingenommen haben, indem sie gegen die Bestimmung votierten, die die Kennt- niS deS Vlänrischen vom Präsidenten verlangt. Ter- w a g n e wünscht, daß sich die Partei zu gelegener Zeit mit der Sprachenfrage beschästige. Der Bericht der Gewerkschaftskommission kon- statiert, daß ihr gegenüber den SS 840 Mitgliedern des JahreS 1007 nach der letzten Zählung 67 418 Mitglieder angehören. Der Bericht hebt bedauernd hervor, daß von S3 000 organisierten Bergarbeitern nur zehntausend der Kommission angeschlo ssen sind. Die Gewerkschaftspresse zählt 23 Blätter mit einer Auflage von rund 1 600 000 Exemplaren. Der Bericht weist auch darauf hin, daß sich das Prinzip der Zentralisation allmählich auch in Belgien durchsetzt. Militärfrage. Jacquemotte, dessen Resolution über die Militärfrage (Abschaffung der stehenden Heere, antimilitaristische Propaganda, Bekämpfung aller militaristischen Organisationen usw.) wir eingangs bereits erwähnten sowie eine Reihe anderer Parteigenossen betonen das Moment der antimilitaristischen Propaganda. T r o c l e t bemerkt, daß das sozialistische Ideal allerdings die allgemeine Abrüstung sei; vorläufig gelle indes es zu verhindern, daß die Armee gegen die Sozialdemokratie gekehrt bleibe und daß die militärischen Grundreformen durchgesetzt werden. Der Redner äußert sich sehr pessimistisch über die Vor- schlüge des Kriegsmini st ers, dessen Gesichtspunkte rein militaristisch seien. Vandervelde will das antimilitaristische Problem von dem in Frage stehenden gänzlich geschieden wissen. Die Frage ist, was wir in der Kammer bei der Mlitärreform tun werden. Es wäre bequem, einen Antrag auf Abrüstung ein- zubringen. Man würde dagegen stimmen und uns ins Gesicht lachen. Bei einem neuen Militärgesetz werden wir folgende Richtschnur ein- halten: wir werden für alles stimmen, was eine Verminde- rung der militärischen Lasten herbeiführt, und alles ve-werfen, was sie erschweren würde. Mit antimilitaristischen Resolutionen wird man den Militarismus nicht abschaffen. Keine Politik des Alles oder Nichts! Der Berichterstatter Delporte fordert, seinen Bericht resümierend, die Annahme folgender Forderungen: I. Allgemeine persönllche Dien st Pflicht; II. Herabsetzung der Dien st zeit auf das ge- ring st mögliche Maß; III. Herabsetzung der gesamten Dienstzeit von dreizehn auf sechs Jahre. H u b i n verteidigt seine Stellung in der Kammer zum Militär- gesetz: Die Vorschläge des Kriegsministers treffen sich mit unserem Standpunkt, und insofern habe ich zugesagt, das Projekt zu dis- kutieren. Vandervelde gibt die Erklärung ab. daß er für einen Antrag, der auf die alleinige Abrüstung Belgiens zielt, nicht st i m m e n würde. Zum Schluß der Debatte wird die Tagesordnung Delporte mit allen gegen 15 Stimmen angenommen, desgleichen eine Resolution Vandervelde, in welcher der Kongreß sich für eine Propaganda gegen den Militarismus erklärt und einer demo- kratischen Reform der Milizgesetze zustimmt, welche der Stell- Vertretung und der Auslosung ein Ende setzt, ohne daß dabei die militärischen Lasten erhöht werden. Keinesfalls dürfen die sozialistischen Deputierten einer Vorlage ihre Zustimmung geben, die eine Vermehrung der Lasten zur Folge haben würde. Zweiter Verhandlungstag. Brüssel. 13. April.(Eig. Ber.) Den Vorfitz führt wieder Deputierter Demblon. Genosse DeBroucköre, Chefredakteur des„Peuple", konstatiert die sich allmählich günstiger gestaltende finanzielle Lage deS Haupt- organs der Partei. Nach dem Bericht der Föderation der Konsumgenossenschaften geht der Parteitag in die Beratung des Gesetzes Woeste betreffend die Lehrerbildungsanstalten über. Vandervelde charakterisiert den Plan des klerikalen Führers Woeste, der sich anschickt, gegen eine Reihe von kommunalen und provinziellen Lehrerbildungsanstalten einen Schlag auszuführen, um die klerikalen Schulen zu fördern. Der Gesetzvorschlag, der die kommunale und provinzielle Autonomie zu einem leeren Wort machen würde, indem künftig Schulen nur mit Bewilligung der Regierung gegründet werden dürfen, eventuell auf ihr Geheiß unterdrückt werden müssen— dieser Anschlag müsse durch eine Agitation im ganzen Lande, durch Proteste der Gemeindeverwaltungen bereits im Keime erstickt werden, damit das Gesetz überhaupt nicht zur Diskussion kommen kann. Der Parteitag votiert einstimmig im Sinne Vanderveldes. Der Bericht über die Frage der„Schulkantinen" ver- weist den Kongreß auf zwei Gesichtspunkte: auf die Haltung, die die sozialistischen Vertreter m den Kommunal- und Landesverwaltungen zur Errichtung von Schulkantinen einzunehmen haben, und zweitens auf die Stellungnahme des Kon- gresses zum Gesetzvorschlag Woeste-Trooz. durch welchen den Kommunen und Hrovinzialverwaltungen das bis- herige Recht entzogen werden soll, autonom wie bisher über die Einführung der Speisung der Schul- linder und der Verabreichung von Kleidungs- stücken für Schulkinder zu verfügen. Der Woestesche Vorschlag zielt darauf ab, dieses Recht auf die Armenverwal- t u n g e n zu übertragen, wodurch das Recht der Schulkinder auf Speisung und Bekleidung in eine Wohltat umgewandelt wird und nicht mehr die„Bedürftigen", sondern nur die„Armen" dieser Vorteile teilhaftig werden würden. Genosse RenS ist der Meinung, daß man die klerikalen Schulen unter keinem Vorwand an kommunalen Unterstützungen teil haben lassen darf, daher die Schulkantinen nur Kindern der offiziellen Schulen! Wenn die Partei das Recht des Kindes auf Existenz geltend mache, so möge sie für G e m e i n d e k a n t i n e n eintreten, die allen Kindern offen stehen. Aber weder direkte noch indirekte Unterstützungen an die Klosterschulen l Auch Deputierter P e p i n vertritt in scharfer Weise diese Auf- fassung, die nach ihm dem Programm der Partei entspreche und die die Sozialisten in H e n n e g a u und in der Provinz L ü t t i ch ein- genommen haben, wo die von den kommunalen und provinzialen Verwaltungen gewährten Unterstützungen ausschließlich für die weltlichen Schulen reserviert sind. Auch P ö p i n ist für die Er- richtung von Gemeindekantinen, zugänglich für alle Kinder.„Aber keine Verquickung des öffentlichen Unterrichts mit dem klerikalen!" V i n k sagt, eS gäbe für die Partei nur einen Gesichtspunkt in der Frage: den des Klassen standvunktes. Kinder und oft auch die Eltern sind nicht verantwortlich für die Werke der Schule, für die oft ökonomische und andere Pressionen maßgebend sind. Wir würden nur die Opfer büßen lassen.... Aus den Unglücklichen, die man heute nicht nährt, würden später„Gelbe" und nicht„Rote" werden! Wo wir in der Majorität find, sagt Bink, gründen wir Gemeindekantinen, offen für alle Kinder, auch für die bedauernswertesten, die gar keine Schule besuchen! Sind wir in der Minorität, aber haben wir Einfluß auf eine der bürgerlichen Parteien, dann sorgen wir dafür, daß die möglichst große Anzahl Kinder vor physischer Verelendung geschützt wird!— Vergessen wir nicht, daß auch viele von uns religiös erzogen worden sind I Es sprechen noch einige Redner, zum. Schluß Abg. Deströe. Er empfiehlt die Tagesordnung Vandervelde. die die wünfchens« werten Richtungslinien vorschreibt. Diese Resolution stellt einleitend fest, daß eS entsprechend dem sozialdemokratischen Programm Pflicht der sozialistischen Abgeordneten ist, das Recht deS Kindes aus Existenz zu schützen, indem sie in den Kommunen die Schaffung von Gemerndekantinen anstreben, die allen Kindern ohne Unterschied zugänglich sein sollen. Ferner spricht der Kongreß den Wunsch aus. daß die sozialistischen Mandatare danach trachten, daß Gemeindekantinen errichtet werden, die allen Kindern bis zu 14 Jahren, ohne Rücksicht darauf, welche Schule sie besuchen und ob sie eine besuchen, zugänglich sein sollen: und beauftragt die sozialistischen Senatoren und Abgeordneten, den Antrag Woeste. de Trooz zu bekämpfen und keine Mühe zu scheuen, um seine Ver- werfung herbeizuführen. Mit großer Majorität verworfen wurde der Antrag Pöp in, der die von ihm vertretene Auffassung wiederspiegelt. Ein Antrag auf Erhöhung der Beiträge an den Generalrat wurde dahin erledigt, daß der Kongreß sich für die Abhaltung eines Referendums über diese Frage entschied. Der Präsident schloß hierauf, nachdem er noch der im nächsten Jahre stattfindenden K a m m e r w a h l e n in den flandrischen Landesteilen und des gleichfalls 1610 zu feiernden 2Sjährigen Gründungsjubiläums der belgischen Arbeiter- Partei gedachte, mit einem Hoch auf die Internationale den Kongreß._ fünfzehnter Parteitag der Sozialdemo- Kratiicheo Arbeiterpartei Holland;. Rotterdam» 12. April. Nach Troelstras Rede über die Wahltaktik hält W. H. V I i e g e n ein Referat über die Arbeiteraltersversicherung. Er widerlegte die verschiedenen Einwände der Gegner, die sie dieser Forderung ent- gegenstellen. Zum Schluß führt er aus, es sei ein Leichtes, die Mittel aus einer Vermögens- und Erbschaftssteuer mit richtig an- gewandter und genügender Progression zu finden. Die jetzt für Armenfürsorge verausgabten Mittel würden bedeutend abnehmen. Ferner seien aus einer Besteuerung der Aktiengesellschaften und der..toten Hand", sowie durch Beschränkung der Ausgaben für den Militarismus die Mittel leicht zu erhalten. Bei den Wahlen gelte es, diese Forderung energisch zu vertreten; die Partei müsse dabei betonen, daß die Arbeiter keine bureaukratische Versicherung wollen. Ueber den Zehnstundentag referiert I. van den Tempel, zweiter Schriftführer des Verbandes der GeWerk- schaften. Er fordert, daß man für diese Forderung bei den Wahlen kräftig eintrete. Dann referiert W i b a u t über die W o h n u n g s f r a g e. Er will den Entwurf eines Wohnungsgesetzes, der die Kammer beschäftigen wird, dahin verbessert sehen, daß den Gemeinden nicht nur erlaubt wird, sondern daß sie verpflichtet werden, Bauordnun- gen zu erlassen, die die Bewohnerzahl der Gebäude festsetzen, schlechte Wohnungen zu schließen, an gemeinnützige Bauvereinc Vorschüsse zu geben und selbst Wohnungen zu errichten. Und der Staat soll nicht nur die Befugnis, sondern die Verpflichtung haben, den Gemeinden Beiträge zu geben. An der Diskussion über diese Referate beteiligten sich IS Redner, worunter Th. van der W a e r d e n- Amsterdam S. der den bürgerlichen Kandidaten bei den Stichwahlen die Frage stellen will, ob sie für unbeschränktes allgemeines Wahlrecht sinh. Nur solche, die das erklären, sollen unterstützt werden, sonst niemand, w-">er offizi-l! noch offiziös. Stehen Gegner des Wahlrechts einander gegenüber, dann soll die Partei Enthaltung proklamieren. A. H. G e r h a r d- Amsterdam 1—6, wendet sich gegen Troel- stras Angriffe auf die ausgetretenen GGnossen, die Redner noch als Freunde betrachtet, wenn auch als verirrte, von denen er hofft, daß sie recht bald in die Partei zurückkehren. Aus dem Antrag der Abteilung des Redners, der das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen als einzige Wahllosung will, habe Troelstra eine Karrikatur gemacht. Ein Wahlprogramm sei ein Versprechen, das den Eindruck mache, daß es möglich sei. es zu erfüllen. Die lächer- liche Darstellung Troelstras, als ob des Redners Abteilung meine, daß mit dem allgemeinen Wahlrecht alles zu erreichen sei, weise er von sich. Aber erst nach Einführung des Wahlrechts sei etwas zu erzielen, ohne dieses nichts. Alles was ohne dieses Wahlrecht zustande komme, sei Betrug, verdorben, eine Scheinmaßregel. Des Redners Abteilung fühle, daß ein Wahlprogramm Ueberschätzung der parlamentarischen Arbeit sei. Nicht die Anzahl der sozialdemo- kratischen Abgeordneten bewirke es, daß eine Reform zustande- komme, sondern die Kraft der sozialistischen Bewegung. Leeuwenberg- Enschede. hält es für feststehend, daß unter den Genossen ein antiklerikaler Geist herrsche, weil die klerikalen Parteien stets der Reaktion dienten, die Liberalen aber seien jetzt ebenso reaktionär geworden, dahingegen trete ein demokratischer Sinn unter den katholischen Arbeitern auf, der gefördert werden müsse, die Scheidungslinie müsse sein: konservativ und demokratisch. Bei den Stichwahlen verlangt Redner strikte Enthaltung, wenn zwei Gegner des allgemeinen Wahlrechts einander gegenüberstehen. Namens der Abteilungen Amsterdam 5. 8 und 9. Hilversum, Enschede, Zaandam, den Haag, Middelburg, Horn, Rauwerd und Roordahuisum beantragt vanderGoes folgende Stichwahl- resolution: „Bei den Stichwahlen wird kein Kandidat unterstützt, der kein Befürworter des allgemeinen Wahlrechts ist. Die Partei empfiehlt in solchen Fällen ihren Wählern Enthaltung an." van der Goes ist erfreut darüber, daß Troelstra nicht mehr die Gegenüberstellung: Demokratie und Konservatismus gemacht habe, sondern die: Arbeit und Kapital. Deutlich müsse gezeigt werden, daß kein Vorzug für irgendeine bürgerliche Partei bestehe, demonstratio und absichtlich müsse Enthaltung bei Stichwahlen zwischen Gegnern des allgemeinen Wahlrechts emp ohler werden; einmal müsse damit ein Anfang gemacht werden und gelinge es auch nicht das erste Mal, auf die Dauer würden die sozialdemo- kratischen Wähler der Losung der Partei Folge leisten. Auch der größte Teil des Bormittags des dritten SitzungS- tages ist noch den Wahlen gewidmet. v a n K o l fürchtet, daß die Wähler die Enthaltungsparole nicht befolgen würden und Stichwahlenthaltung komme auf Unterstützung der Reaktion heraus, das klerikale Kuyper-Regime werde neu belebt und damit die Freiheit der Beamten, des Unterrichts usw. gefährdet. Die Befürworter der Stichwahlresolution van der Goes hätten kein Auge für die wirklichen Verhältnisse. Um deS allgemeinen Wahl- rechts willen förderten sie seine schlimmsten Gegner. Troelstra beantragt folgende Resolution: „Der Parteitag konstatiert, daß nicht der Gegensatz der bürgerlichen Parteien den politischen Kampf beherrscht, sondern der gesellschaftliche Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital, und daß es die Pflicht der Partei nst, die Augen der Arbeiter für diesen Gegensatz zu öffnen, damit sie sich dem Einfluß der kapita- listisch gesinnten Parteien entziehen und sich um die Partei ihrer eigenen Klasse, die Sozialdemokratie, scharen. Er beauftragt den Partcivorstand, die prinzipielle Bedeu- tung des bevorstehenden Wahlkampfes in einem Manifeste au die Arbeiter auseinanderzusetzen und darin den Standpunkt zu entwickeln, den die Arbeiterklasse sowohl beim ersten Wahlgang. wie bei der Stichwahl einzunehmen hat, alles in dem Sinne, wie es im Referate über die Angelegenheit auf dem Parteitage geschehen ist. Namentlich muß dabei den Arbeitern angeraten werden, sich auch bei den Stichwahlen nicht durch die Sucht leiten zu lassen, sei es den freisinnigen, sei es den kirchlichen Parteien eine Re- gierungsmehrheit zu verschaffen, sondern allein von dem Be- streben, die ökonomische und politische Stärkung der Llrbeiter- klasse zu fördern. Die Ausführung dieser Aufgabe wird dem Parteivorstand überlassen, der sich dabei mit den anderen leitenden Organen der Partei und für jeden bestimmten Fall mit der beteiligten Abteilung ins Einvernehmen zu setzen hat. in dem Sinne, daß in jedem Falle die Unterstützung der Partei dem Befürworter des allgemeinen Wahlrechts zu teil wird." In längerer Rede bespricht der Antragsteller die geführte Dis- kussion, aus der allgemeine Uebereinstimmung über die Grundlage des Wahlkampfes hervorgegangen sei. Nur das Programm und die Haltung bei den Stichwahlen seien kritisiert worden. Wenn man aber absichtlich vom Wahlprogramm die schon lange geforderten Reformen absetze und sich ans das allgemeine Wahlrecht festlege, ste'he man machtlos im Parlament. Der Delegierte bon Amsterdam 1— 6 habe indirekte Aktion in der Politik befürwortet, welche der syndikalistischen im ökonomischen Kampfe gleichzustellen sei. Redner befürwortet die Entscheidungsfreiheit des Parteivorstandes bei den Stichwahlen. Man müne auch mit der christlichen Dema kratie rechnen. Auf eine Frage eines Delegierten, was unter einem Befür- ivorter des allgemeinen Wahlrechts zu verstehen sei, antwortet der Vorsitzende V l i e g en, es stehe fest, was die S. D. A. P unter allgemeines Wahlrecht verstehe, die bürgerlichen Kandidaten aber könne man nicht auf jeden kleinen Untersatz hin examinieren, die Partei halte an der Allgemeinheit des Wahlrechts fest. Troelstra fügt hinzu, wenn die Formel der S. D. A. P. den bürgerlichen Kandidaten vorgelegt werde, dann wäre das über> flüssig, da keiner von ihnen für diese sei. Aber das all ge- meine Wahlrecht, wie es von der Liberalen Union und dem F re i s i n n ig- D em ok rat i sch c n Bunde be- fürwortet werde, sei der Förderung wert. Wer Prüfungszwang. Verstärkung der Ersten Kammer und dergleichen befürworte, werde nicht unterstützt, wohl aber derjenige, der zwar für allgemeines Männer-, aber doch für beschränktes FraueCvahb recht eintrete. Wibaut, Parteivorstandsmitglied, wendet sich gegen Unter- stützung der Befürworter des Damen-Wahlrechts. DerVorsitzende sieht hierin ebenfalls eine neue Klassen- forderung der Bourgeoisie. Troelstra: Dann fällt die Liberale Union für die Unter- stützung aus. Vorsitzender: Die Liberale Union schließt keine Klasse aus, aber will nur die unverheiratete Frau wählen lassen. Aus dieser Diskussion erhelle, daß man in dieser Versammlung nicht zu tief auf die Details eingehen könne. Die Resolution Amsterdam 1—6 wird schließlich bei der Abstimmung gegen nur 2 Stimmen ve r w o r f e n. Das Pro- gramm des Parteivorstandes wird mit beinahe allen Stimmen an- genommen, auch die Resolution Troelstra, während die von van der Goes mit großer Mehrheit verworfen wird. Hus Induftnc und Kandel. Die Hausse am Getreidemarkt. Wilde Spekulationsmanöver werden seit einiger Zeit von Amerika auS in Szene gesetzt. Schon ehe die Wirkung der amerikanischen Spekulationsmanöver sich auf dem hiesigen Getreidemarkte bemerk- bar machte, hatten die Getreidepreise steigende Richtung angenommen und einen recht hohen Stand erreicht. Steht doch Weizen schon seit einiger Zeit wieder erheblich über dem Niveau des Vorjahres. Anfang April notierte Weizen in Berlin pro Tonne 237,75 M., während im Vorjahre um die nämliche Zeit die Tonne 20ö M. ge- kostet hatte. Am 14. April notierte Weizen an der Berliner Produkten» börse 240—242, Weizen per Mai sogar bis 24V.26 M. Die gleiche steigende Tendenz wie am Berliner Weizenmarkte zeigt sich auch an den deutschen Provinz- sowie an den größeren Auslandsmärkten. Verfolgen wir die Preisbewegung bei Weizen an einigen wich- tigenMarktorten. so erhalten wir folgendes Bild: 1 Tonne kostete in Mark: wwg w.» bis April 206,50 287,76 208,50 235,00 282,00 254,50 215,95 239.85 180,80 199,30 168,76 199,15 Ebenso sind in Liverpool. Odessa und Chicago erhebliche Preis- peigerungen zu verzeichnen. Bemerkenswerterweise ist in Berlin die Preissteigerung noch größer als in New gjork. dem Ausgangspunkt der wilden Hausse. Nicht ganz so erheblich wie der Weizenpreis ist der Preis für Roggen im Laufe dieses Jahres hinaufgegangen. Eine Gegen- Überstellung des Roggenpreises an einigen bedeutenden Märkten des In- und Auslandes ergibt folgende Bewegung. Der Preis für Roggen stellte sich pro Tonne auf Mark: Anfang Januar 1909 Berlin. Danzig. Mannheim Budapest. Paris.. Stew Jork 32,20 26,50 22,00 23,90 18,50 80,40 Berlin. Danzig. Mannheim Odessa Januar 165,75 161,50 163.75 137,10 1909 April Steigenmg von Januar bis April 176,00 10.25 173,00 11,50 188.75 20.00 140.50 3,40 Auch hier: Deutschland mit der Preissteigerung voran! Weniger als der Weizen- und RoggenpreiS ist seit Januar der Preis für G e r st e gestiegen. Er ging am Berliner Markte von 138 bis 180 M. pro Tonne zu Anfang deS Monats Januar auf 144 bis 186 M. im April hinauf. Die diesjährige Aufwärts- bewegung ist noch deswegen bemerkenswert, weil im ersten Quartal 1903 eine Preisermäßigung eingetreten war. Damals war der Preis von 157 bis 180 M. im Januar auf 141 bis 168 M. im April gesunken. Wie bei Weizen steht demnach der Preis für Gerste gegenwärtig wieder höher als im Vorjahre. Dasselbe gilt für Hafer, der sich im Laufe des ersten Quartals fo verteuert hat. daß er nunmehr erheblich über dem Niveau des Vorjahres steht. Anfang Januar kostete eine Tonne Hafer erst 163 bis 181 M.. im April aber stellte sich der Preis bereits auf 172 bis 202 M.; er ist demnach innerhalb deS ersten Vierteljahres um durchschnittlich 15 M. hinaufgegangen. In der Vergleicbszeit des Vorjahres war er von Januar bis Anfang April um 10 M. gesunken: fz steht gegenwärtig um 18 M. höher als zu Anfang April 1908. Ueber die gestrigen Vorgänge an der Chicagoer Börse wird be- richtet t Unter ungeheurer Aufregung stürzte gegen Schluß der Getreide- börse Weizen, der für Mailieferungen bereits 1.29'/« erreicht hatte. bis 1,26. Patten sprang sofort in die Bresche und kaufte alle an- gebotenen Quantitäten, so daß es ihm gelang, den Preis für Mai- Weizen wieder bis 1.27'/2 zu treiben und daß Juli noch mit 1,15'/« schloß. Nach angeblich zuverlässigen Schätzungen hält Patten in Tuluth und MinneapoliS 23 Millionen Bushel Weizen für Mai- lieferungen zurück. Sollten sich diese Gerüchte bestätigen, so würde er tatsächlich den sechsten Teil des gesamten Weizens des Landes zur Verfügung haben._____ ElektrizitätS-LieferungS-G. Der Reingewinn deS letzten Jahres stellt sich auf 1 400 863 Mark>1907: 1 259 532 Mark); woraus wieder 10 Prozent Dividende auf die alten und 5 Prozent auf die neuen Aktien verteilt werden. Banken krachen. Die Bankfirma Luckmann u. Soltau in Lübeck hat ihre Zahlungen eingestellt. Hua der frauenbewegung. Eine Freiheit«- und Stimmrechtskämpferin. Als im Juni 1904 die greise 84 jährige amerikanische Frauen- eechtlerin Susan Anthony bei Begründung des«Weltbundes für Frauenstimmrecht" die Eröffnungsrede hielt, galten ihre ersten Worte«einer tapferen westfälischen Frau, Mathilde Franziska Annecke, die als treueste Kollegin. Jahr auf Jahr. Seite an Seite mit ihr für die Eroberung des Frauenstimmrechts gekämpft habe, und deren Wirken zweifelsohne der Hauptanteil des in Amerika von den Frauen Erreichten zu danken sei, welcher der erste Platz auf dem Gebiete der Frauenstimmrechtsbewegung gebührte!" Nach den Informationen der mit der Kämpferin seinerzeit lebenden Amerikanerinnen, nach eifrigster Korrespondenz der noch einzig lebenden Tochter in Amerika, und nach fleißigen Material- studien hat Frau Rüben uns nun das Leben und Wirken der Frau Aunecke in einer kleinen Schrift nahe gebracht. Das Lebensbild einer hochbegabten Frau entrollt sich vor unseren Augen. Kraft ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebenserfahrungen hat sie sich aus der streng orthodox erzogenen, schwär- merischen Katholikin zur entschieden st en Frei- denkerin durchgerungen, die vor keinen Konse- quenzen der neuenWeltanschauung zurückschreckte. Wenn auch nicht offiziell, jedenfalls der Gesinnung nach, gehörte sie zu uns. Lassen wir Frau Rnben sprechen: Nachdem Mathilde als Tochter eines Domänenrats Gießler auf dem Gute ihres Großvaters in einem herrlichen Stück Natur in West- falen eine schöne Jugend verlebt hatte, in der jedoch schon bei dem begabten, lebhaften, phantastisch grüblerischen Kinde Glauben und Wissen mitunter in Konflikt gerieten.— wurde sie als Neunzehn- jährige einem Gerichtsrat von Tabouillet vermählt. Diese Ehe wurde schon nach Jahresfrist(1337) wieder gelöst. Nach dieser Zeit. während der sie auch noch um den Besitz ihres Töchterchens zu ringen hatte, flüchtete sie in die Arme der katholischen Kirche, die(wie eS in ihrer Biographie heißt)«mit ihrem bestechenden Schaugepränge, mit ihrem klug berechneten Kultus Kopf und Seele der jugeiid« lichen Phantastin gefangen genommen hatte." Zwei Gebet- bücher waren das Produkt ihrer damaligen Seelenverfassung,— ihre ersten Gedichte. Bald folgten auch andere schriftstellerische Erzeugnisse mehr literarischen Inhalts: Gedichte, Novellen, Kunst- beschreibungen und dergl. Im Jahre 1844, in welchem erst ihre Scheidung ausgesprochen wurde, entstand ein in Versen geschriebenes Künstlerdrama, das bald mit Erfolg aufgeführt wurde. Ein hohes Lied der Liebe war dieses Drama, und zugleich läßt eS zum ersten Male die Zweiflerin deS Glaubens durchblicken. In den darauffolgenden Jahren 1845 und 1846 vollzog sich in ihr die innere Wandlung. Nach schweren Seelenkämpfen streifte sie die Fesseln deS katholischen Glaubens mutig ab. Während dieser Zeit hatte bereits eine tiefe Liebe zu dem da- maligen preußischen Artillerieoffizier Fritz Annecke ihr Herz aus gefüllt. Im Jahre 1847 zog sie mit ihrem Töchterchen nach Köln, wo sie seine Frau lourde. Gerade zur Zeit der Gärung im deutschen Lande war es. Da malS redigierte Karl Marx die.Rheinische Zeitung", in der die frei- heitlichen Gedichte eines Herwegh, Fallersleben und Freiligrath er- schienen. Auch Fritz Annecke zählte zu den Freiheitsbegeisterten, und diese en. Auch Fritz Annecke zählte zu den Freiheitsbegeisterten.! Freiheitsdichter und viele andere Gleichgesinnte trafen tm Hause"Annecke zu politischen und literarischen UnterhaltungSabenden zusammen. Infolge eines Hochverratsprozesses geriet Fritz Annecke elf Mo- nate in politische Gefangenschaft.— Während dieser Zeit gründete Frau Annecke die„Neue Kölnische Zeitung" und redigierte sie in revolutionärem Geiste. Dieses Blatt sowohl als auch eine.Frauen zeirung", die sie einige Zeit herausgab, wurden bald unterdrückt. Sie hatte sich auch der kleinen Schar der Kämpfcrinnen angeschlossen. die für die soziale und politische Gleichberechtigung sich betätigten. In den Freiheitskämpfen von 1848/49 übernahm Fritz Annecke einen Fllhrerposten im badifch-pfälzifchen Revolutionsheer. Frau Annecke war auf vielen Irrfahrten an die Seite ihres Gatten geeilt, mit dem sie das Schicksal teilen wollte. Ob ihrer Amazonenrolle ist sie vielfach geschmäht worden; sie schreibt darüber in ihren Memoiren, daß sie damals um nnldes, verständnisvolles Urteilen bat und sagte zum Schluß:.Nicht der Krieg bat mich gerufen, sondern die Liebe;— aber ich gestehe eS Euch, auch der Haß, der glühende im Kampf deS Lebens erzeugte Haß gegen die Tyrannen und Unter drücker der heiligen Menschenrechte!" An anderer Stelle spricht sie sich über den Krieg aus:.Ha. das Kriegshandwerk! ES schauderte mir mit seinem Entsetzen durch die Seele! Gesegnet jenes FrühlingSdichterS zukünftiges Ostern, daS fein Auge blühen sieht und nach dem die Menschheit daS Schwert nicht mehr kennen soll!" Hoch zu Roß war sie an der Seite ihres Gatten in Karlsruhe und Rastatt eingezogen. Fritz Annecke wurde zum Inspektor des Materials in der Festung ernannt; er entwich später, vor der ernierung, nach Frankreich. Den Fehlschlag der Revolution führt rau Annecke auf den»Mangel einer guten Organisation der Volks Partei" zurück. Ein großer Teil der politischen Flüchtige der„Achtundvierziger" in Amerika, zu denen auch AnneckeS gehörten, konnten sich drüben nicht durchsetzen. Zu den wenigen, die sich durch ihre Kenntnisse und ihre Persönlichkeiten durchsetzten, gehörte auch Frau Mathilde Franziska Annecke, die, wie ihr amerikanischer Biograph sagte,»turmhoch auS dem Schwann ihrer Zeitgenossen emporragte."„Sie wurde von den Un- gebildeten häufig ungerechterweise„Blaustrumpf",„Emanzipierte� oder.Weiberrechtlerin" genannt, diese Frau." so schrieb er,„die in ihrem Gemütsleben nichts als ein liebendes, aufopferungsfähiges und aufopfenmgsfreudigeS Weib war,— die dem Manne ihrer Wahl ihr Herz und ihre Treue gab, den Kindern ihre Zärtlichkeit den Unterdrückten ihr Mitleid, den Unterdrückern ihren Haß, den Armen und Elenden ihre Sympathie, ihre Hilfe." Sie selbst klagte nie; wenn das Schicksal sie recht hart anfaßte, so klagte sie ihr Leid in ihren Gedichten auS. Ihre ersten schriftstellerischen Arbeiten in Amerika 1349, namentlich ihre Gedichte zeugen noch von einein tiefen Schmerz um das verlorene Vaterland. Ain 16. April 1850 hielt sie in Milwauky ihren ersten großen öffentlichen Vortrag, in dem sie die revolutionären Ereignisse und ihre darin eigenen Erlebnisse schilderte. Kurz daraus hielt sie einen zweiten großen Vortrag zur Verherrlichung der Revolutionspoesie. Damit war sie der Oeffentlichkeit gewonnen. Bald griff sie in die Tagesfragen und Kämpfe ein, welche die neue Heimat be- wegten. Im September 1853 nahm sie an der zu New Uork abgehaltenen Konvention der Frauenrechtler teil und hielt als erste deutsche Rednerin in diesem Lande eine Ansprache.»ES bedurfte auch dainalS in Amerika noch hohen Mutes, sich zu den Frauenrechtlerinnen zu bekennen", schrieb ihr Biograph. In den auf diese Konvention folgenden Jahre bereiste Frau Aunecke als Agitatorin für die Frauensache die ganzen Vcr« einigten Staaten von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, wo rhre Vorträge mit größter Begeisterung aufgenommen wurden. "••— � setzte sie für die soziale und politische Gleichstellung der beiden Geschlechter ein, da sie die Lage der Frauen als eine entwürdigende, absurde erkannte. Im Jahre 1865, nachdem sie ihre langjährige Freundin, die geistvolle amerikanische Dichterin Mary Booth bis zum Tode ge pflegt hatte, gründete sie in Milwauky eine Mädchenschule, die sehr bald emporblühte und im ganzen Lande eine» guten Klang hatte. Ihr tiefes Gemüt und ihr feinsinniger scharfer Verstand hatte sie zur großen Pädagogin gestempelt. DaS Samenkorn ihrer Begeisterung für Freiheit und Gleichheit, für die heiligsten Menschenrechte, für alles Edle und Schöne, das sie in den vielen vielen jungen Mädchenherzen, die ihre Schülerinnen waren, gepflanzt hat, ist in den Herzen der freiheitsbegeisterten Amerikanerinnen der nachfolgenden Generationen erblüht! Und so konnte Susan Anthony im Juni 1904 mit Recht sagen, daß dem Wirken dieser tapferen westfälischen Frau, Mathilde Franziska Aunecke, die als eine der bedeutendsten Deutsch-Amerikanerinnen genannt wird, zweifelsohne für den Hauptanteil des von den Frauen rn Amerika Erreichten zu danken fei. R. H. Die Suffragetten als Künstlerinneu der Reklame. Am 14. April veranstalteten die Anhängerinnen der Frauen- stimmrechtSbewegung in London einen Bazar zugunsten ihres Agitationsfonds. Um auf diese Veranstaltung aufmerlsam zu machen, ließen sie durch die vornehmen Straßen deS Londoner Westends einen Heuwagen fahren, der mit den Farben ihrer Ver- einiaung dekoriert war, und an dem Luftballons mit der Inschrift »Stimmrecht für Frauen' bezlv.»Wann werden wir da« Stimm- recht erreichen?' angebracht waren. In dem Wagen thronten auf dem Heu vier Kinder in ländlicher Tracht mit Heugabeln und Rechen. Bersnmmlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Wegen Erkrankung der Schriftstellerin Klara Viebig muß die Vorlesung derselben auf Montag, den 26. April, verlegt werden. Unsere Versammlung am 19. April findet jedoch statt und wird Wally Zepler über das Thema„Aus der modernen Ronian« literatur" sprechen.— Gäste willkommen. Versammlungen. Ecne große öffentliche Protcstversammlung der Tabakarbeiter und-Arbeitcrinucn, Zigarrenfabrikanten, Zigarrenhändler und sonstiger Interessenten tagte am Donnerstag in der Brauerei Friedrichshain. Sie war einberufen von der Zentralkommission der Tabakarbeiter Deutsch- lands. Genosse A. v. Elm- Hamburg referierte über:„Der Verrat des Deutschen Tabakvercins und der Antrag Dr. Weber- Mommsen oder die Ver. nichtung zehntausender Existenzen von Tabak. arbectern und Kleingewerbetreibenden". Redner erinnerte daran, daß die Tabakindustrie früher allen Versuchen. eine Mehrbelastung des Tabaks herbeizuführen, in geschlossener Gesamtheit entgegengetreten sei. Diese Geschlossenheit sei auch von Erfolg gekrönt gewesen. Als aber 1905/1906 die Einigleit fehlte, da habe man die entgegengesetzte Wirkung gesehen, indem zunächst ein Teil der Tabakindustrie, die Zigarettenindustrie, mit einer Mehrbelastung beglückt wurde. Die damals die Situation überschauten, hätten den Herren von der Zigarcttcnbranche gleich gesagt, welch taktischer Fehler ts sei. der Regierung auch nur in einem Punkte en, gegenzukommen. Auch die Befürchtung, daß einer Mehrbelastung der einen Branche der Versuch der Mehr- belastung der übrigen Tabakindustrie folgen würde, habe sich jetzt bewahrheitet. Redner schilderte nun, wie in dem jetzigen Kampfe gegen die Mehrbelastung des Tabaks den Außenstehenden gegenüber der Anschein erweckt worden sei, als stände die ganze Industrie in der früheren Geschlossenheit zusammen, um jeder Mehr- belastung entgegenzutreten, während tatsächlich von vornherein schon diese Geschlossenheit nicht vorhanden gewesen sei. Tatsäch- lich sei es seitens des Deutschen Tabakvereins nur ein taktischer Zug gewesen, wenn er der Öffentlichkeit gegenüber so tat, als würde er den Kampf gegen jede Mehrbelastung fortsetzen bis zum Ende. v. Elm belegte das mit einer Reihe von Tatsachen und wies nach, daß die Großfabrikanten einer Zoll- erhöhung sympathisch gegenüberstanden und daß der Tabakvereins. Vorstand schon im Januar geneigt gewesen sei, der Regierung entgegenzukommen. ES sei schon damals der Umfall des Tabat- Vereins vom März vorbereitet worden. Auf der entscheidenden Zusammenkunft der Herren vom Tabakverein im März dieses JahreS sei flehentlich gebeten worden, der Regierung das Angebot einer Zollerhöhung zu machen, weil sonst der Bülow-Block aus- einanderfiele. Was gehe die Tabakinteressenten der Bülow-Block an, wo es sich um die Existenz vieler Tausender von Arbeitern und auch von kleinen und mittleren Gewerbetreibenden handele. Dieser Umstand habe ja auch in Herford dazu geführt, daß aus Westfalen dort 18 000 Interessenten, darunter neben den Ar« bcitern auch die westfälischen Fabrikanten, einmütig gegen jede Mehrbelastung des Tabaks protestiert und auch energischen Protest eingelegt hätten gegen den Beschluß des Deutschen Tabakvereins, der Regierung eine Zollerhöhung anzubieten, und gegen den ent- sprechenden Antrag der Abgeordneten Weber und Mommsen. Es zeigte sich hier der Gegensatz der Interessen zwischen den kleinen und den großen Fabrikanten: die westfälischen Unternehmer führen den Kampf einmütig mit den anderen interessierten Schichten unentwegt weiter und die Großfabrikanten, namentlich die Ham- burgS, sind für den Zoll. Die Behauptung des Deutschen Tabak- Vereins, daß er nur daS kleinere Uebel gewählt habe, wies Redner im Hinblick auf die ganze Situation als haltlos nach. Dann legte er dar, daß bei früheren Gelegenheiten die Vertreter des Deutschen Tabakvereins selbst erklärt hätten, daß eine bestimmte Zollerhöhung 40 000 Arbeiter brotlos machen und Hunderttausende von Menschen in ihrer Existenz empfindlich beeinträchtigen werde. Im Bewußtsein solcher Folgen habe der Tabakverein trotzdem seinen Vorschlag gemacht, den Zoll von 85 auf 140 M. zu erhöhen. Deshalb sei daS ein ganz unerhörtes Vorgehen. Es sei gewissen- los, einen solchen Vorschlag zu machen. Auch die Regierung sei sich klar über die Folgen. Wenn es sich um die Agrarier handele. dann greife sie schützend ein. Handele eS sich aber um die Massen kleiner Leute und um die Existenz von Zehntausenden von Ar- bcitern, dann kenne man den Schub nicht, den man anderen gewähre. Der Zigarrenarbciter, der arme Krüppel, könne ja seine Existenz verlieren. Unter lebhaftem Beifall forderte Redner dazu aus, zu protestieren, solange eS noch Zeit sei. Der Vorsitzende Börner teilte mit. daß die Abgeordneten Mommsen und Weber eingeladen wären, ebenso der Berliner liberale Reichstagsabgeordnete Kämpf(1. Wahlkreis), dessen bisher unbekannte Stellung zu der Streitfrage man gern kennen lernen möchte. Es meldete sich keiner der Herren. Von einer Diskussion nahm man darauf Abstand. Einstimmig angenommen wurde folgende Resolution: „Die Versammlung aller Interessenten der Tabakbranche bon Berlin und Umgegend protestiert auf das entschiedenste gegen die vom Deutschen Tabakverein vorgeschlagene und von den Ab- geordneten Weber und Mommsen beantragte Erhöhung des Tabakzolles von 85 M. auf 140 M. Die Wirkung einer solchen Zollerhöhung würde eine Stärkung der Position der kapitalkräftigen Großfabrikanten im Konkurrenzkampf gegen- über den mittleren und kleineren Fabrikanten sein, der Handel würde durch den eintretenden Konsumrückgang schwer geschädigt werden und der schließliche Ausgang des Ringens aller gegen alle der fein, daß die Existenz zahlloser kleinerer und mittlerer Betriebe in Fabrikanten und Händlerkreiscn vernichtet würde. — Nach der einwandfreien Schätzung von Nationalökonomen würde der Rückgang des Konsums mindestens in gleicher Höhe der Mehrbelastung der Konsumenten eintreten, also mindestens 60 Millionen betragen. Dieser Minderkonsum würde die Ent- lassung von 25 000 Arbeitern erforderlich machen. Für die in Arbeit Verbleibenden würde das vermehrte Angebot von Arbeit?- kräften einen starken Lohndruck und eine Herabdrückung ihrer Lebenshaltung bewirken.— Die Versammlung protestiert des- halb auf das energischste dagegen, daß die am 23. März in Berlin versammelten 81 Großfabrikanten der Tabakindustrie der Jinanzkommission des Reichstags den Vorschlag einer Er- höhung des Zolles von 85 M. auf 140 M. unterbreitet haben. Die Versammlung schließt sich völlig der Kundgebung des w e st- f ä l i f ch e n Tabakvereins an, in welcher dieser Vorschlag de? Deutschen TabakvereinS als„verwerflicher Egoismus" und als ein„Verrat an den Interessen der gesamten Industrie" ge- brandmarkt wurde."_ Eingegangene Druchfchnftcn. ®U Bank. 4. Heft. Monatsheft für Finanz- und Bankwesen. HerauS- leber Sl. LouiSbmgh. Quartal 4 M. Selbstverlag, Eharlottenburg, Viclandstr. 13. Jakob von Guuken. Ein Tagebuch von Si. Walser. LOS Selten. B. Cassirer, Berlin W. 35. Aussichten für den Bergbau in den deutschen Kolonien. Eine Aus- orderung an deutsch« Prospektoren zur Betätigung in unseren KolonUn. Herausgegeben vom Kolontal-WIrtschastlichen Komitee. Berlin NW., Unter den Linden 43._ Anleitung für Kassenärzte von Weck. IM.—„Cavete", Em releS Wort an die deutsche Aerzteschaft von Dr. F. Döring. 50 Ps. Ed. Schnapper, Frankfurt a. W- Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Ver antwortung. Theater. Sonnabend, den 17. April. Anfang 7%, Uhr. Königl. Opernhaus. Der Freischütz. Königl. Schauspielhaus. Der Schlagbaum. Neues königliches Operntheater. Geschlossen. Deutsches. Faust. Stammeripiele. Der Arzt am Scheidewege.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Leffing. Wenn wir Toten erwachen. Neues Schauspielhaus. Scho Westen. Der Jockeyklub. PechBerliner. Giner von unsere Leut'. Neues. Die fremde Frau. Thalia. Wo wohnt sie denn? Komische Oper. Tosca. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Lustspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Hebbel. Revolutionshochzeit. Schiller 0.( Wallner 3 henter.) • Die Welt in der man sich langweilt. Nachmittags 3 Uhr: Die Braut von Meffina. Schiller Charlottenburg. # Urania. Wissenschaftliches Theater. .Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korfu. Hörsaal 8 Uhr: Dir. Dr. P. Schwahn: Wasser und Wind als Naturmeissel. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Kyritz- Pyrik. Bosse mit Gesang in drei Aften von Willen. Wochentagspreise. Sonntag nachm.: Die Grille. Abends: Kyriz- Byrik. Anfang 8 Uhr. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Der Flachsmann als Erzieher. fchwarze Kavalier. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Der Dorftyrann. Luisen. Flachsmann als Erzieher. Trianon. Liebesgewitter. Neues Operetten. Die Dollar: prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Das Himmelbett.( Anf. 8% Uhr.) Bernhard Moje. Sthriz- Pyriz. Gastspiel- Theater. Der Hund von Baskerville. Gebrüder Herrnfeld. Sonntag 3 Uhr: Romeo und Julia. 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Im Hörsaal 8 Uhr: Direktor Presse glänzend April- Programm. Reservierter Pl. 2 M. Entree 1 M. ( einschl. Programm u. Garderobe) Morgen Sonntag; Dr. B. Schwahn: Wasser und Letzte Nachmittags- Vorstellung. Wind als Naturmeißel. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62, Anfang 32 Uhr. Lessing- Theater. Sonnabend 8 Ubr: 3bfen- 3ytlus ( letzte Vorstellung): Wenn wir Toten erwachen. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Anjang 8 Uhr. Die fremde Frau ( La femme X:...) Morgen und folgende Tage: Die fremde Frau. Kleine Preise. Passage- Theater. Die maurische Schlangentänzerin Yaka- Jshad Gastspiel der GarlandNegeroperette 18 Solokräfte und das grandiose April- Programm. Der größte Variété Erfolg den je Berlin gehabt! Theater des Westens. Passage- Panoptikum. Allabendlich 8 11hr: Der Jockeyklub. Sonntag nach m. 3/4 Uhr halbe Preise: Ein Walzertraum. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 17. April, Anfang 8 1hr: Der Dorftyrann. Sonntag nachm. 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends 8 Uhr: Othello. Montag: Der Dorftyrann. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Während der Osterferien, vom 4. April bis inkl. 18. April: Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Alle Extra- Sehenswürdigkeiten frei! Eintritt 50 Pf. Kinder ohne Begl., Soldaten 25 Pf. Pala alast- Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Sonnabend, den 17. April und folgende Tage: Internation.Ringkampf- Konkurrenz Kümmere Dich um Amelie. um die Siegesprämie von 4500 M. Schwant in 3 Alten( 4 Bildern) von Feydeau. Morgen u. folg. Tage: Dief. Borstellg. Sonntag, den 18. April, 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. apollo Theater Prolongiert Gastspiel Wiesenthal. Neues Programm: a) Gavotte aus ,, Manon" von Massenet. b) Des- dur- Walzer von Chopin. c) An der blauen Donau von Strauß. d) Pester Walzer von Lanner. Ferner: Debut Amélie de L'Enclos Stimmphänomen u. d. gr. Programm. in bar. Bis heute haben sich 20 der ersten Ringkämpfer des Ju- und Auslandes gemeldet. Heute ringen: 1. Karl Herrmann, Meisterringer von Berlin, gegen Michael Brenno, Steter mart. 2. A. Christensen, Schweden, gegen Karl Kornatzki, Meisterringer von Polen. 3. Willy Felgenhauer, Nirdorf, geg. Pierre de Rouen, Frankreich. Außerdem: Das Monster- Progr. 20 Attraktionen 20. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr. Preise wie gewöhnlich. Valhalla Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Lustspiel in 3 Aufzügen von Eduard Pailleron. Ende 10% Uhr. Sonntag, nahm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Montag, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Schiller Theater Charlottenburg. Sonnabend nach m. 3 Uhr: Die Braut von Messina. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. Ende 5 Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der schwarze Kavalier. Ein deutsches Spiel in 3 Aften von H. Lilienstein. Ende 10 Uhr. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Rechts herum. Sonntag, abends 8 Uhr: Macbeth. Montag, abends 8 Uhr: Macbeth. PANOPTICUM CASTAN'S Friedrichstr. 165( Pschorrpalast). Heute und morgen Sonntag, letzte Jeder Besucher kann ein Kind frei einführen. Familientage! Humor. Künstler- Abende. Hervorragendes Programm. Erstklassige Künstler. Sonntags: 2 Vorstellungen. ,, Bellachinis Zauberwelt" ausgeführt von Eugen Schröder und Margarete Fara. Nachmittagsoiréen stündlich. Hauptsoirée: 8 Uhr abends. www.Brauerei Friedrichshain Heute Sonnabend, den 17. April 1909: großen Zweiter Tag internationalen Ringkämpfe um die Weltmeisterschaft in Leichtgewicht und Siegesprämie von 3000 M. Bisher haben sich ca. 34 der namhaftesten Ringer aller Länder gemeldet. Heute ringen 4 Paare, welche durch das Los bestimmt werden. Vor den Zirkus Busch. Sonnabend, 17. April, ab. 7, Uhr: Große Gala- Vorstellung. 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Vorstand und Bureau legen folgende Resolution vor: „Zu den Forderungen, welche die organisierte Arbeiter- schaft berechtigterweise an Reich, Staat und Kommunen zum Schutze des.Lebens und der Gesundheit stellt, und denen die sozialpolitische Gesetzgebung Rechnung tragen sollte, gehört auch die Erwcrbslosenunterstützung. Leider ist jedoch nicht zu erwarten, daß von dieser Seite in absehbarer Zeit irgend etwas getan wird, was geeignet ist, irgend einen wirksamen Schutz gegen die Folgen der Ar- beitslosigkeit zu bieten. Selbst für den Fall, dag man von jener Seite aus der Frage näher tritt, ist vorauszusetzen, dah die Einrichtung den berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft schwerlich Rechnung tragen würde. In erster Linie würde man die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften einzuschränken ver- suchen. Es liegt daher im eigensten Interesse der Arbeiter, die Einführung dieser Unterstützungseinrichtung selbst in die Hand zu nehmen, und dies haben die freien Gewerkschaften in ihrer großen Mehrzahl schon mit Erfolg getan. Dieser Unterstützungs- einrichtung ist um so mehr Wert beizulegen, als feststeht, daß dieselbe geeignet ist, die Widerstandskraft der Arbeiter gegen Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erheblich zu stärken. Schon seit den neunziger Jahren wurde dies in den Reihen der Stukkateure und Gipser immer mehr erkannt, so daß der Verbandstag in Nürnberg den Beschkuß faßte, die Erwerbs- losenunterstützung einzuführen. Dieser Beschlutz löste jedoch in den Reihen der Mitglieder eine Opposition aus, die zu dem jetzigen Verbandstage führte. Die Teilnehmer des 7. Verbandtages erkennen die Wichtig- keit der Erwerbslosenunterstützung voll und ganz an. Der Ver- bandstag beschließt jedoch, die Einführung derselben von einer Urabstimmung abhängig zu machen. Die Erwerbslosenunter- stützung soll am l. April 1910 nach der Vorlage des Haupt- Vorstandes eingeführt werden, wenn gl) Prozent der Ab- stimmenden sich für dieselbe erklären. Da die Aufklärung über die Tragweite der Erwerbslosen- Unterstützung in den Reihen der Mitglieder vieles zu wünschen übrig läßt, so hat der Hauptvorstand noch reichliche Agitation für dieselbe in den Filialen zu betreiben und verpflichten sich die Delegierten, ihr möglichstes hierzu mit beizutragen. Sollte wider Erwarten die Urabstimmung die Ablehnung ergeben, so beschließt der Verbandstag weiter: it. Die Kontrolle über die Erwerbslosigkeit ist auf Grund der vom Hauptvorstande getroffenen Bestimmungen strikte durchzuführen, da nur dadurch eine feste Grundlage über die Möglichkeit der Einführung für unsere Organisation gegeben werden kann. 2. Die Frage ist durch Agitation in Wort und Schrift immer mehr zu klären, so daß sämtliche Mitglieder Gelegenheit haben, sich eine feste Meinung üher die Notwendigkeit und die Tragweite dieser Unterstützungseinrichtung zu bilden.. 8. Gestützt auf die Ergebnisse der beiden vorstehenden Punkte hat der Hauptvorstand dem nächsten Verbandstage eine neue Vorlage zu unterbreiten, welche den Mitgliedern so früh- zeitig zugänglich gemacht wird, daß es möglich ist, dieselbe reiflich zu diskutieren, sy daß der. 8. Verbandstag die definitive Entscheidung über diese Frage treffen kann." Hagen- Leipzig weist den Vorwurf zurück, daß die Stukka- teure rückständig in der Beitragszahlung seien. Der Antrag Koblenz muß abgelehnt werden. Besser ist noch eine Radikalkur durch Annahme der Hauptvorstandsvorlage. Bömelburg hat in Hannover nicht gesagt, daß die Maurer aus anderer Leute Fell Riemen schneiden wollten, vielmehr hat er.die Stukkateure gemeint. Langer- Dresden sagt, der eventuelle Mitgliederverlust bei Erhöhung der Beiträge sei gefährlich für die Lohnbewegung. Aber trotzdem müßten wir ein Bindemittel schaffen.— U m b r e i t hält es nicht für ratsam, über die Vorlage des Hauptvorstandcs in Urabstimmung zu entscheiden. Die Entscheidung kann nur rein prinzipiell sein.— öi ebeler bestreitet, daß der Vorstand nicht genügende Aufklärungsarbeit verrichtet Ajabe. Wir haben sogar in den Filialen geredet. Der Vorstand besteht aber nicht auf der erweiterten Vorlage.— Schölt- Hamburg verweist auf die famose Arbeitslosenunterstützung, die Berliner Arbeitgeber neuerdings errichtet haben. Da müssen die Arbeiter auf die Organisationszugehörigkeit ohne weiteres verzichten. Hohn- Raeren sagt, mit dem geringen Verdienst in seinem Bezirk seien keine höheren Beiträge zu zahlen.— R i ß m a n n- München ist Gegner; bei Einführung ersucht er um Erweiterung der Karenz- zeit auf 1 Jahr.— R a t h k e° Berlin meint, die Gegner hätten sich keine besondere Mühe gegeben, stichhaltige Gründe vor- zubringen. Seit Vorlage der Resolution ist ein sonderbarer Stimmungswechsel zutage getreten. Odenthal begründet die Resolution. Die Debatte hat ge- zeigt, daß wirkliche prinzipielle Gegner nicht mehr auf dem Ver- dandstage vorhanden sind. Die Unkenrufe über Mitglieder- Verluste sollten nicht so bedenklich stimmen: die erschallen jedes- mal. wenn den Mitgliedern von der Organisation größere'Opfer auferlegt werden. Es sprechen noch Korn- Wiesbaden, M u t s ch l e r- Colmar. Württemberger- Nürnberg gegen, Edler- Hamburg, Hauke- Berlin und Jäger- Köln für die Einführung. Referent T h i e l b e r g sagt in seinem Schlußwort, daß Hagens Ausführungen, die Gewerkschaften geraten mit der Aus- dehnung der Unterstützungseinrichtungen in den Sumpf bürger- licher Versicherungsvereine, zurückzuweisen seien. Den Kampf- charakter einer Organisation bezeugen nicht die Zahl der Streiks oder die Aufwendungen, sondern die Erfolge. Es sind in der deutschen Gewerkschaftsbewegung gewaltige Epfolge in bezug auf die Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung errungen. Die Be- fürchtung, daß bei höheren Beiträgen Mitglieder austreten oder zu anderen Verbänden übertreten werden, ist unbegründet. Die Schraube ohne Ende im Beitragszahlen besteht, daran sind aber nicht wir schuld, sondern die Unternehmer. Weil die Gewährung materieller Vorteile gewaltig zur Förderung des Organisations- gedankens beitragen wird, hoffe ich, daß bei der Urabstimmung eine Ablehnung des Vorstandsantrages nicht erfolgen wird. Zu der Resolution beantragt Schupp- Mannheim, dem Schlußsatz des Absatz 5 folgende Fassung zu geben:„Der Verbands- tag beschließt daher, die Einführung vorzunehmen, wenn bei einer vorzunehmenden Urabstimmung sich 60 Proz. der Abstimmenden für dieselbe erklären." O e h l- Hamburg beantragt, statt 60 Proz. zu setzen:„die einfache Mehrheit". In namentlicher Abstimmung wird dann der R e- s o l u t i o n von sämtlichen Anwesenden mit Ausnahme von Schupp-Mannheim z u g e st i m m t. Der Vorsitzende bemerkt noch, daß die Zahlung der erhöhten Beiträge vom 1. April 1910, die Zahlung der Unterstützung vom 1. Oktober 1910 ab beginnen soll, falls in der Urabstimmung die jErweroslosenunterstützung Annahme finden sollte. In der Nachmittagssitzung wurde nach einem instruktiven Lieferat von Odenthal über Punkt 3 der Tagesordnung: Lohnbewegungen und Streiks, verhandelt. Momente, die Interesse für die breite Oeffentlichkeit hätten, traten bisher nicht zutage. 10. Nerbandstag des Ientralverbandes der baugewerblichtn Hilfsarbeiter Dentschlauds. Vierter Berhandlungstag. K ö l n. IS. April 1909. Als Berichterstatter über den Hamburger Gewerkschafts- kongreß erhält Ahrends- Köln das Wort. Redner gibt in längeren Ausführungen ein anschauliches Bild von den dort ge- pflogenen Verhandlungen und Beschlüssen. Hauptsächlich freut es ihn, daß die Nachklänge von Hamburg harmonischer waren als die vom Kölner Gewerkschaftskongreß. Am Schluß seiner Aus- führungen betont er, daß jeder zur Verhandlung gekommene Punkt so seine Erledigung gefunden habe, wie es im Interesse der Arbeiterbewegung notwendig ist. Im besonderen weist er auf die zwingende Pflicht der Kollegen hin, die Jugendorganisation zu fördern mit allen Mitteln und Kräften. Die Debatte über dresen Punkt wird von Röske, Redakteur, eröffnet; selbiger spricht speziell zur Maifeier. Redner betrachtet die Maifeier als eine Jdealfeier, die nicht von Unterstützungseinrichtungen abhängig sein dürfte. Selbst alte Führer unserer Bewegung seien mit der Entwicklung der Mai- feier nicht zufrieden. Aus dem Munde eines Genossen wisse er. daß man 1889 nur eine einmalige Demonstration auf dem weiten Erdenrund veranstalten wollte, um die Forderungen auf Ver- kürzung der Arbeitszeit, Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung und für den Völkerfrieden die Massen interessieren und der Herr- schenden Gesellschaft zu zeigen, daß die Arbeiterschaft wach und bereit sei, um Verbesserung ihrer Existenz und Erlangung ihrer Rechte zu kämpfen. Der Plan ging weiter dahin, daß man all- jährlich aufs neue nachprüfen wollte, ob die Demonstration unter gegebenen Verhältnissen praktisch sei. Daß die Maifeier eine feste Form angenommen habe, sei auf„Unfern Alten", auf Lieb- knecht zurückzuführen, der die Sache so verstanden und ausgelegt habe, daß die Demonstration durch Arbeitsruhe alljährlich zu voll- ziehen sei. Redner betont: so sei ibin gesagt, ob die Darlegung genau dem ersten Plan entspräche, könne er nicht verbürgen. Er ermahnt die Kollegen, auch in diesem Jahre sich zahlreich an der Maifeier zu beteiligen, denn wenn dieselbe Eindruck auf die riesig entwickelten Unternehmerorganisationen machen soll, dann ist starke Beteiligung der Arbeitermassen notwendig. Höllenreiner- Nürnberg macht dem Vorstande den Vor- Wurf, in der Maifeierfrage allzusehr gebremst zu haben, dadurch sei der Gedanke der Arbeitsruhe zurückgedrängt worden. Hüffmeier- Hamburg wendet sich der Materie„Die Ver- tretung der Nechtsuchenden durch Arbeiter- und Gewerkschafts- sekretäre", zu. Er schildert aus eigenen praktischen Erfahrungen wie schwer es halte, daß diese die Arbeiter vertreten dürften. Zur Maifeier übergehend spricht er die Ansicht aus, daß die organisierte Arbeiterschaft sich den Achtstundentag eher erringen wird, als wie die Regierung ihn gesetzlich einführt. In der Ar- beitsruhe erblicke auch er die würdig st e Feier. Fröhlich- Köln freut sich über die Einmütigkeit, welche jetzt zwischen Partei und Gewerkschaft herrsche. Partei und Ge- werkschaft eins! dieser Spruch Bömelburgs müsse immer mehr zur Wahrheit werden. Die dort zutage getretenen An- schauungen über die Maifeier können jedoch die Bauarbeiter nicht teilen. Der Demonstrationsgedanke für unsere Forderungen müsse weit mehr gefördert werden. Würde man die Arbeitsruhe beseitigen, dann solle man dieselbe lieber gleich ganz beseitigen. Wenn die Arbeiter aller Branchen wollen, dann kann die Aus- sperrung infolge der Maifeier ihre Schrecken vollständig verlieren. Mehr Idealismus für diese Feier, und das Unternehmertum wird machtlös sein. A l b r e ch t- Lübeck spricht zur Jugendorganisation und wünscht, daß derselben die größte Aufmerksamkeit geschenkt werde. In der Maifeierfrage stimmt er den Ausführungen Röskes zu. H ö h n l Eisenach will die Maifei'er von der Regelung der Unterstützungsfrage abhängig machen. Es kommen dann noch von verschiedenen Rednern die Grenzstrcitigkeiten zur Sprache. Sodann wird ein Antrag eingebracht, in dem der Vorstand beauftragt wird, den Versuch zum Abschluß eines Kartellvertrages mit dem Bergarbeiterverband zu machen. Das Schlußwort des Berichterstatters Ahrends ist ein Resümee der gegebenen Anregungen und Beanstandungen. Die Haltung der Metall- und Holzarbeiter in Punkto der Maifeier will Redner als Folge der Krisis angesehen wissen; bei der Mai- feier könne unmöglich die Unterstützungsfrage ausgeschaltet werden. Der Beschlutz des Hamburger Verbandstages zur Mai- feier wird erneuert. Dem Verbandstag der Stukkateure in Kassel wird ein Glück- Wunschtelegramm übersandt, in dem der Verband der Bauhilfs- arbeiter seine Freude über den Beschluß in Frage der Verschmel- zung Ausdruck gibt. Vom Stuttgarter Allgemeinen Sozialistenkongreß berichtet Kollege Mekelmann, indem er ein allgemeines Stimmungs- bild der dortigen Verhandlungen entwirft und den gewaltigen Ein- druck der Massenversammlung auf den Stuttgarter Wasen schildert. Der Berbandstag spricht seine Zustimmung zu den Beschlüssen des Kongresses aus. Darauf findet folgende von Fröhlich- Köln eingebrachte Resolution Annahme: „In Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit, unter der die Bauhilfsarbeiterschsft während des wirtschaftlichen Niedergangs zu leiden hat, verurteilt es der zehnte Verbandstag, daß die preußische Regierung systematisch den Zuzug billiger ausländi- scher Arbeitskräfte fördert. Der VerbandStag erwartet, daß Staats- und Kommunal« behörden nur solchen Unternehmern öffentliche Arbeiten über- tragen, die die bestehenden Tarifverträge einhalten." Es sprechen in zustimmendem Sinne Kellner- Hannover, Krüger-Dresden und Klemann- Leipzig. Den Bericht von der internationalen Maurer- und Bauhilfs- arbeiterkonferenz, die ebenfalls in Stuttgart stattfand, gibt B e h r e n d- Hamburg. Der Extrakt der Verhandlungen ist in folgenden Beschlüssen wiedergegeben: „Die Mitgliederlegitimationen werden ab 1. Januar 1911, entsprechend den Beschlüssen der internationalen Konferenz der Maurer- und Bauhilfsarbeiterorganisationen zu Stuttgart 1907, eingerichtet und eingeführt. Für die Einführung gelten folgende Grundsätze: 1. Alle Mitglieder, die ihren Beitragspflichten nachaekommen sind, erhalten nach Ablauf des Jahres 1910 ein neues Mitglieds- buch mit Futteral unentgeltlich. 2. In das neue Mitgliedsbuch wird die bisherige Mitglied- schaft in einer gewerkschaftlichen Organisation, soweit dieselbe ununterbrochen ist und durch Vorlage von Mitgliederlegitima- � tionen nachgewiesen werden kann, übertragen, ckber nicht weiter zurück als bis zum Tage der Verbandsgründung am 1. Juni 1891. 3. Die Ausstellung der neuen Mitgliedsbücher für die Mit- glieder erfolgt im Hauptbureau. In großen Zweigvereinen kann die Ausstellung den Ortsverwaltungen übertragen werden. 4. Vom 1. Januar 1910 an erhalten die Mitglieder bei der Aufnahme als Legitimation eine Mitgliedskarte. Die Karte bc- hält das Mitglied vom Tage der Aufnahme bis zum Schlüsse des dem Aufnahmejahr folgenden Jahres und wixd dgnn durch.ei» Mitgliedsbuch ersetzt. Die Karten stellen die Zweigbereinsvor- stände und die Bücher der Verbandsvorstand auS." B e h r e n d beantragt sodann, über das den Kollegen in Oesterreich gegebene Darlehen im Betrage von 15 000 M. einen Strich zu machen. Es wird demgemäß beschlossen. Es halten die Gäste aus dem Ausland kurze Begrüßungs- reden. Da der Nachmittag zu einem gemeinsamen Spaziergang be- nutzt werden soll, wird die Verhandlung auf Freitag vertagt.. Nierter Nerbandstag der Hottldiener. München, 14. April. 2. VerhandlungStag. Zur Beratung steht der wichtigste Punkt der Tagesordnung: Verschmelzung mit den Gastwirtsgchilfen. Das Referat hat P o m m e r t° Berlin übernommen. Er le- tonte einleitend, daß der Kartcllvertrag mit den Gastwirtsgehilfen nicht den Zusammenhang herstelle, der nötig sei, und besprach dann die Vorteile einer Verschmelzung. Durch die Verbindung der Organe beider Verbände würde nicht nur eine erhebliche Rcduzie- rung der Kosten für die Zeitung eintreten, sondern es würden auch Kräfte für die Organisation frei gemacht werden. In der Agita- tion werde eine große Erleichterung eintreten. Heute sei es so, daß in derselben Gegend und zu gleicher Zeit ein Beamter der Gast- Wirtsgehilfen und der Hoteldiener im Gastwirtsgewerbe Mitglieder zu werben suche. Auch könnten durch Zusammenlegung der Bu- reaus beider Verbände in den verschiedensten Städten Ausgaben gespart werden. Die U n t e r st ü tz u n g s e i n r i ch t u n g e n des Gastwirtsgehilfenverbandes böten den Hoteldienern auch materielle Vorteile. Das Vermögen des Verbandes dürfe kein Hindernis einer Verschmelzung sein. Wohl komme bei dem Hoteldicnerverband pro Mitglied ein Vermögen von 12,78 Mk. und bei dem Gastwirts- gehilfenverband nur 9,12 Mk., aber die geringe Differenz würde bei den Unterstützungseinrichtungen ausgeglichen werden. Das Festhalten an der Kasse, die Angst, von einer Organisation materiell übervorteilt zu werden, entspringe dem Mangel an Solidaritäts- gefiihl. Eine Urabstimmung sei nicht mehr notwendig, der Ver- bandstag kann die Entscheidung fällen, die Frage ist ja in den letzten Jahren genügend erörtert worden. Sagen Sie heute nicht wieder: im Prinzip sind wir für die Verschmelzung, aber sie ist noch zu früh. Nicht persönliche Motive dürfen maßgebend sein, sondern wir müssen uns von den idealen Zielen der modernen Ar- beitcrbcwefjung bei der Entscheidung leiten lassen. Wir wollen mit den Gastwirtsgehilfen unter der Devise arbeiten:„Einer für Alle und Alle für Einen". Der Korreferent Hennr ich-Wicsbaden hält die Verschmel- zung für noch verfrüht. Er wendet sich in seinen Ausführungen weniger gegen eine Verschmelzung im Prinzip, sondern plädiert hauptsächlich für eine Urabstimmung.über die Frage. Der Verband der Gastwirtsgchilfen müsse zuerst auf seiner Gencralver- sammlnng bezüglich der Verschmelzung bindende Beschlüsse fassen, oann sollten die Mitglieder in einer Urabstimmung die Entschei- dung fällen. Zu der Verschmclzungsfrage liegen eine ganze Reihe Anträge vor, die von den verschieocncn Delegierten begründet werden. Die meisten sprechen sich für eine unbeschränkte Verschmelzung aus, andere wollen das Vcrbandsvcrmögen gesichert haben und eine Namensänderung des Gastwirtsgehilfenverbandes. Vorsitzender D i e s i n g- Berlin konstatiert, daß der Korrefe- reut Hcnnrich mit seiner Meinung fast isoliert dasteht, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Verbanostag möglichst einstimmig für die Verschmelzung votiert. Er legt nochmals die wichtigsten Gründe für die Verschmelzung dar und bespricht auch die von der Minder- heit vorgebrachten Bedenken gegen den Anschluß. Dicsing betont schließlich noch, der Ausschuß und die Hauptverwaltung haben alles getan, um die Verschmelzung möglichst einheitlich ourchzuführen. Nach weiterer Debatte, in der neue Gesichtspunkte nicht vorgc- tragen werden, und auch weitere Bedenken gegen eine Verschmel- zung trotz wiederholter Aufforderung durch den Vorsitzenden nicht geäußert werden, vertagt sich der Verbandstag. * München, 15. April 1909. Dritter Berhandlungstag. Es werden zunächst die Schlußworte der Referenten zur Verschmelzungsfrage entgegengenommen. Bei der Ab- st i m m u n g sprach sich der Verbandstag, wie bereits telegraphisch gemeldet, in namentlicher Abstimmung mit 37 gegen 2 Stimmen (bei zwei Enthaltungen) für die Verschmelzung mit dem Gast- Wirtsgehilfenverband aus. Ein Antrag auf Urabstimmung wurde mit 33 gegen 6 Stimmen verworfen, und dann die vom Ver- band der Gastwirtsgehilfen gestellten Anschlußbedingungen nach kurzen Erörterungen einstimmig angenommen. Damit sind die sieben zu diesem Punkte gestellten Anträge erledigt, einzelne lverden den Hauptverwaltungen zur Berücksichtigung überwiesen. Als Verschmelzungstermin wurde der 1. Juli 1909 festgesetzt, das gemeinsame Zusammenarbeiten der Verbände beginnt sofort. Die Anschlußbedingungen lauten in der Hauptsache: Der Verband deutscher Hoteldiener schließt sich dem Verband deutscher Gastwirtsgehilfen mit allen zurzeit vorhandenen Aktiven und Passiven an. Die Mitglieder des Verbandes deutsche!- Hotel- diener treten ohne Eintrittsgeld in den Verband deutscher Gast- Wirtsgehilfen über. Die bisherige Mitgliedschaft im Verbände deutscher Hoteldiener kommt beim Uebertritt voll in Anrechnung. Das Statut des Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfen tritt mit dem Tage des Uebertritts in Kraft und gelten von da ab auch für die. bisherigen Mitglieder des Hoteldienerverbandes die Unter- stützungssätze, die im Gastwirtsgehilfenverband festgesetzt sind. Die Hoteldiener bilden besondere Verwaltungsstellen des Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfcn. In der Hauptverwaltung und im Ausschuß erhalten die Hoteldiener eine ihrer Mitgliederzahl ent- sprechende Vertretung. Bei den Wahlen zum Verbandötag ist dafür zu sorgen, daß die Hoteldiener auf demselben nach Stärke ihrer Mitgliederzahl vertreten sind. Die Kollegen, welche bisher beim Verbände deutscher Hoteldiener als Beamte tätig waren, werden als solche auch vom Verbände deutscher Gastwirtsgehilfen unter denselben Bedingungen übernommen. Mit dem Uebertritt des Verbandes deutscher Hoteldiener wird das Erscheinen des bisherigen Organs dieses Verbandes eingestellt. Obligatorisches Organ für alle Mitglieder ist„Ter Gastwirtsgehilfe". Borsitzender D i e s i n g fordert nun die Delegierten auf, in den einzelnen Orten eine rege Tätigkeit für den gemeinsamen Verband zu entfalten, und Genosse P ö tz s ch bittet, nun mehr Vertrauen zu den Gastwirtsgehilfen, mehr gegenseitiges Ver- trauen zu haben. Uebcr den nächsten Punkt der Tagesordnung: Arbeitslosenunterstützung referierte W i e s e ck e- Berlin. In der Diskussion sprechen die meisten Redner für Ein- führung der Arbeitslosenunterstützung. Als Quintessenz der Be- ratung wird folgende Resolution angenommen: „Der Verbandstag beauftragt die Hauptverwaltung, im kommenden Winterhalbjahr Erhebungen über den Umfang der Arbeitslosigkeit unter den gesamten Verbandsmitgliedern vor- zunehmen, um für den nächsten gemeinschaftlichen VerbandStag die Grundlage zur Einführung der Arbeitslosenunterstützung zu schaffen." Ueber Tarifangelegenheiten referierte Ritter Frankfurt a. M., der eine Resolution begründet, in der an Stelle der Vergütung in Form des Trinkgeldes hinreichende Barentlohnung verlangt wird. Bis zur Erreichung dieses Zieles sollen durch Abschluß von Tarifverträgen mit den Unternehmern Mindestsäge für die Arbeitsleistung der Hoteldiener festgelegt werden, wobei den örtlichen Verhältnissen Rechnung getragen werden soll. In der Diskussion werden Anträge begründet, die verlangen, daß die Hauptverwaltung mit den in Betracht kommenden Bereinigungen in Unterhandlung trete zwecks Einführung eines Schließgeldes. Jeder Hotelgast, der nach Hotelschluß Ginlaß begehrt, foll berpflichtet werden, dem Nachtdienst habenden Hoteldiener ein Schließgeld von 25 Pf. zu entrichten. Genosse Bösch- Berlin wendet sich gegen diese Anträge. Gr erkennt wohl die Berechtigung an, eine besondere Entschädigung fü: die nächtlichen Dienste zu verlangen, aber man müsse die Bezahlung dieser Dienste von den Unternehmern fordern. Bustände im Gastwirtsgewerbe, die in der Debatte geschildert wurden, beseitigen fönne. Die zu diesem Punkte schließlich angenommene Resolution lautet: " Der vierte Verbandstag des Verbandes deutscher Hoteldiener erklärt, daß das Trinkgeld als die verwerflichste Ent lohnung unbedingt zu bekämpfen ist. Daher verpflichten sich die organisierten Gastwirtsgehilfen( Hoteldiener) nichts unversucht zu lassen, um an Stelle des Trinkgeldes festen Lohn zu erlangen. Der Verbandstag ist überzeugt, daß von den Unternehmern freiwillig nichts zu erreichen ist, deshalb erblicken die Hoteldiener ( Gastwirtsgehilfen) als einziges Mittel zur Erlangung eines festes Lohnes eine straffe Ginheitsorganisation, an deren Ausbau mitzuarbeiten, sie sich verpflichten. Erst dann, wenn eine straffe Organisation vorhanden, kann an den Abschluß eines festen Tarifs mit Erfolg gedacht werden. über: " Der Verbandstag nahm nun ein Referat von Engel Köln Schutzgesetzgebung im Gastwirtsgewerbe Diesing- Berlin spricht in demselben Sinne und betont entgegen. Der Referent begründet ausführlich folgende Resolution, im besonderen, daß nur eine starke Organisation die erbärmlichen tie einstimmige Annahme fand: " Der vierte Verbandstag der Hotelbiener spricht seine Ent rüstung darüber aus, daß die Regierung die Petition des Ver bandes deutscher Hoteldiener unbeachtet gelassen, trotzdem sie dem Reichskanzler von einem hohen Reichstag zur Berücksichtigung überwiesen wurde. Der Verbandstag fordert daher von neuem: ,, daß den berechtigten Forderungen der Hoteldiener den gesamten Gastwirtsangestellten einen gefeßlichen Ruhes tag zu gewähren endlich Rechnung getragen wird." Des weiteren erwartet der Verbandstag, daß auch das Gast wirtsgewerbe der Unfallversicherung unterstellt wird. Die Mitglieder sind verpflichtet, alle ihnen bekannt werden den Unfälle unverzüglich den Vorständen zu melden. Des weiteren anerkennen die Delegierten aber ausdrücklich, daß selbst die besten Arbeiterschutzgesetze für die Arbeiter wertlos sind, wenn nicht eine straffe Organisation dahinter steht. Daher verpflichten sich die Delegierten, für den Ausbau der Organis sation Sorge zu tragen." Die Verhandlungen werden nun auf Freitag vertagt. BAER SOHN BAER SOHN Herren Bekleidung Baer Sohr aBarbeit Knaber Bekleidung Spezialhans größren Maßstabes Dெ 754 Heizt Kocht Beleuchtet mit DAPOL Erhältlich in allen Geschäften, wo dieses Plakat mit dem Indianerkopf aushängt. 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April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Kirchhofes am Weißenseer Weg aus statt. 82/6 Dr. Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Wilhelm Ziermann am 15. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Gemeinde Jeder Arbeiter, jeder Handwerker follte zur Arbeit R die Lederhose Herkules tragen. :: Unerreichte:: Leistungsfähigkeit. Allein- Verkauf. Sehr starkes Leder Deutscher Metallarbeiter- Verband, Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof III. Amt 3, 1987. Soi Imt 3, 1289. Charitéstraße 3. Sonntag, den 18. April 1909, von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, findet die Wahl der 30 Delegierten für die General- Versammlung in Hamburg in folgenden Lokalen statt: mit Zwirnkette in Norden: Willes Festsäle,( früher Milbrodt), Müllerstr. 7. grauen und braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr feste Kappnähte mit starkem Garn. Schwere Leder- Pilot- Taschen Große Flicken umsonst. Trotz dieser vielen und anderer Vorzüge kostet die Herkules- Hose für normale Mannes- Größe 4 M. 50 Kirchhofes in der Bornigstraße Berufs- u. Schutzkleidung aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/12 Die Ortsverwaltung. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser Bater, der Schriftseher Hugo Westerberg nach schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des St. Simeon- Kirchhofes am Briz- Tempelhofer Weg statt. für alle Zweige der Gewerke u. 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April 1909, nachm. 3 Uhr: Für Tegel bei Kakies, Berlinerstraße 92. Gienkes Restaurant, Bernauer Str. 82. Schulzes Restaurant, Magstr. 13b. Schädes Restaurant, Kopenhagener Str. 74. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Nordwesten: Krauerei Patzenhofer, Turmitr. 25/26. Nordosten: Elysium, Landsberger Allee 40/41. Osten: tfins Festsäle, Memeler Str. 67. Südosten: Gewerkschaftshaus, Saal 4, Engelufer 15. Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147. Süden: Grumbachs Festsäle, Schönleinstr. 6. Südwesten: Schmidts Restaurant, Lindenstr. 3, 2. Sof. Westen: Wiemers Restaurant, Bülowftr. 58. Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Rixdorf: Ruckheims Restaurant, Bergstr. 97/98. Londons Restaurant( dealpaffage), Weichsel ftraße 8. Bökers Festsäle, Weberstr. 17. Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Tempelhof: mullers Restaurant, Berliner Str. 48/49. Steglitz: Clements Restaurant, Düppelstr. 7. 1. Vortrag des Kollegen Bruns: Wirtschaftskrise und Tarifverträge. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. Montag, 19. April 1909, abends 8 Uhr: Für Spandau bei Gottwald, Schönwalder Straße 80. 1. Bericht der Bezirksleitung: a) des Bezirksleiters, b) des Staffierers. 2. Bericht vom Startell. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Gewerkschaft. liches( Maifeier). Mittwoch, 21. April 1909, abends 8½ Uhr: Für Südost bei Hahn, Laufiker Platz 8. 1. Bortrag des Genossen Zimmermann: Heinrich Heine als Satiriker. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. Mittwoch, 21. April 1909, abends 8 Uhr: Für Ober- Schöneweide bei Rabe, ilhelminenhofftr. 43. 1. Bortrag des Kollegen Se to elow: Das Recht auf Arbeit. 2. Dise fuffion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. 20615] Geschwister Westerberg Orts- Krankenkasse Rummelsburg: Blumes Restaurant, Alt. Boghagen 50. Donnerstag, 22. April 1909, abends 8½ Uhr: Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Töpfer Hermann Frank am Mittwoch, den 14. April, plöt lich verstorben ist. 20605 Beerdigung wird noch angezeigt. Die trauernden Hinterbliebenen. Marie Frank und Sohn. Danksagung. schaftshause, Engelufer 15( Saal 5), die Für Norden bei Kramer, Suffitenftr. 40. 1. Vortrag des Kollegen Bruns: Was müssen wir von der Unfall Wilhelminenhofstr. 18. perficherung wissen? 2. Distuffion. 3. Stellungnahme zur Generalvers sammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Berschiedenes. Für Nordwest bei Kirschkowski, Beuffelstr. 9. Am Sonntag, den 25. April cr., Tegel: Halfes Restaurant, Brunowstr. 23. borm. 10 Uhr, findet im Gemert- Ober- Schöneweide: Warneckes Restaurant, 20575 Köpenick: Ritters Restaurant, Bahnhofstr. 44. der Bertreter der Kaffenmitglieder Spandau: Huths Restaurant, Lindenufer 17. und Arbeitgeber unferer Staffe ftatt. Pankow: Rozyckis Festsäle, Kreuzftr. 3/4. Weißensee: Roßkopfs Festsale, Rönigchauffee 38. General- Versammlung Tagesordnung: 1. Berlesung der Protokolle. 2. Bericht bes Rechnungsaustauffes und Dechargeerteilung. 3. Ersatzwahl von einem Vorstands. mitgliede der Arbeitgeber. Berschiedenes. Für die herzliche Teilnahme und 4. zahlreichen Kranzspenden bei der Be erdigung meines lieben Bruders und Der Vorstand. Schwagers Hugo Dietrich Orts- Krankenkasse fagen wir allen Kollegen, Freunden und Bekannten, bie baran teilgenommen haben, unseren herzlichsten Dant. Karl Hinz nebst Fran geb. Dietrich. Orts- Krankenkasse Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Dte Stimmzettel werden am Eingange zu den Wahllofalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Handke, Charitéftr. 3. Montag, den 19. April 1909 Bimmerergewerbes Bezirks- Verfammlungen zu Berlin. Sonntag, den 25. April, borm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 11: Ordentliche für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: 1. Vortrag des Kollegen Weiße: Die wirtschaftliche Krise. 2. Dis. tuffton. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Wahl des Bezirksführers. 5. Verschiedenes. Für Osten bei Zietz, Warschauerftr. 61. 1. Vortrag des Genossen Tarnow: Die neue Steuerschraube. 2. Dis. fuffion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. Für Köpenick bet Joch, Grünauer Straße 7. 1. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1909. 8. Berbandsangelegen heiten. Fur Charlottenburg im Volkshause, Rosinenste. 3. 1. Vortrag des Genossen Winter: Gewerkschafts- und Genossenschafts. bewegung. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Bahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. Für Rixdorf bei Hennig, Ziethenstraße 69. 4. Bortrag des Kollegen Sewetow: Das Recht auf Arbeit. 2. Dis. 8 Uhr. fuffion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl Blumes Restaurant, Alt. der Delegierten. 4. Verschiedenes. Boxhagen- Rummelsburg. General- Versammlung. 2. Stralau- Rummelsburg: Boggen 56, abends 8%, Uhr. 1. Osten- Lichtenberg: Litain, Memeler Str. 67, abends Am Donnerstag, den 29. April Tagesordnung: dieses Jahres, abends 8 Uhr, findet 1. Rechnungslegung pro 1908. im Lokal der Ww. Weigel, Türr. 2. Bericht des Prüfungsausschusses. schmidtstr. 45, die 3. Beschlußfassung über die Abnahme der Jahresrechnung und Decharge erteilung. General- Versammlung statt. Tages Drbnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der Rebiforen. 4. Statutenänderung. 273/13 5. Berschiedenes. 3. Ersazwahl eines Borstands- Mitgliedes( Arbeitnehmer). 4. Aerzte- Bertrag. 5. Verschiedenes. Die in der Wahlversammlung vom treter werden hierzu eingeladen. Einladungskarte legitimiert. Der Vorstand. 20585 August Brunzel, Ewald Petermann, Borfizender. Schriftführer. abends 8, Uhr. Ufer 15, Saal 4, abends 8, Uhr. abends 81, Uhr. 8 Uhr. 8. Weißensee: Roskopf, Königchauffee 38, abends 8, Uhr. 4. Rixdorf: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49, ab. 8%, Uhr. 5. Schöneberg: Miethes Festsäle, Sauptstraße 5-6, 6. Süden und Südost: Gewerkschaftshaus, Engel 18. Rovember 1908 gewählten Ber 7. Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenftr. 3, abbs. 8%, Uhr. 8. Steglitz: Warendorf, Groß- Lichterfelde, Bäkestrake 22, 9. Moabit: Prachtsäle Nordwest, Wiclefftr. 24, abends 10. Norden: Raabe, Rolberger Str. 23, abends 8%, Uhr. statuts werden die Delegierten hiermit Orts- Krankenkasse 11. Norden: Franke, Babftr. 19, abends 8% Uhr. Boghagen- Rummelsburg, 15. April 09. für das Gewerbe der Berfertigung 12. Norden: Obiglo, Schwedter Str. 23, abends 8%, Uhr. Musikinstrumenten. 18. Tegel: Trebeschs Festsäle, Bahnhofftr. 1, abends 6 Uhr. Die in der Generalversammlung General- Versammlung 14. Spandau: Restaurant" Vorwärts", Schönwalder Statutenabänderung, betreffend Höhe sämtlicher Arbeitnehmervertreter 15. Oberschöneweide: Lokal Hasselwerder, abends der Mahngebühren, ist am 6. März tchshagen, Friedrichstr. 69, abends 8%, Uhr. genehmigt worden und trift mitt be. Sonnabend, ben 21. April 1909, 16. Köpenick: Gesellschaftshaus Gratkowsky, Frieb. Unter Hinweis auf§ 66 des Kaffen eingeladen. Der Vorstand. 3. A.: Kowalle, Borsigender. Zur Beachtung. bom 30. November 1908 beschloffene dem Tage der Genehmigung in Kraft. Boghagen- Rummelsburg, 15. April 09. Der Vorstand. 3. A.: Kowalle, Borfigender. Allgemeine Orts- Krankenkasse zu Berlin. Am Sonntag, den 25. April 1909, bormittags 10%, Uhr, findet bon 8, Uhr, im Restaurant des Herrn Polzin. Gormannstraße 14. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1908. 2. Bes richt der Revisoren und Antrag auf Entlastung des Rendanten. 3. Kaffenangelegenheiten. 4. Berschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er. fcheinen ersucht 273/8 Der Vorstand. R. Blank, Borfigender. im Gewerkschaftshause, Engel Orts- Krankenkasse ufer 15( Saal 1), die Ordentliche General- Versammlung statt, zu der die für 1908/1909 ge wählten Bertreter hiermit eingeladen werden. Tages- Drbnung:[ 273/10 der Handschuhmacher und verwandten Gewerbe zu Berlin. Ordentliche General- Versammlung 1. Abnahme der Jahresrechnung pro am Sonnabend, den 24. April, 1908. 2. Bericht des Prüfungsausschuffes und Entlaftug des Rendanten. 3. Definitive Genehmigung eines mit Dr. E. Joseph abzuschließenden Bertrages. 4. Berschiedenes. Berlin, den 16. April 1909. Der Vorstand. Wilhelm Piehl, Borsigender. Gutgehendes Restaurant ift eingetretener Umstände halber fofort mit Brauereihilfe im Vorort( Norden) zu verkaufen. Baffend f. Parteigenoffen. Bu erfragen Otto Brandt, Reinickendorf- West, Scharnweberstr. 109 II. abends 9 Uhr, bei Selle, Brunnenstr. 41. Tagesordnung: 1. Bericht des Rendanten. 2. Bes richt der Revisoren( Decharge- Er teilung). 3. Verschiedenes. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen der Delegierten ersucht 273/11 Der Vorstand. Berlin, ben 17. April 1909. 3 lumen- u. Kranzbinderei Aug. Krause, Wiener Straße 7, liefert Vereinstränze usw. billigst. Str. 80, abends 82 Uhr. 6 Uhr. Zages Drdnung: O 1. Berichterstattung von der Generalversammlung am 4. April. 2. Disfuffion. 3. Bekanntgabe des Ergebnisses der Delegiertenwahlen zum Verbandstag in Hamburg. 115/8 Für den Dstenbezirt außerdem: Neuwahl der Bezirksleitung. Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt! Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Jch hab's! Urbin Bester Schuh- Putz In Dosen zu 10, 20 und 25 Pf. überall erhältlich. Fabrik: URBAN& LEMM, Charlottenburg. Für Weißensee bei Content, Rehderstr. 5. 1. Bortrag des Kollegen Bentin: Die deutschen Unternehmerberbände. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 4. Berschiedenes. Für Schöneberg bei Gebhard, Gothenstr. 28. 1. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl der Delegierten. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Versammlungen für Köpenick und Weißenfee werden pünktlich 8 Uhr eröffnet. 63/11 Sonntag, 25. April 1909, vorm. 9½ Uhr: Far Rummelsburg bei Blum( vorm. Tempel), Allt- Boghagen 56. 1. Vortrag des Genoffen 8immermann über: Heimich Heine. 2. Disfuffion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung: a) Anträge, b) Wahl von Delegierten. 4. Verschiedenes. Sonntag, 25. April 1909, nachm. 4 Uhr: Für Johannisthal bei Gobin, Roonstr. 2. Der 1. Bortrag des Kollegen Se melom: Das Recht auf Arbeit. 2. Dis Delegiet ten. 4. Berſchiebenes. alversammlung; a) Anträge, b) Wahl Zwecks Ausübung einer Kontrolle über die Teilnahme an den Bezirksversammlungen wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Mitglieder ihre Bücher mitbringen sollen, um den Besuch der Versammlung durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu können. Die Bezirksleitungen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter 115/11 ( E. H.-K. No. 29) Filiale VI. Heute Sonnabend, den 17. April, abends von 8-12 Uhr: Stichwahl der Delegierten zur Generalversammlung im Lokale von M. Gienke, Bernauer Straße 82. Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung ersucht Drts- Krankenkasse der Lackierer. Sonntag, den 25. April 1909, bormittags 10 Uhr: General- Versammlung im Restaurant Schumacher, Stalizer Straße 126. Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht pro 1908. 2. Bericht der Revisoren. 3. Statutenänderung. 20375 4. Verschiedene Staffenangelegenheiten. Der Vorstand. Robert Zindler, Vorsitzender. Pianino efter olieferantenfirma weit unter Wert sofort berkäuflich Französische Str. 15, Ir. Die Ortsverwaltung. Neue Registrierkaffe verlauft Halfes, Restaurant, Tegel, Brunowoftr. 23.[ 20785 Abessinier- Pumpen zum Selbstaufstellen f. Gartenbefizer und Laubenkolonisten komplett v. 8 M. an. Flügelpumpen, Gartenspritzen in großer Auswahl. Erdbohrer leihweise. 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Fidert, Tempelhof, Nichnowstr., Ede Stollbergstraße. Bau Schalow, Dahlem, Heiligendammerstr. 24. Bau Kniese, Schöneberg, Meranerstr. Firma Nachtigall. Berlin, Lindenstraße 78. Bau Schlai, Schöneberg, Rosenheimer straße, Ede Berchtesgadenerstraße. Bau Röhr, Charlottenburg, Pestalozzi straße. Bau Raetsch, Charlottenburg, PeftaIozzistraße. Neubau Friedenau, Raiser- Allee, Ede Ditrudstraße. Bau Blimide, Halensee, Joachim Friedrichstraße. Bau Walter, Treptow, Grägstr. 14. Bau, Dolzigerstr. 7/8. Firma Millenet, Plan- Ufer 5. Bau, Rigdorf, Bode- u. Neue Jonas Straßen- Ece. Bau Franke, Wilmersdorf, Stübben Bau, Wilmersdorf, Gieselerstr. 24. ftraße 20. Bau Fritsche, Wilmersdorf, Landhausstraße 6 und gegenüber. Bau Selefsen, Wilmersdorf, Sächsische Straße. Bau Haustein, Friedenau, Fregestr. Bau Bintsch, Berlin, Andreasstr. Bau Michalski, Berlin, Dolzigerstr Bau Streubel, Berlin, Gottschebstr. Bau Berndt, Berlin, Friedrichstr. 181. Bau Dellschau, Tempelhof. Bau Rohloff, Charlottenburg, Königsweg nahe Kaiserdamm. Bau Beamtenhäuser, Nieder- Schönhaufen. Charlottenburg, Bau Badenhus, Dlivaer Play. Bau Knopp, Lichtenberg, Mfredftr. 5. Bau Kaiser- Wilhelm- Akademie, Berlin, Invalidenstraße. Bau Landesversicherung Brandenburg, Wichmannstraße. Bau Auer Gesellschaft, Rotherstraße, Warschauer Plab. Firma Blume. Möbliertes Flurzimmer für Herrn Bau Schmidt, Charlottenb., Leibnizstr. Charlottenburg, Schillerstr. 97. Köpenickerstraße 38, Weiß, Quergebäude Bau Brüll u. Schmidt, Charlottenb., 3 Treppen. 20515* Neue Kantstr., Ede Liegensee- User. Möbliertes Zimmer. Seewald, Bau Wehe, Charlottenburg, HohenSchmidstraße 10. 20716* Möbliertes Borderzimmer bei Frau Kindel, Brunnenstraße 53.+64 Leere Stube bermietet Neben, Lhchenerstraße 29. +37 Schlafstellen. zollerndamm, Ede Gieselerstraße. Umbau, Charlottenb., Goethestr. 20. Bau Schönknecht, Charlottenburg, Pestalozzistraße. Bau Bied, Friedenau, Fregestr. 70. Neubau, Friedenau, Stubenrauchstr. 3. Bau Hoppmann, Bilmersd., Stübben straße 3. Bau Ring- Chaussee, Kaiserstr. Ede. Glau, Lichtenberg, SiegfriedStraße 2; Büschel, Berlin, Waldemarftraße 14; Bau Charlottenburg, Schlüter,& de Ließenburger Straße; Meyer, Torfstr. 18; Bau Dront heimer Str. 25; Hahn u. Gernes groß, Graunstr. 14; Bau Charlottenbg., Helmholzstraße, Ede Salzufer; Heinrichs, Tempelhof, Ringbahnstr. 42; Bau: Bibliothek, Dorotheenstraße; Noster, Schönleinstr. 15; Nicolas: see, Eimlerstraße. Firma Gebr. Volkmann, Lichtenberg. Hubertusstraße 51. Bau Spar- und Bauverein, Tempelhof. Bau in Grunewald, Auerbachstr. 5. Bau Terrain- Gesellschaft in NiederSchönhausen. Firma Teske,' Adalbertstr. 8. Bau Friedelstraße, Ece Maybachufer. Bau Stottbuser Damm 67. Firma Seeger, Nixdorf, Biebrichstr. 12. Firma Ziejig, Gubener Str. 42 b. Bau Telstraße 9. Bau Borbagen, Weichselstraße, Ede Weserstraße. Firma Kakmann. Treptow, Harzer Straße 32. Bau Roife, Treptow, Wildenbruchstraße, Ede Harzerstraße. Bau Peters, Berlin, Gneisenauftr. 67. Bau Kazmann, Berlin, Brunnenstr. 70 Restaurant Mösersruh", Pantom, Schmidtstraße 19, Inhaber Wilhelm Herrenfahrrad, Damenfahrrad Gaßmann, Vereinszimmer, Garten, 20,00, 30,00, Schädel, Inselstraße 13. 1792 Elefantenbillard, neu. Gutes Weiß Fahrräder. Teilzahlungen. Inbier. Getränke mit und ohne Al- validenstraße 20. Staligerstraße 40. 1820* fohol. Staffeeküche. Telephon: Pan Turmstraße 31. + 145* Herreniahrrad, Dameniahrrad tom 344. Milchgeschäft zu verkaufen. Er einmal benutt 40,00. Holz, Blumenfragen Blankenfelderstraße 6, Seifen- ftrage 36b. geschäft. +52 Groß- Berlins billigste Fahrräder Gastronen, Petroleumtronen ohne Anzahlung, Woche 1,00. Riesenlager. Restaurant, altes( Beschäft, Ge- Bezugsquelle, Fahrradgroßhaus CharLouis Böttcher( selbst): Betriebsleitung werkschaftsverkehr, 1600 Miete, 1000 Lottenburg, Bismardstraße 62. Ar beiter Radfahrerbund 10 Prozent Borhagenerstraße 32( Bahnverbin: Brauerei. Ulm, Koppenstraße 60. 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Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes. 115/ 9* Der Verein der Bauauschläger zu Berlin. Ar. 89. 26. Iahrgaug. 3. Icilinu kü Lmiills" Kttlim lollülilitt. Zonnllbelld, 17. April 1909. obiger Versammlung allen Bezirkslolalen Partei- TingelegenKeiten. Zweiter Kreis. Friedrichstndt. Druckerei-Nachtarbeiter l Sonntag, den 18. April, bei Julius Meher, Oranienstr. 103: Zahlmorgcn. Sechster Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 18. April, findet im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 28. eine öffentliche Versammlung statt, in der die Genosfin Regina Friedländer über das Thema:»Die Frau im politischen Kampf" referieren wird. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Lichtenberg. Sonntag früh findet von den bekannten Lokalen auZ eine Flugblattoerbreitung statt. Der Vorstand. Pankow. Das sozialdemokratische Wahlbureau befindet sich am 19. April, dem Tage der Wahl, bei Ebers- bach, Berliner Straffe 102<„ Kurfür st en"). An- gesichts der kolossale» Anstrengungen unserer Gegner ersuchen wir msbesondere die Schönhausener, Franz. Buchholzer und Weiffenseer. sowie die Genossen der Schön- Haus er Vorstadt, uns am Montag nachmittag von 6 Uhr ab bei den Wahlarbeiten usw. zu unterstützen. An, Sonntag, den 13. April, früh Punkt 8 Uhr, findet eine Kuvertverbreitung zur Wahl im ersten Bezirk von den bekannteir Z a h lab en d l oka len aus statt. Die Ge- »offen werden ersucht. Mann für Mann zur Stelle zu sein. Die Parteigenossen der nichtbeteiligten Bezirke(Abteilung Nord) wollen sich Sonntag morgens 8 Uhr pünktlich bei G r o ff- kurt, Berliner Straffe 27, einfinden. Der Vorstand. Wilmersdorf-Halensee. Am Montag, den 19. April, abends S'/z Uhr.Tindet im Luisenpark, Wilhelmsaue 112, eine öffentliche Frauenversammlung statt. Frau Louise Zieh wird das Thema: „Die Frau im politischen Kampf" referieren. Zu dieser Ver- santmlung sind auffer den Frauen auch die Männer zahlreich ein- geladen. Die Flugblattverbreitung zu findet heute Sonnabendabend 8 Uhr von aus statt. Groß-Lichterfelde. Die Mitglieder deS Wahlvereins werden darauf aufmerksam gemacht, daff die'Entnahme von Büchern aus der Vereinsbibliothek jeden Sonnabend von 8— 10 Uhr im Lokale des Genossen Fritz Wahrendorf, Baekestraffe, stattfinden kann. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag, den 13. April, früh Vz8 Uhr, findet vom Restaurant„Lindenbaum" aus eine groffe Agitationstour statt. Aufferdem werden die Genossen ersucht, sich heute, Sonnabend, abend zum Falzen des Materials einzufinden. Der Vorstand. Königs-Wusterhause» und Umgegend. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daff am Sonntag, den 18. April, vormittags 8 Uhr, in allen Bezirken von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreiwng stattfindet. Der Lorstand. Niederschönhausen- Nordend. Sonntag. den 18. April. früh 8 Uhr findet eine Handzettelverteilung von folgenden Lokalen aus statt: 1. Bezirk: Platanenstraffe, Ecke Kaiserweg bei Reuff. 2. Bezirk: Uhlandstr. 58 bei Rattay. 3. Bezirk: Beuthstraffe, Ecke Woldemarstraffe bei Babst, und Nordend. Blankenfelder Str. 17 bei Schüffler. Der Vorstand. Reinickcndorf-Wcst. Am Sonntag, den 13. April: Handzettel- berbreitung von den bekannten Lokalen aus. Der Vorstand. Tegel. Zu der am 27. April stattfindenden Gemeindevertreter- wohl findet morgen Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Bezirks- lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Genossen und Genossinnen I Nur wenige Tage trennen uns von der Gemeindewahl. Nützt die kurze Spanne Zeit aus zur Agitation, damit unser Kandidat, der Genosse Rudolf Arcndsee, mit einer imposanten Stimmenzahl gewählt wird. Der Vorstand. Spandau. Den Genossen, welche sich am Sonntag, den 13.. an der Tour nach Cladow beteiligen, zur Kenntnis, daß der Abmarsch mittags 1 Uhr vom Hause des Genossen Max Scior, Gatower Str. 1. erfolgt._ Der Vorstand. Berliner J�acbricbtern Die Laubeukolonisten„machen mobil". In den Laubenkolonien, draußen vor den Toren der Stadt, Werden nun wieder die Spaten gerührt. Meint es auch der Frühling noch immer nicht redlich, der April muß ausgenutzt werden, sollen die Radieschen zeitig kommen und die Salat- köpfe nicht allzulange auf sich warten lassen. Noch ist der Tag zu kurz. Die Sonne sinkt, ehe der Großstadt arbciter Feierabend macht. Da reicht es für Wochentags arbeit nicht aus. Hier und da kann die Frau mit den größeren Kindern ein wenig vorarbeiten. Die Hauptsache aber bleibt für den Sonntag, der nach Strich und Faden aus genutzt wird. Schon früh geht es da hinaus aus den dumpfen Straßennetzen der Mietskasernen. Auf dem brachen Bauland, das sich immer spärlicher zwischen der Riesenstadt und ihren Vororten findet, haben sich in größeren oder kleineren Komplexen die Laubenkolonisten angesiedelt. Dort ragen die luftigen, leichten Sommerhäuschen, aus Brettern und Lattenwerk gezimmert, die nun wieder ihres freund- lichen grauen oder grünen Anstrichs harren. Dort legt sich in länglichen Gevierten, durch niedere, primitive Abgrenzungen getrennt, Gärtchen an Gärtchen. Dort harren die gemeinsamen Baulichkeiten der Reparatur; die Schaukel, der Brunnen, die Kegelbahn. Und frisch geht es ans Werk. Der spät eingezogene Frühling verlangt Akkordarbeit. Da dürfen die Schweiß- tropfen nicht gezählt werden. Der Winter hat zudem ein wenig arg gehaust: hier hat der Sturm ein Laubendach ge- lockert, dort eine Planke abgerissen und an anderer Stelle ein ganzes Spalier geknickt. Da beginnt ein lustiges Hämmern. Die Nägel werden nicht gespart, die Sägen kreischen und schwerfällig fallen taktmäßige Artschläge dazwischen. Mit dem Anstrich warten die meisten noch: das Wetter ist zu „unbeständig". Aber für das Umgraben des lockeren Erdbodens ist es gerade gut genug. Da fliegen die Spaten. Strich um Strich wird der Boden umgewühlt und von Steinen. Päden und Unkraut gereinigt. Lange Zeit bean- sprucht das Unigraben nicht: ein Proletariergärtlein ist bald zurechtgestutzt, denn das Ueberharken und das Anlegen der Beete besorgen die anderen Familienmitglieder. Mit dem Auspflanzen der Setzlinge und mit der Aussaat einzelner Gemüse- und Blnmenarten heißt es noch ein wenig vorsichtig sein, denn selbst hart an den Grenzen der Großstadt ver- mögen um diese Zeit die Nachtfröste noch viel Unheil anzu- richten. In den Laubenkolonien ist nun das Leben erwacht. Und eS entfaltet sich dort in immer bunter werdender Mannigfaltigkeit mit dem fortschreitenden Sommer. Was der Großstadt-. Proletarier in sich an Liebe zur Natur bewahrt hat, das trägt er hier hinaus auf sein„Pachtland"; das hegt er und pflegt er in seiner schlichten Art überall, wo sich ihm die Wunder des Werdens offenbaren. Denn sein Laubenland ist ihm mehr als eine Trägerin kärglicher Bodenerzeugnisse, es ist ihm und seiner Familie eine Stätte der Erholung nach schwerer Werktagsarbeit, eine Stätte ländlichen Friedens und sammer- sicher Freuden._ Die Ratschläge der Schulärzte finden bei den Eltern der Schul- sinder niehr und mehr Beachtung. In dem letzten Jahresbericht über die Tätigkeit der Schulärzte Berlins, den wir kürzlich hier be- sprachen, wird hervorgehoben, daff die Eltern in der Mehrzahl der Fälle den Schulärzten Vertrauen entgegenbrachten und für hygienische Winke dankbar waren. Fast sämtliche Schulärzte haben über diesen Punkt sich günstig geäußert. Zahlenmäßige Ermittelungen über die Befolgung der Ratschläge sind versucht worden vom Schularzt Dr. Wallenstein, dem der 10. Schularztbezirk mit den Gemeindeschulen der Brandenburgstraffe, der Wassertor- straffe, der Wilmsstraffe zugewiesen ist. Dr. Wallenstein stellte im Schuljahr 1907/03 fest, wie viele der von ihm als krank befundenen Kinder in ärztliche Behandlung gekommen waren. Es waren das: 80 von 118 Kindern mit Augenleiden(08 Proz)., 33 von 44 Kindern mit Ohrenleiden(76 Proz.), 20 von 20 Kindern niit Hautkrankheiten(100 Proz.), 22 von 87 Kindern mit Nervenleiden (26 Proz.), 86 von 128 Kindern mit Nasen- und Rachen- leiden(67 Proz.), 26 von 76 Kindern mit Wirbelsäule- Verkrümmungen<33 Proz.), 16 von 30 Kindern mit Sprach- störungen(60 Proz.). Auffällig ist hier und bedauerlich, daff von den Nervenkranken doch nur wenige ärztlich behandelt wurden. Ziemlich dasselbe gilt von den Wirbelsäule- Verkrümmungen, deren Bedeutung von den Eltern gleichfalls nicht unterschätzt werden sollte. Berücksichtigt man ganz Berlin, so standen im Schuljahre 1907/03 in schulärztlicher Ueberwachung unter allen Gemeindeschulkindern 1663 wegen Nervenleiden und 2801 wegen Wirbelsäuleverkrümmung. Schulärztliche Ueberwachung ist aber nicht etwa dasselbe, wie ärztliche Behandlung. Wenn man die im 10. Schularztbezirk ermittelten Prozentziffern der ärztlich behandelten Kinder auf ganz Berlin übertragen will, so muff angenommen werden, daff von den Kindern mir Nerven- leiden reichlich 1200 und von denen mit Wirbelsäuleverkrümmungcn mehr als 1800 nicht ärztlich behandelt wurden. Oft mag freilich die Absicht, ein Kind von einem Arzte behandeln zulassen, an der Kostenfrage scheitern. Die Institution der Schulärzte wird erst dann in vollem Umfange ihren Zweck erfüllen können, wenn die Schule dem Schularzt die von ihm als krank befundenen Kinder auch zur Behandlung überweist. Doch für solche Vorschläge ist unser Stadtfreisinn nicht zu haben, weil das„zu unabsehbaren Konsequenzen führen" würde. Kirchensteuern bei Mischehen. DaS preußische Oberverwaltungs- gericht hat kürzlich aus Anlaß eineS Spezialfalles entschieden, daff auch die Ehe einer evangelischen Ehestau mit einem jüdischen Ehe- manne eine Mischehe im kirchengesetzlichen Sinne ist. Der evan- gelische Teil einer derartigen Ehe wird daher mit Recht zur evan- gelischen Kirchensteuer herangezogen, wobei es unerheblich ist, daff der Ehemann auch zu Kultusbedürfnissen der jüdischen Gemeinde erhebliche Beiträge leisten muff. Die Heranziehung des evangelischen Teiles solcher Mischehe zu der Hälfte deS Steuersatzes, zu welcher der Ehemann veranlagt ist, erfolgt auch ohne Rücksicht darauf, ob der evangelische Teil eigenes Einkommen besitzt. Für die Zahlung der evangelischen Kirchensteuer haftet der jüdische Ehemann. Daraus folgt jedoch nicht, daff letzterem die Zahlungsaufforderung zugestellt werden muff. Man sieht— es ist bei Erlaß des Kirchensteuergesctzes vom 26. Mai 1906 alles sehr reiflich erwogen worden, um möglichst kein Schäfchen ungeschoren zu lassen. Und die höchsten preußischen Zivil- gerichtsbehörde» lassen es sich nicht nehmen, den Geldsack der Kirche immer noch mehr füllen zu helfen. Kostenersparnis bei Zwangsversteigerungen. Man schreibt uns: In gewissen Zeitungen, die mit amtlichen Anzeigen Vorzugsiveise bedacht werden, besonders auch im«Berliner Lokal-Anzeiger", findet man täglich Versteigerungsanzeigcn von Gerichtsvollziehern. Es ist mir aufgefallen, daff manche Gerichtsvollzieher sich darauf beschränken. die zu versteigernden Gegenstände mit einem entsprechenden Sammel- begriff anzugeben, während andere Vollziehungsbeamte jeden einzelnen, auch den kleinsten, fast wertlosen Gegenstand aufführen. Durch letztere Praxis werden die Anzeigen ellenlang, und es entstehen sehr erheb- liche JnsertionSkosten, die natürlich auf die Versteigerungsmasse in Anrechnung kommen. Beispielsweise gehören Versteigerungen von geschäftlichen, namentlich gastwirtschaftlichen Einrichtungen zur Tages- ordnung. Da es sich hier immer um ziemlich dieselben Einrichtungs- gegenstände handelt, sollte der Kollektivbegriff im Inserat genügen. Statt dessen wird jedes einzelne Jnventarstück bis auf den Spuck- napf und die Sweichhölzerbnchse angegeben. Das ist um so über- flüssiger, als gewöhnlich der Händlerring derartige Einrichtungen in Bausch und Bogen aufkauft. Das. Ergebnis aus der Zwangs- Versteigerung durch übermäßig hohe' JnsertionSkosten für den ehe- maligen Besitzer noch ungünstiger zu gestalten, muß als eine Härte erscheinen, die wohl ganz gut vermieden werden könnte. Neuartige„Ruheplätze" in den Parkanlagen plant die städttsche Parkdeputation. Man hat beobachtet, daß Tausende erholungs- bedürftiger Personen, die auf den Holzbänken nicht Platz finden können, die scharfkantigen niedrigen Gitter der Raseneinfassungen benutzen. Deshalb soll zunächst versuchsweise bei dem großen Spiel- platz im Treptower Park ein dreiteiliges Eisengitter angebracht werden, loelches als einigermaßen bequemer Sitz dienen kann. Be- währt sich die Einrichtung, was zu erwarten ist. so wird sie auch in anderen Parkanlagen erfolgen. Man möge aber darüber nicht die Vermehrung der hölzernen Ruhebänke vergessen. In manchen Schmuck- und Parkanlagen ist noch immer Mangel an solchen. Die Bankaufschrift„Nur für Frauen und Kinder" hat sich nicht bewährt, da dieselbe von einem großen Teile des Publikums nicht respektiert wird. Sie gibt häufig zu Streitigkeiten Anlaß und soll daher nicht allgemeiner eingeführt werden. Nur an einigen Stellen, beispiels- weise am Dönhoffplatz, wo sich erfahrungsgemäff ausnahmsweise viele Frauen, Kindermädchen und Kinder einfinden, bleibt sie bestehen. Tadel verdient das Verfahren der Direktion des Passage- Theaters, wie es bei Einstellung von Hilfskontrolleuren geübt wird. Um sich genügende Arbeitskräfte zur Bewältigung des vermehrten Besuches anläßlich der Osterfeiertage zu sichern, hatte sich die Direktion an verschiedene Arbeitsnachweise gewandt. Die Arbeits- zeit sollte von 2 Uhr nachmittags bis abends 10 Uhr dauern und mit 2,60 M. vergütet werden. Die bestellten Leute fanden sich, wie uns geschrieben wird, nach einer vorhergegangenen Vorstellung am 1. Osterseiertag nachmittags VaS Uhr ein, um ihre Stellung an- zutreten. Der Geschäftsführer gab bekannt, daff nur die vom Jnvalidendank und vom Kriegerverein Geschickten Angestellt würden. Fast alle anderen wurden mit dem Bemerken abgeiviesen, daff der Bedarf an Hilfskräften gedeckt sei.— Wenn diese Mitteilungen zu- treffen, so verdient das Verhalten der Geschüftsleitung des Passage- Theaters entschieden Tadel; mindestens wäre zu verlangen, daff den Leuten, die bestellt aber nicht angenommen wurden, Ersatz für gemachte Auslagen, wie Fahrgeld usw. geleistet worden wäre, ganz abgesehen davon, daß nur eine bestimmte Gruppe von Personen berücksichtigt tvurdc. Die Verteuerung der Anglerkartcn durch die Rahnsdorfer und Köpcnicker Fischerinnungen hat bekanntlich den Protest zahlreicher Angler hervorgerufen. Eine von Anglern gewählte Kommission hat sich mit den genannten Innungen in Verbindung gesetzt, um die Herabsetzung des auf 10 M. bemessenen Preises für eine Angelkarte zu erwirken. Die Köpenicker Innung hat aber auf ein Ansuchen überhaupt nicht geantwortet, während die Rahnsdorfer Innung be- reit ist, den Mitgliedern von Anglervereiuen insofern entgegen- zukommen, als sie ihnen Karten zum Preise von 6 M. für ein be- schränkteS Gebiet verabfolgen will. Man will von diesem Entgegen- kommen Gebrauch machen unter der Voraussetzung, daß sie billigere Karten im nächsten Jahre für das ganze Gebiet ausgibt. Auglern soll ferner empfohlen werden, von Woltersdorf und anderen Orieu Angelkarten zu beziehen, wo keine Verteuerung eingetreten ist. Hillweise aus den nächsten Feuermelder sind bekanntlich an den Litfaßsäulen zu lesen. Wie uns aus unserem Leserkreise geschriebeil wird, sind diese Hinweise in manchen Fällen aber recht unpraktisch. So stände an der Litfaßsäule Ecke Äatzlerstratze und Uorkstraffe: Feuermeldung Möckernstraffe, Postamt Hagelberger Straffe, wahrend der viel nähere Feuermelder sowie das Postamt sich Göbenstraffe, Ecke Mansteinstraffe befänden. An der anderen Ecke, Dorlstraffe und Bautzener Straffe, sei zu lesen: Feuermelder Göbenstraffe, Postamt Jorkstraße, obwohl diese Seite eine Straffenecke weiter liegt. Da bei Feuersgefahr jede Minute von Wichtigkeit sei, sei es notwendig, öffentlich auf diesen Umstand hinzuweisen, um entsprechende Aende- rung herbeizuführen. Zum Selbstmord des Juweliers Max Winter, Lützowstratze 80. der das Amt eines Armenvorstehers und Verlvalters einer Spar- kassenannahmestelle bekleidete, wird niagistratsosfiziös berichtet: Die Unterschlagungen bei einem Verwalter einer Sparkassenannahniestelle, der sich vergiftet hat, betreffen, soweit bis jetzt feststeht, keine diesem Verwalter amtlich übergebenen Gelder. Er hat es aber ver- standen, die leidige Vertrauensseligkeit des Publikums auszunutzen und Gelder und Sparkassenbücher gegen private Quittungen zu er- langen und für sich zu verwenden." Von anderer Seite wird uns über den Selbstmordkandidaten, entgegen den Mitteilungen der„Morgenpost", daff W. das Opfer seiner Gutmütigkeit geworden sei, geschrieben: „Als Armenvorfteher war der Verstorbene wenig beliebt. Er gehörte zu jenen Vorstehern, welche die Bedürftigen ohne Rücksicht auf gerade anwesende Kunden in ihrem Geschäftsladen abfertigen und trotz der monatlich von der Stadt gezahlten Mietsentschädigung ein besonderes Sprechzimmer nicht zur Verfügung haben. Mii der Ablehnung von Unterstützungsgesuchen tvar Winter ziemlich schnell bei der Hand. Es stimmt nicht, daff Winter, wie die„Berliner Morgenpost" berichtet, das Opfer seiner Gutmütigkeit geworden ist. Wo er aus privaten Mitteln früher einsprang, geschah es infolge einer ziemlich stark entwickelten Großmannssucht, die aber im Verkehr mit der Armut nicht ihren Ausdruck fand. Klopften Arme während der Dienststunden bei der im ersten Stockwerk belegenen Privalwohnung deS Armenborstchers an, so wurden sie regelmäßig nach dem Geschäftsladen gewiesen, wo Winter nichts weniger als Gutmütigkeit zeigte und oft recht brüsk auftrat. Ueber die Ab- fertigung im Geschäftsladen soll sogar bei der Armendirektion Be- schwerde eingelegt worden sein, ohne daff Abhilfe erfolgte." Damen ohne Herrenbegleitung ist der Zutritt verboten. Von der Geschäftsstelle des Vereins„Frauenwohl" geht uns folgende Zu- schrift zu: „Drei Mitglieder des Vereins.Frauenwohl" wollten am 14. d. M., abends 1 1st« Uhr, als sie von einer Versammlung nach Hause kamen, in der Nähe ihrer Wohnungen einen kleinen Imbiß einnehmen. Sic wollten in das auf ihrem Wege gelegene Cafs des Eispalast gehen, wurden jedoch vom Portier und später auch vom Inhaber, den sie sich zitieren lieffen, zurückgewiesen mit dem Bemerken:„Damen ohne Herrenbegleitung ist der Eintritt verboten". Wir bringen diese Tatsache zur öffentlichen Kenntnis und Kritik, weil solche Zustände der modernen Zeit unwürdig sind und man sich dem Ausland gegenüber schämen muß, daff die deutschen Frauen solcher Behandlung ausgesetzt sind. Es kann noch betont werden, daff die drei Zurückgewiesenen sehr ernste, berufstätige Frauen find. Wer gibt dem Inhaber eines Casös das Recht, ihnen mit dieser Zurückweisung eine Ehrenkränkung zuzufügen, als ob ein un- anständiges Benehmen in dem Lokal von ihnen zu erwarten sei? Oder schätzt der Inhaber des Cafes im Eispalast die in seinem Lokal verkehrende Herrenwelt so tief ein, als ob anständige Frauen in seinem Lokal nicht sicher sind?" Mehrere Unfälle auf dem Wasser haben sich bei dem Sturin- Wetter am Donnerstag ereignet. Trotz des heftigen Sturmes hatten sich zahlreiche Segler und Ruderer auf die Seen hinausgewagt. Auf dem Müggelsee kamen zwei Segelboote zum Kentern, deren Insassen glücklicherweise alle gerettet werden konnten. Auf dem Wannsee gerieten die Insassen eines Ruderbootes in die größte Lebensgefahr. Nicht weit vom Familienbad entfernt tvar das Boot durch einen heftigen Windstoff auf dem unruhigen Gewässer um- geschlagen worden und die Ruderer, vier junge Leute stürzten in die Fluten. Wäre nicht ein Motorboot in der Nähe gewesen, dessen Mannschaft sich sofort an die Rettung der Gefährdeten machte, so hätte die Sache einen bösen Verlauf nehmen können. Falsche Ein- und Fiinfmarkstiicke tauchen seit einiger Zeit wieder auf. Die Falsifikate, die die Jahreszahlen 1874 und 1907 tragen, sind bis auf die Randprägung recht gut nachgeahmt und nur schwer von echten Geldstücken zu unterscheiden. Die Randprägungen sind kaum lesbar. Besonders machen sich die Einmarkstücke durch einen fettigen Glanz bemerkbar. Die Falschmünzer versuchen hauptsächlich in den Vororten die Falsifikate unterzubringen. Sie nutzen den regen Ver- kehr auf den Wochenmärkten für ihre verbrecherischen Zwecke aus. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist gestern nachmittag der 73 Jahre alte Asphaltierer Karl Schaerk aus der Tieckstraffe 10. Als er in der Jnvalidenstraffe beschäftigt war. geriet er unter einen Straßenbahnwagen, wurde überfahren und am rechten Arm und an der rechten Körperseite schwer verletzt. Ein Schutzmann brachte ihn nach der Eharite. Die falschen und die wahren Freunde der arbeitenden Jugend lautet das Thema einer von der Freien Jugendorganisation ein- berufenen öffentlichen Jugendversammlung, die am nächsten Sonntag, den 13. April, nachmittags 2 Uhr. in Graumanns Festiälen, Nanuynstr. 29, stattfindet.. Referent ist Genosse Max Peters. Die Leiter sämtlicher gegnerischen Jugendvereine sind eingeladen. Wer ist der Tote? Am 9. d. Mts. ist aus der Havel bei Schildhorn eine zirka 60 Jahre alte unbekannte männliche Leiche ge- landet. Die Leiche ist mittelgroß, ohne Schnurrbart, bekleidet mit schwarzem Jackettanzug, dunklem Winterüberzieher, schwarzen Stiefeln, schwarzen Strümpfen, schwarzen Glacehandschuhen; anscheinend den besseren Ständen angehörig, rötlicher Bindeschlips. Im Stehkragen Wäschezeichen F. K. Event. Angehörige bezw. Rekognoszentcn wollen sich beim Amtsvorsteher Forsthaus Grunewald oder im Polizei- Präsidium am Alexanderplatz, Zimmer 322 II. melde». Eine Märkische Arbeiter-Schachvcrcinigung ist am Karfreitag in einer Zusammenkunft in Nowawes gegründet worden. Gesperrt. Das Mariannen- Ufer wird Umpflafterungsarbeiten halber vom 19. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht um 11 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Hufelandstr. 4 alarmiert, weil dort eine Frau TaraS aus dem Fenster zu springen versuchte. Noch vor An- kunft der Feuerwehr wurde die Aerniste wieder ins Zimmer gezogen. Dort lag sie denn bewußtlos auf dem Fußboden und wurde zu ihrem Schutze der Revierpolizei übergeben. Angeblich soll die Frau morphiumsüchtig sein. Der 1. Zug wurde nach dein Alexanderplatz gerufen, wo vor dem Bahnhof ein Mann zwischen zwei Straßen-| nachmittags 8 Uhr, im Lokale des Herrn Korschel( Neues Schüßen-| bei einem Besuche den Arm um die Hüfte gelegt und bahnwagen geraten war. Nachts um 4 Uhr brannten Jägerstr. 65 haus) stattfindende Vertreterwahl hingewiesen. Die von den freien sie wiederholt fest an sich gedrückt habe. Auf eine Breßtohlen, Fußboden, Balfen u. a. in einem Zimmer. Auf dem Gewerkschaften aufgestellten Vertreter werden den Genossen am Ein- Frage des Vorsitzenden, ob sie das für unpassend gehalten habe, Hofe Weberstr. 30 war nachts Papier in Brand geraten. Gestern bormittag 9 Uhr stand in der Büdlerstr. 46 das Zwischengebälk in gang des Saales durch Stimmzettel bekannt gegeben; es wird erklärt sie:" Im höchsten Grade für unpassend, ja für Flammen. In der Leipziger Straße 85 mußte ein Schornsteinbrand ersucht, nur diesen Kandidaten die Stimme zu geben. beobachtet werden. Weitere Alarme liefen aus der Köpenider Str. 16, Tegel. Bernauer Str. 91 u. a. Stellen ein. Bankow. Vorort- Nachrichten. Parteigenoffen! Arbeiter! Handwerker! Gemeindewähler! Am Montag, den 19. April, findet die Gemeinde erfazwahl im ersten Bezirk statt. Das Wahllokal ist bei Ebersbach, Berliner Straße 102( im Kurfürsten"). Gewählt wird in der Zeit von 11 hr vormittags bis 8 Uhr abends. Rendant Wilhelm Brall. empörend. Ich muß offen bekennen, wenn sich das ein anderer Mann erlaubt hätte, dann würde ich ihm sofort ein paar Ohrfeigen gegeben haben." Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, Ein Denunziantenstüdlein. ob sie glaube, gegen einen Pfarrer mehr Rücksicht nehmen zu Unter dieser Spigmarke tennzeichneten wir in unserer Donnerstags- müssen als gegen einen anderen Mann, meint die Zeugin:„ Wir nummer ein hiesiges Lokalblättchen, das aus einem Vorgang zwischen haben vor unseren Geistlichen eine ganz besondere Hochachtung." Ausflüglern und einem Gendarmen am Karfreitag einen Land- Sie habe aber trotzdem den Pfarrer zum Geburtstage ein friedensbruch" konstruierte, 11. a. befand sich in unserer Notiz geladen, und er sei auch gekommen. Auch Frau Mohr folgender Saz: Daß das Blättchen, eingedent seiner minimalen erklärte unter ihrem Eide, daß zwischen ihr und Herrn Schall Abonnentenzahl, die Zahl 300 schon für eine ungeheuerlich hohe hält, niemals etwas unpassendes vorgekommen ist. Auf eine Frage spricht es von Hunderten von Sozialdemokraten." Dieser Satz hat des Vorsitzenden, ob sie etwas davon wisse, daß Pfarrer Buchali ihre Tochter geküßt und sie mein Ziebling" genannt habe, erklärt es dem Verleger des„ Tegeler Anzeiger", Herrn Wilhelm Müller, die Zeugin: Es ginge das Gerete, daß Pfarrer Bucheli alle Konangetan, der uns um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: Bei " Es ist unwahr, daß der„ Tegeler Anzeiger" eine Abonnenten- firmandinnen auf den Schoß nimmt. Ob das Mädchen erzählt habe, zahl von 300 befigt. Sie beziffert sich ausschließlich der beiden daß der Pfarrer sie gefüßt habe, sei ihr nicht erinnerlich. auf 1840. Der Verlag des" Tegeler Anzeiger". gehabt habe, daß er mit der Umarmung etwas unpassendes getan Nebenausgaben auf 1840. Der Verlag des" Tegeler Anzeiger". Grörterung der Frage, ob Pfarrer Buchali das subjektive Empfinden Wilhelm Müller." Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Herr Müller muß offenbar unfere Notiz nicht richtig gelesen habe, erklärt die Zeugin Mohr, daß sie das Benehmen des Pfarrers Arbeiter Johann Hirschmeier, haben, sonst könnte er uns nicht um Aufnahme einer solchen Be- jedenfalls als sehr unpassend empfunden habe. Der Herr Pfarrer richtigung ersuchen. Weder haben wir sein Blättchen genannt, noch muß dasselbe empfunden haben, da er dies schon einmal getan habe und von ihrem Manne gewarnt worden Unsere Wähler wollen sich mit Legitimation versehen! haben wir die Abonnentenzahl des Denunzianten bekannt geben ist. Sie sei im Jahre 1904 sehr trant gewesen, und nachdem sie Der Gemeindevorstand hat Wahleinladungen an die Wähler er- wollen. Une lag nur daran, den phantasievollen Urheber jener von wieder gesund wurde, habe ihr Mann sie aufgefordert zum Herrn gehen lassen. Wer von unseren Wählern eine solche Einladung Berliner Blättern übernommenen Bandfriedensbruchnotiz näher zu Pfarrer Buchali zu gehen und ihn zu bitten, dem lieben Gott zu danken, daß er sie wieder habe genesen lassen. Bei dieser nicht erhalten hat, soll sich diese sofort im Rathaus( Bimmer 25) beleuchten. Und das dürfte uns gelungen sein. Gelegenheit habe Pfarrer Buchali sie in derselben Weise umarmt und an sich gedrückt. Nach langwierigen Ginigungsverhandlungen kommt ein Vergleich zustande, wonach der Privatbeklagte erklärt, daß er die Ueberzeugung gewonnen habe, daß der Verkehr zwischen Frau Mohr und Kaplan Schall nicht unlauter gewesen sei. Er habe die Familie Mohr nicht beleidigen wollen. Darauf nimmt der Privatkläger die Klage zurüď. persönlich abholen. Wähler Panfoto 3! Die vereinigten bürgerlichen Parteien Pankows unter Führung des fattsam belaunten Reich 8 Iügen= berbandes machen ungeheuere Anstrengungen, um uns diese zwei Sige im Gemeindeparlament zu entreißen. Es ist daher Eure Pflicht, am Montag, den 19. April, Mann für Mann an der Wahl teilzunehmen. Die bürgerlichen Parteien spekulieren auf den hinter uns liegenden Streit; beweist ihnen, daß diese Hoffnung eine verfehlte ist und daß unsere Gegner die Rechnung ohne das Pflichtgefühl der sozialistischen Arbeiter Pankows gemacht haben. Kein Mann von uns darf fehlen! Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins. Gerichts- Zeitung. Polizeileutnant und Rechtskandidat als Gefehesverächter. Vers Zentralverband der freien Händler, Sausierer usiv. waltungsstelle Berlin. Heute abend 8, Uhr bei Dräsel, Neue Friedrichstraße 35: Generalversammlung. Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. ( E. H. 29 Hamburg.) Mitgliederversammlungen: Filiale Berlin 3. Heute abend 8, Uhr bei Stayser, Reichenberger Str. 157. Filiale Berlin 4. Heute abend 8%, Uhr bei Merkowski, Andreasstr. 26. iliale Berlin 6. Heute abend bei Giente, Bernauer Str. 82. Filiale Rummmelsburg. Heute abend 8%, Uhr bei Blume, AltBorhagen 56. Ein Pistolenduell am Großen Stern im Grunewald lag einer Anklage wegen Herausforderung zum Zweikampfe zugrunde, mit der sich gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirettors Dr. Schütt die 1. Straffammer des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt waren wegen Zweikampfs in zwei Fällen der Kandidat der Rechte Erich Müller, in einem Falle der Polizeileutnant Johann Nolte, und ferner wegen Kartelltragens der Architekt Heinrich Stahl aus Magdeburg. In dem ersten Falle handelte es sich um ein Säbelduell mit Binden und Ueber die am Montag, den 19. April, stattfindende Gemeindewahl Bandagen, welches zwischen M. und N. ausgefochten worden war, und zwar zu einer Zeit, als letterer noch nicht Polizeileutnant sprach am Donnerstag Reichtagsabgeordneter Genosse Zubeil in war. Die Veranlassung zu der Forderung boten persönliche gut besuchter Versammlung. Der Referent berührte in seinem bor Differenzen zwischen diesen beiden Angeklagten. In dem zweiten Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 18. April cr., vormittags züglichen Referat alle großen Fragen unserer Kommunalpolitik, z. B. schwereren Fall handelte es sich um folgendes: Der Angeklagte 9 Uhr, in der Halle, Bappel- Alee 15-17: Freireligiöse Vorlesung. Bor Verkehrswege, Wertzuivachssteuer, Schulfragen, unentgeltliche Liefe- Di. hat eine Stiefschwester, die in Beziehungen zu einem mittags 10%, Uhr in der Schule, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag des rung von Schulbüchern, Schulärste, Hygiene der Schule, Waisen- Studenten P. getreten war. Diese sollten, nach Behauptung Herrn M. H. Baege über Dualismus". Herren und Damen find als pflege, Armenpflege usw. usw. Zubeil wies überzeugend nach, wie des M., zur Folge gehabt haben, daß seine Stiefschwester tom- Gäste sehr willkommen. erst durch die Anwesenheit der sozialdemokrati promittiert wurde. Um die Ehre seiner Schwester reinzuwaschen, Ueber den gegenwärtigen Stand der Sache der Welthilfsschen Vertreter in den Gemeindeparlamenten alle diese Fragen verlangte M. von P. die Erklärung, daß dieser die junge sprache wird Genosse Beus heute abend 8 Uhr in den Arminhallen" in Fluß gekommen und teilweise durch die Hilfe der sozialdemo- Dame heiraten werde. Als sich P. weigerte, ließ ihm M. sprechen. fratischen Gemeindevertreter erfüllt worden sind. Des weiteren ver- burch den Mitangeklagten St. eine scharfe Pistolenforderung, die wies Redner auf die infame Wahlrechtsverschlechterung im Rigdorfer bis zur Kampfunfähigkeit" lautete, überbringen. Das EhrenStadtparlament und gab den Pankower Genossen mit auf den Weg, gericht schwächte diese Forderung auf dreimaligen Kugelwechsel" auf der Wacht zu sein, da es auch in Bankow so ergehen könne. ab. Das Duell fand eines Morgens in aller Frühe in der Nähe Der Referent zeigte, daß die Bürgerlichen Parteien bei des Großen Sterns im Grunewald statt und verlief unblutig. der Wahl geschlossen gegen die Sozialdemokratie auftreten Staatsanwalt Assessor Ortmann beantragte gegen M. sechs er ermahnte unsere Wähler, ihnen mit der gleichen Geschlossenheit Monate Festungshaft, gegen N. vier Monate und gegen St. zwei zu antworten. Die zwei freigewordenen Size so schloß Zubeil Monate Festung. Das Gericht erkannte gegen Müller auf feinen mehrstündigen Vortrag- müssen am 19. in unserem bier Monate, gegen Nolte auf drei Monate und gegen Besiz bleiben; dafür zu sorgen, hierfür einzutreten, ſei die Stahl auf drei Tage Festungshaft. Ehrenpflicht aller Pantower Parteigenossen. Möge auch in Pankow vorgekommen sein, was da wolle, die Liebe zur Partei müsse alle diese kleinen persönlichen Streitigkeiten überwinden. Charlottenburg. " Die Amtsräume der Armenpfleger. In Berlin wurde durch den Vorwärts" festgestellt, daß manche Armenvorsteher Hilfesuchende, die zu ihnen famen, nicht in einem besonderen Zimmer abfertigten. Als Amtszimmer" für Arme wurde da benutzt von dem einen der Korridor seiner Wohnung, bon einem anderen der Verkaufsraum feines Ladengeschäftes, von einem Dritten das Gast zimmer feiner Schantwirtschaft. Derartiges beschränkt sich aber nicht nur auf Berlin, sondern komint leider auch in Charlottenburg bor. Hier hält ein Armenpfleger Weber, der in der Berliner Straße ein Papier- und Galanteriewarengeschäft betreibt, es für zulässig, die Auszahlung von Armengeld im offenen Laden borzunehmen. Herr Weber glaubt fogar, Armengeld einfach durch seine Rassiererin mitauszahlen lassen zu dürfen. Empfindet denn dieser Armenpfleger es nicht als Pflicht, solche Angelegenheiten diskret zu behandeln? Das eine muß man ihm allerdings lassen: er fürchtet nicht, daß die noble Stundschaft, die in seinem Geschäft ein- und ausgeht, sich durch eine bort ihr Geld abholende Almosenempfängerin geniert fühlen tönnte. Er sollte aber nicht übersehen, daß doch auch eine Almofenempfängerin sich durch seine Kundschaft geniert filhlen kann. Ober- Schöneweide. an Intimes aus Zentrumskreifen. Ein Beleidigungsprozeß mit firchenpolitischem Hintergrunde beschäftigte gestern das Schöffengericht des Liegnizer Amtsgerichts. Kläger ist der Geheime Regierungsrat Mohr an der und Notar Justizrat Dr. Seifert. Kläger und Angeklagter föniglichen Regierung zu Liegni. Privatbeklagter Rechtsanwalt gehören zu den Führern der hiesigen Zentrumspartei. Briefkaften der Redaktion. Die juriftifdie Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter sof, Dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Sr. 18. 1. die Reklamation ist an die in der Berliner Veranlagung bezeichnete Behörde zu richten. 2. In Nigdorf. M. F. 13. 1. Mit Einwilligung des Friedhofseigentümers fa. 2. Nein. M. P. 30. E. Steineswegs. 2. 3. 102. Ab- und Anmeldung muß erfolgen. Mt. 25. 1-3. Nein. Ein Pflichtteil steht nur der Witwe oder dem Witwer und den Kindern zu. S. 42. Wenden Sie sich an das Bureau der städtischen Heimstätten, Neue Friedrichstr. 10. Die Aufnahme ist fostenlos. Wanzen. Fordern Sie den Wirt zur Beseitigung der Eindringlinge biefelben durch einen Stammerjäger ermittieren lassen und führen Sie diese auf, seben Sie ihm eine angemessene Frist, drohen ihm, falls nach Ablauf Drohung aus. Die Kosten können Sie nach Ihrem Bertrag nicht gegen rechnen, sondern müssen fie einflagen. Das Recht auf AufD. W. Nein. Beide gehören zum Vorstand der Liegniter katholischen Ge- hebung des Vertrages steht Ihnen nicht zu. 5. 2. 21. Ein Einspruch hätte wenig Aussicht auf Erfolg. meinde und bekleiden nebst ihren Gemahlinnen m. 2. 2. 38. Ein notariell beglaubigtes Anerkenntnis genügt. Ehrenstellen in den dortigen tatholischen Ver- Rente 3. Die Krankenkassenunterstützung ist von der Invalidenrente unF. M. Falls nicht etwa im Urteil Ihrer Frau ein Teil der einen. Vor einiger Zeit verbreitete sich in jenen Kreisen das abhängig. Fröhlich 33. Eine Gerücht, die Gattin des Geheimen Regierungsrats Mohr unter- Stoften auferlegt ist, hat sie teine Kosten zu zahlen. halte Beziehungen zu dem Kaplan Schall. Justiz selage auf Ehescheidung hätte in Ihrem Fall Aussicht auf Erfolg. rat Dr. Seifert suchte es deshalb zu verhindern, daß Frau Mohr als Präsidentin des Liegnißer Zweigvereins des katholischen Frauenbundes für Deutschland gewählt werde. Er wandte sich, da seine Bemühungen erfolglos zu bleiben schienen, an den Kardinal- Fürstbischof Dr. Kopp in Breslau. Dieser verfügte, daß die Begründung des Liegnizer Zweigvereins zu unterbleiben habe. Aus diesem Anlaß kam es zwischen dem Geheimen Regierungsrat Mohr und dem Justizrat Dr. Seifert zu einer heftigen Fehde, die schließlich zur Anstrengung dieses Privatbeleidigungsprozesses ge führt hat. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Sentral- Markthallen. Zufuhr reichlich, Geschäft flau, Preise unverändert. Bild: Bufuhr knapp, Geschäft ruhig, Breije feft. Geflügel: Zufuhr nicht genügend, Geschäft ruhig, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. verändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend Butter und Kase: Geschäft ruhig, Preise un Geschäft still, Preise wenig verändert. Witterungsübersicht vom 16. April 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer. stand mm Windrichtung Windstärke 76523 München 766D Mien Wie sich aus der Verhandlung ergibt, hat der Privatbeklagte in einer amtlichen Erklärung behauptet, er visse, daß Frau Mohr Wertzuwachsstener. Nachdem wiederholt die Anregungen unferer den Kaplan Schall monatelang, bielfach bisweilen täg Genossen auf Einführung dieser Steuer in der Gemeindevertretung Ii ch 3 toeimal, in dessen Privatwohnung besucht befämpft wurden, hat jetzt die Etatskommission den Gemeinde- habe. Kaplan Schall fei Hausfreund der Familie Mohr. És vorsteher beauftragt, einen Entwurf zur Einführung der Steuer vor- bestehe der Verdacht, daß Kaplan Schall mit der Frau Mohr Außerdem habe Swinembe. 763 N zulegen. Gehorsam, wie manche bürgerliche Vertreter nun einmal unzüchtigen Verkehr unterhalte. find, ist jetzt aus einem Gegner in mehreren Fällen ein Befürworter sich die älteste Tochter des Geheimrats Mohr gerühmt, Pfarrer pamburg 766 2 geworden, wohl nur aus dem Grunde, weil sich jetzt die maßgebendsten Buchali habe sie wiederholt auf den Mund ge- Berlin Streife zu anderer Stellungnahme dieser Steuer gegenüber erklärt tüßt und sie Mein Liebling" genannt. Pfarrer Buchali Frant.a. M. 766 NO haben. Ein recht dreistes Anfinnen leistet sich die Gasanstalt weist diese Behauptung mit Entrüstung zurüd. die Gemeinde. Den bielen Forderungen nach einem Bei seiner eidlichen Vernehmung bestreitet Seaplan Schall, Einheitsgaspreis will fie unter den folgenden Bedingungen daß jemals zwischen ihm und Frau Mohr Beziehungen unfittlicher. gnädigst nachkommen: Der Einheitspreis soll auf 12 Bf. gefept Art bestanden hätten. Auf einen Vorhalt des Vorsitzenden, daß werden, wenn die an die Gemeinde laut Vertrag zu zahlende Ab- Schall einmal in der Wohnung der Frau Mohr mit letterer in gabe von 5 Broz. der Bruttoeinnahmen aus dem in der Gemeinde einer Weise verkehrt haben soll, daß ein anwesender Herr äußerte, berbrauchten Gas auf 2½ Broz. herabgesetzt wird, und die Vertrags- wischen den Beiden ist es nicht ganz fojcher", verdauer( Monopol) auf weitere 20 Jahre, also bis 1969 verlängert sichert der Beuge, daß absolut nichts Anstößiges zwischen ihm und wird. Dabei ist zu beachten, daß nach Ablauf des Vertrages der Frau Mohr vorgekommen sei. Weiter bekundet der Zeuge, daß Gemeinde nicht einmal das Recht zusteht, die Anlage zu erwerben. Hoffentlich versteht die Gemeindevertretung diese Hoffnungen aufchanden zu machen. Rummelsburg. 2Better Temp. n. C. 6° C.= 4° R. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärle 3 Haparanda 759 Still Better Temp. n. T. 5° 6.4° R. 2 wolfenl bebedt 2 wolkenl 2 wolkenl 3 wolkig 4 Betersburg 752 DND 2 bedeckt 2 Scilly 759 SW 4 bededt 11 758 SS 1 halb bd. 5 763 DSD 1 halb bd. 9 2 3 Aberdeen 4 halb bb. 6 Baris 766 N 2 wollen! 5 Wetterprognose für Sonnabend, den 17. April 1909. Bunächst meist heiter, am Tage wärmer bei ziemlich lebhaften füdlichen Berliner Betterbureau Binden; später wieder zunehmende Bewölkung mit etwas Regen. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand eines Tages im Dezember 1907 Frau Mohr in großer Aufregung au ihm gekommen sei und ihm mitgeteilt hätte, daß sie eben beim Herrn Pfarrer Buchali gewesen sei, um ihn zum Geburtstage einzuladen. Der Herr Pfarrer habe seinen Arm um ihren Rüden geschlungen und sie wiederholt Memel, Tilfit Ein Feuer tam vorgestern früh auf dem Grundstück Lüdftr. 70/71 fest an seinen Körper gebrüdt. Der Privattläger, Bregel, Insterburg zum Ausbruch. Bald darauf erschien auch die Rummelsburger Wehr te gierungsrat Mohr, bemerkt, daß er gegen Pfarrer eifel, Thorn Dder, Ratibor an der Brandstelle. Bei den Aufräumungsarbeiten soll die Wehr Buchali, Kuratus Dietrich und Kaplan Schickdanz Aroffen entdeckt haben, daß das Feuer vom Eigentümer des Grundstückes, Anzeige beim Stardinal- Fürstbischof erstattet habe, der auch das Frankfurt dem soz. Gemeindevertreter Gorgas, angelegt worden ist. G. wurde erfahren gegen die drei Geistlichen eröffnet Barthe, Schrimm Landsberg 272 hierauf unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Blätter- habe. Pfarrer Buchali erklärt als Beuge, daß es möglich meldungen zufolge soll Gorgas bereits ein Geständnis abgelegt fei, daß er Frau Mohr an die Schulter gefaßt habe. Etwas un- Rege, Bordamm haben. rechtes glaube er dabei nicht getan zu haben. Er habe die Ibe, Leitmeriz Gepflogenheit, gegen jedermann, ohne Geschlechtsunterschied, etwas zärtlich zu sein. Ferner bestreitet er, die 14jährige Die Parteis und Gertrud Mohr auf den Mund gefüßt zu haben. Delegiertenwahl zur Orts- Krankenkasse. Frau Mohr, Getvertschaftsgenossen, welche der Drts- Krankenkasse zu Königs- eine schlanke Blondine von 43 Jahren, die bedeutend jünger ausWusterhausen angehören, werden auf die am Sonntag, den 18. April, I fieht als sie ist, erklärt als Zeugin, daß Pfarrer Buchali ihr 5 Uhr nachm. Wasserstand 314 cm. Königs- Wusterhausen und Umgegend. I Mk. am feit 15. 4. 14. 4. am feit Basserstand 15. 4. 14. 4. cm cm ¹) cm cm ¹) 446 -14 Saale, Grochlik 184 +22 71 0 Havel, Spandau) 134 +2 276 -10 Rathenow) 129+1 2793) 245 -11 -1 Spree, Spremberg) 94 0 Beeskow 187-3 244 -13 Beser, Münden 2 +16 228 -6 Minden 67 +18 -10 Rhein, Marimiliansan 454 +44 131 +2 184+16 88 +-8 <-2 +30 209+-33 +82 258+12 +8 Main, Wertheim 175+13 Mosel, Trier Fall. ³) Unterpegel Dresden Barby Magdeburg 215 1)+ bedeutet Buchs, Raub Köln Nedar, Heilbronn 218 106+7 ) am 15. um wöchentliche Teilzahlungen liefere elegante, fertige Herren- Garderoben. Tadellose Ausführung. Ersatz für Maß. Anfertigung nach Maß. 1. Geschäft: NO., Gr.Frankfurter Str. 38" Eingang 259L+ 38 Strausberger Platz Julius Fabian, Schneidermeister, 2 NW.( Moabit), Turmstraße 18' 男 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW