Zlr.SO. Hbonnements-Bcdlnäiingcn: Abonnements- Preis pränumerando i Bierteljährl. 3�0 SKf, Mona«. 1,10 Ml, „Schentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngL- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich° Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. CrMtlnt tZgllch anficr msntag». Vevltnev Volksblakt. Die Tnlertlons' Gebühr beträgt für die sechSgespaltcne Kolonel» zcilc oder deren Raum 00 Psg., sür politische und gcwerlschastliche Bereins- und Beriaminlungs-Anzeigen 80 Psg. �Ulew«?ln-ealilfii>»likal Rcriin1*, Zcntralorgan der rozialdcmokrati feben parte» Deutfcblanda. Redaktion: 681. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. S-niitag. de» 18. April 1»««. Expedition: 88l. 68, Lindcnetrasae 69» Fernsprecher: Amt W, Nr. 1984. Die Lehrer und die politische« IParteien. Seit einiger Zeit umgirren die Konservativen, und unter ihnen wieder allen voran die Klopffechter des Bundes der Landwirte, die preußischen Volksschullehrer. Sie haben es verstanden, in der Besoldungsfrage, dem kitzligsten Punkt der Lehrerschaft, einen Keil zwischen Stadt- und Landlehrer zu treiben, auf den bei passender Gelegenheit mit ivenig Witz, aber um so größerem Behagen losszeschlagen wird. Da bisher die preußische Lehrerschaft ziemlich einig war und auch die ländlichen Kollegen die Führung durch die liberalen groß- städtischen Lehrer geduldig ertrugen, so kann man es begreifen, daß die Agrarier sich vergnügt die Fäuste darüber reiben, daß ihnen unter den Landlehrern plötzlich eine stattliche Reihe schreib- und redegewandter Hilfskräfte erstehen. Ebenso be grciflich ist es, daß die städtischen Liberalen, deren Führer zum großen Teile Lehrer sind, und die bisher fast bedingungslos auch auf die politische Hilfe der Land- lehrerschaft zählen konnten, den erfolgreichen Einbruch der Landbündler in ihre Domäne mit scheelen Augen bc- trachten. Dieser anmutige Konkurrenzkampf gewinnt noch eine besonders interessante Folie durch die gegenwärtige Blockpolitik, die nach einer frommen Sage die konservativen Agrarier und die Liberalen angeblich zu liebender Gemein- schaft umfängt. Natürlich könnten'die Landlehrer keine größere Dumm- heit begehen, als daß sie den plumpen Lockrufen der Agrarier folgten und diesen Nimmersatten Herren die heißen Kastanien aus dem Feuer holten. Was die Konservativen auch an Lehrerfreundlichkcit daherreden, und was sie scheinbar auch zu- gnnstcn der Landlehrer tun wollen— das ist alles eitel Schaumschlägerci und verlogene Heuchelei. Die Junker und sonstigen Großgrundbesitzer haben kein Interesse an der Volksschule, sie können keine aufgeklärte Landarbeiterschaft und darum auch keine leistungsfähige, also auch kostspielige Landschule gebrauchen. Je dümmer der Knecht ist, um so eher wird er sich alles wie ein Vieh gefallen lassen. das ist in Kürze das junkerliche Äildungsideal. Wenn es den Agrariern wirklich gelingen sollte, den Landlehrer zu ködern, so wird der Leichtgläubige sehr bald zu seiner unangenehmen Ueberraschung erfahren, daß er weder sich noch der Volksschule auch nur im geringsten genügt, sondern daß er beiden auf die Dauer schweren Schaden zugefügt hat. Wenn der dumme Lehrer dann oben- drein noch den Agrariern später seinen Wechsel auf anständige Behandlung und auskömmliche Bezahlung präsentiert, wird er noch dazu den junkerlichen Hohn und Spott zu spüren bc- kommen. Dank vom Hause Oesterreich? Und nun noch gar einem armseligen Schulmeister gegenüber! Insoweit stiinmen wir ganz mit den Schlußfolgerungen eines Artikels überein. in dem die„Pädagogische Zeitung". das Hauptorgan des deutschen Lehrervereins, in ihrer neuesten Nummer die Stellung der Lehrerschaft zu den politischen Parteien untersucht. Dagegen enthält der Artikel noch einige Betrachtungen, die zu einigen Worten des Widerspruchs herausfordern. Stach der Meinung der„Pädagogischen Zeitung" ist es für einen Lehrer zwar ein unerhörter Widersinn, sich zu den politischen Ansichten der Diederich Hahn und Konsorten zu be- kennen; aber sür ebenso selbstverständlich hält sie es. daß ein Volksfchullehrer auf den Liberalismus schwört. Ein Drittes gibt es für sie gar nicht, der Liberalismus ist die Welt- anschauung für den Lehrer schlechthin, und die liberalen Parteien sind die einzigen politischen Parteien für den Lehrer. Und warum? „Der Liberalismus bedeutet den Fortschritt, und wer an den Fortschritt auch der Massen glaubt, kann ein von der Bedeutung und Wirkung seiner Arbeit überzeugter Volksschullehrer sein. Der Liberalismus verteidigt die Freiheit des Individuums, und die Lehrer müssen es in ihrem Amte oft genug schmerzlich fühlen, wie sehr diese Freiheit ihnen fehlt. Vor allem aber: keine andere grotze politische Partei kommt in ihren programmatischen Forderungen der Lehrerschaft so nahe wie die liberalen Parteien.". So viele Worte, so viele Unrichtigkeiten und Schiefheiten! Lebt denn der Artikelschreiber auf dem Monde, daß er an- scheinend nichts von der Existenz der sozialdemokratischen Partei weiß? Die Sozialdemokratie hat es wahrlich nicht nötig, sich ihrer Schul- oder Lehrerfeundlichkeit zu rühmen oder wohl gar bei den Lehrern um gut Wetter zu bitten. Das tiefe, in ihrem Wesen begründete Interesse, das die Sozialdemokratie sowohl bei ihrem gegenwärtigen Kainpfe um die Macht als auch im Hinblick auf die von ihr erstrebte zu- künstige Organisation der Gesellschaft an einer guten und allgemeinen Volksbildung hat, macht sie ohne weiteres nicht nur zur schulsreundlichsten politischen Partei, sondern zur einzigen echten und uneigennützigen Freundin und Vorkämpferin der Volksschule überhaupt. Davon kann uns die gehässige Feindseligkeit der großen Mehrheit der Volksschullehrcr so wenig abbringen, wie uns irgendwelche veränderte Taktik der Volksfchullehrer etwa von unseren revolutionären Grund- fordcrungen abzubringen vermöchte. Wie kann unter solchen Umständen ein Berliner Lehrer in dem bedeutendsten schulpolitischen Blatt der deutschen Lehrerschaft voll blinder liberaler Verranntheit die Sozial- demokratie einfach ignorieren? Gehen wir der Sache gleich auf den Kern: die Volksschullehrcr sollen nach wie vor in dem törichten Wahne erhalten werden, daß die Sozial- demokratie als politische Partei für sie überhaupt nicht in Betracht kommt. Sie soll soweit aus dem Bereiche der Möglichkeit gerückt werden, daß man ihretwegen sogar ohne Besinnen die einfachsten Tatsachen fälscht in der Hoffnung, es werde ja doch keinem einfallen der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Der Liberalismus bedeutet den Fortschritt? Als Groß- Vater die Großmutter nahm, sah es einmal vorübergehend so aus. Seitdem bedeutet der Liberalismus im günstigsten Falle Stillstand, also indirekten Rückschritt, in der Regel ist aber der Rückschritt direkt und unverhüllt. Vor allen Dingen hat der Liberalismus stets den Fortschritt der Massen zu verhindern versucht, von jenen historischen Tagen an, in denen das Leipziger Arbeiterkomitce enttäuscht von der Fortschritts- Partei zu Lassalle ging, bis auf die jüngste Gegenwart, in der die Liberalen den bescheidenen Fortschritt der Berliner Massen, der die Wahl einiger Abgeordneter in den Landtag darstellt, durch einen perfiden Streich und mit den schäbigsten Mitteln zu hintertreiben versuchen. Wer also als Lehrer an den Fortschritt der Massen glaubt, der muß dem Liberalismus schleunigst den Rücken zeigen. Der Liberalismus verteidigt die Freiheit des Individuums? Welches Hohngelächter gebührt solcher faustdicken Auf- schneiderei I Um bei den Lehrern zu bleiben: welche ununter- brochene Kette von schnödester Vergewaltigung des Individuums durch den Liberalismus seit den Zeiten, in denen Diesterweg seinen lodernden Zorn über die Erbärmlichkeit der„liberalen" Lehrer ausschüttete, bis auf die jüngste Gegenwart, in der der liberale Senat einer freien Republik einen begabten jungen Lehrer aus dem Anite jagte, weil dieses Individuum seine Freiheit verteidigte! Und keine andere große politische Partei stände theoretisch und praktisch den Lehrern so nahe wie die Liberalen? Wie traurig muß es dann um die theoretischen und praktischen Schulfordcrungen der Lehrer bestellt sein I Als in das frei- sinnige Programm die Forderung der allgemeinen Volks- schule— und zwar nur die zahmste, ungefährlichste Ausgabe dieser Forderung I— hinein sollte, stellte der große Eugen Richter die Kabinettsfrage. Im übrigen enthält das frei- sinnige Programm nur einige leere Redensarten über die Schule; die liberalen Taten aber kümmern sich auch nur den Teufel um das bescheidene Schulprogramm. Ueb'erall dort, wo die Liberalen die unbestrittene Macht in Händen haben, verwirklichen sie nichts von ihren angeblichen Schulforderungen. Und wo und wann doch hier und da etwas geschieht, so ist dies lediglich auf den unausgesetzten drängenden Einfluß der Arbeiterschaft zurückzuführen. Gewiß müßte ein preußischer Volksschullehrcr— um im Stile eines erlauchten Hohenzollcrn zu reden— ein siebenfaches Rindvieh sein, wenn er sich von den offenen agrarischen Schulfeinden einseifen ließe. Aber ein nennenswertes höheres Maß von Intelligenz darf man auch nicht bei einem Lehrer voraussetzen, der die geschwollenen Schulphrasen der liberalen Schaumschläger für bare Münze nimmt. Ein Volksschullehrer, der sich über seine eigene Stellung im Staate und in der Gesellschaft im klaren ist und der die Volksschule in ihrem geschichtlichen Werden und in ihrer Bedeutung für die gesell- fchastliche Entwickelnng richtig zu beurteilen weiß, der gehört heutigen Tages zur Sozialdemokratie. Und wenn er dieser Erkenntnis auch noch nicht lauten Ausdruck zu geben verniag, so wird er sie um so vorsorglicher in seinem Innern wie einen köstlichen Schatz hüten und pflegen. erneute AshIrechkunschISge In IM Kiel, den 17. April. (Privatdcpesche des„Vorwärts".) Ms am 9. März die Kieler Stadtverordnetenversammlung mit nur zwei Stimmen Mehrheit den Antrag des Magistrats: an den Minister das Ersuchen zu richten, für Kiel das Drei- klassenwahlrecht einzuführen, abgelehnt hatte, berichteten wir im„Vorwärts", daß bei der drohenden sozialdemo- kratischen Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und der Angst des Spießbürgertums vor dieser Mehr- heit die Gefahr einer Wahlrechtsverschlechterung über kurz oder lang wieder auftauchen werde. Diese Voraus- sage scheint sich schneller als gedacht erfüllen zu sollen. Schon am 2. April haben 18 bürgerliche Stadtverordnete— das sind, da von den 39 Mandaten eines unbesetzt und ein Stadtverordneter krank ist, sämtliche bürgerliche Stadtverordnete— an den Magistrat ein Gesuch ge- richtet, den städsischen Kollegien alsbald eine Vorlage zu unterbreiten, durch die die Bestimmungen des Ortsstatuts der Stadt Kiel über die Wahlen zur Stadtverordneten- Versammlung geändert werden. Das Gesuch scheint in erster Linie darauf abzuzielen, für Kiel die Bezirks- Wahlen einzuführen, eine Forderung, die von sämtlichen bürgerlichen Koinmunalvercincn und der bürgerlichen Presse Kiels seit langem erhoben tvorden ist. Es läßt in seiner all- gemeinen Fassung aber auch die Möglichkeit einer Zensus- erhöhung aus die nach der schleswig-holsteinischen Städte- ordnung höchstmögliche Stufe von 1369 bis 1399 Mark zu. Auf alle Fälle soll, was auf gesetzlichem Wege nicht gelungen ist, nun auf ortsstatutarischem Wege geschehen: die Verhütung einer sozialdemokratischen Mehrheit! In der Begründung seines Antrags auf Einführung der Dreiklassenwahl hatte seinerzeit der Magistrat gesagt, daß weder die Erhöhung des Wahlzensns, noch die Einführung der Bezirkswahlen auf die Dauer eine sozialdemokratische Mehrheit verhindern könne. Der Magistrat scheint jetzt anderer Ansicht geworden zu sein. Er hat nämlich der auf Dienstag ein- berufenen Sitzung der städtischen Kollegien eine Vorlage unter- breitet, in der die städtischen Kollegien ersucht werden, eine Kommission, bestehend aus drei Magistratsmitglicdern und sechs Stadtverordneten, zu wählen, die das Ge- such der 18 Stadtverordneten vom 2. April prüfen soll und besonders auch die Frage, ob bei Einführung der Bezirks- Wahlen eine Auflösung der Stadtverordneten- Versammlung nötig sei. Der Magistrat neigt der Ansicht zu, daß eine Auflösung nötig sei. Die Kieler Arbeiterschaft hat also Aussicht, bald wieder einen Wahlrechtskanipf kämpfen zu müssen I Großmachteufthn. Aus Wien wird uns geschrieben: Eine Wirkung der Annexion wird nun immer deutlicher: das Selbstbewußtsein der ehemals recht bescheidenen Großmacht ist durch sie machtvoll gefördert worden, und der verschollene Habs- burgische Imperialismus feiert mit dem„Siege" über Serbien geradezu eine Auferstehung. An sich macht der Jubel, mit dem die schwarzgelben Patrioten das Wiedererwachen der„aktiven Politik" der Großmacht begrüßen, einen wunderlichen, um nicht zu sagen lächerlichen Etuduick. Denn was hat Oesterreich-Ungarn eigentlich erzielt? Durch Monate hindurch hat Aehrenthal vor Europa be- teuern lassen, die Annexion sei eine harmlose Formalität, nicht mehr als eine Titelveränderung, schaffe keinen neuen Rechts- zustand, ratifiziere vielmehr nur den bestehenden und sei also des Aufsehens, das darob in den Ländern der Tripelentente gemacht werde, gänzlich unwert. Also wäre mit der Anerkennung der Annexion, die Oesterreich-Ungarn nichts gegeben hat, was es nicht schon vorher besessen, wohl wenig Staat zu machen. Auch der Rückzug Serbiens scheint nicht der geeignete Anlaß in Ge- nugtuung zu schwelgen, denn daß das kleine, kaum drei Millionen zählende Land von einem Kriege mit der alten Militärmonarchie die über die Resourcen von 50 Millionen Menschen verfügt, zurück- schreckt, ist weder überraschend, noch irgendwie ehrfurchteinflöhend, zumal da für Oesterreich-Ungarn, durch die Notwendigkeit ge» zwungen, ganz Europa eingetreten ist. Was soll also an dem „unblutigen Siege", wie die Aehrenthal-Offiziösen die serbische Einschwenkung� benennen, zur Begeisterung einladen? Auch ist cS gewiß, daß es mit dem Annexionsakt ganz anders gekommen ist. als Herr v. Aehrenthal vermeint hatte, daß die Bilanz seiner glorreichen Tat eigentlich nur Passivposten enthält, also eher die schärfste Kritik gewärtigen müßte. Denn der derzeit Verhimmelteste der europäischen Diplomaten stellte sich die Annexion ganz wunder- bar einfach vor; durch die Abmachung mit Tittoni und Jswolsky hoffte er, allen europäischen Widerständen vorgebaut zu haben, und mit der Türkei gedachte er überhaupt kurzen Protest zu machen; ihr sollte die Annexion einfach als Kündigung der Konstantinopeler Konvention kurzerhand notifiziert werden. Wie haben aber die wirklichen Tatsachen diese kindlich-einfache Rech- nung über den Haufen geworfen! Die Bilanz der Annexion ist heute vielleicht eine Milliarde Kronen an militärischen Rüstungen, ist die wirtschaftliche Störung durch den türkischen Boykott und durch den Zollkrieg mit Serbien— von den schweren Privatwirt» schaftlichen Nachteilen für die einberufenen Reservisten, von denen durch die Unterbindung der Produktion nicht zu sprechen! Dazu eine empfindliche Verfeindung mit halb Europa, die ja auch das verbündete Deutsche Reich zu spüren bekommen wird: das alles schaut nicht nach Anlässen zu Jubelhymnen aus. Aber das ficht die braven Oesterreicher absolut nicht an: sie sind ganz unbändig stolz darauf, daß man von ihnen, die solange verschüchtert beiseite stehen mußten, in Europa nun wieder redet und in den Welt- Händeln mit ihnen als gewichtigen Faktor rechnet. Vergessen sind alle inneren Wirren und Sorgen, und schwarz-gelb ist wieder Trumpf auf der ganzen Linie. s Von dieser Begeisterung wird vor allem der Militarismus pro- fitieren, der sich zu einem großen Fischzuge rüstet, wobei er von den servilen bürgerlichen Parteien, insbesondere von denen der deutschen Bourgeoisie, kräftigst unterstützt wird. Alles, was gut und teuer ist, wünscht er nun zu haben; will doch er es geivesen sein, dessen Aufmarsch Serbien die Lust zu dem kriegerischen Abenteuer ausgetrieben hat, die sich in Reden und Zeitungsartikeln kräftig geäußert hatte. Das Rekrutenkontingent soll erhöht, die Ausrüstung der Armee auf die modernste Art durchgeführt werden, selbst Dreadnoughts will sich Oesterreich-Ungarn leisten; kurz, die Großmacht will sich dauernd auf dem größten Fuße einrichten und in der„aktiven Politik", deren erster Schritt ihr den Triumph Aehrenthals über die Tripelentente verschafft hat, weiterhin ber« bleiben. Wie selbstverständlich im kleineren Maßstäbe, aber den- noch haben wir hier unzweifelhaft jene Großprahlerei und Groß- sprecherei zu erkennen, wie sie in der deutschen Weltpolitik ver- körpert ist, jenes ziel- und uferlose Hcrumschweifcn und Begehren, das sich für den Frieden der Völker und für ihre ruhige Eni- Wickelung als so störend erwiesen und oie Keime zu Konflikten ohne Unterlaß sät. So kann sich aus dem Bündnis der zwei mitteleuropäischen Mächte, das zux Wahrung des Friedens aus- gerichtet ward', leichthin ein Bund entwickeln, der die„Betätigung" der groben Militärmacht, die er einschließt, als Selbstzweck sich setzt. War bisher Oesterreich-IIngarn, dessen innere Sorgen ihm den Luxus überflüssiger Großmächterei nicht zu gestatten schienen, die eigentliche FriedcnSmacht in Europa, deren vermittelnde und ausgleichende Tätigkeit mancherlei Konfliktstoffe schon zu be- seitigen getroffen hat, so wird der neubelebte Imperialismus, der ungemessen in die Weite schweift, ohne ein faßbares Ziel sein eigen zu nennen, alles eher denn zur Beruhigung der Gemüter, der Verfestigung des Friedens beitragen. Ob er übrigens die Anziehungskraft bewahren wird, die er heute unzweifelhaft auch im Innern ausübt, wird abzuwarten sei». Im Augenblick ist es Oesterreich-Ungarn gelungen, was ihm schon lange versagt blieb: nämlich zu Hause populär zu werden, wo cS sonst doch nur verhaßt ist, und den für gewöhnlich zer- klüftcten Völkern, insofern sie aus den besitzenden Klassen be- stehen, eine Art Zusammenhalt zu zeigen, in dem sie ihre Ge- meinschaft und Gemeinsamkeit zu erblicken vermögen. Das ist österreichische Fcststimmung; ob sie für die Werktage vorhalten wird, ist freilich mehr als zweifelhaft. Heute sehen die Patrioten nur den großen, den herrlichen Sieg, aber wenn sie erst die Rechnung schauen werden, die man ihnen heute vorsichtigcrweise borenthält und die Oesterreich wirtschaftlich auf Jahre zurück- werfen kann, dann wird sich der Hurrarausch schnell verflüchtigen und die nüchterne Frage einstellen, was der Großmachtswahn den Völkern eintragen soll, denen er Lasten und Opfer sonder Zahl auftrlegt. vor der LMheidimg. Truppen des jrlngtürkischen Komitees stehen vor Konstantinopel. Zwanzig kriegsstarke Bataillone sollten es ini Laufe des Sonnabends werden, eine Anzahl, die der Garnison der Hauptstadt gewachsen wäre. Versuche der Regierung und des Sultans, den Anmarsch aufzuhalten und die Soldaten umzustimmen, sind mißlungen. Meldungen aus Soloniki behaupten, daß noch große Reserven für die Jung- tnrken bleiben, daß die ganze Bevölkerung dort begeistert zu ihnen steht und taufende von Freiwimgen sich einreihen lassen. Die christlichen Nationalitäten, die Bulgaren. Serben und Grieche» Mazedoniens stellen einen großen Teil dieser Freiwilligen; nach einer Wiener Meldung haben die Jung- tnrken mit den christlichen Nationalitäten ein förmliches Bündnis geschlossen, wonach ihnen für ihre Hilfe gegen die Reaktion die Autonomie ihrer Gebiete schnftlich zu- gesichert worden wäre. Die Jnngtürken hätten also in der Not einen ihrer wichtigsten Programmpunkte, die Zentralisation des Staates, aufgegeben. Ob aber die Soldaten des Korps von Saloniki ertragen werden, daß Ungläubige mit und neben ihnen gegen Glaubensbrüder kämpfen werden? Ob das Bündnis den Jungtürken nicht mehr schaden als nützen wird? Ueber allen Zweifel erhaben ist nämlich die Festigkeit der jungtürkischcn Gesinnung unter den Soldaten des& Korps nicht. Und die des 2. Korps von Adrianopcl schon gar nicht. Den optimistisch lautenden Meldungen aus Saloniki stehen andere gegenüber, die davon zu berichten wissen, daß ein Teil. nach einer Meldung die Hälfte der mazedonischen Truppen dem Komitee der Jungtürken die Heeresfolge geweigert hat. Eine Privatdcpcsche der Wiener„Neuen Freien Presse" aus Saloniki vom IG. April behauptet, das jnngtürkische Komitee habe dem zweiten(Adrianopelcr) Korps befohlen, nach Kon- stantinopel zu marschieren, der Kommandant und die Offiziere hätten jedoch geantwortet, daß es unmöglich sei, den Auftrag auszuführen, weil die Haltung derTruppen zweisel- Haft geworden sei. Trifft das zu, so ist das für die Jungtürkcn sehr mißlich, da ihre Streitkräfte, falls das zweite Korps sich auf die Seite der Konstantinopeler Truppen schlagen sollte, leicht zwischen zwei Feuer kommen könnten. In 5?onstantinopel wird die Lage von verschiedenen Be- obachtern verschieden gesehen. Nach den einen sind die Soldaten ernüchtert und viele erklären, sie hätten gar nicht ge- wüßt, warum sie gemeutert haben. Vor allen Dingen war es ihnen angenehin, daß sie bei der Gelegenheit Geld er- hielten.(Das lvahrschcinlich vom Sultan stammt, der vor einigen Tagen große Summen bei einer Bank abgehoben hat). Diese ernüchterten Truppen würden es auf einen ernsthaften Kampf mit den Soldaten der Jungtürken nicht ankommen tiefen. Andere Meldungen aber behaupten, daß die Geistlichkeit zu Konstantinopel fieberhaft tätig, zum Widerstände gegen die Jungtürken anfeuere, und daß sie die Truppen versichert, die Macht des Islams werde sich wie in Konstantinopel auch bei den Komiteesoldaten stärker erweisen als der Einfluß des -ungtürkischen Komitees, d. h. also, die Truppen der Jung- türken würden sich von ihnen lossagen, sobald sie zum Kampfe gegen die Glaubcnsbrüdcr geführt werden sollten. Die Er- fahrung soll, so behauptet ein Telegramm der„Franks. Ztg.", lehren, daß türkische Soldaten stets im letzten Moment ver- sagten, wenn sie gegen das eigene Fleisch und Blut kämpfen sollten. Indes ist das nicht ganz wörtlich zu nehmen— die Janitscharen sind einst durch türkische Brüder vernichtet worden. Alles spitzt sich also auf die Frage zu. ob die Truppen des Korps von Saloniki den Jungtürken auf alle Fälle sicher sind. Ein jungtürkischer Gewährsmann eines Scherlblattes behauptet es; in jahrelanger Propaganda hätten die Offiziere des Korps diese Soldaten für die Sache des Fortschritts gewonnen und systematisch zu Staatsbürgern erzogen, die über den Wert konstitutioneller Einrichtungen im klaren sind. Ob sich diese politische Erziehung bewähren wird, ob sie intensiv genug war, um die religiösen Vorurteile zu überwinden, das muß sich jetzt bald herausstellen. Sehr trübe lauten die Nachrichten aus Kleinasicn. Dort ist der nationale und religiöse Fanatismus wieder zu hellen Flammen entfacht— Hunderte von Armeniern sollen in Adana niedergemetzelt sein und in anderen Orten sollen sich ähnliche Greuel vorbereiten. Schon sind die Kriegsschiffe der Großmächte auf dem Wege nach den klcinasiatischen Häfen. Auch Europäer sollen der entfesselten Wut der Mohammedaner zum Opfer gefallen sein. Mönche. Missionare und Konsular- beamte sind ermordet und verwundet worden. Die Einmischung , der Großmächte in die inneren türkischen Angelegen- heitcn kann beginnen. Gleichzeitig mehren sich die An- zeichen, daß Bulgarien auf den Moment wartet, da es in Mazedonien einrücken kann. Die Regierung zu Sofia hat der Pforte die Aufforderung zugehen lassen. ohne Rücksicht auf die vorherige Regelung aller Streitfragen. inklusive der Entschädigung für die Orientbahn, die An- erkennung des Königreichs Bulgarien aus- zusprechen, weil die bulgarische Regierung bei weiterer Ver- schleppung der Anerkennung trotz ihrer Loyalität zu ent- scheidenden Schritten genötigt wäre..» Die bedeutsamsten Meldungen vom Tage lauten: Konstantinopel, 17. April. Die Nachricht, daß es gelungen sei, die gegen die Hauptstadt heranziehenden Truppen zur Rückkehr zubewegen, ist falsch. Nach Mitteilungen von, naßgebender Seite steht fest, daß die Garnisonen von Adrianopel und Saloniki, zusammen etwa 7000 Mann, gegen die Hauptstadt unterwegs sind. 500 Mann sind bereits in Tschadalscha, 7S Kilometer vor Konstantinopel, eingetroffen. AIS die im Borort Hadem- k o i stehenden Truppen das Herannähen der Komiteetruppen erfuhren, verlangten sie st ür misch, nach der Haupt st adt gebracht zu werden. Sie hielten den in der Richtung nach Konstantinopel vorüberfahrenden Konventionalzug an und zwangen die Reisenden, auszusteigen. Erst als den Soldaten zwei Extrazüge zur Verfügung gestellt wurden, konnte der Konventionalzug weiter- fahren. Die Garnison von Hademkoi, deren Eintreffen in Kon- stantinopel erwartet wird, ist etwa 1000 Mann stark. Es heißt, daß viele jnngtürkische Offiziere in bulgarische Dienste über- getreten seien. Frankfurt a. M.» 17. April. Tie„Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Vier Militärzüge mit u n- gefähr 2500 Mann sind 3 Uhr nachts von Saloniki und Adrianopel in Tschataldscha eingetroffen. Sie stiegen ruhig und in vollster Disziplin aus und besetzten die dortigen Ver- teidigungstverke. Das in Tschataldscha befindliche ständige Artilleriekontingent verhielt sich passiv. Um 2 Uhr nachtS fuhr von hier ein Extrazug mit dem gestern angekündigten Ulema als dem Delegierten des Sultans, sowie acht Abgeordneten nach Tschatald- scha ab. In Hadeinkeni, dem Vorwerk von Tschataldscha, schloß sich die etwa 1200 Mann betragende Besatzung der Saloniker Bewegung an. Die Eisenbahn Saloniki— Dedeagatsch ist für den Personen- und Güterverkehr infolge des Truppentransportes von Saloniki aus gesperrt worden. Konstantinopel, 17. April, 11 Uhr 30 Min. vormittags. Heute morgen waren über die unterwegs befindlichen Truppentransporte Ividersprcchende Gerüchte verbreitet. Es soll der Regierung gelungen sein, durch die Versicherung, daß die Verfassung nicht gefährdet sei, die Truppen zur Rückkehr zu bewegen. Etwa 40 Abgeordnete versammelten sich gestern außerhalb des Parlaments. Einige regten eine gemeinsame Mandatsnicderlcgung an, die Mehrheit vertrat jedoch den Standpunkt, daß die Abgeordneten zur Verteidigung der Verfassung auf ihrem Posten bleiben müßten. Es wurde be- schlössen, dem neuen Kabinett keine Schwierigkeiten zu machen und seine Bemühungen um die Beruhigung des Landes zu unter- stützen. Wie verlautet, steht der Zusammenschluß der Liberalen und der Jungtürken zur gemeinsamen Verteidigung der Verfassung bevor. Die Stadt i st bisher ruhig. Konstantinopel, 17. April. Die Vereinigung der Ille- mag hat eine Proklamation erlassen, in der es heißt: Durch den Mißbrauch der Freiheit und infolge der Vergnügungssucht sei zu befürchten gewesen, daß das Scheda kompromittiert werde. Diese Befürchtung sei, Gott sei Dank, beseitigt. Es bleibe nur ein Rest von Haß zwischen Soldaten und Offizieren, lim auch diesen zu beseitigen, habe die Vereinigung der Ulemas Dclc- gationcn gebildet, welche die Kasernen besuchen und predigen, wie nötig die Offiziere seien, die den Staat so viel kosteten. Wenn die Soldaten dem Schcriagesetz folgen, so müßten sie auch den Vorgesetzten Gehorsam leisten. Wenn ein Ossi- zier das Scheria verletze, sei es Sache der Regierung, nach dem Scheria dessen Strafe zu diktieren. Wenn die Soldaten sich selbst das Recht nähmen, zu strafen, so verursache dies viele Fehler, und wenn sie nicht auf Erden hierfür gestraft würden, so bringe dies das Vaterland und den Islam in Gefahr und sie würden im Jen- seits ihre Strafe finden. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Soldaten gehorchen werden, und sodann wird mitgeteilt, daß an die gesamte mohammedanische Provinzgcistlichleit Order gegeben worden sei, der Armee die nötigen Ratschläge zu erteilen. —(Die Proklamation war dringend nötig, da Beleidigungen, Miß- Handlungen, Verwundungen und vereinzelte Totschläge von Ossi- zieren durch die Mannschaften fortdauerten.) Eine zweite Proklamation der Nlemas stellt den Brief der mohammedanischen Union an den Sultan vom Mittwoch richtig, in dem es hieß, daß es in den Händen des Sultans liege, die Verfassung aufzuheben und die Kammer aufzulösen. Im Gegen- teil! Beides müsse, dem Islam entsprechend, er- halten werden, da sonst große Uneinigkeit ent- stehen und das Vaterland den Feinden preis- gegebenwürde. SomitseiesPflichtaller.dieVer- fassung zu verteidigen. Es wäre nicht zulässig, auf Be- fehle des Sultans zu achten, die gegen das Scheria gerichtet wären, Zweifellos wären die Truppen, die Ulemaö. die Sofias und die Bevölkerung, welche die Sünden des Absolutismus kennen und schwuren, die Verfassung zu schützen, bei dem geringsten Versuche zur Beseitigung der Verfassung ihr Leben zu opfern. UebrigenS, schließt die Proklamation, ist es unmöglich und unglaublich, daß der Kalif und unser Meister, welcher geschworen hat, die Verfassung zu schützen, die Verfügung treffen könnte, die Kammer zu schließen. Konstantinopel, 17. April. Ter Sultan hatte gestern eine Kommission, die aus zwei Abgeordneten, einigen Offizieren und drei HodschaS bestand, den Saloniker Truppen ent- gegengesandt. Tie Kommission traf den ersten Truppen- transport bei Tscherkcßköi. Die Saloniker liefien sich nicht irre machen und zwangen die Kommissiou umzukehren.(Berl. Tgbl.) Konstantinopel, 17. April. Den Abzug der Garnison von Hademkon benutzten die Saloniker Truppen, um ihre Position von Tschataldscha nach H a d c m l o i vorzuschieben und sich in den Besitz der dort befindlichen Artillerie zu setzen. Von durchaus authentischer Seite verlautet, daß, entgegen den hier verbreiteten Nachrichten, eine vollständige Eini- gung zwischen dem 2. und 3. Korps besteht und daß beide Korps entschlossen sind, auf Konstantinopel vorzumarschieren. Nachrichten ans Tschataldscha melden, daß bis heute abend das komiteefreundliche Truppenkontingent 10 Bataillone stark sein werde. Vergangene Nacht wurden 10 Offiziere der Kriegsschule umgebracht.— Die Konsulardepeschen aus Adana» welche allen Botschaftern zugingen, lauten entsetzlich und trostlos. Man ruft flehentlich um Hilfe.--- Das russische Schwarzmeergeschwader, bestehend aus drei Panzer- schiffen, fünf Panzerkreuzern und einer Anzahl Torpedoboote, kreuzen seit heute mittag in einer etwa zweistündigen Entfernung am Eingang des Bosporus.(Frkf. Ztg.) Konstantinopel, 17. April. Der Kriegsminister traf euer- g i s ch e Vorkehrungen, um die Komiteetruppen bei ihrem Marsche gegen die Hauptstadt aufzuhalten. Sofias und U l e. mas halten öffentliche Reden, in denen sie die Recht- gläubigen auffordern, ihren Glauben bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. In den Moscheen finden nachts Beratungen von Hodschas und Sofias statt. Die Geistlich- keit erklärt, die Macht des Islams werde sich wie in Konstanti- nopel auch bei den Komiteetruppen stärker erweisen als der Ein- flujz d«s jungtürkifchen Komitees» Tie Lage in Mazedonien. Saloniki» 17. April. Bei den vorgestern abgehaltenen Massen» Meetings wurden sehr starke Ausfälle gegen den Sultan gemacht. Die Jungtürken hatten die Rednertribüne mit einer umflorten türkischen Fahne geschmückt. Auf den Meetings wurde beschlossen. den Marsch gegen Konstantinopel unbedingt auszuführen.— Vergangene Nacht trafen aus Monastir Truppen hier ein. Hier ist alles überzeugt, daß die Jungtürkcn ihre Sache durchführen und das strengste Gericht mit den Ver- rätern halten werden. Uesküb, 17. April. Die Albanesen beobachten Ruhe und beabsichtigen die den Jungtürken gegebenen Versprechungen zu halten. Agram, 17. April. Nach telegraphischen Meldungen aus P l e w l j e ist in verschiedenen Teilen des Sandschaks Novi- bazar eine Reihe blutiger Aufstände gegen die Jungtürken ausgebrochen. Mehrere Jungtürken wurden er- mordet, viele mußten nach Bosnien flüchten. Die Lage in Kleinasien. Alcxandrctte, 17. April.(Meldung der Agence Havas.) Die Mohammedaner haben die Christen im Küstengebiet von P a y a s überfallen und zwei christliche Dörfer in Brand gesteckt. Wie verlautet, befindet sich die Mission der Lazaristcn in großer Gefahr. Tie Meldungen ans Kleinasicn lauten überhaupt sehr beun- ruhigend. In Beirut und E r z e r u m sind die Muselmanen sehr aufgeregt und man befürchtet Unruhen. Konstantinopel, 17. April. Bei den Massakres in Adana wurden 400 Christen getötet, darunter 2 Missionare. Wien, 17. April. Wie das„Fremdenblatt" erfährt, bestätigt sich nach einer hierher gelangten Konsularmeldung die Nachricht, daß der englische V i z e k o n s u l in Adana bei dem von den Armeniern angerichteten Blutvergießen verwundet worden ist. politische Oebernebt. Berlin, den 17. April 1909. Zersetzungstätigkeit. Die„Deutsche Tagesztg." ist wieder einmal dabei, die„Boll- werle einer starken Monarchie" zu stützen. In seiner jetzigen oppo- sttionellen Stellung, bei seiner Weigerung, etwas zu den Steuer- lasten beizutragen, hält es das Agrarierorgan für besonders opportun, seine monarchische Treue zu beweisen. Schon Heine sagt ja einmal: Wenn nian einen Monarchen prügelt, muß man laut rufen:„Es lebe der König!" Die„Deutsche Tagesztg." bellagt deshalb die„Zersetzung?- tätigkeit" demokratischer und sozialdemokratischer Kreise, die den Wert des Fahneneides herabsetzten und dadurch„alle Verfassungstreue und Mannesehrlichkeit" antasteten. Die gleiche ZersetzungS- tätigleit übten diese Demokraten und Sozialdemokraten durch ihre Brandmarkungen der Militärmißhandlungen aus. Dabei beständen doch die meisten Soldateinnißhandlnngen in Mißhandlungen durch ältere Mannschaften. Die Mißhandlungen durch Vorgesetzte seien viel seltener; am seltensten aber Mißhandlungen durch Offiziere. Geradezu frivol sei es, wenn man die ostelbischen Junker für die Soldatenmißhandlungen verantwortlich mache. Die„Deutsche TageSztg." stellt sich wirklich dümmer als fie ist. Denn wenn auch ostelbische Junker sich selbst nur in geringerem Maße an den körperlichen Mißhandlungen der Soldaten beteiligen. so ist es doch der von dem Junkertum gepriesene und konservierte Geist des im blinden Kadavergehorsam gipfelnden Militarismus, der so viele Unteroffiziere zu scheußlichen Quälern ihrer Untergebenen werden und auch die älteren Mannschaften in brutaler Weise die jüngeren Mannschaften malträtieren läßt. Dieser Zusammenhang könnte auch der„Deutschen TageSztg." nicht schleierhaft sein, selbst wenn er nicht so unzählige Male nachgewiesen worden wäre. „Demagogie schlimmster Art" soll eS nach dem Bündlerorgan auch sein, wenn von der Sozinldemokratie zwar Soldatenmißhand- lungen gebrandmarkt, nicht aber auch die„erhebenden Bilder treuer ausopsernder Kameradschaftlichkeit zwischen Offizier und dem einfachen Soldaten" mitgeteilt würden. Wir begreifen wirklich nicht die Entrüstung des BllndlerorganS. Wenn diese erhebenden Bilder nicht ganz vereinzelte Ausnahmen darstellten, so würde die„Zersetzungstätigkeit" der sozialdemokratischen Kritik nicht nur ihren Einfluß vollständig verfehlen, sondern von den Militärpflichtigen selbst als Verleumdung empfunden werden, in diesen Kreisen also gerade einen Abscheu vor der verleumderischen Tätigkeit der Sozial- demokratie erwecken. Wenn die sozialdemolratische Zersetzungstätig- keit wirklich Erfolg hat, so nur deshalb, weil die sozialdemo- kratische Kritik den Nagel auf den Kopf trifstl Ueberschätzung der akademischen Bildung. Seitdem nicht nur Professor Wagner und Professor Delbrück, sondern auch die weitaus meisten Professoren der Nationalökonomie sich denn doch geweigert haben, den Feldzug der agrarischen Steuerdrückeberger gegen die Nachlaß- steuer mitzumachen, ist der Respekt des Bündlcrorgans vor der akademischen offiziellen Wissenschaft und akademischen Bildung sehr gesunken. Die„Deutsche Tagcszt g." zitiert heute einen Artikel der„Grenzbotcn", worin eS heißt: „Das Grundgebrechen unserer Universitäten liegt, wie schon de Lagarde in seiner kernigen Weise gezeigt hat, darin, daß sie kein EthoS und darum keinen Charakter haben, sondern ein Mittelding sind zwischen Schule und Universität. Jene doppel- irrtümliche und unhistorische Annahme, daß fie erstens vor allein Stätten wissenschaftlicher Forschung seien und zweitens die Gesamtheit der Wissenschaften umfassen müßten, läßt den Begriff der Univerfität ins Bage zerfließen, verliert ihren positiven Zweck ganz aus dem Auge. Die Folge ist der Wissenschaft- liche Großbetrieb, der aber keine entsprechende Rente abwirft, ist weiter die ungeheure Ueberschätzung der sogenannten„akademischen" Bildung, nach der jetzt auch die Weiblein, die Volksschullehrer, ja selbst die Arbeiter verlangen, gleich als wenn höhere Bildung überhaupt nur auf Universitäten zu finden sei und auch immer von da mitgebracht würde, während doch die Geschichte der Wiffenschaften lehrt, daß ihr Fortschritt zu keiner Zeit und in keinem Lande an Universitäten und an eine so oder anders geartete Verfassung geknüpft gewesen ist." Die„Deutsche Tagesztg." unterschreibt das Urteil der „Grenzboten" durchaus. Sie bezweifelt namentlich, ob selbst die beste akademische Vorbildung in besonderem Maße zur sicheren Beurteilung des praktischen Lebens befähige. Namentlich ob die Hochschätzung der akademischen Bildung ver- Kunden sei mit einer Unterschätzung der nichtakademischen Bildung. Wir wollen uns diese hübschen Bemerkungen über den Wert der staatlich abgestempelten akademischen Bildung und der offiziellen Wissenschaften für vorkommende Fälle merken. Tie preußische Sparpolitik wird durch folgende Mitteilungen wieder in grelle Beleuchtung ge- rückt: In dem großen Eisenbahntunnel bei Cochem an der Mosel, dem sogenannten Kaiser Wilhelm-Tunnel, ist dieser Tage ein Rottenführer tödlich v e r u n g l ü ck t. Er wurde von einem den Tunnel durchfahrenden Zuge erfaßt und so schwer der- letzt, daß er bald starb. Es ist dieo der v i e r t e Unfall ähn- licher Art in den letzten vier Jahren, der Rottcnarbeiter und Rottenführer traf. Nach den Mitteilungen der„Trierschen Landeszeitung" sind die Unfälle auf die Zustände in dem Tunnel zurückzuführen. Die an dem Cochemer Tunnelportal errichteten Entlüftungsanlagen erfüllen ihren Zweck nicht. Bei West- oder Südwind ballt sich der Rauch der Lokomotiven in der Mitte des langen Tunnels zusammen und verursacht den Arbeitern nicht nur gesundheitliche Beschwerden, sonder» versperrt ihnen auch die Aussicht, so daß tödliche Unfälle der berichteten Art unvermeidlich sind._ Der Wettlauf der Christlichen beim Papst. Seit die preußischen Bischöfe durch das sogenannte Fuldaer Pastorale in die christliche Gewerkschaftsbewegung eingegriffsh und dadurch zur Bildung der konfessionellen Berufsorganisationen, der F a ch a b t e i l u n g e n in den katholischen Arbeitervereinen, geführt haben, sind die Vertreter der beiden Richtungen wiederholt bemüht gewesen, das Urteil des Papstes für sich zu gc- Winnen. Im März 1904 war eine Abordnung des Verbandes katholischer Arbeitervereine(Sitz Berlin) beim Papste, der sich dann dahin ausließ,„daß die wirtschaftlichen Aufgaben nur in Verbindung mit der Religion und nach den Borschriften der Kirche gelöst werden können, und der dann dem Verbände Gedeihen wünschte,„weil er auf dem Fundamente der Religion, in Verbindung mit der Kirche und im engsten Anschluß an die Bischöfe auf sozialem Gebiete arbeite." Wiederholt durften sich dann in der Folge die Berliner auf päpstliche Aeußerungen berufen, die zugunsten der konfessionellen Berufsorganisationen zu deuten waren, bis dann im Januar 1996 auch die andere Richtung die Freude genoß, sich des Wohlwollens Sr. Heiligkeit zu rühmen. Das offizielle Vatikanorgan, der „Osservatore Romano" lourde„ermächtigt, zu erklären, daß der Papst mit gleichem Wohlwollen die christlichen Ge- lverksch asten wie die katholischen Fachabtei» lungen lobt und ermutigt, da er sehr wohl weiß, daß die besonderen Bedürfnisse der verschiedenen Diözesen und Provinzen Teutschlands dahin bestimmend wirken können, den Ge- werkschaften vor den Fachabtcilungen den Vorzug zu geben." Nun haben neuerdings die Fachabteilungen wieder einen Triumph erlebt dadurch, daß sich die Bischöse veranlaßt sahen, sich gegen die christlichen Gewerkschaftsführer zu wenden, die auf der internationalen Konferenz in Zürich sich gegen die Einmischung der Geistlichen in die wirtschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter gewendet hatten— was selbstverständlich die Leute von der Berliner Richtung reichlich für ihre Sache ausnutzten. Das hat nun die M.-Gladbacher Vorkämpfer der christlichen Gewerkschaften wieder auf die Beine gebracht. Sie haben durch den Verband der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands eine Abordnung an den Papst gesandt, die eine Adresse und einen Peterspfennig überbrachte. In seiner Antwort auf die Ansprache gab der Papst seiner Freude Ausdruck, daß die katholischen Arbeiter in Deutschland ihre Organisation, die so herrliche Früchte trage, nach den Vorschriften Leos XUL eingerichtet hatten. Dann fuhr der Papst fort: „Auch hat es meine volle Billigung, daß ihr i n d e n ch r i st- lichen Gewerkschaften ein so erfolgreiches Apostolat ausübet und gemeinschaftlich mit den Pro- tcstantcn zur Erhaltung des christlichen Gedankens tätig seid."' Nun sind wieder die M.-Gladbacher mit ihrer Jnterkonfessio- nalität obenauf, und die Reihe ist nun wieder an den Berlinern, an den Papst zu appellieren und, mit einem Peterspfennig be- waffnet, seine allerhöchste Weisheit über die beste Art. wie man durch christliche Sonderorganisationen die Arbeiter zersplittert, ein- zuholen— ein Beweis, was es mit der„Selbständigkeit" der christlichen Gewerkschaften auf sich hat, die sich ihre Tauglichkeit be- scheinigen lassen von einem Manne, der nie die Grenzen Italiens überschritten und sich nie mit der Arbeiterbewegung, am aller- wenigsten der deutschen, beschäftigt hat. Der liberale Block in Baden. Der Wahlkampf wirft bereits seine Schatten voraus, obgleich die Wahl selber erst in der zweiten Hälfte des Oktober stattfindet. Zentrum und Konservative machen die größten Anstrengungen, mn die liberale Blockmehrheit zu beseitigen. Dazu bestanden— und bestehen vielleicht auch noch— die besten Aussichten, weil die Block- parteiler selber uneinig waren. Die Ursache lvar der Mandats- Hunger der Freisinnigen, die zu den» einen Sitz in Karlsruhe noch nlindestens einen zweiten— Lörrach-Land— von den National- liberalen zugewiesen verlangten. Die Gefahr, von dem Zentrum und den Konservativen an die Wand gedrückt zu werden, hat die feindlichen Brüder jedoch wieder zusammengeführt. Auch derFreistnn hat seine Opposition aufgegeben, um sein in Karlsruhe durch unsere Partei stark bedrohtes Mandat zu retten. Das getroffene Abkommen — der Miuimalblock— schließt einige Kreise auS, in denen Block- freunde im ersten Wahlgange sich nach HerzenSlust bekämpfen können. Das sind die Kreise Rastatt, Wolfach-Trieberg. Boyberg-Adelsheim, die sämtlich nationalliberal vertreten sind, und der Kreis Schwetzingen, dessen Sitz die Demokraten inne hatten. In Bruchsal, das einen ZentrumSverlreter hat, werden sich gleichfalls Demokraten und Nationallibcrale gegenüberstehen. In Durlach, das sozial- demokratisch vertreten ist, soll diesmal ein Natioualliberaler vcr- suchen, uns den Sitz zu entreißen, nachdem das den Demokraten das vorigemal gründlich vorbeigelungen ist. In den städti- scheu Kreisen Freiburg. Karlsruhe, Mannheim, Lahr-Stadt und in den, ländlichen Kreis Lahr-Land wird das frühere Blockabkommen unter Wahrung des Besitzstandes der betreffenden Partei aufrecht- erhalten. Es kommen hier 14 Wahlkreise in Frage, von welchen die Nationalliberalen 4, die Demokraten 2, Freisinnigen und Zentrum je 1 Sitz und wir s c ch S S i tz e innehaben. Von diesen 7 Sitzen der Blockparteiler ist nur einer durch daS Zentrum gefährdet, während zwei von uns ernstlich bedroht find. Man sieht, daß auch hier die Furcht vor der Sozialdemokratie am letzten Ende den Mimmalblock nochmals hat zustande kommen lassen. Klerikale Gendarmen. In welchem Maße sich oft katholische Geistliche— bei den protestantischen Orthodoxen ist eS nicht viel anders— als politische Gendarmen fühlen und ihre geistlichen Funktionen als Mittel des politischen Kampfes betrachten, beweist folgende von der„AugSburger Abendzeitung" mitgeteilte Geschichte auö Burglangenfeld: Einen, hiesigen Beamten wurde die Absolution bei der Beichte von dem Leiter der hiesigen Kreisrettungsanstalt, H- Pater Superior RöSner, verweigert, da er Leser der„AugSburger Abendzeitung" ist. Interessant ist der Borgang. Nach Beendigung des Sündenbekennt- nisse« fragte der Geistliche':„Lesen Sie kirchenfeindliche Zeitungen?" worauf erwidert wurde:„Nein." Hierauf fragte der Geistliche: „Welche. Zeitungen lesen Sie?" Antwort:„Die Augsburger Abend- zeitung." Nun entgegnete der Pater Superior:„Ja, das ist ja ein kuchenfeindlichc» Blatt." Der Beichtende erklärte, er wolle diese Behauptung widdrlegen. worauf der Herr Pater erklärte:„Reden Sie nicht so dumm daher, das muß ich besser wissen." Er ver-I langte sodann das Versprechen der Aufgabe der„Augsburger Abend- zeitung" und Haltung eines„katholischen Blattes", da er nur unter dieser Bodinguiig die Absolution erteilen könne. Dieses Versprechen wurde uicht gegeben und die Absolution verweigert.— Daß dieses Vorkommnis, nun das dritte imierhalb Jahresfrist auch unter gläubigen Katholiken Befremden hervorruft, wird wohl nicht wunder- nehmen, wohl aber ist der Umstand zu bewundern, daß sich so viele gebildete Leute einen derartigen Terrorismus gefallen lassen. Verdrehung der Wahrheit. DaS Mandat des Genossen Brey-Hannover ist Von dem Reichs- vcrbändler Rechtsanwalt Kleinrath tu Hannover angefochten worden, von der Mandatsprüsimgskommission wurde das Mandat aber für gültig erklärt. Trotzdem schreibt die„Post" in ihrer Ausgabe vom Freitagvormittag, daß daS Mandat nur deshalb für gültig erklärt werden konnte, weil ein Nachtrag zum Wahlprotest zu spät an den Reichstag ge- langt sei. In Wirklichkeit lagen zwei Proteste vor. der bereits erwähnte und noch ein weiterer, den ein Rechtsanwalt Heiliger unterzeichnet hatte. Dieser Protest rügte die nicht richtige Ausstellung der Wählerliste. Namentlich meinte er, daß es unzulässig sei, nicht i» der Liste stehende Wähler auf Antrag einer Partei nachträglich aufzunehmen. Die Wahlprüfungskommission erklärte den Protest für nicht, der Be- achtung wert, weit es jedermann freistehe, eme Ergäuzuitg der Wählerliste zu beantragen.— Nach dein Protest des Reichsverbäiidlers sollen gewählt haben: 2S Ausländer, 66 Bezieher von Armeiiunterstützung. 21 noch nicht Ivahlberechtigte Personen, 5 Personen, denen das Wahlrecht entzogen war, 3 Personen, die sich im Konkurs befanden. Außerdem sollen in der Wählerliste drei weibliche Personen ge- standen haben. Letztere Behauptung hat die Wahlprüfungs- kommission sofort als glatte Unwahrheit festgestellt. Wem die obenbczeichneten Personen ihre Stimme gegeben haben, ist natürlich nicht zu ermitteln gewesen. In dem Nachtrage zum Protest sind eine Anzahl Fälle be- hauplet, in denen die Wähler ihre Stimmen nicht selbst abgegeben haben sollen. Eine reichsverbändlerische Behauptung ist aber noch lauge nicht Beweis. Der Protesterheber teilte unterm 19. März 1907 mit, daß er sein Material dem Staats- anwalt übergeben hätte. ES ist uns jedoch bis heute noch nichts darüber zu Ohren gekomme», daß die Staatsanwaltschaft i» Hannover Anlaß gehabt hätte, gegen die angeblicheir Wahlsälscher einzuschreiten. DaS Mandat des Gcnosseii Brey wurde auf An- trag des Nationalliberalen Dr. Osann für gültig erklärt, weil Brey noch eine Mehrheit hätte, selbst wenn die reichSverbändlerischen Behauptungen wahr wären. Zur Strafpraxis der Militärgerichte. Die drakonischen Urteile der Militärgerichte häufen sich in einer unheimlichen Weise. Durch äußerste Strenge soll jede Auf- lehnung gegen die heilige Disziplin unterdrückt werden. Vor dem Würzburger Kriegsgericht stand der Soldat Helbig vom 9. Infanterie- regiment, ein Kaufmann aus Würzburg, wegen militärische» Wider- standes usw. Er hatte am Ii. Oktober Befehl, in der Kaserne zu verbleiben, wollte sie aber trotzdem verlassen und erklärte dem Felo- webel, der ihm auf der Treppe begegnete und ihn anwies, in fein Zimmer zu gehen, er gehe doch fort. Nun eilte ein Sergeant herbei, der den Helbig festhielt, wobei er Wohl kräftig zugegriffen haben muß. H. rief:„Geh weg oder ich haue Drr eine hinein I" Dann wollte er das Seitengewehr ziehen, das ihm aber abgenommen lourde, Auf die Kasernenwache verbracht, pfiff und sang er und räsonnierte gegen den Wachuntcrofsszier seiner Kom- pagnie. Vor Gericht stellten ihm seine Vorgesetzten das Zeugnis aus, daß er im allgemeinen willig, geweckt und verwendbar ist und nur manchmal Tage habe, wo er„geradeaus stier t". Die als Zeugen vernominenen Unteroffiziere gaben ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß Helbig nicht ganz richtig im Kopfe sei. Zwei militärische Sachverständige erklärten übereinstimmend, daß H. an psychischer Epilepsie leide, er habe die Handlungen in einem Zustande krankhafter Geistesstörung begangen. Selbst der Anklagevertreter beantragt� Freisprechung, aber daS Gericht hielt die Disziplin durch einen offenbar Geistesgestörten schwer verletzt und erkannte auf die fürchterliche Strafe von drei Jahre» Ge- fängnis!_ Die Zerfahrenheit in der Reichspolitik und die Finanzreform. Am Freitag tagten in Hamburg und Nachbarorten 26 große Volksversammlimgen, die einmütig Protest erhoben gegen das wahn- ivitzige Wettrüsten zu Wasser und zu Lande und gegen die Verderb« liche Steuerpolitik der herrschenden Klassen. Ucberall gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Seit Jahren steigern sich die kriegerischen Nnstungen der Großstaaten unausgesetzt, und zwar ist das Deutsche Reich in erster Linie dafür verantwortlich, indem es durch die persönliche von auffälligen Stimmungen und Einflüssen bestimmte Politik ein Element der Beunruhigung geworden ist. Die Lasten wachsen überall ins Ungemessene und Unerträgliche, und daraus entsteht die Gefahr, daß ein geringfügiger Anlaß zum Weltkrieg führen kann, weil der bewaffnete Friede als unhaltbar betrachtet wird. Die Versammelten protestieren gegen die Völkerverhctzung, die in engem Zusammenhang mit den Kriegsrüstungen steht, und ver- laugen von der Regiermig und dem Parlament, daß die Abrüstung erfolge unter gleichzeitiger Fürsorge, daß nicht wieder persönliche Neigungen zu einer Gefahrenquelle werden. Als unmittelbare Folge der Rüstungen ist die Finanznot deS Reiches zu betrachten, das trotz schwerster Belastung des Volkes die lausenden Ausgaben nicht mehr decken kann. Neue enorme Steuern sollen eingeführt werden, und zwar abermals in der Hauptsache indirekte Steuern, welche die Konsumartikel der breiten Massen treffen, während sich gegen eine die großen Vermögen treffende Nachlaßsteuer die Besitzenden und ihre Vertreter aufs äußerste wehren. Die Versammlung protestiert gegen neue direkte Abgaben als gegen eine ungeheure Ausbeutung des arbeitenden Volkes und eine ungerechte Begünstigung der Neichen, die allein ein Interesse an der Ursache der Finauznot, nämlich an den Rüstmigen haben. Die Versammlung erkennt, daß nur durch Selbstregierung der Nation und Demokratisierung des öffentlichen Lebens Abhilfe geschaffen und eine bessere Zukunft gewährleistet werden kann. Deshalb sehen die Versammelten ihre einzige Vertretung in der sozialdemo- kratischen Partei."_ Geborstene Ordnungsstutze. Der Schriftsetzer Schaaf, der als früherer Kassierer des Bezirks» Vereins Kassel deö Verbandes der deutschen Buchdrucker 8190 Mark unterschlug und zur Verdeckung der Unterschlagung die Bücher fälschte, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Schaaf war Kriegerverein skäffierer und wütender Hasser und Bekämpfer der sozialdemokratischen Partei. Ocltcmicb. Der politische Mord vor Gericht. DaS Strafgericht zu Lemberg hat den ruthenischen Stu- deuten Siczynski, den Mörder des Statthalters Grafen P o t o ck i, am Sonnabend abermals zum Tode verurteilt. DaS erste Urteil war vom Kaffationshof aufgehoben worden, weil das Gericht nicht die ZurechmmgSfähigleit des Täters geprüft habe. Diese Prüfung war inzwischen erfolgt. Die Irrenärzte hatten er- klärt, daß Siczynski bei Begehung der Tat zurechnungsfähig gc. Wesen sei. franhmcb. Eine Absplitterung vom allgemeinen Arbcitcrvcrband. Nachdem jüngst nach dem Rücktritt Griffuelhs vom Sekretariat des allgemeinen Arbeiterverbands ein Reformist sein Nachfolger geworden, ist der Verband den Anarchisten und anarchistelnden Syndikalisten offenbar nicht mehr revolutionär genug. Ohne Be- denken zerreißen sie daher die gewerkschaftliche Organisation und gründen eine„Revolutionäre allgemeine Arbeiterbereinigung", die die wahre syndikalistische Methode zur Geltung bringen soll. In der letzten Nacht hat diese neue Sondcrorganisation Maueranschläge anbringen lassen, in denen„unter Hinweis auf die große historische Tatsache" des Streiks der Postbeamten und der Syndikatsbewegung der Staatsbediensteten erklärt wird, daß der a l l g e ni e i u e Aus- st a n d als das geeignetste Mittel erscheine, um der Notlage, der Quelle alles Druckes'und alles Mißbrauches, ein Ende zu machen. Der Verband bekennt sich als Feind aller staatlichen Gewalten, wie Armee, Polizei, Gerichtsbehörden usw. Er verkündet das Recht des Aufruhrs der Einzelperson wie der Gesamt- h e i t, den Kampf nach den jeweiligen Umständen, dem alle Mittel recht sind, wie z. B. Straßendemonstrationen, Militärstreiks, Eni- eignung, Aufruhr und radikale Zerstörung der kapitalistischen und autoritativen Gesellschaft. Das Statut des neuen Verbandes wird in einer Versammlung am nächsten Montag festgestellt werden. Die Mentcrei auf dem Kreuzer„Du Chayla". Paris, 17. April. Der Marineminister erklärt, daß die Ver- stößc gegen die Disziplin auf dem Kreuzer„Du C h a y l a", über die in den Blättern berichtet wurde, sich nur auf einzelne Fälle be- schränkten. Zwei Matrosen, die gegen ihre Kameraden tätlich ge- worden seien, wären strafweise ausgeschifft; ein anderer, der beim Kohlcnnehmen die Arbeit verweigert habe, sei zu V Monaten Gefängnis verurteilt worden. Hus der Partei. Zur Maifeier. In einer Versammlung der Genossen von Leipzig. Stadt und Land wurde über die Frage diskutiert, wie es mit der Vcr- waltung der Gelder zu halten sei, die gemäß dem Beschluß des Nürnberger Parteitages von den Parteigenossen abzuliefern sind, die die Maifeier durch Nrbeitsruhe begehen, ohne eine Einbuße an Lohn oder Gehalt zu erleiden. Das Leipziger Agitation-- komitee chatte sich an das Gewerkschaftskartcll mit dem Ersuchen gewendet, für diesen Zweck gemeinsam eine besondere Instanz zu schaffen. Es erhielt die Antwort: In Sachen der Maifeier hat sich der KartellauSschuß dahin ausgesprochen, daß die Bildung eines besonderen Ausschusses zur Verwaltung der Gelder, die am l. Mai von den Partei- und Gewerkschaftsangcstelltcu abzuführen sind, nicht nötig sei. Dem Parteitagsbeschluß werde Rechnung getragen, wenn es den An- gestellten, insbesondere den Angestellten der Gewerkschaften überlassen bleibe, ob sie den betreffenden Betrag an die Partei- oder Geiverkschaftskasse abführe» wolle». Die Bildung einer neuen besonderen Kasse erscheine daher überflüssig. Die Hauptsache sei, daß die Gelder überhaupt abgeführt werden. Das AgitationSkomitce hielt diese Stellung für falsch und schlug der Versammlung folgenden Beschluß vor: Der Beschluß des Parteitages ist im weitesten Sinne durch- zuführen. Es haben demnach die Parteiangestellten, die Ange- stellten der Gewerkschaften und anderer Arbeiterorganisationen sowie die Angestellten in Privatbetrieben, die den 1. Riai feiern und keinen Lohnausfall erleiden, einen Tagesverdienst freiwilllg abzuführen. Die so erlangten Gelder sollen in einem Fonds zu- gunstcn der Maiausgesperrten in Leipzig angesammelt und in folgender Weise verwendet lverdcn: Soweit Maiausgesperrte Anspruch auf Unterstützung von ihrer Gewerkschaft haben, treten die Gewerkschaften für sie ein. Haben Ausgesperrte kein Anrecht auf Unterstützung aus Gclverk- schaftskassen oder werden länger ausgesperrt, als Unterstützung gewährt wird, so sind sie aus dem obigen Fonds nach der Zahl der Ausgesperrten und den vorhandenen Mitteln zu unterstützen. ftützilngen im vorher erwähnten Sinne zu gewähren. Die Verwaltung des Fonds übernimmt bis auf weiteres das Lgitationskomitee ver sozialdemokratischen Partei. Das Agitationskomitee ist berechtigt, alle Maßnahmen zur Beitreibung der Gelder im Sinne des Nürnberger Beschlusses zu treffen, sie hat Ouittungskarten für die erlangten Gelder aus- zustellen, den Fonds zu verwalten und aus diesem Fonds Unier- stutzungen im vorher erwähnten Sinne zu gewähren. Nach einer lebhaften Diskussion, in der Vertreter des Gcwerk- schaftskartclls gegen diesen Antrag sprachen und die Regelung emp- fahlen, die das Gewerkschaftskartell vorgeschlagen hatte, wurde der Antrag mit 232 gegen 150 Stimmen angenommen. Gcmeinbcwahlsieg. Bei den ErgänzungS-Stadtverordneten-Stichwahlen der dritten Klasse in Lübbecke(Westfalen) wurden zwei Genossen mit 152 bezw. 154 Stimmen gewählt. Die bürgerlichen Kandidaten er- hielten 72 bezw. 52 Stimmen. poUseilicKes, Gcncbtlichea ufw, Eine Staatsrettung. Genosse Dr. Quarck zu Frankfurt a. M., der von der dortigen Stadtverordnetenversammlung in die Schuldeputation gewählt wurde, hat eine Verfügung der?ic- gierung erhalten, wonach ihm die Bestätigung verwci- g e r t wird. Die Verfügung der kgl. Regierung, Abteilung für Kirche und Schulwesen, teilt die Versagung der Bestätigung in folgender be- zeichnender Form mit: „Es ist dem Redakteur Quarck mitzuteilen, daß die Regierung die Bestätigung zu seiner Wahl in die Schuldeputation versagt hat."_ Ein verurteilter Pfarrer. Das Schöffengericht Offenburg(Baden)' beschäftigte sich mit der Klage unseres alten Parteigenossen Huber in E l g c r s- Weier gegen den katholischen Pfarrer Eckert daselbst wegen Beleidigung durch die Presse. Ter Pfarrer führt neben seine»: Beruf politischen Kampf und vernichtet in der Zentrumspresse öfters die Sozialdemokratie. In einem Artikel der„Offeuburgcr Zeitung" und des„Renchtälers" beleidigte der Pfarrer einen Sozialdemokraten seiner Gemeinde in schwerer Weise, ohne den Name» zu nennen, aber so, daß jedermann, der die Verhältnisse kannte, den Genossen Huber als das Ziel der durchaus unzu- trefsenden' Anschuldigungen bezeichnete. Huber mußte gegen beide Zentrumsblätter klagen. In Oberkirch verlor er. wie seinerzeit berichtet wurde, den Prozeß, lvcil das Gericht annahm, daß der verantwortliche Redakteur keine Kenntnis davon hatte, daß die Beleidigung auf Huber abzielt. Im Offenburger Prozeß war auch Pfarrer Eckert neben dem Redakteur als Täter verklagt. Er erhob gegen Huber eine Wiederklage. Das Gericht sprach aus denselben Gründen wie im ersten Prozeß den Zentrumsblattredakteur frei, verurteilte aber den Pfarrer Eckert und den Genossen Hubcr wegen Beleidigung zu lleinen Geldstrafen. Trotz der sophistischen Art der pfarrherrlichen Verteidigung, der erklärte, man könne ihm nicht den Beweis erbringen, daß Huber i» dem inkriminierten Artikel gemeint sei, kam das Gericht mittels des dolus eventualis zur Verurteilung des Pfarrers. Huber hatte diesen brieflich und in einer Versammlung persönlich angegriffen, was zur Verurteilung führte. In der vorhergehenden Sache klagte derselbe Pfarrer gegen die Redaktion des„V o I k s f r e u n d", Karlsruhe; es kam aber nicht zum Verhör der zahlreichen Zeugen, weil Genosse Acißmann durch einen Vergleich sich mit dem Pfarrer einigte. Damit sind die Preßprozesse, welche das Zentrum gegen unsere Landespresse tendenziös inszeniert, noch nicht beendet. Aber es wird doch dem Treiben etwas Einhalt geboten, da nun in kurzer Zeit zwei katholische Pfarrer in die Grube fielen. GewerKIcKaftlicKe*). Berlin und Nmgegcnck. Achtung, Bauanschliigcr! Am Freitag, den 16. d. M.. haben Verhandlungen zwischen der Kommission der Arbeitgeber wid der unseligen stattgefunden. Das Resultat dieser Verhandlung war, daß eine Vereinbarung zustande lam, woraufhin die streikenden Kollegen beschlossen haben, den Streik aufzuheben. Hiermit wird die Sperre über die bisher bestreikten Firmen resp. deren Bauten aufgehoben. Die Kollegen werden auf die zum Montag einberufene Ver- sammlung der Bauanschläger(siehe heutige Annonce im„Vorwärts") aufmerksam gemacht. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Verein der Bauanschläger zu Berlin. Die Durchführung des Tarifvertrages der Kostiimbranche. In einer zahlreich besuchten Versammlung der Kostümschneider Und-Schneiderinnen, die am Donnerstag im großen Saale der „Arminhallen" stattfand, sprach Kunze über die Pflichten, die der Arbeiterschaft der Branche bei der Durchführung des Tarif- Vertrages obliegen. Es sind in den letzten Tagen bei einer großen Anzahl von Firmen Beschwerden über Verstöße gegen den Tarif- vertrag vorgekommen, und bei den Arbeitgebern tauchte hier und da die Meinung auf, daß derartigen Verstößen vorgebeugt worden wäre, wenn man länger gestreikt hätte, oder daß die Ursache in dem Tarifvertrag selbst liege. Der Redner hob demgegenüber hervor, daß solche Beschwerden natürlich erst auftauchen konnten, nachdem der Tarifvertrag eingeführt wurde. Dieses geschriebene Recht über die Lohn- und Arbeitsbedingungen ist eine Neuerung für die Kostümbranche und es ist, wie jedes Recht, ein Ausdruck der Macht, die man auszuüben imstande war und ist. Der Redner berichtete ausführlich über die Tarifdifferenzen bei einer großen Anzahl von Firmen der Kostümbranche. In den meisten Fällen ist es durch die Verhandlungen zwischen den Organisationsbertretern beider Parteien gelungen, die betreffenden Arbeitgeber zur Anerkennung des Tarifvertrages und der Tarifklasse, die für ihr Geschäft maßgebend sein muß, zu ver- anlassen. Ueber die Firma Herpich Söhne mußte jedoch die Sperre verhängt werden. Diese Firma verlangt zuerst, daß für ihre Werkstattarbeiter der Stücktarif gelten sollte, was jedoch nicht zugestanden werden konnte, und als sie sich schließlich zur An- erkcnnung des Wochentarifes bereit finden ließ, wollte sie unbedingt nur den zweiten Tarif zahlen, obwohl für dieses Geschäft nur die erste Tarifklasse maßgebend sein kann. Da der Schueiderverband schon früher wegen des Herrenmaßschneidertarifes schlechte Er� fahrungen mit Herpich Söhne gemacht hat, so daß selbst die Arbeit- gebervertreter zugeben mußten, daß diese Firma sich noch nicht zuberlässig genug für ein Tarifverhaltnis erwiesen hat, sah man sich um so mehr genötigt, sie zu sperren.— Was der Redner über die Differenzen bei verschiedenen anderen Firmen ausführte, zeigte deutlich, daß manche Arbeitgpber sich durch allerlei„Irrtümer" und „Mißverständnisse" um den Tarif herumzudrücken suchen, zuweilen auch meinen, daß, wenn sie ihre alten Arbeitskräfte entlassen, um andere einzustellen, sie über die Vcrtragspflichten glatt hinwegkommen würden. Das ist natürlich allemal ein verfehltes Manöver� da die Arbeiterschaft der ganzen Branche durch festes Zusammen halten in der Organisation überall dafür sorgen wird, daß der Tarifvertrag unbedingt durchgeführt wird. Im übrigen werden jetzt durch die Organisation Fragebogen ausgegeben, um genau festzustellen, ob. überall die festgesetzten Lohn- und Arbeits bedingungen streng innegehalten werden.— In der Diskussion über den Bericht wurde von Stückarbeitern Beschwerde darüber erhoben, daß der Stückschneidertarif noch immer nicht fertig ist. Es wurde auch eine Firma erwähnt, bei der man versucht, den Stückarbeitern den Tarifentwurl�jier Arbeitgeber aufzuzwingen und obendrein nicht einmal die darin aufgeführten Extraarbeiten zahlen will. Demgegenüber bemerkte der Referent, daß jener Stüch schneidertarifentwurf von Arbeiterseite abgelehnt wurde, also keines Wegs Gültigkeit hat. Nachdem nachgewiesen sei, daß tatsächlich schon höhere Preise gezahlt werden, hätten die Arbeitgeber auch schon eingesehen, daß Erhöhungen ihrer Vorschläge notwendig sind. Wenn der Stücktarif nicht gleich bei der Lohnbewegung mit erledigt werden konnte, so liege das eben daran, daß die Stückarbeiter sich damals nicht von Anfang an in dem Maße an der Bewegung be- teiligtcn, wie es in ihrem eigenen Interesse notwendig gewesen wäre. Jedenfalls aber werde mit aller Kraft dafür gesorgt werden daß auch annehmbare Stücklöhne festgesetzt werden. Mittel wird bei der Arbeiterschaft nicht berfangett. Dcktkuör sind Angebote von der Firma Schlägel zurückzuweisen. Zentralverband der Lederarbeiter Deutschlands, Filiale Berlin II Deutkches Reick). Die Krise im Bildhauerberuf. In unserem von der Maschine revolutionierten neuzeitlichen Wirtschaftsleben sind manche Erwerbszweige neu entstanden, manche Handtverke dagegen völlig verschwunden oder hart bedrängt worden. Auch im Kunstgewerbe machte sich diese umstiirzlerische Tendenz der Maschine mehr und mehr bemerkbar. Namentlich sind es die Bild- Hauer, die bereits seit Jahren mit ständig großer Arbeitslosigkeit zu rechnen haben, eine Folge jener allgemeinen wirtschaftlichen Ent- wickeluug. Als nächstliegende Ursache der Umwälzungen im Kunst- gewerbe ist allerdings die neue Stilrichtung anzusehen. Diese aber, „der moderne Stil" benannt, wurde schon unter dem Schlagwort eingeführt:„Weg mit allem Althergebrachten! Unser Zeitalter der Maschine muß seinen eigenen Stil haben I" Tatsächlich vollzog sich dann auch der stattgefundene Umschwung unter möglichster Begünstigung von Maschinenarbeiten. Ja, eine gewisse Gruppe tonangebender Kunstgewerbler bevorzugte unbedingt Maschmenarbeit und reihte sie unter die dekorativen Mittel des Kuiistgcaverbes ein. Mit ihren Experimenten haben dieselben durch- aus keine ungünstigen Resultate erzielt. Das Kunst gewerbe bedarf also nicht mehr in gleichem Maße wie früher des Kunst Handwerks. Der Bildhauerberuf, zu letzterem gehörig, wurde dabei leidtragender Teil. ES wurden Arbeits kräfte überflüssig. Die Arbeitslosigkeit Jiicg enorm und hielt sich auch während der letzten Hochkonjunktur in erschreckendem Um- sänge. Dies ergibt auch sofort folgender Auszug aus der im „Reichsarbeitsblatt" veröffentlichten Arbeitslosenstatistik. Es hatten nach derselben Arbeitslose von je hundert beteiligten Personen im Jahresdurchschnitt: ---- 1904 1905 1906 1907 1908 1903 Der Streik bei der Kirma Gebr. Schlägel. In der Lederfabrik Gebr. Schlägel, Lichtenberg, Röder- straße 25, legten am 2. April fast sämtliche dort beschäftigte Ar- beitcr die Arbeit nieder. Ein neuer Meister, Gottlieb Schuh, ver- suchte Aenderungen zum Nachteil der Arbeiter einzuführen. Die Arbeiter wehrten sich dagegen. Sie hatten früher die Arbeit im Farbenhaus im Lohn verrichtet, dann wurde dieselbe im Akkord vergeben und nach der Haut bezahlt. Die Arbeiter im Farben haus hatten die Leder, die im Lohn hereingebracht waren, weiter zu bearbeiten, und sie bekamen unter dem alten Meister die Ar- beit nach Feierabend und in den Tagen, wo der Betrieb ruhte, im Lohn bezahlt. Ter neue Meister Schuh hatte seine eigenen An sichten darüber, was alles noch zum„Akkord" gehört. Er ließ die Arbeiter acht Tage lang arbeiten, während die Gelernten feierten, und als die Leute glaubten, einen Lohn von mindestens 24 M. ver- dient zu haben, händigte er ihnen durchschnittlich etwa 5 M. aus. Nun strengten die Arbeiter eine Klage beim Gewerbegericht Lichtenberg an, das aber zu ihren Ungunsten entschied. Die Ar- beiter können sich diese Entscheidung nur damit erklären, daß kein Fachmann als Beisitzer fungierte, der die Verhältnisse in einer Lederfabrik zu beurteilen verstand. Die Firma selbst wollte, trotz der Gerichtsentscheidung zu ihren Gunsten, die Anerkennung der Arbeiter in dieser Sache haben und legte ihnen einen Tarif zur Unterschrift vor, nach welchem sie die Arbeit im Farben haus nach Feierabend und zwischen den hohen Festen, wenn der Betrieb gewöhnlich 8— 14 Tage ruht, ohne Lohn verrichten sollten. Ferner wollte die Firma 4 Wochen lang vor den Festen den Leuten 5 Proz. ihres Lohnes einbehalten: dieses Geld sollten sie am ersten Zahltag nach den Feiertagen erhalten, schein bar als Lohn für die inzwischen geleistete Arbeit. Außerdem sollte noch die Regelung der Arbeitszeit, die bisher auf 9 Stunden fest- gesetzt war, wegfallen.— Zugleich wurde der Betrieb einge- schränkt. Wenn vorher 167 bis 200 Häute verarbeitet wurden, sa hatten dieselben Leute jetzt nur 100 fertig zu machen; fix verdiente» natürlich sehr wenig. Es wurde ihnen nun zugemutet, daß sie den ganzen Tag, trotzdem sie nur 2,50 Mk. verdienen konnten, anwesend sein müßten, widrigenfalls sie sofort entlassen würden. Das konnten sich die Arbeiter nicht alles gefallen lassen. Die 24 Leute im Far- benhauS gingen, nachdem sie ihre Arbeit fertig gestellt hatten, heim und erhielten darauf ihre Entlassung. Sie wandten sich an ihren Verband; es folgten Verhandlungen mit der Firma, die aber resuh tatlos verliefen. Eine Kommission der übrigen Arbeiter des Be- triebes sprach noch einmal bei der Betriebsleitung vor, aber sie wurde mit der Drohung abgewiesen, daß jeder, der sich nicht füge, darauf gefaßt sein könnte, in keinem Betriebe Berlins Arbeit zu erlangen. Darauf erklärten sich sämtliche Lohgerber, Zurichter und säst sämtliche Hilfsarbeiter mit den Gemaßregelten solidarisch und legten die Arbeit nieder. Die Streikenden erwarten, daß Zuzug von außerhalb ferngehalten wird. Die Firma inseriert nach ge- lernten Arbeitern für 50 Pf. Stundenlohn, während vorher 55 Pf. bezahlt wurden. Der Verband erläßt noch folgende Bekanntmachung: Achtung, Lederarbeiter, Lohgerber» Zurichter, Hilfsarbeiter! Nachdem die Firma Gebr. Schlägel in Lichtenberg die falsche Nachricht verbreitet, daß der Streik beendet ist, machen wir darauf aufmerksam, daß derselbe unverändert fortdauert. Bei dem Mangel, welcher bei der Firma Schlägel an gelernten Arbeitern besteht, ist es ja zu verstehen, daß die Firma mit immer neuen Tricks arbeitet, um die Kollegen irrezuführen; aber auch dieses sämtliche an der Statistik betet- ligten Berufe darunter Bildhauer.. 2.7 2,0 1.5 1,2 1.7 8,1 10,4 9,5 10,1 9,9 12,7 16,6 Daraus ergibt sich, daß z. B. im Jahre der Hochkonjunktur 1906 die Arbeitslosigkeit der Bildhauer achtmal größer war als bei sämtlichen beteiligten Berufen im Durchschnitt. Das Jahr 1907 weist ein ähnliches Verhältnis auf und auch im Krisenjahr 1908 weichen die Zahlen um mehr als das Fünffache von einander ab. ES handelt sich also bei der Arbeitslosigkeit der Bildhauer um eine Berufskrise, die wohl durch die allgeineiue Wirtschaftskrise noch ver- schärft, diese aber nicht zur alleinigen Ursache hat, sondern auf ein- gangS geschilderte Wandlung im Gewerbe begründet ist.— Es ist nur zu natürlich, daß sich unter derart mißlichen Zuständen fortlaufend Berufsangehörige, zumeist nach voraufgegangener wiederholter Arbeitslosigkeit von ihrem Berufe abwenden. So auch hier. Nach einer vorlaufig abgeschlossenen Erhebung stellt die Organisation der Bildhauer fest, daß in 57 BerwaltungSstellen 439 Bildhauer gezählt wurden, die sich seit dem Jahre 1907 genötigt sahen, zu einem an- deren alS dem erlernten Berufe Zuflucht zu nehmen; eS sind dies zirka 10 Proz. der Mitglieder der Organisation oder zirka 6 Proz. aller Berufs- angehörigen. Und dabei ist die festgestellte Zahl sicher noch nicht voll- ständig. Diese Dezimieruug des Bildhauerberufs ist jedoch noch lange nicht zum Abschluß gekommen. Ja, neuerdings wird ihr aus sinanz- politischen Motiven von Staats wegen noch weiterer Vorschub geleistet. Die Finanzklemme, in welche uusere Staatsregierungen geraten sind, ließ Bülow zum Sparen ennahnen. Und wie am besten und erfolg- reichsten gespart werden könne, zeigten die preußischen Minister für Finaiizeu und öffentliche Arbetten in einem gemeinsam ausgefertigten Sparerlaß, der sich gegen jeden„Luxus" bei der inneren und äußeren Ausschmückung der Baulverke richtet. In Bälde dürsten nun die Negierungsbauten auch äußerlich zur Schau tragen, daß in einem unter den Lasten des Militarismus fast zusammenbrechenden Staatengebilde für das Kunstgewerbe ebensowenig Raum ist als für Volkswohlfahrt und sonstige kulturelle Aufgaben. Oberschlesssche Vergterroristen. Auf dem Gebiete des Knappschaftswesens spielen sich im ober- schlesischen Industriegebiet Vorkommnisse ab, die die Erregung der Bergleute mächtig steigern. Wie die„Breslauer Volksmacht" mit- teilt, wählten die Arbeiter der„Neue Abwehrgrube" in Mikult- schütz den Hauer Janus zum Knappschaftsältesten. Der Mann wurde jedoch schon nach ein paar Tagen entlassen. Auf der„Kar- naltsfreudegrube" bei Beuthen wurde der Hauer Podzinski als Kandidat zur Wahl aufgestellt. Ihm wurde jedoch ein Tag vor der Wahl gekündigt, obwohl der Mann bereits fünfzehn Jahre bei der Verwaltung arbeitete. Und da wundern sich die Grubenprotzen, wenn es unter den Arbeitern gärt. Anmaßung über Anmaßung! Wie weit sich die H e r r ena n m a ß u n g versteigt, zeigt eine Bekanntmachung auf der Saar- und Moselgrube von Schacht V (Merlenbach). Sie lautet: Bekanntmachung. Der Hauer Weisdörfer, Mathias. M. Nr. 101, und der Schlepper Tyscher, Josef II, M. Nr. 750, sind mit je 2 M. be- straft, weil sie trotz fester Zusage heute von der Arbeit fern- geblieben sind. Ich sehe dieses Versprechen als eine gemeine Lüge an. Schacht V, 14. März 1909. Hornberg. Vollzogen: Schmidt. Hier handelte es sich um eine Sonntagsarbeit bezw. Schicht, die zu verfahren die Arbeiter nicht verpflichtet waren. Sie hatten nur auf Drängen des Steigers hin zugesagt, konnten aber dann doch die Sonntagsschicht nicht verfahren. Das hatte zur Folge, daß sie mit 2 M. bestraft und durch öffentliche Bekanntmachung als gemeine Lügner bezeichnet wurden. Weiter kann es dreiste Herrenanmaßung wohl nicht mehr bringen. Vielleicht wird man demnächst auch noch die Prügelstrafe für Arbeiter einführen. JahreZeinkommM eingeschätzt war. Nun haben alle Steuerzahler, die mindestens 800 Kronen Einkommen versteuern, und auch die Frauen, das Wahlrecht erhalten. Bedingung ist aber, daß die Steuern auch entrichtet sind. Die Steuerbelastung des Ehemanns wird auch der Frau angerechnet. Bisher hatte es dabei zur Aus- Übung des Wahlrechts genügt, daß man zu dem oben angeführten Einkommen eingeschätzt war, ob man die Steuer wirklich gezahlt hotte, danach wurde bei der Wahl nicht gefragt. Die Steuer- zahlungsklausel bringt es natürlich mit sich, daß viele Arbeiter und Arbeiterftauen in Zeiten der Wirtschaftskrise und auch infolge von Krankheit und anderem Mißgeschick ihr Wahlrecht einbüßen. Sie hat ferner zur Folge, daß Tausende von Arbeiterinnen und wohl alle Dienstmädchen sowie armen Witwen nicht wahlberechtigt sind, so daß also von einem allgeme'nen Frauenwahlrecht gar nicht die Rede sein kann. Für die Provinzgemeinden brachte die Wahlrechtsreform den Fortschritt, daß das geltende Zweiklassen- Wahlrecht im allgemeinen beseitigt wurde, jedoch hat man für die den Landgemeinderäten übergeordneten Amtsräte ein Privi- legiertenwahlrecht der reichsten Grundbesitzer geschaffen. Außerdem ist das Steuerfestsetzungsrecht der Gemeindevertretungen der Provinz eingeschränkt worden. Sodann enthält die Wahlrechts- reform noch eine Verschlechterung: ein mindestens zweijähriger Aufenthalt in der Gemeinde ist notwendig, um wahlberechtigt zu sein, während bisher ein Jahr ausreichte. Alle die reaktionären und undemokratischen Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes sind lediglich darauf berechnet, das Wahlrecht und den Einfluß des Parlaments soviel wie nur irgend möglich einzuschränken. Die Sozialdemokratie hatte trotz aller dieser Einschränkungen gar keine Ursache, das Frauenwahlrecht zu fürchten oder gar ab- zulehnen. Ihre Erfolge bei den Kommunalwahlen haben das ja auch deutlich genug bewiesen. Trotz der traurigen Wirtschaftslage, die es so manchem Proletarier unmöglich machte, seine Steuern zu zahlen, und manchen veranlasste, seinen Wohnort zu wechseln, was ja auch den Verlust des Wahlrechts mit sich brachte, hat die Sozialdemokratie in Kopenhagen ihre alte Machtstellung glänzend behauptet, obwohl sie nun allein und mit rein sozialdemokratischer Kandidatenliste in den Wahlkampf zog und das alte Wahlbündnis mit den Radikalen, das früher bei den Majoritätswahlen für eine Notwendigkeit erachtet wurde, aufgegeben hatte. In den Provinz- städten wurden auf die sozialdemokratischen Kandidaten nicht weniger als 54 328 Stimmen abgegeben und 265 Sozialdemokraten gewählt, womit die Zahl der sozialdemokratischen Mandate sich um 110 vermehrte. Da die Wahlrechtsreform auch das Propor- tionalshstem mit sich gebracht hat, ist das Wahlresultat um so mehr ein Beweis für den außerordentlichen Einfluß, den unsere Partei in Dänemark gewonnen hat. Die Proletarierinnen haben tapfer mitgeholfen, dieses Resultat zu erzielen. Die dänische Sozialdemokratie, weit entfernt davon, das Frauenwahlrecht zu fürchten oder abzulehnen, hat, als die Regie- rung vor einigen Jahren ihren kommunalen Wahlrechtsreform- entwarf ohne Frauenwahlrecht einbrachte, das Frauenwahlrecht gefordert und das Folkething dafür gewonnen. Das Frauenwahl- recht ist also, wie die„Gleichheit" mit Recht hervorhebt, dank der Initiative der Sozialdemokratie ein- geführt worden. Aber freilich, den Antisozialisten paßt das nicht in den Kram, daß es just die Sozialdemokratie ist, die überall, ihrem internationalen Grundsatz entsprechend, an der Spitze mar- schiert in dem Kampf für die Gleichberechtigung der Frau, und darum sucht man immer wieder das Märchen zu verbreiten. unsere Genossen seien Gegner des Frauenwahlrechts. Die Schoßschuhmacher in Würzburg sind in eine Bewegung ein- getreten. Sie haben einen Lohntarif nebst Arbeitsordnung einge reicht. Eine Anzahl Meister sind bereits bemüht, von auswärts Ar beitswillige heranzuziehen, weshalb vor Zuzug gewarnt wird, £liis der Frauenbewegung. Das Kommnnalwahlrecht der Frauen und die Sozial- demokratie Dänemarks. Die„Zeitschrift für Fxauenstimmrecht" brachte in ihrer Nummer vom 1. März einen Bericht aus Dänemark, der allerlei unsinniges Zeug über die Stellung der dänischen Sozialdemokratie zum Frauenwahlrecht enthielt. Es wurde darin unter anderem behauptet, die Sozialdemokraten hätten seinerzeit bei der Reform des Kommunalwahlrechts im dänischen Reichstag geschlossen gegen das Frauenwahlrecht gestimmt, und zwar unter dem Vorgeben, ie könnten nur dann dafür sein, wenn den Frauen zugleich auch das politische Wahlrecht zuteil werde. Der eigentliche Grund ihrer Gegnerschaft sei die Befürchtung gewesen, daß die Wählerinnen antisozialistisch stimmen würden. Die„Gleichheit" hat bereits in ihrer Nr. 14 auf diese wie auf andere Torheiten, die jener Bericht enthält, ausführlich geantwortet. Der„Vorwärts" hat schon seiner- zeit ausführlich die Gründe dargelegt, die unsere Genoffen im dänischen Reichstag zwangen, nicht etwa gegen die Einführung des kommunalen Frauenwahlrechts, sondern gegen eine Wahlrechts- reform zu stimmen, die neben annehmbaren und sehr Wünschens- werten Fortschritten soviel Mängel und selbst Verschlechterungen des Bestehenden enthielt, daß sich ein Sozialdemokrat und ehrlicher Demokrat unmöglich damit einverstanden erklären konnte. In Kopenhagen war das Kommunalwahlrecht bisher daran geknüpft, daß man zu einem Steuersatz für mindestens 1000 Kronen Heimarbeiterinnenelcnd in England. In allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise finden wir in der Hausindustrie die gleiche schrankenlose Ausbeutung von Frauenkraft.„The Woman Worker" zitierte kürzlich Miß Gertrude Tuckwell, die von dem Elend der englischen Heimarbeiterinnen folgendes erschütternde Bild entwarf:„Ein Gemach dient ihnen als Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche, Hospital und Toten- kammer. Dort arbeiten sie Tag und Nacht. Kinder, die spielen sollten, arbeiten. Die Krüppel und Idioten werden in das Joch der Heimarbeit gespannt, und Greise, die der wohlverdienten Ruhe genießen sollten, arbeiten. Arbeit liegt auf der Wiege, oft sogar auf dem Bette einer Frau, die erst vor vierundzwanzig Stunden geboren und nun schon wieder nach Nadel und Faden greift; Arbeit liegt auf dem Sarge als Bahrtuch. So arbeiten sie tatsächlich Tag und Nacht für den Bettellohn von 1 Penny(8xh Pf.) per Stunde." Man höre nur: Fertigmacherinnen von Kinderhosen erhalten 2 Penny per Paar, wofür alle Nähte fertigzustellen und Taschen und Knöpfe einzunähen sind; für Nadeln und Garn haben die Frauen selbst zu sorgen. Eine flinke Arbeiterin kann in zwei Stunden ein Paar anfertigen. 3 Schilling 9 Pence(zirka 3,80 M.)1 per Dutzend werden für Knabenanzüge gezahlt. Blusen, die mit 2 Pfund Sterling 2 Schilling(zirka 42 M.) verkauft werden, bringen der Arbeiterin 6 Pence— 50 Pf.� für hübsche Sonnen- schirme werden 6 Pence per Dutzend oder% Penny per Stück gezahlt; Hemdennäherinnen verdienen 10 Pence_ 85 Pf. in 14 Stunden, Handschuhnäherinnen 1% Pence— 13 Pf. per Dutzend; für das Groß künstlerischer Veilchen werden 7 Pence_ 60 Pf. gezahlt, für 1 Dutzend Paar Kinderschuhe 1 Schilling 6 Pence_ 1,50 M., für gut gearbeitete Kindermützen 3 Pence das Stück. Mutter und Tochter fertigen 144 Streichholzschachteln für 2% Pence an. Im Birminghamer Distrikt verdienen Frauen, die Haken und Oesen auf Karten nähen, 3 Schilling 3lh Pence_ 3,50 M. per Woche, und hier mußten die Kinder mithelfen, denn — sagte eine Mutter—„man muß sie entweder arbeiten oder hungern lassen."_ In Großbritannien und Irland beträgt der Ueberschuß an Frauen 1 070 009 über die Zahl der Männer. 34)4 Proz. aller Frauen sind erwerbstätig. Deutschland mit seinen 37 Proz. und Oesterreich mit 40 Proz. erwerbstätiger Frauen haben also das industriell so hoch entwickelte vereinigte Königreich hierin über- flügelt._ Versammlungen— Beranstaltungem. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Wegen Er- krankung der Schriftstellerin Klara Viebig muß die Vorlesung derselben auf Montag, den 26. April, verlegt werden. Die Versammlung am 19. April findet jedoch statt. Wally Zepler spricht über das Thema:„Aus der modernen Romanliteratur". Gäste willkommen. Letzte JVacbricbtcn und vepescden. Die türkischen Wirren. Konstantinopel, 17. April.(W. T. B.)j Die Nachrichten über die jüngsten Ereignisse haben in Erzerum und Trapezunt die größte Erregung hervorgerufen und stürmische Kundgebungen veranlaßt. Es wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, die ein mili- tärisches Eingreifen gegen Konstantinopcl forderten. Aus Trape- zunt werden auch gegen den Sultan gerichtete Kundgebungen ge- meldet. Gewissenszwang. Frankfurt a. M., 17. April.(B. H,)' Im Vororte Bocken. heim war am 6. März eine dort wohnende Witwe Becker in Haft genommen worden, weil sie ihre Kinder vom katholischen Re- ligiontznuterrichte fernhielt und in freireligiösen Unterricht schickte. Gestern wurde die Frau zum zweiten Male aus dem gleichen Grunde in dreitägige Hast genommen, da sie auf ihrHr.Weigerung, die Kinder zur katholischen Kirche zu schicken, beharrte. Begründet wird die Haftstrafe mit einer in Bockenheim noch«ültigeu Ber- orduung aus dem Jahre 1726. Pergytw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnjeratentcil vccantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSgnjtall Paul Singer& Eo..BerlinLVV/ ■ui vi j:.. Nr.W. 36. Jahrgang. I Irilip Ks Jotmirts" JJtiliiift WsdlM Sonntag, 18. April 1909. Franzö[ifcl)er Parteitag. Tt. Etienne, 14. April.(Gig. Ber.) 4. Tag.(Schluß.) In der VormittagZsitzung war die Diskussion über die Wahl- taktik abgeschlossen worden. Bemerkenswert war das Bemühen der „insurrektionellen" Redner, den peinlichen Eindruck der gestern von Frau Pelletier gebrauchten Wendungen über die Republik zu verwischen. Einer der hitzigsten Jnsurrektionellen, der Post- bcamte C h a st e n e t, bekannte sich ausdrücklich als Republikaner und auch Herbe selbst erklärte, daß er nur gegen die„imperia- listische" Republik sei. Die Pariser Arbeiter sind eben eingefleischte Republikaner und Demokraten, trotz aller Porliebe für antiparla- mentarische Demonstrationen, und der scheinbar so„unbedingte" Herve versteht sich merkwürdig gut auf den Opportunismus. Maifeier. In der Nachmittagssitzung wurde nach der Wahl der Admi- nistrativkommission ein Manifest sür die Maifeier angenommen, das die Arbeitsruhc an diesem Tage fordert. Eine Reihe von Rednern sprachen über die gemeinschaftlichen Veran- staltungen der Feier 4mrch die Partei und die Gewerkschaften, die in der Provinz zahlreich sind. Ein Beschluß in dieser Beziehung wurde nicht gefaßt. Die Konsliktsfälle. Dueos de la Haille erstattet den Bericht der Konflikts- kommission. Die Lösungen lauten sehr friedlich. Von den wichtigen Fällen ist zunächst der des Deputierten Rozicr zu erwähnen, den die Scine-Föderation ausgeschlossen hat. Ein Teil der gegen ihn vorliegenden Fakten ist jedoch durch den Amnestiebeschluß von Toulouse ausgeschieden. Es bleibt eigentlich nur die Nicht- zugehörigkeit zur Parteiorganisation und diese hängt damit zu- fammen, daß Roziers Gruppe aus der Föderation ausgeschlosien worden ist. Ter Antrag der Kommission, die Ausschließung auf- zuHeben, wird mit 2S1 gegen 61 Stimmen und 26 Enthaltungen angenommen und die Ordnung der Organisationsverhältnisse der Aministrativkommission anvertraut. Es folgt der Fall D e g a h. Die Föderation des Pas-de-Calais hat für eine Nachwahl den Parteigenossen Dcgay aufgestellt, der stellvertretender Chef des Kabinetts des Arbeits- Ministers V i V i a n i ist. Diese Kandidatur widerspricht einem Beschluß des Nationalrats der Partei, der die Aufstellung von Mit- arbeitern der Minister untersagt. In der Debatte macht D e l o r y darauf aufmerksam, daß der Nationalrat das Parteistatut nicht ändern könne. In der Sache selbst haben die Delegierten des Pas- de-Calais fast den ganzen Kongreß gegen sich, sie erklären aber, in dem jetzigen Stadium der Wahlkampagne keine Aenderung mehr treffen zu können. Schließlich wird, auch mit ihren Stimmen, eine Resolution angenommen, die den Beschluß des Nationalrats bestätigt und Degay vor die Alternative stellt, zwischen seiner Stel- lung im Ministerium und der Kandidatur zu wählen. Im Falle Breton, Varenne und B r o u s s e ist die Kom» Mission zu der Ansicht gekommen, daß ein Formfehler vorliege, da die gegen diese Deputierten erhobenen Beschwerden— gegen alle drei wegen der Abstimmung während des Poststreiks, gegen Breton obndrein wegen seiner in der bourgeoisradikalen Presse gegen den Parteikandidaten M b r e u s geführten Kampagne— nicht vor die als erste Instanz zuständige Föderation der Deputierten gebracht worden seien. Der Parteitag beschließt, die klageführenden Or- ganisationen dahin zu verweisen. Es bleibt der Fall Herve. In bezug auf diesen ist die Kom- Mission zu keinem Beschluß gekommen. Ein Antrag De la Portes, Herve— sowie Breton— wegen ihrer allgemeinen Haltung der Parteizugehörigkeit für verlustig zu erklären, ist mit 10 gegen 2 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, abgelehnt worden. C a f f i n(von der insurrektionellen Eeine-Mehrheit) beantragte die Beglückwünschung HerveS wegen seiner Bemühungen um die Partei! Der Antrag bekam 2 Stimmen, 1 Mitglied enthielt sich, die anderen waren dagegen. Die einfache Tagesordnung wurde gleichfalls abgelehnt, ebenso der Ausschluß Herdes wegen der gegen ihn geltend gemachten Disziplinbrüche(mit 10 gegen 5 Stimmen und 1 Enthaltung) und ein Tadelsantrag(mit 4 gegen 4 Stimmen und � Enthaltungen). Die Frage ist somit wieder vor das Plenum des Parteitages gebracht. V a i I l a n t beantragt einfachen U e b e r- gang zur Tagesordnung. Delory wendet sich mit Ent- Kleines feuilleton. Sccneit aus der türkischen Gegenrevolution schildert der Korre- spondent des„Daily Telegraph" i n K o n st a n t i n o p e l: Auf dem Wege zur Sophienmoschee hatte mein Wagen die Brücke erreicht, als dichte Gruppen aufgeregter Bürger mir die Weiterfahrt ver- sperrten. Wir mußten zurück. Am Wege sah ich einen toten Sol- daten liegen. In der Trambahnstraße wurden wir wieder ausge- halten, dichte Menschenmengen drängten sich und inan fürchtete ein Gemetzel. Die Sorgen waren unbegründet. Am Eingang zu dem großen Platze endlich versperren mir Bürgerposten den Weg, nur Soldaten und Geistliche dürfen passieren. Zum Glück treffe ich zwei mir bekannte Deputierte, die mich mitnehmen. Nach langer Perhandlung mit den Soldaten darf ich den Kordon passieren und das Parlanientsgebäude betreten. Hier freilich hört das Weiter- kommen auf. Die Torhüter, die mich gut kennen, verweigern mir heute den Eintritt. Ich muß auf dem Platze bleiben. Alle Seiten sind angefüllt mit den blauen Uniformen der Soldaten und der Khakisarbe der Jäger von Saloniki. In der Mitte des Platzes sitzen türkische Soldaten mit untergeschlagenen Beinen in großem kreise auf der Erde. Nirgends ist ein Offizier zu sehen. Bon Gruppe zu Gruppe schreiten weißbeturbante Hodschas(niedere Geistliche) und sprechen mit den Soldaten. Einer der Agitatoren spricht mich an:„Sie sehen, wir wollen nichts als die Anwendung oes heiligen Gesetzes. Wenn jemand mordet, so bedeutet das Todes- strafe-, wer stiehlt, verliert die Hand. Dann wird alles gut gehen. Aber jetzt wird das Gesetz nicht angewandt. Und es darf den Sol- daten nicht verboten iverden zu beten." Ich antwortete, ich sei nicht beten dürsten.„Ja." sagt er.„Ihr habt eine Religion, unsere nicht beten dürfen.„Ja." sagt er,„Ihr habt eine Religion, unsere Regierung aber hat keine." Und das ist die Tendenz dessen, wäs auch alle anderen sagen. Plötzlich entsteht lebhafte Erregung: von der Sultan Ahmed-Moschee kommt eine gewaltige Menge von Ulemas und Sofias(islamitische Theologen und deren Schüler) herangezogen. Die breite Straße gleicht ernem Meer von weißen Turbanen. �Der endlose Zug erreicht den Platz, kreuzt ihn. indes von allen Seiten brausende Hochrufe ertönen, und bildet endlich gegenüber dem Parlamentsgebäude einen riesigen Menschenhaufen. Die Geistlichen kommen, um den Klagen der Soldaten ihre Unter- stützung zu leihen. Ich. wollte dableiben, aber ein Zwischenfall ver- eitelte das Porhaben. Von dem Hause, vor dem ich auf einer Bank stehe, fällt ein Pistolenschuß. Sofort entsteht Erregung unter den Soldaten, wütend erklimmen einige das Fenster. Ich werde dabei umgeworfen, die Soldaten fragen mich, was ich hier zu suchen habe. Ein Polizeisergcant bittet mich zu gehen. Unbelästigt verlasse ich den Platz und gehe zur Pforte. Auf der Terrasse stehen Dolmetscher und Gesandtschaftssekretäre mit sorgenvollen Mienen. Man ver- sucht, zum Kriegsministerium zu kommen, aber der große Platz vor dem Gebäude ist von einem Truppenkordon abgesperrt, der Befehl hat, scharf zu feuern. Aber dies sind treue Truppen; sie stehen untxr dem Befehl von Mahmud Muktar Pascha.,,, schiedenheit dagegen, da ein solcher Beschluß auf eine Gutheißung von Herves Vorgehen hinausliefe und ihn ermutigen würde, fort- zufahren. Er fordert einen Beschluß, der, ohne persönliche Spitze, die Parteimitglieder auffordert, die Parteibeschlüsse und das Par- teistatut zu achten und erklärt, daß diejenigen, die sich in Zukunft diesem Beschluß nicht fügen und die Einheit der Partei gefährden würden, sich selbst außerhalb der Partei stellen. C af f i n legt seinen Beglückwünschungsantrag vor, dem ein Tadel für die Parteimit- glieder. die in bürgerliche Blätter schreiben, beigefügt ist. L a fo n t iSyndikalist) findet heraus, daß auch in bezug auf Herve ein Form- fehler im Verfahren vorliege, der allerdings nicht den anklagenden Föderationen, sondern der Administrativkommission zur Last falle, die verabsäumt habe, die Angelegenheit vor die zuerst zuständige Seinc-Föderation zu bringen. Ein ländlicher Delegierter pro- testiert dagegen, daß der Kongreß mit dieser Angelegenheit soviel Zeit verloren habe und meint, die Parteiadvokaten hätten ihren Scharfsinn früher bewähren sollen. Delory zieht seinen An- trag zurück, hofft aber, daß in Zukunft die Administrativkommission (der auch Lafont angehört), die Bestimmungen des Parteireglements zu richtiger Zeit beachten werde. Durch die Zurückziehung seines Antrages ist die Angelegenheit Herve ohne Beschlußfassung erledigt. Tie Agrarfrage. Die Kommission hat über die Formulierung der Forderungen in der Landfrage keine Einigung erzielt. Sie beantragt, alle zu diesem Punkt gestellten Anträge einer A g r a r k o m m i s s i o n zu- zuweisen, die aus der Verwaltungslommission und Delegierten der ländlichen Föderationen und der Fraktion zusammengesetzt ist. Diese Kommission soll dem nächsten Parteitag ein Agrarprogramm vorlegen. Der Kommissionsbcricht wird einstimmig angenommen. Die Wahltaktik. G o u d e erstattet den Kommissionsbcricht über die Frage der Wahltaktik. Alle Föderationen haben ihre Anträge zurückgezogen, mit Ausnahme der Mehrheit der Seine-Föderation. V a i l l a n t fordert im Namen der Minderheit der Seine-Föderation Verhand- lung der Frage im nächsten Jahr, zum Zweck der Festsetzung einer einheitlichen Taktik. Lorris, Varenne, Jaures sprechen in demselben Sinne. Ter Antrag der Seine-Mehrheit auf Aufrechterhaltung aller Kandidaturen im zweiten Wahlgang wird mit 264 gegen öl Stimmen abgelehnt. Somit bleibt der Status quo erhalten. Mit diesem Beschluß ist auch die Antwort auf den Vor- schlag der radikalen Partei gegeben. Die Verhandlung wird geschlossen. Der Vorsitzende R e- n a u d e I weist darauf hin, daß der Kongreß die wachsende Kraft der Partei und des organisierten Proletariats bewiesen habe. La- fargue erinnert daran, daß er 1882 mit den Genossen Alle» mane, G u e s d e, Roiianet und F e r r o u l in St. Etienne zusammengetreten sei und freut sich des zurückgelegten Weges und der erreichten Einigkeit. Ilm 0 Uhr abends wird der arbeitsreiche Parteitag geschlossen. fünfzehnter Parteitag der Sozialdemo kratüchen Arbeiterpartei(Hollands.. Rotterdam, 13. April. Die Schlußsitzung befaßte sich mit der Redaktion von „Het Volk", die von mehreren Rednern angegriffen wurde. Vliegen verteidigte sie. Schließlich wurden die vier Redakteure gegen eine Stimme wiedergewählt. Auch das neue Wochenblatt kommt noch zur Sprache. Ter Redakteur Wibaut will es als Organ des Marxismus angesehen wissen. Angegriffenen soll Raum nur zu kurzen Rektifikationen zugestanden»erden, des kleinen Ilmfanges halber. Troelstra behält sich Polemiken gegen die Redaktion im Wochenblatt selber vor. Der Parteivoranschlag, der an Einnahmen und Ausgaben 10 200 Gulden aufweist, wird gutgeheißen. Ein Antrag des Parteivorstandes, die Mitgliederbeiträge nach dem Einkommen progressiv, aber mit einem wöchentlichen Maxi- mum von 20 Cent zu erheben, wurde angenommen. Der Vorsitzende Wiegen schloß den Parteitag mit einer Rede, in der er ausführte, daß dieses Mal mehr erledigt Ivorden sei, als seit Jahren. Endlich habe man wieder kameradschaftlich diskutieren können, der Bourgeoisie sei kein Stoff zum Jubel über Uneinigkeit geboten, worauf sie für die Wahlen gehofft habe. Die drohende Die erste Eisenbahn in Madagaskar. Die Insel Madagaskar, die an Flächeninhalt das gesamte Deutsche Reich übertrifft, besaß bis in die jüngste Zeit noch keine Eisenbahn, trotzdem�das Land seil nahezu fünfundzwanzig Jahren der französischen Schuhherrschaft untersteht. Seit einer Reihe von Jahren befindet sich die erste Bahnlinie von der Landeshauptstadt Tananarivo nach dem Hafen- platz Tamatave an der Ostküste im Bau, aber dieser erwies sich als so kostspielig, daß er nur langsam voranschritt und erst kürzlich die erste, 271 Kilometer lange Strecke bis Brickaville eröffnet werden konnte. Die Baukosten betrugen, wie die„Koloniale Rundschau" mitteilt, für die ersten 168 Kilometer fast 300 000 Frank auf den Kilometer, bei den letzte» 103 5ltlometer noch je 130 000 Frank, ins- gesamt sonach 63 700 000 Frank. Man hofft die Bahn bis zur Küste durchzuführen und damit dem fruchtbaren Binnenland mit seiner ungeheuren Reisproduktion große Ausfuhrmöglichkeiten, besonders nach Südafrika zu erschließen; denn die kaum drei Millionen Ein- wohner Madagaskars können den Ertrag der natürlichen Reisfelder im Innern auch nicht zum kleinsten Teil allein verbrauchen« Theater. Friedrich- W i l h c l m st ä d 1 i sjch e s Schauspielhaus: Der Dorftyrann von Hermann Hoppe. Wir haben im Verlauf der letzten Jahre eine Hochflut von Volksstücken in verschiedenen Dialekten über die Berliner Bühnen gehen sehen. Manches Gute war darunter; aber gehalten hat sich keins. Literarische Zeitmoden—„Heimatskunst", das war auch so ein Schiagioort— haben sie herausgebracht, also mußten sie auch deren Schicksal teilen: sie verschwanden immer, um anderen Moden Platz zu machen. Sie verschwanden aber vorzugsweise deshalb, weil niemals ein Anzen» gruber dahinter stand, hinter all den sächsischen, plattdeutschen und schlesischen Dialektstücken. Diese letztere Abart wird nun durch die obengenannte Bauernkomödie vermehrt. Hermann Hoppe, ein Hirschberger Goldschmied seines Zeichens, versucht, in die Fuß- tapsen Gerhart Hauptmanns zu treten. Er ist kein Kunstdichter wie dieser und läßt in seinem Erstlingsstück noch keinerlei litera- rischen Ehrgeiz aufkommen. Problemdichtung, psychologische Tief- sinnigkeit, Gestaltung von Chraktcren und Schicksalen aus dem Innern heraus: das alles und noch manches andere mehr sind ihm ziemlich unbekannte Dinge. Hoppe dichtet wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Wohlgemerkt aber mit unverkennbarer Ilrwüchsigkeit. Er beobachtet äußerlich schon sehr scharf; er kennt die schlesischen Bauern und das Milieu, in dem sich ihr Dasein bewegt, ausnehmend gut. Dabei besitzt er eine komische Ader, die vielleicht einmal noch reichlicher fließen könnte. Für sein Stück hat er sich einen Typus ausersehen, der ja auf dem Lande ziemlich überall heimisch ist. Das ist der überschlaue Erz- und Obergauner, dem kein Mittel zu schleckü dünkt, um die Bauern über den Löffel zu barbieren. Hoppes„Dorf- tyrann" ist eigentlich die llnikehrung des Problems in Wilhelm v. Polenz Roman:„Ter Büttnerbaucr". Hier siegt der Güter- ausschlachter; denn die Bauern gehen an ihm zugrunde. Bei Hoppe wird aber der Pferdehändler Seifert von den Bauern nicht bloß „verdroschen", sondern auch gründlich geprellt. Er nimmt Reißaus — und niemals wird er wiederlehre». Hinter ihm drein dröhnt das Hohngclächter der Dörfler. Das alle? ist, wie gesagt, recht Schwächung der Partei sei nicht eingetreten, sie»sei im Gegenteil gewachsen und werde in den kommenden Wahltagcin weiter wachsen. Er dankt dem internationalen Sekretär HuySmans sür seine An- Wesenheit bis zum Schluß und hofft, daß er die Ueberzeugung mit- nehme, daß die S. D. A. P. eine gute Kämpferin der Jnternatio- nalen sei. Unter dem Gesang der„Internationale" ging dcr Parteitag auseinander. vor Parteitag der»omegiichen Sozial- demobratie. Vom 8. bis zum 13. Awkil hielt die Norwegische Arbeiterpartei zu Hamer am Mjönsen ihre 20. Landesversammlung ab. Seit der vorigen Landesversammlung sind drei Jahre verflossen. Inzwischen hat die Partei sich immer stärker entwickelt, ihre Mitgliederzahl ist von 24 000 auf über 28 000 gestiegen und die Frauen schließen sich auch in immer größerer Zahl der Organisation an. Die Partei- presse gewinnt� immer mehr an Einfluß und Ausdehnung. Das Hauptorgan„Socialdcmokraten", das in früheren Jahren sich nicht rentierte, wirft jetzt Ueberschüsse für die Partei ab. die nun im ganzen über 7 täglich und 0 drei- oder zweimal lvöchentlich erscheinende Zeitungen verfügt. Die Abonnentenzahl der Parteipreffe beläuft sich auf ungefähr 60 000. Dies, und der Umstand, daß bei den letzten Storthingswahlen vor drei Jahren 45 000 sozialdemo- kratische Stimmen abgegeben wurden, beweist, daß die Anhänger- schaft der Partei weit zahlreicher ist als ihre Mitgliedschaft. Diesmal waren zur Landesbersammlung 265 Delegierte er- schienen, bor drei Jahren waren es 225. Die skandinavischen Bruderparteicn hatten ebenfalls Vertreter entsandt, die schwedische Sozialdemokratie den Reichstagsabgeordneten L i n d b l a d, die dänische den Kopenhagener Stadtverordneten Daugstrup. Die Eröffnungsrede hielt der Bizevorsitzende Chr. H. Knudsen; der Parteivorsitzende Dr. Nissen war leider durch Krankheit ver- hindert, an dem Parteitag teilzunehmen. Der Bericht des Partei- Vorstandes, der über die Fortschritte der Partei Aufschluß gibt, lag gedruckt vor. Die Tätigkeit der 10 Mann starken Storthings- fraktion wurde im allgemeinen rühmend anerkannt. Ein Red- uer hielt es jedoch für verkehrt, daß die sozialdemokratische Fraktion sich geneigt gezeigt hätte, dem König eine Apanage zu be- willigen, nämlich 100 000 Kronen. Da es sich hier jedoch um einen sozialdemokratischen Antrag gehandelt hatte, die Zivilliste von 750 000 Kronen auf jene Summe herabzusetzen, und nicht etwa um eine neue Bewilligung, erschien der Mehrheit des Parteitages auch in diesem Punkt das Verhalten der Fraktion nicht tadeluL- wert. Dagegen wurde es scharf mißbilligt, daß einzelne Storthings- männer an Hoffe st lichkeiten im königlichen Schlosse teilgenommen hatten. Auf Vorschlag des Genossen L i bc- schloß die Landesversammlung, daß kein Mitglied der Partei an Hoffe st lichkeiten teilnehmen soll; 16 Delegierte stimmten dagegen. Es kamen sodann einige Aende- rungsvorschläge zum Organisationsstatut der Partei zur Beratung. die jedoch nicht von einschneidender Bedeutung sind. Der wichtigste Punkt der Verhandlungen war die Stellungnahme z ü den bevor st ehe» den Storthingswahlen. Zur Wahl- taktik wurde ein Beschluß gefaßt, der in seinen wichtigsten Sätzen besagt, daß in sämtlichen Wahlkreisen, wo die Partei eine Organisation besitzt. Kandidaten aufgestellt werden sollen, und daß Wahlallianzen mit anderen Parteien weder direkt noch durch still- schweigendes Uebcreinkommen stattfinden dürfen, was sowohl für die Hauptwahlen wie für die Stichwahlen gilt. Ferner wurde ein Wahlprogramm der Partei beschlossen, das mit den Worten beginnt:„Bei allen Wahlen erkennt die norwegische Arbeiterpartei nur solche Kandidaten an, die mit dem ganzen prinzipiellen Pro- gramm der Partei einverstanden sind,"— und dann als die nächst- liegenden Aufgaben der Gesetzgebung unter anderen folgende Forderungen enthält, die bei der Wahlagitation besonders hervor- gehoben werden sollen: Allgemeines Wahlrecht für die Frauen in Staat und Kommune. Aufhebung der Wohnungsklausel für die Abgeordneten. Volksabstimmung bei wichtigen Gesetzen. Ver- legung der Wahlen auf einen arbeitsfreien Tag. Entwicklung der Volksschule zu einer gemeinsamen Schule für alle Kinder. Freie Jugend-, Fach- und Mittelschulen, aufgebaut auf den obersten komisch gegeben und wirkt in feiner Derbheit auf die Lachmuskel«. Der Erfolg entsprach dem— und es erfreut um so mehr, als cr ehrlich errungen wurde. Freilich hat hieran auch die gute Dar- stcllung ihren großen Anteil. Friedrich Holthaus verlieh dem Pferdehändler Seifert äußerlich alle Verschmitztheit und Dumm- dreistigkeit, die auf ein komisches Ende hinausläuft. Franz Cornelius stellte einen charakteristischen Genieindcvorstehcr, Franz Arnold gleicherweise einen Auszügler hin. Ein herz- erfrischendes Mielchen gab Elfriede H e i s l e r. Ihr Partner, Heinz Sarnow, war ein tvurzelstämnnger Bauer, dem der trotzige Sinn wohl anstand. Die Inszenierung zeugte von gutem Verständnis. Es hätte einer sich im ersten Akt aufdringlich be- merkbar machenden Claque gar nicht bedurft; die heitere Stimmung brach sich dank dem drastischen Humor, der die einzelnen Situationen belebt, ganz von selber durch. Der Dichter mußte immer wieder vor der Rampe erscheinen. sc. Humor und Satire. ZweiDiplome. Der vom Zentrum als Reichstagskandidal aufgestellte Herzog Engelbert von Arenberg, der in Brüssel lebt, hat einen dortigen Butter- und Käsehändler zu seinem Lieferanten ernannt und ihm darüber ein feierliches, in der Sprache der Souveräne abgefaßtes Ernennungsdekret ausfertigen lassen.— Dies ist auch sonst Brauch, wie folgende Dokumente beweisen: 1. Wir Mathias von Gottes Gnaden Erzberger, Redakteur und Schriftsteller. Mitglied des Deutschen Reichstags, Bürger in Wilmersdorf, Mieter i» der Pariser Straße. Steuerzahler, Mit- glied der Zentrumsfraktion, Urwähler, ehemaliger Gymnasiast, Zeitgenosse, Eisenbahnreisender erster Klasse, Inhaber der Steuer- veranlagt 1909/10. tun kund und zu wissen, daß Wir den Schuh- machermeister August Wilhelm Schulze in Groß-Berlin zu Aller- höchst Unserem Hofschuhwarenlieferanten ernannt haben. Es ist dies in dem Vertrauen geschehen, daß der p. Schulze sich Aller- höchst Unfern Hühneraugen, insbesondere dem auf Unserer linken kleinen Zehe, allzeit treu und willfährig zeigen werde. Vollzogen am 1. April im Jahre 31 seit Unserer Geburt. 2. Wir Aujust Lüsecke aus die Mulacksjasse, von Jottes Juaden Restaurateur. Destilleninhaber und Weitzbierausschank mit franzö- sischem Billard, Ehemann erste» und Landwehrmann zweeten Uf- jebots, Mitjlied der Schützenjilde, des Kejelklubs Ratzenschieber und des Jesangvereins zur Heiserkeit haben dem Barbier und Hühneroogenschneider Fritze Seifenschaum, ooch wird jepedikurt, zu unserem Hoffri- und Rascur jemacht. Es ist dieses in dem Aller- höchsten Zutrauen jeschehen, det er jeden Abend bei mir seine Weiße mit Himbeer trinkt, denn sonst kann er Uns Unfern Puckel runterrutschen, der faule Kopp der. Eegenhändig unterkreizt. !k„Jugend".) Notizen. *■— D i e Jffland-Aus st eilung im LcssinghauS- Museum wird auch Sonntag, den 18. und Montag, den 19. April. von 10— 12 Uhr vormittags unentgeltlich geöffnet sein. Nach diesem Tage gehen die aus fremdem Besitz stamrnxuden Gegenstände ipieder on die Darleiher zgrüä,"' Klassen der Volksschule. Weitere Ausdehnung deZ Schulunterrichts und Gleichstellung der ländlichen mit den städtisck)en Schule». Ver- besserung der Lage der Lehrer. Direkte Wahl der Schulleitung durch die Stimmberechtigten der Kommune. Ersatz der Zölle und indirekten Steuern durch Einkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuern nach st eigen der Skala. Gesetzlicher Schutz des Koalitionsrechts. Wirksame Hilfs- mittel gegen die Arbeitslosigkeit. Gesetzliche Einführung des acht- stündigen Arbeitstages. Allgemeine Volkspensionen und Ucber- nahine der Krankenpflege auf die Steuerzahlung. Abschaffung deS Militarismus und Errichtung von internationalen Neutralitäts- und Schiedsgerichtsverträgcn. Recht der Kommunen, auf dem Wege der Zwangsentäußerung Grund und Boden zu erwerben, namentlich bei solchen Grundstücken, die außerhalb der Kommune wohnenden Leuten oder Gesellschaften gehören.sowie bei solchen, deren Anbau und Kultur so vernachlässigt wird, daß der Allgemein- heit mit dieser Bewirtschaftung nicht gedient sein kann.— Hieran schließen sich noch einige andere Forderungen, die eine zweckmäßige Verteilung und Bewirtschaftung des Grund und Bodens zum Ziele haben, und dann folgen einige Forderungen über die Besteuerung und den Handel mit AlkoholgetränkenXlvie die, daß dieser Handel in Stadt- und Landkommunen von kommunaler Konzession ab- hängig gemacht wird usw. Uebrigens fand über die Alkoholfrage eine lebhafte Debatte statt. Es war ein Antrag gestellt, wonach die Partei sich für allmählige Einführung eines totalen Ver- botes des Handels mit alkoholischen Getränken erklären sollte. Der Antrag wurde jedoch mit 147 gegen 103 Stimmen abgelehnt. Ein anderer Antrag auf Einführung des Branntweinmonopols wurde ebenfalls verworfen. Ferner wurde lebhaft über die Stellung zum M i l i t a- r i s m u s diskutiert. Es lag ein Antrag vor, es solle dahin gewirkt werden, daß zwischen den Arbeiterorganisationen der verschiedenen Länder ein Uebereinkommen abgeschlossen wird, wonach die Völker die Beteiligung an einem Krieg v e r w e i g e r n, es sei denn, daß das eigene Land vergeblich schieds- gerichtliche Entscheidung angeboten habe. Der Antrag wurde ab- gelehnt. Der Parteitag beschloß jedoch, die Frage selbst dem über zwei Jahre stattfindenden skandinavischen Arbeiterkongreß zu überweisen. Angenommen wurde sodann folgender Vorschlag: „Die Landesversammlung beaustragt den Parteivorstand, auf ein Uebereinkommen zwischen den Arbeiterorganisationen der drei skandinavischen Länder hinzuwirken, daS zum Ziele hat, eine gemeinsame Aktion herbeizuführen, in der Form einer allgemeinen Arbeitsniederlegung für den Fall, daß Streitigkeiten zwischen diesen Ländern nicht durch Schieds- sprach geregelt werden und man versuchen sollte, sie durch die be- Ivaffnete Macht zu entscheiden." In das allgemeine Parteiprogramm wurde der Sah eingefügt: „Abschaffung der auf Ausbeutung berechneten Heimarbeit."— Schließlich fanden die Wahlen zum Parteivorstand und den übrigen Vertrauensämtern statt. Der bisherige Parteivorsitzende Oskar Nissen, sowie der Vizepräsident Chr. H. Knudsen und der Parteisekretär Magnus Nilssen wurden einstimmig wiedergewählt. Als„Socialdemokratens" Redakteur wurde Genosse C. Jeppesen wieder ernannt und als Vertreter im Jnternatio- nalen Bureau wurden die Genossen Magnus Nilssen und E i n a r Li gewählt. Siebtnitt Nefbimdstog des Ztickalverbandes der SttMilttlire usw. Kassel, den 16. April« Fünfter Verhandlnngstag. In der Vormittagssitzung wurde zunächst die Debatte über den Punkt: Lohnbewegungen und Streiks zu Ende geführt. Diskutiert wird hauptsächlich über das Eingreifen deS Hauptvorstandes bei den Lohnkämpfen in Hamburg, Köln, Tortmund u. a. O., der Tarifabschlutz. in Nürnberg, die Differenzen zwischen Kaiserslautern und Colmar und die Auslösungsfrage. Es sprachen insgesamt 23 Redner zu diesem Punkte. Angenommen wird folgender Antrag des Hauptvor- standcs, die Unterstützung bei Maßregelung und Haft betreffend: „Werden Mitglieder infolge ihrer Tätigkeit für den Ver- band aus der Arbeit entlassen(Maßregelung) oder geraten Mitglieder infolge dieser Tätigkeit in Haft, so können sie aus Mitteln der Hauptkasse unterstützt werden. Die Entscheidung hierüber untersteht dem Hauptvorstand, wenn ihm diesbezügliche Anträge seitens der Filiale unterbreitet werden. Die Unterstützung regelt sich nach Maßgabe der Be- stimmungen des§ 4 des Statuts. Bei Haftfällen erhalten Lcdige die Hälfte der Unterstützung." Abgelehnt wird der Antrag Bochum, die Streikunter- stützung aus der Hauptkasse vom zweiten Tage an(einschließlich der Sonntage) zu zahlen: desgleichen der Antrag Düsseldorf, im § 7 des Statuts den Satz zu streichen: Tie Durchführung von Sperren ist Sache der Filialen. Dem Vorstand werden zur Berücksichtigung folgende Anträge überwiesen: Hanke u. Gen.: Ter Verbandstag beauftragt den Zentral- vorstand, ein Regulativ für alle Funktionäre auszuarbeiten. Langer u. Gen.: Die Gaue sind kartographisch abzu- grenzen, damit die Auslösungsfrage besser zu regeln ist. Nächster Punkt der Tagesordnung ist: Statutenberatung. Angenommen werden hierbei folgende Anträge: K a t t o w i tz: Ersatz-Mitgliedsbücher werden nur vom Hauptvorstand ausgestellt.> Kiel. Die Rciseunterstützung beträgt für das Bahnkilometer 2 Pf.' D a n z i g: Im§ 11: Sterbeunterstützung ist zu streichen: deren Ernährer der Verstorbene war. Auf Antrag der süddeutschen Delegierten wurde noch be- schlössen, daß der Hauptvorstand ermöglicht wird, in verschiedenen Städten des Südens Beweiserhebungen zu veranstalte» und Material zu sammeln, um die Arbeitsverhältnisse zwischen Stukka- teuren und Gipsern, sowie Malern und Tünchern festzustellen, damit in absehbarer Zeit auch ein Kartellvertrag mit den Nialern und Tünchern zustande kommt. Ter Hauptvor st and wurde einstimmig wiedergewählt. Sitz des Verbandes bleibt Hamburg, des Ausschusses Berlin. Der nächste Perbandstag findet in Hamburg statt. 19. Verbaiidstlig des Aeutrallierbaudes der bllligtwttbllchen Hilfsarbeiter Dentschiands. Köln. 16. April 1900. Fünfter BerhandlungStag. Die Sitzung beginnt mit Beratung des S. Punktes der Tages. ordnung: Lohnbewegungen und Streiks. Behrendt- Hamburg hält das einleitende Referat. Der Redner empfiehlt die Annahme der folgenden Leitsätze: „Der zehnte Verbandstag des Zentralverbandes der bau- gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands zu Köln a. Rh. erneuert die Stellung des Verbandes zu den Tarifverträgen, wie sie der Verbandstag in Berlin im Jahre 1903 beschlossen. In Rücksicht auf die neuere Entwicklung und für die weitere Tätigkeit deS Verbandes auf diesem Gebiete werden folgende Leitsätze fiyfge» stellt:. �••- 1. Bei eventuellen zukünftigen Verhandlungen zum Zweck der Vereinbarung eines Vertragsmusters als Grundlage snr die Ab- schließung von Tarifverträgen ist dahin zu wirken, daß a) durch das Vertragsmuster möglichst alle Fragen des Arbeits- Verhältnisses, mit Ausnahme des normalen Stundenlohnes, der normalen Arbeitszeit und der Akkordarbeit, zentral ge- regelt werden; b) Bestimmungen, die mit der Regelung des Arbeitsverhält- nisses nichts zu tun haben, in das Vertragsmuster nicht auf- genommen werden; c) die Festsetzung des Stundenlohnes, der täglichen Arbeitszeit und ob Akkordarbeit zulässig sein soll oder nicht, den ort- lichen Organisationen vorzubehalten bleibt, und d) Tarifverträge nur abzuschließen sind für einzelne Orte oder für mehrere Orte, die gemeinsam ein wirtschaftliches Jnter- essengebiet darstellen. 2. Die Aufstellung von Forderungen ist Sache der Zweigvereine resp. der Sektionen für die Spezialbranchen; die hierzu erforder- lichen Versammlungen sind den Mitgliedern frühzeitig unter Angabe der Tagesordnung bekanntzugeben. Die Zweigvereins- resp. Sektionsvorstände haben zur Auf- stellung von Forderungen eine Vorlage auszuarbeiten und der Versammlung zu unterbreiten. Kommen für einen Tarifvertrag mehrere Zweigvereine resp. Sektionen oder mehrere Organisationen in Betracht, dann haben sich diese über die Forderungen zu verständigen. Die Art der Verständigung ist von Fall zu Fall zu vereinbaren. 3. Lokale Tarifverhandlungen, d. h. Verhandlungen für ein- zelne Lohngebiete, sind, wenn nichts anderes bestimmt wurde, von den Vorständen der Zweigvereine resp. Sektionen zu führen. Uebxr den Verlauf der Verhandlungen ist den Mitgliedern in Mitgliederversammlungen Bericht zu erstatten; in den Ver- sammlungen ist auch über das Verhandlungsergebnis zu ent- scheiden. 4. Sind Verhandlungen zu führen für ein Gebiet, das sich über mehrere Zweigvercine resp. Sektionen erstreckt, dann haben diese eine Verhandlungskommission einzusetzen, über deren Stärke von Fall zu Fall Vereinbarungen zu treffen sind. Auch in solchen Fällen ist den Mitgliedern in Mitglieder- Versammlungen über die Verhandlungen Bericht zu geben. Das Entscheidungsrecht steht ebenfalls den Mitgliedern zu. Abstimmungen sind in allen in Frage kommenden örtlichen Organisationen möglichst an ein und demselben Tage vorzu- nehmen. Alle abgegebenen Stimmen werden zusammengezählt; einfache Stimmenmehrheit entscheidet. Es ist aber auch gestattet, zu vereinbaren, daß die endgültige Entscheidung einer Konferenz der Zweigvereine übertragen wird. S. Die zentrale Leitung der Lohnbewegung und die Führung zentraler Verhandlungen ist Aufgabe des Verbandsvorstandes und der Gauvorsitzenden; beide gemeinsam können aus ihrer Mitte einen Aktionsausschuß einsetzen. Der Verbandsvorstand und die Gauvorsitzenden(für ihre Ge- biete) sind berechtigt, an allen lokalen Verhandlungen und auch an den Verhandlungen für Vertragsbezirke teilzunehmen. 6. Die Entscheidung über das Ergebnis der zentralen Tarif- Verhandlungen im Jahre 1910 steht einem Verbandstage zu, den der Verbandsvorstand rechtzeitig einzuberufen hat. 7. Die Bestimmungen des Streitreglements werden durch diese Leitsätze nicht berührt." Eingegangen dazu ist noch folgender Antrag: „Bei Tarifabschlüffen mit dem Arbeitgcberbunde sind auch Delegierte der örtlichen Lohnkommissionen mit hinzuzuziehen." Nachdem 32 Redner, u. a. auch Bömelburg für die Maurer, zu diesem Punkte gesprochen haben, wird die Debatte durch Schluß- antrag beendet. Behrendt weist in seinem Schlußwort die gegen den Vor- stand erhobenen Vorwürfe zurück. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des Antrages, der die Zuziehung der Ortsoelegierten will und die einstimmige Annahme der Vorstandssatzungen. Damit wird die Verhandlung auf Sonnabend früh vertagt« Eue Induftrle und Kandel. Der Jnuker Lust, der anderen Leid. Die Handelskammer zu Berlin versendet den zweiten Teil ihres Jahresberichtes für 1903. Er enthält nach einer kurzen auf wirt- schaftsstatistische Zahlen gestützten Einleitung als Hanptteil die Be- richte über die einzelnen in Berlin sich betätigenden Geschäftszweige, deren Steigerung bei der wirtschaftlichen Bedeutung Berlins zu- gleich Anhaltspunkte für den Geschäftsgang in ganz Deutschland bietet. Einleitend wird darauf hingewiesen, daß für die Agrarier Hoch« konjnnktnr war. von der Krise nur die Industrie betroffen wurde: „Die Reichhaltigkeit der Ernte in Verbindung mit der Tatsache, daß die Preise, wenn sie auch nicht für alle Artikel auf der außer- geioohnlichen Höhe des Jahres 1907 verharrten, doch fast durchweg fest blieben, sicherte dem Gewerbe der Landwirtschaft eine Renta- bilität, die in starkem Gegensatz zu de» mangelhaften Erträgnissen des Handels und der Industrie stand. Wir lassen die vom kaiserlich Statistischen Amt berechneten Durchschnittspreise(für Berlin, soweit nichts anderes angegeben) hier folgen: 1908 1907 1906 Mark für 1000 kcxr Roggen............ 186,5 198,2 160,6 Weizen............ 211,2 206,3 179,0 Haser............. 163,7 181,4 160,3 Brenn-Kartoffeln......... 32,6 29,0 20,4 Speise-Kartoffeln......... 54 53,1 34,6 Mark für 100 Lit. reinen Alkohol Kartoffel-Spiritus, mit Faß(Hamburg). 33,7 23.2 21.6 Mark für 100 Ka Rohzucker(Magdeburg)....... 20,5 16,8 16,7 Ochse». Schlachtgewicht....... 139 146,6 147,7 Schweine. Lebendgewicht mit 20% Tara 116,3 110,3 133,8 Butter, I. Sorte......... 246,1 234,6 239,3 Butter. II. Sorte......... 237,2 224,5 230,9 Während für Handel, Gewerbe, Industrie und vornehmlich für die Arbeiterschaft die EcwerbSverhältnisse sich verschlechterten, war man in erhöhtem Maße den Agrariern tributpflichtig. Neugründmigtn der„Franks. Ztg." Kapitalserhöhungen Gegenüber dem März 190L ergibt sich eine Zunahme um 38,89 Millionen Mark, gegenüber 1906 eine solche um 14,66 Millionen Mark. Die Summe des März 1907 ist freilich noch nicht wieder erreicht. Insgesamt ergibt sich aber für das erste Quartal dieses Jahres doch schon als Detrag deS neu investierten Kapitals eine Summe von 297,73 Millionen Mark gegen 250,01 Millionen Mark im ersten Quartal 1908. Der Abschluß der Allgemeine» Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft für das Geschäftsjahr 1908 bestätigt, daß die Tarifänderung in der ersten Hälfte des Jahres ein böser Mißgriff war. Die Einnahmen betrugen 8 403 684,28 M.(gegen das Vorjahr weniger 701 132,43 M.); die Ausgaben exkl. Abschreibungen 8 369 826,48 M.(gegen das Vorjahr mehr 262 667,58 M.); der Bruttoüberschuß 38 857,30 M.(gegen das Vorjahr weniger 963 800,01 M.). Die Fahrgeldeinnahmen im Pserdebetricbe betrugen 710493,83 M. weniger als 1907, im Auto- betriebe 181 132,88 M. mehr als 1907. Die Zahl der insgesamt beförderten Personen betrug 113 845 633 gegen 133 344 976 im Vor- Sssitz] oder f 2 805 815 3 620 1 830 594 3 462 23,4 1252 4 714 53,6 30,2 4058715 121,7 6 858 121 860 133,7 jähre, also rund 20 Millionen Personen weniger. Nach den Vor- schlagen des Vorstandes und AnfsichtSrats sollen die Abschreibungen insgesamt die Ziffer von 1 954 140.05 M. betragen, woraus ein Verlust von 1 915 282,25 M. resultiert, welcher ans dem gesetzlichen Reservefonds abzudecken ist, wodurch dieser auf 2 580 003,53 M. herabgemindert wird. Eiitwickclniig der amerikaulsche» Elektrizitätswerke. Nach den Veröffentlichungen deZ ZensnSamtes ergeben sich folgende Ver- ändcrungen: 1907 Zunahme 1JÜJ_ 1W/ in Proz. Zahl der Werke im Besitz von Gesellschaften oder Privaten Zahl der städtischen Werke Gesamtzahl der Werke Leistung der Antriebs Maschinen in Pferde kräste»...... I Abgegebene elektr Arbeit> 2507 051 115 tu Kilowattstundeu.. 1 Gesamtanlagekosten der) 21 199 094 284 41857 772124 97.» Werke m Mark...) Gehälter und Löhne> 867 161 004 1 487 653 608 71,5 tu wiaxl..... j Die Vermehrung der Werke fällt hauptsächlich auf die städtischen Neueinrichtungen, während sich die bestehenden privaten Werte natür- lich stark vergrößerten. Der Antrieb erfolgt der Hauptsache nach noch immer mit Dampfmaschinen, doch hat sich in den letzten fünf Jahren die Benutzung von Wasserkraftmaschinen mehr als verdoppelt und trägt jetzt bereits die Hälfte des Antriebes. Bemerkenswert ist noch, daß weit über eine halbe Million Bogenlampen und fast 42 Millionen Glühlampen an die Werke angeschlossen find. Die Leistung der angeschlossenen Elektromotoren beträgt über anderthalb Millionen Pserdekräste._ Soziales* An die Vorstände der Krankenkassen sowie deren Vereinigungen im Deutschen Reiche! Auf Beschluß des letzten Krankenkassen-Kongresses berufen die Unterzeichneten hiermit den fnlifte» allgemeinen Kouarest der Krankenkassen Deutschlands zum 17., 18. und 19. SRai 1909, vormittags 10 Uhr, nach Berlin, tu Happoldts Brauerei. Hasenheide 32— 38 ein. Tagesordnung: Die Borlage zur Reichsversicherungs- ordnung.(Die Referenten werden später noch bekannt ge- geben.) Zu diesem Kongreß werden alle Orts-, Betriebs-. Jnnungs-, Knappschafts- und freien Hilfs- kranken lassen Deutschlands hierdurch eingeladen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Krankenkassen- Vorstände die Notwendigkeit des Kongresses einsehen werden, da es gilt, der Negierung unsere Wünsche hierzu gemeinsam zu erkennen zu geben. Wir ersuchen daher alle Vorstände genannter Kranken- lassen, unverzüglich Stellung zu nehmen, Delegierte zn wählen und den Kongreß zu beschicken. Wo mehrere Kassen an einem Orte sind, können diese auch gemeinsam zu der Beschickung des Kongresses Stellung nehmen. Die Kosten für die Beschickung trägt jede Kasse resp. Kassenvereinigung selbst. Der Kongreßbeitrag beträgt für jeden Teilnehmer 5 M. Dieser Beitrag ist vorher mit der Anmeldung zum Kongreß nur an die unterzeichnete Zentrale, Berlin. Enaelufcr 15, an E. Simanowski einzusenden, wonach jeder Gemeldete die Kongreßmitgliedskarte zugesandt erhält. Es ist daher not- wendig, daß jeder Delegierte seine genaue Adresse angibt, da- mit ihm die Karte auch zugestellt werden kann. Anträge für den Kongreß, welche die Tagesordnung betreffen, sowie sonstiges geeignetes Material ist spätestens bis zum 10. Mai d. I. an die unterzeichnete Zentrale ein- zusenden. Jeder Delegierte muß als Ausweis eine Mitgliedskarte oder ein von seinem Krankenkassen-Vorstand oder von seiner Kassenvereinigung ausgestelltes Mandat haben, in welchem die nachstehend aufgeführten Angaben gemacht sind. Auf der Anmeldung resp. Mandat ist die zu vertretende Krankenkasse sowie der Mitgliederbestand vom 1. April 1909 genau anzugeben. Ebenso ist anzugeben, ob der Vertreter Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder Kassenbeamtor ist. Die Vc- Zeichnung„Vorsitzender" oder„Vorstandsmitglied" genügt nicht. Das Kongreßbureau wird am Sonntag, den 16. Mai, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 6 Uhr, in den Fest- sälen im Grand- Hotel am Alexanderplatz(Eingang vom Alexanderplatz) geöffnet sein. Es können dort unter Vorzeigung der Mitgliedskarte die Kongreßabzeichen und evcnt. Drucksachen in Empfang genommen werden. Die Zentrale für das deutsche Krankeukassenweseu. E. Simanowski. Der Zentralverband von OrtSkrankcnkasscn im Deutschen Reiche. I. Fräßdorf. Dresden. Der Verband der freien Hilfskrankenkassen. G. B l u»t e. Hamburg. Die Aerztcschaft mobilisiert! AlS Bülow einst Ausnahmegesetze gegen die„sozialdemokra- tischen Kassenleitungen" in Aussicht stellte, jubelten ihm die Kol- legen des Dr. Mugdan stürmisch zu. Immer kühner wurden die organisierten Aerzte, bis endlich auch die Großindustriellen an die Reihe kamen und ihre Herrschaft in ihren Betrieskrankcnkasscn gefährdet sahen. Da wendete sich das Blatt. Reichskonfcrcnzcn im Ministerium. Erklärungen deS Ministers gegen die organisierte Aerztcschaft und nun gar noch die famose Novelle, genannt:„Reichsversicherungs- ordnung", künden der Dinge Wendung. Die Wut der„Honorigen" kennt jetzt keine Grenzen mehr. Ein Leitartikel der„Aerztlichen Mitteilungen" vom 9. April 1909 ist überschrieben:„Das Ausnahme- gcsetz gegen die deutsche Aerzteschost".... Viel Worte und viel Uebcrtreibungen.„Der Bundesrat hat sein sozialpolitisches Osterei gelegt", heißt es zu Anfang des erwähnten Kampfrufes. Dann weiter:„Alles in allem ein Gesetzentwurf durchaus nach dem Herzen der im Bctriebskrankenkasscnvcrband organisierten Großindustrie." „Man erkennt jetzt deutlich, daß die ersten Informationsreisen der Staatssekretäre im ReichSamt des Innern nach Rheinland-Wcst- falcn und Oberschlesien für die Gestaltung der Versicherungsrcform die eigentlich entscheidenden Impulse gebracht haben und daß die Einladung der diversen anderen Jntcressenvertretcr zu den Konferenzen deS vorigen Jahres weiter nichts gls eine bedeutungslose Formalität gewesen ist." Ter Kampfartikel fühft dann die einzelnen Paragraphen deS Entwurfes auf, welche sich mit der Aerztefrage näher befassen, so zum Beispiel 8 435, 439, 440, 441, 442 bis 453. und sagt dann:„das ist die Osterbescherung des„sozialpolitischen" RcichSamteS für die deutschen Aerzte. Es bedarf keiner umständlichen Auseinander- setzung, daß dieser Entwurf die ärgsten Befürchtungen der Pessi- misten lisch hinter sich läßt. Herr Zt. Kg) dach und die Seinen inSgcn sich bii Hände reiben: sie Ijabcn alles erreicht, waS zu er- reichen nur dcntbar>tmr. Gegen die Selbstverwaltung der Versicherten und gegen das S c l b st b e st i in- mungsrccht der deutschen Acrzte wird zum Der-- nichtenden Schlage ausgeljol t." Ter Schlag gegen das Selbstverwaltungsrecht der Versicherten habe für die Aerzte die „indirekte Bedeutung, daß, wird dieser Snttvurf Gesetz, der Betriebskassenverband der Herr im Hause der deutschen Krankenversicherung sein wird, und es gibt sich wohl kein Arzt, er inag politisch stehen auf welcher Seite er will, einer Illusion darüber hin, was das für uns bedeutet.. Vor Tische las man's anders. Da war das Selbstverwaltungs- recht der Versicherten das einzige Hemmnis für die Knebelungs- bcstrebungen der Aerzte. Schwer liegt den Acrzten das verheißene „obligatorische Schiedsgericht" im Magen. Weiter wütet man gegen den„ausdrücklichen Schutz von Streikbrechern und ähnlichen Persönlichkeiten durch Ausschaltung der Ehrengerichte für die Unterwerfung unter schiedsgerichtliche Entscheidungen". Man hatte also von den Aerzten damals die Zusage, daß sie sich prinzipiell für Schiedsgerichte aussprachen, daß sie aber sich dem Schieds- spruche nicht fügen wollen. Deshalb ist der Entwurf„eine Ausnahmegesetzgebung reinster Observanz gegen die Organisation der deutschen Aerzteschast". Wäre der Entwurf nur gegen das Selbst- terwaltungsrecht der Krankenkassen gerichtet und hätte er die Aerzteschast mit noch mehr Machtmitteln ausgestattet, so wäre sicher alles gut und schön. Es wird die ganze Aerzteschast zum„einmütigsten und cnt- fchlossenstcn Widerstände gegen diesen Gesetzentwurf" aufgefordert. Ein außerordentlicher Aerztetag soll einberufen werden. Hin- sichtlich der„Taktik" des Widerstandes gegen diesen Entwurf gebe es nur zwei Möglichkeiten. Entweder„wir erachten in dem Augen- blicke, wo eine Reichstagskommission das obligatorische Schieds- gcrichtÄierfahren im Sinne des Regierungscntwurfcs annimmt, den Tatbestand für gegeben, der für uns die Anwendung des „letzten Mittels" rechtfertigt, oder wir begnügen uns gegen- über dem Gesetzgeber mit Protest- und Einwirkungsversuchen". ES wird auch in Shussicht gestellt, daß man ja„den rechtsverbindlichen Schiedsspruch seinem beschaulichen Dasein auf dem Papier über- lasten" könne und nur in„lebensbedrohenden Notfällen" behandeln werde. Das wäre also das„letzte Mittel", zu welchem die Aerzte schon oft gegriffen haben. Schließlich ruft der Artikelschreiber aus, daß jeder der beiden Wege:„das Ende der deutschen Krankenvcrsichcrung bcdeutet..."„Hier sieht man ihre Trümmer rauchen, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.»." „Wenn der Purpur fällt, muß auch der Herzog nach.* 1800 M. JahrcSgehalt und 15 000 M. Konventionalstrafe! Am Sonnabend klagte vor der Kammer 8 des Gewerbegerichts der Diplom-Jngenieur Melzer gegen die Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Aktiengesellschaft. Der Kläger war seit dem 11. Februar vorigen Jahres bei der Beklagten gegen ein Monatsgehalt von 150 M. tätig. Es war seine erste Stellung nach Verlosten der Hoch- schule. Im schriftlich abgemachten Vertrage hatte sich die Beklagte ausbedungen, daß der Kläger, falls er seine Dienste bei der Be- klagten aufgibt, innerhalb der folgenden drei Jahre nicht bei einem Konkurrenzunternehmen eintreten dürfe, andernfalls er eine Konventionalstrafe von 15 000 M. verwirkt habe. Der Kläger gab am 1. Dezember v. I. seine Dienste bei der Beklagten auf. Seme Bemühungen, anderweitige Stellung zu erhalten, waren erfolglos. De» diesbezüglichen Beweis führte Kläger, indem er dem Gericht zahlreiche Korrespondenzen, Inserate und dergleichen vorlegte. Nur bei einer Firma, mit der Kläger in Unterhandlungen stand, boten sich Engagementsaussichtcn. Doch dürfte Kläger auf diese Stellung nicht reflektieren, Ivenn er nicht die ungewöhnlich hohe und zu dem Gehalt in keinem Verhältnis stehende Kon- ventionalstrafe verwirken wollte, denn diese Firma war ein Konkurrenzunternehmen der Beklagten. Da sich die Beklagte durch den Vertrag verpflichtet hatte, dem Kläger, falls es diesem infolge der Konkurrenzklausel nicht gelingen sollte, ander- weitige Stellung zu erhalten, für die Zeit der Stellungslosigkeit bis zum Ablauf der Vertragspflicht das Gehalt fortzuzahlen, fordert nun der Kläger 600 M. Gehalt für die verstrichenen vier Monate, sich weitere Ansprüche vorbehaltend. Das Gericht verurteilte selbstverständlich die Beklagte dem Klageantrage ent- sprechend._ Gerichts-Zeitung» Der beleidigte Polizeileutnant. Wegen Beleidigung eines Polizeileutnants durch eine Bc- schwerdeschrift an das Polizeipräsidium in Charlottenburg mußte sich gestern der frühere Gastwirt Leopold Schulz vor der Straf- kammer des Landgerichts III verantworten.— Der Angeklagte war Inhaber eines in Charlottenburg gelegenen Lokals. Während er lange Jahre hindurch bei der Ausübung seines Gastwirts- gewerbes niemals mit der Polizei in Berührung gekommen war, »vurden ihni hier plötzlich von dem zuständigen Polizeirevier alle möglichen Schwierigkeiten gemacht. Als er sich deshalb an den Reviervorstand wandte, soll ihm dieser mit einer wegwerfenden Handbeivegung gesagt haben:„Wenn ich das Wort Gastwirt höre, habe ich schon die Nase voll!" Der Angeklagte strengte gegen den Polizeileutnant die Beleidigungsklage an, lvurde aber auf den Weg der Privatklage verwiesen. Als dann später wegen der Aufstellung eines Vorgartens allerlei Reibungen entstanden, richtete Schulz an das Polizeipräsidium eine Beschwerde, in welcher er allerlei Anschuldigungen gegen den Leutnant erhob. Er be- bauptete unter anderem, der Polizeileutnant habe in einer anderen Sache vor Gericht eine falsche Aussage gemacht, er habe ferner einen Schutzmann zur Erstattung einer falschen Anzeige zu verleiten gesucht. Diese Beschwerde führte zur Erhebung einer Anklage wegen Beleidigung gegen Schulz, der aber vom Schöffengericht Charlottenburg freigesprochen wurde, da es ihm gelang, den Nachlveis zu führen, daß er jene Punkte in der B e s ch w e r d e s ch r i f t nicht mit völligem Unrecht vorgebracht hatte. Ter Zeuge Restaurateur Bahn bekundete, daß ihm mitgeteilt, worden sei, der Polizeileutnant habe vor Gericht bekundet, daß er(Bahn) schon zweimal vorbestraft sei. Er habe sich sofort bei dem Polizeipräsi- denken beschwert, worauf er ein entschuldigendes Schreiben erhalten habe, in welchem es hieß, daß die Aussage des Polizeileutnants H. auf„ein bedauerliches Miß- Verständnis" zurückzuführen sei. Gegen den Polizei- leutnant war übrigens auf die Anzeige deS Angeklagten ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet ivorden, welches jedoch wieder eingestellt wurde.— In dem zweiten Falle handelte es sich um die angebliche Verleitung zur Erstattung einer falschen Anzeige. Ein Restaurateur hatte Efeukästen aufgestellt, die von den Polizei- beamtcn stets als ordnungsgemäß befunden worden waren. Der Polizeileutnant, der, wie behauptet wurde, mit dem b e- treffenden Restaurateur in Differenzen ge- raten war. hatte. dann einem Schutzmann eine Anzeige diktiert. Das Schöffengericht erkannte jedoch gegen den Restaurateur auf Freisprechung.— Das Schöffengericht billigte dem Angeklagten Schulz den Schutz des§ 10,1 zu und erkannte, da aus der Form und den Umständen die Absicht einer Beleidigung nicht erkennbar war, auf Freisprechung. Hiergegen legte die Amtsanwaltschast Berufung ein. Die Strafkammer schloß sich jedoch der Ansicht des Schöffengerichts an und erkannte wiederum auf Freisprechung. „Pension Lcubus". Das Landgericht I hatte am 11. November Karl Schnei dt von der„Zeit am Montag" wegen Beleidigung der an der Proviuzialirrenanstalt Leubus tätigen Aerzte zu 6 Wochen Ge- fängnis verurteilt. Das Reichsgericht hat nunmehr die gegen das Urteil eingelegte Revision verworfen. Der verkamite Messerstecher. In der Zeit, zu der sich die Be< völkerung Berlins unter dem Druck der Messerattentate befand, fällt ein Vorgang, der gestern die 7. Strafkannner des Landgerichts III beschäftigte. Am 18. Februar klingelte es nachmittags an der Woh- nung des Fräulein Schultz. Fräulein Sch., die damals wegen der fortgesetzten Messerstechereien in Furcht und Angst schwebte, öffnete nicht, sondern fragte durch die Tür, wer draußen sei. Eine männliche Stimme ließ sich darauf vernehmen.„Ich bin Schultz aus Stendal!" rief der draußen Stehende,„ich möchte gern eine Tasse Kaffee haben. Machen Sie auf! Vor mir braucht keiner Bange zu haben. Alle Leute fürchten sich vor mir. Wenn Sie nicht aufmachen, dann renne ich Ihnen das Messer in den Leib." Als Frl. Sch. hörte, wie der Frenide auch noch am Schloß herumhantierte, schrie sie laut um Hilfe. Nachbarn eilten hinzu und bald erschien auch die Polizei, die den Fremden, einen Bettler, festnahm. Vor Gericht gab der Angeklagte an, er habe keine Arbeit gehabt und sei dem Verhungern nahe gewesen. Der Staatsanwalt beantragte wegen versuchter Erpressung einen Monat Gefängnis. Das Gericht erkannte auf vier Wochen Haft, indem es Betteln unter Drohungen annahm. Außerdem wurde gegen den Angeklagten die Ueberweisung an die Landespolizeibehörde aus- gesprochen._ Allgemeine Familien-Ttervekasse. Heute Zahltag und Aufnahme Ackerstr. 123 im Restaurant von 3 bis K Uhr. Zeutraltrauken- und Vegräbniskaste der lSattler und Berufs- geiiostcn Teutschlands„Hoffnung" E. H. 61. Versammlung Mittwoch, den 21. April, abends S'/j Uhr, im Gcwcrtschastshaus(«aal 7). Nebcnschc Kranke»-„nd Sterbekaffe Nr. S(gegr. 1795). Heut« Zahl- und lilusuahrnetag von 2—7 Uhr bei Nvcwer, Elisabethlirchslr. 14. 4> Hygienische SoaKNZiU'UKsI. Xousvt.I<.Tt2loZ Ob. Einpfohl. viel. Aerzte u.Prof. grat. tuül H. Dnger, Ournnsiwarenfabni Berlin NW». Fziedriclistrasse 91/92 T ■ 200X300 ■ 250X350 9 300X400 Gr. Partien I Teppiche mit Ileineii I Wcbcschlern| Größe ca. .. 11.75 j .. 16.50 20,00 Teppichhaus L. Lcsövrc Berlin, .nur potritamoe Sir (kein Lad.) Nach auSw. p. 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In den Freudenbecher der Börse haben die neuen Unruhen auf dem Balkan einen ziemlich großen Wermutstropfen fallen lassen. Es schien fast so, als sollte die durch den Friedensschluß zwischen Serbien und Oesterreich ausgelöste Hausse Bestand haben, da schössen die Türken Löcher in das Jllusionsgebäude. Daß selbst bei der Auf- Närtsbewegung an der Börse nicht die Gewißheit einer erheblichen Besserung am Arbeitsmarkte bestimmend wirkte, beweist die Kurs- entwickelung. Tie Spannung zwischen den Kursen in früheren Jahren und jetzt, sind bei Jndustriewerten viel größer, als bei den St-aatspapiercn. Ja, während die Montanpapiere den damaligen Stand noch nicht wieder erreichten, haben die Werte der Banken und Staatspapiere ihn teilweise sogar überflügelt. Dabei waren in den letzten Tagen die Kurse der Montanpapiere stärker gestiegen, als die der sicheren Anlagewerte. Aber die Gegenrevolution hat den ersteren auch wieder eine viel stärkere Einbuße gebracht. Den Kursstand nach dem erwähnten Friedensschluß, im Vergleich mit dem der gleichen Zeit der Vorjahre und dem des Höhepunktes der Kriegsfurcht, veranschaulicht die nachfolgende, der„Voss. Ztg." ent- nommene Zusammenstellung: Kassaknrse 7. April 1906 Deutsche Bank.... 240,40 230,40 234,40 242,75 241,90 Diskonto Komm.-Anteile. 189,00 172,10 170,50 182,50 189,80 A. Schaaffhausensch. Bankv. 101.50 144,70 134,70 131,00 133,70 Dresdner Bank.... 102,00 145,50 140,00 140,30 151,10 Oesterreichische Kredit-Akt. 212.75 207,00 200,00 195,00 198,00 Russenbank...... 144,50 140,20 129,75 135,00 141,10 Franzosen...... 140,00 142,25 140,50 140,50 148,80 3proz. Reichsanleihe.. 88.90 35,40 82.00 85,70 87,20 1902er 4proz. Russen.. 81.80 77,50 82,50 81,90 85,90 4proz. unif. Türken.. 93,00 93,80 95.50 93,40 95,50 Bochumer Gußstahl.. 240.90 218,50 215,30 212,75 220,10 Laurahütte...... 248,40 223,00 210,25 180,50 197,25 Rhein. Stahlwerke... 205,50 184,00 178,00 155,50 100,40 Deutsch-Luxemburger.. 235,00 107,25 154,00 149,00 173,75 Gelsenkirchcner Bergwerk 227,00 197,00 192,75 177,90 138,00 Harpen« Bergwerk... 210,50 207.80 199.10 183,50 192,90 Phönix....... 210,00 191,50 184,10 158,30 171,00 Allgemeine Elektr.-Ges.. 224.45 202,25 202,25 218,30 230,50 Siemens u. Halske.«. 183,00 173,30 174,50 195,25 208,00 Die letzten Bankkurse gelten abzüglich des Kuponabschlages, der bei den Aktien der Deutschen Bank 8, bei Diskonto-Kommandit 5, Schaffhausen 3, Dresdner Bank SVs, Kreditaktien 5,40 und Russen- bankakticn 5,95 Proz. beträgt. Ob Kriegsgefahr, ob Frieden oder Revolution, ob Hausse oder Dcroute, den Divntanpapieren begegnet „an mit Mißtrauen, hält sich lieber im Dwidendenschatten der sicheren Anlagewerte. Bei hochgespannten Erwartungen auf die Zukunft räumt man den Elektrizitätsaktien eine Sonderstellung ein. Sind doch für sie heute die Kurse der Hochkonjunktur des Jahres 1900 sogar weit überholt. Die Stimmung, die die Kursgestaltung reflektiert, entspricht auch ziemlich den latsächlichen Verhältnissen. Der Entwickelungs- 8. April 8. April 1907 1908 24.März 1909 8. April 1909 gang sichert der Elektrizitätsindustrie einen noch ganz enormen Auf- schwung. Für die übrige Industrie ist im allgemeinen für das laufende Fahr keine bemerkenswerte Besserung mehr zu erwarten. Man mutz schon froh sein, wenn keine weitere Verschlechterung der Lage eintritt. Auf dem Kohlenmarkt haben sich die Verhältnisse leider noch nicht gebessert. Nach einem Bericht des„Glückauf" mutz sogar mit dem Gegenteil gerechnet werden. Das Blatt schreibt:„Die allgemeine Lage des Ruhrkohlenmarktes wies im Äerichtsmonat keine Aenderungen von Belang auf; die Ungunst der Verhältnisse hat in ungeschwächtem Maße angehalten, da die von den Verbrauchern mit Rücksicht auf die mit dem 1. April eintretenden Preisermäßi- gungen beobachtende Zurückhaltung einschränkend auf den Absatz wirkte; außerdem wurde dieser auch noch durch den schlechten Wasser- stand des Rheins in den ersten beiden Dritteln des Berichtsmonats ungünstig beeinflußt. Infolgedessen blieben die Versandziffern sowohl im ganzen wie auch im arbeitstäglichen Durchschnitt hinter dem Ergebnis des Vormonats zurück, und es war die Einlegung zahlreicher Feierschichten erforderlich. In Fettkohlen erreichte der durchschnittliche Tagesversand nicht die Höhe der Absatzziffern des Monats Februar; von dem Ausfall wurden Förderprodukt« und Nußkohlen betroffen. Ebenso wies der Versand in Gas- und Gasflammenkohlen in allen Sorten wieder einen erheblichen Rückgang auf. Auch der Absatz von Etz- und Mager- kohlen ließ in allen Sorten sehr zu wünschen übrig. Die Abrufe in Hochofenkoks zeigten im Berichtsmonat eine weitere Steigerung, dagegen machte sich in Brech- und Siebkoks infolge des Eintritts der milderen Witterung eine nicht unerhebliche Abschwächung gegen- über den letzten Monaten geltend. In Briketts beschränkten sich die Abforderungen der Kundschaft auf das geringste Maß, infolge- dessen mutzte das Syndikat beträchtliche Mengen aus Lager nehmen." Da ist es erklärlich, daß, wie jetzt schon verlautet, die Ein- schränkungsquote von 40 Proz. für Koks und 20 Proz. für Kohlen, auch für Mai beibehalten werden soll. Nun ist dazu in Oberschlesien, wo bisher noch ziemlich gute Verhältnisse herrschten, ebenfalls eine scharfe ungünstige Wendung eingetreten. Somit ergibt sich im allgemeinen ein recht unerfreu- liches Bild. Vom Eisenmarkt ist auch kaum etwas erfreuliches zu berichten. In der Siegerländer Rohproduktion muß an der 40prozentigen Einschränkung ebenfalls noch weiter festgehalten werden. Wohl ist anscheinend der Tiefpunkt der Preisbewegung für Walzwerks- erzeugnisse wieder überwunden, vereinzelnd werden wieder Auf- schlüge verlangt, aber das hat vorwiegend darin seine Ursache, daß die Werke zu den niedrigsten Preisen für einige Zeit notdürftig Arbeit hereinbrachten, und nun glauben, etwas abwarten zu können. Auf anderen Gebieten tobt der Kampf um Aufträge, gleich viel um welchen Preis, mit unermüdlichem Eifer weiter. Dabei bleibt die Produktion minimal: von einer Zunahme der Arbeitsgelegenheit ist gar keine Rede. Einen verhältnismäßig günstigen Eindruck macht ja der letzte Monatsbericht des Stahlwerksverbandes. Der März erbrachte eine ziemlich starke Versandzunahme gegenüber dem Vormonat. Bei Würdigung der Veränderungen müssen aber zwei gewichtige Faktoren mit in Rechnung gestellt werden, die die Qualität der Zahlen sehr verändern. Zunächst hatte der März vier Arbeitstage mehr, als der Februar, und dann haben die Werke, weil mit dem März das Abrechnungsjahr schließt, dem Stahlverband noch möglichst große Mengen überwiesen. Der April wird dafür entsprechenden Ausfall bringen. Trotz des angeführten Umstandes ist der Versand im März dieses Jahres dock, noch hinter den Ergebnissen der Vor- jähre zurückgeblieben. Der Rückgang macht gegenüber 1908 12 Proz,, im Vergleich mit 1907 sogar 10 Proz. aus. Das kennzeichnet die Lage. Die Verhältnisse am Baumarkt konnten sich nicht gut weiter verschlechtern; hier war ja die Trostlosigkeit seit langer Zeit heimisch geworden. Run wird von einigen Plätzen eine leichte Belebung der Bautätigkeit gemeldet. Das hat jedoch nur sekundäre Bedeutung. Die Bautätigkeit stockt seit zwei Jahren. In dem soeben erschienenen zweiten Teil des Jahresberichts der Handelskammer Berlin für das Fahr 1908 wird zum Beispiel konstatiert, daß die Arbeitslosigkeit in Groß-Berlin zu zwei Drittel auf die schlechte Konjunktur im Bau« gewerbe zurückzuführen sei. Und daß schon im Jahre vorher die Bautätigkeit erheblich abgeflaut hatte, zeigen die folgenden Angaben: Es betrug die Zahl 1902 1903 1904 1905 1900 1907 1903 aller Bauausfüh- rungen... 0932 9800 8335 8570 8054 7050 0103 der Neubauten. 2393 2849 3171 3209 3072 2019 1320 Gegenüber dem Durchschnitt 1902 bis 1900 ist die Zahl der Neu- bauten im Jahre 1907 um 31,0 Proz., im Jahre 1908 sogar um 55,3 Proz. gesunken. Die Errichtung neuer Wohnungen bleibt trotzdem heute immer noch hinter der Bevölkerungsvermehrung zurück. Da kann an einen industriellen Aufschwung, dessen Ausgangspunkt der Baumarkt sein könnte, sicher nicht gedacht werden. Die viel gerühmt« Geldflüssigkcit hat mit den Schwierigkeiten bei Beschaffung von Baugcldern immer noch nicht vollständig aufgeräumt. Für crststellige Hypotheken auf Neubauten müssen 414 bis 4% Proz., dazu%■ bis 1 Proz. Abschlußprovision gezahlt werden. Für zweite Hypotheken, hinter nicht zu hohen ersten Stellen in älteren Stadtgegenden wird nach wie vor 5 Proz. gefordert, ausnahnrsweise auch unter 5 Proz., doch wird in Neubaubezirken auch bis 0 Proz. verlangt und bewilligt. Daß das hervorragend günstige Verhältnisse seien, die besonders zu Bauunter. nehmungen anreizen, wird man kaum behaupten können. E). Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach, Geschäst still, Preise unverändert. Wild: Zusuhr knapp, Geschäft rege, Preise fest. Geslügel: Zusuhr knapp, Geschäst rege, Preise hoch. Fische: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig. Preise wenig vcr- ändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Fusuhr genügend, Geschäst schleppend, Spinat und Gurken schwer verkäuflich, Preise gedrückt. WafferstandS-Nachrichten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Kroffen , Frankfurt Wa r t h e, Schrimm . LandSberg Rehe, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg am 16. 4. cm 434 81 286 325 254 242 226 265 131 132 —1 268 223 seit 15. 4. cm 0 —12 4-10 4-10 -j-46 4-9 —2 —2 —7 0 4-44 4-1 4-10 4-0 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrorm Main, Wertheim Mosel, Trier am 16. 4. cm 235 134 129 96 184 63 . 80 229 250 167 190 123 seit 15. 4. cm l) 4-51 0 0 4-2 —3 4-61 4-13 4-45 4-41 4-51 415 4-17 ') 4 bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unierpegel. BERLIN C 2s Alexanderplatz. Während dieser Zeit werden grosse Posten währt vcTn Montag, den 19. April, bis Sonnabend, den 24. April. Moderne Damenkleiderstoffe zu ausserordentlich billigen Seidenstoffe w. Waschstoffe Preisen verkauft □a großer Posten RIOdCFIlß ÖJOÜßllß BlllSßllStOffßi neue Bandstreifen n. Tra- vers-Effekte, doppelt breit........ Meter M. 0.95, 1.20, 1.55. Ein großer Posten IjdOÜSIlß ßll�iiSCllß BllISSH'Fidllßllßi nur auserprobte, solide Qualitäten in modernen Dessins, 70— 80 cra breit, Meter M. 1.05, 1.35, 1.65. Bin großer Posten BdtlSt'PflnZßBr reine WoOo, einfarbiges, leichtes Qewebe, In allen modernen Farben, 110 cm breit Meter M. 145. Ein großer Posten Sß!"� lllrßCtOlfß) reine Wolle, einfarbiges, cachemierartiges Qewebe, große Farbenauswahl, 110 cm breit......... Meter M. 1.65. Ein großer Posten G6Str6ift6 UOllß'Gfß�ßSf letzte Sommer-Nenheltl Fliessende, leichte Stoffe mit seidener Kette, 110 cm breit.. 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April, nachmittags S'/s Uhr: im Deutschen Theater: Wäs ihr wollt: in den Kammer- spielen: Der Pries des Uria; im Neuen Theater: Der Schwarz- künsUer.— Silberfischchen im Neuen Operelten- Theater: Das verwunschene Schloß; im Berliner Theater: Bartcl Turaser; im Hebbel-Theater: Erde: im Schiller- Theater 0: Ein Vollsselnd; im Fr.- Wilhclmst. Schauspielhaus: Schlagende Wetter; im Schiller- Theater Charl.: Rechts herum. �essinx-l'keatei'. Sonntag 3 Uhr: llee Naud der Sabinerinnen. 8 Uhr: Der König. Montag 8 Uhr: Ibsen- ZykluZ: Der Dune der lug e ml LerUnsr Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Ecut'. Nachm. 3 Uhr: Bartel Turater. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Die fremde Trau (La femme X.•.) Morgen und folgende Tag«: Die fremde Frau. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr; MT* Der Jockeyklub,__ toomitog nachm. 3'lt Uhr halbe Preise ein V/alrertrautn. frledrich-Wilhelmstädtisühes Schauspielhaus. Sonntag, 18. April, nachm. 8 Uhr Sotalagende Wetter. Abends 8 Uhr: Othello. Montag: Der Dorsthrann._ Residenz-Theater. >- Direktion: Richard Alexander.— Anfang 8 Uhr. Kümmere Dich um Kmelie. Schwank in 3 Akten(4 Bildern) von Fehdeau. Morgen u. folg. Tage: Dies. Borstellg. Sonntag, den 18. April, 3 Uhr: _ D>er Floh ti» Ohr�_ Lustspielhaus. Nachmittags 3 Uhr: Lore. Znm Einsiedler. Blau. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Hebbd-TKeater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Revolutionshochzeit. Nene. Operetten-Theater. Schlfsbauerdamm 25, a. d. Lulsenstr. 3 Uhr: Da«»ervuneodene Scbloö. Abends 8 Uhr: Die Donarprin.e.»in. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends 8 Uhr: Das Mädel ohne Geld. Wontag: Strakenbahnsahrer Krause. Versprechen hinterm Herd. Dienstag Opern-iÄaslsp.: Troubadour. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Reginientstochler. Freitag Benefiz A. Kahlenberg: Faust. 1. Tell. Sonnabend: RegimentSlochter. mtPROSETHMT Er. grantturter Str. 132. Knriü-Pyriü. Post« mit Gesang nr drei Akten von Willen. Ansang 3 Uhr. SonntägSprelse. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Grilte. Wontag: Neiterattacke._ Melropoi-Theater TiigHch 8 Ehr: Donnermetter— tadellos! Kevuein lOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Kegie Direktor Schultz. Perry, Holden, Bender, Cilanipietro, Kettner, Pfann, Thlelacher. Berliner Eis-Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Konzert und Knnetlaafen, Urania. Wissenschaftliches Theator. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Nessinas. Montag 8 Uhr; Ani den Trümmern Messinas. Passage-Panoptikum. Während der Osterferien, vom 4. April bis inkl. 18. April: Tolksta�e! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Älle Eitra-Sehenswtirdigkeiten frei! Eintritt 50 Pf. Kinder ohne Begl., Soldaten 25 Pf. ' Passage-füeater. Die maurische Schlengentanzerin tfaka-Sshad Gastspiel der Garland- Negeroperette 18 Solokr&fte und das grandiose April-Programm. Der größte Varlete=Erfo!g den je Berlin gehabt! Casino-Theater Lothringer Str. 37.— Täglich 8 Uhr. Bis zum 30. April: Ackermann. Ab 1. Mai aus nielfachen Wunsch: Das Opferlamm. Sonntag 4 Uhr: tiotel KJmgehusch. Nachm. 31/, Uhr. Kleine Preise. Vorlebte Aamilienvorstellung. Onkel CaHlmtr.. Operette. Dazu: Die glänzenden Attraktionen. U. n.: F. A. Heinhaus; Rechentünstler. Amolie de L'Enclos, Stimmphänoinen. Abends 8 Uhr: Der iunge Papa. 9-/, Uhr Gastspiel Wlesentlial und das Sensationsprogramm. 81/, Uhr: fjf letzte ii bei kleinen Prelacn. Abends Anfang 8 Uhr. In beiden VorBtellungon: Auftreten des Keaamten April- Programms._ Gebrüder Herrnfeld- Anfang Thaatop Vorverk. 8 Uhr. Ilieaicr. n-euhr. Zum 8. Male: Meine-Deine Tochter. Familien-Idyll in 2 Akten von A. und D. Herrnleid (nach Papa Noa). Der selige Niemann. Lustspiel in 1 Akt vor» Karl Tellheim. W.Koacbs Theater Direktion: Rod. Dill,«rimnenllr. 16. Ntlvtr. die rusfische Waise. Großes Melodrama von Th. Hell. Anfang 8 Uhr. Konzert 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Danz. Wochentagspreise. Entree 30 Ps. Montag': Tieselbe Borstelliing. Zleidl- m fi s n ? Theater. Brückensir. Auf. 7'/, Ü. Wochentags 8'/«- Riesenerfolg. fapa Srenneke! Parterre-Saal: Berliner Spatzen. Prima Küche.— Entree frei. Scklller-Theatep. Schiller- Theater Charlosienburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hecht» herum. Schwank in 3 Alten v. Hans Gaus. PBT Ende 5'/, Uhr."FMB Sonntag, abends 8 Uhr: Hncbcth. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Ende 11 Uhr. v.(Wallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Ausz. von H. Ibsen. Deutsch von W. Lange. SW" End« 5'/, Uhr. Sunntag, abends 8 U o r: Die Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel in 3 Aufzügen 0011 Eduard Pailleroiu Ende 10-/, Uhr. Montag, abends 8 Ubr: Die Welt, in der man sicb langweilt. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sied langwellt. Montag, abends 8 Uhr: Zlncheth. Dienstag, abends 8 Uhr: Hneheth. CASTAN's PAKOPTICÜH Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Blüthner-�� Saal. Slüthner�orchester. Sonntag, 18. April, 7l/2 Uhr: Wagner-Liszt-Abendl Dirigent: Ferdinand Neisser. A. d. Prpgr.: Wagner; Vorspiel I zu„Parsifal", Waldweben aus I „Siegfried". Liszt: Les Prä- 1 indes„Sinfonische Dichtung" Schwer;: Klänge a. d. Wiener 1 P rater, Walzer. Karten a 1.50, 1.—, 0.75 b. Bote I & Bock, Wertheim usw., Or-j chesterbureau Lützowstr. 76,| Tages- und Abendkasse oml Konzerttage. 202/10. Gastspiel-Theater. Köpenicker Straße 68. Nachm. 3ll, Uhr bei halben Preisen: Lbeiioch Holmes. Abends 8 Uhr: Die großartige Aortsetzung Der Kund von Sastollle. Q »tnmin Variete-Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute L Voratollangen. 3NÄM Besucher IKioil frei und abenda 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Bsttys dressierte Daren und die�übrtgen glitNnciid.(Spezialitütcn Im Tunnel: lap. Blumenfest. Theaterbesucher haben freien Eintr. Bruimen-Tiieater Badstrahe 58. Direktion: Willi Voigt. Sonntag, den 18. April 1909: NachrntttagZ: keine Borstellung. Abends 7 Uhr: vis relegierten Studenten. Lustspiel in 5 Akten von Roderich Benedix. Nach der Vorstellung: BAU-, last-Theater Burgstrage 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. lflternatioii.RiO!]kä[!ipI-Ko!!i[iirreiiz um die Siegcsprämie von 4500 M. in bar.— Bis heute haben sich 20 der ersten Ringkämpser des In- und Auslandes gemeldet. Heute Sonntag ringen: Will» Lang. Meisterringer oo» Bayern gegen Adoil Schulz, Ostvreutzen. Karl Kornatzki, Meisterringer von Polen gegen OIrk»an der Born, Meisterringer von Holland. Pierre de Bauen, Frankreich gegen Paul Debie, Meisterringer von Rheinland und Westsalen. Montag, den 1». April: Erstes Debüt des russischen Meister- ringer« Drimo llackcn- schiuldt. Montag ringen: Alfons Steurs, Champion von Belgien gegen Dhristenson, Schweden. Karl Herrmann, Meisterringer von Berlin, gegen Will» Lang, Meister- ringer von Bayern. Julos Colion, Luxemburg gegen Bruno Hackenichmidt, Ruhland. Auherdem: Das Monster-Progr. löst Attraktionen SO. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7-/, Uhr. _ Preise wie gewöhnlich._ Folies Gapriee.j Insolvent. Posse von L. Taussteln. In I»usolilxer I>i»ctit. Burlesk« von W. Gcrlcke. Anfang S-/, Uhr. Sanssouci, Cee"' Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: tieuos Programm. w-Z« WLL' von Usstim�hliMZiirigei'ii Im Krug zum grünen Kranz. Beg. Sonnt. 5, wocheni. 8 U. Morgen Montag: Hellm. Nordd. Läng. Tanz. Dienstag: Theater- Abend. Gastspiel d. Neuen Deutsch. Freien VollSbühnc: Heinnvch. Schauspiel in 4 Ausz.(Uraufführung). Der grv sie Thcatersaal Ist noch sür einige Sonnabende sür nächste Saison srci. Srsuerel FrieMchsIiain Heute, Sonntag, den 18. April 1909: Dritter Tag infeVnaliotr.« Kingkämpf© zW eltmeisterschaf t in Leichtgewicht und SleKespramle von 8000 Zl. Heute, Sonntag, ringen fünf Paare; Annont-Italien gegen Charlc« le Marln-Frankreich, IVltachke-Berlin gegen Konltzko-Polen. Wally ISaiiders, Negerohamp. Nordamerikas, gegen Httller- Ober-Schönoweide. Hansen, Meisterringer Dänemarks, gegen Hebert! Ralcevlch, Weltmeistor. UaHeartosHe, Weltmeister Frankreichs, gegen BUhm-Ostpr. Rinekh»pren: Das ausgewählte Spezialitatenprogramm. Anfang G Uhr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M., numer. Tisch 2 M. Amt 7,«401. Volkspark Amt 7. 6401. liandabercer Allee am Ringbahnhof(srüher Dieiz) größter Zlolhsbelustigungspllch nelist Tauzsaa! Kerlms. Hermann Damm. frisikichshssg Tnh.: Gehe. ArnhoiiL Frankfhrtcr Chaaasee 5 (früher 120). Stadtbahnstation Fernsprecher Frankfurter Allee. Jeden Sonntag• �'dürichsbergNoS Grojle Tanz-Heunion. Wer nach Treptow geht, ist dnmm, wenn er sürs Bier 15 Ps. giebt. In Ludwig Hoffmanns ikflnnflin! .......—10 Pf, Köpentcker Landst teich-Strasie, gibst � Angenehmer Familieuaufenthalt. dstrasie. Ecke Karpfen- bt'S«rsiklassiges Bier sür Asbk!tös-Killlung88c!i»le Dsrlin. Lolllltsx, äell 25. �pril, sbeillls 7 Uhr, im groDen Saale der„Arminhailea", Kommandantcastr. 58/59: Wilhelm Busch der Meister deutschen Humors in Wort und Bild. Vortrag mit Lichtbildern von W. Res. 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Die Sitzung beginnt mit Entgegennahme eines interessanten Vortrags von Miller- Berlin über Internationale Verbindungen. Str öhl in g er- Berlin ergänzt die Ausführungen des Re- serenten. Eine weitere Debatte findet nicht statt. Der Berbandstag stimmt einer Resolution zu, in der es heitzt: „Das �astwirtsgewcr� ist mit dem Auslande aufs engste verbunden, veshalb hält der Verbandstag es für dringend ge- boten, auch mit den Organisationen im Gastwirtsgewerbe im Auslande in engster Fühlung zu stehen. Die Internationale Union ist so auszubauen, um gcgebencnfalles mit Erfolg ein- greifen zu können." lieber den Punkt: Bahnhofsdienst referierte Wetzlar- Frankfurt a. M. In dieser Sache wurde folgende Resolution angenommen: „Durch die Verhandlungen des vierten Verbandstages beut- scher Hoteldiencr wird erneut festgestellt, hast es den Hoteldiencru in den meisten Städten verboten ist, die Bahnhofsvorhalle» und Wartesäle zu betreten. Die Tätigkeit der Hoieldiener am Bahnhof ist aber derart mit dem öffentlichen Verkehr verbunden, daß es nicht mehr an- gebracht erscheint, diesen die unbeschränkte Bewegungsfreiheit in den Vorhallen und den Wartesälen zu untersagen. Aus diesem Grunde wird die Hauptverwaltung beauftragt, bei den Regierungen dahingehend vorstellig zu»erden, die Bestimmungen aufzuheben, nach denen die Hoteldiencr Beschrän- kungen in ihrer Bewegungsfreiheit untcrworscn sind. Der Vcrbandstag spricht die Erwartung aus, daß die bc- scheidencn Forderungen seitens der Regierungen anerkannt werden und die den Hoteldienern entgegenstehenden Bestim- mungen aufgehoben werden. Ferner wurde durch die Verhandlungen festgestellt, daß den Hotcldienern täglich größere Beträge durch die Bahnsteigsperre von ihrem Verdienst verloren gehen. Die Hauptverwaltung wird deshalb beauftragt, vorstellig zu werden, daß die Bahnsteigsperre für die Hoteldiencr aufgehoben wird. Der Verbandstag ist überzeugt, daß bei Erlaß dieser Bc- stimmungen nicht die Abficht bestand, die Hoteldiencr durch die Bahnsteigsperre in ihrem Einkommen zu schädigen. Nachdem nunmehr festgestellt wurde, daß den Hoteldicncrn durch die Bahnsteigsperre tatsächlich größere Summen ihres Ein- kommcns verloren gehen, spricht der Verbandstag die lleberzeu- gung aus, daß sich die zuständigen Behörden den Wünschen der Hoteldiencr nicht mehr ablehnend verhalten können." Zu demselben Punkte wird ferner ein Antrag angenommen, der eine Verbindung mit dem Verband reisender Kaufleute ver- langt, um die Beseitigung der Bahnsteigkarten, eventuell Einfüh- rung von Monatskarten anzustreben. Miller- Berlin sprach nun über den Punkt Stellenvermittelung. Der Verbandstag gab seiner Meinung zu dieser Frage in fol- gendcr Resolution, die einstimmige Annahme fand, Ausdruck: „Der Verbandstag ist der festen Ueberzeugung, daß nur durch gesetzliches Eingreifen die gewerbsmäßige Stcllenvermitte- lung beseitigt werden kann. Der Verbandstag fordert deshalb von der Gesetzgebung, ein Reickrsgesctz zu erlassen, nach welchem 1. Eine Erlaubnis zur Ausübung der gewerbsmäßigen Stellen- vcrmittelung nicht mehr erteilt Ivird. 2. Die vorhandenen Konzessionen bis zu einem möglichst kurz bemessenen Zeitpunkte aufzuheben. 3. So lange die Vermittclung gegen Entgelt betrieben wird, dürfen die Gebühren vom Arbeitsuchenden nicht mehr er- hoben werden. 4. Die Einführung staatlicher oder städtischer Arbeitsnachweise gesetzlich festzulegen. In Gemeinden oder Bezirken mit 20 0ö0 Einwohnern ist ein derartiger Arbeitsnachweis zu errichten. b. Mit dem Inkrafttreten der genannten Arbeitsnachweise ist auch den Verbänden sowie ollen sonstigen Korporationen jede Arbeits- oder Stellenvermittelung zu untersagen." Das Referat über den Punkt Kost und Logis hatte B u r ch a r d t- Berlin übernommen. Redner begründete diese Resolution: „Die den Angestellten im Gastwirtsgewerbe von Unter- nehmern gewährten Kost und Logis entsprechen in hygienischer und sanitärer Beziehung in den meisten Fällen nicht den aller- bescheidensten Anforderungen. Vom kulturellen, gesundheitlichen und sittlichen Standpunkt aus ist daher der Kost- und Logis- zwang zu bekämpfen. Der Kost- und Logiszwang hemmt den sozialen Fortschritt der Angestellten im Gastwirtsgewcrbc. Der 4. Vcrbandstag fordert daher, so wie es von anderen Arbciterkorporationen wiederholt geschehen ist, die völlige Auf- Hebung des zweiten Absatzes des 8 1!S der Gewerbeordnung, so daß in Zukunft die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Löhne ihrer Arbeiter nur in Reichswährung zu berechnen und in bar aus- zuzahlen. So lange eine gesetzliche Regelung dieser Materie nicht erfolgt ist, fordert der Berbandstag. daß die Regierungen geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Auswüchse dieses Systems nach Möglichkeit einzudämmen. Dies kann zunächst am besten dadurch geschehen, daß eine regelmäßige Kontrolle der Wohn- und Schlafräume der Angestellten angeordnet und auch durch- geführt wird. Der 4. Berbandstag der Hoteldiencr fordert daher von den Regierungen, diese Anordnungen zu erlassen." Diese Resolution wird nach kurzer Debatte, in der die misc- rablen Verhältnisse im Gastwirtsgcwerbe noch eingehend beleuchtet wurden, angenomnien. Bei Beratung verschiedener Anträge wird dieser Antrag ak- zcptiert: „Sämtlichen Ortsvcrwaltungen wird empfohlen, sich den örtlichen freien Kartellen anzuschließen." Eine Neuwahl der Hauptverwaltung und des Ausschusses wird nicht vorgenommen. Beide Instanzen bleiben bis zu ihrer Ver- schmelzung in ihrer jetzigen Besetzung bestehen. Die angestellten Beamten des Verbandes werden bestätigt. Damit sind die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Vor- sitzender D i c s i n g schloß ihn— nach herzlichen Abschieds- ansprachen— mit einem Hoch auf den Verband der Gastwirts- gehilfen._ eingegangene Druck lckriften. Jahresbericht 1908 des ArbeitcrsekretariatS Brandenburg a. H. nebst Bericht des Gclverlschastskartclls. 75 Ps. Selbstverlag. Das Zlrbeitcrsekretariat und die Gcwerlschastcn. Magdeburg 1908. Jahrcsbtricht. 32 Seiten. Selbstverlag. .'»s fÜ nelimen in flirer Preislage unter deif Erzeugnissen der Deutschen Cigarettenfabrikation mit vollem Recht die erste Stelle ein. 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Da in dieser Versammlung aber auch über unseren zukünftigen Tarif ein wichtiger Veschlus; ge- faßt werden soll, so müssen alle Kollegen erscheinen!— Keiner darf fehlen! ===== Die Vci'siinimlaiiR' wird pttnktllch epUlTnetl= Ortsverwaltuna Berlin des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes. i is/i4 Verein der Bauanschläfler zu Berlin._ Aehtnnp; l 1 Uachtrag Achtens! zur große« Liste der bewilligten Käckereien Herlins nnb Umgegend vom 4. April 1009. Xsed-utrsxeods Brüllelcrstr. 37. Patschke. »3. Hanke. ESmarchstr. 1, Roicinann. .svrsterstr. 42, Hildebrand. .Iricdrichsbergcrslr. 2S. /?. Hanke. HennigSdorserstr. 37, Müller. Hussitenslr. 15, Potscher. .Mandstr. IS. Daunle. Langestr. 25, Hildebrand. , 36, Gumar. Luxeinburgsir. 5, Hank«. Aialiernstr. 11, F. Hanke. Niederbarnimstr. S, Thurban. Brinz Eugcnstr. 16, BuStc. Nevaierslr. 14, Sieich. Soldincrftr. 36, Kappler. Stcttinerstr. SS, Barvekow. Swinemiinderstr. 27, Langer. T bornerslr. 64, jy. Haute. bewilligte BUckcrclen. Türkenstr. 22, Panlisa. Wienerstr. 58, Weinert. Wilhelmshavenerstr. 37, Mierecke. ttharlottcnburg. Kanalstr. IS, Heim. Nieder-Schönhansen. Kaiser Wilhelnistr. 14. Milulsli. Uhlandstr. 41, Mikulsli. Ripdorf. Lessingstr. 22, Hammel(übersehen gewesen). Niemctzstr. 16, Persecke. Wildcnbruchstr. S2, König. «teglin. HuvcrtuSstr. 3, Schlie. Degel. vrnnostr. 41, Bieuert. mm Als auriickgezogcn■ geltende Bäckereien. Elblngcrstr. 27. Fiedler. Nchflgr. Jahnstr. 21, Köhler. Langcstr. 13(srüherKoldackers Filiale). Rostockerstr. S1, Hering. Sparrstr. 13, Hanke, Niederlage. Stetlinerstr. 17, Kleinert. Stulpischcstr. 3/4, Badke, Nchslgr. Slrelitzerstr. 15, GraboivSty. Boxhage». M-Boxhagen 16, Friedrich. Neue Bahuhossir. 9, Fritsche. 46/16 Drr NMralinma«». WUloneufacli erprobt nml bewährt chW Ä/".'.'. Kognak. Run, Ä Liköre«. ÄÄrXÄf Hoa's Orlglnal-Eilrakle. Preis p. EI.«5,»S. 40, SO,««, 75 Pf. eto. 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Slpril, abend» 8 Uhr, in den Musikersalen, C., Kaiscr- Wilhclmstr. 18 m: lleoöi'Nl-Vei'ssNMIuiig. Tagesordnung: Gemeinschafiliche Tiiinng der Ardeitgeber und Arlieititchmer. 1. Bericht der Koinmiifion zur Prü, sung der Jahresrechnung pro 1963. 2. Entlastung des RcchmingSIegcrs. 3. Bericht des Vorsitzendcn Herrn (6. Lubatsch über den Krankenkassen- tag zu Bramischwcig. 4. Bericht des Vorsitzenden Herrn(6. Lubatsch über wichtige Statutenveräiiderungcn beim Gewerts-Kranlenvcrci». 5. Ber< schiedeiie». Die Herren Deleglericn werden er- sucht, zahlreich zu erscheinen. Die zugesandte Legiiimation ist am Ein- gang vorzuzeigen. 273/9 l>vr Vorstand. Gustav Lubatsch, Vo> sitzender, _ Nixdors, Weichsclstr. 36._ Orts-Krankenkasse für das Barbier- Gewerbe zu Berlin. Dienstag, den 27. April 1969, abends 9'/, Uhr, bei Hahn, Nosenihalerstr. 57: O r d c ii tl i ch c General-VersammluDg der Delegierten. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstände». 2. Jahresbericht de» Rcndanlcn. 3. Bericht der Revisoren. 4. Kassciiangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. 273/12 I. A.: Baut Schrvlle, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Stellmacher. Sonntag, den»5. April 190», vormittag» 9'/, Uhr, bei D r ä s e l. Rene Friedrichstr. 35: 273/15 Drdcntllchv General-Versammlung Tages-Ordnnng: 1. Vorlegung bpä RechnmiaS-?lb' schlusse» filt da» Jahr 1908, 2. Bericht der Revisoren. 3. Verschiedene Kasseiiangeleaenheiten. Ilm zahlreiches und pünktliche» Er- scheinen ersucht Der Vorstand I. 81. s F-. Josewsk«. Orts-Krankenkasse der 273/14 Sattler und verwandten Gewerbe zu Berlin Dienstag, den 27. April 1909, abends 81/, Uhr, in den Arminitallen.Kotnniaiidanteustr. 58/59 Brdontlleko General-Versammlung der gewählten Vertreter der Kassenmitglieder». Arbeitgeber. TageS-Ordnung: I. Bericht de» Vorstände» über da» verslossene Geschästsjahr. 2. Bericht des Rechnungsniisschusse» und Ab- nähme der Jahresrechnung. 3. Antrag de» Vorstandes aus Abänderung der z 22. 28, 29, 36. 31. 32. 33, 35, 48 eS Statuts. 4. Verschiedenes. Delegi- rtenkarte legitimiert. Um zahlreiches und pünttliche» Er- scheinen ersucht Dpr Vorstand. Ferd. Mayhardt, Jakob Lnndgrebe, Vorsitzender. Hchristsühror. Orts-Krankenbaste der OavkÄovkoi' Berlins. Freitag, den 23. April 1WS, abends 8 Uhr, im Restaurant de» Herrn Dalg, Stalitzer Slrahe 53: Vmlw fiir f raucn u. MäÄebea der Hi'bdtcrklasocs Montag, bei« 19. April, abend» 8'/, Uhr, im Beckers Fcstsälcn, Kommaiidantenstr. 02: „Aus der modernen HomanUteratur". SUcscrenlln: Wally Zopler. Die Borlosuiig der Schtistslellerin lilara Vloblg kann wegen Erkrankung derselben erst am 26. April stattsinden. 55/7 Gäste willtommen._ Der Vorstand. W TageS-Ordnung: 1. Bericht des PrüsunasauöschusseS ür da» Jahr 1968. 2. Kassenbericht. 3. Verschiedenes. 273/18 Delegierteukarte legitimiert. Der Borstand. J. Hornomann, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Webep und perwandteu Gewerbe zu Horlln. General-Versammlung sämtlicher Deleaierten Sonntag, den Li!. April, vor- mittags 10'/, Uhr/, Uhr. n Cfanlili• Warendorf, Grofs-Lichterfelde, Bnkcstrastc 22, 8. üicyilSi. abends 8'/, Uhr. 9 MCabit* Piracht8alle fepdrvest� Wiclefstr. 24. abend» 10. NOrdem Baabe, Kolbcrger Str. 23, abends 8'/, Uhr. 11. Norden: Franke, Badstr. 19. abend» 6'/, Uhr. 12. Norden: Oblglo, Schwcd»er Str. 23, abends 8'/, Uhr. 13. I'eüel. freheseks Festskle, Bahuhofftr. 1, abends 6 Uhr Ii Qnanrlan* Restaurant„Vorwärts", Schönwaldcr 14- i3|JaUUdU. Str. 80, abends 8'/, Uhr. i5. Oberschöneweide: lj0httl ,l0M6efiTcerder' o6tnö Iß Vfinoniolr* öesellseha<|shan» Qratkowsky, friede •»"JICIllvR. frichShagen. Kriedrichstr. 09, abends 8>/, Uhr. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung von der Mencralversammlung am 4. April. 2. Di«- lusfion. 3. Bekanntgabe des Ergebnisse« der Delegierleinvahlcn zum Verbaudslag in Hamburg. 116/13 Für den Osteubozirk auberdem: Nenivahl der Bezirksleitung. kM- Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt:"VQ Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSvrrwaltnng. Bächer und Konditoren! Dirnstag, den 80. April, nachmittags 3>/,Nhr, in FrryerS Fcstsäle», Koppenstr. 80- Oeff entUehe Versammlung. Der Kampf um unseren Ruhetag und dje Wissenschaft. Sieserenl: Kollege Karl Hetzschold. Zu dieser Versammlung sind ili cichstagsabgeoi dnete aller Parleien sowie die in Verlin und Umgegend wohnenden Verli erer der Meoi.Eii und Hngicnc, soweit sie die Umfrage de» Verbandes beantworicl haben, eingeladen. AS?- Die Versammluna soll«ine gewaltige Demonstratio,, gegen die sieventiiaigr- rcsp. siebe,, nächtige Arbeitswoche der Bäcker- und Konditorgehiisen sein I Keiner darf fehlen: 46/7 Die Verbandsleltnng! Sopbien-Säle Sopbienstraße 17/18 QticrstraBe der Rosenlhaler StcaBc— am ttackeschen Markt ♦ Inhaber: Paul Baatx=========== empsiehlt seine von 66--2666 Personen sassenden Säle zu Versammlungeu Vorlrag»- u. Kunstabiiidc» usw. Poizügl. Akvslik. Kulant. Etitsiqenkemnmi. Devi�e.'�nalilöl' izldiikbeziekm�e�lutld f.&€€€;€■:€:€*«< W Unsenn Freunde und Genossen H I Vsksr Zckiüler und I-fgu I G senden zu ihrer Siwcrnen V Hochzeit die herzlichsten Glück-"® wünsche und Grüße s924L U m Die Funktionäre der 1. Ab- SK A teiitung des sechsten Berliner � iM Relchtagswahlkreiscs. gi memed* Sangesbruder und g 21016 �Unserem Kollege» Max Liemke nebst Frau die besten Glückwünsche zur Silberhochzeit. N. K.. P. L.. G. B.. O. L., Ä. Fi., H. lö. il?. Zur Feier der Zilberkoclixeit tb" W « vi/ V) VO unseres altbewährten Genossen <1/ und Zahlstellenwirtes W to «v vi/ Rudolf Tabert j nebst Geuiahliu Vj/ die herzlichsten Glückwünsche. Vi � Die Denessen des 231. Wahl- Teilzahlung monatlich 10 M. liefere Herren-Garderobe nach Maß(billigste Preise). J. tamskl. Nähe Belleallianeeplatz. Kasse 10°/„ billiger.* Abeffinier- Pumpe» zum Selbstausstellen sür Gartenbesitzer u. Lauben- koloniften komplett von 8 M. an. Fliigelpnmpen, _ Earteusprihe» in großer Auswahl. Erdbohrer leihweise. Carl Köchlin&Co., _ SW., Alte Qflfobftr.18/19 zw. Orauien- u. Ritterstr.(IV 1676.) Orts- Krankenkasse der Stadt Schöneberg. Am Donnerstag, ÄS. April IVOS, abends L Uhr, findet im Schwarzen Adler iu Schöneberg. Hauptstr. 144, eine ____ Ordentliche—— General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. a) Erstattung des Jahresberichts 1903. b) Bericht der Prüsungs- kommission und Erteilung der Ent- lastung. 2. Beschlußfassung über Weiter- Verfolgung der Stalutennachttüge X und XII, welche die Genehmigung des Bezirksausschusses nicht erhalten haben. 3. Beschlußsassung über Beschickung des V. Allgemeinen Kongresses der Krankenkassen Deutschlands, welcher vom 17. bis 19. Mai 1909 in Berlin abgehatten wird. 4. Kenntnisnahme von der Er- höhung der Krankenhauskosten, unter Berücksichtigung der besonderen Maß- nahmen der KrankenhauSverwalwng in Schöneberg. 5. Anstellung von Beamten. 6. Verschiedenes. Schöneberg, den 17. April 1909. Der Borstand. E. Flamme, Vorsitzender. F. Geist. Schristführer. 273/19 Orts-Krankenkasse der Graveure usw. zu Berlin. Linladunx zur General-Versammlung am Dienstag, den 27 April 1909, abends 7 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engcluser 15, Saal 1. TageS- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Jahresbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Verschiedenes. 273/16 Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Drechsler und verw. Gewerbe zu Berlin. Die findet am Montag, den£6. April 1900, abends präzise 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Saal 8, Engel- user 15, statt, wozu die Herren Ber» treter hiermit eingeladen werde». Tages-Ordnung: 1. Wahl eines Vorstandsmitgliedes (Arbeitgeber), wozu die Herren Arbeitgeber im saal 9 um 7'/. Uhr eingeladen sind. 2. Protokollverlesung. 3. Jahresbericht pro 1908. 4. Bericht des Rechnungsausschusses. 5. Verschiedenet. 2075b Der Vorstand. I. A.: G. Tiedt, Vorsitzender. Hr. Schtinemann Spezial-Arzt für 5432* Hnnt- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedricbstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags 10— L. 5—7. Kmiktn-Werstuhuligs- li.Skgräbnisoeremgkluerbl. Arbeiter\\i Kerlin. Sonnabend, den 24. April, abends 8>/, Uhr, in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstr. 20: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Kassenbericht Pro 2. Quartal 1909. 3. Verschiedenes. Gäste, auch Damen willkommen. Der Vorstand. I. A.: friede, freudenreich, Vors., 3. 59, Wißmannstr. 30, II. Orts- Krankenkasse der !f «nd verwandten Gewerbe. Freitag, den 23. April 1909, abends 81/, Uhr, in den„Armin- Hallen", Kommandantenstr. 53/59: General-Versammliing der Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht betr. das Fahr 1908. 2. Bericht der Revisoren und Decharge- erteilung. 3. Ersatzwahl eines Vorstandsmitglieds (Arbeitnehmer). 4. Geschäftliches. Mitgliedsbuch und die gesandte Postkarten-Einladung legitimiert. Her Verstand. 2088b R. Schöbe!, Vorsitzender. I Billigste Bezugsquelle I gedieg-TFaneryarnercbe iWestmannsl Trauer-Magazin 1 Berlin W., Mohrenstr. 37a 1 |N0, Gr. Frankf. Str. IIS.[ Genaue Beachtung | meiner Firma u. Haus- 1 munmer geboten!*' X von 10 Zentner ab Platt Ferdinand Salon.. p. Ztr. 0.86 M. Marie(ca. 120 St.).. 0 92„ Pfännerschaft..., 0.94„ EiisabethglUck..., 0.94, Anhalt. Kohlenwerke.. 1.00. Ilse« 1.00„ Halbsteine...., 083, Koks. Steinkohlen usw. zu billigsten Tagespreisen. Bei Anfuhr frei Haus 10 bis 15 Ps. pro Zentner mehr. Handwagen stehen zur Verfügung. Gerstberger& Müller Kohleugrofchandlung I. Lagerplatz: Am Schles. Güterbhs.. Mühlenstr. 18, Amt VII. 10 290. II. 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April. 8 Uhr abends. finden die in der heutigen Annonce verzeichneten Versammlungen statt, welche sich mit den neuen Steuervorlagen, der Reichsfinauz- reform und unserer Berfassungsnot beschäftigen. Wir erwarten, daß die Genosse« nnd Genossinnen diese Veranstaltungen zahlreich besuchen und für regen Besuch agitieren. Der Aktions-Ausschuß. partei-Hngclcgcnbciten*• Die Lichtbilder-Vorträge JeS Genossen Geck über die badische Revolution von 1849 finden statt: am 19. April in Wcißensee im Enders-Bräu. König- Chaussee 4—5, am 21. April im 6. Kreise in den Germaniasälen. Chaussee- straße 110. am 22. April im 4. Kreise in Kellers Festsälcn, Koppen- stratze 29, am 23. April im 6. Kreise üt den Prachtsälen Nordwest, Wiclefstr. 24, am 26. April im 2. Kreise in der Victoria- Brauerei, Lützowstr. III, am 27. April im 4. Kreise in Sanssouci, Kottbuser Straße 6, am 28. April in Rixdorf in Hoppes Festsälen, Hermann- straße 48—49. Eintrittskarten zum Preise von 10 Pf. bei den Bezirks- und Abteilungsführern. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Rixdorf. Den Mitgliedern des WahlvereinS hiermit zur Kennt» MS. daß die Generalversammlung am Dienstag, den 26. April, der Volksversammlung wegen nicht stattfinden kann. Da an dieser Stelle mitgeteilt wird, wann die Generalversammlung stattfindet, empfiehlt es sich, in den nächsten Tagen den.Vorwärts" genau zu beachten. Der Vorstand. Charlottenturg. Am Dienstag, den 20. d. M.. abends 8 Uhr, wird Genossin Zietz im Volkshause, Rosinenstr. 3. in einer öffent- lichen Frauenversammlung über.Die Frau im politischen Leben" sprechen. In dieser Versammlung soll auch gleichzeitig gegen die Steuerpläne Protest erhoben werden. Der Vorstand des Wahlvereins. Wilmcrsdorf-Halensee. Am Montag, den 19. April, abends S'/z Uhr. find 5t im.Luisenpark", sWilhelnrsaue 112, eine öffentliche Frauenversammlung statt. Frau Luise Zietz wird über das Thema .Die Frau im politischen Kampf" referieren. Zu dieser Bersamm- lung sind außer den Frauen auch die Männer zahlreich eingeladen. Lichtenberg. Heute findet von den bekannten Lokalen auS eine Flugblattverbreitung statt. Britz-Buckow. Dienstagabend'/ß Uhr findet bei Weniger, Werder Stt. 28, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Gemeinde- Vertreter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Tempelhof. Am Mittwoch, den 21. April, abends ö'/z Uhr. findet im„WilhelmLgarten", Berliner Straße 9, eine Bolls- Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher Landtags- Abgeordneter Genoffe Ad. Hoffmann über.Pfarrerbesoldung und daS preußische Abgeordnetenhaus" sprechen wird. Die Geistlichen des OrlS sind eingeladen. Zu dieser Versammlung wird am morgigen Montag abends 7 Uhr von den bekannten Lokalen auS eine Hand- zettelverbreitung vorgenommen. JohanniStual. Dienstag, den 29. d. M., abends 8 Uhr. findet bei Schulz, Friedrichstr. 10, die Generalversammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der tunltionärc, Bericht von der Kreisgeneralversammlung und von der eneralvcrsammlung Groß-Berlm, Vereinsangelegenheiten und Ver- schied eneS. Parteigenoffen. die ihre Wohnung gewechselt haben, werden ersucht, dies in der Versammlung bekannt zu geben. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 20. April, abends 8l/3 Uhr. findet im Wilhelminenhof die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Da der Bericht unserer Gcmeindevettreter auf der Tagesordnung steht, wird zahlreiche Beteiligung erwartet. Der Vorstand. Nieder-Schöneweide. Der Wahlverein hält an, Dienstag, den 20. d. M., abends 8'/3 Uhr, im Lokal von Adolf Stahlberg svormalS Karl Bottke), Berliner Stt. 123, seine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Borstandes und der Funktionäre. 3. Bericht von der Kreis- und der Verbands-Generalveriammlung. 4. Wahl einer ZeitungSkommission. S. Verschiedenes. Der Vorstand. Sttalau. Dienstag, den 20. d. M., abends Tfa Uhr: Mitgliederversammlung bei Locke, Alt-Sttalau 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Buck über: Gemeindeangelegenheiten". 2. Berichterstattung von der KreiS- und Verbands-Generalversammlung. 3. Ersatzwahl zum Vorstande. 4. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Kat'lShorst. Am Dienstag, den 20. April, abends'/f8 Uhr. treffen sich die Parteigenossen im„Fürstenbad" zum gemerusamen Besuch der Protestversammlung in Ober-Schvneweide. Die fällige Wahlvereinsversammlung fällt aus. Der Vorstand. Friedrichsfelde. Dienstag, den 20. April, Mitgliederversamm- lung bei BauSdorf, Berliner Sttaße 18. Die eingezogenen Mit- qlicdsbüchcr werden daselbst wieder zurückgegeben. Der Lese- abend der Frauen findet acht Tage später, am 27. d. M., statt. Der Vorstand. Treptow-Baumschnlenweg. Der Berliner Protestversammlungen tvegen fallen unsere Monatsversammlungen am Dienstag auS: die- selbe» finden am folgenden Dienstag statt. Der Vorstand. Weißensce. Die Genossen werden auf den morgen. Montag, abends 3 Uhr, im Enders-Saal, Königchauffee 4—6, stattfindende» Lichtbildervortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Ad. Geck über„Die badische Revolution" aufmerksam gemacht. Der Eintritts- preis ist, um jedermann zum Besuch dieses Vortrage« Gelegenheit zu geben, auf nur 10 Pf. pro Person festgesetzt. Der Vorstand. Tegel. Am Dienstag, den 20. April, abends 8 Uhr, findet bei Jul. Klippcnstein. Spandauer Straße 4, die Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht aus der Gemeindevertretung, Stellungnahme zu der am Dienstag, den 27. April, stattfindenden Gemeinde- vertteterwahl. Der Borstand. Pankow. Das sozialdemokratische Wahlbureau befindet sich am 1 9. April, dem Tage der Wahl, bei Ebers- dach, Berliner Straße 102 s,, Kurfürsten"). An- gesichts der kolossalen Anstrengungen uliserer Gegner ersuchen wir außer den hiesigen, die Sckiönhausener� Franz. Buch bolzer und Weißenseer. sowie die Genossen der Schön- hauser Borstadt, uns am Montag nach mittag von b Uhr ab bei den Wahlarbciten usw. zu unterstützen. Am he iltigen Sonntag, früh Punkt 8 Uhr, findet eine Kuvertverbreitung zur Wahl im ersten Bezirk von den bekannten Zahlabendlokalen aus statt. Die Ge- »offen werden ersucht. Mann für Mann zur Stelle zu sein. Die Parteigenossen der nichtbeteiligten Bezirke(Abteilung Nord) wollen sich gleichfalls heute, morgens 8 Uhr pünktlich bei Großkurt, Berliner Straße 27, einfinden. Die Genossen vom Arbeiter-Radfahrerbund werden gleichfalls gebeten, uns Hilfe zu leisten. Der Vorstand. Zernsdorf. Am heutigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Zernsdorf und Umgegend statt. Der Vorstand. Spandau. Am Dienstag, den 20. April, abends 8'/, Uhr, findet im Lokale von Fritz Böhle. Havelstr. 20, eine öffentliche Protest- Versammlung statt. Tagesordnung:„VolkLauSbeutung. Finanzreform, Verfassungskrise". Die ordentliche Generälvcrsamnilung deS Wahlvereins findet Mittwoch, den 21. April, abends S'/a Uhr. im Lokale von Borchardt mit folgender Tagesordnung statt': 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht deS Kassierers. 3. Bericht von der am 28. Februar in Staaken abgehalteneu Kreisgeneralversammlung.— Der wichtigen Tagesordnung wegen erwartet einen zahlreichen Besuch beider Ver- sammlungen_ Der Vorstand. Berliner JVacbncbtem Du sollst nicht Schätze sammeln! Die Diener der Kirche haben von jeher die Lehren des Naza- rencrs praktisch in den Grundsatz übertragen:„Richtet Euch nicht nach unseren Taten, sondern nach unseren— Worten!" Schon immer waren sie hinter den irdischen Schätzen her wie der Teufel hinter einer armen Seele. Zwar hat Jesus das bekannte Wort ge- sprockien:„Ihr sollt nicht Schätze sammeln, die der Rost und die Motten fressen!" und hat auch selbst danach gehandelt, seine»Nach- folger" jedoch kümmern sich den Deut um ihren großen Meister und huldigen unentwegt der Auffassung: Je mehr, je lieber! Sie sind die Unersättlichsten, wenn es gilt, irdische Güter zu sammeln, um sich ein angenehmes, wohliges Leben zu verschaffen. Von der Kanzel herunter aber verkünden sie mit öligen Lippen in den rührensten Flötentönen den Wert eines entsagungsreichen kümmer- lichen Erdenlebens und die fabelhaften Herrlichkeiten, die diejenigen erwarten, die hier in diesem irdischen„Jammertal" gedarbt und gehungert haben. Eine niedliche Illustration hierzu bildet folgen- »Heirat. Junger Theologe, 26 Jahre, makellosen Rufs, reich an Herzcnsgüte und edlem Charakter, der sein Studiin beendet hat«nd demnächst sein dienstliches Heim bezieht, möchte nicht allein sein. Gebildete, junge Damen im Alter von 20 bis 24 Jahren, von makellosem Ruf und 40- bis 60 000 M. Vermögen, welches sichergestellt wird, bitte um nicht anonyme Offerte nebst Bild unter E. 705 Filialexped. d. B. Bülowstraße. Strengste Diskretion zugesichert. Vermittler wollen nicht melden." Wieder einmal ein nettes Beispiel, wie die Nachfolger des ZimmermannSsohnes Theorie und Praxis von einander zu scheiden wissen._ Hundertjahrerinncrung Ott die ersten Berliner Stadtverordneten- wählen. Vor 100 Jahren, am 18. April 1809, begannen zu Berlin die Wahlen zur ersten Berliner Stadtverodnetenversammlung auf Grund des Reformwerkes der neuen Städtcordnung, welche der Bürgerschaft die Selbstverwaltung zurückgab. Berlin war damals in 102 Wahlbezirke eingeteilt. In einer Zeitung wurden die Bürger durch ein wohlgemeintes Gedicht zur Teilnahme aufgefordert. Die Wahlen fanden in den Kirchen statt. Durch zweimaliges Glocken- läuten von allen Türmen wurden die Wähler nochmals an ihre Pflicht gemahnt, nachdem sie schon vorher durch Vorbereitungspredigten von den Kanzeln aus auf de» Wahlakt hingewiesen waren. Bis zum 22. April dauerte diese erste Wahl, die ganz ruhig sich abwickelte und aus der Kaufleute, Handiverker, Fabrikanten usw. hervorgingen. Die erste Sitzung fand dann am 25. April 1809 statt; der Polizeipräsident Gruner hatte die Stadtverordneten nach dem Palais des Prinzen Heinrich, der jetzigen Universität, einberufen. Als ältester Bürger übernahm Rentier Glaser den Vorsitz. ES wurden mit großer Mehr- heit Präsident v. Gerlach und Kaufmann Humbert zu Vorstehern gewählt. Herr v. Gerlach wurde allerdings schon am 1. Mai zum Oberdürgenneistcr erkoren und alsbald vom König bestätigt. Die Stadtverordneten mußten sich jahrelang mit Mietswohnungen in der Kurstt. 60, dann in der Nicdcrlagstr. 1 begnügen, ehe sie in den städtischen Rathäusern ein würdigeres Unterkommen fanden. Neue Bestimmungen über Telegraphen- und Fernfprcch- gebühren. Ueber die Erhebung von Telegraphen- und Fernfprcch- gebühren sind einige neue Bestimmungen getroffen worden. Bei der Aufgabe von Telegrammen erhält der Absender bekanntlich auf Verlangen eine Quittung über die bezahlten Gebühren. ES sind dafür 10 Pf. zu entrichten. Es ist vom Reichspostamt bestimmt worden, daß bei der gleichzeitigen Auflieferung mehrerer Tele- grainine von einem Absender diese Zuschlaggebühr von 10 Pf. ohne Rücksicht auf die Zahl der Telegramme nur einmal erhoben wird, wenn der Absender an Stelle von Einzelquittungen oder an Stelle der Einzelaufführungen der Telegramme in den OuittungSbüchern nur eine Bescheinigung über den Gesamtbetrag der Gebühren unter Angabe der Zahl der Telegramme und der Aufgabezeit verlangt. Bei Fernsprechanschlüssen stellt die Postverwaltung auf Verlangen besondere Wecker auf. Diese Klingelapparate werden besonders dann angebracht, wenn eS sich darum handelt, den Anruf auch in anderen Räumen zu hören als in dem, worin der Apparat sich be- findet. Für diese Läutewerke ist eine jährliche Gebühr von 3 M. zu entrichten. Diese Jahresgebühr ist nach neuerer Bestimmung auch für jede Vorrichtung zur zeitweiligen Ausschaltung der Sprech- und Hörapparate bei den gernsprechstellen zu zahlen. Außerdem haben die Teilnehmer die Kosten für die Beschaffung, Anbringung und Instandhaltung der hierzu erforderlichen Apparate zu erstatten. Teilnehmer, die die Einrichtung bereits bor dem Inkrafttreten dieser Bestimmung hatten, bleiben von der Zahlung der Beträge bis auf weiteres befreit. Die Antragsteller sind darauf hinzuweisen, daß Unzuträglichkeiten, die sich aus der Einrichtung von Ausschalte- Vorrichtungen ergeben sollten, von der Neichs-Telegraphenver- waltung nicht vertreten werden. Bon Herrn Holl', dem Fortbildungsschullehrer a. D-, ist CS merkwürdig schnell still geworden. Als man ihn seines Postens cntlwb, weil von seinem Wirken an einer Fortbildungs- schule kein Segen erwartet wurde, machten seine Freunde gcwal- tigen Lärm und suchten einen Entrüstungssturm zu entfachen. Für Holtz, der im Hauptamt Gcmeindeschullehrer ist(an der 45. Mäd- chen-Gcmeindeschule. Auguststraße) und Fortbildungsschullehrer nur im Nebenamt gewesen mar(an der 6. Pflicht-Fortbildungs- schule, Abteilung Friedcnstraße), sollte die ganze Lehrer- schaft Berlins aufgerufen werden. Einspruch sollte sie erheben gegen das Unrecht, das ihm widerfahren fei. Zu einer öffentlichen Versammlung, die der»Reichsbund der deutschen Re- formpartei" für seinen Holtz veranstaltete, wurden die Lehrer durch ein an den Gemeindeschulen verbreitetes Rundschreiben besonders eingeladen. Keck wurde darin behauptet, gegen Holtz sei man »seiner politischen Gesinnung wegen" vorgegangen. Aber die Teil- nähme der Lehrerschaft blieb der Sache des Kollegen versagt. In jener Versammlung der Freunde des Herrn Holtz wurde gefragt, warum nicht die Lehrerschaft sich sofort auf die Seite deS»Gemäß- regelten" gestellt habe. Das werde schon noch gescheben, antwortete einer der wenigen Lehrer, die sich eingefunden hatten. Mit Don- nerschlägen werde es, versprach er, aus dem„Berliner Lehret- verein" herausschallen, sobald der Sachverhalt geklärt sei. Neben- bei bemerkt: auch Holtz ist seit langem Mitglied dieses Vereins, dem jetzt fast alle Gemcindeschullehrer angehören. Die„Donner- schlage" haben sich noch immer nicht vernehmen lassen, obwohl der Sachverhalt längst geklärt ist und es schon damals war. Der Lchrervcrein hat in der Sitzung, die inzwischen stattfand, das Miß- geschick des Mitgliedes Holtz nicht zur Sprache gebracht, und auch die beim Lchrervcrein bestehende„Vereinigung zur Förderung dcS Fortbildungsschulwesens" hat in ihrer inzwischen abgehaltenen Sitzung die Angelegenheit des gewesenen Fortbildungsschullehrcrs Holtz keiner Erörterung wert gebalten. Gegenüber dem Fall Holtz hat man wohl ziemlich allgemein in der Lehrer- schaft Berlins die Empfindung, daß es das beste sei, die Hände davonzulassen. Warum jetzt wir auf Herrn Holtz noch einmal zurückkommen? Weil wir gegenüber diesem Schweigen es für unsere Pflicht halten, öffentlich festzustellen, daß die von Holtz und seinen Freunden zu seiner Verteidigung vorgebrachten verdächtigenden Andeu- tungen inzwischen durch die weitere Untersuchung entkräftet worden sind. Was von ihnen zu halten sei, das war uns von vornherein klar. Aber eingesehen hat das jetzt wohl auch der Leiter der 6. Pflichtfortbildungsschule, Direktor Schulze, der als unmittel- barer Vorgesetzter von Holtz die notwendigen Ermittelungen vor- zunehmen hatte und auch nach der Amtsenthebung des Herrn Holtz seine Ermittelungsversuche noch fortsetzte. Herr Schulze hat, das mutz man ihm lassen, sich überhaupt viel Mühe gegeben, den Sach- verhalt festzustellen. Er begann damit schon am Tage nach jener Stadtverordnctensitzung, in der der Stadtverordnete Genosse Hoff- mann das Wirken des Fortbildungsschullehrers Holtz geschildert und aus einem Aufsatz eines früheren Schülers von Holtz eine Ge- dankenprobe mitgeteilt hatte. Wohl einer schleunigen Weisung des Stadtschulrats Michaelis folgend, machte Direktor Schulze sich so- fort auf und besuchte persönlich Schüler des Herrn Holtz, um sie zu befragen. Die Ergebnisse, zu denen er gelangte, erschienen der Deputation für das Fortbildnngsschulwescn schwerwiegend genug. die Amtsenthebung des Herrn Holtz zu rechtfertigen. Der Stadt- schulrat hat, als er das in der nächsten Stadtvcrordnettnsitzung bekanntgab, Herrn Holtz sogar einen»Defekt in pädagogischem Wissen und Können" vorwerfen zu sollen geglaubt. Um so mehr mußte es überraschen, daß in jener Versammlung der Freunde des Herrn Holtz behauptet wurde, Direktor Schulze selber sei anderer Meinung, halte Holtz für schuldlos und stehe nach wie vor zu ihm. Die Erklärungen, die Holtz dem Direktor gegeben hatte, wurden in der Versammlung wiederholt. In jenem Aufsatz habe er den Satz, daß»die Verwaltung der Stadt Berlin die denkbar schlechteste" sei und„im Stadtparlament meist Vaterlandsverräter sitzen, welche oie Antisemiten nicht zu Worte kommen lassen." nur deshalb nicht bemängelt, tucil er ihn übersehen habe. Zwar sei das Wort „meist" mit roter Tinte zweimal durchstrichen worden, aber das habe nicht er getan, er habe übrigens die Gewohnheit nur ein- m a l zu durchstreichen. Einem Lehrer, der in einem Aufsatz einen reichlich langen Satz ganz übersieht, hätten wir bisher nicht für möglich gehalten. Daß dle Holtzsche Regel, nur einmal zu durch- streichen, keineswegs ohne Ausnahme ist, das wurde im„Vorwärts" bereits aus dem Aufsatzheft eines anderen Schülers nachgewiesen. Herr Direktor Schulze muß das gleichfalls wissen, es kann ihm bei der Durchsicht der Aufsatzhefte, die er eingefordert hatte, nicht entgangen sein. Auch das ist jetzt Herrn Schulze bekannt, daß der Verfasser jenes Aufsatzes, als ihm die Arbeit verbessert und unter- schrieben zurückgegeben worden war, sofort Mitschüler auf die Durchstreichung des..meist' aufmerksam machte. Der jung: Mann ist kürzlich gleichfalls noch von Di- rektor Schulze aufgesucht und beftagt worden. AIS er dem Herrn Direktor diese Angaben machte, bestätigte der, daS sei ihm schon von anderen gesagt worden. Gegenüber dem offenbaren Vor- Wurf einer hinterlistigen Fälschung, der von Holtz und den Seinen erhoben worden ist, wird man an amtlicher Stelle es als Pflicht empfinden müssen, durch eine öffentliche Erklärung die Wahrheit bekannt zu geben. Wir finden, daß Herr Holtz keineswegs die Heldenrolle gespielt hat, hie mancher diesem sich so urdeutsch gebenden Manne zugetraut haben wird. Sollen wir uns noch über feine Werbearbeit für den »Deutschen Jugendbund" äußern, die er unter Fortbil- dungLschulern betrieben hat? Auch da läßt sich nachweisen, daß er wirchlich nicht die»verfolgte Unschuld" ist, für die man nach seiner Selbstverteidigung ihn halten könnte. Aber dieses Jugendbündchen ist ja ein so winziges Gewächs— ein Vereinchcn mit wieviel Mitgliedern eigentlich?— daß es wirklich nicht lohnt, ihm viel Beachtung zu schenken. Dir BcsoldllngSvorlagc für städtische Beamte ist der Stadt- verordnetenversammlung zugegangen. Sie ist die Folge der Be- soldungsänderungen für hie Beamten im Staat und Reich. Die Schwimmhalle in der Dcnuewitzsttaße ist von nächsten DienS- tag bis einschließlich Sonnabend, den 24. d. M., für Damen gesperrt, mit Ausnahme von Donnerstag abend. AuS der Hcimstättcnvcrwaltung. Nachdem in der vorletzten Sitzung des Heimstättcnknratorinm der Antrag des Genosse» Dr. Weyl auf Errichtung einer neuen Heimstätte für brustkranke Männer zum Beschuß erhoben war, wurde in der letzten Sitzung zunächst allgemeine Uebereinstlnunung darüber festgestellt, daß alle Bauten für die Heimstätten so eingerichtet werden müssen, daß sie Tag nnd Nacht, Sommer und Winter in Benutzung genommen werden können. Hiernach wurde beschlossen. mit Rücksicht darauf, daß sich der Bau eines großen Krankenhauses für Lungenkranke noch längere Zeit verzögert, auf dem Gelände der Heimstätte Buch in möglichster Nähe der bestehenden Lungen- Heimstätte hinter der Liegehalle einen Bau für 60 Pfleglinge zu errichten. Derselbe soll drei Schlafräume zu je 20 Bette», Auf- cnthaltsraum, der gleichzeitig als Speisesaal dient, sowie Zimmer für zwei Wärter enthalten. Die Heizung und Beleuchtung soll an diejenige der Hauptanstalt angeschlossen werden. Eine weitere Liegehalle wird auf dem Neubau als Obergeschoß errichtet. Die Fertigstellung des Entwurfes ist so zu beschleunigen, daß er noch vor den Ferien den städtischen Behörden zur endgültigen Beschluß« fassung zugehe» kann. I» weihen Kleidern vergiftet haben sich Freitagabend zwei Schwestern in der Pappelallee 65. Dort mietete am vergangenen Dienstag eine 28 Jahre alte Schlosserfrau Anna Sankowski aus Pankow eine kleine Wohnung. Sie brachte nur wenige Sachen mit nnd zog gleich ein. Später kam zu ihr ihre Schwester, die 20 Jahre alte Schlosserfrau Gertrud Möhring aus Nauen. Jene war drei Jahre, diese erst drei Monate verheiratet. Beide Frauen hatten ihre Männer verlassen. Was sie dazu bewog, ist noch nicht festgestellt. Die junge Frau aus Nauen brachte nur ihre Kleider mit. Freitag schrieb Iran Sankowski einer ihr bekannten Hauö- genossin, einer Tabakarbeiterin, sie habe sich strafbar gemacht, weil die Sachen, die sie mitgenommen, auf Abzahlung gekauft und noch nicht bezahlt seien. Deshalb müßte sie sich das Leben nehmen. Der Brief wurde um 12 Uhr mittags vom Postboten abgegeben. Die Empfängerin kam aber erst um Uhr abends aus der Fabrik nach Häufe. Als jetzt die von ihr benachrichtigte Revierpolizei die verschlossene Wohnung aufbrechen ließ, fand an an die beiden Schwestern neben einander in den letzten Zügen aLf dem Teppich liegen. Beide hatten sich schneeweiß gelleidet und dann Lhsol ge� trunken. Sie hatten das Bewußtsein schon verloren. Ein Arzt von der Rettungswache in der Gaudystraße brachte ihnen die erste Hilfe und ließ sie dein Krankenhaus am Frtedrichshain zuführen. Hier starb Frau Sankowski gestern morgen um 5 und Frau Möhring um IVi Uhr. lieber die Borgänge, die zu der Katastrophe geführt haben, ist noch nichts Näheres bekannt. Geldspindeinbrecher machten in der vergangenen Nacht auf dem Grundstück Köpenicker Straße TOa reiche Beute. Hier liegt auf dem zweiten Hofe für sich allein die Grabertsche Fabrik für Kupfer- fchmiedeapparate. Die Autzentür zum Fabrikgebäude öffneten die Einbrecher nut einem Nachschlüssel, in das Kontor drangen sie dann ein, indem sie eine Türfüllung herausschnitten. Mit den Schlüsseln, die sie im Kontor fanden, schlössen sie die äußere Tür des Geldspindes und des Magazins auf. Hier fanden sie schwere Werkzeuge, mit denen sie den inneren Tresor'des Geldspindes auf- brachen. Sie erbeuteten für l2l> WO M. Zinsscheine von preußischen Wertpapieren und etwa 2500 M. bares Geld. Die Täter sind wahr- scheinlich keine gewerbsmäßigen Geldschrankknacker; denn diese pflegen ihre Werkzeuge mitzubringen. Das Automobil des badischcn Gesandten Grafen Berckheim, das von einem seiner Söhne geführt wurde, stieß gestern beim Ein- biegen vom Salzufer nach der Charlottenburger Brücke mit einer Droschke zusammen. Der Anprall war so heftig, daß das Automobil zur Seite geschleudert wurde und dem 30 Jahre alten Zimmer- mann Paul Bennewitz, der gerade in diesem Augenblick vorüber- radelte, über beide Beine fuhr. Obwohl sämtliche Personen der beiden Gefährte in hohem Bogen auf den Stratzendamm geflogen waren, wurde doch niemand verletzt; auch Bennewitz, der anfangs über heftige Schmerzen am Kopfe klagte, konnte die Unfallstation unverletzt verlassen. DaS Pferd im Schaufenster. Aus einem eigenartigen Anlaß wurde gestern nachmittag der 15. Löschzug der Berliner Feuerwehr nach der Perleberger Straße 41 gerufen. Dort war ein Pferd der Bäckerei von Max Hagen in der Dalldorfer Straße 16 Plötz- lich scheu geworden und in das Schaufenster der Bäckerei von Beiser hineingestürmt. Das Tier hatte dann im Laden eine Drehung gemacht und war noch durch die Scheibe der Ladentür mit dem Kopf gerast, so daß eS nicht vorwärts und rückwärts konnte. Die Feuerwehr mußte sehr vorsichtig zu Werke gehen, da der Gaul rechts und links aus- schlug. Erst nach längeren Bemühungen gelang es, das erschöpfte Tier wieder auf die Straße zu befördern. Es hatte am Bauch eine große stark blutende Schnittwunde davongetragen und wies auch sonst»och am Kopf und an den Hinterschenkel» größere Verletzungen auf. Personen wurden bei dem aufregenden Vorfall glücklicherweise nicht verletzt. Da das Pferd viel Blut verloren hat, wird es getötet werden müssen. „Jugend heraus!" Ueber dieses Thema spricht am Sonntag. den 18. April, nachmittags 2 Uhr, in den„Prachtsälen Nordwest", Moabit, Wiclefstr. 24, Genosse Karl Lüpnitz. Die Parteigenossen werden ersucht, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter auf die Versammlung aufmerksam zu machen. Gegner find eingeladen. Ringkampfkonkurrenze» werden zurzeit im Saale der Brauerei Friedrichshain und im Palast-Theater ausgefochten. Die Akademischen Unterrichtskurse für Arbeiter, geleitet von Studenten der Berliner Universität und einem Arbeiterausschuß, beginnen in der ersten Mniwoche wieder den Unterricht in den Elementarfächern Deutsch, Rechnen, Geometrie, Algebra, Geometrie und Schönschreiben. Die Kurse finden in verschiedenen Stufen einmal wöchentlich abends 8—10 Uhr in verschiedenen Stadtteilen statt: im Gebäude des Zentralarbeitsnachweises, Rückerstr. 0; in der 8. und 63. Gemeindeschule. Gipsstr. 23a; in der Friedrich- Werderschen Oberrealschule, Niederwallstr. 12, und in der VII. Realschule, Mariannenstr. 47. Zur Deckung der Unkosten wird für jeden Kursus ein einmaliger Beitrag von 50 Pf. erhoben; außerdem sind in einzelnen Kursen noch 25— 30 Pf. für Lehrbücher zu entrichten. Außer den Kursen finden gelegentlich Vorträge, Museumsführun- gen und Ausflüge statt. Anmeldung zu den Kursen in der Kantine des Zentralarbeitsnachweises, Rückerstr. 0, von 8—10 Uhr abends, für alte Hörer am 20. und 21. April, für neue Hörer am 22., 23. und 24. April. Nähere Mitteilungen über die Art des Unterrichts und die Organisation des Unternehmens erhalten die Teilnehmer auf einer allgemeinen Hörerversammlung, die am Mittwoch, den 28. April, abends 8 Uhr, im großen Saal des Zentralarbeitsnach- weises. Eingang Gormannstraße 13, stattfindet, bei der ebenfalls noch Anmeldungen entgegengenommen werden. Der Zoologische Garten erhielt in diesen Tagen von dem bc- kannten Marburger Jndienreisenden O. Kauffmann einen junge» Aristoteleshirsch zum Geschenk, der die weite Reise sehr gut überstanden hat und jetzt neben seinen Verwandten ein Hirschgehege bewohnt. Diese sehr stattliche Hirschform trägt ein Geweih, dessen Endenzahl nicht über sechs hinausgeht, und weicht außerdem von den bei uns in Deutschland vorkommenden Arten dadurch erheblich ab, daß das Jugendkleid ungefleckt ist und der Hirsch auch zur Brunstzeit vollkommen stumm bleibt. Beitragsmarke» vom Verband der Wäfchearbeiterinnen find mit einem Portemonnaie, in dem sich außerdem noch über vier Mark befanden, gestern vormittag auf dem Wege von Landsberger Straße bis Alte Jakobstraße verloren gegangen. Der eventuelle Finder wird um Abgabe gebeten an Buth, Finnländische Straße 13 m links. Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht wurde die Feuer- wehr aus der Köpenicker Straße nach der Stralauer Allee 20b alarmiert, wo durch eine Petroleumlampe, die explodiert war, Gardinen, Kleidungsstücke usw. in Brand geraten waren. Frau Wilhelmine Fenske, die dabei schwere Brandwunden an beiden Armen und im Gesicht erlitten hatte, wurde von Samaritern der Feuerwehr verbunden. Gleichzeitig wurde der 11. Zug nach der Schleiermacher Straße 12 gerufen, wo ein Schornstein brannte. Etwas später kam in der Friedrichstr. 85 in einem Kellerschacht Feuer aus. Außerdem liefen noch Alarme aus der Belforter Straße 25, Schwedenstr. 17 und anderen Stellen ein. Arbciter-Samariter-Kolonne. Montagabend 9 Uhr findet in der 2. Abteilung. Brunnenstr. 154, die letzte UebungSstunde des Winterkursus statt. Vortrag und praktische Uebungen stehen auf der Tagesordnung._ Vorort-)Vacbricbtcn. Gemeiudewahler Pankows! Noch einmal am Tage vor der Wahl wenden wir unS an Euch. Unsere bürgerlichen Gegner, an der Spitze der Reichslügcnverband, machen die allergrößten An- st r c n g u n g e n. diese zwei uns gehörenden Sitze für sich zu erobern. Vereitelt diese Hoffnung I Benutzt den heutigen Sonntag zur eifrigen Agitation,! Macht heute alle In- differenten und Gleichgültigen, welche im ersten Bezirk wohnen. auf den morgigen Wahltag aufmerksam! Sprecht davon zu Euren Freunden und Bekannten, tragt die Nachricht der Wahl von Haus zu Haus, von Arbeits st elle zu Arbeitsstelle! Der Ausfall der Wahl am morgigen Montag kann von einer Stimme abhängen I Unsere Gegner. bi£ Euch und Eure Partei, die Sozialdemokratie, im ganzen Jahr beschimpfen und besudeln, morgen werden sie Euch schmeicheln. Sollte einer der Gegner der Sozialdemokratie Eure Wohnung betreten, um Euch einzufangen, so komplimentiert ihn hinaus., Zeigt morgen Eure Geschlossenheit, wenn es gegen den gemeinsamen Feind geht. Die Wahl findet, wie wir bereits bekannt gegeben, am morigen Montag, den 19. April, im ersten Bezirk bei E b e r s- dach, Berliner Straße 102(im„Kurfürsten"), statt. Gewählt wird in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Arbeiter Johann Hirschmeier Rendant Wilhelm Brall. Unsere Wähler wollen sich mit Legitimation der- sehen! Der Gemeindevorstand hat Wahleinladungen an die Wähler ergehen lassen. Wer von unseren Wählern eine solche Einladung nicht erhalten hat, soll sich diese sofort im Rathaus(Zimmer 25) persönlich abholen. Die Ab- holung dieser Wahleinladung vom Rathaus kann auch noch am morgigen Montag von 8 bis 4 Uhr erfolgen. Bemerkt sei noch, daß nach den neuen Listen gewählt wird; alle diejenigen, die am 1. April aus Pankow verzogen sind, werden ersucht, ihr Wahlrecht auszuüben. Der Borstand des sozialdemokratischen Wahlvereius. • Der demokratische Berein Pankow-Nieder-Schönhausen hat in seiner letzten Sitzung fast einstimmig den Beschluß gefaßt, bei der am Montag, den 19. April, stattfindenden Gemeinde- Vertreter-Ersatztvahl die Kandidaten der Sozialdemokratie, Rendant Brall und Arbeiter Hirschmeier, gleich im ersten Wahlgang zu unterstützen. » Zur bevorstehenden Gemeindewahl. Die werktätige Bevölkerung bat am Montag wieder einmal Gelegenheit, zwei Vertreter in das Gemeindeparlament zu entsenden. Daß es notwendig ist. dafür zu sorgen, daß nicht etwa die dritte Klasse noch durch weitere Mitglieder der bürgerlichen Vertreter besetzt wird, braucht hier nicht besonders betont zu werden. Eine Reihe wichtiger Aufgaben harren ihrer Erledigung. Nur erwähnt fei, daß von der neuen Schule in der Görfchstraße noch immer nichts zu sehen ist. Vor etwa einem Jahre hat die Gemeindevertretung die Pläne genehmigt. Es wurde beschlossen, im Herbst mit dem Neubau zu beginnen. Jetzt endlich im April bemerkt man ein wenig Leben auf der Baustelle. Unterdessen sind die Klassen in den einzelnen Schulen bis aufs äußerste voll- gestopft. Nach der vorliegenden Noveinbernbersicht sind in der ersten Schule noch acht Klaffen vorhanden mit einer Frequenz von 57 bis 63 Schülerinnen. Zieht man dabei in Betracht, daß hierzu die Schule in der Breitestraße gehört, wo nach Ansicht des Schularztes verschiedene Klassen durchaus nicht den Anforde- rungen genügen, so müßte bei dem Neubau erst recht ein Eiltempo einsetzen. Wenn Pankow heute einen Unterricht für zurückgebliebene Kinder oder die Institution der Schulärzle hat, so ist es nur den Vertretern der Sozialdemokratie zu verdanken. Ebenso war es mit der FortbildungS- schule. Nachdem Jahr für Jahr unsere Vertreter diese Forderung gestellt hatten, wurde endlich im vergangenen Jahre ein ent- sprechender Antrag angenommen, um im letzten Augenblick, wo nur noch eine Formalität beschlossen werden sollte, die ganze Angelegen- heit doch noch wieder zu vertagen. Nur durch einen geschickten Schachzug des Vorstehers wurde ein Antrag angenommen, am 1. April 1900 die Pflichtfortbildungsschule zu errichten. Wir sehen also. daß nur durch forwährendes Vorwärtsdrängen unserer Genossen Fortschritte erzielt werden. Immer noch warten die Einwohner von Pankow auf eine Bolksbadeanftalt. Auf den Antrag unserer Genossen wurde erwidert, daß für Pankow eine Badeanstalt nicht notwendig wäre, da ja die größte Zahl der Wohnungen im Orte Badegelegenheit hätten. Als unsere Vertreter verlangten, doch einmal eine Enquete zu veranstalten, wieviel Wohnungen Vadeeinrichtung hätten, da zogen jene Herren ihren Einspruch zurück. Jetzt haben wir bereits fertige Pläne, ebenfalls eine Bau- stelle, nur muß die Gemeindevertretung noch den Beschluß zur Her- ftellung der Badeanstalt fassen. So können wir auf fast allen Ge- bieten zeigen, daß nur durch unablässiges Anspornen der Sozial- demokralie Fortschritte für die Allgemeinheit erzielt worden sind. Wollen die Genieindewähler, daß weiter in diesem Sinne gearbeitet wird, so können sie am Montag nur den beide» Kandidaten der Sozialdemokratie, dem Arbeiter Johann Hirschmeier und dem Nendanten Wilhelm Brall zum Siege verhelfen. Charlottendurg. „Nationale Sport- und Erholungs- Gesellschaft für Knaben und Mädchen" nennt sich eine Gründung, die an zahlreiche HauShaltungS- vorstände in C h a r l o tt e n b ur g Mitteilungen über den Zweck der neuen Gründung versendet und auf einer angebogenen Karte, die durch einen Messenger-Boy abgeholt werden soll, Auskunft wünscht über die Zahl und das Alter der im Haushalt befindlichen Kinder. Um das Interesse zu wecken, sind die Mitteilungen mit der Auf- schrift:„Schulangelegenheit" versehen. Ueber den Zweck der Ein- richtung heißt es m dem Anschreiben: „Einige der bedeutendsten deutschen Großindustriellen haben vor kurzem pie Mittel zur Verfügung gestellt, eine solche„Stationale Sport- und Erholungsgesellschast für Knaben und Mädchen" zu gründen, um unserer Jugend mehr Gelegenheit zu gesunder. körperlicher und handwerksmäßiger oder sportsmäßiger Beschäftigung zu geben, als es bisher leider der Fall war. Es sollen aus den Mitteln dieser mehrere Millionen umfassenden Stiftung an den geeigneten Stellen der Stadt schöne moderne, luftige Hallen oder Säle und Plätze errichtet werden, die dazu dienen sollen, unseren Kindern Gelegenheit zu allen Arten sportlicher Betätigung HU geben, wie gleiten, Fahren, Gärtnern, Tischlern, Landwirt- schasten, soldatische Spiele(unter Führung eines Feldwebels a. D.>. Spielen an allen Turnapparaten, Fechten, Schwimmen, Rodeln usw." So sehr wir alle Bestrebungen fördern, die geeignet erscheinen. ein körperlich und geistig gesundes Geschlecht heranzuziehen, so sehr müssen wir uns dagegen wenden, wenn unter dem Deckmantel der Förderung des Sports und der Erholung politische Interessen ver- folgt werden, wie das im vorliegenden Falle beabsichtigt zu werden scheint. Will man wirklich ernstlich Sport und Erholung fördern und nur ausschließlich diese Zwecke verfolgen, so sollten die Herren, die dieser Gründung ihre Sympathie ausgesprochen haben, wie Re- gierungsräte, vortragende Räte im Kultusministerium usw., dafür wirken, daß Arbeiterturnvereinen sowie Kindergärten und dergleichen Bewegungsfreiheit gewährt würde. Zwar veranstalten letztere Per- einigungen keine soldatischen Spiele unter Leitung eines Feld- webels, sorgen aber für einen freien Geist und gesunden Körper ihrer Zöglinge. Eltrrnverei» für freie Erziehung.(Verein freie rl Kinder- garten.) Mittwoch, den 21. April veranstaltet der Verein einen Märchenabend mit Lichtbildern im Volkshause, Rosinen- straße 3. Anfang 6 Uhr. Eintritt für Kinder 10 Pfennig, für Er- Wachsens 20 Pfennig. Eine starke Beteiligung besonders seitens der Kinder wird erwartet. Rixdorf. Die Freie Jugendorganisation hat zum Sonntag, den 18. April, nachmittags 2 Uhr, nach Gröplers Festsälen eine öffentliche Ver- sammlung einberufen, deren Zweck eine Auseinandersetzung mit den Christlichen sein soll. Genosse Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn wird über«Arbeiterjugend und Bildung" sprechen. Das Mitglied der Organisation Willi Schulz wird die Ziele der Bewegung darlegen. Zu der darauf folgenden Diskussion sind eine Anzahl Leiter christlicher Vereine geladen. Arbeiter Rixdorfs! Veranlaßt Eure Kinder zum Besuch dieser Versammlung. Wenn Ihr es möglich machen könnt, erscheint selbst. Sorgt dafür, daß Eure aus der Schule entwachsenen Söhne und Töchter der„Freien Jugendorganisation� beitreten. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Unsere Gegner haben die Wahrheit dieses Satzes seit langem erkannt. Christliche Jugendvereine gibt es in Deutschland in großer Anzahl. Ihre Mitgliederzahl geht m die Hunderttausende. Wenn auch die Realität des Lebens bei den »reisten die Verdumnrrmgsarbeit ohne dauernde Wirkung sein läßt, so dürfen wir ihren Einfluß doch nicht unterschätzen, umso weniger, da ihnen alle Machtmittel des Klassenstaates zu Gebote stehen, dessen Geschäfte sie besorgen, Ein gefährlicher Brand kam gestern nachmittag in der Hermann« straße 229, in der im dritten Slock des Vorderhauses belegenen Wohnung des Klempnermeisters Wallmann zum Ausbruch. Als die Feuerwehr eintraf, war die Situation recht kritisch, da sich in« Treppenhause eine starke Verqualmung geltend machte. Im vierten Stock schwebte eine Frau Lohmann in Erstickungsgefahr, so daß schnelle Hilfe geleistet werden mußte. In weniges Minuten hatten die Löschmannschaften auf dem Hofe einen Hakenleitergang am Hanse errichtet. Mehrere Sappeure stiegen in die Wohnung der gefährdeten Frau ein und ließen sie an einer Rettungsleine auf den Hof hinab. Inzwischen waren auch schon andere Feuerwehrmänner unter Benutzung von Rauchkappen über die Treppen hinweg nach der brennenden Wohnung vorgedrungen, um festzustellen, ob etwa auch hier Menschenleben in Gefahr waren. Zum Glück fand sich niemand in dem vom Feuer ergriffenen Räume mehr vor. Die Ablöschung erfolgte dann mit zwei Schlauch- leitungen. Schöneberg. Die Wertzuwachssteuer dürste nunmehr in allernächster Zeit zur Einführung gelangen. Die vor kurzem eingesetzte Deputatron hat ihre Arbeiten beendet; das Ergebnis ist eine auS 21 Para. graphen bestehende Ordnung, die jedem Vertreter zur näheren Information zugestellt wurde. Tie neue Ordnung erstreckt sich auf die Besteuerung des Umsatzes und des Wertzuwachses. Die Um- s a tz st e u e r ist vom Käufer zu zahlen, und zwar bei bebauten Grundstücken 2 vom Hundert des Wertes des erworbenen Grund- stücks. Die Steuer verdoppelt sich, wenn die Erwerben» des Grundstücks eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist, deren Haupt- zweck auf den Erwerb oder die Verwertung von einzelnen Bau- stellen oder Grundstücken gerichtet ist. Zu einem bebauten Grund- stücke rechnet außer dem mit Gebäuden besetzten Teile noch das Dreifache der bebauten Fläibe. Alle minderwertigen oder Prodi- sorischen Baulichkeiten, wie Schuppen, Buden, Lauben, Kegelbahnen, Veranden, Ställe, gelten nicht als Gelände, es sei denn, daß ihre Umfassungswände aus Stein oder anderem massiven Material her- gestellt sind. Grundstücke, die mit Gebäuden besetzt� sind, die sich noch im Bau befinden, gelten als bebaut, sobald ein Stockwerk über Terrain im Rohbau aufgeführt ist. Die Wertzuwachs st euer hat der Verkäufer zu tragen, sie unterliegt der Wertsteigerung, die das Grundstück erfahren hat. Tie Steuer beträgt 3 Proz. des Wertzuwachses, wem« dieser mehr als 3 Proz. bis zu 6 Proz. ausmacht, sie steigt progressiv bis 25 Prozent des Wertzuwachses, wenn dieser mehr als 109 Proz. des früheren Erwerbswertes beträgt. Die Wertzuwachsjteuer wird nicht erhoben, wenn der Wertzuwachs bei bebauten Grund- stücken 10 Proz., bei unbebauten Grundstücken 3 Proz. nicht über- steigt. Damit kommt zum Ausdruck, daß der Hausbesitzer und die kleinen Berkäufe geschont, die Großgründbesitzer aber kräftig heran- gezogen werden. Die Steuersätze ermäßigen sich bei bebauten Grundstücken um 20 Proz. des Steuerertrages, wenn seit dem früheren Umsätze mehr als zehn Jahre, um 40 Proz., wenn mehr als 30 Jahre verflossen sind, dagegen erhöhen sich die Steuer- sähe bei unbebauten Grundstücken um 3 Proz., wenn seit der rechts- gültigen Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Gelände, zu welchem des Grundstück gehört, Umsätze stattgefunden haben. Sind sei dem letzten Umsätze mehr als drei Jahre vergangen, so werden 4 Proz. und nach mehr als zehn Jahren 10 Proz. erhoben. Die Steuer steigt dann um 1 Proz. für jedes weitere Jahr, bis zu 50 Proz. Um Steuerhinterziehungen zu vermeiden, ist folgendes fest- gelegt: Wird dem Erwerber die Zahlung der Wertzuwachssteuer durch den Veräußerer auferlegt, so erhöht sich der steuerpflichtige Wertzuwachs um den Betrag der Wertzuwachssteuer. Vorgesehen sind Steuerbefreiungen bei Erbschaften und Schenkungen sowie Anrechnungen besondere Ausgaben und Zuwendungen. Als Termin der Ermittelung des Wertzuwachses wird der 1. April 1895 zu- gründe gelegt. Mit der Annahme dieser neuen Ordnung tritt die Umsatzsteuerordnung vom 5. April 1906 außer Kraft. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf. Am Mittwoch, den 21. April, abends von 6'/� Uhr ab, findet im Luisenpark", Wilhelmsaue 112, die Ergänzungswahl vi» 32 Delegierten zur Wilmcrsdorfer Ortskrankrakaffe statt. Wir er- suchen alle Mitglieder vorgenannter Kasse vollzählig zur Wahl zu erscheinen und ihre Stimme nur den von der Gewcrkschaftskommisfiou aufgestellten Kandidaten zu geben. Die Parteigenossen und Gewerkschaftskollegen werden gebeten, alle in Betracht kommenden Personen zu ermahnen, ihr Wahlrecht auszuüben, vor- nehmlich auf auswärtigen Bauten, die von Wilmersdorfer Arbeit- gebern hergestellt werden. Jedes Mitglied besorge sich eine Legitimation oder Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers. Freiwillige Mitglieder legitimieren sich durch ihr Mitgliedsbuch. Legitimationsformulare sind im Kafienlokal sowie den Meldestelle» unentgeltlich abzuheben. Uebe jeder sein Wahlrecht aus. DieGewerkschaftS-Unterkommifsiou. Der Bezirksausschuß gegen de« Steuervertrilungsplau. Sind schon die Kommunalvertretungen dank einer antisozialen Gesetz- gebung auf Begünstigung einer eigennützigen Grundbesitzerclique angelegt, so suckien die völlig sozialistenfreien Bezirksausschüsse erst recht jeden bedenklichen Schaden vom Besitz abzuwenden. Dies sollte am Sonnabend die Stadtvertretung von Wilmersdorf zu ihrer Ueberraschung erfahren. An Stelle der ursprünglich geplanten Erhöhung der Kanalisationsgebühren beschloß die Stadtverordnetenversammlung bei der Beratung des Etats eine Erhöhung der Gemeindegrundsteuer von 4,4 auf 5 pro Mille eintreten zu lassen, soweit unbebaute Grund- stücke in Betracht kommen. Hiergegen haben die Terrain- gesellschaften Einspruch erhoben; und der Bezirksausschuß hat ihrer Anscharnrng, daß die in Wilmersdorf beschlossene Steuereinteilung nicht dem§ 54 des Kommunalabgaben« gesetzes entspricht, zugestimmt. Dieser Paragraph besagt in« wesentlichen, daß die vom Staat« verlangten Realsteuern höchstens zu einem um die Hälfte höheren Prozentsatz zur Kommunal- steuer heranzuziehen sind als Zuschläge zur Staatseinkommensteuer erhoben werden und daß mehr als 200 Proz. der Realsteuern in der Regel nicht erhoben werden dürfen. Es scheint nicht, daß der Magistrat der Entscheidung des Bezirk«- ausschusses entgegenzutreten gewillt ist. Denn er hat sich vorab da- mit abgefunden, daß der Bezirksausschuß in die Erhebung der Gemeindegrundsteuer von 2,2 von« Tausend des gemeinen Wertes der bebauten Grundstücke und von 4,4 vom Tausend des gemeinen Werte« der unbebauten Grundstücke erhoben werde. Der durch die Entscheidung deS Bezirksausschusses entstehende Steuer- ausfall von 114500 M. soll auS dem Ausgleichsfonds gedeckt werden. (Sroh-Lichterfelde. Eine Revolvrrschießerei wurde gestern nachmittag auf den Vorortzug 429, der von Wildpark nach Berlin fährt, verübt. Als der Zug gerade den Bahnhof Groß-Lichterfelde-West verlassen hatte, fiel aus dem dicht an das Stationsgebäude grenzenden Garten ein Schuß, der das Fenster eines Abteils 2. Klasse durchschlug und zer- trümmerte. Der Fahrgast, der den Platz am Fenster inne hatte. wurde nur dadurch vor Schaden bewahrt, daß er im Gespräch«mt seinem Gegenüber vornübergebeugt saß. Sonst hätten ihn das Geschoß und die Glassplitter am Kopfe getroffen. Der unverschämte Schütze ist nicht ermittelt. Vritz-Bmkow. Die Delegiertenersatzwahl der Ortskrankcnkaffe findet am DienS- tag, den 20. d. M., nachmittags 6 Uhr, im Lokal des Herrn Raddatz, Chausseestraße 39 statt. Als Legitimation dient das Mitgliedsbuch. Lichtenberg. Stadtverorbnetcnfitzung. Endlich— am Freitag— hat die Spezialberatung des Etats begonnen. Zunächst beschäftigte noch- mals die Schankkonzessionssteuervorlage die Versammlung. Tie Borlage lourde schließlich mit 24 gegen 21 Stimmen abgelehnt. Die Etatberatung tvurde eingeleitet durch einen Protest unserer Fraktion. Genosse Brühl ersuchte um Auskunft darüber, weshalb die Etatberatung so weit hinaus verschleppt worden sei, obwohl die Etatkommission Ende März ihre Arbeiten beende. Ferner verlangte Redner Auskunft darüber, aus welchen Mitteln die laufenden Aus- gaben für das neue EtatSjahr gedeckt worden feien. Der Stadt- verordnetenvorsteher machte das Osterfest für die Verzögerung verantwortlich; der Bürgermeister Ziethen bemerkte, die Vcrwal- tung sei in einer Zwangslage gewesen und habe aus alten und neuen Mitteln geschöpft. Unsere Redner betonten, daß mindestens die Vorlegung eines Notetats am Platze gewesen wäre, um den gesetzlichen Formen zu genügen. Ein Antrag Tüwell, eine General- diskussion stattfinden zu lasten, wurde abgelehnt. Genosse Brühl als Berichterstatter zum Etat des Gaswerks, der als erster beraten wurde, betonte, daß alle Anträge der sozialdemokratischen Minder- heit auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der städtischen Arbeiter abgelehnt worden seien. Genosse Grauer kritisierte die öffentliche Beleuchtung der Straßen, selbst die Hauptstraße, die Frankfurter Allee, sei nicht zeitgemäß beleuchtet. Ter Magistrat sagte Verbesserung zu. Die Gasbiessermieten sollen um 19 500 M. erhöht werden. Ein Antrag unserer Genossen, die Miete für dreiflammige Gasmesser nicht zu erhöhen, um der ininderbemittelten Bevölkerung den Bezug des Gases zu ermöglichen, der vom Genossen Spiekermann eingehend begründet wurde, fand nicht Gnade vor den Augen der Mehrheit. Das gleiche Schick- sal teilten sämtliche erneut gestellten Anträge unserer Fraktion auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der städtischen Arbeiter. Der Antrag auf Einführung von Wochenlöhnen. Be- zahlung der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit mit einem höheren Lohn wurde in namentlicher Abstimmung mit 26 gegen 13 Stimmen, die Bezahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld mit 26 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Die Erhöhung der Abschreibungen um 10 000 M., von 25 000 auf 35 000 M.(die Werksdeputation hatte ursprünglich 50 000 vorgesehen) wurde eben- falls abgelehnt. Daß die Schuldenwirtschaft in noch verschärftem Maße als bisher fortgeführt werden soll, bewies die Wlehnung eines Zlntrages, die 60 000 M. betragende Summe für Anschaffung von Gasmessern wie bisher aus laufenden Mitteln zu decken. Aus allen Debatten ging hervor, daß die Mehrheit keine Ausgaben machen will, die den Arbeitern zugute kommen. Spandau. Mit dem üblichen Pomp wurde am Mittwoch hier bei strömen- dem Regen das Denkmal Wilhelms l. enthüllt. Die üblichen Ordens- dekorationen sind auch nicht ausgeblieben. Es haben u. a. erhalten der freisinnige Stadtverordnetenvorsteher Schröder, der konservative Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter L ü- dicke und der konservative Stadtverordnete Bender den Roten Adlcrorden vierter Güte. Die Arbeiter bringen solchen Dingen kein Interesse entgegen. Auf zirka% Stunden hatte man den Verkehr an der Garnisonkirche gesperrt. Selbst die Straßen- bahn durfte nicht durchfahren. Wer den Staat als Musterarbeitgeber bewundern will, der gehe nach dem hiesigen Personenbahnhof. Dort werden jetzt die Anhöhungsarbeiten ausgeführt. Da wird man dann bemerken, daß bei diesen wahrlich nicht leichten Erdarbeiten ausländische Frauen beschäftigt werden. Wieviel der Staat den Frauen pro Tag zahlt, ist bisher nicht ermittelt worden, da sie meist nur polnisch sprechen. So viel ist aber sicher, daß ihnen der hier ortsübliche Tagelohn nicht gezahlt wird. Wie hoch muß da dem Arbeiter das Herz vor Vaterlandsliebe schwellen, wenn er sieht, wie Vater Staat ihn vor so schwerer Arbeit bewahrt und lieber polnische Arbeiter und Ar- beiterinnen damit betraut. Der Eisenbahnfiskus frägt nicht da- nach, wenn hunderte hiesiger Arbeiter arbeitslos sind, für ihn ist die Hauptsache, daß er billige Arbeitskräste erhält. Hlocden-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernbnus maus. Abends: Elektro. Sonntag: Nachmittags 2'/, Uhr: Die Fieber» (Ansang 8 Uhr.) Montag: Tamihäuser. Diens- tag: FigaroS Hochzeit. Mttwoch: Aida. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Elektra.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Joseph in Aegypten. Sonntag: Mignon. Montag: Das Rheingold.(Ansang 7'/2 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Nora. Montag: Die Jäger. Dienstag: Die Ouitzows. Mittwoch: Nora. Donnerstag: MrS. Dot. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Nora. Sonnlag: DI« Rabensteinerln. Montag: Eolberg.(Anfang 7st, Uhr.) Neues königl. Opern-Xheater. Sonntag: Nachmittags 2'/. Uhr: Was ihr wollt. Abends 7l;2 Uhr: Die Journalisten. Montag bis Sonn- abend: Geschlossen. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Coppelia. Montag: Geschloffen. Deutsches Theater. Sonntag: Faust. Montag: Ein Sommer- nachtstraum. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag: Faust. Montag: Revolution in Krähluinkel.(Ansang 71/, Uhr?) Deutsches Theater.(5t a m m e r> p i e l e). Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Der Gras von Gleichen. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: Zum ersten Maie: Wolkenkuckucksheim.(Ansang TU Uhr.) Sonnabend: Der Arzt am Scheide- wege. Sonntag: Wollenrucknckshcinr Montag: Der Gras von Gleichen. (Ansang 8 Uhr.) Lessiug-Dheater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Raub der Sabi- nerinncn. Abends: Der König. Montag: Bund der Jugend. Dienstag: Der König. Mittwoch: Nora. Donnerstag: Griielda. Freitag: Die Stützen der Gesellschaft. Sonnabend: Der König. Sonnlag: Nachmittags 3 Uhr: Die versunlene Glocke. AbcndS: Der König. Montag: Gespenster. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonnlag: NachniitlagS 3 Uhr: Bartel Turaser. Abends und Montag bis Freitag: Einer von unsere Leut'. Sonnabend: Zum ersten Male: Ein Herbstmanöver. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends und Montag: Ein Herbftmanöver.(An- sang 8 Uhr.) Neues Schmispielhaus. Sonntag: Pech-Schnlze. Montag: Nachtasyl. Dienstag, Mittwoch. Donnerstag: Pcch-Schulzc. Freitag: Zum ersten Male: Mahe.(Ansang TU Uhr.) Sonnabend, Sonntag: Mahs. Montag: Nachtasyl.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2X2=5. Abends und Montag bis Sonnabend: Moral. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: 2X2—5. Abends und Montag: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Die sremde Frau(La femme X.). (Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Abends und Montag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Kümmere dich um Amelie. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Abends und Montag: Kümmere dich um Amelie. (Anfang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Carmen. Montag: Tiefland. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Tiesland. Donnerstag: Die verlauste Braut. Freitag: Carmen. Sonnabend: Zaza. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Tiesland. Abends: Carmen. Montag: HoffmannS Erzählungen.(Anfang 8 Uhr.) Hebbel-Theater. Sonntag: Revolutionshochzcit. Montag: Die Möwe. Dienstag. Mittwoch: Revolutionshochzeit. Donnerstag bis Montag: Arsene Lupin.(Ansang 8 Uhr.) Trianon- Theater. Allabendlich: LiebeSgewittcr(Ansang 8 Uhr.) Heute und nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Satyr. Neues Operetten- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das verwunschene Schloff. Abends und bis Sonnabend: Die Dollarprinzessin. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das verwunschene Schloß. Abends und Montag: Die Dollarprinzessin.(Anfang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Lore. Zum Ein- siedler. Blau. Abends und Montag bis Sonnabend: Im Klubsessel. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Die baue Maus. Abends und Montag: Im Klubsessel.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Walzer- träum. Abends und Montag, Dienstag, Mittwoch. Donnerstag. Freitag, Sonnabend: Der Jockeyllub. Sonntag: Nachmittags 3>/, Uhr: Ein Walzertraum. Abends und Montag: Der Jockeyllub.(Aus. 8 Uhr.) Schiller-Thenter O. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ein Volks- semd. Abends und Montag, Dienstag: Die Welt in der man sich langweilt. Mittwoch: Die Karolinger. Donnerstag, Freilag: Die Welt, in der man sich langweilt. Sonnabend: Zum ersten Male: Doktor Klaus. Sonntag: NachmiitagS 3 Uhr: Ein VoltSjeind. Abends und Montag: Doktor Klaus. (Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theatcr Charlottenburg. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr- Rechts herum. Abends und Montag, Dienstag: Macbeth. Mittwoch: Die Welt, in der man sich langweilt. Donnerstag und Freitag: Macbeth. Sonnabend: Das Opferlamm. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Rechts herum. Abends und Montag: Macbeth.(Anfang 8 Uhr.) Friedricti-WilhelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag: Nach- mittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends: Othello. Montag: Der Dorsthrann. Dienstag: Othello. Mittwoch: Der Dorstyraiin. Donners- tag: Lumpacivagabundus. Freitag: Der Dorsthrann. Sonnabend: Susarenjicber. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Schlagende Wetter. Abends: thello. Montag: Der'Dorsthrann.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: CharleyS Tante. Abends und Montag. Dienstag. Mittwach. Donnerstag, Freitag, Sonn- abend: Wo wohnt sie denn? Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Ihr Sechs. Uhr-Onkcl. Abends und Montag: Wo wohnt sie denn?(Ansang 8 Uvr.) Luisrn-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Romeo und Julia. Abends: Das Mädel ohne Geld. Montag: Swaffenbabns ahrer Krause. Das Versprechen hinterm Herd. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Der Totschläger von Paris. Donnerstag: Matte, Tochter des Regiments. Freitag: Faust. Sonnabend: Matte, Tochter des Regiments. Sonntag: Faust. Montag: Das Mädel ohne Geld.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Operetten-Theater biW. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Das Stistungssest. Abends: Das Himmelbett. Montag bis Freitag: Der Verschwender. Sonnabend: Lumpacivagabundus. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Wends: Lumpacivagabundus. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8'/, Uhr, Sonntags 8 UhrF Gastspicl-Theater. Allabendlich: Der Hund von BaSkerville. Sonn- tag: Nachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. AbcndS: Der Hund von Basler. ville.(Ansang 8 Uhr.) Bernhavh Rose- Theater. Sani, lug: NachmillagS 3 Uhr: 5k, Grille Abends: Apritz-Pyritz. Montag: Reiterattacke. Dienstag: KhxUi- Pvrip! Mittwoch: Reiterattacke. Donnerstag: Graf Essex. Freitag: Kh"tz- Ppritz. Sonnabend: Ehrliche Arbeit. Sonntag und Montag: Gras Cffcx. �FolteS�Caprice. Täglich: Insolvent. In lauschiger Nacht.(Ansanz ''* Casino-Theater. Sonntag: Nachmittags 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Allabendlich: Ackermann.(Ans. 8 Uhr.) Gebr. Herrnfcld-Theatcr. Allabendlich: Meme-Deine Tochter. Der selige Nicmann.(Ans. 8 Uhr.)... Metropol- Theater. Allabendlich: Donnerwetter— tadello». � ��tkteickishallen- Theater. Allabendlich: Slettwer Sänger. Gustav Bebrens- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabend- lich: Spezialitäten._,__,_.. Urania- Theater. Tanbenstraffe 48/43. sonntag. Montag DienS. tag: Auf den Trümmern MessinaS. Mittwoch: Von Abbazia bis Koriu. Donnerstag: Aus den Trümmärn Messtnas. Freitag: Von Abbazia bis Korsu. Sonnabend: Aus den Trümmern Mcssinas. Sonntag: Bon Abbazia bis Korsu. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidcnstr. 57—62.„, Wintergarten. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr und allabendlich! Spezialitäten.'___„.,„., Apollo-Theater. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr: Onktt Sisimir. Spezialitäten. Allabendlich: Der junge Papa. Geschwister Wiesenthal. Spezialitäten.(Ans. 8 Uhr.) Pastage-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich! Spezialitäten..._, Walhalla-Theater. Sonntag: Nachmittags 3'/, Uhr und allabendlich: Spezialitäten. Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. VrnmlcKtes. Eine entsetzliche Familientragödie hat sich in dein benachbarten Fürstenwalde ereignet. Der Ingenieur Alfred Tauchert ließ vor» niittags, da er geschäftlich zu tun hatte, seine 21 Jahre alte Frau, mit dem 3 Wochen alten Töchterchen allein. Als er nach zwei Stunden zurückkehrte, bot sich ihm ein grausiger Anblick. In den, Schlafzimmer fand er seine Frau neben dein Ofen, am ganzen Körper entsetzlich verbrannt, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gebend. In dem halb verbrannten Bettchen lag das Kind, dessen rechte Körperseite mit schweren Brandwunden bedeckt war. Wie ein sofort hinzugerufener Arzt feststellte, hatte die junge Mutter das Kind und sich selbst töten wollen. Sie hatte die Betten des Kindes»»id ihre eigene Kleidung mit Petroleum getränkt und aiigezüiidet und sich dann noch die Adern an der linken Hand und am Halse zu öffnen versucht. Mutter und Kind wurden nach dem städtischen Krankenhause geschafft, wo das Mädchen kurz nach der Eiuliefening, die Mutter am Nachmittag starb. Was die Ver« anlassung zu der erschütternden Tat gegeben haben kann, ist völlig unbekanilt. Wahrscheinlich hat die Frau die entsetzliche Tat in einem Anfall geistiger Störung verübt. Bei einer Fcuersbrnnst sind, wie aus Steinamanger gemeldet wird, in dem Orte Paßtorhaza 72 Häuser eingeäschert worden, wo- bei einige Personen schwere Verletzungen davontrugen. Man be- fürchtet, daß mehrere Greise und Kinder in den Flammen um- gekommen find. Ein starker Erdstoß wurde, wie eine Meldung aus Barcakeone besagt, gestern abend 11 Uhr 45 Minuten in dortiger Gegend ver- spürt. Derselbe rief in der Bevölkerung große Bestürzung hervor. richtete aber keinen-Schaden an. Unter den Trümmern begraben. Wie eine Meldung aus Messina besagt, sind bei den Auf-" räumungSarbeiten sechs Arbeiter von einer zusamntenstürzenden Mauer verschüttet worden; drei von ihnen konnten verletzt unter den Trümmern hervorgezogen und ins Hospital gebracht werden. Witterungsüberstcht vo», 17. April 1S«S. morgen« S Uvr. Klutwnni ~ 1 2 c So -§ c H i? 762SSO 7611®® 762 SO 763 SS 763 SW 765 SSW Wetter 2 bedeckt 3woirenl 2 bedeckt 3 halb bd. 2 wollig 1 bedeckt (*£ t* Hi Haparanda 764 N Petersburg 751 NO Scillh 758 SSW Swmemde Hamburg S erlin Frants.a.M Wünchen Wien Wetterprognose für Sonntag, den 18. April l»«S. Ziemlich mild und zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regen- fällen und lebhaften südwestlichen Winden. Etationen SB Ü Sc II B? Aberdeen Patts 756 Still 764 SO Wetter 2bedcckt 2 bedeckt 4 bedeckt heiter Iwoltenl B" S* £» —2 8 11 4 V Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schla, Stellen-Anzeigen 5 Ptg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse«, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(fehlerhafte) Gelegen» hcitskaus. Fabrillager Mau erhoff, Große Franksuttersfraffe 3. Flurein- gnng. Vorwärtslcsern 6 Prozent Extrarabatt. 1614R* �Steppdecken billigst Fabrik Große Frantsurierftraffe 3, Flurcingang. GardinenhauS, Groge Frank- surterilraffe 3, Flurcingang. 1613K* Klasflker-AuSgabcn. Goethe, Heine, Reuter, Schiller. Sbateipcare, je vier Bände 6,— Mark. Eichendorff, Hauff, je zwei Bände 3,50 Mark. Burger, Kleist, Leuaiz, Uhland, Wieland und andere, je ein Band 1,75 Mark. Ex- p- vition, Lwdenstraffe 69, Laden. 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