Kr. 91. RbonnemctitS'ßedlngungeo: ÄbonnementS- Preis pränumerando i BiertcljShrl. 3,30 SO«, Mona«, 1,1C 2JH„ wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well' 10 Psg. PostAbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitungs- Prerslikte. Unter Kreuzband für 2icutsc7mnd und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, ölchelnt täglich auBtr montags. Verlinev Volksblttti. 26* Jahrg. Die TnfertlonS'Gebüitr beträgt für die sechsgespaltcnc Kolonetzeile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlfchasiliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigeii 30 Psg. „Uletne Anaeigcn", das erste fsclt- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Borte. Inserate für die nächste Numnier niüsscit bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet! Telegramm- Adreffe: „SoaialilellioMt Rerlin'*. Zentralorgan der fozialdemokrat» fcben Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 Tl. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt TV, Nr. 1983. DieuStag. den 30. April 1909. Expedition: STl. 68» lUndenstrasse 69» Kernsvrccher: Amt IV, Nr. 1981» Unstet zur Maifeier! Der Schacher um des Volkes Haut. Heute, Dienstag, tritt der Reichstag wiederum zusammcu. Seine wichtigste Aufgabe wird es nach wie vor sein, einen Ausweg aus dem Dilemma der Finanznot zn finden und den Plünderungszug gegen die Taschen des Lölkes, so sich Reichs- finanzreform benamset, zu einem für die Regierung und die besitzenden Klassen günstigen Ende zu bringen. Denn die Regierung braucht die halbe Milliarde, um die namentlich durch die ungeheuerlichen Flottenrüstungcn kolossal gesteigerten Ausgaben cinigcrmafien decken zu können, und die besitzenden Klassen— ob Agrarier, ob Börscancr, ob Schlotbarone— find sich darin vollständig einig, daß sie m ö g l i ch st w e n i g zu den Steuern selbst beitragen. dagegen um so stärker die große Masse des nichtbesitzenden Volkes heranziehen wollen. Darüber besteht unter allen Schichten der Bourgeoisie und unter allen Parteien voll- ständige Einhelligkeit. Dem Stcuerzahlen aus der eigenen Tasche sind sie sämtlich abholt. Es ist ein hahncbüchcn plumper Schwindel, wenn sich jetzt das Zentrum als den Hüter der Interessen der Nichtbesitzenden aufzuspielen sucht und verlangt, daß 2j0 von den oOO Millionen durch direkte Bcsitzsteuern oder wenigstens solche indirekte Steuern aufgebracht werden, die in der Hauptsache von den Besitzenden getragen würden. Als ob das Zentrum nicht schon fest entschlossen gc- Wesen wäre, mit den steuerscheuesten Agrariern zusammen die Finanzreform zu machen, eine Finanzreform, die sicherlich zu vier Fünfteln aus den bösartigsten indirekten Steuern bc- standen hätte l Durch das Drängeln um die Partnerschaft im Steuer- block, durch die fortgesetzten Intrigen und Komprmnisscleien, namentlich den widerlichen Zank um die Nachlaßsteuer ist faktisch sür breite Kreise der Bevölkerung die Frage der Reichsfinanzreform oder richtiger AXl-MillionenschröPfung in einen ganz schiefen Gesichtswinkel gerückt worden. Und die Regierung und die Parteien, speziell auch die biederen Blockfreisinnigen, haben alles aufgeboten, um die Frage der MO-Millioncnschröpfnng zugunsten des MarinismuS und der Weltpolitik sich zu der Frage verflüchtigen zu lassen. ob nicht schließlich doch die Konservativen oder wenigstens Teile von ihnen dazu bewogen werden könnten, in die Er- Weiterung der Erbschaftssteuer in irgend einer Form, sei es selbst der abgeschwächten Form der Erbanfallsteuer, zu willigen. Sn Wirklichkeit war diese Frage nichts als ein häuslicher trcit unter den bürgerlichen Parteien. In Wahrheit handelte es sich bei dem Zank und den Intrigen um die Erbschaftssteuer nur darum, ob die Konservativen die neuen Steuern schließlich mit dem Zentrum oder den Blockliberalcn machen würden. Es handelte sich dabei im wesentlichen nur um die Form, die Verteilung der Besitzsteuern, nicht aber, w.ie das Zentrum glauben machen will, auch um deren Höhe, deren Prozentsatz im Verhältnis zu den der Masse auf- zuerlegenden indirekten Steuern. Das ganze Ränkespiel um die Erbschaftssteuer war also ein häuslicher Zwist innerhalb der die Interessen der besitzenden Klassen vertretenden Par- teien. Und so interessante Einblicke auch dies Ränkespiel in den Charakter der verschiedenen Parteien gewährte— in die intrigante Demagogie des Zentrums, den nackten Egoismus der Junker und die verächtliche Lakaicnseligkeit des Block- freisinns— so durften die Nichtbesitzendcn darüber auch nicht einen Augenblick vergessen, daß die Riemen, die man aus ihrer Haut schneiden würde, um keinen Millimeter dünner oder kürzer sein würden! Im Gegenteil: je hartnäckiger sich die besitzende Klasse untereinander um die Verteilung der Besitz steuern balgte, je mehr Zeit sie bei der Nachlaß- steuer vertrödelte, desto �näher rückte die Gefahr, daß sie dann bei den indirekten Steuern umso kürzeren Prozeß machen, umso skrupelloser die Masse der nichtbesitzenden Klasse belasten würde! Einzelne Schichten derer, die durch die indirekten Steuern mitgetroffen werden, haben sich denn auch bereits übertölpeln lassen. So die Mittelst ändler, die sich unter der Be- gönncrung der Regierung dazu mißbrauchen ließen, für das Reichsfinanzreformprojckt der Regierung Stimmung zu machen. Unter dem Vorwand, den Widerstand der Junker gegen die Nachlaßsteuer zu brechen, hat man diese Kreise zu der Erklärung veranlaßt, daß im Falle der Einführung von Besitzsteuern in Höhe von 1(X) Millionen auch gegen die 400 Millionen indirekter Steuern nichts einzuwenden sei l Ebenso kurzsichtig haben sich die Beamten in ihrer Demonstration am Sonntag nicht nur für Vesitzstcuern sondern auch sür die unvcrhältniS- mäßig schwere Schröpfung der Nichtbesitzenden aus- gesprochen. Und das taten dieselben Beamten, die sich so erbittert über die Verteuerung deS Lebensmittel beklagten I Das Proletariat freilich läßt sich nicht so leicht Sand in die Augen streuen. Es übersieht nicht den wichtigsten Punkt: das Attentat auf die Taschen der nichtbesitzenden Klasse. Es weiß, daß wenn an Besitzsteuern 20 oder 25 Proz. der geforderten 500 Millionen aufgebracht werden, das Proletariat schließlich doch wieder den Löwenanteil der übrigen 75 oder 80 Prozent aufbringen muß. Mehrere hundert Millionen Mark neuer Steuern sollen aus dem Proletariat herausgepreßt werden, das ohnehin so furchtbar unter der endlos sich hinschleppenden Krise leidet. dessen Lebens- Haltung ohnehin bereits wieder herabgedrückt worden ist! Und das Proletariat übersieht auch nicht, wofür denn die 500 Millionen neuer Steuern gebraucht werden! Sie sind einzig und allein notwendig geworden, weil sich die Ausgaben für unsere Flottenrüstungen, für unsere Kolonialpolitik in dem letzten Jahrzehnt so ungeheuerlich gesteigert haben. Um also eine Politik fortzusetzen, die uns rettungslos einer internationalen Krise entgegentreiben muß. soll die Masse des Volkes abermals um mehrere hundert Millionen Mark gc- schröpft werden! Der wieder zusammengetretene Reichstag wird bemüht sein, den häuslichen Hader um die„Besitzsteuern" vollends zu schlichten, um möglichst rasch die Stcuerausplünderung der Besitzlosen in Gesctzesform zu bringen. Da ist es höchste Zeit, daß die Massen sich rühren und millionenstimmigen Protest erheben gegen den niederträchtigen Schacher um des Volkes Haut!_ Die Dernonftration der Beamten. Der erste preußische Bcamtentag fand am IS. April in Berlin statt. Wohl 10 000 Beamte hatten sich auf die Einladung hin eingefunden. Da der Riesensaal der„Neuen Welt" wegen Heber- füllung polizeilich abgesperrt wurde, wurde noch schnell im großen Saal der Happoldtschen Brauerei eine zweite Versammlung arrangiert. Wie die„Deutsche Tageszeitung" Montag abend beruhigend mitteilt, war an der Einladung des Beamtentages die R e» gierung in keiner Weise beteiligt. Auch der Verband deutscher Veamtendereine war nicht der Arrangeur des Beamten- tages. Immerhin war die Beteiligung eine so große und die Grundstimmung in der Versammlung eine so einheitliche, daß schwerlich bestritten werden kann, daß die Wünsche der Beamten in den Demonstrationsversammlungen ihren Ausdruck fanden. Der Hauptredner, ein Redakteur C 0 b ö I e n, besprach wesentlich die Beamtenbesoldungsfragen. Er führte unter anderem aus: Die Regierung hat selbst anerkannt, daß die Lebenshaltung gegen früher um 20 Proz. teuerer geworden ist. Trotzdem bringt uns die preußische Besoldungsvorlage nur eine Aufbesserung um 7 Proz.(Lebhaftes Hört! hört!) Man hat also nicht einmal eine halbe Arbeit gemacht! Die Vorlage, die dem preußischen Ab- geordnetenhause vorgelegt wurde, ist Flick- und Stückwerk. Von den Machenschaften des preußischen Abgeordnetenhauses will ich gar nicht reden.(Sehr gut!) Herr v. Rheinbaben hat im Abgeordnetenhause gesagt, an Wohlwollen für die Beamten sei er von niemandem zu übertreffen.(Gelächter.) Wir haben von diesem Wohlwollen bisher nur sehr wenig gemerkt.(Lebhafte Zustimmung.) Aber wir wissen aus sicherer Quelle, daß die Verquickung von Reichsfinanzreform und Reichsbesoldungsvorlage auf Herrn v. Rheinbaben zurückzuführen ist.(Stürmisches Hört! hört!) Die Beamten- besoldung wird als Vorspann für die Reichsfinanzreform benutzt. — Was die Behandlung der preußischen Besoldungsvorlage durch dos Abgeordnetenhaus anlangt, so müssen wir Protest einlegen gegen die beleidigende Interesselosigkeit der Abgeordneten für unsere Sache.(Sehr richtig!) Wenn Be- amtenfragen zur Sprache gebracht wurden, verließen sie flucht- artig den Saal.(Großer Lärm und lebhafte Pfui-Rufe!) Der Antibeamtenblock des Abgeordneten- Hauses, dem alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie angehörten, war die Quit- tung auf die politische Indolenz der Beamten» schaft.(Sehr richtig!) Wenn jeder Beamte sich seiner Pflichten so bewußt wäre wie die Arbeiter, dann wäre die ganze Hasen- Heide heute überschwemmt.(Sehr richtig!) DaS schönste, waS uns beschert worden ist, hat uns das Herrenhaus gegeben. (Lachen.) In ihm machen sich jene Elemente breit, die von den Wählern unabhängig sind. Dieselben Leute, die jetzt gegen die Regierung obstruieren, die der Finanznot des Reiches kein Qpfer bringen wollen, und für die der Grundsatz gilt: Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut, stellen sich hin und erlauben sich, im Herrenhause den schweren Vorwurf gegen die Beamten zu erheben, daß die Disziplin gelockert sei, und daß ähnliche Ver° Hältnisse vorherrschen wie in Frankreich.(Stürmisches Hört! hört! und lebhafte Pfui-Rufe.) Dabei weiß in Deutschland jedes Kind, daß ein deutscher Beamter sich niemals zu einem Streik herbeilassen wird.(Allgemeine Zustimmung.) Die Reichsfinanz- reform und mit ihr die Reichsbesoldungsvorlage ist gefährdet infolge der Weigerung der begüterten Kreise, in genügender Weise zu den neuen Steuern beizutragen. Im übrigen wollen wir erklären, daß wir uns mit den Besoldungsvorlagen zwar zurzeit begnügen wollen, daß wir sie aber nur als Ab- schlagszahlung betrachten.(Sehr richtig!) In Zukunft wollen wir nicht mehr bitten und betteln um das, was uns nach Recht und Gerechtigkeit zusteht, sondern wir wollen fordern. (Stürniischer. langanhaltender Beifall.)— Unter lebhaftem, zum Teil stürmischem Beifall und Zurufen übten noch eine Anzahl Redner scharfe Kritik am preußischen Abgeordnetenhause, dem Herrenhause und den Agrariern im Reichstage. Ein Ober- postsekretär meinte, wir wollen keine Aufbesserung, sondern nur einen Ausgleich dafür, daß man uns durch die Zoll- und Steuer- Politik die Lebenshaltung verteuert hat.— Schließlich wurde eine umfangreiche Resolution angenommen, die verlangt, daß die Beamten so schnell wie möglich in den Besitz der Gehaltserhöhungen gesetzt werden, und daß die Gehaltserhöhung rückwirkende Kraft vom 1. April 1908 erlangt. Ferner wird an den Reichstag die Bitte gerichtet, die Reichsfinanzreform nach den Vorschlägen der Regierung bald zum Abschluß zu bringen. Es ist begreiflich, daß die energische Tonart, die von den Rednern angeschlagen wurde, daß insbesondere auch die An- kündigung: Die Beamten würden demnächst fordern und sich nicht mehr auf untertänigstes Bitten verlegen, gar sehr das Miß- fallen just der Agrarier und der Großindustriellen erregt hat. Die „Deutsche Tageszeitung" findet die Tonart ebenso unangemessen wie die„Berliner Neuesten Nachrichten". Die notleidenden Rittergutsbesitzer, die stets Fortissimo zu schreien, ja zu brüllen pflegen, wenn es gilt, für sich Liebesgaben auf Kosten der All- gemeinheit zu ergattern, oder aber auch sich von der geringfügigsten Steuerleistung zu drücke», find besonders dazu berufen, sich über die Tonart der Beamten zu entrüsten! Das gleiche gilt von dem Organ der Großindustriellen, den weiland Kruppschen„Berliner Neuesten Nachrichten". Allerdings haben die industriellen Scharf- macher alle Ursache, zu wünschen, daß die Beamten in der Unter» tanendemut erhalten bleiben und auch materiell nicht allzugut gestellt werden, da ja sonst die„Begehrlichkeit" auch der Privat- beamten allzusehr angereizt werden könnte! Wenn schon von einer unpassenden„Tonart" der Redner ge- sprachen werden soll, so bestand diese bielmehr darin, daß die Redner zum Teil allzusehr ihre Loyalität, ihre Königstreue be- teuerten. Es ist kennzeichnend für unsere rückständigen preußisch- deutschen Zustände, daß man in bürgerlichen Kreisen stets seine Königstreue in byzantinischen Wendungen beteuern zu müssen glaubt, statt sich einfach zu Grundsätzen des all- gemeinen Wohls zu bekennen. Zlber davon abgesehen, ent- hielten die Beschwerden der Beamten nur allzuviel des Berechtigten. Namentlich die Klage, daß durch die Verteuerung der Lebens- mittel und die dadurch in Erscheinung tretende Entwertung des Geldes die gewährte Gehaltsaufbesserung meist auch nicht die geringste Verbesserung der Lebensführung der Beamten er- mögliche, ist eine Tatsache, die ja von dem Vertreter der sozial- demokratischen Landtagsfraktion im preußischen Abgeordneten- Hanse wiederholt eingehend dargelegt worden ist. Von richtiger Erkenntnis der Dinge zeugt es auch, daß die Beamten erkennen, daß sämtliche bürgerliche Parteien des Abgeordnetenhauses trotz ihrer in Worten überströmenden Beamtcn„freundlichkeit" einen „Antibeamtenblock" gebildet hatten. Nur sollten die Beamten nun auch die richtigen Schluß- folgerungen aus alldem ziehen. Wenn die Beamten fort- fahren, durch Unterstützung der bürgerlichen Parteien bei den Wahlen einerseits die Politik der Lebensmittel- Verteuerung zu fördern und andererseits dem R ü st u n g S w a h n s i n n zu Lande, zu Wasser und über der See zu unterstützen, so dürfen sie sich nicht wundern, daß die Gehaltsaufbesserung einmal an sich schon eine unzulängliche sein muß und zweitens durch die Verteuerung der Lebensmittel wieder vollständig aufgehoben werden. Solange die Beamten sich nicht zu dieser Einsicht aufschwingen und die praktischen Konsequenzen aus dieser Einsicht ziehen, werden sie, namentlich die unteren und mittleren Beamten, auf eine ernstliche Verbesserung ihrer Lage vergebens hoffen! Zusammenbruch der tdrltischen ReaHflon. Die Situation in und vor K 0 n st a n t i n 0 p e l gewährt einen ganz eigenartigen Anblick. Ein feindliches jungtürkisches Heer sammelt sich dicht vor den Toren der Hauptstadt und die Regierung schaut dem Aufmarsch und der stetigen Verstärkung dieses Heeres zu. ohne den geringsten Versuch zu machen, das Beginnen mit Wasfengewalt zu verhindern, so lange es noch Zeit ist, so lange die Zahl der feindlichen Kämpfer noch gegen die Garnison von Konstantinopel in der Minderheit ist. Statt dessen wird Deputation auf Deputation gesandt: die die Jung- türkenarmee freundlichst ersucht umzukehren, wird versucht, mit den Ueberredungskünsten der Geistlichen und mit wortreichen feierlichen Proklmnationcn die Truppen des Komitees zum Abfall zu bewogen. Zwei Tage waren am Montag seit dem Eintreffen der ersten jungtürkischen Streitkräfte in Tschataldscha verflossen — näher und näher hat sich scitdein das stetig wachsende Heer der Hauptstadt geschoben. In Konstantinopcl aber wird immer noch nichts bemerkt, was auf die Orgaitisicruiig bc- Waffnetcn Widerstandes deutet. Es ist offenbar, dag die Gegenrevolution nicht die Kraft dazu besitzt. Die Truppen der Hauptstadt sind demoralisiert und soweit sie nicht demoralisiert sind, ist ihre Stimmung zw gunstcn der Jungtürken umgeschlagen. Das wird wenigstens von den vielgenannten Salonikicr Jägern berichtet. In der Geistlichkeit soll sich ein ähnlicher Prozeh vollzogen haben, ob aus Furcht vor den herannahenden Rächern, ist nicht zu erkennen. In der Kammer gab es Anzeichen. dah ein Teil der Mitglieder sich danach sehnt, die Komitcetruppen einmarschieren zu sehen, da er sich offenbar unter den jetzigen Zuständen seines Lebens nicht für sicher hält, sobald er seine wahre Gesinnung kundgibt. Der Sultan fürchtet für Thron und Leben, und er weih wohl, weshalb. Versuche, mit dem jnngtürkischen Komitee direkt zu verhandeln, sind vom Iildis-Palais unternommen worden und haben keinen Erfolg gehabt. Die Jungtürken scheinen entschlossen zu sein, die Situation bis aufs äußerste auszu- nützen und sich ihres verschlagenen Feindes Abdul Hamid, der sich niemals ehrlich mit der Verfassung abfinden wird, end- gültig zu entledigen— auf die eine oder andere Weise. Es werden zahlreiche Aussprüche von führenden Jungtürken be- richtet, die diese Absicht sehr deutlich zu erkennen geben, in denen zum Teil direkt der Tod des Sultans gefordert wird. Ob diese Aussprüche nun beglaubigt sind oder nicht und ob sie nur die Ansichten einzelner oder die Entschlüsse des jung- türkischen Komitees wiedergeben, jedenfalls sind es charakte- ristische Merkmale der Stimmung. In Konstantinopel ist man sich über diese Stimmung keineswegs im unklaren. Das bezeugt der Umstand, dah Gerüchte umlaufen von der un- mittelbar bevorstehenden Abdankung des Sultans, ja von der bereits bewerkstelligten Flucht des Herrschers. Was daran Wahres ist, steht dahin. Jedenfalls verstärkt sich von Stunde zu Stunde der Eindruck, dah die Jungtürken in Konstanti- nopel einziehen werden, ohne nennenswerten Widerstand zu finden, dah die zum größten Teil führerlosen Soldaten der Konstantinopeler Garnison— die europäisch gebildeten Offiziere sollen sämtlich geflohen bezw. zu der Armee der Jungtürken übergegangen sein, da sie ihres Lebens bei den Meuterern nicht sicher waren— nicht die moralische Kraft aufbringen werden, um deni Eindringen der jungtürkischen Armee planmäßigen, organisierten Widerstand entgegenzu- setzen. In wenigen Stunden schon kann der Zusammenbruch der Reaktion und das Schicksal Adul Hamids entschieden sein. Auch aus Kleinasien wird, wie es scheint, dem Sultan vorerst keine Hilfe komnien. Die Nachrichten sagen, daß der größte Teil der kleinasiatischen Streitkräfte auf Seiten der Jungtürken stehe. Wahrscheinlich trifft das nur auf das Offizierkorps zu— jedenfalls haben die Ossiziere aber bislang die Mannschaften in ihrem Bann halten können. Ob diese Gewalt standhalten wird, wenn der Sultan durch die Sieger gefangen genommen oder zur Flucht ge- trieben wird, das läßt sich heute noch nicht beurteilen. Denk- bar wäre es, daß solcher Vorgang den Einfluß der reak- tionären Geistlichkeit bei den gläubigen Truppen wieder in die Höhe schnellen ließe.— Die Armeniermetzeleien haben sich auf mehrere Ortschaften ausgedehnt. Doch scheint ihr Verbreitungsgebiet immerhin relativ beschränkt geblieben zu sein. Bulgariens Negierung hält sich bis jetzt noch zurück— me Presse lärmt dafür um so lauter und fordert sofortigen Einmarsch in Mazedonien. Mancherlei Zeichen deuten darauf hin, daß die Regierung insgeheim den Einmarsch vorbereitet. Ob die Bulgaren das Land so offen finden werden, wie sie vermeinen, rst indes zweifelhaft. Für die Niederzwingung der Reaktion in Konstantinopel dürften die 30 000 Mann. die am Montagabend vor den Toren der Stadt versammelt sein sollten, genügend Dann verblieben noch nicht unbedeutende Kräfte zum Schutz Mazedoniens. Der Traum von einem Grohbulgarien ist nicht so bald verwirklicht. Die wesentlichsten Telegramme vom Tage sind die folgenden: Die Lage in Konstantinopel. Konstantinopel, IS. April. Die Garnison der Stadt trifft keinerlei Vorbereitungen zum Wider st and gegen die vorrückenden mazedonischen Truppen, abgesehen davon, daß gestern zwei Abteilungen Artillerie den glildiz bezogen haben. Es verlautet, zu den von den an- rückenden Truppen gestellten Bedingungen ge- höre auch die Auslieferung des vierten Salonikter Jägerbataillons, von dem der Aufstand ausgegangen sei, sowie mehrerer politischer Führer. Viele Offiziere sind gestern in bürgerlicher Kleidung in Konstantinopel gewesen und haben sich abends mit der Bahn zu den Truppen zurück- begeben. Konstantinopel, IS. April, ILzh Uhr vormittags. ES verlautet, daß die mazedonischen Truppen zurzeit langsam gegen die Haupt st adt vorrücken und möglicherweise noch im Laufe der Nacht einziehen werden. Die Truppen verlangen, wie es heißt, die Absetzung des Sultans. Die Offiziere sollen drohende Telegramme an den Sultan gerichtet haben. D i e S t i m- mung der Haupt st ädtischen Truppen ist sehr niedergeschlagen, sie bereuen ihr Vorgehen und werden vermutlich dem Einzug der mazedonischen Truppen keinen Widerstand entgegensetzen. Die Stärke der vor Konstanti» nopel befindlichen mazedonischen Truppen soll gegenwärtig 20000 Mann betragen, ihre Zahl dürfte bis Tagesanbruch 30 000 er- reichen, da alle halbe Stunde neue Truppentransporte eintreffen. Konstantiaopel, 19. April. S Uhr 20 Minuten vormittags.(Von unserem Privatkorrespondenten.) Die Stadtiftruhig.die m der Umgebung stehenden Truppen sind bis jetzt nicht einmarschiert. Die Umgebung des Dildiz bietet das gewöhnliche Bild. Konstantinopel, 10. April morgens. Es zeigt sich immer mehr, wie sehr das Gardekorps demoralisiert und un- fähig zum Wider stand ist. Man glaubt deshalb nicht, daß die Armeeleitung in Konstantinopel eS wagen wird, mit diesen Truppen den Kampf gegen die Salonikier aufzunehmen. Die jungtürkischen Offiziere sind aufs tiefste gegen den Sultan erbittert, der seinen Eid auf die Verfassung zwar nicht formell, aber doch tatsächlich gebrochen und dadurch die Offi» ziere ihres Eides entbunden habe. Der Sultan und seine Berater scheinen gänzlich ratlos. Wien, 10. April. Nach einer Extra-Ausgabe der»Neuen Freien Presse'* wird in Konstantinopel eine Proklamation vor- bereitet, welche sich auf den Verzicht Abdul Hamids ans den Thron und den Uebergang des Throne? an Reschad Essend! beziehen soll. Paris, 19. April. Noch einer Meldung der«Agence HavaS" geht in Konstantinopel das Gerücht, der Sultan sei geflohen. Konstantinopcl, 19. April.(Meldung der Agence HavaS.) Die Kammer verhandelte heute in geheimer Sitzung über die Frage, ob sie die Haichtsiadt verlassen und sich unter den Schub der von Saloniki anrückenden Truppen stellen solle. Koitstantinopel, 19. April.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphcn-Korresp.-Bureaus.) Die Erkenntnis der kritischen Situation und die Furcht vor den kommenden Ereignissen beginnt in der hiesigen türkischen Bevölkerung großen Zorn gegen die mohammedanische Geistlichkeit, die am Dienstag die Ereignisse provoziert hat. sowie gegen die Anstifter derselben hervorzurufen, wodurch das Vorgehen der Salonikier und Adrianopeler Truppen erleichtert werden dürfte. Viele Ulemas scheinen gleichfalls zu der Erkenntnis gekommen zu fein, daß die Umwälzung am Diens» tag ein großer Fehler gewesen sei; sie beginnen damit die Ber. antwortung von sich abzuschütteln und auf die moralischen Urheber zu schieben. Die geänderte Stimmung dürfte einen eventuellen Wechsel fördern. Von der verführten Garnison scheinen die Salonilier Jäger fast einmütig das Geschehene zu bedauern; sie dürften sich den Salonikier und Adrianopler Truppen anschließen. Auch in anderen Truppenteilen tauchen derartige Stimmungen auf, dagegen herrscht unter der Mannschaft der Marine Disziplinlosigkeit und Anarchie vor. Wie verlautet, wurden Hodschas nach Tschataldscha gesandt, die den Versuch machen sollen, die eingetroffenen Truppen zu über- reden. Die Hodschas wurden jedoch erkannt, durchgeprügelt und weggejagt, einzelne wurden gefangen genommen. Die vorrückenden Salonikier und Adrianopler Truppen haben strengen Befehl er- halten, die Bevölkerung, besonders die Christen und Fremden, gut zu behandeln. Sie zeigen tatsächlich gute Mannszucht, die Zivi- listen, die mit der Vorhut der vorrückenden Truppen zusammen- kamen, wurden gebeten, die hiesige Bevölkerung dahin zu beruhigen, daß sie absolut nichts zu befürchten habe. Konstantinopcl» 10. April.(Meldung de? Wiener k. k. Korr.- vurcaus.) Der Großwcsir ist heute wiederholt in den Aildiz- Palast gerufen worden. Wie verkantet, steht der Dildiz in regem Dcpeschenwechsel mit dem Salonikier jung- türkischen Komitee. Abgesandte aus dem U i l d i z, wahrscheinlich ein kaiserlicher Prinz und der Scheik nel Islam, sollen, s« heißt cS ferner, zu den vorrückenden Truppen entsandt werden. Der Anmarsch der Jungtürken. Konstantinrpel, 10. April. Die 1000 Mann starke Avant- garde mit drei Batterien und einem Dctachement Kavallerie ist nachts auf der Chaussee von Kütschük-Tschekmadje vor- gerückt und hat die Höhen von Daud-Pascha und R a m i» Tschiflik oberhalb von Ejub am Goldenen Horn besetzt. ES beherrscht von dort den größten Teil von Kon- stantinopel. Die Konzentration des 2. und 3. Armeekorps funktioniert gleich einer Präzisionsmaschine. Daß die Armee vor Tschataldscha über genügend Lebensmittel verfügt, geht daraus hervor, daß zwei Waggons Ochsen bulgarischer Provenienz un- gehindert hierher durchgelassen wurden. Saloniki, 10. April. Das Komitee soll ein Telegramm des Ge» schwaders aus dem Aegäischen Meere erhalten haben, wonach da» Geschwader treu zum Komitee halten will. Die Deputation des Parlaments bei den jungtürkischen Truppen. Konstantinopel, 19. April. Die aus 81 Mitgliedern bestehende Kommission der Abgeordnetenkammer in Tschataldscha wurde von folgenden Offizieren empfangen: Major Niasim Bei, Hauptmann Niasim, Major Mukthar Bei und Abdul-Kader Effendi. Die Offiziere fragten die Deputation:„Sind die Parla- mentarier frei in ihrer Meinungsäußerung?" Daraus antworteten 17 Abgeordnete mit Ja, 14 mit Nein. Zweite Frage:„Droht dem Parlament Gefahr?" Antwort: 16 Nein, IS Ja. Weitere Fragen:„Sollen die Truppen nach Saloniki zu» rückkehren?" Antwort: Fast einstimmig Nein. „Sollen sie nach Konstantinopel marschieren?" 27 Nein, 4 Ja. „Sollen sie in Tschataldscha bleiben?" 27 Ja, 4 Nein. Insgeheim aber rieten alle Abgeordneten zum Marsch nach Konstantinopel.(„Berl. Tgbl.".), Die Lage in Mazedonien. ' Köln, 19. April. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Nesküb unterm 18. d. M. telegraphiert: Das Vertrauen zum Sultan ist in allen Kreisen, auch bei den Albanesen, erloschen. Die hervor» ragendstcn Albanesenführer, auch Seladin Aga, Ismail Chan aus Prizrend, Issel und Ali aus Djakowa sind sämtlich zu einer Be- ratung mit dem Komitee für Einheit und Fortschritt zusammengetreten, dessen Vorgehen sie billigen. Die Be- völkerung sieht dem Erfolge des militärischen Vorgehens mit der größten Spannung entgegen. Heute abend hier ein- getroffene Depeschen Mahmud Schewkets, daß seine Truppen die Linie der Forts von Tschataldscha überschritten haben, erweckten eine freudige Begeisterung. Volk und Militär sind in bester Stim- mung. Alle billigen das flotte Vorgehen der Jungtürken in dem Gedanken, daß ein Abwarten die Rückkehr des früheren Regimes nach sich gezogen hätte. Albanien ist völlig ruhig. Die Nachrichten über dortige Aufstände sind unwahr. Auch hier ist vorläufig Ruhe. Saloniki, 19. April. Die militärischen Maßnahmen dauern programmäßig fort. Die Bahngesellschaft Saloniki— Kon- stantinopel wurde veranlaßt, weitere Maschinen und weiteres Per- sonal zu besorgen, um den durch die Truppentransporte entstehen- den Anforderungen zu genügen. Der Wali von Saloniki teilte dem Großwesier mit, daß er seine Befehle nicht mehr anerkenne und die Beziehungen abbreche. TaS Komitee fordert die Auslieferung ber Hauptleiter der Konstantinopler Bewegung. Die von Konstantinopel geflüch- teten j u n g t ü r k i s ch en Deputierten Nazim Bey und Gran B e h sind von Smyrna hier angekommen. Sie klären die Menge über die Lage in der Hauptstadt auf und erhoben schwereAnklagengegendiedortigenMacht haber. DaS Komitee müsse seine Aufgabe bis zu Ende führe«. Die Menge antwortete zustimmend. Die Tatsache, daß das zweiteArmeekorps(Adrianopel) sich dem Marsche nach Konstantinopel an- geschlossen hat, hat hier sehr beruhigt. Auch daS vierte Korps(Hauptquartier Erfinghian im östlichen Kleinasien) erklärte sich bereit, den Marsch gegen die Hauptstadt anzutreten. Nur die Haltung der Truppen des fünften Korps(Damaskus) flößt Be- denken ein. Jedoch sind Maßnahmen getroffen, um den Vorstoß desselben, falls er erfolgen sollte, aufzuhalten. Die Flotte der Dardanellen und die vor Smyrna liegenden Kriegsschiffe ber- sicherten dem Komitee ihre Treue. Die Lage in Kleinasie«. Konftantinopel, 17. April. Die Nachrichten über die jüngsten Ereignisse haben in Erzerum und Trapezunt die größte Erregung hervorgerufen und stürmische Kundgebungen veranlaßt. ES wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, die ein militärisches Eingreifen gegen Konstantinopcl fordern. Aus Trapezunt werden auch gegen den Sultan gerichtete Kundgebungen gemeldet. Konstantinopcl, 18. April. Nach einer Meldung aus T r a p e- zunt sollen dort 4000 Freiwillige und in Erzingjan 15 000 Mann zum Abmarsch gegen Konstantinopel bereitstehen. Saloniki, 19. April. Von Erzerum sollen zwei Bataillone abgegangen sein, um zu den Komiteetruppen vor Konstantinopel zu stoßen. Paris, 19. April. Wie aus Konstantinopcl berichtet wird, er- hielt eine der dortigen Botschaften sichere Meldung, daß, den Wali von Konto ausgenommen, alle kleinasiattschen Zivil- verwaltungschefsmitdenSalontkternsympathi- s i e r e n und die Weisungen des Großwesirs Tcwfik unbeachtet lassen. Mehrere Salonikier höhere Offiziere werden in Klein- asien erwartet, um den dortigen Militärchefs geheime Orders zu übermitteln.(»Tag".) Sie hessische Sahleechttreforci. Die hessische Regierung hat aus dem Auftreten der vom Frei- Herrn v. Hehl geführten Ersten Kammer keine Lehren gezogen, son- dern wieder eine Wahlrechtsvorlage eingebracht, die die Einführung des direkten Wahlrechts von der Gewährung größerer verfassungsmäßiger Rechte an die„Herren" abhängig macht. Die neue Wahlrechtsvorlage ist die vierte. Sie hält sich im wesentlichen im Nahmen ihrer Vorgängerin. Die Re- gierung hat sich dem Verlangen der Ersten Kammer angeschlossen und als Konipensation für das direkte Wahlrecht wie auch als Gegengift gegen etwaige»radikale" Anwadlungen der Volks- Vertretung«ine Vermehrung der Vorrechte der Privilegierten verlangt. Zunächst soll das Budgetrecht der Ersten Kammer erweitert werden. Gegenwärtig kann diese nämlich das Budget nur im Ganzen annehmen oder ablehnen. Einzelne Kapitel zu be- anstanden, ist ihr nicht gestattet. Im Falle der Ablehnung des Budgets durch die Erste Kammer findet dann eine sogen..Durchstimmung" beider Kammern statt, wobei die Herren als die numerisch schwächeren der Bollsvertretung natürlich nicht gewachsen sind. Zudem ist es für die »Durchlaucht" und»Erlaucht' nichts angenehmes, ein Budget, das auch die Zivilliste enthält, einfach ablehnen zu müssen. Die neue Vorlage gestattet nun der Ersten Kammer, eventuell auch einzelne Budgetposten zu beanstanden. Die beanstandeten Kapitel sollen dann an die Zweite Kammer zurückgehen. Veharrt diese trotzdem aus ihrem Beschlüsse, so werden die Kapitel nach der Fassung der Zweiten Kammer in das Budget eingestellt und dann findet eine Durch- stimmung beider Kammern statt. Ein weit größeres Zugeständnis wird aber ber Ersten Kammer auf Kosten ber Volksvertretung gemacht durch Aenderung des Artikels 7ö der Verfassung, der die Gesetzgebung(Steuer- gesetze usw.) regelt. Dieser Artikel soll folgende Fassung erhalten: »Wenn auch nur eine Kammer gegen einen GesetzeSvorschlag stimmt, so bleibt das Gesetz ausgesetzt. Wird aber ein solches Gesetz auf dem nächsten Landtage von der Regierung den Ständen wieder vorgelegt und wieder von der einen Kammer abgelehnt, von der anderen aber angenommen, so kann die Regierung vcr- langen, daß in einer Versammlung der beiden Kammern unter dem Vorfitze des Präsidenten der Ersten Kammer über die Gesetzesvorlage beraten und abgestimmt wird. Zur An- nähme des Gesetzes find zwei Drittel der abgegebenen Stimmen erforderlich." Bisher war die einfache Mehrheit entscheidend. Der Schwer- punlt ber Gesetzgebung wird also zugunsten der Ersten Kammer ver- schoben. Mit ihren 34 Mitgliedern gegen die 50 Mitglieder der Zweiten Kammer kann die Erste Kammer nach der Vorlage jedes Gesetz, da» ihr nicht genehm ist, verhindern. Der Zweiten Kammer dagegen ist die Möglichleit genommen, ein Gesetz gegen die Erste Kammer durchzusetzen. Im Wahlgesetz ist ferner eine Erhöhung der Zahl der Ab- geordneten der Zweiten Kanuuer von 50 auf 58 vorgesehen. Die Städte Mainz, Darmstadt, Worms, Offenbach und Gießen, von denen die beiden ersteren bisher zwei Abgeordnete, die drei übrigen je einen Abgeordneten wählten, erhalten nach der Regierungsvorlage je einen Abgeordneten mehr. Außerdem wird in jeder der drei Provinzen ein weiterer ländlicher Wahlkreis geschaffen. Stichwahl findet nicht statt. Als Abgeordneter soll derjenige Kandidat gelten, der in einem Wahlkreise mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Ergibt sich keine Mehrheit. so ist ein zweiter W a h l g a n g notwendig, an dem wieder alle Kandidaten des ersten Wahlganges teilnehmen können; im zweiten Wahlgange entscheidet dann die relative Mehrheit. Wie bisher sollen die Abgeordneten der Zweiten Kammer auf sechs Jahre gewählt werden. Alle drei Jahre scheidet die Hälfte aus. Von der Einführung der Verhältniswahl in Städten hat der Regierungsentwurf abgesehen. An Stelle des WahlmännersystemS tritt die direkte Wahl. Für die Wahlhandlung gelten im wesentlichen dieselben Be- stimmungen wie bei der ReichStagSwahl(WahlluvertS usw.). Wahlberechtigt find alle Personen männlichen Geschlecht?, die zur Zeit der Wahl das 25. Lebensjahr vollendet haben, wenigstens drei Jahre in, Großherzogtum wohnen, seit drei Jahren die hessische Staatsangehörigkeit besitzen und seit dem Beginn des Rechnungsjahres, in dem die Wahl vorgenommen wird, zu einer direkten Staats- und Geineiaiesteucr herangezogen sind. Nach dem alten Wahlgesetz kann jemand, der 25 Jahre alt ist, drei Jahre im Lande wohnt und die hessische Staatsangchörig- keit erwirbt, wählen. Das neue Gesetz bedeutet also insofern eine Erschwerung, als er jetzt seit mindestens drei Jahren die Staatsangehörigkeit besitzen muß. Ferner genügt eS nach dem bestehenden Wahlgesetz, wenn Staats- oder Gemeindesteuer bezahlt wird; das neue Wahlgesetz fordert hingegen die Zahlung beider Steuerarten. Der Ersten Kammer will die Vorlage frisches Blut zu- führen. Die Privilegiertenkammer besteht seither aus 17„Standes- Herren", 12 vom Großherzog zu ernennenden„ausgezeichneten Staats- bürgern", einem Vertreter der LandeSunivcrsität Gießen und je einem Vertreter der evangelischen und katholischen Landeskirche. Nach der Regierungsvorlage soll die Erste Kammer eine Vermehrung um 6 Mitglieder erfahren und zwar eine» Vertreter der technischen Hoch- schule in Darmstadt, zwei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und einen Bertreter des Hand- werlS. Die Berufung dieser neuen Bertreter erfolgt durch den Großherzog, jedoch nur immer auf die Dauer einer Landtagsperiode. Handels-, Handwerks- und LandlvirtschaftSkammcr haben das BorschlagSrccht. Arbeiter werden als ungeeignet für die Erste Kammer gehalten. Der Vorlage ist eine WahlkreiSeinteilung beigegeben, die in ganz besonderem Maße auf die Wünsche und Interessen der Agrarier zugeschnitten ist. Abgesehen von drei privilegierten Land- städtchen, in denen auf zirka 4500 Wähler ein Abgeordneter kommt. plant die Regierung die Schaffung verschiedener rein ländlicher Kreise mit zirka 16000 Wählern; während z. B. in Mainz erst aus 35000 Wähler ein Abgeordneter kommt. Die Stellung der sö�'wldsmokrntischcn Fraktion in der hessischen Kammer ist deshalb gsgeösn. Unsere Genossen können selbst- Verständlich nicht die Rechte der jetzigen Volksvertretung preisgeben, nur um dafür ein durch Kauteln verstümmeltes direktes Wahlrecht einzuhandeln. Der Gewinn des direkten Wahlrechtes wird mehr als reichlich aufgewogen durch die Beeinträchtigung der Volksrechte zugunsten der«Herren" der Ersten Kammer. politifcde OeberHebt Verlin, den 19. April 1909. Er hat nicht geheult. Oft schon hat die würdige Vertreterin der offiziösen Journa- listik, die»Nordd. Allgem. Ztg." durch den unfreiwilligen Humor ihrer hochkomischem. Dementis die Lachlust herausgefordert; aber vielleicht noch nie hat sie sich und ihre hohen Austraggeber lächer- licher gemacht, als durch folgende köstliche Berichterstattung t «Die«Germania" hat sich unter dem 14. d. M. eine alberne Erzählung über Tränen, die der Reichskanzler vor Sr. Majestät dem Kaiser vergossen haben soll, von gutunterrichteter Seite mit dem Beifügen bestätigen lassen, datz Fürst Bülow wie ein Schlohhund geheult habe. In deutschen Blättern ist diese Leistung der„Germania" bereits nach Gebühr gewürdigt worden. Da ausländische Zeitungen auf die Angaben der„Germania" hereingefallen sind, wollen wir ausdrücklich feststellen, datz es sich um ganz gewöhnlichen Schwindel handelt." Er hat also nicht geheult, vor allem nicht wie ein Schlotzhund. Lautlos hingen seine Tränen An der Augen zarten Wimpern. Erbanfallsteuer. In den konservativen Kreisen findet eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer immer mehr Anklang. In den letzten Tagen haben sich wieder mehrere konservative Vereine und Abgeordnete für die Erbanfallsteucr erklärt. Die„Kreuzztg." gibt denn auch bereits alle Hoffnung auf, die eingenommene Position zu halten. Wehmütig schreibt sie in der Rolle dos klagenden Jeremias: „Der Fehler, den die verbündeten Regierungen mit ihrem hartnäckigen Festhalten an der Deszendentcnsteuer(der„wider- lichsten von alle» Steuern", wie der sächsische Finanzminister sie nannte) machen, wird sich schon rächen. ES gibt viele konfer- vative Politiker, die das sehr wohl einsehen, aber in der Zwangslage, die eine schnelle Erledigung der Steuervorlagen fordert, ihren Wider st and auf- geben zu müssen glauben. Wir können diesen Stand- Punkt verstehen, wollen aber nicht verhehlen, datz von einer solchen Nachgiebigkeit unsere Partei schweren Nachteil haben wird, da sich der politische und der wirtschaftliche Fehler bald genug fühlbar machen muh. Die Verantwortung wird keine Partei, die ihr zustimmt, von sich abwälzen können, wenn auch in erster Linie die verbündeten Regierungen die Schuld werden auf sich nehmen müssen." Doch nicht nur in der konservativen Partei ist man nicht mit der Haltung der Neichstagsfraktion unzufrieden, auch im Zentrum kommen allerlei Interessengegensätze zum Durch- bruch. Die„Westd. Arbeiterztg." wendet sich wiederum gegen die Stellung, welche die Zentrumsfraktion in bezug auf die Erbschaftsbesteuerung uno die BranntweinlicbeSgabe ein- genommen hat. Sie weist nach, datz die Liebesgabe in erster Linie den größeren und großen Brennereien zugute kommt, daß die mittleren Brennereien bei einer gestaffelten Steuer viel besser fahren würden, als bei der jetzigen Gestaltung der Liebesgabe, und daß der Spiritusring seine Existenzmöglich- keit in erster Linie aus der Liebesgabe entnommen hat. So- dann wird in dem Artikel dargelegt, daß man nach den Erfahrungen, die man mit den Matrikularbeiträgen gemacht habe, mit der Förderung des Gedankens einer Lösung der Besitzsteuerfrage aus dem Wege der Matrikularbeiträge vor.- sichtiger sein müsse. Das beste Mittel zur Heranziehung des Besitzes sei entschieden der Ausbau der Erbschaftssteuer: „Man komme nicht und rede von der„Konfiskation sauer verdienten Vermögens". Wir empfinden überhaupt die Taktik, die in der Bekämpfung der Nachlatzsteuer geflissentlich geübt wird, indem man sie als einen„Triumph sozialdemokratischer Grundsätze" hinstellt, al» unwahr und blamabel. Es ist peinlich, immer wieder in unserer Partei- presse solch leeren Agitationssch lag Worten begegnen zu müssen. Vermögenskonfiskation? Bedeutet es eine Beschlagnahme deS Vermögens, wenn bei L<1000 Mark Nachlatz ganze 13l) Mark und die eventuell auch noch in Raten an Steuern gezahlt werden müssen? Weih man denn nicht, datz vier Fünftel aller Bauern steuerfrei bleiben? Und wenn man eine Bestimmung einfügen wollte, welche denMit- erwerb der Kinder außer Ansatz bringt, dann würden fast alle bäuerlichen Betriebe frei bleiben! Zudem braucht man die Erbschaftssteuer gar nicht in der Form der Nachlatzsteuer einzuführen. Man kann sehr Wohl die Einzelteile besteuern und die meisten Schwierigkeiten vermeiden... Das Studium der Zusammensetzung und Verteilung des VolkZver- mögen? und der speziellen Eigentümlichkeiten der Erbschafts- stcuer hat uns beranlatzt, für dieselbe einzutreten. Wir wollen daS Wohl des Vaterlandes, aber auch daS Wohl des werktätigen Volkes. DaS ist keine„Beeinflussung von links" und hat mit „der Hetzarbeit der Sozialdemokratie" nichts zu tun. DaS Prinzip, auf dem unsere Erörterungen aufgebaut sind, ist die soziale Gerechtigkeit. Von diesem Gesichtspunkte lassen wir uns leiten und hoffen, datz das Zentrum auch diesmal— der stärksten Versuchung von rechts zum Trotz, die veilleicht jemals an unsere Partei herangetreten ist— mit allem Nachdruck an diesem Prinzip festhalten wird."_ Die Stichwahl in Stade-Bremervörde. Bei der am Sonnabend stattgehabten Stichwahl erhielt nach vorläufiger Zählung Dr. Hoppe(natl.) 10 683. Rhein(Soz.) 6614 Stimmen; elfterer ist somit gewählt. Die Freifinnigen hatten einen begeisterten Aufruf zugunsten des Nationalliberalen erlassen; etwas zurückhaltender war der„Bund der Landwirte", der in seinem Aufruf sagte: „Trotz der besonders von nationalliberaler Seite erfolgten, unlauteren,«hrverleyenden Angriffe gegen die Wirtschaftliche Vereinigung, gegen den BUnd und seine Führer, bitte ich meine Anhänger, so schwer eS manchen werden mag, und so wenig Dank wir in der Zukunft dafür ernten werden, bei der Stichwahl für Dr. Hoppe stimmen zu wollen." Der welfische Kandidat hatte eS abgelohnt, eine Stichwahlparole auszugeben. Der Ausfall der Wahl beweist aber, datz die bürger- lichen Wähler ziemlich geschlossen hinter dein Nationalliberalen ge« standen haben._ Die„hofierten" Radboder Witwen« Den„Bcrgherren" des RuhrrevierS ist eS unangenehm, datz für die Witwen und Waisen pon Radbod so beträchtliche Unterstützungs- summen gesammelt worden sind, da ihrer Meinung nach dadurch die Begehrlichkeit der Arbeiter unnötig ausgestachelt wird. Die Dortmunder Handelskammer hat sich diese Auffassung angeeignet. In ihrem Jahresbericht findet sie, datz die Mildtätigkeit daZ zulässige Matz weit überschritten habe. „Dann aber wirken auch allzu grotze Gaben, ein übermäßiges Beschenktwerden oft durchaus unheilvoll. Die sparsame nur an kleine Summen und Ausgaben gewöhnte Hand verliert die Tugend des äugstlichün Zurückhaitens von Heller und Pfennig, gewöhnt sich an leichtes, wenn nicht leichtfertiges Ausgeben und, ist der Geschenkregen vorüber, so kann sie die früher geübte und erprobte Art nicht mehr wiederfinden, leibet oder stranchelt— ist schlechter daran als vorher. Ist die Hand aber stark und hält zu- samnien, was ihr das Unglück(!) gebracht hat, so wird ihre In- haberin sich als„gute Partie" schon nach Monaten la um noch vor Anträgen aus der Männerwelt retten können. Sie ist eine von den Männern hofierte, von vielen anderen Frauen beneidete Witwe geworden. So kann die bestgemeinteste Wohltätigkeit zu ungewollten üblen Konsequenzen führen, wenn sie an falscher Stelle und in über- mätziger Weise ausgeübt wird." Vielleicht hätten die Bergherren es gern gesehen, wenn ein Teil der Gaben den armen Unternehmern zur Linderung ihrer Not über« wiesen worden oder an die Berufsgenossenschaften zur Deckung der Unfallrenten verabfolgt wären._ Zu wenig Wohnungsgeld. Generalfeldmarschall v. Hahnke, der Vertraute deS Kaisers und Gouverneur von Berlin ist amtsmüde und will sich zur Disposition stellen lassen. Die Gründe dieser AmtSmiidigkeit find nicht bekannt; vielleicht hängen sie damit zusammen, datz in der Budgetkommission deS Reichstages das auf 33 006 Mark bemessene Wohnungsgeld des GeneralfeldmarschallS auf 13000 M. herabgesetzt worden ist. Unverständlich ist nur, warum er sich nicht gleich pensionieren läßt. DaS käme doch den Steuerzahlern billiger.— Sydvw als Sündenbock? Die„Germania" behauptet zu wissen, datz die Tage deS Schatzsekretärs Sydow gezählt seien. Zwischen ihm und dem Kanzler be- ständen Unstimmigkeiten. Schon soll die Frage erwogen worden sein, Herrn Sydow das Kultusministerium anzuvertrauen. Zwar ist ihm dieses Ressort völlig fremd, denn er ist zeitlebens bei der Post gewesen, aber in Preußen ist kein Ding unmöglich. Der Ber- stand kommt mit dem Amt._ Der Zentralverband deutscher Industrieller als Neben- regicrung. Der Ausschutz des Zentralverbandes Deutscher Industrieller hält am 20. April in Berlin eine Sitzung ab, um Stellung zu nehmen zu dem Gesetzentwurf über die Aenderung der Gewerbe- ordnung, der zurzeit noch von einer ReichStagSkommission beraten wird, und zu dem Arbcttskammergesetz. In der Einladung wird gesagt, das Direktorium konnte nach langjährigen Erfahrungen nicht hoffen, mit Bitten oder Vorstellungen irgend Eindruck auf den Reichstag zu machen; dagegen hoffe man, bei den verbündeten Regierungen Gehör zu finden. Das Direktorium habe deshalb beschlossen, die Verabschiedung der Abänderung der Gewerbeord- nung vom Reichstage ruhig abzuwarten, sich oann aber an die verbündeten Regierungen zu wenden mit der dringenden Bitte, dem Gesetzentwurs die verfassungsmäßige Genehmigung zu ver- sagen._ Die heilige Johanna! Mit großem Pomp fand Sonntag vormittag in der PeterSkirche zu Rom die Seligsprechung der Jungfrau von Orleans statt— sogar elektrische Lichteffekte gelangten bei der Zeremonie zur An- Wendung. Der Bischof von Orleans zelebrierte die Messe, wobei ihm dreizehn Kardinäle, darunter drei sranzösische, assistierten. An- wesend waren außerdem sechzig französische Bischöfe sowie mehrere italienische und andere ausländische, ferner der Herzog von Alenyon, Verwandte deS Papstes, endlich 80 000 französische Pilger und viele Neugierige auö Rom und dessen Umgebung.— Wieder ein sonderbares Militargerichtsnrteil. Vor dem Dresdener Kriegsgericht stand dieser Tage der Herr Hauptmann Martini vom Leib-Grenadterregiment. Er war be- schuldigt, einen Einjährigen vor die Brust gestoßen und ihn mit der Reitpeitsche ins Gesicht getroffen zu haben. Die Verhandlung war geheim. Der Hauptmann wurde schließlich zu fünf Tagen Stuben- arrest verurteilt. Das Gericht nahm an, daß er den Einjährigen nur versehentlich mit der Reitpeitsche getroffen habe. Wegen des anderen Vergehens erfolgte Freisprechung, da die? mir eine not« wendige Korrektur gewesen sei. Um die Psyche mancher Offiziere mutz es doch gar seltsam be- stellt sein, wenn die Gerichte so häufig zu der Ansicht kommen, nur aus Versehen hätten fte sich der kompliziertesten Verstötze gegen das Militärstrafgesctz schuldig gemacht. Seennfallkonferenz. Die vom Rcichsamt des Innern zusammenberufene Seeunfall- Konferenz, an der sachverständige Vertreter der Regierungen der Bundesstaaten teilgenommen haben, hat ihre Arbeiten nach drei- tägiger Dauer beendet. Das durch die Veratungen gewonnene Material wird nunmehr im Reichsamt des Innern �u einem Gesetzentwurf verarbeitet, der gleich nach keiner Fertigstellung der Oeffentlichkeit unterbreitet werden soll. Ans Südwestafrikas Sandwüsten. Nach dem„Verl. Lokolanzeiger" ist es den südwestafrikanischen Schutztruppen in letzter Zeit gelungen, mehrere sogenannte„Säube- rungen" vorzunehmen. Besonders erfolgreich war dabei eine Patrouille des Oberleutnants Petter gegen Simon-Eopper-Leute. Er nahm ihnen nach kurzem Feuergefecht von den gestohlenen 20 Ochsen 14 wieder ab. Die flüchtigen Hottentotten wurden dann noch von Oberleutnant von Voemken verfolgt. Bei den dauernden starken Regenfällen ist es. wie die heute hier eingetroffene Deutsch- südwestafrikanische Zeitung meldet, außerordentlich schwer, die Spuren der Hottentotten, die sich hauptsächlich in daS Sandfeld geflüchtet haben, zu halten. Trotzdem gelang es der Patrouille Kaufmann, 24 Hereros gefangen zu nehmen. Auch von Water- berg aus werden erfolgreiche Patrouillenstreifen unternommen, die zum Teil mit sehr erheblichen Strapazen verknüpft waren. Die Patrouillen mutzten meistens zu Fuß gemacht werden, da die Reit- tiere in dem tiefen Durchschlag stecken blieben. Erwähnt sei hier noch, datz zum erstenmal eine Durchqucrung der südlichen Namib von Bethanien auS nach der Spencer-Bai gelungen ist. Führer dieser Patrouille war Hauptmann von RapparL. Hierbei be- währten sich wieder ausgezeichnet die Kamele, die 13 Tage ohne Wasser aushalten mutzten; nur ein einziges Tier ging kurz vor Lüderitzbucht zugrunde._ Vom Balkan. Die endgültige Anerkennmig der Annexion. Wien. 19. April. Sämtliche Mächte haben sich nunmehr mit der Aufhebung des Artikels 2ö deS Berliner Vertrages einverstanden erklärt. Hierdurch ist die bosnisch-herzegowinische Angelegenheit auch formell endgültig zum Abschluß gebracht._ Oeftcmich. Rothenische Demonstrationen. Lemberg, 18. April. Eine Gruppe jungruthenischer Studenten wollte heute vor das Statthaltereigebäude und dann vor da? Haus der Familie SiczynSki ziehen, mn Kund« gebungen zu veranstalten, wurde jedoch von der Polizei zerstreut. Hierauf zogen die Studenten vor das Strafgericlitigebände, in welchem sie eine Fensterscheibe zertrümmerten. Auf dem Rückwege wurde in dem altrutheuischen Nationalhause gleichfalls ein Fenster eingeworfen. Die Polizei, die mebrsach einschritt, nahm vier Verhaftungen vor, wobei mehrere Polizisten durch Steinwürfe verletzt wurden. fVanKrekK. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Paris, 19. April, Bei der Stichwahl in U z ö s wurde der geeinigte Sozialist Compsre-Morel mit 9390 gegen 670 Stimmen; welche für den radikal-sozialistischeu Kandidaten abgegeben wurden, gewählt. Ein zweiter radikal-sozialistischer Kandidat hatte beim zweiten Waylgange seine Kandidatur zugunsten des geeinigten Sozialisten zurück- gezogen. Mit Compöre-Morel zieht ein besonders um die Landagitation hochverdienter Genosse in die Kanuner ein. Italien. Der«nzufriedette Papst. Rom, 19. April. Der Papst begab sich heute in die St. Peters» kirche, um die 80 000 französischen Pilger sziHmpfangen, die zur Seligsprechung der Jungfrau von Orleans nach Rom gekommen sind. Der Bischof von Orleans verlas eine Ergebenheirsadrcsse. In seiner Aittwort dankte der Papst den Pilgern, datz sie herbeigeeilt seien, um der Verherrlichung ihrer Landsmännin beizuwohnen und fügte hinzu, im Hinblick auf die letzten schmerzlichen Ereignisse, die über Frankreich gekommen seien, sei dies ein bewunderungS- würdiger Beweis ihres opferfreudigen Gehorsams gegenüber dem Wort des Papstes und von der Einigkeit zwischen dem*wlk, dem KleruS und den Bischöfen. Der Papst wies dann den Vorwurf zurück, datz die Katholiken Feinde ihres Vaterlandes seien, im Gegenteil, daS Vaterland habe immer Retter und Verteidiger in den Reihen der Kinder der Kirche gefunden. Er fügte hinzu, die Kirche fei die Hüterin der Wahrheit. Wer sich gegen die Autorität der Kirche auslchne, lehne sich auch gegen die Wahrheit auf. Man könne nicht Ehrfurcht und Liebe von einer Sie- gierung fordern, die, indem sie Wahrheit bctämpfe. das heiligste beschimpfe. waS der Mensch habe. Zum Schluß ermutigte er die Katholiken, der Kirche treu zu bleiben. Cnglancl. Vom Wettrüsten. London, 18. April. In seiner in Glasgow gehaltenen Rede sagte Premierminister ASquith noch: Unsere Seemacht be- sitzt und mutz in der nächsten Zukunft behalten die erdrückende Ueberlegenheit an Material und Personal über jede mög- liche gegen uns gerichtete Kombination von Mächten. Wir baben die Lage mit unseren großen Vertragßfirmen und mit anderen besprochen mit dem Ergebnis, datz, bevor die Marinevoranschläge festgesetzt sind, Vorkehrungen getroffen sein werden, die es uns im eigenen Lande mit Leichtigkeit ermöglichen, in Zukunft allen Erfordernissen gerecht zu werden oder sogar darüber hinaus zu gehen. Dänemark. Alberti und seine Schildknappen. Nach einer Erklärung des Gefängnisarztes Dr. Riis ist eS mit der früher so robusten Gesundheit des ehemaligen Justiz« Ministers Alberti jetzt so schlecht bestellt, datz man nicht voraus- sagen kann, wann das Verhör fortgesetzt werden kann. Namentlich der Geisteszustand des Verbrechers soll stark in Mitleidenschaft gezogen sein. Es wird den Spitzen der kapitalistischen Gesellschaft sehr erwünscht sein, wenn Alberti so schnell wie möglich als un- heilbar in ein Irrenhaus gebracht würde. Je weiter nämlich die Untersuchung fortschreitet, um so mehr wächst die Gefahr für jene Leute, die seit Jahren von seinen Verbrechen gewußt haben oder gar daran beteiligt waren, wie dies mit AlbertiS Schwiegersohn Tropka Block der Fall ist, der vor dem Untersuchungsrichter aus- gesagt hat, daß er, um bei dem Justizminister für eine Aktien- gesellschaft eine Thcaterkonzession zu erwirken, 12000 Kronen, und, um eine Baukonzesston samt Apothekerkonzession zu erwirken, 13 000 Kronen Schmiergelder entgegennahm. Es handelt sich hier» bei um Aintsverbrechen, die zu einer Rcichsgerichtsanklage führen müssen. Da die Verhandlungen des Reichsgerichts, das aus Ver» tretern des LandSthtngs und des Höchsten Gerichts besteht, öffent- lich sind, ist dies Versahren für den Hauptverbrecher wie für die mehr oder minder schuldigen Hehler und Mitwisser weit gefähr- licher als die geheimen kriminalgerichtlichen Untersuchungen. Doch haben auch schon diese Untersuchungen die Leute arg bloßgestellt, die trotz ihres Wissens schwiegen oder im Folkcthing die Sozial- demokcaten und namentlich unseren Genossen Borgbjerg mundtot zu machen suchten, als sie, auf Beweise gestützt, einen Teil von Albertis Schandtaten ans Tageslicht zogen. Dieser Tage hat nun die konservative Zeitung„Jyllandsposten" einen Aufsehen erregenden Artikel veröffentlicht, der sich auf einen bisher geheimgehaltenen Teil der UntcrsuchungSakten gegen Alberti bezieht. Wie jenes Blatt behauptet, geht aus diesen Dokumenten hervor, datz die beiden Privatbankdirektoren Heide und L a r s e n schon seit Jahren von Albertis Schwindeleien Be- scheid wußten und datz Heide, der Finanzkönig DänemartS, bald nachdem Alberti im Jahre 1901 Minister geworoen war, dem inzwischen verstorbenen Baron Juul Rysensteen, dem Ver- kehrsministcr von 1900 bis 1901, das Versprechen gab, sein Wissen über Alberti dem König mitzuteilen, falls es je dahin kommen sollte, datz Alberti An- spruch auf den Ministerpräsidentenposten machte. Datz der Millionenschwindler Justizminister war und diesen Posten sieben Jahre lang bekleidete, schien den Herren offenbar nicht so gefährlich. Als der Revisor Stage am 30. Mai 1908 in der Generalversammlung der Secländischen Bauernsparbank Albertis Rechnungslegung anzweifelte und sich dann um Aufklärung an die Privatbank wandte, da gab sich derselbe Direktor und Konferenzrat Heide mit der Erklärung Albertis zufrieden, datz alles in Orb- nung. daß Stage ein schlechter Redner sei Und sich ungeschickt auS- gedrückt habe.—„Jyllandsposten" war das Organ Juul Rhsen- steens und brachte auch bald nach der Ministerkrise von 1991 allerlei boshafte Andeutungen über Alberti, hörte aber dann damit auf, um später Alberti in Schutz zu nehmen und die ihn bekämpfenden Sozialdemokraten als Verleumder und Ehrabschneider hinzustellen, wie eS die übrige konservative und rcgierungSliberale Presse machte. Die Landesvertcidigung. Kopenhaae», 19. April. Bei der heutigen zloeite» Beratung des Landesverteidigungs-G'esetzentwurfes im Folkething führte der Verteidigungsminister Nergaard aus, daß die Regierung an- dauernd an ver Forderung für die vorgeschobenen befestigten Posi- tionen bei Kopenhagen festhalten müsse, und fügte hinzu, er wolle sein Verbleiben von der Durchführung dieses Teils deS Ge- setzentwurfeS abhängig machen. Wenn eine eventuelle Volks- abftimmung ebenfalls gegen die Regierung ausfalle, würde sie dieselben Konsequenzen daraus ziehen müssen. foiKUnd. Der Fall Lopuchin. ES wird offiziell gemeldet, datz im Mai Lopuchin vor Gericht gestellt werden soll. Die Anklageschrift ist schon fertig. Sie umfaßt 25 Bogen und schildert genau die Bedeuinnz der Jndasarbeit Azews für die Regierung. LopuchinS Zusammeniiinste mit Burtzew werden als Beweis seines Eintrittes in die Partei der Sozialisten-Revolutionäre betrachtet. Als Gericht wird der Senat unter dem Vorsitz des Senators W a r w a r i n fungieren. Die Ver« Handlungen werden geheim sew; es soll ein stenographisches Protokoll ausgenommen werden, aus dem alle der Regierung un- angenehme Dinge ausgemerzt werden. Das ist die Unerschrockcnheit, mit der nach den Worten Stolypins die Regierung diese Angelegen- heit vor aller Oeffentlichleit aufdecken will. AuS dem großen Gefängnis. Wieder eine G e f ä n g n i s st a t i st i k, die einzige in Rußland siorgfältig gepflegte. Sie wurde den Mitgliedern des Reichsrates zugestellt, damit sie sich einen Begriff über das russische„Haben" bilden können. Und sie besagt: Im Februar 1909 saßen in Rußland hinter Schloß und Riegel l8l lZ7 Personen. Davon befanden sich 62 915 Personen in Untersuchung, 7Z7Z waren zu mehr als einem Jahr Gefängnis verurteilt, den Städten Dortmund, Gelscnkirchcn und Wanne in verschie- denen Schreinereibetrieben die Schreinergesellen in den Streik getreten sind mit Rücksicht auf die infolge der Bochumer Beschlüsse erfolgte Lohnkürzung. Die jüngste Versammlung in Essen hat einstimmig beschlossen, die Sache unter allen Umständen durch- zuführen, eventuell müsse zu einer Gesamtaussperrung ge- schritten werden. Die Arbeitgeber waren sich darin einig, daß ein Vertrag erzwungen werden müsse. Wir bitten dringend, daß vorläufig in keinem Schreinerbetrieb irgendwelche Leute eingestellt werden und daß ferner alle entbehrlichen Gesellen, soweit als irgend angängig, sofort gekündigt werden. Gleichzeitig erlauben wir uns, noch verschiedene Schriftsachen hier beizulegen, in Erledigung der Beschlüsse der jüngsten Essener Versammlung. Hochachtungsvoll! Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe in Rheim land und Westfalen. I. A.: Die Gcschästslcitung H. Schmiedehaus. Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe. in Rheinland und Westfalen. Essen, den 15. April 1999. In der Versammlung von Vertretern des Schreinergewerbes in Essen-Ruhr am 13. April im Hotel„Burghof" wurde u. a, nach eingehender Beratung einstimmig die nachstehende Reso, lution angenommen: „Die heute in Essen tagende Versammlung der Schreiner. betriebe beschließt, an den am 6. März 1999 in Bochum gc- faßten Beschlüssen festzuhalten. Es sollen an allen in Frage kommenden Orten gemeinsame Sitzungen der Innungen, der Unterverbände des Deutschen Holzgewerbes und der Ortsverbände der Arbeitgeberverbände sofort abgehalten werden und die Durchführung der Bochumer Beschlüsse auch in diesen Versammlungen nochmals beschlossen werden. Es soll ferner an die Zentrale des deutschen Holzgewerbes und des deutschen Arbeitgeber- bundes sofort herangetreten und dieselben er- sucht werden, die Durchführung der Bochumer Beschlüsse an die in Frage kommenden Unter- verbände aufs angelegentlichste zu empfehlen". Wir bitten höflichst, von dieser Resolution Kenntnis zu nehmen und danach zu verfahren. Hochachtungsvoll! Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe in Rhein- land und Westfalen. I. A.: Die Geschäftsleitung H. Schmiedehaus. Was unter diesem Scharfmacherdeutsch zu verstehen ist, dar- über herrscht ein Zweifel nicht. Materialsperre und einiges Weitere wird folgen. Der Erfolg wird null bleiben. Ihr Ziel werden die Arbeitgeber nicht erreichen. Die Bewegung wird sich vielleicht auf die eine oder andere Stadt ausdehnen, aber damit ist noch nichts erreicht und wird nichts erreicht werden. Massenkündigungen im Bergbau. Auch am 15. April haben im Ruhrrevicr wieder eine größere Zahl Kündigungen stattgefunden. Auf der der Dortmunder „Union" gehörigen Zeche„Adolf von Hansemann" hat man sich nicht gescheut, sogar kranken Arbeitern die Kündi- gung per Einschreibebrief ins Haus zu schicken. Auf der Zeche„Preußen", wo in den Vormonaten schon viele Entlassungen vorgenommen sind, hatte man wohl an 159 Käme- raden aufgefordert, zum 15. April zu kündigen. Natür- lich kam nur ein geringer Teil dieser Aufforderung nach, weil doch anderweitig nirgends Arbeit zu erhalten ist. Jetzt ist die Zeche selbst wieder zur Kündigung geschritten. Es heißt, am 31. Mai würden wohl an 299 Arbeiter wieder zur Entlassung gelangen. Man hält auf„Preußen" Auslese und kündigt hauptsächlich organisierten Leuten und solchen, die im Vordergrund der Bewegung stehen. 7Iusl»nd. 10 000 Mann streiken an den großen amerikanischen Seen. Die Schiffsmaschinisten, Heizer und anderes Maschinenpersonal sowie die Verlader auf den Dampfern im Verkehr auf den großen Seen kämpfen für die Anerkennung ihrer Union. Der Verband der Rcederfirmen will die Gewerkschaften der Schiffslcute ver- nichten. Die Schiffsleute aber wissen, daß die Ausbcntungssucht der Reeder keine Schranken kennt und daß die ohnehin sehr schlechten Verhältnisse auf den Schissen unbedingt den Schutz durch eine Gc- werkschaft brauchen. Als die Reeder sich weigerten, mit der Union der Schiffsmaschinisten einen Arbeitskontrakt abzuschließen, begann der Streik, der bald große Ausdehnung fand und die Schiffahrt auf den Seen lahmlegte. Letzte JVachncbtcn und Dcpcfchen. Der Zar als Hüter der persischen Verfassung, London, 19. April.(W. T. B.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, sind die Einzelheiten des gemeinsamen englisch-russsschcn Programms bezüglich PersienS nunmehr in Petersburg zwischen dem englischen Botschafter und dem Minister des Auswärtigen, Jswolsli, festgelegt worden. Der Text des Memorandums ist nach London zur Genehmigung durch Grcy gesandt worden. Das Schriftstück ist ziemlich lang und berichtet im einzelnen über die Schritte, welche von beiden Regierungen bei Erteilung von Rat- schlügen an den Schah unternommen werden sollen. Während sie sich das Recht vorbehalten, über die Interessen und die Sicherheit ihrer Staatsangehörigen zu wachen, haben beide Mächte nicht die Absicht eine Politik der Einmischung in die inneren Angelegenheiten PersienS zu verfolgen. In Erkenntnis der wachsenden Gefahr der augenblicklichen Lage dringen Großbritannien und Rußland ernstlich in den Schah, sich zur Verfassung zurückzuwenden, und weisen darauf hin, daß, solange kein neues Mcdschlis einberufen, keine beider Regierungen in der Lage sei, den Schah zu unterstützen oder ihm finanziellen Beistand zu leisten. Instruktionen an die Ge- sandten, dem Schah Vorstellungen zu machen, sind auf telegraphi- schem Wege nach Teheran abgegangen. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UaterhaltungSbl. Hl 91. 26. Jahrgang. 1. KtilM des Joi'iiiiirtü" Knlim iiihWitt. Aiexslag, 20. Zpril 1909. Die Krifc der llusbhsngigen Arbeiterpartei. Londou, 17. April.(Eig. 33er.) Der 17. Jahreslongreß der Unabhängigen Arbeiterpartei schloh Mit einer Krise ab. Diese ist selbstredend nicht persönlicher Natur, sondern hat eine allgemeine sozialistische Bedeutung und dürfte die Beachtung der Internationale verdienen. Sie entsprang aus der verschiedenartigen Beantwortung der Frage:„Was ist das Verhältnis zwischen Sozialismus und Arbeiter- 1 1 o{ f e?* Es ist die alte Frage, die schon das„Kommunistische Manifest" behandelte und beantwortete. Keir Hardie und seine Anhänger beantworten sie auf folgende Weise: Es ist die Pflicht der Sozialisten, die Arbeiterklasse -v.. den kapitalistischen Parteien loszulösen, sie selbständig zu organi- sieren und sie im sozialistischen Geiste zu erziehen. G r a y s o n und seine Anhänger sagen: Zwischen Sozialismus und Arbeiterklasse besteht gar kein Berhältnis. Die Pflicht der Sozialisten ist, eine sozialistische Partei zu gründen. Da ich am Kampfe teilnehme, so werde ich hier nicht den ge- ringsten Versuch machen, die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der einen oder der anderen Ansicht zu beweisen. Ich werde vielmehr die Manifeste wiedergeben, die Keir Hardie und seine Anhänger, sowie G r a y so n über die Krise veröffentlichten. Im„Labour Leader" vom 16. d. M. erläßt der frühere Partei- vorstand(Keir Hardie,■ Macdonald, Snowdeu und Glasier) folgenden Auftuf: „Genossen! Wir sind es Euch schuldig, die Gründe anzugeben, die uns in unserem Entschlüsse, aus dem Parteivorstande auszutreten, beeinflußt haben... Die Unabhängige Arbeiterpartei(Inäoponäsnt Dabour x�rty— I. L. P.) wurde von Sozialisten gegründet, die— von dem marxistischen Gedanken geleitet— die Arbeiterklasse in eine selbständige Partei organisieren wollten zum Zwecke der Eroberung der politischen Macht. Gemäß dieser Politik schloß sich die I. L. P. im Jahre IVOS mit den Gewerkschaften zusammen, um eine Arbeiter- Partei zu gründen, deren einzige Bedingimg war: die politische Selbständigkeit, die auch der wichtigste Punkt der I. L. P. war. Wer die politische Geschichte der letzten neun Jahre kennt, weiß auch, wie loyal diese Bedingung angenominen und— trotz großer Schwierigkeiten— von unseren gewerkschaftlichen Verbündeten aus- geführt wurde, ebenso welche ausgezeichneten Ergebnisse daraus entstanden. Unterdessen verfolgte die Sozialdemokratische Partei(S. D. P.) ihre alte Taktik, die die Lehren des Sozialismus zu engen Sekten- dogmen reduzierte und beschäftigte�sich niehr mit Schlaglvorten als mit Prinzipien und verblieb außeryalb der Bewegung der Arbeiter- Nasse. Auf dem Grenzgebiete zwischen der I. L. P. und der S. D. P. gibt es eine Anzahl von Sozialisten, die sich in letzter Zeit vielfach bemerkbar machten. Diese nehmen keine klar begrenzte Haltung zur Arbeiterpartei und ihrer Taktik ein. Einen Tag loben sie die Partei, den anderen Tag verdammen sie sie und ihre Tätigkeit. Sie geben vor, daß sie eine Allianz mit der Arbeiterpartei billigen, gleichzeitig aber verteidigen sie eine Taktik, die sich mit der Allianz nicht vereinbaren läßt. Diese Haltung läßt sich am besten beleuchten durch ein Zitat aus einem Essay, den Victor Grayson und G. H. Taylor (letzterer ist ständiger Mitarbeiter der„New Age", deren Redakteur Grayson vor einiger Zeit war) kürzlich über„daS Problem des Parlaments" veröffentlicht haben. In diesen: Essay wird die Bildung eines„Komitees für sozialistische Parlamentsvertretung" verteidigt. das getrennt von der Arbeiterpartei wirken soll. „Ist es möglich— fragen die beiden Effayisten—, eine der- artige wünschenswerte sozialistische Partei zu gründen? Das ist die Frage, die jeden Sozialisten, der dieses Namens wert ist, aufs äußerste beschäftigt. Freilich, wer mehr darauf sieht, die Arbeiter- interessen zu fördern(ackvanosmont ok labour), wird anders denken. Die Grundlage dieser Partei müssen die I. L. P., die S. D. P., die Clarion Scouts und— wenn möglich— auch die Fabian Society bilden. ES giebt auch noch verschiedene lokale Vereine, die zwar klein, aber in ihrer Nachbarschaft einflußreich sind." Zwei Punkte fallen in dieser offiziellen Erklärung auf: 1 Die Gewerkschaften, die bislang der einzige Ausdruck des Klassenbewußt- Gleims fcuillctoTK „Bürger" und„Untertanen". Heber diese beiden Begriffe, die in Deutschland immer noch ihre Bedeutung haben, weil ja der Bürger immer noch Untertan sein will, schreibt W. Feldmann im Heft 8 des„März": Seit dem vierzehnten Juli 178!) empfinden die Franzosen die Bezeichnung„Untertan" für sich selbst als eine Beleidigung. Dem König Ludwig XVI. und feinen Ministern war der Ausdruck „i-ujct" natürlich noch ganz geläufig, als im Mai 1780 die General- stände in Versailles eröffnet wurden. Im anderen Lager wagte man vorläufig an dem althergebrachten Ausdruck noch nicht zu rütteln, und Mirabcau trug kein Bedenken, am 8. Juli 1789 selbst bei Beantragung einer Adresse an den König von„Seiner Majestät treuen Untertanen" zu sprechen. Nach der Einnahme der Bastille wurde das Wort als Schlag- wort des alten Regime rasch verhaßt, und als es dem König Ende Mai 1799 noch einmal entschlüpfte, erhob sich lautes Murren. In der Nationalversammlung ist es in den Jahren 1799 und 1791 wiederholt zu Zwischenfällen wegen des Ausdrucks gekommen. Als Marguerites im, Februar 1791 von„des Königs treuen Untertanen" sprach, zischte die Linke ihn aus. Und der Girondist Petion erregte am 26. März 1791 den Zorn der Rechten durch die Erklärung, freie Bürger seien nur dem Gesetz Untertan und nicht in ihrer Gesamtheit Untertanen eines Königs, sondern souverän. Der heiß- vlütige Pfaffe Maury verlangte wütend, daß Petion zur Ordnung gerufen werde, und der Royalist Cazales verstieg sich zu der Be- Häuptling, daß der König das Gesetz verkörpere. Ihm antwortete Petion unter dem Beifall der Mehrheit, der König selbst sei ein Untertan des Gesetzes. Aehnlich heißt es im„Manuel du Citohen" von Merard de Saint-Just(1791):„Man ist nur Untertan des Gesetzes. Ein König hat keine Untertanen. Dieses Wort in seiner Anwendung von Mensch zu Mensch wird als beleidigend und unpassend aus unserer Sprache verschwinden." In Deutschland ist.die Verfemung des?lusdruckes„Untertan" durch die Vorkämpfer der französischen Revolution von deren Zeit- genossen doch mehr beachtet worden, als der rasche völlige Rückfall in die alte Gewohnheit glauben läßt. Wieland, dieser klassische Vertreter des altväterischen Aufklärerliberalismus, klagte im März 1794 in seinem„Neuen Teutschen Merkur":„Dies Wort fängt un- vermerkt an, unter die übelklingenden und unanständigen ge- rechnet zu werden, und unsere Maratisten geberden sich dabey wie der Teufel, wenn er mit Weyhwasser begossen wird. Indessen ist es bloß ihre eigene Schuld, wenn sie gegen allen Sprachgebrauch mit dem Wort Unterthan den Begriff eines Sklaven verbinden. Jedermann sei dem Gesetz und damit der Obrigkeit Untertan. Wer kein Unterthan seyn will, muß ein Straßenräuber werden oder sich unter die Indianer in Nordamerika aufnehmen lassen." Der alte Wieland hätte sich nicht zu ereifern brauchen. Schon wenige Jahre darauf rechneten alle guten Deutschen es sich wieder zur hohen Ehre an, treue„Untertanen" ihrer allergnädigsten Herren zu sein...> seins der britischen Arbeiter waren, sollen von der neuen Partei strikt ausgeschlossen sein; 2. daß diese neue Partei sich mit der Förderung von Arbeiterinteressen nicht abgeben soll. Die geistige Konfusion, die sich in diesem Zitate zeigt, ist charakteristisch fiir die Haltung und Fähigkeiten derjenigen Personen, die als Kritiker der I. L. P. und ihrer Taklik auftreten. Die Wirkung dieser verworrenen Lehren war aber, daß eine Anzahl von Mit- gliedern der I. L. P. schwankend und mit Mißtrauen erfüllt wurden nicht nur gegen die Parteitaktik, sondern auch gegen die Parteileitung, die diese Taktik auszuführen hat.... Von der Kritik gegen die Parteileitung gingen sie zu Ver- urteilungen der Arbeiterfraktiou über, die darauf berechnet waren, das Vertrauen der Arbeiterklasse zur Arbeiterpartei zu erschüttern." Das Manifest schildert dann im einzelnen die Wirkungen dieser Minierarbeiten, die aber von der Mehrheit der I. L. P. nicht ge- nügend beachtet wurden. Und sogar auf dem Edinburger Kongreß versuchte die Mehrheit, einen faulen Frieden herzustelleu, der nur die Wirkung gehabt hätte, daß die Gegner der Parteitaktik weiteren Spielraum gewonnen hätten, die Partei zu zerstören. Es sei deshalb nötig gewesen, die Partei zum Bewußtsein der ihr drohenden Gefahr zu bringen. Und die beste Maßregel schien der Rücktritt des Vor- standes zu sein. Irgendwelche persönliche Momente haben beim Ergreifen dieser Maßregel nicht mitgespielt. Das Manifest schließt: „Wir sind von der Richtigkeit der Taktik der I. L. P. fest über- zeugt. Wir vom Parteivorstaud hatien die uns anvertraute Aufgabe, die Taktik auszuführen. Wir führten sie nach bestem Wissen und Können aus. Das Votum des Kongresses bat aber unsere Tätigkeit nicht gebilligt. Wir treten deshalb aus dem Parteivorstand ans; aber wir bleiben in jder Partei. Wir werden in unseren Be- mühungen, die I. L. P. stark und geachtet zu inachen, nicht nachlassen. Aber unsere Arbeit in der Partei wird sich im Geiste der Taktik halten, die die Partei seit ihrer �Gründung verfolgt hat. Die Arbeiterpartei, in ihrer Stärke und Fülle, in ihren Fehlern und Schwächen, ist nicht nur der wahre Reflex des Lebens und Denkens der britischen Arbeiterklasse, sondern auch das einzige Instrument, durch welches der Sozialismus verwirklicht werden kann. Weil wir fest daran glauben, haben wir jene Maßregel ergriffen, und lvir fühlen auch, daß es ungemein wichtig ist, nicht nur in der Arbeiterpartei zu bleiben, sondern auch alle Methoden, die dieser Taktik fremd und schädljch sind, zu verwerfen." Grayson sagt in seinem Manifest, das im„Clarion" vom 16. d. Mts. erschien: „Werte Genossen I Wie es scheint, sind wir in einer Krise. Die Beschlüsse des Kongresses vom Sonnabend und Montag und die vollständige Umkehr am Dienstag(Grayson bezieht sich auf die sich widersprechenden Beschlüsse deS Kongresses, den Passus über ihn im Vorstandsbericht zu streichen und dann wieder, ihn stehen zu lassen) erfordern einige Bemerkungen von mir, um ihre �Bedeutung zu zeigen. Ueberflüssig zu sagen, daß ich überrascht und betrübt bin über die Ereignisse, die sich nach meiner Abreise von Edinburg ab- gespielt haben. Ich reiste Montag abends von Edinburg ab nach dem Vertrauensvotum, das aber am folgenden Morgen umgestoßen wurde. Vier verantwortliche Führer der Partei haben von dem Mittel der Resignation Gebrauch gemacht, um gegen eine ehrliche, demokratische Abstimmung zu protestrieren. Der Passus im Vorstandsbericht, gegen den ich Beschwerde führte, war ungerecht in seinen Tatsachen und ironisierend in seiner Abfassung. Eine ehr- liche und offene Debatte fand darüber statt, so daß Maedonald, den Schlußantrag begründend, sagte:„Der Kongreß hat beide Seiten gehört und kann jetzt den Wert der Frage abschätzen." Der Kongreß stimmte ab, nicht in Eile, sondern durch Zettel, nachdem er volle Gelegenheit zur Ueberlegung hatte. Die Abstimmung fiel für mich günstig aus und der besagte Passus wurde zurückgestellt. Dann, werte Genossen, trat„der wirkliche demokratische Geist" ein. Ent- rüstet über einen Kongreß, der es ablehnte, dem Vorstand blind- lings zu folgen, beschlossen Herr Hardie und seine Kollegen, zu resignieren." Grayson sagt dann, es sei Hardies Manier, mit Rück- tritt zu drohen, wenn die Dinge nicht nach seinem Geschmacke gehen. Die Folge sei geweien, daß er, Grayson, getadelt wurde, nachdem er einen Tag zuvor ein Vertrauensvotum erhalten habe. Hardie habe ferner gesagt, Grayson wolle die Partei zerstören und sich von skrupellosen Leuten gebrauchen lassen, die seine Laufbahn vernichten würden.«Lassen Sie mich Ihne» kurz meine Geschichte in unserer Bewegnng erzählen. Als Jüngling gebrauchte ich meine freie Zeit, die Lehren des Sozialismus in den Städten und Der letzte Jahresbericht der Deutschen Seewarte weist wieder eine Reihe bemerkenswerter Fortschritte auf. In der Abteilung für Meteorologie der MeereSräume bestanden die wesentlichsten Neuerungen in der monatlichen Veröffentlichung von Pilot-Karten für den Indischen Ozean und in der Vorbereitung für einen Atlas der Meeresströmungen in den indischen, ostasiatischen und australischen Gewässern. Am Ende des letzten JahreS verfügte die Seewarte in der Handelsmarine über einen Stab von Beobachtern, der fast die Zahl 1999 erreichte. Diese freiwillige Mit- arbeit wird durch kostenlose Znstellunq von Veröffentlichen und in besonderen Fällen durch Verleihung von Medaillen belohnt. In der Abteilung für Wettertelegraphie und Sturm- Warnungen ist eine ganz wesentliche Verbessernug dadurch ein- getreten, daß die britischen Stationen ihre Morgenbeobachtungen schon um 7 Uhr statt wie früher uni 8 Uhr anstellen. Da die Nach- richten von den britischen Inseln für die Beurteilung der Witterung in den nächsten 24 Stunden für das deutsche Gebier in erster Linie maßgebend sind, so bedeutet diese Aenderung für die Wettervoraussage in Deutschland einen großen Gewinn. Während des letzten JahreS gab die Deutsche Seewarte über 6999 Sturm- warnungstelegramme aus. Eine Neuerung waren die Versuche zur Benutzung der drahtlosen Telegraphie für Wettervoraussagen, die in Gemeinschaft mit dem Londoner Meteorologischen Amt unternommen wurden. Die Erkundung deS Zustandes der oberen Luftschichten ge- schieht durch Drachenaufstiege, deren während des JahreS etiva 299 statt- gefunden haben, darunter 36 in Höhen von mehr als 2999 Meter. Dazu kamen Beobachtungen mit Ballons, die gleichfalls mit selbsttätig auf- zeichnenden Instrumenten versehen waren und zu den für die Ballonaufstiege festgesetzten Zeiten aufgelassen wurden. Die Deutsche Seewarte zieht jetzt auch die Beobachtungen überseeischer Stationen in Rechnung, und zwar im ganzen von 21 Plätzen, wobei aber die Wetterstationen in Deutsch ostafrika, die eine besondere Bearbeitung erfahren, nicht eingerechnet find. DaS Eisenbahnnetz der Erde. Heutzutage, lvo von der Elektri- sierung der Eisenbahnen schon viel die Rede ist, und» wo sogar, in- folge der großen Fortschritte der Luftschiffahrt, so manche Phantasten träumen mögen, noch die Zeit zu erleben, in der, wenigstens von den Großstädten aus, ein regelmäßiger Luftschiffdienst eingerichtet sein wird, kann man eS sich kanni mehr vorstellen, dak erst vor dreiviertel Jahrhunderten die ersten Eisenbahnen dem Verkehr über- geben worden sind. 1835 hatte Deutschland mit einer Eisenbahn von sechs Kilometer Länge begonnen. Englands undJrlands Schienenstränge umfaßten im gleichen Jahre 471, die Frankreichs 176 und die Bei- giens 29 Kilometer. In einem soeben erschienenen Büchlein „Volkswirtschaft und Staat"(Leipzig. Quelle u. Meyer) stellt Professor Karl Kindermann auch die Ergebnisse der Eisenbahnstatistik zusammen. Wir sehen daraus, daß von den europäischen Ländern Schweden am spätesten die Eisenbahn eingeführt hat; doch tritt es(1865) gleich nnt einem Netz von 1235 Kilometer in die Statistik ein und verfügt 1995 über 12 684, fünfmal soviel wie Nor- wegen, in dem das Gebirge nur wenige Eisenbahnlinien gestattet. Nächst Norwegen hat Portugal mit 2571 Kilometer daS kleinste Schienennetz. Ueber das dichteste verfügt das Deutsche Reich. Die sechs Kilometer von 1825 hatten sich nach zehn Jahren auf 2315 Dörfern von Laneashire und Vorkshire zu propagieren. Vor drei Jahren wurde'ich von meinem Wahlkreise ersucht, als Paria« mentskandidat aufzutreten. Ich tat das, und zwar trotz aller Opposition von feiten der Parteibeamten. Ich siegte infolge des Enthusiasmus der Parteigenossen. Ich gab in felbstlosester Weiss der Bewegimg das Beste, was ich habe. Ich bin gegen jede Draht- zieherei und gegen jede„Vorbereitung" von Kongressen. Wegen meiner Austritte im Parlament wurde ich von allen sozialistischen Parlamentsabgeordneten verspottet. Es wurden sogar gemeine Ge- schichten erfunden und in Umlauf gebracht, um meinen Ruf zu schädigen. Jetzt stehen wir inmitten einer Krise. Ich bin Sozialist und ein begeisterter Anhänger der I. L. P. Die Vorgänge der letzten Zeit sind nichts weiter als ein offener Versuch, mich aus der Partei auszustoßen. Ich werde nicht gehen, bis man mich ausstößt. Von den Genossen wird verlangt, daß sie die Ausstoßung um jeden Preis beschließen. Aber, Genossen, Einigkeit um jeden Preis ist ei» hohler Schwindel. Könige haben die Einigkeit durch Meuchelmord erlangt. Politische Parteien haben sie durch schmachvolle Verfolgung hergestellt. Sie können sie durch die Ex- kommuuilation aller nicht blinden Anhänger der autokratischen Führer erhalten. Aber ich warne Sie: die Einigkeit wird wieder zusammen- brechen. Wenn unsere Bewegung zu alt ift_ für die Jungen, so wird eine andere Bewegung ins Leben gerufen werden. Aber ich sage, daß unsere Veteranen zu viel von unserer Verehrung für sie verlangen, wenn sie die Kritik unterbinden und blinden Gehorsam erzwingen wollen; es gibt einige unter � uns, die nicht aus derartigem Holze geschnitzt sind. Ich bin weder ein Zyniker, noch ein launenhafter Kritiker. Aber ich bin voller Eifer für den Sozialismus und ick, werde seine Interessen bewachen." Wie diese Krise endigen wird, läßt sich noch nicht sagen. Sicher ist nur. daß sie der Arbeiterpartei nicht schaden wird. Sie wird auch die Folge haben, daß die Frage des Verhältnisses zwischen Sozialismus und Arbeiterbewegnug zur ernsten Diskussion gelangen wird, wobei allerdings alle persönlichen Momente streng ausgeschaltet werden mühten. 16. Parteitag der Sozialdemckratie Ungarns. Während der Osterfeiertage tagte im neuen Rathaussaale zu B u d a p e st der diesjährige Parteitag der ungarischen Sozial» demokraiie. Er zeugte von stetiger Erstarkung, trotzdem noch nie die herrschenden Klaffen mit solcher Wucht sich die Vernichtung der Partei zum Ziele erkoren, wie gerade im letzten Jahre. Neimens der Parteileitung eröffnete Genosse Alexander Gar bat die Verhandlungen mit einer Begrüßungsrede, worin er u. a. sagte: Wir stehen vor den großen Problemen der Zukunft, nachdem die Beschlüsse des letzten außerordentlichen Parteiiages uns vor schweren Aufgaben stellten. Infolge der wirtschaftlichen Krise und der äußeren Politik wurde die Frage des Wahlrechtes künstlich in den Hintergrund gedrängt. Schließlich begrüßte er den Ver- treter der österreichischen Sozialdemokratie, den Reichsratsabgeordneten Winarsky, der, von stürmischen Eljen- rufen empfangen, folgendes erwiderte: Mit gespannter Aufmerk- samkeit verfolgen wir den heroischen Kampf unserer ungarischen Genossen: mit Flammen der Entrüstung nahmen wir die Ver- folgung zur Kenntnis, welche die Gewerkschaften von der Regie- rung zu erleiden hatten, und wir bewundern die Kraft des kämpfen- den ungarischen Proletariats, das trotz dieser Verfolgungen seine Stellung zu behaupten verstand. Wir sehen im Kampf ums all- gemeine Wählrecht die wichtigste Frage Ungarns: der Wortbruch der Koalition ist eine Schande sondergleichen. Der wirtschaftliche und politische Kampf in Oesterreich ist durch Ungarns Rückständig- keit behindert in seiner Entwickclung. Deswegen und entsprechend der pflichtgemäßen internationalen Solidarität sind wir bereit, unsererseits alles mögliche aufzubieten, um die ungarischen Ge» nossen in ihrem Kampfe zu unterstützen. Auf den Wahlrechtskampf in Oesterreich haben die ungarischen Ereignisse stark eingetvirkt. Wir haben fortwährend damit agitiert, daß das, was der König von Ungarn versprochen hat, auch der Kaiser von Oesterreich nicht abschlagen kann. Das hat sich jetzt geändert. Der König von Ungarn hat sein Versprechen nicht gehalten, jaber der Kaiser von Oesterreich hat es getan. Es ist selbstverständlich, daß jetzt die ungarischen Genossen umgekehrt daran erinnern, daß der König vermehrt, waren 1865 bis zu 14 762 Kilometer angewachsen, hatten sich in den nächsten zehn Jahren fast verdoppelt, und haben in den dreißig von 1875—1995 eine abermalige Verdoppelung erfahren. so daß sie damals 56 477 Kilometer umfaßten. Ihm folgt an Aus- dehnung das russische Schienemietz(einschließlich Finnland). Eine Vorstellung von der ungeheuren Größe des russischen Reiches kann man sich daraus machen, daß bei 56 477 Kilometern in Deutschland auf 199 Quadratkilometer 19.4 Kilometer Eisenbahn kamen, in Ruß- land bei 54 974 Kilometern Eisenbahn auf das gleiche Terrain 0,9. Oesterreich hatte 1995 etwa 49 999, England und Irland Zb'/z Tausend und Frankreich 46Vs Tausend Kilometer Eisen- bahnen. Das gesamte Schienennetz der Erde hatte eine Länge von 995 695 Kilometer, und von diesen entfielen 351 593 Kilometer auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Humor und Satire. Joanne d'Arc. Lasse dich getrost verbrennen, acht' es nicht für ein Malör. denn man wird dich selig nennen fünf Jahrhunderte nachher. Mit gewaltigem Spektakel wirst du gänzlich renoviert, abgewaschen wird der Makel und die Reinheit attestiert. Teils betrügend, teils betrogen— Menschheitsnarreteisymbol!— kommen Tausende gezogen zu dem Aberglaubenspol. Und nun ist das Volt versammelt, und man singt und plärrt und schreit, murmelt, flüstert, wispert, stammelt... Schwupp, da ist die Seligkeit! Fertig ist der Hokuspokus: was, Johanna, willst Du mehr? Lwf die Tragik folgt der JokuS fünf Jahrhunderte nachher. _ Franz. Notizen. — Der grobe Unfug der Theaterzensur. Die Nürnberger Theaterzensur, die der Magistrat ausübt, hat sich preußischer gezeigt, als ihre preußische Kollegin. Vor drei Wochen verbot sie die Aufführung von Borngräbers Drama„Die ersten Menschen"..Die Sittlichlest schien ihr durch dieses Stück gefährdet, das bereits auf einer großen Anzahl von auswärtigen Bühnen un- beanstandet aufgeführt worden ist. Eine vom Verfasser eingelegte Beschwerde wurde zurückgewiesen. In der Begründung wird auch darauf verwiesen, daß die oberbayerische Kreisregierung das in München erfolgte Verbot noch nicht zurückgenommen habe. Dabei untersteht der Nürnberger Magistrat in keiner Weise der ober» bayerischen Negierung.— don Ungarn nicht schlechter sein kann als der Kaiser von Oesterreich. Es ist ein Gebot der Ehre, dajz der König von Ungarn nicht lange anders handeln kann, als der Kaiser von Oesterreich. Aber wie immer auch der König sich ent- scheiden wird, die Macht des ungarischen Proletariats wird den Sieg erringen. Ich wünsche dem Kongreß den besten Erfolg. (Langanhaltende Eljeyrufe und Applaus.) Namens der Sozialdemokratie Bosniens und der Herzegowina sprach Genosse Karl Kopacsy. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, mit denen die bosnische Partei zu kämpfen hat. Sie lernt von der ungarischen und wird nicht säumen, ihre Pflicht zu erfüllen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde auch ein längerer Brief der sozial. demokratischen Partei Deutschlands verlesen sowie ein Schreiben der ungarischen sozialdemokratischen Partei Amerikas. Den Bericht der Parteileitung erstattete Partei- selvetär Emanucl Buchinger. Wir haben aus dem gedruckten Bericht bereits das wesentlichste wiedergegeben. Der Referent fübMe u. a. aus, daß trotz schwieriger Lerhältnisse, wie sie noch nie für'�ie Partei bestanden, doch ein Fortschritt zu verzeichnen sei. Allein an Abonnementsgebühren habe sie eine Mehreinnahme von 14 000 Kronen. An Parteistcuer ist trotz der Verfolgungen der- selbe Betrag wie im Vorjahre eingegangen. Die Aktionen gegen den Wohnungs- und Lcbensmittelwucher ivaren Erfolge der Partei. Schließlich wies er auf die Ereignisse hin, die sich bezüglich des Wahlrechtes abspielten: Die Erfolge der Reichskonferenz und die Enthüllungen der„Nepszava" über die Pluralwahl. Die Bewegung der jugendlichen Arbeiter hat bisher noch immer nicht sicheren Boden gewinnen können. Indes haben die Jugendlichen trotz der Verfolgung durch die Behörden ihr monatlich erscheinendes Blatt aufrechterhalten und mit der Bc- wegung für die Schaffung staatlicher Lehrlingsschulen beginnen können._(Schluß folgt.) Huö der parteu Eine vedenktiche Kundgebung. Der Sekretär des Internationalen Soziali st ischen Bureaus, Genosse C. Huysmans, sendet uns sehr nachträglich— denn»Het Volk" zu Amsterdam und der„Peuple" zu Brüssel konnten das Dokument längst veröffentlichen— den Bericht des JnternationalenSoziolistischen Bureaus über die gescheiterten Einignngs- Verhandlungen, die es in Holland zivischen der Sozialdeinolratischsn Arbeiterpartei und den Sozialdemokraten der neuen Partei eingeleitet hatte. Uebersetzungsschwierigkeiten waren nicht der Grund der Ver- zögerung, denn wir erhalten den 41 init der Schreibmaschine be- schriebene Seiten starken Bericht in französischer Sprache. Er schließt mit einer sehr scharfen Absage des ExelutivlonnteeS des BnrcauS, gezeichnet Anfeele.Furnümont, Vandervelde und H u y s- manS, an die Sozialdemokratische Partei. Genosse HnySmans sagt in seinem Begleitschreiben, daß er auf dem Parteitag der S. D. A. P. in Rotterdam im Namen des Exekutiv- komitees deS Bureaus gesprochen habe,„nicht mehr, aber auch nicht weniger". Diese Bemerkung ist anscheinend provoziert durch ein Fragezeichen, das wir in unserem Bericht über den Notier- damer Kongreß der Rede deS Genossen HuysmanS an jener Stelle eingefügt, wo es hieß, daß er„im Namen der Internationale" spreche. Wie wir aus des Genossen HuhSmanS Schreiben ersehen, hat er diese unberechtigte und irreführende Wendung nicht ge- braucht, sondern die Körperschaft, die er vertrat, richtig bezeichnet. Damit ist aber nicht gesagt, daß das Auftreten des Genossen HuysmanS in Rotterdam— daS noch weit agressiver gegen die S. D. P. war, als es unser gekürzter Bericht erkennen ließ— ganz unbedenklich war. Es ist klar, daß der Beschluß des Exekutivkomitees in dieser wichtigen Angelegenheit nur ein provisorischer sein kann. Die Plenarversammlung des Bureaus hat zu entscheiden. Ist eS schon bedenklich, durch die Veröffentlichung deS Berichts das Urteil des Gesamtbureaus gewissermaßen vorwegzunehmen und den Anschein zu erwecken, als habe die berufene Vertretung der inter- nationalen Arbeiterbewegung bereits gegen die S. D. P. und zugunsten der S. D. A. P. entschieden, so ist eS doppelt bedenklich, diese Erklärung noch durch das Auftreten des Genossen HuysmanS in Rotterdam kräftig zu unterstützen. Genosse Huysmans hat zu Rotterdam gemeint, eS wäre Feigheit, wenn er dort nicht Stellung nehmen würde. Diese Auffassung ist unseres ErachtenS ein schwerer Irrtum. Zurückhaltung war P f l i ch t I Zur Maifeier. In Nürnberg haben die Vertreter von Partei und Gewerk- schaften vereinbart, daß die Feier nur am 1. Mai selbst stattzufinden habe. Vormittags sollen zwei, abends vier große Versammlungen stattfinden, nachmittags ein Ausflug. Die Partei- und GewerlschaftS- angestellten sowie die Arbeiter und Arbeiterinnen der Parteibetriebe haben den Tagesverdienst an den Gewerkschaftsausschutz abzuliefern. der die Gelder als unantastbaren Fonds bis zur völligen Regelung der Maifeier verwaltet. In Magdeburg versagte die Polizei die Genehmi« gung zu einem Umzüge.— In der Begründung heißt es, daß der Umzug nicht nur selbst eine große Anzahl Menschen umfassen, sondern auch Neugierige und andere Zuschmuer an- locken würde. Es sei daher zu befürchten, daß sich die An- sammlung der Menschen an einzelnen Stellen derart steigere, daß eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit einträte.— Die Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmel wurde erteilt._ Personalien. In die Redaktion der„Pfälzischen Post' zu Ludwigshafen tritt am 1. Juli Genoffe Friedrich Steffen als dritter Redakteur ein. Soziales. Aus der KonfeltionSbranche. Eine die Arbeiter schädigende Unsitte hat sich in verschiedenen Zweigen der KonfeltionSbranche im Laufe der Zeit herausgebildet, die in ihrer Eigenart sowohl als auch in ihrem Umfange in Zeiten, in denen der Geschäftsgang im Abflauen begriffen ist, besonders lratz in die Erscheinung tritt. Denn viele Arbeitgeber benutzen leider ihre durch den mit dem schwachen Geschäftsgange gleichzeitig eintretenden Ueberflutz an Arbeitskräften gesteigerte wirtschaftliche Uebermacht dazu, um die von ihnen Wirt- schaftlich abbängigen Arbeiter aufS schwerste zu benachteiligen. Und fast immer sind die so wie so schon äußerst minimal entlohnten Konfektions näherin-ieu die bedauernswerten Objekte solcher Unternehmerprakiiken. Abgesehen davon, daß eS durchaus keine Seltenheit ist, daß bei Uebergabe der Arbeit der Lohn dafür nicht ausbedungen und dann bei der Ablieferung der fertigen Arbeit die Näherin mit einem lächerlich geringen Lohn sich ab- speisen läßt, kann heute, auch wenn der Lohn vorher vereinbart worden ist, die Näherin nicht mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sie denselben bei der Lieferung der Arbeit auch erhält. Jeder— oftmals äußerst geringfügige— Makel an der gelieferten Arbeit bietet manchem Arbeitgeber Grund genug, um der Arbeiterin den vollen Lohn vorzuenthalten und häufig genug wird ihr dann eine die Lohnforderung weit übersteigende Schadenersatzforderung entgegengehalten. Fast allwöchentlich hat sich die Kammer l des Eewerbegerichts «it einer ziemlich erklecklichen Anzahl von Klageanträgen, die auf Zahlung deS einbehaltenen Lohnes abzielen, zu befassen. Uever einige Fälle aus den gestrigen Verhandlungen wollen wir hier be- richten. So hatte die Firma Hermann Franken st ein der Blusen- stepperin M. den vereinbarten Arbeitslohn von 10,40 M. für vierzehn Blusen nicht gezahlt, weil bei zehn Blusen die Passen so mangel- hast gearbeitet sein sollen, daß die Blusen neue Passen erhalten mußten. Außerdem stellte die Firma dem Klageantrage eine Widerklage auf Zahlung von 16,— Mark als Schadenersatz für die Passen einschließlich Arbeitslohn entgegen. Das Gericht wies die Vertreterin der Firma vergeblich darauf hin, daß es doch nicht angängig sei, daß der Klägerin nicht nur der Lohn einbehalten und obendrein der Arbeitslohn für die Neuanfertigung der Passen aber- mals als Schadenersatzforderung in Rechnung gestellt wird; einmal müsse doch die Firma Arbeitslohn zahlen. Auch hat die Firma nach dem Gutachten der Beisitzer(Fachleute) den Materialschaden uugewöhn- lich hoch bemessen. Schließlich kam das Gericht zu der Ansicht, daß die bemängelten Passen verwendbar seien und schätzte den Arbeits- lohn für die Acnderung einer Bluse auf 25 Pf. Da 10 Blusen nur bemängelt waren, brachte das Gericht 2,50 M. von der klägerischen Forderung in Abzug und verurteilte Beklagte zur Zahlung von 7,90 M. Die Widerklage wurde in vollem Um- lange abgewiesen. Von der Firma C. Espen, Oranien st raße, verlangt die Blusennäherin H. 11,25 M. Arbeitslohn für neun Blusen. Die Be- klagte bestreitet die Höhe der Forderung an die Firma. Es sei nur 1 M. pro Stück an Arbeitslohn vereinbart. Um die Klägerin zur Anfertigung derselben zu bewegen, will ihr der Prozeßvertreter der Finna 25 Pf. aus seiner Tasche zugesagt haben. Da die Arbeit untauglich sei, will die Firma überhaupt nichts zahlen. Insbesondere seien drei Blusen vollständig unverwendbar. Die Klägerin er- mäßigt auf Vorschlag des Vorsitzenden ihren Anspruch um drei Stück und auf 1 M. pro Stück, also 6 M. Das Gericht spricht ihr davon, nachdem eS alle Einwände der Beklagten berücksichtigt hat, 3,60 M. zu. In einen recht fetten Prozeß ließ sich der K o n f e k t i o n S- fch neider Knipp verwickeln. Die Blusennäherin K. fordert von ihm noch einen Nestlo hn von 95 Pf. Der Betrag ist ihr ab- gezogen worden, weil sie die Kragen falsch garniert haben soll. Der Beklagte hatte ihr aber die Blusen vorbehaltlos abgenommen und erst nachdem die Firma, für die Beklagter arbeiten läßt, dieselben moniert hat, erfolgte der Abzug. Deshalb hatte die Klägerin Erfolg. Die Wäschenäherin Frau S. klagt gegen den Kaufmann Paul Mosse, in Firma Salomon Masse. Sie ist seit Jahren als Heimarbeiterin mit Kragemiähen für Beklagten beschäftigt gewesen. Es sind ihr für fünf Dutzend Kragen der Lohn von 3,50 M. einbehalten worden, weil eine zuvor gelieferte Arbeit beim Waschen role Flecke bekam. Das komme davon her, daß Frau S. beim Nähen eine rote Wollbluse getragen haben müsse, von der Wolltcilchen abgefallen und so zwischen die Leinenteile genäht worden sind; diese färben dann beim Waschen ab. Frau S. will aber eine solche Bluse gar nicht getragen haben. Die Beisitzer, von denen zwei aus der Wäschebranche waren, hielten es für mög- lich, daß solche Wollteilchen auch bei der Beklagten zwischen das Leinen gekommen sein können. Da die Schuld der Klägerin nicht erwiesen ist, niußte Beklagte verurteilt werden. Die Beklagte hatte in diesem Falle Widerklage nicht erhoben, sondern einfach aufgerechnet, Was der Vorsitzende Magistratsassessor Dr. Maguhn für zulässig hielt, da die Klägerin das Kragennähen nur im Nebenberuf ausübte; einen Hauptberuf hat sie nicht, sondern sie wird hauptsächlich von ihrem Ehemann unterhalten. Prügel für Arbeiter. Der Vorsitzende deS Solinger Gewerbegerichts, Amtsrichter Falke nberg, scheint auch ein Freund des PriigelnS zu sein. Damit hat Herr Dr. Feldner in Solingen, welcher bekanntlich, wie der„Vorwärts" berichtete, vor einigen Wochen als Strafrichter in einem bestimmten Falle bedauert hat, die Prügelstrafe nicht in An- Wendung bringen zu können, von einem seiner Kollegen SuklurS erhalten. In der letzten GelverbegsrichtSsitzung in Solingen klagte der jugendliche FabnlatioiiSgehilfe I., vertreten durch seine Mutter, wider die Stahlivarenfabrik Kirschner daselbst auf Zahlung eines 14tägigen Lohnes wegen sofortiger grundloser Entlassung. Der Vertreter der Firma, einer der Herren Chefs, erklärte sich bereit, den jungen Mann noch 14 Tage beschäftigen zu wollen. Die Vertreterin des Klägers, seine Mutter, meinte, nachdem ihr der Vorsitzende zugesprochen, das An- gebot auzuuehinen, daß ihr Sohn von dem Anerbieten der Firma, roch 14 Tage arbeiten zu können, nicht sehr erbaut sein würde, denn bei der in Frage kommenden Firma sei gerade nicht am besten zu arbeiten, weil in dem Betriebe verschiedene Personen zu komman- dieren hätten, und besonders die jungen Leute würden nicht am besten behandelt, Prügel habe ihr Sohn zwar noch nicht be- kommen. Darauf meinte der Vorsitzende des Gewerbegerichts, Amtsrichter Falkenberg, daß es mich nichts schaden würde, wenn jüngere Leute mal durch Prügel anfgemnntcrt würden, was manchmal ganz gesund sein würde. Die Gewerbegerichtsbeisitzer und auch die übrigen im Saale anwesenden Personen schauten sich nach diesem Ausspruch des Vorsitzenden einer sozialen Institution, die daS Ge- Werbegericht doch sein soll, gegenseitig verdutzt an. Simulation oder ärztliche Unfähigkeit? Unfallverletzte haben besonders häufig unter der auf Unfähigkeit oder Leichtfertigkeit von Aerzten beruhenden„Diagnose" zu leiden, sie simulierten oder machten sich„grober Uebertreibungen" der Unfallfolgen schuldig. Nachstehend schildern wir an der Hand der Akten einen Fall des Kupferschmiedes S. Mehrere Jahre lang mußte dieser den Kampf um die Rente führen. Fast wäre auch er ein Opfer der Irrungen von Aerzten geworden, die ihn der Simulation oder der groben Uebertreibung beschuldigten, weil sie objektive Merkmale nicht feststellen konnten. S. hatte am 17. Mai 1905 durch einen Betriebsunfall eine Verletzung der rechten Kreuzgegend erlitten. Der Arzt nahm zu- nächst eiste„Muskelzerrung' an. Da die Beschwerden bei Abschluß der ärztlichen Behandlung noch nickt beseitigt waren, die Klagen des Verletzten indes glaubhaft erschienen, gewährte die Nordöstliche Eisen« und Stahlberussgenossen- s ch a f t,„mit Rücksicht darauf, daß die rechte Darm-Kreuzbein- gelenke trotz des negativ- objektiven Befundes ganz besonders druckempfindlich und schmerzhaft ist'— eine Rente von 15 Prozent. DaS Schiedsgerichl für Arbeiterverstcherung Stadtkreis Berlin, an welches sich der Kläger— zwecks Erlangung einer höheren Rente — gewandt hatte wies die Berufung zurück. In den Gründen des abweisenden Urteils wird gesagt:„daß auch nach siebentägiger Beobachtung durch Prof. Dr. W. objektive Veränderungen bei dem Verletzten nicht festzustellen gewesen sind.' Am 11. Juli190SstelltS. von neuem den Antrag auf Erhöhung der Rente. Durch Bescheid vom 18. September wird der Antrag zurückgewiesen, das:„objekliv keine Veränderungen in den Unfallfolgen nachzuweisen sind." Am 1. Januar 1907 stellte S. wiederum den Antrag auf Erhöhung der Rente, da er jetzt völlig erwerbsunfähig sei. Er unterstützte seinen Antrag durch ein ärztliches Gutachten deS Professors Dr. R. Dieser Gutachter sagt: ich glaube nicht, daß eine Muskelzerrung vor- liejjt, sondern bin überzeugt, daß eine, sogar zum Fortschreiten neigende Versteifung der Gelenke deS Lendenwirbels und deS Kreuzbeins im Anschlüsse an die Verletzung vorliegt'. Prof. Dr. R. hält eine energische Behandlung usw. zur Auf- Haltung des Krankheitsprozesses für dringend notwendig. Aus- drücklich hebt der ärztliche Sachverständige hervor, daß er Simulation für ausgeschlossen hält. Trotz dieses ärztlichen Gutachtens wird der An- trag auf Erhöhung der Rente von der Bsrufsgenoffenfchast zurück- gewiesen. Der Vertrauensarzt der BerufSgenoffenschaft, Dr. F., kann sich der Diagnose des Professors Dr. R. nicht anschließen. Gegen den Ablehnungsbeschcid erhebt der Kläger Berufung beim Schiedsgericht. Auf Veranlassung des Schiedsgerichts wird S. von dessen Vertrauensarzt Dr. E. untersucht. Nach mehr- maliger Untersuchung gelangt auch Dr. E. zu dem Ergebnis, daß unzweifelhaft eine wesentliche Verschlimmerung in den Unfallfolgen eingetreten ist. S. sei völlig erwerbsunfähig. Die BerufSgenoffenschaft hört nochmals ihren Vertrauensarzt Dr. Z. Dieser muß unter dem 27. Juli 1907 eine eingetretene Ver- schlimmerung,— die sich mit dem vom Schiedsgerichtsarzt Dr. E. erhobenen Befund deckt— zugeben. Aber die Diagnose des Herrn Dr. E. hält er für irrig. Dr. Z. glaubt vielmehr, daß es sich um ein in der Ausbildung begriffenes Rückenmarkleiden handelt. Den ursächlichen Zusammenhang durch eine einmalige Unter- suchung festzustellen, sei nicht gut möglich; dazu bedürfe es einer längeren Beobachtung. Die Berufsgeuossenschaft beantragt darauf beim Schiedsgericht, den S. noch einmal in Weißensee von Professor Dr. W. beobachten und untersuchen zu lassen. Das Schiedsgericht gab diesem Verlangen nach. S. wurde darauf 14 Tage iin Auguste- Viktoria- Krankenhaus in Weißensee beobachtet. Das Resultat dieser„Beobachtung' war. daß Herr Professor Dr. W.„objektiv" eine Verschlimmerung der Unfallfolgen an dem blühend aussehenden S. nicht festzustellen vermochte. Ebenso bälr er eine ärztliche Behandlung für nicht notwendig. Dagegen erklärt Prof. Dr. W., daß S. wenn nicht„simulier e", dann mindestens ganz ungeheuer übertreibt. Diese sonderbare Ansicht erlangt Professor W.. weil der Verletzte im Jahre 1906 zeitweilig einen höheren Stundenlohn verdient hatte, wie vor dem Unfall. Der Termin vor dem Schiedsgericht ist denn auch für den Verletzten ungünstig ausgefallen. Das Schiedsgericht hat seiner Entscheidung — so heißt es in dem Urteil—„unbedenklich" das Professor W.sche Gutachten zugrunde gelegt. Danach ist aber eine Verschlimmerung in dem Zustande des Verletzten, wie er für die Reuteniestsctzuug auf 15 Proz. maßgebend gewesen ist, nicht eingetreten. Zumal Dr. E. im Termin noch erläuternd erklärt hat, daß„die völlige Erwerbs- Unfähigkeit— 100 Proz.— nur dann zu gelten habe, wenn ein Heilverfahren eingeleitet wird."— Eine merkwürdige Logik! Der Arzt untersucht den Verletzten mehrmalig, stellt objektive Ver- änderungen, im Sinne der Verschlimmerung, in den Unfallfolgen fest: schätzt die Erwerbsunfähigkeit auf 100 Proz.— Nach einem Vierteljahr„erläutert" er sein Gutachten mündlich! Gegen die Entscheidung deS Schiedsgerichts legte der Verletzte Rekurs beim Reichsversicherungsamt ein. Im Re- kursversahren wurden Ermittelungen über die Lohnverhältnisse an- gestellt; ferner ist ein Obergutach'tcn von Professor Dr. K. von der Unfallabteilung der Königlichen Charitö eingeholt worden. Dieses nach zehntägiger Beobachtung erstattete Gutachten ist für den Kläger günstig ausgefallen. Der erkennende Senat des Reichsversicherungs- amtes gab daraus dem Rekurse deS Verletzten statt. Die Nordöstliche Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft wurde ver- urteilt, dem Verletzten vom iLJanuar 1907 ab die Vollrente und 10 M. an außergerichtlichen Nosten zu zahlen. In den Gründen heißt es unter anderem:. Wenn auch gewisse Zweifel Hinsicht- lich des Zustandes des Klägers und mit Bezug auf den Eintritt einer wesentlichen Verschlimmerung der Folgen des Unfalles vom 17. Mai 1905 bestehen können, so hat doch der Relurssenat auf Grund der Gutachten des Prof. Dr. R-, des schiedsgerichtlichen Vertrauensarztes Dr. E. sowie des Prof. Dr. K. und Stabsarztes Dr. P. in Berlin vom 18. Januar 1907, 8. Juli 1907 und 3. August 1908, ferner auf Grund der persönlichen Verhandlungen mit dem Kläger die Ueberzeuguug ge» Wonnen, daß bei dem Kläger Versteifungen der Gelenke, der Lenden- Wirbelsäule und des Kreuzes als Folgen einer bei dem Unfall er- littcnen Verletzung der Lendenwirbelsäule eingetreten sind, durch die der Verletzte seit dem Januar 1907 völlig erwerbsunfähig geworden ist. Daß tatsächlich eine Verletzung der Lendenwirbeliäule statt- gefunden hat, ergibt sich daraus, daß die Aerzte der Charitö eine AuSbiegung der Lendenwirbelsäule nach hinten und eine Verwachsung ihrer einzelnen Teile sowie eine Verflachung der ganzen Kreuzbein- gegend festgestellt haben. Für die jetzige völlige Erwerbsunfähigkeit Ipricht auch, daß der Verletzte seit dem Januar 1907, wie er glaub- Haft versichert, im wesentlichen überhaupt nicht mehr gearbeitet hat, während er vorher noch einen durchschnittlichen Lohn von 6—7 M. erzielt hat. Gerade in diesem Punkte scheint dem Professor Dr. W. ein Irrtum unterlaufen zu sein, der für seine Beurteilung mit maß- gebend war, indem er nämlich in seinem Gutachten vom 29. Sep- tember 1907 davon ausgegangen ist, daß der Verletzte auch noch im Jahre 1907 jenen Lohn verdient hat. Der Antrag des Verletzten vom 1. Januar 1907 ist demnach als berechtigt erachtet worden. Deshalb ist dem Verletzten vom 2. Januar 1907 ab die Vollrcnte zugesprochen. Damit war dem Verletzten endlich sein Recht geworden. Wäre in einem Zivilprozeß, in dem eS sich nicht um verletzte Arbeiter, sondern um Schadenersatzansprüche von Passanten handelt, denkbar, daß ein Arzt sein schriftliches Gutachten so erläutert, wie Dr. E. das seinige erläuterte oder daß ein Professor Dr. W., der merkwürdigerweije„objektiv" keine Veränderung feststellen kann, dafür den Verletzten einfach-als Simulanten, mindestens als ungeheuerlichen Uebertreiber bezeichnete? Von allen Gutachtern ist der Verletzte als glaubwürdig bezeichnet. Ja selbst Professor Dr. W. erklärt in einem seiner ärztlichen Gutachten, daß er— Professor W.— sich nicht für berechtigt halte, an den bestimmten Angaben deS Verletzten Zweifel zu hegen. Was wäre wohl aus dem„blühenden" Verletzten geworden, wenn daS Reichs- versicherungsamt auf Grund deS persönlichen Eindruckes nicht noch den Professor Dr. K. von der Charitü gehört hätte. S. wäre dann ein Opfer der Unfähigkeit gewisser Aerzte geworden, die in jedem Unfallverletzten einen Rentenjäger, einen Simulanten sehen, der auf Kosten der BerufSgenoffenschaft„ein behagliches Dasem führen will'. Die neue RcichsversichernngSordnung will gar daS Verfahren noch verschlechtern. Nach ihr hätte der Kupferschmied S. nicht an das Reichsversicherungsamt gehen können. Der im Beruf Verletzte wäre um sein Recht gekommen. Solche Verschlechterung eines schon schlimmen Rcchtszustandes nennt der Staatssekretär von Bethmann- Hollweg Sozialpolitik._ Vorträge über Arbcitcrschutz. Der Stadtmagisttat Nürnberg hat seit Jahren die Gesuche der Bauarbeiterschutzkommission, durch die städtischen Bauaufsehcr aus Arbeiterkreisen Vorträge über Arbeitcrschutz und Unfallvcrhntungs- Vorschriften in Arbeiterversammlungen halten zu lasien, stets ab- gelehnt mit der für ihn selbst recht blamablen Begründung, die Bau- aufseher seien dazu nicht geeignet, sie könnten sich vor den Arbeitern blamieren. Der wahre Grund war die Absicht, die Bauaufsehr mit mit den Arbeitern nicht in Berührung kommen zu lasten. Nachdem jetzt die Sozialdemokraten selbst im Rathause vertreten sind, sah man sich doch veranlaßt, diesen verbohrten Standpunkt aufzugeben und auf ein neuerliches Gesuch der Bauarbeiterschutzkommission den Bau- aufsehern die ftagliche Erlaubnis zu erteilen. Nnvcrcchtigte und berechtigte Entlassung. Die Finna Feiten u. Guillaume hatte den Tischler F. entlassen, weil er sich nach ihrer Meinung des Diebstahls schuldig gemacht hatte. Da eine 14tägige Kündigungsfrist vereinbart war. klagte F. gegen die Firma auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 62 M. Die Verhandlung ergab, daß der Kläger einen bei der Arbeit be- schädigten Winkel, der einem Mitarbeiter gehörte, repariert hat, wozu er einen wertlosen Holzabschnitt verwandte. Das sollte ein— Diebstahl sein. Die Kammer IV des GewerbegerichtS trat solcher Ansicht nicht bei und verurteilte die Beklagte zur Zahlung der geforderten Entschädigung. Der Hausdiener S. war beim Tischlermeister Pfennig vom 23. bis 24. März gegen einen Wochenlohn von 23 Di. beschäftigt. Er wurde entlassen, weil er sich ttotz mehrfacher Aufforderung weigerte, für die Gehilfen zum Frühstück einzuholen. Da uker Kündigungsfrist nichts vereinbart worden war, klagte S. auf Lohn- entschädiguug wegen fristloser Entlassung. Obwohl dem Kläger bei seiner Einstellung nicht gesagt worden sei, daß das Frühstückeinholen zu seinen Obliegenheiten gehöre, hielt das Gewcrbegcricht seine Ver- pslichlung dazu doch für selbstverständlich und empfahl mit Erfolg Zurücknahme der Klage._ Die Folgen eines Hufschlags. Im Jahre 1901 wurde der Fahrbursche einer Frankfurter Brauerei durch einen Hufschlag an der Stirne verletzt, arbeitete aber nach mehrwöchentlicher Erwerbsunfähigkeit wieder weiter. Einige Jahre später mußte her Verletzte jedoch wieder einen Arzt aufsuchen. welcher.zunehmende Geisteskrankheit und fortschreitende Lähinung der unteren Extremitäten" konstatierte. Der Arzt führte dieses Leiden auf den bor Jahren erlittenen Unfall zurück. Doch die Berufsgenossenschaft lehnte die Gewährung einer Rente ab, weil ja der Kassenarzt Dr. Th. auf Anfrage erklärt hatte, daß der Hufschlag damals keine ..nachteiligen Folgen gehabt habe", außerdem sei ja auch der An- spruch auf Unfallrente längst verjährt, weil dieselbe nicht innerhalb der Verjährungsfrist von zwei Jahren gefordert worden sei. Gegen den Bescheid legte der Verletzte Berufung ein. Er ließ durch das Arbeitersekrc'tariat geltend machen, daß er jahrelang weniger Schmerzen verspürt habe, daß aber in letzter Zeit sehr heftige Kopfschmerzen, Schwindelanfälle eingetreten wären. Er habe daher tagelang aussetzen müssen und habe sein Gedächtnis sehr ge- litten. Geschäftlich sei er auch infolgedessen sehr geschädigt, weil die Firma ihn vom Fahrdienst nehmen mußte und ihn nur mit leichteren Hofarbeiten noch verwenden könnte, wodurch sein Lohn um 6—7 M. pro Woche gekürzt worden sei. Das Schiedsgericht holte mehrere Gutachten über Ursache und Zusammenhang des Leidens ein und kam zu dem Schlüsse, daß nur der Unfall die Krankheit des Klägers veranlaßt haben könne. Nach dem Gutachten des crstbehandclnden Arztes Dr. Th. sei fest- gestellt, daß„durch den Hufschlag eine sternförmige Wunde in der Mitte der Stirn entstanden sei". Da sich ferner Brechneigung und Schwindclgefühle einstellten, so mußte der Arzt auf eine nicht unbedeutende Gehirnerschütterung schließen. Leider scheint aber der Kassenarzt doch die Sache sehr leicht genommen zu haben. Durch den Arbeitgeber und Aussagen der Mitarbeiter wurde aber weiter festgestellt, daß der Verlegte in der Zwischenzeit öfter über Kopfschmerzen geklagt habe, ohne daß er aber einen Arzt konsultierte. Auffallend sei aber ge- Wesen, daß der Verletzte früher ein sehr friedliebender und ruhiger Arbeiter gewesen, bald aber nach dem erlittenen Unfall„leicht reiz- bar, zanksüchtig und zu Gewalttaten geneigt" geschildert wurde. Diele Reizbarkeit habe von Jahr zu Jahr zugenommen und habe sich später auch noch Gedächtnisschwäche und Verwirrtheit eingestellt. So sei es dem Verletzten dann nicht mehr möglich gewesen, wie vor dem Unfall auf Kundschaft zu fahren,„weil er die Kund» schaft nicht mehr finden konnte". Es mußte ihm daher zuerst die Landkundschaft und dann auch noch die Siadtkundschaft abgenommen werden. Zu leichteren Arbeiten, wie Hofkehren, sei er dann bald auch nicht mehr zu gebrauchen gewesen und sagten auch die vernommenen Arbeiter aus, daß der Verletzte ein„albernes und kindisches Venehmen an den Tag gelegt habe", er sorgte nicht mehr für seine Familie, ließ z. B. im Zimmer Urin, verursachte häufig nächtliche Ruhestörungen auf der Straße, bis er endlich in die Irrenanstalt aufgenommen werden mußte. Der Chefarzt der Irrenanstalt sagte weiter aus, daß der Kranke schwach- finnig geworden sei.„Es entsprechen die bei Sch. auf- getretenen Symptome den Forderungen, welche von den ersten psychiatrischen Schriftstellern zwecks Herbeiführung von Geistesstörungen auf lange Zeit vorhergegangenen_ Kopfverletzungen aufgestellt werden". Das Schiedsgericht wies auch den weiteren Einwand der Berufsgenofienfchast auf Verjährung zurück, weil ja der Verletzte„von der Verfolgung seiner Ansprüche durch außerhalb seines Willens liegende Verhältnisse, nämlich durch fortschreitende Geisteskrankheit abgehalten worden sei". Die BcrufSgcnossenschaft erhob, wie vorauszusehen war, gegen dieses Urteil Rekurs und gab sich alle erdenkliche Mühe, den Fall zu„retten". DaS Reichsversicherungsamt wies den Rekurs der Bernfsgenosseiischaft zurück. ES führte auS, daß„die geistige Er- krankuug des Sch.«ine Folge des im April 1900 erlittenen schweren Unfalls gewesen ist". Auch von einer Verjährung der Ansprüche könne keine Rede sein, denn nach den ärztlichen Gutachten habe sich das Leiden erst fünf Jahre später so deutlich erkennbar gemacht, auch sei der Lohn erst im Jahre 1995 erheblich gekürzt lvorden. Sodann sei der Verletzte tatsächlich durch seine Geisteskrankheit an der Geltend- machung seiner Rechtsansprüche behindert gewesen, denn er habe später einen Pfleger bekommen, welcher erst dann den Rentenantrag stellen konnte._ KrisiS und Zivilstand. Das Statistische Amt zu Frankfurt a. M. erklärt in seiner letzten Publikation„Tabellarische Uebersichten betr. den Zivilstand der Stadt Frankfurt a. M. im Jahre 1998": „Dle derzeitige Ungunst der Wirtschaftslage hat auch einen Einfluß auf die Bewegung im Zivilstand. An Stelle der im Jahre 1997 beobachteten geringen Steigerung der Zahl der Ehe- schließungcn, welche einem Stillstand fast gleichkam, ist im Jahre 1998 ein erheblicher Rückgang eingetreten. Die Zahl der Geborenen ist gegen das Vorjahr um nur 4 7 gestiegen, die Zahl der S t e r b e f ä l l e hat dagegen um 2 3 9 zugenommen. Infolge der geringen Steigerung der Geburtenziffer und des gleich- zeitigen Wachsens der Sterbefälle ergibt fich� ein Rückgang des Ge- vuricnüberschusses(4245 gegen 4431 im Vorjahre)." Frankfurt a. M. zählt 358 999 Einwohner. Wer auch die Zahl der Eheschließungen ist zurückgegangen. Im Jahre 1998 wurden in den Standesämtern der Stadt: 3 7 5 9 Eheschließungen oder 19,59 auf jedes Tausend der Bevölkerung registriert, gegen 3 371(11.99 pro Tausend) im Jahre 1997. Die Zahl der Geburten betrug 9579 Lebendgeborens und 393 Totgeborene, zusammen 9373 Geburten oder 27.59 auf jedes Tausend der Bevölkerung, gegenüber 9831(gleich 27,93 Proz.) im Jahre 1997. Auf 1999 Einwohner entfallen 14,37 Todesfälle gegen 14,45 un Jahre 1997. Eine Tabelle im Anhang des WerkchenS gibt uns Aufschluß über den Zivilstand des Landkreises Frankfurt a. M., welcher 32 999 Einwohner umfaßt. Auf 1999 Einwohner kommen da 29,99 Geburten, 19,83 Sterbesälle und 7,45 Eheschließungen. Gerichts-Kettling. Wiederaufnahmeverfahren Bei einem Eiscnbahnunfall. Ein am 2. Mai 1993 vorgekommener Zusammenstoß auf dem Bahnhof Friedrichstraße hat zu einem Wiederaufnahmeverfahren gegen den ehemaligen Lokomotivführer Richard Grothe Veranlas- sung gegeben, welches gestern die 1. Strafkammer des Land- gerichtS I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Blanckmeister be- schäftigte. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Heinzmann, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Herbert Frankel. Am 2. Mai 1993, morgens 5 Uhr 29 Minuten, fuhr der Vororts- zug 1302 auf den in der Bahnhosshalle Friedrichstraße haltenden Ostbahnzug 2489 puf. Der letztere hatte schon einen Teil seiner Fahrgäste aussteigen lassen; während einzelne noch auf dem Tritt- breit und dem Bahnsteig waren, kam vom Bahnhof Alexanderplatz her Izer Vorortzug Strausberg-Potsdam auf demselben Gleise nach dem Bahichof Friedrichstraße gefahren. Der Angeklagte, der den Vorortzug führte, überfuhr das vor dem Bahnhof Friedrichstraßc stehende Haltesignal, die Vorortlokomotive bohrte sich mit furcht- barem Krachen in den Schlußwagen des Jnsterburgcr Zuges und schob ihn mit voller Gewalt in den vorletzten Wagen hinein. Es wurde ein Reifender, der Artist Hans Mühlfleith aus Köln, ge- tötet, 5 Reisende erhielten Verletzungen. Einer der Verletzten, der Schauspieler Wilhelm Bracht, der für das Berliner Theater enga- giert war, trug schwere Quetschungen davon und mußte nach der Universitätsklinik gebracht werden. Der Unfall hatte damals An- sammlungen von Tausenden von Menschen veranlaßt und eine sehr bedeutende Störung im ganzen Eisenbahnbetriebe zur Folge gehabt. Die Schuld an diesem verhängnisvollen Zusammenstoß wurde dem Angeklagten, der seit 1383 im Eisenbahndienst sich be- fand, zur Last gelegt. Die 2. Strafkammer hat seinerzeit auch für erwiese» erachtet, daß der Angeklagte durch fahrlässiges Ucber- fahren des Haltesignals das Unglück verursacht habe und ihn zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe ist im Gnaden- Wege in 3 Monate Festungshaft umgewandelt worden und diese Strafe hat der Angeklagte verbüßt. Im Disziplinarverfahren wurde Grothe.zur Amtsentlassung verurteilt. Dieses erstinstanz- liche Urteil wurde aber durch Beschluß des Staatsministeriums nach Anhörung des Medizinalkollegiums wieder aufgehoben. Drei Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens waren abgelehnt worden, ein vierter Antrag hatte Erfolg, und so wurde diese fast 6 Jahre alte Angelegenheit gestern noch einmal von Grund auf erörtert. Der Angeklagte behauptete, daß er sich an jenem Tage nicht wohl gefühl! habe und, während er bis zum Bahnhof Alexanderplatz nichts Wesentliches an seiner DirektionS- fähigkeit bemerkte, am Bahnhof Börse einen Ohnmachtsanfall er- litten und vorübergehend das Bewußtsein verloren habe. Er(jab an, daß er während seiner Dienstzeit zwei schwere, durch ihn nicht verschuldete Eisenbahnunfälle mitgemacht habe, durch die er sehr nervös geworden sei, so daß er sich nach dem zweiten dieser Un- fälle auf längere Zeit in die Klinik des Dr. Davidsohn habe be- geben müssen. Am 2. Mai sei er durchaus nüchtern und auch nicht übermüdet gewesen, aber infolge des plötzlich ihn überfallenden Unwohlseins, welches zu anderen Zeiten auch schon ihn überfallen habe, habe er das Haltesignal nicht gesehen. Der Vorsitzende meinte, daß zu erwägen sein werde, ob nicht auch darin eine Fahr- läfsigkeit gefunden werden müsse, wenn der Angeklagte unter Kenntnis seines durch die beiden Unfälle verursachten schwankenden Gesundheitszustandes, doch noch weiter sein Amt als Lokomotiv- führer versehen zu können glaubte. Der Angeklagte verwies dar- auf, daß die Behörde ja gewußt habe, daß er wegen seines nervösen Zustandes eine längere Zeit in der Zlnstalt war.— Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten vor, daß er von dem Ohnmachtsanfall un- mittelbar nach dem geschehenen Unglück zunächst kein Wort gesagt habe. Aus der Beweisaufnahme ist hervorzuheben, daß der Heizer, der mit dem Angeklagten zusammen am UnfallStage auf der Lokomotive sich befand, nichts davon wahrgenommen hat, daß der Angeklagte einen ohnmachtsähnlichen Anfall gehabt oder hin- und hergeschwankt hat. Die Behauptung des Angeklagten, daß er in zwei anderen Fällen einen solchen Anfall gehabt habe, wurde von zwei Zeugen bestätigt.— Von den medizinischen Sachverständigen bekundete Dr. Davidsoha» daß ihm der Angeklagte seinerzeit von dem Bahnarzt in Saßnitz, wo der Angeklagte damals angestellt war, zur Behandlung in seiner Anstalt überwiesen worden sei. Er litt an traumatischen Beschwerden und nervösen Kopfschmerzen. Die Behandlung erstreckte sich über 14 Tage im Dezember 1991. Der Sachverständige hielt es für wahrscheinlicher, daß der Angeklagte kurz vor dem Zusammenstoß von einer Art Ohnmacht befallen worden war, die seine Willeuskraft beeinträchtigte, als daß er ge- schlafen hat.— Oberstabsarzt Dr. Staccker, der als Bahnarzt den Angeklagten bald nach dem Unglück untersucht und ihn höchst apa- thisch vorgefunden hatte, kam zu derselben Ansicht. Der An- geklagte habe damals auch sofort erzählt, daß er schon zweimal während des Dienstes ähnliche Anfälle gehabt habe, von denen seine Behörde auch gewußt habe, denn sie habe ihn ja auS diesem Anlaß in die?lnstalt des Dr. Davidsohn geschickt.— Als Vertreter deS Medizinalkollegiums führte Geh. Medizinalrat Dr. Sander auf Grund des Aktenmaterials aus: es sei ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß das Nichtbeachten des Halte- signalS auf einen vorübergehenden krankhaften Zustand des An- geklagten zurückzuführen sei.— Aehnlich äußerte sich Medizinalrat Dr. Stocrmer.— Staatsanwalt Heinzmann hielt nach dem Er- gebnis der Beweisaufnahme den§ 51 für nicht anwendbar und beantragte wiederum eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Rechtsanwalt Dr. Herbert Fraenkcl trat in längeren Ausführungen für eine Freisprechung des Angeklagten ein, da schon die von dem Sachverständigen zugegebene Möglichkeit eines Schwächeanfalls die Anwendung des alten Rechtsgrundsatzes:„Im Zweifel zugunsten" rechtfertige.— Das Gericht nahm an, daß man in dem vorliegen- den Falle doch mit der, wenn auch sehr entfernten Möglichkeit eines SchwächeanfallcS rechnen müsse. Die Schuld des Angeklagten sei dann aber für nicht als voll erwiesen anzusehen, wenn er auch keinesfalls als Unschuldiger aus der Verhandlung hervorgehe. Das Urteil lautete deshalb mangels ausreichenden Beweises auf Frei- sprechung. Der Antrag des Verteidigers, die dem Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen der Staatskasse aufzuerlegen, wurde abgelehnt._ Etwas Neues, aber nicht? Gutes, so berichtet man uns aus Halle a. S. unterm 17. April, machte man wieder einmal im Kampfe gegen die Arbeiter-Konsumvereine ausfindig. Der Trothaer Arbeiter-Konfuinverein betreibt den Kleinhandel mit Branntwein seit längerer Zeit in seinen Filialen. Er hat dazu die Konzession, bezahlt Gewerbesteuern und auch die für Klasse I verlangte Betriebsstcuer von 199 M. Als jüngst ein Filialgeschäft in dem Nachbardorfe Teicha eröffnet wurde, ver- langte die Orisbehörde eine Neuanmeldung zur Betriebssteuer. Man ging darauf nicht ein, da der Verein ein bestimmter Mit- gliederkreis sei und als solcher seine Betriebsteuer in Trotha zahle. Daraus erhielten die drei Vorstandsmitglieder wegen Umgchens gegen das Gewerbesteuergesetz Strafmandate von je 299 Mark. Nach beantragter gerichtlicher Entscheidung erschien diese Art Be- strafung selbst dem Amtsrichter des Schöffengerichts zu bunt. Er setzte sich mit der Negierung in Verbindung, erhielt aber von dem Finanzministerium die Auskunft, daß für jede Betriebsstätte eines Vereins die volle Betriebsstcuer gezahlt werden müsse. Dem- nach wurden auch vom Gericht die Strafen von dreimal 299 Mark (doppelter Betrag der Steuer) bestätigt. Die Entscheidung wird weiter angefochten, da man hiernach von jedem Ladengeschäft eines Vereins eine besondere BetriebSstener verlangen könnte. ßmkKalUn der Redahtion. Die jurtftlfifte Evrechstund- flnö« Stnven fttnfje Nr. 3, zweiter Sos, dritter Eiugnng, vier Trcvven, Fahrftuh I inortientnglirti ohenss von 7'i, bis v'i, llbr statt, weöstne« 7 Ulir TiuinnbenS» beginnt Sie Evrcch stunde N»I 0 Nlir. Jeder Antrage ist ei» «»chftabe und eine.8adl alb Merkzciiben beizutiige».«rietliche Antwort wirb nicht erteil«.<8iS zur Beantwortung im Brietkasten können 14 Tage vergeben,(f iliac Jragen trage man in der Evrechftunde vor. A. B. Spandan. Wenn Sie kein Geld wegwerfen wollen, so behalten Sie Ihre süns Mark.- B. B. 11. Leider würde der Mißstand als Grund zur Zlushebung des Mietsvertrages nicht anerkannt werden.— H. Hoch. Gütertrennung besteht auch, wenn ein Vertrag nicht vorliegt. Will man das Vermögen der Braut oder Frau schützen, so ist es zweckmäßig daSVermögen der Ehcsrau auszuzeichnen, und sodaun in einem notariellen oder gericht- lichen Verlrag daS Vermögen anzuerkennen und ans das Nießbrauchs- und VerwaltungSrccht zu verzichten. Die Verpftichimigen drillen gegen- über werden durch den Ehcvcrlrag nicht berührt.— W. BS. 1000. Nein. — Musik, Eine bestimmte Zeit ist nicht vorgeschrieben. Die Zeit bis um 11 Uhr abends würde sür angemessen erachtet werden.— A. H. 100. 1. Ja, zweckmäßig ist eS aber, weiter zu versichern. 2. Es müßten alle Karten eingeschickt werden: es kann dann aber eine neue Versicherung be> ginnen. 3. VersichcriiligSanstalt Berlin, Neu- Kölln am Wasser. 4. Die Heiratsurkunde. Der Antrag kann schriftlich oder zu Protokoll erklärt werden.— B. A. 20. Eine Rcviston wäre zwecklos.— F. 100. Eine solche Bcstiinnlung über Pensionsberechtigung der Chauffeure besteht nicht— F. St. 100. Ziehen Sie den Antrag nicht zurück, sondern beanlragen Sie ausdrücklich Entscheidung über denselben in dem von Ihnen gestellten Sinne. — W. M. 100. Voraussichtlich wird weder eine Anklage erhoben noch seitens des Vorniundschastsrichiers ein Schritt unternommen werden. Das von Ihnen Geschilderte stellt weder den Tatbestand einer Unterschlagung noch einer anderen strafbaren Handlung dar. Sollte dennoch behördlich eingeschritten werden, so sragen Sie wiederum an oder holen sich in der juristischen Sprechstunde Auskunst.— R. Th. 4. Die Firma ist zur Begleichung der von Ihnen ausgestellten Rechnung nicht verpjlichtet. Im Ver- gleichswege die von ihr gestellte Forderung zu erheben, ist sie berechtigt. — Martha 100. 1.— 5. Tritt ein Verlobter von dem Berlobnis zurück, so hat er dem anderen Verlobten den Schaden zu ersetzen, der daraus entstanden ist, daß er in Erwartung der Ehe Aufwendungen gemacht oder Verbindlichkeiten eingegangen ist. Der Verlobte kann auch den Schaden ersetzt verlangen, daß er m Erwartung der Ehe sonstige sein Vermögen oder feine Erwerbsstellung berührende den Umständen nach angemessene Maßnahmen geirosscn hatte. Lag ein wichtiger Grund vom Rücktritt vom Verlöbnis vor, so tritt die Ersatzpsticht nicht eilt. Hat eine unbescholtene Braut ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen. Unterbleibt die Eheschließung, so kann jeder Verlobte von dem anderen die Herausgabe des, was er ihm geschentt oder zum Zeichen des Verlöbnisses gegeben hat, nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern.— W. M. 1000. Nein. — P. H. 83. Nein. Lassen Sie es aus eine Klage ankommen.— M. G. 30. Sie müssen schristlich oder persönlich reklamieren. Glelchzcitig können Sie beantragen, daß das Porto Ihnen erletzt wird.— L. H. 27. 1. Der Unterstübungswohnsitz wird in einem Jahre erworben. 2.-4. Beantragen Sie die preußische Staatszugehörigkett Ihnen zu ertellen. Der Vorstand des WahldereinS, dem Sie angehören, wird Ihnen bei der Ein- gäbe behilslich sein.— Paul S. 57. Sind in dem Testament die je 000 Mark eingesetzt, so können dieselben ohne weiteres eingeklagt werden. Sieht es so, daß erst der Pflichtteil eingeklagt werden müßte, so könnte allein der Vater das Pflichtteil, also die vollen 1200 Mark einklagen. — G. I. 30. 1. Sin Alter ist nicht vorgeschrieben. 2. Lowe. 3. Das Gesuch um Zulassung zur Hcbammenschast ist an das Polizeipräsidium zu richten. Dann erfolgt ein Borexamen beim PhysikuS. Nach bestandenem Examen wird die sich Anmeldende in die Liste eingetragen und wenn die Reihe an ihr ist, zum Hebammenkursus in der Chantö berufen. Der Kursus dauert sechs Monate und kostet 300 M. Hieraus erfolgt das Hebammen- examen. Zugelassen kann als Hebamme nur werden, wer noch nicht 30 Jahre ist. Da die Llnzahl der Bewerberinnen sehr stark ist, so hat eine Aussicht nur, wer zur Zeit nicht über 2? Jahre ist.— P. B. 00. Sie würden sich das Legen des Gasrohrs gefallen lassen müssen, können von dem Vertrage nicht zurücktreten, sondern nur aus Legen des Gase» und aus Schaden- ersatz wegen verspäteter TaSlegung klagen.— R. S. 44. 1. Viel Wahrscheinlichkeit besteht nicht. 2. Derartige Gesuche sind vor der Aushebung, möglichst schon im Januar des betreffenden Jahres zu stellen. — A. S. P. 1. Sie können erst einen Zahlungsbesehl beantragen, und falls Widerspruch erhoben werden sollte, vor dem Amtsgericht klagen. 2. Mietsverträgc mit Jahresmieten über 300 M. find stenweipflichlig. Der MietSslcmpek beträgt bei einer Miete von 300—500 M. 50 Pf., bei 500 bis 1000 M. 1 M. 3. Ja. Etwa 3— 4 M. Earmen-Sylva-Strasic H. Ihr Stiefsohn erbt drei Viertel, Sie ein Vierlel des Nachlasses Ihrer Frau. Als Nachlaß ist nicht daS von Ihnen Angeschaffte, sondern lediglich das Ein- gebrachte oder sonst Ihrer Frau Alleinaehörige zu erachten.— E. B. 12. Ihre Cousine sollte beim Gewerbegertcht Lohn bis zu ihrem Abgang abzüg- lich des Krankengeldes einklagen.— B. Klasse. Das ist möglich.— K. Sch. II. Eine Unterschlagung liegt nicht vor. Sie würden ledigiich auf Herausgabe und Zahlung deS Verleihgeldes beim Amtsgericht tlagen können. WktterungSüberficht vom 10. April 1000. morgens 8 Uhr. Stationen Swinemd«. Hamburg verlin cä"- Wie» Wetter IjNcgen 2 halb bd. 2Reaen 2 halb bd. 2bedeckt 3, bedeckt WK ü«. äII Etattonen Iii Z Saparanda eterSburg Setlly ilberdee» Pari» 765 NO 7S8WNW 756 SO 758 SSW 759 NO Wetter ** #" LG "Jä 2bedeck»[-3 1 Schnee—3 4 bedeckt 1 wolkenl 2 wollen! 10 3 10 Wetterprognose für Dienstag, de» 20. April 1000. Ein wenig kühler, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regensällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Lurriicltf Seife bleibr Irrofz allen wunderbaren neumodischer? Erfindungen auf dem Gebiel' der chemischen Waschmilfel der sorgsamen Hausfrau zuverlässigsfe freundin,sie verleihr ohne die Gewebe anzugreifen Reinheil'» Frische u.Wa5Je da sie reinste Seife ist.herqestelir aus streng geprüften HQbmateriQlien. Beatseier Eolzarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Mittwochi den 21. April, abends SV» Uhr: Vertrauensmänner-Versammlungeti für sämtliche Bezirke und Branchen in Freyers Festsälen, Koppenstr. 29.» Tages-Ordnung: Wff- Stellungnahme zum ersten Mai. Mitgliedsbuch und Bertrauensniännerkarte legitimiert. —— Sämtliche Werkstätten müssen vertreten sein. vi« Ortsverwaltnos. DienZtag, den 20. April, abends>/zti Uhr(gleich nach Feierabend), in IHstHciis Festsäilen, Dresdener Str. 116: Vergolder l. April, abends>/zli Uhr(gleich> trlcds lb'vstsNI«!», Dresdener S Versammlung aller auf naturpolierto Holzleisten arbeitende» Arbeiter und Arbeiterinnen. TagcS-Ordnung: 1. Maiseier. 2. Branchenangelegenheitcn. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend notwendig. Maschinenarbeiter. W o n t a g, den 26. April, abends S'/j Uhr, im Gewerkschaftshause: Wi'an eben»Versammlung. Mdelpolierer. Tonnerstag, de» ÄÄ. April, abends S'/z Uhr: Branchen- Versammlung im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über die Arbeitslosensürsorge. Referent: Kollege R. Leopold. 82/9 2. D i e M a i s e i e r. 3. Branchenangelegenheiten. Verband der Maler, Saeklerer, Anstreicher Melchiorstraße 28. TUialc Berlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Zum Zweck der Einführung der Arbeitslosenunterstützung in unserer Organisation finden für die Mitglieder der Filiale Berlin 13 Bezirks-Berfammlnngen statt, und ersuchen wir die Kollegen, für diese Versammlungen recht rege zu agitieren. Die Versammlungen finden statt: Mittwoch, den sl. April, abends 81- Uhr für die Bezirke Dankfagnng. Für die vielen Beweise der Teil- nähme beim Hinscheiden meines lieben unvergeßlichen Mannes Wilhelm Ziermann sage ich allen Verwandten und Be- tannte», sowie dem Gesangverein Lichtcnberger Sängerchor, dem Deut- schen Metallarbeiterverband und den Kollegen der Firma Mix u. Genest meinen herzlichsten Dank. 9332 Ww. II»,»je Kiermann. SozialdetnokratisciierWalilyereiD für den Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlijtsetzer Karl Kirsche Jrenenstratze 23 im Mer von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 5'/- Uhr. von der Leichenhalle in der Bornitzstraße aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 14/3 Idei» Vnestaml. J 3lm Sonniag, den 18. April, starb nach langem, schweren Leiden unser lieber Kollege, der Setzer HerniÄtm Weiner geb. 1. 10. 61 in Bertelsdors. Auch seiner werden gedenken vie Kollexen der Nordd. Bnchdruckerci. Die Beerdigung findet statt am Mittwochabend 6 Uhr aus dem Heiligkrcuz-Kirchhof in Maricndors I>anli£>»s»nx. Anläßlich des Hinschcidcns nieines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagenwir allen Verwandten,»lolleaen, Freunden und Bekannten, ln§- besondere dem Deutschen Metall- arbeitcrvcrband. der Zentralsterbe- kasse der deutschen Wagenbauer und der Zlrbcitcrschast der A. E.-G. Volta- straße unseren tiesgesühlten Dank sür die vielen Beweise herzlichster Antcil- nabmc. S31L Die trauernden Hinterbliebenen Anna Rclchardt als Witwe _ nebst Kindern. Klmntn- und Klauftindkm von ködert Meyer,. «llr Marmnueu-Straße 2. m Mar Charlottenburg, Wilmersdorf: in Charlottenburg,„Volkshaus", Rosineustr. 3. Lichterfelde: Bäkestraste SS, bei Wahrendorf. Steglitz: Düppelstraste V, bei Clement. Meitze« fee: Lehderstraste 5, bei Content. Donnerstag, SS. April, abends 81- Uhr für die Bezirke Uorden, Wrdoste«: Schönhauser Allee 134», bei Ketsch. Osten, Lichtenberg: Frankfurter Allee 151/152, Prachtsäle des Ostens Süden, Südosten, Zentrum: Cngelufer IS, Gewcrkschaftshaus, Saal S Kirdorf: Steinmetzstraste 03, bei Gellert. Südwesten: Möckernstr. 114, Anhaltische Ressource. Westen: Grunewaldstraste 110, bei Wieloch. Moabit(Nordwesten): Waldstraste 8, bei Stark. GtslllldbllMUtN, Pankow, Mtdding: Pankstrastc«0, bei Kerfin. TageS-Ordnung in allen Versammlungen: 128/12 Die Einföhrnng der Arbeitslosenunterkükung in nnserer Organisation. Da in diesen Versammlungen über daS Regulativ zur Arbeitslosenunterstützung gesprochen wird, so ist es Pflicht cineS jeden Kollegen, in der Versammlung seines Bezirks zu erscheinen. Die Kollegen werden ersucht, zu diesen Versammlungen ihre Frauen mitzubringen.— Vollzähligen Besuch erwartet Die Ortsvertvaltuug. KV Wir ersuchen die Kollegen» sich an der Maifeier recht rege zu beteiligen."MS Zweigverein Berlin. {Sektion der Oips- and Zementhranehe. Berlin SO., Engelufer 15,„Gewerkschaftshaus«, Zimmer 49. Mittwoch, de,, 21. April 1909, abends 8% Uhr. in, Gewertschaftshause, Engelnfer 15: Generals Versammlung."W Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1909. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. GewerkschastlicheZ. Mitgliedsbuch legitimiert.—— � Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheine» aller Kollegen dringend ersorderlich. 137/ 2*_ Der Sektionsvorstand._ Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburean: Hos I. Amt 3, 1239. CharitistraOe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Morgen, Mittwoch, den LI. April, abends 8 Uhr, in GraumanuS Feftsälc«, Naunynstraste S7i Kranchen-Uersammwng aller in der EisenmöbeiVaren-Fabrik beschäst. Kollegen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag von Herrn Dp. Kahn über:..Tuberkulose". 2. Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 3. Verbandsangelegcnheitcn und Verschiedenes. 115/l5 Die Kollegen von folgenden Finnen sind ganz besonders eingeladen: Karl Schulz, Westphal& Reinhold, Karl Seifert, Paul Neye, Max Liepe, Groth& Brand, Förster& Schulz, Lewald, Schöngrat, Linnert, MothS und Amerikanische Metallbettstellen-Fabrik. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsvepwaltnng. ße saungen folgt er iür auf efeSrHt a. O/tf, e/s tag ißn etwas seltsam cTcßdnes mit, ßllaa ist, dacßf sie, sogkicß wie ein IKagnei, wenn man in 0/ K» W> # 3!m Sonnabend, den 17. April, I verstarb mein lieber Bruder,{ Schwager inijj Onkel, der Schuhmacher 2139b I Wilhelm Ruhlaad. Im Namen dcr trauernden Hinterbliebenen Angast Hnhland. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. d. M., nach. mittags 4st, Uhr, von der Leichen- halle des Thomas- Kirchhofes aus statt. Sozialdemokratischer Waiilverein für den iBerlinerReiebstasswalreis Görlitier Viertel. Bezirk Nr. 166. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schuh. macher Willielm Ruhland (Oranienftr. 19) gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigmtg findet am Mittwoch, den 21. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. halle des lThomas-KirchhoseS in Rixdors, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Mefallarbeiter-Verbaodj Verwaltungsstello Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachri daß unser Mitglied, der Sqleiser s Adoli Puttlitz am 17. April gestorben ist. Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 21. April, nach- mittags 5 Uhr, vom Virchow- Kranlcnhause aus nach dem Gli- sabeih-Kuchhoj in dcr Prinzen- Allee statt. Ferner starb unser Mitglied, dcr) Bauanschläger Richard Dowe am 16. April an Freitod. Die Beerdigung findet am l Mittwoch, de» 21. April, nach- mittags 5'/, Uhr. von der Leichen- Halle des Luisen-KirchhosS, Fürsten- brunner Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 115/16 Ote Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Yerbanül Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Vergoldcr Theophil Hanisch am 17. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. April, nach- mittags 4 Uhr, voll dcr Leichenhalle des Rixdorscr Gemeinde- Friedhoses am Mariendorscr Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/11 vie Ortsverwaitung. Fn dcr Nacht zum Sonnabend verstarb nach fast einjährigem schwerem Krankenlager an Lungen- Ichlag unser Kollege, der Schrist- setzet 21386 Karl Kirsche. Dies zeigen allen Kollegen sowie seinen Bekannten an Die Kollegen der Firma Hempcl u. Co.. Die"Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags'/»O Uhr, vom Lichtenberger Gemeinde- Friedhof, Lichtenberg, Krugttege, aus statt. Päd, Käpenickerslr. 60 l» Hei Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den LS. April, abends 8 Ohr, Im Oohal des Herrn Hoppe, Hermannstraße 40: General-Uersammlung. A Abrechnung «wgelegenheiten. vom TageS-Ordnung 1. Quartal 1909. 2. Maiseier und Verbands- ' 82/10 Die Ortsverwaltnng. iV Ar''1'l/. 'lÄs, ■ V: Carmen Sylua Cigaretien Beste Qualitäten Danksagung. Für die beim Hinscheiden meines innig geliebten Mannes, unseres unvergeßlichen teuren Vaters, des Fabrikanten liOUlS Bacll erwiesenen zahlreichen Beweise der Teilnahme sowie sür die reichen Kranzspenden sprechen wir hiermit allen unseren allerherzlichsten Dank aus. 292/13 Die tieftrauernden Hinterbliebenen Herl» Bach geb. Just und Kinder. Lkrantwprtlicher Redakteur: Kyns Weber, Berlin. L'ür denLnseratenteil-berantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck».Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u, Verlagsanjtalt Paul Singer& Co« Berlin SW. / Zr. 91. 26. Iahrgaug. 2. KkilM des Jiraiiits" Kerlim KIKsblM. Dienstag, 26. April 1969. Sozialistische Presse Dentschlands. II. Quartal 1Sos I. Textilarbeiter.„Der Textilarbeiter". Berlin O. 27, Andreasstr. 61. Töpfer.„Der Töpfer". Berlin 80. 16, Engel-User 15 HI. Trausportarbeiter.„Der Courier", Berlin 80. 16, Engel-User 2t.„Der Straßenbahner", Berlin 80. 16, Engel-User 21. Xhlographe«..Zeitschrist sür Zhlographcn". Leipzig, Kronprinzstr. 35 1. Zigarrcnsortiercr.„Der Organisator". Hamburg 1, Bescnbinderhos 57—66. Zimmerer.„Der Zimmerer". Hamburg 1, Besenbinder- hos 57-66. Zivilmusiker.„Fachzciiung sür Zivilmusiker". Berlin N. 31, Stralsunderstt. 36, Hos Part. Für die in Zentralvcrbänden Organisierten erscheinen ferner in italienischer Sprache„L'Oxenuo Italiano", Hamburg I, Bcscnbinderhos 56, und in polnischer Sprache „Osviate", Posen, Fischerei 20. B. Blätter anderer Gewerkschaften und sonstiger Organisationen. Berlin.„Der abstinente Arbeiter", Organ des deutschen Arbeiter-AbstinenicnbundcS, 0. 17, Langcstr. 11. Re- daktion: N0. 55. Pasleurstr. 13. „Der Bühnenarbeiter", Organ des Verbandes des tcch» nischen Bühnenpersonals. O. 34, Warschauerstt. 68. „Der freie Gastwirt". O. 17, Markgrasendamm 30. „Deulschcr Zeichner. NO. 55, Braunsbcrgcrftr. 12 III. „VolkStuntliche Zeitschrift für praktische Arbeiterversichc- rung", Organ des Verbandes der VerlvaltungS- beamlen der Krankenkassen, Berufsgenossenschasten usw. N. 58. Schönhauser Allee 27. Rcdaltton: Magdeburg, Wittenbergerstr. 30. Elberfeld.„Zeitschrist für Graveure der Stossdruck- Jndusttie", Neue Gerstcnstt. 20. Holst. Nürnberg.„Süddeutsche Eiscnbahner-Zeitung", Au- � sttaße 3 II. Berlin N. 4/Osfenbach a. M.„Der ArbeUer-Radsahrcr", Organ des Arbeiter-RadsahrcrbundeS Solidarität, Hcrrnstr.lt. Wilmersdorf.„Monatsschrift des Vereins für die Interessen der Hausangestellten", Kaijcrplatz 17. Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Be- ginn jedes Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir uns zur Vormerkung mitteilen zu wollen. Berlin, den 19. April 1909. Der Partcivorstand. Großbetrieb und Kleinbetrieb in der Oiebbaitung und Viehzucht. Unter diesem Titel bringt Dr. Artur Schulz einen 12 Seiten langen Artikel in den„Sozialistischen Monatsheften" aus Anlaß unserer Besprechung seines Buches. Angetan hat es ihm der Satz: „Wo auf den großen Gütern gewerbliche Betriebe— Zuckerfabriken, Brennereien, Stärkefabriken, Molkereien— errichtet werde» und die Nebenprodukte als Futter Verwendung finden, ist die Uebcrlegenheit der Großbetriebe(bei der Viehhaltung) außer Frage. Hand in Hand mit dieser Verschiebung der Produltion geht die technische Ver- bollkommnung, die Anwendung der Maschine und der qualifizierten Arbeit mit allen ihren Vorzügen."— Um das zu widerlegen, ergeht sich Dr. Schulz in weitschweifigen Erörterungen über die Tedmik der Rinddiehzucht und Milchproduktion. Er verbreitet sich darüber, daß so ein Wiederkäuer halt eine Jndividualilät für sich ist. daß verschiedene Kühe selbst der gleichen Rasse eine verschiedene Verwertung des Futters bieten und deshalb jede Kuh individuell behandelt sein will. Deshalb ist man heute dahin gelangt, tenau die Leistungsfähigkeit und den„Nutzungswert" eines jeden siereS zu beobachten, was die sogenannten Kontrollvereine besorgen. DaS ermöglicht dann die Auslese und die künstliche Zuchtwahl: in- dem man die Nachkommenschaft der besten Tiere zur Zucht nimmt. Selangt man zu Viehstämmen, in denen sich die gewünschten Eigen- haften vererben. Sehr schön und gut. Aber dann kommt Dr. Schulz mit seinem Trumps: es sind nur die kleinen Landwirte, die nur wenige Kühe halten, imstande, solche Zuchtresultate zu erzielen, und nur in ihnen ist es möglich, die einzelnen Tiere nach ihrer Individualität zu be- handeln.'Das ist nun nur zum Teile richtig. Große Güter, die sich auf die Zucht wertvollen Rindviehs werfen, halten sich heute einen in der Zucht erfahrenen Spezialisten und außerdem hat sich als Spezialist herausgebildet der„Futtermeister" und der„Melker". Die Futtermeister waren anfangs Schiveizer oder Dänen; ihre Aufgabe ist es. die Fütterung der Kühe und Kälber eingehend zu beaufsichtigen. Die Melker er- setzen die Mägde und sind Virtuosen in ihrem Fach. Das Melken ist nämlich keine so einfache Sache, wie man denkt; durch schlechtes Melken werden die Kühe verdorben. Wenn also Schulz an einer Stelle von der„verstrippelten" Kuh des Gutshofes spricht, so gehört das der Vergangenheit an. Das also hatten wir im Sinuc, wenn wir von der Anwendung qualisizierter Arbeit sprachen.— Freilich gibt eS nun Gegenden, wo der Bauer ein solcher qualifizierter Arbeiter ist; nämlich dort, wo seit jeher die Viehzucht dominiert. Aber in anderen Gegenden wird die Belehrung allein niemals aus- reichen, um diese qualifizierte Arbeit der großen Masse der Bauern beizubringen. Der Großgrundbesitzer als Züchter kann diese Fach- leute sich nutzbar machen, der Bauer nicht. � Natürlich wirken auch andere Dinge mit. So die Beschaffung der Zuchttiere. Der Großgrundbesitzer ist in der Lage, sich den Bullen anzuschaffen, der seiner Abstammung nach für die gegebene Herde paßt, der Bauer kann für seine paar Kühe natürlich keinen Bullen halte», er ist darauf angewiesen, den angekörten Bullen zu verwenden; der Großgrundbesitzer kann für Blutauffrischung seiner Herden sorgen, der Bauer ist oft außerstande das zu tun. Ebenso ist es mit der Beschaffung des Futters. Das Großgut ist hier zweifellos in der Lage, billiger zu produzieren und kann auch eher die Kosten von Kraftsutterölkuchen, Kleie usw.—, das in der eigenen Wirtschast nicht produziert wird, beitreiben als der Kleinbauer, der die BarauSgabe scheut. Tatsache ist denn auch, daß die Zucht hochwertigen RassenvieheS in England schon längst von kapitalkräftigen Großpächtern als Spe- zialität betrieben wird, und daß in Deutschland diese Zucht immer mehr von Großgrundbesitzern gepflegt wird. Freilich gibt es Gegenden in Dcitlschland, wo die Bauern vorzügliche Züchter sind. In Oldenburg, in SchleSwig-Holstein sind die Bauern passionierte Züchter und leisten Vorzügliches. Eine andere Frage ist cS aber, ob diese Zucht rentabel ist. Wollten diese Bauern den Aufwand von Arbeitskraft berechnen, dann würde sehr oft der hohe Preis, den sie für das verkaufte Vieh erzielen, wohl selten die Kosten decken; auf die Rentabilität kommt es aber an, wenn man von wirtschaftlicher Ueberlegenheit spricht. Es ist immer die alte Geschichte: de: Bauer besteht, weil er seine Arbeits- kraft vergeudet. Man könnte einwenden, die Bauern würden das Züchten aufgeben, wenn es für sie nicht rentabel wäre. Aber erstens rechnen die Bauern im allgemeinen nicht genau, zweitens kommt hier noch ein anderer Faktor, ein psychologisches Moment in Be- tracht: das Züchten ist eine Bauernpassion, der Stall voll schöner Kühe ist der Stolz des ostfriesischen Bauern; deshalb wird der wohlhabendere Bauer selbst dann noch züchten, wenn er euigescben hat, daß es unrentabel ist. Und nun kommt die interessante Wechsel- Wirkung: dieser passionierte bäuerliche Züchter aus den berühmten Viehzuchtgcgenden hat erst das Material geschaffen, mit dem der Großgrundbesitzer weiter züchtet, und er liefert auch heute noch das Material, das zur Blutauffrischung der großen Herden notwendig ist; der Großgrundbesitzer aber wirft dann durch Massenproduktion den Preis und zwingt so den Bauern, zu Preisen zu verkallfen, die erst recht für ihn unrentabel sind, erst recht seine Arbeitskraft nicht bezahlt machen. Nun zur eigentlichen Milch- und Fleischproduktion. Schulz ve- kauplet auch hier die Ueberlegenheit des Kleinbetriebes. Als Beweis führt er die Ergebnisse einer Preiskonkurrenz der Kontrollvereine in SchleSwig-Holstein vom Jahre 1904 an. Er schreibt:„Die Betriebe mit zehn und weniger Hauptmilchvieh erzeugten im Durchschnitt ihrer 222 Kühe mit 100 Futlereinheiten 155 Kilo Milch. Rechnet man den Preis einer Futtereinheit zu 10 Pf., so betrugen die Futter- kosten in diesen bäuerlichen Betrieben 6,4 Pf. pro 1 Kilo Milch. Die zwölf Gutsbetriebe dagegen produzierten im Durchschnitt ihrer 676 Kühe mit 100 Futtereinheiten nur 138 Kilo Milch. Veranschlagt man auch hier denPreiseinerFuttereinheitauf 10 Pf., so verbrauchten die Gutsbetriebe zur Produktion von 1 Kilo Milch Futter im Werte von 7.2 Pf." Die von unS unterstrichenen Worte enthalten den Fehler. Denn das unterliegt gar keinem Zweifel: Futterstoffe produziert der Großbetrieb unter allen Umständen billiger. Setzt man für die Futterkosten in den Groß- betrieben 8,5 Pfennig statt 10, dann kostet das Kilogramm Milch hier nur 6.1 Pfennig gegenüber den 6,4 Pfennig in den Klein- betrieben. Darauf kommt es an und das hatten wir im Auge, wenn wir von der Ueberlegenheit des Großbetriebes schrieben. Wer Schulz hat noch einen Trumpf auszuspielen: In der Pro- vinz Sachsen— schreibt er—, wo das Vieh mit Melasse. Schnitzeln und Schlempe gefüttert wird, ist„krankhaste Verweichlichung und seuchenhastes Verkalben die Folge". Ein paar Zeilen weiter muß er freilich zugeben, daß dem Uebel abzuhelfen ist und in anderen Ländern, z. B. in Schweden, auch bereits abgeholfen worden ist. Die Hauptsache aber ist: diese ans den Rübengütern übliche und gebotene Methode der Fütterung eignet sich nicht für Züchter, weil bei der Zucht der ausgiebige Wcidcgang, der die volle harmonische Entwickelung der Tiere er- möglicht, nötig ist, während hier Stallsütterung vorwiegt, aber diese eignet sich um so besser für die Mast. Darum lassen sich die Besitzer der Rübengüter keine grauen Haare wachsen' wegen der„krankhaften Verweichlichung", sondern sie geben einfach die Zucht ans, kaufen das Jungvieh und mästen. Die Mast, die Fleischproduktion ist aber der profitabelste Teil der Viehhaltung.— Also abermals ist die Wechsel- Wirkung die: der Bauer produziert mit großem Aufwand von Mühe Vieh und setzt dabei seine Arbeitskraft zu, das Rübengut kaust dieses Vieh billig und macht bei der Mast einen Bombenprofit. Von der Beweisführung des Dr. Schulz bleibt nur soviel übrig: in einigen Gebieten Deutschlands, wo die Bauern seit Generationen auf die Viehzucht angewiesen sind, haben sie in der Produktion von Rassevieh eine bedeutende technische Höhe erreicht. Das hat auch niemand bestritten. Aber daraus folgt noch nicht die wirtschaftliche Ueberlegenheit des Kleinbetriebes in der Viehzucht im weiteren Sinne, d. h. in der Produltion von Fleisch und Molkereiproduklen.— Um eine Analogie zu brauchen: es hat kaum je technisch vollkommeneren Stahl gegeben, als der Damaszener Stahl, den die orientalischen Schmiede in mühevollem Handbetriebe herstellen durch tausend» fälliges AuSschmieden und Schweißen; daraufhin aber zu behaupten, der Betrieb dieser orientalischen Schmiede sei wirtschaftlich dem Be» triebe eines modernen Stablwerkes überlegen, wäre absurd. Aber auch die Möglichkeit, in der Auszucht von Rassetieren den Bauernbetrieb technisch aus die Höhe zu bringen, ist begrenzt. Was der Ostfriese, der Däne, der Holländer, der Schweizer kann, das ist durch die natürlichen Bedingungen hervorgerufen. In Gebieten, die diese Bedingungen nicht haben, den Bauern einzureden, sie könnten gleichfalls zu renommierten Züchtern werden, ist krasser Unsinn. Die Erfahrung zeigt, daß kapitalkräftige und kenntnisreiche Groß- grundbesitzer mtt Leichtigkeit ihre Viehzucht auf die Höhe bringen und dabei ihren Profit erhöhen auch außerhalb jener prädestinierten Biehzuchtgebiete; der Kleinbauer, der das unternehmen wollte, würde zugrunde gehen. Es kommt aber gerade auf die Zu» stände st, ganz Deutschland an, nicht auf die Zustände in einigen wenigen Landstrichen. Befremdlich ist, daß Dr. Artur Schulz sich bescheiden auf eine Frage konzentriert und die Hauptsache in seiner Replik umgeht. Er bezeichnet den Sozialismus, soweit die Landwirtschaft in Frage kommt, als Utopie, ferner macht er den Versuch, die Sozialdemokratie für Zölle auf Vieh, Fleisch und Mo lkereiprodulte zu gewinnen. Darum geht der Streit. Nun hat ein vernünftiger Mann vor nicht langer Zeit ein trotz mancher Kuriositäten lesenswertes Buch geschrieben. in dem er nachweist,„daß die Arbeiterklasse entschieden wohl daran getan hat. sich kurzerhand entschlossen aus tisn Standpunkt des nackten KonsumenteninteresieS zu stekken.' Derselbe vernünftige Mann hat in diesem Buche auch in öezua auf die gesamte landwirtschaftliche Produktion folgenden Satz nieder- geschrieben:„Die Erhöhung der Agrarzölle steigert nun unzweifel- Haft die Landrcnte und eröffnet damit neue Möglichkeiten steigender Verschuldung_ des ländlichen Grundbesitzes und zluar vielfach zu unproduktiven Zwecken, wie bei Kauf und Erbteilung. Haben sich nun diese Möglichkeiten nach einiger Zeit in weiterem Umfange erfüllt, so wird der Arbeitslohn zwischen den erhöhten Hypothekenzinsen und dem wenig oder gar nicht gestiegenen Boden- erlrage wie zwischen zwei Mühlsteinen gepreßt werden. Der Bodenertrag ist jeweilig eine feste Größe, an den dokumentarisch fest- «eiegren Hypothckenzinsen läßt sich nichts abknapsen: aber der Arbeits- "hn ist elastisch— er wffA tkten müssen, aus daß noch ein an- ständiger Prosit bleibt." Der vernünftige Mann, der daS geschrieben, heißt— Dr. Artur Schulz aus Joneiten, und das Buch trägt den Titel„Kornzoll. Korn- preis und Arbeitslohn". Wenn Dr. Artur Schulz das widerlegt haben wird, was er 1S02 in seinem Buche geschrieben hat, dann wollen wir noch weiter sprechen. Uerblllldstog der Sattler und portchuiller. Der dritte Berhandlungstag beginnt mit der Beratung über das Verbandsorgan. Müntner führt dazu aus: Wenn unsere Zeitung alle Aufgaben erfüllen soll, dann kann sie nicht nur alle 14 Tage, sondern sie muß achttägig erscheinen. Heute erscheinen schon drei Viertel aller Gewerkschaftsorgane in kürzeren Zwischenräumen als nur alle 14 Tage. Die achttägige Zeitung würde nur um 4g Pf. pro Kopf und Jahr teurer sein. In der sehr lebhaften Diskussion führt Blum an, daß das achttägige Erscheinen schon deshalb notwendig sei, um die Portefeuiller genügend zu berücksichtigen. Bei einein jährlichen Ausgabenetat von Lötz Mg Mk. könnten 4000— 6000 Mk. Mehrausgaben kejne Nolle spielen. Von einer Reihe von Rednern wird das achttägige Erscheinen heftig bekämpft. Im Laufe der Diskussion gibt Blum eine Uebersicht über die Tätigkeit, die die zukünftigen Borstandsmitglieder zu leisten hätten. Ein Vorsitzender habe die ganze Korrespondenz zu erledigen, 5kollcge Wetnschild werde die Interessen der Portefeuiller zu wahren und die Tarife zu über- wachen haben. In namentlicher Abstimmung wird mit 4? gegen 22 Stimmen das achttägige Erscheinen beschlossen. Da» Blatt trägt den Namen:„Sattler- und Portefeuillerzcitung", es erscheint jeden Freitag und bekommt einen besonderen Redakteur. Für die lociblichen Mitglieder wird die„Gleichheit" beigelegt. Die Beratung des StreikreglemcntS leitet Weinschild mit einem Vortrag über:„Die Taktik bei Lohnbewegungen" ein. Eine Debatte über den Vortrag wird nicht beliebt. Der Ver- bandstag tritt in die Beratung der Einzelbcstinimungen des Streik- reglcments ein. Wenn Lohnbewegungen eingeleitet werden sollen, sind sie in der Regel vier Wochen vorher dem Hauptvorstande mit- zuteilen. Gleichzeitig sind die Verhältnisse am Ort zu schildern und anzugeben, ob ein für einen Streik verwendbarer Fonds vor- handen ist. Bei Differenzen ist der Vorstand berechtigt, einen Ver-' tretcr an den Ort zu entsenden. Streiks können nur genehmigt werden, wenn sie von den daran beteiligten Personen mit Zwei- drittelmehrheit beschlossen sind. An Streikunterstützung wird ge- währt: Bei einer Mitgliedsdauer von mindestens LS Wochen für männliche verheiratete Mitglieder 1b Mk., für ledige 13 Mk., für weibliche 8 M. pro Woche; bei einer Mitgliedsdauer von mindestens 13 Wochen betragen die Sätze 12, 10 und 7 M. Außerdem werde» für Kinder Zuschüsse geleistet. Bei einer Mitgliedsdauer von »"miger als 13 Wochen werden für männliche Mitglieder S, für leibliche 6 M. gezahlt. Sodann wird in die Beratung deS Reglements für die Ge- Währung von Unter st Ätzungen und Rechtsschutz eingetreten. Jedem Mitglied, das 52 Wochen dem Verbände an- gehört, kann eine Reiseunterstützung gewährt werden, die pro Tag 1 M. beträgt und als Höchstsumme je nach der Tauer der Mitgliedschaft 30— 66 M. erreicht. An Mitglieder, die mindestens 52 Wochen dem Verbände angehören, kann eine Arbeitslosen- unter st ützung gezahlt werden, die bei männlichen Kollegen 1 M. bis 1,60 M. pro Tag beträgt. Weitere Unterstützungen können gewährt werden bei Krankheitsfällen und in Sterbefällen. Außerdem wird bei U e b e r s ied e lu n g e n zu den Kosten eine Beihilfe gewährt. Die Bestimmungen zum Rechtsschutz werden nach ver Vorlage der beiden Verbands- vorstände erledigt. Am vierten Berhandlungstag wird zunächst bestimmt, daß zum nächsten Gewerkschasts» kongreß ein Delegierter vom Zentralvorstand, einer aus Berlin. einer aus Offenbach und einer aus dem Ort entsandt wird, in dem der Kongreß stattfindet. Ein Antrag aus Leipzig, dahin zu wirken, daß auf die Tagesordnung des nächsten Gewerkschafts« kongresses die Frage der Verschmelzung sämtlicher Gewerkschaften zu einem allgemeinen Arbeitcrverbands gesetzt werde, wird ab» gelehnt. Zum 1. Vorsitzenden wird sodann Blum, zum 2. Vorsitzenden W ein sch i l d gewählt. Kassierer wird Riedel, Redakteur Müntner, Vorsitzender des Ausschusses Hackelbusch. Es folgt die Beratung allgemeiner Anträge. ES wird beschlossen, das Protokoll unentgeltlich an die Mitglieder abzugeben. Zur L e h r l i n gS f r a ge bat der Vorstand einen Entwurf ausgearbeitet, den Weinschild begründet. Schon im nächsten Jahre soll eine Lchrlingsabteilung im Verbände gegründet t oerden. Sie soll den Zweck haben: a) Allen Lehrlingen während der Lehrzeit in der geistigen und körperlichen Ausbildung behilflich zu sein durch fachliche Aus- bildungskurse. wissenschaftliche Belehrung in Wort und Schrift und Pflege der Geselligkeit. b) Die Lehrlinge bei eintretender Krankheit mit einem Krankengeld zu unterstützen, sowie den Eltern resp. Angehörigen beim eventuellen Ableben des Lehrlings eine Beisteuer zu den Begräbniskosten zu gewähren. c) Arbeitslosen- und Rejseunterstützung sofort nach beendigter Lehrzeit zu zahlen. Zum Eintritt sind berechtigt alle Lehrlinge, die da» Porte- fcuiller- oder Sattlergewerbe erlernen, sobald die Lehrzeit an» getreten bczw. der Lehrvertrag in Kraft getreten ist. Sobald die Lehrzeit beendet ist, hört die Mitgliedschaft in der Lohrlingsabtcilung auf und die Verbandsmitgliedschaft beginnt. In diesem Falle werden in der Lchrlingsabteilung bezahlte Beiträge zu Verbandsbeiträgen umgerechnet und al» Vollbeitrüge in An. rechnung gebracht. In der Diskussion wird die bereits bestehende Jugendorgani- fation für ausreißend gehalten. Jännffon fDänemarkj teilt mit, daß auch in Skandinavien eine ähnliche Einrichtung bestehe. Die Vorlag, jrltb dem Vorstande überwiesen. Als Tagungsort für die nächste Generalversammlung wird München gelvahlt. An die Tagung schließt sich eine internationale Konferenz der Sattler und Portefeuiller an. Internationale Konferenj der Sattler and portefeniUer. Köln. 17. April IMS. Im Anschluß an den Verbandstag der Sattler und Porte. feuiller fand im Kölner Volkshause die zweite Internationale Kon- ferenz der Sattler statt, an der diesmal auch die Portefeuiller teilnahmen. Es find vertreten: Pelgien(1 Sattler), England (1 Portefeuiller), Frankreich(1 Portefeuiller), Oesterreich(1 Sattler, 1 Portefeuiller), Skandinavien(1 Sattler), Ungarn(1 Sattler) und Deutschland(k> Sattler, 3 Portefeuiller). Insgesamt sind 15 Tele- gierte und der Sekretär anwesend. Die französischen Sattler haben sich entschuldigt, sie befinden sich gegenwärtig in der Agitation; die Schweizer Sattler haben sich dem Schuhmacherverbande ange- schlössen. Den Bericht des internationalen Sekretärs gibt Sassenbach. Da die einlaufenden Gelder nur für die Verwaltung gebraucht werten, so ist der Etat verhältnismäßig niedrig. Es kamen in den drei Jahren 270,22 M. ein, ausgegeben wurden 120,98 M., mit den Einnahmen in diesem Jahre beträgt jetzt der Kassenbestand 380 M. Es folgen die Berichte der einzelnen Länder. In der Diskussion darüber weist W e i n s ch i l d darauf hin, daß sich seit einiger Zeit in London russische Meister in der Portefeuillebranche niedergelassen haben, die russische Arbeiter zu sehr niedrigen Löhnen beschäftigen. Davis erwidert, daß diese Arbeiter schwer zu organisieren sind, weil man ihre Sprache nicht versteht. Wcinschild gibt die Schuld der schlechten Organisation dieser Leute den englischen Gewerkschaften, die die Aufnahme sehr schwer machen. Sassenbach: Es werde noch eine lange Zeit vergehen, che der konservative Geist in den englischen Gewerk- schaften verschwinde. Man müsse sich damit begnügen, den eng- lischen Kollegen den Rat zu geben, die Aufnahmebedingungen zu ändern. B l um- Deutschland hat ein großes Interesse daran, daß die internationalen Organisationen miteinander in Ver- bindung treten. Die Berichte sollten in regelmäßigen Zwischen- räumen ausgetauscht werden. Es sei zu wünschen, daß die Ein- richtungen gleichmäßiger und die Stempel durch Marken ersetzt werden. Ferner wünscht er internationale Reiselegitimationen und für die österreichischen Mitgliedsbücher das Nationale in zwei Sprachen. Die Auffassung der französischen Kollegen könnten die deutschen nicht teilen. Sie üben keinen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung aus, das tut die Parteibewegung. Sie lehnen den Generalstreik und die Sabotage ab. Trotzdem begrüßen sie es, wenn die französischen Kollegen mit ihnen zusammenwirken wollen. Die international« Korrespondenz hat in den letzten drei Jahren brach gelegen, eS wäre zu wünschen, daß es jetzt anders würde. Die Schweizer Kollegen wünschen einen neuen Gegenseitigkeits- vertrag, man möge aber nicht von der in Dresden geschaffenen Grundlage abgehen. Pauls- Oesterreich und E r d ö s- Ungarn wollen darauf hinwirken, daß das Markensystem bei ihnen einge- führt wird. Auf eine Anfrage erklärt W e i n s ch i l d, daß tu Deutschland die Ausländer genau so wie die inländischen Kollegen behandelt werden, wcnn ihre Mitgliedsbücher in Ordnung sind. Auch Pauls sagt, daß bei ihnen zwischen Ausländern und In- ländern in der Organisation kein Unterschied gemacht wird. Jönsson- Skandinavien beantragt, daß über die Angelegenheiten der Organisationen alljährlich ein gedruckter Bericht herausgegeben werde. Er wünscht, daß in den Unterstützungen größere Gleich- Mäßigkeit eintrete. W e i n s ch i l d bemerkt zu der französischen Organisation, daß bei ihr nichts beständiger sei als der Wechsel. Bald sind die Portefeuiller den Sattlern, bald den Handschuh- machern, bald den Schuhmachern angeschlossen. Wenn die ver. schiedenen Sektionen sich nicht zu einer einheitliche» Organisation zusammenschließen, dann könne man mit ihnen schlecht zusammen- arbeiten. Statt in syndikalistische, gelbe oder andere Gruppen zu zerfallen, sollten die französischen Kollegen mehr für die Einigkeit arbeiten. Wichtig ist, daß die Landesselrctäre untereinander mehr in Verbindung treten. Die Engländer sollten dafür sorgen, daß nicht falsche Berichte über deutsche Verhältnisse in England ver- breitet werden, wie es vor zwei Jahren über die deutsche Porte- fcutllcindustrie geschah. Dem englischen Delegierten sei eS nicht einmal bekannt, wieviel Portefeuiller in London beschäftigt werden. K r e l l e- Frankreich führt noch aus, daß die Franzosen sich nicht zu viel mit Politik beschäftigen, sie legen auf die internationalen Ver- bindungen großen Wert. Hierauf werden folgende von Blum gestellten Anträge an- genommen: „Das Internationale Sekretariat ist zu verpflichten: 1. Einen regelmäßigen Jahresbericht über die inneren Einrichtungen der Organisatwnen herauszugeben. 2. Möglichst zu jeder internatio- nalen Konferenz diese Berichte auch auf die Lohnbewegungen und dere» Erfolge auszudehnen. 3. Die Einführung einer internatio- nalen Reiselcgitimation zu beschließen.— Den angeschlossenen Ländern ist dringend zu empfehlen, das Markensystem für die Beitragszahlung einzuführen.— Die österreichischen Organisationen sind zu verpflichten, in den Mitgliedsbüchern auch ein tschechisches Nationale zu führen." Auf Antrag von Pauls wird folgende Resolution ein- stimmig angenommen: „Die vom 16.— 17. April 1909 tagende zweite internationale Konferenz der Sattler und Portefeuiller nimmt den Bericht der Vertreter Oesterreich-Nngarns über den Plan der Errichtung einer Kaushauskonkurrenz durch die ungarische Regierung in Kaschau und Raab zur Kenntnis. Die Vertreter der Gewexk- schaften und Syndikate verpflichten sich, in ihren Ländern dafür zu sorgen, daß jedweder Zuzug nach Kaschau und Raab fern- gehalten wird. Die Konferenz betrachtet jeden Arbeiter, der nach Kaschau und Raab Arbeitsangebote annimmt, als Schäd- linge in der Sattler- und Portefeutllerbranche und behandelt derartige Arbeiter in dem gleichen Maße wie Streik- und Boykott- brecher." Die Konferenz befaßte sich dann mit der Frage, was zu tun fei, um die noch nicht angeschlossenen Organisationen heranzuziehen. Es wurde hier besonders auf die Berufskollegen in Spanien, Italien und Nordamerika hingewiesen. Die nächste Konferenz findet im Jahre 1913 im An. schluß an die Generalversammlung der österreichischen Sattler statt. Der Sitz deS Internationalen Sekretariats bleibt Berlin; Sassenbach wurde wieder einstimmig zum Sekretär gewählt. w. Uerbandstag des Irntraloerbandes der bllllgtwtrblilllt» Hilfsarbeiter Deutschlands. Köln, den 17. April 1909. Sechster Berhandlungstag. Zur Beratung der zum Statut gestellten Anträge hat eine Kom- Mission die Vorarbeiten erledigt und erfolgt die Beratung der Kommisstonsvorschläge im Plenum. Kollege Behrendt ersucht, von einer wesentlichen Statutenänderung Abstand zu nehmen und den Vorschlägen der Kommission zuzustimmen, da doch in Bälde ein neues Statut geschaffen werden muh. Uebcr die Erwerbs- losenmarke entspinnt sich eine rege Diskussion, die zu folgendem Beschluß führt: Die Wochenbeiträge sind für 44 Wochen de? Jahre» zu zahlen. Veitragsfrei bleiben die Monate Dezember und Januar, doch können Lokalbeiträge auch während dieser Monate erhoben werden. Eine Stundung der Berbandsbeiträge kann auf 13 Wochen er- folgen, doch ruhen während dieser Zeit alle Rechte der Mitglieder. Die Reiseunterstützung wird nach einjähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 44 Wochenbeiträgen gewährt. Es wird eine neue Bezugsklasse durch Verschiebung der Beiträge geschaffen. In dieser neuesten Klasse betrögt die Streikunterstützung nach einjähriger Mitgliedschaft pro Woche 17 M.. nach mindestens sechswöchiger Mitgliedschaft 15 M. Die Gemaßregeltenunterstützung wird um 2 M. wöchentlich erhöht. Die Sterbeunterstützung erfährt dadurch eine Aenderung. daß die Unterstützungssätze für die 1» L. und 3. Klasse gleichgestellt werden. Voraussetzung zum Bezüge der» selben ist eine einjährige Mitgliedschaft und Zahlung von min- bestens 44 Wochenbeiträgen. Die Auszahlung dieser Unterstützung erfolgt nur an Familien-mtglieder oder.solchen Personen, die Aufwendungen für den Verstorbenen gemacht und deren Kosten nicht durch anderweitige Versicherungen gedeckt werden. Die Kranken- Unterstützung wird nach zweijähriger Dauer der Mitgliedschaft und Zahlung von 88 Wochenbeiträgen bei(in» siebentägigen Karenzzeit gewährt. Um den Zweigbereinen möglichst größte Bewegung?« sreiheit zu geben, wird�dcr Passus, der dem Vorstand daS Be- stätigungsrccht gibt, im Statut gestrichen. Die Zahlung der Gaubeiträge soll nach den gezahlten Wochen- beitrügen geregelt werden. Beschlossen wird ferner: Ter Vcvoll- mächtigte sit insbesondere verpflichtet, den Zweigvercin vorkommen- denfalls vor Gericht zu vertreten und Schadenersatzansprüche des Zweigvereins gegen Mitglieder und außenstehende Personen geltend zu machen. Ter VerbandZtag beauftragt den Hauptvorstand, statistische Erhebungen zu veranstalten zwecks Unterlagen zur Einführung einer Arbeitslosenunterstützung. Auf Antrag des Vorstandes wird die Preßkommission nicht wieder gewählt, weil diese Institution sich als unpraktisch er- wiesen hat. Der Zahlstelle Delmenhorst wird eine Streilschuld erlassen, doch ersucht der Vorstand die Delmenhorster. in Zukunft auch an die Kollegen anderer Orte zu denken und sich den Anordnungen des Vorstandes zu fügen.—- Ilm die Wahlen zu den Verbands- tagen besser zu regeln, findet folgender Antrag Annahme: Zweig- vereine mit 600 bis 1000 Mitglieder wählen wählen einen, mit 1000 bis 2000 Mitglieder zwei Delegierte; jedoch sollen schon zwei und mehr Delegierte gewählt werden dürfen, wenn 590 Mitglieder über je ein volles Tausend vorhanden sind. Das Gehalt der Hilfsarbeiter im Hauptbureau wird auf 2400 Mark erhöht. Im weiteren wird der Vorstand beauftragt, den Ab- schluß eines Kartellvertrages mit dem Bergarbeiterverband in die Wege zu leiten. Eine kleine Alkoholdebatte stellte sich zum Schluß ein, in der löhne und Besserung der Arbeitsbedingungen. Der Verbandstag stimmt diesen Ausführungen zu. Klagen über Nichtinnehaltung der Kartellverträge seitens des Fabrikarbeiter- und Transport- arbeiterverbandes werden laut, gefordert wird eine schärfere Fest- legung und Jnnehaltung der Verträge. Die Materie wird dem Borstand überwiesen. Die weiteren Beratungen erstrecken sich auf Anträge, vi« rein verwaltungstechnischer Natur sind, und auf kleine redaktionelle Aenderungen. Den Bericht der Beschwerdekommission gibt Meckel mann- München. Die Beschwerde des Zweigvereins Kiel über Verweigerung des Rechtsschutzes im Falle Korthase ist ab- gewiesen. Der Ausschluß von Marx-Berlin, Schrer-Nürnberg. Etlasow-Berlin wird als berechtigt anerkannt. Der Ausschluß von H e e r n- Speyer wird zurückgestellt, bis das gerichtliche Verfahren, welches gegen ihn schivebt. erledigt ist. Die Entlassung des Hilfs- arbeiters Zeisig- Hamburg aus dem Verbandsbureau erkennt die Kommission als zu Recht geschehen an; sie spricht ferner ihre Mißbilligung über das Rundschreiben deS Hilfsarbeiters Roche auS, welches derselbe an die Delegierten richtete. Der Vorstand soll in Zukunft aus nur fünf Personen bestehen und wird eine Verschiebung der Aemter vollzogen. Behrendt wird als erster und Töpfer als zweiter Vorsitzender, Brand- m o h r wird als erster und W r e d e als zweiter Kassierer ge- wählt. Die Redaktion des Fachorgans übernimmt RöSke in Zu- kunft allein. Sekretär bleibt Mohnk. Der Sitz der AuSschusseh bleibt Berlin. Damit sind die Arbeiten des zehnten VerbandstageS erledigt. Mit einem Hoch auf die allgemeine Arbeiterbewegung und auf den Verband der baugewerblichen Hilfsarbeiter im besonderen schließt Behrendt die Verhandlungen de» zehnten Verbands- tages. Hais Induftm und ftandeU Gewinne der Hypothekenbanken. Die dentschen Hypothekenbanken haben für das letzte Jahr durch» gängig mit den gleichen, oder gar noch höheren Gewinnen ab- geschlossen, als für 1907, so daß der Gesamldurchschnitt«in PluS ergibt. Nach der.Köln. Ztg." geben wir diese Aufstellung: Preuß, Zentr.-Bodenkredit- A,-G., Berlin.... Franks. Hypothekenbank.. Schief, Bodcnkred.-Aktienb., Breslau...... Preuß. Bodcnkredit-Aktien» bank, Berlin.... Preuß. Hypoth.-Aktienbank Franks. Hypoth.-Kreditvcr. Preuß. Pfandbriefbt., Berlin RH.-Wf.Bodenkreditb.. Köln Deutsche Hypotheken-Bank, A.-G.. Berlin.... Berl. HYP..B..A.-G.. Berlin Wcstd. Bodenkr.-Anst., Köln Hannov. Bodenkredit-Bank, Hannover..... Grundkreditbk., Königsberg Bayr. Hypoth.- u. Wechselbk. Hypothekenbank, Hamburg Dt. Hypoth.-B., Meiningen Rhein. Hyp.-B., Mannheim Südd.Bodenkr.-B.. München Pfalz. Hypoth.-B., Ludwigs- Hafen....... Bayr.BereinSbank. München Vereinsbank Nürnberg.. Dt. Grundkred.-B., Gotha Bayr. HandelSb., München Braunschw.-Hann. Hyp-B. Württ. Hyp.-B., Stuttgart A.-G. f. Boden- u. Komm.» Kredit. Straßburg.. Leipziger Hypothekenbank. Payr. Bodeiilredit-Anstalt, Würzburg..... Mecklenb. Hyp.« u. Wechselb. Sächs. Bodenkredit-Anstalt, Dresden...... Nordd.Grdkred.-B., Weimar Hess. LandeS-Hypothekenbk. Schwarzb. Hypolhesi-Bank, Sondershoufen.... Mitteld. Bodenkredit-A.-G. Württemb. Vereinsbank.. Mecklenb.- Strel. Hypoth.-B. Sämtl. 30 Hypoth.-Banken Ii« ©».g 89,60 20,00 25,80 30,00 50,60 15,00 18,00 14,00 16,00 22,70 8,00 3,00 0,00 54,29 30,00 25,50 20,10 27,00 18,00 45,00 18,00 15,00 35,00 10,20 11,00 9, CO 10,00 7,50 0,00 10,00 7,60 9.00 8,75 7,50 24,00 1,17 670,01 Reingewinn 1007 1908 M. 4 583 472 3 181 159 2 572 161 3 319 863 4 860 207 2 061 102 2 350 071 2 202 811 1 654 030 1 802 095 811 974 260 591 108 218 8 242 464 4 010 603 2 672 947 3 675 902 2 805 073 2 757 901 4 292 103 2 193 124 1 939 255 3 534 995 1 280 518 1356 000 1 574 903 1142836 1 079 158 2 125 734 1090 350 567 793 519 411 220 760 582 738 8 644 819 538 347 4 659 372 3 282 435 2 451 024 3 446 527 5 034 061 1 808 969 2 576 450 2 347 102 1 757 389 1 859 707 800 201 284 283 104 194 8 017 717 4 024 495 2 730 261 4 155 580 8 135 178 3 060 414 6 309 560 2 685 368 2 023 602 3 770 883 1 101 747 1 432 723 1 803 440 1 237 423 938 426 2 085 393 986 714 6JB 648 642 566 200 727 611 398 4 079 824 077 700 81 103 026,86 333 480 Dividende 1907 Proz 9 9 8 7,5 5,5 8 7,6 8 7,5 6.2 7 5.5 13 13 0 7 9 8 9 9 10 8 8 7,5 7,5 9 7.5 0,8 14 7 5.5 3,5 8,5 6 7 7,49 1008 Proz. 8 9 8 8 5,5 8 7,5 8,5 7,6 0,5 7,5 5,5 14 13 9 7 9 8,3 9 9 11,8 8 8 8 7.8 10 8 4 14 7 0 8.8 8,5 5.3 7 7,81 Demnach ist der Gesamtreingewinn von rund LI Millionen Mark aus 83>/, Millionen Mark, die durchschnittlich« Dividende von 7,49 auf 7,81 Proz. gestiegen. Die Rentenschlucker merken nichts von Krise. Die Gctreidepreise an deutschen FruchNnärktea hatten im März durchweg eine Preissteigerung zu verzeichnen. Ganz besonders scharr ist der Wcizenpreis in die Hohe geschnellt; er stellte sich im März bei einem Umlav von 67 289 Doppelzentnern im Durchschnitt für 60 Marktorte auf LS, 24 M. Pro Doppelzentn« aegen 20.8» M- im yebrnar. Für die einzelnen Getreidenrten ergibt sich folgende Uevcrsicht. Durchschnittspreis für 1 Doppelzentner in Mar! März Februar März 20,88 22.12 16.U 10,52 16,19 1909 22,24 23,53 10,01 17,18 17,21 1908 Weizen.... 20,75 Spelz.... 21,89 Roggen.... 18,57 ©eiste.... 16,33 Hafer..... 16,06 Zu solcher PreiSentwickelung fehlen noch neue und erhöhte in- direlle Steuern für das arbeitende Volk, ticrniehrte Liebesgaben für die Agrarier. Das ist die Ordnung, wie die Junker sie wünschen. Fleischwncher. Wie die große Masse der Konsunienten aus- gebeutet wird, ergab sich aus dem Fleischkrieg in Bamberg. Es wurde festgestellt, daß prima Ochscnfleisch an das Militär, an Gast- Wirte usw. für 58 Pf. abgegeben wurde, während das große Publikum alles Ochscnfleisch mit 86, Rindfleisch mit 60 Pf. pro Pfund bezahlen niußte. Die Bergiinstigungcii, die den Großabnehmern eingeräunit Werden, muß die Masse der Konsumenten bezahlen. Ein relativ günstiger SaatensiandSbericht. In dem vom Ackerbauministerium über die erste Hälft« deS MonatS Llpril verösfentlichicit SaatensiandSbericht heißt eS: Die Wintersaaten, namentlich die früh angebauten, haben wider Er- warten ziemlich gut überwintert, besonders die Roggensaaten. Die Herbstsaaten dürsten auf großen Flächen zur Eiuackernng kommen, namentlich die Weizensaatcn. Raps hat ungleichmäßig, Klee im ganzen gut überwintert. Der Anbau der Sommersaaten ist sehr im Riittstand und daher ihre voraussichtliche Elitwickelung ungewiß. Der Anbau von Hafer und Gerste hat sich gleichfalls verspätet. Die Aussaat von Mais wurde nur vereinzelt in den Südländern vor« genominen. Auch der Anbau von Kartoffeln und Zuckerrüben wurde iiur vereinzelt begonnen. Hopfen überwinterte gut. Der Weinstock zeigt zumeist gesundes ausgereiftes Holz. Die Obstbäume sind in der Eutwickelung zurückgeblieben. Zollunsinnlgkeitcn. Die itcht die Auslassung eines erhöhungen auf Spielwaren Payne-Tarif in feiner gegenwärtigen Fassung zur Amiahme ge- langen, so müssen wir Importeure und insbcsonderS die deutschen Fabrikanten unserer Brauche schwere Schädigung ihrer Interessen erwarten, und zwar infolge neuer Bestimmungen, welche speziell zu dem Zwecke auSgetüstell zu sein scheinen, die Einfuhr lahmzulegen. Dahin gehört in erster Linie die Anordnung, derzufolge Puppen und Spielwaren, welche Imitationen oder Miniaturen sind oder dieselbe Bezeichmmg tragen wie Artikel, welche in dem Gesetze unter eigenem oder Kollektiviiamen als zollpflichtig angeführt sind, gleich hohen Zoll zu zahlen haben wie die Originale. Jnfolgedesien würden z. B. Miniatur-Uhrcn, welche in Deutschland 1,36 Dollar per Groß kosten, Zoll zur Rate von 70 Cents per Stück und 30 Proz. sä volorom zu zahlen haben, was die Kosten per Groß auf 101,84 Dollar, entsprechend einer Zollrate von 7,450 Proz., erhöhen würde. Wollschäfchen, die in Deutschland 80 CentS per Dutzend koste», würden hier einem Zoll von 1,50 Dollar per Stück unterliegen. Fächer in Zigarrensorm wären als„Havanas" zu verzollen usw. Die Sache wäre lächerlich, wenn sie für imS Importeure nicht s» ernst wäre. Noch siblimmer wird die Situation dadurch gemacht, daß ein Zusatz des K 427 des Payne-Tarifs bestimmt, daß der Zoll auf Spittwaren mlndesteiis dem auf verschiedene Fabrikate oes Materials gelegten Zoll gleichkommen soll, ans welche», das Spiel- zeug ganz oder dem Hauptwerte»ach besteht. Bei billigen Puppen ist das Wollhaar der wertvollste Teil, und während solche selbst nur zu 85 Proz. zollpflickitig sind, würden sie auf Grund der neuen Be- stimmung Zoll zur Rate von 110 Proz. zu zahlen haben... Da« Blatt selbst schreibt z» der Angelegenheit:„Die Maximal» und Minimalbestiminungen sind dazu bestimmt, dem Handels« Provisorium ein Ende zu machen. Die das große Publikum treffenden und daher allgemeinen Protest erregenden Zollerhöhiingeu auf billige Strümpfe, Handschuhe, Messerware, i usw., soivie die als unausführbar bezeichnete neue Verzollu»gs»ielhode sind sämtlich speziell gegen Deutschland gerichtet. Andere Bestimmungen würden den Import von Spiel-und Galanteriewaren erschweren, wenn nicht ausschließen, von welchen Deutschland der Hauptlieferant ist. Es werden eifrige Anstrengungen gemacht, eine Aciideruug letzterer Be- stimmungen des Payne-Tarifs herbeizuführen." Die Welterzeuglmg an Stickstoffverbindungen, die aus der Luft gewonnen werden, betrug nach der Schätzung in dem Geschäfts- berichte der Deutschen Aimnoniak-Verkaufsverelnigung G. m. V. H. in Bochum im Jahre 1908 rund 100 000 Tonne». Der Verbrauch an Ehilisalpeter in Deutschland beträgt zurzeit jährlich 400 600 Toimen und hat in den letzten zehn Jahren rund 75 000 Tonnen zugenommen. Die Berwcndung von schivcselsaurem Ammoniak ist in demselben Zeiträume von 123 000 auf 284 000 Toiinei, gestiegen. Der Stickstoffgehalt ist im Ammoniak um ei» Drittel höher als in« Chilisalpeter. Die jetzige elektrochemische Erzeugung von Stickstoff aiiS der atmosphärischen Luft hat noch verhältiiiSmäßig wenig Einfluß auf den Markt des für die Landlvirischaft unentbehrlichen DüngestoffeS. Selbst wenn die in Norwegen für diesen Zweck zur Bersügung stehenden WnsserkrÄfte von 500 000 Pferdestärken Leistung voll aus- genützt würden, könnten bloß 300 000 Tonnen Stickstoff jäbrlich er- zeugt werden, und das wären immer erst 12 Proz. der jährlichen Stickstoffausfuhr von Chile. Schwab für Zollermässigiing. Charles M. Schwab hat sich nach der„N. A. Haudelsztg." dahin geäußert: die amerikaiiischei» Arbeiter bralichen irgend welche Reduktion der Stahlzvlle nicht zu fürchten. Wir machen hierzulande nicht nur den besten Stahl in aller Welt, wir können auch mit demselben gegen alle Welt konkurrieren. Uns der frauenbenegung. Die weibliche Arbeitskraft iu Gewerbebetriebe». Die gewerbliche Betriebsstatistik in Preußen hat als eigentliche Gehilfen und Arbeiter ld. h. mit Fortlafsung des Bureau-, Kontor- und technischen Personals) nachgewiesen für 1895. „ 1907. Zunahme. in Proz. niännl. 3 132 853 4 578 378 1 445 525 46,14 weibl. 646 291 944 981 298 690 46,22 zusammen 3 779 144 5 523 359 1 744 215 46,15 Darunter befanden sich Jugendliche von unter 16 Jahren männl. 254 530 317 080 02 550 24,57 weibl. 61 648 99 399 37 751 61.24 hiernach zusammen 316 178 416 479 100 301 31,72 durch die Jugend- ■siärkung 1895.... 1907.... Zunahme.. in Proz.. Die männliche Gehilfenschaft hat lichen in erheblich geringerem Grade als die weibliche Per ersahren! die mämiltchen Jugendlichen machten 1895 8,12, 1907 aber nur 6,93 Proz. der männlichen, die weiblichen dagegen 1895 9,54 und 1907 10,52 Proz. der weiblichen Arbeiterschaft aus. Die gewerbliche Beschäftigung der weiblichen Jugendlichen ist eine un- erfreuliche Erscheinung, die noch an Schärfe gewinnt durch die in der neuen Berufs- und Betriebszählung überall festgestellte stärkere Mitarbeit der weiblichen Famitteiiangehöngen im Betriebe des In- Habers. Von den gewerblich helfende» weiblichen Familien- angehörigen waren 1895 5105, 1907 aber 10 901 Jugendliche von unter 16 Jahren. Die weiblichen Jugendlichen sind mit irößeren Zahlen und Zunahmen in der Textilindustrie f20 326, silnahme gegen 1895 5774), in der Papierindustrie<5258 >ezw.-J- 2726), in den Nahrungsmittelgewerben<11179 bezw. 4- 5579), in den Bekleidungs- und ReinigungS- gewerben<21 180 bezw.-f- 5873), im HandelSgelverbe<18 272 bezw. 4- 10 696), auch in der Metallverarbeiliiiig<4931 bezw.+ 1009) vertreten; im Gast- und Schankivirtschastsgewerbe finden sich deren 3272, aber hier ist gegen 1895 eine Abnahme um 2023 ermittelt. Die vorgenannten Gewerbe stellen das eigentliche Arbeitsgebiet der weiblichen Jugendlichen dar. An Lehrlingen weist die Gewerbestatistik für Preußen nach niännl. weibl. zusammen 1805.... 383 241 38 480 421 721 1907.... 428070 68709 497888 Zunahme... 45 438 30 229 75 667 in Proz... 11,86 78,56 17,94 Nicht mit eingerechnet sind hierbei die Lehrlinge für Bureau-, Kontor- und teckmische Berufsstelluiigen. Die Zunahme der männlichen Lehrlinge ist geringer als die der Jiigeiidiichen. die der weib- lichen stärker. Uebereinstimmen können die Zahle» nicht, weil die LehrlingSzeit nicht mit de», 16. Jahre beendet ist sbei den männ- lichen Lehrlingen übrigens seltener als bei den weiblichen). Die Zunahme der nlämilichen Lehrltngschaft ist etwaS mehr als halb so groß wie die der Bevölkerung, die der weiblichen fast viermal so groß. Stellt man die Lehrlinge den Bctriebsinhabern gegenüber, so entfielen auf je 1000 Inhaber 1895 1907 Männki weibk. zusammen Lehrlings 233 22 255 250 40 290 Bei den weiblichen Lehrlingen ist eine sehr starke Verhältnis« mäßige Steigerung eingetreten c sie entfällt mit den weitaus größten Zahlen auf die Textilindustrie<2294 weibliche Lehrlinge, Zunahme 12521, die Nnhriliigsmittelgeiverbe<5946 bezw.-st 4390), das Be- kleidnngS- usw. Gewerbe<30 310 bezw.-f' 10126) und daS HandelS- gewcrbe<22 969 bezw. 13 379). Au verheirateten Frauen fanden sich unter den Gehilfen und Arbeitern 1895 59 254-- 1,57 Proz., 1907 dagegen 138 263 =- 2,50 Proz. Die Zunahme beträgt 135,05 Proz Entsprechend dem immer wieder in der neuen Betriebsstatistik beobachteten Vor« dringen des weiblichen Geschlecht? in die gewerbliche Tätigkeit findet sich auch Kier eine verhältnismäßige Steigerung der Frauenarbeit, nild zwar der Frauenlohnarbeit- denn die mithelfendc» Ehefraueli sind m vorstehendeii Zahlen nicht einbegriffen. Von der weiblichen Arbeiterschaft in Gewerbe und Handel waren 1895 9,17, 1907 da« gegen 14,63 Proz. verheiratete Frallei,; von den über 16 Jahre alten Arbeiterinnen waren es 10,14 bezw. 16,35 Proz. Die ttobn« arbeit der verheirateten Frauen hat sonach seit zwölf Jahren lo- ivohl der Zahl wie dem Grade nach eine erhebliche Zunahme er- fahren._ Ein Nähfadentrust zwingt die amerikanischen Arbeiterinnen, vo>- einem Lohn von 33 Sh. und 4 Pcnce<83,35 M.) allein 3 Sh. l>/z Pcnce(3,10 M.) für Garn auszugeben. Auch daS nennt sich legale kapitalistische Ausbeutung! Erfreuliche Erfolge. Das englische Arbeiteriunenblatt„Tht. Woman Worker" meldet einen bedeutenden Bbomientenzuwachs. Vor neun Monaten gegründet, hielt sich das Blatt bis Anfang März auf einer Abomientenziffer von 23 000, Am 10. März stieg die Auflage auf 30 000, eine Woche später aus 81 000 Exemplare. An dar wachsenden Verbreitung sind besonders London, Schottland, Lancashire, Dorkshire und Mittel-England beteiligt. Jetzt beträgt die Auflage 32 000 Exemplare. Möge„The Woman Worker" weiter wachsen und gedeihen!__ Für und wider das Frauenstimmrecht. Den englischen Suffragettes muß man das Verdienst zu» erkennen, daß ihre läriuende Agitationsweise alle Kreise der Be- völkerung aus der Gleichgültigkeit gegenüber der Frage des Frauenstimmrechts aufgerüttelt hat. Die Gegner sind gegenwärtig besonders eifrig an der Arbeit. So wurde dem englischen Porla- mcnt kürzlich eine von 250 000 Frauen unterzeichnete Petition gegen das Frauenwahlrecht überreicht. Eine der bekanntesten eng- tischen Schriftstellerinnen, Mrs. Humphry Ward, hat eine leitende Stellung in der neuen AntistimmrechtSbttvcgung über- nommen. Ja sogar die Priester auf den Kanzeln sehen sich genötigt, zum Frauenwahlrccht Stellung zu nehmen. So predigte kürzlich Kardinal Gibbons, einer der be- kanntesten römisch- katholischen Kanzelredner, gegen das Frauenstimmrecht, indem er daraus hinwies, daß die ideale Frau der heiligen Schrift nicht für dgs Wahlrecht kämpfte, weil sie eine weiblich denkende Frau war. Sein Amtsbruder, der berühmte Kardinal Moran, ist auf Grund persönlicher Erfahrungen in Australien, wo sich das Fraucnstimmrecht bereits in der Praxis be» währt hat, zu ganz entgegengesetzten Ansichten gekommen. Er sagt: „Die Frau, die zur Wahl geht, bedient sich nur eines ihr von Demokratie verschafften, ihr rechtmäßig zustehenden Privilegs. War sie früher nur Hausbesorgerin, so wird sie jetzt als Arbeits- genossin und Kameradin des Mannes anerkannt, und man traut ihr Sinn und Verständnis für das öffentliche Wohl zu. Als Mutter hat sie ein ganz besonderes Interesse an der Gesetzgebung ihres Landes. Es ist nur natürlich, daß jede Frau dem Tage entgegen- strebt, wo sie die Zukunft junger Kinder gestalten helfen kann. Sie sollte es als eines der höchsten Rechte ihres Geschlechtes achten, daß sie die Männer wählen kann, welche die Gesetze machen, unter denen sie leben muß, und daß sie ihren reineren Einfluß in der politischen Atmosphäre ihrer Zeit zur Geltung bringen kann." Amtlicher Marktbericht der städtischen MarkthalleN'DIreNton flder den Großhandel in den gentral-Markthalle». Marktlage: Fletsch: Zufuhr stark, Gelchält ruhig, Preise«»verändert, jtir Schweinefleisch nach» gebend. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege. Prell« jest. Geflügel! Zufuhr sehr knapp, Geschalt ruhig, Preis« hoch. Fische: Zufuhr gering, Geschäft riibig, Preise wenig verändert. Butter und Käse:©eschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäjt wenig besrtedigend. Preise kaum verändert. Für de« Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Berauttvortung. Zheater. Dienstag, den 20. April. Ansang?'/, Uhr. ckönigl. Opernhaus. Figaro? Hochzeit. Königl. Schauspielhaus. Die OnitzowS. Neues königliche» Operntheater. Geschlossen. Deutsches. Faust. K a»,», e r sp i« l«. Der Arzt am Scheidewege.(Anfang 8 Uhr,) Ansang 8 Uhr, Kesslng. Der König, Neues Schauspielhans. Pech, Schulz«, Westen. Der Jockeyklub. Brrltner. Einer von unsere Leutt Neues. Die sremde Frau. Thalia.®0 wohnt sie denn? Komische Oper. HvsjmannS Er« um zählungen. Residenz. Kümmere dich Ameli« SuftsPielhanS. Im Kludsessel, cilletneö. Moral Sebbel. ReoolutlonShochzeit. Schiller«> lA-alliie,- tdeater.) Die Welt in der man sich langweilt. Schtt,e> Eharlottenburg. Macbeth. Friedrich<«vilbelmstad». Schau. spielhauS. Othello. Luisen. Der Troubadour. Trianon. LiebcSgewlttcr. Neues Operetten. Die Prinzessin. Berliner Operetten>»hcater SW. Da« Himmelbett.(Ans 8'/, Uhr.) Bernhard Ras«. Khrih-Phritz. Gastsptel'Sheater. Der Hund von BaSkerville. Gebrüder Herrnfeld. Meine- Deine Tochter. Der selige Nie- mann. Apollo. Die Geschwister Wiesenthal. Spezialitäten. Metrovol. Donnerwetter tadellos. ikStntergarte«. SpezlMäten. Dollar- RegimentStochter. Sonntag nachmittag 3 Uhr» Da» Mädchen auf Irrweg«». Abend» «Uhr: Faust. Montag: Das Mädel ohne Geld. BchlMWis" Pä ta&fc Ständige Eisbahn. vi» 1t Uhr aaehte gesffnet. Koniert und Kanktlnafen. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. ßeTolutioDsboehzeit. IVcues Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25. a, d. Luisenstr- Abend« 8 Uhr: vi« DoIlurprlnnoUUln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. j Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 68. Ans. 8 Uhr. Srnfntianfllft Echtg! Der Kund von Baskeruille _ von Ferd. Bonn._ 9>;, Uhr: Die Schwestern Viesenthal v>/« Uhr: Amille de L'EncIo», Stimmphänomen. st Uhr: F.*. Heinhaus, Rechenkünstl. 6 Uhr! Da» große lprogramin, W.lfoaoks Theater Direktion: Reh. vi»,»runnenrtr. 16. Nttvli. die russische Waise. Großes Melodrama von Th. Öell. Ansang 8'U Uhr. Enlree 30 Pj. Ehren- una VorzugSlarien gültig I onnnbend, den EU. April i Große vorft. i Ol« Maeht de» Oelde». Zirkus Busch. Dt-nStag, 20. April, abdS. 7'/, Uhr: Große Gala-Borste llung. Um 8 Uhr: ? Mr. Charleston? Um 9 Uhr: Möns. Vansartl Um V.io Uhr- Herrn Karl Haffenbecka Mesenlöwen- n. Eisbäreiigruppr. Um S'/« Uhr: Auswanderer! Achtung I Sonntag, den 25, April, In beiden Vorstellungen, um 4 und T'/j Uhr: ungekürzt Auswanderer. I>S IdllO 8 Crelsltas Salcrno gowie das von Publikum und Presse glänaeud beurteilte April- Programm. Reservierter PI. 2 M. Entrae 1 M. (einsohl, Programm u. Garderobe) I Woinbergsweg 16-20, Roventh.Tor. I Ansang 8 Uhr. DiegroSartigJprii-Spezialitäten, In» Tunnel: Frelbonrert.| Urania. Wissensohaftliches Theator, Taubenstraßa 48/19. Abends 8 Uhr: Auf den Trümmern Messinas. Melropol-Theater taennetter— tadellos! KevuoinlOBildernv. Jul. Pround, Musik von Paul Lincko. Regie Direktor Schultz. Anfang t Uhr. Rauchen goatattot. Donnerstog und Freitag: Oenchlosscn. Sonnabend, den 21. April, zum 1. Male: Operette in 3 Akten nach einer Idee dos Viotorien Sardou und Julius Freund. Musik v. Gustav Kerker. In Szene gesetzt von Dir, Rioh. Sohultz. Casino-Theafer Lothringer Str. 87.- Täglich 8 Uhr. Bis zum 30. April: Ackermann. Ad t, Mai auf vielfachen Wunsch r Tos Opferlamm. Sonntag 4 Uhr: ItuQland. Fröbels Allerlei-Theater. SchUnhanncr Allee 148 Dienstag, de» 20. April 1006: i WWW Schauspiel in 5 Akten u. einem Nach« spiel von(i o. Holtet. Kalsenerossnung 7 Uhr, Ans. S'/« Uhr. i Bei; i Brauerei Friednelisliaini — tede?rofeng.n,f;nÜa?i"alenTJLe Killgfeämpf© j s Weltmeisterschaft In Leichtgewicht und Slcgesprüniie von 3000 Zl j Heute ringen fünf Paare: Sallge-Berlin gegen Feriko-Italien. liegonnec-Frankreich gegen Sandor-Uugarn. SanderM, Negerchampion gegen PaganfnJ-Italien. 31ÜIIep-0ber-Schöneweide gegen Liassartesao, Weltmeister] Frankreichs. ATltaohke-Berlin gegen Charles le Marln-Frankreioh. Ringkämpfen: Das auLgk'Mtiltö 8pöiialitätöi!psogsamin. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf., res. PI. 1 M., numer, Tisch 2 M. Arnold Scholz. Wdl© Hasenheide 108-114. Im Kiesen-Festsaal: „Das silberne Horn von Berlin" Gr. Amateur- Ringkampf- Konkurrenz. IHK Große SpeKlalltliten- Vorstellung. Ansang 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Gntrce M. 0,30, 0,50, 1,—, 2,—. q Stadt-Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Alt-Hoabit 48.(Tel. II 2432.) Donnerstag, den 22. April: via Tochter der Hie. Lustspiel in 5 Alten von R. Kneisel. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Kassenöfsnung 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tans. Passage-Theater. Ole maurische Schlangentänzerh Vaka-Jshadi Gastspiel der Garland- Negeroperette 18 SolokrSfte und das grandiose Aprll-ProBramm. Der größte Vari£t£<>Brfolg» den je Berlin gehabt!» Passage-Panoptikum. Prinzeß Fassie die Amazonenkönigin mit ihrer wilden Garde. „Das blaue Velb" daa Opfer unbarmherziger Tätowation. Alles ohne Extra- Entree I rSleidl- Theater. Brückenstr. Anf. 71/, U. Wochentags 8'/«. Kiesenerfolg. fapa 3renneUe! Parterre-Saal: Berliner Spatzen. Prima Küche.— Entree frei. Gustav Behrens- Theater. Goltt. 9. Das glänzende fntfationdle April- Programm. O'l, Uhr: Aufstieg des lenkbaren Luftschiffes„Zäppelin II". Der Friseur als Don Juan. Operette. Ansang 6 Uhr. Damms Volkspark-Theater (früher Diotz) Landsberger Allee 76/77. Täglich: VeisliaeliSüelisiseliJolks-Tiieater JiUm erstenmal in Berlin— voll« tändig neu— alles lacht— man amüsiert sich köstlich fiobrttder Herrnfeld- Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Theater. Zum 10. Male: Meine-Oeine Tochter. Familien-Idyll in 2 Akten von A. und D. Herrnfeld (nach Papa Noa). Der selige Niemann. Lustspiel in 1 Akt von Karl Teilheim. last-Theater Burgstrahe 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse. iH.&P. Uder, lÄVI Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. < Spezialität: Nordhäuser Kautabak stets fri T~ um die SiegeSprämie von 4S M w bar.— Bis heute haben sich 20 der ersten Ringkämpser ocS In« und Auslandes gemeldet. Heute Dienstag, 20. April ringen Hackenachmidt,, Ruhland gegen Erichsen, Danemark. Kornatzki, Polen gegen Ludwig Grammer. der bahr. Herkules. itan» Lang, Bayern gegen Pierre de Reuen, Frankreich. Entscheidungskamps: Schibilski. Berlin gegen Debie, Meisterringer Rheinland-Westsalens Auberdem: Das Monstcr-Progr. SO Atrrattionen SO. Ansang 8 Uhr. Sonntags?>/, Uhr. Preise wie gewöhnlich Folies Capriee. Insolvent. Posse von L. Tausstein. In lauscdlgei' Nacht. Burlesle von W. Gericke. Anfang S1/, Uhr. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. Der Kompape-Ball. Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. 41 Hygienische Bedartiarokel. Neu.si. Katalog t Einpf Ohl. viel■ Aonle u.Prof. grat. ollf H. Dnaer, Oununiwaxenlalirii Berlin NW» Friedrichs traas« 91/92 Sanssouci� IS" Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: 1'l>e»tei--chl»«uck. Gastspiel d. Neuen Deutsch. Freien Volksbühne: itOf' Uraufführung"TJ Heimweh. Schauspiel in 4 Auszügen. Sonntag. Montag und Donnerstag: Ilottmanns ffordd. Sänger. Beg. Sonnt, ö.wochenl. 8 U. Krück-pollmonn empfiehlt seinLager in Bruch- dandagen, Leihhinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liescrant für Orts- und Hilss-Krankenlaffen. »oi-Ilu M.,« jetzt l,»t1ir-i»go>- 8ti-sv«z SO. 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Mindestens 80 Prozent ICurDverluste an den EffektenbSrsen für Neunzehntel von Werten. 100— 200 Prozent Preisstelgrcrun�eo für alle landwirtschaftlichen Produkte und Bodenerzeu�nlsse des In« und Auslandes sind die Polgen dieser Vorgänjfe. Auf diese natürlichen Verschiebungen und Veränderungr�n an den Internationalen Produkten- und Effektenbörsen, auf die Wirkungen dieser Veränderungen für das ganze Wirtschaftsleben, hat die von Kaufmann Michael Proestler in Würzburg verfasste, im Jahre 1905 herausgegebene Broschüre; Das WirtschaftHbild der �esrcawnrt n. der Zaknnft hingewiesen und durch eine graphische Zeichnung den Schablonen- massigen Verlauf vor Augen geführt. Wer aus diesen Vorgängen Nutzen ziehen, wer sich vor Ueber- rasetaungen schützen, wer sich vor Schaden bewahren will, verlange — umsonst und portofrei— Flugschriften und Prospekte. Die Broschüre selbst ist zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes tum Preise von Mk. 2.— für Ausgabe A. bestrichene Plättwäsche, d. h. Kragen, Manschetten etc., ist stets sauber. Purifin konserviert die Wäsche. PURIFIN-Vertriebs-Gesellschaft m. b. H. Berlin SW. 68, LInden-Strasse Nr. 16/17. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 9243. Ein Triumph!" CARUSO Zigaretten nur 3 Pfg. per Stück! Flechten. Zuckers Patent- Medizinal-Seife Teile Ihne» Mit, deh ich mit Ihrer„Zuckers Patent. Medizinal-8eif8"fchi; zufrieden bin. Ich litt fett Jahre« an Ausschlag und trockenen Flech» ten, habe manches Geld vasur ausgegeben, aber es blieb ohne Erfolg. Nach 14tägiger An» Wendung Ihrer Seife hatte ich schon ein ziemlich reines Gesicht. Ich kann deshalb Ihre Seife nur empfehlen und werde Ihr ständiger Kunde sein. Rombach(Lothr.), 23., 5. 07. A. W. 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Im Namen des Königs I In der Privatklagesache des Gast» Wirts Karl Wiesenthal, geboren am S September 1871 zu Laiid§berg a.W.. Dissideut, in Berlin, Ackerstrahe 123, PrivatstägerS und Widerangcllagten. gegen den Metalldreher und Redakteur Otto Handle, geboren am 9. August 1873 zu Berlin, Dissident, in Pankow, Schulstr. 6, Angeklagten und Widcr- kläger, wegen Beleidigung, hat aus die von dem Angellagten gegen das Urtest des königl. Schöffengerichts in Berlin Mitte Abteilung 148 vom 28. Ollober 1908 emgelegte Berufung die 9. Strafkammer des königl. Land- gcrichts I in Berlin in der Sitzung vom 23. Januar 1909, an welcher teilgenommen haben; Landgerichts- rat Thienel als Vorsitzender, Land- gcrichtsrat Uwrich, Landrichter Schir» rner als beisitzende Richter, Referendar Schnurpel als GenchtSschreiber, jür Recht erkannt: Das angriochtene Urteil wird, so. weit es die Widerklage und die da- durch verursachten Kosten betrifft, ausgehoben. Der Widerangeklagte ist der öffcnt« lichen Beleidigung in zwei Fällen schuldig und wird dieserhalb zu fünfzig— 50— Mark Geldstrafe, im Unvermögenssalle für je fünf— 5— Marl ein Tag Gefängnis verurteilt. Im übrigen wird der Widerange- klagte steigespiochen. Von den Kosten der Widerklage trägt jede Partei ihre auhergcricht- lichen imd die gerichtlichen je zur Halste. Dem Widerstäger wird die Be- sugnis zugesprochen, die Verurteilung des Widerangellagten binnen vier Wochen nach Zustellung des rechts- kräftigen Urteils durch einmalige Ein- rückung in den.Vorwärts" aus Kosten des Widerangeklagten zu veröffent- lichen. Orts-Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleiite, Handelsleute und Apotheker zu Kerlin. Donnerstag, den LS. April ISVS. abends 8',, Uhr, in MeyerS Festsale», Sebasttanstr. 39: Ordentliche General-YersammliuiQ TageS. Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1908 und Bericht der Revisoren. 2. Bericht der StatutenänderungS- kommiffion. 3. DieReichSversichernngZ- ordnung.(Referent: Albert Sohn.) 4. AbänderungSanträge zum Dienst. vertrage und PenfionSreguIative der Kassenbeamten. Der Vorstaisd.[273/17 Jonas Stahl, R. Nürnberg, Borfitzender. Schriftführer. ein hervorragendes Werk über die Eutwittelungsgeschichte der Natur zu billigem Preise zu erwerben, bieten wir unseren Lesern mit dem Angebot von: Eine Entwlckelungsgeschichte deS Naturganzen in gemcinverständ- licher Fassung von Carn» Sterne. Siebente Auflage, herausgegeben von Wilhelm Btflsche. Zwei Bände mit zahlreichen Ab- blldungen und Tafel». Elegant gebunden mit Goldschnitt. Inhalt deS ersten BandeS: EntWickelung der Erde und des Kosmos, der Pflanzen und der wirbellosen Tiere.* Inhalt deS zweiten Bände»: EntWickelung der Wirbeltiere und deS Menschen. 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April, 8 Uhr abends, �»den die in der Annonce verzeichneten Versammlungen statt, welche sich mit den neuen Steucrvorlagen, der Reichsfinanz- reform und unserer Bcrfassungsnot beschäftigen. Wir erwarten, daß die Genossen und Genossinnen diese Beranftaltungru zahlreich besuchen und für regen Besuch agitieren. Der Aktions-Ausschutz. Partei-?ZngelegenKeiten. Zur Lokalliste. In Hennigsdorf steht uns das Afol„Waldschlößchen'(Jnh. Valentin) zu allen Wer- anstaltungen zur Verfügung. Auf Ersuchen der Parleigenossen von Mariendorf/z Uhr Mitgliederversammlung deS Wahlvereins bei Loecke, Alt-Stralau 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Buck über: Gemeindeangelegenheiten. 2. Bericht- erstattung von der Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. 8. Er- latzwahl zum Vorstand. 4. VeremSangelegenheiten. Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute Dienstag abend Vz3 Uhr, bei Weniger, Werderstr. 28, Generalversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Gemeindevertreter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. DiiigliedSbuch legitimiert. Der Vorstand. Mariendorf. Heute Dienstag Mitgliederversammlung bei gierock, Kurfürstenstraße 44. Genosse Ritter spricht über „Jnnungswesen und Schiedsgerichte'. Der Vorstand. Karlshorst. Da in Ober-Schvneweide keine Protestversammlung stattfindet, so ersuchen wir die Parteigenossen, die Versammlung in Berlin oder Lichtenberg zu besuchen. Der Vorstand. Friedrichsfelde. Hmte Dienstag, abends pünktlich 3>/„ Uhr: Mitgliederversammlung bei BauSdorf, Berliner Straße 18. Genosse K a y s e r spricht über: Blockpolitik und Reichsfinanz- reform. Die eingezogenen Mitgliedsbücher gelangen in der Ver- sammlung zur Ausgabe. Der Leseabend der Frauen findet acht Tage später, am Dienstag, den 27. d. MtS. statt. Der Vorstand. Königs-Wustcrhausen und Umgegend. Den Parteigenossen zur Kenntnisnahme, daß die am Mittwoch, den 21. April, geplante Wahlvereinsversammlung Umstände halber nicht stattfindet. Der Borstand. Reinickendorf-Ost. Morgen Mittwochabend findet von 7 Uhr ab von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Nieder-Schönhausen-Nordend. Heute, Dienstag, abends S'/2 Uhr findet in Stephans„Lindcngarten", Lindenstraße 43, eine Volks- Versammlung statt. Thema:„Bilder aus dem Reichstag'. Referent Reichstagsabgeordnetcr Karl Legien. Der Vorstand. Potsdam. Mittwoch, den 21. April, abends 8 Uhr: Zahl- abend. 1. Bezirk bei Wegener, Am Alten Markt, Ecke Kaiserstraße. 2. Bezirk bei Witwe Glaser, Kaiser- Wilhelm« Straße und 3. Bezirk bei Lindemann(Biktoriagarten). Berliner JVaebnehten» Die Aufwartefrau. „Aufwartefrau, junge, sehr saubere,'/z7 bis'/,3 verlangt. Frühstück. 25 Mark." Solche und ähnliche Annoncen findet man täglich in den Hungerspalten der bürgerlichen Presse. Die vorstehende, dem„Lokal- Anzeiger" entnommene ist ganz besonders charakteristisch, weil sie zeigt, welche Anforderungen an die Knochen des darbenden Volkes gestellt werden. Was versteht man landläufig unter einer Aufwärterin? Ein verheiratetes, verwitwetes oder chcverlassenes„Mädchen für alles", das für bestimmte Tageszeit und mit dem Recht jederzeifigen Hinauswerfens engagiert wird. Natürlich mit minimalem Lohn. Obiges Inserat stellt keineswegs eine Ausnahme von der Regel dar. Man denke: ganze 25 Mark Lohn für täglich acht Arbeitsstunden oder monatlich 240 Stunden, das macht pro Stunde noch nicht 11 Pfennig, für einen Erwachsenen l Jedes Dienstmädchen, selbst das jüngste und unerfahrenste, ist doppelt und dreimal besser gestellt, denn es erhält für nicht allzu viel mehr Arbeit fast denselben Lohn und obendrein Nachtlager sowie volle Be- köstigung. Hier aber soll die Aufwartefrau, die nur ein frugales Frühstück erhält, das heißt ein paar Schmalzstullen und einen Topf Kaffee, von den 25 M. fast ihren gesamten Lebensunterhalt im Monat einschließlich der Wohnungsmiete bestreiten. Das setzt eine Bedürfnislosigkeit voraus, die dem Arbeitgeber, also der engagierenden Hausdame, allerdings selbstverständlich erscheinen mag. Es niuß nial rundheraus gesagt werden, daß gerade in bezug auf die Aufwartefrauen eine nicht zu billigende Aus- beutungspraxis immer mehr Platz gegriffen hat. Wenn nach {dem Sprichwort jede Arbeit ihres Lohnes wert sein soll, so müssen auch die Aufwartefrauen so bezahlt werden, daß sie ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein führen können und nicht von Abfällen zu leben brauchen. In vielen Fällen wird damit gerechnet, daß die betreffenden Personen wegen ihres Alters, wegen Kränklichkeit oder wegen sonstiger besonderer Verhältnisse eine feste, bessere Stellung nicht mehr finden können. Deshalb sind sie gut genug, um ihnen ein Butterbrot zu bieten. Von der bejahrten, kränklichen Aufwartefrau verlangt man oft Leistungen, die zu dem geringen Lohn nicht entfernt im richtigen Verhältnis stehen. Tatsächlich ist die Aufwartefrau in vielen Fällen noch weit mehr als„Mädchen für alles", denn es werden ihr Verrichtungen zugemutet, für die sich das moderne, womöglich organisierte Dienstmädchen unter keinen Um- ständen hergibt. Außerdem ist es mit dem Engagement auf Zeit so eine kritische Sache. Drei, fünf oder noch mehr Stunden soll die Aufwartefrau arbeiten, aber sehr häufig wird diese Zeit gewohnheitsmäßig und absichtlich über- schritten, ohne daß dafür eine Nachbezahlung erfolgt. Die Aufwärterin muß sich das einfach gefallen lassen, wenn ihr nicht der Stuhl vor die Türe gesetzt werden soll. Und die meisten Aufwartefrauen nehmen geduldig diese nicht aus- gemachte Mehrarbeit auch noch aufs Kreuz, weil die Kon- kurrenz auf diesem häuslichen Arbeitsgebiete ganz kolossal ist. Ein wunder Punkt ist ferner, daß fast alle die sozialen Einrichtungen, die neuerdings für das Personal dienenden Standes geschaffen worden sind, auf die Aufwartefrau keine Anwendung finden. So unterliegen sie zwar der Invaliden- Versicherung, von der sie im günstigsten Falle einen kaum nennenswerten Vorteil haben, aber nicht der Kranken- Versicherung und sind dabei doch in sehr hohem Grade der Gefahr ausgesetzt, durch ihre Arbeit krank zu werden, ohne irgendwelchen anderen Anspruch als denjenigen auf Armenunterstützung. So lange der Gesetzgeber nicht die Pflicht fühlt, auch für diese sozialen Mißstände angemessen ein- zutreten, muß die sozialreformatorische Presse ihre Stimme erheben und jeden Spezialfall, der eine besonders krasse Aus- beutung der Arbeitskraft zeigt, gebührend festnageln. Wir sind dabei der Ueberzeugung. daß dieses Ausbeutungssystem in Wirklichkeit noch weit empfindlicher ist, als es gelegentlich durch Zeitungsinserate zum Ausdruck kommt. Ein Kind in Pflege zu geben. In größeren und auch kleineren Zeitungen begegnen wir oft der Anzeige, daß eine bestimmte Person, die nicht bekannt werden will, gegen Zahlung einer größeren Summe ein Kind in Pflege geben will und daß Reflektanten sich unter Chiffre So und So melden möchten. In den meisten Fällen verbirgt sich hinter diesen Anzeigen ein großangelegter Schwindel. Vor einigen Jahren hat bereits die hiesige Kriminalpolizei fest- gestellt, daß ein besonderes Bureau in London besteht, das derartige Inserate in deutschen Zeitungen aufgibt lediglich zu dem Zwecke, sich durch sogenannte Auskunftsgebühren eine Nicht geringe Einnahme zu verschaffen; im Anschluß an diese Feststellung erließ die Berliner Polizei eine Warnung, auf diese Anzeigen hineinzufallen. Trotzdem wird dieser Jnseratenschwindel munter fortgesetzt. Uns liegt heute eine Antwort des„Internationalen Privat- Detektive- und Vermittelungs-Bureaus" Leo Roche u. Dargo, London vor, auf eine Bewerbung um eine solche Pflegestelle aus Grund eines in einem Spandauer Blatte erlassenen Inserates. Es ist die alte Geschichte. Dem Bewerber oder der Bewerberin wird erzählt, daß für das in Pflege zu gebende -oder auch als eigen anzunehmende Kind 8000 M. gezahlt werden sollen, das Kind wird durch eine zuverlässige Frau gebracht werden und anderes mehr. Dann kommt der Pferde- fuß:„Es ist Wunsch der Mutter, daß wir eine Auskunft über Sie einholen, welche streng diskret ist. Die Kosten dafür be- tragen 5 Mark, welche Sie selbst tragen sollen und uns den Betrag einsenden wollen." Nun wird sich jeder Mensch sagen, wer ein Kind in Pflege geben und 80CX) M. zahlen will, der besorgt sich selber auf eigene Kosten eine Auskunft. Das scheint auch das Vermittelungsbureau zu ahnen, denn es schreibt: „Sie werden sich wundern, daß Sie die Kosten der Auskunft selbst tragen sollen, wir können aber nichts dazu tun, denn die Mutter ist der festen Meinung, wer keine schlechte Aus- kunft zu befürchten hat und dem es ernstlich um das Kind zu tun ist, der wird sich nicht weigern, die gewünschten 5 Mark für Auskunst zu zahlen." Aus diesen letzten Zeilen geht deutlich hervor, daß es dem Bureau nur um die Auskunfts- gebühren zu tun ist. Wer sich vor Schaden bewahren will, behalte seine 5 Mark._ Die Zahl der Stadtverordnete« in den preußischen Städten. Ueber die Zahl der Stadtverordneten in den größten deutschen Städten hat der Charlottenburger Magistrat eine interessante Zusammenstellung gemacht. Die meisten hat natürlich Berlin mit 144. Es folgt die zweitgrößte Stadt Breslau mit 102. Dann kommen Charlottenburg, Magdeburg, Stettin und Rix- dorf mit je 72, Duisburg und Halle mit je 66, Frankfurt a.M. 64, Danzig 63, Essen 57, Erfurt und Dortmund je 48, Köln 45, Düsseldorf, Elberfeld und Barmen je 36, Altona 34, Kiel 30. Die Zahlen stehen durchaus nicht immer im Verhältnis zu der Zahl der Einwohner. Wie Altona, Bochum, Köln, Düsseldorf, Frankfurt a. M. und Kiel will der Magistrat von Charlotten- bürg jetzt auch die Zahl der Stadtverordneten durch Ortsstatut auf 72 festlegen. Erst wenn die Stadt 400000 Einwohner zählt, soll sie auf 90 erhöht werden. Abschaffung der letzten Brirfbestellung. Die neunte Brief- bestellung in Berlin dürste als letzte in absehbarer Zeit wegfallen. Es bestätigt sich, daß die kaiserl. Oberpostdirektion aus Anlaß der Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses Erwägungen über diese Frage angestellt hat. Die letzte Bestellung findet jetzt planmäßig zwischen 7'/« und 8'/, Uhr statt, dehnt sich aber mitunter länger aus. Auf einigen Postämtern wird sie schon seit einiger Zeit nicht mehr aus- geführt. Von besonderem Interesse ist, daß die Aeltcsten der Kauf- mannschast die von ihnen seinerzeit in einer Zuschrift an die Ober- Postdirektion gegen die Maßnahme erhobenen Einwendungen nun- mehr fallen gelassen haben. Es ist anzunehmen, daß die Ober- postdirektion in absehbarer Zeit den Wegfall anordnen wird. Dem Vernehmen nach dürste aber dafür gesorgt werden, daß überall da. wo es notwendig erscheint, die Briefpost vom Zuge v 31 aus Hildesheim noch bei der achten, demnächst letzten Bestellung aus- getragen wird, was steilich einen etwas späteren Beginn dieser Be- stellung zur Folge haben müßte. Der Zug kommt jetzt S.öö auf dem Potsdamer Bahnhof an, soll aber vom 1. Mai an erst 6.00 dort eintreffen. Er ist besonders wichtig, da er den größerem Teil der Pariser Post bringt. Die erste Schul-Zahnklinil soll nach einem Beschluß des Berliner Magistrats am 1. Mai d. I. in der 72. Gemeindeschule, Branden- burgstraße 78/79, eröffnet werden. Die Einrichtung dieser Klinik übernimmt das Lokalkoniitee Groß-Berlin für Zahnpflege in den Schulen. Zahlreiche Waldbrände haben am Sonntag in der Umgegend stattgefunden. Mittags brannte u. a. eine Privatforst in der Nähe von Klein-Schulzendorf in großer Ausdehnung und um 2 Uhr nach- mittags das Gelände am Bahnhof Ludtvigsfelde an der Anhalter Eisenbahn. Die Entstehung des ersten Waldbrandes ist nicht er- mittelt; der zweite soll durch FunkenauSwurf des Eilzuges 162 cnt- standen sein, der um 1 Uhr Berlin verläßt. Die den Bahnhof Ludwigsfelde umgebenden Waldungen der Generalin von Eber- st e i n schwebten in Gefahr, so daß eine Menge Personen Hilfe leistetem Ein Brief aus dem Krankcnhause Moabit, der nicht an den Adressaten, einen Herrn M., gelangt war, ist lange gesucht worden, aber noch heute ist nicht festgestellt, wo er geblieben ist. Das Schreiben, das vom Krankenhausbureau ordnungsgemäß— so hat Herr M. die ihm dort auf seine Anfrage erteilte Auskunft verstanden— abgeschickt worden sein soll, war wichtig für ihn» weil es die Meldung von dem Ableben seiner in der Anstalt unter- gebrachten Gattin enthielt. M. versicherte uns, die Todesnachricht sei nicht bei ihm angekommen, sie solle aber auch an das Kranken- Hausbureau nicht zurückgelangt sein. Das erschien um so merk- würdiger, da der Brief— immer nach den im Krankenhausbureau abgegebenen Erklärungen— eine Rohrpostsendung gewesen sein soll. Als M. ohne Ahnung von dem bereits eingetretenen Tode seiner Gattin am Besuchstage in das Krankenhaus kam und zu seinem Schrecken das Bett mit einer anderen Kranken belegt fand, belehrte man ihn, Frau M. sei doch schon vor drei Tagen gestorben. Er nahm zunächst an, man habe es verbummelt, ihm die Nach- richt zuzusenden. Von falscher Adressierung konnte, so sagte er, sich, nicht die Rede sein, da er seine richtige Adresse angegeben und schriftlich hinterlassen hatte. Angesichts der Beteuerungen des Bureaupersonals, der Brief sei abgegangen, rieten wir Herrn M., auf dem Postamt 21(Turmstraße) anzufragen. Die Antwort lautete, der Verbleib des Briefes habe sich nicht fest- stellen lassen. Wir gaben Herrn M. dann den Rat, eine gleiche Anfrage an das Postamt 6(Marienstraße) zu richten, in dessen Bezirk er wohnte. Aber auch hier erhielt er die Auskunft, ein Rohrpostbrief mit seiner Adresse sei nicht durch die Hände deS Personals gegangen. Nach dem, was wir über die Behandlung von Rohrpostbriefen zu wissen glauben, möchten wir cS für unmöglich halten, daß ein solcher Brief spurlos verschwinden kann. Eher wird mancher die Frage, wo der Brief geblieben ist, dahin beantworten wollen, daß er wahrscheinlich im Krankenhause ge- blieben, d. h. gar nicht abgegangen sei. Wir selber haben keine Antwort auf diese Frage. Sollen wir Herrn M. nun raten, sich noch an die Direktion des Krankenhauses Moabit oder gar an die Deputation für die Krankenhäuser zu wenden? Sollen wir ihm das noch empfehlen, wenn wirklich das Bureaupersonal beteuert hat, die Todesnachricht sei ordnungsgemäß abgeschickt worden? Was kann dabei noch herauskommen? Ein Gewitter ging am Sonntagabend über Berlin und Vororte nieder. Der Sonntag' hatte uns warmes Frühlingswetter gebracht und Hunderttausende hinausgelockt in die freie Natur. Wer nicht rechtzeitig zurückkehrte, bekam einen ganz gewaltigen Nassauer. Der KirchhofSzaun. Die meisten älteren Berliner Kirchhöfe machen trotz der inneren Romantik einen recht häßlichen äußeren Eindruck durch ihre mehr als nüchterne Umfricdigung. Die ältere Generation wird sich noch lebhast der verwitterten, oft windschiefen Bretterzäune am Oranienburger, Prenzlauer und Königstor, in der Gerichts- und Müllerstraße erinnern. Ist es im neuen Berlin besser geworden? Nur zum Teil. Einige Gemeinden haben ihre Kirchhöfe mit einer angemessenen, mitunter sogar recht hübschen Mauer umzogen, andere behalten aus Sparsamkeitsrücksichteu den Bretterzaun bei. Wohl das häßlichste Aussehen gewährt in dieser Beziehung der sonst so idyllische Zentralfriedhof in Friedrichsfelde. Auch hier ist der Zaun bereits stark verwittert. Aber nicht mal eine würdige Eingangspforte, die man doch sonst fast überall findet, ist vorhanden, lediglich eine zweiteilige Lattcntür. Die Synode hat bei der Anlage des Riesenkirchhofes in Stahnsdorf von vorn- herein für die Errichtung eines massiven, durchaus würdigen Ein- gangsportals Sorge getragen. Warum fühlt nicht auch Berlin die Verpflichtung, den städtischen Friedhof in Friedrichsfelde mit seinem Masscnverkehr in ähnlich würdiger Weise zu schmücken? Der Ein» wand, daß es zum größten Teil ja ein„Armenkirchhof" sei, wäre völlig verfehlt. Zudem liegen hier schon jetzt Taufende aus be- mittelteren Kreisen bestattet, die sich im Leben als Dissidenten de- kannten, und immer stärker wird der Zuspruch aus diesen Klassen. Erhebende Denkmäler, wie sie nicht jeder Kirchhof aufzuweisen hat. schmücken zahlreiche Gräber hervorragender Toten. Es wäre Zeit, daß sich das städtische Bcstattungskuratorium mit dieser Frage be- schäftigt. Im Anschluß an ein würdiges Portal, das diesem Kirchhof in etwas den Stempel der Armut nimmt, müßte auch wenigstens zunächst auf mehrere hundert Meter nach links eine massive Mauer hergestellt werden. Verfehlte Mietßspekulation. Im nördlichen Schönhauser Viertel steigerte vor anderthalb Jahren der Administrator eines vier- stöckigen Hauses fast sämtliche Mieter, obwohl in den letzten beiden Iahren die Berliner Hauswirte von solcher Spekulation auf die Mietertaschc fast durchweg die Finger gelassen haben. Damals blieben die Kündigungen, da eS sich in der betreffenden Straße i-or- züglich wohnt, in mäßigen Grenzen. Dann ging das Grundstück ,n anderen Besitz über, und das erste, was der neue Hauswirt tat, war eine abermalige Steigerung sämtlicher Mieter. Aber er hatte verkehrt gerechnet. Die Mieter antworteten mit einer Massen- kündigung und waren über die neue Schröpfung so empört, daß sie sich durch keine Versprechungen zum Bleiben verlocken ließen. Die Geschüftsläden ist der brave Hauswirt noch mal glücklich los» geworden. Aber da sich'die Sache schnell in der Gegend herum- gesprochen hatte, steht seit dem 1. April der gesamte Seitenflügel und auch das halbe Vorderhaus leer. Der Hausagrarier hat jetzt den Schaden und braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wo bleibt die Asche der verbrannten Armen? Wie wir mehr- fach angedeutet haben, ist in nicht zu ferner Zeit eine gesetzliche Regelung der freiwilligen Feuerbestattung in Preußen zu er- warten. Damit würde für Kommunalbehörden die freiwillige Leichenverbrennung zu einer gewohnheitsmäßigen— soweit nämlich die„Bestattung" von sogenannten Armcnleichen in Betracht kommt. Die großen preußisckien Stadtverwaltungen werden sich nicht die günstige Gelegenheit entgehen lassen, die Bciseitcschaffung der Leichen unbemittelt Verstorbener noch billiger als bisher zu gc- stalten. Namentlich ist Berlin bereits entschlossen, im städtischen Verbrennungsofen an der Diestclmeher Straße massenweise ganze Leichen Erwachsener und Kinder einzuäschern, während hier bisher bloß amputiert'' Leichenteile und„versuchsweise" ab und zu auch völlig intakte Körper dem Feuer übergeben wurden. Es entsteht nun die Frage, ob und wie weit auch bei?trmcnleichen eine einiger- maßen würdige Beisetzung der Aschenreftc beabsichtigt ist. Wer daS ja selbst von städtischen Kirchhofsbcamten als nicht durchaus ein- wandstei bezeichnete geltende System des förmlichen VcrscharrenS von Armenleichen genau kennt, wird sich nicht des Gefühls erwehren können, daß die Stadtverwaltung nicht so leicht dafür zu haben ?fl, etwa auf dem städtischen Zentralfriedhof in Friedrichsfelde einen „Urnenhain" anzulegen. Man muß dabei zweierlei unterscheiden, die Verbrennung unbekannter oder ohne Angehörige verstorbener armer Personen und die Bestattung solcher Armen, deren Ange- chörige sich melden, aber die Beerdigungskosten aus eigenen Mitteln nicht bestreiten können. Mit der ersteren Kategorie macht die Be- Hörde schon heute, was sie will. Solche Körper haben auch bei der bisherigen Ganzverbrennung als Versuchskarnickel gedient. Die Beisetzung der übrigen Armenleichen ist an bestimmte Vorschriften gebunden, was freilich nicht ausschließt, daß sehr häufig, nament- lich wenn die noch vorhandenen Angehörigen dem Bestattungsakte nicht beiwohnen, der letztere tatsächlich einem Verscharren gleich- kommt. Sind nun Angehörige vorhanden, wird aber die Ver- brennung angeordnet, so fragt es sich, ob für die Angehörigen ein Borrecht auf die zurückbleibende Asche und auf die würdige Bei- setzung derselben auf dem Gemeindefriedhofe besteht. Hier haben wir bekanntlich bereits eine Urnenhalle, die aber nur für ziemlich bemittelt gewesene Verstorbene bestimmt ist. Das Ruheplätzchen in dieser Urnenhalle, die nur noch wenig verfügbaren Raum auf- weilt, ist sogar recht kostspielig. Eine Halle für..Armenurnen", deren Zahl wohl sehr bald in die Tausende gehen würde, wäre verfehlt. Die Gleichmäßigkeit und Armseligkeit der„natürlich" nur mit einer Nummer näher bezeichneten Urne müßte nicht weniger als würdevoll wirken und würde zudem den traurigen Eindruck der Massenarmut, den der Gemeindefriedhof schon jetzt bietet, nur noch verstärken. Im Stadtparlament wird ja noch manches Wort in der Angelegenheit gesprochen werden. Auf keinen Fall darf zugegeben werden, daß verbrannte Armenleichen, zu denen noch Angehörige vorhanden sind, bis auf den letzten Rest ver- schwinden. Aufsehen erregt bei den Insassen des städtischen Familienobdachs in der Fröbelstraße die Unterbringung eines Soldaten, der bei den Franzern in der Blücherstraße gedient hat. Der junge Mann lag mehrere Wochen in der Charitü und wurde dieser Tage von dort in voller Uniform nach dem Obdach übergeführt. Man wundert sich allgemeiir, da doch für kranke Soldaten das Garnisonlazarett vor- banden ist. Das Untersuchungsverfahrrn wegen Erpressung, das schon seit längerer Zeit gegen den Redakteur Hermann Dahsel und seine Rechercheurin Frau Schubarth schwebt, beschäftigt noch immer die Untersuchungsbehörden. Die Anträge der Beschuldigten auf Entlassung aus der Untersuchungshaft sind bisher abgelehnt worden. Die Ermittelungen fördern immer noch neues Material zutage, das geprüft werden muß. Der Abschluß der Vorunter- suchung ist deshalb einstweilen noch nicht zu erwarten. Be- lastungsmaterial, das für gemeinsame Erpressungen spricht, liefert unter anderem ein gräfliches Ehepaar. In bezug auf dieses erschien zuerst in der„Wahrheit" eine Notiz, die nur Ein- geweihten verständlich war, nur Leuten, die die Gräfin als bürgerliches Mädchen gekannt hatten. Dieser Notiz folgten Briefe an das Ehepaar, das darauf große Summen opferte, um weitere Veröffentlichungen zu verhindern, weil ihm mitgeteilt wurde, der Redaktionstisch sei mit Material überflutet, von dem unter Umständen Gebrauch gemacht werden könnts. Auch ein Wein- Händler aus der Provinz ist von Dahsel ausgebeutet worden. Der Mann unterhielt ein Liebesverhältnis mit einem Fräulein v. D., das zugleich zu einem jüngeren studierten Manne in Be- Ziehungen stand. Als diese gelöst wurden, erschoß sich der junge Mann. Dieses traurige Ereignis benutzte Dahsel zu Erpressungen an dem Weinhändler, obwohl er mit dem Selbstmord nichts zu tun hat. Auch andere Sachen ziehen den Abschluß der Vor- Untersuchung immer noch hinaus. Ein unverbesserlicher Heiratsschwindler ist der frühere HauS- diener und Arbeiter Artur Kersten, ein junger Mann von 25 Jahren. Am 1. d. Mts. nach einer längeren Strafe aus dem Gefängnis entlassen, hatte er schon am 3. wieder eine neue Braut und gm nächsten Tage deren Ersparnisse von 380 M. und ihre goldene Uhr, Kette, Ringe usw. Kaum auf freiem Fuße, spielte der Schwindler wieder' den Eisenbahnbeamten, setzte sich eine Dienstmütze auf und machte seine neue Braut dadurch sicher, daß er sie nach mehreren Bahnhöfen führte und dort die Beamten kollegialisch grüßte. Sobald sie sein Eheversprechen hatte, über» gab ihm die etwas überheiratslustige Braut ihre 380 M. zur Anschaffung von Möbeln und ihre Schmucksachen zur Prüfung auf ihren Wert. Jetzt ließ sich der Bräutigam nicht mehr sehen. Er verjubelte das Geld, versetzte die Schmucksachen und verkaufte auch noch die Pfandscheine. Vorgestern erwischte die Kriminal» Polizei den Schwindler in der Alten Jakobstraße und brachte ihn wieder nach dem Untersuchungsgefängnis. Es gibt doch zu vertrauensselige Menschen, die Schwindlern ihr Handwerk sehr erleichtern. Sechs Personen bei einem Sttaßenbahnzusammenstoß verunglückt. Auf dem Baltenplatz im Osten Berlin» kam es gestern mittag gegen 12 Uhr zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen zwei Straßen- bahnwagen der Linien 65 und 67. Die Kollision entstand dadurch. daß von dem Motorwagen der Linie 6ö die Bremse versagte. Durch den starken Anprall wurde der Wagen der Linie 67 vollständig um- geworfen. Die Fahrgäste flogen bunt durcheinander. ES meldeten sich sechs Personen als verletzt. Alle sechs Verunglückten fanden auf der Unfallstation in der Warschauerstraße die erste Hilfe. Hier erschienen bald zwei Rettungswagen der Großen Berliner Straßenbahn mit Arbeits- kolonnen. Auch die Feuerwehr ttas mit dem Löschzuge aus der Memeler Straße ein, um sich an den Aufräumungsarbeiten zu be- teiligen. Auf die Meldung„Menschenleben in Gefahr" war auch Branddirektor Reichel herbeigeeilt. Der umgestoßene Straßenbahn- wagen wurde aus den Gleisen gehoben und bis an die Bordschwelle geschoben, um eine längere Verkehrsstockung zu vermeiden. Ein Familiendrama wird aus Moabit gemeldet. Dort hat in der Bredowstraße 30 die 22 Jahre alte, aus Rothenhof in Bayern gebürtige Schriftsetzersfrau Juüa Seibt geb. Klein ihren zwei Jahre alten Sohn Paul, ihre ein Jahr alte Tochter Katharina und sich selbst mit Lysol vergiftet. Alle drei sind tot. Das Ehepaar Seibt war seit vier Jahren ver- heiratet und hatte in der Bredowstraße 80 eine kleine Wohnung im zweiten Stock des Seitenflügels inne. Am 3. Januar 1907 wurde das erste und am 17. März v. I. das zweite Kind geboren. Die Ehe war ftiedlich. Der jungen Frau bemächtigte sich Heimweh. wiederholt bat sie ihren Mann, nach der Heimat überzusiedeln, ein Verlangen, das im Hinblick auf die Existenz nicht gut erfüllt werden konnte. Schließlich muß diese Stimmung in Schwermut umgeschlagen sein. Als Seibt am Sonnabendabend von der Arbeit heimkehrte, fand er seine Frau mit den Kindern regungslos auf dem Bette liegen. In ihrem rechten Arme hielt sie den 5knaben, im linken das Mädchen. Die Kinder waren tot. während die Mutter noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der Mann rief um Hilfe und bald waren zwei Aerzte aus der Nachbarschaft da. Sie konnten aber nur noch den Tod der beiden Kinder feststellen und auch die Mutter starb ihnen bald unter den Händen. Auf dem Tische lag ein Zettel, aus dem Frau Seibt ihrem Manne Lebewohl sagte. Er, fügte sie hinzu, ihre Kinder und seine Eltern liebten sie nicht. Kein Mensch liebe sie. Nach Fest- stellung einer Lysolvergiftung und Aufnahme des Tatbestandes ließ die Revierpolizei die Leichen nach dem Schauhanse bringen. Ein schwerer Straßenbnhnunfall ereignete sich Sonntag in der zweiten Nachmittagsstunde an der Potsdamer Brücke. Als dort der 35 Jahre alte Möbelsabrikant Bruno Staub aus der Michaellirch- straße einem Straßenbahnwagen ausweichen wollte, übersah er einen anderen, der aus der entgegengesetzten Richtung kam, wurde von einem Anhänger gefaßt und ein Stück Weges mngeschleist. Der Ver- unglückte, dem die Kleider am Leibe zerfetzt wurden, mußte von einem Schutzmann nach einem Krankenhause gebracht werden. Er hat innere und äußere Verletzungen erlitten, insbesondere Rücken- quetschungen. Durch ein durchgegangenes Automobil getötet wurde am Sonn- tag der achtjährige Ernst Forstmann, Sohn des Zigarrenhändlers F.. Kurfürstendamm 225. Vor dem Hause hielt ein Privatautomobil, dessen Führer abgestiegen war, um die Motorkurbel anzudrehen. Sofort sammelte sich eine Schar von Kindern an, die das Automobil neugierig umstanden und dem Chauffeur zusahen. Dieser hatte kaum die Kurbel berührt, als sich plötzlich der Kraftwagen in Bewegung setzte. Der Chauffeur sprang schnell zur Seite und schwang sich auf den Wagen, um ihn anzuhalten. Bevor ihm aber das gelang, war schon der kleine Forstmann von dem Automobil erfaßt und nieder- gerissen worden. DaS linke Vorderrad des Gefährts ging dem Knaben über den Kopf hinweg und zerschmetterte dem Jungen den Schädel. Der Verunglückte wurde nach der nahen Unfallstation am Zoologischen Garten und von dort nach dem Elisabeth-Krankenhause übergeführt, wo er bald darauf den schweren Verletzungen exlag. Ob den Chauffeur an dem Unfall eine Schuld trifft, weil er vor dem Absteigen unterlassen hatte, den Hebel abzustellen, muß die ein- geleitete Untersuchung ergeben. Zu der Tragödie zweier Schwestern, über die uns aus der Pappel-Allee berichtet wurde, geben die Ehemänner Sankowski und Möhring, deren Frauen sich mit Lysol vergifteten, und auch andere Leute eine Darstellung der Ursachen, die das Unglück in einem anderen Lichte erscheinen läßt. Sie bestreiten jede Un- treue und führen alles auf die Nervosität der beiden Schwestern zürück. Daraus sei auch der häusliche Unfriede entstanden, der zur Trennung geführt habe. Zwei junge Mädchen in Flammen. In den Räumen des japanischen Nipponklubs, Schöneberger Ufer 10, hat sich in der Nacht zum Sonntag eine bedauerliche Brandkatastrophe zugettagen. Die beiden 21 und 23 Jahre alten Schwestern Auguste und Helene Günther, die in dem Klub angestellt waren, kehrten gegen Mitter- nacht heim und wollten nun die zahlreich in der Küche auftretenden Schwaben durch Ausbrennen mit Spiritus vernichten. Sie schütteten aus einer gefüllten Flasche Spiritus auf den Herd und stellten die Flasche in nächster Nähe nieder. Durch die sich bald entwickelnde Hitze wurde die Flasche zur Explosion gebracht und die Stichflammen trafen unglücklicherweise die beiden Schwestern. Im nächsten Augenblick brannten sie lichterloh. Auf die Hilferufe der jungen Mädchen eilten sofort mehrere im Klub an- wesende Japaner herbei und erstickten die Flammen durch Ueber- werfen von Tüchern. Die beiden Schwestern hatten aber inzwischen im Gesicht, am Kopfe und am ganzen Körper schwere Brandwunden davongetragen. Besonders übel war die jüngere G. zugerichtet worden. In Krankenwagen wurden die bedauernswerten Mädchen nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Ob sie mit dem Leben davonkommen werden, muß abgewartet werden. Durch Not und Hunger in de» Tod getrieben. Die Verzweiflungstat eines lebensmüden jungen Mädchens rief gestern nach- mittag am Halleschen Tor Aufsehen hervor. Die 18 Jahre alte Else PcterS hatte seit Wochen keine Stellung und vergeblich lief sie von einer Stelle zur anderen, um Arbeit zu bekommen. Die Aermste mußte schließlich Hunger leiden, und um ihrem traurigen Dasein ein Ende zu bereiten, sprang sie gestern am Halleschen Tor in den Landwehrkanal und erttank. Ferner wurde der 43jährige Schmied Rudolf Rohrbeck, Nogat- straße 15, durch Arbeitslosigkeit in den Tod getrieben. R. erhängte sich in seiner Wohnung. Der Schwester in den Tod gefolgt. Ein trauriges Ende hat gestern die Modistin Elise Raddatz, Nostizstraße 52, gefunden. Kürz- lich starb die Schwester der R. im Krankenhaus am Urban. Das junge Mädchen nahm sich dies derartig zu Herzen, daß es ebenfalls beschloß zu sterben. Gestern vergiftete sich die R. mit Morphium und verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhaus am Urban. Radrennen zu Steglitz, 18. April. Die am Ostersonntag des Regens wegen ausgefallenen Rennen konnten nunmehr bei gutem Wetter ausgefahren werden. Das Dauerrennen über 75 Kilometer(1000, 900, 800, 700 M.) wurde von S ch i p k e in 53 Minuten 13% Minuten vor Verbist<1820 Meter), Demke (5000 Meter) und Contenet(13500 Meter zurück) gewonnen. Schipke, der gleichmäßig fuhr, hatte ttotzdem den Sieg einem Motordefekt von Verbist zu verdanken, denn bis zum 43. Kilometer lag dieser an der Spitze. Der Franzose Contenet, der anfangs sehr gut fuhr. hatte schon beim 27. Kilometer unter Motorschaden zu leiden; er blieb weit zurück und kam nicht mehr in Betracht. Dem Versagen Contenets hatte Demke seinen dritten Platz zuzuschreiben, den er mit 10 Runden Rückstand hinter Schipke einnahni.— In den drei Fliegerrennen konnte' der Münsteraner S ch ü r m a n n jedesmal den ersten Platz belegen; auch Br. Wegener hielt sich gut. er errang zwei zweite und einen dritten Platz. Die Ergebnisse sind folgende: Hauptfahren. 1000 Meter. 75, 50, 30, 20 M. Nach vier Vor- laufen 1. Schürmann. 2. Wegener, 3. Tetzlaff, 4. K. Müller.— Prämienfahren. 8000 Meter. 30, 20, 15, 10 M. 1. S ch ü r- mann. 2. Wegener, 3. Grothues, 4. Großmann. Prämien bei jeder Runde gewannen: Saldow(2), Großmann, Troma, Kendel- bacher.— Vorgabefahren. 3000 Meter. 50, 40, 30, 20 M. 1. Schürm ann(vom Mal), 2. K. Müller(60 Meter Vorgabe), 3. Wegener(Mal), 4. GrothueS(50 Meter Vorgabe). Radrennen in Treptow. Die kleine Bahn hatte sich für diesen Sonntag als Kassenmagneten Moran, den Sieger des Sechstage- Rennens im Zoo, verschrieben und das schöne FrühjahrSwetter tat ein übriges, um der Bahn den gewohnten Massenbesuch zu be- scheren. Aber der SechStagemann hat Pech; zu seiner Niederlage Ostern in Steglitz gesellte sich eine zweite. Im„Großen Früh- jahrs-PreiS" stellten sich Scheuermann, Przyrembel und Moran dem Starter. Elfterer hat bis zum fünften Kilometer die Spitze, dann fällt er von seinem Motor ab und hierdurch übernimmt Przyrembel die tührung, die er aber bald darauf an den Amerikaner abtreten mutz. >er Berliner, der zwei Runden eingebüßt hatte, holt diese gegen Moran auf und ist vom 39. Kilometer wieder Erster. Scheuerrnaiin scheint Letzter bleiben zu wollen, doch der Amerikaner„schwimmt" beim 50. Kilo- meter und fällt weit zurück, wodurch der Breslauer den zweiten Platz erobert. Eine ausgesetzte Prämie von 300 M. zur Ueber- bietung des Stundenrekords von Stellbrink, den dieser mit 74,310 Kilometer hält, kann der Sieger nicht erringen.— Die Fliegerrennen wiesen starke Felder auf und wurden gut bestritten. Resultate: Stundenren ilen(1500, 1200 und 1000 Mark). 1. H. Przyrembel, 72,100 Kilometer; 2. Scheuermann, 3700 Meter; 3. I. Moran. 6200 Meter zurück. Hauptfahren: 1. Kurzmeier, 2. L. Jacquelin, 3. Vogt, 4. Ganzevoort. Prämienfahren: 1. Vierck, 2. Schmittchen, 3. Trinks. Zehnkilometerfahren ohne Schrittmacher: 1. W. W ü l l e r, 2. Schmittchen, 3. Vierck. Der Deutsche Arbeitcr-Sängerbund(Gau Berlin) hielt am 18. April in der Brauerei Friedrichshain eine Ausschußsitzung ab. Gemeldet zur Aufnahme waren Gesangverein Eichwalde sowie„Frisch auf!"- Weißensee. Beide Vereine sollen zur nächsten Ausschußsitzung am 23. Mai geladen werden. Kupfer ersucht um rege Beteiligung, an der Maifeier und erinnert an den Beschluß bezüglich der 75 Prozent der Beteiligung, Schönthal gibt die Einteilung der Vereine zur Mai- feier bekannt. Hierbei beklagen Vertreter von Köpenick sowie von Wilmersdorf, daß ihre Vereine zur Mitwirkung an der Maiseier von der Partei abgelehnt worden sind. Der Vorstand wird sich näher mit der Angelegenheit befassen. Ein Antrag Branden- bürg, dem Vertreter so viel Stimmen zu gewähren als derselbe Vereine bezw. Mitglieder vertritt, wird abgelehnt. Dagegen ein zweiter Anttag, Inserate und Berichte des Bundes von den Ausschußfitzungen in der„Brandenburger Zeitung" zu veröffent- lichen, angenommen. Dem Verein„Vorwärts"-Nauen werden als einmalige Beihilfe monatlich 16 M. auf drei Monate überwiesen. Ein Protest.Sangeslust"-Grünau wegen Festlegung des Sänger- festes wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Ein Antrag des Vorstandes auf Herausgabe von Fragebogen bezüglich der Organisationszugehörigkeit der Mitglieder wird angenommen. Für ein ausscheidendes Vorstandsmitglied im Deutschen Arbeiter-Sänger« bund wird Sangesbruder Otto Müller, Verein„Morgengrauen", gewählt. Zum Sängerfest im Moabiter Schützenhaus werden folgende Lieder gesungen: 1. Krönt den Tag, 2. Und wieder hat die Mutter Erde, 3. Weihe des Gesanges. 4. Der Menschheit Erwachen. Zum Provinzial-Sängerfest in Fiirsteuwalde kommen folgende Lieder in Frage: 1. Festgesang. 2. Nicht verzagt. 3. Weihe des Gesanges. 4. Oh wie herbe ist das Scheiden. 5. Wanderschaft. 6. Sturm.. 7. Empor zum Licht. Die Vereine werden aufgefordert, diese Lieder zu üben. Der Tag der gemeinsamen Probe wird vom Vorstand be- kannt gegeben. Bereine, welche sich am Provinzial-Sängerfest in Fürstenwalde beteiligen, werden aufgefordert, umgehend an Gustav BarowSky. Lichtenberg, Gudrunstr. 5, zu berichten.— Kassenangelegenheiten sind an A. Seikrit, Rixdorf, Hobrechtstr. 8, alle anderen Angelegenheiten an Paul Kupfer, Berlin. Petersburger Str. 56, zu richten.— Nächste Ausschußsitzung am 23. Mai(siehe Inserat am 16. Mai)— Die Generalprobe zur Maifeier findet am 25. April, vormittags 10 Uhr, statt, in den Lokalen, in welchen die Vereine zur Maifeier singen. Ein Giraffenbaby im Zoologischen Garten. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist der Storch in unserem Zoo ein- gekehrt und hat dem Giraffenpaar ein kräftiges weibliches Baby beschert, das sich der stattlichen Größe von 1,82 Meter erfreut. Das reizende Tierchen sprang bereits eine halbe Stunde nach dxr Geburt munter umher und ist gesund und kräftig, so daß es wahr- scheinlich schon nächster Tage öffentlich gezeigt werden kann. Da die Alte wie bei den früheren Fällen augenscheinlich an Milch- Mangel leidet, wird das Tierchen wie seine älteren Gefchwister mit Kuhmilch aus der Flasche ernährt werden. Vorort-]Vacbnchten* Wilmersdorf. Die städtischen Volksbibliotheken in Wilmersdorf. Das Verhält- nis einer Gemeindeverwaltung zur Arbeiterschaft spiegelt sich nicht allein in sozialpolitischen Leistungen und Unterlassungen wider, sondern gibt sich auch auf mehr neutralen Gebieten, wie dem der Bildungsbestrebungen, zu erkennen. Ein Blick in das Bücherver- zeichnis der vier Volksbibliotheken, die die Stadt Wilmersdorf unter- hält, verschafft uns mit besonderer Deutlichkeit über die sozial- politische� Ver st ändnislosigkeit Aufschluß, die die reichste Stadt in Berlins Umgebung zu einer nicht gerade beneidenswerten Berühmtheit gemacht hat. In Berlin, Charlotten- bürg und wohl auch in allen anderen Orten, die kommunale Volks- biblwtheken eingerichtet haben, gilt es für selbstverständlich, daß man in der sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Literatur alle Richtungen zu Worte kommen läßt. Bebels„Frau" ist hier so gut zu haben wie eine konservative Streit- schrift, soweit sie in der Fachliteratur Bedeutung hat. Anders in Wilmersdorf. Wer nicht mit eigener Hand den Katalog der Bibliotheken dieses Ortes durchblättert hat, wird es nicht für möglich halten; aber es ist Tatsache, daß in keiner einzigen der vier Büchereien auch nur eine sozial- demokratische Schrift vorhanden ist. Von positischen Handbüchern sind hier z. B. vertreten das Agrarische Handbuch, das Handbuch des Bundes der Landwirte, das Konservative Handbuch und Eugen Richters Politisches ABC-Buch. Das Sozialdemokratische Reichstagshandbuch und die anderen parteiamtlich zu den Wahlen herausgegebenen sozialdemokratischen Handbücher fehlen. Man mag einwenden, daß der Bestand an sozialpolittschen Werken in den Wilmersdorfer Bibliotheken an sich nur klein sei. Aber diese AuSrede kann nicht gelten. wenn man sieht. wie trotzdem etliche gleichgülttge Schmöker die Schränke zieren, die sozialdemokratische Literatur aber auch nicht in einem einzigen Autor vorhanden ist. Selbst Sozialpolitiker, die der Sozialdemokratie in etlichen ihrer Schriften relativ unbefangen gegenüberstehen, scheint man hier nicht dulden zu wollen. Angesichts solcher Tatsachen ist kaum ein anderer Schluß möglich als der, daß man grundsätzlich in Wilmersdorf die Bevölkerung hindern will, sich über die Sozialdemokratie, die bedeutendste geistige Strömung der Welt, zu unterrichten. Wenn irgend ein auf die Wohlfahrtsplage erpichter Fabrikpascha in der für„seine" Arbeiter errichteten Bibliothek sich durch zielbewußten Ausschluß sozialdemokratischer Bücher geistige Scheuklappen anlegt. so geht man lächelnd über die Torheit hinweg. Etwas anderes ist es aber bei einer aus Gemeinde in itteln errichteten Volks« bibliothek, die ausdrücklich den Minderbemittelten dienen soll und zu deren Unterhalt sowohl die Steuergroschen der Arbeiter als die der Besitzenden verwandt werden. Wir haben uns hier ausschließlich mit der sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Literatur der Wilmersdorfer Volks- bibliotheken beschäftigt. Aber auch wenn man das Verzeichnis der verhältnismäßig reichhaltig vertretenen Unterhaltunas- literatur durchblättert, kommt man zu merkwürdigen Schlüssen. Ein Schriftsteller wie Robert Schweichel— allerdings auch ein Sozialdemokrat— ist hier mit keinem einzigen seiner Ro- mane vertreten. Um so reichhaltiger ist dafür aber eine gewisse Schundliteratur vertteten. Die Verantwortlichen Leiter dieser Bibliotheken, sollten sich allmählich darüber klar werden, daß der geistige Horizont der Arbeiter über den der Philister hinausragt und daß danach auch der Bücherbestand eingerichtet werden muß, wenn er der Masse der Bevöllcrung dienen soll. Mit der Wertzuwachssteuer hat sich der Grnndbefitzerverein H a I e n s e e bedingt einverstanden erklärt. Er faßte in seiner Sitzung vom 16. April die folgende Resolutton:„Der HauS- und Grundoesitzerverein Halensee und Umgegend erklärt sich im Prinzip mit der Emsührung der Wertzuwachssteuer einverstanden, verlangt aber die gleichzeittge Reform der Umsatzsteuer in der Art, daß statt der bisherigen rohen und ungerechten Umsatzsteuer, die keine Rück- ficht darauf nimmt, ob ein Gewinn«der Verlust erzielt wird, eine gerechte Besteuerung der bei Verkäufen erzielten Gewinne eingeführt wird."— Da auch andere bürgerliche Vereine sich endlich mehr oder minder mit der Wertzuwachssteuer befreundet haben, ist zu erwarten, daß der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung demnächst eine Vorlage zugehen läßt. Die Stadwerordnetcnversammlung hält nach einer Pause von vier Wochen am Mittwoch abend 6 Uhr in der Aula der Viktoria- Luise-Schule, UHIandstraße, eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Beschlußfassung über die Erklärung des Stadtv. Fritsche, die Niederlegung seines Mandats betreffend; verschiedene Petitionen, von denen wir die des Bundes für Mutterschutz um 3000 M. Beihilfe erwähnen; ferner Schulangelegenheiten, sowie die am Sonntag hier gekennzeichnete Aenderung des SteuerverteilungsplanS. Rixdorf. Den Tod durch Erschießen suchte in der gesttigen Nacht bei. 20 jährige Schornsteinfegergeselle Oskar Amberg. Weichselstraße 15. Vor einiger Zeit wanderten die Eltern des jungen Mannes nach Brasilien aus. A. soll wiederholt geäußert haben, daß er große Sehnsucht nach den Eltern habe. Gestern wurde er mit durch- schossener Brust tot aufgefunden. Tchöneberg. In der Generalversammlung der Zahlstelle Schöneberg de« Deutschen Holzarbeiterverbandes erstattete der Kassierer den Bericht vom ersten Quartal. Danach betrug die Bilanz der Hauptkasse 3307.27 M.. die der Lokalkasse 6210.89 M. An Arbeitslosen- Unterstützung wurde ausgezahlt: Hauptkasse 931,03 M.. Lokalkasse 1463,31 M., an Krankenunterstützung Hauptkasse 540,27 M., Lokalkasse 186,73 M. An Streik- und Gemaßregeltenunterstützung zahlte die Hauptkasse 75 M., die Lokalkasse 43 M. Die Zahlstelle weist einen MitguederSestand von 237 auf. Beschlossen wurde, die Extrabeiträge noch bis t. Mai zu erheben; bis zu diesem Termin sollen die Aus- gesteuerten Unterstützung erhalten. Der 1. Mai wird wieder durch Arbeitsruhe gefeiert; bei eventueller Aussperrung soll vom zweiten Tage an Gematzregeltenunterstützung gezahlt werden. Der Vor- sitzende gab unter anderem bekannt, daß bis auf die Firma Hirscher u. Konradsen, wo noch Verhandlungen schweben, in allen Betrieben die Slstündige Arbeitszeit eingeführt ist. Steglitz. In einem Anfall von Geistesstörung stürzte sich die Eheftau I., Alsenstr. ba. aus dem Fenster ihrer im vierten Stock belegenen Wohnung auf den Hof hinab. Die Unglückliche.blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Lichtenberg. Beim Spiele» überfahren wurde gestern mittag der zweijährige Knabe des in der Weserstraße wohnenden Handelsmannes Rothäuler. Der Kleine geriet unter einen vorbeifahrenden Bäckerwagen, wobei ihm beide Beine gequetscht wurden. In hoffnungslosem Zustande wurde das Kind nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Eichwalde. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich u. a. mit dem Protest, der vom.Ortsverein Eichwalde" gegen die Wahl der 3. Ab- teilung eingelegt war. In der Stichwahl siegte unser Genosse Allritz mit 5 Stimmen Mehrheit. Diese 5 Stimmen wurden auf Antrag unseres neuen Gemeindevorstehers Herrn Nährig unseren Gegnern zugezählt, wodurch Stimmengleichheit entstand und deshalb die Wahl für ungültig erklärt wurde. Zur Stichwahl hatten sich die Genossen notgedrungen ebenfalls mit Papierstimmen versehen. Davon waren vier bei der Hauptwahl mit Vollmacht zur engeren Wahl von unseren Gegnern abgegeben. Das Wahlbureau, in welchem unsere Genossen die Majorität hatten, wies die von beiden Parteien abgegebenen Stimmen zurück.— Die Genossen sehen nunmehr der schriftlichen Begründung der Gemeindevertretung mit Interesse entgegen.— Hier- auf beschäftigten sich die Gemeindevertreter mit der Anstellung von zwei Hilfslehrern. ES erhält die Volksschule mit ihren vier Lehr- kräften und 220 Kindern eine neue Lehrkraft. Die höhere Schule, in der zwei Lehrkräfte nur 32 Kinder zu unterrichten haben, erhält ebenfalls einen von den neuen Hilfslehrern. Köpenick. In der letzten Sitzung der Stadwerordncteuversammluiig wurde zunächst Herr O. Rühl zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Der Vorsteher macht des weiteren die Mitteilung, daß Herr Dr. Herr- mann das Amt eines Stadtrats zum 1. Juli d. I. niederlegt. In bezug auf die Volksbibliothek befürwortete der Magistrat die Ein- setzung einer gemischten Kommission, bestehend aus einem Magistrats- mitgliede als Vorsitzenden, drei Stadtverordneten und einem Bürger- deputierten. In der Begründung der Vorlage weist der Magistrat darauf hin. daß die Räume der Bibliothek zum 1. August d. I. fertiggestellt sein werden. Als Vertreter der Veriammlung wurden die Stadtvv. Streichan lF- V), Rohrbeck(Lib.) und Wißler(Soz.) gewählt. Zum Bürgerdeputierten bestimmte die Ver- sammlung den Lehrer Hämmerling. Auf den Genossen Levefre, welcher ebenfalls in Vorschlag gebracht war, entfielen IS Stimmen. Es folgt die Beratung des Etats des Elektrizitätswerkes. Als Reingewinn sind 100 000 M. gegen 108 662,66 M. im Vorjahre eingestellt. Die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung der Schulden belaufen sich auf 91 134,28 M. Die Ziffern sind nur als Voranschlag anzusehen. Stadtv. Nieke sSoz.) beantragte, die Gehaltssätze des Kassierers und des Ingenieurs, welche auf je 2700 M. erhöht sind, in der bisherigen Höhe von 2400 M. zu belassen. Zur Begründung weisen die Genossen Nieke und Woik darauf hin, daß, als die Arbeiter des Werkes in diesem Jahre eine Lohnausbessernng in Höhe von 2V Pf. pro Tag verlangten, dieses abschlägig beschieden wurde, mit der Begründung, das Werk könne eine derartige Mehrbelastung nicht ertragen. Hier werden fSr zwei Beamte 6003». gefordert, so daß man die Stellung der Verwaltungskommission und des Magistrats nicht gutheißen könne. Die Fraktion sei jederzeit bereit, für die Erhöhung der Ge- hälter einzutreten; in den Kreisen der Einwohnerschaft würde es aber nicht verstanden werden, daß für die Beamten etwas bewilligt wird, während die Arbeiter leer ausgehen. Stadtv. Noack(F. B.) fragt an, ob denn nicht auch hier eine Gehaltsskala für die Beantten maßgebend sei. Bürgermeister Dr. Langerhans er- klärt, daß bisher nur bei der Straßenbahn und der Gas- anstalt feste Gehaltssätze beständen; bei den anderen Werken treffe dieses nicht zu. Stadtv. Jakobi(Lib.) sowie Stadtrat Hentschel ersuchten um Ablehnung des Antrages Nieke. Stadtv. Dr. Schulz(F. V.) brachte einen Antrag ein, wonach der Magistrat ersucht wird, eine GehaltSskala für die Angestellten des ElektrizitätS- Werkes vorzulegen, und zwar rückwirkend ab 1. April, die Gehälter der beiden in Frage kommenden Beamten also wie bisher zu be- lassen. Dieser Antrag wurde angenommen; unsere Genossen hatten den ersten Antrag zurückgezogen. Pankow. In den gestern stattgefundenen Ersatzwahlen haben die Gegner mti 773 Stimmen über unsere beiden Kandidaten H i r s ch m e i e r und Brall, die 601 Stimmen auf sich vereinigten, gesiegt. Die Dclegiertenwahlen zur Generalversammlung der hiesigen Ortskrankenkasse finden für die Arbeiwehmer heute von öVg— 8 Uhr abends im Lokal von Roczhcki, Kreuzstr. 3/4 statt. Die Liste der Gewerkschaftskommission wird am Eingang des Lokals ausgegeben. Alle Gewerkschaftsmitglieder und Parteigenossen sind verpflichtet, zur Wahl zu erscheinen, soweit sie Mitglieder der Kasse sind. Die Gewerkschafts-Unterkommisfion. Borfigwalde-Wittenau. Einen recht empfindlichen Verlust erlitt ein in Wittenau wohnender schwerkranker Parteigenosse. Derselbe ließ durch seine Kinder das Krankengeld vom Kassierer aus Borsigwalde holen. Auf dem Wege zwischen Borsigwalde und Wittenau haben die Kinder das Porte- monnaie mit den 13,80 M. verloren. Der eventuelle Finder wird gebeten, das Geld entweder beim Genossen Alfred Ebert, Wittenau, Lübarser Straße 93, oder beim Genossen Karl Fubel, Borsigwalde, Räuschstraße S9, abzuliefern. Vermikbtes. Bei einer Bootsfahrt ertrunken. Nach einer Meldung auS Krummensee(Ostbahn) verunglückte bei einerBootsfahrt vorgestern nachmittag infolge Kenterns deS Fahrzeuges der 23 jährige Landwirtssohn Krause ans Wesow und die 13 jährige Gutsbesitzerstochter Ebel aus Krummensee tödlich. Drei weitere Insassen konnten gerettet werden. Exzesse beim Fnßballmasch. Wie aus Glasgow gemeldet wird, endete das Schlußspiel des vorgestrigen Fußballwettkampfes um den Pokal von Schottland mit einem Tumult, bei dem 60 000 Zuschauer das spielende Feld angriffen, die Goalpfosten ausrissen und die Eingangspforte und die Umzäunung der Billettschalter in Brand steckten. Ueber vierzig Personen, meist Schutzleute, wurden dabei verletzt und mußten ins Spital gebracht werden. Als die Feuerwehr den Brand zu löschen versuchte, zerschnitt die Menge die Schläuche und bewarf die Feuerwehrleute mit Steinen. Anrückende berittene Polizei wurde ebenfalls angegriffen, vermochte aber den Pavillon, in den, die Spieler sich aufhielten, vor der Menge zu schützen. Der Tumult war dadurch entstanden, daß die Fußball- spieler sich weigerten, in einem besonderen Gang ein unentschieden gebliebenes Spiel auSzuttagen. Erdveit» im Bogtlande. Nach einer Meldung aus Plauen i. V. erfolgte in der Gegend von Brambach gestem vormittag ein ziemlich heftiger Erdstoß. eingegangene Druckfchriftcn. Die Mainummer des„Tädd. Postillou«(Nr. 9) ist soeben zwölf Seiten stark erschienen. Das Titelbild bringt die Silhouette des aus einen Maßkrug reitenden Postillon, umgeben von Maiglöckchen. Das vierte Bild bringt ein Maien-Jdyll: Die Frciheitsgöttin mit ihrem Pflegesohn Industrie, umgeben von Junkern, Psassen und Polizei. Ferner enthält die Nummer noch vier ganzseitige Bilder: Schluß der Block-Bier-Saison I DaS Helden- Bülow-Denkmal von dem„dankbaren Volk", David und Goliath und Die Elite von Preußen-Deutschland. Aus dem textlichen Inhalt ist hervor- zuheben: Mai-Reveille(Leitgedicht), Maikätzchen(Aphorismen aus den 1. Mai), Idylle, Eine Maiseicr in der Kirche(Erzählung), ReichSftnanz- resorm. Was in der Welt vorgeht, Kapital und Arbeit, Maigedanken, Hier wird nichts gegeben, Luslltteg, Dernburgs Entsagung und viele andere kleinere Beiträge._„ Wie wir zu Bosnien kamen. Eine historische Studie von Dr. Aug. Fournier. 2 M. Wien und Leipzig, Christoph Reißers Söhne. Militärische Rechtsanschauungen im 20. Jahrhundert. Bo» Dr. A. Negrioli. 67 Seiten. I. C. Huber, Dießen vor Manchen. Reelams ttniversal-Bibliothek. Nr. 5071-74. Bücher der Naturwissenschaft von Pros. Dr. S. Günther. 3. Bd. II. Teil. Geb. 1,50 M. — 5075. Der KöuigSleutnant. Lustspiel von K. Gutzkow. Geb. 60 Ps. — 5076. Gedichte nnd Skizze» von Ch. Baudelaire. Geb. 60 Ps.— 5077. Bom kleine» Rudi. Bon B. Groller. Geb. 60 Ps.— 50ö8. Macbeth. Trauerspiel von W. Shakespeare.— 5079—80. Ausgewählte Novelle» von K. Gutzkow. Geb. 30 Ps. Einzelnummer geh. 20 Ps. PH. Reclam, Leipzig.,, � Liebe und ivas drum und dran. Von B. Beheim-Schwarzbach. 3 M., geb. 4 M. C. Wigand, Berlin-Leipzig. Die freistudentische Bewegung an den Hochschulen Deutschlands von Dr. A. Zoellner. 32 Seiten.— Zur Einführung in das akademische Leben vom Präsidium der Wtldenschast. 3. Ausgabe. Verlag sreistudenti- scher Schriften, Charlottenburg, Marchstr. 3. Noisinus. Das ist die Botschaft vom wahren Glauben. Von einem Welt- und Gottgclehrten. 1,50 M.— Die Religion der Modernen. Von P. Pflüger, Psarrer. 50 Pf. Th. Schröter(A. Bürdele), Leipzig und Zürich. „BundeS-Reform." Nr. 1. Zentralorgan für ReformbestreSung und freie Meinungsäußerung im D. R. B. Erscheint jeden Freitag. Viertclj. 1,25 M. Verlag:.Roland", Berlin V, gp. Karte von Eberswalde und Umgegend, Wehrbellin-S«, Kloster Chorin. 1 M. Jul. Straube, Berlin 8W. 13. Geschäftsbericht für die Zeit vom 1. Januar 1907 bis 31. Dezember 1903. Zcntralverband der Zimmerer. 160 Seiten. Auer u. Co., Hamburg. Politische Gewerbescha«. Hcjt 10. Herausgeber Dr. Müller-Sagau. 39 Pf. Erscheint jeden Sonntag. H. Müller, Berlin W. S. WasserstandS-Nachrichte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor f Krassen , Frankfurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs. stand am 13. um 7 Uhr morgens: 305 örn, — Fall.—») Unterpegel,—•) höchster Wasser« Dienstag» den 20. April 1909, abends 8 Uhr: Oefgentliehe politische ?artei-VersatnmIunnen I. Wahlkreis: Dräfels Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. 2. Wahlkreis: Bock-Brauerei, Am Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis: Gewerkschaftshans, Engelufer 15. 4. Wahlkreis: Urania, Wrangelstraße 9-10. Ketters Festsäle(Inhaber: Frey er), Koppenstraße 29. Elyfium, Landsberger Allee 40-41. 5. Wahlkreis: Schweizer-Garten, Am Königstor. 6, Wahlkreis: Prater-Theater, Kastanien-Allee 7-9. 6, Wahlkreis: Ballschmieders Festsäle, Badstraße 16. Pharus-Säle, Müllerstraße 149. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47-49. T eltow-Beeskow: Köpenick. Kaiserhof, Grünstraße. Schöneberg. Schloßbrauerei, Hauptstraße 122-124. kijcckertk. Hoppes Festsäle, Hermannstraße 48-49. Nieder-Barnim: Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 6. Reinickendorf- West. Gördes Waldschlößchen, Wan>str.b0M Rinnmeiehiirg. Ww. Weigel, Türrschmidtstraße 45. Tpendeu. Bohle, Havelstraße 20. Tages-Orönung: Diskussion. Neue Uolstslasten als Neichsstnanzreform. Referenten: Die Genossen Boeske, Borgmann, Oupont, Düwell, Ebert« Eichhorn« Richard Bischer, Grunwald, Kunert, Ledebour, Liepmann, Molkenbabr, Hermann Müller, Robert Schmidt« Stücklen, Wels, Wermuth und Zubell. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Wöhlertstraße S. Üüscre echten Blere»Int Dberdl zu haben. In Flaschen t 10 Pf. In Kannen o. Syphons Ltr. 35 Pf. NO. 18. Tel. VII, 1670, 2088, 3128. 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